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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-06 22:35:04 -0800 |
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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Jüdische Sprichwörter - -Author: Artur Landsberger - -Editor: Artur Landsberger - -Release Date: February 27, 2017 [EBook #54248] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JÜDISCHE SPRICHWÖRTER *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive) - - - - - - - - - - Hinweise zur Transkription - - - Im Original gesperrter oder kursiver Text ist +so ausgezeichnet+. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des - Buches. - - - - -[Illustration] - - - - - JÜDISCHE - SPRICHWÖRTER - - HERAUSGEGEBEN - - VON - - DR. ARTUR LANDSBERGER - - 1912 - - ERNST ROWOHLT VERLAG/LEIPZIG - - - - -Spamersche Buchdruckerei in Leipzig - - - - -Meinem Vater - - - - -Inhalt - - - Seite - - Vorwort 9 - - Von Familie und Haus 13 - - Von Glück und Unglück. 23 - - Von Weisen, Narren und Schlehmilen 31 - - Von Juden und Andersgläubigen 41 - - Von Gott, Tod und Leben 47 - - Von Tugend und Lastern 53 - - Weise Sprüche und Lebensregeln 61 - - Scherzhafte Redensarten 79 - - - - -Vorwort - - -In der Erkenntnis, daß die Anschauungen und die Denkweise, die -Sitten und Gebräuche, kurz der ganze Charakter eines Volkes nirgends -bündiger, deutlicher und nüancierter zum Ausdruck kommen als in seinen -Sprichwörtern, haben als erste die Parömiographen derartige Sammlungen -veranstaltet, von denen und aus der Zeit des zweiten Jahrhunderts -nach Christi Geburt 3, nämlich die des Diogenianos, des Zenobius, und -Plutarch (Sprichwörter der Alexandriner) erhalten sind. - -Heute besitzt jede zivilisierte Nation ihre Sammlung. Wir Deutschen -haben uns nicht damit begnügt, unsre eignen Sprichwörter zu sammeln, -die in Dutzenden von Editionen vorliegen; wir haben vielmehr -lateinische und griechische, französische, englische, italienische, -spanische, persische, chinesische, japanische Sprüche ins Deutsche -übertragen -- nur die jüdischen hat man trotz der starken Einwirkung -jüdischer Eigenart auf deutsches Wesen bis heute nicht aus ihrer -Ghetto-Einsamkeit ans Licht des Tages gefördert. - -Das geschieht hier -- wenigstens in deutscher Sprache -- zum ersten -Male; indessen darf der Herausgeber wohl behaupten, daß auch in keiner -anderen Sprache bisher eine derartige Sammlung vorliegt -- außer im -Jüdischen. - -Das Jüdische, ein mit Slavischem und Hebräischem durchsetztes -Mittelhochdeutsch wird noch heut von mehr als sechs Millionen Menschen -gesprochen. Tagesblätter in dieser Sprache, deren Auflagen zum Teil -nach Hunderttausenden zählen, erscheinen zu Dutzenden, und in den -letzten 15 Jahren hat sich eine moderne jüdische Literatur entwickelt, -für deren hohes Niveau die Leistungen von J. L. Perez und Mendaly -Mocher Sforem beredtes Zeugnis ablegen. Ihre ins Deutsche übertragenen -und hier und da veröffentlichten Erzählungen aus dem Leben des -jüdischen Volkes können neben dem Besten, was deutsche Erzähler gaben, -leben. Die jüdischen Volkslieder, die an Natürlichkeit und Innigkeit, -wie an Unmittelbarkeit des Empfindens ihresgleichen suchen, denke ich -demnächst herauszugeben. - -Nun noch ein paar Worte zu der vorliegenden Sammlung: - -Vor ein paar Jahren brachte mir der durch seine Romane bekannt -gewordene galizische Schriftsteller Hermann Blumenthal zur -Veröffentlichung in einer Zeitschrift eine Reihe von jüdischen -Sprichwörtern, die er in Wien und Galizien gesammelt hatte. Ich bat -ihn, seine Sammlung fortzuführen, und vor allem zu erforschen, ob eine -große Reihe bei uns seit Menschengedenken gebräuchlicher Sprichwörter, -die auch im Ghetto gebraucht werden, von dort zu uns gekommen sind, -oder ob die Juden vor drei Jahrhunderten diese Sprüche bei uns gehört, -übernommen und dann mit oft kaum merklichen Veränderungen ihren -Gewohnheiten angepaßt haben. Diese Feststellungen sind nicht überall -gelungen. - -Dafür gelang es andererseits, den Nachweis zu erbringen, daß eine -ganze Reihe von Sprüchen, die wir als typisch deutsch empfinden, aus -dem Talmud und Midrasch stammen. Reiche Ausbeute war für meine Arbeit -die Handschrift des Moritz Blaß aus dem Jahre 1850, die sich in ihrem -wohl einzigen Exemplar in der Lesehalle der Berliner kgl. Bibliothek -befindet, so wie eine Auslese, die ein Liebhaber der jüdischen Heraldik -namens Bernstein in Rußland und Polen gesammelt und im Hausfreund -vom Jahre 1889 veröffentlicht hat. Bernsteins Sammlung ist wohl die -reichhaltigste. Auch der sehr empfehlenswerten Tendlauschen Sammlung -(bei Kaufmann Frankfurt), der weitaus besten, die mir vorlag, habe -ich einige wenige Sprüche entnommen. 150 Sprüche etwa sind aus dem -Talmud und Midrasch. Tolstoi hat während seiner Krankheit im Jahre 1908 -»Gedanken weiser Männer«[1] gesammelt. Lao-Tse, Confucius, Buddha, -Christus, sein Liebling Ruskin, Pascal, Voltaire, Vauvernagues, Rot, -Kant, Luther, Jean Paul, Gontscharow, Dostojewski sind vertreten; aber -auch eine große Zahl von Talmudsprüchen befindet sich darunter, von -denen ich etwa ein halbes Dutzend in diese Sammlung aufgenommen habe. - - [1] Deutsch von Adolf Hess bei Albert Langen, München. - -Natürlich hätte ich allein aus dem Talmud und Midrasch Bände mit -weisen Sprüchen füllen können. Ich habe das nur soweit getan, als hier -enthaltene Weisheiten ins jüdische Volk drangen und von ihm, meist ohne -daß das Volk die Herkunft kannte, zu gebräuchlichen Redensarten wurden. -Übrigens existieren derartige Sammlungen meist recht minderwertiger -Art; ein großherzoglich hessischer Provinzialrabbiner leistet sich in -der Verballhornisierung talmudischer Weisheit, die er »zur Erbauung -der jüdischen Jugend« in Knittelverse zwängt, gradezu Erstaunliches. -Seine Leistung aber stellt noch in den Schatten der Berliner Max -Weinberg, der seiner »Spruchpoesie des Talmud« betitelten Sammlung in -anerkennenswerter Selbstkritik Goethes Wort vorausstellt: »Original, -fahr hin in deiner Pracht!« Und in der Tat verspürt man in beiden -Sammlungen nicht den leisesten Hauch talmudischen Geistes. Gegen solche -Schändungen heiligen Besitztums sollten alle Glaubensgenossen Protest -erheben. Obgleich es auch mir nicht immer gelang, für jedes spezifisch -jüdische Wort die Übersetzung zu finden, die den Sinn des Wortes in -seiner ganzen Eigenart wiedergab, so glaube ich doch mit diesem Buche -manch einem das Verständnis für jüdisches Denken und Fühlen vermittelt -zu haben. - -Ob es für das Studium eines Volkes zweckdienlicher ist, es beim Beten, -bei der Arbeit oder bei seinen Vergnügungen aufzusuchen, kann nur von -Fall zu Fall entschieden werden. Der Satz aber: »an seinen Sprüchen -wirst du es erkennen«, hat allgemeine Gültigkeit. - -Schließlich sei hier noch dem Schriftsteller Hermann Blumenthal -gedankt, der mir mit Liebe und Umsicht beim Sammeln, Übersetzen, und -Zusammenstellen geholfen hat. - -+Pfingsten 1912.+ - - Dr. Artur Landsberger - - - - -Von Familie und Haus - - -Wenn die Mutter nach Zwiebeln riecht und der Vater nach Knoblauch, kann -die Tochter nicht nach Rosen duften. - - Zur Chipe (Traualtar) läßt man sich führen; - zur Scheidung läuft man selbst. - -Sagst du der Frau ein Geheimnis, so schneid ihr die Zunge ab. - - Besser ein häßliches Weib für sich - als ein schönes für Andre. - - Wenn eine Witwe auch ein goldenes Dach hat, - bleibt sie doch eine Witwe. - -Ein Freund ist besser als zehn Verwandte. - -Der Besuch des Freundes gleicht dem Regen, um den man bittet, wenn er -ausbleibt, und den man hinwegwünscht, wenn er zu lange anhält. - - Wenn ein Mädchen einen alten Mann heiratet, - bleibt sie eine junge Witwe. - -Der Mann baue sich ein Haus, pflanze einen Weinberg und dann erst nehme -er ein Weib. - -Es gibt keine häßliche Braut. - -Ein schönes Mädchen ist eine halbe Mitgift. - -Zwei Frauen bringen Streit ins Haus. - -Eine reiche Frau darf auch zweimal im Jahre Kinder haben. - -Die Tochter eines reichen Mannes ist immer schön. - - Wenn du eine kleine Frau hast, - so neige dich zu ihr herab und flüstre ihr ins Ohr. - -Armut im Hause ist ärger als 50 Plagen. - -Wenn man Gäste hat, genießt man selbst auch. - -Ein Weib und ein Pferd verleiht man nicht. - -Eine Mutter muß eine große Schürze haben, um die Fehler ihrer Kinder -verdecken zu können. - -Die Frauen haben langes Haar und kurzen Verstand. - -Wenn die Mutter eine Kuh ist, ist die Tochter ein Kalb. - -Wo die Hausfrau keine Wirtin ist, da ist es die Katze. - - Wenn die Eltern der Tochter keinen Mann geben, - dann sucht sie ihn sich selbst. - -Wenn ein Mädchen nicht tanzen kann, sagt sie, daß die Musikanten nicht -spielen können. - -Besser eine junge Witwe, als eine alte Jungfer. - -Ein häßliches Mädchen sollst du nicht küssen; (denn sie wird's in der -ganzen Stadt erzählen). - -Wenn keine (jüdischen) Mädchen da sind, tanzt man mit Schikses -(Bauerndirnen). - -Blick auf die Maid, und nicht aufs Kleid. - - Wenn ein Mädchen häßlich ist, - schiebt sie auf den Spiegel die Schuld. - - Ein Weib, das grenzenlos gütig ist, - kann auch grenzenlos gehässig sein. - -Wer seinen Sohn nichts lernen läßt, erzieht ihn zum Diebe. - -Ein Haus ohne Wirtin ist wie ein Wagen ohne Räder. - -Je weniger Gäste, desto fröhlicher ist es beim Festmahle. - -Eine schöne Frau ist das halbe Einkommen. - -Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen. - -Ungebetene Gäste setzt man hinter den Ofen. - - Wer eine Frau nur des Geldes wegen nimmt, - bekommt ungeratene Kinder. - -Eine Frau ist leicht zu überreden. - -Die Tochter straft man, und die Schwiegertochter meint man. - -Wenn eine Frau keine Kugel (Sabbathmehlspeise) machen kann, verdient -sie die Scheidung. - - Der Verstand der Frau ist der Schmuck -- - der Schmuck des Mannes ist der Verstand. - -Ein Weib ist gut für den Leib, aber nicht für die Seele. - - Wenn das Weib die Hosen an hat, - dann muß der Mann das Kind wiegen. - - Ein junges Weib ist wie ein schönes Vögelchen; - man muß es im Käfig halten. - -Ein schlechtes Weib ist ärger als der Tod. - - Ein Vater kann viele Kinder ernähren, - aber viele Kinder können einen Vater nicht ernähren. - -Das schönste Kind im Cheder (Schule) ist mein. - -Drei Tage ist man Gast, später fällt man zur Last. - -Wohl dem Manne, der ein schönes Weib gefunden hat, seine Tage sind -doppelt. - -Drei Dinge verschönen das Dasein des Menschen: eine hübsche Wohnung, -schöne Hausgeräte und ein schönes Weib. - -Iß dich satt, bevor du Kinder kriegst. - - - - -Von Glück und Unglück - - -Man hat immer noch Zeit das Unglück zu beklagen, wenn es da ist. - - Das, was der Mensch sich selbst tut, - würden ihm zehn Feinde nicht antun. - - Wenn die Armut zur Tür hereinkommt, - dann flieht die Freundschaft zum Fenster hinaus. - -Drei Hoffnungen hat der Arme: entweder wird er so reich sein wie sein -Nachbar; oder sein Nachbar wird so arm werden wie er; oder -- sie -werden beide Hungers sterben. - -Wahrhaft arm ist nur der, dem es an Verstand fehlt. - -Anmut geht über Schönheit. - -Ein Unglück kommt nie allein. - -Wer ertrinken soll, ertrinkt in einem Löffel Wasser. - - Krank gewesen sein, ist schlimm; - aber reich gewesen sein, ist schlimmer. - -Der Reiche weiß nicht, wie dem Armen zu Mute ist. (oder: Bis so ein -Fetter nur abnimmt, ist dem Abgezehrten die Seele ausgegangen). - -Frag' einen Feind um Rat, und mach es umgekehrt. - - Was man einzahlt, sieht niemand; - was man draufzahlt -- jeder. - -Der Reiche haßt Ehrenbezeugungen wie die Katze die Butter. - -Für drei ist das Leben ohne Sonne: Für den Weichherzigen, den Zornigen -und den Empfindsamen. - -Der Arme und der Bucklige tragen das mit sich herum, was ihnen Gott -gegeben hat. - -Ein Armer ist wie ein Sack voll Löcher. - - Wenn der Arme ein Huhn ißt, - dann ist +er+ krank oder +das Huhn+. - -Lauf vor der Ehre davon, aber lauf der Ehre nicht nach. - -Er kneift sich die Wangen, damit sie rot erscheinen; (sagt man von -einem, der seine Armut verbergen will). - -Ein voller Sack steht aufrecht. - -Alles können die Eltern einem Kinde mitgeben, nur nicht das Glück. - - Wir wollten kein Manna essen, - darum müssen wir uns jetzt mit Zwiebeln begnügen. - - Vom Glück zum Unglück ist ein Schritt -- - vom Unglück zum Glück eine ganze Strecke. - -Geld ist rund. - -Er hat so viel Geld, wie ein frommer Jude Schweine. - - »Unglück, wohin gehst Du?