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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Die selige Christina von Stommeln - -Author: Arnold Steffens - -Release Date: August 31, 2017 [EBook #55466] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SELIGE CHRISTINA VON STOMMELN *** - - - - -Produced by Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - +--------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Die nicht sehr häufigen typografischen und Fehler bei der | - | Zeichensetzung sind stillschweigend bereinigt. | - | | - | Die Markierung mit dem Sonderzeichen ($) zeigt den Fettdruck einer | - | Phrase an, das Einfassen mit Unterstrichen (_) die Verwendung | - | einer anderen Schriftart (Antiqua) im Original. | - | Die Markierung mit Gleichheitszeichen (=) zeigt eine "gesperrte" | - | Phrase im Original an. | - +--------------------------------------------------------------------+ - - - Abb. 1. Haupt der h. Christina von Stommeln. - - - - - Die selige Christina - von Stommeln. - - Von - Dr. Arnold Steffens, - Domkapitular. - - 1912. - - Druck und Kommissionsverlag der Fuldaer Actiendruckerei - in Fulda. - - - _Imprimatur_. - - _=Fuldae=, 29. Okt. 1912._ - - _Dr. =Arenhold=_, - _Vic. gen._ - - - - -Vorwort. - - -Die selige Christina von Stommeln, die vielgenannte und vielfach -verkannte hervorragendste Vertreterin des beschaulichen Lebens im -Cölner Erzbistum aus dem dreizehnten Jahrhundert, ist in letzter -Zeit infolge der seitens des h. apostolischen Stuhles erfolgten -Bestätigung ihrer unvordenklichen Verehrung Gegenstand besonderer -Aufmerksamkeit geworden. Die Nachfragen nach einer eingehenden -Darstellung ihres Lebens mehrten sich. Das im Jahre 1859 über -sie erschienene Buch von Pfarrer Theodor Wollersheim ist längst -im Buchhandel vergriffen. Eine Neuauflage desselben empfahl -sich nicht, weil es mehr eine Uebersetzung der Materialien zur -Geschichte Christinas ist, und zudem noch eine vielfach ungenaue und -irrtümliche, als eine durchgearbeitete Darstellung ihres Lebens. - -Da der Verfasser gegenwärtiger Arbeit im kirchlichen Prozeß -der Bestätigung der Verehrung Christinas als Antragsteller das -Beweismaterial beizubringen hatte und sich deshalb mit allem, was -auf die Dienerin Gottes Bezug hatte, vertraut machen mußte, wurde -er von verschiedenen Seiten ersucht, eine neue Darstellung ihres -Lebens zu bearbeiten, zumal am 6. November dieses Jahres die sechste -Jahrhundertfeier ihres Todes eintrifft. - -Die Aufgabe hat ihr Verlockendes, aber auch ihr Schwieriges. - -Verlockend ist sie, weil es sich darum handelt, eine innige, -gottliebende, durch das Feuer der Trübsale erprobte starkmütige -Frauengestalt der an Heiligen jederzeit fruchtbaren Cölner Kirche zu -schildern. - -Schwierig ist sie, weil Christina zu jenen zählt, die auf dem -Wege der innigsten Gottvereinigung, die ein Ausfluß der Gaben -des h. Geistes ist und gewöhnlich als mystische bezeichnet wird, -zur beseligenden Anschauung Gottes im himmlischen Vaterlande -geführt wurde. Solche Seelen aber sind regelmäßig durch Gottes -Zulassung Gegenstand außergewöhnlicher Anfechtungen und Quälereien -seitens der bösen Geister. Auch in Christinas Leben treten sie -in die Erscheinung, sind jedoch beschränkt auf die Bußzeiten des -Kirchenjahres und finden sich auch nur in den beiden mittleren -Jahrzehnten ihrer siebenzigjährigen Lebensdauer. Da alles Dämonische -stets seine dunklen Seiten hat, eine eingehende Nachprüfung der -vielgestaltigen, stets neuen Arten der angeblichen teuflischen -Quälereien, die über sechshundert Jahre zurückliegen, im Einzelnen -kaum möglich ist, auch ermüdend wirken würde, erschien es dem -Verfasser am zweckmäßigsten, Christina so zu schildern, wie sie sich -selbst gibt, und den Ideenkreis ihrer Zeit getreu wiederzugeben. -Einzelne der berichteten Vorgänge lassen sich freilich als -Krankheitserscheinungen erklären; allein die meisten haben mit -Krankheitserscheinungen nicht den mindesten Zusammenhang, sie -sind einfach körperliche Mißhandlungen, die von unsichtbarer Hand -ausgeführt wurden. - -Selbstverständlich bleibt es einem jeden überlassen, sich über diese -Vorgänge sein Urteil zu bilden. Die Verehrungswürdigkeit Christinas -hängt nicht davon ab, ob ihre Leiden natürlichen oder teuflischen -Ursprunges waren. Sie hat dieselben mit heldenmütiger Geduld -ertragen. Auch für solche, die geneigt sind, Christinas Leiden und -Anfechtungen auf natürliche Gründe zurückzuführen, gilt sie als eine -fromme und heilige Person. - -Quelle der Darstellung ist vor allem der handschriftliche Kodex des -Pfarrarchivs zu Jülich, der den Titel führt: _Legenda et passio -sancte christine virginis_.Er ist auf Pergament geschrieben, in Holz -und Leder gebunden und besteht aus drei Büchern. Das erste Buch -hat die Ueberschrift: _Incipit liber primus de virtutibus sponsae -Cristi Cristinae compilatus a fratre Petro de ordine predicatorum_. -Es zählte 39 Blätter, von denen jedoch 22 fehlen. Im Anschluß an -43 Hexameter handelt es von den Tugenden, die Christina besonders -zierten, ohne daß jedoch ihr Name genannt wird. Abgesehen von den -Hexametern ist dasselbe noch nicht veröffentlicht. Das zweite Buch -hat die Aufschrift: _Incipit liber secundus de vita benedicte -virginis Cristi Cristine_. Es zählt 55 Blätter. Dasselbe wurde -auf Kosten der schwedischen Staatsregierung in mustergültiger -Weise herausgegeben im Jahre 1896 durch Professor Johannes -Paulson in Gotenburg (Wettergren und Kerber). Das dritte Buch ist -überschrieben: _Incipit liber tertius de passionibus sepe benedicte -virginis cristi cristine, quem compilavit magister Johannes -capellanus virginis_. Es zählte gleichfalls 55 Blätter; die Zählung -schließt sich jedoch an die des zweiten Buches an. Das vorletzte -Blatt fehlt. Es ist veröffentlicht bei den Bollandisten unter dem -22. Juni, und auch Professor Paulson hat im Appendix seiner Schrift: -_In tertiam partem libri Juliacensis annotationes_, Blatt 66-72 und -110 aus demselben abgedruckt. Verfaßt ist der Kodex zur Zeit, als -Christina und Petrus noch lebten, also noch vor 1288. Der Kodex, wie -er jetzt ist, wurde zusammengestellt und geschrieben um das Jahr -1340, wahrscheinlich auf Veranlassung des Grafen Dietrich von Cleve. - -Das dritte Buch enthält ausgesprochenermaßen Berichte über Vorgänge -visionärer Natur und kommt daher für die Geschichte wenig in -Betracht. - -Die bei den Bollandisten unter dem 22. Juni abgedruckte _Vita -anonyma_ ist eine bald nach Christinas Tode aus dem im Jülicher -Kodex vorhandenen Material zusammengestellte Lebensbeschreibung -Christinas, die wohl zur Einleitung ihrer Heiligsprechung dienen -sollte. Sie kommt nebst einer Nachschrift zum zweiten Buch der -Jülicher Handschrift in Betracht für das Lebensende Christinas und -den Beginn ihrer kirchlichen Verehrung. - -Unsere Darstellung fußt, was Christinas Leben anbelangt, im -Wesentlichen auf dem zweiten Buch der Jülicher Handschrift, das -Petrus von Dazien als Augenzeuge der Vorgänge geschrieben und sein -Landsmann, Professor Johannes Paulson im Jahre 1896 herausgegeben -hat. - -Petrus von Dazien war ein gewissenhafter Schriftsteller, der -außerordentlich sorgfältig arbeitete. Die ungemein zahlreichen, -in dem Buch vorkommenden Orts- und Zeitangaben, desgleichen die -Angaben über Persönlichkeiten und Zeitverhältnisse, überhaupt alle -Angaben, die eben nachgeprüft werden können, erweisen sich als -zutreffend, sodaß kein Grund, Dingen, die sich der Nachprüfung -entziehen, die Glaubwürdigkeit abzusprechen. Er berichtet getreulich -und umständlich, was er gesehen und gehört. Ob er die Natur der -außergewöhnlichen Vorgänge im Leben Christinas richtig erfaßt und -beurteilt hat, bleibt dahingestellt. Man tut ihm jedoch Unrecht, -wenn man sagt, er habe alles Außergewöhnliche gleich für Teufelswerk -gehalten. Im Gegenteil forschte er mitunter nach, ob nicht äußere -Ursachen, etwa mutwillige Menschen, die Vorgänge bewirkt hätten. Daß -auch innere Ursachen im Spiel sein konnten und einzelne Vorgänge als -Krankheitserscheinungen sich deuten lassen, scheint ihm freilich -nicht in den Sinn gekommen zu sein, weil eben Christina nicht -krankhaft veranlagt war. - -=Der Verfasser dieser Schrift hat seinen persönlichen Anschauungen -rückhaltlos Ausdruck gegeben. Er will aber dadurch andere nicht -verpflichten und unterwirft dieselben ebenso rückhaltlos dem Urteile -der Kirche.= - - =Cöln=, den 24. Juli 1912. - - $Dr. Arnold Steffens.$ - - - - -Literatur. - - -I. =Vollständige Bücher.= - - 1. _Petri de Dacia vita Christinae Stumbelensis. Johannes - Paulson, Gotoburgi 1896. Fasc. II secundum de vita Christinae - librum continens._ - - 2. _In tertiam partem libri Juliacensis annotationes._ Johannes - Paulson, Göteburg 1896. - - 3. _Jülicher-handskriften till Petrus de Dacia._ Johannes - Paulson, Göteburg 1894. - - 4. _Lilium inter spinas_ (deutsch geschrieben). Kaspar Peter - Lull, Cöln 1689. - - 5. Leben und Leiden der sogenannten wunderbarlichen Christinae - von Stommeln im Herzogtum Jülich, Prediger Ordens der dritten - Regel des h. Dominici, durch einen Prediger des Prediger - Ordens. _F. L. F. O. P._ Cöln. 2. Aufl. 1744. - - 6. Das Leben der ekstatischen und stigmatischen Jungfrau - Christina von Stommeln. Theodor Wollersheim, Köln 1859. - - -II. =Ausführliche Abhandlungen in größeren Werken.= - - 1. _Acta Sanctorum Junii tom. IV pag. 270-454. Antwerpiae 1707._ - - 2. _Novale Sanctorum. Joannes Gillemannus, canonicus in - Rougecloître 1487._ - - 3. Die Legend deren Heiligen. _P. Dionysius de Luxemburg_ († - 1703). - - 4. Legende der Heiligen. Martin von Kochem. Augsburg 1705. - - 5. Die christliche Mystik. Johann Josef von Görres. 4 Bde. - Regensburg und Landshut 1836-1842 (2. Bd. S. 249 ff. S. 416; - 3. Bd. S. 416). - - 6. Legende oder der christliche Sternhimmel. Alban Stolz, Freiburg - 1851-1860 (unter dem 22. Juni). - - 7. _Histoire littéraire de la France XXVIII (1881). Ernest Renan. - La bienheureuse Christine de Stommeln._ S. 1-16. - - 8. Der Marien-Psalter. Dülmen 1891/1892 S. 33 und 222; 1896/1897 - S. 41-47. - - 9. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Heft 68 - (1892). Die Verlegung des Kollegiatkapitels von Stommeln nach - Nideggen und von Nideggen nach Jülich. Dr. Arnold Steffens - (S. 109-132). - - 10. Geschichte des deutschen Volkes vom 13. Jahrh. bis zum Ausgang - des Mittelalters. Emil Michael, Freiburg i. B. 1903. 3. Bd. - S. 165-167. - - -III. =Kürzere Notizen in größeren Werken.= - - 1. Martyrologium des Usuard, Greven'sche Ausgabe v. J. 1515. - - 2. Martyrologium des Kanisius. Dillingen 1570. - - 3. _De Archiepiscoporum ac episcoporum Coloniensium origine et - successu. Petrus Merssaeus. Coloniae 1580 (S. 115)._ - - 4. _Annales Novesienses_ von Werner aus Titz bei Martène _„Veterum - scriptorum amplissima collectio“ tom. IV pag. 584._ - - 5. _De admiranda ... magnitudine Coloniae. Aegidius Gelenius, - Coloniae 1645 sub 23. Junii u. 6. Nov._ - - 6. Von den Wunden Christi. Petrus de Wael S. J. Antwerpen 1649. - - 7. _Annales Juliae. Wernerius Perarius_ (Teschenmacher). - - 8. _Animae illustres Juliae etc. Theodorus Ray S. J. Neoburgi - 1663_ (unter dem 22. Juni). - - 9. _Theses de gratia. Jos. Hartzheim S. J. Coloniae 1734._ - - 10. _Bibliotheca Coloniensis. Jos. Hartzheim S. J. Coloniae 1747._ - - 11. _Repertoire des sources historiques du moyen âge, Ulysse - Chevalier. Paris 1857 (col. 450)._ - - 12. _Trésor de chronologie etc. De Mas Latrie. Paris 1889. Table - alphabétique générale des Saints col. 700; classément des - principaux Saints. Allemagne occidentale col. 903._ - - 13. Geschichte der alten Jülich'schen Residenz Nideggen. Martin - Aschenbroich, Bochum 1867 (S. 132). - - 14. Alte und neue Erzdiözese Cöln. 4 Bde. Binterim und Mooren - 1828-1831. Neubearbeitet von Mooren 1892 (I S. 177). - - 15. Beiträge zur Geschichte der Stadt Cleve. Dr. Scholten. S. - 127-127, 134-135. - - 16. Geschichte des früheren Gymnasiums zu Jülich. Prof. Dr. Kuhl, - Jülich 1891 (I S. 26-27; 253-254). - - 17. Die Hubertusschlacht bei Linnich. Der hohe Orden vom h. - Hubertus. Dr. Heinrich Oidtmann. Jülich 1904. S. 67 und 69. - - 18. Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz von Paul Clemen. VIII. - Bd. Kreis Jülich, von K. Frank, Oberaspach und Edmund Renard, - Düsseldorf. - IX. Bd. Kreis Düren, von Paul Hartmann und Edmund Renard, - Düsseldorf 1910 (S. 234-235). - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - Seite - - 1. Kapitel: Christinas Herkunft und Kindheit 1 - - 2. Kapitel: Christina bei den Beginen in Cöln 9 - - 3. Kapitel: Christina in Stommeln bis zum ersten 19 - Besuch des Petrus von Dazien (1259-1277) - - 4. Kapitel: Zur Beurteilung des Dämonischen 24 - - 5. Kapitel: Erster Besuch des Petrus von Dazien bei 39 - Christina im Advent 1267 - - 6. Kapitel: Zweiter Besuch des Petrus. Christinas 45 - Entrückung und Seelenjubel - - 7. Kapitel: Dritter und vierter Besuch des Petrus. 49 - Christina empfängt die Wundmale des - Herrn - - 8. Kapitel: Drei weitere Besuche des Petrus an den 56 - Festen Kreuzauffindung, Pfingsten u. - Maria Magdalena - - 9. Kapitel: Achter, neunter und zehnter Besuch des 64 - Petrus zu Allerheiligen, im Advent und - zu Weihnachten 1268. -- Seelenjubel, - Besudelung - - 10. Kapitel: Fastenzeit des Jahres 1269. Sinnliche 74 - Versuchung. Elfter und zwölfter Besuch - des Petrus - - 11. Kapitel: Christinas Briefwechsel mit Petrus 84 - während dessen Aufenthalt in Paris (Mai - 1269 bis Juli 1270) - - 12. Kapitel: Besuche des Petrus in Stommeln bei 97 - seiner Rückkehr von Paris. - - 13. Kapitel: Briefwechsel nach des Petrus Rückreise 101 - nach Schweden. Christinas Eltern und - Pfarrer Johannes sterben. 1270-1279 - - 14. Kapitel: Bruder Petrus kommt aus Schweden nach 113 - Stommeln, um Christina zu besuchen. 1279 - - 15. Kapitel: Vom Advent 1279 bis zum Advent 1280 118 - - 16. Kapitel: Christina bewirkt die Bekehrung der 135 - Sünder und die Befreiung der armen - Seelen aus dem Fegfeuer - - 17. Kapitel: Christinas letzte Prüfungen, 149 - friedevoller Lebensabend und seliges - Ende. - - 18. Kapitel: Christinas Verehrung nach dem Tode und 162 - deren Bestätigung durch Papst Pius X. - - - - -Verzeichnis der Abbildungen. - - - 1. Haupt der h. Christina von Stommeln. - - 2. Kirchhügel zu Stommeln. - - 3. Beginenfigur (14. Jahrh.). - - 4. Bild Christinas aus der Cölner Kartause (vor 1639). - - 5. Handschuh und Buchtäschchen Christinas. - - 6. Gebetstäfelchen Christinas. - - 7. Bild Christinas am Cölner Dom. - - 8. Grabstätte Christinas zu Stommeln. - - 9. Krankenhaus „Maria-Hilf“ zu Stommeln. - - 10. Christinenaltar in der neuen Pfarrkirche zu Stommeln. - - 11. Altes Grabmal Christinas zu Jülich. - - 12. Bild Christinas vom alten Grabmal zu Jülich. - - 13. Christinenkapelle in der Pfarrkirche zu Jülich. - - - - -Erstes Kapitel. - -Christinas Herkunft und Kindheit. - - -Eine Passionsblume erblühte im alten Jülicherland, viele hundert Jahre -sind es her. Gar lieblich war ihr Duft und tief purpurn ihre Farbe. -Entzückt neigten sich Gottes Enkel über sie und gute Menschen staunten -sie bewundernd an. Auch heute noch ist ihr Duft nicht verweht und ihre -Farbenglut nicht verblaßt. Im Gegenteil, köstlicher als je weht uns in -diesem Jahre der Wohlgeruch ihrer Tugenden entgegen, herrlicher als je -prangt heuer ihr verehrungswürdiger Name. Am 6. November dieses Jahres -werden nämlich sechshundert Jahre verflossen sein, seitdem diese Blume -aus dem Garten der Cölner Kirche ins himmlische Paradies verpflanzt -wurde. Die selige Christina von Stommeln meine ich, die im Jahre 1242 -zu Stommeln geboren wurde, dort am 6. November 1312 starb, seit dem -22. Juni 1586 in einem Hochgrabe in der Hauptkirche zu Jülich ruht und -deren unvordenkliche Verehrung durch Papst Pius X. am 12. August 1908 -die höchste Bestätigung erhielt. - -In eine gewaltig bewegte Zeit fiel das Leben Christinas. Ein -jugendfrisches Geschlecht bevölkerte damals unsere heimischen Gauen, -das zwar mit Begeisterung dem christlichen Glauben anhing, aber die -angestammte heidnische Wildheit noch nicht vollständig überwunden -hatte. Christlicher Heldensinn und lasterhafter Frevelmut, zarte -Gottinnigkeit und leidenschaftliche Roheit, grausige Verbrechen und -strenge Bußübung gedeihen nebeneinander. Es ist das Zeitalter, in dem -Papst und Kaiser in Fehde lagen, es ist das Zeitalter der letzten -Kreuzzüge, aber auch die kaiserlose, schreckliche Zeit, in der -Räuberhorden sich allerorts breitmachten, eine Zeit, die an Kampf und -Streit ihre Freude hatte, eine Zeit großen Wohlstandes und mächtigen -Aufblühens in Handel und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, eine Zeit, -wo der ungestüme Freiheitsdrang der Bürger erfolgreich ankämpfte gegen -die Macht des Adels und der Geistlichkeit, es ist die Zeit, in der -Konradin, der letzte Hohenstaufe, auf dem Blutgerüste zu Neapel sein -junges Leben lassen mußte, die Zeit, die den Cölner Dom gebaut, aber -auch die streitbaren, herrschgewaltigen Cölner Erzbischöfe im Kerker -geschaut. - -Das alte Stumbelo, etwa 3½ Stunden nordwestlich von Cöln gelegen, dort, -wo die von Cöln über München-Gladbach nach Venlo führende Straße sich -kreuzt mit dem von Worringen nach Bergheim gehenden Wege, gehörte zur -Grafschaft Jülich, die 1336 zur Markgrafschaft und 1356 zum Herzogtum -erhoben wurde. - -Die Grafen von Jülich waren kühne Haudegen, die, wiewohl sie in -ihrem Lande die Frömmigkeit pflegten, doch vor keiner Gewalttat -zurückschreckten, wenn es galt, ihren Machtbereich auf Unkosten des -Reiches und besonders der Cölner Kirche zu erweitern. Wilhelm II., der -Große genannt, war ein höchst lasterhafter Mensch, der im Kriege der -Gegenkönige Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig aus Wut -darüber, daß sein Land mit dem Interdikt belegt worden war, die dem -h. Stuhl ergebene Geistlichkeit plünderte, mißhandelte und wegjagte -und dafür seine Kreaturen eindrängte. Er war verrufen weit und breit -wegen seiner Gewalttätigkeit, Grausamkeit und Wollust. Sein Ende -entsprach seinem gottlosen Leben. Nicht weit von Stommeln führte die -alte Heerstraße, die von Jülich nach Cöln geht, vorbei. Sie ging damals -über Brauweiler. Auf dieser wohl ritt i. J. 1207 der Große Wilhelm -gen Cöln. Plötzlich wurde er von einer Herzschwäche befallen und sank -zu Boden mit den Worten: „Cöln werde ich nicht wiedersehen.“ Sein -Kaplan eilte herzu und sprach zu ihm: „Herr und Gebieter, entlaß die -Buhlerin und nimm Dein Weib zu Dir.“ Er hatte nämlich seine rechtmäßige -Gemahlin verstoßen. „Nimmermehr,“ erwiderte der Sterbende. Zur Buhlerin -aber, die gleichfalls herbeigeeilt war und unter Tränen ihn fragte, -was aus ihr werden solle, wenn er tot sei, sprach er: „Heirate einen -jungen Soldaten.“ Und so starb der trotzige Sünder. Sein Nachfolger -Wilhelm III. nahm das Kreuz und starb 1219 auf dem Kreuzzuge in -Aegypten. Wilhelm IV. war gleich seinen Vorgängern ein rauflustiger -Held, der in seiner langen Regierungszeit namentlich mit den Cölner -Erzbischöfen scharfe Fehde führte. Im Geburtsjahre Christinas fand -zwischen Lechenich und Brühl ein Treffen statt, bei dem Erzbischof -Konrad von Hochstaden in die Hände des Jülicher Grafen fiel, der ihn -neun Monate lang auf Schloß Nideggen in Haft hielt. Im Gefechte bei -Marienholz zwischen Zülpich und Lechenich, das im Jahre 1267 stattfand, -nahm er Erzbischof Engelbert von Falkenburg gefangen und hielt ihn bis -1271 zu Nideggen in Gewahrsam. Ein tragisches Ende jedoch ereilte ihn -in der Gertrudisnacht (16. März) des Jahres 1278 beim Ueberfall der -Stadt Aachen. Im Handgemenge wurde er nebst seinem Erstgeborenen, der -gleichfalls Wilhelm hieß, von einem Grobschmiede erschlagen. - -Zur selben Zeit lagen die Cölner Erzbischöfe in schwerem Streite mit -der Stadt Cöln. Bei Frechen kämpften im Jahre 1257 die beiden Heere -mit großer Erbitterung gegeneinander. Erzbischof Konrad von Hochstaden -behauptete zwar das Schlachtfeld, erlitt jedoch große Verluste. -Konrads Nachfolger, Erzbischof Engelbert von Falkenburg, wurde, als -er inmitten seiner Würdenträger und Dienstmannen im Bischofssaale -saß, am 28. November 1263 von den Cölnern verräterischer Weise -überfallen und im Hause „zum Roß“ in der Rheingasse eingekerkert, -woraufhin die Stadt vom Papste mit dem Interdikt belegt wurde. Immer -größer wurde der Hader, immer höher stieg die Erbitterung auch unter -Engelberts Nachfolger, dem Erzbischofe Sigfrid von Westerburg, bis -schließlich auf dem Schlachtfelde bei Worringen, wo die Heeresmächte -des ganzen Niederrheins aufeinanderstießen, die Jahrzehnte hindurch -aufgespeicherte Wut am 5. Juni 1288 zur Entladung kam und die -Entscheidung fiel. Sigfrid wurde gefangen und Cöln wurde freie -Reichsstadt. - -In dieser gährenden, wildbewegten Zeit lebte Christina. Ihr Heimatsort -Stommeln lag mitten auf dem Gebiete des Kampfes, wiewohl er nie -unmittelbar in denselben hineingezogen wurde. Gegenwärtig zählt der -Ort, der schon im 10. Jahrhundert ein ansehnliches Pfarrdorf war, rund -2500 Einwohner, die fast ausschließlich sich zur katholischen Religion -bekennen und Ackerbau treiben. In den ältesten Urkunden wurde der Ort -Stumbelo, in der Jülicher Handschrift jedoch Stumbele genannt. Der -Name, der soviel besagt als „Wald der Baumstümpfe“ (Stumbe = Stumpf und -lô = Wald) weist darauf hin, daß der Ort eine fränkische Siedelung ist -und auf abgeholztem Waldgebiete angelegt wurde. Die trotzige und treue -Art der salischen Franken, der alles Gezierte und Unechte widerstrebt, -die in ihrer Natürlichkeit und Geradheit selbst vor Derbheit und -Rücksichtslosigkeit nicht zurückschreckt, ist auch heute noch in der -Einwohnerschaft Stommelns unverwischt erhalten. Der gute Kriegsmann St. -Martin, der Lieblingsheilige der Franken, ist denn auch von jeher dort -Kirchenpatron. Der Bruder Kaiser Otto des Großen, Erzbischof Bruno, der -Heilige, von Cöln, der als Herzog von Lothringen zugleich Landesfürst -war, hat sich um Stommeln besonders verdient gemacht. Er schenkte -der Gemeinde einen ansehnlichen Wald, der jetzt teils Ackerland, -teils Weidengelände ist und der eingesessenen Bewohnerschaft, der -Realgemeinde Stommeln, zugehört. Die Pfarrkirche samt dem neben ihr -gelegenen Fronhofe wurde von demselben Erzbischofe im Jahre 961 dem -hochadeligen Damenstifte zur h. Cäcilia in Cöln einverleibt. Da der -Ackerboden der Stommeler Flur zu den gesegnetsten Gefilden Deutschlands -zählt, so herrschte von jeher Wohlstand unter den Bewohnern, aber -auch das kirchliche Leben stand dort im 13. Jahrhundert in schönster -Blüte. Ganz besonders aber wurde die Andacht zum bittern Leiden unseres -Heilandes in der Pfarrgemeinde gepflegt und an den Freitagen wurde -der Gottesdienst wie an den Sonn- und Feiertagen besucht. Eifrige -und angesehene Seelsorger standen an der Spitze der Pfarre und die -Dominikaner von Cöln leisteten häufig Aushülfe in der Seelsorge. - - Ze Choln und ze Parîs - da sint die pfaffen harte wîs - di besten vor allen rîchen - -so singt ein Dichter des 13. Jahrhunderts. Der selige Albert der Große, -der hervorragendste Gelehrte seines Zeitalters, stand damals an der -Spitze des Hauptstudiums der Dominikaner zu Cöln, wo Thomas von Aquin -sein Schüler war. Nicht bloß aus Deutschland, sondern auch von auswärts -strömten die wißbegierigen jungen Leute, vor allem aber die von ihren -Provinzialen als die talentvollsten befundenen Dominikaner nach Cöln, -das als Sitz der Gelehrsamkeit mit Paris wetteiferte. Stommeln war -der Erholungsort, wo an den schulfreien Tagen die Cölner Dominikaner -gerne verweilten. Sie fanden dort gastliche Aufnahme nicht bloß auf -dem Hofe des St. Cäcilienstiftes, sondern auch im Pfarrhause und bei -Gutsbesitzern. Bruder Mauritius sehnte sich, als er in Paris studierte, -nach Cöln zurück und seinem „Stommeler Aegypten“, wie er sich in -einem Briefe an Christina vom 15. Juni 1271 scherzhaft ausdrückt.[1] -Dort hätten sie frische Eier bekommen und schmackhaftes Gemüse zum -Fleische. In Paris jedoch seien die Eier verderbt und kleiner als die -Eifler Eier, die sie zu Cöln gegessen. Christina solle jedoch den Brief -niemanden zeigen, damit er nicht etwa eine üble Note erhalte, der Frau -Beatrix aber sagen, daß sie für die vom Kapitel heimkehrenden Brüder -frische Eier und Zulage frischen Käses bereite. Auch Bruder Folkwin -in Gotland erinnerte sich später noch mit Dankbarkeit der in Stommeln -zugebrachten Tage und schickte zur Bekundung dieser Dankbarkeit -der Christina einen größeren schwarzen Löffel aus Horn, Christinas -Schwester Hilla einen kleinen schwarzen Löffel, der Hilla vom Berge -einen weißen mit schwarzem Griffe und der Tochter des Vogtes ebenfalls -einen schwarzen Löffel aus Horn.[2] - - [1] _Vita Christinae_ 243. - - [2] A. a. O. 250. - -Auch für den Schulunterricht der Knaben sowohl wie der Mädchen war in -Stommeln gesorgt. Die Knaben unterrichtete der Magister Johannes, der -entfernt mit Christina verwandt war und später Priester wurde. - -Die Gerichtsbarkeit wurde ausgeübt durch einen im Orte ansäßigen Vogt, -der in der Nachbarschaft Christinas wohnte und mit ihrer Familie -befreundet war. In dieser wohlgeordneten, frommen und wohlhabenden -Pfarrgemeinde erblickte Christina das Licht der Welt im Jahre 1242. -Der Tag ihrer Geburt ist nicht näher bekannt. Daß sie am 24. Juli, -dem Feste der h. Jungfrau und Martyrin Christina, geboren sein soll, -ist nur eine Vermutung. Ihr Vater war ein vermögender Ackerwirt. Er -hieß Heinrich Bruso und seine Frau Hilla. Vom Geburtshause Christinas -sind noch Mauerreste erhalten geblieben. Es lag inmitten des Ortes an -der Hauptstraße, dort, wo gegenüber die Eschgasse zu der auf einer -ziemlichen Anhöhe gelegenen alten Pfarrkirche abbiegt. Es war ein -Gehöfte mit einem Doppelhause, einem ältern großen Hause und einem -kleinern Anbau. Noch immer führen die dort befindlichen Baulichkeiten -den Namen Brusohaus, und früher, als Stommeln noch zum Herzogtum Jülich -gehörte, war dort auch der Wohnsitz des Amtsverwalters. - -Christina war nicht das einzige Kind ihrer Eltern. Sie hatte einen -ältern Bruder namens Heinrich, der etwas weltlich gesinnt war, wohl den -Versuch gemacht hatte, ins Kloster Kamp einzutreten, es aber wieder -verlassen hatte und nach Cöln übergesiedelt war. Außerdem hatte sie -einen jüngern Bruder, Sigwin genannt, für den sie in mütterlicher Liebe -besorgt war. Dieser trat als Laienbruder in den Dominikanerorden ein -und zwar in der Provinz Dazien, erhielt den Namen Gerhard, weil der -Name Sigwin in Schweden nicht gebräuchlich war, und führte zur größten -Zufriedenheit die Geschäfte eines Prokurators, da alle Einnahmen und -Ausgaben des Klosters durch seine Hand gingen. Wie Christina zwei -Brüder hatte, so hatte sie auch zwei Schwestern. Eine hieß Hilla und -die andere Gertrud. Beide scheinen älter gewesen zu sein als Christina. -Eine von ihnen wohnte später in Cöln; die andere heiratete und blieb -anfänglich in Stommeln. In Poulheim wohnten nahe Blutsverwandte -Christinas, zwei Schwestern nämlich und deren Brüder. - -Schon in der Kindheit stand Christina, die ein gewecktes Mädchen war, -unter besonderer Einwirkung der göttlichen Gnade. In dem freilich erst -nach ihrem Tode von einem Ungenannten verfaßten Bericht über ihr Leben -lesen wir, daß der Jesusknabe dem fünfjährigen Kinde öfters erschien, -es im Glauben unterrichtete, es beten lehrte und ihm zum frommen Leben -Anleitung erteilte. Christina zeigte denn auch viel früher als andere -Kinder Verständnis für göttliche Dinge, ging gerne in die Kirche -und wohnte dort täglich mit kindlich frommer Andacht dem h. Meßopfer -bei. Als sie sechs Jahre alt war, schaute sie bei der Wandlung das -Jesukind in den Händen des Priesters, das zu ihr sprach: „Siehe, ich -bin hier zugegen, stets bereit, Barmherzigkeit zu erweisen. Wer also -um Barmherzigkeit fleht, wird Barmherzigkeit erlangen.“ Als sie sieben -Jahre zählte, wurde sie von einem Engel im Geiste ins Paradies geführt, -wo sie himmlische Geheimnisse schaute und mit unaussprechlicher -Wonne erfüllt wurde. Ein Seraph kam dort zu ihr, begrüßte sie als -die Auserlesene Jesu Christi und machte ihr kund, daß durch sie viele -Sünder bekehrt, viele Gerechte gestärkt und getröstet und viele Seelen -aus dem Fegfeuer würden befreit werden. Als der Engel sie dann wieder -zur Erde zurückgeführt und sie zu sich gekommen war, hub sie an zu -singen ein Lied, das so anfing: - - Rosen und Lilien auf grünenden Auen - Ueberall prächtig und lieblich zu schauen, - Wie mein Brüderlein Jesu Christ, - Wenn man seiner Liebe genießt. - -Im Alter von neun Jahren wurde sie um das Fest Mariä Verkündigung -drei Nächte nacheinander im Geiste von einem Engel der allerseligsten -Jungfrau Maria vorgestellt und in jeder dieser Nächte sang sie dreimal -nacheinander zuerst die Sequenz vom h. Geiste, die zu Pfingsten beim -Hochamt gesungen wird: - - _Veni sancte spiritus, - Et emitte caelitus - Lucis tuae radium_ - - Komm, o Geist der Heiligkeit, - Aus des Himmels Herrlichkeit - Sende Deines Lichtes Strahl, - -und sodann die von der allerseligsten Jungfrau, welche anfängt mit den -Worten: - - _Ave rosa generosa - Salve candens lilium_, - - Sei gegrüßt Du edle Rose - Gruß Dir Lilie blendendweiß, - -und wenn sie diese Gebete beendet, so warf sie sich nieder vor der h. -Gottesmutter und sprach folgendes Gebet: - - _Deprecor vos, mater - misericordiae, per amorem - dilectissimi filii vestri, - ut mihi apud ipsum peccatorum - meorum veniam impetretis necnon - et amicitiam et favorem eiusdem - filii vestri mihi procuretis._ - - Mutter der Barmherzigkeit, ich - bitte Dich bei der herzlichen - Minne, die Dein vielgeliebter - Sohn zu Dir getragen hat, Du - wollest mir bei ihm Verzeihung - meiner Sünden erlangen sowie - auch die Freundschaft und die - Huld dieses Deines Sohnes mir - erwirken. - -Die h. Gottesmutter aber beantwortete jedesmal dieses Gebet mit den -Worten: „Freue dich, teuerste Tochter, und frohlocke; denn du wirst die -Braut und Freundin meines vielgeliebten Sohnes sein.“ Seit jener Zeit -wußte Christina diese beiden lateinischen Sequenzen auswendig, obschon -sie den Psalter noch nicht gelernt hatte, und wurde jedesmal, wenn sie -dieselben singen hörte, mit großer Wonne erfüllt. - -Im Jahre 1252, als sie zehn Jahre zählte, erschien ihr in einer Nacht -Jesus Christus selbst im Traumgesichte in Jünglingsgestalt. Christina -erschrak. Christus aber sprach zu ihr: „Vielgeliebte Tochter, siehe, -ich bin Jesus Christus. Gelobe mir Treue, und zwar so, daß du mir -immerwährend dienest. Sollte dich übrigens jemand um ein anderes -Verlöbnis angehen, so sage ihm, daß du dich Jesu Christo selbst in -seine Hände verlobt habest“ -- dabei ergriff er ihre rechte Hand und -legte sie in die seine. -- „Bei den Beginen,“ so schloß der Herr, -„sollst du bleiben.“ Als Petrus von Dazien sie siebenundzwanzig Jahre -später über diese Erscheinung befragte, sagte sie: „Ich sah den lieben -Heiland im Glanze solcher Herrlichkeit und in solcher Schönheit, daß -ein menschliches Auge es nicht zu ertragen vermag. Deshalb kam ich -von Sinnen und drei Tage und drei Nächte hindurch war ich für alle -körperlichen Wahrnehmungen unempfänglich.“ Von diesem Tage an hatte -ihr Geist keine Ruhe mehr, sondern immerdar quälte sie sich mit dem -Gedanken, wie sie zu den Beginen kommen könnte. - -Wie sie elf Jahre alt war und nach Weise der Schulkinder den Psalter -lernte, kam es ihr, wenn sie die Psalmen las, vor, als ob sie zu -demjenigen rede, dem sie Treue gelobt hatte. Und dann konnte sie nicht -anders als weinen vor seliger Freude. - - - - -Zweites Kapitel. - -Christina bei den Beginen in Cöln. - - -Das engelgleiche Töchterlein des Heinrich Bruso wuchs inzwischen zur -blühenden Maid heran. Sie war mit allen Vorzügen ausgestattet, die ihre -Hand auch für die erlesensten aus der Schar der Jünglinge begehrenswert -machten. Sie war das Kind wohlhabender und angesehener Eltern. Schlank -von Wuchs und kräftig von Gestalt, machte sie mit ihrem frischen, -edelgeformten und von goldblondem Haar umwallten Gesichte den Eindruck -jungfräulicher Anmut. Kein Wunder, daß die Eltern daran dachten, sie -zu verloben; denn sie hatten keine Kenntnis von dem Traumleben ihres -Kindes. Doch Christina widerstrebte diesem Vorhaben. „Bei den Beginen -sollst du bleiben,“ so hatte der Herr ihr gesagt, und dieser Weisung -wollte sie folgen. Ohne Vorwissen der Eltern begab sie sich deshalb am -St. Katharinentage des Jahres 1255, als sie dreizehn Jahre alt war, -nach Cöln. Es schneite und stürmte und sehr kalt schnitt der Wind. -Nichts hatte sie von Hause mitgenommen, als ein leinenes Tuch, das sie -über den Kopf geworfen hatte. Eine Frau, die sie mitgenommen, zeigte -ihr den Weg. Die Freude, bald zu den Beginen zu kommen, beflügelte ihre -Schritte. Die einzige Besorgnis, die sie auf diesem Wege hatte, war -die, jene Frau könne sie möglicherweise verraten oder in Cöln, wo sie -unbekannt war, in ein Haus führen, wo ihre Ehre und Unschuld Gefahr -leiden könnte. Sie langte jedoch glücklich in Cöln an und ging sofort -zu den Beginen, wo sie auch aufgenommen wurde. - -Die Beginen bildeten einen nach Art einer Ordensgemeinschaft -organisierten Stand weiblicher Personen, die als Jungfrauen, Ehefrauen -und Witwen sich zu einem enthaltsamen Leben entschlossen hatten. In -Folge der Kreuzzüge war damals die männliche Bevölkerung in unseren -Gegenden bedeutend verringert, und für einen erheblichen Teil der -weiblichen war mithin die Ehelosigkeit der gewiesene Weg. Es war -natürlich, daß diese weibliche Bevölkerung Anschluß an die bestehenden -Ordensgenossenschaften suchte. Die Prämonstratenser waren es, die -zuerst dieser Frauenbewegung sich annahmen, dann ihr aber, als sie -ihnen zur Plage wurde, wieder den Rücken kehrten. Darauf versuchten -die Zisterzienser die Lösung derselben Frage, die aber auch ihnen -ebenso wenig wie den Prämonstratensern gelingen sollte. Notgedrungen -bildete sich nun diese der Enthaltsamkeit geweihte Frauenwelt zu einer -selbständigen Eigenart des Ordenswesens aus, zum Beginentum. Ohne -Gründer und ohne Gründerin aus dem Drange der Verhältnisse geboren, -entwickelte es sich vorzugsweise in den belgischen und rheinischen -Landen zu großer Blüte. Seine Wiege ist die Stadt Nivelles in Brabant, -wo im Jahre 1207 das erste selbständige derartige Kloster entstand. -Als kirchliche Organisation wurde das Beginentum anerkannt durch Papst -Gregor IX., der ihm am 30. Mai 1233 einen Schutzbrief ausstellte. Den -Anforderungen, die der Völkerapostel an die gottgeweihten Frauen und -Jungfrauen stellt, nacheifernd, bemühten sich diese frommen Frauen, -nicht bloß ein keusches, enthaltsames Leben zu führen, sondern auch -den Geist des Gebetes zu pflegen, die hh. Sakramente häufiger zu -empfangen, ein Leben der Entsagung zu führen und sich in den Werken -der christlichen Barmherzigkeit zu üben. Sie trugen einfache, eigene -Kleidung von schwarzer Farbe, verrichteten das kirchliche Stundengebet, -pflegten aber auch mit besonderer Vorliebe das Rosenkranzgebet[3]; -wohnten gewöhnlich in nächster Nähe der Pfarrkirche, trugen Sorge -für die hh. Gewande, die Reinheit und den Schmuck des Gotteshauses, -unterrichteten die Mädchen, pflegten die Kranken und beherbergten die -durchreisenden Fremden. Ihr Reformeifer erweckte jedoch vielfachen -Widerspruch. Man warf sie zusammen mit der Sekte der Apostoliker und -Albigenser, und weil in jenem Zeitalter ein Lütticher Priester namens -Lambert, zubenannt _le bègue_, d. h. der Stammler († 26. März 1187), -viel von sich hatte reden machen wegen seines Reformeifers, der ihn -in einen Streit mit seinem Bischof verwickelt hatte, in Folge dessen -er zensuriert und eingekerkert wurde, so nannte man sie Beginen, womit -der Begriff der Ueberkirchlichkeit und Widersetzlichkeit verbunden war. -Doch der Priester Lambert war mit Unrecht bekämpft worden; in der Tat -war er ein Mann Gottes. Papst Luzius III. hob das Urteil des Lütticher -Bischofes auf und gab dem unschuldig Gemaßregelten die Vollmacht zu -predigen wieder. Die neuen Ordensfrauen brauchten deshalb den ihnen in -kränkender Absicht zugelegten Beinamen nicht zurückzuweisen und er ist -ihnen in der Folge verblieben, wiewohl Lambert _le bègue_ geschichtlich -mit ihnen keinerlei Zusammenhang hat.[4] Als die beiden Bettelorden der -Dominikaner und Franziskaner sich hierzulande auszubreiten begannen, -kamen die Beginen wie von selbst in ein Abhängigkeitsverhältnis zu -ihnen. Mit diesen beiden Ordensfamilien, die im ersten und zweiten -Orden das eigentliche Ordensleben für das männliche und weibliche -Geschlecht organisiert hatten, war nämlich ein dritter Orden planmäßig -verbunden, der eine losere Form des Ordenslebens für Weltleute -darstellte. Dieses Tertiarierwesen war aber seiner Idee nach der Grund -zur Bildung des Beginentums gewesen. Es ist deshalb auch nicht zu -verwundern, daß die Beginenhäuser sich um die Klöster der Dominikaner -und Franziskaner zu gruppieren pflegten. Im 15. Jahrhundert sind die -Beginen durch die kirchlichen Behörden veranlaßt worden, eine bestimmte -Ordensregel anzunehmen. Sie entschieden sich für die Augustinerregel. -Die noch heute blühenden Klöster der Zellitinnen in Cöln, Düren, Neuß -und Aachen sind dem Ursprunge nach Beginenklausen. - - [3] Am Grabmal des Erzbischofs Engelbert III. († 1368) im Cölner - Dom sind auf der nördlichen Langseite die Schreibrüder, auf - der südlichen aber Beginen und sonstige Ordensfrauen in ihren - eigentümlichen Trachten, meistens mit Rosenkränzen verschiedenen - Formates in den Händen, dargestellt. - - [4] Vgl. Die Anfänge der Beginen. Dr. Jos. Greven, Münster, - Aschendorf, 1912. - -Das älteste Beginenhaus in Cöln ist der Konvent „_ver Selen_“, -der 1230 gegründet wurde, sich in der Stolkgasse befand und dem -Dominikanerkloster, dessen Stelle jetzt die Hauptpost einnimmt, -gegenüberlag. Allem Anschein nach war es dieses Haus, in das Christina -eintrat. Denn wir lesen von ihr, daß sie die Dominikanerkirche fleißig -besuchte. Im Kloster erhielt Christina jedoch bald Besuch. Ihre -Mutter hatte erfahren, wo sie sich hinbegeben. Sie kam nach Cöln, und -unter Tränen bat sie ihre Tochter, doch wieder mit ihr nach Stommeln -zurückzukehren. Christina indes war nicht hierzu zu bewegen. Zum -Entgelt versagte die Mutter ihr jegliche Aussteuer. Ein ganzes Jahr -hindurch ließ sie ihr nicht die mindeste Unterstützung zukommen, sodaß -Christina darben mußte und an manchen Tagen nicht einmal Brot zum Essen -hatte. Einige Beginen redeten ihr deshalb zu, sie sollte doch wieder -zu ihren Eltern zurückkehren. Sie aber lehnte dies ab, da sie lieber -dem Willen Gottes gemäß im Kloster in Armut, als bei den Eltern im -Ueberfluß leben wollte. Sie blieb ungefähr vier Jahre bei den Beginen -in Cöln und übte sich dort eifrig in der Schule der Vollkommenheit. Sie -liebte die Einsamkeit, um dem Gebete obliegen zu können; auf Erholung -und Unterhaltung nahm sie nicht Bedacht. An jedem Samstage und an allen -Vorabenden der Heiligenfeste fastete sie bei Wasser und Brot. Sie trug -ein einfaches, wollenes Kleid, aber kein leinenes Unterzeug. Ein fest -anliegender Gürtel umschlang ihre Lenden. Sie schlief allein. Holz -und Stein bildeten ihr Ruhelager, damit sie desto eher erwache und zum -Gebete sich erhebe. Zweihundertmal beugte sie das Knie in jeder Nacht -und tagsüber flehte sie zu allen Heiligen, deren Namen sie kannte, -sie möchten ihr die h. Liebe erwirken. Ihr Stundengebet verrichtete -sie gewöhnlich mit dem ganzen Körper seitwärts zur Erde hingestreckt, -Freitags dagegen streckte sie dabei die Arme in Kreuzesform aus und so -legte sie sich dann auch auf ihr Ruhelager. Strümpfe trug sie nicht; -sie hatte nur Sohlen unter den bloßen Füßen. Die Hälfte des Jahres -fastete sie, ohne irgendwelche Fleischnahrung zu sich zu nehmen. Ihr -gewöhnliches Getränk war Wasser, sehr selten nahm sie etwas Bier. -Alles, was nach Weichlichkeit aussah, war ihr zuwider. All ihr Sinnen -und Trachten war unablässig darauf gerichtet, zu betrachten, wie vieles -und wie schmerzliches Christus für uns gelitten hat. - -Christina besuchte, wie gesagt, mit Vorliebe die Dominikanerkirche. Im -Jahre 1225 waren die Dominikaner nach Cöln gekommen. Die Stiftsherrn -zum h. Andreas hatten ihnen ihr in der Stolkgasse gelegenes Hospital -zur h. Maria Magdalena geschenkt. Dieses Hospital hatten die -Dominikaner zur Kirche umgewandelt, an deren Stelle Albert der Große -1271 die zu Anfang des 19. Jahrhunderts niedergelegte prächtige -Kirche gotischen Stiles zum h. Kreuz erbaute. In jener älteren -Magdalenenkirche war eines Tages Christina in die Betrachtung des -bitteren Leidens unseres Herrn versenkt. Da wurde sie mit einem Male -entrückt. Sie war wie entseelt und mußte aus der Kirche nach Hause -getragen werden. Drei Tage lang dauerte dieser Zustand. Die Beginen -aber, mit denen sie zusammenlebte, wußten diesen Zustand nicht zu -beurteilen. Sie meinten, das müßte ein Anfall von Geisteskrankheit oder -von Fallsucht gewesen sein, und sie hielten deshalb Christina für eine -Minderwertige. - -So ergeht es ja in der Regel den von Gott besonders begnadigten -Personen. Sie werden für unsinnig gehalten und Gott läßt dies zu, um -sie vor Ueberhebung zu bewahren. - -Die Entzückung ist jedoch weit davon entfernt, etwas Krankhaftes -zu sein. Es hat ja auch Männer von Ruf gegeben, die künstlerische -Begabung, zumal das Dichter- und Musikergenie, als eine Art von -Wahnsinn ansahen. Und doch ist solch' künstlerische Begabung ein -Zeichen höchster Geisteskraft und Geistesgesundheit. Noch viel mehr -sind Verzückungen Aeußerungen höchsten Geistesaufschwunges. Freilich -können gottbegnadigte Personen und desgleichen Dichter und Musiker -gerade so gut geisteskrank werden wie andere Menschen; allein an -und für sich haben mystische Zustände und künstlerische Begabung mit -Geisteskrankheit nichts zu tun. Es gehört freilich ein Kennerauge dazu, -krankhafte Erscheinungen von mystischen Zuständen zu unterscheiden, -weil gewisse äußere Aehnlichkeiten vorliegen bei aller Verschiedenheit -des Wesens. Die Kenntnisse eines auch noch so hervorragenden -Nervenarztes reichen da nicht aus; der eigentliche Fachmann ist da -der mit den Zuständen des übernatürlichen Seelenlebens entweder durch -eigene Erfahrung oder durch eindringendes Studium der Wissenschaft der -Heiligen vertraute Geistesmann. - -Die h. Teresia, eine der vorzüglichsten Lehrmeisterinnen -des geistlichen Lebens, wußte wohl zu unterscheiden zwischen -Weiberohnmachten und Verzückungen. Sie kannte beide Zustände aus -Erfahrung. Auch träges, träumerisches Versunkensein beim Gebete hat -mit Verzückung nichts zu tun. Diese ist vielmehr ein machtvoller, -urplötzlicher Aufschwung der Seele zu Gott, ihrem Urheber. Es sind -nicht mehr die natürlichen, von der Gnade unterstützten Fähigkeiten -der Seele, die da tätig sind; es ist vielmehr der Geist Gottes -selbst, der h. Geist, der durch seine sieben Gaben, zumal durch die -Gabe des Verstandes, den menschlichen Geist anregt und leitet. Ein -unmittelbares Schauen der Gottheit, wie es im Zustande der Verklärung -eintritt, findet freilich nicht statt. Dazu bedarf es des Lichtes -der Herrlichkeit. Auch bei der mystischen Vereinigung wird die Seele -geleitet auf dem Wege des Glaubens, der nicht im Schauen aufgegangen -ist. Allein die Seele ist auf eine höhere Stufe des übernatürlichen -Lebens erhoben, welche die Mitte hält zwischen dem gewöhnlichen -Gnadenzustande und der Himmelsseligkeit. Vermöge der Eingießung -der Gaben des h. Geistes sind es nicht so sehr die natürlichen -Seelenkräfte, die tätig sind, es ist vielmehr der Geist Gottes, der von -der Seele Besitz ergreift und in ihr tätig ist. Da ist nun höheres, -göttliches Licht, da ist ein Vorgeschmack der Seligkeit und Wonne -des Himmels. Würde jemand aus nebelumlagerter Finsternis plötzlich in -der h. Weihnacht in den in hellster Beleuchtung prangenden Cölner Dom -eintreten und sein Ohr von den Klängen überirdischer Musik entzückt -werden, er würde sprachlos dastehen, staunen und genießen. Und wenn -dies Schauen und Genießen auch nur eine Viertelstunde währen sollte, es -würde ihm zeitlebens unauslöschlich vor der Seele stehen, und niemand -würde ihm einreden können, er habe nur ein Traumbild geschaut. Aehnlich -ist es mit der Seele, die entzückt wird. Beim Einfluten des Lichtes -der Gottheit wird sie sprachlos. „Der Atem stockt, sodaß sie, wenn -auch die Tätigkeit der anderen Sinne noch andauert, durchaus nicht -reden kann. Manchmal jedoch hört urplötzlich alles auf, es erkalten -die Hände und der ganze Körper erstarrt derart, daß es den Anschein -gewinnt, die Seele sei nicht mehr da, und mitunter kann man auch keinen -Atem wahrnehmen. Dieser empfindungslose Zustand dauert jedoch nur kurze -Zeit; denn sobald dieser gewaltige Aufschwung etwas nachläßt, scheint -der Körper wieder einiges Leben zu gewinnen und atmet wieder auf, um -aufs neue zu sterben und der Seele ein höheres Aufleben zu verschaffen. -Bei all dem dauert eine solche großartige Verzückung nie lange. Es -kommt aber auch vor, daß nach ihrem Aufhören der Wille so versenkt und -der Verstand einen ganzen Tag oder mehrere Tage so entrückt bleibt, daß -es den Anschein hat, er könne auf nichts achten als auf das, was den -Willen zur Liebe zu erwecken vermag. Hierzu ist er in vollkommen wachem -Zustande, dagegen ist er ganz eingeschlafen, wo er einem Geschöpfe -besondere Aufmerksamkeit zuwenden soll.“ - -Diese Beschreibung, welche die h. Teresia[5] von der Entzückung -gegeben, paßt ganz und gar auf das, was bei Christina wahrgenommen -wurde. Der Leib wird empfindungslos und starr. Zu verschiedenen Malen -hat man an Christina, während sie in Verzückung war, den Versuch -gemacht, zu erproben, ob dem wirklich so sei. Einmal hat man ihr am -Arme drei Wunden beigebracht. Christina aber regte sich nicht und -merkte nichts. Als sie aber aus der Verzückung erwachte, fühlte sie -den Schmerz der Wunden, die nun anfingen zu bluten und langer Zeit -bedurften, um zu heilen. Ein anderes Mal hat, wie Bruder Gerhard vom -Greif, der Pfarrer Johannes und andere dem Bruder Petrus berichteten, -eine Begine der Christina, als sie nach der Kommunion in Verzückung -gekommen, mit der Schere tief in die Wade geschnitten. Auch diesmal -merkte Christina während der Verzückung nichts von der beigebrachten -Verletzung. Als sie aber zu sich kam, empfand sie heftigen Schmerz -und die Wunde fing an zu bluten. Da sie kein Mittel anwandte, um die -Wunde zu heilen, so schwoll das Bein bedenklich an und die Wunde fing -an in Fäulnis überzugehen. Sie begab sich nun nach Cöln und klagte -dem Bruder Gerhard vom Greif ihr Leid. Dieser sagte ihr, es müsse ein -Wundarzt die Wunde untersuchen und einen Einschnitt machen. „Muß der -Mann die Wade sehen?“ fragte Christina. Bruder Gerhard erwiderte: „Ich -glaube, er wird sie sonst nicht heilen können.“ In einer Weise, die -mehr zu bewundern als nachzuahmen ist, erwiderte Christina: „Lieber -lasse ich das ganze Bein verfaulen, als daß ich dieses zugebe,“ und -ging fort. In der Nacht wandte sie sich zum Gebete und erlangte vom -Herrn Heilung ihrer Wunde. Morgens ging sie dann zurück zu Bruder -Gerhard und sprach: „Es ist nicht nötig, den Wundarzt zu rufen; -denn der Herr hat mich in seiner Güte geheilt.“[6] Auch trifft bei -Christina zu, was die h. Teresia von den Wirkungen der Verzückung sagt. -Krankhafte Erscheinungen erzeugen Unlust zu geistiger Betätigung, sie -hinterlassen Schwäche, Abspannung und Erschöpfung. Ganz anders die -Verzückung. Auch sie greift die Sinnesorgane in ihrer Weise an. Durch -das übermächtig einströmende Licht der Gottheit wird die Tätigkeit der -Sinnesorgane nicht nur, sondern auch alle gewöhnliche Tätigkeit des -Geistes gebunden. Die Seele ist ganz aufgegangen in ihrer höchsten und -edelsten Tätigkeit, im Schauen und Lieben ihres Urhebers. Sie lebt ein -höheres Leben und das natürliche ist eine Weile wie erstorben. Kehrt -sie nun wieder zum natürlichen Leben zurück, so bedarf es einer Art -Neubelebung des Organismus, um wieder die gewohnten Beschäftigungen -aufnehmen zu können. Diese geht gemach vor sich, hat aber, da eine -Krankheit gar nicht vorlag, mit Rekonvalescenz keine Aehnlichkeit. -Bald fühlt der Organismus sich wieder ganz frisch. Die Seele brennt -vor Glut, sich wiederum mit Gott und zwar für immer zu vereinigen. Die -ganze Schöpfung möchte sie aufrufen, mit ihr Gott zu preisen. Entbehren -und leiden aus Liebe zu Gott ist für sie eine Genugtuung. Keine -Bußübung ist ihr zu schwer. Die Welt und was sie enthält erscheint -ihr gar armselig. Ihre Herrlichkeit ist ihr wie welkes Gras und ihre -Lust wie ödes Sumpfwasser. Sie hat ja Höhres verkostet. Was sie in der -Verzückung geschaut, vermag sie, wie St. Paulus es darlegt, nicht in -Worte zu kleiden. Es übersteigt ja alle Erfahrung. Gefällt es jedoch -dem Allmächtigen, sie durch bildähnliche Erscheinungen zu belehren -oder zu erbauen, so weiß sie diese auch, sobald sie zu sich gekommen, -zu beschreiben. Wo jedoch die Mitteilung des göttlichen Lichtes -unmittelbar auf die geistige Erkenntnis einwirkt, ist einerseits eine -Täuschung unmöglich; denn durch den Vorgang selbst hat die Seele die -Gewähr, daß sie mit Gott verbunden ist, andererseits aber versagen -ihr auch die Ausdrucksmittel, das, was sie erfahren, entsprechend -wiederzugeben. - - [5] Seelenburg. (6. Wohnung). 4, 10-11. - - [6] _V. C._ 155-156. - -In der Regel sind solche besondere Hulderweisungen der göttlichen -Liebe Vorboten großer Prüfungen und Leiden. Liebe und Leib gehören nun -einmal zusammen wie im natürlichen Leben, so auch im übernatürlichen. -Seine besondern Lieblinge führt Gott den Weg des Leidens. Keine -verzärtelten Geschöpfe würdigt er seiner besonderen Freundschaft, -sondern nur die Heldenseelen, die Opferfreudigen. Sie werden in der -Schule des Leidens geübt, dann aber auch im Brautgemache der göttlichen -Liebe erquickt. Unter den Heiligen des Himmel ragen die hh. Martyrer -hervor, die für Christus die grausamsten Qualen erduldet und ihr Leben -für ihn gelassen haben. Was in den Zeiten der Christenverfolgung -wutschnaubende Machthaber an den Bekennern des christlichen Namens -verübt, das gestattet in friedlichen Zeiten Gott der Herr dem -Satan an seinen Auserwählten zu vollbringen, damit auch ihnen des -Martyriums Palme nicht fehle. Es darf uns daher nicht wundern, wenn -in der Lebensbeschreibung Christinas nach der hohen Begnadigung von -widerwärtigen Versuchungen und grausamen Quälereien die Rede ist. -Sie verehrte mit besonderer Innigkeit den h. Apostel Bartholomäus; -sie betrachtete ihn als ihren ganz besonderen Schutzpatron, da sie -in ihren Trübsalen sehr oft seinen Beistand erfahren hatte. In der -Dominikanerkirche sowohl wie in der nahegelegenen Stiftskirche zum h. -Andreas befanden sich Reliquien des h. Bartholomäus. Ob es nun diesem -Umstande zuzuschreiben ist, daß Christina sich ihn zum besonderen -Schutzheiligen erkor, oder ob seine grausame Marter, da ihm lebendigen -Leibes die Haut abgezogen wurde, auf ihr mitleidiges und heldenmütiges -Herz bestimmend eingewirkt hat, läßt sich nicht ermitteln. Vielleicht -haben beide Gründe zusammen eingewirkt. - - Abb. 2. Kirchhügel zu Stommeln. - - * * * * * - -Als Christina bereits zwei Jahre bei den Beginen zu Cöln war, sie -mithin fünfzehn Jahre zählte, kam, als sie nachts in ihrer gewohnten -Art sich zum Gebete niedergeworfen hatte, der Versucher in Gestalt -des h. Bartholomäus vor sie hinstehen und sprach: „Tochter, du betest -viel und hast ein großes Verlangen, in den Himmel zu kommen. Nun -wisse, daß du dies erreichen wirst, wenn du dich tötest. Das ist ja -bald geschehen, und du kommst dann ohne alles Leid ins Himmelreich.“ -Christina, die noch unerfahren war in der Unterscheidung der Geister, -glaubte, es sei wirklich der h. Bartholomäus, und war ein halbes -Jahr lang von dieser lästigen Versuchung geplagt. Wenn sie allein -war, meinte sie, sie müsse sich das Leben nehmen; stand sie an einem -Brunnen, so kam ihr der Gedanke, hineinzuspringen; war sie in der -Kirche, so fühlte sie sich zu ihrem größten Leidwesen gedrungen, -wieder hinauszugehen, um den Tod zu suchen. Doch endlich hatte der Herr -Erbarmen mit ihr. Als diese Versuchung ihr schier unerträglich wurde, -kam ihr in den Sinn das Wort des Evangeliums, das sie früher gehört, -sie würde verloren gehen, wenn sie Selbstmord verübe. Und so schwand -diese Versuchung. - -Nach einer Weile indes wurde sie von einer andern Versuchung gequält. -Es kamen ihr Zweifel an der Gegenwart Christi im allerheiligsten -Altarssakramente und an der Erschaffung der Welt durch Gott; auch -erschien es ihr fraglich, ob überhaupt Gott um sie wisse oder die -Heiligen. Sie hatte kaum Freude mehr daran, Gutes zu tun, zu beten und -die Kirche zu besuchen. Achtzehn Wochen lang blieb sie dem Beichtstuhl -fern. Doch gab sie der Versuchung nicht nach. Trotz der Unlust wohnte -sie dennoch dem Gottesdienste bei und eines Tages betete sie bei der h. -Messe also: „Herr, ich habe doch immer gehört, daß dein Leib wahrhaftig -hier zugegen ist. Zeige mir doch, wie ich diese Zweifel los werden -kann.“ Und alsbald sah sie bei der Wandlung ein Knäblein in den Händen -des Priesters, das zu ihr sprach: „Ich bin Jesus.“ Als sie solches -sah und vernahm, kam sie vor Staunen außer sich. Und als sie wieder -zu sich gekommen, verspürte sie in ihrem Geiste ein gewisses Maß von -Licht. Daraufhin ging sie am folgenden Tage zur h. Kommunion und die -Versuchung wich so vollständig von ihr, als ob sie dieselbe niemals -gehabt hätte. Auch diese Anfechtungen gegen den Glauben währten ein -halbes Jahr. - -Nunmehr suchte der arglistige Feind des Menschengeschlechtes ihr -Speise und Trank und vor allem die h. Kommunion zum Gegenstand des -Ekels zu machen. Es kam ihr vor, als ob auf jeglicher Speise, die sie -zum Munde führen wollte, häßliche Tiere säßen, Molche, Spinnen und -dergleichen. Vor Spinnen hatte sie, nebenbei bemerkt, ganz besonderen -Abscheu. Der Beichtvater gab ihr den Rat, den Ekel zu überwinden und -nichtsdestoweniger zu essen. Sie folgte, vermochte jedoch vor Ekel die -Speise nicht bei sich zu behalten. Selbst wenn sie dem Tische des Herrn -nahte, überkam sie das Gefühl des Ekels. Doch auch diese Plage überwand -sie, indem sie trotz des Widerwillens dennoch den h. Leib des Herrn -empfing. Auch diese dritte Versuchung währte ein halbes Jahr. Dies -alles trug sich zu, während Christina zu Cöln bei den Beginen weilte. -Dort blieb sie bis zum Alter von siebenzehn Jahren, also bis zum Jahre -1259. In diesem Jahre kehrte sie nach Stommeln zurück. - - - - -Drittes Kapitel. - -Christina in Stommeln bis zum ersten Besuch des Petrus von Dazien -(1259-1267). - - -In den bisher erschienenen Lebensbeschreibungen der seligen Christina -heißt es gewöhnlich, sie sei von den Beginen in Cöln entlassen worden -und deshalb nach Stommeln zu ihren Eltern zurückgekehrt. Das scheint -jedoch nicht richtig zu sein, denn zunächst steht nichts derartiges -in dem Berichte, den der damalige Pfarrer von Stommeln, Johannes, dem -Petrus von Dazien auf dessen Bitte über Christinas Jugend zusandte. -Auch wäre es dann nicht zu begreifen, daß Christina zeitlebens Begine -geblieben ist und niemals das Kleid der Beginen abgelegt hat. Wie die -Verhältnisse lagen, dürfte die Sache sich folgendermaßen zugetragen -haben. Als Christina bei den Beginen in Cöln eintrat, gab es in -Stommeln offenbar noch kein Beginenhaus. Sonst würde Christina nicht -nötig gehabt haben, sich so viele Mühe zu geben, um endlich zu den -Beginen zu kommen. Während ihres vierjährigen Verweilens zu Cöln ist -dann zu Stommeln eine Beginengemeinschaft zustande gekommen. Eine -Verwandte Christinas, Hilla vom Berge, so genannt, weil sie auf dem -höhergelegenen Teile von Stommeln wohnte, war eine der angesehensten -der Stommeler Beginen. Wir wissen, daß Christinas Eltern ihr die -Aussteuer versagten. Deshalb werden die Cölner Beginen Christina -geraten haben, nach Stommeln zurückzukehren, da sie nunmehr dort, -wo mittlerweile die Beginen sich eingerichtet hatten, ebensogut als -Begine leben konnte wie in Cöln. Das Beginenhaus zu Stommeln war, wenn -auch nicht gleich von Anfang an, eine an die Kirche angebaute Klause. -Jedoch nicht alle Beginen wohnten dort, wenigstens nicht andauernd. -Die Räumlichkeiten scheinen zu beschränkt gewesen zu sein. Mehrere -von ihnen, wie Hilla vom Berge und die blinde Aleidis, hatten eigene -Wohnungen. Bei ihrer Rückkehr nach Stommeln nahm auch Christina -zunächst im elterlichen Hause Wohnung. Hier wurde sie, namentlich -anfangs, nicht allzu freundlich behandelt, weil sie gegen den Willen -der Eltern ins Kloster gegangen war. Man gönnte ihr nicht einmal das -Brot, das sie aß. Ihr der Abtötung und dem Gebete geweihtes Leben fand -auch nicht den Beifall der Beginen. Diese spotteten mehrfach über sie -und nannten sie eine Scheinheilige. So hatte sie Niemanden, weder zu -Hause noch außerhalb, bei dem sie einigen Trost gefunden hätte. Im -öftern Empfange der h. Kommunion hätte sie gerne Kraft und Mut sich -geholt zum standhaften Ertragen aller Widerwärtigkeiten. Allein sie -wagte es nicht, darum zu bitten, mit wie heißer Sehnsucht sie auch -darnach verlangte; denn damals war es nicht üblich, häufig zu den -hh. Sakramenten zu gehen. Es war ja im dreizehnten Jahrhundert, daß -die vierte Lateransynode (1215) sich veranlaßt sah, die Pflicht der -Osterkommunion unter Androhung von kirchlichen Strafen einzuschärfen. -Der Heiland jedoch wußte auf andere Weise sich seiner treuen Dienerin -mitzuteilen. Ihrem Pfarrer Johannes hat sie nämlich im h. Gehorsam -gestanden, sie sei einst krank gewesen (so nannte sie in Demut ihren -mystischen Zustand), und da habe sie stets über das bittere Leiden -unseres Herrn nachgedacht. Das habe wohl sechs Wochen gedauert. Und -es sei ihr vorgekommen, als ob ihr vielgeliebter Heiland vor ihren -Augen getötet worden sei. Sie lag dann, so fährt der Pfarrer Johannes -fort, in tiefster Beschaulichkeit da, aß sozusagen gar nichts und ihre -Glieder blieben, wie Johannes selbst gesehen hat, ganz starr. Aber -auch der Versucher stellte sich bei ihr ein. Umstrahlt von Schönheit -erschien er ihr, tröstete sie und sprach: „Teuerste, gehab dich wohl; -der Herr ist mit dir.“ Er belobte sie dann sehr und sagte schließlich: -„Siehe, schon bist du merklich schwächer geworden. Wenn du dich noch -zwei Tage lang der Nahrung enthältst, so wirst du alsbald deinen Gott -in seiner Herrlichkeit schauen.“ Bei diesen Worten erkannte Christina -durch Erleuchtung des h. Geistes den teuflischen Betrug, begehrte -sofort zu essen und beschämt wich der Böse von dannen. - -Abgesehen von dieser Versuchung lebte Christina drei Jahre lang im -Hause ihrer Eltern in seligem Herzensfrieden, auf Gott allein ihren -Sinn richtend und nicht beachtend, was in der Welt vor sich ging. Sie -war nun zwanzig Jahre alt und sollte bald in die Schule der Leiden -genommen werden, indem es dem Satan gestattet wurde, sie zu quälen, -wie er einst den Diener Gottes, den gerechten Job, gequält hatte. Nur -das Leben durfte er ihr nicht nehmen, wie er ja auch dem Job das Leben -lassen mußte. Sie nahm, wie es scheint, Wohnung im Hause der Beginen. -Dort kam der Versucher in Gestalt des h. Apostels Bartholomäus zu ihr -und sagte ganz leise: „Teuerste Tochter, deine Werke sind wohlgefällig -vor Gott, dem du über die Maßen gefällst. Du hast jetzt eine Zeit -lang an Leib und Seele Ruhe genossen. Nun mußt du auch, da du gar sehr -verlangst, zum Geliebten deiner Seele zu kommen, an deinem Körper etwas -leiden.“ Wohl einen Monat lang wurde sie von solchen Zuflüsterungen -geplagt. Endlich kam der Versucher mit einem Bündel Hülsendorn und -sprach: „Weil du bisher allzu weichlich gelebt hast, so bringe ich -dir dies, damit du damit deinen Leib zur Ehre Gottes kasteiest; denn -das gefällt ihm gar sehr.“ Also tat er zur Zeit der Mette sowohl wie -zur Zeit der Komplet. Christina aber, vom h. Geiste belehrt, dachte -bei sich: „Es ist der Dämon. Kaum vermag ich die übliche Geißelung -zu ertragen, um wieviel weniger eine solche?“ Sodann sprach sie zum -Versucher: „Uebel ist dein Rat, weil er falsch ist; denn Gott will, daß -man in allem weise maßhalte.“ Doch wiewohl sie den Versucher in dieser -Weise abfertigte, kam ihr doch später immer wieder der Gedanke, sie -hätte doch den Rat befolgen sollen; er könne doch von Gott herrühren. -Als der Versucher jedoch sah, daß Christina seinen Einflüsterungen -nicht Folge gab, rächte er sich, indem er selbst acht Nächte hindurch -Christina mit Hülsenwischen dermaßen geißelte, daß sie am ganzen Leibe -wund war. Hilla vom Berge, die zur Zeit der Komplet zu ihr zu kommen -pflegte und nicht wußte, was vor sich gegangen war, fand sie wie halb -tot und brachte sie zu Bette. Nachdem der Versucher sie noch durch -mehrere andere Plagen das Jahr hindurch belästigt hatte, quälte er -sie im Advent auf besondere Weise. Am ersten Adventssonntage wurde -sie, während sie ihren Rosenkranz[7] betete, mit einem knotigen Stocke -derartig von unsichtbarer Hand geschlagen, daß die Umstehenden meinten, -man müsse es im ganzen Dorfe hören können. Fünfmal fiel Christina -dabei in Ohnmacht. Schließlich betete sie zum Herrn also: „Herr Jesu, -ich bitte dich bei deinem bitteren Leiden, befiehl dem Dämon, er solle -aufhören mich zu schlagen; denn ich vermag es nicht länger zu ertragen. -Oder gib mir die Gnade, daß ich es auszuhalten vermag.“ Eines Tages -empfing sie, als sie in den Stall ging, einen solch heftigen Schlag -auf die Hand, daß Blut floß. Darob weinte sie, nicht aus Mangel an -Gottergebenheit, sondern weil sie glaubte, in solchem Leiden nicht -mehr allein in ihrem Kämmerlein leben zu können und in ein anderes -Haus ziehen zu müssen. Mehrfach noch erhielt sie von unsichtbarer Hand -Schläge, die derartig heftig waren, daß man sie fast bis auf die Straße -hörte. Auch wurden ihre Füße zerkratzt, und zwar einmal mit spitzigen -Eisenkrallen; und die ganze Pfarre kam zusammen und sah mit eigenen -Augen diese Quälereien. - - [7] Dieser Rosenkranz bestand aus 50 Vater unser (_Pater noster_). - Auch die Gebetsschnur, der man sich beim Beten der 50 Vater - unser bediente, hieß _Pater noster_, wie sie in den Niederlanden - noch heute genannt wird. Die Dominikaner trugen einen solchen - Rosenkranz schon damals am Gürtel, und die Beginen desgleichen. - _V. C._ 108, 118. - -Christina kehrte ins Haus ihrer Eltern zurück und blieb etwa ein Jahr -lang von körperlichen Mißhandlungen frei. Jedoch suchte der arglistige -Feind ihre Andacht auf mancherlei Weise zu stören. Am Weihnachtsabend -kam er in Gestalt eines Stieres und brüllte entsetzlich, packte ihren -Kopf zwischen seine Zähne und übergoß ihr Gesicht mit Geifer. Vier -Wochen nachher hörte sie jedesmal ein starkes Brüllen, so oft sie der -h. Messe beiwohnte, Gottes Lob singen oder predigen hörte, oder wenn -sie sich im Gebete befand. Davon wurde sie eine Zeit lang ganz taub. -Als sie den Herrn bat, er möge diese Plage, die ihr die Uebungen der -Gottseligkeit verleidete, von ihr nehmen, hörte sie eine gar liebliche -Stimme einen Psalm zum Lobpreis Gottes anstimmen, wodurch ihr Herz -in solche Wonne versetzt wurde, wie sie niemals solche bis dahin beim -Gesange empfunden hatte. Das Gehör war wiedergekommen; nunmehr wurde -sie eine Zeit lang stumm. Ein mündliches Gebet vermochte sie nicht -mehr zu verrichten. Zuweilen versuchte sie kurze Seufzer auszusprechen -wie: „Mein Herr und mein Gott!“ oder: „O Gott, erbarme dich meiner!“ -oder: „Vielgeliebter.“ Aber auch das vermochte sie nicht. Sie bekam -darüber solches Wehe, daß sie vierzehn Tage lang Blut spuckte. Der -Versucher aber kam und verhöhnte sie, indem er sprach: „O Törin, wo ist -nun dein Gott? Wenn du einen Gott hast, so bete diesen an und rufe ihn -an. Du siehst doch wohl, daß ich der Schöpfer aller Dinge bin.“ Solche -Lästerungen empörten Christina, und es schmerzte sie über die Maßen, -daß sie ihn, weil sie stumm war, nicht abfertigen konnte. - -Dann quälte sie der Böse durch Ohrenbläsereien. Drei Wochen lang -flüsterte er ihr unaufhörlich in die Ohren, was die Menschen Unrechtes -getan, gestohlen und dergleichen, und dabei nannte er die Leute mit -Namen. Auch drohte er ihr, er werde in der Kirche laut ausrufen, daß -sie alles, was abhanden gekommen sei, gestohlen habe. Als auch diese -Versuchungen nicht vermochten, Christina zu lieblosen Urteilen oder zur -Vernachlässigung des Gottesdienstes zu verleiten, wurde sie vierzehn -Tage hindurch durch feuerige Erscheinungen in Schrecken gesetzt. Wollte -sie in ihrem Kämmerlein beten, so schien es in Flammen zu stehen; nahm -sie ihr Gebetbuch, so schien es zu brennen; ging sie zum Beichtstuhl, -so schien der Priester in Flammen zu stehen; wollte sie dem Tische des -Herrn nahen, so glaubte sie, durchs Feuer gehen zu müssen. Unterdessen -kam wieder die Adventszeit heran und nach den früher gemachten -Erfahrungen war Christinas Umgebung in Furcht vor neuen Plagen. So kam -es, daß der ehrwürdige Pfarrherr Johannes sie für den Advent 1267 ins -Pfarrhaus aufnahm. - - - - -Viertes Kapitel. - -Zur Beurteilung des Dämonischen. - - -In der Folge wird häufiger noch als bisher von ganz eigenartigen Plagen -die Rede sein, von denen Christina heimgesucht wurde. Christina ist -nicht die einzige unter den Seligen des Himmels, die solche Plagen -zu erdulden hatte. Bezeichnender Weise sind es vorzugsweise die mit -mystischen Zuständen Begnadigten, die solchen Quälereien ausgesetzt -sind, als deren Urheber gemeinhin die bösen Geister angesehen werden. -Kein geringerer als der Völkerapostel Paulus, der in den dritten -Himmel entrückt wurde, klagt darüber, daß der Satansengel ihn mit -Faustschlägen mißhandelt habe. - -Die Ungläubigen, die alles Uebernatürliche leugnen, halten alles -Dämonische für Fabel oder Ausgeburt eines krankhaften Gehirns. Mit -solchen Leuten kann man aufrichtiges Mitleid haben. - - „Den Teufel spürt das Völkchen nie, - „Und wenn er sie beim Kragen hätte.“[8] - - [8] Göthe, Faust. - -Daß es eine Welt unsichtbarer Geister gibt, von denen die einen, -die hh. Engel, das Menschengeschlecht lieben, die andern hingegen, -die gefallenen Engel, die wir Teufel nennen und deren Fürst Satan -ist, voller Haß und Neid gegen die Adamskinder, die statt ihrer der -Himmelsherrlichkeit teilhaft werden sollen, diesen zu schaden suchen, -ist eine Wahrheit, die fast auf jeder Seite der heiligen Schriften -des alten und neuen Bundes zu Tage tritt und die auch, wenn auch mehr -oder minder entstellt, im Bewußtsein des gesamten Menschengeschlechtes -zu allen Zeiten festgehalten wurde. Ein wissenschaftlicher Beweis für -die Behauptung, daß es keine Teufel gibt oder keine geben kann, oder -daß diese die Menschen nicht zu versuchen oder ihnen nicht zu schaden -vermögen, ist bisher von Niemanden erbracht worden und kann auch -nicht erbracht werden. Von ewigen, unabänderlichen Naturgesetzen zu -reden, ist leere Phrase. Gesetze sind Vorschriften. Naturgesetze aber -schreiben nichts vor. Es sind nur Verallgemeinerungen von einzelnen von -uns beobachteten Vorgängen. Will man von Naturgesetzen reden, so muß -man auch einen Herrn der Natur annehmen, der mit Macht und Weisheit -sie leitet, der aber auch auf andere als die gewohnte Weise durch -sie wirken kann und auch solches vollbringen kann, was die Kräfte der -Natur übersteigt. Denn der Urheber der Natur ist doch nicht durch die -von ihm ins Dasein gerufenen Naturkräfte eingeschränkt. Wenn schon -der Mensch gewaltige Aenderungen im Naturlauf hervorrufen kann, indem -er die Naturkräfte seinem Willen dienstbar macht, sei es, daß er auf -dem Stahlroß oder im Kraftwagen über die Erde dahinsaust, oder im -Luftschiff sich in die Höhe emporschwingt und am Himmelsgezelt mit den -Wolken einherfährt, wie sollte es den überirdischen Geistern, denen -zudem auch die uns noch verborgenen Naturkräfte bekannt sind, sich -deren mit Zulassung des Schöpfers nicht bedienen können, um Wirkungen -hervorzubringen, die uns wunderbar vorkommen? Eigentliche Wunder kann -freilich nur Gott allein wirken, weil nur seine Allmacht die Macht -der von ihm geschaffenen Natur übersteigt. Die Engel jedoch und ebenso -die Teufel vermögen die vorhandenen natürlichen Kräfte in einer Weise -anzuwenden, die ungewohnt ist und uns deshalb wunderbar erscheint. -Teuflische Einwirkungen auf die Menschheit sind deshalb möglich. Ob sie -nun wirklich vorliegen, muß in jedem Falle, wo ihre Tatsächlichkeit -behauptet wird, bewiesen werden. Nirgendwo wäre Leichtgläubigkeit -weniger angebracht als hier. Die Kirche läßt uns in der Untersuchung -und Prüfung solcher Vorkommnisse, die in den Lebensbeschreibungen der -Heiligen berichtet werden, vollste Freiheit und ermahnt uns zu größter -Vorsicht. Der allgemeine Einwand jedoch, heutzutage trete der Teufel -nicht sichtbar in die Erscheinung, also habe er es auch früher nicht -getan, ist nicht stichhaltig. Der Teufel ist eben von jeher arglistig -und boshaft und Dummheit gehört nicht zu seinen Eigenschaften. Vor -allem sucht er Unglauben und Gottlosigkeit zu verbreiten. Das würde er -aber heutzutage am wirksamsten verhindern, wenn er offen hervorträte. -Denn wer heute an den Teufel glaubt, der kann nicht mehr ungläubig -sein, der muß auch Hölle und Himmel annehmen, und an Gott glauben. -Anders aber lagen die Dinge im Mittelalter, wo der Glaube ans Jenseits -unbestritten war. - -Was nun die teuflischen Quälereien, die von der seligen Christina -in der Jülicher Handschrift berichtet werden, anbelangt, so verdient -hervorgehoben zu werden, daß diese Handschrift zu Lebzeiten Christinas -angefertigt wurde, und die Verfasser die Vorkommnisse miterlebt -oder sie aus dem Munde Christinas vernommen haben. Daß sie alle die -Wahrheit sagen wollten, wird niemand, der diese Aufzeichnungen und -Briefe liest, in Zweifel ziehen. Die Erzählung ist so treuherzig, -die Schilderung so unmittelbar, die in die Darstellung verwobenen -Angaben über Ort, Zeit und sonstige Umstände der Geschehnisse mit -der geschichtlichen Wirklichkeit so genau übereinstimmend, daß ihr -der Stempel der Wahrhaftigkeit nicht abgeleugnet werden kann. Die -Personen, welche diese Dinge berichten, sind achtbare, unterrichtete -Männer. Da sind zunächst die beiden Pfarrer von Stommeln, Johannes und -sein Nachfolger Heinrich, die beide über alles, was Christina betraf, -aufs genaueste unterrichtet waren, an ihr das lebhafteste Interesse -nahmen und in ihrem ganzen Verhalten eine Art heiliger Ehrerbietigkeit -gegen Christina an den Tag legten. Pfarrer Johannes war ein Mann -nach dem Herzen Gottes, von reinem Wandel und erprobter Tugend, -ausgezeichnet durch uneigennützige Freigebigkeit und große Frömmigkeit, -wie allgemein bekannt war. Da ist ferner der hochbetagte, in der -Seelenleitung wohlerfahrene Bruder Walter aus dem Dominikanerkloster -zu Cöln, der uns geschildert wird als sehr frommer Mann, reich -an Jahren und Verdiensten, mit weißem Haupthaar und lieblichem -Angesichte, hochangesehen nicht bloß bei den Weltgeistlichen, sondern -auch bei den Ordensleuten.[9] Dieser war Christinas Beichtvater -seit ihrem Eintritt ins Beginenkloster zu Cöln. Da ist vor allem -der schwedische Dominikaner Petrus von Dazien, der am eingehendsten -sich mit den Zuständen Christinas befaßt und dem vorzugsweise die -über sie erhaltenen Aufzeichnungen zu danken sind. Petrus stammte -aus der Stadt Wisby auf der Insel Gotland in der Ostsee, war gegen -das Jahr 1266 in den Dominikanerorden eingetreten, dessen zehnte -Provinz Dänemark, Schweden und Norwegen umfaßte und Dazien genannt -wurde. Wegen seiner Zugehörigkeit zu dieser Provinz wird er gemeinhin -Petrus von Dazien genannt. Wegen seiner besonderen Befähigung wurde -er von seinen Ordensobern zur Vervollkommnung seiner Studien nach -Cöln und Paris geschickt. Während seines Cölner Aufenthaltes, der von -1266-1269 währte, kam er zwölfmal nach Stommeln, dann noch einmal -bei seiner Hinreise nach Paris und abermals bei der Rückreise, und -später noch einmal von Schweden aus, also im ganzen fünfzehnmal. Der -ebenso fromme und demütige wie kenntnisreiche und gelehrte Ordensmann -betrachtete Christina als das ihm von Gott gegebene Vorbild eines -vollkommenen, ganz der Liebe Jesu Christi geweihten Lebens; Christina -hingegen, durch göttliche Erleuchtung belehrt, betrachtete den Petrus -als ihren geistlichen Führer und Tröster. Christina verschloß, wie -alle wahrhaft mystischen Seelen, die Vorgänge ihres Innenlebens vor -der Außenwelt. Nur dem Petrus gab sie in Gehorsam hierüber Aufschluß. -Petrus war schon einundzwanzig Jahre hindurch im Dominikanerorden, -als er im Advent 1267 zum ersten Male nach Stommeln kam. Er war mithin -nicht ein unerfahrener, junger Student, wie der Innsbrucker Professor -Emil Michael irrtümlicher Weise annimmt, sondern ein allseitig -durchgebildeter, urteilsfähiger Ordensmann in der vollen Kraft des -Mannesalters. In welchem Ansehen er stand, geht daraus hervor, daß er -nach seiner Rückkehr in die Heimat Lesemeister zu Skeninge, dann zu -Strengnäs und darauf zu Gotland wurde und schließlich zu Wisby das Amt -eines Priors versah. Einen getreuen Helfer in der Aufzeichnung dessen, -was sich Merkwürdiges im innern und äußern Leben Christinas ereignete, -hatte Petrus in dem Schullehrer zu Stommeln, dem Magister Johannes, -einem allseitig verehrten Manne von frommem und reinem Wandel, der -später Priester wurde und als Kaplan Christinas bezeichnet wird. Petrus -vergleicht ihn in einem seiner Berichte mit dem Apostel Johannes; denn -wie der Heiland diesem seine jungfräuliche Mutter, so habe er ihm -seine Namensgenossin, das Gefäß der Tugenden und die Uebungsschule -aller geistigen Kämpfe zur Hut anvertraut. Dem Petrus sei auch hier -der Johannes vorgezogen. „Darum,“ so fährt Petrus fort, „strenge -deine Sinne an, suche scharf und mit allem Fleiße zu beobachten, was -der Herr Wunderbares wirkt. Lasse dir keine Handlung und kein Wort -entgehen, was der Bräutigam oder die Braut tut oder spricht. Beobachte -das Benehmen, wäge ab die Handlungen, verkoste die Freuden, merke -die Gnadenerweisungen, das Geheime bewahre treu in deinem Herzen -und erzähle es, wenn die Zeit gekommen, den Gläubigen. Denn es wird -die Zeit kommen, wo man dies von dir verlangen wird. Und weil das -Gedächtnis sehr vergeßlich ist, so schreibe auf, was der Herr Großes -wirkt.“[10] Wie getreulich der Meister Johannes dieser Aufforderung -nachgekommen ist, zeigt das dritte Buch der Jülicher Handschrift. Was -Johannes von Christina berichtet, hat er ihr größtenteils abgelauscht -bei ihrem Erwachen aus der Verzückung. „Diese Geheimnisse,“ so schreibt -er an Petrus, „die ich Ew. Liebden mitteile, sind mir nicht von einem -Menschen, sondern von Gott kundgemacht worden. Laßt Euch das nicht -unglaublich sein. Denn wenn zu den Dienern Gottes im allgemeinen -gesagt ist: „Nicht ihr seid es, die da reden, sondern der Geist eures -Vaters ist es, der in euch redet,“ so gilt das auch insbesondere -von seiner Braut und besonders zu jener Zeit, wo sie eben aus der -Entrückung zurückkehrt, in dem Zeitraum, wo sie von äußern Dingen und -von sich selbst nichts weiß. Ich schreibe euch dies darum, auf daß ihr -wisset, daß Christina, Eure Tochter, zur Zeit, wo sie ihrer mächtig -war, mir nichts von dem, was ich aufgeschrieben habe, mitgeteilt hat, -außer wenigem über ihr Leiden.“ Sehr richtig ist diese Bemerkung -des Magisters Johannes für die Beurteilung der außergewöhnlichen -teuflischen Quälereien, die im dritten Buche der Jülicher Handschrift -berichtet werden. Sie tragen durchgängig visionären Charakter und somit -entfällt alles, was man gegen ihre Glaubwürdigkeit vorgebracht hat. - - [9] _V. C._ 6. - - [10] _V. C._ 235. - -Da die Dominikaner damals stets zu Fuß reisten und bei ihren Reisen -stets mindestens zu zweien sein mußten, so kamen mit Petrus auch -andere Dominikaner nach Stommeln und lernten Christina kennen. Außer -dem bereits erwähnten Bruder Walter verdienen noch angeführt zu werden -die Brüder Gerhard vom Greif, ein sehr gelehrter Mann, Lehrmeister -der Studenten und ehemaliger Unterprior im Cölner Kloster,[11] und -Johannes von Muffendorf, die beide auch zu Christinas Beichtvätern -zählen, ferner die Brüder Aldebrandino aus Rom, Balduin von Flandern, -Gotfrid von Werden, Jakob von Andernach, Johannes Hespe aus der Provinz -Dazien, Karl, der in Paris studiert hatte und als Ordensmann, reich -an Gnaden, ausgezeichnet durch große Herzensreinheit, feine Sitten, -Freigebigkeit und vorzügliche Frömmigkeit, gerühmt wird,[12] ferner -Bruder Laurentius aus dem Kloster zu Wisby, Bruder Mauritius, später -Lesemeister in Reval, Bruder Salomon aus Ungarn, Bruder Folkwin von -Gotland, Bruder Wilhelm von Werigehal aus der englischen Provinz und -Bruder Wipert von Böhmen aus der Provinz Polen. Wie der Vorgesetzte -dieser Brüder, der Cölner Prior Hermann von Havelbrech, über -Christina dachte, ersehen wir aus den Worten, mit denen er den Brüdern -Aldebrandino und Petrus auf ihr Begehren Erlaubnis erteilte, nach -Stommeln zu gehen: „Geliebteste Söhne,“ sprach der Prior, „mit Freuden -gestatte ich euch, nach diesem Orte zu gehen, um Gottes Wundertaten zu -sehen. Ich habe nämlich so außerordentliche Dinge von dieser Jungfrau -gehört, daß ich sehr gerne mit euch gehen möchte, wenn ich dazu in -der Lage wäre. Ihr aber, Geliebteste, seid noch jung und seid aus -entfernten Gegenden hierhergekommen und möget also hingehen und die -wunderbaren und erbaulichen Dinge beobachten. Diese könnt ihr dann -dereinst in eueren Ländern noch im hohen Alter zu gegebener Zeit andern -zur Erbauung erzählen.“[13] Einige Monate nachher, am Weißen Sonntag -1269, ging indes Prior Hermann selbst mit dem Bruder Arnold von Xanten, -Prior von Straßburg, nach Stommeln und besuchte Christina. Dieser -Prior Hermann von Havelbrech war aber ein Mann von großer Sanftmut und -Güte, geschmückt mit allen Tugenden. Längere Zeit hindurch war er der -Begleiter des Ordensgenerals Johannes I. gewesen und hatte mit diesem, -wovon er mitunter zu erzählen pflegte, zehn Provinzen des Ordens -bereist. Auch war er zweimal Provinzial der deutschen Ordensprovinz -gewesen. Doch nicht bloß die Dominikaner kannten Christina. Auch die -minderen Brüder vom h. Franz in Cöln interessierten sich für sie. Im -Jahre 1281 z. B. kamen am Vorabend von Johannes Geburt zwei Minoriten -mit vier Dominikanern nach Stommeln, um Christina in der Verzückung zu -sehen. Der Prior der unweit von Stommeln gelegenen Benediktinerabtei -Brauweiler, Gotfrid genannt, „ein Mann von allseitig gutem Rufe, -großer Bescheidenheit und auferbaulichem Wandel“, von dem Petrus von -Dazien sagt, daß er, ohne der Heiligkeit der übrigen nahetreten zu -wollen, niemals einen Mann seines Ordens von solcher Vollkommenheit -gesehen habe,[14] war Christinas väterlicher Freund, der häufiger in -Begleitung des Kellermeisters der Abtei Brauweiler, namens Leonius, -eines hochbetagten Mannes von großer Umsicht und Reife des Urteils, -sie in Stommeln besuchte. Zur Zeit des Interdiktes, das Erzbischof -Engelbert von Falkenburg über Cöln und Umgebung verhängte, weil die -Stadt sich mit dem Grafen von Jülich gegen ihn verbündet hatte, ging -Christina regelmäßig nach Brauweiler, um in der Abteikirche, die dem -Interdikte nicht unterlag, dem Gottesdienste beizuwohnen. Sie beichtete -dann regelmäßig bei dem Prior Gotfrid. Auch andere Geistliche aus dem -Ordens- und Weltklerus kamen Christinas halber nach Stommeln, z. B. -Adolf, Scholar des Cölner Domdechanten, Magister Heinrich vom Stifte -der hh. Jungfrauen in Cöln, Herr Engelbert vom St. Cäcilienstifte -dortselbst und ein Mönch des Klosters Quinheim[15] bei Neuß. Es wird -vielfach behauptet, im Mittelalter sei man wundersüchtig gewesen und -deshalb verdienten die Wundermären aus jener Zeit keinen Glauben. -Wie alle derartigen allgemeinen Sprüche sich bei näherem Zusehen als -oberflächliche Uebertreibungen erweisen, so auch hier. Die Männer, -die Christinas mystische Zustände in Stommeln beobachteten, waren -keine Schwärmer. Es waren fromme und vernünftige Männer von nüchterner -Auffassung und gesundem Urteil. Wie sie dachten, geht anschaulich -hervor aus einer Begrüßungsszene zwischen dem vorhin erwähnten -Unterprior Gerhard vom Greif und Petrus von Dazien. Als letzterer im -Jahre 1279 aus Schweden kommend in Cöln anlangte, hatte er in Stommeln -vorgesprochen und der Unterprior sprach zu ihm, als er ihn im Cölner -Kloster empfing: „Habt Ihr Christina gesehen?“ denn er kannte die -Hochachtung, die Petrus gegen Christina hegte. Petrus antwortete: „Ja, -Vater.“ Da lächelte der Unterprior und fuhr fort mit den Worten des -h. Hieronymus an Paulinus: „Jene Zeit hatte ein unerhörtes, für alle -Jahrhunderte denkwürdiges Wunder, sodaß die Menschen, die in eine so -herrliche Stadt kamen, dennoch etwas anderes außerhalb dieser Stadt -suchten und diejenigen, die Cöln nicht an sich ziehen konnte zu seiner -Bewunderung, sich durch den Ruf eines einzigen Menschenkindes angezogen -fühlten.“ Dann fragte er weiter: „Wie geht es mit Christina? Wie -gefällt Euch ihr Zustand?“ Petrus antwortete: „In allem gut. Ich bin -gar sehr getröstet worden; denn seit meinem Weggang hat sie sehr große -Fortschritte in der Heiligkeit gemacht.“ Der Unterprior erwiderte: -„Ihr habt recht, Bruder Petrus; ich bin derselben Ansicht und Ihr -möget wissen, daß meine Hochachtung gegen sie um kein Haar abgenommen -hat. Daß ich sie aber seltener als früher besuche, kommt daher, weil -diejenigen, die früher die Brüder aufzunehmen pflegten, meistens -gestorben sind.“[16] So spricht und handelt kein wundersüchtiger -Schwärmer. - - [11] In Cöln gab es im 13. Jahrhundert ein Haus zum Greif (_domus - Grifonis_). Anal. des hist. Vereins für den Niederrhein. 46, 97. - - [12] _V. C._ 15. - - [13] A. a. O. 40. - - [14] _V. C._ 41. - - [15] Quinheim war dort, wo jetzt Grimlinghausen liegt. - - [16] _V. C._ 153-154. - -Auch bei dem weiblichen Geschlechte fand Christina Verständnis und -Verehrung. Da ist vor allem zu nennen die hochangesehene, hochbetagte -Aebtissin des hochadeligen Damenstiftes zur h. Cäcilia in Cöln, Geva, -Gräfin von Virneburg, die mit den fein gebildeten Stiftsfräulein, -unter denen Irmgardis[17] hervortritt, besonderes Interesse für die -fromme Tochter des Stommler Gutsbesitzers Bruso bekundete. „Geva -liebte Christina wie eine Mutter ihre Tochter und erwies ihr viel -Gutes.“[18] Auch zwei Stiftsdamen aus dem Stifte der hh. Jungfrauen -(St. Ursula) in Cöln, Christina und ihre Schwester Gertrud, zählten -zu Christinas Bekanntenkreis.[19] Was von größter Bedeutung ist, -diejenigen, die täglich um Christina herum waren, ihre Vertrauten, -die Beginen von Stommeln, liebten und verehrten ihre Mitschwester -Christina und erwiesen ihr, wie Christina bezeugt, viel Gutes. Wenn -sie auch anfänglich mitunter, von frommer Eifersucht verleitet, über -Christinas strenges Bußleben und ihre mystischen Zustände gespöttelt -hatten, so erkannten sie doch, beim längeren Zusammenleben mit ihr, -die Gediegenheit ihres Wesens und die Echtheit ihrer Begnadigungen. Da -ist zuerst Hilla vom Berge, ihre Blutsverwandte und unzertrennliche -Gefährtin in allen ihren Leiden und Freuden. „Ich sah, schreibt -Petrus, ihr Angesicht immer gleich, sie mochte im Glück oder Unglück -sein. Sie war eine Jungfrau, die alles Lob verdiente, in Kreuz und -Leid unverzagt, in Freude und Glück behutsam, überall eine wahre -Jungfrau im Wandel, im Verhalten, in der Rede. Ihr Scherz war ernst -und ihr Ernst schien scherzend, weil sie in Wort und Benehmen sich -immer gleichmäßig benahm. Nächst Christina glaube ich kein Mädchen -von solcher Herzensreinheit je gesehen zu haben; denn es kam mir vor, -als könnte sie keine Sünde begehen, und Gott weiß es, daß ich an ihr -nie eine Geberde, eine Miene oder ein Wörtchen wahrgenommen habe, was -auf Leichtsinn hätte schließen lassen können, wiewohl ich sie scharf -beobachtet und mich oft und lange mit ihr unterhalten habe.“[20] - - [17] Geva, Gräfin von Virneburg, war Aebtissin des St. Cäcilienstiftes - zu Cöln von 1266-1272; eine Irmgardis, Freiin von Wevelkoven - (Wevelinghoven), gehörte dem Stift an von 1276-1282. Diese - dürfte zu Gevas Zeiten wohl eine Anwartschaft auf eine Stelle als - Kanonissin gehabt haben; denn eine Irmgardis tritt als Begleiterin - Gevas auf. Diese chronologischen Angaben verdanke ich der gütigen - Mitteilung des Herrn Rektor Michels in Remagen, der zur Zeit die - Geschichte des St. Cäcilienstiftes bearbeitet. - - [18] _V. C._ 30, 36. - - [19] _V. C._ 22. - - [20] A. a. O. 22. - -An zweiter Stelle kommt die blinde Aleidis, die, wie man glaubte, durch -Weinen das Augenlicht verloren hatte und sich doch über diesen Verlust -nicht beklagte. Sieben Jahre hindurch war sie bettlägerig gewesen und -hatte bei gänzlicher Erschöpfung ihrer Kräfte eine wundersame Geduld -bewiesen. Ihre Tugend läßt sich, sagt Petrus, nicht beschreiben. -Wer sie kennt, wird gestehen, daß alles Lob hinter der Wirklichkeit -zurückbleibt.[21] -- Neben der blinden Aleidis gab es in Stommeln noch -eine andere sehr geschäftige Begine mit Namen Aleidis und außer der -Hilla vom Berge auch noch eine Hilla von Ingendorf. Die Schwester des -Pfarrers Heinrich von Stommeln, Benigna mit Namen, war ebenfalls nach -Kleidung und Wandel eine Begine, wiewohl sie nicht in deren Klause -wohnte, sondern ihrem Bruder den Haushalt führte. Zum engeren Kreise -der Freundinnen Christinas gehörten auch noch ihre Nichte Hilla und die -Nichte der blinden Aleidis, die Begine Engilradis, Tochter des dortigen -Vogtes, sowie die hochbetagte Mutter des Pfarrers Johannes und dessen -beide Schwestern Gertrud und Hadewig. Diese Gertrud, von der gerühmt -wird, daß sie eine gar liebliche Stimme hatte und oft und gerne schöne -geistliche Lieber sang, war eine ganz besondere Vertraute Christinas. - - [21] A. a. O. 22. - - Abb. 3. Beginenfigur (14. Jahrh.). - -Was Christina selbst anbelangt, so war sie das Kind gesunder Eltern. -Auch ihre vier Geschwister erfreuten sich bester Gesundheit. Sie war, -wie der Befund ihrer Gebeine ausweist, von schlankem und kräftigem -Körperbau und erreichte ein Alter von siebenzig Jahren. Sie lebte in -frischester Landluft, liebte es freilich, vorzugsweise am Spinnrocken -zu sitzen und sich mit Nähen und Sticken zu beschäftigen.[22] -Andererseits aber beteiligte sie sich auch an der Feldarbeit, half -namentlich bei der Ernte[23] und war selbst des Reitens nicht unkundig. -So wird von ihr berichtet, daß sie am Ostersonntag des Jahres 1268, -weil ihre Füße vom Karfreitag her noch wund waren, an der Seite ihres -Vaters zur Kirche ritt, um der Osterpflicht zu genügen, und zwar, um -Aufsehen zu vermeiden, in weltlicher Tracht. - - [22] A. a. O. 199. - - [23] A. a. O. 150. - -Manche sind geneigt, Christinas Zustände als Krankheitserscheinungen -zu betrachten. Sie denken an überreizte Nerven, Halluzinationen und -Hysterie. Krankheitsbilder unseres nervösen Zeitalters werden ohne -weiteres in das dreizehnte Jahrhundert zurückverlegt, wo jedoch -Volksgesundheit und Volkskraft in höchster Blüte standen. Christinas -Persönlichkeit hatte nun aber gar nichts an sich von der zarten -Mattigkeit, der zitternden Empfindsamkeit und dem unaussprechlichen -Angekränkeltsein der nervenschwachen Frauenwelt unserer Tage. Christina -ist einige Male wohl auf wenige Tage krank gewesen; allein von einer -ernstlichen, langandauernden Störung ihrer Gesundheit ist nirgendwo die -Rede. Sie erfreute sich im Gegenteil wie alle ihre Familienangehörigen -einer kräftigen, widerstandsfähigen Körperverfassung. Wenn sie -mitunter das Bett zu hüten gezwungen war, so geschah dies infolge -mystischer Zustände, die sie in ihrer Demut als Schwachheitszustände -bezeichnete. Man hat auch versucht, Christinas mystische Zustände -mit gewöhnlichen Frauenleiden in Verbindung zu bringen und sie aus -diesen zu erklären, weil sie mit dem einundzwanzigsten Lebensjahre -anfingen und mit dem sechsundvierzigsten Lebensjahre schlossen. -Es liegt hier der nicht selten vorkommende Trugschluß vor, aus dem -Nebeneinander zweier Erscheinungen auf deren ursächliche Abhängigkeit -voneinander ohne weiteres zu schließen. Unerklärlich bleibt jedoch -dann, weshalb denn nicht auch die Verzückungen und die Wundmale auf -diese Zeitperiode beschränkt blieben, sondern diese überdauerten. -Sind denn geheimnisvolle Leiden und von unsichtbarer Hand ausgeführte -körperliche Mißhandlungen, wie Christina sie in der angegebenen Zeit -zu erdulden hatte, dem weiblichen Geschlecht in dieser Zeitperiode im -allgemeinen eigen? Weshalb sollen denn gerade bei Christina gewöhnliche -Frauenleiden den Grund zur Erklärung ungewöhnlicher Zustände des -Seelenlebens hergeben? Auch vergißt man, daß das geheimnisvolle letzte -Leiden Christinas zur Zeit der Schlacht bei Worringen im Jahre 1288, -das gewöhnlich zur pathologischen Erklärung ihrer Zustände herhalten -muß, in keiner natürlichen Blutung bestand. Vielmehr bestand diese -darin, daß der ganze Körper zerfleischt und geschunden war und dann -zur Erhöhung der Qualen mit Salz eingerieben wurde. In Folge dieser -Marter war der ganze Leib mit Blut überströmt. Bei der beliebten -pathologischen Erklärungsweise bleibt es auch unerklärt, daß Christinas -Zustände in der angegebenen Zeit nicht das ganze Jahr hindurch währten, -sondern sich nach den liturgischen Zeiten richteten. Sie traten nämlich -regelmäßig in der Advents- und Fastenzeit sowie an den Vorabenden der -Heiligenfeste ein. Die Bußzeiten des Kirchenjahres waren Christinas -Leidenstage, ihre Festzeiten hingegen Christinas übernatürliche -Freudenzeiten. Auch blieb sie stets frei von allen Anfechtungen und -Quälereien am Kommuniontage und an dem darauffolgenden Tage bis zur -Komplet. - -Zudem darf nicht vergessen werden, daß ein beträchtlicher Teil der -Leiden Christinas mit Krankheitserscheinungen nicht den mindesten -Zusammenhang hat. Es sind einfache körperliche Mißhandlungen, die von -unsichtbarer Hand ausgeführt wurden, z. B. Ausschlagen von Zähnen, -Zerren an den Haaren, Durchbohren der Füße, Brennen mit glühenden -Steinen, Stockschläge, Geißelhiebe, Bewerfen mit Unrat und dergleichen. - -Einzelne der berichteten Leiden sehen allerdings epileptischen -Anfällen ähnlich, z. B. das beim ersten Besuch des Petrus beobachtete -wiederholte heftige Anschlagen des Kopfes gegen die Wand oder das -mehrere Jahre nachher im Advent eintretende heftige Erschüttertwerden -des ganzen Körpers. Allein es wirkten dabei auch Umstände mit, die in -ein Krankheitsbild schlecht passen. Des Vorganges beim ersten Besuche -des Petrus erinnert sich Christina nach zwölf Jahren noch in allen -Einzelheiten; hätte Fallsucht vorgelegen, so wäre dies doch wohl -nicht möglich gewesen. Auch fiel Christina bei dem Vorgange nicht zu -Boden, wie es doch bei epileptischen Krämpfen gewöhnlich der Fall -ist, sondern sie saß aufrecht da, wie alle übrigen, die im Zimmer -anwesend waren. Allerdings hätte Petrus, natürlich gesprochen, bei -seinem ersten Besuche zurückhaltender sein sollen in seinem Urteile. -Es wirkten jedoch damals auf seine Seele Vorgänge übernatürlicher -Art ein, von denen später noch die Rede sein wird. Diese lassen -freilich sein Verhalten erklärlich erscheinen. Das Erschüttertwerden -im Advent war Christina lange vorher angekündigt worden und sie war -darauf gefaßt. An der Fallsucht leidende Personen sind zudem in der -Regel minderwertige Menschen, was bei der mit den reichsten Gaben -an Körper und Geist ausgestatteten Christina mit nichten behauptet -werden kann. Will man epileptische Veranlagung als Erklärungsgrund -der außergewöhnlichen Zustände Christinas annehmen, so müßte doch das -Krankheitsbild ein gleichmäßiges sein. Allein das trifft keineswegs zu. -In jedem Advent, in jeder Fastenzeit treten Erscheinungen zutage, die -keinerlei Verwandtschaft aufweisen. Oder besteht etwa ein Zusammenhang -zwischen Geistestrockenheit und Besudeltwerden, zwischen Geißelung und -Brandwunden? - -Es soll jedoch nicht in Abrede gestellt werden, daß hin und wieder -vorübergehende Krankheitserscheinungen sich in Christinas Zustände -hineingemischt haben können. Daß sie einmal, sie wußte nicht wie, -in eine mit Schlamm gefüllte Grube hineingeriet, kann in Folge eines -Fieberanfalles geschehen sein. Bezeichnender Weise sagt Christina von -diesem Vorfalle, den sie bei späterem Befragen genau beschreibt, auch -gar nicht, daß er dämonischer Einwirkung zuzuschreiben sei. - -Bei Christina finden sich aber anderseits Vorkommnisse, die von allen -Gottesgelehrten, denen Fachkunde in der Unterscheidung der Geister -zusteht, als dämonische Einwirkungen bezeichnet werden. Aus der -Mundhöhle Christinas, die Gott von Herzen liebte, und deren größte -Freude es war, Gott zu loben, ertönen einmal, worüber sie entsetzt war, -Lästerungen und Verhöhnungen der Gottheit. Sie wird einmal auf einige -Zeit des Gehörs, ein anderes Mal der Sprache beraubt. Es kommt ihr -auf einmal ein unerklärlicher Widerwille gegen Personen, die sie am -meisten liebt und verehrt. Es treten Versuchungen auf, die weder von -der Umgebung herrühren, noch auf dem Boden ihres Herzens entsprossen -sein können, aber demjenigen ähnlich sehen, der Versucher von Anbeginn -ist, der bald zur Ueberhebung, bald zur Verzweiflung treibt, bald zum -Uebereifer anspornt, dann Apostasie in den Sinn gibt, in wechselnder -Folge den Menschen bald zur Unzucht, bald zum Unglauben zu verleiten -sucht, ihm jetzt Gedanken der Selbstgefälligkeit, dann Versuchungen zum -Selbstmord eingibt, dem aber immer zuwider sind Demut und Gottesliebe. - -Christina aber ist gerade ein Musterbild von Demut und Gottesliebe, -die sie dem Teufel besonders verhaßt machen mußte. Sie war zudem nicht -bloß mit außerordentlichen übernatürlichen Gnadengaben ausgerüstet, -sondern auch mit natürlichen Vorzügen aufs vornehmste bereichert und -geschmückt.[24] Petrus von Dazien gibt uns von ihr bei seinem zweiten -Besuche folgende Schilderung: „Ich hatte Gelegenheit, ihre Sitten -und ihr Verhalten genau zu beobachten und zu prüfen und reiflicher -Erwägung zu unterziehen, wie ich früher ihre Geduld und Bescheidenheit -betrachtet hatte. Obgleich nun Manches in ihren Zuständen vorkam, -was der gewöhnliche menschliche Verstand nicht fassen und erklären -kann und was nach meiner Meinung den Charakter des Uebernatürlichen -und Wunderbaren an sich trägt, so habe ich doch zum mindesten das -bemerkt, daß sie eine erstaunliche und für solche, die es nicht aus dem -Augenschein feststellen konnten, unglaubliche Enthaltsamkeit übte, eine -mit Anständigkeit verbundene Freundlichkeit und eine mit Gottesfurcht -gepaarte Heiterkeit besaß und dazu eine vor allen ausgezeichnete Demut -und Fröhlichkeit bei Erniedrigung und Zurücksetzung. Sie redete Weniges -und nur Erbauliches, und wenn man sie über etwas befragte, antwortete -sie mit Bescheidenheit. Sie redete mitunter auch wohl ein munteres, -nie aber ein leeres oder müßiges Wort. Sie trug Ordenskleidung, die -gleich entfernt war von überflüssigem Zierart wie von gesuchter Demut. -In ihrem Wandel war etwas wunderbar Tugendhaftes, das alle, die sie -sahen oder mit ihr umgingen, sehr erbaute. In ihrem Wandel und Wesen -suchte sie sich nach Möglichkeit den andern Menschen anzubequemen und -alles Auffallende zu vermeiden, um zu keinerlei Gerede Veranlassung zu -geben.“[25] - - [24] _V. C._ 143. - - [25] _V. C._ 10-11. - -Was nun die Beurteilung der teuflischen Quälereien, denen Christina -ausgesetzt war, anbelangt, so sind, nach Befund der Tatsachen, -drei Arten zu unterscheiden. Zunächst liegen, wie bereits gesagt, -körperliche Mißhandlungen vor, die mit den Sinnesorganen wahrnehmbar -waren. Diese wurden von vielen Zeugen wahrgenommen. Auch ließen die -dadurch hervorgerufenen Verwundungen ihre sichtbaren Spuren zurück -und heilten erst allmählich auf natürlichem Wege. Wenn z. B. in -der Jülicher Handschrift[26] berichtet wird, der Teufel habe der -Christina mit einer Zange zwei Backenzähne auf grausamste Weise -ausgerissen, so findet dies seine Bestätigung im Befunde des im -Grabmal der Seligen zu Jülich aufbewahrten Schädels. An ihm sind die -Grübchen zweier Backenzähne zugewachsen, wie es zu geschehen pflegt, -wenn Zähne im jugendlichen Alter entfernt werden. Diese Tatsache ist -bisher von niemanden beobachtet worden. Verfasser nahm sie wahr beim -Wiederverhüllen des Schädels nach der durch Weihbischof Hermann Josef -Schmitz vorgenommenen kanonischen Untersuchung der Gebeine am 17. -Februar 1897. - - [26] _V. C._ 149. - -Der größte Teil der an Christina verübten Quälereien ist jedoch -visionären Charakters, vollzog sich im Innenleben Christinas und war -für andere nicht wahrnehmbar. Darüber belehrt uns Christina selbst. -Denn sehr häufig betont sie, man solle nicht glauben, daß die von ihr -berichteten Vorgänge sich alle tatsächlich ereignet hätten, sie teile -seelische Empfindungen mit, sie habe Zustände inneren Leidens und -Kämpfens gehabt, die so auf sie einwirkten, als hätten sich die Dinge -wirklich zugetragen.[27] Diese Quälereien erfolgten regelmäßig durch -lebhaft in die Erscheinung tretende und auf das Vorstellungsvermögen -einwirkende Bilder. - - [27] _=Putabam= me sanguineas sudare guttas (V.C. 71); =Videbatur= - mihi quod totum corpus meum combureretur (72); =Videbatur= mihi - quidquid oraovi quod in nomine daemonis orarem (73); =quasi= - flamma apparuit, =quasi= hoc emitteret in os meum ... =quasi= - cupiens me devorare (86); =videbatur= ei, quod aperiretur abyssus - (137); angelos ... =corporalibus oculis non videbat=, sed ... - angelorum consolationes =in corde suo spiritualiter et veraciter - cognoscebat= (109); eam daemones =in corde= taliter illudebant, - quod ad spectaculum tormentorum suorum multitudinem populi adesse - =credebat= (171); =non visibiliter sed in corde sensibiliter= - diversa tormentorum genera sustinuit (20); singula tormentorum - genera vehementi cordis impetu pertransivit, =nec minor erat - cruciatus et dolor, quam si omnia corporaliter pateretur= (201)._ - -Bei einer Anzahl von Belästigungen geschah die Einwirkung auf das -Vorstellungsvermögen nicht durch Bilder, sondern durch Truggestalten, -die dem körperlichen Auge wahrnehmbar waren. Um derartige Vorgänge -handelt es sich, wenn Christina hier und da beteuert, dieselben seien -nicht bloß innerlich gewesen, sondern hätten sich auch äußerlich -abgespielt. - -Es kommen im Seelenleben Christinas mitunter auch gestaltlose -Einwirkungen vor, wie sie den sogenannten Verstandesvisionen eigen -sind, die in unmittelbarem Verkehre himmlischer Geister oder Gottes -selber mit der menschlichen Seele bestehen. - -Auch verdient hervorgehoben zu werden, daß, wiewohl im Leben Christinas -zeitweise das Dämonische so stark in den Vordergrund tritt, doch -nirgendwo sich etwas findet, was mit dem in späterer Zeit auftretenden -Hexenwahn irgendwie verwandt wäre. - -Schließlich sei noch auf den bisher von niemanden beobachteten -Nebenumstand hingewiesen, daß Christina im Gegensatz zu ihrer Umgebung -den bösen Feind niemals als Teufel (_diabolus_) bezeichnet; sie bedient -sich stets des gewählteren Ausdruckes Dämon, was einerseits von der -Zartheit ihres Empfindens, andererseits aber auch von der Genauigkeit -der Berichterstattung Zeugnis ablegt. - - - - -Fünftes Kapitel. - -Erster Besuch des Petrus von Dazien bei Christina im Advent 1267. - - -Kehren wir nunmehr zu Christina zurück, die wir im Advent des Jahres -1267 im Pfarrhause zu Stommeln zurückgelassen haben, wo sie den ersten -Besuch des Dominikanerpaters Petrus von Dazien erhalten sollte. Wie -das kam, soll uns Petrus selbst erzählen. „So weit meine Erinnerung -reicht, schreibt Petrus,[28] hatte ich seit meiner frühesten Kindheit -allezeit eine innige Freude, wenn ich etwas hörte von dem Leben, -den Tugenden, den Leiden und dem Tode der Heiligen und besonders -von Jesus, unserem Herrn, und seiner glorreichen Mutter. Wenn ich -dann über das Gehörte nachdachte, so brachte das meinem Herzen viele -Tröstungen. Infolgedessen fing ich schon damals an, die Welt mit ihren -Lüsten geringzuschätzen und öfters sprach ich mit meinen leiblichen -Brüdern darüber, wie wir die Welt verlassen möchten. Dabei entstand -in meinem Herzen eine besondere Sehnsucht. Ich verlangte und wünschte -nämlich, der Herr möchte mir mit seiner Gnade behülflich sein, irgend -einen seiner Diener kennen zu lernen, durch den ich den Wandel der -Heiligen nicht bloß in Worten, sondern in Tat und Beispiel sicher -und klar erlernen könnte.... Unter diesem Sehnen flossen viele Jahre -dahin, wie ich meine, wohl über zwanzig Jahre. In dieser Zeit hat nun -freilich der Herr mir mehrere Personen beiderlei Geschlechtes gezeigt, -an denen ich mich oft erbaut habe. Doch wurde durch sie niemals mein -Verlangen gesättigt. Je mehr ich solche fromme Seelen antraf, desto -mehr sehnte ich mich wieder nach andern. Denn in keiner fand ich, was -ich suchte, und mein Sehnen blieb ungestillt. Endlich hat der Vater -der Erbarmungen ... mich ganz unerwartet eine solch fromme Seele, die -ich suchte, finden lassen. Eine aus vornehmer Familie entsprossene -Frau namens Alfradis, die einen Mann, der ebenfalls vornehmen Standes -war, geehlicht hatte, wurde schwer krank und sandte zum Bruder Walter, -der seit langer Zeit ihr Beichtvater war. Er ging zu ihr am Tage vor -dem Feste des h. Apostels Thomas und nahm mich als Begleiter mit. -Wir kamen erst spät an jenem Hause an. Während nun Walter die Beichte -jener Frau hörte und ich im Hause saß, kam zu mir eine Begine, Aleidis -mit Namen, und fragte mich, woher ich gekommen sei. Ich antwortete: -Von Cöln. Da sprach sie: Wärest du doch in unserem Dorfe gewesen und -hättest einmal die wunderbaren Dinge gesehen, die dort an einem Mädchen -geschehen! Am Nachmittage des folgenden Tages nun gingen wir, wie es -Walter bestimmte, nach jenem Pfarrdorfe und kehrten im Pfarrhause -ein, wo sich damals jenes Mädchen befand wegen der Bedrängnis, die -man befürchtete.... Als ich ins Pfarrhaus eintrat, sah ich ärmlichen -Hausrat, betrübte Menschen und eine junge Person, die etwas seitwärts -saß und das Gesicht mit dem Mantel verhüllt hielt. Diese stand auf, als -Bruder Walter eintrat, und grüßte ihn. Aber in demselben Augenblicke -stieß der Teufel sie rückwärts, sodaß ihr Kopf heftig wider die Wand -anschlug. Die Anwesenden erschraken darüber, waren aber noch mehr in -Angst wegen der Trübsale, die nach den Erfahrungen der früheren Jahre -noch zu befürchten waren. Während nun diese alle in Sorge und Betrübnis -waren, wurde ich allein mit einer ganz besonderen, ungewohnten Freude -erfüllt, fühlte eine innerliche Tröstung und war ganz von Staunen -ergriffen. Ich begriff nicht, was mit mir vorging, und wurde darob -betroffen, weil ich fürchtete, man möchte es merken.... Um nun diese -meine Gemütsstimmung zu verbergen, suchte ich mit den Hausgenossen, mit -dem Herrn Pfarrer nämlich und seiner Mutter, mit seinen Schwestern und -anderen Personen, die gerade im Hause waren, ein Gespräch anzuknüpfen. -Mein Genosse saß inzwischen ein wenig von uns entfernt bei jenem -Mädchen und hielt ihr verschiedene Beispiele vor von der Geduld Christi -und der Heiligen. Jene meine Freude aber prägte sich so stark in meine -Seele ein, daß auch bis jetzt, wo schon elf Jahre seitdem verflossen -sind, sie nicht bloß mir im Gedächtnis haftet, sondern mir auch wie -gegenwärtig fühlbar ist. Ich habe in jener Stunde, wie ich glaube, -gewiß irgendeine göttliche Einwirkung empfangen. Während ich nun so -dasaß und den Leuten zuhörte, auch mitunter ein munteres oder ernstes -Wort dazwischen redete, waren meine Augen und Gedanken dahin gerichtet, -wo jene Person sich befand, deren Nähe ich meine Umwandlung zuschrieb -... Wie ich nun meinen Genossen und jenes Mädchen genau beobachtete, -sah ich, daß der Teufel es siebenmal stieß, viermal wider die Wand -rücklings und dreimal wider eine Kiste zu ihrer Linken und zwar mit -solcher Gewalt, daß die Stöße auch für die ferner Stehenden hörbar -waren. Was mir besonders auffiel, war der Umstand, daß bei diesen -heftigen Stößen das Mädchen weder Seufzer noch Schluchzen vernehmen -ließ, ja nicht das geringste Zeichen von Ungeduld oder Schmerz weder -durch Wort noch Geberde zu erkennen gab, sondern ruhig blieb, ohne -einen Laut des Murrens oder der Klage von sich zu geben. Ich konnte -mich nun nicht länger mehr halten und sprach zu Bruder Walter: -„Liebster Vater, ich weiß nicht, ob Ihr es bemerkt, wie der Teufel -das Mädchen so heftig stößt. Es wäre wohl gut, wenn Ihr mit ihm etwas -weiter von der Wand und der Kiste abrücktet und ein Kissen hinter -ihren Kopf legtet, damit, wenn noch weitere Stöße erfolgen sollten, die -Heftigkeit des Anpralles durch die weiche Hinterlage gemildert werde.“ -Man tat dieses auch. Wie wir nun noch eine Weile dagesessen hatten, -hörte ich das Mädchen auf einmal aufseufzen, wie wenn es plötzlich -von etwas Schmerzhaftem betroffen worden wäre. Als die Frauen, die -um es herumsaßen, dies bemerkten, fragten sie nach der Ursache des -Aufseufzens. Es antwortete: „Ich bin an den Füßen verwundet.“ Man -sah nach und fand es so. Denn an jedem Fuße fand sich eine frisch -blutende Wunde. Als die Verwundete auf solche Weise viermal von neuem -aufseufzte, wurde ich von Mitleid ergriffen und bei dem Weinen und -Schluchzen derer, die um sie saßen und bei jedem neuen Aufseufzen neue -Wunden sahen, stand auch ich auf und sah, wie ich meine, bei den beiden -letzten Aufseufzungen nach, und ich erblickte die Wunden in ihrem -Entstehen, noch bevor das Blut hervorquoll. Denn gewöhnlich pflegt -es einige Augenblicke zu dauern, ehe das Blut nach der Verwundung -hervorfließt. Hiermit nun hatte diese Mißhandlung ein Ende. Sieben -frisch blutende Wunden erblickte ich auf der oberen Seite der Füße, -und zwar vier auf dem einen und drei auf dem anderen Fuße. Da ich -aber zweimal aufgestanden war und die Sache mich sehr interessierte, -habe ich genau acht gegeben und bemerkt, daß jedesmal eine neue Wunde -hinzugekommen war. Unterdessen war die Nacht nach dem Feste des h. -Apostels Thomas angebrochen und ich, der ich vorher von Freude erfüllt -war, war nun voll des Mitleidens. Bruder Walter wünschte, daß wir jetzt -die Komplet beteten. Wir beteten sie mit allen Zusätzen nach Vorschrift -und zwar in Gegenwart der Jungfrau. Und als wir zu Ende waren, kniete -die Jungfrau nieder, Bruder Walter legte ihr beide Hände auf das Haupt -und sprach das Johannesevangelium zum Schutze gegen die Wut des bösen -Feindes. Hierauf bat ich ihn um die Erlaubnis, mit den Hausgenossen -die Nacht durchwachen zu dürfen. Er gestattete es und ich geleitete -ihn zu seiner Ruhestätte, die man ihm aus Ehrfurcht vor seinem Alter -und seiner Frömmigkeit im Pfarrhause selbst bereitet hatte.... Als ich -nun mit seiner Erlaubnis wieder zur Jungfrau zurückkam, um ihr Trost zu -spenden und auch durch sie mittels der Wunderwerke des Herrn Trost zu -empfangen, fand ich zwei Lichter im Hause, die bis zum Morgen brannten, -und sieben Personen, die nicht abwechselnd, sondern alle mitsammen die -Nacht hindurch ununterbrochen Wache hielten, bis es Tag wurde, ohne daß -auch nur einer sich zur Ruhe niederlegte. Man hielt dies für notwendig, -weil ein jeder der Anwesenden von der Wut und Bosheit des Teufels die -heftigsten und unerträglichsten Angriffe zu befürchten hatte. Sie waren -froh, als sie mich zurückkommen sahen, und ersuchten mich, dort Platz -zu nehmen, wo mein Gefährte vordem gesessen hatte. Ich tat es, und -als ich dort eine Weile in Stillschweigen gesessen, fragte mich jene -Jungfrau: „Wie heißet Ihr?“ Ich antwortete: „Petrus.“ Da sprach sie: -„Guter Bruder Petrus, erzählet mir etwas von Gott; ich höre so gerne -etwas von ihm, wiewohl ich wegen meiner jetzigen Bedrängnis zu meinem -Bedauern nicht sonderlich achtgeben kann.“ Auf ihren Wunsch, dem sich -auch die übrigen anschlossen, erzählte ich ihnen nun, obschon ich der -Mundart noch nicht vollkommen mächtig war, zwei Beispiele aus dem Leben -der Brüder, die ich für erbaulich hielt, das eine, wie die seligste -Jungfrau einen Kartäuser gelehrt habe, ihr zu dienen und sie zu lieben; -das andere, wie ein Bruder des Predigerordens durch die h. Messe, die -ein befreundeter älterer Bruder für ihn gelesen, aus dem Fegfeuer, in -dem er fünfzehn Jahre lang gewesen war, befreit worden sei. - - [28] _V. C._ 2-10. - -Als ich die Erzählungen beendigt hatte, hielt ich ein wenig inne. Da -auf einmal seufzte die Jungfrau auf, heftiger wie gewöhnlich. „Was -ist geschehen?“ fragte ich. „Ich bin am Knie verwundet,“ sagte sie. -Nach einer Weile, in der man wohl ein Miserere hätte beten können, -stöhnte sie wieder, zog ihre rechte Hand durch den Aermel ihres -Kleides nach innen, fuhr damit unter ihrem Kleide herab, zog dann -einen eisernen Nagel hervor, der mit frischem Blute überronnen war -und gab ihn mir in die Hand.... Ich fand ihn viel wärmer, als er es -durch Berührung des menschlichen Körpers hätte sein können.... Da es -nun, wie mir dünkte, Mitternacht war, ging ich zu meinem Gefährten, um -nach Ordensbrauch mit ihm die Mette zu beten. Wir beteten die Mette -von der allerseligsten Jungfrau, und als wir die Laudes begonnen, -entstand im Hause ein solches Jammern, daß wir das Gebet abbrachen, -ohne Nachricht abzuwarten, gleich zu der Jungfrau und ihrer Umgebung -hineilten und fragten, was geschehen sei. Man sagte uns, die Jungfrau -sei schwer verwundet worden. Mein Gefährte setzte sich neben sie und -fand sie in tiefer Betrübnis und fast ohnmächtig. Bald jedoch kam -sie wieder zu sich, zog dann die andere Hand ähnlich wie früher durch -den Aermel nach innen und langte einen anderen Nagel hervor, der mit -frischem Blute benetzt und gleich heiß war wie der erstere, aber eine -viel grauenhaftere Form hatte. Sie gab denselben meinem Gefährten in -die Hand mit den Worten: „Schauet da, womit ich verwundet worden bin.“ -Alle betrachteten den Nagel, staunten über seine schreckliche Form -und entsetzten sich. Ich aber bat, man möge ihn mir zum Geschenke und -steten Andenken überlassen. Man gab ihn mir und ich habe ihn bis zum -heutigen Tage aufbewahrt, auch an ihm ein Zeichen gemacht, wie tief er -in das Fleisch eingedrungen war. Denn das Fleisch, das noch daran hing -und das anklebende Blut, ließen das ganz deutlich erkennen. - -Am Morgen kehrte ich wieder nach Cöln zurück. Ich weiß nicht, ob ich -mich je in meinem Leben in solcher Gemütsverfassung befunden habe, -so daß ich damals am liebsten, wenn ich gekonnt, die Messe von der -allerseligsten Jungfrau gelesen hätte zur Danksagung für die mir von -Gott erwiesenen Gnaden. Nun glaubte ich die Psalmstelle zu verstehen: -„Helle ist mir geworden die Nacht in meiner Wonne; denn vor dir hat -die Finsternis kein Dunkel und hell wird die Nacht wie der Tag. Denn -so wie ihr Dunkel, so ist sein Licht.“ (Ps. 138, 11-12.) Und mit den -Jubeltönen des Exultet fährt dann Petrus fort: „O glückliche Nacht! -o selige Nacht, die du für mich geworden zum Anfang der göttlichen -Erleuchtungen, bei denen Nacht und Tag nicht mehr wechseln. O süße und -wonnevolle Nacht, in der mir zuerst verliehen wurde zu verkosten, wie -lieblich der Herr ist. Das ist die Nacht, in der ich gewürdigt wurde, -zuerst die Braut meines Herrn zu sehen.“ Nur eines beklagte Petrus, daß -sie für ihn zu kurz war. „Möchte von nun an,“ so schließt er, „meine -sündige Seele erneuert und ich in einen neuen Menschen umgewandelt -werden, so daß ich zu neuem Leben erstehe und den Tod nicht schaue in -Ewigkeit!“ - - - - -Sechstes Kapitel. - -Zweiter Besuch des Petrus. Christinas Entrückung und Seelenjubel. - - -Nach dem Advente verließ Christina das Pfarrhaus. Im darauffolgenden -Jahre, 1268, einem Schaltjahre, fiel das Fest des h. Apostels -Matthias, das in Stommeln noch heute als das des zweiten Pfarrpatrons -besonders feierlich begangen wird, auf den Samstag vor dem ersten -Fastensonntag. Der Pfarrer von Stommeln hatte seinen guten Freund, -Bruder Gerhard vom Greif aus dem Dominikanerkloster in Cöln, gebeten, -zur Aushülfe herüberzukommen. So bot sich für Bruder Petrus eine -Gelegenheit, die Schritte wieder nach Stommeln zu lenken. Hören wir -ihn selbst, wie er seinen zweiten Besuch in Stommeln beschreibt: -„In der nächstfolgenden Fastenzeit ging ich wieder bei dargebotener -Gelegenheit nach dem früher genannten Orte, nach dem meine Sehnsucht -stand, als Begleiter des Bruders Gerhard vom Greif, dem Beichtvater -besagter Jungfrau ... Wir kamen dort an am Samstage vor dem ersten -Sonntage der Fastenzeit. Am Sonntage nun lud der Herr Pfarrer seinem -Freunde, dem Bruder Gerhard, zuliebe auch dessen geistige Tochter -auf Mittag zu Tisch. Sie folgte der Einladung und speiste mit uns. -Darüber hatte ich viele Freude; denn so hatte ich Gelegenheit, ihre -Sitten und ihr Verhalten genau zu beobachten ... Nach Tisch, als der -Pfarrer einen Kranken besuchte, begab es sich, daß eine Person -- -jedenfalls die sangeskundige Gertrud, Schwester des Pfarrers, -- aus -Andacht den Hymnus: _Jesu dulcis memoria_ in unserer Gegenwart sang und -nach der lateinischen Strophe auch jedesmal die deutsche innig-fromme -Uebersetzung[29] mitsang. Dadurch wurde ich mehrmals zu Tränen gerührt. -Da wurde mit einem Male die Jungfrau dermaßen im Geiste entrückt, daß -sie in allen ihren Sinnesorganen unempfindlich und am ganzen Körper -starr war und kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Was uns aber -noch mehr in Erstaunen setzte, man konnte gar kein Atemholen mehr an -ihr bemerken. Ich gestehe, daß ich bei diesem Anblicke vor Freuden -weinte und vor Verwunderung außer mir war und für eine so große Gabe -des göttlichen Einflusses dem Geber Dank sagte. Denn was hier vor -sich ging, konnte ich keiner natürlichen Ursache, noch menschlicher -Einwirkung zuschreiben; ich erkannte darin vielmehr die Nähe Gottes -... Einen solchen Zustand hatte ich noch nie an einem Sterblichen -wahrgenommen und ich glaubte, hier geschehe, was der Apostel andeutet, -wenn er schreibt: „_Sive mente excedimus_“, d. h. mögen wir im Geiste -entrückt sein ... Und ich begann nun, desto genauer alle Geschehnisse -zu beobachten, auf alle Worte zu hören, und auf alle Bewegungen und -Geberden zu merken und sie meinem Gedächtnisse tiefer einzuprägen, weil -ich alles dem Hulderweis besonderer Gnade zuschrieb. - - [29] Die erste Strophe der alten Uebersetzung lautet: - „Jesu, wie süß, wer dein gedenkt! - Sein Herz vor Freuden überschwenkt. - Noch süßer über alles ist, - Wo du, o Jesu, selber bist.