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-Project Gutenberg's Sagenbuch des Erzgebirges, by Johann August Ernst Köhler
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Sagenbuch des Erzgebirges
-
-Author: Johann August Ernst Köhler
-
-Release Date: October 16, 2016 [EBook #53292]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net. (This file was produced from images
-generously made available by SLUB: Sächsische
-Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek
-Dresden at http://www.slub-dresden.de )
-
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-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt.
-
- Im Original gesperrter Text ist hier +so ausgezeichnet+.
-
- Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~.
-
- Im Original fetter Text ist =so ausgezeichnet=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des
- Buches.
-
-
-
-
- Sagenbuch
-
- des Erzgebirges
-
- von
-
- ~Dr.~ Joh. Aug. Ernst Köhler,
-
- erstem Oberlehrer am Königlichen Seminare in Schneeberg,
- Vorsitzendem im Gesamtvorstande des Erzgebirgsvereins,
- Ehrenmitgliede der oberlaus. Gesellschaft der Wissenschaften
- in Görlitz sowie des vogtländ. altertumsforschenden
- Vereins in Hohenleuben, Mitgliede des Altertumsvereins zu
- Freiberg, Ehren- und korrespondierendem Mitgliede mehrerer
- naturwissenschaftlichen Gesellschaften u. s. w.
-
- Schneeberg und Schwarzenberg.
-
- Verlag und Druck von Carl Moritz Gärtner.
-
- 1886.
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-In einer Zeit, da sich die Teilnahme weiterer Kreise dem Erzgebirge,
-seiner Natur und dem auf demselben pulsierenden Volksleben zugewandt
-hat, verdienten gleich den Sitten und Gebräuchen und den schlichten
-Volksliedern auch die Sagen gesammelt und zu einem Ganzen vereinigt
-zu werden. Besitzen doch andere deutsche Gebirge schon längst ihre
-Sagensammlungen. Zwar haben bereits in den Jahren 1822 und 1824
-Dietrich und Textor zwei Bändchen erzgebirgischer Sagen herausgegeben;
-niemand aber, der diese 22 Nummern starke Sammlung kennt, wird
-behaupten wollen, daß uns in derselben ein wirkliches Sagenbuch des
-Gebirgs geschenkt wurde. Einem solchen haben in anerkennenswerter Weise
-Gräße und Ziehnert durch ihre sächsischen, Grohmann, Bernau, Wenisch
-und andere durch ihre böhmischen Sagen vorgearbeitet, und ebenso bieten
-Chroniken und die periodische Litteratur viel zerstreutes Material, das
-mit den immer spärlicher werdenden mündlichen Überlieferungen zu einem
-erzgebirgischen Sagenbuche vereinigt werden mußte.
-
-Das Erzgebirge ist ein völlig abgeschlossenes Ganzes, dessen
-südliche Grenze von den Teplitzer und Komotauer Kohlenmulden
-und dem Egerthale bis Mariakulm gebildet wird. Dabei haben wir
-das sogenannte »Elstergebirge«, welches geologisch jedoch keine
-Selbständigkeit beanspruchen kann, sondern als nordöstlicher Ausläufer
-des Fichtelgebirgs zu betrachten ist und dasselbe unmerklich mit dem
-Erzgebirge verbindet, von letzterem abgetrennt. Der quellenreiche
-Abhang des Schönecker Schieferplateaus mit seinen tief eingeschnittenen
-Thälern und steilen Abhängen trägt jedoch so unverkennbar den
-erzgebirgischen Charakter an sich, daß wir dasselbe auch in unser
-Sagengebiet mit eingeschlossen haben. In Böhmen würde der gegen
-Schönbach gekehrte Abfall und der Leibitschkamm mit den Mariakulmer
-Bergen die westliche Grenze bilden. Von dem Schönecker Plateau ist
-dieselbe dann weiter über Falkenstein und Auerbach ins Göltzschthal und
-von dort an der Westgrenze der Kirchberger Granitinsel über Irfers- und
-Hauptmannsgrün bis in die Gegend von Neumark und an der Pleiße abwärts
-nach Frankenhausen bei Crimmitschau zu ziehen. Da das erzgebirgische
-Becken in vorliegender Sagensammlung ebenfalls berücksichtigt
-worden ist, so verläuft die Nordgrenze des Gebiets nordöstlich von
-Crimmitschau über Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Oberrabenstein,
-etwas nördlich an Chemnitz vorüber nach Frankenberg, Hainichen und
-Siebenlehn nach Nossen. Die Ostgrenze zieht sich von Nossen über
-Tharand, den Wilisch nach Gottleuba und von da bis nahe an die Tyssaer
-Wände, westlich vom hohen Schneeberge fort. Obschon diese östliche
-Grenze gewöhnlich von Nossen aus über Grillenburg nach Dorfhain und
-Seifersdorf südlich von Tharand und Rabenau gezogen wird, so glaubte
-der Verfasser doch beide letztgenannten Orte mit einschließen zu
-müssen, da der bis an die Weißeritz sich fortsetzende Tharander Wald
-nur als ein letzter Ausläufer des Erzgebirges anzusehen ist.
-
-Im Jahre 805 zog ein Teil des Heeres bei dem Feldzuge, welchen König
-Karl, Kaiser Karls des Großen Sohn unternahm, über »Fergunna«, d.
-h. das Waldgebirge, worunter jedenfalls das Erzgebirge als ein
-Glied des Ptolemäischen Sudetengebirges, verstanden werden muß.
-Unser vaterländisches Gebirge war zu jener Zeit noch unbewohnt und
-dunkler Nadelwald bedeckte dasselbe. Im 10. und 11. Jahrhunderte
-tritt daher der Name »Miriquidi«, d. h. Schwarzwald, für dasselbe
-auf, welcher jedoch auch den Colditzer Wald, nicht aber das östliche
-Erzgebirge umfaßte. In den darauf folgenden Jahrhunderten finden wir
-des Erzgebirges nicht besonders gedacht, denn der Anbau schritt auf
-demselben nur sehr sparsam fort. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts
-aber begegnet man neben den Bezeichnungen »böhmisches Gebirge« und
-»böhmischer Wald« vereinzelt bei Petrus Albinus auch dem Namen
-»Erzgebirge«, womit jedoch nicht das ganze Gebirge, sondern nur die
-Gegenden bezeichnet wurden, in denen Bergbau getrieben ward. Selbst in
-der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die letztere Bezeichnung
-noch nicht recht eingebürgert, obschon wir jetzt bereits dem Ausdrucke
-»erzgebirgischer Kreis« begegnen.
-
-Aus dem »Waldgebirge« war im Laufe der Jahrhunderte ein »Erzgebirge«
-geworden; ehe aber dieser Name allgemeinen Eingang in der
-geographischen Litteratur gefunden hatte, waren schon längst die
-ersten Gruben zur Erzgewinnung im Betriebe. Wenn auch die slavischen
-Bewohner an dem Fuße des Gebirges in den Sudpanien Daleminzi und
-Chutizi, welche letztere sich selbst in die Thäler des alten Miriquidi
-hinaufzog, vorherrschend Ackerbau trieben, so haben sie doch als
-nicht ungeschickte Metallbearbeiter jedenfalls auch Erze gesucht.
-Der älteste erzgebirgische Bergbau bezog sich vielleicht nur auf die
-Gewinnung von Zinn-, Kupfer- und Eisenerzen, und erst später trat der
-Silberbergbau hinzu. Letzterer veranlaßte die Gründung Freibergs in
-der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Damals kamen unter ihrem
-Vogte Hermann von Gowische Harzer Bergleute, und fortgesetzt hat dann
-der Zuzug in unser Gebirge, auch aus der bayrischen Oberpfalz, dem
-Fichtelgebirge und Bezirke von Eger fortgedauert. Schon um das Jahr
-1000 hatten Einwanderungen Deutscher in die oben genannten slavischen
-Gaue stattgefunden und es wurden damals Orte, wie Sachsenfeld,
-Sachsengrün, Frankenstein, Frankenberg, Frankenhausen u. s. w.
-gegründet, welche in ihren Namen noch die Erinnerung an diese ersten
-deutschen Ansiedler erhalten haben. Ebenso weist die Übereinstimmung
-von Ortsnamen in der Eibenstocker Gegend mit solchen im egerschen
-Bezirke und in Bayern oder im Harze auf frühere Einwanderungen hin.
-Vermutlich wurde z. B. auch gegen das Ende des 15. Jahrhunderts das
-Dorf Bermsgrün von Blechschmieden aus dem Fichtelgebirge, welche das
-damals entstandene Hammerwerk Erla hinzog, angelegt; soll doch vor
-ungefähr 40 bis 50 Jahren der dortige Dialekt noch manche Ähnlichkeit
-mit dem im bayrischen Fichtelgebirge gesprochenen gehabt haben,
-ebenso wie der Chronist von Bockau, ~M.~ Georg Körner, in der Mitte
-des vorigen Jahrhunderts auf eine Verwandtschaft der Mundart in der
-Eibenstocker Gegend mit derjenigen bei Eger hinweist. Durch die
-Gründung der Bergstädte seit Ende des 14. (1395 Geyer), hauptsächlich
-jedoch im 15. (Altenberg, Schneeberg, Annaberg) und vielleicht auch
-im 16. Jahrhunderte (Hohenstein, Marienberg) wurden viele Familien
-von auswärts zur Niederlassung in unserm Gebirge veranlaßt; einzelne
-derselben gründeten selbst neue Orte, wie Blauenthal, welches seinen
-Namen der Nürnberger Familie Blaue verdankt, deren Glieder durch die
-Zwitterzechen in die dortige Gegend gezogen wurden.
-
-Bei Beachtung dieser allmählichen Besiedelung des Erzgebirges darf
-man sich nicht wundern, wenn unsere Volkssagen vielfach an solche
-des Fichtelgebirges und Harzes oder Thüringens erinnern, da es sehr
-wahrscheinlich ist, daß Berg- und Hüttenleute dieselben aus ihrer alten
-Heimat mitbrachten und mit Plätzen ihrer neuen Heimat verknüpften, wie
-ja auch Berge, Bäche und neugegründete Orte mit Namen belegt wurden,
-welche das Andenken an die heimatlichen Fluren erhalten sollten.
-
-Das Gesagte gilt in erster Linie von den Spuk- und Gespenster- sowie
-Dämonen- und Schatzsagen. Auffällig könnte dabei erscheinen, daß die
-Sagen von der während der Weihnachtszeit umherziehenden Frau Holle oder
-Perchtha, welche im Vogtlande und Thüringen, im nördlichen Franken
-über die Rhön hinaus, in der Wetterau bis zum Westerwalde und im
-Egerlande heimisch sind, im Erzgebirge gänzlich fehlen. Mutmaßlich sind
-dieselben aber hier wieder verloren gegangen, da für ihr einstmaliges
-Vorhandensein manche abergläubischen Meinungen und Gebräuche sprechen.
-~Dr.~ M. Spieß teilt z. B. mit, daß man nach dem Volksglauben im
-sächs. Obererzgebirge während der Zwölfnächte nicht klöppeln dürfe,
-weil die Klöpplerinnen ihre Spitzen beschmutzen würden, daß man die
-Reste von Speisen in der Christnacht auf dem Tische stehen, oder
-wenigstens das in ein Tischtuch eingeschlagene Brot daselbst liegen
-lasse, und daß man die Tenne in der Scheune sorgfältig reinige, weil
-die Abgeschiedenen (die Götter) um Mitternacht dort tanzen sollen u. s.
-w. (Sitten und Gebräuche des sächs. Obererzgebirges, 1862. S. 7--9.)
-
-Neben den jedenfalls aus andern deutschen Landschaften in unser
-Gebirge eingewanderten Sagen entstanden in demselben auch neue und
-ihm eigenartige. Schlummert doch die Phantasie nirgends und zu keiner
-Zeit, und so läßt sich die Sagenbildung selbst bis in die Gegenwart
-verfolgen. Ein Beispiel möge dies beweisen. Als vor einigen Jahren die
-seit Jahrhunderten verlassen gewesenen Baue des St. Georg zu Schneeberg
-wieder aufgeschlossen wurden, fand man in den Erd- und Gesteinsmassen
-neben zahlreichen Werkzeugen auch ein kleines gußeisernes Männchen.
-Dasselbe stellt eine harlekinartige Figur vor, welche vielleicht ein
-Musikinstrument in den Händen hielt und wahrscheinlich von einem der
-Trinkgefäße abbrach, die 1477 auf den bekannten Silbertisch Herzog
-Albrechts gestellt wurden. Als man bald nachher im St. Georg auch
-reiche Silbererze fand, da erzählten die Bergleute, das Männchen habe
-so gelegen, daß es mit seinem ausgestreckten linken Arme dorthin
-gezeigt habe, wo man diese Erze suchen müsse. Der den Bau leitende
-Beamte habe dieses Zeichen wohl verstanden. Wenn man nun weiß, daß der
-betreffende Beamte die kleine Figur gar nicht gefunden hatte, sondern
-daß man ihm dieselbe erst einige Tage später übergab, so wird man
-zugestehen müssen, daß hier die dichtende Phantasie der Bergknappen
-etwas schuf, was sich vielleicht nach Jahrzehnten den älteren
-Volkssagen von wunderbaren Anzeichen auf verborgene Schätze ebenbürtig
-an die Seite stellen dürfte.
-
-Wie hier die Phantasie sich einer historischen Thatsache bemächtigt
-hat, so thut sie dies auch in anderen Fällen, sie dichtet zu
-eigentümlich klingenden Namen wunderbare Sagen und so werden einzelne
-Felsen, Höhlen, Berge und die Reste alter Schlösser durch den
-poetischen Sinn der Bewohner gleichsam verschönt.
-
-Jeder Erzgebirger, der seine Heimat lieb hat, sollte sich daher auch
-ihrer Sagen freuen und diejenigen, welche noch aus der Kinderzeit in
-seine alten Tage hinüberklingen, treu bewahren.
-
-Die vorliegende Sagensammlung will ihm dabei zu Hülfe kommen und ihn
-mit dem Schatze dessen, was unser Volk gedichtet hat, bekannt machen,
-halb Vergessenes wieder auffrischen und ihm zeigen, daß in manchem,
-worüber er vielleicht gelächelt und was er nur als der kindlichen
-Einfalt zusagend angesehen hat, oft ein tiefer Sinn ruht.
-
-In den Volkssagen, wie
-
- »in des Volkes Kindermund, in Lied und Spruch der Alten,
- da rauscht manch frischer Weisheitsquell wie aus Granites Spalten.«
-
-Es gab eine Zeit, und sie ist vielleicht nicht völlig vorüber, da
-glaubte man die einfachen Stoffe, wie solche im Munde des Volkes
-lebten und noch leben, durch Zuthaten ausschmücken zu müssen. In
-diesen Fehler sind z. B. die bereits genannten Sammler Dietrich und
-Textor verfallen, in deren Erzählungen es vielfach schwierig ist, den
-eigentlichen Kern aus der novellistischen Umhüllung herauszuschälen;
-auch die in metrischer Form wiedergegebenen Sagen Ziehnerts haben
-gerade dadurch ihren Duft verloren. Der Herausgeber der vorliegenden
-Sammlung vermied aber möglichst jede der ursprünglichen Überlieferung
-fremde Ausschmückung, selbst auf die Gefahr hin, daß er damit dem
-verbildeten Geschmacke manches Lesers keinen Gefallen erwies. Er
-beherzigte vielmehr die Worte, welche die Brüder Grimm ihren »Deutschen
-Sagen« voranschicken und die kurz und bündig aussprechen, was von
-einer Sagensammlung verlangt wird. Sie lauten: »Das erste, was wir bei
-Sammlung von Sagen nicht aus den Augen gelassen haben, ist +Treue+ und
-+Wahrheit+. Die ungenügsamen Gebildeten haben nicht bloß die wirkliche
-Geschichte, sondern auch das gleich unverletzliche Gut der Sage mit
-Unwahrheiten zu vermengen, zu überfüllen und überbieten getrachtet.
-Wir haben arme Sagen nicht reich machen mögen, weder aus einer
-Zusammenfügung mehrerer kleinen, wobei zur Not der Stoff geblieben,
-Zuschnitt und Färbung aber verloren gegangen wäre, noch gar durch
-unerlaubte, fremde Zuthaten, die mit nichts zu beschönigen sind.«
-Schlicht und einfach erzählt das Volk und in gleicher Form müssen auch
-seine Sagen der möglichen Vergessenheit entrissen werden. Daß mich bei
-der vorliegenden Sammlung einzelne meiner Schüler unterstützten, welche
-in dem Elternhause manche Sage hörten, die mir vielleicht entgangen
-wäre, habe ich mit Dank anzuerkennen, und ebenso gebührt allen andern,
-welche mir in gleicher Weise behülflich waren, mein verbindlichster
-Dank, auch wenn ihre Namen, die mir nach der Aufzeichnung der
-mündlichen Mitteilungen nicht mehr in der Erinnerung geblieben waren,
-hie und da fehlen sollten.
-
-Das Sagenbuch des Erzgebirge berücksichtigt, wie sich ja schon aus der
-vorangeschickten Umgrenzung des Gebietes ergiebt, neben dem sächsischen
-auch den böhmischen Teil des Gebirgs. War doch das Volksleben in den
-früheren Jahrhunderten, denen wohl die meisten Sagenstoffe entstammen,
-auf beiden Seiten ein im wesentlichen gleiches und haben ja auch die
-politischen Grenzen mehrfach sich verändert, so daß Bezirke, die
-früher zu Böhmen gehörten, jetzt sächsisch sind, und umgekehrt. Ich
-stellte mich hier auf denselben Standpunkt wie andere Sagensammler, die
-allgemein thüringsche oder lausitzsche Sagen u. s. w. veröffentlichten.
-
-Den einzelnen Abteilungen des Sagenbuches sind einleitende Worte
-vorausgeschickt und vielen einzelnen Sagen Bemerkungen beigefügt
-worden, in denen für diejenigen, welche sich mit spezieller
-Sagenforschung nicht befaßt haben, einerseits auf die mythologische
-Bedeutung vieler Sagen oder auf verwandte Überlieferungen in andern
-deutschen Gebieten hingewiesen, in denen aber auch auf einzelne
-historische Thatsachen aufmerksam gemacht wird, um die betreffenden
-Sagen als das hinzunehmen, was sie sind: Erzeugnisse der Phantasie und
-Poesie, welche sich nur an historische und zum Teil wieder vergessene
-Ereignisse anlehnen. Der Fachgelehrte bedarf selbstverständlich der
-Anmerkungen nicht.
-
-Da es schwer ist, in allen Fällen die Sage von der wirklichen
-Geschichte zu trennen, so sind auch einzelne Stoffe aufgenommen worden,
-welche als bloße chronikalische Nachrichten aufgefaßt werden können,
-obschon ihnen ein, wenn auch nur schwacher Schimmer des dichtenden
-Volksgeistes anhaftet. Dies gilt besonders von den sogenannten
-Ortssagen, von denen einige vielleicht auch einen Platz in einem andern
-Abschnitte hätten finden können. So dürfte z. B. No. 329, welche Sage
-freilich, was hier gleich bemerkt sein mag, durch ein Versehen mit
-eingereiht wurde, da dieselbe streng genommen nicht mehr in das am
-Eingange abgegrenzte Gebiet gehört, unter den Göttersagen an keinem
-unrechten Platze sein. Über solche Einzelheiten und ebenso über die
-Gruppierung der Sagenstoffe können ja die Meinungen aneinander gehen.
-
-Möge nun das Buch recht viele Freunde finden und möge es, wie bereits
-ein Rezensent aussprach, dazu beitragen, »daß die Freude an Herkommen
-und Vergangenheit uns wieder wie unsern Altvorderen zu eigen werde,
-damit wir selbst wieder mit unserer Scholle verwachsen und in unserer
-Heimat heimisch werden, wie es von jeher deutsche Art und Sitte war.«
-
- =Schneeberg=, den 16. Juni 1886.
-
- ~Dr.~ Köhler.
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis.
-
-
- I. Göttersagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.
-
- 2. Der Slavengott Ladon.
-
- 3. Ursprung des Namens Crottendorf.
-
- 4. Der Crodensee in Eibenstock.
-
- 5. Der Götze Crodo bei Meerane.
-
- 6. Das Herdabild bei Zwickau.
-
- 7. Der heilige Hain bei Freiberg.
-
- 8. Der heilige Hain in Weißbach.
-
- 9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.
-
- 10. Der Taufstein bei Ober-Crinitz.
-
-
- II. Sagen von Spukgeistern und Gespenstern.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 11. Das wütende Heer bei Annaberg.
-
- 12. Das wütende Heer bei Weißbach.
-
- 13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.
-
- 14. Die wilde Jagd bei Komotau.
-
- 15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld.
-
- 16. Der wilde Jäger bei Schönlinde.
-
- 17. Der wilde Jäger bei Neustadt b. Falkenstein.
-
- 18. Der graue Jäger auf dem Tossen.
-
- 19. Der Waldschütz.
-
- 20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.
-
- 21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusche bei Schlettau.
-
- 22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.
-
- 23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.
-
- 24. Der gespenstische Reiter bei Waschleite.
-
- 25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.
-
- 26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach.
-
- 27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.
-
- 28. Der Panzerreiter zu Stollberg.
-
- 29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.
-
- 30. Das Geisterschloß bei Bockau.
-
- 31. Der Spuk an der Straße bei Albernau.
-
- 32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.
-
- 33. Die weiße Frau zu Neustädtel.
-
- 34. Die weiße Frau zu Venusberg.
-
- 35. Die weiße Frau in Schneeberg.
-
- 36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.
-
- 37. Die weiße Frau am Brautstock bei Altenberg.
-
- 38. Die weiße Frau auf Schloß Scharfenstein.
-
- 39. Die weiße Frau in Unterchodau.
-
- 40. Die weiße Frau in Premlowitz.
-
- 41. Die weiße Frau des Hohen Steins.
-
- 42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.
-
- 43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.
-
- 44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.
-
- 45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im
- Hartensteiner Walde.
-
- 46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.
-
- 47. Die Jungfrau des Lautersteins bei Zöblitz.
-
- 48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.
-
- 49. Verwünschte Schloßfräulein hängen Wäsche auf.
-
- 50. Die Jungfrau auf dem Braunsteine.
-
- 51. Der Schön-Jungferngrund bei Oberwiesenthal.
-
- 52. Die Jungfrau des Pürsteins.
-
- 53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau.
-
- 54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.
-
- 55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.
-
- 56. Die Jungfrau des Grauensteins.
-
- 57. Die eifersüchtige tote Frau.
-
- 58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht.
-
- 59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Tochter zu ihrem Rechte.
-
- 60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.
-
- 61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.
-
- 62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.
-
- 63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.
-
- 64. Die alte Frau in der Isenburg.
-
- 65. Das Fegeweib vom Katzensteine.
-
- 66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.
-
- 67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.
-
- 68. Der Katzenhans und seine Genossen.
-
- 69. Der Rachhals in Aue.
-
- 70. Das Hammergespenst.
-
- 71. Der unheimliche Hansmichel.
-
- 72. Der rote Hohensteiner.
-
- 73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.
-
- 74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.
-
- 75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzelle.
-
- 76. Der Mönch in Komotau.
-
- 77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.
-
- 78. Der Laternenmann in Alberode.
-
- 79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.
-
- 80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.
-
- 81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.
-
- 82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.
-
- 83. Der Feuermann von Komotau.
-
- 84. Der Mann mit dem Lichte bei Pobershau.
-
- 85. Der schwarze Mann zu Königswalde.
-
- 86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.
-
- 87. Der Schamprich zu Nossen.
-
- 88. Der schwarze Mann des Jüdensteins.
-
- 89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.
-
- 90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.
-
- 91. Der Einsiedler im Thale der roten Weißeritz.
-
- 92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.
-
- 93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.
-
- 94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.
-
- 95. Das Gespenst in einer Halde in Pobershau.
-
- 96. Die sieben Ruten bei Chemnitz.
-
- 97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten.
-
- 98. Der Baslerfels bei Platten.
-
- 99. Der böse Graf von Wildenfels.
-
- 100. Der Hirse zählende Verbannte.
-
- 101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt
- um.
-
- 102. Der alte Turm in Tannenberg.
-
- 103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.
-
- 104. Spuk auf dem Braunsteine.
-
- 105. Spuk auf dem Grauensteine.
-
- 106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.
-
- 107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und
- Zschorlau.
-
- 108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße bei Scheibenberg.
-
- 109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.
-
- 110. Die Erlösung.
-
- 111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.
-
- 112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.
-
- 113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.
-
- 114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.
-
- 115. Der Kirchenbau zu Pritschapel.
-
- 116. Der große Bergsturz zu Altenberg.
-
- 117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und
- Komotau.
-
- 118. Der feurige Hund bei Graslitz.
-
- 119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.
-
- 120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen.
-
- 121. Das gespenstische Schaf bei Wildenfels.
-
- 122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.
-
- 123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.
-
- 124. Der schwarze Hund in Grünthal.
-
- 125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.
-
- 126. Der Walkpudel.
-
- 127. Der Hüttenmops.
-
- 128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg.
-
- 129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.
-
- 130. Das Schindergründel bei Joachimsthal.
-
- 131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.
-
- 132. Die Puppe von Brand.
-
- 133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.
-
- 134. Die geheimnisvollen Hammerschläge in einem Keller zu
- Eibenstock.
-
- 135. Die Klage in den Kohlenschächten bei Bockwa.
-
- 136. Das gefährliche Feld bei Zwickau.
-
-
- III. Dämonensagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 137. Die Zwerge des Hohen Steins.
-
- 138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.
-
- 139. Das Zwergloch im Scheibenberge.
-
- 140. Die Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.
-
- 141. Die Zwerge in Schmiedeberg.
-
- 142. Die Zwerge backen Kuchen.
-
- 143. Die Heilingszwerge.
-
- 144. Der Zwergtanz im Kupferhügel.
-
- 145. Das graue Männlein bei Joachimsthal.
-
- 146. Das graue Männlein bei Blauenthal.
-
- 147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.
-
- 148. Der graue Zwerg am weißen Steine bei Alberoda.
-
- 149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird
- gestört.
-
- 150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden.
-
- 151. Spuk der Berggeister u. Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein
- bei Zöblitz.
-
- 152. Berggeister in den Schneeberger Gruben.
-
- 153. Der Berggeist in der Grube Sieben-Schlehen bei Neustädtel.
-
- 154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg.
-
- 155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.
-
- 156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in
- Neu-Geising.
-
- 157. Vom Berggeist in Schneeberg.
-
- 158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.
-
- 159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.
-
- 160. Der gespenstische Bergmann in Aue.
-
- 161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.
-
- 162. Der gespenstische Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.
-
- 163. Der gespenstische Bergmann bei Scheibenberg.
-
- 164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre.
-
- 165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann.
-
- 166. Das graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft«
- bei Johanngeorgenstadt.
-
- 167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.
-
- 168. Der Berggeist verlangt für reiche Ausbeute eine Pfennigsemmel.
-
- 169. Der Berggeist von Joachimsthal.
-
- 170. Der Berggeist von Abertham.
-
- 171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.
-
- 172. Der Gevattersmann vom Greifensteine.
-
- 173. Das Geschenk des Holzweibchens.
-
- 174. Die Waldweibchen bei Pobershau.
-
- 175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
-
- 176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.
-
- 177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.
-
- 178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.
-
- 179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.
-
- 180. Das Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald.
-
- 181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.
-
- 182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde.
-
- 183. Buschweibchen in der Umgebung des Hohen Steins.
-
- 184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.
-
- 185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.
-
- 186. Die Holzweibel ziehen fort.
-
- 187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.
-
- 188. Der Waldgeist bei Pfannenstiel.
-
- 189. Ein Feldteufel zu Grumbach.
-
- 190. Der Getreideschneider.
-
- 191. Der Hemann im Erzgebirge.
-
- 192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.
-
- 193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.
-
- 194. Das Hemännchen bei Graslitz.
-
- 195. Der Hemann des Rammelsberges.
-
- 196. Das Heideweibchen.
-
- 197. Die Marzebilla.
-
- 198. Der Wechselbalg.
-
- 199. Das Mittagsgespenst.
-
- 200. Der Alp.
-
- 201. Die Melusina.
-
- 202. Vom thörichten See bei Satzung.
-
- 203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.
-
- 204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.
-
- 205. Die Wassernixe am Hans-Heilings-Felsen.
-
- 206. Der Wassermann flickt.
-
- 207. Der Nix fordert sein Opfer.
-
- 208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.
-
- 209. Die Nixenwanne und die Nixentaufe des Chemnitzflusses.
-
- 210. Der Nix im Rabenauer Grunde.
-
- 211. Die Seebergsjungfer.
-
- 212. Der Kobold zu Lauter.
-
- 213. Der Poltergeist zu Grüna.
-
- 214. Der Kobold zu Thalheim.
-
- 215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.
-
- 216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.
-
- 217. Der Kaspar des Greifensteins.
-
- 218. Geist Mützchen.
-
- 219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.
-
- 220. Ein Stückchen vom Pumphut.
-
- 221. Das Jüdel.
-
- 222. Das Schrackagerl.
-
- 223. Die Wehklage.
-
- 224. Die Winselmutter bei Grünhain.
-
- 225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.
-
- 226. Die Staatslaterne bei Geyer.
-
- 227. Die unheimliche Fackel.
-
- 228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.
-
- 229. Dämonische Gestalten in einem Teiche bei Scheibenberg.
-
- 230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.
-
- 231. Der Drache.
-
- 232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.
-
- 233. Das gespenstische Kalb zu Mildenau.
-
- 234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.
-
- 235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.
-
- 236. Die Riesenrippe zu Nossen.
-
- 237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.
-
- 238. Große Menschengebeine.
-
-
- IV. Teufelssagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 239. Eines Schmiedes Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.
-
- 240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.
-
- 241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.
-
- 242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.
-
- 243. Der Teufel erscheint in Freiberg einem Bergmanne.
-
- 244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann.
-
- 245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.
-
- 246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.
-
- 247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.
-
- 248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.
-
- 249. Der Käthelstein bei Annaberg.
-
- 250. Der Hans-Heilings-Felsen.
-
- 251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.
-
- 252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.
-
- 253. Der versteinerte Kammerwagen.
-
- 254. Wie der Teufel Schellerhau verlor.
-
-
- V. Zaubersagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 255. Der Schwarzkünstler zu Geyer.
-
- 256. Pestzauberei.
-
- 257. Die Zauberelse zu Zwickau.
-
- 258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Raben.
-
- 259. Die unheimlichen Gäste in Werda.
-
- 260. Die Hexen zu Schellenberg.
-
- 261. Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen.
-
- 262. Das Hexenloch bei Joachimsthal.
-
- 263. Mittel gegen Zauberei.
-
- 264. Eine Hexe wird erkannt.
-
- 265. Die Hexen am Walpurgisabende.
-
- 266. Der wunderliche Katzentanz.
-
- 267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.
-
- 268. Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne.
-
- 269. Speisen werden festgemacht.
-
- 270. Festgemachte werden überwunden.
-
- 271. Festgemachte werden von ihrem Wesen u. ihrer geheimnisvollen
- Kraft befreit.
-
- 272. Der Räuber Hartenknopf bei Zelle ist kugelfest.
-
- 273. Der Holzmüller von Neudorf.
-
- 274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht.
-
- 275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.
-
- 276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün.
-
- 277. ~Dr.~ Fausts Höllenzwang.
-
- 278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.
-
- 279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.
-
- 280. Wie das Feuer gebannt wird.
-
-
- VI. Schatzsagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.
-
- 282. Die Schatzkammer am Bärensteine.
-
- 283. Der Schatzkeller im Scheibenberge.
-
- 284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine.
-
- 285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.
-
- 286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.
-
- 287. Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine.
-
- 288. Der Schatz im Heinrichsteine bei Platten.
-
- 289. Der Schatz des Seeberges.
-
- 290. Die Teufelswand bei Blauenthal.
-
- 291. Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge.
-
- 292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.
-
- 293. Der Schatz in der Loh bei Schönau.
-
- 294. Der Schatz auf der Geyersburg.
-
- 295. Die Schätze bei der Prokopikapelle in Graupen.
-
- 296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.
-
- 297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.
-
- 298. Das Aberthamer »Fels'l.«
-
- 299. Der Tümpelstein bei Klösterle.
-
- 300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein.
-
- 301. Die Schätze von Oberlauterstein.
-
- 302. Der Silbermann bei Pürstein.
-
- 303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.
-
- 304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.
-
- 305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg.
-
- 306. Der Schatz des Tschinnersteines bei Brandau.
-
- 307. Der Heldenberg bei Seifen.
-
- 308. Der Schatz des Braunsteines bei Joachimsthal.
-
- 309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine.
-
- 310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.
-
- 311. Der Schatz zu Joachimsthal.
-
- 312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.
-
- 313. Der weiße Fels bei Bäringen.
-
- 314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.
-
- 315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.
-
- 316. Der Eimer voll Silber.
-
- 317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg
- einen Schatz.
-
- 318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.
-
- 319. Die Schatzgräber.
-
- 320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Gold.
-
- 321. Kutter verwandeln sich in Geld.
-
- 322. Die sonderbaren Sägespäne.
-
- 323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.
-
- 324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.
-
- 325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges.
-
- 326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.
-
- 327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.
-
- 328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.
-
- 329. Der Schatz im Taurasteine.
-
- 330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im
- Kaiser-Wilhelmsthale bei Nossen.
-
- 331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.
-
- 332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.
-
- 333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.
-
- 334. Der Schatz im Kloster Grünhain.
-
- 335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.
-
- 336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.
-
- 337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau.
-
- 338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.
-
- 339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.
-
- 340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.
-
- 341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.
-
-
- VII. Wundersagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 342. Die Wunderblume auf dem Schlettenberge bei Marienberg.
-
- 343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.
-
- 344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.
-
- 345. Die Wunderblume des Grauensteins.
-
- 346. Die Wunderblume bei Blauenthal.
-
- 347. Die Wünschelrute.
-
- 348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.
-
- 349. Die Goldstampfe am Borlasbache.
-
- 350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
-
- 351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.
-
- 352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg.
-
- 353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.
-
- 354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.
-
- 355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärensteine.
-
- 356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von
- Joachimsthal.
-
- 357. Der Anfang des Bergwerkes St. Briccius am Pöhlberge.
-
- 358. Die Entstehung Annabergs.
-
- 359. Die Kapelle zu Frohnau.
-
- 360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal.
-
- 361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.
-
- 362. Die Tellerhäuser bei Oberwiesenthal.
-
- 363. Die neue Grube bei Preßnitz.
-
- 364. Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg.
-
- 365. Der goldene Hirsch auf dem Kuhberge bei Stützengrün.
-
- 366. Die Eselswiese bei Zwickau.
-
- 367. Des Schlackenmannes oder albernen Mannes Loch.
-
- 368. Die Grube »Himmlisches Heer« bei Annaberg.
-
- 369. Der Alaunsee bei Komotau.
-
- 370. Der gute Brunn zu Nieder-Zwönitz.
-
- 371. Die Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach.
-
- 372. Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht verloren.
-
- 373. Die Heilquelle bei Hartessenreuth.
-
- 374. Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth.
-
- 375. Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge.
-
- 376. Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer Serpentins.
-
- 377. Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg.
-
- 378. Der dürre Lindenstab.
-
- 379. Der Galgenbaum bei Blankenhain.
-
- 380. Die drei Linden bei Crimmitschau.
-
- 381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.
-
- 382. Prophezeiung des ~M.~ Schütze zu Öderan.
-
- 383. Eine Prophezeiung der Zigeuner.
-
- 384. Die Eiche bei Hartenstein.
-
- 385. Eine Sylvestersage.
-
- 386. Der Scharfrichter und sein Schwert.
-
- 387. Der Traum auf Augustusburg.
-
- 388. Die Kurfürstin Margaretha wird durch einen Traum vor den
- Prinzenräubern gewarnt.
-
- 389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung durch die Schweden.
-
- 390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an.
-
- 391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.
-
- 392. Nächtliches Fallen zeigt den Tod an.
-
- 393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.
-
- 394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.
-
- 395. Singen und Klingen verkündet einen Sterbefall.
-
- 396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.
-
- 397. Der geplagte Polizeidiener.
-
- 398. Vögel sind Unglücksverkündiger.
-
- 399. Anzeichen von Feuersbrünsten.
-
- 400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.
-
- 401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.
-
- 402. Ein Sturm ist Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.
-
- 403. Ungestümes Wetter zeigt Krieg an.
-
- 404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an.
-
- 405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung
- Johanngeorgenstadts.
-
- 406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.
-
- 407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.
-
- 408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.
-
- 409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.
-
- 410. Der heillose Bäcker in Freiberg.
-
- 411. Die Görkauer Maskenhochzeit.
-
- 412. Meineid wird bestraft.
-
- 413. Der bestrafte Gotteslästerer in Zwickau.
-
- 414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelsteins bei Lauter.
-
- 415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.
-
- 416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauensteine.
-
- 417. Der Gottesleugner zu Nossen.
-
- 418. Vorboten der Pest.
-
- 419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.
-
- 420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest
- verschont.
-
- 421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.
-
- 422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch.
-
- 423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.
-
- 424. Ein himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.
-
- 425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.
-
- 426. Kreuze fallen vom Himmel.
-
- 427. Ein Topf schwitzt zu Öderan Blut aus.
-
- 428. Blutzeichen.
-
- 429. Ein längst verstorbenes Kind blutet.
-
- 430. Blutende Geweihe in Schneeberg.
-
- 431. Ein wunderbarer Schuß in Schneeberg.
-
- 432. Der krumme Schuß in Zwickau.
-
- 433. Perlenschoten in Wiesenthal.
-
- 434. Brot wird aus weißer Erde gebacken.
-
- 435. Gottes-Speise bei Zwickau.
-
- 436. Körnerregen.
-
- 437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.
-
- 438. Die Kapelle des St. Jobs in Wiesenbad.
-
- 439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.
-
- 440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.
-
- 441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.
-
- 442. Das Marienbild bei Klösterle.
-
- 443. Das Marienbild in Mariaschein.
-
- 444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.
-
- 445. Die heilige Georgenfahne zu Tharand.
-
- 446. Das Wunschfläschchen.
-
- 447. Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau.
-
- 448. Sieben versteinerte Jungfrauen.
-
- 449. Wie die große Glocke auf der Marienkirche zu Zwickau ihre
- Stimmung bekommen hat.
-
- 450. St. Wolfgang zu Freiberg.
-
- 451. Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg.
-
- 452. Ein Totenschänder wird entdeckt.
-
- 453. Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in der
- Marienkirche zu Zwickau.
-
- 454. Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau.
-
- 455. Die Fußtapfen der heiligen Maria.
-
- 456. Die heilige Maria im Erzgebirge.
-
- 457. Der heilige Petrus in Eisenberg.
-
- 458. Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen.
-
- 459. Der Hengstberg bei Hengstererben.
-
- 460. Das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau.
-
- 461. Die Totenhand in Buchholz.
-
- 462. Der Doppelgänger zu Wiesenthal.
-
- 463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.
-
- 464. Das Meteoreisen in Elbogen.
-
- 465. Der Köhler von Klingenthal.
-
- 466. Vom flinken Knechte zu Rechenberg.
-
- 467. Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde.
-
-
- VIII. Völker-, Helden- und Geschlechtssagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 468. Von den alten Wenden bei Eibenstock.
-
- 469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.
-
- 470. Der Riese Einheer.
-
- 471. Schwanhildis.
-
- 472. Libussas Tanzplatz.
-
- 473. Die Herren von Einsiedel.
-
- 474. Die Herren von Rechenberg.
-
- 475. Die Herren von Sebottendorf.
-
- 476. Das Geschlecht Callenberg.
-
- 477. Die Familie von Berbisdorf.
-
- 478. Die Herren von Hartitzsch.
-
- 479. Die Herren von Pardubitz.
-
- 480. Das Geschlecht von Vitzthum.
-
- 481. Die Herren von Wildenfels.
-
- 482. Die Herren von Ortwinsdorf.
-
- 483. Das Geschlecht von Arnim.
-
- 484. Das Geschlecht von Auerswald.
-
- 485. Die Herren von Bünau.
-
- 486. Die Ritter von Bärenstein.
-
- 487. Das Geschlecht von Lüttichau.
-
- 488. Das Wappenschild der Schönburge.
-
- 489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist.
-
- 490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen
- sind.
-
- 491. Die Siebenschläfer.
-
- 492. Die Türkenheide.
-
- 493. Die Korporallöcher bei Schönau.
-
-
- IX. Ortssagen.
-
- Vorbemerkungen.
-
- 494. Entdeckung der Freiberger Silbererze.
-
- 495. Der Anfang der Stadt Freiberg.
-
- 496. Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde.
-
- 497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen.
-
- 498. Die Entdeckung der Silbererze des Schneebergs.
-
- 499. Entdeckung der Altenberger Zwitter.
-
- 500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen.
-
- 501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.
-
- 502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg.
-
- 503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges zu Schneeberg.
-
- 504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.
-
- 505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.
-
- 506. Die Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.
-
- 507. Der Fronleichnamsstollen bei Annaberg.
-
- 508. Die Entstehung von Schöneck.
-
- 509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.
-
- 510. Die Stiftung des Klosters Altzella.
-
- 511. Ursprung von Dippoldiswalde.
-
- 512. Ursprung der Stadt Öderan.
-
- 513. Die Gründung von Mittelsayda.
-
- 514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis.
-
- 515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.
-
- 516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite.
-
- 517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf.
-
- 518. Ursprung des Namens Buchholz.
-
- 519. Ursprung des Namens Grünstädtel.
-
- 520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.
-
- 521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels.
-
- 522. Entdeckung der Heilquellen in Teplitz.
-
- 523. Die Namen der Stadt Zwickau.
-
- 524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg.
-
- 525. Gründung und Name der Stadt Werdau.
-
- 526. Der Name der Stadt Frankenberg.
-
- 527. Von dem Namen der Stadt Marienberg.
-
- 528. Ursprung und Name von Elterlein.
-
- 529. Ursprung des Namens Hermannsdorf (bei Elterlein).
-
- 530. Ursprung des Namens Crandorf.
-
- 531. Ursprung des Namens Grünhain.
-
- 532. Von dem Namen Hermannsdorf (bei Weißbach).
-
- 533. Entstehung des Namens Gottesgab.
-
- 534. Entstehung des Namens Abertham.
-
- 535. Ursprung des Namens der Stadt Platten.
-
- 536. Ursprung und Namensentstehung von Bäringen.
-
- 537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.
-
- 538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.
-
- 539. Ursprung des Namens Wolkenstein.
-
- 540. Ursprung des Namens Eibenstock.
-
- 541. Der Name des Schlosses Pürstein.
-
- 542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.
-
- 543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.
-
- 544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.
-
- 545. Ursprung des Namens Conradsdorf.
-
- 546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung.
-
- 547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand.
-
- 548. Der Name des Dorfes Crossen.
-
- 549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.
-
- 550. Der Ursprung des Ortsnamens Silberstraße.
-
- 551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda u.
- Rechenberg.
-
- 552. Der Name des Fleckens Bockau.
-
- 553. Ursprung des Ortsnamens Remse.
-
- 554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.
-
- 555. Der Name der Stadt Sonnenberg.
-
- 556. Der Name der Stadt Falkenau.
-
- 557. Die Entstehung des Namens Neudeck.
-
- 558. Die Entstehung des Namens Frühbuß.
-
- 559. Über den Namen des Dorfes Sauersack.
-
- 560. Ursprung des Namens Sorgenthal.
-
- 561. Name und Ursprung der Stadt Weipert.
-
- 562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.
-
- 563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.
-
- 564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.
-
- 565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jacob.
-
- 566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.
-
- 567. Ursprung des Namens Dörnthal.
-
- 568. Deutung des Namens Weiters-Wiese.
-
- 569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.
-
- 570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.
-
- 571. Der frühere Name von Lichtenstein.
-
- 572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.
-
- 573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.
-
- 574. Das Brautbett bei Rabenau.
-
- 575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.
-
- 576. Die Kutte bei Elterlein.
-
- 577. Sechs Brüder bei Geyer.
-
- 578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.
-
- 579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.
-
- 580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.
-
- 581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.
-
- 582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.
-
- 583. Ursprung des Namens Fastenberg.
-
- 584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Öderan.
-
- 585. Ursprung des Bergnamens »Schweizer«.
-
- 586. Ursprung des Namens Silberbach.
-
- 587. Ursprung des Namens Höllengrund im Öderaner Walde.
-
- 588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.
-
- 589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.
-
- 590. Der Dreimännerberg.
-
- 591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.
-
- 592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.
-
- 593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.
-
- 594. Der Claußberg in Schneeberg.
-
- 595. Der Galgenberg bei Euba.
-
- 596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.
-
- 597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.
-
- 598. Der letzte Heller und die Teufelskanzel am Schottenberge bei
- Annaberg.
-
- 599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.
-
- 600. Von den Namen einiger Brunnen.
-
- 601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.
-
- 602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.
-
- 603. Ursprung des Namens Pacemmühle bei Schneeberg.
-
- 604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.
-
- 605. Das Stadtwappen von Geyer.
-
- 606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.
-
- 607. Das Stadtwappen von Öderan.
-
- 608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.
-
- 609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.
-
- 610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.
-
- 611. Das Wappen der Stadt Zwickau.
-
- 612. Das Wappen der Stadt Freiberg.
-
- 613. Das Denkbild zum Stadtwappen von Scheibenberg.
-
- 614. Siegel der Stadt Dippoldiswalde.
-
- 615. Siegel der Stadt Frauenstein.
-
- 616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.
-
- 617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.
-
- 618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.
-
- 619. Die Wahrzeichen Freibergs.
-
- 620. Wahrzeichen von Crimmitschau.
-
- 621. Das Wahrzeichen von Chemnitz.
-
- 622. Das Wahrzeichen von Tharand.
-
- 623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.
-
- 624. Die Wüstung Kraxdorf.
-
- 625. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.
-
- 626. Die frühere Größe des Städtchens Platz.
-
- 627. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.
-
- 628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal u.
- Königswalde.
-
- 629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.
-
- 630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.
-
- 631. Die wüste Mark Oberopritz.
-
- 632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.
-
- 633. Wüste Marken bei Augustusburg.
-
- 634. Von früheren Vesten bei Schneeberg.
-
- 635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.
-
- 636. Die Wüste Mark Eibendorf.
-
- 637. Die Wüste Mark Nennigkau.
-
- 638. Wüstungen bei Bärenstein.
-
- 639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.
-
- 640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.
-
- 641. Die Wüstung Sahnau.
-
- 642. Die Wüstung Rappendorf.
-
- 643. Die Wüstung Boberau.
-
- 644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.
-
- 645. Die wüste Mark Warnsdorf bei Grillenburg.
-
- 646. Die ehemalige Burg Sohra.
-
- 647. Alt-Elbogen.
-
- 648. Die Grillenburg.
-
- 649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.
-
- 650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.
-
- 651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.
-
- 652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.
-
- 653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.
-
- 654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.
-
- 655. Der Peststein bei Rauenstein.
-
- 656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.
-
- 657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.
-
- 658. Zeichen auf dem Katzensteine bei Marienberg.
-
- 659. Die zwei Messer zu Eibenstock.
-
- 660. Das Steinkreuz bei Schlettau.
-
- 661. Das Steinkreuz in Werda bei Falkenstein.
-
- 662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.
-
- 663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.
-
- 664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.
-
- 665. Der Denkstein in Fürstenwalde.
-
- 666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.
-
- 667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.
-
- 668. Die drei Kreuze bei Brand.
-
- 669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.
-
- 670. Beim roten Kreuze in Schmiedeberg.
-
- 671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.
-
- 672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.
-
- 673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.
-
- 674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.
-
- 675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz.
-
- 676. Das Marienbild in Maria-Kulm.
-
- 677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.
-
- 678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.
-
- 679. Die Walfischrippen in Zwota.
-
- 680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei
- Glocken aus.
-
- 681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau
- ausgewühlt worden.
-
- 682. Die Glocke von Jahnsgrün.
-
- 683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.
-
- 684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.
-
- 685. Die große Glocke in Geyer.
-
- 686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswalder Heide.
-
- 687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.
-
- 688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.
-
- 689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.
-
- 690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.
-
- 691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.
-
- 692. Die Domkanzel in Freiberg.
-
- 693. Der Donatsturm zu Freiberg.
-
- 694. Der Marterturm auf Hassenstein.
-
- 695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen.
-
- 696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.
-
- 697. Die Eichen zu Callnberg.
-
- 698. Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.
-
- 699. Das zürnende Steinbild zu Nossen.
-
- 700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.
-
- 701. Das Schächerhäusel bei Geyer.
-
- 702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.
-
- 703. Das wandernde Haus in Zinnwald.
-
- 704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels
- mit benachbarten Schlössern.
-
- 705. Der Judenborn zu Sayda.
-
- 706. Der Mühlengrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.
-
- 707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg.
-
- 708. Die übermütige Rede eines Schneebergers wird bestraft.
-
- 709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen
- Fischkessel.
-
- 710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.
-
- 711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.
-
- 712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.
-
- 713. Historia, wie Silbererz im Holz gewachsen.
-
- 714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.
-
- 715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.
-
- 716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.
-
- 717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.
-
- 718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.
-
- 719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.
-
- 720. Vom früheren Bergbau in Niklasberg und Böhmisch-Moldau.
-
- 721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.
-
- 722. Wie der Zwickauische Kohlenberg brennend wurde.
-
- 723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen
- Erdfall.
-
- 724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.
-
- 725. Die Freiberger Bauernhasen.
-
- 726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.
-
- 727. Das Märktlein Markersbach.
-
- 728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.
-
- 729. Wittichs Schloß bei Glashütte.
-
- 730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.
-
- 731. Der schwarze Teich auf Henneberg u. der Teufelsstein
- bei Johanngeorgenstadt.
-
- 732. Das Schloß auf dem Hohen Steine.
-
- 733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.
-
- 734. Das Raubschloß Sommerstein.
-
- 735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.
-
- 736. Die Räuber auf Schloß Frauenstein.
-
- 737. Schloß Hauenstein.
-
- 738. Burg Neustein bei Görkau.
-
- 739. Das alte Schloß Mulda.
-
- 740. Tauben verraten das Schloß Schönfels.
-
- 741. Schön-Guta von Hassenstein.
-
- 742. Die heldenmütige Herrin des Schlosses Hartenberg.
-
- 743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.
-
- 744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.
-
- 745. Der treue Haberberger von Freiberg.
-
- 746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem
- Freidigen das Leben.
-
- 747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.
-
- 748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.
-
- 749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Öderan.
-
- 750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« bei Nossen.
-
- 751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.
-
- 752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.
-
- 753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.
-
- 754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.
-
- 755. Kunigunde Mathesius von Öderan.
-
- 756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.
-
- 757. Die Söhne des Ritters Conrad von Theler.
-
- 758. Der treue Rat von Freiberg.
-
- 759. Die Erfindung des Spitzenklöppelns.
-
- 760. Cristoph Schürer.
-
- 761. ~Dr.~ Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit
- Gutem.
-
- 762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.
-
- 763. Harras der kühne Springer.
-
- 764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.
-
- 765. Der Kärrner zu Stollberg.
-
- 766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.
-
- 767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei
- Reichstädt.
-
- 768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser.
-
- 769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.
-
- 770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.
-
- 771. Das Paradies zu Zwickau.
-
- 772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.
-
- 773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.
-
- 774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins
- erhielt.
-
- 775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratstand gezogen wurde.
-
- 776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.
-
- 777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.
-
- 778. Wie das Schnorr'sche Chor in der St. Wolfgangskirche zu
- Schneeberg eine Thür von außen erhielt.
-
- 779. Der erste Klöppel in Annaberg.
-
- 780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.
-
- 781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in
- Chemnitz.
-
- 782. Die Zipperleinkur in Annaberg.
-
- 783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.
-
- 784. Die Bäuerin in Frohnau.
-
- 785. Die beiden Brüder zu Frohnau.
-
- 786. Das Mönchskalb zu Freiberg.
-
- 787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.
-
- 788. Die Fichte auf dem Gottesacker zu Annaberg.
-
- 789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.
-
- 790. Woher der Name Preiselbeere stammt.
-
- 791. Was der Name Wismut bedeutet.
-
- 792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.
-
- 793. Redensarten.
-
- ~a.~ Zwickau gehört zum Vogtlande.
-
- ~b.~ Der Kas is och darnoch.
-
- ~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt,
- man weiß nicht wie?
-
- ~d.~ Man kann die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten,
- als die schwedischen Truppen.
-
- ~e.~ Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.
-
- ~f.~ Fägel schweiget seine Gäste.
-
- ~g.~ Toffel, das gilt dir auch mit.
-
- ~h.~ Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.
-
- ~i.~ Die Schlimmen von Öderan.
-
- ~k.~ Je, daß dich der Bär herze.
-
- ~l.~ Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.
-
- ~m.~ Redensarten Herzog Georgs.
-
- ~n.~ Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?
-
- ~o.~ Anhang. Sprichwörter und Rätsel.
-
- 794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem
- jetzigen Platze erbaut wurde.
-
- 795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.
-
- 796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.
-
- 797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.
-
- 798. Sprüche von der Stadt Freiberg.
-
- 799. Das Todaustreiben.
-
- 800. Der Totenteich bei Tharand.
-
- 801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.
-
- 802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.
-
- 803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.
-
- 804. Strafe für zänkische Weiber.
-
- 805. Strafe für liederliche Weibspersonen.
-
- 806. Wie das Lehen gereicht wurde.
-
- 807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.
-
- 808. Das Bärenprivileg für Lößnitz.
-
-
- Anhang.
-
- 809. Der Wegzug der Zwerge.
-
- 810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.
-
- 811. Der Schmiedmönch von Thierfeld.
-
- 812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche
- zu Schneeberg zugemauert wurde.
-
- 813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.
-
- 814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)
-
- 815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.
- (Zu No. 239.)
-
- 816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu No. 247.)
-
- 817. Der Geldkeller auf dem Greifensteine. (Zu No. 284.)
-
- 818. Gottesspeise bei Zwickau. (Zu No. 435.)
-
- 819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen
- Wandersmann. (Zu No. 537.)
-
-
-
-
-I.
-
-Göttersagen.
-
-
-Von den Höhen des Erzgebirge dehnte sich nordwärts bis in die Gegenden
-von Chemnitz, Mittweida, Freiberg und Tharand der Miriquidi d. h.
-Schwarzwald aus, ein Stück des alten Germanien, welches Tacitus als ein
-Land voll grauser Waldungen oder abscheulicher Sümpfe bezeichnet. Auf
-den dichtbewaldeten Höhen und in den düsteren Thälern des Miriquidi
-wurde in jener Zeit die tiefe Stille nur von dem Geheul des Sturmes,
-dem Rauschen der Gewässer, dem Geprassel der zusammenstürzenden
-Riesenstämme, auf deren vermodernden Leibern wieder eine junge
-Vegetation emporwucherte, und dem Geschrei der Vögel und des
-zahlreichen Wildes unterbrochen; der Mensch hielt sich noch von dem
-unwirtlichen Gebirge fern, da er an seinem Fuße im Nord und Süd Raum
-genug für seine einsamen Wohnungen fand. Von der nördlichen Grenze
-an, ausgebreitet zwischen Saale und Elbe, waren die Hermunduren, im
-jetzigen Böhmen die Markomannen und in den südwestlich gelegenen Gauen,
-im nordöstlichen Baiern und im Vogtlande, die Varisker seßhaft. Da,
-wahrscheinlich schon am Anfange, besonders aber im letzten Viertel des
-4. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, begann die Erschütterung, das
-Drängen und Vorrücken der Völker. Die slavischen Stämme rückten von
-Osten her vor. Zwischen 454 und 495 drangen die Czechen in Böhmen ein
-und ungefähr zu gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend
-die Milczener, Lusitzer, Lutitzier, Obotriten und Sorben bis in die
-später sächsischen, mecklen- und brandenburgischen Länder. Von diesen
-rückten die Sorben oder Serben, deren Name sie ganz besonders als
-ackerbautreibendes Volk bezeichnet, in das spätere Meißnische, und
-da 531 von den Franken und Sachsen das mächtige Reich der Thüringer
-vernichtet wurde, westwärts bis zur Saale vor. Die Sorben waren demnach
-die unmittelbar nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi, und sie
-gründeten sehr bald in den fruchtbaren Niederungen und Thälern Orte und
-bebaueten das Land. Aber noch wurde dieses Volk von der Ansiedelung
-auf den rauhen unwirtlichen Waldhöhen abgeschreckt, bis endlich nach
-den langen Vernichtungskämpfen der mächtigen deutschen Kaiser im 9.
-Jahrhunderte, denen die Erbauung der Burg Meißen (928 oder 929) folgte,
-und ganz besonders als unter Otto I. die Grafen Hermann Billung und
-Gero glücklich die letzte Erhebung an der niedern Elbe und in den
-Lausitzen niedergeschlagen, die Macht der Slaven völlig gebrochen war.
-Der Tributpflichtigkeit zu entgehen, festhaltend an dem Glauben ihrer
-Väter, erfüllt mit tiefem Haß gegen die christliche Geistlichkeit,
-welche von ihren Einkünften an Getreide und Vieh, Leinwand, Honig
-und Wachs den zehnten Teil forderte, zogen sich nun nach den für
-ihr Volk unglücklichen Kämpfen zahlreiche sorbische Familien in das
-unfreundliche und von wilden Tieren bevölkerte, aber ihnen doch
-Freiheit und Sicherheit gegen ihre Besieger verheißende Erzgebirge
-zurück, und so wurden bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts von
-diesen slavischen Einwanderern daselbst einzelne feste Niederlassungen
-gegründet. Immer höher stiegen sie, vorzugsweise wohl in den Thälern
-und so dem Laufe der Gewässer entgegen, auf der nordwestlichen Senkung
-des Gebirges bis ungefähr zur Linie Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda
-auf. Erst vom 12. Jahrhundert an, da das Gebirge durch die Entdeckung
-reicher Silbererze zum Erzgebirge wurde, drangen auch die Deutschen
-zahlreicher vor, gründeten Städte und Dörfer, und das germanische
-Element verschlang sehr bald die slavischen Reste, wo sich dieselben
-bis dahin noch in einiger Selbständigkeit erhalten hatten. Wohl erhielt
-sich noch, wenigstem am Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache,
-denn im Jahre 1327 wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer
-Gerichten und in Meißen sogar erst 1424 verboten (Rich. Andree,
-Wendische Wanderstudien, S. 143.); jedoch auch in den höher gelegenen
-slavischen Ansiedelungen wird die Muttersprache nach Berührung mit den
-später vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele
-slavische Worte, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind,
-von den Deutschen festgehalten wurden.
-
-Wenn wir nun vom Erzgebirge übereinstimmend mit dem Vogtlande und
-der Lausitz wissen, daß sich germanische und slavische Bewohner in
-die Kultur des Bodens teilten, daß demnach von beiden Volksstämmen
-mythische Sagen in das Gebirge verpflanzt und im Laufe der Jahrhunderte
-von den nachfolgenden Generationen, wenn auch vielfach umgewandelt,
-festgehalten wurden, so mögen doch die verhältnismäßig spät und nur
-sporadisch gegründeten Niederlassungen eine Ursache davon sein, daß
-wir solche Sagen, denen eine naturreligiöse Bedeutung innewohnt,
-in unserm Gebirge sparsamer, als in den vorhingenannten Provinzen
-mit dem Volksleben verwachsen finden. Besonders sparsam sind die
-eigentlichen Göttersagen, welche uns heidnische Gottheiten mit ihren
-Namen vorführen, oder welche früher geheiligte Plätze durch die
-ihnen innewohnende Poesie gleichsam erklären. Wo uns einige deutsche
-Göttergestalten entgegentreten, da sind dieselben jedenfalls durch
-spätere Einwanderer in unser Gebirge verpflanzt und möglicher Weise
-infolge zufälliger Ähnlichkeiten der neuen Niederlassungen mit Orten
-der verlassenen Heimat auf erstere übertragen worden. Dies gilt
-zunächst von den Ueberlieferungen, welche im Erzgebirge einen Götzen
-Crodo verehrt sein lassen. In Bothes 1492 erschienener »Kroneka der
-Sachsen« tritt zuerst die Nachricht auf, daß man bei Goslar auf
-der Harzburg das Bild eines alten Götzen, mit Namen Crodo, der als
-Krankenhelfer galt, verehrt habe, jedoch wurde später nachgewiesen,
-daß diese Nachricht eine erfundene ist, daß es also einen Sachsengott,
-der diesen Namen führte, nicht gegeben hat. Immer aber ist hierbei
-erwähnenswert, daß eine unserer Volkssagen einen Platz, an welchem
-der »Krankenhelfer« verehrt wurde, in die Nähe von Meerane verlegt,
-von wo aus früher bis zum Anfange dieses Jahrhunderts die sogenannten
-»fahrenden Ärzte« ihre jährlichen, oft sehr weiten Reisen unternahmen.
-
-Bergleute deutscher Abkunft aus dem Harze waren ja, wenn wir von dem
-einige Jahrhunderte früheren Eisenbergbau und den hüttenmännischen
-Arbeiten der Slaven auf der südlichen und nördlichen Abdachung des
-Gebirges absehen (K. Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im
-sächs. Vogtlande, Plauen 1875, S. 2), die ersten, welche im Erzgebirge
-Bergwerke auf edle Erze anlegten und z. B. 1171 nach Mollers Chronik
-von Freiberg die Gründung dieser Stadt veranlaßten. Liegt es da nicht
-nahe anzunehmen, daß durch solche Bergleute und andere deutsche
-Einwanderer aus Baiern und der Oberpfalz auch germanische Göttersagen
-neben anderen Überlieferungen in die neue Heimat verpflanzt wurden, in
-welche ja von ihnen, wie M. Körner in seinen Bockauischen Nachrichten
-(1758, S. 278 und 279) nachweist, auch die Benennungen von Bergen
-und Ortschaften, sowie von kleinen Gewässern aus der alten Heimat
-übertragen wurden?
-
-Weiter verweist die Sage vom Herdabilde bei Zwickau ganz deutlich auf
-die Ueberlieferung von der mütterlichen Gottheit der Erde Nerthus
-(Herda, altnord. Jördh), welche, nachdem sie in ihrem von Kühen
-gezogenen Wagen im Lande umhergeführt worden war und frohe Tage
-und Frieden gebracht hatte, in dem heiligen See auf Rügen gebadet
-wurde. (Grimm, deutsche Myth. 1835, S. 155. Mannhardt, die Götter der
-deutschen und nord. Völker, 1860, S. 316.)
-
-Anders ist es mit zwei slavischen Göttern, welche im erzgebirgischen
-Sagenkreise auftreten, dem Triglav und Ladon. Triglav oder Triglas, ein
-Hauptgott oder vielmehr eine Göttertrias der Wenden, welche in Stettin
-einen der vornehmsten Tempel hatte, wurde als eine Person mit 3 Köpfen
-dargestellt. Bei den Wenden auf Rügen waren in ihr die drei Gottheiten
-Swantowit, Radegast und Prowe vereinigt, und daß auch die Slaven an
-der Mittelelbe, Mulde und Saale eine göttliche Trias gehabt haben
-mögen, ist deshalb anzunehmen, weil die slavischen Völkerschaften in
-den Hauptlehren ihrer Religion größtenteils übereinstimmten. (Liebusch,
-Skythika, 1833, S. 198 und 205.) Unterstützt wird diese Annahme durch
-folgende Mitteilung des Albinus (Meißnische Land- und Bergchronik, S.
-184 und 149): »Man hat im Lande zu Meisen auch, wie ich berichtet bin,
-an etlichen Orten alte Bilder in Stein gehauen mit dreyen Angesichten
-gefunden. Vnd ist sonderlich zu Grimma auff der Brücken eines
-dergleichen zu sehen gewesen, daran drey Angesicht vnter einem Hütlein.
-Dannen her denn zu achten, daß die Sorben diesen Abgott (den Triglas),
-wie ihre Nachbarn auch geehret«.
-
-Ladon wird in unserer Sage ein Kriegsgott genannt. Nach Liebusch
-(Skythika, S. 155) war Ladon ursprünglich der Mondgott und hieß
-wahrscheinlich als Mondgöttin Lada; dieselbe war in ihrer Funktion
-der russischen Led und der polnischen Leda ähnlich, weshalb man sie
-mit dem Mars verglich; als Mondgöttin war sie zugleich Todesgöttin im
-Kriegskampfe. -- Noch mag erwähnt werden, daß sich auch nach Vernaleken
-eine Erinnerung an den Perun, die slavische Gewittergottheit, in
-Eisenberg auf dem böhmischen Abfalle des Erzgebirges erhalten hat.
-
-Ebenso sparsam wie die Überlieferungen von heidnischen Göttern
-sind diejenigen von Opferplätzen. Der Volksmund nennt bei uns nur
-wenige Haine, welche wir als einst geheiligte Orte ansehen könnten;
-aber weiter liegt die Vermutung sehr nahe, daß der Taufstein bei
-Oberkrinitz, welcher mit seinen Vertiefungen den zahlreichen
-Opfersteinen im Fichtelgebirge und der Lausitz ungemein ähnlich ist,
-ebenfalls in der heidnischen Vorzeit zu gottesdienstlichen Handlungen
-bestimmt war. Nach ~Dr.~ Kalina Ritter von Jäthenstein war auch der
-Berg, welcher heute die Ruinen der Burg Hassenstein bei Sonnenberg
-trägt, einst ein heidnischer Opferplatz, da innerhalb des Schloßhofes
-daselbst Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste nicht selten gefunden
-wurden. (Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg., 1. Heft, S. 19.) Endlich
-mögen noch aus der Gegend des Bergstädtchens Graupen der Rosen- und
-Geiersberg als alte Kultusstätten genannt werden. Wenn nun auch Albinus
-in seiner Meißnischen Bergchronik (S. 98) bei dem Jahre 932 schreibt:
-»Die Sorben sind endlich durch die christliche Religion so weit
-gebracht, das sie sich ihrer barbarischen gewohnheit des stehlens und
-raubens geschemet«, so teilt doch wieder Christian Knauth in seiner
-Sorbenwendischen Kirchengeschichte (S. 145) mit, daß der Bischof Bruno
-II. von Meißen den St. Petridom in Bautzen an Stelle einer älteren
-Kirche im Jahre 1213 ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet habe, um
-die Sorben der Lausitz und Meißens zum Christentume zu bekehren; denn
-dieselben »steckten annoch in großer geistlicher Finsternis, führten
-wohl den christlichen Namen, hatten aber keine oder wenige Erkenntnis
-vom Christentum; hingegen waren sie mit heidnischen Irrtümern behaftet,
-lebten heidnisch, und einige mochten auch wohl hin und wieder im
-Verborgenen, in Wäldern und Heiden, ihre heidnischen Greuel treiben.«
-
-Diese Stelle wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die im
-Erzgebirge zerstreut lebenden Sorben angewendet werden können; denn
-es ist wohl anzunehmen, daß dieselben bei ihrer Abgeschiedenheit in
-dem einst fast undurchdringlichen Miriquidi noch längere Zeit ihre
-Gottheiten verehrten. Obschon die zuerst von M. Körner ausgesprochene
-Meinung, daß in dem Thale, in welchem sich jetzt das Dorf Bockau
-hinzieht, einst ein slavischer Gott verehrt worden sei, der den Namen
-des Ortes veranlaßte, hinfällig geworden ist, da man Bockau nicht als
-»Gottesdorf« oder »Gotteshain,« sondern als »Buchholz« oder »Buchwald«
-zu deuten hat, so weist doch dafür nach Immisch (Die slavischen
-Ortsnamen im Erzgebirge, 1866) der Name des Dorfes Klaffenbach bei
-Chemnitz, obschon er wie ein deutsches Wort klingt, in seiner Ableitung
-von den slavischen Worten ~hlowa~ (oberlaus. wendisch), ~glawa~
-(niederlaus. wendisch), ~hlawa~ (czechisch) = Haupt, Kopf und ~bòh~ =
-Gott, also in seiner Deutung als »Hauptgott,« auf einen Platz hin, an
-welchem ein slavischer Gott verehrt wurde. Die Geschichte erzählt auch,
-daß im Jahre 892 der Bischof Arno von Würzburg auf der Klaffenbacher
-Höhe, als er den daselbst zum Götzendienste zahlreich versammelten
-Heiden das Christentum predigte und die Messe las, von letzteren
-ermordet wurde (Immisch a. a. O.).
-
-Endlich ist noch auf zwei Plätze hinzuweisen, welche offenbar zu
-gottesdienstlichen Handlungen bestimmt waren; dabei mag es jedoch dahin
-gestellt sein, ob hier slavischen Gottheiten geopfert wurde, oder ob
-die Plätze vielleicht schon einer früheren germanischen Bevölkerung
-zu Kultuszwecken gedient haben. Es sind zwei Steinkreise, von denen
-der eine, auf dem Borberge bei Kirchberg, nur noch zu einem kleinen
-Teile an der Westseite eines Granitplateaus vorhanden ist, während
-der größere Teil im Jahre 1848 abgetragen wurde. Der andere Überrest
-aus dem grauen Altertume ist ein Doppelsteinkreis auf dem Burgberge
-zwischen Mulda und Lichtenberg. Beide Kreise lehnen sich hier an einen
-steil abfallenden Porphyrfelsen, der in der Mitte zu einer felsigen
-Kuppe aufragt, an, und wie auf dem Borberge liegt innerhalb der
-Steinwälle ein in das Gestein gearbeiteter Brunnen, in welchem nach der
-Volkssage das Wasser niemals verschwinden soll. Dieser Brunnen heißt an
-beiden Örtlichkeiten »Jungfernbrunnen.« Es gleichen beide Steinkreise,
-die einzigen, welche zur Zeit in dem Erzgebirge bekannt geworden sind,
-denen in der Lausitz und in Böhmen, so daß wohl die Annahme, nach
-welcher wir es an diesen Orten mit einst den Göttern geweihten Plätzen
-zu thun haben, eine berechtigte ist. Wünschenswert wären Nachgrabungen
-nach etwaiger Asche oder Kohlenresten.
-
-
-1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.
-
-(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656. S. 79 u. 360.)
-
-In der Hauptkirche zu Zwickau ist des Triglas oder Triglaff Kopf
-zweimal und außer der Kirche an einem Pfeiler noch einmal zu finden,
-das eine Mal mit drei Bärten und die andern zweimal ohne Bart. An einem
-Kopfe sind drei Gesichter mit Augen, Nasen und Mäulern. Andere halten
-diese Bildnisse aber nicht für Köpfe des Götzen, sondern meinen, daß
-man damit das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit in einem göttlichen
-Wesen habe andeuten wollen.
-
-
-2. Der Slavengott Ladon.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 199.)
-
-Der Schloßberg zu Teplitz trug einst eine starke Feste mit doppelten
-Ringmauern, sowie sieben Türmen, welche jene zierten. Bereits im
-achten Jahrhundert aber soll auf dem Berge ein Tempel des slavischen
-Kriegsgottes Ladon gestanden haben.
-
-
-3. Ursprung des Namens Crottendorf.
-
-(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, Dresden 1847, S. 204. Ziehnert,
-Sachsens Volkssagen, Annaberg 1838--39. III. S. 201. Segnitz, Sagen,
-Legenden etc., Meißen 1839--54. II. S. 73.)
-
-Der Name des Dorfes Crottendorf würde richtiger »Crodendorf« zu
-schreiben sein, da der Ort seinen Namen dem Götzen +Crodo+ verdankt,
-welcher am östlichen hohen Gebirge, auf den Klippen der Wolfs- und
-Liebensteine, lange nach Einführung des Christentums noch verehrt
-worden ist. Denn als man im Orte eine Kirche bauen wollte, suchte dies
-der Heidengott in Gestalt des Teufels zu verhindern. Er riß das am Tage
-aufgeführte Mauerwerk in der Nacht wieder ein und das Bauholz schleppte
-er weit bis an das andere Ende des Dorfs. Da ging einst ein frommer
-Priester zu derselben Zeit vorüber, als die Bauleute eben beschäftigt
-waren, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Derselbe segnete
-das sämtliche Holz und Baumaterial und nun mußte der Götze dasselbe in
-Ruhe lassen, so daß der Bau bald vollendet werden konnte.
-
- In der Einleitung ist bereits auf die unhistorische Gottheit Crodo
- hingewiesen worden. Von späteren Schriftstellern wurde dieselbe
- als ein Mann mit entblößtem Haupte, barfuß auf einer Säule stehend
- und mit einem leinenen Schurze umgürtet, in der linken Hand ein
- Rad, in der rechten einen Wassereimer haltend, dargestellt. Anders
- bildet Großer in seinen Merkwürdigkeiten der Ober- und Niederlausitz
- den Gott ab. Hier erscheint er als ein bekleideter Mann ohne
- Kopfbedeckung; in der einen Hand trägt er einen Korb mit Früchten
- (?), in der andern erhobenen ein Rad; er steht auf einem Fische,
- welcher auf einer Säule liegt.
-
-
-4. Der Crodensee in Eibenstock.
-
-(Oettel, Hist. von Eibenstock. 1748, S. 5. Oesfeld, Historische
-Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge. 2. Teil 1777,
-Seite 51.)
-
-Man hat behaupten wollen, daß die Harzländer, welche nach den Wenden in
-die Gegend von Eibenstock gekommen, noch Heiden gewesen wären und den
-Abgott Crodo verehrt hätten, davon auch der Croden- oder Crottensee,
-der obere Stadtteil von Eibenstock seinen Namen haben soll.
-
-
-5. Der Götze Crodo bei Meerane.
-
-(H. Leopold, Chronik von Meerane, S. 9.)
-
-Das Volk bezeichnet den Thalgrund bei Meerane, in welchem die Dörfer
-Götzenthal, Crotenleide und Hainichen und Köthel liegen, als einen Ort,
-wo der Götze Crodo verehrt wurde. Bei Crotenleide wurden auch einige
-Altertümer, nämlich zwei steinerne Hämmer und unter uralten Eichen ein
-Opfertisch, der jetzt im Wechselburger Parke steht, ausgegraben.
-
- Als der obengenannte Opfertisch wird jene achtseitige, auf vier
- steinernen Unterlagen ruhende Porphyrplatte, welche im Wechselburger
- Parke der Eulenkluft gegenüber aufgestellt ist, bezeichnet. (S. C.
- Ehrhardt, Ausflüge in das Sächs. Erzgebirge 1885, S. 40.)
-
-
-6. Das Herdabild bei Zwickau.
-
-(Köhler, Volksbrauch im Voigtlande. 1867, S. 447.)
-
-Nach der Sage soll das Bild der Herda von Rügen in die Zwickauer Gegend
-gebracht worden sein. In dem Schwanenteiche wusch man den Wagen der
-Göttin, und es soll sich ihr Dienst daselbst noch lange erhalten haben.
-
- Wie berichtet wird, befand sich auf einer Insel im Meer ein heiliger
- Hain und in demselben stand ein mit Decken verhüllter Wagen, in
- welchem die Erdgöttin Nerthus (Herda), von Priestern geleitet, von
- Zeit zu Zeit ihren Umzug hielt. Wenn der von Kühen gezogene Wagen
- mit der Göttin durch das Land fuhr, hörte aller Krieg auf und im
- Frieden freuten sich die Sterblichen. War die Göttin wieder nach dem
- heiligen Hain zurückgekehrt, dann wurde ihr Wagen und sie selbst in
- einem See von Sklaven gewaschen, die dann das Wasser des Sees begrub.
-
-
-7. Der heilige Hain bei Freiberg.
-
-(Heinr. Gerlach, Kleine Chronik von Freiberg, S. 85.)
-
-Auf der Höhe unweit des »schwarzen Teichs«, zwischen den Seitenthälern
-der Mulde, welche von der Münz- und Waltersbach gebildet werden, soll
-in jener Zeit, da die Sorben in der Gegend von Freiberg noch seßhaft
-waren, ein heiliger Hain gestanden haben, in welchem ein Götzenbild
-aufgestellt war. Man hat in der neuesten Zeit sowohl am Gehänge des
-Münzbachthales, als auch in der untern Waltersbach zu Großschirma
-Streitäxte gefunden.
-
-
-8. Der heilige Hain in Weißbach bei Schneeberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Auf der flachen Höhe südlich von der Kirche zu Weißbach, wo man vor
-mehr als hundert Jahren noch die spärlichen Überreste eines Walles sah,
-soll ehemals die Rommels- oder Rummelsburg gestanden haben. Andere aber
-erzählen wieder, daß daselbst ein heiliger Hain der Sorben stand.
-
-
-9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.
-
-(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 25.)
-
-Wie die alten Heiden ihre Haine, Hahne oder Hagen und Gehege gehabt
-und darinnen ihren Götzendienst verrichtet, so findet man auch bei
-Frauenstein davon eine sattsame Spur vor dem Hainthor, das zwischen
-dem Schloß- und Freibergischen Thor stehet. Allem Ansehen nach hat ihr
-Götze auf dem Platze gestanden, wo jetzt die drei Linden stehen, welche
-zum Andenken an den Abgott und zerstörten Hain gepflanzt worden sind.
-Und weil die Heiden bei ihrem Götzendienst sich zu waschen und zu baden
-pflegten, so ist nicht weit davon der Hainteich angelegt. Jetzo nennen
-es die Frauensteiner das Hahnthor und den Hahnteich.
-
- Haine waren bei den germanischen Völkern Orte, an denen sie ihren
- Göttern opferten und Volksversammlungen und Gericht abhielten; es
- waren heilige Plätze, und vielfach wurden an solchen Stellen später
- christliche Kirchen errichtet. Zu solchen heiligen Hainen gehörte
- jedenfalls auch das »Götzenbüschchen« bei Oelsa bei Dippoldiswalde.
- Ob alle Plätze, welche heute noch den Namen Hain (oder Hahn) führen,
- früher zu gottesdienstlichen Zwecken geheiligt waren, darf wohl als
- sehr fraglich gelten. Von Grünhain meldet allerdings die Sage, daß
- der nahe Spiegelwald in der Sorbenzeit zur Gottesverehrung gedient
- habe (Schumann, Lex. v. Sachsen, 16 B. S. 567); vielleicht bezieht
- sich diese Angabe besser auf einen heiligen Hain, der sich an dem
- Platze befand, wo jetzt das genannte Städtchen steht.
-
- Am rechten Ufer des Brückenbaches bei Jöhstadt nennt man eine Waldung
- »die alten Haine« oder »die alte Henne«. Im Nassauer Revier giebt es
- einen »breiten Hain« und »Hainwiesen«, und in die obere Freiberger
- Mulde ergießt sich das jedenfalls von dem breiten Haine und den
- Hainwiesen kommende Hainwässerlein (Bahn, Frauenstein, S. 25). Ein
- »hoher Hahn« oder Hain liegt in der Gegend der Morgenleite bei
- Schwarzenberg. Durch den »großen und kleinen Hain« bei Sachsenburg
- führen der Kirchsteig von Neudörfchen nach Seyfersbach und die
- Straße von Mittweida nach Dresden; eine Waldung bei Geyer heißt der
- »Hahnrück« (ursprünglich Hainrücken). Bei Oberlungwitz existierte
- früher ein »oberes und unteres Hahnholz«; ersteres befand sich
- an der Stelle des jetzigen Gottesackers zu Ernstthal (Gumprecht,
- Lindenblätter von Oberlungwitz. 1863, S. 15.). Ein »Hainholz« ist
- noch heute westlich vom Hüttengrunde bei Hohenstein auf den Karten
- namhaft gemacht. Außerdem giebt es Ortschaften, deren Namen die Silbe
- »Hain« enthalten, wie Stolzenhain, Altenhain u. a. Vom letzteren Orte
- vermutet Bahn in seinen historischen Nachrichten von Frankenberg (S.
- 12.), daß daselbst von altersher ein starker Verkehr gewesen sei und
- ein heidnischer Götzenhain gestanden haben müsse, welcher von ihm an
- der Stelle gesucht wird, wo das Vorwerk steht.
-
- Wenn Jacob Grimm (deutsche Mythologie, S. 45.) geneigt ist, die fast
- überall in Deutschland erscheinende örtliche Benennung »heiliger
- Wälder« auf das Heidentum zurückzuführen, so gilt dies vielleicht
- auch von den Namen »heilige Wiese« und »heiliger Born«. Eine heilige
- Wiese und ein heiliger Born liegen am untern Teile des Dorfes
- Königswalde bei Werdau. (Göpfert, Gesch. des Pleißengrundes, S. 308.)
-
-
-10. Der Taufstein bei Oberkrinitz.
-
-(P. Wetzel im »Glückauf,« 1881, No. 7.)
-
-Auf einer unbedeutenden Anhöhe beim Dorfe Oberkrinitz, die früher
-einen schönen Buchenbestand trug, liegt ein unregelmäßig gestalteter
-Granitblock, welcher auf der Oberfläche eine große und fünf kleinere
-künstliche Vertiefungen zeigt. Von den letzteren gruppieren sich vier
-um die große in der Mitte befindliche Vertiefung, welche die Form eines
-Beckens hat, während die fünfte sich an der Rückseite des Steines
-befindet. Nach dem Becken öffnen sich drei kleinere sitzähnliche
-Aushöhlungen, und in eine von diesen mündet wieder ein noch kleinerer
-Sitz. Die Sitze sind so groß, daß Kinder bis zu 10 Jahren bequem
-darin Platz nehmen können, während der auf der Rückseite des Steines
-befindliche Sitz einen etwas größern Umfang hat. Man nennt diesen
-großen Granitblock in der Gegend allgemein den »Taufstein« und erzählt
-sich von ihm folgendes: Als vor langer, langer Zeit das Christentum
-sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte die
-Verehrung des wahren Gottes nur im Geheimen geschehen, da sonst die
-heidnischen Priester den Christen ein sicheres Verderben bereitet
-hätten; besonders aber mußte die Taufe geheim gehalten werden. Deshalb
-suchten die wenigen Christen einsame, tief im Walde versteckte Orte
-auf, wo sie ungesehen und unbemerkt die heilige Taufe vollziehen
-konnten. Zu diesem Behufe wählten sich nun die Glaubensgenossen große,
-auf bewaldeten Anhöhen liegende Steine aus und arbeiteten in dieselben
-ein Becken zur Aufnahme des Wassers, drei Sitze für die drei Taufpaten
-und einen für den Täufling hinein. Der Taufstein bei Oberkrinitz
-soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und niemand hat
-das Becken vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter Mann erzählte,
-er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit seinen Freunden
-das Wasser gänzlich ausgeschöpft, doch als sie am nächsten Morgen
-nachgesehen, sei eine größere Menge Wassers in dem Becken zu finden
-gewesen als vorher, obgleich es die ganze Nacht nicht geregnet hatte.
-Schon oft hätten die Steinmetzen sich an den Stein gemacht, um ihn zu
-zerschlagen und zu verarbeiten, aber der »Uhâmel« (Unheimel?), mit dem
-in der Gegend auch die Mütter ihren Kindern drohen, um sie zur Ruhe
-zu bringen, habe sie stets auf den Arm geschlagen, so daß sie von der
-Arbeit hätten abstehen müssen. Der Taufstein werde deshalb jetzt von
-ihnen in Ruhe gelassen. Noch wird erzählt, daß in dem Wasserbecken Geld
-liege.
-
-Nach einer von Karl Morgenroth novellistisch bearbeiteten Sage
-(Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgegend 1869, No. 12 und 14)
-drangen einst die siegreichen Deutschen in ein verlassenes sorbisches
-Dorf ein, in welchem sie nur den heidnischen Oberpriester, einen
-silberhaarigen Greis, antrafen. Derselbe rief bei ihrem Eindringen den
-Zorn der Götter auf die verhaßten Deutschen herab und empfing dafür
-alsbald den tötlichen Schwertstreich. Sein Enkel aber, welcher in der
-Hütte vergeblich auf ihn harrte, wurde von einem Deutschen an Sohnes
-statt angenommen, um zunächst getauft zu werden und in der Taufe statt
-seines Heidennamens Scop den christlichen Namen Johannes zu erhalten.
-Der junge Sorbe Johannes wurde später Priester und als solcher zog es
-ihn vorzugsweise zu seinen Stammesgenossen hin, denen er das Evangelium
-predigte. Auf seinen Wanderungen durch den Miriquidi forschte er nach
-den ehemaligen Bewohnern seines Heimatortes, ohne sie zu finden. Dabei
-wurde er selbst alt, und als er nun, ein Greis geworden, eines Tages an
-den Platz kam, wo der Taufstein liegt, lehnte er sein Haupt ermüdet an
-den Stein, welcher damals von einer alten Eiche beschattet wurde. Bald
-schlief er ein, und im Traume verkündete ihm Gott, daß er in der Nähe
-der Gesuchten sei, und alle zum Christentume bekehren würde. Als nun
-der Morgen anbrach, baute sich Johannes eine Hütte neben dem Steine und
-stellte in derselben ein einfaches Kreuz auf. Eines Tages trat aus dem
-Walde, welcher seine Wohnung umschloß, ein junger Sorbe, der zwar in
-seinem Schrecken, hier jemanden anzutreffen, schnell umkehren wollte,
-aber durch die Freundlichkeit, mit welcher Johannes in seiner eigenen
-Sprache zu ihm redete, bewogen ward, zu bleiben. Es war der Sohn eines
-sorbischen Priesters, den Feinde des letzteren verfolgt hatten. Als sie
-aber gesehen, daß der Flüchtling durch den Sumpf und auf den Hügel,
-auf welchem sich noch heute der Taufstein befindet, eilte, da ließen
-sie ab, denn dieser Platz war als Sitz böser Geister gefürchtet. Von
-seinem Schützlinge, welcher Tage und Wochen lang bei Johannes blieb,
-erfuhr nun letzterer, daß in der Nähe eine slavische Ansiedelung und
-ein Götterhain sei und daß sich der junge Sorbe ebenfalls Scop nannte.
-Es stellte sich heraus, daß beide mit einander verwandt waren. Zuletzt
-sprach der junge Scop das dringende Verlangen aus, ebenfalls Christ zu
-werden und die Taufe von Johannes zu empfangen. Der Tag, an welchem
-die heilige Handlung geschehen sollte, war da, aber das Wasser fehlte,
-denn reines Wasser sollte es sein, und der umgebende Sumpf bot nur
-übelriechendes dar. Die Eiche, unter welcher der Stein lag, war noch
-vom vortägigen Regen naß und ein scharfer Wind ließ das Regenwasser auf
-den Stein fallen, der oben eine Vertiefung hatte, also ein Naturbecken
-war; somit war auch Taufwasser vorhanden. Freudig bewegt sagte der
-Täufling: »Hier ist Wasser, taufe mich!« und Johannes that es im
-Glauben, daß dies nicht der letzte seines Ortes sei, den er taufe.
-So geschah es auch. Johannes begleitete seinen Schützling bis zur
-Hütte des heidnischen Priesters und war später oft ein Gast daselbst.
-Endlich wurde der alte Priester Scop selbst den Lehren des Christentums
-zugänglich, so daß er sich an demselben Orte taufen ließ, an welchem
-sein Sohn die Taufe empfangen hatte. Da nun die übrigen Sorben der
-Ansiedelung sahen, daß kein Opferrauch mehr aus dem Götterhaine
-aufstieg, verwunderten sie sich und forschten nach der Ursache. Nachdem
-sie dieselbe erfahren, wurden sie anfangs mit Zorn und Angst, später
-aber, als sie vernahmen, wie glücklich ihr früherer Priester und dessen
-Sohn geworden waren, mit Sehnsucht nach dem neuen Glauben erfüllt. So
-zog denn eines Tages eine große Menge Sorben hinaus nach dem Steine und
-empfing dort die Taufe. Die alten Widersacher des früheren Priesters
-Scop aber waren zurückgeblieben und zündeten unterdeß die Hütten der
-jungen Christen an. Johannes wehrte ihnen, dafür Rache zu nehmen; sie
-ließen vielmehr die Heiden, welche sich 2 Stunden abwärts im Thale
-ansiedelten und den neuen Ort wie den alten nannten, ruhig abziehen. Da
-geschah es jedoch ein Jahr später, daß Blitze auf Blitze niederfuhren
-und das Heidendorf in Asche legten. Die christlichen Stammesgenossen
-im obern Dorfe kamen helfend herbei und von dieser Liebe, welche
-Böses mit Gutem vergalt, wurden die Heiden erwärmt und ebenfalls für
-das Christentum gewonnen. Auch sie wurden an dem Taufsteine in den
-Christenbund aufgenommen. Aus den beiden sorbischen Ansiedelungen
-erwuchsen aber die Dörfer Ober- und Niederkrinitz.
-
- Obschon unsere Sagen bestimmt von einem Taufsteine sprechen und die
- in ihm vorhandene größere Vertiefung als Taufbecken bezeichnen, so
- glaube ich doch, daß der Krinitzer Granitblock ein alter Opferstein
- ist und habe ich deshalb die sich mit ihm verknüpfenden Sagen dem
- ersten Abschnitte des Sagenbuchs angereiht. Bestimmend ist für
- mich seine offenbare Ähnlichkeit mit Blöcken im Fichtelgebirge,
- in Schlesien und andern Landesteilen, welche von den meisten
- Archäologen für Opfersteine angesehen, aber von dem Volke nicht immer
- als solche, sondern auch als Richter- und Teufelssitze, Teufels-
- und Hexenschüsseln u. s. w. bezeichnet werden. In den Schüsseln
- sammelten die Priester das Blut der geschlachteten Tiere und zum
- Opfer bestimmten Kriegsgefangenen, um dann vielleicht ihre Hände
- hinein zu tauchen und das umstehende Volk damit zu besprengen.
- Obschon ~Dr.~ H. Gruner (Opfersteine Deutschlands, Leipzig, 1881) die
- schüssel- und muldenartigen Vertiefungen als durch Einwirkung von
- Frost und Atmosphärilien, Gletscherthätigkeit oder Wasserstrahlen
- entstanden erklärt, würde doch ihre spätere Benutzung zu Opferzwecken
- damit nicht ausgeschlossen sein; schreibt doch ~Dr.~ Gruner (S. 7)
- selbst: »Daß viele Steine zu solchem Zwecke gedient haben, soll nicht
- bestritten werden.« Unsere zweite Sage vom Krinitzer Taufsteine faßt
- übrigens die Hauptvertiefung ebenfalls als ein Naturbecken auf.
-
- Ganz unwahrscheinlich klingt in der zuerst mitgeteilten Sage die
- Deutung der übrigen Vertiefungen als Sitze für den Täufling und die
- Taufpaten. Die Täuflinge stiegen in der ersten christlichen Zeit
- wohl durchgängig ins Wasser und wurden untergetaucht, später, vom 8.
- Jahrhundert an, trat das Begießen und Besprengen an die Stelle des
- Untertauchens, obschon sich in der lateinischen Kirche das letztere
- teilweise noch bis ins 13. Jahrhundert erhalten hat. (Hauff, Bibl.
- Real- und Verbal-Concordanz, II. S. 748.) Es wäre dabei allerdings
- immer möglich, daß man am Krinitzer Taufsteine aus dem mittelsten
- Becken das Wasser geschöpft und damit den Täufling besprengt habe.
- Daraus aber, daß eine der Vertiefungen als Sitz für den Täufling
- bezeichnet wird, ergiebt sich, daß der Taufstein bei Erwachsenen
- benutzt wurde. Wozu dienten dann aber die andern Sitze, da ja wohl
- bei der Taufe von Erwachsenen keine Paten nötig waren? Es kann
- nämlich angenommen werden, daß die Wahl von Paten zugleich mit der
- Kindertaufe gegen Ende des zweiten Jahrhunderts in der christlichen
- Kirche Gebrauch wurde.
-
- Mir erscheint es darum wahrscheinlicher, in unserm Taufsteine einen
- heidnischen, entweder germanischen oder slavischen Opferstein zu
- erblicken, und zwar auch in Berücksichtigung der Sage von dem
- dämonischen »Uhâmel,« welcher ihn gegen Steinmetzen schützen soll.
- Von spukhaften Gestalten, welche alte Opfersteine schützen, erzählen
- auch andere Sagen. So befindet sich bei Mukwar auf einem Hügel ein
- Stein, von dem man sagt, daß auf demselben einst geopfert worden ist.
- Als denselben einst ein Arbeiter zerschlagen wollte, sah er auf ihm
- eine Gestalt in langem, weißem Gewande sitzen. Vor Schrecken lief er
- davon und seit der Zeit hat niemand mehr Hand an den Stein zu legen
- gewagt. (Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen. Graz, 1880, S.
- 431.)
-
-
-
-
-II.
-
-Spukgeister- und Gespenstersagen.
-
-
-Spukgeister und Gespenster sind nach Otto Henne-Am-Rhyn (die deutsche
-Volkssage) die Schatten der Götter; Götter werden zu Gespenstern, d. h.
-zu geisterhaftem täuschenden Trug (Jacob Grimm, deutsche Myth. 1835, S.
-512), zu Phantomen, welche Menschen verlocken. Aber ebenso werden auch
-Menschen, deren Seelen nach der Sage häufig zur Strafe für begangenes
-Unrecht nicht der Seligkeit teilhaftig wurden, zu Gespenstern, und sie
-müssen nun zwischen Himmel und Erde schweben oder auch wohl zu den
-Stätten wiederkehren, an denen sie einst auf Erden wandelten.
-
-Daß die alten heidnischen Götter zu gespenstischen Wesen wurden,
-erklärt sich aus der Zähigkeit, mit welcher unsere Vorfahren noch
-lange die Erinnerung an jene Göttergestalten bewahrten, obschon diese
-Erinnerung nach und nach in soweit verblaßte, als die ursprünglichen
-Züge sich verwischten und die Begriffe finsterer und abschreckender
-Gewalten an ihre Stelle traten. (Grimm a. a. O., S. 515.)
-
-Als Beweis hierfür ist an erster Stelle +Wuotan+ (Wodan) oder +Odhin+,
-der Herr des Himmels, und somit der Sterne, Wolken und Stürme zu
-nennen. Begleitet von den Walkyren, den Schlachtjungfrauen, und den
-in der Schlacht gefallenen Helden, ritt er auf seinem weißen Rosse
-Sleipnir dahin. Kampf gegen Menschen und Tiere ist die Tugend der
-Helden und darum ziehen letztere auch durch die Wälder, um zu jagen,
-und vor ihnen flüchtet das gehetzte Wild; als Geister ziehen sie jetzt
-durch die Lüfte. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 2.)
