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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Hygiene des Geschlechtslebens - -Author: Max Gruber - -Release Date: December 28, 2016 [EBook #53823] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYGIENE DES GESCHLECHTSLEBENS *** - - - - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1916 erschienenen Ausgabe - der Zeitschrift so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. - Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler wurden - stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente - Schreibweisen wurden beibehalten, insbesondere wenn diese in der - damaligen Zeit üblich waren oder im Text mehrfach auftreten. - - Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter an den Anfang des - Textes verschoben. Die Erklärungen zu den Tafeln 1 und 2 wurden der - Übersichtlichkeit halber direkt an die Abbildungen angeschlossen. - - Die Originalausgabe wurde in Frakturschrift gesetzt. Für - abweichende Schriftschnitte wurden die folgenden Sonderzeichen - verwendet: - - fett: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiquaschrift: _Unterstriche_ - - #################################################################### - - - - - Bücherei der Gesundheitspflege - - Band 13 - - Prof. Dr. M. v. Gruber - - - - - Hygiene des Geschlechtslebens - - - - - Hygiene des - Geschlechtslebens - - Von - - Dr. Max v. Gruber - - K. Geh. Rat u. Obermedizinalrat - o. ö. Professor der Hygiene an - der Universität München - - +11. bis 13., verbesserte Auflage+ - 53.-70. Tausend - - Mit vier farbigen Tafeln - - [Illustration] - - Verlag von Ernst Heinrich Moritz in Stuttgart - - - - - Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten - - Gesetzliche Formel für den Schutz gegen - Nachdruck in den Vereinigten Staaten: - - _Copyright 1916 by - Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart_ - - Druck der Engelhard-Reyherschen Hofbuchdruckerei in Gotha - - - - -Inhalts-Übersicht. - - - Seite - - Einleitung 1 - - 1. Kapitel: Die Befruchtung 3 - - 2. „ Vererbung und Zuchtwahl 18 - - 3. „ Die Geschlechtsorgane 40 - - 4. „ Der Geschlechtstrieb und die angebliche hygienische - Notwendigkeit des Beischlafs 45 - - 5. „ Folgen der geschlechtlichen Unmäßigkeit und Regeln - für den ehelichen Geschlechtsverkehr 58 - - 6. „ Künstliche Verhinderung der Befruchtung 67 - - 7. „ Verirrungen des Geschlechtstriebs 76 - - 8. „ Die venerischen Krankheiten und ihre Verhütung 83 - - 9. „ Ehe oder freie Liebe 100 - - - - -Einleitung. - - -Mit einem lebhaften Gefühle von Bangigkeit habe ich diese kleine -Schrift veröffentlicht. Ich habe in ihr die heikelsten Dinge -rückhaltlos besprochen. Ich mußte es tun, wenn der Leser volle -Einsicht in das Geschlechtsleben erhalten sollte. Diese aber wollte -ich gewähren, weil ich überzeugt bin, daß diese Einsicht, zur rechten -Zeit empfangen und vernünftig gebraucht, den besten Schutz gegen die -furchtbaren Gefahren bietet, die dem einzelnen wie der Gesamtheit aus -dem Geschlechtsleben drohen. „Vernunft und Wissenschaft des Menschen -allerhöchste Kraft“ gilt hier wie überall! - -Aber das scharfgeschliffene Schwert wird in der unrechten Hand, -unvorsichtig gebraucht, dem, den es schützen sollte, zur Gefahr; was -Arznei sein sollte, wird zum Gift. Ich bitte daher den Leser dieses -Schriftchens, es sorgfältig zu bewahren, damit es nicht Unberufenen in -die Hand falle! Und den Knaben, dem es trotzdem in die Hände kommt, -bitte ich, wenn sein Ohr bis dahin von unreinen Reden verschont -geblieben ist und wenn er bis dahin noch nichts von den Regungen des -Geschlechtstriebes verspürt hat, sich selbst zu beweisen, daß ein -Mann in ihm steckt, seine Neugierde zu unterdrücken und es ungelesen -wegzulegen. Möge er sich glücklich schätzen, solange er von diesem -Triebe noch nicht beunruhigt wird, der ihn zum bloßen Werkzeug -zur Erhaltung der Gattung machen will und nur allzufrüh eines der -schlimmsten Hindernisse bilden wird, das zu überwinden er alle Kraft -wird aufbieten müssen, wenn er seine persönlichen Fähigkeiten zur -vollen Ausbildung bringen, als +Individuum+ etwas Tüchtiges werden und -leisten will. Möge er sich hüten, den noch Schlummernden vorzeitig -selbst zu wecken! - -Als Leser habe ich mir vor allen den zum Manne reifenden Jüngling -gedacht. Aber auch ihm gegenüber muß es meine erste Sorge sein, seinen -Geist richtig zu stimmen, damit er das, was er hören soll, mit Ernst -und reinem Willen aufnehme. - -Die wichtigste Aufgabe der Söhne ist, gesunde Enkel zu erzeugen. -So betrachtet, ist das Geschlechtsleben kein Gegenstand schamloser -Leichtfertigkeit, als der es leider behandelt zu werden pflegt. - -So mannigfaltig die Empfindungen sind, die das Nachdenken und die -Besprechung geschlechtlicher Dinge in uns erwecken, eine müßte -bei richtiger Betrachtung die stärkste sein: die Empfindung der -+Ehrfurcht+. Denn was gibt es Ehrwürdigeres auf Erden als den Drang der -Geschlechter nach Vereinigung, der auch unsere Eltern zusammengeführt -hat, als den geheimnisvollen Vorgang des Zusammentrittes der -Zeugungsstoffe, aus dem wir selbst hervorgegangen sind und durch -den wir wieder Erzeuger unserer Nachkommen werden? Was gibt es -Ehrwürdigeres als diesen unversieglichen Quell jungen Lebens, der im -Wechsel vergänglicher Generationen die Gattung unsterblich erhält? - -Wahrlich, nicht um unsere Lust handelt es sich, wenn die Natur den -Geschlechtstrieb in uns zu erwecken beginnt, lange bevor wir selbst -unsere volle körperliche und geistige Ausbildung erlangt haben. -Das Individuum ist ihr nur das Werkzeug zur Erhaltung der Gattung. -Sicherstellung neuer Befruchtungen, neuer Zeugungen ist das Ziel des -ganzen Geschlechtslebens. - -Die Vorgänge, durch welche aus der befruchteten Eizelle das junge Tier -hervorgeht, sind unfaßbar verwickelt. Der Wissenschaft ist es aber im -Laufe der letzten Jahrzehnte gelungen, den Vorgang der Befruchtung -selbst wenigstens im wesentlichen aufzuklären. Wir beginnen unsere -Aufgabe am würdigsten, wenn wir uns diese Erkenntnisse zu eigen machen. -Der ganze ungeheure Ernst des Geschlechtslebens und der Zeugung wird -uns zum Bewußtsein kommen, wenn wir sehen, wie eng das Kind bis in -jede einzelne seiner Myriaden von Zellen hinein mit dem Leibe seiner -Eltern und Vorahnen verknüpft ist, in wie hohem Grade daher sein ganzes -Sein von ihrer Eigenart, Tüchtigkeit, Kraft und Gesundheit abhängig -ist. Neue Pflichten erwachsen uns aus dieser Einsicht: die Pflicht, in -unserer Lebensführung alles zu vermeiden, was den von uns abgesonderten -Keimstoffen schädlich werden kann, und die Pflicht, keine Kinder zu -erzeugen, die voraussichtlich krank sein werden. - - - - -1. Kapitel. - -Die Befruchtung. - - -Damit es bei den Organismen (Lebewesen) mit geschlechtlicher -Fortpflanzung zur Entstehung eines neuen Individuums (Einzelwesens) -komme, ist es notwendig, daß das weibliche Ei durch den männlichen -+Samen+ befruchtet werde. Der Samen verdankt seine Fähigkeit, zu -befruchten, winzig kleinen Körperchen, die massenhaft in ihm enthalten -sind. Sie sind so klein, daß man sie nur unter dem Mikroskop bei -starker Vergrößerung sehen kann. In jedem Tröpfchen menschlichen -Samens sind Zehntausende dieser Körperchen enthalten, die sich, -solange der Samen frisch und warm ist, lebhaft bewegen. Diese -Körperchen heißen +Samenfäden+ (Spermatozoen, Spermatosomen, Spermien). -Man unterscheidet an ihnen drei Abschnitte, den sog. +Kopf+, das -+Mittelstück+ und den +Schwanz+ oder Geißelfaden. Beim Menschen ist der -ganze Samenfaden etwa 5/100 _mm_ lang, sein Kopf, der etwa die Gestalt -einer etwas plattgedrückten Birne hat, aber nur 3/1000 _mm_. Der größte -Teil der Länge des Spermatosoms entfällt auf den feinen Geißelfaden, -den Schwanz. Die Vorwärtsbewegung des Samenkörperchens erfolgt durch -Schwingungen dieses Schwanzes. Mit seiner Hilfe kann es ziemlich -weite Wege zurücklegen. In einer Sekunde kann ein Samenkörperchen bei -gradlinig fortschreitender Bewegung einen Weg von 5/100 bis 15/100 _mm_ -zurücklegen, in der Stunde also einen Weg von 180-540 _mm_ oder 18-54 -_cm_. Bei Fischen und bei anderen Tieren, bei denen das unbefruchtete -Ei nach außen abgesetzt und außerhalb des weiblichen Körpers befruchtet -wird, kann man sehen, wie die Samenfäden alsbald das Ei aufzusuchen und -zu umschwärmen beginnen. Auch die in die weiblichen Geschlechtsteile -entleerten Samenfäden wandern mit Hilfe ihrer Geißelfäden dem Orte zu, -wo sich das Ei befindet. Diese Bewegung der Samenfäden macht durchaus -den Eindruck, als ob man mit eigenem Willen begabte Wesen vor sich -hätte. Man hat die Samenfäden daher früher auch „+Samentierchen+“ -genannt; aber sie sind keine des selbständigen Lebens und der -Vermehrung fähige Wesen, sondern sehr hinfällige Zellen, die bald -absterben, wenn sie sich nicht mit dem Ei vereinigen können. - -Das Ei ist eine kugelige Zelle, an der man die +Hüllhaut+ (Eihaut, -Eimembran), den +Dotter+ und das +Keimbläschen+ unterscheiden kann. -Bei den großen Eiern der Vögel kann man diese drei Teile leicht mit -unbewaffnetem Auge erkennen: erst wenn die zarte Eihaut zerrissen wird, -fließt der Dotter aneinander; in der Mitte des weißen Keimfleckes -gewahrt man das Keimbläschen. Bei den Vögeln ist die Eizelle noch vom -Eiweiß und der Eischale umhüllt. Beim Menschen ist das unbefruchtete -Ei so klein, daß es gerade noch mit freiem Auge gesehen werden kann -(Durchmesser 0,18-0,20 _mm_); aber es ist immer noch riesig groß im -Verhältnisse zu den Samenfäden. Der Kopf des männlichen Samenfadens -nimmt nur etwa ein Hunderttausendstel des Raumes eines menschlichen -Eies ein. Dafür werden aber die Samenfäden in den männlichen -Geschlechtsdrüsen, den +Hoden+, in ungeheuer viel größeren Mengen -gebildet als die Eier in den +Eierstöcken+, den Geschlechtsdrüsen -des Weibes. Im menschlichen Weibe reifen während der ganzen Zeit der -Fortpflanzungsperiode etwa 400 Eier, während man schätzen kann, daß der -Mann während der Dauer seiner Zeugungsfähigkeit etwa 400 Milliarden -Samenfäden bildet, so daß also auf jedes reife Ei etwa 1000 Millionen -Samenfäden kommen. So viele werden gebildet, damit wenigstens einige -wenige ihr Ziel, das Ei, erreichen! Die ungeheure Mehrheit verfehlt ihr -Ziel und geht zugrunde; selbst von jenen, welche bis zum Ei gelangt -sind, gelingt es als Regel nur einem +einzigen+, ins Innere des Eies zu -gelangen. - -Dort, wo die Befruchtung des Eies außerhalb des weiblichen -Körpers erfolgt -- die See-Igel liefern besonders geeignetes -Beobachtungsmaterial --, kann man sehen, wie die Samenfäden, mit -dem Kopfe voran, da und dort in die Eihaut eindringen. Sobald ein -Samenfaden sich dem Dotter bis auf eine gewisse Entfernung genähert -hat, baucht sich der Dotter ihm entgegen aus, so daß sich hier ein -Wulst, der sog. +Empfängnishügel+, bildet. In diesen Wulst dringt der -Kopf des Samenfadens ein, während sein Schwanz, der seinen Dienst -geleistet hat, abgestoßen und aufgelöst wird. Hierauf zieht sich der -Wulst wieder in die Masse des Dotters zurück; die Befruchtung ist -vollzogen. In diesem Augenblick umkleidet sich der Dotter mit einem -neuen Häutchen, das keinen zweiten Samenfaden in den Dotter eindringen -läßt. - -Um verstehen zu können, was nun im befruchteten Ei vor sich geht, ist -es notwendig, daß wir weiter ausholen. - -Jedermann weiß, daß die einzelnen Abschnitte des Körpers, der -Rumpf, die Gliedmaßen, nicht in sich gleichartige Gebilde sind, -sondern aus Teilen von sehr verschiedenartigem Aussehen und mit sehr -verschiedenartigen Leistungen bestehen. So finden wir in den Gliedmaßen -unter der Haut die roten weichen Muskeln, die harten Knochen, die -weißen Stränge der Nerven, die Röhren der Blutgefäße usw. Wenn wir -dann die einzelnen +Organe+ (Werkzeuge) betrachten, so finden wir, daß -auch sie nicht durch und durch aus einer gleichartigen Masse bestehen, -sondern wieder aus verschiedenen +Geweben+ zusammengesetzt sind. Dies -zeigt uns z. B. sofort eine aufmerksame Betrachtung des gekochten -Fleisches, wie es auf unseren Tisch kommt. Auch die Gewebe wieder sind -nicht homogene, in sich gleichartige Gebilde, sondern bestehen -- wie -wir allerdings erst bei der mikroskopischen Untersuchung erkennen -können -- aus winzig kleinen Elementarteilen, den sog. +Zellen+. -Ebenso wie der Leib aller Tiere besteht der aller Pflanzen aus solchen -Elementargebilden, die trotz manchen Verschiedenheiten im einzelnen -der Hauptsache nach gleichartig gebaut sind. Manche pflanzliche und -tierische Gewebe sehen zum Verwechseln ähnlich aus, so sehr stimmen sie -in den Hauptzügen ihres Baues überein. - -Die niedrigsten Pflanzen und Tiere bestehen aus einer +einzigen+ -Zelle. Hier leistet also die eine Zelle alle Lebensgeschäfte, wie die -Aufnahme und Verdauung der Nahrung, die Ausscheidung des Unverdauten -und der Abfälle des Stoffwechsels, die Wärmeerzeugung, Eigenbewegung, -Fortpflanzung usw. Man nennt diese niedersten einzelligen Organismen, -insofern sie tierischen Charakter haben, +Protozoen+. Im Gegensatz zu -ihnen stehen die +Metazoen+, deren Leib aus einer Mehrheit von Zellen -besteht. Das Metazoon ist gewissermaßen eine Kolonie von Protozoen. -Je höher entwickelt das Tier ist, um so mehr unterscheiden sich seine -einzelnen Zellen in ihrer Gestalt voneinander, um so verschiedener -werden auch ihre Leistungen, um so vollkommener ist der Grundsatz -der Teilung der Arbeit durchgeführt, so daß also nicht mehr alle, -sondern nur ein Teil der Zellen mit der Nahrungsaufnahme und Verdauung -beschäftigt ist, nur gewisse Zellen die Fortpflanzung besorgen usw. - -Der alte Name „Zelle“ bedeutet so viel als Kämmerchen, weil man -anfangs dachte, daß jeder solcher Elementarorganismus mit eigenen, -festen Wänden, einer Kapsel oder besonderen Haut umhüllt sei, wie -man es bei vielen Pflanzenzellen tatsächlich findet. Heute wissen -wir, daß durchaus nicht alle Zellen derartige Hüllen besitzen. Wir -unterscheiden heute an jeder Zelle zwei Hauptteile: den +Zelleib+ -oder das +Protoplasma+ und den +Kern+, ein bläschenartiges Gebilde, -das meistens im Innern des Protoplasmas liegt und für gewöhnlich zu -ruhen scheint, während ausschließlich vom Protoplasma die Aufnahme und -Verdauung der Nahrung, die Bildung der Absonderungen, die Fortbewegung -besorgt zu werden scheinen. Trotz der scheinbaren Ruhe ist aber der -Kern an allen Vorgängen in der Zelle aufs engste beteiligt; er ist z. -B. ganz unentbehrlich für die Verdauung der aufgenommenen Nahrung, für -die Erhaltung und das Wachstum der Zelle, für die Bildung der Zellhaut, -wo eine solche vorhanden ist. Man kann sagen, der Kern +regiere+ das -Leben der Zelle. Die Eigenart der Zelle hängt fast ganz von ihm ab. - -Auch das Ei und der Samenfaden sind Zellen. Am Ei erkennen wir die -Hauptteile der Zelle ohne weiteres; das Keimbläschen ist ihr Kern, -der Dotter ihr Protoplasma, die Eihaut ihre Zellhaut. Der Samenfaden -dagegen ist eine Zelle von sehr absonderlicher Form und mit einem -Anhängsel, dem Schwanze. Aber auch bei ihm hat man den Kopf als -Zellkern erkannt und einen zarten Saum um den Kopf und das Mittelstück -als eine, allerdings winzig kleine, Menge von Protoplasma. Ei und -Samenfaden unterscheiden sich dadurch sehr auffällig, daß das erstere -in seinem Dotter ungeheuer viel Protoplasma besitzt, der letztere sehr -wenig. - -Alle Zellen vermehren sich durch +Teilung+. Dies gilt für die -mehrzelligen wie für die einzelligen Organismen. Unser ganzer -Körper ist aus der fortgesetzten Teilung der befruchteten Eizelle -hervorgegangen. „Jede Zelle stammt wieder von einer Zelle“; das ist -eine der wichtigsten Feststellungen der Biologie. - -Dieser Wachstums- und Vermehrungsprozeß der Organismen ist eines der -dunkelsten Rätsel, vor denen die Naturforschung steht; vorläufig -unfaßbar auch dort, wo, wie bei den +Bakterien+, das Ganze sehr einfach -vor sich zu gehen scheint. Einfach scheint uns die Sache nur deshalb, -weil wir bei diesen winzigen Wesen von den meisten Vorgängen nichts -sehen. Wir sehen hier nur, wie die Zelle wächst, eine stäbchenförmige -Zelle z. B. sich bis zu einem gewissen Grade verlängert, wie dann -in der Mitte ihrer Länge eine Scheidewand, dann eine Einschnürung -auftritt, diese letztere immer deutlicher wird, bis schließlich die -zwei Hälften auseinanderfallen. Jede Hälfte sieht genau so aus wie -die Mutterzelle, bevor sie sich in die Länge gestreckt hatte, und -jede hat auch genau dieselben Eigenschaften wie die Mutterzelle und -ist wie diese befähigt, sofort wieder zu wachsen und sich zu teilen. -Unter günstigen Umständen erfordert eine solche Teilung nicht mehr -Zeit als 20 Minuten, so daß bei Fortdauer günstigster Umstände durch -fortgesetzte Teilung binnen 24 Stunden aus einem einzigen Bakterium -4700 Trillionen werden könnten.[A] - -[Illustration: Tafel 1. - -(Nach Boveri.)] - - =Erklärung der Fig. 1-10 auf Tafel 1.= - - Fig. 1. Ruhende Zelle; _a_) Zelleib oder Protoplasma; _b_) - ruhender Kern mit Chromatingerüste, Kernhaut und Kernsaft; _c_) - Zentralkörperchen oder Centrosoma. -- Fig. 2. Zweiteilung des - Centrosomas; beginnende Chromosomenbildung. -- Fig. 3. Die beiden - Tochter-Centrosomen rücken gegen die Pole und umgeben sich mit - Strahlenhöfen; das ganze Chromatin in (4) Chromosomen vereinigt. -- - Fig. 4. Fortschreiten der beiden Vorgänge; Auflösung der Kernhaut, - Aufsaugung des Kernsaftes. -- Fig. 5. Anordnung der Chromosomen in - der sog. Äquatorialplatte; fädige Verbindungen mit den Centrosomen. - -- Fig. 6. Längsteilung aller Chromosomen. -- Fig. 7 und 8. - Wanderung der Tochter-Chromosomen zu den Polen: beginnende Teilung - des Zelleibes. -- Fig. 9. Die Zweiteilung der Zelle vollzogen: - Neubildung von Kernhaut und Kernsaft um jede Chromosomengruppe. - Schwinden der Strahlenhöfe um die Centrosomen. -- Fig. 10. Übergang - beider Tochterzellen in die Ruheform; Auswachsen der Chromosomen - zum Chromatingerüste. - -Bei den Bakterien vermag man nicht recht den Kern und das Protoplasma -zu unterscheiden, und vermag man daher auch nicht zu sagen, wie sich -beide bei der Teilung verhalten. Anders ist es bei jenen Zellen, bei -denen Protoplasma und Kern deutlich voneinander geschieden sind. Hier -hat man die allermerkwürdigsten Vorgänge kennen gelernt. Wir müssen uns -mit dieser sog. +indirekten+ (Umwegs-) +Zellteilung+ der kernhaltigen -Zellen genauer beschäftigen, weil wir nur durch sie zu einem tieferen -Verständnis der Befruchtung vordringen können. - -Wenn wir eine nicht in Teilung begriffene Zelle unter sehr starker -Vergrößerung betrachten, erscheint uns der ruhende Kern als ein -Bläschen, das in der Regel die Gestalt der Mutterzelle nachahmt. Wenn -wir die Zelle künstlich färben, sehen wir, daß auch der Kern wieder -ein zusammengesetztes Gebilde ist. Wir sehen in ihm ein oder mehrere -rundliche Körperchen, die +Kernkörperchen+, und ein badeschwammartiges -Gerüstwerk, das mit der deutlich erkennbaren Kernhaut zusammenhängt und -den ganzen Kern durchzieht. Die Maschen der Waben dieses Gerüstwerkes -sind vom +Kernsafte+ ausgefüllt. Eine der Substanzen, aus welchen das -Gerüst besteht, hat die Eigenschaft, sich mit gewissen Farbstoffen -stark zu beladen, wenn man die Zelle künstlich zu färben sucht; sie -wird daher +Chromatin+ (färbbarer Stoff) genannt. - -Kommt es nun zur sog. indirekten Teilung oder Teilung durch „+Mitose+“ -(+Fadenbildung+ des Chromatins), so verändert sich zunächst der Kern in -der auffallendsten Weise (s. Tafel 1 Fig. 1-10). Das Chromatingerüste -zieht sich zu einem zunächst vielfach gewundenen Strange zusammen, -der weiter zusammenschrumpft, sich dabei verdickt und verkürzt und -schließlich durch Querteilung in eine Anzahl von Teilstücken zerfällt, -welche +Chromosomen+ genannt werden. Die Zahl dieser Chromosomen ist -bei den verschiedenen Organismenarten verschieden (4, 8, 16 und mehr; -beim Menschen 24), aber für die Zellen jeder Tier- und Pflanzenart -unveränderlich. Während es zur Bildung der Chromosomen kommt, löst -sich der Kern als solcher auf, indem die Kernhaut verschwindet und der -Kernsaft ins Protoplasma übertritt. - -Die Chromosomen ordnen sich nun in einer Ebene, die ungefähr dem -Äquator der Zelle entspricht, parallel hinter- und nebeneinander. -Dann spaltet sich jedes Chromosoma der Länge nach in zwei genau -gleichgroße Hälften, und die Hälften jedes Chromosoms wandern nun -in entgegengesetzter Richtung, die eine nach dem einen, die andere -nach dem andern Pol der Zelle. Die Zahl der Chromosomen hat sich also -genau verdoppelt, und in der Nähe jeden Poles versammeln sich genau -so viele Chromosomen, als die Mutterzelle hatte; also 4, wenn diese 4 -hatte, 8, wenn 8 usw. Um jede der Chromosomengruppen scheidet sich nun -wieder Flüssigkeit aus dem Protoplasma aus, die Chromosomen fangen an, -Fortsätze auszusenden, die miteinander verwachsen, so daß wieder ein -genau solches Gerüstwerk und eine genau solche Kernblase entstehen, wie -sie die Mutterzelle hatte. Inzwischen hat sich auch das Protoplasma am -Äquator eingeschnürt. Es wächst hier eine Scheidewand quer durch die -Mutterzelle durch, die beiden Hälften lösen sich allmählich voneinander -los, und indem sie wachsen, werden sie mehr und mehr das genaue Abbild -der Mutterzelle, aus der sie hervorgegangen sind. - -So umständlich der Vorgang der Kernteilung und Kernneubildung schon -nach dem bisher Gesagten ist, in Wirklichkeit ist er noch weit -verwickelter. Tatsächlich fängt der Teilungsvorgang damit an, daß -sich ein besonderes, kleines Körperchen, das sich neben dem Kerne -im Protoplasma der Zelle findet, das +Zentralkörperchen+ oder -+Centrosoma+, verdoppelt und die beiden Hälften an die Pole der Zelle -auseinanderrücken. Um jedes der beiden neuen Centrosomen bilden sich -fädige Strahlen. Ein Teil dieser Fäden heftet sich an die Chromosomen -an, und mit Hilfe dieser Fäden werden die Chromosomenhälften -- wie -wir’s beschrieben haben -- schließlich auseinandergezogen und gegen die -Pole hingeführt. Tatsächlich regiert also das Zentralkörperchen oder -Centrosoma den ganzen Teilungsvorgang. Aber so wichtig an sich dieser -Vorgang ist, wollen wir uns auf diese Andeutungen beschränken, die aus -der Abbildung wohl verständlich werden dürften. - -Für uns ist vor allem wichtig die Umwandlung des ruhenden Kernes in -die Chromosomen, die Halbierung der Chromosomen und die sorgfältige -Verteilung der Hälften auf die beiden Tochterzellen. Was durch den -ganzen Vorgang erreicht wird, ist völlig klar: offenbar wird dadurch -das Chromatin, die färbbare Substanz des Kernes, so gleichmäßig als -irgend möglich auf die Tochterzellen verteilt. Offenbar ist diese -gleichmäßige Verteilung des Chromatins Bedingung dafür, daß die -Tochterzellen der Mutterzelle gleich werden. - -Der geschilderte Vorgang der sog. indirekten Zellteilung verläuft in -der ganzen Tier- und Pflanzenwelt in der Hauptsache völlig gleichartig: -der überraschendste Beweis für die enge Verwandtschaft alles Lebendigen! - -Genau so, wie wir’s hier geschildert haben, verläuft nicht nur die -Zellteilung beim Wachstum der mehrzelligen Organismen, der Metazoen, -sondern auch die ungeschlechtliche Fortpflanzung der Protozoen. -Zellteilung folgt bei ihnen in dieser Weise auf Zellteilung; ohne Ende, -wenn nicht äußere Hindernisse eintreten. - -Neben der ungeschlechtlichen Fortpflanzung sehen wir aber auch schon -bei vielen Einzelligen geschlechtliche Fortpflanzung auftreten. Wir -finden bei ihnen sogar mehrere Arten davon. Am einfachsten sind die -+Kopulation+ und die +Konjugation+. - -Es kommt vor, daß sich zwei von diesen einander völlig gleichenden -einzelligen Wesen aneinanderlegen, ihre Kerne sich spalten, die -Hüllhäute an der Berührungsstelle der beiden Zellen verschwinden -und nun die Kernhälften zwischen den beiden Individuen ausgetauscht -werden. Die Hälfte des Kernes des Individuums _A_ wandert in das -Individuum _B_ und umgekehrt, worauf sich die beiden Individuen wieder -voneinander trennen. Die beiden Kernhälften, die eigene und die -fremde, vereinigen sich, und in jedem Individuum erfolgt nun eine neue -Kernteilung und die Teilung der Mutterzelle in Tochterzellen, genau so, -wie wir’s oben geschildert haben. - -Noch einfacher ist der Vorgang, wenn geradezu zwei Individuen zu einem -verschmelzen. Die beiden Kerne legen sich aneinander, und nun erfolgt -die Vermehrung, indem jeder der beiden aneinanderliegenden Kerne in -zwei Hälften geteilt wird, so daß jede Tochterzelle den halben Kern der -Elternzellen _A_ und _B_ erhält und ihre Tochterzellen wieder je ein -Viertel von _A_ und _B_ usf. - -Bei manchen Protozoen, bei den Metazoen und beim Menschen wird die -Fortpflanzung, wie wir schon besprochen haben, durch +bestimmte -Geschlechtszellen+ besorgt. Es gibt dann, wie wir bereits wissen, bei -jeder Art zweierlei Geschlechtszellen, die sich durch ihr Aussehen -unterscheiden und verschiedene Leistungen zu verrichten haben, aber in -der Hauptsache, nämlich bezüglich ihrer Kerne, gleichartig sind. Diese -Geschlechtszellen werden in eigenartigen Mutterzellen, bei den höheren -Pflanzen und Tieren in besonderen Organen, durch Zellteilung gebildet. - -Im Gegensatz zu den anderen Zellen sind diese Geschlechtszellen in -der Regel unfähig, für sich allein weiterzuleben, zu wachsen, sich zu -teilen und zu vermehren. Es kommen aber Ausnahmen vor, und bei vielen -höheren Wesen kann sich unter bestimmten natürlichen oder künstlich -hergestellten Bedingungen auch aus dem +unbefruchteten+ Ei ein neues -Individuum entwickeln (sog. +Parthenogenesis+ oder Jungfrauenzeugung, -z. B. Entstehung der Drohnen aus den unbefruchteten Eiern der Bienen). - -In der Regel gehen die Geschlechtszellen zugrunde, wenn sie nicht zur -Vereinigung gelangen; den Samenfäden fehlt es an Protoplasma, den Eiern -fehlt das Zentralkörperchen, das Centrosoma, das den ersten Anstoß -zur Zellteilung gibt. Im reifen, befruchtungsfähigen Zustande haben -Eizelle und Samenfäden auch nur +halb so viel+ Chromatin und bilden -auch nur +halb so viele+ Chromosomen als die gewöhnlichen Körperzellen -ihrer Art, +da bei ihrer Reifung die Hälfte der Chromosomen ausgestoßen -worden ist+. Dieser Unterschied in der Chromosomenzahl tritt zutage, -wenn die Befruchtung erfolgt ist, die beiden Geschlechtszellen sich -vereinigt haben. - -Nachdem der Kopf des Samenfadens vom Ei aufgenommen worden ist und die -neugebildete Dotterhaut das Eindringen eines zweiten Samenfadens in das -Innere des Eies unmöglich gemacht hat, sehen wir (s. Tafel 2, Fig. -11 bis 17), wie der Kopf des Spermatozoons sich allmählich dem Kerne -der Eizelle nähert. Sein Kern nimmt dabei an Größe zu und teilt sich -dann in +halb+ so viele Chromosomen, als den Kernen des Organismus, -von dem der Samenfaden abstammt, sonst zukommen; beim Menschen also in -12. Die Chromosomen wachsen durch Fortsätze zu einem feinen Netzwerk -aus. Zugleich scheidet sich aus dem Protoplasma der Eizelle Flüssigkeit -aus, so daß der Kern des Spermatozoons nun genau wie das Kernbläschen -einer ruhenden Zelle aussieht und dem Kerne der Eizelle zum Verwechseln -ähnlich geworden ist. +Es besteht kein Geschlechtsunterschied mehr -zwischen den beiden Kernen.+ Auch ihre Größe ist in diesem Stadium -vollkommen gleich. Während diese Veränderungen mit dem Kerne vorgehen, -hat sich ein winziges Körperchen, das mit dem Kopfe des Spermatozoons -in das Ei mit hereingebracht worden ist, mit einem Strahlenhofe umgeben -und in zwei Körperchen geteilt. Jedes von diesen bekommt wieder einen -Strahlenhof. Wir haben ohne Zweifel Gebilde vor uns, die genau den -Zentralkörperchen oder Centrosomen der gewöhnlichen, in der Teilung -begriffenen Zellen entsprechen. Während Eikern und Samenkern immer -näher zusammenrücken, rücken die beiden Centrosomen auseinander. Die -beiden Kerne fangen nun gleichzeitig an, Chromosomen zu bilden; der -Kern des Eies genau so viele wie der Kern des Samenkörperchens, also -ebenfalls nur halb so viele, als die Kerne der betreffenden Tierart -sonst bilden. Diese Chromosomen ordnen sich in einer Ebene zusammen und -teilen sich der Länge nach. Ihre Hälften werden durch die Fäden, die -von den Centrosomen ausgegangen sind, auseinander- und gegen die Pole -hingezogen; kurz, alles weitere verläuft genau so wie mit dem +einen+ -Kerne einer gewöhnlichen Zelle, die sich in indirekter Zellteilung -befindet. Der einzige wahrnehmbare Unterschied ist nur der, daß die -Hälfte der Chromosomen vom Eikern, die andere Hälfte vom Samenkern -herrührt, und daß +jedem Pole angenähert die Hälfte der väterlichen -und der mütterlichen Kernsubstanz zugeführt wird, also jede der beiden -Tochterzellen einen Kern bekommt, der zur Hälfte vom Vater, zur Hälfte -von der Mutter abstammt+. Da der Spermakern wie der Eikern halb so -viele Chromosomen bildet als die Kerne der Körperzellen, so liefern -beide zusammen ebensoviel Chromatin und Chromosomen, wie in einer -normalen Zelle vorhanden ist, und jede der beiden Tochterzellen bekommt -daher ebenfalls die normale Menge davon. - -Jede der beiden Tochterzellen teilt sich nun in derselben Weise weiter, -und jedesmal erhält jede der bei der Teilung neu entstehenden Enkel-, -Urenkel-, Ururenkel- usw. Zellen ungefähr gleichviel mütterliches und -väterliches Chromatin; die Hälfte ihrer Chromosomen ist väterlicher, -die andere Hälfte mütterlicher Herkunft. +Die Kernsubstanz jeder Zelle -unseres Körpers stammt also halb vom Vater, halb von der Mutter her.+ - -Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, daß während der -fortgesetzten Teilungen und Wachstumsvorgänge die Gesamtmasse des -Chromatins sich ganz ungeheuer vermehrt hat. Die Substanzen, aus denen -das neue Chromatin gebildet wurde, stammen natürlich aus der Nahrung; -aber sie werden zuerst chemisch umgewandelt, +assimiliert+, dem -ursprünglichen Chromatin gleichgemacht, bevor sie Teile der Zellkerne -werden. Die Art dieser Umwandlung und Formung wird in einer noch nicht -genügend aufgeklärten Weise durch die Beschaffenheit des ursprünglich -ererbten Chromatins bestimmt. - -[Illustration: Tafel 2. - -(Nach Boveri.)] - - =Erklärung der Fig. 11-17 auf Tafel 2.= - - Fig. 11. _A_) +Ei.+ _a_) Eihaut mit ihren Porenkanälen (in den - späteren Figuren weggelassen); _b_) Eidotter; _c_) ruhender - Eikern; _d_) Empfängnishügel mit eingedrungenem Samenfaden. - _B_) +Samenfäden.+ _e_) Kopf; _f_) Mittelstück; _g_) Schwanz - des Samenfadens. -- Fig. 12. Vordringen des Samenkerns gegen - den Eikern; Auftreten des Centrosoms der Samenzelle mit - Strahlenhof; Auflösung des Schwanzes. -- Fig. 13. Teilung - des Samenfadenkopfes in zwei Chromosomen. -- Fig. 14. - Fortschreitende Annäherung des Samenkerns an den Eikern unter - Auseinanderrücken der Tochter-Centrosomen an die Pole; Auswachsen - der Samenkern-Chromosomen zum Chromatingerüste. -- Fig. 15. Der - Samenkern ist dem Eikern gleich geworden. -- Fig. 16. Samenkern - und Eikern haben gleichzeitig (je 2) Chromosomen gebildet. -- Fig. - 17. Längsteilung der väterlichen und mütterlichen Chromosomen in - gleiche Hälften und Verbindung der Hälften mit den Centrosomen. - (Bezüglich der weiteren Entwickelung s. Fig. 7-10.) - -+Die Kernsubstanz unserer Zellen ist die eigentliche -Vererbungssubstanz+; sie ist jedenfalls die Hauptträgerin der die -einzelnen Individuen einer Art unterscheidenden vererblichen Anlagen. -Das Protoplasma der Eizelle scheint hauptsächlich die Bedeutung -eines Nahrungsstoffes für die wachsenden und sich teilenden Kerne zu -haben, wenn es auch bei den verschiedenen Organismenarten chemisch -und baulich ebenso spezifisch verschieden ist wie die Kernsubstanz -und daher die der ganzen Art gemeinsame Beschaffenheit mitbestimmt. -So wird es begreiflich, daß im allgemeinen das väterliche und das -mütterliche Erbe gleichgroßen Einfluß auf die körperliche und geistige -Beschaffenheit ihrer Nachkommen ausüben, obwohl die Mutter das große -Ei, der Vater den winzigen Samenfaden liefert. Von der ganzen großen -Masse des Eies ist nur ein winziger Teil, nicht größer als der Kopf des -Spermatozoons, Vererbungssubstanz. - -Wie das Chromatin aller anderen Zellen ist auch das des Samenfadens und -der Eizelle halb väterlichen, halb mütterlichen Ursprungs, und dies -macht es wieder verständlich, daß Eigenschaften der Großeltern und viel -fernerer Ahnen in den Enkeln wieder auftauchen können (+Atavismus+). - -Wenn wir uns vor Augen halten, daß auch auf ungeschlechtlichem Wege -Fortpflanzung durch anscheinend unbegrenzte Zeiten möglich ist (man -denke nur an die ungeschlechtliche Teilung der Bakterien und anderer -Protisten [einfachster Lebewesen] und an die Fortzüchtung vieler -Pflanzen durch sog. Ableger!), so kommt man zu dem Schlusse, daß es die -Aufgabe der geschlechtlichen Fortpflanzung, der Befruchtung sei, durch -Vermischung der Keimstoffe einerseits individuelle Eigentümlichkeiten -und Abnormitäten der Eltern auszugleichen und so die Gesamtheit der -Anlagen und damit die Haupteigenschaften der Spezies unverändert zu -erhalten, andererseits wieder neue Kombinationen von Anlagen und -dadurch Mannigfaltigkeit unter den Individuen herzustellen. - - - - -2. Kapitel. - -Vererbung und Zuchtwahl. - - -Im vorhergehenden Kapitel ist es mir vor allem darum zu tun gewesen, -dem Leser zu zeigen, daß die aufeinanderfolgenden Generationen -aufs allerengste miteinander verknüpft sind. Geformte Teile des -elterlichen Körpers haben sich losgelöst und setzen in dem neuen -Gebilde, das wir Individuum nennen, das Leben fort, das sie im -elterlichen Körper geführt haben. Das +Neue+ an dem neuen Individuum -ist +nur+, daß eine neue +Mischung+ von Lebendigem erfolgt ist. -+Wir sind, wenigstens den Anlagen nach durchaus, körperlich und -geistig, die Geschöpfe unserer Eltern und Ahnen.+ In dem elterlichen -Chromatin, in dem +Keimplasma+ oder +Idioplasma+, wie es auch -genannt wird, ist unsere ganze Organisation vorherbestimmt. Durch -das Keimplasma ist vorherbestimmt gewesen, daß wir Angehörige der -+Spezies Mensch+ geworden sind; von ihm hängen die Farbe unserer -Haut, die Beschaffenheit unserer Haare, der Bau des Schädels und -alle anderen Eigentümlichkeiten der +Menschenrasse+ ab, die wir an -uns tragen, alle Eigentümlichkeiten unseres +Volksstammes+ innerhalb -der Rasse; innerhalb der Eigentümlichkeiten des Volksstammes wieder -alle Besonderheiten der +Familie+ und alles mit der +Individualität+ -unserer Eltern Übereinstimmende in uns. Die Farbe unserer Augen, die -Gestalt der Nase, des Mundes, der Ohren, die Statur, der Gang, die -Gebärde, die Sprechweise, die geistige Begabung, der Charakter, das -Talent und Temperament, kurz +alles+ ist hier im Keimplasma in der -Hauptsache schon festgelegt, so groß und wichtig auch die äußeren oder -„+Umwelts+“-(„Milieu-“)Einflüsse sind, die die Keime während ihrer -Entwicklung und bis zu ihrer Vereinigung und das Individuum +nach+ der -Vereinigung der elterlichen Keime treffen. - -Wenn trotzdem selbst die Kinder gleicher Eltern in der Regel -untereinander verschieden sind und nicht selten sogar sehr auffällige -Unterschiede zeigen, so rührt dies -- wenn wir von der merkwürdigen, -noch nicht genügend aufgeklärten Tatsache der sog. +Mutation+, d. -h. des plötzlichen Neuauftretens oder Verlustes einer vererbbaren -Eigenschaft oder Anlage in einem Individuum, hier absehen -- -hauptsächlich von zwei Umständen her. Erstens davon, daß kaum jemals -die Bedingungen, unter denen sich zwei Individuen entwickeln, ganz -gleich sind und die +Verschiedenheit der Lebensbedingungen bei -gleichen Anlagen+ Verschiedenheiten des Aussehens und der Leistungen -der Individuen herbeiführt (+Modifikation+, +Lebenslage-Variation+). -Zweitens aber -- und dies ist viel wichtiger! -- davon, daß +kaum -jemals die Kinder desselben Elternpaares tatsächlich gleiche Anlagen -erhalten+. - -Die Keimstoffe sind nämlich nichts Einheitliches! +Die Erbmasse ist -ein Konglomerat (Zusammenballung) einer ungeheuren Anzahl einzelner -Anlagen (Erbeinheiten), welche in hohem Maße unabhängig voneinander -vererbt werden.+ Wir haben gehört, daß bei der Reife der Keimzellen -die Hälfte der Chromosomen und des Chromatins ausgestoßen wird. Bei -dieser Ausstoßung trennen sich die +zusammengehörigen+ väterlichen und -mütterlichen Anlagen voneinander, und nur eine von ihnen bleibt in -der reifen Keimzelle zurück (z. B. die Anlage zu brauner Augenfarbe, -die etwa vom Vater ererbt war, oder die Anlage zu blauer, die von der -Mutter ererbt war). Es ist aber +rein zufällig+, +welche+ von diesen -beiden Anlagen im einzelnen Falle zurückbleibt. Da es sich dabei um -eine ungeheuere Zahl von Anlagenpaaren handelt, ist es klar, daß auf -diese Weise eine ungeheuere Zahl von Kombinationen (Zusammenstellungen) -der Anlagen bei der Reifung der Keimzellen entstehen muß; sowohl bei -denen des Mannes wie bei denen der Frau. Und wieder ist es +völlig dem -Zufall+ anheimgegeben, welche von diesen verschiedenartigen Keimzellen -des Vaters und der Mutter bei der einzelnen Befruchtung gerade -zusammentreffen! Und nun wirken diese neukombinierten zusammengehörigen -Anlagen wieder in verschiedener Weise aufeinander, mischen sich in -einem Falle in ihrer Wirkung, während in einem andern Falle die eine -die andere völlig unterdrückt! - -Alle diese Umstände müssen bewirken, daß fast niemals zwei Individuen -einander ganz gleich werden; müssen jene Unterschiede alles Geborenen -in bezug auf Gestalt, Körperkraft, Gesundheit, Begabung, Tatkraft -herbeiführen, die zwar im Vergleiche zu dem Übereinstimmenden klein, -trotzdem aber für Wert und Schicksal des Individuums entscheidend sind! - -Wie weit die Abhängigkeit der Beschaffenheit der Nachkommen von -der Beschaffenheit der elterlichen Zeugungsstoffe geht, wird durch -nichts klarer bewiesen als durch das Vorkommen von sog. +identischen -Zwillingen+, zum Verwechseln ähnlichen Individuen, die infolge einer -Störung des normalen Entwicklungsganges aus +einem Ei+ und +einem -Samenkörperchen+ entstanden sind. - -Wenn beim Menschen die Vererbung der +Besonderheiten+ der Eltern -und Familienstämme auf die Nachkommen nicht auffallender ist, so -rührt dies davon her, daß wir bei der Gattenwahl meistens auf diese -Eigentümlichkeiten keine Rücksicht nehmen, sondern von ganz anderen -Beweggründen uns leiten lassen. Mit welcher Vollkommenheit individuelle -Eigenschaften der Eltern auf die Nachkommenschaft vererbt und bei ihr -ausgebildet werden können, zeigt die +künstliche Zuchtwahl+, die der -Mensch unter seinen Haustieren und Kulturpflanzen trifft. Die Mittel, -die er dabei anwendet, sind: Auslese der vollkommensten oder mit einer -bestimmten erwünschten Eigenschaft ausgestatteten Exemplare für die -Zucht, Kreuzung möglichst ähnlicher Individuen, Auslese der Nachkommen -in demselben Sinne, Inzucht der erwünschten Varietät (Abart), strenge -Reinzucht der Rasse, strengster Ausschluß aller minderwertigen, -fehlerhaften oder kranken Exemplare von der Fortpflanzung und jeder -Vermischung mit fremden Blute, sorgfältige Pflege der Brut. So gelingt -es, binnen weniger Generationen Stämme von vollendeter Schönheit und -Tüchtigkeit oder von auffallendester Besonderheit zu züchten. Es -kann keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn wir unter uns in ähnlich -sorgfältiger Weise +Zuchtwahl+ treiben würden, +binnen weniger -Generationen Menschenstämme erzeugt werden könnten, die alles, was es -bisher von Menschen gegeben hat, an Schönheit, Kraft und Tüchtigkeit -weit hinter sich lassen würden+. - -An nichts kranken die menschlichen Zustände so sehr, als daß viel zu -viele Minderwertige, Dumme, Schwache, Faule, Gesellschaftsfeindliche -erzeugt werden und viel zu wenig Vollwertige, Gescheite, Starke, -Strebsame, Gemeinsinnige, Gewissenhafte! - -Zwangsweise läßt sich auf absehbare Zeit die Züchtung einer edlen -Menschenrasse nicht durchführen. Aber jeder sollte beim Abschluß der -Ehe daran denken, daß die Kinder nicht vom Himmel fallen und Edles -nur durch Erbschaft von Edlem entstehen kann, gut geratene Kinder -nur durch glückliche Vereinigung des gut Geratenen der Ahnen. +Die -tüchtige Jugend sollte daher das hohe Ideal der bewußten Erzeugung -und Fortpflanzung körperlich, geistig und sittlich bestbeanlagter -Familienstämme, =bewußter Zuchtwahl=, erfassen und freiwillig -befolgen.+ Vor solchen Generationen von Tüchtigen aus Tüchtigen müßten -Minderwertigkeit und Nichtswürdigkeit bald das Feld räumen. - -Wenn wir auch nicht zwangsweise Übermenschen züchten können, mit jener -Gedankenlosigkeit und Leichtfertigkeit wie bisher darf es bei der -Kindererzeugung jedenfalls nicht weitergehen! Es muß ins allgemeine -Bewußtsein übergehen, +daß es eines der schlimmsten Verbrechen -ist, Kinder zu erzeugen, von denen man vorher wissen kann, daß sie -höchstwahrscheinlich verkümmert, verkrüppelt, schwer krank oder mit -schwerer Krankheitsanlage behaftet sein werden+. Tausende und Tausende -werden erzeugt, die besser unerzeugt geblieben wären. Namenloses Elend, -eine unendliche Summe von Schmerz und Qual wird dadurch immer von neuem -in die Welt gebracht! Vernunftbegabten Wesen geziemt es nicht, so zu -handeln. - -Wenn ein Mensch von Geburt auf mit Fehlern oder Krankheit behaftet, zu -bestimmten Erkrankungen veranlagt oder im allgemeinen schwächlich und -wenig widerstandsfähig ist, so kann dies sehr verschiedene Ursachen -haben. Es kann darauf beruhen, daß er aus Keimstoffen hervorgegangen -ist, die +von den Ahnen her+ fehlerhaft oder minderwertig sind -(+Vererbung im eigentlichen Sinne+). Es kann sein, daß von Hause aus -gutgeartete Keimstoffe erst +im Leibe der Eltern+ verschlechtert worden -sind (+Keimverderb+). Es kann sein, daß ein aus gesunden und kräftigen -Keimen hervorgegangener Sprößling +während seines Lebens im Mutterleibe -geschädigt+ oder krank geworden ist. - -Es gibt aber auch nicht wenige Fälle, wo es nur so scheint, als ob das -Kind bereits krank und minderwertig geboren worden wäre und in Wahrheit -seine Krankheit oder Minderwertigkeit auf Schädigungen beruht, die es -erst +nach der Geburt in seiner frühesten Kindheit+ erfahren hat. Es -ist wichtig, diese Dinge zu unterscheiden, da sie beim Abschluß der Ehe -und bei der Kindererzeugung berücksichtigt werden müssen. - -Was die im eigentlichen Sinn vererblichen Fehler und Mängel des -Keimplasmas anbelangt, so ist zunächst zu sagen, daß es eine Reihe -von +Bildungsfehlern+ gibt, die bei sonstiger normaler Beschaffenheit -von Generation auf Generation, manchmal mit Überspringung einzelner -Glieder der Kette, vererbt werden. Zum Teile sind sie ganz geringfügig -und nicht beachtenswert, z. B. Muttermale oder Vertauschung von rechts -und links bei der Lagerung der Eingeweide. Viel bedeutungsvoller -ist die Vererbung von schlechter, zu Zahnfäule (Karies) neigender -Zahnbeschaffenheit, von Kurzsichtigkeit, Farbenblindheit und anderen -Fehlern des Auges, von gewissen Formen unheilbarer, fortschreitender -Schwerhörigkeit, die Vererbung überzähliger Finger und Zehen, der -Hasenscharte (gespaltene Oberlippe oder Oberkiefer), des Wolfsrachens -(gespaltener Gaumen), von Mißbildungen der Finger und der Hände. Höchst -ungünstig für die Nachkommenschaft ist die vererbliche Verkümmerung -der Brustdrüse, wegen der damit verbundenen Unfähigkeit zum Stillen. -Ein anderer böser ererbter Bildungsfehler ist die sog. Bluterkrankheit -oder Hämophilie. Die geringste Verletzung kann beim „Bluter“ fast -unstillbare Blutverluste und selbst den Tod durch Verblutung -herbeiführen. - -Höchst merkwürdig ist bei dieser glücklicherweise seltenen Krankheit, -daß sie nur bei den männlichen Nachkommen auftritt und nur durch -die selbst gesund bleibenden weiblichen Nachkommen vererbt wird. -Diese +Latenz+ (das Verborgenbleiben) der Erbeigenschaften in den -weiblichen Gliedern eines Familienstammes kommt übrigens auch bei -anderen krankhaften sowie bei lebensnützlichen Anlagen (Talenten) vor; -geradeso, wie Frau und Mann gewisse Besonderheiten der Merkmale des -anderen Geschlechtes (z. B. des Bartwuchses, der Form und Größe der -Brüste) verborgen auf ihre Söhne bzw. Töchter vererben. - -Auf vererblichen Fehlern der Keimstoffe beruht ferner die Neigung der -Mitglieder mancher Familien zu gewissen +Stoffwechselkrankheiten+, wie -namentlich zur Gicht, zur Fettsucht, zur Zuckerharnruhr; die Neigung -zu gewissen langwierigen +Hautkrankheiten+, insbesondere zu den sog. -Flechten. Auch gewisse Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße, die -zum Schlagflusse führen, scheinen auf erblicher Grundlage zu entstehen. - -Allgemein bekannt ist es endlich, daß in einzelnen Familien die Neigung -zu +Geisteskrankheiten+ und +nervösen Leiden+ mannigfacher Art sich -forterbt. Dabei ist bemerkenswert, daß die Art des Nervenleidens bei -den verschiedenen Familiengliedern sehr verschieden sein kann. Einige -zeigen reizbare Schwäche oder Exzentrizität in ihren Meinungen und -Neigungen, jähen Wechsel ihrer Stimmung, andere leiden an Krämpfen, -Lähmungen, Epilepsie; neben eigentlichen Geisteskrankheiten treten -Hysterie, Hypochondrie, Trunksucht, Neigung zu geschlechtlichen -Ausschweifungen, zu Selbstmord, zu Verbrechen auf. Das Vererbte -ist eine abnorm +leichte Störbarkeit+ und +Verwundbarkeit+ des -Nervensystems. Welche Krankheit sich dann tatsächlich entwickelt, -scheint bis zu einem gewissen Grade vom „Zufall“ abzuhängen. Nach -neueren Forschungen ist es aber gewiß, daß es +verschiedenartige+ -krankhafte Veranlagungen des Nervensystems gibt, z. B. besondere -Anlagen zu Verrücktheit, zu Epilepsie usw. Ein erheblicher Bruchteil -der Nachkommen pflegt übrigens selbst bei schwerer Belastung von -wirklicher Erkrankung freizubleiben, und bei manchen Arten solcher -Vererbungen können neben der fehlerhaften Anlage hohe geistige -Begabung, Talent, Schwung und Tatkraft einhergehen. Bei schwerster -Belastung zeigen einzelne Familienglieder auch körperliche Bildungs- -und Entwicklungsfehler (die sog. Degenerationszeichen). - -Viel häufiger als eine solche begrenzte Fehlerhaftigkeit der Keime, -die sich in bestimmten Bildungsfehlern und Krankheitsanlagen der im -übrigen vielleicht völlig gesunden und kräftigen Nachkommen äußert, -ist ihre +Minderwertigkeit und Schwächlichkeit im ganzen+, wie sie in -der Lebensschwäche und kümmerlichen körperlichen, intellektuellen und -moralischen Entwicklung des Kindes und in seiner Kränklichkeit, d. h. -seiner geringen Widerstandsfähigkeit gegen äußere Schädlichkeiten, -zutage tritt. - -Diese Lebensschwäche der Keime kann wieder etwas sein, was schon von -den Vorfahren ererbt ist. Meistens aber ist sie erst die Folge der -ungünstigen Bedingungen, unter denen die Keime im Körper der Eltern -gewachsen sind. - -So ist die Schwächlichkeit der Kinder nicht selten einfach auf das -+unpassende Alter der Eltern+ zurückzuführen. Nur innerhalb einer -gewissen Lebensperiode steht die Keimbildung auf voller Höhe. Kinder -zu junger Eltern (Mutter unter 20, Vater unter 24 Jahren) sind nicht -selten lebensschwach und sterben daher zahlreicher schon im ersten -Lebensjahr wieder ab. Es kommen bei ihnen auch häufiger als sonst -Bildungsfehler, wie Hasenscharte, Wolfsrachen, Idiotie, vor, zum -Zeichen, daß die Keimstoffe der Jugendlichen häufiger nicht allein -weniger kräftig, sondern auch mit Fehlern behaftet sind. Bemerkenswert -ist auch, daß jugendliche Mütter verhältnismäßig häufig Zwillinge -gebären. Sie teilen diese Eigenschaft mit den älteren Frauen. Wie die -zu jungen gebären zu alte Frauen häufiger lebensschwache Kinder. Auch -Idiotie kommt unter den Kindern von Frauen über 40 Jahre häufiger vor -als unter solchen von Frauen in der Vollkraft. Ebenso wie höheres Alter -der Mutter wirkt das des Vaters (über 50 Jahre) im Durchschnitt nicht -günstig. - -Ungünstig auf die Produktion der Keimstoffe wirken +schlechte -äußere Lebensbedingungen, wie unzureichende Ernährung, körperliche -Überanstrengung+ durch Arbeit, durch geschlechtliche Exzesse beim -Manne, zu zahlreiche und zu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften -bei der Frau, +ungünstiges Klima+ (Aussterben der europäischen Familien -in den +Tropen+) und anderes. - -Auch manche akute (heftige und kurzdauernde) und namentlich chronische -(langwierige) +Erkrankungen+ des elterlichen Körpers schädigen die -Keimstoffe. Weitaus am gefährlichsten sind diesen die +chronischen -Vergiftungen+. - -Als der Nachkommenschaft besonders gefährliche Gifte sind zu nennen: -der Alkohol, das Morphium, die giftigen Metalle und unter diesen das -Blei und das Quecksilber, ferner gewisse von Mikrobien herrührende -Gifte. - -Unter diesen letzteren ist mit Recht besonders berüchtigt das -+syphilitische Gift+, das bei der +Syphilis+, der wichtigsten unter den -sog. Geschlechtskrankheiten, im Körper auftritt. Dieses Gift vor allen -führt zum Verderb vieler von Hause gesunder Keimstoffe und bedroht -die modernen Völker mit Degeneration; dieses Gift ist es, das die -städtischen Familien in ungeheuerem Umfang ausrottet. - -Infolge der Vergiftung des elterlichen Organismus mit diesem Gifte -kommt es zu einer Verkümmerung der Zeugungsstoffe, die sich in dem -Auftreten von Fehl-, Früh- und Totgeburten, in Lebensschwäche der -Kinder, Mißbildungen und Verkümmerungen, nervösen Leiden, allgemeinem -Siechtum und geringer Widerstandskraft gegen äußere Schädlichkeiten -äußert. Besonders nachdrücklich möchte ich darauf hinweisen, daß die -elterliche Syphilis in sehr hohem Maße für Tuberkulose zu disponieren -(geneigt machen) scheint. - -Nächst dem Syphilisgifte dürfte der +Alkohol+ die wichtigste Ursache -des Keimverderbs sein. Es ist erwiesen, daß Säufer sehr häufig -unfruchtbar sind, und daß dies auf einem vorzeitigen Schwund der -Hoden beruht. Unzählige ärztliche Erfahrungen scheinen zu beweisen, -daß auch schon eine geringergradige chronische Vergiftung des -elterlichen Körpers mit Alkohol in geringerer Lebensfähigkeit, in -Schwächlichkeit und Kränklichkeit der Nachkommen und insbesondere -in der +Minderwertigkeit ihres Nervensystems+ sich äußert. Kinder -von eigentlichen Trinkern leiden überaus häufig an Idiotie, -Geisteskrankheiten, Epilepsie, Trunksucht usw., wobei es allerdings -schwierig zu entscheiden ist, inwiefern nicht schon die Trunksucht des -Vaters als ein Zeichen für die +ererbte+ Krankhaftigkeit seines eigenen -Zentralnervensystems anzusehen ist. - -Bei elterlicher Syphilis kommt noch etwas anderes vor als die -Vergiftung der Keimstoffe im kranken elterlichen Körper. In einem -gewissen Stadium der Syphilis kann +Ansteckung+ des befruchteten Keimes -mit dem Syphilisparasiten, der _Spirochaete pallida_, erfolgen, so -daß das Kind bereits mit Syphilis behaftet geboren wird oder schon im -Mutterleibe infolge der Ansteckung mit Syphilis abstirbt. Solche Fälle -sind leider sehr häufig. - -Anders steht es bei der +Tuberkulose+ der Eltern. Es kann auch hier -vorkommen, daß das Kind bereits mit dem Tuberkelbazillus angesteckt -geboren wird. Dies scheint indessen nicht vom Vater, sondern nur -von der Mutter aus möglich zu sein und überaus selten vorzukommen. -Erst nach der Geburt droht dem Kinde die Hauptgefahr, von seinen -tuberkulösen Eltern oder sonstigen Verwandten angesteckt zu werden. -Besonders gefährlich ist ihm der Tuberkelbazillen enthaltende Auswurf -der Mutter und ihre Tuberkelbazillen enthaltende Milch. Die Gefahr -ist um so größer, als eine überaus häufige Folge der elterlichen -Tuberkulose Schwächlichkeit und Kränklichkeit der Kinder ist, wodurch -ihre Widerstandskraft +allen+ äußeren Schädlichkeiten gegenüber von -vornherein herabgesetzt ist. - -Man spricht aber auch von einer +spezifischen+ (einseitigen) Neigung, -an Tuberkulose zu erkranken. Man spricht sogar von einem „tuberkulösen -Habitus“ (äußerer Beschaffenheit). Leute mit „tuberkulösem Habitus“ -sind charakterisiert durch große Körperlänge bei geringem Brustumfang, -langem, flachem, oben engem Brustkorb mit abstehenden Schulterblättern -und durch schlechte, schlaffe Körperhaltung. Diese Leute sind -dabei mager, blutarm und größerer körperlicher Anstrengung nicht -gewachsen, leicht in Schweiß versetzt; sehr häufig sind sie nervös -leicht erregbar, von rascher Auffassung und lebhaftem Gemüte, aber -von geringer Ausdauer. Ihre Muskeln sind schwach entwickelt, ihre -Schleimhäute zart und blaß, ihr Appetit und ihre Verdauungskraft häufig -gering. Ihr Herz ist leicht erregbar, aber schwach. Auffallend ist -bei ihnen der rasche Wechsel von Röte und Blässe des Gesichtes, die -Kühlheit von Händen und Füßen. Die genaue anatomische Untersuchung hat -gezeigt, daß ihr Herz im Verhältnisse zu ihrer Körpergröße zu klein, -ihre Blutgefäße zu eng sind. - -Dieser Habitus kann indessen auch bei Kindern von Eltern auftreten, -welche weder tuberkulös erkrankt noch hereditär (erblich) belastet -sind; andererseits bei Kindern tuberkulöser Eltern fehlen. Er führt -auch keineswegs mit Notwendigkeit zu tuberkulöser Erkrankung. Es -ist überhaupt zweifelhaft, ob es eine +spezifische+ Disposition -(einseitige Empfänglichkeit) für Tuberkulose gibt und ob nicht die -Häufigkeit der Tuberkulose in gewissen Familien neben der schon -erwähnten Schwächlichkeit und geringen Widerstandsfähigkeit von -Kindern kränklicher Eltern überhaupt, einfach auf der frühzeitigen -massenhaften Ansteckung beruht, der die Kinder in solchen Familien, -in der Nachbarschaft von Hustenden und Spuckenden ausgesetzt sind. -Tatsächlich kann man nachweisen, daß die Kinder aus solchen Familien -schon in den ersten Lebensjahren bis zu 90 und 100 Prozent angesteckt -werden, während es bei Kindern aus nicht tuberkulösen Familien 18 und -noch mehr Jahre dauern kann, bis alle infiziert sind. Übrigens kommt es -auch nach erfolgter Ansteckung in der Regel nur unter Zusammenwirken -ungünstiger Umstände, unter denen namentlich schlechte oder falsche -Ernährung, körperliche Überanstrengung, Exzesse _in baccho et venere_ -und schwächende Krankheiten zu nennen sind, zum Ausbruch der Krankheit. -Unter dem Zusammenwirken solcher Einflüsse können auch Menschen -aus gesundem Stamme an Tuberkulose erkranken; die Nachkommen von -tuberkulösen Eltern erkranken nur häufiger und erliegen der Krankheit -rascher. In den schlimmsten Fällen vermögen die sorgfältigste Pflege, -die beste Ernährung, die größte körperliche Schonung Erkrankung und -Tod im kräftigsten Lebensalter nicht zu hindern. Aber so schlimm steht -es glücklicherweise selten. In den meisten Fällen kann man durch -+möglichst frühzeitige Absonderung der Kinder von Personen mit offener -Tuberkulose+ und durch Schaffung guter hygienischer Verhältnisse, -durch Vermeidung aller Ausschweifungen, durch Enthaltsamkeit von -Alkohol auch solche disponierte Personen vor der Krankheit bewahren. -Man ist jetzt geneigt anzunehmen, daß ihre Neigung, an Tuberkulose -zu erkranken, davon herrührt, daß sie seit der ersten Kindheit -in einzelnen tuberkulös erkrankten Organen, z. B. in erkrankten -Lymphdrüsen, besonders reichliche Mengen von Tuberkelbazillen mit -sich herumtragen, die gelegentlich in die Lunge geraten und hier die -Schwindsucht hervorrufen