“ - -Als sie nun in diesem Zustande, ein wenig nach vorn geneigt, Gesicht -und Hände mit dem Schleier verhüllt, etwa drei bis vier Stunden auf -einer Bank gesessen hatte, seufzte sie unter Schluchzen auf, so daß -sie am ganzen Körper etwas in Bewegung kam. Dann begann sie ein wenig -aufzuatmen; jedoch ging dies leichter und langsamer vor sich, als es -sonst bei Menschen zu geschehen pflegt. Die Bewegung beim Atmen war so -gering, daß es besonderer Aufmerksamkeit bedurfte, um sie wahrzunehmen -... Es war nämlich, wie gesagt, die Bewegung beim Atmen geringer und -die Zwischenzeit zwischen Ein- und Ausatmen größer wie gewöhnlich. -Als sie nun auch in diesem Zustande die Zeit von ungefähr zwei Messen -hindurch gesessen hatte, fing sie an tiefer und überhaupt so zu atmen, -wie Menschen gewöhnlich zu atmen pflegen. Darauf begann sie auch zu -reden, jedoch so leise, daß man es selbst bei aufmerksamem Hinhorchen -kaum verstehen konnte und auch nicht in vollständigen Sätzen, -sondern in einzelnen Ausrufungen voller Liebe und Süßigkeit, wie: -Liebevollster, süßester oder herzinnigster, trautester oder Bräutigam. -Und dabei jubelte sie auf unter freudiger Erregung des ganzen Körpers, -das einem Aufhüpfen ähnlich sah, und zwar in ganz ungewohnter Weise. -Das Jubeln ging in einem Atemzuge vor sich und dauerte ein Miserere -lang und dann trat wieder eine ebensolange Zeitdauer hindurch -Unbeweglichkeit ein. Es wiederholte sich dann derselbe Vorgang des -freudigen Aufhüpfens, Jubelns oder Jauchzens -- ich weiß nicht, wie -ich es nennen soll, sagt Petrus, denn ich habe früher so etwas nie -gesehen -- und nahm ungefähr die Zeit von zwei Messen in Anspruch. -Diejenigen, die bei ihr saßen, weinten vor Freude ob der Inbrunst der -Andacht und der Glut der Liebe, die in dem Vorgang zu Tage trat.“ -- Es -ist dieses Aufjubeln der Seele eine im Leben der innigen Vereinigung -mit Gott mitunter hervortretende Erscheinung. Beim Einströmen der -göttlichen Liebeswonne wird die Seele gleichsam trunken vor Seligkeit. -Sie vermag sich nicht mehr zu fassen vor übergroßer Wonne, ihr Herz -strömt über und so führt sie unwillkürlich eine Art mystischen Reigens -auf, ähnlich demjenigen der jungfräulichen Chöre im Hochzeitssaale des -himmlischen Bräutigams, und süße Jubeltöne entströmen ihren Lippen, wie -sie in unnachahmlicher Meisterschaft wiederklingen in den Melismen der -Gradual- und Allelujagesänge des gregorianischen Chorals. - -Als nun diese Art des Seelenjubels nachließ, begann sie in ihrer Rede -mehrere Worte miteinander zu verbinden und gleichsam vollständige Sätze -zu bilden, in denen sie Danksagung und Lobpreis ausdrückte. Denn sie -tat einige Erwähnung von dem Zustande, in dem sie gewesen war, und von -den Wohltaten, die sie empfangen hatte, obgleich sie sich in einzelnes -nicht einließ. Es war überaus rührend zu hören, wie sie dabei ihre -eigene Armseligkeit und die großmütige Freigebigkeit und herablassende -Güte ihres Bräutigams hervorhob. Von dem einen zum andern übergehend, -redete sie bald von ihrer eigenen Geringheit und Unwürdigkeit, bald -wieder pries sie die unermeßliche Güte Gottes. Diese Art und Weise der -Rede dauerte etwa die Zeit einer Messe. Darnach begann sie in größter -Bitterkeit des Herzens und unter einem großen Tränenstrome die vielen -Armseligkeiten ihrer irdischen Verbannung so sehr zu beklagen, daß ich -derartiges Weinen früher nie gesehen habe. Ich hatte zwar bis dahin -auch geglaubt, daß die Füße des Herrn, wie das Evangelium berichtet, -von den Tränen eines Weibes benetzt wurden; seitdem aber habe ich mir -diese Worte, durch ein solches Beispiel belehrt, tiefer eingeprägt. Und -ich meine, diese Jungfrau würde mit ihren Tränen nicht nur die Füße, -sondern auch die Hände und das Haupt des Herrn, wenn die Gelegenheit -dazu sich dargeboten hätte, benetzt haben. Da nun auch so eine Stunde -vorübergegangen war, begann sie, gleich einem andächtig Betenden, -Gott dem Herrn inbrünstig jene anzuempfehlen, die sich ihr empfohlen -hatten. Ich bemerke dies deshalb, weil ich hier zuerst wahrnahm, -daß sie wieder aus Antrieb der menschlichen Vernunft und natürlichen -Erkenntnis handelte ... Nachdem sie so ihre Freunde und Wohltäter, die -ihr nur irgendetwas Gutes erwiesen hatten, angelegentlich dem Herrn -empfohlen hatte, betete sie auch ganz innig für ihre Feinde, falls -sie solche haben sollte, damit der Herr ihnen verzeihe, ob sie nun -geflissentlich oder aus Unverstand gegen sie gesündigt. Das setzte sie -hinzu, weil einige, da sie die Wahrheit nicht kannten, lieblos über sie -geredet hatten. Schließlich begann sie denen, die mit ihr gesprochen, -zu antworten und sich nach gewöhnlicher Art der Menschen zu verhalten, -ohne jedoch Erwähnung zu tun von dem, was vorgegangen war. Es schien -ihr vielmehr unangenehm zu sein, wenn sie jemanden davon reden hörte. - - Abb. 4. Bild Christinas aus der Cölner Kartause (vor 1639) - - - - -Siebentes Kapitel. - -Dritter und vierter Besuch des Petrus. Christina empfängt die Wundmale -des Herrn. - - -Das Fest der Verkündigung Mariens wurde im Jahre 1268, da der 25. März -auf den Passionssonntag fiel, am vorhergehenden Samstage gefeiert. -An diesem Samstage traf Bruder Petrus zu seinem dritten Besuche in -Stommeln ein. Er war diesmal begleitet von Bruder Karl, der von Paris -gekommen war und im Begriffe stand, über Cöln nach seiner Heimat -Dazien zurückzureisen. Petrus hatte ihm von Christina erzählt und ihm -auch die beiden schrecklichen Nägel gezeigt, die der Teufel ihr ins -Fleisch hineingetrieben hatte. Bruder Karl wurde darob so ergriffen, -daß er gar sehr Christina zu sehen wünschte. Auch erbat er sich von -Petrus einen der Nägel zum Geschenke. Petrus gab ihm den kleinern. Nach -erhaltener Erlaubnis machten die Brüder sich am Nachmittage des 24. -März auf den Weg, kamen nach der Komplet in Stommeln an, und kehrten -im gastlichen Pfarrhause ein, wo sie auch die Nacht zubrachten. Als sie -nach dem Abendbrote miteinander plauderten, fragte Petrus den Pfarrer, -wie man es wohl einrichten könne, daß man Bruder Karl, der gar sehr -darnach verlange, Christina kennen zu lernen, seinen Wunsch erfüllen -könne. Freundlich entgegnete der Pfarrer: „Ladet sie morgen ein, mit -euch zu speisen.“ Ich erwiderte: „Es steht mir nicht zu, jemanden -einzuladen.“ Darauf sagte der Pfarrer. „Sie wird lieber kommen, -wenn ihr sie einladet.“ Ich lud sie denn auch, schreibt Petrus, am -folgenden Morgen ein. Da wir nun zu Tisch gehen sollten, fanden wir sie -dastehen, bereit, uns Wasser über die Hände zu gießen. Während sie uns -zum Händewaschen einlud, kamen mir unwillkürlich die Worte Elisabeths -in den Sinn: „Woher mir dieses, daß die Mutter meines Herrn zu mir -kommt?“ Doch ließ ich die Dienstleistung geschehen, um Christinas Demut -und ihren frommen Sinn nicht zu beschämen. Weil der Pfarrer uns am -vorhergehenden Abende gesagt hatte, in Christinas Handfläche sei das -Zeichen des Kreuzes erschienen, suchte ich bei Tisch ihre linke Hand -zu beobachten. Es gelang mir jedoch nicht zu sehen, was ich wünschte. -Als wir aber nach Tisch am Herdfeuer saßen nach Sitte der Deutschen, -bat mich Christina, ihr etwas von Gott zu reden. Ich erklärte ihr -also die vier oder drei hauptsächlichen Eigenschaften der Serafin -nach dem seligen Dionysius;[30] denn ich wußte, daß sie gerne von der -Liebe Gottes reden hörte. Darob wurde sie so ergriffen, daß sie die -Magd ihrer Mutter, die zu ihr geschickt worden war und sie dreimal -angeredet hatte, nicht bemerkte und ihr keine Antwort gab. Ich hielt -nun eine Weile inne und sprach zu ihr: „Warum hast du der Magd deiner -Mutter keinen Bescheid gegeben?“ denn ich kannte damals ihr Wesen nicht -hinlänglich. Sie erwiderte: „Wenn auch die ganze Habe meiner Mutter in -Gefahr wäre, so wäre es mir doch augenblicklich unmöglich, mich damit -zu befassen.“ Während sie nun so im Geiste ergriffen war, öffnete sie -ihre linke Hand und ich erblickte in ihr etwas, wie ich es in meinem -Leben nicht gesehen hatte ... In der weißen Hand der Jungfrau sah -ich das Kreuz unseres Herrn von blutroter Farbe. Es war aber nicht -wie mit Farbe oder Blut aufgemalt, sondern durch sichtbare Wunde in -das Fleisch eingeprägt, und zudem mit zierlichen Blümchen geschmückt. -Bruder Karl sah auch das Kreuz und war von allem, was er gesehen und -gehört, höchlich erbaut. Am folgenden Tage gab er der Jungfrau zum -Zeichen besonderer Verehrung sein schönes, kleines Psalterium, das er -zu Paris für sich gekauft hatte, da er vernommen, daß der Teufel ihr -letzthin am Tage Pauli Bekehrung ihr Psalmenbuch, das einzige, das sie -besaß, mit Gewalt aus der Hand gerissen und verschleppt hatte. Lächelnd -bemerkte ich dazu: „Gott will mehr geben, als der Teufel rauben kann,“ -zog dann mein kleines Diurnale hervor, das mir Bruder Absalon seligen -Angedenkens, der Provinzial von Dazien, in meinem Noviziate geschenkt -hatte, und sprach: „Schau, da der Teufel dir ein Buch genommen, so gibt -Gott dir dafür zwei.“ Dabei überreichte ich ihr das Diurnale und wir -schieden recht erbaut von dannen. - - [30] Pseudodionysius, _De caelesti hierarchia. cap. 7_. - -Die Betrachtung des Leidens Christi war Christinas liebste -Andachtsübung. Sie brachte ihr immer Trost und Erquickung. Kein Wunder, -daß Satan ihr diese Andacht zu verleiden suchte. Er quälte sie, wie -der Pfarrer Johannes berichtet,[31] in dieser Fastenzeit mit einer -langwierigen Versuchung wider den Glauben an das Leiden Christi. Es -kam ihr der Gedanke, Gott habe überhaupt nicht gelitten. Wenn sie in -die Kirche eintrat und das Kreuz erblickte, dachte sie bei sich: „Das -ist ein Bild, was soll dies? Es liegt nichts wahres zu Grunde.“ Sie -hatte großes Leidwesen über diese Versuchung, und ihr Herz mühte sich -ab in der Bekämpfung dieser Zweifel. Dann sprach der Versucher zu ihr: -„Glaubst du, dein Gott habe gelitten? Es ist nicht wahr. Alles, was -man davon erzählt, ist erlogen, mögen die Geistlichen sagen, was sie -wollen.“ Wenn sie die h. Kommunion empfing, blieb sie ohne Erquickung -und beim Gebete verspürte sie keinen Trost. Am Donnerstage nach dem -Weggange der beiden Brüder, es war acht Tage vor dem Gründonnerstage, -betete sie, als sie der Mette beiwohnte, also zum Heilande: „O mein -Geliebter, du bist allzeit mein Helfer gewesen und du weißt, daß dein -Leiden immer für mich ein Trost war, befreie mich nun von dieser -Plage; denn ich kann diesen Unglauben nicht länger ertragen.“ Und -alsbald zeigte sich an ihrem ganzen Haupte etwas wie eine Dornenkrone. -Diese wurde ihr so eingedrückt, daß über Gesicht und Hals das Blut -herabfloß und alsbald kam sie außer sich. Als sie wieder zu sich kam, -war jene Versuchung verschwunden. Von diesem Augenblicke an bis Ostern -konnte sie an nichts anderes denken als an das Leiden des Herrn. Am -Gründonnerstage fing sie abends spät auf einmal an beängstigt zu werden -und am ganzen Körper zu zittern. Blutstropfen begannen schließlich -von ihrem Körper zu rinnen. Die Angst war so groß, daß sie glaubte, -alsbald sterben zu müssen, und dieser Zustand dauerte bis zur Non, d. -h. bis drei Uhr nachmittags des Karfreitags. Da öffneten sich die fünf -Wundmale und zwar an ihrer Seite, an den Füßen und den Händen, und am -Haupte erschien die Dornenkrone. Auch wurde sie mit Galle getränkt, und -ihr Mund war davon mit solcher Bitterkeit erfüllt, daß sie keinerlei -Speise verkosten konnte. Sie lag da wie halbtot jene Tage hindurch bis -zum Ostertage, wo sie in solchen Seelenjubel eintrat, daß es wunderbar -war. Seit jener Zeit kam sie, so oft sie an das Leiden des Herrn dachte -oder davon reden hörte, jedesmal, wenn nicht gerade besondere Prüfungen -sie heimsuchten, außer sich. Auch hatte sie hinfort eine solche innere -Erleuchtung, daß die h. Schrift ihr besser verständlich wurde. Zudem -glaubte sie von Gott alles erlangen zu können, was sie begehrte. Wenn -jemand mit ihr ein Gespräch anknüpfte, so erkannte sie innerlich, in -welcher Absicht dies geschah. - - [31] _V. C._ 121-123. - -Hören wir nunmehr den Bericht des Bruders Petrus über die -Stigmatisation Christinas. Am Karsamstage sagte ihm der Prior, er solle -mit Bruder Gerhard vom Greif nach Stommeln gehen; denn der Pfarrer -hatte um Aushülfe gebeten. Freudig gehorchte Petrus und er machte -sich mit seinem Gefährten nach Tisch auf zu seinem vierten Besuch in -Stommeln. Als sie ins Pfarrhaus eintreten wollten, kam ihnen die Mutter -des Pfarrers, eine hochbetagte Frau, entgegen und sagte zu Petrus, -den sie von früher ja kannte: „Liebster Sohn, schade, daß du gestern -nicht hier warest. Du hättest Gottes Wunderwerke geschaut, wenn du hier -gewesen wärest.“ Gleichsam scherzend entgegnete Petrus: „Vielleicht -kann ich morgen auch dergleichen sehen.“ -- „Nein, sagte sie, niemals -ist in unserer Zeit auf dieser Erde so etwas gesehen worden und wird -auch wohl nicht mehr gesehen werden.“ Da ich merkte, schreibt Petrus, -daß sie etwas Wichtiges uns mitteilen wollte, fragte ich sie: „Was ist -denn Neues geschehen, wovon du soviel Aufhebens machst?“ Da begann sie -zu erzählen und sprach: „Gestern sind an einem Mädchen hier im Dorfe -die Zeichen des bitteren Leidens deutlich erschienen“ und sie fügte -dann noch einiges über die Umstände des Vorganges hinzu. Petrus wurde -darob sehr gerührt und wäre am liebsten sofort zu Christina ins Haus -der Aleidis gegangen. Allein sein Gefährte war zu müde, um mit ihm -gehen zu können. Am Ostertage ging Christina ganz in der Frühe zur h. -Kommunion. Nach Tisch gingen der Pfarrer und Petrus zu ihr. Sie lag zu -Bett und hatte das Gesicht sorgfältig mit dem Schleier bedeckt. Petrus -hatte von der Mutter des Pfarrers gehört, Christinas Gesicht sei ganz -blutig unterlaufen, wie wenn es mit Stöcken wäre zerschlagen worden. -Er setzte sich deshalb zu Füßen des Bettes, um womöglich einen Blick -auf das Gesicht tun zu können. Der Pfarrer, der sich zu Häupten gesetzt -hatte, begann zu Christina zu reden vom Osterlamme; denn dieses habe -sie am Morgen genossen. Und als die Beiden hierüber einige herzliche -Worte wechselten, traf es sich, daß Christina sich räuspern mußte, -wobei sie den Schleier etwas lüftete. Da ich am Fußende saß, schreibt -Petrus, sah ich ihr Angesicht unter dem Schleier, und wahrlich, es war -nicht wie das Angesicht eines Engels, sondern eher wie das Angesicht -des ewigen Hohenpriesters, und gar wehmütig anzuschauen. Denn es war -ganz blutrünstig, ja fast schwarz. Bald darauf sah ich es noch einmal -und meine Augen wurden starr beim Anblicke. Staunen ergriff mich und -ein wunderbares Mitleiden mit dem leidenden Heilande ergriff meine -Seele.... Ich ging nun mit dem Herrn Pfarrer zur Kirche, um die Vesper -zu halten. Nach Landesbrauch war die Vesper schon früh nachmittags -beendigt, sodaß man kaum sagen konnte „_Quoniam advesperascit_“ (es -will Abend werden), und der Pfarrer ging mit Bruder Gerhard abermals -zu Christina. Petrus folgte ihnen. Auf dem Wege trafen sie noch zwei -andere Brüder, nämlich Johannes von Muffendorf und Nikolaus, die -wahrscheinlich auf einem benachbarten Dorfe zur Aushülfe gewesen waren. -Diese vier Brüder nun gingen mit einigen anderen frommen Personen zu -Christina, um sie zu begrüßen, hielten sich indes dort nicht lange -auf. Es wurde aber bestimmt, daß am folgenden Tage Bruder Gerhard und -Bruder Johannes beim alten Vogt, Bruder Nikolaus hingegen und Bruder -Petrus bei Christina speisen sollten. Am Ostermontag nun gingen Bruder -Nikolaus und Bruder Petrus nach dem vormittägigen Gottesdienste zur -Wohnung Christinas, beteten dort mitsammen in ihrer Gegenwart die -Tagzeiten vom h. Geist und von der allerseligsten Jungfrau und setzten -sich dann vor Christinas Bett zum Essen nieder. Während wir nun mit ihr -aßen, schreibt Petrus, habe ich dreimal in ihren Händen die Wundmale -Christi beobachtet. Mitten in der inneren Fläche einer jeden Hand sah -ich eine Wunde. Sie war rund, hatte den Umfang eines Sterlings, das -rohe Fleisch war sichtbar, und nicht sah sie aus wie gemalt, sondern -sie war in etwa ins Fleisch hineingedrückt. So sahen die Wunden auch -die ganze Osteroktav hindurch aus mit dem Unterschiede, daß sie jeden -Tag etwas kleiner wurden. Auch auf dem Rücken der Hand war eine Wunde, -die sich der inneren gegenüber befand, ihr an Größe entsprach und -so aussah, als ob sie die Spur eines die Hand durchdringenden Nagels -gewesen wäre. - -Christina selbst sprach kein Wort mit Petrus über die Wundmale. -Petrus aber verhörte sorgfältig im einzelnen Christinas Vertraute, -die alles gesehen und gehört hatten, über den Vorgang und zwar Hilla -vom Berge, des Pfarrers Schwester Gertrud, die blinde Aleidis und -eine andere Jungfrau weltlichen Standes aus Stommeln. Diese alle -bekundeten übereinstimmend Folgendes: Am Gründonnerstage, als die Mette -vom Karfreitag beendigt war, zur Zeit der Abenddämmerung, geleiteten -wir Christina zur Wohnung der Aleidis. Da begann sie in einer uns -ungewohnten Weise zu reden und sprach: „Geliebte Gefährtinnen, ich -weiß nicht, was mit mir vorgeht.“ Und als sie das gesagt hatte, begann -sie zu zagen und innerlich bestürzt zu werden. Die Angst nahm derart -zu, daß sie kurz vor Mitternacht Blut schwitzte, und diese Bestürzung -dauerte fort bis zum folgenden Tage, wo wir wegen des Gottesdienstes -alle zur Kirche gingen. Die Aleidis aber, die wegen ihrer Blindheit -und Körperschwäche allein bei Christina zurückgeblieben war, sagte -Folgendes: „Ich habe ein Krachen gehört, wie wenn ein Mensch derart -ausgereckt würde, daß alle Knochen aus den Gelenken gerissen würden. -Auch habe ich Stimmen und Worte gehört, die ich in meinem Leben nicht -offenbaren werde.“ Nach der Osteroktav ging Petrus mit Gerhard vom -Greif wieder nach Cöln zurück. - -Christina ist nicht die einzige unter den Seligen des Himmels, die -mit Christi Wundmalen hienieden bezeichnet wurde. Allgemein bekannt -ist diese Auszeichnung vom serafischen Patriarchen, dem h. Franz -von Assisi. Weit häufiger jedoch als in der Männerwelt tritt diese -Erscheinung bei gottseligen Personen des weiblichen Geschlechtes -uns entgegen. Kein Wunder. Das Uebernatürliche baut sich ja auf das -Natürliche auf. Das Weib hat nun aber ein reicheres Gemütsleben als der -Mann; die Liebe und das Mitleid sind mithin bei ihm weit lebhafter als -beim Manne. Die Wundmale aber sind der äußere Ausdruck der innigsten -Liebesvereinigung mit dem gekreuzigten Heiland, des herzlichsten -Mitleidens mit der grausamen Marter, die er aus Liebe zu uns erduldet -hat. Dieses Mitempfinden ist derartig lebhaft, daß nicht bloß die Seele -ganz und gar davon durchdrungen, sondern das ganze Wesen des Menschen, -mithin auch der Leib, davon ergriffen wird. Und so wird denn durch -die Glutpfeile der göttlichen Liebe nicht bloß die Seele verwundet, -sondern auch der Körper dem Gekreuzigten verähnlicht; es treten die hh. -Wundmale an ihm in die Erscheinung. - -An das Wundmal der Dornenkrone erinnert eine merkwürdige Färbung -des Stirnbeins der seligen Christina, die in einem kranzförmigen, -grünlichen, mit roten Punkten durchsetzten Geäder von Fingerbreite -besteht. Wie das Geäder des Marmors erst dann klar zutage tritt, -wenn er geschliffen wird, so ist auch dieser grünlichrote Streifen -erst dann bemerkt worden, als der Schädel Christinas, der alljährlich -am 6. November den Gläubigen zum Kusse dargeboten wird, infolge der -jahrhundertelangen Verehrung glatt und blank geworden war. Peter Lull, -der um 1680 in Jülich war, spricht zuerst von diesem grünlichen Kranze -in seinem Büchlein „_Lilium inter spinas_“ und P. Steinfunder aus Essen -beschreibt ihn genau in zwei an den Bollandisten Papebroch gerichteten -Briefen, von denen der eine im Jahre 1685, der andere im Jahre 1692 -geschrieben wurde. Wie Steinfunder, so erklärte auch Josef von Görres -in seiner Mystik[32] diese Erscheinung damit, daß die bei Lebzeiten -erhaltene Dornenkrone bis zur Knochensubstanz des Schädels vorgedrungen -sei. Wegen ihrer Merkwürdigkeit wurde sie im Titelblatt in Farbendruck -wiedergegeben. - - [32] Bd. II. S. 415. - - - - -Achtes Kapitel. - -Drei weitere Besuche des Petrus an den Festen Kreuzauffindung, Pfingsten -u. Maria Magdalena. - - -Am Tage vor dem Feste des h. Martyrers Petrus von Mailand, der im -Jahre 1252 den Tod erlitten und im Jahre 1253 von Innocenz IV. heilig -gesprochen worden war, wurde Bruder Petrus, was ihm selten geschah, -im Kloster zu Cöln an die Pforte gerufen, und unter den Personen, die -da mit ihm sprachen, befand sich auch Christina. Aus Andacht war sie -zu dem Feste nach Cöln gekommen, um die Dominikanerkirche zu besuchen -und des Ablasses teilhaftig zu werden. Bruder Petrus sagte ihr, Bruder -Mauritius habe ihn ersucht, auf einige Tage mit ihm auszugehen, worauf -Christina die Beiden einlud, nach Stommeln zu kommen. - -Am Tage vor dem Feste Kreuzauffindung gingen nun beide Brüder nach -Stommeln, wo sie freundliche Aufnahme fanden. Am folgenden Tage -erklärte Bruder Petrus nach Tisch in Gegenwart einer ziemlichen Anzahl -von Personen die Stufen der Betrachtung nach Richard von Sankt Viktor, -wobei Christina große Freude empfand. Nach dem Vesperbrot wünschten -mehrere einen Spaziergang zu machen bis zu einem gewissen Wasser. -Man machte sich auf den Weg und ging paarweise wie in Prozession. -Petrus ging mit Christina und die Beiden unterhielten sich über die -Süßigkeit Gottes. Unter anderem fragte Christina den Petrus, wie es -komme, daß einige Priester schneller, andere langsamer die h. Messe -läsen. Petrus antwortete mit einem Gleichnis: „Wenn jemand, sprach -er, den Mund voller Mohnsamen nimmt und die Süßigkeit jedes einzelnen -Körnchens verkosten will, so muß er länger kauen und braucht deshalb -mehr Zeit wie einer, der sie ganz herunterschluckt. So auch muß jener, -der die Süßigkeit der einzelnen honigfließenden Worte des Kanons -verkosten will, diese etwas langsamer aussprechen.“ Die Erklärung -gefiel Christina und sie stellte alsbald eine andere Frage: „Guter -Bruder Petrus,“ sprach sie, „nimm mir meine Frage nicht übel. Wie ist -es dir, wenn du Messe liesest?“ Petrus antwortete: „Wohl, sehr wohl.“ -Daraufhin kniete Christina mit beiden Knien nieder und neigte sich mit -dem Angesichte tief bis zur Erde hin. Nachdem sie sich wieder erhoben, -wurde der Rückweg nach Stommeln angetreten, wo unterdessen noch zwei -andere Dominikaner, nämlich Bruder Heinrich von Bedburg (_beitbur_) und -sein Begleiter eingetroffen waren. Die Gesellschaft speiste zu Abend -und ging dann mit Christina in den Baumgarten, der an das Speisezimmer -anstieß. Auf die Bitte der Gesellschaft erklärte Petrus die Stelle aus -dem Hymnus von den hh. Jungfrauen: „_Post te canentes cursitant_, d. -h. Sie folgten dir lobsingend nach.“ Darauf sprach er von der Größe und -Weite des Himmels und bezog sich auf die Schriftstelle „_O Israel, quam -magna est domus Dei_, d. h. O Israel, wie groß ist Gottes Haus“[33] -und auf des Ptolomäus Darlegungen über den Lauf der Gestirne. Während -Petrus sprach, kam Christina in Verzückung. Als Petrus dies bemerkte, -hielt er inne. Etwa zwölf Personen, darunter mehrere Geistliche, saßen -im Kreise beisammen und beobachteten den Vorgang, der für manche etwas -neues war. Die Geistlichen nannten ihn Entzückung (_raptus_). Christina -blieb in der Entzückung so ziemlich vom Untergange bis zum Aufgange der -Sonne. Die Brüder aber gingen am Morgen wieder nach Cöln zurück. - - [33] Baruch 3, 24. - -Zum Pfingstfeste kam Bruder Petrus mit Bruder Gerhard vom Greif zum -sechsten Besuche nach Stommeln. Am Pfingstmorgen empfing Christina nach -den übrigen Gläubigen während der h. Messe die h. Kommunion und begab -sich dann in den hinter dem Hochaltar befindlichen Raum, wo sie bis -lange nach der Komplet blieb. Sie lag dort in der bereits beschriebenen -Körperhaltung, wie sie bei den Cölner Beginen üblich war und die nicht -unähnlich ist jener durch Madernas Marmorbild verewigten Haltung, in -der Sankt Cäcilias Leichnam ins Grab gebettet wurde. Sie hatte das -Gesicht mit dem Schleier und die Hände mit dem Mantel bedeckt, war ohne -alle Empfindung gegenüber der Außenwelt und am ganzen Körper starr. Sie -war in Verzückung. Als nun die Vesper und im Anschluß an sie auch die -Komplet gesungen wurde, und der Psalm: „_Ecce unc benedicite Dominum_, -d. h. Wohlan, nun preiset alle den Herrn“ angestimmt wurde, kam auf -einmal vor den Augen des Volkes ein in ein Täschchen gehülltes Buch von -der westlich im Turme befindlichen Eingangstüre durch die ganze Kirche -geflogen, prallte gegen die nach Morgen gelegene Chorwand deutlich -vernehmbar an und fiel dann mit Geräusch zu Füßen des Bruders Petrus -nieder, der mit seinem Begleiter Gerhard und dem Pfarrer im Chorgestühl -saß. Die drei meinten im ersten Augenblicke, die an der Südseite -gegenübersitzenden Schulknaben hätten das Geräusch verursacht. Doch da -sahen sie das Buch vor sich auf dem Boden liegen. Der Pfarrer erkannte -es sofort wieder als das Psalmenbuch, das von unsichtbarer Hand am Tage -Pauli Bekehrung der Christina entrissen worden war; denn er hatte es -selbst geschrieben und er kannte auch das Buchtäschchen. Er sprach zu -Bruder Petrus, er möge das Buch aufheben. Petrus tat dies und reichte -es dann an Bruder Gerhard vorbei dem Pfarrer. Dieser besah es und sagte -dann in der Ausdrucksweise des Landes: „Bei der Seele meines Vaters, -das ist das Buch der Christina!“ Die das Buch umhüllende Tasche war naß -und übelriechend, wie wenn sie in einer Kloake gelegen. Er zog das Buch -aus dem Täschchen, wobei der Aermelsaum seines Röckleins naß wurde, das -Buch aber war ganz unverletzt und wohl erhalten. Darüber wunderten sie -sich. Ein gewisses Feuer der Andacht durchzuckte die drei, sie sprachen -den unterbrochenen Psalm bis zu Ende und stimmten dann mit erhöhter -Stimme den Hymnus der Komplet „_Veni creator spiritus_“, wie es damals -nach Cölner Brauch üblich war, an und sangen denselben so feierlich, -daß die mit Menschen besetzte Kirche sich darüber verwunderte. Nach -der Komplet hielt dann Bruder Gerhard eine Ansprache an das Volk und -zeigte ihm auch das Psalmenbuch und das Buchtäschchen. Christina -aber lag währenddem noch immer in Verzückung. Von den Leuten aber -kam niemand auf den Gedanken, daß etwa irgend ein loser Bursche das -Buch in die Kirche hätte hineinwerfen können. Auch die Brüder, die -sich noch vier Tage in Stommeln aufhielten, sowie der Pfarrer konnten -nichts derartiges in Erfahrung bringen. Christina aber stieg seit jenem -Vorgange, der viel besprochen wurde, im Ansehen der Leute, die sagten: -„Nun haben auch wir einmal etwas von den wunderbaren Dingen Christinas -mit eigenen Augen gesehen.“ - -Im Dominikanerkloster zu Cöln befand sich in jener Zeit ein Bruder aus -der Provinz Toskana in Italien namens Aldebrandino (Hildebrand), der -in der Wissenschaft wohl gebildet und ein tüchtiger Prediger war. Auch -er hörte von Christina, und da er wußte, daß Bruder Petrus sie näher -kannte, ersuchte er ihn, mit ihm nach Stommeln zu gehen. Petrus war -aber, wie er bemerkt, auch mit den Einwohnern von Stommeln ziemlich -bekannt, namentlich aber mit der Herrin des Ortes, der Aebtissin -Geva von St. Cäcilien in Cöln, die eine Gräfin von Virneburg war. Am -22. Juli, einem Sonntage, dem Feste der h. Maria Magdalena, gingen -die beiden nach erhaltener Erlaubnis, nicht aus Neugier, sondern aus -Andacht nach Stommeln. Sie kamen dort an zur Zeit der Vesper und gingen -deshalb zunächst zur Kirche. Nach dem Gottesdienste begrüßten sie ihre -Freunde und gingen dann zu den Wohnungen, die ihnen angeboten worden -waren. Kurz nachher kam auch die Aebtissin Geva mit ihren Mägden an. - -„Am andern Morgen,“ schreibt Petrus, „gingen wir zur Kirche, und da wir -mit der h. Messe warteten, bis die Aebtissin zur Kirche kam, ging ich -in der Zwischenzeit zu Christina, die in der Kirche war, begrüßte sie -und fragte sie, wie es ihr gehe. Sie antwortete: „Ich habe Kopfwehe, -weil ich seit vierzehn Tagen nicht mehr geschlafen habe. Wenn ich mich -zu Bette lege, so überfällt mich eine so große Hitze, wie wenn ich in -siedendes Wasser gelegt würde. Daher ist auch mein ganzer Körper mit -Bläschen bedeckt, die vor Hitze aufbrechen und so kann ich gar nicht -schlafen.“ Sie bat mich, ich möge für sie beten. Ich tröstete sie -und ermahnte sie zur Geduld. Darauf ging ich wieder ins Chor, hörte -eine h. Messe, die für die Verstorbenen gehalten wurde, und las dann -selbst die h. Messe von den Engeln. Denn Montags pflegte ich die h. -Messe von den Engeln zu lesen, wenn kein Hindernis entgegenstand. In -der h. Messe gedachte ich in besonderer Weise Christinas, wie sie -mich gebeten und wie ich es ihr versprochen hatte.“ Mittags wurde -bei der Aebtissin im Fronhofe gespeist. Nach der Vesper trafen noch -zwei andere Studiengenossen des Bruders Aldebrandino aus Cöln ein, -nämlich Bruder Balduin aus Flandern und Bruder Mauritius aus Reval. -Abends wurde wieder bei der Aebtissin gespeist. Dann machte diese mit -ihren Mägden und den adeligen Stiftsfräulein, deren sechs da waren, -einen Spaziergang ins Feld und auf ihren Wunsch gingen die Brüder mit -ihnen. Nach dem Spaziergange setzte sich die Aebtissin auf einem Hügel -vor ihrem Hofe auf einen Sitz, und die Brüder und die Stiftsfräulein -setzten sich um sie herum. Als man eine Weile hin und her geredet -hatte, sprach der Pfarrer zur Aebtissin: „Gnädige Frau, ihr habt hier -vier gelehrte Studenten des Predigerordens aus verschiedenen Provinzen -vor Euch. Saget ihnen, daß sie über irgendeine theologische Frage -eine Unterredung halten.“ Die Aebtissin ersuchte darauf den Petrus, -irgendeine Streitfrage zu behandeln. Petrus aber bat die Aebtissin, -sie möge auf ihrem Wunsche nicht bestehen, weil er befürchtete, es -möchte, wie gewöhnlich, zu hitzig hergehen. Sie aber ließ nicht nach, -weil sie noch nie einer gelehrten Disputation beigewohnt hatte und -begierig war, eine solche zu hören. Auf den Vorschlag des Pfarrers -stellte sie die Frage zur Verhandlung: „Wem unser Herr einen größern -Vorzug verliehen, dem Petrus, dem er seine Kirche, oder dem Johannes, -dem er die glorreiche Jungfrau, seine Mutter, anvertraut habe.“ Bruder -Aldebrandino, der unter den Brüdern der älteste war und im Erbteile -des h. Petrus, dem Kirchenstaate, das Licht der Welt erblickt hatte, -übernahm es, die Würde des h. Petrus zu vertreten, Bruder Petrus -hingegen verteidigte die jungfräuliche Reinheit des h. Johannes und -seine vertraute Freundschaft mit Jesus. Während nun Einwendungen -und Lösungen von den Beiden vorgebracht wurden, wobei die zwei -Studiengenossen miteingriffen, kam plötzlich ein Mädchen herzugelaufen -und rief dem Pfarrer, er möge schleunigst kommen. „Wir glaubten,“ -sagt Petrus, „es handle sich um einen Kranken, der am Sterben liege.“ -Als aber der Pfarrer mit dem Mädchen gesprochen, rief er mir laut zu, -ich solle samt Aldebrandino schnell kommen; der Teufel habe Christina -in eine Grube voll Morast geworfen. Wir brachen die Disputation ab, -liefen so schnell wir konnten und fanden Christina ganz in schmutzigen -Schlamm versenkt. Nur ihr Kopf ragte noch hervor, den Hilla vom -Berge aufrecht hielt. Petrus, der zuerst angelangt war, sprang mit -den Schuhen in den Morast hinein und suchte mit Hilla, sie aus dem -Schlamm herauszuziehen, vermochte es aber nicht, bis der Pfarrer und -Aldebrandino zu Hülfe kamen. Nunmehr wurde Christina, die nur mit ihrem -langen, weißen Untergewande bekleidet war und Kopf und Hals mit dem -Schleier umwunden hatte, in den auch ihre erhobenen Hände eingehüllt -waren, herausgezogen, eine kleine Weile aufs Stroh gelegt und dann ins -Haus getragen. Die Mägde trugen sie, Aldebrandino aber stützte den Kopf -und Petrus die Schultern. Sie wurde ins Bett gebracht und es fand sich, -daß sie ganz empfindungslos war, jedoch war der Körper nicht starr. -Nach einer halben Stunde begann sie wie aus einer Ohnmacht zu sich zu -kommen, jedoch nicht stufenweise wie beim Erwachen aus der Verzückung, -und sie weinte bitterlich. Sie beklagte sich beim Herrn darüber, daß -Männerhände sie berührt und getragen hätten. „Solch eine Beschämung -sprach sie, ist für mich hart über alles; leicht wäre es mir, alles zu -erdulden, was du von mir verlangst, mag es auch noch so unerträglich -sein, wenn ich es nur vor dir allein zu leiden hätte.“ Petrus wollte -sie trösten, indem er bemerkte, daß nichts unziemliches vorgekommen -sei; sie aber wollte keinen Trost annehmen, pries aber Gottes Fügung. -Darauf kehrten die Brüder mit dem Pfarrer zu ihrer Wohnung zurück. - -Tags darauf, am Feste der h. Christina und Vorabend des h. Apostels -Jakobus, gingen die Brüder mit dem Pfarrer wieder zu Christina und -begrüßten sie. Sie wurden von Christina freundlich empfangen und -begaben sich dann zur Kirche, um die h. Messe zu lesen. Zuerst las -Aldebrandino, dann hielt Bruder Petrus am Altare des h. Apostels -Petrus die Messe vom h. Geiste und während er beim Memento Christinas -gedachte, wurde seine Seele von einer nie empfundenen süßen Freude -erfüllt und Tränen strömten ihm aus den Augen. Der Pfarrer brachte -unterdessen Christina die h. Kommunion. Nach Beendigung der hh. Messen -drang Aldebrandino in Petrus, er möge mit ihm zu Christina gehen, da -er gehört hatte, daß sie nach der h. Kommunion in Verzückung zu kommen -pflege und ihr Leib dann starr werde. Sie gingen hin, fanden Christina -im Bette liegen, das Gesicht mit dem Schleier und den Körper mit einer -anständigen, aber ärmlichen Decke bedeckt, und so regungslos, daß man -nicht einmal das Atemholen bemerken konnte. Aldebrandino trat näher -ans Bett hin und berührte ihre Schulter. Da er aber nichts von Starre -bemerkte, wandte er sich voller Entrüstung zu Petrus hin und rief -in seiner feurigen Art: „Bruder Petrus, Lüge ist es, was man mir von -diesem Mädchen gesagt hat, daß sie so tief in Verzückung komme, daß ihr -Leib hart werde.“ Petrus sagte ihm, er möge noch ein wenig zuwarten; -denn zwischen der Kommunion und der Starre pflege eine längere Zeit zu -verstreichen. Doch Aldebrandino ging aufgebracht weg und beklagte sich, -daß man ihn falsch berichtet habe. Das mißfiel dem Petrus sehr. - -Bei der Aebtissin wurde um drei Uhr -- es war ja Fasttag -- gespeist -und nach Tisch ersuchte Aldebrandino den Petrus, ihn zu Christina zu -begleiten. Petrus aber wollte nicht. Aldebrandino jedoch ließ nicht -nach mit Bitten, und so entschloß sich doch schließlich Petrus dazu, -mit ihm zu Christina zu gehen. Auch der Pfarrer ging mit. Christina lag -noch geradeso da, wie am Vormittage, das Gesicht zur Wand gerichtet. -Aldebrandino stellte sich zu Häupten des Bettes und beobachtete alles -genau. Da er nun kein Lebenszeichen mehr an ihr wahrnahm, auch kein -Atemholen mehr bemerken konnte, legte er noch einmal seine Hand auf -ihre Schulter und fand diese so starr, wie wenn der Tod eingetreten -wäre. Die Härte, die er wahrgenommen, brachte sein Herz zur Erweichung. -Doch schwieg er einstweilen still. Nachdem sie noch eine Weile -schweigend dagesessen, kam Christina in etwa zu sich, jedoch nicht so, -daß sie mit den Sinnen etwas wahrnahm, sondern bloß, daß sie atmete und -der Körper sich etwas regte. Da fügte es sich, daß sie den linken Arm -ausstreckte, wobei die Hand sich etwas öffnete. Als nun Aldebrandino, -der scharf aufpaßte, in der Handfläche das oben beschriebene purpurrote -Kreuzchen erblickte, rief er, von Rührung übermannt, laut aus: „Wehe -mir Ungläubigen! daß ich es jemals gewagt habe, wider eine solche -Heiligkeit zu reden! Nie habe ich so etwas gesehen, und keinem würde -ich es glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen geschaut! Wehe mir! -wie konnte ich so unsinnig sein, wider eine solche Heiligkeit zu reden! -Wahrlich, die ganze Welt vermag nicht, ein solches Kreuz zu bilden!“ -Während Aldebrandino dieses und ähnliches aus Herzensdrang in großer -Aufregung sprach, weinten alle vor Rührung. Auch Aldebrandino weinte -bis zur Vesper, machte bald sich selbst Vorwürfe, pries bald Gottes -Wunderwerke und ging einher wie trunken im Geiste. Zur Vesperzeit -gingen alle zur Kirche. Als sie am Fronhofe vorbeikamen, trafen sie -die Aebtissin an der Türe des Hauses sitzen. Auf deren Frage, ob sie -Christina gesehen, sprach Bruder Aldebrandino: „Gottes herrliche und -wunderbare Werke haben wir heute geschaut. Nie hätte ich geglaubt, -daß solches zu unseren Zeiten geschehe.“ Und er erzählte dann den -ganzen Hergang. Am folgenden Tage, dem Feste des h. Jakobus, nahmen -die Brüder Abschied von der Aebtissin und sprachen dann, bevor sie -den Rückweg nach Cöln antraten, bei Christina vor. Sie war wieder im -gewohnten, natürlichen Lebenszustande. Petrus fragte sie unter anderm, -wie es gekommen, daß sie in den Schlamm geraten sei. Da erzählte sie -Folgendes: „Am Tage vor dem Feste der h. Christina ergriff mich, als du -weggegangen, ein solcher Schauer und eine solche Angst, daß ich nicht -wußte, was mit mir vorging. Um diese Beklemmung in etwa zu mildern, -legte ich mein Obergewand ab und machte die Betten meiner Mitschwestern -zurecht. Als ich das getan und auch so meine Beklemmung nicht gewichen, -ging ich aus dem Kämmerlein, worin ich mich mit meinen Mitschwestern -befand, hinaus und kniete nieder vor einer Kiste, die im größern Hause -stand, jedoch nahe an der Türe des Gemaches, aus dem ich herausgekommen -war. Während ich nun zu Gott betete, er möge meine Trübsal mildern oder -mir Geduld verleihen, sie zu ertragen, kam es mir plötzlich vor, als -komme durch die große, nach Morgen befindliche Türe des größern Hauses -eine schauerige, schwarze Wolke herangezogen, und umhülle meinen Kopf. -Was nun noch weiter mit mir geschehen ist, davon weiß ich nichts, bis -ich mich im Bette liegend gefunden habe.“ - - - - -Neuntes Kapitel. - -Achter, neunter und zehnter Besuch des Petrus zu Allerheiligen, - im Advent und zu Weihnachten 1268. -- Seelenjubel, Besudelung. - - -Zu Allerheiligen lud der Pfarrer von Stommeln den Bruder Petrus und -den Bruder Aldebrandino ein, herüberzukommen. Schon tags vorher in -der Frühe machten sich die Beiden auf den Weg und kamen noch vor -der Messe in Stommeln an. Als sie zu Tische gerufen wurden, fragte -Aldebrandino, wo Christina sei. Man antwortete ihm, sie sei deshalb -nicht gekommen, weil sie der Andacht und dem Gebete obliege, da sie -am folgenden Tage zur h. Kommunion gehen wolle. Diese Entschuldigung -gefiel dem Aldebrandino sehr wohl. Am Allerheiligentage empfing -Christina während der h. Messe nach den übrigen die h. Kommunion -und ging dann ihrer Gepflogenheit gemäß auf ihr stilles Plätzchen -hinter dem Hochaltar, wo sie sich zur Danksagung in gewohnter Weise -hinstreckte und bis lange nach der Komplet verblieb. Nach der Non wurde -die Kirche geschlossen. Als die beiden Brüder mit dem Pfarrer zu Mittag -gespeist, gingen sie mit diesem zur Kirche, um sich dort an Christina -zu erbauen. Sie konnten jedoch nicht eintreten, weil der Küster mit -dem Schlüssel nicht zur Hand war. Während sie wohl eine Stunde lang -vor der Kirche warteten, vernahmen sie in der Kirche eine gar liebliche -Stimme, die zwar dem Petrus als eine menschliche erschien, jedoch der -Melodie nach und, was Schmelz und Zartheit anbelangt, menschliche -Singweise übertraf. Man hörte deutlich, daß es nur eine Stimme war -und daß die Töne, die süß wie Honigseim dahinflossen, sich zu einer -Melodie zusammenschlossen, ohne daß jedoch artikulierte Worte damit -verbunden waren. Als der Küster endlich gekommen war und die Kirche -aufgeschlossen hatte, gingen die drei hinein und fanden dort niemanden -als Christina. Sie lag noch an derselben Stelle, war empfindungslos und -starr am ganzen Körper und hatte das Gesicht mit dem Mantel bedeckt. -Der unterdessen verstummte Seelenjubel wurde nach einer Weile wieder -vernehmbar und die drei beobachteten, daß er aus Christinas Brust -herkam. In diesem Zustande blieb Christina bis zum Abendgottesdienste. - - Abb. 5. Handschuhe und Buchtäschchen Christinas. - - Abb. 6. Gebetstäfelchen Christinas. - - * * * * * - -Tags darauf, am Allerseelentage, kam es durch die Mutter und eine -der beiden Schwestern des Pfarrers, jedenfalls Hadewig, zu einer sehr -aufgeregten Szene gegen Christina. Die beiden Dominikaner erachteten -es infolgedessen für ratsam, daß Christina auf einige Zeit nach Cöln -gehe, bis die Erbitterung sich gelegt. Dies geschah auch. Was die -Veranlassung zur Erregung gab, wird von Petrus nicht angegeben, ist -aber unschwer zu erraten. Der Sturm spielte sich im Pfarrhause ab. -Der Pfarrer war nicht wohlhabend. In seinem Hause sah es ärmlich aus. -Er hatte seine alte Mutter und zwei Schwestern bei sich, zudem wird -seine Wohltätigkeit gerühmt. Es ist daher begreiflich, daß es schwer -wurde, die Auslagen des Haushaltes zu bestreiten. Das mehrtägige -Verweilen der beiden Dominikaner im Pfarrhause nun wird wegen der damit -verbundenen Unkosten die besorgte alte Frau aufgebracht haben und die -Schuld hiervon schob sie in ihrem Unmut Christina zu. Hiermit stimmt -auch, daß Petrus bei seinem nächsten Besuche, der im Advent stattfand, -nicht im Pfarrhause einkehrte und daß er sich dreimal bitten ließ, -ehe er der durch Christinas Eltern erfolgten Einladung Folge gab. Die -Mutter des Pfarrers scheint sogar soweit sich vergessen zu haben, daß -sie ihren eigenen Sohn verdächtigte. Denn gegen Ende des Jahres 1269 -schreibt Bruder Mauritius dem Petrus, die Mutter des Pfarrers und seine -Schwester, die wegen des Vorfalles mit dem Pfarrer zerfallen waren, -hätten sich mit ihm wieder ausgesöhnt und die übeln Nachreden, die sie -über ihn und andere geführt, als Verleumdungen, zu denen der Teufel sie -aufgestachelt habe, widerrufen und zwar bei denjenigen, vor denen sie -dieselben vorgebracht.[34] Nach dem Tode des Pfarrers jedoch hat seine -Mutter nochmals Vorwürfe gegen Christina erhoben, als ob diese daran -Schuld gewesen, daß der Pfarrer keine größere Barschaft hinterlassen -hatte.[35] - - [34] _V. C._ 150. - - [35] _V. C._ 81. - -Mit den Seligen des Himmels hatte Christina am Allerheiligenfeste -in der Verzückung gejubelt. In den finsteren, langen Nächten des -Adventes sollte sie die tiefste Verdemütigung erdulden, die mit -Gottes Zulassung Satan ihr zufügen konnte. Satan, den der Herr als -unreinen Geist bezeichnet, hat sein Behagen am Schmutz jeglicher -Art. Im Lande der Gerasener erbat er sich, als er vom Herrn aus dem -Menschen ausgetrieben war, als besondere Vergünstigung die Erlaubnis, -in die unsaubersten aller Tiere, in die Schweine, fahren zu dürfen. -Besudelung des Menschen, der nach Gottes Ebenbild geschaffen ist, -verursacht ihm besonderes Behagen. Er ist es, der die Juden antrieb, -das Antlitz unseres Heilandes in der Leidensnacht mit unflätigem -Auswurf zu besudeln. Ist er es nicht, der jene verwegenen Diebe, -die in Kirchen einbrechen, um die hh. Gefäße oder die Opfergaben der -Gläubigen zu rauben, antreibt, dabei das Heiligtum in ekelhafter Weise -zu besudeln, wie es auffälliger Weise auch heutzutage fast bei jedem -Kirchendiebstahl festgestellt werden kann? Er hat auch Christina in -den Nächten des Adventes des Jahres 1268 in der ekelhaftesten Weise -mit Unrat besudelt. Hören wir den Bericht des Petrus, den wir jedoch, -weil er allzu umständlich ist, in Kürze wiedergeben: „Kurz vor dem -Advent, schreibt Petrus, kam Christinas Vater zu mir nach Cöln, -ließ mich ins Kapitelhaus der Brüder rufen und sprach: „Christina, -deine Tochter, läßt dich grüßen.“ Er machte den Eindruck der größten -Niedergeschlagenheit. Ich antwortete ihm: „Rede nicht also; denn sie -hat dich ja zum Vater.“ „Freilich, erwiderte er. Doch wenn du inniges -Mitleiden mit uns hast, so komme uns besuchen; denn wir sind in Gefahr. -Ein gar starker Feind ist bei uns angekommen, dessen Wut unsere Habe -nicht nur, sondern auch unser Leben gefährdet.“ Diese Worte bewogen -mich zum Mitleide, das ich jedoch zu verbergen suchte; denn ich -wußte, daß er an schwere Plagen gewohnt war und um einer Kleinigkeit -willen nicht zu mir würde gekommen sein. Doch entließ ich ihn mit den -Worten: „Gehe in Gottes Namen, der Herr möge euch trösten.“ Traurig -ging er weg, kam aber nach acht Tagen wieder und wiederholte mit -noch größerer Betrübnis seine Einladung. Ich entließ ihn wie früher -und betrübt schied er von dannen. Nach sechs Tagen kam er abermals, -suchte lange nach mir, und, nachdem er mich endlich gefunden, sprach -er wehmütig: „Meine Tochter bittet dich bei der Liebe, die du im -Herrn zu ihr trägst, zu ihr zu kommen. Auch ich und ihre Mutter bitten -inständigst darum, wenn du nicht willst, daß der Teufel unser ganzes -Anwesen durch Feuer zerstört.“ Diese Worte und noch mehr der rührende -Ausdruck, womit sie gesprochen wurden, machten Eindruck auf Bruder -Petrus. „Wenn ich Erlaubnis erhalte, so sprach er, will ich euch -gerne besuchen.“ Auf diese Antwort schöpfte der Mann etwas Mut und -entfernte sich. Petrus machte dem Bruder Aldebrandino Mitteilung von -der Bitte des Vaters der Christina. Dieser erbat und hielt denn auch -für sich und Petrus vom Prior Hermann von Havelbrecht die Erlaubnis -zur Reise nach Stommeln. Da aber für Aldebrandino Hinderung eintrat, so -erhielt Petrus zum Reisegefährten den Bruder Wipert von Böhmen aus der -polnischen Ordensprovinz. Am Donnerstage in der zweiten Adventswoche -gingen die Beiden nach Stommeln. Es regnete und die Wege waren stark -aufgeweicht. Erst spät am Abend kamen sie recht müde, wenn auch -fröhlichen Herzens, in Stommeln an und gingen ins Haus, wo Christina -war, bei der sie den Prior Gotfrid der Abtei Brauweiler nebst dem -P. Leonius, dem Kellermeister (_cellerarius_) derselben Abtei, sowie -den Pfarrer Johannes von Stommeln vorfanden. Christina saß im Bette; -denn sie konnte nicht liegen wegen der Plagen, die sie unablässig zu -erdulden hatte. „Wir grüßten sie, schreibt Petrus, und alle, die bei -ihr waren, und gingen dann wieder hinaus, um an dem Feuer, das vor -der Türe des Kämmerleins brannte, unsere Kleider zu trocknen. Da wir -nun so dasaßen und der Kellermeister, der sich zu uns gesetzt hatte, -seinen mit dem Stiefel bekleideten Fuß zum Feuer hin ausstreckte, -flog auf einmal vor unser aller Augen Kot auf den Stiefel des -Kellermeisters. Darüber erstaunten wir, die wir eben angekommen waren -und noch nicht wußten, was hier vorging. Der Kellermeister aber, der -ein beherzter Mann war, sagte zu uns: „Brüder, wir müssen uns an solche -Dinge gewöhnen.“ Kurz darauf hörten wir, daß auch jene im Kämmerlein -miteinander Klagereden führten. Und als wir nach der Ursache fragten, -vernahmen wir, daß der Teufel, wie er schon die ganze Adventszeit -hindurch getan, Christina eben besudelt habe. Auf diese unerwartete -Nachricht standen wir alle, die draußen waren, auf, gingen hinein und -fanden es so, wie man uns gesagt hatte. Ich stellte mich nun nahe vor -das Bett Christinas, der Prior aber zu Häupten des Bettes, nämlich -nach Osten, der Kellermeister zu Füßen, nach Westen, der Pfarrer neben -mich nach Norden. Die Wand, an der das Bett stand, war nach Süden. -So war das Bett gut mit Wächtern umstellt. Da geschah es nun unter -unsern Augen, daß Christina nach meiner Zählung mehr als zwanzigmal -auf verschiedene Weise am Gesichte, unter dem Schleier am Kopfe, und -an sonstigen Stellen des Körpers besudelt wurde. Mit Sonnenaufgang -hörte diese Plage auf. Der Prior kehrte mit dem Kellermeister nach -Brauweiler zurück und ich ging mit meinem Gefährten zur Kirche, um die -h. Messe zu lesen. Der Tag ging vorüber, ohne daß äußerlich eine Plage -oder Belästigung zu bemerken war. Als aber die Sonne untergegangen -war, und die Nacht mit ihrer Finsternis gekommen, da kehrte auch der -Geist der Finsternis zurück und besudelte Christina in der gleichen -Weise wie in der vorhergegangenen Nacht. Gegen Mitternacht fragte ich -Christina, ob sie den Teufel sehe, dessen unsaubere Werke wir alle -wahrnahmen. Sie antwortete bescheiden: „Ich sehe den Teufel immerfort, -wenn ich auch meine Augen schließe oder sie mit dem Schleier verhülle.“ -Ich fragte sie weiter: „Wie sieht er denn aus?“ Sie erwiderte: „Es -ist unmöglich, zu beschreiben, wie vielfach und verschiedenartig die -Gestaltungen sind, die er annimmt. Augenblicklich sehe ich nur ein -scheußliches Gesicht, das einem menschlichen ähnlich sieht, nur daß es -zwei Hörner hat.“ „Wo siehst du ihn denn?“ fragte ich weiter. „Dort, -sprach sie, zwischen den beiden Mädchen“ und zeigte mit der Hand nach -der nördlichen Seite, wo Hilla vom Berge und Gertrud, des Pfarrers -Schwester, saßen, die, als sie das hörten, erschraken und voneinander -abrückten. Ich aber fragte Christina, ob der Teufel sich nicht -entfernen würde, wenn wir das Zimmer mit Weihwasser besprengten. Sie -sagte, er würde freilich fliehen, aber auch sogleich und zwar im selben -Augenblicke wieder zurückkehren. Beim Anbruche des Morgens hörten -die Besudelungen auf. Als nun die dritte Nacht kam, die Nacht vor dem -dritten Adventssonntage, kam der Teufel wieder und quälte und besudelte -Christina wie in den vorhergegangenen Nächten. Ich saß zu Häupten -des Bettes, Bruder Wipert am Fußende und der Pfarrer vor dem Bette. -Während wir miteinander sprachen, hörten wir alle ein Geräusch, das -unter der Bank herkam, auf der Wipert saß. Das Geräusch war ähnlich so, -wie wenn Eiweiß zu Schaum geschlagen wird. Bruder Wipert nahm seinen -Rohrstock, den er aus Toskana mitgebracht hatte -- er war nämlich erst -vor Kurzem vom päpstlichen Hofe hergekommen -- und stieß mit der Pike -des Stockes heftig und öfters nacheinander unter die Bank, indem er -sprach: „Nichtswürdiger Dämon, ich will dir die Augen ausstoßen.“ Das -Getöse jedoch ließ nicht nach. Da sprach Bruder Wipert zum Pfarrer: -„Teuerster, weißt du keine Beschwörungen, mit denen dieser böse Feind -hier ausgetrieben werden kann?“ Dieser erwiderte: „Ich weiß wenigstens -jene Beschwörung auswendig, die über die Täuflinge gesprochen wird. -„_Ergo maledicte diabole recognosce sententiam tuam_“ u. s. w. Da -sprach Wipert: „Sage sie mir vor, so will ich sie dir nachsprechen in -der Meinung, daß wir diesen unreinen Geist verscheuchen.“ Da sie so -miteinander überlegten, sprach Christina zu mir: „Worüber sprechen -jene? Was haben sie vor?“ Ich antwortete: „Sie wollen den Teufel -beschwören, daß er weichen soll.“ Sie erwiderte: „Saget ihnen, sie -sollten sich gegen Gottes Zulassungen keine vergebliche Mühe machen; -denn ich muß dieses erdulden, so lange Gott will.“ Bruder Wipert hörte -das, blieb aber nichtsdestoweniger bei seinem Vorhaben. Als die Beiden -mit der Beschwörung nahezu ans Ende gekommen, entstand ein starker -und furchtbarer Knall im Kämmerlein, wie wenn eine mit Luft gefüllte -Blase zerplatzt wäre. Im selben Augenblicke erlosch die Lampe, die zwei -Ellen hoch über mir stand. Wipert sprang vor Schrecken auf und wollte -hinausgehen. Doch mitten im Zimmer kam der Teufel auf ihn zu, versetzte -ihm einen Schlag aufs Auge und übergoß ihn mit Unrat. Wipert schrie: -„Wehe mir, ich habe ein Auge verloren.“ Dem war jedoch nicht so. -- Und -er lief aus dem Kämmerlein hinaus ans Feuer, wo warmes Wasser stand, -um sich zu reinigen. Unter diesen und ähnlichen Quälereien ging diese -peinliche Nacht vorüber. Bei Tagesanbruch beteten wir die Mette und -darnach die Prim im Kämmerlein bei Christina. Als wir geendigt, sprach -ich zu Christina: „Gedenkst du heute die h. Kommunion zu empfangen, wie -du gestern es mir gesagt?“ -- „Ja,“ erwiderte sie. „Nun denn, sprach -ich zu ihr, so hüte dein Herz mit aller Sorgfalt, daß du an nichts -anderes denkst als an Jesus, den du empfangen willst.“ Sie erwiderte: -„Es würde mir schwerfallen, an etwas anderes zu denken.“ Darauf gingen -wir zur Kirche. Wir beide Brüder lasen die h. Messe und währenddessen -trug der Pfarrer Christina die h. Kommunion. Mittags speisten wir beim -Pfarrer und gingen dann, bevor wir die Rückreise nach Cöln antraten, -zu Christina. O wie hatte die Hand des Herrn hier alles umgewandelt! -Es herrschte der lieblichste Wohlgeruch statt des abscheulichen -Gestankes, die süßeste Ruhe statt Mühsal und Schmerz, Lob und Jubel -statt Betrübnis und Angst, Anstand und Sauberkeit statt ekelhaften -Schmutzes. Im Kämmerlein trafen wir Hilla vom Berge, Hilla, Christinas -Schwester, Hilla von Ingendorf und Gertrud, des Pfarrers Schwester. -Sie waren die Zeugen unserer Betrübnis gewesen, sie waren nun auch die -Zeugen unserer Tröstung. Christina war in Verzückung, ohne jegliche -Regung und Empfindung. Alle sahen mit Erbauung das Zeichen des Kreuzes -in der linken Hand der Jungfrau. Es war ein dreifaches Kreuz, da der -Querbalken des Hauptkreuzes an beiden Enden in ein kleineres Kreuz -ausmündete. Die Brüder schieden von dannen; Christina aber, entrückt -wie sie war, wurde nichts von ihrem Abschiede gewahr. - -Weihnachten fiel im Jahre 1268 auf den Dienstag. Am vorhergehenden -Sonntage, dem vierten des Adventes, reiste Bruder Gerhard vom Greif, -dem der Prior Hermann den Bruder Petrus als Begleiter zugesellt hatte, -nach Stommeln. Im Hause Christinas angelangt, legten sie ihre vom -Regen durchnäßten Oberkleider ab und gaben sie denen, die am Feuer -waren, zum Trocknen. Dann traten sie ein ins Kämmerlein Christinas, -woselbst sie unter anderen den Johannes von Muffendorf mit seinem -Gefährten sowie den Pfarrer von Stommeln antrafen. Nach der Begrüßung -der Anwesenden fügte Bruder Gerhard scherzhaft die Worte hinzu: „Herr -Teufel, mich darfst du nicht besudeln; denn ich bin dein Freund.“ „Wenn -du des Teufels Freund bist, entgegnete Petrus, so bin ich dein und sein -Feind.“ Gerhard nahm nun Platz zu Füßen des Bettes, in dem Christina -saß, Petrus aber zu dessen Häupten nahe bei der Tür. „Da wir nun so -saßen, schreibt Petrus, kam plötzlich aus einem Winkel, worin niemand -war, eine schmutzige Flüssigkeit, wie aus einem Becken gegossen, auf -mich zugeflogen und benetzte meine rechte Schulter sowie auch die ganze -Türe neben mir. Nach dem Essen stand Bruder Gerhard auf und wollte zum -Feuer gehen, das vor der Zimmertüre brannte. Doch mitten im Zimmer noch -wurde er mit seinem neuen weißen Skapulier, das er tags vorher zuerst -angelegt hatte, vom Teufel mit Unrat übergossen. Daß der Teufel seinen -angeblichen Freund so übel zugerichtet hatte, machte einigen Freude. -Der Teufel überbot in der kommenden Nacht nicht bloß alles, was er -bisher an Besudelung geleistet, sondern brannte auch Christina, wie -er es bereits in den sechs vorangegangenen Nächten getan hatte, mit -einem glühenden Stein. Um Mitternacht nämlich, da ich neben Christina -saß und sie tröstete, begann sie plötzlich sich zu krümmen und zu -zittern und es brach ihr der Schweiß aus. „Was ist geschehen?“ fragte -ich, „woher diese Angst und dieser Schweiß?“ -- „Wundere dich nicht,“ -antwortete Christina, „hier vor meinen und deinen Augen sehe ich einen -schrecklichen Dämon stehen, mit einem glühenden Steine in den Händen -und er droht mir, mich damit zu brennen.“ Ich tröstete sie, soweit ich -konnte, und ermahnte sie zur Geduld. Nach einer Weile legte der Teufel -wirklich einen faustdicken, glühenden Stein auf ihre linke Seite unter -die Kleider und drückte ihn so stark ins Fleisch hinein, daß er darin -unbeweglich festsaß, wie wenn er mit dem Körper zusammengewachsen -gewesen wäre. Alle Anwesenden haben den Stein gesehen und mit den -Händen berührt. Nach geraumer Zeit nahm der Teufel den Stein unter -ihren Händen weg und legte ihn auf Christinas Schulter, wo er bis zum -ersten Hahnenschrei liegen blieb. Dann schwand diese Plage. - -Da es nun Morgen geworden und der Teufel wußte, daß er nur noch -kurze Zeit habe, begann er noch heftiger zu wüten als bisher und -auch sein Unwesen der Besudelungen fortzusetzen. Wir fürchteten -deshalb, Christina allein zu lassen; denn, wenn ein Priester ihr -beistand, wütete er nicht so sehr. Wir sprachen uns also ab, daß -Bruder Johannes und sein Begleiter zur Kirche gehen sollten, um die -Leute Beichte zu hören und sonst auszuhelfen, -- es war tags vor -Weihnachten -- Bruder Gerhard aber und ich bei Christina bleiben -sollten. Den ganzen Vormittag dauerten die Besudelungen. Es nahte schon -bald die Mittagszeit und die Brüder waren noch nicht aus der Kirche -zurückgekommen. Wir hatten uns schon darauf gefaßt, auf die h. Messe zu -verzichten und beteten die Tagzeiten von der allerseligsten Jungfrau, -die beginnen mit den Worten: _Rorate caeli desuper_. Als wir an das -Evangelium: _Missus est_ gekommen waren, kniete ich mit beiden Knien -auf die Erde nieder und legte beide Hände auf das Haupt Christinas, -damit die Kraft der heiligen Worte auf sie mehr einwirken möchte. -Kaum war ich mit dem Evangelium zu Ende und siehe da, der Geist der -Unlauterkeit brachte unter meinen Händen über Christinas Haupt zwischen -Kopf und Schleier eine dichte Schicht des häßlichsten Unrates. Endlich -kam der Pfarrer aus der Kirche zu uns und sagte, die Brüder würden bald -zurückkommen. In dieser Erwartung gingen wir dann zur Kirche, um die -h. Messe zu lesen und waren froh, bei Christina zu ihrem Troste einen -Priester zurücklassen zu können. Auf dem Wege begegnete uns Bruder -Johannes mit seinem Gefährten und fragte uns, wie es mit Christina -stehe. „Sehr schlimm,“ sagten wir. Da sprach er, heftig bewegt: „Laßt -uns hingehen, um mit dem Teufel zu kämpfen,“ und raschen Schrittes ging -er weiter. Wir aber gingen zur Kirche, hielten die h. Messe, und da -während derselben auch der Pfarrer wiedergekommen war, schlossen wir, -nach Landesbrauch an die h. Messe unmittelbar die Vesper an.[36] - - [36] Es war ja der Vorabend von Weihnachten und mithin Fasttag, an - welchem die Mahlzeit erst nach der Vesper eingenommen wurde. - -Während wir in der Kirche waren, trug sich in Christinas Hause etwas -eigenartig Grausiges zu. Bruder Johannes und sein Begleiter, Hilla -vom Berge und Gertrud, des Pfarrers Schwester, die zugegen waren, -haben es uns nachher erzählt. Jener böse Feind, der Gott selbst hatte -gleich sein wollen, vermaß sich in seiner Frechheit, Christinas Bett zu -durchwühlen und zu erschüttern und dabei Worte der Gotteslästerung zu -singen. Er sang in wohlgesetzter Melodie, und die Worte waren rythmisch -geordnet und endeten in Reimbildung. So sang er in hohem Tone: „Wo -ist nun dein Gott? Wo ist dein Gott?“ Oefter und mit Zwischenpausen -wiederholte er diese Frage und sang dann auch die Antwort: „Ich bin -dein Gott. Ich bin dein Gott.“ Nachdem er diesen gotteslästerlichen -Gesang mehrfach wiederholt hatte, fügte er hinzu: „Jetzt wenigstens -erkenne, daß ich dein Gott bin; denn ich habe Macht, mit dir zu tun, -was mir beliebt.“ Dann beschimpfte er die Diener Gottes und sprach: „Wo -sind die geschorenen Narren, die bei dir waren? Ich werde sie jetzt so -zurichten, daß sie sich nicht mehr unterstehen, zu dir zu kommen.“ Da -sprach endlich Christina, entsetzt über die dem Namen Gottes zugefügte -Beleidigung, mit erhobener Stimme, so daß alle, die da saßen, es -hörten: „Ich beschwöre dich, Dämon, in Kraft des Leidens unseres Herrn -Jesus Christus, daß du die Wahrheit dessen beweisest, was du gesagt -hast.“ Da änderte Satan seine stolze Sprache, er ließ ab vom Singen, -Versemachen und Reimbilden und gleich einem abgelebten Greise begann er -mit zitternder, schwacher Stimme die Wahrheit zu bekennen und sprach: -„Wahrhaftig, alles ist gelogen, was ich gesagt habe; ich bin nicht -Gott. Ich habe keinen Teil an seiner Wesenheit, und die Teilnahme an -seiner Seligkeit habe ich mit Recht für immer verloren. Es ist mir aber -von ihm gestattet worden, meine Bosheit an dir auslassen zu können, -und das habe ich mit Eifer getan. Ueber das, was er mir erlaubt hat, -bin ich aber weder hinausgegangen noch darunter zurückgeblieben. Und -weil du mich in Kraft des Leidens des Herrn beschworen hast, muß ich -die Wahrheit bekennen. Da ich dir so viel Qual und Schmach angetan habe -und dich dennoch nicht zu besiegen vermochte, so bin ich gewiß, daß mir -das hundertfach auf ewig wird heimgezahlt werden mit dem unaufhörlichen -Spotte meiner Genossen. Als Feigling werden sie mich verhöhnen, da ich -ein einziges Mädchen nicht zu überwinden vermochte.“ Nachdem er dieses -und ähnliches gesagt, verschwand er mit einem starken Knalle. - -In der h. Weihnacht, als die Mette und die erste h. Messe vorüber -waren, ging der Pfarrer zu Christina und reichte ihr die h. Kommunion. -Bei Anbruch des Tages ging Bruder Johannes zu Christina und ich folgte -ihm. Wir fanden Christina in Verzückung, im Bette liegend und ganz -starr. In diesem Zustande blieb sie den Weihnachtstag hindurch bis tief -in die folgende Nacht. An den übrigen Festtagen speisten wir mit ihr -und nahmen dabei mehrere Zeichen ihrer himmlischen Tröstung und inneren -Liebe wahr, woraus wir schlossen, daß nach der Fülle der Leiden, die -sie erduldet, nun auch Gottes Tröstungen ihre Seele erfreuten.“ - - - - -Zehntes Kapitel. - -Fastenzeit des Jahres 1269. Sinnliche Versuchung. Elfter und zwölfter -Besuch des Petrus. - - -Im Advent hatte der Teufel Christina äußerlich mit Unrat besudelt. -Darauf suchte er in der Fastenzeit ihre jungfräulichreine Gesinnung -durch sinnliche Versuchungen und Vorführung unsauberen Blendwerks -zu beleidigen. Dem Berichte des Pfarrers Johannes entnehmen wir -Folgendes: Der Teufel erschien ihr und sprach: „Schau! Du hast ein ganz -elendes und mühseliges Leben; du siehst, daß du Tag und Nacht keine -Ruhe hast. Die aber in der Welt leben, haben sehr vergnügte Tage im -Familienleben. Auch sind viele unter ihnen sehr reich. Wenn du deiner -jetzigen Lebensweise entsagen wolltest und leben wie Weltleute, so -würde ich dich reich machen und dein Leben verlängern, so lange du -willst.“ Christina antwortete ihm: „Verfluchter, du lügst. Für Gott ist -mir keine Mühe zu viel, und was du versprichst, vermagst du nicht zu -halten.“ Darauf der Teufel: „Die Ordensleute, die Geistlichen und alle -Enthaltsamen sind betrogen; ihre Lebensweise ist Ketzerei. Denn Gott -hat von Anbeginn es so angeordnet, daß alle Menschen im Ehestande leben -sollen. Wenn auch du das befolgen würdest, könntest du leicht und eher -selig werden.“ Um diesen Versuchungen mehr Reiz zu geben, begleitete -der Teufel sie mit allerhand unlauterem Blendwerk. -- Wochenlang quälte -er so Christina, vermochte jedoch nicht ihren Sinn zu beugen. Da sprach -der Teufel: „Weil du mir nicht folgst, so wisse, daß ich dich beschämt -machen werde vor aller Welt. In der Kirche werde ich einen kleinen -Knaben vor dich hinstellen und ausrufen, daß er von dir sei.“ Diese -Drohung quälte Christina fürchterlich. Wenn sie in der Kirche war und -zur h. Kommunion gehen wollte, so kam es ihr vor, als ob die Leute sich -zuflüsterten: „Schauet da die elende Heuchlerin, wie sie die Menschen -betrogen hat. Jetzt kommen ihre Betrügereien an den Tag; sie hat ja ein -Kind geboren.“ Lange Zeit kämpfte Christina mit dieser Angst und wagte -es nicht, zum Tische des Herrn zu gehen. Endlich überwand sie diese -Angst, indem sie also bei sich dachte: „Möge man immerhin rufen; Gott -weiß, daß du unschuldig bist.“ Darauf hatte sie in der Nacht folgendes -Traumgesicht: „Geliebter, so glaubte sie zu sprechen, habe Mitleiden -mit mir in dieser neuen Angst und nimm diese Versuchung von mir.“ Da -antwortete alsbald eine Stimme: „Vielgeliebte Tochter, habe Geduld; -deine Pein wird heute ein Ende haben und dein Bräutigam wird dir für -die ausgestandene Angst den gleichen Lohn geben, als ob du wirklich -die Beschämung erduldet hättest.“ Da sprach sie: „Gepriesen seist du, o -Süßester; ich bin elend, reich aber ist deine Huld.“ Als sie erwachte, -war alle Versuchung verschwunden. Sie ging am Morgen zur h. Kommunion -und wurde mit solcher Wonne erquickt, daß sie drei Tage lang weder aß -noch trank und kein Wort reden konnte. - -Dann kam der Teufel mit einer andern Versuchung: „Was führst du -doch, sprach er, jetzt für ein Leben? Früher betetest du viel, übtest -dich fleißig im Stillschweigen, fastetest, stets warst du allein und -konntest den Umgang mit Mannsleuten nicht leiden; jetzt aber gehst -du gar zu vertraulich mit ihnen um, mit Ordensbrüdern und andern -plauderst du in der Kirche, und außer der Kirche bist du träge. Auf -diese Weise wirst du nicht ins Himmelreich kommen können; so gemächlich -geht es nicht.“ Wieder ein anderes Mal, als sie im Gebete die Nacht -durchwachte, wie sie es zu tun pflegte, wenn sie zum Tische des Herrn -gehen wollte, kam jener alte Bösewicht und sprach gar gelind, wie wenn -es ein Engel vom Himmel gewesen: „Teuerste, du hast vor, zur Kommunion -zu gehen. Tue das nicht um dreier Ursachen willen. Erstens wird die -Hostie zur Erde fallen, wenn der Priester sie dir in den Mund legt, und -das wird eine große Störung verursachen. Zweitens mußt du auch billig -erkennen, daß du eine Sünderin bist und deshalb gänzlich unwürdig. -Drittens weiß der Pfarrer dieses auch und ist deshalb in übler -Stimmung“. Christina wähnte, ein Engel rede zu ihr, hatte aber doch -Zweifel und deshalb bat sie den Herrn, er möge ihr kundtun, ob diese -Stimme von ihm oder von einem andern sei. Da entstand ein gewaltiges -Gepolter und alles war vorbei. Morgens ging sie zur Kirche, wagte -aber nicht, zum Tische des Herrn zu gehen wegen jener drei Gründe. Der -Priester aber, dem sie dies offenbarte, sagte ihr, der Teufel habe sie -von der h. Kommunion abhalten wollen und so ging sie mit großer Furcht -zum Tische des Herrn. - -Um diese Zeit erhielt Christina den elften Besuch des Bruders Petrus. -Diesem war zu Ohren gekommen, daß er laut Bestimmung seiner Obern -zur Fortsetzung seiner Studien nach Paris gehen sollte und deshalb -wollte er vorher seine Freunde in Stommeln noch einmal besuchen. In -der Fastenzeit kam er mit seinem Landsmann Bruder Johannes Hespe zu -Christina. Zur Zeit der Komplet sprach er zu ihr einiges zur Erbauung. -Darob wurde sie sehr zur Andacht entflammt, und sie bat Petrus, er -möge am folgenden Tage die Messe von der seligsten Jungfrau nicht -lesen, sondern singen. Petrus kam dem Wunsche nach und sang die Messe -„_Rorate caeli desuper_“. -- Trauet Himmel den Gerechten --, für die er -eine besondere Vorliebe hatte. Als nach Beendigung des Gottesdienstes -das Volk die Kirche verließ, blieb Christina, ohne sich zu regen, auf -ihrer Stelle zurück. Da sprach der Pfarrer zu Petrus: „Es scheint mir, -daß Christina entrückt ist.“ Petrus und Bruder Johannes gingen nun -auf sie zu und fanden sie ganz starr. Der Mantel aber, mit dem sie -ihr Haupt bedeckt hatte, war an der Stelle über dem Kopfe wie mit Tau -benetzt. Bruder Johannes, der seit vierzehn Tagen am Gelenke zwischen -Arm und Hand einen Auswuchs von der Größe eines halben Eies hatte, -befeuchtete seine gesunde Hand mit diesem Tau und berührte dann mit -dieser also befeuchteten Hand den Auswuchs an der andern Hand. Von -diesem Augenblicke an begann die Geschwulst schneller abzunehmen, als -sie bisher gewachsen, sodaß sie in wenigen Tagen ganz verschwunden war. -Christina aber blieb verzückt bis zur Komplet. Tags darauf besuchten -die beiden Brüder den Prior zu Brauweiler und kehrten von da nach Cöln -zurück. - -Während dieser Fastenzeit hatte Christina noch eine andere ganz -schreckliche Versuchung gegen die jungfräuliche Reinheit zu bestehen, -die von Pfarrer Johannes umständlich berichtet wird.[37] Es befand -sich damals in Stommeln oder nahebei ein elender, schrecklicher -Mensch, der ein Ausbund aller Laster und ein berüchtigter Räuber -war. Wie sehr Christina diesen Menschen auch fürchtete und seine -Stimme ihr Grausen erregte, so kam ihr doch wider ihren Willen die -Neigung, diesen Menschen zu sehen und mit ihm zu sprechen. Schon im -Mai des vorhergehenden Jahres hatte diese unerklärliche Neigung sich -bemerkbar gemacht. Jetzt nun kam in der Nacht der Versucher in Gestalt -jenes schlechten Menschen zu Christina und sprach: „Geliebteste, -siehe, ich bin es. Ich bin hereingekommen; das Haus ist offen. Dein -Vater und deine Mutter wissen nicht, daß ich hier bin; Du brauchst -nichts zu fürchten.“ Dann kam er näher auf sie zu und ergriff ihre -Hände. Christina glaubte, den Räuber vor sich zu haben und schrie aus -allen Kräften: „Wenn Ihr mich berührt, so wisset, daß der Dämon Euch -umbringen wird.“ Dann bat sie ihn beim Leiden unseres Herrn, sie in -Ruhe zu lassen. Der Versucher aber entgegnete: „Trauteste, nie habe -ich ein Menschenkind so sehr geliebt wie Dich. Wenn Du mir nur einen -freundlichen Blick schenken wolltest, so würde ich fürderhin nicht -mehr schlecht sein. Wenn Du es willst, werde ich gut sein, und wenn Du -es willst, werde ich schlecht sein. Ich werde Dich zu einer vornehmen -Frau machen, Dir schöne Kleider kaufen, Dir soviel Geld geben, als Du -haben willst, und nichts wird Dir mangeln. Ich nehme Dich mit; Deine -Eltern werden nichts davon gewahr, und ich bringe Dich zu reichen -und feinen Leuten, wo Du ein herrliches Leben haben wirst.“ Allein -Christina antwortete nicht und richtete alle ihre Gedanken auf das -Leiden unseres Herrn. „Du bringst mich ums Leben, begann er nun zu -schluchzen, ich muß sterben, weil Du mich verschmähst; ich vermag -nicht mehr zu schlafen und kann weder essen noch trinken.“ Als aber -alles fruchtlos blieb, änderte der Versucher seine Sprache und schrie: -„Ich werde doch meinen Willen an Dir vollbringen!“ und dabei ergriff -er sie mit Gewalt, wie wenn er sie hätte umbringen wollen. Christina -aber schrie zu Gott: „Herr, stärke mich in dieser Stunde!“ Dann zog der -Versucher ein Messer hervor, setzte es ihr auf die Brust und sprach: -„Ich ermorde Dich, wofern Du mir nicht zu Willen bist.“ Christina -entgegnete: „Meinem Herrn Jesus Christus habe ich Treue gelobt; für -seinen Namen zu sterben ist mein Wunsch.“ „Doch nicht so, erwiderte -der Versucher, Dein Vater und Deine Mutter sollen die ersten sein; ich -will alle im ganzen Hause ermorden, Dich aber fürs letzte aufsparen.“ -Alsdann lief er mit dem Messer durchs Haus und tat so, wie wenn er am -Morden wäre, Christina aber hörte erbärmliches Weinen und Jammern. Es -war das alles freilich teuflische Gaukelei. Dann hörte sie, wie ihr -Vater, es war in Wahrheit der Teufel, zu dem Verführer sprach: „Halte -ein! töte mich nicht; ich will sie bereden, daß sie Dir zu Willen -sei.“ Und alsdann kam dieser Teufel zu Christina in der Gestalt ihres -Vaters -- Christina jedoch glaubte wirklich, es sei ihr Vater -- und -sprach zu ihr: „Liebste Tochter! gedenke, daß ich kein anderes meiner -Kinder so geliebt habe wie Dich; willige doch ein, damit Du mir das -Leben rettest. Du wirst es doch nicht vor Gott verantworten können, -wenn ich um Deinetwillen getötet werde.“ Christina aber, obgleich -voll Mitleid mit dem vermeintlichen Vater, sprach herzhaft: „Vater, -Ihr sagt, ich solle Gott verlassen! Wisset Ihr denn nicht, daß Gott -für uns gestorben ist. Seid deshalb standhaft und erleidet freudig -den Tod.“ Der Verführer stürzte sich alsdann auf Christinas Vater und -versetzte ihm den Todesstoß; Christina hörte sein Röcheln. Dann kam er -auf Christina zu. Diese aber entriß ihm behend das Messer, stieß es -sich selbst in die Hüfte, um durch den Schmerz der Verwundung aller -sinnlichen Empfindung vorzubeugen, und rang mutig mit dem Versucher, -der alsdann beschämt die Flucht ergriff. Das Messer jedoch blieb -zurück. Christina bediente sich desselben später beim Essen und der -Pfarrer Johannes hat es sich nachher von ihr zum Geschenke erbeten. Die -Wunde aber, die Christina sich beigebracht, blutete drei Tage lang. Sie -lag da und weinte, da sie glaubte, sterben zu müssen und sich quälte -mit dem Gedanken, sie habe selbst den Tod herbeigeführt. Da sie nun -so weinte, kam ein Jüngling in Himmelsschönheit zu ihr und sprach: -„Sei ohne Furcht, geliebteste Tochter! Siehe, ich bin Jesus Christus, -dem Du Treue gelobt hast, ehe Du zu den Beginen kamst. Laß alle Sorge -fahren; an dieser Wunde wirst Du nicht sterben. Du hast Deine Treue -gegen mich bewährt. Und wie Katharina, da sie um meinetwillen die Welt -verachtete, den Tod erduldete und deshalb ihr Tod kostbar war in meinen -Augen, so würdest auch Du, wenn Du an der Wunde, die Du in gleicher -Gesinnung Dir beigebracht, gestorben wärest, den gleichen Lohn erhalten -haben wie sie.“ Bei diesen Worten machte er das Kreuzzeichen über die -Wunde und augenblicklich hörte diese auf zu bluten, und aller Schmerz -war verschwunden. Am Gründonnerstage kam Petrus wieder nach Stommeln. -Seine Abreise nach Paris hatte sich nämlich verschoben, da die Brüder -aus Dazien, die mit ihm reisen sollten, noch nicht angekommen waren. -Er kam als Begleiter des Bruders Johannes von Muffendorf, der vom -Pfarrer von Stommeln zum Osterfeste war eingeladen worden. Die Brüder -Aldebrandino und Mauritius hatten sich mit Erlaubnis des Priors Hermann -ihnen angeschlossen. Zur Zeit der Komplet kamen die vier Brüder -in Stommeln an und begaben sich alsbald in die Kirche, wo sie, wie -Petrus sagt, die Reliquien der Heiligen oder vielmehr die Heiligen, -deren Gebeine dort aufbewahrt wurden, begrüßten. Dann trat Petrus auf -Christina zu, die vor dem Altare der allerseligsten Jungfrau saß, da -sie in Folge des erlittenen Blutverlustes sich sehr schwach fühlte. -Sie erlitt sogar einen leichten Ohnmachtsanfall, bei dem Petrus in -ihrer linken Hand, die etwas unter dem Mantel hervorgekommen war, -fünfzehn Malzeichen wahrnahm. Sie waren sämtlich rund von Gestalt, -rötlich von Farbe und wohl geordnet. Das größte Malzeichen befand sich -in der Mitte der Hand und hatte die Größe eines Sterlings. Um dieses -herum waren vier andere, die etwas kleiner waren, so verteilt, daß -sie ein Kreuz bildeten. Von den zehn übrigen, die noch kleiner waren, -befanden sich zwei auf den unteren Fingergliedern. Christina hatte von -ihrem himmlischen Bräutigam für die in der schrecklichsten Versuchung -bewiesene Treue für die linke Hand, wie es ja bei Verlobten Brauch -ist, ein bräutliches Abzeichen erhalten. Als die Komplet zu Ende war, -wurde nach Landesbrauch zur Dämmerstunde die düstere Mette gesungen, -gegen deren Ende die Lichter allmählich ausgelöscht werden und zu deren -Schluß etwas Geräusch mit den Sitzklappen des Chorgestühls gemacht zu -werden pflegt. In Stommeln scheint die Jugend für diesen geräuschvollen -Schluß der Mette eine besondere Vorliebe gehabt zu haben. Als die -Ordensbrüder nach dem _Benedictus_ das _Kyrie eleison_ sangen und alles -finster war, fing, wohl aus Irrtum, die Jugend schon an vorzeitig -Geräusch zu machen und die Erwachsenen halfen redlich mit. Während -dieser Störung des Gottesdienstes wurde ein großer Teil des Volkes im -Schiffe der Kirche mit Unrat besudelt. Christina aber blieb von der -Besudelung unberührt, wiewohl diejenigen, die um sie herum saßen, von -ihr sämtlich betroffen wurden. Am meisten waren gerade jene besudelt -worden, die ihre Zunge gegen Christina geübt und ausgestreut hatten, -die Besudelungen, die Christina im Advent erlitten, seien Erdichtungen. -Die Unruhe wurde durch die Besudelung noch gesteigert, legte sich dann -aber allmählich und jeder begab sich nach Hause. Christina wurde von -ihrem Vater nach Hause geführt; denn sie konnte vor Schwäche nicht -allein gehen. Petrus begleitete sie bis zum Scheidewege, wo er auf -dem andern Wege zum Pfarrhause hin abbog. Die ganze folgende Nacht -war Christina wie entrückt und ihre Gedanken waren derart mit dem -Leiden Christi beschäftigt, daß sie kaum beachtete, wenn man mit ihr -sprach. Jungfrauen hielten bei ihr Wache. Am Morgen des Karfreitags -gingen die Ordensbrüder Aldebrandino und Mauritius nach Cöln zurück, -sprachen aber zuvor in Begleitung des Pfarrers bei Christina vor, -sahen jedoch nichts anderes, als daß sie zu Bette lag und das Gesicht -mit dem Schleier bedeckt hatte. Zur Zeit der Terz, d. h. um neun Uhr -morgens, sprachen auch Petrus und Johannes vor und fanden Christina -ganz starr wie eine Leiche. Sie gingen alsdann zur Kirche und hielten -den Karfreitagsgottesdienst, wie es für diesen Tag Vorschrift und -Brauch war. Nachmittags verfügten sich die drei wieder ins Kämmerlein -Christinas, verrichteten ein Gebet, damit Gott ihnen zeigen möge, -was, wie sie vermuteten, an Christina vorging, und dann sprach Petrus -zu den beiden Johannes: „Ihr habt noch immer Zeit und Gelegenheit; -ich aber werde bald abreisen und kann nicht hoffen, jemals wieder an -solchem Tage an diesen Ort zu dieser Person zu kommen. Es würde mir -sehr wehe tun, wenn ich des Trostes entbehren sollte, den ich hier -zu finden hoffte. Ich hatte mich darauf gefreut, das jetzt selbst zu -sehen, was ich im vorigen Jahre von andern gehört habe.“ Zum Pfarrer -gewandt, sprach er dann: „Du weißt gar wohl, daß nur die Liebe Christi -uns hierher führt und das Bestreben, der Wahrheit zu dienen und das -Zweifelhafte aufzuhellen. Strecke nun, ich bitte Dich, Deine Hand -aus und berühre ihre Fußsohle.“ Er tat es mit großer Scheu, und als -er die Hand wieder zurückzog, war sie ganz mit Blut überronnen. Da -sprach Petrus: „Lasset uns eines von den Mädchen rufen, damit dieses -uns die äußersten Teile der Füße aufdecke und wir so feststellen -können, was dieses bedeutet.“ Da die Beiden, so fährt Petrus fort, -mit dem Vorschlage einverstanden waren, rief ich Hilla vom Berge und -ersuchte sie, den untersten Teil der Füße Christinas aufzudecken. -Diese entschuldigte sich anfangs, gab aber doch meiner Bitte und ihrer -Begründung nach und tat, was ich wünschte, mit großer Ehrfurcht und -heiliger Scheu. Und wir alle vier sahen, was ich hier schreibe: In der -Mitte des rechten Fußes, und zwar an seiner obern und untern Seite, -war eine Wunde, etwas größer als ein Sterling, und aus ihr flossen -vier Bächlein Blutes von ziemlicher Breite, jedoch nicht auf die Zehen -hin, sondern seitwärts. Da wir das sahen, suchte jeder von uns sich -einen Winkel, um seinen Tränen freien Lauf zu lassen, weil Christina -mit dem Heilande litt, und seine Wunden an ihr zur Ausprägung gekommen -waren. Als wir uns ausgeweint hatten, gingen wir zum Pfarrhause zurück, -nahmen ein kleines Mahl, wie es sich für den Tag schickte, und gingen -dann vor der Komplet wieder zum Hause Christinas. Sie atmete nicht -und war ganz starr. Ich sprach deshalb zum Pfarrer: „Laßt uns doch -versuchen, an ihrem Haupte nachzuschauen, ob auch dort sich ein Merkmal -des Leidens Christi vorfindet!“ Dieser erwiderte: „Ich sehe nicht, wie -das möglich ist. Denn Gesicht und Kopf hat sie mit größter Sorgfalt -verhüllt.“ Sie hatte nämlich die Arme kreuzweise über die Brust gelegt, -so daß die Hände die Wangen berührten, und hielt dabei den vordern -Saum des Schleiers, womit sie Kopf und Gesicht geschickt verhüllt -hatte, zwischen den Fingern fest. Auf mein abermaliges Ersuchen machte -indes der Pfarrer den Versuch, die Stelle am rechten Ohre in etwa -aufzudecken. Soviel ich jedoch bemerken konnte, war dort kein Wundmal -zu sehen. Als er aber das Gesicht aufgedeckt hatte, sahen wir auf der -Stirne drei Blutbächlein von je zwei Finger Breite wie aus einem Quell -herabfließen. Das mittlere strömte auf die Nase, die beiden anderen auf -die Schläfen zu. Aus Ehrfurcht vor der göttlichen Gegenwart, die sich -hier in so deutlichen Zeichen zu erkennen gab, trugen wir Scheu, das -göttliche Geheimnis weiter zu erforschen. Wir hörten jedoch nach dem -Ostertage von den Jungfrauen, die Christinas Vertraute waren, daß auch -ihr Untergewand dort, wo es die Herzgegend berührte, in Handbreite mit -Blut getränkt war. Und während der Osteroktav haben wir selbst, als wir -mit Christina aßen, an beiden Händen die Spuren der Wundmale auf der -Vorder- und Rückseite deutlich wahrgenommen. Vor Sonnenuntergang kam -Christina wieder zu sich und ich fragte sie: „Wie befindest Du Dich?“ --- Sie antwortete ganz leise: „Ich bin sehr schwach. Rede nicht weiter -mit mir; denn ich kann Dir nicht antworten vor Bitterkeit im Munde -und Gaumen.“ Wir ließen nun Christina allein und gingen zur Kirche. -Am Karsamstage zur Zeit der Komplet, während Bruder Johannes in der -Kirche Beicht hörte, ging ich wieder zu Christina, an der ich große -Herzensfreude wahrnahm. Wir unterhielten uns über die beschauliche -Betrachtung und Liebe Gottes, wobei Christina reichlichen Stoff -lieferte. Am Ostermorgen begab sie sich ganz in der Frühe, zu Pferde, -in weltlicher Kleidung, von ihrem Vater begleitet, zur Kirche. Sie -hatte nämlich an Stelle des Mantels ein leinenes Tuch umgelegt. Sie -begab sich zu Pferde zur Kirche, weil die Wundmale an den Füßen sie -am Gehen hinderten. Auch hoffte sie so, unerkannt zu bleiben und das, -was an ihr geschehen war, zu verheimlichen. Weil nämlich im vorigen -Jahre der Pfarrer ihr die h. Kommunion am Ostertage ins Haus gebracht -hatte, war aus diesem Anlasse Gerede entstanden und das Gerücht über -ihre Wundmale hatte sich verbreitet. Christina empfing in der ersten -Messe die h. Kommunion, blieb dann vollständig verzückt bis nach Mittag -und kam ganz zu sich vor der Komplet. Während der Osteroktav kam auch -Bruder Wipert wieder nach Stommeln und hielt eine Predigt, während -der Christina in Verzückung kam und in ihr blieb bis zur Vesper. Am -Samstage vor weißen Sonntag sprach Bruder Salomon aus Ungarn auf der -Durchreise nach Paris in Stommeln vor, um dort seinen Freund, Bruder -Petrus, zu begrüßen. Dieser erzählte ihm von den Wundmalen Christinas -und Salomon wünschte gar sehr, diese zu sehen. Petrus sagte ihm, dann -möge er sich wohl hüten, Christina über diese Dinge zu befragen, weil -sie dann gleich ihre Hände verbergen würde; er solle vielmehr zusehen, -ob an seinen Kleidern nichts aufzubessern sei, und Christina dann -bitten, die Ausbesserung vorzunehmen. Und wirklich fand Wipert, daß an -seiner Kapuze sich eine Naht aufgetrennt hatte. Er bat nun Christina, -sie möge die Naht wieder zunähen, und während sie daran arbeitete, war -es Bruder Wipert vergönnt, die Spuren der Wundmale an ihren Händen zu -sehen. - - [37] _V. C._ 126-130. - -Am weißen Sonntag kam zur Vesperzeit hoher Besuch in Stommeln an. Zu -Pfingsten sollte das Generalkapitel des Dominikanerordens in Paris -gehalten werden. Alle drei Jahre fanden diese Generalkapitel statt -und zwar abwechselnd einmal jenseits, das andere Mal diesseits der -Alpen. Auf der Hinreise zu diesem Kapitel hielten nun der Cölner Prior, -Hermann von Havelbrech, und der Prior von Straßburg, Arnold von Xanten, -der damals Definitor des Generalkapitels war, mit ihren Gefährten in -Stommeln an. Die Aebtissin Geva von St. Cäcilien in Cöln war schon -vorher mit den Stiftsfräulein eingetroffen, um die Brüder, dreizehn an -der Zahl, auf ihrem Hofe aufzunehmen und zu bewirten. Montags besuchte -Prior Hermann Christina und sprach bei der Rückkehr das bezeichnende -Wort: „Dieses Antlitz ist nicht dasjenige eines Menschen, der auf -Erden wandelt.“ Petrus stimmt diesem Urteile bei und fügt hinzu: „Ueber -dieses Antlitz war auch körperlich ein Anflug von Glanz ausgegossen, -wie ich ihn nie im Angesichte eines sterblichen Menschen, mit Ausnahme -eines Einzigen, wahrgenommen habe.“ Dieser Einzige wird wohl der große -h. Thomas von Aquin gewesen sein, der nachmals in Paris Lehrer des -Petrus war und mit der Sonne verglichen zu werden pflegte. Petrus hielt -die Messe von der seligsten Jungfrau und der Prior Arnold predigte -in derselben über das Evangelium: „_Stabat iuxta crucem Jesu_ -- Es -stand neben dem Kreuze Jesu seine Mutter“, das die Weltpriester um -jene Zeit im Cölner Erzbistum zu lesen pflegten. Christina kam während -der Predigt in Verzückung und blieb bis zum Abend ohne Bewegung und -Empfindung. In diesem Zustande haben die meisten der Dominikaner sie -beobachtet und sich daran sehr erbaut. Nachmittags setzten die einen -der Brüder ihre Reise nach Paris fort, die andern, unter ihnen Petrus -und Johannes, kehrten nach Cöln zurück. - - Abb. 7. Bild Christinas am Cölner Dom. - - - - -Elftes Kapitel. - -Christinas Briefwechsel mit Petrus während dessen Aufenthalt zu Paris - (Mai 1269 bis Juli 1270). - - -Der Prior von Dazien, Bruder Nikolaus Heinrich, kam vierzehn Tage -später in Cöln an und brachte dem Bruder Petrus die Weisung, sich zur -Vollendung seiner Studien nach Paris zu begeben. Der Prior reiste -ohne Verzug weiter nach Paris zum Generalkapitel, dessen Definitor -er war. Petrus konnte noch nicht allsogleich abreisen und folgte -seinem Prior einige Tage später nach. Als Reisegefährten hatte er -den Bruder Mauritius. Sie gingen über Stommeln, weil es nicht weit -ablag von der Hauptstraße, die von Cöln nach Paris führte, um von den -dortigen Freunden Abschied zu nehmen. Sie übernachteten in Stommeln -und reisten am folgenden Tage nach dem Mittagessen weiter. Der Pfarrer -Johannes von Stommeln sowie Christina und mehrere Andere begleiteten -die beiden Brüder bis Ingendorf (Engendorp), wo sie tiefgerührt -voneinander Abschied nahmen. Am Freitage vor Pfingsten, das auf den -12. Mai fiel, kamen die beiden Brüder in Paris an, also noch vor -Zusammentritt des Generalkapitels, zu dem auch Thomas von Aquin aus -Italien herübergekommen war. Im Kollegium von St. Jakob, das zur -Zeit der großen französischen Revolution den führenden Männern als -Versammlungsort diente und ihnen den Namen Jakobiner eingetragen -hat, hielt der berühmte Aquinate in diesem und im folgenden Jahre -philosophische und theologische Vorlesungen und gerade in diesem -Kollegium nahm Petrus von Dazien Wohnung. - -Während der vierzehn Monate, die Petrus in Paris zubrachte, wurde -zwischen ihm und Christina ein Briefwechsel in lateinischer Sprache -geführt, der uns über Christinas Zustände einigen Aufschluß gibt. -Christina scheint das Latein einigermaßen verstanden zu haben. Sie -führt einmal einen Hexameter an, ein anderes Mal läßt sie eine Stelle -aus dem prächtigen Osterhymnus der Cölner Kirche einfließen und von -der Uebersetzung eines Briefes sagt sie, daß sie dadurch zu vollerem -Verständnis desselben gekommen sei.[38] Hätte sie das Latein nicht -verstanden, so hätte sie auch nicht unter den Psalmen gerade diejenigen -als Lieblingsgebete auswählen können, die auf ihre Lage ganz besonders -paßten. - - [38] _V. C._ 133, 148, 150. - -Christinas Briefe, die sie dem Pfarrer Johannes und später dem -Schulmeister Johannes diktierte und die diese dann lateinisch -niederschrieben, sind gewöhnlich kürzer gehalten als die des Petrus, -die sich meist in frommen Betrachtungen und Tröstungen ergehen. -Christinas Briefe, die für uns wichtiger sind, geben wir dem Wortlaute -nach vollständig wieder, die des Petrus nur auszugsweise. Die -Ausdrucksweise dieser Briefe ist die des dreizehnten Jahrhunderts, -die, was Herzlichkeit anbelangt, die jetzt herrschende Form bedeutend -überbietet. Auch lehnt sich die Sprache mitunter an die des Hohen -Liedes an. - -Seit der Abreise des Petrus bis zum Dreifaltigkeitssonntage befand -sich Christina wohl, dann litt sie einige Zeit hindurch an dreitägigem -Fieber und danach kamen neue Plagen des Teufels. Kurz nach Johannis -Geburt schrieb hierüber Christina an Petrus folgenden Brief: - - „Dem geliebten Bruder Petrus von Dazien in Paris - entbietet seine Tochter Christina in Stommeln ihre Gebete - im Herrn. Ich glaube Euch mitteilen zu sollen, daß Euere - Abreise mich mehr, als ich geglaubt hätte, angegriffen - hat. Denn ich gedenke Euerer treuen Anhänglichkeit und - meiner geringen Dankbarkeit. Ich hoffte und hoffe noch, Ihr - würdet mich beerdigen. Ihr habt mich um Einiges gefragt, - worüber ich Euch keine Auskunft gegeben habe und das tat - mir später leid. Denn ich sehe ein, daß es gut für mich - gewesen wäre, wenn ich Euch jene Dinge und mehreres Andere - mitgeteilt hätte. Auch möget Ihr wissen, daß ich seit - dem Feste des h. Johannes des Täufers weder beten noch - beichten kann, ohne daß der Dämon mich mit einem glühenden - Eisen brennt und mir äußerlich und innerlich am Munde - Brandblasen verursacht. Diese Plage wird voraussichtlich - dauern bis Mariä Himmelfahrt. Früher habt Ihr mir in Eurer - Treue viele Freunde erworben; auch jetzt wollet mich, ich - bitte Euch darum, dem Gebete vieler empfehlen. Durch den - Ueberbringer dieses Briefes würde ich Euch zwei Korporalien - haben zugehen lassen, wenn er sie hätte mitnehmen wollen. - Wenn Ihr immer einen Wunsch habt, so tut ihn mir kund; - ich will ihn erfüllen. Lebet wohl, Teuerster. Der Herr - Pfarrer läßt Euch grüßen. Betet für meinen Vater, wie - ich Euch darum ersucht habe. Ich sehne mich danach, Euch - wiederzusehen. Besuchet mich doch, sobald Ihr könnt.“ - -Diesen Brief erhielt Petrus am Feste Mariä Himmelfahrt. Er aber -hatte gleich nach seiner Ankunft in Paris an Christina einen Brief -geschrieben, um sie zu trösten über den Schmerz des Abschiedes. Dieser -Brief, den Bruder Mauritius nach Stommeln überbrachte, hatte sich -mit Christinas Brief gekreuzt. Auf diesen Brief des Petrus schickte -Christina etwas nach Kreuz Erhöhung folgendes Antwortschreiben: - - „Dem in Christo geliebten, teuersten Bruder Petrus von - Dazien aus dem Predigerorden zu Paris entbietet Christina - von Stommeln den Ausdruck ihrer Liebe und die Gabe ihres - Gebetes. Aus Euerem Briefe ersah ich, welch' besondere - Liebe Ihr zu mir heget. Ich wundere mich nicht darüber, - daß Ihr dasjenige, was innerlich im Herzen, dem Auge des - Herrn allein sichtbar, vorgeht, auch äußerlich durch Wort - und Schrift zu erkennen gebet. Doch wisset, daß auch die - Liebe, die ich zu Euch im Herrn trage, nicht gemindert - wurde durch Euer Weggehen; ich empfinde sie vielmehr jetzt - bei Euerm Fernsein lebhafter als bei Euerem Hiersein, und - wenn ich Euer im Gebete gedenke, so füllen sich meine Augen - mit Tränen bei der Erinnerung an Eueren treuen Beistand - und Euere Liebe in Christo. Als ich Eueren Brief lesen - hörte, konnte ich die Tränen nicht unterdrücken, wiewohl - das ausgesprochene Lob mir nicht zukam, ich aber doch durch - die in ihm hervortretende liebevolle Gesinnung vollkommen - getröstet wurde. Auch der Umstand, daß gerade Bruder - Mauritius den Brief überbrachte, vermehrte meine Betrübnis - an jenem Tage, weil er bei der Abreise Euer Begleiter war. - Ihr ginget damals so schnell fort, und vor großer Betrübnis - konnte ich nicht so zu Euch reden, wie ich es wünschte. Und - wenn Brüder aus Euerer Gegend hierher kommen, so befällt - mich Traurigkeit, da ich Euch ferne weiß in der Verbannung. - Aus Eueren Worten schöpfte ich besondern Trost. Und wenn - Ihr vom Geliebten sprachet, dann sah ich Euch in solcher - Begeisterung, daß auch mein Herz mit Freude erfüllt wurde - und in Jubel ausbrach. Diese Freude aber und diesen Jubel - konnte ich vor Niemanden kundgeben als vor Euch, weil Ihr - mich verstandet. Gerade deshalb bin ich betrübt, weil ich - seit Euerem Weggange niemanden mehr habe, vor dem ich - mich so geben könnte und dürfte. Denn ich fürchte mich - vor Jedermann, und mit niemanden kann ich verkehren wie - mit Euch. Einstmals, als ich in Leiden war, habt Ihr mir - liebevolle Aufmerksamkeit erwiesen, und ich habe Euch mit - dem Gegenteil vergolten. Doch nicht Euretwegen benahm ich - mich so, sondern wegen anderer Dinge, die in meinem Herzen - vor sich gingen. Ich bitte Euch deshalb, es mir nicht zu - verübeln. Ich versichere Euch, daß ich in meinen Trübsalen - niemanden lieber zum Beistande habe als Euch. Ihr waret - immer bereit, zu mir zu kommen, wenn ich geplagt wurde. - Derohalb bin ich jetzt betrübt, weil ich seit Euerer - Abreise manches leiblich und geistig erduldet habe, und - ich Euch dieses lieber mündlich als schriftlich mitteilen - möchte. - - Beständige Trübsale, die acht Tage vor dem Feste des h. - Johannes des Täufers ihren Anfang nahmen, suchten mich - heim bis zum Feste der Himmelfahrt der allerseligsten - Jungfrau. So oft ich zum Tische des Herrn ging, wurde ich - am darauffolgenden Tage zur Zeit der Komplet durch ein - glühendes Eisen erschreckt, ebenso, wenn ich beichten - wollte, so daß ich vergaß, was ich sagen wollte. Auch - bin ich vierzehn Tage hindurch, wenn ich mich anschickte, - zum Tische des Herrn zu gehen, in solche Angst geraten, - daß ich glaubte Blut zu schwitzen. Nachher vermochte ich - nicht, der h. Messe beizuwohnen oder das Wort Gottes zu - hören oder von Gott zu reden oder zu ihm zu beten, ohne - durch jenes glühende Eisen erschreckt zu werden. Und wenn - ich nach dem Empfange des Leibes des Herrn mich an meinen - gewohnten Platz verfügte, so blieb mein Herz ohne allen - Trost. Das war für mich über alles Maß bitter, und so ging - es fort, bis zu genanntem Feste. Schließlich bin ich außen - am Munde sichtbarlich verbrannt worden, so daß sich ums - Kinn weiße Brandblasen zeigten. Nachdem dieses Verbrennen - eine Zeit lang gedauert hatte und dann Heilung eingetreten - war, wurden mir in einer Nacht die Ohren verbrannt. Als - dies nachließ, wurden mir Augen und Stirne versengt und - zwar so erbärmlich, daß es das Mitleid meiner Freunde - erregte. Denn die Augen waren in Folge der Verletzung - angeschwollen und große Brandblasen waren über denselben - aufgetreten. Später wurde mir auf der Straße in Gegenwart - des Bruders Wilhelm Bonefant und des Bruders Gotfrid von - Werden die Nase versengt. Während ich nun solche Plagen - am Körper erlitt, erduldete ich noch größere in meiner - Seele infolge von Versuchungen. Denn der Dämon riet mir, - ich sollte meinen Gott verleugnen und so sein, wie die - übrigen Menschen. Und wenn ich dann überdachte, wie ich - an Leib und Seele gequält wurde, und alles göttlichen - Trostes entbehrte, dann wurde ich so niedergeschlagen, - daß es zuweilen schien, als sei ich von meinem Gott ganz - und gar verlassen. Ich verlor dann ganz meine Fassung, - wie Ihr es einmal gesehen habt. Mitunter, wenn ich beten - oder beichten wollte, kam es mir vor, als ob mein ganzer - Leib und das Buch in meinen Händen, ja auch mein Herr - Pfarrer selbst, bei dem ich beichtete, in Flammen stände. - Später wurde meiner Schwester Gertrud, als sie bei mir - im Bette schlief, nachts die Nase versengt, weshalb sie - in den folgenden Nächten sich von mir fern hielt. In der - letzten Nacht (vor Maria Himmelfahrt) hatte ich vom ersten - Hahnenschrei bis kurz vor Tagesanbruch einen jammervollen - Kampf zu bestehen. Der Dämon kam mit einem glühenden Eisen - und durchbohrte mir damit die Ohren, und während er das - Eisen in meinen Ohren festhielt, rief er, ob ich jetzt - meinen Gott verleugnen wollte; sonst wolle er mich auf - der Stelle töten; denn er habe Macht dazu. Ich antwortete, - seine Mühe sei vergeblich; denn ich sei bereit, tausendmal - für Christus den Tod zu erdulden. Als ich das gesagt, - kam ein Feuerstrom wie aus einem Ofen und verbrannte mir - das ganze Gesicht, so daß ich die ganze Nacht dalag und - sozusagen nicht wußte, wo ich war. - - Als ich wieder zu mir kam, war es mir zu Mute, als wollte - ich dergleichen noch mehr leiden, und alle Plage der Seele - und des Leibes war gänzlich von mir gewichen. - - In derselben Nacht waren mir auch vier Dämone erschienen. - Sie standen da, wie wenn sie gezwungen gewesen wären, zu - erscheinen und nannten ihre Namen. Sie bekannten, wenn - auch ungern, daß der Allerhöchste ihnen Erlaubnis gegeben - habe, solches an mir zu tun, sie aber dafür desto größere - Pein zu leiden haben würden. Schließlich sprach ich - unerschrocken: „Ich beschwöre euch in Kraft des Leidens - Christi: warum habt ihr mich so verbrannt?“ Sie erschienen - und antworteten, weil Gott meine Sinne für das Fest habe - reinigen wollen. Als sie nun anfingen, mich zu loben, - wandte ich mich zum Gebete. Da nun taten sie, als ob sie - weinten und entflohen dann mit einem solchen Getöse, als - ob sie das Dach mit sich genommen hätten. Tags darauf sah - mein Gesicht ganz verbrannt aus. Wangen, Augen, Nase und - Stirne, alles war voller großer Brandblasen. Ich kam allen - vor, als hätte ich kein Angesicht mehr; ich war wie eine - Aussätzige und von Gott Geschlagene. Auch vorher hatte - ich viele Mißhandlungen im Angesichte erlitten, wovon - noch Narben zu sehen sind. Nachdem dies alles vorüber war, - erschien mir der Dämon zweimal in Gestalt eines Begarden. - Ich fragte ihn, was er wolle, und warum er mich verfolge. - Er antwortete: „Ich verfolge dich, um dich zum Zorne zu - reizen oder zu anderen Sünden. Du aber erhebest gleich - deine Hände zu Gott und betest um Nachlaß der Sünden. Er - aber ist barmherzig und vergibt dir, und so bemühe ich - mich vergeblich.“ - - Am Mittwoch nach Kreuzerhöhung befand ich mich abends - in meinem Kämmerlein, damit beschäftigt, mich auf die - h. Kommunion vorzubereiten, die ich am kommenden Morgen - zu empfangen gedachte. Ein Licht brannte auf dem Stuhl, - der neben meinem Bette stand. Da kam der Dämon in - Gestalt meines Bruders, der in Cöln wohnt, und in sein - Wamms gekleidet, herein. Er machte den Eindruck eines - stark Verwundeten und war voll Blut. Er sprach zu mir: - „Erschrecke nicht, geliebteste Schwester! Siehe, da ich - hierher kommen mußte, wie ich es mitunter zu tun pflege, - kamen feindliche Menschen und verwundeten mich. Hilf mir - also meine Wunden verbinden und mache, daß Mutter nichts - davon gewahr wird.“ Ich warf mich nieder zum Gebete, - erkannte, daß es der Dämon war und rief aus: „Blutdürstige - Bestie, was verfolgst du mich?“ Er entgegnete: „Ich sehe, - du hast wieder andere Ratschläge; diese Wunden hast du - mir verursacht.“ Bei diesen Worten verschwand er. Als - ich neulich in der Kirche im Gebete hingestreckt war, - wurde ein Teil der Türe zertrümmert, ich wurde verwundet, - verlor meine Schleier, und das Buch, das Ihr mir so schön - ausgeziert habt,[39] wurde entwendet und ist fort. Infolge - der erlittenen Verwundung konnte ich acht Tage lang nicht - gehen und ich fürchte, daß ich das Schmerzgefühl nicht los - werde. Dies alles schrieb ich Euch, damit Ihr mit mir Gott - herzlich danket für alle seine Wohltaten; denn er kommt - mir stets in der Trübsal zu Hülfe und führt alles zu einem - guten Ende. Ich habe niemanden, dem ich diese und andere - Vorgänge lieber mitteile als Euch; denn es ist anscheinend - für mich heilsam, wenn Ihr davon wisset. Lebet wohl, - ja tausendmal wohl! Es grüßt Euch bestens der Pfarrer, - meine Mutter und mein Vater, deren Schulden mir einige - Sorge machen und die ich deshalb Eurem Gebete empfehle. - Es grüßen Euch meine Schwester Hilla und Hilla vom Berge, - meine Nichte Hilla, die blinde Aleidis und ihre Nichte - Engilradis. Durch den Ueberbringer lasse ich Euch einige - Geschenke zugehen: ein Biret zum persönlichen Gebrauch - und ein Käppchen. Es ist Gewürz darin zum essen. Wenn ich - sonst noch etwas hätte, was Eueren Wünschen entspräche, so - würde ich es Euch gerne schicken. Hilla vom Berge sendet - Euch ihren Schleier. Ich bitte Euch bei der Liebe Gottes, - wenn Ihr etwas von mir zu erhalten wünscht, so lasset es - mich wissen. Es quält mich sehr, daß ich nicht weiß, wie - lange Ihr dort bleiben müßt, und ich kann ohne Betrübnis - nicht daran denken. Auch möchte ich gerne wissen, wie - es mit Euerer Gesundheit steht. Schreibet mir doch bald - darüber. Auch bitte ich Euch bei der Liebe meines Gottes, - wenn Ihr aus dieser Welt scheidet, so lasset mich, wenn - Ihr es bewirken könnt, nicht lange nach Euch in dieser - Verbannung zurück. Noch einmal: Lebet wohl! Empfehlet mich - getreulich Euern Freunden ins Gebet. Die Reklusen grüßen - Euch bestens. Betet für sie; denn sie tun mir Gutes. Betet - für Bruder Gerhard vom Greif; denn er ist sehr krank, und - man fürchtet, daß er stirbt. Er ist mir ein sehr treuer - Beistand.“ - - [39] Es ist dasselbe Buch, das der Teufel ihr früher entrissen und dann - am Pfingstfeste wiedergebracht hatte. Petrus hatte es nachher - mit goldenen Blumen auswendig bemalen, mit silbernen Krampen, - kunstvoll gewebter Hülle und schönen Lesezeichen versehen lassen. - -Petrus erwiderte den Brief Christinas mit einem längern schönen -Antwortschreiben, in dem er darauf hinweist, daß nur die Liebe Christi -ungeteilt unser Herz beherrschen muß. Er schließt mit den Worten: „Es -lebe und wachse in Euch die Liebe Christi, es lebe die Demut, es lebe -die Freundschaft, deren Ziel in den Worten ausgesprochen ist: Betet für -einander, damit ihr selig werdet.“ Christina erhielt diesen Brief des -Petrus mit andern am 18. Dezember 1269. Um diese Zeit, es war ja der -Advent, war sie wiederum heimgesucht von allerlei neuen schrecklichen -Plagen, die eine Steigerung alles bisher Dagewesenen darstellen und -sich sogar bis zu einer Art Besessenheit (_obsessio_) erhoben, in der -der Teufel sich der Sprachorgane Christinas bediente, um zu sagen, was -dieser innerlich ganz und gar widerstrebte. Hierüber machte sie in den -Weihnachtstagen dem Petrus Mitteilung, wie folgt: - - „Ihrem vertrautesten Freunde und getreuesten Vater in - Christo, dem Bruder Petrus von Dazien in Paris, entbietet - seine Tochter Christina den Ausdruck ihrer großen Liebe - und ihr Gebet. Teuerster, ich kann Euch nicht genug danken - für die Briefe, die Ihr seit Euerer Abreise mir mehrmals - geschickt habt. Mein größter äußerlicher Trost besteht - darin, von Euch etwas zu vernehmen. Darum kann ich auch - Euere Briefe nicht lesen hören ohne Tränen zu vergießen. - Ich habe sie alle noch beisammen und verwahre sie bis zu - Euerer Rückkunft. Im Briefe vom Mittwoch nach dem Sonntag - Gaudete (3. Sonntag des Advents) führt Ihr Beschwerde - darüber, daß Euch keine Mitteilung geworden sei über die - zugesandten Geschenke und über meinen Zustand. Das ist - allein dem Umstande zuzuschreiben, daß der Bote zu schnell - wegging. Ich würde Euch weit häufiger über meinen Zustand - unterrichten, wenn ich einen Boten zur Verfügung hätte. Den - Verbrüderungsbrief Eueres Ordens besitze ich nunmehr.[40] - Ich danke Euch herzlich für denselben. - - [40] Dieser Verbrüderungsbrief gab Christina Anteil an allen Gebeten - und Verdiensten des Dominikanerordens. - - Ihr erkundigt Euch nach meinen Leiden, von denen Ihr - gerne etwas erfahren möchtet. So wisset denn, daß ich - vor Allerheiligen vierzehn Tage hindurch eine eigenartige - Versuchung hatte. Es kam mir vor, als ob ich alles, was - ich betete, im Namen des Dämons betete. Das verursachte mir - großes Leidwesen. Was ich sagte, sagte auch der Dämon. Bei - der Erhebung der Hostie konnte ich den Leib des Herrn nicht - sehen, sondern der Dämon kam mir vor die Augen und sprach: - „Schau! nun siehst du, daß ich dein Gott bin.“ Und wenn ich - meine Knie beugen wollte, so stieß er mich so heftig auf - die Knie, daß ich nicht von der Stelle konnte. Als ich am - Mittwoch vor dem Feste (das auf den Freitag fiel) in der - Kirche war, kam der Dämon, raffte zwei Häringe aus einer - Schüssel, beschmutzte diese und warf sie mit dem Schmutze - in die verschlossene Beginenklause. Auch sagte er mir, er - habe einer ältern Begine, die mir nicht wohlgesinnt war, - aus der Klausur des Beginenhauses ungefähr zehn Cölnische - Schillinge herausgeholt und sie in die Abortsgrube der - Dominikaner geworfen. Diese fand denn auch, daß dem so - war. In der Nacht blieb ich mit meinem Vater und meinen - Befreundeten in der Kirche. Da zerdrückte mir der Dämon - alle Glieder und nahm mir einen Schuh vom Fuße weg, den - er dann später im Hause meines Vaters vor meinen Augen dem - Knechte an den Kopf warf. Auch warf er ein Fenster ins Haus - hinein mit solch schrecklichem Getöse, daß mein Bruder - fast wahnsinnig wurde. Einmal als ich betete, verletzte - er mich an der Nase, sodaß sie blutete. Am Vorabende von - Allerheiligen entwich er mit gewaltigem Gebrüll und unter - Besudelung der Klause in Gegenwart der Hilla von Ingendorf - und der Reklusen. Auch nannte er seinen Namen vor ihnen - und sagte, er heiße Barlabam. Am Feste Allerheiligen blieb - ich ohne alle göttliche Tröstung und auch nachher habe - ich solche selten genossen. - - Seit jener Zeit bis Weihnachten hatte ich fortwährend zu - leiden, was mir sonst niemals widerfahren ist. Es stiegen - nämlich in meinem Herzen ohne Unterlaß Gedanken auf über - Gott, als ob er gerade so sei wie ein anderer Mensch. - -- Diese Plage darf kein anderer wissen, als Ihr allein. - -- Aus dieser Vorstellung entstanden dann wieder andere - Gedanken, so daß es mir vorkam, mein Geliebter sei meiner - nicht würdig. Und doch war mir dieses überaus widerwärtig - und betrübte mich über die Maßen. Er wollte nämlich, daß - mein Herz ihm fluche und seinen heiligen Namen lästere. - Mehrere, auch einige von Eueren Ordensbrüdern, haben ja - gehört, wie der Dämon deutlich aus meinem Munde heraus - wider Gott redete. Und hierbei kam mir mein Bräutigam, der - mir soviel Gutes erwiesen hat, vor, wie ein Nichtswürdiger, - der voller Eifersucht ist. Im Widerstande gegen diese - Versuchungen habe ich derart gelitten, daß mir Blut aus - Mund und Nase hervordrang. Bei der Kommunion ging es mir - gerade so. Welche Bitterkeit mir das verursachte, könnt - Ihr Euch denken. Ich klage Euch das als meinem getreuen - Beistande. Bestürzung befiel mich auch bei der Erinnerung - an meine früheren Beziehungen zu meinem Bräutigam, und - daß an Stelle von Tröstung und Freude nunmehr gänzliche - Bitterkeit mein Anteil sei. Eine andere Versuchung betraf - meinen Herrn Pfarrer. Was immer er tat, mochte er nun meine - Beichte hören oder mir den Leib des Herrn reichen, nichts - von dem, woran ich doch früher soviele Freude hatte, gefiel - mir, und er selbst kam mir vor wie ein Nichtswürdiger. Zu - alle dem hatte ich noch eine Versuchung, die ich weder - dem Herrn Pfarrer noch einem andern Menschen offenbaren - konnte. Ihr wollet ihrethalben, wie ich vertraue, zu Gott - für mich beten. - - Mit meinen äußern Leiden verhielt es sich folgendermaßen: - Gleich nach dem ersten Adventssonntage kam der Dämon und - warf die Türe meines Kämmerleins so ins Haus hinein, daß - diejenigen, die darin waren, meinten, das Haus stürze ein. - Hierauf brachte er einen Totenkopf, warf denselben hin und - her und grinste mich aus seinen Augen heraus schrecklich - an. Dann warf er denselben der Schwester des Pfarrers, - Gertrud, an den Kopf und unserm Knechte in die Seite, band - ihm dann denselben an den Hals und ließ ihn schließlich - bei uns liegen. Fast die ganze Pfarre kam hierüber in - Aufregung. - - Später warf er mit fürchterlichen Steinen meinem - geliebten Vater nach dem Kopfe und brachte ihm zwei Wunden - am Arme bei. Gertrud, des Pfarrers Schwester, verwundete - er schrecklich an der Stirne. Eine Jüdin, die gerade - hinzukam, nichts nach ihm fragte und sagte, er würde sich - nicht unterstehen, ihr so etwas anzutun, warf er mit einem - schweren Stein an den Kopf. Es tat mir wehe, daß er Leute - meines näheren Bekanntenkreises so verletzte. Später warf - er einen großen Stein zwischen die beiden Brüder Heinrich - von Bedburg und Nikolaus. Dem Prior von Brauweiler biß - er elf Wunden in die Hand. Auch dem Bruder Johannes von - Muffendorf brachte er eine große Wunde bei. Den Pfarrer - biß er in die Hand. Einem andern Mönche[41] brachte er - fünf Bißwunden bei. Auch biß er eine Begine aus Brauweiler - und Eueren Sohn Adolf, den Scholaren des Herrn Dechanten - der Cölner Domkirche. Auch an mich machte er sich heran, - warf mir mit einem Steine nach dem Kopfe, und verwundete - mich so am Kopfe viermal, nach den Knien sechsmal, wobei - er mich einmal verwundete, fünfmal auf den Rücken, und - kratzte mich neulich wund am Knie mit der Scherbe eines - Trinkkruges. Endlich warf er mich mit einem vierpfündigen - Steine zwischen die Schultern, so daß ich Blut spie, mit - fünferlei andern Steinen und mit Tierknochen. Fünfmal - schnürte er mir in Gegenwart von Knaben die Finger und - Fußgelenke so fest zusammen, daß Blut floß. Auch preßte - er mir wie mit eiserner Hand die Zehen derartig zusammen, - daß unter den Nägeln das Blut hervorquoll. Desgleichen - preßte er meinen Arm so, daß er ihn beinahe verrenkte. Eine - besondere Plage, welche die ganze Adventszeit hindurch - andauerte, bestand darin, daß er mir ungezählte Wunden - in den Rücken biß und immer wieder mit den Zähnen in die - Wunden einhackte, so daß das Blut von den Seiten und vom - Rücken herabfloß. Auch biß er mich derartig in die Füße, - daß die beiden Zahnreihen unter der Haut aufeinanderkamen. - Er tat das mit aufgesperrtem Maule, und zwar so, daß er - den Biß in die Fersen und Fußgelenke wiederholte. Jene, - die das Blut fließen sahen, konnten sich des Weinens nicht - enthalten. - - [41] Er war aus dem Kloster Quinheim. - - In der letzten Woche brachte er eine geschundene Katze, - drückte sie mir mit Gewalt in den Mund und ließ sie darin - stecken. Am folgenden Tage steckte er mir den Kopf einer - Katze in den Mund, und mein Mund wurde dabei so voll Blut, - daß die Umhersitzenden dasselbe herausfließen sahen. Auch - stopfte er mir Fleisch von Thieräsern in den Mund. Er stieß - mich mit den Füßen so gegen einen Sessel, daß man diesen - nicht losbekommen konnte. Im Beisein der Brüder verbrannte - er mein Oberkleid am Rücken und lies ein kleines Stück - daran am Halse übrig. Auch mein Unterkleid verbrannte - und zerriß er. Mein besseres Unterkleid nahm er mir im - Beisein anderer weg, als ich es auszog. Er goß mir auch - unsichtbaren Schwefel in den Mund, so daß ich nur solchen - Geschmack im Munde hatte. Etwas wie eine Flamme erschien - mir die ganze Nacht hindurch und es kam mir vor, als ob - er sie mir in den Mund brächte. Zuweilen zeigte er sich - als Ungeheuer mit fürchterlichen Zähnen und tat, als ob er - mich verschlingen wollte. Stimmen ließen sich vernehmen - wie die eines Ochsen und eines Schafes, was mir großen - Schrecken einjagte. Oefters führte er hohe Gespräche über - Glaubenssachen und führte dabei Schriftstellen an. Doch - es gebricht mir die Zeit, Euch alles zu schreiben. - - Teuerster, Ihr könnt Euch nicht denken, welche Qual mir - dies alles verursacht hat, zumal ich Euch, meinen allezeit - getreuen Helfer, in meinen Leiden nicht bei mir hatte. - Unzählige Tränen vergieße ich bei der Erinnerung an Euere - Güte, Euer Mitleid und Euern hülfreichen Beistand. Wiederum - muß ich Euch die Abwesenheit meines Geliebten klagen; denn - ich kenne keinen Menschen, der mich in dieser Bitterkeit - so versteht, wie Ihr. Doch beginnt der helle Tag in etwa - zu leuchten. - - Ich danke Euch sehr für das mir gesandte Kleid und die - andern Geschenke, die mir Freude machen. Ihr habt gezeigt, - daß Ihr alles, was für mich gut ist, zur Ausführung bringt. - Ich schreibe Euch dies alles, weil ich Euch Vertrauen - schenke. Lebet wohl, geliebtester im Herrn! Betet für - meinen Vater und für meine Mutter. Euch zu schreiben, wie - es mir im Herzen ist, das vermag ich nicht wegen meiner - Euch bekannten Scheu.“ - -Der Pfarrer Johannes, der Christinas Brief geschrieben, fügte demselben -folgende Nachschrift bei: - - „Der Pfarrer bittet Euch, noch folgende Mitteilungen - entgegen zu nehmen: Ihr möget wissen, Bruder Petrus, daß - Euere Tochter Christina am Vorabende von Weihnachten - glänzend befreit worden ist. In Gegenwart vieler -- - es waren anwesend Bruder Gerhard vom Greif und sein - Gefährte, der Prior von Brauweiler mit seinen Begleitern - und noch mehrere andere -- rief der Dämon laut und allen - vernehmbar, daß Gott gut sei und er gelogen habe; er - heiße „Schütterich“ (_scutericht_). Auch von den andern - Versuchungen ward sie befreit und die Gnade Gottes ist - reichlich zu ihr zurückgekehrt.“ - -Drei Tage vor Lichtmeß, mithin am 30. Januar 1270, erhielt Petrus -vorstehenden Brief Christinas. Er antwortete ihr in mehreren Briefen, -die einzelne in Christinas Brief angeklungene Fragen des geistigen -Lebens behandeln, nämlich das Unvermögen, vollständig das Empfinden -wiedergeben zu können, die Abwesenheit des Geliebten, den Anbruch des -Tages u. dgl. Er bittet Christina, ihm in einem Quatern, d. h. einem -Hefte von vier Pergamentblättern in Folio, eingehendere Mitteilung über -ihren Zustand zu machen. In der Fastenzeit sandte dann Christina dem -Petrus folgendes Schreiben: - - „Dem in Christo vielgeliebten Bruder Petrus von - Dazien in Paris entbietet Christina, seine Tochter oder - Schwester[42] in Stommeln, Gruß und was immer er gutes und - nützliches sich wünschen mag. Teuerster, gar sehr bin ich - um Euch bekümmert, und obgleich ich es Euch schon öfters - geschrieben habe, so kann ich doch nicht umhin, Euch - nochmals zu wiederholen, ein wie großes Verlangen ich nach - Eurer Gegenwart habe, die für mich so vorteilhaft war, wie - sehr ich Euch =im Herzen Jesu Christi= liebe und wie ich - danach verlange, einander wiederzusehen im Reiche unseres - Gottes. Deshalb bitte ich Euch, Ihr wollet es doch, wo - möglich, so einrichten, daß Ihr Euch einige Zeit zu Cöln - aufhaltet. Dann kann ich Euch auch nicht genug danken für - die Tröstung, die Ihr mir durch Euere Briefe bereitet habt - und die so wohltuend für mich war. Gott wolle es Euch ewig - vergelten. Was nun Euern schon früher geäußerten Wunsch - anbelangt, ich solle Euch über meinen Zustand Aufschluß - geben und das Betreffende in einem Quatern aufzeichnen, so - habe ich mir vorgenommen, diesem Wunsche nach Möglichkeit - zu entsprechen. Hierin habt Ihr ein Vorrecht; denn sonst - niemanden auf Erden könnte ich wohl solche Mitteilungen - machen. Mein Versprechen mache ich Euch in dem Vertrauen, - daß ihr meine Mitteilungen Euerer Gepflogenheit gemäß - sorgsam hütet, wie ich mich selbst hüte. Zudem bitte - ich Euch getreulichst, Ihr wollet mir doch recht viele - Fürbitter verschaffen, und mir auch mit Euerm Gebete, - worauf ich Vertrauen setze, zu Hülfe kommen. Denn ich bin - in großer Bedrängnis. In jeder Nacht erdulde ich schweres - Leid, so daß es mir vorkommt, als ob ich nicht länger leben - könne. Ich empfinde solchen Ueberdruß an mir selbst, daß - es mir scheint, diejenigen, die in der Welt sind, hätten - ein besseres Leben. Auch verzweifle ich an Gott, obschon - mir das zuwider ist. Das alles verursacht mir größere - Pein, als ich Euch jetzt zu sagen vermag. Und mit Gottes - Hülfe kämpfe ich so gegen diese Anfechtungen, daß mir durch - Nase und Mund Blut hervordringt. An nichts Gutem habe ich - mehr Freude. Habet doch Mitleiden mit mir! Ich fühle mich - schwach am ganzen Körper, besonders in der Seite und am - Kopfe. Aeußere Plagen habe ich jedoch seit Weihnachten vom - Dämon keine zu erdulden gehabt. Am Mittwoch nach Invocabit - (2. Fastensonntag) kam eine Menge von Dämonen in mein - Kämmerlein und hielten ein Gespräch, wobei ich anfänglich - zuhörte. Sie sprachen miteinander davon, wieviel Uebles sie - mir zugefügt, in welchen Versuchungen sie mich überwunden - hätten und in welchen sie überwunden worden seien, und - welche Strafe sie dann erlitten. Als sie endlich weggingen, - ließen sie die Fetzen meines Obergewandes zurück, das sie - verbrannt hatten. - - [42] In seinen Briefen hatte Petrus Christina bald als Tochter, bald - als Schwester angeredet. Den Titel „Schwester“ gab er ihr wohl in - Folge des oben erwähnten Verbrüderungsbriefes. - - Inständigst bitte ich Euch, lasset mich doch öfter - wissen, wie es Euch geht. Wenn Ihr wüßtet, welche Freude - mir Euere Briefe machen, würdet Ihr mir gerne schreiben. - Es grüßen Euch mein Vater und meine Mutter. Ich bitte - Euch, wie für mich, so auch für sie zu beten.