-
-Wuotans Zug ist in der Volkssage zum wilden Heer, der Gott selbst aber
-zum wilden Jäger geworden. Begründet wird diese Annahme in erster
-Linie durch skandinavische Sagen und Redensarten; so glaubt z. B.
-der schwedische Bauer im Sturmesgeheul des Gottes Jagd mit Rossen
-und Wagen zu vernehmen, und in Schonen nennt man ein nächtliches
-Geräusch »Odens Jagd«. Ähnlich sagt man in Mecklenburg und Pommern, daß
-»Wode jage«, und in Schwaben wird das wilde Heer zum »Wuetes«- oder
-»Wuotes«-, in Mittel- und Süddeutschland aber zum »wütenden Heere«.
-Und wenn nach einer unserer Sagen der wilde Jäger bei Schönlinde mit
-»hölzernen Hunden,« d. h. jedenfalls »Holzhunden« oder Wölfen jagt,
-so verweisen auch letztere auf Odhins Wölfe Geri und Freki, die er
-nach dem nordgermanischen Mythus täglich füttert. So reicht die Sage
-vom wilden Jäger und der wilden Jagd bis in das germanische Heidentum
-zurück. Sie verknüpft sich jedoch nicht nur mit dem Sturmgott Wuotan,
-sondern auch mit anderen Göttern, selbst Göttinnen und Helden. In
-Schwaben wurde noch im 16. Jahrhundert an die Spitze der wilden
-Jagd ein Gespenst mit Namen Berchtold, die männliche Gestaltung der
-Berahta gesetzt, und so mochten auch heidnische Göttinnen, besonders
-die genannte Berahta und Holda, welche einst feierlich durch das Land
-zogen, später nach dem Volksglauben auch das wilde Heer zu bestimmten
-Zeiten anführen. Wenn Frau Holda an der Spitze ihres Geisterheeres
-dahinzog, versah Eckhart mit dem weißen Stabe das Amt eines Herolds.
-Neben Eckhart war nach dem Volksglauben auch Dietrich von Bern ein
-zweiter Held des gespenstischen Zuges, (Grimm, a. a. O., S. 522--524),
-wenigstens heißt im Bereiche des Erzgebirges (bei Schönlinde) der wilde
-Jäger noch »Banditterch,« ebenso wie er in einer oberlausitzischen Sage
-(Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 138) »Pan«, d. h. Herr »Dietrich«
-heißt, der einst ein Raubritter war, welcher wegen seiner Frevel zum
-wilden Jäger wurde. Der Übertragung der Sagen von Wuotan als wilden
-Jäger auf die historische Person Dietrichs von Bern wird auch von W.
-Mannhardt (die Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 119)
-gedacht. Der Gotenkönig Theodorich, welcher in der Sage als Dietrich
-von Bern fortlebt, soll, -- so ging schon im 12. Jahrhundert die Rede,
--- lebend auf einem Rosse ins Totenreich geritten sein. In Westfalen
-und Niedersachsen wird dagegen der wilde Jäger auf die historische
-Person eines braunschweigischen Oberjägermeisters namens Hackelbärend
-oder Hackelberg bezogen, der zur Strafe für sein eifriges Jagen als
-wilder Jäger spuken soll. Hackelbärend, d. h. Mantelträger, ist jedoch,
-wie Jacob Grimm vermutet, ein Beiname des Wuotan, denn des Gottes
-Schultern umhüllte ein weiter schwarzer Mantel, wenn er auf seinem
-Rosse dahinbrauste. (Grimm a. a. O., S. 517. Mannhardt, die Götter der
-deutschen und nordischen Völker, S. 108.)
-
-Nach einer erzgebirgischen Sage (aus Karlsfeld) besteht das Gefolge
-des wilden Jägers aus den Seelen von Jägern, welche im Leben Übles
-gethan haben; ähnlich spricht auch der Volksmund in Böhmen (Grohmann,
-Sagenbuch aus Böhmen und Mähren I., S. 74), daß dem wilden Jäger die
-Seelen der Verdammten in Gestalt von glühenden Hühnern folgen, und
-eine norwegische Sage erzählt, daß diejenigen Seelen, welche nicht
-so viel Gutes thun, daß sie den Himmel, und nicht so viel Böses, daß
-sie die Hölle verdienen, wie Trunkenbolde und Spötter zur Strafe
-bis ans Ende der Welt umreiten sollen. (Grimm, a. a. O., S. 525.)
-Neben denen, die ihre Christenpflicht vergessen haben, sollen auch
-die ungetauft gestorbenen Kinder und die eines gewaltsamen Todes
-Umgekommenen zum Gefolge des wilden Jägers gehören, da diese nach einem
-engherzigen christlichen Dogma vom Himmel verschmäht, dem heidnischen
-Gotte zufallen. (Henne-Am Rhyn, a. a. O., S. 530.) Wie bei uns im
-Erzgebirge hörte man auch in der Lausitz beim Durchziehen der wilden
-Jagd das Anschlagen wie von »Dachshunden« (Haupt a. a. O., N. 39.), und
-diejenigen, welche den wilden Jäger anriefen, erhielten bei uns wie in
-der Lausitz und im Harz ein Stück übelriechendes Aas. (Haupt a. a. O.,
-No. 144. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 43, 44, 50. Gillwald, der
-Harz in Geschichte und Sage, S. 21.) So hören wir dieselben Sagenklänge
-in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes; überall ist
-das Schattenbild des germanischen Gottes in seinen wesentlichen
-Eigenschaften gleich; denn er zieht wiederholt dieselbe Straße, führt
-die Wanderer in der Nachtzeit irre und ist erzürnt, wenn man sein Huh,
-Huh! oder das Gekläff seiner Hunde nachahmt. Daher gilt auch heute das
-Gebot, sich bei seinem Nahen nieder auf die Erde zu werfen und ihn
-nicht anzurufen, wie dies auch eine durch den Kult gebotene Forderung
-an unsere heidnischen Vorfahren war, wenn Gott Wuotan im Sturme durch
-die Wipfel der Bäume brauste.
-
-Wie die Sagen vom wilden Jäger, dem ähnlich in unserm Gebirge der
-Katzen- und Bachreiter, sowie der unheimliche Hans Michel erscheinen,
-sind auch diejenigen vom Reiter ohne Kopf, der bei uns ein Schrecken
-der Holzdiebe ist, auf Wuotan zurückzuführen. Ein Reiter ohne Kopf
-zieht durch die Waldungen des Saallandes, und wenn er junge Leute,
-welche um Mitternacht auf einem Kreuzwege horchten, vertrieb und
-verfolgte und diese dann glücklich vor ihm die Hausthüre verschlossen
-hatten, so geschah ein schwerer Schlag an die Thüre und am anderen
-Morgen war der tiefe Eindruck eines Hufeisens zu sehen. (L. Zapf, a.
-a. O., S. 4.) Das Hufeisen weist uns auf Odhins oder Wuotans Roß hin.
--- Fremdartig ists in einer unserer Sagen, daß der Reiter ohne Kopf
-auf schwarzem Rosse sitzt, da sowohl dem wilden Jäger als auch Wuotan
-übereinstimmend sonst nur ein weißer oder grauer Schimmel zugewiesen
-wird; doch trägt der Reiter einen schwarzen Mantel und um ihn flattert
-eine Krähe und verkündet den Tod. Einen schwarzen Mantel trägt auch
-der wilde Jäger, welcher am Roßberge in der Schweiz wohnt (Henne-Am
-Rhyn, a. a. O., S. 521), und zu Wuotan als wildem Jäger gesellen sich
-die Totenvögel Eule und Rabe (Mannhardt a. a. O., S. 108); letzterer
-aber wird in dem Volksglauben vielfach auch durch die Krähe vertreten.
--- Kopflos tritt meist der wilde Jäger auf, wenn ihn der Glaube als
-Geist eines ruhelos umhergehenden Herrn, der das Volk durch seine
-Härte quälte, auffaßt. H. Heine (Sagen, Märchen und Bilder aus dem
-Harze, 1878, S. 55.) bemerkt, daß bei Meißen der wilde Jäger ein
-Mann im grauen Rocke, mit hohen Sporenstiefeln, einem Jagdhorne und
-+ohne Kopf+ sei, der auf einem Grauschimmel reite, und auf der Insel
-Möen jagt im Grünewalde Wuotan mit einer Meute Hunde hoch zu Roß,
-einen Spieß in der rechten Hand und +das Haupt unter dem+ linken Arme
-tragend. (Mannhardt a. a. O., S. 153.) -- Die Göttin der Unterwelt war
-nach dem Glauben der Germanen +Hel+, nach demjenigen der slavischen
-Bevölkerung Böhmens die +Morana+; wenn eine von ihnen erschien, zeigte
-sie einen Todesfall an. Ursprünglich war die Hel wahrscheinlich die
-Mutter alles Lebens, zu der auch alles Leben wieder zurückkehrte.
-Daher wurde sie auf Grund dieser Doppelseite ihres Wesens, in ihrer
-Eigenschaft als Gebieterin über Leben und Tod, halb menschenfarbig,
-halb schwarz vorgestellt, und beide Farben tragen auch noch vielfach
-nach den Überlieferungen der Sage die +verwünschten Jungfrauen+ und
-Frauen, welche ihre Schattenbilder sind und die teils freundlich,
-teils feindlich in das Leben der Menschen eingreifen. (Henne-Am-Rhyn,
-a. a. O., S. 549.) Die weiße Frau zu Neuhaus erscheint bei fröhlichen
-Gelegenheiten im langen weißen Talar, bei Todesfällen aber in schwarzen
-Handschuhen. Einen Todesfall verkündet auch die weiße Frau zu
-Venusberg. -- Ihre Doppelnatur kennzeichnet sich bei den weißen Frauen
-noch dadurch, daß sie nach der Volksüberlieferung bald als blühende
-schöne Jungfrauen, bald wieder als häßliche alte Weiber erscheinen.
-Ich rechne dazu die Erscheinung am weißen Fels bei Hartenstein, welche
-in ihrer Wandelbarkeit an die schöne Jungfrau am Fuße des Nußhardt im
-Fichtelgebirge erinnert, und die nur dann erlöst werden kann, wenn
-sie von jemandem zu der Zeit, da sie als häßliches Weib wiederkommt,
-auf die Stirne geküßt wird. Man sieht sie zuweilen mit einem Rechen
-an der Sonne Flachsknoten ausbreiten, und dadurch erinnert sie an die
-+Hulda+ oder Frau +Holle+, die freundliche Göttin, welche den Flachsbau
-beschirmte und die fleißigen Spinnerinnen belohnte, die faulen aber
-bestrafte. Zur Weihnachtszeit hielt sie ihre Umzüge, aber sie fuhr auch
-nach anderen Überlieferungen, ihrer ursprünglichen Natur entgegen,
-auf einem Wagen mit dem wilden Heere schreckhaft durch die Lüfte, und
-Hexen bildeten dann ihre Gesellschaft. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S.
-554.) Ihre abgeschwächten Abbilder sind vielleicht die zwei Jungfrauen
-des Breiten- und Röthelsteins, die in feuriger Kutsche mit dergleichen
-Pferden umherfahren und dann im Röthelsteine verschwinden; beide
-erscheinen zuweilen in schwarzen Kleidern. -- Hexenähnlich erscheint
-uns auch das Fegeweib des Katzensteins, das mit einem Besen die durch
-die Luft fliegenden Kugeln wegfegt, bis es endlich durch einen frommen
-Spruch machtlos wird.
-
-Die Überlieferungen von diesen ursprünglich göttlichen Wesen, welche
-zum Zeichen ihrer Göttlichkeit gewöhnlich weiß gekleidet erscheinen,
-fließen vielfach zusammen. So erscheint die Frau Holle in Norwegen und
-Schweden als die Berg- und Waldfrau +Hull+ oder +Huldra+; sie liebt
-Musik und Gesang wie das über die Mulde bei Zelle schwebende Fräulein,
-welchem musicierende Bergleute ein Ständchen bringen, oder wie die
-Lieder singende Jungfrau des Braunsteins und das Schloßfräulein im
-Schönjungferngrunde bei Oberwiesenthal, welches die Laute spielt. Auch
-die Huldra wird bald jung und schön, bald alt und finster gedacht, und
-wenn sie grau gekleidet und alt an der Spitze ihrer Herde im Walde
-angetroffen wird, hat sie einen Melkeimer in der Hand. Ich bin geneigt,
-die Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege bei Breitenbach für identisch
-mit ihr zu halten, obschon sie durch die Sage zu einer wegen schlechten
-Maßes der verkauften Milch verwünschten Jungfrau wird, die nun ruhelos
-umher wandeln muß; sie trägt in der Hand ein Milchseidel und einen
-grünen Kranz auf dem Kopfe.
-
-Wie die +Hulda+ und die mit ihr verwandte +Berahta+ beschenken auch
-die weißen Frauen einzelne Menschenkinder mit scheinbar wertlosen
-Dingen, welche sich später in Gold verwandeln. Ich verweise aus
-unserm Sagenkreise in dieser Beziehung auf die weiße Frau des hohen
-Steins bei Graslitz, von welcher ein armer Hirte eine wunderthätige
-Rute und Laub empfing, das sich in Goldstücke verwandelte; ähnliches
-wird auch von einem Hirten erzählt, den die Jungfrau des Lautersteins
-beschenkte, und als die beiden musicierenden Bergleute der Jungfrau bei
-Klösterlein Zelle ein Ständchen brachten, erhielt jeder von ihnen ein
-Blumensträußchen, deren eines sich in Gold verwandelte, weil es nicht
-weggeworfen wurde.
-
-Die den Melkeimer in einer Hand tragende Huldra gehört als Bergfrau
-offenbar zu den weißen Frauen, welche nach dem Glauben unserer
-heidnischen Vorfahren ihren Sitz in den Wolken hatten und von da
-der Erde himmlische Milch, den Regen, spendeten. Wenn man ihre
-Wohnungen nach einem anderen Glauben auch auf die Berge verlegte,
-so erklärt sich dies daraus, daß die Wolken von den Naturvölkern
-auch als Berge angesehen wurden. Die weißen Jungfrauen hängen als
-Wolkenfrauen häufig Wäsche auf oder bleichen Linnen. Dies thun die
-Fräulein im Schönjungferngrunde am Fichtelberge und die Jungfrau des
-Grauensteins; als der letzteren einmal die ausbreitete Wäsche geraubt
-wurde, verwandelte sich dieselbe in zischende Ottern. Bemerkenswert
-ist übrigens, daß die Grauensteiner Jungfrau keinen Kopf hat, und sie
-erinnert dadurch an eine der zahlreichen weißen Frauen des Vogtlandes,
-welche zuweilen aus den unterirdischen Gemächern der Teufelskanzel bei
-Ranis hervortritt und an der Stelle des Kopfes zwei goldene Hörner
-trägt. (Rob. Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 235.) Die Jungfrauen
-auf dem Hausberge bei Graslitz hängen Wäsche auf, die sich beim
-Näherkommen in Spinngewebe verwandelt. Anderwärts im Gebirge scheint
-man die aufgehängte und plötzlich wieder verschwindende Wäsche den
-Holzweibeln zugeschrieben zu haben. (S. Dämonensagen.)
-
-Da die Wolke in der Vorstellung unserer Vorfahren sowie der Slaven auch
-als Brunnen galt, so wohnen weiße Jungfrauen nicht bloß auf Bergen,
-sondern auch in Brunnen. Die Sage erzählt von einem Wunderbrunnen auf
-dem Fichtelberge, an dem man zu Zeiten eine Jungfrau gesehen hat. Durch
-diese Brunnenjungfrauen werden wir auch wieder auf die mütterliche
-Gottheit der Erde Nerthus und auf Frau Holle hingewiesen, welche den
-Aufenthalt in Brunnen liebten; in der Mittagsstunde sah man sie als
-weiße Frauen daselbst baden und dann wieder verschwinden. (Jac. Grimm,
-deutsche Mythologie, S. 166.) Derartigen Überlieferungen begegnet man
-in den meisten Gauen unseres deutschen Vaterlandes; so badet auch
-oft eine weiße Frau in dem Heribertsborn, welcher auf dem Höhenzuge
-Grünscheid bei Solingen entspringt. (Leibing, Sagen und Märchen des
-Bergischen Landes, No. 54.) Ebenso sind derartige Sagenklänge auch
-in Böhmen heimisch; dort wird die gütige Jungfrau Lida, welche in
-Brunnen wohnt und nur in mondhellen Nächten hervorkommt, auf Lada, die
-slavische Göttin des Frühlings und der Liebe zurückgeführt. (Grohmann,
-Sagenbuch von Böhmen, S. 33.)
-
-Die auf und in den Bergen, besonders solchen, welche ehemals Burgen
-trugen, wohnenden weißen Jungfrauen, denen die Sage gewöhnlich ein
-Schlüsselbund beilegt, und von denen sie erzählt, daß sie unermeßliche
-Schätze hüten (s. die Schatzsagen), sind ebenfalls göttliche Wesen.
-Grohmann (a. a. O., S. 34) meint, daß unter ihnen in Böhmen die
-Tochter des Donnergottes Perun, die jungfräuliche Göttin Devana zu
-verstehen sei, welche Hanus als Göttin des Lichtes deutet. Während
-des Winters, wenn das Licht durch trübe Wolken verdeckt wird, ist
-dieselbe in die Wolkenberge verbannt, und sie wartet auf den Frühling,
-welcher sie wieder befreien soll. So warten auch die in das Innere
-der Berge verbannten Jungfrauen, und vielfach ist es eine Blume,
-welche den Zugang zu ihrem Gefängnisse öffnet. Nach Schönwerth aber
-ist die Schätze hütende Jungfrau in den rein deutschen Bezirken die
-verhüllte Erdenmutter, die bereits genannte Hel, oder auch die Nerthus
-oder Freya; letztere, als Gemahlin Wuotans und Wolkenfrau, nähert
-sich in vielen Zügen der slavischen Devana, soweit sie aber neben
-der Herrschaft über Winde, Wolken und Blitze auch Macht über den
-Sonnenschein besaß und so auch der Erde Segen spendete, verschmolz
-sie wieder mit der Erdgöttin. (Mannhardt a. a. O., S. 271.) Aller
-Germanen Mutter und somit die gemeinsame Ahnfrau aller auf den Burgen
-herrschenden adeligen Geschlechter ist die Erde. Diese göttlichem
-Geschlechte angehörende Ahnfrau erscheint nun nach der Volkssage
-noch heute an denjenigen Plätzen, wo ihre Kinder wohnten, welche das
-Christentum für sich gewann. Durch dasselbe will auch sie erlöst
-werden, und sie bietet daher ihre Schätze, um dafür Ruhe zu erlangen
-und wieder mit den Ihrigen vereint zu werden. (Zapf, Sagenkreis des
-Fichtelgebirges, S. 22.)
-
-Einen mythischen Hintergrund haben die Sagen von gespenstischen
-+Hunden+, +Hähnen+ und +Hasen+. Erstere erscheinen gewöhnlich schwarz,
-vereinzelt aber auch feurig, und erschrecken die einsamen Wanderer.
-Vielleicht sind sie in einigen unserer Sagen auf die Hunde der
-Schicksal verkündenden Nornen zurückzuführen, und damit sind sie auch
-Verkündiger des Todes oder Krankheit bringend, wie der schwarze Pudel,
-welcher sich zuweilen auf dem Hemberge bei Bockau sehen läßt. Wo der
-Hund in Gesellschaft einer Jungfrau im Innern des Berges Schätze hütet,
-ist derselbe Sarmr, der Hund der Unterwelt.
-
-Daß auch der Hahn mythisch ist, erzählt uns die nordische Götterlehre,
-nach welcher der Hahn Fialan kräht, ehe das Weltende herannaht; durch
-Hähne werden Hexen und böse Geister verscheucht und ein schwarzer Hahn
-ist nach dem Volksglauben dem Teufel geweiht. Ebenso tritt auch der
-Hahn in den Schatzsagen auf. So führt z. B. ein solcher diejenigen
-irre, welche auf dem Burgberge bei Lichtenberg den daselbst liegenden
-Schatz heben wollen. In böhmischen Sagen vertreten goldene Hähne die
-Stelle von Schätzen, und Hühner legen auch nach anderen Überlieferungen
-goldene Eier. -- Endlich sprechen für die mythische Bedeutung des
-+Hasens+ viele abergläubische Meinungen; so ist z. B. im Vogtlande
-ein Hase, welchen man beim ersten Ausgange zuerst erblickt, Unglück
-verkündend. Er ist ein Göttertier, denn die Göttin Hulda ließ sich bei
-ihrer nächtlichen Wanderung, welche sie als Mond ausführte, von Hasen
-Lichter voraustragen. Als einst ein Arbeiter in Blauenthal nach einem
-an der nahen Steinwand, wo sich auch andere Spukgespenster sehen
-lassen, wiederholt nächtlich erscheinenden weißen Hasen schlug, war er
-in der nächsten Nacht tot.
-
-Unter den erzgebirgischen Spukgeschichten giebt es viele, nach denen
-die Seelen verstorbener Menschen, welche der himmlischen Ruhe nicht
-teilhaftig geworden sind, auf Erden umherwandeln. »Sie gehen um«,
-wie der Volksmund sagt, denn sie bleiben als schattenhafte Wesen in
-der Nähe des Ortes, welcher ihnen einst in ihrem irdischen Leibe als
-Wohnplatz angewiesen war. Nicht immer ist dies, wie bei dem Rachhals
-zu Aue, nach dem Volksglauben eine Strafe für begangenes Unrecht, oft
-sind diese Gespenster warnende Geister, ja sie haben sich vereinzelt
-selbst zu gutmütigen Hausgeistern umgewandelt. Andererseits aber werden
-auch solche Gespenster zu Quälgeistern, die sich gleich böswilligen
-Kobolden dem Wanderer aufhocken, oder ihre Angehörigen in anderer
-Weise ängstigen; dies thun z. B. das Gespenst, welches als feuriger
-Hund bei Graslitz erscheint, und die gespenstischen Frauen, welche
-ihre Ehemänner beunruhigen. Der »+schwarze Mann+«, mit welchem Namen
-sich häufig die Kinder gegenseitig schrecken, ist ein Schattengeist,
-der zuweilen nur erscheint, um zu drohen, ohne jemandem sonst weiter
-ein Leid zuzufügen. Teilweise, wie in Schneeberg, meldet die Sage
-bloß, daß er sich sehen läßt, sie teilt aber über die Bedeutung und
-Ursache seines Erscheinens nichts weiter mit. An anderen Orten,
-wie in Königswalde, ist er ein bösartiges Wesen, welches ein eben
-getauftes Kind holen will; er erinnert so an den Vernichtungsgott
-Surtr. Ursprünglich aber ist der schwarze Mann wohl auf den Schutzgeist
-zurückzuführen, welchen jeder Mensch zu eigen hatte. (Rochholz,
-deutscher Glaube und Brauch, I. S. 104.)
-
-Die Sagen von den umherwandelnden Geistern Verstorbener werden
-durch altheidnischen Glauben begründet. Nach demselben tritt mit
-dem Tode keine Vernichtung ein, ja der Krieger ist nach solchem
-Glauben imstande, auch im Grabe einen ins Land fallenden Feind
-zurückzuschrecken. Der deutsche Häuptling Iwar befiehlt sterbend, daß
-man ihn an derjenigen Landesgrenze begrabe, an welcher am meisten
-feindliche Einfälle zu befürchten seien. (Rochholz a. a. O., S. 117.)
-Nach der Darstellung der Edda behalten die Helden ihren Körper; kämpfen
-sie doch in Walhalla mit vollkommenem Leibe, den keine Wunden töten;
-aber die Bösen,
-
- »die Männer, die Meineid und Mord verübt
- Und zur Untreu' verleitet des andern Geliebte,«
-
-kommen in einen Saal, »fern von der Sonnen, das Thor gegen Norden am
-Leichenstrand. Da saugt und frißt an entseelten Leichen der wölfische
-Neidhagen«. (Edda, die Kunde der Wala 13.) Wenn also nach diesem
-altheidnischen Glauben der Leib der Bösen vernichtet und in den
-Urstoff aufgelöst wird, so müssen ihre Seelen ruhelos auf der Erde
-umherwandeln, bis ihre Strafzeit vorüber ist und sie einen anderen Leib
-finden.
-
-So ist also der Gespensterglaube ein Überrest heidnischer
-Vorstellungen, welche in die Gegenwart hineinragen, deren Ursprung
-jedoch dem Volke nicht bekannt, deren tiefere Bedeutung vergessen
-worden ist.
-
-
-11. Das wütende Heer bei Annaberg.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 77.)
-
-Insonderheit hatte der höllische Jäger vor und in dem 30jährigen Kriege
-auf den hohen Wäldern sein Affenspiel, indem es, vornehmlich, wenn etwa
-eine feindliche Armee einbrechen sollte, wie ein starkes Jägergeschrei
-»Hu! hu! hu!« erschallte. Man hieß es insgemein das wütende Heer, und
-war ein böser Vorbote. Anno 1626 ritt Junker Rudolf von Schmertzing,
-Erbsaß auf dem Hammergute Förstel, halbtrunken von Annaberg ganz
-allein, und vermeinte den geraden Weg über Schlettau auf die
-Scheibenbergischen Mühlen durch die Unter-Scheibner Räume zu nehmen. Es
-verführte ihn aber eine Jagd mit Jägergeschrei und Hundegebell, welchem
-er nachritt, und fiel mit seinem Pferde in einen Morast, darin das
-Pferd halbversunken stecken blieb. Er arbeitete sich endlich heraus,
-lief nach den benachbarten Vorwerken, kleidete sich um und ließ Leute
-auftreiben, welche das Pferd mit Stangen und Seilen aus dem Morast
-zogen.
-
-Einst reiste auch ein alter Priester von Wiesenthal sehr frühe durch
-den Wald nach Annaberg. Da erhob sich mitten im Walde ein ungemeines
-Jägergetöne, um welche Zeit doch kein Arbeiter und Jäger in dem Walde
-zu finden war. Sein Fuhrmann besann sich bald darauf und sagte: »Herr,
-es ist das wütende Heer; wir wollen in Gottes Namen fahren, es kann uns
-nicht schaden.«
-
-
-12. Das wütende Heer bei Weißbach.
-
-(Mündlich.)
-
-An dem von der Straße in Weißbach nach Kirchberg abführenden Hohlwege
-soll sich oftmals das wütende Heer haben hören lassen.
-
-
-13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.
-
-(I. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 499. II. Mündlich.)
-
-I. Eines Tages sind zwei Brüder, Spitzenhändler, auf der Straße
-von Stangengrün nach Hirschfeld geritten, da haben sie plötzlich
-am hellerlichten Tage auf freiem Felde das laute Hohoschreien des
-wilden Jägers gehört, aber ihn selbst nicht gesehen; nur unter ihren
-Pferden, die sich furchtbar gebäumt, sind eine Menge kleiner Dachshunde
-herumgelaufen, ohne daß sie jedoch einen derselben hätten von den
-Pferden treten sehen, und plötzlich ist alles wieder verschwunden
-gewesen.
-
-II. Zwischen Hirschfeld und Stangengrün liegt der Teufelswald. In
-demselben hat man mehrmals die wilde Jagd gesehen und gehört. Dies
-widerfuhr unter anderen einem Tischler, welcher einst des Nachts um
-12 Uhr mit einem Karren durch den Wald fuhr. Da hörte er Pfeifen und
-Gebell, und darauf sah er auch den wilden Jäger als schwarze Gestalt zu
-Fuße an sich vorübergehen; derselbe führte zwei Hunde bei sich.
-
-
-14. Die wilde Jagd bei Komotau.
-
-(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864.
-S. 5.)
-
-Eine alte Frau aus Komotau erzählte: Geht man an Adam und Eva früh zur
-heiligen Beichte und Kommunion und fastet dann den ganzen Tag, selbst
-abends, und geht dann um Mitternacht auf einen Kreuzweg, so sieht
-man die wilde Jagd vorüberziehen, und der letzte aus derselben giebt
-einem einen Thaler, der, so oft man ihn auch wechselt, immer wieder
-zurückkehrt.
-
- Wenn Grohmann (Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren,
- Vorrede S. 7) bemerkt, daß den Slaven der Glaube an den wilden Jäger
- fehlt, so bezieht sich dies wohl nur auf die Czechen. Veckenstedt
- teilt eine größere Anzahl wendischer Sagen vom Nachtjäger mit. Auch
- nach dem Glauben der Niederlausitzer Wenden erscheint der Nachtjäger
- wie bei uns auf Kreuzwegen; ebenso ist er selbst sowie sein Pferd
- ohne Kopf. (Wendische Sagen und Märchen, Graz 1880, S. 35 etc.)
-
-
-15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
-
-Bei Karlsfeld ist der wilde Jäger mit seinem Heere öfters gesehen und
-gehört worden. Sein Gefolge besteht aus den Seelen von Jägern, die in
-ihrem Leben Böses gethan haben und nicht zur Ruhe kommen können.
-
-
-16. Der wilde Jäger bei Schönlinde.
-
-(Grohmann, Sagenbuch von Böhmen und Mähren, I. S. 78.)
-
-Auch bei Schönlinde läßt sich zuweilen der wilde Jäger sehen; man
-nennt ihn dort Banditterch (Berndietrich). Er soll daselbst in den
-Schweinsgründen und in Budersdorf mit hölzernen Hunden herumjagen.
-
- Die hölzernen Hunde sind ebenfalls gleichbedeutend mit Holzhunden,
- wie man in Norddeutschland die Wölfe heißt; der wilde Jäger jagt also
- nach dieser Sage mit Wölfen. Die Wölfe aber, welche schon in der Edda
- Hunde genannt werden, sind Lieblingstiere Wuotans.
-
-
-17. Der wilde Jäger bei Neustadt.
-
-(Köhler, Volksbrauch etc. im Vogtlande, S. 509.)
-
-Noch im vorigen Jahrhunderte hatte der wilde Jäger sein Revier in
-der Gegend von Neustadt bei Falkenstein. Da zog er des Nachts in der
-Luft mit seinen Hunden oft über Neustadt hinweg und ließ sein »Hoho!«
-hören. Einmal sah ein dortiger Bauer zum Fenster hinaus, als der wilde
-Jäger in der Luft hinzog, und er äffte das »Hoho!« nach. Am nächsten
-Morgen fand der Bauer auf seinem Fensterstocke draußen einen toten,
-übelriechenden Hasen. Er verscharrte ihn in seinen Düngerhaufen, aber
-am nächsten Morgen lag er doch wieder auf demselben Fensterstocke. Er
-verscharrte ihn zum zweiten und dritten Male, aber der Hase lag am
-nächsten Morgen immer wieder auf dem alten Platze. Auf den Rat anderer
-Leute vergrub ihn der Bauer endlich unter gewissen Förmlichkeiten auf
-einem Kreuzwege, und der ihm vom wilden Jäger zugedachte Braten kam
-nimmer wieder.
-
- Wir finden im Erzgebirge für die Züge des wilden Jägers oder Wuotans
- sowohl die Bezeichnung »wilde Jagd«, als auch »wütendes Heer.« Unser
- Gebirge bildet die Grenzscheide zwischen Nord- und Süddeutschland,
- und daher vermengen sich hier beide Namen, von denen der eine
- (wilde Jagd) vorzugsweise Nord-, der andere (wütendes Heer) aber
- Süddeutschland angehört. Wuotan ist übrigens in seinem Namen, welcher
- den »stürmisch Schreitenden« bedeutet, mit dem Worte »Wut« verwandt.
-
- Die Sagen von dem wilden Jäger lassen uns Umschreibungen von
- Naturvorgängen erkennen. Der Sturmgott Wuotan ist der Sturm selbst;
- sein Roß, Hut und wallender Mantel sind die Wolken, Wolken sind
- ursprünglich vielleicht auch die von ihm gejagten Frauen. (S. die
- Sagen von den Holzweibchen.)
-
- Der Hase ist ein gespenstisches oder teuflisches Tier; in der Lausitz
- glaubt man, daß die Hexen zuweilen in der Gestalt von Hasen durch das
- Dorf laufen. Der Hase war den Asen geweiht. Das Hinwerfen eines Hasen
- durch den wilden Jäger hat also eine mythische Bedeutung, ebenso wenn
- anderwärts ähnliche Sagen erzählen, daß der wilde Jäger dem Rufenden
- ein Pferdeviertel zugeworfen habe. In letztgenannter Überlieferung
- findet sich vielleicht eine Erinnerung an die alten heidnischen
- Opfermahlzeiten, bei denen das Pferdefleisch nicht fehlte.
-
-
-18. Der graue Jäger auf dem Tossen.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer R. Bachmann aus Markneukirchen.)
-
-Auf dem Tossen, einem kahlen Landrücken bei Schönbach in Böhmen, jagt
-allnächtlich der graue Jäger mit seinem Hunde. Als einst eine Frau aus
-der sogenannten Hetaschen von Markneukirchen aus heimkehrte, gesellte
-sich zu ihr der graue Jäger und begleitete sie bis nach Hause. Die Frau
-erzählte dies ihrem Manne. Am andern Morgen lag ein Stück Hirschfleisch
-auf dem äußern Fensterbrette. Der Mann stieß es hinab, und drei Tage
-darauf war er eine Leiche. Seitdem hat man den grauen Jäger nie wieder
-gesehen oder jagen gehört.
-
-
-19. Der Waldschütz.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen. S. 115.)
-
-In Rodau, einem Dorfe bei Graslitz, erzählt man sich viel von dem
-Waldschützen. Es soll dies ein Mann sein, der in dem nahegelegenen
-Walde zu mitternächtlicher Stunde umgeht. Er schlägt dabei mit großer
-Kraft und Gewalt an die Bäume und verursacht dadurch einen großen Lärm.
-Zugleich setzt er dem Wilde nach, scheucht es auf und treibt es so
-lange herum, bis ihn die Geisterstunde zurückruft. Dabei hört man, wie
-er die Hunde hetzt. Deshalb nennen ihn die Leute den Waldschützen. Er
-geht immer tiefer in den Wald und verliert sich endlich im Forste.
-
-Dieser Waldschütz hat endlich auch die Gewohnheit, die Leute in
-diesem tiefen Walde irre zu führen. Eines Tages ging ein Holzhauer
-aus dem Walde nach Hause. Er war noch nicht lange gegangen, als es
-stockfinster wurde und er furchtbare Axtschläge in seiner Nähe vernahm.
-Der Holzhauer ging herzhaft auf den Lärm los, weil er glaubte, daß
-es Holzdiebe seien. Wie er aber auf den Platz kam, wo die Schläge
-erschallten, sah er einen fremden Mann in Jägertracht, der an die
-Bäume klopfte. Der Holzhauer fragte: »Wer bist Du?« »Ich bin der
-Waldschütz!« sagte der Mann und klopfte weiter. Der Holzhauer folgte
-dem Mann nach. Um Mitternacht waren sie schon tief in den Wald geraten,
-da fühlte der Holzhauer plötzlich einen Axtschlag, daß er halbtot zu
-Boden stürzte. Am anderen Morgen, als er aufwachte, standen einige
-Leute bei ihm, die ihn gefunden hatten. -- In der Hochgart geschah
-es, daß dieser Geist sich am Tage sehen ließ; dann ist er böswillig
-und läßt niemanden ungeschoren. Ein armer Mann sah ihn und rief ihn
-dreimal beim Namen: »Waldschütz, Waldschütz, Waldschütz!« Da drehte
-sich derselbe um und sprach: »Für dein Necken sollst du hier in einen
-Baumstumpf verwandelt so lange stehen, bis dich der Zufall erlöst.«
-Augenblicklich ward der Mann zu einem Baumstumpf und wurzelte im Boden.
-Seine Erlösung aber blieb nicht lange aus. Eines Tages waren Köhler in
-der Nähe; einer derselben sah den Stock dastehen und dachte, er sei
-gut, das Mittagsessen darauf einzunehmen. Er legte daher sein Brot
-darauf, schnitt es mit dem Messer durch, so zwar, daß er auch noch in
-den Stock schnitt, und hackte auch seine Hacke darin ein. In demselben
-Augenblicke schrie es heftig auf, der Baumstumpf verschwand und der
-verzauberte Mann stand erlöst vor den Augen der Köhler.
-
-
-20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 2. B. S. 177.)
-
-In der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte der Ort Klingenberg einem
-Herrn Reichbrod von Schrenkendorf, der ein großer Jagdfreund gewesen zu
-sein scheint, indem eine nach Colmnitz hin gelegene Waldwiese, genannt
-»Reichbrods Wiese«, heute noch von den Landleuten ungern zur Nachtzeit
-passiert wird, weil daselbst Reichbrod einen Jagdlärm treibt, als ob
-wilde Schweine gehetzt würden.
-
-
-21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusch bei Schlettau.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 29.)
-
-In dem Hofbusche bei Schlettau, durch den der Weg nach
-Unter-Herrmannsdorf führt, läßt sich bei Nacht oft ein gespenstischer
-Jäger ohne Kopf sehen. Er soll vor alter Zeit die Armen, welche sich
-das dürre Reißholz sammelten, oft unbarmherzig mißhandelt haben und zur
-Strafe nach seinem Tode nun umgehen müssen. Rechtliche Leute läßt er
-ungeneckt, aber die Holzdiebe hat er schon oft in Todesangst gejagt und
-bisweilen festgebannt, so daß sie Stunden lang an einer Stelle stehen
-bleiben mußten.
-
-
-22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.
-
-(Nach der poetischen Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz
-des K. S. No. 572.)
-
-Auf dem Ziegenberge bei Zwönitz soll sich ein Reiter ohne Kopf sehen
-lassen, von dem sich das Volk folgendes erzählt:
-
-Einst (im 17. Jahrhundert) soll ein Müller in Zwönitz eine sehr schöne
-Tochter gehabt haben, die mit dem Förster von Grünhain heimlich
-versprochen war; derselbe war übrigens mit den übrigen Gliedern ihrer
-Familie so gut wie gar nicht bekannt. Nun hatte aber der Müller auch
-einen Sohn, von dem er sich losgesagt hatte, weil derselbe ohne seine
-Erlaubnis die Tochter des Scharfrichters geehelicht und damit nach
-den Ansichten jener Zeit seine Familie beschimpft hatte. Gleichwohl
-kamen die Geschwister an diesem und jenem Orte mit einander zusammen,
-und als nun eines Tages die schöne Müllerstochter in die Schenke wo
-sie ihren Liebhaber zu treffen dachte, zum Tanz gegangen war, traf
-sie ihren Bruder mit seiner Frau und konnte es ihm natürlich nicht
-abschlagen, ein Tänzchen mit ihm zu machen. Während dem war aber der
-Förster angelangt und gleich vom Pferde aus, wie er war, auf den
-Tanzsaal geeilt; als er nun seine Braut in den Armen eines ihm Fremden
-erblickte und sah, wie sie freundlich mit ihm scherzte, ergriff ihn
-rasende Eifersucht. Er lockte sie also unter Schmeichelworten auf den
-Ziegenberg, indem er vorgab, er habe bei dem schnellen Ritte etwas
-im Walde verloren und sie solle ihm suchen helfen. Das Mädchen ging
-auch, nichts Böses ahnend, mit; als sie aber an eine recht wilde,
-verwachsene Stelle des Berges kamen, warf er ihr ihre Untreue vor und
-erstach sie, ohne nur ihre Verteidigung anhören zu wollen. Leider hatte
-er nur zu sicher getroffen, die Unglückliche gab in wenigen Minuten
-ihren Geist auf, indem sie nur noch so viel Zeit hatte, ihrem Mörder
-zuzurufen, ihr vermeintlicher Verführer sei ihr Bruder gewesen, den er
-noch nicht gekannt habe. In wilder Verzweiflung warf sich der Förster
-über die Sterbende, allein er vermochte sie nicht wieder ins Leben
-zurückzurufen. Er eilte also auf den Tanzsaal und schrie ihrem Bruder
-zu, er habe seine Schwester gemordet, er wolle sich selbst dem Gerichte
-übergeben. So geschah es auch. Da er den Tod suchte, dauerte die
-Untersuchung nicht lange, schon nach drei Monden fiel sein schuldiges
-Haupt zu Grünhain auf dem Schafott; auf dem Flecke aber wo die blutige
-That geschehen, ward ein Rosenstrauch gepflanzt, dessen weiße Rosen des
-Nachts wie mit Blut besprengt aussehen und der seine Blätter traurig
-zur Erde zu senken scheint. Um Mitternacht aber kommt, wenn böse Zeiten
-bevorstehen, ein Reiter, den Kopf unter dem Arme, vom Grünhainer
-Hochgericht nach dem Rosenstock geritten, verweilt kurze Zeit daselbst
-und kehrt dann wieder zurück.
-
- Der letzte Teil der Sage erinnert an die poetische Vorstellung, daß
- die entweichende Seele eine aufblühende Blume ist, durch welche
- sie auch symbolisch dargestellt wird. Die weiße Rose, welche des
- Nachts wie mit Blut besprengt dasteht, ist die Seele des ermordeten
- Mädchens. Die Seelen Verstorbener wachsen als Blumen aus dem Grabe.
- Erhob sich doch auch auf den Gräbern Tristans und Isoldes eine Rebe
- und ein Rosenstock.
-
- »-- Doch eine Rose, einen Reben
- sah man sich aus den Gräbern heben
- und innig sich verschlingen.«
-
-
-23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.
-
-(Gräße, Sagenschatz etc. No. 267.)
-
-Auf der von Hainsberg nach Tharand führenden Chaussee soll sich an
-gewissen Tagen um Mitternacht ein Spukgeist sehen lassen; er reitet auf
-einem Pferde ohne Kopf und trägt den seinigen zuweilen selbst unter dem
-Arme, er jagt bis Tharand und kehrt dann wieder zurück.
-
-
-24. Gespenstische Reiter bei Waschleite.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 75.)
-
-Eine halbe Meile von Grünhain gegen Waschleite ist einem Gerber von
-Elterlein, der des Nachts von Schwarzenberg heimfuhr, eine ganze Rotte
-Reiter ohne Köpfe und in mancherlei Gestalt entgegengekommen, denen
-mußte er ausweichen, worauf er infolge des gehabten Schrecks krank
-wurde. Daselbst hat man auch zuweilen die schönste Geistermusik gehört.
-
-
-25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.
-
-(Nach Mitteilung des Lehrers R. Schlegel aus Wildenfels.)
-
-Die Holzhauer erzählen, daß sich an dem sogenannten neuen Teiche im
-Wildenfelser Walde ein Reiter ohne Kopf sehen lasse, welcher dann im
-Wasser verschwinde.
-
- Unselige Geister erscheinen häufig hauptlos, wie uns die Sagen aus
- zahlreichen Orten erzählen. Ohne Kopf sieht man z. B. den Reiter im
- Wiesenthale bei Königerode. Auch der wilde Jäger im Zellgrunde zeigt
- sich ohne Kopf. (Größler, Sagen aus der Grafschaft Mannsfeld, No. 54
- und 162.) In einem bei Weimar gelegenen Hölzchen läßt sich des Nachts
- ein Reiter sehen, welcher seinen Kopf wie einen Hut unter dem Arme
- trägt; er führt die Leute irre. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No.
- 297.) Bemerkenswert ist dabei, daß solche unselige Geister vielfach
- auf halben oder dreibeinigen Rossen reiten und mit einer Meute
- dreibeiniger Hunde den Zug des wilden Jägers begleiten. Es ist dies
- eine Erinnerung an die Todes- und Pestgöttin Hal, welche auf einem
- dreibeinigen Pferde erscheint.
-
-
-26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach.
-
-(Mitgeteilt vom Seminarist Osw. Hübner aus Bernsbach.)
-
-Auf der Straße von Bernsbach nach Beierfeld, im sogenannten
-Kirchgraben, soll öfters ein Reiter ohne Kopf gesehen worden sein.
-
-
-27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.
-
-(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
-
-In der Mitte des Weges zwischen Lößnitz und Schloß Stein ist ein
-Waldort, genannt »die hohle Linde.« Zur Zeit steht an der Stelle
-neben einer Vertiefung eine junge Linde; ehemals befand sich eine
-umfangreiche hohle Linde daselbst. Früher stieg aus derselben um
-Mitternacht ein Reiter ohne Kopf, der den Wald durchirrte und die Leute
-schreckte. Noch jetzt soll derselbe zuweilen aus der kleinen Senke
-daselbst aufsteigen.
-
-
-28. Der Panzerreiter zu Stollberg.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 574; z. T. mündlich.)
-
-In der Gegend von Stollberg soll bei Nacht ein Reiter ohne Kopf, in
-einen langen schwarzen Mantel gehüllt, auf einem schwarzen kopflosen
-Rosse herumreiten. Vor ihm her flattert eine grau und schwarz gefleckte
-Krähe, welche sich auch bisweilen auf einer großen Linde in der
-Oberstadt sehen ließ und durch ihr nächtliches Krächzen jedem, der
-es hörte, den Tod binnen drei Tagen verkündigte. Nach anderen sollen
-vor dem Reiter drei Raben fliegen; auf welchem Hause sich dieselben
-niederlassen, daraus soll jemand in demselben Jahre sterben. Den Reiter
-nennt man den Panzerreiter.
-
-
-29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 95.)
-
-Einst gingen einige Leute von Lichtenstadt nach Karlsbad; als sie den
-Berg hinuntergingen, war es gerade 11 Uhr in der Nacht. Da sahen sie
-unten viele hunderte von feurigen Männern und Pferden ohne Köpfe sich
-herumtummeln. Um 12 Uhr war alles wieder verschwunden.
-
-
-30. Das Geisterschloß bei Bockau.
-
-(Mitgeteilt vom Seminarist Paul Mothes aus Bockau.)
-
-Ungefähr 20 Minuten von dem durch seinen früher lebhaft betriebenen
-Arzneihandel bekannten Bergflecken Bockau befindet sich ein Sumpf,
-von den Bewohnern einfach »die Pfütze« genannt. Dabei erhebt sich
-ein Felsen, auf dem in gewissen Nächten zwischen 11 und 12 Uhr ein
-großes Schloß mit unzählig erleuchteten Fenstern zu sehen ist. Jeder
-aber, welcher auf das Schloß zugeht, wird in der Irre umher geführt.
-An demselben Platze hat sich auch zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen
-lassen.
-
-
-31. Der Spuk an der Straße bei Albernau.
-
-(Mitgeteilt von Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)
-
-Da, wo von der Chaussee zwischen Schneeberg und Bockau der
-Communikationsweg nach Albernau abgeht, steht eine steinerne Säule. Von
-diesem Platze wird verschiedenes erzählt. Einige wollen daselbst in
-gewissen Nächten zur Mitternachtsstunde einen Reiter ohne Kopf gesehen
-haben, der mit wildem Geheule vorüberjagte; andere erzählen, daß sich
-dort des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr ein Licht hin und her bewege,
-wobei zugleich deutlich Gewinsel zu hören sei.
-
-
-32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.
-
-(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen, S. 618.)
-
-Schon von vielen Personen wurde auf der Chaussee vom Gasthofe zu
-Bärenburg aufwärts nach Altenberg, da wo die Straße der Steigung halber
-die großen Krümmungen macht, eine Erscheinung ohne Kopf beobachtet. Bei
-der letzten »Drehe« pflegt die Gestalt, welche sonst immer in gleicher
-Höhe mit dem Wanderer auf der andern Seite der Straße fortschreitet, zu
-verschwinden. Die oft einsam fahrenden Postillone der Nachtpost wollten
-in früherer Zeit den Spuk neben den Pferden hergehend gesehen haben.
-
-
-33. Die weiße Frau zu Neustädtel.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. S. 943.)
-
-In Neustädtel bei Schneeberg erzählt man von einer gespenstischen
-weißen Frau, welche eine Sechswöchnerin gewesen und endlich verbannet
-worden. Auf deren Grab ist immer ein Grüblein, einer Backschüssel groß,
-geblieben, ob man es gleich zufüllete.
-
-
-34. Die weiße Frau zu Venusberg.
-
-(Lehmann a. a. O. S. 942.)
-
-Auf dem herrschaftlichen Hofe zu Venusberg bei Thum kennt man eine
-weiße Frau von langen Jahren her, ohne daß jemand wissen will, wer
-sie gewesen. So oft bei der Herrschaft oder ihrer Familie und nächsten
-Anverwandten ein Todesfall sich ereignen soll, lässet sie sich eine
-gute Zeit zuvor von vielen öffentlich sehen, und zwar, wenn ein
-Todesfall im Hause geschehen soll, gehet sie aus selbigem heraus, die
-Treppen hinunter, über den Hof hinab bis zu demjenigen Thor, durch
-welches die Leiche hinausgetragen werden soll. Ist aber der Todesfall
-außerhalb des Hauses unter den nächsten Anverwandten zu vermuten, so
-läßt sie sich nur bald hier, bald dort, auch wohl zu den Fenstern herab
-sehen. Es ist aber niemandem dadurch ein Leid oder eine Krankheit
-widerfahren, weil sie ohne Beleidigung ihr Wesen treibt.
-
-
-35. Die weiße Frau in Schneeberg.
-
-(Mündlich.)
-
-In der Kosaken- und Webergasse zu Schneeberg hat sich des Nachts
-mehrere Male eine weiße Frau sehen lassen.
-
-
-36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
-
-Auf dem Wege von Wildenthal nach Karlsfeld ist öfters des Nachts bei
-Mondenschein eine Frauengestalt in weißem Gewande erschienen. Dieselbe
-ging stets vor dem Wanderer her, ließ sich aber von demselben nicht
-erreichen, so sehr er auch seine Schritte beschleunigte.
-
-
-37. Die weiße Frau am Brautstock in Altenberg.
-
-(Bürgermeister Schönherr im Freiberger Anzeiger 1883, No. 181. 1.
-Beilage.)
-
-Der Weg durch die sogenannte lange Gasse in Altenberg, welche nach
-Zinnwald führt, wird vielfach begangen; man findet darin eine einfache
-unbearbeitete Porphyrsäule, der Brautstock genannt. Eingearbeitet sind
-die Jahreszahlen 1716 und 1820. Der Sage nach soll von Zeit zu Zeit
-und in gewissen Nächten eine weiß gekleidete junge Frau zu erblicken
-sein, welche am Steine seufzt, betet und dann zu versinken scheint.
-Im Anfange des vorigen Jahrhunderts soll unter seltsamen Umständen an
-dieser Stelle eine Vermählung stattgefunden haben. Ein in einem Duell
-verwundeter Offizier ließ sich hier die Geliebte antrauen und gab
-darauf sein Leben Gott zurück.
-
- In Wirklichkeit dürfte der genannte Brautstock nichts anderes als
- ein großer Rainstein sein, der bei der großen Verrainung vom
- Jahre 1716 zwischen der kurfürstlichen Waldung und derjenigen der
- Zwitterstocksgewerkschaft zu Altenberg gesetzt wurde. Der Stein trägt
- zunächst das Waldzeichen letzterer Gewerkschaft, das Jupiterzeichen
- aus den Kalendern, welches einem lateinischen »~Z~« ähnelt, sodann
- die Jahreszahlen »1716« und »1820«, die Rainungsziffer 53, nach
- Süden abermals das Jupiterzeichen und nach Westen ein lateinisches
- »~A~« (Altenberger Staatsforstzeichen). Eine Innschrift führt der
- Brautstock nicht und doch ist derselbe schon seit Jahren unter
- diesem Namen als Grenzrainungsmarke in verschiedenen Karten und
- Fluraufrissen geführt worden.
-
- Der vorigen Sage von der weißen Frau am Brautstocke liegt eine
- wirkliche Begebenheit zu Grunde. Auf einer kleinen sumpfigen
- Waldwiese südlich von Peterswalde fand zu Anfange des vorigen
- Jahrhunderts ein Duell auf Kugeln statt, bei welchem der
- Garde-Capitän von Siemensky tödlich verwundet wurde. Seine Braut
- war in einem Wagen mit einem Arzte gefolgt und als der letztere
- äußerte, der Verwundete könne vielleicht noch gerettet werden,
- wenn es gelänge, die Kugel durch einen sachverständigen Beistand
- zu entfernen, wurde der Garde-Capitän in dem Wagen auf einer
- vierstündigen Fahrt über Schönwalde und Voitsdorf bis nahe vor
- Altenberg gebracht. Hier aber auf der steinigen Landstraße fühlte der
- Verwundete sein Ende herannahen und begehrte, daß ihn ein Geistlicher
- mit seiner Braut trauen sollte, um letztere in den ungeschmälerten
- Besitz seiner Güter zu setzen und ihre Ehre vor der Welt zu retten.
- Eilig wurde aus Altenberg der Pastor Johann George Bretschneider
- geholt und dieser vollzog unter freiem Himmel die Trauung. Darauf
- starb von Siemensky. Seine angetraut Gattin starb bei der Geburt
- eines Knaben, welcher von einem Herrn von Nostitz erzogen wurde und
- später das Erbe seines im Duell getöteten Vaters antrat.
-
- Forstleute haben später durch den einfachen »Brautstock« die
- Stelle bezeichnet, wo jene tragische Begebenheit der Vermählung im
- Angesichte des Todes sich ereignete.
-
- (S. Näheres bei Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen ohne
- Jahreszahl. S. 607 etc.)
-
-
-38. Die weiße Frau auf Scharfenstein.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 15.)
-
-Auf dem Schlosse Scharfenstein zwischen Zschopau und Wolkenstein geht
-seit Jahrhunderten eine weiße Frau um. Des Nachts mit dem zwölften
-Glockenschlage wird sie rege und wandelt, in lange, weiße, nebeldünne
-Gewänder gehüllt, durch alle Gemächer des Schlosses, bleibt bisweilen
-stehen und seufzt und ist überhaupt traurig. Oft hat man gewagt, sie
-anzureden, aber nie hat sie Antwort gegeben, sondern ist immer sogleich
-entflohen. Sie muß eine schwere Sünde begangen haben; welche aber, weiß
-niemand.
-
-
-39. Die weiße Frau in Unterchodau.
-
-(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg.
-Komotau 1878. S. 84.)
-
-Zu Unterchodau bei Elbogen stand früher an der Stelle der
-Porzellanfabrik ein einfaches, einstöckiges Schlößchen, an das
-später eine Glashütte angebaut wurde. Erst später entstand hier eine
-Porzellanfabrik. In diesem Schlößchen nun wohnte die Witwe eines
-ehemaligen Littmitzer Brauers, welche Wohnung ihr von der Stadt Elbogen
-mildherzig verliehen wurde, nachdem sie mit ihrem Manne gänzlich von
-Vermögen gekommen war. Sie ging nun einst bei ihrem Schwager vorbei,
-der gegenüber der Schule wohnte; derselbe rief sie ins Haus und gab
-ihr ein Krüglein Bier. Da blickt sie gegen das Schlößchen und sieht
-plötzlich im Erkerfenster eine weiße Frau stehen. Ach Gott! rief
-sie, ich habe meine ganze Wäsche auf dem Boden, man will sie mir
-gewiß stehlen! Sie läuft nach Hause, ihre Kinder weinen, sie nimmt
-das jüngste auf den Arm und eilt die Treppe hinauf. Auf dem Boden
-angelangt, bleibt sie jedoch ganz starr stehen, -- sie sieht die
-weiße Frau mit verschränkten Armen und auf dem Dachboden einen Haufen
-Gold, auf welchem Pergamentrollen lagen. Statt von dem Golde zu
-nehmen, lief sie zum Schwager mit der Bitte, ihr das Gold wegtragen
-zu helfen; bei der Rückkehr jedoch war alles verschwunden. Auch als
-schon die Glashütte stand, hielt sich kein Arbeiter abends gerne in der
-Werkstätte auf und selbst jetzt noch hält man es dort nicht für geheuer.
-
-
-40. Die weiße Frau in Premlowitz.
-
-(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg.
-Komotau 1878. S. 84.)
-
-Bei dem Hofe Premlowitz bei Karlsbad geht eine weiße Frau um. Vor
-fünfzig Jahren noch will man sie täglich von 11 bis 12 Uhr mittags mit
-verschränkten Armen auf dem Hofgang gesehen haben.
-
-Einmal sah die weiße Frau ein Knecht, der auf dem Felde ackerte. Er
-rief sie mit den Worten an: Du könntest mir auch ausspannen helfen!
-erhielt aber plötzlich einen solchen Schlag ins Gesicht, daß ihm der
-Backen anschwoll und er mehrere Wochen das Bett hüten mußte.
-
-
-41. Die weiße Frau des hohen Steins bei Graslitz.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg. S. 131.)
-
-Es weidete einmal ein Junge aus Waltersdorf, einem Dorfe am Südostfuße
-des hohen Steines, seine Herde, als um die Mittagszeit herum eine weiße
-Frau erschien und ihn fragte, was er denn in seinem Zwerchsacke trage.
-»Mein Brot,« antwortete furchtsam der Hirt. »Gieb mir etwas davon,«
-bat die Frau, und während der Angesprochene ihrem Wunsche willfahrte,
-sagte er, daß er ihr nur wenig bieten könne, indem seine Bäuerin ein
-geiziges Weib sei, die ihrem Gesinde die Brocken in die Schüssel zähle.
-Da überreichte ihm die weiße Frau eine kleine Rute mit dem Bedeuten,
-das geizige Weib damit zu berühren, wenn sie im Begriffe stehe, ihm
-sein Brot mit auf die Hutweide zu geben. Außerdem streifte sie mit der
-Hand das Laub von dem Aste eines Baumes und sprach: »Nimm auch diese
-Blätter und hebe dieselben wohl auf; sie sind der Lohn für das mir
-gereichte Brot.« Nach diesen Worten entschwand die Frau den Blicken
-des Hirten, der das erhaltene Geschenk in seinen Taschen barg. Als er
-aber am Abend seine Herde nach Hause trieb, wurde ihm das Tragen der
-Blätter unbequem, und einfältig, wie er war, warf er sie von sich. Wie
-reute ihn aber sein Thun, als er zu Hause angelangt, in seiner Tasche
-drei funkelnde Goldstücke fand, welche durch Verwandlung dreier von den
-geschenkten Blättern, die in seiner Tasche kleben geblieben, entstanden
-waren. Wohl lief er schnell zurück, um das so leichtsinnig weggeworfene
-Geschenk der gütigen Frau wieder aufzunehmen; allein sein Suchen war
-und blieb vergeblich. Die Blätter blieben verschwunden. Als ihm am
-andern Morgen die Bäuerin sein Brot schnitt, berührte sie der junge
-Hirte, ungesehen von ihr, mit der erhaltenen Rute und war erstaunt,
-das geizige Weib alsbald sprechen zu hören: »Dem Hirten muß ich heute
-ein großes Stück Brot samt einer Butterflade und mehrere Kuchen mit
-auf die Weide geben; er verdients.« Und es geschah. So oft der Hirt
-die Bäuerin mit seiner wunderthätigen Rute berührte, erhielt er eine
-reichliche und gute Zehrung. -- Einst aber unterzog die Magd des Hauses
-den Stall einer durchgreifenden gründlichen Reinigung, und bei dieser
-Gelegenheit warf sie des Hüters Rute, der sie im Stalle oben unter
-einen Balken gesteckt hatte, mit hinaus. Weinend beklagte dieser nach
-seiner Nachhausekunft seinen unersetzlichen Verlust; aber das half ihm
-nichts. Die Bäuerin schnitt fortan das trockene Brot fast noch kleiner
-als vordem und bitter bereute es der Betroffene, das wohlthätige
-Geschenk der weißen Frau nicht sorgsamer aufbewahrt zu haben. Diese
-erschien dem jungen Hirten zwar noch einige Male, aber nur in der
-Ferne. Ihre Gesichtszüge waren finster auf ihn gerichtet und drohend
-erhob sie manchmal den Zeigefinger ihrer Rechten gegen den Unachtsamen,
-vielleicht dadurch ihre Unzufriedenheit mit ihm zu erkennen gebend.
-
-
-42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.
-
-(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. S. 173.)
-
-Wenn man von Brandau, das mit dem zugehörigen Orte böhm. Grünthal den
-am weitesten vorgeschobenen Zipfel des Brüxer Bezirks ausfüllt, nach
-Kallich wandert, so muß man durch das wegen seiner Naturschönheiten
-berühmte und deshalb von Touristen sehr besuchte Teltschthal, in dem
-der Grenzbach Natschung zahlreiche Brettmühlen und auch das jetzt
-allmählich verfallende Eisenwerk Gabrielenhütte treibt. Am Eingange
-in dieses Thal befindet sich zur rechten Hand, unmittelbar über dem
-zu Brandau gehörigen Wirtshause zu »Beneschau,« vielleicht 8 Minuten
-vom eigentlichen Dorfe entfernt, in dem der Gemeinde Brandau gehörigen
-Walde ein Felsen, der schon steil gegen die Straße, noch mehr aber
-gegen das Natschungthal abfällt. Hier auf diesem Felsen will man noch
-Mauerüberreste sehen und man nennt den Platz das Raubschloß. Die Sage
-erzählt davon folgendes:
-
-Auf dem Raubschlosse stand früher eine Burg, die einem mächtigen
-Ritter gehörte, der gar oft viele Wochen von ihr sich entfernte, aber
-immer reich mit fremden Schätzen beladen zu ihr zurückkehrte. Als
-er einst wieder auf Raub auszog, überfielen seine Feinde die Burg,
-nahmen die Besatzung gefangen und legten sich in den Hinterhalt, um
-auch den nur von wenigen Reisigen umgebenen Ritter zu fangen. Als
-dieser zurückkehrte, erkannte er sogleich die ihm drohende Gefahr und
-sprengte, um der Gefangenschaft zu entgehen, mit seinem Pferde den
-steilen Berg hinab in das Thal, wo er zerschmettert anlangte. Die Burg
-wurde dem Erdboden gleich gemacht.
-
-Seit jener Zeit treibt dort ein graues Männchen sein Wesen, das einst
-einem Försterburschen eine Thür zeigte, durch die er in ein großes
-Zimmer im Berge trat. Das Männchen erlaubte ihm auch, von dem vielen
-hier aufgespeicherten Gelde täglich eine bestimmte Summe zu holen.
-Als der Bursche aber noch einen seiner Kameraden mitbrachte, damit
-auch dieser die Schatzkammer kennen lerne, blieb er in der Höhle
-eingeschlossen.
-
-Wenn am Pfingstmontage nach dem Gottesdienste die Lichter in der
-Kirche ausgelöscht werden, öffnet sich die Thür, und eine weiße Frau
-kommt heraus, die aber schon wieder nach einer halben Stunde hinter
-derselben verschwindet. Benutzt man diese halbe Stunde, so kann man die
-verborgenen Schätze aus der Höhle holen.
-
-Ein Knabe aus dem sächsischen Grenzorte Rothenthal spielte eben auf der
-Violine, als die weiße Frau aus dem Felsen trat und ihn aufforderte,
-ihr etwas vorzuspielen. Furchtlos überschritt er den Grenzbach und
-spielte der Frau seine schönsten Melodien vor, in der Meinung, von ihr
-reich belohnt zu werden. Als die halbe Stunde verflossen war, nahm ihn
-aber die Frau nicht, wie er vermutet hatte, mit in den Berg, sondern
-füllte nur seinen Geigenkasten mit Laub.
-
-Ärgerlich warf er dasselbe heraus und lief heim. Dort sah er noch
-einmal in den Kasten und fand drei Thaler darin. Eilends kehrte er
-zurück, fand aber weder die Frau, noch das weggeworfene Laub.
-
-Ein andermal saß ein Mann am Ufer der Natschung und fischte. Da öffnete
-sich wieder die Thür im Raubschloß, und drei weiße Frauen traten
-heraus, gingen zum Bache und wuschen ihre Hände. Als sie den Mann
-sahen, riefen sie ihm zu, er möge drei Säcke holen, was sich dieser
-nicht zweimal sagen ließ. Obwohl die Frauen die Säcke nur mit Laub
-füllten, trug sie der Mann doch eine weite Strecke. Als sie ihm aber
-zu schwer wurden, schüttete er das Laub aus. Doch blieben in jedem
-Sacke einige Blätter, die er später als reines Gold erkannte. So oft er
-auch später die Stelle wieder aufsuchte, wo ihm das Glück so gelächelt
-hatte, die Frauen sah er nie wieder.
-
-Am Palmsonntage ging eine Frau mit ihrem kleinen Kinde in derselben
-Gegend spazieren und kam zu einer Thür, die sie noch nie gesehen hatte.
-Neugierig versuchte sie die Thür zu öffnen, was ihr auch gelang. Sie
-trat in ein einfaches Zimmer, in dessen Mitte ein Tisch mit Geld
-stand. Während sie das Kind auf den Tisch setzte, raffte sie schnell
-das Geld zusammen und trug es hinaus. Hier sah sie aber nur Laub in
-ihrer Schürze und fand, als sie ihr Kind wieder holen wollte, die
-Thür verschlossen. Ein Priester, den sie in ihrer Verzweiflung um Rat
-fragte, schalt sie ihrer Habsucht wegen und sagte ihr, daß sie in einem
-Jahre genau um dieselbe Stunde wieder bei der Thür warten müsse, bis
-sich diese öffne. Sie that dies und fand auch wirklich ihr Kind, mit
-roten Äpfeln spielend, die sich im Freien in Goldklumpen verwandelten.
-
-
-43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 948.)
-
-Am 15. September des Jahres 1695, Sonntags spät, ritt Christoph Kaiser,
-Müller zu Blumenau, nach Hause, und als er hinter die Pfarrwohnung zu
-Olbernhau kam, wo ihn sein Weg nach Hause führte, gingen drei Männer
-geschwind und ohne Gruß vorüber, worüber er sich verwunderte, weil er
-sie für Blumenauer ansah. Als er ein wenig fortreitet, kommen ihm auf
-dem Wege vier verschleierte Weiber entgegen, welche eine Totenbahre
-mit einem Sarge und Leichentuch tragen. Darüber erschrickt er und weiß
-nicht, wo er ist; bald dünkt ihm, er reite durch ein großes Wasser,
-bald scheint es ihm, als müsse er einen hohen Berg hinan reiten, bis
-es ein wenig licht wird und er sich bekennet, daß er auf dem rechten
-Wege sei. Als er zu des Richters Teich, der nahe bei dem Gerichte ist,
-kommt, sieht er abermals fünf bis sechs Paar verschleierte Weiber daher
-kommen, die über den Steig, darüber er auch gewollt, gehen, daß er
-nicht weiß, was er thun soll. Er lässet aber dem Pferde seinen Gang;
-dasselbe ist des Weges wohl gewohnt, will jedoch über den Steig nicht
-gehen, sondern lenket sich mit Schnauben neben demselben durch ein
-Bächlein, und bringet so seinen Reiter gesund nach Hause, wie wohl es
-sehr geschwitzet. Des andern Tages hat es der Müller ausgesagt und hat
-ihm nichts geschadet.
-
-
-44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.
-
-(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane, S. 252.)
-
-In alter Zeit lebte auf dem Schlosse zu Meerane ein Herzog, der von
-seiner Gemahlin keine Kinder bekam. Daher nahmen sie ein junges
-Mädchen, eine Gräfin, an Kindesstatt an. Als diese 17 Jahr alt war,
-starb des Herzogs Gattin. Sie ward bald vergessen und kurze Zeit darauf
-von dem Herzoge jenes Mädchen zur zweiten Gemahlin erwählt, welche ihm
-in der Folge zwei Kinder gebar, einen Knaben und ein Mädchen. Auch
-der Vater starb, als jener acht, dieses zwei Jahre alt war, und die
-junge Witwe ließ sich bald darauf den Zutritt eines fremden, ihr nicht
-ganz ebenbürtigen Mannes gefallen. Als er nun während der Zeit seiner
-Bewerbungen einmal wieder abreiste, hatte er die Worte fallen lassen:
-es sei alles gut, wenn nur vier Augen nicht wären. Das verblendete
-Weib und die dabei unnatürliche Mutter deutete obige Worte so, daß ihr
-Liebhaber sie gern heiraten würde, wenn nur ihre zwei Kinder nicht
-wären. Und sofort war auch ihr Entschluß gefaßt. Die Wartefrau mußte
-mit den beiden Kindern in den nahen Wald, das Gottesholz, gehen und
-ein gedungener Bösewicht alle drei ermorden. Die Wartefrau fiel als
-erstes Opfer. Als der Knabe sie in ihrem Blute hinsinken sah, fiel er
-dem Mörder um den Hals und versprach, er wolle ihm fünf Rittergüter von
-seinen acht geben, wenn er ihn nur leben ließe. Doch auch ihm senkte
-der Schändliche den Dolch in die Brust. Das Mädchen hielt ihm zur
-Abwehr, wie zur Beschwichtigung, in jeder Hand eine Puppe entgegen,
-die sie mitgenommen hatte. Auch dies Kind wurde nicht geschont. Die
-Mutter ließ hierauf die drei Leichen heimlich in die Burg bringen, und
-nach dem sie ausgesprengt, alle drei seien schnell einer bösartigen
-Krankheit erlegen, in der Burgkirche beisetzen. Ihrem Liebhaber schrieb
-sie, das Hindernis ihres Ehebundes sei beseitigt und er solle nun
-kommen. Und er kam -- aber mit strafendem Blicke und dem Bedeuten,
-daß er sie nur habe prüfen wollen, ob bei ihr sinnliche Liebe über
-Kindesliebe siegen könne, und daß nun ein Ehebündnis mit ihm unmöglich
-sei. Jetzt überfiel die Unglückliche die entsetzlichste Reue und da
-sie meinte, daß ihre so große Schuld nur durch die schwerste Buße
-zu sühnen sei, ließ sie sich beide Knie mit Polstern umkleiden und
-trat nun in Begleitung ihrer Kammerfrau und in leichtem Gewande ihre
-Bußreise zu dem Papste nach Rom immer auf den Knien rutschend an. Auf
-der Hälfte des Weges starb ihre Begleiterin, sie selbst mußte allein
-weiter reisen. Als sie endlich an dem ihr bezeichneten Kloster in Rom
-angekommen war, war es nachts 12 Uhr; sie vermochte es nicht mehr, sich
-aufzurichten und an der Schelle zu ziehen, sank vor Erschöpfung nieder
-und wurde früh morgens vor der noch ungeöffneten Pforte des Klosters
-von Vorübergehenden tot aufgefunden. Ihre Seele fand daher keine
-Ruhe, sondern schweift seitdem als weiße Frau in dem Rotengarten oder
-Raubgarten, dem jetzigen Pfarrgarten von Meerane, umher.
-
-In einem alten Buche über Meerane soll die Ermordung der beiden Kinder
-abgebildet sein mit den Unterschriften:
-
- »Mein lieber H., laß mich leben,
- Ich will Dir Neudeck und Nossen (?) geben,
- Pleißenburg, die neue,
- Es wird Dich nicht gereue.« Und:
- »Mein lieber H., laß mich leben,
- Ich will Dir meine Puppen geben.«
-
- Fast ganz übereinstimmend mit unser Sage ist die von der Gräfin von
- Orlamünde. (Richter, deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 51.)
-
-
-45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner Walde.
-
-(Nach Mitteilung des Lehrers G. Günther aus Lößnitz.)
-
-Auf dem zwischen Schloß Stein und Nieder-Schlema auf der Höhe
-des rechten Muldenufers emporragenden weißen Fels und in dessen
-Umgebung hat sich vorzeiten eine Frauengestalt sehen lassen. Anfangs
-erschien dieselbe als weiß gekleidete Jungfrau, später aber als altes
-Mütterchen. In dieser Gestalt ist sie noch vor einigen Jahren von
-Holzlesern gesehen worden.
-
-
-46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.
-
-(Br. Grimm, deutsche Sagen, I. No. 11.)
-
-Bei Annaberg liegt vor der Stadt ein hoher Berg, der Pöhl- oder
-Pielberg genannt, darauf soll vor Zeiten eine schöne Jungfrau verbannt
-und verwünscht sein, die sich noch öfters um Mittag, weshalb sich
-dann niemand darf sehen lassen, in köstlicher Gestalt, mit prächtigen
-gelben, hinter sich geschlagenen Haaren zeigte.
-
-
-47. Die Jungfrau des Lauterstein bei Zöblitz.
-
-(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 5.)
-
-Einst hütete ein junger Hirte aus Lauterbach seine magere Herde bei der
-Ruine Lauterstein und legte sich auf den weichen warmen Rasen, um sich
-zu sonnen. Schon wollte er zu Mittag eintreiben, als er ein Geräusch
-hinter sich hörte. Er sieht sich um und erblickt eine Jungfrau, groß
-und stark, in einer Kleidung, wie sie niemand mehr trug; dieselbe war
-beschäftigt, Laub zusammen zu rechen. Freundlich kommt sie auf den
-Hirten zu, steckt ihm alle Taschen voll Laub und verschwindet, als er
-sich nach ihr umsieht. Voll Verwunderung und innerem Grauen treibt
-der Knabe seine Herde eilig nach Hause. Hier erzählt er bei Tische
-von der Erscheinung, greift in die Tasche nach dem Laube und zeigt es
-vor. Welch Wunder! Die Blätter hatten sich in eitel Gold verwandelt.
-Noch an demselben Tage gingen seine Leute in die Gegend der Ruine, um
-Laub zu rechen. Sie brachten ganze Säcke davon nach Hause, aber es
-war und blieb Laub. Der Hirtenknabe kaufte später das Lehngericht in
-Lauterbach; aber die goldspendende Jungfrau hat er nie wieder gesehen.
-
-
-48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.
-
-(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 519.)
-
-An den Breiten- und Röthelstein bei Beerheide knüpft man folgende Sage:
-Im grauen Altertume sollen von Ellefeld bei Falkenstein aus zwei alte
-Jungfrauen hierher verbannt worden sein, die noch jetzt ihr Wesen in
-dieser Gegend treiben. Denn bald fahren dieselben in feuriger Kutsche
-mit dergleichen Rossen bespannt vom Breitenstein über den Göhlenbach
-zum Röthelstein, der dann seine Thore öffnet und sie aufnimmt; bald
-gehen dieselben in schwarzen Kleidern um den Röthelstein spazieren.
-Zuweilen findet man dort die schönsten Silber- und Kupfermünzen, die,
-wenn man sie aufgehoben und in die Tasche gebracht hat, aus derselben
-wieder verschwinden. -- Auch wird erzählt, daß am Morgen des ersten
-Osterfeiertags die Jungfrauen des Röthelsteins tanzen.
-
-
-49. Verwunschene Schloßfräulein hängen Wäsche auf.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 88.)
-
-Vor Jahren ging ein Mann im Graslitzer Amtshofe herum. Da bemerkte er
-auf dem Hausberge mehrere verwunschene Schloßfräulein, die eben Wäsche
-aufhingen. Um sich zu überzeugen, daß er sich nicht täusche, ging er
-auf den Berg, der Stelle zu, wo das Linnen aufgehängt war. Allein je
-weiter er ging, desto weiter schien sich das Linnen zu entfernen.
-Endlich stand es stille. Als er aber darauf losging, verschwanden die
-Jungfrauen und auch das Linnen und statt des letzteren sah er eine
-Masse von Spinnweben, die ihn so dicht umhüllten, daß er sich nur mit
-Not herausfitzen konnte.
-
-
-50. Die Jungfrau auf dem Braunstein.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 44.)
-
-Droben am Braunstein zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal hat
-ein verwunschenes Schloß gestanden, das ist mit einer verwunschenen
-Jungfrau und vielen Schätzen versunken. Holt sie einmal ein recht
-frommer Mann, dann wird er mit ihr auch die Schätze heimführen.
-
-Der Petermüller unten hat es mit seinen eigenen Ohren zu Ostern
-jedesmal in der Passionszeit gehört, wie da die Jungfrau im Berge
-drinnen geweint, und bald darauf hörte er auch einen solchen
-Engelgesang, wie ihn die Leute niemals vernahmen. Die Jungfrau hat noch
-niemand zu holen versucht.
-
-An einem heißen Augusttage des Jahres 1848 schritt um die elfte
-Vormittagsstunde ein Mann aus Joachimsthal heiteren Sinnes an der
-»Petermühle« vorbei. Seine Verwunderung war nicht gering, als er
-bemerkte, daß die Müllerin, seine Verwandte, auf der unterhalb der
-Mühle gelegenen Wiese Heu wendete, da doch Sonntag war. Überzeugung
-kann nicht schaden, dachte sich unser Joachimsthaler und ging in
-die Mühle, um dort nach der Ursache zu fragen, daß die Frau des
-Hauses heute am Sonntage, am Tage des Herrn, Heu mache. Doch welche
-Überraschung! Seine Verwandte stand gerade beim Ofen und bereitete
-das Mittagsmahl. Man eilte schnurstracks auf die Wiese, allein die
-Heumacherin, welche die Braunsteiner Jungfrau gewesen sein soll, war
-verschwunden. Derselbe Mann erzählte, daß sein Vater, als er Schafe
-hütete, die Braunsteiner Jungfrau habe herrliche Lieder singen hören.
-
-Drei Männern aus Mariasorg träumte einmal, sie sollten auf den
-Braunstein gehen, dort würden sie ungeheure Schätze finden, welche
-von einer verwunschenen Jungfrau bewacht würden. Als die Männer früh
-zusammen kamen, erzählten sie sich gegenseitig den seltsamen Traum
-und entschlossen sich, in der folgenden Nacht zwischen elf und zwölf
-Uhr auf den Braunstein zu gehen. Dort angelangt, fanden sie den Berg
-offen, gingen furchtlos hinein und erblickten wirklich eine große
-Pfanne mit Gold- und Silbermünzen und eine schöne Jungfrau, welche die
-Männer freundlich begrüßte und zu ihnen mit wohltönender Stimme sprach:
-»Diese Schätze gehören Euch; doch müßt Ihr die Pfanne samt dem Inhalte
-auf einmal forttragen.« Als aber einer der Männer, der die Ausführung
-dieser Forderung für unmöglich hielt, seine Meinung unverhohlen zum
-Ausdrucke brachte, verspürten alle drei gleichzeitig eine so derbe
-Ohrfeige, daß sie besinnungslos zu Boden sanken. Als die Männer wieder
-zum Bewußtsein erwacht waren, machten sie große Augen, weil sie sich,
-in ihrer Hoffnung getäuscht, auf der Oberfläche des Berges befanden.
-
-
-51. Der Schön-Jungfern-Grund bei Ober-Wiesenthal.
-
-(I. F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg. No. 3. II. Ziehnert a. a. O.
-Anhang, No. 32.)
-
-I. Wer von Neudorf nach Oberwiesenthal wandert und die Richtung
-durch den Wald nach dem Fichtelberge einschlägt, kommt nach seinem
-Austritt aus dem Walde zuerst bei dem roten Vorwerke, sodann auf
-der andern Seite bei dem weißen Vorwerke vorbei und hierauf an den
-Schön-Jungfern-Grund, einen tiefen, von der Höhe des Fichtelberges
-beginnenden und sich nach Osten ziehenden Einschnitt. In diesem Grunde
-liegt oft der Schnee in den Wintern viele Meter tief und zeigt noch
-schmutzigweiße Reste im Spätfrühling, wenn längst schon Feld, Wiese und
-Wald sich grün geschmückt haben. Die Sonne kann ihm nicht gut beikommen
-und das herabrieselnde Gewässer kann nur den tiefliegenden fortbringen.
-So erklärt es der gewöhnliche Verstand. Die Sage weiß es anders und
-zwar so: Vor langen Zeiten stand hier ein schönes Schloß und darin
-wohnten noch schönere Burgfräulein. Darauf kamen böse Raubritter,
-zerstörten das Schloß und ermordeten die schönen Jungfrauen. Sie leben
-aber doch noch, wohnen im Innern des Berges und bleichen im Frühlinge
-ihre Leibwäsche.
-
-II. Der Jungferngrund soll seinen Namen von zwei Jungfern haben,
-welche sich oftmals im Neumond sehen lassen. Es sind Schwestern; die
-eine spielt auf der Laute und die andere windet einen Kranz. Wer sie
-eigentlich sind, weiß niemand.
-
-Den Wiesenthalern dient der Jungferngrund auch als Wetterprophet. Denn
-wenn der Himmel über demselben hell ist, so wird -- ob es auch sonst
-allenthalben trübe aussieht -- zuverlässig schönes Wetter; wenn aber
-der Jungferngrund voll Nebel ist, so sagt man: Die Jungfern trocknen
-ihre Wäsche! und dann folgt kalte und nasse Witterung.
-
-
-52. Die Burgfrau des Pürsteins.
-
-(Karl Jentscher in der Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg. S. 66.)
-
-Die Sage berichtet, daß einst in dem Bache am Schlosse Pürstein ein
-Knabe fischte, was die Aufmerksamkeit der Burgfrau erweckte. Sie
-saß nämlich oben auf dem Söller und winkte ihrem Gemahl, welcher in
-den Krieg zog, ihre letzten Scheidegrüße zu. Heftig erzürnt über
-den Knaben, der es wagte in diesem Bache Fische zu fangen, ließ sie
-ihn sofort gefangen nehmen und vorführen. Der Vater des Knaben, der
-Brücknerhäusel-Besitzer gewesen sein soll, warf sich zu Füßen der
-Burgfrau und bat um Gnade, allein vergebens; ja man fesselte jetzt
-beide und warf sie in das tiefste Burgverließ. Ein Knecht öffnete des
-andern Tages den Kerker, um dem Vater die Freiheit, aber auch den
-Befehl zu bringen, daß er sofort diesen Ort und die umliegende Gegend
-zu verlassen habe, sein Eigentum sei unter die Schergen verteilt und
-sein Weib ausgejagt worden. »Und mein Kind?« rief der Alte. Der Knecht
-deutete auf den Mühlberg, wo soeben das Haupt des Kindes unter dem
-Beile fiel und über die Höhe des Berges hinabrollte. Der arme Vater,
-auf das tiefste getroffen, wankte langsam den Burgweg hinab und nie
-kehrte er wieder. Seitdem wurde der Gipfel des Mühlberges »Kopfleiten«
-genannt und zum Andenken ein Kreuz dort errichtet, welches noch bis
-in die dreißiger Jahre dort stand. Wenn der Allerseelensonntag seine
-trüben Nebel über die Gegend wirft, dann wandelt der Knabe als eine
-lichte Gestalt traurig dahin, und aus den Felsen des Hinterwaldes
-ertönt ein Jammergeschrei. Die Burgfrau aber, von Gewissensbissen
-getrieben, hatte keine Ruhe mehr gefunden, weshalb auch ihr Gemahl das
-Schloß verließ und es seinen nahen Vettern übergab. Ihr Schatten zog
-noch lange und oft auf dem Wege dahin, welchen das unglückliche Opfer
-zur Richtstätte genommen hatte. Viele wollte die alte Burgfrau zu den
-Schätzen des Schlosses locken, um durch diese von ihrem Schicksale
-erlöst zu werden, oft hatte sie sich den Dorfbewohnern in später
-Nachtstunde gezeigt, ein Becken mit Geld und Gold auf den Schultern
-tragend, -- doch jeder wich scheu zurück und dachte an den armen
-Brücknersohn. Nur einem Manne gelang es, wie die Sage weiter erzählt,
-sich in einer Nacht reich zu machen. Ihm träumte, er solle dreimal auf
-die Brücke von Rodisfort gehen und zwar immer zur bestimmten Zeit;
-während er das dritte Mal zur Stelle war und harrend sann, kam die
-Burgfrau als ein altes, häßliches Weib hinkend auf ihn zu und deutete
-mit erhobener Krücke gegen Pürstein mit den Worten: »Gehe dahin gegen
-Pürstein auf das alte Schloß! Wenn dann der Mond am höchsten steht, so
-glänzt dir in der alten, schwarzen Mauer ein weißer Stein entgegen,
-diesen hebe hinweg, und was du suchtest, das wird dir mehr als zuviel!«
-Und er hob um Mitternacht diesen verhängnisvollen Stein hinweg, und
-fand so viel Gold, daß er nicht stark genug war, alles fortzubringen.
--- Seit dieser Zeit hat niemand mehr die alte Frau gesehen, und während
-früher in den alten Mauern nachts oft Getöse hörbar war, herrscht dort
-jetzt Grabesstille.
-
-
-53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau.
-
-(Mitgeteilt vom Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)
-
-Von Zeit zu Zeit ließ sich auf dem Schloßhofe zu Rabenau ein Fräulein
-sehen, welches des Nachts ruhelos auf demselben mit einem hellen,
-weitleuchtenden Lichte umherwandelte und auf Erlösung von dem Banne
-wartete. Welcher Art diese Erlösung sein sollte und warum das Fräulein
-umging, hat man nicht erfahren können.
-
-
-54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.
-
-(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs I. 1822. S.
-123 etc.)
-
-Am Hofe des Böhmenherzogs Wratislaw lebte im 11.Jahrhunderte ein
-Ritter Otto von Greifen, welcher sich, des Hoflebens müde, mit seiner
-Gemahlin in das damals unwegsame Erzgebirge zurückzog und im jetzigen
-Freiwalde eine Burg erbaute. Von dieser Burg, Greifenburg genannt, will
-man jetzt noch Überreste auf dem Greifensteine bei Ehrenfriedersdorf
-sehen. Seine Gemahlin schenkte ihm einen Sohn, und als derselbe fünf
-Jahre alt war, brachte der Ritter ein zweijähriges Mädchen mit, welches
-er im Walde schlafend angetroffen hatte. Das Mädchen erblühte nach
-und nach zur herrlichen Jungfrau und so geschah es, daß sie von dem
-Junker Werner, dem Sohne Ottos von Greifen, mit welchem sie auf der
-Burg erzogen worden war, herzlich geliebt wurde. Werners Eltern ahnten
-nichts von diesem Verhältnisse; doch eine Entdeckung konnte nicht
-ausbleiben, da die Frucht der heimlich gehaltenen Liebe heranreifte.
-Unglücklicherweise aber geschah die Entdeckung zu einer Zeit, wo
-Werner angezogen war, einem alten Freunde seines Vaters, dem Ritter
-Bruno von Scharfenstein, gegen den räuberischen Rekko von Rauenstein,
-welcher vor achtzehn Jahren Brunos schwangere Gemahlin geraubt hatte,
-und seitdem mit jenem in Fehde lebte, in einem Kampfe beizustehen. Als
-Ritter Otto von Greifen von dem heimlichen Verhältnisse seines Sohnes
-zu seiner Pflegeschwester hörte, zieh' er dieselbe in seinem Stolze der
-Verführung und ließ sie in das Verließ seiner Burg hinabstoßen. Hier
-genaß das verlassene Mädchen eines Kindes und in einer sie befallenden
-Geistesstörung schleuderte sie dasselbe an die Mauer des Gefängnisses.
-Plötzlich aber stieg aus dem Boden eine Geistergestalt auf und sprach:
-»Heil mir, wehe dir! Seit langen Jahren bin ich wegen einer gleichen
-That zum ruhelosen Umherwandeln verurteilt worden. Jetzt bin ich durch
-dich erlöst und du wirst meine Stelle so lange einnehmen, bis einst
-ein keusches Weib, das niemals einen unreinen Gedanken in seiner Seele
-gehabt hat, in stiller Mitternacht deinen Namen dreimal ohne Furcht
-rufen wird!« Die Gestalt verschwand, und das gefangene Mädchen sank
-zu Boden, um in fürchterlicher Raserei wieder zu erwachen, wobei sie
-sich endlich den Kopf wie den ihres Kindes an der Gefängnißmauer
-zerschmetterte. Ihr Geist aber erschien in der Nacht dem hartherzigen
-Pflegevater und verkündete seinem Hause Verderben. Reuig eilte er in
-den Kerker, wo er den Leichnam seiner unglücklichen und verstoßenen
-Pflegetochter neben dem ihres Kindes fand. Da ließ er beiden ein
-ehrendes Begräbnis bereiten; doch eben, als dies geschah, kehrte sein
-Sohn wieder zurück. Derselbe war voller Freude, denn durch ihn war
-der räuberische Rekko von Rauenstein gefallen, und in der Todesstunde
-hatte derselbe bekannt, daß Brunos von Scharfenstein geraubte Gemahlin
-eines Töchterchens sehr schwer genesen und an den Folgen der Entbindung
-gestorben sei. Das Kind aber habe er bei einem Köhler des großen
-Schellenberger Waldes zwei Jahre lang erziehen lassen und dann, als es
-ihm lästig geworden sei, weiter für dasselbe zu sorgen, im Freiwalde,
-ohnweit Ottos Burg aussetzen lassen. Dieses Kind war also kein anderes,
-als Werners unglückliche Pflegeschwester; sie war ihm durch ihre
-Geburt ebenbürtig und daher war er hoffend, daß seine Eltern in eine
-Verbindung mit ihr willigen würden, zurückgekehrt. Als er nun alles
-erfuhr, was sich während seiner Abwesenheit zugetragen hatte, sank er
-in tiefe Ohnmacht. Als er wieder erwachte, hatte stiller Wahnsinn seine
-Seele umnachtet; er endete sein Leben in einem Kloster der Ritter vom
-Hospital zu Prag. Otto von Greifen und seine Gemahlin erlagen bald
-dem Übermaße ihres Grams. Die Greifenburg fiel als erledigtes Lehen
-an Herzog Wratislav, wurde aber später, da die folgenden Besitzer zum
-Räuberhandwerk griffen, auf Befehl Wipprechts von Groitzsch zerstört.
-Sie ist nie wieder aufgebaut worden.
-
- Historisch ist, daß auf dem Greifensteine eine Burg »Gryfenstein«
- gestanden hat; sie wird als ein markgräflich meißnisches Lehen der
- Dynasten von Waldenburg urkundlich im Jahre 1372 angeführt. (Herzog,
- Archiv für sächs. Gesch. II. S. 76.)
-
-
-55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 101.)
-
-In der zur Gemeinde Breitenbach gehörigen Ortschaft Ziegenschacht
-lebte vor langer Zeit eine Jungfrau, welche ihres Geizes und ihrer
-Ungerechtigkeit wegen gefürchtet war. Seit ihrer Verlobung kannte
-ihre Habsucht keine Grenzen. Um ihr Heiratsgut, woran ohnedies schon
-die Thränen der Armut hingen, zu vergrößern, bediente sie sich sogar
-beim Verkaufe der Milch eines so schlechten Maßes, daß sich darüber
-allgemeine Klagen erhoben. Als die hartherzige Jungfrau dieselben
-jedoch nicht berücksichtigte, wurde sie von einer Milchkäuferin
-verwünscht. Von dieser Stunde an wandelt die Jungfrau auf dem
-Ziegenschachter Wege noch bis heute herum. In der Hand trägt sie ein
-Milchseidel und auf dem Kopfe einen grünen Kranz. Doch sehen die
-verwünschte Jungfrau, die bloß zu gewissen Zeiten erscheint, nur wenige
-Menschen.
-
- Auf die mögliche Verwandtschaft der Ziegenschachter Jungfrau mit
- der Huldra wurde bereits in der Einleitung hingewiesen. Eine
- thüringische Sage ist übrigens der unsrigen sehr ähnlich. Eine
- Krämerin, welche ihre Käufer durch falsches Gewicht und Maß betrog,
- wandelt ebenfalls als Gespenst in der Nähe von Mehlis bei dem
- Reißigersteine umher und ruft dabei: »Drei Viertel für ein Pfund!
- Drei Quärtchen für eine Kanne!« (O. Richter, Deutscher Sagenschatz,
- 3. H. No. 10.) Daß aber gerade der Betrug beim Milchverkauf mit dem
- gespenstischen Umherwandeln der Betrüger bestraft wird, ist eine
- in der Volkssage erhaltene Erinnerung an den hohen, alle übrigen
- Besitztümer überragenden Wert der Milch und Milch gebenden Tiere aus
- dem frühesten Zeitalter der indoeuropäischen Völker.
-
-
-56. Die Jungfrau des Grauensteins bei Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 64 etc.)
-
-Sehr viel wird von der Grauensteiner Jungfrau erzählt, welche keinen
-Kopf hat und sich zuweilen blicken läßt. Einst ging ein Weib von
-Joachimsthal nach Holz, da bemerkte sie einen schönen rasigen Platz,
-auf dem sich Wäsche ausbreitet fand. Darauf zugehend, um es näher
-anzuschauen, bemerkte sie, daß die Wäsche immer reiner und schöner
-ward. In ihrem Innern regte sich der Wunsch, ein Stück Wäsche zu
-nehmen, was sie auch that. Plötzlich hörte sie hinter sich ein
-Geschrei; als sie aber, sich umsehend, niemanden bemerkte, nahm sie
-noch ein Stück Wäsche und ging ihren Weg, auf ein abermaliges Rufen
-nicht achtend. Sie erreichte eben einen Kreuzweg, als die unbekannte
-Stimme zum dritten Male sich hören ließ: »Wenn kein Kreuzweg gekommen
-wäre, wärest Du des Todes!« Hätte sie alle Wäsche gestohlen, so wäre
-die Grauensteiner Jungfrau erlöst worden.
-
-Es geht noch die Sage, daß das Weib an derselben Stelle, wo es ein
-Stück Linnen erbeutete, um Mitternacht eine wundersam blaue Flamme als
-Wahrzeichen eines verborgenen Schatzes emporschlagen sah. Als sie, um
-den Geist zu bannen und den Schatz zu heben, ihren Rosenkranz in den
-blauen Flammenschein geworfen hatte, siehe da! des Morgens lagen an
-dieser Stelle zwei funkelnde Silbersiebzehner.
-
-Eines Tages ging ein altes, gebücktes Mütterchen in den Wald, um
-dürre Reiser zu sammeln. Als die Alte in der Nähe des Grauensteines
-das aufgeschichtete Reisigbündel zusammengebunden hatte und es auf
-den Rücken nehmen wollte, tönte ihr von dort bezaubernder Gesang
-entgegen. Das Mütterchen lauschte eine Weile, faßte sich dann ein
-Herz und schritt dem Grauensteine zu. Doch welch eine Überraschung!
-Es erblickte daselbst ein prächtiges Schloß, vor dem eine schöne,
-weißgekleidete Jungfrau Wäsche bleichte. Kaum wurde die Jungfrau des
-Weibes ansichtig, so zog sie sich stillschweigend und langsam hinter
-die Mauern des Schlosses zurück. Als aber das herzhafte Mütterlein nach
-einem Stück Wäsche griff und mit dem gestohlenen Gut davontrippelte,
-verschwand unter Blitz und Donner das Zauberschloß, an dessen Stelle
-wieder die Halde war. -- Wie die Sage weiter erzählt, soll das Weib,
-das auf diesen weggenommenen Linnen ein paar Jahre gelegen hat, darauf
-schmählich verkommen sein.