können. - -Im Zusammenhange mit der Vererbung muß auch die sog. +Inzucht+ -besprochen werden, d. h. die Kindererzeugung zwischen nahen -Blutsverwandten. Sie ist nicht +an sich+ schädlich. Dies lehren die -Erfahrungen der Tier- und Pflanzenzüchter, die gerade durch eine -vorsichtige Inzucht vorzügliche Rassen herzustellen imstande sind. Sie -darf sich nur nicht in zu vielen Generationen wiederholen, sonst führt -sie zur Unfruchtbarkeit. Alle Völker, welche eine bedeutende Rolle in -der Geschichte gespielt haben, wie die nordische Rasse oder die Juden, -sind ohne Zweifel aus einer weit getriebenen und lange fortgesetzten -Inzucht hervorgegangen. - -Die Gefahr der Inzucht für den Menschen liegt darin, daß nahe Verwandte -häufig die +gleichen+ Anlagen zu Bildungsfehlern und Krankheiten -haben und die ungünstige Wirkung dieser Anlagen sich dann bei den -Nachkommen summiert. Der Züchter schließt dies so gut als möglich -aus, indem er nur tadellose Exemplare paart. Beim Menschen fehlt aber -diese sorgfältige und scharfe Auslese und ließe sich vielfach auch -gar nicht treffen, weil wir gar nicht jene Kenntnisse über unsere -Stammbäume haben, über welche der Züchter bei seinen Tieren verfügt. -Man muß daher vor Verwandtenehen dringend warnen. Daß die Natur -Einrichtungen getroffen hat, namentlich bei vielen Blütenpflanzen, um -die Selbstbefruchtung zu verhüten, kann uns auch als Fingerzeig dienen. - -Wie +enge+ Blutsverwandtschaft meistens schädlich wirkt, so ist auch -die Kreuzung von Rassen, die sich +zu ferne+ stehen, nicht günstig. -Solche Ehen sind häufig auch wenig fruchtbar. So treffen in Preußen -auf 100 rein christliche Ehen 454 Kinder, auf 100 rein jüdische 421, -auf 100 Ehen zwischen Juden und Christen aber nur 138 bis 178 Kinder. -Allerdings ist es wahrscheinlich, daß hierbei auch die sozialen -Verhältnisse, d. h. die absichtliche Einschränkung der Kinderzahl eine -sehr große Rolle spielt. - -Die vorstehenden Erörterungen dürften genügen, um zu zeigen, welch -ungeheuer ernstes Geschäft die Gattenwahl ist oder vielmehr sein -sollte! Freilich dürfen wir auch nicht zu ängstlich und wählerisch -sein. +Völlig+ normal und frei von fehlerhaften oder minderwertigen -Anlagen ist kein einziger Mensch. In der Regel ist auch nur ein -Bruchteil der Keime, welche ein mit -- selbst ernstlicheren -- -vererblichen Fehlern, Krankheiten oder Krankheitsanlagen behaftetes -Individuum erzeugt, mit der schlimmen Erbschaft behaftet. Selbst dann -ferner, wenn ein mit der krankhaften Anlage behafteter Keim an der -Entstehung eines Kindes beteiligt ist, +muß+ nicht in allen Fällen -der Fehler oder die Krankheit zur Entwicklung kommen, da bei manchen -Keimfehlern die krankhafte Beschaffenheit des einen Keimes durch die -gesunde des anderen unwirksam gemacht, unterdrückt wird [+Dominanz+ -oder +Prävalenz+ (Vorherrschaft) der normalen Anlage über die -krankhafte; +Rezession+ (Rücktritt) der krankhaften Anlage gegenüber -der normalen], und da bei manchen krankhaften Anlagen +zweckmäßige -Lebensweise+ den wirklichen Ausbruch der Krankheit zu verhindern -vermag. Durch fortgesetzte +Kreuzung+ mit Stämmen, welche von der -gleichen krankhaften Anlage frei sind, kann bei solchen Anlagen das -Krankhafte dauernd +verborgen+ gehalten und trotz dem Vorhandensein -der krankhaften Anlage in gar manchen der Nachkommen eine ganze Reihe -von Generationen erzeugt werden, welche von der betreffenden Krankheit -vollkommen frei ist. Nur wenn bei unzweckmäßiger Gattenwahl +zwei+ -krankhafte Anlagen +gleicher+ Art zusammentreffen, tritt dann die -ererbte krankhafte Anlage in dem betroffenen Nachkommen als Krankheit -hervor. So scheint es sich glücklicherweise mit der Mehrzahl der -+Krankheitsanlagen des Nervensystems+ zu verhalten, bei denen also die -+=richtige Kreuzung= für die individuelle Gesundheit der Nachkommen von -ausschlaggebender Wichtigkeit ist+. - -Aber nicht immer ist das Verhältnis der krankhaften zur gesunden Anlage -ein solches, wie wir es soeben besprochen haben; in nicht wenigen -Fällen +dominiert+ die krankhafte Anlage über die normale, so daß -+alle Individuen, welche die abnorme Anlage besitzen, auch tatsächlich -abnormal geraten+! - -Die beiden Tafeln 3 und 4 werden die Regelmäßigkeit klarmachen, mit -welcher die Vererbung der einzelnen Anlagen (Erbeinheiten) von den -Eltern auf die Kinder erfolgt, und die verschiedene Wirkung, welche die -Vererbung einer bestimmten Anlage auf die Beschaffenheit der Kinder -hat, je nachdem diese Anlage sich dominant oder rezessiv verhält. -Wir können hier selbstverständlich nur die einfacher gelagerten -Vererbungsweisen besprechen. Es gibt auch verwickeltere; z. B. solche, -bei denen eine Mehrheit von Erbeinheiten zusammentreffen muß, damit ein -Merkmal (Eigenschaft) zum Vorschein kommt. - -[Illustration: Tafel 3. - -Vererbung einer dominanten Anlage.] - -Auf Tafel 3 ist die Vererbung einer +dominanten+ Anlage dargestellt. -Jeder +kleine+ rote Kreis bedeutet eine väterliche oder mütterliche -+Keimzelle+, welche die dominante Anlage (z. B. die für -Sechsfingrigkeit) +besitzt+, jeder kleine weiße eine Keimzelle, -welche diese Anlage +nicht+ besitzt. Jeder +große+ rote Kreis bedeutet -eine Person, welche die Anlage +zeigt+, also z. B. mehr als fünf -Finger (Zehen) an einer Gliedmaße besitzt; jeder große weiße Kreis -eine Person, welche die Anlage +nicht+ zeigt, durchwegs die normale -Finger-(Zehen-)Zahl aufweist. Die in die großen Kreise eingezeichneten -(weißen und roten) Halbkreise bedeuten wieder die Keimzellen, welche -von der betreffenden Person gebildet werden. Sind beide eingezeichneten -Halbkreise rot, so heißt das, daß +alle+ Keimzellen, welche die -betreffende Person hervorbringt oder hervorbringen wird, mit der -dominanten Anlage +behaftet+ sind; sind beide Halbkreise weiß, so sind -+sämtliche+ Keimzellen +frei+ von der Anlage; ist ein Halbkreis rot und -der andere weiß, so heißt das, daß die eine +Hälfte+ der Keimzellen -dieser Person die Anlage besitzt und die andere nicht. - -Die zweimal zwei kleinen Kreise in der ersten Säule bedeuten die je -zwei Keimzellen, aus deren Vereinigung die +Eltern+ hervorgegangen -sind, und ebenso die Keimzellen, welche sie selbst produzieren. Wie -man sieht, sind in bezug auf +eine+ dominante Anlage sechs Fälle -möglich: 1. Beide Eltern sind aus je +zwei+ Keimzellen +mit+ der Anlage -hervorgegangen und produzieren auch wieder nur Keimzellen +mit+ der -Anlage; oder 2. der eine der Eltern ist aus +zwei+ Keimzellen +mit+ -der Anlage hervorgegangen und der andere aus +einer+ Keimzelle +mit+ -und +einer+ Keimzelle +ohne+ diese Anlage, und der erstere produziert -dabei auch wieder nur Keimzellen mit der Anlage und der zweite je -zur Hälfte Keimzellen mit und ohne Anlage; oder 3. der eine ist aus -+zwei+ Keimzellen +mit+, der andere aus +zwei+ Keimzellen +ohne+ die -Anlage entstanden; oder 4. beide sind aus je +einer+ Keimzelle +mit+ -und +einer ohne+ die Anlage entstanden; oder 5. der eine aus +einer+ -Keimzelle +mit+ und +einer+ Keimzelle +ohne+ die Anlage, der andere -aus +zwei+ Keimzellen +ohne+ die Anlage; oder endlich 6. +alle+ -Keimzellen waren +frei+ von der Anlage, und daher sind dann auch alle -neu produzierten frei davon. - -In der zweiten Säule bedeuten die viermal zwei kleinen Kreise die -möglichen Fälle der Kombination der von den Eltern produzierten -Keimzellen. Also dort, wo die Eltern ausschließlich Keimzellen mit -der Anlage hervorbringen, ist selbstverständlich nur eine Kombination -möglich; dort, wo der eine der Eltern nur Keimzellen +mit+ der Anlage, -der andere +zur Hälfte+ Keimzellen +mit+ und Keimzellen +ohne+ die -Anlage produziert, sind zweierlei Kombinationen möglich, die mit -+gleicher Häufigkeit+ auftreten werden usw. - -In den folgenden drei Säulen findet man dann die Beschaffenheit der -Kinder und ihrer Keimzellen angegeben. Im Falle 1 sind alle Kinder -sechsfingrig und bringen nur Keimzellen +mit+ der Anlage dazu hervor; -im Falle 6 sind alle Kinder normalfingrig und bringen auch nur normale -Keimzellen hervor; im Falle 3 sind alle Kinder sechsfingrig und bringen -alle +zur Hälfte+ Keimzellen +mit+ und zur Hälfte Keimzellen +ohne+ die -Anlage hervor usw. - -Man sieht, daß bei +dominanter+ Anlage +alle+ Personen, welche die -Anlage +empfangen+ haben, auch diese Anlage +zeigen+, und daß +nur -solche+ Personen, welche die Anlage +zeigen+, diese Anlage +vererben+ -können. - -Ganz anders liegen die Verhältnisse, wenn es sich um eine +rezessive+ -Anlage, z. B. um Taubstummheit, handelt, wie Tafel 4 lehrt. Die Zeichen -bedeuten hier dasselbe wie auf Tafel 3, nur daß die +kleinen+ roten -Kreise und Halbkreise hier Keimzellen mit einer +rezessiven+ Anlage -bedeuten und die großen roten Kreise Personen, welche diese rezessive -Anlage zeigen; nach der Erklärung, welche soeben für Tafel 3 gegeben -wurde, wird auch Tafel 4 sofort verständlich sein. - -[Illustration: Tafel 4. - -Vererbung einer rezessiven Anlage.] - -Wieder sind alle sechs möglichen Fälle der Anlagenkombination der -Eltern in Betracht gezogen. Man sieht, daß hier durchaus nicht alle -Personen, welche die Anlage empfangen haben, diese auch zeigen, sondern -+nur jene+, welche die Anlage +zweimal+ empfangen haben, und daß eine -Generation existieren kann, welche selbst keine Spur der krankhaften -Anlage zeigt, aber (s. Fall 3) in allen ihren Gliedern Keimzellen -produziert, welche zur Hälfte die Anlage besitzen und daher beim -Zusammentreffen mit einer zweiten +gleichartigen+ Keimzelle kranke -Personen hervorrufen. - -Die Angabe in den Tafeln 3 und 4: „Von je 4 Kindern zeigen (zeigen -nicht) die Anlage“ darf natürlich +nicht wörtlich+ genommen werden, als -ob in den Fällen 2, 4 und 5 wirklich +in jeder einzelnen Gruppe+ von 4 -Geschwistern die Verteilung der Anlagen und Eigenschaften genau nach -der Regel vor sich gehen müßte. Es verhält sich hier genau so wie mit -dem Satze, „daß gleichviel Knaben und Mädchen geboren werden (genau 106 -Knaben auf 100 Mädchen)“. Diese Regelmäßigkeit tritt erst dann hervor, -wenn eine +sehr große Masse+ von Geburten durchgezählt wird. In den -einzelnen Familien gibt es bekanntlich die größten Abweichungen davon. - -Zusammenfassend wäre als vernünftige Regel für die Zulässigkeit der -Kindererzeugung etwa folgendes hinzustellen: Leute mit ernsteren -Bildungsfehlern, Idioten, Schwachsinnige, Irrsinnige, Epileptische, -Säufer, verbrecherische Naturen, chronisch Kranke wie: an Tuberkulose -Leidende, Syphilitische im primären und sekundären Stadium, dürfen -sich an der Fortpflanzung nicht beteiligen. Ebenso taugen wenig zur -Fortpflanzung Individuen, welche in ihrer körperlichen Entwicklung -zurückgeblieben sind oder deren Geschlechtscharaktere mangelhaft -ausgeprägt sind; also namentlich nicht Frauen mit schlecht entwickelten -Brüsten und Hüften oder solche, die nicht oder von Anfang an -unregelmäßig oder krankhaft menstruieren. Schlechte Entwicklung des -Knochengerüstes, deutliche Zeichen früherer Rachitis (englische -Krankheit) sind bei der Frau besonders deshalb bedenklich, weil dann -nicht selten auch Fehler am knöchernen Becken vorhanden sind, welche -das Gebären erschweren oder selbst unmöglich machen können. Schlechte -Zähne lassen befürchten, daß die Frau nicht imstande sein werde, ihre -Kinder zu stillen, da beide Gebrechen sehr häufig zusammen auftreten. - -Glücklicherweise findet der +unverdorbene+ Geschmack des Mannes nur -solche Frauen schön und verlockend, bei denen der ganze Körper und -insbesondere die Geschlechtscharaktere gut entwickelt sind und die -daher auch zur Zeugung am besten geeignet erscheinen. Wer kräftige -Kinder zu erhalten wünscht, suche sich überhaupt einen kräftigen, -gesunden Gatten. Wer selbst nicht ganz kräftig ist, muß um so mehr -trachten, eine kräftige, blühende Frau zu bekommen. - -Leider täuscht aber oft der Schein; die Jugendblüte verhüllt manche -Mängel. In sehr vielen Fällen ist auch die hervorragende Beschaffenheit -eines Individuums („+Plusvariante+“) rein individuell und nicht -vererblich. Ebenso können allerdings auch Schwächlichkeit oder gewisse -Arten von Kränklichkeit einer +Minusvariante+ rein individuell sein; -bei guten Keimstoffen! Es ist daher unbedingt notwendig, sich nicht -allein um die Beschaffenheit des zu ehelichenden Individuums selbst, -sondern auch um seine +Abstammung+ zu kümmern. +Gute Abstammung -gibt die beste Bürgschaft für gute Nachkommen!+ Viel verläßlicheren -Aufschluß als die Betrachtung des einen Individuums allein gewährt -die Betrachtung der Beschaffenheit und Lebensführung seiner Eltern. -Haben diese tüchtig und rechtschaffen gelebt, erfreuen sie sich eines -gesunden Alters, oder sind sie nach einem gesunden Leben an zufälligen -Krankheiten gestorben, welche ohne ererbte Anlage auftreten, so darf -man hoffen, daß die Tochter oder der Sohn von tüchtigem und gesundem -Stamme sei und daher selbst eine gute Beschaffenheit besitzen und gute -Keime liefern werde. Hat die Mutter ihre Kinder gesäugt, so darf man -zuversichtlicher hoffen, daß auch die Tochter dazu imstande sein werde, -als wenn die Mutter dazu unvermögend war. - -Man achte aber auch auf die Beschaffenheit etwa vorhandener -+Geschwister+ und darauf, an welchen Krankheiten verstorbene -Geschwister zugrunde gegangen sind. Denn wir haben schon gehört, -daß gewisse krankhafte Anlagen in einzelnen oder allen Individuen -einer Generation verborgen bleiben, in deren Nachkommen aber wieder -hervortreten können, also „latent“ (verborgen) vom Großelter auf den -Enkel übertragen werden können. - -Soweit es möglich ist, ziehe man daher auch Erkundigungen über die -+weitere Aszendenz+ (Ahnenschaft), über die +Großeltern+ usw. ein. -Man achte insbesondere darauf, ob etwa die +gleiche+ Anomalie oder -krankhafte Anlage in +beiden+ Familienstämmen, dem väterlichen -und dem mütterlichen, aufgetreten ist. In diesem Falle ist die -Wahrscheinlichkeit besonders groß, daß das Individuum selbst erkranken -oder die krankhafte Anlage auf seine Nachkommen vererben wird, auch -wenn augenblicklich keine Krankheitserscheinungen an ihm wahrzunehmen -sind. - -Je schwerer das Leiden ist, um das es sich handelt, um so größer -ist die Gefahr für die Nachkommen, um so weniger läßt es sich daher -verantworten, wenn ein schwer belastetes Individuum Kinder erzeugt. - -Ein rühmenswertes Beispiel von Entsagung haben die Mädchen von +Tenna+, -einem Dorfe in Graubünden, gegeben. In diesem Dorfe hauste die -Hämophilie durch viele Generationen und griff infolge der Inzucht immer -mehr um sich. Da beschlossen die Mädchen aus den belasteten Familien, -die, wie wir wissen, selbst von dieser Krankheit stets verschont -bleiben, auf die Ehe zu verzichten und so die Krankheit zum Erlöschen -zu bringen! - -Je unbedeutender sich nach der Häufigkeit des Vorkommens und nach der -Schwere der Mängel die erbliche Belastung darstellt, um so eher ist die -Fortpflanzung zulässig. - -Von größter Bedeutung ist es natürlich bei Vorhandensein einer -vererblichen krankhaften Anlage in einer Familie, zu wissen, ob es -sich um eine +dominante+ oder um eine +rezessive Anlage+ handelt -(s. o.). Wenn ein Individuum +frei+ ist von einer in seiner Familie -vorkommenden Krankheit mit einer beim eigenen Geschlechte +dominanten+ -Anlage, dann wird es +sicher+ nur normale Keime liefern. Dagegen wird -ein Individuum, das selbst von einer Familienkrankheit mit +rezessiver+ -Anlage frei ist und frei bleibt, trotzdem krankhafte Keime liefern -+können+. Leider ist unsere wissenschaftliche Kenntnis in dieser -Hinsicht noch nicht sehr groß, so daß es +als eine der wichtigsten -Regeln bezeichnet werden muß, unter allen Umständen auf Kreuzung mit -gesundem, d. h. mindestens von der eigenen krankhaften Familienanlage -freiem Stamme+ zu achten. Am sichersten wäre es für die Zukunft, -wenn +alle+ Personen, in deren Aszendenz schlimme rezessive Anlagen -heimisch sind, sich der Fortpflanzung gänzlich enthalten würden, -gleichgültig, ob sie selbst krank sind oder nicht. Dieser Grundsatz ist -aber heute, wo gewisse rezessive Anlagen, wie die Krankhaftigkeiten -des Nervensystems, so häufig sind, völlig undurchführbar. Aber die -+Kreuzung mit gesundem Stamm+ sollte bei Vorhandensein von rezessiven -Krankheitsanlagen als Gewissenspflicht betrachtet werden. - -Die Gatten müssen auch alles zu tun suchen, um durch entsprechende -eigene Lebensweise und durch Schaffung günstiger Entwicklungs- und -Lebensbedingungen für die Nachkommenschaft das +Hervortreten+ der -ererbten krankhaften Anlagen zu verhindern (s. o.). - -Zu junge und zu alte oder erkrankte Personen sollen keine Kinder -zeugen. Sowohl zu enge Verwandtschaft als zu große Verschiedenheit der -Abstammung sind der Fortpflanzung ungünstig. - -Selbst bei bester Abstammung, passendstem Alter und gesundem Aussehen -der Erzeuger kann die Nachkommenschaft schlecht ausfallen. Es kommt -gar nicht selten vor, daß scheinbar völlig gesunde Eltern aus gutem -Stamme kranke oder schwer zu Krankheit veranlagte Kinder erzeugen. -Dann ist +Keimverderb+ im Spiele. So kommt es z. B. vor, daß aus -der Ehe eines +geheilten Syphilitikers+ Kinder hervorgehen, die -eines nach dem anderen tuberkulös werden. Überaus häufig ist es, -daß Leute, die +Mißbrauch mit alkoholischen Getränken+ treiben oder -getrieben haben, selbst scheinbar gesund bleiben, aber unfruchtbar -sind oder überwiegend lebensschwache, mehr oder weniger verkümmerte -und minderwertige, insbesondere zu Tuberkulose, zu Herz-, Nieren-, -Nervenkrankheiten neigende Kinder erzeugen. Die auffallend häufige -Verkümmerung der Familien der akademisch Gebildeten ist ohne Zweifel -im wesentlichen die Folge der traurigen akademischen Trink- und -Sexualsitten und ihrer Fortsetzung weit in die Philisterzeit hinein. -Auch manche +Berufsschädigungen+ scheinen einen sehr üblen Einfluß -auf die Keime ausüben zu können, ohne daß das die Keime liefernde -Individuum selbst auffällig krank zu sein braucht. Besonders schädlich -wird der Nachkommenschaft +angestrengte Berufstätigkeit der Frau+. -+Überreichliche Ernährung+ schadet ebenfalls -- wie bei Tieren und -Pflanzen nachgewiesen ist -- der Erzeugung guter Keime. Vielleicht gibt -es auch noch andere schädliche Einflüsse im Leben der +Wohlhabenden+ -und der +Städter+, welche ihre Keime verschlechtern. Sicher ist, daß -die lebenskräftigsten Keime in der Regel von Individuen zu erwarten -sind, die selbst vom Lande stammen oder väter- oder mütterlicherseits -aus einer Familie, welche erst jüngst in die Stadt, in eine höhere -Gesellschaftsklasse gelangt ist. Bei Kreuzung unter sich sterben die -städtischen Familien und die Familien der höheren Stände in der Regel -binnen drei Generationen aus. Dies bedeutet für das Volk im ganzen die -fortgesetzte Ausmerzung seiner begabtesten Zuchtstämme und damit die -Gefahr einer fortschreitenden Verschlechterung der Beschaffenheit des -Durchschnittes und zunehmenden Mangels an zur +Führung+ geeigneten -Persönlichkeiten. Es muß ernstlich versucht werden, durch vernünftige -Gattenwahl und vernünftige Lebensführung diesem Unheil Einhalt zu tun. - - - - -3. Kapitel. - -Die Geschlechtsorgane. - - -Die Keime werden in besonderen Drüsen gebildet und abgesondert; die -Samenkörperchen oder Spermatozoen in den beiden Hoden des Mannes, -die Eier in den beiden Eierstöcken der Frau. Diese Keimdrüsen sind -die wichtigsten Teile des ganzen Geschlechtsapparates; sie bestimmen -den Geschlechtscharakter. Die übrigen Teile sind dazu bestimmt, die -beiden Keimstoffe zusammenzubringen; bei der Frau außerdem dazu, dem -befruchteten Keime eine Stätte der Entwicklung und des Wachstums zu -gewähren und der Ernährung des Neugeborenen zu dienen. - -Der männliche Zeugungs- und Begattungsapparat besteht aus den Hoden, -den Nebenhoden, den Samenleitern, den Samenblasen (oder Blasendrüsen), -der Vorsteherdrüse, den Cowperschen Drüsen und dem Zeugungsgliede. Alle -Teile bis auf Vorsteherdrüse und Zeugungsglied sind paarig. - -Der weibliche Geschlechtsapparat besteht aus den beiden Eierstöcken, -den beiden Eileitern, aus der Gebärmutter, der Scheide, den -Bartholinischen Drüsen, den äußeren Geschlechtsteilen und den Brüsten. - -Trotz aller Verschiedenheit im Baue und in der Lage -- die männlichen -Geschlechtsteile liegen zum größten Teile außerhalb der Leibeshöhlen, -die weiblichen innerhalb -- läßt sich nachweisen, daß beide -Geschlechtsapparate aus einer äußerlich ursprünglich gleichartigen -Anlage durch verschiedenartige Entwicklung hervorgehen. - -Die +Hoden+ mit den +Nebenhoden+ haben die Gestalt eines von vorne und -hinten etwas plattgedrückten Eies. Sie sind beim erwachsenen Manne -etwa 5 _cm_ lang, 3 _cm_ breit und 2,5 _cm_ dick, jeder wiegt etwa 16 -_g_. Sie hängen am Samenstrange und sind mit mehreren häutigen Hüllen -versehen. Sie stecken im Hodensacke, der durch eine Scheidewand in -zwei Hälften, eine rechte und eine linke, geteilt ist. Die Lage der -Scheidewand ist außen durch die Naht, die von vorne nach hinten über -den Hodensack wegläuft, bezeichnet. - -Bei der mikroskopischen Untersuchung läßt sich erkennen, daß der ganze -Hoden aus Knäueln von langen Schläuchen besteht, in deren Wänden -sich eigentümliche Drüsenzellen, die Samenmutterzellen, befinden, -welche die Spermatozoen liefern. Nach ungefährer Schätzung sind diese -Drüsenschläuche des Hodens zusammen 500 bis 600 _m_ lang. An einem -Ende sind sie blind; das andere findet seine Fortsetzung zunächst im -Nebenhoden, dann im Samenleiter. - -Der +Samenleiter+ bildet zusammen mit den Blut- und Lymphgefäßen und -den Nerven des Hodens den +Samenstrang+, an dem der Hoden hängt und der -im sogenannten Leistenkanale die Bauchwand durchsetzt. Im Bauchraume -ziehen die Samenleiter um die Harnblase herum zum Blasengrunde, wo sie -schließlich in die Harnröhre münden. Die Wand der Samenleiter wird -hauptsächlich aus einer dicken Schicht von Ring- und Längsmuskeln -gebildet, die sich wurmartig zusammenziehen können. - -Dort, wo die Samenleiter in die Harnröhre münden, unter dem Grunde -der Harnblase, liegen die zwei +Blasendrüsen+ oder Samenblasen -und die +Vorsteherdrüse+ oder Prostata. Alle drei Drüsen sondern -Flüssigkeiten ab, die zusammen mit dem Samen entleert werden und dazu -dienen, den Spermatozoen ihre Bewegungsfähigkeit und dadurch ihre -Befruchtungsfähigkeit zu erhalten. Die Vorsteherdrüse, welche etwa die -Größe und die Gestalt einer Kastanie hat, wird von der Harnröhre, dem -Abflußrohre der Harnblase, durchbohrt. - -An der +Harnröhre+ unterscheidet man drei Abschnitte. Der oberste heißt -„Vorsteherteil“, weil er von der Vorsteherdrüse umschlossen ist, dann -kommt der „häutige Teil“, in dessen Wand sich kräftige Ringmuskeln -befinden, und endlich der Gliedteil, welcher aus dem Körper herausragt, -während die beiden anderen Teile im Körper verborgen sind. Dort, wo der -Gliedteil beginnt, münden in die Harnröhre noch die Ausführungsgänge -zweier etwa erbsengroßer Drüsen, der +Cowperschen Drüsen+. - -Der Gliedteil der Harnröhre ist dadurch ausgezeichnet, daß er von -drei sog. +Schwellkörpern+ umgeben ist. Man unterscheidet zwei -Schwellkörper des Gliedes und einen Schwellkörper der Harnröhre. Die -drei Schwellkörper zusammen bilden das +Begattungsglied+ oder männliche -Glied. Die +Schwellkörper des Gliedes+ liegen nebeneinander an der -Ober-(Vorder-)seite des Gliedes, die Harnröhre mit ihrem Schwellkörper -verläuft an ihrer Unter-(Hinter-)seite in der Längsfurche zwischen -ihnen. Die Schwellkörper des Gliedes sind walzenförmige Gebilde, -deren inneren Bau man sich ähnlich dem eines Badeschwammes vorstellen -mag. Ein Netz- und Fachwerk aus Bindegewebe umschließt zahlreiche -Hohlräume, die untereinander und mit den Schlagadern und Blutadern -in offener Verbindung stehen und stets mehr oder weniger von Blut -durchströmt werden. Ganz ähnlich wie die Schwellkörper des Gliedes ist -auch der +Schwellkörper der Harnröhre+ eingerichtet, welcher wie der -Mantel eines Mantelrohres die Harnröhre umhüllt. Dieser Schwellkörper -hat hinten, wo der häutige Teil der Harnröhre in ihn eintritt, eine -Anschwellung, die sog. +Zwiebel+, und geht vorne in die +Eichel+ über, -welche über das vordere Ende der Schwellkörper des Gliedes kappenartig -übergestülpt ist. Die sog. Zwiebel des Schwellkörpers der Harnröhre -und ebenso die hinteren Enden der Schwellkörper des Gliedes sind an -der Unterseite von kräftigen Muskeln umschlossen, welche willkürlich -bewegt werden können. Auf der Kuppe der Eichel mündet die Harnröhre als -Schlitz mit einer rechten und linken Lippe. Der Rand der Eichel ist -wulstig verdickt und durch eine tiefe Furche gegen die Schwellkörper -des Gliedes abgesetzt. - -Im gewöhnlichen Zustande hängt das Glied schlaff nach abwärts. Wenn -sich aber die Schwellkörper stärker mit Blut füllen, dann streckt sich -das Glied und richtet sich auf. Es nimmt dabei bedeutend an Größe -zu und wird infolge der prallen Füllung der Schwellkörper mit Blut -sehr steif und hart. Dabei entblößt sich beim Geschlechtsreifen die -Eichel, die für gewöhnlich von der +Vorhaut+, einer Falte der leicht -verschiebbaren Oberhaut des Gliedes, bedeckt ist. Die Vorhaut ist durch -das +Bändchen+ an der Unterseite des Gliedes mit der Eichel verwachsen. -Zwischen Vorhaut und Eichel sammelt sich das sog. +Smegma+ an, eine -käseartig riechende, fettige Masse, welche von Drüsen am Eichelwulst -abgesondert wird. - -Bei der Frau entsprechen den Hoden die +Eierstöcke+. Sie haben eine -ähnliche Gestalt wie jene, sind aber kleiner. Jeder Eierstock wiegt -nur etwa 6 _g_. Sie bestehen aus einem Gerüstwerk, in dem Tausende -(zirka 70000) von winzig kleinen Bläschen liegen, die sog. +Graaf+schen -+Follikel+. In den Graafschen Follikeln entwickeln sich die +Eier+, -in jedem Follikel eines. Es werden jedoch nur etwa 400 von den vielen -Tausenden während des ganzen Lebens reif. Wenn es zur Entwicklung eines -Eies kommt, dann schwillt der Graafsche Follikel sehr bedeutend an, -bis zu 15 _mm_ Durchmesser. Er rückt zugleich an die Oberfläche des -Eierstocks und platzt schließlich, so daß das reife Ei frei wird und -in die Bauchhöhle austritt, in welche die Eierstöcke hineinragen. Das -Ei wird dann durch eigentümliche Vorrichtungen in den benachbarten -+Eileiter+ (die sog. Muttertrompete), ein enges Rohr mit muskulöser -Wand, hineinbefördert und in diesem der Gebärmutter zugeführt. Die -+Gebärmutter+ hat etwa die Gestalt einer vorne und hinten etwas -abgeplatteten kleinen Birne. Sie ist ein enger Sack mit einer dicken -Muskelwand. Man unterscheidet an ihr den Körper -- der oberste dickste -Teil -- den Hals und den Scheidenteil. Sie ist durch Aufhängebänder -am Becken befestigt und mit den Eileitern verwachsen, die oben in den -Körper der Gebärmutter münden. Unten öffnet sich die Gebärmutter mit -dem sog. +Muttermunde+ gegen die Scheide. Während der Schwangerschaft, -wo sich das Kind in der Gebärmutter entwickelt, nimmt diese das 20- -bis 30fache ihrer normalen Größe an. - -Die +Scheide+ ist ein häutiges Rohr mit einem oberen blinden Ende. Sie -ist zur Aufnahme des männlichen Gliedes bei der Begattung bestimmt. -In den oberen Teil der Vorderwand der Scheide ragt zapfenartig der -+Scheidenteil+ der Gebärmutter herein, an dem sich der Muttermund -befindet. Nach unten geht die Scheide in die +Schamspalte+ über, -einen Schlitz, der von den inneren kleinen und den äußeren großen -+Schamlippen+ gebildet wird. Vorne, wo die kleinen Schamlippen -verwachsen sind, befindet sich die sog. +Klitoris+, ein kleines -zapfenartiges Gebilde, das aus einem Schwellkörper, ähnlich denen -des Mannes, besteht. Im Grunde der Schamspalte, am vorderen Rande -des Einganges der Scheide, mündet die Harnröhre; am hinteren Rande -des Scheideneinganges münden die Ausführungsgänge der kleinen -+Bartholinischen Drüsen+. Bei der Jungfrau befindet sich hier -meist eine Schleimhautfalte, welche den Scheideneingang teilweise -verschließt, das +Jungfernhäutchen+, das in der Regel unter geringer -Blutung beim ersten Beischlafe zerreißt. - - - - -4. Kapitel. - -Der Geschlechtstrieb und die angebliche hygienische Notwendigkeit des -Beischlafes. - - -In unseren Gegenden beginnt beim Knaben etwa im 14. oder 15. -Lebensjahre die sog. Pubertäts- oder Mannbarkeitsperiode, d. h. die -Zeit, in welcher die männlichen Geschlechtsdrüsen erst ihre volle -Reife und Ausbildung erlangen. Sie dauert mehrere Jahre. Um diese Zeit -stellt sich eine erhebliche Vergrößerung der Hoden ein, in denen jetzt -erst die Bildung der Spermatozoen beginnt.[B] - -Beim Mädchen beginnt die Geschlechtsreife in der Regel etwas früher. -Sie ist bei diesem durch das rasche Wachstum der Eierstöcke und durch -die Ausbildung reifer Eier charakterisiert. Alle 28 Tage wird in der -Regel ein Ei reif und aus dem Eierstock in die Eileiter befördert. -Zur Zeit dieses Vorganges tritt eine Erweiterung der Gefäße in der -Schleimhautauskleidung der Gebärmutter ein. Ein Teil der Gefäße -zerreißt, und Blut tritt aus ihnen aus. Das ausgetretene Blut (etwa -100-200 _ccm_) fließt aus den äußeren Geschlechtsteilen ab. Der -Blutausfluß dauert normalerweise drei bis vier Tage (monatliche -Blutung, Periode, +Menstruation+). Bei der gesunden Frau wiederholt -sich der Vorgang der Menstruation in der geschilderten Weise vom -Beginne der Geschlechtsreife bis zum Eintritte des sog. +Klimakteriums+ -oder +Wechsels+ zwischen dem 45. bis 50. Lebensjahre. Nur solange -die Frau menstruiert, ist sie befruchtungsfähig. Während der -Schwangerschaft und während des Stillens setzt die Menstruation in der -Regel vollständig aus. - -Beim Manne findet die Samenabsonderung ununterbrochen statt. Sie hält -auch in viel höheres Alter hinein an als die Bildung reifer Eier bei -der Frau. Wenn sich eine gewisse Menge Samen in den Ausführungsgängen -der Hoden angesammelt hat, kommt es zu freiwilliger Samenentleerung; -normalerweise zur Nachtzeit: nächtliche +Pollution+. Ihr erstes -Auftreten bezeichnet scharf den Eintritt der Pubertät. - -Mit der Pubertät entwickeln sich auch die sogenannten +sekundären -Geschlechtscharaktere+. Beim Jünglinge wie beim Mädchen beginnen an -den äußeren Geschlechtsteilen und in den Achselhöhlen, beim Manne auch -an den Lippen, am Kinne und an den Backen Haare hervorzusprießen; -die äußeren Geschlechtsteile, beim Manne das Glied, beim Weibe die -Brustdrüse, beginnen rasch zu wachsen; der ganze Körper, namentlich -das Knochen- und Muskelsystem, treten in eine Periode stärkeren -Wachstums ein; auch der Kehlkopf nimmt, insbesondere beim Manne, -rasch an Größe zu, was die bekannte Veränderung der Stimmlage, das -+Mutieren+, zur Folge hat. Alle diese Veränderungen sind Folgen des -Beginnes der Tätigkeit der Geschlechtsdrüsen und bleiben aus, wenn die -Hoden vor Eintritt der Pubertät entfernt werden (bei Kastraten). Sie -sind darauf zurückzuführen, daß die tätigen Keimdrüsen neben Samen und -Ei noch andere Stoffe absondern, die ins Blut übergehen und dann auf -die verschiedenen Organe des Körpers einwirken (+innere Sekretion+). -Diese inneren Absonderungen der Geschlechtsdrüsen wirken auch auf das -Zentralnervensystem ein und führen die Entwicklung des männlichen -und weiblichen seelischen Geschlechtscharakters und das freiwillige -Erwachen des +Geschlechtstriebes+ herbei. - -Der Geschlechtstrieb äußert sich in verschiedener Weise: als -Verlangen nach +geschlechtlicher Vereinigung+ und als Verlangen nach -+Nachkommenschaft+. Bei noch unberührten Frauen guter Art ist meistens -dieses letztere Verlangen viel stärker als das erstere. - -Der Begattungstrieb äußert sich zunächst darin, daß der Anblick oder -die Vorstellung einer Person des anderen Geschlechtes Freude erregt, -den Wunsch nach Annäherung, nach Berührung, Umarmung, nach Gegenliebe -zu erwecken vermag. Bei der unberührten Jungfrau geht das Verlangen in -der Regel nicht weiter; ja, es gibt nicht wenige Frauen, die zeitlebens -in Kuß und inniger Umarmung volle Befriedigung finden würden, denen -der eigentliche Begattungsakt keine besondere Lust gewährt und die den -Beischlaf nur aus Verlangen nach Nachkommenschaft und aus dem Wunsche, -dem geliebten Manne Freude zu bereiten, gestatten. Gerade derartige -Frauen geben häufig treffliche Hausfrauen und Mütter ab. - -Beim Manne aber führt die Befriedigung des Verlangens nach Berührung -zum immer stärker anschwellenden Verlangen nach dem Vollzuge der -Begattung, zu welcher ihn die inzwischen eingetretene Steifheit des -Gliedes befähigt. - -Beim +Beischlafe+ wird das infolge der geschlechtlichen Erregung steif -gewordene Glied in die Scheide hineingeschoben und in derselben hin und -her bewegt. Infolge der Reibung und des dadurch bewirkten Nervenreizes -kommt es zur Ausschleuderung des Samens, zur +Ejakulation+. Der Samen -wird zuerst aus den Nebenhoden in die Samenleiter gedrückt und in -diesen dann durch die erwähnten wurmartigen Zusammenziehungen ihrer -Muskeln weiter bis in die Harnröhre gepreßt. Zugleich mit dem Samen -werden auch die Absonderungen der Blasendrüsen und der Vorsteherdrüse -in die Harnröhre ergossen. Alsbald folgen Zusammenziehung der -Muskelfasern des häutigen Teiles der Harnröhre und jener Muskeln, -welche die hinteren Teile der Schwellkörper umhüllen, so daß die -gemischten Flüssigkeiten aus der Mündung der Harnröhre stoßweise -herausgeschleudert werden. Der Schließmuskel der Harnblase hat sich -gleichzeitig ebenfalls so fest als möglich zusammengezogen, so daß der -Samen aus der Harnröhre nur nach vorne und nicht nach hinten in die -Blase befördert werden kann. - -Der abgeschleuderte Samen gelangt in die Scheide, manchmal aber durch -den sich öffnenden Muttermund zum Teile unmittelbar in den Halskanal -der Gebärmutter. Auf alle Fälle gelangt ein Teil der Spermatozoen -auf der Suche nach dem Ei mit der Zeit in die Gebärmutter und in die -Eileiter, nicht selten bis in die Bauchhöhle. Nach ihrer Auflösung -gelangen ihre Bestandteile in die Säfte des Weibes. Es ist also in -der Anatomie und Physiologie begründet, wenn die Frau instinktiv -zurückhaltender ist als der Mann, und wenn selbst eine tiefstehende -Moral, die dem Manne keine Zügel anlegt, von ihr geschlechtliche -Zurückhaltung streng fordert. Auch wenn es nicht zur Befruchtung mit -allen ihren für die Frau so gewichtigen Folgen kommt, bedeutet der -Beischlaf für die Frau eine unvergleichlich tiefere und nachhaltigere -körperliche Einwirkung als für den Mann. - -Mit Eintritt der Ejakulation sinkt das geschlechtliche Verlangen sofort -auf Null herab, um erst nach einiger -- allerdings sehr ungleich langer --- Zeit wieder zu erwachen. Das äußere Kennzeichen dafür ist die -normalerweise alsbald nach der Ejakulation eintretende vollständige -Erschlaffung des Gliedes. - -Auch bei der geschlechtlich stärker erregbaren oder durch das -geschlechtliche Zusammenleben stärker erregbar gewordenen Frau -stellt sich unmittelbar vor und während des Beischlafes eine starke -Blutfüllung in den Geschlechtsteilen und infolgedessen ebenfalls -ein Verlangen nach Entspannung ein. Beide Erscheinungen erlöschen -erst dann vollständig, wenn eine gewisse Höhe der Wollustempfindung -(geschlechtlicher Orgasmus) überschritten worden ist, ähnlich der, -welche beim Manne die Ejakulation zu begleiten pflegt. - -Die Befriedigung des Geschlechtstriebes durch den Beischlaf ist für -gesunde, reife Menschen ohne Zweifel das Naturgemäße. Indessen ist -es mit der Heranzucht einer gesunden und tüchtigen Nachkommenschaft, -mit höherer Kultur und geordnetem Gesellschaftsleben überhaupt -unvereinbar, daß jeder das auftauchende Verlangen ohne weiteres -befriedigt -- blindlings Kinder in die Welt setzt. +Die gesetzliche -Ordnung des Geschlechtsverkehrs ist eine soziale Notwendigkeit.+ Natur -und Kultur befinden sich da im Widerstreite, und jede Generation ist -von neuem vor die folgenschwere Entscheidung gestellt, wie sie sich mit -den einander widerstreitenden Forderungen abfinden kann und abfinden -will. - -Es interessiert uns daher vor allem die Frage, ob die Befriedigung des -Geschlechtstriebes durch den Beischlaf eine hygienische Notwendigkeit -ist; ob die Enthaltung vom Beischlaf schädlich ist, etwa wie die -Nichtbefriedigung des Hungers, des Durstes, des Schlafbedürfnisses. - -Muß, ganz abgesehen von der Befriedigung des Verlangens nach Beischlaf, -der Samen aus dem Körper des Mannes häufig entfernt werden, wie der -Harn oder der Darmkot? - -Von all dem kann keine Rede sein. Der Nahrungstrieb, der Schlaftrieb -dienen der Erhaltung des Individuums. Sie müssen befriedigt werden, -wenn nicht das Individuum zugrunde gehen soll; der Geschlechtstrieb -aber dient nur zur Erhaltung der Gattung; er sucht das Individuum -rücksichtslos einem seinem individuellen Leben ganz fremden Zwecke zu -unterjochen. - -Der Mann ist bei uns etwa erst im 24. Jahre voll erwachsen; das Mädchen -etwa erst mit 20 Jahren voll gebärfähig, da erst in diesem Alter das -Wachstum seines knöchernen Beckens vollendet ist. Lange, bevor die -volle körperliche Entwicklung eingetreten ist, erwacht aber schon -der Trieb. Die Befriedigung des Geschlechtstriebes vor Vollendung -der Entwicklung ist aber keineswegs zuträglich, wie die höhere -Sterblichkeit jugendlicher Ehemänner und Ehefrauen unter 20 Jahren im -Vergleiche mit ihren ledigen Altersgenossen lehrt. Ebenso zeigt sich -der Geschlechtstrieb bei Männern gar nicht selten noch im hohen Alter, -und auch hier lehrt die Erfahrung, daß seine Befriedigung überaus -schädlich werden kann. Diese Tatsachen beweisen aufs klarste, wie -ganz anders es sich mit dem Fortpflanzungstriebe verhält als mit dem -Selbsterhaltungstriebe. - -An eine Schädlichkeit der Zurückhaltung des Samens im Körper ist erst -recht nicht zu denken. Der Samen ist kein schädlicher Auswurfstoff, -kein Stoffwechselabfallstoff wie der Harn oder der Kot. Man hat -darüber Experimente gemacht, indem man Menschen Samenflüssigkeit oder -wässerige Auszüge aus Tierhoden unter die Haut gespritzt hat. Diese -Einspritzungen wirken günstig. Namentlich ist es erwiesen, daß sie -die Wirkung der Übung auf unsere Muskeltätigkeit erhöhen. Bekanntlich -erhöhen körperliche Übungen die Leistungfähigkeit unserer Muskeln. Dies -ist nun in viel höherem Grade der Fall, wenn Hodenauszug oder Samen -eingespritzt wird; die Muskeln und die Muskelnerven ermüden dann viel -weniger und erholen sich dann viel rascher. - -Diese Experimente stehen auch im Einklang mit der uralten Erfahrung, -daß höchste körperliche Leistungen nur bei vollständiger Enthaltung -von jeder Art Befriedigung des Geschlechtstriebes erzielt werden -können. Deshalb enthielten sich die Athleten bei den Griechen und -Römern ebenso des Beischlafes, wie dies unsere heutigen Sportsleute -tun, wenn sie sich auf ihre Wettkämpfe vorbereiten (trainieren). Und -daß es sich auch mit den geistigen Leistungen ganz ähnlich verhält, -lehren vielfache Erfahrungen von Gelehrten und Künstlern. Während der -Zeit der Enthaltung wird sicherlich Samen aufgesaugt und gelangen -seine Bestandteile ins Blut. Dies wirkt also -- wie wir sehen -- nicht -schädlich, sondern günstig. Wir haben übrigens soeben erst davon -gesprochen, wie die innere Sekretion der Geschlechtsdrüsen den Körper -von Mann und Frau erst zur vollen Entwicklung bringt. - -Man könnte nun allerdings denken, daß die Aufsaugung von Samen nur dann -nützlich ist, wenn sie eine gewisse Höhe nicht überschreitet, daß ein -Zuviel davon aber schädlich werden könne. Diesem Einwande gegenüber muß -darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Natur durch die nächtlichen -Pollutionen -- die etwas ganz Normales sind, wenn sie nicht allzu -häufig stattfinden -- schon vorgesorgt hat, daß keine übermäßigen -Ansammlungen von Samenflüssigkeit stattfinden, ferner darauf, daß die -Absonderung des Samens von selbst abnimmt, wenn der Geschlechtsapparat -nicht benützt wird. Mit den Hoden verhält es sich in dieser Beziehung -geradeso wie mit den anderen Organen. Wenn sie nicht benützt werden, -erhalten sie weniger Blut zugeführt, und wenn sie weniger Blut -erhalten, sinkt ihre Ernährung und ihre ganze Lebenstätigkeit. Also -auch dadurch ist einem Schaden vorgebeugt. - -Der Leser wird aber vielleicht sagen: „Es mag sein, daß der Samen keine -schädliche Flüssigkeit ist, die entfernt werden muß; ich sehe ein, daß -der Geschlechtstrieb keine Einrichtung zur Erhaltung des Individuums -ist; aber was hilft es? Ist denn der Trieb nicht unüberwindlich? Und -wenn er überwunden werden kann, erregt und erschöpft denn dieser -beständige Kampf unser Nervensystem nicht in solcher Weise, daß dadurch -die Gesundheit leidet? Das wird doch auch von Ärzten gelehrt.“ - -Davon, daß bei einem gesunden, normalen Manne das Verlangen nach -Beischlaf +unüberwindlich+ ist, so daß es befriedigt werden +müßte+, -kann keine Rede sein. Es ist unleugbar, daß manchem geschlechtsreifen -Manne der nicht befriedigte Trieb erhebliche Beunruhigungen schafft, -und daß es ihm zeitweise große Anstrengungen kosten kann, ihn im Zaume -zu halten. Bei den meisten Männern ist der Geschlechtstrieb aber gar -nicht so stark, als manchmal behauptet wird, und bei jedem Manne hängt -die Stärke seiner Regungen in hohem Maße von seiner Lebensweise und von -seinem ganzen Verhalten ab. Wenn wir unsere Vernunft und unseren Willen -gebrauchen wollten, würde es der ungeheuren Mehrheit der gesunden -Männer nicht allzu schwer werden, sich des geschlechtlichen Verkehrs zu -enthalten und sich auch bei mangelnder geschlechtlicher Befriedigung -von stärkerer Belästigung und Störung des Wohlbefinden freizuhalten. Um -darüber klar zu werden, müssen wir zunächst genauer betrachten, wie die -geschlechtliche Erregung zustande kommt. - -Auch der leidenschaftlichste Mann ist nicht +immer+ sexuell erregt. Die -geschlechtliche Erregung tritt stets nur zeitweise, in der Regel nur -auf äußere Anstöße hin, ein und läßt von selbst nach einer gewissen -Dauer wieder nach, wenn der äußere Anlaß zu wirken aufgehört hat. -Von dem Zustande, in dem sich die Hoden befinden, namentlich von -ihrer Blutfülle und der Füllung ihrer Ausführungsgänge mit Samen, -hängt der Grad der Erregbarkeit ab, d. h. ob schwächere oder stärkere -Einwirkungen erforderlich sind, damit die geschlechtliche Erregung -wirklich eintritt. - -Die Erregung kann zunächst durch örtliche Reizung der Empfindungsnerven -veranlaßt werden. Von den Geschlechtsteilen, insbesondere vom Gliede, -laufen Empfindungsnerven zum Rückenmarke. Werden sie, z. B. durch -Berührung des Gliedes, erregt, so leiten sie diese Erregung zum -Rückenmarke fort, wo sie unmittelbar auf Nerven übergeht, die wieder -zum Gliede zurücklaufen, und zwar zu seinen Blutgefäßen. Die Erregung -dieser Nerven hat zur Folge, daß den Schwellkörpern des Gliedes -reichlicher Blut zugeführt wird, während gleichzeitig der Abfluß des -Blutes aus ihnen erschwert wird. Das Blut häuft sich also im Gliede -an; diesem schwillt an, richtet sich auf und wird steif. Dieser -Vorgang der Erektion (Aufrichtung) kann völlig unabhängig von unserem -Bewußtsein verlaufen, kann ein reiner +Reflexvorgang+ sein -- wie wir -zu sagen pflegen. Er kann auch ohne jede Wollustempfindung stattfinden, -wie z. B. bei ganz jungen Knaben bei Harndrang. Bei älteren Knaben -aber erwecken die Erregungen, die von den sensiblen Nerven der -Geschlechtsteile zum Rückenmark und zum Gehirne weitergeleitet -werden, oft schon lange vor dem Eintritte der Pubertät eigentümliche -Lustgefühle; beim Geschlechtsreifen erweckt die Steifheit des Gliedes -außerdem Bedürfnis nach Entspannung und Verlangen nach dem Weibe. So -kommen z. B. wollüstige Träume zustande, wenn während des Schlafes -infolge des Reizes, den der Druck der gefüllten Blase auf die -Nachbarschaft ausübt, das Glied steif geworden ist (was am häufigsten -gegen Morgen eintritt, daher die Bezeichnung „Morgensteifheit“). -Wie durch den Druck der gefüllten Blase kann auch durch den Druck -des gefüllten Mastdarmes auf seine Nachbarschaft, durch Druck und -Reibung der äußeren Geschlechtsteile seitens der Kleidung oder der -übereinandergeschlagenen Beine, durch Jucken infolge von Unreinlichkeit -der Haut oder von Hautausschlägen Erektion und durch diese wieder -geschlechtliches Verlangen erregt werden. - -Es ist ohne weiteres klar, daß man sehr vieles tun kann, um diesen -Erregungen vorzubeugen. Man vermeide, abends viel zu trinken, man -sorge für geregelten Stuhlgang, man trage weite Hosen und vermeide -auch sonst jeden stärkeren Druck auf die Geschlechtsteile, wie -durch Übereinanderschlagen der Beine oder durch schwere Bettdecken -und Überbetten; man vermeide jede überflüssige Berührung der -Geschlechtsteile mit der Hand, man halte durch Waschungen und Bäder -die Haut rein, sorge für frühzeitige ärztliche Behandlung von -Hautausschlägen usw. - -Ebenso wie örtliche Erregung wollüstige Vorstellungen hervorrufen -kann, führen umgekehrt gewisse Vorstellungen zur Erregung der -Geschlechtslust und zur Erektion. Wenn man derartige erregende -Vorstellungen zu vermeiden sucht, kann man unendlich viel in der -Beherrschung des Triebes erreichen. Aber nur allzu häufig geschieht das -Gegenteil: der Geschlechtstrieb wird durch leichtfertige Gespräche, -durch Lesen unzüchtiger Bücher, durch Anblick obszöner Bilder und -Theatervorstellungen u. dgl. künstlich erweckt und gestachelt! Wenn der -Geschlechtstrieb heute bei so vielen Knaben und unreifen Jünglingen -frühzeitig zur Äußerung kommt, so ist dies nicht ein natürliches -Erwachen, sondern sicherlich bei 90 von 100 die Folge von Verführung. -Und dieselbe verruchte Afterkunst und Afterliteratur, die unsere -Sinnlichkeit mit allen Mitteln unablässig reizt und stachelt, lehrt -dann die angebliche Unüberwindlichkeit des Triebes! - -Ebenso, wie wir in hohem Maße fähig sind, der geschlechtlichen Erregung -vorzubeugen, so sind wir auch imstande, die eingetretene Erregung zu -bändigen. Wenn so viele junge Männer dem geschlechtlichen Verlangen -ohne weiteres Folge leisten und es durch unehelichen Beischlaf -befriedigen, so ist dies keineswegs ein Beweis dafür, daß sie ihm -folgen müssen. Sie +wollen+ nur nicht ernstlich sich beherrschen! -Weichlichkeit, Neugierde und kindischer Ehrgeiz, es den anderen -gleichzutun, Betäubung des Gewissens und der Urteilskraft durch -Alkohol spielen dabei eine viel größere Rolle als der Trieb selbst. -Die meisten wohlerzogenen jungen Leute machen ihren ersten Besuch -bei Prostituierten und holen sich ihre venerischen Erkrankungen in -„angeheitertem“ Zustande, wenn sie nicht mehr fähig sind, die Folgen -ihres Tuns klar zu überblicken. - -Vom Gehirne gehen nicht allein Erregungen des Geschlechtsapparates -aus, sondern auch +Hemmungen+ des Reflexvorganges der Erektion. Diese -Hemmungen kommen häufig von selbst, ganz unwillkürlich zustande. -So ist z. B. bekannt, daß Schrecken, Schmerz und andere heftige -Empfindungen, daß lebhaft auftauchende Vorstellungen überhaupt, welche -die Aufmerksamkeit ablenken, ganz plötzlich Erlöschen des Verlangens -und Erschlaffen des Gliedes herbeiführen können. Intensive geistige -Beschäftigung pflegt die Erregungen, die von den Geschlechtsorganen -ausgehen, von vornherein zu übertönen. Wir können nun auch willkürlich -solche Vorstellungen erwecken, welche die Erregung hemmen, z. B. die -Vorstellung von unseren Pflichten oder von den Gefahren, welche die -Befriedigung des Triebes mit sich bringt. - -Nicht allein auf dem Gebiete des Geschlechtslebens, sondern allen -Einwirkungen der Außenwelt gegenüber ist nur derjenige +Herr seiner -selbst und daher frei+, der die Hemmungseinrichtungen, die in seinem -Gehirne vorhanden sind, zu gebrauchen gelernt hat; diese Fähigkeit -kennzeichnet den Kulturmenschen. Der andere bleibt der Sklave des -Augenblicks. - -Wir stehen also keineswegs machtlos da. Die wichtigste Regel aber -für den, der Selbstbeherrschung üben soll und üben will, ist: -+Widerstehe dem Anfange!+ „_Principiis obsta!_“ +In ihrem ersten -Beginne+ ist die einzelne geschlechtliche Erregung meist so schwach, -daß sie mit leichter Mühe unterdrückt werden kann. Versäumt man aber -dies Stadium oder gibt man der Empfindung nach, dann schwillt sie -lawinenartig an und erfordert schließlich eine gewaltige und peinliche -Willensanstrengung zu ihrer Unterdrückung. - -Daß aber die Gesundheit Schaden nimmt, wenn selbst heftigere derartige -Kämpfe häufiger stattfinden, kommt bei Menschen mit einem von -vornherein normalen und nicht geschwächten Nervensysteme wohl kaum -vor. Jene krankhaften Erscheinungen, die man gerne der Enthaltsamkeit -zuschreibt, sind nicht die Folge von dieser, sondern im Gegenteile -in der Regel die Folge geschlechtlicher Ausschweifungen und Sünden. -Es können aber auch nachweisbare Krankheiten des Geschlechtsapparates -oder des Zentralnervensystems vorliegen. Es sind Fabeln, wenn behauptet -wird, daß beim Manne Samenfluß oder schmerzhafte Entzündungen im Hoden -und Nebenhoden, Samenaderbruch (Varikokele), Unfähigkeit zum Beischlaf -(Impotenz), oder umgekehrt die sog. Satyriasis; beim Weibe weißer -Fluß, Bleichsucht, Hysterie, Lageveränderungen und Geschwülste der -Gebärmutter, die sog. Nymphomanie; bei beiden Geschlechtern Irrsinn, -Neigung zum Selbstmord, zu Verbrechen aus der Nichtbefriedigung des -Geschlechtstriebes durch den Beischlaf entständen. - -Allerdings zeigt der Vergleich der Sterblichkeitsverhältnisse der -Verheirateten und der Ledigen, daß die Mortalität der verheirateten -Männer in allen Altern über 20 Jahre und die Mortalität der Ehefrauen, -nachdem das Alter der größten Geburtenhäufigkeit überschritten ist, -erheblich geringer ist als die der Ledigen. Aber diese geringere -Sterblichkeit, ebenso wie die geringere Häufigkeit von Irrsinn, -Selbstmord, Verbrechen unter ihnen kann schon deshalb nicht auf die -Befriedigung des Geschlechtstriebes bei den Verheirateten bezogen -werden, weil die Ledigen leider zum großen Teile durchaus nicht -Personen sind, die den Trieb nicht durch Beischlaf befriedigen. Die -geringere Sterblichkeit der Verheirateten beruht zum Teile darauf, -daß beim Abschlusse der Ehe auch heute schon eine gewisse Auslese -stattfindet und körperlich elende, kranke oder verkümmerte Individuen, -Idioten, Irrsinnige, Blinde, Lahme usw., in der Regel nicht geehelicht -werden. Hauptsächlich aber beruht sie darauf, daß die Verheirateten -in der Regel ein geordneteres Leben führen, weniger Alkoholmißbrauch -treiben und viel weniger der Gefahr der Geschlechtskrankheiten -ausgesetzt sind. Wie gering die Rolle ist, welche die Befriedigung -des Geschlechtstriebes durch den Beischlaf dabei spielt, geht daraus -hervor, daß Mönche und Nonnen trotz der Ungunst mancher ihrer -Lebensbedingungen im allgemeinen keine wesentlich höhere Sterblichkeit -aufweisen als ihre Altersgenossen unter den Laien. - -Leichtere Störungen und Unbehaglichkeiten, wie unruhiger Schlaf infolge -von Erektionen, häufigere Pollutionen, Kopfschmerzen und eine gewisse -nervöse Aufregung infolge von Blutfülle, lassen sich durch die früher -besprochenen Maßregeln, ferner durch Enthaltung von alkoholischen -Getränken und stark gewürzten Speisen, kühles, nicht zu weiches Bett, -kalte Waschungen und Bäder, ferner insbesondere durch intensive Pflege -von körperlichen Übungen bis zu deutlicher Ermüdung in der Regel -leicht vermeiden oder beseitigen. Je beharrlicher alles vermieden -wird, was den Geschlechtstrieb erregen könnte, um so leichter fällt im -allgemeinen die Enthaltsamkeit, da -- wie wir schon besprochen haben --- die Hoden bei Nichtgebrauch des Geschlechtsapparates ihre Tätigkeit -einschränken. - - - - -5. Kapitel. - -Folgen der geschlechtlichen Unmäßigkeit und Regeln für den ehelichen -Geschlechtsverkehr. - - -Während kaum irgend etwas Sicheres von schädlichen Folgen der -Enthaltsamkeit vom Beischlaf für Menschen mit gesundem Nervensystem -bekannt ist, steht es fest, daß +geschlechtliche Unmäßigkeit+ sehr -häufig schadet. Besonders häufig leidet beim Manne das Nervensystem -darunter, was leicht begreiflich ist, wenn man die heftige Erregung -bedenkt, unter welcher sich der Beischlaf vollzieht.[C] Schon deshalb -darf also auch in der Ehe der Geschlechtstrieb nicht zügellos -befriedigt werden. - -Auch in jenen Perioden der Ehe, während deren der Beischlaf erlaubt -ist, darf er nicht zu häufig ausgeübt werden. Viele alte Gesetzgeber -haben darüber Vorschriften gegeben: Zoroaster erlaubte ihn alle neun -Tage, Solon dreimal im Monate, Mohammed einmal wöchentlich. Eine uralte -deutsche Regel, die auch ich früher fälschlich Luther zugeschrieben -habe, lautet: - - „Alle Wochen zwier - Schadet weder ihr noch mir, - Macht im Jahr hundertundvier“, - -wobei allerdings auf die Menstruation vergessen wurde. Es ist nicht -möglich, eine feste Regel aufzustellen. Wie oft der Beischlaf ausgeübt -werden kann, ohne daß es schadet, hängt nämlich in hohem Maße von der -persönlichen Anlage, vom Alter, der Ernährung und der Arbeitsleistung -des Mannes ab. Stark geistig Arbeitende müssen in der Regel mäßig -sein. Wer auf die Winke der Natur achtet, wird leicht selbst das -zuträgliche Maß finden. Wenn lebhaftes Verlangen nach dem Beischlaf -besteht, die Erektion rasch und kräftig eintritt, wenn nach vollzogenem -Beischlaf eine angenehme Müdigkeit empfunden wird, die nach kurzer -Ruhe dem Gefühle voller Frische Platz macht, tiefer und ruhiger Schlaf -nachfolgt, so ist nicht zuviel geschehen, auch wenn die obige alte -Regel weit überschritten wird. Dagegen lasse man sich durch träge -Erektionen, durch das Gefühl von Ermüdung und Unlust, Gefühl von Druck -in der Kreuzgegend, Aufgeregtheit und Schlaflosigkeit hinterher warnen. -Der Satz: „Jedes Tier ist nach dem Beischlafe traurig,“ gilt nur für -Kranke und Unmäßige. - -Was die beste Tageszeit für die Vornahme des Beischlafes anbelangt, -so bevorzugen die einen die Zeit unmittelbar nach dem Zubettlegen, -wobei dann die ganze Nacht der Erholung dient, die anderen die Zeit -unmittelbar nach dem Erwachen, wenn die Gatten völlig ausgeruht -und frisch sind. Im letzteren Falle ist es aber ratsam, sich nach -Vollendung des Beischlafs noch eine kurze Ruhezeit und ein Schläfchen -zu gönnen. Überhaupt wird der Beischlaf am zuträglichsten sein, wenn -er in voller Bequemlichkeit und Ungestörtheit, frei von Sorgen oder -Gewissensbissen, vollzogen wird. Der eheliche Geschlechtsverkehr ist -deshalb viel zuträglicher als der außereheliche. Am zweckmäßigsten ist -die Rückenlage der Frau mit gespreizten Schenkeln unter dem Manne. -Diese Lage ist schon durch den Bau der Geschlechtsteile als die -natürliche vorgezeichnet. Andere Stellungen ermüden stärker. Bei Lage -des Mannes unten und der Frau oben sinkt die Gebärmutter zu sehr nach -unten, sie wird schädlichen Erschütterungen ausgesetzt und an ihren -Bändern gezerrt. Die Frau empfindet dann häufig hinterher Schmerzen, -ja, es kann zu Entzündungen im Innern kommen. Jede Künstelei ist -überhaupt zu vermeiden, insbesondere die willkürliche Verzögerung der -Samenausschleuderung, um die Dauer der Wollustempfindung zu verlängern. -Dagegen ist es für die physische und psychische Gesundheit der Frau -und für das Glück der Ehe sehr wichtig, daß auch +die geschlechtliche -Erregung der Frau durch den Eintritt des Orgasmus beim Geschlechtsakt -voll befriedigt und gelöst wird+. - -Man darf nie vergessen, daß die Ehe weder wegen des wirtschaftlichen -Nutzens allein noch wegen der seelischen Freuden, die sie mit sich -führt, sondern im wesentlichen um des physischen Zweckes willen, -behufs regelmäßiger Befriedigung des geschlechtlichen Bedürfnisse -geschlossen wird. Dies muß mit Nachdruck betont werden. Die verstiegene -Sentimentalität und der fleischlose Intellektualismus sind ebensowenig -imstande, eine befriedigende Ordnung in das Verhältnis von Mann -und Weib zu bringen, als der brutale Sensualismus. Wohl niemals -würden es zwei Menschen auf die Dauer ertragen, in der Weise von -Ehegatten miteinander verkettet zu sein, wenn sie nicht dabei die -physische Befriedigung ihres Geschlechtstriebes suchen und finden -würden. Auch bei solchen Frauen, welche mit noch schlummerndem -Geschlechtstriebe in die Ehe eingetreten sind, wird er durch die Ehe -notwendigerweise geweckt. Erregung von Wollustempfindungen durch -geschlechtliche Handlungen ohne nachfolgende vollständige Befriedigung -aber wirkt schädlicher und verstimmt mehr als völlige Enthaltung vom -geschlechtlichen Verkehr. +Der kluge und rücksichtsvolle Gatte wird -sich daher nicht allein um seine eigene Befriedigung kümmern, sondern -auch auf die seiner Frau bedacht sein.