« - »Zum Armen!« - -Was nützt die Ehre, wenn man nichts zu essen hat. - -Wenn man lacht, sehen alle; wenn man weint, sieht niemand. - -Ein Armer und ein Kranker müssen stets das letzte Wort haben. - - Wenn man sich von dem Tod loskaufen könnte, - dann würde es den Armen gut gehen. - -Man schmeichelt nicht dem Reichen, sondern seinem Gelde. - -Wer den Armen sein bisheriges Almosen entzieht, weil er Geldverluste -erlitten hat, löscht das Feuer mit Stroh und den Durst mit Salzwasser. - -Nicht jeder, der am Ehrenplatze sitzt, ist ein vornehmer Herr. - -Es ist nicht so gut +mit+ Geld, wie es schlecht ist +ohne+ Geld. - -Ein Bettler kann nicht auf zwei Jahrmärkten sein. - -Ein schwerer Beutel schafft ein leichtes Gemüt. - -Besser ein reicher Mieter als ein armer Hauswirt. - -Alle armen Leute haben gute Herzen. - -Der Reiche schläft und die Zinsen wachsen. - -Ein Quäntchen Glück ist mehr wert als ein Zentner Verstand. - -Zwei Tote gehen tanzen; (sagt man, wenn ein armer Mann ein armes -Mädchen heiratet). - -Wenn einem das Glück hold ist, kalbt auch der Ochse. - - Wenn einer stirbt, weiß man erst, - was er zu Lebzeiten besessen hat. - -Bei einem Armen soll man kein Geld leihen. - -Ein Armer schläft in der Finsternis. - -Ein Armer fürchtet keinen Dieb. - -In der Not zieht man die Sabbathkleider an den Wochentagen an. - -Wenn das Glück ankommt, soll man ihm einen Stuhl anbieten. - - Fällt der Stein auf den Topf, wehe dem Topf; - fällt der Topf auf den Stein, wehe dem Topf; - auf alle Fälle: wehe dem Topf. - - - - -Von Weisen, Narren und Schlehmilen - - -Solange es jemandem gut geht, gilt er für weise. - - Der Schlemihl fällt auf den Rücken - und schlägt sich ein Auge aus. - - Wen Gott zum Narren machen will, - dem nimmt er die Frau in jungen Jahren. - -Was nützt mir meine Weisheit, wenn die Dummheit regiert. - - Ein Narr spricht, was er weiß; - Ein Weiser weiß, was er spricht. - -Ein Narr geht ins Bad und vergißt, sich das Gesicht zu waschen. - -Bist du meschugge, schlag den Kopf an die Wand, aber laß andere in -Ruhe. - -Wer fällt zur Last: Ein Narr den Klugen und ein Kluger den Narren. - -Besser ein vielgewanderter Narr als ein zu Hause hockender Weiser. - -Ein Esel schimpft den andern »Sackträger!« - -Narren haben zumeist schöne Frauen. - -Wenn der Messias kommen wird, werden alle Kranke geheilt werden -- nur -der Narr nicht. - -Wer ist reich: der +Genuß+ von seinem Reichtum hat. - -Wer ist ein Ignorant? wer seine Kinder nicht zum Lernen anhält. - - Wenn ein Geizhals leichtsinnig wird, - ißt er zur Suppe Torte. - - Wo ein Stein vom Himmel fällt, - fällt er auf mich. - - Wenn es draußen Dukaten regnet, - dann sitzt der Arme in der Stube. - - Wenn Kabzunim (arme Teufel) tanzen wollen, - reißen die Saiten. - - Wenn man dem Feuer enteilt, - gerät man ins Wasser. - - Wenn ich Kerzen zu verkaufen hätte, - würde die Sonne nicht untergehen. - -Faule Fische und Schläg' dazu. - -Wenn ich mit Leinwand handelte, würde niemand sterben. - -Er klaubt eine Feder auf und läßt das Federbett fallen. - -Ein Richter muß haben: König Salomos Weisheit, Aristoteles' Verstand, -Simsons Stärke, Methusalems Alter und Hilels Geduld. - -Wenn der Weise irrt, irrt er gehörig. - - Lieber von einem Klugen eine Ohrfeige, - als von einem Narren einen Kuß. - -»Ein dummer Schankwirt«, denkt der Trunkenbold, »Er hat Schnaps und -verkauft ihn.« - -Wenn man nicht schreiben kann, sagt man, daß die Feder schlecht ist. - -Er ist kein großer Gelehrter, aber auch kein kleiner Ignorant. - -Einen Ziegenbock fürchtet man von vorne, ein Pferd von hinten und einen -Narren von allen Seiten. - -Ein Meschuggener schlägt nur bei fremden Leuten die Fenster ein. - - Wenn der Narr die Kuh bei den Hörnern hält, - kann sie der Kluge melken. - -Wem Gott viel Leid bescheren will, dem gibt er viel Verstand. - - Bei einem Pferde sieht man auf die Zähne, - bei einem Menschen auf den Verstand. - -Was nützt der graue Kopf, wenn der Verstand grün ist. - -Wo ein Narr gesessen hat, soll man den Stuhl abwischen. - -Nennen Dich Deine Genossen einen Esel, so lege Dir einen Sattel auf. - -Ein Narr gibt, ein Kluger nimmt. - - Je größer der Goj (gemeint ist hier die Unwissenheit), - desto größer das Masel (Glück). - -Ein ganzer Narr ist ein halber Prophet. - -Wer alles verstehen will, wird nicht alt werden. - - Wenn ein Narr einen Stein in einen Garten wirft, - können ihn zwanzig Weise nicht herausholen. - - Besser mit einem Weisen in der Hölle - als mit einem Narren im Paradies. - -Mit der Zeit lernt auch ein Bär tanzen. - - Alle Kinder sind klug, solange sie klein sind -- - aber mit dem Wachsen nimmt nicht immer der Verstand zu. - -Jedem Ziegenbock gefällt sein Glöckchen. - - Schickt man einen Narren einkaufen, - dann freuen sich die Krämer. - - Wenn ein Alter eine Junge heiratet, - wird der Alte jung und die Junge alt. - -Ich lachte auch, wenn der Narr nur nicht mein wär. - - Ein Zeichen der Weisheit ist das Schweigen, - aber das Schweigen allein ist noch keine Weisheit. - -Wo Wissen ist, dort ist auch Weisheit. - -Wo Kraft nötig ist, hilft der Verstand nichts. - -Alles bekommt man fürs Geld, nur nicht Verstand. - -Einem Narren soll man ein halbes Haus nicht zeigen. - -Bis siebzig Jahre lernt der Mensch und stirbt unwissend. - - Wer mit Chochumim (Weisen) verkehrt, - wird selbst ein Chochim (Weiser). - -Ein Narr kann mehr fragen als zehn Weise beantworten können. - -Jeder Narr ist für sich klug (d. h. nur die andern haben unter seiner -Dummheit zu leiden). - -Alle Kantoren sind Narren, aber nicht alle Narren sind Kantoren. (Jeder -Sänger gilt bei den Juden für einen Narren.) - -Wer zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, ist noch kein Weiser. Der -aber ist es, der von zwei Übeln das kleinere wählt. - -Wer heute Brot hat und sich sorgt, was er morgen essen wird, hat kein -Gottvertrauen. - -Er ist nicht für Gott und nicht für die Leut' (sagt man von einem -Taugenichts). - -Geh ich her, beißt mich ein Bär; geh ich hin, sticht mich eine Bien! -(einer, dem es überall schief geht). - - Ein Narr fragt einen Weisen: - »Seit wann ist Gott?« -- Der spricht: - »Das läßt sich nicht beweisen; - Sag mir, +wann war er nicht+?« - -Der Teufel hol' den Einfall, der einem zu spät kommt. - - - - -Von Juden und Andersgläubigen - - -Einen gojischen (christlichen) Magen und eine jüdische Seele kann man -nicht abschätzen. - - Hat der Jude recht, - dann bekommt er erst recht Schläge. - - Wohnen soll man unter Juden, - Handel treiben unter Christen. - - Leben soll man unter Christen, - sterben unter Juden. - -Wenn du dich auch in eine Chasirhaut (Schweinehaut) hüllst, erkennt man -doch, daß du ein Jude bist. - -Aus dem Schwänzchen eines Schweines kann man keine Sabbathmütze machen. - - Was man immer vom Juden sagen mag, - Ein Narr ist er nicht. - - Wenn der Jude singt und der Edelmann pfeift, - dann haben beide kein Geld. - - Wann singt ein Jude? - Wenn er hungrig ist. - - Besser ein Jude ohne Bart, - als ein Bart ohne einen Juden. - -Ein Jud' und ein Wolf gehen nie müßig herum. - -Einen getauften Juden, einen geadelten Bauern und einen gezähmten Wolf -mag der Teufel holen. - - Koch einen Bauern süß oder sauer, - er bleibt doch alleweil ein Bauer. - -Jüdischer Reichtum ist wie Märzschnee. - -Bind' mir Hände und Füße, aber wirf mich unter die Meinen. - -Gott soll dich vor christlichen Händen und vor jüdischen Köpfen -schützen. - -Wenn man einen Juden betrügen will, muß man früh aufstehen. - -Mit einem Juden ist nur gut ins Bethaus zu gehen. - - Ist der Jude hungrig, dann singt er. - Ist der Bauer hungrig, dann schlägt er sein Weib. - -Ein gelehrter Jude kann sich immer Rat schaffen. - - Einem Juden soll man nie soviel geben, wie er verlangt. - Er würde sich ärgern, daß er nicht mehr verlangt hat. - -Brich auf eine Semmel und ein Jude springt heraus. (Juden gibt es -überall in der Welt.) - -Der Jude hat von allem zu wenig, nur Verstand hat er genug. - -Ein Jude versteht sich auf jedes Handwerk. Ostern bäckt er Mazeß -(Osterbrot). Zu Pfingsten ist er ein Gärtner (er schmückt das Bethaus -und sein Heim mit grünem Laub). Tischubow ist er ein Soldat (die Kinder -fertigen sich aus Dachschindeln Gewehre und Säbel an, um gegen die -Feinde Israels Krieg zu führen), und Rosz-hazkunu bläst er Schofar. - - - - -Von Gott, Tod und Leben - - -Gott lebt und wir martern uns. - -Wem Gott Brot gibt, dem geben die Menschen die Butter dazu. - -Bei Gott ist keiner ein Ben Juchid (einziger Sohn); (Gott bevorzugt -keinen.) - -Wenn nur Gott so lang' helfen möcht', bis Gott helfen wird. - -Wem Gott den Reichtum nimmt, dem nimmt er auch den Verstand. - -Wenn Gott will, schießt ein Besen. - -Wie man sich's vornimmt, so hilft Gott. - -Der Mensch fährt, und Gott hält die Zügel. - - Die Welt ist mein, sagt der Mensch bei der Geburt - und hält die Fäuste geballt. - Ich nehme nichts ins Grab mit, sagt der Sterbende -- - und zeigt die geöffneten Hände. - -Des Einen Tod ist des Andern Brot. - -Lange Krankheit -- sicherer Tod. - -Einer will leben und kann nicht; ein andrer kann leben und will nicht. - -Besser zehnmal krank sein, als einmal sterben. - - So lange man lebt, darf man nicht reden, - ist man gestorben, kann man nicht reden. - -Wenn man sagt: Gestorben. Glaub's! - -Der Todesengel kümmert sich nicht darum, ob der Sterbende schon -Totenkleider hat. - -Viererlei Menschen gleichen Gestorbenen: Ein Aussätziger, ein Armer, -ein Blinder und ein Kinderloser. - - Seitdem der Tod aufgekommen ist, - ist man seines Lebens nicht sicher. - -Wer sich mit den heiligen Büchern beschäftigt, aber ohne Barmherzigkeit -ist, der ist gleich als wenn er keinen Gott hätte. - -Gott schlägt mit der einen Hand und heilt mit der andern. - -O Gott gib mir Brot, solange ich noch Zähne habe! - -Nach dem Tod hilft keine Buße. - -Vor dem Tod und vor dem Dalles kann man sich nicht schützen. - -Zum Sterben hat man noch immer Zeit. - -Gott sitzt oben und paart unten. - - - - -Von Tugend und Lastern - - - Ein guter Mensch wird in der Schenke nicht verdorben; - ein schlechter wird in der Synagoge nicht gebessert. - -Zieh keinen Nutzen aus den schlechten Taten anderer. - -Das Laster kommt als Fremder ins Haus. Weist du ihm nicht die Tür, so -macht es sich bei dir behaglich; und schließlich bist du sein Sklave. - - Wer ehrenhaft bleiben will, - dem soll eine Mahlzeit für zweimal genügen. - -Einbildung ist schlimmer als Krankheit. - - Wenn man einen Dieb braucht, - dann schneidet man ihn sogar vom Galgen ab. - -Das Ende des Diebes ist der Galgen. - -Ein Auge hat mehr Glauben als ein Ohr. - -Ein Sklave seiner Leidenschaften ist der allerniedrigste Sklave. - - Gute Menschen versprechen wenig und tun viel; - böse versprechen viel und tun gar nichts. - -Es ist besser, der Mensch werfe sich selbst in den Feuerofen, als daß -er seinen Nächsten öffentlich beschäme. - - Läufst du der Ehre nach, so läuft die Ehre davon; - Gehst du der Ehre aus dem Wege, so sucht sie dich zu erreichen. - -Wer sich um äußeres Wissen müht und keine Herzensbildung hat, der -gleicht dem Narren, der sich ein Tor baut, ohne ein Haus zu haben. - -Wer den Armen helfen will, suche die Armut selbst auf; (statt auf -Wohltätigkeitsfesten zu tanzen). - -Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge. - - Wer sich vor den Leuten nicht schämt, - hat auch keine Furcht vor Gott. - -Wer keine Finger hat, kann keine Faust ballen. - -Ein fauler Bote ist ein halber Prophet; (denn er findet immer Ausreden -um den Weg zu ersparen). - -Für die Wahrheit bekommt man Hiebe. - -Wer schläft, sündigt nicht. - - Wer gegen alle gleich gut ist, - ist meist auch gegen alle gleich schlecht. - -Frechheit gilt mehr als baar Geld. - -Gute Mahner sind schlechte Zahler. - -Die Wahrheit darf man sogar dem eignen Vater sagen. - -Er tut, als wenn er nicht zehn zählen könnte. - -Sie klagt und ißt Kräpfchen, (sagt man von einer Frau, die stets über -schlechte Zeiten klagt und sich's doch gut gehen läßt). - -Besser Unrecht ertragen als Unrecht tun. - -Einen faulen Boten soll man nur um den Todesengel schicken. - -Er hat Flöhe in der Nase, (sagt man von hochmütigen Leuten). - -Bis er zurückkommt kann die Messias da sein, (sagt man von einem faulen -Boten). - -Der Mensch ist stärker als Eisen, (denn