-
-Der Bergschmied Bernhard ging eines Tages nach der Schönerzzeche,
-um dort sein Gezähe in Ordnung zu bringen, all die Fäusteln und
-Stopfer, Stecher und Bohrer, Hacken und Sägen, mit denen der Bergmann
-hantiert. In der Mondscheinnacht kam er zwischen elf und zwölf Uhr am
-Grauensteine an. Potztausend! Auf der blanken Wiese, wo weitum keine
-Einschichte liegt, rings Wäsche um Wäsche, die ganze Wiese ist von
-Linnen vollauf überspannt. Bernhard nahm sich sein klopfendes Herz
-in die Hand, und eine innere Stimme sagte ihm: Ei! für wen liegt so
-herrliche Wäsche ausgespannt? die Geister haben genug daran, unsereins
-wäre reich fürs ganze Leben! Greif zu, Bernhard! Nimm, so viel du
-schleppen kannst! Und er griff zu, faßte die Wäsche mit beiden Händen,
-schlug sie über den Rücken, wand sie um den Leib und lief hastig;
-doch horch! Hollah! hinterher welch ein Gepolter, welch ein Getümmel,
-welch ein Gekrach! Ist der Grauenstein geborsten? Schnell, wie er sie
-zusammenraffte, warf er die Wäsche wieder von sich. -- Da hat er die
-Poltergeister versöhnt; denn mit einemmale ist es stille geworden
-ringsum, und die Wäsche war verschwunden, als er sich umsah, und er
-lief voll Entsetzen nach der Schönerzzeche.
-
-Einem Weibe aus Joachimsthal träumte in einigen aufeinander folgenden
-Nächten, sie solle auf ihre unweit des Grauensteins gelegene Wiese
-gehen, dann könne sie reich werden. Als sie sich endlich in einer
-mondhellen Nacht auf den Weg machte und zwischen 11 und 12 Uhr auf der
-Wiese anlangte, sah sie zu ihrer Verwunderung auf derselben ringsum
-Kinderwäsche ausbreitet. Find' ich auch kein Geld, dachte sie, so lasse
-ich doch auch dieses Zeug nicht liegen. Sie nahm also die Wäsche in
-ihre Schürze und trat die Heimkehr an. Doch siehe! Kaum näherte sich
-das Weib einem Graben, da rührte es sich mit einemmale in der Schürze
-und als sie dieselbe öffnete, erblickte sie darin lauter zischende
-Ottern. Vor Furcht und Ekel warf sie alle in den Graben und lief
-bestürzt nach Hause; nur zwei Schlangen erreichten den jenseitigen
-Rand. Als das Weib des anderen Tages zu dieser Stelle kam, fand sie
-zwei Häufchen Gold.
-
-
-57. Die eifersüchtige tote Frau.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 943.)
-
-Im Jahre 1666 im September hat sich in einer Bergstadt folgendes
-begeben. Eine Frau war in der Fastenzeit gedachten Jahres Todes
-verblichen. Da nun der Witwer zur andern Heirat schreiten wollte, kam
-immer ein Gespenst in der Gestalt der verstorbenen Frau und ängstigte
-ihn, daß er keine Ruhe haben konnte. Daher gebot er seinem Gesinde,
-sie sollten in der Stube schlafen und ihr Bette vor seine Schlafkammer
-schieben. Am Donnerstage zuvor spricht das Gesinde: Herr, wenn ihr
-doch zuvor, ehe ihr wieder Bräutigam seid, eurer vorigen Frau einen
-Leichenstein legen ließet, vielleicht bliebe sie außen. Er bestellte
-am Freitage die Maurer und läßt ihn legen und sagt: Nun habe ich meine
-Alte fein eingeschwert, sie wird nicht wiederkommen, der Teufel müßte
-sie denn heraus führen. Er nimmt die Maurer mit sich nach Hause, ißt
-und trinkt mit ihnen, bestellt einen Boten, der morgens frühe soll
-weglaufen, gehet zu Bette, und das Gesinde liegt vor der Kammerthür.
-Zur Mitternacht kommt ein Gespenst in die Stube, sucht erst in den
-Registern und blättert darin, darnach rauschet es über das Gesindebette
-weg, kam in die Kammer und würgte den Mann. Früh kam der bestellte Bote
-und wartete zwei Stunden; das Gesinde hieß ihn anpochen, rufen und gar
-hinausgehen, da findet er ihn tot. Und dieser Mann hat sich nach dem
-Tode gleichfalls sehen lassen.
-
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-58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 946.)
-
-In Joachimsthal hat sichs begeben, daß ein Gespenst in Gestalt einer
-daselbst verstorbenen Frau immer in ihres hinterlassenen Mannes Haus
-kam und ihn bei Tag und Nacht beunruhigte. Der Witwer klagte seine Not
-dem Pfarrer und bat, ob er nicht gegen Mittag zu ihm kommen und wider
-den Geist beistehen möchte. Der Pfarrer kam endlich auf des Mannes
-inständiges Bitten, und da erschien die gespenstische Frau gleich am
-Mittage in ihrem Todeshabit, wie sie im Sarg war beschicket worden.
-Der Pfarrer redete den Geist getrost an und fragte ihn, was er hier
-im Hause zu schaffen habe. Das Gespenst sagte: Ich habe eine Kette
-verborgen, die liegt da und da vergraben; ebenso fürchte ich auch, mein
-Mann möchte eine Person in der Nachbarschaft heiraten, mit der ich
-nicht kann zufrieden sein, darum kann ich auch im Grabe nicht ruhen.
-Der Pfarrer aber verwies dem Teufel seine Bosheit und trieb ihn mit
-Gottes Wort so weit, daß er keine Ausflucht mehr hatte, sondern es
-verschwand die gespenstische Gestalt allmählich und ließ endlich an der
-Stelle, da sie gestanden, eine Hand voll Asche übrig. Sie ist auch von
-der Zeit an nicht wieder gesehen worden.
-
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-59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Schwester zu ihrem Rechte.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 947.)
-
-Im Jahre 1694 hat sich im September in einem Bergstädtchen zugetragen,
-daß eines Fleischhackers Frau vier Wochen nach ihrem Begräbnis wieder
-kam. Sie hatte sonst den Nachruf eines frommen und eingezogenen
-Lebens und man sagte von ihr, daß sie sich zu ihren Lebzeiten
-unterschiedlichemal über das böse Leben beklagt habe, so ihr zweiter
-Mann mit Fluchen und Streit nebst den Kindern treibe, und daß sie es
-nicht vertragen könne, sie müsse viel leiden, daß es kein Wunder wäre,
-sie ließe sich lebendig begraben. Als sie kurz darauf starb, hinterließ
-sie auch eine arme Schwester, welche bei dem Witwer allerhand Erbstücke
-suchte, aber nichts erhalten konnte. Ungeachtet nun diese Erbforderung
-gerichtlich beigelegt worden war, wollte sich doch die blutarme
-Schwester nicht so abweisen lassen und vergoß viel Thränen. Der Witwer
-lag nebst seinem Sohne krank in der Unterstube. Da kommt ein Gespenst
-zu Mitternacht in Gestalt der Verstorbenen und setzt sich vor sein
-Bette. Er erschrickt und fängt an zu beten: Gott, der Vater steh' uns
-bei! zu dreien malen, aber die gespenstische Frau will nicht weichen,
-der Kranke kann nicht fort und schwitzet gar sehr. Es schlägt 12 Uhr,
-da meint er, nun werde sie fortgehen, aber sie bleibet sitzen bis nach
-2 Uhr. Da fängt er an: Alle guten Geister loben Gott den Herrn. Sie
-antwortet, zwei Schritte zurücktretend: Ich auch. Der Kranke fragt: Was
-wollet ihr hier? Gehet hin, wo ihr hingehöret. Sie antwortet: Ihr sollt
-meiner Schwester Magdalena nicht alles nehmen. Und damit fuhr der Geist
-zum vordern Fenster hinaus. Eine Hausgenossin wohnte in der Oberstube,
-die auf der Bank liegend eben dieses Gespenst gesehen, welches sie
-angegriffen und begehrt, man solle ihre Schwester nicht kränken; damit
-warf's ein Biermaß nach ihr und blieb außen.
-
-
-60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.
-
-(Mündlich.)
-
-In der früheren, jetzt nicht mehr vorhandenen Kirche zu Wildenfels
-befanden sich die Begräbnisse der verstorbenen Glieder der erlauchten
-gräflichen Familie der Herrschaft. Alte Leute erzählen noch jetzt,
-einst habe eine verstorbene Gräfin daselbst nicht Ruhe finden können,
-sondern sei oft in der Kirche umhergewandelt und habe die Orgel
-gespielt. Als sich endlich der Pfarrer des Ortes entschloß, sie zur
-Ruhe zu bringen, habe er den Kantor vor der Kirchthüre mit der Weisung
-stehen bleiben lassen, während seiner, des Pfarrers Abwesenheit in
-der Kirche, ein Gebet zu verlesen. Als der Kantor aus Neugierde durch
-ein Schlüsselloch sah, soll eine Stimme gerufen haben: »Es guckt!«
-Nach Beendigung der Beschwörung trat der Pfarrer aus der Kirche und
-verkündete dem Kantor, daß sie beide in dem Jahre sterben müßten.
-Solches soll dann auch geschehen sein.
-
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-61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.
-
-(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen, S. 618.)
-
-Auf der Straße zwischen Altenberg und Zaunhaus, in der Nähe des
-Kahlenberges gesellt sich nach der Sage manchmal eine schweigsame,
-dunkelgrün und nach längst vergessener Mode gekleidete Frau zu
-dem Wanderer, geht neben ihm her, ohne ihm Rede zu stehen, biegt
-auch wohl auf einen sonst nicht sehr betretenen Waldweg ein und
-verschwindet daselbst. Dieselbe zeigte sich zumeist nach Eintritt
-der Abenddämmerung, seltener des Nachts, ist aber auch schon
-im Morgengrauen bemerkt worden. Ein Mann erzählte, daß er in
-seiner Jugend, als er am frühesten Morgen der verbotenen Lust des
-Vogelstellens in der Nähe von »Paradies-Fundgrube« am Kahlenberge
-nachgehen wollte, einer lustwandelnden Dame begegnete, die er höflich
-begrüßte und anredete, da er selbige für die alte Schwester des
-damaligen Bergmeisters hielt. Der junge Mann erhielt keine Antwort; die
-Frau ging an ihm vorbei, in einen Waldweg hinein und verschwand dort
-vor seinen Augen.
-
- Diese Sage könnte vielleicht besser unter den Dämonensagen stehen,
- da die grüngekleidete Frau an Holzweibchen erinnert, welche im
- Vogtlande grün erscheinen. Ebenso erzählen Tyroler Sagen von den
- grüngekleideten Norgen oder Wildmänneln, die zu den Pflanzendämonen
- gehören und mit denen auch die grünen, in Menschengröße erscheinenden
- Männchen der Burgundischen und Schweizer Sage, welche die Leute im
- Walde irre führen, verwandt sind.
-
- Grün ist auch die Farbe des Teufels. Auf dem Blocksberge erschien der
- Teufel grün und ebenso waren auch die Hexen bei ihren Tänzen in Grün
- gekleidet. (Österreich. Touristenzeitung, I. No. 5.)
-
-
-62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.
-
-(Nach einer Mitteilung von L. Fischer aus Aue.)
-
-Vor langer Zeit war auf dem Rittergute Klösterlein bei Aue ein Fräulein
-gestorben, welches nach seinem Tode des Nachts auf der Mulde dahin
-schweben sollte. Da geschah es, daß zwei Bergleute einst eines Sonntags
-in einer schönen Sommernacht von Schlema nach Zelle gingen, um daselbst
-Musik zu machen. Ihr Weg führte sie über die sogenannte Ochsenwiese und
-den Klostersteg. Als sie an die Ochsenwiese kamen, setzten sie sich
-nieder, um ein wenig auszuruhen; dabei kamen sie auf den Gedanken,
-dem Fräulein ein Morgenständchen zu bringen, und als sie eine Weile
-geblasen hatten, näherte sich ihnen das in einen Schleier gehüllte
-Fräulein und warf jedem ein Sträußchen in den Schoß. Der eine von
-ihnen steckte dasselbe in eine Tasche seines Kittels, der andere aber
-warf es weg. Als am nächsten Morgen derjenige, welcher sein Sträußchen
-eingesteckt hatte, den Kittel wieder anziehen wollte, kam ihm derselbe
-so schwer vor, und da er in die Tasche griff, um nachzusehen, zog er
-sein Sträußchen heraus, welches sich in pures Gold verwandelt hatte.
-Voll Freude teilte er dies seinem Kameraden mit. Da nun derselbe
-eilends nach der Ochsenwiese lief, um das andere Sträußchen zu suchen,
-konnte er es nirgends finden und er mußte unverrichteter Sache wieder
-nach Hause zurückkehren.
-
- Ähnlich ist die Sage von den Musikanten aus Kleingölitz, welche des
- Nachts am alten Schlosse vorbeigehen und dem alten Grafen, welcher
- in der Burg umgeht, ein Ständchen bringen. Jeder von ihnen erhält
- ein grünes Buchenreis, welches jedoch nur einer behält; am andern
- Morgen sieht er, daß es vom reinsten Golde ist. (Witzschel, Sagen aus
- Thüringen, No. 193.)
-
-
-63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.
-
-(Mündlich.)
-
-Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um eine
-gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem
-weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man von
-ihr beschenkt. -- Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine
-Begräbnishalle, in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein
-auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis es mit
-dieser Frau hat, kann niemand sagen.
-
-
-64. Die alte Frau in der Isenburg.
-
-(Mündlich.)
-
-In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach diente
-vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals noch besser
-erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem Mädchen kam eines
-Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte, es solle mit ihr
-gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen das zerfallene Gemäuer
-der Burg und hier in ein bis dahin verborgen gewesenes Zimmer, dessen
-Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte sie, das Mädchen solle ihr
-das Zimmer kehren. Als solches geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2
-Groschen. Dies wiederholte sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen
-das Wohnzimmer der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da
-geschah es, daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging.
-In der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt
-hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt,
-deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke. Als
-nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes
-Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen war. Von
-dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg nie wieder
-erschienen.
-
-
-65. Das Fegeweib vom Katzenstein.
-
-(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27.
-Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.)
-
-In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter auf
-einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau bei
-Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch seine
-Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung
-ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten also
-vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus
-Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen,
-sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn
-auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem Teufel
-im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit demselben
-die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich traf
-keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse. Schon
-wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan
-eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er
-wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so
-geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte
-die Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und
-nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die
-Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse Ritter
-ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch heute
-aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige Amme die
-Trümmerhaufen fegen sehen.
-
-
-66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.
-
-(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach bei
-Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.)
-
-Im Jahre 1675 im Monat Oktober hat sich auf der Superintendentur zu
-Glauchau ein Gespenst sehen lassen, welches einen weißen Trauerhabit
-anhatte und sich für eine von Adel ausgab, so bei dem zu Glauchau
-früher befindlichen Nonnenkloster die Stelle einer Äbtissin vertreten
-habe. Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später nur die
-weiße Frau genannt hat, einer hier dienenden Nähterin aus Leipzig,
-namens Marie Sabine Demantin erschienen, ist vor das Bett, in welchem
-sie mit der Kindermagd lag, getreten, hat geächzt und geseufzt, dann
-hat es die silbernen Eßlöffel, welche in einem Körbchen gelegen,
-gezählt und, da ihrer nur elf gewesen, gesagt: »Ei, des Herrn Löffel
-fehlt!« was auch der Fall gewesen. Hierauf hat es des Superintendenten
-langen Mantel und die mit Pelz gefütterte Schaube seiner Frau, welche
-an der Wand gehangen, heruntergenommen, den Mantel und die Schaube oben
-darauf umgenommen und ist so in der Stube herumspaziert, als aber das
-Kindermädchen darüber gelacht und gesagt: »Was macht denn der Narr!«
-ist es ihr schlecht bekommen, denn sie hat augenblicklich im Munde
-und Gesicht heiße Blasen bekommen und deshalb 14 Tage das Bett hüten
-müssen. So oft aber, als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen
-Glanz und Schimmer um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der
-Erde erkennen konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A.
-Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet
-worden waren, in dieselbe niedergelegt, um das Gespenst abzulauern,
-es ist aber nicht von ihnen wahrgenommen worden, sondern hat sich nur
-durch Geräusch kundgegeben, hat auch mit einem schweren Steine in die
-Kammer geworfen, daß darüber alles erschüttert worden ist; darauf ist
-es in den Stall gegangen, und hat daselbst einer alten Ziege den Hals
-umgedreht, auch in dem Hühnerhause gegenüber eine Henne erdrückt. Seit
-dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu der Nähterin gekommen
-und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr Bett gestellt, auch öfters
-bitterlich geweint, da denn die herabfallenden Thränen wie weiße Milch
-ausgesehen, welche das Gespenst mit einem schönen weißen Schnupftuch
-abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent dem Mädchen verboten,
-sich mit dem Gespenste in ein Gespräch einzulassen, hat sie es doch
-nicht lassen können, sondern gefragt, was es denn wolle, worauf es mit
-einer ganz ungewöhnlichen Stimme geantwortet, sie solle mit ihm gehen
-und einen Schatz heben, der gehöre zwar dem Superintendenten, allein
-sie solle davon allen im Hause soviel bringen, daß sie alle genug
-hätten.
-
-Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt, endlich
-ist die Nähterin mitgegangen, und wie sie durch des Superintendenten
-Studierstube gehen und zwei angezündete Unschlittlichter in den Händen
-haben, thut sich auf einmal die Thüre auf den Saal hinaus von selbst
-auf, worauf ihr ein ziemlicher Haufe von schwarzgekleideten Mönchen
-entgegenkommt, unter welchen ein sehr langer war, der sich nach ihr
-hinneigte und beide Lichter ausblies, daher sie seufzte: Ach Jesus!
-Aber diese Worte zogen einen solchen Tumult nach sich, daß es schien,
-es wolle alles zu Grund und Boden gehen. Hierauf ist sie vor Schreck
-davon gelaufen, hat sich aber verirrt und ist in das Schlafgemach des
-Superintendenten gekommen, der von dem Lärm aufgewacht war und gemeint
-hatte, es sei ein großer Stein in seine Studierstube geworfen worden.
-Als er aber die Nähterin erblickt, hat er ihr zugerufen zu beten, und
-selbst angefangen zu singen; das Mädchen aber hat gesehen, wie die
-ganze Kammer nach und nach durch das Absingen der geistlichen Lieder
-von den schwarzen Mönchen, mit denen sie angefüllt war, leer ward. In
-der nächsten Nacht ist das Gespenst zu der Nähterin, die mittlerweile
-krank geworden war, wiedergekommen und hat gesagt, sie hätte sich nicht
-fürchten sollen, denn die schwarzen Männer würden ihr nichts gethan
-haben, der Schatz stehe schon außen und bestehe aus Kirchenkleinodien,
-welche vor etlichen 100 Jahren dorthin gebracht worden seien, sie möge
-nur nachsuchen lassen, so würden sich gewiß Vorzeichen finden. Als man
-nun nachgesucht, haben sich verschiedene Gefäße von Zinn und etliche
-Lampen von Thon gefunden, welche noch so neu und weiß waren, als wenn
-sie erst gestern hineingelegt worden wären. Unter der Grundmauer hat
-man auch ein mit Ziegelsteinen ausgemauertes Behältnis und am Ende
-desselben starke Pfosten von Eichenholz und nach denselben schöne
-Schiefertafeln gefunden, mit welchen das Behältnis oder die Kästen
-zu den Kleinodien bedeckt gewesen waren, die letzteren sind aber
-nicht mehr zu sehen gewesen, sondern waren, wie man meinte, verrückt
-worden. Aber über den Ziegeln hat ein großer Ziegelstein, ein Quadrat,
-gelegen, auf welchem ein Crucifix ganz kenntlich geprägt gewesen ist.
-Während dem hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der
-Mauer über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn
-Bergleute da arbeiten und etwas bewältigen wollten, allein als man
-zum Fenster hinabgesehen, hat man nicht das Geringste wahrgenommen.
-Während des Grabens hat man auch etliche Totenknochen gefunden, welche
-vermutlich Reliquien von diesem und jenem Heiligen gewesen, so zu
-diesem Schatz gelegt worden, daß er sich nicht verrücken möchte. Es
-hat auch das Gespenst bei dem Ausfüllen des gemachten Loches nicht
-wenig Widerwillen, zum Teil auch Spötterei sehen lassen, denn nachdem
-man lange Bratspieße genommen und an dem Orte, wo die Ziegelsteine
-herausgegangen waren, herabwärts in den Erdboden gefühlt, ob sich
-etwa die Kästen gesenkt, hat es bei der Nacht auch einen Bratspieß
-mitgebracht und hin und wieder in der Kammer mit solchem gegen den
-Boden gefühlt. Da man nun wirklich anfing, den Berg wieder einzufüllen,
-hat es nicht allein mit Ziegeln und Steinen um sich geworfen, daß die
-Arbeitenden davon liefen, sondern es hat auch in der folgenden Nacht
-die Betten des Frauenvolks mit Schutt und Erde bestreut, daß darüber
-etlichen, zumal den Mägden, der Mund mit Erde angefüllt ward, den sie
-im Schlafen offen gehalten.
-
-Als nun die Nähterin nicht wieder mit dem Gespenst allein gehen
-wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, das 3jährige Söhnlein des
-Superintendenten mitzunehmen, von welchem die weiße Frau gesagt, sie
-habe sich gefreut, als es geboren worden, denn es werde sie erlösen.
-Wirklich hatte man bemerkt, daß seit der Geburt dieses Kindes sich das
-Gespenst sehen ließ; es kam auch mit einem großen Bund Schlüssel in
-die Kammer, wo die Schwester des Superintendenten schlief, und sagte:
-Nun ist der geboren, der mich erlösen wird! Als später die Kindermagd
-einmal das Knäblein mit sich ins Bett genommen, ist das Gespenst darauf
-losgegangen und hat es aus dem Bett reißen wollen mit den Worten:
-»Harre, harre, Du bist mein!« Darüber ist die Magd aufgewacht, hat aber
-das Kind so fest an seinem Hemdchen gehalten, daß dasselbe entzweiriß,
-das Gespenst aber hat das Kind fahren lassen und ist auf die Magd
-gefallen und hat solche dermaßen gedrückt, daß sie kaum mehr Atem holen
-können. Von dieser Zeit an hat sich das Gespenst aber auch in der
-eigenen Schlafkammer des Superintendenten, wo dessen Söhnlein in einem
-Gitterbettlein schlief, eingefunden, hat dasselbe öfter beunruhigt, die
-Flügel in dem Bettchen aufgemacht und es gereizt, es solle aufstehen
-und mitgehen, sie wolle ihm schöne gelbe Pfennige geben, es hat auch
-dergleichen Goldstücke mitgebracht und dem Kinde gezeigt. Während dem
-ist aber die Nähterin einmal über das andere von dem Gespenste genötigt
-worden, sie möge doch nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen
-werde, es solle weder ihr noch dem Kinde ein Leid geschehen, und sie
-werde soviel finden, daß sie für ihre Lebtage daran genug haben werde.
-Daher hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf
-das Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studierstube gegangen
-und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus
-seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht hat,
-welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem sich
-aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der Wachsstock,
-den das Gespenst nebst einem langen Briefe mit Mönchsschrift
-beschrieben, in der rechten Hand gehabt, sehr helle, wie wenn des
-Morgens die Sonne aufgeht, geleuchtet, ist das Knäblein gleich darüber
-aufgewacht und hat dem Gespenst eine Ohrfeige nach der anderen gegeben,
-daß sie es endlich vom Arme herabgelassen und mit der linken Hand
-fortgeführt, weil es nicht weiter hat mitgehen wollen. Da dann der
-ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer
-Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben, und
-haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit Geigen,
-Posaunen und Trompeten aufs Lieblichste musiciert, wie solches alle im
-Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind samt der Nähterin an die
-Treppe kommt, sieht es daselbst einen großen schwarzen Hund sitzen, der
-eine feurige Zunge aus seinem Rachen reckt, ist aber davon noch mehr
-erschrocken, und fängt an zu schreien: Ach, Hund beißt! Hund beißt!
-worauf es sich aus den Händen des Gespenstes gerissen und wieder in
-die Studierstube gelaufen ist. Da nun die Nähterin solches gesehen,
-entfällt ihr der Mut auch, sie kehrt ebenfalls um, allein es ist ihr
-wie das erste Mal nicht wohl bekommen, sondern die bösen Geister haben
-sie bei den Haarzöpfen ergriffen, zurückgezogen und etliche Mal wider
-den Boden gestoßen, wobei es ihr vorgekommen ist, als wenn neben ihrem
-Kopfe lauter Pistolen losgeschossen würden. Indem sie nun noch mit
-großer Mühe in die Studierstube gekommen und niedergesunken, nicht
-wissend, wo sie sei noch wie ihr geschehen, da hat sich das Knäblein
-umgewandt, sie bei der Hand genommen, und vollends in seines Vaters
-Schlafkammer geführt, wohin die Frauenzimmer aus der anderen Kammer
-gelaufen kamen und sie hier zu erquicken suchten. Der Superintendent
-hat nun die ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde
-des Morgens und Abends seine Andacht gehalten, die Nähterin aber, weil
-sie zum zweiten Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie
-jedoch fort gewesen, so hat das Gespenst sich die folgende Nacht darauf
-in der Kammer, wo die Nähterin sonst gelegen, mit vernehmlicher Stimme
-hören lassen: »Wo Ihr mir die Marie Sabine nicht wieder herschafft,
-so will ich auf den dritten Abend so turnieren, daß Ihr nicht sollt
-darinnen bleiben können.« Worauf der Herr des Hauses, der solches
-gehört, geantwortet: »Der Teufel ist ein Lügner, er wird's auch diesmal
-bleiben!« Und wirklich ist es in der darauf folgenden Nacht ganz still
-geblieben und hat sich seit der Zeit nichts wieder von dem Spuk hören
-lassen.
-
-
-67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.
-
-(Nach Iccander, Sächs. Kernchronik, bei Gräße, Sagenschatz des K. S.,
-No. 453.)
-
-In Olbernhau starb im Jahre 1719 eine hochschwangere Frau und ward
-gewöhnlicher Weise begraben. Da kommt einige Tage darauf ein Student
-auf den Kirchhof und liest dort die Inschriften der Grabsteine.
-Plötzlich sieht er auf einem Grabe eine weinende Frauensperson stehen,
-die auf sein Befragen, warum sie das thue, antwortet: »Ach, daß Gott
-erbarm, ein Kind und keine Windeln!« Da hat der Student aus Mitleid
-sein Halstuch abgebunden und es ihr zugeworfen, worauf sie sogleich
-verschwunden war. Nun hat den Studenten eine große Angst befallen, es
-möge diese Person kein lebendes Wesen, sondern ein Gespenst gewesen
-sein, er ist also sogleich zum Ortsgeistlichen und in's Amt gegangen
-und hat die Sache angezeigt, worauf die Obrigkeit jenes Grab öffnen
-ließ und man fand, daß jene Frau im Grabe ein Kind geboren hatte,
-welches tot zu ihren Füßen in das Halstuch des Studenten, welches
-dieser, durch seinen darin gestickten Namen als sein recognosciert hat,
-eingewickelt lag.
-
-
-68. Der Katzenhans und seine Genossen.
-
-(F. A. Türke im Glückauf, Jahrg. 2, No. 3.)
-
-Zwischen den Feldern von Neudorf und Crottendorf liegt ein schmaler
-Streifen Staatswaldung, die Braunelle genannt, in welchem die Sage den
-Katzenhans des Nachts sein Wesen treiben läßt. Sein weithin tönendes
-»hollerndes« Geschrei schreckt den Einsamen und treibt ihn auf Irrwege.
-Zuweilen begiebt er sich auch durch die Luft über Crottendorf hinweg
-nach einer sumpfigen Gegend zwischen diesem Orte und Scheibenberg,
-um allda sein Wesen zu treiben. Die Sage berichtet aber nicht mehr,
-wer jener Katzenhans gewesen sei und woher es komme, daß er gerade
-dort sein Wesen treibe. Sein Parteigänger ist der Glasmeister mit
-sehr großen Glasaugen, der in der oberen Braunelle, da, wo die Straße
-von Neudorf nach Crottendorf den Wald durchschneidet, den Wanderer
-in der Nacht schreckt und irre führt. Ob sein Herkommen auf die
-ehemalige Glashütte in Ober-Crottendorf zurückzuführen ist, weiß aber
-niemand zu sagen. -- Ist nun der Fußgänger des Nachts glücklich durch
-Ober-Crottendorf und ein gutes Stück auf der Straße nach Scheibenberg
-weiter gekommen, so begleitet ihn eine gespenstische Laterne eine gute
-Strecke.
-
-In Neudorf berichtet die Sage von einem zweiten Kameraden des
-Katzenhans, dem Bachreiter, der zuweilen des Nachts den Sehmabach auf-
-und abwärts durchreitet und durch sein Erscheinen Unglück verkündet,
-wenigstens macht er darauf aufmerksam, daß in der Nähe des Ortes, wo
-die Hufeisen seines Rosses Funken schlagen, bald ein Feuer entstehen
-werde.
-
- Von einem Bach- oder Schimmelreiter erzählt auch die schwäbische
- Sage. Derselbe reitet die Wald- und Wiesenthäler entlang, folgt dem
- Laufe des Wassers oder setzt durch dasselbe des Abends hindurch. Die
- ihn Begegnenden führt er irre. Sein Roß hat er sich aus dem Meere
- geholt, vor Sonnenaufgang stieg der herrliche Schimmel daraus hervor,
- ließ sich vom Reiter an den Ohren fassen und ihn aufsitzen, trug
- ihn ohne Sattel und Zaum, wohin er wollte. In den Fahrten dieses
- geisterhaften Reiters lassen sich Nebelbilder erkennen. (Mannhardt,
- die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 54.)
-
-
-69. Der Rachhals zu Aue.
-
-(Nach einer Mitteilung von C. Vieweg aus Aue.)
-
-In früheren Zeiten lebte in Aue ein Förster mit Namen Rachhals.
-Derselbe war rauh in seinem Wesen und flößte allgemeine Furcht ein,
-so daß man seiner Person so viel wie möglich aus dem Wege ging. Nach
-seinem Tode ging die Sage, Rachhals sei in eine finstere Kammer seines
-Hauses, durch welche eine Esse führte, verbannt worden und spuke darin
-um Mitternacht. Die Kammer hatte nur ein kleines Fenster nach dem Hofe,
-und es wurde erzählt, sobald dieses Fenster geöffnet werden würde,
-sollte Rachhals erlöst sein, gleichzeitig aber würde auch das Haus
-abbrennen. Das Haus stand in der Nähe des jetzigen Gasthofs zum Engel.
-Als daselbst im Jahre 1859 Feuer ausbrach, wurde auch das ehemals
-Rachhals'sche Haus ein Raub der Flammen.
-
-
-70. Das Hammergespenst.
-
-(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 944 und 945.)
-
-Im Jahre 1670 den 30. September hat sich in einem Bergorte zugetragen,
-daß ein Mann seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung über Feld ins
-nächste Dorf schickte. Als der Knabe wieder zurückgeht, begegnet
-ihm sein gewesener Pate, ein Hammerherr, der schon vor zwei Jahren
-gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn hatte im Sarg angezogen
-gesehen, der sieht ihn an und spricht: »Siehe Pat, bist Du es?
-Steht mein Hammer noch? Ist er noch nicht weggebrannt?« Der Knabe
-erschrickt, schüttelt den Kopf und eilet nach Hause. Die Erscheinung
-aber ist bald vorn, bald hinter ihm, brummt etwas, was er nicht
-verstehen konnte und verändert sich dreimal in den Kleidern. Da der
-Knabe über das Dorf heraus kommt, fängt es an: »Ach, wie müde bin
-ich, ach, wenn mich jemand trüge! Pat, gehe in meinen Hammer, an dem
-Orte wirst Du Geld finden, Dir ist's beschert.« Und damit däuchte es
-dem Knaben, er sähe Geld vor sich liegen und schimmern. Als er seinem
-Städtlein nahe kam, und zuvor durch ein Gebüsch gehen mußte, da fing
-sich erst ein Alarm an, das ganze Büschlein war voll schwarzer Männer,
-die den Hammermeister umringten. Bald verwandelten sie sich in große
-rote Hirsche, daß der Knabe nicht wußte, wo aus oder ein; bald sah er
-einen Mann kommen, der hatte eine Rute in der Hand und drohte damit den
-Gespenstern und den Hirschen. Der Knabe lief aus Furcht und Zittern
-fort, die Hirsche verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn
-noch eines Stück Weges, und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm,
-lehnte sich's noch einmal über den Knaben hinüber, und sahe ihn scharf
-unter die Augen, ging davon einen anderen Weg, bei sich murmelnd. Der
-Knabe kam heim, klagte es den Eltern und lag acht Tage krank.
-
-Im Jahre 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher ein guter
-Kirchen- und Schulfreund, ein weltkluger, bergerfahrener Mann, ein
-geübter Sänger und Musikus, ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen und
-Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen ist. Dennoch hat
-der Teufel nach seinem Tode einen gefährlichen Lärm angerichtet. Er
-ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer, da
-er gewohnet, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer
-Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stall, seine Tochter
-über dem Nähen, daß sie acht Wochen krank gelegen, vexierte die
-Arbeiter, daß niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Ruhe und
-Friede bei ihm; aber da nach dieser Zeit ein Bauer ungefähr über eine
-unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißet und sie heimfahren
-und nun das letzte Brett abreißen will, drückte ihn der gespenstische
-Mann, daß er sterben mußte. Von da fing er sein Mordspiel wieder an
-und drückte erstlich Caspar Bibera, einen Kohlenmesser, auf dem Hofe
-tot. Die Nacht vor dem Christfest des Jahres 1659 schlägt er stark
-an's Thor, der Wächter meint, es sei eine nötige Post und macht auf;
-da präsentiert er sich in einem schwarzsamtnen Pelz und mit einem
-spanischen Rohr, drückt dem Wächter alle Glieder entzwei und begehet
-andere Thaten mehr, daß sich die Nachbarn vor diesem gespenstischen
-Gaste sehr gefürchtet haben.
-
-
-71. Der unheimliche Hansmichel.
-
-(E. Heger und J. Lienert, Ortskunde des Dorfes Schmiedeberg i. B. 1879.
-S. 60.)
-
-Zuweilen kann man in und bei Schmiedeberg einen Umzug, ähnlich der
-wilden Jagd, beobachten. Von Norden, über die Schmiedstättheide, kommt
-nämlich hoch in den Lüften der unheimliche Hansmichel dahergebraust.
-In einem mit Ziegenböcken bespannten Wagen stürmt er beim Glaserbergel
-über den Ort und verschwindet im Walde. Während seiner rasenden Fahrt
-läßt er den Ruf »Hoho! Hoho!« erschallen, bethört dadurch die Wanderer
-in der Waldung und leitet sie auf falsche Wege. Früher hauste der
-unheimliche Hansmichel auch mit besonderer Vorliebe am sogenannten
-Hammerwege. Nach der Sage soll er Herr des ehemaligen Weiperter
-Spindlerhofes gewesen und irgend einer großen Ungerechtigkeit wegen zu
-dieser ruhelosen Luftfahrt verurteilt worden sein. Sonst bösartig hat
-sich der unheimliche Hansmichel nie gezeigt.
-
-
-72. Der rote Hohensteiner.
-
-(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)
-
-Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg
-hervorragender steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen
-Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau
-und Altenburg genießt. »Denkmal der Freundschaft« kann man auf seiner
-Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige
-Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten und zwar
-alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit langem roten
-Bart, in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner. Angesprochen
-hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber, denn er
-läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen, ertönen. Der
-rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm nur von einem
-furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht mutig anspricht.
-
- Der rote Hohensteiner erscheint hier als eine teuflische Gestalt. Der
- Teufel hieß auch der Rote, und mit Hinweis darauf sagte man: »Rote
- Lütli, Tüfelshüttli« und »Rotbart, Teufelsart!« »Wenn du numme rot
- wurdist« heißt: »Daß Dich der Teufel holte!« Der einen roten Bart
- tragende Gewittergott Donar wurde zum Teufel. (Rochholz, deutscher
- Brauch und Glaube. II. S. 224.)
-
-
-73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 514.)
-
-Auf dem Schlosse Hartenstein, dem Stammschlosse der Schönburge, fand
-sich einst jeden Tag ein Schattenritter ein. Man nannte ihn Vollmer
-den Geisterkönig. Er hatte, man weiß nicht wie, die Liebe der schönen
-Kunigunde von Schönburg, als sie noch Kind war, gewonnen, und dieselbe
-hatte erklärt, ihn und keinen anderen wolle sie ehelichen. So ritt er
-denn jeden Tag auf unsichtbarem Rosse in's Burgthor ein, zog ersteres,
-ohne daß jemand es sah, -- nur hören konnte man seinen Tritt, -- in
-den Stall und stieg dann selbst unsichtbar, und nur am Schall seines
-Trittes kenntlich, die Schloßtreppe hinan. Dort kam ihm seine Braut
-entgegen, der reichte er seine Hand, -- das war der einzige fühlbare
-Teil seines Körpers, weich und glatt aber eiskalt -- und nun sprachen
-und koseten sie zusammen wie zwei Liebende es thun. Dann schritten sie
-in den Speisesaal, wo ihrer schon der Bruder des Fräuleins harrte,
-und alle drei setzten sich zu Tische und aßen und tranken nach
-Herzenslust; die dem Schattenritter vorgelegten Speisen und der Wein
-in seinem Becher verschwanden, und doch sah niemand, wo es hinkam. Man
-hörte nur des Schattenbräutigams Stimme, und der Graf, dem früher vor
-seinem geisterhaften Schwager gegraut, faßte immer mehr Neigung zu
-ihm, denn er hatte an ihm einen steten treuen Berater und Warner bei
-bevorstehendem Unglück. Wenn das Mahl vorüber war, verließ der Graf die
-beiden Brautleute, und so saßen sie bis kurz vor ein Uhr; dann nahm
-der gespenstische Gast eilig Abschied, so trieb er es viele Jahre; da
-äußerte einmal das Fräulein, wie sie sich nach einem Kusse von seinem
-Munde sehne, und siehe, ihr geisterhafter Bräutigam antwortete: »Lebe
-wohl auf ewig; weil ich an Deine rein geistige Liebe glaubte, verließ
-ich mein himmlisches Reich, um bei Dir zu sein; jetzt wo Du an irdische
-Liebe denkst, ist mein Bleiben nicht mehr hier, Du siehst mich nie
-wieder!« Damit verschwand er und nie hat das Fräulein wieder seine Nähe
-empfunden.
-
-
-74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)
-
-Fünfzig Jahre nach der Verwüstung des Grünhainer Klosters hat sich
-am Elterleiner Wege, wo, wie die Schlackenhaufen ausweisen, des
-Abts Hammer gestanden, ein Gespenst in Mönchsgestalt sehen lassen,
-welches die Vorübergehenden, sonderlich Trunkene und Jauchzende, übel
-bezahlte, und einst einen Bergmann von Elterlein, der das Gespenst in
-seiner Trunkenheit herausforderte, mit den Beinen den Berg hinunter
-geschleppt, in den Bach geworfen und am Kopfe arg verwundet. Einen
-Richter, der trunken in der Nacht von Grünhain heimgeritten, hat's mit
-dem Pferde gestürzt, daß er den Arm brach, und ist der Richter mit
-großer Lebensgefahr nach Hause gekommen.
-
-
-75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzella.
-
-(Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ II., S. 91.)
-
-Wie in alten Burgen Ritter und Ritterfräulein, so hausen in alten
-Klöstern auch oft gespenstische Mönche. Während man aber diese Wesen
-meist in den Mitternachtsstunden belauscht haben will, erzählt man
-sich, daß im Klostergarten zu Altzella in der Mittagsstunde ein
-Cisterziensermönch mit langem weißen Barte promeniere und oft gesehen
-wurde. Er soll zumeist, das Haupt sinnend auf die Hand gestützt, in den
-Abteiruinen sitzen, sich aber, sobald man ihm zu nahen versucht, sich
-in einer weißen Rauchwolke verflüchtigen.
-
-
-76. Der Mönch von Komotau.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.)
-
-Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt man in einen
-Hof, der das »Mönchshöfel« heißt. An der einen Wand desselben bemerkt
-man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen Haupt und Hände
-getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft der Stadt eine Gefahr
-droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. Er geht
-vom Rathause bis zur Kaserne, einem ehemaligen Jesuitenkloster, wo er
-verschwindet. Viele Leute wollen ihn schon gesehen, namentlich soll er
-im Jahre 1832 sich gezeigt haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen
-ist die ganze Stadt abgebrannt.
-
-
-77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 250.)
-
-Abraham Munsch, ein alter frommer Hutmann in Wiesenthal, erzählte, daß
-er einstmals oben auf dem Fichtelberge einen überaus schönen Brunnen
-angetroffen, dessen Grund und Boden von eitel Goldflammen geleuchtet
-habe. Da er sich niedergesetzt, um den schönen Quell zu betrachten und
-wieder aufgesehen, sei ein schönes buntes Vöglein auf einer Seiten, auf
-der anderen aber ein Mönch mit einem offenen Buche gesessen, darüber
-er erschrocken und davon gelaufen. Er habe aber seit dieser Zeit den
-Brunnen nicht wieder antreffen können.
-
-
-78. Der Laternenmann in Alberode.
-
-(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
-
-An unbestimmten Tagen, besonders wenn der Mond nicht scheint, entsteigt
-dem Keller des alten Rittergutes Alberode nachts 12 Uhr ein Mönch mit
-einer großen, hellleuchtenden Laterne, vom Volke der Laternenmann
-genannt. Derselbe geht unbeirrt langsamen Schrittes auf dem Marktsteige
-nach dem Klosterholze und verschwindet in einem Keller des Rittergutes
-Klösterlein. Er thut niemandem ein Leid.
-
- In Sagen anderer Gegenden nähert sich der Laternenmann dem feurigen
- Manne ohne Kopf; ohne Kopf geht z. B. der Mann mit der Laterne
- bei Hackpfiffel in der Grafschaft Mannsfeld umher. (Größler a. a.
- O. No. 195.) Wir finden überhaupt, daß in den Sagen von Laternen
- tragenden und feurigen Männern, sowie von Irrlichtern mancherlei
- Berührungspunkte vorhanden sind. In Kärnten z. B. heißt das Irrlicht
- »Lichtmandl« d. h. Lichtmännchen; es wird also hier ganz als
- persönliches Wesen gedacht und entspricht unserm feurigen Manne. Das
- »Lichtmandl« hat flammende Hände, mit denen es einen Mann züchtigte,
- als es derselbe anrief, ihm Feuer in seine Pfeife zu geben. (Österr.
- Touristenzeitung 1884, No. 21.)
-
-
-79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 469.)
-
-In der Stadt Chemnitz bei dem sogenannten Kloster in der Vorwerksstube
-war früher ein Mönchskopf zu sehen, auf dem, so oft man die Stube
-reparierte, allemal ein Groschen Geld liegend gefunden ward. Dieser
-Kopf war aber sehr empfindlich, wenn jemand mit ihm Kurzweil treiben
-wollte. So ist einmal ein Steinmetzgeselle nach Chemnitz gekommen,
-und weil er vieles von diesem Kopf gehört, hat er ihn sehen wollen.
-Als er nun dessen altes, zorniges Gesicht genau betrachtet, hat er
-es nachzumachen und überall auszuspotten sich eitel Mühe gegeben. So
-ist es geschehen, daß er mit einer Gesellschaft von Kameraden einmal
-nach Hause ging, da kam ihm ein Bedürfnis an und als unterdessen seine
-Reisegefährten weiter gingen, ist er, wie er später aussagte, von einem
-Mönch in einen mit Eis bedeckten Teich -- es war gerade Winterszeit --
-geworfen worden, und hat ihn derselbe dermaßen geängstigt, daß, als
-seine Kameraden, die wieder umkehrten, ihn suchten, sie ihn winselnd
-und fast vor Schrecken stumm antrafen, für tot herauszogen und so nach
-Hause brachten. Sein Mund war ihm dergestalt der Quere gezogen, daß er
-über ein halb Jahr zubrachte, ehe er wieder gesund ward, auch in der
-Kirche für ihn gebetet ward.
-
-
-80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 74.)
-
-Im Jahre 1632 ließ der Stadtschreiber zu Scheibenberg, Theophilus
-Groschupf, einen Raum an der Erbisleite zu Acker machen. Da nun ein
-Arbeiter, Georg Feuereisen, mittags hinunter an einen Brunnen ging, um
-Trinkwasser zu holen, fand er dabei einen häßlichen unbekannten Mann
-liegen, der ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern auf dem Rückwege
-ihm auf den Hals fiel und ihn braun und blau drückte, so daß er infolge
-dessen acht Wochen krank lag.
-
-
-81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.
-
-(Christ. Lehmann a. a. O. S. 76.)
-
-Zur Herbstzeit des Jahres 1654 kommt der Kirchvater von Stützengrün aus
-dem Walde, ist gar schwermütig und klagt auch, es habe ihn ein Gespenst
-erschreckt. Als er im Februar des nächsten Jahres wieder hinausgeht,
-höret er eine Stimme: »Erwürge Dich, oder ich thue es! Greif lieber
-selber zu!« Damit zieht der bestürzte Mann sein Messer heraus und
-schneidet sich den Bauch auf, daß die Gedärme in den Schnee fallen.
-Weil er aber vor Schmerzen heftig schreiet, finden ihn etliche Köhler
-in seinem Blute liegen und führen ihn noch lebend heim. Nachdem er
-gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, auch getröstet worden war,
-ist er bald darauf verschieden.
-
-
-82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.
-
-(Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche im sächs.
-Obererzgebirge. Programmarbeit. 1862. S. 39.)
-
-Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, liegt
-die sogenannte Reicheltwiese, welche, da sie sumpfigen Untergrund hat,
-sehr weich und »papprich« ist. In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz
-geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr soll
-derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder erscheinen, mit seiner Peitsche
-knallen und dabei »Hüoh!« rufen.
-
-
-83. Der Feuermann von Komotau.
-
-(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen. 1. B. 1864, S. 21.)
-
-In Komotau läßt sich zu manchen Zeiten ein feuriger Mann sehen, der den
-Kopf unter dem Arme trägt. So oft er erscheint, bricht in derselben
-Gasse, wo man ihn sieht, Feuer aus.
-
-
-84. Die Gestalt mit dem Lichte bei Pobershau.
-
-(Nach Mitteilung des Sem. Richter in Schneeberg.)
-
-Den Weg von Mittel-Pobershau nach Zöblitz über den sogenannten »Berg«
-des Nachts zu gehen, ist gewiß jedem Einheimischen unangenehm, da schon
-mancher von einer Gestalt, die dort mit einem Lichte herumläuft, geäfft
-worden ist.
-
-
-85. Der schwarze Mann zu Königswalde.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.)
-
-Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler, und sein
-Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher Ehe
-lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott mit einer
-jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat sich in der
-Nacht darauf ein langer schwarzer Mann, der aus der Stubenkammer
-hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der Frau eingefunden und
-hat sie angeredet: »Gieb mir Dein Kind!« Als sie sich aber dessen
-geweigert, ist er wieder hinausgegangen und hat das Schloß hinter sich
-zugeschlagen, daß es geschmettert. Nach 14 Tagen kam etwas an den
-Laden, daß sie auch den Schatten am Fenster sehen konnte, und weil
-sie es für einen Hund gehalten, hat sie auf dasselbe gerufen: »Gehst
-Du garstiges Aas!« Worauf es den Fensterladen gewaltig zugeschlagen
-und weiter nichts unternommen. Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus
-dem Bettchen gezogen, worauf sie es quer über dem Badewännchen auf
-dem Gesichte liegend wieder gefunden, welches darauf eine Nacht um
-die andere wiederholt worden. An einem Sonnabend im August hat die
-Mutter zu Nacht das Kind kurz vorher gestillet und wieder hinaus in
-das Wännchen gelegt. Da träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen
-Arm gebrochen, worüber er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich
-besonnen, es sei ja sein Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer
-habe, ist er bald wieder eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette
-vom Leibe gezogen, worüber er auffuhr und nach dem Kinde schrie,
-welches sie leider aus dem Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend
-tot fanden. Als nach dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit
-im Kohlenhau gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner
-Wiederkunft dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen
-11 und 12 Uhr etwas an dem untern Bettbret angegeben, damit geknacket,
-ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und da
-sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt:
-»Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!« Womit es weggekommen,
-und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören, und der Hund
-hatte es gemerkt und sehr gewinselt.
-
-
-86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Auf dem Gottesacker in Schneeberg ist früher am Tage ein schwarzes
-Männchen gesehen worden, welches ein Buch in der Hand hatte. Eines
-Tages erblickte es auch der Totengräber; derselbe erschrak darüber so
-sehr, daß er bald darauf starb.
-
-
-87. Der Schamprich zu Nossen.
-
-(Jugenderinnerung eines geborenen Nosseners.)
-
-Auf dem Fußwege, der an der Südseite des Schloßberges von der
-Unterstadt (dem früher sogenannten »Loch«) nach der Oberstadt führt,
-trieb noch vor fünfzig Jahren ein Spukgeist, der Schamprich, sein
-Wesen. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfange des Weges
-nach einigen Schritten »aufzuhucken« und sich den Berg hinauf bis zum
-Stumpfe einer großen Eiche tragen zu lassen, wobei die Last immer
-schwerer wurde. Mit dem Neubau der Dresdner Straße, bei der auch
-der obere Teil des Weges in Wegfall kam, ist er verschwunden. Der
-Eichenstumpf befand sich gegenüber dem dicken runden Eckturme, in
-welchem Lips Tullian einige Zeit verwahrt worden sein soll, links am
-Wege.
-
-In früherer Zeit mußte der Stadtnachtwächter am nördlichen Schloßgraben
-entlang gehen und von der äußersten Bergecke aus, an der sogenannten
-Dechanei, die Stunde abtuten. Da hat er einmal in einer Winternacht von
-unsichtbarer Hand eine Ohrfeige bekommen, daß ihm die Pelzmütze den
-Berg hinabrollte. Er schrieb den Schabernack dem Schamprich zu.
-
-
-88. Der schwarze Mann des Jüdensteins.
-
-(Nach Mitteilung des Seminarist Förster aus Bärenwalde.)
-
-Zwischen Bärenwalde und Giegengrün erhebt sich ein Granitfels, der
-Jüden- oder Giegenstein genannt. Es sollen einst in der Umgebung
-desselben Soldaten einen Lagerplatz gehabt und die umwohnenden Bewohner
-hart ausgeplündert haben. Dabei hat einer von den Soldaten einem
-armen Manne, welcher nichts geben konnte, das Hüttlein angezündet. Da
-verwünschte ihn der Arme und zur Strafe muß nun die Seele des Soldaten
-in der Gestalt eines schwarzen Mannes an dem Jüdensteine, wo auch
-reiche Schätze vergraben sein sollen, ruhelos umherwandeln. Viele Leute
-wollen diesen schwarzen Mann schon gesehen haben.
-
-Ein Mann aus Bärenwalde sagte einmal, er fürchte sich nicht, denn es
-gebe keinen schwarzen Mann; er sei schon oft des Nachts an dem Steine
-vorbeigegangen, ohne etwas gesehen zu haben. Da geschah es, daß er
-einst wieder an dem Jüdensteine vorbeifuhr. Plötzlich setzte sich ein
-schwarzer Mann zu ihm auf den Wagen, der immer schwerer und schwerer
-wurde; zuletzt konnten die Pferde den Wagen nicht mehr weiter ziehen.
-Der Bärenwalder glaubte, der Mann wolle ihn nur erschrecken, deshalb
-drehte er sich um und gab ihm eine Ohrfeige. Aber ebenso schnell bekam
-er eine solche von unsichtbarer Hand wieder. Er mußte den Wagen stehen
-lassen, ging nach Hause und starb nach neun Tagen.
-
-
-89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.
-
-(Mündlich.)
-
-Als in Weißbach bei Schneeberg ein Jüngling gestorben war, zog man ihm
-seine schwarzen Kleider an; in der Westentasche aber befand sich noch
-ein Pfennig. Da kam der Verstorbene zweimal des Nachts um 12 Uhr wieder
-nach Hause. In der zweiten Nacht soll der Pfarrer anwesend gewesen
-sein, der hat ihn gefragt, was er wolle. Darauf sagte die Erscheinung,
-sie fände im Grabe nicht eher Ruhe, bis man den mitgenommenen Pfennig
-wieder geholt hätte.
-
-
-90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.
-
-(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtnis, 1719, S. 97.)
-
-Anno 1655 ging ein Fleischhauer aus Wiesenthal sehr frühe bei
-Mondenschein und wollte nach Elterlein. Als er aber eine halbe Meile
-zurückgeleget und auf einen Platz kommt, tritt ihm ein grausames
-Gespenst mit feuriger Zunge und Augen entgegen, in Gestalt eines
-verrufen gewesenen Gebirgers, der manchem auf dem böhmischen Wald
-das Licht ausgelöschet. Dies Gespenst verlegt ihm den Weg mit seiner
-Kette um den Leib, daran eitel Totenköpfe hingen. Der Fleischhauer
-erschrickt, betet und kehrt eilends zurück nach Haus. Das Ungetüm aber
-begleitet ihn bis in seine Stube, stellet sich daselbst vor ihn und
-sieht ihn an, bis die Wirtin aufgestanden ist und ein Licht angezündet
-hat. Da ist das Gespenst wieder verschwunden.
-
-
-91. Der Einsiedel im Thale der roten Weißeritz.
-
-(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 91. Gräße,
-Sagenschatz etc. No. 264.)
-
-Ganz in der Nähe des Städtchens Tharand befindet sich das Thal
-der roten Weißeritz. Hier gestatten schroffe Felsriffe und wild
-aufbrausende Fluten im Frühjahr kaum einen schmalen Pfad am linken
-Gehänge hin. Eine felsige Landzunge, der sogenannte Einsiedel, wo
-einmal ein Einsiedler seine Klause gehabt haben soll, ist in der
-Umgegend als ein Ort, wo es spukt, berüchtigt. Man erzählt sich von
-grauen Männchen, die da herumgehen, und von Geistern, die einen dort
-verborgen liegenden Schatz bewachen sollen, den nur eine ganz reine
-Jungfrau heben kann. Ein Mann aus dem nahegelegenen Sommsdorf sah vor
-Jahren, wie ein kleiner, höhnisch lachender Zwerg eine alte Frau vom
-Berge herabzerrte, die dann zerkratzt und halb besinnungslos in ihrer
-Heimat ankam. -- In demselben Thale, bei der langen Brücke am Felsen
-hin, befindet sich auch der Nixentump, der sehr tief und von zwei
-Wassernixen bewohnt ist.
-
-
-92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.
-
-(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf. Marienberg, S. 36.)
-
-Der älteste Flügel der herrschaftlichen Gebäude in Großhartmannsdorf
-bei Freiberg, welcher eine Anzahl finsterer Gewölbe enthält, soll der
-Schauplatz mancher gespenstischen Erscheinungen sein. Einmal soll des
-Nachts zur Zeit, da kein Mensch das Herrenhaus bewohnte, eine Gestalt
-mit Licht durch alle Zimmer gegangen sein; einmal wieder eine lange
-weibliche Gestalt in alter Tracht und mit einem großen Schlüsselbunde
-zum öftern im Hofraume des Nachts umhergewandelt, und noch ein anderes
-Mal ein Lärmen und Poltern wahrgenommen worden sein.
-
-
-93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.
-
-(Leopold, Chron. und Beschr. d. St. Meerane, S. 101.)
-
-Von dem Tannicht, einem feuchten Thale bei Meerane, sagte man früher,
-daß es daselbst einem aufhocke, d. h., daß ein Geist sich da manchem
-schon mit bleierner Schwere auf die Schultern gesetzt habe.
-
- ~Dr.~ Leopold, der Verfasser der Chronik von Meerane, führt den
- Ursprung dieser Sage auf den Umstand zurück, daß Leute, die stark
- schwitzend von der Höhe des Crimmitschauer Weges in den Tannicht
- hinabstiegen, sich verkühlten und von Blutandrang nach Kopf und Brust
- befallen wurden.
-
-
-94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.
-
-(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
-Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 135.)
-
-Im Jahre 1719 fährt Abraham Friedrich einem Schmiede in
-Johanngeorgenstadt Kohlen ein. Da er nun Nachmittag um 1 Uhr wieder
-an die Meilerstätte kommt und den Schmiedegesellen, welcher ihm beim
-Aufladen helfen soll, nicht findet, im Gebüsch sich aber etwas bewegen
-sieht, so meint er, es sei der Gehülfe und ruft ihm daher zu, er solle
-sich herpacken und mit aufladen. Hierauf erschallt eine Stimme: »Jetzt
-gleich.« Es kommt auch wirklich jemand und hilft ihm etliche Kübel
-Kohlen auf den Karren laden, also daß Friedrich nicht anders meint,
-er habe seinen Gesellen. Nachdem sich aber der Kohlenstaub ein wenig
-legt, sieht er an dessen Unterleib eine seltsame Gestalt, er stößt ihn
-daher von sich und spricht, er solle sich packen, seine Hülfe begehre
-er nicht. Indem nun Friedrich weiter aufladet, kehrt der andere das
-Löschfäßlein um und belegt es mit lauter neuem kurfürstlichen Gelde.
-Dabei begehrt er, weil Friedrich ein armer Mann sei, solle er's
-nehmen, und so oft er etwas brauche, möge er wieder an diese Stätte
-kommen, da er ihm ein mehreres geben wolle. Darüber wurde Friedrich
-unwillig und stieß das Faß mit dem Gelde um, so daß letzteres über
-den ganzen Platz verstreut wurde. Der andere aber raffte es im Hui
-wieder in seinen Beutel und hielt es von neuem vor. Friedrich jedoch
-kehrte sich nicht daran und fuhr fort. Er mußte aber seinen Gefährten
-noch ein gut Stück Weges bei sich haben. Derselbe hielt ihm immer den
-Beutel vor, schüttelte mit dem Gelde und wollte es ihm aufdringen,
-bis endlich Friedrich aus Ungeduld ihn garstig gescholten und mit der
-Peitsche darnach geschlagen. Da ging der andere seitwärts ins Holz und
-hinterließ einen solchen Dampf und Gestank, daß Friedrich zu ersticken
-meinte und auch in der Folge krank wurde.
-
-
-95. Das Gespenst in einer Halde bei Pobershau.
-
-(Nach Mitteilung des Seminarist Richter in Schneeberg.)
-
-In Pobershau bei Zöblitz sieht man neben der alten Schule eine große
-Steinhalde. Hier soll ein Gespenst sein Wesen treiben, denn schon
-oft hat man daselbst Stöhnen, Rufen und Gepolter gehört, und es wird
-überhaupt viel darüber gemunkelt. Nach der allgemeinen Sage soll dies
-Gespenst der Geist eines früheren Grundbesitzers sein, welcher als sehr
-hartherzig verschrien war.
-
-
-96. Die sieben Ruten bei Chemnitz.
-
-(Mündlich.)
-
-Ein Teil des Schloßwaldes bei Chemnitz trägt den Namen »Die sieben
-Ruten.« Jeder, der diesen Teil betritt, soll keinen Ausweg finden
-können. Der Sage nach soll hier einst einer besonderen Krankheit wegen
-ein Mann begraben worden sein, der jedem, welcher dies Gebiet betritt,
-den Ausweg verstellt.
-
-
-97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten bei Glößa.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 18.)
-
-Zwischen den Dörfern Auerswalde und Glößa bei Chemnitz liegt ein Wald,
-die sogenannten Sechsruten. In diesem spukt der Schatten eines bösen
-Beamten, welchen die Volkssage den bösen Seidelmann nennt. Er hat
-bei seinen Lebzeiten die ihm Untergebenen übel behandelt und viele
-Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten verübt, wofür er zur Strafe im
-Grabe keine Ruhe findet. Sein spukender Geist führt die Wanderer irre
-und neckt und erschreckt sie durch gellendes Rufen. Niemand in der
-Umgegend weiß, was zu Seidelmanns Erlösung vonnöten ist.
-
- Ein Walddistrikt zwischen Roßleben und Ziegelrode heißt »der Sechse«.
- Auch hier spukte einst in einem Zauberkreise ein dorthin verbannter
- Geist, der sogar Prügel austeilte. (Größler, Sagen der Grafschaft
- Mannsfeld, No. 260.)
-
-
-98. Der Baslerfels bei Platten.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 91.)
-
-Unterhalb der letzten Häuser von Platten, welche an der nach
-Breitenbach führenden Straße liegen, erhebt sich jenseits des Baches
-ein ziemlich hoher, mit dunklen Fichten bewachsener Felsen, der
-allgemein »der Baslerfels« genannt wird. An der Stelle, wo dieser
-Fels emporragt, soll vor so und so viel Jahren ein stattliches Schloß
-gestanden haben, das der reiche Basler bewohnte. Er verdiente in der
-That diesen Beinamen, denn er war der reichste Bergwerksbesitzer in
-der ganzen Umgegend. Allein Reichtum erzeugt nicht selten Hochmut, und
-Hochmut führt leicht zum Fall. Auch Basler, pochend auf seine Gold- und
-Silberschätze, lebte in verschwenderischer Pracht und Herrlichkeit,
-bedrückte über die Maßen die Armen und ließ in frevlem Übermute seinen
-Pferden sogar silberne Hufeisen aufschlagen. Und als er in seiner
-Verstocktheit noch größere Frevelthaten verübte, ereilte ihn die Strafe
-des Himmels. Basler wurde samt der Burg zum warnenden Zeichen für
-alle Zeiten in harten Stein verwandelt. Seit dieser Zeit ist es beim
-Baslerfels nicht richtig.
-
-Drei Bergleute, von denen einer taub war, gingen einmal nach beendigter
-Schicht nach Hause. Als sie bei der unteren Mühle anlangten, da,
-wo sich im Felsen ein Stollen befindet, vernahm der taube Bergmann
-deutlich das Getrabe von Pferden und das Gerassel einer Kutsche und
-machte seine Kameraden darauf aufmerksam. Dieselben sahen fürwahr aus
-dem Stollen eine vierspännige Kutsche herauskommen, doch hörten sie
-diese weder rasseln noch die Pferde traben.
-
-Andere Leute wollen zu einer bestimmten Zeit bei der sogenannten
-Kühbrücke, die sich am Fuße des Baslerfelsens befindet, ein weißes
-Schaf gesehen haben, das manchen bis zu dem bereits oben genannten
-Stollen geführt haben soll.
-
-Neben der Kühbrücke liegt heute noch ein großer Stein, auf welchem
-einst ein Mann, der eine schwere Bürde trug, ausruhte. Während seiner
-Rast schimpfte er gewaltig auf den Baslerwald, weil er sich darin
-verirrt hatte. Wie er vom Steine wieder aufstehen wollte, konnte er
-trotz aller Kraftanstrengung sich nicht in die Höhe erheben. Erst dann,
-als der Mann sein Fluchen bereute, kam er von der Stelle.
-
-Auch führt es Holzleute, die in das Bereich des Baslerfelsens kommen,
-irre, so daß sie erst nach längerem Hin- und Herlaufen wieder den
-rechten Weg gewinnen.
-
-Überdies soll sich im Baslerfelsen ein Hemann aufhalten, der Personen,
-welche sein ihm zugeteiltes Gebiet betreten, so lange herumtreibt, bis
-sie tot zu Boden stürzen.
-
-
-99. Der böse Graf von Wildenfels.
-
-(Mitgeteilt durch Lehrer Günther aus Lößnitz.)
-
-Ein böser Graf von Wildenfels ist einst in ein Pfund Hirse verbannt
-worden. Er muß so lange darin bleiben, bis der Haufen, von dem jedes
-Jahr nur ein einziges Körnchen abfällt, verschwunden ist. Dieser Graf
-ist nämlich bei seinen Lebzeiten sehr unbarmherzig und geizig gewesen.
-Während einer großen Teuerung war ihm das Getreide noch nicht teuer
-genug, daher verkaufte er seine Vorräte nicht. Da kam ihm aber der Wurm
-hinein, der das ganze Getreide durchwühlte. Auch jetzt gönnte es der
-Graf niemandem, sondern ließ es fuderweise in die Mulde schütten. Zur
-Strafe wurde er nach seinem Tode in den Hirse verbannt.
-
-
-100. Der Hirse zählende Verbannte.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
-
-In dem Oberförstergebäude zu Karlsfeld wohnte in früheren Zeiten ein
-reicher Mann, der sehr geizig war. Nach seinem Tode mußte er, an einem
-bestimmten Erkerfenster des Hauses sitzend, zur Strafe für seinen Geiz
-ein Viertel Hirse zählen. Ob er damit fertig geworden und somit erlöst
-ist, weiß die Sage nicht zu melden.
-
-
-101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt um.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 476.)
-
-In der Nähe des Dorfes Wildbach bei Schneeberg liegen auf einem
-Vorberge des Muldenthales die Überreste der Isenburg, welche vielleicht
-eine Art Vorfestung von Schloß Stein war, mit welchem sie durch einen
-unterirdischen, unter der Mulde hinführenden Gang verbunden gewesen
-sein soll. Hier hauste nach der Sage im 14. Jahrhundert ein Raubritter,
-Konrad von Kauffungen, der solche Schandthaten verübte, daß ihm der
-Teufel den Hals brach und sein Geist verdammt ist, bis auf den heutigen
-Tag die Umgegend in Zwerggestalt zu schrecken.
-
-
-102. Der alte Turm in Tanneberg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 38.)
-
-Nahe bei den Rittergutsgebäuden des Dorfes Tanneberg bei Geyer steht
-ein uralter viereckiger Turm. Seine starken Mauern sind noch jetzt an
-dreißig Ellen hoch und von einem Wassergraben umgeben. Viel erzählt man
-von ihm, aber wenig zusammenhängendes.
-
-In uralter Zeit soll einmal ein Graf, der Besitzer dieser Gegend, eine
-große Jagd abgehalten und sich dabei verirrt haben und mit seinem Rosse
-in einen Sumpf gesunken sein. Dem Tode nahe, wäre er noch von den
-Jägern mit Mühe gerettet worden und hätte zum Andenken den Turm erbaut.
-
-Jetzt noch soll in dem Turme der Geist eines der späteren Besitzer
-spuken, aber warum? weiß niemand. Auch wollen alte Holzhauer und
-Bergleute den Baum wissen, wo die Seele dieses unglücklichen Spukers
-eingespündet sein soll. Es wäre sonst ein eiserner Reif um den Baum
-gelegt gewesen, um die Seele recht festzuhalten, aber die Holzdiebe
-hätten zuletzt auch den Reif gestohlen.
-
-
-103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.
-
-(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
-
-Die sogenannte hintere Aue, ein Thal von Dreihansen bis Niederlößnitz,
-war einst mit Wald bewachsen, und in diesem wohnten viele Geister.
-Der Wald wurde nach und nach gerodet, das Thal urbar gemacht und
-die Geister vertrieben. Dieselben kommen aber noch in den warmen
-Sommernächten auf ihre alten Spielplätze und führen ihre munteren Tänze
-das Thal entlang aus.
-
-
-104. Spuk auf dem Braunsteine.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)
-
-Ein altes Weib aus Joachimsthal begab sich einst in den Wald am
-Braunstein, um Beeren zu sammeln. Am Fuße des Berges bemerkte sie einen
-großen steinernen Wassertrog. Verwundert darüber blieb sie stehen und
-sprach halblaut zu sich: So alt ich bin, hab ich weder den Wassertrog
-gesehen, noch etwas von ihm gehört. In Gedanken vertieft, stieg das
-Weib weiter bergauf und erblickte auf einmal auf einem sonnigen Platze
-drei mit reifen Erdbeeren gefüllte Töpfe. Bist du doch nicht allein
-hier, dachte sie bei sich und ging an den Töpfen vorbei, ohne eine
-Erdbeere anzurühren. Kaum hatte sich jedoch das Weib einige Schritte
-entfernt, da vernahm sie hinter sich ein lautes Jammern und Schluchzen.
-Rasch drehte sie sich um. Als sie aber nichts mehr von den Töpfen mit
-den Beeren sah, überkam sie ein solches Grauen, daß sie im Sturmschritt
-über den Abhang des Braunsteins hinunterlief, um in kürzester Zeit aus
-dem Walde zu kommen. Daheim erzählte das Weib, was ihr begegnet war,
-verfiel in eine längere Krankheit, lebte aber noch viele Jahre.
-
-
-105. Spuk auf dem Grauensteine bei Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 63 etc.)
-
-Nach einer Überlieferung soll der Grauenstein ein verwünschtes, durch
-Zaubersprüche unsichtbar gewordenes Schloß sein. Einst veranstalteten
-die nächsten Umwohner eine Prozession, um die am Grauenstein polternden
-Geister und Gespenster zu bannen und zur Ruhe zu bringen. Auf einmal
-hörte man Musik und Gesang in den Lüften, ja noch mehr, ein ganzer
-Schwarm von Geistern kam auf die Herannahenden zu. Erschreckt ergriffen
-die Leute die Flucht, und der Grauenstein ward umsomehr gefürchtet.
-
-Einem armen Bergmanne träumte drei Nächte hinter einander, er solle
-um 12 Uhr des Nachts auf den Grauenstein gehen, er könne das Schloß
-erlösen. Er machte sich auf den Weg, und als er sich demselben näherte,
-hörte er lärmende Musik. Er sah zwei Reiter dahersprengen, die zwischen
-sich ein leeres schmuckes Pferd führten und dem Erschreckten winkten.
-Da sank sein Mut, er kehrte den Reitern den Rücken, und mit Krachen und
-Zischen war alles verschwunden.
-
-Andere Bergleute wollen zur Abendzeit Musik vernommen haben, die sich
-vom Grauensteine gegen die Schwedenschanze gleichsam fortbewegte
-und dort in die Töne des pfeifenden Windes sich auflöste; ja einer
-erzählte sogar, er habe einmal zwischen elf und zwölf Uhr des Nachts
-die erleuchteten Fenster des verwünschten Schlosses gesehen und sie
-gezählt, als er zu dieser Zeit Holz holte.
-
-In dem Thalgrunde, wo jetzt bei Joachimsthal die große k. k.
-Cigarrenfabrik steht, wohnte vor etwa siebzig Jahren ein Mann, mit
-Namen Huß. Als derselbe eines Abends bei mattem Lampenscheine in
-seinem Stübchen saß, klopfte es plötzlich an sein Fenster. Er öffnete
-dieses mit der Frage, wer so spät da sei? »Mach' auf Kamerad!« war die
-Antwort des Klopfenden. Huß hieß ihn in die Stube treten und erkannte
-in dem Ankömmling seinen alten Kriegsgenossen aus Tirol. »Sage mir
-doch, mein Lieber,« sprach Huß, »was Dich in so später Nacht zu mir
-führt?« »Mir hat geträumt«, antwortete der Tiroler, »daß ich nach
-der Bergstadt St. Joachimsthal gehen und das unweit davon gelegene
-verwünschte Grauensteiner Schloß von seinem Zauber befreien soll. Du
-bist in der Gegend bekannt und wirst mir gewiß den Weg zum Grauenstein
-zeigen.« »Diesen Freundschaftsdienst kann ich Dir, Waghals, schon
-erweisen; wir gehen um elf Uhr hinauf,« entgegnete der treuherzige Huß
-seinem ehemaligen Waffengefährten. -- Nachdem beide den freien Platz
-erreicht hatten, der im Volksmunde »Kuhplatz« heißt, hörten sie aus der
-Ferne eine liebliche Musik. Hier blieb Huß stehen, während der Tiroler
-bergauf in der Richtung weiter ging, woher die Wunderklänge drangen.
-Endlich kam er gegen Mitternacht am Grauensteine an und sah auf einmal
-vor sich das verzauberte Schloß, strahlend im wundervollen Lichtglanze,
-wie er sein Lebtag noch keinen gesehen. Furcht und Freude kämpften bei
-diesem Anblicke in seinem Herzen; aber jemehr er sich dem Schlosse,
-dem Ziele seiner Wünsche, näherte, desto größere Schweißtropfen traten
-auf seine Stirn. Schon stand er beim offenen Portale, da kehrte er,
-von Angst und Grauen überwältigt, wieder um; in demselben Augenblicke
-jedoch donnerte und krachte es und im Nu waren die Lichter samt dem
-Schlosse, das noch immer seiner Erlösung harrt, verschwunden.
-
-
-106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.
-
-(Mündlich.)
-
-Fünfzehn Minuten von Platten liegt ein Wald, der Leidenswald genannt;
-in diesem soll vor vielen Jahren ein Mann nach seinem Tode seines
-gottlosen Lebenswandels wegen verbannt gewesen sein. Wenn man früher
-durch diesen Wald ging, hörte man ein leises Glockengeläute; dasselbe
-ist aber verstummt, seit man in dem nahen Platten des Nachts 12 Uhr
-eine Glocke läutet. Die Leute glauben nun, daß damit auch der Verbannte
-im Leidenswalde erlöst worden sei.
-
-
-107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und Zschorlau.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)
-
-Als vor Jahrhunderten im Erzgebirge die Pest wütete, berührte sie
-auch den kleinen Ort Neidhardsthal. Die Leichen wurden auf einem
-Platze zwischen Neidhardsthal und Zschorlau begraben und ein Weg,
-welcher beide Dörfer verbindet, heißt noch heute der Leichenweg. Auf
-demselben sieht man zu Zeiten in der Mitternachtsstunde Gestalten
-ängstlich hin und her laufen, oder man erblickt auch eine Frau mit
-feurigen Augen. Der Begräbnisplatz ist jetzt eine Wiese voller Hügel
-und Löcher; er wird »das Gottesäckerle« genannt. Auch dort will man in
-der Mitternachtsstunde Gewimmer gehört haben. Alte Personen erzählen
-wieder, daß auf diesem Platze die Heiden begraben worden seien, welche
-einst auf dem nahen Steinberge wohnten. Auf dem Gipfel desselben sieht
-man noch jetzt ein Gemäuer und einen ebenen Rasenplatz. Dort sollen sie
-zu ihren Göttern gebetet haben. Das Gemäuer wird von den Bewohnern der
-Umgegend »Kirchel« genannt.
-
-
-108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße.
-
-(Mitgeteilt von Heinr. Weißflog aus Raschau.)
-
-Zwischen Mitweide bei Schwarzenberg und dem nördlich davon gelegenen
-Dorfe Schwarzbach befindet sich eine alte, nach dem Städtchen
-Scheibenberg führende Marktstraße, die Ämmlerstraße genannt. Dieselbe
-soll ihren Namen von einem früheren Bergherrn Ämmler haben, auf dessen
-Rat sie angelegt wurde. Von dieser Straße nun wird gar Schauriges
-erzählt. So soll daselbst des Nachts 12 Uhr, wenn alles recht ruhig
-ist, ein Leichenzug zu sehen sein, und den ihn begleitenden Gesang
-hört man über sich in der Luft. Dieser Gesang soll überaus lieblich
-klingen, so daß schon manche wie bezaubert stehen geblieben sind und
-gelauscht haben. Wer aber darauf hört, dem wird es verderblich, denn er
-findet seinen Weg nicht mehr. Erst wenn man irgend ein Kleidungsstück
-umwendet, so soll man sich wieder zurecht finden.
-
-Auf der Ämmlerstraße soll auch in stürmischen Nächten das wilde Heer zu
-sehen sein. Neben dem »Hussa!« der vorüberjagenden Reiter hört man dann
-aber auch eine schöne, himmlische Musik.
-
-
-109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.
-
-(Nach der poet. Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K. S.,
-No. 238.)
-
-In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dorf Dittersdorf ist auch
-das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, welches früher nur ein einziges
-Vorwerk war, zu dem der ohnweit davon im Grunde gelegene Eisenhammer,
-jetzt die Herrenmühle, gehörte. Beide Grundstücke waren vor langen
-Jahren im Besitz eines gewissen Pessel, der ein zwar reicher, aber
-ebenso habsüchtiger Mann war, dem alle Mittel recht waren, wenn sie nur
-zur Vergrößerung seines Mammons dienten. Einst ging derselbe in der
-Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt war, zur Kommunion
-und sah, wie der Lauensteiner Schösser ein funkelnagelneues Goldstück
-als Opferpfennig auf den Altar legte. Da gab ihm der Teufel den bösen
-Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen; er wartete also,
-bis alle übrigen Kommunikanten an den Altar getreten waren, und als
-er nun als der letzte hinzutrat, um die Hostie zu empfangen, stahl
-er mit gewandter Hand das Goldstück vom Altare herab. Der Geistliche
-hatte jedoch den Frevel bemerkt, und als nun Pessel auf der anderen
-Seite des Altars den Kelch empfangen sollte, zog jener ihn zurück,
-verkündete öffentlich seine Schandthat und verfluchte ihn. Pessel
-wankte nach Hause, allein der Schreck und die Reue warfen ihn aufs
-Krankenbett, von dem er nicht wieder aufstand. Als nun aber einige Tage
-darauf in früher Morgenstunde ihn seine Hammerknechte nach Liebenau zu
-Grabe trugen, überraschte sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein
-plötzliches Donnerwetter; sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese
-hin und flüchteten in die im Grunde gelegene Mühle. Als nach einem
-furchtbaren Donnerschlage das Gewitter sich verzogen hatte und sie aus
-der Mühle heraustraten, um den Leichenkondukt wieder fortzusetzen, war
-der Sarg spurlos verschwunden und man glaubte, daß der Teufel denselben
-samt dem Inhalte entführt habe. Seit dieser Zeit aber erblickt man
-jede Mitternacht den Schatten des alten Pessel, der nach der Mühle zu
-umherirrt und mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und sie
-bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam aber auch
-die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte mehr dort mahlen
-lassen und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe, woher es kam, daß sie
-bald von ihren Bewohnern verlassen ward und als Ruine für ewige Zeiten
-von dieser schauerlichen Geschichte Kunde giebt.
-
-
-110. Die Erlösung.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 99.)
-
-Auf einer Wiese am Abhange des Plattenberges bei Platten sah man vor
-längst entschwundenen Jahren öfters einen Mann umherwandeln, der
-auf der Achsel einen Grenzstein trug und schrie: »Wohin soll ich ihn
-setzen?« Das war ein gespenstischer Mann, der zu Lebzeiten, um seinen
-Besitz zu vergrößern, den Rainstein auf der Wiese zum Nachteile seines
-Nachbarn verrückte und deshalb zur Strafe für diese ungerechte Handlung
-so lange herumirren mußte, bis ihn jemand erlösen würde. Als an einem
-Abende einen Bürger aus Platten der Weg über diese Wiese führte, stand
-plötzlich der verwünschte Mann mit seinem Steine vor ihm und rief in
-kläglichem Tone: »Wohin soll ich ihn setzen?« Gefaßt erwiderte der
-Angesprochene: »Trag ihn hin, woher Du ihn genommen hast!« Diesen
-Worten folgte ein Blitz und Donnerschlag und der Mann mit dem Steine
-war verschwunden; man hat ihn auch seitdem nie wiedergesehen.
-
-
-111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 31.)
-
-Vor hundert und mehr Jahren lebte zu Joachimsthal ein ehrsamer
-Fleischhauer, der in einem Schlick'schen Hause wohnte. Eines
-Abends befahl er seinem Gesellen, des anderen Tages in aller Frühe
-zu Dorfe zu gehen, weil er dringend Schlachtvieh benötigte. --
-Der Fleischerbursche, welcher seinem Herrn mit größter Treue und
-Pünktlichkeit diente, hatte auf seinem Nachtlager keine Ruhe und
-Rast und machte sich, da der Mondschein so freundlich zum Wandern
-einlud, schon um die elfte Stunde auf den Weg. Dieser führte an dem
-auf dem steilen Schloßberge gelegenen Schlosse Freudenstein vorüber,
-dessen wiederhergestellte Türme noch heute auf der Westseite der
-Stadt Joachimsthal stolz in die Luft ragen. -- In dem Augenblicke,
-als der Bursche daselbst seine Schritte vorbei lenken wollte, geriet
-er in einen tiefen grubenähnlichen Gang, den er vorher nie bemerkt
-hatte, und stand plötzlich in einem prachtvoll erleuchteten Saale, in
-welchem viele vermummte Ritter waren. Dieselben unterhielten sich mit
-Kegelspiel, wobei sie mit silbernen Kugeln schoben, schritten aber
-sofort auf den Fremdling, der wie Espenlaub zitterte, mit freundlichem
-Gruße zu und luden ihn zum Spiele ein. Jedoch erst auf wiederholtes
-Drängen nahm der erschrockene Fleischerbursche eine Kugel, die aus
-purem Silber war, in die Hand, schob und -- traf alle neun, was die
-Ritter über die Maßen sehr erfreute. Beim zweiten Ausschub traf er
-gleichfalls alle neun Kegel. Wie er nun über abermalige Aufforderung
-zum dritten Male sein Glück versuchen wollte, schlug gerade die Uhr auf
-dem nahen Stadtturme zwölf, und alles war verschwunden. Der Geselle
-aber befand sich, ohne einen Gang zu sehen, auf demselben Platze, wo
-er früher seinen Weg fortsetzen wollte; er glaubte geträumt zu haben,
-allein die Silberkugel, die er noch in der Rechten hielt, belehrte
-ihn, daß alles Wirklichkeit gewesen. -- Voll Entsetzen und Grausen
-eilte er beflügelten Schrittes nach Hause und erzählte seinem Herrn das
-seltsame, unheimliche Erlebnis. Da ihm derselbe jedoch keinen Glauben
-beimessen wollte, zeigte er als Wahrzeichen seiner Aussage die silberne
-Kegelkugel, durch welche beide, Meister und Geselle, reiche Leute
-wurden.
-
- Derartige Sagen von kegelschiebenden Geistern oder dämonischen
- Wesen finden sich noch an zahlreichen Orten. Ein Ziegenhirt setzt
- auf dem Kyffhäuser Kegel auf, nach denen 12 ernste Ritter schieben.
- Er war während dessen 20 Jahre aus seinem Dorfe abwesend und
- niemand wollte ihn daselbst anfangs kennen. Auch ein Sängerchor aus
- Kelbra sah auf dem Kyffhäuser eine Gesellschaft, welche sich am
- Neujahrsmorgen daselbst mit Kegelschieben vergnügte. Der einem von
- ihnen geschenkte Kegelkönig verwandelte sich unten am Berge in Gold.
- (O. Richter, deutscher Sagenschatz, I. No. 5 und 10.) Im Hausberge im
- Mannsfeld'schen schieben verzauberte Herren Kegel. (Größler, Sagen
- der Grafschaft Mannsfeld No. 60.) Mit goldenen Kegeln und Kugeln
- spielen stattliche Herren in der Dämmerung oder des Nachts in den
- Ruinen der Neu-Habsburg in Luzern und auf einem langen waldigen
- Hügel zwischen Sargans und Wallenstad. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S.
- 43 und 44.) Eine Kugel, mit welcher auf dem Löbauer Berge Zwerge
- Kegel geschoben hatten, verwandelte sich in Gold; auf dem Oderwitzer
- Spitzberge dagegen waren es Riesen, die mit 6 goldenen Kugeln nach
- 9 goldenen Kegeln schoben. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 29 und 91.)
- In den Gewölben der Ruine Schauenforst soll ein goldenes Kegelspiel
- vergraben sein. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 230.)
-
- Schönherr hat vermutet, daß alle diese Sagen von kegelschiebenden
- Geistern Nachklänge von dem heidnischen Himmel, dem Asgard,
- sind, in welchem die Götter friedlich mit goldenen Tafeln und
- Würfeln spielten, »und wenn nach der Götternacht die goldene Zeit
- wiederkehrt, werden sie wieder mit goldenen Tafeln werfen auf dem
- Idafelde.« (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 76.) Nach
- Anderen soll das Kegelspiel die fallenden und aufstehenden Kämpfer
- bei den allabendlichen Spielen der Einherien in Walhalla bedeuten,
- nach Nork aber stelle die goldenen Kugeln Gestirne vor. In der
- Annaberger Kirche soll sich ein Gemälde befinden, auf welchem
- kegelschiebende Engel abgebildet sind. (Haupt, Sagenbuch d. L. No.
- 91.)
-
- Wenn nach der Sage im Kyffhäuser der deutsche Kaiser Friedrich mit
- seinen Knappen Kegel spielt und in der Johannisnacht ein Hirte, der
- dazu kam, einen silbernen Kegel oder nach andern Überlieferungen
- eine Kugel erhielt, welche zu Gold wurde, so erinnert dies an den
- gütigen Wuotan, der alle Wünsche erfüllen konnte. Auf ihn weist auch
- unsere Sage hin. In der deutschen Mythe ist das Kegelspiel jedoch
- auch ein Sinnbild des Donners. In der Mark Brandenburg sagt man beim
- Rollen des Donners: »Der liebe Gott kegelt.« Obschon nun Donar die
- eigentliche Gewittergottheit ist, so herrscht doch auch Wuotan oder
- Odhin im Gewittersturme.
-
-
-112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863, S. 104.)
-
-Ein Abt des Klosters Ossegg war der im Munde des Volkes noch
-fortlebende Hieronymus Bösneker. Unter den vielen Gerüchten, die von
-ihm verbreitet sind, ist folgendes das erheblichste. In einer Nacht,
-als der Nachtwächter der Abtei die Klosterhöfe durchwandelte, klopfte
-es an den Thoren und herein kam der erst verstorbene Abt Hieronymus.
-Da sich diese Erscheinung wiederholte, meldete er es am gehörigen
-Orte, wo man ihm seine Furcht zu benehmen suchte und zugleich dem
-Nachtwächter die Weisung gab, sollte ihm dies Gesicht noch einmal
-erscheinen, so möchte er sogleich zu dem Nachfolger im Vorsteheramte
-eilen. Beruhigt betrat der Hüter wieder seinen Posten. Um Mitternacht
-pochte es abermals am Thore gegen Herrlich. Das Thor öffnete sich
-und herein zogen vier schwarze Rosse schnaubend eine Kalesche, worin
-sich der Verstorbene befand. Auf das Rufen des Nachtwächters kam der
-damalige fromme und gottesfürchtige Prälat Cajetan im Ornate, ganz wie
-er beim Altare erscheint, herbei. Der Mann trat ab und es entspann sich
-zwischen dem furchtbaren Gaste und ihm ein Gespräch in lateinischer
-Sprache. Alsbald führte der fromme Cajetan seine Begleiter durch die
-Thür im Sommersalon, der schon vorbereitet war, hinaus in den Garten,
-und man sah durch die Lindenallee nach Herrlich wieder die greuliche
-Gestalt dahinfahren. Diese Allee wurde von dem Wiedererschienenen
-angelegt. Bald nachher entstand ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug
-in eine Linde dieser Allee und die Krone kam in die Erde, die Wurzel
-aber oben zu stehen und seit dieser Zeit war nichts mehr zu sehen und
-zu hören. Der Enkel jenes Nachtwächters Woitzendörfer ist ein Mann von
-70 Jahren und lebt als Lehrer in Rathschitz.
-
- In Zittau jagt ein gespenstischer Ratsherr des Nachts um 12 Uhr in
- einem schwarzen, von dergleichen Rossen gezogenen Wagen durch die
- Straßen der Stadt. Ähnliches erzählt man von Görlitz, Köln, Bremen
- und a. O. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 154 und 155.) Der gespenstische
- Baron Hußmann von Tachau fährt in einem feurigen Wagen, der von vier
- schwarzen Pferden gezogen wird. (Grohmann a. a. O. S. 101.) Der Wagen
- ist der Höllenwagen oder die Höllenkutsche. Die Todesgöttin Hel
- führte die Seelen der Verstorbenen auf einem schwarzen Wagen, der ein
- Gegenbild vom Wagen Wuotans ist, in die Unterwelt.
-
- Wie in unserer Sage der Geist eines Verstorbenen in einem Wagen
- wieder auf der Erde erschien, so läßt der Volksglaube in manchen
- Gegenden die Toten auch in einem Wagen abholen. In Komotau heißt es
- mit Beziehung auf diese Vorstellung in einem Volksliede:
-
- »Auf der Brücke steht ein goldner Wagen,
- Wird mich und dich in Himmel tragen.«
-
-
-113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.)
-
-Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe unter
-Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche die armen
-Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte, dasselbe
-aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu und Kleie war und
-in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich beklagten und über das
-ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz: »Ei, meine Gottesgaber
-Säue könnens schon fressen!« Als sie aber gestorben war, ist sie oft
-wiedergekommen und hat den Mann geplagt. So oft der Müller seine Säue
-fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische Sau mit zugelaufen und
-hat samt den andern aus dem Troge gefressen.
-
-
-114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.
-
-(Mündlich.)
-
-Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen Zeiten
-des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten
-demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt stehen bleiben;
-nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich führte, konnte
-ungehindert seines Weges ziehen.
-
-
-115. Der Kirchenbau in Pritschapel.
-
-(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
-
-Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt sich ein
-nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen Gipfel
-noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im Juli
-1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von ihr
-gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche
-gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein
-Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber der
-Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine,
-Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf dem Gipfel
-des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf, wie das
-zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate und führte
-die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In der Nacht darauf
-tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute nach dortiger Sitte
-aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen über den Himmel
-dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig großes, sehr schönes
-weißes Maultier gesehen haben, das die Baumaterialien den Berg wieder
-hinauftrug. Man sah dies als einen Wink Gottes an, und die Kirche wurde
-auf dem Gipfel des Berges erbaut.
-
- Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877,
- S. 77 meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den
- Tempelbauversuchen nach der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu
- denken. Das weiße Maultier erinnert vielmehr an das weiße Roß Odhins
- oder des slavischen Gottes Swantowit, oder an die weissagenden Rosse,
- welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven besessen
- haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom
- weißen Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom
- Schafberge, auf welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen
- wollte, hinab ins Thal trug, so daß nun hier die Anlage der Stadt
- erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 189.)
-
-
-116. Der große Bergsturz zu Altenberg.
-
-(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430--32.
-Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.)
-
-Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu Altenberg
-der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon dadurch der
-größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden ist, so ist es
-doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so abgegangen, daß
-nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und tiefer einging, sowie
-vier Zechen und ein Schacht verfielen und des Bergschmieds Wohnhaus
-versank. Die meisten Bergleute sind glücklich gerettet worden, obschon
-sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne Speise in der Tiefe ausharren
-mußten. Nur ein alter Bergmann von 79 Jahren, mit Namen David Eichler
-(oder Siemon Sohr), ist nicht zu finden gewesen, auf welchem die
-meiste Schuld hernach sitzen geblieben, weil er nämlich aller Warnung
-ungeachtet, alle Bergvesten, d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze
-der Decken stehen läßt, nach und nach weggehauen habe. Derselbe soll
-auch sonst ein gottloser Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne
-Gebet und in Teufels Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden
-Klagereime sind aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld
-gewesen; sie lauten also:
-
- »Ich George Frölich der Alte,
- ich wolt übern Bergwerck halte,
- es wolt aber gar nicht seyn.
- sondern die Gottlosen fuhren hinein,
- und rissen die Berg-Vesten ein,
- das ist bewust der ganzen Gemein.«
-
-Das Unglück aber ist nicht ohne Warnung von oben geschehen, denn
-man hat einige Zeit vorher, wenn die Bergleute früh zwischen 4 und
-5 Uhr im Zechenhause ihr Gebet vor dem Einfahren abgewartet hatten,
-wahrgenommen, daß ein weißes Pferd im vollen Lauf von oben bis zum Ende
-der Binge sprang und alsbald verschwand. Man hat dies auch für eine
-Warnung angesehen, weil zuvor viele vor dem gemeinschaftlichen Gebet
-eingefahren, den das Gebet versäumenden Bergleuten zwei Groschen von
-ihrem Lohn für arme Leute abgezogen, wovon dann das sogenannte Aufrufen
-gekommen ist. Im Jahre 1729 hat man, als man das damals Eingestürzte
-wieder aufzuarbeiten suchte, was jedoch nicht gelungen ist, eine alte
-Bergmütze von Filz gefunden, die man für die Fahrmütze jenes Eichler
-gehalten hat.
-
-
-117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und Komotau.
-
-(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 14.)
-
-Die Straße zwischen Udwitz und Komotau durchschneidet eine Gegend,
-in der bei Nacht Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben und den
-Vorübergehenden oder Fahrenden allerlei Schabernack spielen. So
-spukte während einer längeren Zeit daselbst ein schwarzer Hund, der
-gleichsam auf der Lauer lag und der, sobald sich ein Bauer mit seinem
-Fuhrwerke näherte, auf dessen Wagen sprang. Der Bauer konnte sich
-anstrengen und machen, was er wollte, er mochte dem Hund zurufen oder
-ihm Peitschenhiebe versetzen, um sich desselben zu entledigen, alles
-umsonst, der schwarze unheimliche Gast blieb liegen, bis der Bauer die
-sogenannte St. Josephsstatue passiert hatte; dann war sein Begleiter
-verschwunden.
-
-Einmal mußte ein Bauer um die Mitternachtsstunde mit seinem Wagen
-den Weg passieren. Da gewahrte er plötzlich den schwarzen Hund, der,
-als er näher kam, mit einem Sprunge auf dem Wagen war. Der Bauer
-wurde leichenblaß; er bebte und zitterte an allen Gliedern, nahm die
-Peitsche, schlug nach dem Hunde und fing an entsetzlich zu schimpfen;
-allein das unheimliche Tier rührte sich nicht. Da der Bauer einsah,
-daß er im Bösen nichts ausrichte, fing er an zu beten und zu seiner
-Überraschung wurde der Hund auf einmal halb weiß, blieb aber immer noch
-liegen. Jetzt wußte sich der schlichte Bauer keinen Rat mehr; er rief
-nun mit lauter Stimme: »Lieber Herrgott, laß mich doch nur wissen, was
-dieses Höllentier von mir will!« Sobald er diese Worte gesprochen,
-wurde der Hund ganz weiß und verschwand, und eine Stimme rief dem
-Bäuerlein zu: »Tausend Dank! Du hast meine arme Seele erlöst und mich
-von meinem Leid befreit!«
-
-Im Jahre 1867 ging am heiligen Weihnachtsabende ein mutiges Bürschchen,
-das bei einem Görkauer Meister in der Lehre stand, heim zu seinen
-Angehörigen nach Komotau. Furchtlos schritt der Jüngling vorwärts.