+ Mit einer Frau, die nur langsam -in höhere Grade geschlechtlicher Erregung gerät, wird er den Beischlaf -erst dann beginnen, wenn auch bei ihr starke Erregung eingetreten ist; -etwa infolge fortgesetzter Liebkosungen. - -Je einfacher man in seinen Genüssen bleibt, um so gesünder. Eheleute -mögen sich immer vor Augen halten, daß, je mäßiger sie im Genusse -sind, um so länger der normale Beischlaf seinen Reiz für sie behält, -um so länger die beiderseitige geschlechtliche Gesundheit, besonders -die Leistungsfähigkeit des Mannes vorhalten wird, sie um so länger -also der ehelichen Genüsse sich erfreuen zu können hoffen dürfen. -Eine gewisse zeitliche Regelmäßigkeit im Vollzuge des Beischlafes ist -durchaus ratsam. Die ganze Funktion des männlichen Geschlechtsapparates -richtet sich dann darauf ein, und der Beischlaf geht dann ohne -schädliches Übermaß von Erregung vor sich. Selbstverständlich soll man -aber nur dann beischlafen, wenn man sich vollkommen gesund und kräftig -fühlt, und nur dann, wenn die Erektion sich von selbst eingestellt -hat. Sie zum Zwecke des Beischlafes künstlich herbeizuführen, ist -ein Mißbrauch, der sich mit der Zeit an der Gesundheit rächt. -In berauschtem Zustande den Beischlaf auszuführen, ist durchaus -verwerflich, weil die Gefahr besteht, daß ein in solchem Zustande -erzeugtes Kind krank und schwächlich wird. Wer noch Kinder zu erzeugen -die Absicht hat, sollte sich überhaupt regelmäßigen oder irgend -häufigeren Genusses von alkoholischen Getränken enthalten und auch -niemals ausnahmsweise ein Übermaß davon zu sich nehmen. +Je besser die -Gatten für Gesundheit und Kraft ihres Körpers sorgen, um so gesündere -und lebensfrischere Kinder dürfen sie erwarten. Diese Fürsorge für die -eigene Gesundheit, die geordnete, vernünftige Lebensführung ist eine -der größten und wichtigsten Pflichten derjenigen, welche Kinder in die -Welt setzen wollen.+ - -Unmäßigkeit und Unordnung im Geschlechtsverkehre schaden hauptsächlich -dem Manne. Die Frau, welche sich beim Beischlafe lediglich duldend -verhält, kann in dieser Hinsicht viel mehr vertragen als er. Da die -weiblichen Geschlechtsteile stets zum Vollzuge des Beischlafes bereit -sind, während beim Manne erst Gliedsteife eingetreten sein muß, kann -die Frau beliebig oft hintereinander den Beischlaf an sich vollziehen -lassen. Wenn sie nur langsam in Erregung gerät, bleibt sie oft -nach dem ersten Beischlafe noch in starker unbefriedigter Erregung -und brächte ihr erst der zweite oder dritte Vollzug die volle Höhe -des Genusses. Wenn solche Frauen einmal Erfahrung gewonnen und die -schamhafte Scheu abgestreift haben, suchen sie mit allen Künsten den -Mann möglichst rasch nach dem Beischlaf wieder zu einem neuen zu -stacheln. Es gibt Frauen von wahrhaft unersättlicher Begierde, die den -Mann buchstäblich bis auf den letzten Tropfen auszusaugen vermögen. -Da ihnen Jünglinge mit unabgestumpfter geschlechtlicher Reizbarkeit -besonders erwünscht sind, sei der junge Mann vor solchen Frau Potiphars -auf der Hut. - -Die ersten Folgen der Unmäßigkeit sind Abnahme der Wollustempfindung -beim Beischlafe, damit zusammenhängend Verzögerung des Eintrittes -der Ejakulation, Verminderung der Kraft, mit welcher der Samen -ausgeschleudert wird. Nach dem Beischlafe Gefühl der Verstimmung, -der Ermüdung, der Mattigkeit in den Beinen, die länger und länger -anhalten, je länger und ärger die Unmäßigkeit fortgetrieben wurde. Als -weitere Folgen können auftreten: Druck in der Lendengegend, nervöse -Erregbarkeit, Gefühl von Druck im Kopf, von Eingenommensein des Kopfes, -gestörter Schlaf, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Lichtscheu, -zittriges Gefühl und wirkliches Zittern, Neigung zum Schwitzen. Es kann -ferner Herzklopfen eintreten; Muskelschwäche, die sich schon in den -schlaffen Mienen, in der schlaffen Haltung des geschlechtlich Ermüdeten -und Erschöpften verrät; Unlust zu anhaltender, schwerer Arbeit und -Unfähigkeit, sie zu leisten, Gedächtnisschwäche, Neurasthenie und -Melancholie. Die Verdauungstätigkeit sinkt, die Ernährung wird -schlechter; infolge davon Blutarmut und Schwächung der Widerstandskraft -gegen äußere Schädlichkeiten, insbesondere gegen Infektionskeime und -unter diesen wieder insbesondere gegen den Tuberkelbazillus. Auch der -Geschlechtsapparat selbst funktioniert bald noch schlechter und weist -die Erscheinungen der sog. reizbaren Schwäche auf: die Erektionen -verlieren an Kraft und Dauer; bei unvollkommener Erektion oder alsbald -nach der Einführung des Gliedes in die Scheide tritt die Ejakulation -ein, ohne daß die Höhe des Wollustgefühles erreicht wird; die Fähigkeit -zum Beischlaf geht damit mehr und mehr verloren; nächtliche Pollutionen -treten häufig auf und hinterlassen eine gesteigerte nervöse Erregung -und Mattigkeit. - -Die leichteren Störungen des Wohlbefinden gehen übrigens im allgemeinen -rasch wieder vorüber, wenn Enthaltsamkeit geübt wird, wenn die -Ernährung gut und die ganze sonstige Lebensweise den hygienischen -Grundsätzen gemäß ist. Insbesondere erholen sich vollkommen -geschlechtsreife junge Männer, die von vornherein gesund und kräftig -waren, von den Torheiten der Flitterwochen bald, wenn die Vernunft -die Herrschaft wiedererlangt hat. Je länger die Exzesse gedauert -haben, je schwächlicher das Individuum von vornherein war, um so -schwieriger tritt volle Wiederherstellung ein. Am gefährlichsten wird -die geschlechtliche Unmäßigkeit unreifen oder nicht voll erwachsenen -Jünglingen, sowie Männern, die sich bereits dem Greisenalter nähern; -sind sie etwa von vornherein nicht ganz gesund, so können sie sich -dadurch dauerndes Siechtum, ja selbst raschen Tod zuziehen. - -+Auch in der Ehe kommen Zeiten, in welchen vollständige Enthaltsamkeit -geübt werden muß.+ Sie sind durch Rücksichten auf die Frau und auf -die Nachkommenschaft unbedingt gefordert. Zur Zeit der Menstruation -darf der Beischlaf nicht ausgeübt werden. Er verbietet sich übrigens -für das feinere Empfinden von selbst durch den Zustand der weiblichen -Geschlechtsteile. Während der Menstruation ist das Innere der -Gebärmutter wund, der ganze Geschlechtsapparat des Weibes gereizt -und mit Blut überfüllt. Unter diesen Umständen ist, wie bei allen -Wundflächen, die Gefahr vorhanden, daß eine Wundinfektion eintritt, -diese dann zu Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Anhänge führt und -so die Frau auf die Dauer krank macht. Diese Gefahr wird durch das -Einführen des Gliedes in die Scheide sehr gesteigert.[D] Jedenfalls muß -der Beischlaf während des Blutabganges unterbleiben; noch besser ist -es, ihn auch während der darauffolgenden Woche zu unterlassen, bis die -Innenfläche der Gebärmutter wieder vollkommen überhäutet ist. - -Bei dieser Gelegenheit sei Ehemännern der Rat erteilt, das Glied durch -Waschungen immer reinzuhalten, wobei insbesondere auf die Furche hinter -dem Randwulst der Eichel und auf die Falten des Bändchens zu achten -ist. Ebenso soll die Frau die äußeren Geschlechtsteile, namentlich -die Schamspalte, reinhalten. Sehr empfehlenswert ist es, einige Zeit -nach vollzogenem Beischlaf mit Hilfe eines +Irrigators+ und eines -+Mutterrohres+ die Scheide mit lauwarmer, reiner Kochsalzlösung (1 -Kaffeelöffel Kochsalz auf 1 _l_ Wasser) auszuspülen. Dies darf aber -nicht sogleich nach dem Beischlafe geschehen, da sonst die Empfängnis -verhindert werden könnte. Der Irrigator und das Mutterrohr müssen -reingehalten und durch Waschen mit einer Desinfektionsflüssigkeit, z. -B. mit 2 prozentiger Lysollösung (20 _ccm_ Lysol auf 1 _l_ Wasser), vor -dem Gebrauche desinfiziert werden. Die Kochsalzlösung soll abgekocht -sein. Desinfektionsmittel dürfen ihr aber nicht zugesetzt werden. -Ich kenne Fälle, wo die sehnlichst gewünschte Schwängerung infolge -solcher fehlerhafter Reinlichkeit ausblieb, aber sofort eintrat, als -die „hygienischen“ Ausspülungen ausgesetzt wurden. Durch alle diese -Maßregeln wird manchen Erkrankungen, namentlich dem sogenannten weißen -Flusse, vorgebeugt, einem Katarrhe der Scheide, der der Frau wie ihrem -Ehemann recht lästig werden kann. - -Sehr vorsichtig muß man mit dem Beischlafe auch während der -Schwangerschaft sein. Er darf nicht zu häufig und nie stürmisch -ausgeführt werden. In den ersten Monaten der Schwangerschaft, -namentlich bei Erstgeschwängerten, wird er am besten ganz unterlassen. -Werden diese Vorschriften nicht beachtet, dann kommt es leicht zu Fehl- -und Frühgeburt, durch die nicht allein das Kind verloren geht oder -geschädigt wird, sondern auch die Frau dauernden Schaden nehmen kann. - -Unbedingt verboten ist der Beischlaf während des Wochenbettes, wenn -nicht die Frau, deren innere Geschlechtsteile arg verwundet sind, -schwerer Gefahr ausgesetzt werden soll. Auch bei ganz normalem Verlaufe -des Wochenbettes soll mindestens vier Wochen damit gewartet werden, und -auch dann noch ist weise Beschränkung dringend anzuraten. - -Mit Rücksicht auf die Frau wie auf das Kind wäre es eigentlich geboten, -der Frau, die geboren hat, eine monatelange Schonzeit zu gewähren. -Man muß auf das dringendste fordern, daß jede gesunde Mutter ihr -Kind stillt, wenn möglich 8-9 Monate lang. Das Leben des Kindes im -ersten Lebensjahre ist in hohem Grade gefährdet, wenn es nicht seine -natürliche Nahrung erhält; und die üblen Folgen der künstlichen -Fütterung scheinen auch noch in der späteren Lebenszeit nachzuwirken. -Die Erfahrung lehrt aber, daß bei sexuell erregbaren Frauen durch -Ausübung des Beischlafes, namentlich wenn er häufiger oder stürmisch -unter größerer Aufregung erfolgt, die Milchabsonderung frühzeitig zum -Stillstand kommen kann oder die Menstruation und damit zugleich die -Befruchtungsfähigkeit trotz des Stillgeschäftes wieder eintritt. Für -den Säugling wie für die Mutter ist es aber schädlich, wenn es bald -zu einer neuen Schwangerschaft kommt; für den Säugling, weil dann die -Milchabsonderung bald unzureichend wird und aufhört; für die Mutter, -weil die Frauen durch allzu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften -überanstrengt werden, rasch verblühen und Neigung zu Krankheiten, -insbesondere zu Tuberkulose, bekommen. Bei zu rascher Geburtenfolge -werden auch meist schwächliche Kinder geboren. Rascher als etwa alle -2½ Jahre sollten die Schwangerschaften nicht aufeinanderfolgen, wenn -die Frau bei voller Kraft und Gesundheit bleiben und einer kräftigen -Nachkommenschaft das Leben schenken soll. - - - - -6. Kapitel. - -Künstliche Verhinderung der Befruchtung. - - -Die Natur hat uns nicht allein das Verlangen nach Begattung -eingepflanzt, sondern auch den Wunsch, Nachkommen zu erzeugen und -großzuziehen. Bei der Frau, deren natürliche Lebensaufgabe es ist, -Kinder zu tragen und zu gebären, pflegt dieser Wunsch von klein auf -überaus lebhaft zu sein. Beim Manne pflegt er erst mit der Zahl -der Jahre zu wachsen. Je älter der Kinderlose wird, je mehr seine -persönliche Leistungfähigkeit abnimmt, um so mehr überkommt ihn ein -Gefühl der Leere, der Entbehrung eines wichtigsten Lebensgutes und -zugleich ein Gefühl seiner Überflüssigkeit in der Welt. Eine Ehe -ohne Kinder hat ihren Hauptzweck verfehlt. Nur wer Vaterfreuden und -Vaterleiden empfunden hat, hat voll ausgelebt, was das Dasein zu bieten -vermag. - -Ein Volk, dessen Angehörige nicht mehr die Tatkraft und den Lebensmut -haben, die Last der Aufzucht von Kindern auf sich zu nehmen, dafür -Opfer zu bringen, dafür etwas zu wagen, ein Staat, dessen Bürger die -Zahl der Kinder aufs äußerste beschränken, nur um nicht zuviel Sorgen -zu haben, nicht zu hart arbeiten zu müssen, um ein schlaffes Wohlleben -führen oder um Besitz anhäufen zu können, sind dem Untergange geweiht. -Für ein Volk von bequemen Rentnern oder von raffiniert genießenden -Intellektuellen und Ästheten ist kein dauernder Platz auf der Erde. Nur -derben Völkern, die nicht erst besonderer Reizmittel der Zivilisation -und der Kunst bedürfen, um ihres Lebens froh zu werden, die sich -kräftig vermehren und fröhlich im Gefühle des Gebrauches ihrer Kräfte -für ihre Kinder sich rühren, gehört die Zukunft. Wenn wir Deutsche uns -nicht kräftig vermehren, wird uns Rußland mit seiner Volksmasse binnen -100 Jahren erdrücken. - -Mit Rücksicht darauf, daß ein erheblicher Bruchteil der Geborenen -abstirbt, bevor das Alter der vollen Fortpflanzungsfähigkeit erreicht -ist, daß nicht wenige, welche dieses Alter erreichen, doch zur -Erzeugung gesunder Kinder untauglich sind, daß viele aus äußeren -Gründen an der Eheschließung verhindert werden, müßte jede Ehe -zwischen Gesunden heute +mindestens vier+ Kinder tragen, wenn das -ganze Volk in gesundem Blühen erhalten werden soll. Die Überhandnahme -der willkürlichen Einschränkung der Kinderzahl („Zweikindersystem“, -Einkind-, Keinkindehen) muß daher die größte Besorgnis für die Zukunft -des deutschen Volkes erwecken. Besonders verhängnisvoll ist die -zunehmende Ehelosigkeit, Verspätung der Verehelichung, absichtliche -Verhinderung der Befruchtung und unzulängliche Kindererzeugung bei -den besser Begabten. (S. o.) Das Ein- und Zweikindersystem ist auch -deshalb schädlich, weil sich statistisch herauszustellen scheint, daß -das dritte und vierte Kind der Frau im Durchschnitt am kräftigsten -und besten geraten. Nebenbei hat das Kleinhalten der Familie auch -schlimme Folgen für die +Kultur+. Die Kinder in solchen kinderarmen -Familien werden sehr häufig +verzogen+, zu anspruchsvollen, beständig -auf ihr eigenes Wohlsein bedachten, eigensüchtigen Menschen gemacht. -Das Aufziehen von ein oder zwei Kindern vermag die Frau nicht genügend -zu beschäftigen. Schon in jungen Jahren, im Vollbesitze ihrer Kräfte -hat sie keine ausfüllende Lebensaufgabe mehr und sucht dann -- nicht -selten auf bedenklichsten Wegen -- Zerstreuung oder drängt sich in das -Arbeitsgebiet des Mannes, auf dem sie in der Regel doch nur zu stümpern -vermag. Sie schwärmt für „soziale Tätigkeit“, weil ihr die natürliche -soziale Tätigkeit -- die wichtigste und wertvollste von allen! --, die -Erfüllung des Mutterberufes, genommen oder verkümmert worden ist. - -Es gilt, das +richtige Maß der Kindererzeugung+ zu treffen, denn -blindlings darf die Vermehrung auch nicht vor sich gehen. Allerdings -bietet vorläufig die Erde noch reichlich Raum für die Vermehrung der -Menschheit im ganzen und kann ihr Ertrag an Nahrungsmitteln noch ums -Mehrfache gesteigert werden. Wir dürfen auch hoffen, daß der Weltkrieg, -der zu unserer Vernichtung führen sollte, uns einen solchen Zuwachs -an Siedelungs- und Ackerland verschaffen wird, daß nicht so bald ein -Mißverhältnis zwischen der Zahl der zu Nährenden und zu Pflegenden und -der Menge der verfügbaren Nahrung, Wohnung und Kleidung entstehen kann. -Der Krieg hat leider auch so stark unter den erwerbstätigen Männern -aufgeräumt, daß es den Überlebenden nicht an reichlicher Gelegenheit zu -lohnender Tätigkeit fehlen wird. - -Bei jeder einzelnen Familie lassen sich aber darüber Erfahrungen -machen, daß der Haushalt nur so lange gedeiht, als die Zahl der -Kinder im richtigen Verhältnisse zur Größe des Einkommen und der -wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern steht, so daß die Kinder -genügend ernährt, mit genügender Sorgfalt gewartet, beaufsichtigt -und erzogen werden können, während zugleich jedes schädliche Übermaß -darin ausgeschlossen bleibt. Sind der Nachkommen zu wenige, dann werden -sie leicht verwöhnt, verzärtelt und verzogen; werden der Nachkommen -zu viele, dann verkommt alles. Die Frau leidet physisch unter den -ungeheuren Zumutungen, welche die gehäuften Schwangerschaften und -Säugungen an ihren Körper stellen, und vermag um so weniger die sich -stets vermehrende Last des Haushalts zu tragen; die angeborene Kraft -und Gesundheit der Kinder nimmt im Mittel vom 8. bis 9. Kinde einer -Mutter an merklich ab -- auch dann, wenn die Pausen zwischen den -einzelnen Geburten lange genug waren --, und die schwächlichen und -kränklichen, die um so größerer Sorgfalt bedürften, finden sie nicht -mehr. Ordnung und Reinlichkeit sind nicht mehr aufrechtzuerhalten, die -Familie verfällt und zerfällt; Krankheit und Laster räumen unter ihr -auf. - -Die Vernunft gebietet also, nicht mehr Kinder zu erzeugen, als man -bei Arbeitslust und frischem Mut und bei einiger Gunst des Schicksals -voraussichtlich ernähren und aufziehen können wird. Die Kindererzeugung -muß in Schranken gehalten werden, wenn sich der Mensch von dem -grausamen Zustande befreien will, der in der unvernünftigen Natur das -Gleichgewicht erhält: Massentod neben Massenzeugung! - -Es gibt noch andere Gründe, welche einzelne zwingen oder wenigstens -zwingen sollten, auf die Erzeugung von Kindern vollständig oder -zeitweise zu verzichten. Wir haben schon ausführlich von der Vererbung -gesprochen, und wie in manchen Stämmen die erbliche Belastung, die -Fehlerhaftigkeit des Keimplasmas derartig ist, daß keine Hoffnung auf -Erzielung einer wenigstens ihrer Erscheinung nach (s. S. 31) gesunden -Generation durch Kreuzung mit gesundem Stamme besteht; eine elende, -kranke Nachkommenschaft mit Bestimmtheit oder großer Wahrscheinlichkeit -zu erwarten ist. - -Aber auch wenn der Stamm ein guter ist, kann die Aussicht auf gesunde -Nachkommenschaft schlecht sein wegen chronischer, zeitweise auch wegen -akuter Krankheit der Frau oder des Mannes. Dann ist es ebenfalls -Pflicht, sich der Zeugung zu enthalten. Daß die Schwangerschaften -überhaupt nicht rasch aufeinanderfolgen dürfen, wenn die Güte der -Kinder nicht leiden und das Selbststillen lange genug fortgesetzt -werden soll, wurde schon oben erwähnt. - -Ein Mann, welcher das 50. Lebensjahr überschritten hat, sollte, auch -wenn er sich noch vollkommen gesund und rüstig fühlt, in der Regel -keine Kinder mehr erzeugen, da die Kinder älterer Männer nicht selten -schwächlich sind und da er kaum hoffen darf, so lange zu leben, bis die -Kinder, erwerbsfähig geworden, seiner Unterstützung nicht mehr bedürfen. - -In anderen Fällen verbietet sich eine neue Schwängerung, weil -eine frühere Geburt Veränderungen im Geschlechtsapparate der Frau -hinterlassen hat oder weil eine der so häufigen Frauenkrankheiten sie -befallen hat, die eine neue Schwangerschaft, eine neue Entbindung zur -Lebensgefahr machen. - -Die Notwendigkeit, der Erzeugung von Kindern Schranken zu setzen, -ist daher unbestreitbar, und mit dieser Forderung dürfte auch jeder -ohne weiteres einverstanden sein. Weniger Neigung besteht aber zur -Beschränkung im Geschlechtsgenusse. Man will die Erzeugung von Kindern -vermeiden, aber auf den Geschlechtsgenuß nicht verzichten, und man -wendet daher +künstliche Mittel+ an, um die Befruchtung zu verhindern. -Wir müssen darüber hier sprechen, weil durchaus nicht alle diese Mittel -so ganz harmlos sind, wie angepriesen wird. Wir müssen auch deshalb -warnen, weil die meisten von ihnen den Zweck, dem sie dienen sollen, -nur sehr unvollkommen erreichen. - -Das älteste und am häufigsten angewandte Verfahren ist wohl der sog. -+unterbrochene Beischlaf+ (_Coïtus interruptus_). Das Glied wird -vor der Ejakulation aus der Scheide herausgezogen, so daß der Samen -außerhalb der weiblichen Geschlechtsteile ergossen wird. Wird dies -pünktlich vollzogen und die etwa mit Samen benetzte Außenseite der -Geschlechtsteile und ihre Nachbarschaft alsbald gereinigt[E], dann -ist selbstverständlich die Schwängerung vollständig ausgeschlossen. -Aber die Ausführung stellt an die Aufmerksamkeit und Willenskraft des -Mannes eine nicht geringe Zumutung. Der Mann darf sich nicht sorglos -den Wollustgefühlen überlassen und findet daher auch nicht so leicht -volle Befriedigung. Die Samenentleerung findet, wenn nicht zum Schlusse -manuell nachgeholfen wird, nicht mit jener Kraft statt, die sie beim -normalen Akte hat und die notwendig ist, um volle Lösung der nervösen -Spannung und der Blutfüllung herbeizuführen. Der Widerstreit zwischen -dem Triebe und dem bewußten Willen scheint bei manchen das Nervensystem -stärker anzugreifen als die Aufregung des natürlichen Beischlafes, -wenn sich auch ohne Zweifel die meisten an diese Art des Vollzuges des -Beischlafes allmählich völlig gewöhnen. - -Auch die Frau bleibt unbefriedigt, falls der Beischlaf unterbrochen -wird, bevor bei ihr der Orgasmus eingetreten ist. Wie schädlich -dies nach verschiedener Richtung werden kann, wurde schon früher -hervorgehoben. Es wurde aber dort auch schon angedeutet, wie sich -durch geeignete Vorbereitung erreichen läßt, daß der Gipfel der -Wollustempfindung bei der Frau eintritt, bevor es beim Mann zur -Ausspritzung des Samens kommt. - -Ohne Zweifel wird der unterbrochene Beischlaf von sehr vielen -jahrzehntelang fortgetrieben, ohne daß sie merklich Schaden nehmen. -Aber früher oder später scheinen sich doch bei manchen Störungen -einzustellen, und es gibt Menschen, die dadurch in einen krankhaften -Zustand geraten. Als Wirkungen des unterbrochenen Beischlafes -+können+ auftreten: beim Manne Neurasthenie in den mannigfaltigsten -Formen, Störungen der Erektion und Ejakulation und damit rasche -Abnahme der Potenz bis zum vorzeitigen, vollständigen Erlöschen der -Fähigkeit, den Beischlaf auszuführen (s. o.), Nervenschmerzen in den -Genitalien, Vergrößerung und Verhärtung der Vorsteherdrüse; bei der -Frau ebenfalls Neurasthenie, dann chronische Blutüberfülle der inneren -Geschlechtsteile, Lockerung der Aufhängebänder der Gebärmutter, -Lageveränderungen der letzteren und im Gefolge davon Hysterie. Durch -Enthaltsamkeit und entsprechende ärztliche Behandlung, namentlich -durch passende Wasser- oder Luftkur, können übrigens viele von diesen -Störungen wieder beseitigt werden, wenn sie noch nicht einen allzu -hohen Grad erreicht haben. - -Viel gesundheitsschädlicher als der _Coïtus interruptus_ dürfte die -namentlich in England und Nordamerika vielfach geübte sogenannte -„_Male Continence_“ („männliche Zurückhaltung“) sein, für welche in -zahlreichen Schriften der Neo-Malthusianer Propaganda gemacht wird. Das -Glied wird in die Scheide eingeführt und hier ruhig liegen gelassen, -so daß es überhaupt nicht zur Ejakulation kommt. Hier wird also eine -überaus starke geschlechtliche Erregung herbeigeführt und überlang -aufrechterhalten, ohne daß die physiologisch erforderliche Entladung -nachfolgt. Dies muß schädlich werden. In der Regel wird wohl die -Befriedigung schließlich durch Masturbation erzielt werden, wenn auch -davon nicht gesprochen wird. - -Alle anderen Mittel zur Verhütung der Empfängnis sollen verhindern, -daß der +innerhalb+ der Scheide entleerte Samen bis zum Ei gelangt. -Hierher gehören einerseits der +Kondom+ (Präservativ), ein Überzug -aus Gummi oder aus Fischblase, der vor dem Beischlafe über das Glied -gezogen und an der Wurzel des Gliedes durch einen darübergezogenen -Kautschukring festgehalten und in den dann der Samen ergossen wird, -andererseits +Schwämmchen+, +Scheidenkugeln+ aus Fett oder Leim mit -keimtötenden Stoffen, Kautschukringe mit darin ausgespannter Membran -(das sog. _+Pessarium occlusivum+_), welche, vor dem Beischlafe in -die Scheide eingeführt, dem Samen den Weg zur Gebärmutter versperren -sollen, +Einblasung von pulverigen Spermatozoengiften+ in die Scheide -unmittelbar vor dem Beischlafe, endlich +Ausspülung der Scheide+ -unmittelbar nach demselben. - -Von diesen Mitteln ist zu sagen, daß in der Praxis keines derselben -volle Sicherheit gewährt. Am verläßlichsten ist der Kondom. Aber der -Überzug über das Glied kann die Befruchtung nur dann verhindern, -wenn er die Dehnungen und Zerrungen während des Beischlafes aushält -und nicht zerreißt. Ist der Kondom dickwandig und daher fest und -haltbar, dann stört er das Zustandekommen der Wollustempfindung des -Mannes in beträchtlichem Maße; dies gilt besonders von den Kondoms aus -Gummi, welche überdies bald brüchig werden. Ist der Kondom dagegen -dünn und zart, wie die feineren Kondoms aus Fischblase, Kalbs- oder -Schafsblinddarm, dann spürt man allerdings nicht viel von ihm, -besonders, wenn man ihn nach dem Überziehen über das Glied mit Wasser -befeuchtet, dann kann er aber während des Beischlafes leicht zerreißen. - -Die Verstopfungen der Scheide durch Schwämmchen usw. sind viel -unsicherer, wenn sie nicht von sachkundiger Hand vorgenommen werden. -Außerdem stören sie die geschlechtliche Befriedigung der Frau in mehr -oder minder hohem Maße und können ihr dadurch in derselben Weise -schädlich werden wie der unterbrochene Beischlaf. Endlich kommt es -durch die Hantierungen in der Scheide, durch den Druck der Einlagen und -durch Infektion sehr leicht zu Entzündungen und Katarrhen. - -Am harmlosesten für Mann und Frau sind die Ausspülungen der Scheide mit -lauem Wasser oder lauer Kochsalzlösung unmittelbar nach dem in normaler -Weise vollzogenen Beischlafe (s. o.). Aber dieses Verfahren ist das -unsicherste von allen, da sogleich bei der Ejakulation Samen in den -äußeren Muttermund und in den Halskanal der Gebärmutter eingedrungen -sein kann und dieser Teil des Samens durch die nachfolgende Ausspülung -nicht entfernt wird. Ich kenne mehrere Fälle, wo trotz der Ausspülungen -bald Befruchtung erfolgte. - -Kaum weniger unzuverlässig als die Ausspülung nach dem Beischlafe ist -das Einblasen von gepulverter Borsäure und ähnlichen Stoffen vor dem -Beischlafe. Sie können auch durch den chemischen Reiz, den sie ausüben, -schädlich werden. - -Der Leser sei also bei allen diesen künstlichen Verhinderungen der -Befruchtung auf der Hut! - -Er darf auch ihren schlechten Einfluß auf das sittliche Verhältnis von -Mann und Frau nicht übersehen. Ein solcher wird wohl nicht eintreten -in einer Ehe, die bereits mit Kindern gesegnet ist und in welcher die -durch jahrelanges Zusammenleben gefestigte innige Zuneigung der Gatten -zueinander das Abstoßende derartiger Praktiken verhüllt. Wird dagegen -der Geschlechtsverkehr von vornherein lediglich zum Zwecke des Genusses -gepflegt, so vergiftet dies die Beziehung der Gatten zueinander, und -schädigt es namentlich die Sittlichkeit der Frau. Sie betrachtet den -Vollzug des Beischlafes nicht mehr, wie sie von Natur aus geneigt ist, -mit Ehrfurcht als eine folgenschwere und feierliche Handlung, bei der -die geheimnisvollen Urmächte des Lebens das verborgen Treibende sind, -sondern lernt allmählich, daß es sich bloß um ein Vergnügen handle, das -man sich bei einiger Klugheit gönnen kann, ohne verräterische Folgen -fürchten zu müssen. - -Ein Gatte, welcher sich nicht überhaupt seiner Frau gegenüber -Zurückhaltung bezüglich der geschlechtlichen Vergnügungen auferlegt, -die angeborene Schamhaftigkeit der Frau nicht schont, sondern im -Gegenteile ihre Sinnlichkeit künstlich weckt und stachelt, darf sich -dann über ihre gelegentliche Untreue nicht wundern und beklagen. - - - - -7. Kapitel. - -Verirrungen des Geschlechtstriebes. - - -Ich habe nicht die Absicht, in diesem Büchelchen alle Verirrungen des -Geschlechtstriebes ausführlich zu besprechen. Im allgemeinen will -ich nur sagen, daß jene Verirrung, über welche in unserer Zeit so -viel Lärm gemacht wird, die Neigung zum eigenen, Abneigung gegen das -andere Geschlecht, nur höchst selten angeboren sein dürfte. Wo diese -Neigung wirklich angeboren ist, beruht sie auf einer Mißbildung. In -den allermeisten Fällen ist sie aber gar nicht angeboren, sondern -zurückzuführen auf die Weise, in welcher das Individuum zum ersten -Male zum Genusse von intensivsten Wollustempfindungen gekommen ist; -ein Erlebnis, das bei stark sinnlichen Naturen einen ungemein tiefen -Eindruck zu hinterlassen pflegt und namentlich Personen mit krankhafter -psychischer Veranlagung dauernd aus der Bahn normalen Empfindens -abzulenken vermag. - -Wie sich’s übrigens verhalten möge, ob die Verirrung angeboren oder -erworben ist, keineswegs dürfen Staat und Gesellschaft dulden, daß -diese Personen („Homosexuelle“, „Urninge“) ihre Neigungen ungestört -befriedigen, ungestört um ihre Art von Liebe werben. Denn wenn man dies -zuließe, würde die Verführung bald in ungeheurem Maße um sich greifen, -und wenn nicht die Zahl der Urninge, so doch die der sog. Bisexuellen -bald zu einem Heere heranwachsen und eine Zeit geschlechtlicher -Ausartung kommen, wie die, welche den Untergang der antiken Kultur -herbeiführen half. Der gesetzliche und gesellschaftliche Gegendruck -ist übrigens eine Wohltat für die Verirrten selbst. Ich kenne mehrere -Fälle, wo unter diesem Druck solche zur Homosexualität Verführte wieder -zu durchaus normalem Geschlechtsempfinden zurückgebracht und glückliche -Gatten und Väter geworden sind. - -Über eine einzige Art von abnormaler Befriedigung des -Geschlechtstriebes muß ich mehr sagen: über die +Masturbation+ oder -+Onanie+, da dieses Übel ungemein verbreitet ist und darüber die -verkehrtesten Ansichten herrschen, welche die Schäden noch vergrößern. -Während die einen erklären, daß das Masturbieren ein sehr zweckmäßiges -Mittel sei, sich Erleichterung zu verschaffen, wenn sich zuviel Samen -angesammelt hat und der eheliche Beischlaf nicht möglich ist, und daher -ebensowenig Tadel verdiene als der Gebrauch des Taschentuches oder der -Klistierspritze, mit denen man auch der Natur nachhilft, sehen andere -im Masturbieren das furchtbarste Übel mit den schädlichsten Folgen für -die Gesundheit. Beide Meinungen sind falsch. - -Beim normalen Beischlafe wird die Ejakulation durch mechanische -Einwirkung der Scheide auf das Glied herbeigeführt. Es ist nicht -einzusehen, warum es schädlicher sein soll, warum die nervöse -Erschütterung größer sein soll, wenn die mechanische Einwirkung auf -einem anderen Wege vor sich geht als beim natürlichen Beischlaf. -Mäßig getriebenes Masturbieren ist für den Geschlechtsreifen wohl -ganz unschädlich, wahrscheinlich sogar weniger gefährlich als der -unterbrochene Beischlaf. - -Nicht in der absoluten Schädlichkeit des einzelnen Aktes liegt -die Gefahr der Masturbation, sondern vor allem darin, daß, da zum -Beischlafe zwei Personen notwendig sind, zur Masturbation aber nur -eine, +die Gelegenheit zum Masturbieren ungeheuer viel größer ist als -die zum Beischlaf und damit auch die Verlockung zur Unmäßigkeit ganz -ungeheuer wächst+! Die Leiden, die der Arzt so häufig bei Onanisten -findet, sind dieselben, wie sie nach exzessiver Unmäßigkeit im -Beischlafe auftreten: also Verstimmung, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, -Druck und Schmerzen in der Lendengegend, Störungen der Ernährung, -Schwächung des Gedächtnisse und der übrigen geistigen Fähigkeiten, -Schwäche der Willenskraft, Schwäche der Erektionen, vorzeitiger -Eintritt der Ejakulation und damit Schwierigkeiten, den normalen -Beischlaf auszuführen. Wenn diese Störungen so viel häufiger und -ausgeprägter bei Onanisten als bei Koitierenden angetroffen werden, -so liegt dies eben daran, daß der Koitus selten durch längere Zeit so -unmäßig geübt wird, wie dies bei Masturbation vorkommt, und dann daran, -daß +die Masturbation vor allem von geschlechtsunreifen oder halbreifen -Knaben und Jünglingen betrieben wird, für welche jede Betätigung des -Geschlechtstriebes ungesund ist+. - -Es muß daher die ernsteste Sorge der Eltern und Erzieher sein, die -Kinder vor diesem hygienischen Laster zu behüten. (Auch Mädchen -masturbieren!) - -In den allermeisten Fällen verfallen die Kinder nicht von selbst -darauf, sondern kommen durch Verführung und böses Beispiel dazu. -+Sorgfältige Auswahl der Spielkameraden und Gefährten und beständige -Überwachung des Verkehrs der Kinder miteinander sind daher der -wichtigste Schutz.+ - -Nichts macht die Kinder der Verführung zugänglicher als die -unbefriedigte Neugierde bezüglich der Herkunft der Kinder. Es ist -daher im höchsten Grade töricht, die Kinder mit dem Storchenmärchen -abzuspeisen, statt sie rechtzeitig in +beschränktem Umfange+ -aufzuklären. Die Zeit zwischen dem zehnten und zwölften Jahre ist dazu -am besten geeignet; die Kinder haben schon genug Verständnis, während -ihr Geschlechtstrieb noch nicht erwacht ist. Ohne viel Aufheben zu -machen, zeige man den Kindern in der Blüte auch die Staubfäden und den -Fruchtknoten mit seinen Eiern und erkläre ihnen, daß die Eier durch -den Pollenstaub befruchtet werden müssen, damit neue Pflanzen daraus -hervorgehen können. Wenn die Kinder Käfer oder Schmetterlinge finden -oder Hunde auf der Straße sehen, die gerade in der Begattung begriffen -sind, +und man ihrer Frage nicht ausweichen kann, ohne ihr Mißtrauen -gegen unsere Aufrichtigkeit zu erwecken+, so sage man ihnen kaltblütig, -ohne Verlegenheit oder verdächtiges Schmunzeln, mit kurzen Worten, -daß dies geschehe, damit das Weibchen Eier lege bzw. Junge bekomme; -+ohne die geringste Andeutung, daß dies für die Tiere mit Lustgefühlen -verbunden ist+! Bei einigem Geschicke läßt sich dies so machen, daß -das Kind von selbst den erforderlichen Analogieschluß zieht, ohne daß -seine Phantasie ungebührlich erregt wird. +Sollte+ das Kind fragen, -ob es beim Menschen ebenso sei, so antworte man +ohne Zögern trocken+ -mit Ja, schneide aber weitere Fragen mit einem: „Das kannst du noch -nicht verstehen!“ ab. Schon dem ganz kleinen Kinde, das fragt, sage -man, daß es von seiner lieben Mutter unter Schmerzen geboren worden -sei. Man wird davon nur günstige Wirkungen sehen. +Dagegen hüte man -sich, mit der Aufklärung vorzeitig zu weit zu gehen+ und dadurch erst -Aufmerksamkeit und Phantasie des Kindes auf das Geschlechtliche zu -lenken. - -Von frühester Jugend auf muß darauf geachtet werden, daß das Kind -nicht die üble Gewohnheit annimmt, seine Geschlechtsteile anzufassen, -das Glied zwischen den Schenkeln zu drücken und ähnliches. Lange vor -Erwachen des Geschlechtstriebes können sich, wie wir gehört haben, -Erektionen und Lustempfindungen einstellen, und so kann es kommen, -daß manchmal Knaben von zwei und drei Jahren schon masturbieren; -selbstverständlich, ohne daß es zu einer Samenergießung kommt. Wie -ich aus Erfahrung weiß, kann man dem Kinde sehr leicht Sorge vor den -schädlichen Folgen der Betastung der Geschlechtsteile beibringen, ohne -daß man ihm deren Bestimmung auseinanderzusetzen braucht. Der Umstand, -daß die Geschlechtswerkzeuge zugleich Harnwerkzeuge sind, macht es sehr -bequem, dem Kinde die üblen gesundheitlichen Folgen von Hantierungen -an ihnen verständlich zu machen. Diese Belehrung wird dem Kinde um so -weniger auffallen, je mehr man ihm auch sonst hygienische Ratschläge -gibt und es zu hygienischer Lebensweise anleitet. - -Überaus wichtig ist es, den Körper der Kinder, namentlich die -Geschlechtsteile, reinzuhalten -- selbstverständlich, ohne sie durch -+zartes+ Reiben zu reizen --, Hautausschläge rasch behandeln zu lassen, -damit nicht Jucken zur Masturbation führe. Die Körperwaschungen müssen -auch benützt werden, um einen lebhaften +Ekel gegen alles Unreine+, -alle unreinen Berührungen usw. anzuerziehen. Dieser Ekel wird zu einem -nicht zu unterschätzenden Schutzmittel sowohl gegen widernatürliche -Hantierungen als gegen den Verkehr mit den von so vielen Männern -besudelten Prostituierten. - -Die Kinder sollen geschlossene Hosen tragen, so daß sie die -Geschlechtsteile nicht ohne weiteres mit der Hand erreichen können; -andererseits sollen die Hosen weit genug sein, um nicht zu drücken -und zu spannen. Man bringe die Kinder müde zu Bett, so daß sie sofort -einschlafen, und lasse sie alsbald nach dem Erwachen aufstehen. -Man dulde nicht, daß sie die Hände unter die Bettdecke schieben, -geradesowenig als daß die Knaben mit den Händen in den Hosentaschen -umhergehen und sitzen. Man sehe häufig nach, ob die Nähte der -Hosentaschen nicht zerrissen sind und so nicht etwa ein verborgener -Weg zu den Geschlechtsteilen eröffnet ist. Im übrigen helfen alle -jene Maßregeln, die wir früher schon als Mittel zur Erleichterung -der Enthaltsamkeit kennen gelernt haben, auch zur Verhütung der -Masturbation. - -Die wichtigsten Vorbeugungsmaßregeln, um die Kinder von sexuellen -Verirrungen und späterhin von ungezügeltem Geschlechtsgenusse -zurückzuhalten, sind +Erziehung zu Pflichterfüllung, Selbstbeherrschung -und freiwilliger Enthaltung von einzelnen Genüssen+ überhaupt; ohne -diese werden alle anderen wenig helfen. - -Ist ein Kind bereits auf das Masturbieren verfallen, so sind alle -eben besprochenen Maßregeln um so strenger anzuwenden und das Kind -beständig zu überwachen. Namentlich achte man auch darauf, daß es -nicht zu lange auf dem Abort verweile. Übertriebene Strenge und harte -Bestrafungen sind nicht am Platze. Viel nützlicher ist es, das Kind -selbst zu belehren und sein Vertrauen zu gewinnen. Im übrigen lasse -man sich durch die übertriebenen Schilderungen, die man nicht selten -auch in ärztlichen Schriften aus früherer Zeit findet, nicht allzusehr -erschrecken. Wenn die Masturbation nicht exzessiv getrieben wird, -tritt geradeso wie nach Übermaß im Beischlaf bei Enthaltsamkeit und -passender Lebensweise wieder vollständige Erholung ein. Sehr schwere -Gesundheitsstörungen sind überhaupt selten. Wenn man liest, daß infolge -von exzessiver Masturbation Geistesstörungen, Krämpfe, Veitstanz und -Epilepsie auftreten, so liegt eine Verwechslung von Ursache und Wirkung -vor. Das Verhältnis ist vielmehr dies, daß zügellose Masturbation ein -Zeichen einer schon bestehenden psychischen Krankhaftigkeit ist, die -sich dann später zu den genannten Krankheiten ausbildet. - -Eine sehr häufige Erscheinung ist, daß junge Männer, die, nachdem sie -gewohnheitsmäßig masturbiert haben, in die Ehe treten, fürs erste nicht -fähig sind, den Beischlaf auszuführen. Es ist dies fast immer nur die -Folge ihrer Besorgnis, daß sie zum Beischlafe nicht fähig sein werden, -da sie in den populären Schriften gelesen haben, daß die Masturbation -zur Impotenz führe. Ihre Aufregung hemmt das Zustandekommen der -Erektion. In einem solchen Falle heißt es nichts erzwingen wollen und -+in Geduld die gute Stunde abwarten+. Sie kommt ganz bestimmt, und mit -dem ersten Gelingen sind alle Schwierigkeiten überwunden. - -Die Neigung zur Masturbation erlischt beim gesunden Manne meist -sofort, wenn er den normalen Geschlechtsverkehr kennen gelernt hat. -Dies ist der Grund dafür, daß masturbierenden jungen Männern häufig -der Rat gegeben wird, Prostituierte aufzusuchen. Ich halte dies aber -für eine verwerfliche Torheit, da -- um von allem anderen zu schweigen --- das +Masturbieren für den gesunden Geschlechtsreifen eine winzige -Schädlichkeit ist verglichen mit den venerischen Krankheiten+, die -man sich im Verkehr mit Prostituierten früher oder später fast mit -Gewißheit holt. Einen Unreifen aber frühzeitig zum Beischlafe mit -Prostituierten verlocken hieße erst recht ihn völlig in die Gefahr des -Verderbens stürzen. - -Ich mußte die Besorgnis wegen der Schädlichkeit des Masturbierens -auf das richtige Maß zurückführen, da die beständige Angst und die -Verzweiflung des Masturbierenden die Schädlichkeit seines Tuns ganz -wesentlich steigert. Der Jüngling möge aber darin keinen Anlaß finden, -weniger energisch gegen eine etwa bei ihm vorhandene Neigung dazu -anzukämpfen. Denn grade für den Jüngling ist es fast unmöglich, Maß zu -halten, wenn er einmal der Verlockung erlegen ist. Und wenn ihm die -strotzenden Hoden Beunruhigung schaffen, so möge er stets bedenken, -daß von dieser strotzenden Fülle seiner Geschlechtsdrüsen auch das -beglückende Gefühl der Lebensfreude und der Jugendkraft, sein Wagemut -und seine Tatenkraft abhängen, und daß er sich des größten irdischen -Glücken beraubt, wenn er sich durch Gebrauch eines elenden Surrogats -bereits abgestumpft hat, bevor er zum ersten Male ein geliebtes Weib -umarmt. - -In der Anziehung, welche die beiden Geschlechter aufeinander ausüben, -liegt der reizvolle Zauber der Jugend. Das geschlechtliche Verlangen -zieht uns zu unserem Wohle unwiderstehlich in die menschliche -Gemeinschaft. Derjenige, der sich selbst befriedigt, wird leicht zum -vereinsamten Sonderling und Selbstling. - - - - -8. Kapitel. - -Die venerischen Krankheiten und ihre Verhütung. - - -„Die Wollust der Kreaturen ist gemengt mit Bitterkeit.“ Der Leser -dieser Blätter hat bereits die Wahrheit dieses Ausspruches vielfach -bestätigt gesehen. Und noch haben wir von den schlimmsten Übeln, die -der Geschlechtsverkehr bringen kann, gar nicht eingehender gesprochen. - -Es gibt drei ansteckende Krankheiten, die hauptsächlich durch den -Geschlechtsverkehr verbreitet werden und daher +venerische+ Krankheiten -genannt werden. Es sind diese der +weiche Schanker+, der +Tripper+ und -die +Syphilis+. Es ist möglich, sich mit allen drei Krankheiten auf -einmal anzustecken. - -Der +weiche Schanker+ ist unter ihnen die am wenigsten gefährliche, -ein Geschwür an den Geschlechtsteilen, beim Manne besonders häufig -am Randwulste der Eichel, das bei frühzeitiger geeigneter Behandlung -in der Regel bald heilt, ohne schlimme Folgen zu hinterlassen. Doch -kann auch diese Krankheit ärger verlaufen. Insbesondere kommt es nicht -selten zu Anschwellungen der Vorhaut, die so stark werden können, -daß die Vorhaut nicht mehr über die Eichel vor- oder zurückgeschoben -werden kann, wodurch äußerst heftige Schmerzen entstehen; ferner zu -schmerzhaften und gefährlichen Vereiterungen der Lymphdrüsen in der -Leistenbeuge, den sog. +Bubonen+. Jedes kleinste Geschwürchen, jede -kleinste Abschürfung am Gliede darf übrigens schon deshalb nicht leicht -genommen werden, weil es sich dabei um syphilitische Ansteckung handeln -kann und der Laie dies nicht zu entscheiden vermag. - -Mit großem Unrechte hält man vielfach den +Tripper+ für eine ganz -ungefährliche Krankheit. Die bakteriologischen Forschungen haben erst -ins volle Licht gesetzt, wie gefährlich diese Krankheit dem Manne -werden kann und ein wie schreckliches Leiden sie sehr häufig für die -Frau ist. - -Beim Manne tritt der Tripper als eine eiternde Entzündung der -Schleimhaut des vorderen Teiles der Harnröhre auf. Er beginnt meistens -am dritten Tage nach dem unreinen Beischlafe, seltener später, im -Laufe der ersten oder der zweiten Woche, mit einem geringfügigen, -wasserhellen Ausflusse aus der Harnröhre, Rötung der Lippen der -Harnröhre und Brennen und Kitzeln in derselben. Der Ausfluß wird -bald eitrig und nimmt rasch an Menge zu. Der Tripper ist immer sehr -schmerzhaft, heilt aber in der Regel leicht, wenn der Erkrankte so -rasch als möglich ärztliche Hilfe sucht. In böseren Fällen aber, oder -wenn die Erkrankung vernachlässigt worden ist, greift die Entzündung -in der Harnröhre weiter nach hinten und von der Schleimhaut in die -darunterliegenden Gewebe. Bei der Ausheilung, die dann nur schwierig -und oft erst nach Monaten und Jahren vollständig wird, kommt es häufig -zu Narben, die sich mit der Zeit zusammenziehen (sog. +Strikturen+) -und durch die Beschwerden, welche sie, namentlich beim Beischlafe -und beim Harnlassen, beim Reiten und Fahren, aber auch schon bei -ruhigem Sitzen veranlassen, das Leben für immer verbittern können. -Die Tripperentzündung kann sich aber auch noch weiter ausbreiten: auf -die Cowperschen Drüsen, auf die Vorsteherdrüse, auf die Blasendrüsen -(„Samenblasen“), auf die Harnblase und durch die Harnleiter hinauf bis -auf die Nieren. Gar nicht selten ergreift sie auch die Nebenhoden und -führt dadurch zur Unfruchtbarkeit. Auch in entfernte Körpergegenden -kann der Erreger des Trippers, der Gonokokkus, durch den Blut- und -Lymphstrom verschleppt werden und dort Entzündungen hervorrufen. So -kommen Tripperentzündungen und Eiterungen in den Gelenken vor; so -können Entzündungen der Herzklappen, des Rippenfells, des Rückenmarkes -entstehen; schwere Leiden, die selbst zum Tod führen können. - -Noch viel gefährlicher als für den Mann ist der Tripper für die Frau. -Auch bei ihr beginnt die Erkrankung in der Regel in der Harnröhre; sie -verbreitet sich aber rasch weiter und ergreift zunächst hauptsächlich -die Bartholinischen Drüsen und den Mutterhals. Sie hat eine große -Neigung, in das innere Genitale einzudringen. Es kommt zu Entzündungen -der Gebärmutter, der Eileiter, der Eierstöcke und des diese Organe -umgebenden Bindegewebes. Ist die Entzündung einmal in diese tieferen -Teile eingedrungen, dann ist sie meistens unheilbar. In der Regel -ist sie nicht geradezu lebensgefährlich, obwohl Fälle vorkommen, wo -Bauchfellentzündung verhältnismäßig rasch zum Tode führt, und obwohl -natürlich bei der Frau wie beim Manne entfernte lebenswichtige Organe -ergriffen werden können. Aber stets ist die unheilbar gewordene -Tripperentzündung der inneren Geschlechtsorgane ein Leiden, das der -Frau durch beständige Schmerzen und Beschwerden das Leben verbittert, -ihre Blüte und körperliche Leistungfähigkeit vernichtet und ihr -meistens die Fähigkeit, befruchtet zu werden, raubt. - -Der Trippereiter bzw. der in ihm befindliche Gonokokkus ist äußerst -ansteckend. Außer durch den Beischlaf kann er auch durch die Finger, -durch mit frischem Eiter beschmutzte Kleidungsstücke und Instrumente -übertragen werden. Wiederholt sind auch Ansteckungen kleiner Mädchen -durch Wasser in Badebecken und Badewannen, in denen Tripperkranke -gebadet hatten, vorgekommen. Besonders muß betont werden, daß die -+Bindehaut des Auges+ sehr leicht mit dem Gonokokkus zu infizieren ist -und die so entstehenden Augenentzündungen zu den allerbösartigsten -gehören. Zu dieser Infektion der Augen kommt es besonders leicht, wenn -das Kind bei der Geburt durch die Scheide und die Schamspalte der -tripperkranken Mutter durchgedrückt wird. Es kommt so die berüchtigte -ansteckende Augenentzündung der Neugeborenen zustande, welche in mehr -als zehn Prozent der Fälle beiderseitiger Blindheit die Ursache der -Erblindung ist! - -+Die Tripperkrankheit ist während ihrer ganzen Dauer -ansteckungsfähig.+ Besonders schlimm ist dabei, daß die sichtbaren -Krankheitserscheinungen bei einem lange bestehenden Tripper so -unbedeutend werden können, daß selbst der Arzt sie leicht übersieht. -Da der chronische Tripper in der Regel keine Schmerzen verursacht, -kann der Mann glauben, er sei völlig genesen, und doch die Gattin beim -ersten Beischlafe anstecken! - -Der Tripper ist furchtbar verbreitet. In manchen Städten bekommen -nach und nach alle Männer, welche außerehelichen Beischlaf ausüben, -den Tripper, und auf manchen Frauenkliniken hat man festgestellt, daß -der vierte Teil aller Patientinnen daran leidet. Etwa sieben Prozent -der heutigen Ehen sind wegen dieser Krankheit völlig unfruchtbar, sei -es, daß der Mann, sei es, daß die Frau zeugungsunfähig geworden ist! -Und weitere etwa sieben Prozent bringen es nur zu einem Kinde, weil -der Mann seine Frau zugleich mit der ersten Schwängerung tripperkrank -gemacht hat! - -Noch schlimmer als der Tripper ist die dritte venerische Krankheit, die -durch die _Spirochaete pallida_ erzeugte +Syphilis+, da sie den ganzen -Organismus ergreift. Man unterscheidet drei Stadien der Krankheit. - -Etwa vierzehn Tage bis drei Wochen nach der Ansteckung bildet sich ein -derbes, rotes Knötchen, das an der Oberfläche wund oder geschwürig -wird. (+Primäre Syphilis, harter Schanker.+) Bald stellt sich auch -Schwellung der benachbarten Drüsen ein. Nicht selten sind diese -Krankheitserscheinungen so unbedeutend, daß sie leicht vollständig -übersehen werden. - -Acht bis zehn Wochen nach Auftreten des Geschwürs kommt es zu -Allgemeinerscheinungen: die Ernährung leidet, der Kranke wird nervös -reizbar, unter Fieber und Kopfschmerzen bilden sich Ausschläge auf -der Haut und auf den Schleimhäuten, besonders auf denen des Mundes -und des Rachens; auch Knochenhautentzündungen sind sehr häufig. -Nach einiger Zeit verschwinden diese Krankheitserscheinungen. Nach -einer Pause von etwa sechs Monaten kommen sie aber wieder, und dieses -Verschwinden und Wiederauftreten wiederholt sich nun durch zwei bis -drei Jahre alle drei bis sechs Monate. Man nennt dieses Stadium der -Krankheit +sekundäre Syphilis+. Während der harte Schanker im Beginne -ein rein örtliches Leiden ist, krankt bei der sekundären Syphilis der -ganze Körper. Nach der angegebenen Zeit, also nach zwei bis drei und -vier Jahren vom Beginne der Krankheit an, tritt scheinbar Genesung -ein. Aber oft zeigen +schwere+ Erkrankungen, die +nach vielen Jahren+ -auftreten, daß der Schein getrogen hat. Namentlich sind Erkrankungen -des Zentralnervensystems, Geschwülste (sog. +tertiäre Syphilis+), -+Tabes+ (oder Rückenmarksdarre) und +progressive Paralyse+ (oder -fortschreitende Verblödung) solche späte Folgen der syphilitischen -Ansteckung.[F] Überaus häufig bleibt auch nach der definitiven Genesung -von der Syphilis der Organismus dauernd geschädigt und geschwächt. -Insbesondere nehmen die Blutgefäße dauernden Schaden. +Syphilitiker -haben im Durchschnitte eine erheblich kürzere Lebensdauer als Leute, -welche niemals an Syphilis erkrankt waren.+ Nach den Erfahrungen der -Gothaer Lebensversicherungsanstalt in den Jahren 1852 bis 1905 ist die -Sterblichkeit jener Versicherten, welche Syphilis durchgemacht haben, -um 68 Prozent höher als jene der von Syphilis verschont gebliebenen. -In der Altersklasse von 36 bis 50 Jahren beträgt die Sterblichkeit -der ersteren sogar 186 Prozent von jener der letzteren, also fast das -Doppelte. - -Die Kranken sind +sicher ansteckend während des ganzen ersten und -zweiten Stadiums+ und während des letzteren sowohl zur Zeit, wo -Krankheitserscheinungen wahrnehmbar sind (Floreszenz), +als in den -Pausen+ (Latenz). Nach neueren Erfahrungen können sogar auch noch in -späterer Zeit, wenn schon lange keine Krankheitserscheinungen mehr -aufgetreten sind, Ansteckungen erfolgen. - -Der Ansteckungsstoff ist vorhanden in den Absonderungen der Geschwüre -und wunden, nässenden Stellen, in den abgestoßenen Oberhautschüppchen -der erkrankten Hautstellen, während des sekundären Stadiums im Blute -und in +allen+ Absonderungen, besonders auch im Speichel und im -Mundschleime. - -Die Ansteckung erfolgt daher, +wenn auch weitaus am häufigsten+ beim -Beischlafe, so doch nicht allein dabei, sondern auch von Mund zu Mund -beim +Kusse+ oder durch gemeinsam benutzte Eß- und Trinkgeschirre, -Tabakpfeifen, Musikinstrumente u. dgl., bei kleinen Verletzungen direkt -auf die Finger, Hände und andere Körperstellen, von der Brustwarze der -Amme auf den Säugling und umgekehrt vom Säugling auf die Amme. Auch bei -kleinsten Operationen, z. B. bei der Impfung, kann durch infizierte -Instrumente die Übertragung erfolgen. - -Von den Eltern kann direkt schon bei der Zeugung Syphilis auf die -Nachkommenschaft übertragen werden. Ein gesund erzeugtes Kind -kann im Mutterleibe infiziert werden, wenn die Mutter während der -Schwangerschaft syphilitisch wird. Wir haben schon davon gesprochen, -sowie davon, daß die elterliche Syphilis für die Nachkommenschaft -auch dann verderblich werden kann, wenn das Kind nicht angesteckt -wird, indem die Schädigung des elterlichen Körpers durch das vom -Krankheitserreger erzeugte Gift auch eine Schädigung der Keime zur -Folge hat, so daß die Kinder lebensschwach und elend ausfallen, -Entwicklungshemmungen und Bildungsfehler, Skrofulose und andere -Krankheiten der Ernährung aufweisen. Noch in der zweiten Generation -kann, namentlich wenn die Frau hereditär syphilitisch ist, Neigung zu -Abortus, Totgeburt und Geburt lebensschwacher Kinder vorhanden sein. - -Die Gefahr für die Nachkommenschaft besteht hauptsächlich während des -primären und sekundären Stadiums, in den ersten drei bis vier Jahren -nach der Infektion. Nach Ablauf dieses Stadiums werden in der Regel -normale Kinder erzeugt. Doch auch noch bei manchen von diesen später -Erzeugten gibt sich durch mancherlei krankhafte Zustände und Anlagen -die Andauer der Störung der elterlichen Keimbildung kund. - -Das Überstehen der Syphilis macht für eine neue Infektion -unempfänglich, es ruft, wie man zu sagen pflegt, +erworbene Immunität+ -hervor. - -Auch die Syphilis ist ungeheuer verbreitet. In den verschiedenen -Gebieten Mitteleuropa dürften mindestens fünf bis zehn Prozent der -ganzen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens syphilitisch infiziert werden; -in den Großstädten sind es noch sehr viel mehr; in Berlin mindestens 40 -Prozent der geschlechtsreifen Männer! - -Es ist klar, daß unter diesen Umständen der +außereheliche -Geschlechtsverkehr stets gefährlich ist+. +Jede Frau, die bereits -geschlechtlich verkehrt hat, ist verdächtig, eine venerische Krankheit -durchgemacht zu haben oder noch venerisch krank zu sein+, und ebenso -muß die Frau jeden Mann, der bereits den Beischlaf ausgeübt hat, von -vornherein als verdächtig ansehen. Die Hauptquelle der Ansteckung sind -jedoch ohne Zweifel die Prostituierten (Dirnen, Huren), die gegen -Bezahlung jeden zum Beischlaf zulassen. Nahezu +alle+ erkranken früher -oder später an Tripper und weichem Schanker, die meisten auch an -Syphilis. Man hat in St. Petersburg konstatiert, daß von 100 Mädchen, -die das Gewerbe der Prostitution beginnen, binnen fünf Jahren 80 -syphilitisch wurden. Von 100 Bordellmädchen wurden jährlich 12 bis 51 -wegen Syphilis ärztlich behandelt. In Berlin erkrankten laut Erhebungen -von den freilebenden Prostituierten jährlich 32 bis 82 Prozent an -venerischen Krankheiten, in Budapest von den Bordellmädchen 144 bis 180 -Prozent. - -Man bemüht sich, durch polizeiliche Überwachung die Prostitution -ungefährlich zu machen, indem man die erkrankten Prostituierten so -rasch als möglich herauszufinden sucht, um sie dann abzusondern und -ärztlich zu behandeln bis zur Genesung oder wenigstens bis zu dem -Zeitpunkte, wo sie nicht mehr ansteckungsfähig sind. - -Dieses Ziel läßt sich aber nur höchst unvollkommen erreichen. Vor allem -ist es unmöglich, alle Prostituierten zur Untersuchung heranzuziehen, -da die Prostitution in allen möglichen verlarvten Formen auftritt -(geheime Prostitution) und auch die unverhüllte Prostitution sich den -Augen der Polizei so viel als möglich zu entziehen sucht; -- in den -Großstädten wenigstens -- zum guten Teile mit Erfolg. Je schärfer -die Polizei gegen die Prostituierten vorgeht, um so hartnäckiger und -erfinderischer suchen sich die Prostituierten vor ihr zu verbergen. - -Ferner ist es unter Umständen ungemein schwierig, festzustellen, ob -die Prostituierte krank ist oder nicht. Ein chronisch gewordener -Tripper macht auch bei der Frau so geringe wahrnehmbare Erscheinungen, -daß sehr häufig nur wiederholte mikroskopische Untersuchungen die -Diagnose der Krankheit ermöglichen. Floride Syphilis ist zwar leicht zu -erkennen, aber im latenten Stadium der sekundären Syphilis können alle -Krankheitszeichen fehlen, während die Prostituierte doch infektiös ist. -Sechs Siebentel aller syphilitischen Männer, die +Sperk+ in Petersburg -behandelt hat, haben sich bei latent syphilitischen Dirnen angesteckt. - -Ein Mädchen, das heute gesund befunden worden ist, kann bei der -ungeheuren Häufigkeit der venerischen Krankheiten in der nächsten -Stunde angesteckt werden. Sie kann schon angesteckt sein, ohne daß die -Krankheitserscheinungen schon ausgebrochen sind. Aber am nächsten Tage -brechen sie aus, und nun ist sie ansteckend. Ja, es sind sogar Fälle -sichergestellt, wo die Dirne die Krankheit von einem Manne unmittelbar -auf den nächsten Besucher übertragen hat, ohne selbst zu erkranken. -Etwas von dem, was der erste Besucher gebracht hat, hat der zweite -sofort wieder mitgenommen. - -Hat man die Erkrankten herausgefunden, so ist es fast unmöglich, -sie so lange abzusondern, bis sie nicht mehr ansteckungsfähig sind; -die syphilitischen Dirnen müßten durch drei bis vier Jahre, die -tripperkranken, sobald ihre inneren Organe ergriffen sind, eigentlich -für immer abgeschlossen gehalten werden! - -+Jeder, dem Leben und Gesundheit lieb sind, jeder, der sich eine -gesunde Nachkommenschaft wünscht, sollte schon dieser ungeheuren Gefahr -wegen die Prostitution meiden.