er besitzt die Kraft, alles zu -ertragen). - -Reinwaschen kann man nur den Körper, aber nicht die Seele. - - Einen Lügner kann man mit einem Stummen vergleichen -- - beide sagen nicht die Wahrheit. - -In der Jugend ein Lügner, im Alter ein Dieb. - -Er lügt nur zweimal im Jahr: im Winter und im Sommer. - -Eine gute Lüge ist zuweilen auch Geld wert. - -Ein Lügner redet sich seine Lüge so lange ein, bis er selbst dran -glaubt. - -Wer seinen Nächsten haßt, vergießt Menschenblut. - - Gott erzürnen wir durch unsre Sünden, - die Menschen durch unsre Tugenden. - -Sei auch Kindern gegenüber wahrhaftig und halte, was du ihnen -versprichst, sonst gewöhnst du sie zur Lüge. - - - - -Weise Sprüche und Lebensregeln - - - Stark ist, wer sich selbst beherrscht, - Reich, wer mit wenigem zufrieden ist. - - Wenn du dich vermählst, steig' eine Stufe +hinab+! - Bei der Wahl deiner Freunde: steig' eine Stufe +hinauf+! - - Besser die Gurke, die man hat, - als die Aussicht auf einen Kürbis. - - Wer in ein brüchiges Haus zieht, - bereitet sich selbst sein Grab. - - Ein Geheimnis ist +dein+ Gefangener, solange du es bewahrst; - du wirst aber +sein+ Gefangener, sobald du es dem Nächsten erzählst. - - Viele klagen über ein schlechtes Gedächtnis; - aber keiner klagt über wenig Verstand. - - Kann man nicht drüber weg, - so muß man drunter durch. - -Die Wahrheit erscheint wie Öl auf dem Wasser. - - Kämpfst du gegen das Schicksal an, - so unterliegst du ihm. - Fügst du dich aber, - so bleibst du deines Schicksals Herr. - - Besser der Schmerz im Herzen - als die Schande im Gesicht. - -Geben +und+ bitten soll man nicht. - - Was du in der Jugend sündigst, - rächt sich im Alter. - - Wer nicht zu säen versteht, - kann auch nicht ernten. - - Wer am Sabbath nicht hungern will, - darf am Wochentag nicht müßig gehen. - - Wenn du den Pulverrauch nicht vertragen kannst, - so ziehe nicht in den Krieg. - - Wenn man keinen Knoblauch ißt, - stinkt man nicht. - - Wenn die Maus satt ist, - ist das Mehl bitter. - - Bestreiche den Bauer mit Honig -- - er stinkt doch nach der Gosse. - - Wenn man sieben Jahre ein Schwein ist, - wird man ein Ojscher (reicher Mann). - - Wer die Gefahr liebt, - der geht darin unter. - - Wer einen Stein in die Höhe wirft, - dem fällt er auf den Kopf. - - Mit dem Maße, mit dem man mißt, - wird man wiedergemessen. - - Das Niederreißen des Alters ist Aufbauen; - das Bauen der Jugend aber Niederreißen. - - Ein Arzt, der unentgeltlich heilt, - ist auch kein Geld wert. - -Mit dem Unkraut wird oft auch das Kraut ausgerissen. - -Fünf Personen bedürfen der Bewachung: der Kranke, Brautleute, die -Wöchnerin, der König und der Trauernde. - -Wenn man einem Bauer Ehre antut, schwellen ihm die Füße. - - Schert man die Schafe, - zittern die Lämmer. - - Wenn man mit Hunden schlafen geht, - steht man mit Flöhen auf. - -Leichter einen Sack Flöhe hüten als eine verliebte Maid. - -Vom Nichtnehmen ist noch kein Mensch reich geworden. - -Hunde, die bellen, bringt man mit einem guten Bissen zum Schweigen. - - Was du nicht willst, daß man dir tu, - das füg' auch keinem andern zu. - -Was nützt es, daß du dem Schweine ein Palmenblatt vors Maul hängst, es -wälzt auch das durch den Kot. - - Wenn man keine Beschäftigung hat, - beginnt man, sich mit Politik zu befassen. - -Aufrichtige Reue ist bessere Buße als hundert Rutenschläge. - - Setze dich nicht zu Tische, - solange dein Vieh hungert. - -Wer Reue zeigt, den soll man nicht an seine früheren Sünden erinnern. - - Willst du dich überzeugen, ob ich dein Freund bin, - dann hör' nicht auf meinen Rat. - - Man erkennt einen Freund erst, - wenn man geschäftlich mit ihm zu tun hat. - - So lange es dir gut geht, hast du Freunde in Menge; - gerätst du ins Unglück, stehst du allein. - - Der Wald liefert selbst den Stiel zu der Axt, - mit der er umgehauen wird. - - Eher mache deinen Sabbath zu einem Werktage, - als daß du von den Menschen etwas verlangst. - -Die besten Speisen werden einem zuwider. - -Satt kann man nur an seinem eignen Tische werden. - -Drei schreien umsonst, denn sie finden kein Gehör: - - 1. Wer Geld ohne Zeugen verleiht. - - 2. Wer seine Güter den Kindern schon bei Lebzeiten übergeben hat. - - 3. Wer sich von seiner Frau beherrschen läßt. - -Hinter einem schweren Wagen ist es leicht zu Fuß zu gehn. - - Wenn zweie sagen, du bist betrunken, - dann leg dich schlafen. - -Zur Suppe braucht man keine Zähne. - - Wer sich hungrig schlafen legt, - wird schläfrig aufstehen. - - Ein guter Ruf geht weit; - ein schlechter noch weiter. - -Die Geschichte hat schon einen Bart. - -Wer Fehler schreibt, kann auch Fehler lesen. - - Was nutzt, daß der Bursch Sporen anhat, - wenn er nicht reiten kann. - -Wenn eine Dummheit +gelingt+, bleibt es doch eine Dummheit. - -Alle Stummen wollen viel reden. - -Auf eine madige Geiß setzen sich alle Fliegen. - -Aus einer fremden Haut ist gut Riemen schneiden. - -Jede Trompete trägt eine andre Quaste. - - Wenn man dem Dieb die Schlüssel übergibt, - ist man vor Diebstahl sicher. - -Auch ein Engel kann zur gleichen Zeit keine zwei Arbeiten tun. - -Ein Adler fängt keine Fliegen. - -Ein kleines Städtchen ist wie eine Glaslaterne. - -Jeder Topf findet seinen Deckel. - -Wenn der Esel Hörner hätte und wenn der Ochs sich seiner Stärke bewußt -wäre, dann würde die Welt nicht lange bestehen. - - Wer ein frommes Werk vollbringen geht, - kann unbesorgt seines Weges gehn. - -Wenn eine Ohrfeige nicht hilft, muß man zur Peitsche greifen. - -Wenn man Feuer braucht, sucht man es in der Asche. - -Wie du einen +an+siehst, so sieht er aus. - -Überall ist's gut, aber zu Hause am besten. - -Frag nicht den Arzt -- frag lieber den Kranken. - -Wo viele gehen, wird kein Gras wachsen. - -Gold glänzt auch im Straßenkot. - -Man soll in einen Brunnen, aus dem man Wasser getrunken hat, keine -Steine werfen. - -Es ist leichter Geld zu +verdienen+, als es zu +behalten+. - -Ein fremder Bissen schmeckt gut. - -Auch im Paradies ist es nicht gut allein zu sein. - -Hast du etwas -- behalt's; weißt du etwas -- schweig; kannst du etwas --- tu's! - - Wenn man nicht beißen kann, - soll man nicht die Zähne zeigen. - -Besser zehnmal fragen, als einmal irren. - - Wer Geld für die Fische gab, - wird auch den Pfeffer bezahlen. - -Kraft holt man sich nur aus der vollen Schüssel. - -Früh aufstehen und früh heiraten schadet nichts. - -Gieß Öl nach, so lange die Lampe brennt. - -Die Liebe ist süß -- schmeckt aber nur gut mit Brot. - -Was nützt es, wenn die Kuh viel Milch gibt, wenn sie nachher den -Milchkrug umwirft. - -Wenn der Wurm im Krenn (Meerrettich) sitzt, glaubt er, es gäbe nichts -süßeres auf Erden. - -Besser eine Uhr die steht, als eine Uhr die schlecht geht. - -Stille Wasser unterwühlen das Ufer. - -Die ersten Pflaumen sind wurmstichig. - -Beim Holzhacken fliegen Späne. - - Wann freut sich der Bucklige? - Wenn er einen andern Buckligen sieht. - -Wenn du einem Hunde Gutes tust, bellt er dich an. - -Läßt du einen Hund auf die Bank, dann springt er auf den Tisch. - -Es gibt selten ein Amt, an dem nicht etwas kleben bleibt. - -Jede Stadt hat ihren Verrückten. - -Wenn man kein Fleisch hat, nagt man die Knochen. - -Müßige Hände verderben die Wände. - - Kommt man nur über den Planken, - bekommt man andre Gedanken. - -Wenn man nicht Jakob gibt, wird man Esau geben (der Unwürdige wird es -bekommen). - -Gesegnet sind die Hände, die alles allein tun. - -Lieber »ich hab'« als »ich hätt'«. - -Einmal ist keinmal. - -Wie man sich bettet, so schläft man. - -Schrei nicht eher »hopp« als bis du über den Graben bist. - -Vor einem Diebe, der ins Haus gehört, kann man sich nicht hüten. - - Wenn einer einen Gehängten in der Familie hat, - soll man ihm nicht sagen: »Häng mir den Rock auf --«. - -Wer in der Trunkenheit sündigt, muß nüchtern dafür büßen. - -Ein goldener Schlüssel öffnet alle Türen. - -Ich verzichte auf deinen Honig, und will nicht deinen Biß. - - Wenn man eine Erbschaft einkassieren kommt, - muß man oft die Begräbniskosten bezahlen. - -Jeder hat sein Häufchen Mist vor der Tür. - - Ein Mensch kann mehr ertragen, - als zehn Ochsen schleppen können. - -Auch einen Brunnen kann man ausschöpfen. - -Dieselbe Sonne +bleicht+ die Leinewand, und +bräunt+ das Gesicht. - -In einem großen Teich schwimmen große Fische. - -Der Ertrinkende greift sogar nach einem Schwert, um sich festzuhalten. - -Es wird nicht eher hell, bis es nicht ganz dunkel geworden ist. - - Aus einem Leintuch kann man eine Haube machen, - aber aus einer Haube kann man kein Leintuch machen. - -Mit fremden Händen ist's gut glühende Kohlen zu schüren. - -Besser ein Wort zur Zeit, als zwei zur Unzeit. - -Ein gutes Wort kostet nichts und bringt immer etwas ein. - -Schütt nicht das unreine Wasser aus, ehe du nicht reines hast. - -Guter Rat: hören, sehen und schweigen. - - Sei nicht zu süß, weil sie dich sonst essen; - sei nicht zu bitter, weil sie dich sonst ausspucken. - -Geh neben ein golden Wägele, so findest du ein goldenes Nägele. - -Berge kommen nicht zusammen; aber Menschen. - -Den schlechten Ruf, den einer einmal hat, den behält er bis ans Ende. - -Wenn der Ochs tot ist, schärft jeder das Messer. - - - - -Scherzhafte Redensarten - - - Ein Ochs hat eine lange Zunge - und kann doch nicht Schofar blasen. - -Vom Hersagen der Psalmen tut der Bauch nicht weh, aber satt wird man -auch nicht davon. - - Wenn man sich schämt, - bekommt man keine Kinder. - - Wenn ein Geizhals leichtsinnig wird, - spielt der fremde Gulden bei ihm keine Rolle. - - Wer die Tochter haben will, - muß mit der Mutter beginnen. - - Ein Blinder sieht bei dir mit einem Auge mehr - als du bei ihm mit zwei Augen siehst. - - Wer selbst sein Lob singt, - muß schlechte Nachbarn haben. - -Wenn man einem Zigeuner ins Gesicht spuckt, sagt er, daß es regnet. - -Einen Dank kann man nicht in den Beutel tun. - -Schlepp mich, ich geh gern. - -Ein Kantor und ein Pferd taugen nur bis zum vierzigsten Lebensjahr. - -Jeder Mann glaubt, es gebe nur eine böse Frau auf der Welt, und das sei -seine. - -Ein Tauber hat gehört, wie ein Stummer erzählte, daß ein Blinder -gesehen hat, wie ein Krummer gelaufen ist. (Diese Redewendung gebraucht -man, wenn jemand eine ganz unglaubliche Geschichte erzählt.) - -Vorn getrommelt und hinten keine Soldaten. - -Kleine Töpfe laufen bald über. - -Das hat schon Adam seinem Weib erzählt und sie hat darauf erwidert -»Eine alte Geschichte!« -- - - Vom Nehmen wird man nicht arm, - vom Wünschen wird man nicht reich. - -Das ist nicht auf seinem Mist gewachsen. - -Kratzen und Borgen tut nur auf eine Weile gut. - -Dalles und Stolz gehören nicht zusammen. - -Das letzte Hemd soll man versetzen und ein Ojscher (reicher Mann) soll -man sein. - -Das ganze Jahr schicker (betrunken) und Purim nüchtern. (Es gibt Käuze, -die immer ausgelassen sind, aber bei irgendeiner lustigen Gelegenheit -den Kopf hängen lassen.) - - Wie kommt die Katz übers Wasser? - »Mit nasse Füß.« - -Von großer Eile kommt nichts Gutes! - - (Zu diesem Ausspruch wird das folgende Geschichtchen erzählt: - In einem jüdischen Hause wurde ein Bedienter während des Essens - um einen Teller geschickt und blieb hundert Jahre aus. Als er - endlich nach einem Jahrhundert mit dem Teller herbeigeeilt - kam, fiel er hin und zerbrach den Teller. Da tat er den obigen - Ausspruch.) - -Überall ist Hilfe gut, nur nicht bei der Schüssel. - - Der Jude ist viel besser daran als der Meschumid (Getaufte). - Der Jude kann sich taufen lassen und der Meschumid nicht. - -Manchmal treffen die Wetterpropheten auch das Richtige. - -Verkehrt gefahren ist auch gefahren. - -Nach einer Feuersbrunst wird man reich. - -Einen Antrag darf man auch der Rabbinerfrau stellen. - -Ein Ochs geht nach Olmütz auf den Markt und kommt als Ochs wieder. - -Was kann man von einem Ochsen mehr verlangen als Ochsenfleisch? - -Wasch mir den Pelz und mach ihn nicht naß. - -Mit Ejzeß (Ratschlägen) bin ich versorgt. - -Wenn ein Kantor alt wird, bellt er wie ein Hund und frißt wie ein -Schwein. - -Den Dalles und das Stroh in zerrissenen Stiefeln kann man nicht -verbergen. - -Bei einem Dieb ist es schwer zu stehlen. - - Wenn man dir gibt: Nimm! - Wenn man bei dir nimmt: Schrei! - -Es kleidet ihn wie ein Chasir (ein Schwein) ein Setramel (eine -Sabbathmütze). - -Sag der Katze, daß die Torte einen Gulden kostet, sie nascht doch. - - Wer dem Hutmacher Geld schuldig ist, - hat Schulden über den Kopf. - - Wenn die Babe (Großmutter) einen Bart hätte, - dann wäre sie ein Seide (Großvater). - -Gäste und Fische stinken am dritten Tag. - -»Eintunken kostet Geld.