-Ein kalter Frost wehte ihn an, lautlose Stille herrschte ringsum, nur
-unterbrochen von dem Knirschen des Schnees. Schon hatte er Udwitz
-hinter sich; da, kaum noch 100 Schritte von der St. Josephsstatue
-entfernt, erblickt er den schwarzen Hund, dessen feurige Augen wohl
-auch dem Beherztesten Schrecken eingejagt hätten. Halbtot schleppte
-sich der arme Junge weiter, kein Auge von dem unheimlichen Begleiter
-wegwendend. Da griff er plötzlich in die Tasche, zog sein Messer heraus
-und stach auf die Bestie los. Zwar schwang der Arm das Messer, ein
-Schwefelgestank verbreitete sich, aber -- ruhig schritt das Tier wieder
-neben dem Wanderer einher. Kalter Angstschweiß bedeckte die Stirn des
-armen Knaben; schon glaubte er, sein letztes Stündlein sei gekommen. Da
-faltete er die Hände und fing an zu beten. Kaum hatte er ein Vaterunser
-geendet, so war auch das Untier verschwunden. Bleich und verstört kam
-der Ärmste bei den Seinen an. Längere Zeit hindurch mußte er das Bett
-hüten.
-
- In den frühesten Zeiten hat der Hund wohl allen Ariern als ein
- den Göttern geheiligtes und darum mit der Gabe der Weissagung
- ausgestattetes Tier gegolten. Später wurde er Hüter der Unterwelt
- und galt dann als Tod- und Unglücksverkündiger. Der eine von den
- beiden »Wege bewachenden« Hunden, welche nach der indischen Sage
- dem Todesgotte Yama beigesellt sind, ist der schwarze Sarameya, der
- die Sterbenden heimsucht. Auch die griechische Mythe weiß von einem
- Höllenhunde und geistersichtigen Hunden wie die germanische Sage.
- Nach letzterer wittern es auch die Hunde der Sterblichen, wenn die
- Nornen und Walkyren ausgesandt werden, oder wenn die Pestseuche
- naht. Odhin und seine Walkyren werden von einem Hunde begleitet.
- Gespenster erscheinen als Hunde, so z. B. der holländische Nachtgeist
- Lodder, welcher seinem Namen nach dem Bruder Odhins und Mitschöpfer
- der Menschen, Lothur, entspricht. (Rochholz, deutscher Glaube und
- Brauch I., S. 101.)
-
-
-118. Der feurige Hund bei Graslitz.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 236.)
-
-Auf dem Schönauer Berge bei Graslitz soll in der Nacht ein Hund herum
-gehen, mit einer brennenden, feurigen Zunge. Derselbe soll den Leuten,
-besonders Mädchen auf den Rücken springen und sich dann eine Strecke
-forttragen lassen.
-
-
-119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.
-
-(Mündlich.)
-
-Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün und Pöhla
-sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit glühenden Augen
-und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen.
-
- Das Erscheinen weißer Tiere gilt als Tod verkündend. Wahrscheinlich
- hat sich diese Prophezeihung ursprünglich auch mit dem Erscheinen
- der beiden weißen Pudel, so wie eines weißen Widders und Schafes
- in den beiden folgenden Sagen verknüpft. Die Bewohner der Glarner
- Alpen sprechen, wenn ein Gemsenjäger in der Wildnis umkommt, er
- habe eine weiße Gemse gesehen, und ebenso verkündet auch nach einem
- Volksglauben in der Lausitz und in Böhmen ein weißer Schmetterling
- den Tod. Vielleicht hängt damit auch die weiße Trauerkleidung der
- Slaven zusammen. Rochholz (deutscher Glaube und Brauch I., S.
- 138.) vermutet, daß eine Zeit bestanden haben müsse, in welcher
- das Kennzeichen von Trauer und Freude durchgehend die weiße Tracht
- gewesen sei, da letztere ursprünglich »ein feierliches ins Leben
- treten und ein unergründliches Geheimnis des Wiederverschwindens«
- bezeichnete.
-
-
-120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen bei Schneeberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen.
-Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner von Aue mit Panduren
-gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf ihm zuweilen des Nachts ein
-weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen.
-
-
-121. Gespenstisches Schaf bei Wildenfels.
-
-(Mündlich.)
-
-Bei dem nahe am Weinberge gelegenen Gottesacker zu Wildenfels soll
-sich zu nächtlicher Stunde früher ein weißes Schaf haben sehen lassen,
-welches die Vorübergehenden erschreckte.
-
-
-122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer G. Günther aus Lößnitz.)
-
-In der Nähe der bei Niederschlema über die Mulde führenden Eisenbrücke
-stand vor Jahrhunderten und noch ehe Schneeberg gegründet wurde, ein
-Eisenhammer. Auch wurde das Eisenerz, welches damals am Schneeberge
-gegraben ward, über die alte Brücke nach Lößnitz gefahren, um es
-daselbst auf der Ratswage wiegen zu lassen. Die Brücke war mit einem
-Dache versehen und deshalb sehr dunkel, und weil außerdem auf beiden
-Seiten der Mulde bis an das Ufer finstere Waldungen waren, wurden an
-dieser damals schauerlichen Stelle viele Greuelthaten verübt. Unter
-andern wurde daselbst auch ein Mann erschlagen, welcher einen schwarzen
-Pudel mit sich führte. Dieser Pudel ist dann noch nach langen Jahren
-bei der Brücke gesehen worden, seinen Herrn suchend, und darauf ist er
-jedesmal plötzlich wieder verschwunden.
-
-
-123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.
-
-(Mitgeteilt durch Sem. Paul Mothes aus Bockau.)
-
-Auf dem Hemberge bei dem Bergflecken Bockau ist ein bestimmter Kreis,
-in welchem ein schwarzer Hund haust. Wer sich in diesen Kreis verirrt,
-der sieht den Hund und trägt jedesmal eine Krankheit davon.
-
-
-124. Der schwarze Hund in Grünthal.
-
-(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)
-
-Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern in
-Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst ein
-großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere
-auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden
-Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe
-Landesgrenze verfolge.
-
-
-125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.
-
-(Mitgeteilt von Ernst Michael in Niederhaßlau.)
-
-An der Straße von Bockwa nach Niederhaßlau, auf der sogenannten »Köppe«
-oberhalb des neuen Bockwaer Friedhofes, soll sich öfters um Mitternacht
-ein schwarzer gespenstischer Hund sehen lassen, der entweder neben den
-ihm Begegnenden ein Stückchen hinläuft und dann plötzlich verschwindet,
-oder auch sich diesen eine Weile in den Weg stellt und sie im
-Weitergehen hindert. Den oder jenen soll er zuweilen auch genötigt
-haben den Straßendamm hinabzuspringen, wohin er darauf selbst gefolgt
-ist, um in den nahen Muldengebüschen, von woher er zumeist gekommen
-war, sich zu verlaufen. -- Von den letzteren ist bekannt, daß sich
-darin etliche Personen erhängt, ebenso, daß in dem daneben rauschenden
-Muldenwehre mehrere Lebensüberdrüssige ihren Tod gesucht und gefunden
-haben.
-
-
-126. Der Walkpudel.
-
-(Mündlich.)
-
-Auf dem Walksteige zwischen Dippoldiswalde und Ulberndorf läßt sich
-zuweilen ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen, den die
-Umwohnenden Walk- oder auch Waldpudel nennen.
-
-
-127. Der Hüttenmops.
-
-(Mündlich.)
-
-An dem Huthause bei Ober-Karsdorf oder beim Stollen an der Naundorfer
-Brücke sind schon viele von einem gespenstischen Hunde, welcher der
-Hüttenmops heißt, erschreckt worden. Der Hüttenmops erscheint auch in
-Olbernhau, Oberneuschönberg, Rothenthal, Grünthal und Umgegend. Er
-heißt dort meist »Hüttenmatz« oder »Hüttenmutz«, und die ihn gesehen
-haben, beschreiben ihn als einen großen, schwarzen Pudel mit feurigen
-Augen, der des Nachts umherstreicht, ja zuweilen sogar auf Bäumen
-angetroffen wird. Gesagt wird weiter, daß der Hüttenmops ein böser
-Geist sei. Einst ist er einem ruhig dahinschreitenden Fleischer auf
-den Rücken gesprungen, und trotz allen Schüttelns, Betens und Fluchens
-konnte ihn der Mann nicht wieder herunterbringen, bis er vor seiner
-Thür angelangt war, wo das Gespenst mit einem höhnischen Schrei
-verschwand. Der Fleischer aber starb nach drei Tagen.
-
-Auch auf der Straße zwischen Freiberg und Erbisdorf ließ sich früher
-der Hüttenmops in Gestalt eines riesenhaften Pudels mit feurigen Augen
-sehen. Man hielt ihn für einen verwandelten Bergbeamten, der ohne Rast
-von Grube zu Grube wandern mußte. (E. H. Müller, Beschreibung der
-Bergstadt Brand, S. 4.)
-
- Gespenstische Hunde sind meist Tod oder Unheil verkündend, auch wenn
- ihnen die Sage nicht ausdrücklich die prophetische Gabe beilegt. Wenn
- des Nachts vor seinem Hause ein Hund heult, so sagt man in Schleswig:
- die Hel ist bei den Hunden, d. h. Hunde wittern die umziehende Pest.
- Letztere aber wird mit einem Feuer verglichen, das als blaue Flamme
- erscheint. Damit hängt nun jedenfalls wieder der Glaube zusammen,
- daß der Hund eine Feuersbrunst anzeigt. (Rochholz, Deutscher Glaube
- und Brauch, I. S. 159.) Im Erzgebirge sagt man: Heult ein Hund mit
- erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt er den Kopf dabei, so
- stirbt jemand.
-
- Sich den Menschen aufhockende gespenstische schwarze Hunde kennt auch
- die slavische Sage. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 330.)
-
-
-128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 471.)
-
-An der Frankenberger Straße, die nach Chemnitz führt, steht in einem
-Dorfe ein schöner neugebauter Gasthof, in dem kein Besitzer lange
-bleibt, denn da läßt sich am Tage und des Nachts ein Hase sehen, der
-überall neben dem Hausherrn herläuft, allerdings ohne ihm etwas zu
-thun, für alle anderen aber unsichtbar ist.
-
-
-129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.
-
-(Nach Liberius Veridicus, Unmaßgebliche Gedanken von den Dittersbacher
-Vögeln. Frankenberg 1707, bei Gräße a. a. O., No. 588.)
-
-Im Monat Oktober des Jahres 1706 entstand des Nachts eine große
-Feuersbrunst in dem bei Frankenberg gelegenen Dorfe Dittersbach. Bei
-derselben versammelten sich wilde Enten, wilde Gänse, Quäker, Kiebitze,
-Sperber, Eulen, Lerchen, Rotkehlchen u. s. w. und gegen Morgen kamen
-Raben und Krähen dazu und machten ein gräßliches Geschrei. Die Vögel
-flogen um das Feuer herum, viele verbrannten, viele aber wurden
-gefangen. Weil man sich aber den Grund dieser Vögelversammlung nicht
-denken konnte, ist vom Gerichtsamte am 6. November eine Registratur
-hierüber aufgenommen und an die sächsische Regierung eingeschickt
-worden.
-
-
-130. Das Schindergründel bei Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 49.)
-
-In der Joachimsthaler Gegend hauste früher ein gewisser Schinderhans,
-von welchem man manches drollige Märchen erzählt; dem Volksglauben nach
-soll er mit dem Teufel im Bunde gewesen sein.
-
-Ein anderer Räuber hieß Schwabenkunert; dieser verstand die Kunst,
-verschiedene Gestalten anzunehmen.
-
-Beide wurden nach Verübung vieler Unthaten am Galgenberge gehängt;
-als dort vor einiger Zeit Steine gebrochen wurden, fand man noch ihre
-Skelette. Als man diese herausnahm, reichten sich die zwei Galgenvögel
-die Hände.
-
-Auch geschah einst im Schindergründel ein Mord; als ein Fuhrmann später
-über diese Stelle fuhr, bemerkte er zu seinem Entsetzen rückwärts am
-Wagen einen großen schwarzen Hund; er hieb ihn mit der Peitsche, aber
-siehe da, der Hund wurde viermal größer, und erst als der Fuhrmann aus
-dem Schindergründel kam, verschwand der Hund, der Fuhrmann aber starb
-nach einer kurzen Zeit. -- Auch war das Schindergründel berüchtigt als
-Aufenthaltsort vieler Diebe und Räuber.
-
-
-131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.
-
-(Mündlich.)
-
-Als vor einigen Jahrhunderten viel falsches Geld von Österreich nach
-Sachsen geschafft wurde, kamen auch mit solchem Gelde einige Fuhrleute
-in die Nähe von Blauenthal, da wo sich am linken Ufer der Bockau die
-sogenannte Steinwand erhebt. Es kam ein schweres Gewitter und die
-Fuhrleute suchten deshalb Schutz unter einem überhängenden Felsen.
-Da das Unwetter lange anhielt, so vertrieben sie sich die Zeit mit
-Kartenspiel. Plötzlich fuhr ein Blitz nieder, ein schwerer Donnerschlag
-folgte und die Felsenhöhle mit den darin sitzenden Männern war im
-Nu verschwunden. Die stehengebliebenen Wagen wurden nach Eibenstock
-gebracht. An gewissen Tagen lassen sich nun in der Nähe der Steinwand
-Spukgespenster sehen. So kam einst wiederholt des Nachts ein weißer
-Hase. Ein Arbeiter des Hammerwerks schlug nach ihm und rühmte sich
-dann, er habe ihm eins ausgewischt. Aber in der folgenden Nacht fand
-man den Mann tot.
-
-
-132. Die Puppe von Brand.
-
-(E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, 1858, S. 119 etc.)
-
-An die ältere Geschichte des Gasthofes zum Erbgericht in Brand knüpft
-sich folgende Sage:
-
-In früheren Zeiten war eine wohlhabende Witwe im Besitze dieses
-Erbgerichts. Dieselbe übertrug den ganzen Reichtum ihrer Liebe auf
-ihre siebenjährige Tochter, und an einem Weihnachtsfeste wollte sie
-derselben eine seltene Freude bereiten und schenkte ihr eine Puppe, die
-mit der Tochter von fast gleicher Größe war. Als aber das Töchterchen
-die Puppe erblickte, zeigte es mehr Furcht als Freude, und auch an dem
-folgenden Tage mochte das Kind die Puppe nicht sonderlich anschauen,
-vielmehr wurde es krank und starb noch in den 12 Nächten an dem bösen
-Scharlachfieber. Als einen Ersatz ihres geliebten Töchterchens nahm nun
-die Witwe die Puppe zur Hand, kleidete sie an mit den Gewändern der
-Verstorbenen, ließ sie neben sich auf einem besonderen Stuhle sitzen,
-setzte ihr Speisen und Getränke vor und sprach mit ihr wie mit einem
-Kinde. Eine Magd mußte die Puppe aus- und anziehen und regelmäßig
-ins Bett bringen. Ja die Frau ging allen Ernstes mit dem Plane um,
-einen Hauslehrer für ihren Liebling zu berufen, als der Tod ihrem
-wunderlichen Treiben ein Ende machte. Seltsame Gerüchte verbreiteten
-sich über ihr Dahinscheiden; feierlich wurde sie zur Erde bestattet und
-mit Grauen gedachte man der Puppe, die still in ihrer Lade lag.
-
-Allein nach dem Begräbnisse der Hausmutter hatte dieselbe keine Ruhe
-mehr; in nächtlicher Weile stand sie auf, suchte ihre Kleider, die der
-neue Besitzer an sich genommen, und lief im ganzen Hause umher, so daß
-jeder Einwohner sich in der Nacht nicht getraute, über die ängstlich
-verschlossene Kammer zu schreiten. Selbst an Sonn- und Festtagen, wenn
-sich das junge Volk durch Spiel und Tanz ein Vergnügen bereitete,
-trippelte sie hinter den kräftigen Bergburschen und den rotwangigen
-Mädchen her, so daß man anfangs floh, später aber, an die Erscheinung
-gewöhnt, sich nicht sonderlich mehr stören ließ. Der Wirt aber nahm
-sich ernstlich vor, dem Spuk ein Ende zu machen. In St. Michaelis
-wohnte nämlich in einem einsamen halbverfallenen Häuslein eine alte
-triefäugige Frau, von der man behauptete, es sei nicht ganz richtig mit
-ihr, auch habe man in ihrer Stube einst ein Geschöpf, einer Fledermaus
-ähnlich, bemerkt. Sie wurde nur die Haldenhexe genannt. An diese Person
-wandte sich der Wirt in seiner peinlichen Lage, und sie versprach
-unter seltsamen Geberden die Puppe in der Lade. Allein die Geschichte
-scheint nicht geholfen zu haben, vielmehr rumorte die Puppe mehr als
-je, und es schien ihr gar nicht in der zugenagelten Lade zu gefallen.
-Kurze Zeit darauf kam auch das letzte Stündlein der Hexe und sie starb
-eines rätselhaften Todes. In seiner Not wandte sich nun der geplagte
-Erbgerichtsbesitzer an den Ortsgeistlichen in Erbisdorf. Der Pastor
-erschien, las einige lateinische Gebete vor, beschwor die Gestalt
-und schloß mit den Worten ~apage satanas~! Darauf entfernte sich der
-Geistliche. Unterwegs aber hörte er ein leises Husten und als er sich
-umdrehte, tanzte die Puppe spottend hinter ihm her, so daß er voll
-Grausen eilends nach Hause lief und Thür und Thor fest zuschloß. Und so
-blieb denn die Puppe ungebannt im Hause. Lange Zeit wohl mochte sich
-dieselbe ruhig verhalten haben, bis sie dann endlich wieder mit ihrem
-Spuke auftrat. Ihrem Treiben sollte aber nunmehr ein baldiges Ende
-bereitet werden. An einem sonnenhellen Nachmittage wurde die Lade mit
-allem Zubehör auf einen Schubkarren geladen und von einem Tagelöhner
-dem dunklen Spitalwalde zugefahren. Je näher er demselben kam, desto
-schwerer wurde die Lade, so daß ihm der Schweiß von der Stirne rann.
-Unter einer Birke machte er ein Loch, einige Fuß tief; doch war ihm bei
-dieser Arbeit nicht ganz wohl, denn der Himmel umzog sich mit dunklen
-Wolken, Blitze leuchteten durch des Waldes Düster und in der Ferne
-rollte der Donner. In aller Eile setzte er die Lade in das gegrabene
-Loch, schaufelte Erde darauf, bedeckte es mit Rasen und begab sich
-nun eiligst auf den Rückweg. Je näher er an Brand kam, desto eiliger
-hörte er hinter sich trippeln und trappeln und als er sich auf einen
-Augenblick umsah, erblickte er zu seinem Entsetzen die begrabene Puppe
-mit hellleuchtenden Augen. Außer sich vor Schreck kam er halbtot nach
-Hause, aß und trank nicht und legte sich zu Bette. Das hitzige Fieber
-übermannte ihn und schon nach drei Tagen war er eine Leiche.
-
-Seit jener Zeit hat man von der gespenstischen Puppe nicht mehr viel
-vernommen. Als jedoch das Erbgericht neu aufgebaut wurde, wollen einige
-Bauleute dieselbe gesehen haben, wie sie auf den halbvollendeten Mauern
-herumgesprungen sei, und man sagt, daß sie heimlich samt der Lade
-wieder aus dem Spitalwalde hereingeschafft worden wäre.
-
-
-133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.
-
-(Mündlich.)
-
-Im Dönitzgrunde bei Eibenstock, in welchem noch die Überreste früherer
-Zinnseifen zu sehen sind, zeigt man auch eine alte Binge. Von
-derselben wird erzählt, daß einst zwei Reiter über dieselbe setzen
-wollten, daß sie aber dabei mit ihren Pferden hinabstürzten. Wer nun
-in der Johannisnacht an diese Binge kommt und aufmerksam horcht, der
-vernimmt in der Tiefe nicht nur das Klirren von zusammenschlagenden
-Hufeisen, sondern auch das leise Ticken einer Uhr.
-
-
-134. Die geheimnisvollen Ambosschläge im Keller eines Hauses zu
-Eibenstock.
-
-(Mündlich.)
-
-In Eibenstock zeigt man ein Haus, welches früher einem Schmied gehörte,
-dessen Frau mit dem Teufel ein Bündnis geschlossen hatte. Als die Frau
-gestorben war, verkaufte der Mann das Haus und zog fort; doch ließ
-er verschiedene Gegenstände in dem weitläufigen und in viele Gänge
-auslaufenden Keller zurück. Da geschah es, nachdem das Haus wieder
-bewohnt war, daß eines Abends eine Frau hinab in den Keller ging, in
-welchem sich ein Brunnen befindet, um daselbst noch Wasser zu holen. Da
-hörte sie heftige, wie auf einen Ambos ausgeführte Schläge, von denen
-sie jedoch nicht sagen konnte, woher sie rührten. Dies wiederholte sich
-noch zweimal nach einander. Darauf ist aber der Frau der Mut plötzlich
-gesunken und sie ist eilends davongegangen. Solche Ambosschläge sind
-übrigens noch mehrmals in der Nacht in jenem Keller gehört worden.
-
-
-135. Die Klage in Kohlenschächten bei Bockwa.
-
-(Gräße, Sagenschatz etc. No. 585.)
-
-Hinter Bockwa, seitwärts von Hohndorf nach Reinsdorf zu, gab es vor
-einigen dreißig Jahren noch einige verfallene Kohlenschächte; in einen
-derselben soll einmal ein Offizier beim Spazierengehen hineingestürzt
-und sein Leichnam erst nach langer Zeit wiedergefunden worden sein.
-Wenn man in die Nähe dieses Ortes kam, so hörte man fortwährend Winseln
-aus jenen Schächten, ohne heraus zu bekommen, woher dasselbe kam.
-
-
-136. Das gefährliche Feld bei Zwickau.
-
-(Gräße, Sagenschatz etc. 2. Aufl., No. 611.)
-
-Vor dem Schneeberger Thore an dem Wege nach Oberhohndorf liegt ein
-Feld, auf welchem sich ein Kreuzweg befindet, den die Wege von
-Schedewitz, Reinsdorf und Oberhohndorf bilden; über diesen geht des
-Mittags zwischen 12 bis 1 Uhr niemand, auch soll denselben kein
-Fuhrwerk passieren. Vor einigen Jahren fand man daselbst um diese Zeit
-einen umgeworfenen Wagen, aber ohne Pferde und menschliche Begleiter,
-und hat sich zu demselben auch nachmals kein Besitzer gefunden.
-
-
-
-
-III.
-
-Dämonensagen.
-
-
-Auch die Sagen von den Dämonen, d. h. mit göttlichen und natürlichen
-Eigenschaften ausgestatteten Wesen, welche wir sonst im Mythus mit den
-Gottheiten selbst verkehren sehen, wurzeln in dem alten Götterglauben.
-Wo die mit übermenschlichen Eigenschaften und daher mit der Kraft,
-den Menschen zu helfen oder zu schaden, begabten, dabei ein eigenes,
-abgeschlossenes Reich bildenden Dämonen in den Überlieferungen des
-Volkes nicht mehr gefürchtet, sondern geneckt und verspottet werden,
-da zeigt sich bereits der Einfluß des Christentums, dessen Verkündiger
-und Hüter bestrebt waren, die alten heidnischen Gottheiten in ihrer
-Ohnmacht und ihrem Nichts darzustellen.
-
-Die Dämonenwelt zerfällt in Zwerge, Vegetationsgeister, Wassergeister
-oder Nixe, Riesen und Tierdämonen; wenn wir aber diese Dämonenwelt an
-uns vorüberziehen lassen, empfangen wir nicht bloß die Überlieferungen
-des germanischen, sondern zugleich auch solche des slavischen
-Götterkreises. In den Volkssagen der Wenden, Czechen und anderer
-sprachverwandter Nationen leben gleiche mit menschlichen und göttlichen
-Eigenschaften ausgestattete Wesen fort; sie sind demselben Quell
-entsprungen, aus welchem alle dem indogermanischen Sprachstamme
-angehörigen Völker schöpften, und das böhmische Volk erzählt vom
-Ursprunge dieser Dämonen: »Als Gott die übermütigen Engel aus dem
-Himmel verstieß, wurden aus ihnen die bösen Geister, welche den
-Menschen bei Tag und Nacht beunruhigen, ihn necken und schädigen.
-Die in die Hölle stürzten und in die Löcher und Abgründe, das sind
-die Teufel und die Todmädchen. Aus denen aber, die auf die Erde
-fielen, wurden die Kobolde, Schrätlein, die Zwerge, Daumlinge, die
-Alpe, die Mittags- und Abendgespenster und die Irrlichter. Die in die
-Wälder fielen, wurden zu Waldgeistern, als da sind: die Hemänner, die
-wilden Männer, die Waldmänner und die wilden Weiber und Waldfrauen.
-Jene endlich, die ins Wasser fielen, wurden zu Wassergeistern, zu
-Wassermännern, zu Meerjungfern und Meerfrauen.« (Grohmann, Sagenbuch
-aus Böhmen und Mähren, I. S. 108.)
-
-Die +Zwerge+, welche die Volkssage nicht bloß in Böhmen, sondern auch
-in Tirol und der Schweiz als gefallene, obschon nicht ganz verdorbene,
-sondern nur verführte Engel ansieht, die aber nach einer Überlieferung
-aus Schwaben einst über die Menschen herrschten und von diesen
-göttlich verehrt wurden, sind vorzugsweise die Phantasiegebilde der
-Gebirgsbewohner. Sie gleichen vielfach den gnomenartigen ~Yakschas~
-der indischen Sagenwelt, welche in den Gebirgen die Schätze des
-Metallgottes ~Kuveras~ hüten, und wie nach dem Glauben der alten
-Griechen die Pygmäen wie Ameisen in der Erde wohnten, so halten sich
-auch die Zwerge des deutschen Sagenkreises, dem sie hauptsächlich
-angehören, vorzugsweise in Höhlen und Klüften auf, während die Wenden
-der Lausitz die Wohnungen ihrer Zwerge, der Ludki, in die heidnischen
-Grabhügel verlegen, deren Urnen nach dem Volksglauben Hausgeräte des
-Zwergvolkes sind.
-
-Von allen Wesen wurden die Zwerge nach der Edda zuerst geschaffen,
-sie schmiedeten gleich den Göttern Erze und lebten in dem Körper
-des aus Reif oder gefrorenem Tau entsprungenen Riesen Ymir, der die
-Welt bedeutet. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 282.) Unter einem Könige
-zu einem Volke vereinigt, lebten sie friedlich mit den Menschen, für
-welche sie arbeiteten und die sie häufig für kleine Dienste reichlich
-belohnten. Besonders thaten sie frommen und armen Leuten Gutes.
-Gewisse übermenschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die Kenntnis
-von geheimen Heilkräften, z. B. denen der Bärwurz und des Baldrian
-gegen die Pest, ihr Auftreten als Hüter unermeßlicher Schätze, aber
-auch nach Jakob Grimm die Liebe zu den Tönen, knüpft ihr Geschlecht an
-höhere Wesen, vorzüglich an Halbgötter und Göttinnen. (Deutsche Myth.,
-S. 264.) Während sie auf der einen Seite dadurch, daß sie den Menschen
-beistehen, ihnen Glück bringen und sie belohnen, sich denselben nähern,
-scheinen sie, um mich der Worte Jacob Grimms (a. a. O. S. 259.) zu
-bedienen, doch überhaupt von ihnen zurückzuweichen, und »so machen
-sie den Eindruck eines unterdrückten, bedrängten Volksstammes, der im
-Begriffe steht, die alte Heimat den neuen mächtigeren Ankömmlingen zu
-überlassen«. Übereinstimmend damit bemerkt auch Preusker in seinen
-Blicken in die vaterländische Vorzeit (I. S. 54.), daß die Zwergsagen
-der Lausitz, des Vogtlandes, Harzes und Thüringens auf zerstreute
-slavische Ansiedler hinweisen, die später von den vordringenden
-Deutschen verdrängt und unterdrückt wurden, so daß sie sich verbergen
-und ihre Wohnsitze verlassen mußten. Ja nach einer Lausitzer Sage, die
-Veckenstedt (Wendische Sagen, S. 157.) mitteilt, stammen die Wenden
-von den Ludkis ab. Unsere erzgebirgischen Sagen erzählen, wie die
-Zwerge durch Lauch, den man in die Milch that, durch Aufrichtung der
-Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks«, sowie dadurch vertrieben
-wurden, daß man die Knödel im Topfe und die Brote im Backofen zählte.
-Sie werden aber wiederkommen, »wenn die Hämmer würden abgehen.« Von
-Schmiedeberg zogen sie über die Eger. Ähnlichen Überlieferungen
-begegnen wir anderwärts. In der Lausitz konnten sie das Kümmelbrot
-und Glockengeläute nicht vertragen und sie ließen sich von einem
-Bauer aus Hainewalde über die böhmische Grenze fahren. Bei Langenberg
-fuhren sie in einer mondhellen Nacht über die Elster, und die Zwerge,
-welche ehemals in den Hüttener Bergen, besonders in dem Kindelberge
-und im Pläterberge bei Wittensee wohnten, kamen in der Nacht an die
-Hohner Fähre und ließen sich übersetzen. (Müllenhof, Schleswig-Holst.
-Volkssagen, No. 329.) Auch die Wichtel- oder Heinzelmännchen des
-Spatenberges fuhren über einen Fluß. (Witzschel, Sagen aus Thüringen,
-S. 107.)
-
-Überall spricht sich dabei der Groll über menschliche Treulosigkeit und
-Unduldsamkeit, ursprünglich wohl über den Abfall von den heidnischen
-alten Göttern aus. Wenn aber in anderen Gegenden der Glockenton
-die Zwerge vertrieb und letztere demnach in der Sage der Kirche
-unfreundlich gegenüber treten, so bauten sie wieder nach einer dazu
-fremdartig erscheinenden Überlieferung im Erzgebirge die Steiner
-Pfarrkirche, indem sie des Nachts das Baumaterial von unten, wo man die
-Kirche zu errichten beabsichtigte, auf den Berg trugen. Sie übernehmen
-hier eine Arbeit, welche nach anderen Sagen einem weißen Pferde oder
-einem anderen gespenstischen Wesen zugeschrieben wird.
-
-In den Volksüberlieferungen werden die Zwerge, deren Frauen nach einer
-unserer Sagen die Klagemütter, in der Lausitz jedoch die Busch- oder
-Holzweibel sind (Preusker a. a. O., S. 52.), in mehrere Gattungen
-mit verschiedenen Namen geschieden, welche jedoch nicht immer streng
-von einander zu trennen sind. Vielfach gehen die eigentlichen, bunte
-Röcklein oder spitze rote Hüte tragenden und Höhlen und Schluchten
-des Gebirges bewohnenden Zwerge in +Berggeister+ über. Letztere,
-als ursprünglich gutmütige und in Gestalt sehr verschieden, meist
-als Bergleute, Mönche, jedoch auch in einer erzgebirgischen Sage in
-Roßgestalt auftretende Wesen, nähern sich wieder, indem sie zuweilen
-boshaft werden, den Kobolden.
-
-Der Berggeist kommt nur beim Bergwerke vor, und die Sagen von ihm
-sind gewiß so alt wie der Bergbau selbst. Mit Recht weist daher
-Wrubel (Sammlung bergmännischer Sagen, S. 5.) darauf hin, daß man
-unsern Berggeist wohl vom Rübezahl des Riesengebirges, welcher besser
-»Gebirgsgeist« zu nennen sei, unterscheiden müsse. Wenn wir auch in
-den Sagen vom Berggeiste einen Überrest des heidnischen Götterglaubens
-haben, so mochten doch die stetigen Gefahren, denen der Bergmann
-bei seinen Berufsgeschäften ausgesetzt ist, das von verschiedenen
-abergläubischen Meinungen beeinflußte Gemüt mit Bangen vor einer
-unterirdischen Macht erfüllen, welche allmählich festere Form annahm
-und zu einem Beherrscher des unterirdischen Reiches wurde. (Wrubel a.
-a. O., S. 8.)
-
-Die Berggeister waren die Hüter von edlen Erzgängen, und vielleicht
-sind die sagenhaften Überlieferungen von den rätselhaften Fremden,
-welche das Erzgebirge, den Thüringerwald, das Vogtland, Fichtelgebirge
-und andere Landschaften nach Gold durchsuchten, und die als Venetier
-oder Wahlen von dem Volke mit überirdischen Kräften ausgestattet
-wurden, die das Innere der Berge kannten und mancher Zauberkünste
-kundig waren, zum Teil auf die Schätze hütenden Berggeister
-zurückzuführen.
-
-Venetier, die nach der Volkssage in verschiedenen Gestalten auftraten,
-wuschen auch die Goldkörner aus den Brunnen und Flüssen, und so
-gehört wohl auch die Sage von dem Hutmanne in Wiesenthal, welcher
-einstmals auf dem Fichtelberge an einem Brunnen, dessen Boden von eitel
-Goldflammen leuchtete, einen in einem Buche lesenden Mönch antraf,
-ebenfalls hierher.
-
-Ein anderes Geschlecht der Zwerge sind die +Hausgeister+ und +Kobolde+,
-welche eine mehr heitere und neckische, zuweilen selbst boshafte Natur
-besitzen. Sie halten sich vorzugsweise in den Wohnungen der Menschen,
-aber auch in Bergwerken auf, und nur ganz vereinzelt erscheinen sie
-im Freien. Wie die Zwerge und die später besprochenen Moosweibchen
-sind auch die Kobolde unselige Geister. Daher hat ein Knabe in Lauter,
-welchem ein solcher Kobold keine Ruhe ließ, fleißig gebetet und gesagt:
-»Laß mich doch in Ruhe; wenn Du nicht beten willst und auch nicht beten
-kannst, so gehe Deiner Wege.« Andere Hausgeister sind befriedigt, wenn
-man ihnen ein wenig Milch aufstellt, und wäre es auch nur in einem
-Katzenschüsselchen, so daß sie daher Katzenveit, Heinzelmann, Katermann
-u. s. w. heißen. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 18.)
-Der erzgebirgische Katzenveit, dessen Jacob Grimm nur kurz und zwar
-als eines »Waldgeistes« im Fichtelgebirge gedenkt, erinnert in mancher
-Beziehung wieder an den Rübezahl des Riesengebirges.
-
-Ein Hausgeist, wie das vogtländische »Schreckgökerle«, vor dem sich die
-Kinder fürchten, ist das »Schreckagerl«, welches wie andere Kobolde
-bei der Arbeit hilft; nur muß man ihm dafür zu essen geben. Dieses
-hilfreiche Beistehen bei der häuslichen Arbeit, das Füttern des Viehes,
-das Fegen der Küche und dergl. mehr gehört so recht zum Wesen der
-Kobolde. Unser Bahnbrecher in der Kenntnis der germanischen Götterlehre
-sagt in seiner deutschen Mythologie (S. 284.), daß es ihm scheine,
-man habe früher aus Buchsbaumholz kleine Hausgeister geschnitzt und
-dieselben in dem Zimmer aufgestellt; der Ernst habe sich in Scherz
-umgewandelt und die christliche Ansicht habe die Beibehaltung des alten
-Brauches geduldet. In gleicher Weise mag aber auch aus dem ursprünglich
-dienstfertigen Kobolde, welcher das Gesinde weckte und nach dem
-Rechten im Hause sah, mit der Zeit ein Polter- und Plagegeist geworden
-sein, der dann mehr teuflisch und gespenstisch auftrat. So sank, wie
-Jakob Grimm sich ausdrückt, der getreue Hausfreund des Heidentums zum
-Schreckbild und Gespött der Kinder herab, ein Los, das er mit Göttern
-und Göttinnen teilt. (Deutsche Myth., S. 293.)
-
-Als Kindergespenst tritt überall im Erzgebirge das »Jüdel« oder
-»Hütchen« auf, welches den letzten Namen vielleicht von dem roten
-Hute der Zwerge hat. Das Jüdel spielt während ihres Schlafes mit den
-Kindern; es spielt auch des Nachts mit den Kühen. Will man das Jüdel
-als Hausgeist unterhalten, so muß man demselben Spielsachen geben.
-Wie unter den Kobolden der Katzenveit vom Kohlberge bei Zwickau und
-die Männchen des Koboldsteins bei Kloster Maria Sorg, so waren auch
-der +Kaspar+ des Greifensteins und der Geist +Mützchen+ bei Freiberg
-keine eigentlichen Hausgeister; bei letzterem ist durch die Nebelkappe
-deutlich seine Zwergnatur gekennzeichnet.
-
-Zahlreich melden uns endlich Sagen von koboldartigen Wesen, welche
-in den Zechen den Bergknappen entgegentraten. Sollen doch die beiden
-Metalle Kobalt und Nickel, nach denen gegenwärtig vorzugsweise die
-Gruben des Schneeberg-Neustädtler Reviers abgebaut werden, von zwei
-neckischen Geistern ihre Namen erhalten haben. Von dem Kobalt,
-dessen Name zwar auch von dem böhmischen ~Kow~, das Erz, ~kowalty~,
-erzhaltig, abgeleitet wird, sagt ein alter Bergprediger: »Ihr Leute
-heißt es Kobalt und die Deutschen nennen den schwarzen Teufel Kobel,
-der Menschen und Vieh durch Zauberei Schaden thut. Es haben nun aber
-der Teufel und seine Hallraunen oder Drutten dem Kobalt, oder der
-Kobalt den Zauberinnen den Namen gegeben, so ist Kobalt ein giftig und
-schädlich Metall.« (Merkel, Erdbeschr. v. Kursachsen I. S. 176.)
-
-Mit den Kobolden teilweise verwandt sind die +Irrlichter+, welche man
-sich als lebende Wesen vorstellt. Sie führen Menschen irre, hocken
-sich ihnen auf oder bestrafen sie auch, wie die erzgebirgische Sage
-von der unheimlichen Fackel erzählt. Irrlichter können aber auch
-in feuriger Gestalt umherschweifende Seelen sein, welche nicht der
-himmlischen Seligkeit teilhaftig wurden, und dann nähern sie sich den
-zum Gespensterspuk gehörenden feurigen Männern.
-
-Aus der Klasse der +Vegetationsgeister+ begegnen wir im Erzgebirge,
-als einem ursprünglichen Waldgebirge, hauptsächlich den +Walddämonen+
-unter den Namen von Waldgeistern, Waldteufeln, Moosmännchen, wilden
-Weibern und Holzweibchen. Wie die Nixe fügen sie sich nicht in die
-Civilisation, und obschon sie zuweilen freundlich mit den Menschen
-verkehren und dieselben für geleistete Dienste belohnen, so ist
-ihnen doch der Humor, welcher die Zwerge auszeichnet, fremd, und
-Schwermut oder große Wildheit charakterisiert sie. Zuweilen treten
-die Holzweibchen als Schicksalsverkündiger oder Wetterpropheten auf.
-Der wilde Jäger oder der Teufel verfolgt sie auch im Erzgebirge und
-ein Baumstamm mit eingehauenen Kreuzen gewährt ihnen gegen denselben
-Schutz, wenn sie sich auf ihm niederlassen. Die vogtländische Sage,
-welche von ihnen das meiste weiß (Jul. Schmidt, Topographie der Pflege
-Reichenfels und Witzschel, Sagen aus Thüringen), erzählt, daß sie vor
-dem wilden Jäger Ruhe finden, wenn sie sich auf einen Stamm setzen, in
-welchem während der Zeit, da man den Schall des niederfallenden Baumes
-hört, drei Kreuze in einem Zwickel gehauen wurden. Im Sagenschatz des
-K. Sachsen (zu No. 550.) bemerkt hierzu Gräße, daß viele glauben, die
-Holzweibchen seien aus den heidnischen Sorbenfrauen entstanden, die vor
-dem Christentume in die Wälder geflohen, wenn sie dieselben aber wieder
-verlassen hätten, von den Christen verfolgt bei Stämmen, auf denen drei
-Kreuze eingehauen gewesen, Schutz gesucht und gefunden hätten. Dagegen
-zählt Jakob Grimm die Holzweibchen, die nach ihm einen Übergang zu den
-Zwergen bilden, zu dem heidnischen Gespensterspuk, der sich aus den
-Vorstellungen von halbgöttlichen Wesen, mit denen das Heidentum den
-Wald bevölkert dachte, entwickelte. (Deutsche Myth., S. 243 und 520.)
-Und Nork greift in den Sitten und Gebräuchen der Deutschen (S. 63.)
-sogar auf die Gnomengestalten der indischen Sagen zurück, mit denen er
-unsere ähnlichen Sagenstoffe wie Ausläufer aus einer gemeinschaftlichen
-Wurzel in Verbindung setzt. -- Unsere Sage nennt die Holzweibel auch
-Buschweibchen und faßt sie teilweise als den Moosweibchen gleiche Wesen
-auf. Die Moosweibchen waren immer zwerghaft und über und über mit Moos
-bewachsen; nach der thüringischen Sage wohnten sie an dunklen Orten und
-in Höhlen unter der Erde. (Richter, Sagen des Thüringer Landes, IV. S.
-43.) Wie in Thüringen die Moosweibchen, so kamen auch im Erzgebirge
-die Buschweibchen zuweilen in die Wohnungen der Menschen und begehrten
-daselbst Essen. Sie beschenkten mit Spänen und Laub, welche Dinge sich
-später in Gold verwandelten. Bei uns wurden sie wie die eigentlichen
-Zwerge vertrieben, als man das Brot im Backofen zählte.
-
-Neben den Sagen vom Erscheinen der Holzweibchen im Erzgebirge,
-von denen ein Teil allerdings nur noch in älteren schriftlichen
-Überlieferungen vorhanden ist, leben im Volke noch Redensarten, welche
-sich auf den Glauben an das frühere Erscheinen dieser dämonischen
-Gestalten beziehen. So sagt man in der Gegend von Schneeberg: »Das
-Holzweibel hat aufgehängt«, wenn man früh an den Büschen Spinnweben
-ausgespannt sieht, die auf beständiges schönes Wetter gedeutet werden.
-Steigen weiße Nebel aus den Waldungen auf, so sagt der Gebirger: »Das
-Holzweibel heizt ein, es wird ander Wetter!« (Lindner, Wanderungen
-durch das sächsische Obererzgebirge, I. S. 4.) Bei Brunnersdorf
-warnte man noch vor wenigen Jahren die Beeren suchenden Kinder vor
-dem Buschweibchen und ermahnte sie, im Walde der Sicherheit wegen
-beisammen zu bleiben; bei Kupferberg sagt man von eilig Dahinlaufenden:
-»Der läuft wie der Teufel, wenn er dem Holzweibel nachläuft«, und in
-der Gegend von Platz nennt man kleine vermummte Kinder scherzweise
-Buschweibel. (Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung VI. S. 55 und 56.)
-Ähnliche Redensarten sind in anderen deutschen Gegenden gebräuchlich.
-So sagen z. B. die Bauern in der Zittauer Gegend, wenn daselbst die
-Berge dampfen: »Die Holzweibchen kochen Kaffee« (Haupt, Sagenbuch etc.
-No. 38.), während die Erdmännchen am Eisengraben backen, wenn gewisse
-Nebel auf dem Kaisacker im Frickthale aufsteigen, und die Wölkchen,
-welche hoch am Gebirge schweben, in Tirol für die aufgehängte Wäsche
-der Holzweibchen gehalten werden, die schönes Wetter verkünden.
-(Gartenlaube, 1880, No. 31. und Henne-Am-Rhyn a. a. O., S. 261 und 278.)
-
-Mir scheint, als ob sich auch der Name »Käthel« in manchen
-Volksüberlieferungen auf ein dämonisches Wesen, vielleicht ein Holz-
-oder Buschweibchen bezieht.
-
-Das enge Muldenthal zwischen dem Mehltheuer und der hohen Rieß
-unterhalb der Haltestelle Niederschlema heißt im Volksmunde das
-»Käthelloch« und man prophezeit auf Grund der in ihm lagernden Nebel
-auf eine Änderung des Wetters. Es erinnert dies an Volksmeinungen
-in Nordböhmen. Die Frauen in Neuland bei Gabel sagen, wenn der
-Rollberg von Wolken umzogen ist, daß das Roll-Kathel koche und in
-Sukohrad spricht man in ähnlicher Weise: »Die Geltsch-Käthe kocht.«
-(Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 7. Jahrg. S. 95.)
-
-Während den Holz- und Moosweibchen ein Grad von Gutmütigkeit und
-Zuneigung zu den Menschen zukommt, sind die +Waldgeister+ und
-+Feldteufel+ schreckhafte Gestalten. Auch der +Hemann+, welcher sich
-ebenfalls im Gebirge sehen läßt und Antwort giebt, wenn man ihn im
-Walde laut mit »He he, hu hu!« ruft, hat Freude an dem Schaden der
-Leute.
-
-Zu den Vegetations- und insbesondere zu den +Feldgeistern+ ist weiter
-das +Mittagsgespenst+ zu zählen. Schon die alten Kirchenschriftsteller
-des 6. Jahrhunderts schreiben eine Reihe von Krankheiten dem
-Mittagsteufel zu; seinetwegen wurden die Kirchen, welche sonst den
-ganzen Tag bis zum Abendläuten offen stehen sollten, während der
-Mittagsstunde zugeschlossen. In der Schweiz wandeln bei der vom Volke
-keineswegs als gnadenreich gehaltenen Mittagssonne die verwünschten
-Schloßjungfern umher, und wie die Pest früher ~morbus meridianus~ hieß,
-so ist auch das Mittagsgespenst der Wenden teilweise zugleich die
-Pestjungfrau. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 67.)
-
-Die slavische, zu den Feld- und Waldgeistern gehörende +Marzebilla+
-tritt ebenfalls im Erzgebirge auf. Sie führt die Leute ins Dickicht
-und an fruchtbare Stellen, wenn sie beten, überläßt sie aber ihrem
-Schicksal, wenn sie fluchen.
-
-Die +Wehklage+ aber gehört teilweise wie das Klopfen an die Thüre, ohne
-daß jemand draußen steht, das Rufen des eigenen Namens, als ob derselbe
-aus weiter Ferne hertönte, und viele andere geheimnisvolle Laute, aus
-denen das Volk auf Tod oder bevorstehendes Unglück schließt, zu den
-Voranzeichen. (Rochholz a. a. O., I. S. 143.) Auf dem Harze ist die
-Klagemutter Frau Holle, (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 562.), anderwärts
-ist eine »Heulmutter« oder »Frau Hel« die Schattengöttin Hel, welche
-an dunkeln Furten sitzt. (Rochholz a. a. O., I. S. 90.) Nach einer
-Sage aus der Gegend von Fulda ist die Wehklage dagegen unverkennbar
-ein Waldgeist, denn man sagt daselbst, wenn jemand sterben sollte,
-so sei eine Waldfrau von der wilden Frauen-Loch hergekommen und habe
-sich wehklagend in der Nähe des Sterbehauses gezeigt. (Wolf, Hessische
-Sagen, S. 53.) Eine erzgebirgische Sage bezeichnet die Klageweibel
-als Frauen verbannter Berggeister und Zwerge. -- Wenn nach der Edda
-die Zwerge und Riesen dem Menschen in der Schöpfung vorangingen und
-weiter nach alter Überlieferung von beiden Dämonen die Zwerge zuerst
-geschaffen wurden, um das wüste Land und Gebirge zu bauen (J. Grimm,
-Myth., S. 253.), so fügt noch eine Oberpfälzer Sage hinzu, daß alle
-Zwerge, da sich das trockene Land noch nicht abgeschieden hatte,
-zunächst im Wasser lebten. Sie waren demnach im Anfange gleich den
-+Nixen+. Der männliche Nix, Necker oder Nicker, erinnert nach einer
-anderen Überlieferung wieder an den skandinavischen Odhin, dessen
-Beiname ~Nikarr~ ihn als den Wellen besänftigenden Meergott bezeichnet.
-(J. Grimm a. a. O., S. 276.) Der Nikur soll als schönes apfelgraues
-Roß am Meeresstrande erscheinen, und ein großes Pferd mit ungeheuren
-Hufen zeigt sich auf dem Wasser, wenn Sturm und Gewitter aufsteigen.
-Anklängen an diese Vorstellungen begegnet man im Erzgebirge. Es mag
-dabei auf die Sagen vom Grundtümpel bei Wildenau und von dem Sturmwinde
-bei Oberscheibe, der in die Teiche fuhr und das Wasser in die Höhe
-warf, »als wenn sich zwei Pferde im Wasser mit einander schlügen«,
-hingewiesen werden. Vorherrschend schildert die Sage den männlichen Nix
-als häßlich, ausnahmsweise wird er als von schöner Gestalt beschrieben.
-Er hat struppige grüne Haare und grüne Zähne, Rock und Hosen sind immer
-zerrissen und kotig. Auch die slavischen Flußnixen sind grünhaarig
-und der finnische Wassergott Ahto hat einen Grasbart. (Rochholz, a.
-a. O., II. S. 281.) Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau, welcher ein
-Krönlein auf dem Haupte trug, sah blau aus. Grün und blau aber sind
-dämonische Farben, und besonders weist letztere Farbe auf Wuotan
-hin, dessen Leibfarbe ebenfalls blau ist. Haupt bemerkt in seinem
-Sagenbuche der Lausitz (No. 44.), daß, obschon der skandinavische
-Odhin im Gegensatze zu dem deutschen Luft- und Sturmgotte Wuotan auch
-Nix ist, bei den Slaven vielleicht der Luftgott zu einem Wassergotte
-wurde. Hier berühren sich jedenfalls germanische und slavische
-Überlieferungen. Die Freude aller Wassergeister ist Tanz, Gesang und
-Musik. Auch die erzgebirgische Nixensage erzählt von zu Tanze gehenden
-Wasserjungfrauen, sowie vom »thörichten See« bei Satzung, in welchem
-ein Nix seine Wohnung hatte, daß man daselbst mittags großen Tumult
-und Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört habe, als
-ob eine lustige Bauernhochzeit in dem See abgehalten würde. In dem
-Sagenbuche der Lausitz hat Karl Haupt mehrere unter der slavischen
-Bevölkerung lebende Sagen mitgeteilt und er bemerkt dabei, daß der
-musikalische Nix der Wenden ebenso bezeichnend für die slavische
-Anschauung sei, wie die Querxe oder Zwerge und der wilde Jäger, die
-Berg- und Luftbewohner, für die Anschauung der Deutschen.
-
-Das was Jacob Grimm (deutsche Myth., S. 280.) im Allgemeinen bei
-den Wassergeistern hervorhebt, nämlich ein Zug von Grausamkeit und
-Blutdurst und die Ausübung blutiger Rache, welche in den Sagen
-von diesen Geistern so vielfach wiederkehren, dabei aber auch ein
-Beispiel für die Aufrechterhaltung der männlichen Ehre, welche dem Nix
-charakteristisch ist, finden wir in der Sage von dem obengenannten
-thörichten See vereinigt. Hier belohnt auch der Nix einen Holzhacker
-für den geleisteten Dienst, indem er ihm einen Beutel schenkt, der nie
-leer werden sollte, so oft er auch hineingreifen würde. Die Belohnung
-für geleistete Dienste, scheinbar unbedeutend und doch so reich, ist
-eine Handlung, welche uns an ähnliche Handlungen in den Zwergsagen
-erinnert; das Wesen der Kobolde und Poltergeister aber nehmen die Nixe
-an, wenn sie ohne Veranlassung, wie dies bei Elterlein geschah, ruhige
-Arbeiter und Spaziergänger erschrecken.
-
-Der Nix der Zschopau fordert jedes Jahr sein Opfer. Es ist dies eine
-Überlieferung, welche auch der Lausitz nicht fehlt und die sich in
-gleicher Weise bei der Saale, Elster, Donau, Oder u. s. w. wiederholt.
-In die Bode bei Quedlinburg warf man früher in bestimmter Frist
-einen schwarzen Hahn; geschah dies nicht, so forderte der Fluß ein
-Menschenleben. Wenn auch nicht bei allen Überlieferungen von den
-jährlich ein Menschenleben fordernden Flüssen die Nixe ausdrücklich
-genannt werden, so ist doch immer dabei an heidnische Menschenopfer,
-welche den Wassergeistern gebracht wurden, zu denken. (Haupt a. a. O.,
-No. 45.) Als man die Opfer nicht mehr freiwillig brachte, holte sich
-diese der Flußgeist selbst.
-
-Schließlich mag noch auf die in unserem Sagenkreise etwas fremdartig
-erscheinende Seebergjungfer, welche zuweilen an den Hoderwiesteich
-bei Seestadtl kam, um daselbst zu baden, hingewiesen werden. Sie
-erschien halb als Fisch und zur Hälfte als Mensch und erinnert durch
-diese Gestalt an die keltische Brunnennymphe Melusina, deren Namen
-wir aber in einer Sage aus dem böhmischen Teile des Erzgebirgs
-einer Luftgottheit beigelegt finden. Jac. Grimm ist geneigt, alle
-Vorstellungen von geschwänzten Nixen als echt deutsche anzuzweifeln.
-(Deutsche Myth., S. 277.) -- Der vielleicht bis zur europäischen
-Völkerwiege zurückreichende Glaube an Wasserdämonen hat bei den
-auseinandergehenden Völkerstämmen mancherlei Gestalt angenommen.
-Verwandt mit unsern deutschen und slavischen Nixen und den keltischen
-Brunnennymphen sind die indischen ~Apsaras~, d. h. die aus dem
-Wasser Entsprossenen. -- Zur Dämonenwelt gehören auch die +Riesen+,
-welche nach der germanischen Mythe erst nach den Zwergen erschaffen
-wurden, um die Ungeheuer und Würmer zu erschlagen. Abgesehen von den
-chronikalischen Überlieferungen von Riesenknochen, welche da und dort
-gefunden wurden, fehlen im Erzgebirge eigentliche Sagen von Riesen und
-ebenso ist es jedenfalls auch bemerkenswert, daß sich bei uns nicht,
-wie dies in anderen Gebirgen der Fall ist, Riesensagen mit gewaltigen
-Felsmassen verknüpfen, welche nicht selten mauerartig aufgetürmt, die
-bewaldeten Höhen krönen, oder die durch ihre absonderliche Form -- ich
-erinnere dabei an die granitischen »Hefenklöse« bei Johanngeorgenstadt
-und den Rockenstein bei Schönheiderhammer -- die Aufmerksamkeit der
-Bewohner gewiß schon in früherer Zeit erregten. Die so häufig im oberen
-Erzgebirge auftretenden Blockwerke hat das Volk nüchtern betrachtet,
-während es z. B. im Vogtlande in ihnen die Hinterlassenschaft von
-Riesen erblickt, und spitze Felskegel haben seine Phantasie nicht
-wie in der Lausitz erregt, wo ein solches bei Heidersdorf anstehendes
-Naturgebilde als Keule eines Riesen gedeutet wird. (Eisel, Sagenbuch
-des Vogtl., No. 22--25. Haupt, a. a. O., No. 90--93.)
-
-Die kindlichen Naturmenschen konnten sich entfernte Erscheinungen,
-welche sie am Himmel oder im Luftkreise beobachteten, nur durch
-Vergleichung mit näheren bekannten erklären. So war ihnen der Blitz
-eine feurige Schlange, im Heulen des Sturmes hörten sie die Stimmen
-bekannter Tiere und die Wolken erschienen ihnen als Kühe oder Ziegen,
-welche statt der Milch Regen spendeten. Noch jetzt begegnen wir dieser
-Vorstellung in einem schwedischen Volksrätsel, dessen Lösung die Wolke
-ist: »Eine schwarzrandige Kuh ging über eine pfeilerlose Brücke, kein
-Mensch in diesem Lande die Kuh aufhalten kann.« (Manhardt, a. a. O., S.
-89.) Jedoch sah man die Tiere der Erde im Himmel größer und gewaltiger
-wieder, und man fing an, diese himmlischen Wesen zu fürchten oder
-fühlte sich veranlaßt, ihnen für ihre Segensspenden zu danken. Als
-sich dann der Glaube an menschenähnliche, im Himmel wohnende Götter
-entwickelte, trat eine Verschmelzung derselben mit jenen himmlischen
-Tieren ein, indem man meinte, daß sich Götter selbst in solche Tiere
-verwandeln könnten, oder letztere ihnen als ihre Begleiter nahe
-standen. Später hefteten sich diese Überlieferungen an irdische Tiere
-und an Menschen, so daß z. B. aus dem die Blitzschlange bändigenden
-Sturmgotte Wuotan ein Mann wurde, welcher eine wunderbare Macht auf
-wirkliche Schlangen auszuüben imstande war. In dieser Weise haben wir
-die Sagen von +dämonischen Tieren+ aufzufassen. (Grohmann, Sagenbuch
-von Böhmen und Mähren, I. S. 216.)
-
-Ein wendischer Aberglaube berichtet, daß jeder Kobold die Gestalt eines
-Kalbes annehmen könne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 88.) In unseren
-Sagen ist das gespenstische Kalb Anzeichen eines Krieges oder es
-springt des Nachts jemandem, der dann sterben muß, auf den Rücken und
-läßt sich forttragen. Zu Ypern wurde ein reicher Mann, der ein goldenes
-Kalb anbetete, nach seinem Tode verwünscht, die Gestalt eines Kalbes
-anzunehmen, das jedem, dem es begegnet, auf den Rücken springt. (Nork,
-Sitten und Gebräuche d. Deutschen, S. 281.)
-
-Das bereits genannte Mittagsgespenst nimmt auch zuweilen Tiergestalt
-an; so erscheint es im Jura unter dem Namen »Stollnwurm« als Drache.
-Als +Bock+ sonnt es sich des Mittags am Charfreitage auf der Ruine
-Hagberg. In diesen Vorstellungskreis gehört vielleicht auch der Bock,
-welcher sich zuweilen des Mittags (aber auch des Nachts) um 12 Uhr
-am Bocksloche, einem alten Stollen in Oberschlema sehen läßt (s.
-Ortssagen.) Als +Lamm+ erscheint das Mittagsgespenst am Tobelhötzli
-in der Aargauer Gemeinde, und hierher gehören wohl auch unsere Sagen
-vom weißen Schafe, das Menschen erschreckt, und vom weißen Widder mit
-goldenen Hörnern.
-
-Aus der Auffassung des Blitzes als +Schlange+ sind zahlreiche
-mythologische Vorstellungen hervorgegangen. Wie der Blitz die
-Gewitterwolke gleichsam spaltet, so daß dann die goldene Sonne wieder
-aufleuchtet, so sollen die himmlischen Schlangen einen kostbaren
-Edelstein verfertigen. Diese Vorstellung wurde später auf die irdischen
-Schlangen übertragen. (Mannhardt, a. a. O., S. 103.) Weit verbreitet
-sind die Sagen von dem Schlangenkönige, welcher auf seinem Kopfe eine
-goldene Krone trägt. Es drängt sich hier auch die Vermutung auf, daß
-die gelben Flecke hinter den Augen der Ringelnatter bei der Häutung
-zu dem Glauben von einer goldenen Krone Veranlassung gegeben haben.
-Wie der Schlangenkönig von Lübbenau in der Niederlausitz seine Krone
-auf ein feines weißes, großes Tuch niederlegte, so erzählt auch die
-erzgebirgische Sage gleiches von unserem Otternkönige oder unserer
-Schlangenkönigin. Karl Haupt (Sagenbuch d. Lausitz, No. 84.) bemerkt
-dabei, daß die weiße Farbe, welche das Tuch haben muß, auf die
-Repräsentanten der Finsternis einen zwingenden und siegreichen Zauber
-ausüben muß, so daß sie nun ihre Schätze opfern. Nach einem anderen
-Volksglauben aber, welchen Mannhardt (a. a. O., S. 103) anführt, legt
-der Schlangenkönig seine Krone auf ein +rotes+ Tuch nieder.
-
-
-137. Die Zwerge des hohen Steins.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 133.)
-
-Der hohe Stein zwischen Graslitz und Markneukirchen war der Aufenthalt
-der Zwerge, welche von hier aus die umliegenden Häuser besuchten, den
-Leuten bei ihren Arbeiten halfen und ihnen manche Wohlthat erwiesen.
-Als aber die Knödel in den Topf und die Brote in den Backofen gezählt
-wurden, verschwanden sie nach und nach aus der Gegend.
-
-Beim Baue der Steiner Pfarrkirche zeichneten sich dieselben besonders
-aus. Dieselbe sollte nämlich am Fuße des Berges, auf dessen Abhange
-sie sich gegenwärtig erhebt, zu stehen kommen, und viel Material hatte
-man bereits dorthin gebracht. Allein die Zwerge trugen des Nachts
-zu wiederholten Malen das Baumaterial auf die Anhöhe, bis man sich
-endlich entschließen mußte, dort das Gotteshaus aufzurichten. Der Bau
-schritt ungemein rasch vorwärts. Was die Maurer und Werkleute am Tage
-begonnen hatten, wurde von dem arbeitsamen Zwergenvolke während der
-Nachtstunden zur vollsten Zufriedenheit des Baumeisters hergestellt, so
-daß in kurzer Zeit der eherne Mund der Glocken die Gläubigen zum Hause
-des Herrn rufen konnte. Zum Andenken setzte man drei in Stein gehauene
-Bilder von Zwergen außen an die südliche Wand der Kirche, wo sie heute
-noch zu sehen sind.
-
-
-138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.
-
-(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 57.)
-
-Häufig haben sich die Zwerge auf dem Pürsteiner Burberge, sowie auf
-dem Leskauer Schloßberge aufgehalten. Ihr Hauptsitz war jedoch auf dem
-Schwarzberge und viele Höhlen führten in die Tiefe des Berges zu den
-Versammlungssälen. Diese merkwürdigen Höhlen, glatt ausgemeißelt und
-schön gewölbt, sind noch gegenwärtig im Volksmunde unter dem Namen »die
-Zwerglöcher« allgemein bekannt, und eines dieser Zwerglöcher enthält in
-einer etwas geräumigeren Weitung einen Brunnen, dessen Wasser in der
-ganzen Gegend gerühmt wird. Der Ort, wo die meisten Zwerghöhlen münden,
-wird die »Lihtmerskirch« genannt, und man sagt, es sei vor geraumer
-Zeit eine Kirche dort gewesen.
-
-Die Zwerglein, die ehemals in diesen Höhlen gewohnt haben,
-beschäftigten sich hier häufig mit Kuchenbacken. Auch haben sie
-daselbst einmal ein Menschenkind beherbergt und das ging so zu: Eine
-Frau aus dem nahen Dorfe Leskau hatte in diese wilde Waldgegend einst
-ihr Kind mitgenommen, sie entfernte sich ein wenig von demselben und
-konnte es zu ihrem Schrecken nicht wieder auffinden. Alles Rufen und
-Suchen war erfolglos und so mußte die verzweifelnde Mutter ohne ihr
-Kind heimkehren. Ein langer Zeitraum war vergangen, als die Frau
-wieder einmal und ganz zufällig in jenen Wald kam. Da trieb sie ein
-unerklärliches Gefühl an, in eine der Zwerghöhlen hineinzugehen,
-und wen erblickte sie darin? Zu ihrem freudigsten Erstaunen ihr
-totgeglaubtes Kind, frisch und gesund und recht groß geworden, und es
-aß ein Stück Kuchen; denselben hatte es von den guten Zwergen bekommen,
-die seine Pfleger und Behüter geworden waren, seit es damals von der
-Mutter weggekommen und aus Neugierde in die Zwerghöhle geschlüpft war.
-
- Edw. Heger leitet das Wort »~Lithmer~« von ~lih~, der Leichnam, und
- ~mere~, die in der Unterwelt herrschenden, den Tod bezeichnenden
- Mächte ab, so daß es also eine Stätte bezeichnen soll, welche die
- den Unterweltsmächten Verfallenen aufnimmt. Konnte man nicht auch
- eine andere Ableitung, nämlich vom mhd. ~lîte~, der Abhang, die
- Halde, und ~maere~, berühmt, berüchtigt, versuchen, so daß dann
- der Name »Lihtmerskirche« eine Kirche bezeichnet, welche auf einem
- berüchtigten, d. h. durch die Zwerge berüchtigten Abhange steht?
-
-
-139. Das Zwergloch im Scheibenberge.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 33. Winter in der Constit.
-Zeitung, 1854, No. 282.)
-
-An der Morgenseite des Scheibenberges befindet sich eine unbedeutende
-Höhle, das Zwergloch genannt. Darinnen wohnten sonst viele Zwerge,
-deren König Oronomossan hieß. Sie waren nicht über zwei Schuh lang
-und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es schien ihr größtes
-Vergnügen zu sein, die Leute zu necken; sie thaten aber auch manchem
-viel Gutes und halfen vorzüglich frommen und armen Leuten. Einst,
-im Winter, ging ein armes Mädchen aus Schlettau in den am Fuße des
-Scheibenberges gelegenen Wald, um Holz zu holen. Da begegnete ihr
-ein kleines Männchen mit einer goldenen Krone auf dem Haupte, das
-war Oronomossan. Er grüßte das Mädchen und rief gar kläglich: »Ach,
-Du liebe Maid, nimm mich in Deinen Tragkorb! Ich bin so müd' und es
-schneit und ist so kalt und ich weiß keine Herberge! Drum nimm mich mit
-zu Dir in Dein Haus!« Das Mädchen kannte den Zwergkönig zwar nicht,
-aber da er gar zu flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragkorb
-und deckte ihre Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf
-schneien möchte. Darauf nahm sie den Korb auf den Rücken und trat den
-Rückweg an. Aber das Männchen in dem Korbe war zentnerschwer und sie
-mußte alle Kräfte zusammennehmen, daß sie die Last nicht niederdrückte.
-
-Als sie nach Hause gekommen, setzte sie den Tragkorb keuchend ab und
-wollte nach dem Männchen darin sehen und deckte die Schürze ab. Aber --
-wer schildert ihr Staunen? -- das Männchen war fort und statt seiner
-lag in dem Tragkorbe ein großer Klumpen gediegenen Silbers!
-
-Nach einer anderen Sage soll jenes Mädchen eines Schneiders Tochter
-aus Schlettau gewesen sein und um das Jahr 1535 gelebt haben. Sie sei
-auch nachher noch mehrmals bei dem Zwergkönige im Scheibenberge gewesen
-und habe für ihn, seine Frau und Kinder Kleider machen müssen. Dafür
-habe sie solche Geschenke erhalten, daß sie zu großem Vermögen gekommen
-sei und nachdem sie sich verheiratet, eine der reichsten Familien in
-Schlettau begründet habe. Nach dem dreißigjährigen Kriege aber seien
-ihre Nachkommen verarmt und zuletzt wieder so herabgekommen, wie zu der
-Zeit, wo sie den Zwergkönig zuerst gesehen hatte.
-
- Das Geschlecht der Zwerge hat seine Wohnungen in den Bergen.
- Zwerglöcher kennt man wohl überall in Deutschland. In Schlesien
- ist eins auf dem Prudelberge bei Stonsdorf, in der Lausitz giebt
- es welche auf dem Dittersberge bei Schönau auf dem Eigen und am
- Fuße des Breitenberges bei Zittau (Haupt, Sagenbuch etc. I. No.
- 24.), in Böhmen bei Warnsdorf und im Kammerbühl bei Franzensbad
- (Grohmann, Sagenbuch etc. S. 180.), im Vogtlande bei Stublach und
- bei der Milbitzer Ziegelei (Eisel, Sagenbuch d. Vogtl. No. 26.), im
- Mansfeldischen am Kammerbache bei Freiersdorf und in der Steinklippe
- zwischen Hermerode und Wippra (Größler, Sagen der Grafsch. Mannsfeld,
- No. 153 und 155.), und so erzählt die Sage noch von vielen anderen
- Orten, an denen die Zwerge die Zugänge zu ihrem unterirdischen Reiche
- hatten.
-
-
-140. Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.
-
-(Richter, Umständliche aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragene
-Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. Annaberg, 1746, S. 4.)
-
-Die Sage erzählt, es hätten in der Gegend bei dem Pöhlberge, ehe die
-Stadt Annaberg erbauet gewesen, kleine Leutlein, einer Ellen lang,
-gewohnet.
-
-
-141. Die Zwerge in Schmiedeberg.
-
-(Heger und Lienert, Ortskunde d. Dorfes Schmiedeberg i. B. S. 60.)
-
-In Schmiedeberg wohnten lange Zeit Zwerge. Dieselben erreichten nur
-die Größe eines zwei- bis dreijährigen Kindes und trugen einen spitzen
-Hut, rot wie ihre Haare, außerdem gefeite Stiefel. Sie hielten sich in
-Ställen, Scheuern, Kellern und Stuben auf, waren nicht menschenscheu,
-kamen im Gegenteil oft freiwillig unter dem Herde hervor und boten
-ihre Dienste an. Nachts um die zwölfte Stunde kamen alle zusammen,
-gingen dabei durch verschlossene Thüren und begannen nun emsig das
-aufzuarbeiten und zu vollenden, was die Menschen verabsäumten oder
-unvollendet ließen. Im Nu war ihre Arbeit zierlich und fein gethan,
-dann ging es an's Tanzen. Punkt ein Uhr verschwanden sie wieder.
-Neckereien konnten sie nicht vertragen; sie zogen dann fort. Man
-vertrieb sie übrigens auch, wenn man Lauch in die Milch that und ihnen
-diese vorsetzte.
-
-Von den Bewohnern Schmiedebergs wurden diese Zwerge nur »Holzweibchen«
-genannt. Seit jeher hatten sie im Hause No. 172 ihren ständigen
-Aufenthalt und brachten durch nächtlichen Fleiß Glück und Segen in die
-Wirtschaft. Endlich aber schien es ihnen hier nicht mehr zu gefallen,
-denn sie sagten: »Hier ist nimmer gut wohnen, sie (die Hausfrau) zählt
-die Knödeln im Topf und im Backofen das Brot.« So zogen denn die Zwerge
-fort, weit fort, über die Eger bei Aubach, wo sie den Fährmann, um ihn
-zu entlohnen, gefragt haben sollen, was ihm lieber wäre -- ein roter
-Heller oder ein Sturmhut voll Goldstücke. Der Fährmann wählte natürlich
-das letztere. Die Leutchen sagten ihm, er habe schlecht gewählt und
-werde schließlich noch weniger besitzen als einen roten Heller. Das
-traf auch ein, der Fährmann verarmte in kürzester Zeit gänzlich.
-
-
-142. Die Zwerge backen Kuchen.
-
-(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 58.)
-
-Von den Bergen aus besuchten die Zwerge häufig die benachbarten
-Ansiedelungen der Menschen, um deren Gastfreundschaft in Anspruch zu
-nehmen, und man gab ihnen auch gern etwas von Lebensmitteln ab. Sie
-suchten aber nicht nur Gastfreundschaft, sondern gewährten auch solche;
-ward jedoch ihre Gabe verschmäht, so gerieten sie leicht in Zorn, ja
-rächten sich an dem Unwürdigen, was ihnen nicht schwer fiel, da sie mit
-geheimen Kräften begabt waren.
-
-Als einst ein alter Bauer aus Redenitz und dessen Knecht an der
-Berglehne zwischen Leskau und Spinnelsdorf ihre Ackerfurchen zogen,
-vernahmen sie plötzlich ein sonderbares Gespräch in der Nähe, ohne
-daß die Sprechenden zu sehen waren. »Bringt erst die Weißen, dann die
-Schwarzen!« »Nein, erst die Schwarzen, dann die Weißen!« so rief es
-rätselhaft durcheinander.
-
-Als die beiden Lauscher aber einen äußerst angenehmen Geruch nach
-frischem Kuchen verspürten, da wußten sie auf einmal, was alles zu
-bedeuten habe, und der Knecht sagte: »Das sind ja die Zwerglein, die in
-ihren nahen Wohnungen eben Kuchen backen, schwarze und weiße (d. h. von
-geringerem und feinerem Mehle); sehen kann man freilich nichts, denn
-sie haben sich unsichtbar gemacht.«
-
-»Ja«, -- meinte der Bauer -- »aber diese Kuchen riechen auch gar zu
-gut; wer doch einen davon hätte!«
-
-»Nun, da werde ich halt einen bestellen«, sprach der Knecht im Spaße
-und rief dann, so laut er konnte: »He, backt uns doch auch einen Kuchen
-mit, aber einen recht guten!«
-
-Als die Ackerleute nach dem Mittagessen ihre Arbeit wieder beginnen
-wollten, da fand jeder von beiden auf seiner Pflugschar einen
-wunderschönen, duftenden Kuchen liegen. Der Bauer biß herzhaft in den
-Kuchen und ließ sich ihn ausgezeichnet schmecken, der Knecht aber
-mißtraute der geheimnisvollen Gabe und verschmähte sie. Klatsch! -- da
-hatte der Undankbare auch schon von unsichtbarer Hand eine tüchtige
-Ohrfeige erhalten, an die er sich noch lange nachher schmerzlich
-erinnerte.
-
-
-143. Die Heilingszwerge.
-
-(Nach Grimm in der Erzgebirgszeitung, 2. Jahrg., S. 6.)
-
-An der Eger, zwischen dem Hofe Wildenau und dem Schlosse Aich, ragen
-große Felsen empor, die man von Alters her die Heilingsfelsen nennt.
-Am Fuße derselben erblickt man eine Höhle, inwendig gewölbt, auswendig
-aber nur durch eine kleine Öffnung erkennbar, in die man, den Leib
-gebückt, kriechen muß.
-
-Diese Höhle wurde von kleinen Zwerglein bewohnt, über die zuletzt
-ein unbekannter alter Mann, namens Heiling, als Fürst geherrscht
-haben soll. Einmal vor Zeiten ging ein Weib, aus dem Dorfe Daschwitz
-gebürtig, am Vorabende von Peter Pauli in den Forst und wollte Beeren
-suchen; es wurde Nacht, und sie sah neben diesem Felsen ein schönes
-Haus stehen. Sie trat hinein, und als sie die Thüre öffnete, saß ein
-alter Mann am Tische, der schrieb emsig und eifrig. Die Frau bat um
-Herberge und wurde willig angenommen. Außer dem alten Manne war aber
-kein lebendes Wesen im ganzen Gemach, allein es rumorte heftig in
-allen Ecken; der Frau ward greulich und schauerlich und sie fragte
-den Alten: »Wo bin ich denn eigentlich?« Der Alte versetzte, daß er
-Heiling heiße, bald aber auch abreisen werde, »denn zwei Drittel
-meiner Zwerge sind schon fort und entflohen.« Diese sonderbare Antwort
-machte das Weib noch unruhiger, und sie wollte mehr fragen, allein er
-gebot ihr Stillschweigen und sagte nebenbei: »Wäret Ihr nicht gerade
-in dieser merkwürdigen Stunde gekommen, solltet Ihr nimmer Herberge
-gefunden haben.« Die furchtsame Frau kroch demütig in einen Winkel
-und schlief sanft ein. Als sie am Morgen mitten unter den Felssteinen
-erwachte, glaubte sie geträumt zu haben; denn nirgends war ein Gebäude
-zu sehen. Froh und zufrieden, daß ihr in der gefährlichen Gegend
-kein Leid widerfahren sei, eilte sie nach ihrem Dorfe zurück; es war
-alles so verändert und seltsam. Im Dorfe waren die Häuser neu und
-anders aufgebaut, die Leute, die ihr begegneten, kannte sie nicht und
-sie wurde auch nicht von ihnen erkannt. Mit Mühe fand sie endlich
-die Hütte, wo sie sonst wohnte, und auch die war besser gebaut; nur
-dieselbe Eiche beschattete sie noch, welche einst ihr Großvater dahin
-gepflanzt hatte. Aber wie sie in die Stube treten wollte, ward sie
-von den unbekannten Bewohnern als eine Fremde vor die Thür gewiesen.
-Sie lief weinend und klagend im Dorfe umher. Die Leute hielten sie
-für wahnwitzig und führten sie vor die Obrigkeit, wo sie verhört und
-ihre Sache untersucht wurde. Siehe da, es fand sich in den Gedenk-
-und Kirchenbüchern, daß gerade vor hundert Jahren an eben diesem Tage
-eine Frau ihres Namens, welche nach dem Forst in die Beeren gegangen,
-nicht wieder heimgekehrt sei und auch nicht mehr zu finden gewesen
-war. Es war also deutlich erwiesen, daß sie volle hundert Jahre im
-Felsen geschlafen hatte und die Zeit über nicht älter geworden war. Sie
-verlebte nun ihre übrigen Jahre ruhig und sorgenlos und wurde von der
-ganzen Gemeinde anständig gepflegt, zum Lohne für die Zauberei, die sie
-hatte erdulden müssen.
-
-
-144. Der Zwergtanz im Kupferhügel.
-
-(Friedr. Bernau in der Comotovia, 1877, S. 77.)
-
-Drei Bergleute fuhren einst an, um die Erze aus dem tiefsten Schachte
-zu holen. Um jene Zeit waren noch reichhaltige Gruben im Kupferhügel,
-vorzüglich auf Kupfer und Eisen, wie es noch die vielen Schachte und
-unterirdischen Gänge in demselben beweisen. Fleißig und frohgemut
-arbeiteten nun die Bergleute in den Felsen hinein, um ihn zu
-zerkleinern und die Erze daraus zu gewinnen. Noch waren sie nicht mit
-einer Schicht fertig, als sie plötzlich durch eine liebliche Musik,
-die aus dem Innern des Berges zu kommen schien, überrascht wurden.
-Alle gerieten in Spannung und Freude. »Wahrhaftig«, sagten sie zu
-einander, »eine so schöne Musik haben wir noch nie gehört, selbst am
-Prokopitage nicht, wenn wir Schritt für Schritt, angethan mit unserer
-festlichen Bergkleidung, die Hacke und die brennende Lampe in der
-Hand, hinter unserer Bergmusik zur Kirche ziehen!« Um den Berggeist,
-wie sie glaubten, in seiner Unterhaltung nicht zu stören, schickten
-sich die Bergleute schon an, an den Tag zu fahren, als sie von der
-Seite her, von welcher die Musik kam, eine Menge kleiner Männchen,
-kaum größer als eine Menschenhand, auf sich zukommen sahen, die mit
-den verschiedenartigsten Musikinstrumenten versehen waren. Hinterdrein
-zog ein munterer Schwarm von Zwergen, die unter fröhlichem Hüpfen
-endlich in einem großen Felsengewölbe Platz nahmen. Bald kamen auch
-einige Zwerge näher zu den Bergleuten, grüßten sie freundlich mit
-dem Bergmannsgruße »Glückauf!« und sagten: »Ruhet aus und seid
-fröhlich mit uns; was Ihr versäumt, das wollen wir Euch nach dem Tanze
-nachholen.« Flink legten die Bergleute ihre Werkzeuge bei Seite, denn
-sie waren schon müde von der anstrengenden Arbeit, und folgten gerne
-der zutraulichen Einladung. Alles freute sich und war guter Dinge.
-Die Zwerge tanzten, und die Bergleute schauten ihnen vergnügt zu, so
-daß oft der Berg sich mit den beglückten Bergleuten zu drehen schien.
-Endlich erhob sich eines der kleinen Männchen, gab ein Zeichen mit
-der Hand und alles stellte sich in einem enggeschlossenen Kreise auf,
-in den auch die Bergleute eintreten mußten. Die Musiker befanden sich
-in der Mitte und es schien, als ob sie erst jetzt recht ergreifend
-spielen wollten, wohlgeordnet und langsam setzte sich der Kreis, dem
-ein Vortänzer voranging, in Bewegung; die Bewegung wurde unter dem
-seltsamen Hüpfen, Springen und Laufen immer schneller. Bald standen die
-Zwerge stille, schienen sich zu bedenken, dann fingen sie plötzlich
-wieder an, mit Händen und Füßen zu zappeln, dabei sprangen sie in die
-Höhe, der eine über den andern, bis alle in größter Unordnung waren.
-Die drei Gäste konnten sich des lauten Lachens nicht erwehren, was die
-Zwerge in ihrer Lust auch ungestraft ließen. Endlich setzten sich alle
-wieder auf ihre Plätze, nur ein altes, ganz graues Männlein trat zu
-den Bergleuten, strich mit seiner flachen Hand über deren Augen, die
-also bald erblindet zu sein schienen; dann nahm es die Bergleute bei
-der Hand und führte sie eine ziemliche Strecke aufwärts, bis sie in
-eine Kammer gelangten, wo sie rasch wieder sehend wurden. Hier ergriff
-sie nun das höchste Staunen, denn das ganze Gewölbe war mit goldenen
-Platten belegt; Gold- und Silberstangen lagen da aufgeschlichtet, wie
-daheim die Späne in der Küche; die Tische beugten sich unter der Last
-von Edelsteinen, die ein blendendes Licht verbreiteten. Die Bergleute
-standen da wie versteinert. Endlich nach langem Schweigen sprach der
-Alte zu ihnen: »Nehmet Euch nun, was Euch nützlich ist; Ihr sollt damit
-so lange glücklich sein, als Ihr dabei fleißig und sparsam bleibt; thut
-Ihr das nicht, so werdet Ihr trotz des Reichtums noch elend sterben
-müssen.« Ein jeder nahm nun so viel, als er in beide Hände bringen
-konnte, und bald befanden sie sich wieder unter den kleinen Männchen,
-die während der Zeit, als die Bergleute in der Goldkammer waren, für
-sie gearbeitet hatten. Mächtige Kupferadern waren aufgeschlossen und
-große Haufen Erze herausgearbeitet. Als die Bergleute den Zwergen
-danken wollten, war alles verschwunden; nur aus der Ferne hörte man
-noch die bezaubernde Musik. Bald begaben sich auch die Bergleute, da
-es doch schon Nacht sein mußte, auf die Fahrt, um heimzukehren; um so
-größer aber war ihr Erstaunen, als sie die Sonne im Osten aufgehen
-sahen und von den Leuten erfuhren, daß schon der fünfte Tag verflossen
-war, seitdem sie in die Grube gestiegen. Dennoch glaubte ein jeder von
-ihnen nur geträumt zu haben; allein die großen Goldstücke in ihren
-Händen überzeugten sie eines anderen. Ein jeder von ihnen kaufte sich
-ein Häuschen und lebte glücklich mit seiner Familie. Nur einer wurde
-stolz und glaubte nicht mehr arbeiten zu sollen, wofür ihn, wie der
-Zwerg gedroht hatte, das Los bitterster Armut traf; die beiden andern
-arbeiteten fleißig wie früher und erinnerten sich in ihrem Glück oft
-an den alten grauen Zwerg, den Begründer ihres Wohlstandes. Noch heute
-zeigt man im Kupferhügel Spuren jenes Gewölbes und heißt dieselben seit
-dieser Begebenheit »die Zwergkammer.«
-
- Die Zwerge sind elbische Wesen, welche für sich ein eigenes Reich
- bilden und durch Zufall oder Drang der Umstände bewogen, mit den
- Menschen, denen sie helfen oder schaden können, verkehren; sie
- sind jedoch meist wohlthätig und hilfreich. Die Liebe zur Musik
- verknüpft sie mit höheren Wesen, besonders mit Halbgöttinnen und
- Göttinnen. Ja eine Stelle in einem mittelhochdeutschen Gedichte: »~da
- sassen fideler und videlten all den albleich~«, spricht ihnen die
- Erfindung einer eigenen Weise zu. Neben der Musik liebten die Zwerge
- besonders den Tanz. Elbe tanzten des Nachts im Mondschein, und aus
- der Erscheinung tanzender Berggeister prophezeite man ein gesegnetes
- Jahr. (Grimm, Deutsche Myth., S. 264.) Auch die Ludki, die Zwerge
- der wendischen Sage, waren Spielleute und besuchten als solche und
- manchmal auch als Tänzer die Feste der Menschen, wobei sie Geschenke
- mitbrachten. (Haupt, Sagenbuch etc. I., No. 43.)
-
-
-145. Das graue Männlein bei Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 40.)
-
-Nahe bei Joachimsthal führt der sogenannte »Apostelsteig« nach
-der »Prokops-Kapelle.« Ein greiser Mann aus dem Gewerbestande
-erzählte: Mein Vater hat als vierzehnjähriger Junge im Frühjahre bei
-Abenddämmerung ein graues Männlein, nicht länger als sein eigener
-Bart, plötzlich sich breit vor ihn hinstellen gesehen. Kein Gebet,
-aber auch kein Fluch hat das wie im Boden wurzelnde graue Männlein
-verscheucht. Vor Verwirrung griff der Vater zuerst nach der Tabaksdose,
-dann räusperte er sich, betete und weinte, endlich ist ihm bei allem
-Entsetzen das Evangelium Johannes in den Sinn gefahren, und als er
-sprach: »Das Wort ist Fleisch geworden«, ist das Männlein verblitzt.
-
- Das graue Männchen als zwerghaftes Wesen ist der Berggeist; die graue
- Farbe ist Erdfarbe.
-
-
-146. Das graue Männel bei Blauenthal.
-
-(Mündlich.)
-
-Wenn man auf der Straße von Burkhardsgrün nach Blauenthal geht, so
-hat man, ehe die Muldenbrücke erreicht wird, zur linken Hand einen
-Waldbezirk, welcher das »graue Männel« heißt. Dieser Name soll von
-folgender Begebenheit herrühren. Einst herrschte in Blauenthal und
-Umgegend die Pest. Da waren Holzhauer in dem genannten Walde, die
-unterhielten sich beim Vesperbrot und klagten über das viele Sterben.
-Auf einmal stand ein graues Männel vor ihnen das ihnen vorher unbemerkt
-zugehört hatte; dasselbe sagte:
-
- »Trinkt Bärenwurz und Baldrian,
- So kommt ihr alle gut davon!«
-
- In Nordböhmen soll zur Zeit einer großen Pest ein Engel gerufen haben:
-
- »Eßt Bibernell und Baldrian,
- So geht euch die Pest nicht an.«
-
- (Grohmann, Aberglauben etc., S. 92.)
-
- Während einer Pest in Hinterpommern kam eine Taube vom Himmel und
- rief:
-
- »Ist die Krankheit noch so schnell,
- So braucht geschwind nur Bibernell.«
-
- (Die Natur von Ule und Müller, 1866, No. 2.) Dieselbe Sage findet
- sich auch im Spessart. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 305.)
-
- Als nach dem 30jährigen Kriege die Pest im Vogtlande und Erzgebirge
- furchtbar wütete, kam von Norden her ein weißer Rabe geflogen,
- welcher rief:
-
- »Freßt nur recht Rapuntika,
- Sinsten kimmt kä Mensch derva.«
-
- (Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 628.)
-
-
-147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.
-
-(Mündlich. Köhler, Volksbrauch etc., S. 497.)
-
-In Bernsdorf bei Werdau war eine Seuche, an der viel Menschen starben.
-Des Abends pochte es an die Hausthüre, und so vielmal es gepocht hatte,
-so viel Menschen starben am andern Morgen in dem Hause. Es war aber
-ein graues Männchen, das von Haus zu Haus ging und klopfte. Dasselbe
-Männchen kam auch zu einem Manne und dessen Frau und sagte: »Eure
-Nachbarn werden alle sterben und Ihr sollt die Totengräber machen.« Am
-anderen Tage waren die Nachbarn tot und der Mann mußte sie mit Hilfe
-seiner Frau begraben. Da sich aber beide darüber entsetzten und sich
-vor dem Tode fürchteten, kam das Männchen wieder und sprach:
-
- »Trinkt Baldrian,
- So kommt ihr alle davon.«
-
- In einer Lausitzer Sage wird Baldrian von einem Vogel als Mittel
- gegen die Pest empfohlen. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 337.)
-
-
-148. Der graue Zwerg am weißen Stein bei Alberode.
-
-(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
-
-Bei dem sogenannten weißen Stein, einem einzelnstehenden Felskegel
-zwischen der Mulde und Alberode, sitzt zuweilen ein graues Männchen.
-Wenn der rechte Mann kommt und zur rechten Stunde und sagt das richtige
-Sprüchelchen, der sieht den Zwerg, und dieser zeigt ihm große Schätze,
-ganze Backschüsseln voll Gold.
-
-
-149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird
-gestört.
-
-(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 59.)
-
-Das Verhältnis zwischen den Zwerglein und Menschen blieb nicht immer
-ein freundliches. Es kam dahin, daß die kleinen Leute, wenn sie bittend
-vorsprachen, häufig von der Thür gewiesen, ja daß sie sogar verfolgt
-und an Freiheit und Leben bedroht wurden.
-
-Einst war ein Zwergweiblein nach Langenau gekommen, man ließ es aber
-nicht mehr fort und einige Unbarmherzige sperrten es sogar ein. Es bat
-und flehte inständig um seine Freiheit, denn es habe ein ganz kleines
-Kindchen zu Hause und müsse es warten und pflegen; aber sein Bitten war
-umsonst.
-
-So saß es über Nacht gefangen und man hörte es in einem fort jammern
-und klagen: »Mein Spinnerl spinnt nit, mei Waferl waft nit, mein
-jüngstes Bübel greint Tag und Nacht!«
-
-Als man am Morgen öffnete, war das Weiblein tot.
-
-Aber diese Unthat ward gerächt. Aus dem Hause, wo sie geschehen, floh
-das Glück und der Segen für immer; die Besitzer gingen zugrunde, sie
-mochten arbeiten und sich mühen, wie sie wollten.
-
-
-150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 185 und 190.)
-
-Der gemeine Mann trägt sich mit der Sage, daß vor alten Zeiten, ehe
-das Obererzgebirge angebaut worden, auf dem Waldgebirge und in dessen
-Felslöchern Zwerge gewohnt hätten, welche aber durch Aufrichtung der
-Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks« sollten sein verjagt
-worden. Sie wollten aber wiederkommen, wenn die Hämmer würden abgehen.
-
- S. auch die Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte. -- Das »Klippelwerk«
- ist ein Pochwerk, in welchem die Erze durch niederfallende Stampfen
- (Klippel) zerstoßen werden. Später verstand man unter Klippelwerk
- eine Bauart ärmlicher Häuser, nach welcher Holzscheite zum Aussetzen
- der Zwischenräume im Säulenwerke oder auch in Verbindung mit Lehm und
- Stroh zur Herstellung der Feueressen verwandt wurden. (Joh. Poeschel,
- Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie. 1883, S. 124, Anmerkung.)
-
- Ich finde bei Meltzer (Beschreibung der löbl. Bergkstadt Schneebergk,
- 1684, S. 471.) noch eine dritte Erklärung des Wortes. Darnach wäre
- darunter das Spitzenklöppeln zu verstehen, und bei dieser Erklärung
- würde die Tautologie »Pochwerk und Klippelwerk« wegfallen.
-
-
-151. Spuk der Berggeister und Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein bei
-Zöblitz.
-
-(Wg. im Glückauf, 2. Jahrg., No. 5.)
-
-Die Burg Oberlauterstein ist im Hussitenkriege geschleift worden. In
-den noch längere Zeit gebliebenen Überresten wohnten Berggeister und
-Zwerge, welche sich nicht miteinander vertrugen, sich stets zankten und
-des Nachts einen furchtbaren Lärm verursachten, so daß die Wanderer
-oft auf den Gedanken kamen, es donnere daselbst. Da kam einst aus
-dem Baierlande ein Geisterbanner, ein Feilenhauer von Profession,
-in diese Gegend. Es war ein langer, hagerer Mann mit zerlumpten
-Kleidern, als Geisterbanner gesucht hier und da, gefürchtet aber von
-jung und alt. Der Amtmann im Schlosse Niederlauterstein bat ihn, die
-Geister in der Ruine Oberlauterstein zu bannen, denn sie ließen auch
-ihn nicht ungeneckt. Der Feilenhauer versprach alles und hielt auch
-Wort. In einer finsteren Nacht nahm er seine Beschwörungen vor, pfiff
-dreimal ganz laut, und die unruhigen Geister krochen allzumal in den
-vorgehaltenen Ranzensack. Diese Geister trug der Mann in der folgenden
-Nacht im Ranzen, wie eine Partie junger Katzen, in die entferntere
-Ruine des Raubschlosses am Katzenstein, wo sie sich nun unter dunklen
-Fichten die Zeit mit Würfel- und Kartenspiel vertrieben. Als jedoch
-die Ruinen des Raubschlosses immer mehr zusammenbrachen, hatten die
-gebannten Geister nicht alle mehr Platz und zogen aus. Nicht selten
-zeigen sie sich jetzt noch in der Nähe des alten Oberlauterstein in
-feuriger Gestalt. Die Frauen dieser Geister heißen Klageweibel. Sie
-zeigen den nahen Tod der Bewohner an und haben ihren Sitz auf den
-sumpfigen Wiesen von Ansprung. Zuweilen erscheinen sie auch in Zöblitz
-in Gestalt kleiner Kinder, bittere Thränen vergießend.
-
-
-152. Berggeister in den Schneeberger Gruben.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1019.)
-
-Außer höchster Not wegen der bösen aufsteigenden Wetter und Schwaden,
-welche die zwei edelsten Glieder des menschlichen Leibes, das Gehirn
-und Herz ergreifen, sind die Bergleute auch nicht in geringerer Gefahr
-wegen der Bergteufel, Mönche und Berggespenster, die in der Finsternis
-herrschen und in den Strecken herumfahren wie brüllende Löwen, und
-suchen, wie sie Bergleute, wo dieselben nicht mit Gebet und Glauben
-widerstehen möchten, verschlingen. Und ob auch wohl die Bergmännlein
-einfältige Bergleute nicht so furchtsam machen, sondern doch wohl ein
-Zeichen eines guten künftigen Anbruchs, wo sie gesehen werden, sein
-sollen, so ist doch ein Teufel so arg wie der andere, und welcher
-am freundlichsten sich stellet, der ist wohl am schädlichsten und
-verursacht durch Gottes Verhängnis Fälle und Brüche. Es ist bekannt,
-wie einst dergleichen Bergteufel in Gestalt eines Mönchs einen Arbeiter
-in dem alten reichen St. Georg ergriffen und nicht ohne Beschädigung
-seines Leibes in der großen Weite in die Höhe geworfen.