+ - -Ebenso wie den größten +physischen+ Abscheu sollte der Verkehr mit -Prostituierten auch den größten +moralischen+ Abscheu erwecken. Lust -ohne Liebe ist gemein und macht gemein, und die Hingabe des Körpers -gegen Geld ist die tiefste Erniedrigung der Frau. Der Mitmensch in der -Frau sollte uns zu hoch stehen, als daß wir sie einfach zum Werkzeug -unserer Lust herabwürdigen; das Mitleid sollte uns abhalten, dieses -Gewerbe fördern zu helfen, das die ungeheure Mehrzahl der unglücklichen -Frauen, die sich ihm ergeben haben, körperlich und geistig zugrunde -richtet! - -Wie sehr sind auch die armen Wichte selbst zu bedauern, die das Feuer -ihrer ungebrochenen Jugendkraft an Wesen verschwenden, die, wie die -Dirnen, zum größten Teile von Geburt aus tiefstehende, psychisch -verkrüppelte Geschöpfe sind -- Vagabunden- und Verbrechernaturen -ins Weibliche übersetzt! --, die auch infolge des Mißbrauchs ihrer -Organe die rein physische Genußfähigkeit längst verloren haben und nur -des Geschäft wegen mühsam heucheln, als ob sie beim Beischlaf noch -irgendeine Wollustempfindung hätten! - -Als Moralist könnte ich damit schließen; aber ich bin Arzt und fühle -Erbarmen mit der menschlichen Schwäche und fühle die Verpflichtung, -wenigstens physischen Schaden so viel als möglich zu verhüten, wenn ich -schon den sittlichen Schaden nicht verhindern kann. Ich fühle diese -Verpflichtung um so lebhafter, als die venerischen Krankheiten nicht -bloß den Sünder bedrohen, der sich leichtfertig in die Gefahr stürzt, -sondern auch völlig Unschuldige und das Volk in seiner Gesamtheit. - -Ich will daher zunächst sagen, wie man die Gefahr, im -Geschlechtsverkehr angesteckt zu werden, +vermindern+ kann; +sie mit -Sicherheit auszuschließen, ist bis jetzt unmöglich+! - -Das weitaus beste Mittel gegen die Ansteckung, das wir heute kennen, -ist der +Kondom+ (s. S. 74); +ihn beim Verkehr mit Dirnen, =beim -außerehelichen Beischlafe überhaupt= nicht gebrauchen ist bodenloser -Leichtsinn+! Wenn er während des Beischlafes hält, schützt er das -Glied, den am meisten gefährdeten Körperteil, gegen alle drei -Infektionen, und ebenso schützt er auch die Frau vor dem angesteckten, -z. B. mit chronischem Tripper behafteten Manne. Aber dünnere Fabrikate -reißen leicht; billigere und schlechtere sogenannte Fischblasen sind -sehr häufig von vornherein nicht völlig dicht; Gummikondoms werden bei -der Aufbewahrung sehr rasch brüchig. Es wäre daher töricht, dem Kondom -ganz sorglos zu vertrauen. Ferner ist zu bedenken, daß der Kondom nach -dem Beischlafe an seiner +Außenseite+ Infektionskeime tragen kann, daß -man sich daher auch noch beim Abziehen desselben infizieren kann. Auch -an die Nachbarschaft des Gliedes, auf den Hodensack usw., kann beim -Beischlafe Infektionsstoff gekommen sein, und auch mit den Fingern -kann man welchen aufgenommen haben, während das syphilitische Gift, -wie wir gehört haben, an den verschiedensten Stellen der Haut und der -Schleimhäute haften und durch die kleinsten Verletzungen eindringen -kann. Die Benützung des Kondoms muß daher auf alle Fälle durch -sorgfältige Waschung mit einer kräftigen Desinfektionsflüssigkeit, am -besten mit 1 Promille Sublimatlösung (eine 1 _g_-Pastille auf 1 _l_ -Wasser) ergänzt werden. Mit dieser Lösung muß vor allem die Außenseite -des Kondoms abgewaschen werden, bevor dieser vom Gliede abgezogen wird, -dann Glied, Hodensack und ihre ganze Nachbarschaft sowie die Hände. - -+Viel unsicherer+ als der Kondom ist die Anwendung chemischer -Desinfektionsmittel. Ich kann sie +nur dann+ empfehlen, +wenn kein -Kondom+ zu haben ist. +Ihre Anwendung ist aber jedenfalls viel besser -als nichts!+ Gegen den Tripper gewähren Einträufelungen von 10- bis -20prozentigem +Protargol+, einer Silberverbindung, in die Harnröhre -einen verhältnismäßig sicheren Schutz, wenn sie unmittelbar nach dem -Beischlaf oder wenigstens so rasch als möglich -- keinesfalls später -als fünf Stunden danach! -- vorgenommen werden. Dagegen ist es recht -schwierig, durch Waschen oder Einsalben des Gliedes die Ansteckung mit -Syphilis zu verhüten. Bei der deutschen Marine wird nach folgender -Vorschrift verfahren: +So bald als möglich+ nach dem Beischlaf wird -das Glied, insbesondere die Eichel, die Kranzfurche und die Vorhaut, -mit Benzin gründlich gereinigt. Hierauf werden in die durch Druck mit -zwei Fingern senkrecht auf den Schlitz der Eichel zum Klaffen gebrachte -Harnröhrenmündung mittels einer Pipette zwei bis drei Tropfen 20 -prozentiger Protargollösung eingeträufelt. Einige Tropfen werden auch -auf ihre äußere Umgebung verteilt. Die Flüssigkeit muß 1 bis 2 Minuten -lang in der Harnröhrenmündung stehen bleiben; so lange muß diese daher -nach oben gerichtet und offengehalten werden. Hierauf wird das Glied -mit 1 promilliger Sublimatlösung gewaschen, schließlich ein mit der -Sublimatlösung getränkter Wattestreifen in die Eichelfurche eingelegt -und dort bis zu 12 Stunden lang liegen gelassen. Die Waschung mit der -Desinfektionslösung muß sehr gründlich vorgenommen werden, und man -muß darauf achten, daß die +ganze+ Oberfläche des Gliedes, die Furche -um die Eichel, das Bändchen, die beiden Blätter der Vorhaut wirklich -von der Desinfektionsflüssigkeit benetzt werden, und daß alle Teile -etwa zwei Minuten lang unter der Wirkung der Desinfektionsflüssigkeit -stehen. Dem Laien wird es nicht so leicht gelingen, alle diese -Vorschriften zu erfüllen. Die Nachbarschaft des Gliedes und die Hände -wäscht und desinfiziert man selbstverständlich mit. Die Waschung darf -natürlich auch nicht so grob ausgeführt werden, daß dabei die zarte -Oberhaut abgeschürft und dem Ansteckungsstoff geradezu eine Pforte -eröffnet wird. +Den Beischlaf auszuführen, wenn am Gliede auch nur -die geringfügigsten Abschürfungen vorhanden sind, ist ganz besonders -gefährlich und töricht.+ - -Statt der Waschungen wird auch +Einsalbung+ des Gliedes +vor+ -und +nach+ dem Beischlaf angewendet. Die beste Salbe dürfte die -„+Neisser-Siebertsche Desinfektionssalbe+“ sein, welche ebenfalls -Sublimat enthält. Selbstverständlich muß auch ihre Anwendung mit der -Einträufelung von Protargol in die Harnröhre verbunden werden. Billige -Schutzbestecke mit Benützungsvorschrift (20-25 Pfg. für einmalige -Anwendung) sind jetzt wohl in allen Apotheken käuflich. Man verlange -ausdrücklich solche mit Protargol und Neisser-Siebertscher Salbe. - -Wer einen Beischlaf vollzogen hat, der unrein sein konnte, tut gut, -sein Glied drei Wochen lang jeden Tag genau zu betrachten, ob er daran -keine Krankheitszeichen wahrnimmt. +Jede Hautabschürfung+, jedes -Eiterpünktchen, Knötchen oder Geschwürchen muß beachtet werden. Man -untersuche besonders die Eichel und die Furche hinter ihrem Randwulste, -das Bändchen und die Innenseite der Vorhaut. Sobald man +irgend -etwas+ Verdächtiges wahrnimmt, eile man +sofort+ zum Arzte, um die -verdächtigen Stellen gründlich verätzen zu lassen. Wenn dies in den -ersten 24 Stunden, nachdem sich die angegebenen Erscheinungen gezeigt -haben, geschieht, gelingt es nicht selten, die weitere Entwicklung des -Schankers und der sekundären Syphilis abzuschneiden. - -Nach Besichtigung des Gliedes streife man mit dem Finger der -Unterseite der Harnröhre entlang von hinten nach vorne und beachte, -ob sich auf diese Weise ein Tropfen Flüssigkeit aus der Harnröhre -herausdrücken läßt. Am besten ist es, diesen Versuch am Morgen vor dem -ersten Harnlassen anzustellen. Tritt ein Tropfen aus der Harnröhre -heraus, so suche man ebenfalls +sofort+ den Arzt auf, der sehr häufig -imstande ist, durch energische Behandlung die Entwicklung des Trippers -abzuschneiden. - -Überhaupt muß jedem, der in bezug auf Geschlechtsverkehr kein -reines Gewissen hat, auf das allerdringendste empfohlen werden, bei -Auftreten +irgendwelcher+ Krankheitserscheinungen nicht allein an den -Geschlechtsteilen, sondern auch auf der Haut, an den Lippen, an der -Schleimhaut des Mundes und des Rachens sogleich zum Arzt zu gehen und -ihm volle Wahrheit einzuschenken. Verschämtheit oder Unwahrhaftigkeit -dem Arzte gegenüber wäre das Allertörichteste. - -Auch wenn der Tripper, der weiche oder harte Schanker oder die -sekundäre Syphilis sich schon entwickelt haben, ist volle Heilung -möglich, wenn frühzeitig kräftige ärztliche Behandlung eingeleitet -wird. Man befolge daher gewissenhaft die ärztlichen Verordnungen und -lasse sich nicht durch törichtes Gerede von Naturheilkundigen und -Kurpfuschern irremachen. Insbesondere bitte ich die Leser, mir, der -ich gar nicht ärztliche Praxis ausübe, also ganz unverdächtig bin, zu -glauben, daß die Behandlung der Syphilis mit Quecksilber (z. B. die -sog. Schmierkur) eines der allerwirksamsten Heilverfahren ist, über das -die Medizin verfügt, und daß es damit fast immer gelingt, die Syphilis -wirklich zu heilen, während bei allen anderen seit längerer Zeit -bekannten Heilverfahren die Gefahr der tertiären Syphilis, der Paralyse -usw. viel größer ist. Die Heilung der sekundären Syphilis durch -Quecksilber dauert stets sehr lange, und die Kur muß durch zwei bis -drei Jahre mehrmals wiederholt werden, bis man des Erfolges sicher sein -kann. Wir haben ja schon gehört, daß die Syphilis die Eigentümlichkeit -hat, Pausen zu machen und nach mehreren Monaten zu rezidivieren. Der -Patient darf also ja nicht die Geduld verlieren, wie dies so häufig -geschieht. Vorzügliche und rasche Wirkung übt das neue von +Ehrlich+ -empfohlene Arsenpräparat „+Salvarsan+“ aus. Es hilft aber auch nicht -in allen Fällen und ist selbst keineswegs ganz harmlos für den Körper --- ebensowenig wie das Quecksilber --, so daß es höchst töricht wäre, -im Vertrauen auf das Salvarsan die Gefahr der Ansteckung mit Syphilis -leicht zu nehmen. Die Erfahrungen über das Salvarsan dauern noch nicht -lange genug, um ein abschließendes Urteil über dieses Heilmittel zu -gestatten; es muß aber schon jetzt dem Angesteckten auf das dringendste -empfohlen werden, sich so früh als möglich der Salvarsankur zu -unterziehen. - -Sorgt der Geschlechtskranke für sich, so muß er auch für andere sorgen. -Er darf keinen Augenblick vergessen, daß er an einer ansteckenden -Krankheit leidet. +Jeder Geschlechtsverkehr ist ein nichtswürdiges -Verbrechen, wenn man weiß, daß man geschlechtskrank ist!+ - -Aber auch abgesehen davon muß der Geschlechtskranke vorsichtig sein. -Der Tripperkranke muß darauf achten, daß er nichts von dem eitrigen -Ausflusse, der das Ansteckende ist, in seine eigenen Augen bringt. Er -muß seine Finger, wenn er sie damit beschmutzt haben könnte, stets -sofort reinigen und desinfizieren, ebenso dafür Sorge tragen, daß alle -Gegenstände, die infiziert sein können, z. B. Leibwäsche, desinfiziert -werden, bevor sie anderen Leuten in die Hand kommen. - -Wir haben schon gehört, daß der Tripper sehr häufig chronisch wird, -daß solche langwierige Tripper in der Regel höchst unbedeutende -Erscheinungen machen, daß sie aber trotzdem noch im hohen Maße -ansteckend sind. Die Vorsichtsmaßregeln dürfen daher erst dann -eingestellt werden, wenn durch gründliche ärztliche Untersuchung -mit Hilfe des Mikroskops die volle Ausheilung bzw. das Ende der -Ansteckungsfähigkeit festgestellt ist. Dies gilt insbesondere von -der Ausübung des Beischlafes[G] und von dem Eingehen der Ehe. Da der -chronische Tripper jahrelang fortbestehen kann, +darf niemand, der an -Tripper erkrankt war, heiraten, ohne daß ihm dies ein erfahrener Arzt -nach gründlicher Untersuchung erlaubt hat+. Wer anders handelt, ist -gewissenlos. Tausende und Abertausende von armen Frauen werden ohne -geringstes eigenes Verschulden für die Dauer ihres Lebens siech, weil -sie von ihrem Gatten, vielleicht gleich in der Hochzeitsnacht, mit -Tripper angesteckt werden! - -Hat der Tripperkranke nur darauf zu achten, daß nichts von dem -Ausflusse der Harnröhre an einen unrechten Ort gebracht wird, so -muß der Syphilitische noch viel vorsichtiger sein, da +alle+ seine -Absonderungen ansteckend sind und insbesondere durch den Speichel und -den Mundschleim die Krankheit leicht übertragen wird. Also während -der ganzen zwei- bis dreijährigen Dauer der sekundären Syphilis nicht -küssen! insbesondere nicht auf den Mund! Keine gemeinschaftliche -Benützung von Eß- und Trinkgeschirr, von Tabakpfeifen, von Gerät, das, -wie Musikinstrumente oder Glasbläserpfeifen, in den Mund genommen -werden muß. - -+Wie der Tripperkranke darf auch der Syphilitische nicht heiraten -bzw. nicht den Beischlaf ausüben, bevor jede Gefahr der Ansteckung -der Frau und der Erzeugung kranker Kinder ausgeschlossen ist.+ Da -dies keinesfalls vor Ablauf von vier Jahren nach erfolgter Ansteckung -sicher ist, muß mit der Ehe so lange gewartet werden. Aber auch nach -vier Jahren ist eine Ehe nur dann zulässig, wenn eine sorgfältige -ärztliche Behandlung stattgefunden hat, und wenn mindestens seit einem -Jahre nicht die geringsten Erscheinungen von Syphilis aufgetreten -sind. Diese Vorschriften mögen drakonisch scheinen, sie sind aber bei -der Furchtbarkeit der Folgen eines vorzeitigen Abschlusses der Ehe -unbedingt geboten. - -Alles dieses über die venerischen Krankheiten Gesagte möge sich nicht -allein der Ehekandidat vor Augen halten, sondern auch die Frau, um die -geworben wird, bzw. ihre Eltern und Vormünder. Sie sollen unbedingt -verlangen, daß der Brautwerber sein +Freisein von venerischen -Krankheiten+ durch ein ärztliches Zeugnis nachweist. Eigentlich sollte -keine Ehe geschlossen werden dürfen, bevor beide Brautleute ärztlich -untersucht, gesund und frei von gefährlicher erblicher Belastung -befunden worden sind; zum mindesten sollte gesetzlich vorgeschrieben -werden, daß die Brautleute ärztliche Untersuchungszeugnisse austauschen -müssen, damit sie wissen, woran sie sind. Unendliches Unheil könnte -dadurch verhütet werden! Einen gewissen Schutz gegen die Verehelichung -mit Kranken wird es schon gewähren, wenn es zur allgemeinen Gewohnheit -wird, was ja auch aus wirtschaftlichen Gründen dringend zu empfehlen -ist, +daß die Gatten bei Abschluß der Ehe ihr Leben versichern+, -und die Ehe unterbleibt, wenn die Versicherung versagt wird, was in -der Regel auf Grund eines ungünstigen Ergebnisses der ärztlichen -Untersuchung geschieht. Möge sich wenigstem dieser Gebrauch rasch -einbürgern. - - - - -9. Kapitel. - -Ehe oder freie Liebe. - - -Angesichts der Ekelhaftigkeit und Gefährlichkeit der Prostitution, wie -sie soeben geschildert worden ist, werden sich gar manche versucht -fühlen, in einem sog. „Verhältnis“ Befriedigung zu suchen bis zu dem -Zeitpunkte, wo sie imstande sind, eine Ehe zu schließen. Sie mögen aber -folgendes zu Herzen nehmen: - -Volle Sicherheit vor Ansteckung würde ein solches Verhältnis nur -dann bieten, wenn es mit einer Jungfrau eingegangen wird und wenn -beiderseits strenge Treue bewahrt wird, denn bei der heutigen -Verbreitung der Geschlechtskrankheiten ist, wie schon früher betont -wurde, +jeder+ polygamische Verkehr in hohem Grade gefährlich. Bei -einem Mädchen, das sich leichten Herzens, etwa gar gegen Entgelt -in irgendwelcher, wenn auch verhüllter Form, zu einem solchen -„Verhältnisse“ hergibt, darf man aber nicht auf Treue rechnen. Wenn -es, wie dies so häufig der Fall ist, schon von Hand zu Hand gewandert -ist, ist es kaum weniger gefährlich als die offenkundige Prostituierte. -Auch davor sollte sich der von Streben nach Höherem erfüllte junge -Mann scheuen, daß das Zusammenleben mit einem Mädchen, das geistig und -gemütlich tief steht, das kein Verständnis für seine Ziele hat und nur -triviale Vergnügungen kennt, sein eigenes Kulturniveau erniedrigen muß. -Ein solches „Liebesverhältnis“ beschmutzt +seelisch+ weit mehr als der -gelegentliche Besuch bei einer Prostituierten, der den Charakter einer -Notdurftsverrichtung, wie der Besuch eines öffentlichen Aborts, hat. - -Der unerfahrene Jüngling lasse sich auch gesagt sein, daß für ein -weibliches Wesen nichts leichter ist, als Liebe und Verlangen zu -heucheln, und daß es nicht wenige niedrig denkende Weiber gibt, die mit -klarer Überlegung auf den Fang von solchen Gimpeln ausgehen, die, durch -den Geschlechtstrieb blind gemacht, bereit sind, der Frau, welche ihnen -Liebe heuchelt und die letzte Gunst gewährt, Geld und Arbeitskraft zu -opfern, ihr die Sorge um den Lebensunterhalt wenigstens für einige -Zeit, wenn nicht für immer abzunehmen, ihre Luxusbedürfnisse und -Launen zu befriedigen. Gar mancher Harmlose meint zu erobern, während -er wehrlos gefangen wird. Die Frau, die im selbständigen Lebenskampfe -dem Manne nicht gewachsen ist, besitzt in der klugen Benutzung des -männlichen Triebes eine Waffe, deren rücksichtsloser Gebrauch ihr nicht -allzu selten vollen Triumph verschafft. - -In den Augen der Kurtisane ist der Mann ein dumm-gieriges Tier, das -dazu da ist, für die Frau zu arbeiten, und, wenn es ihr Gut und Blut -geopfert hat, noch immer dankbar sein muß, wenn sie es zu sich ins -Bett läßt. Eine solche Gesinnung hat früher in der bürgerlichen Welt -als verächtlich gegolten; die moderne Selbstvergötterung der Frau hat -es aber fertiggebracht, auch die „Dame“ für diese Auffassung und deren -sehr einträgliche Verwertung in der Ehe zu begeistern. Die Frau ist -die Krone der Schöpfung; der Mann ein Wesen niederer Art, geschaffen, -sie zu ernähren und zu bedienen! Amerika und England sind hierin die -leuchtenden Vorbilder für das „rückständige“ Deutschland. Für diese -Sorte Weiber gilt das Wort Nietzsches: „Wenn du zum Weibe gehst, vergiß -die Peitsche nicht!“ - -Ein ehrbares, hochgesinntes Mädchen zu einem „Liebesverhältnisse -auf Zeit“ verleiten ist auch dann ein unverantwortliches Beginnen, -wenn es mit voller Offenheit über die Endabsichten geschieht. -Selbstverständlich ist es eine Schlechtigkeit, Kinder in die Welt zu -setzen, für die man nicht sorgen will oder nicht sorgen kann. Das -Schicksal der unehelichen Kinder ist ein überaus trauriges. Ihre -Sterblichkeit ist im Vergleiche mit jener der ehelichen Kinder sehr -hoch; die Zahl der Militärdiensttauglichen unter ihnen ist niedrig. -Zeigen diese Tatsachen, wie schlecht es im Durchschnitt mit ihrer -körperlichen Gesundheit steht, so lehrt die verhältnismäßig große Zahl -von Geisteskranken, Selbstmördern, Trinkern und Verbrechern unter -ihnen, daß auch ihre geistige Gesundheit keine bessere ist. Wenn auch -sehr viel davon Erbschaft der Minderwertigkeit ihrer leichtsinnigen -Erzeuger ist, so haben doch auch ungenügende Pflege und Erziehung einen -wesentlichen Anteil daran. Kein halbwegs gewissenhafter Mann wird -es also auf die Möglichkeit der Erzeugung eines unehelichen Kindes -ankommen lassen wollen. Er könnte von vornherein bei einem solchen -Verhältnisse nur an Geschlechtsverkehr mit Verhinderung der Empfängnis -denken. Er möge aber zunächst sich klarmachen, wie leicht in einem -Augenblicke leidenschaftlichster Erregung alle Vorsätze vergessen -werden, das Nichtbeabsichtigte doch geschehen kann. Und selbst dann, -wenn das Schlimmste, leichtsinnige Schwängerung, vermieden wird, bleibt -ein solches Verhältnis unsittlich, ein Verstoß gegen die Nächstenliebe -wie gegen eine der wichtigsten Forderungen sozialen Lebens. - -Ich will nicht davon reden, daß schon die Entjungferung an sich dem -Mädchen Schaden bringt, indem sie ihm das spätere Eingehen der Ehe -erschwert, da der Mann mit vollem Recht die unberührte Frau als Gattin -bevorzugt. - -Die Hauptsache ist, daß es ohne Schädigung oder tiefe Verwundung -der weiblichen Seele dabei nicht abgeht. Der Wunsch nach -Mutterschaft ist der gutgearteten Frau eingeboren. Nur dann, wenn -der Geschlechtsverkehr ihr die Hoffnung eröffnet, Mutter zu werden, -beglückt er sie vollkommen. Wer eine Frau unter erbärmlichen Praktiken -in den Geschlechtsverkehr einführt, beraubt sie um die Stunde -höchster Glücksempfindung, die ihr die redliche Ehe mit den ersten -schrankenlosen Umarmungen gebracht hätte. - -Noch schlimmer ist der Schaden, den ihr die Auflösung des -Liebesverhältnisses bringt. Die Frau, der von der Natur die Last der -Mutterschaft auferlegt ist, sucht instinktiv bei dem Manne dauernden -Anschluß, dauernden Schutz. Daher die Innigkeit der Liebe der rechten -Ehefrau, die weit über ihre Freude am physischen Genusse hinausgeht, -daher ihre Treue und ihr Verlangen nach Treue. Auch wenn sie das -Liebesverhältnis eingegangen haben sollte mit dem vollen Bewußtsein, -daß es nur eine Episode werden solle, unvermerkt wird es ihr zum -wesentlichen Lebensinhalt, so daß seine Auflösung eine Wunde setzt, -die nur schwierig vernarbt und fürs ganze Leben schmerzt. Der besser -veranlagte Mann, der diesen Kummer kommen sieht, fühlt sich dann oft -außerstande, das Band zu zerreißen, und sieht sich durch Mitleid an -ein Wesen gefesselt, das vielleicht doch nicht in seine Lebenssphäre -paßt, doch nicht alle jene Eigenschaften besitzt, die er bei seiner -Lebensgefährtin gewünscht hätte. - -Gelingt es dem Manne aber, der Frau seine eigenen brutal sinnlichen, -polygamischen Neigungen beizubringen, dann zerstört er in ihr die -sozial wertvollsten Empfindungen, dann macht er sie auch seelisch -untauglich, eine gute Gattin und Mutter zu werden. - -Wir müssen die Keuschheit der Frau als höchstes soziales Gut schätzen -und pflegen, denn in der Keuschheit der Frau ist die einzige sichere -Bürgschaft dafür gegeben, daß wir wirklich die Väter unserer Kinder -sein werden, daß wir für unser eigenes Blut uns mühen und schaffen. -Ohne diese Bürgschaft aber keine Möglichkeit eines gesicherten, innigen -Familienlebens, dieser auf absehbare Zeit unentbehrlichen Grundlage für -das Gedeihen von Volk und Staat. Darin und nicht in der selbstsüchtigen -Willkür des Mannes ist es begründet, daß Gesetz und Sitte strengere -Anforderungen an die Frau bezüglich Keuschheit vor der Ehe und Treue in -der Ehe stellen als an den Mann. Es steht bei ihrer Ungebundenheit viel -mehr auf dem Spiele als bei seiner. - -Man schwärmt heute viel von der „Freien Liebe“ mit wirtschaftlicher -Unabhängigkeit von Mann und Frau, als Ersatz für die heutige, -bürgerliche Ehe, deren Schattenseiten und Härten man nicht schwarz -genug zu schildern weiß. Aber diese Schwärmereien, die ihr Bestechendes -haben, sind vom hygienischen Standpunkte aus verwerflich. Sie müssen -daran scheitern, daß es über die physische Leistungfähigkeit der -ungeheuren Mehrheit der Frauen hinausgeht, neben den Bürden der -Mutterschaft und der Pflege und Aufzucht der Kinder auch noch die des -selbständigen Erwerbes zu tragen. - -Das Verderblichste an der sog. Frauenemanzipation und der Erwerbsarbeit -der verheirateten Frau liegt darin, daß in dem Widerstreite zwischen -Mutterschaft und Berufspflichten in der Regel die erstere den kürzeren -zieht. Wenn überhaupt Kinder kommen, sind sie meistens kümmerlich. In -der Regel hintertreibt man die Entstehung von Kindern von vornherein. -Nichts gefährdet die Fruchtbarkeit der Kulturvölker mehr als die -moderne außerhäusliche Erwerbsarbeit der Frau und die aus ihr -hervorgegangene Frauenbewegung. - -Die Teilung der Arbeit zwischen Mann und Weib im gemeinschaftlichen -Wirtschaftsbetriebe der Familie ist gerade für die Frau ein -physiologisches und kulturelles Bedürfnis. Sie sichert auch den -Kindern am besten Pflege und Erziehung. Es wäre ein ungeheurer -Rückschritt gerade im Sinne individueller Entwicklung, wenn an Stelle -der Familienerziehung Massenaufzucht in öffentlichen Anstalten treten -würde. Dies wäre, nebenbei bemerkt, auch ein ungeheurer Verlust an -jenen Lustempfindungen, die dem Menschen aus dem Zusammenleben von -Eltern und Kindern erwachsen. - -Gewiß wird es in jeder Ehe Zeiten -- wenn auch vielleicht nur -Augenblicke -- hochgradiger Verstimmung geben, wo es als drückende Last -empfunden wird, aneinandergefesselt zu sein. Über solche unglückliche -Störungen werden jene Gatten am leichtesten hinwegkommen, die keusch in -die Ehe eingetreten und einander treu geblieben sind. Der Liebesgenuß, -den sie ausschließlich beieinander zu suchen und zu finden gewohnt -sind, ist etwas unendlich Süßes, das sie immer wieder zusammenführt und -versöhnt. - -Alles in allem genommen ist die Ehe der richtige Boden für heiteres -Gedeihen von Mann, Weib und Kind, und gehen diejenigen nicht irre, die -sich nach der Ehe sehnen und nach ihr trachten! - -Wie wenig wissen überhaupt diejenigen, welche immer nur an die -körperliche Schönheit des jungen Weibes und an den physischen -Geschlechtsgenuß denken und welche die Menschen bejammern, daß sie -durch Gesetz und öffentliche Meinung im geschlechtlichen Verkehr auf -ein einziges Individuum beschränkt werden, von dem Glücke, das aus dem -+seelischen+ Unterschiede und der +seelischen+ Anziehung von Mann und -Weib zu erwachsen vermag! Wie bedauernswert sind diejenigen, die im -Weibe nur das jagdbare Wild sehen, an dem man seine Stärke und seine -List übt und an dem man, wenn man es gefangen hat, als Tier mit dem -Tiere seinen physischen Drang befriedigt, solange einem dies Spaß -macht! Sie ahnen nicht, daß auf der Grundlage gegenseitiger Achtung, -Treue und Güte zwischen Mann und Weib ein Bund der Kameradschaft und -Freundschaft entsteht, der, indem er Leib +und+ Gemüt befriedigt, -weit höhere und dauerhaftere Glücksgefühle bereitet als der rasch -verfliegende Rausch der Brunst. - -Der erwachende Jüngling betrachtet das Weib, dessen Leib und Seele dazu -geschaffen ist, Mutter zu werden, mit Ehrfurcht; mit jener Ehrfurcht, -die er seiner eigenen Mutter widmet, die ihn geboren, gesäugt und -aufgezogen hat. Möchte er doch diese Empfindung, stark und rein, -unbefleckt durch gemeinen Genuß, in die Ehe hinübernehmen. Dann wird -diese an ihm das Dichterwort völlig wahr machen können. „Das ewig -Weibliche zieht uns hinan!“ - -Mit diesen Worten soll keineswegs eine blinde Schwärmerei für das -Weib in der Wirklichkeit erweckt werden. Nur allzu viele Weiber haben -recht wenig „Ewigweibliches“, dafür aber ein ausgiebiges Maß von -„Allzuweiblichem“ in sich, geradeso wie die meisten Männer Mangel -an „Ewigmännlichem“ und Überfluß an „Allzumännlichem“ leiden. Aber -durch gewissenhafte Arbeit kann aus wenigem viel und aus viel wenig -gemacht werden. Je höher das Ziel ist, nach dem wir streben, um so -Höheres werden wir erreichen. Wer einem anderen Menschen von vornherein -zeigt, daß er ihn keiner höheren Leistung für fähig hält, wird ihn -auch niemals zu einer solchen bringen. Je reiner und edler das Ideal -der Weiblichkeit ist, das der Mann erträumt und ersehnt, je größeres -Vertrauen er in die Fähigkeit der Frau setzt, sich diesem Ideale zu -nähern, um so besser wird es ihm gelingen, die vorhandenen Keime -des Ewigweiblichen im Weibe zu wecken. Je niedriger er die Frau von -vornherein bewertet, um so mehr Niedriges wird er auch in ihr finden. -Der Mann vergesse nie, daß er zur Führerschaft berufen ist, und daß, -wenn er als Führer versagt, das ganze Volk in die Irre gehen muß. - -Natürlich gilt ganz Ähnliches wie von dem Einflusse des Mannes auf die -Frau auch vom Einflusse der Frau auf den Mann. Kaum etwas spornt den -Mann mehr zur Tat als der Beifall der Frau. Nicht als Kämpferin auf dem -Kampfplatz der Männer, aber als +Kranzspenderin+ lenkt die Frau die -völkische Entwicklung mit. Wenn sie nur dem +edlen+ Wettstreit ihren -Beifall spendet, nur +nützliches+, +tüchtiges+ und +rechtschaffenes -Handeln+ belobt und belohnt, leistet sie ihrem Volk den besten -Dienst. Der Adel ihres Wesens und Verhaltens bestimmt den Adel ihres -Hauswesens, die Gesittung ihrer Familie. - -Die Macht der Frau als Gattin und Mutter ist so groß, daß sie mitten -in einer Wüste von Dummheit und Ichsucht, an deren Urbarmachung die -treueste Arbeit des Mannes scheitert, eine Oase von Seelenhoheit und -Glück zu schaffen vermag, -- wenn sie nur selbst ein reines Herz -besitzt! Nur der Umstand, daß in der modernen Frauenbewegung alte -Jungfern das große Wort führen, die infolge ihres bedauerlichen -Schicksals von der Größe und Herrlichkeit des wahren Frauenberufes -nichts ahnen, macht es verständlich, daß die „moderne Frau“ das -Reich der Ehe und Familie, wo die Frau als Verwirklicherin des -Ideals edler Menschlichkeit den Kreis ihrer Lieben beglücken und -dadurch unberechenbare Fernwirkungen ausüben kann, als Gefängnis -haßt und verachtet und mit unbelehrbarer Leidenschaftlichkeit in die -unerfreuliche Welt des Mannes hineindrängt, um dort auf seinen Wegen -kümmerlich dahinzukriechen. Dorthin, wo ein -- wenn auch kleines -- -Reich dauernden Friedens bestehen kann, trägt die „Emanzipierte“ mit -ihrer Selbstsucht Unruhe und Kampf; in der Welt des Mannes aber, für -welche Kampf und Krieg unerschütterliches Gesetz sind, will sie, in -der richtigen Einsicht, daß der Krieg die Unfähigkeit der Frau für -das Staatsleben zu völliger Nacktheit enthüllt, den „ewigen Frieden“ -stiften, wobei sie nichts anderes erreichen kann, als den Herzen der -Männer Schwachheit, Wehleidigkeit und Feigheit einzuflößen. - -Es gehört zu den größten Mängeln unserer gesellschaftlichen -Einrichtungen, daß sie der Mehrzahl erst lange nach Eintritt der -Geschlechtsreife das Eingehen der Ehe gestatten. +Wie viele könnten -aber auch unter den heutigen Verhältnissen längst die Wonnen -jugendkräftiger Liebe ohne Gewissensskrupel in der Ehe genießen, wenn -sie mit einem bescheidenen Haushalte zufrieden wären, wenn nicht -der Hang nach trägem Wohlleben und nichtigem Luxus oder töricht -überspannter Ehrgeiz sie von der Ehe zurückschrecken würde!+ - - * * * * * - -Ich bin am Schlusse meiner Erörterungen angelangt. Aus der -ungeschminkten Darstellung der Wirklichkeit ergeben sich ungezwungen -die Folgerungen. Die Hygiene kommt zu ganz denselben Forderungen -wie die Moral. Die oberste Forderung ist: +daß jeder seinen -Geschlechtstrieb beherrschen lernen muß+! Enthaltsamkeit von allen -geschlechtlichen Genüssen bis zum Eintritt der vollen Geschlechtsreife -und bis zur Vollendung des eigenen Wachstums! Befriedigung des -Geschlechtstriebes ausschließlich in der Ehe! Maßhalten im Genusse; -auch in der Ehe! - -Die Zahl der Kinder darf man nicht so weit anwachsen lassen, daß es der -Familie unmöglich wird, sie zu ernähren und aufzuziehen. - -Die Erzeugung von Kindern, die voraussichtlich krank oder minderwertig -geraten würden, muß unterlassen werden. - -Dagegen hat der Gesunde und Tüchtige seinem Volke gegenüber -geradezu die Pflicht, zahlreiche Nachkommen zu erzeugen. Es ist -ein unersetzlicher Verlust für die Nation und eine Sünde an ihr, -wenn -- wie dies so häufig geschieht -- gerade geistig und sittlich -hochstehende und dabei körperlich gesunde Männer ehelos bleiben und -sich der Fortpflanzung enthalten, wenn so gerade der edelste Keimstoff -vergeudet wird! Heute mehr als je, da uns der Weltkrieg Hunderttausende -von Männern bester Art geraubt hat! - -+Regelung des ganzen Geschlechtslebens im Dienste der Fortpflanzung! -Veredelung des rein tierischen Verkehrs zu einer sittlichen -Gemeinschaft!+ - -Dies ist das Ideal! Möge die Jungmannschaft ihm aus allen Kräften -nachstreben zum Wohle von Volk und Staat! - - [Illustration] - - - - - Soeben erschien: - - Hygiene der Nerven und des - Geistes - - Von Prof. Dr. =Aug. Forel= - - Vierte, verbesserte und erweiterte Auflage - - 348 Seiten mit Tafeln und Textbildern - - Geheftet M 3.40 :: Gebunden M 4.20 - -Der berühmte Gelehrte räumt in diesem Werke mit den vielen landläufigen -Vorurteilen, all den bequemen Schlagwörtern von Modekrankheit, -von Überbürdung mit Arbeit u. a. und all den verkehrten Ansichten -über unsere Lebensweise gründlich auf. Seine Darstellung spricht -zum Verstande und zum Herzen, sie weist klar und sicher auf die -vielfältigen Ursachen der Nervosität hin und auf die Fehler, die -der Kulturmensch gewohnheitsmäßig Tag für Tag macht und dadurch -sein Nervenleiden selbst verschuldet. Der Verfasser zeigt Mittel -und Wege zur Gesunderhaltung der Nerven und zur Herbeiführung ihrer -Wiedergesundung. Die Darstellung der Nervenhygiene des Kindesalters, -die das Buch gibt, verdient die besondere Beachtung aller Kreise. - - - _Bücherei der - Gesundheitspflege_ - - ········ Herausgeber: ········ - - Obermed.-Rat =Dr. F. v. Gußmann= und Geh. Medizinalrat =Prof. Dr. - M. Rubner= a. d. Universität Berlin - -Die Bedeutung einer verständigen Gesundheitspflege erschließt sich -in neuerer Zeit immer weiteren Kreisen. Dem Laien, der sich über -ihre Aufgaben und Ziele genau unterrichten will, bietet sich in -der „Bücherei der Gesundheitspflege“ die beste Gelegenheit, über -alle Fragen der allgemeinen wie der speziellen Hygiene belehrt zu -werden. Die Arbeiten dieser Sammlung sind wahre Meisterstücke der -Volksaufklärungskunst. Wissenschaftlicher Ernst durchdringt ein jedes -der prächtigen Bücher. Klare, übersichtliche Anordnung des Materials, -deutliche, schöne Abbildungen, die berühmten Namen der Autoren, von -denen jeder eine Größe in seinem Fache ist, endlich der äußerst -geringe Preis lassen die „Bücherei der Gesundheitspflege“ ungemein -empfehlenswert erscheinen. Die Sammlung wurde auf der Ausstellung -für Wohlfahrts- und Gesundheitspflege in Berlin sowohl wie auf -der Allgemeinen hygienischen Ausstellung in Wien mit der goldenen -Medaille, und auf der Weltausstellung in Brüssel mit dem Ehrendiplom -ausgezeichnet. - - -- Verzeichnis der erschienenen Bände nebenstehend. -- - - - =Aufgaben, Zweck und Ziele der Gesundheitspflege= von Geh. - Med.-Rat Prof. Dr. Orth. Brosch. M --.80. Eleg. geb. M 1.--. - - =Bakterien, Infektionskrankheiten und deren Bekämpfung= von - Hofrat Pro. Dr. Schottelius. Mit 33 Taf. Br. M 5.--. Eleg. geb. M - 6.--. - - =Gesundheitspflege im täglichen Leben= von Prof. Dr. Grawitz. - Brosch. M 1.50. Geb. M 2.--. - - =Hygiene des Auges= von Prof. Dr. v. Sicherer. Mit vielen - Abbild. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25. - - =Hygiene der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes= von Prof. - Dr. Neumayer. Mit Tafeln und Abbildungen. Br. M 1.80. Geb. M 2.25. - - =Hygiene der Zähne und des Mundes= von Prof. Dr. Port. Mit 4 - Taf. u. Abbildungen. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80. - - =Hygiene der Lunge= von Prof. Dr. v. Schrötter. Mit 18 - Originalabbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25. - - =Hygiene der Nerven und des Geistes= von Prof. Dr. Forel. Mit - 4 Tafeln und 6 Textabbild. Brosch. M 3.40. Geb. M 4.20. - - =Hygiene des Magens, des Darms, der Leber und der Niere= von - Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ewald. Mit Tafeln und Illustrationen. - Brosch. M 2.--. Geb. M 2.50. - - =Hygiene des Stoffwechsels= von Prof. Dr. Dennig. Brosch. M - 1.20. Geb. M 1.50. - - =Hygiene des Blutes= von Medizinalrat Dr. Walz. Mit 4 kol. - Abbild. Br. M 1.20. Geb. M 1.50. - - =Hygiene des Herzens und der Blutgefäße= von Prof. Dr. - Eichhorst. Mit 9 Tafeln. Brosch. M 2.--. Geb. M 2.50. - - =Hygiene der Haut, Haare und Nägel= von Prof. Dr. Riecke. Mit - 17 Originalabbildungen. Brosch. M 2.40. Geb. M 3.--. - - =Hygiene des Geschlechtslebens= von Obermedizinalrat Professor - Dr. v. Gruber. Mit 4 Taf. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80. - - =Entstehung und Verhütung der menschlichen Mißgestalt= von - Prof. Dr. Lange und Prof. Dr. Trumpp. Mit 125 Abbildungen. Brosch. - M 1.60. Geb. M 2.--. - - =Säuglingspflege und allgemeine Kinderpflege= von Prof. Dr. - Trumpp. Mit 35 Abbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25. - - =Körper- und Geistespflege im schulpflichtigen Alter= von - Professor Dr. Trumpp. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80. - - =Gesundheitspflege für Frauen und Mütter= von Prof. Dr. S. - Gottschalk. Mit 7 Tafeln und 32 Textbildern. Brosch. M 2.40. - Gebunden M 3.--. - - =Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft= von Dr. - Jaerschky. Mit 42 Illustrationen. Brosch. M 1.60. Elegant geb. M - 2.--. Übungstafeln apart M --.80. - - =Körperpflege durch Wasseranwendung= von Prof. Dr. Rieder. Mit - 10 Tafeln und 16 Textabbild. Brosch. M 2.40. Eleg. geb. M 3.--. - - =Hygiene der Kleidung= von Prof. Dr. Jaeger und Frau Anna - Jaeger. Mit 94 Abbildungen. Brosch. M 2.50. Geb. M 5.--. - - =Nahrungsmittel- u. Ernährungskunde= von Geh. Medizinalrat - Prof. Dr. Rubner. Mit viel. Tabellen. Brosch. M. 2.--. Eleg. geb. M - 2.50. - - - Ausführliche Prospekte versendet kostenfrei der Verlag: - - _Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart._ - - - - -FUSSNOTEN: - -[A] Zum Glück für die anderen Organismen mit geringerer -Vermehrungsfähigkeit werden die Umstände rasch ungünstiger in dem Maße, -als die Zahl der Nachkommen zunimmt, so daß in der Wirklichkeit die -Nachkommenschaft niemals in annähernd so raschem Tempo wächst. Immerhin -macht uns ihre außerordentlich große Vermehrungsfähigkeit begreiflich, -wieso diese winzig kleinen Wesen rasch so gewaltige Veränderungen -hervorrufen können, wie wir sie bei der Gärung und Fäulnis oder bei -gewissen ansteckenden Krankheiten beobachten. - -[B] Von dieser Regel gibt es viele Ausnahmen. Es sind Fälle von -Befruchtung durch 11jährige Knaben bekannt. Ebenso kommt verspäteter -Eintritt der Geschlechtsreife vor. - -[C] Auch der Säfteverlust durch die häufige Samenentleerung mag -schädlich sein, obwohl die entleerten Mengen selbst bei extremer -Ausschweifung so klein sind, daß an einen schädlichen Verlust von -Eiweiß nicht zu denken ist. Es ist möglich, daß der Verlust von -spezifischen Absonderungsprodukten der Hoden empfunden wird, die bei -Mäßigkeit zum Teil wieder aufgesogen worden wären. (S. o.) - -[D] Die Einführung des Gliedes in die durch zersetztes Blut -verunreinigten weiblichen Geschlechtsteile kann übrigens auch beim -Manne zu Entzündungen und kleinen Abszessen an der Eichel und an der -Vorhaut Anlaß geben. - -[E] Es kann auch Schwängerung erfolgen, wenn der Samen außen auf die -Schamspalte oder in deren Nähe ergossen worden ist. - -[F] Bei der Entstehung der Paralyse scheint auch nicht selten der -Alkoholmißbrauch beteiligt zu sein. - -[G] Auch in diesen Fällen gewährt der Kondom einen wertvollen, wenn -auch keineswegs ganz sicheren Schutz. - - - - - - -End of Project Gutenberg's Hygiene des Geschlechtslebens, by Max Gruber - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYGIENE DES GESCHLECHTSLEBENS *** - -***** This file should be named 53823-0.txt or 53823-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/8/2/53823/ - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. 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Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Hygiene des Geschlechtslebens - -Author: Max Gruber - -Release Date: December 28, 2016 [EBook #53823] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYGIENE DES GESCHLECHTSLEBENS *** - - - - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="transnote"> - -<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der 1916 erschienenen -Ausgabe der Zeitschrift so weit wie möglich originalgetreu -wiedergegeben. Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler -wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente -Schreibweisen wurden beibehalten, insbesondere wenn diese in der -damaligen Zeit üblich waren oder im Text mehrfach auftreten.</p> - -<p class="p0">Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter an den Anfang -des Textes verschoben. Die Erklärungen zu den <a href="#tafel1">Tafeln 1</a> -und <a href="#tafel2">2</a> wurden der Übersichtlichkeit halber direkt -an die Abbildungen angeschlossen.</p> - -<p class="p0"><span class="htmlnoshow"> Abhängig von der im jeweiligen -Lesegerät installierten Schriftart können die im Original <em class="gesperrt">gesperrt</em> -gedruckten Passagen gesperrt, in serifenloser Schrift, oder aber sowohl -serifenlos als auch gesperrt erscheinen.</span></p> - -</div> - -<p class="s2 center break-before">Bücherei der Gesundheitspflege</p> - -<p class="s3 center">Band 13</p> - -<p class="s3 center mtop5">Prof. Dr. M. v. Gruber</p> - -<p class="s2 center">Hygiene des Geschlechtslebens</p> - -<h1>Hygiene des<br /> -Geschlechtslebens</h1> - -<p class="s4 center mbot2">Von</p> - -<p class="s2 center">Dr. Max v. Gruber</p> - -<p class="center mbot2">K. Geh. Rat u. Obermedizinalrat<br /> -o. ö. Professor der Hygiene an<br /> -der Universität München</p> - -<p class="s4 center w50 bt bb mbot2"><em class="gesperrt">11. bis 13., verbesserte Auflage</em><br /> -53.–70. Tausend</p> - -<p class="s4 center">Mit vier farbigen Tafeln</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="signet" name="signet"></a> - <img class="mtop5" src="images/signet.jpg" - alt="Verlagssignet" /> -</div> - -<p class="s3 center">Verlag von Ernst Heinrich Moritz in Stuttgart</p> - -<p class="center padtop5 break-before">Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, -vorbehalten</p> - -<hr class="r5" /> - -<p class="center mbot1">Gesetzliche Formel für den Schutz gegen<br /> -Nachdruck in den Vereinigten Staaten:</p> - -<p class="center"><span class="antiqua">Copyright 1916 by</span><br /> -Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart</p> - -<p class="s5 center padtop3">Druck der Engelhard-Reyherschen -Hofbuchdruckerei in Gotha</p> - -<hr class="full" /> - -<h2 id="Inhalts-Uebersicht">Inhalts-Übersicht.</h2> - -<table class="inhalt" summary="Inhaltsverzeichnis"> - <tr> - <td class="tdl vat"> - - </td> - <td class="tdc vat"> - - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - - </td> - <td class="tdr vab"> - <span class="s5">Seite</span> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat" colspan="2"> - Einleitung - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Einleitung">1</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 1. - </td> - <td class="tdc vat"> - Kapitel: - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Die Befruchtung - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_1">3</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 2. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Vererbung und Zuchtwahl - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_2">18</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 3. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Die Geschlechtsorgane - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_3">40</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 4. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vab hang1"> - Der Geschlechtstrieb und die angebliche hygienische - Notwendigkeit des Beischlafs - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_4">45</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 5. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Folgen der geschlechtlichen Unmäßigkeit und Regeln für den - ehelichen Geschlechtsverkehr - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_5">58</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 6. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Künstliche Verhinderung der Befruchtung - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_6">67</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 7. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Verirrungen des Geschlechtstriebs - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_7">76</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 8. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Die venerischen Krankheiten und ihre Verhütung - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_8">83</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - 9. - </td> - <td class="tdc vat"> - „ - </td> - <td class="tdl vat hang1"> - Ehe oder freie Liebe - </td> - <td class="tdr vab"> - <a href="#Kapitel_9">100</a> - </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_1" id="Seite_1">= 1 =</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Einleitung">Einleitung.</h2> - -</div> - -<p>Mit einem lebhaften Gefühle von Bangigkeit habe ich diese kleine -Schrift veröffentlicht. Ich habe in ihr die heikelsten Dinge -rückhaltlos besprochen. Ich mußte es tun, wenn der Leser volle -Einsicht in das Geschlechtsleben erhalten sollte. Diese aber wollte -ich gewähren, weil ich überzeugt bin, daß diese Einsicht, zur rechten -Zeit empfangen und vernünftig gebraucht, den besten Schutz gegen die -furchtbaren Gefahren bietet, die dem einzelnen wie der Gesamtheit aus -dem Geschlechtsleben drohen. „Vernunft und Wissenschaft des Menschen -allerhöchste Kraft“ gilt hier wie überall!</p> - -<p>Aber das scharfgeschliffene Schwert wird in der unrechten Hand, -unvorsichtig gebraucht, dem, den es schützen sollte, zur Gefahr; was -Arznei sein sollte, wird zum Gift. Ich bitte daher den Leser dieses -Schriftchens, es sorgfältig zu bewahren, damit es nicht Unberufenen in -die Hand falle! Und den Knaben, dem es trotzdem in die Hände kommt, -bitte ich, wenn sein Ohr bis dahin von unreinen Reden verschont -geblieben ist und wenn er bis dahin noch nichts von den Regungen des -Geschlechtstriebes verspürt hat, sich selbst zu beweisen, daß ein -Mann in ihm steckt, seine Neugierde zu unterdrücken und es ungelesen -wegzulegen. Möge er sich glücklich schätzen, solange er von diesem -Triebe noch nicht beunruhigt wird, der ihn zum bloßen Werkzeug -zur Erhaltung der Gattung machen will und nur allzufrüh eines der -schlimmsten Hindernisse bilden wird, das zu über<span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2">= 2 =</a></span>winden er alle Kraft -wird aufbieten müssen, wenn er seine persönlichen Fähigkeiten zur -vollen Ausbildung bringen, als <em class="gesperrt">Individuum</em> etwas Tüchtiges werden -und leisten will. Möge er sich hüten, den noch Schlummernden vorzeitig -selbst zu wecken!</p> - -<p>Als Leser habe ich mir vor allen den zum Manne reifenden Jüngling -gedacht. Aber auch ihm gegenüber muß es meine erste Sorge sein, seinen -Geist richtig zu stimmen, damit er das, was er hören soll, mit Ernst -und reinem Willen aufnehme.</p> - -<p>Die wichtigste Aufgabe der Söhne ist, gesunde Enkel zu erzeugen. -So betrachtet, ist das Geschlechtsleben kein Gegenstand schamloser -Leichtfertigkeit, als der es leider behandelt zu werden pflegt.</p> - -<p>So mannigfaltig die Empfindungen sind, die das Nachdenken und die -Besprechung geschlechtlicher Dinge in uns erwecken, eine müßte -bei richtiger Betrachtung die stärkste sein: die Empfindung der -<em class="gesperrt">Ehrfurcht</em>. Denn was gibt es Ehrwürdigeres auf Erden als -den Drang der Geschlechter nach Vereinigung, der auch unsere -Eltern zusammengeführt hat, als den geheimnisvollen Vorgang des -Zusammentrittes der Zeugungsstoffe, aus dem wir selbst hervorgegangen -sind und durch den wir wieder Erzeuger unserer Nachkommen werden? Was -gibt es Ehrwürdigeres als diesen unversieglichen Quell jungen Lebens, -der im Wechsel vergänglicher Generationen die Gattung unsterblich -erhält?</p> - -<p>Wahrlich, nicht um unsere Lust handelt es sich, wenn die Natur den -Geschlechtstrieb in uns zu erwecken beginnt, lange bevor wir selbst -unsere volle körperliche und geistige Ausbildung erlangt haben. -Das Individuum ist ihr nur das Werkzeug zur Erhaltung der Gattung. -Sicherstellung neuer Befruchtungen, neuer Zeugungen ist das Ziel des -ganzen Geschlechtslebens.</p> - -<p>Die Vorgänge, durch welche aus der befruchteten Eizelle<span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">= 3 =</a></span> das junge Tier -hervorgeht, sind unfaßbar verwickelt. Der Wissenschaft ist es aber im -Laufe der letzten Jahrzehnte gelungen, den Vorgang der Befruchtung -selbst wenigstens im wesentlichen aufzuklären. Wir beginnen unsere -Aufgabe am würdigsten, wenn wir uns diese Erkenntnisse zu eigen machen. -Der ganze ungeheure Ernst des Geschlechtslebens und der Zeugung wird -uns zum Bewußtsein kommen, wenn wir sehen, wie eng das Kind bis in -jede einzelne seiner Myriaden von Zellen hinein mit dem Leibe seiner -Eltern und Vorahnen verknüpft ist, in wie hohem Grade daher sein ganzes -Sein von ihrer Eigenart, Tüchtigkeit, Kraft und Gesundheit abhängig -ist. Neue Pflichten erwachsen uns aus dieser Einsicht: die Pflicht, in -unserer Lebensführung alles zu vermeiden, was den von uns abgesonderten -Keimstoffen schädlich werden kann, und die Pflicht, keine Kinder zu -erzeugen, die voraussichtlich krank sein werden.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_1">1. Kapitel.<br /> - -<b>Die Befruchtung.</b></h2> - -</div> - -<p>Damit es bei den Organismen (Lebewesen) mit geschlechtlicher -Fortpflanzung zur Entstehung eines neuen Individuums (Einzelwesens) -komme, ist es notwendig, daß das weibliche Ei durch den männlichen -<em class="gesperrt">Samen</em> befruchtet werde. Der Samen verdankt seine Fähigkeit, -zu befruchten, winzig kleinen Körperchen, die massenhaft in ihm -enthalten sind. Sie sind so klein, daß man sie nur unter dem Mikroskop -bei starker Vergrößerung sehen kann. In jedem Tröpfchen menschlichen -Samens sind Zehntausende dieser Körperchen enthalten, die sich, solange -der Samen frisch und warm ist, lebhaft bewegen. Diese Körperchen -heißen <em class="gesperrt">Samenfäden</em> (Spermatozoen, Spermatosomen, Spermien). -Man<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">= 4 =</a></span> unterscheidet an ihnen drei Abschnitte, den sog. <em class="gesperrt">Kopf</em>, -das <em class="gesperrt">Mittelstück</em> und den <em class="gesperrt">Schwanz</em> oder Geißelfaden. Beim -Menschen ist der ganze Samenfaden etwa <span class="zaehler">5</span>⁄<span class="nenner">100</span> <span class="antiqua">mm</span> lang, sein -Kopf, der etwa die Gestalt einer etwas plattgedrückten Birne hat, -aber nur <span class="zaehler">3</span>⁄<span class="nenner">1000</span> <span class="antiqua">mm</span>. Der größte Teil der Länge des Spermatosoms -entfällt auf den feinen Geißelfaden, den Schwanz. Die Vorwärtsbewegung -des Samenkörperchens erfolgt durch Schwingungen dieses Schwanzes. Mit -seiner Hilfe kann es ziemlich weite Wege zurücklegen. In einer Sekunde -kann ein Samenkörperchen bei gradlinig fortschreitender Bewegung einen -Weg von <span class="zaehler">5</span>⁄<span class="nenner">100</span> -bis <span class="zaehler">15</span>⁄<span class="nenner">100</span> <span class="antiqua">mm</span> zurücklegen, in der Stunde also -einen Weg von 180–540 <span class="antiqua">mm</span> oder 18–54 <span class="antiqua">cm</span>. Bei Fischen und -bei anderen Tieren, bei denen das unbefruchtete Ei nach außen abgesetzt -und außerhalb des weiblichen Körpers befruchtet wird, kann man sehen, -wie die Samenfäden alsbald das Ei aufzusuchen und zu umschwärmen -beginnen. Auch die in die weiblichen Geschlechtsteile entleerten -Samenfäden wandern mit Hilfe ihrer Geißelfäden dem Orte zu, wo sich das -Ei befindet. Diese Bewegung der Samenfäden macht durchaus den Eindruck, -als ob man mit eigenem Willen begabte Wesen vor sich hätte. Man hat die -Samenfäden daher früher auch „<em class="gesperrt">Samentierchen</em>“ genannt; aber sie -sind keine des selbständigen Lebens und der Vermehrung fähige Wesen, -sondern sehr hinfällige Zellen, die bald absterben, wenn sie sich nicht -mit dem Ei vereinigen können.</p> - -<p>Das Ei ist eine kugelige Zelle, an der man die <em class="gesperrt">Hüllhaut</em> (Eihaut, -Eimembran), den <em class="gesperrt">Dotter</em> und das <em class="gesperrt">Keimbläschen</em> unterscheiden -kann. Bei den großen Eiern der Vögel kann man diese drei Teile leicht -mit unbewaffnetem Auge erkennen: erst wenn die zarte Eihaut zerrissen -wird, fließt der Dotter aneinander; in der Mitte des weißen Keimfleckes -gewahrt man das Keimbläschen.<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">= 5 =</a></span> Bei den Vögeln ist die Eizelle noch vom -Eiweiß und der Eischale umhüllt. Beim Menschen ist das unbefruchtete -Ei so klein, daß es gerade noch mit freiem Auge gesehen werden kann -(Durchmesser 0,18–0,20 <span class="antiqua">mm</span>); aber es ist immer noch riesig groß -im Verhältnisse zu den Samenfäden. Der Kopf des männlichen Samenfadens -nimmt nur etwa ein Hunderttausendstel des Raumes eines menschlichen -Eies ein. Dafür werden aber die Samenfäden in den männlichen -Geschlechtsdrüsen, den <em class="gesperrt">Hoden</em>, in ungeheuer viel größeren Mengen -gebildet als die Eier in den <em class="gesperrt">Eierstöcken</em>, den Geschlechtsdrüsen -des Weibes. Im menschlichen Weibe reifen während der ganzen Zeit der -Fortpflanzungsperiode etwa 400 Eier, während man schätzen kann, daß der -Mann während der Dauer seiner Zeugungsfähigkeit etwa 400 Milliarden -Samenfäden bildet, so daß also auf jedes reife Ei etwa 1000 Millionen -Samenfäden kommen. So viele werden gebildet, damit wenigstens einige -wenige ihr Ziel, das Ei, erreichen! Die ungeheure Mehrheit verfehlt ihr -Ziel und geht zugrunde; selbst von jenen, welche bis zum Ei gelangt -sind, gelingt es als Regel nur einem <em class="gesperrt">einzigen</em>, ins Innere des -Eies zu gelangen.