“ - -Diesen Brief erhielt Bruder Petrus am Tage des h. Petrus von Mailand -(29. April) zugleich mit einem ganz kurzen Schreiben des Pfarrers -Johannes. Dieser machte noch, jedoch ohne Vorwissen Christinas, -Mitteilung davon, daß sie am Sonntag Reminiscere (2. Fastensonntag), -während Bruder Gerhard vom Greif vom Leiden des Herrn predigte, die -fünf Wunden sowie die Dornenkrone empfing und mit Galle getränkt -wurde. Am Karfreitag erschienen desgleichen an ihren Händen und Füßen, -sowie an der Seite und Stirne die Wundmale wie in den vorhergehenden -Jahren. Vor Pfingsten hatte Christina drei Nächte nacheinander ein -merkwürdiges Gesicht. Sie schaute und gewahrte alle Peinen der Hölle: -Heulen und Weinen, Hammerschläge, Qual der Hitze und der Kälte, Kröten -und Schlangen, Gestank und Qualm und viele andere, die sich mit Worten -nicht ausdrücken lassen. Infolge dieses Gesichtes überfiel sie eine -große Angst wegen ihrer Sünden, da sie sah, welch unerträgliche Qualen -in der Hölle und im Fegfeuer den Menschen treffen wegen der Sünden, -die so bald vollbracht sind. Sie wünschte deshalb, sofern es dem -Willen Gottes entspreche, daß eine von den Schlangen, die sie gesehen, -sie quäle für ihre Sünden und sie reinige, damit sie so den Strafen -des Fegfeuers entgehe. Und in der Tat, die Schlange kam auf sie zu, -zischte ihr entgegen, ringelte sich um ihre Glieder und zernagte ihre -Eingeweide, so daß Christina aufschrie vor Angst und Schmerz. Zwei -Wochen dauerte diese furchtbare Qual. Dann verschwand die Schlange und -die seligste Jungfrau kam im Schlafe zu Christina mit einem Becher in -der Hand und sprach: „Nimm hin, Geliebteste, und trinke; dann wirst -du gesunden und aller Schmerz wird von dir weichen.“ Süßer als Honig -dünkte dieser Trunk der Schwergeprüften und drei Tage hindurch wich -dieser Geschmack nicht aus ihrem Munde. - - Abb. 8. Grabstätte Christinas zu Stommeln. - - - - -Zwölftes Kapitel. - -Besuche des Petrus in Stommeln bei seiner Rückkehr von Paris. - - -Bereits zu Ostern 1270 war nach Cöln die Kunde gekommen, Bruder -Petrus werde in Bälde aus Paris zurückkehren. Jedoch reiste er erst -am Sonntage nach dem Feste des h. Jakobus (27. Juli 1270), begleitet -von Bruder Nikolaus, von Paris ab und langte zwei Tage vor Maria -Himmelfahrt in Stommeln an. Tags darauf machte Petrus der Christina -einen kurzen Besuch. Es war ja der Vorabend des höchsten Marienfestes, -ein Fasttag, den Christina, wie alle ähnlichen Tage, in strengster -Zurückgezogenheit zuzubringen pflegte. Bruder Nikolaus drang darauf, -noch am selben Tage nach Cöln zu gehen, um dort mit den Brüdern das -Fest zu begehen. Bruder Hiddo jedoch, ein Ordensmann von hohem Ansehen, -der neun Jahre hindurch Provinzial der deutschen Provinz gewesen, -befand sich gerade in Stommeln. Er war Beichtvater und Ratgeber der -Aebtissin Geva von St. Cäcilien in Cöln, die auf ihrem Hofe in Stommeln -weilte, und Hiddo war deshalb zum Feste herübergekommen. Dieser -riet den beiden Brüdern, in Stommeln zu bleiben bis zum Nachmittage -des Festtages. Sie folgten dem Rate, übernachteten auf dem Hofe des -Cäcilienstiftes und gingen am Maria Himmelfahrtstage nach Tisch mit -Bruder Hiddo nach Cöln. - -Christina hatte in ihrem letzten Briefe an Petrus diesem den Wunsch -ausgedrückt, er möge sich bei seiner Rückkehr aus Paris einige Zeit -in Cöln aufhalten. Als nun Petrus bei Christina am Vorabende vor Maria -Himmelfahrt vorgesprochen, hatte diese ihn gefragt, ob er sich in Cöln -aufhalten würde. „Nein,“ hatte Petrus geantwortet, „es müßte denn -ein unvorhergesehenes Hindernis eintreten.“ Christina hatte darauf -erwidert: „Möchtet Ihr doch durch irgend etwas genötigt werden, zu -bleiben.“ Als die beiden Brüder nun zwei Nächte in Cöln geschlafen und -Bruder Nikolaus, der für die Reise Vorgesetzter des Petrus gewesen -zu sein scheint, am darauffolgenden Tage unbedingt abreisen wollte, -wurde er in der Nacht von einem sehr heftigen Fieber ergriffen, das ihn -sieben Wochen lang ans Bett fesselte und fast an den Rand des Grabes -brachte. Während dieser Zeit kam Petrus eines Tages auf einige Stunden -nach Stommeln. Bruder Mauritius nämlich und Bruder Andreas von Esch -(_acsiensis_) mußten studienhalber nach Paris reisen. Sie gingen über -Stommeln und Petrus gab ihnen bis dahin das Geleit, mußte aber noch -am selben Tage nach Cöln zurück, um die Nacht hindurch wieder bei dem -kranken Gefährten Nikolaus sein zu können. In jenen Tagen kam Christina -einmal nach Cöln und während sie dort war, raubte ihr der Teufel acht -cölnische Schillinge (_solidi_), die sie dem Petrus geben wollte, damit -er sich dafür einen neuen Rock kaufen könne. Denn sie hatte gesehen, -daß er dessen sehr bedurfte. „Doch, schreibt Petrus, der Teufel störte -sich nicht an ihre Wohltätigkeit noch an meine Dürftigkeit.“ - -„Als aber Bruder Nikolaus, so fährt Petrus fort, wieder zu Kräften -gekommen war, ging ich ihm voraus nach Stommeln, um meine dortigen -Freunde zu besuchen, und als ich am Tage des h. Erzengels Michael -mich mit Christina über Gott und seine Liebe unterhielt, stellte sie -im Laufe des Gesprächs an mich die Frage: „Bruder Petrus, da du jetzt -von mir scheidest, so befrage ich dich über ein trautes Geheimnis: -sage nur, wenn du es weißt, was ist die Ursache unserer gegenseitigen -Liebe?“ Ich wurde stutzig und antwortete: „Ich glaube, daß Gott der -Bewirker und Urheber unserer gegenseitigen Liebe und Freundschaft -ist.“ Sie entgegnete: „Daran zweifle ich nicht; allein ich möchte -wissen, ob dir in dieser Hinsicht ein unzweifelhaftes Kennzeichen und -eine besondere Gnadenerweisung zuteil geworden ist.“ Ich suchte einer -Beantwortung auszuweichen, weil ich nicht die Unwahrheit sagen wollte, -und andererseits Vorwürfe des Gewissens fürchtete. -- Petrus hatte -nämlich am Christinatage des Jahres 1268 ein Malzeichen in der linken -Hand erhalten, das er sorgfältig geheim gehalten hatte. -- Christina -aber fuhr fort: „Ich weiß, daß die Zeit unserer Trennung und meiner -Verlassenheit ganz nahe bevorsteht. Deshalb offenbare ich dir ein -Geheimnis, das ich dir sonst nicht mitgeteilt haben würde. Erinnerst -du dich noch, wie du zuerst zu mir gekommen bist gegen Abend mit Bruder -Walter guten Angedenkens, wo ich dich zum ersten Male gesehen habe; ich -saß nicht weit von dir, hatte mich auf ein Kissen etwas angelehnt und -den Kopf geneigt?“ „Dessen erinnere ich mich,“ sagte ich. Sie aber fuhr -fort: „In jenem Augenblicke erschien mir der Herr, und ich sah meinen -Geliebten und ich hörte, wie er zu mir sprach: „Christina, kennst du -den Mann, der dort an der Seite sitzt, nach der du den Kopf hingeneigt -hast, und ist dir kund sein Loos?“ Ich antwortete: „Herr, diesen Mann -kenne ich nicht und sein Antlitz habe ich niemals gesehen.“ Da sprach -er weiter: „Betrachte diesen Mann genau; er ist dein Freund und wird -es auch fürderhin sein und er wird Vieles für dich tun. Aber auch du -sollst für ihn tun, was du für keinen andern Sterblichen tun wirst. -Wisse auch, daß er mit dir im ewigen Leben vereinigt sein wird.“ Das -nun, Bruder Petrus, ist die Ursache, weshalb ich dich liebe und weshalb -ich so vertraut gegen dich bin.“ Während Christina dies sprach, dankte -ich Gott unter Tränen, daß er mich zum Freunde einer solchen Person -hatte machen wollen und zum Mitwisser so großer göttlicher Geheimnisse. -Doch habe ich dies, was mir Gegenstand innigster Tröstung gewesen, -in meinem Herzen verborgen gehalten ... Ich hoffe aber durch Christi -Freundin Christina Verzeihung der Sünden und Gnade zur Ausübung guter -Werke zu erlangen. Am folgenden Tage, dem Tage des h. Hieronymus d. J. -1270, reisten Bruder Nikolaus und ich von Stommeln ab. Bruder Johannes -Hespe und Bruder Helinrich, Studierende aus der Provinz Dazien, wie -auch der Herr Pfarrer und seine Schwester Gertrud, Hilla vom Berge und -Christina nebst mehreren andern Personen begleiteten uns eine Strecke -Weges. Während ich nun mit Christina einherschritt, übergab sie mir -den Quatern, worin Einiges über ihren Zustand, das sie auf meinen -Wunsch hin hatte aufzeichnen lassen, enthalten ist. Dieser Quatern -ist meines Erachtens gemeint, wenn oben gesagt wurde, sie werde für -mich tun, was sie für keinen andern Sterblichen tun werde. Als wir -zwei nun des Weges gingen, der eine ebenso betrübt und traurig wie die -andere wegen der bevorstehenden Trennung, sprach ich endlich: „Teuerste -Christina, es ist Zeit Abschied zu nehmen. Lebe wohl im Herrn.“ -Als sie das hörte, antwortete sie nicht, sondern verhüllte mit dem -Mantel ihr Gesicht, setzte sich auf die Erde und weinte reichlich und -bitterlich. Da ich sie so weinen sah, rief ich dem Bruder Nikolaus, der -etwas vorangegangen war, er möge zurückkommen, um sich von Christina -zu verabschieden, damit wir dann weiter reisen könnten. Als dieser -zurückkam, stand Christina auf. Wir verabschiedeten uns nun, empfahlen -uns einander ins Gebet und setzten dann die Reise fort. Bruder Nikolaus -aber schenkte der Christina seinen Rosenkranz, den er vier Jahre -hindurch getragen hatte. Er war nämlich durch Christinas Anblick, wie -er gestand, mit großer Verehrung gegen sie erfüllt worden. Als wir -weggegangen, setzte sich Christina wiederum auf die Erde, bedeckte ihr -Gesicht mit dem Mantel und weinte bitterlich.“ - - - - -Dreizehntes Kapitel. - -Briefwechsel nach des Petrus Rückreise nach Schweden. Christinas Eltern -und Pfarrer Johannes sterben. 1270-1279. - - -Nach seinem Weggange von Stommeln blieb Bruder Petrus zwei Jahre lang -ohne Nachricht von Christina. Erst als er nach Aarhus in Jütland -zum Ordenskapitel kam, erhielt er mehrere Briefe von ihr, die aber -nacheinander zu verschiedenen Zeiten geschrieben waren. Durch Schreiben -des Bruders Mauritius aus Paris vom 15. Juni 1271 hatte Christina -erfahren, daß Petrus nach vielen Beschwerden am Freitage nach Mariä -Lichtmeß gesund und wohlbehalten in Skeninge angekommen war, dort -am Mittwoch nach dem Feste des h. Matthias sein Amt als Lesemeister -angetreten habe und wünsche, von ihr Nachricht zu erhalten. - -Daraufhin schrieb dann Christina folgenden Brief: - - „Dem besonders geliebten Bruder und Vater Petrus vom - Predigerorden, Lesemeister in Skeninge, entbietet die - besonders geliebte und ergebene Christina von Stommeln den - Ausdruck ihrer aufrichtigen Liebe aus tiefstem Herzen, - im Feuer und in der Süßigkeit des h. Geistes, im Glanze - und in der Schönheit Jesu Christi. Teuerster, als wir - uns letzthin trennten, war ich so voller Betrübnis, daß - zwei Tage hindurch meine Augen nicht aufhörten, Tränen - zu vergießen beim Gedanken daran, daß ich nunmehr des - Trostes entbehren müßte, den Ihr mir in Christo zu spenden - pflegtet. Und so oft ich seitdem einen Bruder aus dem - Ausland hier ankommen sah, erneuerte sich mein Schmerz über - Euer Fernsein. Ja, wahrlich, nach dem Abschiede von Euch - bin ich wie eine Verbannte und Hoffnungslose nach Hause - gegangen, als eine von ihren treuen Freunden Verlassene. - Denn ich finde keinen, der mir so gesinnungsverwandt wäre, - der es so verstände, mit meinen Schwachheiten Mitleid zu - haben, der solch allseitige Erfahrung besäße. Euch allein - vertraute ich und würde Euch meines Herzens Geheimnisse - mehr als irgend einem Menschen auf Erden anvertraut haben, - wenn ich bei Euch hätte bleiben können. Ich stehe zwar zu - mehreren Brüdern in freundschaftlicher Beziehung; allein - sie sind mir doch nicht das, was Ihr mir waret. Ihr wißt, - weshalb. - - Acht Briefe habt Ihr mir seit Euerer Abreise zugesandt. - Dafür vermag ich Euch zeitlebens nicht hinlänglich - zu danken. Denn unter den unzähligen Beweisen Euerer - Güte nehmen Euere Briefe die erste Stelle ein. Die - Verdolmetschung dieser Briefe konnte ich nie anhören, ohne - Tränen zu vergießen, weil sowohl der Inhalt mich erfreute, - und weil ich auch die Treue Euerer Liebe erkannte. - - Nunmehr zu den Mitteilungen. Vierzehn Tage nach Euerer - Abreise sagte mir der alte Feind: „Bruder Petrus ist auf - der Reise von Räubern getötet worden.“ Zaghaft, wie ich - bin, schenkte ich ihm Glauben und war acht Tage hindurch - über die Maßen betrübt. Dann aber betete ich zu Gott unter - Tränen: „Herr, mein Gott, der Du allein die Wahrheit bist, - tue mir kund, ob wahr ist, was der Dämon gesagt hat.“ - Darauf erschien mir im Traumgesicht die allerseligste - Jungfrau und sprach: „Beruhige Dich; Petrus lebt noch. - Der Dämon hat Dich betrogen. Darin hast Du gefehlt, daß - Du Dich über die Maßen betrübt hast. Den Worten des Dämons - sollst Du keinen Glauben schenken.“ - - Teuerster, bisweilen melden Euere Briefe Zweifel, als - ob ich Euerer vergessen hätte. Dem ist nicht so. Was - ich versprochen, werde ich mit Gottes Gnade halten, und - ich hoffe, mit Euch zusammen ewig im Himmel zu leben. - Ich bedauere es, Euch nicht öfter über meinen Zustand - Mitteilung machen zu können. Wenn ich einen Boten zur - Verfügung hätte, so würde ich Euch noch lieber schreiben - und geschrieben haben, als Ihr mir. Ja, wenn ich selbst - schreiben könnte, so würde ich Euch manches mitteilen, - was ich jetzt füglich nicht mitteilen kann. - - Ihr führtet gern den Spruch im Munde: - - _Pluribus intentus minor est ad singula sensus._ - Ist der Sinn auf Vieles gewandt, so leidet das Einzelne. - - So wünsche ich denn umgekehrt, daß Ihr mir Euere - besondere Sorgfalt angedeihen laßt, da ich ja, wie Ihr - sagt, Euer einziges Pflegekind bin. Teuerster, wie groß - mein Schmerz ist wegen Euerer Abwesenheit, vermag ich nicht - zur Genüge zu schildern. Aber mein größter Schmerz ist - es, daß ich Euch über meinen Zustand nicht so schreiben - kann, wie ich gern wollte. Ach! Teuerster, es ist nicht - mehr wie ehedem, als Ihr nebst Bruder Aldebrandino mit - mir nach Ossendorf ginget, wo Ihr mir soviel Tröstliches - gesagt habet. Solch erlesene Erweise der Güte waren für - mich allzeit der Weg zu größeren Gütern. Ich danke Euch - recht sehr für Euere mehrfachen Geschenke. Ohne Auslagen - zu scheuen, habet Ihr Euch über Gebühr angestrengt und - mehr getan, als ich wünschte. Für Euer Heiligtum[43] danke - ich verbindlichst und für den Rock. Diesen ziehe ich nur - an Festtagen an; denn ich möchte, so Gott will, ihn mein - ganzes Leben lang tragen. Ach! Teuerster, was fehlte mir, - als Ihr hier waret? Vor Euch hatte ich keine Furcht; und - Ihr habt meine Worte und meine Handlungen, meine Freude - und meine Trauer niemals übel gedeutet, sondern alles nach - der guten Seite hin ausgelegt als wahrer Freund, der meine - Gesinnung kannte. Aber jetzt ist es nicht mehr so. Ich lege - mir Stillschweigen auf, weil ich Eueres Gleichen nicht - finde und auch nicht zu finden suche. Als die härteste - Pein erachte ich es aber, daß Ihr von mir weggegangen seid - wie einer, der verbannt ist ohne Hoffnung auf Rückkehr. - - [43] Es ist wohl das mit Reliquien umkränzte, zweiteilige - Gebetstäfelchen (Diptychon) gemeint, das noch im Grabmale - Christinas in Jülich aufbewahrt wird. - - Als Ihr Euch auf der Reise befandet, war ich immer - Euretwegen besorgt wegen der Witterung, der Beschwernis - und Weite des Weges, ob Unfall Euch etwa getroffen, ob Ihr - gute Unterkunft und gastliche Aufnahme unterwegs gefunden; - und immer flehte ich zu Gott, daß er Euch eine glückliche - Reise verleihen wolle. Und nun ist mein größter Wunsch, - daß Ihr mir recht viele Freunde anwerben wollet, die für - mich bei Gott Fürsprache einlegen. Besorget mir auch, - wenn ich Euch überleben sollte, einen treuen Freund, der - nach Euerem Tode Euere Stelle bei mir vertritt. Ueberdies - beschwöre ich Euer Liebden, mir von Euerem Geliebten - die von mir ersehnte Gnade zu erwirken, daß er mich nach - Euerem Heimgange nicht länger möge leben lassen, sonder - vielmehr mich zugleich mit Euch und in Teilnahme an Euern - Gütern, gestützt auf den Geliebten hinwandern lasse ins - Himmelreich. Desungeachtet bitte und wünsche ich dennoch, - daß Ihr, wofern es immer möglich ist, in Anbetracht unserer - gegenseitigen Liebe und Freundschaft, mich Unwürdige - vor Euerem Tode noch einmal besuchen wollet, teils weil - ich sehr darnach verlange, teils weil ich Euch vieles zu - offenbaren habe, was ich keinem andern mitteilen kann. Wenn - Ihr irgendeinen Wunsch habt, so lasset ihn mich wissen; - denn ich bin gerne bereit, alle Euere Wünsche zu erfüllen. - Lebet wohl in unserem Herrn Jesus Christus. Betet auch, - Teuerster, ich bitte Euch, für meinen Herrn Johannes, den - Schreiber dieses Briefes.“ - -Mit diesem Briefe Christinas gelangte gleichzeitig ein anderes -Schreiben von ihr an Petrus, das über neue Versuchungen berichtet. -Christinas Trauer und Niedergeschlagenheit über des Petrus Abreise -benutzte Satan dazu, um sie zu versuchen, dem Ordensleben zu -entsagen. Ihr Herzeleid und ihre Trostlosigkeit klagt sie dem Petrus -folgendermaßen: - - „Ihrem teuersten und liebwertesten Vater und besondern - Freunde, dem Bruder Petrus aus dem Predigerorden, - Lesemeister in Skeninge, entbietet Christina von Stommeln - alles, was er sich an Ehrbezeigung und Liebe wünschen - mag. Teuerster, was die Plagen anbelangt, die mich nach - Euerem Weggange betroffen haben, so wisset, daß kurz - vor Allerheiligen (1270) der Dämon mich durch einen - bösen Ratschlag versucht hat. Da ich aber durch Gottes - Barmherzigkeit seine Versuchung zurückwies, drohte er mir, - mich bei den Haaren in die Höhe zu ziehen. Das setzte er - schließlich auch ins Werk und zog mich an den Haaren über - die Decke, den Dachboden meiner Kammer, die Ihr kennt, - und stieß mich dann mit dem Leibe gegen den Dachstuhl. Vor - dieser Quälerei zog er ein Schwert, zerschnitt damit der - Hilla das Kleid und verletzte ihren Rücken. Als ich aber - über meiner Kammer lag, fuchtelte er mit dem Schwerte, wie - alle, die da waren, es gesehen haben, bis mein Vater zum - Herrn Pfarrer lief. Dieser eilte alsbald herbei und hörte - bereits auf unserem Hofe das Sausen des Schwertes. Als er - aber eintrat, sah er, wie über dem Dachboden der Kammer ein - Schwert einhersauste, Hände aber sah er nicht. Als er nun - eine Leiter ansetzte, um hinaufzusteigen, wurde er daran - gehindert, weil der Dämon ihm wiederholt Schläge auf den - Kopf versetzte. Mein Vater versuchte dann mit einer Stange - das Schwert hinwegzuschlagen, aber da hieb das Schwert in - die Stange hinein. Endlich als mein Herr Pfarrer beherzt - heraufkommen wollte, ließ der Dämon das Schwert fallen und - so trug man mich hinab. Später, als ich bei dem Bruder - Johannes von Muffendorf beichten wollte, kam der Dämon - und schlug mich aufs Auge. Dann erschien er mir in Gestalt - desselben Bruders und sprach. „Teuerste Tochter, ich habe - dieselbe Versuchung wie du; um jeden Preis will ich mit - dir aus dem Orden austreten.“ Ich antwortete. „Was sagt - Ihr, Herr? Glaubt Ihr etwa, ich hätte Euch deshalb meine - Versuchungen offenbart, weil ich in dieselben einwilligen - möchte? Das empört mich. Ich glaubte, Ihr würdet mich - trösten. Wisset Ihr nicht, daß ich lieber sterben möchte, - als meinen Gott verlassen?“ Bruder Johannes hörte diese - Worte und wurde sehr betrübt. Er fürchtete, ich würde - aufschreien und ihn beschämen; denn er wußte nicht, daß - der Dämon die Sache angestiftet hatte. Im Advent (1270) - bereitete mir der Dämon folgende Leiden: Zwei bewaffnete - Fäuste legte er mir auf die Schultern und schüttelte meinen - ganzen Körper so, daß ich beinahe erstickte und viele - Ordensleute mich nicht halten konnten. Zudem zog er mir - die Zunge aus dem Halse, so daß alle es sahen, und sie - verharrte in solcher Starre, daß niemand sie zurückbringen - konnte. Da aber betete ich und indem ich mit dem Daumen - das Kreuzzeichen über meine Zunge machte, sprach ich: „Herr - Jesus Christus, wenn jemals diese Zunge dich würdig gelobt - hat, so befiehl dem bösen Feinde, daß er sie verlasse.“ - Und alsbald ließ er sie los. Ich aber blieb vierzehn Tage - lang stumm. Dem Bruder Johannes schnitt er eine große Wunde - in die Hand. Dem Bruder Johannes von Kreuzburg machte er - Schnitte in zwei Finger, und als derselbe Bruder einmal da - saß und bei Kerzenschein in seinem Buche las, schlug ihn - der Teufel mit einem schweren Steine an den Kopf, riß ihm - das Buch weg und warf ihn in seinem Mantel aus dem Zimmer. - Die Schwester des Pfarrers schnitt er in den Daumen. Einem - Laien hatte er den Daumen nahezu abgeschnitten.“ - -Diesem Briefe Christinas fügte der Pfarrer noch eine Nachschrift bei, -in der die Reihe der teuflischen Mißhandlungen ergänzt und erläutert -wird. Unter anderm erfahren wir, daß der Teufel, als er schließlich -am Vorabende vor Weihnachten abließ, Christina zu schütteln, sich -entfernte mit den Worten: „_=Louvelois scheindhof=_“ (schmähliche -Hofschinderin), mir ward Gewalt gegeben, Dich zu versuchen; doch mit -Schande weiche ich zurück und werde die verdiente Strafe empfangen.“ - -Auch meldet der Pfarrer, daß bald nach der Abreise des Petrus ein -Interdikt über die Gegend verhängt worden sei -- Erzbischof Engelbert -von Falkenburg war der Urheber dieser Maßregel -- Christina mußte -deshalb nach Brauweiler gehen, um die h. Kommunion zu empfangen. Die -Abtei Brauweiler unterlag nämlich nicht dem Interdikte. Wenn Christina -nun ausgehen wollte, um die hh. Sakramente zu empfangen, so drohte ihr -der Teufel, wenn sie nicht zu Hause bleibe, so werde er sie mit vielen -Plagen heimsuchen und dafür sorgen, daß sie beschämt werde. Als sie -nun einmal in der Kirche zu Brauweiler beim Prior gebeichtet hatte und -sich dann anschickte, zur h. Kommunion zu gehen, da riß ihr urplötzlich -der Teufel die Schuhe von den Füßen und zerfetzte sie; dann stieß er -sie mit dem Kopfe gegen die Mauer und zog ihr die Haut von den Füßen. -In diesem schmerzlichen Zustande ging sie zum Altare. Noch lange Zeit -nachher hatte sie Schmerzen an den Füßen. - -Ein dritter Brief, den Bruder Petrus zu Aarhus von Christina erhielt, -gibt Kunde von weiteren Prüfungen, die sie betroffen, vom Verluste -mehrerer Freunde und von der Verarmung ihrer Eltern. Er ist gegen Ende -der Fastenzeit 1272 geschrieben und hat folgenden Wortlaut: - - „Ihrem lieben, teuern, allerteuersten Bruder Petrus, - Lesemeister der Predigerbrüder in Skeninge, entbietet - Christina von Stommeln Heil im wahren Heilande. Da ich - nach Euerem Weggange mich lange Zeit hindurch von meinem - Bräutigam verlassen fühlte, war ich so niedergeschlagen, - daß ich, was viele gesehen, beträchtliche Klumpen - geronnenen Blutes gespieen habe. - - Klagen muß ich Euch auch meinen Schmerz über das Geschick - meiner Freunde. Vor allem melde ich Euch mit Betrübnis, daß - der innigstgeliebte Herr Prior von Brauweiler nach Mariä - Himmelfahrt gestorben ist. In seiner Krankheit hat er sich - mit so flehentlichen Worten meinem Gebete empfohlen, daß - ich ohne Tränen nicht davon sprechen kann. Er hat auch - gewünscht, ich möchte Euch schreiben, daß Ihr doch für ihn - betet. Ich bitte Euch deshalb, daß Ihr so seiner Seele - gedenken möget, wie Ihr nach meiner Ueberzeugung es für - mich selbst tun würdet, wenn ich gestorben wäre. Er hat mir - nämlich, so lange er lebte, sehr viel Gutes erwiesen. Um - meinen Schmerz voll zu machen, ist dann auch noch Bruder - Gerhard vom Greif weggegangen. Er wurde nämlich als Prior - nach Coblenz versetzt. So sind denn nun fast alle meine - Freunde von mir geschieden. - - Außerdem traf großes Ungemach andere von meinen Freunden - und zumal meine Eltern, die ganz verarmten, weil mein - Vater in Folge einer Bürgschaft, die er zwischen Juden und - Christen übernommen, seine ganze Habe eingebüßt hat. Da er - es nicht über sich bringen konnte, hier zu bleiben, ist - er für drei Monate aus dem Dorfe weggegangen. Ihr könnt - Euch denken, Teuerster, welche Betrübnis es für mich war, - als mein Vater, der mir soviel Gutes erwiesen, jeglichen - Gutes bar, so von dannen ging. Als er in Cöln war, drängte - es mich, ihn dort zu besuchen, um zu sehen, wie es mit ihm - stände. Und als ich ihn so niedergeschlagen sah, habe ich - herzlich geweint. Am Tage der unschuldigen Kinder mußte - meine Mutter nach Cöln, um den Vater zu besuchen, fiel aber - vom Karren, brach den Arm und erhielt eine große Wunde am - Kopfe. Auch sie zog sich dann nach Cöln zurück. Das war - für mich eine neue Trübsal, da sie lange bettlägerig war - und viele Auslagen hatte. Auch wurde sie von hochgradigem - Fieber befallen, so daß Euere Mitbrüder ihr die h. Oelung - erteilten. Ueberdies bekam sie die Blättern, so daß sie - nicht wiederzuerkennen war. Sechs Wochen lang lag sie - in dieser Heimsuchung in Cöln darnieder. Und so ging - ich denn gleich nach den Weihnachtsfeiertagen nach Cöln. - Ich konnte jedoch wegen der frischen Wunden keine Schuhe - anziehen -- kurz vor Weihnachten hatte ihr nämlich der - Teufel Bindweiden durch die Füße gezogen -- und so ging - ich denn barfuß nach Cöln bei größter Kälte und in großer - Qual an Leib und Seele. Als ich nach einiger Zeit nach - Stommeln zurückkam, fand ich Haus und Hof ohne Bewohner. - Nichts mehr fand sich dort vor; ich war wie eine Arme und - Heimatlose und in gänzlicher Not mußte ich bald hier, bald - dort Unterkunft suchen. - - Voll von Leid bin ich gegenwärtig und auf noch mehr - Leid mache ich mich gefaßt. Und doch muß ich Vorsorge - treffen und den ganzen Tag über sehe ich der vollständigen - Losreißung von den Meinigen entgegen. Darum, teuerster, - bitte und ersuche ich Euch, doch für mich zu beten in - Anbetracht der großen Notlage, in die ich gekommen bin, - auf daß Gott mich in diesen Prüfungen ohne Sünde erhalten - möge, mir unerachtet der Ablenkung seine Gnade nicht - entziehe und schließlich mein Leid verwandele in Freude, - die niemand mir nehmen kann. - - In der gegenwärtigen Fastenzeit, in der ich diesen - Brief schreibe, entbehre ich jeglicher Gnadenerweisung - und der Freude am Gebet. Dabei werde ich von innerlichen - Versuchungen heftig geplagt. Ueberdies kommt der Dämon, - wenn ich bete, in Gestalt einer eigroßen Spinne -- - Christina hatte besondern Ekel vor Spinnen -- mir ins - Gesicht gekrochen und belästigt mich. An einem Finger - hat sie mir Blasen verursacht und ich befürchte, daß sie - mir deren noch mehr beibringen wird. Teuerster, nochmals - bitte ich Euch, wollet wo möglich, sobald Ihr könnt, - mich besuchen; denn ich bedarf Eueres Rates und möchte - Euch gerne wiedersehen. Lebet wohl in unserm Herrn Jesus - Christus.“ - -Am Karfreitage (22. April) des Jahres 1272 empfing Christina die -fünf Wunden wie in den früheren Jahren und am h. Ostertag genoß sie -überreichlichen Trostes. Auch verschwanden an diesem Tage die Narben -der Wundmale, worüber sie sich sehr freute. Vor Maria Himmelfahrt war -ihr längere Zeit hindurch jegliche Tröstung entzogen und es war ihr, -als ob Gott ihr niemals eine Gunsterweisung erzeigt hätte. Am Tage des -h. Laurentius begann der Teufel morgens ihr besonders heftig zuzusetzen -und in der folgenden Nacht versengte er ihr die Haare, so daß der -Geruch davon sich durchs ganze Haus verbreitete. Dann stieß er ihr ein -glühendes Eisen in den Rachen, zog es aber wieder heraus, und stieß es -ihr dann in die Eingeweide. Das verursachte ihr unaussprechliche Qual. -Sie hatte sich aber vorgenommen, am folgenden Tage zur h. Kommunion zu -gehen und sie sprach deshalb: „Ich sage Dir, Dämon, daß ich vorhabe, -morgen meinen Geliebten zu empfangen.“ Der Dämon antwortete, indem er -einen Dolch hervorzog: „Wenn Du das tust, so steche ich Dich in die -Zunge und vereitle Dein Vorhaben.“ Und da sie von ihrem Vorhaben nicht -abließ, stieß der Teufel sie wirklich mit dem Dolch in die Zunge und -ließ ihn darin stecken. Als sie morgens zur Kirche kam, floß das Blut -noch aus dem Munde. - -Am Feste Mariä Himmelfahrt oder tags darauf diktierte Christina dem -Pfarrer Johannes ein kurzes Schreiben, das Petrus zugleich mit den drei -vorhin mitgeteilten zu Aarhus erhielt. Es bringt inhaltlich nichts -Neues, enthält vielmehr Wiederholungen, ist aber bezeichnend für den -Zustand des Verlorenseins, der Christina beim Diktieren überraschte. -Sie geriet nämlich beim Diktieren in Verzückung. Das Briefchen lautet -wie folgt: - - „Ihrem vielgeliebten Vater und teuersten Freunde, dem - Bruder Petrus, Lesemeister in Skeninge, wünscht seine - Tochter Christina immerwährende geistige Teilnahme am - himmlischen Gastmahl, Fülle der Wonne, Erhebung zum - Wunderbaren und Erquickung durch Gnadeneinströmung. - Oefters habt Ihr mir vorgehalten, daß ich Euch nicht - schriebe; in letzter Zeit aber habe ich Euch vier Briefe - geschrieben, die Euch durch die Brüder zugestellt werden - sollten -- ich weiß aber nicht, ob Ihr sie erhalten habt. - In diesen Briefen habe ich Euch vieles berichtet über das, - was mir der Dämon nach Euerem Weggang angetan hat, und - auch solches, was meine Freunde betrifft. Und weil ich - Euern Wunsch in dieser Hinsicht kenne, so dürft Ihr Euch - versichert halten, daß ich Euch sehr gerne schreiben würde, - wenn ich Gelegenheit hätte, die Briefe abzuschicken. Was - mir bis zum Advent zugestoßen, habe ich Euch geschrieben. - In der Fastenzeit kam, wenn ich betete, regelmäßig der - Dämon in Gestalt einer Spinne und belästigte mich, soviel - er konnte. Teuerster, ich bitte Euch, bleibet mir ein - treuer Freund; denn vor allen Menschen setze ich mein - Vertrauen auf Euch und ich verlange mehr nach Euerem - Besuche, als Ihr glaubt. Möge er mir vor meinem Tode zuteil - werden! In Brauweiler ist der Prior, mein trautester - Freund, gestorben. Teuerster, gedenket seiner in Treue - und betet für meine Eltern, die sich in größter Trübsal - befinden.“ -- - -Dann fügt der Pfarrer Johannes bei: „Soeben, als sie den Brief -diktierte, vermochte sie nicht weiter zu reden, weil sie sich in -fortwährendem Jubel befand.“ - -Petrus tröstete Christina in einem herzlichen Antwortschreiben, indem -er sie hinweist auf die Herrlichkeit des Himmels, in der er mit ihr in -ewiger Seligkeit zusammen zu sein hoffe. Auch Bruder Mauritius schickte -von Paris ein Trostschreiben. Er habe, sagte er, ein so herzliches -Mitleiden mit ihr, je schwächer das weibliche Geschlecht sei, um dem -Ansturm solcher Leiden gegenüber standzuhalten. „Doch, fügt er hinzu, -da ich Euch als ein in Drangsalen starkmütiges Weib erkannt habe, so -hoffe ich zum Herrn, der die Stärke jener ist, so auf ihn vertrauen, -daß er Euch Standhaftigkeit und Kraft von oben verleihe, um auszuharren -bis zum guten Ende.“ - -Bruder Petrus wurde unterdessen nach Strengnäs im Södermanland -versetzt, wo er wie in Skeninge das Amt eines Lesemeisters bekleidete. -Von dort schrieb er mehrere Male an Christina; teilte ihr unter anderem -mit, daß auch in dortiger Gegend Gott ihn durch einige gottgeweihte -Jungfrauen erfreut habe, von denen einige das Ordenskleid des h. -Dominikus trügen, andere das der Beginen angelegt hätten. Eine von -diesen komme Freitags in Verzückung und erhalte zuweilen die fünf -Wunden. Die meiste Zeit bringe sie im Gebete und in der Betrachtung -zu und dazu sei sie bemüht, Almosen zu geben und den Armen zu dienen. -Diese begnadete Jungfrau habe eine innige Liebe zu Christina, nenne -sie ihre Schwester und wünsche, sie kennen zu lernen und womöglich -mit ihr zusammenzuleben. Auch habe sie ihm Einiges, was in Christinas -Briefen enthalten war, lange vorher offenbart. „Wundert Euch nicht, so -schließt Petrus seinen Brief, daß ich Euch seltener schreibe; denn ich -habe nicht oft Gelegenheit, einen Brief abzuschicken, weil ich tief -ins Land hinein wohne, von wo aus selten Reisende und niemals Kaufleute -hinausreisen. Meine geistliche Tochter, die ich Euere Schwester genannt -habe, bittet mich, Euch ihrerseits zu grüßen ... Ich empfehle Euch die -Seelen meiner beiden leiblichen Brüder, die nach meiner Rückkehr beide -in einem Jahre gestorben sind. Grüßet alle unsere Freunde, insbesondere -den Herrn Pfarrer, Euren Vater und Euere Mutter, alle Schwestern des -Namens Hilla, des Pfarrers Schwester Gertrud und die blinde Aleidis. -Betet für mich.“ - -Die Verarmung, die Christinas Eltern getroffen, dauerte fort. Von Gram -und Kummer getroffen, starb ihr Vater um das Jahr 1276. Im folgenden -Jahre gegen Peter und Paul starb auch Christinas geistiger Vater und -besonderer Wohltäter, Pfarrer Johannes von Stommeln, der bisher ihre -Briefe geschrieben. Bruder Nikolaus von Westeräs (_Westra-aros_) -überbrachte die Trauerbotschaft dem Bruder Petrus nach Strengnäs. In -einem Schreiben vom Tage nach dem Feste des h. Dionysius (10. Oktober) -ersuchte dann Petrus Christina, ihm baldigst Mitteilung über ihren -Zustand zu machen. Bruder Laurentius könne ihr als Schreiber dienen. -Dieser Bruder Laurentius war gebürtig aus Swealand, dem mittlern -Teil Schwedens, in dem Skeninge gelegen war, und studierte damals -in Cöln. An ihn schrieb nun Petrus, er möge der Christina seinen an -sie gerichteten Brief verdolmetschen und auch die an ihn gerichteten -Briefe Christinas schreiben. Da Petrus keine direkte Gelegenheit nach -Cöln hatte, so gab er die Briefe dem Bruder Olaw aus Skara mit, der im -Herbste 1277 nach Paris ging. Von Paris nun brachte Bruder Helinrich -diese Briefe im folgenden Jahre Freitags nach Margaretentag, also -am 15. Juli, nach Cöln. Tags darauf schickte Bruder Laurentius ein -Briefchen nach Stommeln, um Christina zu melden, daß ein Brief von -Bruder Petrus für sie angekommen sei und er den Auftrag habe, diesen -ihr persönlich zu verdolmetschen. Es sei jetzt auch Gelegenheit -gegeben, ein Antwortschreiben an Bruder Petrus nach Schweden abgehen -zu lassen, was vielleicht das ganze Jahr hindurch nicht mehr der Fall -sein werde. „Christina kam, so schreibt Bruder Laurentius, gleich -am folgenden Tage mit ihrer Nichte Hilla nach Cöln, obgleich sie die -Arbeit stehen lassen mußte, da es die Zeit der Ernte war. Euern Brief -übersetzte ich ihr, so gut ich konnte. Mit welcher Rührung sie ihn -entgegennahm, zeigten die Tränen, die sie reichlich vergoß.“ - -Als Christina den Brief des Bruders Petrus vernommen, diktierte sie -allsogleich dem Bruder Laurentius das Antwortschreiben, wie folgt: - - „Dem ehrwürdigen Vater in Christo, ihrem - verehrungswürdigsten und liebevollsten, entbietet die - geringste seiner Töchter mit ihren Gebeten sich selbst und - wünscht ihm, falls es noch etwas Besseres geben kann als - Gesundheit, auch dieses durch Vermittlung seines getreuen - Bruders Laurentius. Nachdem ich Euern Brief bekommen und - volleres Verständnis von ihm erhalten, da ist nach dem - Verlust meiner Freunde und meiner zeitlichen Güter und nach - schwerster körperlichen Bedrängnis mein Geist innerlich - wieder aufgelebt und ich, die ich den Mut hatte sinken - lassen, begann wieder aufzuatmen. Mit welcher Herzensfreude - ich diesen Brief meines geliebtesten Vaters vernommen, mit - welcher Hurtigkeit ich unerachtet körperlicher Ermüdung - und ungelegener Zeit zu seiner Entgegennahme herbeigeeilt - bin, dafür kann unser gemeinsamer Dolmetsch glaubwürdiges - Zeugnis ablegen. Es ist ja natürlich, daß ein Brief von - demjenigen, dessen persönliche Gegenwart so viel Liebes - hatte, für mich etwas Erfreuliches war. Mein Geist - wurde mit süßer Wonne erfüllt und die Qualen, die der - menschlichen Gebrechlichkeit und zumal der Schwäche eines - Mädchens, schier unerträglich vorkamen, wurden gelindert. - - Meine Lage, worüber Ihr Bericht zu erhalten wünscht, - ist gar traurig und verwirrt und das gerade Gegenteil - von Euerer glücklichen Wohlfahrt, die Gottes mächtige - Huld noch mehren möge. Denn von zeitlichen Gütern bin ich - dermaßen entblößt, daß fast Alles aufgezehrt ist. Unser - Hof ist in fremde Hände als Besitztum übergegangen. Das - große Haus, in dem wir bisher noch immer wohnten, war - vor Alter baufällig und ist, nicht ohne Lebensgefahr für - die Bewohner, zusammengestürzt. Wir aber sind keineswegs - in der Lage, es wieder aufbauen zu können. Auch habe ich - keinen Freund mehr, der uns beistehen oder auch nur trösten - könnte. - - Ueberdies erdulde ich sehr harte Verfolgungen und Plagen - von meinem Widersacher. Neulich hat er mir mit einer - Zange zwei Backenzähne in grausamer Weise ausgerissen[44]. - Von andern unzähligen Trübsalen, die ich erlitten, kann - ich Euch nicht gut Mitteilung machen, bis wir etwa eine - mündliche Aussprache haben, nach der ich sehr verlange. - Das aber ist mir härter als alles, daß ich in unserm - Dorfe, wo ich wohne wie früher, niemanden habe, dem - ich mein Herz rücksichtlich der wunderbaren Vorgänge zu - erschließen wage. Deshalb halte ich das Meiste in meinem - Herzen vergraben; nur derjenige hat Kenntnis davon, der - die Herzen durchforscht, den ich auch mit gutem Gewissen - zum Zeugen anrufe. Nichts, glaube ich, wäre mir in diesem - Leben lieber, als wenn ich Euch vor meinem Tode dieses - offenbaren könnte. Wie das aber geschehen könnte, weiß - ich nicht. Denn zu Euch überzusiedeln, wie Ihr es mir so - getreulich anbietet, möchte ich auf keine Weise versuchen. - Und doch würde ich es gerne tun, wenn ich mit Euch mündlich - die Sache besprechen und Ihr dann, nachdem Ihr vollständig - Kenntnis von meiner Lage genommen, es dennoch für ratsam - halten solltet. Für Euer Anerbieten aber möge Euch belohnen - jener, „der die Hoffnung der Verzagten ist und der große - Tröster in der Qual“.[45] Lebet wohl, liebster Vater, mein - einziger und getreuester. Ich empfehle Euch inständigst die - Seele meines Vaters und die des Herrn Pfarrers. Nochmals: - Lebet wohl!“ - - [44] Die Spuren davon sind noch am Schädel der seligen Christina - erkennbar. Siehe S. 37. - - [45] In der lateinischen Urschrift lautet die Stelle: _qui est - spes desolatis magnaque consolatio in tormentis_. Sie ist dem - Osterhymnus der Cölner Kirche entnommen. Coll. Rit. S. 73. - -In dem bereits vorhin erwähnten Begleitschreiben zu diesem Briefe macht -Bruder Laurentius zum Einsturz des Hauses folgende Bemerkung: „Während -die ganze Familie und dabei auch kleine Kinder im Hause waren, und ein -mächtiges Feuer brannte, stürzte das Gebäude plötzlich zusammen. Jedoch -wurde niemand verletzt, und auch das Feuer richtete keinen Schaden an, -was einige für ein Wunder halten. Der Zusammensturz war vollständig; -nur die Kammer, in der Christina war, blieb stehen. Doch auch sie wurde -von den herabstürzenden Balken hart getroffen.“ - -Einige Zeit nachher, im Herbste 1278, starb auch Christinas Mutter. -Petrus wurde im selben Herbste auf dem Provinzialkapitel in Wisby zum -Lesemeister dieser seiner Geburtsstadt Wisby auf der Insel Gotland -ernannt, weshalb er von da an Lesemeister von Gotland genannt wird. - - Abb. 9. Krankenhaus „Maria-Hilf“ zu Stommeln. - - - - -Vierzehntes Kapitel. - -Bruder Petrus kommt aus Schweden nach Stommeln, - um Christina zu besuchen. 1279. - - -Als Bruder Petrus obigen Brief Christinas erhalten und ihm auch noch -sonst Mitteilungen über das Mißgeschick, das über sie hereingebrochen, -zugegangen waren, da, so schreibt er, entbrannte mein Geist, und mein -Herz wurde heftig bewegt und ich sann darüber nach, wie ich sie wohl -trösten könnte. Ich begab mich zum Provinzial, Bruder Augustinus, -(nach Westeräs), um von ihm die Erlaubnis zu einer Reise nach Cöln zu -erlangen. Dreierlei Gründe lagen zu dieser Reise vor. Erstlich wünschte -ich von der geistigen Trockenheit befreit zu werden, an der ich schon -lange gelitten und die mich mitunter so niedergeschlagen machte, daß -man für mein Leben fürchtete. Zweitens ging mein Verlangen danach, die -glorreichen Schutzpatrone Cölns, nämlich die dort ruhenden Martyrer und -Jungfrauen, für die ich seit meiner Cölner Studienzeit eine besondere -Verehrung hatte, zu besuchen, mir von ihnen Reliquien zu verschaffen -und diese dann in mein Vaterland zu übertragen. Drittens, um die in -Christo geliebte Christina, nach deren Wiedersehen ich verlangte, -zu besuchen und sie im Herrn zu trösten, wie sie es wünschte, und -wie es meinem frommen und mitleidigen Sinne entsprach, um aber auch -andererseits von ihr Tröstung und Erleuchtung zu erhalten. Mit Gottes -Hülfe und (wie ich vertraue) durch Christinas Verdienste ist alles -nach Wunsch glücklich von statten gegangen, und es hat sich bestätigt, -daß „unverdrossene Liebe alles überwindet“.[46] Am Pfingstmontage also -brach ich von Westeräs auf, kam dann nach Gotland, wo ich eine Zeitlang -blieb, und gelangte schließlich nach Lübeck. Und wahrhaftig, ich, der -ich früher keine halbe Meile zurücklegen konnte, ohne zu ermüden, -Einkehr zu nehmen und Halt zu machen, ging jetzt einen ganzen Tag, -ohne sonderliche Ermüdung zu verspüren. Es war am Tage nach der Oktav -des h. Laurentius (18. August). Am Tage der Oktav von Maria Geburt -(15. Sept.) langten wir in Stommeln, dem lang ersehnten, von Gott -mit vielen Vorzügen begnadigten, vor allem aber durch die Frömmigkeit -seiner Bewohner ausgezeichneten Orte, an. Als wir uns nun diesem Dorfe -näherten, sahen wir von Ferne die Leute aus der Messe nach Hause gehen, --- es war nämlich Freitag[47] -- zuletzt aber gingen zwei Beginen. -Da sagte ich zu Bruder Folkwin, meinem Begleiter: „Siehe, da geht -Christina.“ Denn auch ihn trug Verlangen, sie zu sehen. Man konnte aber -Christina gut von andern unterscheiden. Denn, wie sie sich im Umgange -durch Erbaulichkeit und im Aussehen durch Frömmigkeit auszeichnete, -so hatte ihr Gang eine würdevolle Gemessenheit. Um es kurz zu sagen, -in all ihrem Tun und Handeln, in Gang und Bewegung leuchtete ein -verklärender Schimmer besonderer Anmut hervor, so daß ein jeder, -der mit frommem Sinne ihr Benehmen beobachtete, nicht daran zweifeln -konnte, Gottes Gnade und Gottes Gegenwart sei bei und in ihr. - - [46] Petrus ändert hier den Wahlspruch des alten Römervolkes: „_Labor - improbus omnia vincit_“ (Unverdrossene Arbeit überwindet alle - Hindernisse) um in den der Sachlage mehr entsprechenden: „_Amor - improbus omnia vincit._“ - - [47] Am Rande der Jülicher Handschrift ist die Bemerkung eingetragen: - An Freitagen hören in Stommeln gewöhnlich alle die h. Messe. - -Als wir nun bis zum Pfarrhause gekommen waren, wo wir das Erforderliche -besorgen wollten, um die h. Messe lesen zu können, stand die Frau -des Glöckners da, schaute mich neugierig an und sagte schließlich: -„Wie heißet Ihr?“ „Petrus,“ entgegnete ich. Darauf fragte sie weiter: -„Woher seid Ihr?“ „Aus Dazien,“ gab ich zur Antwort. Da eilte sie -gleich auf die Straße hinaus und rief, so laut sie konnte: „Christina! -Christina! komme zurück, wenn Du eine Messe hören willst.“ Da nun -auch wir auf die Straße hinausgingen, trafen wir mit Christina, die -zurückkehrte, zusammen. Als ich sie grüßte, wußte sie vor Staunen und -Ergriffenheit kaum zu antworten. Schließlich sagte sie: „Woher kommt -Ihr?“ Ich antwortete: „Von Gott dem Herrn gesandt bin ich gekommen.“ -Als mein Gefährte und ich Messe gelesen, speisten wir mit Christina in -der Klause, wobei der Schulmeister Johannes den Gastgeber machte. Auch -der Herr Pfarrer -- Heinrich hieß er -- gesellte sich zu uns. Als ich -tags darauf nach der Vesper auf Christinas Begehr die Schriftstelle -auseinanderlegte: „Ein gutes, geschütteltes, gerütteltes und gehäuftes -Maß wird man Euch in den Schoß schütten“, kam sie derartig in -Verzückung, daß sie weder zu Nacht speisen noch reden konnte. Ja, sie -war derart in Gott versunken, daß sie gar nicht mehr achtete auf das, -was gesprochen wurde. Sie war ganz mit ihrem Geliebten beschäftigt; -sie hatte für nichts anderes Sinn und nur Worte der Andacht brachte -sie hervor. Und in Anbetracht dieser großen Liebe zu ihrem Bräutigam -ruhte alle Sinnestätigkeit. Zweimal aber brach sie währenddem in die -Worte aus: „Teuerste! lasset uns Gott lieben, denn er ist überaus -liebenswürdig. Teuerste! was sollen wir ihm wiedervergelten für so -viele Wohltaten, die er uns erwiesen hat?“ ... Als sie endlich in etwa -zu sich kam, geleiteten der Schulmeister Johannes und Aleidis sie zu -ihrer Wohnung. Als es sich nun traf, daß ich neben ihr ging, fragte -sie, wer das sei. Es wurde ihr geantwortet: „Bruder Petrus.“ Da sagte -sie: „Bruder Petrus, wenn Du von Gott reden willst, bist Du willkommen. -Wenn Du aber zu etwas anderem gekommen bist, so mache schnell und gehe -dann; denn sonst würden wir Deiner bald müde sein.“ Die ganze folgende -Nacht hindurch blieb sie in diesem Zustand der Innerlichkeit. Tags -darauf fingen jene, die obiges gehört, mit dem Ausdruck des Bedauerns -an, darauf die Rede zu bringen, daß jemand mich beleidigt habe. Sie -antwortete: „Gewiß, wer solches gesagt hat, ist gar zu dreist gewesen.“ -Sie hatte keine Erinnerung mehr an das, was sie am vorhergehenden -Abende gesagt hatte. Wir blieben drei Tage in Stommeln und gingen -dann nach Cöln, wo wir freundlich von den Brüdern aufgenommen wurden, -besonders von denen, die mich von der Studienzeit her kannten, und ganz -besonders von Bruder Johannes von Greif, der damals Unterprior war, und -Bruder Johannes von Muffendorf. Bruder Gerhard vom Greif erkundigte -sich nach Christina und belobte ihren Fortschritt auf dem Wege der -Heiligkeit. Ich blieb nun ungefähr einen Monat lang in Cöln und wurde -durch Gottes Gnade von meinem Seelenleiden geheilt. Auch verschaffte -ich mir neun Häupter der hh. Jungfrauen (aus der Gefolgschaft der -h. Ursula) und eines von der thebäischen Legion. Unsere Cölner -Ordensbrüder besorgten mir diese unter Beihülfe des Bruders Folkwin. - -Mitten in dieser Zeit, nämlich am Tage nach dem Feste des h. Erzengels -Michael, ging ich mit Bruder Folkwin wieder nach Stommeln zu Christina. -Wir fanden sie zu Bette liegen und sehr schwach. Ueber unsere Ankunft -aber war sie sehr erfreut. Und als ich sie nach dem Grunde ihrer -Schwäche fragte, sagte sie: „Der Dämon hat mir in dieser Woche die -Haut vom Rücken gezogen, so daß man sich wundern muß, wie ein Mensch -dabei noch leben kann.“ Am folgenden Tage, Sonntag den 1. Oktober, -zeigte Petrus der Christina das früher am Sankt Christinatage an der -linken Hand erhaltene Malzeichen und sie bestätigte ihm mündlich alles, -was im Quatern schriftlich durch Pfarrer Johannes niedergeschrieben -worden war. Auch machte sie ihm die in Kapitel 2 bereits berichteten -Mitteilungen über Verwundungen, die man ihr während der Verzückung -beigebracht hatte. Am folgenden Mittwoch kamen alle Beginen von -Stommeln zusammen und bereiteten den beiden Ordensbrüdern ein schönes -Mittagsmahl. Auch der Pfarrer Heinrich sowie Gerhard, der Sohn des -Vogtes, und der Schulmeister Johannes gehörten zu den Gästen. Nach -Tisch hielt Bruder Petrus einen Vortrag über die geistige Freude unter -Zugrundelegung der Schriftstelle: _Laetare Jerusalem_ (Freue dich, -Jerusalem) und im Laufe des Nachmittags kehrte er mit Bruder Folkwin -wieder nach Cöln zurück. - -„Zum dritten Male,“ schreibt Petrus, „ging ich nach Stommeln am Tage -der elftausend Jungfrauen, als ich auf der Rückreise in meine Provinz -begriffen war. Auf den folgenden Tag lud uns der Herr Pfarrer und -seine Schwester, Frau Benigna, die nach Kleid und Wandel eine Begine -war, zu Tische. Da nun bei Tische die Rede auf die Reliquien kam, -die ich zu Cöln erhalten, und Benigna meine Hochachtung und Verehrung -gegen Reliquien bemerkte, sagte sie: „Hätte ich das gewußt, so hätte -ich Euch gerne das Haupt einer Jungfrau geschenkt, das ich zu Cöln -habe.“ Als ich darauf erwiderte, ich möchte es mir gerne ausbitten, -sagte sie: „Ich würde es Euch mit Freuden geben, wenn ich wüßte, wie -Ihr es bekommen könntet.“ Daraufhin sprach der Herr Pfarrer: „Ehe -er dieses Hauptes entbehren soll, gehe ich selber lieber zu Fuß nach -Cöln und hole es.“ Und das tat er auch wirklich. Am folgenden Morgen -machte er sich in der Frühe auf und noch vor der Abenddämmerung war er -wieder zurück und trug jenes Haupt am Halse. Mit größter Freude nahm -ich dasselbe entgegen und habe es von Stommeln bis Lübeck am Halse -getragen, wodurch mir sehr oft große Süßigkeit des Herzens bescheert -wurde. - -Abends vor dem Tage der Abreise erhielt Christina, als sie die Vesper -betete und unsere Reise Gott anbefahl, eine große Tröstung, die sich -in ihrem Aeußern offenbarte. Sie war nämlich bei der Abendmahlzeit -munterer als gewöhnlich. Als ich sie nun nach dem Essen nach dem -Grunde ihrer Munterkeit fragte, sagte sie: „Seit zwei Tagen war ich -niedergeschlagener Stimmung wegen Euerer Abreise. Als ich nun vorhin -unter dem Baume die Vesper betete und Euch in großer Betrübnis des -Herzens Gott anbefahl, sprach der Herr zu mir: „Sei ohne Sorge. Ich -war mit Bruder Petrus, als er hierher kam; ich werde auch auf der -Rückreise sein Führer sein.“ Auch sagte er: „In mir habe ich Euere -gegenseitige Liebe gegründet und ich werde sie auch in mir erhalten.“ -Diese Worte gaben mir Veranlassung, von der Süßigkeit der göttlichen -Liebe zu reden. Christina wurde darob derart gerührt, daß sie wegging, -vollständig entrückt wurde und starr und regungslos dalag. Am andern -Morgen, dem Tage der hh. Krispin und Krispinian (25. Oktober), lasen -wir Messe, frühstückten und darauf hielt ich eine Ansprache über die -Schriftstelle: _Convertere anima mea in requiem tuam, quia dominus -benefecit tibi_ (Kehre in deine Ruhe ein, meine Seele, denn der Herr -hat dir Gutes erwiesen). Hierauf nahmen wir Abschied von Christina und -von denen, die bei ihr waren, empfahlen uns einander dem Herrn und so -reisten wir ab. So endete der fünfzehnte Besuch im Jahre 1279.“ - - - - -Fünfzehntes Kapitel. - -Vom Advent 1279 bis zum Advent 1280. - - -Ueber Neuß und Düsseldorf, Soest und Minden gelangte Petrus mit -seinem Begleiter Folkwin Freitag den 24. November 1279 nach Lübeck, -schrieb von da an Christina sowohl wie an Magister Johannes, ging -am 26. November zu Schiff, erlebte in der Nacht vor St. Luzia einen -furchtbaren Sturm, landete aber am Tage nach St. Luzia glücklich in -Kalmar, woselbst er im Dominikanerkloster überwinterte und an Christina -sowohl, wie an Magister Johannes und Hilla vom Berge Briefe schrieb. -Im Briefe an Christina setzt Petrus auseinander, daß er Christina -um Christi willen liebe. „Möge die Welt,“ sagt er, „lärmen, spotten, -verkleinern, zürnen und abraten, so werde ich doch die Braut meines -Herrn aus Herzensgrund lieben -- wegen des Bräutigams selbst.“ Grund -der Liebe ist Christus. Christina aber ist dem Petrus Wegweiserin -und Vorbild geworden, um Christus zu finden, ihn zu lieben und feiner -zu genießen. Im Frühjahr 1280 fuhr Petrus mit Folkwin nach der Insel -Gotland und sie langten am weißen Sonntage in Wisby, der Geburtsstadt -des Petrus, an. Hier trat dieser das Amt eines Lesemeisters an und -schrieb bald nach seiner Ankunft einen Brief an Christina, in dem er -unter anderm meldet, daß ein Teil der hh. Reliquien, die er in Cöln -erhalten, glücklich angekommen sei. Auch entschuldigt er sich, daß er -dem Magister Johannes noch nicht die versprochene Schrift, gemeint ist -das erste Buch der Jülicher Handschrift, zugeschickt habe. Es habe ihm -nämlich bisher an Pergament und an einem Schreiber gefehlt. - -Am Vorabend des h. Laurentius (9. August) des Jahres 1280 erhielt -Petrus auf dem Provinzialkapitel auf Alsen (_Aslonia_) einen -ausführlichen Bericht des Magisters Johannes, den dieser am Freitag -vor St. Urbanus (24. Mai) geschrieben hatte. Aus demselben ersehen -wir, daß Christina im Advent 1279 von gänzlicher Dürre des Herzens -heimgesucht wurde und zudem, wenn auch nicht in körperlicher Weise, -ganz neue teuflische Quälereien zu erleiden hatte. In der zweiten -Adventswoche wurde sie im Geiste in bitterster Kälte hingeschleppt -über hartgefrorene Erdschollen, durch Dorngestrüpp und Hecken -hingerissen zu einem Sumpf im nahen Walde, dort verhöhnt, durch -Drohungen und Gotteslästerungen gequält, schließlich an einen Baum -aufgeknüpft und gliedweise verstümmelt. Das wiederholte sich bis -zum Weihnachtsabende. Dabei sah Christina das Schauerliche der -Oertlichkeiten, ihre schimpfliche Entblößung, die Schar der Teufel und -fühlte den entsetzlichen Schmerz der Verwundungen. Die Teufel trieben -ihr Blendwerk so weit, daß sie sagten, sie wollten zu Christinas -Beschämung alle Männer des Dorfes zusammenrufen, so daß Christina -wirklich zum Glauben kam, es ständen Leute umher, um sich an ihrer -Qual und ihrer Entblößung zu weiden, was aber wirklich nicht der Fall -war. Es erging der seligen Christina bei diesen Vorgängen geradeso -wie der h. Teresia, als ihr Herz mit einem Pfeile durchbohrt wurde. -„Es war dies,“ sagt Sankt Teresia, „kein körperlicher Schmerz, sondern -ein geistiger, wiewohl auch der Leib und zwar in nicht geringem Maße -an demselben teilnahm.“ In der Nacht vor dem h. Abend erhielt die -durch den Advent hindurch fortgesetzte Folter ihre Krönung durch die -Enthauptung Christinas. Diese zagte nicht, sondern empfahl sich dem, -der tötet und wieder lebendig macht. Noch vor Tagesanbruch hörten alle -Qualen auf; die bösen Geister, zwölf an der Zahl, gestanden, daß alles, -was sie gesagt und getan, Lug und Trug gewesen, und als Christina ihnen -im Namen Jesu befahl, sich zu entfernen, schieden sie unter großem -Geheul von dannen. Von da bis zum Weihnachtstage blieb Christina in -Sammlung des Geistes und großer Sehnsucht des Herzens, bis sie in der -h. Kommunion sich mit ihrem Bräutigam vereinigte. Sie geriet so schnell -in Entzückung, daß sie nicht einmal zu ihrer gewohnten Stelle hinter -dem Altare gelangen konnte, sondern zur Seite des Altares hinsank und -dort regungslos bis zum dritten Tage verharrte, überströmend vor Wonne -und Seligkeit, ohne irgend etwas wahrzunehmen und ohne irgendwelche -Nahrung zu sich zu nehmen. - -Von Weihnachten bis zum ersten Sonntag der Fastenzeit 1280 erfreute -sich Christina, abgesehen von einigen Tagen vor Mariä Lichtmeß, großer -Tröstungen und geistiger Freude. In der Nacht vor Mariä Lichtmeß -wurde sie jedoch versucht, die h. Kommunion am folgenden Tage zu -unterlassen, weil sie bisher irre gegangen und erst ein besseres -Leben beginnen müsse. „Da habt ihr mir eine gute Ermahnung gegeben,“ -antwortete Christina den Versuchern, „denn es ist Zeit, daß ich mich -zum wahren Leben, das Christus ist, bekehre.“ -- Enttäuscht begannen -nun die Versucher Christina zu quälen, indem sie dieselbe mit Haken -zerfleischten. Christina achtete dies alles gering, ging, wiewohl ihre -Wunden bluteten, morgens zur h. Kommunion und wurde alsbald entrückt. - -Die folgende Fastenzeit brachte eine Prüfung neuer Art. Der -Heiland, der Christina in mannigfacher Weise schon die Präge seiner -Aehnlichkeit aufgedrückt hatte, ließ sie vom ersten Fastensonntage -bis zum Gründonnerstage das Leiden stellvertretender Buße für die -Sünden der Menschen durchmachen. Wie die öffentlichen Sünder am -ersten Fastensonntage aus dem Heiligtum des Gotteshauses verwiesen -wurden, um am Orte der Büßer Sühne für ihre Vergehungen zu leisten, -und erst am Gründonnerstage wieder zur Gemeinschaft der Gläubigen -Zulaß erhielten, so wurde Christina in genannter Zeit der tröstlichen -Gegenwart ihres Bräutigams gänzlich beraubt und ihre Seelenfreude -in Trauer und Trockenheit verwandelt. Sie war wie ausgeschlossen aus -dem Herzen ihres Bräutigams. Trotzdem unterließ sie nichts von ihrem -Gebete, hielt an in stetem Wachen und kämpfte mit mannhafter Stärke -gegen alle Anfechtungen. Zur Trostlosigkeit gesellten sich vom zweiten -Sonntage an auch noch besondere Versuchungen. Der Fürst der Finsternis -liebt es ja, sich als Engel des Lichtes aufzuspielen. In Gestalt der -beiden Dominikaner, denen Christina das meiste Vertrauen schenkte, des -Petrus von Dazien nämlich und des Gerhard vom Greif, kamen zwei böse -Geister nachts zu Christina, quälten sie mit allerlei Behauptungen, -suchten sie von der Verkehrtheit ihres Lebens zu überzeugen und rieten -ihr, einen andern Wandel anzufangen. Wiewohl Christina bei Anbruch -des Tages die Täuschung erkannte, so war es ihr doch immer wieder -in den folgenden Nächten so, als ob jene beiden Brüder wirklich ihr -Vorhaltungen machten. Sie kamen nämlich in jeder Nacht wieder, brachten -immer neue Gründe vor, um sie irre zu machen, und da sie standhaft -blieb und sich zum Gebete wandte, wurde sie auf grausame Art gequält. -Bald war es flammendes Feuer, bald siedendes Pech, dann Schwefel, das -sie vom Gebete abschrecken sollte. Dann wurde sie mit Steinen zermalmt, -dann mit einem Beile zerhackt und in der Nacht vor Gründonnerstag mit -Lanzen zerstochen. Zweimal ging sie in dieser Zeit zur h. Kommunion, -empfing aber keinerlei Tröstung. Ihr liebstes Gebet war in diesen -Heimsuchungen der 87. Psalm: „_Domine Deus salutis meae._ Herr, Gott -meines Heiles, Tag und Nacht ertönt mein Wehklagen vor Dir“, der so -recht ihre Verlassenheit und Seelenpein zum Ausdruck bringt. Nicht -mehr war in dieser Zeit der Name des himmlischen Bräutigams auf ihren -Lippen; sie nannte ihn nur ihren geliebten Vater. Alle Betrachtungen -und Unterredungen und Gebete Christinas waren während dieser ganzen -Fastenzeit nur ein Widerhall dessen, was in der h. Messe oder im -kirchlichen Stundengebet aus den Propheten oder Evangelien über das -Leiden des Herrn gelesen wurde. Am Morgen des Gründonnerstages, dem -Ende der Bußzeit, wurde Christina in der Verzückung wiederum ins -himmlische Brautgemach eingeführt, erhielt Vergebung der Sünden, -wurde der Anschauung ihres Bräutigams gewürdigt und mit seliger Wonne -erquickt. Vom Abende des Gründonnerstages bis zum Karsamstage sonderte -sich Christina gänzlich vom Verkehr mit den Menschen ab und zog sich -in ihr Kämmerlein zurück. Alle Marter, die der Herr am Karfreitag -erduldet, erneuerte sich der Reihe und Zeitfolge nach an Christina. -Gegen drei Uhr war sie im Todeskampf; die Seite öffnete sich, das Herz -schien zu brechen und um drei Uhr hauchte sie aus. Sie lag da wie eine -entseelte Martyrin, ihre Seele aber wurde gewürdigt zu verkosten, -wie groß die Liebe Christi gewesen, die ihn bewogen hatte, für uns -zu sterben. Am Karsamstage leuchtete aus Christinas Blick himmlische -Seligkeit hervor, ihr Antlitz strahlte wie das eines Engels, ihr -ganzes Aeußere war wie verklärt. Sie war mit Christus auferstanden. -Fröhlich und jubelnd ging sie am Ostermorgen zur Kirche, empfing die h. -Kommunion, wurde alsbald entrückt und mit überströmender Wonne erfüllt. - - -In der dritten Woche nach Ostern nahte Christina wiederum dem Tische -des Herrn, hatte aber in der vorhergehenden Nacht Störung im Gebete -verbunden mit Quälung durch Pfriemenstiche zu erleiden. - -Freitag der darauffolgenden Woche (24. Mai) vollendete Magister -Johannes das Schreiben an Petrus, dem vorstehende Mitteilungen -größtenteils entnommen sind, bittet gegen Schluß desselben den -Petrus, er möge für Christina, ihrem Wunsche entsprechend, das Lob- -und Dankopfer darbringen und auch das versprochene Buch ihr baldigst -zugehen lassen. Gemeint ist die Fortsetzung des ersten Buches der -Jülicher Handschrift, in dem Petrus, ohne Christina mit Namen zu -nennen, im Anschluß an dreiundvierzig, in leoninische Hexameter -gefaßte, dem Buche vorangestellte Leitsätze das Ideal einer gottseligen -Jungfrau schildert, unter anderem ihre Züchtigkeit im Blick, ihre -Klugheit in der Rede, ihre Frömmigkeit im Werke, die Innigkeit ihrer -Gottesliebe, ihre Herzensgüte im Umgang, ihre Enthaltsamkeit im Genusse -von Speise und Trank, ihre Bescheidenheit im ganzen Benehmen hervorhebt -und ihre Fasten, Nachtwachen, Leiden, Kämpfe und Triumphe feiert. - -Magister Johannes hatte den Anfang des Buches, den er bereits von -Petrus erhalten hatte, der Christina vorgelesen und erklärt. „Sie hat -sich dadurch,“ so schreibt Johannes an Petrus, „gar sehr erbaut und -mit solcher Herzenseinfalt zugehört, daß sie sich über Euch nicht genug -wundern konnte, warum Ihr von dieser Euerer geistlichen Tochter ihr nie -etwas gesagt hättet.“ In ihrer Demut kam es ihr nämlich nicht in den -Sinn, daß von ihr selbst im Buche die Rede war. - -Am Mittwoch nach Apostel-Teilung (17. Juli 1280) ging ein neues -Schreiben von Magister Johannes und Christina an Petrus, das -verschiedene Mitteilungen über Christinas innere Erlebnisse enthält, -vornehmlich aber die Aufnahme Sigwins, des Bruders Christinas, in den -Dominikanerorden bezweckte. - -Wir entnehmen demselben, daß Christina am Vorabende von Christi -Himmelfahrt, als sie nach der Beichte in der Kirche allein zurückblieb, -um dem Gebete obzuliegen, darin wieder vom Versucher durch Lärm und -Getöse gestört wurde, ihre Verachtung gegen diese Versuchung aber -dadurch bekundete, daß sie anfing mit lauter Stimme zu singen. Magister -Johannes, welcher in der an die Kirche anstoßenden Klause damals seine -Wohnung hatte, öffnete das in die Kirche Einblick gewährende Fenster -und beobachtete den ungewohnten Vorgang. Am Feste der Himmelfahrt -unseres Herrn empfing Christina die h. Kommunion, wurde entrückt, -verkostete einen Vorgeschmack der Himmelsseligkeit und wiederholte -im Seelenjubel gar oft den Vers des Psalmes: _Ascendit deus in -iubilatione_ -- Der Herr ist aufgefahren unter Jubelsang. -- Dem Briefe -des Magisters Johannes fügte Christina am Schlusse folgende Bitte bei: - - „Im Uebrigen bitte ich Euch, geliebtester Vater und Herr, - bei der Treue und Liebe unseres Herrn Jesus Christus, - in der ich Euch liebe und mich auch freue, von Euch - wiedergeliebt zu werden, Ihr wollet aus meinem Herzen - alle Besorgnis wegräumen und meiner Seele volle Freiheit - verschaffen, indem Ihr bezüglich meines Bruders dem - Wunsche, den ich Euch bei Euerer Anwesenheit hierselbst, - leider nicht nachdrücklich genug, kundgegeben und den - ich in meinem letzten Schreiben inständigst in Erinnerung - gebracht habe, wie ich zuversichtlich hoffe, zu entsprechen - Euch bestrebt. Ich darf Euch nicht verhehlen, daß seit - Euerer Abreise dieser auf das Seelenheil meines Bruders - gerichtete Wunsch immer lebhafter geworden ist. Ich - befürchtete nämlich, sein jugendlicher Sinn könnte ihn, der - jetzt noch heilsamen Ratschlägen ein williges Ohr leiht, - weltlichem Treiben zuführen und so, was Gott verhüten - möge, sein Seelenheil in Gefahr bringen. Deshalb bitte ich - Euch, geliebtester Vater und Herr, recht herzlich bei der - Treue und Liebe, die uns miteinander verbindet, Ihr möget - womöglich bei der ersten besten Gelegenheit die Erlaubnis - nachsuchen, baldigst in unsere Gegend kommen zu dürfen. - Solltet Ihr aber für Euere Person diese Erlaubnis nicht - erlangen können, so wollet durch befreundete Ordensbrüder - oder durch vertrauenswürdige Boten meinen Bruder wissen - lassen, was er tun soll oder wie er zu Euch gelangen soll. - Sollte man aber nicht sonderlich geneigt sein, meinen - Bruder in den Orden selbst aufzunehmen, weil er ein Laie - ist und wenig geeignet dazu, so wollet doch dafür Sorge - tragen, daß er dem h. Ordensleben in irgend einem Orte - angeschlossen werde, aber in der Nähe Euerer Stadt, damit - Ihr ihn, den Fremdling und Ausländer, in väterlicher Liebe - mit frommem Zuspruch im Dienste Christi mitunter bestärken - könnt. - - Es erübrigt mir, teuerster Vater, Euch von ganzem Herzen - für die mir unwürdigen durch soviele Wohltaten an Leib - und Seele erwiesene Güte zu danken. Da ich jedoch nicht - im Stande bin, Euch Euere Güte entsprechend zu vergelten, - so bitte ich flehentlich Denjenigen, dem zu Liebe Ihr - das Alles getan habt und noch tut, er möge selbst Euer - übergroßer Lohn sein. - - Es grüßt Euch Johannes, der Lehrer (_rector_) der Knaben, - der mir allerwegen besondern, vertrauten und treuen - Beistand leistet. Auch bitte ich, teuerster, zugleich - mit Magister Johannes recht dringend, Ihr wollet, sofern - Ihr wünscht, er solle Euch schreiben oder da bleiben, - wo er jetzt ist, das uns versprochene Büchlein mit den - weitern Darbietungen, die Ihr zu unserer Erbauung oder - Tröstung geeignet erachtet, uns möglichst bald zugehen - lassen. Magister Johannes hat mir den Teil davon, den wir - hier haben, zweimal vorgelesen und ich muß Euer Liebden - gestehen, daß ich nie etwas gehört habe, was mir solche - Freude bereitet hat. Auch wundert es mich gar sehr, daß - Ihr mir von dieser Euerer Tochter oder Freundin nie etwas - gesagt habt, obschon Ihr doch seit langer Zeit mit mir - befreundet seid. - - Es grüßt Euch auch mein Bruder Sigwin; betet doch für - ihn zu Gott. Desgleichen Hilla vom Berge mit allen Euern - Freundinnen; sie bitten, Ihr möget für sie beim Herrn - Fürsprache einlegen. Grüßet auch, wenn Ihr könnt, den - Bruder Folkwin und saget ihm, er solle für uns alle zu - Gott beten.“ - -Weil Christina in ihren Briefen öfter von der Liebe und Freundschaft -sprach, die sie mit Petrus verband, so setzte Petrus in seinem -Antwortschreiben die Gründe der wahren, in Gott gegründeten Liebe -auseinander, die auch bei räumlichem Getrenntsein keinerlei Einbuße -erleidet. Den Freund, so führt er schließlich aus, sollen wir in -Gott und den Feind um Gottes willen lieben. So sei auch Christus -für alle Menschen, auch für seine Feinde gestorben. Wiewohl nun aber -der Tod des Herrn hinreichend gewesen sei, um Freunden und Feinden -Erlösung zu bringen, so hätte er sie doch in Wirklichkeit nur den -Freunden gebracht. Wie daher hinreichende und wirksame Gnade nicht in -der Bemessung des Spenders, sondern in der Bewertung des Empfängers -den Grund ihres Unterschiedes hätten, so sei auch Christi Tod von -verschiedenem Werte gewesen für seine Freunde und für seine Feinde.[48] - - [48] Die im Munde eines Schülers des h. Thomas von Aquin bemerkenswerte - Stelle über die Wirksamkeit der Gnade hat folgenden Wortlaut: - „_Quamvis ergo amicis et inimicis mors domini ad liberationem - suffecit, solis tamen amicis eam effecit. Et ideo: quantum - differunt sufficientia et efficientia, non in dantis largitate, - sed in recipientis utilitate, tantum dominus inter amicos et - inimicos suos distinxit sua morte pretiosa._“ _V. C._ 194 - -In einem Briefe, den Petrus erst im Jahre 1282 erhielt, der aber -viel früher, nämlich nach Allerheiligen 1280, geschrieben wurde, -berichtet Magister Johannes unter anderm, daß Christina vom 5. Juli -ab, an welchem Tage die Seele des Pfarrers Johannes aus dem Fegfeuer -befreit wurde, bis zum Feste der h. Maria Magdalena ununterbrochen -große Tröstung und Wonne des Herzens verkostet habe. Sie sei während -dieser Zeit sehr oft in Verzückung gekommen und in die Geheimnisse -ihres göttlichen Bräutigams derartig vertieft gewesen, daß sie ihn, -den Magister Johannes, wenn er mitunter in ihre Wohnung oder in ihr -Kämmerlein eingetreten, nicht einmal bemerkt habe, obschon sie den -Spinnrocken in der Hand hielt und recht fleißig spann oder sonst eine -Handarbeit verrichtete. Und obschon er sie mehrmals angeredet habe, so -hätte sie doch nichts von dem gehört, was er gesagt, bis sie aus der -Entrückung gänzlich zurückgekehrt gewesen. - -In den drei Nächten, die dem Freitage vor Mariä Geburt vorangingen, -also vom 4.-6. September, hatte sie verschiedenartige Qualen zu leiden, -jedoch nicht sichtbarer Weise, sondern nur innerlich im Geiste. Es -war ihr, wie wenn Donner und Blitz ihr Herz bestürmten. Da sie sich -nicht darüber klar war, ob der böse Feind der Urheber der Quälereien -sei, beschwor sie in der dritten Nacht, als die Plagen aufhörten, -deren Urheber mit den Worten: „Ich beschwöre euch, ihr bösen Geister, -im Namen des Herrn Jesus, daß ihr bekennet, ob dies alles durch euere -Bosheit geschehen ist?“ Darauf erfolgte die Antwort: „Dienerin des -allmächtigen Gottes, wir alle sind böse Geister, tausend an der Zahl; -mit Zulassung des Allmächtigen haben wir dir diese Qualen unsichtbarer -Weise zugefügt, um dich vom Gebete abzuhalten.“ Am folgenden Tage, -dem Freitage vor Mariä Geburt, ging Christina zur Kirche, empfing den -Leib des Herrn, kam in Verzückung, in der ihre Seele nach dem Maße -der überstandenen Schmerzen die Wonne der göttlichen Tröstungen zuteil -wurden (Psalm 90, 19). - -Es begab sich in der dritten Nacht nach Mariä Geburt, daß Christina -mit ihrem Bruder Sigwin und einem andern Manne geschäftshalber nach -Cöln reiste. -- Ihr Bruder fuhr einen Karren mit Weizen. -- Als sie -nun nicht mehr weit von Cöln waren, aber erst Mitternacht vorbei war, -spannten die beiden Männer die Pferde aus, ließen sie auf die Weide -gehen ... und legten sich zum Schlafe nieder. Christina aber stieg auf -den Karren, setzte sich auf die Säcke und hielt Wache, doch gar bald -kam der Karren derart ins Wanken und Schwanken, daß Christina sich -gezwungen sah, abzusteigen. Sie kniete nun auf die Erde nieder und hub -an zu beten. Und siehe da, ein Wolf stürzte auf sie los mit funkelnden -Augen und fletschenden Zähnen, wie wenn er sie hätte verschlingen -wollen. Sie aber erachtete dies für teuflische Gaukelei und fuhr -fort zu beten, ohne auch nur zu zucken. Da stürzte sich der Wolf auf -Christinas Bruder, und es erscholl ein klägliches Geschrei wie aus dem -Munde Sigwins, damit Christina glauben sollte, er würde erwürgt. Dann -lief er auch auf die Pferde zu und griff diese an. Und bald kam ein -ganzes Rudel Wölfe, fraß anscheinend die Leichen Sigwins und der Pferde -und erfüllte die Luft mit wildem Geheul. - -Wir glauben diesen visionären Vorgang mitteilen zu sollen, weil -er Veranlassung geworden, am Nordportal des Cölner Domes die selige -Christina mit einem Wolfe darzustellen. - -Im Herbste desselben Jahres trafen neue Schicksalsschläge Christina -und ihren Bruder Sigwin. Die Eltern Christinas waren infolge einer -Bürgschaft, die ihr Vater für einen Christen einem Juden gegenüber -übernommen hatte, um ihre Habe gekommen. Nur der ausverkaufte Gutshof -mit dem eingestürzten Wohnhause scheint ihnen geblieben zu sein. Durch -Christinas Bemühungen wurden jedoch die Verhältnisse wieder geordnet, -wenn auch noch Schulden zu tilgen waren. Sigwin scheint Ländereien -gepachtet zu haben, und unterstützt von Christina führte er wieder -Ackerwirtschaft größeren Stiles. Christina durfte so hoffen, bald alle -Schulden beglichen zu sehen und dann, aller weltlichen Sorgen ledig, -ungestört der Pflege des innern Lebens sich hingeben zu können. Doch -es sollte durch Gottes Fügung anders kommen. „Der Herr,“ so schreibt -Magister Johannes, „hat seine Hand ausgestreckt und die fünf Pferde, -die sie hatten, mit schwerer Seuche heimgesucht. Als die Ernte kaum -unter großer Arbeit eingeheimst war, hat er zur allerschlimmsten Zeit, -wo nämlich die Aecker zur Saat bestellt werden mußten, alle fünf Pferde -an plötzlichen Erkrankungen eingehen lassen. In Zeit von drei Wochen -wurden sie alle, und zwar zwei an einem Tage, dann eines allein und -darauf wieder an einem Tage die beiden übrigen abgedeckt. Infolge -dessen befindet sich Euere Tochter in mehrfacher Trübsal. Zunächst -drücken sie stark die Schulden, die sie binnen Kurzem bezahlen zu -können gehofft hatte. Dann ist sie auch noch immer gar sehr bekümmert -wegen des Seelenheiles ihres Bruders, der jetzt die Ackerwirtschaft -drangeben will. Doch diese und andere Leiden erträgt sie mit Geduld, -indem sie spricht: Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; -wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es geschehen; der Name des Herrn -sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit.“ -- - -Zum Schlusse des Schreibens des Magisters Johannes ergreift Christina -das Wort und spricht: - - „Folgendes läßt Euere Tochter Euch melden. Ihr möget ihr - eine einsame und stille Zelle besorgen mit einer Kapelle - in der Nähe, in der genannter Johannes, der zum Priester - geweiht werden soll, die h. Messe lesen kann ... Dann aber - klage ich Euch, teuerster Vater, daß der Prior Ingeld, ich - weiß nicht durch welche Versäumnis dies gekommen, mich - nicht gesehen und über die Angelegenheit meines Bruders - deshalb auch nicht mit mir Rücksprache genommen hat. Das - verursachte mir keinen geringen Kummer. Doch wurde ich - dagegen nachher auch sehr erfreut durch Euern Brief, den - genannter Prior mitgebracht hatte, den ich aber erst nach - seiner Abreise, am Sonntag nach Sankt Bartholomäus (25. - August), erhalten habe. Bedenket, teuerster Vater, die - Leiden, die ich an Seele und Leib zu erdulden habe und - unterstützet mich bei Euerm ewigen Bräutigam und Freund - ohne Unterlaß durch Euer Gebet. Säumet auch nicht, das im - Briefe in Aussicht gestellte recht bald auszuführen. Es - grüßt Euch der Herr Pfarrer, der Magister Johannes, Hilla - vom Berge, mein Bruder und meine Schwester sowie Euere - sonstigen Freunde. Sie bitten um Euer Gebet, namentlich - aber Magister Johannes, weil er die heiligen Weihen, - nämlich das Diakonat und sodann die Priesterweihe, zu - empfangen wünscht.[49] - - [49] Das Subdiakonat zählte also damals in der Cölner Kirche nicht - zu den =heiligen= Weihen, wie es in den morgenländischen Kirchen - auch heute noch nicht als solche betrachtet wird. - - Flehet also in andächtigem Gebete zu Gott, daß, wenn es - so sein heiliger Wille sei und genannter Johannes in der - Demut und Frömmigkeit Fortschritte machen soll, sein Wunsch - in Erfüllung gehe und der Herr seinen Sinn und all sein - Tun nach seinem heiligen Wohlgefallen ordne und lenke. Wir - möchten zu unserer Tröstung um Zusendung des dem Magister - Johannes versprochenen Büchleins bitten, wenn wir uns - nicht in Wirklichkeit mit der Hoffnung trügen, Ihr würdet - persönlich zu uns kommen. Lebet wohl, teuerster Vater, und - bleibet stark in der Liebe des ewigen Bräutigams Euerer - Seele und Eueres trautesten Freundes. Nicht ein dürftiges - Schreiben, sondern Euer persönliches Kommen, nach dem - wir lange und inständig uns sehnen, möge auf diesen Brief - die Antwort bilden. Nochmals, lebet wohl und freuet Euch - allzeit im Herrn.“ - -Vorstehender Brief blieb ohne Antwort, weil er erst nach nahezu zwei -Jahren in die Hände des Petrus kam. Deshalb schrieb Christina im Advent -1280 abermals an Petrus, vornehmlich um ihm ihren Bruder Sigwin zu -empfehlen. Das Schreiben lautet, wie folgt: - - „In Jesus Christus, ihrem ewigen Bräutigam und - geliebtesten Freunde, entbietet ihrem Vater und Freunde, - dem Herrn Bruder Petrus, Lesemeister von Gotland, seine - arme und verlassene Tochter, Christina von Stommeln, Gruß - sowie unvergänglichen und vollen Trost =im Herzen= des - Geliebten, dessen sie sich leider gänzlich beraubt fühlt. - - Da ich, teuerster Vater und Herr, die vielfache Trübsal - und Kümmernis meiner Seele weder durch Briefe noch durch - Worte so, wie es mir ums Herz ist, auszudrücken vermag, - so möge jener, der Herzen und Nieren durchforscht, Euch - kundtun und Euerem Geiste Verständnis dafür und Mitleid - einflößen. Ach, teuerster, welcher Güter und Tröstungen - bin ich beraubt! Ach, von welchen Leiden und Aengsten bin - ich umgeben! Stimme denn an deine Wehklage, o du, mein - armes Herz, und seufze auf in deiner Trostlosigkeit, weil - dein Heiland und Helfer ob deiner Sünden sich gänzlich - von dir zurückgezogen und dich lebendig zu den Dämonen in - der Unterwelt gesellt hat. Gleich erachtet bist du jenen, - die hinabsinken in den See; geworden bist du wie eine - Erschlagene, gleich jenen, die in den Gräbern ruhen; und - deren nicht mehr mit Segensspruch gedacht wird, da sie - weggewiesen sind von Gottes beseligendem Antlitze.[50] Was - nun wirst du tun? Zu wem wirst du deine Zuflucht nehmen? - Wer wird dich aus dieser tiefsten Unterwelt befreien? O, - möchte es dir freistehen, aus Liebe zu deinem Geliebten, - wiewohl er sich dir entzogen hat, zu sterben oder es - dir doch vergönnt sein, deinem Schmerze freien Lauf zu - lassen. Doch ach! und abermals ach! Schmerz häuft sich auf - Schmerz! Denn zu alledem wirst du auch noch in die Sorgen - und Kümmernisse der Welt verwickelt und so beklagenswerter - Weise abgehalten, deinem Schmerze dich hinzugeben und den - Verlust deines Geliebten ohne Unterlaß zu beweinen. Um - das Maß deines Schmerzes voll zu machen wird dir überdies - zu den vielen und unaufhörlichen Plagen auch noch von den - Dämonen der Vorwurf gemacht, daß jene, die du für deine - treuesten Freunde hieltest, wegen deines übelgeordneten - und irrigen Lebenswandels, deiner überdrüssig sind und dich - gänzlich verlassen. Wenn daher, teuerster Vater, Ihr noch - Mitleid verspürt, wenn in Euerm Herzen sich noch Mitgefühl - regt, so möge dieses Euch rühren und zur Teilnahme bewegen. - Somit beschwöre ich Euch, teuerster Vater, bei jener Treue - und Liebe, vermöge der Ihr von Ewigkeit her von Gott zum - engern Freundschaftsbunde ausersehen worden seid, Ihr - wollet den Schmerz meines Herzens lindern und meiner Seele - wieder volle Freiheit wiedergeben und deshalb bei der - ersten sich darbietenden Gelegenheit ohne Verzug persönlich - hieher kommen, um die schier unerträgliche Last meines - Herzens zu erleichtern, besonders aber, um meinen Bruder, - worum ich Euch so oft und so inständig gebeten habe, an - eine Stätte zu bringen, wo er ungestört ein gottseliges - Leben führen kann. Denn er ist hauptsächlich Gegenstand - all meiner äußern Besorgnis. Ich sagte aber, Ihr möchtet - persönlich kommen, weil mein Bruder sich nicht so sehr aus - eigener Neigung, als infolge von Belehrung und gütlichem - Zureden zum Ordensleben hingezogen fühlt und deshalb einem - Fremden wohl nicht so bereitwillig folgen möchte als gerade - Euch. - - [50] Die Redewendungen sind dem 87. Psalme entnommen. - - Abb. 10. Christinenaltar in der neuen Pfarrkirche zu Stommeln. - - Abb. 11. Altes Grabmal Christinas zu Jülich. - - Wohlan denn, teuerster Vater, von ganzem Herzen danke ich - Euer Liebden für alle und jede Wohltaten, die Ihr mir so - väterlich erwiesen habt, und abermals bitte ich flehentlich - im =geliebten Herzen= des vielgeliebten Bräutigams und - Freundes, in dem wir uns einander aufrichtig lieben, Ihr - wollet doch, getreu Euerer bisherigen Gepflogenheit, in - diesem meinem Anliegen, das gleichsam Ziel und Anfang - all meiner Besorgnis ist, mir Euern Liebeserweis weder - versagen noch ihn hinausschieben, um nicht durch Zögern - mein Herz, anstatt es zu erfreuen, über die Maßen - zu betrüben und den Gewinn, den Ihr an meinem Bruder - erzielen könnt, durch Hinausschieben gänzlich in Frage - zu stellen. Denn es liegt auf der Hand, daß mein Bruder, - so lange er noch in Demut Rat anzunehmen gesonnen ist - und sich nach Euerer Ankunft sehnt, durch Euern Rat und - Beistand zum Hafen des Heils geführt wird oder aber, zum - bittersten Schmerze und Leidwesen meines Herzens, von - den Nichtigkeiten der Welt, die jetzt sein Seelenheil - in Gefahr bringen, betört, heilsame Ratschläge von sich - weisen und in den Abgrund des Lasters versinken wird. Es - liegt auch noch ein anderer Grund vor, weshalb ich gar - sehr nach Euerer Ankunft verlange. Magister Johannes, der - bereits zum Diakon geweiht worden ist, soll, wie ich mit - Sicherheit annehme, an den kommenden Quatembertagen die - Priesterweihe erhalten. Die Zahl seiner Schüler hat aber - derartig abgenommen und ist so gering geworden, daß er - Mangel am nötigen Lebensunterhalt hat und deshalb an seiner - bisherigen Stelle nicht mehr bleiben kann. Sollte er nun - wegziehen, so können Euer Liebden leicht ermessen, daß - dies mir mehr Schmerz verursachen würde als der Tod irgend - eines mir Nahestehenden. Deshalb hegt besagter Johannes - gleich mir das sehnlichste Verlangen nach Euerer Ankunft, - damit Ihr meinen Bruder mitnehmet und auch mir raten - möget, was wir tun und wohin wir gehen sollen. Deshalb - bitte ich nochmals und abermals flehentlich: Kommet doch. - Lebet wohl, teuerster Vater, und betet recht inständig - und herzlich zu Euerem Freunde für Euere schwer geprüfte - und trostlose Tochter. Johannes läßt Euch sagen, daß er - manches über Christi Wunderwerke aufgeschrieben hat. Wenn - Ihr es zu haben wünscht, so empfiehlt es sich, daß Ihr - möglichst bald kommt. Lebet wohl und bleibet stark in der - Liebe Christi!“ - -Diesen Brief erhielt Petrus im Herbste 1281, als er zum -Provinzialkapitel in Skeninge weilte. Sogleich besprach er -sich bezüglich der Anliegen Christinas mit dem Prior der Insel -Gotland, Bertold, der ihr eine Unterstützung im Betrage von zwölf -Sterlingsschillingen (_solidi sterlingorum_) zuschickte und zugleich -den guten Rat erteilte, ihren Bruder Sigwin nach Gotland einzuladen -und seine Aufnahme in den Dominikanerorden in die Wege zu leiten. Der -bereits mehrfach erwähnte Bruder Mauritius, ein Bekannter Christinas, -sollte den zum Definitor des für den Frühling 1282 in Wien anberaumten -Generalkapitels seitens der Provinz Dazien erwählten Bruder Johannes -auf der Reise begleiten und dieser sollte, da die Reise über Cöln ging, -den Sigwin mitbringen. Mauritius brachte drei Briefe nach Stommeln -mit, einen Brief des Bruders Petrus für Christina, desgleichen einen -Brief des Priors Bertold an Christina, in denen Christina eingeladen -wird, mit Sigwin nach Gotland zu kommen, wo sie in einem Kloster der -Dominikanerinnen alle Tage ihres Lebens Gott dienen könne. Sie könne -dort ihr jetziges Ordenskleid beibehalten oder auch das Ordenskleid der -Dominikanerinnen annehmen. „Doch,“ schreibt Petrus, „will ich Euch in -dieser Sache nicht meine Meinung aufdrängen; denn ich weiß, daß Ihr den -Geist Gottes habet, der Euch in allem zu belehren pflegt.“ - -Der dritte Brief war für Magister Johannes bestimmt und von Bruder -Petrus geschrieben. Aus ihm ersehen wir, daß im Sommer 1281 die -Abhandlung von den Tugenden, die das erste Buch der Jülicher -Handschrift bildet, durch einen jugendlichen Cölner Bürger, Johannes -von Stolzenberg, dem Magister Johannes und Christina aus Gotland war -überbracht worden. Auch ein Mann von vornehmer Herkunft, Johannes, -Bruder der Miliz Christi, d. h. des dritten Ordens des h. Dominikus, -schrieb an Christina, er habe von seinen Eltern eine besondere Vorliebe -für den Dominikanerorden überkommen und selbe auch bewahrt. Auch -habe er zwei Schwestern, von denen eine, Namens Christina, bereits -gestorben sei. Beide hätten das Kleid der Schwestern des h. Dominikus -genommen und es länger als zehn Jahre allein im Königreich Schweden -getragen. Ihr Verlangen nach Zuwachs sei leider lange Zeit hindurch -unerfüllt geblieben. Jetzt endlich sei mit Bewilligung des Königs von -Schweden und des zuständigen Diözesanbischofs sowie des Provinzials -von Dazien ein schön und günstig gelegenes Kloster gegründet worden, -das er aus seinem Vermögen sowie demjenigen seines Bruders Andreas -und seiner Schwestern mit Einkünften ausgestattet habe. Dahin ladet -er Christina mit ihrem Bruder Sigwin ein, damit sie dort an die Stelle -seiner verstorbenen Schwester Christina trete. Auch Helborgis und ihre -Schwester, die beide Beginen auf Gotland waren, luden Christina zu -sich ein, wobei sie bemerkten, daß sie unter Leitung der Dominikaner -ständen. Der Definitor der Provinz Dazien auf dem Generalkapitel in -Wien, Johannes, starb zu Wien oder auf der Reise und sein Begleiter -Mauritius schrieb nun nach Cöln an Bruder Laurentius aus Dazien, der -in Cöln studierte, er möge Christina wissen lassen, ihr Bruder Sigwin -solle sich bereit halten, um mit ihm, Mauritius, bei seiner Rückreise -aus Oesterreich zu Bruder Petrus nach Dazien zu reisen. - -Auch empfiehlt er die Seele des verstorbenen Definitors Johannes in -Christinas Gebet und läßt ihr danken für das h. Haupt, das sie diesem -verschafft habe. - -Am Feste Peter und Paul oder kurz nachher ist dann Sigwin mit Bruder -Mauritius nach Dazien abgereist. Am Vorabend des h. Laurentius -langten die beiden in Wisby auf Gotland an, woselbst gerade das -Provinzialkapitel gehalten wurde. Die beiden überbrachten dem Bruder -Petrus einen Brief Christinas, den letzten, der uns erhalten ist. -Derselbe lautet wie folgt: - - „Ihrem in Jesus Christus, dem süßesten Bräutigam und - Freunde, geliebtesten Vater und Herrn, dem Bruder Petrus, - Lesemeister auf Gotland, entbietet seine gar arme Tochter - Christina von Stommeln, demütiges und frommes Gebet und - was immer an Wonnevollem sich im Brautgemache des ewigen - Bräutigams finden mag. Teuerster Vater und Herr, für - die Güte und Treue, die Ihr mir allerorts und in allen - Stücken in väterlicher Huld erweiset, jetzt aber dadurch, - daß Ihr Euch für meinen Bruder so getreulich bemühtet, - in ganz vorzüglicher Weise bekundet habt, kann ich Euch - niemals genugsam Dank sagen. Ich bitte aber und flehe, - jener süßeste Bräutigam und Freund, der gütig und getreu - ist und ein überaus gnädiger Belohner alles Guten, möge - statt meiner es Euch vergelten. Im vollen Vertrauen auf - Euere Güte und Treue lasse ich also jetzt meinen Bruder zu - Euch reisen und ich empfehle ihn Euerer Liebe in Christo. - Er ist aufrichtigen Sinnes, schüchtern im Auftreten und - sanften Gemütes. Unter allen meinen leiblichen Brüdern und - Schwestern habe ich ihn von Kindheit an besonders geliebt - und ihn deshalb, da ich zuversichtlich hoffe, er werde - sein ewiges Heil wirken, allzeit durch fromme Ermahnungen - und gütiges Zureden zu fördern gesucht. Und nun bitte - ich Euch inständig bei aller Treue und Liebe, mit der wir - uns einander zugetan sind, Ihr wollet ihn, als Ankömmling - und Fremdling in Euerem Lande, in Güte aufnehmen und ihm - die Erweise Euerer Liebe noch mehr als mir selbst, wenn - ich in Person bei Euch wäre, um Gottes willen zukommen - lassen. Auch bitte ich Euch, dafür Sorge zu tragen, daß - er, sofern es nur irgendwie möglich ist, in Euerem Kloster - Unterkunft findet, und Ihr ihn dort gleich wie Euern Sohn - behandelt, ihn wie eine zarte Pflanze durch gütiges Zureden - und heilsame Lehre gleichsam bewässert und zum Ordensleben - anleitet. Das ersehne und erhoffe ich nämlich mit allen - Fasern meines Herzens, weil ich vor allen Menschen zu Euch - ein besonderes Vertrauen habe. Sollte dieses jedoch sich - nicht bewerkstelligen lassen, so bitte ich inständigst - und ergebenst, Ihr wollet ihn Euerem besondern Freunde, - dem Herrn Prior Bertold, und den einzelnen Brüdern jenes - Klosters getreulich anbefehlen und denselben ans Herz - legen, daß sie ihn liebevoll aufnehmen, durch gütiges - Zureden und trauliche Unterredungen ihn zum Guten anleiten - und seinen Sinn weiter ausbilden; denn seine Gemütsart - erheischt Ermunterung zum Guten und liebevollen Zuspruch. - Und weil ich vor allen übrigen Orden dem Predigerorden in - aufrichtiger Liebe und besonderer Ergebenheit zugetan bin, - so bin ich voller Freude und Wonne darüber. daß mein Bruder - in denselben Aufnahme findet. Deshalb bitte ich Euch, Ihr - wollet doch diesen meinen Bruder in keinem andern Orden als - demjenigen Euerer Brüder unterbringen und dafür sorgen, daß - er von den Brüdern mit solchem Wohlwollen behandelt wird, - daß nicht die fremde Gegend, die immerhin schwerdrückende - Entfernung von der Heimat und die Strenge der Ordenszucht - ihm Ueberdruß verursachen, ihn mutlos machen und, was - Gott verhüten wolle, in die Heimat zum größten Schmerze - meines Herzens zurücktreiben ... Abermals bitte ich recht - herzlich, Ihr wollet zu meines Herzens großer Freude mir - recht bald schreiben und mir im Einzelnen mitteilen, wo, - wie und wann mein Bruder in Euern Orden aufgenommen worden - ist und wie es ihm auf der Reise ergangen. Aber auch - noch einen andern Wunsch habe ich, daß Ihr ihn nämlich im - Ordenskleide der Predigerbrüder hierher führet. Denn nichts - könnte mich, sofern es Gottes Wille sein sollte, so sehr - bewegen und bestimmen, in Euerem Lande meinen Aufenthalt - zu nehmen. Geschrieben am Tage der Apostel Petrus und - Paulus. Lebet wohl für immer.“ - -Am 9. August 1282 kam Sigwin, von Bruder Mauritius geführt, in Wisby -an. Sie brachten auch ein Heiligenhaupt mit, das Christina für den -inzwischen verstorbenen Definitor Johannes in Cöln besorgt hatte, wofür -Petrus später seinen Dank ausspricht. Petrus besprach sich sofort in -Wisby mit dem dort zum Provinzialkapitel weilenden Prior Bertold, und -Sigwins Aufnahme in den Dominikanerorden wurde beschlossen. Bereits am -Tage des h. Bernard (20. August) wurde er wahrscheinlich in Schöningen -eingekleidet und erhielt den Namen Gerhard, weil der Name Sigwin in -dortiger Gegend nicht gebräuchlich war. Bruder Petrus konnte in einem -Briefe, den er vor dem Provinzialkapitel des Jahres 1283 an Christina -schrieb, nur Gutes über ihren Bruder melden: Er sei gesund an Leib und -Seele und von Gott und den Menschen geliebt. „Unsere Brüder,“ schreibt -Petrus, „die ihn kürzlich sahen und lange Zeit mit ihm zusammen waren, -haben mir erzählt, er sei Kellermeister unserer Brüder und führe dieses -Amt so umsichtig, daß es allen eine wahre Freude sei. Auch sagten -sie, er sei gottselig und eifrig besorgt, unsere Ordenssatzungen zu -beobachten. Dafür, Teuerste, schuldet Ihr Gott innigsten Dank. Jetzt -will ich, was ich bisher nicht wagte, Euch die Wahrheit gestehen. -Wider Erwarten nämlich ist die Sache gelungen; denn, wenn Ihr wüßtet, -wieviel hin und her überlegt wird, wenn es sich um die Aufnahme von -Laienbrüdern in unsern Orden handelt, so würdet Ihr es für ein Wunder -oder doch für einen besonderen Hulderweis Gottes erachten, daß Euer -Bruder unter Unbekannten so schnell in den Orden aufgenommen worden -ist.“ Vom Provinzialkapitel des Jahres 1284, dem Petrus als Prior von -Wisby beiwohnte, erhielt Christina die weitere fröhliche Nachricht, daß -ihr Bruder, wie es von jeher ihr sehnlichster Wunsch gewesen, unter -die Leitung des Petrus komme. Noch vor dem Winter des Jahres 1284 -wurde er ins Kloster zu Wisby versetzt, wo Petrus Prior war. Im Jahre -1287 war er aber wieder in einem andern Kloster. Denn Petrus meldet -der Christina, ihr Bruder befinde sich sehr wohl und sei Gott und den -Menschen wohlgefällig. Alle Ausgaben der Brüder seines Klosters gingen -durch seine Hand und seien seiner Verwaltung übergeben. Auch habe er -ihm geschrieben, es sei ihm sehr lieb, in dem Kloster zu verbleiben, -in dem er sich jetzt befinde. Im Herbste 1287 jedoch starb Petrus -und Bruder Folkwin, der am 9. September Christina die Trauerbotschaft -meldete, stellte einen baldigen Besuch Sigwins in Stommeln in Aussicht. -Weitere Nachrichten über Sigwin fehlen. - - - - -Sechzehntes Kapitel. - -Christina bewirkt die Bekehrung der Sünder und die Befreiung der armen -Seelen aus dem Fegfeuer. - - -Wie die Sonne nach ihrem Aufgange am Morgen sich allmählich immer -höher erhebt und bei ihrem Hinaufsteigen immer mehr Licht ausstrahlt -und immer mehr Wärme verbreitet, bis sie am Mittage in vollster Pracht -und Herrlichkeit in der Höhe des Firmamentes erglänzt, so machte -auch Gottes treue Dienerin Christina von Jahr zu Jahr, ja von Tag zu -Tag immer größere Fortschritte in der Erkenntnis und Liebe Gottes. -Und weil sie Gott liebte, deshalb war ihr Herz auch von aufrichtiger -Liebe zum Nächsten erfüllt, der ja Gottes Ebenbild in sich trägt und -zur ewigen Seligkeit berufen ist. In zweifacher Hinsicht betätigte -sie vorzugsweise die Tugend der Nächstenliebe, in der Sorge um die -Bekehrung der Sünder und im Erbarmen mit den armen Seelen im Fegfeuer. - -Christus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was veloren war. -Es darf uns daher nicht wundern, daß Christina, an der immer mehr die -Präge Christi hervortrat, ganz besonders auf die Rettung der armen -Sünder bedacht war. Der Versucher gestand ihr einmal, daß er die Länder -durcheile und aus allen Ständen viele Seelen sich erwerbe. Sie aber -raube ihm jene wieder, die er schon in seinem Besitz zu haben gewähnt. -Sie bot sich nämlich als Schlachtopfer der Gerechtigkeit Gottes dar für -die Sünden anderer, um Gottes Zorn zu beschwichtigen und den Sündern -Erbarmung und Bekehrung zu erwirken. So lesen wir von ihr im dritten -Buche der Jülicher Handschrift, daß in der Nacht vom 12. auf den 13. -Januar 1284, als sie sich für den folgenden Tag auf den Empfang der -h. Kommunion vorbereitete, ein böser Geist, der sie bereits seit zwei -Jahren des öftern mit einem Dreizack gemartert hatte, sie jetzt mit -einem eisernen Haken, der zwei umgebogene Spitzen hatte, zerfleischte. -Dieser böse Geist war immer stumm gewesen und Christina hatte nie die -Kraft gehabt, ihn zur Rede zu stellen. Vom Herrn bestärkt sprach sie -aber jetzt zu ihm: „Ich beschwöre dich in Kraft des Leidens meines -Herrn Jesus Christus, daß du mir gleich sagest, weshalb du mich -schon so lange und so heftig gequält hast?“ Jener erwiderte: „Nicht -deinetwegen habe ich dies getan. Vom Allerhöchsten werde ich gezwungen, -dieses zu tun, weil du ein so großes Verlangen hast, für die Sünden -anderer zu büßen.“ In der Fastenzeit desselben Jahres hatte sie gar -schreckliche Qualen zu erdulden, kam auch bei der h. Kommunion nicht -in Verzückung, wurde aber am Abend des Freitags der ersten Fastenwoche -über den Willen Gottes bezüglich der Leiden, die ihrer noch harrten, -belehrt. Wozu diese Leiden dienten, das zeigte sich in den beiden -Nächten der Karwoche, die dem Gründonnerstage vorangingen. In der Nacht -vom Dienstag auf den Mittwoch schlangen sieben Teufel ihr eine glühende -Kette um den Leib und schleppten sie aus ihrem Kämmerlein durch Disteln -und Dornen in eine weit entlegene Gegend bis an einen großen Wald und -sprachen dann zu ihr: „Siehe, Elendeste, in diesem Walde hausen sieben -Räuber, die uns zu Willen sind, schon viele Mordtaten vollbracht und -nicht wenige Seelen zu uns in die Hölle befördert haben. Wofern du -nicht deinen Sinn änderst, so schleppen wir dich in den Wald hinein, -schlagen ringsum eine Anzahl Bäume nieder, lassen aber einen stehen, an -dem wir dich anbinden werden, locken alsdann durch unser Geschrei die -Räuber herbei, die dich in deiner schmachvollen Lage sehen sollen, um -dann mit uns und den Räubern in die Hölle zu fahren.“ Mutig entgegnete -Christina: „Sparet euere Drohungen und tut, was euch vom Herrn befohlen -ist.“ Wütend stürzten nun die Teufel auf sie los, schleppten sie in den -Wald, erfüllten denselben mit furchtbarem Geheul, hefteten Christina -mit der Kette an einen Baum und sprachen dann höhnend: „Nun rufe -deinen Bräutigam an, deinen Herrn und Helfer.“ Christina aber sprach: -„Mein Herr Jesus Christus wird mich nicht verlassen; euch Lügengeister -aber wird die ewige Qual verschlingen.“ Die Teufel wichen nun zurück. --- Vom ungewohnten Getöse aufgeschreckt waren aber unterdessen die -Räuber herbeigekommen und sie hörten das standhafte Wort der Jungfrau. -Mit neugieriger Scheu traten sie an den Baum heran, an den Christina -angekettet war. Diese war aber derartig zugerichtet, daß die Räuber -nicht wußten, ob sie ein menschliches Wesen vor sich hatten oder -nicht. Auf ihr verwundertes Ausrufen, was denn los sei, und ob das -etwa ein menschliches Wesen sei, was da hänge, sagte Christina, die -bösen Geister seien hier im Spiele. „Ich aber,“ so fuhr sie fort, „bin -wahrhaft ein Mensch von katholischem Glauben und zwar ein weibliches -Wesen. Wisset aber, daß ich durch mich selbst in so großer Folter -nicht mehr leben könnte; aber mein Herr Jesus Christus, der für mich -gestorben ist, er ist mein Leben, mein Heiland, mein Schutz. Und weil -ich in ihm lebe, so verschmachte ich nicht in den Leiden und verliere -darin nicht mein Leben; denn er lebt in mir und redet aus mir und -beschützt mich überall.“ Darüber erstaunten die Räuber und sprachen: -„Wir kennen gar nicht diesen großen Gott und Herrn, der dir in so -großen Leiden das Leben erhält, und wir glauben niemals, daß es nach -diesem Leben noch ein anderes Leben gebe. Darum haben wir uns nicht -gescheut, unsere Hände zu allen Freveltaten auszustrecken. In dieser -Nacht aber haben wir so schreckliche Dinge gesehen und gehört, daß -wir vor Angst fast vergangen wären.“ Christina aber erwiderte: „Es -gibt einen wahren und allmächtigen Herrn Jesus Christus, der sich -herabgelassen hat, für das Heil des menschlichen Geschlechtes am Kreuze -zu sterben, der aber am dritten Tage wieder auferstanden ist und gen -Himmel aufgefahren. Er ist das Leben aller, die einen gottseligen -Wandel führen; er ist ein Helfer und Beschützer aller, die auf ihn -vertrauen. Er wird auch denen, die an ihn glauben und ihm treu dienen, -selige Unsterblichkeit schenken. Es gibt aber auch ein anderes, nie -endendes, unseliges Leben, das eher Tod als Leben genannt zu werden -verdient. Dieses ist für die Gottlosen und die Sünder bestimmt. Es -ist die schreckliche Finsternis, in der häßliche und schreckliche -Dämonen wohnen. Ihrer Gewalt werden diejenigen, die sich nicht zum -Herrn bekehren wollen, sondern in ihrer Bosheit verharren, nach diesem -Leben überliefert, um von ihnen mit unerträglichen Qualen ohne Erbarmen -gepeinigt zu werden.“ - -Diese Worte machten Eindruck auf die Räuber und sie sprachen: „Wenn -das wahr ist, was du sagst, was wird dann aus uns werden? Denn wir -sind Mörder und Räuber, und wenn wir schon dem Namen nach katholisch -sind, so haben wir doch Gott weder erkannt noch gefürchtet. Vor -mehreren Jahren haben wir uns zusammen getan und unsern Aufenthalt in -diesem Walde genommen, der über sechzehn Meilen breit und über dreißig -Meilen lang ist. Hier haben wir viele Mordtaten und alle möglichen -Arten anderer Greueltaten vollbracht. Wie können wir demnach noch -hoffen, Rettung zu finden?“ Die Jungfrau erwiderte ihnen: „Verzweifelt -nicht, sondern bekehrt euch zum Herrn Jesus Christus, dem Vater der -Erbarmungen, und bereuet euere Sünden von ganzem Herzen. Er ist gnädig -und überaus barmherzig, und alle euere Sünden wird er euch vergeben, -wenn ihr wahre Buße tun und in Zukunft die Sünden meiden wollet.“ Sie -aber entgegneten: „Unsere Sünden sind so zahlreich und so groß, daß -wir auf Verzeihung nicht hoffen können. Denn schon viele Jahre hindurch -sind wir Räuber der schlimmsten Art gewesen und vor keinerlei Lastern -schreckten wir zurück. Da wir nun mit so schweren Verbrechen behaftet -sind, wie können wir uns da noch Hoffnung auf Vergebung machen?“ -Darauf sprach die Jungfrau: „Wollet nicht an der Barmherzigkeit Gottes -verzagen und euch nicht durch Verzweiflung in den Fallstrick des ewigen -Todes stürzen; denn Gottes unermeßliche Barmherzigkeit geht weit über -alle euere Vergehen hinaus. Auch die Größe eurer Sünden soll euch -nicht abschrecken; denn Gottes Erbarmen ladet euch zur Versöhnung ein. -Befolgt mithin meinen Rat, lasset alles Mißtrauen fahren, flehet die -große Güte Gottes an und bittet um Verzeihung. Und dann gehet zu den -Priestern und bekennet vor ihnen mit reumütigem Herzen in der Beicht -den ganzen Wust euerer Sünden.“ - -Da aber sprachen sie: „Wenn wir deinen Rat befolgen und aus diesem -Walde herausgehen würden, um Priester aufzusuchen, so würden wir -ohne Zweifel das Leben einbüßen. Denn es gibt viele, die wegen -unserer Mordtaten, Räubereien und anderer Frevel uns schon längst -aufpassen, um uns zu ergreifen und uns dann dem schmählichsten Tode zu -überliefern.“ Darauf sprach die Braut Christi: „Wenn ihr aus Furcht für -euer leibliches Leben es nicht wagt, aus diesem Walde herauszugehen, -um Priester aufzusuchen, denen ihr eure Sünden beichtet, so dürft -ihr auch so durchaus nicht an der unendlichen Barmherzigkeit Gottes -verzweifeln. Vielmehr in der festen Hoffnung auf Verzeihung erhebet -Hände und Herz zu Gott empor und in der heiligen Gegenwart seiner -Majestät bekennet mit dem Munde alle euere Sünden; denn der Vater -der Erbarmungen und Durchforscher der Nieren ist hier gegenwärtig -und wenn er sieht, daß euere Sünden euch leid sind, so wird er euch -nicht nur verzeihen, sondern euch auch von allen Widerwärtigkeiten -und Gefahren gnädig befreien und euch nach diesem vergänglichen Leben -mit seinen Auserwählten in der ewigen Seligkeit krönen. Um euch aber -mehr Zuversicht und Vertrauen einzuflößen, so nehme ich die Last -euerer Sünden auf mich und erbiete mich aufs bereitwilligste, für -euch genugzutun.“ Da nahmen zwei von den Räubern, Simon und Rembold, -die leibliche Brüder waren, durch Gottes Barmherzigkeit gerührt, das -Wort und ermahnten ihre Genossen, dem Rate der Jungfrau zu folgen und -die Sünden wahrhaft zu bereuen. Diese aber waren noch unschlüssig, -fragten hin und her, wollten zunächst wissen, was es mit der Jungfrau -für eine Bewandtnis habe und wie sie dorthin gekommen sei. Um nun -ihre Zweifel zu heben und ihre Hoffnung auf Verzeihung zu beleben, -ergriff Christina wiederum das Wort und sprach: „Es gibt eine große -und berühmte Stadt, die Cöln heißt. Etwa zwei Meilen von dieser Stadt -liegt ein Dorf, Stommeln genannt. Dort bin ich diese Nacht, als ich -in meinem Kämmerlein betete, von den Dämonen ergriffen, unter großem -Geheul in diesen Wald geschleppt und nach vielen Martern mit einer -Kette an diesen Baum aufgehängt worden. Sie vermochten es aber nicht, -mich zu töten, weil sie über mich nur insoweit Gewalt haben, als es -ihnen von meinem Herrn Jesus Christus gestattet ist. Dieser ist mein -Schützer und mein Helfer; er erhält mich am Leben; auch aus dieser Not -wird er mich gnädig erretten, mich durch seine wunderbare Kraft heilen -und stärken und mich an den Ort, von denn ich hierher geschleppt worden -bin, wieder zurückbringen. Und das tut er, wie ich vertraue, nicht -bloß dieses mal, sondern sehr oft schon hat er in ähnlichen und noch -schwereren Bedrängnissen mich befreit. Er ist es, der mir die Kraft -gibt, aus Liebe zu ihm zu leiden. Auch habe ich zwei Engel bei mir, -die mich stärken. Ihr könnt sie freilich nicht sehen, weil die Augen -eueres Geistes noch nicht hinlänglich gereinigt und deshalb hierzu noch -nicht geeignet sind. Denn diese Engel sind Geister und können nur mit -geistigen Augen geschaut werden. Wenn ihr aber an meinen Herrn Jesus -Christus in Wahrheit glauben wollet, so werdet ihr sehen, wie ich durch -diese Engel von meiner Marter wunderbar befreit, euern Blicken entzogen -und gleichsam in einem Augenblick in mein Kämmerlein zurückgebracht -werde.“ - -Als die Räuber diese Worte vernahmen, sprachen sie: „Wir staunen über -die Maßen darüber, daß du aus so weitentlegener Gegend hierher geführt -worden bist; denn es däucht uns, daß dieser Wald wohl an dreihundert -Meilen von Cöln entlegen ist.“ Von Gottes Barmherzigkeit gerührt fielen -dann die Räuber allesamt auf die Knie nieder, flehten um Verzeihung -ihrer Sünden, erhoben gemäß dem Rate der Jungfrau ihre Hände gen -Himmel und bekannten ihre schmachvollen Vergehen vor der Jungfrau unter -Tränen. „Erbarme dich unser,“ so riefen sie, „Vater der Barmherzigkeit, -und habe Nachsicht mit der Schwere unserer Sünden; denn lasterhafte -Menschen sind wir und die ärgsten Sünder. Fünfzehn Priester, -teils Ordens-, teils Weltgeistliche, haben wir in diesem Walde mit -eigenen Händen ermordet. Dazu haben wir noch fünfzig andere Personen -geistlichen Standes, Diakonen, Subdiakonen und Studierende, getötet. -Hundert Mädchen und ehrbare Frauen haben wir vergewaltigt und dann -umgebracht. Auch haben wir Frauen, die ihrer Niederkunft entgegensahen, -ums Leben gebracht. Die übrigen Menschen aber, die wir ermordet haben, -als Kaufleute, Reisende und Pilger, sind nicht zu zählen. Alle diese -haben wir ausgeplündert und dann getötet, und niemanden haben wir -verschont, wenn gleich er flehentlich um sein Leben bat. Was wir so an -uns gebracht, haben wir vergeudet, indem wir weder das Gesetz achteten, -noch Gott fürchteten, sondern nach unsern Gelüsten lebten, weil wir -kein anderes Leben nach diesem Leben anerkannten.“ Als sie nun diese -und ihre anderen Sünden vor der Jungfrau bekannt hatten, ermunterte -diese sie, sie möchten wegen der Menge ihrer Sünden nicht verzagen, -vielmehr fest im Glauben und unerschütterlich in der Hoffnung auf -Verzeihung beharren; sie selbst aber wolle für sie Genugtuung leisten. - -Während Christina also den Räubern zuredete, wurde ihr Leib auf einmal -gar wundersam von Licht umstrahlt, im Glanze des Lichtes ehrfürchtig -durch Engelshand vom Baume, an den er angeheftet war, losgelöst, -vollständig geheilt, den Blicken der Räuber entzogen und unter großer -Tröstung ins Kämmerlein nach Stommeln zurückgebracht. - -Ueberwältigt von dem hellen Lichtglanze, der ihre Augen traf, fielen -die Räuber auf die Knie nieder, und als Christina vor ihnen in diesem -Lichte entrückt wurde, da glaubten sie alles, was Christina zu ihnen -geredet, legten alle Todesfurcht ab und machten sich auf den Weg, um -Priester aufzusuchen, bei denen sie ihre Beichte ablegen könnten. Es -war ja am Vorabende des Gründonnerstages. Sie wurden aber auf dem Wege -von solchen, die ihnen auflauerten, ergriffen, und diese beschlossen -in ihrer Habgier und Grausamkeit, sie ohne weitere Umstände und -ohne gerichtliches Verhör zu töten. In dieser Not flehten die Räuber -zwar nicht um Schonung, sondern nur darum, daß man ihnen Zeit gönne, -ihre Sünden zu beichten. Dann wollten sie gerne sterben aus Liebe zu -Christus, der ja auch für sie am Kreuze gestorben sei und der sie in -vergangener Nacht so große und wundersame Dinge habe schauen lassen. -Die Häscher aber spotteten ihrer und sprachen hohnlachend: „Höret, wie -diese verruchten Räuber und Mörder jetzt noch Mönche werden wollen und -unter dem Vorgeben der Beichte uns zu überlisten gedenken. Am Rade oder -am Galgen mögen sie Profeß ablegen, und beichten und büßen mögen sie, -wenn wir ihnen Pfähle durch die Weichen stoßen.“ Da sprachen die Räuber -sich einander Trost zu und ermunterten sich gegenseitig, herzhaft den -Tod zu erleiden aus Liebe zu Christus, der die Jungfrau in so großer -Folter bewahrt und so wunderbar befreit habe, auf daß dieser ihnen in -seiner Barmherzigkeit alle ihre Sünden nachlassen möge, weil sie ja -keinen andern Beichtvater haben könnten. Als die Häscher dies hörten, -fielen sie grausam über die Räuber her, trieben ihnen spitze Pfähle -durch den Leib, hefteten sie damit an die Erde fest und brachten sie -unter jammervoller Marter so zum Tode. - -In der Nacht darauf, also vor dem Gründonnerstage, wurde Christina von -den nämlichen bösen Geistern an die Stätte geschleppt, wo die Leichen -der Räuber aufgespießt waren und höhnend sprachen die bösen Geister -zur Braut Christi: „Siehe, die Seelen dieser Räuber haben wir zur -Hölle hinabgeführt, und wenn du dein Leben nicht änderst, so werden -wir auch dir diese Pfähle durch den Leib rennen und deine Seele in -die Hölle hinabführen, wo du in Gesellschaft dieser Räuber in Ewigkeit -brennen sollst.“ Christina aber erwiderte mit Unerschrockenheit: „Wozu -sucht ihr Lügengeister mich durch euer leeres Gerede zu erschrecken? -Ich bin nämlich vergewissert, daß die göttliche Erbarmung diesen alle -ihre Sünden verziehen, sie euerer Gewalt entrissen und sie in seiner -Gnade der Zahl seiner Auserwählten zugesellt hat.“ Darob ergrimmten -die Teufel, mißhandelten Christina, flohen aber, als diese standhaft -blieb, unter Geheul von dannen, indem sie bekannten, daß sie über die -Seelen der Räuber keinerlei Gewalt hätten. Christina aber wurde in -großer Tröstung wieder in ihr Kämmerlein nach Stommeln zurückversetzt, -feierte in gewohnter Andacht den Gründonnerstag, zog sich dann von -der Außenwelt gänzlich zurück bis zum Karsamstage, wo die Spuren der -Wundmale Christi, die sich am Karfreitage an ihrem Leibe erneuert -hatten, noch sichtbar waren, empfing dann am Ostertage die h. Kommunion -und kam allsogleich darauf in Verzückung, in der sie mit neuen -Gnadengaben bereichert und mit unaussprechlicher Freude erfüllt wurde. - -Zur Erleichterung der Abbüßung der Sündenstrafen der sieben Räuber -erlitt Christina in der Woche vor Pfingsten jede Nacht ganz besondere -Leiden, nicht sichtbar, sondern nach Weise des Fegfeuers geistig, -aber doch auch körperlich fühlbar, nämlich Qualen des Feuers, das heiß -war über allen menschlichen Begriff, und dazu unerträgliche Kälte und -andere empfindliche Peinen, die den Tod hätten herbeiführen müssen, -wenn nicht Gottes Kraft sie am Leben erhalten hätte. Vor Allerheiligen -erduldete sie wiederum eine Woche hindurch die Fegfeuersqualen für die -sieben Raubmörder und erhielt am Allerheiligentage, als sie nach der -h. Kommunion in Entzückung gekommen, die Versicherung, daß die Seelen -jener sieben am nächsten Weihnachtsfeste würden erlöst werden. Im -Advent litt Christina wiederum jene schweren Leiden des Fegfeuers, aber -am Weihnachtstage wurde ihr in der auf den Empfang des Leibes des Herrn -eintretenden Verzückung unter anderen Tröstungen auch die unsägliche -Freude zu teil, die Seelen jener sieben Räuber, von ihren Strafen -befreit, vor dem beseligenden Angesichte ihres Bräutigams mit der Krone -des ewigen Lebens geziert zu sehen. Jene sieben Räuber aber hießen -Simon, Rembold, Hermann, Konstantin, Volmar, Vortleuv und Eckbert. - -Je weiter Christina fortschritt in der innigen Vereinigung mit Gott, -je vollkommener sie losgeschält wurde von allen Dingen dieser Welt, -desto mehr nahm auch ihr Mitleiden mit den armen Seelen zu, so daß in -der letzten Hälfte ihres Lebens das Büßen für die armen Seelen ihre -Lieblingsandacht wurde. - -Christus der Herr hat, als er am Holze des Kreuzes hing, einen der -mitgekreuzigten Schächer bekehrt und seine Seele noch am selben -Abende ins Paradies eingeführt. Christina, die gewürdigt wurde, -auch in diesem Punkte ihrem göttlichen Bräutigam ähnlich zu werden, -bekehrte, wie wir eben gesehen, in der Karwoche 1284, als sie von -bösen Geistern schmachvoll an einen Baumstamm aufgeknüpft worden war, -sieben Raubmörder, erlitt für sie die Fegfeuersqualen und sah sie -so am Weihnachtstage in der Herrlichkeit des Himmels. Was sie für -arme Sünder der verkommensten Art, die ihr fremd waren, mit größter -Bereitwilligkeit getan, das übte sie mit noch größerer Bereitwilligkeit -und Hingabe für diejenigen, die ihr nahegestanden und Gutes erwiesen. -Rührend ist es zum Beispiel zu lesen, wie durch ihr Gebet und durch ihr -Leiden die Seele des Pfarrers Johannes von Stommeln aus dem Fegfeuer -befreit wurde.[51] - - [51] _V. C._ 185-187. - -Der Herr gab ihr in den Sinn, um Qual und Leid zu bitten zur Erlösung -der Seele des genannten Pfarrers. Da kam in den drei Nächten vor -Pfingsten 1280 durch Gottes Zulassung der böse Geist in Gestalt jenes -Priesters zu Christina und sagte, er sei auf ewig verdammt. Christina -aber mochte dies nicht glauben und betete also zum Herrn: „O liebster -Vater und Herr, soll denn dieser dein Diener, den du mir, deiner -Magd, zum dienstbereiten Freunde gegeben, und der deinen Wunderwerken -gläubig frommen Sinn entgegenbrachte, auf ewig von deinem Angesichte -verstoßen sein, da du doch meinem Herzen eine wahre Hoffnung und ein -volles Vertrauen eingeflößt hattest, daß er selig werden würde? Was -soll ich denn anfangen? Wohin soll ich mich wenden? Wenn dieser von -deinem Angesichte verstoßen wird, dann wird auch meine ganze Hoffnung -und mein Vertrauen zu nichte!“ -- In der dritten Nacht nun bekannte -jener böse Geist seine Lüge und gestand, daß er über jenen Priester -kein Recht habe. Vom Pfingstmittwoche, dem 9. Juni 1280 bis zum -Freitag nach Peter und Paul, den 5. Juli, dem Jahrestage des Todes -jenes Pfarrers, erduldete Christina für dessen Seele die Peinen des -Fegfeuers in der oben beschriebenen außerordentlich schmerzlichen Weise -und sie schaute dabei auch die Ursachen dieser Qualen, nämlich die -verschiedenen Nachlässigkeiten, die der Pfarrer sich zeitlebens hatte -zuschulden kommen lassen. Am 5. Juli kam Christina nach dem Empfange -der h. Kommunion in Verzückung, wurde im Geiste in den Himmel versetzt -und schaute dort im Spiegel der Gottheit den Freund, für den sie soviel -gelitten, bei dem ewigen Freunde und Bräutigam. - -Erschütternd ist das, was in den Offenbarungen der seligen Christina -über die lange Dauer des Fegfeuers angedeutet wird. Wenn auch der -Magister Johannes, der Christina die diesbezüglichen Mitteilungen bei -ihrem Erwachen aus der Verzückung ablauschte, sich mitunter verhört -haben mag, wenn auch die Berechnung der Jahre des Fegfeuers offenbar -die Zeitdauer der für die einzelnen Vergehen festgesetzten Kirchenbuße -widerspiegelt und die Verschärfung der Strafe oder stellvertretende -Genugtuung eine Kürzung der Zeitdauer des Fegfeuers bedingt, so kann -man sich dem Eindruck doch nicht entziehen, daß Gottes Gerechtigkeit -unerbittlich jegliche Sünde straft, und wenn er auch den wirklich -reumütigen Sünder nicht zur Hölle verdammt, er ihn doch für jede, -auch der Schuld nach verziehene Sünde, im Fegfeuer der mißachteten -Oberhoheit der göttlichen Majestät Sühne leisten läßt. Mit der langen -Dauer des Fegfeuers, wie sie sich in den Offenbarungen der seligen -Christina und anderer Auserwählten Gottes kundgibt, stimmt auch die -Auffassung der Kirche überein, die Jahrhunderte hindurch die h. Messe -für dieselben Verstorbenen darbringen läßt. - - Abb. 12. Bild Christinas vom alten Grabmal zu Jülich. - - Abb. 13. Christinenkapelle in der Pfarrkirche zu Jülich. - -Christinas Mutter hätte sechshundert Jahre im Fegfeuer bleiben müssen, -hätte Christina nicht für sie ihre Leiden und Verdienste zur Sühne -angeboten. In der Nacht nach dem dritten Adventssonntage 1282 wurde -Christina von den bösen Geistern auf jene Felder geschleppt, die -einst ihr Vater besessen hatte, und bei jedem Stücke sprachen sie zu -ihr: „Siehe, das sind die Aecker, wegen deren dein Vater in Sünden -gelebt und zur Hölle gefahren ist. Wofern du dich nicht auf der Stelle -bekehrst, so werden wir dich zu deinem Vater ins ewige Feuer bringen.