-
-Im Jahre 1538 ist ein Bergmann in der Höflichen Besserung Fundgrube,
-vom Ungeheuer erwürget worden, weshalb Kurfürst Johann Friedrich
-darüber in einem besonderen Befehle umständlichen Bericht verlangte.
-
-Am 26. März des Jahres 1683 ging die Levitenzeche mit 3 Schächten
-in Haufen, daß man nichts von der Kaue sahe. Kurz zuvor aber war
-ein dicker Mann, mit Silber und Gold geschmückt, aus dem Kämmerlein
-heraus in die Kaue zu einem Bergmanne, Israel Ficker, welcher daselbst
-Schachtholz zurichtete, gekommen, und hatte ihn mit diesen Worten
-gefragt: »Kennst Du mich nicht?« Und da der Bergmann geantwortet:
-»Herr, wie soll ich Euch kennen, Ihr werdet wohl einer vom Herzog
-aus Holstein (der diese Zeche bauete) sein!« Da hat er ihn heißen
-anfahren, und, weil er es nicht thun wollte, dergestalt getäuscht, daß
-er darüber des Todes war und am 30sten desselben Monats begraben wurde.
-
-
-153. Der Berggeist in der Grube »Sieben-Schlehen« bei Neustädtel.
-
-(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)
-
-Es war eines Jahres am 24. December, als ein Bergmann in der Grube
-»Sieben-Schlehen«, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, getrosten
-Mutes einfuhr. Rüstig ging er an seine Arbeit. Da gegen Mitternacht
-ließen sich in der Ferne Schritte vernehmen, und der Bergmann glaubte,
-einer seiner Gesellen komme, um ihn abzulösen. Doch als das »Sappen«
-näher kam, erblickte er einen Mann, der trug an der Brust eine goldig
-funkelnde Blende mit einer Kerze darin; seine Kleidung war dunkel bis
-auf die weißen Strümpfe; an den Füßen hatte er glänzend schwarze Schuhe
-und der Kopf war mit einem Hute, ähnlich den Napoleonshüten, bedeckt.
-Sein Gesicht konnte jedoch der Bergmann vor Glanz nicht sehen; nur das
-eine sah er, daß ein silberweißer Bart bis auf die Brust hernieder
-hing. Die Erscheinung blieb vor ihm stehen und sagte nichts, leuchtete
-ihn aber an und kehrte auf demselben Wege wieder zurück. Als der
-Bergmann am anderen Morgen von seinem Begegnis erzählte, sagten ihm
-seine Gesellen, das sei der Berggeist gewesen.
-
-In demselben Schachte arbeitete am nächsten Charfreitage ein anderer
-Bergmann. Derselbe hörte in seiner Nähe ein unaufhörliches Sägen und
-Hämmern, wiewohl er wußte, daß keine Zimmerlinge da waren. Er zeigte
-dies beim Ausfahren dem Steiger an, welcher sogleich einfuhr und
-die Töne ebenfalls hörte. Darauf ließ derselbe den Ort mit Bretern
-verschlagen. Nach wenigen Tagen aber war er tot.
-
-
-154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Anhang, No. 7.)
-
-Auf dem Donat Spath im Bereiche der Elisabeth-Fundgrube zu Freiberg
-sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen »Hans« in Stein
-gehauen, wahrscheinlich zum Andenken eines Verunglückten. Das Bergvolk
-aber erzählt davon folgende Sage:
-
-Vor Zeiten arbeitete auf dem Donat auch ein Bergknecht Hans, welcher
-so arm war, daß er manchmal hätte verzweifeln mögen. Er weinte oft
-stundenlang in der Grube und eines Tages, als er sich keinen Rat mehr
-wußte, brach er in laute Klagen aus. Da zerteilte sich der Felsen und
-aus dem steinernen Thore trat ein kleines Männchen hervor. Das war
-der Berggeist, der sagte: »Armer Hans, ich will Dir helfen, aber Du
-mußt mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrot und ein Pfenniglicht geben
-und ewiges Schweigen geloben!« Hans, welcher sich bald von seinem
-Schrecken erholt hatte, versprach alles mit Freuden. Darauf verschwand
-der Berggeist wieder und ließ ihm des Silbers in Menge zurück. Nun war
-Hans ein gemachter Mann, der schon ein paar Groschen aufgehen lassen
-konnte. Niemand konnte begreifen, woher er das Geld habe, und er nahm
-sich wohl in acht, davon zu plaudern. Aber da kam das Stollnbier,
-wo das Bergvolk sich der Freude hinzugeben pflegt. Hans war diesmal
-vorzüglich auf dem Zeuge und sprach dem Glase wacker zu. Bald war
-er berauscht und konnte in der Lust des Herzens das Geheimnis nicht
-länger verschweigen. Als aber am andern Tage sein Taumel verflogen war
-und die Freunde ihm erzählten, was er geplaudert habe, da erschrak er
-und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war, den Knechten,
-welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben. Diese warteten lange
-vergeblich, er gab kein Zeichen, sie riefen ihn, er antwortete nicht.
-Da plötzlich zuckte es rasch am Seile und ein helles Licht erglänzte
-in der Teufe. Die Haspelknechte wußten nicht, was das zu bedeuten
-habe, drehten aber den Rundbaum mit Eile banger Erwartung, und bald
-war der Kübel zu Tage gefördert. Rings um den Rand desselben brannten
-Pfenniglichte, und drinnen lag der arme Hans tot, mit blauem Antlitz,
-wie ein Erdrosselter, und auf ihm das letzte Pfennigbrot. Der grausame
-Berggeist hatte ihn umgebracht.
-
-
-155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)
-
-Nahe bei »Sieben-Schlehen« befand sich ein Schacht, in welchem
-folgendes geschah: Als der Kunstwärter daselbst das Kunstzeug einölte
-und dabei an den Hauptzapfen kam, ließ sich ein Gesicht an der Wand
-sehen, welches sprach: »Diesen Zapfen schmiere ich.« Der Kunstwärter
-gehorchte und ließ von da an diesen Zapfen unberührt, bis er doch
-einmal das Gebot übertrat. Kaum hatte er den Hauptzapfen eingeölt, so
-geriet er mit dem rechten Arme in das Kunstzeug, welches ihm den Arm
-abriß. Doch empfand er dabei nicht den geringsten Schmerz und die Wunde
-blutete auch nicht. Als er den weggerissenen Arm aufhob, erblickte er
-das Gesicht an der Wand wieder; dasselbe sah ihn höhnisch an, ohne
-etwas zu sprechen.
-
-
-156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in
-Neu-Geising.
-
-(Meißner, Umständliche Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S.
-239.)
-
-Gottfried Behr, welcher im Zwitterstock zu Altenberg arbeitete
-und einen Brennofen beschickte, erzählte folgendes: Es sei am 31.
-August 1713, als er in seinem Hause zu Neu-Geising früh vor 3 Uhr
-habe aufstehen wollen, ein Mann, grau von Haaren und Bart, in einer
-vollkommen menschlichen Gestalt, in einer langen grauen Kutte vor
-sein Bett getreten und hätte gesagt: »Warte immer noch ein Bißchen!«
-Und als Behr geantwortet: »Ich muß anfahren«, hätte dieser weiter
-gesagt: »Du sollst noch eher droben sein, als der, so mein Volk zählen
-läßt. Warte noch ein Bißchen, ich will Dir was sagen. Ich will mit
-Dir ins Zechenhaus gehen und Dir was weisen, wie ich mein Volk will
-wegnehmen. Du hast unterschiedliche Warnungen gethan und dabei haben
-Dich viele verunglimpfet; dieselben haben ihr Teil schon gekriegt.
-Und wenn sie Dich itzo werden wieder so verunglimpfen, wenn Du es
-sagen wirst, so soll es denen wieder so gehen, wie den ersten. Und Du
-sollst eher droben im Zechenhause sein, wie der Geschworene, das merke
-Dir zum Wahrzeichen gewiß!« Darauf wäre der Mann verschwunden und er
-hätte nicht gesehen wohin. Hierauf sei er aus dem Bette aufgestanden,
-hätte sich angezogen, und wie er seinen ordentlichen Weg den Mühlberg
-hinan ins Zechenhaus gegangen, habe er daselbst den alten grauen Mann
-innen an der Thür stehend wieder angetroffen und gesehen, daß er vom
-Ofentopfe an einen Strich mit dem rechten Arme über die Bergleute nach
-dem Fenster zu gethan, und ihn an der linken Seite berührt, daß er
-solches die ganze Woche lang sehr gefühlet und manche Thräne darüber
-vergossen. Nach diesem hätte er wahrgenommen, daß die Leute alle
-weggewesen, bis auf zehn Personen, so an dem Ofen traurig gesessen.
-Der graue Mann aber hätte dazu gesagt: »Da haben sie die Zwölf, die
-mögen sie auszählen.« Darauf sei er wieder verschwunden, und habe er,
-nämlich Behr, die Leute, welche fortgewesen, mitten unterm Gebete
-wieder um sich gesehen; es sei auch gleich der Herr Geschworene
-hineingekommen und habe sich sofort am Tische an seinen Ort gesetzt und
-mit den Burschen sein Gebet gethan; weiter aber habe er damals weder
-im Zechenhause, noch in der Grube, oder sonst etwas mehr gemerket.
-Freitags hernach, den 8. September, habe sich ferner begeben, daß, als
-er zu seiner Zeit aufgestanden und ins Zechenhaus sich begeben, auch in
-die Stube hineingetreten, dieser alte graue Mann in voriger Gestalt und
-Tracht beim vorderen Fenster am Tisch auf seinem Orte gesessen. Nachdem
-er nun näher gegangen, den Tisch mit der Hand ergriffen und sich setzen
-wollen, sei derselbe aufgestanden und gleich wieder vor seinen Augen
-weggekommen, worauf er sich gesetzet und mit den Bergleuten gebetet. Am
-11. September, früh 5 Uhr, erschien der graue Mann dem Gottfried Behr
-wieder vor dem Bette und sagte, er solle mit ihm wohin gehen, da würde
-eine Hochzeit sein, es wären schon drei Tafeln gesetzt. Nachdem aber
-seine Frau dazu gekommen und ihn gerufen, wäre der graue Mann wieder
-verschwunden.
-
-
-157. Vom Berggeist in Schneeberg.
-
-(Nach einer mündlichen Mitteilung.)
-
-In der St. Georgenzeche zu Schneeberg ist früher einem Knappen ein
-Berggeist erschienen und hat ihn so gewaltig auf einen Stein gesetzt,
-daß er wie angemauert sitzen bleiben mußte. Ebenso erging es einem
-Steiger, welcher die Bergleute sehr streng behandelte. Später erschien
-der Berggeist wieder und schlug mit der Faust gewaltig an die Felswand.
-Die Bergleute, welche daselbst arbeiteten, sahen darauf eine Höhlung,
-in welcher viel Silber lag. Hätten sie sogleich eine Hacke oder ein
-anderes Gerät in die Höhle geworfen, so würden sie den Schatz gewonnen
-haben. So aber unterließen sie es aus Unkenntnis und der Schatz
-verschwand; auch der Berggeist ließ sich von dieser Zeit an nicht
-wieder sehen.
-
-
-158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.
-
-(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, Sammlung bergmännischer
-Sagen, 1883, S. 29.)
-
-In der St. Georgsgrube zu Schneeberg erschien der Berggeist in Gestalt
-eines schwarzen Mönches, ergriff einen Bergknappen, der sich in der
-Teufe ungebührlich aufgeführt, hob ihn auf, und setzte ihn auf einer
-ehedem silberreichen Grube nieder, so hart, daß ihm das Hinterleder
-platzte und alle Rippen krachten.
-
-
-159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.
-
-(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, a. a. O., S. 29.)
-
-Zu Annaberg war eine Grube, genannt »der Rosenkranz«, darinnen
-arbeiteten 12 Knappen. Die schwatzten mit einander possenhaft, wollten
-sich gegenseitig mit dem Berggeist fürchten machen und leugneten
-ihn als einen lächerlichen Popanz. Da mit einem Male sahen sie eine
-Roßgestalt mit langem Halse und mit feurigen Augen an der Stirne und
-erschraken zum Tode. Dann ward aus der Roßgestalt die wahre Gestalt des
-Bergmönches, die trat ihnen schweigend nahe und hauchte jeden nur an.
-Sein Atem aber war wie ein böses Wetter, sie sanken tot nieder von des
-Geistes Anhauch, und nur einer kam wieder zu sich, gewann mit Mühe den
-Ausgang und sagte, was sich zugetragen. Dann starb auch er. Darauf ist
-die silberreiche Grube »der Rosenkranz« zum Erliegen gekommen und nicht
-mehr angebaut worden.
-
-
-160. Der gespenstische Bergmann in Aue.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis.~, S. 1146.)
-
-In den erzgebirgischen Bergstädten sind die Bergteufel in manchen
-Gestalten erschienen, bald als Bergmönche inner- und außerhalb der
-Gruben, bald mit einem Irrlicht, als einem vermeinten Grubenlicht. So
-ließ sich im Jahre 1684 in einer Auischen Wohnung beim Schnorrschen
-Hammerwerk ein Geist hören und darauf in Gestalt eines Bergmanns sehen.
-Derselbe hüpfte in einer gewissen Gegend unweit der Mulde, und da man
-an diesen Ort mit der Rute ging, soll dieselbe auf Silber geschlagen
-haben.
-
-
-161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.
-
-(Mündlich.)
-
-Frauen, welche mit Butter durch den Zechengrund bei Zinnwald, wo früher
-reiche Bergwerke waren, gingen, sahen oftmals daselbst Bergknappen,
-obgleich schon längst kein Bergbau dort im Gange mehr war.
-
-
-162. Gespenstischer Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.
-
-(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 75.)
-
-Am Bache zwischen Rittersgrün und Pöhla ist ein Fels, in dessen Nähe
-sich ein Gespenst als Bergmann hören und sehen ließ, oben auf dem Kopfe
-mit einem brennenden Grubenlichte. Derselbe erschreckte des Nachts die
-Leute und warf sie in den Bach.
-
-
-163. Gespenstischer Bergmann bei Scheibenberg.
-
-(Chr. Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 76. Wrubel, Sammlung
-bergmännischer Sagen, 1883, S. 79.)
-
-Am Scheibenberge hat sich oft ein Gespenst in Gestalt eines Bergmanns
-sehen lassen. Dasselbe ist den Maurern, welche dort Sand gesiebt,
-plötzlich auf den Hals gekommen; andere hat es hinter dem Berge an
-eine eiserne Thüre geführt, wie zum Eingange eines Schatzes, die man
-aber darauf nicht hat wieder finden können. Auch hat daselbst ein
-Gespenst in Gestalt einer Jungfrau, oder in der von Wölfen, Füchsen und
-Irrwischen manche irre geführt und geäfft.
-
-Im Jahre 1632 hat Hans Schürf zu Crottendorf eine Tochter von 8 Jahren
-im Walde verloren, die man innerhalb 13 Tagen nicht auffinden konnte,
-bis sie von einer Köhlerin im Walde angetroffen und heimgebracht wurde.
-Da man sie nun fragte, was sie denn gegessen und getrunken, antwortete
-sie, ein Männchen habe ihr alle Tage eine Semmel und zu trinken
-gebracht.
-
-
-164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre.
-
-(Gräße, a. a. O. Nr. 499.)
-
-Einmal ritt ein beherzter Mann ganz allein in der Abenddämmerung nicht
-weit von Annaberg auf der gewöhnlichen Heerstraße, da sah er einen
-alten Bergmann vor sich hergehen. Als er an ihn herankam, bot er ihm
-einen guten Abend, erhielt aber keine Antwort, ebenso wenig auf die
-Wiederholung des Grußes, und da er etwas hitzig war, schrie er: »Ei,
-so soll Dich Grobian gleich der Teufel --!« und zog ihm eins mit der
-Reitgerte über. Aber siehe, auf einmal wußte er nicht mehr, wo er war;
-er ritt bis in die Nacht in der Irre herum und erst gegen Mitternacht
-hörte er Stimmen. Er rief, es kamen Leute, er fragte, wo er sei, und
-erfuhr, er sei in seinem eigenen Heimatorte. Man führte ihn bis an sein
-Haus und noch immer kannte er sich nicht; erst als seine alte Mutter
-mit einem Lichte vor die Thür trat, wußte er wieder, wo er war. Der
-Bergmann hatte ihn geäfft.
-
-
-165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann.
-
-(K. Fr. Döhnel im Erzgeb. Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 180.)
-
-Eine geraume Zeit hatte der alte Bergmann Kapuzer redlich und treu
-in den unterirdischen Klüften gearbeitet, und wer ihn gesund und von
-der verderblichen Bergluft verschont in seinem grauen Kopfe sah, der
-mußte ihm gut sein. Freilich hatte er sich auf der Fahrt seines Lebens
-durch Kämme[1] und Knauer[2] winden müssen, und manches Wetter und
-manche Felsenwand hatten ihn auf seiner Fahrt bedroht. Es schien fast,
-als hätte ihn das Schicksal als ein taubes Gestein auf die Halde des
-Lebens geworfen; aber nie verlöschte das Grubenlicht der Hoffnung
-in seiner Hand, und mit diesem glaubte er noch einen reichhaltigen
-Gang zu treffen. Aber eine fürchterliche Teuerung brach herein, und
-Berghenne[3], die sonst ihm und seinen Kindern Sonntagskost gewesen
-war, mußte er ganz entbehren und oft Tage lang hungern. Die Kleinen
-jammerten ihn sehr, und ob er sich schon manches entzog, um nur ihren
-Hunger zu stillen, so wollte es doch nicht zulangen. Einstmals fuhr er
-zur Frühschicht an und sang mit frohem Mute das schöne Lied: Wer nur
-den lieben Gott läßt walten, obschon er seit zwei Tagen wenig gegessen
-hatte. Unter den letzten Versen des Liedes begann er seine Arbeit und
-verfolgte rasch mit dem Fäustel den am Tage vorher getroffenen Gang.
-Da sprang ihm gediegenes Silber ins Auge. Die Stufe, die er abhieb,
-war reichlich, und von ihrem Verkaufe konnte er langen Unterhalt
-für seine Kinder hoffen. Das Elend der Kinder stand vor ihm, die
-Mittel, es zu mildern, auch, und schon streckte er in Erwägung der
-wachsenden Not seine Hand nach der Silberstufe. Da schlug ihm etwas
-auf die Achsel. Er drehte sich um und sah ein kleines graues Männchen
-im Berghabite hinter sich stehen, das mit der einen Hand auf die
-Silberstufe zeigte und die andere drohend erhob. Kapuzer schauderte,
-warf die Silberstufe hin und das Männchen verschwand. Sogleich fuhr
-er aus, um es seinen Vorgesetzten zu melden, daß Gott das Gebet der
-Gewerken erhört und Gänge und Klüfte aufgethan hätte. Die Vorgesetzten
-umarmten den redlichen Mann, fuhren in den Schacht und sahen den
-reichen Fund. Die meisten Gewerken waren bemittelte Leute, sie
-wollten den alten Kapuzer mit Ruhe in seinen alten Tagen für seinen
-Fund belohnen, aber er schlug es aus, obschon sie ihm doppelten Lohn
-boten. »Ich will in meinem Berufe sterben, ist ja das Grab auch nur
-ein Schacht, in dem der Silbergang der Ewigkeit glänzt,« rief der
-Greis mit Thränen in den Augen; »ich kann noch arbeiten.« Die Bitte
-ward ihm gewährt, seine Kinder wurden gekleidet und er durch ein
-ansehnliches Geschenk der drückenden Nahrungssorgen für sich und die
-Seinen entzogen. Noch sechs Jahre arbeitete er mit gleicher Thätigkeit.
-Da rief ihn der Bergfürst von der Schicht. Früh morgens um drei Uhr
-wollte er zur Arbeit aufstehen, aber er vermochte es nicht. Um acht
-Uhr rief er seinen ältesten Knaben: »Geh' zum Bergmeister,« sprach
-er, »und sag' ihm, der alte Kapuzer werde bald Schicht machen, sein
-Grubenlicht wolle verlöschen, er solle mich noch einmal besuchen.« Der
-redliche Bergmeister kam zu dem Sterbenden und dieser erzählte ihm
-die Geschichte von dem Bergmännchen. Der Bergmeister stand gerührt
-an seinem Bette. Dann faltete der Kranke die Hände, betete still und
-endlich sprach er mit schwacher Stimme: »Es ist vollbracht, Glückauf!«
-und verschied.
-
-Wenn ein redlicher Bergmann aus Armut stehlen will, warnt ihn das
-Bergmännchen, und nur die, welche geübte Bösewichter sind, überläßt es
-der Stimme ihres Gewissens und der strafenden Hand der Obrigkeit.
-
- [1] Kämme sind festere Gesteinslagen.
-
- [2] Knauer, ein festes und rohes Gestein.
-
- [3] Berghenne ist eine Wassersuppe oder auch Brot und Käse.
-
-
-166. Das gespenstische graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft«
-bei Johanngeorgenstadt.
-
-(Engelschall, Beschreib. d. Bergstadt Joh.-Georgenstadt. 1723, S. 136.)
-
-In dem Bergwerke zur »Treuen Freundschaft« hat sich am 7. Aug. 1719
-folgendes begeben: Es arbeitete vor Ort Johann Christoph Schlott, und
-da man zu Mittag ausgepocht hatte, hörte er gegen den Schacht noch
-jemanden husten. Da meinte er, es werde der Steiger vor Ort fahren,
-solches in Augenschein zu nehmen. Nachdem sich aber niemand eingestellt
-hatte, wollte er ausfahren; aber kaum hatte er sich umgewendet, da nahm
-er wahr, wie ihm jemand vom Schachte her mit brennendem Grubenlichte
-entgegen kam. Dadurch wurde Schlott in seiner früheren Meinung, daß es
-der Steiger sei, wieder bestärkt. Doch als sie endlich beide auf der
-Strecke zusammenstießen, nahm er wahr, daß es ein sehr kleiner Mann in
-einem braunen Kittel war. Derselbe hing eben, als Schlott vorbei fuhr,
-sein Grubenlicht ans Gestein, so daß es auch sofort hängen blieb,
-legte die Tasche ab und sprach zu Schlotten. »Ists schon Schicht?«
-denn die Bergleute fuhren an diesem Tage wegen der Beerdigung des
-Hammerwerksbesitzers eine Stunde früher aus. Bei dieser Anrede überfuhr
-Schlotten ein Schauer, er eilte davon und traf keine Arbeiter mehr in
-der Grube an. Dies Begegnis erzählte er darauf dem Steiger, welcher
-anfangs nicht viel davon wissen wollte; doch mußte Schlott später
-den Ort zeigen, woran das Männchen sein Grubenlicht gehangen hatte.
-Daselbst nahm man eine kleine Kluft wahr und es wurde an der Stelle ein
-Schuß gebohrt, der einen Gang öffnete, von dem man mehrere Quartale
-nacheinander eine gute Ausbeute machte.
-
-
-167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.
-
-(Mündlich.)
-
-Ein Bergjunge fuhr einst auf dem Bergschachte Orschel bei Schneeberg
-an; da erschien ihm ein Berggeist, welcher ihn töten wollte. Doch ließ
-er es bei der Drohung bewenden, wenn ihm der Junge alle Tage eine
-Semmel mitbrächte; aber er solle niemandem etwas davon sagen. Eines
-Tages brachte der Junge keine Semmel mit und wurde in einem Kübel
-erwürgt. Als man ihn fand, lagen um ihn herum viele verschimmelte
-Semmeln, mit denen er an das Tageslicht gefördert wurde.
-
- Diese Sage hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit der vom Berggeiste
- am Donat zu Freiberg. Das Geschenk einer Semmel, welches dem
- Berggeiste gemacht werden muß, erinnert an das Essen, welches man
- nach deutschen Sagen den Kobolden hinsetzen mußte. Wie die Kobolde
- sind hier vielleicht auch die Berggeister als Geister der Vorältern
- und zwar derjenigen, welche in der Erde ruhen, aufzufassen. Zwergen
- und Berggeistern werden an gewissen Orten Speisen und Getränke
- hingestellt, wofür sie sich durch Geschenke dankbar bezeugen. (Nork,
- Sitten und Gebräuche, S. 241) In Idria stellen die Bergleute den
- Wichtlein, die man im Bergwerke öfters klopfen hört, ein Töpflein
- Speise an einen besondern Ort. (Grimm, deutsche Sagen, I. No 37.)
-
-
-168. Der Berggeist verlangt für reiche Anbrüche eine Pfennigsemmel.
-
-(Ed. Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke. 1882, S. 1. etc.)
-
-Vor langen Jahren lebte in Joachimsthal ein erfahrener, aber armer
-Bergmann, namens Christoph Wattmer, der sich und seine zahlreiche
-Familie, so gut es eben ging, durch seiner Hände Fleiß redlich
-ernährte. War auch oft in seiner Hütte Schmalhans Küchenmeister, so
-bewahrte sich doch Wattmer stets einen heiteren, zufriedenen Sinn, um
-den ihn seine Kameraden nicht selten beneideten. Einmal hatte er aber
-in der Nacht einen bösen Traum, der ihn recht traurig stimmte, da er
-ein großes Unglück befürchtete. Deswegen wäre er gern von der kommenden
-Morgenschicht weggeblieben, allein er mußte seiner Pflicht folgen. Mit
-sorgenschwerem Herzen machte sich also Wattmer beim Tagesanbruch auf
-den Weg zum Grubenhause, verrichtete daselbst sein Gebet und mit dem
-üblichen »Glück auf!« fuhr er im Namen Gottes in den tiefen Schacht.
-Als er vor Ort war, arbeitete er fleißig und unverdrossen, bis er
-plötzlich in der Nähe ein Klopfen und Hämmern, ein Ächzen und Stöhnen
-vernahm, das ihn nichts Gutes erwarten ließ. Wie er nun in Gedanken
-versunken dastand, sah er einen großen, dicken Mann im schmierigen,
-erdfahlen Grubenkittel auf sich zuschreiten. Er hatte einen großen
-runden Hut auf dem Kopfe, Schlägel und Eisen im breiten Gürtel, in
-der rechten Hand aber trug er ein Grubenlicht, das die ganze Strecke
-taghell erleuchtete. Je näher die unheimliche Gestalt kam, desto enger
-schnürten Furcht und Grausen des Bergmanns Brust zusammen. »Fürchte
-Dich nicht,« redete der Berggeist den zitternden Bergmann an, »ich
-will Dir kein Leid zufügen, denn Du bist mir gerade willkommen. Sorge
-täglich für eine Pfennigsemmel, es soll nicht Dein Schaden sein!« Der
-Bergmann that, wie ihm befohlen ward, und brachte dem Berggeiste jede
-Schicht eine Pfennigsemmel. Darüber erfreut, sprach der Berggeist eines
-Morgens zu Wattmer: »Da Du bisher meinen Wunsch erfüllet hast, will ich
-Dich zum reichen Manne machen.« Nach diesen Worten schlug er an die
-Wand und sofort öffnete sich eine Strecke voll Silbererzes. »Melde den
-Anbruch«, fügte er hinzu, »Deinen Vorgesetzten, doch sage niemandem,
-daß ich mit Dir im Verkehre stehe, sonst bist Du unrettbar verloren!«
-Der Bergmann versprach Stillschweigen, schied mit dankerfülltem Herzen
-von seinem Gönner und fuhr vergnügt zu Tage. Er eilte alsdann zum
-Berghauptmann und hinterbrachte ihm die Nachricht von dem reichen
-Silberanbruche. Wie ein Lauffeuer ging diese Kunde von Mund zu Mund
-und Freude strahlte auf allen Gesichtern. Die gesamte Bergknappschaft
-veranstaltete nun zu Ehren des wackern Christoph Wattmer ein glänzendes
-Mahl, bei welchem er obenan saß. Als die Teilnehmer des Freudenfestes
-im Saale schmausten, zechten und sich lustig machten, bestürmten sie
-unablässig Wattmer, er möge ihnen doch endlich über das unerwartete
-Auffinden des Anbruches näheren Aufschluß geben. Die Aussage, die
-derselbe machte, genügte den neugierigen Kameraden, welche den
-Zusammenhang der Sachlage ahnen mochten, noch lange nicht, sie wollten
-mehr erfahren. Ihrem Drängen gab endlich der unbesonnene Wattmer nach
-und erzählte mit beklommenem Herzen die ganze Begebenheit; dafür aber
-sollte er schwer büßen. Als er nämlich am folgenden Tage mit Zittern
-und Zagen anfuhr, erwartete ihn schon mit geballter Faust der ergrimmte
-Berggeist, der ihm mit donnernder Stimme zurief: »Heißt das, armseliger
-Erdenwurm, mir, dem Herrn über alle Gebirge dieser Gegend, Wort
-gehalten?« Dann ergriff er Wattmer und schleuderte ihn unbarmherzig in
-den Schacht hinunter, wo er zerschmettert tot liegen blieb.
-
-
-169. Der Berggeist von Joachimsthal.
-
-(Novellistisch in Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 12.
-etc.)
-
-Die Grube St. Barbara zu Joachimsthal hatte einst einen bösartigen
-gottlosen Obersteiger, welcher über Kirche und Gebet spottete, unmäßig
-trank und spielte, seine Untergebenen drückte und einen schändlichen
-Unterschleif machte. Seinem Beispiele folgten die meisten seiner
-Untergebenen; nur acht oder zehn Bergleute glaubten treu an Gott und
-Vergeltung, hielten in frommer Gemeinschaft zu einander und wurden von
-der bösen Rotte ihrer Kameraden spottweise »Moses und die Propheten«
-genannt. Zu diesem kleinen Häuflein, welches vergebens der einreißenden
-Verwilderung entgegenstrebte und sogar mit einer Anzeige drohte,
-gehörte auch Daniel. Derselbe war ein junger Mann voll Geist und
-Leben und dabei ausgestattet mit reichen Kenntnissen im praktischen
-Bergbau, so daß er bereits von dem verstorbenen Vorgänger des gottlosen
-Obersteigers dem Bergamte zur Beförderung vorgeschlagen worden war.
-Doch hatte man ihn bald wieder vergessen, so daß die Hoffnung Daniels,
-seine Braut Marie, welche die hinterlassene Tochter des verstorbenen
-Obersteigers war, heiraten zu können, in weite Ferne rückte. Dazu
-kam noch, daß ihn der gottvergessene neue Obersteiger wegen seines
-frommen Wesens haßte und bei den übrigen Vorgesetzten verleumdete. Nur
-die Trostworte seiner Braut und eines alten Freundes, des eisgrauen
-Martin, welcher mit ihm auf derselben Grube anfuhr, trösteten ihn. Als
-nun Daniel eines Tages vor Ort arbeitete und es schon stark gegen das
-Ende der Schicht gehen mußte, da sein letztes Licht in der Blende fast
-ganz heruntergebrannt war, hörte er unter seinen Füßen ein Klopfen und
-Hämmern, und er wußte wohl aus den Erzählungen des alten Martin, daß
-dies von den Erdgeistern herrühren müsse, da er ja auf der Sohle der
-Grube stand und unter ihm keine Häuer arbeiteten. Da suchte er sein
-Arbeitszeug zusammen, um wieder auszufahren. Als er aber im Stollen um
-eine Ecke bog, trat ihm plötzlich aus einem von den Alten betriebenen
-und wieder verlassenen Orte ein kleiner, dicker Mann im Grubenkittel
-entgegen. Schlägel und Eisen, die ihm im Gürtel staken, waren ungeheuer
-groß und stark. In der rechten Hand hielt er eine Blende, in der aber
-kein Licht brannte, sondern ein herrlicher grüner Stein befestigt
-war, der einen wunderlieblichen Schein in hellen Strahlen nach allen
-Seiten hinwarf. Wie nun Daniel schweigend vorübergehen wollte, ward
-er mit Erstaunen gewahr, daß der unbekannte Bergmann mit seinem Leibe
-die Breite des Stollens so genau ausfüllte, daß an ein Vorbeischlüpfen
-nicht zu denken war. Er trat also einen Schritt zurück, schlug ein
-Kreuz vor der Gestalt und sagte: »Wer Du auch seist, gieb einem frommen
-Bergmanne Raum, der auf seinem Berufswege wandelt!« Aber der kleine
-Kerl lachte und sagte: »Ich fürchte mich vor Deinem Zeichen nicht,
-Kamerad, und magst Du daraus abnehmen, daß ich Dir kein Leid zufügen
-will. Im Gegenteil, ich will Dir helfen. Du bist ein armer Kerl, hast
-manchmal kaum satt Brot und verdienst mehr, als alle die Schurken, die
-hier anfahren. Ich bin der, den Ihr den Bergmönch nennt, bin Herr über
-alle Gebirge dieser Gegend und kenne alle edlen Flötze und reichen
-Gänge. Dich hab ich lieb gewonnen und will Dich zum reichen Manne
-machen. Hier nimm!« Damit langte er aus seinem weiten Grubenkleide
-eine Menge der herrlichsten Schaustufen von Rotgüldenerz hervor. »Gott
-behüte«, sprach Daniel, »daß ich Euer Geschenk annehme, und somit
-meinen Landesherrn bestehle. Wißt Ihr wirklich, wo edle Geschicke
-brechen, so zeigt es dem Steiger an, und wir bekommen dann alle einen
-höheren Lohn. Schimpft mir auch nicht auf meine Kameraden, es sind auch
-noch ehrliche Kerls darunter.« »Narr Du,« brummte der Bergkönig, »mit
-Deinen ehrlichen Kameraden; und Dein Steiger ist ein Schuft, der die
-Grube bestiehlt und dem ich noch einmal den Hals umdrehen will! -- Du
-nimmst also mein Geschenk nicht?« »Ich darf nicht, Herr!« entgegnete
-Daniel. »Nun, so krieche hinaus, Du blöder Maulwurf!« Mit diesen Worten
-faßte ihn der Berggeist bei den Schultern und warf ihn den Stollen vor
-bis an den Fahrschacht, ohne daß dem Daniel jedoch ein Glied weh gethan
-hätte. Derselbe stieg nun hinauf, und als er so hoch oben war, daß das
-Tageslicht in den Schacht fiel, sah er wieder den Berggeist, welcher
-bereits oben war und mit dem Neffen des Steigers seine Silberstufen
-theilte. Da der Neffe aber immer die größere Hälfte in seinen Kittel
-steckte und darauf den übrigen Teil dem Berggeiste zuschob, packte ihn
-dieser beim Gürtel, riß ihm die versteckten Stücke heraus, rannte
-ihn mit dem Kopfe gegen die Fahrt, wobei er immer schrie: »Heißt das
-ehrlich geteilt, Du Galgenstrick? heißt das ehrlich geteilt?« und
-schleuderte ihn endlich in den Schacht hinunter. Glücklicherweise
-gelang es dem auf der Fahrt feststehenden Daniel, den Neffen des
-Steigers aufzufangen und wieder mit heraufzubringen. Er trug ihn zum
-Steiger, dem er die ganze Geschichte erzählte. Dieser aber hieß ihn
-einen Narren, der wohl betrunken gewesen sei, und gebot ihm nach Hause
-zu gehen. -- Am anderen Morgen wurde Daniel vor den Steiger gefordert,
-der ihn der Lüge beschuldigte, indem sein Neffe ausgesagt habe, wie
-Daniel betrunken in die Grube gekommen sei, Händel angefangen und ihn,
-den Neffen, blutrünstig geschlagen habe. Das Märchen vom Bergmönch sei
-nur erfunden worden, damit sich Daniel auf diese Weise entschuldige.
-Zur Strafe solle derselbe nun 8 Tage lang zur Huntejungenarbeit,
-welche die jüngsten Anfänger verrichteten, verurteilt sein. Diese
-neue unverschuldete Kränkung empörte Daniels Herz; er beschloß,
-seinen Abschied zu fordern und auf einem ausländischen Bergwerke ein
-Unterkommen zu suchen. Seine Braut Marie bestärkte ihn in seinem
-Entschlusse. Am nächsten Lohntage wollte er seinen Abgang anzeigen.
-
-Im Bewußtsein seiner Unschuld war er wieder angefahren und begann eben
-seine Strafarbeit. Plötzlich stand der Berggeist vor ihm und sprach:
-»Siehst Du, Tropf, wie Deine Gutmütigkeit belohnt wird, und was Du für
-ehrliche Kameraden hast? So nimm nun ein Stück Silber von mir, damit
-Du wenigstens einen Zehrpfennig auf die Reise hast!« »Hebe Dich weg,
-Versucher!« antwortete Daniel; »jetzt leide ich unschuldig, deshalb
-bin ich heiter und guter Dinge; so ich aber Deinen Reichtum nähme und
-mein Gewissen mit ungerechtem Gut belastete, was bliebe mir dann für
-ein Trost?« Da entgegnete der Berggeist: »Ich sehe wohl, daß Du ein
-ehrlicher, wackrer Bursche bist, und deshalb soll es Dir wohl gehen.
-Jetzt merke wohl auf, was ich Dir sage. Wenn Du zu Abend aus der Grube
-fährst, so bitte den Steiger, er möchte Dich morgen frei lassen, Du
-wolltest Deine Andacht halten. Das darf er Dir nicht abschlagen. Dann
-gehe zum Geistlichen, empfange das heilige Sakrament und halte Dich
-ruhig. Hüte Dich aber jemand ein Wort zu sagen, es wäre zu Deinem
-Schaden. Wenn nun der Steiger die Knappen beruft, so gehe und thue
-frischen Muts, was Dir befohlen wird, Du bist auf guten Wegen, Gott
-wird Dich schützen und ich werde Dir behülflich sein!« Daniel that, wie
-ihm gesagt ward. Er verrichtete am andern Morgen seine Andacht und saß
-nun stillbetend in seinem Kämmerlein, wartend, was da kommen sollte.
-Einige Stunden nach Mittag hörte er ein Zusammenlaufen und lautes
-eilendes Gespräch vor seiner Hütte. Als er hinaustrat, vernahm er, daß
-in der Grube ein großes Unglück geschehen sein müsse, denn das Gestänge
-stehe still und man höre in der Tiefe ein ungewöhnliches Brausen und
-Poltern. Bald rief die Bergglocke die Arbeiter, welche sich nicht auf
-der Schicht befanden, beim Steiger zusammen, welcher wetterte und
-fluchte. Beim Zählen fehlte bloß der alte Martin, welcher am vorigen
-Tage die Erlaubnis erhalten hatte, in sein Geburtsdorf zu gehen. Nun
-ordnete der Steiger an, daß einer hinabsteigen müsse, um nachzusehen,
-was unten geschehen sei. Dazu veranlaßte er seinen eigenen Neffen,
-weil er ihm Gelegenheit verschaffen wollte, sich auszuzeichnen. »Ich
-verspreche Dir,« so sagte er zu ihm, »einen Bericht an's Bergamt, der
-Dir den Untersteiger einbringen soll!« Der Neffe weigerte sich anfangs,
-versuchte es dann, stieg wieder empor und bat schließlich, ihn zu
-verschonen, da ihn die Angst umbringe. Da stieß ihn der erzürnte Oheim
-in die Grube hinab und warf die schwere Fallthüre zu. -- Unterdeß hatte
-sich die Kunde von dem Unglücke in der Grube weiter verbreitet, die
-Frauen und Kinder von mehr als zwanzig Bergleuten, die auf der Schicht
-arbeiteten, kamen herbei und überhäuften den Steiger mit Vorwürfen;
-unter ihnen war auch Marie, welche von tödlicher Angst um Daniel
-an den Unglücksplatz getrieben wurde. Da gebot der Steiger, durch
-die Vorwürfe erbittert, durch seines Neffen vorsätzlichen Mord noch
-mehr verwildert, Daniel solle nun hinab und ihm Kundschaft bringen,
-woraus er dann den Bericht abfassen könne. Daniel trat darauf, obwohl
-ihn Marie davon zurückzuhalten suchte, die gefährliche Fahrt an. Er
-tröstete seine Braut und sagte, sie würden sich gewiß wiedersehen. Der
-Steiger aber warf die Fallthür wieder zu, schob den Riegel vor und
-sagte lachend: »Der fromme Mann wird wohl pochen, wenn er wieder heraus
-will!« Damit ging er nach seinem Hause. Auf Mariens Bitten öffneten die
-oben stehenden Bergleute den Schacht wieder und das Mädchen lauschte
-hinab. Plötzlich rief sie aus: »Ich sehe ein Licht in der Tiefe!«
-und dann wieder: »Gottlob, es ist Daniel!« So war es. Daniel stieg
-glücklich hinauf, alle Arme streckten sich nach ihm aus, um ihm zu
-helfen. Um seinen Leib hatte er ein Seil geschlagen, und an dem Seile
-hing der leblose Körper des vom eigenen Onkel hinabgestürzten Neffen.
-Das erste, was Daniel that, war, des Neffen Schläfe zu reiben; man
-entzündete Sprengpulver vor dessen Nase, und endlich gelang es den
-vereinten Bemühungen, ihn wieder zum Leben zurückzurufen. Als er die
-Augen aufschlug, sah er Daniel und stammelte: »Daniel, unschuldiger,
-verleumdeter Daniel, zweimal mein Retter, ach, vergieb!« Dieser drückte
-ihn an sein Herz. Während dessen war ein höherer Bergbeamter mit dem
-Steiger an die Grube gekommen. Der Bergoffizier beugte sich über den
-Schacht, starrte hinab und sagte: »Unglaublich! die Wässer steigen
-noch immer. Seht nur selbst, Obersteiger!« Dieser eilte herbei, sich
-weit über den Abgrund legend. Aber plötzlich fuhr, allen sichtbar,
-eine Riesenfaust aus der Tiefe, drehte im Nu des Steigers Angesicht
-auf den Nacken, daß man alle Wirbel brechen hörte, hielt das gräßlich
-verzerrte, blaue Todenantlitz der Menge entgegen und verschwand mit
-seinem Raube unter der Flut. Darauf hörte man ein fürchterliches
-Donnern in der Tiefe. Als sich die Umstehenden von ihrem Schreck
-etwas erholt hatten, sprach der Bergbeamte sehr ernst: »Gott hat
-gerichtet und meinen schwachen Händen dies Amt entnommen! denn auch
-ich war gekommen zu richten!« Er erzählte nun, wie die Unredlichkeit
-des Steigers dem Bergamte bekannt geworden sei, und wie er vor seiner
-Abreise von dem alten Martin, den er als einen frommen Bergmann kenne,
-noch mehr vollgiltige Beweise der Schuld erhalten habe. Hier an der
-Grube habe er den unredlichen Mann seines Amtes entsetzen und zur
-Strafe ziehen wollen. Und als der Bergoffizier nun weiter von Daniel
-hörte, wie derselbe in der Grube seinem Tode in den hereinbrechenden
-Wassern entgangen sei und wie er den Körper des Neffen vom Steiger
-gefunden und auf wunderbare Weise gerettet habe, da erkannten er und
-alle Anwesenden die Hand Gottes und die Hülfe des Berggeistes. Daniel
-war mit dem Körper des von seinem Onkel Hinabgestürzten von den Fluten
-verschlungen worden, und als er wieder zum Bewußtsein kam, fand er sich
-mit letzterem in einer geräumigen, trocknen Halle, zu seinen Füßen
-stand die angezündete Blende und lag ein Stück Seil. So gelang es ihm,
-wieder die Fahrt zu gewinnen und den leblosen Körper mit hinauf zu
-ziehen. -- Der Bergoffizier ernannte hierauf Daniel im Auftrage des
-Bergamtes zum Untersteiger an der Grube St. Barbara, und ebenso wies er
-auch dem alten Martin einen Zuschuß an, der es ihm erlaubte, den Rest
-seines Lebens außer der Grube zuzubringen. Darauf schied der Beamte von
-ihnen, indem er dem Daniel noch Glück zu seinem neuen Berufe wünschte.
-
-Nach acht Tagen war Marie Daniels glückliches Weib. Der Berggeist
-erschien zwar nicht wieder, aber mehrfach konnten die Glücklichen seine
-Nähe spüren. Zwar blieb die ersoffene Grube liegen, jedoch entdeckte
-Daniel in demselben Reviere die herrlichsten Anbrüche. Die Grube ward
-nach seinem Namen »Daniel-Zeche« genannt, gab überreiche Ausbeute und
-baute sich gut aus. Als aber nach einem Jahre Daniel den Beamten und
-den alten Martin zu Gevattern bei seinem neugeborenen Söhnlein bat
-und ersterer ihm die Ernennung zum Obersteiger mit Gehaltszulage
-mitbrachte, da klingelte es auf einmal wie goldene Schellen auf den
-zinnernen Tellern, die an der Wand standen, und siehe, es fielen eitel
-neue Goldstücke durch die Decke herab, hundert an der Zahl. In der
-Mitte war ein Mönch darauf geprägt, und rund herum standen die Worte:
-»Beschert Glück zur Daniel-Zeche!« Jetzt erkannte Daniel wohl seinen
-alten Freund, den Berggeist, und in der Freude seines Herzens griff er
-nach einem Becher Weins und brachte auf den Berggeist die Gesundheit
-aus. Da that ihm jedermann Bescheid, die Gläser klirrten und zugleich
-ertönte eine starke, liebliche Musik von Harfen und Zithern, Hörnern
-und Schalmeien. Als man aber die Thüre öffnete und den Spielleuten zu
-trinken geben wollte, da war niemand zu sehen und zu hören.
-
-
-170. Der Berggeist von Abertham.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 84.)
-
-Am ältesten Ende von Abertham liegen mächtige Halden der ehemaligen
-»Kreuzzeche,« welche in der letzten Periode des dortigen Bergbaues
-allein zur Förderung sämtlicher Erze und Gesteine der Aberthamer
-Grubengänge benutzt wurde. Über 300 Bergknappen waren bloß zur
-Förderung angelegt. Als man aber daran ging, in genannter Zeche
-mancherlei Fördermaschinen einzusetzen, waren viele Bergleute um ihr
-Brot besorgt und trauerten und jammerten. Ihr Klagen rührte sogar
-den mächtigen Berggeist, der sich entschloß, die bedrängte Lage
-von den armen Bergleuten abzuwenden. Er ließ sich daher mehrmals
-an verschiedenen Orten der Kreuzzeche sehen und stieß bei seinem
-jeweiligen Erscheinen die warnende Drohung aus:
-
- »Legst Du mir meine Manneln (Knappen) ab,
- So schneid' ich Dir Deine Mittel ab!«
-
-Da sich jedoch der Bergherr an diese Drohung nicht kehrte, sondern
-unablässig darauf sann, immer mehr Maschinen in Anwendung zu bringen,
-trat endlich, nachdem des Berggeistes Langmut ein Ende genommen, die
-unglückliche Katastrophe ein, welche die gesamte Knappschaft schon
-längst befürchtet hatte. Es brach nämlich eines Tages der sogenannte
-tiefe Stollen, auch Schlickenstollen genannt, zusammen und ließ sich
-nicht mehr bewältigen. Alle angewandten Kunstgriffe, die Entsumpfung
-der nach Erz führenden Horizonte zu bewerkstelligen, erwiesen sich
-zwecklos; die Mittel waren und blieben abgeschnitten.
-
-
-171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.
-
-(Mitgeteilt von P. Mothes aus Bockau.)
-
-Bei der alten Zeche auf dem Ochsenkopfe haben verschiedene Leute einen
-kleinen Jäger mit erdfahlem Gesichte gesehen. Derselbe ladet jeden, der
-ihm begegnet, zu einem Spiele ein, und wenn ihm dann der Betreffende
-folgt, so führt er ihn auf unbekannte Flecke, von wo aus derselbe sich
-nur schwer wieder zurecht findet.
-
-
-172. Der Gevattersmann vom Greifenstein.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 40. Dietrich und Textor,
-die romantischen Sagen des Erzgebirges. I. 1822, S. 150. etc. Gießler,
-Sächs. Volkssagen. Stolpen (o. J.) S. 107.)
-
-Vor langer Zeit lebte in Geyer ein armer Häuer, mit Namen Hans Geißler,
-der war blutarm und hatte ein schwangeres Weib und viele Kinder und
-wußte sich oftmals keinen Bissen Brot zu verdienen. Am größten aber
-war seine Not am Sylvesterabende, als die Niederkunft seines Weibes
-auf wenig Stunden nahe war und er weder eine warme Stube, noch sonst
-eine Erquickung, ja nicht einmal eine Wehmutter für sie hatte. Er eilte
-hinaus, eine erfahrene Muhme aus Günsdorf zu holen, verirrte sich aber
-bei dem gräßlichen Schneegestöber von dem Wege und kam, durch tiefe
-Wehen sich mühsam durcharbeitend, zuletzt an die Felsenschichten des
-Greifensteines. Erschrocken wollte er umkehren, als der Berggeist
-ihm erschien und mit freundlichem Blick ihn also ansprach: »Eile,
-glücklicher Vater! Gott hat Dein Weib mit drei holden Knäblein
-gesegnet! Wenn Du nichts dawider hast, will ich Dein Gevatter sein!«
-Da verließ Hansen die Furcht und er antwortete: »In Gottes Namen magst
-Du mein Gevatter sein, aber wie thue ich Dir die Stunde der Taufweihe
-kund?« Wie nun der Berggeist lächelnd sagte, daß er ohnedem kommen
-würde zur rechten Zeit, da verließ sich Hans darauf und eilte heim.
-Sein Weib hatte ihm drei holde Knäblein geboren.
-
-Am andern Tage, als alles zur Taufe bereitet war, da ließ auch der
-Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er erschien in
-Häuerkleidung und übte das fromme Werk mit inniger Andacht; als die
-heilige Handlung vorüber war, da schenkte er Hansen einen Schlägel und
-ein Eisen und sprach: »Lieber Gevatter, bete und arbeite! Wo Du mit
-diesem Gezäh einschlägst, da wirst Du reiche Ausbeute finden, und dann
-denke allemal an Gott und Deinen Gevattersmann.« Darauf verschwand er;
-seine Worte aber trafen ein. Hans ward ein reicher Mann und soll die
-Siebenhöfe bei Geyer gebaut haben.
-
-
-173. Das Geschenk des Holzweibchens.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)
-
-Die Holzweibchen sollen kleine zwerghafte Wesen gewesen sein, die sich
-in verschiedenen Wäldern des Joachimsthaler Bezirks aufhielten.
-
-Ein Holzhauer setzte sich einmal zur Mittagszeit auf einen gefällten
-Baumstamm und verzehrte sein hartes Brot. Da kam aus dem Gebüsche ein
-altes Holzweibchen, füllte den Hut des Mannes bis an den äußersten Rand
-mit Holzspänen und verschwand. Alsbald sprang der Holzhauer, welcher
-diesem harmlosen Treiben ruhig zugesehen hatte, auf und schüttelte
-die Späne aus. Als er abends zu Hause den Hut abnahm, fiel klingend
-ein Stück Gold zur Erde, welches die Form eines Spanes hatte. Einer
-der Späne, die das Holzweibchen dem Holzhauer geschenkt und die er
-weggeschüttet hatte, war im Hute hängen geblieben und zu Gold geworden.
-
-
-174. Die Waldweibchen bei Pobershau.
-
-(Nach Mitteilung des Sem. Richter.)
-
-Ungefähr zehn Minuten von Pobershau und nicht weit vom Walde zeigt
-man auf der sogenannten Amtsseite das Burkhardtsloch. Hier sollen vor
-vielen Jahren Waldweibchen oder wilde Weibchen gelebt haben, welche
-sehr gutmütig waren und oft armen Leuten in ihrer Not halfen. Deshalb
-werden sie noch heute in der Gegend, so oft man von ihnen erzählt,
-»Feen« genannt.
-
-
-175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
-
-(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 56.)
-
-Auf dem großen Spitzberge bei Preßnitz haben sich ehedem Holzweibel
-aufgehalten. Sie sind aber fortgezogen, als die Bewohner der
-umliegenden Orte anfingen, die Knödel im Topfe zu zählen. Nur ein
-Holzweibel blieb zurück, führte aber gegen die Menschen nichts Gutes
-im Schilde, weshalb man ihm aus dem Wege ging. Dem aber, der ein
-gutes Sprüchlein konnte oder ein Stückchen geweihte Kreide oder
-»Charsamstagskohle« bei sich führte, konnte es nichts anhaben. Ältere
-Bewohner von Preßnitz beschrieben es als von winziger Gestalt, mit
-einem Körbchen auf dem Rücken und einem Rührlöffel in der Hand.
-
-
-176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.
-
-(Edw. Heger a. a. O., S. 83.)
-
-Ein Gebirgsholzhauer in der Gegend von Pürstein ward während seiner
-Waldarbeit häufig von einem Holzweibel besucht und mit Geld beschenkt.
-Einmal kam aber das Weibel in eiliger Flucht, denn der Teufel wollte es
-holen, und es rief schon von weitem: »Holzhauer, hacke geschwind drei
-Kreuze auf den Stock.« Das that denn auch gleich der dankbare Mann, das
-Holzweibchen setzte sich flugs auf den Stock und der Teufel mußte mit
-leeren Krallen abziehen.
-
-
-177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 78.)
-
-Vom Holzweibchen werden dann und wann einige alte Sagen herumgetragen,
-daß es vom Satan gejagt würde und in solcher Flucht einen Stock, darin
-die Holzhacker ein Kreuz gehauen, suche, sich darauf setze und alsdann
-erlöset würde. Man hat auch von alten Leuten zu Grum- und Steinbach
-erzählen hören, daß vor alten Zeiten ein Holzweibel gekommen, sich
-auf den Ofenherd gesetzet und gesponnen und das Gespinst in die Stube
-geworfen habe; dem hätten sie müssen zu essen geben.
-
-So wollte man auch im Februar 1681 auf dem Pfannenstiel, einem
-Schönburg'schen hohen Walde, ein Holzweib gesehen haben, welches einen
-großen Schnee, schnelle Wasserfluten und hitzigen Sommer angedeutet,
-darauf viel Menschen und Vieh hinsterben würden.
-
-
-178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.
-
-(Christ. Lehmann a. a. O., S. 187.)
-
-An der Aschermittwoch des Jahres 1633 hatte Adam Beyer im Walde bei
-Steinbach einen Baum gefällt. Indem der Baum im Fallen ist, hauet er
-nach der Holzhacker Gebrauch ein Kreuz hinein; sogleich kommt ein
-gejagtes Waldweibchen und bleibet an dem mit dem Kreuz bezeichneten
-Baume stehen, da es dann sicher geblieben. Unterdessen füllet es dem
-Holzhacker seinen Kober mit Spänen, er aber schüttet die Späne wieder
-aus, und da ungefähr ein Spänlein hängen geblieben und er nach Hause
-kommt, findet er an dessen statt einen ganzen Thaler. Er gehet alsobald
-wieder in den Wald, in der Hoffnung, solcher Thaler viel aufzulesen,
-aber vergebens. Doch weil dieser Mann damals in kurzer Zeit zu seinen
-Mitteln gekommen, hat man vermutet, er müsse etwas gefunden haben.
-Von dieser Begebenheit an gehet niemand gern an der Aschermittwoche
-daselbst ins Holz, in der Meinung, der Teufel jage das Holzweibchen an
-der Aschermittwoche.
-
- Auch im Thüringerwalde und Fichtelgebirge wohnen Waldweibchen
- zuweilen bei den Menschen, sie geben ihnen Geschenke und sind vor
- dem wilden Jäger auf Baumstämmen, in welche drei Kreuze eingehauen
- wurden, sicher. Dasselbe wird von den Moosweibchen erzählt, welche
- Menschen um Brot bitten. Wenn in Pfaffenreut bei Wunsiedel beim Mahl
- an dem Rande der Schüssel durch Herausschöpfen Tropfen hängen blieben
- und diese die Kinder oder auch Erwachsene mit dem Löffel abstreifen
- und verzehren wollten, sagten die Ältern: »Das dürft ihr nicht,
- das gehört dem Moosfräula!« Ein Beweis von dem freundschaftlichen
- Verkehre, in welchem die Wald- und Moosweibchen mit den Menschen
- standen. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 206, 212, 221, 235.
- Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 37.)
-
- Mannhardt erklärt die Holz- und Moosweibchen für Genien der Wälder
- und Personifikationen des Blättergrüns; darauf fußt der Glaube,
- daß ihr Leben an dasjenige der Waldbäume gebunden ist. Wenn die
- Sage erzählt, daß der wilde Jäger (d. h. der Sturmgott Wuotan) die
- Waldweibchen jage, so ist dann darunter der Sturm zu verstehen,
- welcher die Blätter vor sich her treibt. Damit hat sich aber die
- ältere Vorstellung, nach welcher unter den gejagten Frauen Wolken
- zu verstehen sind, verändert; die Wolkenfrauen, welche durch Regen
- die Pflanzenwelt befeuchten, sind später auf die Erde herabgezogen
- und zu Waldgenien geworden. (Mannhardt, die Götter der deutschen und
- nordischen Völker, S. 112 und 116.)
-
-
-179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.
-
-(Edwart Heger in der Erzgebirgszeitung, VI. S. 84.)
-
-In der Gegend von Kupferberg erhielten Waldarbeiter von den
-Holzweibchen häufig Geschenke; doch mußten sie sich auch manchen
-Schabernack gefallen lassen. Oft machten sich die Weibel unsichtbar
-und nahmen den Leuten die mitgebrachten Lebensmittel weg. Der
-hungrige Waldmann fand dann manchmal statt des Mittagsbrotes höchst
-ärgerlicherweise nur eine Menge Hackspäne in seinem Schnappsacke
-vor, die er meist achtlos wegwarf. Zuhause angekommen, erstaunte er
-freilich, wenn einige hängengebliebene Spänchen und Splitter zu purem
-Golde geworden waren. Ähnliches passierte auch einmal zweien armen
-Weibern, die oberhalb des Pürsteiner Burberges und unweit des Dorfes
-Gesseln in der Waldung dürres Holz sammelten. Sie trafen da ein kleines
-Wesen, das ihnen eine Menge Hackspäne zeigte und sie aufforderte, diese
-Späne noch mitzunehmen. Die Weiber, obwohl schon ziemlich belastet,
-gehorchten und füllten die letzten leeren Plätzchen in ihren Körben mit
-den Spänen, auf dem Heimwege aber, als die Bürden sich gar zu schwer
-erwiesen, sagten sie: »Was sollen uns eigentlich auch die Späne!« und
-warfen sie hinaus. Nur ein paar dieser Späne blieben an den Körben
-hängen, und diese wurden zuhause -- o Wunder! -- zu blankem Golde.
-Jetzt freilich ärgerte es die Weiber ungemein, daß sie die reiche Gabe
-so leichtsinnig weggeworfen hatten, und das ließ in ihnen leider die
-Freude über den verbliebenen Rest schönen Goldes sowie das Gefühl der
-Dankbarkeit gar nicht recht aufkommen.
-
-
-180. Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald.
-
-(Mündlich.)
-
-Ein Mann von Zinnwald trieb etwas Spitzenhandel, der ihn öfters nach
-Böhmen führte. Einmal ritt er durch den Seegrund nach Eichwald, da
-begegnete ihm ein Waldweibchen. Dasselbe redete ihn an: »Bruder, willst
-Du mit mir schnupfen?« dabei that es sonderbarer Weise seine Schürze
-auf und die war voller Laub. Als der Spitzenhändler hineingriff, um
-sich des Spaßes halber, wie er meinte, eine Hand voll Laub zu nehmen,
-blickte er zugleich auf und sahe das Gesicht des Waldweibchens gleich
-einem alten Käse. Da erschrak er so sehr, daß er seine Hand schnell
-zurückzog und fortritt. Das Weibchen aber rief ihm nach: »Nun muß ich
-noch hundert Jahre warten; hättest Du das Laub genommen und wärest
-nicht erschrocken, so wäre ich erlöst!« Ein Blatt war ihm jedoch unter
-den Ärmel gefahren, und das war, als er es später fand, lauter Gold.
-
- Das Ansehen des Gesichts vom Waldweibchen gleich einem Käse erinnert
- an die Zwerge Tirols und der Schweiz, welche »Kasermandeln«
- (Käsemännchen) heißen und goldene Käse oder sich erneuernde
- Gemskäslein verschenken. Förstemann hat in Kuhns Zeitschrift für
- Sprachforschung I. S. 426 nachgewiesen, daß Quark (= Käse) und Twarg
- (vergl. mhd. ~querx~ und ~twere~) im deutschen Norden bis Lievland
- beides Zwerg und Käse bedeutet. (Rochholz, Deutscher Glaube und
- Brauch, I. S. 12.) In den Lausitzer Sagen heißen die Zwerge Querxe.
- Nach einer schottischen Sage haben auch die Elfen, welche sich durch
- ihre gewöhnlich grüne Kleidung unsern Holzweibchen nähern, eine
- Vorliebe für Käse. Auf dem Gipfel des ~Minchmuir~ in ~Peebleshire~
- befindet sich die Käsequelle, welche den Elfen geweiht war und die
- ihren Namen davon erhalten hat, daß die Vorübergehenden gewohnt
- waren, ein Stück Käse hineinzuwerfen. (Henne-Am-Rhyn, die deutsche
- Volkssage, S. 269.)
-
-
-181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 758.)
-
-Als Kurfürst Joh. Georg I. im Jahre 1644 um Rabenstein gejagt hatte
-und am 18. August an Chemnitz vorbeizog, bekam er die Nachricht, daß
-seine Jäger ein wildes Weiblein in der Stallung gefangen hätten,
-welches einer Ellen lang, von menschlicher Gestalt, rauher Haut, doch
-im Angesicht und an den Fußsohlen glatt war. Endlich habe dasselbe
-angefangen zu reden und gesagt: »Ich verkündige und bringe den
-Frieden.« Darauf hat der Kurfürst befohlen, dasselbe wieder laufen
-zu lassen und gesagt: »Wir erinnern uns, als wir vor 25 Jahren auf
-den Lautersteinischen und Crottendörfischen Wäldern gejagt, daß wir
-dergleichen Männlein gefangen, welches uns den Krieg verkündiget und
-gesagt: »Ich bring euch Krieg.«
-
-
-182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde.
-
-(Illustrirtes Familien-Journal. VI. No. 157.)
-
-Da droben im Schönecker Walde lebte vor Jahren ein Holzhauer, ein
-braver, stämmiger Bursche, der aber trotz rastloser Thätigkeit kaum
-soviel verdienen konnte, um eine alte kranke Mutter und ein paar
-kleinere Geschwister zu ernähren. Es ging immer knapp her, und doch
-mußte hie und da noch ein Groschen für ein rotes Band oder etwas
-dergleichen abfallen, womit der Bursche die Tochter des Nachbars
-beschenkte. Die jungen Leute waren einander gut; aber an's Heiraten
-durften sie noch lange nicht denken, denn es fehlte ihnen ein eigenes
-Hüttchen, und die Wohnungen der Ältern hatten nicht Raum für einen
-neuen jungen Hausstand. Da entschloß sich der Bursche schweren Herzens,
-ein paar Jahre hinaus in die Welt zu wandern und sich irgendwo zu
-vermieten, bis er sich das Nötige verdient haben würde. Als er bald
-darauf durch den grünen Wald zog und trübe Bilder der nächsten Zukunft
-in seiner Seele auftauchten, da sprang plötzlich vor ihm ein kleines
-graues Mütterchen mit einem Körbchen Reisig aus dem Gebüsche, und wie
-gehetzt lief es auf ihn zu und bat flehentlich, er möge schnell in
-eine niedergebrochene Fichte, die just über den Weg lag, drei Kreuze
-schneiden, der wilde Jäger sei ihr auf dem Fuße und der sei ihr Feind
-und werde sie töten. Das alles war das Werk eines Augenblicks, und
-alsbald hatte der Bursche auch mit seinem Messer die drei Kreuze in
-den Baumstamm geschnitten, und war selbst mit dem fremden Weibchen
-darunter gekrochen, als auch schon das wilde Heer ankam. An den drei
-Kreuzen aber hatte die Macht des wilden Jägers eine Schranke, er
-zog fluchend und wetternd zurück und das Holzweibchen war gerettet.
-Dasselbe gab seinem Helfer einen grünen Zweig aus seinem Körbchen,
-dankte gar geheimnisvoll und -- war verschwunden. Dem Burschen war's
-noch ganz wirbelig und drehend im Kopfe von all dem Spuk, aber so viel
-war ihm doch klar, daß das graue Mütterchen, wenn es einmal etwas
-schenken wollte, sich schon ein wenig mehr hätte angreifen können.
-Mißmutig wollte er den Zweig wegwerfen, besann sich aber doch noch
-und steckte ihn zum Andenken an das sonderbare Erlebnis auf seine
-Mütze. Wie er nun frisch weiter schritt, da ward ihm sein Mützlein
-immer schwerer und schwerer, und als er es endlich abnahm, da war
-der Zweig gewachsen, und was war's überhaupt für ein Zweig geworden?
-Gelbe glitzernde Blätter waren d'ran, und wuchsen immer noch mehr, daß
-ihm schier Sehen und Denken und am Ende die Lust, weiter zu wandern,
-verging. Er kehrte um, ohne eigentlich zu wissen, warum, und war noch
-vor Abend wieder daheim. Was die alte Mutter sich wundern mochte! Der
-Tochter des Nachbars aber war's eben recht, denn: Wiederkommen bringt
-Freude.
-
-Der wilde Jäger hatte wohl Ursache, das Holzweibchen zu verfolgen, denn
-dasselbe hatte in seinem Garten von dem wunderbaren Goldbaume sich ein
-Körbchen der besten Zweige geholt. Davon hatte nun der Bursche einen
-bekommen und der trieb immer neue Blätter. Die Blätter schüttelte unser
-Holzhauer ab und verkaufte sie in den Städten, wo sie noch heute von
-den schönen Damen als Schmuck getragen werden. Nun konnte er seines
-Nachbars Kind heiraten, und sie mögen sich wohl auch ein gar hübsches
-Haus gebaut haben. Das Goldbäumchen aber ist mit der Zeit eingegangen,
-vielleicht hat sichs auch das Holzweibchen wieder geholt, vielleicht
-auch der wilde Jäger selber.
-
- Auch Christ. Lehmann erzählt im Histor. Schauplatze, daß sich die
- Holzweibchen in ihrer Gutmütigkeit und um die Menschen glücklich
- zu machen, zuweilen an dem zauberhaften Baume im Garten des wilden
- Jägers vergreifen, daß sich aber die von ihm abgebrochenen Zweige und
- Blätter in Gold verwandeln. Deshalb werden nun die wilden Weibchen
- vom Satan, d. h. dem wilden Jäger verfolgt.
-
-
-183. Buschweibchen in der Umgebung des hohen Steines.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)
-
-Wie im hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen
-menschenfreundliche Zwerge wohnten, so hielten sich in den umliegenden
-Wäldern Buschweibchen auf, welche häufig in die Häuser kamen und dort
-Essen begehrten, wofür sie manch' seltenen, kostbaren Stein, manch'
-heilkräftige Pflanze zurückließen.
-
-Manche Leute nennen sie auch Moosweibchen, und man schildert sie als
-zwerghafte Gestalten, über und über mit Moos bewachsen und Kleider aus
-Baumrinde und Flechten tragend. Einst bezeigte sich ein solches Wesen
-besonders wohlthätig, wie uns die folgende Sage berichtet.
-
-Zu wiederholten Malen vernahmen Beerweiber und Schwämmesammlerinnen
-aus einem dichten Gestrüppe in der Nähe des hohen Steines heftiges und
-anhaltendes Niesen; aber keiner von ihnen fiel ein, »Helf Gott!« zu
-rufen. Wenn sie sich dann auf den Heimweg begaben, sahen sie aus dem
-Gebüsche ein Moosweibchen treten, das sich unter schweren Seufzern und
-traurigen, vorwurfsvollen Blicken entfernte. Einst aber, als das Niesen
-denn gar zu laut und häufig erschallte, sagte ein Weib: »Nun so helf
-Gott der Person, welche so heftig da drin nieset!« Augenblicklich stand
-eine weiße Frau vor ihr und sagte freudig: »Du hast mich erlöst, hier
-empfange Deinen Lohn!« Mit diesen Worten überreichte sie dem armen,
-erschrockenen Weibe einen schweren Moosknollen und verschwand. Der
-überreichte Knollen aber enthielt ein großes Stück Gold, welches das
-Weib reich machte.
-
- Eine ähnliche Sage aus der Grafschaft Mannsfeld erzählt von einem
- Görsbacher, welcher am »Wahle«, einem Stück Land, wo jedenfalls
- früher ein alter Gerichts- und Opferplatz war, vorüberging und dabei
- wiederholt jemanden niesen hörte. Der Görsbacher rief jedesmal »Gott
- helf!«, aber kein Dank schallte zurück. Als es nun zum dritten Male
- nieste, sagte der späte Wanderer: »Ei, wenn Du mir nicht dankst,
- so schweig ich auch.« Da rief es ihm kläglich zu: »Ach, hättest Du
- mir doch nur noch einmal »Gott helf!« zugerufen, so wäre ich erlöst
- gewesen; nun muß ich wieder 100 Jahre nach Erlösung schmachten!«
- (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 221.)
-
- Ganz ähnlich sind die Sagen vom Spuk am roten Steine bei Oberhof
- in Thüringen, (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 7), und
- von den verfluchten Jungfern bei Eisenach und am Falkensteine bei
- Schmalkalden. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 113 und 153.)
-
- Die Sitte, beim Niesen dem Betreffenden »Gott helf!« oder dem
- Entsprechendes zuzurufen, reicht jedenfalls bis ins graue Altertum
- zurück, obschon der Anfang dieses Gebrauchs gewöhnlich in das 6.
- Jahrhundert verlegt wird, als eine Beulenpest in Italien auftrat,
- welche mit Niesen begann und mit dem Tode endete. Damals soll man
- zuerst demjenigen, welcher zu niesen anfing, zugerufen haben: »Nun
- helf' Dir Gott!« (Hahn, Geschichte von Gera I. S. 287.) Jedoch
- gedenken dieser Sitte schon Aristoteles und Plinius. Aristophanes
- bezeichnet das Niesen als eine göttliche Kundgebung, und als eine
- solche galt dasselbe auch bei den Indianern Amerikas; denn als die
- Spanier in Florida eindrangen, sahen sie, daß, wenn der einheimische
- Herrscher nieste, die Anwesenden sich vor ihm beugten und die Arme
- flehend nach der Sonne ausstreckten.
-
- Daß die Buschweibchen und wilden Weiber heilkräftige Kräuter kannten,
- wie unsere Sage meldet, erfahren wir auch aus dem Gudrunliede. Wate
- von Stürmen verband sich und die im Kampfe Verwundeten und nahm
- eine gute Wurzel in seine Hand, denn längst hatte man vernommen,
- »heilkundig sei Herr Wate von einem wilden Weibe!«
-
-
-184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.
-
-(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 55.)
-
-Man erzählt in der Gegend von Hohentann und Platz, daß in alten Zeiten,
-wenn das Gesinde auf den Feldern und die Hausfrau allein zu Hause
-war, daß die Buschweibel öfters in den Häusern erschienen und bei
-verschiedenen häuslichen Verrichtungen hülfreich an die Hand gingen
-und sogar die Kinder warteten. Diese gute Zeit ging aber vorüber wie
-die Buschweibel selbst prophezeiten, denn sie sagten: »Wenn man wird
-die Knödel im Topf und das Brot im Ofen zählen, dann ist unsere Zeit
-vorbei, dann werden wir nicht mehr da sein!«
-
-
-185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.
-
-(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B., S.
-14.)
-
-Der Holzweibchen sind vormals viele in den erzgebirgischen Wäldern
-gewesen; sie können aber jetzt nicht mehr daselbst leben, seit das Brot
-im Backofen gezählt wird. Früher wurde es nicht gezählt und da konnten
-sich die Holzweibel unbemerkt davon holen.
-
- Mehr noch wie die eigentlichen Zwerge machen die Holzweibchen den
- Eindruck von Angehörigen eines unterdrückten und nur geduldeten
- Volksstammes. Bemerkenswert ist dabei, daß sie niemals wie die Berge
- bewohnenden Zwerge als Volk, sondern nur vereinzelt auftraten. Die
- Eigentümlichkeit ist ihnen nicht bloß bei uns, sondern auch in den
- Sagen der Lausitz und des Vogtlandes beigelegt. Eine Lausitzer Sage
- ermöglicht die Deutung, in den Holzweibchen versprengte Slaven zu
- sehen. In dem Dorfe Königshain wird nämlich einem solchen Weibchen,
- welches sich den Winter über bei einem Bauer aufgehalten hatte, von
- einem anderen, das vorübergeht, »Deuto, Deuto!« zugerufen. Es könnte
- dies ein Warn- oder Fluchtruf sein und so viel wie »Deutsche kommen!«
- bedeuten. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz I. No. 37.) Unsere Sage deutet
- an, daß die Holzweibchen sich heimlich das Brot holten, denn als man
- es zählte, konnten sie nicht mehr in der Gegend unbemerkt leben und
- zogen deshalb fort.
-
- Doch weisen wieder andere Züge, welche die Sagen von den Holzweibchen
- anführen, auf mythische Wesen hin, wie sich denn überhaupt die
- Vorstellungen von unterdrückten Volksstämmen und diejenigen ihrer
- Gottheiten im Laufe der Zeit mit einander vermengten.
-
-
-186. Die Holzweibel ziehen fort.
-
-(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 60.)
-
-Als die Holzweibel von den Menschen nicht mehr gastlich aufgenommen
-wurden, nahmen sie immer heimlich etwas weg: hier ein paar Klöße aus
-dem Topfe, dort ein frisch gebackenes Brot, und das war ihnen ein
-Leichtes, denn sie konnten sich unsichtbar machen. Doch man merkte
-endlich den Diebstahl und nun zählte die geizige Hausfrau allemal ihre
-Klöße und Brote, und die Weibel konnten dann nichts davon wegnehmen.
-Das war schlimm für die kleinen Leute, und sie beschlossen, die
-ungastlichen Stätten der Menschen zu verlassen und weit fortzuziehen.
-
-Auf der Sosauer Flur wollte die Auswandererschar den rauschenden
-Egerfluß übersetzen, und ihr König rief dem Fährmann zu: »He Ferge, Du
-sollst Deinen Lohn im voraus wählen: entweder einen roten Kreuzer für
-jede Person oder Deinen Hut voll Goldstücke ein für allemal!«
-
-Da sich die Weibel unsichtbar gemacht hatten, so kannte der Fährmann
-ihre Zahl nicht, und er dachte: Du nimmst das Gewisse! Er entschied
-sich daher für das Gold. Aber der Zug Leutchen wollte schier kein
-Ende nehmen, und Nacht und Tag ohne Unterlaß mußte der Mann die Fähre
-lenken. Endlich sagte der König: »Ferge, Du bist jetzt zu Ende; willst
-Du aber einmal sehen, was Du mit Deiner Arbeit geleistet hast?« Als
-dies der Fährmann bejahte, winkte der König und alsbald wurden die
-Weibel sichtbar, die alle kleine Sturmhütlein trugen. Da erstaunte der
-Fährmann über die Menge der kleinen Gestalten, die auf den angrenzenden
-Feldern des Dorfes Pokatitz am nordöstlichen Fuße des Kaadner Burberges
-aufgestellt waren, eng zusammen, so daß alles rings kohlschwarz aussah.
-Er merkte nun, wie thöricht seine Wahl gewesen, und daß ihm der
-verschmähte rote Kreuzer viel mehr eingebracht hätte.
-
-
-187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Auf der mitternächtlichen Seite des Kahleberges sind schon viele irre
-gegangen. Das geschah durch Moosmännchen, welche sich hier aufhielten
-und an gewissen Tagen besonders die Holzhauer neckten. Ein Holzarbeiter
-sah einmal ein solches Männchen; es war klein und sein Gesicht war mit
-Moos überzogen. Der Holzhauer konnte es aber nur sehen, wenn er etwas
-seitlich blickte; wendete er sich eilig um, damit er es anredete, so
-war es verschwunden; er sah es aber immer wieder von der Seite, wenn er
-weiter ging.
-
-Auch die wilde Jagd hat man vielmals am Kahleberge gehört.
-
- Deutsche Sagen und unter diesen auch solche aus dem böhmischen
- Erzgebirge erzählen uns ebenfalls von Moosweibchen, welche vielfach
- mit Wald- oder Holzweibchen zusammenfließen. Moosweibchen lebten
- z. B. im Harz in der Gegend von Wildemann. Sie werden uns als
- freundlich und liebreich geschildert und hatten Gänsefüße. Gleich den
- Holzweibchen wurden sie vom wilden Jäger verfolgt. Eine Erinnerung
- an die Moosmännchen hat sich im Harze noch darin erhalten, daß bei
- Volksfesten verkleidete und über und über in Moos gehüllte Knaben
- mit einem kleinen Tannenbaum in der einen und einer Sparbüchse in
- der andere Hand umhergehen und milde Gaben erbitten. (Heine, Sagen
- etc. aus dem Harze, S. 29.) Eine ähnliche dunkle Erinnerung an diese
- mythischen Wesen findet sich auch im Vogtlande, wo man an einzelnen
- Orten, wie in Reichenbach, zu Weihnachten kleine Moosmännchen auf den
- Tisch stellt.
-
-
-188. Waldgeist bei Pfannenstiel.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)
-
-Hinter Grünhain liegt ein Wald, der Pfannenstiel genannt, auf welchem
-nicht allein viel Menschen erschlagen worden sind, sondern es hat auch
-daselbst ein Waldgeist viel Leute geneckt und erschreckt, daß sie
-davon starben. Dergleichen ist einem Schneeberger mit Namen Mehlhorn
-begegnet, den es in den Rumpelsbach geworfen, nachdem er dieses
-Gespenst auf dem Rücken den Berg hinan getragen hatte.
-
-
-189. Ein Feldteufel zu Grumbach.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 76.)
-
-Im Jahre 1654 hielt der Richter zu Grumbach einen Dorfknaben von
-13 Jahren zu seinen Schafen. Von diesen führte ihn ein Feldteufel
-zweimal weg; das eine Mal warf er ihn nach dem Kitzwalde ins dürre
-Fichtengras, das andere Mal sahe das Gespenst seinem verstorbenen Vater
-ähnlich, bald mit, bald ohne Kopf, und es trug ihn in der Höhe über
-drei Äcker weg und warf ihn dann in einen Morast, so daß der Knabe
-krank wurde und nicht mehr hüten wollte.
-
-
-190. Der Getreideschneider.
-
-(Spieß, Aberglaube, Sitten etc. des sächs. Obererzgebirges.
-Programmarbeit. Dresden 1862, S. 14; z. T. mündlich.)
-
-Am Johannesabende in der sechsten Stunde kommt der sogenannte
-Getreideschneider, der über die Ecke eines Stückes Getreide
-durchschneidet, von welchem er dann, wenn der Bauer drischt, den vollen
-Nutzen hat. Um diesem vorzubeugen, nimmt der Bauer Liebstöckelöl (Öl
-aus ~Levisticum officinale~) und macht, nachdem er den Finger in das
-Öl getaucht, ebenfalls in der sechsten Abendstunde des Johannestages,
-drei Kreuze an jede Ecke des Feldes auf die Erde. Ist aber der
-Getreideschneider bereits dagewesen, so hängt der Bauer, bevor er
-das Getreide einfährt, ein Büschel Reisigspitzen (frischgrünende
-Tannenzweige) über dem Scheunenthor auf, drischt sobald als möglich und
-macht dabei mit dem Reisigbüschel den Anfang. Dann ist der Bann gelöst
-und der Getreideschneider zieht keinen Nutzen.
-
-In Thierfeld geht die Sage, daß in der Mittagsstunde des Walpurgistages
-die Vogelbeerbäume und Feldfrüchte von dem Getreideschneider
-beschnitten würden, ohne daß man ihn sieht.
-
- Auch in Thüringen hat man ein ähnliche Mittel, um den
- Getreideschneider, den man daselbst, sowie im Vogtlande,
- Bilmschnitter nennt, zu erkennen. Man belegt die Tenne mit sieben
- Reisigbündeln und bearbeitet dieselben mit dem Dreschflegel; die
- Person nun, welche während dieses Dreschens an das Scheunenthor
- tritt, wird für den Bilmschnitter gehalten. (B. Sigismund in
- »Aus der Heimat«, 1862, No. 13.) -- In Süddeutschland heißt der
- Bilmschnitter »Bilwitzschneider«, und dieser Name erinnert an den
- slavischen Pilwitz oder Plon, den Gott des Reichtums und zugleich
- des Todes. Auch die »Pilweisen« der schlesischen und Lausitzer
- Sagen sind Kobolde oder von Kobolden besessene Menschen, die andern
- Schaden zufügen. In einer Sage von den Pilweisen zu Lauban tritt ein
- schwarzer Bock auf; da derselbe auf den Teufel hinweist, so verbindet
- sich mit den weiblichen Pilweisen (und mit dem Bilmschnitter?) der
- Begriff der Hexen. -- Da die Sagen von gespenstischen Tieren im
- Kornfelde mit denen vom Bilmschnitter in einer gewissen Verbindung
- stehen, so erklären sich dadurch vielleicht auch die im Erzgebirge
- vorkommenden Bezeichnungen »Stoppelhahn« (jetzt allerdings nur in
- der Bedeutung eines Festes am letzten Erntetage gebraucht) und
- »Panzelhahn«. Der letztere Ausdruck erinnert an die oben angeführte
- Sitte des Reisigbüscheldreschens; denn wenn beim Dreschen des
- Getreides der letzte Schlag fällt, so ruft man demjenigen, welcher
- diesen Schlag gethan hat, zu: »Du hast den Panzelhahn geschlagen!«
-
-
-191. Der Hemann im Erzgebirge.
-
-(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S.
-80.)
-
-Während der Hemann im nördlichen Böhmerwalde einen schwarzen Mantel
-trägt und ein Hut zum Teil sein bärtiges Gesicht beschattet, erscheint
-derselbe im Erzgebirge, in der Gegend von Preßnitz, Sonnenberg, Weipert
-u. s. w. ganz in Grau gekleidet. Den Tag über hält er sich verborgen,
-kommt aber bei einbrechender Dunkelheit aus seinem Verstecke hervor, um
-seine nächtliche Wanderung zu beginnen, auf welcher er Ungläubige und
-Frevler erschreckt und nicht selten mit dem Tode bestraft.
-
-
-192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.
-
-(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864,
-S. 15.)
-
-In Bäringen neckt und ängstigt der Hemann die Menschen. Doch giebt
-es dort auch noch andere Waldgeister, die gar nicht einmal sichtbar
-werden, sondern dem nächtlichen Wanderer nur einen »Traf« geben, ihn
-»muschen« oder ihm einen Tappen anhängen und ihn so erschrecken, daß er
-krank wird oder einen Ausschlag im Gesichte erhält.
-
- Sollte unser Hemann mit dem schwäbischen »Hojemann«, d. h.
- Waldmännlein, oder dem »Hoymann« in der Oberpfalz identisch
- sein? Beide Namen werden von »hojen« d. h. hegen, den Waldhüten,
- abgeleitet. (Leipziger Illustr. Zeitung, No. 1738.)
-
-
-193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 118.)
-
-Seitwärts von den Dörfern Krima und Neudorf dehnt sich der Tenichwald
-bis nach Sonnenberg aus. Wenn man des Nachts durch diesen Wald geht und
-mit lauter Stimme ruft: He, he! Hu, hu! so erhält man aus der Ferne
-Antwort. Hierauf hockt sich etwas auf den Rücken des Wanderers und
-zwingt ihn, es bis ins nächste Dorf zu tragen, wo es verschwindet. So
-ging es einmal einem Heger, der mußte die Last bis Krima tragen. Dort
-war es ihm, als ob etwas hinabspringe, aber er konnte nichts sehen, so
-rasch war es verschwunden.
-
-
-194. Das Hemännchen bei Graslitz.
-
-(Grohmann, Sagen etc., S. 118.)
-
-In Graslitz ist das Hemännchen ein neckender Waldgeist, der seine
-Freude hat an dem Schaden der Leute. Mehrere Holzhauer fuhren einst
-mit ihren Karren in den Wald, um Bäume zu fällen. Als sie den ersten
-Baum zu Falle brachten, hörten sie ein heiseres Lachen hinter sich
-und sahen, daß ihre Karren genau an die Stelle geschoben waren, wohin
-der Baum fallen mußte. Einen Augenblick später waren alle Karren
-zersplittert. -- Einige Weiber suchten Heidelbeeren. Nachdem sie ihre
-Krüge gefüllt hatten, stellten sie dieselben auf den Boden und gingen
-ein wenig bei Seite. Als sie aber zurückkehrten und ihre Krüge aufheben
-wollten, blieb der Boden derselben auf der Erde. Zugleich erscholl
-hinter ihnen ein wildes Gelächter und als sie sich umschauten, sahen
-sie zwar nichts, erhielten aber eine tüchtige Ohrfeige.
-
-
-195. Der Hemann des Rammelsberges.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 97.)
-
-Einst lebte zu Platten ein Mann, der hieß Pänkert. Er führte ein
-lasterhaftes Leben und soll sogar mit dem Teufel im Bunde gestanden
-sein. Nach seinem Tode entstand in dem Hause, das er bewohnt hatte,
-ein solcher Tumult, daß darin niemand mehr bleiben konnte. Deswegen
-kam auf Geheiß der Verwandten ein Schwarzkünstler aus Sachsen, der
-den polternden Geist auf einen grünen Platz zum sogenannten großen
-Rainstein bannte, wo er ihn verwünschte, ewig in den Wäldern des
-Rammelsberges umherzuirren. Seit dieser Zeit treibt dort der gebannte
-Pänkert als Hemann sein Unwesen. Er erschreckt die durch den Wald
-gehenden Leute, welche auf sein He-He-Rufen Antwort geben, durch seine
-löschpapierfarbige, eisgraue Gestalt und drückt sie, wenn sie nicht die
-Kraft besitzen, über den nächsten Graben zu springen. Über das Wasser
-wagt sich, wie man sagt, der Hemann nicht.
-
-Einstmals ging ein Weib in den Wald, um ihrem Manne, der Holz fällte,
-das Mittagessen zu bringen. Auf einmal hörte sie ein lautes He! He! He!
-Sie dachte, ihr Mann wolle sie ein wenig necken, deshalb gab sie gar
-herzhaft zur Antwort. Daher! daher! Aber kaum war das Wort verhallt, da
-stand vor ihr ein baumlanger, eisgrauer Mann mit wütenden Geberden. Vor
-Furcht und Schrecken eilte das Weib einem Bache zu, den sie mit knapper
-Not übersetzte, sonst wäre sie unrettbar in die Hände des Hemannes
-gefallen, welcher ihr dicht auf den Fersen gefolgt war.
-
-
-196. Das Heideweibchen.
-
-(Mündlich.)
-
-Zwischen Scheibenberg und Crottendorf liegt eine sumpfige Gegend,
-welche die Heide genannt wird; daselbst geht zu bestimmten Zeiten das
-Heideweibchen um.
-
-
-197. Die Marzebilla.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 114.)
-
-In der Gegend von Preßnitz befindet sich ein Berg, namens
-»Bartelwulfenberg«. Hier soll vor Jahren ein Schloß gestanden haben.
-Der Besitzer desselben hatte eine Tochter, die in ein Nonnenkloster
-ging. Hier hatte sie eine Liebschaft mit einem Ritter und kam zu Falle.
-Sie entfloh und starb im Elend. Seit dieser Zeit läßt sie sich nun im
-Kaiserwalde bei Preßnitz öfter sehen und ist allgemein bekannt unter
-dem Namen Marzebilla. Sie trägt an ihrer linken Hand einen Handschuh
-von Blech. Einmal soll ein Bauer aus Neudorf in den Wald gefahren sein,
-um Holz zu holen. Da blieb plötzlich sein Gespann stehen und konnte
-nicht weiter. Er sah sich um und erblickte auf dem hinteren Ende des
-Wagens ein altes Weib, das er an dem Blechhandschuh gleich als die
-Marzebilla erkannte. Sie bat ihn, sie mitfahren zu lassen. Allein
-der Bauer sagte, sie sei zu schwer und als sie nicht heruntersteigen
-wollte, schlug er sie so, daß sie herabfiel. Als aber der Bauer nach
-Hause kam, legte er sich in's Bett und starb nach acht Tagen. Der
-Leichnam aber war verschwunden. Erst nach einigen Jahren fand man beim
-Fällen alter Bäume ein Gerippe im Walde, das man an einem Amulet als
-das des Bauern erkannte.
-
-Einige Schnitter mähten das Gras am Rande des Kaiserwaldes. Um Mittag,
-als im Dorfe geläutet wurde, erschien die Marzebilla und forderte die
-Arbeiter auf zu beten. Diese waren zu faul dazu. Als sie aber nachher
-zur Quelle gingen, um zu trinken, fanden sie Blut statt des Wassers.
-Einer von den Schnittern wollte sich besser überzeugen und stieß mit
-dem Stock in den Schlamm. Da erschien die Marzebilla, gehüllt in einen
-feinen Nebel, sprach eine Formel und die Schnitter verwandelten sich in
-Aschenhäufchen.
-
-Wenn Leute in den Wald gehen, um Beeren zu suchen, so erscheint ihnen
-oft die Marzebilla und führt sie in undurchdringliches Dickicht.
-Fluchen dann die Leute, so überläßt sie die Marzebilla ihrem
-Schicksale, beten sie aber, so führt sie dieselben an fruchtbare
-Stellen, von wo sie den Heimweg leicht treffen.
-
-
-198. Der Wechselbalg.
-
-(Spieß, Aberglaube, Sitten, etc. d. s. Erzgeb. Dresden, S. 36.)
-
-Ein unter sechs Wochen altes Kind soll nicht ȟber den Wechsel getragen
-werden« (d. h. wohl, bald auf dem rechten, bald auf dem linken Arme),
-sonst holt es der Wechselbalg.
-
- Hier erscheint der Wechselbalg als der auswechselnde Dämon. In der
- Lausitzer Sage ist dagegen der Wechselbalg ein geistesschwaches,
- mißgestaltetes Kind, welches von einer aus dem Gebirge oder Walde
- kommenden alten Frau gegen das wohlgebildete, unter sechs Wochen alte
- Kind umgetauscht wird, wenn keine Person in dessen Nähe ist. (Haupt,
- Sagenbuch d. L. No. 71.) Ebenso tauschten nach einer schlesischen
- Sage die Feenixweibel ein auf dem Felde allein gelassenes kleines
- Kind gegen das ihrige um, welches verbuttet blieb und ebenfalls
- Wechselbalg genannt wurde. (Mitteilungen des mähr.-schles.
- Sudeten-Gebirgsvereins, 2. Jahrg. No. 7.)
-
-
-199. Das Mittagsgespenst.
-
-(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B., S.
-13.)
-
-In Bäringen sagt man: Das Mittagsgespenst hockt den Wöchnerinnen auf,
-die zu Mittag von 11 bis 12 Uhr auf die Gasse treten oder in den Keller
-oder auf den Boden gehen, und »muscht« sie.
-
- Das Lausitzer Mittagsgespenst, die Mittagsfrau (~Pripolniza~), welche
- zur Mittagszeit zwischen 12 und 2 Uhr als großes weibliches Wesen
- auf den Feldern zu erscheinen pflegt, ist streng genommen von der
- slavischen Todesgöttin oder Pestfrau (~Smertniza~) zu unterscheiden.
- (S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.) Die Smertniza wandelt
- ebenfalls als weiße Frau umher und macht sich durch Pochen in
- dem Hause bemerklich, in welchem innerhalb dreier Tagen jemand
- sterben soll. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 74. Schäfer, Deutsche
- Städtewahrzeichen, S. 91.)
-
-
-200. Der Alp.
-
-(Mündlich.)
-
-Der Alp ist ein dämonisches Wesen, welches schlafende Menschen drückt,
-so daß sie keinen Laut von sich geben können. Man nennt dieses Drücken
-Alpdrücken.
-
-Ein Mädchen erzählte, der Alp käme durchs Schlüsselloch zu ihr, aber
-sie könne dann nicht um Hülfe rufen; daher bat sie ihre Schwester,
-dieselbe solle sie nur des Nachts bei ihrem Namen rufen, dann würde
-der Alp durchs Schlüsselloch wieder fortgehen. In Zwickau erzählt
-man, daß der Alp fortgehe, wenn man ihn für den andern Morgen zum
-Kaffee einlade. (Nach Spieß.) Auch glaubt man, daß der Alp Tiere tot
-drücke. Wenn man nämlich junge Gänse in einen Schweinstall steckt und
-sie sterben, so spricht man, der Alp habe sie erdrückt. Sterben die
-Kuhhasen (Kaninchen) und sie sehen dann breitgedrückt aus, so legt man
-einen Besen in den Stall; dann verliert der Alp die Macht.
-
- Wie in Zwickau wird auch von den Lausitzer Wenden der Alp mit den
- Worten »~Pschindz justje ksnje danju~« (Komm morgen zum Frühstück)
- zum Frühstück eingeladen, und es stellt sich dann der Alp gewiß am
- Morgen dazu ein. Es ist nur schlimm, daß der Alp am Sprechen hindert.
- (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 68.)
-
- Der Alp ist gleichbedeutend mit Elb. Elbe, welche in lichte und
- schwarze Elbe zerfallen, sind höhere Wesen, denen die Lust innewohnt,
- die Menschen zu necken, die aber auch teuflische Eigenheiten
- besitzen. (Grimm, Myth. S. 252.)
-
- In Sagen anderer Gegenden fällt der Alp mit dem Trut, d. h. einem
- nächtlichen Gespenste zusammen, welches die Menschen ebenfalls im
- Schlafe ängstigt und drückt. In Kärnthen sagt man:
-
- »Tsch nachts (bei der Nacht) hat mi d'r Trut
- Gar beasla (bös) g'druckt.«
-
- (Leipz. Zeitung, Wissensch. Beilage. 1884, No. 11.)
-
-
-201. Die Melusina.
-
-(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. Prag
-und Leipzig, 1864, S. 3.)
-
-In Bäringen heißt der Sturmwind »Melusina's Klagen um ihre Kinder«,
-und wahr muß dies sein, sonst würde man nicht am heiligen Abende, an
-welchem man neunerlei essen soll, das Tischtuch mit dem Überreste in
-eine Staude ausschütteln, damit die Melusina, die man wohl hie und da
-auch heilige Melusina nennt, etwas zu essen habe.