« - - Zu diesem Ausspruch wird das folgende Geschichtchen erzählt: - Zwei Juden, A. und B., gingen ins Caféhaus. A. bestellte sich - einen Café, während B. nur eine Semmel nahm. Als der Kellner - den Café brachte, sagte B., laß mich meine Semmel in deinen - Café eintunken. A. erlaubte es ihm und nun tat B. seine Semmel - in die Caféschale, tunkte und tunkte. Die Semmel saugte den - ganzen Café ein, so daß die Schale leer blieb. Nun wollte - A. den Café nicht bezahlen, B. aber sagte: Ich hab ja nur - eingetunkt. Da rief A. laut, daß man es im ganzen Caféhaus - hörte: »Eintunken kostet Geld.« - - Wenn der Gast hustet, - dann fehlt ihm der Löffel. - -Wenn die Psalmen gesund machen könnten, dann würde man sie in der -Apotheke kaufen. (Es ist ein Volksglaube, daß das Hersagen der Psalmen -Kranken Genesung bringt.) - -Alle Schuster gehen barfuß. - - Wenn es einem zu gut geht, - dann geht man aufs Eis tanzen. - -Nach einem Feste bleiben Schulden und schmutzige Wäsche zurück. - -Einen Kranken fragt man, einem Gesunden gibt man. (So spricht der -intime Gast, wenn ihn die Wirtin fragt, ob er etwas genießen will.) - -Zinsen wachsen ohne Regen. - -Man kann zwischen zwei Broten Hungers sterben (wenn das alte Brot -ausgegangen ist und das neue noch nicht da ist). - - Man kann einen Brief lesen, - und man kann einen Brief singen. - -Fürs Amen sagen verdient man noch keine Schläge. - - - - -ERNST ROWOHLT, VERLAG, LEIPZIG - - -In französischen Ausgaben liegen vor: - - -PAUL VERLAINE: VERS - -Herausgegeben von Professor GEORGES A. TOURNOUX - -Pappband M 12.--, Halblederband M 16.--, Ganzlederband M 25.--. - -Vorzugsausgabe auf Strathmore in 100 Expl., Handband von Carl Sonntag -jr. M 50.--. - - -CHARLES BAUDELAIRE: LES FLEURS DU MAL - -Herausgegeben von Professor GEORGES A. TOURNOUX - -Pappband M 8.--, Halblederband M 12.--, Ganzlederband M 18.--. - -Vorzugsausgabe auf Strathmore in 100 Expl., Handband von Carl Sonntag -jr. M 50.--. - - -URTEILE DER PRESSE - -über die Verlaineausgabe; in gleicher Ausstattung erschien soeben -Baudelaire. - -+Max Mell in den Grenzboten+: Es ist klar, daß alle möglichen anderen -Gedichte eher übersetzt werden können als die Verlaines. Denn sie in -die deutsche Sprache bringen, heißt einen Eingriff in die künstlerische -Existenz eines solchen Gedichtwesens machen. Die Verlaineschen Gedichte -müssen ins Französische verzaubert bleiben. Da ist es in tieferem -Sinne kein Zufall, sondern Gerechtigkeit, wenn in Deutschland eine -schöne französische Ausgabe von Verlaines Gedichten die häßlichen -französischen Editionen zu verdrängen sucht. Mit besonderer Freude -schlagen wir diesen schlichtprächtigen, anständigen Band auf, in seiner -trefflichen Auswahl erneuern wir alten vertrauten Umgang. - -+Süddeutsche Monatshefte+: Der schönste französische Gedichtband, den -wir kennen, eine erst nach langen Verhandlungen dem französischen -Verleger abgerungene Ausgabe, aus allen Bänden Verlaines ausgewählt. -Eine Satzanordnung von erlesener Vornehmheit. - - -W. FRED: IMPRESSIONEN - -Aus dem Tagebuch eines Wanderjournalisten - -Geheftet M 3.50, gebunden M 5.-- - -+Inhalt+: Vorwort des Journalisten. Aus dem Leben einer großen -Tageszeitung. Die Bombe. Palais de glace. Die Ohrfeige. Buster Brown. -Der »Herr«. Der kleine Kohn. Das Blumenmedium. Operation. Der Herr -von Wien. Wiener Wahltag. Das andere Berlin. Am Start der Flieger. -Berliner Wahltag. Cosas de Espana. Stierkampf. Spanische Städte. In -der Alhambra. Ein spanischer Sonntag. Spanisches Theater. Florentiner -Brief. Winterliche Autoreise durch deutsche Städte. In einer kleinen -Stadt. Feiertag im Walde. Die letzten Stationen. Die toten Schiffe. - -+Hugo von Hofmannsthal über W. Fred+: Eine beträchtliche Bildung, und -die nicht nach der Studierlampe riecht; einen geübten und soliden Blick -für die Weltverhältnisse; einen wahren Weltsinn, weder engherzig noch -gesinnungslos; diese drei stellt er in den Dienst der rechten Sache, -wenn er für seine Mission ansieht, den Anschluß des Alltäglichen, -empirisch Gegebenen an das Bleibende, Geistige, Wesentliche zu -vermitteln. -- Er schreibt aus dem Heute heraus und für das Heute: da -muß er es verstehen, sich Rechenschaft zu geben, was dann tausendfältig -dem Heutigen zugrunde liegt, und diese geistige Arbeit geht wiederum -ins Uferlose. - - -FELIX POPPENBERG - -TASCHENBUCH FÜR DIE DAMEN - -In Pappband mit Hülse M 3.80, in Seide gebunden M 6.-- - -+Aus dem Inhalt+: - -Verwandlungen des Fächers / Das Damenzimmer / Frauenschmuck und -Frauenbilder / Ein Modentee im Palais de danse / Casanova / Lehrjahre -einer Kaiserin, Ninon de l'Enclos / Aus der Empireschatulle. - -Wir bringen mit diesem besonders sorgfältig ausgestatteten Buch, das -den Anfang zu einer Wiederbelebung der alten schönen Almanache aus -neuem modernen Geiste machen will, ein Werk von größter Absatzfähigkeit -auf den Markt. Felix Poppenbergs essayistische Kunst zeigt sich in -den galanten und preziösen Themen dieses Damen-Almanaches von der -glänzendsten Seite. Die eigenartige Ausstattung lehnt sich in ihrer -Zierlichkeit an die Taschenbücher des 18. Jahrhunderts an. Die Porträte -Casanovas, der Ninon de l'Enclos und Katharina II. in vorzüglichen -Nachbildungen nach Stichen der Zeit schmücken den Band. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - Korrekturen: - - S. 33: Schlemiehl → Schlehmil - Der {Schlemihl} fällt auf den Rücken - - - - - -End of Project Gutenberg's Jüdische Sprichwörter, by Artur Landsberger - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JÜDISCHE SPRICHWÖRTER *** - -***** This file should be named 54248-0.txt or 54248-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/4/2/4/54248/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Jüdische Sprichwörter - -Author: Artur Landsberger - -Editor: Artur Landsberger - -Release Date: February 27, 2017 [EBook #54248] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JÜDISCHE SPRICHWÖRTER *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive) - - - - - - -</pre> - - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Hinweise zur Transkription</p> - -<p>Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich -<a href="#tnextra">am Ende des Buches</a>.</p></div> - -<hr class="chap" /> -<div class="figright"> -<img src="images/logo.png" alt="Signet" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h1> -JÜDISCHE<br /> -SPRICHWÖRTER</h1> -<p class="center"> -HERAUSGEGEBEN<br /> -VON</p> -<p class="h2"> -DR. ARTUR LANDSBERGER</p> -<p class="center p2"> -<span class="smaller">1912</span><br /> -ERNST ROWOHLT VERLAG/LEIPZIG</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="center">Spamersche Buchdruckerei in Leipzig</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">Meinem Vater</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_7">[7]</a></span></p> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Inhalt">Inhalt</h2> -</div> - -<table summary="Inhalt"> -<tr> -<td></td><td class="tdr">Seite</td> -</tr> -<tr> -<td>Vorwort</td> - <td class="tdr"><a href="#Vorwort">9</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Von Familie und Haus</td> - <td class="tdr"><a href="#Von_Familie_und_Haus">13</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Von Glück und Unglück.</td> - <td class="tdr"><a href="#Von_Glueck_und_Unglueck">23</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Von Weisen, Narren und Schlehmilen</td> - <td class="tdr"><a href="#Von_Weisen_Narren_und_Schlehmilen">31</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Von Juden und Andersgläubigen</td> - <td class="tdr"><a href="#Von_Juden_und_Andersglaeubigen">41</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Von Gott, Tod und Leben</td> - <td class="tdr"><a href="#Von_Gott_Tod_und_Leben">47</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Von Tugend und Lastern</td> - <td class="tdr"><a href="#Von_Tugend_und_Lastern">53</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Weise Sprüche und Lebensregeln</td> - <td class="tdr"><a href="#Weise_Sprueche_und_Lebensregeln">61</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Scherzhafte Redensarten</td> - <td class="tdr"><a href="#Scherzhafte_Redensarten">79</a></td> -</tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_8">[8]</a></span></p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_9">[9]</a></span></p> - -<h2 id="Vorwort">Vorwort</h2> -</div> - -<p class="ind">In der Erkenntnis, daß die Anschauungen und die Denkweise, -die Sitten und Gebräuche, kurz der ganze Charakter eines Volkes -nirgends bündiger, deutlicher und nüancierter zum Ausdruck -kommen als in seinen Sprichwörtern, haben als erste die Parömiographen -derartige Sammlungen veranstaltet, von denen und aus -der Zeit des zweiten Jahrhunderts nach Christi Geburt 3, nämlich -die des Diogenianos, des Zenobius, und Plutarch (Sprichwörter -der Alexandriner) erhalten sind.</p> - -<p class="ind">Heute besitzt jede zivilisierte Nation ihre Sammlung. Wir -Deutschen haben uns nicht damit begnügt, unsre eignen Sprichwörter -zu sammeln, die in Dutzenden von Editionen vorliegen; wir haben -vielmehr lateinische und griechische, französische, englische, italienische, -spanische, persische, chinesische, japanische Sprüche ins -Deutsche übertragen – nur die jüdischen hat man trotz der starken -Einwirkung jüdischer Eigenart auf deutsches Wesen bis heute -nicht aus ihrer Ghetto-Einsamkeit ans Licht des Tages gefördert.</p> - -<p class="ind">Das geschieht hier – wenigstens in deutscher Sprache – zum -ersten Male; indessen darf der Herausgeber wohl behaupten, daß -auch in keiner anderen Sprache bisher eine derartige Sammlung -vorliegt – außer im Jüdischen.</p> - -<p class="ind">Das Jüdische, ein mit Slavischem und Hebräischem durchsetztes -Mittelhochdeutsch wird noch heut von mehr als sechs Millionen<span class="pagenum"><a id="Seite_10">[10]</a></span> -Menschen gesprochen. Tagesblätter in dieser Sprache, deren Auflagen -zum Teil nach Hunderttausenden zählen, erscheinen zu -Dutzenden, und in den letzten 15 Jahren hat sich eine moderne -jüdische Literatur entwickelt, für deren hohes Niveau die Leistungen -von J. L. Perez und Mendaly Mocher Sforem beredtes -Zeugnis ablegen. Ihre ins Deutsche übertragenen und hier und da -veröffentlichten Erzählungen aus dem Leben des jüdischen Volkes -können neben dem Besten, was deutsche Erzähler gaben, leben. -Die jüdischen Volkslieder, die an Natürlichkeit und Innigkeit, wie -an Unmittelbarkeit des Empfindens ihresgleichen suchen, denke -ich demnächst herauszugeben.</p> - -<p class="ind">Nun noch ein paar Worte zu der vorliegenden Sammlung:</p> - -<p class="ind">Vor ein paar Jahren brachte mir der durch seine Romane bekannt -gewordene galizische Schriftsteller Hermann Blumenthal zur Veröffentlichung -in einer Zeitschrift eine Reihe von jüdischen Sprichwörtern, -die er in Wien und Galizien gesammelt hatte. Ich bat -ihn, seine Sammlung fortzuführen, und vor allem zu erforschen, -ob eine große Reihe bei uns seit Menschengedenken gebräuchlicher -Sprichwörter, die auch im Ghetto gebraucht werden, von dort zu -uns gekommen sind, oder ob die Juden vor drei Jahrhunderten -diese Sprüche bei uns gehört, übernommen und dann mit oft kaum -merklichen Veränderungen ihren Gewohnheiten angepaßt haben. -Diese Feststellungen sind nicht überall gelungen.</p> - -<p class="ind">Dafür gelang es andererseits, den Nachweis zu erbringen, daß -eine ganze Reihe von Sprüchen, die wir als typisch deutsch empfinden, -aus dem Talmud und Midrasch stammen. Reiche Ausbeute<span class="pagenum"><a id="Seite_11">[11]</a></span> -war für meine Arbeit die Handschrift des Moritz Blaß aus -dem Jahre 1850, die sich in ihrem wohl einzigen Exemplar in der -Lesehalle der Berliner kgl. Bibliothek befindet, so wie eine Auslese, -die ein Liebhaber der jüdischen Heraldik namens Bernstein in -Rußland und Polen gesammelt und im Hausfreund vom Jahre 1889 -veröffentlicht hat. Bernsteins Sammlung ist wohl die reichhaltigste. -Auch der sehr empfehlenswerten Tendlauschen Sammlung -(bei Kaufmann Frankfurt), der weitaus besten, die mir vorlag, -habe ich einige wenige Sprüche entnommen. 