“ -Und da Christina sich an dieses Gerede nicht störte, so rissen die -Teufel sie in die Höhe und ließen sie dann zur Erde fallen und das -wiederholten sie auf jedem Ackerfelde. Die ganze Woche hindurch wurde -Christina in dieser Weise und auch noch durch Verwundungen gepeinigt. -Einigen Trost hatte sie jedoch dadurch, daß sie gleich zu Anfang der -Woche über die Erlösung ihres Vaters belehrt wurde und so ertrug sie -diese Peinen mit Freude. In der Nacht nach dem vierten Adventssonntage -wurde sie nach Nettesheim geschleppt und in den drei folgenden Nächten -nach Knechtsteden und dort gefoltert. In der dritten Nacht, der h. -Weihnacht, rang Christina den Teufel, der sie mit einer Lanze in -den Schlamm des Klostergrabens stieß, nieder, bannte ihn fest, bis -die anderen Teufel herbeikamen und flehentlich um Entlassung baten. -Sie gestanden, daß ihrer zwölftausend seien, daß sie von Gott den -Befehl erhalten, Christina zu foltern zur Erlösung ihres Vaters. Am -Weihnachtstage wurde Christina nach der h. Kommunion entrückt und -wurde gewürdigt, die Seele ihres geliebten Vaters, für den sie soviel -gelitten hatte, und zugleich die Seele eines jungen Mannes, des -Bruders des Magisters Johannes, vor Gottes Angesicht in Seligkeit und -Herrlichkeit zu schauen. Es wurde ihr dabei auch kundgetan, daß die -Seele ihres Vaters noch zwölftausend Jahre und die Seele des jungen -Mannes noch viele Jahre im Fegfeuer hätten leiden müssen, wenn durch -Christinas Verdienste ihnen nicht Hülfe gekommen wäre. - - * * * * * - -In der Fastenzeit des Jahres 1283 erreichte die Peinigung Christinas, -was die Anzahl der bösen Geister anbelangt, ihren Höhepunkt. Sie -schleppten sie zur Nachtzeit gewöhnlich in den benachbarten Wald, -„Gohrbroich“ genannt, und in der Nacht vor dem Gründonnerstage sogar -in das weitentlegene, von einem grausamen Volke bewohnte Friesland -und folterten sie auf alle mögliche Weise. Einem schlachtgeübten Helde -gleich triumphierte Christina über den ganzen Höllenschwarm, der seine -eigene Ohnmacht und die Allmacht des Herrn, den Christina verehrte, -bekennen mußte. Den Gründonnerstag verbrachte Christina in Tröstung. -Am Karfreitage schloß sie sich in ihr Kämmerlein ein, und empfing -wie üblich die Wundmale des Herrn. Am Karsamstage war sie wieder in -großer Freude und nach der Kommunion am h. Ostertage wurde ihr in -der Verzückung kundgetan, daß durch ihr letztes Leiden zwei Seelen -aus ihrer Verwandtschaft aus dem Fegfeuer befreit worden seien, von -denen die eine sonst sechshundert, die andere dreihundert Jahre im -Reinigungsorte hätte leiden müssen. - -Nach der prüfungs- und schmerzreichen Adventszeit des Jahres 1283 -wurde ihr am Weihnachtstage in der Verzückung auch die Auszeichnung -zuteil, daß sie drei Seelen, für die sie so bittere Schmerzen hatte -erdulden müssen, von den Strafen des Fegfeuers befreit, vor Gottes -Thron erblickte. Die eine war die des Oheims des Magister Johannes, die -zweite die der Großmutter Christinas und die dritte die einer Matrone -aus Cöln, welche bei ihren Lebzeiten Christina besonders geliebt hatte. -Gleichzeitig mit diesen wurde noch eine große Anzahl anderer Seelen -aus den Qualen des Reinigungsortes in des Himmels Seligkeit eingeführt, -die ohne Christinas stellvertretende Sühne noch viele Jahre im Fegfeuer -wären zurückgehalten worden. - -Im Juni 1284 hatte Christina eine Erscheinung. Es zeigte sich ihr -die Seele eines Adeligen, der einige Tage vorher in einem Gefechte -bei Aachen gefangen genommen und dann aufs Rad geflochten und getötet -worden war. Er hatte mehrere Jahre in Sünden dahin gelebt, jedoch die -gute Gewohnheit beibehalten, täglich zu Gott zu beten und auch sonst -war er gutherzig. Er hatte das Glück, vor seinem Tode eine reumütige -Beichte ablegen zu können, und so wurde seine Seele durch Gottes -Erbarmen vor der Hölle bewahrt, jedoch zu den schwersten Strafen des -Fegfeuers verurteilt. Die Seele dieses Mannes sah Christina in der Qual -und hörte ihn mit jämmerlicher Stimme rufen: „Erbarme dich meiner, o -Vater der Barmherzigkeit, und habe Mitleiden mit mir, der ich mich -in so schweren und unerträglichen Leiden befinde; denn du hast mir -nach deiner wunderbaren und unaussprechlichen Güte die Barmherzigkeit -erwiesen, mich vor der Hölle zu bewahren. Nun flehe ich zu dir, du -wollest mich auch aus dieser so schweren und unerträglichen Marter -befreien.“ Christina erbot sich, für ihn zu leiden, wurde infolgedessen -von einer großen Schar böser Geister zwei Wochen lang aufs grausamste -gehämmert und sonstig gefoltert, erhielt dann aber am Sonntag vor Petri -Kettenfeier die Versicherung, daß jenem Manne soviele Jahre von seinen -Strafen erlassen worden seien, als Teufel gewesen, die sie seinetwegen -gequält hätten. Dann erlitt sie nach dreitägiger Pause zwei Wochen -hindurch bis zum Feste der Himmelfahrt Mariens, dann wieder zwei -Wochen lang vor dem Feste der Geburt Mariens und noch sechs Nächte -nach diesem Feste die Qualen des Fegfeuers. Doch erst am Feste der -Himmelfahrt Mariens 1285, vor dem sie abermals acht Tage hindurch die -Fegfeuersmarter erduldet hatte, wurde sie in der Verzückung gewürdigt, -zu sehen, wie die Seele jenes Edelmannes aus dem Fegfeuer erlöst und -mit der Himmelsfreude beglückt wurde. Bei ihm befanden sich noch -sieben andere Seelen von Männern, die sieben Jahre vorher, in der -Gertrudisnacht 1278, beim Ueberfall Aachens durch Graf Wilhelm von -Jülich, in der Stadt Aachen erschlagen worden waren, und außer diesen -noch neun andere aus verschiedenen Gegenden, die, wenn Christina -nicht für sie gelitten, sonst noch viele Jahre in den Flammen des -Reinigungsortes hatten leiden müssen. - -Zwischen Ostern und Pfingsten 1285 hatte sie die Fegfeuerspein -zur Erlösung von neun armen Seelen erduldet, deren Einzug in den -Himmel sie am Pfingsttage in der Verzückung schaute. Eine dieser -Seelen war die eines sehr weisen und gebildeten Cölner Bürgers, der -vor anderthalb Jahren gestorben war. Dieser hatte einst Christina -mit einigen anderen Ordensjungfrauen in sein Haus aufgenommen, ihr -Gastfreundschaft erwiesen, sich nach Tisch unbemerkt zu den Füßen -Christinas niedergeworfen und sie inständigst gebeten, doch seiner vor -dem Herrn zu gedenken. Seit jenem Tage hatte Christina allezeit seiner -im Gebete gedacht. Ohne Christinas Hülfeleistung hätte die Seele dieses -Mannes angeblich dreißigtausend Jahre zur Abbüßung ihrer Sündenstrafen -im Fegfeuer bleiben müssen. Eine andere Seele war die der Mutter eines -Mädchens, das mit Christina sehr befreundet war. Diese hätte hundert -Jahre im Fegfeuer zubringen müssen. Zwei andere waren Seelen von Frauen -aus Cöln, die vor zwei Jahren gestorben und noch dreißig Jahre hätten -leiden müssen, die fünf übrigen Seelen waren solche von Knaben, die -ungefähr fünfzehn Jahre alt waren. - -Am Allerheiligenfeste 1285 schaute sie in der Verzückung sechs Seelen, -für die sie in der vorhergegangenen Woche gebüßt hatte. Es waren Seelen -von verheirateten Männern, die im selben Jahre in den Ländern jenseits -des Meeres im Kampfe gegen die Ungläubigen gefallen waren. Drei davon -hießen Petrus, einer dagegen Sibodo, einer Hermann und einer Heinrich. -Diese hätten hundert Jahre Fegfeuer zu erdulden gehabt. - -Im Advent 1285 erduldete sie wiederum die Fegfeuersqualen und in der -Verzückung erhielt sie am Weihnachtstage die frohe Kunde, daß vierzig -Seelen aus dem Kerker der Reinigung befreit worden seien. Zwei davon -waren aus Stommeln, und zwar war die eine die Seele einer Begine -Hildegundis, die andere die Seele einer Witwe namens Elisabeth. Die -übrigen waren aus entfernten Gegenden am Ufer des Meeres. Unter ihnen -befanden sich zehn Männer, von denen drei Priester waren; die übrigen -waren Frauen. - -Am Lichtmeßtage 1286 wurde sie in der Verzückung durch die Erlösung -dreier Seelen beglückt, von denen die eine die Seele eines bereits vor -vielen Jahren verstorbenen Verwandten war, für dessen Seelenruhe sie -schon lange Jahre gebetet hatte. Die beiden andern waren Seelen von -zwei Frauen aus Cöln, Mutter und Tochter. Am Freitage nach Pfingsten, -den 7. Juni 1286, wurde Christina nach der Kommunion entrückt und wurde -getröstet durch die Erlösung von abermals drei Seelen, für die sie die -Fegfeuerspein erduldet hatte. - - - - -Siebenzehntes Kapitel. - -Christinas letzte Prüfungen, friedevoller Lebensabend und seliges Ende. - - -Die Gnade der Beharrlichkeit ist bekanntlich ans Gebet geknüpft. Darum -versucht der Feind des Menschengeschlechtes es bis zum Aeußersten, -selbst bei den Auserlesenen, daß sie vom Gebete ablassen oder es lau -und lässig verrichten. - -In der dritten Nacht nach Christi Himmelfahrt 1282 trat der Versucher -in das Zimmer der im Gebete begriffenen Jungfrau und sprach zu ihr mit -furchterregender Stimme: „Wie lange willst du, Starrsinnige, den Weg -der ewigen Verdammnis gehen? Denn du, und zwar du allein, trittst mit -Füßen die weisen Verordnungen der Väter und der Ordensstifter. Zur Zeit -der Ruhe wachest du, betest in unnützer Weise und zur Zeit des Essens -übest du Enthaltsamkeit und Fasten. Und so handelst du in allen Stücken -verkehrt und erfüllst nicht Gottes Willen, sondern deinen verdammlichen -Eigenwillen. Und darum wirst du vom Allerhöchsten in unsere Hand -gegeben.“ - -Als er so gesprochen, bedrohte er sie mit grausamer Folter, wofern -sie sich nicht zur Ruhe begebe und das Beten sein lasse. Christina -aber sprach unerschrocken: „Mühe dich nicht vergeblich ab, böser -Dämon, mich durch Lügengerede und Drohungen vom Lobe meines Herrn Jesu -Christi abzubringen. Jemehr du mich davon abzukehren suchst, desto mehr -bestärkst du mich darin und solltest du mir selbst meine Zunge rauben, -so würde doch mein Herz und meine Seele fortfahren, den Herrn zu -preisen.“ Darauf machte sich der Versucher beschämt von dannen. - -Am Freitage nach St. Martin 1280 ging Christina morgens mit großer -Sehnsucht zur Kirche, um die h. Kommunion zu empfangen. Da kam hinter -ihr die Dienstmagd ihres in Cöln wohnenden Bruders Heinrich, die -Christina hieß, auf dem Kirchweg hergelaufen, faßte sie am Kleide an -und sprach: „Teuerste Jungfrau, warum habt Ihr nicht auf mich gehört. -Schon eine Weile laufe ich Euch nach und oft schon habe ich Euch -zugerufen. Kommt doch schnell wieder um; denn ich habe Euch einen -wichtigen Auftrag von Euerem Bruder mitzuteilen.“ Christina erwiderte: -„Teuere Namensschwester, verzeihet mir, wenn ich Euch beleidigt haben -sollte. Denn der Herr weiß es, daß ich Euch gar nicht rufen gehört -habe. Wisset aber, daß ich durchaus nicht mit Euch zurückgehen werde.“ -Da begann das vermeintliche Dienstmädchen zu seufzen und sprach mit -tränenerstickter Stimme: „Teuerste Jungfrau, nun muß ich es Euch -gerade heraussagen, weshalb ich gekommen bin. Euer Bruder Heinrich -ist tödlich verwundet und er schickt mich zu Euch. Und so bin ich -die ganze Nacht hindurch gelaufen, um Euch desto eher die Nachricht -bringen zu können. Ihr wisset ja, daß dieser Euer Bruder ohne Furcht -und Erkenntnis Gottes, zum großen Nachteile seines Seelenheiles, immer -in der Welt gelebt hat. Kommet also Teuerste, und stehet Euerem Bruder -bei, der dem Tode nahe ist; denn Ihr könnt durch Euere frommen und -heilsamen Ermahnungen in seinem Herzen das Feuer der Buße wecken, das -Licht der Erkenntnis Gottes entzünden und so seine Seele der Pforte der -Hölle entreißen und dem himmlischen Vaterlande zuführen.“ Aus diesen -wohlgesetzten Worten, die darauf berechnet waren, in Christinas Herzen -Regungen der Selbstgefälligkeit hervorzurufen und sie vom Empfange -der h. Kommunion abzuhalten, schöpfte sie Argwohn und gab zur Antwort: -„Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Menschen, wolle nach seiner Güte -meinen Bruder stärken und erhalten. Ich kann aber jetzt nicht umkehren; -denn ich habe mir vorgenommen, die h. Kommunion zu empfangen.“ So -sprach sie und ging eiligen Schrittes auf die Kirche zu. Im gleichen -Augenblicke aber fiel ein schwarzer Hund sie an, zerrte sie an den -Kleidern und hinderte sie am Weitergehen. Christina aber rief den Namen -Jesu Christi an und befahl dem Versucher, zu offenbaren, wer er sei. -Dieser gestand nun, daß er es gewesen, der in Gestalt der Magd ihr -nachgelaufen, sie über die Verwundung ihres Bruders belogen, um ihr -Gemüt zu verwirren und sie von der h. Kommunion abzuhalten. - -Mit innigster Liebe hing Christina an ihrem jüngsten Bruder -Sigwin, weil er ein gelehriges Herz zeigte, sich auf dem Wege der -Vollkommenheit unterweisen zu lassen. Der Teufel, der jede Neigung -des Herzens erspäht, um sie zu Versuchungen auszunutzen, wußte auch -aus dieser besondern Zuneigung Christinas zu ihrem Bruder ihr einen -Fallstrick zu drehen. Als Sigwin nach Schweden abgereist war, und noch -keine Nachricht über seine Aufnahme in den Predigerorden eingetroffen -war, nahm der Versucher zu drei verschiedenen Malen Sigwins Gestalt -an und trat Christina auf dem Kirchweg hinter dem Dorfe entgegen. -Das erste Mal wurde sie über seine vermeintliche Rückkehr sehr -betroffen, faßte sich aber und umarmte ihn sehr freundlich, ohne zu -vermuten, daß es der Versucher sei. Dieser aber konnte seine Freude -über die Ueberlistung Christinas nicht verbergen und verschwand -unter Hohngelächter. Als er aber zum dritten Male in Gestalt Sigwins -sie auf dem Kirchwege zu beunruhigen versuchte, erkannte sie, vom -Herrn belehrt, allsogleich seine Arglist und sprach zu ihm: „Weshalb -verwandelst du Bösewicht dich in fremde Gestalten? Und warum -beunruhigst du mich unter der Gestalt meines Bruders?“ Er antwortete: -„Wenn ich dich auch nicht vollends habe hintergehen können, so wollte -ich doch wenigstens dein Gebet unterbrechen, weil ich wußte, daß dein -Herz Hinneigung hat zu deinem Bruder.“ Als Christina dies hörte, kniete -sie nieder und bekannte sich schuldig vor dem Herrn, in dem Punkte -nämlich, daß ihre Andacht so lau gewesen, daß der Dämon in Gestalt -ihres Bruders sie darin habe stören können. - -Ein anderes Mal kam ihr, als sie zur Kirche ging, jemand nach in -Gestalt eines Briefboten und fragte sie, ob sie die Jungfrau sei, die -Christina von Stommeln genannt werde. Betroffen sprach sie, warum er so -genau nach ihrem Namen frage. Er entgegnete, Bruder Petrus aus Gotland -habe ihn gesandt, um ihr einen Brief zu überbringen und Näheres über -ihren Bruder Sigwin mitzuteilen. Da freute sich Christina und ersuchte -ihn, es nur gleich zu erzählen. Da fuhr jener fort: „Erschrecket nicht, -Sigwin ist gestorben.“ Da erhob Christina die Augen gegen Himmel -und sprach: „Wenn der gute Knabe, mein geliebter Bruder, der Welt -abgestorben ist, so bete und wünsche ich, daß er ewig leben möge im -Herrn Jesus Christus.“ Und als sie das gesagt, begann sie bitterlich -zu weinen. Sobald sie begonnen zu weinen, hatte sich die Gestalt des -Briefboten als Trugbild des Versuchers erwiesen. Christina wies alsbald -den Betrüger von sich. Dieser aber erhob ein lautes Hohngelächter und -rief: „Nun habe ich dich doch wenigstens zum Weinen gebracht,“ und dann -verschwand er. - -Am Dreikönigentage des Jahres 1283, als Christina frühe vor der Messe -um das Dorf zur Kirche ging, nahte sich ihr der Versucher abermals und -sprach: „Wolltest du doch mir folgen und dein leeres Geplapper -- er -meinte das Stundengebet -- aufgeben, so würde ich dich mit Reichtum -und Ehren überhäufen und dich die Kunst lehren, wie du im Augenblicke -an jedem beliebigen Orte der Welt sein könntest. Dann könntest du auch -sofort jenes Kloster besuchen, in dem dein Bruder sich befindet, den du -so sehr liebest und sehen, wie er sich befindet und daraus großen Trost -gewinnen.“ Christina fertigte ihn ab mit den Worten: „Weiche von hinnen -mit deiner Wissenschaft und deinem Trost; Jesus Christus beut mir wahre -Wissenschaft und sichern Trost.“ - -Alle Verführungskünste bietet der Feind des menschlichen Heiles auf, um -die Seelen, die auf dem Wege der Vollkommenheit mutig voranschreiten, -zu verwirren und vom rechten Wege abzubringen. Schmeicheleien und -Lobhudeleien wechseln ab mit Drohungen und Mißhandlungen. So wurde -auch Christina nicht immer mit Schreckbildern geplagt. Als Christina -in einer Nacht nach Pfingsten im Jahre 1281 wegen der drückenden -Hitze in ihrem Hofe auf und ab ging und betete, zeigte sich eine -Lichterscheinung in Gestalt eines Jünglings über ihr in den Lüften, -die mit ihren Strahlen Haus und Hof erhellte. Christina erkannte diese -Erscheinung als Täuschung, beschwor deren arglistigen Urheber im Namen -Jesu Christi zu verschwinden oder sich in Finsternis zu verwandeln, -und alsbald trat Dunkelheit ein. Im Januar 1282 kamen Engelsgestalten -zu ihr, als sie nachts in ihrem Kämmerlein im Gebete wachte. Brennende -Kerzen trugen sie in ihren Händen und mit den süßesten Worten -erhoben sie Christinas Verdienste, und sagten, sie seien von Christus -beauftragt, ihr an dieser Stätte, wo sie soviel für ihn gelitten, in -dieser Nacht zu dienen und ihr aufzuwarten, und ihr durch die Helle -des Lichtes Tröstung zu bereiten. Christina aber erkannte auf den -ersten Blick das Blendwerk des Teufels, verdemütigte sich in ihrem -Herzen vor dem Herrn und sprach dann: „Geister der Finsternis, durch -Jesus Christus, der da ist der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, -beschwöre ich euch, abzulegen den Glanz des Lichtes, der euch nicht -zukommt und zurückzukehren ins Reich der Finsternis.“ Und alsbald war -der gleisnerische Spuk verschwunden und an seine Stelle trat wieder der -grausame Verfolger. - -Ein anderes Mal wurde sie auf dem Sandberge in Stommeln in die Lüfte -erhoben, mit Lichtglanz umhüllt und von Gestalten, die Engeln ähnlich -sahen, mit jubelnden Zurufen begrüßt und eingeladen, zu ihnen zu -kommen. Aber auch diese List verfing nicht. Christina verachtete -das Gaukelspiel, ließ sich nicht zur Selbstgefälligkeit verleiten -und erwiderte, sie wolle lieber aus Liebe zu Christus leiden als -trügerische Tröstungen annehmen. Doch auch wirkliche Tröstungen -wundersamer Art bereitete ihr mitunter der Herr des Himmels und -Gebieter der Natur. Als die Unholden der Finsternis sie in einer Nacht -des Adventes 1285, der vorletzten vor Weihenacht, am zugefrorenen -Sumpfe im Gohrbroich gar jämmerlich zugerichtet hatten, kamen sieben -Wölfe herbei; die ihre natürliche Wildheit ablegten, gleich sanften -Lämmern an Christina herantraten, mit ihrem warmen Hauche ihre -erfrorenen Glieder erwärmten und dann vor ihr die Köpfe senkten, -als wollten sie zum Abschiebe Christinas Segen erbitten. Da dankte -Christina im Herzen ihrem Schöpfer, wurde innerlich getröstet und gebot -dann im Namen Jesu Christi, dem selbst die wildesten unvernünftigen -Geschöpfe gehorchen, den Teufeln, zu bekennen, weshalb sie ihr so -unmenschliche Qualen zugefügt hätten. Sie bekannten, daß sie auf -Befehl Gottes sie für die Sünden anderer gepeinigt hätten, verschwanden -alsdann, und Christus selbst trat herzu, um Christina in ihr Kämmerlein -zurückzuführen. Christinas Seele vertieft sich an Demut, steigt an -Gottwohlgefälligkeit. Nicht mehr sind es Engel, die Christina nach -überstandener Folter erquicken und trösten, der Herr der Engel selbst, -Christus, der Seelenbräutigam, würdigt sich, sie heimzusuchen und -gleich ihm wird sie durch Leib und Kreuz Siegerin und Gebieterin über -die stolzen Mächte des Reiches der Finsternis. Was David im 90. Psalme -singt, das traf auch, wie Petrus von Dazien[52] in einem seiner Briefe -an Christina bemerkt, bei dieser zu. Sie spricht zum Herrn: „Meine -Zuflucht bist du und mein Hort, mein Gott, ich vertraue auf dich. Und -der Herr rettet dich vor des Jägers Schlinge und vom bösen Worte. Mit -einem Schilde umgibt dich seine Wahrheit, nicht hast du zu fürchten vor -den Schrecknissen der Nacht, vor dem schwirrenden Pfeile, der bei Tage -fliegt, vor dem Unholde, der im Finstern schleicht ... Seinen Engel -hat er geboten, dich zu schützen auf allen deinen Wegen; auf den Händen -werden sie dich tragen, daß du nicht deinen Fuß an einen Stein stoßest. -Ueber Vipern und Basilisken wirst du einherschreiten und niedertreten -Löwen und Drachen ... Rufst du zu mir, so spricht er, so werde ich dich -erhören; bei dir bin ich in der Bedrängnis, ich befreie dich und ich -verherrliche dich. Mit der Länge der Tage will ich dich ersättigen und -dich schauen lassen mein Heil.“ - - [52] _V. C._ 252. - -Petrus von Dazien, der, selbst vom Geiste Gottes erfüllt, Christina -so wirksam zu trösten verstand, er sollte schon bald aus der -irdischen Wanderschaft abberufen werden, um das ewige Heil dort -oben zu schauen. Zu Anfang des Jahres 1287 war er aus Gotland nach -Bordeaux, jedenfalls zur See, als Gefährte seines Provinzials, zum -Generalkapitel gereist. Den Rückweg machte er dann auf demselben Wege -bis Antwerpen, reiste dann aber zu Lande bis Löwen, von wo er am 1. -Juli an Christina schrieb, daß die Reise langwierig und mühselig sei, -und er viele Beschwerden und körperliche Schmerzen erduldet habe, -doch die unverdrossene Liebe überwinde alles, und wenn er auch mit dem -linken Fuße stark hinke, so hoffe er doch im Herrn, in einer Woche zu -Stommeln zu sein. Er erinnert dann noch Christina daran, daß sie ihm -Reliquien der Heiligen und Magister Johannes ihm zwei Sexterne über -die Wunderwerke Gottes versprochen habe. Ob Petrus wirklich im Jahre -1287 nach Stommeln gekommen ist, wissen wir nicht. Es ist jedoch sehr -wahrscheinlich. Er starb auf Gotland in der Fastenzeit 1288 und Bruder -Folkwin meldete am 9. September 1288 die Trauerbotschaft nach Stommeln. -Durch Reisen und Geschäfte, so schreibt er, sei er gehindert, öfter -zu schreiben. „Jetzt aber zeige ich Euch mit Schmerz und unter Tränen -an, daß unser ehrwürdiger Vater, der Bruder Petrus, weiland Prior und -Lesemeister unseres Klosters, in der Fastenzeit im Herrn entschlafen -ist. Seine Seele empfehle ich inständigst Euern heiligen Gebeten und -bitte Euch zugleich, daß Ihr seine Seele den Gebeten der Schwestern, -die bei Euch sind, sowie auch dem Gebete der Schwestern in Cöln, -die er kannte, angelegentlichst empfehlen wollet.“ Der früher von -Christina mehrmals geäußerte Wunsch, dem Bruder Petrus im Tode bald -nachzufolgen, ging nicht in Erfüllung. Der Herr ließ sie noch nahezu -fünfundzwanzig Jahre hier auf Erden. Jedoch bildet das Jahr 1288 einen -Wendepunkt im Leben Christinas. In ihm wurde sie ihres geistigen Vaters -und Trösters beraubt; in ihm sollten aber auch die Beunruhigungen -und Quälereien seitens der Mächte der Finsternis ein Ende nehmen. In -ihm löst sich ja auch die aus der Machtgier der Fürsten und Völker -des Niederrheins erwachsene Unsumme von Haß und Eifersucht in der -folgenschweren Schlacht von Worringen aus, in der die Heeresmächte -sämtlicher Fürsten der niederrheinischen Lande miteinander kämpften. -Veranlassung zum Kriege war die Thronfolge im Herzogtum Limburg. Im -Jahre 1282 war der Herzog von Limburg ohne männliche Nachkommenschaft -gestorben. Graf Reinold von Geldern und Graf Adolf von Berg stritten um -die Erbschaft. Letzterer übertrug seine Ansprüche an den Herzog Johann -von Brabant, und nun entstand Spannung, Streit und Zwietracht zwischen -den Genannten nicht bloß, sondern auch zwischen allen benachbarten -Fürsten. Auf Seite des Grafen von Geldern standen der Erzbischof von -Cöln, Sigfrid von Westerburg, Graf Heinrich von Luxemburg, Adolf von -Nassau, der spätere deutsche König, Dietrich von Cleve, Johann von -Limburg an der Lahn, Walram von Falkenburg, Dietrich von Moers und -andere Herren. Johann von Brabant hatte zu Verbündeten den Herzog -Walram von Jülich, Graf Eberhard von der Mark, Adolf von Berg und -andere. Die Erbitterung des Grafen von Jülich gegen den Erzbischof -und Kurfürsten von Cöln sowie die Spannung zwischen der Stadt Cöln -und dem Erzbischofe spielten mächtig in den Streit hinein. Sechs Jahre -lang wurde gegenseitig gerüstet. Der Erzbischof selbst zog mit 14000 -Mann auf das Schlachtfeld. Am 5. Juni 1288 kam es bei Worringen zur -Schlacht. In der Abteikirche zu Brauweiler hatte Sigfrid vorher einen -feierlichen Gottesdienst gehalten und seine Mannschaften durch eine -feuerige Ansprache aufgefordert, die von den Gegnern im Erzstifte -verübten Greuel zu rächen. Sigfrid und Reinold standen auf den beiden -Flügeln, Heinrich von Luxemburg im Zentrum. Ihnen gegenüber standen -Adolf von Berg und Arnold von Looz, im Zentrum dagegen Herzog Johann -von Brabant. Durch einen geschickten Meisterzug lockte Erzbischof -Sigfrid den Feind auf von Wassergräben durchschnittenes Gelände und -wäre so beinahe gleich nach Beginn der Schlacht Sieger geworden. Allein -durch das Ungeschick seiner ungestüm herandrängenden Bundesgenossen -wurde Verwirrung angerichtet; die Lage des Erzbischofs und des -Grafen von Geldern verschlechterte sich. Mit großer Tapferkeit wurde -beiderseits gekämpft, lange wogte der blutige Kampf unentschieden hin -und her, zuletzt neigte sich der Sieg auf die Seite der Brabanter. -Elfhundert Leichen deckten die Wahlstatt und von den Verwundeten -starben siebenhundert bald nachher. Unter den Gefallenen waren Graf -Heinrich von Luxemburg und sein Bruder Walram, desgleichen Heinrich -von Westerburg, des Erzbischofs Bruder. Sigfrid selbst wurde gefangen -genommen, desgleichen Adolf von Nassau. Auch Reinold von Geldern wurde -auf der Flucht eingeholt und mußte sich ergeben. Erzbischof Sigfrid -verbrachte die erste Nacht seiner Gefangenschaft in der Kirche zu -Monheim und blieb dann ein Jahr lang auf Schloß Burg an der Wupper in -strenger Haft des Grafen Adolf von Berg. - -Die sechs Jahre anwährenden Kriegsunruhen machten auf Christina, deren -Heimat Stommeln, an der Grenze zwischen den Jülicher Landen und dem -Cölner Erzstifte, nur zwei Stunden vom Schlachtfelde Worringen entfernt -gelegen war, einen tiefen und betrübenden Eindruck. Der Gedanke an die -vielen Greuel und Frevel, die der Krieg herbeiführte, und besonders -die Befürchtung, es möchte mancher im Kriege umkommen, ohne mit Gott -versöhnt zu sein, und in die Hölle fahren, hatte sie bewogen, Gott -den Herrn zu bitten, er möge sie leiden lassen, um die einen vor dem -Tode zu bewahren und denen, die fallen würden, die Gnade einer seligen -Sterbestunde zu erlangen. Der Herr nahm ihr Anerbieten an und schickte -ihr anderthalb Jahre hindurch vor der Schlacht ganz besondere Leiden. -Den Teufeln wurde gestattet, sie am ganzen Körper mit spitzigen Eisen -und Scherben zu zerkratzen und zu schinden, so daß er nur eine Wunde -war, und diese Wunden wurden dann noch, um den Schmerz zu erhöhen, -mit Salz eingerieben. Bluttriefend, einem Schlachtopfer gleich, -dem h. Bartholomäus, den sie von Jugend auf besonders verehrte und -der für Christus geschunden wurde, ähnlich, lag Christina auf ihrem -Schmerzenslager inmitten des um sie her herrschenden Kriegeslärms und -Kampfgetümmels. Trotz der grausamen Folter, die sie an allen Gliedern -ihres Leibes quälte, und trotz des großen Blutverlustes nahm sie nur -wenig Nahrung zu sich. Während dieser ganzen Zeit von anderthalb Jahren -aß sie nichts anderes als etwas Ingwer. Das war ihre ganze Speise. - -Durch ihre Leiden und Gebete erlangte sie von Gott die Gnade, daß -Graf Adolf von Berg in jener Schlacht dem Tode entging und auch nicht -gefangen genommen wurde und die beiden Grafen von Luxemburg nebst sehr -vielen andern, die dort umkamen, durch die Barmherzigkeit Gottes vor -der Höllenstrafe bewahrt blieben. - -Christinas Leiden hatten den Höhepunkt erreicht. Nach der Wut -des Kampfes trat endlich Friede ein im Lande. Nach der Zeit der -Versuchungen und Prüfungen kamen nun auch Jahre friedevollen Trostes -für die heldenmütige Dulderin Christi. Die von einem Ungenannten -verfaßte Lebensbeschreibung Christinas schließt mit den Worten: „Nach -der Schlacht bei Worringen hörte jegliche Verfolgung seitens des -Teufels gänzlich auf. Zu dieser Zeit hat Christi Braut durch die Gnade -ihres Bräutigams den Luzifer samt allen Teufeln, die in und außer der -Hölle sind, durch standhaften Kampf und heldenmütigen Sieg überwunden, -so daß sie über alle Feinde: Fleisch, Welt und Teufel, glorreich -triumphiert.“ - -Christina war, um mich der Redeweise der h. Teresia zu bedienen, -eingetreten in die siebente Wohnung der Seelenburg, in der es fast nie -Geistestrockenheit noch innere Beunruhigung mehr gibt. Hier sprudelt -dem verwundeten Hirsche labendes Quellwasser in Fülle. Hier findet die -Taube, nach dem Verlaufen der Flut, den Oelzweig zum Zeichen, daß sie -festen Boden gewonnen inmitten der Strömungen dieser Welt. Die Seele -ergötzt sich im Zelte Gottes in fast ungetrübter Ruhe und ist frei von -jeglicher Furcht, der böse Feind könne sie umgarnen. Sie ist nämlich -vergewissert, daß Gott selbst es ist, der hier wirkt. Und wenn auch in -diesem Seelenfrieden mitunter aus irgend einem äußeren Anlasse eine -Beunruhigung eintritt, so ist sie von ganz kurzer Dauer und vermag -nicht, die Seele in ihrer Entschlossenheit, in keinem Stücke vom Wege -der Gottwohlgefälligkeit abzuweichen, wankend zu machen. - -Der Born, an dem die Seele sich labt, ist die Seitenwunde Christi, aus -der geflossen jenes Geheimnis der Liebe, das da ist unsere Stärkung -auf der Wanderschaft zum himmlischen Vaterlande. Häufig und mit -innigster Sehnsucht nahte Christina dem Tische des Herrn. Wie würde sie -aufgejubelt haben, wäre es ihr vergönnt gewesen, täglich das Sakrament -des Leibes und Blutes Jesu Christi zu genießen. Damals war es nicht -Sitte, außerhalb der Hochgezeiten des Jahres zum Tische des Herrn -zu gehen und Christina war zu bescheiden, um durch öftere Kommunion -Aufsehen zu erregen. Jedoch benutzte sie jeden sich darbietenden -festlichen Anlaß, um sich im Sakramente mit Christus zu vereinen, so -daß sie durchschnittlich monatlich zum Tische des Herrn hinzutrat. So -läßt sich aus den zufälligen Angaben des Petrus von Dazien feststellen, -daß sie z. B. im Jahre 1279 zu Allerheiligen die Kommunion empfing, -dann am Katharinentage, dann wieder zu Weihnachten, Mariä Lichtmeß, -zweimal in der h. Fastenzeit, am Gründonnerstage, zu Ostern, am dritten -Sonntage nach Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten. Später, zumal -nachdem Magister Johannes Priester geworden und ihr die h. Kommunion -reichen konnte, ging sie häufiger, nämlich durchgehends alle vierzehn -Tage, zu den hh. Sakramenten. Mit welch heiligem Ernste, mit welch -auferbaulicher Sammlung sie sich auf den Empfang des allerheiligsten -Sakramentes vorbereitete, sahen wir im Verlaufe der Lebensbeschreibung -des öftern. Den ganzen vorhergehenden Tag zog sie sich gänzlich von -der Welt zurück und die Nacht durchwachte sie im Gebete, einzig und -ausschließlich damit beschäftigt, sich vorzubereiten auf den Empfang -ihres himmlischen Bräutigams, und in seliger Vereinigung mit ihm -verbrachte sie den Kommuniontag gewöhnlich im Zustande der Verzückung -an ihrem liebgewonnenen Plätzchen hinter dem Hochaltar der Pfarrkirche. -Wenn es für Christina nicht tunlich war, Christum den Herrn so oft, als -sie es gerne gewünscht hätte, im Sakramente zu empfangen, so vereinigte -sie sich desto öfter im Geiste, nämlich der Sehnsucht nach, mit ihm. -Eine wundersame Art dieser geistigen Kommunion ist aus der Fastenzeit -des Jahres 1281 zu berichten. In der zweiten Fastenwoche jenes Jahres -war Christina drei Nächte nacheinander in der widerwärtigsten Weise -von den bösen Geistern gequält worden. In den beiden ersten dieser -Nächte sandte der Herr einen Engel, um Christina zu trösten und zu -heilen. In der dritten Nacht aber kam der Hohepriester und oberste Hirt -Jesus Christus selbst zu ihr, nicht sichtbar, sondern nur dem Herzen -Christinas innerlich wahrnehmbar, und trug einen Kelch von lauterm -Gold, die h. Hostie darauf, in seiner Hand, machte das Kreuzzeichen -über Christina, und siehe, alle Verwundung und Belästigung war -verschwunden, und dann reichte er ihr die h. Hostie, indem er sprach: -„Nimm hin, meine Braut und Freundin; das ist mein Leib.“ Dann reichte -er ihr auch den Kelch und sprach: „Das ist mein Blut, das für dich -vergossen wurde; durch dieses wirst du mit Sicherheit über alle Feinde -siegen. Fürchte dich also nicht, sondern streite tapfer; denn ich -werde dein sicherer Sieg und dein ewiger Lohn sein.“ Nach diesen Worten -verschwand die wundersame innere Kundgebung, ließ aber in Christinas -Seele Stärkung und Tröstung zurück. - -Mit der Andacht und dem frommen Empfange des allerheiligsten -Sakramentes verband Christina auch eine Andachtsübung, die erst -in unsern Tagen Gemeingut der Christenheit geworden ist, nämlich -die Andacht zum heiligsten Herzen Jesu, aus dem der Welt das Heil -geflossen. - -In ihren Briefen erwähnt sie des öftern das Herz unseres Erlösers und -dem Bruder Petrus beteuert sie, daß sie ihn im Herzen Jesu liebe (S. -128), sie wünscht ihm Tröstung im Herzen Jesu (S. 123) und bittet ihn -im geliebtesten Herzen Jesu, sich ihres Bruders Sigwin anzunehmen (S. -129). - -In der Nacht vor Christabend des Jahres 1280 betete sie, als die -Geister der Bosheit sie unmenschlich marterten und sie mit dem Tode -bedrohten, folgendermaßen: - - „O Herr Jesus Christus, Du Leben der Menschen und Heil aller, die - auf Dich vertrauen, ich bitte Dich durch Dein glorreiches Leiden - und Sterben und =durch Dein süßestes Herz, das aus Liebe gebrochen - ist=: sollte es Dein Wille sein, daß ich von diesen bösen Geistern - getötet werde, so nimm mein angstvolles Herz in Gnaden auf und - verbirg es in Deinem süßesten Herzen.“ - -In der Nacht des Donnerstags vor Petri Stuhlfeier 1281 rief sie -inmitten der Folter also: - - „O mein Herr Jesus, meine einzige Hoffnung von Jugend - auf, der Du in meinen Leiden allezeit mein treuer Helfer - und liebevollster Tröster gewesen bist, keine Wut der - Verfolger, keine Heftigkeit der Peinen soll mich jemals, - so lange ich lebe, von Dir trennen. Wenn ich jetzt sterben - muß, so nimm mich nach Deiner Liebe in Gnaden auf und - =verbirg mich in Dein süßestes Herz=.“ - -In der Fastenzeit des Jahres 1282, als sie, wohl im Geiste, -hinausgeschleppt auf den Galgenberg bei Stommeln, mit dem Tode bedroht -wurde, sprach sie wehmutsvoll: - - „O Herr Jesus Christus, Du süßeste Liebe, in Deine - Hände befehle ich meine Seele. Nimm sie in Frieden auf und - =bewahre sie in Deinem süßesten Herzen auf ewig=. Meinen - Leib aber lasse, wenn es Dein gütigster Wille ist, von den - Dämonen zerrissen werden und eines Todes sterben, wie es - Dir wohlgefällig ist.“ - -In der Nacht vor Weihnachtsabend 1283, als sie mit Durchbohrung des -Herzens bedroht wurde, erhob sie die Augen gen Himmel und flehte also: - - „Herr Jesus Christus, geliebtester Bräutigam, Du weißt - es, daß ich allezeit gewünscht habe, mein Herz möchte - brechen aus Liebe zu Dir; wenn Du Dich nun jetzt würdigest, - diesen meinen Wunsch zu erfüllen, so sage ich Dir von - ganzem Herzen Dank und =empfehle meine Seele in Dein - süßestes Herz=.“ - -Die sicheren Kennzeichen der Vereinigung mit Gott sind nach der h. -Teresia das Verlangen, Gott zu preisen, für ihn zu leiden, Buße zu -üben, verbunden mit dem inbrünstigen Verlangen, daß alle Menschen Gott -erkennen und lieben möchten, woraus dann bittere Pein entsteht bei der -Wahrnehmung, daß er beleidigt wird. Mit diesem Verlangen ist nach der -h. Teresia naturgemäß verbunden das Verlangen nach Einsamkeit. - -Alle diese Kennzeichen treten im Leben Christinas klar zutage. Die -Liebe zur Einsamkeit war es jedenfalls, die sie in ihrem stillen -Heimatdorfe zurückhielt und sie bestimmte, den wiederholten und -dringenden Einladungen, nach Schweden zu kommen, nicht Folge zu geben. -Die Liebe zur Einsamkeit war es, die sie bewog, nach dem Weggang ihres -Bruders Sigwin ein kleines Heim, dort gelegen, wo das alte Holzkreuz, -rückwärts der dem großen Kreuzhof gegenüberliegenden jetzigen -Christinakapelle, in Stommeln steht, zu beziehen, von wo sie hinter -dem Dorfe her über den jetzigen Berlich unbeachtet und ungestört zur -Kirche gehen konnte. Dort konnte sie in der Verborgenheit ihren frommen -Uebungen und Bußwerken obliegen, dort konnte sie die außergewöhnlichen -Gnadenerweise, mit denen die Huld des Herrn sie zu beglücken pflegte, -verborgen halten. Wie sehr sie darauf bedacht war, diese besonderen -Gnadenerweisungen, namentlich die hh. Wundmale, zu verbergen, erhellt -aus dem Umstande, daß die Lederhandschuhe, mit denen sie am Ostertage, -wenn sie zur Kommunion ging, die Hände verhüllte, damit die noch nicht -ganz vernarbten Wundmale neugierigen Blicken entzogen würden, erhalten -geblieben sind. Sie wurden als verehrungswürdige Gewandstücke nach -Christinas Tode sorgfältig aufbewahrt, schon um die Mitte des 14. -Jahrhunderts mit gestickten Seidenhüllen, auf deren einer Christina vor -dem Heilande, auf der anderen Christina vor dem Bilde der Gottesmutter -dargestellt ist, umgeben. Mit ihrem Gebetstäfelchen und dem gewirkten -Täschchen, in dem sie ihr Psalmenbuch aufzubewahren pflegte, sind -sie noch heute als teuere Andenken in ihrem Grabmale bei den heiligen -Gebeinen hinterlegt (Abb. 5). Sie müssen ihr also auch wohl bis zum -Lebensende gedient haben. Es liegt somit der Schluß nahe, daß auch -die Wundmale wie früher in der Leidenszeit, so auch später in der -Friedenszeit sich alljährlich am Karfreitage an Christina erneuert -haben. Nachdem Petrus von Dazien, ihr vom Herrn selbst bestellter -Seelenführer, in die ewige Heimat hinübergegangen war, hat Christina -allem Anscheine nach niemandem mehr, abgesehen von der Beichte, -über ihre inneren Erlebnisse und Zustände Mitteilungen gemacht. In -ihrer Einsiedelei lebte sie in inniger Gottvereinigung, äußerster -Genügsamkeit, am Spinnrocken sitzend und stets dem Gebete obliegend, -bis sie im Alter von siebenzig Jahren abberufen wurde zur beseligenden -Vereinigung mit ihrem himmlischen Bräutigam im Hochzeitssaale des -ewigen Lebens. In der Nachschrift des ersten Buches der Jülicher -Handschrift, die nach dem Urteil der Sachverständigen aus der Zeit von -1342-1400 herrührt, heißt es wie folgt: „Die von Gott und den Menschen -geliebte Braut Christi Christina legte im zehnten Jahre ihres Alters -das Gelübde der Keuschheit ihrem Bräutigam Jesus Christus ab, dem sie -unter mannigfachen und andauernden Versuchungen ... Nachstellungen -und Martern der bösen Geister durch ein frommes Leben und unbesiegte -Standhaftigkeit diente bis zum Jahre 1312 den 6. November, welcher -der Tag des h. Leonhard war und auf den Montag fiel, an dem sie zur -Zeit der Morgendämmerung beim ersten Hahnenschrei aus diesem irdischen -Lichte in glücklichem Tausche hinüberschied ins ewige Licht.“ - - - - -Achtzehntes Kapitel. - -Christinas Verehrung nach dem Tode und deren Bestätigung durch Papst -Pius X. - - -Die Heiligen leben nach ihrem Hinscheiden aus dieser Welt nicht bloß -weiter bei Gott in ewiger Seligkeit, sondern sie herrschen auch mit -ihm, wie die Schrift bezeugt. Der Herr liebt es, durch Vermittlung -derer, die seine getreuen Diener und auserlesenen Freunde auf dieser -Erde waren, den Erdenpilgern mannigfache Erweise seiner Huld und -Erbarmung an Leib und Seele zukommen zu lassen. Für solche, die -zeitlebens, vom Geiste Gottes getrieben, ihr Glück darin fanden, -andere glücklich zu machen; die von Gottes Liebe entzündet, sich -erschöpften in Werken christlicher Nächstenliebe, muß es ja auch im -seligen Leben dort oben Möglichkeit und Gelegenheit geben, Erbarmen und -Liebe zu üben, da ja die Himmelsherrlichkeit die Natur nicht zerstört, -sondern nur erhebt und veredelt und das mit Hülfe der Gnade hienieden -Begonnene zur Vollendung bringt. Auf die Anrufung der Heiligen erfolgen -denn auch erfahrungsgemäß ganz auffallende Gebetserhörungen und der -Herr verherrlicht die Grabstätte seiner Auserwählten nicht selten -mit Wunderwerken. Auch Christinas Grab sollte glorreich werden. Sie -wurde bestattet auf dem Kirchhofe zu Stommeln an der Nordseite des -noch jetzt stehenden Turmes der alten Pfarrkirche, die anmutig auf -der Höhe gelegen, Dorf und Umgegend beherrscht. Laut der bereits -vorhin erwähnten, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Nachschrift -des ersten Buches der Jülicher Handschrift geschahen nach dem Tode -Christinas viele auffällige Heilungen an ihrem Grabe. Auch Werner -von Titz schreibt in seinen um 1586 verfaßten Annalen von Neuß zum -Jahre 1330, um jene Zeit habe angefangen berühmt zu werden die selige -Christina, eine heilige Jungfrau, die aus Stommeln gebürtig sei. -Umständlich aufgezeichnet von diesen Heilungen ist jedoch nur die des -Grafen Dietrich IX. von Cleve, die Veranlassung zur Errichtung eines -Kollegiatkapitels in Stommeln werden sollte. - -Graf Dietrich litt derartig an der Gicht, daß er weder gehen noch -stehen, noch Speise zum Munde führen konnte. An seiner Schloßkapelle -zu Monterberg bei Calcar versah damals Kaplansdienste ein Johannes -von Stommeln, der wahrscheinlich dieselbe Persönlichkeit ist mit dem -ehemaligen Magister Johannes von Stommeln und nachmaligem Kaplane -Christinas. Durch diesen wohl erhielt Graf Dietrich Kunde von den -Heilungen, die sich am Grabe Christinas zu Stommeln zutrugen, und auch -er beschloß, sich dorthin fahren zu lassen. Am 2. August 1339 kam -er nach Stommeln und ließ sich in einer Sänfte hinauf zum Kirchhofe -tragen. Das Grab wurde geöffnet und die Gebeine herausgenommen, um -in die Kirche übertragen zu werden. Dietrich verrichtete am Grabe -Christinas ein Gebet, man gab ihm eines der Gebeine (ein Fingergelenk) -in die Hand, und alsbald knisterte es in seinen Gliedern, wie wenn man -dürres Reis zerbricht. Urplötzlich fühlte er sich geheilt, sprang auf, -stieg zu Pferde und ritt von dannen, voller freudiger Dankbarkeit gegen -Gott, der auf die Anrufung seiner Dienerin Christina ihm den Gebrauch -seiner Glieder wiedergegeben hatte. - -Die Heilung des Grafen Dietrich war die Veranlassung zur Stiftung -zweier Kollegiatkapitel, nämlich desjenigen von Cleve und desjenigen -von Stommeln. - -Graf Dietrich verlegte nämlich das von ihm am 15. Februar 1334 zu -Monterberg errichtete Stift mit Genehmigung seines Vetters, des Cölner -Erzbischofs Walram von Jülich, im Jahre 1341 nach Cleve. Am 18. März -des genannten Jahres legte er selbst den Grundstein zum neuen Chore der -ehemaligen Stiftskirche und nunmehrigen Pfarrkirche zu Cleve. Eines der -Chöre wird im Jahre 1425 bezeichnet als geweiht der seligsten Jungfrau -und der seligen Christina.[53] - - [53] Die Stadt Kleve. Beiträge zur Geschichte derselben von Dr. Robert - Scholten. Kleve 1879, S. 417. - -Die Stiftungsurkunde des Kollegiatkapitels von Stommeln ist nicht -mehr vorfindlich. Aus der vom Cölner Erzbischof Walram von Jülich -unter dem 4. Mai 1342 ausgestellten Uebertragungsurkunde, die im -Staatsarchiv zu Düsseldorf beruht, geht jedoch hervor, daß das Stift -oder Kollegiatkapitel vollständig in Stommeln bestand, jedoch keine -hinlänglichen Einkünfte hatte. Es bestand aus einem Dechanten und -zwölf Stiftsherren. Der erste Dechant des Stiftes hieß Gotfrid, und als -Stommeler Stiftsherren werden aufgeführt: 1. Petrus von Unkelbach, 2. -Herpern von Kentzwilre, 3. Johannes Knode, 4. Johannes von Stommeln, 5. -Jakob von St. Andreas, 6. Johannes von Caster, 7. Wilhelm von Zülpich, -8. Ludwig von Randerode, 9. Philipp von St. Andreas, 10. Reinard von -Nideggen, 11. Johannes von Arscoit, 12. Konrad von St. Cäcilien. - -Als Grund zur Verlegung nach Nideggen, der Residenz des Markgrafen von -Jülich, wird angegeben, daß Stommeln ein nicht sonderlich passender -Ort für ein Stiftskapitel sei, auch sei die dortige Bewidmung eine -dürftige. Anderweitig aber wissen wir auch, daß das Bestreben des -Markgrafen Wilhelm von Jülich schon lange dahin ging, seiner Residenz -durch ein Stift größere Bedeutung und höheren Glanz zu verleihen. -Bereits im Jahre 1329 hatte er von Papst Johann XXII. die Ermächtigung -erbeten und auch erhalten, in Nideggen eine solche Stiftskirche zu -errichten. Um jedoch mit weniger Unkosten zum Ziele zu kommen, hatte -er zunächst versucht, die Pfarrkirche in Nideggen, die im Besitze -der Johanniter war, diesen streitig zu machen und zur Stiftskirche zu -erheben. Dieser Plan scheiterte jedoch am Widerstande der Johanniter. -So sah sich denn Markgraf Wilhelm in die Notwendigkeit versetzt, für -das in Nideggen zu errichtende Stift eine neue Kirche zu bauen. Er -baute sie vor dem Brandenberger Tore, und wie die Pfarrkirche dem h. -Johannes dem Täufer geweiht war, so sollte die Stiftskirche den Namen -des Liebesjüngers des Herrn, des h. Apostels und Evangelisten Johannes, -tragen. Im Frühjahr 1342 scheint der Bau, der ein ansehnliches, aus -rotem Sandstein ausgeführtes, dreischiffiges Gebäude gotischen Stiles -von 130 Fuß Länge und 60 Fuß Breite war, fertig geworden zu sein. -Denn am 15. April 1342 ersuchte Markgraf Wilhelm seinen Bruder, den -Erzbischof Walram, um die Vornahme der Weihe der neuen Stiftskirche und -um die Verlegung des Stommeler Stiftes nach Nideggen. Da der Markgraf -für die Erbauung der Kirche erhebliche Aufwendungen hatte machen -müssen, so kam ihm die Geneigtheit der erst seit Kurzem in Stommeln -angesiedelten und noch nicht vollständig eingerichteten Stiftsherren, -ihr stilles Dorf mit der Residenz Nideggen zu vertauschen, sehr -gelegen. Für die vollständige Bewidmung der Stiftspfründen brauchte er -nun nicht mehr aufzukommen. Es genügte, die für das Stommeler Stift von -seinem Vetter, dem Grafen Dietrich IX. von Cleve, gestiftete Bewidmung -zu ergänzen, was er auch tat. - -Unter dem 4. Mai 1342 wurde dann das Stift von Stommeln nach Nideggen -von Erzbischof Walram unter Zustimmung des Domkapitels verlegt, und -das Cäcilienstift in Cöln trat wieder in dasselbe Verhältnis zur -Pfarrkirche von Stommeln wie ehedem. - -Weil jedoch das Stommeler Stiftskapitel mit Christina innig -zusammenhing und bei ihren Gebeinen errichtet worden war, so mußten -naturgemäß bei der Verlegung des Stiftskapitels nach Nideggen auch -Christinas Gebeine dorthin übertragen werden. In der Tat wurden -dieselben noch vier Tage vor Ausfertigung der Verlegungsurkunde -von Stommeln in die neuerbaute Stiftskirche nach Nideggen gebracht. -Die Uebertragung geschah nämlich am 1. Mai 1342, dem Feste der hh. -Apostel Philippus und Jakobus, „bei prachtvollem Wetter“. Da die -Bewohner Stommelns, die bis heute die Grabstätte Christinas neben dem -Glockenturme in hohen Ehren halten, die Uebertragung ihrer Gebeine -nach Nideggen nur ungern sehen konnten und Unruhe und Widerstand -zu befürchten war, deshalb wohl hat man die förmliche Verlegung des -Stiftskapitels nicht abgewartet, sondern vorher, in unvermuteter Weise, -die Uebertragung der Gebeine vorgenommen. - -Sie wurden in der neuen Stiftskirche anfänglich in einem Tiefgrabe -beigesetzt, weil Christinas Heiligsprechung, wie Johann Gilemanns -in seinem Novale Sanctorum berichtet, beim Papste wohl beantragt -worden, aber noch nicht erfolgt war. Jedenfalls war es Erzbischof -Walram von Jülich, der wohl in Verbindung mit seinem Bruder, dem -Markgrafen Wilhelm von Jülich, die Heiligsprechung Christinas beantragt -hat. Walram starb jedoch im Jahre 1349 und infolge der Ungunst der -Zeitverhältnisse kam die Sache ins Stocken. Die Verehrung Christinas -jedoch kam deshalb nicht in Verfall, sondern hob sich mit Wissen und -unter stillschweigender Billigung der kirchlichen Behörde immer mehr, -zumal auch in Nideggen ihr Grab durch wunderbare Heilungen verherrlicht -wurde. - -In dem vom Jülicher Markgrafen an den Erzbischof Walram gestellten -Antrag auf Weihe der Stiftskirche in Nideggen, den der Erzbischof -in allen Punkten bestätigte, heißt es, die neue Stiftskirche solle -zwar dem h. Apostel und Evangelisten Johannes geweiht werden, allein -es sei deshalb doch nicht beabsichtigt, daß die Patrone der Kirche -von Stommeln -- diese war dem h. Bischof Martinus geweiht -- und -sonstige Heilige, die dort entweder kraft der Satzung oder nach -Brauch verehrt worden seien, künftighin in Nideggen nicht mehr in der -früheren Weise sollten verehrt werden. Diese nach Lage der Sache -- -da das Heiligsprechungsverfahren Christinas noch in der Schwebe war --- vorsichtig gefaßte Stelle, kann sich nur auf die selige Christina -beziehen. - -Wie sehr ihr Grab in der Stiftskirche zu Nideggen verehrt wurde, -geht daraus hervor, daß diese nicht nach ihrem Patron, dem h. -Apostel und Evangelisten Johannes benannt wurde, sondern gemeinhin -=Sankt-Christinen-Kirche= heißt. So nennt sie z. B. Herzog Gerhard -von Jülich in der am Karfreitag des Jahres 1445 erlassenen Satzung des -St.-Hubertus-Ordens, den er zum Andenken an den von ihm am Hubertustage -des Jahres 1444 bei Linnich über Arnold von Egmont errungenen Sieg auf -dem Schlachtfelde selbst gestiftet hatte. Dieser Orden, der jetzt der -vornehmste Orden des bayerischen Königshauses ist, und dem auch damals -nur die edelsten Herren und ersten Fürsten Deutschlands angehörten, -hatte seinen Sitz in der Christinenkirche zu Nideggen. In § 3 der -Ordenssatzung heißt es, daß ein Ordensritter, wenn er aus irgend einem -Grunde in Gegnerschaft zum Herzoge von Jülich treten müsse, gehalten -sei, vorher die „Ordenskette“ nach Nideggen zur Kirche =der seligen -Christina=, die der Hauptsitz des Ordens sei, zurückzusenden. Und in § -15 wird bestimmt, daß, wenn ein Ordensritter gestorben sei, die Erben -und Verwandten die Ordensabzeichen allsogleich nach Nideggen zur Kirche -=der heiligen Christina= zurückschicken sollen.[54] - - [54] _„Tenetur ... torquem ordinis tesseram remittere Nideccam ad - Divae Christinae templum, in quo ordinis sedes primaria“. -- - „Haeredes et Cognati torquem et ordinis signum protinus Nideccam - ad Sanctae Christinae templum ... remittunto“. Brosii Annales - Juliae. Coloniae 1731. II, 57._ Oidtmann, die Hubertusschlacht - bei Linnich. Jülich 1909. 67 und 69. - -In ihrem am 6. Februar 1496 vor dem Cölner Offizial durch Notar Hermann -Birrick von Orsoy beglaubigten Testamente bestimmte die Gräfin zu -Virneburg, geb. Maria von Croy, sie wolle nach ihrem Tode begraben -werden „zo Nydecken in der understhen Kirchen zu =sent Christynnen= -by unseren jonckeren van Blanckenheym seliger“. Dann stiftet sie noch -verschiedene Wochenmessen, die „in derselver kirchen Nydecken zo „=sent -Christinen=“ sollten gelesen werden“.[55] - - [55] Staatsarchiv zu Düsseldorf. Stift Jülich Nr. 92. Die Stiftskirche - heißt die unterste Kirche zu Nideggen im Gegensatz zu der höher - gelegenen Pfarrkirche. - -In der Stiftskirche zu Nideggen wurde gegen das Jahr 1500 für -die Gebeine der seligen Christina ein recht geschmackvolles, aus -Schmiedeeisen gearbeitetes, erhabenes Grabmal errichtet, dessen Abbild -aus dem Werk der Bollandisten wir (Abbildung 11) beifügen. - -Der auf der Höhe des Denkmals thronende hölzerne Reliquienschrein -zeigte an den beiden Schmalseiten das in flacher Schnitzerei aus -Eichenholz gearbeitete Bild Christinas mit dem Drachen unter den Füßen -und dem Buche in der Hand. Am Giebel der rechten Langseite befand sich -das Bild des h. Apostels und Evangelisten Johannes, ihm gegenüber an -der linken Langseite das Bild des h. Bischofs Martinus. Bei einem -Gewölbeeinsturz wurde im Jahr 1783 das zierliche Denkmal zerstört. -Eines der beiden Bilder Christinas ist jedoch erhalten geblieben und -ist gegenwärtig an der Seitenwand der Christinakapelle der Jülicher -Pfarrkirche angebracht (Abbildung 12). - -Der im Renaissancestil gehaltene, aus schwarzem Marmor gearbeitete -Sarkophag, für den der gotische Eisenaufbau nur die Umrahmung und -Bekrönung bildete, ist jünger als dieser, hat jedoch schon in Nideggen -Christinas Gebeine umschlossen, wie er es annoch zu Jülich tut. -Denn der Marmor, aus dem er angefertigt ist, stammt aus der Umgegend -von Nideggen. In der Jülicher Fehde, auch Geldrischer Erbfolgekrieg -genannt, wurde Schloß und Stadt Nideggen von den Truppen Kaiser Karls -V. im Jahre 1542 fast gänzlich zerstört. Auch die Stiftskirche wurde -stark beschädigt. Die herzogliche Residenz wurde nach Jülich verlegt -und in dessen Nähe das Waldschloß Hambach prächtig wiederaufgebaut. -Nideggen verfiel und die Stiftskirche begann zu veröden. Nach dem -Willen des Herzogs sollte das Stift dem Hofe nach Jülich folgen, und -deshalb beantragte Herzog Wilhelm beim päpstlichen Nuntius Sebastian -Pighino dessen Verlegung in die Pfarrkirche zu Jülich. Dem Ersuchen -wurde durch Urkunde vom 15. November 1550 entsprochen. Die Stadt -Nideggen aber sträubte sich gegen die Verlegung des Stiftes. Auch lag -in Jülich, in Folge des großen Brandes vom Jahre 1547, noch alles im -Argen, und so blieb das Stift noch achtzehn Jahre lang in Nideggen. -Erst am 1. Oktober 1569 siedelte es hinüber nach Jülich in die dortige -der allerseligsten Jungfrau geweihte Pfarrkirche und führte von nun -an den Titel „Liebfrauenstift“. Christinas Gebeine konnten aber von -den Stiftsherren nicht nach Jülich mitgenommen werden. Der Widerstand -der Bewohner Nideggens war zu groß. Sie blieben vielmehr, wie der -Notar Christian Hammechers von Nideggen in einer vom 6. März 1578 -datierten Nachschrift zum ersten Buch der Jülicher Handschrift mit -Dank gegen Gott bezeugt, noch eine Reihe von Jahren in der Kirche zu -Nideggen. In dieser mußte auch noch an allen Sonn- und Feiertagen von -seiten des nunmehrigen Jülicher Stiftes eine h. Messe gehalten werden. -Jedoch verfiel die Kirche immer mehr. Durch List wußten die Jülicher -Stiftsherren schließlich Christinas Gebeine von Nideggen nach Jülich zu -schaffen. - -Es war am 22. Juni 1586, als an einem Nachmittage nach der Vesper ein -Mann, der auf alle an ihn gestellten Fragen keine Antwort gab, mit -einem Wagen vor der Pfarrkirche zu Jülich anlangte, dort den Schrein -mit den Gebeinen der seligen Christina absetzte und dann spurlos -verschwand. Der Mann wird von den Jülicher Stiftsherren gedungen -gewesen sein. Zur Nachtzeit wird er den Reliquienschrein in Nideggen -aufgeladen haben und konnte so um die Zeit, als die Stiftsherren aus -der Vesper nach Hause gingen, in Jülich ankommen. Natürlich mußte er -spurlos verschwinden, um Weiterungen vonseiten Nideggens zu verhüten. - -Von der Anwesenheit der Gebeine Christinas in Nideggen geben noch heute -zwei Ortsbenennungen Kunde, das =Christinentälchen= am obern Abhange -des Jungholzes und das ebendaselbst befindliche „=Christinenpützchen=“. -Hier sollen nach Aschenbroich Christinas Gebeine in Kriegszeiten -versteckt gewesen sein, um sie vor Verunglimpfungen seitens der Krieger -zu schützen. - -Die Stiftskirche in Nideggen wurde im dreißigjährigen Kriege vollends -zur Ruine. Später bauten dort die Minoriten ein kleines Kirchlein -mit Kloster, das bis zur Franzosenzeit bestand. Im Hofraum des -Privatgebäudes, das an die Stelle des Klosters getreten ist, sind -die Grundmauern des Langhauses der ehemaligen Stiftskirche noch zu -erkennen. Auch sind im Garten die Untermauern des Chores in der Höhe -von 2-3 Meter noch vorhanden. - -Die Marianische Kongregation für Jungfrauen zu Nideggen erwählte die -selige Christina letzthin zu ihrer besonderen Schutzpatronin, und eine -Reliquie aus den Gebeinen der Seligen wurde von Jülich bei Gelegenheit -der Seligsprechungsfeier nach Nideggen übertragen. - -Das Stiftskapitel in Jülich bestand bis zum Anfang des 19. -Jahrhunderts, wo es gleich den übrigen Stiften von der französischen -Fremdherrschaft aufgelöst und die Stiftskirche wieder einfache -Pfarrkirche wurde. - -Der 22. Juni wurde alljährlich in der Stiftskirche zu Jülich als -Tag der Uebertragung der Gebeine der seligen Christina mit erhöhter -Festfeier begangen. Das Hauptfest der seligen Christina wird jedoch -von jeher und heute noch am 6. November, ihrem Sterbetage, unter -großem Zulaufe des Volkes gefeiert, das zu ihr in leiblichen und -geistigen Anliegen, besonders bei Lähmungen, Gichtleiden und in -Fieberkrankheiten, seine Zuflucht nimmt und erfahrungsmäßig gnädige -Erhörung findet. Ihr Grab war mit Weihegeschenken aller Art umhangen. -Eine ununterbrochene Reihe von Gebetserhörungen und Heilungen, die -auf Christinas Anrufung an ihrem Grabe erwirkt wurden, findet sich -aufgezeichnet. Das Stiftskapitel traf sogar die Anordnung, daß ein -apostolischer Notar die fast täglich zum Grabe Christinas kommenden -hülfesuchenden Pilger beobachten und die Heilungen protokollieren -solle. Wilhelm Hermann Gabriels hat denn auch in den Jahren 1704-1706 -eine ganze Reihe solcher Heilungen in ordnungsmäßigem Verhör vor Zeugen -festgestellt und aufgezeichnet. Auch sonstige, selbst von weltlichen -Behörden aufgenommene Protokolle über solche Heilungen sind in -erheblicher Anzahl vorhanden. - -Auch bei den Kartäusern, die bei Jülich am Vogelsang ein Kloster -hatten, und auch im Kloster zu Cöln blühte Christinas Verehrung. -Zeugnis dafür legt ab ein auf Seide noch vor dem Jahre 1639 in der -Cölner Kartause gedrucktes Bild der Seligen, dessen photographische -Nachbildung im verkleinerten Maßstabe wir (Abbildung 4) wiedergeben. - -Doch nicht bloß in Jülich bei den Gebeinen Christinas, sondern auch an -ihrer ursprünglichen Grabstätte, auf dem Kirchhofe zu Stommeln neben -dem Glockenturm, geschahen viele Aufsehen erregende Heilungen. In den -letzten Tagen des Januar und den ersten Tagen des Februar des Jahres -1897 nahm Pfarrer Christian Klausmann zu Stommeln vierzig Protokolle -von Heilungen auf, die auf Anrufung der seligen Christina und Besuch -ihrer ehemaligen Grabstätte sich in den vorhergehenden Jahren in -Stommeln zugetragen hatten. - -Im Jahre 1896 wurde die ehemalige Grabstätte Christinas zu -Stommeln, die bis dahin Jahrhunderte hindurch durch einen gewölbten, -tumbaähnlichen Ziegelsteinbau kenntlich gemacht war, mit einem schönen, -aus Heilbronner Sandstein in frühgotischem Stile gefertigten Denkmal -geziert, das die gefeierte Selige in Lebensgröße darstellt (Abbildung -8). - -Ganz in der Nähe jener Stätte, wo sie in den letzten Jahren ihres -Lebens gewohnt hat und gestorben ist, gegenüber dem großen Kreuzhof -wurde durch Familie Christian Lemper im Jahre 1854 eine Kapelle zu -Ehren der seligen Christina erbaut. - -Weil jedoch Christina förmlich weder selig noch heilig gesprochen -worden war, wurde die Zulässigkeit ihrer Verehrung vielfach in Zweifel -gezogen. - -Unter Erzbischof Johannes, Kardinal von Geißel, bereits wurde in -Jülich eine Untersuchung über die Verehrung der seligen Christina -angestellt, die damit endigte, daß durch Verfügung des erzbischöflichen -Generalvikariates vom 30. Dezember 1854 das fernere Fortbestehen der -seit unvordenklichen Zeiten in der Pfarrkirche zu Jülich eingeführten -gottesdienstlichen Feier am 6. November jeden Jahres in der bis dahin -üblichen Weise und Ordnung bis zu anderweitiger Verfügung genehmigt -wurde. - -Die Pfarrkirche zu Jülich wurde, abgesehen vom Turme, in der zweiten -Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch einen Neubau auf der alten -Stelle ersetzt, und durch die Fürsorge des für Christinas Verehrung -eifrig besorgten Oberpfarrers und Dechanten Andreas Esser wurde an -der Epistelseite des Neubaues eine eigene Christinakapelle errichtet, -in deren Mitte das alte Grabmal mit den hh. Gebeinen Aufstellung fand -(Abbildung 13). - -In der Karwoche des Jahres 1874 war Erzbischof Paulus Melchers, weil -er sich den sogenannten Kulturkampfgesetzen nicht fügen wollte, ins -Gefängnis am Klingelpütz abgeführt worden, woselbst er sechs Monate -hindurch eingekerkert war. Mit ihm teilte die Haft der Pfarrverwalter -von Stommeln Johann Wilhelm Havermann. Das Studium und die Betrachtung -der Leiden und Prüfungen der Dulderin Christina brachte beiden -schwergeprüften Männern Trost und Kraft. - -Aus dem Gefängnisse entlassen, genehmigte Erzbischof Paulus Melchers -unter dem 31. Oktober 1874 die Gottesdienstordnung für die Festfeier -der seligen Christina in der Pfarrkirche zu Stommeln, der er -auch eine Reliquie der Seligen, nämlich einen Armknochen, aus dem -Reliquienschreine in Jülich überwies. - -Kein Wunder, daß der Kirchenfürst, als er nach zehnjährigem Exil im -Jahre 1885 mit dem Kardinalshut geschmückt, in der Hauptstadt der -Christenheit seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte, die Sache der seligen -Christina in die Hand nahm. - -Am Feste des Namens Jesu 1889 stellte er schriftlichen Antrag beim -Papste auf Bestätigung ihrer unvordenklichen Verehrung und die -Ritenkongregation beauftragte den damaligen Cölner Erzbischof Philippus -Krementz, das ordentliche Prozeßverfahren in dieser Sache einzuleiten. -Weihbischof Hermann Josef Schmitz führte im Namen des Erzbischofs -den kanonischen Prozeß, und unvergeßlich ist der Jubel und die -Begeisterung, mit der er am 16. Februar 1897 in Jülich empfangen wurde, -als er dort mit Postulator, Promotor und Notar zur Inaugenscheinnahme -des Grabes der Seligen und zur Vornahme von Zeugenverhören erschien. -Freilich erhob sich auch, wie das nicht anders zu erwarten war, -Widerspruch, und lebhafte Fehde wurde in den politischen Blättern über -die Zweckmäßigkeit der Einleitung des Prozeßverfahrens geführt. Das -mußte natürlich den Gerichtshof bewegen, das Verfahren mit größter -Sorgfalt und Gründlichkeit zu führen. Das Ergebnis war ein günstiges. -Am 9. September 1897 fällte der Kardinal Erzbischof Philippus Krementz -in feierlicher Gerichtssitzung, die in der erzbischöflichen Hauskapelle -zu Cöln stattfand, nach Anrufung des Namens Christi, Gott allein -vor Augen habend, das Endurteil dahin, es sei als feststehend zu -erachten, daß die ehrwürdige Dienerin Gottes Christina schon vor dem -Jahre 1534 kirchlich verehrt worden sei, und daß diese Verehrung sich -ununterbrochen bis auf den heutigen Tag erhalten habe. - -Papst Urban VIII. hat nämlich aufs strengste verboten, jemanden -als Heiligen zu verehren, der nicht vom Papste heilig gesprochen -sei. Dieses Verbot findet jedoch nicht auf diejenigen Diener Gottes -Anwendung, die bereits hundert Jahre vor der Verfügung Urbans VIII., -nämlich vor dem Jahre 1534, in der Kirche öffentlich als Heilige oder -Selige verehrt worden sind. Bezüglich der seligen Christina wurde nun -der vollgültige Beweis erbracht, daß ihre Verehrung bereits vor dem -Jahre 1534 zu Recht bestand. - -Nach langwieriger und sorgfältiger Prüfung hat die Ritenkongregation -in ihrer Sitzung vom 11. August 1908 auf Anstehen des Kardinals -Hieronymus Gotti das Urteil des Cölner Erzbischofs bestätigt, und -am darauffolgenden Tage hat Papst Pius X. die Verehrung der seligen -Christina gutgeheißen. - -Nach kirchlichem Rechte gebührt ihr nunmehr der Grad der Verehrung, der -den förmlich selig gesprochenen Dienern Gottes zusteht. - -In der neuen Pfarrkirche zu Stommeln wurde der Seitenaltar auf der -Evangelienseite nach ihr benannt und mit ihrem Bilde geschmückt -(Abbildung 9), und am Fuße des Kirchhügels wurde ein stattliches -Krankenhaus (Abbildung 10) erbaut, das am Christinafeste des Jahres -1908 feierlich eingeweiht wurde. Zellitinnen aus der Kupfergasse -in Cöln, deren Orden sich aus dem Beginentum entwickelt hat, mithin -Mitschwestern der seligen Christina, versehen in ihm den Krankendienst. - -Auf Antrag des hochseligen Kardinals und Erzbischofs von Cöln Antonius -Fischer wurde durch Dekret der Ritenkongregation vom 18. März 1909 der -Name der seligen Christina in das liturgische Kalendarium der Cölner -Kirche unter dem 6. November eingetragen, die Feier ihres Festes für -den Bereich des Erzbistums Cöln bewilligt und eigene Meßgebete und -Lesungen für die Begehung des Festes genehmigt. - -Die Meßgebete lauten in der Uebersetzung wie folgt: - - -Meßgebet. - -O Herr Jesus Christus, der Du Deine geliebte Braut Christina -mit überaus reichen Gnadengaben ausgestattet und sie gegen alle -Nachstellungen des Teufels mit unbesiegbarem Heldenmute ausgerüstet -hast, gib gnädig, daß wir durch ihre gütige Vermittelung alle -Widerwärtigkeit standhaft überwinden, in Deinem Dienste treu bis zum -Tode verharren und so die ewigen Freuden erlangen. Der Du lebst und -regierst. - - -Stillgebet. - -Wir bringen, o Herr, das Opfer Deines Leibes und Blutes dar und -bitten Dich demütig, daß wir durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau -Christina Verzeihung aller Sünden erlangen mögen. Der Du lebst u. s. w. - - -Nach der h. Kommunion. - -Laß einströmen, o Herr, in unsere Herzen, den Geist Deiner Gütigkeit -und gib gnädig, daß wir in Nachahmung der Tugendbeispiele Deiner -seligen Jungfrau Christina standhaft im Glauben und glühend in der -Liebe befunden werden. Durch unsern Herrn. - - -Lied zum Christinafest. - - Nach der neuen Melodie: „Maria zu lieben“. - (Kölner Diözesangesangbuch Nr. 177). - - 1. O sel'ge Christina, wir ehren Dich heut', - Weil Gott Dich erhoben zur himmlischen Freud; - In unserer Heimat hast einst Du gelebt - Und jegliche Tugend zu üben gestrebt. - - 2. Auf Gott war gerichtet Dein Herz und Dein Sinn, - Dem frommen Gebete gabst gern Du Dich hin; - Dem höllischen Feinde Du so widerstand'st - Und Hülfe und Beistand durch Engel Du fand'st. - - 3. Du warst mit der Herrin des Himmels vertraut - Und hast gar den göttlichen Heiland geschaut; - Er prägte die Male der Wunden Dir ein, - Du solltest empfinden der Dornenkron' Pein. - - 4. Gar lieblich und eifrig, nach Jesu Gebot, - Halfst gern Du dem Nächsten in Krankheit und Not; - Des Fegfeuers Seelen in Qualen und Leid - Hast durch Dein Büßen und Beten befreit. - - 5. Und gleich Deinem Heiland, in Armut und Not - Dein Leben Du schlossest durch heiligen Tod; - Du gingest in die Ruhe der Seligen ein, - Und stets wird im Segen Dein Andenken sein. - - 6. Gar mancher, der bittend an Dich sich gewandt, - Erhörung und Gnade bei Gott durch Dich fand; - Denn er, der im Schwachen sich machtvoll bewährt, - Noch jetzt seiner Dienerin Bitten erhört. - - 7. Wir fleh'n, da die Kirche als Sel'ge Dich ehrt, - Und um Deine Fürsprach' zu bitten uns lehrt: - Hilf uns Christina in jeglicher Not, - Zumal wenn uns nahet der bittere Tod. - - - - -Personen- und Ortsverzeichnis. - - - Aachen 3, 11, 146, 147. - - Aarhus 101, 105, 108. - - Absalon, Dominikanerprovinzial 50. - - Adolf, Graf von Berg 155, 156, 157. - - Adolf, Graf von Nassau 155, 156. - - Adolf, Scholar in Cöln 30, 92. - - Aerschot 144. - - Albert der Große 4, 12. - - Albigenser 10. - - Aldebrandino, Dominikaner aus Rom 29, 59, 60, 61, 62, 64, 67, - 79, 80, 102. - - Aleidis, Begine in Stommeln 32, 33, 40, 115. - - Aleidis, die Blinde, Begine in Stommeln 19, 32, 52, 54, 89, 109. - - Alfradis, vornehme Frau bei Stommeln 40. - - Alsen 118. - - Andernach 29. - - Andreas, reicher Schwede 131. - - Andreas von Esch, Dominikaner 98. - - Andreasstift zu Cöln 12, 17, 164. - - Antwerpen 154. - - Apostoliker, Sekte 10. - - Arnold von Egmond 166. - - Arnold von Looz 155. - - Arnold von Xanten, Dominikanerprior 29, 83. - - Aschenbroich, Martin, Schriftsteller 168. - - Augustinus, Dominikanerprovinzial 113. - - Balduin von Flandern, Dominikaner 29, 59. - - Bartholomäus, Apostel 17 21, 156. - - Beatrix, Frau zu Stommeln 5. - - Bedburg 57, 92. - - Beginen 8, 9. - - Beginen zu Stommeln 19, 32, 91. - - Benigna, Begine in Stommeln 32, 116. - - Berg, Grafschaft 155, 157. - - Bergheim, an der Erft 2. - - Berlich, Straße in Stommeln 160. - - Bertold, Dominikanerprior 130, 132, 133. - - Birrick, Hermann, Notar 167. - - Blankenheim 167. - - Böhmen 29. - - Bonefant, Wilhelm, Dominikaner 87. - - Bordeaux 154. - - Brabant 155. - - Brandenbergertor zu Nideggen 164. - - Brauweiler 2, 30, 67, 68, 76, 94, 105, 106, 108, 155. - - Brühl 3 - - Bruno h., Erzbischof von Cöln 4. - - Brusohaus 6. - - Bruso, Heinrich 5, 109. - - Burg an der Wupper 156. - - Calcar 163. - - Caster 164. - - Cäcilia h. 57. - - Cäcilienstift in Cöln 4, 5, 30, 31, 164, 165. - - Christina h., Martyrin 5. - - Christina, Dominikanerin in Schweden 130. - - Christina, Stiftsdame an St. Ursula in Cöln 32. - - Christina, Dienstmagd des Bruders Christinas zu Cöln 149. - - Christinenaltar zu Stommeln 172. - - Christinengrab zu Stommeln 170. - - Christinenkapelle zu Jülich 171. - - Christinenkap. z. Stommeln 160, 170. - - Christinenkirche zu Nideggen 168. - - Christinenpützchen bei Nideggen 168. - - Christinentälchen bei Nideggen 168. - - Cleve V, 162, 155, 163. - - Coblenz 106. - - Cöln 2, 4, 11, 31, 113, 116, 118, 125, 133, 139, - 140, 147, 148, 149, 155. - - Cölner Dom 2, 126. - - Creuzburg 105. - - Croy von, Maria, Gräfin zu Birneburg 167. - - Dazien, Provinz des Dominikanerordens 27, 131. - - Dietrich IX., Graf von Cleve V, 155, 162, 163, 165. - - Dietrich von Moers 155. - - Dionysius, Pseudo- 50. - - Dominikanerinnen 130. - - Dominikanerkirche zu Cöln 12. - - Dominikaner- oder Predigerorden 11, 132. - - Düren 11. - - Düsseldorf 118, 163. - - Eberhard, Graf von der Mark 155. - - Egmond 166. - - Eifel 5. - - Elisabeth, Mutter Johannes des Täufers 49. - - Engelbert II. von Falkenburg, Erzb. von Cöln 3, 30, 105. - - Engelbert III., Graf von der Mark, Erzb. von Cöln 10. - - Engelbert, Stiftsherr an St. Cäcilien zu Cöln 30. - - Engilradis, Begine in Stommeln 33, 89. - - Esch bei Cöln 98. - - Eschgasse zu Stommeln 5. - - Essen 55. - - Esser, Andreas, Dechant zu Jülich 170. - - Falkenburg 155. - - Fischer, Antonius, Kardinal und Erzb. von Cöln 172. - - Flandern 29. - - Falkwin, Dominikaner 5, 29, 114, 116, 118, 124, 134, 154. - - Franz h., von Assisi 54. - - Franziskanerorden 11. - - Frechen 3. - - Friesland 145. - - Gabriels, Wilhelm Hermann, Apost. Notar in Jülich 169. - - Galgenberg bei Stommeln 159. - - Geldern 155, 156, 157. - - Geißel von, Johannes, Kardinal und Erzb. von Cöln 170. - - Gerhard, Dominikaner, Bruder der sel. Christina 6, 133 - (Siehe auch Sigwin). - - Gerhard vom Greif, Dominikaner 15, 28, 30, 45, 52, 53, 57, 58, 70, 71, - 90, 95, 97, 106, 115, 120. - - Gerhard, Herzog von Jülich 166. - - Gerhard, Sohn des Vogtes von Stommeln 116. - - Gertrud, Schwester der sel. Christina 6, 87. - - Gertrud, Schwester des Pfarrers Johannes von Stommeln 33, 45, 54, 68, - 70, 72, 92, 99, 109. - - Gertrud, Stiftsdame an St. Ursula zu Cöln 32. - - Geva, Gräfin von Virneburg, Aebtissin des Cäcilienstiftes zu Cöln - 31, 59, 81, 83. - - Gielemanns, Johann 165. - - Gohrbroich 145, 153. - - Görres von, Josef 55. - - Gotenburg V. - - Gotfrid, Dominikaner 29, 87. - - Gotfrid, Prior der Benediktinerabtei Brauweiler 30, 67. - - Gotfrid, Stiftsdechant zu Stommeln 164. - - Göthe 24. - - Gotland 26, 27, 29, 118, 128, 130, 131, 154. - - Gotti, Hieronymus, Kardinal zu Rom 172. - - Gregor IX., Papst, 10. - - Greif zum, Haus in Cöln, 29. - - Greven Dr., Josef, Kaplan in Düsseldorf, 11. - - Grimlinghausen 30. - - Hadewig, Schwester des Pfarrers Johannes von Stommeln, 33, 65. - - Hambach bei Jülich 167. - - Hammechers, Christian, Notar in Nideggen, 168. - - Havelbrech 29, 67, 70, 79, 83. - - Havermann, Johann Wilhelm, Pfarrverwalter zu Stommeln, 171. - - Heinrich von Bedburg, Dominikaner, 57, 92. - - Heinrich, Bruder der sel. Christina, 6, 149, 150. - - Heinrich, Graf von Luxemburg, 155, 156. - - Heinrich, Magister vom Stifte der hh. Jungfrauen in Cöln, 30. - - Heinrich, Pfarrer von Stommeln, 26, 32, 115, 116. - - Heinrich von Westerburg, 156. - - Helborges, Begine auf Gotland, 131. - - Helinrich, Dominikaner, 99, 110. - - Hermann von Havelbrech, Dominikanerprior, 29, 67, 70, 79, 83. - - Herpern von Kentzwilre, Stiftsherr in Stommeln, 164. - - Hespe, Johannes, Dominikaner, 29, 76, 99. - - Hiddo, Dominikanerprovinzial, 81. - - Hieronymus h., Kirchenlehrer, 31. - - Hildegundis, Begine in Stommeln, 148. - - Hilla, Mutter der sel. Christina, 5, 112. - - Hilla, Schwester der sel. Christina, 5, 6, 70, 89. - - Hilla, Nichte der sel. Christina, 33, 89, 110. - - Hilla v. Berge, Begine in Stommeln, 5, 19, 32, 54, 60, 68, 70, 72, - 81, 89, 99, 104, 124, 127. - - Hilla von Ingendorf, Begine in Stommeln, 32, 70, 91. - - Hubertusorden 166. - - Ingeld, Dominikanerprior, 127. - - Ingendorf 32, 84, 91. - - Innozenz IV., Papst, 56. - - Irmgardis, Freiin von Wevelinghoven, Stiftsfräulein - an St. Cäcilien zu Cöln, 31. - - Italien 84. - - Jakob von St. Andreas, Stiftsherr zu Stommeln, 164. - - Jakob von Andernach, Dominikaner, 29. - - Jakob, Kollegium zum h., in Paris, 84. - - Jakobiner 84. - - Job 21. - - Johann, Herzog, von Brabant 155. - - Johann von Limburg a. Lahn 155. - - Johannes, der Täufer, 164. - - Johannes, Apostel, 27, 60, 166, 167. - - Johannes XXII., Papst, 164. - - Johannes von Aerschot, Stiftsherr zu Stommeln, 164. - - Johannes von Caster, Stiftsherr zu Stommeln, 164. - - Johannes I., Dominikanergeneral, 29. - - Johannes Hespe, Dominikaner, 29, 76, 99. - - Johannes von Muffendorf, Dominikaner, 29, 53, 70, 71, 72, 73, 76, 79, - 80, 82, 83, 92, 104, 105, 115, - 130, 131. - - Johannes, Bruder des 3. Ordens vom hl. Dominikus (Miliz Christi) 130. - - Johannes von Creuzburg 105. - - Johannes, Pfarrer in Stommeln, 15, 19, 20, 23, 26, 67, 78, 84, 85, - 93, 103, 108, 116, 124, 143. - - Johannes, Magister in Stommeln, 5, 27, 85, 114, 122, 123, 127, 129, - 144, 158, 163. - - Johannes von Stommeln, Kaplan in Monterberg, 163. - - Johannes von Stommeln, Stiftsherr in Stommeln, 164. - - Jülich, Grafschaft, Markgrafschaft, Herzogtum, 2. - - Jülich, Stadt 55, 103, 167, 168, 170, 171. - - Jülicher Handschrift, enthaltend die Materialien - zur Geschichte der sel. Christina, - iv, 26, 28, 37, 118, 122, 130, 161, 162, 168. - - Jungholz, Wald bei Nideggen, 168. - - Jütland 101. - - Kalmar 118. - - Kamp, Kloster am Niederrhein, 6. - - Karl, Dominikaner, 29, 49, 50. - - Karl V., Kaiser, 167. - - Kartause in Cöln, 169, 170. - - Kartäuser bei Jülich, 169. - - Katharina hl., Martyrin, 78. - - Kinzweiler, 164. - - Klausmann, Christian, Pfarrer zu Stommeln, 170. - - Klingelpütz, Gefängnis zu Cöln, 171. - - Knechtsteden, 145. - - Knode, Johannes, Stiftsherr zu Stommeln, 164. - - Konrad von St. Cäcilien zu Stommeln, 164. - - Konrad von Hochstaden, Erzbischof von Cöln, 3. - - Konradin, Hohenstaufe, 2. - - Krementz, Philippus, Kardinal und Erzbischof von Cöln, 171. - - Kreuzhof in Stommeln, 160, 170. - - Kreuzkirche (d. Dominikan.) i. Cöln, 12. - - Kupfergasse in Cöln, 172. - - Lambert, der Stammler (_le bègue_), Priester zu Lüttich, 10. - - Laurentius, Dominikaner, 29, 110, 111, 131. - - Lechenich, 3. - - Lemper, Christian, Erbauer der Christinenkapelle in Stommeln 170. - - Leonius, Kellermeister der Benediktinerabtei Brauweiler, 30, 67. - - Limburg, Herzogtum 155. - - Limburg an der Lahn 155. - - Linnich 166. - - Löwen 154. - - Lübeck 114, 117, 118. - - Ludwig von Randerath, Stiftsherr in Stommeln 164. - - Lull, Peter, Schriftsteller 55. - - Luxemburg 155, 156, 157. - - Luzius III., Papst 11. - - Maderna, Stefan, Bildhauer 57. - - Mailand 56. - - Maria h., Gottesmutter 7. - - Maria Magdalena h., Hospital zur, in Cöln 12, 13. - - Maria von Virneburg 167. - - Marienholz 3. - - Mark, Grafschaft 155. - - Martin h., Bischof von Tours 4, 166. - - Matthias h., Apostel 45. - - Mauritius, Dominikaner 29, 56, 59, 65, 79, 80, 84, 86, 98, 101, 108, - 130, 131, 133. - - Melchers, Paulus, Kardinal und Erzb. von Cöln 171. - - Michael, Emil, S. J., Universitätsprofessor in Innsbruck 27. - - Michels, Rektor in Remagen 31. - - Minden 118. - - Minoriten in Cöln 30. - - Moers, Grafschaft 155. - - Monheim 156. - - Monterberg 163. - - Muffendorf 29, 53, 70, 92. - - München-Gladbach 2. - - Nassau 155, 156. - - Neapel 2. - - Nettesheim 145. - - Neuß 11, 118, 162. - - Nideggen 3, 164, 165, 166, 167, 168. - - Nikolaus, Dominikaner 53, 81, 98, 99, 100, 109. - - Nikolaus Heinrich, Dominikanerprior 84, 92. - - Nivelles 10. - - Olaw, Dominikaner, 110. - - Orsoy 167. - - Ossendorf, 102. - - Otto von Braunschweig, 2. - - Otto der Große, 4. - - Papebroch, S. J., Bollandist, 55. - - Paris, 45, 49, 50, 79, 81, 82, 84, 85, 86, 90, 94, 110. - - Paulson, Johannes, Universitätsprofessor in Gotenburg, V. - - Paulus h., Apostel, 16, 24. - - Petrus h., Apostelfürst, 60. - - Petrus von Dazien, Dominikaner, - v, 8, 26, 30, 35, 36, 39, 42, 45, 49, 52, 56, - 64, 76, 113, 115, 118, 120, 134, 154, 161. - - Petrus h., von Mailand, Martyrer 56. - - Petrus von Unkelbach, Stiftsherr zu Stommeln, 164. - - Philipp von St. Andreas, Stiftsherr in Stommeln, 164. - - Philipp von Schwaben, 2. - - Pighino, Sebastian, päpstl. Nuntius, 168. - - Pius X., Papst, 1, 172. - - Polen, 29. - - Poulheim, Dorf bei Cöln, 6. - - Prämonstratenser, 10. - - Ptolemäus, Klaudius, Astronom, 57. - - Quinheim, ehemaliges Kloster bei Neuß, 30, 92. - - Randerath, 164. - - Rheingasse zu Cöln, 3. - - Reinhard von Nideggen, Stiftsherr zu Stommeln, 164. - - Reinhold, Graf von Geldern, 155, 156. - - Remagen, 31. - - Reval, 29, 59. - - Richard von St. Viktor, 56. - - Rom, 29. - - Roß, Haus zum, in Cöln, 3. - - Salomon aus Ungarn, Dominikaner, 29, 82. - - Sandberg in Stommeln, 153. - - Schmitz, Hermann Josef, Weihbischof von Cöln, 37, 171. - - Schöningen, 133. - - Schweden, 131, 151, 160. - - Sigfried von Westerburg, Erzbischof von Cöln, 3, 155, 156. - - Sigwin, Bruder der sel. Christina, 6, 122, 124, 125, 126, 128, 130, - 131, 133, 134, 150, 151, 159, 160. - - Skara, 110. - - Skeninge 27, 101, 104, 105, 108, 109. - - Södermanland, 109. - - Soest, 118. - - Steinfunder S. J., aus Essen, 55. - - Stolkgasse in Cöln, 11, 12. - - Stolzenberg von, Johannes, Cölner Bürger, 130. - - Stommeln (_Stumbelo_, _Stumbele_), 1, 2, 3, 114, 139, 162, 163, - 164, 165. - - Straßburg, 83. - - Strengnäs, 27, 109. - - Swealand, 110. - - Teresia h., Ordensstifterin, 13, 15, 119, 157, 160. - - Thebäische Legion, 116. - - Thomas h., von Aquin, Kirchenlehrer, 4, 83, 84, 124. - - Titz, 162. - - Toskana, 59, 69. - - Ungarn, 29, 82 - - Unkelbach, 164. - - Urban VIII., Papst, 172. - - Ursula h., Martyrin, 115. - - Ursulastift in Cöln, 30, 32. - - Venlo, 2. - - Ver Selen, Beginenkloster zu Cöln, 11. - - Virneburg, 31, 167. - - Vogelsang, Kartause bei Jülich, 169. - - Walram von Falkenburg, 155. - - Walram von Jülich, Erzbischof von Cöln, 163, 164, 166. - - Walram, Herzog von Jülich, 155. - - Walram von Luxemburg, 156. - - Walter, Dominikaner, 26, 40, 41, 42, 99. - - Werden, 29, 87. - - Werigehal in England, 29. - - Werner von Titz, 162. - - Westeräs, 109, 113. - - Wevelinghoven, 31. - - Wien, 130, 131. - - Wilhelm II., der Große, Graf von Jülich, 2. - - Wilhelm III., Graf von Jülich, 2. - - Wilhelm IV., Graf von Jülich, 2, 147. - - Wilhelm, Markgraf von Jülich, 164. - - Wilhelm, Herzog von Jülich, 168. - - Wilhelm Bonefant, Dominikaner, 87. - - Wilhelm von Werigehal, Dominikaner, 29. - - Wilhelm von Zülpich, Stiftsherr in Stommeln, 164. - - Wipert von Böhmen, Dominikaner, 29, 67, 69, 82. - - Wisby, 26, 27, 29, 118, 131, 133. - - Worringen, 2, 3, 34, 155, 156, 157. - - Xanten, 29, 83. - - Zellitinnen, 11, 172. - - Zisterzienser, 10. - - Zülpich, 3, 164. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die selige Christina von Stommeln, by -Arnold Steffens - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SELIGE CHRISTINA VON STOMMELN *** - -***** This file should be named 55466-0.txt or 55466-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/5/4/6/55466/ - -Produced by Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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A Project Gutenberg eBook - </title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> -/*<![CDATA[ XML blockout */ -<!-- -body { - margin-left:5%; margin-right: 5%; -} -h1 { - text-align: center; - clear: both; - font-weight: bold; - font-size: 250%; - line-height: 1.5; - margin: 2em auto 0 auto; - page-break-before: always; - } -.tpcontby { - text-align: center; - font-size: 110%; - font-weight: normal; - margin: 1em auto 1em auto; -} -.tpauth1 { - text-align: center; - font-size: 133%; - font-weight: 600; - margin: 0.5em auto 0 auto; -} -.tpauth2 { - text-align: center; - letter-spacing: 1px; - font-size: 100%; - font-weight: normal; - margin: 0 auto 2em auto; -} -.tpetc3 { - text-align: center; - font-size: 120%; - font-weight: 600; - margin: 3.5em auto 0.3em auto; -} -.tpetc4 { - text-align: center; - letter-spacing: 0; - font-size: 100%; - font-weight: 400; - margin: 0.3em auto 0.3em auto; -} -p { - margin-top: 1em; - margin-bottom: 0; - line-height: 1.3em; 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Die selige Christina von Stommeln - -Author: Arnold Steffens - -Release Date: August 31, 2017 [EBook #55466] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SELIGE CHRISTINA VON STOMMELN *** - - - - -Produced by Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="tnotes chunk"> -<p class="fakeh4">Anmerkungen zur Transkription</p> -<p class="center"> -Die nicht sehr häufigen typografischen und Fehler bei der -Zeichensetzung sind stillschweigend bereinigt. -</p> -<p class="cont covernote"> -Das Deckblatt ist vom Einband des Originals übernommen; -es geht damit in die "public domain". -</p> -</div> - -<div id="Fabb_01" class='center'> - <img src='images/nabb01.jpg' - alt='1. Haupt der h. Christina von Stommeln.' - /> -<p class='caption'>1. Haupt der h. Christina von Stommeln.</p> -</div> - -<div class="center"> -<h1> -Die selige Christina<br />von Stommeln. -</h1> -<img class="tptune1" src="images/tpage_befauth.jpg" alt="000" width="120" height="20" /> -<p class="tpcontby">Von</p> -<p class="tpauth1">Dr. Arnold Steffens,</p> -<p class="tpauth2">Domkapitular.</p> -<img class="tptune2" src="images/tpage_aftauth.jpg" alt="000" width="200" height="30" /> -<p class="tpetc3">1912.</p> -<p class="tpetc4">Druck und Kommissionsverlag der Fuldaer Actiendruckerei<br />in Fulda.</p> -</div> - -<div class="center tptune3 chunk"> -<span class="fmarkd">Imprimatur.</span> - -<div class="table tblfake"> -<div class="table-row"> -<div class="table-cell cellw05"> </div> -<div class="table-cell cellw30"> -<p class="center"> -<em class="gesperrt">Fuldae</em>, 29. Okt. 1912. -</p> -</div> -<div class="table-cell cellw05"> </div> -<div class="table-cell cellw05"> </div> -<div class="table-cell cellw30"> -<p class="center"> -<br /> -Dr. <em class="gesperrt">Arenhold</em>,<br /> -<span class="fmarkd">Vic. gen.</span> -</p> -</div> -<div class="table-cell cellw05"> </div> -</div> -</div> - -</div> - -<h2 class="simplex chunk"> -Vorwort. -<br /><span class="zierlich">______</span> -</h2> - -<div class="drop"> -<img src="images/pg_iii_init.jpg" alt="D" width="100" height="134" class="cap" /> -<p class="cap_1"> -Die selige Christina von Stommeln, die vielgenannte und vielfach verkannte -hervorragendste Vertreterin des beschaulichen Lebens im Cölner Erzbistum -aus dem dreizehnten Jahrhundert, ist in letzter Zeit infolge der seitens -des h. apostolischen Stuhles erfolgten Bestätigung ihrer unvordenklichen -Verehrung Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit geworden. Die Nachfragen -nach einer eingehenden Darstellung ihres Lebens mehrten sich. Das im Jahre -1859 über sie erschienene Buch von Pfarrer Theodor Wollersheim ist längst -im Buchhandel vergriffen. Eine Neuauflage desselben empfahl sich nicht, -weil es mehr eine Uebersetzung der Materialien zur Geschichte Christinas -ist, und zudem noch eine vielfach ungenaue und irrtümliche, als eine -durchgearbeitete Darstellung ihres Lebens. -</p> -</div> -<p> -Da der Verfasser gegenwärtiger Arbeit im kirchlichen Prozeß der -Bestätigung der Verehrung Christinas als Antragsteller das Beweismaterial -beizubringen hatte und sich deshalb mit allem, was auf die Dienerin Gottes -Bezug hatte, vertraut machen mußte, wurde er von verschiedenen Seiten -ersucht, eine neue Darstellung ihres Lebens zu bearbeiten, zumal am -6. November dieses Jahres die sechste Jahrhundertfeier ihres -Todes eintrifft. -</p> - -<p> -Die Aufgabe hat ihr Verlockendes, aber auch ihr Schwieriges. -</p> - -<p> -Verlockend ist sie, weil es sich darum handelt, eine innige, gottliebende, -durch das Feuer der Trübsale erprobte starkmütige Frauengestalt der an -Heiligen jederzeit fruchtbaren Cölner Kirche zu schildern. -</p> - -<p> -Schwierig ist sie, weil Christina zu jenen zählt, die auf dem Wege der -innigsten Gottvereinigung, die ein Ausfluß der Gaben des h. Geistes -ist und gewöhnlich als mystische bezeichnet wird, zur beseligenden -Anschauung Gottes im himmlischen Vaterlande geführt wurde. Solche Seelen -aber sind regelmäßig durch Gottes -<span class="pagenum"><a id="Page_IV" name="Page_IV" href="#Page_IV">[IV]</a></span> -Zulassung Gegenstand außergewöhnlicher -Anfechtungen und Quälereien seitens der bösen Geister. Auch in Christinas -Leben treten sie in die Erscheinung, sind jedoch beschränkt auf die -Bußzeiten des Kirchenjahres und finden sich auch nur in den beiden -mittleren Jahrzehnten ihrer siebenzigjährigen Lebensdauer. Da alles -Dämonische stets seine dunklen Seiten hat, eine eingehende Nachprüfung der -vielgestaltigen, stets neuen Arten der angeblichen teuflischen Quälereien, -die über sechshundert Jahre zurückliegen, im Einzelnen kaum möglich ist, -auch ermüdend wirken würde, erschien es dem Verfasser am zweckmäßigsten, -Christina so zu schildern, wie sie sich selbst gibt, und den Ideenkreis -ihrer Zeit getreu wiederzugeben. Einzelne der berichteten Vorgänge lassen -sich freilich als Krankheitserscheinungen erklären; allein die meisten -haben mit Krankheitserscheinungen nicht den mindesten Zusammenhang, -sie sind einfach körperliche Mißhandlungen, die von unsichtbarer Hand -ausgeführt wurden. -</p> - -<p> -Selbstverständlich bleibt es einem jeden überlassen, sich über diese -Vorgänge sein Urteil zu bilden. Die Verehrungswürdigkeit Christinas -hängt nicht davon ab, ob ihre Leiden natürlichen oder teuflischen -Ursprunges waren. Sie hat dieselben mit heldenmütiger Geduld ertragen. -Auch für solche, die geneigt sind, Christinas Leiden und Anfechtungen auf -natürliche Gründe zurückzuführen, gilt sie als eine fromme und heilige -Person. -</p> - -<p> -Quelle der Darstellung ist vor allem der handschriftliche Kodex -des Pfarrarchivs zu Jülich, der den Titel führt: <span class="fmarkd">Legenda et passio -sancte christine virginis</span>. Er ist auf Pergament geschrieben, in Holz -und Leder gebunden und besteht aus drei Büchern. Das erste Buch hat -die Ueberschrift: <span class="fmarkd">Incipit liber primus de virtutibus sponsae Cristi -Cristinae compilatus a fratre Petro de ordine predicatorum</span>. Es zählte -39 Blätter, von denen jedoch 22 fehlen. Im Anschluß an 43 Hexameter -handelt es von den Tugenden, die Christina besonders zierten, ohne daß -jedoch ihr Name genannt wird. Abgesehen von den Hexametern ist dasselbe -noch nicht veröffentlicht. Das zweite Buch hat die Aufschrift: <span class="fmarkd">Incipit -liber secundus de vita benedicte virginis Cristi Cristine</span>. Es zählt -55 Blätter. Dasselbe wurde auf Kosten der schwedischen Staatsregierung -in mustergültiger Weise herausgegeben im Jahre 1896 -<span class="pagenum"><a id="Page_V" name="Page_V" href="#Page_V">[V]</a></span> -durch Professor -Johannes Paulson in Gotenburg (Wettergren und Kerber). Das dritte Buch -ist überschrieben: <span class="fmarkd">Incipit liber tertius de passionibus sepe benedicte -virginis cristi cristine, quem compilavit magister Johannes capellanus -virginis</span>. Es zählte gleichfalls 55 Blätter; die Zählung schließt sich -jedoch an die des zweiten Buches an. Das vorletzte Blatt fehlt. Es -ist veröffentlicht bei den Bollandisten unter dem 22. Juni, und auch -Professor Paulson hat im Appendix seiner Schrift: <span class="fmarkd">In tertiam partem libri -Juliacensis annotationes</span>, Blatt 66-72 und 110 aus demselben abgedruckt. -Verfaßt ist der Kodex zur Zeit, als Christina und Petrus noch lebten, also -noch vor 1288. Der Kodex, wie er jetzt ist, wurde zusammengestellt und -geschrieben um das Jahr 1340, wahrscheinlich auf Veranlassung des Grafen -Dietrich von Cleve. -</p> - -<p> -Das dritte Buch enthält ausgesprochenermaßen Berichte über Vorgänge -visionärer Natur und kommt daher für die Geschichte wenig in Betracht. -</p> - -<p> -Die bei den Bollandisten unter dem 22. Juni abgedruckte <span class="fmarkd">Vita anonyma</span> -ist eine bald nach Christinas Tode aus dem im Jülicher Kodex vorhandenen -Material zusammengestellte Lebensbeschreibung Christinas, die wohl zur -Einleitung ihrer Heiligsprechung dienen sollte. Sie kommt nebst einer -Nachschrift zum zweiten Buch der Jülicher Handschrift in Betracht für das -Lebensende Christinas und den Beginn ihrer kirchlichen Verehrung. -</p> - -<p> -Unsere Darstellung fußt, was Christinas Leben anbelangt, im Wesentlichen -auf dem zweiten Buch der Jülicher Handschrift, das Petrus von Dazien als -Augenzeuge der Vorgänge geschrieben und sein Landsmann, Professor Johannes -Paulson im Jahre 1896 herausgegeben hat. -</p> - -<p> -Petrus von Dazien war ein gewissenhafter Schriftsteller, der -außerordentlich sorgfältig arbeitete. Die ungemein zahlreichen, in dem -Buch vorkommenden Orts- und Zeitangaben, desgleichen die Angaben über -Persönlichkeiten und Zeitverhältnisse, überhaupt alle Angaben, die eben -nachgeprüft werden können, erweisen sich als zutreffend, sodaß kein -Grund, Dingen, die sich der Nachprüfung entziehen, die Glaubwürdigkeit -abzusprechen. Er berichtet getreulich und umständlich, was er gesehen und -gehört. Ob er die Natur der außergewöhnlichen Vorgänge im Leben Christinas -richtig erfaßt -<span class="pagenum"><a id="Page_VI" name="Page_VI" href="#Page_VI">[VI]</a></span> -und beurteilt hat, bleibt dahingestellt. Man tut ihm -jedoch Unrecht, wenn man sagt, er habe alles Außergewöhnliche gleich für -Teufelswerk gehalten. Im Gegenteil forschte er mitunter nach, ob nicht -äußere Ursachen, etwa mutwillige Menschen, die Vorgänge bewirkt hätten. -Daß auch innere Ursachen im Spiel sein konnten und einzelne Vorgänge als -Krankheitserscheinungen sich deuten lassen, scheint ihm freilich nicht in -den Sinn gekommen zu sein, weil eben Christina nicht krankhaft veranlagt -war. -</p> - -<p> -<em class="gesperrt">Der Verfasser dieser Schrift hat seinen persönlichen Anschauungen -rückhaltlos Ausdruck gegeben. Er will aber dadurch andere nicht -verpflichten und unterwirft dieselben ebenso rückhaltlos dem Urteile der -Kirche.</em> -</p> - -<p> - <em class="gesperrt">Cöln</em>, den 24. Juli 1912. -</p> - -<p class="ralign"> -<b>Dr. Arnold Steffens.</b> -</p> - -<h2 class="simplex chunk"> -Literatur. -<br /><span class="zierlich">______</span> -</h2> - -<h3> -I. Vollständige Bücher. -</h3> - -<ol> -<li> -<span class="pagenum"><a id="Page_VII" name="Page_VII" href="#Page_VII">[VII]</a></span> -<span class="fmarkd">Petri de Dacia vita Christinae Stumbelensis. Johannes -Paulson, Gotoburgi 1896. Fasc. II secundum de vita Christinae -librum continens.</span></li> - -<li><span class="fmarkd">In tertiam partem libri Juliacensis annotationes.</span> Johannes -Paulson, Göteburg 1896.</li> - -<li><span class="fmarkd">Jülicher-handskriften till Petrus de Dacia.</span> Johannes -Paulson, Göteburg 1894.</li> - -<li><span class="fmarkd">Lilium inter spinas</span> (deutsch geschrieben). Kaspar Peter -Lull, Cöln 1689.</li> - -<li>Leben und Leiden der sogenannten wunderbarlichen Christinae -von Stommeln im Herzogtum Jülich, Prediger Ordens der dritten -Regel des h. Dominici, durch einen Prediger des Prediger -Ordens. <span class="fmarkd">F. L. F. O. P.</span> Cöln. 2. Aufl. 1744.</li> - -<li>Das Leben der ekstatischen und stigmatischen Jungfrau -Christina von Stommeln. Theodor Wollersheim, Köln 1859.</li> -</ol> - -<h3> -II. Ausführliche Abhandlungen in größeren Werken. -</h3> - -<ol> -<li><span class="fmarkd">Acta Sanctorum Junii tom. IV pag. 270-454. Antwerpiae 1707.</span></li> - -<li><span class="fmarkd">Novale Sanctorum. Joannes Gillemannus, canonicus in -Rougecloître 1487.</span></li> - -<li>Die Legend deren Heiligen. <span class="fmarkd">P. Dionysius de Luxemburg</span> († 1703).</li> - -<li>Legende der Heiligen. Martin von Kochem. Augsburg 1705.</li> - -<li>Die christliche Mystik. Johann Josef von Görres. 4 Bde. -Regensburg und Landshut 1836-1842 (2. Bd. S. 249 ff. S. 416; -3. Bd. S. 416).</li> - -<li>Legende oder der christliche Sternhimmel. Alban Stolz, Freiburg -1851-1860 (unter dem 22. Juni).</li> - -<li><span class="fmarkd">Histoire littéraire de la France XXVIII (1881). Ernest Renan. -La bienheureuse Christine de Stommeln.</span> S. 1-16.</li> - -<li>Der Marien-Psalter. Dülmen 1891/1892 S. 33 und 222; 1896/1897 -S. 41-47.</li> - -<li><span class="pagenum"><a id="Page_VIII" name="Page_VIII" href="#Page_VIII">[VIII]</a></span> -Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Heft 68 -(1892). Die Verlegung des Kollegiatkapitels von Stommeln nach -Nideggen und von Nideggen nach Jülich. Dr. Arnold Steffens -(S. 109-132).</li> - -<li>Geschichte des deutschen Volkes vom 13. Jahrh. bis zum Ausgang -des Mittelalters. Emil Michael, -Freiburg i. B. 1903. 3. Bd. S. 165-167.</li> -</ol> - -<h3> -III. Kürzere Notizen in größeren Werken. -</h3> - -<ol> -<li>Martyrologium des Usuard, Greven'sche Ausgabe v. J. 1515.</li> - -<li>Martyrologium des Kanisius. Dillingen 1570.</li> - -<li><span class="fmarkd">De Archiepiscoporum ac episcoporum Coloniensium origine et -successu. Petrus Merssaeus. Coloniae 1580 (S. 115).</span></li> - -<li><span class="fmarkd">Annales Novesienses</span> von Werner aus Titz bei Martène <span class="fmarkd">„Veterum -scriptorum amplissima collectio“ tom. IV pag. 584.</span></li> - -<li><span class="fmarkd">De admiranda ... magnitudine Coloniae. Aegidius Gelenius, -Coloniae 1645 sub 23. Junii u. 6. Nov.</span></li> - -<li>Von den Wunden Christi. Petrus de Wael S. J. Antwerpen 1649.</li> - -<li><span class="fmarkd">Annales Juliae. Wernerius Perarius</span> (Teschenmacher).</li> - -<li><span class="fmarkd">Animae illustres Juliae etc. Theodorus Ray S. J. Neoburgi -1663</span> (unter dem 22. Juni).</li> - -<li><span class="fmarkd">Theses de gratia. Jos. Hartzheim S. J. Coloniae 1734.</span></li> - -<li><span class="fmarkd">Bibliotheca Coloniensis. Jos. Hartzheim S. J. Coloniae 1747.</span></li> - -<li><span class="fmarkd">Repertoire des sources historiques du moyen âge, Ulysse -Chevalier. Paris 1857 (col. 450).</span></li> - -<li><span class="fmarkd">Trésor de chronologie etc. De Mas Latrie. Paris 1889. Table -alphabétique générale des Saints col. 700; classément des -principaux Saints. Allemagne occidentale col. 903.</span></li> - -<li>Geschichte der alten Jülich'schen Residenz Nideggen. Martin -Aschenbroich, Bochum 1867 (S. 132).</li> - -<li>Alte und neue Erzdiözese Cöln. 4 Bde. Binterim und Mooren -1828-1831. Neubearbeitet von Mooren 1892 (I S. 177).</li> - -<li>Beiträge zur Geschichte der Stadt Cleve. Dr. Scholten. S. -127-127, 134-135.</li> - -<li>Geschichte des früheren Gymnasiums zu Jülich. Prof. Dr. Kuhl, -Jülich 1891 (I S. 26-27; 253-254).</li> - -<li>Die Hubertusschlacht bei Linnich. Der hohe Orden vom h. -Hubertus. Dr. Heinrich Oidtmann. Jülich 1904. S. 67 und 69.</li> - -<li><span class="pagenum"><a id="Page_IX" name="Page_IX" href="#Page_IX">[IX]</a></span> -Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz von Paul Clemen. VIII. -Bd. Kreis Jülich, von K. Frank, Oberaspach und Edmund Renard, -Düsseldorf.<br /> -IX. Bd. Kreis Düren, von Paul Hartmann und Edmund Renard, -Düsseldorf 1910 (S. 234-235).</li> -</ol> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 class="simplex chunk"> -Inhaltsverzeichnis. -<br /><span class="zierlich">______</span> -</h2> - -<table style="width:90%;" summary="toc"> - <tr> - <td class="r vt" style="width:20%;"></td> - <td class="tdpad vt"></td> - <td class="r vb" style="width:2%;">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi01">1. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Christinas Herkunft und Kindheit</td> - <td class="r vb">1</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi02">2. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Christina bei den Beginen in Cöln</td> - <td class="r vb">9</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi03">3. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Christina in Stommeln bis zum ersten Besuch des Petrus von Dazien (1259-1277)</td> - <td class="r vb">19</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi04">4. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Zur Beurteilung des Dämonischen</td> - <td class="r vb">24</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi05">5. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Erster Besuch des Petrus von Dazien bei Christina im Advent 1267</td> - <td class="r vb">39</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi06">6. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Zweiter Besuch des Petrus. Christinas Entrückung und Seelenjubel</td> - <td class="r vb">45</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi07">7. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Dritter und vierter Besuch des Petrus. Christina empfängt die Wundmale des Herrn</td> - <td class="r vb">49</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi08">8. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Drei weitere Besuche des Petrus an den Festen Kreuzauffindung, Pfingsten u. Maria Magdalena</td> - <td class="r vb">56</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi09">9. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Achter, neunter und zehnter Besuch des Petrus zu Allerheiligen, im Advent und zu Weihnachten 1268. — Seelenjubel, Besudelung</td> - <td class="r vb">64</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi10">10. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Fastenzeit des Jahres 1269. Sinnliche Versuchung. Elfter und zwölfter Besuch des Petrus</td> - <td class="r vb">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi11">11. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Christinas Briefwechsel mit Petrus während dessen Aufenthalt in Paris (Mai 1269 bis Juli 1270)</td> - <td class="r vb">84</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi12">12. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Besuche des Petrus in Stommeln bei seiner Rückkehr von Paris.</td> - <td class="r vb">97</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi13">13. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Briefwechsel nach des Petrus Rückreise nach Schweden. Christinas Eltern und Pfarrer Johannes sterben. 1270-1279</td> - <td class="r vb">101</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi14">14. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Bruder Petrus kommt aus Schweden nach Stommeln, um Christina zu besuchen. 1279</td> - <td class="r vb">113</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi15">15. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Vom Advent 1279 bis zum Advent 1280</td> - <td class="r vb">118</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><span class="pagenum"><a id="Page_XII" name="Page_XII" href="#Page_XII">[XII]</a></span> <a href="#kapi16">16. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Christina bewirkt die Bekehrung der Sünder und die Befreiung der armen Seelen aus dem Fegfeuer</td> - <td class="r vb">135</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi17">17. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Christinas letzte Prüfungen, friedevoller Lebensabend und seliges Ende.</td> - <td class="r vb">149</td> - </tr> - <tr> - <td class="r vt"><a href="#kapi18">18. Kapitel:</a></td> - <td class="tdpad vt">Christinas Verehrung nach dem Tode und deren Bestätigung durch Papst Pius X.</td> - <td class="r vb">162</td> - </tr> -</table> - -<h2 class="simplex"> -Verzeichnis der Abbildungen. -<br /><span class="zierlich">______</span> -</h2> - -<ol class="space"> -<li><a class="nodec" id="Atoc_01" name="Atoc_01" href="#Fabb_01">→ </a>Haupt der h. Christina von Stommeln.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_02" name="Atoc_02" href="#Fabb_02">→ </a>Kirchhügel zu Stommeln.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_03" name="Atoc_03" href="#Fabb_03">→ </a>Beginenfigur (14. Jahrh.).</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_04" name="Atoc_04" href="#Fabb_04">→ </a>Bild Christinas aus der Cölner Kartause (vor 1639).</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_05" name="Atoc_05" href="#Fabb_05">→ </a>Handschuh und Buchtäschchen Christinas.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_06" name="Atoc_06" href="#Fabb_06">→ </a>Gebetstäfelchen Christinas.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_07" name="Atoc_07" href="#Fabb_07">→ </a>Bild Christinas am Cölner Dom.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_08" name="Atoc_08" href="#Fabb_08">→ </a>Grabstätte Christinas zu Stommeln.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_09" name="Atoc_09" href="#Fabb_09">→ </a>Krankenhaus „Maria-Hilf“ zu Stommeln.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_10" name="Atoc_10" href="#Fabb_10">→ </a>Christinenaltar in der neuen Pfarrkirche zu Stommeln.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_11" name="Atoc_11" href="#Fabb_11">→ </a>Altes Grabmal Christinas zu Jülich.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_12" name="Atoc_12" href="#Fabb_12">→ </a>Bild Christinas vom alten Grabmal zu Jülich.</li> -<li><a class="nodec" id="Atoc_13" name="Atoc_13" href="#Fabb_13">→ </a>Christinenkapelle in der Pfarrkirche zu Jülich.</li> -</ol> - -<h2 id="kapi01" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Erstes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Christinas Herkunft und Kindheit. -</h2> - -<div class="drop"> -<img src="images/pg_001_init.jpg" alt="E" width="100" height="131" class="cap" /> -<p class="cap_1"> -<span class="pagenum"><a id="Page_1" name="Page_1" href="#Page_1">[1]</a></span> -Eine Passionsblume erblühte im alten Jülicherland, viele hundert Jahre -sind es her. Gar lieblich war ihr Duft und tief purpurn ihre Farbe. -Entzückt neigten sich Gottes Enkel über sie und gute Menschen staunten -sie bewundernd an. Auch heute noch ist ihr Duft nicht verweht und ihre -Farbenglut nicht verblaßt. Im Gegenteil, köstlicher als je weht uns in -diesem Jahre der Wohlgeruch ihrer Tugenden entgegen, herrlicher als je -prangt heuer ihr verehrungswürdiger Name. Am 6. November dieses Jahres -werden nämlich sechshundert Jahre verflossen sein, seitdem diese Blume -aus dem Garten der Cölner Kirche ins himmlische Paradies verpflanzt wurde. -Die selige Christina von Stommeln meine ich, die im Jahre 1242 zu Stommeln -geboren wurde, dort am 6. November 1312 starb, seit dem 22. Juni 1586 in -einem Hochgrabe in der Hauptkirche zu Jülich ruht und deren unvordenkliche -Verehrung durch Papst Pius X. am 12. August 1908 die höchste Bestätigung -erhielt. -</p> -</div> - -<p> -In eine gewaltig bewegte Zeit fiel das Leben Christinas. Ein -jugendfrisches Geschlecht bevölkerte damals unsere heimischen Gauen, -das zwar mit Begeisterung dem christlichen Glauben anhing, aber die -angestammte heidnische Wildheit noch nicht vollständig überwunden hatte. -Christlicher Heldensinn und lasterhafter Frevelmut, zarte Gottinnigkeit -und leidenschaftliche Roheit, grausige Verbrechen und strenge Bußübung -gedeihen nebeneinander. Es ist das Zeitalter, in dem Papst und Kaiser -in Fehde lagen, es ist das Zeitalter der letzten Kreuzzüge, aber auch -die kaiserlose, schreckliche Zeit, in der Räuberhorden sich allerorts -breitmachten, eine Zeit, die an Kampf und Streit ihre Freude hatte, eine -Zeit großen Wohlstandes -<span class="pagenum"><a id="Page_2" name="Page_2" href="#Page_2">[2]</a></span> -und mächtigen Aufblühens in Handel und Gewerbe, -Kunst und Wissenschaft, eine Zeit, wo der ungestüme Freiheitsdrang -der Bürger erfolgreich ankämpfte gegen die Macht des Adels und der -Geistlichkeit, es ist die Zeit, in der Konradin, der letzte Hohenstaufe, -auf dem Blutgerüste zu Neapel sein junges Leben lassen mußte, die Zeit, -die den Cölner Dom gebaut, aber auch die streitbaren, herrschgewaltigen -Cölner Erzbischöfe im Kerker geschaut. -</p> - -<p> -Das alte Stumbelo, etwa 3½ Stunden nordwestlich von Cöln gelegen, -dort, wo die von Cöln über München-Gladbach nach Venlo führende Straße -sich kreuzt mit dem von Worringen nach Bergheim gehenden Wege, gehörte -zur Grafschaft Jülich, die 1336 zur Markgrafschaft und 1356 zum Herzogtum -erhoben wurde. -</p> - -<p> -Die Grafen von Jülich waren kühne Haudegen, die, wiewohl sie in -ihrem Lande die Frömmigkeit pflegten, doch vor keiner Gewalttat -zurückschreckten, wenn es galt, ihren Machtbereich auf Unkosten des -Reiches und besonders der Cölner Kirche zu erweitern. Wilhelm II., -der Große genannt, war ein höchst lasterhafter Mensch, der im Kriege -der Gegenkönige Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig aus Wut -darüber, daß sein Land mit dem Interdikt belegt worden war, die dem h. -Stuhl ergebene Geistlichkeit plünderte, mißhandelte und wegjagte und dafür -seine Kreaturen eindrängte. Er war verrufen weit und breit wegen seiner -Gewalttätigkeit, Grausamkeit und Wollust. Sein Ende entsprach seinem -gottlosen Leben. Nicht weit von Stommeln führte die alte Heerstraße, die -von Jülich nach Cöln geht, vorbei. Sie ging damals über Brauweiler. Auf -dieser wohl ritt i. J. 1207 der Große Wilhelm gen Cöln. Plötzlich wurde -er von einer Herzschwäche befallen und sank zu Boden mit den Worten: -„Cöln werde ich nicht wiedersehen.“ Sein Kaplan eilte herzu und sprach -zu ihm: „Herr und Gebieter, entlaß die Buhlerin und nimm Dein Weib zu -Dir.“ Er hatte nämlich seine rechtmäßige Gemahlin verstoßen. „Nimmermehr,“ -erwiderte der Sterbende. Zur Buhlerin aber, die gleichfalls herbeigeeilt -war und unter Tränen ihn fragte, was aus ihr werden solle, wenn er tot -sei, sprach er: „Heirate einen jungen Soldaten.“ Und so starb der trotzige -Sünder. Sein Nachfolger Wilhelm III. nahm das Kreuz und starb 1219 auf -dem Kreuzzuge in Aegypten. Wilhelm IV. war -<span class="pagenum"><a id="Page_3" name="Page_3" href="#Page_3">[3]</a></span> -gleich seinen Vorgängern ein -rauflustiger Held, der in seiner langen Regierungszeit namentlich mit -den Cölner Erzbischöfen scharfe Fehde führte. Im Geburtsjahre Christinas -fand zwischen Lechenich und Brühl ein Treffen statt, bei dem Erzbischof -Konrad von Hochstaden in die Hände des Jülicher Grafen fiel, der ihn neun -Monate lang auf Schloß Nideggen in Haft hielt. Im Gefechte bei Marienholz -zwischen Zülpich und Lechenich, das im Jahre 1267 stattfand, nahm er -Erzbischof Engelbert von Falkenburg gefangen und hielt ihn bis 1271 zu -Nideggen in Gewahrsam. Ein tragisches Ende jedoch ereilte ihn in der -Gertrudisnacht (16. März) des Jahres 1278 beim Ueberfall der Stadt Aachen. -Im Handgemenge wurde er nebst seinem Erstgeborenen, der gleichfalls -Wilhelm hieß, von einem Grobschmiede erschlagen. -</p> - -<p> -Zur selben Zeit lagen die Cölner Erzbischöfe in schwerem Streite mit der -Stadt Cöln. Bei Frechen kämpften im Jahre 1257 die beiden Heere mit großer -Erbitterung gegeneinander. Erzbischof Konrad von Hochstaden behauptete -zwar das Schlachtfeld, erlitt jedoch große Verluste. Konrads Nachfolger, -Erzbischof Engelbert von Falkenburg, wurde, als er inmitten seiner -Würdenträger und Dienstmannen im Bischofssaale saß, am 28. November 1263 -von den Cölnern verräterischer Weise überfallen und im Hause „zum Roß“ -in der Rheingasse eingekerkert, woraufhin die Stadt vom Papste mit dem -Interdikt belegt wurde. Immer größer wurde der Hader, immer höher stieg -die Erbitterung auch unter Engelberts Nachfolger, dem Erzbischofe Sigfrid -von Westerburg, bis schließlich auf dem Schlachtfelde bei Worringen, -wo die Heeresmächte des ganzen Niederrheins aufeinanderstießen, die -Jahrzehnte hindurch aufgespeicherte Wut am 5. Juni 1288 zur Entladung kam -und die Entscheidung fiel. Sigfrid wurde gefangen und Cöln wurde freie -Reichsstadt. -</p> - -<p> -In dieser gährenden, wildbewegten Zeit lebte Christina. Ihr Heimatsort -Stommeln lag mitten auf dem Gebiete des Kampfes, wiewohl er nie -unmittelbar in denselben hineingezogen wurde. Gegenwärtig zählt der Ort, -der schon im 10. Jahrhundert ein ansehnliches Pfarrdorf war, rund 2500 -Einwohner, die fast ausschließlich sich zur katholischen Religion bekennen -und Ackerbau treiben. In den ältesten Urkunden wurde der Ort Stumbelo, in -der Jülicher Handschrift jedoch Stumbele genannt. Der Name, der soviel -besagt als „Wald -<span class="pagenum"><a id="Page_4" name="Page_4" href="#Page_4">[4]</a></span> -der Baumstümpfe“ (Stumbe = Stumpf und lô = Wald) weist -darauf hin, daß der Ort eine fränkische Siedelung ist und auf abgeholztem -Waldgebiete angelegt wurde. Die trotzige und treue Art der salischen -Franken, der alles Gezierte und Unechte widerstrebt, die in ihrer -Natürlichkeit und Geradheit selbst vor Derbheit und Rücksichtslosigkeit -nicht zurückschreckt, ist auch heute noch in der Einwohnerschaft -Stommelns unverwischt erhalten. Der gute Kriegsmann St. Martin, der -Lieblingsheilige der Franken, ist denn auch von jeher dort Kirchenpatron. -Der Bruder Kaiser Otto des Großen, Erzbischof Bruno, der Heilige, von -Cöln, der als Herzog von Lothringen zugleich Landesfürst war, hat sich -um Stommeln besonders verdient gemacht. Er schenkte der Gemeinde einen -ansehnlichen Wald, der jetzt teils Ackerland, teils Weidengelände ist und -der eingesessenen Bewohnerschaft, der Realgemeinde Stommeln, zugehört. -Die Pfarrkirche samt dem neben ihr gelegenen Fronhofe wurde von demselben -Erzbischofe im Jahre 961 dem hochadeligen Damenstifte zur h. Cäcilia in -Cöln einverleibt. Da der Ackerboden der Stommeler Flur zu den gesegnetsten -Gefilden Deutschlands zählt, so herrschte von jeher Wohlstand unter den -Bewohnern, aber auch das kirchliche Leben stand dort im 13. Jahrhundert in -schönster Blüte. Ganz besonders aber wurde die Andacht zum bittern Leiden -unseres Heilandes in der Pfarrgemeinde gepflegt und an den Freitagen wurde -der Gottesdienst wie an den Sonn- und Feiertagen besucht. Eifrige und -angesehene Seelsorger standen an der Spitze der Pfarre und die Dominikaner -von Cöln leisteten häufig Aushülfe in der Seelsorge. -</p> - -<div class="poem"><div class="stanza fsize"> -<span class="i01"> -Ze Choln und ze Parîs -</span><br /> -<span class="i01"> -da sint die pfaffen harte wîs -</span><br /> -<span class="i01"> -di besten vor allen rîchen -</span><br /> -</div></div> - -<p class="cont"> -so singt ein Dichter des 13. Jahrhunderts. Der selige Albert der Große, -der hervorragendste Gelehrte seines Zeitalters, stand damals an der -Spitze des Hauptstudiums der Dominikaner zu Cöln, wo Thomas von Aquin -sein Schüler war. Nicht bloß aus Deutschland, sondern auch von auswärts -strömten die wißbegierigen jungen Leute, vor allem aber die von ihren -Provinzialen als die talentvollsten befundenen Dominikaner nach Cöln, -das als Sitz der Gelehrsamkeit mit Paris wetteiferte. Stommeln war der -Erholungsort, wo an den schulfreien Tagen die Cölner Dominikaner gerne -verweilten. Sie fanden dort -<span class="pagenum"><a id="Page_5" name="Page_5" href="#Page_5">[5]</a></span> -gastliche Aufnahme nicht bloß auf dem Hofe -des St. Cäcilienstiftes, sondern auch im Pfarrhause und bei Gutsbesitzern. -Bruder Mauritius sehnte sich, als er in Paris studierte, nach Cöln zurück -und seinem „Stommeler Aegypten“, wie er sich in einem Briefe an Christina -vom 15. Juni 1271 scherzhaft ausdrückt.<a name='FA_1' id='FA_1' href='#FN_1' class='fnanchor'>[1]</a> Dort hätten sie frische Eier -bekommen und schmackhaftes Gemüse zum Fleische. In Paris jedoch seien die -Eier verderbt und kleiner als die Eifler Eier, die sie zu Cöln gegessen. -Christina solle jedoch den Brief niemanden zeigen, damit er nicht etwa -eine üble Note erhalte, der Frau Beatrix aber sagen, daß sie für die -vom Kapitel heimkehrenden Brüder frische Eier und Zulage frischen Käses -bereite. Auch Bruder Folkwin in Gotland erinnerte sich später noch mit -Dankbarkeit der in Stommeln zugebrachten Tage und schickte zur Bekundung -dieser Dankbarkeit der Christina einen größeren schwarzen Löffel aus Horn, -Christinas Schwester Hilla einen kleinen schwarzen Löffel, der Hilla -vom Berge einen weißen mit schwarzem Griffe und der Tochter des Vogtes -ebenfalls einen schwarzen Löffel aus Horn.<a name='FA_2' id='FA_2' href='#FN_2' class='fnanchor'>[2]</a> -</p> - -<p> -Auch für den Schulunterricht der Knaben sowohl wie der Mädchen war in -Stommeln gesorgt. Die Knaben unterrichtete der Magister Johannes, der -entfernt mit Christina verwandt war und später Priester wurde. -</p> - -<p> -Die Gerichtsbarkeit wurde ausgeübt durch einen im Orte ansäßigen Vogt, der -in der Nachbarschaft Christinas wohnte und mit ihrer Familie befreundet -war. In dieser wohlgeordneten, frommen und wohlhabenden Pfarrgemeinde -erblickte Christina das Licht der Welt im Jahre 1242. Der Tag ihrer Geburt -ist nicht näher bekannt. Daß sie am 24. Juli, dem Feste der h. Jungfrau -und Martyrin Christina, geboren sein soll, ist nur eine Vermutung. Ihr -Vater war ein vermögender Ackerwirt. Er hieß Heinrich Bruso und seine -Frau Hilla. Vom Geburtshause Christinas sind noch Mauerreste erhalten -geblieben. Es lag inmitten des Ortes an der Hauptstraße, dort, wo -gegenüber die Eschgasse zu der auf einer ziemlichen Anhöhe gelegenen -alten Pfarrkirche abbiegt. Es war ein Gehöfte mit einem Doppelhause, -einem ältern großen Hause und einem -<span class="pagenum"><a id="Page_6" name="Page_6" href="#Page_6">[6]</a></span> -kleinern Anbau. Noch immer führen -die dort befindlichen Baulichkeiten den Namen Brusohaus, und früher, als -Stommeln noch zum Herzogtum Jülich gehörte, war dort auch der Wohnsitz -des Amtsverwalters. -</p> - -<p> -Christina war nicht das einzige Kind ihrer Eltern. Sie hatte einen ältern -Bruder namens Heinrich, der etwas weltlich gesinnt war, wohl den Versuch -gemacht hatte, ins Kloster Kamp einzutreten, es aber wieder verlassen -hatte und nach Cöln übergesiedelt war. Außerdem hatte sie einen jüngern -Bruder, Sigwin genannt, für den sie in mütterlicher Liebe besorgt war. -Dieser trat als Laienbruder in den Dominikanerorden ein und zwar in -der Provinz Dazien, erhielt den Namen Gerhard, weil der Name Sigwin in -Schweden nicht gebräuchlich war, und führte zur größten Zufriedenheit -die Geschäfte eines Prokurators, da alle Einnahmen und Ausgaben des -Klosters durch seine Hand gingen. Wie Christina zwei Brüder hatte, so -hatte sie auch zwei Schwestern. Eine hieß Hilla und die andere Gertrud. -Beide scheinen älter gewesen zu sein als Christina. Eine von ihnen wohnte -später in Cöln; die andere heiratete und blieb anfänglich in Stommeln. In -Poulheim wohnten nahe Blutsverwandte Christinas, zwei Schwestern nämlich -und deren Brüder. -</p> - -<p> -Schon in der Kindheit stand Christina, die ein gewecktes Mädchen war, -unter besonderer Einwirkung der göttlichen Gnade. In dem freilich erst -nach ihrem Tode von einem Ungenannten verfaßten Bericht über ihr Leben -lesen wir, daß der Jesusknabe dem fünfjährigen Kinde öfters erschien, -es im Glauben unterrichtete, es beten lehrte und ihm zum frommen Leben -Anleitung erteilte. Christina zeigte denn auch viel früher als andere -Kinder Verständnis für göttliche Dinge, ging gerne in die Kirche und -wohnte dort täglich mit kindlich frommer Andacht dem h. Meßopfer bei. Als -sie sechs Jahre alt war, schaute sie bei der Wandlung das Jesukind in den -Händen des Priesters, das zu ihr sprach: „Siehe, ich bin hier zugegen, -stets bereit, Barmherzigkeit zu erweisen. Wer also um Barmherzigkeit -fleht, wird Barmherzigkeit erlangen.