-
- Die Melusina tritt nach allen Überlieferungen unverkennbar als
- Luftgeist auf. So sagt man z. B. noch anderwärts in Böhmen, wenn
- der Wind recht pfeift und heult, das sei die Melusina, welche mit
- ihren Kindern durch die Luft fliege und jammere. Im Jungbunzlauer
- Kreise denkt man sich dieselbe angethan mit einem schwarzen Mantel
- und in der Hand ein Sieb haltend, aus welchem Schloßen und Hagel
- herausfliegen. Bemerkenswert ist schließlich, daß die Czechen für
- »sterben« die Redensart haben: »mit der Melusina Salz lecken.«
- (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche etc., S. 3 und 234.)
-
- In den Niederlanden sagt man von dem Wirbelwinde, er sei die
- »fahrende Frau« oder »fahrende Mutter«, und nach einem Glauben in
- Westflandern hält die von ihren Ältern verwünschte Königstochter
- Alvina im heulenden Sturmwinde ihre Umfahrt und weint.
-
- Wenn man im Anfange den Wind mit einem heulenden und gefräßigen Tiere
- verglichen hat, das alles, was in seinen Weg tritt, vernichtet, so
- lag dann der allmähliche Übergang dieser Vorstellung in diejenige
- von einem Geiste, der hungrig im Winde dahinfährt, nahe. In manchen
- Gegenden Baierns findet sich der Gebrauch, bei heftigem Sturme einen
- Mehlsack zum Fenster hinaus für den Wind und sein Kind auszuschütten,
- wobei man spricht: »Nimm das, lieber Wind, koch' ein Mus für Dein
- Kind!« In diesem Gebrauche zeigt sich eine große Übereinstimmung mit
- demjenigen in Bäringen, wo die Speisereste aus dem Tischtuche für die
- im Sturmwinde klagende Melusina ausgeschüttet werden. Der Gebrauch,
- dem Wind Mehl zu streuen, scheint auch in den deutschen Alpen
- vorhanden zu sein; wenigstens findet sich bei Rosegger (die Schriften
- des Waldschulmeisters, 3. Aufl. S. 170) folgende Stelle: »Sie (die
- Waldleute in den Winkeln) streuen Mehl in den Wind, um dräuende
- Stürme zu sättigen -- so wie die Alten den Göttern haben geopfert.«
- In anderen Gegenden nehmen die Landleute, wenn der Wind 12 Tage vor
- Weihnachten am ärgsten tobt, Apfel und Nüsse und werfen sie in den
- Ofen, indem sie sagen, daß sie das der »Windsbraut« zum Essen geben.
- (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 55.)
-
- Wie aber ist zu erklären, daß der Sturm Melusinas Klage um ihre
- Kinder genannt wird? Als nach der Erzählung Gustav Schwabs (Deutsche
- Volksbücher, 3. B.) die Brunnennymphe Melusina von ihrem Gemahle
- Raimund Abschied genommen und sich, halb zur greulichen Schlange
- verwandelt, zum Fenster hinausgeschwungen hatte, hörte man dreimal
- um das Schloß lautes Rauschen und ein Klaggeschrei; zur Nachtzeit
- aber sah die Amme der beiden kleinen Söhne Melusinas, wie letztere in
- gespenstischer Gestalt wiederkehrte und die Kinder aus der Wiege nahm
- und säugte, so daß dieselben zusehends gediehen.
-
-
-202. Vom thörichten See bei Satzung.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. 1699, S. 205. etc.)
-
-Der thörichte See, eine halbe Meile über Satzung an einem wilden,
-mit jungen Kiefern bewachsenen rauhen Orte, ist ins Gevierte 30
-Schritte breit und lang, der Pfuhl ist mit rotem Moos bewachsen, und
-das Wasser gehet einer Elle hoch darüber ohne Abfluß. Der See soll
-unergründlich sein, und niemand machet sich gern allein an den Ort,
-weil die Leute, welche sich im 30jährigen Kriege dorthin geflüchtet,
-daselbst viel Anfechtung gehabt haben. Es ist umher auf eine halbe
-Meile lang nichts als eitel sumpfiges Land, daß auch kein rechter Baum
-darauf wachsen kann, es verwimmert und verbuttet alles. Insonderheit
-erzählen die Umherwohnenden, daß sich bisweilen viel ungeheure Dinge
-und Gespenster da sehen lassen. Als einstmals Veit Vogel, ein Mann von
-Satzung, in selbiger Gegend Vogel gestellet, habe er von 9 Uhr an bis
-12 Uhr mittags einen großen Tumult und Alarm von Jauchzen, Schreien,
-Geigen und Pfeifen gehört, daß es nicht anders geschienen, als würde
-eine volkreiche Bauernhochzeit oder ein lustiger Schmaus in dem See
-gehalten; dergleichen Freudentöne haben auch andere zu anderer Zeit
-gehört.
-
-Ein Mann von Sebastiansberg, Georg Kastmann genannt, hat in derselben
-Gegend Feuerholz gemacht; zu diesem kam ein schöner Reiter auf einem
-großen Pferde mit einer langen Spießrute in der Hand, welcher den
-Holzhauer grüßte und fragte, ob er den thörichten See wüßte. Da
-der Holzhacker mit Ja antwortete, hat ihm der Reiter ein Trinkgeld
-versprochen, wenn er mit ihm ginge und den Ort zeige. Da sie nun beide
-hinzu kamen, ist der Reiter vom Pferde gesprungen und hat gesagt. »Ich
-bin ein Wassermann, und ist mir mein Weib von einem andern Wassermanne
-entführt worden; die habe ich in der weiten Welt in vielen Wassern
-und Seen gesucht und doch nicht gefunden, und soll sie nun an einem
-so garstigen und wilden Ort finden. Halt mir mein Pferd fest, daß es
-mir nicht nachspringt, ich will hinein und mein Weib heraus holen.«
-Darauf hat er mit seiner langen Rute in das Wasser geschlagen, daß
-es sich zerteilet, dann ist er hineingegangen. Sobald er aber darin
-gewesen ist, hat sich ein so großes jämmerliches Geschrei und Wehklagen
-erhoben, daß der Holzhacker nicht wußte, wo er vor Angst bleiben
-sollte, weil sonderlich das Pferd sehr wild und ungebärdig wurde und
-immer ins Wasser springen wollte. Mittlerweile ist unter diesem Tumult
-das Wasser ganz rot geworden und da hat der Reiter sein Weib heraus
-gebracht und gesagt, er habe sich nunmehr an seinem Feinde gerächt und
-den Räuber, der ihm sein Weib entführt, erwürget. Damit hat er sich
-samt seinem Weibe aufs Pferd geschwungen und ist davon geritten; doch
-hat er zuvor dem Holzhacker ein Beutelein, darin ein Kreuzer gewesen,
-zum Trinkgeld verehret, mit dem Versprechen, so oft er würde in diesen
-Beutel greifen, sollte er soviel, als jetzt darin wäre, finden.
-Der Ausgang hat es auch bestätigt, so daß der arme Mann viel Geld
-zusammengebracht, weil er oft in den Beutel gefühlet. Da er aber den
-Beutel zu frei und sicher gebrauchte, ist er ihm entwendet worden; doch
-hat der Räuber keinen Genuß davon gehabt.
-
-
-203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße a. a. O., No. 578.)
-
-Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte eine
-wunderschöne Tochter. Dieselbe hatte sich aus der großen Anzahl
-ihrer Anbeter einen der hübschesten jungen Burschen angesucht. Nun
-war sie aber heitern und muntern Sinnes, und daher kamen oft aus dem
-benachbarten Dorfe die jungen Mädchen und Burschen bei ihrem Vater
-zusammen und vertrieben sich die Zeit mit heiteren Scherzen und
-Spielen. Da begab es sich einst, am Andreasabend, daß das junge Volk
-auch wieder beisammen war und im Scherz darauf kam, die Zukunft zu
-befragen. Man schaffte Blei herbei und ein jeder versuchte sein Glück
-mit Gießen. Als nun die Reihe auch an die schöne Fischerstochter kam,
-da spritzte auf einmal beim Guß helles Feuer aus dem Wasser, das
-Blei zerfuhr und nahm sich auf dem Wasser wie Blutstropfen aus. Das
-Mädchen schrie laut auf und alle schwiegen bestürzt ob des traurigen
-Anzeichens. Endlich schlug ihr Bräutigam vor, das Schicksal noch einmal
-zu befragen, nämlich nach dem Pöhlwasser zu gehen und dort Reiser zu
-suchen. Zwar wollte das Mädchen nicht mit fort, allein durch Zureden
-ließ sie sich endlich bewegen mit zu gehen; alle ihre Begleiter brachen
-sich ihre Zweige, als aber die Fischerstochter nach einem derselben
-langen wollte, glitt sie aus und ein Nix zog sie hinab in die Fluten.
-Der Nix sah am ganzen Leibe blau aus und trug auf dem Haupte ein
-Krönlein. Verzweiflung erfaßte den Bräutigam und den betagten Vater.
-Letzteren entrückte der Tod bald seinen irdischen Leiden, der Bräutigam
-aber irrte jede Nacht am Ufer der Pöhl in halbem Wahnsinn herum und
-behauptete, er sähe seine Braut in blauer Nixentracht aus der Flut
-auftauchen, sie breite die Arme nach ihm aus und rufe ihm zu, in einem
-Jahre werde sie wieder mit ihm vereinigt sein. So verging ein Jahr; der
-sonst so blühende Jüngling war fast zum Schatten zusammengeschwunden,
-und als die Andreasnacht kam, da war er an seinem gewöhnlichen Orte.
-Allein dieses Mal sahe er seine Braut nicht mehr aus den Fluten winken,
-als Leiche lag sie im Sande, und als der andere Morgen kam, da fand man
-ihn neben ihr tot liegen und begrub beide in einem Grabe. Seit jenem
-Tage aber sieht man dort unzählige Irrlichter auf- und abfliegen, die
-manchen schon verführt haben; wo aber der Nix das Mädchen hinabzog,
-da ist das Wasser grundlos geworden, ohne Unterlaß wirbeln die Wellen
-dort im Kreise und wehe dem Schwimmer, Kahn oder Floß, die sich dahin
-verirren, der Strudel zieht sie ohne Erbarmen in den Grundtümpel (so
-nennt man jene Stelle) hinab.
-
-
-204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)
-
-Im Jahre 1613 wollte ein Bürger zu Gottesgab einen alten Teich, der
-lange als Sumpf wüste gelegen, wieder herrichten lassen. Als nun zwei
-Bergleute den Sumpf abführten und zu Grund arbeiten wollten, fuhr ein
-Wasserteufel im Sumpf auf, wütete und tobte und trieb die Bergleute mit
-Wasser und Schmutz fort, so daß sie ausreißen mußten.
-
- Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem
- Teiche bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein
- »Prusten und Schnaufen, als wären Pferde hineingefallen und dem
- Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 189.) S. auch No.
- 227.
-
-
-205. Die Wassernixe am Hans-Heiling-Felsen.
-
-(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.)
-
-Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der Eger eine
-Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt. Über dies
-Steingebilde meldet die Sage folgendes:
-
-Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg
-Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer, der
-auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar
-der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen ein
-verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum sei dies
-gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen Schönfeld.
-Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit sich. Im Schlosse
-angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der Markgräfin Johanna und
-sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim Erscheinen auf dem Schlosse
-eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute, als ich eben zur Frone hierher
-ging, dies Kindlein gefunden und biete es Euch als Gabe dar. Möchtet
-Ihr doch, gnädige Herrin, an dem armen, hülfsbedürftigen Waislein
-Barmherzigkeit üben und sein besser pflegen als die eigene Mutter!« Die
-Worte des biederen Mannes erweichten der Markgräfin Herz. Sie nahm sich
-des Knäbleins an, das auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans,
-nach seinem Finder aber den Zunamen Heiling erhielt.
-
-Hans Heiling wuchs unter dem liebreichen Schutze der Markgräfin zum
-blühenden Jüngling heran, der an den Wissenschaften, in die ihn der
-Burgkaplan einweihte, mehr Gefallen fand, als an den Ritterspielen. Er
-liebte die Einsamkeit, durchstreifte Wald und Flur und beschädigte sich
-unablässig mit dem Gedanken, den Urgrund aller Wahrheit zu erforschen.
-
-Als er einmal am Ufer der rauschenden Eger saß und gedankenvoll nach
-dem Wasserspiegel schaute, tauchte aus demselben eine holde Nixe
-empor, die mit lieblicher, wunderbarer Stimme dem Überraschten zurief:
-»Ich kenne, wißbegieriger Jüngling, Deines Herzens tiefen Kummer,
-die schwarze Kunst ist Dein Begehr. Diese will ich Dir lehren, doch
-nur unter der Bedingung, daß Du Dich nie vermählst.« Hans Heiling,
-bezaubert durch die vielversprechenden Worte, strahlte vor Freude, daß
-er nach langem, erfolglosen Forschen endlich sein so heiß ersehntes
-Ziel erreichen könne, und schloß mit der Wassernixe unbesonnen den
-Bund. Die Nixe hielt Wort und Hans Heiling wähnte sich der Glücklichste
-unter der Sonne zu sein, als er des Wissens Drang erfüllt sah. Seit
-der Begegnung mit der Nixe war manches Jahr verflossen. Da faßte Hans
-Heiling mit Hintenansetzen seines gegebenen Versprechens den Entschluß,
-sich zu vermählen; denn er hoffte, selbst auf seine Kunst vertrauend,
-die Macht des geheimnisvollen Wasserweibes zu hemmen. Unbesorgt
-veranstaltete er also die Hochzeit. Der Tag der Trauung war erschienen
-und die Hochzeitsgäste hatten sich in den Räumen des Schlosses
-versammelt. Schon stand der Brautzug vor dem Traualtare, eben wollte
-das glückliche Paar das Jawort aussprechen -- da stieg plötzlich mit
-furchtbaren Blicken die erzürnte Nixe aus den tobenden Wellen der Eger,
-ließ unter Blitz und Donner das Schloß verschwinden und verwandelte
-durch ihren Fluch die ganze Hochzeitsgesellschaft in Stein: das
-Brautpaar, den Mönch, die Gäste und die Musikanten.
-
- Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die
- Sage vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese
- erst hervorgerufen worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg
- Krudum, südlich von Elbogen gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels
- und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag, von mythischer Bedeutung.
- Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im Archive zu
- Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
- herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein
- Elpogen gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven
- die lethaditzer giebt 2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine
- »heilige Wiese« genannt; der Zusatz »Hans« kommt zu dieser Zeit noch
- nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise »Am Heiling« die
- allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigen Elbogener
- Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem
- dreißigjährigen Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des
- Aberges.
-
-
-206. Der Wassermann flickt.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 162.)
-
-Bei Seestadtl am Fuße des Erzgebirges liegt an der Straße ein großer
-Teich, welcher durch einen breiten, mit Gebüsch bewachsenen Damm
-eingeschlossen ist und der »Steinteich« genannt wird. Bei diesem Teiche
-soll sich ein Wassermann öfter am Ufer sehen lassen. Gewöhnlich flickt
-er dann seine Kleider. Nach dem Glauben der Landleute steigt er immer
-nur während des Mittagsläutens an's Ufer, setzt sich am Fuße des Dammes
-hart am Wasser nieder und flickt. Wer ihn verspottet, der wird von ihm
-in's Wasser hinabgezogen; bloß demjenigen, welcher des Morgens vor dem
-Ausgehen gebackene Semmelschnitte verzehrt, kann er nichts anhaben. Hat
-einer den Wassermann beleidigt und keine Schnitten gegessen, so nutzt
-ihm selbst das Hersagen des Spruches nicht mehr:
-
- »Wassermann plump,
- Zieh mich nich in Tump,
- Zieh mich nich zu tief nei',
- Daß ich nich stecken blei'.«
-
-Der Wassermann ist immer schlecht gekleidet. Sein alter zerdrückter Hut
-ist voll großer Löcher, durch welche oft Büschel struppiger, grüner
-Haare herausragen. Sein Gesicht ist mit einem starken Barte bewachsen,
-und wenn er seinen Mund öffnet, erblickt man seine großen grünen Zähne.
-Sein Rock sowie seine Hosen sind immer zerrissen und kotig, und er
-flickt daran, so oft er ans Ufer steigt. Hat er jemandem nachgestellt
-und ihn unter's Wasser gezogen, so läßt er sich lange nicht sehen.
-
-Eines Morgens trug ein Bauernmädchen Gemüse hinauf nach Eisenberg,
-und nahm, um zuzustrecken, ihre Richtung über den Damm. Sie war
-fast hinüber, als sie unten am Damme einen alten Mann sitzen sah,
-der an einem zerrissenen Rocke flickte und ihr zunickte. Das
-Bauernmädchen, welches eben nicht an den Wassermann dachte, gab ihm
-einen Schimpfnamen, worauf sich der Wassermann erhob und seinen Mund
-öffnete. Die Bäuerin erschrak und lief, so schnell es ihre schwere Last
-erlaubte, über den Damm hin; der Wassermann hinter ihr drein. Trotz
-ihres Schreiens sprang er auf den Korb, den sie auf dem Rücken trug
-und faßte sie beim Halse. Vor Todesschrecken rief sie: »Jesus Marie!«
-und sogleich war der Wassermann verschwunden. Das Mädchen kam halbtot
-im Schlosse an und wurde noch dazu ausgelacht, als sie vom Wassermann
-erzählte. Nach 3 Tagen starb sie und alle Leute waren fest überzeugt,
-daß daran nur die Berührung des Wassermanns schuld gewesen sei.
-
- Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu
- diesem Abschnitte wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische
- Farbe ist. Eine erzgebirgische Sage erzählt von einer grünen Frau
- am Kahleberge bei Altenberg. Dämonisch wird die verzauberte, ein
- Schlüsselbund tragende und Schätze hütende Jungfrau des Hausberges in
- der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet (Größler,
- a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei ihren
- Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb
- auch der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881,
- No. 5.)
-
- Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der
- Niederlausitz ihre Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei
- Buckow bittet Vorübergehende um einige Lappen und Flecken. Ein Nix in
- einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine Schuhe aus. (Veckenstedt,
- Wendische Sagen, S. 187--198.)
-
-
-207. Der Nix fordert sein Opfer.
-
-(M. Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit,
-1862, S. 39.)
-
-In der obern Zschopau lebt ein Nix, welcher jedes Jahr sein Opfer
-fordert.
-
- S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.
-
-
-208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.
-
-(Alfr. Moschkau, Gesch. des Benedictiner Klosters St. Walpurgis im
-Zellwalde, 1874, S. 8. ~Saxonia~ I., S. 172.)
-
-In dem genannten, ungemein lieblich im Zellwalde gelegenen Teiche
-sollen Nixe ihren Wohnsitz haben.
-
-
-209. Die Nixenwannen und Nixensteufe des Chemnitzflusses.
-
-(~Dr.~ Theile in »Über Berg und Thal«, 7. Jahrg., No. 5.)
-
-Im Chemnitzthale hat das nagende und mit Sand und Geröllen schleifende
-Wasser in den Blöcken des Cordieritgneißes zahlreiche Strudellöcher
-gebildet, welche man daselbst »Nixenwannen« nennt. Einen Teil der
-Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke von ungefähr
-300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im Frühjahr und Herbst, am
-wildesten ist und so heftig schäumt und brüllt, daß man an ihren Ufern
-sein eigenes Wort nicht hört, bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten
-in dieser Strecke befindet sich im Flusse ein großer, vollständig
-durchlöcherter Steinblock, der zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen
-worden ist. Diese Höhle galt beim Volke als der Ausgang eines
-unterirdischen Nixenschlosses und man erzählte sich, daß man, besonders
-in mondhellen Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das
-Thal habe ziehen sehen.
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-Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz ein
-mächtiger Fels, im Volke die »Ullrichsburg« genannt, der ehedem ein
-Raubschloß getragen haben soll.
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-Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches jetzt den
-Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde des Volks
-»Zietsch« hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch Steg führte.
-Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach Dunkelwerden wagte
-sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen Pfad, welcher der Chemnitz
-entlang lief. Dabei mußte man die obengenannte unheimliche Nixensteufe
-passieren.
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-210. Der Nix im Rabenauer Grunde.
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-(Ludw. Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)
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-Etwa halbwegs im Rabenauer Grunde, da wo die rote Weißeritz, nachdem
-sie schäumend zwischen großen Steinen sich durchgewunden, einen Bogen
-macht und sich vertieft, also daß man trotz klaren Wassers nicht auf
-den Grund sehen kann, ist der Nixentump, in welchem der alte Nix haust.
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-Wenn die Lübauer Bauern mit ihren schwerbeladenen Wagen den steilen
-Feldweg am Anfange der nahegelegenen Planwiese hinauffuhren und die
-Gespanne trotz allen Antreibens die schweren Gefährte nicht den Berg
-hinaufzubringen vermochten, dann kam wohl der alte Nix mit seinen zwei
-Schimmeln, legte sich vor den Wagen und nun gings unter fröhlichem
-Hohrufen und Peitschenknall den Berg hinauf, als wären es bloß leere
-Geschirre; waren die Gefährte oben angelangt, so daß nur noch ebene
-Straße vor ihnen lag, dann verschwand plötzlich der alte Nix mit seinen
-Schimmeln, ohne Lohn oder Dank abzuwarten.
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-Auf der Planwiese pflegten auch die zwei Töchter des alten Nix die
-schneeweiße Wäsche zum Bleichen ausbreiten; war aber das Wetter dazu im
-Grunde nicht günstig, oder störte sie sonst öfteres Begängnis oder des
-Holzhauers Axtschlag, dann bleichten sie auf der Wiese, da wo rote und
-weiße Weißeritz ihre Wasser mischen.
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-Manchmal verlangte es die beiden Töchter des Nix auch nach menschlicher
-Gesellschaft; dann kamen sie wohl nach Lübau, wenn in der Schenke die
-Fiedeln zum fröhlichen Tanze aufspielten, und tanzten da mit den jungen
-Burschen, so daß sie nichts von den Bauerndirnen unterschied, wie ein
-handbreiter nasser Streifen am Saume des Gewandes. Sie ließen sich dann
-auch wohl von ihren Tänzern manchmal bis an den Nixentump geleiten,
-entschwanden aber, dort angekommen, plötzlich ihren Augen; nie hat man
-gehört, daß sie einem Burschen den Zugang zum Nixentump eröffneten.
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-211. Die Seebergsjungfer.
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-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 143.)
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-Geht man von Eisenberg auf dem Fußwege nach der Hütt' und nach dem Orte
-Kunersdorf, so kommt man aus dem Walde auf die Heide, die sich von
-Eisenberg bis gegen Kunersdorf und vom alten Seeberg bis hinab an die
-Straße ausbreitet. Der untere Teil besteht aus schönem Wiesengrunde,
-den man nur die »Haderwies« nennt. Über dem Eisenberger Walde liegt
-ein kleiner, stark mit Schilf bewachsener Teich, der »Haderwiesteich«
-genannt. Gegenüber demselben, einige hundert Schritte aufwärts, quillt
-aus steinigem Boden ein Bächlein. Diese Quelle hält sehr gutes Wasser,
-welches immer rein und kühl ist, und heißt das »Quakbrünn'l«.
-
-Vor Zeiten kam oft die Seebergsjungfer herab, um sich in dem Teiche zu
-baden. Die Hütbuben, welche das Vieh auf der Haderwiese weideten, sahen
-sie oft dahin kommen. Sie war halb Fisch und halb Mensch. Einstmals war
-nur ein Junge auf der Wiese. Da stand auf einmal die Seebergsjungfer
-vor ihm und fragte, ob er sie wohl erlösen möchte, sie wolle ihm so
-viel Geld geben, daß er die Haderwiese kaufen könnte. Der Junge war
-damit zufrieden. Hierauf sagte sie ihm, er solle sich jetzt vom Teiche
-entfernen und nicht eher kommen, als bis sie ihm winken würde. Wenn er
-ohne Erlaubnis komme, so werde es ihm nicht gut gehen. Der Hütjunge
-lief eiligst weg, und während er nach seinem Vieh sah, badete sich
-die Seebergsjungfer in dem Teiche. Als sie fertig war, winkte sie
-dem Hütjungen. Der kam und schimpfte und warf mit Steinen nach ihr.
-Weinend kehrte sie nach dem Seeberge zurück und in der folgenden Nacht
-hörte man sie bis hinab nach Barthelsdorf weinen und jammern. Lange
-Zeit kam sie nicht mehr, um zu baden.
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-Auch erschien sie den Leuten oft in Gestalt eines alten Weibes.
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-Eines Tages ging ein Weib von Eisenberg in den »Busch«, um Holz
-einzuführen. Als sie am Seeberge ankam, ihre Huck niedersetzte und
-Holzstücke aufklaubte, sah sie ein altes Weib, welches ihrer Arbeit mit
-Aufmerksamkeit zusah. »Wohin geht Ihr?« fragte das Eisenberger Weib.
-»In's Gebarg'sche!« (übers Gebirge) antwortete die Alte und verschwand
-vor den Augen des Holzweibes. Diese hatte aber gesehen, daß sie hinter
-sich einen Fetzen von ihrem Kleide nachschleppte; es war also die
-Seebergsjungfrau gewesen.
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- Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe,
- halb Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte.
- Noch mag darauf hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache
- zwischen Schleusingen und Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen
- Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No.
- 19.)
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-212. Der Kobold zu Lauter.
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-(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 949.)
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-Im Jahre 1695, kurz vor Weihnachten, ereignete sich zu Lauter in einer
-Schenke bei einem Fleischhacker in der Kammer, wo er mit seinen Kindern
-geschlafen, von ungefähr 9 bis 11 Uhr abends, und von 1 bis 3 Uhr nach
-Mitternacht, bei der Kinder Bette ein Kratzen, welches sie in der Ruhe
-merklich störte. Anfänglich hielt er's für eine große Ratte und hat
-fleißig aufgestellt, aber nichts gefangen. Mit der Zeit hat's auch
-angefangen so laut zu pochen, daß man's im Keller hat hören können,
-und hat den Kindern keine Ruhe gelassen. Ein Knabe von zwölf Jahren
-hat fleißig gebetet und zu ihm gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn du
-nicht mit beten willst, auch nicht beten kannst, so gehe deiner Wege!«
-und ist dabei unerschrocken gewesen. Im Januar 1696 hat ein Kind von
-ohngefähr ein Band in den Händen mit ins Bette genommen, welches das
-Ungetüm dem zulaufenden Volk, durch ein Astloch der Decke herab ins
-Haus steckend, gezeigt und damit gespielt; wenn es jemand hat ergreifen
-wollen, ist's entwischt und bald zu einem andern Loch auf solche Weise
-herunter gehangen worden. Gedachter Fleischhacker hat dabei sein Geld
-aus einem verschlossenen Kasten vermisset und ist dazu gekommen, daß
-es eine ganze Bürde Wäsche bis an die Kammerthür gebracht, welche
-er noch rettete. Der Schulmeistersubstitut des Ortes unterstand sich
-das Ungeheuer zu fragen, da es denn viel geredet, in einem Tone, wie
-ein zarter Knabe oder eine Weibsperson, es ist auch zornig auf ihn
-geworden, daß es ihn hinein in die Kammer gefordert, wohin er sich
-jedoch nicht getraute, sondern ist in der Thür stehen geblieben.
-Hernach haben auch andere ihren Fürwitz gebüßt und allerlei gefragt:
-unter andern, ob es von einer gewissen Person dahin gebannet wäre, da
-es denn mit Ja geantwortet. Als am 19. Januar die Wirtin eines Kindes
-genesen, und am 20. darauf das Taufmahl gegeben wurde, wobei sich auch
-nebst den Gevattern der Pfarrer und andere Leute befunden, ist weiter
-nicht das geringste gehöret worden.
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- Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf
- hingewiesen worden, daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen,
- welche nicht beten können. Als der Bauer dem Kobolde in Schmalzerode
- vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut Christi,« setzte der Kobold
- an und sprach: »das Blut -- das Blut --« dann sprang er verdrießlich
- auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke,
- zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht
- wieder gekommen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.)
-
- In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen
- Zügen. So nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den
- Schornstein, als er einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und
- Getränke brachte; er war dabei wie helles, loderndes Feuer anzusehen.
- Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau Kobolde zum Verkaufe; wer
- einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen mit dem eigenen
- Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte.
- (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum
- Verkaufe ausgetragenen Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von
- Hausgöttern (S. die Einleitung); Kobolde waren wie letztere klein,
- denn der Kobold (vom wälschen ~cob~, der Daumen) ist ein Däumling.
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-213. Der Poltergeist zu Grüna.
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-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)
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-Auf dem adeligen Vorwerk Grüna bei Scharfenstein hat ein Poltergeist
-im Stall an Menschen und Vieh großen Mutwillen geübt, daß fast kein
-Gesinde mehr bleiben konnte. Endlich sind Leute in einer Kammer, da es
-sich am meisten hat spüren lassen, mit bloßem Gewehr geordnet worden,
-welche alle Winkel durchhauen mußten, da sich endlich eine alte Haube
-oder Mütze soll gefunden haben, und hat damit die Gaukelei ein Ende
-gehabt.
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-214. Der Kobold zu Thalheim.
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-(Lehmann a. a. O., S. 952.)
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-Bei dem Oberförster zu Thalheim war ein Kobold im Hause, welcher den
-Leuten große Last und Schalkheit anthat, daß sie nicht mehr bleiben
-konnten. Endlich brannte das Haus weg; etliche meinten, das böse Ding
-hätte es angezündet, andere, der Hausherr hätte es selber lassen
-anzünden, um das Ungetüm los zu werden. Da sie aber ihre Sachen
-ausgeräumt hatten und auf einem Wagen davon fahren, lässet es sich
-unter denselben mit vernehmlicher Stimme hören: »Wären wir nicht so
-gerannt, so wären wir wohl mit verbrannt.«
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- Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als
- Geister der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit
- zu letzterer und allem was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische
- Natur ist ein späterer Zusatz.
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- Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.),
- daß man eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu
- entgehen. Als man aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den
- Neubau einfuhr, sprang der Kobold als Katze zusammengebuckelt vom
- Wagen in die offene Scheune.
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-215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.
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-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)
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-In eines Geistlichen, des ~M.~ Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg hat
-sich im August und September des Jahres 1691 folgendes begeben:
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-Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- und Zumachen
-der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats, Rufen, Lachen,
-Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken einer Magd viel seltsame
-Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein dunkelgrauer fortrauschender
-Schatten erschienen und hat sich einst mit einem nackenden Arm
-erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man Licht brennen,
-es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen es auch
-auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe hat sichs hören
-lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine Kugel hat es die Treppe
-herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider hat es hervorgetragen und
-seltsam aufgehängt. Den Schlafenden wollte es die Betten nehmen, bei
-Tage hat es etliche Betten verschleppt und brennendes Licht auf den
-Boden getragen. Einem wachenden beherzten Bürger überfiel etwas in
-der Nacht, seinen Gedanken nach wie ein zottiger brauner Bär. Es sah
-bisweilen zum Stallfenster heraus wie ein altes Angesicht mit einer
-schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin eine starke Ohrfeige, daß
-man die roten Striemen noch des andern Tages sehen konnte. Es steckte
-die Ofengabel, Ofenkrücke, einen langen Borstwisch mit allerlei
-Lumpen behangen zur Hausthür hinaus auf die Gasse. Ferner zog es den
-großen Wassertrog ab und versteckte die Zapfen, setzte ein brennendes
-Licht auf die Hausbank und schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen
-Schalkheiten verübte es sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so
-lachte es. Es versteckte die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab
-in den Hof. Der Hausgenossin Betten trug es auf den Gang hervor, aber
-man sahe keinen Träger. Es steckte allerlei Sachen zusammen in den
-Ofentopf. Ein Studiosus sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn
-mit einem Steinchen und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit
-kalten Händen die Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete
-Wäsche. Den 26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle,
-worauf die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht
-wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle
-Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen Stunden
-gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der Kirche Fürbitte
-angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr spüren lassen.
-
- Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der
- Aberglaube viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk
- in dem Hause des Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem
- Manne mit Namen Anton Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich
- in eine zottige Decke gehüllt und in dieser Verkleidung entweder
- als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei Monate lang
- geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine
- derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst
- in dem Urteile des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698,
- wodurch der Inquisit zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften
- Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft gedacht wurde. Der Geistliche,
- der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang mit der Frage in ihn,
- ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und als er sich
- erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man
- ihm seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche
- mit heiligem Schauer und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche
- er noch zu leben hätte, nicht zu zu solchen Teufeleien, sondern
- zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt zum Erzgeb.
- Volksfreunde, 1884, No. 32.)
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-216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.
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-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.)
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-Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg führenden
-Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höhe eine
-bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter
-Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen Teil des
-Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein sein
-Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche Aussicht
-gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin wandert die
-Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage um ein Uhr
-morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben die Kobolde tanzen; doch die
-Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt man die Sonne, bevor sie
-sich ruhig über den Horizont hebt, vorerst dreimal emporhüpfen.
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- Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil
- daselbst Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter
- von Hansgirg.) Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche
- doch vorzugsweise Hausgeister sind, auf einem Berge tanzen; jedoch
- mag daran erinnert werden, daß Kobolde auch zuweilen als Waldgeister
- auftreten.
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-217. Der Kaspar des Greifensteins.
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-(M. Spieß, Aberglauben etc., des sächs. Obererzgebirges.
-Programmarbeit. 1862, S. 39. Gießler, Sächs. Volkssagen, S. 116.)
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-Auf dem Greifensteine bei Geyer läßt sich der Kaspar sehen. Er
-erscheint in weißen Hosen, rotem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und
-Bonaparthut. Man erzählt: Eines Tages, nachmittags 4 Uhr, als die
-Arbeiter eines Steinbruchs, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt,
-ihr Brot verzehrten, ruft aus Unmut einer von den Arbeitern gegen die
-Höhe des Felsens: »Komm, Kaspar, iß mit!« In demselben Augenblicke
-kommt ein großer Stein vom Felsen herab und fällt gerade neben dem
-Arbeiter hin.
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-218. Geist Mützchen.
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-(Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 554.)
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-Nicht weit von Freiberg ist ein Gehölz, das heißt der heimische Busch,
-und in demselben hauste vordem ein Kobold, den die Leute Mützchen
-nannten und damit an den bekannten Kobold Hütchen erinnerten. Geist
-Mützchen gehörte zu jenen gespenstischen Hockelmännchen, die sich den
-Reisenden und solchen Leuten, die im Walde Geschäfte hatten, aufhockten
-und sich weite Strecken tragen ließen, bis die Leute ganz abgemattet
-waren und fast odemlos umsanken. Wenn sie ihn nun fast nicht mehr
-tragen konnten, hüpfte er von ihrem Rücken plötzlich weg, schnellte
-auf einen Baum und schlug ein schmetterndes Gelächter auf. Dies arge
-Possenspiel trieb Geist Mützchen absonderlich im Jahre 1573 und sind
-viele Personen durch sein Aufhockeln krank geworden. Einst fand eine
-Butterhökerin einen prächtigen Käse im heimischen Busche. Des Fundes
-froh und überrechnend, was sie dafür lösen werde, legte sie ihn in
-ihren Tragkorb; da wurde der Korb so schwer, daß sie endlich von der
-Last niedergezogen ward und in die Knie sank und den Korb abwarf. Da
-rollte ein Mühlstein aus dem Korbe und in die Büsche, und aus den
-Büschen schaute Mützchen mit gellendem Gelächter, daher man auch von
-einem hell und grell Lachenden sagt: »Der lacht wie ein Kobold.« Den
-Namen aber hatte Mützchen von seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar
-machte, und wenn er sie abthat, so sah man ihn, und dann setzte er
-sie oft plötzlich wieder auf und war im Nu verschwunden. Davon ist
-das Sprichwort entstanden, wenn jemand etwas sucht und es an einem
-Orte gesehen zu haben glaubt und es doch nicht finden kann, daß man
-sagt: »Ja, da sitzt er und hat Mützchen auf!« -- nämlich der Zwerglein
-unsichtbar machendes Nebelkäppchen.
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- Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im
- Besitze der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe
- gewesen sei. Er hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche
- den eigentlichen Zwergen fehlt. Letztere leben mit den Menschen auf
- freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich als Volk auf;
- Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild
- des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen
- Sagen tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer,
- Thüringsche Sagen, S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat
- von dem spitzen roten Hute seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth.,
- S. 290.)
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-219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.
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-(Ein gründlicher Bericht vom Schnackischen Katzen-Veite. Als einem
-wercklichen und würcklichen Abentheure beym Kohlenberge im Voigtlande
-etc. An den Tag gegeben von Steffen Läufepeltzen, aus Ritt mier ins
-Dorff. o. O. u. J. (1651.) Daraus bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen,
-No. 616.)
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-Um den Kohlberg bei Zwickau soll sich ein Gespenst sehen lassen,
-welches seiner lustigen Streiche wegen viele Ähnlichkeit mit dem
-Rübezahl hat und der Katzenveit heißt. Jener Berg hat seinen Namen
-von den Steinkohlen, die er enthält und soll seit dem Jahre 1479, wo
-einmal ein Jäger einen Fuchs gehetzt und nachdem er solchen verfolgt,
-sein Gewehr von ohngefähr in eine Grube losgebrannt, innerlich
-brennen. Wer jener Katzenveit ursprünglich gewesen, darüber sind
-vielerlei Vermutungen aufgestellt worden. Unter anderem sagt man, er
-sei einst ein sehr ungetreuer Schösser oder Statthalter der Hessen,
-also ein Katten-Vogt gewesen, habe aber so viele Gelder und Einnahmen
-unterschlagen, daß er nach seinem Tode nicht habe ruhen können, sondern
-immer spukend umgegangen sei, bis er von einem Hexenmeister und
-Teufelsbanner in diese Wildnis verbannt worden; weil er sich nun nicht
-unter diesem Berge wolle bergen lassen, sondern sich über die schwere
-Last beschwere, so bewege er den Berg und speie aus Bosheit und Gift
-Feuer von unten in die Höhe. Am meisten läßt er sich zur Zeit des St.
-Veitstags spüren, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt. Von
-ihm werden nun verschiedene lustige Streiche erzählt.
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-So zog einst in einem vogtländischen Städtchen ein fremder Hausierer
-mit Brillen und einer Menge Kurzwaaren herum und betrog die Leute durch
-seine geschickte Redegabe um ihr Geld und hing ihnen dafür seinen
-unnützen Kram auf. Das verdroß den Katzenveit, der gerade dort herum
-strich, gewaltig, er kaufte ihm also ein hölzernes Pfeifchen für 15
-Pfennige ab, obgleich jener 18 gefordert hatte, und versprach ihm noch
-mehr Waren abzunehmen, wenn er mit sich handeln ließe, betastete dann
-jedes einzelne Stück und steckte es wieder an seinen Ort, worauf er,
-angeblich um Geld zu holen, sich entfernte. Sobald er aber weg war, da
-hatte sich der ganze Kram des Hausierers in Seile, Stricke, Stränge,
-Sackbänder, Peitschenschnüre und Bindfaden verwandelt und an seinem
-Halse befand sich ein natürlicher Diebsstrang, an dem ein kleiner
-hölzerner Galgen baumelte. Da stand nun Matz Flederwisch ganz bestürzt
-da und wunderte sich, daß er auf einmal aus einem Materialisten ein
-Seiler geworden.
-
-Einst hatte ein geiziger Bauer seinen ganzen Sinn auf die Bienen
-gestellt und wo er nur einen Schwarm vermutete, derselbe mochte nun
-von den Seinigen abgezogen oder anders woher gekommen sein, da hat er
-seinen Korb angeschlagen. Das hat den Katzenveit schwer verdrossen. Er
-hat sich also in Gestalt eines Bienenschwarms an einen Baum gehängt
-und ist von dem geizigen Bauer schnell in den Bienenkorb geschlagen
-worden. Als derselbe nun nachsehen will, wie sich der Schwarm im
-Gefäße geberde, da wird er gewahr, daß die vermeinten Bienen schon
-darin gearbeitet, Zellen und Honig gesetzt haben. Darüber hat er sich
-erst sehr verwundert, aber als er näher zuschaut, findet er, daß der
-vermeintliche Honig stinkender Kot sei, welchen ihm eine im Stocke
-sitzende Eule mit den Flügeln ins Gesicht schleuderte, dann herausfuhr
-und auch seine übrigen Bienenstöcke, 200 an der Zahl, mit entführte;
-der Bauer aber, der ihr nacheilte und sie aufhalten wollte, brach vor
-lauter Eifer beide Beine.
-
-Ein anderesmal kam ein fremder Botaniker auf den Kohlenberg und dachte
-dort kostbare Pflanzen zum Goldmachen zu finden; zu dem gesellte
-sich der Katzenveit als Kräutermann gekleidet und nannte ihm das
-reife Silberblatt, Pfennigkraut, Tausendgüldenkraut, Goldblümchen,
-Frauenmütze etc. als lauter Kräuter, die Gold brächten. Der Thor grub
-nun alle diese Kräuter aus, weil er meinte, Gold unter ihnen zu finden,
-allein er fand nichts, und als er mit seinem Funde schnell nach Hause
-eilte, brach er unterwegs den Arm, ja er erschlug zu Hause in der
-Hitze seine Frau, die ihn ausgelacht hatte, und grämte sich dann teils
-deswegen, teils weil er aus den Wurzeln nicht reich geworden war, zu
-Tode.
-
-Einst ist er nach Tripstrille als Kammerjäger gekommen und hat
-vorgegeben, er könne Ratten und Mäuse vertreiben. Dafür hat man ihm
-eine Partie schöner Thaler versprochen, allein als er das Ungeziefer
-weggebannt, ihm solche nicht ausgezahlt. Da ist er nach Art des
-Rattenfängers von Hameln wiedergekommen und hat alle Katzen der Bürger,
-deren 666 gewesen sein sollen, aus der Stadt geführt, und seit dieser
-Zeit sollen dort keine Katzen mehr fortkommen.
-
-Einmal hat ein Saufbruder vor Pfingsten Maien beim Kohlberge geholt
-und in seine Behausung gebracht, in Willens, eine grüne Lust dabei zu
-genießen und seine Biergötzen damit zu beehren; das hat den Katzenveit,
-der der rechte Waldmeister und Baumherr ist, schwer geärgert. Wie
-nun solcher Birkenschmuck hin und wieder in der Stube ausgebreitet
-und damit gleichsam eine Laubhütte gemacht worden war, da wird das
-Bierfaß hereingeschleppt, in die Mitte gestellt und der Saufbartel und
-seine Freunde setzen sich auf Schemeln rund herum und gießen so einen
-Becher nach dem andern in die Gurgel hinab und bringen sich einen
-Toast nach dem andern zu. Auf einmal fängt aus dem Laube ein Kuckuck
-zu schreien an, was ihnen anfänglich gar närrisch vorkommt, darauf
-fängt ein Storch an zu klappern und endlich singt die Nachtigall ihr
-Runda Runda Dinellula. Da erschrecken sie bald ein wenig und wissen
-nicht, wie ihnen geschieht, denn bald werden sie gezupft und sehen doch
-nicht, woher es kommt, bald schwingen und schütteln sich die Maien und
-schlagen auf die Tagediebe los, daß sie Zeter und Mordio schreien und
-aus der Stube hinweglaufen. Gleichwohl hoffen sie, der Spuk werde sich
-bald wieder verlieren, damit sie zu ihrem Gelage zurückkehren können.
-Sie gucken darüber zum Fenster hinein, siehe da waren aus allen Maien
-junge Mägdlein geworden, welche schöne Gläser in den Händen hatten. Da
-sprangen alle eilig wieder in die Stube, faßten sie an und sprangen mit
-ihnen um das Bierfaß herum. Wie sie sich aber ein wenig umschauen, da
-haben die Damen Teufelsklauen an Händen und Füßen, ein großes rundes
-Auge mitten im Kopfe und an diesem Ziegenhörner. Ei, wie teuer wurde
-ihnen jetzt das Lachen, wie gern wären die Hengste jetzt hinaus und
-davon gewesen! Aber sie mußten ausharren und bei etlichen Stunden also
-herumhüpfen, daß ihnen der Angstschweiß an allen Orten ausbrach und sie
-endlich für tot niedersanken. Zwar haben sie sich bald wieder erholt,
-aber ihre lose Pfingstlust war ihnen für immer vergangen.
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-Oft zog der Katzenveit als fahrender Schüler im Lande herum und foppte
-die Wirte. So kam er einst als armer Student zu einer Wirtin und legte
-sich ohne Weiteres in ein schönes Gastbett. Sie aber trieb ihn heraus,
-er aber stahl ihr das Bett und verkaufte es. Ein anderesmal sah er,
-daß eine Schankwirtin gebratene Tauben am Spieße stecken hatte; als
-sie nun aus der Küche abgerufen ward, huschte er hinein, nahm sie mit
-sich und aß sie ungescheut in der Stube am Tische auf. Wie nun die
-Frau das sah und ihr Eigentum vermißte, fragte sie ihn, wie er zu den
-Tauben komme, und er antwortete. »Wie kommt der Tag zum Winde (sintemal
-es gerade sehr stürmte)?« Damit nahm er die andere gestohlene Taube
-beim Kopfe und fraß sie auch auf. Endlich kam er einst in ein Dorf,
-wo ein geiziger Pfarrer wohnte, der niemandem etwas gab, sondern alle
-Ansprechenden entweder selbst, in einem dicken Bauernpelz vermummt,
-oder durch seine Leute oder mittelst seines Kettenhundes forttrieb.
-Bei diesem trug er sich so an, als gehe er auf Freiersfüßen und
-wolle seine Tochter ehelichen. Da nahm man ihn mit Freuden auf, der
-Vater ließ etliche Tauben zurichten und braten und die Mutter lief
-etliche Male vom Feuer weg und ließ die Küche leer stehen. Nun zog
-er schnell mitgebrachte junge, abgerupfte Raben aus dem Ränzel, lief
-zum Herde, spießte sie an und so wurden sie zusammen fertig. Als sie
-aber aufgetischt wurden, da partierte er letztere auf den Teller des
-Pfarrers und seiner Frau, und kehrte es also, daß die rechten Tauben
-auf den seinigen kamen, dann aber machte er sich, nachdem sein Appetit
-gestillt war, aus dem Staube.
-
-Einst fragte man ihn, warum jetzt alles so teuer sei, und er
-antwortete, es gebe jetzt mehr Tribulierer und Flegel als sonst,
-besonders junge Drescher, die Prokuratoren hießen und sich für ihre
-Dienste allemal zuvor bezahlt machten, also, daß wenig in den Scheunen
-blieb. Das hörte zufällig ein Advokat, der dabei stand und sprach:
-»Ganz recht mein Knecht!« und indem er ihn bei der Hand faßte, sagte
-er: »Ich greife nach dem Flegel und marschiere auf die Tenne in
-Willens, den Rest vollends auszuklopfen und darauf zu schlagen, bis ich
-das Stroh aufreibe.« Aber jener nicht faul, packte den Rabulisten bei
-der Kartause, fuhr ihm erstlich über's Maul, warf ihn dann zu Boden und
-sprach. »Halt, Geselle, ich muß dich ein wenig zudreschen!« und indem
-schlug er mit allen beiden Klöppeln auf die ungegerbte Garbe los, daß
-das Schrot und Korn haufenweise (denn der Geizhals hatte eben einen
-Haufen Geldes bei sich) aus dem Strohjunker heraussprang, also daß der
-neue Drescher nicht allein eine große Ernte an ihm hielt und seine
-Säckel anfüllte, sondern auch die Zuschauer eine gute Nachlese halten
-konnten, weil der Katzenveit ihn wund geschlagen. So hatte der Patient
-keinen Beweis, seinen Beleidiger zu verklagen, und damit zu wuchern,
-sondern er mußte die Stöße hinnehmen, als hätte ihn ein Hund gebissen.
-
- Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte auf die
- Ähnlichkeit des erzgebirgischen Katzenveit mit dem Rübezahl des
- Riesengebirges hingewiesen worden. Unter den derben Neckereien des
- ersteren erinnert z. B. die mit dem kotigen Bienenkorbe an eine Sage
- von Rübezahl; derselbe verkaufte nämlich Bienenkörbe, welche mit
- Menschenkot bestrichen waren. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4.
- Jahrg. 1. und 2. H., S. 11.) Beiden Sagengestalten ist die Fähigkeit,
- verschiedene Gestalten anzunehmen, sowie Gegenstände zu verwandeln,
- gemeinsam.
-
-
-220. Ein Stückchen vom Pumphut.
-
-(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)
-
-In der Beiermühle bei Siebenlehn sprach einmal der gespenstige
-Mühlknappe an, der seines eigentümlich geformten Hütchens wegen
-»Pumphut« genannt wurde. Die Leute waren eben beschäftigt, ein neues
-Wasserrad einzusetzen, sahen den Fremden gar nicht an und fertigten ihn
-kurz ab. Kaum war Pumphut weiter gegangen, so fand sich, daß die Zapfen
-am Rade zu kurz waren. Die Zeugarbeiter, die ihr Werk so sorgfältig
-wie immer ausgeführt hatten, zerbrachen sich den Kopf, bis einer auf
-den Gedanken kam, der Fremde möge wohl Pumphut gewesen sein und ihnen
-einen Schabernack angethan haben. Sofort eilten sie ihm nach und bald
-sahen sie ihn gemächlich an der Mulde weiter wandeln, aber so sehr
-sie auch rannten, sie konnten ihn nicht einholen, auch hörte er lange
-nicht auf ihr Rufen. Endlich blieb er stehen, erwartete sie und kehrte
-nach vielen Bitten mit um nach der Mühle. Dort klopfte er mit seinem
-Hütchen rechts und links an das Rad und nun paßte alles vortrefflich.
-Da ihm nun alle Ehre erwiesen ward, bannte er noch die Sperlinge, die
-dem Müller immer viel Schaden gethan hatten. Seitdem soll sich kein
-Sperling mehr dort wohlbefinden.
-
- In Gräßes Sagenschatz von Sachsen (No. 672) ist eine im Wesentlichen
- mit der unsrigen übereinstimmende Sage vom Pumphut mit der
- Burkhardtsmühle im Vogtlande verknüpft; eine andere Sage, die Gräves
- Laus. Sagen entlehnt ist und auch von Karl Haupt mitgeteilt wird,
- verlegt die Begebenheit nach Volkersdorf (Sagenschatz No. 841.)
- Ebenso teilt Veckenstedt in seinen Wendischen Sagen und Märchen S.
- 86 etc. drei Überlieferungen mit, nach denen Pumphut Mühlwellen
- verkürzte. Mehr noch als durch seine übernatürlichen Künste, wie
- das Fahren in papiernen Kähnen über Flüsse, z. B. die Mulde, das
- Zerschneiden eines Mühlsteins in Bautzen, das Auffangen von Kugeln
- in seinem Hute u. a. m., erscheint uns Pumphut durch sein Ende und
- eine Begebenheit in seiner ersten Kindheit als ein dämonisches
- Wesen. Da er noch als Kind in der Wiege lag, verschwand er plötzlich
- und an seiner Stelle fand sich eine Schlange; wie ihn nun seine
- Eltern vergeblich überall gesucht hatten und wieder in die Wiege
- blickten, lag er auf einmal frisch und gesund in derselben. Hier
- tritt die dämonische Schlange an die Stelle des ebenfalls dämonischen
- Wechselbalgs. Pumphut wurde endlich nach seinem Wanderleben, auf
- dem er hauptsächlich Mühlen aufsuchte, von einer Schlange, welcher
- ein Kopf nach dem andern aus dem Halse wuchs, bis es an die Hundert
- waren, lebendig verzehrt.
-
- Eine wendische Sage bezeichnet ihn als großen Nix, der aber nicht
- gern im Wasser lebte. (Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 220 und
- Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen, S. 86 etc.)
-
-
-221. Das Jüdel.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz, etc. S. 930. Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen No. 561.)
-
-Man kennt im ganzen Erzgebirge ein Kindergespenst, das sogenannte Jüdel
-(richtiger »Gütel«, von gut) oder Hebreerchen und erzählt, daß, wenn
-die kleinen Wochenkinder während des Schlafs die Augen halb aufthun,
-die Augäpfel in die Höhe wenden, als wollten sie etwas sehen, dabei
-zu lächeln scheinen und dann wieder fortschlafen, manchmal auch zu
-weinen anfangen, daß das Jüdel mit ihnen spiele. Damit nun aber die
-Kinder nicht ferner von demselben beunruhigt werden, so kauft man
-ein kleines, neues Töpfchen samt einem Quirlchen, und zwar so teuer,
-als man es bietet, ohne zu handeln; da hinein wird von dem Bade des
-Kindes gegossen und es dann auf den Ofen gestellt und man sagt, das
-Jüdel spiele damit und plätschere das Wasser so lange heraus, bis
-nichts mehr im Töpfchen sei. Andere blasen Eier aus den Schalen in des
-Kindes Brei und der Mutter Suppe und hängen solche hohle Eierschalen
-samt etlichen Kartenblättern und anderen leichten Sachen mehr mit
-Zwirn an die Wiege des Kindes, daß es frei schwebe. Wenn nun die Thür
-aufgemacht wird, oder es geht und bewegt sich jemand in der Stube,
-also daß die am Faden schwebenden Sachen sich in der Luft bewegen,
-so sagen die Weiber, man solle nur acht geben, wie das Jüdel mit den
-Sachen an der Wiege spiele. Wenn zuweilen die Kinder rote Flecke haben,
-da sagt man, das Jüdel habe sie verbrannt; dann soll man das Ofenloch
-mit einem Speckschwärtlein schmieren. Das Jüdel spielt aber auch des
-Nachts mit den Kühen, dann werden sie unruhig und brummen, macht man
-aber Licht an, so sieht man nichts. Ebenso geht es in die Pferdeställe
-und fängt an die Pferde des Nachts zu striegeln, dann werden dieselben
-wild, beißen und schlagen um sich, ohne daß sie sich des Gespenstes,
-welches auf ihnen hockt, entledigen können. Um das Jüdel als Hausgeist
-zu unterhalten, muß man ihm Bogen und Pfeile und Spielsachen in den
-Keller und die Scheune legen, damit es damit spiele und Glück in's Haus
-bringe. Wenn aber die Wöchnerin vor demselben ganz sicher sein soll, so
-muß ein Strohhalm aus ihrem Bette an jede Thür gelegt werden, dann kann
-weder das Jüdel noch ein anderes Gespenst herein.
-
-Man will auch das nächtliche Fallen, welches einen Tod anzeigen soll,
-mit dem Jüdel in Verbindung bringen.
-
-In Scheibenberg diente vor Jahren eine alte Magd, welche bei solchem
-nächtlichen Fallen sagte. »Gütchen, ich geb' dir mein Hütchen, willst
-du den Mann, ich gebe dir den Hahn; willst du die Frau, nimm hin
-die Sau; willst du mich, nimm die Zieg'; willst du unsere Kinder
-lassen leben, so will ich dir alle Hühner geben!« Es ist in Elterlein
-geschehen, daß man bei solchem gespenstischen Fallen eine Henne oder
-Ziege dem Ungetüme gegeben, auch solche Stücke des Morgens tot gefunden
-hat.
-
- Das erzgebirgische »Jüdel« ist das »Gütel« (Heugütel) der vogtl.
- Sage, oder das »Hütchen« in den deutschen Sagen der Brüder Grimm
- (I. No. 75.) Es ist ein guter, hülfreicher Hausgeist, dessen Name
- jedenfalls auf »gut« zurückweist. Es mag hierbei auch an das
- in Oberungarn gebräuchliche »Gödchen« für Patenkind und an das
- oberösterreichische »Göd« ein Taufkind, hingewiesen werden. Göthe
- spricht im Faust von den »frommen« Gütchen. In mancher Beziehung hat
- es Ähnlichkeit mit den Kobolden, welche in Gestalt kleiner Kinder
- erschienen.
-
-
-222. Das Schrackagerl.
-
-(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864,
-S. 16 und 234.)
-
-Das Schrackagerl ist im Erzgebirge ein Hausgeist; es sitzt im Stalle
-auf der Raufe und sieht aus wie ein kleines Kind. Wo es ist, gedeiht
-alles, das Vieh, das Geflügel; nur darf man nicht fluchen, sonst
-verwirrt es den Pferden die Mähnen, bindet die Kühe los und treibt sie
-durcheinander. Das Schrackagerl hilft den Mägden arbeiten, so daß alles
-rein im Hause ist; nur muß ihm die Magd von ihrem Essen immer einen
-Teil aufheben und hinlegen.
-
-In Heinrichsgrün heißt das Schrackagerl auch Strackagerl; es verwirrt
-den Kindern die Haare. Wenn die Kinder des Morgens mit verwirrten und
-verfilzten Haaren aufstehen, sagt man: Da ist auch das Strackagerl
-darüber gewesen.
-
- Das Schrackagerl von Heinrichsgrün ähnelt dem Schreckgökerle der
- vogtländischen Sage, vor dem sich die Kinder fürchten und mit dem
- deshalb letzteren gedroht wird. (Köhler, Volksbrauch etc. S. 477.)
-
-
-223. Die Wehklage.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784. Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 568.)
-
-Im Erzgebirge giebt es ein Gespenst, die sogenannte Klagefrau oder
-Klagemutter; diese geht vor das Haus, wo ein Kranker liegt und fängt
-an jämmerlich zu heulen. Will man nun wissen, ob derselbe stirbt
-oder nicht, so wirft man vor die Thüre von oben ein Tuch herab, das
-demselben gehört; nimmt die Klagefrau, die nun zu heulen aufhört,
-dasselbe mit fort, so stirbt der Kranke, läßt sie es aber liegen, so
-findet das Gegenteil statt.
-
-Im Jahre 1626, da ein großes Sterben war, wohnte Nikolaus Köhler,
-ein Schuster in Oberwiesenthal, am Markt. Da er sich abends zur Ruhe
-gelegt, höret er ein jämmerlich Geheule auf dem Markt, so daß er nicht
-schlafen kann. Er siehet hinaus und wird gewahr, daß es um den Holzstoß
-eines gegenüber wohnenden Nachbars so winselt und jammert. In dem Hause
-desselben aber lagen zwei Sterbende, wie er des folgenden Morgens
-allererst erfahren. Er spricht: »Ja heule, daß Dir was anders in Rachen
-fahre!« und legt sich wieder nieder. Gleich kommt das Heulgespenst vor
-die Kammer und heulet noch gräßlicher. Er fähret ins Bett hinein mit
-Furcht und Grausen, und das Weib verweist ihm seine Verwegenheit, warum
-er bei elenden Sterbezeiten so frech hinaus geschrien; sie fangen an
-mit einander zu beten. Das Heulding fähret hinauf auf den Oberboden,
-und von dannen zum Fenster in das Quergäßchen herunter, und heulet
-wieder aufs neue vor des Büttels Thür, und des Morgens erfuhr er,
-daß auch darinnen ein Patient am Tode läge. Der Schuhmacher aber hat
-noch über 30 Jahre gelebt und ist erst anno 1664 an der ungarischen
-Soldatenkrankheit gestorben.
-
-
-224. Die Winselmutter bei Grünhain.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz des K.
-Sachsen, No. 530.)
-
-In der Nähe von Grünhain fließt der sogenannte Oswaldsbach. An
-demselben soll um die Mitternachtsstunde ein gespenstischer Schatten
-auf- und niederhuschen, der beständig Klagetöne ausstößt. Das Volk
-nennt denselben die Winselmutter und erzählt sich, einst habe ein
-Jüngling, dem seine Geliebte die Treue gebrochen, in dem genannten,
-an vielen Stellen sehr tiefen und reißenden Bache seinem Leben ein
-Ende gemacht; seine ihn liebende Mutter habe ihn darauf sieben Tage
-lang aufs sorgfältigste gesucht, aber doch seinen Leichnam nicht
-wiederfinden können, und so sei sie zuletzt selbst an Erschöpfung und
-gebrochenem Herzen gestorben. Weil sie dabei gegen Gottes weise Fügung
-gemurrt, so sei es nun ihr Los, ewig den Körper ihres ertrunkenen
-Sohnes unter steten Klagen und Wimmern suchen zu müssen.
-
- Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch
- dem Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man
- sich jedoch das Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als
- Kalb oder Schaf mit feurigen Augen vor, oder es wird als unförmliches
- Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch etc., S. 478.)
-
-
-225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.
-
-(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 421. Moritz Spieß, Aberglauben etc.
-des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39.)
-
-Am Schottenberge unter Annaberg giebts alte Bergkessel und Bingen, an
-denen der Fußsteig vorbei geht. Daselbst sind etlichemal bei Nacht,
-sonderlich zur Winterszeit, Reisende von Irrlichtern bethört und in
-Löcher und tiefen Schnee geführt worden, so daß man sie auf ihr
-jämmerliches Schreien und Rufen mit Laternen aufgesucht und gerettet
-hat.
-
-Im Jahre 1683 ging ein Witwer mit seiner Braut beim Scheibenberger
-Gottesacker vorbei und sagte: »Da drinnen liegt mein voriges liebes
-Weib.« In dem Wort blendet sie ein Licht und umgiebt sie ein
-Feuerschein zweimal, so daß sie mit Schrecken davon gelaufen sind.
-
-Auch bei der Grube »Dorothea« auf Geiersdorfer Gebiet und bei der
-Grube »Stern« auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein
-Lichtlein sehen.
-
-
-226. Die Staatslaterne bei Geyer.
-
-(Andrä, Chron. Nachrichten von Annaberg. 1837, S. 77. Gräße,
-Sagenschatz d. K. S., No. 491. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, 1847,
-Seite 253.)
-
-Nordöstlich von Geyer gegen den Greifenstein hin zeigt sich an
-Herbstabenden eine merkwürdige Lufterscheinung oder ein rötlich
-leuchtendes, beinahe 7 Ellen hohes Irrlicht, das, sobald es sich zu
-bewegen anfängt, immer kleiner wird, bis es endlich gar verschwindet,
-in der dortigen Gegend aber die Staatslaterne von Geyer genannt wird.
-
- Sagen von Irrlichtern sind ungemein zahlreich; dabei erscheinen
- die Irrlichter entweder als selbständige Flammen, oder sie fließen
- mit der Vorstellung von feurigen Männern zusammen. Eine Laterne
- wandelt des Nachts zwischen dem Pfaffenholze und Martinsrieth bei
- Sangerhausen, dergleichen im Loh, einem Hölzchen bei Buttstädt;
- beide Laternen werden von einer Hand gehalten, ohne daß man sonst
- jemanden sieht. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 267 und 303.)
- Im Vogtlande will man dagegen bemerkt haben, daß jedes Irrlicht den
- Kopf zu einer dunkeln, gewöhnlich nicht sichtbaren Gestalt bilde.
- Hier nähert es sich dem feurigen Manne. Als wirklicher feuriger
- Mann, also offenbar als Kobold, erscheint es auf einer sumpfigen
- Strecke bei Loitzsch. An einem andern Orte tanzen die Nixe mit
- Irrlichtern. (Eifel, Sagen aus dem Vogtlande No. 449, 159 und 60.)
- In dem Volksglauben gelten die Irrlichter vielfach als die Seelen
- ungetauft verstorbener Kinder; die beiden Irrlichter in Holzzelle
- im Mansfeldischen sind dagegen die Seelen eines Mönchs und einer
- Nonne (Größler a. a. O. No. 49.) Das Licht ist ein Symbol für den
- Geist des Verstorbenen, darum erscheinen die Seelen als Lichter.
- Haupt weist dabei (Sagenbuch etc. No. 57.) auf den Gebrauch in der
- Lausitz hin, daß man zwei Lichter anzündet, wenn Brautleute bei
- Tische sitzen; wessen Licht zuerst verlischt, der stirbt zuerst.
- Eine ähnliche Bedeutung haben auch die Lichter, welche man im
- Erzgebirge wie anderwärts am Andreasabende oder zu Sylvester in
- Nußschalen auf einem Becken mit Wasser schwimmen läßt, um daraus
- die Zukunft der betreffenden Personen zu erfahren. In dem Märchen
- vom Gevatter Tod (Br. Grimm, Kinder- und Hausmärchen, 1. B. No.
- 44) zeigt letzterer seinem Paten in einer unterirdischen Höhle die
- Lebenslichter der Menschen, und vielleicht ist auch auf die gleiche
- Vorstellung der Gebrauch zurückzuführen, daß man in katholischen
- Ländern bei Begräbnissen dem Sarge brennende Lichter voranträgt, oder
- am Vorabende des Allerseelenfestes Wachslichtchen anzündet.
-
-
-227. Die unheimliche Fackel.
-
-(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)
-
-Man hat bei Schmiedeberg dann und wann Irrlichter gesehen, die man
-unheimliche Fackeln nannte. Die Leute hüteten sich, mit denselben
-Bekanntschaft zu machen und wichen ihnen aus, wo sie konnten.
-
-Einst soll im Bogenhaus, in der Nähe des »letzten Pfennigs«, ein
-Mann durchs geöffnete Fenster eine unheimliche Fackel bemerkt und
-ihr vorwitzig zugerufen haben: »Komm her auf Courage!« In diesem
-Augenblicke erhielt er von unsichtbarer Hand eine tüchtige Ohrfeige;
-die Fackel aber war verschwunden.
-
- Eine tüchtige Ohrfeige erhielt auch vom Irrlichte jener Schulmeister,
- welcher demselben bei der sogenannten Lerch am Saalwalde im
- reußischen Oberlande mit den Worten entgegentrat: »Was bist Du für
- ein Licht?« Neben der Ohrfeige erhielt er noch die Antwort: »Kümm're
- Dich um Dich, ich bin ein Licht für mich!« (Eisel, Sagenbuch des
- Vogtl., S. 163.)
-
-
-228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz., S. 207 und 208.)
-
-Zu Wildenau ist im Pöhlwasser ein unheimlicher Ort, der Grundtümpel
-genannt, da sich das Wasser einer Stuben groß in die Runde dreht,
-und sich öfters darin allerlei Spukgestalten sehen lassen, als
-Weiber, Männer und Pferde. Man hat auch in selbiger Gegend bis nach
-Schwarzenberg und Sachsenfeld viel Irrwische und feurige Drachen ziehen
-und spielen sehen. Wenn die Leute aus Raschau nach Wildenau gingen,
-oder von Schwarzenberg herüber gehen wollten, hat es sie oft die ganze
-Nacht irre und gar nahe an den besagten Tümpel geführt, so daß sie beim
-Anbruche des Tages an dem Wasser gesessen haben.
-
-Teilweise ist ihnen ein Fischer mit Hamen begegnet, der sie bis an die
-Dorfhäuser täuschte, so daß sie 10 bis 12 Wochen darnach krank gelegen
-haben. Im Jahre 1624 wollte Andreas Illings Vater am Wildenauer Berge
-mit seinem Pferde arbeiten; da kam ein fremdes weißes Pferd mit allem
-Geschirr gelaufen und spannete sich selbst an. Nachdem es aber eine
-Weile hurtig gegangen, ahnte der Ackermann nichts gutes und wollte
-ausspannen und Mittag machen. Damit aber riß sich das wilde Pferd
-mit Haken und dem andern Pferde los und lief nach dem Tümpel zu; der
-Ackermann hing sich an sein Pferd, schrie und gab gute und böse Worte,
-bis sich das Gespenst verlor und ihn mit seinem Pferde in großer
-Bestürzung zurückließ.
-
-
-229. Dämonische Gestalten an einem Teiche bei Scheibenberg.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)
-
-Eine starke Viertelstunde unter Scheibenberg, am Elterleiner Wege,
-läuft der tiefe Stollen in einen Teich aus. Daselbst hat es die Leute
-oft bei Tag und Nacht erschreckt und den Weg bald in Gestalt eines
-großen, ungeheuren Mannes, bald eines Wolfes vertreten, oder sonst mit
-Tumult und Gerassel bethört.
-
-
-230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)
-
-Im Juli des Jahres 1644 waren die Oberscheibener oben bei ihren Teichen
-im Heumachen. Da kommt am Sonnabende vor dem zehnten Trinitatissonntage
-ein mächtiger Sturmwind mit Sausen und Pfeifen, fährt in die Teiche
-und wirft das Wasser hoch in die Höhe, als wenn sich zwei Pferde im
-Wasser mit einander schlugen. Darüber erschraken die Leute, liefen an
-die Heuschöber, die bösen Geister aber fuhren aus den Teichen in die
-Heuschöber, spielten damit in der Luft, fuhren über die Äcker hinaus
-und nahmen, wo sie gegen Crottendorf zu antrafen, alle Wipfel von den
-Bäumen mit.
-
-
-231. Der Drache.
-
-(Mündlich. Spieß, Aberglaube etc. Progr., S. 30. Lehmann, a. a. O., S.
-207.)
-
-Auf einer sumpfigen Wiese unterhalb Neustadt bei Falkenstein, nach
-Dorfstadt zu, ist öfters der Drache gesehen worden. -- Vielfach
-verbreitet ist der Glaube, daß der Teufel denen, welche mit ihm ein
-Bündnis geschlossen haben, in der Gestalt eines Drachen Geld und andere
-Gegenstände zuträgt, welche er anderswo geraubt hat. Der Drache fährt
-bei solchen Leuten zur Feueresse herein, und man muß ihm dann eine
-Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen; er verzehrt den Brei
-und legt statt dessen Geld in die Schüssel. Bei Marienberg sagt man,
-daß ein solches Geldstück, welches der Drache gebracht hat, stets
-wiederkommt, wenn es auch ausgegeben worden ist. Thut es dagegen der
-Empfänger in ein Glas, das er mit einem Deckel verwahrt hat, auf den er
-einen Kreis mit Kreide beschreibt und innerhalb desselben die Kreide
-liegen läßt, so muß es bleiben.
-
-Feurige Drachen hat man zugleich mit Irrlichtern auch in der Gegend von
-Schwarzenberg ziehen und spielen sehen.
-
- Der Glaube, daß man dem Drachen eine Schüssel Hirsebrei auf den
- Oberboden setzen müsse, steht jedenfalls mit dem auch im Erzgebirge
- vorhandenen Gebrauche in Verbindung, am Neujahrstage Hirse zu essen,
- damit man das ganze Jahr über Geld habe. Auch nach einer slavischen
- Sage mußte der Drache, welcher einem Bauer Geld brachte, mit Hirse
- gefüttert werden. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 166.)
-
-
-232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Drei Bürger in Schneeberg kamen einmal des Nachts in der zwölften
-Stunde aus dem Wirtshause. Als sie an den Frauenmarkt gelangten,
-trennten sich zwei von ihnen und der dritte ging allein über den
-genannten Markt. Auf einmal sprang ihm daselbst ein Kalb auf den Rücken
-und legte die beiden Vorderbeine fest auf seine Schultern; so mußte
-es der Mann bis an sein Haus tragen. Dort verschwand es, als die Frau
-ihrem Manne die Thür aufmachte. Die Frau verwunderte sich, daß ihr Mann
-so bleich und erschrocken aussah und fragte ihn nach der Ursache; doch
-er wollte ihr unter 9 Tagen nichts erzählen. Da drang seine Frau noch
-mehr in ihn, bis er ihr endlich das Begebnis erzählte und ihr zugleich
-die Spuren auf seinen Achseln zeigte, welche das gespenstische Kalb mit
-seinen Pfoten darauf zurückgelassen hatte. Das war sein Unglück, denn
-man soll von derartigen Erlebnissen, wenn sie nicht dem Betreffenden
-Verderben bringen sollen, unter 9 Tagen nichts erzählen. Der Mann starb
-auch noch innerhalb dieser Zeit.
-
- Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch
- nach einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der
- Lausitz ein Kalb ohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis
- in sein Dorf tragen. (Veckenstedt, a. a. O., S. 411.)
-
-
-233. Ein gespenstisches Kalb zu Mildenau.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 673.)
-
-Ein Vorbote war es, daß vor dem deutschen Kriege, da der Feind
-einfallen sollte, sich zu Mildenau im Herbst des Nachts ein gräßliches
-Geblöke und Geschrei erhob; es lief etwas im Dorfe durchs Wasser auf
-und nieder in Gestalt eines Kalbes und brüllete so abscheulich, daß
-die Leute alle bestürzt wurden. Den folgenden Sommer ist der Feind
-eingefallen und hat geplündert und verheert.
-
-
-234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.
-
-(Mündlich.)
-
-Zwischen der Stadt Eibenstock und dem dortigen Bahnhofe liegt in einem
-flachen Wiesengrunde der »Mielahr« oder Windischteich. Darin soll ein
-wunderbarer Fisch mit einem goldenen Reifen leben, und um den Fisch
-zu fangen, hat man vor einer Reihe von Jahren den Teich ausgepumpt,
-aber den Fisch doch nicht gefunden. Von dem Fische erzählt man, daß
-denselben einst eine Prinzessin in den Teich gesetzt habe.
-
- Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der
- Oberlausitz, daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die
- goldenen Halsbänder der Fische erinnern an die Halsringe mythischer
- Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.) Als mächtiger Karpfen mit
- einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder bei Breslau auch
- Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2.
- H., S. 13.)
-
- Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf.
- Seine dämonische Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster
- bei Stublach; derselbe ist ein Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des
- Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache in Schwaben verläßt
- das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der Zwerg ~Andwari~,
- welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach
- der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt
- a. a. O., S. 420.) Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich
- Fischlein, deren Schuppen gediegen Gold und deren Augen kostbare
- Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert. (Pröhle, Deutsche Sagen,
- S. 225.)
-
-
-235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.
-
-(Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 3. Jahrg., S. 114. Grohmann,
-Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. 1864, S. 79.)
-
-Die Beerensammler im Erzgebirge erzählen von einem Otternkönige,
-welcher ein goldenes Krönlein trägt und über das ganze Natterngezücht
-herrscht. Derselbe hat die Gewohnheit, in einer Quelle zu baden und
-zu trinken; weiß man die Stelle und breitet daselbst ein weißes Tuch
-aus, neben das man eine Schüssel mit Semmel und Milch gestellt hat, so
-legt dann der Otternkönig sein Krönlein während der Mahlzeit auf jenes
-Tuch. Wer sich desselben schnell bemächtigt, dem bringt es Reichtum und
-Glück; wird er aber von den durch das Pfeifen des Königs gerufenen und
-von allen Seiten herbeieilenden Nattern erreicht, so ist er unrettbar
-verloren.
-
-In Schönlinde erzählt man: Wenn man mit Schlangen und Nattern in guter
-Freundschaft leben will, muß man sich vor allem die Schlangenkönigin
-zur Freundin machen. Dies geschieht, wenn man an einem heißen Tage zum
-Waldrande geht, ein weißes Tüchlein ausbreitet und ein Schüsselchen
-Milch mit Weißbrot darauf stellt. Jeden Tag muß man das thun, bis die
-Schlangenkönigin endlich ihr Krönlein auf dem Tuche liegen läßt. Wer
-dies Krönlein hat, ist vor Schlangen und Nattern sicher.
-
- S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der
- Schlangenkönigin, welche goldene Kronen tragen, finden sich
- allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, daß die eine goldene Krone
- tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube kommt und
- dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige
- behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein.
- (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 49.)
-
-
-236. Die Riesenrippe zu Nossen.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in der
-~Saxonia~ I., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella,
-S. 8.)
-
-In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster Altzelle
-stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen
-Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für die Rippe eines
-Meerwunders oder Elephanten, von anderen für die eines Riesenfräuleins
-von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen seien, ausgegeben
-wird. Diesen Gegenstand hat man auch der Rarität wegen in das Siegel
-der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen. Erzählt wird von dem genannten
-Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa einen auf dem Felde arbeitenden
-Bauer mit Pflug und Pferden in ihre Schürze nahm und ihrem Vater
-hineintrug. Auch soll sie öfter nach Haslau »in die Haselnüsse«
-gegangen sein. -- Die Rippe kam Anfang des 17. Jahrhunderts in die
-Königl. Kunstkammer nach Dresden, 1657 aber wieder zurück nach Nossen.
-Nach einer andern Meinung wäre diese Rippe identisch mit der in Gold
-gefaßten Rippe der heiligen Katharina, welche zu den Reliquien des
-Klosters Altzella gehörte.
-
-
-237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.)
-
-Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und den
-Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung
-ausgegraben. ~Anno~ 1652, als der Amtmann zu Wolkenstein, Johann
-Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von Marmor und
-Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ, haben die Maurer
-riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen die Arme und Beine
-eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen gemeiner Mannspersonen.
-
- Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen
- Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als
- etwas fraglich, wenn man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu
- sein scheint, die Knochen großer urweltlicher Tiere für menschliche
- Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus Darwin, S. 208
- und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die Natur
- 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in
- denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche
- das Volk für die Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben
- wurden in der Nähe der Orte gefunden, in deren Kirchen sie sich jetzt
- befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus bis in die früheren
- Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine von
- Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu
- schützen suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. -- Es könnte
- noch eine Deutung versucht werden. Die Germanen veranstalteten zu
- Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, Pferde weissagten und
- die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten Rosse
- auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei
- unsern deutschen Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes
- Tier war. Damit hängt auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach
- welchem unter jeder Kirche, welche gebaut wird, ein lebendes Pferd
- eingegraben werden müsse. Sollte man auch bei uns dem Glauben an
- eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener Pferde,
- so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?
-
-
-238. Große Menschengebeine in Preßnitz.
-
-(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)
-
-Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer
-herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß
-niedergerissen und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil
-ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst,
-bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben.
-
-
-
-
-IV.
-
-Teufelssagen.
-
-
-Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später den
-Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen
-Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten
-sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen
-wirklich existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und
-teuflische Gewalten seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten
-und die Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und
-Dämonen sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus
-der griechischen Sprache entlehnte Name ~Diabolos~ ging in die
-lateinische und später auch als ~Diufal~, ~Tiuvel~, ~Tüvel~ u. s. w.
-in die deutsche, sowie als ~djabel~ in die slavische Sprache über; in
-letzterer wurde er später durch das Wort ~czert~, welches den Begriff
-eines schwarzen Wesens in sich schließt, ersetzt.
-
-Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen mußten,
-ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9. Jahrhunderts,
-welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung kamen und worin
-es heißt: »~Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole~«, oder:
-»~Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.~«
-
-Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat,
-wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben.
-Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit ihm ein Bündnis
-eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse irdische Vorteile zu
-erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel mit Leib und Seele
-ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan, sich ihm mit seinem Blute
-verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem Blute Verschreibens weist
-Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 55.) darauf hin, daß nach
-dem früheren Volksglauben nicht nur alle verstorbenen Menschen, sondern
-auch die entthronten Götter und der Teufel, als ein gestürzter Engel,
-an Blutmangel leiden, und daß deshalb besonders der letztere geizig auf
-ein Tröpflein Bluts desjenigen Menschen besteht, der sich zu ihm in
-ein Schutzverhältnis begeben will. -- Wenn der Teufel einem Menschen
-dienstbar geworden ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen
-Volksglauben als Drache. -- Zahlreich sind die späteren Sagen, nach
-denen er sich in seiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so
-daß er von menschlicher List überflügelt wird. Dies geschieht z. B.,
-wenn er junge Mädchen, wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen
-will.[4] Ein gläubiges Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn;
-gottlosen Säufern und Fluchern aber dreht er die Hälse um; hier hat
-er Macht über den Menschen. Obschon der Teufel ein natürlicher Feind
-der Menschen und unter diesen besonders der Müller ist, vielleicht
-weil diese das ernährende Mehl liefern, so baut er auch wieder unter
-gewissen Bedingungen Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde
-er von einem Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle,
-von welcher nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist,
-zerschmetterte. Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb
-Auerhammer; doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen
-zu sein. -- Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über
-dieselben werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen.
-
-Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und
-»Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen
-Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei
-Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach und
-Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld. Denselben
-Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins in Schöneck.
-
- [4] In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre
- die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann,
- Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)
-
-
-239. Eines Schmied's Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.
-
-(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1148--1153.)
-
-Im Jahre 1559 hat sich zu Platten, der Schneebergischen Kolonie, wo
-damals noch alles evangelisch gewesen, ein Teufelsspiel geäußert,
-da der Satan eines Schmieds Tochter, mit Namen Anna, leibhaftig
-besessen und sie grausam gequälet, bis er wieder ausgetrieben worden.
-Bemeldete Schmieds Tochter hat sonst ein gutes Zeugnis gehabt, wie sie
-christlich, keusch und züchtig gelebt, zur Kirche gegangen, das heilige
-Sakrament oft gebraucht und die Evangelien mehrenteils auswendig
-gelernt; aber doch wäre sie zu Fastnacht aus Verhängnis Gottes vom
-bösen Geiste besessen und darauf krank niedergeworfen worden. Zu
-Ostern habe man die leibliche Besitzung des Teufels verstanden, nachdem
-der Satan aus der Jungfrau leibhaftig zu reden angefangen und in der
-Stube in der Gestalt eines Kuckucks, Rabens und einer Hummel sich
-sehen und mit solcher Vogelstimme sich hören lassen und je länger je
-mehr von Tag zu Tag wunderliche Dinge geredet, sonderlich bei dem
-großen Zulauf des Volkes von Einheimischen und Fremden. Und wenn der
-Name Jesus genannt worden, habe er sich in der Jungfrau Augen gesetzt
-und ihr dieselben wie große Henneneier aus dem Kopfe herausgetrieben,
-daneben die Zunge einer Spanne lang wie eine zusammengeflochtene Wiede
-zum Mund herausgestreckt und ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet.
-Wenn sie einmal Ruhe gehabt und gefragt worden, wie es ihr ginge, habe
-sie kurz geantwortet, es dünke sie, als wenn sie stets auf einem Wasser
-läge und ertrinken solle, aber es kämen noch allewege fromme Leute und
-hülfen ihr davon. Einstmals habe der Teufel bekannt, daß die Jungfrau
-ihn zu Fastnachten in einem Trunk Bier unter einer Fliege Gestalt
-getrunken, nachdem er ihr zwei Jahre nachgegangen wäre. Ein frommer
-Mann, mit Namen Elias Hirsch, ist alle Nacht bei der Jungfrau gewesen,
-hat ihr vorgebetet und sie getröstet. Einstens habe der böse Geist zu
-ihm gesprochen: »Elias, thue einen Reihen oder Tanz mit mir, tanz vor
-oder tanz nach!« Und da Elias geantwortet: »Du Schelm, Du gehörest
-nicht unter die Menschen, mit ihnen zu tanzen, tanze in das höllische
-Feuer!« so habe er wieder geantwortet: »So gehe hinweg, Du wirst einen
-feinen Tanz sehen.« Und indem er angefangen zu pfeifen, wäre eine
-Katze zur Stube herein, und ein Hund unter dem Tische hervorgelaufen,
-und diese hätten miteinander einen langen Tanz gethan, bis die Katze
-wieder zur Stubenthüre hinaus, und der Hund sich auch wieder verlaufen.
-Dergleichen seltsame Possen hätte der Teufel noch mehr angerichtet.
-Endlich aber ist er aus der Jungfrau durch der Priester und vieler
-frommen Christen Gebet und Seufzen getrieben worden und wie ein
-Fliegenschwarm zum Fenster hinausgefahren, nachdem er vorher von der
-Jungfrau ein Glied, dann einen Nagel vom Finger und zuletzt nur ein
-Haar begehret, gleichwohl aber nichts erhalten. Dabei hat er gesagt:
-»Alle, die nicht gern zur Kirche gehen wollen, selbst daheim lesen, zum
-Sakramente nicht gehen, im Fressen, Saufen und Wucher liegen, sind alle
-mein mit Leib und Seele. Und sofern diese Buße thun wollen, so will
-ich ausfahren.« Zu dem mit anwesenden Geistlichen von Schlackenwerthe
-sagte er noch: »Und Du Pfaff von Schlackenwerthe, vermahne die Deinen
-zur Buße, dahin fahre ich!« Welches denn dieser Pfarrer seiner Gemeinde
-öffentlich auf der Kanzel auch angesagt mit Vermahnung zur Buße.
-
- Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder
- einer Hummel sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm
- zum Fenster hinaus.
-
- Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein
- Teufelstier ist und als Teufel selbst auftritt, beweisen die
- Redensarten: »Das weiß der Kuckuck! Des Kuckucks werden! Der Kuckuck
- hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung nur bei
- den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches
- (Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin
- dienstbar und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden;
- die Seelen der Verwünschten und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt
- an. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 156. Grohmann,
- Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 65.)
-
- Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns
- ebenfalls eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder
- und Schwester zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel
- in einem Keller an; der kam in einer Hummel-Gestalt und flog jedem
- in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte, dem ward viel
- Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine
- andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel
- erschienen ist. (Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub)
- heißt Fliegengott. Märchen erzählen von teuflischen Geistern, die
- als Fliegen in einem Glase verschlossen sind. Der dem Bösen sich
- hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt sich in eine
- Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.)
-
- Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze
- sind hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze,
- gilt bald als Hexentier, bald als Hexe selbst oder ein verwünschter,
- böser Geist. Der anfänglich den Göttern geweihte Hund aber, dem auch
- die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde Bote und Hüter der
- Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.)
-
-
-240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.
-
-(T. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II., S. 692.)
-
-Im Jahre 1645 ist ein Soldat von der schwedischen Besatzung zu Chemnitz
-nach Zwickau gekommen, hat aber bald darauf seine Frau und Kinder
-wieder böslich verlassen und ist wieder zu den Schweden gelaufen. Als
-nun dessen Weib in höchster Armut lebte und sich sehr bekümmerte, wie
-sie sich und ihre Kinder nähren solle, ist der Teufel etlichemale zu
-ihr gekommen, hat ihr ein Säcklein mit Geld vorgehalten und gesagt,
-wenn sie sich ihm ergeben wolle, werde er ihr dieses geben, und so
-dies verzehrt, noch mehr bringen. Die Frau hat sich aber des allezeit
-durch's Gebet erwehrt und es endlich so weit gebracht, daß er sie ganz
-in Frieden gelassen.
-
-
-241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.
-
-(Moller, ~Theatr. Freiberg.~ S. 425 etc. Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 284.)
-
-Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin zu Freiberg eines Kindes
-genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und der
-Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich
-krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über
-sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da
-an hat sie immer abscheuliche Convulsionen und Gesichte gehabt, ist
-ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme
-erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal
-aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem und
-ihres Nachbars Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie um drei Uhr
-des Morgens auf dem Ofen, ein andermal vor dem Fenster auf einem Stein
-gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart zweier Zeugen im Bette
-mit dem ganzen Leibe, Händen und Füßen aufgehoben worden, und ohne
-daß sie irgendwo angestoßen, hat sie so frei geschwebt, also daß man
-geglaubt, sie wolle zum Fenster hinaussehen etc.; in der Kirche ist
-der Teufel wie eine Katze oder Hund ihr um die Beine gekrochen, dann
-hat sie aber zum öftern einen weißen hellen Glanz gesehen, der sie
-getröstet und in die Zukunft hat sehen lassen, worauf sie vielerlei
-wunderbare Sachen, unter andern die Drangsale Freibergs im 30jährigen
-Kriege, prophezeit hat. Endlich, nachdem weder Beschwörungen noch
-Zureden und Ermahnungen der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen,
-sondern ihr Zustand an die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt
-drei ganze Jahre verschlossenen Leibes gewesen, ist sie den 10. Oktober
-1620 selig verstorben.
-
-
-242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 363.)
-
-Im Kloster Zelle befand sich im Jahre 1630 eine Magd, welche dem
-abergläubischen Brauche nach in der heiligen Christnacht hinterrücks
-durch die Stubenthüre hinausgriff. Sie ist aber durch göttliches
-Verhängnis von einem höllischen Gespenst gar hinausgezogen und sehr
-übel traktiert worden, also daß sie ihr Lebtage hat hinsiechen müssen.
-
-
-243. Der Teufel erscheint zu Freiberg einem Bergmanne.
-
-(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 203.)
-
-Zu Anfang der Reformation lag zu Freiberg ein ehrlicher Bergmann,
-namens Benedix Reisiger, sehr krank darnieder. Zu diesem ist der Teufel
-mit einem langen Papier, fast einer Kuhhaut gleich, gekommen und hat
-gesagt, er wäre als Notar abgefertigt, alle Sünden, die er begangen,
-aufzuzeichnen. Dabei hat er sich beim Bette niedergesetzt, Feder und
-Tinte zur Hand genommen und den Bergmann ernstlich vermahnt, ihm die
-Sünden aufzuzählen. Wiewohl nun der Bergmann etwas darüber erschrocken,
-so hat er doch wieder Mut gefaßt, sich des Herrn Christi getröstet
-und geantwortet: »Ich bin ein armer Sünder, das bekenne ich; willst
-Du meine Sünden ja aufschreiben, und bist Du deswegen hergekommen,
-so schreib oben an: Des Weibes Samen Jesus Christus hat der Schlange
-den Kopf zertreten.« Wie solches der Teufel gehöret, ist er alsbald
-mit Papier und Tinte verschwunden, daß nichts als ein übler und
-abscheulicher Gestank von ihm übrig geblieben. Der Bergmann aber ist
-im festen Glauben an das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig
-verstorben.
-
-
-244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense~. II., S. 393.)
-
-Es geschahe im Jahre 1609, daß ein Bergmann, welcher sonst seines
-stillen und eingezogenen Wandels wegen gutes Lob gehabt, in der
-Fastnachtszeche von einem andern zu Üppigkeit und etlichen leichten
-Reden über Gott und göttliche Dinge verleitet wurde. Unter andern
-meinte er, daß er schon gute Gesellen genug in der Hölle antreffen
-würde, für den Fall er einmal dahin käme. Diesem Bergmanne nun ist
-eines Abends auf dem Heimwege der Teufel in schrecklicher Gestalt
-erschienen, hat ihm gedroht und gesagt, daß, wenn er erst rechte Macht
-über ihn habe, wolle er ihn an den Ort führen, wo er seine guten
-Gesellen fände. Der Teufel ist auch eine Zeit lang neben ihm in die
-Grube und aus derselben wieder herausgefahren, so daß der Bergmann
-nirgends Ruhe fand. Endlich suchte er Trost bei seinem Beichtvater,
-nahm das heilige Abendmahl, mied böse Gesellschaften und begann wieder
-ein gottesfürchtiges Leben. Darauf hat sich der Teufel nicht wieder bei
-ihm sehen lassen.
-
-
-245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1267.)
-
-An der böhmischen Grenze soll sich zugetragen haben, daß einst sechs
-berufene Säufer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntage bis zum Morgen
-bestialisch gesoffen und dem Gemälde des Teufels an der Wand etliche
-Mal zugetrunken haben. Da einer von ihnen wegen empfundenen Schreckens
-zeitlich davon gegangen, sind die andern fünf des Morgens um sechs Uhr
-mit schlotternden und gebrochenen Hälsen tot gefunden worden. So haben
-sie zum Schrecken anderer bis an den dritten Tag gelegen.
-
- Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine
- Oberlausitzer Sage von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar
- sehr miteinander geflucht hatten, so daß ihnen der böse Geist die
- Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der Diebeshenker
- dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ
- man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt,
- Sagenbuch der Lausitz, No. 126.)
-
-
-246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.)
-
-Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes
-Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren
-prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis
-liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der
-Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen
-war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel keineswegs
-zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner Mißbilligung
-der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die Kirche des neuen
-Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die Treppen herauf
-schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch eine Kanzel zu
-bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete er seine Arbeit.
-Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder zu vergrößern, vermauerte
-er die Kanzel, damit niemand sie betreten und benutzen könnte. Der
-Tag begann zu dämmern, als er mit seiner Arbeit zustande gekommen
-war, und er ging, um seinen Heimweg anzutreten. Zuvor aber trabte er
-in das Schiff der Kirche, beschaute sich sein Werk und befand es für
-gut. Dann entfernte er sich eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder
-zu beten kamen, erstaunten sie nicht wenig über die neue Kanzel und
-stiegen die Treppe aufwärts, um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie
-war vermauert. Voll Entsetzen fanden sie aber auch die Spur eines
-eingedrückten Pferdehufes. Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses
-Werkes und zugleich seinen bösen Willen. -- Noch jetzt sieht man die
-Kanzel unbeschädigt und kennt sie in der ganzen Gegend unter dem Namen
-der Teufelskanzel.
-
-
-247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.
-
-(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.)
-
-Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage, daß
-einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen
-getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach
-einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe,
-die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage darauf
-sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe ihn gefragt,
-ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom Müller
-bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte und nie
-wiedergekehrt wäre.
-
- Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In
- der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol
- als Ungetüm, das einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen
- Sagenhelden Dietrich und Artus erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn,
- die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär vertreibt Gespenster
- und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. Ein
- Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem
- Dämonenüberwinder Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter
- schläft, geheiligt. Nach einer Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei
- Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein lästiger Wassernix von einem
- Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei Buchholz fragt er
- später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht wieder
- zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. --
- In einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große
- Katze. (Haupt, Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische
- Sagen, S. 195.)
-
-
-248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.
-
-(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.)
-
-Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des
-Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse
-des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben
-soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine
-Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel
-erbaut hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur
-auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszug
-vorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der Mühle
-zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und das Klappern
-der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei einer gewöhnlichen
-Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was er konnte, davon.
-
- Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel
- geholfen; dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf
- diesem dem Teufel verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub
- oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, Sagenbuch etc. No. 98 und 109).
- Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange der Teufelsmühle
- am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort ganz
- anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin.
- -- Es giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen,
- welche mit Hülfe des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem
- zwischen 12 und 1 Uhr nachts die Mühle allein zur Verfügung stehen.
- (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)
-
-
-249. Der Käthelstein bei Annaberg.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.)