</p> - -<p>Dort, wo die Befruchtung des Eies außerhalb des weiblichen -Körpers erfolgt — die See-Igel liefern besonders geeignetes -Beobachtungsmaterial —, kann man sehen, wie die Samenfäden, mit -dem Kopfe voran, da und dort in die Eihaut eindringen. Sobald ein -Samenfaden sich dem Dotter bis auf eine gewisse Entfernung genähert -hat, baucht sich der Dotter ihm entgegen aus, so daß sich hier ein -Wulst, der sog. <em class="gesperrt">Empfängnishügel</em>, bildet. In diesen Wulst dringt -der Kopf des Samenfadens ein, während sein Schwanz, der seinen Dienst -geleistet hat, abgestoßen und aufgelöst wird. Hierauf zieht sich der -Wulst wieder in die Masse des Dotters zurück; die Befruchtung ist -vollzogen. In diesem Augenblick umkleidet sich der Dotter mit einem<span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">= 6 =</a></span> -neuen Häutchen, das keinen zweiten Samenfaden in den Dotter eindringen -läßt.</p> - -<p>Um verstehen zu können, was nun im befruchteten Ei vor sich geht, ist -es notwendig, daß wir weiter ausholen.</p> - -<p>Jedermann weiß, daß die einzelnen Abschnitte des Körpers, der -Rumpf, die Gliedmaßen, nicht in sich gleichartige Gebilde sind, -sondern aus Teilen von sehr verschiedenartigem Aussehen und mit sehr -verschiedenartigen Leistungen bestehen. So finden wir in den Gliedmaßen -unter der Haut die roten weichen Muskeln, die harten Knochen, die -weißen Stränge der Nerven, die Röhren der Blutgefäße usw. Wenn wir dann -die einzelnen <em class="gesperrt">Organe</em> (Werkzeuge) betrachten, so finden wir, daß -auch sie nicht durch und durch aus einer gleichartigen Masse bestehen, -sondern wieder aus verschiedenen <em class="gesperrt">Geweben</em> zusammengesetzt sind. -Dies zeigt uns z. B. sofort eine aufmerksame Betrachtung des gekochten -Fleisches, wie es auf unseren Tisch kommt. Auch die Gewebe wieder sind -nicht homogene, in sich gleichartige Gebilde, sondern bestehen — wie -wir allerdings erst bei der mikroskopischen Untersuchung erkennen -können — aus winzig kleinen Elementarteilen, den sog. <em class="gesperrt">Zellen</em>. -Ebenso wie der Leib aller Tiere besteht der aller Pflanzen aus solchen -Elementargebilden, die trotz manchen Verschiedenheiten im einzelnen -der Hauptsache nach gleichartig gebaut sind. Manche pflanzliche und -tierische Gewebe sehen zum Verwechseln ähnlich aus, so sehr stimmen sie -in den Hauptzügen ihres Baues überein.</p> - -<p>Die niedrigsten Pflanzen und Tiere bestehen aus einer <em class="gesperrt">einzigen</em> -Zelle. Hier leistet also die eine Zelle alle Lebensgeschäfte, wie die -Aufnahme und Verdauung der Nahrung, die Ausscheidung des Unverdauten -und der Abfälle des Stoffwechsels, die Wärmeerzeugung, Eigenbewegung, -Fortpflanzung usw. Man nennt diese niedersten einzelligen<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">= 7 =</a></span> Organismen, -insofern sie tierischen Charakter haben, <em class="gesperrt">Protozoen</em>. Im Gegensatz -zu ihnen stehen die <em class="gesperrt">Metazoen</em>, deren Leib aus einer Mehrheit -von Zellen besteht. Das Metazoon ist gewissermaßen eine Kolonie von -Protozoen. Je höher entwickelt das Tier ist, um so mehr unterscheiden -sich seine einzelnen Zellen in ihrer Gestalt voneinander, um so -verschiedener werden auch ihre Leistungen, um so vollkommener ist -der Grundsatz der Teilung der Arbeit durchgeführt, so daß also nicht -mehr alle, sondern nur ein Teil der Zellen mit der Nahrungsaufnahme -und Verdauung beschäftigt ist, nur gewisse Zellen die Fortpflanzung -besorgen usw.</p> - -<p>Der alte Name „Zelle“ bedeutet so viel als Kämmerchen, weil man anfangs -dachte, daß jeder solcher Elementarorganismus mit eigenen, festen -Wänden, einer Kapsel oder besonderen Haut umhüllt sei, wie man es -bei vielen Pflanzenzellen tatsächlich findet. Heute wissen wir, daß -durchaus nicht alle Zellen derartige Hüllen besitzen. Wir unterscheiden -heute an jeder Zelle zwei Hauptteile: den <em class="gesperrt">Zelleib</em> oder das -<em class="gesperrt">Protoplasma</em> und den <em class="gesperrt">Kern</em>, ein bläschenartiges Gebilde, -das meistens im Innern des Protoplasmas liegt und für gewöhnlich zu -ruhen scheint, während ausschließlich vom Protoplasma die Aufnahme und -Verdauung der Nahrung, die Bildung der Absonderungen, die Fortbewegung -besorgt zu werden scheinen. Trotz der scheinbaren Ruhe ist aber der -Kern an allen Vorgängen in der Zelle aufs engste beteiligt; er ist z. -B. ganz unentbehrlich für die Verdauung der aufgenommenen Nahrung, für -die Erhaltung und das Wachstum der Zelle, für die Bildung der Zellhaut, -wo eine solche vorhanden ist. Man kann sagen, der Kern <em class="gesperrt">regiere</em> -das Leben der Zelle. Die Eigenart der Zelle hängt fast ganz von ihm ab.</p> - -<p>Auch das Ei und der Samenfaden sind Zellen. Am Ei erkennen wir die -Hauptteile der Zelle ohne weiteres;<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">= 8 =</a></span> das Keimbläschen ist ihr Kern, -der Dotter ihr Protoplasma, die Eihaut ihre Zellhaut. Der Samenfaden -dagegen ist eine Zelle von sehr absonderlicher Form und mit einem -Anhängsel, dem Schwanze. Aber auch bei ihm hat man den Kopf als -Zellkern erkannt und einen zarten Saum um den Kopf und das Mittelstück -als eine, allerdings winzig kleine, Menge von Protoplasma. Ei und -Samenfaden unterscheiden sich dadurch sehr auffällig, daß das erstere -in seinem Dotter ungeheuer viel Protoplasma besitzt, der letztere sehr -wenig.</p> - -<p>Alle Zellen vermehren sich durch <em class="gesperrt">Teilung</em>. Dies gilt für -die mehrzelligen wie für die einzelligen Organismen. Unser ganzer -Körper ist aus der fortgesetzten Teilung der befruchteten Eizelle -hervorgegangen. „Jede Zelle stammt wieder von einer Zelle“; das ist -eine der wichtigsten Feststellungen der Biologie.</p> - -<p>Dieser Wachstums- und Vermehrungsprozeß der Organismen ist eines der -dunkelsten Rätsel, vor denen die Naturforschung steht; vorläufig -unfaßbar auch dort, wo, wie bei den <em class="gesperrt">Bakterien</em>, das Ganze sehr -einfach vor sich zu gehen scheint. Einfach scheint uns die Sache -nur deshalb, weil wir bei diesen winzigen Wesen von den meisten -Vorgängen nichts sehen. Wir sehen hier nur, wie die Zelle wächst, -eine stäbchenförmige Zelle z. B. sich bis zu einem gewissen Grade -verlängert, wie dann in der Mitte ihrer Länge eine Scheidewand, dann -eine Einschnürung auftritt, diese letztere immer deutlicher wird, bis -schließlich die zwei Hälften auseinanderfallen. Jede Hälfte sieht genau -so aus wie die Mutterzelle, bevor sie sich in die Länge gestreckt -hatte, und jede hat auch genau dieselben Eigenschaften wie die -Mutterzelle und ist wie diese befähigt, sofort wieder zu wachsen und -sich zu teilen. Unter günstigen Umständen erfordert eine solche Teilung -nicht mehr Zeit als 20 Minuten, so daß bei Fortdauer günstigster -Umstände durch fort<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">= 9 =</a></span>gesetzte Teilung binnen 24 Stunden aus einem -einzigen Bakterium 4700 Trillionen werden könnten.<a name="FNAnker_A_1" id="FNAnker_A_1"></a><a href="#Fussnote_A_1" class="fnanchor">[A]</a></p> - -<div class="figcenter"> - <div class="caption_top"> - Tafel 1. - </div> - <a id="tafel1" name="tafel1"> - <img class="mtop1" src="images/tafel1.jpg" alt="" /></a> - <p class="s5 center">(Nach Boveri.)</p> - <p class="s5 center mbot2 ebhide"><a href="images/tafel1_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERES BILD</span></a></p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p class="center"><b>Erklärung der Fig. 1–10 auf Tafel 1.</b></p> - -<p>Fig. 1. Ruhende Zelle; <span class="antiqua">a</span>) Zelleib oder Protoplasma; <span class="antiqua">b</span>) -ruhender Kern mit Chromatingerüste, Kernhaut und Kernsaft; <span class="antiqua">c</span>) -Zentralkörperchen oder Centrosoma. — Fig. 2. Zweiteilung des -Centrosomas; beginnende Chromosomenbildung. — Fig. 3. Die beiden -Tochter-Centrosomen rücken gegen die Pole und umgeben sich mit -Strahlenhöfen; das ganze Chromatin in (4) Chromosomen vereinigt. — -Fig. 4. Fortschreiten der beiden Vorgänge; Auflösung der Kernhaut, -Aufsaugung des Kernsaftes. — Fig. 5. Anordnung der Chromosomen in der -sog. Äquatorialplatte; fädige Verbindungen mit den Centrosomen. — -Fig. 6. Längsteilung aller Chromosomen. — Fig. 7 und 8. Wanderung der -Tochter-Chromosomen zu den Polen: beginnende Teilung des Zelleibes. — -Fig. 9. Die Zweiteilung der Zelle vollzogen: Neubildung von Kernhaut -und Kernsaft um jede Chromosomengruppe. Schwinden der Strahlenhöfe -um die Centrosomen. — Fig. 10. Übergang beider Tochterzellen in die -Ruheform; Auswachsen der Chromosomen zum Chromatingerüste.]</p> - -</div> - -<p>Bei den Bakterien vermag man nicht recht den Kern und das Protoplasma -zu unterscheiden, und vermag man daher auch nicht zu sagen, wie sich -beide bei der Teilung verhalten. Anders ist es bei jenen Zellen, bei -denen Protoplasma und Kern deutlich voneinander geschieden sind. Hier -hat man die allermerkwürdigsten Vorgänge kennen gelernt. Wir müssen -uns mit dieser sog. <em class="gesperrt">indirekten</em> (Umwegs-) <em class="gesperrt">Zellteilung</em> der -kernhaltigen Zellen genauer beschäftigen, weil wir nur durch sie zu -einem tieferen Verständnis der Befruchtung vordringen können.</p> - -<p>Wenn wir eine nicht in Teilung begriffene Zelle unter sehr starker -Vergrößerung betrachten, erscheint uns der ruhende Kern als ein -Bläschen, das in der Regel die Gestalt der Mutterzelle nachahmt. -Wenn wir die Zelle künstlich färben, sehen wir, daß auch der Kern -wieder ein zusammengesetztes Gebilde ist. Wir sehen in ihm ein oder -mehrere rundliche Körperchen, die <em class="gesperrt">Kernkörperchen</em>, und ein -badeschwammartiges Gerüstwerk, das mit der deutlich erkennbaren -Kernhaut zusammenhängt und den ganzen Kern durchzieht. Die Maschen der -Waben dieses Gerüstwerkes sind vom <em class="gesperrt">Kernsafte</em> ausgefüllt. Eine -der Substanzen, aus welchen das Gerüst besteht, hat die Eigenschaft, -sich mit gewissen Farbstoffen stark zu beladen, wenn man<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">= 10 =</a></span> die Zelle -künstlich zu färben sucht; sie wird daher <em class="gesperrt">Chromatin</em> (färbbarer -Stoff) genannt.</p> - -<p>Kommt es nun zur sog. indirekten Teilung oder Teilung durch -„<em class="gesperrt">Mitose</em>“ (<em class="gesperrt">Fadenbildung</em> des Chromatins), so verändert -sich zunächst der Kern in der auffallendsten Weise (s. <a href="#tafel1">Tafel 1</a> Fig. -1–10). Das Chromatingerüste zieht sich zu einem zunächst vielfach -gewundenen Strange zusammen, der weiter zusammenschrumpft, sich dabei -verdickt und verkürzt und schließlich durch Querteilung in eine Anzahl -von Teilstücken zerfällt, welche <em class="gesperrt">Chromosomen</em> genannt werden. -Die Zahl dieser Chromosomen ist bei den verschiedenen Organismenarten -verschieden (4, 8, 16 und mehr; beim Menschen 24), aber für die Zellen -jeder Tier- und Pflanzenart unveränderlich. Während es zur Bildung -der Chromosomen kommt, löst sich der Kern als solcher auf, indem die -Kernhaut verschwindet und der Kernsaft ins Protoplasma übertritt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">= 11 =</a></span></p> - -<p>Die Chromosomen ordnen sich nun in einer Ebene, die ungefähr dem -Äquator der Zelle entspricht, parallel hinter- und nebeneinander. -Dann spaltet sich jedes Chromosoma der Länge nach in zwei genau -gleichgroße Hälften, und die Hälften jedes Chromosoms wandern nun -in entgegengesetzter Richtung, die eine nach dem einen, die andere -nach dem andern Pol der Zelle. Die Zahl der Chromosomen hat sich also -genau verdoppelt, und in der Nähe jeden Poles versammeln sich genau -so viele Chromosomen, als die Mutterzelle hatte; also 4, wenn diese 4 -hatte, 8, wenn 8 usw. Um jede der Chromosomengruppen scheidet sich nun -wieder Flüssigkeit aus dem Protoplasma aus, die Chromosomen fangen an, -Fortsätze auszusenden, die miteinander verwachsen, so daß wieder ein -genau solches Gerüstwerk und eine genau solche Kernblase entstehen, wie -sie die Mutterzelle hatte. Inzwischen hat sich auch das Protoplasma am -Äquator eingeschnürt. Es wächst hier eine Scheidewand quer durch die -Mutterzelle durch, die beiden Hälften lösen sich allmählich voneinander -los, und indem sie wachsen, werden sie mehr und mehr das genaue Abbild -der Mutterzelle, aus der sie hervorgegangen sind.</p> - -<p>So umständlich der Vorgang der Kernteilung und Kernneubildung schon -nach dem bisher Gesagten ist, in Wirklichkeit ist er noch weit -verwickelter. Tatsächlich fängt der Teilungsvorgang damit an, daß -sich ein besonderes, kleines Körperchen, das sich neben dem Kerne -im Protoplasma der Zelle findet, das <em class="gesperrt">Zentralkörperchen</em> oder -<em class="gesperrt">Centrosoma</em>, verdoppelt und die beiden Hälften an die Pole -der Zelle auseinanderrücken. Um jedes der beiden neuen Centrosomen -bilden sich fädige Strahlen. Ein Teil dieser Fäden heftet sich -an die Chromosomen an, und mit Hilfe dieser Fäden werden die -Chromosomenhälften — wie wir’s beschrieben haben — schließlich -auseinandergezogen und gegen die Pole hingeführt. Tatsächlich regiert -also das<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span> Zentralkörperchen oder Centrosoma den ganzen Teilungsvorgang. -Aber so wichtig an sich dieser Vorgang ist, wollen wir uns auf diese -Andeutungen beschränken, die aus der Abbildung wohl verständlich werden -dürften.</p> - -<p>Für uns ist vor allem wichtig die Umwandlung des ruhenden Kernes in -die Chromosomen, die Halbierung der Chromosomen und die sorgfältige -Verteilung der Hälften auf die beiden Tochterzellen. Was durch den -ganzen Vorgang erreicht wird, ist völlig klar: offenbar wird dadurch -das Chromatin, die färbbare Substanz des Kernes, so gleichmäßig als -irgend möglich auf die Tochterzellen verteilt. Offenbar ist diese -gleichmäßige Verteilung des Chromatins Bedingung dafür, daß die -Tochterzellen der Mutterzelle gleich werden.</p> - -<p>Der geschilderte Vorgang der sog. indirekten Zellteilung verläuft in -der ganzen Tier- und Pflanzenwelt in der Hauptsache völlig gleichartig: -der überraschendste Beweis für die enge Verwandtschaft alles Lebendigen!</p> - -<p>Genau so, wie wir’s hier geschildert haben, verläuft nicht nur die -Zellteilung beim Wachstum der mehrzelligen Organismen, der Metazoen, -sondern auch die ungeschlechtliche Fortpflanzung der Protozoen. -Zellteilung folgt bei ihnen in dieser Weise auf Zellteilung; ohne Ende, -wenn nicht äußere Hindernisse eintreten.</p> - -<p>Neben der ungeschlechtlichen Fortpflanzung sehen wir aber auch schon -bei vielen Einzelligen geschlechtliche Fortpflanzung auftreten. Wir -finden bei ihnen sogar mehrere Arten davon. Am einfachsten sind die -<em class="gesperrt">Kopulation</em> und die <em class="gesperrt">Konjugation</em>.</p> - -<p>Es kommt vor, daß sich zwei von diesen einander völlig gleichenden -einzelligen Wesen aneinanderlegen, ihre Kerne sich spalten, die -Hüllhäute an der Berührungsstelle der beiden Zellen verschwinden -und nun die Kernhälften zwischen den beiden Individuen ausgetauscht -werden.<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">= 13 =</a></span> Die Hälfte des Kernes des Individuums <span class="antiqua">A</span> wandert in das -Individuum <span class="antiqua">B</span> und umgekehrt, worauf sich die beiden Individuen -wieder voneinander trennen. Die beiden Kernhälften, die eigene und die -fremde, vereinigen sich, und in jedem Individuum erfolgt nun eine neue -Kernteilung und die Teilung der Mutterzelle in Tochterzellen, genau so, -wie wir’s oben geschildert haben.</p> - -<p>Noch einfacher ist der Vorgang, wenn geradezu zwei Individuen zu einem -verschmelzen. Die beiden Kerne legen sich aneinander, und nun erfolgt -die Vermehrung, indem jeder der beiden aneinanderliegenden Kerne in -zwei Hälften geteilt wird, so daß jede Tochterzelle den halben Kern der -Elternzellen <span class="antiqua">A</span> und <span class="antiqua">B</span> erhält und ihre Tochterzellen wieder -je ein Viertel von <span class="antiqua">A</span> und <span class="antiqua">B</span> usf.</p> - -<p>Bei manchen Protozoen, bei den Metazoen und beim Menschen wird die -Fortpflanzung, wie wir schon besprochen haben, durch <em class="gesperrt">bestimmte -Geschlechtszellen</em> besorgt. Es gibt dann, wie wir bereits wissen, -bei jeder Art zweierlei Geschlechtszellen, die sich durch ihr Aussehen -unterscheiden und verschiedene Leistungen zu verrichten haben, aber in -der Hauptsache, nämlich bezüglich ihrer Kerne, gleichartig sind. Diese -Geschlechtszellen werden in eigenartigen Mutterzellen, bei den höheren -Pflanzen und Tieren in besonderen Organen, durch Zellteilung gebildet.</p> - -<p>Im Gegensatz zu den anderen Zellen sind diese Geschlechtszellen in -der Regel unfähig, für sich allein weiterzuleben, zu wachsen, sich -zu teilen und zu vermehren. Es kommen aber Ausnahmen vor, und bei -vielen höheren Wesen kann sich unter bestimmten natürlichen oder -künstlich hergestellten Bedingungen auch aus dem <em class="gesperrt">unbefruchteten</em> -Ei ein neues Individuum entwickeln (sog. <em class="gesperrt">Parthenogenesis</em> oder -Jungfrauenzeugung, z. B. Entstehung der Drohnen aus den unbefruchteten -Eiern der Bienen).</p> - -<p>In der Regel gehen die Geschlechtszellen zugrunde,<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">= 14 =</a></span> wenn sie nicht -zur Vereinigung gelangen; den Samenfäden fehlt es an Protoplasma, den -Eiern fehlt das Zentralkörperchen, das Centrosoma, das den ersten -Anstoß zur Zellteilung gibt. Im reifen, befruchtungsfähigen Zustande -haben Eizelle und Samenfäden auch nur <em class="gesperrt">halb so viel</em> Chromatin und -bilden auch nur <em class="gesperrt">halb so viele</em> Chromosomen als die gewöhnlichen -Körperzellen ihrer Art, <em class="gesperrt">da bei ihrer Reifung die Hälfte der -Chromosomen ausgestoßen worden ist</em>. Dieser Unterschied in der -Chromosomenzahl tritt zutage, wenn die Befruchtung erfolgt ist, die -beiden Geschlechtszellen sich vereinigt haben.</p> - -<p>Nachdem der Kopf des Samenfadens vom Ei aufgenommen worden ist und -die neugebildete Dotterhaut das Eindringen eines zweiten Samenfadens -in das Innere des Eies unmöglich gemacht hat, sehen wir (s. <a href="#tafel2">Tafel 2</a>, -Fig. 11 bis 17), wie der Kopf des Spermatozoons sich -allmählich dem Kerne der Eizelle nähert. Sein Kern nimmt<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">= 15 =</a></span> dabei an -Größe zu und teilt sich dann in <em class="gesperrt">halb</em> so viele Chromosomen, als -den Kernen des Organismus, von dem der Samenfaden abstammt, sonst -zukommen; beim Menschen also in 12. Die Chromosomen wachsen durch -Fortsätze zu einem feinen Netzwerk aus. Zugleich scheidet sich aus -dem Protoplasma der Eizelle Flüssigkeit aus, so daß der Kern des -Spermatozoons nun genau wie das Kernbläschen einer ruhenden Zelle -aussieht und dem Kerne der Eizelle zum Verwechseln ähnlich geworden -ist. <em class="gesperrt">Es besteht kein Geschlechtsunterschied mehr zwischen den -beiden Kernen.</em> Auch ihre Größe ist in diesem Stadium vollkommen -gleich. Während diese Veränderungen mit dem Kerne vorgehen, hat sich -ein winziges Körperchen, das mit dem Kopfe des Spermatozoons in das -Ei mit hereingebracht worden ist, mit einem Strahlenhofe umgeben und -in zwei Körperchen geteilt. Jedes von diesen bekommt wieder einen -Strahlenhof. Wir haben ohne Zweifel Gebilde vor uns, die genau den -Zentralkörperchen oder Centrosomen der gewöhnlichen, in der Teilung -begriffenen Zellen entsprechen. Während Eikern und Samenkern immer -näher zusammenrücken, rücken die beiden Centrosomen auseinander. Die -beiden Kerne fangen nun gleichzeitig an, Chromosomen zu bilden; der -Kern des Eies genau so viele wie der Kern des Samenkörperchens, also -ebenfalls nur halb so viele, als die Kerne der betreffenden Tierart -sonst bilden. Diese Chromosomen ordnen sich in einer Ebene zusammen -und teilen sich der Länge nach. Ihre Hälften werden durch die Fäden, -die von den Centrosomen ausgegangen sind, auseinander- und gegen die -Pole hingezogen; kurz, alles weitere verläuft genau so wie mit dem -<em class="gesperrt">einen</em> Kerne einer gewöhnlichen Zelle, die sich in indirekter -Zellteilung befindet. Der einzige wahrnehmbare Unterschied ist nur -der, daß die Hälfte der Chromosomen vom Eikern, die andere Hälfte vom -Samenkern herrührt, und daß<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">= 16 =</a></span> <em class="gesperrt">jedem Pole angenähert die Hälfte der -väterlichen und der mütterlichen Kernsubstanz zugeführt wird, also jede -der beiden Tochterzellen einen Kern bekommt, der zur Hälfte vom Vater, -zur Hälfte von der Mutter abstammt</em>. Da der Spermakern wie der -Eikern halb so viele Chromosomen bildet als die Kerne der Körperzellen, -so liefern beide zusammen ebensoviel Chromatin und Chromosomen, wie in -einer normalen Zelle vorhanden ist, und jede der beiden Tochterzellen -bekommt daher ebenfalls die normale Menge davon.</p> - -<p>Jede der beiden Tochterzellen teilt sich nun in derselben Weise weiter, -und jedesmal erhält jede der bei der Teilung neu entstehenden Enkel-, -Urenkel-, Ururenkel- usw. Zellen ungefähr gleichviel mütterliches und -väterliches Chromatin; die Hälfte ihrer Chromosomen ist väterlicher, -die andere Hälfte mütterlicher Herkunft. <em class="gesperrt">Die Kernsubstanz jeder -Zelle unseres Körpers stammt also halb vom Vater, halb von der Mutter -her.</em></p> - -<p>Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, daß während der -fortgesetzten Teilungen und Wachstumsvorgänge die Gesamtmasse des -Chromatins sich ganz ungeheuer vermehrt hat. Die Substanzen, aus denen -das neue Chromatin gebildet wurde, stammen natürlich aus der Nahrung; -aber sie werden zuerst chemisch umgewandelt, <em class="gesperrt">assimiliert</em>, dem -ursprünglichen Chromatin gleichgemacht, bevor sie Teile der Zellkerne -werden. Die Art dieser Umwandlung und Formung wird in einer noch nicht -genügend aufgeklärten Weise durch die Beschaffenheit des ursprünglich -ererbten Chromatins bestimmt.</p> - -<div class="figcenter"> - <div class="caption_top"> - Tafel 2. - </div> - <a id="tafel2" name="tafel2"> - <img class="mtop1" src="images/tafel2.jpg" alt="" /></a> - <p class="s5 center">(Nach Boveri.)</p> - <p class="s5 center mbot2 ebhide"><a href="images/tafel2_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERES BILD</span></a></p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p class="center"><b>Erklärung der Fig. 11–17 auf Tafel 2.</b></p> - -<p>Fig. 11. <span class="antiqua">A</span>) <em class="gesperrt">Ei.</em> <span class="antiqua">a</span>) Eihaut mit ihren Porenkanälen -(in den späteren Figuren weggelassen); <span class="antiqua">b</span>) Eidotter; <span class="antiqua">c</span>) -ruhender Eikern; <span class="antiqua">d</span>) Empfängnishügel mit eingedrungenem -Samenfaden. <span class="antiqua">B</span>) <em class="gesperrt">Samenfäden.</em> <span class="antiqua">e</span>) Kopf; <span class="antiqua">f</span>) -Mittelstück; <span class="antiqua">g</span>) Schwanz des Samenfadens. — Fig. 12. -Vordringen des Samenkerns gegen den Eikern; Auftreten des Centrosoms -der Samenzelle mit Strahlenhof; Auflösung des Schwanzes. — Fig. -13. Teilung des Samenfadenkopfes in zwei Chromosomen. — Fig. 14. -Fortschreitende Annäherung des Samenkerns an den Eikern unter -Auseinanderrücken der Tochter-Centrosomen an die Pole; Auswachsen der -Samenkern-Chromosomen zum Chromatingerüste. — Fig. 15. Der Samenkern -ist dem Eikern gleich geworden. — Fig. 16. Samenkern und Eikern haben -gleichzeitig (je 2) Chromosomen gebildet. — Fig. 17. Längsteilung -der väterlichen und mütterlichen Chromosomen in gleiche Hälften und -Verbindung der Hälften mit den Centrosomen. (Bezüglich der weiteren -Entwickelung s. Fig. 7–10.)]</p> - -</div> - -<p><em class="gesperrt">Die Kernsubstanz unserer Zellen ist die eigentliche -Vererbungssubstanz</em>; sie ist jedenfalls die Hauptträgerin der die -einzelnen Individuen einer Art unterscheidenden vererblichen Anlagen. -Das Proto<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">= 17 =</a></span>plasma der Eizelle scheint hauptsächlich die Bedeutung -eines Nahrungsstoffes für die wachsenden und sich teilenden Kerne zu -haben, wenn es auch bei den verschiedenen Organismenarten chemisch -und baulich ebenso spezifisch verschieden ist wie die Kernsubstanz -und daher die der ganzen Art gemeinsame Beschaffenheit mitbestimmt. -So wird es begreiflich, daß im allgemeinen das väterliche und das -mütterliche Erbe gleichgroßen Einfluß auf die körperliche und geistige -Beschaffenheit ihrer Nachkommen ausüben, obwohl die Mutter das große -Ei, der Vater den winzigen Samenfaden liefert. Von der ganzen großen -Masse des Eies ist nur ein winziger Teil, nicht größer als der Kopf des -Spermatozoons, Vererbungssubstanz.</p> - -<p>Wie das Chromatin aller anderen Zellen ist auch das des Samenfadens -und der Eizelle halb väterlichen, halb mütterlichen Ursprungs, und -dies macht es wieder verständlich, daß Eigenschaften der Großeltern -und viel fernerer Ahnen in den Enkeln wieder auftauchen können -(<em class="gesperrt">Atavismus</em>).</p> - -<p>Wenn wir uns vor Augen halten, daß auch auf ungeschlechtlichem Wege -Fortpflanzung durch anscheinend unbegrenzte Zeiten möglich ist (man -denke nur an die ungeschlechtliche Teilung der Bakterien und anderer -Protisten [einfachster Lebewesen] und an die Fortzüchtung vieler -Pflanzen durch sog. Ableger!), so kommt man zu dem Schlusse, daß es die -Aufgabe der geschlechtlichen Fortpflanzung, der Befruchtung sei, durch -Vermischung der Keimstoffe einerseits individuelle Eigentümlichkeiten -und Abnormitäten der Eltern auszugleichen und so die Gesamtheit der -Anlagen und damit die Haupteigenschaften der Spezies unverändert zu -erhalten, andererseits wieder neue Kombinationen von Anlagen und -dadurch Mannigfaltigkeit unter den Individuen herzustellen.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">= 18 =</a></span></p> - -<h2 id="Kapitel_2">2. Kapitel.<br /> - -<b>Vererbung und Zuchtwahl.</b></h2> - -</div> - -<p>Im vorhergehenden Kapitel ist es mir vor allem darum zu tun gewesen, -dem Leser zu zeigen, daß die aufeinanderfolgenden Generationen aufs -allerengste miteinander verknüpft sind. Geformte Teile des elterlichen -Körpers haben sich losgelöst und setzen in dem neuen Gebilde, das -wir Individuum nennen, das Leben fort, das sie im elterlichen Körper -geführt haben. Das <em class="gesperrt">Neue</em> an dem neuen Individuum ist <em class="gesperrt">nur</em>, -daß eine neue <em class="gesperrt">Mischung</em> von Lebendigem erfolgt ist. <em class="gesperrt">Wir -sind, wenigstens den Anlagen nach durchaus, körperlich und geistig, -die Geschöpfe unserer Eltern und Ahnen.</em> In dem elterlichen -Chromatin, in dem <em class="gesperrt">Keimplasma</em> oder <em class="gesperrt">Idioplasma</em>, wie es -auch genannt wird, ist unsere ganze Organisation vorherbestimmt. -Durch das Keimplasma ist vorherbestimmt gewesen, daß wir Angehörige -der <em class="gesperrt">Spezies Mensch</em> geworden sind; von ihm hängen die Farbe -unserer Haut, die Beschaffenheit unserer Haare, der Bau des Schädels -und alle anderen Eigentümlichkeiten der <em class="gesperrt">Menschenrasse</em> ab, die -wir an uns tragen, alle Eigentümlichkeiten unseres <em class="gesperrt">Volksstammes</em> -innerhalb der Rasse; innerhalb der Eigentümlichkeiten des Volksstammes -wieder alle Besonderheiten der <em class="gesperrt">Familie</em> und alles mit der -<em class="gesperrt">Individualität</em> unserer Eltern Übereinstimmende in uns. Die Farbe -unserer Augen, die Gestalt der Nase, des Mundes, der Ohren, die Statur, -der Gang, die Gebärde, die Sprechweise, die geistige Begabung, der -Charakter, das Talent und Temperament, kurz <em class="gesperrt">alles</em> ist hier im -Keimplasma in der Hauptsache schon festgelegt, so groß und wichtig auch -die äußeren oder „<em class="gesperrt">Umwelts</em>“-(„Milieu-“)Einflüsse<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">= 19 =</a></span> sind, die die -Keime während ihrer Entwicklung und bis zu ihrer Vereinigung und das -Individuum <em class="gesperrt">nach</em> der Vereinigung der elterlichen Keime treffen.</p> - -<p>Wenn trotzdem selbst die Kinder gleicher Eltern in der Regel -untereinander verschieden sind und nicht selten sogar sehr auffällige -Unterschiede zeigen, so rührt dies — wenn wir von der merkwürdigen, -noch nicht genügend aufgeklärten Tatsache der sog. <em class="gesperrt">Mutation</em>, -d. h. des plötzlichen Neuauftretens oder Verlustes einer vererbbaren -Eigenschaft oder Anlage in einem Individuum, hier absehen — -hauptsächlich von zwei Umständen her. Erstens davon, daß kaum jemals -die Bedingungen, unter denen sich zwei Individuen entwickeln, -ganz gleich sind und die <em class="gesperrt">Verschiedenheit der Lebensbedingungen -bei gleichen Anlagen</em> Verschiedenheiten des Aussehens und -der Leistungen der Individuen herbeiführt (<em class="gesperrt">Modifikation</em>, -<em class="gesperrt">Lebenslage-Variation</em>). Zweitens aber — und dies ist viel -wichtiger! — davon, daß <em class="gesperrt">kaum jemals die Kinder desselben -Elternpaares tatsächlich gleiche Anlagen erhalten</em>.</p> - -<p>Die Keimstoffe sind nämlich nichts Einheitliches! <em class="gesperrt">Die Erbmasse ist -ein Konglomerat (Zusammenballung) einer ungeheuren Anzahl einzelner -Anlagen (Erbeinheiten), welche in hohem Maße unabhängig voneinander -vererbt werden.</em> Wir haben gehört, daß bei der Reife der Keimzellen -die Hälfte der Chromosomen und des Chromatins ausgestoßen wird. Bei -dieser Ausstoßung trennen sich die <em class="gesperrt">zusammengehörigen</em> väterlichen -und mütterlichen Anlagen voneinander, und nur eine von ihnen bleibt in -der reifen Keimzelle zurück (z. B. die Anlage zu brauner Augenfarbe, -die etwa vom Vater ererbt war, oder die Anlage zu blauer, die von der -Mutter ererbt war). Es ist aber <em class="gesperrt">rein zufällig</em>, <em class="gesperrt">welche</em> -von diesen<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">= 20 =</a></span> beiden Anlagen im einzelnen Falle zurückbleibt. Da es -sich dabei um eine ungeheuere Zahl von Anlagenpaaren handelt, ist -es klar, daß auf diese Weise eine ungeheuere Zahl von Kombinationen -(Zusammenstellungen) der Anlagen bei der Reifung der Keimzellen -entstehen muß; sowohl bei denen des Mannes wie bei denen der Frau. -Und wieder ist es <em class="gesperrt">völlig dem Zufall</em> anheimgegeben, welche von -diesen verschiedenartigen Keimzellen des Vaters und der Mutter bei der -einzelnen Befruchtung gerade zusammentreffen! Und nun wirken diese -neukombinierten zusammengehörigen Anlagen wieder in verschiedener Weise -aufeinander, mischen sich in einem Falle in ihrer Wirkung, während in -einem andern Falle die eine die andere völlig unterdrückt!</p> - -<p>Alle diese Umstände müssen bewirken, daß fast niemals zwei Individuen -einander ganz gleich werden; müssen jene Unterschiede alles Geborenen -in bezug auf Gestalt, Körperkraft, Gesundheit, Begabung, Tatkraft -herbeiführen, die zwar im Vergleiche zu dem Übereinstimmenden klein, -trotzdem aber für Wert und Schicksal des Individuums entscheidend sind!</p> - -<p>Wie weit die Abhängigkeit der Beschaffenheit der Nachkommen von der -Beschaffenheit der elterlichen Zeugungsstoffe geht, wird durch nichts -klarer bewiesen als durch das Vorkommen von sog. <em class="gesperrt">identischen -Zwillingen</em>, zum Verwechseln ähnlichen Individuen, die infolge -einer Störung des normalen Entwicklungsganges aus <em class="gesperrt">einem Ei</em> und -<em class="gesperrt">einem Samenkörperchen</em> entstanden sind.</p> - -<p>Wenn beim Menschen die Vererbung der <em class="gesperrt">Besonderheiten</em> der Eltern -und Familienstämme auf die Nachkommen nicht auffallender ist, so -rührt dies davon her, daß wir bei der Gattenwahl meistens auf diese -Eigentümlichkeiten keine Rücksicht nehmen, sondern von ganz anderen<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">= 21 =</a></span> -Beweggründen uns leiten lassen. Mit welcher Vollkommenheit individuelle -Eigenschaften der Eltern auf die Nachkommenschaft vererbt und bei ihr -ausgebildet werden können, zeigt die <em class="gesperrt">künstliche Zuchtwahl</em>, -die der Mensch unter seinen Haustieren und Kulturpflanzen trifft. -Die Mittel, die er dabei anwendet, sind: Auslese der vollkommensten -oder mit einer bestimmten erwünschten Eigenschaft ausgestatteten -Exemplare für die Zucht, Kreuzung möglichst ähnlicher Individuen, -Auslese der Nachkommen in demselben Sinne, Inzucht der erwünschten -Varietät (Abart), strenge Reinzucht der Rasse, strengster Ausschluß -aller minderwertigen, fehlerhaften oder kranken Exemplare von der -Fortpflanzung und jeder Vermischung mit fremden Blute, sorgfältige -Pflege der Brut. So gelingt es, binnen weniger Generationen Stämme -von vollendeter Schönheit und Tüchtigkeit oder von auffallendester -Besonderheit zu züchten. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß, -wenn wir unter uns in ähnlich sorgfältiger Weise <em class="gesperrt">Zuchtwahl</em> -treiben würden, <em class="gesperrt">binnen weniger Generationen Menschenstämme erzeugt -werden könnten, die alles, was es bisher von Menschen gegeben hat, an -Schönheit, Kraft und Tüchtigkeit weit hinter sich lassen würden</em>.</p> - -<p>An nichts kranken die menschlichen Zustände so sehr, als daß viel zu -viele Minderwertige, Dumme, Schwache, Faule, Gesellschaftsfeindliche -erzeugt werden und viel zu wenig Vollwertige, Gescheite, Starke, -Strebsame, Gemeinsinnige, Gewissenhafte!</p> - -<p>Zwangsweise läßt sich auf absehbare Zeit die Züchtung einer edlen -Menschenrasse nicht durchführen. Aber jeder sollte beim Abschluß der -Ehe daran denken, daß die Kinder nicht vom Himmel fallen und Edles -nur durch Erbschaft von Edlem entstehen kann, gut geratene Kinder nur -durch<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">= 22 =</a></span> glückliche Vereinigung des gut Geratenen der Ahnen. <em class="gesperrt">Die -tüchtige Jugend sollte daher das hohe Ideal der bewußten Erzeugung -und Fortpflanzung körperlich, geistig und sittlich bestbeanlagter -Familienstämme, <b>bewußter Zuchtwahl</b>, erfassen und freiwillig -befolgen.</em> Vor solchen Generationen von Tüchtigen aus Tüchtigen -müßten Minderwertigkeit und Nichtswürdigkeit bald das Feld räumen.</p> - -<p>Wenn wir auch nicht zwangsweise Übermenschen züchten können, mit jener -Gedankenlosigkeit und Leichtfertigkeit wie bisher darf es bei der -Kindererzeugung jedenfalls nicht weitergehen! Es muß ins allgemeine -Bewußtsein übergehen, <em class="gesperrt">daß es eines der schlimmsten Verbrechen -ist, Kinder zu erzeugen, von denen man vorher wissen kann, daß sie -höchstwahrscheinlich verkümmert, verkrüppelt, schwer krank oder -mit schwerer Krankheitsanlage behaftet sein werden</em>. Tausende -und Tausende werden erzeugt, die besser unerzeugt geblieben wären. -Namenloses Elend, eine unendliche Summe von Schmerz und Qual wird -dadurch immer von neuem in die Welt gebracht! Vernunftbegabten Wesen -geziemt es nicht, so zu handeln.</p> - -<p>Wenn ein Mensch von Geburt auf mit Fehlern oder Krankheit behaftet, zu -bestimmten Erkrankungen veranlagt oder im allgemeinen schwächlich und -wenig widerstandsfähig ist, so kann dies sehr verschiedene Ursachen -haben. Es kann darauf beruhen, daß er aus Keimstoffen hervorgegangen -ist, die <em class="gesperrt">von den Ahnen her</em> fehlerhaft oder minderwertig sind -(<em class="gesperrt">Vererbung im eigentlichen Sinne</em>). Es kann sein, daß von -Hause aus gutgeartete Keimstoffe erst <em class="gesperrt">im Leibe der Eltern</em> -verschlechtert worden sind (<em class="gesperrt">Keimverderb</em>). Es kann<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">= 23 =</a></span> sein, daß ein -aus gesunden und kräftigen Keimen hervorgegangener Sprößling <em class="gesperrt">während -seines Lebens im Mutterleibe geschädigt</em> oder krank geworden ist.</p> - -<p>Es gibt aber auch nicht wenige Fälle, wo es nur so scheint, als ob das -Kind bereits krank und minderwertig geboren worden wäre und in Wahrheit -seine Krankheit oder Minderwertigkeit auf Schädigungen beruht, die es -erst <em class="gesperrt">nach der Geburt in seiner frühesten Kindheit</em> erfahren hat. -Es ist wichtig, diese Dinge zu unterscheiden, da sie beim Abschluß der -Ehe und bei der Kindererzeugung berücksichtigt werden müssen.</p> - -<p>Was die im eigentlichen Sinn vererblichen Fehler und Mängel des -Keimplasmas anbelangt, so ist zunächst zu sagen, daß es eine Reihe von -<em class="gesperrt">Bildungsfehlern</em> gibt, die bei sonstiger normaler Beschaffenheit -von Generation auf Generation, manchmal mit Überspringung einzelner -Glieder der Kette, vererbt werden. Zum Teile sind sie ganz geringfügig -und nicht beachtenswert, z. B. Muttermale oder Vertauschung von rechts -und links bei der Lagerung der Eingeweide. Viel bedeutungsvoller -ist die Vererbung von schlechter, zu Zahnfäule (Karies) neigender -Zahnbeschaffenheit, von Kurzsichtigkeit, Farbenblindheit und anderen -Fehlern des Auges, von gewissen Formen unheilbarer, fortschreitender -Schwerhörigkeit, die Vererbung überzähliger Finger und Zehen, der -Hasenscharte (gespaltene Oberlippe oder Oberkiefer), des Wolfsrachens -(gespaltener Gaumen), von Mißbildungen der Finger und der Hände. Höchst -ungünstig für die Nachkommenschaft ist die vererbliche Verkümmerung -der Brustdrüse, wegen der damit verbundenen Unfähigkeit zum Stillen. -Ein anderer böser ererbter Bildungsfehler ist die sog. Bluterkrankheit -oder Hämophilie. Die geringste Verletzung kann beim „Bluter“ fast -unstillbare Blutverluste und selbst den Tod durch Verblutung -herbeiführen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">= 24 =</a></span></p> - -<p>Höchst merkwürdig ist bei dieser glücklicherweise seltenen Krankheit, -daß sie nur bei den männlichen Nachkommen auftritt und nur durch die -selbst gesund bleibenden weiblichen Nachkommen vererbt wird. Diese -<em class="gesperrt">Latenz</em> (das Verborgenbleiben) der Erbeigenschaften in den -weiblichen Gliedern eines Familienstammes kommt übrigens auch bei -anderen krankhaften sowie bei lebensnützlichen Anlagen (Talenten) vor; -geradeso, wie Frau und Mann gewisse Besonderheiten der Merkmale des -anderen Geschlechtes (z. B. des Bartwuchses, der Form und Größe der -Brüste) verborgen auf ihre Söhne bzw. Töchter vererben.</p> - -<p>Auf vererblichen Fehlern der Keimstoffe beruht ferner die Neigung der -Mitglieder mancher Familien zu gewissen <em class="gesperrt">Stoffwechselkrankheiten</em>, -wie namentlich zur Gicht, zur Fettsucht, zur Zuckerharnruhr; die -Neigung zu gewissen langwierigen <em class="gesperrt">Hautkrankheiten</em>, insbesondere -zu den sog. Flechten. Auch gewisse Erkrankungen des Herzens und der -Blutgefäße, die zum Schlagflusse führen, scheinen auf erblicher -Grundlage zu entstehen.</p> - -<p>Allgemein bekannt ist es endlich, daß in einzelnen Familien die Neigung -zu <em class="gesperrt">Geisteskrankheiten</em> und <em class="gesperrt">nervösen Leiden</em> mannigfacher -Art sich forterbt. Dabei ist bemerkenswert, daß die Art des -Nervenleidens bei den verschiedenen Familiengliedern sehr verschieden -sein kann. Einige zeigen reizbare Schwäche oder Exzentrizität in ihren -Meinungen und Neigungen, jähen Wechsel ihrer Stimmung, andere leiden an -Krämpfen, Lähmungen, Epilepsie; neben eigentlichen Geisteskrankheiten -treten Hysterie, Hypochondrie, Trunksucht, Neigung zu geschlechtlichen -Ausschweifungen, zu Selbstmord, zu Verbrechen auf. Das Vererbte ist -eine abnorm <em class="gesperrt">leichte Störbarkeit</em> und <em class="gesperrt">Verwundbarkeit</em> des -Nervensystems. Welche Krankheit sich dann tatsächlich entwickelt, -scheint bis zu einem gewissen<span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">= 25 =</a></span> Grade vom „Zufall“ abzuhängen. Nach -neueren Forschungen ist es aber gewiß, daß es <em class="gesperrt">verschiedenartige</em> -krankhafte Veranlagungen des Nervensystems gibt, z. B. besondere -Anlagen zu Verrücktheit, zu Epilepsie usw. Ein erheblicher Bruchteil -der Nachkommen pflegt übrigens selbst bei schwerer Belastung von -wirklicher Erkrankung freizubleiben, und bei manchen Arten solcher -Vererbungen können neben der fehlerhaften Anlage hohe geistige -Begabung, Talent, Schwung und Tatkraft einhergehen. Bei schwerster -Belastung zeigen einzelne Familienglieder auch körperliche Bildungs- -und Entwicklungsfehler (die sog. Degenerationszeichen).</p> - -<p>Viel häufiger als eine solche begrenzte Fehlerhaftigkeit der Keime, -die sich in bestimmten Bildungsfehlern und Krankheitsanlagen der im -übrigen vielleicht völlig gesunden und kräftigen Nachkommen äußert, ist -ihre <em class="gesperrt">Minderwertigkeit und Schwächlichkeit im ganzen</em>, wie sie -in der Lebensschwäche und kümmerlichen körperlichen, intellektuellen -und moralischen Entwicklung des Kindes und in seiner Kränklichkeit, d. -h. seiner geringen Widerstandsfähigkeit gegen äußere Schädlichkeiten, -zutage tritt.</p> - -<p>Diese Lebensschwäche der Keime kann wieder etwas sein, was schon von -den Vorfahren ererbt ist. Meistens aber ist sie erst die Folge der -ungünstigen Bedingungen, unter denen die Keime im Körper der Eltern -gewachsen sind.</p> - -<p>So ist die Schwächlichkeit der Kinder nicht selten einfach auf das -<em class="gesperrt">unpassende Alter der Eltern</em> zurückzuführen. Nur innerhalb einer -gewissen Lebensperiode steht die Keimbildung auf voller Höhe. Kinder -zu junger Eltern (Mutter unter 20, Vater unter 24 Jahren) sind nicht -selten lebensschwach und sterben daher zahlreicher schon im ersten -Lebensjahr wieder ab. Es kommen bei ihnen auch häufiger als sonst -Bildungsfehler, wie Hasenscharte,<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">= 26 =</a></span> Wolfsrachen, Idiotie, vor, zum -Zeichen, daß die Keimstoffe der Jugendlichen häufiger nicht allein -weniger kräftig, sondern auch mit Fehlern behaftet sind. Bemerkenswert -ist auch, daß jugendliche Mütter verhältnismäßig häufig Zwillinge -gebären. Sie teilen diese Eigenschaft mit den älteren Frauen. Wie die -zu jungen gebären zu alte Frauen häufiger lebensschwache Kinder. Auch -Idiotie kommt unter den Kindern von Frauen über 40 Jahre häufiger vor -als unter solchen von Frauen in der Vollkraft. Ebenso wie höheres Alter -der Mutter wirkt das des Vaters (über 50 Jahre) im Durchschnitt nicht -günstig.</p> - -<p>Ungünstig auf die Produktion der Keimstoffe wirken <em class="gesperrt">schlechte -äußere Lebensbedingungen, wie unzureichende Ernährung, körperliche -Überanstrengung</em> durch Arbeit, durch geschlechtliche Exzesse beim -Manne, zu zahlreiche und zu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften -bei der Frau, <em class="gesperrt">ungünstiges Klima</em> (Aussterben der europäischen -Familien in den <em class="gesperrt">Tropen</em>) und anderes.</p> - -<p>Auch manche akute (heftige und kurzdauernde) und namentlich chronische -(langwierige) <em class="gesperrt">Erkrankungen</em> des elterlichen Körpers schädigen die -Keimstoffe. Weitaus am gefährlichsten sind diesen die <em class="gesperrt">chronischen -Vergiftungen</em>.</p> - -<p>Als der Nachkommenschaft besonders gefährliche Gifte sind zu nennen: -der Alkohol, das Morphium, die giftigen Metalle und unter diesen das -Blei und das Quecksilber, ferner gewisse von Mikrobien herrührende -Gifte.</p> - -<p>Unter diesen letzteren ist mit Recht besonders berüchtigt das -<em class="gesperrt">syphilitische Gift</em>, das bei der <em class="gesperrt">Syphilis</em>, der wichtigsten -unter den sog. Geschlechtskrankheiten, im Körper auftritt. Dieses Gift -vor allen führt zum Verderb vieler von Hause gesunder Keimstoffe und -bedroht die modernen Völker mit Degeneration; dieses Gift ist es,<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">= 27 =</a></span> das -die städtischen Familien in ungeheuerem Umfang ausrottet.</p> - -<p>Infolge der Vergiftung des elterlichen Organismus mit diesem Gifte -kommt es zu einer Verkümmerung der Zeugungsstoffe, die sich in dem -Auftreten von Fehl-, Früh- und Totgeburten, in Lebensschwäche der -Kinder, Mißbildungen und Verkümmerungen, nervösen Leiden, allgemeinem -Siechtum und geringer Widerstandskraft gegen äußere Schädlichkeiten -äußert. Besonders nachdrücklich möchte ich darauf hinweisen, daß die -elterliche Syphilis in sehr hohem Maße für Tuberkulose zu disponieren -(geneigt machen) scheint.</p> - -<p>Nächst dem Syphilisgifte dürfte der <em class="gesperrt">Alkohol</em> die wichtigste -Ursache des Keimverderbs sein. Es ist erwiesen, daß Säufer sehr -häufig unfruchtbar sind, und daß dies auf einem vorzeitigen Schwund -der Hoden beruht. Unzählige ärztliche Erfahrungen scheinen zu -beweisen, daß auch schon eine geringergradige chronische Vergiftung -des elterlichen Körpers mit Alkohol in geringerer Lebensfähigkeit, -in Schwächlichkeit und Kränklichkeit der Nachkommen und insbesondere -in der <em class="gesperrt">Minderwertigkeit ihres Nervensystems</em> sich äußert. -Kinder von eigentlichen Trinkern leiden überaus häufig an Idiotie, -Geisteskrankheiten, Epilepsie, Trunksucht usw., wobei es allerdings -schwierig zu entscheiden ist, inwiefern nicht schon die Trunksucht des -Vaters als ein Zeichen für die <em class="gesperrt">ererbte</em> Krankhaftigkeit seines -eigenen Zentralnervensystems anzusehen ist.</p> - -<p>Bei elterlicher Syphilis kommt noch etwas anderes vor als die -Vergiftung der Keimstoffe im kranken elterlichen Körper. In einem -gewissen Stadium der Syphilis kann <em class="gesperrt">Ansteckung</em> des befruchteten -Keimes mit dem Syphilisparasiten, der <span class="antiqua">Spirochaete pallida</span>, -erfolgen, so daß das Kind bereits mit Syphilis behaftet geboren wird -oder schon im Mutterleibe infolge der Ansteckung mit Syphilis abstirbt. -Solche Fälle sind leider sehr häufig.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">= 28 =</a></span></p> - -<p>Anders steht es bei der <em class="gesperrt">Tuberkulose</em> der Eltern. Es kann -auch hier vorkommen, daß das Kind bereits mit dem Tuberkelbazillus -angesteckt geboren wird. Dies scheint indessen nicht vom Vater, sondern -nur von der Mutter aus möglich zu sein und überaus selten vorzukommen. -Erst nach der Geburt droht dem Kinde die Hauptgefahr, von seinen -tuberkulösen Eltern oder sonstigen Verwandten angesteckt zu werden. -Besonders gefährlich ist ihm der Tuberkelbazillen enthaltende Auswurf -der Mutter und ihre Tuberkelbazillen enthaltende Milch. Die Gefahr -ist um so größer, als eine überaus häufige Folge der elterlichen -Tuberkulose Schwächlichkeit und Kränklichkeit der Kinder ist, wodurch -ihre Widerstandskraft <em class="gesperrt">allen</em> äußeren Schädlichkeiten gegenüber -von vornherein herabgesetzt ist.</p> - -<p>Man spricht aber auch von einer <em class="gesperrt">spezifischen</em> (einseitigen) -Neigung, an Tuberkulose zu erkranken. Man spricht sogar von -einem „tuberkulösen Habitus“ (äußerer Beschaffenheit). Leute mit -„tuberkulösem Habitus“ sind charakterisiert durch große Körperlänge -bei geringem Brustumfang, langem, flachem, oben engem Brustkorb -mit abstehenden Schulterblättern und durch schlechte, schlaffe -Körperhaltung. Diese Leute sind dabei mager, blutarm und größerer -körperlicher Anstrengung nicht gewachsen, leicht in Schweiß versetzt; -sehr häufig sind sie nervös leicht erregbar, von rascher Auffassung -und lebhaftem Gemüte, aber von geringer Ausdauer. Ihre Muskeln sind -schwach entwickelt, ihre Schleimhäute zart und blaß, ihr Appetit und -ihre Verdauungskraft häufig gering. Ihr Herz ist leicht erregbar, aber -schwach. Auffallend ist bei ihnen der rasche Wechsel von Röte und -Blässe des Gesichtes, die Kühlheit von Händen und Füßen. Die genaue -anatomische Untersuchung hat gezeigt, daß ihr Herz im Verhältnisse zu -ihrer Körpergröße zu klein, ihre Blutgefäße zu eng sind.</p> - -<p>Dieser Habitus kann indessen auch bei Kindern von<span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">= 29 =</a></span> Eltern auftreten, -welche weder tuberkulös erkrankt noch hereditär (erblich) belastet -sind; andererseits bei Kindern tuberkulöser Eltern fehlen. Er führt -auch keineswegs mit Notwendigkeit zu tuberkulöser Erkrankung. Es ist -überhaupt zweifelhaft, ob es eine <em class="gesperrt">spezifische</em> Disposition -(einseitige Empfänglichkeit) für Tuberkulose gibt und ob nicht die -Häufigkeit der Tuberkulose in gewissen Familien neben der schon -erwähnten Schwächlichkeit und geringen Widerstandsfähigkeit von -Kindern kränklicher Eltern überhaupt, einfach auf der frühzeitigen -massenhaften Ansteckung beruht, der die Kinder in solchen Familien, -in der Nachbarschaft von Hustenden und Spuckenden ausgesetzt sind. -Tatsächlich kann man nachweisen, daß die Kinder aus solchen Familien -schon in den ersten Lebensjahren bis zu 90 und 100 Prozent angesteckt -werden, während es bei Kindern aus nicht tuberkulösen Familien 18 und -noch mehr Jahre dauern kann, bis alle infiziert sind. Übrigens kommt es -auch nach erfolgter Ansteckung in der Regel nur unter Zusammenwirken -ungünstiger Umstände, unter denen namentlich schlechte oder falsche -Ernährung, körperliche Überanstrengung, Exzesse <span class="antiqua">in baccho et -venere</span> und schwächende Krankheiten zu nennen sind, zum Ausbruch -der Krankheit. Unter dem Zusammenwirken solcher Einflüsse können auch -Menschen aus gesundem Stamme an Tuberkulose erkranken; die Nachkommen -von tuberkulösen Eltern erkranken nur häufiger und erliegen der -Krankheit rascher. In den schlimmsten Fällen vermögen die sorgfältigste -Pflege, die beste Ernährung, die größte körperliche Schonung -Erkrankung und Tod im kräftigsten Lebensalter nicht zu hindern. Aber -so schlimm steht es glücklicherweise selten. In den meisten Fällen -kann man durch <em class="gesperrt">möglichst frühzeitige Absonderung der Kinder von -Personen mit offener Tuberkulose</em> und durch Schaffung guter -hygienischer Verhältnisse, durch Vermeidung<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">= 30 =</a></span> aller Ausschweifungen, -durch Enthaltsamkeit von Alkohol auch solche disponierte Personen -vor der Krankheit bewahren. Man ist jetzt geneigt anzunehmen, daß -ihre Neigung, an Tuberkulose zu erkranken, davon herrührt, daß sie -seit der ersten Kindheit in einzelnen tuberkulös erkrankten Organen, -z. B. in erkrankten Lymphdrüsen, besonders reichliche Mengen von -Tuberkelbazillen mit sich herumtragen, die gelegentlich in die Lunge -geraten und hier die Schwindsucht hervorrufen können.</p> - -<p>Im Zusammenhange mit der Vererbung muß auch die sog. <em class="gesperrt">Inzucht</em> -besprochen werden, d. h. die Kindererzeugung zwischen nahen -Blutsverwandten. Sie ist nicht <em class="gesperrt">an sich</em> schädlich. Dies lehren -die Erfahrungen der Tier- und Pflanzenzüchter, die gerade durch eine -vorsichtige Inzucht vorzügliche Rassen herzustellen imstande sind. Sie -darf sich nur nicht in zu vielen Generationen wiederholen, sonst führt -sie zur Unfruchtbarkeit. Alle Völker, welche eine bedeutende Rolle in -der Geschichte gespielt haben, wie die nordische Rasse oder die Juden, -sind ohne Zweifel aus einer weit getriebenen und lange fortgesetzten -Inzucht hervorgegangen.</p> - -<p>Die Gefahr der Inzucht für den Menschen liegt darin, daß nahe Verwandte -häufig die <em class="gesperrt">gleichen</em> Anlagen zu Bildungsfehlern und Krankheiten -haben und die ungünstige Wirkung dieser Anlagen sich dann bei den -Nachkommen summiert. Der Züchter schließt dies so gut als möglich -aus, indem er nur tadellose Exemplare paart. Beim Menschen fehlt aber -diese sorgfältige und scharfe Auslese und ließe sich vielfach auch -gar nicht treffen, weil wir gar nicht jene Kenntnisse über unsere -Stammbäume haben, über welche der Züchter bei seinen Tieren verfügt. -Man muß daher vor Verwandtenehen dringend warnen. Daß die Natur -Einrichtungen getroffen hat, namentlich bei vielen Blütenpflanzen, um -die Selbstbefruchtung zu verhüten, kann uns auch als Fingerzeig dienen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">= 31 =</a></span></p> - -<p>Wie <em class="gesperrt">enge</em> Blutsverwandtschaft meistens schädlich wirkt, so ist -auch die Kreuzung von Rassen, die sich <em class="gesperrt">zu ferne</em> stehen, nicht -günstig. Solche Ehen sind häufig auch wenig fruchtbar. So treffen in -Preußen auf 100 rein christliche Ehen 454 Kinder, auf 100 rein jüdische -421, auf 100 Ehen zwischen Juden und Christen aber nur 138 bis 178 -Kinder. Allerdings ist es wahrscheinlich, daß hierbei auch die sozialen -Verhältnisse, d. h. die absichtliche Einschränkung der Kinderzahl eine -sehr große Rolle spielt.</p> - -<p>Die vorstehenden Erörterungen dürften genügen, um zu zeigen, -welch ungeheuer ernstes Geschäft die Gattenwahl ist oder vielmehr -sein sollte! Freilich dürfen wir auch nicht zu ängstlich und -wählerisch sein. <em class="gesperrt">Völlig</em> normal und frei von fehlerhaften oder -minderwertigen Anlagen ist kein einziger Mensch. In der Regel ist auch -nur ein Bruchteil der Keime, welche ein mit — selbst ernstlicheren — -vererblichen Fehlern, Krankheiten oder Krankheitsanlagen behaftetes -Individuum erzeugt, mit der schlimmen Erbschaft behaftet. Selbst -dann ferner, wenn ein mit der krankhaften Anlage behafteter Keim -an der Entstehung eines Kindes beteiligt ist, <em class="gesperrt">muß</em> nicht in -allen Fällen der Fehler oder die Krankheit zur Entwicklung kommen, -da bei manchen Keimfehlern die krankhafte Beschaffenheit des einen -Keimes durch die gesunde des anderen unwirksam gemacht, unterdrückt -wird [<em class="gesperrt">Dominanz</em> oder <em class="gesperrt">Prävalenz</em> (Vorherrschaft) der -normalen Anlage über die krankhafte; <em class="gesperrt">Rezession</em> (Rücktritt) -der krankhaften Anlage gegenüber der normalen], und da bei manchen -krankhaften Anlagen <em class="gesperrt">zweckmäßige Lebensweise</em> den wirklichen -Ausbruch der Krankheit zu verhindern vermag. Durch fortgesetzte -<em class="gesperrt">Kreuzung</em> mit Stämmen, welche von der gleichen krankhaften -Anlage frei sind, kann bei solchen Anlagen das Krankhafte dauernd -<em class="gesperrt">verborgen</em> gehalten und trotz dem Vorhandensein der krankhaften<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">= 32 =</a></span> -Anlage in gar manchen der Nachkommen eine ganze Reihe von Generationen -erzeugt werden, welche von der betreffenden Krankheit vollkommen frei -ist. Nur wenn bei unzweckmäßiger Gattenwahl <em class="gesperrt">zwei</em> krankhafte -Anlagen <em class="gesperrt">gleicher</em> Art zusammentreffen, tritt dann die ererbte -krankhafte Anlage in dem betroffenen Nachkommen als Krankheit -hervor. So scheint es sich glücklicherweise mit der Mehrzahl der -<em class="gesperrt">Krankheitsanlagen des Nervensystems</em> zu verhalten, bei denen also -die <em class="gesperrt"><b>richtige Kreuzung</b> für die individuelle Gesundheit der -Nachkommen von ausschlaggebender Wichtigkeit ist</em>.