“ Als sie sieben Jahre zählte, wurde -sie von einem Engel im Geiste ins Paradies geführt, wo sie himmlische -Geheimnisse schaute und mit unaussprechlicher Wonne erfüllt wurde. Ein -Seraph kam dort zu ihr, begrüßte sie als die Auserlesene Jesu Christi -und machte ihr kund, daß durch sie viele Sünder bekehrt, viele Gerechte -gestärkt und getröstet -<span class="pagenum"><a id="Page_7" name="Page_7" href="#Page_7">[7]</a></span> -und viele Seelen aus dem Fegfeuer würden befreit -werden. Als der Engel sie dann wieder zur Erde zurückgeführt und sie zu -sich gekommen war, hub sie an zu singen ein Lied, das so anfing: -</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i03 fsize"> -Rosen und Lilien auf grünenden Auen -</span><br /> -<span class="i03 fsize"> -Ueberall prächtig und lieblich zu schauen, -</span><br /> -<span class="i03 fsize"> -Wie mein Brüderlein Jesu Christ, -</span><br /> -<span class="i03 fsize"> -Wenn man seiner Liebe genießt. -</span><br /> -</div></div> - -<p> -Im Alter von neun Jahren wurde sie um das Fest Mariä Verkündigung drei -Nächte nacheinander im Geiste von einem Engel der allerseligsten Jungfrau -Maria vorgestellt und in jeder dieser Nächte sang sie dreimal nacheinander -zuerst die Sequenz vom h. Geiste, die zu Pfingsten beim Hochamt gesungen -wird: -</p> - -<div class="table tblfake"> -<div class="table-row"> -<div class="table-cell cellw40"> -<span class="fmarkd"> -Veni sancte spiritus,<br /> -Et emitte caelitus<br /> -Lucis tuae radium, -</span> -</div> -<div class="table-cell cellw05 ritebord"> </div> -<div class="table-cell cellw05"> </div> -<div class="table-cell cellw40"> -Komm, o Geist der Heiligkeit,<br /> -Aus des Himmels Herrlichkeit<br /> -Sende Deines Lichtes Strahl, -</div> -</div> -</div> - -<p class="cont"> -und sodann die von der allerseligsten Jungfrau, welche anfängt mit den -Worten: -</p> - -<div class="table tblfake"> -<div class="table-row"> -<div class="table-cell cellw40"> -<span class="fmarkd"> -Ave rosa generosa<br /> -Salve candens lilium, -</span> -</div> -<div class="table-cell cellw05 ritebord"> </div> -<div class="table-cell cellw05"> </div> -<div class="table-cell cellw40"> -Sei gegrüßt Du edle Rose<br /> -Gruß Dir Lilie blendendweiß, -</div> -</div> -</div> - -<p class="cont"> -und wenn sie diese Gebete beendet, so warf sie sich nieder vor der h. -Gottesmutter und sprach folgendes Gebet: -</p> - -<div class="table tblfake"> -<div class="table-row"> -<div class="table-cell cellw40"> -<span class="fmarkd"> -Deprecor vos, mater -misericordiae, per amorem -dilectissimi filii vestri, -ut mihi apud ipsum peccatorum -meorum veniam impetretis necnon -et amicitiam et favorem eiusdem -filii vestri mihi procuretis. -</span> -</div> -<div class="table-cell cellw05 ritebord"> </div> -<div class="table-cell cellw05"> </div> -<div class="table-cell cellw40"> -Mutter der Barmherzigkeit, ich -bitte Dich bei der herzlichen -Minne, die Dein vielgeliebter -Sohn zu Dir getragen hat, Du -wollest mir bei ihm Verzeihung -meiner Sünden erlangen sowie -auch die Freundschaft und die -Huld dieses Deines Sohnes mir -erwirken. -</div> -</div> -</div> - -<p> -Die h. Gottesmutter aber beantwortete jedesmal dieses Gebet mit den -Worten: „Freue dich, teuerste Tochter, und frohlocke; denn du wirst die -Braut und Freundin meines vielgeliebten Sohnes sein.“ Seit jener Zeit -wußte Christina diese beiden lateinischen Sequenzen auswendig, obschon -sie den Psalter noch nicht gelernt hatte, und wurde jedesmal, wenn sie -dieselben singen hörte, mit großer Wonne erfüllt. -</p> - -<p> -Im Jahre 1252, als sie zehn Jahre zählte, erschien ihr in einer Nacht -Jesus Christus selbst im Traumgesichte in Jünglingsgestalt. Christina -erschrak. Christus aber sprach zu ihr: -<span class="pagenum"><a id="Page_8" name="Page_8" href="#Page_8">[8]</a></span> -„Vielgeliebte Tochter, siehe, ich -bin Jesus Christus. Gelobe mir Treue, und zwar so, daß du mir immerwährend -dienest. Sollte dich übrigens jemand um ein anderes Verlöbnis angehen, so -sage ihm, daß du dich Jesu Christo selbst in seine Hände verlobt habest“ -— dabei ergriff er ihre rechte Hand und legte sie in die seine. — „Bei -den Beginen,“ so schloß der Herr, „sollst du bleiben.“ Als Petrus von -Dazien sie siebenundzwanzig Jahre später über diese Erscheinung befragte, -sagte sie: „Ich sah den lieben Heiland im Glanze solcher Herrlichkeit -und in solcher Schönheit, daß ein menschliches Auge es nicht zu ertragen -vermag. Deshalb kam ich von Sinnen und drei Tage und drei Nächte hindurch -war ich für alle körperlichen Wahrnehmungen unempfänglich.“ Von diesem -Tage an hatte ihr Geist keine Ruhe mehr, sondern immerdar quälte sie sich -mit dem Gedanken, wie sie zu den Beginen kommen könnte. -</p> - -<p> -Wie sie elf Jahre alt war und nach Weise der Schulkinder den Psalter -lernte, kam es ihr, wenn sie die Psalmen las, vor, als ob sie zu -demjenigen rede, dem sie Treue gelobt hatte. Und dann konnte sie nicht -anders als weinen vor seliger Freude. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi02" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="45" /> -<br /><em class="komplex">Zweites Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Christina bei den Beginen in Cöln. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_9" name="Page_9" href="#Page_9">[9]</a></span> -Das engelgleiche Töchterlein des Heinrich Bruso wuchs inzwischen zur -blühenden Maid heran. Sie war mit allen Vorzügen ausgestattet, die ihre -Hand auch für die erlesensten aus der Schar der Jünglinge begehrenswert -machten. Sie war das Kind wohlhabender und angesehener Eltern. Schlank -von Wuchs und kräftig von Gestalt, machte sie mit ihrem frischen, -edelgeformten und von goldblondem Haar umwallten Gesichte den Eindruck -jungfräulicher Anmut. Kein Wunder, daß die Eltern daran dachten, sie -zu verloben; denn sie hatten keine Kenntnis von dem Traumleben ihres -Kindes. Doch Christina widerstrebte diesem Vorhaben. „Bei den Beginen -sollst du bleiben,“ so hatte der Herr ihr gesagt, und dieser Weisung -wollte sie folgen. Ohne Vorwissen der Eltern begab sie sich deshalb am -St. Katharinentage des Jahres 1255, als sie dreizehn Jahre alt war, nach -Cöln. Es schneite und stürmte und sehr kalt schnitt der Wind. Nichts -hatte sie von Hause mitgenommen, als ein leinenes Tuch, das sie über den -Kopf geworfen hatte. Eine Frau, die sie mitgenommen, zeigte ihr den Weg. -Die Freude, bald zu den Beginen zu kommen, beflügelte ihre Schritte. Die -einzige Besorgnis, die sie auf diesem Wege hatte, war die, jene Frau könne -sie möglicherweise verraten oder in Cöln, wo sie unbekannt war, in ein -Haus führen, wo ihre Ehre und Unschuld Gefahr leiden könnte. Sie langte -jedoch glücklich in Cöln an und ging sofort zu den Beginen, wo sie auch -aufgenommen wurde. -</p> - -<p> -Die Beginen bildeten einen nach Art einer Ordensgemeinschaft organisierten -Stand weiblicher Personen, die als Jungfrauen, Ehefrauen und Witwen sich -zu einem enthaltsamen Leben entschlossen hatten. In Folge der Kreuzzüge -war damals die -<span class="pagenum"><a id="Page_10" name="Page_10" href="#Page_10">[10]</a></span> -männliche Bevölkerung in unseren Gegenden bedeutend -verringert, und für einen erheblichen Teil der weiblichen war mithin die -Ehelosigkeit der gewiesene Weg. Es war natürlich, daß diese weibliche -Bevölkerung Anschluß an die bestehenden Ordensgenossenschaften suchte. Die -Prämonstratenser waren es, die zuerst dieser Frauenbewegung sich annahmen, -dann ihr aber, als sie ihnen zur Plage wurde, wieder den Rücken kehrten. -Darauf versuchten die Zisterzienser die Lösung derselben Frage, die -aber auch ihnen ebenso wenig wie den Prämonstratensern gelingen sollte. -Notgedrungen bildete sich nun diese der Enthaltsamkeit geweihte Frauenwelt -zu einer selbständigen Eigenart des Ordenswesens aus, zum Beginentum. -Ohne Gründer und ohne Gründerin aus dem Drange der Verhältnisse geboren, -entwickelte es sich vorzugsweise in den belgischen und rheinischen -Landen zu großer Blüte. Seine Wiege ist die Stadt Nivelles in Brabant, -wo im Jahre 1207 das erste selbständige derartige Kloster entstand. -Als kirchliche Organisation wurde das Beginentum anerkannt durch Papst -Gregor IX., der ihm am 30. Mai 1233 einen Schutzbrief ausstellte. Den -Anforderungen, die der Völkerapostel an die gottgeweihten Frauen und -Jungfrauen stellt, nacheifernd, bemühten sich diese frommen Frauen, nicht -bloß ein keusches, enthaltsames Leben zu führen, sondern auch den Geist -des Gebetes zu pflegen, die hh. Sakramente häufiger zu empfangen, ein -Leben der Entsagung zu führen und sich in den Werken der christlichen -Barmherzigkeit zu üben. Sie trugen einfache, eigene Kleidung von schwarzer -Farbe, verrichteten das kirchliche Stundengebet, pflegten aber auch -mit besonderer Vorliebe das Rosenkranzgebet<a name='FA_3' id='FA_3' href='#FN_3' class='fnanchor'>[3]</a>; wohnten gewöhnlich in -nächster Nähe der Pfarrkirche, trugen Sorge für die hh. Gewande, die -Reinheit und den Schmuck des Gotteshauses, unterrichteten die Mädchen, -pflegten die Kranken und beherbergten die durchreisenden Fremden. Ihr -Reformeifer erweckte jedoch vielfachen Widerspruch. Man warf sie zusammen -mit der Sekte der Apostoliker und Albigenser, und weil in jenem Zeitalter -ein Lütticher Priester namens Lambert, zubenannt <span class="fmarkd">le bègue</span>, -<span class="pagenum"><a id="Page_11" name="Page_11" href="#Page_11">[11]</a></span> -d. h. der Stammler († 26. März 1187), viel von sich hatte reden machen wegen seines -Reformeifers, der ihn in einen Streit mit seinem Bischof verwickelt hatte, -in Folge dessen er zensuriert und eingekerkert wurde, so nannte man sie -Beginen, womit der Begriff der Ueberkirchlichkeit und Widersetzlichkeit -verbunden war. Doch der Priester Lambert war mit Unrecht bekämpft worden; -in der Tat war er ein Mann Gottes. Papst Luzius III. hob das Urteil des -Lütticher Bischofes auf und gab dem unschuldig Gemaßregelten die Vollmacht -zu predigen wieder. Die neuen Ordensfrauen brauchten deshalb den ihnen in -kränkender Absicht zugelegten Beinamen nicht zurückzuweisen und er ist -ihnen in der Folge verblieben, wiewohl Lambert <span class="fmarkd">le bègue</span> geschichtlich -mit ihnen keinerlei Zusammenhang hat.<a name='FA_4' id='FA_4' href='#FN_4' class='fnanchor'>[4]</a> Als die beiden Bettelorden der -Dominikaner und Franziskaner sich hierzulande auszubreiten begannen, -kamen die Beginen wie von selbst in ein Abhängigkeitsverhältnis zu -ihnen. Mit diesen beiden Ordensfamilien, die im ersten und zweiten Orden -das eigentliche Ordensleben für das männliche und weibliche Geschlecht -organisiert hatten, war nämlich ein dritter Orden planmäßig verbunden, -der eine losere Form des Ordenslebens für Weltleute darstellte. Dieses -Tertiarierwesen war aber seiner Idee nach der Grund zur Bildung des -Beginentums gewesen. Es ist deshalb auch nicht zu verwundern, daß die -Beginenhäuser sich um die Klöster der Dominikaner und Franziskaner -zu gruppieren pflegten. Im 15. Jahrhundert sind die Beginen durch -die kirchlichen Behörden veranlaßt worden, eine bestimmte Ordensregel -anzunehmen. Sie entschieden sich für die Augustinerregel. Die noch heute -blühenden Klöster der Zellitinnen in Cöln, Düren, Neuß und Aachen sind -dem Ursprunge nach Beginenklausen. -</p> - -<p> -Das älteste Beginenhaus in Cöln ist der Konvent „<span class="fmarkd">ver Selen</span>“, der 1230 -gegründet wurde, sich in der Stolkgasse befand und dem Dominikanerkloster, -dessen Stelle jetzt die Hauptpost einnimmt, gegenüberlag. Allem Anschein -nach war es dieses Haus, in das Christina eintrat. Denn wir lesen von -ihr, daß sie die Dominikanerkirche fleißig besuchte. Im Kloster erhielt -Christina jedoch bald Besuch. Ihre Mutter hatte erfahren, wo -<span class="pagenum"><a id="Page_12" name="Page_12" href="#Page_12">[12]</a></span> -sie sich hinbegeben. Sie kam nach Cöln, und unter Tränen bat sie ihre Tochter, doch -wieder mit ihr nach Stommeln zurückzukehren. Christina indes war nicht -hierzu zu bewegen. Zum Entgelt versagte die Mutter ihr jegliche Aussteuer. -Ein ganzes Jahr hindurch ließ sie ihr nicht die mindeste Unterstützung -zukommen, sodaß Christina darben mußte und an manchen Tagen nicht einmal -Brot zum Essen hatte. Einige Beginen redeten ihr deshalb zu, sie sollte -doch wieder zu ihren Eltern zurückkehren. Sie aber lehnte dies ab, da sie -lieber dem Willen Gottes gemäß im Kloster in Armut, als bei den Eltern -im Ueberfluß leben wollte. Sie blieb ungefähr vier Jahre bei den Beginen -in Cöln und übte sich dort eifrig in der Schule der Vollkommenheit. Sie -liebte die Einsamkeit, um dem Gebete obliegen zu können; auf Erholung -und Unterhaltung nahm sie nicht Bedacht. An jedem Samstage und an allen -Vorabenden der Heiligenfeste fastete sie bei Wasser und Brot. Sie trug -ein einfaches, wollenes Kleid, aber kein leinenes Unterzeug. Ein fest -anliegender Gürtel umschlang ihre Lenden. Sie schlief allein. Holz -und Stein bildeten ihr Ruhelager, damit sie desto eher erwache und zum -Gebete sich erhebe. Zweihundertmal beugte sie das Knie in jeder Nacht -und tagsüber flehte sie zu allen Heiligen, deren Namen sie kannte, sie -möchten ihr die h. Liebe erwirken. Ihr Stundengebet verrichtete sie -gewöhnlich mit dem ganzen Körper seitwärts zur Erde hingestreckt, Freitags -dagegen streckte sie dabei die Arme in Kreuzesform aus und so legte sie -sich dann auch auf ihr Ruhelager. Strümpfe trug sie nicht; sie hatte nur -Sohlen unter den bloßen Füßen. Die Hälfte des Jahres fastete sie, ohne -irgendwelche Fleischnahrung zu sich zu nehmen. Ihr gewöhnliches Getränk -war Wasser, sehr selten nahm sie etwas Bier. Alles, was nach Weichlichkeit -aussah, war ihr zuwider. All ihr Sinnen und Trachten war unablässig darauf -gerichtet, zu betrachten, wie vieles und wie schmerzliches Christus für -uns gelitten hat. -</p> - -<p> -Christina besuchte, wie gesagt, mit Vorliebe die Dominikanerkirche. Im -Jahre 1225 waren die Dominikaner nach Cöln gekommen. Die Stiftsherrn zum -h. Andreas hatten ihnen ihr in der Stolkgasse gelegenes Hospital zur -h. Maria Magdalena geschenkt. Dieses Hospital hatten die Dominikaner -zur Kirche umgewandelt, an deren Stelle Albert der Große 1271 die zu -Anfang des 19. Jahrhunderts niedergelegte -<span class="pagenum"><a id="Page_13" name="Page_13" href="#Page_13">[13]</a></span> -prächtige Kirche gotischen -Stiles zum h. Kreuz erbaute. In jener älteren Magdalenenkirche war eines -Tages Christina in die Betrachtung des bitteren Leidens unseres Herrn -versenkt. Da wurde sie mit einem Male entrückt. Sie war wie entseelt und -mußte aus der Kirche nach Hause getragen werden. Drei Tage lang dauerte -dieser Zustand. Die Beginen aber, mit denen sie zusammenlebte, wußten -diesen Zustand nicht zu beurteilen. Sie meinten, das müßte ein Anfall von -Geisteskrankheit oder von Fallsucht gewesen sein, und sie hielten deshalb -Christina für eine Minderwertige. -</p> - -<p> -So ergeht es ja in der Regel den von Gott besonders begnadigten Personen. -Sie werden für unsinnig gehalten und Gott läßt dies zu, um sie vor -Ueberhebung zu bewahren. -</p> - -<p> -Die Entzückung ist jedoch weit davon entfernt, etwas Krankhaftes zu sein. -Es hat ja auch Männer von Ruf gegeben, die künstlerische Begabung, zumal -das Dichter- und Musikergenie, als eine Art von Wahnsinn ansahen. Und -doch ist solch' künstlerische Begabung ein Zeichen höchster Geisteskraft -und Geistesgesundheit. Noch viel mehr sind Verzückungen Aeußerungen -höchsten Geistesaufschwunges. Freilich können gottbegnadigte Personen -und desgleichen Dichter und Musiker gerade so gut geisteskrank werden -wie andere Menschen; allein an und für sich haben mystische Zustände und -künstlerische Begabung mit Geisteskrankheit nichts zu tun. Es gehört -freilich ein Kennerauge dazu, krankhafte Erscheinungen von mystischen -Zuständen zu unterscheiden, weil gewisse äußere Aehnlichkeiten vorliegen -bei aller Verschiedenheit des Wesens. Die Kenntnisse eines auch noch so -hervorragenden Nervenarztes reichen da nicht aus; der eigentliche Fachmann -ist da der mit den Zuständen des übernatürlichen Seelenlebens entweder -durch eigene Erfahrung oder durch eindringendes Studium der Wissenschaft -der Heiligen vertraute Geistesmann. -</p> - -<p> -Die h. Teresia, eine der vorzüglichsten Lehrmeisterinnen des geistlichen -Lebens, wußte wohl zu unterscheiden zwischen Weiberohnmachten und -Verzückungen. Sie kannte beide Zustände aus Erfahrung. Auch träges, -träumerisches Versunkensein beim Gebete hat mit Verzückung nichts zu tun. -Diese ist vielmehr ein machtvoller, urplötzlicher Aufschwung der Seele zu -Gott, ihrem Urheber. Es sind nicht mehr die natürlichen, von der Gnade -unterstützten Fähigkeiten der Seele, die da tätig -<span class="pagenum"><a id="Page_14" name="Page_14" href="#Page_14">[14]</a></span> -sind; es ist vielmehr -der Geist Gottes selbst, der h. Geist, der durch seine sieben Gaben, zumal -durch die Gabe des Verstandes, den menschlichen Geist anregt und leitet. -Ein unmittelbares Schauen der Gottheit, wie es im Zustande der Verklärung -eintritt, findet freilich nicht statt. Dazu bedarf es des Lichtes der -Herrlichkeit. Auch bei der mystischen Vereinigung wird die Seele geleitet -auf dem Wege des Glaubens, der nicht im Schauen aufgegangen ist. Allein -die Seele ist auf eine höhere Stufe des übernatürlichen Lebens erhoben, -welche die Mitte hält zwischen dem gewöhnlichen Gnadenzustande und der -Himmelsseligkeit. Vermöge der Eingießung der Gaben des h. Geistes sind -es nicht so sehr die natürlichen Seelenkräfte, die tätig sind, es ist -vielmehr der Geist Gottes, der von der Seele Besitz ergreift und in ihr -tätig ist. Da ist nun höheres, göttliches Licht, da ist ein Vorgeschmack -der Seligkeit und Wonne des Himmels. Würde jemand aus nebelumlagerter -Finsternis plötzlich in der h. Weihnacht in den in hellster Beleuchtung -prangenden Cölner Dom eintreten und sein Ohr von den Klängen überirdischer -Musik entzückt werden, er würde sprachlos dastehen, staunen und genießen. -Und wenn dies Schauen und Genießen auch nur eine Viertelstunde währen -sollte, es würde ihm zeitlebens unauslöschlich vor der Seele stehen, und -niemand würde ihm einreden können, er habe nur ein Traumbild geschaut. -Aehnlich ist es mit der Seele, die entzückt wird. Beim Einfluten des -Lichtes der Gottheit wird sie sprachlos. „Der Atem stockt, sodaß sie, -wenn auch die Tätigkeit der anderen Sinne noch andauert, durchaus nicht -reden kann. Manchmal jedoch hört urplötzlich alles auf, es erkalten die -Hände und der ganze Körper erstarrt derart, daß es den Anschein gewinnt, -die Seele sei nicht mehr da, und mitunter kann man auch keinen Atem -wahrnehmen. Dieser empfindungslose Zustand dauert jedoch nur kurze Zeit; -denn sobald dieser gewaltige Aufschwung etwas nachläßt, scheint der Körper -wieder einiges Leben zu gewinnen und atmet wieder auf, um aufs neue zu -sterben und der Seele ein höheres Aufleben zu verschaffen. Bei all dem -dauert eine solche großartige Verzückung nie lange. Es kommt aber auch -vor, daß nach ihrem Aufhören der Wille so versenkt und der Verstand einen -ganzen Tag oder mehrere Tage so entrückt bleibt, daß es den Anschein -hat, er könne auf nichts achten als auf das, was den Willen zur Liebe -zu erwecken vermag. Hierzu ist er in vollkommen -<span class="pagenum"><a id="Page_15" name="Page_15" href="#Page_15">[15]</a></span> -wachem Zustande, dagegen -ist er ganz eingeschlafen, wo er einem Geschöpfe besondere Aufmerksamkeit -zuwenden soll.“ -</p> - -<p> -Diese Beschreibung, welche die h. Teresia<a name='FA_5' id='FA_5' href='#FN_5' class='fnanchor'>[5]</a> von der Entzückung gegeben, -paßt ganz und gar auf das, was bei Christina wahrgenommen wurde. Der -Leib wird empfindungslos und starr. Zu verschiedenen Malen hat man -an Christina, während sie in Verzückung war, den Versuch gemacht, zu -erproben, ob dem wirklich so sei. Einmal hat man ihr am Arme drei Wunden -beigebracht. Christina aber regte sich nicht und merkte nichts. Als sie -aber aus der Verzückung erwachte, fühlte sie den Schmerz der Wunden, -die nun anfingen zu bluten und langer Zeit bedurften, um zu heilen. Ein -anderes Mal hat, wie Bruder Gerhard vom Greif, der Pfarrer Johannes und -andere dem Bruder Petrus berichteten, eine Begine der Christina, als sie -nach der Kommunion in Verzückung gekommen, mit der Schere tief in die -Wade geschnitten. Auch diesmal merkte Christina während der Verzückung -nichts von der beigebrachten Verletzung. Als sie aber zu sich kam, empfand -sie heftigen Schmerz und die Wunde fing an zu bluten. Da sie kein Mittel -anwandte, um die Wunde zu heilen, so schwoll das Bein bedenklich an und -die Wunde fing an in Fäulnis überzugehen. Sie begab sich nun nach Cöln -und klagte dem Bruder Gerhard vom Greif ihr Leid. Dieser sagte ihr, es -müsse ein Wundarzt die Wunde untersuchen und einen Einschnitt machen. „Muß -der Mann die Wade sehen?“ fragte Christina. Bruder Gerhard erwiderte: -„Ich glaube, er wird sie sonst nicht heilen können.“ In einer Weise, -die mehr zu bewundern als nachzuahmen ist, erwiderte Christina: „Lieber -lasse ich das ganze Bein verfaulen, als daß ich dieses zugebe,“ und ging -fort. In der Nacht wandte sie sich zum Gebete und erlangte vom Herrn -Heilung ihrer Wunde. Morgens ging sie dann zurück zu Bruder Gerhard und -sprach: „Es ist nicht nötig, den Wundarzt zu rufen; denn der Herr hat -mich in seiner Güte geheilt.“<a name='FA_6' id='FA_6' href='#FN_6' class='fnanchor'>[6]</a> Auch trifft bei Christina zu, was die h. -Teresia von den Wirkungen der Verzückung sagt. Krankhafte Erscheinungen -erzeugen Unlust zu geistiger Betätigung, sie hinterlassen Schwäche, -Abspannung und Erschöpfung. Ganz anders die Verzückung. Auch sie greift -die Sinnesorgane in ihrer Weise -<span class="pagenum"><a id="Page_16" name="Page_16" href="#Page_16">[16]</a></span> -an. Durch das übermächtig einströmende -Licht der Gottheit wird die Tätigkeit der Sinnesorgane nicht nur, sondern -auch alle gewöhnliche Tätigkeit des Geistes gebunden. Die Seele ist ganz -aufgegangen in ihrer höchsten und edelsten Tätigkeit, im Schauen und -Lieben ihres Urhebers. Sie lebt ein höheres Leben und das natürliche ist -eine Weile wie erstorben. Kehrt sie nun wieder zum natürlichen Leben -zurück, so bedarf es einer Art Neubelebung des Organismus, um wieder -die gewohnten Beschäftigungen aufnehmen zu können. Diese geht gemach vor -sich, hat aber, da eine Krankheit gar nicht vorlag, mit Rekonvalescenz -keine Aehnlichkeit. Bald fühlt der Organismus sich wieder ganz frisch. -Die Seele brennt vor Glut, sich wiederum mit Gott und zwar für immer -zu vereinigen. Die ganze Schöpfung möchte sie aufrufen, mit ihr Gott -zu preisen. Entbehren und leiden aus Liebe zu Gott ist für sie eine -Genugtuung. Keine Bußübung ist ihr zu schwer. Die Welt und was sie enthält -erscheint ihr gar armselig. Ihre Herrlichkeit ist ihr wie welkes Gras -und ihre Lust wie ödes Sumpfwasser. Sie hat ja Höhres verkostet. Was -sie in der Verzückung geschaut, vermag sie, wie St. Paulus es darlegt, -nicht in Worte zu kleiden. Es übersteigt ja alle Erfahrung. Gefällt es -jedoch dem Allmächtigen, sie durch bildähnliche Erscheinungen zu belehren -oder zu erbauen, so weiß sie diese auch, sobald sie zu sich gekommen, zu -beschreiben. Wo jedoch die Mitteilung des göttlichen Lichtes unmittelbar -auf die geistige Erkenntnis einwirkt, ist einerseits eine Täuschung -unmöglich; denn durch den Vorgang selbst hat die Seele die Gewähr, daß -sie mit Gott verbunden ist, andererseits aber versagen ihr auch die -Ausdrucksmittel, das, was sie erfahren, entsprechend wiederzugeben. -</p> - -<p> -In der Regel sind solche besondere Hulderweisungen der göttlichen Liebe -Vorboten großer Prüfungen und Leiden. Liebe und Leib gehören nun einmal -zusammen wie im natürlichen Leben, so auch im übernatürlichen. Seine -besondern Lieblinge führt Gott den Weg des Leidens. Keine verzärtelten -Geschöpfe würdigt er seiner besonderen Freundschaft, sondern nur die -Heldenseelen, die Opferfreudigen. Sie werden in der Schule des Leidens -geübt, dann aber auch im Brautgemache der göttlichen Liebe erquickt. Unter -den Heiligen des Himmel ragen die hh. Martyrer hervor, die für Christus -die grausamsten Qualen erduldet und ihr Leben für ihn gelassen haben. Was -<span class="pagenum"><a id="Page_17" name="Page_17" href="#Page_17">[17]</a></span> -in den Zeiten der Christenverfolgung wutschnaubende Machthaber an den -Bekennern des christlichen Namens verübt, das gestattet in friedlichen -Zeiten Gott der Herr dem Satan an seinen Auserwählten zu vollbringen, -damit auch ihnen des Martyriums Palme nicht fehle. Es darf uns daher -nicht wundern, wenn in der Lebensbeschreibung Christinas nach der hohen -Begnadigung von widerwärtigen Versuchungen und grausamen Quälereien -die Rede ist. Sie verehrte mit besonderer Innigkeit den h. Apostel -Bartholomäus; sie betrachtete ihn als ihren ganz besonderen Schutzpatron, -da sie in ihren Trübsalen sehr oft seinen Beistand erfahren hatte. -In der Dominikanerkirche sowohl wie in der nahegelegenen Stiftskirche -zum h. Andreas befanden sich Reliquien des h. Bartholomäus. Ob es nun -diesem Umstande zuzuschreiben ist, daß Christina sich ihn zum besonderen -Schutzheiligen erkor, oder ob seine grausame Marter, da ihm lebendigen -Leibes die Haut abgezogen wurde, auf ihr mitleidiges und heldenmütiges -Herz bestimmend eingewirkt hat, läßt sich nicht ermitteln. Vielleicht -haben beide Gründe zusammen eingewirkt. -</p> - -<div id="Fabb_02" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb02.jpg' - alt='2. Kirchhügel zu Stommeln.' - /> -<p class='caption'>2. Kirchhügel zu Stommeln.</p> -</div> - -<p class="break"> -Als Christina bereits zwei Jahre bei den Beginen zu Cöln war, sie mithin -fünfzehn Jahre zählte, kam, als sie nachts in ihrer gewohnten Art sich zum -Gebete niedergeworfen hatte, der Versucher in Gestalt des h. Bartholomäus -vor sie hinstehen und sprach: „Tochter, du betest viel und hast ein großes -Verlangen, in den Himmel zu kommen. Nun wisse, daß du dies erreichen -wirst, wenn du dich tötest. Das ist ja bald geschehen, und du kommst -dann ohne alles Leid ins Himmelreich.“ Christina, die noch unerfahren -war in der Unterscheidung der Geister, glaubte, es sei wirklich der h. -Bartholomäus, und war ein halbes Jahr lang von dieser lästigen Versuchung -geplagt. Wenn sie allein war, meinte sie, sie müsse sich das Leben nehmen; -stand sie an einem Brunnen, so kam ihr der Gedanke, hineinzuspringen; -war sie in der Kirche, so fühlte sie sich zu ihrem größten Leidwesen -gedrungen, wieder hinauszugehen, um den Tod zu suchen. Doch endlich hatte -der Herr Erbarmen mit ihr. Als diese Versuchung ihr schier unerträglich -wurde, kam ihr in den Sinn das Wort des Evangeliums, das sie früher -gehört, sie würde verloren gehen, wenn sie Selbstmord verübe. Und so -schwand diese Versuchung. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_18" name="Page_18" href="#Page_18">[18]</a></span> -Nach einer Weile indes wurde sie von einer andern Versuchung gequält. -Es kamen ihr Zweifel an der Gegenwart Christi im allerheiligsten -Altarssakramente und an der Erschaffung der Welt durch Gott; auch erschien -es ihr fraglich, ob überhaupt Gott um sie wisse oder die Heiligen. Sie -hatte kaum Freude mehr daran, Gutes zu tun, zu beten und die Kirche zu -besuchen. Achtzehn Wochen lang blieb sie dem Beichtstuhl fern. Doch gab -sie der Versuchung nicht nach. Trotz der Unlust wohnte sie dennoch dem -Gottesdienste bei und eines Tages betete sie bei der h. Messe also: „Herr, -ich habe doch immer gehört, daß dein Leib wahrhaftig hier zugegen ist. -Zeige mir doch, wie ich diese Zweifel los werden kann.“ Und alsbald sah -sie bei der Wandlung ein Knäblein in den Händen des Priesters, das zu -ihr sprach: „Ich bin Jesus.“ Als sie solches sah und vernahm, kam sie vor -Staunen außer sich. Und als sie wieder zu sich gekommen, verspürte sie in -ihrem Geiste ein gewisses Maß von Licht. Daraufhin ging sie am folgenden -Tage zur h. Kommunion und die Versuchung wich so vollständig von ihr, als -ob sie dieselbe niemals gehabt hätte. Auch diese Anfechtungen gegen den -Glauben währten ein halbes Jahr. -</p> - -<p> -Nunmehr suchte der arglistige Feind des Menschengeschlechtes ihr Speise -und Trank und vor allem die h. Kommunion zum Gegenstand des Ekels zu -machen. Es kam ihr vor, als ob auf jeglicher Speise, die sie zum Munde -führen wollte, häßliche Tiere säßen, Molche, Spinnen und dergleichen. -Vor Spinnen hatte sie, nebenbei bemerkt, ganz besonderen Abscheu. Der -Beichtvater gab ihr den Rat, den Ekel zu überwinden und nichtsdestoweniger -zu essen. Sie folgte, vermochte jedoch vor Ekel die Speise nicht bei -sich zu behalten. Selbst wenn sie dem Tische des Herrn nahte, überkam -sie das Gefühl des Ekels. Doch auch diese Plage überwand sie, indem sie -trotz des Widerwillens dennoch den h. Leib des Herrn empfing. Auch diese -dritte Versuchung währte ein halbes Jahr. Dies alles trug sich zu, während -Christina zu Cöln bei den Beginen weilte. Dort blieb sie bis zum Alter -von siebenzehn Jahren, also bis zum Jahre 1259. In diesem Jahre kehrte -sie nach Stommeln zurück. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi03" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Drittes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Christina in Stommeln bis zum ersten Besuch des Petrus von Dazien -<em class="unfett">(1259-1267)</em>. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_19" name="Page_19" href="#Page_19">[19]</a></span> -In den bisher erschienenen Lebensbeschreibungen der seligen Christina -heißt es gewöhnlich, sie sei von den Beginen in Cöln entlassen worden -und deshalb nach Stommeln zu ihren Eltern zurückgekehrt. Das scheint -jedoch nicht richtig zu sein, denn zunächst steht nichts derartiges -in dem Berichte, den der damalige Pfarrer von Stommeln, Johannes, dem -Petrus von Dazien auf dessen Bitte über Christinas Jugend zusandte. -Auch wäre es dann nicht zu begreifen, daß Christina zeitlebens Begine -geblieben ist und niemals das Kleid der Beginen abgelegt hat. Wie die -Verhältnisse lagen, dürfte die Sache sich folgendermaßen zugetragen -haben. Als Christina bei den Beginen in Cöln eintrat, gab es in Stommeln -offenbar noch kein Beginenhaus. Sonst würde Christina nicht nötig -gehabt haben, sich so viele Mühe zu geben, um endlich zu den Beginen -zu kommen. Während ihres vierjährigen Verweilens zu Cöln ist dann zu -Stommeln eine Beginengemeinschaft zustande gekommen. Eine Verwandte -Christinas, Hilla vom Berge, so genannt, weil sie auf dem höhergelegenen -Teile von Stommeln wohnte, war eine der angesehensten der Stommeler -Beginen. Wir wissen, daß Christinas Eltern ihr die Aussteuer versagten. -Deshalb werden die Cölner Beginen Christina geraten haben, nach Stommeln -zurückzukehren, da sie nunmehr dort, wo mittlerweile die Beginen sich -eingerichtet hatten, ebensogut als Begine leben konnte wie in Cöln. Das -Beginenhaus zu Stommeln war, wenn auch nicht gleich von Anfang an, eine -an die Kirche angebaute Klause. Jedoch nicht alle Beginen wohnten dort, -wenigstens nicht andauernd. Die Räumlichkeiten scheinen zu beschränkt -gewesen zu sein. Mehrere von ihnen, wie Hilla vom Berge und die blinde -Aleidis, hatten eigene Wohnungen. -<span class="pagenum"><a id="Page_20" name="Page_20" href="#Page_20">[20]</a></span> -Bei ihrer Rückkehr nach Stommeln nahm -auch Christina zunächst im elterlichen Hause Wohnung. Hier wurde sie, -namentlich anfangs, nicht allzu freundlich behandelt, weil sie gegen den -Willen der Eltern ins Kloster gegangen war. Man gönnte ihr nicht einmal -das Brot, das sie aß. Ihr der Abtötung und dem Gebete geweihtes Leben -fand auch nicht den Beifall der Beginen. Diese spotteten mehrfach über -sie und nannten sie eine Scheinheilige. So hatte sie Niemanden, weder zu -Hause noch außerhalb, bei dem sie einigen Trost gefunden hätte. Im öftern -Empfange der h. Kommunion hätte sie gerne Kraft und Mut sich geholt zum -standhaften Ertragen aller Widerwärtigkeiten. Allein sie wagte es nicht, -darum zu bitten, mit wie heißer Sehnsucht sie auch darnach verlangte; -denn damals war es nicht üblich, häufig zu den hh. Sakramenten zu gehen. -Es war ja im dreizehnten Jahrhundert, daß die vierte Lateransynode (1215) -sich veranlaßt sah, die Pflicht der Osterkommunion unter Androhung von -kirchlichen Strafen einzuschärfen. Der Heiland jedoch wußte auf andere -Weise sich seiner treuen Dienerin mitzuteilen. Ihrem Pfarrer Johannes -hat sie nämlich im h. Gehorsam gestanden, sie sei einst krank gewesen (so -nannte sie in Demut ihren mystischen Zustand), und da habe sie stets über -das bittere Leiden unseres Herrn nachgedacht. Das habe wohl sechs Wochen -gedauert. Und es sei ihr vorgekommen, als ob ihr vielgeliebter Heiland -vor ihren Augen getötet worden sei. Sie lag dann, so fährt der Pfarrer -Johannes fort, in tiefster Beschaulichkeit da, aß sozusagen gar nichts -und ihre Glieder blieben, wie Johannes selbst gesehen hat, ganz starr. -Aber auch der Versucher stellte sich bei ihr ein. Umstrahlt von Schönheit -erschien er ihr, tröstete sie und sprach: „Teuerste, gehab dich wohl; -der Herr ist mit dir.“ Er belobte sie dann sehr und sagte schließlich: -„Siehe, schon bist du merklich schwächer geworden. Wenn du dich noch -zwei Tage lang der Nahrung enthältst, so wirst du alsbald deinen Gott in -seiner Herrlichkeit schauen.“ Bei diesen Worten erkannte Christina durch -Erleuchtung des h. Geistes den teuflischen Betrug, begehrte sofort zu -essen und beschämt wich der Böse von dannen. -</p> - -<p> -Abgesehen von dieser Versuchung lebte Christina drei Jahre lang im Hause -ihrer Eltern in seligem Herzensfrieden, auf Gott allein ihren Sinn -richtend und nicht beachtend, was -<span class="pagenum"><a id="Page_21" name="Page_21" href="#Page_21">[21]</a></span> -in der Welt vor sich ging. Sie war -nun zwanzig Jahre alt und sollte bald in die Schule der Leiden genommen -werden, indem es dem Satan gestattet wurde, sie zu quälen, wie er einst -den Diener Gottes, den gerechten Job, gequält hatte. Nur das Leben durfte -er ihr nicht nehmen, wie er ja auch dem Job das Leben lassen mußte. Sie -nahm, wie es scheint, Wohnung im Hause der Beginen. Dort kam der Versucher -in Gestalt des h. Apostels Bartholomäus zu ihr und sagte ganz leise: -„Teuerste Tochter, deine Werke sind wohlgefällig vor Gott, dem du über -die Maßen gefällst. Du hast jetzt eine Zeit lang an Leib und Seele Ruhe -genossen. Nun mußt du auch, da du gar sehr verlangst, zum Geliebten deiner -Seele zu kommen, an deinem Körper etwas leiden.“ Wohl einen Monat lang -wurde sie von solchen Zuflüsterungen geplagt. Endlich kam der Versucher -mit einem Bündel Hülsendorn und sprach: „Weil du bisher allzu weichlich -gelebt hast, so bringe ich dir dies, damit du damit deinen Leib zur Ehre -Gottes kasteiest; denn das gefällt ihm gar sehr.“ Also tat er zur Zeit -der Mette sowohl wie zur Zeit der Komplet. Christina aber, vom h. Geiste -belehrt, dachte bei sich: „Es ist der Dämon. Kaum vermag ich die übliche -Geißelung zu ertragen, um wieviel weniger eine solche?“ Sodann sprach sie -zum Versucher: „Uebel ist dein Rat, weil er falsch ist; denn Gott will, -daß man in allem weise maßhalte.“ Doch wiewohl sie den Versucher in dieser -Weise abfertigte, kam ihr doch später immer wieder der Gedanke, sie hätte -doch den Rat befolgen sollen; er könne doch von Gott herrühren. Als der -Versucher jedoch sah, daß Christina seinen Einflüsterungen nicht Folge -gab, rächte er sich, indem er selbst acht Nächte hindurch Christina mit -Hülsenwischen dermaßen geißelte, daß sie am ganzen Leibe wund war. Hilla -vom Berge, die zur Zeit der Komplet zu ihr zu kommen pflegte und nicht -wußte, was vor sich gegangen war, fand sie wie halb tot und brachte sie zu -Bette. Nachdem der Versucher sie noch durch mehrere andere Plagen das Jahr -hindurch belästigt hatte, quälte er sie im Advent auf besondere Weise. Am -ersten Adventssonntage wurde sie, während sie ihren Rosenkranz<a name='FA_7' id='FA_7' href='#FN_7' class='fnanchor'>[7]</a> betete, -<span class="pagenum"><a id="Page_22" name="Page_22" href="#Page_22">[22]</a></span> -mit einem knotigen Stocke derartig von unsichtbarer Hand geschlagen, -daß die Umstehenden meinten, man müsse es im ganzen Dorfe hören können. -Fünfmal fiel Christina dabei in Ohnmacht. Schließlich betete sie zum -Herrn also: „Herr Jesu, ich bitte dich bei deinem bitteren Leiden, -befiehl dem Dämon, er solle aufhören mich zu schlagen; denn ich vermag es -nicht länger zu ertragen. Oder gib mir die Gnade, daß ich es auszuhalten -vermag.“ Eines Tages empfing sie, als sie in den Stall ging, einen solch -heftigen Schlag auf die Hand, daß Blut floß. Darob weinte sie, nicht aus -Mangel an Gottergebenheit, sondern weil sie glaubte, in solchem Leiden -nicht mehr allein in ihrem Kämmerlein leben zu können und in ein anderes -Haus ziehen zu müssen. Mehrfach noch erhielt sie von unsichtbarer Hand -Schläge, die derartig heftig waren, daß man sie fast bis auf die Straße -hörte. Auch wurden ihre Füße zerkratzt, und zwar einmal mit spitzigen -Eisenkrallen; und die ganze Pfarre kam zusammen und sah mit eigenen Augen -diese Quälereien. -</p> - -<p> -Christina kehrte ins Haus ihrer Eltern zurück und blieb etwa ein Jahr -lang von körperlichen Mißhandlungen frei. Jedoch suchte der arglistige -Feind ihre Andacht auf mancherlei Weise zu stören. Am Weihnachtsabend -kam er in Gestalt eines Stieres und brüllte entsetzlich, packte ihren -Kopf zwischen seine Zähne und übergoß ihr Gesicht mit Geifer. Vier Wochen -nachher hörte sie jedesmal ein starkes Brüllen, so oft sie der h. Messe -beiwohnte, Gottes Lob singen oder predigen hörte, oder wenn sie sich -im Gebete befand. Davon wurde sie eine Zeit lang ganz taub. Als sie den -Herrn bat, er möge diese Plage, die ihr die Uebungen der Gottseligkeit -verleidete, von ihr nehmen, hörte sie eine gar liebliche Stimme einen -Psalm zum Lobpreis Gottes anstimmen, wodurch ihr Herz in solche Wonne -versetzt wurde, wie sie niemals solche bis dahin beim Gesange empfunden -hatte. Das Gehör war wiedergekommen; nunmehr wurde sie eine Zeit lang -stumm. Ein mündliches Gebet vermochte sie nicht mehr zu verrichten. -Zuweilen versuchte sie kurze Seufzer auszusprechen wie: „Mein Herr und -mein Gott!“ oder: „O Gott, erbarme dich meiner!“ oder: „Vielgeliebter.“ -Aber auch das vermochte sie nicht. Sie bekam darüber solches Wehe, daß -sie vierzehn Tage lang Blut spuckte. Der Versucher aber kam und verhöhnte -sie, indem er sprach: „O Törin, wo ist nun dein Gott? Wenn du einen Gott -hast, so bete diesen an und rufe -<span class="pagenum"><a id="Page_23" name="Page_23" href="#Page_23">[23]</a></span> -ihn an. Du siehst doch wohl, daß ich -der Schöpfer aller Dinge bin.“ Solche Lästerungen empörten Christina, und -es schmerzte sie über die Maßen, daß sie ihn, weil sie stumm war, nicht -abfertigen konnte. -</p> - -<p> -Dann quälte sie der Böse durch Ohrenbläsereien. Drei Wochen lang -flüsterte er ihr unaufhörlich in die Ohren, was die Menschen Unrechtes -getan, gestohlen und dergleichen, und dabei nannte er die Leute mit -Namen. Auch drohte er ihr, er werde in der Kirche laut ausrufen, daß -sie alles, was abhanden gekommen sei, gestohlen habe. Als auch diese -Versuchungen nicht vermochten, Christina zu lieblosen Urteilen oder zur -Vernachlässigung des Gottesdienstes zu verleiten, wurde sie vierzehn Tage -hindurch durch feuerige Erscheinungen in Schrecken gesetzt. Wollte sie in -ihrem Kämmerlein beten, so schien es in Flammen zu stehen; nahm sie ihr -Gebetbuch, so schien es zu brennen; ging sie zum Beichtstuhl, so schien -der Priester in Flammen zu stehen; wollte sie dem Tische des Herrn nahen, -so glaubte sie, durchs Feuer gehen zu müssen. Unterdessen kam wieder die -Adventszeit heran und nach den früher gemachten Erfahrungen war Christinas -Umgebung in Furcht vor neuen Plagen. So kam es, daß der ehrwürdige -Pfarrherr Johannes sie für den Advent 1267 ins Pfarrhaus aufnahm. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi04" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Viertes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Zur Beurteilung des Dämonischen. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_24" name="Page_24" href="#Page_24">[24]</a></span> -In der Folge wird häufiger noch als bisher von ganz eigenartigen Plagen -die Rede sein, von denen Christina heimgesucht wurde. Christina ist nicht -die einzige unter den Seligen des Himmels, die solche Plagen zu erdulden -hatte. Bezeichnender Weise sind es vorzugsweise die mit mystischen -Zuständen Begnadigten, die solchen Quälereien ausgesetzt sind, als deren -Urheber gemeinhin die bösen Geister angesehen werden. Kein geringerer als -der Völkerapostel Paulus, der in den dritten Himmel entrückt wurde, klagt -darüber, daß der Satansengel ihn mit Faustschlägen mißhandelt habe. -</p> - -<p> -Die Ungläubigen, die alles Uebernatürliche leugnen, halten alles -Dämonische für Fabel oder Ausgeburt eines krankhaften Gehirns. Mit solchen -Leuten kann man aufrichtiges Mitleid haben. -</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i01"> -„Den Teufel spürt das Völkchen nie, -</span><br /> -<span class="i01"> -„Und wenn er sie beim Kragen hätte.“<a name='FA_8' id='FA_8' href='#FN_8' class='fnanchor'>[8]</a> -</span><br /> -</div></div> - -<p> -Daß es eine Welt unsichtbarer Geister gibt, von denen die einen, die hh. -Engel, das Menschengeschlecht lieben, die andern hingegen, die gefallenen -Engel, die wir Teufel nennen und deren Fürst Satan ist, voller Haß und -Neid gegen die Adamskinder, die statt ihrer der Himmelsherrlichkeit -teilhaft werden sollen, diesen zu schaden suchen, ist eine Wahrheit, die -fast auf jeder Seite der heiligen Schriften des alten und neuen Bundes -zu Tage tritt und die auch, wenn auch mehr oder minder entstellt, im -Bewußtsein des gesamten Menschengeschlechtes zu allen Zeiten festgehalten -wurde. Ein wissenschaftlicher Beweis für die Behauptung, daß es keine -Teufel gibt oder keine geben kann, oder daß diese die Menschen nicht -zu versuchen oder ihnen nicht zu schaden vermögen, ist bisher -<span class="pagenum"><a id="Page_25" name="Page_25" href="#Page_25">[25]</a></span> -von Niemanden erbracht worden und kann auch nicht erbracht werden. Von -ewigen, unabänderlichen Naturgesetzen zu reden, ist leere Phrase. Gesetze -sind Vorschriften. Naturgesetze aber schreiben nichts vor. Es sind nur -Verallgemeinerungen von einzelnen von uns beobachteten Vorgängen. Will man -von Naturgesetzen reden, so muß man auch einen Herrn der Natur annehmen, -der mit Macht und Weisheit sie leitet, der aber auch auf andere als die -gewohnte Weise durch sie wirken kann und auch solches vollbringen kann, -was die Kräfte der Natur übersteigt. Denn der Urheber der Natur ist doch -nicht durch die von ihm ins Dasein gerufenen Naturkräfte eingeschränkt. -Wenn schon der Mensch gewaltige Aenderungen im Naturlauf hervorrufen -kann, indem er die Naturkräfte seinem Willen dienstbar macht, sei es, -daß er auf dem Stahlroß oder im Kraftwagen über die Erde dahinsaust, -oder im Luftschiff sich in die Höhe emporschwingt und am Himmelsgezelt -mit den Wolken einherfährt, wie sollte es den überirdischen Geistern, -denen zudem auch die uns noch verborgenen Naturkräfte bekannt sind, sich -deren mit Zulassung des Schöpfers nicht bedienen können, um Wirkungen -hervorzubringen, die uns wunderbar vorkommen? Eigentliche Wunder kann -freilich nur Gott allein wirken, weil nur seine Allmacht die Macht der von -ihm geschaffenen Natur übersteigt. Die Engel jedoch und ebenso die Teufel -vermögen die vorhandenen natürlichen Kräfte in einer Weise anzuwenden, die -ungewohnt ist und uns deshalb wunderbar erscheint. Teuflische Einwirkungen -auf die Menschheit sind deshalb möglich. Ob sie nun wirklich vorliegen, -muß in jedem Falle, wo ihre Tatsächlichkeit behauptet wird, bewiesen -werden. Nirgendwo wäre Leichtgläubigkeit weniger angebracht als hier. Die -Kirche läßt uns in der Untersuchung und Prüfung solcher Vorkommnisse, -die in den Lebensbeschreibungen der Heiligen berichtet werden, vollste -Freiheit und ermahnt uns zu größter Vorsicht. Der allgemeine Einwand -jedoch, heutzutage trete der Teufel nicht sichtbar in die Erscheinung, -also habe er es auch früher nicht getan, ist nicht stichhaltig. Der Teufel -ist eben von jeher arglistig und boshaft und Dummheit gehört nicht zu -seinen Eigenschaften. Vor allem sucht er Unglauben und Gottlosigkeit zu -verbreiten. Das würde er aber heutzutage am wirksamsten verhindern, wenn -er offen hervorträte. Denn wer heute an den Teufel glaubt, -<span class="pagenum"><a id="Page_26" name="Page_26" href="#Page_26">[26]</a></span> -der kann nicht -mehr ungläubig sein, der muß auch Hölle und Himmel annehmen, und an Gott -glauben. Anders aber lagen die Dinge im Mittelalter, wo der Glaube ans -Jenseits unbestritten war. -</p> - -<p> -Was nun die teuflischen Quälereien, die von der seligen Christina -in der Jülicher Handschrift berichtet werden, anbelangt, so verdient -hervorgehoben zu werden, daß diese Handschrift zu Lebzeiten Christinas -angefertigt wurde, und die Verfasser die Vorkommnisse miterlebt oder -sie aus dem Munde Christinas vernommen haben. Daß sie alle die Wahrheit -sagen wollten, wird niemand, der diese Aufzeichnungen und Briefe liest, -in Zweifel ziehen. Die Erzählung ist so treuherzig, die Schilderung so -unmittelbar, die in die Darstellung verwobenen Angaben über Ort, Zeit und -sonstige Umstände der Geschehnisse mit der geschichtlichen Wirklichkeit -so genau übereinstimmend, daß ihr der Stempel der Wahrhaftigkeit nicht -abgeleugnet werden kann. Die Personen, welche diese Dinge berichten, -sind achtbare, unterrichtete Männer. Da sind zunächst die beiden -Pfarrer von Stommeln, Johannes und sein Nachfolger Heinrich, die beide -über alles, was Christina betraf, aufs genaueste unterrichtet waren, -an ihr das lebhafteste Interesse nahmen und in ihrem ganzen Verhalten -eine Art heiliger Ehrerbietigkeit gegen Christina an den Tag legten. -Pfarrer Johannes war ein Mann nach dem Herzen Gottes, von reinem Wandel -und erprobter Tugend, ausgezeichnet durch uneigennützige Freigebigkeit -und große Frömmigkeit, wie allgemein bekannt war. Da ist ferner der -hochbetagte, in der Seelenleitung wohlerfahrene Bruder Walter aus -dem Dominikanerkloster zu Cöln, der uns geschildert wird als sehr -frommer Mann, reich an Jahren und Verdiensten, mit weißem Haupthaar und -lieblichem Angesichte, hochangesehen nicht bloß bei den Weltgeistlichen, -sondern auch bei den Ordensleuten.<a name='FA_9' id='FA_9' href='#FN_9' class='fnanchor'>[9]</a> Dieser war Christinas Beichtvater -seit ihrem Eintritt ins Beginenkloster zu Cöln. Da ist vor allem der -schwedische Dominikaner Petrus von Dazien, der am eingehendsten sich -mit den Zuständen Christinas befaßt und dem vorzugsweise die über sie -erhaltenen Aufzeichnungen zu danken sind. Petrus stammte -<span class="pagenum"><a id="Page_27" name="Page_27" href="#Page_27">[27]</a></span> -aus der Stadt -Wisby auf der Insel Gotland in der Ostsee, war gegen das Jahr 1266 in den -Dominikanerorden eingetreten, dessen zehnte Provinz Dänemark, Schweden und -Norwegen umfaßte und Dazien genannt wurde. Wegen seiner Zugehörigkeit zu -dieser Provinz wird er gemeinhin Petrus von Dazien genannt. Wegen seiner -besonderen Befähigung wurde er von seinen Ordensobern zur Vervollkommnung -seiner Studien nach Cöln und Paris geschickt. Während seines Cölner -Aufenthaltes, der von 1266-1269 währte, kam er zwölfmal nach Stommeln, -dann noch einmal bei seiner Hinreise nach Paris und abermals bei der -Rückreise, und später noch einmal von Schweden aus, also im ganzen -fünfzehnmal. Der ebenso fromme und demütige wie kenntnisreiche und -gelehrte Ordensmann betrachtete Christina als das ihm von Gott gegebene -Vorbild eines vollkommenen, ganz der Liebe Jesu Christi geweihten Lebens; -Christina hingegen, durch göttliche Erleuchtung belehrt, betrachtete den -Petrus als ihren geistlichen Führer und Tröster. Christina verschloß, -wie alle wahrhaft mystischen Seelen, die Vorgänge ihres Innenlebens vor -der Außenwelt. Nur dem Petrus gab sie in Gehorsam hierüber Aufschluß. -Petrus war schon einundzwanzig Jahre hindurch im Dominikanerorden, als -er im Advent 1267 zum ersten Male nach Stommeln kam. Er war mithin nicht -ein unerfahrener, junger Student, wie der Innsbrucker Professor Emil -Michael irrtümlicher Weise annimmt, sondern ein allseitig durchgebildeter, -urteilsfähiger Ordensmann in der vollen Kraft des Mannesalters. In -welchem Ansehen er stand, geht daraus hervor, daß er nach seiner Rückkehr -in die Heimat Lesemeister zu Skeninge, dann zu Strengnäs und darauf -zu Gotland wurde und schließlich zu Wisby das Amt eines Priors versah. -Einen getreuen Helfer in der Aufzeichnung dessen, was sich Merkwürdiges -im innern und äußern Leben Christinas ereignete, hatte Petrus in dem -Schullehrer zu Stommeln, dem Magister Johannes, einem allseitig verehrten -Manne von frommem und reinem Wandel, der später Priester wurde und als -Kaplan Christinas bezeichnet wird. Petrus vergleicht ihn in einem seiner -Berichte mit dem Apostel Johannes; denn wie der Heiland diesem seine -jungfräuliche Mutter, so habe er ihm seine Namensgenossin, das Gefäß der -Tugenden und die Uebungsschule aller geistigen Kämpfe zur Hut anvertraut. -Dem Petrus sei auch hier der Johannes vorgezogen. „Darum,“ -<span class="pagenum"><a id="Page_28" name="Page_28" href="#Page_28">[28]</a></span> -so fährt Petrus fort, „strenge deine Sinne an, suche scharf und mit allem Fleiße -zu beobachten, was der Herr Wunderbares wirkt. Lasse dir keine Handlung -und kein Wort entgehen, was der Bräutigam oder die Braut tut oder spricht. -Beobachte das Benehmen, wäge ab die Handlungen, verkoste die Freuden, -merke die Gnadenerweisungen, das Geheime bewahre treu in deinem Herzen -und erzähle es, wenn die Zeit gekommen, den Gläubigen. Denn es wird die -Zeit kommen, wo man dies von dir verlangen wird. Und weil das Gedächtnis -sehr vergeßlich ist, so schreibe auf, was der Herr Großes wirkt.“<a name='FA_10' id='FA_10' href='#FN_10' class='fnanchor'>[10]</a> -Wie getreulich der Meister Johannes dieser Aufforderung nachgekommen ist, -zeigt das dritte Buch der Jülicher Handschrift. Was Johannes von Christina -berichtet, hat er ihr größtenteils abgelauscht bei ihrem Erwachen aus der -Verzückung. „Diese Geheimnisse,“ so schreibt er an Petrus, „die ich Ew. -Liebden mitteile, sind mir nicht von einem Menschen, sondern von Gott -kundgemacht worden. Laßt Euch das nicht unglaublich sein. Denn wenn zu -den Dienern Gottes im allgemeinen gesagt ist: „Nicht ihr seid es, die da -reden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet,“ so gilt -das auch insbesondere von seiner Braut und besonders zu jener Zeit, wo sie -eben aus der Entrückung zurückkehrt, in dem Zeitraum, wo sie von äußern -Dingen und von sich selbst nichts weiß. Ich schreibe euch dies darum, -auf daß ihr wisset, daß Christina, Eure Tochter, zur Zeit, wo sie ihrer -mächtig war, mir nichts von dem, was ich aufgeschrieben habe, mitgeteilt -hat, außer wenigem über ihr Leiden.“ Sehr richtig ist diese Bemerkung des -Magisters Johannes für die Beurteilung der außergewöhnlichen teuflischen -Quälereien, die im dritten Buche der Jülicher Handschrift berichtet -werden. Sie tragen durchgängig visionären Charakter und somit entfällt -alles, was man gegen ihre Glaubwürdigkeit vorgebracht hat. -</p> - -<p> -Da die Dominikaner damals stets zu Fuß reisten und bei ihren Reisen -stets mindestens zu zweien sein mußten, so kamen mit Petrus auch andere -Dominikaner nach Stommeln und lernten Christina kennen. Außer dem bereits -erwähnten Bruder Walter verdienen noch angeführt zu werden die Brüder -Gerhard vom Greif, ein sehr gelehrter Mann, Lehrmeister der -<span class="pagenum"><a id="Page_29" name="Page_29" href="#Page_29">[29]</a></span> -Studenten -und ehemaliger Unterprior im Cölner Kloster,<a name='FA_11' id='FA_11' href='#FN_11' class='fnanchor'>[11]</a> und Johannes von -Muffendorf, die beide auch zu Christinas Beichtvätern zählen, ferner die -Brüder Aldebrandino aus Rom, Balduin von Flandern, Gotfrid von Werden, -Jakob von Andernach, Johannes Hespe aus der Provinz Dazien, Karl, der in -Paris studiert hatte und als Ordensmann, reich an Gnaden, ausgezeichnet -durch große Herzensreinheit, feine Sitten, Freigebigkeit und vorzügliche -Frömmigkeit, gerühmt wird,<a name='FA_12' id='FA_12' href='#FN_12' class='fnanchor'>[12]</a> ferner Bruder Laurentius aus dem Kloster -zu Wisby, Bruder Mauritius, später Lesemeister in Reval, Bruder Salomon -aus Ungarn, Bruder Folkwin von Gotland, Bruder Wilhelm von Werigehal -aus der englischen Provinz und Bruder Wipert von Böhmen aus der Provinz -Polen. Wie der Vorgesetzte dieser Brüder, der Cölner Prior Hermann -von Havelbrech, über Christina dachte, ersehen wir aus den Worten, mit -denen er den Brüdern Aldebrandino und Petrus auf ihr Begehren Erlaubnis -erteilte, nach Stommeln zu gehen: „Geliebteste Söhne,“ sprach der Prior, -„mit Freuden gestatte ich euch, nach diesem Orte zu gehen, um Gottes -Wundertaten zu sehen. Ich habe nämlich so außerordentliche Dinge von -dieser Jungfrau gehört, daß ich sehr gerne mit euch gehen möchte, wenn -ich dazu in der Lage wäre. Ihr aber, Geliebteste, seid noch jung und -seid aus entfernten Gegenden hierhergekommen und möget also hingehen und -die wunderbaren und erbaulichen Dinge beobachten. Diese könnt ihr dann -dereinst in eueren Ländern noch im hohen Alter zu gegebener Zeit andern -zur Erbauung erzählen.“<a name='FA_13' id='FA_13' href='#FN_13' class='fnanchor'>[13]</a> Einige Monate nachher, am Weißen Sonntag -1269, ging indes Prior Hermann selbst mit dem Bruder Arnold von Xanten, -Prior von Straßburg, nach Stommeln und besuchte Christina. Dieser Prior -Hermann von Havelbrech war aber ein Mann von großer Sanftmut und Güte, -geschmückt mit allen Tugenden. Längere Zeit hindurch war er der Begleiter -des Ordensgenerals Johannes I. gewesen und hatte mit diesem, wovon er -mitunter zu erzählen pflegte, zehn Provinzen des Ordens bereist. Auch -war er zweimal Provinzial der deutschen Ordensprovinz gewesen. -<span class="pagenum"><a id="Page_30" name="Page_30" href="#Page_30">[30]</a></span> -Doch nicht -bloß die Dominikaner kannten Christina. Auch die minderen Brüder vom h. -Franz in Cöln interessierten sich für sie. Im Jahre 1281 z. B. kamen am -Vorabend von Johannes Geburt zwei Minoriten mit vier Dominikanern nach -Stommeln, um Christina in der Verzückung zu sehen. Der Prior der unweit -von Stommeln gelegenen Benediktinerabtei Brauweiler, Gotfrid genannt, „ein -Mann von allseitig gutem Rufe, großer Bescheidenheit und auferbaulichem -Wandel“, von dem Petrus von Dazien sagt, daß er, ohne der Heiligkeit der -übrigen nahetreten zu wollen, niemals einen Mann seines Ordens von solcher -Vollkommenheit gesehen habe,<a name='FA_14' id='FA_14' href='#FN_14' class='fnanchor'>[14]</a> war Christinas väterlicher Freund, -der häufiger in Begleitung des Kellermeisters der Abtei Brauweiler, -namens Leonius, eines hochbetagten Mannes von großer Umsicht und Reife -des Urteils, sie in Stommeln besuchte. Zur Zeit des Interdiktes, das -Erzbischof Engelbert von Falkenburg über Cöln und Umgebung verhängte, -weil die Stadt sich mit dem Grafen von Jülich gegen ihn verbündet hatte, -ging Christina regelmäßig nach Brauweiler, um in der Abteikirche, die dem -Interdikte nicht unterlag, dem Gottesdienste beizuwohnen. Sie beichtete -dann regelmäßig bei dem Prior Gotfrid. Auch andere Geistliche aus dem -Ordens- und Weltklerus kamen Christinas halber nach Stommeln, z. B. Adolf, -Scholar des Cölner Domdechanten, Magister Heinrich vom Stifte der hh. -Jungfrauen in Cöln, Herr Engelbert vom St. Cäcilienstifte dortselbst und -ein Mönch des Klosters Quinheim<a name='FA_15' id='FA_15' href='#FN_15' class='fnanchor'>[15]</a> bei Neuß. Es wird vielfach behauptet, -im Mittelalter sei man wundersüchtig gewesen und deshalb verdienten die -Wundermären aus jener Zeit keinen Glauben. Wie alle derartigen allgemeinen -Sprüche sich bei näherem Zusehen als oberflächliche Uebertreibungen -erweisen, so auch hier. Die Männer, die Christinas mystische Zustände -in Stommeln beobachteten, waren keine Schwärmer. Es waren fromme und -vernünftige Männer von nüchterner Auffassung und gesundem Urteil. Wie sie -dachten, geht anschaulich hervor aus einer Begrüßungsszene zwischen dem -vorhin erwähnten Unterprior Gerhard vom Greif und Petrus von Dazien. Als -letzterer im Jahre 1279 aus Schweden kommend in Cöln anlangte, hatte -<span class="pagenum"><a id="Page_31" name="Page_31" href="#Page_31">[31]</a></span> -er in Stommeln vorgesprochen und der Unterprior sprach zu ihm, als er ihn -im Cölner Kloster empfing: „Habt Ihr Christina gesehen?“ denn er kannte -die Hochachtung, die Petrus gegen Christina hegte. Petrus antwortete: -„Ja, Vater.“ Da lächelte der Unterprior und fuhr fort mit den Worten -des h. Hieronymus an Paulinus: „Jene Zeit hatte ein unerhörtes, für -alle Jahrhunderte denkwürdiges Wunder, sodaß die Menschen, die in eine -so herrliche Stadt kamen, dennoch etwas anderes außerhalb dieser Stadt -suchten und diejenigen, die Cöln nicht an sich ziehen konnte zu seiner -Bewunderung, sich durch den Ruf eines einzigen Menschenkindes angezogen -fühlten.“ Dann fragte er weiter: „Wie geht es mit Christina? Wie gefällt -Euch ihr Zustand?“ Petrus antwortete: „In allem gut. Ich bin gar sehr -getröstet worden; denn seit meinem Weggang hat sie sehr große Fortschritte -in der Heiligkeit gemacht.“ Der Unterprior erwiderte: „Ihr habt recht, -Bruder Petrus; ich bin derselben Ansicht und Ihr möget wissen, daß meine -Hochachtung gegen sie um kein Haar abgenommen hat. Daß ich sie aber -seltener als früher besuche, kommt daher, weil diejenigen, die früher die -Brüder aufzunehmen pflegten, meistens gestorben sind.“<a name='FA_16' id='FA_16' href='#FN_16' class='fnanchor'>[16]</a> So spricht und -handelt kein wundersüchtiger Schwärmer. -</p> - -<p> -Auch bei dem weiblichen Geschlechte fand Christina Verständnis und -Verehrung. Da ist vor allem zu nennen die hochangesehene, hochbetagte -Aebtissin des hochadeligen Damenstiftes zur h. Cäcilia in Cöln, Geva, -Gräfin von Virneburg, die mit den fein gebildeten Stiftsfräulein, -unter denen Irmgardis<a name='FA_17' id='FA_17' href='#FN_17' class='fnanchor'>[17]</a> hervortritt, besonderes Interesse für die -fromme Tochter des Stommler Gutsbesitzers Bruso bekundete. „Geva liebte -Christina wie eine Mutter ihre Tochter und erwies ihr viel Gutes.“<a name='FA_18' id='FA_18' href='#FN_18' class='fnanchor'>[18]</a> -<span class="pagenum"><a id="Page_32" name="Page_32" href="#Page_32">[32]</a></span> -Auch zwei Stiftsdamen aus dem Stifte der hh. Jungfrauen (St. Ursula) -in Cöln, Christina und ihre Schwester Gertrud, zählten zu Christinas -Bekanntenkreis.<a name='FA_19' id='FA_19' href='#FN_19' class='fnanchor'>[19]</a> Was von größter Bedeutung ist, diejenigen, die täglich -um Christina herum waren, ihre Vertrauten, die Beginen von Stommeln, -liebten und verehrten ihre Mitschwester Christina und erwiesen ihr, -wie Christina bezeugt, viel Gutes. Wenn sie auch anfänglich mitunter, -von frommer Eifersucht verleitet, über Christinas strenges Bußleben -und ihre mystischen Zustände gespöttelt hatten, so erkannten sie doch, -beim längeren Zusammenleben mit ihr, die Gediegenheit ihres Wesens und -die Echtheit ihrer Begnadigungen. Da ist zuerst Hilla vom Berge, ihre -Blutsverwandte und unzertrennliche Gefährtin in allen ihren Leiden und -Freuden. „Ich sah, schreibt Petrus, ihr Angesicht immer gleich, sie -mochte im Glück oder Unglück sein. Sie war eine Jungfrau, die alles Lob -verdiente, in Kreuz und Leid unverzagt, in Freude und Glück behutsam, -überall eine wahre Jungfrau im Wandel, im Verhalten, in der Rede. Ihr -Scherz war ernst und ihr Ernst schien scherzend, weil sie in Wort und -Benehmen sich immer gleichmäßig benahm. Nächst Christina glaube ich kein -Mädchen von solcher Herzensreinheit je gesehen zu haben; denn es kam mir -vor, als könnte sie keine Sünde begehen, und Gott weiß es, daß ich an -ihr nie eine Geberde, eine Miene oder ein Wörtchen wahrgenommen habe, -was auf Leichtsinn hätte schließen lassen können, wiewohl ich sie scharf -beobachtet und mich oft und lange mit ihr unterhalten habe.“<a name='FA_20' id='FA_20' href='#FN_20' class='fnanchor'>[20]</a> -</p> - -<p> -An zweiter Stelle kommt die blinde Aleidis, die, wie man glaubte, durch -Weinen das Augenlicht verloren hatte und sich doch über diesen Verlust -nicht beklagte. Sieben Jahre hindurch war sie bettlägerig gewesen und -hatte bei gänzlicher Erschöpfung ihrer Kräfte eine wundersame Geduld -bewiesen. Ihre Tugend läßt sich, sagt Petrus, nicht beschreiben. -Wer sie kennt, wird gestehen, daß alles Lob hinter der Wirklichkeit -zurückbleibt.<a name='FA_21' id='FA_21' href='#FN_21' class='fnanchor'>[21]</a> — Neben der blinden Aleidis gab es in Stommeln noch -eine andere sehr geschäftige Begine mit Namen Aleidis und außer der Hilla -vom Berge auch noch eine Hilla von Ingendorf. Die Schwester des Pfarrers -Heinrich von Stommeln, Benigna -<span class="pagenum"><a id="Page_33" name="Page_33" href="#Page_33">[33]</a></span> -mit Namen, war ebenfalls nach Kleidung und -Wandel eine Begine, wiewohl sie nicht in deren Klause wohnte, sondern -ihrem Bruder den Haushalt führte. Zum engeren Kreise der Freundinnen -Christinas gehörten auch noch ihre Nichte Hilla und die Nichte der blinden -Aleidis, die Begine Engilradis, Tochter des dortigen Vogtes, sowie die -hochbetagte Mutter des Pfarrers Johannes und dessen beide Schwestern -Gertrud und Hadewig. Diese Gertrud, von der gerühmt wird, daß sie eine gar -liebliche Stimme hatte und oft und gerne schöne geistliche Lieber sang, -war eine ganz besondere Vertraute Christinas. -</p> - -<div id="Fabb_03" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb03.jpg' - alt='3. Beginenfigur (14. Jahrh.)' - /> -<p class='caption'>3. Beginenfigur (14. Jahrh.).</p> -</div> - -<p> -Was Christina selbst anbelangt, so war sie das Kind gesunder Eltern. -Auch ihre vier Geschwister erfreuten sich bester Gesundheit. Sie war, -wie der Befund ihrer Gebeine ausweist, von schlankem und kräftigem -Körperbau und erreichte ein Alter von siebenzig Jahren. Sie lebte in -frischester Landluft, liebte es freilich, vorzugsweise am Spinnrocken zu -sitzen und sich mit Nähen und Sticken zu beschäftigen.<a name='FA_22' id='FA_22' href='#FN_22' class='fnanchor'>[22]</a> Andererseits -aber beteiligte sie sich auch an der Feldarbeit, half namentlich bei -der Ernte<a name='FA_23' id='FA_23' href='#FN_23' class='fnanchor'>[23]</a> und war selbst des Reitens nicht unkundig. So wird von ihr -berichtet, daß sie am Ostersonntag des Jahres 1268, weil ihre Füße vom -Karfreitag her noch wund waren, an der Seite ihres Vaters zur Kirche ritt, -um der Osterpflicht zu genügen, und zwar, um Aufsehen zu vermeiden, in -weltlicher Tracht. -</p> - -<p> -Manche sind geneigt, Christinas Zustände als Krankheitserscheinungen -zu betrachten. Sie denken an überreizte Nerven, Halluzinationen und -Hysterie. Krankheitsbilder unseres nervösen Zeitalters werden ohne -weiteres in das dreizehnte Jahrhundert zurückverlegt, wo jedoch -Volksgesundheit und Volkskraft in höchster Blüte standen. Christinas -Persönlichkeit hatte nun aber gar nichts an sich von der zarten -Mattigkeit, der zitternden Empfindsamkeit und dem unaussprechlichen -Angekränkeltsein der nervenschwachen Frauenwelt unserer Tage. Christina -ist einige Male wohl auf wenige Tage krank gewesen; allein von einer -ernstlichen, langandauernden Störung ihrer Gesundheit ist nirgendwo die -Rede. Sie erfreute sich im Gegenteil wie alle ihre Familienangehörigen -einer kräftigen, widerstandsfähigen Körperverfassung. Wenn sie mitunter -das Bett zu hüten gezwungen war, so geschah dies -<span class="pagenum"><a id="Page_34" name="Page_34" href="#Page_34">[34]</a></span> -infolge mystischer -Zustände, die sie in ihrer Demut als Schwachheitszustände bezeichnete. -Man hat auch versucht, Christinas mystische Zustände mit gewöhnlichen -Frauenleiden in Verbindung zu bringen und sie aus diesen zu erklären, -weil sie mit dem einundzwanzigsten Lebensjahre anfingen und mit dem -sechsundvierzigsten Lebensjahre schlossen. Es liegt hier der nicht selten -vorkommende Trugschluß vor, aus dem Nebeneinander zweier Erscheinungen -auf deren ursächliche Abhängigkeit voneinander ohne weiteres zu schließen. -Unerklärlich bleibt jedoch dann, weshalb denn nicht auch die Verzückungen -und die Wundmale auf diese Zeitperiode beschränkt blieben, sondern diese -überdauerten. Sind denn geheimnisvolle Leiden und von unsichtbarer -Hand ausgeführte körperliche Mißhandlungen, wie Christina sie in der -angegebenen Zeit zu erdulden hatte, dem weiblichen Geschlecht in dieser -Zeitperiode im allgemeinen eigen? Weshalb sollen denn gerade bei Christina -gewöhnliche Frauenleiden den Grund zur Erklärung ungewöhnlicher Zustände -des Seelenlebens hergeben? Auch vergißt man, daß das geheimnisvolle letzte -Leiden Christinas zur Zeit der Schlacht bei Worringen im Jahre 1288, -das gewöhnlich zur pathologischen Erklärung ihrer Zustände herhalten -muß, in keiner natürlichen Blutung bestand. Vielmehr bestand diese -darin, daß der ganze Körper zerfleischt und geschunden war und dann zur -Erhöhung der Qualen mit Salz eingerieben wurde. In Folge dieser Marter -war der ganze Leib mit Blut überströmt. Bei der beliebten pathologischen -Erklärungsweise bleibt es auch unerklärt, daß Christinas Zustände in der -angegebenen Zeit nicht das ganze Jahr hindurch währten, sondern sich nach -den liturgischen Zeiten richteten. Sie traten nämlich regelmäßig in der -Advents- und Fastenzeit sowie an den Vorabenden der Heiligenfeste ein. Die -Bußzeiten des Kirchenjahres waren Christinas Leidenstage, ihre Festzeiten -hingegen Christinas übernatürliche Freudenzeiten. Auch blieb sie stets -frei von allen Anfechtungen und Quälereien am Kommuniontage und an dem -darauffolgenden Tage bis zur Komplet. -</p> - -<p> -Zudem darf nicht vergessen werden, daß ein beträchtlicher Teil der Leiden -Christinas mit Krankheitserscheinungen nicht den mindesten Zusammenhang -hat. Es sind einfache körperliche Mißhandlungen, die von unsichtbarer -Hand ausgeführt -<span class="pagenum"><a id="Page_35" name="Page_35" href="#Page_35">[35]</a></span> -wurden, z. B. Ausschlagen von Zähnen, Zerren an den -Haaren, Durchbohren der Füße, Brennen mit glühenden Steinen, Stockschläge, -Geißelhiebe, Bewerfen mit Unrat und dergleichen. -</p> - -<p> -Einzelne der berichteten Leiden sehen allerdings epileptischen -Anfällen ähnlich, z. B. das beim ersten Besuch des Petrus beobachtete -wiederholte heftige Anschlagen des Kopfes gegen die Wand oder das -mehrere Jahre nachher im Advent eintretende heftige Erschüttertwerden -des ganzen Körpers. Allein es wirkten dabei auch Umstände mit, die in -ein Krankheitsbild schlecht passen. Des Vorganges beim ersten Besuche -des Petrus erinnert sich Christina nach zwölf Jahren noch in allen -Einzelheiten; hätte Fallsucht vorgelegen, so wäre dies doch wohl nicht -möglich gewesen. Auch fiel Christina bei dem Vorgange nicht zu Boden, -wie es doch bei epileptischen Krämpfen gewöhnlich der Fall ist, sondern -sie saß aufrecht da, wie alle übrigen, die im Zimmer anwesend waren. -Allerdings hätte Petrus, natürlich gesprochen, bei seinem ersten Besuche -zurückhaltender sein sollen in seinem Urteile. Es wirkten jedoch damals -auf seine Seele Vorgänge übernatürlicher Art ein, von denen später noch -die Rede sein wird. Diese lassen freilich sein Verhalten erklärlich -erscheinen. Das Erschüttertwerden im Advent war Christina lange vorher -angekündigt worden und sie war darauf gefaßt. An der Fallsucht leidende -Personen sind zudem in der Regel minderwertige Menschen, was bei der -mit den reichsten Gaben an Körper und Geist ausgestatteten Christina -mit nichten behauptet werden kann. Will man epileptische Veranlagung als -Erklärungsgrund der außergewöhnlichen Zustände Christinas annehmen, so -müßte doch das Krankheitsbild ein gleichmäßiges sein. Allein das trifft -keineswegs zu. In jedem Advent, in jeder Fastenzeit treten Erscheinungen -zutage, die keinerlei Verwandtschaft aufweisen. Oder besteht etwa ein -Zusammenhang zwischen Geistestrockenheit und Besudeltwerden, zwischen -Geißelung und Brandwunden? -</p> - -<p> -Es soll jedoch nicht in Abrede gestellt werden, daß hin und wieder -vorübergehende Krankheitserscheinungen sich in Christinas Zustände -hineingemischt haben können. Daß sie einmal, sie wußte nicht wie, -in eine mit Schlamm gefüllte Grube hineingeriet, kann in Folge eines -Fieberanfalles geschehen sein. Bezeichnender Weise sagt Christina von diesem -<span class="pagenum"><a id="Page_36" name="Page_36" href="#Page_36">[36]</a></span> -Vorfalle, den sie bei späterem Befragen genau beschreibt, auch gar -nicht, daß er dämonischer Einwirkung zuzuschreiben sei. -</p> - -<p> -Bei Christina finden sich aber anderseits Vorkommnisse, die von allen -Gottesgelehrten, denen Fachkunde in der Unterscheidung der Geister -zusteht, als dämonische Einwirkungen bezeichnet werden. Aus der Mundhöhle -Christinas, die Gott von Herzen liebte, und deren größte Freude es war, -Gott zu loben, ertönen einmal, worüber sie entsetzt war, Lästerungen -und Verhöhnungen der Gottheit. Sie wird einmal auf einige Zeit des -Gehörs, ein anderes Mal der Sprache beraubt. Es kommt ihr auf einmal -ein unerklärlicher Widerwille gegen Personen, die sie am meisten liebt -und verehrt. Es treten Versuchungen auf, die weder von der Umgebung -herrühren, noch auf dem Boden ihres Herzens entsprossen sein können, aber -demjenigen ähnlich sehen, der Versucher von Anbeginn ist, der bald zur -Ueberhebung, bald zur Verzweiflung treibt, bald zum Uebereifer anspornt, -dann Apostasie in den Sinn gibt, in wechselnder Folge den Menschen bald -zur Unzucht, bald zum Unglauben zu verleiten sucht, ihm jetzt Gedanken -der Selbstgefälligkeit, dann Versuchungen zum Selbstmord eingibt, dem aber -immer zuwider sind Demut und Gottesliebe. -</p> - -<p> -Christina aber ist gerade ein Musterbild von Demut und Gottesliebe, -die sie dem Teufel besonders verhaßt machen mußte. Sie war zudem nicht -bloß mit außerordentlichen übernatürlichen Gnadengaben ausgerüstet, -sondern auch mit natürlichen Vorzügen aufs vornehmste bereichert und -geschmückt.<a name='FA_24' id='FA_24' href='#FN_24' class='fnanchor'>[24]</a> Petrus von Dazien gibt uns von ihr bei seinem zweiten -Besuche folgende Schilderung: „Ich hatte Gelegenheit, ihre Sitten und -ihr Verhalten genau zu beobachten und zu prüfen und reiflicher Erwägung -zu unterziehen, wie ich früher ihre Geduld und Bescheidenheit betrachtet -hatte. Obgleich nun Manches in ihren Zuständen vorkam, was der gewöhnliche -menschliche Verstand nicht fassen und erklären kann und was nach meiner -Meinung den Charakter des Uebernatürlichen und Wunderbaren an sich trägt, -so habe ich doch zum mindesten das bemerkt, daß sie eine erstaunliche -und für solche, die es nicht aus dem Augenschein feststellen konnten, -unglaubliche Enthaltsamkeit übte, eine mit Anständigkeit verbundene -Freundlichkeit und eine mit Gottesfurcht gepaarte Heiterkeit besaß und -dazu eine vor allen ausgezeichnete -<span class="pagenum"><a id="Page_37" name="Page_37" href="#Page_37">[37]</a></span> -Demut und Fröhlichkeit bei Erniedrigung -und Zurücksetzung. Sie redete Weniges und nur Erbauliches, und wenn man -sie über etwas befragte, antwortete sie mit Bescheidenheit. Sie redete -mitunter auch wohl ein munteres, nie aber ein leeres oder müßiges Wort. -Sie trug Ordenskleidung, die gleich entfernt war von überflüssigem Zierart -wie von gesuchter Demut. In ihrem Wandel war etwas wunderbar Tugendhaftes, -das alle, die sie sahen oder mit ihr umgingen, sehr erbaute. In ihrem -Wandel und Wesen suchte sie sich nach Möglichkeit den andern Menschen -anzubequemen und alles Auffallende zu vermeiden, um zu keinerlei Gerede -Veranlassung zu geben.“<a name='FA_25' id='FA_25' href='#FN_25' class='fnanchor'>[25]</a> -</p> - -<p> -Was nun die Beurteilung der teuflischen Quälereien, denen Christina -ausgesetzt war, anbelangt, so sind, nach Befund der Tatsachen, drei -Arten zu unterscheiden. Zunächst liegen, wie bereits gesagt, körperliche -Mißhandlungen vor, die mit den Sinnesorganen wahrnehmbar waren. -Diese wurden von vielen Zeugen wahrgenommen. Auch ließen die dadurch -hervorgerufenen Verwundungen ihre sichtbaren Spuren zurück und heilten -erst allmählich auf natürlichem Wege. Wenn z. B. in der Jülicher -Handschrift<a name='FA_26' id='FA_26' href='#FN_26' class='fnanchor'>[26]</a> berichtet wird, der Teufel habe der Christina mit einer -Zange zwei Backenzähne auf grausamste Weise ausgerissen, so findet -dies seine Bestätigung im Befunde des im Grabmal der Seligen zu Jülich -aufbewahrten Schädels. An ihm sind die Grübchen zweier Backenzähne -zugewachsen, wie es zu geschehen pflegt, wenn Zähne im jugendlichen -Alter entfernt werden. Diese Tatsache ist bisher von niemanden beobachtet -worden. Verfasser nahm sie wahr beim Wiederverhüllen des Schädels nach -der durch Weihbischof Hermann Josef Schmitz vorgenommenen kanonischen -Untersuchung der Gebeine am 17. Februar 1897. -</p> - -<p> -Der größte Teil der an Christina verübten Quälereien ist jedoch visionären -Charakters, vollzog sich im Innenleben Christinas und war für andere -nicht wahrnehmbar. Darüber belehrt uns Christina selbst. Denn sehr häufig -betont sie, man solle nicht glauben, daß die von ihr berichteten Vorgänge -sich alle tatsächlich ereignet hätten, sie teile seelische Empfindungen -mit, sie habe Zustände inneren Leidens und Kämpfens -<span class="pagenum"><a id="Page_38" name="Page_38" href="#Page_38">[38]</a></span> -gehabt, die so auf -sie einwirkten, als hätten sich die Dinge wirklich zugetragen.<a name='FA_27' id='FA_27' href='#FN_27' class='fnanchor'>[27]</a> Diese -Quälereien erfolgten regelmäßig durch lebhaft in die Erscheinung tretende -und auf das Vorstellungsvermögen einwirkende Bilder. -</p> - -<p> -Bei einer Anzahl von Belästigungen geschah die Einwirkung auf das -Vorstellungsvermögen nicht durch Bilder, sondern durch Truggestalten, die -dem körperlichen Auge wahrnehmbar waren. Um derartige Vorgänge handelt -es sich, wenn Christina hier und da beteuert, dieselben seien nicht bloß -innerlich gewesen, sondern hätten sich auch äußerlich abgespielt. -</p> - -<p> -Es kommen im Seelenleben Christinas mitunter auch gestaltlose Einwirkungen -vor, wie sie den sogenannten Verstandesvisionen eigen sind, die in -unmittelbarem Verkehre himmlischer Geister oder Gottes selber mit der -menschlichen Seele bestehen. -</p> - -<p> -Auch verdient hervorgehoben zu werden, daß, wiewohl im Leben Christinas -zeitweise das Dämonische so stark in den Vordergrund tritt, doch nirgendwo -sich etwas findet, was mit dem in späterer Zeit auftretenden Hexenwahn -irgendwie verwandt wäre. -</p> - -<p> -Schließlich sei noch auf den bisher von niemanden beobachteten -Nebenumstand hingewiesen, daß Christina im Gegensatz zu ihrer Umgebung -den bösen Feind niemals als Teufel (<span class="fmarkd">diabolus</span>) bezeichnet; sie bedient -sich stets des gewählteren Ausdruckes Dämon, was einerseits von der -Zartheit ihres Empfindens, andererseits aber auch von der Genauigkeit der -Berichterstattung Zeugnis ablegt. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi05" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Fünftes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Erster Besuch des Petrus von Dazien bei Christina im Advent 1267. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_39" name="Page_39" href="#Page_39">[39]</a></span> -Kehren wir nunmehr zu Christina zurück, die wir im Advent des Jahres -1267 im Pfarrhause zu Stommeln zurückgelassen haben, wo sie den ersten -Besuch des Dominikanerpaters Petrus von Dazien erhalten sollte. Wie das -kam, soll uns Petrus selbst erzählen. „So weit meine Erinnerung reicht, -schreibt Petrus,<a name='FA_28' id='FA_28' href='#FN_28' class='fnanchor'>[28]</a> hatte ich seit meiner frühesten Kindheit allezeit -eine innige Freude, wenn ich etwas hörte von dem Leben, den Tugenden, -den Leiden und dem Tode der Heiligen und besonders von Jesus, unserem -Herrn, und seiner glorreichen Mutter. Wenn ich dann über das Gehörte -nachdachte, so brachte das meinem Herzen viele Tröstungen. Infolgedessen -fing ich schon damals an, die Welt mit ihren Lüsten geringzuschätzen -und öfters sprach ich mit meinen leiblichen Brüdern darüber, wie wir die -Welt verlassen möchten. Dabei entstand in meinem Herzen eine besondere -Sehnsucht. Ich verlangte und wünschte nämlich, der Herr möchte mir mit -seiner Gnade behülflich sein, irgend einen seiner Diener kennen zu lernen, -durch den ich den Wandel der Heiligen nicht bloß in Worten, sondern in -Tat und Beispiel sicher und klar erlernen könnte.... Unter diesem Sehnen -flossen viele Jahre dahin, wie ich meine, wohl über zwanzig Jahre. In -dieser Zeit hat nun freilich der Herr mir mehrere Personen beiderlei -Geschlechtes gezeigt, an denen ich mich oft erbaut habe. Doch wurde durch -sie niemals mein Verlangen gesättigt. Je mehr ich solche fromme Seelen -antraf, desto mehr sehnte ich mich wieder nach andern. Denn in keiner fand -ich, was ich suchte, und mein Sehnen blieb ungestillt. Endlich hat der -Vater der Erbarmungen ... mich ganz unerwartet -<span class="pagenum"><a id="Page_40" name="Page_40" href="#Page_40">[40]</a></span> -eine solch fromme Seele, -die ich suchte, finden lassen. Eine aus vornehmer Familie entsprossene -Frau namens Alfradis, die einen Mann, der ebenfalls vornehmen Standes -war, geehlicht hatte, wurde schwer krank und sandte zum Bruder Walter, -der seit langer Zeit ihr Beichtvater war. Er ging zu ihr am Tage vor dem -Feste des h. Apostels Thomas und nahm mich als Begleiter mit. Wir kamen -erst spät an jenem Hause an. Während nun Walter die Beichte jener Frau -hörte und ich im Hause saß, kam zu mir eine Begine, Aleidis mit Namen, -und fragte mich, woher ich gekommen sei. Ich antwortete: Von Cöln. Da -sprach sie: Wärest du doch in unserem Dorfe gewesen und hättest einmal -die wunderbaren Dinge gesehen, die dort an einem Mädchen geschehen! Am -Nachmittage des folgenden Tages nun gingen wir, wie es Walter bestimmte, -nach jenem Pfarrdorfe und kehrten im Pfarrhause ein, wo sich damals -jenes Mädchen befand wegen der Bedrängnis, die man befürchtete.... Als -ich ins Pfarrhaus eintrat, sah ich ärmlichen Hausrat, betrübte Menschen -und eine junge Person, die etwas seitwärts saß und das Gesicht mit dem -Mantel verhüllt hielt. Diese stand auf, als Bruder Walter eintrat, und -grüßte ihn. Aber in demselben Augenblicke stieß der Teufel sie rückwärts, -sodaß ihr Kopf heftig wider die Wand anschlug. Die Anwesenden erschraken -darüber, waren aber noch mehr in Angst wegen der Trübsale, die nach den -Erfahrungen der früheren Jahre noch zu befürchten waren. Während nun -diese alle in Sorge und Betrübnis waren, wurde ich allein mit einer -ganz besonderen, ungewohnten Freude erfüllt, fühlte eine innerliche -Tröstung und war ganz von Staunen ergriffen. Ich begriff nicht, was mit -mir vorging, und wurde darob betroffen, weil ich fürchtete, man möchte -es merken.... Um nun diese meine Gemütsstimmung zu verbergen, suchte ich -mit den Hausgenossen, mit dem Herrn Pfarrer nämlich und seiner Mutter, -mit seinen Schwestern und anderen Personen, die gerade im Hause waren, -ein Gespräch anzuknüpfen. Mein Genosse saß inzwischen ein wenig von uns -entfernt bei jenem Mädchen und hielt ihr verschiedene Beispiele vor von -der Geduld Christi und der Heiligen. Jene meine Freude aber prägte sich -so stark in meine Seele ein, daß auch bis jetzt, wo schon elf Jahre -seitdem verflossen sind, sie nicht bloß mir im Gedächtnis haftet, sondern -mir auch wie gegenwärtig fühlbar ist. Ich habe -<span class="pagenum"><a id="Page_41" name="Page_41" href="#Page_41">[41]</a></span> -in jener Stunde, wie ich -glaube, gewiß irgendeine göttliche Einwirkung empfangen. Während ich nun -so dasaß und den Leuten zuhörte, auch mitunter ein munteres oder ernstes -Wort dazwischen redete, waren meine Augen und Gedanken dahin gerichtet, -wo jene Person sich befand, deren Nähe ich meine Umwandlung zuschrieb ... -Wie ich nun meinen Genossen und jenes Mädchen genau beobachtete, sah ich, -daß der Teufel es siebenmal stieß, viermal wider die Wand rücklings und -dreimal wider eine Kiste zu ihrer Linken und zwar mit solcher Gewalt, daß -die Stöße auch für die ferner Stehenden hörbar waren. Was mir besonders -auffiel, war der Umstand, daß bei diesen heftigen Stößen das Mädchen weder -Seufzer noch Schluchzen vernehmen ließ, ja nicht das geringste Zeichen -von Ungeduld oder Schmerz weder durch Wort noch Geberde zu erkennen gab, -sondern ruhig blieb, ohne einen Laut des Murrens oder der Klage von sich -zu geben. Ich konnte mich nun nicht länger mehr halten und sprach zu -Bruder Walter: „Liebster Vater, ich weiß nicht, ob Ihr es bemerkt, wie der -Teufel das Mädchen so heftig stößt. Es wäre wohl gut, wenn Ihr mit ihm -etwas weiter von der Wand und der Kiste abrücktet und ein Kissen hinter -ihren Kopf legtet, damit, wenn noch weitere Stöße erfolgen sollten, die -Heftigkeit des Anpralles durch die weiche Hinterlage gemildert werde.“ -Man tat dieses auch. Wie wir nun noch eine Weile dagesessen hatten, -hörte ich das Mädchen auf einmal aufseufzen, wie wenn es plötzlich von -etwas Schmerzhaftem betroffen worden wäre. Als die Frauen, die um es -herumsaßen, dies bemerkten, fragten sie nach der Ursache des Aufseufzens. -Es antwortete: „Ich bin an den Füßen verwundet.“ Man sah nach und fand -es so. Denn an jedem Fuße fand sich eine frisch blutende Wunde. Als die -Verwundete auf solche Weise viermal von neuem aufseufzte, wurde ich von -Mitleid ergriffen und bei dem Weinen und Schluchzen derer, die um sie -saßen und bei jedem neuen Aufseufzen neue Wunden sahen, stand auch ich -auf und sah, wie ich meine, bei den beiden letzten Aufseufzungen nach, -und ich erblickte die Wunden in ihrem Entstehen, noch bevor das Blut -hervorquoll. Denn gewöhnlich pflegt es einige Augenblicke zu dauern, -ehe das Blut nach der Verwundung hervorfließt. Hiermit nun hatte diese -Mißhandlung ein Ende. Sieben frisch blutende Wunden erblickte ich auf -der oberen Seite der Füße, und zwar vier auf -<span class="pagenum"><a id="Page_42" name="Page_42" href="#Page_42">[42]</a></span> -dem einen und drei auf dem -anderen Fuße. Da ich aber zweimal aufgestanden war und die Sache mich sehr -interessierte, habe ich genau acht gegeben und bemerkt, daß jedesmal eine -neue Wunde hinzugekommen war. Unterdessen war die Nacht nach dem Feste des -h. Apostels Thomas angebrochen und ich, der ich vorher von Freude erfüllt -war, war nun voll des Mitleidens. Bruder Walter wünschte, daß wir jetzt -die Komplet beteten. Wir beteten sie mit allen Zusätzen nach Vorschrift -und zwar in Gegenwart der Jungfrau. Und als wir zu Ende waren, kniete -die Jungfrau nieder, Bruder Walter legte ihr beide Hände auf das Haupt -und sprach das Johannesevangelium zum Schutze gegen die Wut des bösen -Feindes. Hierauf bat ich ihn um die Erlaubnis, mit den Hausgenossen die -Nacht durchwachen zu dürfen. Er gestattete es und ich geleitete ihn zu -seiner Ruhestätte, die man ihm aus Ehrfurcht vor seinem Alter und seiner -Frömmigkeit im Pfarrhause selbst bereitet hatte.... Als ich nun mit -seiner Erlaubnis wieder zur Jungfrau zurückkam, um ihr Trost zu spenden -und auch durch sie mittels der Wunderwerke des Herrn Trost zu empfangen, -fand ich zwei Lichter im Hause, die bis zum Morgen brannten, und sieben -Personen, die nicht abwechselnd, sondern alle mitsammen die Nacht hindurch -ununterbrochen Wache hielten, bis es Tag wurde, ohne daß auch nur einer -sich zur Ruhe niederlegte. Man hielt dies für notwendig, weil ein jeder -der Anwesenden von der Wut und Bosheit des Teufels die heftigsten und -unerträglichsten Angriffe zu befürchten hatte. Sie waren froh, als sie -mich zurückkommen sahen, und ersuchten mich, dort Platz zu nehmen, wo mein -Gefährte vordem gesessen hatte. Ich tat es, und als ich dort eine Weile -in Stillschweigen gesessen, fragte mich jene Jungfrau: „Wie heißet Ihr?“ -Ich antwortete: „Petrus.“ Da sprach sie: „Guter Bruder Petrus, erzählet -mir etwas von Gott; ich höre so gerne etwas von ihm, wiewohl ich wegen -meiner jetzigen Bedrängnis zu meinem Bedauern nicht sonderlich achtgeben -kann.“ Auf ihren Wunsch, dem sich auch die übrigen anschlossen, erzählte -ich ihnen nun, obschon ich der Mundart noch nicht vollkommen mächtig war, -zwei Beispiele aus dem Leben der Brüder, die ich für erbaulich hielt, -das eine, wie die seligste Jungfrau einen Kartäuser gelehrt habe, ihr zu -dienen und sie zu lieben; das andere, wie ein Bruder des Predigerordens -durch die h. Messe, die ein -<span class="pagenum"><a id="Page_43" name="Page_43" href="#Page_43">[43]</a></span> -befreundeter älterer Bruder für ihn gelesen, -aus dem Fegfeuer, in dem er fünfzehn Jahre lang gewesen war, befreit -worden sei. -</p> - -<p> -Als ich die Erzählungen beendigt hatte, hielt ich ein wenig inne. Da -auf einmal seufzte die Jungfrau auf, heftiger wie gewöhnlich. „Was ist -geschehen?“ fragte ich. „Ich bin am Knie verwundet,“ sagte sie. Nach -einer Weile, in der man wohl ein Miserere hätte beten können, stöhnte sie -wieder, zog ihre rechte Hand durch den Aermel ihres Kleides nach innen, -fuhr damit unter ihrem Kleide herab, zog dann einen eisernen Nagel hervor, -der mit frischem Blute überronnen war und gab ihn mir in die Hand.... Ich -fand ihn viel wärmer, als er es durch Berührung des menschlichen Körpers -hätte sein können.... Da es nun, wie mir dünkte, Mitternacht war, ging -ich zu meinem Gefährten, um nach Ordensbrauch mit ihm die Mette zu beten. -Wir beteten die Mette von der allerseligsten Jungfrau, und als wir die -Laudes begonnen, entstand im Hause ein solches Jammern, daß wir das Gebet -abbrachen, ohne Nachricht abzuwarten, gleich zu der Jungfrau und ihrer -Umgebung hineilten und fragten, was geschehen sei. Man sagte uns, die -Jungfrau sei schwer verwundet worden. Mein Gefährte setzte sich neben sie -und fand sie in tiefer Betrübnis und fast ohnmächtig. Bald jedoch kam -sie wieder zu sich, zog dann die andere Hand ähnlich wie früher durch -den Aermel nach innen und langte einen anderen Nagel hervor, der mit -frischem Blute benetzt und gleich heiß war wie der erstere, aber eine -viel grauenhaftere Form hatte. Sie gab denselben meinem Gefährten in -die Hand mit den Worten: „Schauet da, womit ich verwundet worden bin.“ -Alle betrachteten den Nagel, staunten über seine schreckliche Form und -entsetzten sich. Ich aber bat, man möge ihn mir zum Geschenke und steten -Andenken überlassen. Man gab ihn mir und ich habe ihn bis zum heutigen -Tage aufbewahrt, auch an ihm ein Zeichen gemacht, wie tief er in das -Fleisch eingedrungen war. Denn das Fleisch, das noch daran hing und das -anklebende Blut, ließen das ganz deutlich erkennen. -</p> - -<p> -Am Morgen kehrte ich wieder nach Cöln zurück. Ich weiß nicht, ob ich mich -je in meinem Leben in solcher Gemütsverfassung befunden habe, so daß ich -damals am liebsten, wenn ich gekonnt, die Messe von der allerseligsten -Jungfrau gelesen hätte zur Danksagung für die mir von Gott erwiesenen -Gnaden. -<span class="pagenum"><a id="Page_44" name="Page_44" href="#Page_44">[44]</a></span> -Nun glaubte ich die Psalmstelle zu verstehen: „Helle ist mir -geworden die Nacht in meiner Wonne; denn vor dir hat die Finsternis kein -Dunkel und hell wird die Nacht wie der Tag. Denn so wie ihr Dunkel, so -ist sein Licht.“ (Ps. 138, 11-12.) Und mit den Jubeltönen des Exultet -fährt dann Petrus fort: „O glückliche Nacht! o selige Nacht, die du für -mich geworden zum Anfang der göttlichen Erleuchtungen, bei denen Nacht -und Tag nicht mehr wechseln. O süße und wonnevolle Nacht, in der mir -zuerst verliehen wurde zu verkosten, wie lieblich der Herr ist. Das ist -die Nacht, in der ich gewürdigt wurde, zuerst die Braut meines Herrn zu -sehen.“ Nur eines beklagte Petrus, daß sie für ihn zu kurz war. „Möchte -von nun an,“ so schließt er, „meine sündige Seele erneuert und ich in -einen neuen Menschen umgewandelt werden, so daß ich zu neuem Leben erstehe -und den Tod nicht schaue in Ewigkeit!“ -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi06" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Sechstes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Zweiter Besuch des Petrus. Christinas Entrückung und Seelenjubel. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_45" name="Page_45" href="#Page_45">[45]</a></span> -Nach dem Advente verließ Christina das Pfarrhaus. Im darauffolgenden -Jahre, 1268, einem Schaltjahre, fiel das Fest des h. Apostels Matthias, -das in Stommeln noch heute als das des zweiten Pfarrpatrons besonders -feierlich begangen wird, auf den Samstag vor dem ersten Fastensonntag. Der -Pfarrer von Stommeln hatte seinen guten Freund, Bruder Gerhard vom Greif -aus dem Dominikanerkloster in Cöln, gebeten, zur Aushülfe herüberzukommen. -So bot sich für Bruder Petrus eine Gelegenheit, die Schritte wieder nach -Stommeln zu lenken. Hören wir ihn selbst, wie er seinen zweiten Besuch in -Stommeln beschreibt: „In der nächstfolgenden Fastenzeit ging ich wieder -bei dargebotener Gelegenheit nach dem früher genannten Orte, nach dem -meine Sehnsucht stand, als Begleiter des Bruders Gerhard vom Greif, dem -Beichtvater besagter Jungfrau ... Wir kamen dort an am Samstage vor dem -ersten Sonntage der Fastenzeit. Am Sonntage nun lud der Herr Pfarrer -seinem Freunde, dem Bruder Gerhard, zuliebe auch dessen geistige Tochter -auf Mittag zu Tisch. Sie folgte der Einladung und speiste mit uns. Darüber -hatte ich viele Freude; denn so hatte ich Gelegenheit, ihre Sitten und -ihr Verhalten genau zu beobachten ... Nach Tisch, als der Pfarrer einen -Kranken besuchte, begab es sich, daß eine Person — jedenfalls die -sangeskundige Gertrud, Schwester des Pfarrers, — aus Andacht den Hymnus: -<span class="fmarkd">Jesu dulcis memoria</span> in unserer Gegenwart sang und nach der lateinischen -Strophe auch jedesmal die deutsche innig-fromme Uebersetzung<a name='FA_29' id='FA_29' href='#FN_29' class='fnanchor'>[29]</a> mitsang. -Dadurch -<span class="pagenum"><a id="Page_46" name="Page_46" href="#Page_46">[46]</a></span> -wurde ich mehrmals zu Tränen gerührt. Da wurde mit einem Male die -Jungfrau dermaßen im Geiste entrückt, daß sie in allen ihren Sinnesorganen -unempfindlich und am ganzen Körper starr war und kein Lebenszeichen mehr -von sich gab. Was uns aber noch mehr in Erstaunen setzte, man konnte -gar kein Atemholen mehr an ihr bemerken. Ich gestehe, daß ich bei diesem -Anblicke vor Freuden weinte und vor Verwunderung außer mir war und für -eine so große Gabe des göttlichen Einflusses dem Geber Dank sagte. Denn -was hier vor sich ging, konnte ich keiner natürlichen Ursache, noch -menschlicher Einwirkung zuschreiben; ich erkannte darin vielmehr die Nähe -Gottes ... Einen solchen Zustand hatte ich noch nie an einem Sterblichen -wahrgenommen und ich glaubte, hier geschehe, was der Apostel andeutet, -wenn er schreibt: „<span class="fmarkd">Sive mente excedimus</span>“, d. h. mögen wir im Geiste -entrückt sein ... Und ich begann nun, desto genauer alle Geschehnisse zu -beobachten, auf alle Worte zu hören, und auf alle Bewegungen und Geberden -zu merken und sie meinem Gedächtnisse tiefer einzuprägen, weil ich alles -dem Hulderweis besonderer Gnade zuschrieb. -</p> - -<p> -Als sie nun in diesem Zustande, ein wenig nach vorn geneigt, Gesicht und -Hände mit dem Schleier verhüllt, etwa drei bis vier Stunden auf einer Bank -gesessen hatte, seufzte sie unter Schluchzen auf, so daß sie am ganzen -Körper etwas in Bewegung kam. Dann begann sie ein wenig aufzuatmen; jedoch -ging dies leichter und langsamer vor sich, als es sonst bei Menschen zu -geschehen pflegt. Die Bewegung beim Atmen war so gering, daß es besonderer -Aufmerksamkeit bedurfte, um sie wahrzunehmen ... Es war nämlich, wie -gesagt, die Bewegung beim Atmen geringer und die Zwischenzeit zwischen -Ein- und Ausatmen größer wie gewöhnlich. Als sie nun auch in diesem -Zustande die Zeit von ungefähr zwei Messen hindurch gesessen hatte, fing -sie an tiefer und überhaupt so zu atmen, wie Menschen gewöhnlich zu atmen -pflegen. Darauf begann sie auch zu reden, jedoch so leise, daß man es -selbst bei aufmerksamem Hinhorchen kaum verstehen konnte und auch nicht in -vollständigen Sätzen, sondern in einzelnen Ausrufungen voller Liebe und -Süßigkeit, wie: Liebevollster, süßester oder herzinnigster, trautester -oder Bräutigam. Und dabei jubelte sie auf unter freudiger Erregung -des ganzen Körpers, das einem -<span class="pagenum"><a id="Page_47" name="Page_47" href="#Page_47">[47]</a></span> -Aufhüpfen ähnlich sah, und zwar in ganz -ungewohnter Weise. Das Jubeln ging in einem Atemzuge vor sich und dauerte -ein Miserere lang und dann trat wieder eine ebensolange Zeitdauer hindurch -Unbeweglichkeit ein. Es wiederholte sich dann derselbe Vorgang des -freudigen Aufhüpfens, Jubelns oder Jauchzens — ich weiß nicht, wie ich es -nennen soll, sagt Petrus, denn ich habe früher so etwas nie gesehen — und -nahm ungefähr die Zeit von zwei Messen in Anspruch. Diejenigen, die bei -ihr saßen, weinten vor Freude ob der Inbrunst der Andacht und der Glut der -Liebe, die in dem Vorgang zu Tage trat.“ — Es ist dieses Aufjubeln der Seele -eine im Leben der innigen Vereinigung mit Gott mitunter hervortretende -Erscheinung. Beim Einströmen der göttlichen Liebeswonne wird die Seele -gleichsam trunken vor Seligkeit. Sie vermag sich nicht mehr zu fassen vor -übergroßer Wonne, ihr Herz strömt über und so führt sie unwillkürlich eine -Art mystischen Reigens auf, ähnlich demjenigen der jungfräulichen Chöre im -Hochzeitssaale des himmlischen Bräutigams, und süße Jubeltöne entströmen -ihren Lippen, wie sie in unnachahmlicher Meisterschaft wiederklingen in -den Melismen der Gradual- und Allelujagesänge des gregorianischen Chorals. -</p> - -<div id="Fabb_04" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb04.jpg' - alt='4. Bild Christinas aus der Cölner Kartause (vor 1639)' - /> -<p class='caption'>4. Bild Christinas aus der Cölner Kartause (vor 1639)</p> -</div> - -<p> -Als nun diese Art des Seelenjubels nachließ, begann sie in ihrer Rede -mehrere Worte miteinander zu verbinden und gleichsam vollständige Sätze -zu bilden, in denen sie Danksagung und Lobpreis ausdrückte. Denn sie -tat einige Erwähnung von dem Zustande, in dem sie gewesen war, und von -den Wohltaten, die sie empfangen hatte, obgleich sie sich in einzelnes -nicht einließ. Es war überaus rührend zu hören, wie sie dabei ihre eigene -Armseligkeit und die großmütige Freigebigkeit und herablassende Güte -ihres Bräutigams hervorhob. Von dem einen zum andern übergehend, redete -sie bald von ihrer eigenen Geringheit und Unwürdigkeit, bald wieder pries -sie die unermeßliche Güte Gottes. Diese Art und Weise der Rede dauerte -etwa die Zeit einer Messe. Darnach begann sie in größter Bitterkeit des -Herzens und unter einem großen Tränenstrome die vielen Armseligkeiten -ihrer irdischen Verbannung so sehr zu beklagen, daß ich derartiges Weinen -früher nie gesehen habe. Ich hatte zwar bis dahin auch geglaubt, daß -die Füße des Herrn, wie das Evangelium berichtet, von den Tränen eines -Weibes benetzt wurden; seitdem aber habe ich -<span class="pagenum"><a id="Page_48" name="Page_48" href="#Page_48">[48]</a></span> -mir diese Worte, durch ein -solches Beispiel belehrt, tiefer eingeprägt. Und ich meine, diese Jungfrau -würde mit ihren Tränen nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und das -Haupt des Herrn, wenn die Gelegenheit dazu sich dargeboten hätte, benetzt -haben. Da nun auch so eine Stunde vorübergegangen war, begann sie, gleich -einem andächtig Betenden, Gott dem Herrn inbrünstig jene anzuempfehlen, -die sich ihr empfohlen hatten. Ich bemerke dies deshalb, weil ich hier -zuerst wahrnahm, daß sie wieder aus Antrieb der menschlichen Vernunft -und natürlichen Erkenntnis handelte ... Nachdem sie so ihre Freunde und -Wohltäter, die ihr nur irgendetwas Gutes erwiesen hatten, angelegentlich -dem Herrn empfohlen hatte, betete sie auch ganz innig für ihre Feinde, -falls sie solche haben sollte, damit der Herr ihnen verzeihe, ob sie nun -geflissentlich oder aus Unverstand gegen sie gesündigt. Das setzte sie -hinzu, weil einige, da sie die Wahrheit nicht kannten, lieblos über sie -geredet hatten. Schließlich begann sie denen, die mit ihr gesprochen, -zu antworten und sich nach gewöhnlicher Art der Menschen zu verhalten, -ohne jedoch Erwähnung zu tun von dem, was vorgegangen war. Es schien ihr -vielmehr unangenehm zu sein, wenn sie jemanden davon reden hörte. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi07" class="komplex"> -<img src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Siebentes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Dritter und vierter Besuch des Petrus. Christina empfängt die Wundmale -des Herrn. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_49" name="Page_49" href="#Page_49">[49]</a></span> -Das Fest der Verkündigung Mariens wurde im Jahre 1268, da der 25. März auf -den Passionssonntag fiel, am vorhergehenden Samstage gefeiert. An diesem -Samstage traf Bruder Petrus zu seinem dritten Besuche in Stommeln ein. Er -war diesmal begleitet von Bruder Karl, der von Paris gekommen war und im -Begriffe stand, über Cöln nach seiner Heimat Dazien zurückzureisen. Petrus -hatte ihm von Christina erzählt und ihm auch die beiden schrecklichen -Nägel gezeigt, die der Teufel ihr ins Fleisch hineingetrieben hatte. -Bruder Karl wurde darob so ergriffen, daß er gar sehr Christina zu sehen -wünschte. Auch erbat er sich von Petrus einen der Nägel zum Geschenke. -Petrus gab ihm den kleinern. Nach erhaltener Erlaubnis machten die Brüder -sich am Nachmittage des 24. März auf den Weg, kamen nach der Komplet in -Stommeln an, und kehrten im gastlichen Pfarrhause ein, wo sie auch die -Nacht zubrachten. Als sie nach dem Abendbrote miteinander plauderten, -fragte Petrus den Pfarrer, wie man es wohl einrichten könne, daß man -Bruder Karl, der gar sehr darnach verlange, Christina kennen zu lernen, -seinen Wunsch erfüllen könne. Freundlich entgegnete der Pfarrer: „Ladet -sie morgen ein, mit euch zu speisen.“ Ich erwiderte: „Es steht mir nicht -zu, jemanden einzuladen.“ Darauf sagte der Pfarrer. „Sie wird lieber -kommen, wenn ihr sie einladet.“ Ich lud sie denn auch, schreibt Petrus, -am folgenden Morgen ein. Da wir nun zu Tisch gehen sollten, fanden wir -sie dastehen, bereit, uns Wasser über die Hände zu gießen. Während -sie uns zum Händewaschen einlud, kamen mir unwillkürlich die Worte -Elisabeths in den Sinn: „Woher mir dieses, daß die Mutter meines Herrn -zu mir kommt?“ Doch ließ ich die Dienstleistung geschehen, um -<span class="pagenum"><a id="Page_50" name="Page_50" href="#Page_50">[50]</a></span> -Christinas Demut und ihren frommen Sinn nicht zu beschämen. Weil der Pfarrer uns -am vorhergehenden Abende gesagt hatte, in Christinas Handfläche sei das -Zeichen des Kreuzes erschienen, suchte ich bei Tisch ihre linke Hand zu -beobachten. Es gelang mir jedoch nicht zu sehen, was ich wünschte. Als -wir aber nach Tisch am Herdfeuer saßen nach Sitte der Deutschen, bat -mich Christina, ihr etwas von Gott zu reden. Ich erklärte ihr also die -vier oder drei hauptsächlichen Eigenschaften der Serafin nach dem seligen -Dionysius;<a name='FA_30' id='FA_30' href='#FN_30' class='fnanchor'>[30]</a> denn ich wußte, daß sie gerne von der Liebe Gottes reden -hörte. Darob wurde sie so ergriffen, daß sie die Magd ihrer Mutter, die zu -ihr geschickt worden war und sie dreimal angeredet hatte, nicht bemerkte -und ihr keine Antwort gab. Ich hielt nun eine Weile inne und sprach zu -ihr: „Warum hast du der Magd deiner Mutter keinen Bescheid gegeben?“ -denn ich kannte damals ihr Wesen nicht hinlänglich. Sie erwiderte: „Wenn -auch die ganze Habe meiner Mutter in Gefahr wäre, so wäre es mir doch -augenblicklich unmöglich, mich damit zu befassen.“ Während sie nun so im -Geiste ergriffen war, öffnete sie ihre linke Hand und ich erblickte in ihr -etwas, wie ich es in meinem Leben nicht gesehen hatte ... In der weißen -Hand der Jungfrau sah ich das Kreuz unseres Herrn von blutroter Farbe. Es -war aber nicht wie mit Farbe oder Blut aufgemalt, sondern durch sichtbare -Wunde in das Fleisch eingeprägt, und zudem mit zierlichen Blümchen -geschmückt. Bruder Karl sah auch das Kreuz und war von allem, was er -gesehen und gehört, höchlich erbaut. Am folgenden Tage gab er der Jungfrau -zum Zeichen besonderer Verehrung sein schönes, kleines Psalterium, das -er zu Paris für sich gekauft hatte, da er vernommen, daß der Teufel ihr -letzthin am Tage Pauli Bekehrung ihr Psalmenbuch, das einzige, das sie -besaß, mit Gewalt aus der Hand gerissen und verschleppt hatte. Lächelnd -bemerkte ich dazu: „Gott will mehr geben, als der Teufel rauben kann,“ -zog dann mein kleines Diurnale hervor, das mir Bruder Absalon seligen -Angedenkens, der Provinzial von Dazien, in meinem Noviziate geschenkt -hatte, und sprach: „Schau, da der Teufel dir ein Buch genommen, so gibt -Gott dir dafür zwei.“ Dabei überreichte ich ihr das Diurnale und wir -schieden recht erbaut von dannen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_51" name="Page_51" href="#Page_51">[51]</a></span> -Die Betrachtung des Leidens Christi war Christinas liebste Andachtsübung. -Sie brachte ihr immer Trost und Erquickung. Kein Wunder, daß Satan ihr -diese Andacht zu verleiden suchte. Er quälte sie, wie der Pfarrer Johannes -berichtet,<a name='FA_31' id='FA_31' href='#FN_31' class='fnanchor'>[31]</a> in dieser Fastenzeit mit einer langwierigen Versuchung -wider den Glauben an das Leiden Christi. Es kam ihr der Gedanke, Gott -habe überhaupt nicht gelitten. Wenn sie in die Kirche eintrat und das -Kreuz erblickte, dachte sie bei sich: „Das ist ein Bild, was soll dies? -Es liegt nichts wahres zu Grunde.“ Sie hatte großes Leidwesen über diese -Versuchung, und ihr Herz mühte sich ab in der Bekämpfung dieser Zweifel. -Dann sprach der Versucher zu ihr: „Glaubst du, dein Gott habe gelitten? -Es ist nicht wahr. Alles, was man davon erzählt, ist erlogen, mögen die -Geistlichen sagen, was sie wollen.“ Wenn sie die h. Kommunion empfing, -blieb sie ohne Erquickung und beim Gebete verspürte sie keinen Trost. Am -Donnerstage nach dem Weggange der beiden Brüder, es war acht Tage vor -dem Gründonnerstage, betete sie, als sie der Mette beiwohnte, also zum -Heilande: „O mein Geliebter, du bist allzeit mein Helfer gewesen und du -weißt, daß dein Leiden immer für mich ein Trost war, befreie mich nun von -dieser Plage; denn ich kann diesen Unglauben nicht länger ertragen.“ Und -alsbald zeigte sich an ihrem ganzen Haupte etwas wie eine Dornenkrone. -Diese wurde ihr so eingedrückt, daß über Gesicht und Hals das Blut -herabfloß und alsbald kam sie außer sich. Als sie wieder zu sich kam, -war jene Versuchung verschwunden. Von diesem Augenblicke an bis Ostern -konnte sie an nichts anderes denken als an das Leiden des Herrn. Am -Gründonnerstage fing sie abends spät auf einmal an beängstigt zu werden -und am ganzen Körper zu zittern. Blutstropfen begannen schließlich von -ihrem Körper zu rinnen. Die Angst war so groß, daß sie glaubte, alsbald -sterben zu müssen, und dieser Zustand dauerte bis zur Non, d. h. bis drei -Uhr nachmittags des Karfreitags. Da öffneten sich die fünf Wundmale und -zwar an ihrer Seite, an den Füßen und den Händen, und am Haupte erschien -die Dornenkrone. Auch wurde sie mit Galle getränkt, und ihr Mund war davon -mit solcher Bitterkeit erfüllt, daß sie keinerlei Speise verkosten konnte. -Sie lag da wie halbtot jene Tage -<span class="pagenum"><a id="Page_52" name="Page_52" href="#Page_52">[52]</a></span> -hindurch bis zum Ostertage, wo sie in -solchen Seelenjubel eintrat, daß es wunderbar war. Seit jener Zeit kam -sie, so oft sie an das Leiden des Herrn dachte oder davon reden hörte, -jedesmal, wenn nicht gerade besondere Prüfungen sie heimsuchten, außer -sich. Auch hatte sie hinfort eine solche innere Erleuchtung, daß die h. -Schrift ihr besser verständlich wurde. Zudem glaubte sie von Gott alles -erlangen zu können, was sie begehrte. Wenn jemand mit ihr ein Gespräch -anknüpfte, so erkannte sie innerlich, in welcher Absicht dies geschah. -</p> - -<p> -Hören wir nunmehr den Bericht des Bruders Petrus über die Stigmatisation -Christinas. Am Karsamstage sagte ihm der Prior, er solle mit Bruder -Gerhard vom Greif nach Stommeln gehen; denn der Pfarrer hatte um -Aushülfe gebeten. Freudig gehorchte Petrus und er machte sich mit seinem -Gefährten nach Tisch auf zu seinem vierten Besuch in Stommeln. Als sie -ins Pfarrhaus eintreten wollten, kam ihnen die Mutter des Pfarrers, -eine hochbetagte Frau, entgegen und sagte zu Petrus, den sie von früher -ja kannte: „Liebster Sohn, schade, daß du gestern nicht hier warest. -Du hättest Gottes Wunderwerke geschaut, wenn du hier gewesen wärest.“ -Gleichsam scherzend entgegnete Petrus: „Vielleicht kann ich morgen auch -dergleichen sehen.“ — „Nein, sagte sie, niemals ist in unserer Zeit auf -dieser Erde so etwas gesehen worden und wird auch wohl nicht mehr gesehen -werden.“ Da ich merkte, schreibt Petrus, daß sie etwas Wichtiges uns -mitteilen wollte, fragte ich sie: „Was ist denn Neues geschehen, wovon du -soviel Aufhebens machst?“ Da begann sie zu erzählen und sprach: „Gestern -sind an einem Mädchen hier im Dorfe die Zeichen des bitteren Leidens -deutlich erschienen“ und sie fügte dann noch einiges über die Umstände -des Vorganges hinzu. Petrus wurde darob sehr gerührt und wäre am liebsten -sofort zu Christina ins Haus der Aleidis gegangen. Allein sein Gefährte -war zu müde, um mit ihm gehen zu können. Am Ostertage ging Christina -ganz in der Frühe zur h. Kommunion. Nach Tisch gingen der Pfarrer und -Petrus zu ihr. Sie lag zu Bett und hatte das Gesicht sorgfältig mit -dem Schleier bedeckt. Petrus hatte von der Mutter des Pfarrers gehört, -Christinas Gesicht sei ganz blutig unterlaufen, wie wenn es mit Stöcken -wäre zerschlagen worden. Er setzte sich deshalb zu Füßen des Bettes, -um womöglich einen Blick auf das Gesicht tun zu können. Der -<span class="pagenum"><a id="Page_53" name="Page_53" href="#Page_53">[53]</a></span> -Pfarrer, -der sich zu Häupten gesetzt hatte, begann zu Christina zu reden vom -Osterlamme; denn dieses habe sie am Morgen genossen. Und als die Beiden -hierüber einige herzliche Worte wechselten, traf es sich, daß Christina -sich räuspern mußte, wobei sie den Schleier etwas lüftete. Da ich am -Fußende saß, schreibt Petrus, sah ich ihr Angesicht unter dem Schleier, -und wahrlich, es war nicht wie das Angesicht eines Engels, sondern eher -wie das Angesicht des ewigen Hohenpriesters, und gar wehmütig anzuschauen. -Denn es war ganz blutrünstig, ja fast schwarz. Bald darauf sah ich es noch -einmal und meine Augen wurden starr beim Anblicke. Staunen ergriff mich -und ein wunderbares Mitleiden mit dem leidenden Heilande ergriff meine -Seele.... Ich ging nun mit dem Herrn Pfarrer zur Kirche, um die Vesper zu -halten. Nach Landesbrauch war die Vesper schon früh nachmittags beendigt, -sodaß man kaum sagen konnte „<span class="fmarkd">Quoniam advesperascit</span>“ (es will Abend -werden), und der Pfarrer ging mit Bruder Gerhard abermals zu Christina. -Petrus folgte ihnen. Auf dem Wege trafen sie noch zwei andere Brüder, -nämlich Johannes von Muffendorf und Nikolaus, die wahrscheinlich auf -einem benachbarten Dorfe zur Aushülfe gewesen waren. Diese vier Brüder -nun gingen mit einigen anderen frommen Personen zu Christina, um sie zu -begrüßen, hielten sich indes dort nicht lange auf. Es wurde aber bestimmt, -daß am folgenden Tage Bruder Gerhard und Bruder Johannes beim alten Vogt, -Bruder Nikolaus hingegen und Bruder Petrus bei Christina speisen sollten. -Am Ostermontag nun gingen Bruder Nikolaus und Bruder Petrus nach dem -vormittägigen Gottesdienste zur Wohnung Christinas, beteten dort mitsammen -in ihrer Gegenwart die Tagzeiten vom h. Geist und von der allerseligsten -Jungfrau und setzten sich dann vor Christinas Bett zum Essen nieder. -Während wir nun mit ihr aßen, schreibt Petrus, habe ich dreimal in ihren -Händen die Wundmale Christi beobachtet. Mitten in der inneren Fläche -einer jeden Hand sah ich eine Wunde. Sie war rund, hatte den Umfang -eines Sterlings, das rohe Fleisch war sichtbar, und nicht sah sie aus -wie gemalt, sondern sie war in etwa ins Fleisch hineingedrückt. So sahen -die Wunden auch die ganze Osteroktav hindurch aus mit dem Unterschiede, -daß sie jeden Tag etwas kleiner wurden. Auch auf dem Rücken der Hand war -eine Wunde, die sich der inneren gegenüber -<span class="pagenum"><a id="Page_54" name="Page_54" href="#Page_54">[54]</a></span> -befand, ihr an Größe entsprach -und so aussah, als ob sie die Spur eines die Hand durchdringenden Nagels -gewesen wäre. -</p> - -<p> -Christina selbst sprach kein Wort mit Petrus über die Wundmale. Petrus -aber verhörte sorgfältig im einzelnen Christinas Vertraute, die alles -gesehen und gehört hatten, über den Vorgang und zwar Hilla vom Berge, des -Pfarrers Schwester Gertrud, die blinde Aleidis und eine andere Jungfrau -weltlichen Standes aus Stommeln. Diese alle bekundeten übereinstimmend -Folgendes: Am Gründonnerstage, als die Mette vom Karfreitag beendigt war, -zur Zeit der Abenddämmerung, geleiteten wir Christina zur Wohnung der -Aleidis. Da begann sie in einer uns ungewohnten Weise zu reden und sprach: -„Geliebte Gefährtinnen, ich weiß nicht, was mit mir vorgeht.“ Und als sie -das gesagt hatte, begann sie zu zagen und innerlich bestürzt zu werden. -Die Angst nahm derart zu, daß sie kurz vor Mitternacht Blut schwitzte, -und diese Bestürzung dauerte fort bis zum folgenden Tage, wo wir wegen des -Gottesdienstes alle zur Kirche gingen. Die Aleidis aber, die wegen ihrer -Blindheit und Körperschwäche allein bei Christina zurückgeblieben war, -sagte Folgendes: „Ich habe ein Krachen gehört, wie wenn ein Mensch derart -ausgereckt würde, daß alle Knochen aus den Gelenken gerissen würden. -Auch habe ich Stimmen und Worte gehört, die ich in meinem Leben nicht -offenbaren werde.“ Nach der Osteroktav ging Petrus mit Gerhard vom Greif -wieder nach Cöln zurück. -</p> - -<p> -Christina ist nicht die einzige unter den Seligen des Himmels, die mit -Christi Wundmalen hienieden bezeichnet wurde. Allgemein bekannt ist -diese Auszeichnung vom serafischen Patriarchen, dem h. Franz von Assisi. -Weit häufiger jedoch als in der Männerwelt tritt diese Erscheinung bei -gottseligen Personen des weiblichen Geschlechtes uns entgegen. Kein -Wunder. Das Uebernatürliche baut sich ja auf das Natürliche auf. Das Weib -hat nun aber ein reicheres Gemütsleben als der Mann; die Liebe und das -Mitleid sind mithin bei ihm weit lebhafter als beim Manne. Die Wundmale -aber sind der äußere Ausdruck der innigsten Liebesvereinigung mit dem -gekreuzigten Heiland, des herzlichsten Mitleidens mit der grausamen -Marter, die er aus Liebe zu uns erduldet hat. Dieses Mitempfinden -ist derartig lebhaft, daß nicht bloß die Seele ganz und gar davon -durchdrungen, sondern das ganze Wesen -<span class="pagenum"><a id="Page_55" name="Page_55" href="#Page_55">[55]</a></span> -des Menschen, mithin auch der -Leib, davon ergriffen wird. Und so wird denn durch die Glutpfeile der -göttlichen Liebe nicht bloß die Seele verwundet, sondern auch der Körper -dem Gekreuzigten verähnlicht; es treten die hh. Wundmale an ihm in die -Erscheinung. -</p> - -<p> -An das Wundmal der Dornenkrone erinnert eine merkwürdige Färbung des -Stirnbeins der seligen Christina, die in einem kranzförmigen, grünlichen, -mit roten Punkten durchsetzten Geäder von Fingerbreite besteht. Wie das -Geäder des Marmors erst dann klar zutage tritt, wenn er geschliffen wird, -so ist auch dieser grünlichrote Streifen erst dann bemerkt worden, als der -Schädel Christinas, der alljährlich am 6. November den Gläubigen zum Kusse -dargeboten wird, infolge der jahrhundertelangen Verehrung glatt und blank -geworden war. Peter Lull, der um 1680 in Jülich war, spricht zuerst von -diesem grünlichen Kranze in seinem Büchlein „<span class="fmarkd">Lilium inter spinas</span>“ und -P. Steinfunder aus Essen beschreibt ihn genau in zwei an den Bollandisten -Papebroch gerichteten Briefen, von denen der eine im Jahre 1685, der -andere im Jahre 1692 geschrieben wurde. Wie Steinfunder, so erklärte auch -Josef von Görres in seiner Mystik<a name='FA_32' id='FA_32' href='#FN_32' class='fnanchor'>[32]</a> diese Erscheinung damit, daß die -bei Lebzeiten erhaltene Dornenkrone bis zur Knochensubstanz des Schädels -vorgedrungen sei. Wegen ihrer Merkwürdigkeit wurde sie im Titelblatt in -Farbendruck wiedergegeben. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi08" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Achtes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Drei weitere Besuche des Petrus an den Festen Kreuzauffindung, Pfingsten -u. Maria Magdalena. -</h2> - -<p> -Am Tage vor dem Feste des h. Martyrers Petrus von Mailand, der im Jahre -1252 den Tod erlitten und im Jahre 1253 von Innocenz IV. heilig gesprochen -worden war, wurde Bruder Petrus, was ihm selten geschah, im Kloster -zu Cöln an die Pforte gerufen, und unter den Personen, die da mit ihm -sprachen, befand sich auch Christina. Aus Andacht war sie zu dem Feste -nach Cöln gekommen, um die Dominikanerkirche zu besuchen und des Ablasses -teilhaftig zu werden. Bruder Petrus sagte ihr, Bruder Mauritius habe ihn -ersucht, auf einige Tage mit ihm auszugehen, worauf Christina die Beiden -einlud, nach Stommeln zu kommen. -</p> - -<p> -Am Tage vor dem Feste Kreuzauffindung gingen nun beide Brüder nach -Stommeln, wo sie freundliche Aufnahme fanden. Am folgenden Tage erklärte -Bruder Petrus nach Tisch in Gegenwart einer ziemlichen Anzahl von -Personen die Stufen der Betrachtung nach Richard von Sankt Viktor, wobei -Christina große Freude empfand. Nach dem Vesperbrot wünschten mehrere -einen Spaziergang zu machen bis zu einem gewissen Wasser. Man machte -sich auf den Weg und ging paarweise wie in Prozession. Petrus ging mit -Christina und die Beiden unterhielten sich über die Süßigkeit Gottes. -Unter anderem fragte Christina den Petrus, wie es komme, daß einige -Priester schneller, andere langsamer die h. Messe läsen. Petrus antwortete -mit einem Gleichnis: „Wenn jemand, sprach er, den Mund voller Mohnsamen -nimmt und die Süßigkeit jedes einzelnen Körnchens verkosten will, so muß -er länger kauen und braucht deshalb mehr Zeit wie einer, der sie ganz -herunterschluckt. So auch muß jener, der die Süßigkeit der einzelnen -honigfließenden Worte des Kanons verkosten will, diese etwas -<span class="pagenum"><a id="Page_57" name="Page_57" href="#Page_57">[57]</a></span> -langsamer aussprechen.“ Die Erklärung gefiel Christina -und sie stellte alsbald eine -andere Frage: „Guter Bruder Petrus,“ sprach sie, „nimm mir meine Frage -nicht übel. Wie ist es dir, wenn du Messe liesest?“ Petrus antwortete: -„Wohl, sehr wohl.“ Daraufhin kniete Christina mit beiden Knien nieder und -neigte sich mit dem Angesichte tief bis zur Erde hin. Nachdem sie sich -wieder erhoben, wurde der Rückweg nach Stommeln angetreten, wo unterdessen -noch zwei andere Dominikaner, nämlich Bruder Heinrich von Bedburg -(<span class="fmarkd">beitbur</span>) und sein Begleiter eingetroffen waren. Die Gesellschaft -speiste zu Abend und ging dann mit Christina in den Baumgarten, der an -das Speisezimmer anstieß. Auf die Bitte der Gesellschaft erklärte Petrus -die Stelle aus dem Hymnus von den hh. Jungfrauen: „<span class="fmarkd">Post te canentes -cursitant</span>, d. h. Sie folgten dir lobsingend nach.“ Darauf sprach er von -der Größe und Weite des Himmels und bezog sich auf die Schriftstelle „<span class="fmarkd">O -Israel, quam magna est domus Dei</span>, d. h. O Israel, wie groß ist Gottes -Haus“<a name='FA_33' id='FA_33' href='#FN_33' class='fnanchor'>[33]</a> und auf des Ptolomäus Darlegungen über den Lauf der Gestirne. -Während Petrus sprach, kam Christina in Verzückung. Als Petrus dies -bemerkte, hielt er inne. Etwa zwölf Personen, darunter mehrere Geistliche, -saßen im Kreise beisammen und beobachteten den Vorgang, der für manche -etwas neues war. Die Geistlichen nannten ihn Entzückung (<span class="fmarkd">raptus</span>). -Christina blieb in der Entzückung so ziemlich vom Untergange bis zum -Aufgange der Sonne. Die Brüder aber gingen am Morgen wieder nach Cöln -zurück. -</p> - -<p> -Zum Pfingstfeste kam Bruder Petrus mit Bruder Gerhard vom Greif zum -sechsten Besuche nach Stommeln. Am Pfingstmorgen empfing Christina nach -den übrigen Gläubigen während der h. Messe die h. Kommunion und begab -sich dann in den hinter dem Hochaltar befindlichen Raum, wo sie bis -lange nach der Komplet blieb. Sie lag dort in der bereits beschriebenen -Körperhaltung, wie sie bei den Cölner Beginen üblich war und die nicht -unähnlich ist jener durch Madernas Marmorbild verewigten Haltung, in der -Sankt Cäcilias Leichnam ins Grab gebettet wurde. Sie hatte das Gesicht -mit dem Schleier und die Hände mit dem Mantel bedeckt, war ohne alle -Empfindung gegenüber der Außenwelt und am ganzen Körper starr. Sie -<span class="pagenum"><a id="Page_58" name="Page_58" href="#Page_58">[58]</a></span> -war in Verzückung. Als nun die Vesper und im Anschluß an sie auch die Komplet -gesungen wurde, und der Psalm: „<span class="fmarkd">Ecce unc benedicite Dominum</span>, d. h. -Wohlan, nun preiset alle den Herrn“ angestimmt wurde, kam auf einmal vor -den Augen des Volkes ein in ein Täschchen gehülltes Buch von der westlich -im Turme befindlichen Eingangstüre durch die ganze Kirche geflogen, -prallte gegen die nach Morgen gelegene Chorwand deutlich vernehmbar an -und fiel dann mit Geräusch zu Füßen des Bruders Petrus nieder, der mit -seinem Begleiter Gerhard und dem Pfarrer im Chorgestühl saß. Die drei -meinten im ersten Augenblicke, die an der Südseite gegenübersitzenden -Schulknaben hätten das Geräusch verursacht. Doch da sahen sie das Buch -vor sich auf dem Boden liegen. Der Pfarrer erkannte es sofort wieder als -das Psalmenbuch, das von unsichtbarer Hand am Tage Pauli Bekehrung der -Christina entrissen worden war; denn er hatte es selbst geschrieben und -er kannte auch das Buchtäschchen. Er sprach zu Bruder Petrus, er möge -das Buch aufheben. Petrus tat dies und reichte es dann an Bruder Gerhard -vorbei dem Pfarrer. Dieser besah es und sagte dann in der Ausdrucksweise -des Landes: „Bei der Seele meines Vaters, das ist das Buch der Christina!“ -Die das Buch umhüllende Tasche war naß und übelriechend, wie wenn sie -in einer Kloake gelegen. Er zog das Buch aus dem Täschchen, wobei der -Aermelsaum seines Röckleins naß wurde, das Buch aber war ganz unverletzt -und wohl erhalten. Darüber wunderten sie sich. Ein gewisses Feuer der -Andacht durchzuckte die drei, sie sprachen den unterbrochenen Psalm bis -zu Ende und stimmten dann mit erhöhter Stimme den Hymnus der Komplet -„<span class="fmarkd">Veni creator spiritus</span>“, wie es damals nach Cölner Brauch üblich war, an -und sangen denselben so feierlich, daß die mit Menschen besetzte Kirche -sich darüber verwunderte. Nach der Komplet hielt dann Bruder Gerhard -eine Ansprache an das Volk und zeigte ihm auch das Psalmenbuch und das -Buchtäschchen. Christina aber lag währenddem noch immer in Verzückung. Von -den Leuten aber kam niemand auf den Gedanken, daß etwa irgend ein loser -Bursche das Buch in die Kirche hätte hineinwerfen können. Auch die Brüder, -die sich noch vier Tage in Stommeln aufhielten, sowie der Pfarrer konnten -nichts derartiges in Erfahrung bringen. Christina aber stieg seit jenem -Vorgange, der viel besprochen wurde, im Ansehen der Leute, die sagten: -<span class="pagenum"><a id="Page_59" name="Page_59" href="#Page_59">[59]</a></span> -„Nun haben auch wir einmal etwas von den wunderbaren Dingen Christinas -mit eigenen Augen gesehen.“ -</p> - -<p> -Im Dominikanerkloster zu Cöln befand sich in jener Zeit ein Bruder aus -der Provinz Toskana in Italien namens Aldebrandino (Hildebrand), der in -der Wissenschaft wohl gebildet und ein tüchtiger Prediger war. Auch er -hörte von Christina, und da er wußte, daß Bruder Petrus sie näher kannte, -ersuchte er ihn, mit ihm nach Stommeln zu gehen. Petrus war aber, wie er -bemerkt, auch mit den Einwohnern von Stommeln ziemlich bekannt, namentlich -aber mit der Herrin des Ortes, der Aebtissin Geva von St. Cäcilien in -Cöln, die eine Gräfin von Virneburg war. Am 22. Juli, einem Sonntage, dem -Feste der h. Maria Magdalena, gingen die beiden nach erhaltener Erlaubnis, -nicht aus Neugier, sondern aus Andacht nach Stommeln. Sie kamen dort -an zur Zeit der Vesper und gingen deshalb zunächst zur Kirche. Nach dem -Gottesdienste begrüßten sie ihre Freunde und gingen dann zu den Wohnungen, -die ihnen angeboten worden waren. Kurz nachher kam auch die Aebtissin Geva -mit ihren Mägden an. -</p> - -<p> -„Am andern Morgen,“ schreibt Petrus, „gingen wir zur Kirche, und da wir -mit der h. Messe warteten, bis die Aebtissin zur Kirche kam, ging ich in -der Zwischenzeit zu Christina, die in der Kirche war, begrüßte sie und -fragte sie, wie es ihr gehe. Sie antwortete: „Ich habe Kopfwehe, weil ich -seit vierzehn Tagen nicht mehr geschlafen habe. Wenn ich mich zu Bette -lege, so überfällt mich eine so große Hitze, wie wenn ich in siedendes -Wasser gelegt würde. Daher ist auch mein ganzer Körper mit Bläschen -bedeckt, die vor Hitze aufbrechen und so kann ich gar nicht schlafen.“ -Sie bat mich, ich möge für sie beten. Ich tröstete sie und ermahnte sie -zur Geduld. Darauf ging ich wieder ins Chor, hörte eine h. Messe, die -für die Verstorbenen gehalten wurde, und las dann selbst die h. Messe -von den Engeln. Denn Montags pflegte ich die h. Messe von den Engeln zu -lesen, wenn kein Hindernis entgegenstand. In der h. Messe gedachte ich -in besonderer Weise Christinas, wie sie mich gebeten und wie ich es ihr -versprochen hatte.“ Mittags wurde bei der Aebtissin im Fronhofe gespeist. -Nach der Vesper trafen noch zwei andere Studiengenossen des Bruders -Aldebrandino aus Cöln ein, nämlich Bruder Balduin aus Flandern und Bruder -Mauritius aus Reval. Abends -<span class="pagenum"><a id="Page_60" name="Page_60" href="#Page_60">[60]</a></span> -wurde wieder bei der Aebtissin gespeist. Dann -machte diese mit ihren Mägden und den adeligen Stiftsfräulein, deren -sechs da waren, einen Spaziergang ins Feld und auf ihren Wunsch gingen -die Brüder mit ihnen. Nach dem Spaziergange setzte sich die Aebtissin -auf einem Hügel vor ihrem Hofe auf einen Sitz, und die Brüder und die -Stiftsfräulein setzten sich um sie herum. Als man eine Weile hin und -her geredet hatte, sprach der Pfarrer zur Aebtissin: „Gnädige Frau, ihr -habt hier vier gelehrte Studenten des Predigerordens aus verschiedenen -Provinzen vor Euch. Saget ihnen, daß sie über irgendeine theologische -Frage eine Unterredung halten.“ Die Aebtissin ersuchte darauf den Petrus, -irgendeine Streitfrage zu behandeln. Petrus aber bat die Aebtissin, sie -möge auf ihrem Wunsche nicht bestehen, weil er befürchtete, es möchte, wie -gewöhnlich, zu hitzig hergehen. Sie aber ließ nicht nach, weil sie noch -nie einer gelehrten Disputation beigewohnt hatte und begierig war, eine -solche zu hören. Auf den Vorschlag des Pfarrers stellte sie die Frage zur -Verhandlung: „Wem unser Herr einen größern Vorzug verliehen, dem Petrus, -dem er seine Kirche, oder dem Johannes, dem er die glorreiche Jungfrau, -seine Mutter, anvertraut habe.“ Bruder Aldebrandino, der unter den Brüdern -der älteste war und im Erbteile des h. Petrus, dem Kirchenstaate, das -Licht der Welt erblickt hatte, übernahm es, die Würde des h. Petrus -zu vertreten, Bruder Petrus hingegen verteidigte die jungfräuliche -Reinheit des h. Johannes und seine vertraute Freundschaft mit Jesus. -Während nun Einwendungen und Lösungen von den Beiden vorgebracht wurden, -wobei die zwei Studiengenossen miteingriffen, kam plötzlich ein Mädchen -herzugelaufen und rief dem Pfarrer, er möge schleunigst kommen. „Wir -glaubten,“ sagt Petrus, „es handle sich um einen Kranken, der am Sterben -liege.“ Als aber der Pfarrer mit dem Mädchen gesprochen, rief er mir laut -zu, ich solle samt Aldebrandino schnell kommen; der Teufel habe Christina -in eine Grube voll Morast geworfen. Wir brachen die Disputation ab, liefen -so schnell wir konnten und fanden Christina ganz in schmutzigen Schlamm -versenkt. Nur ihr Kopf ragte noch hervor, den Hilla vom Berge aufrecht -hielt. Petrus, der zuerst angelangt war, sprang mit den Schuhen in den -Morast hinein und suchte mit Hilla, sie aus dem Schlamm herauszuziehen, -vermochte es aber nicht, bis der Pfarrer und -<span class="pagenum"><a id="Page_61" name="Page_61" href="#Page_61">[61]</a></span> -Aldebrandino zu Hülfe kamen. -Nunmehr wurde Christina, die nur mit ihrem langen, weißen Untergewande -bekleidet war und Kopf und Hals mit dem Schleier umwunden hatte, in den -auch ihre erhobenen Hände eingehüllt waren, herausgezogen, eine kleine -Weile aufs Stroh gelegt und dann ins Haus getragen. Die Mägde trugen sie, -Aldebrandino aber stützte den Kopf und Petrus die Schultern. Sie wurde -ins Bett gebracht und es fand sich, daß sie ganz empfindungslos war, -jedoch war der Körper nicht starr. Nach einer halben Stunde begann sie -wie aus einer Ohnmacht zu sich zu kommen, jedoch nicht stufenweise wie -beim Erwachen aus der Verzückung, und sie weinte bitterlich. Sie beklagte -sich beim Herrn darüber, daß Männerhände sie berührt und getragen hätten. -„Solch eine Beschämung sprach sie, ist für mich hart über alles; leicht -wäre es mir, alles zu erdulden, was du von mir verlangst, mag es auch noch -so unerträglich sein, wenn ich es nur vor dir allein zu leiden hätte.“ -Petrus wollte sie trösten, indem er bemerkte, daß nichts unziemliches -vorgekommen sei; sie aber wollte keinen Trost annehmen, pries aber Gottes -Fügung. Darauf kehrten die Brüder mit dem Pfarrer zu ihrer Wohnung zurück. -</p> - -<p> -Tags darauf, am Feste der h. Christina und Vorabend des h. Apostels -Jakobus, gingen die Brüder mit dem Pfarrer wieder zu Christina und -begrüßten sie. Sie wurden von Christina freundlich empfangen und begaben -sich dann zur Kirche, um die h. Messe zu lesen. Zuerst las Aldebrandino, -dann hielt Bruder Petrus am Altare des h. Apostels Petrus die Messe vom -h. Geiste und während er beim Memento Christinas gedachte, wurde seine -Seele von einer nie empfundenen süßen Freude erfüllt und Tränen strömten -ihm aus den Augen. Der Pfarrer brachte unterdessen Christina die h. -Kommunion. Nach Beendigung der hh. Messen drang Aldebrandino in Petrus, -er möge mit ihm zu Christina gehen, da er gehört hatte, daß sie nach -der h. Kommunion in Verzückung zu kommen pflege und ihr Leib dann starr -werde. Sie gingen hin, fanden Christina im Bette liegen, das Gesicht mit -dem Schleier und den Körper mit einer anständigen, aber ärmlichen Decke -bedeckt, und so regungslos, daß man nicht einmal das Atemholen bemerken -konnte. Aldebrandino trat näher ans Bett hin und berührte ihre Schulter. -Da er aber nichts von Starre bemerkte, wandte er sich voller Entrüstung zu -Petrus hin und rief in seiner -<span class="pagenum"><a id="Page_62" name="Page_62" href="#Page_62">[62]</a></span> -feurigen Art: „Bruder Petrus, Lüge ist es, -was man mir von diesem Mädchen gesagt hat, daß sie so tief in Verzückung -komme, daß ihr Leib hart werde.“ Petrus sagte ihm, er möge noch ein wenig -zuwarten; denn zwischen der Kommunion und der Starre pflege eine längere -Zeit zu verstreichen. Doch Aldebrandino ging aufgebracht weg und beklagte -sich, daß man ihn falsch berichtet habe. Das mißfiel dem Petrus sehr. -</p> - -<p> -Bei der Aebtissin wurde um drei Uhr — es war ja Fasttag — gespeist -und nach Tisch ersuchte Aldebrandino den Petrus, ihn zu Christina zu -begleiten. Petrus aber wollte nicht. Aldebrandino jedoch ließ nicht -nach mit Bitten, und so entschloß sich doch schließlich Petrus dazu, -mit ihm zu Christina zu gehen. Auch der Pfarrer ging mit. Christina lag -noch geradeso da, wie am Vormittage, das Gesicht zur Wand gerichtet. -Aldebrandino stellte sich zu Häupten des Bettes und beobachtete alles -genau. Da er nun kein Lebenszeichen mehr an ihr wahrnahm, auch kein -Atemholen mehr bemerken konnte, legte er noch einmal seine Hand auf ihre -Schulter und fand diese so starr, wie wenn der Tod eingetreten wäre. Die -Härte, die er wahrgenommen, brachte sein Herz zur Erweichung. Doch schwieg -er einstweilen still. Nachdem sie noch eine Weile schweigend dagesessen, -kam Christina in etwa zu sich, jedoch nicht so, daß sie mit den Sinnen -etwas wahrnahm, sondern bloß, daß sie atmete und der Körper sich etwas -regte. Da fügte es sich, daß sie den linken Arm ausstreckte, wobei die -Hand sich etwas öffnete. Als nun Aldebrandino, der scharf aufpaßte, in -der Handfläche das oben beschriebene purpurrote Kreuzchen erblickte, rief -er, von Rührung übermannt, laut aus: „Wehe mir Ungläubigen! daß ich es -jemals gewagt habe, wider eine solche Heiligkeit zu reden! Nie habe ich -so etwas gesehen, und keinem würde ich es glauben, wenn ich es nicht mit -eigenen Augen geschaut! Wehe mir! wie konnte ich so unsinnig sein, wider -eine solche Heiligkeit zu reden! Wahrlich, die ganze Welt vermag nicht, -ein solches Kreuz zu bilden!“ Während Aldebrandino dieses und ähnliches -aus Herzensdrang in großer Aufregung sprach, weinten alle vor Rührung. -Auch Aldebrandino weinte bis zur Vesper, machte bald sich selbst Vorwürfe, -pries bald Gottes Wunderwerke und ging einher wie trunken im Geiste. -Zur Vesperzeit gingen alle zur Kirche. Als sie am Fronhofe vorbeikamen, -trafen sie die Aebtissin an der Türe des Hauses sitzen. -<span class="pagenum"><a id="Page_63" name="Page_63" href="#Page_63">[63]</a></span> -Auf deren Frage, -ob sie Christina gesehen, sprach Bruder Aldebrandino: „Gottes herrliche -und wunderbare Werke haben wir heute geschaut. Nie hätte ich geglaubt, -daß solches zu unseren Zeiten geschehe.“ Und er erzählte dann den ganzen -Hergang. Am folgenden Tage, dem Feste des h. Jakobus, nahmen die Brüder -Abschied von der Aebtissin und sprachen dann, bevor sie den Rückweg nach -Cöln antraten, bei Christina vor. Sie war wieder im gewohnten, natürlichen -Lebenszustande. Petrus fragte sie unter anderm, wie es gekommen, daß -sie in den Schlamm geraten sei. Da erzählte sie Folgendes: „Am Tage vor -dem Feste der h. Christina ergriff mich, als du weggegangen, ein solcher -Schauer und eine solche Angst, daß ich nicht wußte, was mit mir vorging. -Um diese Beklemmung in etwa zu mildern, legte ich mein Obergewand ab und -machte die Betten meiner Mitschwestern zurecht. Als ich das getan und auch -so meine Beklemmung nicht gewichen, ging ich aus dem Kämmerlein, worin ich -mich mit meinen Mitschwestern befand, hinaus und kniete nieder vor einer -Kiste, die im größern Hause stand, jedoch nahe an der Türe des Gemaches, -aus dem ich herausgekommen war. Während ich nun zu Gott betete, er möge -meine Trübsal mildern oder mir Geduld verleihen, sie zu ertragen, kam -es mir plötzlich vor, als komme durch die große, nach Morgen befindliche -Türe des größern Hauses eine schauerige, schwarze Wolke herangezogen, und -umhülle meinen Kopf. Was nun noch weiter mit mir geschehen ist, davon weiß -ich nichts, bis ich mich im Bette liegend gefunden habe.“ -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi09" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Neuntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Achter, neunter und zehnter Besuch des Petrus zu Allerheiligen, im Advent -und zu Weihnachten 1268. — Seelenjubel, Besudelung. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_64" name="Page_64" href="#Page_64">[64]</a></span> -Zu Allerheiligen lud der Pfarrer von Stommeln den Bruder Petrus und den -Bruder Aldebrandino ein, herüberzukommen. Schon tags vorher in der Frühe -machten sich die Beiden auf den Weg und kamen noch vor der Messe in -Stommeln an. Als sie zu Tische gerufen wurden, fragte Aldebrandino, wo -Christina sei. Man antwortete ihm, sie sei deshalb nicht gekommen, weil -sie der Andacht und dem Gebete obliege, da sie am folgenden Tage zur h. -Kommunion gehen wolle. Diese Entschuldigung gefiel dem Aldebrandino sehr -wohl. Am Allerheiligentage empfing Christina während der h. Messe nach -den übrigen die h. Kommunion und ging dann ihrer Gepflogenheit gemäß auf -ihr stilles Plätzchen hinter dem Hochaltar, wo sie sich zur Danksagung -in gewohnter Weise hinstreckte und bis lange nach der Komplet verblieb. -Nach der Non wurde die Kirche geschlossen. Als die beiden Brüder mit -dem Pfarrer zu Mittag gespeist, gingen sie mit diesem zur Kirche, um -sich dort an Christina zu erbauen. Sie konnten jedoch nicht eintreten, -weil der Küster mit dem Schlüssel nicht zur Hand war. Während sie wohl -eine Stunde lang vor der Kirche warteten, vernahmen sie in der Kirche -eine gar liebliche Stimme, die zwar dem Petrus als eine menschliche -erschien, jedoch der Melodie nach und, was Schmelz und Zartheit anbelangt, -menschliche Singweise übertraf. Man hörte deutlich, daß es nur eine -Stimme war und daß die Töne, die süß wie Honigseim dahinflossen, sich -zu einer Melodie zusammenschlossen, ohne daß jedoch artikulierte Worte -damit verbunden waren. Als der Küster endlich gekommen war und die Kirche -aufgeschlossen hatte, gingen -<span class="pagenum"><a id="Page_65" name="Page_65" href="#Page_65">[65]</a></span> -die drei hinein und fanden dort niemanden -als Christina. Sie lag noch an derselben Stelle, war empfindungslos und -starr am ganzen Körper und hatte das Gesicht mit dem Mantel bedeckt. -Der unterdessen verstummte Seelenjubel wurde nach einer Weile wieder -vernehmbar und die drei beobachteten, daß er aus Christinas Brust herkam. -In diesem Zustande blieb Christina bis zum Abendgottesdienste. -</p> - -<div id="Fabb_05" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb05.jpg' - alt='5. Handschuhe und Buchtäschchen Christinas.' - /> -<p class='caption'>5. Handschuhe und Buchtäschchen Christinas.</p> -</div> - -<div id="Fabb_06" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb06.jpg' - alt='6. Gebetstäfelchen Christinas.' - /> -<p class='caption'>6. Gebetstäfelchen Christinas.</p> -</div> - -<p class="break"> -Tags darauf, am Allerseelentage, kam es durch die Mutter und eine -der beiden Schwestern des Pfarrers, jedenfalls Hadewig, zu einer sehr -aufgeregten Szene gegen Christina. Die beiden Dominikaner erachteten es -infolgedessen für ratsam, daß Christina auf einige Zeit nach Cöln gehe, -bis die Erbitterung sich gelegt. Dies geschah auch. Was die Veranlassung -zur Erregung gab, wird von Petrus nicht angegeben, ist aber unschwer -zu erraten. Der Sturm spielte sich im Pfarrhause ab. Der Pfarrer war -nicht wohlhabend. In seinem Hause sah es ärmlich aus. Er hatte seine -alte Mutter und zwei Schwestern bei sich, zudem wird seine Wohltätigkeit -gerühmt. Es ist daher begreiflich, daß es schwer wurde, die Auslagen des -Haushaltes zu bestreiten. Das mehrtägige Verweilen der beiden Dominikaner -im Pfarrhause nun wird wegen der damit verbundenen Unkosten die besorgte -alte Frau aufgebracht haben und die Schuld hiervon schob sie in ihrem -Unmut Christina zu. Hiermit stimmt auch, daß Petrus bei seinem nächsten -Besuche, der im Advent stattfand, nicht im Pfarrhause einkehrte und daß -er sich dreimal bitten ließ, ehe er der durch Christinas Eltern erfolgten -Einladung Folge gab. Die Mutter des Pfarrers scheint sogar soweit sich -vergessen zu haben, daß sie ihren eigenen Sohn verdächtigte. Denn gegen -Ende des Jahres 1269 schreibt Bruder Mauritius dem Petrus, die Mutter des -Pfarrers und seine Schwester, die wegen des Vorfalles mit dem Pfarrer -zerfallen waren, hätten sich mit ihm wieder ausgesöhnt und die übeln -Nachreden, die sie über ihn und andere geführt, als Verleumdungen, -zu denen der Teufel sie aufgestachelt habe, widerrufen und zwar bei -denjenigen, vor denen sie dieselben vorgebracht.<a name='FA_34' id='FA_34' href='#FN_34' class='fnanchor'>[34]</a> Nach dem Tode -des Pfarrers jedoch hat seine Mutter nochmals Vorwürfe gegen Christina -erhoben, als ob diese daran Schuld -<span class="pagenum"><a id="Page_66" name="Page_66" href="#Page_66">[66]</a></span> -gewesen, daß der Pfarrer keine größere -Barschaft hinterlassen hatte.<a name='FA_35' id='FA_35' href='#FN_35' class='fnanchor'>[35]</a> -</p> - -<p> -Mit den Seligen des Himmels hatte Christina am Allerheiligenfeste in der -Verzückung gejubelt. In den finsteren, langen Nächten des Adventes sollte -sie die tiefste Verdemütigung erdulden, die mit Gottes Zulassung Satan ihr -zufügen konnte. Satan, den der Herr als unreinen Geist bezeichnet, hat -sein Behagen am Schmutz jeglicher Art. Im Lande der Gerasener erbat er -sich, als er vom Herrn aus dem Menschen ausgetrieben war, als besondere -Vergünstigung die Erlaubnis, in die unsaubersten aller Tiere, in die -Schweine, fahren zu dürfen. Besudelung des Menschen, der nach Gottes -Ebenbild geschaffen ist, verursacht ihm besonderes Behagen. Er ist es, -der die Juden antrieb, das Antlitz unseres Heilandes in der Leidensnacht -mit unflätigem Auswurf zu besudeln. Ist er es nicht, der jene verwegenen -Diebe, die in Kirchen einbrechen, um die hh. Gefäße oder die Opfergaben -der Gläubigen zu rauben, antreibt, dabei das Heiligtum in ekelhafter -Weise zu besudeln, wie es auffälliger Weise auch heutzutage fast bei -jedem Kirchendiebstahl festgestellt werden kann? Er hat auch Christina in -den Nächten des Adventes des Jahres 1268 in der ekelhaftesten Weise mit -Unrat besudelt. Hören wir den Bericht des Petrus, den wir jedoch, weil -er allzu umständlich ist, in Kürze wiedergeben: „Kurz vor dem Advent, -schreibt Petrus, kam Christinas Vater zu mir nach Cöln, ließ mich ins -Kapitelhaus der Brüder rufen und sprach: „Christina, deine Tochter, läßt -dich grüßen.“ Er machte den Eindruck der größten Niedergeschlagenheit. -Ich antwortete ihm: „Rede nicht also; denn sie hat dich ja zum Vater.“ -„Freilich, erwiderte er. Doch wenn du inniges Mitleiden mit uns hast, so -komme uns besuchen; denn wir sind in Gefahr. Ein gar starker Feind ist -bei uns angekommen, dessen Wut unsere Habe nicht nur, sondern auch unser -Leben gefährdet.“ Diese Worte bewogen mich zum Mitleide, das ich jedoch -zu verbergen suchte; denn ich wußte, daß er an schwere Plagen gewohnt -war und um einer Kleinigkeit willen nicht zu mir würde gekommen sein. -Doch entließ ich ihn mit den Worten: „Gehe in Gottes Namen, der Herr -möge euch trösten.“ Traurig ging er weg, kam aber nach acht Tagen wieder -und wiederholte mit noch größerer -<span class="pagenum"><a id="Page_67" name="Page_67" href="#Page_67">[67]</a></span> -Betrübnis seine Einladung. Ich entließ -ihn wie früher und betrübt schied er von dannen. Nach sechs Tagen kam er -abermals, suchte lange nach mir, und, nachdem er mich endlich gefunden, -sprach er wehmütig: „Meine Tochter bittet dich bei der Liebe, die du im -Herrn zu ihr trägst, zu ihr zu kommen. Auch ich und ihre Mutter bitten -inständigst darum, wenn du nicht willst, daß der Teufel unser ganzes -Anwesen durch Feuer zerstört.“ Diese Worte und noch mehr der rührende -Ausdruck, womit sie gesprochen wurden, machten Eindruck auf Bruder Petrus. -„Wenn ich Erlaubnis erhalte, so sprach er, will ich euch gerne besuchen.“ -Auf diese Antwort schöpfte der Mann etwas Mut und entfernte sich. Petrus -machte dem Bruder Aldebrandino Mitteilung von der Bitte des Vaters der -Christina. Dieser erbat und hielt denn auch für sich und Petrus vom Prior -Hermann von Havelbrecht die Erlaubnis zur Reise nach Stommeln. Da aber für -Aldebrandino Hinderung eintrat, so erhielt Petrus zum Reisegefährten den -Bruder Wipert von Böhmen aus der polnischen Ordensprovinz. Am Donnerstage -in der zweiten Adventswoche gingen die Beiden nach Stommeln. Es regnete -und die Wege waren stark aufgeweicht. Erst spät am Abend kamen sie recht -müde, wenn auch fröhlichen Herzens, in Stommeln an und gingen ins Haus, -wo Christina war, bei der sie den Prior Gotfrid der Abtei Brauweiler -nebst dem P. Leonius, dem Kellermeister (<span class="fmarkd">cellerarius</span>) derselben Abtei, -sowie den Pfarrer Johannes von Stommeln vorfanden. Christina saß im -Bette; denn sie konnte nicht liegen wegen der Plagen, die sie unablässig -zu erdulden hatte. „Wir grüßten sie, schreibt Petrus, und alle, die bei -ihr waren, und gingen dann wieder hinaus, um an dem Feuer, das vor der -Türe des Kämmerleins brannte, unsere Kleider zu trocknen. Da wir nun so -dasaßen und der Kellermeister, der sich zu uns gesetzt hatte, seinen mit -dem Stiefel bekleideten Fuß zum Feuer hin ausstreckte, flog auf einmal -vor unser aller Augen Kot auf den Stiefel des Kellermeisters. Darüber -erstaunten wir, die wir eben angekommen waren und noch nicht wußten, was -hier vorging. Der Kellermeister aber, der ein beherzter Mann war, sagte -zu uns: „Brüder, wir müssen uns an solche Dinge gewöhnen.“ Kurz darauf -hörten wir, daß auch jene im Kämmerlein miteinander Klagereden führten. -Und als wir nach der Ursache fragten, vernahmen wir, daß der Teufel, wie -er schon die ganze Adventszeit -<span class="pagenum"><a id="Page_68" name="Page_68" href="#Page_68">[68]</a></span> -hindurch getan, Christina eben besudelt -habe. Auf diese unerwartete Nachricht standen wir alle, die draußen -waren, auf, gingen hinein und fanden es so, wie man uns gesagt hatte. Ich -stellte mich nun nahe vor das Bett Christinas, der Prior aber zu Häupten -des Bettes, nämlich nach Osten, der Kellermeister zu Füßen, nach Westen, -der Pfarrer neben mich nach Norden. Die Wand, an der das Bett stand, war -nach Süden. So war das Bett gut mit Wächtern umstellt. Da geschah es nun -unter unsern Augen, daß Christina nach meiner Zählung mehr als zwanzigmal -auf verschiedene Weise am Gesichte, unter dem Schleier am Kopfe, und an -sonstigen Stellen des Körpers besudelt wurde. Mit Sonnenaufgang hörte -diese Plage auf. Der Prior kehrte mit dem Kellermeister nach Brauweiler -zurück und ich ging mit meinem Gefährten zur Kirche, um die h. Messe -zu lesen. Der Tag ging vorüber, ohne daß äußerlich eine Plage oder -Belästigung zu bemerken war. Als aber die Sonne untergegangen war, und -die Nacht mit ihrer Finsternis gekommen, da kehrte auch der Geist der -Finsternis zurück und besudelte Christina in der gleichen Weise wie in -der vorhergegangenen Nacht. Gegen Mitternacht fragte ich Christina, ob -sie den Teufel sehe, dessen unsaubere Werke wir alle wahrnahmen. Sie -antwortete bescheiden: „Ich sehe den Teufel immerfort, wenn ich auch -meine Augen schließe oder sie mit dem Schleier verhülle.“ Ich fragte sie -weiter: „Wie sieht er denn aus?“ Sie erwiderte: „Es ist unmöglich, zu -beschreiben, wie vielfach und verschiedenartig die Gestaltungen sind, -die er annimmt. Augenblicklich sehe ich nur ein scheußliches Gesicht, -das einem menschlichen ähnlich sieht, nur daß es zwei Hörner hat.“ „Wo -siehst du ihn denn?“ fragte ich weiter. „Dort, sprach sie, zwischen den -beiden Mädchen“ und zeigte mit der Hand nach der nördlichen Seite, wo -Hilla vom Berge und Gertrud, des Pfarrers Schwester, saßen, die, als -sie das hörten, erschraken und voneinander abrückten. Ich aber fragte -Christina, ob der Teufel sich nicht entfernen würde, wenn wir das Zimmer -mit Weihwasser besprengten. Sie sagte, er würde freilich fliehen, aber -auch sogleich und zwar im selben Augenblicke wieder zurückkehren. Beim -Anbruche des Morgens hörten die Besudelungen auf. Als nun die dritte Nacht -kam, die Nacht vor dem dritten Adventssonntage, kam der Teufel wieder -und quälte und besudelte Christina wie in den vorhergegangenen Nächten. -Ich saß -<span class="pagenum"><a id="Page_69" name="Page_69" href="#Page_69">[69]</a></span> -zu Häupten des Bettes, Bruder Wipert am Fußende und der Pfarrer -vor dem Bette. Während wir miteinander sprachen, hörten wir alle ein -Geräusch, das unter der Bank herkam, auf der Wipert saß. Das Geräusch -war ähnlich so, wie wenn Eiweiß zu Schaum geschlagen wird. Bruder Wipert -nahm seinen Rohrstock, den er aus Toskana mitgebracht hatte — er war -nämlich erst vor Kurzem vom päpstlichen Hofe hergekommen — und stieß -mit der Pike des Stockes heftig und öfters nacheinander unter die Bank, -indem er sprach: „Nichtswürdiger Dämon, ich will dir die Augen ausstoßen.“ -Das Getöse jedoch ließ nicht nach. Da sprach Bruder Wipert zum Pfarrer: -„Teuerster, weißt du keine Beschwörungen, mit denen dieser böse Feind -hier ausgetrieben werden kann?“ Dieser erwiderte: „Ich weiß wenigstens -jene Beschwörung auswendig, die über die Täuflinge gesprochen wird. „<span class="fmarkd">Ergo -maledicte diabole recognosce sententiam tuam</span>“ u. s. w. Da sprach Wipert: -„Sage sie mir vor, so will ich sie dir nachsprechen in der Meinung, daß -wir diesen unreinen Geist verscheuchen.“ Da sie so miteinander überlegten, -sprach Christina zu mir: „Worüber sprechen jene? Was haben sie vor?“ Ich -antwortete: „Sie wollen den Teufel beschwören, daß er weichen soll.“ Sie -erwiderte: „Saget ihnen, sie sollten sich gegen Gottes Zulassungen keine -vergebliche Mühe machen; denn ich muß dieses erdulden, so lange Gott -will.“ Bruder Wipert hörte das, blieb aber nichtsdestoweniger bei seinem -Vorhaben. Als die Beiden mit der Beschwörung nahezu ans Ende gekommen, -entstand ein starker und furchtbarer Knall im Kämmerlein, wie wenn eine -mit Luft gefüllte Blase zerplatzt wäre. Im selben Augenblicke erlosch die -Lampe, die zwei Ellen hoch über mir stand. Wipert sprang vor Schrecken auf -und wollte hinausgehen. Doch mitten im Zimmer kam der Teufel auf ihn zu, -versetzte ihm einen Schlag aufs Auge und übergoß ihn mit Unrat. Wipert -schrie: „Wehe mir, ich habe ein Auge verloren.“ Dem war jedoch nicht -so. — Und er lief aus dem Kämmerlein hinaus ans Feuer, wo warmes Wasser -stand, um sich zu reinigen. Unter diesen und ähnlichen Quälereien ging -diese peinliche Nacht vorüber. Bei Tagesanbruch beteten wir die Mette und -darnach die Prim im Kämmerlein bei Christina. Als wir geendigt, sprach -ich zu Christina: „Gedenkst du heute die h. Kommunion zu empfangen, wie -du gestern es mir gesagt?“ — -<span class="pagenum"><a id="Page_70" name="Page_70" href="#Page_70">[70]</a></span> -„Ja,“ erwiderte sie. „Nun denn, sprach ich -zu ihr, so hüte dein Herz mit aller Sorgfalt, daß du an nichts anderes -denkst als an Jesus, den du empfangen willst.“ Sie erwiderte: „Es würde -mir schwerfallen, an etwas anderes zu denken.“ Darauf gingen wir zur -Kirche. Wir beide Brüder lasen die h. Messe und währenddessen trug der -Pfarrer Christina die h. Kommunion. Mittags speisten wir beim Pfarrer und -gingen dann, bevor wir die Rückreise nach Cöln antraten, zu Christina. -O wie hatte die Hand des Herrn hier alles umgewandelt! Es herrschte der -lieblichste Wohlgeruch statt des abscheulichen Gestankes, die süßeste -Ruhe statt Mühsal und Schmerz, Lob und Jubel statt Betrübnis und Angst, -Anstand und Sauberkeit statt ekelhaften Schmutzes. Im Kämmerlein trafen -wir Hilla vom Berge, Hilla, Christinas Schwester, Hilla von Ingendorf und -Gertrud, des Pfarrers Schwester. Sie waren die Zeugen unserer Betrübnis -gewesen, sie waren nun auch die Zeugen unserer Tröstung. Christina war in -Verzückung, ohne jegliche Regung und Empfindung. Alle sahen mit Erbauung -das Zeichen des Kreuzes in der linken Hand der Jungfrau. Es war ein -dreifaches Kreuz, da der Querbalken des Hauptkreuzes an beiden Enden in -ein kleineres Kreuz ausmündete. Die Brüder schieden von dannen; Christina -aber, entrückt wie sie war, wurde nichts von ihrem Abschiede gewahr. -</p> - -<p> -Weihnachten fiel im Jahre 1268 auf den Dienstag. Am vorhergehenden -Sonntage, dem vierten des Adventes, reiste Bruder Gerhard vom Greif, -dem der Prior Hermann den Bruder Petrus als Begleiter zugesellt hatte, -nach Stommeln. Im Hause Christinas angelangt, legten sie ihre vom Regen -durchnäßten Oberkleider ab und gaben sie denen, die am Feuer waren, zum -Trocknen. Dann traten sie ein ins Kämmerlein Christinas, woselbst sie -unter anderen den Johannes von Muffendorf mit seinem Gefährten sowie den -Pfarrer von Stommeln antrafen. Nach der Begrüßung der Anwesenden fügte -Bruder Gerhard scherzhaft die Worte hinzu: „Herr Teufel, mich darfst du -nicht besudeln; denn ich bin dein Freund.“ „Wenn du des Teufels Freund -bist, entgegnete Petrus, so bin ich dein und sein Feind.“ Gerhard nahm -nun Platz zu Füßen des Bettes, in dem Christina saß, Petrus aber zu -dessen Häupten nahe bei der Tür. „Da wir nun so saßen, schreibt Petrus, -kam plötzlich aus einem Winkel, worin niemand war, eine -<span class="pagenum"><a id="Page_71" name="Page_71" href="#Page_71">[71]</a></span> -schmutzige Flüssigkeit, wie aus einem Becken gegossen, auf mich zugeflogen und -benetzte meine rechte Schulter sowie auch die ganze Türe neben mir. Nach -dem Essen stand Bruder Gerhard auf und wollte zum Feuer gehen, das vor -der Zimmertüre brannte. Doch mitten im Zimmer noch wurde er mit seinem -neuen weißen Skapulier, das er tags vorher zuerst angelegt hatte, vom -Teufel mit Unrat übergossen. Daß der Teufel seinen angeblichen Freund -so übel zugerichtet hatte, machte einigen Freude. Der Teufel überbot -in der kommenden Nacht nicht bloß alles, was er bisher an Besudelung -geleistet, sondern brannte auch Christina, wie er es bereits in den -sechs vorangegangenen Nächten getan hatte, mit einem glühenden Stein. Um -Mitternacht nämlich, da ich neben Christina saß und sie tröstete, begann -sie plötzlich sich zu krümmen und zu zittern und es brach ihr der Schweiß -aus. „Was ist geschehen?“ fragte ich, „woher diese Angst und dieser -Schweiß?“ — „Wundere dich nicht,“ antwortete Christina, „hier vor meinen -und deinen Augen sehe ich einen schrecklichen Dämon stehen, mit einem -glühenden Steine in den Händen und er droht mir, mich damit zu brennen.“ -Ich tröstete sie, soweit ich konnte, und ermahnte sie zur Geduld. Nach -einer Weile legte der Teufel wirklich einen faustdicken, glühenden Stein -auf ihre linke Seite unter die Kleider und drückte ihn so stark ins -Fleisch hinein, daß er darin unbeweglich festsaß, wie wenn er mit dem -Körper zusammengewachsen gewesen wäre. Alle Anwesenden haben den Stein -gesehen und mit den Händen berührt. Nach geraumer Zeit nahm der Teufel -den Stein unter ihren Händen weg und legte ihn auf Christinas Schulter, -wo er bis zum ersten Hahnenschrei liegen blieb. Dann schwand diese Plage. -</p> - -<p> -Da es nun Morgen geworden und der Teufel wußte, daß er nur noch kurze Zeit -habe, begann er noch heftiger zu wüten als bisher und auch sein Unwesen -der Besudelungen fortzusetzen. Wir fürchteten deshalb, Christina allein zu -lassen; denn, wenn ein Priester ihr beistand, wütete er nicht so sehr. Wir -sprachen uns also ab, daß Bruder Johannes und sein Begleiter zur Kirche -gehen sollten, um die Leute Beichte zu hören und sonst auszuhelfen, — -es war tags vor Weihnachten — Bruder Gerhard aber und ich bei Christina -bleiben sollten. Den ganzen Vormittag dauerten die Besudelungen. Es nahte -schon bald die Mittagszeit und die Brüder waren noch nicht aus -<span class="pagenum"><a id="Page_72" name="Page_72" href="#Page_72">[72]</a></span> -der Kirche -zurückgekommen. Wir hatten uns schon darauf gefaßt, auf die h. Messe zu -verzichten und beteten die Tagzeiten von der allerseligsten Jungfrau, -die beginnen mit den Worten: <span class="fmarkd">Rorate caeli desuper</span>. Als wir an das -Evangelium: <span class="fmarkd">Missus est</span> gekommen waren, kniete ich mit beiden Knien auf -die Erde nieder und legte beide Hände auf das Haupt Christinas, damit die -Kraft der heiligen Worte auf sie mehr einwirken möchte. Kaum war ich mit -dem Evangelium zu Ende und siehe da, der Geist der Unlauterkeit brachte -unter meinen Händen über Christinas Haupt zwischen Kopf und Schleier eine -dichte Schicht des häßlichsten Unrates. Endlich kam der Pfarrer aus der -Kirche zu uns und sagte, die Brüder würden bald zurückkommen. In dieser -Erwartung gingen wir dann zur Kirche, um die h. Messe zu lesen und waren -froh, bei Christina zu ihrem Troste einen Priester zurücklassen zu können. -Auf dem Wege begegnete uns Bruder Johannes mit seinem Gefährten und fragte -uns, wie es mit Christina stehe. „Sehr schlimm,“ sagten wir. Da sprach -er, heftig bewegt: „Laßt uns hingehen, um mit dem Teufel zu kämpfen,“ und -raschen Schrittes ging er weiter. Wir aber gingen zur Kirche, hielten die -h. Messe, und da während derselben auch der Pfarrer wiedergekommen war, -schlossen wir, nach Landesbrauch an die h. Messe unmittelbar die Vesper -an.<a name='FA_36' id='FA_36' href='#FN_36' class='fnanchor'>[36]</a> -</p> - -<p> -Während wir in der Kirche waren, trug sich in Christinas Hause etwas -eigenartig Grausiges zu. Bruder Johannes und sein Begleiter, Hilla vom -Berge und Gertrud, des Pfarrers Schwester, die zugegen waren, haben es -uns nachher erzählt. Jener böse Feind, der Gott selbst hatte gleich sein -wollen, vermaß sich in seiner Frechheit, Christinas Bett zu durchwühlen -und zu erschüttern und dabei Worte der Gotteslästerung zu singen. Er -sang in wohlgesetzter Melodie, und die Worte waren rythmisch geordnet und -endeten in Reimbildung. So sang er in hohem Tone: „Wo ist nun dein Gott? -Wo ist dein Gott?“ Oefter und mit Zwischenpausen wiederholte er diese -Frage und sang dann auch die Antwort: „Ich bin dein Gott. Ich bin dein -Gott.“ Nachdem er diesen gotteslästerlichen Gesang mehrfach wiederholt -hatte, fügte er hinzu: „Jetzt wenigstens erkenne, daß ich dein Gott bin; -denn ich habe Macht, mit dir zu tun, was -<span class="pagenum"><a id="Page_73" name="Page_73" href="#Page_73">[73]</a></span> -mir beliebt.“ Dann beschimpfte -er die Diener Gottes und sprach: „Wo sind die geschorenen Narren, die -bei dir waren? Ich werde sie jetzt so zurichten, daß sie sich nicht mehr -unterstehen, zu dir zu kommen.“ Da sprach endlich Christina, entsetzt -über die dem Namen Gottes zugefügte Beleidigung, mit erhobener Stimme, so -daß alle, die da saßen, es hörten: „Ich beschwöre dich, Dämon, in Kraft -des Leidens unseres Herrn Jesus Christus, daß du die Wahrheit dessen -beweisest, was du gesagt hast.“ Da änderte Satan seine stolze Sprache, -er ließ ab vom Singen, Versemachen und Reimbilden und gleich einem -abgelebten Greise begann er mit zitternder, schwacher Stimme die Wahrheit -zu bekennen und sprach: „Wahrhaftig, alles ist gelogen, was ich gesagt -habe; ich bin nicht Gott. Ich habe keinen Teil an seiner Wesenheit, und -die Teilnahme an seiner Seligkeit habe ich mit Recht für immer verloren. -Es ist mir aber von ihm gestattet worden, meine Bosheit an dir auslassen -zu können, und das habe ich mit Eifer getan. Ueber das, was er mir erlaubt -hat, bin ich aber weder hinausgegangen noch darunter zurückgeblieben. -Und weil du mich in Kraft des Leidens des Herrn beschworen hast, muß ich -die Wahrheit bekennen. Da ich dir so viel Qual und Schmach angetan habe -und dich dennoch nicht zu besiegen vermochte, so bin ich gewiß, daß mir -das hundertfach auf ewig wird heimgezahlt werden mit dem unaufhörlichen -Spotte meiner Genossen. Als Feigling werden sie mich verhöhnen, da ich -ein einziges Mädchen nicht zu überwinden vermochte.“ Nachdem er dieses -und ähnliches gesagt, verschwand er mit einem starken Knalle. -</p> - -<p> -In der h. Weihnacht, als die Mette und die erste h. Messe vorüber waren, -ging der Pfarrer zu Christina und reichte ihr die h. Kommunion. Bei -Anbruch des Tages ging Bruder Johannes zu Christina und ich folgte ihm. -Wir fanden Christina in Verzückung, im Bette liegend und ganz starr. -In diesem Zustande blieb sie den Weihnachtstag hindurch bis tief in die -folgende Nacht. An den übrigen Festtagen speisten wir mit ihr und nahmen -dabei mehrere Zeichen ihrer himmlischen Tröstung und inneren Liebe wahr, -woraus wir schlossen, daß nach der Fülle der Leiden, die sie erduldet, -nun auch Gottes Tröstungen ihre Seele erfreuten. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi10" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Zehntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Fastenzeit des Jahres 1269. Sinnliche Versuchung. Elfter und zwölfter -Besuch des Petrus. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_74" name="Page_74" href="#Page_74">[74]</a></span> -Im Advent hatte der Teufel Christina äußerlich mit Unrat besudelt. -Darauf suchte er in der Fastenzeit ihre jungfräulichreine Gesinnung durch -sinnliche Versuchungen und Vorführung unsauberen Blendwerks zu beleidigen. -Dem Berichte des Pfarrers Johannes entnehmen wir Folgendes: Der Teufel -erschien ihr und sprach: „Schau! Du hast ein ganz elendes und mühseliges -Leben; du siehst, daß du Tag und Nacht keine Ruhe hast. Die aber in der -Welt leben, haben sehr vergnügte Tage im Familienleben. Auch sind viele -unter ihnen sehr reich. Wenn du deiner jetzigen Lebensweise entsagen -wolltest und leben wie Weltleute, so würde ich dich reich machen und -dein Leben verlängern, so lange du willst.“ Christina antwortete ihm: -„Verfluchter, du lügst. Für Gott ist mir keine Mühe zu viel, und was -du versprichst, vermagst du nicht zu halten.“ Darauf der Teufel: „Die -Ordensleute, die Geistlichen und alle Enthaltsamen sind betrogen; ihre -Lebensweise ist Ketzerei. Denn Gott hat von Anbeginn es so angeordnet, -daß alle Menschen im Ehestande leben sollen. Wenn auch du das befolgen -würdest, könntest du leicht und eher selig werden.“ Um diesen Versuchungen -mehr Reiz zu geben, begleitete der Teufel sie mit allerhand unlauterem -Blendwerk. — Wochenlang quälte er so Christina, vermochte jedoch nicht -ihren Sinn zu beugen. Da sprach der Teufel: „Weil du mir nicht folgst, so -wisse, daß ich dich beschämt machen werde vor aller Welt. In der Kirche -werde ich einen kleinen Knaben vor dich hinstellen und ausrufen, daß -er von dir sei.“ Diese Drohung quälte Christina fürchterlich. Wenn sie -in der Kirche war und zur h. Kommunion gehen wollte, so kam es ihr vor, -als ob die Leute sich zuflüsterten: -<span class="pagenum"><a id="Page_75" name="Page_75" href="#Page_75">[75]</a></span> -„Schauet da die elende Heuchlerin, -wie sie die Menschen betrogen hat. Jetzt kommen ihre Betrügereien an -den Tag; sie hat ja ein Kind geboren.“ Lange Zeit kämpfte Christina mit -dieser Angst und wagte es nicht, zum Tische des Herrn zu gehen. Endlich -überwand sie diese Angst, indem sie also bei sich dachte: „Möge man -immerhin rufen; Gott weiß, daß du unschuldig bist.“ Darauf hatte sie in -der Nacht folgendes Traumgesicht: „Geliebter, so glaubte sie zu sprechen, -habe Mitleiden mit mir in dieser neuen Angst und nimm diese Versuchung -von mir.“ Da antwortete alsbald eine Stimme: „Vielgeliebte Tochter, habe -Geduld; deine Pein wird heute ein Ende haben und dein Bräutigam wird dir -für die ausgestandene Angst den gleichen Lohn geben, als ob du wirklich -die Beschämung erduldet hättest.“ Da sprach sie: „Gepriesen seist du, o -Süßester; ich bin elend, reich aber ist deine Huld.“ Als sie erwachte, -war alle Versuchung verschwunden. Sie ging am Morgen zur h. Kommunion und -wurde mit solcher Wonne erquickt, daß sie drei Tage lang weder aß noch -trank und kein Wort reden konnte. -</p> - -<p> -Dann kam der Teufel mit einer andern Versuchung: „Was führst du doch, -sprach er, jetzt für ein Leben? Früher betetest du viel, übtest dich -fleißig im Stillschweigen, fastetest, stets warst du allein und konntest -den Umgang mit Mannsleuten nicht leiden; jetzt aber gehst du gar zu -vertraulich mit ihnen um, mit Ordensbrüdern und andern plauderst du in -der Kirche, und außer der Kirche bist du träge. Auf diese Weise wirst -du nicht ins Himmelreich kommen können; so gemächlich geht es nicht.“ -Wieder ein anderes Mal, als sie im Gebete die Nacht durchwachte, wie sie -es zu tun pflegte, wenn sie zum Tische des Herrn gehen wollte, kam jener -alte Bösewicht und sprach gar gelind, wie wenn es ein Engel vom Himmel -gewesen: „Teuerste, du hast vor, zur Kommunion zu gehen. Tue das nicht -um dreier Ursachen willen. Erstens wird die Hostie zur Erde fallen, wenn -der Priester sie dir in den Mund legt, und das wird eine große Störung -verursachen. Zweitens mußt du auch billig erkennen, daß du eine Sünderin -bist und deshalb gänzlich unwürdig. Drittens weiß der Pfarrer dieses auch -und ist deshalb in übler Stimmung.“ Christina wähnte, ein Engel rede zu -ihr, hatte aber doch Zweifel und deshalb bat sie den Herrn, er möge ihr -kundtun, ob diese Stimme von ihm oder von einem andern sei. Da entstand -ein gewaltiges Gepolter und alles -<span class="pagenum"><a id="Page_76" name="Page_76" href="#Page_76">[76]</a></span> -war vorbei. Morgens ging sie zur Kirche, -wagte aber nicht, zum Tische des Herrn zu gehen wegen jener drei Gründe. -Der Priester aber, dem sie dies offenbarte, sagte ihr, der Teufel habe -sie von der h. Kommunion abhalten wollen und so ging sie mit großer Furcht -zum Tische des Herrn. -</p> - -<p> -Um diese Zeit erhielt Christina den elften Besuch des Bruders Petrus. -Diesem war zu Ohren gekommen, daß er laut Bestimmung seiner Obern zur -Fortsetzung seiner Studien nach Paris gehen sollte und deshalb wollte er -vorher seine Freunde in Stommeln noch einmal besuchen. In der Fastenzeit -kam er mit seinem Landsmann Bruder Johannes Hespe zu Christina. Zur Zeit -der Komplet sprach er zu ihr einiges zur Erbauung. Darob wurde sie sehr -zur Andacht entflammt, und sie bat Petrus, er möge am folgenden Tage die -Messe von der seligsten Jungfrau nicht lesen, sondern singen. Petrus kam -dem Wunsche nach und sang die Messe „<span class="fmarkd">Rorate caeli desuper</span>“. — Trauet -Himmel den Gerechten —, für die er eine besondere Vorliebe hatte. Als -nach Beendigung des Gottesdienstes das Volk die Kirche verließ, blieb -Christina, ohne sich zu regen, auf ihrer Stelle zurück. Da sprach der -Pfarrer zu Petrus: „Es scheint mir, daß Christina entrückt ist.“ Petrus -und Bruder Johannes gingen nun auf sie zu und fanden sie ganz starr. Der -Mantel aber, mit dem sie ihr Haupt bedeckt hatte, war an der Stelle über -dem Kopfe wie mit Tau benetzt. Bruder Johannes, der seit vierzehn Tagen am -Gelenke zwischen Arm und Hand einen Auswuchs von der Größe eines halben -Eies hatte, befeuchtete seine gesunde Hand mit diesem Tau und berührte -dann mit dieser also befeuchteten Hand den Auswuchs an der andern Hand. -Von diesem Augenblicke an begann die Geschwulst schneller abzunehmen, als -sie bisher gewachsen, sodaß sie in wenigen Tagen ganz verschwunden war. -Christina aber blieb verzückt bis zur Komplet. Tags darauf besuchten die -beiden Brüder den Prior zu Brauweiler und kehrten von da nach Cöln zurück. -</p> - -<p> -Während dieser Fastenzeit hatte Christina noch eine andere ganz -schreckliche Versuchung gegen die jungfräuliche Reinheit zu bestehen, -die von Pfarrer Johannes umständlich berichtet wird.<a name='FA_37' id='FA_37' href='#FN_37' class='fnanchor'>[37]</a> Es befand sich -damals in Stommeln oder nahebei ein -<span class="pagenum"><a id="Page_77" name="Page_77" href="#Page_77">[77]</a></span> -elender, schrecklicher Mensch, der ein -Ausbund aller Laster und ein berüchtigter Räuber war. Wie sehr Christina -diesen Menschen auch fürchtete und seine Stimme ihr Grausen erregte, so -kam ihr doch wider ihren Willen die Neigung, diesen Menschen zu sehen -und mit ihm zu sprechen. Schon im Mai des vorhergehenden Jahres hatte -diese unerklärliche Neigung sich bemerkbar gemacht. Jetzt nun kam in der -Nacht der Versucher in Gestalt jenes schlechten Menschen zu Christina und -sprach: „Geliebteste, siehe, ich bin es. Ich bin hereingekommen; das Haus -ist offen. Dein Vater und deine Mutter wissen nicht, daß ich hier bin; Du -brauchst nichts zu fürchten.“ Dann kam er näher auf sie zu und ergriff -ihre Hände. Christina glaubte, den Räuber vor sich zu haben und schrie -aus allen Kräften: „Wenn Ihr mich berührt, so wisset, daß der Dämon Euch -umbringen wird.“ Dann bat sie ihn beim Leiden unseres Herrn, sie in Ruhe -zu lassen. Der Versucher aber entgegnete: „Trauteste, nie habe ich ein -Menschenkind so sehr geliebt wie Dich. Wenn Du mir nur einen freundlichen -Blick schenken wolltest, so würde ich fürderhin nicht mehr schlecht sein. -Wenn Du es willst, werde ich gut sein, und wenn Du es willst, werde -ich schlecht sein. Ich werde Dich zu einer vornehmen Frau machen, Dir -schöne Kleider kaufen, Dir soviel Geld geben, als Du haben willst, und -nichts wird Dir mangeln. Ich nehme Dich mit; Deine Eltern werden nichts -davon gewahr, und ich bringe Dich zu reichen und feinen Leuten, wo Du -ein herrliches Leben haben wirst.“ Allein Christina antwortete nicht und -richtete alle ihre Gedanken auf das Leiden unseres Herrn. „Du bringst -mich ums Leben, begann er nun zu schluchzen, ich muß sterben, weil Du mich -verschmähst; ich vermag nicht mehr zu schlafen und kann weder essen noch -trinken.“ Als aber alles fruchtlos blieb, änderte der Versucher seine -Sprache und schrie: „Ich werde doch meinen Willen an Dir vollbringen!“ -und dabei ergriff er sie mit Gewalt, wie wenn er sie hätte umbringen -wollen. Christina aber schrie zu Gott: „Herr, stärke mich in dieser -Stunde!“ Dann zog der Versucher ein Messer hervor, setzte es ihr auf die -Brust und sprach: „Ich ermorde Dich, wofern Du mir nicht zu Willen bist.“ -Christina entgegnete: „Meinem Herrn Jesus Christus habe ich Treue gelobt; -für seinen Namen zu sterben ist mein Wunsch.“ „Doch nicht so, erwiderte -der Versucher, Dein Vater und Deine Mutter sollen die ersten sein; ich will -<span class="pagenum"><a id="Page_78" name="Page_78" href="#Page_78">[78]</a></span> -alle im ganzen Hause ermorden, Dich aber fürs letzte aufsparen.“ -Alsdann lief er mit dem Messer durchs Haus und tat so, wie wenn er am -Morden wäre, Christina aber hörte erbärmliches Weinen und Jammern. Es war -das alles freilich teuflische Gaukelei. Dann hörte sie, wie ihr Vater, -es war in Wahrheit der Teufel, zu dem Verführer sprach: „Halte ein! töte -mich nicht; ich will sie bereden, daß sie Dir zu Willen sei.“ Und alsdann -kam dieser Teufel zu Christina in der Gestalt ihres Vaters — Christina -jedoch glaubte wirklich, es sei ihr Vater — und sprach zu ihr: „Liebste -Tochter! gedenke, daß ich kein anderes meiner Kinder so geliebt habe wie -Dich; willige doch ein, damit Du mir das Leben rettest. Du wirst es doch -nicht vor Gott verantworten können, wenn ich um Deinetwillen getötet -werde.“ Christina aber, obgleich voll Mitleid mit dem vermeintlichen -Vater, sprach herzhaft: „Vater, Ihr sagt, ich solle Gott verlassen! Wisset -Ihr denn nicht, daß Gott für uns gestorben ist. Seid deshalb standhaft -und erleidet freudig den Tod.“ Der Verführer stürzte sich alsdann auf -Christinas Vater und versetzte ihm den Todesstoß; Christina hörte sein -Röcheln. Dann kam er auf Christina zu. Diese aber entriß ihm behend -das Messer, stieß es sich selbst in die Hüfte, um durch den Schmerz der -Verwundung aller sinnlichen Empfindung vorzubeugen, und rang mutig mit -dem Versucher, der alsdann beschämt die Flucht ergriff. Das Messer jedoch -blieb zurück. Christina bediente sich desselben später beim Essen und der -Pfarrer Johannes hat es sich nachher von ihr zum Geschenke erbeten. Die -Wunde aber, die Christina sich beigebracht, blutete drei Tage lang. Sie -lag da und weinte, da sie glaubte, sterben zu müssen und sich quälte mit -dem Gedanken, sie habe selbst den Tod herbeigeführt. Da sie nun so weinte, -kam ein Jüngling in Himmelsschönheit zu ihr und sprach: „Sei ohne Furcht, -geliebteste Tochter! Siehe, ich bin Jesus Christus, dem Du Treue gelobt -hast, ehe Du zu den Beginen kamst. Laß alle Sorge fahren; an dieser Wunde -wirst Du nicht sterben. Du hast Deine Treue gegen mich bewährt. Und wie -Katharina, da sie um meinetwillen die Welt verachtete, den Tod erduldete -und deshalb ihr Tod kostbar war in meinen Augen, so würdest auch Du, wenn -Du an der Wunde, die Du in gleicher Gesinnung Dir beigebracht, gestorben -wärest, den gleichen Lohn erhalten haben wie sie.“ Bei diesen Worten -machte er das -<span class="pagenum"><a id="Page_79" name="Page_79" href="#Page_79">[79]</a></span> -Kreuzzeichen über die Wunde und augenblicklich hörte diese -auf zu bluten, und aller Schmerz war verschwunden. Am Gründonnerstage kam -Petrus wieder nach Stommeln. Seine Abreise nach Paris hatte sich nämlich -verschoben, da die Brüder aus Dazien, die mit ihm reisen sollten, noch -nicht angekommen waren. Er kam als Begleiter des Bruders Johannes von -Muffendorf, der vom Pfarrer von Stommeln zum Osterfeste war eingeladen -worden. Die Brüder Aldebrandino und Mauritius hatten sich mit Erlaubnis -des Priors Hermann ihnen angeschlossen. Zur Zeit der Komplet kamen die -vier Brüder in Stommeln an und begaben sich alsbald in die Kirche, wo sie, -wie Petrus sagt, die Reliquien der Heiligen oder vielmehr die Heiligen, -deren Gebeine dort aufbewahrt wurden, begrüßten. Dann trat Petrus auf -Christina zu, die vor dem Altare der allerseligsten Jungfrau saß, da sie -in Folge des erlittenen Blutverlustes sich sehr schwach fühlte. Sie erlitt -sogar einen leichten Ohnmachtsanfall, bei dem Petrus in ihrer linken -Hand, die etwas unter dem Mantel hervorgekommen war, fünfzehn Malzeichen -wahrnahm. Sie waren sämtlich rund von Gestalt, rötlich von Farbe und wohl -geordnet. Das größte Malzeichen befand sich in der Mitte der Hand und -hatte die Größe eines Sterlings. Um dieses herum waren vier andere, die -etwas kleiner waren, so verteilt, daß sie ein Kreuz bildeten. Von den -zehn übrigen, die noch kleiner waren, befanden sich zwei auf den unteren -Fingergliedern. Christina hatte von ihrem himmlischen Bräutigam für die -in der schrecklichsten Versuchung bewiesene Treue für die linke Hand, -wie es ja bei Verlobten Brauch ist, ein bräutliches Abzeichen erhalten. -Als die Komplet zu Ende war, wurde nach Landesbrauch zur Dämmerstunde -die düstere Mette gesungen, gegen deren Ende die Lichter allmählich -ausgelöscht werden und zu deren Schluß etwas Geräusch mit den Sitzklappen -des Chorgestühls gemacht zu werden pflegt. In Stommeln scheint die Jugend -für diesen geräuschvollen Schluß der Mette eine besondere Vorliebe gehabt -zu haben. Als die Ordensbrüder nach dem <span class="fmarkd">Benedictus</span> das <span class="fmarkd">Kyrie eleison</span> -sangen und alles finster war, fing, wohl aus Irrtum, die Jugend schon -an vorzeitig Geräusch zu machen und die Erwachsenen halfen redlich mit. -Während dieser Störung des Gottesdienstes wurde ein großer Teil des Volkes -im Schiffe der Kirche mit Unrat besudelt. Christina aber blieb von der -Besudelung unberührt, -<span class="pagenum"><a id="Page_80" name="Page_80" href="#Page_80">[80]</a></span> -wiewohl diejenigen, die um sie herum saßen, von -ihr sämtlich betroffen wurden. Am meisten waren gerade jene besudelt -worden, die ihre Zunge gegen Christina geübt und ausgestreut hatten, die -Besudelungen, die Christina im Advent erlitten, seien Erdichtungen. Die -Unruhe wurde durch die Besudelung noch gesteigert, legte sich dann aber -allmählich und jeder begab sich nach Hause. Christina wurde von ihrem -Vater nach Hause geführt; denn sie konnte vor Schwäche nicht allein gehen. -Petrus begleitete sie bis zum Scheidewege, wo er auf dem andern Wege zum -Pfarrhause hin abbog. Die ganze folgende Nacht war Christina wie entrückt -und ihre Gedanken waren derart mit dem Leiden Christi beschäftigt, daß -sie kaum beachtete, wenn man mit ihr sprach. Jungfrauen hielten bei ihr -Wache. Am Morgen des Karfreitags gingen die Ordensbrüder Aldebrandino -und Mauritius nach Cöln zurück, sprachen aber zuvor in Begleitung des -Pfarrers bei Christina vor, sahen jedoch nichts anderes, als daß sie -zu Bette lag und das Gesicht mit dem Schleier bedeckt hatte. Zur Zeit -der Terz, d. h. um neun Uhr morgens, sprachen auch Petrus und Johannes -vor und fanden Christina ganz starr wie eine Leiche. Sie gingen alsdann -zur Kirche und hielten den Karfreitagsgottesdienst, wie es für diesen -Tag Vorschrift und Brauch war. Nachmittags verfügten sich die drei -wieder ins Kämmerlein Christinas, verrichteten ein Gebet, damit Gott -ihnen zeigen möge, was, wie sie vermuteten, an Christina vorging, und -dann sprach Petrus zu den beiden Johannes: „Ihr habt noch immer Zeit -und Gelegenheit; ich aber werde bald abreisen und kann nicht hoffen, -jemals wieder an solchem Tage an diesen Ort zu dieser Person zu kommen. -Es würde mir sehr wehe tun, wenn ich des Trostes entbehren sollte, den -ich hier zu finden hoffte. Ich hatte mich darauf gefreut, das jetzt -selbst zu sehen, was ich im vorigen Jahre von andern gehört habe.“ Zum -Pfarrer gewandt, sprach er dann: „Du weißt gar wohl, daß nur die Liebe -Christi uns hierher führt und das Bestreben, der Wahrheit zu dienen und -das Zweifelhafte aufzuhellen. Strecke nun, ich bitte Dich, Deine Hand -aus und berühre ihre Fußsohle.“ Er tat es mit großer Scheu, und als er -die Hand wieder zurückzog, war sie ganz mit Blut überronnen. Da sprach -Petrus: „Lasset uns eines von den Mädchen rufen, damit dieses uns die -äußersten Teile der Füße aufdecke und wir so feststellen können, -<span class="pagenum"><a id="Page_81" name="Page_81" href="#Page_81">[81]</a></span> -was dieses bedeutet.“ Da die Beiden, so fährt Petrus fort, mit dem Vorschlage -einverstanden waren, rief ich Hilla vom Berge und ersuchte sie, den -untersten Teil der Füße Christinas aufzudecken. Diese entschuldigte sich -anfangs, gab aber doch meiner Bitte und ihrer Begründung nach und tat, -was ich wünschte, mit großer Ehrfurcht und heiliger Scheu. Und wir alle -vier sahen, was ich hier schreibe: In der Mitte des rechten Fußes, und -zwar an seiner obern und untern Seite, war eine Wunde, etwas größer als -ein Sterling, und aus ihr flossen vier Bächlein Blutes von ziemlicher -Breite, jedoch nicht auf die Zehen hin, sondern seitwärts. Da wir das -sahen, suchte jeder von uns sich einen Winkel, um seinen Tränen freien -Lauf zu lassen, weil Christina mit dem Heilande litt, und seine Wunden -an ihr zur Ausprägung gekommen waren. Als wir uns ausgeweint hatten, -gingen wir zum Pfarrhause zurück, nahmen ein kleines Mahl, wie es sich -für den Tag schickte, und gingen dann vor der Komplet wieder zum Hause -Christinas. Sie atmete nicht und war ganz starr. Ich sprach deshalb zum -Pfarrer: „Laßt uns doch versuchen, an ihrem Haupte nachzuschauen, ob auch -dort sich ein Merkmal des Leidens Christi vorfindet!“ Dieser erwiderte: -„Ich sehe nicht, wie das möglich ist. Denn Gesicht und Kopf hat sie mit -größter Sorgfalt verhüllt.“ Sie hatte nämlich die Arme kreuzweise über -die Brust gelegt, so daß die Hände die Wangen berührten, und hielt dabei -den vordern Saum des Schleiers, womit sie Kopf und Gesicht geschickt -verhüllt hatte, zwischen den Fingern fest. Auf mein abermaliges Ersuchen -machte indes der Pfarrer den Versuch, die Stelle am rechten Ohre in etwa -aufzudecken. Soviel ich jedoch bemerken konnte, war dort kein Wundmal -zu sehen. Als er aber das Gesicht aufgedeckt hatte, sahen wir auf der -Stirne drei Blutbächlein von je zwei Finger Breite wie aus einem Quell -herabfließen. Das mittlere strömte auf die Nase, die beiden anderen auf -die Schläfen zu. Aus Ehrfurcht vor der göttlichen Gegenwart, die sich hier -in so deutlichen Zeichen zu erkennen gab, trugen wir Scheu, das göttliche -Geheimnis weiter zu erforschen. Wir hörten jedoch nach dem Ostertage von -den Jungfrauen, die Christinas Vertraute waren, daß auch ihr Untergewand -dort, wo es die Herzgegend berührte, in Handbreite mit Blut getränkt war. -Und während der Osteroktav haben wir selbst, als wir mit Christina aßen, -an beiden Händen die Spuren -<span class="pagenum"><a id="Page_82" name="Page_82" href="#Page_82">[82]</a></span> -der Wundmale auf der Vorder- und Rückseite -deutlich wahrgenommen. Vor Sonnenuntergang kam Christina wieder zu sich -und ich fragte sie: „Wie befindest Du Dich?“ — Sie antwortete ganz leise: -„Ich bin sehr schwach. Rede nicht weiter mit mir; denn ich kann Dir nicht -antworten vor Bitterkeit im Munde und Gaumen.“ Wir ließen nun Christina -allein und gingen zur Kirche. Am Karsamstage zur Zeit der Komplet, während -Bruder Johannes in der Kirche Beicht hörte, ging ich wieder zu Christina, -an der ich große Herzensfreude wahrnahm. Wir unterhielten uns über die -beschauliche Betrachtung und Liebe Gottes, wobei Christina reichlichen -Stoff lieferte. Am Ostermorgen begab sie sich ganz in der Frühe, zu -Pferde, in weltlicher Kleidung, von ihrem Vater begleitet, zur Kirche. -Sie hatte nämlich an Stelle des Mantels ein leinenes Tuch umgelegt. Sie -begab sich zu Pferde zur Kirche, weil die Wundmale an den Füßen sie am -Gehen hinderten. Auch hoffte sie so, unerkannt zu bleiben und das, was -an ihr geschehen war, zu verheimlichen. Weil nämlich im vorigen Jahre der -Pfarrer ihr die h. Kommunion am Ostertage ins Haus gebracht hatte, war aus -diesem Anlasse Gerede entstanden und das Gerücht über ihre Wundmale hatte -sich verbreitet. Christina empfing in der ersten Messe die h. Kommunion, -blieb dann vollständig verzückt bis nach Mittag und kam ganz zu sich vor -der Komplet. Während der Osteroktav kam auch Bruder Wipert wieder nach -Stommeln und hielt eine Predigt, während der Christina in Verzückung kam -und in ihr blieb bis zur Vesper. Am Samstage vor weißen Sonntag sprach -Bruder Salomon aus Ungarn auf der Durchreise nach Paris in Stommeln vor, -um dort seinen Freund, Bruder Petrus, zu begrüßen. Dieser erzählte ihm von -den Wundmalen Christinas und Salomon wünschte gar sehr, diese zu sehen. -Petrus sagte ihm, dann möge er sich wohl hüten, Christina über diese -Dinge zu befragen, weil sie dann gleich ihre Hände verbergen würde; er -solle vielmehr zusehen, ob an seinen Kleidern nichts aufzubessern sei, -und Christina dann bitten, die Ausbesserung vorzunehmen. Und wirklich -fand Wipert, daß an seiner Kapuze sich eine Naht aufgetrennt hatte. Er -bat nun Christina, sie möge die Naht wieder zunähen, und während sie daran -arbeitete, war es Bruder Wipert vergönnt, die Spuren der Wundmale an ihren -Händen zu sehen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_83" name="Page_83" href="#Page_83">[83]</a></span> -Am weißen Sonntag kam zur Vesperzeit hoher Besuch in Stommeln an. Zu -Pfingsten sollte das Generalkapitel des Dominikanerordens in Paris -gehalten werden. Alle drei Jahre fanden diese Generalkapitel statt und -zwar abwechselnd einmal jenseits, das andere Mal diesseits der Alpen. Auf -der Hinreise zu diesem Kapitel hielten nun der Cölner Prior, Hermann von -Havelbrech, und der Prior von Straßburg, Arnold von Xanten, der damals -Definitor des Generalkapitels war, mit ihren Gefährten in Stommeln an. -Die Aebtissin Geva von St. Cäcilien in Cöln war schon vorher mit den -Stiftsfräulein eingetroffen, um die Brüder, dreizehn an der Zahl, auf -ihrem Hofe aufzunehmen und zu bewirten. Montags besuchte Prior Hermann -Christina und sprach bei der Rückkehr das bezeichnende Wort: „Dieses -Antlitz ist nicht dasjenige eines Menschen, der auf Erden wandelt.“ -Petrus stimmt diesem Urteile bei und fügt hinzu: „Ueber dieses Antlitz -war auch körperlich ein Anflug von Glanz ausgegossen, wie ich ihn nie -im Angesichte eines sterblichen Menschen, mit Ausnahme eines Einzigen, -wahrgenommen habe.“ Dieser Einzige wird wohl der große h. Thomas von -Aquin gewesen sein, der nachmals in Paris Lehrer des Petrus war und mit -der Sonne verglichen zu werden pflegte. Petrus hielt die Messe von der -seligsten Jungfrau und der Prior Arnold predigte in derselben über das -Evangelium: „<span class="fmarkd">Stabat iuxta crucem Jesu</span> — Es stand neben dem Kreuze -Jesu seine Mutter“, das die Weltpriester um jene Zeit im Cölner Erzbistum -zu lesen pflegten. Christina kam während der Predigt in Verzückung und -blieb bis zum Abend ohne Bewegung und Empfindung. In diesem Zustande haben -die meisten der Dominikaner sie beobachtet und sich daran sehr erbaut. -Nachmittags setzten die einen der Brüder ihre Reise nach Paris fort, die -andern, unter ihnen Petrus und Johannes, kehrten nach Cöln zurück. -</p> - -<div id="Fabb_07" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb07.jpg' - alt='7. Bild Christinas am Cölner Dom.' - /> -<p class='caption'>7. Bild Christinas am Cölner Dom.</p> -</div> - -<h2 id="kapi11" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Elftes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Christinas Briefwechsel mit Petrus während dessen Aufenthalt zu Paris -(Mai 1269 bis Juli 1270). -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_84" name="Page_84" href="#Page_84">[84]</a></span> -Der Prior von Dazien, Bruder Nikolaus Heinrich, kam vierzehn Tage später -in Cöln an und brachte dem Bruder Petrus die Weisung, sich zur Vollendung -seiner Studien nach Paris zu begeben. Der Prior reiste ohne Verzug weiter -nach Paris zum Generalkapitel, dessen Definitor er war. Petrus konnte -noch nicht allsogleich abreisen und folgte seinem Prior einige Tage -später nach. Als Reisegefährten hatte er den Bruder Mauritius. Sie gingen -über Stommeln, weil es nicht weit ablag von der Hauptstraße, die von -Cöln nach Paris führte, um von den dortigen Freunden Abschied zu nehmen. -Sie übernachteten in Stommeln und reisten am folgenden Tage nach dem -Mittagessen weiter. Der Pfarrer Johannes von Stommeln sowie Christina und -mehrere Andere begleiteten die beiden Brüder bis Ingendorf (Engendorp), wo -sie tiefgerührt voneinander Abschied nahmen. Am Freitage vor Pfingsten, -das auf den 12. Mai fiel, kamen die beiden Brüder in Paris an, also noch -vor Zusammentritt des Generalkapitels, zu dem auch Thomas von Aquin aus -Italien herübergekommen war. Im Kollegium von St. Jakob, das zur Zeit der -großen französischen Revolution den führenden Männern als Versammlungsort -diente und ihnen den Namen Jakobiner eingetragen hat, hielt der berühmte -Aquinate in diesem und im folgenden Jahre philosophische und theologische -Vorlesungen und gerade in diesem Kollegium nahm Petrus von Dazien Wohnung. -</p> - -<p> -Während der vierzehn Monate, die Petrus in Paris zubrachte, wurde zwischen -ihm und Christina ein Briefwechsel in lateinischer Sprache geführt, der -uns über Christinas Zustände einigen Aufschluß gibt. Christina scheint das -Latein -<span class="pagenum"><a id="Page_85" name="Page_85" href="#Page_85">[85]</a></span> -einigermaßen verstanden zu haben. Sie führt einmal einen Hexameter -an, ein anderes Mal läßt sie eine Stelle aus dem prächtigen Osterhymnus -der Cölner Kirche einfließen und von der Uebersetzung eines Briefes sagt -sie, daß sie dadurch zu vollerem Verständnis desselben gekommen sei.<a name='FA_38' id='FA_38' href='#FN_38' class='fnanchor'>[38]</a> -Hätte sie das Latein nicht verstanden, so hätte sie auch nicht unter den -Psalmen gerade diejenigen als Lieblingsgebete auswählen können, die auf -ihre Lage ganz besonders paßten. -</p> - -<p> -Christinas Briefe, die sie dem Pfarrer Johannes und später dem -Schulmeister Johannes diktierte und die diese dann lateinisch -niederschrieben, sind gewöhnlich kürzer gehalten als die des Petrus, die -sich meist in frommen Betrachtungen und Tröstungen ergehen. Christinas -Briefe, die für uns wichtiger sind, geben wir dem Wortlaute nach -vollständig wieder, die des Petrus nur auszugsweise. Die Ausdrucksweise -dieser Briefe ist die des dreizehnten Jahrhunderts, die, was Herzlichkeit -anbelangt, die jetzt herrschende Form bedeutend überbietet. Auch lehnt -sich die Sprache mitunter an die des Hohen Liedes an. -</p> - -<p> -Seit der Abreise des Petrus bis zum Dreifaltigkeitssonntage befand sich -Christina wohl, dann litt sie einige Zeit hindurch an dreitägigem Fieber -und danach kamen neue Plagen des Teufels. Kurz nach Johannis Geburt -schrieb hierüber Christina an Petrus folgenden Brief: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Dem geliebten Bruder Petrus von Dazien in Paris entbietet seine Tochter -Christina in Stommeln ihre Gebete im Herrn. Ich glaube Euch mitteilen zu -sollen, daß Euere Abreise mich mehr, als ich geglaubt hätte, angegriffen -hat. Denn ich gedenke Euerer treuen Anhänglichkeit und meiner geringen -Dankbarkeit. Ich hoffte und hoffe noch, Ihr würdet mich beerdigen. Ihr -habt mich um Einiges gefragt, worüber ich Euch keine Auskunft gegeben -habe und das tat mir später leid. Denn ich sehe ein, daß es gut für mich -gewesen wäre, wenn ich Euch jene Dinge und mehreres Andere mitgeteilt -hätte. Auch möget Ihr wissen, daß ich seit dem Feste des h. Johannes -des Täufers weder beten noch beichten kann, ohne daß der Dämon mich mit -einem glühenden Eisen brennt und mir äußerlich und innerlich am Munde -Brandblasen verursacht. Diese Plage wird voraussichtlich dauern bis Mariä -Himmelfahrt. Früher habt Ihr mir in Eurer Treue viele Freunde erworben; -auch jetzt wollet mich, ich bitte Euch darum, dem Gebete vieler empfehlen. -Durch den Ueberbringer dieses Briefes würde ich Euch zwei Korporalien -haben zugehen -<span class="pagenum"><a id="Page_86" name="Page_86" href="#Page_86">[86]</a></span> -lassen, wenn er sie hätte mitnehmen wollen. Wenn Ihr immer -einen Wunsch habt, so tut ihn mir kund; ich will ihn erfüllen. Lebet wohl, -Teuerster. Der Herr Pfarrer läßt Euch grüßen. Betet für meinen Vater, wie -ich Euch darum ersucht habe. Ich sehne mich danach, Euch wiederzusehen. -Besuchet mich doch, sobald Ihr könnt.“ -</p> -</div> - -<p> -Diesen Brief erhielt Petrus am Feste Mariä Himmelfahrt. Er aber hatte -gleich nach seiner Ankunft in Paris an Christina einen Brief geschrieben, -um sie zu trösten über den Schmerz des Abschiedes. Dieser Brief, den -Bruder Mauritius nach Stommeln überbrachte, hatte sich mit Christinas -Brief gekreuzt. Auf diesen Brief des Petrus schickte Christina etwas nach -Kreuz Erhöhung folgendes Antwortschreiben: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Dem in Christo geliebten, teuersten Bruder Petrus von Dazien aus dem -Predigerorden zu Paris entbietet Christina von Stommeln den Ausdruck -ihrer Liebe und die Gabe ihres Gebetes. Aus Euerem Briefe ersah ich, -welch' besondere Liebe Ihr zu mir heget. Ich wundere mich nicht darüber, -daß Ihr dasjenige, was innerlich im Herzen, dem Auge des Herrn allein -sichtbar, vorgeht, auch äußerlich durch Wort und Schrift zu erkennen -gebet. Doch wisset, daß auch die Liebe, die ich zu Euch im Herrn trage, -nicht gemindert wurde durch Euer Weggehen; ich empfinde sie vielmehr -jetzt bei Euerm Fernsein lebhafter als bei Euerem Hiersein, und wenn -ich Euer im Gebete gedenke, so füllen sich meine Augen mit Tränen bei -der Erinnerung an Eueren treuen Beistand und Euere Liebe in Christo. Als -ich Eueren Brief lesen hörte, konnte ich die Tränen nicht unterdrücken, -wiewohl das ausgesprochene Lob mir nicht zukam, ich aber doch durch die in -ihm hervortretende liebevolle Gesinnung vollkommen getröstet wurde. Auch -der Umstand, daß gerade Bruder Mauritius den Brief überbrachte, vermehrte -meine Betrübnis an jenem Tage, weil er bei der Abreise Euer Begleiter -war. Ihr ginget damals so schnell fort, und vor großer Betrübnis konnte -ich nicht so zu Euch reden, wie ich es wünschte. Und wenn Brüder aus -Euerer Gegend hierher kommen, so befällt mich Traurigkeit, da ich Euch -ferne weiß in der Verbannung. Aus Eueren Worten schöpfte ich besondern -Trost. Und wenn Ihr vom Geliebten sprachet, dann sah ich Euch in solcher -Begeisterung, daß auch mein Herz mit Freude erfüllt wurde und in Jubel -ausbrach. Diese Freude aber und diesen Jubel konnte ich vor Niemanden -kundgeben als vor Euch, weil Ihr mich verstandet. Gerade deshalb bin ich -betrübt, weil ich seit Euerem Weggange niemanden mehr habe, vor dem ich -mich so geben könnte und dürfte. Denn ich fürchte mich vor Jedermann, -und mit niemanden kann ich verkehren wie mit Euch. Einstmals, als ich in -Leiden war, habt Ihr mir liebevolle Aufmerksamkeit erwiesen, und ich habe -Euch mit -<span class="pagenum"><a id="Page_87" name="Page_87" href="#Page_87">[87]</a></span> -dem Gegenteil vergolten. Doch nicht Euretwegen benahm ich mich -so, sondern wegen anderer Dinge, die in meinem Herzen vor sich gingen. -Ich bitte Euch deshalb, es mir nicht zu verübeln. Ich versichere Euch, -daß ich in meinen Trübsalen niemanden lieber zum Beistande habe als Euch. -Ihr waret immer bereit, zu mir zu kommen, wenn ich geplagt wurde. Derohalb -bin ich jetzt betrübt, weil ich seit Euerer Abreise manches leiblich und -geistig erduldet habe, und ich Euch dieses lieber mündlich als schriftlich -mitteilen möchte. -</p> - -<p> -Beständige Trübsale, die acht Tage vor dem Feste des h. Johannes -des Täufers ihren Anfang nahmen, suchten mich heim bis zum Feste der -Himmelfahrt der allerseligsten Jungfrau. So oft ich zum Tische des Herrn -ging, wurde ich am darauffolgenden Tage zur Zeit der Komplet durch ein -glühendes Eisen erschreckt, ebenso, wenn ich beichten wollte, so daß -ich vergaß, was ich sagen wollte. Auch bin ich vierzehn Tage hindurch, -wenn ich mich anschickte, zum Tische des Herrn zu gehen, in solche Angst -geraten, daß ich glaubte Blut zu schwitzen. Nachher vermochte ich nicht, -der h. Messe beizuwohnen oder das Wort Gottes zu hören oder von Gott zu -reden oder zu ihm zu beten, ohne durch jenes glühende Eisen erschreckt zu -werden. Und wenn ich nach dem Empfange des Leibes des Herrn mich an meinen -gewohnten Platz verfügte, so blieb mein Herz ohne allen Trost. Das war für -mich über alles Maß bitter, und so ging es fort, bis zu genanntem Feste. -Schließlich bin ich außen am Munde sichtbarlich verbrannt worden, so daß -sich ums Kinn weiße Brandblasen zeigten. Nachdem dieses Verbrennen eine -Zeit lang gedauert hatte und dann Heilung eingetreten war, wurden mir in -einer Nacht die Ohren verbrannt. Als dies nachließ, wurden mir Augen und -Stirne versengt und zwar so erbärmlich, daß es das Mitleid meiner Freunde -erregte. Denn die Augen waren in Folge der Verletzung angeschwollen und -große Brandblasen waren über denselben aufgetreten. Später wurde mir -auf der Straße in Gegenwart des Bruders Wilhelm Bonefant und des Bruders -Gotfrid von Werden die Nase versengt. Während ich nun solche Plagen am -Körper erlitt, erduldete ich noch größere in meiner Seele infolge von -Versuchungen. Denn der Dämon riet mir, ich sollte meinen Gott verleugnen -und so sein, wie die übrigen Menschen. Und wenn ich dann überdachte, -wie ich an Leib und Seele gequält wurde, und alles göttlichen Trostes -entbehrte, dann wurde ich so niedergeschlagen, daß es zuweilen schien, -als sei ich von meinem Gott ganz und gar verlassen. Ich verlor dann ganz -meine Fassung, wie Ihr es einmal gesehen habt. Mitunter, wenn ich beten -oder beichten wollte, kam es mir vor, als ob mein ganzer Leib und das -Buch in meinen Händen, ja auch mein Herr Pfarrer selbst, bei dem ich -beichtete, in Flammen stände. Später wurde meiner Schwester Gertrud, als -<span class="pagenum"><a id="Page_88" name="Page_88" href="#Page_88">[88]</a></span> -sie bei mir im Bette schlief, nachts die Nase versengt, weshalb sie in den -folgenden Nächten sich von mir fern hielt. In der letzten Nacht (vor Maria -Himmelfahrt) hatte ich vom ersten Hahnenschrei bis kurz vor Tagesanbruch -einen jammervollen Kampf zu bestehen. Der Dämon kam mit einem glühenden -Eisen und durchbohrte mir damit die Ohren, und während er das Eisen in -meinen Ohren festhielt, rief er, ob ich jetzt meinen Gott verleugnen -wollte; sonst wolle er mich auf der Stelle töten; denn er habe Macht dazu. -Ich antwortete, seine Mühe sei vergeblich; denn ich sei bereit, tausendmal -für Christus den Tod zu erdulden. Als ich das gesagt, kam ein Feuerstrom -wie aus einem Ofen und verbrannte mir das ganze Gesicht, so daß ich die -ganze Nacht dalag und sozusagen nicht wußte, wo ich war. -</p> - -<p> -Als ich wieder zu mir kam, war es mir zu Mute, als wollte ich -dergleichen noch mehr leiden, und alle Plage der Seele und des Leibes war -gänzlich von mir gewichen. -</p> - -<p> -In derselben Nacht waren mir auch vier Dämone erschienen. Sie standen -da, wie wenn sie gezwungen gewesen wären, zu erscheinen und nannten -ihre Namen. Sie bekannten, wenn auch ungern, daß der Allerhöchste ihnen -Erlaubnis gegeben habe, solches an mir zu tun, sie aber dafür desto -größere Pein zu leiden haben würden. Schließlich sprach ich unerschrocken: -„Ich beschwöre euch in Kraft des Leidens Christi: warum habt ihr mich so -verbrannt?“ Sie erschienen und antworteten, weil Gott meine Sinne für das -Fest habe reinigen wollen. Als sie nun anfingen, mich zu loben, wandte -ich mich zum Gebete. Da nun taten sie, als ob sie weinten und entflohen -dann mit einem solchen Getöse, als ob sie das Dach mit sich genommen -hätten. Tags darauf sah mein Gesicht ganz verbrannt aus. Wangen, Augen, -Nase und Stirne, alles war voller großer Brandblasen. Ich kam allen vor, -als hätte ich kein Angesicht mehr; ich war wie eine Aussätzige und von -Gott Geschlagene. Auch vorher hatte ich viele Mißhandlungen im Angesichte -erlitten, wovon noch Narben zu sehen sind. Nachdem dies alles vorüber war, -erschien mir der Dämon zweimal in Gestalt eines Begarden. Ich fragte ihn, -was er wolle, und warum er mich verfolge. Er antwortete: „Ich verfolge -dich, um dich zum Zorne zu reizen oder zu anderen Sünden. Du aber erhebest -gleich deine Hände zu Gott und betest um Nachlaß der Sünden. Er aber ist -barmherzig und vergibt dir, und so bemühe ich mich vergeblich.“ -</p> - -<p> -Am Mittwoch nach Kreuzerhöhung befand ich mich abends in meinem -Kämmerlein, damit beschäftigt, mich auf die h. Kommunion vorzubereiten, -die ich am kommenden Morgen zu empfangen gedachte. Ein Licht brannte -auf dem Stuhl, der neben meinem Bette stand. Da kam der Dämon in Gestalt -meines Bruders, der in -<span class="pagenum"><a id="Page_89" name="Page_89" href="#Page_89">[89]</a></span> -Cöln wohnt, und in sein Wamms gekleidet, herein. -Er machte den Eindruck eines stark Verwundeten und war voll Blut. Er -sprach zu mir: „Erschrecke nicht, geliebteste Schwester! Siehe, da ich -hierher kommen mußte, wie ich es mitunter zu tun pflege, kamen feindliche -Menschen und verwundeten mich. Hilf mir also meine Wunden verbinden und -mache, daß Mutter nichts davon gewahr wird.“ Ich warf mich nieder zum -Gebete, erkannte, daß es der Dämon war und rief aus: „Blutdürstige Bestie, -was verfolgst du mich?“ Er entgegnete: „Ich sehe, du hast wieder andere -Ratschläge; diese Wunden hast du mir verursacht.“ Bei diesen Worten -verschwand er. Als ich neulich in der Kirche im Gebete hingestreckt war, -wurde ein Teil der Türe zertrümmert, ich wurde verwundet, verlor meine -Schleier, und das Buch, das Ihr mir so schön ausgeziert habt,<a name='FA_39' id='FA_39' href='#FN_39' class='fnanchor'>[39]</a> wurde -entwendet und ist fort. Infolge der erlittenen Verwundung konnte ich acht -Tage lang nicht gehen und ich fürchte, daß ich das Schmerzgefühl nicht los -werde. Dies alles schrieb ich Euch, damit Ihr mit mir Gott herzlich danket -für alle seine Wohltaten; denn er kommt mir stets in der Trübsal zu Hülfe -und führt alles zu einem guten Ende. Ich habe niemanden, dem ich diese und -andere Vorgänge lieber mitteile als Euch; denn es ist anscheinend für mich -heilsam, wenn Ihr davon wisset. Lebet wohl, ja tausendmal wohl! Es grüßt -Euch bestens der Pfarrer, meine Mutter und mein Vater, deren Schulden mir -einige Sorge machen und die ich deshalb Eurem Gebete empfehle. Es grüßen -Euch meine Schwester Hilla und Hilla vom Berge, meine Nichte Hilla, die -blinde Aleidis und ihre Nichte Engilradis. Durch den Ueberbringer lasse -ich Euch einige Geschenke zugehen: ein Biret zum persönlichen Gebrauch -und ein Käppchen. Es ist Gewürz darin zum essen. Wenn ich sonst noch -etwas hätte, was Eueren Wünschen entspräche, so würde ich es Euch gerne -schicken. Hilla vom Berge sendet Euch ihren Schleier. Ich bitte Euch bei -der Liebe Gottes, wenn Ihr etwas von mir zu erhalten wünscht, so lasset -es mich wissen. Es quält mich sehr, daß ich nicht weiß, wie lange Ihr dort -bleiben müßt, und ich kann ohne Betrübnis nicht daran denken. Auch möchte -ich gerne wissen, wie es mit Euerer Gesundheit steht. Schreibet mir doch -bald darüber. Auch bitte ich Euch bei der Liebe meines Gottes, wenn Ihr -aus dieser Welt scheidet, so lasset mich, wenn Ihr es bewirken könnt, -nicht lange nach Euch in dieser Verbannung zurück. Noch einmal: Lebet -wohl! Empfehlet mich getreulich Euern Freunden ins Gebet. Die Reklusen -grüßen Euch bestens. Betet für sie; denn sie tun mir Gutes. Betet für -<span class="pagenum"><a id="Page_90" name="Page_90" href="#Page_90">[90]</a></span> -Bruder Gerhard vom Greif; denn er ist sehr krank, und man fürchtet, daß -er stirbt. Er ist mir ein sehr treuer Beistand.“ -</p> -</div> - -<p> -Petrus erwiderte den Brief Christinas mit einem längern schönen -Antwortschreiben, in dem er darauf hinweist, daß nur die Liebe Christi -ungeteilt unser Herz beherrschen muß. Er schließt mit den Worten: „Es -lebe und wachse in Euch die Liebe Christi, es lebe die Demut, es lebe -die Freundschaft, deren Ziel in den Worten ausgesprochen ist: Betet für -einander, damit ihr selig werdet.“ Christina erhielt diesen Brief des -Petrus mit andern am 18. Dezember 1269. Um diese Zeit, es war ja der -Advent, war sie wiederum heimgesucht von allerlei neuen schrecklichen -Plagen, die eine Steigerung alles bisher Dagewesenen darstellen und -sich sogar bis zu einer Art Besessenheit (<span class="fmarkd">obsessio</span>) erhoben, in der -der Teufel sich der Sprachorgane Christinas bediente, um zu sagen, was -dieser innerlich ganz und gar widerstrebte. Hierüber machte sie in den -Weihnachtstagen dem Petrus Mitteilung, wie folgt: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Ihrem vertrautesten Freunde und getreuesten Vater in Christo, dem -Bruder Petrus von Dazien in Paris, entbietet seine Tochter Christina -den Ausdruck ihrer großen Liebe und ihr Gebet. Teuerster, ich kann -Euch nicht genug danken für die Briefe, die Ihr seit Euerer Abreise mir -mehrmals geschickt habt. Mein größter äußerlicher Trost besteht darin, -von Euch etwas zu vernehmen. Darum kann ich auch Euere Briefe nicht lesen -hören ohne Tränen zu vergießen. Ich habe sie alle noch beisammen und -verwahre sie bis zu Euerer Rückkunft. Im Briefe vom Mittwoch nach dem -Sonntag Gaudete (3. Sonntag des Advents) führt Ihr Beschwerde darüber, -daß Euch keine Mitteilung geworden sei über die zugesandten Geschenke -und über meinen Zustand. Das ist allein dem Umstande zuzuschreiben, daß -der Bote zu schnell wegging. Ich würde Euch weit häufiger über meinen -Zustand unterrichten, wenn ich einen Boten zur Verfügung hätte. Den -Verbrüderungsbrief Eueres Ordens besitze ich nunmehr.<a name='FA_40' id='FA_40' href='#FN_40' class='fnanchor'>[40]</a> Ich danke Euch -herzlich für denselben. -</p> - -<p> -Ihr erkundigt Euch nach meinen Leiden, von denen Ihr gerne etwas -erfahren möchtet. So wisset denn, daß ich vor Allerheiligen vierzehn Tage -hindurch eine eigenartige Versuchung hatte. Es kam mir vor, als ob ich -alles, was ich betete, im Namen des Dämons betete. Das verursachte mir -großes Leidwesen. Was ich sagte, sagte auch der Dämon. Bei der Erhebung -der Hostie konnte ich den Leib des Herrn nicht sehen, sondern der Dämon -kam mir vor die -<span class="pagenum"><a id="Page_91" name="Page_91" href="#Page_91">[91]</a></span> -Augen und sprach: „Schau! nun siehst du, daß ich dein Gott -bin.“ Und wenn ich meine Knie beugen wollte, so stieß er mich so heftig -auf die Knie, daß ich nicht von der Stelle konnte. Als ich am Mittwoch vor -dem Feste (das auf den Freitag fiel) in der Kirche war, kam der Dämon, -raffte zwei Häringe aus einer Schüssel, beschmutzte diese und warf sie -mit dem Schmutze in die verschlossene Beginenklause. Auch sagte er mir, er -habe einer ältern Begine, die mir nicht wohlgesinnt war, aus der Klausur -des Beginenhauses ungefähr zehn Cölnische Schillinge herausgeholt und sie -in die Abortsgrube der Dominikaner geworfen. Diese fand denn auch, daß dem -so war. In der Nacht blieb ich mit meinem Vater und meinen Befreundeten in -der Kirche. Da zerdrückte mir der Dämon alle Glieder und nahm mir einen -Schuh vom Fuße weg, den er dann später im Hause meines Vaters vor meinen -Augen dem Knechte an den Kopf warf. Auch warf er ein Fenster ins Haus -hinein mit solch schrecklichem Getöse, daß mein Bruder fast wahnsinnig -wurde. Einmal als ich betete, verletzte er mich an der Nase, sodaß sie -blutete. Am Vorabende von Allerheiligen entwich er mit gewaltigem Gebrüll -und unter Besudelung der Klause in Gegenwart der Hilla von Ingendorf und -der Reklusen. Auch nannte er seinen Namen vor ihnen und sagte, er heiße -Barlabam. Am Feste Allerheiligen blieb ich ohne alle göttliche Tröstung -und auch nachher habe ich solche selten genossen. -</p> - -<p> -Seit jener Zeit bis Weihnachten hatte ich fortwährend zu leiden, was -mir sonst niemals widerfahren ist. Es stiegen nämlich in meinem Herzen -ohne Unterlaß Gedanken auf über Gott, als ob er gerade so sei wie ein -anderer Mensch. — Diese Plage darf kein anderer wissen, als Ihr allein. -— Aus dieser Vorstellung entstanden dann wieder andere Gedanken, so daß -es mir vorkam, mein Geliebter sei meiner nicht würdig. Und doch war mir -dieses überaus widerwärtig und betrübte mich über die Maßen. Er wollte -nämlich, daß mein Herz ihm fluche und seinen heiligen Namen lästere. -Mehrere, auch einige von Eueren Ordensbrüdern, haben ja gehört, wie der -Dämon deutlich aus meinem Munde heraus wider Gott redete. Und hierbei -kam mir mein Bräutigam, der mir soviel Gutes erwiesen hat, vor, wie ein -Nichtswürdiger, der voller Eifersucht ist. Im Widerstande gegen diese -Versuchungen habe ich derart gelitten, daß mir Blut aus Mund und Nase -hervordrang. Bei der Kommunion ging es mir gerade so. Welche Bitterkeit -mir das verursachte, könnt Ihr Euch denken. Ich klage Euch das als meinem -getreuen Beistande. Bestürzung befiel mich auch bei der Erinnerung an -meine früheren Beziehungen zu meinem Bräutigam, und daß an Stelle von -Tröstung und Freude nunmehr gänzliche Bitterkeit mein Anteil sei. Eine -andere Versuchung betraf meinen Herrn Pfarrer. Was -<span class="pagenum"><a id="Page_92" name="Page_92" href="#Page_92">[92]</a></span> -immer er tat, mochte -er nun meine Beichte hören oder mir den Leib des Herrn reichen, nichts -von dem, woran ich doch früher soviele Freude hatte, gefiel mir, und er -selbst kam mir vor wie ein Nichtswürdiger. Zu alle dem hatte ich noch eine -Versuchung, die ich weder dem Herrn Pfarrer noch einem andern Menschen -offenbaren konnte. Ihr wollet ihrethalben, wie ich vertraue, zu Gott für -mich beten. -</p> - -<p> -Mit meinen äußern Leiden verhielt es sich folgendermaßen: Gleich -nach dem ersten Adventssonntage kam der Dämon und warf die Türe meines -Kämmerleins so ins Haus hinein, daß diejenigen, die darin waren, meinten, -das Haus stürze ein. Hierauf brachte er einen Totenkopf, warf denselben -hin und her und grinste mich aus seinen Augen heraus schrecklich an. Dann -warf er denselben der Schwester des Pfarrers, Gertrud, an den Kopf und -unserm Knechte in die Seite, band ihm dann denselben an den Hals und ließ -ihn schließlich bei uns liegen. Fast die ganze Pfarre kam hierüber in -Aufregung. -</p> - -<p> -Später warf er mit fürchterlichen Steinen meinem geliebten Vater nach -dem Kopfe und brachte ihm zwei Wunden am Arme bei. Gertrud, des Pfarrers -Schwester, verwundete er schrecklich an der Stirne. Eine Jüdin, die -gerade hinzukam, nichts nach ihm fragte und sagte, er würde sich nicht -unterstehen, ihr so etwas anzutun, warf er mit einem schweren Stein an -den Kopf. Es tat mir wehe, daß er Leute meines näheren Bekanntenkreises -so verletzte. Später warf er einen großen Stein zwischen die beiden -Brüder Heinrich von Bedburg und Nikolaus. Dem Prior von Brauweiler biß er -elf Wunden in die Hand. Auch dem Bruder Johannes von Muffendorf brachte -er eine große Wunde bei. Den Pfarrer biß er in die Hand. Einem andern -Mönche<a name='FA_41' id='FA_41' href='#FN_41' class='fnanchor'>[41]</a> brachte er fünf Bißwunden bei. Auch biß er eine Begine aus -Brauweiler und Eueren Sohn Adolf, den Scholaren des Herrn Dechanten -der Cölner Domkirche. Auch an mich machte er sich heran, warf mir mit -einem Steine nach dem Kopfe, und verwundete mich so am Kopfe viermal, -nach den Knien sechsmal, wobei er mich einmal verwundete, fünfmal auf -den Rücken, und kratzte mich neulich wund am Knie mit der Scherbe eines -Trinkkruges. Endlich warf er mich mit einem vierpfündigen Steine zwischen -die Schultern, so daß ich Blut spie, mit fünferlei andern Steinen und mit -Tierknochen. Fünfmal schnürte er mir in Gegenwart von Knaben die Finger -und Fußgelenke so fest zusammen, daß Blut floß. Auch preßte er mir wie -mit eiserner Hand die Zehen derartig zusammen, daß unter den Nägeln das -Blut hervorquoll. Desgleichen preßte er meinen Arm so, daß er ihn beinahe -verrenkte. Eine besondere Plage, welche die ganze Adventszeit hindurch -andauerte, bestand darin, daß er mir ungezählte Wunden in den Rücken biß und -<span class="pagenum"><a id="Page_93" name="Page_93" href="#Page_93">[93]</a></span> -immer wieder mit den Zähnen in die Wunden einhackte, so daß das Blut -von den Seiten und vom Rücken herabfloß. Auch biß er mich derartig in die -Füße, daß die beiden Zahnreihen unter der Haut aufeinanderkamen. Er tat -das mit aufgesperrtem Maule, und zwar so, daß er den Biß in die Fersen -und Fußgelenke wiederholte. Jene, die das Blut fließen sahen, konnten sich -des Weinens nicht enthalten. -</p> - -<p> -In der letzten Woche brachte er eine geschundene Katze, drückte sie -mir mit Gewalt in den Mund und ließ sie darin stecken. Am folgenden Tage -steckte er mir den Kopf einer Katze in den Mund, und mein Mund wurde dabei -so voll Blut, daß die Umhersitzenden dasselbe herausfließen sahen. Auch -stopfte er mir Fleisch von Thieräsern in den Mund. Er stieß mich mit den -Füßen so gegen einen Sessel, daß man diesen nicht losbekommen konnte. -Im Beisein der Brüder verbrannte er mein Oberkleid am Rücken und lies -ein kleines Stück daran am Halse übrig. Auch mein Unterkleid verbrannte -und zerriß er. Mein besseres Unterkleid nahm er mir im Beisein anderer -weg, als ich es auszog. Er goß mir auch unsichtbaren Schwefel in den -Mund, so daß ich nur solchen Geschmack im Munde hatte. Etwas wie eine -Flamme erschien mir die ganze Nacht hindurch und es kam mir vor, als ob -er sie mir in den Mund brächte. Zuweilen zeigte er sich als Ungeheuer -mit fürchterlichen Zähnen und tat, als ob er mich verschlingen wollte. -Stimmen ließen sich vernehmen wie die eines Ochsen und eines Schafes, -was mir großen Schrecken einjagte. Oefters führte er hohe Gespräche über -Glaubenssachen und führte dabei Schriftstellen an. Doch es gebricht mir -die Zeit, Euch alles zu schreiben. -</p> - -<p> -Teuerster, Ihr könnt Euch nicht denken, welche Qual mir dies alles -verursacht hat, zumal ich Euch, meinen allezeit getreuen Helfer, in -meinen Leiden nicht bei mir hatte. Unzählige Tränen vergieße ich bei der -Erinnerung an Euere Güte, Euer Mitleid und Euern hülfreichen Beistand. -Wiederum muß ich Euch die Abwesenheit meines Geliebten klagen; denn ich -kenne keinen Menschen, der mich in dieser Bitterkeit so versteht, wie Ihr. -Doch beginnt der helle Tag in etwa zu leuchten. -</p> - -<p> -Ich danke Euch sehr für das mir gesandte Kleid und die andern Geschenke, -die mir Freude machen. Ihr habt gezeigt, daß Ihr alles, was für mich gut -ist, zur Ausführung bringt. Ich schreibe Euch dies alles, weil ich Euch -Vertrauen schenke. Lebet wohl, geliebtester im Herrn! Betet für meinen -Vater und für meine Mutter. Euch zu schreiben, wie es mir im Herzen ist, -das vermag ich nicht wegen meiner Euch bekannten Scheu.“ -</p> -</div> - -<p> -Der Pfarrer Johannes, der Christinas Brief geschrieben, fügte demselben -folgende Nachschrift bei: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_94" name="Page_94" href="#Page_94">[94]</a></span> -„Der Pfarrer bittet Euch, noch folgende Mitteilungen entgegen zu nehmen: -Ihr möget wissen, Bruder Petrus, daß Euere Tochter Christina am Vorabende -von Weihnachten glänzend befreit worden ist. In Gegenwart vieler — es -waren anwesend Bruder Gerhard vom Greif und sein Gefährte, der Prior von -Brauweiler mit seinen Begleitern und noch mehrere andere — rief der Dämon -laut und allen vernehmbar, daß Gott gut sei und er gelogen habe; er heiße -„Schütterich“ (<span class="fmarkd">scutericht</span>). Auch von den andern Versuchungen ward sie -befreit und die Gnade Gottes ist reichlich zu ihr zurückgekehrt.“ -</p> -</div> - -<p> -Drei Tage vor Lichtmeß, mithin am 30. Januar 1270, erhielt Petrus -vorstehenden Brief Christinas. Er antwortete ihr in mehreren Briefen, -die einzelne in Christinas Brief angeklungene Fragen des geistigen Lebens -behandeln, nämlich das Unvermögen, vollständig das Empfinden wiedergeben -zu können, die Abwesenheit des Geliebten, den Anbruch des Tages u. dgl. -Er bittet Christina, ihm in einem Quatern, d. h. einem Hefte von vier -Pergamentblättern in Folio, eingehendere Mitteilung über ihren Zustand -zu machen. In der Fastenzeit sandte dann Christina dem Petrus folgendes -Schreiben: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Dem in Christo vielgeliebten Bruder Petrus von Dazien in Paris -entbietet Christina, seine Tochter oder Schwester<a name='FA_42' id='FA_42' href='#FN_42' class='fnanchor'>[42]</a> in Stommeln, Gruß -und was immer er gutes und nützliches sich wünschen mag. Teuerster, -gar sehr bin ich um Euch bekümmert, und obgleich ich es Euch schon -öfters geschrieben habe, so kann ich doch nicht umhin, Euch nochmals zu -wiederholen, ein wie großes Verlangen ich nach Eurer Gegenwart habe, die -für mich so vorteilhaft war, wie sehr ich Euch <em class="gesperrt">im Herzen Jesu Christi</em> -liebe und wie ich danach verlange, einander wiederzusehen im Reiche -unseres Gottes. Deshalb bitte ich Euch, Ihr wollet es doch, wo möglich, -so einrichten, daß Ihr Euch einige Zeit zu Cöln aufhaltet. Dann kann ich -Euch auch nicht genug danken für die Tröstung, die Ihr mir durch Euere -Briefe bereitet habt und die so wohltuend für mich war. Gott wolle es Euch -ewig vergelten. Was nun Euern schon früher geäußerten Wunsch anbelangt, -ich solle Euch über meinen Zustand Aufschluß geben und das Betreffende -in einem Quatern aufzeichnen, so habe ich mir vorgenommen, diesem Wunsche -nach Möglichkeit zu entsprechen. Hierin habt Ihr ein Vorrecht; denn sonst -niemanden auf Erden könnte ich wohl solche Mitteilungen machen. Mein -Versprechen mache ich Euch in dem Vertrauen, daß ihr meine Mitteilungen -Euerer Gepflogenheit gemäß sorgsam hütet, wie ich mich selbst hüte. Zudem -<span class="pagenum"><a id="Page_95" name="Page_95" href="#Page_95">[95]</a></span> -bitte ich Euch getreulichst, Ihr wollet mir doch recht viele Fürbitter -verschaffen, und mir auch mit Euerm Gebete, worauf ich Vertrauen setze, zu -Hülfe kommen. Denn ich bin in großer Bedrängnis. In jeder Nacht erdulde -ich schweres Leid, so daß es mir vorkommt, als ob ich nicht länger -leben könne. Ich empfinde solchen Ueberdruß an mir selbst, daß es mir -scheint, diejenigen, die in der Welt sind, hätten ein besseres Leben. Auch -verzweifle ich an Gott, obschon mir das zuwider ist. Das alles verursacht -mir größere Pein, als ich Euch jetzt zu sagen vermag. Und mit Gottes Hülfe -kämpfe ich so gegen diese Anfechtungen, daß mir durch Nase und Mund Blut -hervordringt. An nichts Gutem habe ich mehr Freude. Habet doch Mitleiden -mit mir! Ich fühle mich schwach am ganzen Körper, besonders in der Seite -und am Kopfe. Aeußere Plagen habe ich jedoch seit Weihnachten vom Dämon -keine zu erdulden gehabt. Am Mittwoch nach Invocabit (2. Fastensonntag) -kam eine Menge von Dämonen in mein Kämmerlein und hielten ein Gespräch, -wobei ich anfänglich zuhörte. Sie sprachen miteinander davon, wieviel -Uebles sie mir zugefügt, in welchen Versuchungen sie mich überwunden -hätten und in welchen sie überwunden worden seien, und welche Strafe sie -dann erlitten. Als sie endlich weggingen, ließen sie die Fetzen meines -Obergewandes zurück, das sie verbrannt hatten. -</p> - -<p> -Inständigst bitte ich Euch, lasset mich doch öfter wissen, wie es Euch -geht. Wenn Ihr wüßtet, welche Freude mir Euere Briefe machen, würdet Ihr -mir gerne schreiben. Es grüßen Euch mein Vater und meine Mutter. Ich bitte -Euch, wie für mich, so auch für sie zu beten.“ -</p> -</div> - -<p> -Diesen Brief erhielt Bruder Petrus am Tage des h. Petrus von Mailand (29. -April) zugleich mit einem ganz kurzen Schreiben des Pfarrers Johannes. -Dieser machte noch, jedoch ohne Vorwissen Christinas, Mitteilung davon, -daß sie am Sonntag Reminiscere (2. Fastensonntag), während Bruder -Gerhard vom Greif vom Leiden des Herrn predigte, die fünf Wunden sowie -die Dornenkrone empfing und mit Galle getränkt wurde. Am Karfreitag -erschienen desgleichen an ihren Händen und Füßen, sowie an der Seite und -Stirne die Wundmale wie in den vorhergehenden Jahren. Vor Pfingsten hatte -Christina drei Nächte nacheinander ein merkwürdiges Gesicht. Sie schaute -und gewahrte alle Peinen der Hölle: Heulen und Weinen, Hammerschläge, -Qual der Hitze und der Kälte, Kröten und Schlangen, Gestank und Qualm -und viele andere, die sich mit Worten nicht ausdrücken lassen. Infolge -dieses Gesichtes überfiel sie eine große Angst wegen ihrer Sünden, da -sie sah, -<span class="pagenum"><a id="Page_96" name="Page_96" href="#Page_96">[96]</a></span> -welch unerträgliche Qualen in der Hölle und im Fegfeuer den -Menschen treffen wegen der Sünden, die so bald vollbracht sind. Sie -wünschte deshalb, sofern es dem Willen Gottes entspreche, daß eine -von den Schlangen, die sie gesehen, sie quäle für ihre Sünden und sie -reinige, damit sie so den Strafen des Fegfeuers entgehe. Und in der Tat, -die Schlange kam auf sie zu, zischte ihr entgegen, ringelte sich um ihre -Glieder und zernagte ihre Eingeweide, so daß Christina aufschrie vor Angst -und Schmerz. Zwei Wochen dauerte diese furchtbare Qual. Dann verschwand -die Schlange und die seligste Jungfrau kam im Schlafe zu Christina mit -einem Becher in der Hand und sprach: „Nimm hin, Geliebteste, und trinke; -dann wirst du gesunden und aller Schmerz wird von dir weichen.“ Süßer als -Honig dünkte dieser Trunk der Schwergeprüften und drei Tage hindurch wich -dieser Geschmack nicht aus ihrem Munde. -</p> - -<div id="Fabb_08" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb08.jpg' - alt='8. Grabstätte Christinas zu Stommeln.' - /> -<p class='caption'>8. Grabstätte Christinas zu Stommeln.</p> -</div> - -<h2 id="kapi12" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Zwölftes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Besuche des Petrus in Stommeln bei seiner Rückkehr von Paris. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_97" name="Page_97" href="#Page_97">[97]</a></span> -Bereits zu Ostern 1270 war nach Cöln die Kunde gekommen, Bruder Petrus -werde in Bälde aus Paris zurückkehren. Jedoch reiste er erst am Sonntage -nach dem Feste des h. Jakobus (27. Juli 1270), begleitet von Bruder -Nikolaus, von Paris ab und langte zwei Tage vor Maria Himmelfahrt -in Stommeln an. Tags darauf machte Petrus der Christina einen kurzen -Besuch. Es war ja der Vorabend des höchsten Marienfestes, ein Fasttag, -den Christina, wie alle ähnlichen Tage, in strengster Zurückgezogenheit -zuzubringen pflegte. Bruder Nikolaus drang darauf, noch am selben -Tage nach Cöln zu gehen, um dort mit den Brüdern das Fest zu begehen. -Bruder Hiddo jedoch, ein Ordensmann von hohem Ansehen, der neun Jahre -hindurch Provinzial der deutschen Provinz gewesen, befand sich gerade -in Stommeln. Er war Beichtvater und Ratgeber der Aebtissin Geva von St. -Cäcilien in Cöln, die auf ihrem Hofe in Stommeln weilte, und Hiddo war -deshalb zum Feste herübergekommen. Dieser riet den beiden Brüdern, in -Stommeln zu bleiben bis zum Nachmittage des Festtages. Sie folgten dem -Rate, übernachteten auf dem Hofe des Cäcilienstiftes und gingen am Maria -Himmelfahrtstage nach Tisch mit Bruder Hiddo nach Cöln. -</p> - -<p> -Christina hatte in ihrem letzten Briefe an Petrus diesem den Wunsch -ausgedrückt, er möge sich bei seiner Rückkehr aus Paris einige Zeit -in Cöln aufhalten. Als nun Petrus bei Christina am Vorabende vor Maria -Himmelfahrt vorgesprochen, hatte diese ihn gefragt, ob er sich in Cöln -aufhalten würde. „Nein,“ hatte Petrus geantwortet, „es müßte denn ein -unvorhergesehenes Hindernis eintreten.“ Christina hatte darauf erwidert: -„Möchtet Ihr doch durch irgend etwas genötigt werden, -<span class="pagenum"><a id="Page_98" name="Page_98" href="#Page_98">[98]</a></span> -zu bleiben.“ Als -die beiden Brüder nun zwei Nächte in Cöln geschlafen und Bruder Nikolaus, -der für die Reise Vorgesetzter des Petrus gewesen zu sein scheint, am -darauffolgenden Tage unbedingt abreisen wollte, wurde er in der Nacht von -einem sehr heftigen Fieber ergriffen, das ihn sieben Wochen lang ans Bett -fesselte und fast an den Rand des Grabes brachte. Während dieser Zeit kam -Petrus eines Tages auf einige Stunden nach Stommeln. Bruder Mauritius -nämlich und Bruder Andreas von Esch (<span class="fmarkd">acsiensis</span>) mußten studienhalber -nach Paris reisen. Sie gingen über Stommeln und Petrus gab ihnen bis -dahin das Geleit, mußte aber noch am selben Tage nach Cöln zurück, um die -Nacht hindurch wieder bei dem kranken Gefährten Nikolaus sein zu können. -In jenen Tagen kam Christina einmal nach Cöln und während sie dort war, -raubte ihr der Teufel acht cölnische Schillinge (<span class="fmarkd">solidi</span>), die sie dem -Petrus geben wollte, damit er sich dafür einen neuen Rock kaufen könne. -Denn sie hatte gesehen, daß er dessen sehr bedurfte. „Doch, schreibt -Petrus, der Teufel störte sich nicht an ihre Wohltätigkeit noch an meine -Dürftigkeit.“ -</p> - -<p> -„Als aber Bruder Nikolaus, so fährt Petrus fort, wieder zu Kräften -gekommen war, ging ich ihm voraus nach Stommeln, um meine dortigen -Freunde zu besuchen, und als ich am Tage des h. Erzengels Michael mich -mit Christina über Gott und seine Liebe unterhielt, stellte sie im Laufe -des Gesprächs an mich die Frage: „Bruder Petrus, da du jetzt von mir -scheidest, so befrage ich dich über ein trautes Geheimnis: sage nur, wenn -du es weißt, was ist die Ursache unserer gegenseitigen Liebe?“ Ich wurde -stutzig und antwortete: „Ich glaube, daß Gott der Bewirker und Urheber -unserer gegenseitigen Liebe und Freundschaft ist.“ Sie entgegnete: „Daran -zweifle ich nicht; allein ich möchte wissen, ob dir in dieser Hinsicht -ein unzweifelhaftes Kennzeichen und eine besondere Gnadenerweisung zuteil -geworden ist.“ Ich suchte einer Beantwortung auszuweichen, weil ich nicht -die Unwahrheit sagen wollte, und andererseits Vorwürfe des Gewissens -fürchtete. — Petrus hatte nämlich am Christinatage des Jahres 1268 ein -Malzeichen in der linken Hand erhalten, das er sorgfältig geheim gehalten -hatte. — Christina aber fuhr fort: „Ich weiß, daß die Zeit unserer -Trennung und meiner Verlassenheit ganz nahe bevorsteht. Deshalb offenbare -ich dir ein Geheimnis, das ich dir sonst nicht mitgeteilt -<span class="pagenum"><a id="Page_99" name="Page_99" href="#Page_99">[99]</a></span> -haben würde. -Erinnerst du dich noch, wie du zuerst zu mir gekommen bist gegen Abend mit -Bruder Walter guten Angedenkens, wo ich dich zum ersten Male gesehen habe; -ich saß nicht weit von dir, hatte mich auf ein Kissen etwas angelehnt und -den Kopf geneigt?“ „Dessen erinnere ich mich,“ sagte ich. Sie aber fuhr -fort: „In jenem Augenblicke erschien mir der Herr, und ich sah meinen -Geliebten und ich hörte, wie er zu mir sprach: „Christina, kennst du -den Mann, der dort an der Seite sitzt, nach der du den Kopf hingeneigt -hast, und ist dir kund sein Loos?“ Ich antwortete: „Herr, diesen Mann -kenne ich nicht und sein Antlitz habe ich niemals gesehen.“ Da sprach er -weiter: „Betrachte diesen Mann genau; er ist dein Freund und wird es auch -fürderhin sein und er wird Vieles für dich tun. Aber auch du sollst für -ihn tun, was du für keinen andern Sterblichen tun wirst. Wisse auch, daß -er mit dir im ewigen Leben vereinigt sein wird.“ Das nun, Bruder Petrus, -ist die Ursache, weshalb ich dich liebe und weshalb ich so vertraut gegen -dich bin.“ Während Christina dies sprach, dankte ich Gott unter Tränen, -daß er mich zum Freunde einer solchen Person hatte machen wollen und zum -Mitwisser so großer göttlicher Geheimnisse. Doch habe ich dies, was mir -Gegenstand innigster Tröstung gewesen, in meinem Herzen verborgen gehalten -... Ich hoffe aber durch Christi Freundin Christina Verzeihung der Sünden -und Gnade zur Ausübung guter Werke zu erlangen. Am folgenden Tage, dem -Tage des h. Hieronymus d. J. 1270, reisten Bruder Nikolaus und ich von -Stommeln ab. Bruder Johannes Hespe und Bruder Helinrich, Studierende aus -der Provinz Dazien, wie auch der Herr Pfarrer und seine Schwester Gertrud, -Hilla vom Berge und Christina nebst mehreren andern Personen begleiteten -uns eine Strecke Weges. Während ich nun mit Christina einherschritt, -übergab sie mir den Quatern, worin Einiges über ihren Zustand, das sie auf -meinen Wunsch hin hatte aufzeichnen lassen, enthalten ist. Dieser Quatern -ist meines Erachtens gemeint, wenn oben gesagt wurde, sie werde für mich -tun, was sie für keinen andern Sterblichen tun werde. Als wir zwei nun des -Weges gingen, der eine ebenso betrübt und traurig wie die andere wegen -der bevorstehenden Trennung, sprach ich endlich: „Teuerste Christina, -es ist Zeit Abschied zu nehmen. Lebe wohl im Herrn.“ Als sie das hörte, -antwortete sie nicht, sondern verhüllte mit dem -<span class="pagenum"><a id="Page_100" name="Page_100" href="#Page_100">[100]</a></span> -Mantel ihr Gesicht, setzte -sich auf die Erde und weinte reichlich und bitterlich. Da ich sie so -weinen sah, rief ich dem Bruder Nikolaus, der etwas vorangegangen war, -er möge zurückkommen, um sich von Christina zu verabschieden, damit wir -dann weiter reisen könnten. Als dieser zurückkam, stand Christina auf. -Wir verabschiedeten uns nun, empfahlen uns einander ins Gebet und setzten -dann die Reise fort. Bruder Nikolaus aber schenkte der Christina seinen -Rosenkranz, den er vier Jahre hindurch getragen hatte. Er war nämlich -durch Christinas Anblick, wie er gestand, mit großer Verehrung gegen sie -erfüllt worden. Als wir weggegangen, setzte sich Christina wiederum auf -die Erde, bedeckte ihr Gesicht mit dem Mantel und weinte bitterlich.“ -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi13" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Dreizehntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Briefwechsel nach des Petrus Rückreise nach Schweden. Christinas Eltern -und Pfarrer Johannes sterben. 1270-1279. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_101" name="Page_101" href="#Page_101">[101]</a></span> -Nach seinem Weggange von Stommeln blieb Bruder Petrus zwei Jahre lang -ohne Nachricht von Christina. Erst als er nach Aarhus in Jütland -zum Ordenskapitel kam, erhielt er mehrere Briefe von ihr, die aber -nacheinander zu verschiedenen Zeiten geschrieben waren. Durch Schreiben -des Bruders Mauritius aus Paris vom 15. Juni 1271 hatte Christina -erfahren, daß Petrus nach vielen Beschwerden am Freitage nach Mariä -Lichtmeß gesund und wohlbehalten in Skeninge angekommen war, dort -am Mittwoch nach dem Feste des h. Matthias sein Amt als Lesemeister -angetreten habe und wünsche, von ihr Nachricht zu erhalten. -</p> - -<p> -Daraufhin schrieb dann Christina folgenden Brief: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Dem besonders geliebten Bruder und Vater Petrus vom Predigerorden, -Lesemeister in Skeninge, entbietet die besonders geliebte und ergebene -Christina von Stommeln den Ausdruck ihrer aufrichtigen Liebe aus tiefstem -Herzen, im Feuer und in der Süßigkeit des h. Geistes, im Glanze und in der -Schönheit Jesu Christi. Teuerster, als wir uns letzthin trennten, war ich -so voller Betrübnis, daß zwei Tage hindurch meine Augen nicht aufhörten, -Tränen zu vergießen beim Gedanken daran, daß ich nunmehr des Trostes -entbehren müßte, den Ihr mir in Christo zu spenden pflegtet. Und so oft -ich seitdem einen Bruder aus dem Ausland hier ankommen sah, erneuerte sich -mein Schmerz über Euer Fernsein. Ja, wahrlich, nach dem Abschiede von Euch -bin ich wie eine Verbannte und Hoffnungslose nach Hause gegangen, als eine -von ihren treuen Freunden Verlassene. Denn ich finde keinen, der mir so -gesinnungsverwandt wäre, der es so verstände, mit meinen Schwachheiten -Mitleid zu haben, der solch allseitige Erfahrung besäße. Euch allein -vertraute ich und würde Euch meines Herzens Geheimnisse mehr als irgend -einem -<span class="pagenum"><a id="Page_102" name="Page_102" href="#Page_102">[102]</a></span> -Menschen auf Erden anvertraut haben, wenn ich bei Euch hätte -bleiben können. Ich stehe zwar zu mehreren Brüdern in freundschaftlicher -Beziehung; allein sie sind mir doch nicht das, was Ihr mir waret. Ihr -wißt, weshalb. -</p> - -<p> -Acht Briefe habt Ihr mir seit Euerer Abreise zugesandt. Dafür vermag ich -Euch zeitlebens nicht hinlänglich zu danken. Denn unter den unzähligen -Beweisen Euerer Güte nehmen Euere Briefe die erste Stelle ein. Die -Verdolmetschung dieser Briefe konnte ich nie anhören, ohne Tränen zu -vergießen, weil sowohl der Inhalt mich erfreute, und weil ich auch die -Treue Euerer Liebe erkannte. -</p> - -<p> -Nunmehr zu den Mitteilungen. Vierzehn Tage nach Euerer Abreise sagte -mir der alte Feind: „Bruder Petrus ist auf der Reise von Räubern getötet -worden.“ Zaghaft, wie ich bin, schenkte ich ihm Glauben und war acht -Tage hindurch über die Maßen betrübt. Dann aber betete ich zu Gott -unter Tränen: „Herr, mein Gott, der Du allein die Wahrheit bist, tue -mir kund, ob wahr ist, was der Dämon gesagt hat.“ Darauf erschien mir im -Traumgesicht die allerseligste Jungfrau und sprach: „Beruhige Dich; Petrus -lebt noch. Der Dämon hat Dich betrogen. Darin hast Du gefehlt, daß Du -Dich über die Maßen betrübt hast. Den Worten des Dämons sollst Du keinen -Glauben schenken.“ -</p> - -<p> -Teuerster, bisweilen melden Euere Briefe Zweifel, als ob ich Euerer -vergessen hätte. Dem ist nicht so. Was ich versprochen, werde ich mit -Gottes Gnade halten, und ich hoffe, mit Euch zusammen ewig im Himmel zu -leben. Ich bedauere es, Euch nicht öfter über meinen Zustand Mitteilung -machen zu können. Wenn ich einen Boten zur Verfügung hätte, so würde ich -Euch noch lieber schreiben und geschrieben haben, als Ihr mir. Ja, wenn -ich selbst schreiben könnte, so würde ich Euch manches mitteilen, was ich -jetzt füglich nicht mitteilen kann. -</p> - -<p class="special"> -Ihr führtet gern den Spruch im Munde: -<br /> -<span class="fmarkd">Pluribus intentus minor est ad singula sensus.