150 Sprüche etwa -sind aus dem Talmud und Midrasch. Tolstoi hat während seiner -Krankheit im Jahre 1908 »Gedanken weiser Männer«<a id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> gesammelt. -Lao-Tse, Confucius, Buddha, Christus, sein Liebling Ruskin, Pascal, -Voltaire, Vauvernagues, Rot, Kant, Luther, Jean Paul, Gontscharow, -Dostojewski sind vertreten; aber auch eine große Zahl von Talmudsprüchen -befindet sich darunter, von denen ich etwa ein halbes -Dutzend in diese Sammlung aufgenommen habe.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Deutsch von Adolf Hess bei Albert Langen, München.</p></div> -</div> - -<p class="ind">Natürlich hätte ich allein aus dem Talmud und Midrasch -Bände mit weisen Sprüchen füllen können. Ich habe das nur soweit -getan, als hier enthaltene Weisheiten ins jüdische Volk drangen -und von ihm, meist ohne daß das Volk die Herkunft kannte, zu -gebräuchlichen Redensarten wurden. Übrigens existieren derartige -Sammlungen meist recht minderwertiger Art; ein großherzoglich -hessischer Provinzialrabbiner leistet sich in der Verballhornisierung -talmudischer Weisheit, die er »zur Erbauung der jüdischen Jugend« -in Knittelverse zwängt, gradezu Erstaunliches. Seine Leistung aber<span class="pagenum"><a id="Seite_12">[12]</a></span> -stellt noch in den Schatten der Berliner Max Weinberg, der seiner -»Spruchpoesie des Talmud« betitelten Sammlung in anerkennenswerter -Selbstkritik Goethes Wort vorausstellt: »Original, fahr hin -in deiner Pracht!« Und in der Tat verspürt man in beiden Sammlungen -nicht den leisesten Hauch talmudischen Geistes. Gegen -solche Schändungen heiligen Besitztums sollten alle Glaubensgenossen -Protest erheben. Obgleich es auch mir nicht immer gelang, -für jedes spezifisch jüdische Wort die Übersetzung zu finden, -die den Sinn des Wortes in seiner ganzen Eigenart wiedergab, so -glaube ich doch mit diesem Buche manch einem das Verständnis -für jüdisches Denken und Fühlen vermittelt zu haben.</p> - -<p class="ind">Ob es für das Studium eines Volkes zweckdienlicher ist, es -beim Beten, bei der Arbeit oder bei seinen Vergnügungen aufzusuchen, -kann nur von Fall zu Fall entschieden werden. Der Satz -aber: »an seinen Sprüchen wirst du es erkennen«, hat allgemeine -Gültigkeit.</p> - -<p class="ind">Schließlich sei hier noch dem Schriftsteller Hermann Blumenthal -gedankt, der mir mit Liebe und Umsicht beim Sammeln, Übersetzen, -und Zusammenstellen geholfen hat.</p> - -<p class="ind"><em class="gesperrt">Pfingsten 1912.</em></p> - -<p class="right"> -Dr. Artur Landsberger -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_13">[13]</a></span></p> - -<h2 id="Von_Familie_und_Haus">Von Familie und Haus</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_15">[15]</a></span></p> -</div> - -<p>Wenn die Mutter nach Zwiebeln riecht und der Vater -nach Knoblauch, kann die Tochter nicht nach Rosen duften.</p> - -<p> -Zur Chipe (Traualtar) läßt man sich führen;<br /> -zur Scheidung läuft man selbst. -</p> - -<p>Sagst du der Frau ein Geheimnis, so schneid ihr -die Zunge ab.</p> - -<p> -Besser ein häßliches Weib für sich<br /> -als ein schönes für Andre. -</p> - -<p> -Wenn eine Witwe auch ein goldenes Dach hat,<br /> -bleibt sie doch eine Witwe. -</p> - -<p>Ein Freund ist besser als zehn Verwandte.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_16">[16]</a></span></p> -<p>Der Besuch des Freundes gleicht dem Regen, um den man -bittet, wenn er ausbleibt, und den man hinwegwünscht, -wenn er zu lange anhält.</p> - -<p> -Wenn ein Mädchen einen alten Mann heiratet,<br /> -bleibt sie eine junge Witwe. -</p> - -<p>Der Mann baue sich ein Haus, pflanze einen -Weinberg und dann erst nehme er ein Weib.</p> - -<p>Es gibt keine häßliche Braut.</p> - -<p>Ein schönes Mädchen ist eine halbe Mitgift.</p> - -<p>Zwei Frauen bringen Streit ins Haus.</p> - -<p>Eine reiche Frau darf auch zweimal im Jahre Kinder haben.</p> - -<p>Die Tochter eines reichen Mannes ist immer schön.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_17">[17]</a></span></p> -<p> -Wenn du eine kleine Frau hast,<br /> -so neige dich zu ihr herab und flüstre ihr ins Ohr. -</p> - -<p>Armut im Hause ist ärger als 50 Plagen.</p> - -<p>Wenn man Gäste hat, genießt man selbst auch.</p> - -<p>Ein Weib und ein Pferd verleiht man nicht.</p> - -<p>Eine Mutter muß eine große Schürze haben, um die -Fehler ihrer Kinder verdecken zu können.</p> - -<p>Die Frauen haben langes Haar und kurzen Verstand.</p> - -<p>Wenn die Mutter eine Kuh ist, ist die Tochter ein Kalb.</p> - -<p>Wo die Hausfrau keine Wirtin ist, da ist es die Katze.</p> - -<p> -Wenn die Eltern der Tochter keinen Mann geben,<br /> -dann sucht sie ihn sich selbst. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_18">[18]</a></span></p> - -<p>Wenn ein Mädchen nicht tanzen kann, sagt sie, -daß die Musikanten nicht spielen können.</p> - -<p>Besser eine junge Witwe, als eine alte Jungfer.</p> - -<p>Ein häßliches Mädchen sollst du nicht küssen; -(denn sie wird's in der ganzen Stadt erzählen).</p> - -<p>Wenn keine (jüdischen) Mädchen da sind, -tanzt man mit Schikses (Bauerndirnen).</p> - -<p>Blick auf die Maid, und nicht aufs Kleid.</p> - -<p> -Wenn ein Mädchen häßlich ist,<br /> -schiebt sie auf den Spiegel die Schuld. -</p> - -<p> -Ein Weib, das grenzenlos gütig ist,<br /> -kann auch grenzenlos gehässig sein. -</p> - -<p>Wer seinen Sohn nichts lernen läßt, erzieht ihn zum Diebe.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_19">[19]</a></span></p> -<p>Ein Haus ohne Wirtin ist wie ein Wagen ohne Räder.</p> - -<p>Je weniger Gäste, desto fröhlicher ist es beim Festmahle.</p> - -<p>Eine schöne Frau ist das halbe Einkommen.</p> - -<p>Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen.</p> - -<p>Ungebetene Gäste setzt man hinter den Ofen.</p> - -<p> -Wer eine Frau nur des Geldes wegen nimmt,<br /> -bekommt ungeratene Kinder. -</p> - -<p>Eine Frau ist leicht zu überreden.</p> - -<p>Die Tochter straft man, und die Schwiegertochter meint man.</p> - -<p>Wenn eine Frau keine Kugel (Sabbathmehlspeise) machen kann, -verdient sie die Scheidung.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_20">[20]</a></span></p> -<p> -Der Verstand der Frau ist der Schmuck –<br /> -der Schmuck des Mannes ist der Verstand. -</p> - -<p>Ein Weib ist gut für den Leib, aber nicht für die Seele.</p> - -<p> -Wenn das Weib die Hosen an hat,<br /> -dann muß der Mann das Kind wiegen. -</p> - -<p> -Ein junges Weib ist wie ein schönes Vögelchen;<br /> -man muß es im Käfig halten. -</p> - -<p>Ein schlechtes Weib ist ärger als der Tod.</p> - -<p> -Ein Vater kann viele Kinder ernähren,<br /> -aber viele Kinder können einen Vater nicht ernähren. -</p> - -<p>Das schönste Kind im Cheder (Schule) ist mein.</p> - -<p>Drei Tage ist man Gast, später fällt man zur Last.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_21">[21]</a></span></p> -<p>Wohl dem Manne, der ein schönes Weib gefunden hat, -seine Tage sind doppelt.</p> - -<p>Drei Dinge verschönen das Dasein des Menschen: -eine hübsche Wohnung, schöne Hausgeräte und ein -schönes Weib.</p> - -<p>Iß dich satt, bevor du Kinder kriegst.</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_23">[23]</a></span></p> - -<h2 id="Von_Glueck_und_Unglueck">Von Glück und Unglück</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_25">[25]</a></span></p> -</div> - -<p>Man hat immer noch Zeit das Unglück zu beklagen, -wenn es da ist.</p> - -<p> -Das, was der Mensch sich selbst tut,<br /> -würden ihm zehn Feinde nicht antun. -</p> - -<p> -Wenn die Armut zur Tür hereinkommt,<br /> -dann flieht die Freundschaft zum Fenster hinaus. -</p> - -<p>Drei Hoffnungen hat der Arme: entweder wird er so -reich sein wie sein Nachbar; oder sein Nachbar wird -so arm werden wie er; oder – sie werden beide Hungers sterben.</p> - -<p>Wahrhaft arm ist nur der, dem es an Verstand fehlt.</p> - -<p>Anmut geht über Schönheit.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_26">[26]</a></span></p> -<p>Ein Unglück kommt nie allein.</p> - -<p>Wer ertrinken soll, ertrinkt in einem Löffel Wasser.</p> - -<p> -Krank gewesen sein, ist schlimm;<br /> -aber reich gewesen sein, ist schlimmer. -</p> - -<p>Der Reiche weiß nicht, wie dem Armen zu Mute ist. -(oder: Bis so ein Fetter nur abnimmt, ist dem -Abgezehrten die Seele ausgegangen).</p> - -<p>Frag' einen Feind um Rat, und mach es umgekehrt.</p> - -<p> -Was man einzahlt, sieht niemand;<br /> -was man draufzahlt – jeder. -</p> - -<p>Der Reiche haßt Ehrenbezeugungen wie die Katze die Butter.</p> - -<p>Für drei ist das Leben ohne Sonne: -Für den Weichherzigen, den Zornigen und den Empfindsamen.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_27">[27]</a></span></p> -<p>Der Arme und der Bucklige tragen das mit sich herum, -was ihnen Gott gegeben hat.</p> - -<p>Ein Armer ist wie ein Sack voll Löcher.</p> - -<p> -Wenn der Arme ein Huhn ißt,<br /> -dann ist <em class="gesperrt">er</em> krank oder <em class="gesperrt">das Huhn</em>. -</p> - -<p>Lauf vor der Ehre davon, aber lauf der Ehre nicht nach.</p> - -<p>Er kneift sich die Wangen, damit sie rot erscheinen; -(sagt man von einem, der seine Armut verbergen will).</p> - -<p>Ein voller Sack steht aufrecht.</p> - -<p>Alles können die Eltern einem Kinde mitgeben, -nur nicht das Glück.</p> - -<p> -Wir wollten kein Manna essen,<br /> -darum müssen wir uns jetzt mit Zwiebeln begnügen. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_28">[28]</a></span></p> - -<p> -Vom Glück zum Unglück ist ein Schritt –<br /> -vom Unglück zum Glück eine ganze Strecke. -</p> - -<p>Geld ist rund.</p> - -<p>Er hat so viel Geld, wie ein frommer Jude Schweine.</p> - -<p> -»Unglück, wohin gehst Du?«<br /> -»Zum Armen!« -</p> - -<p>Was nützt die Ehre, wenn man nichts zu essen hat.</p> - -<p>Wenn man lacht, sehen alle; wenn man weint, sieht niemand.</p> - -<p>Ein Armer und ein Kranker müssen stets das letzte Wort haben.</p> - -<p> -Wenn man sich von dem Tod loskaufen könnte,<br /> -dann würde es den Armen gut gehen. -</p> - -<p>Man schmeichelt nicht dem Reichen, sondern seinem Gelde.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_29">[29]</a></span></p> -<p>Wer den Armen sein bisheriges Almosen entzieht, weil -er Geldverluste erlitten hat, löscht das Feuer mit Stroh -und den Durst mit Salzwasser.</p> - -<p>Nicht jeder, der am Ehrenplatze sitzt, ist ein vornehmer Herr.</p> - -<p>Es ist nicht so gut <em class="gesperrt">mit</em> Geld, wie es schlecht ist <em class="gesperrt">ohne</em> Geld.</p> - -<p>Ein Bettler kann nicht auf zwei Jahrmärkten sein.</p> - -<p>Ein schwerer Beutel schafft ein leichtes Gemüt.</p> - -<p>Besser ein reicher Mieter als ein armer Hauswirt.</p> - -<p>Alle armen Leute haben gute Herzen.</p> - -<p>Der Reiche schläft und die Zinsen wachsen.</p> - -<p>Ein Quäntchen Glück ist mehr wert als ein Zentner Verstand.</p> - -<p>Zwei Tote gehen tanzen; -(sagt man, wenn ein armer Mann ein armes Mädchen heiratet).</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_30">[30]</a></span></p> -<p>Wenn einem das Glück hold ist, kalbt auch der Ochse.</p> - -<p> -Wenn einer stirbt, weiß man erst,<br /> -was er zu Lebzeiten besessen hat. -</p> - -<p>Bei einem Armen soll man kein Geld leihen.</p> - -<p>Ein Armer schläft in der Finsternis.</p> - -<p>Ein Armer fürchtet keinen Dieb.</p> - -<p>In der Not zieht man die Sabbathkleider an den Wochentagen an.</p> - -<p>Wenn das Glück ankommt, soll man ihm einen Stuhl anbieten.</p> - -<p> -Fällt der Stein auf den Topf, wehe dem Topf;<br /> -fällt der Topf auf den Stein, wehe dem Topf;<br /> -auf alle Fälle: wehe dem Topf. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_31">[31]</a></span></p> - -<h2 id="Von_Weisen_Narren_und_Schlehmilen">Von Weisen, Narren und Schlehmilen</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_33">[33]</a></span></p> -</div> -<p>Solange es jemandem gut geht, gilt er für weise.</p> - -<p> -Der <span id="corr033">Schlemihl</span> fällt auf den Rücken<br /> -und schlägt sich ein Auge aus. -</p> - -<p> -Wen Gott zum Narren machen will,<br /> -dem nimmt er die Frau in jungen Jahren. -</p> - -<p>Was nützt mir meine Weisheit, wenn die Dummheit regiert.