</p> - -<p>Aber nicht immer ist das Verhältnis der krankhaften zur gesunden Anlage -ein solches, wie wir es soeben besprochen haben; in nicht wenigen -Fällen <em class="gesperrt">dominiert</em> die krankhafte Anlage über die normale, so -daß <em class="gesperrt">alle Individuen, welche die abnorme Anlage besitzen, auch -tatsächlich abnormal geraten</em>!</p> - -<p>Die beiden <a href="#tafel3">Tafeln 3</a> und <a href="#tafel4">4</a> werden die Regelmäßigkeit klarmachen, mit -welcher die Vererbung der einzelnen Anlagen (Erbeinheiten) von den -Eltern auf die Kinder erfolgt, und die verschiedene Wirkung, welche die -Vererbung einer bestimmten Anlage auf die Beschaffenheit der Kinder -hat, je nachdem diese Anlage sich dominant oder rezessiv verhält. -Wir können hier selbstverständlich nur die einfacher gelagerten -Vererbungsweisen besprechen. Es gibt auch verwickeltere; z. B. solche, -bei denen eine Mehrheit von Erbeinheiten zusammentreffen muß, damit ein -Merkmal (Eigenschaft) zum Vorschein kommt.</p> - -<div class="figcenter"> - <div class="caption_top"> - Tafel 3. - </div> - <a id="tafel3" name="tafel3"> - <img class="mtop1" src="images/tafel3.jpg" alt="" /></a> - <p class="s5 center">Vererbung einer dominanten Anlage.</p> - <p class="s5 center mbot2 ebhide"><a href="images/tafel3_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERES BILD</span></a></p> -</div> - -<p>Auf <a href="#tafel3">Tafel 3</a> ist die Vererbung einer <em class="gesperrt">dominanten</em> Anlage -dargestellt. Jeder <em class="gesperrt">kleine</em> rote Kreis bedeutet eine väterliche -oder mütterliche <em class="gesperrt">Keimzelle</em>, welche die dominante Anlage (z. B. -die für Sechsfingrigkeit) <em class="gesperrt">be<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">= 33 =</a></span>sitzt</em>, jeder kleine weiße eine -Keimzelle, welche diese Anlage <em class="gesperrt">nicht</em> besitzt. Jeder <em class="gesperrt">große</em> -rote Kreis bedeutet eine Person, welche die Anlage <em class="gesperrt">zeigt</em>, -also z. B. mehr als fünf Finger (Zehen) an einer Gliedmaße besitzt; -jeder große weiße Kreis eine Person, welche die Anlage <em class="gesperrt">nicht</em> -zeigt, durchwegs die normale Finger-(Zehen-)Zahl aufweist. Die in die -großen Kreise eingezeichneten (weißen und roten) Halbkreise bedeuten -wieder die Keimzellen, welche von der betreffenden Person gebildet -werden. Sind beide eingezeichneten Halbkreise rot, so heißt das, daß -<em class="gesperrt">alle</em> Keimzellen, welche die betreffende Person hervorbringt -oder hervorbringen wird, mit der dominanten Anlage <em class="gesperrt">behaftet</em> -sind; sind beide Halbkreise weiß, so sind <em class="gesperrt">sämtliche</em> Keimzellen -<em class="gesperrt">frei</em> von der Anlage; ist ein Halbkreis rot und der andere weiß, -so heißt das, daß die eine <em class="gesperrt">Hälfte</em> der Keimzellen dieser Person -die Anlage besitzt und die andere nicht.</p> - -<p>Die zweimal zwei kleinen Kreise in der ersten Säule bedeuten die je -zwei Keimzellen, aus deren Vereinigung die <em class="gesperrt">Eltern</em> hervorgegangen -sind, und ebenso die Keimzellen, welche sie selbst produzieren. Wie -man sieht, sind in bezug auf <em class="gesperrt">eine</em> dominante Anlage sechs -Fälle möglich: 1. Beide Eltern sind aus je <em class="gesperrt">zwei</em> Keimzellen -<em class="gesperrt">mit</em> der Anlage hervorgegangen und produzieren auch wieder nur -Keimzellen <em class="gesperrt">mit</em> der Anlage; oder 2. der eine der Eltern ist aus -<em class="gesperrt">zwei</em> Keimzellen <em class="gesperrt">mit</em> der Anlage hervorgegangen und der -andere aus <em class="gesperrt">einer</em> Keimzelle <em class="gesperrt">mit</em> und <em class="gesperrt">einer</em> Keimzelle -<em class="gesperrt">ohne</em> diese Anlage, und der erstere produziert dabei auch wieder -nur Keimzellen mit der Anlage und der zweite je zur Hälfte Keimzellen -mit und ohne Anlage; oder 3. der eine ist aus <em class="gesperrt">zwei</em> Keimzellen -<em class="gesperrt">mit</em>, der andere aus <em class="gesperrt">zwei</em> Keimzellen <em class="gesperrt">ohne</em> die -Anlage entstanden; oder 4. beide sind aus je <em class="gesperrt">einer</em> Keimzelle -<em class="gesperrt">mit</em> und <em class="gesperrt">einer ohne</em> die Anlage entstanden; oder 5. -der eine aus <em class="gesperrt">einer</em> Keimzelle<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">= 34 =</a></span> <em class="gesperrt">mit</em> und <em class="gesperrt">einer</em> -Keimzelle <em class="gesperrt">ohne</em> die Anlage, der andere aus <em class="gesperrt">zwei</em> Keimzellen -<em class="gesperrt">ohne</em> die Anlage; oder endlich 6. <em class="gesperrt">alle</em> Keimzellen -waren <em class="gesperrt">frei</em> von der Anlage, und daher sind dann auch alle neu -produzierten frei davon.</p> - -<p>In der zweiten Säule bedeuten die viermal zwei kleinen Kreise die -möglichen Fälle der Kombination der von den Eltern produzierten -Keimzellen. Also dort, wo die Eltern ausschließlich Keimzellen mit -der Anlage hervorbringen, ist selbstverständlich nur eine Kombination -möglich; dort, wo der eine der Eltern nur Keimzellen <em class="gesperrt">mit</em> -der Anlage, der andere <em class="gesperrt">zur Hälfte</em> Keimzellen <em class="gesperrt">mit</em> -und Keimzellen <em class="gesperrt">ohne</em> die Anlage produziert, sind zweierlei -Kombinationen möglich, die mit <em class="gesperrt">gleicher Häufigkeit</em> auftreten -werden usw.</p> - -<p>In den folgenden drei Säulen findet man dann die Beschaffenheit der -Kinder und ihrer Keimzellen angegeben. Im Falle 1 sind alle Kinder -sechsfingrig und bringen nur Keimzellen <em class="gesperrt">mit</em> der Anlage dazu -hervor; im Falle 6 sind alle Kinder normalfingrig und bringen auch nur -normale Keimzellen hervor; im Falle 3 sind alle Kinder sechsfingrig und -bringen alle <em class="gesperrt">zur Hälfte</em> Keimzellen <em class="gesperrt">mit</em> und zur Hälfte -Keimzellen <em class="gesperrt">ohne</em> die Anlage hervor usw.</p> - -<p>Man sieht, daß bei <em class="gesperrt">dominanter</em> Anlage <em class="gesperrt">alle</em> Personen, -welche die Anlage <em class="gesperrt">empfangen</em> haben, auch diese Anlage -<em class="gesperrt">zeigen</em>, und daß <em class="gesperrt">nur solche</em> Personen, welche die Anlage -<em class="gesperrt">zeigen</em>, diese Anlage <em class="gesperrt">vererben</em> können.</p> - -<p>Ganz anders liegen die Verhältnisse, wenn es sich um eine -<em class="gesperrt">rezessive</em> Anlage, z. B. um Taubstummheit, handelt, wie <a href="#tafel4">Tafel 4</a> -lehrt. Die Zeichen bedeuten hier dasselbe wie auf <a href="#tafel3">Tafel 3</a>, nur daß die -<em class="gesperrt">kleinen</em> roten Kreise und Halbkreise hier Keimzellen mit einer -<em class="gesperrt">rezessiven</em> Anlage bedeuten und die großen roten Kreise Personen, -welche diese rezessive Anlage zeigen; nach der Erklärung,<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">= 35 =</a></span> welche -soeben für <a href="#tafel3">Tafel 3</a> gegeben wurde, wird auch <a href="#tafel4">Tafel 4</a> sofort verständlich -sein.</p> - -<div class="figcenter"> - <div class="caption_top"> - Tafel 4. - </div> - <a id="tafel4" name="tafel4"> - <img class="mtop1" src="images/tafel4.jpg" alt="" /></a> - <p class="s5 center">Vererbung einer rezessiven Anlage.</p> - <p class="s5 center mbot2 ebhide"><a href="images/tafel4_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERES BILD</span></a></p> -</div> - -<p>Wieder sind alle sechs möglichen Fälle der Anlagenkombination der -Eltern in Betracht gezogen. Man sieht, daß hier durchaus nicht alle -Personen, welche die Anlage empfangen haben, diese auch zeigen, sondern -<em class="gesperrt">nur jene</em>, welche die Anlage <em class="gesperrt">zweimal</em> empfangen haben, -und daß eine Generation existieren kann, welche selbst keine Spur der -krankhaften Anlage zeigt, aber (s. Fall 3) in allen ihren Gliedern -Keimzellen produziert, welche zur Hälfte die Anlage besitzen und daher -beim Zusammentreffen mit einer zweiten <em class="gesperrt">gleichartigen</em> Keimzelle -kranke Personen hervorrufen.</p> - -<p>Die Angabe in den <a href="#tafel3">Tafeln 3</a> und <a href="#tafel4">4</a>: „Von je 4 Kindern zeigen (zeigen -nicht) die Anlage“ darf natürlich <em class="gesperrt">nicht wörtlich</em> genommen -werden, als ob in den Fällen 2, 4 und 5 wirklich <em class="gesperrt">in jeder -einzelnen Gruppe</em> von 4 Geschwistern die Verteilung der Anlagen -und Eigenschaften genau nach der Regel vor sich gehen müßte. Es -verhält sich hier genau so wie mit dem Satze, „daß gleichviel Knaben -und Mädchen geboren werden (genau 106 Knaben auf 100 Mädchen)“. -Diese Regelmäßigkeit tritt erst dann hervor, wenn eine <em class="gesperrt">sehr große -Masse</em> von Geburten durchgezählt wird. In den einzelnen Familien -gibt es bekanntlich die größten Abweichungen davon.</p> - -<p>Zusammenfassend wäre als vernünftige Regel für die Zulässigkeit der -Kindererzeugung etwa folgendes hinzustellen: Leute mit ernsteren -Bildungsfehlern, Idioten, Schwachsinnige, Irrsinnige, Epileptische, -Säufer, verbrecherische Naturen, chronisch Kranke wie: an Tuberkulose -Leidende, Syphilitische im primären und sekundären Stadium, dürfen -sich an der Fortpflanzung nicht beteiligen. Ebenso taugen wenig zur -Fortpflanzung Individuen, welche in ihrer körperlichen Entwicklung -zurückgeblieben sind oder deren Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">= 36 =</a></span>schlechtscharaktere mangelhaft -ausgeprägt sind; also namentlich nicht Frauen mit schlecht entwickelten -Brüsten und Hüften oder solche, die nicht oder von Anfang an -unregelmäßig oder krankhaft menstruieren. Schlechte Entwicklung des -Knochengerüstes, deutliche Zeichen früherer Rachitis (englische -Krankheit) sind bei der Frau besonders deshalb bedenklich, weil dann -nicht selten auch Fehler am knöchernen Becken vorhanden sind, welche -das Gebären erschweren oder selbst unmöglich machen können. Schlechte -Zähne lassen befürchten, daß die Frau nicht imstande sein werde, ihre -Kinder zu stillen, da beide Gebrechen sehr häufig zusammen auftreten.</p> - -<p>Glücklicherweise findet der <em class="gesperrt">unverdorbene</em> Geschmack des Mannes -nur solche Frauen schön und verlockend, bei denen der ganze Körper und -insbesondere die Geschlechtscharaktere gut entwickelt sind und die -daher auch zur Zeugung am besten geeignet erscheinen. Wer kräftige -Kinder zu erhalten wünscht, suche sich überhaupt einen kräftigen, -gesunden Gatten. Wer selbst nicht ganz kräftig ist, muß um so mehr -trachten, eine kräftige, blühende Frau zu bekommen.</p> - -<p>Leider täuscht aber oft der Schein; die Jugendblüte verhüllt manche -Mängel. In sehr vielen Fällen ist auch die hervorragende Beschaffenheit -eines Individuums („<em class="gesperrt">Plusvariante</em>“) rein individuell und nicht -vererblich. Ebenso können allerdings auch Schwächlichkeit oder gewisse -Arten von Kränklichkeit einer <em class="gesperrt">Minusvariante</em> rein individuell -sein; bei guten Keimstoffen! Es ist daher unbedingt notwendig, sich -nicht allein um die Beschaffenheit des zu ehelichenden Individuums -selbst, sondern auch um seine <em class="gesperrt">Abstammung</em> zu kümmern. <em class="gesperrt">Gute -Abstammung gibt die beste Bürgschaft für gute Nachkommen!</em> Viel -verläßlicheren Aufschluß als die Betrachtung des einen Individuums -allein gewährt die<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">= 37 =</a></span> Betrachtung der Beschaffenheit und Lebensführung -seiner Eltern. Haben diese tüchtig und rechtschaffen gelebt, erfreuen -sie sich eines gesunden Alters, oder sind sie nach einem gesunden -Leben an zufälligen Krankheiten gestorben, welche ohne ererbte -Anlage auftreten, so darf man hoffen, daß die Tochter oder der Sohn -von tüchtigem und gesundem Stamme sei und daher selbst eine gute -Beschaffenheit besitzen und gute Keime liefern werde. Hat die Mutter -ihre Kinder gesäugt, so darf man zuversichtlicher hoffen, daß auch die -Tochter dazu imstande sein werde, als wenn die Mutter dazu unvermögend -war.</p> - -<p>Man achte aber auch auf die Beschaffenheit etwa vorhandener -<em class="gesperrt">Geschwister</em> und darauf, an welchen Krankheiten verstorbene -Geschwister zugrunde gegangen sind. Denn wir haben schon gehört, -daß gewisse krankhafte Anlagen in einzelnen oder allen Individuen -einer Generation verborgen bleiben, in deren Nachkommen aber wieder -hervortreten können, also „latent“ (verborgen) vom Großelter auf den -Enkel übertragen werden können.</p> - -<p>Soweit es möglich ist, ziehe man daher auch Erkundigungen über die -<em class="gesperrt">weitere Aszendenz</em> (Ahnenschaft), über die <em class="gesperrt">Großeltern</em> -usw. ein. Man achte insbesondere darauf, ob etwa die <em class="gesperrt">gleiche</em> -Anomalie oder krankhafte Anlage in <em class="gesperrt">beiden</em> Familienstämmen, dem -väterlichen und dem mütterlichen, aufgetreten ist. In diesem Falle -ist die Wahrscheinlichkeit besonders groß, daß das Individuum selbst -erkranken oder die krankhafte Anlage auf seine Nachkommen vererben -wird, auch wenn augenblicklich keine Krankheitserscheinungen an ihm -wahrzunehmen sind.</p> - -<p>Je schwerer das Leiden ist, um das es sich handelt, um so größer -ist die Gefahr für die Nachkommen, um so weniger läßt es sich daher -verantworten, wenn ein schwer belastetes Individuum Kinder erzeugt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">= 38 =</a></span></p> - -<p>Ein rühmenswertes Beispiel von Entsagung haben die Mädchen von -<em class="gesperrt">Tenna</em>, einem Dorfe in Graubünden, gegeben. In diesem Dorfe -hauste die Hämophilie durch viele Generationen und griff infolge -der Inzucht immer mehr um sich. Da beschlossen die Mädchen aus den -belasteten Familien, die, wie wir wissen, selbst von dieser Krankheit -stets verschont bleiben, auf die Ehe zu verzichten und so die Krankheit -zum Erlöschen zu bringen!</p> - -<p>Je unbedeutender sich nach der Häufigkeit des Vorkommens und nach der -Schwere der Mängel die erbliche Belastung darstellt, um so eher ist die -Fortpflanzung zulässig.</p> - -<p>Von größter Bedeutung ist es natürlich bei Vorhandensein einer -vererblichen krankhaften Anlage in einer Familie, zu wissen, ob es -sich um eine <em class="gesperrt">dominante</em> oder um eine <em class="gesperrt">rezessive Anlage</em> -handelt (s. o.). Wenn ein Individuum <em class="gesperrt">frei</em> ist von einer -in seiner Familie vorkommenden Krankheit mit einer beim eigenen -Geschlechte <em class="gesperrt">dominanten</em> Anlage, dann wird es <em class="gesperrt">sicher</em> nur -normale Keime liefern. Dagegen wird ein Individuum, das selbst von -einer Familienkrankheit mit <em class="gesperrt">rezessiver</em> Anlage frei ist und frei -bleibt, trotzdem krankhafte Keime liefern <em class="gesperrt">können</em>. Leider ist -unsere wissenschaftliche Kenntnis in dieser Hinsicht noch nicht sehr -groß, so daß es <em class="gesperrt">als eine der wichtigsten Regeln bezeichnet werden -muß, unter allen Umständen auf Kreuzung mit gesundem, d. h. mindestens -von der eigenen krankhaften Familienanlage freiem Stamme</em> zu achten. -Am sichersten wäre es für die Zukunft, wenn <em class="gesperrt">alle</em> Personen, in -deren Aszendenz schlimme rezessive Anlagen heimisch sind, sich der -Fortpflanzung gänzlich enthalten würden, gleichgültig, ob sie selbst -krank sind oder nicht. Dieser Grundsatz ist aber heute, wo gewisse -rezessive Anlagen, wie die Krankhaftigkeiten des Nervensystems, so -häufig sind, völlig undurch<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">= 39 =</a></span>führbar. Aber die <em class="gesperrt">Kreuzung mit gesundem -Stamm</em> sollte bei Vorhandensein von rezessiven Krankheitsanlagen als -Gewissenspflicht betrachtet werden.</p> - -<p>Die Gatten müssen auch alles zu tun suchen, um durch entsprechende -eigene Lebensweise und durch Schaffung günstiger Entwicklungs- und -Lebensbedingungen für die Nachkommenschaft das <em class="gesperrt">Hervortreten</em> der -ererbten krankhaften Anlagen zu verhindern (s. o.).</p> - -<p>Zu junge und zu alte oder erkrankte Personen sollen keine Kinder -zeugen. Sowohl zu enge Verwandtschaft als zu große Verschiedenheit der -Abstammung sind der Fortpflanzung ungünstig.</p> - -<p>Selbst bei bester Abstammung, passendstem Alter und gesundem Aussehen -der Erzeuger kann die Nachkommenschaft schlecht ausfallen. Es kommt -gar nicht selten vor, daß scheinbar völlig gesunde Eltern aus gutem -Stamme kranke oder schwer zu Krankheit veranlagte Kinder erzeugen. -Dann ist <em class="gesperrt">Keimverderb</em> im Spiele. So kommt es z. B. vor, daß -aus der Ehe eines <em class="gesperrt">geheilten Syphilitikers</em> Kinder hervorgehen, -die eines nach dem anderen tuberkulös werden. Überaus häufig ist -es, daß Leute, die <em class="gesperrt">Mißbrauch mit alkoholischen Getränken</em> -treiben oder getrieben haben, selbst scheinbar gesund bleiben, aber -unfruchtbar sind oder überwiegend lebensschwache, mehr oder weniger -verkümmerte und minderwertige, insbesondere zu Tuberkulose, zu Herz-, -Nieren-, Nervenkrankheiten neigende Kinder erzeugen. Die auffallend -häufige Verkümmerung der Familien der akademisch Gebildeten ist ohne -Zweifel im wesentlichen die Folge der traurigen akademischen Trink- -und Sexualsitten und ihrer Fortsetzung weit in die Philisterzeit -hinein. Auch manche <em class="gesperrt">Berufsschädigungen</em> scheinen einen sehr -üblen Einfluß auf die Keime ausüben zu können, ohne daß das die Keime -liefernde Individuum selbst auffällig<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">= 40 =</a></span> krank zu sein braucht. Besonders -schädlich wird der Nachkommenschaft <em class="gesperrt">angestrengte Berufstätigkeit -der Frau</em>. <em class="gesperrt">Überreichliche Ernährung</em> schadet ebenfalls — -wie bei Tieren und Pflanzen nachgewiesen ist — der Erzeugung guter -Keime. Vielleicht gibt es auch noch andere schädliche Einflüsse im -Leben der <em class="gesperrt">Wohlhabenden</em> und der <em class="gesperrt">Städter</em>, welche ihre -Keime verschlechtern. Sicher ist, daß die lebenskräftigsten Keime -in der Regel von Individuen zu erwarten sind, die selbst vom Lande -stammen oder väter- oder mütterlicherseits aus einer Familie, welche -erst jüngst in die Stadt, in eine höhere Gesellschaftsklasse gelangt -ist. Bei Kreuzung unter sich sterben die städtischen Familien und die -Familien der höheren Stände in der Regel binnen drei Generationen aus. -Dies bedeutet für das Volk im ganzen die fortgesetzte Ausmerzung seiner -begabtesten Zuchtstämme und damit die Gefahr einer fortschreitenden -Verschlechterung der Beschaffenheit des Durchschnittes und zunehmenden -Mangels an zur <em class="gesperrt">Führung</em> geeigneten Persönlichkeiten. Es muß -ernstlich versucht werden, durch vernünftige Gattenwahl und vernünftige -Lebensführung diesem Unheil Einhalt zu tun.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_3">3. Kapitel.<br /> - -<b>Die Geschlechtsorgane.</b></h2> - -</div> - -<p>Die Keime werden in besonderen Drüsen gebildet und abgesondert; die -Samenkörperchen oder Spermatozoen in den beiden Hoden des Mannes, -die Eier in den beiden Eierstöcken der Frau. Diese Keimdrüsen sind -die wichtigsten Teile des ganzen Geschlechtsapparates; sie bestimmen -den Geschlechtscharakter. Die übrigen Teile sind dazu bestimmt, die -beiden Keimstoffe zusammenzubringen; bei der Frau<span class="pagenum"><a name="Seite_41" id="Seite_41">= 41 =</a></span> außerdem dazu, dem -befruchteten Keime eine Stätte der Entwicklung und des Wachstums zu -gewähren und der Ernährung des Neugeborenen zu dienen.</p> - -<p>Der männliche Zeugungs- und Begattungsapparat besteht aus den Hoden, -den Nebenhoden, den Samenleitern, den Samenblasen (oder Blasendrüsen), -der Vorsteherdrüse, den Cowperschen Drüsen und dem Zeugungsgliede. Alle -Teile bis auf Vorsteherdrüse und Zeugungsglied sind paarig.</p> - -<p>Der weibliche Geschlechtsapparat besteht aus den beiden Eierstöcken, -den beiden Eileitern, aus der Gebärmutter, der Scheide, den -Bartholinischen Drüsen, den äußeren Geschlechtsteilen und den Brüsten.</p> - -<p>Trotz aller Verschiedenheit im Baue und in der Lage — die männlichen -Geschlechtsteile liegen zum größten Teile außerhalb der Leibeshöhlen, -die weiblichen innerhalb — läßt sich nachweisen, daß beide -Geschlechtsapparate aus einer äußerlich ursprünglich gleichartigen -Anlage durch verschiedenartige Entwicklung hervorgehen.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Hoden</em> mit den <em class="gesperrt">Nebenhoden</em> haben die Gestalt eines von -vorne und hinten etwas plattgedrückten Eies. Sie sind beim erwachsenen -Manne etwa 5 <span class="antiqua">cm</span> lang, 3 <span class="antiqua">cm</span> breit und 2,5 <span class="antiqua">cm</span> dick, -jeder wiegt etwa 16 <span class="antiqua">g</span>. Sie hängen am Samenstrange und sind mit -mehreren häutigen Hüllen versehen. Sie stecken im Hodensacke, der durch -eine Scheidewand in zwei Hälften, eine rechte und eine linke, geteilt -ist. Die Lage der Scheidewand ist außen durch die Naht, die von vorne -nach hinten über den Hodensack wegläuft, bezeichnet.</p> - -<p>Bei der mikroskopischen Untersuchung läßt sich erkennen, daß der ganze -Hoden aus Knäueln von langen Schläuchen besteht, in deren Wänden -sich eigentümliche Drüsenzellen, die Samenmutterzellen, befinden, -welche die Spermatozoen liefern. Nach ungefährer Schätzung sind diese -Drüsen<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">= 42 =</a></span>schläuche des Hodens zusammen 500 bis 600 <span class="antiqua">m</span> lang. An -einem Ende sind sie blind; das andere findet seine Fortsetzung zunächst -im Nebenhoden, dann im Samenleiter.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Samenleiter</em> bildet zusammen mit den Blut- und Lymphgefäßen -und den Nerven des Hodens den <em class="gesperrt">Samenstrang</em>, an dem der Hoden -hängt und der im sogenannten Leistenkanale die Bauchwand durchsetzt. -Im Bauchraume ziehen die Samenleiter um die Harnblase herum zum -Blasengrunde, wo sie schließlich in die Harnröhre münden. Die Wand der -Samenleiter wird hauptsächlich aus einer dicken Schicht von Ring- und -Längsmuskeln gebildet, die sich wurmartig zusammenziehen können.</p> - -<p>Dort, wo die Samenleiter in die Harnröhre münden, unter dem Grunde -der Harnblase, liegen die zwei <em class="gesperrt">Blasendrüsen</em> oder Samenblasen -und die <em class="gesperrt">Vorsteherdrüse</em> oder Prostata. Alle drei Drüsen sondern -Flüssigkeiten ab, die zusammen mit dem Samen entleert werden und dazu -dienen, den Spermatozoen ihre Bewegungsfähigkeit und dadurch ihre -Befruchtungsfähigkeit zu erhalten. Die Vorsteherdrüse, welche etwa die -Größe und die Gestalt einer Kastanie hat, wird von der Harnröhre, dem -Abflußrohre der Harnblase, durchbohrt.</p> - -<p>An der <em class="gesperrt">Harnröhre</em> unterscheidet man drei Abschnitte. Der oberste -heißt „Vorsteherteil“, weil er von der Vorsteherdrüse umschlossen ist, -dann kommt der „häutige Teil“, in dessen Wand sich kräftige Ringmuskeln -befinden, und endlich der Gliedteil, welcher aus dem Körper herausragt, -während die beiden anderen Teile im Körper verborgen sind. Dort, wo der -Gliedteil beginnt, münden in die Harnröhre noch die Ausführungsgänge -zweier etwa erbsengroßer Drüsen, der <em class="gesperrt">Cowperschen Drüsen</em>.</p> - -<p>Der Gliedteil der Harnröhre ist dadurch ausgezeichnet, daß er von -drei sog. <em class="gesperrt">Schwellkörpern</em> umgeben ist.<span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">= 43 =</a></span> Man unterscheidet zwei -Schwellkörper des Gliedes und einen Schwellkörper der Harnröhre. -Die drei Schwellkörper zusammen bilden das <em class="gesperrt">Begattungsglied</em> -oder männliche Glied. Die <em class="gesperrt">Schwellkörper des Gliedes</em> liegen -nebeneinander an der Ober-(Vorder-)seite des Gliedes, die Harnröhre -mit ihrem Schwellkörper verläuft an ihrer Unter-(Hinter-)seite -in der Längsfurche zwischen ihnen. Die Schwellkörper des Gliedes -sind walzenförmige Gebilde, deren inneren Bau man sich ähnlich dem -eines Badeschwammes vorstellen mag. Ein Netz- und Fachwerk aus -Bindegewebe umschließt zahlreiche Hohlräume, die untereinander und -mit den Schlagadern und Blutadern in offener Verbindung stehen und -stets mehr oder weniger von Blut durchströmt werden. Ganz ähnlich -wie die Schwellkörper des Gliedes ist auch der <em class="gesperrt">Schwellkörper der -Harnröhre</em> eingerichtet, welcher wie der Mantel eines Mantelrohres -die Harnröhre umhüllt. Dieser Schwellkörper hat hinten, wo der häutige -Teil der Harnröhre in ihn eintritt, eine Anschwellung, die sog. -<em class="gesperrt">Zwiebel</em>, und geht vorne in die <em class="gesperrt">Eichel</em> über, welche über -das vordere Ende der Schwellkörper des Gliedes kappenartig übergestülpt -ist. Die sog. Zwiebel des Schwellkörpers der Harnröhre und ebenso die -hinteren Enden der Schwellkörper des Gliedes sind an der Unterseite von -kräftigen Muskeln umschlossen, welche willkürlich bewegt werden können. -Auf der Kuppe der Eichel mündet die Harnröhre als Schlitz mit einer -rechten und linken Lippe. Der Rand der Eichel ist wulstig verdickt und -durch eine tiefe Furche gegen die Schwellkörper des Gliedes abgesetzt.</p> - -<p>Im gewöhnlichen Zustande hängt das Glied schlaff nach abwärts. Wenn -sich aber die Schwellkörper stärker mit Blut füllen, dann streckt sich -das Glied und richtet sich auf. Es nimmt dabei bedeutend an Größe -zu und wird infolge der prallen Füllung der Schwellkörper mit Blut -sehr steif<span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">= 44 =</a></span> und hart. Dabei entblößt sich beim Geschlechtsreifen die -Eichel, die für gewöhnlich von der <em class="gesperrt">Vorhaut</em>, einer Falte der -leicht verschiebbaren Oberhaut des Gliedes, bedeckt ist. Die Vorhaut -ist durch das <em class="gesperrt">Bändchen</em> an der Unterseite des Gliedes mit der -Eichel verwachsen. Zwischen Vorhaut und Eichel sammelt sich das sog. -<em class="gesperrt">Smegma</em> an, eine käseartig riechende, fettige Masse, welche von -Drüsen am Eichelwulst abgesondert wird.</p> - -<p>Bei der Frau entsprechen den Hoden die <em class="gesperrt">Eierstöcke</em>. Sie haben -eine ähnliche Gestalt wie jene, sind aber kleiner. Jeder Eierstock -wiegt nur etwa 6 <span class="antiqua">g</span>. Sie bestehen aus einem Gerüstwerk, in -dem Tausende (zirka 70000) von winzig kleinen Bläschen liegen, die -sog. <em class="gesperrt">Graaf</em>schen <em class="gesperrt">Follikel</em>. In den Graafschen Follikeln -entwickeln sich die <em class="gesperrt">Eier</em>, in jedem Follikel eines. Es werden -jedoch nur etwa 400 von den vielen Tausenden während des ganzen Lebens -reif. Wenn es zur Entwicklung eines Eies kommt, dann schwillt der -Graafsche Follikel sehr bedeutend an, bis zu 15 <span class="antiqua">mm</span> Durchmesser. -Er rückt zugleich an die Oberfläche des Eierstocks und platzt -schließlich, so daß das reife Ei frei wird und in die Bauchhöhle -austritt, in welche die Eierstöcke hineinragen. Das Ei wird dann -durch eigentümliche Vorrichtungen in den benachbarten <em class="gesperrt">Eileiter</em> -(die sog. Muttertrompete), ein enges Rohr mit muskulöser Wand, -hineinbefördert und in diesem der Gebärmutter zugeführt. Die -<em class="gesperrt">Gebärmutter</em> hat etwa die Gestalt einer vorne und hinten etwas -abgeplatteten kleinen Birne. Sie ist ein enger Sack mit einer dicken -Muskelwand. Man unterscheidet an ihr den Körper — der oberste dickste -Teil — den Hals und den Scheidenteil. Sie ist durch Aufhängebänder -am Becken befestigt und mit den Eileitern verwachsen, die oben in -den Körper der Gebärmutter münden. Unten öffnet sich die Gebärmutter -mit dem sog. <em class="gesperrt">Muttermunde</em> gegen die Scheide. Während der -Schwangerschaft, wo sich das<span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">= 45 =</a></span> Kind in der Gebärmutter entwickelt, nimmt -diese das 20- bis 30fache ihrer normalen Größe an.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Scheide</em> ist ein häutiges Rohr mit einem oberen blinden Ende. -Sie ist zur Aufnahme des männlichen Gliedes bei der Begattung bestimmt. -In den oberen Teil der Vorderwand der Scheide ragt zapfenartig der -<em class="gesperrt">Scheidenteil</em> der Gebärmutter herein, an dem sich der Muttermund -befindet. Nach unten geht die Scheide in die <em class="gesperrt">Schamspalte</em> über, -einen Schlitz, der von den inneren kleinen und den äußeren großen -<em class="gesperrt">Schamlippen</em> gebildet wird. Vorne, wo die kleinen Schamlippen -verwachsen sind, befindet sich die sog. <em class="gesperrt">Klitoris</em>, ein kleines -zapfenartiges Gebilde, das aus einem Schwellkörper, ähnlich denen -des Mannes, besteht. Im Grunde der Schamspalte, am vorderen Rande -des Einganges der Scheide, mündet die Harnröhre; am hinteren Rande -des Scheideneinganges münden die Ausführungsgänge der kleinen -<em class="gesperrt">Bartholinischen Drüsen</em>. Bei der Jungfrau befindet sich hier -meist eine Schleimhautfalte, welche den Scheideneingang teilweise -verschließt, das <em class="gesperrt">Jungfernhäutchen</em>, das in der Regel unter -geringer Blutung beim ersten Beischlafe zerreißt.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_4">4. Kapitel.<br /> - -<b>Der Geschlechtstrieb und die angebliche hygienische Notwendigkeit des -Beischlafes.</b></h2> - -</div> - -<p>In unseren Gegenden beginnt beim Knaben etwa im 14. oder 15. -Lebensjahre die sog. Pubertäts- oder Mannbarkeitsperiode, d. h. die -Zeit, in welcher die männlichen Geschlechtsdrüsen erst ihre volle -Reife und Ausbildung erlangen. Sie dauert mehrere Jahre. Um diese Zeit -stellt<span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">= 46 =</a></span> sich eine erhebliche Vergrößerung der Hoden ein, in denen jetzt -erst die Bildung der Spermatozoen beginnt.<a name="FNAnker_B_2" id="FNAnker_B_2"></a><a href="#Fussnote_B_2" class="fnanchor">[B]</a></p> - -<p>Beim Mädchen beginnt die Geschlechtsreife in der Regel etwas früher. -Sie ist bei diesem durch das rasche Wachstum der Eierstöcke und durch -die Ausbildung reifer Eier charakterisiert. Alle 28 Tage wird in der -Regel ein Ei reif und aus dem Eierstock in die Eileiter befördert. -Zur Zeit dieses Vorganges tritt eine Erweiterung der Gefäße in der -Schleimhautauskleidung der Gebärmutter ein. Ein Teil der Gefäße -zerreißt, und Blut tritt aus ihnen aus. Das ausgetretene Blut (etwa -100–200 <span class="antiqua">ccm</span>) fließt aus den äußeren Geschlechtsteilen ab. -Der Blutausfluß dauert normalerweise drei bis vier Tage (monatliche -Blutung, Periode, <em class="gesperrt">Menstruation</em>). Bei der gesunden Frau -wiederholt sich der Vorgang der Menstruation in der geschilderten -Weise vom Beginne der Geschlechtsreife bis zum Eintritte des -sog. <em class="gesperrt">Klimakteriums</em> oder <em class="gesperrt">Wechsels</em> zwischen dem 45. -bis 50. Lebensjahre. Nur solange die Frau menstruiert, ist sie -befruchtungsfähig. Während der Schwangerschaft und während des Stillens -setzt die Menstruation in der Regel vollständig aus.</p> - -<p>Beim Manne findet die Samenabsonderung ununterbrochen statt. Sie hält -auch in viel höheres Alter hinein an als die Bildung reifer Eier bei -der Frau. Wenn sich eine gewisse Menge Samen in den Ausführungsgängen -der Hoden angesammelt hat, kommt es zu freiwilliger Samenentleerung; -normalerweise zur Nachtzeit: nächtliche <em class="gesperrt">Pollution</em>. Ihr erstes -Auftreten bezeichnet scharf den Eintritt der Pubertät.</p> - -<p>Mit der Pubertät entwickeln sich auch die sogenannten <em class="gesperrt">sekundären -Geschlechtscharaktere</em>. Beim Jüng<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47">= 47 =</a></span>linge wie beim Mädchen beginnen -an den äußeren Geschlechtsteilen und in den Achselhöhlen, beim Manne -auch an den Lippen, am Kinne und an den Backen Haare hervorzusprießen; -die äußeren Geschlechtsteile, beim Manne das Glied, beim Weibe die -Brustdrüse, beginnen rasch zu wachsen; der ganze Körper, namentlich das -Knochen- und Muskelsystem, treten in eine Periode stärkeren Wachstums -ein; auch der Kehlkopf nimmt, insbesondere beim Manne, rasch an Größe -zu, was die bekannte Veränderung der Stimmlage, das <em class="gesperrt">Mutieren</em>, -zur Folge hat. Alle diese Veränderungen sind Folgen des Beginnes -der Tätigkeit der Geschlechtsdrüsen und bleiben aus, wenn die Hoden -vor Eintritt der Pubertät entfernt werden (bei Kastraten). Sie sind -darauf zurückzuführen, daß die tätigen Keimdrüsen neben Samen und Ei -noch andere Stoffe absondern, die ins Blut übergehen und dann auf die -verschiedenen Organe des Körpers einwirken (<em class="gesperrt">innere Sekretion</em>). -Diese inneren Absonderungen der Geschlechtsdrüsen wirken auch auf das -Zentralnervensystem ein und führen die Entwicklung des männlichen -und weiblichen seelischen Geschlechtscharakters und das freiwillige -Erwachen des <em class="gesperrt">Geschlechtstriebes</em> herbei.</p> - -<p>Der Geschlechtstrieb äußert sich in verschiedener Weise: als Verlangen -nach <em class="gesperrt">geschlechtlicher Vereinigung</em> und als Verlangen nach -<em class="gesperrt">Nachkommenschaft</em>. Bei noch unberührten Frauen guter Art ist -meistens dieses letztere Verlangen viel stärker als das erstere.</p> - -<p>Der Begattungstrieb äußert sich zunächst darin, daß der Anblick oder -die Vorstellung einer Person des anderen Geschlechtes Freude erregt, -den Wunsch nach Annäherung, nach Berührung, Umarmung, nach Gegenliebe -zu erwecken vermag. Bei der unberührten Jungfrau geht das Verlangen in -der Regel nicht weiter; ja, es gibt nicht wenige Frauen, die zeitlebens -in Kuß und inniger Umarmung<span class="pagenum"><a name="Seite_48" id="Seite_48">= 48 =</a></span> volle Befriedigung finden würden, denen -der eigentliche Begattungsakt keine besondere Lust gewährt und die den -Beischlaf nur aus Verlangen nach Nachkommenschaft und aus dem Wunsche, -dem geliebten Manne Freude zu bereiten, gestatten. Gerade derartige -Frauen geben häufig treffliche Hausfrauen und Mütter ab.</p> - -<p>Beim Manne aber führt die Befriedigung des Verlangens nach Berührung -zum immer stärker anschwellenden Verlangen nach dem Vollzuge der -Begattung, zu welcher ihn die inzwischen eingetretene Steifheit des -Gliedes befähigt.</p> - -<p>Beim <em class="gesperrt">Beischlafe</em> wird das infolge der geschlechtlichen -Erregung steif gewordene Glied in die Scheide hineingeschoben und in -derselben hin und her bewegt. Infolge der Reibung und des dadurch -bewirkten Nervenreizes kommt es zur Ausschleuderung des Samens, zur -<em class="gesperrt">Ejakulation</em>. Der Samen wird zuerst aus den Nebenhoden in die -Samenleiter gedrückt und in diesen dann durch die erwähnten wurmartigen -Zusammenziehungen ihrer Muskeln weiter bis in die Harnröhre gepreßt. -Zugleich mit dem Samen werden auch die Absonderungen der Blasendrüsen -und der Vorsteherdrüse in die Harnröhre ergossen. Alsbald folgen -Zusammenziehung der Muskelfasern des häutigen Teiles der Harnröhre und -jener Muskeln, welche die hinteren Teile der Schwellkörper umhüllen, -so daß die gemischten Flüssigkeiten aus der Mündung der Harnröhre -stoßweise herausgeschleudert werden. Der Schließmuskel der Harnblase -hat sich gleichzeitig ebenfalls so fest als möglich zusammengezogen, so -daß der Samen aus der Harnröhre nur nach vorne und nicht nach hinten in -die Blase befördert werden kann.</p> - -<p>Der abgeschleuderte Samen gelangt in die Scheide, manchmal aber durch -den sich öffnenden Muttermund zum Teile unmittelbar in den Halskanal -der Gebärmutter. Auf<span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">= 49 =</a></span> alle Fälle gelangt ein Teil der Spermatozoen -auf der Suche nach dem Ei mit der Zeit in die Gebärmutter und in die -Eileiter, nicht selten bis in die Bauchhöhle. Nach ihrer Auflösung -gelangen ihre Bestandteile in die Säfte des Weibes. Es ist also in -der Anatomie und Physiologie begründet, wenn die Frau instinktiv -zurückhaltender ist als der Mann, und wenn selbst eine tiefstehende -Moral, die dem Manne keine Zügel anlegt, von ihr geschlechtliche -Zurückhaltung streng fordert. Auch wenn es nicht zur Befruchtung mit -allen ihren für die Frau so gewichtigen Folgen kommt, bedeutet der -Beischlaf für die Frau eine unvergleichlich tiefere und nachhaltigere -körperliche Einwirkung als für den Mann.</p> - -<p>Mit Eintritt der Ejakulation sinkt das geschlechtliche Verlangen sofort -auf Null herab, um erst nach einiger — allerdings sehr ungleich langer -— Zeit wieder zu erwachen. Das äußere Kennzeichen dafür ist die -normalerweise alsbald nach der Ejakulation eintretende vollständige -Erschlaffung des Gliedes.</p> - -<p>Auch bei der geschlechtlich stärker erregbaren oder durch das -geschlechtliche Zusammenleben stärker erregbar gewordenen Frau -stellt sich unmittelbar vor und während des Beischlafes eine starke -Blutfüllung in den Geschlechtsteilen und infolgedessen ebenfalls -ein Verlangen nach Entspannung ein. Beide Erscheinungen erlöschen -erst dann vollständig, wenn eine gewisse Höhe der Wollustempfindung -(geschlechtlicher Orgasmus) überschritten worden ist, ähnlich der, -welche beim Manne die Ejakulation zu begleiten pflegt.</p> - -<p>Die Befriedigung des Geschlechtstriebes durch den Beischlaf ist für -gesunde, reife Menschen ohne Zweifel das Naturgemäße. Indessen ist -es mit der Heranzucht einer gesunden und tüchtigen Nachkommenschaft, -mit höherer Kultur und geordnetem Gesellschaftsleben überhaupt -un<span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">= 50 =</a></span>vereinbar, daß jeder das auftauchende Verlangen ohne weiteres -befriedigt — blindlings Kinder in die Welt setzt. <em class="gesperrt">Die gesetzliche -Ordnung des Geschlechtsverkehrs ist eine soziale Notwendigkeit.</em> -Natur und Kultur befinden sich da im Widerstreite, und jede Generation -ist von neuem vor die folgenschwere Entscheidung gestellt, wie sie -sich mit den einander widerstreitenden Forderungen abfinden kann und -abfinden will.</p> - -<p>Es interessiert uns daher vor allem die Frage, ob die Befriedigung des -Geschlechtstriebes durch den Beischlaf eine hygienische Notwendigkeit -ist; ob die Enthaltung vom Beischlaf schädlich ist, etwa wie die -Nichtbefriedigung des Hungers, des Durstes, des Schlafbedürfnisses.</p> - -<p>Muß, ganz abgesehen von der Befriedigung des Verlangens nach Beischlaf, -der Samen aus dem Körper des Mannes häufig entfernt werden, wie der -Harn oder der Darmkot?</p> - -<p>Von all dem kann keine Rede sein. Der Nahrungstrieb, der Schlaftrieb -dienen der Erhaltung des Individuums. Sie müssen befriedigt werden, -wenn nicht das Individuum zugrunde gehen soll; der Geschlechtstrieb -aber dient nur zur Erhaltung der Gattung; er sucht das Individuum -rücksichtslos einem seinem individuellen Leben ganz fremden Zwecke zu -unterjochen.</p> - -<p>Der Mann ist bei uns etwa erst im 24. Jahre voll erwachsen; das Mädchen -etwa erst mit 20 Jahren voll gebärfähig, da erst in diesem Alter das -Wachstum seines knöchernen Beckens vollendet ist. Lange, bevor die -volle körperliche Entwicklung eingetreten ist, erwacht aber schon -der Trieb. Die Befriedigung des Geschlechtstriebes vor Vollendung -der Entwicklung ist aber keineswegs zuträglich, wie die höhere -Sterblichkeit jugendlicher Ehemänner und Ehefrauen unter 20 Jahren im -Vergleiche mit ihren ledigen Altersgenossen lehrt. Ebenso zeigt sich -der Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">= 51 =</a></span>schlechtstrieb bei Männern gar nicht selten noch im hohen Alter, -und auch hier lehrt die Erfahrung, daß seine Befriedigung überaus -schädlich werden kann. Diese Tatsachen beweisen aufs klarste, wie -ganz anders es sich mit dem Fortpflanzungstriebe verhält als mit dem -Selbsterhaltungstriebe.</p> - -<p>An eine Schädlichkeit der Zurückhaltung des Samens im Körper ist erst -recht nicht zu denken. Der Samen ist kein schädlicher Auswurfstoff, -kein Stoffwechselabfallstoff wie der Harn oder der Kot. Man hat -darüber Experimente gemacht, indem man Menschen Samenflüssigkeit oder -wässerige Auszüge aus Tierhoden unter die Haut gespritzt hat. Diese -Einspritzungen wirken günstig. Namentlich ist es erwiesen, daß sie -die Wirkung der Übung auf unsere Muskeltätigkeit erhöhen. Bekanntlich -erhöhen körperliche Übungen die Leistungfähigkeit unserer Muskeln. Dies -ist nun in viel höherem Grade der Fall, wenn Hodenauszug oder Samen -eingespritzt wird; die Muskeln und die Muskelnerven ermüden dann viel -weniger und erholen sich dann viel rascher.</p> - -<p>Diese Experimente stehen auch im Einklang mit der uralten Erfahrung, -daß höchste körperliche Leistungen nur bei vollständiger Enthaltung -von jeder Art Befriedigung des Geschlechtstriebes erzielt werden -können. Deshalb enthielten sich die Athleten bei den Griechen und -Römern ebenso des Beischlafes, wie dies unsere heutigen Sportsleute -tun, wenn sie sich auf ihre Wettkämpfe vorbereiten (trainieren). Und -daß es sich auch mit den geistigen Leistungen ganz ähnlich verhält, -lehren vielfache Erfahrungen von Gelehrten und Künstlern. Während der -Zeit der Enthaltung wird sicherlich Samen aufgesaugt und gelangen -seine Bestandteile ins Blut. Dies wirkt also — wie wir sehen — nicht -schädlich, sondern günstig. Wir haben übrigens soeben erst davon -gesprochen, wie die innere<span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">= 52 =</a></span> Sekretion der Geschlechtsdrüsen den Körper -von Mann und Frau erst zur vollen Entwicklung bringt.</p> - -<p>Man könnte nun allerdings denken, daß die Aufsaugung von Samen nur dann -nützlich ist, wenn sie eine gewisse Höhe nicht überschreitet, daß ein -Zuviel davon aber schädlich werden könne. Diesem Einwande gegenüber muß -darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Natur durch die nächtlichen -Pollutionen — die etwas ganz Normales sind, wenn sie nicht allzu -häufig stattfinden — schon vorgesorgt hat, daß keine übermäßigen -Ansammlungen von Samenflüssigkeit stattfinden, ferner darauf, daß die -Absonderung des Samens von selbst abnimmt, wenn der Geschlechtsapparat -nicht benützt wird. Mit den Hoden verhält es sich in dieser Beziehung -geradeso wie mit den anderen Organen. Wenn sie nicht benützt werden, -erhalten sie weniger Blut zugeführt, und wenn sie weniger Blut -erhalten, sinkt ihre Ernährung und ihre ganze Lebenstätigkeit. Also -auch dadurch ist einem Schaden vorgebeugt.</p> - -<p>Der Leser wird aber vielleicht sagen: „Es mag sein, daß der Samen keine -schädliche Flüssigkeit ist, die entfernt werden muß; ich sehe ein, daß -der Geschlechtstrieb keine Einrichtung zur Erhaltung des Individuums -ist; aber was hilft es? Ist denn der Trieb nicht unüberwindlich? Und -wenn er überwunden werden kann, erregt und erschöpft denn dieser -beständige Kampf unser Nervensystem nicht in solcher Weise, daß dadurch -die Gesundheit leidet? Das wird doch auch von Ärzten gelehrt.“</p> - -<p>Davon, daß bei einem gesunden, normalen Manne das Verlangen nach -Beischlaf <em class="gesperrt">unüberwindlich</em> ist, so daß es befriedigt werden -<em class="gesperrt">müßte</em>, kann keine Rede sein. Es ist unleugbar, daß manchem -geschlechtsreifen Manne der nicht befriedigte Trieb erhebliche -Beunruhigungen schafft, und daß es ihm zeitweise große Anstrengungen -kosten kann, ihn im Zaume zu halten. Bei den meisten Männern ist der<span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">= 53 =</a></span> -Geschlechtstrieb aber gar nicht so stark, als manchmal behauptet wird, -und bei jedem Manne hängt die Stärke seiner Regungen in hohem Maße -von seiner Lebensweise und von seinem ganzen Verhalten ab. Wenn wir -unsere Vernunft und unseren Willen gebrauchen wollten, würde es der -ungeheuren Mehrheit der gesunden Männer nicht allzu schwer werden, sich -des geschlechtlichen Verkehrs zu enthalten und sich auch bei mangelnder -geschlechtlicher Befriedigung von stärkerer Belästigung und Störung -des Wohlbefinden freizuhalten. Um darüber klar zu werden, müssen wir -zunächst genauer betrachten, wie die geschlechtliche Erregung zustande -kommt.</p> - -<p>Auch der leidenschaftlichste Mann ist nicht <em class="gesperrt">immer</em> sexuell -erregt. Die geschlechtliche Erregung tritt stets nur zeitweise, in der -Regel nur auf äußere Anstöße hin, ein und läßt von selbst nach einer -gewissen Dauer wieder nach, wenn der äußere Anlaß zu wirken aufgehört -hat. Von dem Zustande, in dem sich die Hoden befinden, namentlich von -ihrer Blutfülle und der Füllung ihrer Ausführungsgänge mit Samen, -hängt der Grad der Erregbarkeit ab, d. h. ob schwächere oder stärkere -Einwirkungen erforderlich sind, damit die geschlechtliche Erregung -wirklich eintritt.</p> - -<p>Die Erregung kann zunächst durch örtliche Reizung der Empfindungsnerven -veranlaßt werden. Von den Geschlechtsteilen, insbesondere vom Gliede, -laufen Empfindungsnerven zum Rückenmarke. Werden sie, z. B. durch -Berührung des Gliedes, erregt, so leiten sie diese Erregung zum -Rückenmarke fort, wo sie unmittelbar auf Nerven übergeht, die wieder -zum Gliede zurücklaufen, und zwar zu seinen Blutgefäßen. Die Erregung -dieser Nerven hat zur Folge, daß den Schwellkörpern des Gliedes -reichlicher Blut zugeführt wird, während gleichzeitig der Abfluß des -Blutes aus ihnen erschwert wird. Das Blut häuft sich also im Gliede -an; diesem schwillt an, richtet sich auf und wird<span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">= 54 =</a></span> steif. Dieser -Vorgang der Erektion (Aufrichtung) kann völlig unabhängig von unserem -Bewußtsein verlaufen, kann ein reiner <em class="gesperrt">Reflexvorgang</em> sein — -wie wir zu sagen pflegen. Er kann auch ohne jede Wollustempfindung -stattfinden, wie z. B. bei ganz jungen Knaben bei Harndrang. Bei -älteren Knaben aber erwecken die Erregungen, die von den sensiblen -Nerven der Geschlechtsteile zum Rückenmark und zum Gehirne -weitergeleitet werden, oft schon lange vor dem Eintritte der Pubertät -eigentümliche Lustgefühle; beim Geschlechtsreifen erweckt die Steifheit -des Gliedes außerdem Bedürfnis nach Entspannung und Verlangen nach dem -Weibe. So kommen z. B. wollüstige Träume zustande, wenn während des -Schlafes infolge des Reizes, den der Druck der gefüllten Blase auf die -Nachbarschaft ausübt, das Glied steif geworden ist (was am häufigsten -gegen Morgen eintritt, daher die Bezeichnung „Morgensteifheit“). -Wie durch den Druck der gefüllten Blase kann auch durch den Druck -des gefüllten Mastdarmes auf seine Nachbarschaft, durch Druck und -Reibung der äußeren Geschlechtsteile seitens der Kleidung oder der -übereinandergeschlagenen Beine, durch Jucken infolge von Unreinlichkeit -der Haut oder von Hautausschlägen Erektion und durch diese wieder -geschlechtliches Verlangen erregt werden.</p> - -<p>Es ist ohne weiteres klar, daß man sehr vieles tun kann, um diesen -Erregungen vorzubeugen. Man vermeide, abends viel zu trinken, man -sorge für geregelten Stuhlgang, man trage weite Hosen und vermeide -auch sonst jeden stärkeren Druck auf die Geschlechtsteile, wie -durch Übereinanderschlagen der Beine oder durch schwere Bettdecken -und Überbetten; man vermeide jede überflüssige Berührung der -Geschlechtsteile mit der Hand, man halte durch Waschungen und Bäder -die Haut rein, sorge für frühzeitige ärztliche Behandlung von -Hautausschlägen usw.</p> - -<p>Ebenso wie örtliche Erregung wollüstige Vorstellungen<span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">= 55 =</a></span> hervorrufen -kann, führen umgekehrt gewisse Vorstellungen zur Erregung der -Geschlechtslust und zur Erektion. Wenn man derartige erregende -Vorstellungen zu vermeiden sucht, kann man unendlich viel in der -Beherrschung des Triebes erreichen. Aber nur allzu häufig geschieht das -Gegenteil: der Geschlechtstrieb wird durch leichtfertige Gespräche, -durch Lesen unzüchtiger Bücher, durch Anblick obszöner Bilder und -Theatervorstellungen u. dgl. künstlich erweckt und gestachelt! Wenn der -Geschlechtstrieb heute bei so vielen Knaben und unreifen Jünglingen -frühzeitig zur Äußerung kommt, so ist dies nicht ein natürliches -Erwachen, sondern sicherlich bei 90 von 100 die Folge von Verführung. -Und dieselbe verruchte Afterkunst und Afterliteratur, die unsere -Sinnlichkeit mit allen Mitteln unablässig reizt und stachelt, lehrt -dann die angebliche Unüberwindlichkeit des Triebes!</p> - -<p>Ebenso, wie wir in hohem Maße fähig sind, der geschlechtlichen -Erregung vorzubeugen, so sind wir auch imstande, die eingetretene -Erregung zu bändigen. Wenn so viele junge Männer dem geschlechtlichen -Verlangen ohne weiteres Folge leisten und es durch unehelichen -Beischlaf befriedigen, so ist dies keineswegs ein Beweis dafür, daß -sie ihm folgen müssen. Sie <em class="gesperrt">wollen</em> nur nicht ernstlich sich -beherrschen! Weichlichkeit, Neugierde und kindischer Ehrgeiz, es den -anderen gleichzutun, Betäubung des Gewissens und der Urteilskraft durch -Alkohol spielen dabei eine viel größere Rolle als der Trieb selbst. -Die meisten wohlerzogenen jungen Leute machen ihren ersten Besuch -bei Prostituierten und holen sich ihre venerischen Erkrankungen in -„angeheitertem“ Zustande, wenn sie nicht mehr fähig sind, die Folgen -ihres Tuns klar zu überblicken.</p> - -<p>Vom Gehirne gehen nicht allein Erregungen des Geschlechtsapparates -aus, sondern auch <em class="gesperrt">Hemmungen</em> des Reflexvorganges der Erektion. -Diese Hemmungen kommen häufig von selbst, ganz unwillkürlich zustande. -So ist z. B.<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">= 56 =</a></span> bekannt, daß Schrecken, Schmerz und andere heftige -Empfindungen, daß lebhaft auftauchende Vorstellungen überhaupt, welche -die Aufmerksamkeit ablenken, ganz plötzlich Erlöschen des Verlangens -und Erschlaffen des Gliedes herbeiführen können. Intensive geistige -Beschäftigung pflegt die Erregungen, die von den Geschlechtsorganen -ausgehen, von vornherein zu übertönen. Wir können nun auch willkürlich -solche Vorstellungen erwecken, welche die Erregung hemmen, z. B. die -Vorstellung von unseren Pflichten oder von den Gefahren, welche die -Befriedigung des Triebes mit sich bringt.</p> - -<p>Nicht allein auf dem Gebiete des Geschlechtslebens, sondern allen -Einwirkungen der Außenwelt gegenüber ist nur derjenige <em class="gesperrt">Herr seiner -selbst und daher frei</em>, der die Hemmungseinrichtungen, die in seinem -Gehirne vorhanden sind, zu gebrauchen gelernt hat; diese Fähigkeit -kennzeichnet den Kulturmenschen. Der andere bleibt der Sklave des -Augenblicks.</p> - -<p>Wir stehen also keineswegs machtlos da. Die wichtigste Regel aber für -den, der Selbstbeherrschung üben soll und üben will, ist: <em class="gesperrt">Widerstehe -dem Anfange!</em> „<span class="antiqua">Principiis obsta!</span>“ <em class="gesperrt">In ihrem ersten -Beginne</em> ist die einzelne geschlechtliche Erregung meist so schwach, -daß sie mit leichter Mühe unterdrückt werden kann. Versäumt man aber -dies Stadium oder gibt man der Empfindung nach, dann schwillt sie -lawinenartig an und erfordert schließlich eine gewaltige und peinliche -Willensanstrengung zu ihrer Unterdrückung.</p> - -<p>Daß aber die Gesundheit Schaden nimmt, wenn selbst heftigere derartige -Kämpfe häufiger stattfinden, kommt bei Menschen mit einem von -vornherein normalen und nicht geschwächten Nervensysteme wohl kaum -vor. Jene krankhaften Erscheinungen, die man gerne der Enthaltsamkeit -zuschreibt, sind nicht die Folge von dieser, sondern im<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">= 57 =</a></span> Gegenteile -in der Regel die Folge geschlechtlicher Ausschweifungen und Sünden. -Es können aber auch nachweisbare Krankheiten des Geschlechtsapparates -oder des Zentralnervensystems vorliegen. Es sind Fabeln, wenn behauptet -wird, daß beim Manne Samenfluß oder schmerzhafte Entzündungen im Hoden -und Nebenhoden, Samenaderbruch (Varikokele), Unfähigkeit zum Beischlaf -(Impotenz), oder umgekehrt die sog. Satyriasis; beim Weibe weißer -Fluß, Bleichsucht, Hysterie, Lageveränderungen und Geschwülste der -Gebärmutter, die sog. Nymphomanie; bei beiden Geschlechtern Irrsinn, -Neigung zum Selbstmord, zu Verbrechen aus der Nichtbefriedigung des -Geschlechtstriebes durch den Beischlaf entständen.</p> - -<p>Allerdings zeigt der Vergleich der Sterblichkeitsverhältnisse der -Verheirateten und der Ledigen, daß die Mortalität der verheirateten -Männer in allen Altern über 20 Jahre und die Mortalität der Ehefrauen, -nachdem das Alter der größten Geburtenhäufigkeit überschritten ist, -erheblich geringer ist als die der Ledigen. Aber diese geringere -Sterblichkeit, ebenso wie die geringere Häufigkeit von Irrsinn, -Selbstmord, Verbrechen unter ihnen kann schon deshalb nicht auf die -Befriedigung des Geschlechtstriebes bei den Verheirateten bezogen -werden, weil die Ledigen leider zum großen Teile durchaus nicht -Personen sind, die den Trieb nicht durch Beischlaf befriedigen. Die -geringere Sterblichkeit der Verheirateten beruht zum Teile darauf, -daß beim Abschlusse der Ehe auch heute schon eine gewisse Auslese -stattfindet und körperlich elende, kranke oder verkümmerte Individuen, -Idioten, Irrsinnige, Blinde, Lahme usw., in der Regel nicht geehelicht -werden. Hauptsächlich aber beruht sie darauf, daß die Verheirateten -in der Regel ein geordneteres Leben führen, weniger Alkoholmißbrauch -treiben und viel weniger der Gefahr der Geschlechtskrankheiten -ausgesetzt sind. Wie gering die Rolle ist, welche die<span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58">= 58 =</a></span> Befriedigung -des Geschlechtstriebes durch den Beischlaf dabei spielt, geht daraus -hervor, daß Mönche und Nonnen trotz der Ungunst mancher ihrer -Lebensbedingungen im allgemeinen keine wesentlich höhere Sterblichkeit -aufweisen als ihre Altersgenossen unter den Laien.</p> - -<p>Leichtere Störungen und Unbehaglichkeiten, wie unruhiger Schlaf infolge -von Erektionen, häufigere Pollutionen, Kopfschmerzen und eine gewisse -nervöse Aufregung infolge von Blutfülle, lassen sich durch die früher -besprochenen Maßregeln, ferner durch Enthaltung von alkoholischen -Getränken und stark gewürzten Speisen, kühles, nicht zu weiches Bett, -kalte Waschungen und Bäder, ferner insbesondere durch intensive Pflege -von körperlichen Übungen bis zu deutlicher Ermüdung in der Regel -leicht vermeiden oder beseitigen. Je beharrlicher alles vermieden -wird, was den Geschlechtstrieb erregen könnte, um so leichter fällt im -allgemeinen die Enthaltsamkeit, da — wie wir schon besprochen haben -— die Hoden bei Nichtgebrauch des Geschlechtsapparates ihre Tätigkeit -einschränken.