</span><br /> -Ist der Sinn auf Vieles gewandt, so leidet das Einzelne. -</p> - -<p> -So wünsche ich denn umgekehrt, daß Ihr mir Euere besondere Sorgfalt -angedeihen laßt, da ich ja, wie Ihr sagt, Euer einziges Pflegekind bin. -Teuerster, wie groß mein Schmerz ist wegen Euerer Abwesenheit, vermag -ich nicht zur Genüge zu schildern. Aber mein größter Schmerz ist es, -daß ich Euch über meinen Zustand nicht so schreiben kann, wie ich gern -wollte. Ach! Teuerster, es ist nicht mehr wie ehedem, als Ihr nebst -Bruder Aldebrandino mit mir nach Ossendorf ginget, wo Ihr mir soviel -Tröstliches gesagt habet. Solch erlesene Erweise der Güte waren für mich -allzeit der Weg zu größeren Gütern. Ich danke Euch recht sehr für Euere -mehrfachen Geschenke. Ohne Auslagen zu scheuen, habet Ihr Euch über Gebühr -angestrengt -<span class="pagenum"><a id="Page_103" name="Page_103" href="#Page_103">[103]</a></span> -und mehr getan, als ich wünschte. Für Euer Heiligtum<a name='FA_43' id='FA_43' href='#FN_43' class='fnanchor'>[43]</a> danke -ich verbindlichst und für den Rock. Diesen ziehe ich nur an Festtagen an; -denn ich möchte, so Gott will, ihn mein ganzes Leben lang tragen. Ach! -Teuerster, was fehlte mir, als Ihr hier waret? Vor Euch hatte ich keine -Furcht; und Ihr habt meine Worte und meine Handlungen, meine Freude und -meine Trauer niemals übel gedeutet, sondern alles nach der guten Seite hin -ausgelegt als wahrer Freund, der meine Gesinnung kannte. Aber jetzt ist es -nicht mehr so. Ich lege mir Stillschweigen auf, weil ich Eueres Gleichen -nicht finde und auch nicht zu finden suche. Als die härteste Pein erachte -ich es aber, daß Ihr von mir weggegangen seid wie einer, der verbannt ist -ohne Hoffnung auf Rückkehr. -</p> - -<p> -Als Ihr Euch auf der Reise befandet, war ich immer Euretwegen besorgt -wegen der Witterung, der Beschwernis und Weite des Weges, ob Unfall Euch -etwa getroffen, ob Ihr gute Unterkunft und gastliche Aufnahme unterwegs -gefunden; und immer flehte ich zu Gott, daß er Euch eine glückliche -Reise verleihen wolle. Und nun ist mein größter Wunsch, daß Ihr mir recht -viele Freunde anwerben wollet, die für mich bei Gott Fürsprache einlegen. -Besorget mir auch, wenn ich Euch überleben sollte, einen treuen Freund, -der nach Euerem Tode Euere Stelle bei mir vertritt. Ueberdies beschwöre -ich Euer Liebden, mir von Euerem Geliebten die von mir ersehnte Gnade -zu erwirken, daß er mich nach Euerem Heimgange nicht länger möge leben -lassen, sonder vielmehr mich zugleich mit Euch und in Teilnahme an Euern -Gütern, gestützt auf den Geliebten hinwandern lasse ins Himmelreich. -Desungeachtet bitte und wünsche ich dennoch, daß Ihr, wofern es immer -möglich ist, in Anbetracht unserer gegenseitigen Liebe und Freundschaft, -mich Unwürdige vor Euerem Tode noch einmal besuchen wollet, teils weil -ich sehr darnach verlange, teils weil ich Euch vieles zu offenbaren habe, -was ich keinem andern mitteilen kann. Wenn Ihr irgendeinen Wunsch habt, -so lasset ihn mich wissen; denn ich bin gerne bereit, alle Euere Wünsche -zu erfüllen. Lebet wohl in unserem Herrn Jesus Christus. Betet auch, -Teuerster, ich bitte Euch, für meinen Herrn Johannes, den Schreiber dieses -Briefes.“ -</p> -</div> - -<p> -Mit diesem Briefe Christinas gelangte gleichzeitig ein anderes Schreiben -von ihr an Petrus, das über neue Versuchungen berichtet. Christinas Trauer -und Niedergeschlagenheit über des Petrus Abreise benutzte Satan dazu, -um sie zu versuchen, dem Ordensleben zu entsagen. Ihr Herzeleid und ihre -Trostlosigkeit klagt sie dem Petrus folgendermaßen: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_104" name="Page_104" href="#Page_104">[104]</a></span> -„Ihrem teuersten und liebwertesten Vater und besondern Freunde, dem -Bruder Petrus aus dem Predigerorden, Lesemeister in Skeninge, entbietet -Christina von Stommeln alles, was er sich an Ehrbezeigung und Liebe -wünschen mag. Teuerster, was die Plagen anbelangt, die mich nach Euerem -Weggange betroffen haben, so wisset, daß kurz vor Allerheiligen (1270) -der Dämon mich durch einen bösen Ratschlag versucht hat. Da ich aber durch -Gottes Barmherzigkeit seine Versuchung zurückwies, drohte er mir, mich bei -den Haaren in die Höhe zu ziehen. Das setzte er schließlich auch ins Werk -und zog mich an den Haaren über die Decke, den Dachboden meiner Kammer, -die Ihr kennt, und stieß mich dann mit dem Leibe gegen den Dachstuhl. Vor -dieser Quälerei zog er ein Schwert, zerschnitt damit der Hilla das Kleid -und verletzte ihren Rücken. Als ich aber über meiner Kammer lag, fuchtelte -er mit dem Schwerte, wie alle, die da waren, es gesehen haben, bis mein -Vater zum Herrn Pfarrer lief. Dieser eilte alsbald herbei und hörte -bereits auf unserem Hofe das Sausen des Schwertes. Als er aber eintrat, -sah er, wie über dem Dachboden der Kammer ein Schwert einhersauste, Hände -aber sah er nicht. Als er nun eine Leiter ansetzte, um hinaufzusteigen, -wurde er daran gehindert, weil der Dämon ihm wiederholt Schläge auf den -Kopf versetzte. Mein Vater versuchte dann mit einer Stange das Schwert -hinwegzuschlagen, aber da hieb das Schwert in die Stange hinein. Endlich -als mein Herr Pfarrer beherzt heraufkommen wollte, ließ der Dämon das -Schwert fallen und so trug man mich hinab. Später, als ich bei dem Bruder -Johannes von Muffendorf beichten wollte, kam der Dämon und schlug mich -aufs Auge. Dann erschien er mir in Gestalt desselben Bruders und sprach. -„Teuerste Tochter, ich habe dieselbe Versuchung wie du; um jeden Preis -will ich mit dir aus dem Orden austreten.“ Ich antwortete. „Was sagt -Ihr, Herr? Glaubt Ihr etwa, ich hätte Euch deshalb meine Versuchungen -offenbart, weil ich in dieselben einwilligen möchte? Das empört mich. -Ich glaubte, Ihr würdet mich trösten. Wisset Ihr nicht, daß ich lieber -sterben möchte, als meinen Gott verlassen?“ Bruder Johannes hörte diese -Worte und wurde sehr betrübt. Er fürchtete, ich würde aufschreien und ihn -beschämen; denn er wußte nicht, daß der Dämon die Sache angestiftet hatte. -Im Advent (1270) bereitete mir der Dämon folgende Leiden: Zwei bewaffnete -Fäuste legte er mir auf die Schultern und schüttelte meinen ganzen Körper -so, daß ich beinahe erstickte und viele Ordensleute mich nicht halten -konnten. Zudem zog er mir die Zunge aus dem Halse, so daß alle es sahen, -und sie verharrte in solcher Starre, daß niemand sie zurückbringen konnte. -Da aber betete ich und indem ich mit dem Daumen das Kreuzzeichen über -meine Zunge machte, sprach ich: „Herr Jesus Christus, wenn jemals diese -Zunge dich -<span class="pagenum"><a id="Page_105" name="Page_105" href="#Page_105">[105]</a></span> -würdig gelobt hat, so befiehl dem bösen Feinde, daß er sie -verlasse.“ Und alsbald ließ er sie los. Ich aber blieb vierzehn Tage lang -stumm. Dem Bruder Johannes schnitt er eine große Wunde in die Hand. Dem -Bruder Johannes von Kreuzburg machte er Schnitte in zwei Finger, und als -derselbe Bruder einmal da saß und bei Kerzenschein in seinem Buche las, -schlug ihn der Teufel mit einem schweren Steine an den Kopf, riß ihm das -Buch weg und warf ihn in seinem Mantel aus dem Zimmer. Die Schwester des -Pfarrers schnitt er in den Daumen. Einem Laien hatte er den Daumen nahezu -abgeschnitten.“ -</p> -</div> - -<p> -Diesem Briefe Christinas fügte der Pfarrer noch eine Nachschrift bei, in -der die Reihe der teuflischen Mißhandlungen ergänzt und erläutert wird. -Unter anderm erfahren wir, daß der Teufel, als er schließlich am Vorabende -vor Weihnachten abließ, Christina zu schütteln, sich entfernte mit den -Worten: „<span class="fmarkd"><em class="gesperrt">Louvelois scheindhof</em></span>“ (schmähliche Hofschinderin), mir ward -Gewalt gegeben, Dich zu versuchen; doch mit Schande weiche ich zurück und -werde die verdiente Strafe empfangen.“ -</p> - -<p> -Auch meldet der Pfarrer, daß bald nach der Abreise des Petrus ein -Interdikt über die Gegend verhängt worden sei — Erzbischof Engelbert von -Falkenburg war der Urheber dieser Maßregel — Christina mußte deshalb nach -Brauweiler gehen, um die h. Kommunion zu empfangen. Die Abtei Brauweiler -unterlag nämlich nicht dem Interdikte. Wenn Christina nun ausgehen wollte, -um die hh. Sakramente zu empfangen, so drohte ihr der Teufel, wenn sie -nicht zu Hause bleibe, so werde er sie mit vielen Plagen heimsuchen und -dafür sorgen, daß sie beschämt werde. Als sie nun einmal in der Kirche zu -Brauweiler beim Prior gebeichtet hatte und sich dann anschickte, zur h. -Kommunion zu gehen, da riß ihr urplötzlich der Teufel die Schuhe von den -Füßen und zerfetzte sie; dann stieß er sie mit dem Kopfe gegen die Mauer -und zog ihr die Haut von den Füßen. In diesem schmerzlichen Zustande ging -sie zum Altare. Noch lange Zeit nachher hatte sie Schmerzen an den Füßen. -</p> - -<p> -Ein dritter Brief, den Bruder Petrus zu Aarhus von Christina erhielt, -gibt Kunde von weiteren Prüfungen, die sie betroffen, vom Verluste -mehrerer Freunde und von der Verarmung ihrer Eltern. Er ist gegen Ende -der Fastenzeit 1272 geschrieben und hat folgenden Wortlaut: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Ihrem lieben, teuern, allerteuersten Bruder Petrus, Lesemeister -der Predigerbrüder in Skeninge, entbietet Christina von -<span class="pagenum"><a id="Page_106" name="Page_106" href="#Page_106">[106]</a></span> -Stommeln Heil im -wahren Heilande. Da ich nach Euerem Weggange mich lange Zeit hindurch von -meinem Bräutigam verlassen fühlte, war ich so niedergeschlagen, daß ich, -was viele gesehen, beträchtliche Klumpen geronnenen Blutes gespieen habe. -</p> - -<p> -Klagen muß ich Euch auch meinen Schmerz über das Geschick meiner -Freunde. Vor allem melde ich Euch mit Betrübnis, daß der innigstgeliebte -Herr Prior von Brauweiler nach Mariä Himmelfahrt gestorben ist. In seiner -Krankheit hat er sich mit so flehentlichen Worten meinem Gebete empfohlen, -daß ich ohne Tränen nicht davon sprechen kann. Er hat auch gewünscht, ich -möchte Euch schreiben, daß Ihr doch für ihn betet. Ich bitte Euch deshalb, -daß Ihr so seiner Seele gedenken möget, wie Ihr nach meiner Ueberzeugung -es für mich selbst tun würdet, wenn ich gestorben wäre. Er hat mir -nämlich, so lange er lebte, sehr viel Gutes erwiesen. Um meinen Schmerz -voll zu machen, ist dann auch noch Bruder Gerhard vom Greif weggegangen. -Er wurde nämlich als Prior nach Coblenz versetzt. So sind denn nun fast -alle meine Freunde von mir geschieden. -</p> - -<p> -Außerdem traf großes Ungemach andere von meinen Freunden und zumal meine -Eltern, die ganz verarmten, weil mein Vater in Folge einer Bürgschaft, -die er zwischen Juden und Christen übernommen, seine ganze Habe eingebüßt -hat. Da er es nicht über sich bringen konnte, hier zu bleiben, ist er für -drei Monate aus dem Dorfe weggegangen. Ihr könnt Euch denken, Teuerster, -welche Betrübnis es für mich war, als mein Vater, der mir soviel Gutes -erwiesen, jeglichen Gutes bar, so von dannen ging. Als er in Cöln war, -drängte es mich, ihn dort zu besuchen, um zu sehen, wie es mit ihm stände. -Und als ich ihn so niedergeschlagen sah, habe ich herzlich geweint. Am -Tage der unschuldigen Kinder mußte meine Mutter nach Cöln, um den Vater zu -besuchen, fiel aber vom Karren, brach den Arm und erhielt eine große Wunde -am Kopfe. Auch sie zog sich dann nach Cöln zurück. Das war für mich eine -neue Trübsal, da sie lange bettlägerig war und viele Auslagen hatte. Auch -wurde sie von hochgradigem Fieber befallen, so daß Euere Mitbrüder ihr die -h. Oelung erteilten. Ueberdies bekam sie die Blättern, so daß sie nicht -wiederzuerkennen war. Sechs Wochen lang lag sie in dieser Heimsuchung in -Cöln darnieder. Und so ging ich denn gleich nach den Weihnachtsfeiertagen -nach Cöln. Ich konnte jedoch wegen der frischen Wunden keine Schuhe -anziehen — kurz vor Weihnachten hatte ihr nämlich der Teufel Bindweiden -durch die Füße gezogen — und so ging ich denn barfuß nach Cöln bei -größter Kälte und in großer Qual an Leib und Seele. Als ich nach einiger -Zeit nach Stommeln zurückkam, fand ich Haus und Hof ohne Bewohner. Nichts -mehr fand sich dort vor; ich war -<span class="pagenum"><a id="Page_107" name="Page_107" href="#Page_107">[107]</a></span> -wie eine Arme und Heimatlose und in -gänzlicher Not mußte ich bald hier, bald dort Unterkunft suchen. -</p> - -<p> -Voll von Leid bin ich gegenwärtig und auf noch mehr Leid mache ich mich -gefaßt. Und doch muß ich Vorsorge treffen und den ganzen Tag über sehe ich -der vollständigen Losreißung von den Meinigen entgegen. Darum, teuerster, -bitte und ersuche ich Euch, doch für mich zu beten in Anbetracht der -großen Notlage, in die ich gekommen bin, auf daß Gott mich in diesen -Prüfungen ohne Sünde erhalten möge, mir unerachtet der Ablenkung seine -Gnade nicht entziehe und schließlich mein Leid verwandele in Freude, die -niemand mir nehmen kann. -</p> - -<p> -In der gegenwärtigen Fastenzeit, in der ich diesen Brief schreibe, -entbehre ich jeglicher Gnadenerweisung und der Freude am Gebet. Dabei -werde ich von innerlichen Versuchungen heftig geplagt. Ueberdies kommt der -Dämon, wenn ich bete, in Gestalt einer eigroßen Spinne — Christina hatte -besondern Ekel vor Spinnen — mir ins Gesicht gekrochen und belästigt -mich. An einem Finger hat sie mir Blasen verursacht und ich befürchte, -daß sie mir deren noch mehr beibringen wird. Teuerster, nochmals bitte ich -Euch, wollet wo möglich, sobald Ihr könnt, mich besuchen; denn ich bedarf -Eueres Rates und möchte Euch gerne wiedersehen. Lebet wohl in unserm Herrn -Jesus Christus.“ -</p> -</div> - -<p> -Am Karfreitage (22. April) des Jahres 1272 empfing Christina die -fünf Wunden wie in den früheren Jahren und am h. Ostertag genoß sie -überreichlichen Trostes. Auch verschwanden an diesem Tage die Narben der -Wundmale, worüber sie sich sehr freute. Vor Maria Himmelfahrt war ihr -längere Zeit hindurch jegliche Tröstung entzogen und es war ihr, als -ob Gott ihr niemals eine Gunsterweisung erzeigt hätte. Am Tage des h. -Laurentius begann der Teufel morgens ihr besonders heftig zuzusetzen und -in der folgenden Nacht versengte er ihr die Haare, so daß der Geruch davon -sich durchs ganze Haus verbreitete. Dann stieß er ihr ein glühendes Eisen -in den Rachen, zog es aber wieder heraus, und stieß es ihr dann in die -Eingeweide. Das verursachte ihr unaussprechliche Qual. Sie hatte sich aber -vorgenommen, am folgenden Tage zur h. Kommunion zu gehen und sie sprach -deshalb: „Ich sage Dir, Dämon, daß ich vorhabe, morgen meinen Geliebten -zu empfangen.“ Der Dämon antwortete, indem er einen Dolch hervorzog: „Wenn -Du das tust, so steche ich Dich in die Zunge und vereitle Dein Vorhaben.“ -Und da sie von ihrem Vorhaben nicht abließ, stieß der Teufel sie wirklich -mit dem Dolch in die Zunge -<span class="pagenum"><a id="Page_108" name="Page_108" href="#Page_108">[108]</a></span> -und ließ ihn darin stecken. Als sie morgens -zur Kirche kam, floß das Blut noch aus dem Munde. -</p> - -<p> -Am Feste Mariä Himmelfahrt oder tags darauf diktierte Christina dem -Pfarrer Johannes ein kurzes Schreiben, das Petrus zugleich mit den drei -vorhin mitgeteilten zu Aarhus erhielt. Es bringt inhaltlich nichts Neues, -enthält vielmehr Wiederholungen, ist aber bezeichnend für den Zustand -des Verlorenseins, der Christina beim Diktieren überraschte. Sie geriet -nämlich beim Diktieren in Verzückung. Das Briefchen lautet wie folgt: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Ihrem vielgeliebten Vater und teuersten Freunde, dem Bruder Petrus, -Lesemeister in Skeninge, wünscht seine Tochter Christina immerwährende -geistige Teilnahme am himmlischen Gastmahl, Fülle der Wonne, Erhebung -zum Wunderbaren und Erquickung durch Gnadeneinströmung. Oefters habt Ihr -mir vorgehalten, daß ich Euch nicht schriebe; in letzter Zeit aber habe -ich Euch vier Briefe geschrieben, die Euch durch die Brüder zugestellt -werden sollten — ich weiß aber nicht, ob Ihr sie erhalten habt. In -diesen Briefen habe ich Euch vieles berichtet über das, was mir der Dämon -nach Euerem Weggang angetan hat, und auch solches, was meine Freunde -betrifft. Und weil ich Euern Wunsch in dieser Hinsicht kenne, so dürft -Ihr Euch versichert halten, daß ich Euch sehr gerne schreiben würde, -wenn ich Gelegenheit hätte, die Briefe abzuschicken. Was mir bis zum -Advent zugestoßen, habe ich Euch geschrieben. In der Fastenzeit kam, wenn -ich betete, regelmäßig der Dämon in Gestalt einer Spinne und belästigte -mich, soviel er konnte. Teuerster, ich bitte Euch, bleibet mir ein treuer -Freund; denn vor allen Menschen setze ich mein Vertrauen auf Euch und ich -verlange mehr nach Euerem Besuche, als Ihr glaubt. Möge er mir vor meinem -Tode zuteil werden! In Brauweiler ist der Prior, mein trautester Freund, -gestorben. Teuerster, gedenket seiner in Treue und betet für meine Eltern, -die sich in größter Trübsal befinden.“ — -</p> -</div> - -<p> -Dann fügt der Pfarrer Johannes bei: „Soeben, als sie den Brief diktierte, -vermochte sie nicht weiter zu reden, weil sie sich in fortwährendem Jubel -befand.“ -</p> - -<p> -Petrus tröstete Christina in einem herzlichen Antwortschreiben, indem er -sie hinweist auf die Herrlichkeit des Himmels, in der er mit ihr in ewiger -Seligkeit zusammen zu sein hoffe. Auch Bruder Mauritius schickte von Paris -ein Trostschreiben. Er habe, sagte er, ein so herzliches Mitleiden mit -ihr, je schwächer das weibliche Geschlecht sei, um dem Ansturm solcher -Leiden gegenüber standzuhalten. „Doch, fügt er hinzu, da ich Euch als -<span class="pagenum"><a id="Page_109" name="Page_109" href="#Page_109">[109]</a></span> -ein in Drangsalen starkmütiges Weib erkannt habe, so hoffe ich zum Herrn, der -die Stärke jener ist, so auf ihn vertrauen, daß er Euch Standhaftigkeit -und Kraft von oben verleihe, um auszuharren bis zum guten Ende.“ -</p> - -<p> -Bruder Petrus wurde unterdessen nach Strengnäs im Södermanland versetzt, -wo er wie in Skeninge das Amt eines Lesemeisters bekleidete. Von dort -schrieb er mehrere Male an Christina; teilte ihr unter anderem mit, daß -auch in dortiger Gegend Gott ihn durch einige gottgeweihte Jungfrauen -erfreut habe, von denen einige das Ordenskleid des h. Dominikus trügen, -andere das der Beginen angelegt hätten. Eine von diesen komme Freitags -in Verzückung und erhalte zuweilen die fünf Wunden. Die meiste Zeit -bringe sie im Gebete und in der Betrachtung zu und dazu sei sie bemüht, -Almosen zu geben und den Armen zu dienen. Diese begnadete Jungfrau habe -eine innige Liebe zu Christina, nenne sie ihre Schwester und wünsche, -sie kennen zu lernen und womöglich mit ihr zusammenzuleben. Auch habe -sie ihm Einiges, was in Christinas Briefen enthalten war, lange vorher -offenbart. „Wundert Euch nicht, so schließt Petrus seinen Brief, daß ich -Euch seltener schreibe; denn ich habe nicht oft Gelegenheit, einen Brief -abzuschicken, weil ich tief ins Land hinein wohne, von wo aus selten -Reisende und niemals Kaufleute hinausreisen. Meine geistliche Tochter, die -ich Euere Schwester genannt habe, bittet mich, Euch ihrerseits zu grüßen -... Ich empfehle Euch die Seelen meiner beiden leiblichen Brüder, die nach -meiner Rückkehr beide in einem Jahre gestorben sind. Grüßet alle unsere -Freunde, insbesondere den Herrn Pfarrer, Euren Vater und Euere Mutter, -alle Schwestern des Namens Hilla, des Pfarrers Schwester Gertrud und die -blinde Aleidis. Betet für mich.“ -</p> - -<p> -Die Verarmung, die Christinas Eltern getroffen, dauerte fort. Von Gram -und Kummer getroffen, starb ihr Vater um das Jahr 1276. Im folgenden Jahre -gegen Peter und Paul starb auch Christinas geistiger Vater und besonderer -Wohltäter, Pfarrer Johannes von Stommeln, der bisher ihre Briefe -geschrieben. Bruder Nikolaus von Westeräs (<span class="fmarkd">Westra-aros</span>) überbrachte die -Trauerbotschaft dem Bruder Petrus nach Strengnäs. In einem Schreiben vom -Tage nach dem Feste des h. Dionysius (10. Oktober) ersuchte dann Petrus -Christina, ihm baldigst Mitteilung über ihren Zustand zu machen. Bruder -<span class="pagenum"><a id="Page_110" name="Page_110" href="#Page_110">[110]</a></span> -Laurentius könne ihr als Schreiber dienen. Dieser Bruder Laurentius -war gebürtig aus Swealand, dem mittlern Teil Schwedens, in dem Skeninge -gelegen war, und studierte damals in Cöln. An ihn schrieb nun Petrus, -er möge der Christina seinen an sie gerichteten Brief verdolmetschen und -auch die an ihn gerichteten Briefe Christinas schreiben. Da Petrus keine -direkte Gelegenheit nach Cöln hatte, so gab er die Briefe dem Bruder -Olaw aus Skara mit, der im Herbste 1277 nach Paris ging. Von Paris nun -brachte Bruder Helinrich diese Briefe im folgenden Jahre Freitags nach -Margaretentag, also am 15. Juli, nach Cöln. Tags darauf schickte Bruder -Laurentius ein Briefchen nach Stommeln, um Christina zu melden, daß ein -Brief von Bruder Petrus für sie angekommen sei und er den Auftrag habe, -diesen ihr persönlich zu verdolmetschen. Es sei jetzt auch Gelegenheit -gegeben, ein Antwortschreiben an Bruder Petrus nach Schweden abgehen zu -lassen, was vielleicht das ganze Jahr hindurch nicht mehr der Fall sein -werde. „Christina kam, so schreibt Bruder Laurentius, gleich am folgenden -Tage mit ihrer Nichte Hilla nach Cöln, obgleich sie die Arbeit stehen -lassen mußte, da es die Zeit der Ernte war. Euern Brief übersetzte ich -ihr, so gut ich konnte. Mit welcher Rührung sie ihn entgegennahm, zeigten -die Tränen, die sie reichlich vergoß.“ -</p> - -<p> -Als Christina den Brief des Bruders Petrus vernommen, diktierte sie -allsogleich dem Bruder Laurentius das Antwortschreiben, wie folgt: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Dem ehrwürdigen Vater in Christo, ihrem verehrungswürdigsten und -liebevollsten, entbietet die geringste seiner Töchter mit ihren Gebeten -sich selbst und wünscht ihm, falls es noch etwas Besseres geben kann -als Gesundheit, auch dieses durch Vermittlung seines getreuen Bruders -Laurentius. Nachdem ich Euern Brief bekommen und volleres Verständnis von -ihm erhalten, da ist nach dem Verlust meiner Freunde und meiner zeitlichen -Güter und nach schwerster körperlichen Bedrängnis mein Geist innerlich -wieder aufgelebt und ich, die ich den Mut hatte sinken lassen, begann -wieder aufzuatmen. Mit welcher Herzensfreude ich diesen Brief meines -geliebtesten Vaters vernommen, mit welcher Hurtigkeit ich unerachtet -körperlicher Ermüdung und ungelegener Zeit zu seiner Entgegennahme -herbeigeeilt bin, dafür kann unser gemeinsamer Dolmetsch glaubwürdiges -Zeugnis ablegen. Es ist ja natürlich, daß ein Brief von demjenigen, dessen -persönliche Gegenwart so viel Liebes hatte, für mich etwas Erfreuliches war. -Mein Geist wurde mit süßer Wonne erfüllt und die -<span class="pagenum"><a id="Page_111" name="Page_111" href="#Page_111">[111]</a></span> -Qualen, die der -menschlichen Gebrechlichkeit und zumal der Schwäche eines Mädchens, schier -unerträglich vorkamen, wurden gelindert. -</p> - -<p> -Meine Lage, worüber Ihr Bericht zu erhalten wünscht, ist gar traurig und -verwirrt und das gerade Gegenteil von Euerer glücklichen Wohlfahrt, die -Gottes mächtige Huld noch mehren möge. Denn von zeitlichen Gütern bin ich -dermaßen entblößt, daß fast Alles aufgezehrt ist. Unser Hof ist in fremde -Hände als Besitztum übergegangen. Das große Haus, in dem wir bisher noch -immer wohnten, war vor Alter baufällig und ist, nicht ohne Lebensgefahr -für die Bewohner, zusammengestürzt. Wir aber sind keineswegs in der Lage, -es wieder aufbauen zu können. Auch habe ich keinen Freund mehr, der uns -beistehen oder auch nur trösten könnte. -</p> - -<p> -Ueberdies erdulde ich sehr harte Verfolgungen und Plagen von meinem -Widersacher. Neulich hat er mir mit einer Zange zwei Backenzähne in -grausamer Weise ausgerissen<a name='FA_44' id='FA_44' href='#FN_44' class='fnanchor'>[44]</a>. Von andern unzähligen Trübsalen, die -ich erlitten, kann ich Euch nicht gut Mitteilung machen, bis wir etwa -eine mündliche Aussprache haben, nach der ich sehr verlange. Das aber ist -mir härter als alles, daß ich in unserm Dorfe, wo ich wohne wie früher, -niemanden habe, dem ich mein Herz rücksichtlich der wunderbaren Vorgänge -zu erschließen wage. Deshalb halte ich das Meiste in meinem Herzen -vergraben; nur derjenige hat Kenntnis davon, der die Herzen durchforscht, -den ich auch mit gutem Gewissen zum Zeugen anrufe. Nichts, glaube ich, -wäre mir in diesem Leben lieber, als wenn ich Euch vor meinem Tode dieses -offenbaren könnte. Wie das aber geschehen könnte, weiß ich nicht. Denn -zu Euch überzusiedeln, wie Ihr es mir so getreulich anbietet, möchte ich -auf keine Weise versuchen. Und doch würde ich es gerne tun, wenn ich mit -Euch mündlich die Sache besprechen und Ihr dann, nachdem Ihr vollständig -Kenntnis von meiner Lage genommen, es dennoch für ratsam halten solltet. -Für Euer Anerbieten aber möge Euch belohnen jener, „der die Hoffnung der -Verzagten ist und der große Tröster in der Qual“.<a name='FA_45' id='FA_45' href='#FN_45' class='fnanchor'>[45]</a> Lebet wohl, liebster -Vater, mein einziger und getreuester. Ich empfehle Euch inständigst die -Seele meines Vaters und die des Herrn Pfarrers. Nochmals: Lebet wohl!“ -</p> -</div> - -<p> -In dem bereits vorhin erwähnten Begleitschreiben zu diesem Briefe macht -Bruder Laurentius zum Einsturz des Hauses folgende Bemerkung: „Während -die ganze Familie und dabei auch kleine Kinder im Hause waren, und ein -mächtiges -<span class="pagenum"><a id="Page_112" name="Page_112" href="#Page_112">[112]</a></span> -Feuer brannte, stürzte das Gebäude plötzlich zusammen. Jedoch -wurde niemand verletzt, und auch das Feuer richtete keinen Schaden an, -was einige für ein Wunder halten. Der Zusammensturz war vollständig; nur -die Kammer, in der Christina war, blieb stehen. Doch auch sie wurde von -den herabstürzenden Balken hart getroffen.“ -</p> - -<p> -Einige Zeit nachher, im Herbste 1278, starb auch Christinas Mutter. Petrus -wurde im selben Herbste auf dem Provinzialkapitel in Wisby zum Lesemeister -dieser seiner Geburtsstadt Wisby auf der Insel Gotland ernannt, weshalb -er von da an Lesemeister von Gotland genannt wird. -</p> - -<div id="Fabb_09" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb09.jpg' - alt='9. Krankenhaus „Maria-Hilf“ zu Stommeln.' - /> -<p class='caption'>9. Krankenhaus „Maria-Hilf“ zu Stommeln.</p> -</div> - -<h2 id="kapi14" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Vierzehntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Bruder Petrus kommt aus Schweden nach Stommeln, um Christina zu besuchen. -1279. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_113" name="Page_113" href="#Page_113">[113]</a></span> -Als Bruder Petrus obigen Brief Christinas erhalten und ihm auch noch -sonst Mitteilungen über das Mißgeschick, das über sie hereingebrochen, -zugegangen waren, da, so schreibt er, entbrannte mein Geist, und mein -Herz wurde heftig bewegt und ich sann darüber nach, wie ich sie wohl -trösten könnte. Ich begab mich zum Provinzial, Bruder Augustinus, (nach -Westeräs), um von ihm die Erlaubnis zu einer Reise nach Cöln zu erlangen. -Dreierlei Gründe lagen zu dieser Reise vor. Erstlich wünschte ich von -der geistigen Trockenheit befreit zu werden, an der ich schon lange -gelitten und die mich mitunter so niedergeschlagen machte, daß man für -mein Leben fürchtete. Zweitens ging mein Verlangen danach, die glorreichen -Schutzpatrone Cölns, nämlich die dort ruhenden Martyrer und Jungfrauen, -für die ich seit meiner Cölner Studienzeit eine besondere Verehrung -hatte, zu besuchen, mir von ihnen Reliquien zu verschaffen und diese dann -in mein Vaterland zu übertragen. Drittens, um die in Christo geliebte -Christina, nach deren Wiedersehen ich verlangte, zu besuchen und sie -im Herrn zu trösten, wie sie es wünschte, und wie es meinem frommen und -mitleidigen Sinne entsprach, um aber auch andererseits von ihr Tröstung -und Erleuchtung zu erhalten. Mit Gottes Hülfe und (wie ich vertraue) -durch Christinas Verdienste ist alles nach Wunsch glücklich von statten -gegangen, und es hat sich bestätigt, daß „unverdrossene Liebe alles -überwindet“.<a name='FA_46' id='FA_46' href='#FN_46' class='fnanchor'>[46]</a> Am Pfingstmontage also brach ich von Westeräs auf, kam -dann nach Gotland, -<span class="pagenum"><a id="Page_114" name="Page_114" href="#Page_114">[114]</a></span> -wo ich eine Zeitlang blieb, und gelangte schließlich -nach Lübeck. Und wahrhaftig, ich, der ich früher keine halbe Meile -zurücklegen konnte, ohne zu ermüden, Einkehr zu nehmen und Halt zu machen, -ging jetzt einen ganzen Tag, ohne sonderliche Ermüdung zu verspüren. Es -war am Tage nach der Oktav des h. Laurentius (18. August). Am Tage der -Oktav von Maria Geburt (15. Sept.) langten wir in Stommeln, dem lang -ersehnten, von Gott mit vielen Vorzügen begnadigten, vor allem aber durch -die Frömmigkeit seiner Bewohner ausgezeichneten Orte, an. Als wir uns nun -diesem Dorfe näherten, sahen wir von Ferne die Leute aus der Messe nach -Hause gehen, — es war nämlich Freitag<a name='FA_47' id='FA_47' href='#FN_47' class='fnanchor'>[47]</a> — zuletzt aber gingen zwei -Beginen. Da sagte ich zu Bruder Folkwin, meinem Begleiter: „Siehe, da geht -Christina.“ Denn auch ihn trug Verlangen, sie zu sehen. Man konnte aber -Christina gut von andern unterscheiden. Denn, wie sie sich im Umgange -durch Erbaulichkeit und im Aussehen durch Frömmigkeit auszeichnete, so -hatte ihr Gang eine würdevolle Gemessenheit. Um es kurz zu sagen, in all -ihrem Tun und Handeln, in Gang und Bewegung leuchtete ein verklärender -Schimmer besonderer Anmut hervor, so daß ein jeder, der mit frommem Sinne -ihr Benehmen beobachtete, nicht daran zweifeln konnte, Gottes Gnade und -Gottes Gegenwart sei bei und in ihr. -</p> - -<p> -Als wir nun bis zum Pfarrhause gekommen waren, wo wir das Erforderliche -besorgen wollten, um die h. Messe lesen zu können, stand die Frau des -Glöckners da, schaute mich neugierig an und sagte schließlich: „Wie -heißet Ihr?“ „Petrus,“ entgegnete ich. Darauf fragte sie weiter: „Woher -seid Ihr?“ „Aus Dazien,“ gab ich zur Antwort. Da eilte sie gleich auf -die Straße hinaus und rief, so laut sie konnte: „Christina! Christina! -komme zurück, wenn Du eine Messe hören willst.“ Da nun auch wir auf -die Straße hinausgingen, trafen wir mit Christina, die zurückkehrte, -zusammen. Als ich sie grüßte, wußte sie vor Staunen und Ergriffenheit kaum -zu antworten. Schließlich sagte sie: „Woher kommt Ihr?“ Ich antwortete: -„Von Gott dem Herrn gesandt bin ich gekommen.“ Als mein Gefährte und -ich Messe gelesen, speisten wir mit Christina in der Klause, wobei der -Schulmeister Johannes den Gastgeber -<span class="pagenum"><a id="Page_115" name="Page_115" href="#Page_115">[115]</a></span> -machte. Auch der Herr Pfarrer — -Heinrich hieß er — gesellte sich zu uns. Als ich tags darauf nach der -Vesper auf Christinas Begehr die Schriftstelle auseinanderlegte: „Ein -gutes, geschütteltes, gerütteltes und gehäuftes Maß wird man Euch in den -Schoß schütten“, kam sie derartig in Verzückung, daß sie weder zu Nacht -speisen noch reden konnte. Ja, sie war derart in Gott versunken, daß sie -gar nicht mehr achtete auf das, was gesprochen wurde. Sie war ganz mit -ihrem Geliebten beschäftigt; sie hatte für nichts anderes Sinn und nur -Worte der Andacht brachte sie hervor. Und in Anbetracht dieser großen -Liebe zu ihrem Bräutigam ruhte alle Sinnestätigkeit. Zweimal aber brach -sie währenddem in die Worte aus: „Teuerste! lasset uns Gott lieben, denn -er ist überaus liebenswürdig. Teuerste! was sollen wir ihm wiedervergelten -für so viele Wohltaten, die er uns erwiesen hat?“ ... Als sie endlich in -etwa zu sich kam, geleiteten der Schulmeister Johannes und Aleidis sie zu -ihrer Wohnung. Als es sich nun traf, daß ich neben ihr ging, fragte sie, -wer das sei. Es wurde ihr geantwortet: „Bruder Petrus.“ Da sagte sie: -„Bruder Petrus, wenn Du von Gott reden willst, bist Du willkommen. Wenn -Du aber zu etwas anderem gekommen bist, so mache schnell und gehe dann; -denn sonst würden wir Deiner bald müde sein.“ Die ganze folgende Nacht -hindurch blieb sie in diesem Zustand der Innerlichkeit. Tags darauf fingen -jene, die obiges gehört, mit dem Ausdruck des Bedauerns an, darauf die -Rede zu bringen, daß jemand mich beleidigt habe. Sie antwortete: „Gewiß, -wer solches gesagt hat, ist gar zu dreist gewesen.“ Sie hatte keine -Erinnerung mehr an das, was sie am vorhergehenden Abende gesagt hatte. Wir -blieben drei Tage in Stommeln und gingen dann nach Cöln, wo wir freundlich -von den Brüdern aufgenommen wurden, besonders von denen, die mich von -der Studienzeit her kannten, und ganz besonders von Bruder Johannes von -Greif, der damals Unterprior war, und Bruder Johannes von Muffendorf. -Bruder Gerhard vom Greif erkundigte sich nach Christina und belobte ihren -Fortschritt auf dem Wege der Heiligkeit. Ich blieb nun ungefähr einen -Monat lang in Cöln und wurde durch Gottes Gnade von meinem Seelenleiden -geheilt. Auch verschaffte ich mir neun Häupter der hh. Jungfrauen (aus -der Gefolgschaft der h. Ursula) und eines von der -<span class="pagenum"><a id="Page_116" name="Page_116" href="#Page_116">[116]</a></span> -thebäischen Legion. -Unsere Cölner Ordensbrüder besorgten mir diese unter Beihülfe des Bruders -Folkwin. -</p> - -<p> -Mitten in dieser Zeit, nämlich am Tage nach dem Feste des h. Erzengels -Michael, ging ich mit Bruder Folkwin wieder nach Stommeln zu Christina. -Wir fanden sie zu Bette liegen und sehr schwach. Ueber unsere Ankunft -aber war sie sehr erfreut. Und als ich sie nach dem Grunde ihrer Schwäche -fragte, sagte sie: „Der Dämon hat mir in dieser Woche die Haut vom -Rücken gezogen, so daß man sich wundern muß, wie ein Mensch dabei noch -leben kann.“ Am folgenden Tage, Sonntag den 1. Oktober, zeigte Petrus -der Christina das früher am Sankt Christinatage an der linken Hand -erhaltene Malzeichen und sie bestätigte ihm mündlich alles, was im Quatern -schriftlich durch Pfarrer Johannes niedergeschrieben worden war. Auch -machte sie ihm die in Kapitel 2 bereits berichteten Mitteilungen über -Verwundungen, die man ihr während der Verzückung beigebracht hatte. Am -folgenden Mittwoch kamen alle Beginen von Stommeln zusammen und bereiteten -den beiden Ordensbrüdern ein schönes Mittagsmahl. Auch der Pfarrer -Heinrich sowie Gerhard, der Sohn des Vogtes, und der Schulmeister Johannes -gehörten zu den Gästen. Nach Tisch hielt Bruder Petrus einen Vortrag -über die geistige Freude unter Zugrundelegung der Schriftstelle: <span class="fmarkd">Laetare -Jerusalem</span> (Freue dich, Jerusalem) und im Laufe des Nachmittags kehrte er -mit Bruder Folkwin wieder nach Cöln zurück. -</p> - -<p> -„Zum dritten Male,“ schreibt Petrus, „ging ich nach Stommeln am Tage -der elftausend Jungfrauen, als ich auf der Rückreise in meine Provinz -begriffen war. Auf den folgenden Tag lud uns der Herr Pfarrer und seine -Schwester, Frau Benigna, die nach Kleid und Wandel eine Begine war, zu -Tische. Da nun bei Tische die Rede auf die Reliquien kam, die ich zu Cöln -erhalten, und Benigna meine Hochachtung und Verehrung gegen Reliquien -bemerkte, sagte sie: „Hätte ich das gewußt, so hätte ich Euch gerne das -Haupt einer Jungfrau geschenkt, das ich zu Cöln habe.“ Als ich darauf -erwiderte, ich möchte es mir gerne ausbitten, sagte sie: „Ich würde es -Euch mit Freuden geben, wenn ich wüßte, wie Ihr es bekommen könntet.“ -Daraufhin sprach der Herr Pfarrer: „Ehe er dieses Hauptes entbehren soll, -gehe ich selber lieber zu Fuß nach Cöln und hole es.“ Und das tat er auch -wirklich. Am folgenden Morgen machte -<span class="pagenum"><a id="Page_117" name="Page_117" href="#Page_117">[117]</a></span> -er sich in der Frühe auf und noch vor -der Abenddämmerung war er wieder zurück und trug jenes Haupt am Halse. -Mit größter Freude nahm ich dasselbe entgegen und habe es von Stommeln -bis Lübeck am Halse getragen, wodurch mir sehr oft große Süßigkeit des -Herzens bescheert wurde. -</p> - -<p> -Abends vor dem Tage der Abreise erhielt Christina, als sie die Vesper -betete und unsere Reise Gott anbefahl, eine große Tröstung, die sich in -ihrem Aeußern offenbarte. Sie war nämlich bei der Abendmahlzeit munterer -als gewöhnlich. Als ich sie nun nach dem Essen nach dem Grunde ihrer -Munterkeit fragte, sagte sie: „Seit zwei Tagen war ich niedergeschlagener -Stimmung wegen Euerer Abreise. Als ich nun vorhin unter dem Baume die -Vesper betete und Euch in großer Betrübnis des Herzens Gott anbefahl, -sprach der Herr zu mir: „Sei ohne Sorge. Ich war mit Bruder Petrus, als -er hierher kam; ich werde auch auf der Rückreise sein Führer sein.“ Auch -sagte er: „In mir habe ich Euere gegenseitige Liebe gegründet und ich -werde sie auch in mir erhalten.“ Diese Worte gaben mir Veranlassung, -von der Süßigkeit der göttlichen Liebe zu reden. Christina wurde darob -derart gerührt, daß sie wegging, vollständig entrückt wurde und starr -und regungslos dalag. Am andern Morgen, dem Tage der hh. Krispin und -Krispinian (25. Oktober), lasen wir Messe, frühstückten und darauf hielt -ich eine Ansprache über die Schriftstelle: <span class="fmarkd">Convertere anima mea in -requiem tuam, quia dominus benefecit tibi</span> (Kehre in deine Ruhe ein, meine -Seele, denn der Herr hat dir Gutes erwiesen). Hierauf nahmen wir Abschied -von Christina und von denen, die bei ihr waren, empfahlen uns einander -dem Herrn und so reisten wir ab. So endete der fünfzehnte Besuch im Jahre -1279.“ -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi15" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Fünfzehntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Vom Advent 1279 bis zum Advent 1280. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_118" name="Page_118" href="#Page_118">[118]</a></span> -Ueber Neuß und Düsseldorf, Soest und Minden gelangte Petrus mit seinem -Begleiter Folkwin Freitag den 24. November 1279 nach Lübeck, schrieb von -da an Christina sowohl wie an Magister Johannes, ging am 26. November -zu Schiff, erlebte in der Nacht vor St. Luzia einen furchtbaren Sturm, -landete aber am Tage nach St. Luzia glücklich in Kalmar, woselbst er im -Dominikanerkloster überwinterte und an Christina sowohl, wie an Magister -Johannes und Hilla vom Berge Briefe schrieb. Im Briefe an Christina setzt -Petrus auseinander, daß er Christina um Christi willen liebe. „Möge die -Welt,“ sagt er, „lärmen, spotten, verkleinern, zürnen und abraten, so -werde ich doch die Braut meines Herrn aus Herzensgrund lieben — wegen des -Bräutigams selbst.“ Grund der Liebe ist Christus. Christina aber ist dem -Petrus Wegweiserin und Vorbild geworden, um Christus zu finden, ihn zu -lieben und feiner zu genießen. Im Frühjahr 1280 fuhr Petrus mit Folkwin -nach der Insel Gotland und sie langten am weißen Sonntage in Wisby, der -Geburtsstadt des Petrus, an. Hier trat dieser das Amt eines Lesemeisters -an und schrieb bald nach seiner Ankunft einen Brief an Christina, in dem -er unter anderm meldet, daß ein Teil der hh. Reliquien, die er in Cöln -erhalten, glücklich angekommen sei. Auch entschuldigt er sich, daß er dem -Magister Johannes noch nicht die versprochene Schrift, gemeint ist das -erste Buch der Jülicher Handschrift, zugeschickt habe. Es habe ihm nämlich -bisher an Pergament und an einem Schreiber gefehlt. -</p> - -<p> -Am Vorabend des h. Laurentius (9. August) des Jahres 1280 erhielt Petrus -auf dem Provinzialkapitel auf Alsen (<span class="fmarkd">Aslonia</span>) einen ausführlichen -Bericht des Magisters Johannes, den dieser am Freitag vor St. Urbanus -(24. Mai) geschrieben -<span class="pagenum"><a id="Page_119" name="Page_119" href="#Page_119">[119]</a></span> -hatte. Aus demselben ersehen wir, daß Christina im -Advent 1279 von gänzlicher Dürre des Herzens heimgesucht wurde und zudem, -wenn auch nicht in körperlicher Weise, ganz neue teuflische Quälereien -zu erleiden hatte. In der zweiten Adventswoche wurde sie im Geiste in -bitterster Kälte hingeschleppt über hartgefrorene Erdschollen, durch -Dorngestrüpp und Hecken hingerissen zu einem Sumpf im nahen Walde, dort -verhöhnt, durch Drohungen und Gotteslästerungen gequält, schließlich -an einen Baum aufgeknüpft und gliedweise verstümmelt. Das wiederholte -sich bis zum Weihnachtsabende. Dabei sah Christina das Schauerliche der -Oertlichkeiten, ihre schimpfliche Entblößung, die Schar der Teufel und -fühlte den entsetzlichen Schmerz der Verwundungen. Die Teufel trieben ihr -Blendwerk so weit, daß sie sagten, sie wollten zu Christinas Beschämung -alle Männer des Dorfes zusammenrufen, so daß Christina wirklich zum -Glauben kam, es ständen Leute umher, um sich an ihrer Qual und ihrer -Entblößung zu weiden, was aber wirklich nicht der Fall war. Es erging -der seligen Christina bei diesen Vorgängen geradeso wie der h. Teresia, -als ihr Herz mit einem Pfeile durchbohrt wurde. „Es war dies,“ sagt Sankt -Teresia, „kein körperlicher Schmerz, sondern ein geistiger, wiewohl auch -der Leib und zwar in nicht geringem Maße an demselben teilnahm.“ In der -Nacht vor dem h. Abend erhielt die durch den Advent hindurch fortgesetzte -Folter ihre Krönung durch die Enthauptung Christinas. Diese zagte nicht, -sondern empfahl sich dem, der tötet und wieder lebendig macht. Noch vor -Tagesanbruch hörten alle Qualen auf; die bösen Geister, zwölf an der Zahl, -gestanden, daß alles, was sie gesagt und getan, Lug und Trug gewesen, -und als Christina ihnen im Namen Jesu befahl, sich zu entfernen, schieden -sie unter großem Geheul von dannen. Von da bis zum Weihnachtstage blieb -Christina in Sammlung des Geistes und großer Sehnsucht des Herzens, bis -sie in der h. Kommunion sich mit ihrem Bräutigam vereinigte. Sie geriet -so schnell in Entzückung, daß sie nicht einmal zu ihrer gewohnten Stelle -hinter dem Altare gelangen konnte, sondern zur Seite des Altares hinsank -und dort regungslos bis zum dritten Tage verharrte, überströmend vor -Wonne und Seligkeit, ohne irgend etwas wahrzunehmen und ohne irgendwelche -Nahrung zu sich zu nehmen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_120" name="Page_120" href="#Page_120">[120]</a></span> -Von Weihnachten bis zum ersten Sonntag der Fastenzeit 1280 erfreute -sich Christina, abgesehen von einigen Tagen vor Mariä Lichtmeß, großer -Tröstungen und geistiger Freude. In der Nacht vor Mariä Lichtmeß wurde -sie jedoch versucht, die h. Kommunion am folgenden Tage zu unterlassen, -weil sie bisher irre gegangen und erst ein besseres Leben beginnen müsse. -„Da habt ihr mir eine gute Ermahnung gegeben,“ antwortete Christina den -Versuchern, „denn es ist Zeit, daß ich mich zum wahren Leben, das Christus -ist, bekehre.“ — Enttäuscht begannen nun die Versucher Christina zu -quälen, indem sie dieselbe mit Haken zerfleischten. Christina achtete dies -alles gering, ging, wiewohl ihre Wunden bluteten, morgens zur h. Kommunion -und wurde alsbald entrückt. -</p> - -<p> -Die folgende Fastenzeit brachte eine Prüfung neuer Art. Der Heiland, -der Christina in mannigfacher Weise schon die Präge seiner Aehnlichkeit -aufgedrückt hatte, ließ sie vom ersten Fastensonntage bis zum -Gründonnerstage das Leiden stellvertretender Buße für die Sünden der -Menschen durchmachen. Wie die öffentlichen Sünder am ersten Fastensonntage -aus dem Heiligtum des Gotteshauses verwiesen wurden, um am Orte der -Büßer Sühne für ihre Vergehungen zu leisten, und erst am Gründonnerstage -wieder zur Gemeinschaft der Gläubigen Zulaß erhielten, so wurde Christina -in genannter Zeit der tröstlichen Gegenwart ihres Bräutigams gänzlich -beraubt und ihre Seelenfreude in Trauer und Trockenheit verwandelt. Sie -war wie ausgeschlossen aus dem Herzen ihres Bräutigams. Trotzdem unterließ -sie nichts von ihrem Gebete, hielt an in stetem Wachen und kämpfte mit -mannhafter Stärke gegen alle Anfechtungen. Zur Trostlosigkeit gesellten -sich vom zweiten Sonntage an auch noch besondere Versuchungen. Der Fürst -der Finsternis liebt es ja, sich als Engel des Lichtes aufzuspielen. In -Gestalt der beiden Dominikaner, denen Christina das meiste Vertrauen -schenkte, des Petrus von Dazien nämlich und des Gerhard vom Greif, -kamen zwei böse Geister nachts zu Christina, quälten sie mit allerlei -Behauptungen, suchten sie von der Verkehrtheit ihres Lebens zu überzeugen -und rieten ihr, einen andern Wandel anzufangen. Wiewohl Christina bei -Anbruch des Tages die Täuschung erkannte, so war es ihr doch immer wieder -in den folgenden Nächten so, als ob jene beiden Brüder wirklich ihr -Vorhaltungen machten. Sie kamen nämlich in jeder Nacht -<span class="pagenum"><a id="Page_121" name="Page_121" href="#Page_121">[121]</a></span> -wieder, brachten -immer neue Gründe vor, um sie irre zu machen, und da sie standhaft blieb -und sich zum Gebete wandte, wurde sie auf grausame Art gequält. Bald -war es flammendes Feuer, bald siedendes Pech, dann Schwefel, das sie -vom Gebete abschrecken sollte. Dann wurde sie mit Steinen zermalmt, dann -mit einem Beile zerhackt und in der Nacht vor Gründonnerstag mit Lanzen -zerstochen. Zweimal ging sie in dieser Zeit zur h. Kommunion, empfing -aber keinerlei Tröstung. Ihr liebstes Gebet war in diesen Heimsuchungen -der 87. Psalm: „<span class="fmarkd">Domine Deus salutis meae.</span> Herr, Gott meines Heiles, Tag -und Nacht ertönt mein Wehklagen vor Dir“, der so recht ihre Verlassenheit -und Seelenpein zum Ausdruck bringt. Nicht mehr war in dieser Zeit der -Name des himmlischen Bräutigams auf ihren Lippen; sie nannte ihn nur -ihren geliebten Vater. Alle Betrachtungen und Unterredungen und Gebete -Christinas waren während dieser ganzen Fastenzeit nur ein Widerhall -dessen, was in der h. Messe oder im kirchlichen Stundengebet aus den -Propheten oder Evangelien über das Leiden des Herrn gelesen wurde. Am -Morgen des Gründonnerstages, dem Ende der Bußzeit, wurde Christina in -der Verzückung wiederum ins himmlische Brautgemach eingeführt, erhielt -Vergebung der Sünden, wurde der Anschauung ihres Bräutigams gewürdigt -und mit seliger Wonne erquickt. Vom Abende des Gründonnerstages bis zum -Karsamstage sonderte sich Christina gänzlich vom Verkehr mit den Menschen -ab und zog sich in ihr Kämmerlein zurück. Alle Marter, die der Herr -am Karfreitag erduldet, erneuerte sich der Reihe und Zeitfolge nach an -Christina. Gegen drei Uhr war sie im Todeskampf; die Seite öffnete sich, -das Herz schien zu brechen und um drei Uhr hauchte sie aus. Sie lag da wie -eine entseelte Martyrin, ihre Seele aber wurde gewürdigt zu verkosten, wie -groß die Liebe Christi gewesen, die ihn bewogen hatte, für uns zu sterben. -Am Karsamstage leuchtete aus Christinas Blick himmlische Seligkeit hervor, -ihr Antlitz strahlte wie das eines Engels, ihr ganzes Aeußere war wie -verklärt. Sie war mit Christus auferstanden. Fröhlich und jubelnd ging -sie am Ostermorgen zur Kirche, empfing die h. Kommunion, wurde alsbald -entrückt und mit überströmender Wonne erfüllt. -</p> - -<p> -In der dritten Woche nach Ostern nahte Christina wiederum dem Tische des -Herrn, hatte aber in der vorhergehenden -<span class="pagenum"><a id="Page_122" name="Page_122" href="#Page_122">[122]</a></span> -Nacht Störung im Gebete verbunden -mit Quälung durch Pfriemenstiche zu erleiden. -</p> - -<p> -Freitag der darauffolgenden Woche (24. Mai) vollendete Magister Johannes -das Schreiben an Petrus, dem vorstehende Mitteilungen größtenteils -entnommen sind, bittet gegen Schluß desselben den Petrus, er möge für -Christina, ihrem Wunsche entsprechend, das Lob- und Dankopfer darbringen -und auch das versprochene Buch ihr baldigst zugehen lassen. Gemeint -ist die Fortsetzung des ersten Buches der Jülicher Handschrift, in dem -Petrus, ohne Christina mit Namen zu nennen, im Anschluß an dreiundvierzig, -in leoninische Hexameter gefaßte, dem Buche vorangestellte Leitsätze -das Ideal einer gottseligen Jungfrau schildert, unter anderem ihre -Züchtigkeit im Blick, ihre Klugheit in der Rede, ihre Frömmigkeit im -Werke, die Innigkeit ihrer Gottesliebe, ihre Herzensgüte im Umgang, ihre -Enthaltsamkeit im Genusse von Speise und Trank, ihre Bescheidenheit im -ganzen Benehmen hervorhebt und ihre Fasten, Nachtwachen, Leiden, Kämpfe -und Triumphe feiert. -</p> - -<p> -Magister Johannes hatte den Anfang des Buches, den er bereits von Petrus -erhalten hatte, der Christina vorgelesen und erklärt. „Sie hat sich -dadurch,“ so schreibt Johannes an Petrus, „gar sehr erbaut und mit solcher -Herzenseinfalt zugehört, daß sie sich über Euch nicht genug wundern -konnte, warum Ihr von dieser Euerer geistlichen Tochter ihr nie etwas -gesagt hättet.“ In ihrer Demut kam es ihr nämlich nicht in den Sinn, daß -von ihr selbst im Buche die Rede war. -</p> - -<p> -Am Mittwoch nach Apostel-Teilung (17. Juli 1280) ging ein neues -Schreiben von Magister Johannes und Christina an Petrus, das verschiedene -Mitteilungen über Christinas innere Erlebnisse enthält, vornehmlich aber -die Aufnahme Sigwins, des Bruders Christinas, in den Dominikanerorden -bezweckte. -</p> - -<p> -Wir entnehmen demselben, daß Christina am Vorabende von Christi -Himmelfahrt, als sie nach der Beichte in der Kirche allein zurückblieb, -um dem Gebete obzuliegen, darin wieder vom Versucher durch Lärm und -Getöse gestört wurde, ihre Verachtung gegen diese Versuchung aber -dadurch bekundete, daß sie anfing mit lauter Stimme zu singen. Magister -Johannes, welcher in der an die Kirche anstoßenden Klause damals seine -Wohnung hatte, öffnete das in die Kirche Einblick gewährende -<span class="pagenum"><a id="Page_123" name="Page_123" href="#Page_123">[123]</a></span> -Fenster und -beobachtete den ungewohnten Vorgang. Am Feste der Himmelfahrt unseres -Herrn empfing Christina die h. Kommunion, wurde entrückt, verkostete -einen Vorgeschmack der Himmelsseligkeit und wiederholte im Seelenjubel gar -oft den Vers des Psalmes: <span class="fmarkd">Ascendit deus in iubilatione</span> — Der Herr ist -aufgefahren unter Jubelsang. — Dem Briefe des Magisters Johannes fügte -Christina am Schlusse folgende Bitte bei: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Im Uebrigen bitte ich Euch, geliebtester Vater und Herr, bei der Treue -und Liebe unseres Herrn Jesus Christus, in der ich Euch liebe und mich -auch freue, von Euch wiedergeliebt zu werden, Ihr wollet aus meinem Herzen -alle Besorgnis wegräumen und meiner Seele volle Freiheit verschaffen, -indem Ihr bezüglich meines Bruders dem Wunsche, den ich Euch bei Euerer -Anwesenheit hierselbst, leider nicht nachdrücklich genug, kundgegeben und -den ich in meinem letzten Schreiben inständigst in Erinnerung gebracht -habe, wie ich zuversichtlich hoffe, zu entsprechen Euch bestrebt. Ich darf -Euch nicht verhehlen, daß seit Euerer Abreise dieser auf das Seelenheil -meines Bruders gerichtete Wunsch immer lebhafter geworden ist. Ich -befürchtete nämlich, sein jugendlicher Sinn könnte ihn, der jetzt noch -heilsamen Ratschlägen ein williges Ohr leiht, weltlichem Treiben zuführen -und so, was Gott verhüten möge, sein Seelenheil in Gefahr bringen. Deshalb -bitte ich Euch, geliebtester Vater und Herr, recht herzlich bei der Treue -und Liebe, die uns miteinander verbindet, Ihr möget womöglich bei der -ersten besten Gelegenheit die Erlaubnis nachsuchen, baldigst in unsere -Gegend kommen zu dürfen. Solltet Ihr aber für Euere Person diese Erlaubnis -nicht erlangen können, so wollet durch befreundete Ordensbrüder oder durch -vertrauenswürdige Boten meinen Bruder wissen lassen, was er tun soll oder -wie er zu Euch gelangen soll. Sollte man aber nicht sonderlich geneigt -sein, meinen Bruder in den Orden selbst aufzunehmen, weil er ein Laie ist -und wenig geeignet dazu, so wollet doch dafür Sorge tragen, daß er dem -h. Ordensleben in irgend einem Orte angeschlossen werde, aber in der Nähe -Euerer Stadt, damit Ihr ihn, den Fremdling und Ausländer, in väterlicher -Liebe mit frommem Zuspruch im Dienste Christi mitunter bestärken könnt. -</p> - -<p> -Es erübrigt mir, teuerster Vater, Euch von ganzem Herzen für die mir -unwürdigen durch soviele Wohltaten an Leib und Seele erwiesene Güte zu -danken. Da ich jedoch nicht im Stande bin, Euch Euere Güte entsprechend -zu vergelten, so bitte ich flehentlich Denjenigen, dem zu Liebe Ihr das -Alles getan habt und noch tut, er möge selbst Euer übergroßer Lohn sein. -</p> - -<p> -Es grüßt Euch Johannes, der Lehrer (<span class="fmarkd">rector</span>) der Knaben, der mir -allerwegen besondern, vertrauten und treuen Beistand leistet. -<span class="pagenum"><a id="Page_124" name="Page_124" href="#Page_124">[124]</a></span> -Auch bitte -ich, teuerster, zugleich mit Magister Johannes recht dringend, Ihr wollet, -sofern Ihr wünscht, er solle Euch schreiben oder da bleiben, wo er jetzt -ist, das uns versprochene Büchlein mit den weitern Darbietungen, die Ihr -zu unserer Erbauung oder Tröstung geeignet erachtet, uns möglichst bald -zugehen lassen. Magister Johannes hat mir den Teil davon, den wir hier -haben, zweimal vorgelesen und ich muß Euer Liebden gestehen, daß ich nie -etwas gehört habe, was mir solche Freude bereitet hat. Auch wundert es -mich gar sehr, daß Ihr mir von dieser Euerer Tochter oder Freundin nie -etwas gesagt habt, obschon Ihr doch seit langer Zeit mit mir befreundet -seid. -</p> - -<p> -Es grüßt Euch auch mein Bruder Sigwin; betet doch für ihn zu Gott. -Desgleichen Hilla vom Berge mit allen Euern Freundinnen; sie bitten, Ihr -möget für sie beim Herrn Fürsprache einlegen. Grüßet auch, wenn Ihr könnt, -den Bruder Folkwin und saget ihm, er solle für uns alle zu Gott beten.“ -</p> -</div> - -<p> -Weil Christina in ihren Briefen öfter von der Liebe und Freundschaft -sprach, die sie mit Petrus verband, so setzte Petrus in seinem -Antwortschreiben die Gründe der wahren, in Gott gegründeten Liebe -auseinander, die auch bei räumlichem Getrenntsein keinerlei Einbuße -erleidet. Den Freund, so führt er schließlich aus, sollen wir in Gott und -den Feind um Gottes willen lieben. So sei auch Christus für alle Menschen, -auch für seine Feinde gestorben. Wiewohl nun aber der Tod des Herrn -hinreichend gewesen sei, um Freunden und Feinden Erlösung zu bringen, so -hätte er sie doch in Wirklichkeit nur den Freunden gebracht. Wie daher -hinreichende und wirksame Gnade nicht in der Bemessung des Spenders, -sondern in der Bewertung des Empfängers den Grund ihres Unterschiedes -hätten, so sei auch Christi Tod von verschiedenem Werte gewesen für seine -Freunde und für seine Feinde.<a name='FA_48' id='FA_48' href='#FN_48' class='fnanchor'>[48]</a> -</p> - -<p> -In einem Briefe, den Petrus erst im Jahre 1282 erhielt, der aber viel -früher, nämlich nach Allerheiligen 1280, geschrieben wurde, berichtet -Magister Johannes unter anderm, daß Christina vom 5. Juli ab, an welchem -Tage die Seele des Pfarrers Johannes aus dem Fegfeuer befreit wurde, -bis zum Feste der -<span class="pagenum"><a id="Page_125" name="Page_125" href="#Page_125">[125]</a></span> -h. Maria Magdalena ununterbrochen große Tröstung und -Wonne des Herzens verkostet habe. Sie sei während dieser Zeit sehr oft in -Verzückung gekommen und in die Geheimnisse ihres göttlichen Bräutigams -derartig vertieft gewesen, daß sie ihn, den Magister Johannes, wenn er -mitunter in ihre Wohnung oder in ihr Kämmerlein eingetreten, nicht einmal -bemerkt habe, obschon sie den Spinnrocken in der Hand hielt und recht -fleißig spann oder sonst eine Handarbeit verrichtete. Und obschon er sie -mehrmals angeredet habe, so hätte sie doch nichts von dem gehört, was er -gesagt, bis sie aus der Entrückung gänzlich zurückgekehrt gewesen. -</p> - -<p> -In den drei Nächten, die dem Freitage vor Mariä Geburt vorangingen, also -vom 4.-6. September, hatte sie verschiedenartige Qualen zu leiden, jedoch -nicht sichtbarer Weise, sondern nur innerlich im Geiste. Es war ihr, wie -wenn Donner und Blitz ihr Herz bestürmten. Da sie sich nicht darüber klar -war, ob der böse Feind der Urheber der Quälereien sei, beschwor sie in der -dritten Nacht, als die Plagen aufhörten, deren Urheber mit den Worten: -„Ich beschwöre euch, ihr bösen Geister, im Namen des Herrn Jesus, daß -ihr bekennet, ob dies alles durch euere Bosheit geschehen ist?“ Darauf -erfolgte die Antwort: „Dienerin des allmächtigen Gottes, wir alle sind -böse Geister, tausend an der Zahl; mit Zulassung des Allmächtigen haben -wir dir diese Qualen unsichtbarer Weise zugefügt, um dich vom Gebete -abzuhalten.“ Am folgenden Tage, dem Freitage vor Mariä Geburt, ging -Christina zur Kirche, empfing den Leib des Herrn, kam in Verzückung, in -der ihre Seele nach dem Maße der überstandenen Schmerzen die Wonne der -göttlichen Tröstungen zuteil wurden (Psalm 90, 19). -</p> - -<p> -Es begab sich in der dritten Nacht nach Mariä Geburt, daß Christina mit -ihrem Bruder Sigwin und einem andern Manne geschäftshalber nach Cöln -reiste. — Ihr Bruder fuhr einen Karren mit Weizen. — Als sie nun nicht -mehr weit von Cöln waren, aber erst Mitternacht vorbei war, spannten -die beiden Männer die Pferde aus, ließen sie auf die Weide gehen ... -und legten sich zum Schlafe nieder. -Christina aber stieg auf den Karren, -setzte sich auf die Säcke und hielt Wache, doch gar bald kam der Karren -derart ins Wanken und Schwanken, daß Christina sich gezwungen sah, -abzusteigen. Sie kniete nun auf die Erde nieder und hub an -<span class="pagenum"><a id="Page_126" name="Page_126" href="#Page_126">[126]</a></span> -zu beten. -Und siehe da, ein Wolf stürzte auf sie los mit funkelnden Augen und -fletschenden Zähnen, wie wenn er sie hätte verschlingen wollen. Sie -aber erachtete dies für teuflische Gaukelei und fuhr fort zu beten, ohne -auch nur zu zucken. Da stürzte sich der Wolf auf Christinas Bruder, und -es erscholl ein klägliches Geschrei wie aus dem Munde Sigwins, damit -Christina glauben sollte, er würde erwürgt. Dann lief er auch auf die -Pferde zu und griff diese an. Und bald kam ein ganzes Rudel Wölfe, fraß -anscheinend die Leichen Sigwins und der Pferde und erfüllte die Luft mit -wildem Geheul. -</p> - -<p> -Wir glauben diesen visionären Vorgang mitteilen zu sollen, weil er -Veranlassung geworden, am Nordportal des Cölner Domes die selige Christina -mit einem Wolfe darzustellen. -</p> - -<p> -Im Herbste desselben Jahres trafen neue Schicksalsschläge Christina -und ihren Bruder Sigwin. Die Eltern Christinas waren infolge einer -Bürgschaft, die ihr Vater für einen Christen einem Juden gegenüber -übernommen hatte, um ihre Habe gekommen. Nur der ausverkaufte Gutshof -mit dem eingestürzten Wohnhause scheint ihnen geblieben zu sein. Durch -Christinas Bemühungen wurden jedoch die Verhältnisse wieder geordnet, wenn -auch noch Schulden zu tilgen waren. Sigwin scheint Ländereien gepachtet -zu haben, und unterstützt von Christina führte er wieder Ackerwirtschaft -größeren Stiles. Christina durfte so hoffen, bald alle Schulden beglichen -zu sehen und dann, aller weltlichen Sorgen ledig, ungestört der Pflege -des innern Lebens sich hingeben zu können. Doch es sollte durch Gottes -Fügung anders kommen. „Der Herr,“ so schreibt Magister Johannes, „hat -seine Hand ausgestreckt und die fünf Pferde, die sie hatten, mit schwerer -Seuche heimgesucht. Als die Ernte kaum unter großer Arbeit eingeheimst -war, hat er zur allerschlimmsten Zeit, wo nämlich die Aecker zur Saat -bestellt werden mußten, alle fünf Pferde an plötzlichen Erkrankungen -eingehen lassen. In Zeit von drei Wochen wurden sie alle, und zwar zwei -an einem Tage, dann eines allein und darauf wieder an einem Tage die -beiden übrigen abgedeckt. Infolge dessen befindet sich Euere Tochter -in mehrfacher Trübsal. Zunächst drücken sie stark die Schulden, die sie -binnen Kurzem bezahlen zu können gehofft hatte. Dann ist sie auch noch -immer gar sehr bekümmert wegen des Seelenheiles ihres Bruders, der jetzt die -<span class="pagenum"><a id="Page_127" name="Page_127" href="#Page_127">[127]</a></span> -Ackerwirtschaft drangeben will. Doch diese und andere Leiden erträgt -sie mit Geduld, indem sie spricht: Der Herr hat es gegeben, der Herr hat -es genommen; wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es geschehen; der Name -des Herrn sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit.“ — -</p> - -<p> -Zum Schlusse des Schreibens des Magisters Johannes ergreift Christina das -Wort und spricht: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Folgendes läßt Euere Tochter Euch melden. Ihr möget ihr eine einsame -und stille Zelle besorgen mit einer Kapelle in der Nähe, in der genannter -Johannes, der zum Priester geweiht werden soll, die h. Messe lesen kann -... Dann aber klage ich Euch, teuerster Vater, daß der Prior Ingeld, ich -weiß nicht durch welche Versäumnis dies gekommen, mich nicht gesehen -und über die Angelegenheit meines Bruders deshalb auch nicht mit mir -Rücksprache genommen hat. Das verursachte mir keinen geringen Kummer. -Doch wurde ich dagegen nachher auch sehr erfreut durch Euern Brief, den -genannter Prior mitgebracht hatte, den ich aber erst nach seiner Abreise, -am Sonntag nach Sankt Bartholomäus (25. August), erhalten habe. Bedenket, -teuerster Vater, die Leiden, die ich an Seele und Leib zu erdulden habe -und unterstützet mich bei Euerm ewigen Bräutigam und Freund ohne Unterlaß -durch Euer Gebet. Säumet auch nicht, das im Briefe in Aussicht gestellte -recht bald auszuführen. Es grüßt Euch der Herr Pfarrer, der Magister -Johannes, Hilla vom Berge, mein Bruder und meine Schwester sowie Euere -sonstigen Freunde. Sie bitten um Euer Gebet, namentlich aber Magister -Johannes, weil er die heiligen Weihen, nämlich das Diakonat und sodann -die Priesterweihe, zu empfangen wünscht.<a name='FA_49' id='FA_49' href='#FN_49' class='fnanchor'>[49]</a> -</p> - -<p> -Flehet also in andächtigem Gebete zu Gott, daß, wenn es so sein heiliger -Wille sei und genannter Johannes in der Demut und Frömmigkeit Fortschritte -machen soll, sein Wunsch in Erfüllung gehe und der Herr seinen Sinn -und all sein Tun nach seinem heiligen Wohlgefallen ordne und lenke. -Wir möchten zu unserer Tröstung um Zusendung des dem Magister Johannes -versprochenen Büchleins bitten, wenn wir uns nicht in Wirklichkeit mit -der Hoffnung trügen, Ihr würdet persönlich zu uns kommen. Lebet wohl, -teuerster Vater, und bleibet stark in der Liebe des ewigen Bräutigams -Euerer Seele und Eueres trautesten Freundes. Nicht ein dürftiges -Schreiben, sondern Euer persönliches Kommen, nach dem wir lange und -inständig uns sehnen, möge auf diesen Brief die Antwort bilden. Nochmals, -lebet wohl und freuet Euch allzeit im Herrn.“ -</p> -</div> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_128" name="Page_128" href="#Page_128">[128]</a></span> -Vorstehender Brief blieb ohne Antwort, weil er erst nach nahezu zwei -Jahren in die Hände des Petrus kam. Deshalb schrieb Christina im Advent -1280 abermals an Petrus, vornehmlich um ihm ihren Bruder Sigwin zu -empfehlen. Das Schreiben lautet, wie folgt: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„In Jesus Christus, ihrem ewigen Bräutigam und geliebtesten Freunde, -entbietet ihrem Vater und Freunde, dem Herrn Bruder Petrus, Lesemeister -von Gotland, seine arme und verlassene Tochter, Christina von Stommeln, -Gruß sowie unvergänglichen und vollen Trost <em class="gesperrt">im Herzen</em> des Geliebten, -dessen sie sich leider gänzlich beraubt fühlt. -</p> - -<p> -Da ich, teuerster Vater und Herr, die vielfache Trübsal und Kümmernis -meiner Seele weder durch Briefe noch durch Worte so, wie es mir ums -Herz ist, auszudrücken vermag, so möge jener, der Herzen und Nieren -durchforscht, Euch kundtun und Euerem Geiste Verständnis dafür und Mitleid -einflößen. Ach, teuerster, welcher Güter und Tröstungen bin ich beraubt! -Ach, von welchen Leiden und Aengsten bin ich umgeben! Stimme denn an deine -Wehklage, o du, mein armes Herz, und seufze auf in deiner Trostlosigkeit, -weil dein Heiland und Helfer ob deiner Sünden sich gänzlich von dir -zurückgezogen und dich lebendig zu den Dämonen in der Unterwelt gesellt -hat. Gleich erachtet bist du jenen, die hinabsinken in den See; geworden -bist du wie eine Erschlagene, gleich jenen, die in den Gräbern ruhen; und -deren nicht mehr mit Segensspruch gedacht wird, da sie weggewiesen sind -von Gottes beseligendem Antlitze.<a name='FA_50' id='FA_50' href='#FN_50' class='fnanchor'>[50]</a> Was nun wirst du tun? Zu wem wirst -du deine Zuflucht nehmen? Wer wird dich aus dieser tiefsten Unterwelt -befreien? O, möchte es dir freistehen, aus Liebe zu deinem Geliebten, -wiewohl er sich dir entzogen hat, zu sterben oder es dir doch vergönnt -sein, deinem Schmerze freien Lauf zu lassen. Doch ach! und abermals ach! -Schmerz häuft sich auf Schmerz! Denn zu alledem wirst du auch noch in -die Sorgen und Kümmernisse der Welt verwickelt und so beklagenswerter -Weise abgehalten, deinem Schmerze dich hinzugeben und den Verlust deines -Geliebten ohne Unterlaß zu beweinen. Um das Maß deines Schmerzes voll zu -machen wird dir überdies zu den vielen und unaufhörlichen Plagen auch noch -von den Dämonen der Vorwurf gemacht, daß jene, die du für deine treuesten -Freunde hieltest, wegen deines übelgeordneten und irrigen Lebenswandels, -deiner überdrüssig sind und dich gänzlich verlassen. Wenn daher, teuerster -Vater, Ihr noch Mitleid verspürt, wenn in Euerm Herzen sich noch Mitgefühl -regt, so möge dieses Euch rühren und zur Teilnahme bewegen. Somit -beschwöre ich Euch, teuerster Vater, bei jener Treue und Liebe, -<span class="pagenum"><a id="Page_129" name="Page_129" href="#Page_129">[129]</a></span> -vermöge -der Ihr von Ewigkeit her von Gott zum engern Freundschaftsbunde ausersehen -worden seid, Ihr wollet den Schmerz meines Herzens lindern und meiner -Seele wieder volle Freiheit wiedergeben und deshalb bei der ersten sich -darbietenden Gelegenheit ohne Verzug persönlich hieher kommen, um die -schier unerträgliche Last meines Herzens zu erleichtern, besonders aber, -um meinen Bruder, worum ich Euch so oft und so inständig gebeten habe, an -eine Stätte zu bringen, wo er ungestört ein gottseliges Leben führen kann. -Denn er ist hauptsächlich Gegenstand all meiner äußern Besorgnis. Ich -sagte aber, Ihr möchtet persönlich kommen, weil mein Bruder sich nicht so -sehr aus eigener Neigung, als infolge von Belehrung und gütlichem Zureden -zum Ordensleben hingezogen fühlt und deshalb einem Fremden wohl nicht so -bereitwillig folgen möchte als gerade Euch. -</p> - -<div id="Fabb_10" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb10.jpg' - alt='10. Christinenaltar in der neuen Pfarrkirche zu Stommeln.' - /> -<p class='caption'>10. Christinenaltar in der neuen Pfarrkirche zu Stommeln.</p> -</div> - -<div id="Fabb_11" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb11.jpg' - alt='11. Altes Grabmal Christinas zu Jülich.' - /> -<p class='caption'>11. Altes Grabmal Christinas zu Jülich.</p> -</div> - -<p> -Wohlan denn, teuerster Vater, von ganzem Herzen danke ich Euer Liebden -für alle und jede Wohltaten, die Ihr mir so väterlich erwiesen habt, und -abermals bitte ich flehentlich im <em class="gesperrt">geliebten Herzen</em> des vielgeliebten -Bräutigams und Freundes, in dem wir uns einander aufrichtig lieben, Ihr -wollet doch, getreu Euerer bisherigen Gepflogenheit, in diesem meinem -Anliegen, das gleichsam Ziel und Anfang all meiner Besorgnis ist, mir -Euern Liebeserweis weder versagen noch ihn hinausschieben, um nicht durch -Zögern mein Herz, anstatt es zu erfreuen, über die Maßen zu betrüben und -den Gewinn, den Ihr an meinem Bruder erzielen könnt, durch Hinausschieben -gänzlich in Frage zu stellen. Denn es liegt auf der Hand, daß mein Bruder, -so lange er noch in Demut Rat anzunehmen gesonnen ist und sich nach Euerer -Ankunft sehnt, durch Euern Rat und Beistand zum Hafen des Heils geführt -wird oder aber, zum bittersten Schmerze und Leidwesen meines Herzens, von -den Nichtigkeiten der Welt, die jetzt sein Seelenheil in Gefahr bringen, -betört, heilsame Ratschläge von sich weisen und in den Abgrund des Lasters -versinken wird. Es liegt auch noch ein anderer Grund vor, weshalb ich -gar sehr nach Euerer Ankunft verlange. Magister Johannes, der bereits -zum Diakon geweiht worden ist, soll, wie ich mit Sicherheit annehme, an -den kommenden Quatembertagen die Priesterweihe erhalten. Die Zahl seiner -Schüler hat aber derartig abgenommen und ist so gering geworden, daß er -Mangel am nötigen Lebensunterhalt hat und deshalb an seiner bisherigen -Stelle nicht mehr bleiben kann. Sollte er nun wegziehen, so können Euer -Liebden leicht ermessen, daß dies mir mehr Schmerz verursachen würde als -der Tod irgend eines mir Nahestehenden. Deshalb hegt besagter Johannes -gleich mir das sehnlichste Verlangen nach Euerer Ankunft, damit Ihr meinen -Bruder mitnehmet und auch mir raten möget, was wir tun und wohin wir gehen -sollen. Deshalb bitte ich nochmals und -<span class="pagenum"><a id="Page_130" name="Page_130" href="#Page_130">[130]</a></span> -abermals flehentlich: Kommet doch. -Lebet wohl, teuerster Vater, und betet recht inständig und herzlich zu -Euerem Freunde für Euere schwer geprüfte und trostlose Tochter. Johannes -läßt Euch sagen, daß er manches über Christi Wunderwerke aufgeschrieben -hat. Wenn Ihr es zu haben wünscht, so empfiehlt es sich, daß Ihr möglichst -bald kommt. Lebet wohl und bleibet stark in der Liebe Christi!“ -</p> -</div> - -<p> -Diesen Brief erhielt Petrus im Herbste 1281, als er zum Provinzialkapitel -in Skeninge weilte. Sogleich besprach er sich bezüglich der Anliegen -Christinas mit dem Prior der Insel Gotland, Bertold, der ihr eine -Unterstützung im Betrage von zwölf Sterlingsschillingen (<span class="fmarkd">solidi -sterlingorum</span>) zuschickte und zugleich den guten Rat erteilte, ihren -Bruder Sigwin nach Gotland einzuladen und seine Aufnahme in den -Dominikanerorden in die Wege zu leiten. Der bereits mehrfach erwähnte -Bruder Mauritius, ein Bekannter Christinas, sollte den zum Definitor -des für den Frühling 1282 in Wien anberaumten Generalkapitels seitens -der Provinz Dazien erwählten Bruder Johannes auf der Reise begleiten -und dieser sollte, da die Reise über Cöln ging, den Sigwin mitbringen. -Mauritius brachte drei Briefe nach Stommeln mit, einen Brief des Bruders -Petrus für Christina, desgleichen einen Brief des Priors Bertold an -Christina, in denen Christina eingeladen wird, mit Sigwin nach Gotland -zu kommen, wo sie in einem Kloster der Dominikanerinnen alle Tage -ihres Lebens Gott dienen könne. Sie könne dort ihr jetziges Ordenskleid -beibehalten oder auch das Ordenskleid der Dominikanerinnen annehmen. -„Doch,“ schreibt Petrus, „will ich Euch in dieser Sache nicht meine -Meinung aufdrängen; denn ich weiß, daß Ihr den Geist Gottes habet, der -Euch in allem zu belehren pflegt.“ -</p> - -<p> -Der dritte Brief war für Magister Johannes bestimmt und von Bruder Petrus -geschrieben. Aus ihm ersehen wir, daß im Sommer 1281 die Abhandlung -von den Tugenden, die das erste Buch der Jülicher Handschrift bildet, -durch einen jugendlichen Cölner Bürger, Johannes von Stolzenberg, dem -Magister Johannes und Christina aus Gotland war überbracht worden. Auch -ein Mann von vornehmer Herkunft, Johannes, Bruder der Miliz Christi, d. -h. des dritten Ordens des h. Dominikus, schrieb an Christina, er habe von -seinen Eltern eine besondere Vorliebe für den Dominikanerorden überkommen -und selbe auch bewahrt. Auch habe er zwei Schwestern, von denen eine, -Namens Christina, bereits gestorben sei. Beide hätten -<span class="pagenum"><a id="Page_131" name="Page_131" href="#Page_131">[131]</a></span> -das Kleid der -Schwestern des h. Dominikus genommen und es länger als zehn Jahre allein -im Königreich Schweden getragen. Ihr Verlangen nach Zuwachs sei leider -lange Zeit hindurch unerfüllt geblieben. Jetzt endlich sei mit Bewilligung -des Königs von Schweden und des zuständigen Diözesanbischofs sowie des -Provinzials von Dazien ein schön und günstig gelegenes Kloster gegründet -worden, das er aus seinem Vermögen sowie demjenigen seines Bruders Andreas -und seiner Schwestern mit Einkünften ausgestattet habe. Dahin ladet -er Christina mit ihrem Bruder Sigwin ein, damit sie dort an die Stelle -seiner verstorbenen Schwester Christina trete. Auch Helborgis und ihre -Schwester, die beide Beginen auf Gotland waren, luden Christina zu sich -ein, wobei sie bemerkten, daß sie unter Leitung der Dominikaner ständen. -Der Definitor der Provinz Dazien auf dem Generalkapitel in Wien, Johannes, -starb zu Wien oder auf der Reise und sein Begleiter Mauritius schrieb nun -nach Cöln an Bruder Laurentius aus Dazien, der in Cöln studierte, er möge -Christina wissen lassen, ihr Bruder Sigwin solle sich bereit halten, um -mit ihm, Mauritius, bei seiner Rückreise aus Oesterreich zu Bruder Petrus -nach Dazien zu reisen. -</p> - -<p> -Auch empfiehlt er die Seele des verstorbenen Definitors Johannes in -Christinas Gebet und läßt ihr danken für das h. Haupt, das sie diesem -verschafft habe. -</p> - -<p> -Am Feste Peter und Paul oder kurz nachher ist dann Sigwin mit Bruder -Mauritius nach Dazien abgereist. Am Vorabend des h. Laurentius langten -die beiden in Wisby auf Gotland an, woselbst gerade das Provinzialkapitel -gehalten wurde. Die beiden überbrachten dem Bruder Petrus einen Brief -Christinas, den letzten, der uns erhalten ist. Derselbe lautet wie folgt: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Ihrem in Jesus Christus, dem süßesten Bräutigam und Freunde, -geliebtesten Vater und Herrn, dem Bruder Petrus, Lesemeister auf Gotland, -entbietet seine gar arme Tochter Christina von Stommeln, demütiges und -frommes Gebet und was immer an Wonnevollem sich im Brautgemache des -ewigen Bräutigams finden mag. Teuerster Vater und Herr, für die Güte und -Treue, die Ihr mir allerorts und in allen Stücken in väterlicher Huld -erweiset, jetzt aber dadurch, daß Ihr Euch für meinen Bruder so getreulich -bemühtet, in ganz vorzüglicher Weise bekundet habt, kann ich Euch niemals -genugsam Dank sagen. Ich bitte aber und flehe, jener süßeste Bräutigam -und Freund, der gütig und getreu ist und ein überaus gnädiger -<span class="pagenum"><a id="Page_132" name="Page_132" href="#Page_132">[132]</a></span> -Belohner -alles Guten, möge statt meiner es Euch vergelten. Im vollen Vertrauen auf -Euere Güte und Treue lasse ich also jetzt meinen Bruder zu Euch reisen -und ich empfehle ihn Euerer Liebe in Christo. Er ist aufrichtigen Sinnes, -schüchtern im Auftreten und sanften Gemütes. Unter allen meinen leiblichen -Brüdern und Schwestern habe ich ihn von Kindheit an besonders geliebt -und ihn deshalb, da ich zuversichtlich hoffe, er werde sein ewiges Heil -wirken, allzeit durch fromme Ermahnungen und gütiges Zureden zu fördern -gesucht. Und nun bitte ich Euch inständig bei aller Treue und Liebe, mit -der wir uns einander zugetan sind, Ihr wollet ihn, als Ankömmling und -Fremdling in Euerem Lande, in Güte aufnehmen und ihm die Erweise Euerer -Liebe noch mehr als mir selbst, wenn ich in Person bei Euch wäre, um -Gottes willen zukommen lassen. Auch bitte ich Euch, dafür Sorge zu tragen, -daß er, sofern es nur irgendwie möglich ist, in Euerem Kloster Unterkunft -findet, und Ihr ihn dort gleich wie Euern Sohn behandelt, ihn wie eine -zarte Pflanze durch gütiges Zureden und heilsame Lehre gleichsam bewässert -und zum Ordensleben anleitet. Das ersehne und erhoffe ich nämlich mit -allen Fasern meines Herzens, weil ich vor allen Menschen zu Euch ein -besonderes Vertrauen habe. Sollte dieses jedoch sich nicht bewerkstelligen -lassen, so bitte ich inständigst und ergebenst, Ihr wollet ihn Euerem -besondern Freunde, dem Herrn Prior Bertold, und den einzelnen Brüdern -jenes Klosters getreulich anbefehlen und denselben ans Herz legen, daß sie -ihn liebevoll aufnehmen, durch gütiges Zureden und trauliche Unterredungen -ihn zum Guten anleiten und seinen Sinn weiter ausbilden; denn seine -Gemütsart erheischt Ermunterung zum Guten und liebevollen Zuspruch. Und -weil ich vor allen übrigen Orden dem Predigerorden in aufrichtiger Liebe -und besonderer Ergebenheit zugetan bin, so bin ich voller Freude und -Wonne darüber. daß mein Bruder in denselben Aufnahme findet. Deshalb -bitte ich Euch, Ihr wollet doch diesen meinen Bruder in keinem andern -Orden als demjenigen Euerer Brüder unterbringen und dafür sorgen, daß -er von den Brüdern mit solchem Wohlwollen behandelt wird, daß nicht die -fremde Gegend, die immerhin schwerdrückende Entfernung von der Heimat und -die Strenge der Ordenszucht ihm Ueberdruß verursachen, ihn mutlos machen -und, was Gott verhüten wolle, in die Heimat zum größten Schmerze meines -Herzens zurücktreiben ... Abermals bitte ich recht herzlich, Ihr wollet zu -meines Herzens großer Freude mir recht bald schreiben und mir im Einzelnen -mitteilen, wo, wie und wann mein Bruder in Euern Orden aufgenommen worden -ist und wie es ihm auf der Reise ergangen. Aber auch noch einen andern -Wunsch habe ich, daß Ihr ihn nämlich im Ordenskleide der Predigerbrüder -hierher führet. Denn nichts könnte mich, sofern es Gottes Wille sein -sollte, so sehr bewegen und bestimmen, -<span class="pagenum"><a id="Page_133" name="Page_133" href="#Page_133">[133]</a></span> -in Euerem Lande meinen Aufenthalt -zu nehmen. Geschrieben am Tage der Apostel Petrus und Paulus. Lebet wohl -für immer.“ -</p> -</div> - -<p> -Am 9. August 1282 kam Sigwin, von Bruder Mauritius geführt, in Wisby an. -Sie brachten auch ein Heiligenhaupt mit, das Christina für den inzwischen -verstorbenen Definitor Johannes in Cöln besorgt hatte, wofür Petrus später -seinen Dank ausspricht. Petrus besprach sich sofort in Wisby mit dem dort -zum Provinzialkapitel weilenden Prior Bertold, und Sigwins Aufnahme in -den Dominikanerorden wurde beschlossen. Bereits am Tage des h. Bernard -(20. August) wurde er wahrscheinlich in Schöningen eingekleidet und -erhielt den Namen Gerhard, weil der Name Sigwin in dortiger Gegend nicht -gebräuchlich war. Bruder Petrus konnte in einem Briefe, den er vor dem -Provinzialkapitel des Jahres 1283 an Christina schrieb, nur Gutes über -ihren Bruder melden: Er sei gesund an Leib und Seele und von Gott und den -Menschen geliebt. „Unsere Brüder,“ schreibt Petrus, „die ihn kürzlich -sahen und lange Zeit mit ihm zusammen waren, haben mir erzählt, er sei -Kellermeister unserer Brüder und führe dieses Amt so umsichtig, daß es -allen eine wahre Freude sei. Auch sagten sie, er sei gottselig und eifrig -besorgt, unsere Ordenssatzungen zu beobachten. Dafür, Teuerste, schuldet -Ihr Gott innigsten Dank. Jetzt will ich, was ich bisher nicht wagte, Euch -die Wahrheit gestehen. Wider Erwarten nämlich ist die Sache gelungen; -denn, wenn Ihr wüßtet, wieviel hin und her überlegt wird, wenn es sich um -die Aufnahme von Laienbrüdern in unsern Orden handelt, so würdet Ihr es -für ein Wunder oder doch für einen besonderen Hulderweis Gottes erachten, -daß Euer Bruder unter Unbekannten so schnell in den Orden aufgenommen -worden ist.“ Vom Provinzialkapitel des Jahres 1284, dem Petrus als Prior -von Wisby beiwohnte, erhielt Christina die weitere fröhliche Nachricht, -daß ihr Bruder, wie es von jeher ihr sehnlichster Wunsch gewesen, unter -die Leitung des Petrus komme. Noch vor dem Winter des Jahres 1284 wurde er -ins Kloster zu Wisby versetzt, wo Petrus Prior war. Im Jahre 1287 war er -aber wieder in einem andern Kloster. Denn Petrus meldet der Christina, ihr -Bruder befinde sich sehr wohl und sei Gott und den Menschen wohlgefällig. -Alle Ausgaben der Brüder seines Klosters gingen durch seine Hand und seien -seiner Verwaltung übergeben. Auch habe er ihm geschrieben, -<span class="pagenum"><a id="Page_134" name="Page_134" href="#Page_134">[134]</a></span> -es sei ihm -sehr lieb, in dem Kloster zu verbleiben, in dem er sich jetzt befinde. Im -Herbste 1287 jedoch starb Petrus und Bruder Folkwin, der am 9. September -Christina die Trauerbotschaft meldete, stellte einen baldigen Besuch -Sigwins in Stommeln in Aussicht. Weitere Nachrichten über Sigwin fehlen. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi16" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Sechzehntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Christina bewirkt die Bekehrung der Sünder und die Befreiung der armen -Seelen aus dem Fegfeuer. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_135" name="Page_135" href="#Page_135">[135]</a></span> -Wie die Sonne nach ihrem Aufgange am Morgen sich allmählich immer höher -erhebt und bei ihrem Hinaufsteigen immer mehr Licht ausstrahlt und -immer mehr Wärme verbreitet, bis sie am Mittage in vollster Pracht und -Herrlichkeit in der Höhe des Firmamentes erglänzt, so machte auch Gottes -treue Dienerin Christina von Jahr zu Jahr, ja von Tag zu Tag immer größere -Fortschritte in der Erkenntnis und Liebe Gottes. Und weil sie Gott liebte, -deshalb war ihr Herz auch von aufrichtiger Liebe zum Nächsten erfüllt, -der ja Gottes Ebenbild in sich trägt und zur ewigen Seligkeit berufen -ist. In zweifacher Hinsicht betätigte sie vorzugsweise die Tugend der -Nächstenliebe, in der Sorge um die Bekehrung der Sünder und im Erbarmen -mit den armen Seelen im Fegfeuer. -</p> - -<p> -Christus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was veloren war. -Es darf uns daher nicht wundern, daß Christina, an der immer mehr die -Präge Christi hervortrat, ganz besonders auf die Rettung der armen Sünder -bedacht war. Der Versucher gestand ihr einmal, daß er die Länder durcheile -und aus allen Ständen viele Seelen sich erwerbe. Sie aber raube ihm jene -wieder, die er schon in seinem Besitz zu haben gewähnt. Sie bot sich -nämlich als Schlachtopfer der Gerechtigkeit Gottes dar für die Sünden -anderer, um Gottes Zorn zu beschwichtigen und den Sündern Erbarmung und -Bekehrung zu erwirken. So lesen wir von ihr im dritten Buche der Jülicher -Handschrift, daß in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar 1284, als sie -sich für den folgenden Tag auf den Empfang der h. Kommunion vorbereitete, -ein böser Geist, der sie bereits seit zwei Jahren des öftern mit einem -Dreizack -<span class="pagenum"><a id="Page_136" name="Page_136" href="#Page_136">[136]</a></span> -gemartert hatte, sie jetzt mit einem eisernen Haken, der zwei -umgebogene Spitzen hatte, zerfleischte. Dieser böse Geist war immer -stumm gewesen und Christina hatte nie die Kraft gehabt, ihn zur Rede zu -stellen. Vom Herrn bestärkt sprach sie aber jetzt zu ihm: „Ich beschwöre -dich in Kraft des Leidens meines Herrn Jesus Christus, daß du mir gleich -sagest, weshalb du mich schon so lange und so heftig gequält hast?“ Jener -erwiderte: „Nicht deinetwegen habe ich dies getan. Vom Allerhöchsten -werde ich gezwungen, dieses zu tun, weil du ein so großes Verlangen -hast, für die Sünden anderer zu büßen.“ In der Fastenzeit desselben -Jahres hatte sie gar schreckliche Qualen zu erdulden, kam auch bei der -h. Kommunion nicht in Verzückung, wurde aber am Abend des Freitags der -ersten Fastenwoche über den Willen Gottes bezüglich der Leiden, die ihrer -noch harrten, belehrt. Wozu diese Leiden dienten, das zeigte sich in -den beiden Nächten der Karwoche, die dem Gründonnerstage vorangingen. In -der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch schlangen sieben Teufel ihr eine -glühende Kette um den Leib und schleppten sie aus ihrem Kämmerlein durch -Disteln und Dornen in eine weit entlegene Gegend bis an einen großen -Wald und sprachen dann zu ihr: „Siehe, Elendeste, in diesem Walde hausen -sieben Räuber, die uns zu Willen sind, schon viele Mordtaten vollbracht -und nicht wenige Seelen zu uns in die Hölle befördert haben. Wofern du -nicht deinen Sinn änderst, so schleppen wir dich in den Wald hinein, -schlagen ringsum eine Anzahl Bäume nieder, lassen aber einen stehen, an -dem wir dich anbinden werden, locken alsdann durch unser Geschrei die -Räuber herbei, die dich in deiner schmachvollen Lage sehen sollen, um -dann mit uns und den Räubern in die Hölle zu fahren.“ Mutig entgegnete -Christina: „Sparet euere Drohungen und tut, was euch vom Herrn befohlen -ist.“ Wütend stürzten nun die Teufel auf sie los, schleppten sie in den -Wald, erfüllten denselben mit furchtbarem Geheul, hefteten Christina -mit der Kette an einen Baum und sprachen dann höhnend: „Nun rufe deinen -Bräutigam an, deinen Herrn und Helfer.“ Christina aber sprach: „Mein Herr -Jesus Christus wird mich nicht verlassen; euch Lügengeister aber wird die -ewige Qual verschlingen.“ Die Teufel wichen nun zurück. — Vom ungewohnten -Getöse aufgeschreckt waren aber unterdessen die Räuber herbeigekommen -und sie hörten das standhafte Wort der Jungfrau. -<span class="pagenum"><a id="Page_137" name="Page_137" href="#Page_137">[137]</a></span> -Mit neugieriger Scheu -traten sie an den Baum heran, an den Christina angekettet war. Diese -war aber derartig zugerichtet, daß die Räuber nicht wußten, ob sie ein -menschliches Wesen vor sich hatten oder nicht. Auf ihr verwundertes -Ausrufen, was denn los sei, und ob das etwa ein menschliches Wesen sei, -was da hänge, sagte Christina, die bösen Geister seien hier im Spiele. -„Ich aber,“ so fuhr sie fort, „bin wahrhaft ein Mensch von katholischem -Glauben und zwar ein weibliches Wesen. Wisset aber, daß ich durch mich -selbst in so großer Folter nicht mehr leben könnte; aber mein Herr Jesus -Christus, der für mich gestorben ist, er ist mein Leben, mein Heiland, -mein Schutz. Und weil ich in ihm lebe, so verschmachte ich nicht in den -Leiden und verliere darin nicht mein Leben; denn er lebt in mir und redet -aus mir und beschützt mich überall.“ Darüber erstaunten die Räuber und -sprachen: „Wir kennen gar nicht diesen großen Gott und Herrn, der dir -in so großen Leiden das Leben erhält, und wir glauben niemals, daß es -nach diesem Leben noch ein anderes Leben gebe. Darum haben wir uns nicht -gescheut, unsere Hände zu allen Freveltaten auszustrecken. In dieser Nacht -aber haben wir so schreckliche Dinge gesehen und gehört, daß wir vor Angst -fast vergangen wären.“ Christina aber erwiderte: „Es gibt einen wahren -und allmächtigen Herrn Jesus Christus, der sich herabgelassen hat, für -das Heil des menschlichen Geschlechtes am Kreuze zu sterben, der aber am -dritten Tage wieder auferstanden ist und gen Himmel aufgefahren. Er ist -das Leben aller, die einen gottseligen Wandel führen; er ist ein Helfer -und Beschützer aller, die auf ihn vertrauen. Er wird auch denen, die an -ihn glauben und ihm treu dienen, selige Unsterblichkeit schenken. Es gibt -aber auch ein anderes, nie endendes, unseliges Leben, das eher Tod als -Leben genannt zu werden verdient. Dieses ist für die Gottlosen und die -Sünder bestimmt. Es ist die schreckliche Finsternis, in der häßliche und -schreckliche Dämonen wohnen. Ihrer Gewalt werden diejenigen, die sich -nicht zum Herrn bekehren wollen, sondern in ihrer Bosheit verharren, nach -diesem Leben überliefert, um von ihnen mit unerträglichen Qualen ohne -Erbarmen gepeinigt zu werden.“ -</p> - -<p> -Diese Worte machten Eindruck auf die Räuber und sie sprachen: „Wenn das -wahr ist, was du sagst, was wird dann aus uns werden? Denn wir sind -Mörder und Räuber, und -<span class="pagenum"><a id="Page_138" name="Page_138" href="#Page_138">[138]</a></span> -wenn wir schon dem Namen nach katholisch sind, so -haben wir doch Gott weder erkannt noch gefürchtet. Vor mehreren Jahren -haben wir uns zusammen getan und unsern Aufenthalt in diesem Walde -genommen, der über sechzehn Meilen breit und über dreißig Meilen lang -ist. Hier haben wir viele Mordtaten und alle möglichen Arten anderer -Greueltaten vollbracht. Wie können wir demnach noch hoffen, Rettung zu -finden?“ Die Jungfrau erwiderte ihnen: „Verzweifelt nicht, sondern bekehrt -euch zum Herrn Jesus Christus, dem Vater der Erbarmungen, und bereuet -euere Sünden von ganzem Herzen. Er ist gnädig und überaus barmherzig, -und alle euere Sünden wird er euch vergeben, wenn ihr wahre Buße tun -und in Zukunft die Sünden meiden wollet.“ Sie aber entgegneten: „Unsere -Sünden sind so zahlreich und so groß, daß wir auf Verzeihung nicht hoffen -können. Denn schon viele Jahre hindurch sind wir Räuber der schlimmsten -Art gewesen und vor keinerlei Lastern schreckten wir zurück. Da wir nun -mit so schweren Verbrechen behaftet sind, wie können wir uns da noch -Hoffnung auf Vergebung machen?“ Darauf sprach die Jungfrau: „Wollet nicht -an der Barmherzigkeit Gottes verzagen und euch nicht durch Verzweiflung -in den Fallstrick des ewigen Todes stürzen; denn Gottes unermeßliche -Barmherzigkeit geht weit über alle euere Vergehen hinaus. Auch die Größe -eurer Sünden soll euch nicht abschrecken; denn Gottes Erbarmen ladet euch -zur Versöhnung ein. Befolgt mithin meinen Rat, lasset alles Mißtrauen -fahren, flehet die große Güte Gottes an und bittet um Verzeihung. Und dann -gehet zu den Priestern und bekennet vor ihnen mit reumütigem Herzen in -der Beicht den ganzen Wust euerer Sünden.“ -</p> - -<p> -Da aber sprachen sie: „Wenn wir deinen Rat befolgen und aus diesem Walde -herausgehen würden, um Priester aufzusuchen, so würden wir ohne Zweifel -das Leben einbüßen. Denn es gibt viele, die wegen unserer Mordtaten, -Räubereien und anderer Frevel uns schon längst aufpassen, um uns zu -ergreifen und uns dann dem schmählichsten Tode zu überliefern.“ Darauf -sprach die Braut Christi: „Wenn ihr aus Furcht für euer leibliches Leben -es nicht wagt, aus diesem Walde herauszugehen, um Priester aufzusuchen, -denen ihr eure Sünden beichtet, so dürft ihr auch so durchaus nicht -an der unendlichen Barmherzigkeit Gottes verzweifeln. Vielmehr in der -festen Hoffnung auf Verzeihung erhebet Hände und Herz zu Gott empor -und in der -<span class="pagenum"><a id="Page_139" name="Page_139" href="#Page_139">[139]</a></span> -heiligen Gegenwart seiner Majestät bekennet mit dem Munde -alle euere Sünden; denn der Vater der Erbarmungen und Durchforscher der -Nieren ist hier gegenwärtig und wenn er sieht, daß euere Sünden euch -leid sind, so wird er euch nicht nur verzeihen, sondern euch auch von -allen Widerwärtigkeiten und Gefahren gnädig befreien und euch nach diesem -vergänglichen Leben mit seinen Auserwählten in der ewigen Seligkeit -krönen. Um euch aber mehr Zuversicht und Vertrauen einzuflößen, so nehme -ich die Last euerer Sünden auf mich und erbiete mich aufs bereitwilligste, -für euch genugzutun.“ Da nahmen zwei von den Räubern, Simon und Rembold, -die leibliche Brüder waren, durch Gottes Barmherzigkeit gerührt, das Wort -und ermahnten ihre Genossen, dem Rate der Jungfrau zu folgen und die -Sünden wahrhaft zu bereuen. Diese aber waren noch unschlüssig, fragten -hin und her, wollten zunächst wissen, was es mit der Jungfrau für eine -Bewandtnis habe und wie sie dorthin gekommen sei. Um nun ihre Zweifel -zu heben und ihre Hoffnung auf Verzeihung zu beleben, ergriff Christina -wiederum das Wort und sprach: „Es gibt eine große und berühmte Stadt, die -Cöln heißt. Etwa zwei Meilen von dieser Stadt liegt ein Dorf, Stommeln -genannt. Dort bin ich diese Nacht, als ich in meinem Kämmerlein betete, -von den Dämonen ergriffen, unter großem Geheul in diesen Wald geschleppt -und nach vielen Martern mit einer Kette an diesen Baum aufgehängt -worden. Sie vermochten es aber nicht, mich zu töten, weil sie über mich -nur insoweit Gewalt haben, als es ihnen von meinem Herrn Jesus Christus -gestattet ist. Dieser ist mein Schützer und mein Helfer; er erhält mich -am Leben; auch aus dieser Not wird er mich gnädig erretten, mich durch -seine wunderbare Kraft heilen und stärken und mich an den Ort, von denn -ich hierher geschleppt worden bin, wieder zurückbringen. Und das tut er, -wie ich vertraue, nicht bloß dieses mal, sondern sehr oft schon hat er in -ähnlichen und noch schwereren Bedrängnissen mich befreit. Er ist es, der -mir die Kraft gibt, aus Liebe zu ihm zu leiden. Auch habe ich zwei Engel -bei mir, die mich stärken. Ihr könnt sie freilich nicht sehen, weil die -Augen eueres Geistes noch nicht hinlänglich gereinigt und deshalb hierzu -noch nicht geeignet sind. Denn diese Engel sind Geister und können nur -mit geistigen Augen geschaut werden. Wenn ihr aber an meinen Herrn Jesus -Christus in Wahrheit glauben wollet, so -<span class="pagenum"><a id="Page_140" name="Page_140" href="#Page_140">[140]</a></span> -werdet ihr sehen, wie ich durch -diese Engel von meiner Marter wunderbar befreit, euern Blicken entzogen -und gleichsam in einem Augenblick in mein Kämmerlein zurückgebracht -werde.“ -</p> - -<p> -Als die Räuber diese Worte vernahmen, sprachen sie: „Wir staunen über die -Maßen darüber, daß du aus so weitentlegener Gegend hierher geführt worden -bist; denn es däucht uns, daß dieser Wald wohl an dreihundert Meilen -von Cöln entlegen ist.“ Von Gottes Barmherzigkeit gerührt fielen dann die -Räuber allesamt auf die Knie nieder, flehten um Verzeihung ihrer Sünden, -erhoben gemäß dem Rate der Jungfrau ihre Hände gen Himmel und bekannten -ihre schmachvollen Vergehen vor der Jungfrau unter Tränen. „Erbarme dich -unser,“ so riefen sie, „Vater der Barmherzigkeit, und habe Nachsicht mit -der Schwere unserer Sünden; denn lasterhafte Menschen sind wir und die -ärgsten Sünder. Fünfzehn Priester, teils Ordens-, teils Weltgeistliche, -haben wir in diesem Walde mit eigenen Händen ermordet. Dazu haben wir -noch fünfzig andere Personen geistlichen Standes, Diakonen, Subdiakonen -und Studierende, getötet. Hundert Mädchen und ehrbare Frauen haben -wir vergewaltigt und dann umgebracht. Auch haben wir Frauen, die ihrer -Niederkunft entgegensahen, ums Leben gebracht. Die übrigen Menschen aber, -die wir ermordet haben, als Kaufleute, Reisende und Pilger, sind nicht zu -zählen. Alle diese haben wir ausgeplündert und dann getötet, und niemanden -haben wir verschont, wenn gleich er flehentlich um sein Leben bat. Was -wir so an uns gebracht, haben wir vergeudet, indem wir weder das Gesetz -achteten, noch Gott fürchteten, sondern nach unsern Gelüsten lebten, weil -wir kein anderes Leben nach diesem Leben anerkannten.“ Als sie nun diese -und ihre anderen Sünden vor der Jungfrau bekannt hatten, ermunterte diese -sie, sie möchten wegen der Menge ihrer Sünden nicht verzagen, vielmehr -fest im Glauben und unerschütterlich in der Hoffnung auf Verzeihung -beharren; sie selbst aber wolle für sie Genugtuung leisten. -</p> - -<p> -Während Christina also den Räubern zuredete, wurde ihr Leib auf einmal gar -wundersam von Licht umstrahlt, im Glanze des Lichtes ehrfürchtig durch -Engelshand vom Baume, an den er angeheftet war, losgelöst, vollständig -geheilt, den Blicken der Räuber entzogen und unter großer Tröstung ins -Kämmerlein nach Stommeln zurückgebracht. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_141" name="Page_141" href="#Page_141">[141]</a></span> -Ueberwältigt von dem hellen Lichtglanze, der ihre Augen traf, fielen -die Räuber auf die Knie nieder, und als Christina vor ihnen in diesem -Lichte entrückt wurde, da glaubten sie alles, was Christina zu ihnen -geredet, legten alle Todesfurcht ab und machten sich auf den Weg, um -Priester aufzusuchen, bei denen sie ihre Beichte ablegen könnten. Es war -ja am Vorabende des Gründonnerstages. Sie wurden aber auf dem Wege von -solchen, die ihnen auflauerten, ergriffen, und diese beschlossen in ihrer -Habgier und Grausamkeit, sie ohne weitere Umstände und ohne gerichtliches -Verhör zu töten. In dieser Not flehten die Räuber zwar nicht um Schonung, -sondern nur darum, daß man ihnen Zeit gönne, ihre Sünden zu beichten. -Dann wollten sie gerne sterben aus Liebe zu Christus, der ja auch für sie -am Kreuze gestorben sei und der sie in vergangener Nacht so große und -wundersame Dinge habe schauen lassen. Die Häscher aber spotteten ihrer -und sprachen hohnlachend: „Höret, wie diese verruchten Räuber und Mörder -jetzt noch Mönche werden wollen und unter dem Vorgeben der Beichte uns -zu überlisten gedenken. Am Rade oder am Galgen mögen sie Profeß ablegen, -und beichten und büßen mögen sie, wenn wir ihnen Pfähle durch die Weichen -stoßen.“ Da sprachen die Räuber sich einander Trost zu und ermunterten -sich gegenseitig, herzhaft den Tod zu erleiden aus Liebe zu Christus, der -die Jungfrau in so großer Folter bewahrt und so wunderbar befreit habe, -auf daß dieser ihnen in seiner Barmherzigkeit alle ihre Sünden nachlassen -möge, weil sie ja keinen andern Beichtvater haben könnten. Als die Häscher -dies hörten, fielen sie grausam über die Räuber her, trieben ihnen spitze -Pfähle durch den Leib, hefteten sie damit an die Erde fest und brachten -sie unter jammervoller Marter so zum Tode. -</p> - -<p> -In der Nacht darauf, also vor dem Gründonnerstage, wurde Christina von -den nämlichen bösen Geistern an die Stätte geschleppt, wo die Leichen -der Räuber aufgespießt waren und höhnend sprachen die bösen Geister -zur Braut Christi: „Siehe, die Seelen dieser Räuber haben wir zur Hölle -hinabgeführt, und wenn du dein Leben nicht änderst, so werden wir auch -dir diese Pfähle durch den Leib rennen und deine Seele in die Hölle -hinabführen, wo du in Gesellschaft dieser Räuber in Ewigkeit brennen -sollst.“ Christina aber erwiderte mit Unerschrockenheit: „Wozu sucht -ihr Lügengeister mich durch euer -<span class="pagenum"><a id="Page_142" name="Page_142" href="#Page_142">[142]</a></span> -leeres Gerede zu erschrecken? Ich -bin nämlich vergewissert, daß die göttliche Erbarmung diesen alle ihre -Sünden verziehen, sie euerer Gewalt entrissen und sie in seiner Gnade der -Zahl seiner Auserwählten zugesellt hat.“ Darob ergrimmten die Teufel, -mißhandelten Christina, flohen aber, als diese standhaft blieb, unter -Geheul von dannen, indem sie bekannten, daß sie über die Seelen der -Räuber keinerlei Gewalt hätten. Christina aber wurde in großer Tröstung -wieder in ihr Kämmerlein nach Stommeln zurückversetzt, feierte in -gewohnter Andacht den Gründonnerstag, zog sich dann von der Außenwelt -gänzlich zurück bis zum Karsamstage, wo die Spuren der Wundmale Christi, -die sich am Karfreitage an ihrem Leibe erneuert hatten, noch sichtbar -waren, empfing dann am Ostertage die h. Kommunion und kam allsogleich -darauf in Verzückung, in der sie mit neuen Gnadengaben bereichert und mit -unaussprechlicher Freude erfüllt wurde. -</p> - -<p> -Zur Erleichterung der Abbüßung der Sündenstrafen der sieben Räuber erlitt -Christina in der Woche vor Pfingsten jede Nacht ganz besondere Leiden, -nicht sichtbar, sondern nach Weise des Fegfeuers geistig, aber doch auch -körperlich fühlbar, nämlich Qualen des Feuers, das heiß war über allen -menschlichen Begriff, und dazu unerträgliche Kälte und andere empfindliche -Peinen, die den Tod hätten herbeiführen müssen, wenn nicht Gottes Kraft -sie am Leben erhalten hätte. Vor Allerheiligen erduldete sie wiederum -eine Woche hindurch die Fegfeuersqualen für die sieben Raubmörder und -erhielt am Allerheiligentage, als sie nach der h. Kommunion in Entzückung -gekommen, die Versicherung, daß die Seelen jener sieben am nächsten -Weihnachtsfeste würden erlöst werden. Im Advent litt Christina wiederum -jene schweren Leiden des Fegfeuers, aber am Weihnachtstage wurde ihr in -der auf den Empfang des Leibes des Herrn eintretenden Verzückung unter -anderen Tröstungen auch die unsägliche Freude zu teil, die Seelen jener -sieben Räuber, von ihren Strafen befreit, vor dem beseligenden Angesichte -ihres Bräutigams mit der Krone des ewigen Lebens geziert zu sehen. Jene -sieben Räuber aber hießen Simon, Rembold, Hermann, Konstantin, Volmar, -Vortleuv und Eckbert. -</p> - -<p> -Je weiter Christina fortschritt in der innigen Vereinigung mit Gott, -je vollkommener sie losgeschält wurde von allen Dingen dieser Welt, -desto mehr nahm auch ihr Mitleiden -<span class="pagenum"><a id="Page_143" name="Page_143" href="#Page_143">[143]</a></span> -mit den armen Seelen zu, so daß in -der letzten Hälfte ihres Lebens das Büßen für die armen Seelen ihre -Lieblingsandacht wurde. -</p> - -<p> -Christus der Herr hat, als er am Holze des Kreuzes hing, einen der -mitgekreuzigten Schächer bekehrt und seine Seele noch am selben Abende ins -Paradies eingeführt. Christina, die gewürdigt wurde, auch in diesem Punkte -ihrem göttlichen Bräutigam ähnlich zu werden, bekehrte, wie wir eben -gesehen, in der Karwoche 1284, als sie von bösen Geistern schmachvoll an -einen Baumstamm aufgeknüpft worden war, sieben Raubmörder, erlitt für sie -die Fegfeuersqualen und sah sie so am Weihnachtstage in der Herrlichkeit -des Himmels. Was sie für arme Sünder der verkommensten Art, die ihr fremd -waren, mit größter Bereitwilligkeit getan, das übte sie mit noch größerer -Bereitwilligkeit und Hingabe für diejenigen, die ihr nahegestanden und -Gutes erwiesen. Rührend ist es zum Beispiel zu lesen, wie durch ihr Gebet -und durch ihr Leiden die Seele des Pfarrers Johannes von Stommeln aus dem -Fegfeuer befreit wurde.<a name='FA_51' id='FA_51' href='#FN_51' class='fnanchor'>[51]</a> -</p> - -<p> -Der Herr gab ihr in den Sinn, um Qual und Leid zu bitten zur Erlösung der -Seele des genannten Pfarrers. Da kam in den drei Nächten vor Pfingsten -1280 durch Gottes Zulassung der böse Geist in Gestalt jenes Priesters -zu Christina und sagte, er sei auf ewig verdammt. Christina aber mochte -dies nicht glauben und betete also zum Herrn: „O liebster Vater und Herr, -soll denn dieser dein Diener, den du mir, deiner Magd, zum dienstbereiten -Freunde gegeben, und der deinen Wunderwerken gläubig frommen Sinn -entgegenbrachte, auf ewig von deinem Angesichte verstoßen sein, da du doch -meinem Herzen eine wahre Hoffnung und ein volles Vertrauen eingeflößt -hattest, daß er selig werden würde? Was soll ich denn anfangen? Wohin -soll ich mich wenden? Wenn dieser von deinem Angesichte verstoßen wird, -dann wird auch meine ganze Hoffnung und mein Vertrauen zu nichte!“ — In -der dritten Nacht nun bekannte jener böse Geist seine Lüge und gestand, -daß er über jenen Priester kein Recht habe. Vom Pfingstmittwoche, dem 9. -Juni 1280 bis zum Freitag nach Peter und Paul, den 5. Juli, dem Jahrestage -des Todes jenes -<span class="pagenum"><a id="Page_144" name="Page_144" href="#Page_144">[144]</a></span> -Pfarrers, erduldete Christina für dessen Seele die Peinen -des Fegfeuers in der oben beschriebenen außerordentlich schmerzlichen -Weise und sie schaute dabei auch die Ursachen dieser Qualen, nämlich die -verschiedenen Nachlässigkeiten, die der Pfarrer sich zeitlebens hatte -zuschulden kommen lassen. Am 5. Juli kam Christina nach dem Empfange -der h. Kommunion in Verzückung, wurde im Geiste in den Himmel versetzt -und schaute dort im Spiegel der Gottheit den Freund, für den sie soviel -gelitten, bei dem ewigen Freunde und Bräutigam. -</p> - -<p> -Erschütternd ist das, was in den Offenbarungen der seligen Christina über -die lange Dauer des Fegfeuers angedeutet wird. Wenn auch der Magister -Johannes, der Christina die diesbezüglichen Mitteilungen bei ihrem -Erwachen aus der Verzückung ablauschte, sich mitunter verhört haben mag, -wenn auch die Berechnung der Jahre des Fegfeuers offenbar die Zeitdauer -der für die einzelnen Vergehen festgesetzten Kirchenbuße widerspiegelt -und die Verschärfung der Strafe oder stellvertretende Genugtuung eine -Kürzung der Zeitdauer des Fegfeuers bedingt, so kann man sich dem Eindruck -doch nicht entziehen, daß Gottes Gerechtigkeit unerbittlich jegliche -Sünde straft, und wenn er auch den wirklich reumütigen Sünder nicht zur -Hölle verdammt, er ihn doch für jede, auch der Schuld nach verziehene -Sünde, im Fegfeuer der mißachteten Oberhoheit der göttlichen Majestät -Sühne leisten läßt. Mit der langen Dauer des Fegfeuers, wie sie sich in -den Offenbarungen der seligen Christina und anderer Auserwählten Gottes -kundgibt, stimmt auch die Auffassung der Kirche überein, die Jahrhunderte -hindurch die h. Messe für dieselben Verstorbenen darbringen läßt. -</p> - -<div id="Fabb_12" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb12.jpg' - alt='12. Bild Christinas vom alten Grabmal zu Jülich.' - /> -<p class='caption'>12. Bild Christinas vom alten Grabmal zu Jülich.</p> -</div> - -<div id="Fabb_13" class='center'> -<p class="ftune"> </p> - <img src='images/nabb13.jpg' - alt='13. Christinenkapelle in der Pfarrkirche zu Jülich.' - /> -<p class='caption'>13. Christinenkapelle in der Pfarrkirche zu Jülich.</p> -</div> - -<p> -Christinas Mutter hätte sechshundert Jahre im Fegfeuer bleiben müssen, -hätte Christina nicht für sie ihre Leiden und Verdienste zur Sühne -angeboten. In der Nacht nach dem dritten Adventssonntage 1282 wurde -Christina von den bösen Geistern auf jene Felder geschleppt, die einst -ihr Vater besessen hatte, und bei jedem Stücke sprachen sie zu ihr: -„Siehe, das sind die Aecker, wegen deren dein Vater in Sünden gelebt und -zur Hölle gefahren ist. Wofern du dich nicht auf der Stelle bekehrst, so -werden wir dich zu deinem Vater ins ewige Feuer bringen.“ Und da Christina -sich an dieses Gerede nicht störte, so rissen die Teufel sie in die Höhe -und ließen sie dann zur Erde -<span class="pagenum"><a id="Page_145" name="Page_145" href="#Page_145">[145]</a></span> -fallen und das wiederholten sie auf jedem -Ackerfelde. Die ganze Woche hindurch wurde Christina in dieser Weise und -auch noch durch Verwundungen gepeinigt. Einigen Trost hatte sie jedoch -dadurch, daß sie gleich zu Anfang der Woche über die Erlösung ihres Vaters -belehrt wurde und so ertrug sie diese Peinen mit Freude. In der Nacht -nach dem vierten Adventssonntage wurde sie nach Nettesheim geschleppt -und in den drei folgenden Nächten nach Knechtsteden und dort gefoltert. -In der dritten Nacht, der h. Weihnacht, rang Christina den Teufel, der -sie mit einer Lanze in den Schlamm des Klostergrabens stieß, nieder, -bannte ihn fest, bis die anderen Teufel herbeikamen und flehentlich um -Entlassung baten. Sie gestanden, daß ihrer zwölftausend seien, daß sie -von Gott den Befehl erhalten, Christina zu foltern zur Erlösung ihres -Vaters. Am Weihnachtstage wurde Christina nach der h. Kommunion entrückt -und wurde gewürdigt, die Seele ihres geliebten Vaters, für den sie soviel -gelitten hatte, und zugleich die Seele eines jungen Mannes, des Bruders -des Magisters Johannes, vor Gottes Angesicht in Seligkeit und Herrlichkeit -zu schauen. Es wurde ihr dabei auch kundgetan, daß die Seele ihres Vaters -noch zwölftausend Jahre und die Seele des jungen Mannes noch viele Jahre -im Fegfeuer hätten leiden müssen, wenn durch Christinas Verdienste ihnen -nicht Hülfe gekommen wäre. -</p> - -<p class="break"> -In der Fastenzeit des Jahres 1283 erreichte die Peinigung Christinas, -was die Anzahl der bösen Geister anbelangt, ihren Höhepunkt. Sie -schleppten sie zur Nachtzeit gewöhnlich in den benachbarten Wald, -„Gohrbroich“ genannt, und in der Nacht vor dem Gründonnerstage sogar -in das weitentlegene, von einem grausamen Volke bewohnte Friesland und -folterten sie auf alle mögliche Weise. Einem schlachtgeübten Helde gleich -triumphierte Christina über den ganzen Höllenschwarm, der seine eigene -Ohnmacht und die Allmacht des Herrn, den Christina verehrte, bekennen -mußte. Den Gründonnerstag verbrachte Christina in Tröstung. Am Karfreitage -schloß sie sich in ihr Kämmerlein ein, und empfing wie üblich die Wundmale -des Herrn. Am Karsamstage war sie wieder in großer Freude und nach der -Kommunion am h. Ostertage wurde ihr in der Verzückung kundgetan, daß durch -ihr letztes Leiden zwei Seelen aus ihrer Verwandtschaft aus dem Fegfeuer -befreit worden seien, von denen -<span class="pagenum"><a id="Page_146" name="Page_146" href="#Page_146">[146]</a></span> -die eine sonst sechshundert, die andere -dreihundert Jahre im Reinigungsorte hätte leiden müssen. -</p> - -<p> -Nach der prüfungs- und schmerzreichen Adventszeit des Jahres 1283 wurde -ihr am Weihnachtstage in der Verzückung auch die Auszeichnung zuteil, -daß sie drei Seelen, für die sie so bittere Schmerzen hatte erdulden -müssen, von den Strafen des Fegfeuers befreit, vor Gottes Thron erblickte. -Die eine war die des Oheims des Magister Johannes, die zweite die der -Großmutter Christinas und die dritte die einer Matrone aus Cöln, welche -bei ihren Lebzeiten Christina besonders geliebt hatte. Gleichzeitig mit -diesen wurde noch eine große Anzahl anderer Seelen aus den Qualen des -Reinigungsortes in des Himmels Seligkeit eingeführt, die ohne Christinas -stellvertretende Sühne noch viele Jahre im Fegfeuer wären zurückgehalten -worden. -</p> - -<p> -Im Juni 1284 hatte Christina eine Erscheinung. Es zeigte sich ihr die -Seele eines Adeligen, der einige Tage vorher in einem Gefechte bei Aachen -gefangen genommen und dann aufs Rad geflochten und getötet worden war. -Er hatte mehrere Jahre in Sünden dahin gelebt, jedoch die gute Gewohnheit -beibehalten, täglich zu Gott zu beten und auch sonst war er gutherzig. Er -hatte das Glück, vor seinem Tode eine reumütige Beichte ablegen zu können, -und so wurde seine Seele durch Gottes Erbarmen vor der Hölle bewahrt, -jedoch zu den schwersten Strafen des Fegfeuers verurteilt. Die Seele -dieses Mannes sah Christina in der Qual und hörte ihn mit jämmerlicher -Stimme rufen: „Erbarme dich meiner, o Vater der Barmherzigkeit, und habe -Mitleiden mit mir, der ich mich in so schweren und unerträglichen Leiden -befinde; denn du hast mir nach deiner wunderbaren und unaussprechlichen -Güte die Barmherzigkeit erwiesen, mich vor der Hölle zu bewahren. -Nun flehe ich zu dir, du wollest mich auch aus dieser so schweren und -unerträglichen Marter befreien.“ Christina erbot sich, für ihn zu leiden, -wurde infolgedessen von einer großen Schar böser Geister zwei Wochen lang -aufs grausamste gehämmert und sonstig gefoltert, erhielt dann aber am -Sonntag vor Petri Kettenfeier die Versicherung, daß jenem Manne soviele -Jahre von seinen Strafen erlassen worden seien, als Teufel gewesen, die -sie seinetwegen gequält hätten. Dann erlitt sie nach dreitägiger Pause -zwei Wochen hindurch bis zum Feste der -<span class="pagenum"><a id="Page_147" name="Page_147" href="#Page_147">[147]</a></span> -Himmelfahrt Mariens, dann wieder -zwei Wochen lang vor dem Feste der Geburt Mariens und noch sechs Nächte -nach diesem Feste die Qualen des Fegfeuers. Doch erst am Feste der -Himmelfahrt Mariens 1285, vor dem sie abermals acht Tage hindurch die -Fegfeuersmarter erduldet hatte, wurde sie in der Verzückung gewürdigt, -zu sehen, wie die Seele jenes Edelmannes aus dem Fegfeuer erlöst und -mit der Himmelsfreude beglückt wurde. Bei ihm befanden sich noch sieben -andere Seelen von Männern, die sieben Jahre vorher, in der Gertrudisnacht -1278, beim Ueberfall Aachens durch Graf Wilhelm von Jülich, in der Stadt -Aachen erschlagen worden waren, und außer diesen noch neun andere aus -verschiedenen Gegenden, die, wenn Christina nicht für sie gelitten, sonst -noch viele Jahre in den Flammen des Reinigungsortes hatten leiden müssen. -</p> - -<p> -Zwischen Ostern und Pfingsten 1285 hatte sie die Fegfeuerspein zur -Erlösung von neun armen Seelen erduldet, deren Einzug in den Himmel -sie am Pfingsttage in der Verzückung schaute. Eine dieser Seelen war -die eines sehr weisen und gebildeten Cölner Bürgers, der vor anderthalb -Jahren gestorben war. Dieser hatte einst Christina mit einigen anderen -Ordensjungfrauen in sein Haus aufgenommen, ihr Gastfreundschaft erwiesen, -sich nach Tisch unbemerkt zu den Füßen Christinas niedergeworfen und sie -inständigst gebeten, doch seiner vor dem Herrn zu gedenken. Seit jenem -Tage hatte Christina allezeit seiner im Gebete gedacht. Ohne Christinas -Hülfeleistung hätte die Seele dieses Mannes angeblich dreißigtausend Jahre -zur Abbüßung ihrer Sündenstrafen im Fegfeuer bleiben müssen. Eine andere -Seele war die der Mutter eines Mädchens, das mit Christina sehr befreundet -war. Diese hätte hundert Jahre im Fegfeuer zubringen müssen. Zwei andere -waren Seelen von Frauen aus Cöln, die vor zwei Jahren gestorben und noch -dreißig Jahre hätten leiden müssen, die fünf übrigen Seelen waren solche -von Knaben, die ungefähr fünfzehn Jahre alt waren. -</p> - -<p> -Am Allerheiligenfeste 1285 schaute sie in der Verzückung sechs Seelen, -für die sie in der vorhergegangenen Woche gebüßt hatte. Es waren Seelen -von verheirateten Männern, die im selben Jahre in den Ländern jenseits des -Meeres im Kampfe gegen die Ungläubigen gefallen waren. Drei davon hießen -Petrus, einer dagegen Sibodo, einer Hermann und einer -<span class="pagenum"><a id="Page_148" name="Page_148" href="#Page_148">[148]</a></span> -Heinrich. Diese -hätten hundert Jahre Fegfeuer zu erdulden gehabt. -</p> - -<p> -Im Advent 1285 erduldete sie wiederum die Fegfeuersqualen und in der -Verzückung erhielt sie am Weihnachtstage die frohe Kunde, daß vierzig -Seelen aus dem Kerker der Reinigung befreit worden seien. Zwei davon waren -aus Stommeln, und zwar war die eine die Seele einer Begine Hildegundis, -die andere die Seele einer Witwe namens Elisabeth. Die übrigen waren aus -entfernten Gegenden am Ufer des Meeres. Unter ihnen befanden sich zehn -Männer, von denen drei Priester waren; die übrigen waren Frauen. -</p> - -<p> -Am Lichtmeßtage 1286 wurde sie in der Verzückung durch die Erlösung dreier -Seelen beglückt, von denen die eine die Seele eines bereits vor vielen -Jahren verstorbenen Verwandten war, für dessen Seelenruhe sie schon lange -Jahre gebetet hatte. Die beiden andern waren Seelen von zwei Frauen aus -Cöln, Mutter und Tochter. Am Freitage nach Pfingsten, den 7. Juni 1286, -wurde Christina nach der Kommunion entrückt und wurde getröstet durch die -Erlösung von abermals drei Seelen, für die sie die Fegfeuerspein erduldet -hatte. -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi17" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Siebenzehntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br />Christinas letzte Prüfungen, friedevoller Lebensabend und seliges Ende. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_149" name="Page_149" href="#Page_149">[149]</a></span> -Die Gnade der Beharrlichkeit ist bekanntlich ans Gebet geknüpft. Darum -versucht der Feind des Menschengeschlechtes es bis zum Aeußersten, selbst -bei den Auserlesenen, daß sie vom Gebete ablassen oder es lau und lässig -verrichten. -</p> - -<p> -In der dritten Nacht nach Christi Himmelfahrt 1282 trat der Versucher -in das Zimmer der im Gebete begriffenen Jungfrau und sprach zu ihr mit -furchterregender Stimme: „Wie lange willst du, Starrsinnige, den Weg -der ewigen Verdammnis gehen? Denn du, und zwar du allein, trittst mit -Füßen die weisen Verordnungen der Väter und der Ordensstifter. Zur Zeit -der Ruhe wachest du, betest in unnützer Weise und zur Zeit des Essens -übest du Enthaltsamkeit und Fasten. Und so handelst du in allen Stücken -verkehrt und erfüllst nicht Gottes Willen, sondern deinen verdammlichen -Eigenwillen. Und darum wirst du vom Allerhöchsten in unsere Hand gegeben.“ -</p> - -<p> -Als er so gesprochen, bedrohte er sie mit grausamer Folter, wofern sie -sich nicht zur Ruhe begebe und das Beten sein lasse. Christina aber sprach -unerschrocken: „Mühe dich nicht vergeblich ab, böser Dämon, mich durch -Lügengerede und Drohungen vom Lobe meines Herrn Jesu Christi abzubringen. -Jemehr du mich davon abzukehren suchst, desto mehr bestärkst du mich darin -und solltest du mir selbst meine Zunge rauben, so würde doch mein Herz -und meine Seele fortfahren, den Herrn zu preisen.