</p> - -<p> -Ein Narr spricht, was er weiß;<br /> -Ein Weiser weiß, was er spricht. -</p> - -<p>Ein Narr geht ins Bad und vergißt, sich das Gesicht zu waschen.</p> - -<p>Bist du meschugge, schlag den Kopf an die Wand, -aber laß andere in Ruhe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_34">[34]</a></span></p> - -<p>Wer fällt zur Last: Ein Narr den Klugen und ein -Kluger den Narren.</p> - -<p>Besser ein vielgewanderter Narr als ein zu Hause -hockender Weiser.</p> - -<p>Ein Esel schimpft den andern »Sackträger!«</p> - -<p>Narren haben zumeist schöne Frauen.</p> - -<p>Wenn der Messias kommen wird, werden alle Kranke geheilt -werden – nur der Narr nicht.</p> - -<p>Wer ist reich: der <em class="gesperrt">Genuß</em> von seinem Reichtum hat.</p> - -<p>Wer ist ein Ignorant? wer seine Kinder -nicht zum Lernen anhält.</p> - -<p> -Wenn ein Geizhals leichtsinnig wird,<br /> -ißt er zur Suppe Torte.<span class="pagenum"><a id="Seite_35">[35]</a></span> -</p> - -<p> -Wo ein Stein vom Himmel fällt,<br /> -fällt er auf mich. -</p> - -<p> -Wenn es draußen Dukaten regnet,<br /> -dann sitzt der Arme in der Stube. -</p> - -<p> -Wenn Kabzunim (arme Teufel) tanzen wollen,<br /> -reißen die Saiten. -</p> - -<p> -Wenn man dem Feuer enteilt,<br /> -gerät man ins Wasser. -</p> - -<p> -Wenn ich Kerzen zu verkaufen hätte,<br /> -würde die Sonne nicht untergehen. -</p> - -<p>Faule Fische und Schläg' dazu.</p> - -<p>Wenn ich mit Leinwand handelte, -würde niemand sterben.</p> - -<p>Er klaubt eine Feder auf und läßt das Federbett fallen.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_36">[36]</a></span></p> -<p>Ein Richter muß haben: König Salomos Weisheit, -Aristoteles' Verstand, Simsons Stärke, Methusalems Alter -und Hilels Geduld.</p> - -<p>Wenn der Weise irrt, irrt er gehörig.</p> - -<p> -Lieber von einem Klugen eine Ohrfeige,<br /> -als von einem Narren einen Kuß. -</p> - -<p>»Ein dummer Schankwirt«, denkt der Trunkenbold, -»Er hat Schnaps und verkauft ihn.«</p> - -<p>Wenn man nicht schreiben kann, sagt man, -daß die Feder schlecht ist.</p> - -<p>Er ist kein großer Gelehrter, aber auch kein kleiner Ignorant.</p> - -<p>Einen Ziegenbock fürchtet man von vorne, -ein Pferd von hinten und einen Narren von allen Seiten.</p> - -<p>Ein Meschuggener schlägt nur bei fremden Leuten die Fenster ein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_37">[37]</a></span></p> - -<p> -Wenn der Narr die Kuh bei den Hörnern hält,<br /> -kann sie der Kluge melken. -</p> - -<p>Wem Gott viel Leid bescheren will, dem gibt er viel Verstand.</p> - -<p> -Bei einem Pferde sieht man auf die Zähne,<br /> -bei einem Menschen auf den Verstand. -</p> - -<p>Was nützt der graue Kopf, wenn der Verstand grün ist.</p> - -<p>Wo ein Narr gesessen hat, soll man den Stuhl abwischen.</p> - -<p>Nennen Dich Deine Genossen einen Esel, so lege Dir einen Sattel auf.</p> - -<p>Ein Narr gibt, ein Kluger nimmt.</p> - -<p> -Je größer der Goj (gemeint ist hier die Unwissenheit),<br /> -desto größer das Masel (Glück). -</p> - -<p>Ein ganzer Narr ist ein halber Prophet.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_38">[38]</a></span></p> -<p>Wer alles verstehen will, wird nicht alt werden.</p> - -<p> -Wenn ein Narr einen Stein in einen Garten wirft,<br /> -können ihn zwanzig Weise nicht herausholen. -</p> - -<p> -Besser mit einem Weisen in der Hölle<br /> -als mit einem Narren im Paradies. -</p> - -<p>Mit der Zeit lernt auch ein Bär tanzen.</p> - -<p> -Alle Kinder sind klug, solange sie klein sind –<br /> -aber mit dem Wachsen nimmt nicht immer der Verstand zu. -</p> - -<p>Jedem Ziegenbock gefällt sein Glöckchen.</p> - -<p> -Schickt man einen Narren einkaufen,<br /> -dann freuen sich die Krämer. -</p> - -<p> -Wenn ein Alter eine Junge heiratet,<br /> -wird der Alte jung und die Junge alt. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_39">[39]</a></span></p> - -<p>Ich lachte auch, wenn der Narr nur nicht mein wär.</p> - -<p> -Ein Zeichen der Weisheit ist das Schweigen,<br /> -aber das Schweigen allein ist noch keine Weisheit. -</p> - -<p>Wo Wissen ist, dort ist auch Weisheit.</p> - -<p>Wo Kraft nötig ist, hilft der Verstand nichts.</p> - -<p>Alles bekommt man fürs Geld, nur nicht Verstand.</p> - -<p>Einem Narren soll man ein halbes Haus nicht zeigen.</p> - -<p>Bis siebzig Jahre lernt der Mensch und stirbt unwissend.</p> - -<p> -Wer mit Chochumim (Weisen) verkehrt,<br /> -wird selbst ein Chochim (Weiser). -</p> - -<p>Ein Narr kann mehr fragen als zehn Weise beantworten können.</p> - -<p>Jeder Narr ist für sich klug -(d. h. nur die andern haben unter seiner Dummheit zu leiden).</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_40">[40]</a></span></p> - -<p>Alle Kantoren sind Narren, aber nicht alle Narren sind Kantoren. -(Jeder Sänger gilt bei den Juden für einen Narren.)</p> - -<p>Wer zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, ist noch kein -Weiser. Der aber ist es, der von zwei Übeln das kleinere wählt.</p> - -<p>Wer heute Brot hat und sich sorgt, was er morgen essen wird, -hat kein Gottvertrauen.</p> - -<p>Er ist nicht für Gott und nicht für die Leut' -(sagt man von einem Taugenichts).</p> - -<p>Geh ich her, beißt mich ein Bär; geh ich hin, sticht mich eine Bien! -(einer, dem es überall schief geht).</p> - -<p> -Ein Narr fragt einen Weisen:<br /> -»Seit wann ist Gott?« – Der spricht:<br /> -»Das läßt sich nicht beweisen;<br /> -Sag mir, <em class="gesperrt">wann war er nicht</em>?« -</p> - -<p>Der Teufel hol' den Einfall, der einem zu spät kommt.</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_41">[41]</a></span></p> - -<h2 id="Von_Juden_und_Andersglaeubigen">Von Juden und Andersgläubigen</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_43">[43]</a></span></p> -</div> - -<p>Einen gojischen (christlichen) Magen und eine -jüdische Seele kann man nicht abschätzen.</p> - -<p> -Hat der Jude recht,<br /> -dann bekommt er erst recht Schläge. -</p> - -<p> -Wohnen soll man unter Juden,<br /> -Handel treiben unter Christen. -</p> - -<p> -Leben soll man unter Christen,<br /> -sterben unter Juden. -</p> - -<p>Wenn du dich auch in eine Chasirhaut (Schweinehaut) hüllst, -erkennt man doch, daß du ein Jude bist.</p> - -<p>Aus dem Schwänzchen eines Schweines kann man -keine Sabbathmütze machen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_44">[44]</a></span></p> - -<p> -Was man immer vom Juden sagen mag,<br /> -Ein Narr ist er nicht. -</p> - -<p> -Wenn der Jude singt und der Edelmann pfeift,<br /> -dann haben beide kein Geld. -</p> - -<p> -Wann singt ein Jude?<br /> -Wenn er hungrig ist. -</p> - -<p> -Besser ein Jude ohne Bart,<br /> -als ein Bart ohne einen Juden. -</p> - -<p>Ein Jud' und ein Wolf gehen nie müßig herum.</p> - -<p>Einen getauften Juden, einen geadelten Bauern -und einen gezähmten Wolf mag der Teufel holen.</p> - -<p> -Koch einen Bauern süß oder sauer,<br /> -er bleibt doch alleweil ein Bauer. -</p> - -<p>Jüdischer Reichtum ist wie Märzschnee.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_45">[45]</a></span></p> -<p>Bind' mir Hände und Füße, aber wirf mich unter die Meinen.</p> - -<p>Gott soll dich vor christlichen Händen -und vor jüdischen Köpfen schützen.</p> - -<p>Wenn man einen Juden betrügen will, muß man früh aufstehen.</p> - -<p>Mit einem Juden ist nur gut ins Bethaus zu gehen.</p> - -<p> -Ist der Jude hungrig, dann singt er.<br /> -Ist der Bauer hungrig, dann schlägt er sein Weib. -</p> - -<p>Ein gelehrter Jude kann sich immer Rat schaffen.</p> - -<p> -Einem Juden soll man nie soviel geben, wie er verlangt.<br /> -Er würde sich ärgern, daß er nicht mehr verlangt hat. -</p> - -<p>Brich auf eine Semmel und ein Jude springt heraus. -(Juden gibt es überall in der Welt.)</p> - -<p>Der Jude hat von allem zu wenig, nur Verstand hat er genug.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_46">[46]</a></span></p> -<p>Ein Jude versteht sich auf jedes Handwerk. Ostern bäckt -er Mazeß (Osterbrot). Zu Pfingsten ist er ein Gärtner -(er schmückt das Bethaus und sein Heim mit grünem Laub). -Tischubow ist er ein Soldat (die Kinder fertigen sich -aus Dachschindeln Gewehre und Säbel an, um gegen die -Feinde Israels Krieg zu führen), und Rosz-hazkunu bläst -er Schofar.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_47">[47]</a></span></p> - -<h2 id="Von_Gott_Tod_und_Leben">Von Gott, Tod und Leben</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_49">[49]</a></span></p> -</div> - -<p>Gott lebt und wir martern uns.</p> - -<p>Wem Gott Brot gibt, dem geben die Menschen die Butter dazu.</p> - -<p>Bei Gott ist keiner ein Ben Juchid (einziger Sohn); -(Gott bevorzugt keinen.)</p> - -<p>Wenn nur Gott so lang' helfen möcht', bis Gott helfen wird.</p> - -<p>Wem Gott den Reichtum nimmt, dem nimmt er auch den Verstand.</p> - -<p>Wenn Gott will, schießt ein Besen.</p> - -<p>Wie man sich's vornimmt, so hilft Gott.</p> - -<p>Der Mensch fährt, und Gott hält die Zügel.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_50">[50]</a></span></p> - -<p> -Die Welt ist mein, sagt der Mensch bei der Geburt<br /> -und hält die Fäuste geballt.<br /> -Ich nehme nichts ins Grab mit, sagt der Sterbende –<br /> -und zeigt die geöffneten Hände. -</p> - -<p>Des Einen Tod ist des Andern Brot.</p> - -<p>Lange Krankheit – sicherer Tod.</p> - -<p>Einer will leben und kann nicht; ein andrer kann leben -und will nicht.</p> - -<p>Besser zehnmal krank sein, als einmal sterben.</p> - -<p> -So lange man lebt, darf man nicht reden,<br /> -ist man gestorben, kann man nicht reden. -</p> - -<p>Wenn man sagt: Gestorben. Glaub's!</p> - -<p>Der Todesengel kümmert sich nicht darum, -ob der Sterbende schon Totenkleider hat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_51">[51]</a></span></p> - -<p>Viererlei Menschen gleichen Gestorbenen: -Ein Aussätziger, ein Armer, ein Blinder und ein Kinderloser.</p> - -<p> -Seitdem der Tod aufgekommen ist,<br /> -ist man seines Lebens nicht sicher. -</p> - -<p>Wer sich mit den heiligen Büchern beschäftigt, aber ohne -Barmherzigkeit ist, der ist gleich als wenn er keinen Gott hätte.</p> - -<p>Gott schlägt mit der einen Hand und heilt mit der andern.</p> - -<p>O Gott gib mir Brot, solange ich noch Zähne habe!</p> - -<p>Nach dem Tod hilft keine Buße.</p> - -<p>Vor dem Tod und vor dem Dalles kann man sich nicht schützen.</p> - -<p>Zum Sterben hat man noch immer Zeit.</p> - -<p>Gott sitzt oben und paart unten.</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_53">[53]</a></span></p> - -<h2 id="Von_Tugend_und_Lastern">Von Tugend und Lastern</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_55">[55]</a></span></p> -</div> - -<p> -Ein guter Mensch wird in der Schenke nicht verdorben;<br /> -ein schlechter wird in der Synagoge nicht gebessert. -</p> - -<p>Zieh keinen Nutzen aus den schlechten Taten anderer.</p> - -<p>Das Laster kommt als Fremder ins Haus. Weist du ihm -nicht die Tür, so macht es sich bei dir behaglich; -und schließlich bist du sein Sklave.</p> - -<p> -Wer ehrenhaft bleiben will,<br /> -dem soll eine Mahlzeit für zweimal genügen. -</p> - -<p>Einbildung ist schlimmer als Krankheit.</p> - -<p> -Wenn man einen Dieb braucht,<br /> -dann schneidet man ihn sogar vom Galgen ab. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_56">[56]</a></span></p> - -<p>Das Ende des Diebes ist der Galgen.</p> - -<p>Ein Auge hat mehr Glauben als ein Ohr.</p> - -<p>Ein Sklave seiner Leidenschaften -ist der allerniedrigste Sklave.</p> - -<p> -Gute Menschen versprechen wenig und tun viel;<br /> -böse versprechen viel und tun gar nichts. -</p> - -<p>Es ist besser, der Mensch werfe sich selbst in den -Feuerofen, als daß er seinen Nächsten öffentlich beschäme.</p> - -<p> -Läufst du der Ehre nach, so läuft die Ehre davon;<br /> -Gehst du der Ehre aus dem Wege, so sucht sie dich zu erreichen. -</p> - -<p>Wer sich um äußeres Wissen müht und keine -Herzensbildung hat, der gleicht dem Narren, -der sich ein Tor baut, ohne ein Haus zu haben.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_57">[57]</a></span></p> -<p>Wer den Armen helfen will, suche die Armut selbst auf; -(statt auf Wohltätigkeitsfesten zu tanzen).</p> - -<p>Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.</p> - -<p> -Wer sich vor den Leuten nicht schämt,<br /> -hat auch keine Furcht vor Gott. -</p> - -<p>Wer keine Finger hat, kann keine Faust ballen.