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_5">5. Kapitel.<br /> - -<b>Folgen der geschlechtlichen Unmäßigkeit und Regeln für den ehelichen -Geschlechtsverkehr.</b></h2> - -</div> - -<p>Während kaum irgend etwas Sicheres von schädlichen Folgen der -Enthaltsamkeit vom Beischlaf für Menschen mit gesundem Nervensystem -bekannt ist, steht es fest, daß <em class="gesperrt">geschlechtliche Unmäßigkeit</em> sehr -häufig schadet. Besonders häufig leidet beim Manne das Nervensystem -darunter, was leicht begreiflich ist, wenn man die heftige<span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">= 59 =</a></span> Erregung -bedenkt, unter welcher sich der Beischlaf vollzieht.<a name="FNAnker_C_3" id="FNAnker_C_3"></a><a href="#Fussnote_C_3" class="fnanchor">[C]</a> Schon deshalb -darf also auch in der Ehe der Geschlechtstrieb nicht zügellos -befriedigt werden.</p> - -<p>Auch in jenen Perioden der Ehe, während deren der Beischlaf erlaubt -ist, darf er nicht zu häufig ausgeübt werden. Viele alte Gesetzgeber -haben darüber Vorschriften gegeben: Zoroaster erlaubte ihn alle neun -Tage, Solon dreimal im Monate, Mohammed einmal wöchentlich. Eine uralte -deutsche Regel, die auch ich früher fälschlich Luther zugeschrieben -habe, lautet:</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Alle Wochen zwier</div> - <div class="verse">Schadet weder ihr noch mir,</div> - <div class="verse">Macht im Jahr hundertundvier“,</div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">wobei allerdings auf die Menstruation vergessen wurde. Es ist nicht -möglich, eine feste Regel aufzustellen. Wie oft der Beischlaf ausgeübt -werden kann, ohne daß es schadet, hängt nämlich in hohem Maße von der -persönlichen Anlage, vom Alter, der Ernährung und der Arbeitsleistung -des Mannes ab. Stark geistig Arbeitende müssen in der Regel mäßig -sein. Wer auf die Winke der Natur achtet, wird leicht selbst das -zuträgliche Maß finden. Wenn lebhaftes Verlangen nach dem Beischlaf -besteht, die Erektion rasch und kräftig eintritt, wenn nach vollzogenem -Beischlaf eine angenehme Müdigkeit empfunden wird, die nach kurzer -Ruhe dem Gefühle voller Frische Platz macht, tiefer und ruhiger Schlaf -nachfolgt, so ist nicht zuviel geschehen, auch wenn die obige alte -Regel weit überschritten wird.<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">= 60 =</a></span> Dagegen lasse man sich durch träge -Erektionen, durch das Gefühl von Ermüdung und Unlust, Gefühl von Druck -in der Kreuzgegend, Aufgeregtheit und Schlaflosigkeit hinterher warnen. -Der Satz: „Jedes Tier ist nach dem Beischlafe traurig,“ gilt nur für -Kranke und Unmäßige.</p> - -<p>Was die beste Tageszeit für die Vornahme des Beischlafes anbelangt, -so bevorzugen die einen die Zeit unmittelbar nach dem Zubettlegen, -wobei dann die ganze Nacht der Erholung dient, die anderen die Zeit -unmittelbar nach dem Erwachen, wenn die Gatten völlig ausgeruht -und frisch sind. Im letzteren Falle ist es aber ratsam, sich nach -Vollendung des Beischlafs noch eine kurze Ruhezeit und ein Schläfchen -zu gönnen. Überhaupt wird der Beischlaf am zuträglichsten sein, wenn -er in voller Bequemlichkeit und Ungestörtheit, frei von Sorgen oder -Gewissensbissen, vollzogen wird. Der eheliche Geschlechtsverkehr ist -deshalb viel zuträglicher als der außereheliche. Am zweckmäßigsten ist -die Rückenlage der Frau mit gespreizten Schenkeln unter dem Manne. -Diese Lage ist schon durch den Bau der Geschlechtsteile als die -natürliche vorgezeichnet. Andere Stellungen ermüden stärker. Bei Lage -des Mannes unten und der Frau oben sinkt die Gebärmutter zu sehr nach -unten, sie wird schädlichen Erschütterungen ausgesetzt und an ihren -Bändern gezerrt. Die Frau empfindet dann häufig hinterher Schmerzen, -ja, es kann zu Entzündungen im Innern kommen. Jede Künstelei ist -überhaupt zu vermeiden, insbesondere die willkürliche Verzögerung der -Samenausschleuderung, um die Dauer der Wollustempfindung zu verlängern. -Dagegen ist es für die physische und psychische Gesundheit der Frau und -für das Glück der Ehe sehr wichtig, daß auch <em class="gesperrt">die geschlechtliche -Erregung der Frau durch den Eintritt des Orgasmus beim Geschlechtsakt -voll befriedigt und gelöst wird</em>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">= 61 =</a></span></p> - -<p>Man darf nie vergessen, daß die Ehe weder wegen des wirtschaftlichen -Nutzens allein noch wegen der seelischen Freuden, die sie mit sich -führt, sondern im wesentlichen um des physischen Zweckes willen, -behufs regelmäßiger Befriedigung des geschlechtlichen Bedürfnisse -geschlossen wird. Dies muß mit Nachdruck betont werden. Die verstiegene -Sentimentalität und der fleischlose Intellektualismus sind ebensowenig -imstande, eine befriedigende Ordnung in das Verhältnis von Mann -und Weib zu bringen, als der brutale Sensualismus. Wohl niemals -würden es zwei Menschen auf die Dauer ertragen, in der Weise von -Ehegatten miteinander verkettet zu sein, wenn sie nicht dabei die -physische Befriedigung ihres Geschlechtstriebes suchen und finden -würden. Auch bei solchen Frauen, welche mit noch schlummerndem -Geschlechtstriebe in die Ehe eingetreten sind, wird er durch die Ehe -notwendigerweise geweckt. Erregung von Wollustempfindungen durch -geschlechtliche Handlungen ohne nachfolgende vollständige Befriedigung -aber wirkt schädlicher und verstimmt mehr als völlige Enthaltung vom -geschlechtlichen Verkehr. <em class="gesperrt">Der kluge und rücksichtsvolle Gatte wird -sich daher nicht allein um seine eigene Befriedigung kümmern, sondern -auch auf die seiner Frau bedacht sein.</em> Mit einer Frau, die nur -langsam in höhere Grade geschlechtlicher Erregung gerät, wird er -den Beischlaf erst dann beginnen, wenn auch bei ihr starke Erregung -eingetreten ist; etwa infolge fortgesetzter Liebkosungen.</p> - -<p>Je einfacher man in seinen Genüssen bleibt, um so gesünder. Eheleute -mögen sich immer vor Augen halten, daß, je mäßiger sie im Genusse -sind, um so länger der normale Beischlaf seinen Reiz für sie behält, -um so länger die beiderseitige geschlechtliche Gesundheit, besonders -die Leistungsfähigkeit des Mannes vorhalten wird, sie um so länger<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">= 62 =</a></span> -also der ehelichen Genüsse sich erfreuen zu können hoffen dürfen. -Eine gewisse zeitliche Regelmäßigkeit im Vollzuge des Beischlafes ist -durchaus ratsam. Die ganze Funktion des männlichen Geschlechtsapparates -richtet sich dann darauf ein, und der Beischlaf geht dann ohne -schädliches Übermaß von Erregung vor sich. Selbstverständlich -soll man aber nur dann beischlafen, wenn man sich vollkommen -gesund und kräftig fühlt, und nur dann, wenn die Erektion sich von -selbst eingestellt hat. Sie zum Zwecke des Beischlafes künstlich -herbeizuführen, ist ein Mißbrauch, der sich mit der Zeit an der -Gesundheit rächt. In berauschtem Zustande den Beischlaf auszuführen, -ist durchaus verwerflich, weil die Gefahr besteht, daß ein in solchem -Zustande erzeugtes Kind krank und schwächlich wird. Wer noch Kinder -zu erzeugen die Absicht hat, sollte sich überhaupt regelmäßigen oder -irgend häufigeren Genusses von alkoholischen Getränken enthalten und -auch niemals ausnahmsweise ein Übermaß davon zu sich nehmen. <em class="gesperrt">Je -besser die Gatten für Gesundheit und Kraft ihres Körpers sorgen, um -so gesündere und lebensfrischere Kinder dürfen sie erwarten. Diese -Fürsorge für die eigene Gesundheit, die geordnete, vernünftige -Lebensführung ist eine der größten und wichtigsten Pflichten -derjenigen, welche Kinder in die Welt setzen wollen.</em></p> - -<p>Unmäßigkeit und Unordnung im Geschlechtsverkehre schaden hauptsächlich -dem Manne. Die Frau, welche sich beim Beischlafe lediglich duldend -verhält, kann in dieser Hinsicht viel mehr vertragen als er. Da die -weiblichen Geschlechtsteile stets zum Vollzuge des Beischlafes bereit -sind, während beim Manne erst Gliedsteife eingetreten sein muß, kann -die Frau beliebig oft hintereinander den Beischlaf an sich vollziehen -lassen. Wenn sie nur langsam<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">= 63 =</a></span> in Erregung gerät, bleibt sie oft -nach dem ersten Beischlafe noch in starker unbefriedigter Erregung -und brächte ihr erst der zweite oder dritte Vollzug die volle Höhe -des Genusses. Wenn solche Frauen einmal Erfahrung gewonnen und die -schamhafte Scheu abgestreift haben, suchen sie mit allen Künsten den -Mann möglichst rasch nach dem Beischlaf wieder zu einem neuen zu -stacheln. Es gibt Frauen von wahrhaft unersättlicher Begierde, die den -Mann buchstäblich bis auf den letzten Tropfen auszusaugen vermögen. -Da ihnen Jünglinge mit unabgestumpfter geschlechtlicher Reizbarkeit -besonders erwünscht sind, sei der junge Mann vor solchen Frau Potiphars -auf der Hut.</p> - -<p>Die ersten Folgen der Unmäßigkeit sind Abnahme der Wollustempfindung -beim Beischlafe, damit zusammenhängend Verzögerung des Eintrittes -der Ejakulation, Verminderung der Kraft, mit welcher der Samen -ausgeschleudert wird. Nach dem Beischlafe Gefühl der Verstimmung, -der Ermüdung, der Mattigkeit in den Beinen, die länger und länger -anhalten, je länger und ärger die Unmäßigkeit fortgetrieben wurde. Als -weitere Folgen können auftreten: Druck in der Lendengegend, nervöse -Erregbarkeit, Gefühl von Druck im Kopf, von Eingenommensein des Kopfes, -gestörter Schlaf, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Lichtscheu, -zittriges Gefühl und wirkliches Zittern, Neigung zum Schwitzen. Es kann -ferner Herzklopfen eintreten; Muskelschwäche, die sich schon in den -schlaffen Mienen, in der schlaffen Haltung des geschlechtlich Ermüdeten -und Erschöpften verrät; Unlust zu anhaltender, schwerer Arbeit und -Unfähigkeit, sie zu leisten, Gedächtnisschwäche, Neurasthenie und -Melancholie. Die Verdauungstätigkeit sinkt, die Ernährung wird -schlechter; infolge davon Blutarmut und Schwächung der Widerstandskraft -gegen äußere Schädlichkeiten, insbesondere gegen Infektionskeime und -unter diesen wieder insbesondere gegen den Tuberkelbazillus.<span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">= 64 =</a></span> Auch der -Geschlechtsapparat selbst funktioniert bald noch schlechter und weist -die Erscheinungen der sog. reizbaren Schwäche auf: die Erektionen -verlieren an Kraft und Dauer; bei unvollkommener Erektion oder alsbald -nach der Einführung des Gliedes in die Scheide tritt die Ejakulation -ein, ohne daß die Höhe des Wollustgefühles erreicht wird; die Fähigkeit -zum Beischlaf geht damit mehr und mehr verloren; nächtliche Pollutionen -treten häufig auf und hinterlassen eine gesteigerte nervöse Erregung -und Mattigkeit.</p> - -<p>Die leichteren Störungen des Wohlbefinden gehen übrigens im allgemeinen -rasch wieder vorüber, wenn Enthaltsamkeit geübt wird, wenn die -Ernährung gut und die ganze sonstige Lebensweise den hygienischen -Grundsätzen gemäß ist. Insbesondere erholen sich vollkommen -geschlechtsreife junge Männer, die von vornherein gesund und kräftig -waren, von den Torheiten der Flitterwochen bald, wenn die Vernunft -die Herrschaft wiedererlangt hat. Je länger die Exzesse gedauert -haben, je schwächlicher das Individuum von vornherein war, um so -schwieriger tritt volle Wiederherstellung ein. Am gefährlichsten wird -die geschlechtliche Unmäßigkeit unreifen oder nicht voll erwachsenen -Jünglingen, sowie Männern, die sich bereits dem Greisenalter nähern; -sind sie etwa von vornherein nicht ganz gesund, so können sie sich -dadurch dauerndes Siechtum, ja selbst raschen Tod zuziehen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Auch in der Ehe kommen Zeiten, in welchen vollständige -Enthaltsamkeit geübt werden muß.</em> Sie sind durch Rücksichten auf die -Frau und auf die Nachkommenschaft unbedingt gefordert. Zur Zeit der -Menstruation darf der Beischlaf nicht ausgeübt werden. Er verbietet -sich übrigens für das feinere Empfinden von selbst durch den Zustand -der weiblichen Geschlechtsteile. Während der Menstruation ist das -Innere der Gebärmutter wund, der ganze Geschlechtsapparat des Weibes<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">= 65 =</a></span> -gereizt und mit Blut überfüllt. Unter diesen Umständen ist, wie bei -allen Wundflächen, die Gefahr vorhanden, daß eine Wundinfektion -eintritt, diese dann zu Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Anhänge -führt und so die Frau auf die Dauer krank macht. Diese Gefahr wird -durch das Einführen des Gliedes in die Scheide sehr gesteigert.<a name="FNAnker_D_4" id="FNAnker_D_4"></a><a href="#Fussnote_D_4" class="fnanchor">[D]</a> -Jedenfalls muß der Beischlaf während des Blutabganges unterbleiben; -noch besser ist es, ihn auch während der darauffolgenden Woche zu -unterlassen, bis die Innenfläche der Gebärmutter wieder vollkommen -überhäutet ist.</p> - -<p>Bei dieser Gelegenheit sei Ehemännern der Rat erteilt, das Glied durch -Waschungen immer reinzuhalten, wobei insbesondere auf die Furche hinter -dem Randwulst der Eichel und auf die Falten des Bändchens zu achten -ist. Ebenso soll die Frau die äußeren Geschlechtsteile, namentlich -die Schamspalte, reinhalten. Sehr empfehlenswert ist es, einige Zeit -nach vollzogenem Beischlaf mit Hilfe eines <em class="gesperrt">Irrigators</em> und eines -<em class="gesperrt">Mutterrohres</em> die Scheide mit lauwarmer, reiner Kochsalzlösung -(1 Kaffeelöffel Kochsalz auf 1 <span class="antiqua">l</span> Wasser) auszuspülen. -Dies darf aber nicht sogleich nach dem Beischlafe geschehen, da -sonst die Empfängnis verhindert werden könnte. Der Irrigator und -das Mutterrohr müssen reingehalten und durch Waschen mit einer -Desinfektionsflüssigkeit, z. B. mit 2 prozentiger Lysollösung (20 -<span class="antiqua">ccm</span> Lysol auf 1 <span class="antiqua">l</span> Wasser), vor dem Gebrauche desinfiziert -werden. Die Kochsalzlösung soll abgekocht sein. Desinfektionsmittel -dürfen ihr aber nicht zugesetzt werden. Ich kenne Fälle, wo die -sehnlichst gewünschte Schwängerung infolge solcher fehlerhafter -Reinlichkeit ausblieb, aber sofort eintrat, als die „hygienischen“<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">= 66 =</a></span> -Ausspülungen ausgesetzt wurden. Durch alle diese Maßregeln wird manchen -Erkrankungen, namentlich dem sogenannten weißen Flusse, vorgebeugt, -einem Katarrhe der Scheide, der der Frau wie ihrem Ehemann recht lästig -werden kann.</p> - -<p>Sehr vorsichtig muß man mit dem Beischlafe auch während der -Schwangerschaft sein. Er darf nicht zu häufig und nie stürmisch -ausgeführt werden. In den ersten Monaten der Schwangerschaft, -namentlich bei Erstgeschwängerten, wird er am besten ganz unterlassen. -Werden diese Vorschriften nicht beachtet, dann kommt es leicht zu Fehl- -und Frühgeburt, durch die nicht allein das Kind verloren geht oder -geschädigt wird, sondern auch die Frau dauernden Schaden nehmen kann.</p> - -<p>Unbedingt verboten ist der Beischlaf während des Wochenbettes, wenn -nicht die Frau, deren innere Geschlechtsteile arg verwundet sind, -schwerer Gefahr ausgesetzt werden soll. Auch bei ganz normalem Verlaufe -des Wochenbettes soll mindestens vier Wochen damit gewartet werden, und -auch dann noch ist weise Beschränkung dringend anzuraten.</p> - -<p>Mit Rücksicht auf die Frau wie auf das Kind wäre es eigentlich geboten, -der Frau, die geboren hat, eine monatelange Schonzeit zu gewähren. -Man muß auf das dringendste fordern, daß jede gesunde Mutter ihr -Kind stillt, wenn möglich 8–9 Monate lang. Das Leben des Kindes im -ersten Lebensjahre ist in hohem Grade gefährdet, wenn es nicht seine -natürliche Nahrung erhält; und die üblen Folgen der künstlichen -Fütterung scheinen auch noch in der späteren Lebenszeit nachzuwirken. -Die Erfahrung lehrt aber, daß bei sexuell erregbaren Frauen durch -Ausübung des Beischlafes, namentlich wenn er häufiger oder stürmisch -unter größerer Aufregung erfolgt, die Milchabsonderung frühzeitig zum -Stillstand kommen kann oder die Menstruation und damit zugleich die -Befruchtungsfähig<span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">= 67 =</a></span>keit trotz des Stillgeschäftes wieder eintritt. Für -den Säugling wie für die Mutter ist es aber schädlich, wenn es bald -zu einer neuen Schwangerschaft kommt; für den Säugling, weil dann die -Milchabsonderung bald unzureichend wird und aufhört; für die Mutter, -weil die Frauen durch allzu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften -überanstrengt werden, rasch verblühen und Neigung zu Krankheiten, -insbesondere zu Tuberkulose, bekommen. Bei zu rascher Geburtenfolge -werden auch meist schwächliche Kinder geboren. Rascher als etwa alle -2½ Jahre sollten die Schwangerschaften nicht aufeinanderfolgen, wenn -die Frau bei voller Kraft und Gesundheit bleiben und einer kräftigen -Nachkommenschaft das Leben schenken soll.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_6">6. Kapitel.<br /> - -<b>Künstliche Verhinderung der Befruchtung.</b></h2> - -</div> - -<p>Die Natur hat uns nicht allein das Verlangen nach Begattung -eingepflanzt, sondern auch den Wunsch, Nachkommen zu erzeugen und -großzuziehen. Bei der Frau, deren natürliche Lebensaufgabe es ist, -Kinder zu tragen und zu gebären, pflegt dieser Wunsch von klein auf -überaus lebhaft zu sein. Beim Manne pflegt er erst mit der Zahl -der Jahre zu wachsen. Je älter der Kinderlose wird, je mehr seine -persönliche Leistungfähigkeit abnimmt, um so mehr überkommt ihn ein -Gefühl der Leere, der Entbehrung eines wichtigsten Lebensgutes und -zugleich ein Gefühl seiner Überflüssigkeit in der Welt. Eine Ehe -ohne Kinder hat ihren Hauptzweck verfehlt. Nur wer Vaterfreuden und -Vaterleiden empfunden hat, hat voll ausgelebt, was das Dasein zu bieten -vermag.</p> - -<p>Ein Volk, dessen Angehörige nicht mehr die Tatkraft und den Lebensmut -haben, die Last der Aufzucht von Kin<span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">= 68 =</a></span>dern auf sich zu nehmen, dafür -Opfer zu bringen, dafür etwas zu wagen, ein Staat, dessen Bürger die -Zahl der Kinder aufs äußerste beschränken, nur um nicht zuviel Sorgen -zu haben, nicht zu hart arbeiten zu müssen, um ein schlaffes Wohlleben -führen oder um Besitz anhäufen zu können, sind dem Untergange geweiht. -Für ein Volk von bequemen Rentnern oder von raffiniert genießenden -Intellektuellen und Ästheten ist kein dauernder Platz auf der Erde. Nur -derben Völkern, die nicht erst besonderer Reizmittel der Zivilisation -und der Kunst bedürfen, um ihres Lebens froh zu werden, die sich -kräftig vermehren und fröhlich im Gefühle des Gebrauches ihrer Kräfte -für ihre Kinder sich rühren, gehört die Zukunft. Wenn wir Deutsche uns -nicht kräftig vermehren, wird uns Rußland mit seiner Volksmasse binnen -100 Jahren erdrücken.</p> - -<p>Mit Rücksicht darauf, daß ein erheblicher Bruchteil der Geborenen -abstirbt, bevor das Alter der vollen Fortpflanzungsfähigkeit erreicht -ist, daß nicht wenige, welche dieses Alter erreichen, doch zur -Erzeugung gesunder Kinder untauglich sind, daß viele aus äußeren -Gründen an der Eheschließung verhindert werden, müßte jede Ehe zwischen -Gesunden heute <em class="gesperrt">mindestens vier</em> Kinder tragen, wenn das ganze -Volk in gesundem Blühen erhalten werden soll. Die Überhandnahme der -willkürlichen Einschränkung der Kinderzahl („Zweikindersystem“, -Einkind-, Keinkindehen) muß daher die größte Besorgnis für die Zukunft -des deutschen Volkes erwecken. Besonders verhängnisvoll ist die -zunehmende Ehelosigkeit, Verspätung der Verehelichung, absichtliche -Verhinderung der Befruchtung und unzulängliche Kindererzeugung bei -den besser Begabten. (S. o.) Das Ein- und Zweikindersystem ist auch -deshalb schädlich, weil sich statistisch herauszustellen scheint, daß -das dritte und vierte Kind der Frau im Durchschnitt am kräftigsten und -besten geraten. Nebenbei hat das Kleinhalten der Familie<span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">= 69 =</a></span> auch schlimme -Folgen für die <em class="gesperrt">Kultur</em>. Die Kinder in solchen kinderarmen -Familien werden sehr häufig <em class="gesperrt">verzogen</em>, zu anspruchsvollen, -beständig auf ihr eigenes Wohlsein bedachten, eigensüchtigen Menschen -gemacht. Das Aufziehen von ein oder zwei Kindern vermag die Frau nicht -genügend zu beschäftigen. Schon in jungen Jahren, im Vollbesitze ihrer -Kräfte hat sie keine ausfüllende Lebensaufgabe mehr und sucht dann — -nicht selten auf bedenklichsten Wegen — Zerstreuung oder drängt sich -in das Arbeitsgebiet des Mannes, auf dem sie in der Regel doch nur zu -stümpern vermag. Sie schwärmt für „soziale Tätigkeit“, weil ihr die -natürliche soziale Tätigkeit — die wichtigste und wertvollste von -allen! —, die Erfüllung des Mutterberufes, genommen oder verkümmert -worden ist.</p> - -<p>Es gilt, das <em class="gesperrt">richtige Maß der Kindererzeugung</em> zu treffen, denn -blindlings darf die Vermehrung auch nicht vor sich gehen. Allerdings -bietet vorläufig die Erde noch reichlich Raum für die Vermehrung der -Menschheit im ganzen und kann ihr Ertrag an Nahrungsmitteln noch ums -Mehrfache gesteigert werden. Wir dürfen auch hoffen, daß der Weltkrieg, -der zu unserer Vernichtung führen sollte, uns einen solchen Zuwachs -an Siedelungs- und Ackerland verschaffen wird, daß nicht so bald ein -Mißverhältnis zwischen der Zahl der zu Nährenden und zu Pflegenden und -der Menge der verfügbaren Nahrung, Wohnung und Kleidung entstehen kann. -Der Krieg hat leider auch so stark unter den erwerbstätigen Männern -aufgeräumt, daß es den Überlebenden nicht an reichlicher Gelegenheit zu -lohnender Tätigkeit fehlen wird.</p> - -<p>Bei jeder einzelnen Familie lassen sich aber darüber Erfahrungen -machen, daß der Haushalt nur so lange gedeiht, als die Zahl der -Kinder im richtigen Verhältnisse zur Größe des Einkommen und der -wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern steht, so daß die Kinder -ge<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">= 70 =</a></span>nügend ernährt, mit genügender Sorgfalt gewartet, beaufsichtigt -und erzogen werden können, während zugleich jedes schädliche Übermaß -darin ausgeschlossen bleibt. Sind der Nachkommen zu wenige, dann werden -sie leicht verwöhnt, verzärtelt und verzogen; werden der Nachkommen -zu viele, dann verkommt alles. Die Frau leidet physisch unter den -ungeheuren Zumutungen, welche die gehäuften Schwangerschaften und -Säugungen an ihren Körper stellen, und vermag um so weniger die sich -stets vermehrende Last des Haushalts zu tragen; die angeborene Kraft -und Gesundheit der Kinder nimmt im Mittel vom 8. bis 9. Kinde einer -Mutter an merklich ab — auch dann, wenn die Pausen zwischen den -einzelnen Geburten lange genug waren —, und die schwächlichen und -kränklichen, die um so größerer Sorgfalt bedürften, finden sie nicht -mehr. Ordnung und Reinlichkeit sind nicht mehr aufrechtzuerhalten, die -Familie verfällt und zerfällt; Krankheit und Laster räumen unter ihr -auf.</p> - -<p>Die Vernunft gebietet also, nicht mehr Kinder zu erzeugen, als man -bei Arbeitslust und frischem Mut und bei einiger Gunst des Schicksals -voraussichtlich ernähren und aufziehen können wird. Die Kindererzeugung -muß in Schranken gehalten werden, wenn sich der Mensch von dem -grausamen Zustande befreien will, der in der unvernünftigen Natur das -Gleichgewicht erhält: Massentod neben Massenzeugung!</p> - -<p>Es gibt noch andere Gründe, welche einzelne zwingen oder wenigstens -zwingen sollten, auf die Erzeugung von Kindern vollständig oder -zeitweise zu verzichten. Wir haben schon ausführlich von der Vererbung -gesprochen, und wie in manchen Stämmen die erbliche Belastung, die -Fehlerhaftigkeit des Keimplasmas derartig ist, daß keine Hoffnung auf -Erzielung einer wenigstens ihrer Erscheinung nach (s. <a href="#Seite_31">S. 31</a>) gesunden -Generation durch Kreuzung<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">= 71 =</a></span> mit gesundem Stamme besteht; eine elende, -kranke Nachkommenschaft mit Bestimmtheit oder großer Wahrscheinlichkeit -zu erwarten ist.</p> - -<p>Aber auch wenn der Stamm ein guter ist, kann die Aussicht auf gesunde -Nachkommenschaft schlecht sein wegen chronischer, zeitweise auch wegen -akuter Krankheit der Frau oder des Mannes. Dann ist es ebenfalls -Pflicht, sich der Zeugung zu enthalten. Daß die Schwangerschaften -überhaupt nicht rasch aufeinanderfolgen dürfen, wenn die Güte der -Kinder nicht leiden und das Selbststillen lange genug fortgesetzt -werden soll, wurde schon oben erwähnt.</p> - -<p>Ein Mann, welcher das 50. Lebensjahr überschritten hat, sollte, auch -wenn er sich noch vollkommen gesund und rüstig fühlt, in der Regel -keine Kinder mehr erzeugen, da die Kinder älterer Männer nicht selten -schwächlich sind und da er kaum hoffen darf, so lange zu leben, bis die -Kinder, erwerbsfähig geworden, seiner Unterstützung nicht mehr bedürfen.</p> - -<p>In anderen Fällen verbietet sich eine neue Schwängerung, weil -eine frühere Geburt Veränderungen im Geschlechtsapparate der Frau -hinterlassen hat oder weil eine der so häufigen Frauenkrankheiten sie -befallen hat, die eine neue Schwangerschaft, eine neue Entbindung zur -Lebensgefahr machen.</p> - -<p>Die Notwendigkeit, der Erzeugung von Kindern Schranken zu setzen, -ist daher unbestreitbar, und mit dieser Forderung dürfte auch jeder -ohne weiteres einverstanden sein. Weniger Neigung besteht aber zur -Beschränkung im Geschlechtsgenusse. Man will die Erzeugung von Kindern -vermeiden, aber auf den Geschlechtsgenuß nicht verzichten, und man -wendet daher <em class="gesperrt">künstliche Mittel</em> an, um die Befruchtung zu -verhindern. Wir müssen darüber hier sprechen, weil durchaus nicht alle -diese Mittel so ganz<span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">= 72 =</a></span> harmlos sind, wie angepriesen wird. Wir müssen -auch deshalb warnen, weil die meisten von ihnen den Zweck, dem sie -dienen sollen, nur sehr unvollkommen erreichen.</p> - -<p>Das älteste und am häufigsten angewandte Verfahren ist wohl der sog. -<em class="gesperrt">unterbrochene Beischlaf</em> (<span class="antiqua">Coïtus interruptus</span>). Das Glied -wird vor der Ejakulation aus der Scheide herausgezogen, so daß der -Samen außerhalb der weiblichen Geschlechtsteile ergossen wird. Wird -dies pünktlich vollzogen und die etwa mit Samen benetzte Außenseite -der Geschlechtsteile und ihre Nachbarschaft alsbald gereinigt<a name="FNAnker_E_5" id="FNAnker_E_5"></a><a href="#Fussnote_E_5" class="fnanchor">[E]</a>, dann -ist selbstverständlich die Schwängerung vollständig ausgeschlossen. -Aber die Ausführung stellt an die Aufmerksamkeit und Willenskraft des -Mannes eine nicht geringe Zumutung. Der Mann darf sich nicht sorglos -den Wollustgefühlen überlassen und findet daher auch nicht so leicht -volle Befriedigung. Die Samenentleerung findet, wenn nicht zum Schlusse -manuell nachgeholfen wird, nicht mit jener Kraft statt, die sie beim -normalen Akte hat und die notwendig ist, um volle Lösung der nervösen -Spannung und der Blutfüllung herbeizuführen. Der Widerstreit zwischen -dem Triebe und dem bewußten Willen scheint bei manchen das Nervensystem -stärker anzugreifen als die Aufregung des natürlichen Beischlafes, -wenn sich auch ohne Zweifel die meisten an diese Art des Vollzuges des -Beischlafes allmählich völlig gewöhnen.</p> - -<p>Auch die Frau bleibt unbefriedigt, falls der Beischlaf unterbrochen -wird, bevor bei ihr der Orgasmus eingetreten ist. Wie schädlich -dies nach verschiedener Richtung werden kann, wurde schon früher -hervorgehoben. Es wurde aber dort auch schon angedeutet, wie sich -durch geeignete<span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">= 73 =</a></span> Vorbereitung erreichen läßt, daß der Gipfel der -Wollustempfindung bei der Frau eintritt, bevor es beim Mann zur -Ausspritzung des Samens kommt.</p> - -<p>Ohne Zweifel wird der unterbrochene Beischlaf von sehr vielen -jahrzehntelang fortgetrieben, ohne daß sie merklich Schaden -nehmen. Aber früher oder später scheinen sich doch bei manchen -Störungen einzustellen, und es gibt Menschen, die dadurch in einen -krankhaften Zustand geraten. Als Wirkungen des unterbrochenen -Beischlafes <em class="gesperrt">können</em> auftreten: beim Manne Neurasthenie in den -mannigfaltigsten Formen, Störungen der Erektion und Ejakulation und -damit rasche Abnahme der Potenz bis zum vorzeitigen, vollständigen -Erlöschen der Fähigkeit, den Beischlaf auszuführen (s. o.), -Nervenschmerzen in den Genitalien, Vergrößerung und Verhärtung -der Vorsteherdrüse; bei der Frau ebenfalls Neurasthenie, dann -chronische Blutüberfülle der inneren Geschlechtsteile, Lockerung der -Aufhängebänder der Gebärmutter, Lageveränderungen der letzteren und -im Gefolge davon Hysterie. Durch Enthaltsamkeit und entsprechende -ärztliche Behandlung, namentlich durch passende Wasser- oder Luftkur, -können übrigens viele von diesen Störungen wieder beseitigt werden, -wenn sie noch nicht einen allzu hohen Grad erreicht haben.</p> - -<p>Viel gesundheitsschädlicher als der <span class="antiqua">Coïtus interruptus</span> dürfte -die namentlich in England und Nordamerika vielfach geübte sogenannte -„<span class="antiqua">Male Continence</span>“ („männliche Zurückhaltung“) sein, für welche -in zahlreichen Schriften der Neo-Malthusianer Propaganda gemacht -wird. Das Glied wird in die Scheide eingeführt und hier ruhig liegen -gelassen, so daß es überhaupt nicht zur Ejakulation kommt. Hier wird -also eine überaus starke geschlechtliche Erregung herbeigeführt und -überlang aufrechterhalten, ohne daß die physiologisch erforderliche -Entladung nachfolgt. Dies muß schädlich werden. In der Regel wird wohl -die Befriedigung<span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">= 74 =</a></span> schließlich durch Masturbation erzielt werden, wenn -auch davon nicht gesprochen wird.</p> - -<p>Alle anderen Mittel zur Verhütung der Empfängnis sollen verhindern, daß -der <em class="gesperrt">innerhalb</em> der Scheide entleerte Samen bis zum Ei gelangt. -Hierher gehören einerseits der <em class="gesperrt">Kondom</em> (Präservativ), ein Überzug -aus Gummi oder aus Fischblase, der vor dem Beischlafe über das Glied -gezogen und an der Wurzel des Gliedes durch einen darübergezogenen -Kautschukring festgehalten und in den dann der Samen ergossen wird, -andererseits <em class="gesperrt">Schwämmchen</em>, <em class="gesperrt">Scheidenkugeln</em> aus Fett oder -Leim mit keimtötenden Stoffen, Kautschukringe mit darin ausgespannter -Membran (das sog. <span class="antiqua"><em class="gesperrt">Pessarium occlusivum</em></span>), welche, vor dem -Beischlafe in die Scheide eingeführt, dem Samen den Weg zur Gebärmutter -versperren sollen, <em class="gesperrt">Einblasung von pulverigen Spermatozoengiften</em> -in die Scheide unmittelbar vor dem Beischlafe, endlich <em class="gesperrt">Ausspülung -der Scheide</em> unmittelbar nach demselben.</p> - -<p>Von diesen Mitteln ist zu sagen, daß in der Praxis keines derselben -volle Sicherheit gewährt. Am verläßlichsten ist der Kondom. Aber der -Überzug über das Glied kann die Befruchtung nur dann verhindern, -wenn er die Dehnungen und Zerrungen während des Beischlafes aushält -und nicht zerreißt. Ist der Kondom dickwandig und daher fest und -haltbar, dann stört er das Zustandekommen der Wollustempfindung des -Mannes in beträchtlichem Maße; dies gilt besonders von den Kondoms aus -Gummi, welche überdies bald brüchig werden. Ist der Kondom dagegen -dünn und zart, wie die feineren Kondoms aus Fischblase, Kalbs- oder -Schafsblinddarm, dann spürt man allerdings nicht viel von ihm, -besonders, wenn man ihn nach dem Überziehen über das Glied mit Wasser -befeuchtet, dann kann er aber während des Beischlafes leicht zerreißen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">= 75 =</a></span></p> - -<p>Die Verstopfungen der Scheide durch Schwämmchen usw. sind viel -unsicherer, wenn sie nicht von sachkundiger Hand vorgenommen werden. -Außerdem stören sie die geschlechtliche Befriedigung der Frau in mehr -oder minder hohem Maße und können ihr dadurch in derselben Weise -schädlich werden wie der unterbrochene Beischlaf. Endlich kommt es -durch die Hantierungen in der Scheide, durch den Druck der Einlagen und -durch Infektion sehr leicht zu Entzündungen und Katarrhen.</p> - -<p>Am harmlosesten für Mann und Frau sind die Ausspülungen der Scheide mit -lauem Wasser oder lauer Kochsalzlösung unmittelbar nach dem in normaler -Weise vollzogenen Beischlafe (s. o.). Aber dieses Verfahren ist das -unsicherste von allen, da sogleich bei der Ejakulation Samen in den -äußeren Muttermund und in den Halskanal der Gebärmutter eingedrungen -sein kann und dieser Teil des Samens durch die nachfolgende Ausspülung -nicht entfernt wird. Ich kenne mehrere Fälle, wo trotz der Ausspülungen -bald Befruchtung erfolgte.</p> - -<p>Kaum weniger unzuverlässig als die Ausspülung nach dem Beischlafe ist -das Einblasen von gepulverter Borsäure und ähnlichen Stoffen vor dem -Beischlafe. Sie können auch durch den chemischen Reiz, den sie ausüben, -schädlich werden.</p> - -<p>Der Leser sei also bei allen diesen künstlichen Verhinderungen der -Befruchtung auf der Hut!</p> - -<p>Er darf auch ihren schlechten Einfluß auf das sittliche Verhältnis von -Mann und Frau nicht übersehen. Ein solcher wird wohl nicht eintreten -in einer Ehe, die bereits mit Kindern gesegnet ist und in welcher die -durch jahrelanges Zusammenleben gefestigte innige Zuneigung der Gatten -zueinander das Abstoßende derartiger Praktiken verhüllt. Wird dagegen -der Geschlechtsverkehr von vornherein lediglich zum Zwecke des Genusses -gepflegt, so vergiftet dies die Beziehung der Gatten zueinander, und<span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">= 76 =</a></span> -schädigt es namentlich die Sittlichkeit der Frau. Sie betrachtet den -Vollzug des Beischlafes nicht mehr, wie sie von Natur aus geneigt ist, -mit Ehrfurcht als eine folgenschwere und feierliche Handlung, bei der -die geheimnisvollen Urmächte des Lebens das verborgen Treibende sind, -sondern lernt allmählich, daß es sich bloß um ein Vergnügen handle, das -man sich bei einiger Klugheit gönnen kann, ohne verräterische Folgen -fürchten zu müssen.</p> - -<p>Ein Gatte, welcher sich nicht überhaupt seiner Frau gegenüber -Zurückhaltung bezüglich der geschlechtlichen Vergnügungen auferlegt, -die angeborene Schamhaftigkeit der Frau nicht schont, sondern im -Gegenteile ihre Sinnlichkeit künstlich weckt und stachelt, darf sich -dann über ihre gelegentliche Untreue nicht wundern und beklagen.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_7">7. Kapitel.<br /> - -<b>Verirrungen des Geschlechtstriebes.</b></h2> - -</div> - -<p>Ich habe nicht die Absicht, in diesem Büchelchen alle Verirrungen des -Geschlechtstriebes ausführlich zu besprechen. Im allgemeinen will -ich nur sagen, daß jene Verirrung, über welche in unserer Zeit so -viel Lärm gemacht wird, die Neigung zum eigenen, Abneigung gegen das -andere Geschlecht, nur höchst selten angeboren sein dürfte. Wo diese -Neigung wirklich angeboren ist, beruht sie auf einer Mißbildung. In -den allermeisten Fällen ist sie aber gar nicht angeboren, sondern -zurückzuführen auf die Weise, in welcher das Individuum zum ersten -Male zum Genusse von intensivsten Wollustempfindungen gekommen ist; -ein Erlebnis, das bei stark sinnlichen Naturen einen ungemein tiefen -Eindruck zu hinterlassen pflegt und namentlich Personen mit krankhafter -psychischer Veranlagung dauernd aus der Bahn normalen Empfindens -abzulenken vermag.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">= 77 =</a></span></p> - -<p>Wie sich’s übrigens verhalten möge, ob die Verirrung angeboren oder -erworben ist, keineswegs dürfen Staat und Gesellschaft dulden, daß -diese Personen („Homosexuelle“, „Urninge“) ihre Neigungen ungestört -befriedigen, ungestört um ihre Art von Liebe werben. Denn wenn man dies -zuließe, würde die Verführung bald in ungeheurem Maße um sich greifen, -und wenn nicht die Zahl der Urninge, so doch die der sog. Bisexuellen -bald zu einem Heere heranwachsen und eine Zeit geschlechtlicher -Ausartung kommen, wie die, welche den Untergang der antiken Kultur -herbeiführen half. Der gesetzliche und gesellschaftliche Gegendruck -ist übrigens eine Wohltat für die Verirrten selbst. Ich kenne mehrere -Fälle, wo unter diesem Druck solche zur Homosexualität Verführte wieder -zu durchaus normalem Geschlechtsempfinden zurückgebracht und glückliche -Gatten und Väter geworden sind.</p> - -<p>Über eine einzige Art von abnormaler Befriedigung des -Geschlechtstriebes muß ich mehr sagen: über die <em class="gesperrt">Masturbation</em> -oder <em class="gesperrt">Onanie</em>, da dieses Übel ungemein verbreitet ist und -darüber die verkehrtesten Ansichten herrschen, welche die Schäden -noch vergrößern. Während die einen erklären, daß das Masturbieren ein -sehr zweckmäßiges Mittel sei, sich Erleichterung zu verschaffen, wenn -sich zuviel Samen angesammelt hat und der eheliche Beischlaf nicht -möglich ist, und daher ebensowenig Tadel verdiene als der Gebrauch des -Taschentuches oder der Klistierspritze, mit denen man auch der Natur -nachhilft, sehen andere im Masturbieren das furchtbarste Übel mit den -schädlichsten Folgen für die Gesundheit. Beide Meinungen sind falsch.</p> - -<p>Beim normalen Beischlafe wird die Ejakulation durch mechanische -Einwirkung der Scheide auf das Glied herbeigeführt. Es ist nicht -einzusehen, warum es schädlicher sein soll, warum die nervöse -Erschütterung größer sein soll,<span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">= 78 =</a></span> wenn die mechanische Einwirkung auf -einem anderen Wege vor sich geht als beim natürlichen Beischlaf. -Mäßig getriebenes Masturbieren ist für den Geschlechtsreifen wohl -ganz unschädlich, wahrscheinlich sogar weniger gefährlich als der -unterbrochene Beischlaf.</p> - -<p>Nicht in der absoluten Schädlichkeit des einzelnen Aktes liegt -die Gefahr der Masturbation, sondern vor allem darin, daß, da zum -Beischlafe zwei Personen notwendig sind, zur Masturbation aber nur -eine, <em class="gesperrt">die Gelegenheit zum Masturbieren ungeheuer viel größer ist als -die zum Beischlaf und damit auch die Verlockung zur Unmäßigkeit ganz -ungeheuer wächst</em>! Die Leiden, die der Arzt so häufig bei Onanisten -findet, sind dieselben, wie sie nach exzessiver Unmäßigkeit im -Beischlafe auftreten: also Verstimmung, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, -Druck und Schmerzen in der Lendengegend, Störungen der Ernährung, -Schwächung des Gedächtnisse und der übrigen geistigen Fähigkeiten, -Schwäche der Willenskraft, Schwäche der Erektionen, vorzeitiger -Eintritt der Ejakulation und damit Schwierigkeiten, den normalen -Beischlaf auszuführen. Wenn diese Störungen so viel häufiger und -ausgeprägter bei Onanisten als bei Koitierenden angetroffen werden, -so liegt dies eben daran, daß der Koitus selten durch längere Zeit -so unmäßig geübt wird, wie dies bei Masturbation vorkommt, und dann -daran, daß <em class="gesperrt">die Masturbation vor allem von geschlechtsunreifen oder -halbreifen Knaben und Jünglingen betrieben wird, für welche jede -Betätigung des Geschlechtstriebes ungesund ist</em>.</p> - -<p>Es muß daher die ernsteste Sorge der Eltern und Erzieher sein, die -Kinder vor diesem hygienischen Laster zu behüten. (Auch Mädchen -masturbieren!)</p> - -<p>In den allermeisten Fällen verfallen die Kinder nicht<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">= 79 =</a></span> von selbst -darauf, sondern kommen durch Verführung und böses Beispiel dazu. -<em class="gesperrt">Sorgfältige Auswahl der Spielkameraden und Gefährten und beständige -Überwachung des Verkehrs der Kinder miteinander sind daher der -wichtigste Schutz.</em></p> - -<p>Nichts macht die Kinder der Verführung zugänglicher als die -unbefriedigte Neugierde bezüglich der Herkunft der Kinder. Es ist -daher im höchsten Grade töricht, die Kinder mit dem Storchenmärchen -abzuspeisen, statt sie rechtzeitig in <em class="gesperrt">beschränktem Umfange</em> -aufzuklären. Die Zeit zwischen dem zehnten und zwölften Jahre ist dazu -am besten geeignet; die Kinder haben schon genug Verständnis, während -ihr Geschlechtstrieb noch nicht erwacht ist. Ohne viel Aufheben zu -machen, zeige man den Kindern in der Blüte auch die Staubfäden und -den Fruchtknoten mit seinen Eiern und erkläre ihnen, daß die Eier -durch den Pollenstaub befruchtet werden müssen, damit neue Pflanzen -daraus hervorgehen können. Wenn die Kinder Käfer oder Schmetterlinge -finden oder Hunde auf der Straße sehen, die gerade in der Begattung -begriffen sind, <em class="gesperrt">und man ihrer Frage nicht ausweichen kann, ohne -ihr Mißtrauen gegen unsere Aufrichtigkeit zu erwecken</em>, so sage -man ihnen kaltblütig, ohne Verlegenheit oder verdächtiges Schmunzeln, -mit kurzen Worten, daß dies geschehe, damit das Weibchen Eier lege -bzw. Junge bekomme; <em class="gesperrt">ohne die geringste Andeutung, daß dies für -die Tiere mit Lustgefühlen verbunden ist</em>! Bei einigem Geschicke -läßt sich dies so machen, daß das Kind von selbst den erforderlichen -Analogieschluß zieht, ohne daß seine Phantasie ungebührlich erregt -wird. <em class="gesperrt">Sollte</em> das Kind fragen, ob es beim Menschen ebenso sei, so -antworte man <em class="gesperrt">ohne Zögern trocken</em> mit Ja, schneide aber weitere -Fragen mit einem:<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">= 80 =</a></span> „Das kannst du noch nicht verstehen!“ ab. Schon -dem ganz kleinen Kinde, das fragt, sage man, daß es von seiner lieben -Mutter unter Schmerzen geboren worden sei. Man wird davon nur günstige -Wirkungen sehen. <em class="gesperrt">Dagegen hüte man sich, mit der Aufklärung vorzeitig -zu weit zu gehen</em> und dadurch erst Aufmerksamkeit und Phantasie des -Kindes auf das Geschlechtliche zu lenken.</p> - -<p>Von frühester Jugend auf muß darauf geachtet werden, daß das Kind -nicht die üble Gewohnheit annimmt, seine Geschlechtsteile anzufassen, -das Glied zwischen den Schenkeln zu drücken und ähnliches. Lange vor -Erwachen des Geschlechtstriebes können sich, wie wir gehört haben, -Erektionen und Lustempfindungen einstellen, und so kann es kommen, -daß manchmal Knaben von zwei und drei Jahren schon masturbieren; -selbstverständlich, ohne daß es zu einer Samenergießung kommt. Wie -ich aus Erfahrung weiß, kann man dem Kinde sehr leicht Sorge vor den -schädlichen Folgen der Betastung der Geschlechtsteile beibringen, ohne -daß man ihm deren Bestimmung auseinanderzusetzen braucht. Der Umstand, -daß die Geschlechtswerkzeuge zugleich Harnwerkzeuge sind, macht es sehr -bequem, dem Kinde die üblen gesundheitlichen Folgen von Hantierungen -an ihnen verständlich zu machen. Diese Belehrung wird dem Kinde um so -weniger auffallen, je mehr man ihm auch sonst hygienische Ratschläge -gibt und es zu hygienischer Lebensweise anleitet.</p> - -<p>Überaus wichtig ist es, den Körper der Kinder, namentlich die -Geschlechtsteile, reinzuhalten — selbstverständlich, ohne sie durch -<em class="gesperrt">zartes</em> Reiben zu reizen —, Hautausschläge rasch behandeln zu -lassen, damit nicht Jucken zur Masturbation führe. Die Körperwaschungen -müssen auch benützt werden, um einen lebhaften <em class="gesperrt">Ekel gegen alles -Unreine</em>, alle unreinen Berührungen usw. anzuerziehen.<span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">= 81 =</a></span> Dieser Ekel -wird zu einem nicht zu unterschätzenden Schutzmittel sowohl gegen -widernatürliche Hantierungen als gegen den Verkehr mit den von so -vielen Männern besudelten Prostituierten.</p> - -<p>Die Kinder sollen geschlossene Hosen tragen, so daß sie die -Geschlechtsteile nicht ohne weiteres mit der Hand erreichen können; -andererseits sollen die Hosen weit genug sein, um nicht zu drücken -und zu spannen. Man bringe die Kinder müde zu Bett, so daß sie sofort -einschlafen, und lasse sie alsbald nach dem Erwachen aufstehen. -Man dulde nicht, daß sie die Hände unter die Bettdecke schieben, -geradesowenig als daß die Knaben mit den Händen in den Hosentaschen -umhergehen und sitzen. Man sehe häufig nach, ob die Nähte der -Hosentaschen nicht zerrissen sind und so nicht etwa ein verborgener -Weg zu den Geschlechtsteilen eröffnet ist. Im übrigen helfen alle -jene Maßregeln, die wir früher schon als Mittel zur Erleichterung -der Enthaltsamkeit kennen gelernt haben, auch zur Verhütung der -Masturbation.</p> - -<p>Die wichtigsten Vorbeugungsmaßregeln, um die Kinder von sexuellen -Verirrungen und späterhin von ungezügeltem Geschlechtsgenusse -zurückzuhalten, sind <em class="gesperrt">Erziehung zu Pflichterfüllung, -Selbstbeherrschung und freiwilliger Enthaltung von einzelnen -Genüssen</em> überhaupt; ohne diese werden alle anderen wenig helfen.</p> - -<p>Ist ein Kind bereits auf das Masturbieren verfallen, so sind alle -eben besprochenen Maßregeln um so strenger anzuwenden und das Kind -beständig zu überwachen. Namentlich achte man auch darauf, daß es -nicht zu lange auf dem Abort verweile. Übertriebene Strenge und harte -Bestrafungen sind nicht am Platze. Viel nützlicher ist es, das Kind -selbst zu belehren und sein Vertrauen zu gewinnen. Im übrigen lasse -man sich durch die übertriebenen Schilderungen, die man nicht selten -auch in ärztlichen Schriften aus früherer Zeit findet, nicht allzusehr -erschrecken. Wenn die<span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">= 82 =</a></span> Masturbation nicht exzessiv getrieben wird, -tritt geradeso wie nach Übermaß im Beischlaf bei Enthaltsamkeit und -passender Lebensweise wieder vollständige Erholung ein. Sehr schwere -Gesundheitsstörungen sind überhaupt selten. Wenn man liest, daß infolge -von exzessiver Masturbation Geistesstörungen, Krämpfe, Veitstanz und -Epilepsie auftreten, so liegt eine Verwechslung von Ursache und Wirkung -vor. Das Verhältnis ist vielmehr dies, daß zügellose Masturbation ein -Zeichen einer schon bestehenden psychischen Krankhaftigkeit ist, die -sich dann später zu den genannten Krankheiten ausbildet.</p> - -<p>Eine sehr häufige Erscheinung ist, daß junge Männer, die, nachdem sie -gewohnheitsmäßig masturbiert haben, in die Ehe treten, fürs erste nicht -fähig sind, den Beischlaf auszuführen. Es ist dies fast immer nur die -Folge ihrer Besorgnis, daß sie zum Beischlafe nicht fähig sein werden, -da sie in den populären Schriften gelesen haben, daß die Masturbation -zur Impotenz führe. Ihre Aufregung hemmt das Zustandekommen der -Erektion. In einem solchen Falle heißt es nichts erzwingen wollen und -<em class="gesperrt">in Geduld die gute Stunde abwarten</em>. Sie kommt ganz bestimmt, und -mit dem ersten Gelingen sind alle Schwierigkeiten überwunden.</p> - -<p>Die Neigung zur Masturbation erlischt beim gesunden Manne meist sofort, -wenn er den normalen Geschlechtsverkehr kennen gelernt hat. Dies ist -der Grund dafür, daß masturbierenden jungen Männern häufig der Rat -gegeben wird, Prostituierte aufzusuchen. Ich halte dies aber für eine -verwerfliche Torheit, da — um von allem anderen zu schweigen — -das <em class="gesperrt">Masturbieren für den gesunden Geschlechtsreifen eine winzige -Schädlichkeit ist verglichen mit den venerischen Krankheiten</em>, die -man sich im Verkehr mit Prostituierten früher oder später fast mit -Gewißheit<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">= 83 =</a></span> holt. Einen Unreifen aber frühzeitig zum Beischlafe mit -Prostituierten verlocken hieße erst recht ihn völlig in die Gefahr des -Verderbens stürzen.</p> - -<p>Ich mußte die Besorgnis wegen der Schädlichkeit des Masturbierens -auf das richtige Maß zurückführen, da die beständige Angst und die -Verzweiflung des Masturbierenden die Schädlichkeit seines Tuns ganz -wesentlich steigert. Der Jüngling möge aber darin keinen Anlaß finden, -weniger energisch gegen eine etwa bei ihm vorhandene Neigung dazu -anzukämpfen. Denn grade für den Jüngling ist es fast unmöglich, Maß zu -halten, wenn er einmal der Verlockung erlegen ist. Und wenn ihm die -strotzenden Hoden Beunruhigung schaffen, so möge er stets bedenken, -daß von dieser strotzenden Fülle seiner Geschlechtsdrüsen auch das -beglückende Gefühl der Lebensfreude und der Jugendkraft, sein Wagemut -und seine Tatenkraft abhängen, und daß er sich des größten irdischen -Glücken beraubt, wenn er sich durch Gebrauch eines elenden Surrogats -bereits abgestumpft hat, bevor er zum ersten Male ein geliebtes Weib -umarmt.</p> - -<p>In der Anziehung, welche die beiden Geschlechter aufeinander ausüben, -liegt der reizvolle Zauber der Jugend. Das geschlechtliche Verlangen -zieht uns zu unserem Wohle unwiderstehlich in die menschliche -Gemeinschaft. Derjenige, der sich selbst befriedigt, wird leicht zum -vereinsamten Sonderling und Selbstling.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_8">8. Kapitel.<br /> - -<b>Die venerischen Krankheiten und ihre Verhütung.</b></h2> - -</div> - -<p>„Die Wollust der Kreaturen ist gemengt mit Bitterkeit.“ Der Leser -dieser Blätter hat bereits die Wahrheit dieses Ausspruches vielfach -bestätigt gesehen. Und noch haben wir von den schlimmsten Übeln, die -der Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">= 84 =</a></span>schlechtsverkehr bringen kann, gar nicht eingehender gesprochen.</p> - -<p>Es gibt drei ansteckende Krankheiten, die hauptsächlich durch den -Geschlechtsverkehr verbreitet werden und daher <em class="gesperrt">venerische</em> -Krankheiten genannt werden. Es sind diese der <em class="gesperrt">weiche Schanker</em>, -der <em class="gesperrt">Tripper</em> und die <em class="gesperrt">Syphilis</em>. Es ist möglich, sich mit -allen drei Krankheiten auf einmal anzustecken.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">weiche Schanker</em> ist unter ihnen die am wenigsten -gefährliche, ein Geschwür an den Geschlechtsteilen, beim Manne -besonders häufig am Randwulste der Eichel, das bei frühzeitiger -geeigneter Behandlung in der Regel bald heilt, ohne schlimme Folgen -zu hinterlassen. Doch kann auch diese Krankheit ärger verlaufen. -Insbesondere kommt es nicht selten zu Anschwellungen der Vorhaut, die -so stark werden können, daß die Vorhaut nicht mehr über die Eichel vor- -oder zurückgeschoben werden kann, wodurch äußerst heftige Schmerzen -entstehen; ferner zu schmerzhaften und gefährlichen Vereiterungen -der Lymphdrüsen in der Leistenbeuge, den sog. <em class="gesperrt">Bubonen</em>. Jedes -kleinste Geschwürchen, jede kleinste Abschürfung am Gliede darf -übrigens schon deshalb nicht leicht genommen werden, weil es sich dabei -um syphilitische Ansteckung handeln kann und der Laie dies nicht zu -entscheiden vermag.</p> - -<p>Mit großem Unrechte hält man vielfach den <em class="gesperrt">Tripper</em> für eine ganz -ungefährliche Krankheit. Die bakteriologischen Forschungen haben erst -ins volle Licht gesetzt, wie gefährlich diese Krankheit dem Manne -werden kann und ein wie schreckliches Leiden sie sehr häufig für die -Frau ist.</p> - -<p>Beim Manne tritt der Tripper als eine eiternde Entzündung der -Schleimhaut des vorderen Teiles der Harnröhre auf. Er beginnt meistens -am dritten Tage nach dem unreinen Beischlafe, seltener später, im -Laufe der ersten oder der zweiten Woche, mit einem geringfügigen, -wasser<span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">= 85 =</a></span>hellen Ausflusse aus der Harnröhre, Rötung der Lippen der -Harnröhre und Brennen und Kitzeln in derselben. Der Ausfluß wird -bald eitrig und nimmt rasch an Menge zu. Der Tripper ist immer sehr -schmerzhaft, heilt aber in der Regel leicht, wenn der Erkrankte so -rasch als möglich ärztliche Hilfe sucht. In böseren Fällen aber, -oder wenn die Erkrankung vernachlässigt worden ist, greift die -Entzündung in der Harnröhre weiter nach hinten und von der Schleimhaut -in die darunterliegenden Gewebe. Bei der Ausheilung, die dann nur -schwierig und oft erst nach Monaten und Jahren vollständig wird, -kommt es häufig zu Narben, die sich mit der Zeit zusammenziehen (sog. -<em class="gesperrt">Strikturen</em>) und durch die Beschwerden, welche sie, namentlich -beim Beischlafe und beim Harnlassen, beim Reiten und Fahren, aber -auch schon bei ruhigem Sitzen veranlassen, das Leben für immer -verbittern können. Die Tripperentzündung kann sich aber auch noch -weiter ausbreiten: auf die Cowperschen Drüsen, auf die Vorsteherdrüse, -auf die Blasendrüsen („Samenblasen“), auf die Harnblase und durch die -Harnleiter hinauf bis auf die Nieren. Gar nicht selten ergreift sie -auch die Nebenhoden und führt dadurch zur Unfruchtbarkeit. Auch in -entfernte Körpergegenden kann der Erreger des Trippers, der Gonokokkus, -durch den Blut- und Lymphstrom verschleppt werden und dort Entzündungen -hervorrufen. So kommen Tripperentzündungen und Eiterungen in den -Gelenken vor; so können Entzündungen der Herzklappen, des Rippenfells, -des Rückenmarkes entstehen; schwere Leiden, die selbst zum Tod führen -können.</p> - -<p>Noch viel gefährlicher als für den Mann ist der Tripper für die Frau. -Auch bei ihr beginnt die Erkrankung in der Regel in der Harnröhre; sie -verbreitet sich aber rasch weiter und ergreift zunächst hauptsächlich -die Bartholinischen Drüsen und den Mutterhals. Sie hat eine große -Neigung,<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">= 86 =</a></span> in das innere Genitale einzudringen. Es kommt zu Entzündungen -der Gebärmutter, der Eileiter, der Eierstöcke und des diese Organe -umgebenden Bindegewebes. Ist die Entzündung einmal in diese tieferen -Teile eingedrungen, dann ist sie meistens unheilbar. In der Regel -ist sie nicht geradezu lebensgefährlich, obwohl Fälle vorkommen, wo -Bauchfellentzündung verhältnismäßig rasch zum Tode führt, und obwohl -natürlich bei der Frau wie beim Manne entfernte lebenswichtige Organe -ergriffen werden können. Aber stets ist die unheilbar gewordene -Tripperentzündung der inneren Geschlechtsorgane ein Leiden, das der -Frau durch beständige Schmerzen und Beschwerden das Leben verbittert, -ihre Blüte und körperliche Leistungfähigkeit vernichtet und ihr -meistens die Fähigkeit, befruchtet zu werden, raubt.</p> - -<p>Der Trippereiter bzw. der in ihm befindliche Gonokokkus ist äußerst -ansteckend. Außer durch den Beischlaf kann er auch durch die Finger, -durch mit frischem Eiter beschmutzte Kleidungsstücke und Instrumente -übertragen werden. Wiederholt sind auch Ansteckungen kleiner Mädchen -durch Wasser in Badebecken und Badewannen, in denen Tripperkranke -gebadet hatten, vorgekommen. Besonders muß betont werden, daß die -<em class="gesperrt">Bindehaut des Auges</em> sehr leicht mit dem Gonokokkus zu infizieren -ist und die so entstehenden Augenentzündungen zu den allerbösartigsten -gehören. Zu dieser Infektion der Augen kommt es besonders leicht, wenn -das Kind bei der Geburt durch die Scheide und die Schamspalte der -tripperkranken Mutter durchgedrückt wird. Es kommt so die berüchtigte -ansteckende Augenentzündung der Neugeborenen zustande, welche in mehr -als zehn Prozent der Fälle beiderseitiger Blindheit die Ursache der -Erblindung ist!