-
-Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, Namens
-Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er zur Winterszeit
-von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner Wohnung mitten durch
-den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann aus dem Dickicht vor
-ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten mit in sein Haus zu
-gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil er sich nicht getraue
-im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis den Weg weiter zu
-finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme noch das Aussehen
-des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm und gewährte ihm also
-seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben einander bis ins Dorf,
-als sie aber an das Haus Günzers gekommen waren und ihnen die Tochter
-desselben, Katharina, die Thür geöffnet hatte, stieß diese bei dem
-Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares Wehegeschrei aus, ließ
-vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in der Hand trug, und als
-der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet und seine in Ohnmacht
-gefallene Tochter wieder zum Leben gebracht hatte, sah er erst, daß
-jener verschwunden war. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als
-seine Tochter zu fragen, warum sie so erschrocken sei, allein diese
-antwortete, es sei der Teufel gewesen, der sie als Braut heimführen
-wolle; sie habe nämlich vergangene Nacht geträumt, sie liege im Walde
-und es komme ein Mann, ganz so wie der eben verschwundene Fremde,
-auf sie zu und nenne sie seine Braut, küsse sie und lasse dann bei
-seinem Weggehen sich durch seine Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den
-Teufel erkennen. Der alte Günzer war eben daran, sie zu trösten, da
-erblickte er auf dem Tische ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben
-stand: In 9 Wochen werde ich um Mitternacht an's Fenster pochen und
-meine Braut heimführen! Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in
-Erfüllung gegangen war. -- Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen
-in Angst und Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen
-auch zum Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der
-Böse nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als
-die Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war,
-da pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut
-heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand an und
-der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit den Worten:
-»Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder Eure Hütte steht in
-Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage unter Angst und Sorgen; wieder
-kam die gefürchtete Mitternachtsstunde heran und mit dem zwölften
-Schlage klopfte es an das Fenster und rief: »Heraus die Braut, sonst
-brennt das Haus!« Aber der alte Günzer schloß seine besinnungslose
-Tochter in seine Arme und sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg
-von uns, Satanas!« Da brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in
-Flammen! Nochmals 9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so
-wird Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er
-zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der größten
-Mühe retteten beide ihr Leben. -- Sie flohen nun zuerst zu Verwandten,
-allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere Hütte am Rande
-des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden Schwefelpfuhl
-geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; schon kam wieder die
-neunte Woche heran, da übermannte einst am hellen Mittag Käthchen
-der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit seinem Gefolge schaue
-zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine höllische Residenz
-entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei aus dem Schlafe
-auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und ein Engel, umstrahlt
-von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch in der Hand tragend,
-winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe Dir Frieden!« Er führte
-sie nun mitten durch den Wald auf einem ihr gänzlich unbekannten Wege,
-bis sie an einen Felsen kamen, der öffnete sich, als der Engel ihn mit
-dem Kreuze berührte, und nun schritten sie durch eine Felsenspalte,
-bis sie an ein hohes Thor kamen, was wie Silber glänzte; vor diesem
-saßen sieben Greise mit spitzen Mützen und langen Bärten. Als sie aber
-das Crucifix erblickten, da neigten sie sich tief und der Engel und
-die Jungfrau traten in einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen
-verziert war und durch deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag
-auf kostbarem Lager unter einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne
-Frau, umstrahlt von einem Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben
-Zwerge betend auf den Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie
-ihn, was ihn herführe, dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr
-des unglücklichen Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die
-Fürstin der Berge -- denn das war sie -- einem der Zwerge, ihr eine
-Urne von Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus
-ein Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses
-Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben
-können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus der
-Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. Damit nahm
-der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie denselben Weg
-wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er den Felsen wieder mit
-Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er Abschied von ihr und sprach,
-sie solle ruhig sein, denn sie stehe in Gottes Schutz. Als Käthchen
-nach Hause kam, fand sie ihren Vater daheim und erzählte ihm, was ihr
-begegnet war, zeigte ihm auch das Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer
-Erzählung. Da erwiderte ihr derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches
-widerfahren, denn er habe im Schachte beim Graben ein goldenes
-Jesuskreuz gefunden. Als sie es näher betrachteten, um vielleicht
-ein Merkmal zu finden, an welchem sie den rechten Besitzer erkennen
-könnten, sahen sie den Namen des Steigers darauf geschnitten, mit den
-Worten: »Dem Gläubigen hilf Jesus Christus.«
-
-So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und die früher
-so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und kaum war
-der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und brüllte:
-»Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen selbst das
-Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen und unter
-furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber rief er: »Käthchen,
-Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil an Dir, aber jetzt ist
-die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu folgen; komm heraus, daß
-ich Dich packen kann!« Allein auch hier mußte er weichen, denn Günzer
-hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz entgegen. Aber diesmal verschwand
-er nicht so ruhig, wie die frühern Male. Ein furchtbares Gewitter
-begann sich zu entladen, ein Orkan warf die stärksten Bäume nieder
-und erschütterte das Häuschen in seinen Grundfesten, der zum Strom
-angeschwollene Waldbach drohte dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug
-es Eins, so war alles wieder still und der Mond leuchtete silberhell
-durch die finstern Wolken.
-
-So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und nach
-zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, der ihr
-schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber verlieh
-demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur Ruhe setzte
-und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben gedachte.
-Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, innerhalb
-dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen.
-
-Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches Los
-er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich geführt
-hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am Felsen bestatten,
-wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun ging sie jeden Tag
-hin, um dort für das Seelenheil des geliebten Verstorbenen zu beten.
-Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine Greisin war. Einst
-aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres Vaters zu beten, und kehrte
-nicht zurück, und als ihr Mann und ihre Kinder hinausgingen, um sie zu
-suchen, da fanden sie nur ihre Leiche; aus dem Felsen trat aber ein
-Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte auf die Stirne, nahm ihr das
-Demantkreuz ab und schwang sich damit zum Himmel auf. Der tiefbetrübte
-Gatte aber rief einige seiner Kameraden herbei und brach ihr ein Grab
-in den Felsen ein, und als Raum genug vorhanden war, um den Sarg
-hineinzusetzen, und die Leidtragen eben damit beschäftigt waren,
-denselben an seinen Ort zu stellen, da schwebten zwei Engel herab,
-hoben ihn von der Bahre, stellten ihn in den Felsen und schlossen
-denselben wieder mit einem großen Quadersteine so geschickt, daß
-niemand mehr sehen konnte, wo die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit
-aber nennt man jenen Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den
-Käthelstein.
-
-
-250. Hans Heilings-Felsen.
-
-(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1.
-B., No. 329.)
-
-An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen empor,
-die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es heißt, vor
-alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling, im Lande
-gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden Freitag in
-sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar geblieben
-sei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh, wo er ein
-Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt haben,
-die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert worden
-war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen Gästen Hochzeit hielt,
-erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich unter ihnen und rief
-laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit, wenn Du mir diese
-vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du mein!« und verwandelte
-alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und Bräutigam stehen da,
-wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten Händen. Hans Heiling
-stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die ihn zischend verschlang und
-kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch jetzt zeigt man die Steinbilder,
-die Liebenden, den Brautvater und die Gäste, auch die Stelle, wo
-Heiling hinabstürzte.
-
-
-251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.
-
-(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.)
-
-Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger Stunde
-in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte, wenn er
-nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel sein. Da
-erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel auf. Dem
-kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel liebte und
-trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht, doch der Graf
-verlor fortwährend und hatte schon alle seine Knechte und Mägde und
-zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es dem Teufel nach Isa,
-der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte aber seine Tochter
-über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit geopfert; denn sie
-war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige Stern, zu dem er mit
-aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre Schönheit und sittliche
-Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert, doch nur dem edlen
-Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit jungfräulicher Schüchternheit
-erwidert. Der Graf wollte seine geliebte Tochter Isa nicht auf den
-Wurf setzen. Doch der Teufel bot ihm die Freiheit für sich und seine
-Knechte und Mägde und noch so viel Geld, als er mit seinem gewaltigen
-Streitrosse wiege, wenn er gewönne. Der Graf zögerte trotz der
-Versprechung und wollte den verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der
-Teufel drängte, denn in kurzer Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber
-und seine Macht zu Ende. Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus
-seinem Humpen, ergriff die beiden Würfel und warf -- jubelnd sprang
-er auf -- er hatte 12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den
-Teufel auf, mehr zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte
-die Würfel und mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den
-eichenen Tisch und zeigten -- 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn
-sein Schwert heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen.
-Doch dieser hauchte seinen schwefeligen Odem aus -- und kraftlos sank
-der Graf auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du
-meinen Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah
-mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen.
-Da schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den
-Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von
-Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben.
-Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem Vorschlage
-wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso verhaßt, wie
-seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern. Der
-Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde zu Ende
-ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen. Dieser gelobte, Isa
-dem Kloster zu übergeben. In einer blauen Wolke verschwand der Satan.
-Der Graf aber gedachte den Teufel zu betrügen und seine Isa dem Kloster
-wieder zu entführen. -- Die schweren Thore des Klosters Grünhain
-schlossen sich hinter der jammernden Isa. Weder die tröstenden Worte
-der Oberin, noch die freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern
-vermochten die arme Isa zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram
-zerstörte das blühende Leben. -- Nach einigen Monaten stand an der
-westlichen Klostermauer allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt,
-die stets mit dem frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im
-Kloster ein einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten
-Nacht nach der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne
-den baumreichen Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten
-über die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen Walde
-zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester Barbara (das
-war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle -- sie war verschwunden.
--- Alle Räume des Klosters wurden durchforscht, jedoch vergeblich. Da
-entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden in die umliegenden
-Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen großen Vorsprung nach dem
-dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen. Als am 3. Tage die Sonne sich
-neigen wollte, standen die Flüchtigen auf einer hohen Felswand, an
-deren Fuß das Schwarzwasser rauschte. Da verkündete Hundegebell die
-Nähe der Verfolger und zwischen den uralten Fichtenstämmen zeigten
-sich die Klosterknechte. Schon sind die Hunde heran, die Fliehenden
-hören den Zuruf der Klosterknechte -- da ertönt ein markdurchdringender
-Schrei -- der jähe Sprung in die schauerliche Tiefe erfolgt. -- Hunde
-und Häscher finden weder in den Wellen noch im Walde eine Spur der
-Flüchtigen. Der Felsen bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird
-heute noch der Nonnenfelsen genannt.
-
- Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in
- mehreren Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No.
- 103), wird jedoch dabei der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen,
- da sein Gegner ein Auge mehr hatte; eins war nämlich beim Werfen
- herausgesprungen und lag neben dem Würfel.
-
-
-252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.
-
-(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.)
-
-Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man die
-Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war vor mehr
-als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar, welches zu
-den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und in seinen Anfängen
-vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs zurückreichte. Wie
-aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum Opfer fällt, so waren
-auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon vor Jahrhunderten kam
-sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen, und die Ausbeute der
-Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch nun der Turmhof zum
-Erliegen gekommen, darüber giebt folgende Sage Aufschluß.
-
-Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich; er
-verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte
-er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden,
-nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb
-gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der
-Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem
-Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war
-bekannt und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid,
-Habsucht, Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er
-absonderlich zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an
-ihm und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch
-erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen
-habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen Veit,
-einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit bravem,
-rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstande angehörte
-und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein rauher und harter
-Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer Liebe zugethan.
-
-Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und zwar
-ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß. Alle
-Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen, denn
-sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit heimlich
-verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung als
-Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit machen, falls
-ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts dagegen hätten.
-Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde seiner Tochter, wie
-die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch die Thränen und Bitten
-der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische Tüchtigkeit und
-untadelhafte Aufführung endlich beseitigt.
-
-Anders war es bei dem alten Kunststeiger. Derselbe grollte mit dem
-Obersteiger fort und trachtete darnach, demselben Schaden zuzufügen.
-Dazu sollte ihm das unlängst geschlossene Bündnis mit dem Teufel
-helfen. Für die Dienste, welche ihm letzterer zu gewähren versprochen
-hatte, sollte ihm der Kunststeiger Heinrich alljährlich die Seele
-eines Menschen liefern, und zwar sollte es jederzeit derjenige sein,
-welcher am letzten Tage des Jahres der letzte beim Ausfahren aus der
-Grube Turmhof wäre. -- Wieder war der letzte Tag des Jahres erschienen,
-an welchem nach dem Vertrage der Plan des bösen Kunststeigers zur
-Ausführung kommen mußte. Die Schichtzeit war abgelaufen, die Zeit zum
-Ausfahren gekommen. Die sämtliche Mannschaft befand sich auf der Fahrt;
-der Obersteiger war vom Kunststeiger durch irgend einen Vorwand in der
-Grube zurückgehalten worden. Jetzt kamen sie zum Schachte; da bestieg
-der Kunststeiger schnell die Fahrt und gab vor, dem Obersteiger beim
-Hinausfahren das Öffnen des Schachtdeckels ersparen zu wollen. So
-gelangte der Obersteiger als der letzte zum Ausfahren.
-
-Der Himmel aber fügte es, daß der Kunststeiger dennoch eine falsche
-Rechnung gemacht hatte. Sein eigener Sohn Veit war, unbemerkt von ihm,
-noch in der Grube zurückgeblieben. So wurde dieser nun derjenige, der
-zuletzt zum Ausfahren kam; -- aber er hat das Tageslicht nicht mehr
-gesehen und keines Menschen Auge erblickte den Unglücklichen jemals
-wieder. Der Teufel lauerte seinem Opfer auf und stürzte es rücklings in
-die grausige Tiefe. Als der Kunststeiger seinen Feind, den Obersteiger
-Gebhardt, rüstig und ohne Fährlichkeit Sprosse um Sprosse hinter sich
-nachfahren sah, mochte er sich wohl wundern, daß der Satan sich nicht
-des letzteren bemächtigte. Mit Unwillen und Staunen bemerkte er, daß
-sein Widersacher unbeschädigt nach ihm die Schachtkaue betrat. Als
-er aber mit düster forschendem Blicke die Mannschaft überschaute,
-und unter ihr seinen Sohn Veit vermißte, da fiel es ihm wie Schuppen
-von den Augen; der Teufel hatte ihn um das liebste, für welches sein
-verknöchertes Herz noch Gefühl gehegt, betrogen. Bewußtlos sank er
-zusammen.
-
-Die Abwesenheit Veits war bald bemerkt worden; man wunderte sich über
-sein Außenbleiben. Da erhob sich der endlich zum Bewußtsein gekommene
-Kunststeiger mit irrem Blicke. Hastig schrie er: »Ich will sehen, wo
-mein Sohn geblieben ist!« Dann fuhr er zurück in die Grube. »Niemand
-folge mir, dem sein Leben lieb ist!« herrschte er den Knappen zu, die
-sich erbötig zeigten, den bekümmerten Vater zu begleiten.
-
-Die Berghäuer gehorchten und lauschten nur hinab in die Tiefe.
-
-Da erscholl es drunten wie von mächtigen Axthieben und man vernahm
-bald darauf ein entsetzliches Geprassel. Erschrocken flohen die Leute,
-denn sie befürchteten des Schachtes baldigen Einbruch und hatten sich
-nicht getäuscht. Der Kunststeiger zerhieb mit furchtbaren Axtschlägen
-die Kunstgestänge und zerstörte die Gerinne, in welchen das starke
-Aufschlagwasser zum Umtriebe des Kunstrades über den Schacht geleitet
-war, so daß die ganze Wassermasse sich in die Tiefbaue ergoß und bald
-die ganze Grube ersoff. In den wild hereinstürzenden Gewässern hat der
-Kunststeiger seinen Tod gefunden. Der Teufel verpaßte seine Zeit nicht:
-er hatte ihn drunten geholt.
-
-Des Obersteigers Tochter Johanna verfiel infolge jenes trübseligen
-Ereignisses in ein hitziges Fieber, an welchem sie lange in
-Lebensgefahr darniederlag. Die Jugend half ihr die Krankheit
-überwinden, aber sie war und blieb für immer tiefsinnig. So trat sie
-in das in der Sächsstadt zu Freiberg gelegene Jungfrauenkloster zur
-heiligen Maria Magdalena ein. Erst später verließ sie es wieder, als
-dasselbe bei der Reformation gänzlich aufgelöst wurde, und kehrte
-in die Welt zurück. Die Grube Turmhof kam nach jenem unglücklichen
-Ereignisse zum Erliegen, denn wo der Teufel gehaust hat, kann kein
-Segen aufkommen.
-
-
-253. Der versteinerte Kammerwagen.
-
-(Fr. Bernau: Comotovia 1877, S. 80.)
-
-In einem friedlichen Thale bei Neudeck lebte ein Bauersmann still
-und zufrieden mit seiner Familie; nur seine älteste Tochter, bereits
-zur blühenden Jungfrau herangewachsen, machte ihm manche Sorge. Sie
-unterhielt nämlich ein Liebesverhältnis mit einem armen Burschen aus
-der Umgebung des Dorfes, der als Bergknappe im Schoße der Erde sein
-Brot verdiente. Schon lange wurde von den Liebenden eine Verbindung
-angestrebt, allein der Vater versagte die Einwilligung, so sehr auch
-das Mädchen darum bat. Da beschloß der Knappe, sich noch auf einige
-Jahre in eine andere Gegend zu wenden, dort fleißig zu arbeiten und
-nach seiner Rückkehr wieder um die Hand der Geliebten anzuhalten. Diese
-gelobte ihm beim Abschiede ewige Treue, und dadurch getröstet zog er
-von dannen.
-
-Anfangs schien der Schmerz des Mädchens über die Entfernung des
-Geliebten sehr groß; doch nach und nach mäßigte sich die Sehnsucht, und
-Zeit und Arbeit brachten es dahin, daß sie den Geliebten allmählich
-vergaß. Da gelang es denn einem andern Dorfburschen ohne Mühe, sich
-ihre Gegenliebe zu erwerben, und da er reich war, erhielt er auch
-die Einwilligung des Vaters. Es wurden Vorbereitungen zur Hochzeit
-getroffen, und der Tag der Trauung war nicht mehr fern. Da kehrte
-plötzlich der Bergknappe zurück. Er hatte sich in der Fremde manches
-erspart und hoffte nun, bald im Besitze des geliebten Mädchens zu
-sein. Abends, als es schon im Thale zu dämmern begann, ging er an das
-Haus seiner Geliebten und hoffte sie zu sehen; er sah sie auch -- aber
-in den Armen eines andern. Wie ein Blitzstrahl durchfuhr es seine
-Glieder, er wollte vorwärts, doch sein Fuß war wie angewurzelt; einen
-Fluch zwischen den Zähnen murmelnd, stürzte er hinweg. Von diesem Tage
-an war er fahrlässiger in seinen Arbeiten und siechte vor Gram immer
-mehr dahin. Oft sah man ihn spät abends seine Hütte verlassen und
-einem Platze zuwandern, welchen selten ein Mensch betrat, da, wie es
-hieß, die bösen Geister dort ihr Wesen trieben. Hier schloß er nun ein
-Bündnis mit dem Bösen, um die treulose Geliebte und ihren Bräutigam zu
-verderben. Acht Tage vor der Hochzeit begab er sich in die Wohnung der
-Braut. Obschon von seiner Ankunft unterrichtet, erschrak sie doch sehr
-über sein verstörtes Aussehen; er dagegen gab sich den Anschein, als
-wüßte er nichts von ihrer Treulosigkeit. Vor Schreck war sie keines
-Wortes mächtig; da er hieraus nur zu deutlich ersah, daß sie wirklich
-treulos an ihm gehandelt, kündigte er ihr mit kurzen Worten seine Rache
-an; er werde mit Hülfe des Teufels alles das, was sie vom Hause aus mit
-bekäme, verderben, weil es ihr Reichtum war, der ihren Vater von der
-Einwilligung zur Verbindung mit einem armen Burschen abgehalten hatte.
-Und auch sie selbst werde den Folgen seiner Rache erliegen zur Strafe
-für ihre Treulosigkeit. Und so geschah es. Die Hochzeit wurde gehalten
-und das Ehepaar begab sich in die neue Heimat; der hochbepackte
-Kammerwagen folgte. Eben passierten sie eine Höhe, von welcher sie die
-Hütte des Bergknappen erblicken konnten. Da erbebte von einem dumpfen
-Donner der Boden, der Kammerwagen ward umgestürzt, die Betten und alle
-sonstigen Geräte lagen am Boden und wurden in demselben Momente zu
-Stein. Die vor den Wagen gespannten Tiere wurden scheu und stürzten
-wie wütend den Berg hinab, den Kammerwagen gänzlich zertrümmernd. Die
-Braut aber warf der Schreck aufs Krankenlager, und dies, sowie die Reue
-über die begangene Treulosigkeit, brachten ihr einen schnellen Tod.
-Dieses war nach der Sage die Rache des Bergknappen; er selbst war nach
-diesem Vorfalle aus der Gegend verschwunden und nie hat man ihn wieder
-gesehen. Aufgehäufte Steinmassen bezeichnen noch heute die Stelle
-seiner Rache.
-
-
-254. Wie der Teufel Schellerhau verlor.
-
-(Mündlich.)
-
-Man hat eine Redensart, womit man die Bewohner des langgestreckten, aus
-zerstreut liegenden Häusern bestehenden Dorfes Schellerhau neckt: »Euch
-Schellerhauer hat der Teufel im Sack verloren!« Dies rührt davon her:
-Der Teufel fuhr einmal durch die Luft und hatte ganz Schellerhau in
-einem Sacke. Der Sack jedoch hatte ein Loch, so daß ein Haus nach dem
-andern herab zur Erde fiel. Wie nun der Teufel merkte, daß der Sack so
-leicht geworden war, weil er fast ganz Schellerhau verloren hatte, da
-warf er ihn im Ärger hin und rief: »Zum Schinder!« Da wurde dort, wo
-der Sack ganz am Ende des Dorfes nieder gefallen war, die »Schinderei«,
-wie man allgemein die Abdeckerei nannte; und in diese »Schinderei«
-mußte jedes gefallene Stück Vieh abgeliefert werden.
-
- Wie hier die Häuser von Schellerhau, so verlor der Teufel auf den
- Fluren der Kolonie Fichtenthal bei Heide-Gersdorf aus seinem Sacke
- die vielen Steine, welche daselbst noch liegen und die er sich zum
- Baue eines Hauses vom Riesengebirge geholt hatte. (Haupt, Sagenbuch
- d. Lausitz, No. 112.)
-
- Ebenso erzählt eine lausitzisch-wendische Sage, daß der Teufel einmal
- auf dem Wege war, um ~Kneschki~, d. i. kleine Herren oder Junker
- auszusäen. Als er von der Bautzner Gegend aus über Wittichenau,
- Hoyerswerda und Senftenberg kam, um in der Niederlausitz seine Saat
- fortzusetzen, verlor er bei dem Dorfe Skado bei Senftenberg einen
- solchen Kneschk. Ärgerlich sagte er: »~to je skoda~!« (das ist
- schade!), weil er den Junker für die Niederlausitz hatte aufsparen
- wollen. Davon hat denn jenes Dorf seinen Namen erhalten. (Preusker,
- Blicke in die vaterländische Vorzeit, I., S. 180.). Auch das Dorf
- Langenschade in Thüringen verdankt seinen Namen einem gleichen
- Ausrufe des Teufels. Der Teufel flog hoch durch die Luft und trug
- in seiner Schürze eine Menge Häuser mit sich davon. Ohne daß er es
- merkte, fiel eines nach dem andern aus der Schürze. Als er es endlich
- gewahr wurde, rief er ärgerlich aus: »Das ist schade!« So entstand
- der Ort Langenschade. (Richter, Deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No.
- 23.)
-
- Die letzten beiden Sagen zeigen besonders darin eine große
- Ähnlichkeit mit der unsrigen, als der ärgerliche Ausruf des Teufels
- einem Dorfe, bei uns aber dem letzten Hause von Schellerhau seinen
- Namen verschaffte.
-
-
-
-
-V.
-
-Zaubersagen.
-
-
-Neben dem Götterkultus bestanden bei den alten Deutschen auch Übungen
-in der Zauberei, d. h. in dem Vermögen, höhere geheime Kräfte auf
-andere, und zwar anfänglich gut oder böse, später jedoch nur schädlich
-wirken zu lassen. Durch die christlichen Priester wurden diese
-heidnischen gottesdienstlichen Gebräuche für sündhaftes Blendwerk
-erklärt und mit dem Teufel in Verbindung gesetzt, so daß sich die
-Vorstellung von einem unmittelbaren Zusammenhange des bösen Feindes mit
-dem Wesen der Zauberei ausbildete. (J. Grimm, Deutsche Myth., S. 580.)
-
-Im Zusammenhange mit dem Zaubern steht auch das Beschwören, d. h. ein
-Zaubern durch Segensformeln, sowie das die Zukunft enthüllende Wahr-
-und Weissagen; letzteres geschah einst bei germanischen Völkern durch
-das Auflesen der auf ein Tuch geworfenen Runen. Besonders wurde die
-Kraft der Weissagung den mit einem reizbaren Nervensystem begabten
-und mehr von der Außenwelt abgezogenen Frauen, welche deshalb bei
-den alten Deutschen Priesterinnen und Wahrsagerinnen zugleich waren,
-zugeschrieben; sie waren auch die Wisserinnen mancher Geheimnisse,
-und sie kannten die heilende Kraft der Kräuter, so daß sich daraus
-später der Glaube des Mittelalters an Hexen und Hexerei entwickelte.
-Wie das Christentum den Begriff zaubernder Frauen bereits bei dem
-Heidentume vorfand und nun vielfach veränderte, so läßt sich bis in die
-Gegenwart in dem ganzen Hexenwesen noch ein offenbarer Zusammenhang mit
-den Opfern, den vielfach mit religiösen Veranstaltungen verbundenen
-Volksversammlungen und der Geisterwelt der alten Deutschen nachweisen.
-(J. Grimm, a. a. O., S. 587.) Es mag nur daran erinnert werden, daß
-die Hexen nach den Volksüberlieferungen am Walpurgis- oder Hexenabende
-fast immer nach Orten durch die Luft fahren, welche ehemalige Gerichts-
-oder Opferplätze sind. Ob übrigens die »Drutenau«, mit welchem Namen
-man schon seit Jahrhunderten das Thal von Auerhammer bezeichnet,
-ein solcher Platz war, mag dahin gestellt bleiben; die Drut, welche
-teilweise die Frau Holle oder Perchtha vertritt und mit der man in
-der Schweiz lärmende Kinder beschwichtigt, gilt häufig auch als Hexe.
-Eine solche erkennt man nach dem Glauben der Erzgebirger an den
-Platt- oder Drudenfüßen, an den roten Haaren, den roten, triefenden
-Augen und großen, buschigen, über der Nase zusammengewachsenen
-Augenbrauen. (Spieß, Aberglauben etc., S. 29.) Das Behexen richtet sich
-hauptsächlich auf das Vieh und Getreide der Nachbarn; in unsern Sagen
-wird dadurch gute Milch in blutige verwandelt. Außerdem schreibt der
-Volksmund noch das Beschreien, wobei jemand wegen irgend einer guten
-Eigenschaft gelobt wird, damit dann das Gegenteil davon eintrete, der
-Hexerei zu. Als Schutz gegen Zauberei und Hexerei gelten Kreuzeszeichen
-an der Thüre, das Durchkriechen unter sogenannten Schleifbrämen, das
-Versprechen und anderes mehr.
-
-Nach dem Volksglauben stehen nicht bloß die Hexen, sondern überhaupt
-alle Zauberer in einem Bunde mit dem Teufel. Die ersten Überlieferungen
-von solchen Bündnissen des Teufels mit Männern finden sich bereits im
-10. Jahrhunderte, während die erste sichere Erwähnung eines Bundes
-des Teufels mit Hexen in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Italien
-vorkommt. Jacob Grimm vermutet dabei, daß die Veranlassung zu dem
-Glauben an Teufels- und insbesondere Hexenbündnisse in der Verfolgung
-der Ketzereien, welche in der Mitte des 13. Jahrhunderts von Italien
-und Frankreich nach Deutschland kam, zu suchen sei. Man legte den
-Zusammenkünften der Ketzer abgöttische Ausschweifungen zur Last und die
-Kirche eiferte gegen die neuen Irrlehren und Überreste des Heidentums,
-welche sich jenen da und dort zugesellten. (Deutsche Mythologie, S.
-600.)
-
-In unsern Sagen wird der Teufel zur Dienstleistung citiert, oder er
-wird durch Beschwörungen in Fliegen- oder Hummelgestalt aus Personen
-ausgetrieben. Durch gewisse Zauberformeln, welche in geheimnisvollen
-Büchern stehen, werden die höllischen Geister in verschiedenen
-Gestalten, hauptsächlich als schwarze Vögel, herbeigerufen. Mit Hülfe
-des Teufels verbreitet sich die Pest, und Speisen werden so fest
-gemacht, daß man nichts davon abschneiden kann. Durch teuflische Künste
-festgemachte Personen können auf gewöhnliche Weise nicht verwundet
-werden; dies gelingt erst durch einen abgeschossenen Dukaten oder
-silbernen Knopf, oder durch einen Degen, welchen man zuvor unter dem
-Schuh durch die frische Erde oder durch ein Brot gezogen, oder dessen
-Spitze man wenigstens vorher in die Erde gestoßen hat.
-
-Die musicierenden und tanzenden +Katzen+ erscheinen offenbar als
-Hexentiere. Katzen werden aber auch als Wesen gedacht, von deren
-Lebensdauer der Bestand der Familie abhängt. (Rochholz, a. a. O. I., S.
-160); zuweilen verkündigen sie etwas Erfreuliches. Bei uns sagt man,
-daß eine über den Weg laufende Katze, besonders eine schwarze, Unglück
-bedeutet. Wenn eine Katze sich putzt oder einen krummen Rücken macht,
-so kommt Besuch. -- Wie als Kühe und Ziegen hat man sich die Wolken
-auch als Katzen gedacht, und man meinte weiter, daß die in den Wolken
-waltenden Weiber die Gestalten von Katzen annehmen könnten; daher
-nennt man die durch Luft und Wolken ziehenden Hexen auch Wetter- und
-Donnerkatzen. (Mannhardt, a. a. O., S. 90.) -- Katzen zogen den Wagen
-der Freya.
-
-
-255. Der Schwarzkünstler zu Geyer.
-
-(Lothar, Volkssagen und Märchen. 1820. S. 69. Darnach Gräße, Sagenbuch
-d. K. S., No. 450.)
-
-Vor vielen Jahren ward zu Geyer ein Totengräber gefangen genommen
-und in einen Turm gesetzt, so daß er mit den Füßen die Erde nicht
-hat berühren können. Man glaubte nämlich früher, daß Zauberer und
-Hexen, wenn sie die Erde nicht mehr berühren könnten, unschädlich
-würden, und sperrte sie daher oft in eiserne Käfige ein. Der genannte
-Totengräber hatte seine Frau ermordet, ihren Mund mit schwarzen Beeren
-angestrichen, als sei sie an der Pest gestorben, alsdann ihr den Kopf
-abgeschnitten, das Herz aus der Brust genommen, verbrannt, solches auf
-die Straße ausgestreut und wer darüber gegangen, ist gestorben. Seines
-Kindes Kopf hat er an die Feuermauer gehängt; so viele Tropfen Blutes
-von ihm gefallen, so viele Menschen sind gestorben. Dann hat er die
-sterbenden Leute aufs Gesicht gelegt und ihr Sterben hat kein Ende
-genommen. Drei Ruten hat dieser Mann ausgesteckt, eine nach Annaberg,
-die andere nach Schweinitz, die dritte nach Alterle (Elterlein?).
-Zuletzt hat er erzählt, wie viel Glück er mit seiner Kunst in großen
-Städten gemacht habe. Er meinte, wenn er nur die Erde oder einen
-Kreuzweg oder eine Dachtraufe erreichen könnte, so wollte er sich schon
-die Freiheit verschaffen.
-
- Blutstropfen sind Symbole für die Seele. Drei frische, auf die Hand
- fallende Blutstropfen zeigen einer Mutter den Tod ihres gemordeten
- Kindes an. (Grimm, Deutsche Sagen, No. 353.)
-
- Jacob Grimm bemerkt (Deutsche Myth., S. 607), daß früher der Glaube
- verbreitet gewesen sei, eine Hexe könne sich verwandeln, sobald sie
- die Erde berühre. Eine Frau in Zittau, welche als Hexe galt, wurde,
- damit sie die Erde nicht berühre, im Stockhause frei aufgehängt.
- Ähnliches geschah 1678 in Bautzen mit einem Räuber und Mörder, der
- den Teufel hatte. (Pescheck, Gesch. v. Zittau, II. S. 746.)
-
-
-256. Pestzauberei.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 987.)
-
-Im Jahre 1680 wurde zu Geyer der Totengräber wegen Zauberei auf
-dem Gottesacker gefänglich eingezogen. Denn man hatte ihn auf den
-Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen sehen. Als
-darauf allerhand Beweismittel gesucht wurden, ihn seiner Bosheit zu
-überführen, so fand man unter anderen, daß er sein eigen Weib wieder
-ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten und zu Pulver
-gebrannt und dieses Pulver auf die Gasse gestreuet hatte. Er erhielt
-dafür den Staupenschlag und wurde des Landes verwiesen.
-
-Im Jahre 1614 hatte ein Totengräber zu Wolkenstein einer Pestleiche
-den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an einer Schnur
-in des Teufels Namen aufgehängt, darein Hefen, Bier und Blut von
-Verstorbenen, sowie Milch aus der Pestleichen Brüsten gegossen
-und darnach eingeheizt. So viel Tropfen nun aus dem schwitzenden
-Hirnschädel gefallen, so viel Pestleichen hat er denselben Tag gehabt.
-Dieser Pestzauberer hatte auch zweierlei Pulver, ein gutes wider die
-Pest, und ein ansteckendes, so er aus einer Pestdrüse gemacht. Wegen
-solcher schrecklichen Unthaten ist er verbrannt worden.
-
-Im Jahre 1623 hauste die Pest in Gottesgab, welches Städtchen halb
-ausstarb. Der Totengräber kam in den Verdacht, daß er diese Seuche
-mit bösen Mitteln verursacht habe. Hans Leonhardt, ein verwegener
-Mühlknecht, welcher kürzlich erst aus dem Kriege gekommen war, wagte
-sich hinein in des Totengräbers Häuslein und fand einen Totenkopf über
-dem Ofen hängen, darüber er sich erboste, und er hieb den Totengräber
-samt dem Weibe krumm und lahm, holte Feuer und brannte das Spital gar
-weg, daraus zwar die tötlich Gehauenen gekrochen, aber dennoch an ihren
-Wunden gestorben sind.
-
-Im Jahre 1633 hatte eine gewisse Pittelia samt ihrer Tochter zu
-Abertham die Pest durch Zaubermittel vermehren helfen. Bei der Marter
-bekannte sie, daß sie eine Bürste neben einer Leiche ins Grab geworfen
-habe; man müsse dieselbe wieder herausnehmen, wo nicht, müsse ganz
-Abertham aussterben, da schon 26 Personen gestorben waren. Es hat sich
-mit der Bürste auch also befunden, und wurde diese Pestzauberin am
-18. November genannten Jahres in Joachimsthal an einem Pfahle mit dem
-Strange erwürgt, ihre Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide Körper
-verbrannt, der Sohn aber des Landes verwiesen.
-
-
-257. Die Zauberelse zu Zwickau.
-
-(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygn.~ II., S. 374. Gräße, a. a. O., No. 550.)
-
-Im Jahre 1557 den 22. Mai ist zu Zwickau die alte Zauberelse gefänglich
-eingezogen worden. Die hatte den Leuten Tränke gesotten, den Mägden
-Kinder abgetrieben, auch vielen Menschen in ihren Gliedmaßen, Armen,
-Beinen, Fingern, Brüsten und in die Fersen »gefärtigt«, auch viele
-andere Zauberei mehr getrieben. Sie hatte auch einem Maler zu Glauchau
-Gift beigebracht, daß er gestorben. So hatte sie auch leiblich mit dem
-bösen Feind gebuhlt und eine lange Zeit mit ihm zugehalten, der ihr
-auch Geld gebracht, bisweilen 2 und 3, bisweilen auch 4 Thaler, mehr
-aber nie. Da man sie gefragt, wie er aussehe, hat sie geantwortet, er
-wäre ein alter grauer, häßlicher Teufel. Dieser böse Geist ist auf der
-Gasse oftmals mit ihr gegangen, doch, sprach sie, es hat ihn niemand
-als sie sehen können. Als sie gefangen gesessen, ist er oftmals zu ihr
-vor's Gefängnis und an das vergitterte Fenster gekommen und hat sie
-gefragt, was sie mache, ob sie heraus wolle, er wolle ihr helfen. Sie
-hat aber geantwortet, sie wolle gern hinaus, aber sie habe noch ihre
-Seele zu bedenken. Auf diese Rede ist er davon geschieden, sie aber hat
-gesessen bis zum 18. Juni, da hat sie wegen vielfälliger Zauberei ihre
-Strafe empfangen und ist am Galgen verbrannt worden.
-
- Jacob Grimm weist (Deutsche Myth., S. 599) darauf hin, daß, nachdem
- die heidnischen Vorstellungen von einer Verbindung der Helden mit
- Schwanenfrauen und Elbinnen verdrängt worden seien, der Glaube an
- einen geschlechtlichen Verkehr des Teufels mit Hexen, durch welchen
- das geschlossene Bündnis besiegelt und dem Teufel freie Macht über
- die Zauberinnen verliehen ward, Platz greifen konnte.
-
-
-258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Krähen.
-
-(Mitgeteilt vom Sem. Osw. Hübner aus Bernsbach.)
-
-Eine alte Frau in Bernsbach, die selbst schon Großmutter war, erzählte,
-daß ihr Großvater einst einen alten Freund, der Gasthofsbesitzer in
-einem andern Orte war, besucht habe. Da gerade Heuernte gewesen, sei
-der Wirt mit allen seinen Leuten auf die Wiese gegangen, so daß nur
-sein alter Freund in dem Gasthofe zurückblieb. Dieser erhielt den
-Auftrag, Bier zu verschänken, wenn Gäste kämen. Als er nun allein
-gewesen, hätte er ein Buch aus einem Schranke genommen und sich mit
-Lesen darin vertieft. Auf einmal wäre eine Krähe an das Fenster
-gekommen, und bald darauf wären noch mehrere gefolgt, welche sich
-sämtlich vor der Hausthüre niedergelassen hätten. Auf einmal wäre
-aber der Wirt atemlos in das Haus gestürzt gekommen, hätte dem sonst
-sehr lieben Freunde eine Ohrfeige gegeben, das Buch weggenommen und
-die Worte gesprochen: »Wäre ich nicht gekommen, so wärest Du in einer
-Viertelstunde tot gewesen, denn die Krähen hätten Dich umgebracht!«
-
-Daran ist bloß das Lesen in dem geheimnisvollen Buche schuld gewesen.
-
- Die Raben, an deren Stelle bei uns im Glauben des Volkes auch die
- Krähen und Dohlen getreten sind, gelten als Teufelsvögel, deren
- Erscheinen gewöhnlich Unglück und insbesondere einen Todesfall
- verkündet. Nach einem slavischen Aberglauben sind überhaupt Vögel
- die Seelen Verstorbener; Raben und Krähen gelten als die Seelen
- Verdammter. Nach Aargauer Sagen entschweben die Seelen der Erlösten
- in Gestalt von Tauben, die von Verwünschten und Erhängten dagegen
- verwandeln sich in Raben. (Rochholz, a. a. O. I., S. 156.) Auf
- dem Kirchhofe zu Scherpenheuvel wurden die Nahewohnenden nach dem
- Begräbnisse eines Mannes, der ein schlechte Leben geführt hatte,
- durch das Geschrei eines Raben in ihrer nächtlichen Ruhe gestört.
- (Nork, a. a. O., S. 275.)
-
- Wie unter dem Einflusse der christlichen Bekehrer die alten
- heidnischen Gottheiten zu dämonischen und teuflischen Gestalten
- wurden, so auch die ihnen einst geheiligten Tiere. Auf den Schultern
- Odhins saßen zwei Raben, »Hugin und Munin«, d. h. Gedanke und
- Erinnerung, welche jeden Tag durch die Welt flogen und dann dem
- Gotte Nachrichten ins Ohr raunten. In Erinnerung an diese einst dem
- Gotte beigegebenen Vögel erzählt die Sage, daß der Kaiser Friedrich
- Barbarossa, auf dessen Gestalt, ebenso wie auf die anderer beliebter
- Helden, Odhin übertragen wurde, im Kyffhäuser einen Hirten frug, ob
- noch die Raben um den Berg flögen. Nach einer lausitzischen Sage
- dagegen wurde der wilde Jäger, d. i. Odhin, in einen Nachtraben
- verwandelt.
-
-
-259. Die unheimlichen Gäste in Werda.
-
-(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 537.)
-
-In dem Dorfe Werda bei Falkenstein lebte ein junger Mann, der saß an
-einem Sonntagabende im Winter ganz allein zu Hause und hatte ein Buch
-aus einem alten Schranke zur Hand genommen, um darin zu lesen. In dem
-Buche aber waren verschiedene Zeichen und Figuren, die er sich nicht
-sogleich ausdeuten konnte. Deshalb zog er die Lampe näher an sich
-heran, um besser sehen zu können. Als er nun so eine Weile im Lesen
-und Ausdeuten vertieft ist, blickt er zufällig in die Höhe, fährt aber
-wieder erschrocken zurück, denn zu dem kleinen Schiebefenster herein
-sieht ein rabenschwarzer Mann mit grinsendem Gesichte. Der Bursche
-fragt nach dem Begehr, erhält aber keine Antwort. Nachdem er sich vom
-Schreck etwas erholt hatte, las er ruhig weiter und war bemüht, die
-Figuren ordentlich zu deuten. Er sah sich wieder um und wurde zu seinem
-Schrecken gewahr, daß zu jedem Fenster ein schwarzer unheimlicher Gast
-hereinsah. Dabei war er auf seinem Sitze wie festgebannt und konnte
-fast kein Glied mehr regen. Jetzt wollte er das Buch zumachen, denn
-es flimmerte und tanzte ihm alles vor den Augen. Aber wie von einer
-unsichtbaren Macht gefesselt, konnte er seinen Blick nicht von dem
-Buche abwenden und er fing wieder an zu lesen. Plötzlich aber entstand
-im Hause ein groß Getöse und Gepolter, die Thüre flog auf und ein
-langer schwarzer Mann kam herein und blieb in der Mitte der Stube
-stehen. Der Lesende fragte zum zweiten Male, was sein Begehr sei,
-erhielt aber wieder keine Antwort. Dabei mußte er in dem Buche immer
-weiter lesen, und es dauerte gar nicht lange, so ging das Gepolter
-von neuem los und eine zweite schwarze Gestalt trat in die Stube und
-stellte sich neben die erste hin. Ohne von seinem Buche aufzusehen, las
-der Bursche fort. Jetzt aber that es einen Schlag, daß das ganze Haus
-in seinen Grundfesten erschüttert wurde, Fenster und Thüren sprangen
-auf, ein blitzähnlicher Schein fuhr durch die Stube und eine dritte
-Gestalt, länger als die beiden ersten und wild von Aussehen, trat nun
-in Begleitung von allerhand Tieren, als Raben, Eulen und Elstern, in
-die Stube und stellte sich nun zwischen die beiden ersten hinein. Jetzt
-wurde es unserm Geisterbeschwörer himmelangst und er rief aus vollem
-Halse nach Hülfe. Es dauerte aber lange, ehe die gewünschte Hülfe kam.
-Endlich kam der Bruder des Burschen mit noch einigen Nachbarssöhnen
-nach Hause, und diese sahen nun, was vorgefallen war. Der Sohn des
-Wirtes, der auch mit hinzugekommen war, lief sogleich zum Pastor,
-welcher auch erschien, aber dessen Kraft zu schwach war, die Geister
-wieder zu bannen. Er gab den guten Rat, es solle doch gleich einer nach
-Theuma zum Pater reiten, der könne Hülfe schaffen. Ohne sich lange zu
-besinnen, ritt der Sohn des Wirtes nach Theuma und erzählte daselbst
-dem Pater, was vorgefallen war. Der Pater ließ sich auch bewegen
-mitzukommen. Da er ankam, war bereits das halbe Dorf vor dem Hause
-versammelt, und sogleich begann er seine Beschwörungen. Es dauerte auch
-nicht lange, so entfernten sich die ungebetenen Gäste, nur der letzte
-hielt noch stand und wollte nicht weichen. Als aber der Theumaische
-Pater ein großes Buch hervorzog, entfloh er unter fürchterlichem
-Gebraus durch den Schornstein und ließ einen Schwefelgeruch zurück. Das
-Buch aber, welches der Bursche gebraucht hatte, nahm der Pater mit und
-ermahnte noch den jungen Mann, solche Sachen fernerhin zu lassen und
-nichts zu unternehmen, was er nicht verstehe.
-
- Das Buch, in welchem der Bursche las, ist Faust's Höllenzwang, von
- dem uns der Volksmund erzählt. Ähnlich wie dem jungen Manne in
- Werda erging es den Buben eines Wunderdoktors in Schumburg, die in
- Abwesenheit ihres Vaters dies geheimnisvolle Buch aus einem Schranke
- nahmen und darin lasen, worauf eine Menge von teuflischen Vögeln
- ins Zimmer kam. (Grohmann, Sagen aus Böhmen und Mähren I., S. 315.)
- Ein alter Mann in Eichelborn in Thüringen hatte große Kenntnisse in
- geheimen Künsten. Einst las er abends in einem großen Buche, während
- ein Knabe bei ihm in der Stube war. Da wurde er hinausgerufen.
- Der Knabe las trotz des Verbotes in dem Buche, und da kamen viele
- Raben, welche von außen an das Fenster pochten. Auf das ängstliche
- Geschrei des Knaben kam der Alte zurück, gab dem Ungehorsamen eine
- derbe Ohrfeige und las in dem Buche schnell einige Worte; siehe,
- sofort verschwanden die Raben nieder. (O. Richter, Deutscher
- Sagenschatz, 4. Heft, No. 3.) Dieselbe Sage findet sich auch bei
- den Lausitzer Wenden. Als ein Bauer, welcher am Schloßberge zu Burg
- in der Nieder-Lausitz wohnte und der im Besitze eines »Charakters«
- war, einmal auf dem Felde arbeitete, suchte daheim sein Sohn das
- Zauberbuch hervor. Beim Lesen desselben kamen ebenfalls Hasen,
- Krähen und andere Vögel zu Thür und Fenster herein. Der Vater, von
- Unruhe und Angst getrieben, lief eilig nach Hause und sahe, was der
- Sohn angerichtet hatte. Da nahm er das Buch zur Hand und las alle
- Stellen, welche der Sohn gelesen hatte, rückwärts; da verschwanden
- die Ungetüme wieder. (Veckenstedt, Wendische Sagen, 1880, S. 273.)
-
-
-260. Die Hexen zu Schellenberg.
-
-(v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, I. S. 371. Darnach bei Gräße a. a.
-O., No. 552.)
-
-Im Jahre 1529 sind zu Schellenberg im alten Schloß, welches an der
-Stelle der vom Kurfürst August erbauten Augustusburg stand, die beiden
-Hexen, die alte und junge Rodin, weil sie mehrmals zu Schönerstedt auf
-dem Hexensabbath gewesen, Diebsdaumen verkauft, untreue Männer durch
-Zaubermittel zu ihren Frauen zurückführen gelehrt, Hexensalben gesotten
-und Abwesende citiert, gefoltert und dann wahrscheinlich hingerichtet
-worden.
-
-
-261. Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 908.)
-
-Im Jahre 1080 war Böhmen voller Zauberer, Hexen, Wahrsager und
-Beschwörer, wider welche Herzog Ulrich inquirierte und 107 in einem
-Jahre hinrichten ließ. Die andern zerstreuten sich in Mähren und unser
-Gebirge. Um Klostergrab und Ossegg behexten sie die Leute, daß sie
-erkrankten, besonders die Schwangern.
-
- Im böhmischen Erzgebirge stellt man sich die Hexe in Gestalt eines
- hämischen, boshaften, alten Weibes vor, das im Bunde mit dem Teufel
- steht, auf Ofengabeln, Schürhaken oder Besen durch den Schlott
- fährt und durch die Luft reitet, den Brand ins Getreide legt, die
- Kühe verhext, daß sie keine oder rote Milch geben, die Kinder in
- der Wiege mit Wechselbälgen vertauscht und ähnlichen Unfug treibt.
- Ihre Macht über den Menschen und über alles, was ihm lieb ist, soll
- in der Walpurgisnacht am stärksten sein. (Joseph Fritsch in der
- Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg., S. 101.)
-
-
-262. Das Hexenloch bei Joachimsthal.
-
-(Nach Wenisch, a. a. O., S. 40.)
-
-Nicht weit von der Johanneskapelle bei Joachimsthal zeigte man auf
-einem Feldraine das gegenwärtig durch einen Steinhaufen verdeckte
-»Hexenloch«. Die Sage erzählt von demselben, daß sich hier Hexen
-aufhalten. In der Walpurgisnacht führen sie ihre Tänze auf, essen
-und trinken und spielen um die Seelen von Selbstmördern Karten. Zum
-Schutze gegen ihr Eindringen in die Wohnungen werden von vielen Leuten
-am Walpurgisabende mit geweihter Kreide oder Kohle drei Kreuze an die
-Thüren gemacht.
-
-
-263. Mittel gegen Zauberei.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 900.)
-
-Zwei junge Eheleute in Pöhl waren von einer rachgierigen Dorfhexe so
-verzaubert, daß sie einander spinnefeind wurden und eines das andere
-ein ganzes Jahr lang nicht ansehen konnte. Endlich krochen sie beide
-durch sogenannte Schleifbrämen, das sind Brom- oder Kratzbeerzweige,
-welche einen Bogen geworfen und wieder in die Erde gewurzelt. Damit ist
-ihnen geholfen worden.
-
-
-264. Eine Hexe wird erkannt.
-
-(Lehmann, a. a. O., S. 908.)
-
-Zu Arnsfeld bei Wolkenstein wurde eines Mannes Vieh bezaubert, daß es
-Blut gab. Da die Magd melken wollte, merkte sie das lose Stück, nahm
-ein Seihtuch, stach's voller Nadeln und kochte es im Ofen. Darauf kam
-der Nachbarin Mann gelaufen und begehrte Citronenschalen. Dieselben
-wurden ihm abgeschlagen, denn der Magd war es verboten worden, das
-geringste zu geben. Da kam der Mann wieder und bot etliche Hühnchen zum
-Verkaufe an; aber auch jetzt wurde er abgewiesen. Er kam zum dritten
-Male und verlangte nur eine Birne vom Baume im Garten; doch erlangte er
-nichts. Endlich kam er und bekannte, daß seine Frau brennende höllische
-Schmerzen habe und bat, so sie etwas gebraucht, es weg zu thun. Damit
-wurde es offenbar und mußte der Mann mit Weib und Kind davonlaufen.
-
- H. Heine erzählt in seinen Sagen, Märchen und Bildern aus dem Harze
- (No. 79), daß einst eine Hexe, welche Milch verzaubert hatte,
- jämmerlich verbrüht und zerstochen wurde, als der Wirt, gegen den die
- Zauberei gerichtet war, die Milch kochte und dann mit einer Gabel in
- der kochenden Milch herum fuhr.
-
-
-265. Die Hexen am Walpurgisabende.
-
-(Spieß, Aberglaube etc. im Erzgeb., Progr., S. 13; z. T. mündlich.)
-
-Am Walpurgisabende, dem Abende vor dem 1. Mai, zünden überall im
-Erzgebirge Knaben auf hochgelegenen Punkten Besen an und springen damit
-herum; es wird geschossen, geschrieen, mit Peitschen geknallt und
-mit Bretern zusammengeschlagen, um ein rechtes Getöse hervorzurufen.
-Dies geschieht, um den Hexentanz darzustellen, oder, wie allgemeiner
-behauptet wird, um die zum Blocksberg ziehenden Hexen zu vertreiben. Am
-Walpurgisabende ziehen auch die Hexen ein, und man muß daher Besen oder
-landwirtschaftliche Geräte vor die Stallthüre legen, um sie abzuhalten.
-In Neustädtel erzählt man: Als Karl der Große die alten Sachsen vom
-Brocken oder Blocksberg jagen wollte, kamen die Hexen und allerhand
-Gespenster mit glühenden Besen und auf Ziegenböcken geritten, um ihn zu
-vertreiben.
-
- Walpurgis, welche in der Mitte des 8. Jahrhunderts lebte und eine
- Tochter des Königs Richard von England war, wurde später heilig
- gesprochen und als Beschützerin gegen den Bosheitszauber verehrt.
- Die angezündeten Feuer sind die Opferflammen für die Frühlingsgöttin
- Ostara; das Umherspringen ist ein Rest der alten religiösen Tänze;
- die Hexen, welche in der Walpurgisnacht eine so große Rolle spielen,
- sind die weisen Frauen, welche Kräuter kochten und, mit dem
- Priesteramt bekleidet, als »Alrunen« in dem germanischen Götterkultus
- auftreten. Sie versammeln sich in der ersten Mainacht auf dem Hörsel-
- und Inselberge in Thüringen, auf dem Stoffelsteine bei Bamberg und
- an vielen anderen Orten, besonders aber auf dem Blocksberge im Harz.
- In Schweden war ihr Sammelplatz die kleine Felseninsel Blakulla,
- zwischen Oeland und Smaland gelegen; dorthin reisten sie aber am
- grünen Donnerstage. Die Böcke, mit denen nach unserer Sage die Hexen
- nach dem Blocksberge ziehen, sind die Opfertiere.
-
- Vor dem Eintreten der Hexen schützen drei Kreuze an der Stallthüre
- oder die Buchstaben ~C. M. B.~ (Kaspar, Melchior, Balthasar, nach
- der Legende die Namen der heiligen drei Könige); oder man legt einen
- alten Besen oder ein Stück frischen Rasen vor die Thürschwellen.
-
- Es mag schließlich noch darauf hingewiesen werden, daß der Glaube an
- Hexen in den indischen ~Çâkinî~, ~Dâkinî~ und ~Yeginî~, welche kraft
- mythischer Zaubersprüche des Nachts durch die Lüfte reiten und ihre
- Tänze abhalten, eine Parallele findet. Es ist demnach die Vorstellung
- von weiblichen Unholden bereits der indogermanischen Urzeit eigen,
- und so mag vielleicht unserm Worte »Hexe« die Wurzel, ~çak~, mächtig
- sein, zu Grunde liegen. (Fr. Hirsch, Gesch. der Deutsch. Litteratur,
- I., S. 6.)
-
-
-266. Der wunderliche Katzentanz.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 507.)
-
-Am 1. Mai des Jahres 1726 ist ein gewisser zuverlässiger Mann im
-Erzgebirge von einem Orte zum andern gereist und am Abend bei düsterer
-Witterung bei einem Walde vorbeipassiert, da denn er sowie sein
-Begleiter, den er bei sich hatte, ein dem Anschein nach in einem
-Hause scheinendes Licht bemerkt, welchem beide in der Hoffnung, eine
-Herberge zu finden, zugelaufen. Nachdem sie aber näher und näher
-gekommen, hören sie eine zum Tanz gehende Musik, und der eine von
-ihnen geht aus Neugierde ans Fenster und wird durch selbiges gewahr,
-daß eine große Anzahl Katzen darin zu finden, davon etliche musicieren
-und die andern darnach tanzen. Sein Begleiter beschließt nun, in das
-Haus hineinzugehen, wird aber von dem andern davon abgehalten, und
-jetzt nimmt einer von ihnen wahr, daß seine große Hauskatze ebenfalls
-dabei anzutreffen. Aus Entsetzen gehen beide fort und kommen in
-spätester Nacht nach Hause. Als nun des andern Tags zu Mittag sich
-die große Hauskatze bei der Mahlzeit in der Stube einfindet, spricht
-ihr Hausherr, sie anschauend: »Nun, Du machtest Dich gestern Abend
-auch sehr lustig!« Da springt ihm alsbald der alte Kater auf den Hals
-und kratzt ihn in den Kopf und das Gesicht, hätte ihn auch sicherlich
-getötet, wofern nicht das Hausgesinde herzugelaufen und mit Schlägen
-und Schreien diesen verteufelten Feind abgetrieben.
-
- Diese Sage hat viel Ähnlichkeit mit der vom sogenannten Katzenberge
- zwischen Leipzig und Merseburg. Um die Mitte des 16. Jahrh. ist
- nämlich ein Bischof von Merseburg, namens Michael, ein großer
- Katzenfreund gewesen und hat eine große schwarze Katze besessen.
- Dieser Bischof ist einst nach Leipzig gereist und hat auf dem oben
- genannten Hügel, der nachher davon seinen Namen bekam, eine ganze
- Katzengesellschaft angetroffen. Er rief derselben im Scherze zu:
- »Ihr Katzen, seid ihr alle beisammen?« Da hat eine geantwortet: »Es
- mangelt keine, ausgenommen Bischof Michael seine Katze.« Bei seiner
- Rückkehr erzählte er seiner Katze die wunderliche Begebenheit und
- fragte zugleich, warum sie den andern Katzen nicht Gesellschaft
- geleistet? Alsbald fuhr die Katze zum Fenster hinaus und ist nicht
- mehr gesehen worden.
-
- Katzen sind Hexentiere, sie bilden entweder das Gespann der Hexen,
- oder diese nehmen die Gestalt jener Tiere an.
-
- Auf der Brüßlerstraße zu Dendermonde liegt ein Haus, worin sich
- ehedem eine Brauerei befand. Hier diente Hans Zimmermann als Knecht.
- Da er sein Handwerk sehr gut verstand, so konnte er nicht begreifen,
- warum das erste, zweite und dritte Gebräu mißlang. Nun hatte er aber
- bemerkt, daß jedesmal, wenn er am Brauen war, eine Katze rund um den
- Kessel lief. Als er sein viertes Gebräu begann, und die Katze wieder
- miauend um den Kessel strich, redete er sie in der Überzeugung an,
- daß sie eine Hexe sei; er bekam zwar nur ein Miau zur Antwort, worauf
- sie weglief, aber bald mit einem Dutzend Katzen wieder zurückkam; die
- faßten sich Pfote an Pfote und begannen einen Tanz um den Kessel,
- wobei sie unaufhörlich sangen: »Hansken Temmermann vroeg aen my:
- Katze, van wear kom drgy?« (Hänschen Zimmermann mich frug: Kätzchen,
- woher kommst denn Du?) Da wurde Hans böse, füllte einen Eimer mit
- dem kochenden Bier und goß das über die Katzen hin. »Miau! Miau!«
- schrien alle und verschwanden, das Gebräu aber glückte. Am andern
- Morgen jedoch sah man im Rochusgäßchen sechs Frauen mit verbrannten
- Gesichtern tot auf der Straße liegen. Da blieb kein Zweifel mehr, wer
- die Katzen gewesen waren. (Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen,
- S. 556.) Eine ähnliche Sage erzählt Leibing (Sagen und Märchen des
- bergischen Landes, No. 64). Nach ihm verwundete ein Brauknecht zwei
- Katzen, die eine am Ohr und die andere büßte eine Pfote ein; am
- andern Tage hatte die Frau des Braumeisters ein zerschmettertes Ohr
- und eine andere Frau in der Nachbarschaft hatte ein Stück eines Fußes
- eingebüßt. Auch Jacob Grimm weist in seiner Deutschen Mythologie (S.
- 623) darauf hin, daß viel von verwundeten Katzen erzählt wird, die
- man hernach an verbundenen Weibern wieder erkannte.
-
- Ebenso fehlen auch die gleichen Überlieferungen der slavischen Sage
- nicht. Zu einem Bauer in Saspow in der Nieder-Lausitz kam oft eine
- graue Katze in den Stall und das Vieh wurde krank. Als diese Katze
- mit einer Düngergabel in den Hals gestochen wurde, sprang sie weg.
- Am andern Tage hatte eine Frau im Dorfe mehrere Löcher im Halse;
- diese war die Hexe. -- Ähnliches geschah in der Mühle bei Leipa im
- Spreewalde, wo viele Katzen des Nachts einen fürchterlichen Spuk
- trieben, bis endlich der zu Hülfe herbeigezogene Scharfrichter mit
- dem Messer eine Katze in die Pfote schnitt. Am andern Tage hatte die
- Frau des Amtmanns im nächsten Dorfe eine kranke Hand und es hieß, sie
- habe sich geschnitten. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 281 und 292.)
-
-
-267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.
-
-(Moller, ~Theatrum Freiberg. Chron.~ II., S. 254. Wilisch,
-Kirchen-Hist. v. Freyberg etc. II., S. 378.)
-
-Im Jahre 1552 hat in den Dörfern um Freiberg die Pest grassiert,
-sonderlich starb viel Volk zu Hermsdorf, Claußnitz und Dittersbach. Das
-Volk glaubte dabei, daß die toten Körper in den Gräbern anfingen zu
-essen und einer den andern nachholete. Etliche, die auf den Gräbern
-gestanden, erzählten, daß sie gehört, wie die Toten unter der Erde
-schmatzten. Deswegen hat man den Verstorbenen die Köpfe mit einem
-Grabscheite abgestoßen oder sie ganz verbrannt und dabei gemeint, so
-das Unheil und Sterben abzuwenden. Es hat aber nichts geholfen, denn
-die Pest hat als Strafe Gottes noch heftiger überhand genommen, so daß
-einzelne Dörfer fast ausstarben.
-
- Das Schmatzen der Toten in den Gräbern ist nur eine besondere
- Form des besonders im Aberglauben slawischer Völker herrschenden
- Vampyrismus. Der Vampyr wird meist als die Seele eines Verstorbenen
- gedacht, welcher im Grabe keine Ruhe findet, letzteres verläßt und
- sich auf schlafende Menschen, besonders Blutsverwandte legt und ihnen
- auf körperlich kaum wahrnehmbare Weise das Blut aussaugt. Nach der
- Lausitzer Sage wird ein solcher Vampyr gebannt, wenn ein Priester
- den Leichnam ausgraben läßt, ihm den Kopf abschneidet, das Herz mit
- einem Pfahl durchsticht, selbiges sodann verbrennt und die Asche auf
- das Grab streut. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 69.) Der Pfahl mußte
- bei den Slaven von Eichenholz oder vom Weißdorn sein. (Grohmann,
- Aberglauben und Gebräuche in Böhmen, S. 191.)
-
- Nach Görres ist der Vampyrismus, welcher sich bereits bei den alten
- Griechen vorfand, nur eine besondere Form des Alpdrückens. (Nork,
- Sitten und Gebräuche etc., S. 686.) Er beruht auf dem Glauben, daß
- der Verstorbene des Blutes entbehrt und darum sein Grab verläßt, um
- einem noch Lebenden Blut auszusaugen. (Rochholz, Deutscher Glaube und
- Brauch I., S. 55.)
-
-
-268. Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne.
-
-(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 221. Br. Grimm, Deutsche
-Sagen I., No. 231.)
-
-Als ein Bürger zu Freiberg, namens Lorenz Richter und seines Handwerks
-ein Leinweber, welcher auf der Weingasse gewohnet, seinem Sohne von 14
-Jahren etwas zu thun befohlen und derselbe nicht gehorcht, sondern in
-der Stube an derselben Stelle stehen geblieben, hat ihn der zornige
-Vater verwünscht und gesagt: »Ei stehe, daß Du nimmermehr könntest
-fortgehen!« Auf diese Verwünschung des Vaters ist der Knabe stehen
-geblieben, und er hat drei ganze Jahre an derselben Stelle gestanden,
-so daß er tiefe Gruben in die Dielen getreten, und man ihm des Nachts,
-wenn er schlafen wollte, ein Pult untersetzte, damit er den Kopf und
-die Arme darauf legen konnte, um ein wenig zu ruhen. Weil er aber nahe
-an der Stubenthüre beim Ofen den eintretenden Leuten im Anlaufe war,
-haben ihn die Geistlichen der Stadt durch ihr Gebet von diesem Orte
-aufgehoben und gegenüber in den andern Winkel der Stube glücklich und
-ohne Schaden gebracht. An diesem Orte hat er ferner bis ins vierte
-Jahr gestanden und die Dielen noch tiefer durchgetreten, als zuvor.
-Damit ihn die Aus- und Eingehenden nicht so sehen könnten, hat man
-ihn auf seine Bitten durch einen Umhang verdeckt; er hat wegen steter
-Traurigkeit nicht viel gesprochen. Endlich hat Gott die Strafe etwas
-gemildert, indem er das letzte halbe Jahr sitzen, sich auch ins
-Bette, das man neben ihn gestellt, legen konnte. Er hat ganz elende
-ausgesehen, ist blaß von Angesicht, hagern Leibes und auch sehr mäßig
-im Essen und Trinken gewesen. Nach sieben Jahren wurde er den 11.
-September 1552 durch den Tod erlöst. Die Fußtapfen sahe man noch lange
-an den betreffenden Plätzen, und als sie der Vater nach dem Tode seines
-Sohnes aussetzen lassen wollte, weil er sich derselben wegen seines
-Fluches schämte, hat ihm der Rat solches verboten.
-
-
-269. Speisen werden festgemacht.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 869 und 870.)
-
-Ein Bergmann in Seifen hatte ein Doctor Faustsches Kunststück, indem er
-zur Lust in Gesellschaft über dem Essen alle Speisen stahlfest machte,
-daß kein Mensch, ehe er wollte, einen Bissen abschneiden konnte.
-Desgleichen war zu Elterlein ein Schlosser, Zacharias Vogel, der eine
-gute Zeit im Kriege gedient hatte; dieser konnte nicht nur sich selbst,
-sondern auch andere Menschen und alles Vieh, wie auch Käse, Butter,
-Brot und andere Speisen fest machen.
-
-
-270. Festgemachte werden überwunden.
-
-(Lehmann, a. a. O., S. 873 und 874.)
-
-Im Jahre 1632, den 3. Januar, wurde Jochim Escher erschossen, auf
-welchen sein Feind erstlich eine bleierne Kugel losbrannte; weil diese
-aber nicht einging, riß er eilend einen Dukaten aus der Tasche, biß ihn
-zusammen, brauchte ihn anstatt der Kugel und schoß den Escher Knall und
-Fall vom Pferde.
-
-Im Jahre 1677 schlugen sich zwei freche Kerle auf Böhmisch-Wiesenthal.
-Der eine war stahlfeste und konnte gar nicht verwundet werden. Da sein
-Gegenpart dieses merkte, sagte er: »Halt, ich will dir besser kommen!«
-Zieht hiermit den Degen unter dem Schuh durch die frische Erde und
-verwundet ihn dann dreimal nacheinander. Andere haben Magnet in die
-Kugeln gegossen, oder den Degen durch ein Brot gezogen, oder mit Kugeln
-von Wißmut geschossen, oder die Degenspitze nur in die Erde gestochen
-und damit die Festgemachten überwältigt.
-
-
-271. Festgemachte werden von ihrem Wesen und ihrer geheimnisvollen
-Kraft befreit.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 873 u. 874.)
-
-Im Jahre 1652 lebte zu Satzung ein ehemaliger Soldat, +Michael Vogel+,
-welcher der Festigkeit wegen ein Amulet am Halse trug und nun beim
-Trunk immer Zank und Schlägerei anfing. Als er aus dem Kriege nach
-Hause kam, warf er das Amulet weg, aber es kam aus Feuer und Wasser
-wieder. Endlich wurde sein Beichtvater auf das Amulet aufmerksam
-und nahm es an sich. Michael Vogel sagte, er müsse es mit gewissen
-Ceremonien abnehmen, doch der Priester versicherte, der Teufel habe
-über ihn keine Gewalt, er wolle es schon wegschaffen. Damit ging er
-zu einem Schmied und warf es ins Feuer. Da fuhr's zur Esse hinaus mit
-Ungestüm und platzte wie ein Doppelhaken. Darauf wurde der Kerl ganz
-anders, friedlich und sittsam.
-
-Ähnliches begab sich 1639 in Grünhain. Ein junger Fleischer hatte
-sich bei den damals auf Scharfenstein liegenden Schweden fest machen
-lassen; davon wurde er so blutdürstig und unbändig, daß er beim Trunk
-keines Menschen Freund war. Als er sich aber verheiratete und in die
-Zunft aufnehmen ließ, trachtete die Freundschaft darauf, wie er die
-Festigkeit los werden möchte. Man brauchte allerlei Mittel, aber
-vergebens, bis endlich einer die Teufelei aus dem Leibe purgierte und
-eine Hummel von ihm kam.
-
- Sowohl die römische als auch germanische Götterlehre erzählt uns von
- Göttern, welche unverwundbar waren. Cygnus, der Sohn Neptuns, konnte
- von keinem Pfeil verwundet werden und ebenso wurde Baldr durch die
- Gunst seiner Mutter Frigg gegen alle Waffen geschützt. Nur das Holz
- des Strauches Mistiltein (~Loranthus europacus~) tötete ihn, da Frigg
- von demselben keinen Eid gefordert hatte. Wie Götter wurden auch
- Helden unverwundbar. Siegfried badete sich im Drachenblute, das seine
- Haut fest gegen Waffen machte; nur wo das Lindenblatt zwischen seinen
- Schultern gelegen, war er verwundbar. Im Mittelalter hielt man die
- sogenannte Waffensalbe, die Gemskugel, die Wurzel ~Doronicum~, das
- Nothemde u. s. w. für Mittel, um sich waffenfest zu machen. (Nork,
- Sitten und Gebräuche d. D. S. 707). Auch die Lausitzer Sage erzählt
- von Hieb- und Stichfesten. Das Garn zu einem Nothemde, welches auch
- hier als Zaubermittel dient, muß von einem Mädchen unter 7 Jahren
- gesponnen, die Nähte müssen mit Kreuzstichen gemacht und schließlich
- müssen noch drei Messen darüber gelesen werden. (Haupt a. a. O. I. N.
- 240.)
-
-
-272. Der Räuber Hartenkopf bei Zelle ist kugelfest.
-
-(Gräße, Sagenbuch d. K. S., No. 362.)
-
-Im Zellwalde bei Kloster Zelle und zwar besonders in dem alten
-Gemäuer, welches gemeine Leute für den Stadel eines alten
-Nonnenklosters ansehen, hatte sich ein Fleischer, namens Hartenkopf aus
-Siebenlehn, festgesetzt und beschlossen, hinfüro von Raub und Mord zu
-leben, weswegen die Leute den Fußweg, der von Siebenlehn nach Roßwein
-führt, nicht mehr sicher wandeln konnten, noch wollten. Weil sich nun
-dieser Schnapphahn nicht nur am Leibe festgemacht, sondern auch mit
-Geschütz und Gewehr versehen, also daß allen denen, so ihm zu nahe
-kommen würden, der Tod drohte, konnten die aufgebotenen Landgerichte
-und Amtsunterthanen, weil jeder für seine Haut fürchtete, wenig
-schaffen, bis endlich eine von Roßwein aus kommandierte kurfürstlich
-sächsische Korporalschaft vom Leibregiment zu Roß dieses Raubnest
-ersprengte, und weil die bleiernen Kugeln an dem Räuber nirgends haften
-wollten, haben sie endlich noch mit einem eingeladenen silbernen Knopfe
-den Zauber gelöst und den Leib zugleich mit gefällt.
-
- Die durch Hülfe des Teufels erworbene Kugelfestigkeit besteht
- nicht gegen einen geerbten silbernen Knopf. Von einem solchen
- wurde der Stadtkommandant Bruse von Greifswalde, auf welchen mehr
- als zwanzig schwedische Kugeln erfolglos abgeschossen worden
- waren, getötet. (Temme, Pommer'sche Sagen, No. 244.) Ebenso
- erzählt eine Sage, wie der Reitknecht König Augusts des Starken
- den seinen Herrn verfolgenden Husaren durch einen silbernen Knopf
- niederschoß. (Johannes-Album, Chemnitz 1857. 2. T. S. 181.) An die
- Stelle des silbernen Knopfes treten auch silberne Kugeln. Nach
- einem rumänischen Volksliede konnten den Freischarenführer Pintye
- nur drei silberne Kugeln, drei Maß Frühjahrsroggen und drei Nägel
- von einem Frühlingsfohlen verwunden. (Jahrbuch des Ungarischen
- Karpathen-Vereins XII., S. 87.)
-
-
-273. Der Holzmüller von Neudorf.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 317.)
-
-In der sogenannten Holzmühle zu Neudorf bei Sebastiansberg lebte einst
-ein Müller, der war so reich, daß er den Fußboden seiner Stube mit
-lauter harten Thalern gepflastert und darüber erst die Dielen gelegt
-hatte. Er verstand aber auch die schwarze Kunst. Als er einmal ganz
-allein in der Mühle war, drangen plötzlich zwölf Räuber in die Stube
-und forderten sein Geld. Der Müller hieß sie niedersetzen und that,
-als ob er das Geld holte. Bald aber merkten die Räuber, daß sie nicht
-aufstehen konnten. Nun baten sie den Müller, er möge sie loslassen;
-der erbarmte sich, schnitt aber jedem mit seinem Messer ein Zeichen
-ins geschwärzte Gesicht und entließ sie. Als er nun am nächsten
-Sonntage seine Verwandten besuchte, fand er in ihren Gesichtern
-das eingeschnittene Zeichen. Oft schon hatte man versucht ihn zu
-erschießen, er war aber kugelfest. Endlich hat ihn ein Jäger auf dem
-Wege nach Krümau mit einer gläsernen Kugel erschossen; auf der Stelle,
-wo dies geschehen, steht heute noch ein Kreuz.
-
-
-274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II., S. 19.)
-
-Im Jahre 1260 hat sich zu Freiberg ein Schüler (einige halten dafür,
-daß es ein Priester gewesen sei) in eine Jungfrau heftig verliebt, und
-um dieselbe zu gewinnen, hat er Rat und Hülfe bei einem Schwarzkünstler
-gesucht. Derselbe führte ihn in der Sachsenstadt in ein abgesondertes
-Gemach, stellte ihn in einen Kreis und begann seine gewöhnlichen
-Beschwörungen. Der Teufel ließ sich nicht lange bitten und erschien
-plötzlich in der Gestalt der begehrten Jungfrau. Da stand der Jüngling
-heftig auf und bot ihr aus dem Kreise die Hand. Doch zu seinem höchsten
-Unglück und Verderben riß ihn der Teufel zu sich und warf ihn gegen die
-Wand, so daß er auf der Stelle tot blieb. Aber auch der Schwarzkünstler
-erhielt seine Strafe. Der Teufel nahm den zerschmetterten Körper des
-Schülers und warf damit mit solcher Gewalt nach ihm, daß er daran
-»versterret die ganze Nacht winselnd gelegen und auch früh noch also
-gefunden wurde.« Er wurde darnach zu gebührender Strafe gezogen.
-
-
-275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.
-
-(Moller, a. a. O. II., S. 201. Wilisch, Kirchen-Historie von Freyberg
-etc. II., S. 327. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Prosaischer
-Anhang, No. 5.)
-
-Am Montage nach Palmarum 1536 hat ein Pfaffe aus Mulda in einem
-Weinhause zu Frauenstein allerlei Üppigkeit getrieben, ist auch des
-Nachts daselbst ganz voll und toll liegen geblieben, morgens aber mit
-umgedrehtem Halse tot gefunden worden. Man hat ihn für einen Zauberer
-gehalten, von dem gemeldet wird, daß er in Wirtshäusern böhmische und
-andere Groschen nach Belieben aus den Wänden herausgegraben und sonst
-allerlei Gaukelspiel zur Verwunderung gemeiner Leute getrieben habe.
-Er ließ z. B. auch den Wein zu Feuer werden und wußte es im Spiele zu
-machen, daß er allein alles gewann.
-
-
-276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 314. Wenisch, Sagen aus dem
-Joachimsthaler Bezirke, S. 102.)
-
-Ein Hirte, der bei Permesgrün die Herde weidete, fand einmal unter
-einem Steine, der am Fuße einer uralten Eiche lag, ein altes Buch, auf
-welchem die Worte standen: Wende den Inhalt wohl an, und Du wirst der
-Menschheit nützen. Das that der Hirte, und bald war er in der ganzen
-Gegend als Wunderdoktor bekannt und gesucht. Da erkrankte der Sohn
-des Herzogs so schwer, daß der Vater in der Verzweiflung dem Retter
-seine Tochter zur Frau versprach. Der Wunderdoktor ging an den Hof
-des Herzogs und versprach die Heilung. Der Herzog wiederholte sein
-Versprechen, drohte aber ihn umzubringen, wenn der Versuch mißlänge.
-
-Der Wunderdoktor machte sich an die Kur, und bald war der Prinz
-gerettet. Als aber der Wunderdoktor seinen Lohn verlangte, verweigerte
-ihm der Herzog die Tochter. Darüber ärgerte sich der Doktor, daß er
-sichtbar hinsiechte. Da las er in seinem Buche und befahl hierauf
-seinem Diener, ihn zu zerstückeln, die Stücke in eine Kiste zu legen
-und diese unter jener alten Eiche zu begraben; nach einem Jahre sollte
-er die Kiste wieder öffnen, aber nicht früher. Dann werde er wieder
-frisch und gesund auferstehen.
-
-Der Diener that, wie ihm sein Herr geheißen hatte, aber er konnte die
-Zeit nicht erwarten und öffnete schon nach dreiviertel Jahren die
-Kiste, um nachzusehen, wie es mit seinem Herrn stünde. Da war die
-Wunderkraft vernichtet, und der Herr blieb tot.
-
- Wir haben am Schlusse dieser Sage eine Variante des alten Glaubens,
- daß der alternde Mensch oder der Verstorbene durch Zauberkünste
- wieder nach einem gewissen Zeitraume verjüngt aufersteht, wenn man
- seinen Körper in Stücke zerhaut. Der junge Graf ~de Villano~ hatte zu
- Salamanca in der Schule des Teufels auch gelernt, wie man alte Leute
- wieder verjüngt. Nachdem er selbst zu Jahren gekommen, wollte er zu
- seinem eigenen Vorteile von diesem Geheimmittel Gebrauch machen. Er
- ließ sich, als es mit ihm zu Ende ging, von einigen gekauften Mohren
- schnell in Stücke zerhauen, die Stücke in eine Glasflasche füllen und
- diese in den Pferdemist setzen. Auf der Folter jedoch gestanden die
- Mohren, leider zu früh, was sie gethan hatten, und als man nachgrub,
- fand man das Glas und darin ein bereits ganz wohlgestaltetes Kind.
- (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I., S. 121.) Nach Mannhardts
- Mythen (S. 66.) wurden der polnische Räuber Twardowsky und der
- ungarische Eisenlaci zerhauen und mit gekochten Heilkräutern
- begossen; nach sieben Monaten gewannen ihre Leichname wieder Kinder-
- oder Jünglingsgestalt. Auch der Arzt und Wunderdoktor Theophrast
- befahl vor seinem nahen Tode dem Diener, daß er seine Leiche in
- kleine Stücke zerschnitten in eine eherne Truhe lege und mit einem
- gewissen Pulver bestreuen solle. Nach 9 Monaten solle er die Truhe
- wieder öffnen. Der Diener öffnete sie aber bereits nach 7 Monaten
- und fand ein noch nicht völlig entwickeltes Kind, das sich krümmte
- und vom Zutritte der kalten Luft starb. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S.
- 672.)
-
-
-277. ~Dr.~ Faust's Höllenzwang.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 128.)
-
-~Dr.~ Faust's Höllenzwang nennt die Sage ein Buch, in welchem die Kunst
-gelehrt wird, Geister zu citieren, ja selbst den Teufel sich dienstbar
-zu machen. Dieses Buch haben schon viele Freunde der schwarzen Kunst
-vergeblich gesucht, indem sie den Dornstrauch nicht wissen, unter dem
-es hinter dem Chemnitzer Schlosse, am Wege nach dem Küchwald, vergraben
-sein soll.
-
-
-278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.
-
-(Köhler, Volksbrauch etc., S. 552, Mitteilungen des Nordböhm.
-Excursions-Clubs, 7. Jahrg., S. 132.)
-
-In dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Lauterholz bei Lauterhof
-und Stangengrün soll man keine Sperlinge finden. Man hat sie schon in
-Nestern dorthin verpflanzen wollen, aber sie sind nicht geblieben.
-Dasselbe erzählt man von Karlsfeld, wohin man Sperlinge aus Eibenstock
-brachte, ohne daß sie geblieben sind. Es wird erzählt, daß diese Vögel
-von Zigeunern weggebracht worden seien.
-
-Als in früheren Zeiten zur Thomasmühle bei Falkenau noch ausgedehnte
-Felder gehörten, wurden dieselben sehr von Sperlingen besucht, welche
-an den Saaten bedeutenden Schaden anrichteten. Da kam eines Tages
-eine alte Zigeunerin, welche den Müller um ein Almosen anflehte. Der
-Müller bot ihr eine gute Belohnung an, wenn sie die lästigen Gäste
-vertreiben könnte. Da sprach sie über die Sperlinge einen Spruch und
-von jener Zeit an waren auf den Feldern der Thomasmühle und auch
-in dem benachbarten Hillemühl keine Sperlinge mehr zu sehen. Erst,
-nachdem 1867 die Bahn gebaut wurde, haben sich etliche in Hillemühl
-angesiedelt. Die Thomasmühle aber fliehen sie noch heute.
-
-In Fürstenwalde bat ein Soldat in einem Hause um etwas zu essen. Der
-geizige Hauswirt aber erwiderte: »Da geben wir's lieber den Spatzen,
-als euch.« Der erzürnte Soldat antwortete: »Ihr werdet den Spatzen
-nicht mehr viel geben.« Er hat darauf die Sperlinge verwünscht und seit
-dieser Zeit sind sie in Fürstenwalde nicht mehr zu finden.
-
- Daß die Sperlinge von Zigeunern, welche von den Bewohnern freundlich
- aufgenommen wurden, verbannt worden sind, erzählt die Sage auch von
- dem Dorfe Sora bei Bautzen. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 246.) In
- Böhmen giebt es noch verschiedene Orte, an denen sich keine Sperlinge
- aufhalten, weil sie daselbst verbannt wurden. Nach einem dortigen
- Volksglauben kann man sie von den Feldern verscheuchen, wenn man
- einen Span von dem Holze, woraus ein Tischler einen Sarg angefertigt
- hat, in's Getreide steckt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche in
- Böhmen und Mähren, S. 73.) Aus dem Erzgebirge ist mir noch Neudörfel
- bei Schneeberg bekannt, von dem ebenfalls erzählt wird, daß daselbst
- keine Sperlinge nisten; die Sage meldet jedoch nichts davon, daß hier
- die Sperlinge durch Zigeuner weggebannt worden seien. Alle Orte ohne
- Sperlinge liegen oder lagen fast ganz von Wald umschlossen, so daß
- in ihrer Nähe Raubvögel einen sichern Schutz finden; ebenso tritt in
- der Nähe kleiner Walddörfer der Ackerbau zurück und es fehlen demnach
- daselbst Körnerfrüchte und Insekten, denen unsere Vögel nachgehen;
- ist es doch nachgewiesen, daß die Sperlinge überall dem Ackerbau
- gefolgt sind.
-
- Von Interesse erscheint es, aus den mitgeteilten Sagen zu erfahren,
- daß das Volk das Fehlen der Sperlinge für eine Wohlthat ansieht; nur
- in der letzten Sage wird dasselbe als eine Strafe dargestellt. Sollte
- damit auch zugleich ausgesprochen werden, daß in Fürstenwalde der
- Ackerbau zurückgegangen sei?
-
-
-279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 619.)
-
-Südwestlich von Zwickau liegt das Dorf Planitz, welches der Familie von
-Arnim gehört. Ein früherer Herr von Arnim konnte das Feuer segnen. Wenn
-irgendwo viele Meilen in der Runde eine Feuersbrunst war, holte man
-ihn oder er eilte selbst hin, ritt um das brennende Haus herum, sprach
-seinen Segen und augenblicklich verlöschte die Brunst.
-
-
-280. Wie das Feuer gebannt wird.
-
-(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)
-
-Vor hundert Jahren lebte in der Umgegend von Nossen ein
-Rittergutsbesitzer, der konnte das Feuer bannen. War irgendwo ein
-Brand ausgebrochen, so kam er eilends angeritten, jagte dreimal unter
-geheimnisvollem Murmeln um das Feuer herum, dann schnell wieder fort
-und über ein fließendes Wasser, worauf das Feuer erlosch. Wäre er nicht
-über ein Wasser geritten, so würde das Feuer ihn verbrannt haben.
-
-Zur Zeit, als die Leute ihr Brot noch selbst einteigten, pflegte man
-in der Nossener Gegend bei ausgebrochenem Feuer den Backtrog vor's
-Haus zu tragen und nach dem Feuer gerichtet an das Haus anzulehnen.
-Dann wendete sich der Wind vom Hause ab. Auch schaffte man beim Retten
-niemals zuerst die Betten aus dem Hause, sondern irgend etwas anderes,
-da sonst die Kräfte gelähmt wurden.
-
-
-
-
-VI.
-
-Sagen von Schätzen.
-
-
-Ein Volksglaube, welchen Veckenstedt in den »Wendischen Sagen, Märchen
-und abergläubischen Gebräuchen« (Graz, 1880) an die Spitze seiner
-Schatzsagen stellt, erzählt uns, daß da, wo des Nachts um 12 Uhr
-kleine Flämmchen auf der Erde herumflackern, Geld brenne; man müsse
-dann ein Geldstück oder ein Messer hineinwerfen, um den Schatz zu
-erlangen; derselbe werde jedoch von wilden Hunden oder anderen Tieren
-bewacht. In dieser kurzen Sage ist der wesentlichste Inhalt aller Sagen
-niedergelegt, welche uns erzählen, wo sich jene mythischen Schätze
-finden, die Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage etc., S. 48) als
-niedergegangene Sterne des Himmels oder als Morgen- und Abendröte
-deutet, und die wieder von anderen, z. B. von Nork in seinen »Sitten
-und Gebräuchen der Deutschen« zu den Münzen in Beziehung gebracht
-werden, welche von den heidnischen Germanen und Slaven ihren Toten
-mit ins Grab gegeben wurden. Es wird uns aber auch in jener kurzen
-lausitzischen Sage mitgeteilt, wie diese Schätze zu heben sind und
-welche Mächte dieselben gegen das Eindringen der Sterblichen bewachen.
-Derselbe Sagenstoff wiederholt sich in mannigfachen Abänderungen an
-zahlreichen Örtlichkeiten. Auch im Erzgebirge zeigen blaue Flämmchen
-oder Lichter Schätze an, bei deren Heben kein Wort gesprochen werden
-darf. Nach Jacob Grimm (Deutsche Myth., S. 544) wird auch ein auf
-bloßem Leibe getragenes Kleidungsstück (nach einer unserer Sagen kann
-dies z. B. ein Halstuch sein) auf den Schatz geworfen, um alle Gefahr
-von sich abzuwehren.
-
-Zahlreich sind ferner im Erzgebirge wie anderwärts die Sagen, nach
-denen unermeßliche Schätze in weiten Gewölben in Braupfannen oder
-Laden liegen. Die Pforten zu diesen Höhlen öffnen sich nur an
-bestimmten Tagen zu gewissen Stunden, und wenn die Glücklichen in
-die Schatzkammern eintreten, so finden sie die Schätze entweder von
-Hunden oder grauen Männchen, Kobolden oder Schattenmännchen bewacht.
-Bei den Schätzen ist gewöhnlich eine weiße Jungfrau, teilweise mit
-einem Schlüsselbunde. Nicht selten sind es auch Wunderblumen, welche
-die Pforten zu den Geldgewölben öffnen, und die von denen, welchen
-es beschieden war einzutreten, vergessen werden. (S. Wundersagen.)
-Frauen, welche mit einem Kinde eintreten, lassen in der Hast, womit
-sie die Schätze zusammenraffen, ihr Kind zurück; sie finden dasselbe
-im nächsten Jahre an gleichem Tage wohlbehalten mit einem Apfel in den
-Händen in der Schatzkammer wieder.
-
-In diesen Überlieferungen erkennen wir den Mythus, in welchem der
-Kreislauf des Jahres erscheint. Das Kind mit dem Apfel in der Hand
-bedeutet die Fruchtbarkeit des Jahres; die Erdgöttin (Freija) hat
-das Kind zu sich genommen und läßt es erst nach Ablauf eines Jahres
-wiederfinden. (S. Ludwig Zapf in der Leipziger Illustr. Zeitung, No.
-1890.)
-
-Unsere Sagen erzählen uns auch, wie sich die Schätze als Halme an
-den Bäumen sommern und dann wieder, wenn sie fortgetragen wurden,
-in goldene Ketten verwandelten; sie melden uns von Ziegelsteinen,
-Leinwandfleckchen, Kohlen, Hobel- und Sägespänen, Baumrinde und
-Kartoffeln, die zu Gold wurden.
-
-Wenn auch manche Überlieferungen, wie der Gebrauch der dem Donar
-geweihten Hasel als Wünschelrute und die rote, blaue und zuweilen gelbe
-oder weiße Farbe der Wunderblumen, welche dem Blitze als gleichfarbig
-erscheinen, in Beziehung zur Gewittergottheit gebracht werden können,
-deren Blitz dem Golde gleich aus der finstern Wolke, dem himmlischen
-Berge, hervorleuchtet, so meine ich doch, daß auch viele Schatzsagen
-auf den heidnischen Gebrauch, den Toten Geld mit ins Grab zu geben,
-zurückzuführen und daß zahlreiche Plätze, besonders Berge und Orte, an
-denen einst Schlösser und Burgen standen, und an denen die Sage des
-Volkes Schätze verheißt, zugleich ehemalige Begräbnisplätze sind. In
-heidnischen Begräbnisfeldern wurden neben Münzen und Schmucksachen auch
-Kohlen vom Leichenbrand gefunden, und so mochte sich der Glaube bilden,
-daß überall da, wo in der Erde an den von Geschlecht zu Geschlecht in
-nebelhafter Erinnerung als ehemals geheiligt gehaltenen Orten Kohlen
-angetroffen wurden, auch Schätze vergraben lägen; ja die Kohlen selbst
-wurden später als durch Zauber umgewandelte Schätze betrachtet. (Nork
-a. a. O., S. 709.)
-
-Die Toten aber finden nach einem Volksglauben im Grabe keine Ruhe,
-so lange sie das mitgenommene Geld nicht wieder an einen Sterblichen
-abgegeben haben. Ich verweise dabei auf die Sage vom Jünglinge zu
-Weißbach, welcher im Grab0e keine Ruhe fand, bis man den mitgenommenen
-Pfennig wiedergeholt hatte. Was hier der Volksmund vom geringen Pfennig
-erzählt, das wiederholt er in ähnlichen Überlieferungen vom Gold und
-reichen Geschmeide. Überall kehrt in den Schatzsagen die Erscheinung
-von Wesen wieder, welche keine Ruhe finden, bis das Gold und Silber
-gehoben ist; außerdem aber zeigen sie dem Sterblichen meist auch die
-Mittel, deren sich derselbe bedienen muß, um in das Innere der Erde zu
-gelangen, wo die unermeßlichen Reichtümer liegen und gleichzeitig der
-Hüter seiner endlichen Erlösung aus dem Zauberbanne harrt.
-
-
-281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.
-
-(Mündlich.)
-
-An der Plänerleite zwischen Blauenthal und Zimmersacher liegt
-ein zerklüfteter Granitfelsen, welchen man wegen seiner Form die
-Steinwand nennt. Weiter oben nach dem Zimmersacher zu aber quillt
-der »Goldbrunnen«, aus welchem man einst Gold gewaschen hat. In der
-Steinwand jedoch öffnete sich einst an einem Karfreitage, als in
-Eibenstock die »lateinische Litanei« gesungen wurde, eine Höhle, und
-wenn jemand durch das Thor derselben hineingegangen wäre, hätte er
-daselbst große Schätze gefunden.
-
-
-282. Der Schatzkeller am Bärenstein.
-
-(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.
-Annaberg, 1746, S. 8.)
-
-Es ist die alte Richterin zu Königswalde nebst noch zweien ihrer
-Nachbarn am Bärenstein im Mai Gras und Kräuter zu holen gegangen, und
-als sie an den Berg gekommen sind, so hat sichs am Berge aufgethan
-wie ein großes Scheunenthor, daß sie hinein gesehen hat, wie in eitel
-Silber und Gold, und als sie die andern zwei gerufen, daß sie es auch
-sehen sollten, so ist es wieder verschwunden.
-
-
-283. Der Schatzkeller im Scheibenberge.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 187.)
-
-Im Jahre 1605 bekam ~M.~ Laurentius Schwabe, Pfarrer in Scheibenberg,
-etliche Gäste von Annaberg. Seine Ehefrau führte einige ältere
-Freundinnen über und um den Scheibenberg, ihnen dessen Gegend zu
-zeigen. Dabei trafen sie aber ein Loch, in welches drei Stufen führten
-und darin lag ein glänzender Klumpen, wie glühendes Gold. Darüber
-erschraken sie und gingen eilends nach der Stadt. Als sie jedoch den
-Pfarrer nebst den übrigen Gästen nach dem Orte führen wollten, konnten
-sie das Loch nicht wieder finden.
-
-Im Jahre 1648 starb Hans Haß, ein alter ehrlicher Bürger zu
-Scheibenberg, welcher auf dem Siechbette von seiner Armut am Anfange
-seines Ehestandes folgendes erzählte: Als Wolf Köhler seine Tochter
-Elisabeth weggab, wären wir junge Eheleute gerne mit zu Ehren gezogen,
-aber wir hatten kein Geschenke. Wir gingen am Berge grasen und wurden
-eines Lochs gewahr, das mit einer eichenen Thür verschlossen, und
-gingen etliche Stufen hinein. Da wir Wunders halber hinein sehen, liegt
-ein Fuchs auf einer Stufen. Wir erschraken darüber, gleichwohl weil
-sich der Fuchs nicht rührete, gaben wir ihm einen Stoß und befunden,
-daß er tot war. Ich verkaufte den abgestreiften Balg, wir gingen auf
-die Hochzeit und waren lustig. Aber nach selbiger Zeit habe ich das
-Loch nicht wieder finden können, wie fleißig ich auch gesucht habe.
-
-
-284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183. Gießler, Sächs.
-Volkssagen, Stolpen (o. J.) S. 104.)
-
-Unter einem großen Felsen des Greifensteins, wo der Vermutung nach
-ein altes Schloß gestanden hat, ist ein offenes Loch zu sehen, in das
-ein Mann bequem kriechen kann. Von diesem Loch aber wird erzählt,
-daß einst eine Magd aus dem Vorwerke Hayde, die, wenn sie daselbst
-grasete, öfters mit Namen gerufen wurde, im Beisein einer andern Magd
-auf abermaliges Rufen hineingegangen wäre, mit dem Verlaß, wenn sie
-schreien würde, daß ihr die andere zu Hülfe kommen sollte. Es hätte
-aber die hineingehende Magd einen großen Kasten mit Gold und Geld und
-einen schwarzen Hund dabei liegend angetroffen, und auf Befehl einer
-Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber inzwischen der Eingang
-ganz enge geworden sei, daß sie auf die andere Magd um Hülfe geschrien,
-wäre der Hund auf sie losgesprungen und hätte alles Eingefaßete wieder
-aus dem Grastuche gescharret, darauf sie voller Schrecken von der
-andern herausgezogen worden, und des dritten Tages darauf wäre sie
-gestorben.