</p> - -<p>Ein fauler Bote ist ein halber Prophet; -(denn er findet immer Ausreden um den Weg zu ersparen).</p> - -<p>Für die Wahrheit bekommt man Hiebe.</p> - -<p>Wer schläft, sündigt nicht.</p> - -<p> -Wer gegen alle gleich gut ist,<br /> -ist meist auch gegen alle gleich schlecht. -</p> - -<p>Frechheit gilt mehr als baar Geld.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_58">[58]</a></span></p> - -<p>Gute Mahner sind schlechte Zahler.</p> - -<p>Die Wahrheit darf man sogar dem eignen Vater sagen.</p> - -<p>Er tut, als wenn er nicht zehn zählen könnte.</p> - -<p>Sie klagt und ißt Kräpfchen, (sagt man von einer Frau, -die stets über schlechte Zeiten klagt und sich's doch gut gehen läßt).</p> - -<p>Besser Unrecht ertragen als Unrecht tun.</p> - -<p>Einen faulen Boten soll man nur um den Todesengel schicken.</p> - -<p>Er hat Flöhe in der Nase, (sagt man von hochmütigen Leuten).</p> - -<p>Bis er zurückkommt kann die Messias da sein, -(sagt man von einem faulen Boten).</p> - -<p>Der Mensch ist stärker als Eisen, -(denn er besitzt die Kraft, alles zu ertragen).</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_59">[59]</a></span></p> -<p>Reinwaschen kann man nur den Körper, aber nicht die Seele.</p> - -<p> -Einen Lügner kann man mit einem Stummen vergleichen –<br /> -beide sagen nicht die Wahrheit. -</p> - -<p>In der Jugend ein Lügner, im Alter ein Dieb.</p> - -<p>Er lügt nur zweimal im Jahr: im Winter und im Sommer.</p> - -<p>Eine gute Lüge ist zuweilen auch Geld wert.</p> - -<p>Ein Lügner redet sich seine Lüge so lange ein, -bis er selbst dran glaubt.</p> - -<p>Wer seinen Nächsten haßt, vergießt Menschenblut.</p> - -<p> -Gott erzürnen wir durch unsre Sünden,<br /> -die Menschen durch unsre Tugenden. -</p> - -<p>Sei auch Kindern gegenüber wahrhaftig und halte, -was du ihnen versprichst, sonst gewöhnst du sie zur Lüge.</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_61">[61]</a></span></p> - -<h2 id="Weise_Sprueche_und_Lebensregeln">Weise Sprüche und Lebensregeln</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_63">[63]</a></span></p> -</div> - -<p> -Stark ist, wer sich selbst beherrscht,<br /> -Reich, wer mit wenigem zufrieden ist. -</p> - -<p> -Wenn du dich vermählst, steig' eine Stufe <em class="gesperrt">hinab</em>!<br /> -Bei der Wahl deiner Freunde: steig' eine Stufe <em class="gesperrt">hinauf</em>! -</p> - -<p> -Besser die Gurke, die man hat,<br /> -als die Aussicht auf einen Kürbis. -</p> - -<p> -Wer in ein brüchiges Haus zieht,<br /> -bereitet sich selbst sein Grab. -</p> - -<p> -Ein Geheimnis ist <em class="gesperrt">dein</em> Gefangener, solange du es bewahrst;<br /> -du wirst aber <em class="gesperrt">sein</em> Gefangener, sobald du es dem Nächsten erzählst. -</p> - -<p> -Viele klagen über ein schlechtes Gedächtnis;<br /> -aber keiner klagt über wenig Verstand. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_64">[64]</a></span></p> - -<p> -Kann man nicht drüber weg,<br /> -so muß man drunter durch. -</p> - -<p>Die Wahrheit erscheint wie Öl auf dem Wasser.</p> - -<p> -Kämpfst du gegen das Schicksal an,<br /> -so unterliegst du ihm.<br /> -Fügst du dich aber,<br /> -so bleibst du deines Schicksals Herr. -</p> - -<p> -Besser der Schmerz im Herzen<br /> -als die Schande im Gesicht. -</p> - -<p>Geben <em class="gesperrt">und</em> bitten soll man nicht.</p> - -<p> -Was du in der Jugend sündigst,<br /> -rächt sich im Alter. -</p> - -<p> -Wer nicht zu säen versteht,<br /> -kann auch nicht ernten. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_65">[65]</a></span></p> - -<p> -Wer am Sabbath nicht hungern will,<br /> -darf am Wochentag nicht müßig gehen. -</p> - -<p> -Wenn du den Pulverrauch nicht vertragen kannst,<br /> -so ziehe nicht in den Krieg. -</p> - -<p> -Wenn man keinen Knoblauch ißt,<br /> -stinkt man nicht. -</p> - -<p> -Wenn die Maus satt ist,<br /> -ist das Mehl bitter. -</p> - -<p> -Bestreiche den Bauer mit Honig –<br /> -er stinkt doch nach der Gosse. -</p> - -<p> -Wenn man sieben Jahre ein Schwein ist,<br /> -wird man ein Ojscher (reicher Mann). -</p> - -<p> -Wer die Gefahr liebt,<br /> -der geht darin unter. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_66">[66]</a></span></p> - -<p> -Wer einen Stein in die Höhe wirft,<br /> -dem fällt er auf den Kopf. -</p> - -<p> -Mit dem Maße, mit dem man mißt,<br /> -wird man wiedergemessen. -</p> - -<p> -Das Niederreißen des Alters ist Aufbauen;<br /> -das Bauen der Jugend aber Niederreißen. -</p> - -<p> -Ein Arzt, der unentgeltlich heilt,<br /> -ist auch kein Geld wert. -</p> - -<p>Mit dem Unkraut wird oft auch das Kraut ausgerissen.</p> - -<p>Fünf Personen bedürfen der Bewachung: -der Kranke, Brautleute, die Wöchnerin, -der König und der Trauernde.</p> - -<p>Wenn man einem Bauer Ehre antut, schwellen ihm die Füße.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_67">[67]</a></span></p> - -<p> -Schert man die Schafe,<br /> -zittern die Lämmer. -</p> - -<p> -Wenn man mit Hunden schlafen geht,<br /> -steht man mit Flöhen auf. -</p> - -<p>Leichter einen Sack Flöhe hüten -als eine verliebte Maid.</p> - -<p>Vom Nichtnehmen ist noch kein Mensch reich geworden.</p> - -<p>Hunde, die bellen, bringt man mit -einem guten Bissen zum Schweigen.</p> - -<p> -Was du nicht willst, daß man dir tu,<br /> -das füg' auch keinem andern zu. -</p> - -<p>Was nützt es, daß du dem Schweine ein -Palmenblatt vors Maul hängst, -es wälzt auch das durch den Kot.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_68">[68]</a></span></p> - -<p> -Wenn man keine Beschäftigung hat,<br /> -beginnt man, sich mit Politik zu befassen. -</p> - -<p>Aufrichtige Reue ist bessere Buße -als hundert Rutenschläge.</p> - -<p> -Setze dich nicht zu Tische,<br /> -solange dein Vieh hungert. -</p> - -<p>Wer Reue zeigt, den soll man nicht an seine -früheren Sünden erinnern.</p> - -<p> -Willst du dich überzeugen, ob ich dein Freund bin,<br /> -dann hör' nicht auf meinen Rat. -</p> - -<p> -Man erkennt einen Freund erst,<br /> -wenn man geschäftlich mit ihm zu tun hat. -</p> - -<p> -So lange es dir gut geht, hast du Freunde in Menge;<br /> -gerätst du ins Unglück, stehst du allein. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_69">[69]</a></span></p> - -<p> -Der Wald liefert selbst den Stiel zu der Axt,<br /> -mit der er umgehauen wird. -</p> - -<p> -Eher mache deinen Sabbath zu einem Werktage,<br /> -als daß du von den Menschen etwas verlangst. -</p> - -<p>Die besten Speisen werden einem zuwider.</p> - -<p>Satt kann man nur an seinem eignen Tische werden.</p> - -<p>Drei schreien umsonst, denn sie finden kein Gehör:</p> - -<div class="hang"> - -<p>1. Wer Geld ohne Zeugen verleiht.</p> - -<p>2. Wer seine Güter den Kindern schon bei Lebzeiten übergeben hat.</p> - -<p>3. Wer sich von seiner Frau beherrschen läßt.</p></div> - -<p>Hinter einem schweren Wagen ist es leicht zu Fuß zu gehn.</p> - -<p> -Wenn zweie sagen, du bist betrunken,<br /> -dann leg dich schlafen. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_70">[70]</a></span></p> - -<p>Zur Suppe braucht man keine Zähne.</p> - -<p> -Wer sich hungrig schlafen legt,<br /> -wird schläfrig aufstehen. -</p> - -<p> -Ein guter Ruf geht weit;<br /> -ein schlechter noch weiter. -</p> - -<p>Die Geschichte hat schon einen Bart.</p> - -<p>Wer Fehler schreibt, kann auch Fehler lesen.</p> - -<p> -Was nutzt, daß der Bursch Sporen anhat,<br /> -wenn er nicht reiten kann. -</p> - -<p>Wenn eine Dummheit <em class="gesperrt">gelingt</em>, bleibt es doch eine Dummheit.</p> - -<p>Alle Stummen wollen viel reden.</p> - -<p>Auf eine madige Geiß setzen sich alle Fliegen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_71">[71]</a></span></p> - -<p>Aus einer fremden Haut ist gut Riemen schneiden.</p> - -<p>Jede Trompete trägt eine andre Quaste.</p> - -<p> -Wenn man dem Dieb die Schlüssel übergibt,<br /> -ist man vor Diebstahl sicher. -</p> - -<p>Auch ein Engel kann zur gleichen Zeit keine zwei Arbeiten tun.</p> - -<p>Ein Adler fängt keine Fliegen.</p> - -<p>Ein kleines Städtchen ist wie eine Glaslaterne.</p> - -<p>Jeder Topf findet seinen Deckel.</p> - -<p>Wenn der Esel Hörner hätte und wenn der Ochs sich seiner Stärke -bewußt wäre, dann würde die Welt nicht lange bestehen.</p> - -<p> -Wer ein frommes Werk vollbringen geht,<br /> -kann unbesorgt seines Weges gehn. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_72">[72]</a></span></p> - -<p>Wenn eine Ohrfeige nicht hilft, muß man zur Peitsche greifen.</p> - -<p>Wenn man Feuer braucht, sucht man es in der Asche.</p> - -<p>Wie du einen <em class="gesperrt">an</em>siehst, so sieht er aus.</p> - -<p>Überall ist's gut, aber zu Hause am besten.</p> - -<p>Frag nicht den Arzt – frag lieber den Kranken.</p> - -<p>Wo viele gehen, wird kein Gras wachsen.</p> - -<p>Gold glänzt auch im Straßenkot.</p> - -<p>Man soll in einen Brunnen, aus dem man Wasser getrunken hat, -keine Steine werfen.</p> - -<p>Es ist leichter Geld zu <em class="gesperrt">verdienen</em>, als es zu <em class="gesperrt">behalten</em>.</p> - -<p>Ein fremder Bissen schmeckt gut.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_73">[73]</a></span></p> - -<p>Auch im Paradies ist es nicht gut allein zu sein.</p> - -<p>Hast du etwas – behalt's; weißt du etwas – -schweig; kannst du etwas – tu's!</p> - -<p> -Wenn man nicht beißen kann,<br /> -soll man nicht die Zähne zeigen. -</p> - -<p>Besser zehnmal fragen, als einmal irren.</p> - -<p> -Wer Geld für die Fische gab,<br /> -wird auch den Pfeffer bezahlen. -</p> - -<p>Kraft holt man sich nur aus der vollen Schüssel.</p> - -<p>Früh aufstehen und früh heiraten schadet nichts.</p> - -<p>Gieß Öl nach, so lange die Lampe brennt.</p> - -<p>Die Liebe ist süß – schmeckt aber nur gut mit Brot.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_74">[74]</a></span></p> - -<p>Was nützt es, wenn die Kuh viel Milch gibt, -wenn sie nachher den Milchkrug umwirft.</p> - -<p>Wenn der Wurm im Krenn (Meerrettich) sitzt, glaubt er, -es gäbe nichts süßeres auf Erden.</p> - -<p>Besser eine Uhr die steht, als eine Uhr die schlecht geht.</p> - -<p>Stille Wasser unterwühlen das Ufer.</p> - -<p>Die ersten Pflaumen sind wurmstichig.</p> - -<p>Beim Holzhacken fliegen Späne.</p> - -<p> -Wann freut sich der Bucklige?<br /> -Wenn er einen andern Buckligen sieht. -</p> - -<p>Wenn du einem Hunde Gutes tust, bellt er dich an.</p> - -<p>Läßt du einen Hund auf die Bank, dann springt er auf den Tisch.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_75">[75]</a></span></p> - -<p>Es gibt selten ein Amt, an dem nicht etwas kleben bleibt.</p> - -<p>Jede Stadt hat ihren Verrückten.</p> - -<p>Wenn man kein Fleisch hat, nagt man die Knochen.</p> - -<p>Müßige Hände verderben die Wände.</p> - -<p> -Kommt man nur über den Planken,<br /> -bekommt man andre Gedanken. -</p> - -<p>Wenn man nicht Jakob gibt, wird man Esau geben -(der Unwürdige wird es bekommen).</p> - -<p>Gesegnet sind die Hände, die alles allein tun.</p> - -<p>Lieber »ich hab'« als »ich hätt'«.</p> - -<p>Einmal ist keinmal.</p> - -<p>Wie man sich bettet, so schläft man.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_76">[76]</a></span></p> - -<p>Schrei nicht eher »hopp« als bis du über den Graben bist.</p> - -<p>Vor einem Diebe, der ins Haus gehört, -kann man sich nicht hüten.</p> - -<p> -Wenn einer einen Gehängten in der Familie hat,<br /> -soll man ihm nicht sagen: »Häng mir den Rock auf –«. -</p> - -<p>Wer in der Trunkenheit sündigt, muß nüchtern dafür büßen.</p> - -<p>Ein goldener Schlüssel öffnet alle Türen.</p> - -<p>Ich verzichte auf deinen Honig, und will nicht deinen Biß.</p> - -<p> -Wenn man eine Erbschaft einkassieren kommt,<br /> -muß man oft die Begräbniskosten bezahlen. -</p> - -<p>Jeder hat sein Häufchen Mist vor der Tür.</p> - -<p> -Ein Mensch kann mehr ertragen,<br /> -als zehn Ochsen schleppen können. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_77">[77]</a></span></p> - -<p>Auch einen Brunnen kann man ausschöpfen.</p> - -<p>Dieselbe Sonne <em class="gesperrt">bleicht</em> die Leinewand, -und <em class="gesperrt">bräunt</em> das Gesicht.</p> - -<p>In einem großen Teich schwimmen große Fische.</p> - -<p>Der Ertrinkende greift sogar nach einem Schwert, um sich -festzuhalten.</p> - -<p>Es wird nicht eher hell, bis es nicht ganz dunkel geworden ist.