</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Tripperkrankheit ist während ihrer ganzen Dauer -ansteckungsfähig.</em> Besonders<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">= 87 =</a></span> schlimm ist dabei, daß die sichtbaren -Krankheitserscheinungen bei einem lange bestehenden Tripper so -unbedeutend werden können, daß selbst der Arzt sie leicht übersieht. -Da der chronische Tripper in der Regel keine Schmerzen verursacht, -kann der Mann glauben, er sei völlig genesen, und doch die Gattin beim -ersten Beischlafe anstecken!</p> - -<p>Der Tripper ist furchtbar verbreitet. In manchen Städten bekommen -nach und nach alle Männer, welche außerehelichen Beischlaf ausüben, -den Tripper, und auf manchen Frauenkliniken hat man festgestellt, daß -der vierte Teil aller Patientinnen daran leidet. Etwa sieben Prozent -der heutigen Ehen sind wegen dieser Krankheit völlig unfruchtbar, sei -es, daß der Mann, sei es, daß die Frau zeugungsunfähig geworden ist! -Und weitere etwa sieben Prozent bringen es nur zu einem Kinde, weil -der Mann seine Frau zugleich mit der ersten Schwängerung tripperkrank -gemacht hat!</p> - -<p>Noch schlimmer als der Tripper ist die dritte venerische Krankheit, -die durch die <span class="antiqua">Spirochaete pallida</span> erzeugte <em class="gesperrt">Syphilis</em>, da -sie den ganzen Organismus ergreift. Man unterscheidet drei Stadien der -Krankheit.</p> - -<p>Etwa vierzehn Tage bis drei Wochen nach der Ansteckung bildet sich ein -derbes, rotes Knötchen, das an der Oberfläche wund oder geschwürig -wird. (<em class="gesperrt">Primäre Syphilis, harter Schanker.</em>) Bald stellt sich -auch Schwellung der benachbarten Drüsen ein. Nicht selten sind diese -Krankheitserscheinungen so unbedeutend, daß sie leicht vollständig -übersehen werden.</p> - -<p>Acht bis zehn Wochen nach Auftreten des Geschwürs kommt es zu -Allgemeinerscheinungen: die Ernährung leidet, der Kranke wird nervös -reizbar, unter Fieber und Kopfschmerzen bilden sich Ausschläge auf der -Haut und auf den Schleimhäuten, besonders auf denen des Mundes und des -Rachens; auch Knochenhautentzündungen sind sehr häufig.<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">= 88 =</a></span> Nach einiger -Zeit verschwinden diese Krankheitserscheinungen. Nach einer Pause von -etwa sechs Monaten kommen sie aber wieder, und dieses Verschwinden -und Wiederauftreten wiederholt sich nun durch zwei bis drei Jahre -alle drei bis sechs Monate. Man nennt dieses Stadium der Krankheit -<em class="gesperrt">sekundäre Syphilis</em>. Während der harte Schanker im Beginne ein -rein örtliches Leiden ist, krankt bei der sekundären Syphilis der -ganze Körper. Nach der angegebenen Zeit, also nach zwei bis drei und -vier Jahren vom Beginne der Krankheit an, tritt scheinbar Genesung -ein. Aber oft zeigen <em class="gesperrt">schwere</em> Erkrankungen, die <em class="gesperrt">nach vielen -Jahren</em> auftreten, daß der Schein getrogen hat. Namentlich sind -Erkrankungen des Zentralnervensystems, Geschwülste (sog. <em class="gesperrt">tertiäre -Syphilis</em>), <em class="gesperrt">Tabes</em> (oder Rückenmarksdarre) und <em class="gesperrt">progressive -Paralyse</em> (oder fortschreitende Verblödung) solche späte Folgen -der syphilitischen Ansteckung.<a name="FNAnker_F_6" id="FNAnker_F_6"></a><a href="#Fussnote_F_6" class="fnanchor">[F]</a> Überaus häufig bleibt auch nach -der definitiven Genesung von der Syphilis der Organismus dauernd -geschädigt und geschwächt. Insbesondere nehmen die Blutgefäße dauernden -Schaden. <em class="gesperrt">Syphilitiker haben im Durchschnitte eine erheblich kürzere -Lebensdauer als Leute, welche niemals an Syphilis erkrankt waren.</em> -Nach den Erfahrungen der Gothaer Lebensversicherungsanstalt in den -Jahren 1852 bis 1905 ist die Sterblichkeit jener Versicherten, welche -Syphilis durchgemacht haben, um 68 Prozent höher als jene der von -Syphilis verschont gebliebenen. In der Altersklasse von 36 bis 50 -Jahren beträgt die Sterblichkeit der ersteren sogar 186 Prozent von -jener der letzteren, also fast das Doppelte.</p> - -<p>Die Kranken sind <em class="gesperrt">sicher ansteckend während<span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89">= 89 =</a></span> des ganzen ersten und -zweiten Stadiums</em> und während des letzteren sowohl zur Zeit, wo -Krankheitserscheinungen wahrnehmbar sind (Floreszenz), <em class="gesperrt">als in den -Pausen</em> (Latenz). Nach neueren Erfahrungen können sogar auch noch -in späterer Zeit, wenn schon lange keine Krankheitserscheinungen mehr -aufgetreten sind, Ansteckungen erfolgen.</p> - -<p>Der Ansteckungsstoff ist vorhanden in den Absonderungen der Geschwüre -und wunden, nässenden Stellen, in den abgestoßenen Oberhautschüppchen -der erkrankten Hautstellen, während des sekundären Stadiums im Blute -und in <em class="gesperrt">allen</em> Absonderungen, besonders auch im Speichel und im -Mundschleime.</p> - -<p>Die Ansteckung erfolgt daher, <em class="gesperrt">wenn auch weitaus am häufigsten</em> -beim Beischlafe, so doch nicht allein dabei, sondern auch von Mund -zu Mund beim <em class="gesperrt">Kusse</em> oder durch gemeinsam benutzte Eß- und -Trinkgeschirre, Tabakpfeifen, Musikinstrumente u. dgl., bei kleinen -Verletzungen direkt auf die Finger, Hände und andere Körperstellen, von -der Brustwarze der Amme auf den Säugling und umgekehrt vom Säugling auf -die Amme. Auch bei kleinsten Operationen, z. B. bei der Impfung, kann -durch infizierte Instrumente die Übertragung erfolgen.</p> - -<p>Von den Eltern kann direkt schon bei der Zeugung Syphilis auf die -Nachkommenschaft übertragen werden. Ein gesund erzeugtes Kind -kann im Mutterleibe infiziert werden, wenn die Mutter während der -Schwangerschaft syphilitisch wird. Wir haben schon davon gesprochen, -sowie davon, daß die elterliche Syphilis für die Nachkommenschaft -auch dann verderblich werden kann, wenn das Kind nicht angesteckt -wird, indem die Schädigung des elterlichen Körpers durch das vom -Krankheitserreger erzeugte Gift auch eine Schädigung der Keime zur -Folge hat, so daß die Kinder lebensschwach und elend ausfallen, -Entwicklungshemmungen und Bildungsfehler, Skrofulose und andere<span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">= 90 =</a></span> -Krankheiten der Ernährung aufweisen. Noch in der zweiten Generation -kann, namentlich wenn die Frau hereditär syphilitisch ist, Neigung zu -Abortus, Totgeburt und Geburt lebensschwacher Kinder vorhanden sein.</p> - -<p>Die Gefahr für die Nachkommenschaft besteht hauptsächlich während des -primären und sekundären Stadiums, in den ersten drei bis vier Jahren -nach der Infektion. Nach Ablauf dieses Stadiums werden in der Regel -normale Kinder erzeugt. Doch auch noch bei manchen von diesen später -Erzeugten gibt sich durch mancherlei krankhafte Zustände und Anlagen -die Andauer der Störung der elterlichen Keimbildung kund.</p> - -<p>Das Überstehen der Syphilis macht für eine neue Infektion -unempfänglich, es ruft, wie man zu sagen pflegt, <em class="gesperrt">erworbene -Immunität</em> hervor.</p> - -<p>Auch die Syphilis ist ungeheuer verbreitet. In den verschiedenen -Gebieten Mitteleuropa dürften mindestens fünf bis zehn Prozent der -ganzen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens syphilitisch infiziert werden; -in den Großstädten sind es noch sehr viel mehr; in Berlin mindestens 40 -Prozent der geschlechtsreifen Männer!</p> - -<p>Es ist klar, daß unter diesen Umständen der <em class="gesperrt">außereheliche -Geschlechtsverkehr stets gefährlich ist</em>. <em class="gesperrt">Jede Frau, die bereits -geschlechtlich verkehrt hat, ist verdächtig, eine venerische Krankheit -durchgemacht zu haben oder noch venerisch krank zu sein</em>, und ebenso -muß die Frau jeden Mann, der bereits den Beischlaf ausgeübt hat, von -vornherein als verdächtig ansehen. Die Hauptquelle der Ansteckung sind -jedoch ohne Zweifel die Prostituierten (Dirnen, Huren), die gegen -Bezahlung jeden zum Beischlaf zulassen. Nahezu <em class="gesperrt">alle</em> erkranken -früher oder später an Tripper und weichem Schanker, die meisten auch an -Syphilis. Man hat in St. Petersburg konstatiert,<span class="pagenum"><a name="Seite_91" id="Seite_91">= 91 =</a></span> daß von 100 Mädchen, -die das Gewerbe der Prostitution beginnen, binnen fünf Jahren 80 -syphilitisch wurden. Von 100 Bordellmädchen wurden jährlich 12 bis 51 -wegen Syphilis ärztlich behandelt. In Berlin erkrankten laut Erhebungen -von den freilebenden Prostituierten jährlich 32 bis 82 Prozent an -venerischen Krankheiten, in Budapest von den Bordellmädchen 144 bis 180 -Prozent.</p> - -<p>Man bemüht sich, durch polizeiliche Überwachung die Prostitution -ungefährlich zu machen, indem man die erkrankten Prostituierten so -rasch als möglich herauszufinden sucht, um sie dann abzusondern und -ärztlich zu behandeln bis zur Genesung oder wenigstens bis zu dem -Zeitpunkte, wo sie nicht mehr ansteckungsfähig sind.</p> - -<p>Dieses Ziel läßt sich aber nur höchst unvollkommen erreichen. Vor allem -ist es unmöglich, alle Prostituierten zur Untersuchung heranzuziehen, -da die Prostitution in allen möglichen verlarvten Formen auftritt -(geheime Prostitution) und auch die unverhüllte Prostitution sich den -Augen der Polizei so viel als möglich zu entziehen sucht; — in den -Großstädten wenigstens — zum guten Teile mit Erfolg. Je schärfer -die Polizei gegen die Prostituierten vorgeht, um so hartnäckiger und -erfinderischer suchen sich die Prostituierten vor ihr zu verbergen.</p> - -<p>Ferner ist es unter Umständen ungemein schwierig, festzustellen, ob -die Prostituierte krank ist oder nicht. Ein chronisch gewordener -Tripper macht auch bei der Frau so geringe wahrnehmbare Erscheinungen, -daß sehr häufig nur wiederholte mikroskopische Untersuchungen die -Diagnose der Krankheit ermöglichen. Floride Syphilis ist zwar leicht -zu erkennen, aber im latenten Stadium der sekundären Syphilis können -alle Krankheitszeichen fehlen, während die Prostituierte doch infektiös -ist. Sechs Siebentel aller syphilitischen Männer, die <em class="gesperrt">Sperk</em> in -Petersburg behandelt hat, haben sich bei latent syphilitischen Dirnen -angesteckt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">= 92 =</a></span></p> - -<p>Ein Mädchen, das heute gesund befunden worden ist, kann bei der -ungeheuren Häufigkeit der venerischen Krankheiten in der nächsten -Stunde angesteckt werden. Sie kann schon angesteckt sein, ohne daß die -Krankheitserscheinungen schon ausgebrochen sind. Aber am nächsten Tage -brechen sie aus, und nun ist sie ansteckend. Ja, es sind sogar Fälle -sichergestellt, wo die Dirne die Krankheit von einem Manne unmittelbar -auf den nächsten Besucher übertragen hat, ohne selbst zu erkranken. -Etwas von dem, was der erste Besucher gebracht hat, hat der zweite -sofort wieder mitgenommen.</p> - -<p>Hat man die Erkrankten herausgefunden, so ist es fast unmöglich, -sie so lange abzusondern, bis sie nicht mehr ansteckungsfähig sind; -die syphilitischen Dirnen müßten durch drei bis vier Jahre, die -tripperkranken, sobald ihre inneren Organe ergriffen sind, eigentlich -für immer abgeschlossen gehalten werden!</p> - -<p><em class="gesperrt">Jeder, dem Leben und Gesundheit lieb sind, jeder, der sich eine -gesunde Nachkommenschaft wünscht, sollte schon dieser ungeheuren Gefahr -wegen die Prostitution meiden.</em></p> - -<p>Ebenso wie den größten <em class="gesperrt">physischen</em> Abscheu sollte der Verkehr mit -Prostituierten auch den größten <em class="gesperrt">moralischen</em> Abscheu erwecken. -Lust ohne Liebe ist gemein und macht gemein, und die Hingabe des -Körpers gegen Geld ist die tiefste Erniedrigung der Frau. Der Mitmensch -in der Frau sollte uns zu hoch stehen, als daß wir sie einfach zum -Werkzeug unserer Lust herabwürdigen; das Mitleid sollte uns abhalten, -dieses Gewerbe fördern zu helfen, das die ungeheure Mehrzahl der -unglücklichen Frauen, die sich ihm ergeben haben, körperlich und -geistig zugrunde richtet!</p> - -<p>Wie sehr sind auch die armen Wichte selbst zu bedauern, die das Feuer -ihrer ungebrochenen Jugendkraft an Wesen verschwenden, die, wie die -Dirnen, zum größten Teile<span class="pagenum"><a name="Seite_93" id="Seite_93">= 93 =</a></span> von Geburt aus tiefstehende, psychisch -verkrüppelte Geschöpfe sind — Vagabunden- und Verbrechernaturen -ins Weibliche übersetzt! —, die auch infolge des Mißbrauchs ihrer -Organe die rein physische Genußfähigkeit längst verloren haben und nur -des Geschäft wegen mühsam heucheln, als ob sie beim Beischlaf noch -irgendeine Wollustempfindung hätten!</p> - -<p>Als Moralist könnte ich damit schließen; aber ich bin Arzt und fühle -Erbarmen mit der menschlichen Schwäche und fühle die Verpflichtung, -wenigstens physischen Schaden so viel als möglich zu verhüten, wenn ich -schon den sittlichen Schaden nicht verhindern kann. Ich fühle diese -Verpflichtung um so lebhafter, als die venerischen Krankheiten nicht -bloß den Sünder bedrohen, der sich leichtfertig in die Gefahr stürzt, -sondern auch völlig Unschuldige und das Volk in seiner Gesamtheit.</p> - -<p>Ich will daher zunächst sagen, wie man die Gefahr, im -Geschlechtsverkehr angesteckt zu werden, <em class="gesperrt">vermindern</em> kann; <em class="gesperrt">sie -mit Sicherheit auszuschließen, ist bis jetzt unmöglich</em>!</p> - -<p>Das weitaus beste Mittel gegen die Ansteckung, das wir heute kennen, -ist der <em class="gesperrt">Kondom</em> (s. <a href="#Seite_74">S. 74</a>); <em class="gesperrt">ihn beim Verkehr mit Dirnen, -<b>beim außerehelichen Beischlafe überhaupt</b> nicht gebrauchen ist -bodenloser Leichtsinn</em>! Wenn er während des Beischlafes hält, -schützt er das Glied, den am meisten gefährdeten Körperteil, gegen -alle drei Infektionen, und ebenso schützt er auch die Frau vor -dem angesteckten, z. B. mit chronischem Tripper behafteten Manne. -Aber dünnere Fabrikate reißen leicht; billigere und schlechtere -sogenannte Fischblasen sind sehr häufig von vornherein nicht völlig -dicht; Gummikondoms werden bei der Aufbewahrung sehr rasch brüchig. -Es wäre daher töricht, dem Kondom ganz sorglos zu vertrauen. -Ferner ist zu be<span class="pagenum"><a name="Seite_94" id="Seite_94">= 94 =</a></span>denken, daß der Kondom nach dem Beischlafe an -seiner <em class="gesperrt">Außenseite</em> Infektionskeime tragen kann, daß man sich -daher auch noch beim Abziehen desselben infizieren kann. Auch an -die Nachbarschaft des Gliedes, auf den Hodensack usw., kann beim -Beischlafe Infektionsstoff gekommen sein, und auch mit den Fingern -kann man welchen aufgenommen haben, während das syphilitische Gift, -wie wir gehört haben, an den verschiedensten Stellen der Haut und der -Schleimhäute haften und durch die kleinsten Verletzungen eindringen -kann. Die Benützung des Kondoms muß daher auf alle Fälle durch -sorgfältige Waschung mit einer kräftigen Desinfektionsflüssigkeit, am -besten mit 1 Promille Sublimatlösung (eine 1 <span class="antiqua">g</span>-Pastille auf 1 -<span class="antiqua">l</span> Wasser) ergänzt werden. Mit dieser Lösung muß vor allem die -Außenseite des Kondoms abgewaschen werden, bevor dieser vom Gliede -abgezogen wird, dann Glied, Hodensack und ihre ganze Nachbarschaft -sowie die Hände.</p> - -<p><em class="gesperrt">Viel unsicherer</em> als der Kondom ist die Anwendung chemischer -Desinfektionsmittel. Ich kann sie <em class="gesperrt">nur dann</em> empfehlen, -<em class="gesperrt">wenn kein Kondom</em> zu haben ist. <em class="gesperrt">Ihre Anwendung ist aber -jedenfalls viel besser als nichts!</em> Gegen den Tripper gewähren -Einträufelungen von 10- bis 20prozentigem <em class="gesperrt">Protargol</em>, einer -Silberverbindung, in die Harnröhre einen verhältnismäßig sicheren -Schutz, wenn sie unmittelbar nach dem Beischlaf oder wenigstens so -rasch als möglich — keinesfalls später als fünf Stunden danach! — -vorgenommen werden. Dagegen ist es recht schwierig, durch Waschen -oder Einsalben des Gliedes die Ansteckung mit Syphilis zu verhüten. -Bei der deutschen Marine wird nach folgender Vorschrift verfahren: -<em class="gesperrt">So bald als möglich</em> nach dem Beischlaf wird das Glied, -insbesondere die Eichel, die Kranzfurche und die Vorhaut, mit Benzin -gründlich gereinigt. Hierauf werden in<span class="pagenum"><a name="Seite_95" id="Seite_95">= 95 =</a></span> die durch Druck mit zwei -Fingern senkrecht auf den Schlitz der Eichel zum Klaffen gebrachte -Harnröhrenmündung mittels einer Pipette zwei bis drei Tropfen 20 -prozentiger Protargollösung eingeträufelt. Einige Tropfen werden auch -auf ihre äußere Umgebung verteilt. Die Flüssigkeit muß 1 bis 2 Minuten -lang in der Harnröhrenmündung stehen bleiben; so lange muß diese daher -nach oben gerichtet und offengehalten werden. Hierauf wird das Glied -mit 1 promilliger Sublimatlösung gewaschen, schließlich ein mit der -Sublimatlösung getränkter Wattestreifen in die Eichelfurche eingelegt -und dort bis zu 12 Stunden lang liegen gelassen. Die Waschung mit der -Desinfektionslösung muß sehr gründlich vorgenommen werden, und man muß -darauf achten, daß die <em class="gesperrt">ganze</em> Oberfläche des Gliedes, die Furche -um die Eichel, das Bändchen, die beiden Blätter der Vorhaut wirklich -von der Desinfektionsflüssigkeit benetzt werden, und daß alle Teile -etwa zwei Minuten lang unter der Wirkung der Desinfektionsflüssigkeit -stehen. Dem Laien wird es nicht so leicht gelingen, alle diese -Vorschriften zu erfüllen. Die Nachbarschaft des Gliedes und die Hände -wäscht und desinfiziert man selbstverständlich mit. Die Waschung darf -natürlich auch nicht so grob ausgeführt werden, daß dabei die zarte -Oberhaut abgeschürft und dem Ansteckungsstoff geradezu eine Pforte -eröffnet wird. <em class="gesperrt">Den Beischlaf auszuführen, wenn am Gliede auch nur -die geringfügigsten Abschürfungen vorhanden sind, ist ganz besonders -gefährlich und töricht.</em></p> - -<p>Statt der Waschungen wird auch <em class="gesperrt">Einsalbung</em> des Gliedes <em class="gesperrt">vor</em> -und <em class="gesperrt">nach</em> dem Beischlaf angewendet. Die beste Salbe dürfte die -„<em class="gesperrt">Neisser-Siebertsche Desinfektionssalbe</em>“ sein, welche ebenfalls -Sublimat enthält. Selbstverständlich muß auch ihre Anwendung mit<span class="pagenum"><a name="Seite_96" id="Seite_96">= 96 =</a></span> der -Einträufelung von Protargol in die Harnröhre verbunden werden. Billige -Schutzbestecke mit Benützungsvorschrift (20–25 Pfg. für einmalige -Anwendung) sind jetzt wohl in allen Apotheken käuflich. Man verlange -ausdrücklich solche mit Protargol und Neisser-Siebertscher Salbe.</p> - -<p>Wer einen Beischlaf vollzogen hat, der unrein sein konnte, tut gut, -sein Glied drei Wochen lang jeden Tag genau zu betrachten, ob er daran -keine Krankheitszeichen wahrnimmt. <em class="gesperrt">Jede Hautabschürfung</em>, jedes -Eiterpünktchen, Knötchen oder Geschwürchen muß beachtet werden. Man -untersuche besonders die Eichel und die Furche hinter ihrem Randwulste, -das Bändchen und die Innenseite der Vorhaut. Sobald man <em class="gesperrt">irgend -etwas</em> Verdächtiges wahrnimmt, eile man <em class="gesperrt">sofort</em> zum Arzte, um -die verdächtigen Stellen gründlich verätzen zu lassen. Wenn dies in den -ersten 24 Stunden, nachdem sich die angegebenen Erscheinungen gezeigt -haben, geschieht, gelingt es nicht selten, die weitere Entwicklung des -Schankers und der sekundären Syphilis abzuschneiden.</p> - -<p>Nach Besichtigung des Gliedes streife man mit dem Finger der Unterseite -der Harnröhre entlang von hinten nach vorne und beachte, ob sich auf -diese Weise ein Tropfen Flüssigkeit aus der Harnröhre herausdrücken -läßt. Am besten ist es, diesen Versuch am Morgen vor dem ersten -Harnlassen anzustellen. Tritt ein Tropfen aus der Harnröhre heraus, -so suche man ebenfalls <em class="gesperrt">sofort</em> den Arzt auf, der sehr häufig -imstande ist, durch energische Behandlung die Entwicklung des Trippers -abzuschneiden.</p> - -<p>Überhaupt muß jedem, der in bezug auf Geschlechtsverkehr kein reines -Gewissen hat, auf das allerdringendste empfohlen werden, bei Auftreten -<em class="gesperrt">irgendwelcher</em> Krankheitserscheinungen nicht allein an den -Geschlechtsteilen, sondern auch auf der Haut, an den Lippen, an der<span class="pagenum"><a name="Seite_97" id="Seite_97">= 97 =</a></span> -Schleimhaut des Mundes und des Rachens sogleich zum Arzt zu gehen und -ihm volle Wahrheit einzuschenken. Verschämtheit oder Unwahrhaftigkeit -dem Arzte gegenüber wäre das Allertörichteste.</p> - -<p>Auch wenn der Tripper, der weiche oder harte Schanker oder die -sekundäre Syphilis sich schon entwickelt haben, ist volle Heilung -möglich, wenn frühzeitig kräftige ärztliche Behandlung eingeleitet -wird. Man befolge daher gewissenhaft die ärztlichen Verordnungen und -lasse sich nicht durch törichtes Gerede von Naturheilkundigen und -Kurpfuschern irremachen. Insbesondere bitte ich die Leser, mir, der -ich gar nicht ärztliche Praxis ausübe, also ganz unverdächtig bin, zu -glauben, daß die Behandlung der Syphilis mit Quecksilber (z. B. die -sog. Schmierkur) eines der allerwirksamsten Heilverfahren ist, über -das die Medizin verfügt, und daß es damit fast immer gelingt, die -Syphilis wirklich zu heilen, während bei allen anderen seit längerer -Zeit bekannten Heilverfahren die Gefahr der tertiären Syphilis, der -Paralyse usw. viel größer ist. Die Heilung der sekundären Syphilis -durch Quecksilber dauert stets sehr lange, und die Kur muß durch -zwei bis drei Jahre mehrmals wiederholt werden, bis man des Erfolges -sicher sein kann. Wir haben ja schon gehört, daß die Syphilis die -Eigentümlichkeit hat, Pausen zu machen und nach mehreren Monaten zu -rezidivieren. Der Patient darf also ja nicht die Geduld verlieren, wie -dies so häufig geschieht. Vorzügliche und rasche Wirkung übt das neue -von <em class="gesperrt">Ehrlich</em> empfohlene Arsenpräparat „<em class="gesperrt">Salvarsan</em>“ aus. Es -hilft aber auch nicht in allen Fällen und ist selbst keineswegs ganz -harmlos für den Körper — ebensowenig wie das Quecksilber —, so daß -es höchst töricht wäre, im Vertrauen auf das Salvarsan die Gefahr der -Ansteckung mit Syphilis leicht zu nehmen. Die Erfahrungen über das -Salvarsan dauern noch nicht lange genug, um ein abschließendes Urteil -über dieses<span class="pagenum"><a name="Seite_98" id="Seite_98">= 98 =</a></span> Heilmittel zu gestatten; es muß aber schon jetzt dem -Angesteckten auf das dringendste empfohlen werden, sich so früh als -möglich der Salvarsankur zu unterziehen.</p> - -<p>Sorgt der Geschlechtskranke für sich, so muß er auch für andere sorgen. -Er darf keinen Augenblick vergessen, daß er an einer ansteckenden -Krankheit leidet. <em class="gesperrt">Jeder Geschlechtsverkehr ist ein nichtswürdiges -Verbrechen, wenn man weiß, daß man geschlechtskrank ist!</em></p> - -<p>Aber auch abgesehen davon muß der Geschlechtskranke vorsichtig sein. -Der Tripperkranke muß darauf achten, daß er nichts von dem eitrigen -Ausflusse, der das Ansteckende ist, in seine eigenen Augen bringt. Er -muß seine Finger, wenn er sie damit beschmutzt haben könnte, stets -sofort reinigen und desinfizieren, ebenso dafür Sorge tragen, daß alle -Gegenstände, die infiziert sein können, z. B. Leibwäsche, desinfiziert -werden, bevor sie anderen Leuten in die Hand kommen.</p> - -<p>Wir haben schon gehört, daß der Tripper sehr häufig chronisch wird, -daß solche langwierige Tripper in der Regel höchst unbedeutende -Erscheinungen machen, daß sie aber trotzdem noch im hohen Maße -ansteckend sind. Die Vorsichtsmaßregeln dürfen daher erst dann -eingestellt werden, wenn durch gründliche ärztliche Untersuchung -mit Hilfe des Mikroskops die volle Ausheilung bzw. das Ende der -Ansteckungsfähigkeit festgestellt ist. Dies gilt insbesondere von -der Ausübung des Beischlafes<a name="FNAnker_G_7" id="FNAnker_G_7"></a><a href="#Fussnote_G_7" class="fnanchor">[G]</a> und von dem Eingehen der Ehe. Da der -chronische Tripper jahrelang fortbestehen kann, <em class="gesperrt">darf niemand, der an -Tripper erkrankt war, heiraten, ohne daß ihm dies ein erfahrener Arzt -nach gründlicher Untersuchung erlaubt hat</em>. Wer anders handelt, ist -ge<span class="pagenum"><a name="Seite_99" id="Seite_99">= 99 =</a></span>wissenlos. Tausende und Abertausende von armen Frauen werden ohne -geringstes eigenes Verschulden für die Dauer ihres Lebens siech, weil -sie von ihrem Gatten, vielleicht gleich in der Hochzeitsnacht, mit -Tripper angesteckt werden!</p> - -<p>Hat der Tripperkranke nur darauf zu achten, daß nichts von dem -Ausflusse der Harnröhre an einen unrechten Ort gebracht wird, so muß -der Syphilitische noch viel vorsichtiger sein, da <em class="gesperrt">alle</em> seine -Absonderungen ansteckend sind und insbesondere durch den Speichel und -den Mundschleim die Krankheit leicht übertragen wird. Also während -der ganzen zwei- bis dreijährigen Dauer der sekundären Syphilis nicht -küssen! insbesondere nicht auf den Mund! Keine gemeinschaftliche -Benützung von Eß- und Trinkgeschirr, von Tabakpfeifen, von Gerät, das, -wie Musikinstrumente oder Glasbläserpfeifen, in den Mund genommen -werden muß.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wie der Tripperkranke darf auch der Syphilitische nicht heiraten -bzw. nicht den Beischlaf ausüben, bevor jede Gefahr der Ansteckung -der Frau und der Erzeugung kranker Kinder ausgeschlossen ist.</em> Da -dies keinesfalls vor Ablauf von vier Jahren nach erfolgter Ansteckung -sicher ist, muß mit der Ehe so lange gewartet werden. Aber auch nach -vier Jahren ist eine Ehe nur dann zulässig, wenn eine sorgfältige -ärztliche Behandlung stattgefunden hat, und wenn mindestens seit einem -Jahre nicht die geringsten Erscheinungen von Syphilis aufgetreten -sind. Diese Vorschriften mögen drakonisch scheinen, sie sind aber bei -der Furchtbarkeit der Folgen eines vorzeitigen Abschlusses der Ehe -unbedingt geboten.</p> - -<p>Alles dieses über die venerischen Krankheiten Gesagte möge sich -nicht allein der Ehekandidat vor Augen halten, sondern auch die -Frau, um die geworben wird, bzw. ihre Eltern und Vormünder. Sie -sollen unbedingt verlangen,<span class="pagenum"><a name="Seite_100" id="Seite_100">= 100 =</a></span> daß der Brautwerber sein <em class="gesperrt">Freisein von -venerischen Krankheiten</em> durch ein ärztliches Zeugnis nachweist. -Eigentlich sollte keine Ehe geschlossen werden dürfen, bevor beide -Brautleute ärztlich untersucht, gesund und frei von gefährlicher -erblicher Belastung befunden worden sind; zum mindesten sollte -gesetzlich vorgeschrieben werden, daß die Brautleute ärztliche -Untersuchungszeugnisse austauschen müssen, damit sie wissen, woran sie -sind. Unendliches Unheil könnte dadurch verhütet werden! Einen gewissen -Schutz gegen die Verehelichung mit Kranken wird es schon gewähren, wenn -es zur allgemeinen Gewohnheit wird, was ja auch aus wirtschaftlichen -Gründen dringend zu empfehlen ist, <em class="gesperrt">daß die Gatten bei Abschluß -der Ehe ihr Leben versichern</em>, und die Ehe unterbleibt, wenn die -Versicherung versagt wird, was in der Regel auf Grund eines ungünstigen -Ergebnisses der ärztlichen Untersuchung geschieht. Möge sich wenigstem -dieser Gebrauch rasch einbürgern.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Kapitel_9">9. Kapitel.<br /> - -<b>Ehe oder freie Liebe.</b></h2> - -</div> - -<p>Angesichts der Ekelhaftigkeit und Gefährlichkeit der Prostitution, wie -sie soeben geschildert worden ist, werden sich gar manche versucht -fühlen, in einem sog. „Verhältnis“ Befriedigung zu suchen bis zu dem -Zeitpunkte, wo sie imstande sind, eine Ehe zu schließen. Sie mögen aber -folgendes zu Herzen nehmen:</p> - -<p>Volle Sicherheit vor Ansteckung würde ein solches Verhältnis nur -dann bieten, wenn es mit einer Jungfrau eingegangen wird und wenn -beiderseits strenge Treue bewahrt wird, denn bei der heutigen -Verbreitung der Geschlechtskrankheiten ist, wie schon früher betont -wurde, <em class="gesperrt">jeder</em><span class="pagenum"><a name="Seite_101" id="Seite_101">= 101 =</a></span> polygamische Verkehr in hohem Grade gefährlich. -Bei einem Mädchen, das sich leichten Herzens, etwa gar gegen Entgelt -in irgendwelcher, wenn auch verhüllter Form, zu einem solchen -„Verhältnisse“ hergibt, darf man aber nicht auf Treue rechnen. Wenn -es, wie dies so häufig der Fall ist, schon von Hand zu Hand gewandert -ist, ist es kaum weniger gefährlich als die offenkundige Prostituierte. -Auch davor sollte sich der von Streben nach Höherem erfüllte junge -Mann scheuen, daß das Zusammenleben mit einem Mädchen, das geistig und -gemütlich tief steht, das kein Verständnis für seine Ziele hat und nur -triviale Vergnügungen kennt, sein eigenes Kulturniveau erniedrigen muß. -Ein solches „Liebesverhältnis“ beschmutzt <em class="gesperrt">seelisch</em> weit mehr als -der gelegentliche Besuch bei einer Prostituierten, der den Charakter -einer Notdurftsverrichtung, wie der Besuch eines öffentlichen Aborts, -hat.</p> - -<p>Der unerfahrene Jüngling lasse sich auch gesagt sein, daß für ein -weibliches Wesen nichts leichter ist, als Liebe und Verlangen zu -heucheln, und daß es nicht wenige niedrig denkende Weiber gibt, die mit -klarer Überlegung auf den Fang von solchen Gimpeln ausgehen, die, durch -den Geschlechtstrieb blind gemacht, bereit sind, der Frau, welche ihnen -Liebe heuchelt und die letzte Gunst gewährt, Geld und Arbeitskraft zu -opfern, ihr die Sorge um den Lebensunterhalt wenigstens für einige -Zeit, wenn nicht für immer abzunehmen, ihre Luxusbedürfnisse und -Launen zu befriedigen. Gar mancher Harmlose meint zu erobern, während -er wehrlos gefangen wird. Die Frau, die im selbständigen Lebenskampfe -dem Manne nicht gewachsen ist, besitzt in der klugen Benutzung des -männlichen Triebes eine Waffe, deren rücksichtsloser Gebrauch ihr nicht -allzu selten vollen Triumph verschafft.</p> - -<p>In den Augen der Kurtisane ist der Mann ein dumm-gieriges Tier, das -dazu da ist, für die Frau zu<span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102">= 102 =</a></span> arbeiten, und, wenn es ihr Gut und Blut -geopfert hat, noch immer dankbar sein muß, wenn sie es zu sich ins -Bett läßt. Eine solche Gesinnung hat früher in der bürgerlichen Welt -als verächtlich gegolten; die moderne Selbstvergötterung der Frau hat -es aber fertiggebracht, auch die „Dame“ für diese Auffassung und deren -sehr einträgliche Verwertung in der Ehe zu begeistern. Die Frau ist -die Krone der Schöpfung; der Mann ein Wesen niederer Art, geschaffen, -sie zu ernähren und zu bedienen! Amerika und England sind hierin die -leuchtenden Vorbilder für das „rückständige“ Deutschland. Für diese -Sorte Weiber gilt das Wort Nietzsches: „Wenn du zum Weibe gehst, vergiß -die Peitsche nicht!“</p> - -<p>Ein ehrbares, hochgesinntes Mädchen zu einem „Liebesverhältnisse -auf Zeit“ verleiten ist auch dann ein unverantwortliches Beginnen, -wenn es mit voller Offenheit über die Endabsichten geschieht. -Selbstverständlich ist es eine Schlechtigkeit, Kinder in die Welt zu -setzen, für die man nicht sorgen will oder nicht sorgen kann. Das -Schicksal der unehelichen Kinder ist ein überaus trauriges. Ihre -Sterblichkeit ist im Vergleiche mit jener der ehelichen Kinder sehr -hoch; die Zahl der Militärdiensttauglichen unter ihnen ist niedrig. -Zeigen diese Tatsachen, wie schlecht es im Durchschnitt mit ihrer -körperlichen Gesundheit steht, so lehrt die verhältnismäßig große Zahl -von Geisteskranken, Selbstmördern, Trinkern und Verbrechern unter -ihnen, daß auch ihre geistige Gesundheit keine bessere ist. Wenn auch -sehr viel davon Erbschaft der Minderwertigkeit ihrer leichtsinnigen -Erzeuger ist, so haben doch auch ungenügende Pflege und Erziehung einen -wesentlichen Anteil daran. Kein halbwegs gewissenhafter Mann wird -es also auf die Möglichkeit der Erzeugung eines unehelichen Kindes -ankommen lassen wollen. Er könnte von vornherein bei einem solchen -Verhältnisse nur an Geschlechtsverkehr mit<span class="pagenum"><a name="Seite_103" id="Seite_103">= 103 =</a></span> Verhinderung der Empfängnis -denken. Er möge aber zunächst sich klarmachen, wie leicht in einem -Augenblicke leidenschaftlichster Erregung alle Vorsätze vergessen -werden, das Nichtbeabsichtigte doch geschehen kann. Und selbst dann, -wenn das Schlimmste, leichtsinnige Schwängerung, vermieden wird, bleibt -ein solches Verhältnis unsittlich, ein Verstoß gegen die Nächstenliebe -wie gegen eine der wichtigsten Forderungen sozialen Lebens.</p> - -<p>Ich will nicht davon reden, daß schon die Entjungferung an sich dem -Mädchen Schaden bringt, indem sie ihm das spätere Eingehen der Ehe -erschwert, da der Mann mit vollem Recht die unberührte Frau als Gattin -bevorzugt.</p> - -<p>Die Hauptsache ist, daß es ohne Schädigung oder tiefe Verwundung -der weiblichen Seele dabei nicht abgeht. Der Wunsch nach -Mutterschaft ist der gutgearteten Frau eingeboren. Nur dann, wenn -der Geschlechtsverkehr ihr die Hoffnung eröffnet, Mutter zu werden, -beglückt er sie vollkommen. Wer eine Frau unter erbärmlichen Praktiken -in den Geschlechtsverkehr einführt, beraubt sie um die Stunde -höchster Glücksempfindung, die ihr die redliche Ehe mit den ersten -schrankenlosen Umarmungen gebracht hätte.</p> - -<p>Noch schlimmer ist der Schaden, den ihr die Auflösung des -Liebesverhältnisses bringt. Die Frau, der von der Natur die Last der -Mutterschaft auferlegt ist, sucht instinktiv bei dem Manne dauernden -Anschluß, dauernden Schutz. Daher die Innigkeit der Liebe der rechten -Ehefrau, die weit über ihre Freude am physischen Genusse hinausgeht, -daher ihre Treue und ihr Verlangen nach Treue. Auch wenn sie das -Liebesverhältnis eingegangen haben sollte mit dem vollen Bewußtsein, -daß es nur eine Episode werden solle, unvermerkt wird es ihr zum -wesentlichen Lebensinhalt, so daß seine Auflösung eine Wunde setzt, -die nur schwierig vernarbt und fürs ganze Leben schmerzt. Der besser -ver<span class="pagenum"><a name="Seite_104" id="Seite_104">= 104 =</a></span>anlagte Mann, der diesen Kummer kommen sieht, fühlt sich dann oft -außerstande, das Band zu zerreißen, und sieht sich durch Mitleid an -ein Wesen gefesselt, das vielleicht doch nicht in seine Lebenssphäre -paßt, doch nicht alle jene Eigenschaften besitzt, die er bei seiner -Lebensgefährtin gewünscht hätte.</p> - -<p>Gelingt es dem Manne aber, der Frau seine eigenen brutal sinnlichen, -polygamischen Neigungen beizubringen, dann zerstört er in ihr die -sozial wertvollsten Empfindungen, dann macht er sie auch seelisch -untauglich, eine gute Gattin und Mutter zu werden.</p> - -<p>Wir müssen die Keuschheit der Frau als höchstes soziales Gut schätzen -und pflegen, denn in der Keuschheit der Frau ist die einzige sichere -Bürgschaft dafür gegeben, daß wir wirklich die Väter unserer Kinder -sein werden, daß wir für unser eigenes Blut uns mühen und schaffen. -Ohne diese Bürgschaft aber keine Möglichkeit eines gesicherten, innigen -Familienlebens, dieser auf absehbare Zeit unentbehrlichen Grundlage für -das Gedeihen von Volk und Staat. Darin und nicht in der selbstsüchtigen -Willkür des Mannes ist es begründet, daß Gesetz und Sitte strengere -Anforderungen an die Frau bezüglich Keuschheit vor der Ehe und Treue in -der Ehe stellen als an den Mann. Es steht bei ihrer Ungebundenheit viel -mehr auf dem Spiele als bei seiner.</p> - -<p>Man schwärmt heute viel von der „Freien Liebe“ mit wirtschaftlicher -Unabhängigkeit von Mann und Frau, als Ersatz für die heutige, -bürgerliche Ehe, deren Schattenseiten und Härten man nicht schwarz -genug zu schildern weiß. Aber diese Schwärmereien, die ihr Bestechendes -haben, sind vom hygienischen Standpunkte aus verwerflich. Sie müssen -daran scheitern, daß es über die physische Leistungfähigkeit der -ungeheuren Mehrheit der Frauen hinausgeht, neben den Bürden der -Mutterschaft und der<span class="pagenum"><a name="Seite_105" id="Seite_105">= 105 =</a></span> Pflege und Aufzucht der Kinder auch noch die des -selbständigen Erwerbes zu tragen.</p> - -<p>Das Verderblichste an der sog. Frauenemanzipation und der Erwerbsarbeit -der verheirateten Frau liegt darin, daß in dem Widerstreite zwischen -Mutterschaft und Berufspflichten in der Regel die erstere den kürzeren -zieht. Wenn überhaupt Kinder kommen, sind sie meistens kümmerlich. In -der Regel hintertreibt man die Entstehung von Kindern von vornherein. -Nichts gefährdet die Fruchtbarkeit der Kulturvölker mehr als die -moderne außerhäusliche Erwerbsarbeit der Frau und die aus ihr -hervorgegangene Frauenbewegung.</p> - -<p>Die Teilung der Arbeit zwischen Mann und Weib im gemeinschaftlichen -Wirtschaftsbetriebe der Familie ist gerade für die Frau ein -physiologisches und kulturelles Bedürfnis. Sie sichert auch den -Kindern am besten Pflege und Erziehung. Es wäre ein ungeheurer -Rückschritt gerade im Sinne individueller Entwicklung, wenn an Stelle -der Familienerziehung Massenaufzucht in öffentlichen Anstalten treten -würde. Dies wäre, nebenbei bemerkt, auch ein ungeheurer Verlust an -jenen Lustempfindungen, die dem Menschen aus dem Zusammenleben von -Eltern und Kindern erwachsen.</p> - -<p>Gewiß wird es in jeder Ehe Zeiten — wenn auch vielleicht nur -Augenblicke — hochgradiger Verstimmung geben, wo es als drückende Last -empfunden wird, aneinandergefesselt zu sein. Über solche unglückliche -Störungen werden jene Gatten am leichtesten hinwegkommen, die keusch in -die Ehe eingetreten und einander treu geblieben sind. Der Liebesgenuß, -den sie ausschließlich beieinander zu suchen und zu finden gewohnt -sind, ist etwas unendlich Süßes, das sie immer wieder zusammenführt und -versöhnt.</p> - -<p>Alles in allem genommen ist die Ehe der richtige Boden für heiteres -Gedeihen von Mann, Weib und Kind, und<span class="pagenum"><a name="Seite_106" id="Seite_106">= 106 =</a></span> gehen diejenigen nicht irre, die -sich nach der Ehe sehnen und nach ihr trachten!</p> - -<p>Wie wenig wissen überhaupt diejenigen, welche immer nur an die -körperliche Schönheit des jungen Weibes und an den physischen -Geschlechtsgenuß denken und welche die Menschen bejammern, daß sie -durch Gesetz und öffentliche Meinung im geschlechtlichen Verkehr auf -ein einziges Individuum beschränkt werden, von dem Glücke, das aus dem -<em class="gesperrt">seelischen</em> Unterschiede und der <em class="gesperrt">seelischen</em> Anziehung von -Mann und Weib zu erwachsen vermag! Wie bedauernswert sind diejenigen, -die im Weibe nur das jagdbare Wild sehen, an dem man seine Stärke und -seine List übt und an dem man, wenn man es gefangen hat, als Tier mit -dem Tiere seinen physischen Drang befriedigt, solange einem dies Spaß -macht! Sie ahnen nicht, daß auf der Grundlage gegenseitiger Achtung, -Treue und Güte zwischen Mann und Weib ein Bund der Kameradschaft und -Freundschaft entsteht, der, indem er Leib <em class="gesperrt">und</em> Gemüt befriedigt, -weit höhere und dauerhaftere Glücksgefühle bereitet als der rasch -verfliegende Rausch der Brunst.</p> - -<p>Der erwachende Jüngling betrachtet das Weib, dessen Leib und Seele dazu -geschaffen ist, Mutter zu werden, mit Ehrfurcht; mit jener Ehrfurcht, -die er seiner eigenen Mutter widmet, die ihn geboren, gesäugt und -aufgezogen hat. Möchte er doch diese Empfindung, stark und rein, -unbefleckt durch gemeinen Genuß, in die Ehe hinübernehmen. Dann wird -diese an ihm das Dichterwort völlig wahr machen können. „Das ewig -Weibliche zieht uns hinan!“</p> - -<p>Mit diesen Worten soll keineswegs eine blinde Schwärmerei für das -Weib in der Wirklichkeit erweckt werden. Nur allzu viele Weiber haben -recht wenig „Ewigweibliches“, dafür aber ein ausgiebiges Maß von -„Allzuweiblichem“ in sich, geradeso wie die meisten Männer Mangel -an „Ewig<span class="pagenum"><a name="Seite_107" id="Seite_107">= 107 =</a></span>männlichem“ und Überfluß an „Allzumännlichem“ leiden. Aber -durch gewissenhafte Arbeit kann aus wenigem viel und aus viel wenig -gemacht werden. Je höher das Ziel ist, nach dem wir streben, um so -Höheres werden wir erreichen. Wer einem anderen Menschen von vornherein -zeigt, daß er ihn keiner höheren Leistung für fähig hält, wird ihn -auch niemals zu einer solchen bringen. Je reiner und edler das Ideal -der Weiblichkeit ist, das der Mann erträumt und ersehnt, je größeres -Vertrauen er in die Fähigkeit der Frau setzt, sich diesem Ideale zu -nähern, um so besser wird es ihm gelingen, die vorhandenen Keime -des Ewigweiblichen im Weibe zu wecken. Je niedriger er die Frau von -vornherein bewertet, um so mehr Niedriges wird er auch in ihr finden. -Der Mann vergesse nie, daß er zur Führerschaft berufen ist, und daß, -wenn er als Führer versagt, das ganze Volk in die Irre gehen muß.</p> - -<p>Natürlich gilt ganz Ähnliches wie von dem Einflusse des Mannes auf die -Frau auch vom Einflusse der Frau auf den Mann. Kaum etwas spornt den -Mann mehr zur Tat als der Beifall der Frau. Nicht als Kämpferin auf dem -Kampfplatz der Männer, aber als <em class="gesperrt">Kranzspenderin</em> lenkt die Frau -die völkische Entwicklung mit. Wenn sie nur dem <em class="gesperrt">edlen</em> Wettstreit -ihren Beifall spendet, nur <em class="gesperrt">nützliches</em>, <em class="gesperrt">tüchtiges</em> und -<em class="gesperrt">rechtschaffenes Handeln</em> belobt und belohnt, leistet sie ihrem -Volk den besten Dienst. Der Adel ihres Wesens und Verhaltens bestimmt -den Adel ihres Hauswesens, die Gesittung ihrer Familie.</p> - -<p>Die Macht der Frau als Gattin und Mutter ist so groß, daß sie mitten -in einer Wüste von Dummheit und Ichsucht, an deren Urbarmachung die -treueste Arbeit des Mannes scheitert, eine Oase von Seelenhoheit und -Glück zu schaffen vermag, — wenn sie nur selbst ein reines Herz -besitzt! Nur der Umstand, daß in der modernen Frauenbewegung alte -Jungfern das große Wort führen, die in<span class="pagenum"><a name="Seite_108" id="Seite_108">= 108 =</a></span>folge ihres bedauerlichen -Schicksals von der Größe und Herrlichkeit des wahren Frauenberufes -nichts ahnen, macht es verständlich, daß die „moderne Frau“ das -Reich der Ehe und Familie, wo die Frau als Verwirklicherin des -Ideals edler Menschlichkeit den Kreis ihrer Lieben beglücken und -dadurch unberechenbare Fernwirkungen ausüben kann, als Gefängnis -haßt und verachtet und mit unbelehrbarer Leidenschaftlichkeit in die -unerfreuliche Welt des Mannes hineindrängt, um dort auf seinen Wegen -kümmerlich dahinzukriechen. Dorthin, wo ein — wenn auch kleines — -Reich dauernden Friedens bestehen kann, trägt die „Emanzipierte“ mit -ihrer Selbstsucht Unruhe und Kampf; in der Welt des Mannes aber, für -welche Kampf und Krieg unerschütterliches Gesetz sind, will sie, in -der richtigen Einsicht, daß der Krieg die Unfähigkeit der Frau für -das Staatsleben zu völliger Nacktheit enthüllt, den „ewigen Frieden“ -stiften, wobei sie nichts anderes erreichen kann, als den Herzen der -Männer Schwachheit, Wehleidigkeit und Feigheit einzuflößen.</p> - -<p>Es gehört zu den größten Mängeln unserer gesellschaftlichen -Einrichtungen, daß sie der Mehrzahl erst lange nach Eintritt der -Geschlechtsreife das Eingehen der Ehe gestatten. <em class="gesperrt">Wie viele -könnten aber auch unter den heutigen Verhältnissen längst die Wonnen -jugendkräftiger Liebe ohne Gewissensskrupel in der Ehe genießen, wenn -sie mit einem bescheidenen Haushalte zufrieden wären, wenn nicht -der Hang nach trägem Wohlleben und nichtigem Luxus oder töricht -überspannter Ehrgeiz sie von der Ehe zurückschrecken würde!</em></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_109" id="Seite_109">= 109 =</a></span></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Ich bin am Schlusse meiner Erörterungen angelangt. Aus der -ungeschminkten Darstellung der Wirklichkeit ergeben sich ungezwungen -die Folgerungen. Die Hygiene kommt zu ganz denselben Forderungen -wie die Moral. Die oberste Forderung ist: <em class="gesperrt">daß jeder seinen -Geschlechtstrieb beherrschen lernen muß</em>! Enthaltsamkeit von allen -geschlechtlichen Genüssen bis zum Eintritt der vollen Geschlechtsreife -und bis zur Vollendung des eigenen Wachstums! Befriedigung des -Geschlechtstriebes ausschließlich in der Ehe! Maßhalten im Genusse; -auch in der Ehe!</p> - -<p>Die Zahl der Kinder darf man nicht so weit anwachsen lassen, daß es der -Familie unmöglich wird, sie zu ernähren und aufzuziehen.</p> - -<p>Die Erzeugung von Kindern, die voraussichtlich krank oder minderwertig -geraten würden, muß unterlassen werden.</p> - -<p>Dagegen hat der Gesunde und Tüchtige seinem Volke gegenüber -geradezu die Pflicht, zahlreiche Nachkommen zu erzeugen. Es ist -ein unersetzlicher Verlust für die Nation und eine Sünde an ihr, -wenn — wie dies so häufig geschieht — gerade geistig und sittlich -hochstehende und dabei körperlich gesunde Männer ehelos bleiben und -sich der Fortpflanzung enthalten, wenn so gerade der edelste Keimstoff -vergeudet wird! Heute mehr als je, da uns der Weltkrieg Hunderttausende -von Männern bester Art geraubt hat!</p> - -<p><em class="gesperrt">Regelung des ganzen Geschlechtslebens im Dienste der Fortpflanzung! -Veredelung des rein tierischen Verkehrs zu einer sittlichen -Gemeinschaft!</em></p> - -<p>Dies ist das Ideal! Möge die Jungmannschaft ihm aus allen Kräften -nachstreben zum Wohle von Volk und Staat!</p> - -<hr class="full" /> - -<div class="reklame bbox"> - -<p class="center mbot1">Soeben erschien:</p> - -<p class="s2 center">Hygiene der Nerven und des Geistes</p> - -<p class="s4 center mtop1">Von Prof. Dr. <b>Aug. Forel</b></p> - -<p class="center mtop1 u">Vierte, verbesserte und erweiterte Auflage</p> - -<p class="center mtop1"><em class="gesperrt">348 Seiten mit Tafeln und Textbildern</em></p> - -<p class="center mbot1">Geheftet M 3.40 :: Gebunden M 4.20</p> - -<p class="p0 s5"><span class="drop-cap">D</span>er berühmte Gelehrte räumt in diesem Werke mit den vielen landläufigen -Vorurteilen, all den bequemen Schlagwörtern von Modekrankheit, -von Überbürdung mit Arbeit u. a. und all den verkehrten Ansichten -über unsere Lebensweise gründlich auf. Seine Darstellung spricht -zum Verstande und zum Herzen, sie weist klar und sicher auf die -vielfältigen Ursachen der Nervosität hin und auf die Fehler, die -der Kulturmensch gewohnheitsmäßig Tag für Tag macht und dadurch -sein Nervenleiden selbst verschuldet. Der Verfasser zeigt Mittel -und Wege zur Gesunderhaltung der Nerven und zur Herbeiführung ihrer -Wiedergesundung. Die Darstellung der Nervenhygiene des Kindesalters, -die das Buch gibt, verdient die besondere Beachtung aller Kreise.</p> - -</div> - -<div class="reklame"> - -<p class="s2 center padtop3 mbot1 break-before"><b>Bücherei der -Gesundheitspflege</b></p> - -<p class="center mbot1 nowrap">········ Herausgeber: ········</p> - -<p class="center mbot3">Obermed.-Rat <b>Dr. F. v. Gußmann</b> und Geh. -Medizinalrat <b>Prof. Dr. M. Rubner</b> a. d. Universität Berlin</p> - -<p class="p0 s5 mbot1">Die Bedeutung einer verständigen Gesundheitspflege erschließt sich -in neuerer Zeit immer weiteren Kreisen. Dem Laien, der sich über -ihre Aufgaben und Ziele genau unterrichten will, bietet sich in -der „Bücherei der Gesundheitspflege“ die beste Gelegenheit, über -alle Fragen der allgemeinen wie der speziellen Hygiene belehrt zu -werden. Die Arbeiten dieser Sammlung sind wahre Meisterstücke der -Volksaufklärungskunst. Wissenschaftlicher Ernst durchdringt ein jedes -der prächtigen Bücher. Klare, übersichtliche Anordnung des Materials, -deutliche, schöne Abbildungen, die berühmten Namen der Autoren, von -denen jeder eine Größe in seinem Fache ist, endlich der äußerst -geringe Preis lassen die „Bücherei der Gesundheitspflege“ ungemein -empfehlenswert erscheinen. Die Sammlung wurde auf der Ausstellung -für Wohlfahrts- und Gesundheitspflege in Berlin sowohl wie auf -der Allgemeinen hygienischen Ausstellung in Wien mit der goldenen -Medaille, und auf der Weltausstellung in Brüssel mit dem Ehrendiplom -ausgezeichnet.</p> - -<p class="center">— Verzeichnis der erschienenen Bände -nebenstehend. —</p> - -</div> - - -<div class="reklame"> - -<div class="s6"> - -<p class="hang1_5"><b>Aufgaben, Zweck und Ziele der Gesundheitspflege</b> von Geh. -Med.-Rat Prof. Dr. Orth. Brosch. M —.80. Eleg. geb. M 1.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Bakterien, Infektionskrankheiten und deren Bekämpfung</b> von -Hofrat Pro. Dr. Schottelius. Mit 33 Taf. Br. M 5.—. Eleg. geb. M -6.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Gesundheitspflege im täglichen Leben</b> von Prof. Dr. Grawitz. -Brosch. M 1.50. Geb. M 2.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene des Auges</b> von Prof. Dr. v. Sicherer. Mit vielen -Abbild. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes</b> von Prof. -Dr. Neumayer. Mit Tafeln und Abbildungen. Br. M 1.80. Geb. M 2.25.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene der Zähne und des Mundes</b> von Prof. Dr. Port. Mit 4 -Taf. u. Abbildungen. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene der Lunge</b> von Prof. Dr. v. Schrötter. Mit 18 -Originalabbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene der Nerven und des Geistes</b> von Prof. Dr. Forel. Mit -4 Tafeln und 6 Textabbild. Brosch. M 3.40. Geb. M 4.20.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene des Magens, des Darms, der Leber und der Niere</b> von -Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ewald. Mit Tafeln und Illustrationen. -Brosch. M 2.—. Geb. M 2.50.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene des Stoffwechsels</b> von Prof. Dr. Dennig. Brosch. M -1.20. Geb. M 1.50.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene des Blutes</b> von Medizinalrat Dr. Walz. Mit 4 kol. -Abbild. Br. M 1.20. Geb. M 1.50.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene des Herzens und der Blutgefäße</b> von Prof. Dr. -Eichhorst. Mit 9 Tafeln. Brosch. M 2.—. Geb. M 2.50.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene der Haut, Haare und Nägel</b> von Prof. Dr. Riecke. Mit -17 Originalabbildungen. Brosch. M 2.40. Geb. M 3.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene des Geschlechtslebens</b> von Obermedizinalrat Professor -Dr. v. Gruber. Mit 4 Taf. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Entstehung und Verhütung der menschlichen Mißgestalt</b> von -Prof. Dr. Lange und Prof. Dr. Trumpp. Mit 125 Abbildungen. Brosch. -M 1.60. Geb. M 2.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Säuglingspflege und allgemeine Kinderpflege</b> von Prof. Dr. -Trumpp. Mit 35 Abbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Körper- und Geistespflege im schulpflichtigen Alter</b> von -Professor Dr. Trumpp. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Gesundheitspflege für Frauen und Mütter</b> von Prof. Dr. S. -Gottschalk. Mit 7 Tafeln und 32 Textbildern. Brosch. M 2.40. -Gebunden M 3.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft</b> von Dr. -Jaerschky. Mit 42 Illustrationen. Brosch. M 1.60. Elegant geb. M -2.—. Übungstafeln apart M —.80.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Körperpflege durch Wasseranwendung</b> von Prof. Dr. Rieder. Mit -10 Tafeln und 16 Textabbild. Brosch. M 2.40. Eleg. geb. M 3.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Hygiene der Kleidung</b> von Prof. Dr. Jaeger und Frau Anna -Jaeger. Mit 94 Abbildungen. Brosch. M 2.50. Geb. M 5.—.</p> - -<p class="hang1_5"><b>Nahrungsmittel- u. Ernährungskunde</b> von Geh. Medizinalrat -Prof. Dr. Rubner. Mit viel. Tabellen. Brosch. M. 2.—. Eleg. geb. M -2.50.</p></div> - -<p class="s5 center mtop1 mbot1">Ausführliche Prospekte versendet kostenfrei -der Verlag:</p> - -<p class="s3 center"><b>Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.</b></p> - -</div> - -<hr class="full" /> - -<div class="footnotes break-before"> - -<p class="s2 center">FUSSNOTEN:</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_A_1" id="Fussnote_A_1"></a><a href="#FNAnker_A_1"><span class="label">[A]</span></a> Zum Glück für die anderen Organismen mit geringerer -Vermehrungsfähigkeit werden die Umstände rasch ungünstiger in dem Maße, -als die Zahl der Nachkommen zunimmt, so daß in der Wirklichkeit die -Nachkommenschaft niemals in annähernd so raschem Tempo wächst. Immerhin -macht uns ihre außerordentlich große Vermehrungsfähigkeit begreiflich, -wieso diese winzig kleinen Wesen rasch so gewaltige Veränderungen -hervorrufen können, wie wir sie bei der Gärung und Fäulnis oder bei -gewissen ansteckenden Krankheiten beobachten.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_B_2" id="Fussnote_B_2"></a><a href="#FNAnker_B_2"><span class="label">[B]</span></a> Von dieser Regel gibt es viele Ausnahmen. Es sind -Fälle von Befruchtung durch 11jährige Knaben bekannt. Ebenso kommt -verspäteter Eintritt der Geschlechtsreife vor.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_C_3" id="Fussnote_C_3"></a><a href="#FNAnker_C_3"><span class="label">[C]</span></a> Auch der Säfteverlust durch die häufige Samenentleerung -mag schädlich sein, obwohl die entleerten Mengen selbst bei extremer -Ausschweifung so klein sind, daß an einen schädlichen Verlust von -Eiweiß nicht zu denken ist. Es ist möglich, daß der Verlust von -spezifischen Absonderungsprodukten der Hoden empfunden wird, die bei -Mäßigkeit zum Teil wieder aufgesogen worden wären. (S. o.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_D_4" id="Fussnote_D_4"></a><a href="#FNAnker_D_4"><span class="label">[D]</span></a> Die Einführung des Gliedes in die durch zersetztes Blut -verunreinigten weiblichen Geschlechtsteile kann übrigens auch beim -Manne zu Entzündungen und kleinen Abszessen an der Eichel und an der -Vorhaut Anlaß geben.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_E_5" id="Fussnote_E_5"></a><a href="#FNAnker_E_5"><span class="label">[E]</span></a> Es kann auch Schwängerung erfolgen, wenn der Samen außen -auf die Schamspalte oder in deren Nähe ergossen worden ist.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_F_6" id="Fussnote_F_6"></a><a href="#FNAnker_F_6"><span class="label">[F]</span></a> Bei der Entstehung der Paralyse scheint auch nicht selten -der Alkoholmißbrauch beteiligt zu sein.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_G_7" id="Fussnote_G_7"></a><a href="#FNAnker_G_7"><span class="label">[G]</span></a> Auch in diesen Fällen gewährt der Kondom einen wertvollen, -wenn auch keineswegs ganz sicheren Schutz.</p></div> - -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of Project Gutenberg's Hygiene des Geschlechtslebens, by Max Gruber - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYGIENE DES GESCHLECHTSLEBENS *** - -***** This file should be named 53823-h.htm or 53823-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/8/2/53823/ - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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