“ Darauf machte sich der -Versucher beschämt von dannen. -</p> - -<p> -Am Freitage nach St. Martin 1280 ging Christina morgens mit großer -Sehnsucht zur Kirche, um die h. Kommunion zu empfangen. Da kam hinter ihr -die Dienstmagd ihres in Cöln wohnenden Bruders Heinrich, die Christina -hieß, auf dem Kirchweg hergelaufen, faßte sie am Kleide an und sprach: -<span class="pagenum"><a id="Page_150" name="Page_150" href="#Page_150">[150]</a></span> -„Teuerste Jungfrau, warum habt Ihr nicht auf mich gehört. Schon eine -Weile laufe ich Euch nach und oft schon habe ich Euch zugerufen. Kommt -doch schnell wieder um; denn ich habe Euch einen wichtigen Auftrag von -Euerem Bruder mitzuteilen.“ Christina erwiderte: „Teuere Namensschwester, -verzeihet mir, wenn ich Euch beleidigt haben sollte. Denn der Herr -weiß es, daß ich Euch gar nicht rufen gehört habe. Wisset aber, daß ich -durchaus nicht mit Euch zurückgehen werde.“ Da begann das vermeintliche -Dienstmädchen zu seufzen und sprach mit tränenerstickter Stimme: „Teuerste -Jungfrau, nun muß ich es Euch gerade heraussagen, weshalb ich gekommen -bin. Euer Bruder Heinrich ist tödlich verwundet und er schickt mich zu -Euch. Und so bin ich die ganze Nacht hindurch gelaufen, um Euch desto -eher die Nachricht bringen zu können. Ihr wisset ja, daß dieser Euer -Bruder ohne Furcht und Erkenntnis Gottes, zum großen Nachteile seines -Seelenheiles, immer in der Welt gelebt hat. Kommet also Teuerste, und -stehet Euerem Bruder bei, der dem Tode nahe ist; denn Ihr könnt durch -Euere frommen und heilsamen Ermahnungen in seinem Herzen das Feuer der -Buße wecken, das Licht der Erkenntnis Gottes entzünden und so seine Seele -der Pforte der Hölle entreißen und dem himmlischen Vaterlande zuführen.“ -Aus diesen wohlgesetzten Worten, die darauf berechnet waren, in Christinas -Herzen Regungen der Selbstgefälligkeit hervorzurufen und sie vom Empfange -der h. Kommunion abzuhalten, schöpfte sie Argwohn und gab zur Antwort: -„Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Menschen, wolle nach seiner Güte -meinen Bruder stärken und erhalten. Ich kann aber jetzt nicht umkehren; -denn ich habe mir vorgenommen, die h. Kommunion zu empfangen.“ So sprach -sie und ging eiligen Schrittes auf die Kirche zu. Im gleichen Augenblicke -aber fiel ein schwarzer Hund sie an, zerrte sie an den Kleidern und -hinderte sie am Weitergehen. Christina aber rief den Namen Jesu Christi an -und befahl dem Versucher, zu offenbaren, wer er sei. Dieser gestand nun, -daß er es gewesen, der in Gestalt der Magd ihr nachgelaufen, sie über die -Verwundung ihres Bruders belogen, um ihr Gemüt zu verwirren und sie von -der h. Kommunion abzuhalten. -</p> - -<p> -Mit innigster Liebe hing Christina an ihrem jüngsten Bruder Sigwin, -weil er ein gelehriges Herz zeigte, sich auf dem Wege der Vollkommenheit -unterweisen zu lassen. Der -<span class="pagenum"><a id="Page_151" name="Page_151" href="#Page_151">[151]</a></span> -Teufel, der jede Neigung des Herzens erspäht, -um sie zu Versuchungen auszunutzen, wußte auch aus dieser besondern -Zuneigung Christinas zu ihrem Bruder ihr einen Fallstrick zu drehen. Als -Sigwin nach Schweden abgereist war, und noch keine Nachricht über seine -Aufnahme in den Predigerorden eingetroffen war, nahm der Versucher zu -drei verschiedenen Malen Sigwins Gestalt an und trat Christina auf dem -Kirchweg hinter dem Dorfe entgegen. Das erste Mal wurde sie über seine -vermeintliche Rückkehr sehr betroffen, faßte sich aber und umarmte ihn -sehr freundlich, ohne zu vermuten, daß es der Versucher sei. Dieser aber -konnte seine Freude über die Ueberlistung Christinas nicht verbergen und -verschwand unter Hohngelächter. Als er aber zum dritten Male in Gestalt -Sigwins sie auf dem Kirchwege zu beunruhigen versuchte, erkannte sie, -vom Herrn belehrt, allsogleich seine Arglist und sprach zu ihm: „Weshalb -verwandelst du Bösewicht dich in fremde Gestalten? Und warum beunruhigst -du mich unter der Gestalt meines Bruders?“ Er antwortete: „Wenn ich dich -auch nicht vollends habe hintergehen können, so wollte ich doch wenigstens -dein Gebet unterbrechen, weil ich wußte, daß dein Herz Hinneigung hat zu -deinem Bruder.“ Als Christina dies hörte, kniete sie nieder und bekannte -sich schuldig vor dem Herrn, in dem Punkte nämlich, daß ihre Andacht so -lau gewesen, daß der Dämon in Gestalt ihres Bruders sie darin habe stören -können. -</p> - -<p> -Ein anderes Mal kam ihr, als sie zur Kirche ging, jemand nach in Gestalt -eines Briefboten und fragte sie, ob sie die Jungfrau sei, die Christina -von Stommeln genannt werde. Betroffen sprach sie, warum er so genau nach -ihrem Namen frage. Er entgegnete, Bruder Petrus aus Gotland habe ihn -gesandt, um ihr einen Brief zu überbringen und Näheres über ihren Bruder -Sigwin mitzuteilen. Da freute sich Christina und ersuchte ihn, es nur -gleich zu erzählen. Da fuhr jener fort: „Erschrecket nicht, Sigwin ist -gestorben.“ Da erhob Christina die Augen gegen Himmel und sprach: „Wenn -der gute Knabe, mein geliebter Bruder, der Welt abgestorben ist, so bete -und wünsche ich, daß er ewig leben möge im Herrn Jesus Christus.“ Und als -sie das gesagt, begann sie bitterlich zu weinen. Sobald sie begonnen zu -weinen, hatte sich die Gestalt des Briefboten als Trugbild des Versuchers -erwiesen. Christina wies alsbald den Betrüger von sich. Dieser aber erhob -<span class="pagenum"><a id="Page_152" name="Page_152" href="#Page_152">[152]</a></span> -ein lautes Hohngelächter und rief: „Nun habe ich dich doch wenigstens zum -Weinen gebracht,“ und dann verschwand er. -</p> - -<p> -Am Dreikönigentage des Jahres 1283, als Christina frühe vor der Messe -um das Dorf zur Kirche ging, nahte sich ihr der Versucher abermals und -sprach: „Wolltest du doch mir folgen und dein leeres Geplapper — er -meinte das Stundengebet — aufgeben, so würde ich dich mit Reichtum und -Ehren überhäufen und dich die Kunst lehren, wie du im Augenblicke an -jedem beliebigen Orte der Welt sein könntest. Dann könntest du auch sofort -jenes Kloster besuchen, in dem dein Bruder sich befindet, den du so sehr -liebest und sehen, wie er sich befindet und daraus großen Trost gewinnen.“ -Christina fertigte ihn ab mit den Worten: „Weiche von hinnen mit deiner -Wissenschaft und deinem Trost; Jesus Christus beut mir wahre Wissenschaft -und sichern Trost.“ -</p> - -<p> -Alle Verführungskünste bietet der Feind des menschlichen Heiles auf, um -die Seelen, die auf dem Wege der Vollkommenheit mutig voranschreiten, -zu verwirren und vom rechten Wege abzubringen. Schmeicheleien und -Lobhudeleien wechseln ab mit Drohungen und Mißhandlungen. So wurde auch -Christina nicht immer mit Schreckbildern geplagt. Als Christina in einer -Nacht nach Pfingsten im Jahre 1281 wegen der drückenden Hitze in ihrem -Hofe auf und ab ging und betete, zeigte sich eine Lichterscheinung in -Gestalt eines Jünglings über ihr in den Lüften, die mit ihren Strahlen -Haus und Hof erhellte. Christina erkannte diese Erscheinung als Täuschung, -beschwor deren arglistigen Urheber im Namen Jesu Christi zu verschwinden -oder sich in Finsternis zu verwandeln, und alsbald trat Dunkelheit ein. -Im Januar 1282 kamen Engelsgestalten zu ihr, als sie nachts in ihrem -Kämmerlein im Gebete wachte. Brennende Kerzen trugen sie in ihren Händen -und mit den süßesten Worten erhoben sie Christinas Verdienste, und sagten, -sie seien von Christus beauftragt, ihr an dieser Stätte, wo sie soviel -für ihn gelitten, in dieser Nacht zu dienen und ihr aufzuwarten, und ihr -durch die Helle des Lichtes Tröstung zu bereiten. Christina aber erkannte -auf den ersten Blick das Blendwerk des Teufels, verdemütigte sich in -ihrem Herzen vor dem Herrn und sprach dann: „Geister der Finsternis, -durch Jesus Christus, der da ist der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, -beschwöre ich euch, abzulegen den Glanz des Lichtes, der euch nicht -zukommt und -<span class="pagenum"><a id="Page_153" name="Page_153" href="#Page_153">[153]</a></span> -zurückzukehren ins Reich der Finsternis.“ Und alsbald war -der gleisnerische Spuk verschwunden und an seine Stelle trat wieder der -grausame Verfolger. -</p> - -<p> -Ein anderes Mal wurde sie auf dem Sandberge in Stommeln in die Lüfte -erhoben, mit Lichtglanz umhüllt und von Gestalten, die Engeln ähnlich -sahen, mit jubelnden Zurufen begrüßt und eingeladen, zu ihnen zu kommen. -Aber auch diese List verfing nicht. Christina verachtete das Gaukelspiel, -ließ sich nicht zur Selbstgefälligkeit verleiten und erwiderte, sie wolle -lieber aus Liebe zu Christus leiden als trügerische Tröstungen annehmen. -Doch auch wirkliche Tröstungen wundersamer Art bereitete ihr mitunter der -Herr des Himmels und Gebieter der Natur. Als die Unholden der Finsternis -sie in einer Nacht des Adventes 1285, der vorletzten vor Weihenacht, am -zugefrorenen Sumpfe im Gohrbroich gar jämmerlich zugerichtet hatten, kamen -sieben Wölfe herbei; die ihre natürliche Wildheit ablegten, gleich sanften -Lämmern an Christina herantraten, mit ihrem warmen Hauche ihre erfrorenen -Glieder erwärmten und dann vor ihr die Köpfe senkten, als wollten sie -zum Abschiebe Christinas Segen erbitten. Da dankte Christina im Herzen -ihrem Schöpfer, wurde innerlich getröstet und gebot dann im Namen Jesu -Christi, dem selbst die wildesten unvernünftigen Geschöpfe gehorchen, den -Teufeln, zu bekennen, weshalb sie ihr so unmenschliche Qualen zugefügt -hätten. Sie bekannten, daß sie auf Befehl Gottes sie für die Sünden -anderer gepeinigt hätten, verschwanden alsdann, und Christus selbst trat -herzu, um Christina in ihr Kämmerlein zurückzuführen. Christinas Seele -vertieft sich an Demut, steigt an Gottwohlgefälligkeit. Nicht mehr sind -es Engel, die Christina nach überstandener Folter erquicken und trösten, -der Herr der Engel selbst, Christus, der Seelenbräutigam, würdigt sich, -sie heimzusuchen und gleich ihm wird sie durch Leib und Kreuz Siegerin und -Gebieterin über die stolzen Mächte des Reiches der Finsternis. Was David -im 90. Psalme singt, das traf auch, wie Petrus von Dazien<a name='FA_52' id='FA_52' href='#FN_52' class='fnanchor'>[52]</a> in einem -seiner Briefe an Christina bemerkt, bei dieser zu. Sie spricht zum Herrn: -„Meine Zuflucht bist du und mein Hort, mein Gott, ich vertraue auf dich. -Und der Herr rettet dich vor des Jägers Schlinge und vom bösen Worte. Mit -einem Schilde umgibt dich seine Wahrheit, nicht -<span class="pagenum"><a id="Page_154" name="Page_154" href="#Page_154">[154]</a></span> -hast du zu fürchten vor -den Schrecknissen der Nacht, vor dem schwirrenden Pfeile, der bei Tage -fliegt, vor dem Unholde, der im Finstern schleicht ... Seinen Engel hat er -geboten, dich zu schützen auf allen deinen Wegen; auf den Händen werden -sie dich tragen, daß du nicht deinen Fuß an einen Stein stoßest. Ueber -Vipern und Basilisken wirst du einherschreiten und niedertreten Löwen und -Drachen ... Rufst du zu mir, so spricht er, so werde ich dich erhören; -bei dir bin ich in der Bedrängnis, ich befreie dich und ich verherrliche -dich. Mit der Länge der Tage will ich dich ersättigen und dich schauen -lassen mein Heil.“ -</p> - -<p> -Petrus von Dazien, der, selbst vom Geiste Gottes erfüllt, Christina -so wirksam zu trösten verstand, er sollte schon bald aus der irdischen -Wanderschaft abberufen werden, um das ewige Heil dort oben zu schauen. -Zu Anfang des Jahres 1287 war er aus Gotland nach Bordeaux, jedenfalls -zur See, als Gefährte seines Provinzials, zum Generalkapitel gereist. -Den Rückweg machte er dann auf demselben Wege bis Antwerpen, reiste dann -aber zu Lande bis Löwen, von wo er am 1. Juli an Christina schrieb, -daß die Reise langwierig und mühselig sei, und er viele Beschwerden -und körperliche Schmerzen erduldet habe, doch die unverdrossene Liebe -überwinde alles, und wenn er auch mit dem linken Fuße stark hinke, so -hoffe er doch im Herrn, in einer Woche zu Stommeln zu sein. Er erinnert -dann noch Christina daran, daß sie ihm Reliquien der Heiligen und Magister -Johannes ihm zwei Sexterne über die Wunderwerke Gottes versprochen habe. -Ob Petrus wirklich im Jahre 1287 nach Stommeln gekommen ist, wissen -wir nicht. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich. Er starb auf Gotland in -der Fastenzeit 1288 und Bruder Folkwin meldete am 9. September 1288 die -Trauerbotschaft nach Stommeln. Durch Reisen und Geschäfte, so schreibt -er, sei er gehindert, öfter zu schreiben. „Jetzt aber zeige ich Euch -mit Schmerz und unter Tränen an, daß unser ehrwürdiger Vater, der -Bruder Petrus, weiland Prior und Lesemeister unseres Klosters, in der -Fastenzeit im Herrn entschlafen ist. Seine Seele empfehle ich inständigst -Euern heiligen Gebeten und bitte Euch zugleich, daß Ihr seine Seele den -Gebeten der Schwestern, die bei Euch sind, sowie auch dem Gebete der -Schwestern in Cöln, die er kannte, angelegentlichst empfehlen wollet.“ -Der früher von Christina mehrmals geäußerte Wunsch, dem Bruder Petrus -im Tode bald nachzufolgen, -<span class="pagenum"><a id="Page_155" name="Page_155" href="#Page_155">[155]</a></span> -ging nicht in Erfüllung. Der Herr ließ sie -noch nahezu fünfundzwanzig Jahre hier auf Erden. Jedoch bildet das -Jahr 1288 einen Wendepunkt im Leben Christinas. In ihm wurde sie ihres -geistigen Vaters und Trösters beraubt; in ihm sollten aber auch die -Beunruhigungen und Quälereien seitens der Mächte der Finsternis ein Ende -nehmen. In ihm löst sich ja auch die aus der Machtgier der Fürsten und -Völker des Niederrheins erwachsene Unsumme von Haß und Eifersucht in -der folgenschweren Schlacht von Worringen aus, in der die Heeresmächte -sämtlicher Fürsten der niederrheinischen Lande miteinander kämpften. -Veranlassung zum Kriege war die Thronfolge im Herzogtum Limburg. Im -Jahre 1282 war der Herzog von Limburg ohne männliche Nachkommenschaft -gestorben. Graf Reinold von Geldern und Graf Adolf von Berg stritten um -die Erbschaft. Letzterer übertrug seine Ansprüche an den Herzog Johann von -Brabant, und nun entstand Spannung, Streit und Zwietracht zwischen den -Genannten nicht bloß, sondern auch zwischen allen benachbarten Fürsten. -Auf Seite des Grafen von Geldern standen der Erzbischof von Cöln, Sigfrid -von Westerburg, Graf Heinrich von Luxemburg, Adolf von Nassau, der spätere -deutsche König, Dietrich von Cleve, Johann von Limburg an der Lahn, Walram -von Falkenburg, Dietrich von Moers und andere Herren. Johann von Brabant -hatte zu Verbündeten den Herzog Walram von Jülich, Graf Eberhard von der -Mark, Adolf von Berg und andere. Die Erbitterung des Grafen von Jülich -gegen den Erzbischof und Kurfürsten von Cöln sowie die Spannung zwischen -der Stadt Cöln und dem Erzbischofe spielten mächtig in den Streit hinein. -Sechs Jahre lang wurde gegenseitig gerüstet. Der Erzbischof selbst zog -mit 14000 Mann auf das Schlachtfeld. Am 5. Juni 1288 kam es bei Worringen -zur Schlacht. In der Abteikirche zu Brauweiler hatte Sigfrid vorher -einen feierlichen Gottesdienst gehalten und seine Mannschaften durch eine -feuerige Ansprache aufgefordert, die von den Gegnern im Erzstifte verübten -Greuel zu rächen. Sigfrid und Reinold standen auf den beiden Flügeln, -Heinrich von Luxemburg im Zentrum. Ihnen gegenüber standen Adolf von Berg -und Arnold von Looz, im Zentrum dagegen Herzog Johann von Brabant. Durch -einen geschickten Meisterzug lockte Erzbischof Sigfrid den Feind auf von -Wassergräben durchschnittenes Gelände und wäre so beinahe -<span class="pagenum"><a id="Page_156" name="Page_156" href="#Page_156">[156]</a></span> -gleich nach -Beginn der Schlacht Sieger geworden. Allein durch das Ungeschick seiner -ungestüm herandrängenden Bundesgenossen wurde Verwirrung angerichtet; die -Lage des Erzbischofs und des Grafen von Geldern verschlechterte sich. Mit -großer Tapferkeit wurde beiderseits gekämpft, lange wogte der blutige -Kampf unentschieden hin und her, zuletzt neigte sich der Sieg auf die -Seite der Brabanter. Elfhundert Leichen deckten die Wahlstatt und von den -Verwundeten starben siebenhundert bald nachher. Unter den Gefallenen waren -Graf Heinrich von Luxemburg und sein Bruder Walram, desgleichen Heinrich -von Westerburg, des Erzbischofs Bruder. Sigfrid selbst wurde gefangen -genommen, desgleichen Adolf von Nassau. Auch Reinold von Geldern wurde auf -der Flucht eingeholt und mußte sich ergeben. Erzbischof Sigfrid verbrachte -die erste Nacht seiner Gefangenschaft in der Kirche zu Monheim und blieb -dann ein Jahr lang auf Schloß Burg an der Wupper in strenger Haft des -Grafen Adolf von Berg. -</p> - -<p> -Die sechs Jahre anwährenden Kriegsunruhen machten auf Christina, deren -Heimat Stommeln, an der Grenze zwischen den Jülicher Landen und dem -Cölner Erzstifte, nur zwei Stunden vom Schlachtfelde Worringen entfernt -gelegen war, einen tiefen und betrübenden Eindruck. Der Gedanke an die -vielen Greuel und Frevel, die der Krieg herbeiführte, und besonders die -Befürchtung, es möchte mancher im Kriege umkommen, ohne mit Gott versöhnt -zu sein, und in die Hölle fahren, hatte sie bewogen, Gott den Herrn zu -bitten, er möge sie leiden lassen, um die einen vor dem Tode zu bewahren -und denen, die fallen würden, die Gnade einer seligen Sterbestunde zu -erlangen. Der Herr nahm ihr Anerbieten an und schickte ihr anderthalb -Jahre hindurch vor der Schlacht ganz besondere Leiden. Den Teufeln -wurde gestattet, sie am ganzen Körper mit spitzigen Eisen und Scherben -zu zerkratzen und zu schinden, so daß er nur eine Wunde war, und diese -Wunden wurden dann noch, um den Schmerz zu erhöhen, mit Salz eingerieben. -Bluttriefend, einem Schlachtopfer gleich, dem h. Bartholomäus, den sie -von Jugend auf besonders verehrte und der für Christus geschunden wurde, -ähnlich, lag Christina auf ihrem Schmerzenslager inmitten des um sie her -herrschenden Kriegeslärms und Kampfgetümmels. Trotz der grausamen Folter, -die sie an allen Gliedern ihres Leibes quälte, und trotz des großen -Blutverlustes -<span class="pagenum"><a id="Page_157" name="Page_157" href="#Page_157">[157]</a></span> -nahm sie nur wenig Nahrung zu sich. Während dieser ganzen -Zeit von anderthalb Jahren aß sie nichts anderes als etwas Ingwer. Das -war ihre ganze Speise. -</p> - -<p> -Durch ihre Leiden und Gebete erlangte sie von Gott die Gnade, daß -Graf Adolf von Berg in jener Schlacht dem Tode entging und auch nicht -gefangen genommen wurde und die beiden Grafen von Luxemburg nebst sehr -vielen andern, die dort umkamen, durch die Barmherzigkeit Gottes vor der -Höllenstrafe bewahrt blieben. -</p> - -<p> -Christinas Leiden hatten den Höhepunkt erreicht. Nach der Wut des Kampfes -trat endlich Friede ein im Lande. Nach der Zeit der Versuchungen und -Prüfungen kamen nun auch Jahre friedevollen Trostes für die heldenmütige -Dulderin Christi. Die von einem Ungenannten verfaßte Lebensbeschreibung -Christinas schließt mit den Worten: „Nach der Schlacht bei Worringen hörte -jegliche Verfolgung seitens des Teufels gänzlich auf. Zu dieser Zeit hat -Christi Braut durch die Gnade ihres Bräutigams den Luzifer samt allen -Teufeln, die in und außer der Hölle sind, durch standhaften Kampf und -heldenmütigen Sieg überwunden, so daß sie über alle Feinde: Fleisch, Welt -und Teufel, glorreich triumphiert.“ -</p> - -<p> -Christina war, um mich der Redeweise der h. Teresia zu bedienen, -eingetreten in die siebente Wohnung der Seelenburg, in der es fast nie -Geistestrockenheit noch innere Beunruhigung mehr gibt. Hier sprudelt dem -verwundeten Hirsche labendes Quellwasser in Fülle. Hier findet die Taube, -nach dem Verlaufen der Flut, den Oelzweig zum Zeichen, daß sie festen -Boden gewonnen inmitten der Strömungen dieser Welt. Die Seele ergötzt -sich im Zelte Gottes in fast ungetrübter Ruhe und ist frei von jeglicher -Furcht, der böse Feind könne sie umgarnen. Sie ist nämlich vergewissert, -daß Gott selbst es ist, der hier wirkt. Und wenn auch in diesem -Seelenfrieden mitunter aus irgend einem äußeren Anlasse eine Beunruhigung -eintritt, so ist sie von ganz kurzer Dauer und vermag nicht, die Seele in -ihrer Entschlossenheit, in keinem Stücke vom Wege der Gottwohlgefälligkeit -abzuweichen, wankend zu machen. -</p> - -<p> -Der Born, an dem die Seele sich labt, ist die Seitenwunde Christi, aus -der geflossen jenes Geheimnis der Liebe, das da ist unsere Stärkung auf -der Wanderschaft zum himmlischen Vaterlande. Häufig und mit innigster -Sehnsucht nahte -<span class="pagenum"><a id="Page_158" name="Page_158" href="#Page_158">[158]</a></span> -Christina dem Tische des Herrn. Wie würde sie aufgejubelt -haben, wäre es ihr vergönnt gewesen, täglich das Sakrament des Leibes und -Blutes Jesu Christi zu genießen. Damals war es nicht Sitte, außerhalb der -Hochgezeiten des Jahres zum Tische des Herrn zu gehen und Christina war zu -bescheiden, um durch öftere Kommunion Aufsehen zu erregen. Jedoch benutzte -sie jeden sich darbietenden festlichen Anlaß, um sich im Sakramente mit -Christus zu vereinen, so daß sie durchschnittlich monatlich zum Tische -des Herrn hinzutrat. So läßt sich aus den zufälligen Angaben des Petrus -von Dazien feststellen, daß sie z. B. im Jahre 1279 zu Allerheiligen die -Kommunion empfing, dann am Katharinentage, dann wieder zu Weihnachten, -Mariä Lichtmeß, zweimal in der h. Fastenzeit, am Gründonnerstage, zu -Ostern, am dritten Sonntage nach Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten. -Später, zumal nachdem Magister Johannes Priester geworden und ihr die -h. Kommunion reichen konnte, ging sie häufiger, nämlich durchgehends alle -vierzehn Tage, zu den hh. Sakramenten. Mit welch heiligem Ernste, mit -welch auferbaulicher Sammlung sie sich auf den Empfang des allerheiligsten -Sakramentes vorbereitete, sahen wir im Verlaufe der Lebensbeschreibung -des öftern. Den ganzen vorhergehenden Tag zog sie sich gänzlich von -der Welt zurück und die Nacht durchwachte sie im Gebete, einzig und -ausschließlich damit beschäftigt, sich vorzubereiten auf den Empfang ihres -himmlischen Bräutigams, und in seliger Vereinigung mit ihm verbrachte -sie den Kommuniontag gewöhnlich im Zustande der Verzückung an ihrem -liebgewonnenen Plätzchen hinter dem Hochaltar der Pfarrkirche. Wenn es für -Christina nicht tunlich war, Christum den Herrn so oft, als sie es gerne -gewünscht hätte, im Sakramente zu empfangen, so vereinigte sie sich desto -öfter im Geiste, nämlich der Sehnsucht nach, mit ihm. Eine wundersame -Art dieser geistigen Kommunion ist aus der Fastenzeit des Jahres 1281 -zu berichten. In der zweiten Fastenwoche jenes Jahres war Christina drei -Nächte nacheinander in der widerwärtigsten Weise von den bösen Geistern -gequält worden. In den beiden ersten dieser Nächte sandte der Herr einen -Engel, um Christina zu trösten und zu heilen. In der dritten Nacht aber -kam der Hohepriester und oberste Hirt Jesus Christus selbst zu ihr, nicht -sichtbar, sondern nur dem Herzen Christinas innerlich wahrnehmbar, und -trug einen Kelch von lauterm Gold, -<span class="pagenum"><a id="Page_159" name="Page_159" href="#Page_159">[159]</a></span> -die h. Hostie darauf, in seiner Hand, -machte das Kreuzzeichen über Christina, und siehe, alle Verwundung und -Belästigung war verschwunden, und dann reichte er ihr die h. Hostie, -indem er sprach: „Nimm hin, meine Braut und Freundin; das ist mein Leib.“ -Dann reichte er ihr auch den Kelch und sprach: „Das ist mein Blut, das -für dich vergossen wurde; durch dieses wirst du mit Sicherheit über alle -Feinde siegen. Fürchte dich also nicht, sondern streite tapfer; denn ich -werde dein sicherer Sieg und dein ewiger Lohn sein.“ Nach diesen Worten -verschwand die wundersame innere Kundgebung, ließ aber in Christinas Seele -Stärkung und Tröstung zurück. -</p> - -<p> -Mit der Andacht und dem frommen Empfange des allerheiligsten Sakramentes -verband Christina auch eine Andachtsübung, die erst in unsern Tagen -Gemeingut der Christenheit geworden ist, nämlich die Andacht zum -heiligsten Herzen Jesu, aus dem der Welt das Heil geflossen. -</p> - -<p> -In ihren Briefen erwähnt sie des öftern das Herz unseres Erlösers und -dem Bruder Petrus beteuert sie, daß sie ihn im Herzen Jesu liebe (S. <a href="#Page_128">128</a>), -sie wünscht ihm Tröstung im Herzen Jesu (S. <a href="#Page_123">123</a>) und bittet ihn im -geliebtesten Herzen Jesu, sich ihres Bruders Sigwin anzunehmen (S. <a href="#Page_129">129</a>). -</p> - -<p> -In der Nacht vor Christabend des Jahres 1280 betete sie, als die Geister -der Bosheit sie unmenschlich marterten und sie mit dem Tode bedrohten, -folgendermaßen: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„O Herr Jesus Christus, Du Leben der Menschen und Heil aller, die auf -Dich vertrauen, ich bitte Dich durch Dein glorreiches Leiden und Sterben -und <em class="gesperrt">durch Dein süßestes Herz, das aus Liebe gebrochen ist</em>: sollte es -Dein Wille sein, daß ich von diesen bösen Geistern getötet werde, so nimm -mein angstvolles Herz in Gnaden auf und verbirg es in Deinem süßesten -Herzen.“ -</p> -</div> - -<p> -In der Nacht des Donnerstags vor Petri Stuhlfeier 1281 rief sie inmitten -der Folter also: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„O mein Herr Jesus, meine einzige Hoffnung von Jugend auf, der Du -in meinen Leiden allezeit mein treuer Helfer und liebevollster Tröster -gewesen bist, keine Wut der Verfolger, keine Heftigkeit der Peinen soll -mich jemals, so lange ich lebe, von Dir trennen. Wenn ich jetzt sterben -muß, so nimm mich nach Deiner Liebe in Gnaden auf und <em class="gesperrt">verbirg mich in -Dein süßestes Herz</em>.“ -</p> -</div> - -<p> -In der Fastenzeit des Jahres 1282, als sie, wohl im Geiste, -hinausgeschleppt auf den Galgenberg bei Stommeln, mit dem Tode bedroht -wurde, sprach sie wehmutsvoll: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_160" name="Page_160" href="#Page_160">[160]</a></span> -„O Herr Jesus Christus, Du süßeste Liebe, in Deine Hände befehle ich -meine Seele. Nimm sie in Frieden auf und <em class="gesperrt">bewahre sie in Deinem süßesten -Herzen auf ewig</em>. Meinen Leib aber lasse, wenn es Dein gütigster Wille -ist, von den Dämonen zerrissen werden und eines Todes sterben, wie es Dir -wohlgefällig ist.“ -</p> -</div> - -<p> -In der Nacht vor Weihnachtsabend 1283, als sie mit Durchbohrung des -Herzens bedroht wurde, erhob sie die Augen gen Himmel und flehte also: -</p> - -<div class="blkquot"> -<p> -„Herr Jesus Christus, geliebtester Bräutigam, Du weißt es, daß ich -allezeit gewünscht habe, mein Herz möchte brechen aus Liebe zu Dir; wenn -Du Dich nun jetzt würdigest, diesen meinen Wunsch zu erfüllen, so sage -ich Dir von ganzem Herzen Dank und <em class="gesperrt">empfehle meine Seele in Dein süßestes -Herz</em>.“ -</p> -</div> - -<p> -Die sicheren Kennzeichen der Vereinigung mit Gott sind nach der h. Teresia -das Verlangen, Gott zu preisen, für ihn zu leiden, Buße zu üben, verbunden -mit dem inbrünstigen Verlangen, daß alle Menschen Gott erkennen und lieben -möchten, woraus dann bittere Pein entsteht bei der Wahrnehmung, daß er -beleidigt wird. Mit diesem Verlangen ist nach der h. Teresia naturgemäß -verbunden das Verlangen nach Einsamkeit. -</p> - -<p> -Alle diese Kennzeichen treten im Leben Christinas klar zutage. Die Liebe -zur Einsamkeit war es jedenfalls, die sie in ihrem stillen Heimatdorfe -zurückhielt und sie bestimmte, den wiederholten und dringenden -Einladungen, nach Schweden zu kommen, nicht Folge zu geben. Die Liebe -zur Einsamkeit war es, die sie bewog, nach dem Weggang ihres Bruders -Sigwin ein kleines Heim, dort gelegen, wo das alte Holzkreuz, rückwärts -der dem großen Kreuzhof gegenüberliegenden jetzigen Christinakapelle, -in Stommeln steht, zu beziehen, von wo sie hinter dem Dorfe her über den -jetzigen Berlich unbeachtet und ungestört zur Kirche gehen konnte. Dort -konnte sie in der Verborgenheit ihren frommen Uebungen und Bußwerken -obliegen, dort konnte sie die außergewöhnlichen Gnadenerweise, mit -denen die Huld des Herrn sie zu beglücken pflegte, verborgen halten. -Wie sehr sie darauf bedacht war, diese besonderen Gnadenerweisungen, -namentlich die hh. Wundmale, zu verbergen, erhellt aus dem Umstande, daß -die Lederhandschuhe, mit denen sie am Ostertage, wenn sie zur Kommunion -ging, die Hände verhüllte, damit die noch nicht ganz vernarbten Wundmale -neugierigen Blicken entzogen würden, erhalten geblieben sind. Sie wurden -als verehrungswürdige Gewandstücke nach Christinas Tode sorgfältig -<span class="pagenum"><a id="Page_161" name="Page_161" href="#Page_161">[161]</a></span> -aufbewahrt, schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts mit gestickten -Seidenhüllen, auf deren einer Christina vor dem Heilande, auf der anderen -Christina vor dem Bilde der Gottesmutter dargestellt ist, umgeben. -Mit ihrem Gebetstäfelchen und dem gewirkten Täschchen, in dem sie ihr -Psalmenbuch aufzubewahren pflegte, sind sie noch heute als teuere Andenken -in ihrem Grabmale bei den heiligen Gebeinen hinterlegt (Abb. <a href="#Fabb_05">5</a>). Sie -müssen ihr also auch wohl bis zum Lebensende gedient haben. Es liegt somit -der Schluß nahe, daß auch die Wundmale wie früher in der Leidenszeit, -so auch später in der Friedenszeit sich alljährlich am Karfreitage an -Christina erneuert haben. Nachdem Petrus von Dazien, ihr vom Herrn selbst -bestellter Seelenführer, in die ewige Heimat hinübergegangen war, hat -Christina allem Anscheine nach niemandem mehr, abgesehen von der Beichte, -über ihre inneren Erlebnisse und Zustände Mitteilungen gemacht. In ihrer -Einsiedelei lebte sie in inniger Gottvereinigung, äußerster Genügsamkeit, -am Spinnrocken sitzend und stets dem Gebete obliegend, bis sie im Alter -von siebenzig Jahren abberufen wurde zur beseligenden Vereinigung mit -ihrem himmlischen Bräutigam im Hochzeitssaale des ewigen Lebens. In der -Nachschrift des ersten Buches der Jülicher Handschrift, die nach dem -Urteil der Sachverständigen aus der Zeit von 1342-1400 herrührt, heißt es -wie folgt: „Die von Gott und den Menschen geliebte Braut Christi Christina -legte im zehnten Jahre ihres Alters das Gelübde der Keuschheit ihrem -Bräutigam Jesus Christus ab, dem sie unter mannigfachen und andauernden -Versuchungen ... Nachstellungen und Martern der bösen Geister durch ein -frommes Leben und unbesiegte Standhaftigkeit diente bis zum Jahre 1312 -den 6. November, welcher der Tag des h. Leonhard war und auf den Montag -fiel, an dem sie zur Zeit der Morgendämmerung beim ersten Hahnenschrei -aus diesem irdischen Lichte in glücklichem Tausche hinüberschied ins ewige -Licht.“ -</p> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<h2 id="kapi18" class="komplex"> -<img class="hdimg" src="images/kapitel_deco.jpg" alt="000" width="540" height="50" /> -<br /><em class="komplex">Achtzehntes Kapitel.</em> -<br /><span class="zierlich">______</span> -<br /> -<br />Christinas Verehrung nach dem Tode und deren Bestätigung durch Papst Pius X. -</h2> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_162" name="Page_162" href="#Page_162">[162]</a></span> -Die Heiligen leben nach ihrem Hinscheiden aus dieser Welt nicht bloß -weiter bei Gott in ewiger Seligkeit, sondern sie herrschen auch mit ihm, -wie die Schrift bezeugt. Der Herr liebt es, durch Vermittlung derer, -die seine getreuen Diener und auserlesenen Freunde auf dieser Erde -waren, den Erdenpilgern mannigfache Erweise seiner Huld und Erbarmung -an Leib und Seele zukommen zu lassen. Für solche, die zeitlebens, vom -Geiste Gottes getrieben, ihr Glück darin fanden, andere glücklich zu -machen; die von Gottes Liebe entzündet, sich erschöpften in Werken -christlicher Nächstenliebe, muß es ja auch im seligen Leben dort oben -Möglichkeit und Gelegenheit geben, Erbarmen und Liebe zu üben, da ja -die Himmelsherrlichkeit die Natur nicht zerstört, sondern nur erhebt und -veredelt und das mit Hülfe der Gnade hienieden Begonnene zur Vollendung -bringt. Auf die Anrufung der Heiligen erfolgen denn auch erfahrungsgemäß -ganz auffallende Gebetserhörungen und der Herr verherrlicht die Grabstätte -seiner Auserwählten nicht selten mit Wunderwerken. Auch Christinas Grab -sollte glorreich werden. Sie wurde bestattet auf dem Kirchhofe zu Stommeln -an der Nordseite des noch jetzt stehenden Turmes der alten Pfarrkirche, -die anmutig auf der Höhe gelegen, Dorf und Umgegend beherrscht. Laut der -bereits vorhin erwähnten, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Nachschrift -des ersten Buches der Jülicher Handschrift geschahen nach dem Tode -Christinas viele auffällige Heilungen an ihrem Grabe. Auch Werner von Titz -schreibt in seinen um 1586 verfaßten Annalen von Neuß zum Jahre 1330, um -jene Zeit habe angefangen berühmt zu werden die selige Christina, eine -heilige Jungfrau, die aus Stommeln gebürtig sei. Umständlich aufgezeichnet -von diesen Heilungen ist jedoch nur die des Grafen Dietrich IX. von Cleve, -die Veranlassung -<span class="pagenum"><a id="Page_163" name="Page_163" href="#Page_163">[163]</a></span> -zur Errichtung eines Kollegiatkapitels in Stommeln werden sollte. -</p> - -<p> -Graf Dietrich litt derartig an der Gicht, daß er weder gehen noch stehen, -noch Speise zum Munde führen konnte. An seiner Schloßkapelle zu Monterberg -bei Calcar versah damals Kaplansdienste ein Johannes von Stommeln, der -wahrscheinlich dieselbe Persönlichkeit ist mit dem ehemaligen Magister -Johannes von Stommeln und nachmaligem Kaplane Christinas. Durch diesen -wohl erhielt Graf Dietrich Kunde von den Heilungen, die sich am Grabe -Christinas zu Stommeln zutrugen, und auch er beschloß, sich dorthin -fahren zu lassen. Am 2. August 1339 kam er nach Stommeln und ließ sich -in einer Sänfte hinauf zum Kirchhofe tragen. Das Grab wurde geöffnet -und die Gebeine herausgenommen, um in die Kirche übertragen zu werden. -Dietrich verrichtete am Grabe Christinas ein Gebet, man gab ihm eines der -Gebeine (ein Fingergelenk) in die Hand, und alsbald knisterte es in seinen -Gliedern, wie wenn man dürres Reis zerbricht. Urplötzlich fühlte er sich -geheilt, sprang auf, stieg zu Pferde und ritt von dannen, voller freudiger -Dankbarkeit gegen Gott, der auf die Anrufung seiner Dienerin Christina -ihm den Gebrauch seiner Glieder wiedergegeben hatte. -</p> - -<p> -Die Heilung des Grafen Dietrich war die Veranlassung zur Stiftung -zweier Kollegiatkapitel, nämlich desjenigen von Cleve und desjenigen von -Stommeln. -</p> - -<p> -Graf Dietrich verlegte nämlich das von ihm am 15. Februar 1334 zu -Monterberg errichtete Stift mit Genehmigung seines Vetters, des Cölner -Erzbischofs Walram von Jülich, im Jahre 1341 nach Cleve. Am 18. März -des genannten Jahres legte er selbst den Grundstein zum neuen Chore der -ehemaligen Stiftskirche und nunmehrigen Pfarrkirche zu Cleve. Eines der -Chöre wird im Jahre 1425 bezeichnet als geweiht der seligsten Jungfrau -und der seligen Christina.<a name='FA_53' id='FA_53' href='#FN_53' class='fnanchor'>[53]</a> -</p> - -<p> -Die Stiftungsurkunde des Kollegiatkapitels von Stommeln ist nicht mehr -vorfindlich. Aus der vom Cölner Erzbischof Walram von Jülich unter dem -4. Mai 1342 ausgestellten Uebertragungsurkunde, die im Staatsarchiv zu -Düsseldorf beruht, geht jedoch hervor, daß das Stift oder Kollegiatkapitel -<span class="pagenum"><a id="Page_164" name="Page_164" href="#Page_164">[164]</a></span> -vollständig in Stommeln bestand, jedoch keine hinlänglichen Einkünfte -hatte. Es bestand aus einem Dechanten und zwölf Stiftsherren. Der erste -Dechant des Stiftes hieß Gotfrid, und als Stommeler Stiftsherren werden -aufgeführt: 1. Petrus von Unkelbach, 2. Herpern von Kentzwilre, 3. -Johannes Knode, 4. Johannes von Stommeln, 5. Jakob von St. Andreas, 6. -Johannes von Caster, 7. Wilhelm von Zülpich, 8. Ludwig von Randerode, -9. Philipp von St. Andreas, 10. Reinard von Nideggen, 11. Johannes von -Arscoit, 12. Konrad von St. Cäcilien. -</p> - -<p> -Als Grund zur Verlegung nach Nideggen, der Residenz des Markgrafen von -Jülich, wird angegeben, daß Stommeln ein nicht sonderlich passender Ort -für ein Stiftskapitel sei, auch sei die dortige Bewidmung eine dürftige. -Anderweitig aber wissen wir auch, daß das Bestreben des Markgrafen -Wilhelm von Jülich schon lange dahin ging, seiner Residenz durch ein -Stift größere Bedeutung und höheren Glanz zu verleihen. Bereits im Jahre -1329 hatte er von Papst Johann XXII. die Ermächtigung erbeten und auch -erhalten, in Nideggen eine solche Stiftskirche zu errichten. Um jedoch -mit weniger Unkosten zum Ziele zu kommen, hatte er zunächst versucht, -die Pfarrkirche in Nideggen, die im Besitze der Johanniter war, diesen -streitig zu machen und zur Stiftskirche zu erheben. Dieser Plan scheiterte -jedoch am Widerstande der Johanniter. So sah sich denn Markgraf Wilhelm -in die Notwendigkeit versetzt, für das in Nideggen zu errichtende Stift -eine neue Kirche zu bauen. Er baute sie vor dem Brandenberger Tore, und -wie die Pfarrkirche dem h. Johannes dem Täufer geweiht war, so sollte die -Stiftskirche den Namen des Liebesjüngers des Herrn, des h. Apostels und -Evangelisten Johannes, tragen. Im Frühjahr 1342 scheint der Bau, der ein -ansehnliches, aus rotem Sandstein ausgeführtes, dreischiffiges Gebäude -gotischen Stiles von 130 Fuß Länge und 60 Fuß Breite war, fertig geworden -zu sein. Denn am 15. April 1342 ersuchte Markgraf Wilhelm seinen Bruder, -den Erzbischof Walram, um die Vornahme der Weihe der neuen Stiftskirche -und um die Verlegung des Stommeler Stiftes nach Nideggen. Da der Markgraf -für die Erbauung der Kirche erhebliche Aufwendungen hatte machen müssen, -so kam ihm die Geneigtheit der erst seit Kurzem in Stommeln angesiedelten -und noch nicht vollständig eingerichteten -<span class="pagenum"><a id="Page_165" name="Page_165" href="#Page_165">[165]</a></span> -Stiftsherren, ihr stilles -Dorf mit der Residenz Nideggen zu vertauschen, sehr gelegen. Für die -vollständige Bewidmung der Stiftspfründen brauchte er nun nicht mehr -aufzukommen. Es genügte, die für das Stommeler Stift von seinem Vetter, -dem Grafen Dietrich IX. von Cleve, gestiftete Bewidmung zu ergänzen, was -er auch tat. -</p> - -<p> -Unter dem 4. Mai 1342 wurde dann das Stift von Stommeln nach Nideggen -von Erzbischof Walram unter Zustimmung des Domkapitels verlegt, und das -Cäcilienstift in Cöln trat wieder in dasselbe Verhältnis zur Pfarrkirche -von Stommeln wie ehedem. -</p> - -<p> -Weil jedoch das Stommeler Stiftskapitel mit Christina innig zusammenhing -und bei ihren Gebeinen errichtet worden war, so mußten naturgemäß bei -der Verlegung des Stiftskapitels nach Nideggen auch Christinas Gebeine -dorthin übertragen werden. In der Tat wurden dieselben noch vier Tage -vor Ausfertigung der Verlegungsurkunde von Stommeln in die neuerbaute -Stiftskirche nach Nideggen gebracht. Die Uebertragung geschah nämlich -am 1. Mai 1342, dem Feste der hh. Apostel Philippus und Jakobus, „bei -prachtvollem Wetter“. Da die Bewohner Stommelns, die bis heute die -Grabstätte Christinas neben dem Glockenturme in hohen Ehren halten, -die Uebertragung ihrer Gebeine nach Nideggen nur ungern sehen konnten -und Unruhe und Widerstand zu befürchten war, deshalb wohl hat man die -förmliche Verlegung des Stiftskapitels nicht abgewartet, sondern vorher, -in unvermuteter Weise, die Uebertragung der Gebeine vorgenommen. -</p> - -<p> -Sie wurden in der neuen Stiftskirche anfänglich in einem Tiefgrabe -beigesetzt, weil Christinas Heiligsprechung, wie Johann Gilemanns in -seinem Novale Sanctorum berichtet, beim Papste wohl beantragt worden, -aber noch nicht erfolgt war. Jedenfalls war es Erzbischof Walram von -Jülich, der wohl in Verbindung mit seinem Bruder, dem Markgrafen Wilhelm -von Jülich, die Heiligsprechung Christinas beantragt hat. Walram starb -jedoch im Jahre 1349 und infolge der Ungunst der Zeitverhältnisse kam die -Sache ins Stocken. Die Verehrung Christinas jedoch kam deshalb nicht in -Verfall, sondern hob sich mit Wissen und unter stillschweigender Billigung -der kirchlichen Behörde immer mehr, zumal auch in Nideggen ihr Grab durch -wunderbare Heilungen verherrlicht wurde. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_166" name="Page_166" href="#Page_166">[166]</a></span> -In dem vom Jülicher Markgrafen an den Erzbischof Walram gestellten Antrag -auf Weihe der Stiftskirche in Nideggen, den der Erzbischof in allen -Punkten bestätigte, heißt es, die neue Stiftskirche solle zwar dem h. -Apostel und Evangelisten Johannes geweiht werden, allein es sei deshalb -doch nicht beabsichtigt, daß die Patrone der Kirche von Stommeln — -diese war dem h. Bischof Martinus geweiht — und sonstige Heilige, die -dort entweder kraft der Satzung oder nach Brauch verehrt worden seien, -künftighin in Nideggen nicht mehr in der früheren Weise sollten verehrt -werden. Diese nach Lage der Sache — da das Heiligsprechungsverfahren -Christinas noch in der Schwebe war — vorsichtig gefaßte Stelle, kann sich -nur auf die selige Christina beziehen. -</p> - -<p> -Wie sehr ihr Grab in der Stiftskirche zu Nideggen verehrt wurde, -geht daraus hervor, daß diese nicht nach ihrem Patron, dem h. -Apostel und Evangelisten Johannes benannt wurde, sondern gemeinhin -<em class="gesperrt">Sankt-Christinen-Kirche</em> heißt. So nennt sie z. B. Herzog Gerhard -von Jülich in der am Karfreitag des Jahres 1445 erlassenen Satzung des -St.-Hubertus-Ordens, den er zum Andenken an den von ihm am Hubertustage -des Jahres 1444 bei Linnich über Arnold von Egmont errungenen Sieg auf -dem Schlachtfelde selbst gestiftet hatte. Dieser Orden, der jetzt der -vornehmste Orden des bayerischen Königshauses ist, und dem auch damals -nur die edelsten Herren und ersten Fürsten Deutschlands angehörten, hatte -seinen Sitz in der Christinenkirche zu Nideggen. In § 3 der Ordenssatzung -heißt es, daß ein Ordensritter, wenn er aus irgend einem Grunde in -Gegnerschaft zum Herzoge von Jülich treten müsse, gehalten sei, vorher -die „Ordenskette“ nach Nideggen zur Kirche <em class="gesperrt">der seligen Christina</em>, die -der Hauptsitz des Ordens sei, zurückzusenden. Und in § 15 wird bestimmt, -daß, wenn ein Ordensritter gestorben sei, die Erben und Verwandten -die Ordensabzeichen allsogleich nach Nideggen zur Kirche <em class="gesperrt">der heiligen -Christina</em> zurückschicken sollen.<a name='FA_54' id='FA_54' href='#FN_54' class='fnanchor'>[54]</a> -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_167" name="Page_167" href="#Page_167">[167]</a></span> -In ihrem am 6. Februar 1496 vor dem Cölner Offizial durch Notar Hermann -Birrick von Orsoy beglaubigten Testamente bestimmte die Gräfin zu -Virneburg, geb. Maria von Croy, sie wolle nach ihrem Tode begraben werden -„zo Nydecken in der understhen Kirchen zu <em class="gesperrt">sent Christynnen</em> by unseren -jonckeren van Blanckenheym seliger“. Dann stiftet sie noch verschiedene -Wochenmessen, die „in derselver kirchen Nydecken zo „<em class="gesperrt">sent Christinen</em>“ -sollten gelesen werden“.<a name='FA_55' id='FA_55' href='#FN_55' class='fnanchor'>[55]</a> -</p> - -<p> -In der Stiftskirche zu Nideggen wurde gegen das Jahr 1500 für die Gebeine -der seligen Christina ein recht geschmackvolles, aus Schmiedeeisen -gearbeitetes, erhabenes Grabmal errichtet, dessen Abbild aus dem Werk der -Bollandisten wir (Abbildung <a href="#Fabb_11">11</a>) beifügen. -</p> - -<p> -Der auf der Höhe des Denkmals thronende hölzerne Reliquienschrein zeigte -an den beiden Schmalseiten das in flacher Schnitzerei aus Eichenholz -gearbeitete Bild Christinas mit dem Drachen unter den Füßen und dem Buche -in der Hand. Am Giebel der rechten Langseite befand sich das Bild des h. -Apostels und Evangelisten Johannes, ihm gegenüber an der linken Langseite -das Bild des h. Bischofs Martinus. Bei einem Gewölbeeinsturz wurde im Jahr -1783 das zierliche Denkmal zerstört. Eines der beiden Bilder Christinas -ist jedoch erhalten geblieben und ist gegenwärtig an der Seitenwand der -Christinakapelle der Jülicher Pfarrkirche angebracht (Abbildung <a href="#Fabb_12">12</a>). -</p> - -<p> -Der im Renaissancestil gehaltene, aus schwarzem Marmor gearbeitete -Sarkophag, für den der gotische Eisenaufbau nur die Umrahmung und -Bekrönung bildete, ist jünger als dieser, hat jedoch schon in Nideggen -Christinas Gebeine umschlossen, wie er es annoch zu Jülich tut. Denn der -Marmor, aus dem er angefertigt ist, stammt aus der Umgegend von Nideggen. -In der Jülicher Fehde, auch Geldrischer Erbfolgekrieg genannt, wurde -Schloß und Stadt Nideggen von den Truppen Kaiser Karls V. im Jahre 1542 -fast gänzlich zerstört. Auch die Stiftskirche wurde stark beschädigt. -Die herzogliche Residenz wurde nach Jülich verlegt und in dessen Nähe -das Waldschloß Hambach prächtig wiederaufgebaut. Nideggen verfiel und -die Stiftskirche begann zu veröden. Nach dem Willen des Herzogs sollte -<span class="pagenum"><a id="Page_168" name="Page_168" href="#Page_168">[168]</a></span> -das Stift dem Hofe nach Jülich folgen, und deshalb beantragte Herzog -Wilhelm beim päpstlichen Nuntius Sebastian Pighino dessen Verlegung -in die Pfarrkirche zu Jülich. Dem Ersuchen wurde durch Urkunde vom 15. -November 1550 entsprochen. Die Stadt Nideggen aber sträubte sich gegen -die Verlegung des Stiftes. Auch lag in Jülich, in Folge des großen Brandes -vom Jahre 1547, noch alles im Argen, und so blieb das Stift noch achtzehn -Jahre lang in Nideggen. Erst am 1. Oktober 1569 siedelte es hinüber nach -Jülich in die dortige der allerseligsten Jungfrau geweihte Pfarrkirche -und führte von nun an den Titel „Liebfrauenstift“. Christinas Gebeine -konnten aber von den Stiftsherren nicht nach Jülich mitgenommen werden. -Der Widerstand der Bewohner Nideggens war zu groß. Sie blieben vielmehr, -wie der Notar Christian Hammechers von Nideggen in einer vom 6. März 1578 -datierten Nachschrift zum ersten Buch der Jülicher Handschrift mit Dank -gegen Gott bezeugt, noch eine Reihe von Jahren in der Kirche zu Nideggen. -In dieser mußte auch noch an allen Sonn- und Feiertagen von seiten -des nunmehrigen Jülicher Stiftes eine h. Messe gehalten werden. Jedoch -verfiel die Kirche immer mehr. Durch List wußten die Jülicher Stiftsherren -schließlich Christinas Gebeine von Nideggen nach Jülich zu schaffen. -</p> - -<p> -Es war am 22. Juni 1586, als an einem Nachmittage nach der Vesper ein -Mann, der auf alle an ihn gestellten Fragen keine Antwort gab, mit einem -Wagen vor der Pfarrkirche zu Jülich anlangte, dort den Schrein mit den -Gebeinen der seligen Christina absetzte und dann spurlos verschwand. -Der Mann wird von den Jülicher Stiftsherren gedungen gewesen sein. Zur -Nachtzeit wird er den Reliquienschrein in Nideggen aufgeladen haben und -konnte so um die Zeit, als die Stiftsherren aus der Vesper nach Hause -gingen, in Jülich ankommen. Natürlich mußte er spurlos verschwinden, um -Weiterungen vonseiten Nideggens zu verhüten. -</p> - -<p> -Von der Anwesenheit der Gebeine Christinas in Nideggen geben noch heute -zwei Ortsbenennungen Kunde, das <em class="gesperrt">Christinentälchen</em> am obern Abhange des -Jungholzes und das ebendaselbst befindliche „<em class="gesperrt">Christinenpützchen</em>“. Hier -sollen nach Aschenbroich Christinas Gebeine in Kriegszeiten versteckt -gewesen sein, um sie vor Verunglimpfungen seitens der Krieger zu schützen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_169" name="Page_169" href="#Page_169">[169]</a></span> -Die Stiftskirche in Nideggen wurde im dreißigjährigen Kriege vollends zur -Ruine. Später bauten dort die Minoriten ein kleines Kirchlein mit Kloster, -das bis zur Franzosenzeit bestand. Im Hofraum des Privatgebäudes, das an -die Stelle des Klosters getreten ist, sind die Grundmauern des Langhauses -der ehemaligen Stiftskirche noch zu erkennen. Auch sind im Garten die -Untermauern des Chores in der Höhe von 2-3 Meter noch vorhanden. -</p> - -<p> -Die Marianische Kongregation für Jungfrauen zu Nideggen erwählte die -selige Christina letzthin zu ihrer besonderen Schutzpatronin, und eine -Reliquie aus den Gebeinen der Seligen wurde von Jülich bei Gelegenheit -der Seligsprechungsfeier nach Nideggen übertragen. -</p> - -<p> -Das Stiftskapitel in Jülich bestand bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, -wo es gleich den übrigen Stiften von der französischen Fremdherrschaft -aufgelöst und die Stiftskirche wieder einfache Pfarrkirche wurde. -</p> - -<p> -Der 22. Juni wurde alljährlich in der Stiftskirche zu Jülich als Tag der -Uebertragung der Gebeine der seligen Christina mit erhöhter Festfeier -begangen. Das Hauptfest der seligen Christina wird jedoch von jeher -und heute noch am 6. November, ihrem Sterbetage, unter großem Zulaufe -des Volkes gefeiert, das zu ihr in leiblichen und geistigen Anliegen, -besonders bei Lähmungen, Gichtleiden und in Fieberkrankheiten, seine -Zuflucht nimmt und erfahrungsmäßig gnädige Erhörung findet. Ihr Grab war -mit Weihegeschenken aller Art umhangen. Eine ununterbrochene Reihe von -Gebetserhörungen und Heilungen, die auf Christinas Anrufung an ihrem Grabe -erwirkt wurden, findet sich aufgezeichnet. Das Stiftskapitel traf sogar -die Anordnung, daß ein apostolischer Notar die fast täglich zum Grabe -Christinas kommenden hülfesuchenden Pilger beobachten und die Heilungen -protokollieren solle. Wilhelm Hermann Gabriels hat denn auch in den Jahren -1704-1706 eine ganze Reihe solcher Heilungen in ordnungsmäßigem Verhör -vor Zeugen festgestellt und aufgezeichnet. Auch sonstige, selbst von -weltlichen Behörden aufgenommene Protokolle über solche Heilungen sind in -erheblicher Anzahl vorhanden. -</p> - -<p> -Auch bei den Kartäusern, die bei Jülich am Vogelsang ein Kloster hatten, -und auch im Kloster zu Cöln blühte Christinas Verehrung. Zeugnis dafür -legt ab ein auf Seide noch -<span class="pagenum"><a id="Page_170" name="Page_170" href="#Page_170">[170]</a></span> -vor dem Jahre 1639 in der Cölner Kartause -gedrucktes Bild der Seligen, dessen photographische Nachbildung im -verkleinerten Maßstabe wir (Abbildung <a href="#Fabb_04">4</a>) wiedergeben. -</p> - -<p> -Doch nicht bloß in Jülich bei den Gebeinen Christinas, sondern auch an -ihrer ursprünglichen Grabstätte, auf dem Kirchhofe zu Stommeln neben dem -Glockenturm, geschahen viele Aufsehen erregende Heilungen. In den letzten -Tagen des Januar und den ersten Tagen des Februar des Jahres 1897 nahm -Pfarrer Christian Klausmann zu Stommeln vierzig Protokolle von Heilungen -auf, die auf Anrufung der seligen Christina und Besuch ihrer ehemaligen -Grabstätte sich in den vorhergehenden Jahren in Stommeln zugetragen -hatten. -</p> - -<p> -Im Jahre 1896 wurde die ehemalige Grabstätte Christinas zu Stommeln, die -bis dahin Jahrhunderte hindurch durch einen gewölbten, tumbaähnlichen -Ziegelsteinbau kenntlich gemacht war, mit einem schönen, aus Heilbronner -Sandstein in frühgotischem Stile gefertigten Denkmal geziert, das die -gefeierte Selige in Lebensgröße darstellt (Abbildung <a href="#Fabb_08">8</a>). -</p> - -<p> -Ganz in der Nähe jener Stätte, wo sie in den letzten Jahren ihres Lebens -gewohnt hat und gestorben ist, gegenüber dem großen Kreuzhof wurde durch -Familie Christian Lemper im Jahre 1854 eine Kapelle zu Ehren der seligen -Christina erbaut. -</p> - -<p> -Weil jedoch Christina förmlich weder selig noch heilig gesprochen worden -war, wurde die Zulässigkeit ihrer Verehrung vielfach in Zweifel gezogen. -</p> - -<p> -Unter Erzbischof Johannes, Kardinal von Geißel, bereits wurde in Jülich -eine Untersuchung über die Verehrung der seligen Christina angestellt, die -damit endigte, daß durch Verfügung des erzbischöflichen Generalvikariates -vom 30. Dezember 1854 das fernere Fortbestehen der seit unvordenklichen -Zeiten in der Pfarrkirche zu Jülich eingeführten gottesdienstlichen Feier -am 6. November jeden Jahres in der bis dahin üblichen Weise und Ordnung -bis zu anderweitiger Verfügung genehmigt wurde. -</p> - -<p> -Die Pfarrkirche zu Jülich wurde, abgesehen vom Turme, in der zweiten -Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch einen Neubau auf der alten -Stelle ersetzt, und durch die Fürsorge des für Christinas Verehrung -eifrig besorgten Oberpfarrers und Dechanten Andreas Esser wurde an der -Epistelseite des Neubaues -<span class="pagenum"><a id="Page_171" name="Page_171" href="#Page_171">[171]</a></span> -eine eigene Christinakapelle errichtet, in deren -Mitte das alte Grabmal mit den hh. Gebeinen Aufstellung fand -(Abbildung <a href="#Fabb_13">13</a>). -</p> - -<p> -In der Karwoche des Jahres 1874 war Erzbischof Paulus Melchers, weil er -sich den sogenannten Kulturkampfgesetzen nicht fügen wollte, ins Gefängnis -am Klingelpütz abgeführt worden, woselbst er sechs Monate hindurch -eingekerkert war. Mit ihm teilte die Haft der Pfarrverwalter von Stommeln -Johann Wilhelm Havermann. Das Studium und die Betrachtung der Leiden und -Prüfungen der Dulderin Christina brachte beiden schwergeprüften Männern -Trost und Kraft. -</p> - -<p> -Aus dem Gefängnisse entlassen, genehmigte Erzbischof Paulus Melchers unter -dem 31. Oktober 1874 die Gottesdienstordnung für die Festfeier der seligen -Christina in der Pfarrkirche zu Stommeln, der er auch eine Reliquie der -Seligen, nämlich einen Armknochen, aus dem Reliquienschreine in Jülich -überwies. -</p> - -<p> -Kein Wunder, daß der Kirchenfürst, als er nach zehnjährigem Exil im Jahre -1885 mit dem Kardinalshut geschmückt, in der Hauptstadt der Christenheit -seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte, die Sache der seligen Christina in -die Hand nahm. -</p> - -<p> -Am Feste des Namens Jesu 1889 stellte er schriftlichen Antrag beim Papste -auf Bestätigung ihrer unvordenklichen Verehrung und die Ritenkongregation -beauftragte den damaligen Cölner Erzbischof Philippus Krementz, das -ordentliche Prozeßverfahren in dieser Sache einzuleiten. Weihbischof -Hermann Josef Schmitz führte im Namen des Erzbischofs den kanonischen -Prozeß, und unvergeßlich ist der Jubel und die Begeisterung, mit der er am -16. Februar 1897 in Jülich empfangen wurde, als er dort mit Postulator, -Promotor und Notar zur Inaugenscheinnahme des Grabes der Seligen und -zur Vornahme von Zeugenverhören erschien. Freilich erhob sich auch, wie -das nicht anders zu erwarten war, Widerspruch, und lebhafte Fehde wurde -in den politischen Blättern über die Zweckmäßigkeit der Einleitung des -Prozeßverfahrens geführt. Das mußte natürlich den Gerichtshof bewegen, -das Verfahren mit größter Sorgfalt und Gründlichkeit zu führen. Das -Ergebnis war ein günstiges. Am 9. September 1897 fällte der Kardinal -Erzbischof Philippus Krementz in feierlicher Gerichtssitzung, die in der -erzbischöflichen Hauskapelle zu Cöln stattfand, -<span class="pagenum"><a id="Page_172" name="Page_172" href="#Page_172">[172]</a></span> -nach Anrufung des Namens -Christi, Gott allein vor Augen habend, das Endurteil dahin, es sei als -feststehend zu erachten, daß die ehrwürdige Dienerin Gottes Christina -schon vor dem Jahre 1534 kirchlich verehrt worden sei, und daß diese -Verehrung sich ununterbrochen bis auf den heutigen Tag erhalten habe. -</p> - -<p> -Papst Urban VIII. hat nämlich aufs strengste verboten, jemanden als -Heiligen zu verehren, der nicht vom Papste heilig gesprochen sei. Dieses -Verbot findet jedoch nicht auf diejenigen Diener Gottes Anwendung, die -bereits hundert Jahre vor der Verfügung Urbans VIII., nämlich vor dem -Jahre 1534, in der Kirche öffentlich als Heilige oder Selige verehrt -worden sind. Bezüglich der seligen Christina wurde nun der vollgültige -Beweis erbracht, daß ihre Verehrung bereits vor dem Jahre 1534 zu Recht -bestand. -</p> - -<p> -Nach langwieriger und sorgfältiger Prüfung hat die Ritenkongregation in -ihrer Sitzung vom 11. August 1908 auf Anstehen des Kardinals Hieronymus -Gotti das Urteil des Cölner Erzbischofs bestätigt, und am darauffolgenden -Tage hat Papst Pius X. die Verehrung der seligen Christina gutgeheißen. -</p> - -<p> -Nach kirchlichem Rechte gebührt ihr nunmehr der Grad der Verehrung, der -den förmlich selig gesprochenen Dienern Gottes zusteht. -</p> - -<p> -In der neuen Pfarrkirche zu Stommeln wurde der Seitenaltar auf der -Evangelienseite nach ihr benannt und mit ihrem Bilde geschmückt (Abbildung -<a href="#Fabb_09">9</a>), und am Fuße des Kirchhügels wurde ein stattliches Krankenhaus -(Abbildung <a href="#Fabb_10">10</a>) erbaut, das am Christinafeste des Jahres 1908 feierlich -eingeweiht wurde. Zellitinnen aus der Kupfergasse in Cöln, deren Orden -sich aus dem Beginentum entwickelt hat, mithin Mitschwestern der seligen -Christina, versehen in ihm den Krankendienst. -</p> - -<p> -Auf Antrag des hochseligen Kardinals und Erzbischofs von Cöln Antonius -Fischer wurde durch Dekret der Ritenkongregation vom 18. März 1909 der -Name der seligen Christina in das liturgische Kalendarium der Cölner -Kirche unter dem 6. November eingetragen, die Feier ihres Festes für den -Bereich des Erzbistums Cöln bewilligt und eigene Meßgebete und Lesungen -für die Begehung des Festes genehmigt. -</p> - -<p> -Die Meßgebete lauten in der Uebersetzung wie folgt: -</p> - -<h3> -Meßgebet. -</h3> - -<div class="blkquot"> -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_173" name="Page_173" href="#Page_173">[173]</a></span> -O Herr Jesus Christus, der Du Deine geliebte Braut Christina mit überaus -reichen Gnadengaben ausgestattet und sie gegen alle Nachstellungen des -Teufels mit unbesiegbarem Heldenmute ausgerüstet hast, gib gnädig, daß wir -durch ihre gütige Vermittelung alle Widerwärtigkeit standhaft überwinden, -in Deinem Dienste treu bis zum Tode verharren und so die ewigen Freuden -erlangen. Der Du lebst und regierst. -</p> -</div> - -<h3> -Stillgebet. -</h3> - -<div class="blkquot"> -<p> -Wir bringen, o Herr, das Opfer Deines Leibes und Blutes dar und bitten -Dich demütig, daß wir durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Christina -Verzeihung aller Sünden erlangen mögen. Der Du lebst u. s. w. -</p> -</div> - -<h3> -Nach der h. Kommunion. -</h3> - -<div class="blkquot"> -<p> -Laß einströmen, o Herr, in unsere Herzen, den Geist Deiner Gütigkeit -und gib gnädig, daß wir in Nachahmung der Tugendbeispiele Deiner seligen -Jungfrau Christina standhaft im Glauben und glühend in der Liebe befunden -werden. Durch unsern Herrn. -</p> -</div> - -<h3> -Lied zum Christinafest. -</h3> - -<p class="refkkg"> -Nach der neuen Melodie: „Maria zu lieben“. -(Kölner Diözesangesangbuch Nr. 177). -</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i02"> - 1. O sel'ge Christina, wir ehren Dich heut', -</span><br /> -<span class="i01"> -Weil Gott Dich erhoben zur himmlischen Freud; -</span><br /> -<span class="i01"> -In unserer Heimat hast einst Du gelebt -</span><br /> -<span class="i01"> -Und jegliche Tugend zu üben gestrebt. -</span><br /> - -</div><div class="stanza"> -<span class="i02"> - 2. Auf Gott war gerichtet Dein Herz und Dein Sinn, -</span><br /> -<span class="i01"> -Dem frommen Gebete gabst gern Du Dich hin; -</span><br /> -<span class="i01"> -Dem höllischen Feinde Du so widerstand'st -</span><br /> -<span class="i01"> -Und Hülfe und Beistand durch Engel Du fand'st. -</span><br /> - -</div><div class="stanza"> -<span class="i02"> - 3. Du warst mit der Herrin des Himmels vertraut -</span><br /> -<span class="i01"> -Und hast gar den göttlichen Heiland geschaut; -</span><br /> -<span class="i01"> -Er prägte die Male der Wunden Dir ein, -</span><br /> -<span class="i01"> -Du solltest empfinden der Dornenkron' Pein. -</span><br /> - -</div><div class="stanza"> -<span class="i02"> - 4. Gar lieblich und eifrig, nach Jesu Gebot, -</span><br /> -<span class="i01"> -Halfst gern Du dem Nächsten in Krankheit und Not; -</span><br /> -<span class="i01"> -Des Fegfeuers Seelen in Qualen und Leid -</span><br /> -<span class="i01"> -Hast durch Dein Büßen und Beten befreit. -</span><br /> - -</div><div class="stanza"> -<span class="i02"> - 5. Und gleich Deinem Heiland, in Armut und Not -</span><br /> -<span class="i01"> -Dein Leben Du schlossest durch heiligen Tod; -</span><br /> -<span class="i01"> -Du gingest in die Ruhe der Seligen ein, -</span><br /> -<span class="i01"> -Und stets wird im Segen Dein Andenken sein. -</span><br /> - -</div><div class="stanza"> -<span class="pagenum"><a id="Page_174" name="Page_174" href="#Page_174">[174]</a></span> -<span class="i02"> - 6. Gar mancher, der bittend an Dich sich gewandt, -</span><br /> -<span class="i01"> -Erhörung und Gnade bei Gott durch Dich fand; -</span><br /> -<span class="i01"> -Denn er, der im Schwachen sich machtvoll bewährt, -</span><br /> -<span class="i01"> -Noch jetzt seiner Dienerin Bitten erhört. -</span><br /> - -</div><div class="stanza"> -<span class="i02"> - 7. Wir fleh'n, da die Kirche als Sel'ge Dich ehrt, -</span><br /> -<span class="i01"> -Und um Deine Fürsprach' zu bitten uns lehrt: -</span><br /> -<span class="i01"> -Hilf uns Christina in jeglicher Not, -</span><br /> -<span class="i01"> -Zumal wenn uns nahet der bittere Tod. -</span><br /> -</div></div> - -<div class="center propspace"> -<img src="images/kapitel_ende.jpg" alt="000" width="80" height="18" /> -</div> - -<div class='footnotes'> - -<h3 class="chunk"> -Fußnoten -</h3> - -<div class='footnote' id='FN_1'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_1'>[1]</a></span> <span class="fmarkd">Vita Christinae</span> 243. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_2'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_2'>[2]</a></span> A. a. O. 250. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_3'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_3'>[3]</a></span> Am Grabmal des Erzbischofs Engelbert III. († 1368) im Cölner -Dom sind auf der nördlichen Langseite die Schreibrüder, auf -der südlichen aber Beginen und sonstige Ordensfrauen in ihren -eigentümlichen Trachten, meistens mit Rosenkränzen verschiedenen -Formates in den Händen, dargestellt. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_4'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_4'>[4]</a></span> Vgl. Die Anfänge der Beginen. Dr. Jos. Greven, Münster, -Aschendorf, 1912. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_5'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_5'>[5]</a></span> Seelenburg. (6. Wohnung). 4, 10-11. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_6'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_6'>[6]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 155-156. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_7'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_7'>[7]</a></span> Dieser Rosenkranz bestand aus 50 Vater unser (<span class="fmarkd">Pater noster</span>). -Auch die Gebetsschnur, der man sich beim Beten der 50 Vater -unser bediente, hieß <span class="fmarkd">Pater noster</span>, wie sie in den Niederlanden -noch heute genannt wird. Die Dominikaner trugen einen solchen -Rosenkranz schon damals am Gürtel, und die Beginen desgleichen. -<span class="fmarkd">V. C.</span> 108, 118. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_8'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_8'>[8]</a></span> Göthe, Faust. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_9'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_9'>[9]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 6. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_10'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_10'>[10]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 235. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_11'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_11'>[11]</a></span> In Cöln gab es im 13. Jahrhundert ein Haus zum Greif (<span class="fmarkd">domus -Grifonis</span>). Anal. des hist. Vereins für den Niederrhein. 46, 97. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_12'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_12'>[12]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 15. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_13'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_13'>[13]</a></span> A. a. O. 40. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_14'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_14'>[14]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 41. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_15'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_15'>[15]</a></span> Quinheim war dort, wo jetzt Grimlinghausen liegt. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_16'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_16'>[16]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 153-154. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_17'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_17'>[17]</a></span> Geva, Gräfin von Virneburg, war Aebtissin des St. Cäcilienstiftes -zu Cöln von 1266-1272; eine Irmgardis, Freiin von Wevelkoven -(Wevelinghoven), gehörte dem Stift an von 1276-1282. Diese -dürfte zu Gevas Zeiten wohl eine Anwartschaft auf eine Stelle als -Kanonissin gehabt haben; denn eine Irmgardis tritt als Begleiterin -Gevas auf. Diese chronologischen Angaben verdanke ich der gütigen -Mitteilung des Herrn Rektor Michels in Remagen, der zur Zeit die -Geschichte des St. Cäcilienstiftes bearbeitet. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_18'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_18'>[18]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 30, 36. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_19'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_19'>[19]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 22. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_20'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_20'>[20]</a></span> A. a. O. 22. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_21'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_21'>[21]</a></span> A. a. O. 22. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_22'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_22'>[22]</a></span> A. a. O. 199. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_23'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_23'>[23]</a></span> A. a. O. 150. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_24'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_24'>[24]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 143. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_25'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_25'>[25]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 10-11. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_26'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_26'>[26]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 149. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_27'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_27'>[27]</a></span> <span class="fmarkd"><em class="gesperrt">Putabam</em> me sanguineas sudare guttas (V.C. 71); <em class="gesperrt">Videbatur</em> -mihi quod totum corpus meum combureretur (72); <em class="gesperrt">Videbatur</em> mihi -quidquid oraovi quod in nomine daemonis orarem (73); <em class="gesperrt">quasi</em> -flamma apparuit, <em class="gesperrt">quasi</em> hoc emitteret in os meum ... <em class="gesperrt">quasi</em> -cupiens me devorare (86); <em class="gesperrt">videbatur</em> ei, quod aperiretur abyssus -(137); angelos ... <em class="gesperrt">corporalibus oculis non videbat</em>, sed ... -angelorum consolationes <em class="gesperrt">in corde suo spiritualiter et veraciter -cognoscebat</em> (109); eam daemones <em class="gesperrt">in corde</em> taliter illudebant, -quod ad spectaculum tormentorum suorum multitudinem populi adesse -<em class="gesperrt">credebat</em> (171); <em class="gesperrt">non visibiliter sed in corde sensibiliter</em> -diversa tormentorum genera sustinuit (20); singula tormentorum -genera vehementi cordis impetu pertransivit, <em class="gesperrt">nec minor erat -cruciatus et dolor, quam si omnia corporaliter pateretur</em> (201).</span> -</div> - -<div class='footnote' id='FN_28'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_28'>[28]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 2-10. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_29'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_29'>[29]</a></span> Die erste Strophe der alten Uebersetzung lautet: - -<div class="stanza"> -<span class="i03"> -„Jesu, wie süß, wer dein gedenkt! -</span><br /> -<span class="i03"> -Sein Herz vor Freuden überschwenkt. -</span><br /> -<span class="i03"> -Noch süßer über alles ist, -</span><br /> -<span class="i03"> -Wo du, o Jesu, selber bist.“ -</span><br /> -</div> - -</div> - -<div class='footnote' id='FN_30'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_30'>[30]</a></span> Pseudodionysius, <span class="fmarkd">De caelesti hierarchia. cap. 7</span>. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_31'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_31'>[31]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 121-123. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_32'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_32'>[32]</a></span> Bd. II. S. 415. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_33'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_33'>[33]</a></span> Baruch 3, 24. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_34'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_34'>[34]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 150. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_35'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_35'>[35]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 81. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_36'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_36'>[36]</a></span> Es war ja der Vorabend von Weihnachten und mithin Fasttag, an -welchem die Mahlzeit erst nach der Vesper eingenommen wurde. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_37'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_37'>[37]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 126-130. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_38'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_38'>[38]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 133, 148, 150. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_39'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_39'>[39]</a></span> Es ist dasselbe Buch, das der Teufel ihr früher entrissen und dann -am Pfingstfeste wiedergebracht hatte. Petrus hatte es nachher -mit goldenen Blumen auswendig bemalen, mit silbernen Krampen, -kunstvoll gewebter Hülle und schönen Lesezeichen versehen lassen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_40'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_40'>[40]</a></span> Dieser Verbrüderungsbrief gab Christina Anteil an allen Gebeten -und Verdiensten des Dominikanerordens. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_41'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_41'>[41]</a></span> Er war aus dem Kloster Quinheim. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_42'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_42'>[42]</a></span> In seinen Briefen hatte Petrus Christina bald als Tochter, bald -als Schwester angeredet. Den Titel „Schwester“ gab er ihr wohl in -Folge des oben erwähnten Verbrüderungsbriefes. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_43'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_43'>[43]</a></span> Es ist wohl das mit Reliquien umkränzte, zweiteilige -Gebetstäfelchen (Diptychon) gemeint, das noch im Grabmale -Christinas in Jülich aufbewahrt wird. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_44'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_44'>[44]</a></span> Die Spuren davon sind noch am Schädel der seligen Christina -erkennbar. Siehe S. 37. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_45'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_45'>[45]</a></span> In der lateinischen Urschrift lautet die Stelle: <span class="fmarkd">qui est -spes desolatis magnaque consolatio in tormentis</span>. Sie ist dem -Osterhymnus der Cölner Kirche entnommen. Coll. Rit. S. 73. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_46'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_46'>[46]</a></span> Petrus ändert hier den Wahlspruch des alten Römervolkes: „<span class="fmarkd">Labor -improbus omnia vincit</span>“ (Unverdrossene Arbeit überwindet alle -Hindernisse) um in den der Sachlage mehr entsprechenden: „<span class="fmarkd">Amor -improbus omnia vincit.</span>“ -</div> - -<div class='footnote' id='FN_47'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_47'>[47]</a></span> Am Rande der Jülicher Handschrift ist die Bemerkung eingetragen: -An Freitagen hören in Stommeln gewöhnlich alle die h. Messe. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_48'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_48'>[48]</a></span> Die im Munde eines Schülers des h. Thomas von Aquin bemerkenswerte -Stelle über die Wirksamkeit der Gnade hat folgenden Wortlaut: -„<span class="fmarkd">Quamvis ergo amicis et inimicis mors domini ad liberationem -suffecit, solis tamen amicis eam effecit. Et ideo: quantum -differunt sufficientia et efficientia, non in dantis largitate, -sed in recipientis utilitate, tantum dominus inter amicos et -inimicos suos distinxit sua morte pretiosa.</span>“ <span class="fmarkd">V. C.</span> 194 -</div> - -<div class='footnote' id='FN_49'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_49'>[49]</a></span> Das Subdiakonat zählte also damals in der Cölner Kirche nicht -zu den <em class="gesperrt">heiligen</em> Weihen, wie es in den morgenländischen Kirchen -auch heute noch nicht als solche betrachtet wird. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_50'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_50'>[50]</a></span> Die Redewendungen sind dem 87. Psalme entnommen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_51'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_51'>[51]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 185-187. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_52'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_52'>[52]</a></span> <span class="fmarkd">V. C.</span> 252. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_53'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_53'>[53]</a></span> Die Stadt Kleve. Beiträge zur Geschichte derselben von Dr. Robert -Scholten. Kleve 1879, S. 417. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_54'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_54'>[54]</a></span> <span class="fmarkd">„Tenetur ... torquem ordinis tesseram remittere Nideccam ad -Divae Christinae templum, in quo ordinis sedes primaria“. — -„Haeredes et Cognati torquem et ordinis signum protinus Nideccam -ad Sanctae Christinae templum ... remittunto.“ Brosii Annales -Juliae. Coloniae 1731. II, 57.</span> Oidtmann, die Hubertusschlacht -bei Linnich. Jülich 1909. 67 und 69. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_55'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_55'>[55]</a></span> Staatsarchiv zu Düsseldorf. Stift Jülich Nr. 92. Die Stiftskirche -heißt die unterste Kirche zu Nideggen im Gegensatz zu der höher -gelegenen Pfarrkirche. -</div> - -</div> - -<h2 class="simplex chunk"> -Personen- und Ortsverzeichnis. -</h2> - -<ul class="IX"> - -<li>Aachen <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_11">11</a>, <a href="#Page_146">146</a>, <a href="#Page_147">147</a>. -<span class="pagenum"><a id="Page_175" name="Page_175" href="#Page_175">[175]</a></span> -</li> - -<li>Aarhus <a href="#Page_101">101</a>, <a href="#Page_105">105</a>, <a href="#Page_108">108</a>.</li> - -<li>Absalon, Dominikanerprovinzial <a href="#Page_50">50</a>.</li> - -<li>Adolf, Graf von Berg <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>, <a href="#Page_157">157</a>.</li> - -<li>Adolf, Graf von Nassau <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Adolf, Scholar in Cöln <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_92">92</a>.</li> - -<li>Aerschot <a href="#Page_144">144</a>.</li> - -<li>Albert der Große <a href="#Page_4">4</a>, <a href="#Page_12">12</a>.</li> - -<li>Albigenser <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Aldebrandino, Dominikaner aus Rom <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_59">59</a>, <a href="#Page_60">60</a>, <a href="#Page_61">61</a>, <a href="#Page_62">62</a>, <a href="#Page_64">64</a>, <a href="#Page_67">67</a>, <a href="#Page_79">79</a>, <a href="#Page_80">80</a>, <a href="#Page_102">102</a>.</li> - -<li>Aleidis, Begine in Stommeln <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_33">33</a>, <a href="#Page_40">40</a>, <a href="#Page_115">115</a>.</li> - -<li>Aleidis, die Blinde, Begine in Stommeln <a href="#Page_19">19</a>, <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_52">52</a>, <a href="#Page_54">54</a>, <a href="#Page_89">89</a>, <a href="#Page_109">109</a>.</li> - -<li>Alfradis, vornehme Frau bei Stommeln <a href="#Page_40">40</a>.</li> - -<li>Alsen <a href="#Page_118">118</a>.</li> - -<li>Andernach <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Andreas, reicher Schwede <a href="#Page_131">131</a>.</li> - -<li>Andreas von Esch, Dominikaner <a href="#Page_98">98</a>.</li> - -<li>Andreasstift zu Cöln <a href="#Page_12">12</a>, <a href="#Page_17">17</a>, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Antwerpen <a href="#Page_154">154</a>.</li> - -<li>Apostoliker, Sekte <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Arnold von Egmond <a href="#Page_166">166</a>.</li> - -<li>Arnold von Looz <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Arnold von Xanten, Dominikanerprior <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_83">83</a>.</li> - -<li>Aschenbroich, Martin, Schriftsteller <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Augustinus, Dominikanerprovinzial <a href="#Page_113">113</a>.</li> - -<li>Balduin von Flandern, Dominikaner <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_59">59</a>.</li> - -<li>Bartholomäus, Apostel <a href="#Page_17">17</a> <a href="#Page_21">21</a>, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Beatrix, Frau zu Stommeln <a href="#Page_5">5</a>.</li> - -<li>Bedburg <a href="#Page_57">57</a>, <a href="#Page_92">92</a>.</li> - -<li>Beginen <a href="#Page_8">8</a>, <a href="#Page_9">9</a>.</li> - -<li>Beginen zu Stommeln <a href="#Page_19">19</a>, <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_91">91</a>.</li> - -<li>Benigna, Begine in Stommeln <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_116">116</a>.</li> - -<li>Berg, Grafschaft <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_157">157</a>.</li> - -<li>Bergheim, an der Erft <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Berlich, Straße in Stommeln <a href="#Page_160">160</a>.</li> - -<li>Bertold, Dominikanerprior <a href="#Page_130">130</a>, <a href="#Page_132">132</a>, <a href="#Page_133">133</a>.</li> - -<li>Birrick, Hermann, Notar <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Blankenheim <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Böhmen <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Bonefant, Wilhelm, Dominikaner <a href="#Page_87">87</a>.</li> - -<li>Bordeaux <a href="#Page_154">154</a>.</li> - -<li>Brabant <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Brandenbergertor zu Nideggen <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Brauweiler <a href="#Page_2">2</a>, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_67">67</a>, <a href="#Page_68">68</a>, <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_94">94</a>, <a href="#Page_105">105</a>, <a href="#Page_106">106</a>, <a href="#Page_108">108</a>, <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Brühl <a href="#Page_3">3</a></li> - -<li>Bruno h., Erzbischof von Cöln <a href="#Page_4">4</a>.</li> - -<li>Brusohaus <a href="#Page_6">6</a>.</li> - -<li>Bruso, Heinrich <a href="#Page_5">5</a>, <a href="#Page_109">109</a>.</li> - -<li>Burg an der Wupper <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Calcar <a href="#Page_163">163</a>.</li> - -<li>Caster <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Cäcilia h. <a href="#Page_57">57</a>.</li> - -<li>Cäcilienstift in Cöln <a href="#Page_4">4</a>, <a href="#Page_5">5</a>, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_31">31</a>, <a href="#Page_164">164</a>, <a href="#Page_165">165</a>.</li> - -<li>Christina h., Martyrin <a href="#Page_5">5</a>.</li> - -<li>Christina, Dominikanerin in Schweden <a href="#Page_130">130</a>.</li> - -<li>Christina, Stiftsdame an St. Ursula in Cöln <a href="#Page_32">32</a>.</li> - -<li>Christina, Dienstmagd des Bruders Christinas zu Cöln <a href="#Page_149">149</a>.</li> - -<li>Christinenaltar zu Stommeln <a href="#Page_172">172</a>.</li> - -<li>Christinengrab zu Stommeln <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Christinenkapelle zu Jülich <a href="#Page_171">171</a>.</li> - -<li>Christinenkap. z. Stommeln <a href="#Page_160">160</a>, <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Christinenkirche zu Nideggen <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Christinenpützchen bei Nideggen <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Christinentälchen bei Nideggen <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Cleve <a href="#Page_V">V</a>, <a href="#Page_162">162</a>, <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_163">163</a>.</li> - -<li>Coblenz <a href="#Page_106">106</a>.</li> - -<li>Cöln <a href="#Page_2">2</a>, <a href="#Page_4">4</a>, <a href="#Page_11">11</a>, <a href="#Page_31">31</a>, <a href="#Page_113">113</a>, <a href="#Page_116">116</a>, <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_125">125</a>, <a href="#Page_133">133</a>, <a href="#Page_139">139</a>, <a href="#Page_140">140</a>, <a href="#Page_147">147</a>, <a href="#Page_148">148</a>, <a href="#Page_149">149</a>, <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Cölner Dom <a href="#Page_2">2</a>, <a href="#Page_126">126</a>.</li> - -<li>Creuzburg <a href="#Page_105">105</a>.</li> - -<li>Croy von, Maria, Gräfin zu Birneburg <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Dazien, Provinz des Dominikanerordens <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_131">131</a>.</li> - -<li>Dietrich IX., Graf von Cleve <a href="#Page_V">V</a>, <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_162">162</a>, <a href="#Page_163">163</a>, <a href="#Page_165">165</a>. -<span class="pagenum"><a id="Page_176" name="Page_176" href="#Page_176">[176]</a></span> -</li> - -<li>Dietrich von Moers <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Dionysius, Pseudo- <a href="#Page_50">50</a>.</li> - -<li>Dominikanerinnen <a href="#Page_130">130</a>.</li> - -<li>Dominikanerkirche zu Cöln <a href="#Page_12">12</a>.</li> - -<li>Dominikaner- oder Predigerorden <a href="#Page_11">11</a>, <a href="#Page_132">132</a>.</li> - -<li>Düren <a href="#Page_11">11</a>.</li> - -<li>Düsseldorf <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_163">163</a>.</li> - -<li>Eberhard, Graf von der Mark <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Egmond <a href="#Page_166">166</a>.</li> - -<li>Eifel <a href="#Page_5">5</a>.</li> - -<li>Elisabeth, Mutter Johannes des Täufers <a href="#Page_49">49</a>.</li> - -<li>Engelbert II. von Falkenburg, Erzb. von Cöln <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_105">105</a>.</li> - -<li>Engelbert III., Graf von der Mark, Erzb. von Cöln <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Engelbert, Stiftsherr an St. Cäcilien zu Cöln <a href="#Page_30">30</a>.</li> - -<li>Engilradis, Begine in Stommeln <a href="#Page_33">33</a>, <a href="#Page_89">89</a>.</li> - -<li>Esch bei Cöln <a href="#Page_98">98</a>.</li> - -<li>Eschgasse zu Stommeln <a href="#Page_5">5</a>.</li> - -<li>Essen <a href="#Page_55">55</a>.</li> - -<li>Esser, Andreas, Dechant zu Jülich <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Falkenburg <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Fischer, Antonius, Kardinal und Erzb. von Cöln <a href="#Page_172">172</a>.</li> - -<li>Flandern <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Falkwin, Dominikaner <a href="#Page_5">5</a>, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_114">114</a>, <a href="#Page_116">116</a>, <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_124">124</a>, <a href="#Page_134">134</a>, <a href="#Page_154">154</a>.</li> - -<li>Franz h., von Assisi <a href="#Page_54">54</a>.</li> - -<li>Franziskanerorden <a href="#Page_11">11</a>.</li> - -<li>Frechen <a href="#Page_3">3</a>.</li> - -<li>Friesland <a href="#Page_145">145</a>.</li> - -<li>Gabriels, Wilhelm Hermann, Apost. Notar in Jülich <a href="#Page_169">169</a>.</li> - -<li>Galgenberg bei Stommeln <a href="#Page_159">159</a>.</li> - -<li>Geldern <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>, <a href="#Page_157">157</a>.</li> - -<li>Geißel von, Johannes, Kardinal und Erzb. von Cöln <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Gerhard, Dominikaner, Bruder der sel. Christina <a href="#Page_6">6</a>, <a href="#Page_133">133</a> (Siehe auch <a href="#Siggi">Sigwin</a>).</li> - -<li>Gerhard vom Greif, Dominikaner <a href="#Page_15">15</a>, <a href="#Page_28">28</a>, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_45">45</a>, <a href="#Page_52">52</a>, <a href="#Page_53">53</a>, <a href="#Page_57">57</a>, <a href="#Page_58">58</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_71">71</a>, <a href="#Page_90">90</a>, <a href="#Page_95">95</a>, <a href="#Page_97">97</a>, <a href="#Page_106">106</a>, <a href="#Page_115">115</a>, <a href="#Page_120">120</a>.</li> - -<li>Gerhard, Herzog von Jülich <a href="#Page_166">166</a>.</li> - -<li>Gerhard, Sohn des Vogtes von Stommeln <a href="#Page_116">116</a>.</li> - -<li>Gertrud, Schwester der sel. Christina <a href="#Page_6">6</a>, <a href="#Page_87">87</a>.</li> - -<li>Gertrud, Schwester des Pfarrers Johannes von Stommeln <a href="#Page_33">33</a>, <a href="#Page_45">45</a>, <a href="#Page_54">54</a>, <a href="#Page_68">68</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_72">72</a>, <a href="#Page_92">92</a>, <a href="#Page_99">99</a>, <a href="#Page_109">109</a>.</li> - -<li>Gertrud, Stiftsdame an St. Ursula zu Cöln <a href="#Page_32">32</a>.</li> - -<li>Geva, Gräfin von Virneburg, Aebtissin des Cäcilienstiftes zu Cöln <a href="#Page_31">31</a>, <a href="#Page_59">59</a>, <a href="#Page_81">81</a>, <a href="#Page_83">83</a>.</li> - -<li>Gielemanns, Johann <a href="#Page_165">165</a>.</li> - -<li>Gohrbroich <a href="#Page_145">145</a>, <a href="#Page_153">153</a>.</li> - -<li>Görres von, Josef <a href="#Page_55">55</a>.</li> - -<li>Gotenburg V.</li> - -<li>Gotfrid, Dominikaner <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_87">87</a>.</li> - -<li>Gotfrid, Prior der Benediktinerabtei Brauweiler <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_67">67</a>.</li> - -<li>Gotfrid, Stiftsdechant zu Stommeln <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Göthe <a href="#Page_24">24</a>.</li> - -<li>Gotland <a href="#Page_26">26</a>, <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_128">128</a>, <a href="#Page_130">130</a>, <a href="#Page_131">131</a>, <a href="#Page_154">154</a>.</li> - -<li>Gotti, Hieronymus, Kardinal zu Rom <a href="#Page_172">172</a>.</li> - -<li>Gregor IX., Papst, <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Greif zum, Haus in Cöln, <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Greven Dr., Josef, Kaplan in Düsseldorf, <a href="#Page_11">11</a>.</li> - -<li>Grimlinghausen <a href="#Page_30">30</a>.</li> - -<li>Hadewig, Schwester des Pfarrers Johannes von Stommeln, <a href="#Page_33">33</a>, <a href="#Page_65">65</a>.</li> - -<li>Hambach bei Jülich <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Hammechers, Christian, Notar in Nideggen, <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Havelbrech <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_67">67</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_79">79</a>, <a href="#Page_83">83</a>.</li> - -<li>Havermann, Johann Wilhelm, Pfarrverwalter zu Stommeln, <a href="#Page_171">171</a>.</li> - -<li>Heinrich von Bedburg, Dominikaner, <a href="#Page_57">57</a>, <a href="#Page_92">92</a>.</li> - -<li>Heinrich, Bruder der sel. Christina, <a href="#Page_6">6</a>, <a href="#Page_149">149</a>, <a href="#Page_150">150</a>.</li> - -<li>Heinrich, Graf von Luxemburg, <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Heinrich, Magister vom Stifte der hh. Jungfrauen in Cöln, <a href="#Page_30">30</a>.</li> - -<li>Heinrich, Pfarrer von Stommeln, <a href="#Page_26">26</a>, <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_115">115</a>, <a href="#Page_116">116</a>.</li> - -<li>Heinrich von Westerburg, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Helborges, Begine auf Gotland, <a href="#Page_131">131</a>.</li> - -<li>Helinrich, Dominikaner, <a href="#Page_99">99</a>, <a href="#Page_110">110</a>.</li> - -<li>Hermann von Havelbrech, Dominikanerprior, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_67">67</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_79">79</a>, <a href="#Page_83">83</a>.</li> - -<li>Herpern von Kentzwilre, Stiftsherr in Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Hespe, Johannes, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_99">99</a>.</li> - -<li>Hiddo, Dominikanerprovinzial, <a href="#Page_81">81</a>.</li> - -<li>Hieronymus h., Kirchenlehrer, <a href="#Page_31">31</a>.</li> - -<li>Hildegundis, Begine in Stommeln, <a href="#Page_148">148</a>. -<span class="pagenum"><a id="Page_177" name="Page_177" href="#Page_177">[177]</a></span> -</li> - -<li>Hilla, Mutter der sel. Christina, <a href="#Page_5">5</a>, <a href="#Page_112">112</a>.</li> - -<li>Hilla, Schwester der sel. Christina, <a href="#Page_5">5</a>, <a href="#Page_6">6</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_89">89</a>.</li> - -<li>Hilla, Nichte der sel. Christina, <a href="#Page_33">33</a>, <a href="#Page_89">89</a>, <a href="#Page_110">110</a>.</li> - -<li>Hilla v. Berge, Begine in Stommeln, <a href="#Page_5">5</a>, <a href="#Page_19">19</a>, <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_54">54</a>, <a href="#Page_60">60</a>, <a href="#Page_68">68</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_72">72</a>, <a href="#Page_81">81</a>, <a href="#Page_89">89</a>, <a href="#Page_99">99</a>, <a href="#Page_104">104</a>, <a href="#Page_124">124</a>, <a href="#Page_127">127</a>.</li> - -<li>Hilla von Ingendorf, Begine in Stommeln, <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_91">91</a>.</li> - -<li>Hubertusorden <a href="#Page_166">166</a>.</li> - -<li>Ingeld, Dominikanerprior, <a href="#Page_127">127</a>.</li> - -<li>Ingendorf <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_91">91</a>.</li> - -<li>Innozenz IV., Papst, <a href="#kapi08">56</a>.</li> - -<li>Irmgardis, Freiin von Wevelinghoven, Stiftsfräulein an St. Cäcilien zu Cöln, <a href="#Page_31">31</a>.</li> - -<li>Italien <a href="#Page_84">84</a>.</li> - -<li>Jakob von St. Andreas, Stiftsherr zu Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Jakob von Andernach, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Jakob, Kollegium zum h., in Paris, <a href="#Page_84">84</a>.</li> - -<li>Jakobiner <a href="#Page_84">84</a>.</li> - -<li>Job <a href="#Page_21">21</a>.</li> - -<li>Johann, Herzog, von Brabant <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Johann von Limburg a. Lahn <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Johannes, der Täufer, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Johannes, Apostel, <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_60">60</a>, <a href="#Page_166">166</a>, <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Johannes XXII., Papst, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Johannes von Aerschot, Stiftsherr zu Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Johannes von Caster, Stiftsherr zu Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Johannes I., Dominikanergeneral, <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Johannes Hespe, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_99">99</a>.</li> - -<li>Johannes von Muffendorf, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_53">53</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_71">71</a>, <a href="#Page_72">72</a>, <a href="#Page_73">73</a>, <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_79">79</a>, <a href="#Page_80">80</a>, <a href="#Page_82">82</a>, <a href="#Page_83">83</a>, <a href="#Page_92">92</a>, <a href="#Page_104">104</a>, <a href="#Page_105">105</a>, <a href="#Page_115">115</a>, <a href="#Page_130">130</a>, <a href="#Page_131">131</a>.</li> - -<li>Johannes, Bruder des 3. Ordens vom hl. Dominikus (Miliz Christi) <a href="#Page_130">130</a>.</li> - -<li>Johannes von Creuzburg <a href="#Page_105">105</a>.</li> - -<li>Johannes, Pfarrer in Stommeln, <a href="#Page_15">15</a>, <a href="#Page_19">19</a>, <a href="#Page_20">20</a>, <a href="#Page_23">23</a>, <a href="#Page_26">26</a>, <a href="#Page_67">67</a>, <a href="#Page_78">78</a>, <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_85">85</a>, <a href="#Page_93">93</a>, <a href="#Page_103">103</a>, <a href="#Page_108">108</a>, <a href="#Page_116">116</a>, <a href="#Page_124">124</a>, <a href="#Page_143">143</a>.</li> - -<li>Johannes, Magister in Stommeln, <a href="#Page_5">5</a>, <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_85">85</a>, <a href="#Page_114">114</a>, <a href="#Page_122">122</a>, <a href="#Page_123">123</a>, <a href="#Page_127">127</a>, <a href="#Page_129">129</a>, <a href="#Page_144">144</a>, <a href="#Page_158">158</a>, <a href="#Page_163">163</a>.</li> - -<li>Johannes von Stommeln, Kaplan in Monterberg, <a href="#Page_163">163</a>.</li> - -<li>Johannes von Stommeln, Stiftsherr in Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Jülich, Grafschaft, Markgrafschaft, Herzogtum, <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Jülich, Stadt <a href="#Page_55">55</a>, <a href="#Page_103">103</a>, <a href="#Page_167">167</a>, <a href="#Page_168">168</a>, <a href="#Page_170">170</a>, <a href="#Page_171">171</a>.</li> - -<li>Jülicher Handschrift, enthaltend die Materialien zur Geschichte der sel. Christina, <a href="#Page_IV">IV</a>, <a href="#Page_26">26</a>, <a href="#Page_28">28</a>, <a href="#Page_37">37</a>, <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_122">122</a>, <a href="#Page_130">130</a>, <a href="#Page_161">161</a>, <a href="#Page_162">162</a>, <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Jungholz, Wald bei Nideggen, <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Jütland <a href="#Page_101">101</a>.</li> - -<li>Kalmar <a href="#Page_118">118</a>.</li> - -<li>Kamp, Kloster am Niederrhein, <a href="#Page_6">6</a>.</li> - -<li>Karl, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_49">49</a>, <a href="#Page_50">50</a>.</li> - -<li>Karl V., Kaiser, <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Kartause in Cöln, <a href="#Page_169">169</a>, <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Kartäuser bei Jülich, <a href="#Page_169">169</a>.</li> - -<li>Katharina hl., Martyrin, <a href="#Page_78">78</a>.</li> - -<li>Kinzweiler, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Klausmann, Christian, Pfarrer zu Stommeln, <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Klingelpütz, Gefängnis zu Cöln, <a href="#Page_171">171</a>.</li> - -<li>Knechtsteden, <a href="#Page_145">145</a>.</li> - -<li>Knode, Johannes, Stiftsherr zu Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Konrad von St. Cäcilien zu Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Konrad von Hochstaden, Erzbischof von Cöln, <a href="#Page_3">3</a>.</li> - -<li>Konradin, Hohenstaufe, <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Krementz, Philippus, Kardinal und Erzbischof von Cöln, <a href="#Page_171">171</a>.</li> - -<li>Kreuzhof in Stommeln, <a href="#Page_160">160</a>, <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Kreuzkirche (d. Dominikan.) i. Cöln, <a href="#Page_12">12</a>.</li> - -<li>Kupfergasse in Cöln, <a href="#Page_172">172</a>.</li> - -<li>Lambert, der Stammler (<span class="fmarkd">le bègue</span>), Priester zu Lüttich, <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Laurentius, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_110">110</a>, <a href="#Page_111">111</a>, <a href="#Page_131">131</a>.</li> - -<li>Lechenich, <a href="#Page_3">3</a>.</li> - -<li>Lemper, Christian, Erbauer der Christinenkapelle in Stommeln <a href="#Page_170">170</a>.</li> - -<li>Leonius, Kellermeister der Benediktinerabtei Brauweiler, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_67">67</a>.</li> - -<li>Limburg, Herzogtum <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Limburg an der Lahn <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Linnich <a href="#Page_166">166</a>.</li> - -<li>Löwen <a href="#Page_154">154</a>.</li> - -<li>Lübeck <a href="#Page_114">114</a>, <a href="#Page_117">117</a>, <a href="#Page_118">118</a>.</li> - -<li>Ludwig von Randerath, Stiftsherr in Stommeln <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Lull, Peter, Schriftsteller <a href="#Page_55">55</a>. -<span class="pagenum"><a id="Page_178" name="Page_178" href="#Page_178">[178]</a></span> -</li> - -<li>Luxemburg <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>, <a href="#Page_157">157</a>.</li> - -<li>Luzius III., Papst <a href="#Page_11">11</a>.</li> - -<li>Maderna, Stefan, Bildhauer <a href="#Page_57">57</a>.</li> - -<li>Mailand <a href="#kapi08">56</a>.</li> - -<li>Maria h., Gottesmutter <a href="#Page_7">7</a>.</li> - -<li>Maria Magdalena h., Hospital zur, in Cöln <a href="#Page_12">12</a>, <a href="#Page_13">13</a>.</li> - -<li>Maria von Virneburg <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Marienholz <a href="#Page_3">3</a>.</li> - -<li>Mark, Grafschaft <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Martin h., Bischof von Tours <a href="#Page_4">4</a>, <a href="#Page_166">166</a>.</li> - -<li>Matthias h., Apostel <a href="#Page_45">45</a>.</li> - -<li>Mauritius, Dominikaner <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#kapi08">56</a>, <a href="#Page_59">59</a>, <a href="#Page_65">65</a>, <a href="#Page_79">79</a>, <a href="#Page_80">80</a>, <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_86">86</a>, <a href="#Page_98">98</a>, <a href="#Page_101">101</a>, <a href="#Page_108">108</a>, <a href="#Page_130">130</a>, <a href="#Page_131">131</a>, <a href="#Page_133">133</a>.</li> - -<li>Melchers, Paulus, Kardinal und Erzb. von Cöln <a href="#Page_171">171</a>.</li> - -<li>Michael, Emil, S. J., Universitätsprofessor in Innsbruck <a href="#Page_27">27</a>.</li> - -<li>Michels, Rektor in Remagen <a href="#Page_31">31</a>.</li> - -<li>Minden <a href="#Page_118">118</a>.</li> - -<li>Minoriten in Cöln <a href="#Page_30">30</a>.</li> - -<li>Moers, Grafschaft <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Monheim <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Monterberg <a href="#Page_163">163</a>.</li> - -<li>Muffendorf <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_53">53</a>, <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_92">92</a>.</li> - -<li>München-Gladbach <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Nassau <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Neapel <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Nettesheim <a href="#Page_145">145</a>.</li> - -<li>Neuß <a href="#Page_11">11</a>, <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_162">162</a>.</li> - -<li>Nideggen <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_164">164</a>, <a href="#Page_165">165</a>, <a href="#Page_166">166</a>, <a href="#Page_167">167</a>, <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Nikolaus, Dominikaner <a href="#Page_53">53</a>, <a href="#Page_81">81</a>, <a href="#Page_98">98</a>, <a href="#Page_99">99</a>, <a href="#Page_100">100</a>, <a href="#Page_109">109</a>.</li> - -<li>Nikolaus Heinrich, Dominikanerprior <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_92">92</a>.</li> - -<li>Nivelles <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Olaw, Dominikaner, <a href="#Page_110">110</a>.</li> - -<li>Orsoy <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Ossendorf, <a href="#Page_102">102</a>.</li> - -<li>Otto von Braunschweig, <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Otto der Große, <a href="#Page_4">4</a>.</li> - -<li>Papebroch, S. J., Bollandist, <a href="#Page_55">55</a>.</li> - -<li>Paris, <a href="#Page_45">45</a>, <a href="#Page_49">49</a>, <a href="#Page_50">50</a>, <a href="#Page_79">79</a>, <a href="#Page_81">81</a>, <a href="#Page_82">82</a>, <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_85">85</a>, <a href="#Page_86">86</a>, <a href="#Page_90">90</a>, <a href="#Page_94">94</a>, <a href="#Page_110">110</a>.</li> - -<li>Paulson, Johannes, Universitätsprofessor in Gotenburg, <a href="#Page_V">V</a>.</li> - -<li>Paulus h., Apostel, <a href="#Page_16">16</a>, <a href="#Page_24">24</a>.</li> - -<li>Petrus h., Apostelfürst, <a href="#Page_60">60</a>.</li> - -<li>Petrus von Dazien, Dominikaner, <a href="#Page_V">V</a>, <a href="#Page_8">8</a>, <a href="#Page_26">26</a>, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_35">35</a>, <a href="#Page_36">36</a>, <a href="#Page_39">39</a>, <a href="#Page_42">42</a>, <a href="#Page_45">45</a>, <a href="#Page_49">49</a>, <a href="#Page_52">52</a>, <a href="#kapi08">56</a>, <a href="#Page_64">64</a>, <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_113">113</a>, <a href="#Page_115">115</a>, <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_120">120</a>, <a href="#Page_134">134</a>, <a href="#Page_154">154</a>, <a href="#Page_161">161</a>.</li> - -<li>Petrus h., von Mailand, Martyrer <a href="#kapi08">56</a>.</li> - -<li>Petrus von Unkelbach, Stiftsherr zu Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Philipp von St. Andreas, Stiftsherr in Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Philipp von Schwaben, <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Pighino, Sebastian, päpstl. Nuntius, <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Pius X., Papst, <a href="#Page_1">1</a>, <a href="#Page_172">172</a>.</li> - -<li>Polen, <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Poulheim, Dorf bei Cöln, <a href="#Page_6">6</a>.</li> - -<li>Prämonstratenser, <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Ptolemäus, Klaudius, Astronom, <a href="#Page_57">57</a>.</li> - -<li>Quinheim, ehemaliges Kloster bei Neuß, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_92">92</a>.</li> - -<li>Randerath, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Rheingasse zu Cöln, <a href="#Page_3">3</a>.</li> - -<li>Reinhard von Nideggen, Stiftsherr zu Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Reinhold, Graf von Geldern, <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Remagen, <a href="#Page_31">31</a>.</li> - -<li>Reval, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_59">59</a>.</li> - -<li>Richard von St. Viktor, <a href="#kapi08">56</a>.</li> - -<li>Rom, <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Roß, Haus zum, in Cöln, <a href="#Page_3">3</a>.</li> - -<li>Salomon aus Ungarn, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_82">82</a>.</li> - -<li>Sandberg in Stommeln, <a href="#Page_153">153</a>.</li> - -<li>Schmitz, Hermann Josef, Weihbischof von Cöln, <a href="#Page_37">37</a>, <a href="#Page_171">171</a>.</li> - -<li>Schöningen, <a href="#Page_133">133</a>.</li> - -<li>Schweden, <a href="#Page_131">131</a>, <a href="#Page_151">151</a>, <a href="#Page_160">160</a>.</li> - -<li>Sigfried von Westerburg, Erzbischof von Cöln, <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li><a id="Siggi">Sigwin</a>, Bruder der sel. Christina, <a href="#Page_6">6</a>, <a href="#Page_122">122</a>, <a href="#Page_124">124</a>, <a href="#Page_125">125</a>, <a href="#Page_126">126</a>, <a href="#Page_128">128</a>, <a href="#Page_130">130</a>, <a href="#Page_131">131</a>, <a href="#Page_133">133</a>, <a href="#Page_134">134</a>, <a href="#Page_150">150</a>, <a href="#Page_151">151</a>, <a href="#Page_159">159</a>, <a href="#Page_160">160</a>.</li> - -<li>Skara, <a href="#Page_110">110</a>.</li> - -<li>Skeninge <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_101">101</a>, <a href="#Page_104">104</a>, <a href="#Page_105">105</a>, <a href="#Page_108">108</a>, <a href="#Page_109">109</a>.</li> - -<li>Södermanland, <a href="#Page_109">109</a>.</li> - -<li>Soest, <a href="#Page_118">118</a>.</li> - -<li>Steinfunder S. J., aus Essen, <a href="#Page_55">55</a>.</li> - -<li>Stolkgasse in Cöln, <a href="#Page_11">11</a>, <a href="#Page_12">12</a>.</li> - -<li>Stolzenberg von, Johannes, Cölner Bürger, <a href="#Page_130">130</a>.</li> - -<li>Stommeln (<span class="fmarkd">Stumbelo</span>, <span class="fmarkd">Stumbele</span>), <a href="#Page_1">1</a>, <a href="#Page_2">2</a>, <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_114">114</a>, <a href="#Page_139">139</a>, <a href="#Page_162">162</a>, <a href="#Page_163">163</a>, <a href="#Page_164">164</a>, <a href="#Page_165">165</a>.</li> - -<li>Straßburg, <a href="#Page_83">83</a>.</li> - -<li>Strengnäs, <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_109">109</a>.</li> - -<li>Swealand, <a href="#Page_110">110</a>.</li> - -<li>Teresia h., Ordensstifterin, <a href="#Page_13">13</a>, <a href="#Page_15">15</a>, <a href="#Page_119">119</a>, <a href="#Page_157">157</a>, <a href="#Page_160">160</a>.</li> - -<li>Thebäische Legion, <a href="#Page_116">116</a>. -<span class="pagenum"><a id="Page_179" name="Page_179" href="#Page_179">[179]</a></span> -</li> - -<li>Thomas h., von Aquin, Kirchenlehrer, <a href="#Page_4">4</a>, <a href="#Page_83">83</a>, <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_124">124</a>.</li> - -<li>Titz, <a href="#Page_162">162</a>.</li> - -<li>Toskana, <a href="#Page_59">59</a>, <a href="#Page_69">69</a>.</li> - -<li>Ungarn, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_82">82</a></li> - -<li>Unkelbach, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Urban VIII., Papst, <a href="#Page_172">172</a>.</li> - -<li>Ursula h., Martyrin, <a href="#Page_115">115</a>.</li> - -<li>Ursulastift in Cöln, <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_32">32</a>.</li> - -<li>Venlo, <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Ver Selen, Beginenkloster zu Cöln, <a href="#Page_11">11</a>.</li> - -<li>Virneburg, <a href="#Page_31">31</a>, <a href="#Page_167">167</a>.</li> - -<li>Vogelsang, Kartause bei Jülich, <a href="#Page_169">169</a>.</li> - -<li>Walram von Falkenburg, <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Walram von Jülich, Erzbischof von Cöln, <a href="#Page_163">163</a>, <a href="#Page_164">164</a>, <a href="#Page_166">166</a>.</li> - -<li>Walram, Herzog von Jülich, <a href="#Page_155">155</a>.</li> - -<li>Walram von Luxemburg, <a href="#Page_156">156</a>.</li> - -<li>Walter, Dominikaner, <a href="#Page_26">26</a>, <a href="#Page_40">40</a>, <a href="#Page_41">41</a>, <a href="#Page_42">42</a>, <a href="#Page_99">99</a>.</li> - -<li>Werden, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_87">87</a>.</li> - -<li>Werigehal in England, <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Werner von Titz, <a href="#Page_162">162</a>.</li> - -<li>Westeräs, <a href="#Page_109">109</a>, <a href="#Page_113">113</a>.</li> - -<li>Wevelinghoven, <a href="#Page_31">31</a>.</li> - -<li>Wien, <a href="#Page_130">130</a>, <a href="#Page_131">131</a>.</li> - -<li>Wilhelm II., der Große, Graf von Jülich, <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Wilhelm III., Graf von Jülich, <a href="#Page_2">2</a>.</li> - -<li>Wilhelm IV., Graf von Jülich, <a href="#Page_2">2</a>, <a href="#Page_147">147</a>.</li> - -<li>Wilhelm, Markgraf von Jülich, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Wilhelm, Herzog von Jülich, <a href="#Page_168">168</a>.</li> - -<li>Wilhelm Bonefant, Dominikaner, <a href="#Page_87">87</a>.</li> - -<li>Wilhelm von Werigehal, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>.</li> - -<li>Wilhelm von Zülpich, Stiftsherr in Stommeln, <a href="#Page_164">164</a>.</li> - -<li>Wipert von Böhmen, Dominikaner, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_67">67</a>, <a href="#Page_69">69</a>, <a href="#Page_82">82</a>.</li> - -<li>Wisby, <a href="#Page_26">26</a>, <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_118">118</a>, <a href="#Page_131">131</a>, <a href="#Page_133">133</a>.</li> - -<li>Worringen, <a href="#Page_2">2</a>, <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_34">34</a>, <a href="#Page_155">155</a>, <a href="#Page_156">156</a>, <a href="#Page_157">157</a>.</li> - -<li>Xanten, <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_83">83</a>.</li> - -<li>Zellitinnen, <a href="#Page_11">11</a>, <a href="#Page_172">172</a>.</li> - -<li>Zisterzienser, <a href="#Page_10">10</a>.</li> - -<li>Zülpich, <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_164">164</a>.</li> -</ul> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die selige Christina von Stommeln, by -Arnold Steffens - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SELIGE CHRISTINA VON STOMMELN *** - -***** This file should be named 55466-h.htm or 55466-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/5/4/6/55466/ - -Produced by Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/55466-h/images/cover.jpg b/old/55466-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0a56c79..0000000 --- a/old/55466-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/kapitel_deco.jpg b/old/55466-h/images/kapitel_deco.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 117ff82..0000000 --- a/old/55466-h/images/kapitel_deco.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/kapitel_ende.jpg b/old/55466-h/images/kapitel_ende.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0ba59f3..0000000 --- a/old/55466-h/images/kapitel_ende.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb01.jpg b/old/55466-h/images/nabb01.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4ac5162..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb01.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb02.jpg b/old/55466-h/images/nabb02.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 953b979..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb02.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb03.jpg b/old/55466-h/images/nabb03.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 32393be..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb03.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb04.jpg b/old/55466-h/images/nabb04.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 96372d1..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb04.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb05.jpg b/old/55466-h/images/nabb05.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7d8c731..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb05.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb06.jpg b/old/55466-h/images/nabb06.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a3772ab..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb06.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb07.jpg b/old/55466-h/images/nabb07.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index eb88f10..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb07.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb08.jpg b/old/55466-h/images/nabb08.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 060996e..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb08.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb09.jpg b/old/55466-h/images/nabb09.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ae61ebe..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb09.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb10.jpg b/old/55466-h/images/nabb10.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cbf034d..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb10.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb11.jpg b/old/55466-h/images/nabb11.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d9d2097..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb11.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb12.jpg b/old/55466-h/images/nabb12.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 79a2a74..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb12.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/nabb13.jpg b/old/55466-h/images/nabb13.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3c6d6cc..0000000 --- a/old/55466-h/images/nabb13.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/pg_001_init.jpg b/old/55466-h/images/pg_001_init.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b992e84..0000000 --- a/old/55466-h/images/pg_001_init.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/pg_iii_init.jpg b/old/55466-h/images/pg_iii_init.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index bcfa396..0000000 --- a/old/55466-h/images/pg_iii_init.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/tpage_aftauth.jpg b/old/55466-h/images/tpage_aftauth.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8ea4e1d..0000000 --- a/old/55466-h/images/tpage_aftauth.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/55466-h/images/tpage_befauth.jpg b/old/55466-h/images/tpage_befauth.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e214a2f..0000000 --- a/old/55466-h/images/tpage_befauth.jpg +++ /dev/null |