</p> - -<p> -Aus einem Leintuch kann man eine Haube machen,<br /> -aber aus einer Haube kann man kein Leintuch machen. -</p> - -<p>Mit fremden Händen ist's gut glühende Kohlen zu schüren.</p> - -<p>Besser ein Wort zur Zeit, als zwei zur Unzeit.</p> - -<p>Ein gutes Wort kostet nichts und bringt immer etwas ein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_78">[78]</a></span></p> - -<p>Schütt nicht das unreine Wasser aus, ehe du nicht reines hast.</p> - -<p>Guter Rat: hören, sehen und schweigen.</p> - -<p> -Sei nicht zu süß, weil sie dich sonst essen;<br /> -sei nicht zu bitter, weil sie dich sonst ausspucken. -</p> - -<p>Geh neben ein golden Wägele, so findest du ein goldenes Nägele.</p> - -<p>Berge kommen nicht zusammen; aber Menschen.</p> - -<p>Den schlechten Ruf, den einer einmal hat, -den behält er bis ans Ende.</p> - -<p>Wenn der Ochs tot ist, schärft jeder das Messer.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_79">[79]</a></span></p> - -<h2 id="Scherzhafte_Redensarten">Scherzhafte Redensarten</h2> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_81">[81]</a></span></p> -</div> - -<p> -Ein Ochs hat eine lange Zunge<br /> -und kann doch nicht Schofar blasen. -</p> - -<p>Vom Hersagen der Psalmen tut der Bauch nicht weh, -aber satt wird man auch nicht davon.</p> - -<p> -Wenn man sich schämt,<br /> -bekommt man keine Kinder. -</p> - -<p> -Wenn ein Geizhals leichtsinnig wird,<br /> -spielt der fremde Gulden bei ihm keine Rolle. -</p> - -<p> -Wer die Tochter haben will,<br /> -muß mit der Mutter beginnen. -</p> - -<p> -Ein Blinder sieht bei dir mit einem Auge mehr<br /> -als du bei ihm mit zwei Augen siehst. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_82">[82]</a></span></p> - -<p> -Wer selbst sein Lob singt,<br /> -muß schlechte Nachbarn haben. -</p> - -<p>Wenn man einem Zigeuner ins Gesicht spuckt, -sagt er, daß es regnet.</p> - -<p>Einen Dank kann man nicht in den Beutel tun.</p> - -<p>Schlepp mich, ich geh gern.</p> - -<p>Ein Kantor und ein Pferd -taugen nur bis zum vierzigsten Lebensjahr.</p> - -<p>Jeder Mann glaubt, es gebe nur eine böse Frau auf der Welt, -und das sei seine.</p> - -<p>Ein Tauber hat gehört, wie ein Stummer erzählte, -daß ein Blinder gesehen hat, wie ein Krummer -gelaufen ist. (Diese Redewendung gebraucht man, -wenn jemand eine ganz unglaubliche Geschichte erzählt.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_83">[83]</a></span></p> - -<p>Vorn getrommelt und hinten keine Soldaten.</p> - -<p>Kleine Töpfe laufen bald über.</p> - -<p>Das hat schon Adam seinem Weib erzählt -und sie hat darauf erwidert -»Eine alte Geschichte!« –</p> - -<p> -Vom Nehmen wird man nicht arm,<br /> -vom Wünschen wird man nicht reich. -</p> - -<p>Das ist nicht auf seinem Mist gewachsen.</p> - -<p>Kratzen und Borgen tut nur auf eine Weile gut.</p> - -<p>Dalles und Stolz gehören nicht zusammen.</p> - -<p>Das letzte Hemd soll man versetzen und ein Ojscher -(reicher Mann) soll man sein.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_84">[84]</a></span></p> -<p>Das ganze Jahr schicker (betrunken) und Purim -nüchtern. (Es gibt Käuze, die immer ausgelassen sind, -aber bei irgendeiner lustigen Gelegenheit den -Kopf hängen lassen.)</p> - -<p> -Wie kommt die Katz übers Wasser?<br /> -»Mit nasse Füß.« -</p> - -<p>Von großer Eile kommt nichts Gutes!</p> - -<div class="explain"> - -<p>(Zu diesem Ausspruch wird das folgende Geschichtchen erzählt: -In einem jüdischen Hause wurde ein Bedienter -während des Essens um einen Teller geschickt und blieb -hundert Jahre aus. Als er endlich nach einem Jahrhundert -mit dem Teller herbeigeeilt kam, fiel er hin und zerbrach -den Teller. Da tat er den obigen Ausspruch.)</p></div> - -<p>Überall ist Hilfe gut, nur nicht bei der Schüssel.</p> - -<p> -Der Jude ist viel besser daran als der Meschumid (Getaufte).<br /> -Der Jude kann sich taufen lassen und der Meschumid nicht. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_85">[85]</a></span></p> - -<p>Manchmal treffen die Wetterpropheten auch das Richtige.</p> - -<p>Verkehrt gefahren ist auch gefahren.</p> - -<p>Nach einer Feuersbrunst wird man reich.</p> - -<p>Einen Antrag darf man auch der Rabbinerfrau stellen.</p> - -<p>Ein Ochs geht nach Olmütz auf den Markt -und kommt als Ochs wieder.</p> - -<p>Was kann man von einem Ochsen mehr verlangen als -Ochsenfleisch?</p> - -<p>Wasch mir den Pelz und mach ihn nicht naß.</p> - -<p>Mit Ejzeß (Ratschlägen) bin ich versorgt.</p> - -<p>Wenn ein Kantor alt wird, bellt er wie ein Hund -und frißt wie ein Schwein.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_86">[86]</a></span></p> -<p>Den Dalles und das Stroh in zerrissenen Stiefeln kann -man nicht verbergen.</p> - -<p>Bei einem Dieb ist es schwer zu stehlen.</p> - -<p> -Wenn man dir gibt: Nimm!<br /> -Wenn man bei dir nimmt: Schrei! -</p> - -<p>Es kleidet ihn wie ein Chasir (ein Schwein) ein -Setramel (eine Sabbathmütze).</p> - -<p>Sag der Katze, daß die Torte einen Gulden kostet, -sie nascht doch.</p> - -<p> -Wer dem Hutmacher Geld schuldig ist,<br /> -hat Schulden über den Kopf. -</p> - -<p> -Wenn die Babe (Großmutter) einen Bart hätte,<br /> -dann wäre sie ein Seide (Großvater). -</p> - -<p>Gäste und Fische stinken am dritten Tag.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_87">[87]</a></span></p> - -<p>»Eintunken kostet Geld.«</p> - -<div class="explain"> - -<p>Zu diesem Ausspruch wird das -folgende Geschichtchen erzählt: Zwei Juden, A. und B., gingen -ins Caféhaus. A. bestellte sich einen Café, während B. nur -eine Semmel nahm. Als der Kellner den Café brachte, -sagte B., laß mich meine Semmel in deinen Café eintunken. -A. erlaubte es ihm und nun tat B. seine Semmel in die Caféschale, -tunkte und tunkte. Die Semmel saugte den ganzen Café ein, -so daß die Schale leer blieb. Nun wollte A. den Café -nicht bezahlen, B. aber sagte: Ich hab ja nur eingetunkt. -Da rief A. laut, daß man es im ganzen Caféhaus hörte: -»Eintunken kostet Geld.«</p></div> - -<p> -Wenn der Gast hustet,<br /> -dann fehlt ihm der Löffel. -</p> - -<p>Wenn die Psalmen gesund machen könnten, dann würde man -sie in der Apotheke kaufen. (Es ist ein Volksglaube, -daß das Hersagen der Psalmen Kranken Genesung bringt.)</p> - -<p>Alle Schuster gehen barfuß.</p> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_88">[88]</a></span></p> -<p> -Wenn es einem zu gut geht,<br /> -dann geht man aufs Eis tanzen. -</p> - -<p>Nach einem Feste bleiben Schulden und -schmutzige Wäsche zurück.</p> - -<p>Einen Kranken fragt man, einem Gesunden gibt man. -(So spricht der intime Gast, wenn ihn die Wirtin -fragt, ob er etwas genießen will.)</p> - -<p>Zinsen wachsen ohne Regen.</p> - -<p>Man kann zwischen zwei Broten Hungers sterben -(wenn das alte Brot ausgegangen ist und das neue -noch nicht da ist).</p> - -<p> -Man kann einen Brief lesen,<br /> -und man kann einen Brief singen. -</p> - -<p>Fürs Amen sagen verdient man noch keine Schläge.</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<p class="h2">ERNST ROWOHLT, VERLAG, LEIPZIG</p> -</div> - -<p class="center">In französischen Ausgaben liegen vor:</p> - -<p class="h2 p2">PAUL VERLAINE: VERS</p> - -<p class="center large">Herausgegeben von Professor GEORGES A. TOURNOUX</p> - -<p class="center"> -Pappband M 12.–, Halblederband M 16.–, Ganzlederband M 25.–.<br /> -Vorzugsausgabe auf Strathmore in 100 Expl., Handband von Carl Sonntag jr. M 50.–. -</p> - -<p class="h2 p2">CHARLES BAUDELAIRE:<br /> -LES FLEURS DU MAL</p> - -<p class="center large">Herausgegeben von Professor GEORGES A. TOURNOUX</p> - -<p class="center"> -Pappband M 8.–, Halblederband M 12.–, Ganzlederband M 18.–.<br /> -Vorzugsausgabe auf Strathmore in 100 Expl., Handband von Carl Sonntag jr. M 50.–. -</p> - -<p class="center"> -<span class="larger">URTEILE DER PRESSE</span><br /> -über die Verlaineausgabe; in gleicher Ausstattung erschien soeben Baudelaire. -</p> - -<p><i>Max Mell in den Grenzboten</i>: Es ist klar, daß alle möglichen anderen Gedichte eher -übersetzt werden können als die Verlaines. Denn sie in die deutsche Sprache bringen, -heißt einen Eingriff in die künstlerische Existenz eines solchen Gedichtwesens machen. -Die Verlaineschen Gedichte müssen ins Französische verzaubert bleiben. Da ist es in -tieferem Sinne kein Zufall, sondern Gerechtigkeit, wenn in Deutschland eine schöne französische -Ausgabe von Verlaines Gedichten die häßlichen französischen Editionen zu verdrängen -sucht. Mit besonderer Freude schlagen wir diesen schlichtprächtigen, anständigen -Band auf, in seiner trefflichen Auswahl erneuern wir alten vertrauten Umgang.</p> - -<p><i>Süddeutsche Monatshefte</i>: Der schönste französische Gedichtband, den wir kennen, eine -erst nach langen Verhandlungen dem französischen Verleger abgerungene Ausgabe, aus -allen Bänden Verlaines ausgewählt. Eine Satzanordnung von erlesener Vornehmheit.</p> - -<p class="h2 p2">W. FRED: IMPRESSIONEN</p> - -<p class="center large">Aus dem Tagebuch eines Wanderjournalisten</p> - -<p class="center"> -Geheftet M 3.50, gebunden M 5.– -</p> - -<p><em class="gesperrt">Inhalt</em>: Vorwort des Journalisten. Aus dem Leben einer großen Tageszeitung. -Die Bombe. Palais de glace. Die Ohrfeige. Buster Brown. Der »Herr«. -Der kleine Kohn. Das Blumenmedium. Operation. Der Herr von Wien. -Wiener Wahltag. Das andere Berlin. Am Start der Flieger. Berliner -Wahltag. Cosas de Espana. Stierkampf. Spanische Städte. In der Alhambra. -Ein spanischer Sonntag. Spanisches Theater. Florentiner Brief. -Winterliche Autoreise durch deutsche Städte. In einer kleinen Stadt. -Feiertag im Walde. Die letzten Stationen. Die toten Schiffe.</p> - -<p><i>Hugo von Hofmannsthal über W. Fred</i>: Eine beträchtliche Bildung, -und die nicht nach der Studierlampe riecht; einen geübten und soliden -Blick für die Weltverhältnisse; einen wahren Weltsinn, weder engherzig -noch gesinnungslos; diese drei stellt er in den Dienst der rechten -Sache, wenn er für seine Mission ansieht, den Anschluß des Alltäglichen, -empirisch Gegebenen an das Bleibende, Geistige, Wesentliche zu -vermitteln. – Er schreibt aus dem Heute heraus und für das Heute: -da muß er es verstehen, sich Rechenschaft zu geben, was dann tausendfältig -dem Heutigen zugrunde liegt, und diese geistige Arbeit geht -wiederum ins Uferlose.</p> - -<p class="h2 p2">FELIX POPPENBERG<br /> -TASCHENBUCH<br /> -FÜR DIE DAMEN</p> - -<p class="center">In Pappband mit Hülse M 3.80, in Seide gebunden M 6.–</p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Aus dem Inhalt</em>:</p> - -<p>Verwandlungen des Fächers / Das Damenzimmer / Frauenschmuck und -Frauenbilder / Ein Modentee im Palais de danse / Casanova / Lehrjahre -einer Kaiserin, Ninon de l'Enclos / Aus der Empireschatulle.</p> - -<p>Wir bringen mit diesem besonders sorgfältig ausgestatteten Buch, das -den Anfang zu einer Wiederbelebung der alten schönen Almanache -aus neuem modernen Geiste machen will, ein Werk von größter Absatzfähigkeit -auf den Markt. Felix Poppenbergs essayistische Kunst -zeigt sich in den galanten und preziösen Themen dieses Damen-Almanaches -von der glänzendsten Seite. Die eigenartige Ausstattung lehnt -sich in ihrer Zierlichkeit an die Taschenbücher des 18. Jahrhunderts -an. Die Porträte Casanovas, der Ninon de l'Enclos und Katharina II. in -vorzüglichen Nachbildungen nach Stichen der Zeit schmücken den Band.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.</p> - -<p>Korrekturen:</p> - -<div class="corr"> -<p> -S. 33: Schlemiehl → Schlehmil<br /> -Der <a href="#corr033">Schlemihl</a> fällt auf den Rücken</p> -</div> -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of Project Gutenberg's Jüdische Sprichwörter, by Artur Landsberger - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JÜDISCHE SPRICHWÖRTER *** - -***** This file should be named 54248-h.htm or 54248-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/4/2/4/54248/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/54248-h/images/cover.jpg b/old/54248-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a4c802c..0000000 --- a/old/54248-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54248-h/images/logo.png b/old/54248-h/images/logo.png Binary files differdeleted file mode 100644 index cc4d82e..0000000 --- a/old/54248-h/images/logo.png +++ /dev/null |