-
-Besser (indem er wenigstens nicht mit dem Leben büßen mußte) erging es
-einst einem alten Manne aus Geyer, einem gewissen Christoph Hackebeil,
-der von seinem Heimatsorte nach der am Fuße des Greifensteins liegenden
-Gifthütte ging, durch sonderbaren Zufall auf den Greifenstein
-geriet, dort in dem obengedachten Loche entschlief und die ganze
-Nacht und den halben folgenden Tag daselbst zubringen mußte. Es ließ
-ihn schlechterdings nicht fort, und für die Angst und Versäumnis
-seiner Zeit hat derselbe nicht einmal einen klingenden Lohn von den
-Berggeistern erhalten.
-
- Der Hund, welcher den Schatz bewacht, ist der Hund der Unterwelt,
- welcher bei der Göttin Hel wacht. Ursprünglich ist derselbe das
- Tier Odhins, einer von den Wölfen der Walstatt. Odhin aber ist als
- Verleiher jedes Gutes auch zugleich der Herr der Schätze.
-
-
-285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.
-
-(I. Mündlich. II. Moritz Spieß, Aberglaube, Sitten und Gebräuche des
-sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 40.)
-
-I. Eines Tages gingen zwei Mädchen durch den Wald, in welchem der
-Greifenstein liegt; sie hatten Streu gesammelt und trugen dieselbe
-in ihren Tragkörben nach Hause. Als sie nun auf einem schmalen Wege
-die Höhe abwärts stiegen, sahen sie an den Zweigen der Fichten zu
-beiden Seiten Strohhalme hängen. Darüber wunderten sie sich, denn sie
-meinten, daß hier doch kein Weg für Wagen sei; es sah nämlich aus,
-als ob von einem mit Stroh beladenen Wagen durch die zum Teil über
-den Weg hängenden Zweige einzelne Halme losgerissen worden seien,
-wie man solches ja häufig an den mit Bäumen besetzten Landstraßen
-sieht. Wie die Mädchen aber nach Hause gekommen waren und ihre Streu
-ausschütteten, fanden sie darunter eitel goldene Ketten. Der Schatz des
-Greifensteins hatte sich in der Gestalt von Strohhalmen an diesem Tage
-gesommert und so waren einzelne Halme in die Körbe gefallen, wo sie
-sich in die goldenen Ketten verwandelt hatten.
-
-II. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte Förster Töpel
-eines Tages bei dem Greifensteine vorbei ritt, hingen so viel Gras-
-und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum hindurchreiten
-konnte. Dabei blieben einige Halme auf seinem Hute liegen. Als er
-daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine goldene Kette. Es
-soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein.
-
- Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage, S. 49 und 52) deutet die
- Schätze der Sage als Sinnbilder der Sterne; sie bewegen sich und
- versinken wie letztere. Daß Schätze an gewissen Tagen aufsteigen,
- um sich zu sonnen, erzählen noch mehrere Volkssagen. Als einst
- Steinbrecher auf dem Schlatter Rehberge bei Bingen von ferne einen
- schimmernden Haufen liegen sahen, sagten sie: »Heute ist der erste
- März, da sonnen sich die Schätze.« Thönerne Scherben, welche dann
- einer von ihnen an jener Stelle fand, verwandelten sich zu Hause in
- zerbrochene Silbermünzen. Nach einer andern Sage steigen Schätze
- an Märzfreitagen aus dem Boden, um sich zu sonnen; dabei wird ihre
- Ankunft vielfach durch eine blaue Flamme verkündet. Die Schätze
- werden auch von Geistern unter der Erde fortgerückt. (Nork a. a. O.,
- S. 709.)
-
-
-286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130 und 132.)
-
-Auf dem Hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen ist
-eine Schatzkammer, deren Eingang sich in der Nähe des sogenannten
-Franzosensteins, eines prismatisch zubehauenen Granitblocks mit der
-Jahreszahl 1808, befindet. Die Pforten zu der Schatzkammer sollen sich
-alljährlich am Karfreitage, während in der Kirche die Passion gesungen
-wird, öffnen.
-
-Ein armes Weib aus dem naheliegenden Orte Stein nahm ihr einjähriges
-Kind, welches sie niemandem der Obhut anvertrauen konnte, und begab
-sich an einem Karfreitage mit demselben in den Wald am Hohen Stein,
-um »Holz zu klauben.« Schon hatte sie davon eine ziemliche Menge
-beisammen, als sie plötzlich in einem Felsen eine weite Öffnung
-bemerkte, welche von ihr früher niemals gesehen worden war. Verwundert
-darüber nahm sie ihr Kind, welches unterdessen auf weichem Moose
-gesessen, auf den Arm und faßte den Entschluß, das seltsame Thor
-näher zu betrachten. Hinzugetreten und in die gähnende Höhlung
-hineinblickend, sah sie zu ihrem Erstaunen in derselben Haufen
-rotwangige Äpfel, eine große Menge gleißendes Geld und funkelnde
-Edelsteine, ferner auf einem Tische ein Bund altertümlicher Schlüssel.
-Nachdem das Weib schnell seinen Korb herbeigeholt und das Kind zu den
-Äpfeln gesetzt hatte, mit dem Bedeuten, es möge davon essen, fing sie
-an, von den reichen Schätzen in ihren Korb zu raffen, bis dieser nichts
-mehr tragen konnte. Im Begriffe hinauszugehen, um ihre schwere Last
-draußen abzusetzen und hierauf ihr Kind zu holen, hörte sie eine Stimme
-rufen: »Vergiß das Beste nicht!« Doch sie konnte den Sinn dieser Worte
-nicht deuten und begab sich ins Freie. Kaum war dieses geschehen, so
-schloß sich hinter ihr der Felsen geräuschlos und so sehr auch das
-Weib jammerte und weinte, um ihr verlornes Kind bat und flehte, der
-Eingang war und blieb verschwunden. Todmüde und tiefbetrübt wankte sie
-endlich ihrer armseligen Hütte zu, laut und heftig ihre Habsucht und
-Geldgier verwünschend. Es verging ein Jahr und die hartgeprüfte Mutter
-lenkte, das nicht angetastete Geld im Korbe tragend, am Karfreitage zu
-derselben Stunde wie vor zwölf Monaten ihre Schritte dem hohen Steine
-zu. Und siehe da! der Eingang zur Schatzkammer stand offen, und als
-sie klopfenden Herzens und froher Hoffnung näher getreten war, sah
-sie zu ihrer unaussprechlichen Freude ihr totgeglaubtes Kind frisch
-und gesund, sowie kräftig herangewachsen auf derselben Stelle, auf
-welche sie es im Vorjahre gesetzt hatte. Schnell schüttete sie das
-Geld wieder an seinen Ort, nahm das Kind und machte sich eilig davon,
-obwohl sie neuerdings rufen hörte: »Vergiß das Beste nicht!« Auf dem
-Heimwege fragte sie ihr Kind, wer es gepflegt habe. »Eine weiße,
-freundliche Frau,« antwortete dieses, »gab mir zu essen und zu trinken,
-kleidete und bewachte mich.« -- Hätte das Weib den Schlüsselbund
-mitgenommen, so würde sich ihr der Felsen jederzeit geöffnet und seine
-Schätze dargeboten haben. Das war das Beste, welches die Stimme meinte.
-
-Die genannte weiße Frau ließ sich früher, meist zur Mittagszeit, häufig
-in der Nähe des Hohen Steines sehen, den Bund mit altertümlichen
-Schlüsseln in der Rechten tragend. Sie that niemandem ein Leid, im
-Gegenteil, manchen würde sie reich gemacht haben, wenn er nicht
-unwissend und leichtsinnig die dargebotenen Geschenke von sich gewiesen
-hätte.
-
-Ein Waltersgrüner Knecht machte sich in später Nachtstunde auf den
-Weg, um einer dringenden Angelegenheit halber nach Stein zu gelangen.
-Bei der untern Mühle verließ er den Fahrweg und schlug einen schmalen
-Fußpfad ein, der am Abhange des Hohen Steines dahinführt, und auf dem
-er, wie er glaubte, in kürzerer Zeit an den Ort seiner Bestimmung
-gelangen konnte. Allein die große Dunkelheit der Nacht und das arge
-Wetter waren Ursache, daß er vom rechten Steige abkam und lange Zeit
-in der Irre herumging. Endlich sah er zu seiner Freude ein Licht
-schimmern, und er verdoppelte seine Schritte in der Meinung, zu
-einem gastlichen Hause gelangen zu können. Wie groß war aber sein
-Erstaunen, als er statt der Flur eines solchen einen breiten Gang
-betrat, an dessen Ende von der Decke eine strahlende Lampe herabhing,
-die ungeheuere Schätze von Gold und Edelsteinen aller Art beleuchtete.
-Nachdem der Knecht eine starke Anwandlung von Furcht bekämpft hatte,
-da er außer den köstlichen Reichtümern noch eine weiße Frau bemerkte,
-welche jene zu hüten schien, trat er näher und betrachtete mit
-lebhaftem Verlangen das gleißende Gold und die funkelnden Juwelen.
-Die weiße Frau schien seine Gedanken zu erraten, denn sie erhob ihren
-rechten schneeigen Arm, deutete mit dem Zeigefinger auf die Schätze
-und sprach: »Nimm davon, soviel dein Herz begehrt; aber vergiß das
-Beste nicht!« Das letztere glaubte er unter den Edelsteinen zu finden
-und raffte mit gierigen Händen in seine Taschen, so viel diese fassen
-konnten. Noch zweimal trafen jene Worte sein Ohr; allein er achtete
-nicht darauf und verließ frohen Sinnes über den gewonnenen Reichtum den
-hohen und breiten Gang. Kaum war er im Freien, als sich der Eingang
-zu demselben donnernd schloß und eine dumpfe Stimme sprach: »Thor,
-das Beste war der Schlüssel, den Du unbeachtet liegen ließest, und
-der Dir jederzeit den Eingang zu meinen Schätzen geöffnet hätte.«
-Von der Steiner Pfarrkirche aber trug die Luft die zwölf Schläge der
-Mitternachtsstunde an sein Ohr, und da sich die dunkeln Wolken zerteilt
-hatten und die Sterne herniederlugten auf die stille Erde, bemerkte der
-erstaunte Knecht, daß er sich am Hohen Steine befand.
-
-Manche alte Leute nennen die weiße Jungfrau mit dem Schlüsselbunde das
-»Schwedenweibl« und erzählen, daß dieses die verwünschte Tochter eines
-gefürchteten schwedischen Feldherrn sei, welcher lange Zeit auf dem
-hohen Steine hauste und von hier aus die ganze umliegende Gegend arg
-heimsuchte.
-
-Die Schweden stehen überhaupt bei den Bewohnern der um den Hohen
-Stein liegenden Dörfer im schlimmen Andenken. Wenn der Vater in den
-Feierstunden sein Büblein auf den Knieen schaukelt, spricht er dabei:
-
- »Reiter, sa, sa!
- Der Schwed' ist gekommen,
- Hat alles mitg'nommen,
- Hat d' Fenster 'neing'schlag'n,
- Hat 's Blei davon trag'n,
- Hat Kugeln d'raus 'gossen,
- Hat 's Bubel erschossen.«
-
-
-287. Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine.
-
-(H. Arnold im Chemnitzer Tageblatte 1882, No. 11, 2. Beilage.)
-
-Gar nicht weit vom Hohen Steine, unweit des Dorfes Landwüst, steht eine
-Säule, welche die Stundensäule genannt wird. Unter dieser befindet
-sich, wie alte Leute erzählen, ein riesiger großer, eiserner Kasten,
-welcher mit Goldstücken angefüllt ist, die aber von einem Geiste
-bewacht werden. Derselbe sitzt auf der Truhe und wird nur dann weichen,
-wenn das rechte Zauberwort gesprochen wird. Wenn man den Schatz heben
-will, so muß man dieses Zauberwort kennen, darf aber weder auf dem Wege
-bis zur Säule, noch während des Grabens und auf dem Rückwege ein Wort
-außer dem Zauberworte sprechen. Ebenso darf man sich nicht umsehen,
-denn wer dies thut, dem wird das Genick gebrochen.
-
-Mit dem Schatze aber hat es eine eigentümliche Bewandtnis.
-
-Vor alter Zeit, als noch die Heerstraße von Adorf über Remtengrün,
-Schönlinde und Landwüst nach Eger hinführte, kam einmal in der Nacht
-ein Reiter in das Dorf Landwüst gesprengt und begehrte einen Bauer
-als Führer. Sein Mantel pauschte ganz gewaltig, denn er hatte einen
-großen Sack mit lauter blanken Goldstücken, welche er durch Raub und
-Plünderung während des damals herrschenden Schwedenkriegs an sich
-gebracht hatte, darunter verborgen.
-
-Es fand sich ein Bauer, der ihm den Weg zeigen wollte, und beide
-verließen das Dorf bei dichter Finsternis. Als sie an den Ort gekommen
-waren, wo die Säule stand, verbarg der Reiter sein Gold in einem Kasten
-und befahl dem Bauer, denselben in die Erde zu vergraben. Er sagte
-aber, daß Pulver und Blei darin verschlossen wären. Der Mann grub aus
-Leibeskräften, versenkte die Truhe und deckte sie wieder sorgfältig
-mit Schutt zu. Für seine Mühe erhielt er zehn Dukaten. Kaum war aber
-der Bauer einige Schritte von der Säule entfernt, so kam der Reiter
-ihm nach und erstach ihn, damit das Geheimnis mit dem Kasten niemandem
-bekannt würde. Der Offizier -- denn ein solcher war der Reitersmann,
--- wurde im nahen Walde von seinen Kameraden, mit welchen er das Geld
-teilen sollte, erwartet. Weil er aber mit leerem Beutel kam, hängten
-ihn diese an den ersten besten Baum und ritten davon.
-
-Am nächsten Tage fand eine Schar schwedischer Reiter, welche den Wald
-und andere zu Verstecken geeignete Plätze nach Spionen und Vagabunden
-durchsuchte, nicht allein den gehenkten Schwedenoffizier, sondern auch
-den ermordeten Bauer. Weil dieser aber zehn Dukaten in der Tasche
-hatte, die er vordem nicht besessen haben konnte, so sagten die
-Leute, er sei ein Schatzgräber gewesen, habe auch einen Griff in den
-Goldbehälter gethan, sei aber, da er jedenfalls während der Arbeit
-gesprochen oder sich umgesehen habe, von einem Geiste getötet worden.
-
-
-288. Der Schatz im Heinrichstein bei Platten.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 93. etc.)
-
-Von Platten aus führt die Straße nach dem Orte Breitenbach. In mehreren
-Windungen zieht sie sich durch ein schönes, anmutendes Thal, das ein
-klares Gebirgswässerlein, der Breitenbach, durcheilt, in dessen Wellen
-die lustige Forelle ihr Wesen treibt, während in den kräftigen Fichten-
-und Tannenwaldungen, womit die Thalwände bewachsen sind, zur Zeit
-des Lenzes die Vögel ihre fröhlichen Weisen erschallen lassen. Beim
-oberen Farbwerk gewahrt man zur Rechten einen 915 Meter hohen Felsen,
-den Heinrichfelsen, welcher eine prachtvolle Fernsicht gewährt. Seine
-Spitze trägt ein aus rohem Holz zusammengefügtes Kreuz, das wie eine
-schützende Wacht herabblickt in das stille, freundliche Thal. In der
-Umgebung des Heinrichsteines wachsen viele große und schmackhafte
-Heidelbeeren, was auch in früherer, längst vergangener Zeit der Fall
-gewesen ist.
-
-Einst kamen an einem herrlichen Sommertage in die Nähe dieses Felsens
-zwei junge Mädchen aus Platten, um dort Beeren zu klauben. Unter
-heiteren Gesprächen wurden sie des Pflückens gar nicht müde, bis sie
-ihre Körbchen gehäuft voll hatten. Nun machten sie sich beide auf den
-Heimweg und verwunderten sich sehr, als sie am Fuße des Berges eine
-offene Thür erblickten, welche in einen weiten Gang führte. Die Mädchen
-gingen beherzt hinein und fanden daselbst eine eiserne Truhe, an der
-ein großer, altertümlicher Schlüssel steckte. Voll Hast öffneten sie
-mittelst desselben die Lade und sahen, daß diese mit Gold und Silber
-gefüllt war. Schier geblendet von den gleißenden Schätzen, schauten
-die Mädchen mit verblüfftem Antlitze eins das andere an und wußten gar
-nicht, was sie mit dem edlen Metalle anfangen sollten. Einfältig, wie
-sie waren, verschlossen sie, ohne etwas von den Schätzen anzurühren,
-die Truhe, nahmen den Schlüssel zu sich und liefen über Stock und
-Stein nach Hause, um ihren Eltern von dem reichen Funde Mitteilung zu
-machen. Außer sich vor Freude, eilten darauf die Väter der Mädchen
-zum Heinrichstein, aber der Eingang in den Felsen war nirgends mehr
-zu finden; auch die Mädchen suchten ihn vergebens, so sehr sie ihre
-Augen anstrengten. Noch lange soll der Schlüssel zur Schatztruhe auf
-dem Rathause in Platten aufbewahrt worden sein, doch ist er allda
-gegenwärtig nicht mehr vorhanden.
-
-Vor vielen, vielen Jahren ging am Karfreitag ein armes Weib, ihr
-Kindlein auf dem Arme tragend, in den Wald am Heinrichstein, um Reiser
-zu sammeln. Über ihre mißlichen Verhältnisse nachdenkend, weinte sie
-bitterlich und meinte, ein Teil der im Felsen verborgenen Schätze
-genügte, mit einem Schlage ihrer Armut ein Ende zu machen. Da bemerkte
-sie auf einem Felsblocke des Heinrichsteines allerlei bunte Blumen.
-Sie schritt mit ihrem Kinde darauf zu, um für dieses einige Blümlein
-zum Spielen zu pflücken. Während das Weib sich dieser Beschäftigung
-hingab, gelangte sie plötzlich zu einer in den Felsen führenden Pforte,
-die sie früher niemals gesehen hatte. Höchlich überrascht, nahm sie
-ihr Kind, das sie auf einem grünen Platze niedergesetzt hatte, auf
-den Arm und trat näher zu der offenen Thüre, deren Schwelle sie ohne
-Bedenken überschritt. In dem Felsengewölbe standen Säcke, die mit Gold-
-und Silbererzen bis oben angefüllt waren, und ein Tisch. Auf letzteren
-setzte das nun sich glücklich fühlende Weib das Kind und begann von den
-funkelnden Schätzen gierig in ihre Schürze zu raffen. Kaum hatte sie
-diese voll, da erschien ein Zwerg, der sie zum schleunigen Fortgehen
-aufforderte. Erschrocken lief sie dem Ausgange zu und vergaß in der
-Angst ihres Kindes, dessen sie sich erst im Freien erinnerte. Wohl
-kehrte das bestürzte Weib ungesäumt und rasch zur Öffnung zurück,
-allein unter Krachen hatte sich der Felsen geschlossen. Wie sehr auch
-die trostlose Mutter weinte und um den Verlust ihres Kindes jammerte,
-der Eingang war und blieb unsichtbar. Fast verzweifelnd und die in
-ihrer Schürze befindlichen Schätze verwünschend, mußte sie endlich
-nach Hause wanken. In ihrem unbeschreiblichen Schmerze wandte sie sich
-an den Geistlichen in Platten, der sie nicht nur tröstete, sondern
-ihr auch den Rat erteilte, im nächsten Jahre zu gleicher Stunde
-wieder zum Heinrichstein zu gehen. Lange, sehr lange dauerte diesmal
-der schwergeprüften, sorgenvollen Mutter das Jahr, bis endlich der
-heißersehnte Karfreitag erschien. Da ging sie, fest auf den Heiland
-vertrauend, der an diesem Tage für die Menschen den Kreuzestod litt,
-wieder zum Felsen. Und siehe da! Die Thür stand wie vor Jahresfrist
-offen. Mit unaussprechlicher Freude stürzte das Weib in das Gewölbe und
-erblickte auf dem Tische ihr mittlerweile herangewachsenes Kind frisch
-und gesund, einen schönen Apfel in den Händchen haltend. Seelenfroh
-nahm sie dasselbe, drückte es an ihr Herz und eilte, so schnell sie
-die Füße tragen konnten, aus dem Felsen. Die daselbst aufgespeicherten
-blendenden Schätze übten diesmal keine Zauberkraft auf die Mutter aus,
-der ihr gefundenes Kind mehr galt als alle Reichtümer der Erde.
-
-Ein andermal erblickte ein armer, tugendhafter Mann aus Platten,
-der einstmals in dem Walde beim Heinrichstein Holz sammelte, ganz
-unerwartet vor sich ein Licht, das sich am Boden fortbewegte. Er ging
-ihm nach und gewahrte eine große, offene Truhe aus Eisen, in welcher
-Gold- und Silbermünzen aller Art angehäuft waren. Da er mit den Händen
-die Lade nicht fortzuschaffen im stande war, zog er den Schlüssel ab,
-deckte, damit niemand anders den Schatz finde, denselben mit Reisig
-zu und eilte beflügelten Schrittes heim, um einen Schiebkarren zu
-holen. Als der Mann an Ort und Stelle zurückgekehrt war, fand er
-zwar das Reisig, aber zu seiner Bestürzung war die Geldtruhe spurlos
-verschwunden. Hätte er, statt die Lade mit Reisig zu bedecken, ein
-Halstuch auf den Schatz geworfen, so wäre dieser gebannt gewesen.
-
-Schon mancher, der den Schatz heben wollte, wurde von der wilden
-Jagd arg bestraft, welche um den Heinrichstein ihr Unwesen treibt.
-Der Vorwitzige verfiel in eine schwere Krankheit oder starb sogar
-an den Folgen des Schreckens. Die wilde Jagd sollen Reiter sein,
-welche in der Luft dahin brausen. Viele Holzleute wollen in der Nähe
-des Heinrichsteines Hundegebell, Hörnerblasen, lautet Halloh und
-Peitschenknallen vernommen haben, was von der wilden Jagd herrührt.
-
- Ähnlich wie vom Hohen- und Heinrichsteine erzählen uns Sagen aus
- anderen Gegenden Deutschlands von Frauen, welche beim Betreten des
- Schatzgewölbes ihr Kind niedersetzten und dasselbe nach einem Jahre
- im Innern des Berges mit einem Apfel in der Hand wiederfanden. Wie in
- unsern beiden Sagen geschah dies auch auf dem Löbauer Berge an einem
- Karfreitage (Haupt, Sagenbuch d. L. ~I. N.~ 249), auf dem Waldsteine
- im Fichtelgebirge jedoch am Johannestage (Zapf, Sagenkreis d. F. S.
- 16). Das übereinstimmende Anführen eines Apfels, welchen das Kind
- in der Hand hielt, ist gewiß nicht ohne Bedeutung. Vielleicht liegt
- darin eine Beziehung zu den verjüngenden Äpfeln, welche Idhuna,
- die Göttin der Jugend, besaß. Diese selbst wurde im Frühlinge aus
- der Gewalt der Frostriesen den Göttern zurückgebracht. Neben der
- »Quelle der Jugend«, die ihren Namen von der aus dem Tode erweckenden
- Eigenschaft ihres Wassers erhalten hatte, wuchsen Apfelbäume, von
- denen nach einem altfranzösischen Romane der Held Hüon von Bordeaux
- Wunder wirkende Früchte mitbrachte. (Nork, Sitten und Gebräuche d.
- Deutschen, S. 198.)
-
-
-289. Der Schatz des Seeberges.
-
-(Fr. Bernau, Comotovia. 1877, S. 76.)
-
-In der Nähe des erzgebirgischen Schlosses Eisenberg erhebt sich der
-sogenannte Seeberg, der seinen Namen von dem großen See führt, welcher
-einst seinen felsigen Fuß umspülte. An diesen Berg knüpft sich die
-Sage, daß er eine ganze Braupfanne voll Gold in seinem Innern berge.
-Aber es giebt nur ein Mittel, in denselben und zu dem Schatze zu
-gelangen, und dies ist folgendes: Wenn der Priester am Palmsonntage
-die Passionsgeschichte liest, öffnet sich eine geheime Thüre, durch
-welche man zu dem Golde gelangen kann, was jedoch bis Mittag 12 Uhr
-geschehen muß, da mit dem zwölften Glockenschlage die Thüre wieder bis
-auf Jahresfrist verschwindet.
-
-Im Jahre 1855, so erzählte ein Bauer aus jener Gegend, machte sich an
-dem besagten Tage ein Schneider mit noch zwei Gefährten auf den Weg
-nach dem Seeberge. Am Fuße desselben angelangt, eilte der Schneider
-voraus und bald hatte er seine schwerfälligeren Begleiter im Rücken.
-Er klomm von Felsen zu Felsen, durch Gesträuch und Gebüsch zum Gipfel
-hinan und gelangte bald auf einen grünen, baumfreien Platz, wo er seine
-Gefährten erwarten wollte. Allein er wurde fast starr vor Schrecken,
-als er in einer kolossalen Felsenwand plötzlich eine große geöffnete
-Thür erblickte, welche in einen langen, dunklen Gang führte. Als er
-seine Sinne wieder gesammelt hatte, konnte er deutlich Stöhnen, Bitten
-und Flehen um Befreiung aus dem Innern des Berges vernehmen; er
-besann sich nicht lange, merkte sich die umstehenden Bäume wohl und
-lief in aller Eile zurück, um seine Kameraden zu holen. Diese waren
-jedoch noch weit zurück, und als er sie endlich erreicht, hörte er
-auch schon den zwölften Glockenschlag und zugleich einen furchtbaren
-Donnerschlag vom Berge her, daß alle drei dem Herannahen ihres letzten
-Stündleins schaudernd entgegensahen. Da aber der Himmel sonst ganz
-heiter war, auch die Natur vollkommen ruhig sich zeigte, ließen sich
-die beiden andern endlich bewegen, mit dem Schneider an die bezeichnete
-Stelle zurückzukehren. Dort angekommen, fanden sie jedoch statt der
-erwarteten Thüre nur die hochragende starre Felsenwand, die sie von
-früher her wohl kannten; von einer zu den Schätzen führenden Öffnung
-war keine Spur zu sehen. Dieser tragische Anblick versetzte nun den
-armen Schneider in ein abermaliges Erstarren, indem er das schon sicher
-gewähnte Glück mit einem Schlage vernichtet sah.
-
-Ob seit jener Zeit wieder irgend ein schatzsüchtiges Menschenkind den
-Versuch gemacht hat, dem Seeberge seine Schätze abzugewinnen, hat man
-nicht erfahren.
-
-
-290. Die Teufelswand bei Blauenthal.
-
-(Erzgebirgischer Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 322 etc.)
-
-Die granitene Teufels- oder Steinwand liegt zwischen Eibenstock und
-Blauenthal am linken Ufer der Bockau, ohngefähr 1000 Schritte von
-dem Punkte, wo sich dieses Wasser in die Mulde ergießt. In dieser
-Teufelswand befindet sich eine Höhle, von welcher die Sage folgendes
-erzählt: Als die Menschen in allerhand Laster verfielen, verlor sich
-auch der allgemeine Wohlstand und drückende Armut folgte. Um aber das
-Elend zu vollenden, hatten sich zehn reiche Bösewichter vereinigt, alle
-gute und gangbare Münzen, deren es damals bei weitem nicht so viel gab,
-als heut zu Tage, an sich zu bringen, damit in fremde Länder zu ziehen,
-sie daselbst mit jüdischem Gewinne gegen schlechte umzutauschen, diese
-ins Land zurück zu schaffen und nach und nach unter die Leute zu
-bringen. Dies gelang ihnen auch und zwar noch besser, als sie gehofft
-hatten.
-
-Einst fuhren sie auch mit einem Wagen Geld den böhmischen Wald hinan
-und gedachten noch vor Einbruch der Nacht eine Herberge zu erreichen.
-Da zogen von Norden herauf finstere, schwere Gewitterwolken; der
-Sturm sauste durch die hohen Fichten und riß so manchen Stamm mit
-seinen Wurzeln aus dem Boden. Die Reisenden konnten unmöglich weiter
-kommen und suchten deshalb ein nahes Obdach. Bald kam einer von ihnen
-mit der Botschaft zurück, daß er unfern der Straße auf einer Anhöhe
-ein unbewohntes Schloß gefunden habe, in welchem sie wenigstens das
-Gewitter abwarten könnten. Sie ließen ihre Knechte bei dem Wagen und
-begaben sich an den bezeichneten Ort. Die Burg mochte schon lange von
-niemandem bewohnt gewesen sein, denn nur noch ein einziges Zimmer
-schützte unsere Reisenden vor dem herabstürzenden Regen. Sie setzten
-sich an eine halbvermorschte Tafel und nahmen die nötige Speise zu
-sich. Plötzlich tobte der Sturm noch schrecklicher, heftiger ergoß
-sich der Regen, dreifach durchkreuzten sich die Blitze und dreimal
-krachte der Donner. Im Nu stürzten die Mauern der Burg zusammen und ein
-gespaltener Felsen stieg aus ihren Trümmern empor.
-
-Unten am Wege aber lagen die von den Donnerschlägen betäubten Knechte
-unter dem Wagen, und sie erholten sich erst, als der Mond wieder die
-Wolken zerteilte. Mit Schrecken sahen sie nun, daß das Geld vom Wagen
-verschwunden war. Eben mochte die Mitternachtsstunde geschlagen haben,
-als eine lichte Gestalt sich dem Wagen näherte und durch langsames
-Winken den zitternden Knechten befahl, zu folgen. Sie thaten es und
-kamen an einen hohen Felsen. Von selbst sprang eine steinerne Thür auf,
-und sie traten in ein Gewölbe, wo ihre Herren an einer Tafel saßen und
-Geld zählten. Keiner sah sich um. Da sagte die Gestalt zu den Knechten
-folgende Worte: »Gehet hin und erzählt, was Ihr gesehen habt. So lange
-sind diese zehn Unholde verdammt, Geld zu zählen, bis einst ein Mann
-geboren werden wird, der zehn Armen ohne Eigennutz Wohlthaten erzeigt.
-Diesem sei es vergönnt, wenn er mit dem Kraute, welches Lunaria heißt,
-den Felsen berührt, dieses Gewölbe zu öffnen und alles vorhandene Geld
-mit sich zu nehmen.« Die Gestalt verschwand, und die Knechte lagen
-wieder unter ihrem Wagen.
-
-Zu Zeiten soll ein großes Getöse in der Teufelswand gehört werden,
-welches sich seit einigen Jahren sehr vermehrt haben soll.
-
-
-291. Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge.
-
-(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 16.)
-
-Der Purberg bei dem Dorfe Tschernowitz bei Komotau trug vor langer
-Zeit auf seinem altehrwürdigen Haupte ein prachtvolles Schloß, von
-welchem nur noch einige Trümmer übrig geblieben sind. Vor seiner
-Zerstörung schon waren aber die Schätze, welche es in seinem Innern
-barg, verschwunden; Geister haben sie hinweggeräumt und bewachen sie
-in den unterirdischen Räumen des Berges Tag und Nacht. Wenn man sich in
-der Nacht dem Berge nähert, so bemerkt man über gewissen Stellen blaue
-Flämmchen, die aber bald wieder verschwinden.
-
-Einstmals hüteten zwei Knaben Vieh auf dem Berge und, ohne sich um
-dasselbe viel zu kümmern, setzten sie sich nieder und spielten, nachdem
-sie sich vorher der Stiefeln entledigt hatten. Bald aber kamen sie
-miteinander in Streit. Der eine Knabe nahm jetzt den Stiefel von
-seinem Kameraden und warf ihn aus Bosheit in den Schloßbrunnen. Was
-war jetzt zu thun? Den Stiefel wollte und mußte der Beschädigte haben.
-Es blieb ihm nichts anderes übrig, als in den Brunnen zu steigen und
-den Stiefel zu holen. Gedacht, gethan. Er hatte aber noch nicht den
-Wasserspiegel erreicht, als er zu seiner Rechten einen Gang gewahrte,
-in dessen Wölbung ein alter, stämmiger, weißbärtiger Mann stand; der
-Knabe erschrak, faßte sich aber sogleich und klagte dem Greise seine
-Not. Dieser gab dem Knaben den Stiefel aus Mitleid zurück; der Knabe
-dankte, kletterte zurück und kam glücklich wieder oben an. Aber welches
-Entsetzen! der Stiefel war schwer wie Blei! Er sah hinein und bemerkte
-einen großen Goldklumpen. Sobald der andere Knabe dieses sah, erwachte
-in ihm der Neid und die Habgier, und um sich ebenfalls einen solchen
-Schatz zu holen, stieg er auch in den Brunnen hinab, kam aber nie mehr
-zum Vorschein.
-
-Ein armer Mann, dessen Weib schwer krank darnieder lag und der überdies
-noch drei unmündige Kinder zu versorgen hatte, beschäftigte sich, um
-nur das tägliche Brot zu verdienen, mit dem Sammeln von Hadern und
-Papierabfällen, um sie dann zu verkaufen. Einmal, am Karfreitage, ging
-er an sein armseliges Tagewerk, hatte aber zu seinem großen Leide
-nichts von seinen gesammelten Effekten verkauft. Betrübt darüber, mit
-Thränen in den Augen, kam er an dem Purberge vorüber und dachte darüber
-nach, wovon er mit seinem Weibe und seinen hungrigen Kindern heute
-und morgen leben werde. Wie er so in Gedanken weiter geht, sieht er
-plötzlich einen alten Mann, der ihn fragt, worüber er so betrübt sei.
-Der Hadersammler erzählte ihm ganz aufrichtig seinen Kummer und sprach
-ihn zuletzt um ein Almosen an. Der alte Mann aber antwortete: »Geld
-habe ich zwar keines, aber gehe nur nach Hause, dort wird Dir schon
-geholfen werden.« Der arme Mann glaubte seinen Worten, und zu Hause
-angelangt, schüttete er seinen Korb mit dem Papier und den Hadern aus
-und entdeckte zu seinem größten Erstaunen am Boden des Korbes einen
-großen Goldklumpen. Von nun an war er ein wohlhabender Mann.
-
-
-292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)
-
-Ein Weib, welches mit einer Gefährtin am Hohen Steine Holz sammelte,
-sah plötzlich, als sie sich aus ihrer gebückten Stellung aufrichtete,
-einen großen Haufen Gold vor sich, über dem ein zuckendes Flämmchen
-schwebte. Überrascht und erstaunt betrachtete sie mit gierigen Blicken
-das gleißende Metall und rief laut ihrer entfernten Gefährtin zu:
-»Komm' doch schnell hierher und hilf mir den großen Schatz in meinen
-Korb raffen, welcher hier liegt!« Kaum waren diese Worte ihrem Munde
-entflohen, als unter zischendem Geräusche der Schatz verschwand,
-und die Gerufene, welche eiligen Laufes herbeigekommen war, schalt
-jetzt ihre Genossin tüchtig aus, weil sie so unbedachtsam den Schatz
-beschrieen und ihn so zum Verschwinden gebracht habe.
-
-
-293. Der Schatz in der Loh bei Schönau.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer H. Schlegel aus Wildenfels.)
-
-In der sogenannten »Loh,« einem stellenweise sumpfigen, nach dem nahen
-Dorfe Schönau bei Wildenfels zu gelegenen Distrikte, soll in früher
-Zeit ein Raubschloß gestanden haben. Man sah an diesem Orte auch
-häufig des Nachts um die zwölfte Stunde ein kleines Licht, und als
-man daselbst nachgrub, fand man einen großen Schatz, welcher in einer
-kupfernen Pfanne lag.
-
-
-294. Der Schatz auf der Geyersburg.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 196.)
-
-Oberhalb des Ortes Hohenstein bei der Haltestelle
-Mariaschein-Calvarienberg der Dux-Bodenbacher Bahn erheben sich auf dem
-456 ~m~ hohen Bergsattel des Erzgebirgs die wildromantischen Ruinen der
-Geyersburg. In dem daselbst befindlichen unterirdischen Gange, welcher
-erst auf dem Teplitzer Schloßberge ausmünden soll, liegen ungeheuere
-Kostbarkeiten aufgespeichert, die man nur am Karfreitage innerhalb der
-Dauer der Frühmesse heben kann, vorausgesetzt, daß man dabei auch mit
-der erforderlichen Vorsicht zu Werke geht. Verstreicht dieser günstige
-Zeitpunkt, so schließt sich mit einem furchtbaren Schlage die Öffnung
-zu dem Raume, welcher, bewacht von neidischen Kobolden, die Schätze
-birgt, und der Suchende ist unrettbar verloren. So sollen vor einiger
-Zeit zwei Bergknappen es gewagt haben, in den Stollen einzudringen;
-dem einen war das Glück insofern günstig, als er, wenn auch ohne die
-gehofften Schätze, jedoch wenigstens mit heiler Haut davon kam, während
-der zweite infolge seiner Verspätung aus dem unheimlichen Raume nicht
-mehr zurückkehrte.
-
-
-295. Die Schätze bei der Prokopikirche in Graupen.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 192.)
-
-Die Sage weiß von großen Schätzen zu erzählen, welche neben und
-unter der Prokopikirche in Graupen verborgen liegen. Sie sollen in
-Kriegszeiten eingegraben worden sein. Vor Jahren pflügte auf dem nahen
-Felde ein Landmann; plötzlich sah er einen elegant gekleideten jungen
-Mann vor sich stehen, der bald ein Gespräch mit ihm anknüpfte und sich
-eingehend um seine Verhältnisse erkundigte. Der Mann klagte über die
-schweren Zeiten, über harte Arbeit und schmalen Verdienst. »Ei was,«
-rief der rätselhafte Fremde aus, »da ist Euch bald geholfen; geht
-nur auf den Friedhof der Prokopikirche, dort werdet Ihr knapp an der
-Friedhofmauer auf einem Grabhügel ein weißes Tuch erblicken. An dieser
-Stelle müßt Ihr so lange graben, bis Geld zum Vorschein kommt. Finden
-müßt Ihr es sicher; die Tiere dürft Ihr aber unter keiner Bedingung
-auf den Friedhof führen.« Darauf verschwand der Jüngling. Der Bauer
-zog noch einige Furchen, bis die Turmuhr die zwölfte Mittagsstunde
-ankündigte. Er wollte aber seine Ochsen nicht allein lassen und
-dachte bei sich: Der Jüngling ist ja nicht da und weiß nichts davon,
-wenn ich sie mitnehme, zudem postiere ich sie ja ohnehin nur am
-Eingange. Gesagt, gethan; er betrat den Friedhof und bald war auch das
-bezeichnete Grab gefunden. Nun gings rasch an die Arbeit und, o Wunder!
-mit einem Male blenden gleißende Goldstücke, die eine große, geöffnete
-Kiste füllen, seine Augen. Er will darnach greifen, da tritt ein
-nebelhaftes, graues Männchen dazwischen, schlägt mit Gewalt den Deckel
-wieder zu und deutet mit wilder Geberde dem Manne an, er möge sich mit
-seinem Gespanne gleich von hier entfernen und den heiligen Ort nicht
-fürder entweihen. Kaum war er mit den Tieren draußen, so schlossen sich
-auch die beiden Thorflügel mit solcher Wucht, daß ihm der Schlag durch
-Mark und Bein ging. Das schlaue Bäuerlein ließ sich indeß durch diesen
-fruchtlosen Versuch nicht abschrecken, ging später wieder auf den
-Friedhof und grub aus Leibeskräften an jener Stelle; aber die Kiste mit
-den Goldstücken hat er nicht wieder gesehen.
-
-
-296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.
-
-(Mitgeteilt von Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
-
-In der großen Mühle, welche früher zum Rabenauer Schlosse gehörte und
-durch einen unterirdischen Gang mit demselben verbunden gewesen sein
-soll, war von Raubrittern ein großer Schatz verbannt, der nur von
-einem ganz unbescholtenen Mädchen von zwanzig Jahren gehoben werden
-konnte. Dieser Schatz wurde von zwei kleinen Schattenmännchen bewacht,
-welche von vielen Leuten gesehen worden sind. Diese Männchen besuchten
-das Mühlengebiet öfter und sobald sie dasselbe betraten, blieben alle
-Werke stehen und waren nicht eher wieder in Gang zu bringen, bis die
-Schattenmännchen wieder fort waren. Sie nahmen ihren Rückweg jedesmal
-durch die zum Wasserbett führende Thür, gingen über letzteres weg und
-verschwanden bei dem daneben befindlichen Keller. Bis zu Anfang dieses
-Jahrhunderts wurden dieselben gesehen, und genau nach hundert Jahren
-sollen sie wieder erscheinen, wenn der Schatz inzwischen nicht gehoben
-wird.
-
-Ein Mädchen, welches sich vorgenommen hatte, den Schatz zu heben,
-wurde von ihren Angehörigen gewaltsam daran verhindert, die Mühle
-zu betreten, um sie vor Unheil zu bewahren; sie gebärdete sich wie
-wahnsinnig, so daß man sie anbinden und anschließen mußte; darauf
-verfiel sie in eine hitzige Krankheit und starb bald.
-
-Ende vorigen Jahrhunderts soll ein Besitzer der Mühle, dessen Name
-vormals auch genannt wurde, mit Hülfe eines Geistesbeschwörers den
-vergrabenen Schatz auch zum Teile gehoben haben; dafür wurde er aber
-von den Geistern so geplagt und verfolgt, daß er die Mühle verkaufte
-und sich bei Dresden von dem Schatze ein großes, schönes Grundstück
-erwarb.
-
-Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts ließen sich Geister in der Mühle
-sehen, welche den damaligen Besitzer überall so arg verfolgten und in
-Furcht setzten, daß er zuletzt in Wahnsinn verfiel.
-
-
-297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.
-
-(Mitgetheilt von Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)
-
-Vor 50 bis 60 Jahren standen von dem Rabenauer Schlosse noch mehrere
-Mauern und Gewölbe und auch ein Altan. Da erzählten alte Leute, frühere
-Raubritter hätten in dem Schlosse einen Schatz vergraben, welcher von
-einer großen, schwarzen Henne mit feurigen Augen versetzt oder verbannt
-sein sollte; diesen Schatz konnte nur derjenige finden, welcher eine
-gleiche Henne mit zur Stelle brachte. Die versetzte Henne ließ sich
-von Zeit zu Zeit sehen und scharrte und kratzte grade auf der Stelle
-des Schloßhofes, wo der verbannte Schatz lag, verschwand aber jedesmal,
-wenn sich ihr ein Mensch näherte. Schon in früherer Zeit hat man
-fleißig Schatzgräberei im Schlosse unternommen und sogar bis Ende der
-dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts allen Ernstes Schätze gesucht, aber
-stets ohne Erfolg.
-
- Hühner sind mythische Tiere. Sagen erzählen von Hühnern, welche
- goldene Eier legen; auch nehmen nach einem böhmischen Aberglauben
- Kobolde die Gestalt schwarzer Hühner an. Sollte die schwarze Henne
- unserer Sage ein solcher Schatz hütender Kobold, und die Henne,
- welche der Schatzgräber mitzubringen hat, ein Opfer sein, welches
- den unterirdische Mächten darzubringen ist? -- Auf dem Burgberge bei
- Mulda, wo ebenfalls nach der Sage ein Schatz vergraben liegt, läßt
- sich ein Huhn sehen, welches jedoch ein verzauberter Burgherr sein
- soll.
-
-
-298. Das Aberthamer »Fels'l.«
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)
-
-Nördlich von Abertham, dort, wo fruchtbarer Ackerboden und ein ziemlich
-ausgedehntes Torfmoor sich scheiden, erhebt sich eine eigentümliche
-Felspartie, im Volksmunde »das Fels'l« genannt. Der Sage zufolge
-sind diese Felsen eine Burgruine, in deren Innerem große Schätze an
-Gold- und Silbermünzen, Edelsteinen und Perlen verzaubert liegen. Der
-Zutritt zu denselben soll sich während der Christmette und der Passion
-am Karfreitage öffnen. Aber schon mancher, der die vermeintlichen
-Schätze an genannten Tagen heben wollte, holte sich durch das lange
-und vergebliche Zuwarten bei stürmischem Wetter nicht unbedeutende
-Krankheiten. Bis in die dreißiger Jahre machten Personen, deren Söhne
-heute noch leben, den Versuch, der Schätze habhaft zu werden.
-
-
-299. Der Tümpelstein bei Klösterle.
-
-(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 79.)
-
-Der Tümpelstein ist ein großer, unterhalb Klösterle in den Egerfluß
-vorspringender Felsen. Sein Inneres enthält der Sage nach ungeheuere
-Schätze, die von verwunschenen Rittern bewacht werden; nur am
-Karfreitage während des Gottesdienstes ist der sonst unsichtbare
-Eingang offen, und die angehäuften Schätze sind sodann den
-Menschenkindern zugänglich.
-
-Eine Mutter mit ihrem Kinde ging gerade am Karfreitage an dem Felsen
-vorbei und erblickte in der offenen Höhlung geschäftige Männchen, die
-ein Festmahl vorrichteten und ihr winkten, einzutreten und von den
-Schätzen zu nehmen. Die Frau trat schüchtern ein, setzte das Kind auf
-den Boden nieder und begann eifrig ihre Schürze mit Goldbarren und
-Edelsteinen zu füllen, als sich, da der Gottesdienst in der Kirche
-schon zu Ende war, das Felsenthor mit großem Getöse wieder schloß. Die
-Frau mußte nun ein ganzes Jahr im Felsen zubringen, während welcher
-Zeit das Kind kräftig und stark wurde. Am nächstfolgenden Karfreitag
-konnte die Frau frisch, gesund und mit Schätzen beladen nach Hause
-ziehen; von ihr erfuhr man auch, daß die Wächter, sobald der Eingang
-sich geschlossen, zu Stein verwandelt wurden.
-
-Einst pflügte am Karfreitage ein Bauersmann in der Nähe des
-Felsens, erblickte ihn offen und sah darin allerlei Gestalten, die
-Vorbereitungen zu einer Hochzeit machten. Im Vorbeigehen rief er
-hinein: »Backet mir auch einen Kuchen mit!« Er ackerte dann rüstig
-bis zum Mittag fort, dann spannte er aus, gab den Ochsen zu fressen
-und nahm auch selbst sein mitgebrachtes Mittagsmahl ein. Schon hatte
-er eine Weile still gesessen, als ein winziges Männlein erschien und
-die bestellten Kuchen auf den Pflug legte. Der Bauer, eine Vergiftung
-fürchtend, hatte nicht den Mut, die Kuchen selbst zu verzehren; er
-zerbröckelte sie und fütterte seine Ochsen damit. Als er damit fertig
-war, erschien jenes Männlein wieder, drohte ihm mit dem Finger und
-sagte: »Weil du unsere Kuchen verschmähst, die du selber bestellt hast,
-so soll für diesen Undank deine Wirtschaft kein Glück und keinen Segen
-mehr haben.« Und diese Prophezeiung ging wirklich in Erfüllung, den
-Bauer traf Unglück über Unglück, er mußte endlich das Haus mit den
-Feldern verkaufen und wurde ein armer Mann.
-
-
-300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein bei Zöblitz.
-
-(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)
-
-Unweit der Stadt Zöblitz an den Ufern der Pockau liegen die Ruinen der
-alten Burgen Ober- und Niederlauterstein. Die Burg Oberlauterstein,
-¼ Stunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer auf einer
-felsigen Bergecke, wurde schon im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben
-von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das
-Schloß Niederlauterstein, nur einige Minuten unterhalb davon am linken
-Pockauufer, erhielt sich über 200 Jahre länger. Vieles erzählt man
-sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf,
-deren einer 1530 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise
-sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher
-Greis von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn,
-in Tücher gewickelt, zu einem der Fenster herablassen, allein die in
-der Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche
-Alte wurde an den Felsen zerschmettert. Nachdem im Jahre 1559 Kurfürst
-August das Schloß von Kaspar von Berbisdorf gekauft und zum Sitz eines
-Amtes bestimmt hatte, wurde es im März 1639, als am Gründonners- und
-Karfreitage Banners Schaaren die ganze Umgegend verwüsteten, von drei
-schwedischen Reitern in Brand gesteckt und nun von seinen Bewohnern
-verlassen. So weit die Geschichte.
-
-In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses
-Niederlauterstein sollen 3 Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und
-breit, mit lauter gemünztem Golde gefüllt. In einem andern Kessel
-liegen Edelsteine, Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene
-Krone aus den Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten
-ist ein Mönchlein aus Prag gekommen in schwarzen Kleidern, klein von
-Person und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber
-im Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor
-Erstaunen. Die Gewölbe schlossen sich, und von ihren Kleinodien, sowie
-von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.
-
-Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des Abends
-nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah sie auf
-der Höhe eine kleine Kapelle, deren Thüre offen stand. Neugierig stieg
-sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf die Erde,
-ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor dem Altare
-gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, als sie tragen
-konnte; freudenvoll eilte sie damit nach Hause, ihr Kind und die Beeren
-vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben, gedachte sie ihres armen
-Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine ankam, war die Kapelle
-verschwunden, aber auch ihr Kind. Jammernd und klagend ging nun das
-arme Weib täglich zur Ruine; sie verwünschte das Gold und wollte es gar
-nicht wieder ansehen; das Liebste fehlte ihr ja -- ihr unschuldiges
-Kind. So trieb sie es Jahre lang. Als sie nach drei Jahren an demselben
-Tage abermals mit verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte,
-siehe, da zeigte sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und
-traf vor dem Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie
-es an ihr mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu
-denken, nach Hause. Als sie den Berg hinunter ging und sich umschaute,
-war die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier
-eine Grafschaft, gründete ein Kloster und that von ihren Schätzen den
-Armen viel Gutes.
-
-
-301. Die Schätze von Oberlauterstein bei Zöblitz.
-
-(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)
-
-Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht 300 Jahren in der
-Nähe des Oberlautersteins. Es war Abend geworden, und eben wollte er
-nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer ein Mann in
-alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine große Höhle,
-in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der bestürzte
-Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der alte Ritter
-winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen ordinären
-Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann darnach. Sogleich geschah
-ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden, und
-der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der Hand haltend.
-Er ging nach Hause; aber da ihm der Ziegelstein zu schwer wurde und er
-sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und zu Hause auslachen
-lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. »Nun, Mann, wie siehst Du
-nur aus?« fragte ihn zu Hause mürrisch und spottend die Frau; »Du
-glänzt ja, als wenn Du vergoldet wärst am Ärmel.« Der Mann sah nach und
-erblickte den reinsten Goldstaub an den Händen und seinen Kleidern. Nun
-erzählte er seine Geschichte am Schloßfelsen. Am andern Morgen suchte
-er bei guter Zeit nach dem weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern.
-Allein umsonst; den edlen Stein hat niemand wieder gesehen.
-
-Am Sylvestertage nachts 12 Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz das
-neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage der
-hohe Fels des Oberlautersteins und ein Zuschauer kann vom Thale
-aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackern
-Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich
-die Höhle wieder und die Braupfanne sinkt in die Tiefe.
-
- Die Sage von Ziegelsteinen, welche sich in Gold verwandeln, lebt auch
- im Fichtelgebirge. Ist sie von dort her in unser Gebirge verpflanzt
- worden? In Gestalt von Ziegelsteinen erscheinen nämlich die Schätze
- des Waldsteins. Wer den Fund als unscheinbar oder lästig von sich
- schleudert, erkennt an den goldglänzenden Spuren, die Kleid und
- Hand zeigen, mit Reue, daß er sein Glück weggeworfen. (L. Zapf, der
- Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 20.)
-
-
-302. Der Silbermann bei Pürstein.
-
-(Erzgebirgszeitung 1880, S. 67.)
-
-In der Gegend des Pürsteins befindet sich Silbererz in der Gestalt
-eines Mannes, dessen Körper im Buchwald ruht, dessen Füße nach
-Joachimsthal und dessen einer Arm nach Sachsen hinausragt, während der
-andere Arm im Tannelberge liegt.
-
-Auf Grund dieser Sage bildete sich 1870 eine Gesellschaft mit 128
-Anteilen, die den alten Silberberg beim Friedhof wieder aufmachte.
-Die dabei aufgefundenen alten Gänge sind verfallen, sollen sich aber
-ununterbrochen bis gegen Joachimsthal ziehen, so daß der Sage nach ein
-Arbeiter von hier den andern von dort rufen konnte.
-
-
-303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 130; z. T. mündlich.)
-
-Ein ehemaliger Besitzer des Schlosses Rabenstein (die Sage bezeichnet
-ihn als einen Herrn von Carlowitz), der sehr mißgestaltet gewesen,
-soll in dem Schlosse an einem unbekannten Orte eine Pfanne voll Gold
-vergraben haben mit dem Bannspruche, daß ein Besitzer des Schlosses aus
-seiner Familie, welcher eben so bucklig wie er sei, den Schatz finden
-und heben sollte.
-
-Erzählt wird noch, daß von dem Schlosse zu Rabenstein vor Zeiten ein
-unterirdischer Gang nach Schloß Chemnitz geführt habe.
-
-
-304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.
-
-(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 19. 20.
-Ziehnert, Sachsens Volkssagen. 4. Aufl., Pros. Anhang, No. 4; z. T.
-mündlich.)
-
-Mitten auf der Rainung der beiden Dörfer Reichenau und Hermsdorf im
-Amte Frauenstein, am Kreuzwald, hart an der Straße nach Böhmen, steht
-ein kleiner Stein mit der Bezeichnung »Kapelle«; hier stand noch bis
-1876 ein Teil des Mauerwerks der Kapelle zum heiligen Kreuz oder der
-sogenannten wüsten Kirche, welches in dem genannten Jahre abgetragen
-und als Straßenbaumaterial verwandt wurde. Von der Erbauung und
-Zerstörung dieser Kapelle weiß man wenig; wohl aber erzählt die Sage,
-daß unter derselben eine ganze Braupfanne voll Gold stehe und zwölf
-Fässer alten Weins vergraben seien. Viele haben schon danach gegraben;
-daß aber von den Schatzgräbern allen auch nur einer etwas gefunden
-hätte, davon will niemand etwas wissen. Auch soll sich daselbst des
-Nachts zwischen 11 und 12 Uhr zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen
-lassen, und man erzählt, daß um diese Zeit einmal an dem Orte einem
-früheren Pfarrer von Hermsdorf etwas passiert sei, was derselbe aber
-anderen nicht mitgeteilt habe.
-
-
-305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Im Orte Rechenberg südlich von Frauenstein sieht man nahe der Kirche
-auf einem Felsen die Ruinen eines Schlosses, welches vielleicht zur
-Bewachung der alten Zollstraße nach Böhmen erbaut wurde und das nach
-der Sage durch einen unterirdischen Gang mit dem Schlosse Frauenstein
-in Verbindung stand. In der Nähe des Schlosses zeigt man noch die
-Überreste von Wällen, und als man am Fuße desselben die Schule baute,
-traf man auf alte Gänge, welche anzusehen viele Leute weit her kamen;
-doch konnte man nicht tief in die Gänge eindringen. In manchen Nächten
-will man oben in der Ruine ein Licht gesehen haben. Erzählt wird, daß
-in den Gewölben große Schätze in einer Braupfanne liegen, wer dieselben
-heben will, muß seine eigene Tochter zum Opfer bringen; dieselbe muß
-aber weißhaarig sein. Doch hat auch einmal ohne solches Opfer ein
-Mann einen kleinen Teil des Schatzes gehoben. Als nämlich einst ein
-Bierknecht des früheren Rittergutes vom Berge herab fuhr, sah er von
-ferne auf der Ruine ein Licht. Er ging hinauf und sahe darauf an dem
-Lichte dreihundert Thaler liegen, welche er einsteckte und mitnahm.
-Nach vier Wochen war er jedoch tot.
-
-
-306. Der Schatz des Tschinnersteins bei Brandau.
-
-(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)
-
-Geht man von Brandau auf dem Fahrwege über den »Hof« hinaus in den
-Wald, so findet man links leicht einen nicht zu großen schräg liegenden
-Stein, über den die Kinder oft herabrutschen oder »tschinnern«. Dieser
-Stein soll den Eingang in eine reiche Schatzkammer verschließen, und
-Sonntagskinder können dort am Ostermontage um 12 Uhr ein Schloß sehen
-und den Schatz heben, wenn es ihnen gelingt, schnell die Thür des
-Schlosses zu erreichen. Doch schnell müssen sie sein, da das Schloß
-gewöhnlich entflieht und den habgierigen Schatzjäger irre führt.
-
-Einige Frauen rupften in der Nähe des Tschinnersteins Moos und hatten
-ihre Körbe auf den Stein gestellt. Als sie dieselben um 12 Uhr holen
-wollten, um das Moos nach Hause zu tragen, waren sie verschwunden.
-Schreiend entfernten sich die Frauen, bis auf eine, die nach einer
-halben Stunde ihren Korb wiederfand, den Boden mit Gold bedeckt.
-
-Ein Knabe hütete am Tschinnerstein. Da scharrte eine Kuh einen Topf
-von Silbergeld heraus, das er seinem Vater gab. Wenn das Geld auch
-nicht mehr gangbar war, so wurde dieser doch dadurch reich, indem er es
-verkaufte.
-
-
-307. Der Heldenberg bei Seifen.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 78.)
-
-Auf dem öden und rauhen Kamme des Erzgebirges erhebt sich bei dem
-böhmischen Kirchdorfe Seifen der Heldenberg, der vor vielen Jahren mit
-einem dichten, fast undurchdringlichen Hochwalde bedeckt war. In diesen
-ging einst ein blutarmer Holzhacker, um Holz zu fällen. Als er in die
-Mitte des Waldes kam, vernahm er mit einemmale im nahen Gebüsche ein
-ungewöhnliches Geräusch. Unverweilt schritt er darauf zu und sah unter
-der Erde durch das Moos reines gediegenes Gold hindurchschimmern. Dem
-Holzhauer klopfte das Herz voll Freude über den unerwarteten Fund,
-der nun für immer seiner bitteren Armut abhelfen sollte. Er lief über
-Stock und Stein, durch dick und dünn nach Hause, um sich zum Ausgraben
-des edlen Metalles die nötigen Werkzeuge, als Spitzhaue und Schaufel,
-zu holen. Als der Überglückliche aber zu derselben Waldesstelle
-zurückgekehrt war, fand er weder das Gebüsch, noch schimmerte ihm vom
-Boden Gold entgegen; alles war verschwunden. Darob war der Holzhauer
-tief betrübt; er mußte nun bis zu seinem Tode sein hartes Los, Holz zu
-fällen, ertragen.
-
-Die Sage erzählt weiter, daß einmal eine ganz schwarze Kuh über diese
-reichen Goldlager gehen und sie aufwühlen wird. Dann soll aus dem jetzt
-unansehnlichen Orte Seifen eine große blühende Bergstadt entstehen, die
-den stolzen Namen Heldenberg erhalten wird.
-
-
-308. Der Schatz des Braunsteins bei Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 46.)
-
-Ein Hirtenjunge aus der Petermühle weidete einmal in der Nähe des
-Braunsteins sein Vieh. Da sah er plötzlich, als er den Berg hinanstieg,
-eine offene Thür, die er sonst nie bemerkt hatte. Unwillkürlich trieb
-ihn eine innere Stimme an, in das Gewölbe hineinzugehen. Daselbst
-erblickte er eine Kiste mit großen Schätzen. Davon nahm er so viel, als
-seine Taschen fassen konnten, und ging vergnügt zu seiner Viehherde
-zurück. Zu Hause angekommen, versteckte er das Geld in seinem Koffer.
-Aber trotz aller Vorsicht hörte die Magd das Klingen der Münzen und
-zeigte dies ihrem Herrn, dem alten Mühlpeter, an, der den Jungen wegen
-des Geldes zur Rede stellte. Derselbe erzählte nun das wunderbare
-Ereignis und versprach seinem Herrn den Eingang zu den unermeßlichen
-Schätzen zu zeigen. Als jedoch beide am nächsten Tage zum Braunsteine
-kamen, war zu ihrer höchst unliebsamen Überraschung das Felsenthor
-unsichtbar. Der Mühlpeter kaufte bald darnach dem Hirtenjungen ein
-neues Gewand, gab ihm das größte Goldstück und schickte ihn in die
-Fremde. Das übrige Geld behielt er für sich und ward, freilich auf
-ungerechte Weise, ein reicher Mann.
-
-Ein anderer Hirtenjunge, der gleichfalls am Fuße des Braunsteins
-hütete, sah eines Tages eine Menge kleiner, buntgefärbter
-Leinwandfleckchen auf der Erde liegen. Um den Kindern seines Herrn bei
-seiner Heimkehr eine Freude zu bereiten, suchte er die schönsten Flecke
-aus und steckte sie in seine Hirtentasche. Um die Mittagsstunde trieb
-er seine Viehherde nach Hause. Als er diese im Stalle versorgt hatte,
-ging er in die Stube und wollte die mitgebrachten Geschenke verteilen.
-Er griff in die Tasche, doch siehe! statt der bunten Flecklein zog er
-lauter funkelnde Goldstücke heraus. Darob herrschte unbeschreibliche
-Freude im ganzen Hause. Nur der geldgierige Herr gab sich mit dem
-erhaltenen Gelde nicht zufrieden, sondern schickte den Jungen eiligst
-zurück, damit er alle Leinwandflecke sammle und heimbringe. Als
-derselbe fast atemlos zur Fundstelle kam und mit einemmale ein Zwerg
-vor ihm stand, stiegen ihm vor Furcht die Haare zu Berge, und kein
-Wort kam über seine Zunge. Doch das Männlein, das die Ursache seines
-Kommens wußte, sprach zornentbrannt zu dem Jungen: »Du bist zwar
-unschuldig, aber Dein habsüchtiger und ungenügsamer Herr hat Dich
-hierher geschickt, um den ganzen Schatz zu gewinnen. Dafür soll er hart
-gestraft werden, er soll -- verarmen!« Hierauf verschwand der Zwerg.
-Vor Angst und Schrecken eilte der arme Hirtenjunge durch dick und dünn
-heim, erzählte das eben Geschehene und starb bald darauf. Auch des
-Zwergleins Prophezeiung ging buchstäblich in Erfüllung; denn der Herr
-des Jungen kam an den Bettelstab.
-
-So muß gar oft der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden.
-
-
-309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine bei Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 41.)
-
-Geht der Wanderer von Schlackenwerth durch das enge, anmutige
-Weseritzthal nach Joachimsthal, und klettert er, bei der sogenannten
-Petermühle (Schöffl-Mühle) angekommen, zur Rechten am reichbewaldeten
-Bergabhange empor, so gelangt er zum Braunstein, einem Bergkegel,
-welcher vor einigen Jahren mit Wald gekrönt war, jetzt aber nahezu
-gänzlich abgeholzt ist. -- Auf dem Braunsteine stand, wie der Volksmund
-erzählt, in uralten Zeiten ein Schloß, dessen Nähe jeder Umwohner
-scheute. Obgleich es unbewohnt war, sah man doch in stürmischen,
-finstern Nächten die Fenster des Schlosses prachtvoll beleuchtet,
-und mancher Pilgrim, der dasselbe aus Neugierde betrat, kehrte
-nicht mehr zurück. -- Trotz alledem schlug einmal ein herzhafter
-Handwerksbursche alle Warnungen in den Wind und lenkte eines Abends,
-als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, seine Schritte dem
-gefürchteten Schlosse zu, um dort zu übernachten. Ringsumher herrschte
-tiefes Schweigen. Er stieg die Treppe empor, schritt durch das hohe
-Portal ungehindert fürbaß und gelangte in einen geräumigen, tageshell
-erleuchteten Saal, in welchem eine lange Tafel stand. An dieser nahm
-er Platz und verfiel allmählich gegen seinen Willen in einen festen
-Schlaf. Um die Mitternachtsstunde aber weckte den Handwerksburschen
-ein heftiges Klopfen. Er erwachte und erstaunte, daß die Tafel gedeckt
-und mit Speisen und Getränken in Fülle beladen war. Da öffnete sich
-plötzlich die Thür, und in den Saal trat ein graubärtiger Greis, dem
-seine Familie folgte. Nachdem die Angekommenen sich an die Tafel
-gesetzt hatten, unterbrach der Alte das Stillschweigen, indem er
-sagte: »Willkommen, Fremdling, in meinen Hallen! Hier hast Du Speise
-und Trank im Überfluß; iß und trink, was Dir beliebt!« Darnach wollte
-er ohne weiteres die Mahlzeit einnehmen, doch der Wandersmann sprang
-im Nu von seinem Sitze auf, gab dem Greise einen derben Backenstreich
-und rief: »Beten muß man, bevor man ißt!« -- Diesen Worten folgte ein
-furchtbarer Donnerschlag, worauf der Alte sagte: »Habe Dank, braver
-Geselle, Du hast durch Deine Frömmigkeit mich und die Meinen erlöst!
-Vernimm in Kürze meinen Lebenswandel! Mein Vater war ein mächtiger
-Ritter, meine Mutter eine gute und fromme Frau. Als einziger Sohn war
-ich der Eltern Stolz und wurde mit größter Liebe und Sorgfalt erzogen;
-allein ich bereitete denselben für ihre Mühen und Opfer nur unsägliches
-Herzeleid. Denn am Gebete fand ich keinen Gefallen, verhöhnte alles,
-was dem Menschen heilig und ehrwürdig sein muß, und sank in meiner
-Verblendung immer tiefer und tiefer. Zuletzt zog ich als Familienvater
-Frau und Kinder mit ins Verderben. Aber Gottes gerechtes Strafgericht
-ereilte uns bald. Eins nach dem andern starb und wurde in dieses Schloß
-entrückt mit der Bestimmung, hier so lange zu hausen, bis ein frommer
-Mensch uns erlösen würde. Viele kamen schon vor Dir, allein da sie
-unlauteren Herzens waren, fanden sie insgesamt ihren Tod. Auch Dich
-hätte ein gleiches Los getroffen, wenn Du nicht gottesfürchtig gewesen
-wärest. Du kannst Dir nicht denken, welche Angst mich befiel, als ich
-Dich versuchte. Hättest Du die Probe nicht bestanden, so müßten wir
-noch länger in diesen Räumen verwünscht umherwandeln. Jetzt komm' und
-folge mir!« Der Handwerksbursche willfahrte dieser Aufforderung und so
-führte ihn der Greis abwärts in einen weiten Gang, wo dem Eintretenden
-Kessel mit Gold und Silber entgegenblinkten. »Nimm von diesen
-Schätzen,« hub der Alte an, »so viel Du tragen kannst; laß jedoch davon
-eine Kapelle erbauen, und gieb den Armen und Notleidenden reichliche
-Almosen.« Nach diesen Worten verschwand er. -- Der Fremdling that,
-wie ihm geheißen, und verließ ungesäumt das Schloß, das schon längst
-von der Bergeshöhe in Staub gesunken ist. Er erfüllte aber auch aufs
-Gewissenhafteste des Greises Begehren und blieb glücklich sein Leben
-lang.
-
-
-310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 296.)
-
-In der Umgegend von Graslitz erhebt sich der Hausberg, von welchem
-viele Sagen erzählt werden. Früher sollen darauf die Überreste einer
-Burg gesehen worden sein; sie wurden aber zum Baue einer großen Fabrik
-verwendet.
-
-Einem Weibe träumte einmal, sie solle in den Hausberg gehen, dort würde
-ihr ein schwarzes Zicklein mit feurigen Augen begegnen, dem solle sie
-folgen. Als sie erwachte, erzählte sie den Traum ihrem Manne; dieser
-aber ärgerte sich darüber und verbot ihr zu gehen. Da ihr aber in der
-zweiten und dritten Nacht das nämliche träumte, ging sie doch auf den
-Berg. Und wirklich, dort kam ihr ein schwarzes Zicklein entgegen, das
-hatte feurige Augen und meckerte ihr freundlich zu. Sie folgte dem
-Zicklein und kam in eine Höhle, wo das Zicklein verschwand. In der
-Höhle aber erblickte sie eine schöne Jungfrau, die winkte ihr zu und
-füllte ihr die Schürze mit den Steinen, die neben ihr lagen. Hierauf
-entfernte sich das Weib und als sie heimkam, hatte sie goldene Münzen
-in der Schürze. Der Berg soll sich regelmäßig am Karfreitage während
-der Passion öffnen. Eine Mutter, die zu dieser Zeit eindrang und von
-den Schätzen, die darin aufgespeichert sind, nahm, vergaß ihr Kind
-darin, fand es aber nach einem Jahre unversehrt wieder, von einer
-Jungfrau behütet.
-
-
-311. Der Schatz zu Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 34.)
-
-Im nördlichen Stadtteile von Joachimsthal, im sogenannten Oberthal,
-stand vor Jahren hart an der Gartenmauer, welche sich rückwärts des
-Hauses Nr. 106 befindet, ein stark gewachsener Hollunderstrauch. Da
-die Wurzeln desselben immer tiefer in die ohnedies sehr schadhafte
-Mauer eindrangen, war diese dem Einsturze nahe, deshalb schickten
-sich die beiden Nachbarn Anton und Franz an, die Mauer abzutragen.
-In der Mitte derselben fanden sie beim Abräumen einen irdenen Topf
-mit Kirschkernen, von denen jeder eine kleine Öffnung hatte, als ob
-er von einem Käfer angebohrt worden wäre. Einer der Nachbarn nahm
-den Topf und schleuderte ihn an einen Stein, so daß die Scherben und
-Kirschkerne auf ein Häufchen zusammenfielen. Dies geschah um die
-Mittagsstunde, als auf dem nahen Kirchturme die Glocke ertönte. -- Die
-beiden Männer begaben sich hierauf nach Hause, um ihr Mahl einzunehmen,
-und erzählten ihren Angehörigen von dem Funde im Garten. Diese gingen,
-von Neugierde gequält, sogleich an Ort und Stelle, um den merkwürdigen
-Fund zu betrachten; allein weder ein Scherben noch ein Kirschkern
-war zu finden. Auch die Nachbarn, die mit Eifer an der Abtragung der
-Gartenmauer fortarbeiteten, sahen nicht die geringste Spur von dem
-früher verschmähten Funde, der ein großer Schatz gewesen sein soll.
-
-Bald darauf ging Elisabeth, die Wirthschafterin des Besitzers jenes
-Hauses, während des Abendläutens nach dem Hintergebäude, wo eine
-Fallthür in den Keller führte, und bemerkte darauf ein Häufchen
-glühender Kohlen. Bestürzt eilte sie zu ihrem Herrn und fragte ihn, ob
-er auf die Kellerthür Asche geschüttet habe, was er mit Entschiedenheit
-verneinte. Um sich aber zu überzeugen, liefen beide zur Fallthür, das
-Gluthäufchen jedoch war verschwunden.
-
-Über der Gasse, dem oben bezeichneten Hause gegenüber, befand sich
-zwischen zwei Häusern ein überaus schmaler, freier Raum, wo viel Stroh-
-und Heugesäme abgelagert war. Daselbst fand ein Mann, der mit der
-Säuberung des Platzes beschäftigt war, ein schweres eisernes Kistchen
-und stieg mit seinem Funde, um ihn in Sicherheit zu bringen, auf die
-Leiter, die er zur leichteren Vollführung seiner Arbeit angelegt hatte.
-Als er mitten auf der Leiter stand, hörte er plötzlich seine Frau
-ängstlich rufen: »Hans, komm' herauf, das Kind hat's Bein gebrochen!«
-Vor Schrecken ließ er das Kistchen fallen und lief in die Stube, in
-welcher die Frau das lächelnde Kind in der Wiege schaukelte. Seine
-Verwunderung steigerte sich, als er erfuhr, daß seine Frau ihn gar
-nicht gerufen habe. Nachdem Hans den Vorfall seinem Weibe erzählt
-hatte, eilte er nach dem Orte zurück, um das in seiner Bestürzung
-weggeworfene Kistchen zu holen, welches er jedoch trotz allen Suchens
-nicht wiederfand.
-
-Glücklicher war ein anderer Nachbar, der in späteren Jahren vor seinem
-Hause ein glühendes Kohlenhäufchen sah. Er nahm eine Schürze und deckte
-dasselbe vorsichtig zu. Dann ging er in sein Haus, holte ein Gefäß,
-in welches er das Häufchen schüttete, und trug es in den Keller. Des
-andern Tages sah er nach und siehe! aus den Kohlen waren lauter blanke
-Goldstücke geworden.
-
-
-312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 39.)
-
-Auf einer felsigen Anhöhe an der Ostseite von Joachimsthal erhebt sich
-die weithin sichtbare Johanneskapelle, die mit einem Wohngebäude in
-unmittelbarer Verbindung steht. Über die Entstehung dieses Kirchleins
-erzählt die Sage folgendes:
-
-Als der Bau der Hospitalkirche zu Joachimsthal in Angriff genommen
-wurde, wohnte im sogenannten »Seidl-Koch-Haus,« dessen Ruinen seit
-dem gewaltigen Brande vom 31. März 1873 noch heute zu sehen sind,
-der Bergbeamte Vogelhaupt, welcher neben seinem Berufsamte die
-Geschäfte eines Spitalrechnungsführers versah. -- Da geschah es, daß
-beim Grundgraben dieser Kirche ein Maurer eine eiserne Kiste fand,
-die sehr schwer war. Deshalb schaffte sie Vogelhaupt mittels eines
-Pferdegespanns auf heimliche Weise zu seiner Wohnung. Dabei zersprengte
-sich wegen der allzu großen Last eines der Pferde. In der Kiste lag
-ein Schatz nebst einer Urkunde, in welcher es hieß, daß derjenige,
-der die Kiste finde, von dem darin enthaltenen Gelde möge ein Kloster
-errichten lassen. Vogelhaupt eignete sich wohl die gefundenen Schätze
-an, erfüllte jedoch nicht die daran geknüpfte Bedingung. Erst
-seine Nachkommenschaft, die von dem reichen Funde genaue Kenntnis
-hatte, suchte ihr geängstigtes Gewissen durch den Bau einer Kapelle
-einigermaßen zu beruhigen. Und so errichtete denn Johann Jakob
-Vogelhaupt mit seiner Gattin Maria Sophie, geb. Makasy, im Jahre 1734
-die Johanneskapelle. Selbige gelangte, da Maria Barbara, die Tochter
-des genannten Ehepaares, sich mit Franz Ludwig Pallas vermählte, in den
-Besitz der Pallasfamilie. Der spätere Besitzer Franz Pallas, Domdechant
-in Prag, vererbte die Kapelle am 4. Juni 1823 seiner Schwester Barbara,
-verehelichten Walz, mit der Bedingung, daß an die Kapelle ein Haus
-mittels Legates von 15000 fl. Wiener Währung angebaut und dieselbe für
-immerwährende Zeiten als Hauskapelle erhalten werde. Diese letztwillige
-Verfügung des Domdechanten Pallas ist in den Jahren 1838 und 1839
-erfüllt worden.
-
-Gegenwärtig gehört die Johanneskapelle dem Bürger Hilarius Seidl, der
-sie am 30. November 1867 käuflich an sich brachte.
-
-
-313. Der weiße Fels bei Bäringen.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 171.)
-
-Im Buchwalde bei Bäringen erhebt sich ein hoher Felsen, der heißt »der
-weiße Fels.« Am Karfreitage soll sich der Felsen öffnen und ein uraltes
-Bäuerlein herauskommen, welches hier die frische Saat fürs nächste Jahr
-beginnt. Am nächsten Karfreitage soll nämlich an dem Orte, wo dasselbe
-säet, Gold hervorwachsen. Wer an diesem Tage hier vorübergeht, der kann
-es sehen, und wer von dem Golde etwas aufhebt, der kann mit demselben
-sein Vermögen bessern.
-
-
-314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Bearb. b. Gräße a. a. O. No. 580.)
-
-In der Nähe von Glauchau befindet sich der sogenannte Schafteich, der
-fast eine halbe Stunde im Umfange hat und beinahe den ganzen ebenen
-Raum zwischen dem Scheerberge, der Mulde und der Lungwitz einnimmt.
-Nahe bei diesem Teiche befindet sich eine Art Stolln, der weit hinein
-in die Erde reicht, und den man gewöhnlich die Räuberhöhle nennt. In
-derselben soll es aber nicht geheuer sein. So erzählt man, daß einst
-ein armer Hirtenknabe an jener Höhle fast täglich gespielt habe und oft
-von brennender Neugierde gequält worden sei, einmal hinein zu kriechen,
-um zu wissen, was denn eigentlich darin sei. Nun getraute er sich aber,
-so beherzt er sonst auch immer war, doch nicht so recht hinein, weil
-er den Rückweg zu verfehlen gedachte. Da sah er einmal eine schwarze,
-goldgesprenkelte Henne in den Eingang kriechen und gackern, gerade
-als wenn sie legen wolle. In der Hoffnung ihr Nest zu finden, folgte
-er ihr einige Schritte, allein bald ward es ihm zu unheimlich und zu
-finster und so kehrte er wieder um. Da er nun aber die Henne auch die
-nächsten Tage immer wieder an demselben Orte fand, so dachte er darüber
-nach, wie ihm wohl die Henne den Weg in das Innere der Höhle zeigen
-könne. Er nahm also einen starken Knäuel Garn und band der Henne einen
-Faden desselben an das Bein, und diese zog ihn nun ganz langsam, gerade
-als ob sie seine Absicht merke, hinter sich in die Höhle. Schon war
-aber das Garn fast ganz abgewickelt, da sah er auf einmal vor sich ein
-brennendes Licht. Allein wie ward ihm, als er bemerkte, daß dasselbe
-aus den Augen eines schwarzen, zottigen großen Hundes mit furchtbarem
-Rachen und starken Klauen ausströme! Neben demselben stand aber ein
-Männchen in einem grauen Mäntelchen, das hatte einen großen Sack Geld
-in der Hand und rief ihm zu, er möge nur näher kommen. Allein der Knabe
-wagte es nicht und nur erst, als das Männchen ihm nochmals zurief,
-er könne es ohne Gefahr thun, wagte er es. Hierauf reichte ihm der
-Graumantel eine Hand voll Thaler und sagte, er könne hierher so oft
-kommen, als er wolle, er solle jedesmal eine gleiche Summe bekommen,
-nur dürfe er niemandem sagen, woher er das Geld habe, sonst sei er
-verloren. Der Knabe fand nun den Rückweg sehr leicht, allein da er
-niemandem, auch seinen Eltern nicht, sein Glück mitteilen konnte, so
-blieb ihm nichts übrig, als das Geld zu vernaschen. Dies that er auch
-nach und nach, und als dasselbe verthan war, begab er sich wieder in
-die Höhle und holte sich eine zweite Auflage des vorigen Geschenks.
-Weil nun aber der Knabe gar zu oft bei dem Kaufmanne Näschereien kaufte
-und stets in blanken Thalern bezahlte, schöpfte derselbe Verdacht, das
-Geld sei gestohlen, und teilte seine Wahrnehmung dem Vater des Knaben
-mit. Da dieser nun recht gut wußte, daß sein Sohn nicht Pfennige,
-geschweige denn Thaler haben könne, so suchte er erst durch Drohungen
-heraus zu bringen, woher das Geld sei, und als der Knabe es nicht
-gestehen wollte, schlug er ihn so lange aufs Unbarmherzigste, bis
-derselbe alles gestand, aber auch hinzusetzte, daß ihm gewiß sein Brot
-gebacken sei, weil er das graue Männchen verraten habe. Und so geschah
-es auch, denn als der Vater am andern Morgen seinen Sohn, der ihm zu
-lange zu schlafen schien, aufwecken wollte, war er tot; der Böse hatte
-ihm den Hals umgedreht.
-
-
-315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.
-
-(Mündlich.)
-
-Vom Hammerberge bei Wittichsthal sagte ein Venetianer, als er den
-Berg vom Fenster seines Logis aus erblickte, in ihm liege noch ein
-Königreich. Er wollte damit ausdrücken, daß in dem Berge ein großer
-Schatz liege.
-
-
-316. Der Eimer voll Silber.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 262.)
-
-Eine Magd, die in Komotau in einem Hause am Graben diente, ging zu
-Weihnachten spät des Abends zum Brunnen und schöpfte Wasser. Wie sie
-aber den Eimer heraufzog, war er voll Silbergeld. Sie lief eiligst
-zum Herrn und meldete das Wunder. Als dieser aber mit ihr wieder zum
-Brunnen kam, war der Eimer leer.
-
-
-317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg einen
-Schatz.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~. 1716, S. 1146.)
-
-Ungefähr im Jahre 1679 zeigte sich in dem Knappschaftshause zu
-Schneeberg ein Gespenst in eines alten, graubärtigen kleinen Mannes
-Gestalt einem Schüler, welcher daselbst seine Wohnung hatte. Es
-machte sich nach vielfältiger Erscheinung und Wortwechselung mit ihm
-dergestalt bekannt, daß er zuletzt nicht mehr so furchtsam sein konnte,
-sondern, um endlich Ruhe zu haben, einen angegebenen Schatz zu graben
-sich erkühnte. Obwohl nun der Schüler solchen Schatz, nachdem er des
-Tages immer darnach gegraben, endlich in vielen güldenen Ketten und
-Silbergeschirr, darauf die alten Schneeberger viel gehalten, erblickte,
-so hat er dennoch das betrogene Spiel in Händen gehabt. Denn als es
-zum Treffen und Heben gekommen, wie dazu das alte Männlein die Zeit
-gesetzet, hat der Schüler im Gewölbe, darin er allein gewesen, zwar
-gesehen, wie zwei anwesende Männer den Schatz aus der Erde gehoben und
-lauter Pretiosen auf den vorhandenen Tisch ausschütteten, wornach auch
-das alte Männlein ihn greifen heißen; aber wie er daneben von einem
-andern, der seitwärts auf einem Sessel gesessen, die Anrede gehört, wie
-er als ein armer Mensch sich erkühne, einen solchen kostbaren Schatz
-zu heben, darüber er, als der Herr der Welt, doch die Macht hätte:
-siehe, so ist darauf der Schüler voller Schrecken zurückgekehrt und in
-höchster Angst gewesen, bis der Seiger nachmittags 4 Uhr geschlagen.
-Denn eben bis auf diese Zeit hatte das alte Männlein die Gelegenheit
-zum Schatzheben gesetzt, und eben um diese Zeit hat ein Sturmwind
-gewütet und einen Baum im Garten gebrochen, dahin zugleich, wie das
-Gespenst bei letzter Erscheinung sagte, der Schatz aus dem Hause
-fortgerückt sein sollte.
-
-
-318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 89.)
-
-Vor etwa siebzig Jahren kamen nach der Bergstadt Platten einige
-Zigeuner. Da dieselben wegen der rauhen Jahreszeit nicht im Freien
-ihr Lager aufschlagen konnten, gingen sie von Haus zu Haus und baten
-flehentlich um Herberge. Allein überall wurden die braunen Söhne
-mürrisch und hartherzig abgewiesen, bis sie ein armer, aber ehrlicher
-Bergmann, mit Namen Friedrich, in seine windschiefe Hütte aufnahm.
-Beseelt von edler Menschenliebe, kochte die Frau des Bergmannes sofort
-eine Milchsuppe, welche den hungrigen Gästen vortrefflich mundete.
-Nach mehrtägigem Aufenthalte beschlossen die Zigeuner, an's Wandern
-gewöhnt, weiter zu ziehen. Zuvor aber wollten sie sich der braven
-Bergmannsfamilie dankbar erweisen. Deshalb legte eine Zigeunerin das
-Geständnis ab, im Auffinden von Schätzen gut bewandert zu sein, und
-hielt alsogleich im Hause Umschau. Sie nahm die Wünschelrute, begab
-sich aus dem Stübchen in den Küchenraum und ließ diese schlagen. Die
-Rute neigte sich gegen den Ofen, ein Zeichen, daß hier ein Schatz
-verborgen liege. Nach mehreren anderen Schwankungen bezeichnete
-sie genau den Ort, und den Andreasabend als die Zeit zum Heben des
-Schatzes. Mit Segenswünschen schieden die Zigeuner. Der arme Bergmann
-jedoch konnte den festgesetzten Tag gar nicht erwarten und schritt
-noch vor dem Termine an die Ausführung seiner geheimnisvollen Arbeit.
-Zu diesem Zwecke verfertigte er einen großen Kreis aus Papier, den er
-mit hunderten von Kreuzen beschrieb und legte ihn auf den Platz, wo
-der vermeintliche Schatz sich befinden sollte. Hierauf stellten sich
-der Bergmann und ein Nachbar in den Kreis und fingen zu graben an. Es
-dauerte nicht lange, da kam eine eiserne Truhe zum Vorschein. In dem
-Augenblicke aber, als einer der Schatzgräber mit der Haue auf die Lade
-schlug, entstand ein gewaltiger Donnerschlag, und der Kreis zerriß
-in tausend Stücke. Sprachlos und totenblaß standen beide Männer da,
-und als sie sich von der Betäubung erholt hatten, sahen sie einander
-nicht wenig erstaunt an, denn der Schatz war wieder in die Tiefe
-zurückgerollt.
-
-
-319. Die Schatzgräber.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 100.)
-
-Zwischen Platten und Jungenhengst steht am Wege, der in die
-letztgenannte Ortschaft führt, ein Bild, welches Jesum, wie er
-gegeißelt wird, darstellt und von den Umwohnern »schönster Jesus«
-genannt wird. Dort soll ein großer Schatz verborgen liegen. Denselben
-wollten vor vielen Jahren zwei Geschwister, Bruder und Schwester,
-heben. Nachdem beide sich mit den üblichen Beschwörungsformeln bekannt
-gemacht hatten, gaben sie sich das Versprechen, kein Wörtlein während
-des Schatzgrabens zu sprechen. In einer Nacht gingen sie nun an Ort und
-Stelle und gruben allda, bis sie nach längerer Arbeit auf den Deckel
-einer Geldkiste stießen. Allein welcher Schreck! Mit einemmale kommt
-ein Soldat gegen das schätzesuchende Geschwisterpaar heran. Nach einer
-Weile sprengt auf feuersprühendem Rosse ein Reiter daher, dem mit
-Blitzesschnelle sich eine ganze Schwadron Kriegsgefährten anschließt.
-Eisiges Grauen überfiel da die Geschwister, welche einander schweigend
-anblickten. Als aber eine Totenbahre sichtbar ward, der ein langer
-Leichenzug folgte, da rief die Schwester: »Jesus, Maria! Da tragen sie
-unsere Mutter!« Wie diese Worte ihrem Munde entflohen waren, stürzte im
-Innern der ausgegrabenen Grube ein mächtig sprudelnder Quell hervor.
-Immer höher und höher stieg das Wasser und überflutete in wenigen
-Augenblicken den Weg. Bald reichte es sogar den Geschwistern bis zur
-Brust, so daß sie, über die höchst sonderbaren Erscheinungen entsetzt,
-von dannen eilten. Als sie nach Hause kamen, waren sie -- welch ein
-Wunder -- ganz trocken. Das Geschwisterpaar verspürte nun keine Lust
-mehr, den Schatz zu holen.
-
-
-320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Geld.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 288.)
-
-Eine Frau fand eines Tages auf dem Hausberge bei Graslitz beim
-Beerensuchen ein Bündel Reisig, worin verschiedene Buchstaben zerstreut
-herumlagen. Sie nahm einige derselben und dachte sie ihren Kindern zum
-Spielzeug zu bringen. Als sie dieselben aber zu Hause aus ihrem Korbe
-nehmen wollte, waren es Silberstücke geworden. Nun eilte sie wohl
-nach dem Orte zurück, um die übrigen zu holen, allein das Bündel samt
-den Buchstaben war verloren. Ein andermal fand eine Frau ein Häufchen
-Hobelspäne, die daheim zu Thalerstücken wurden, und wieder ein
-andermal trugen Kinder Kohlen und Steinchen heim, die sich zu Hause in
-Gold verwandelten.
-
- Dämonische Wesen besitzen die Wunderkraft, die verschiedensten
- Gegenstände in edles Metall zu verwandeln. Auch wo sie in der Sage
- bei einer solchen Verwandlung nicht ausdrücklich genannt werden, ist
- die letztere doch von ihnen ausgegangen. Im Fichtelgebirge schenkt
- eine weiße Jungfrau Laub, das zu Golde wird (Zapf, der Sagenkreis
- des Fichtelgebirgs, S. 18), und im Harze verwandeln sich durch den
- Zwergkönig des Hübigensteins und die Prinzessin Ilse Tannenzapfen in
- Silber oder Gold. (Heine, Sagen, Märchen etc. aus dem Harze, S. 16
- und 94.)
-
-
-321. Kutter verwandeln sich in Geld.
-
-(Mündlich.)
-
-Einst ging eine Frau aus Bermsgrün in den Wald und fand daselbst
-mehrere wohl geordnete Häufchen von rundlichen, abgesprungenen
-Fichtenrindenstücken, die man »Kutter« nennt. Da sagte sie für sich:
-»Wer mag nur da gespielt haben?« und nahm solche Kutter von den
-Häufchen mit nach Hause, damit ihre Kinder auch damit spielen sollten.
-Als sie aber zu Hause ankam und den Korb aufdeckte, um die dahinein
-geworfenen Kutter ihren Kindern zu geben, fand sie statt derselben
-Geldstücke. Schnell ging sie darauf zurück, um auch die liegen
-gelassenen Kutter zu holen, allein sie konnte keine mehr finden.
-
-
-322. Die sonderbaren Sägespäne.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 85.)
-
-Vor vielen Jahren ging ein Weib aus Abertham in den in der Nähe
-liegenden Wald, der damals den Mühlberg bedeckte, um Klaubholz
-zu holen. Im Walde angekommen, stellte sie ihren Korb bei einem
-Kreuzwege nieder und lief in die Kreuz und Quer herum, um die Reiser
-zusammenzutragen. Als sie zu dem Korbe zurückkam, fand sie denselben
-mit Sägespänen angefüllt. Da sie jedoch ihrer nicht bedurfte, schüttete
-sie in ihrer Einfalt die Späne aus und legte in den Korb das Klaubholz.
-Wie war aber das Weib erstaunt, als sie, nach Hause gelangt, den Korb
-leerte und darin viele Goldstücke fand! Diese waren auf wunderbare
-Weise aus den Sägespänen, welche an dem Korbrande hängen geblieben
-waren, entstanden. Mit freudestrahlendem Gesichte eilte das Weib
-sogleich in den Wald zurück, um die verschmähten Sägespäne aufzuraffen,
-allein ihr Suchen war vergeblich, denn dieselben waren spurlos
-verschwunden.
-
-
-323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 98.)
-
-Unweit von Platten steht an der Straße, die vormals von dieser Stadt
-nach Bäringen leitete, eine Johannes-Statue. Eines Abends -- es mochte
-9 Uhr sein -- ging der Binder Fladerer aus Platten von Bäringen nach
-seinem Wohnorte. Als er bei der erwähnten Statue vorbeischritt, lagen
-mitten auf dem Wege frische, erst aus dem Felde genommene Kartoffeln.
-Ohne sich lange zu besinnen, griff Fladerer nach denselben und steckte
-sie ein. Wie er daheim die Kartoffeln aus den Taschen nehmen wollte,
-zog er lauter blanke Goldstücke hervor.
-
-Nach der Sage soll unter der Johannes-Statue ein Silbergang sein.
-
-
-324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.
-
-(Deutsche Sagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1. B.
-No. 158.)
-
-Am Johannistag kamen zwei Hirtenknaben, indem sie den jungen Vögeln
-nachstellten, in die Gegend des Heilingsfelsen an der Eger und
-erblickten unten an demselben eine kleine Thüre offen stehen. Die
-Neugierde trieb sie hinein; in der Ecke standen zwei große Truhen,
-eine geöffnet, die andere verschlossen. In der offenen lag ein großer
-Haufen Geld, sie griffen hastig danach und füllten ihre Brotsäcklein
-voll. Drauf kams ihnen greulich; sie eilten nach der Thür, glücklich
-trat der erste durch. Als aber der zweite folgte, knarrten die Angel
-fürchterlich, er machte einen jähen großen Sprung nach der Schwelle,
-die Thüre fuhr schnell zu und riß ihm noch den hölzernen Absatz seines
-linken Schuhes ab. So kam er noch heil davon und sie brachten das Geld
-ihren erfreuten Eltern heim.
-
-
-325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges bei Kirchberg.
-
-(Anton Bär im Glückauf, 2. Jahrg. S. 80.)
-
-In der Schlacht an der Göltzsch, in welcher die Deutschen die
-Herrschaft der Sorbenwenden in den Flußgebieten der Saale, Elster und
-Mulde brachen, verlor auch ein adeliger Sorbe das Leben. Seine Burg lag
-inmitten seines ansehnlichen Grundbesitzes auf dem Borberge, welcher
-sich nahe bei der Stadt Kirchberg erhebt. Bevor er in den Kampf gezogen
-war, hatte er seine Schätze dicht neben dem Burgbrunnen, welchen man
-noch heute auf dem Borberge zeigt, vergraben, seine Kinder aber,
-drei Mädchen von großer Schönheit, hinausgeführt in den heiligen Hain
-und sie hier geloben lassen, dem Glauben ihrer Väter treu zu bleiben
-und die heiligen Gebräuche ihres Volkes fortzuüben. Als die Deutschen
-in die Gegend einrückten, brannten sie die Burg nieder, ließen aber
-die drei Schwestern, welche unterdessen ein kleines Gehöfte am Berge
-bezogen hatten, ziemlich unbelästigt in ihrer Verborgenheit leben.
-Allerdings traf auch sie, was jetzt über alle ihre Stammesgenossen in
-der Umgegend erging: sie mußten den Weisungen der deutschen Herrschaft
-willigen Gehorsam leisten und die Taufe und den christlichen Glauben
-annehmen. Letzterer Anordnung kamen sie indessen nur widerwillig
-nach, denn der neue Glaube stand im Widerspruch mit ihrem dem
-Vater geleisteten Gelübde und erlaubte ihnen nicht, manchen alten
-liebgewordenen Gebrauch weiter zu pflegen; sie fühlten sich darum oft
-in ihrem Herzen beschwert und gingen häufig zur Nachtzeit mit anderen
-Genossen hinaus zum zerschlagenen Opfersteine und übten allda ihre
-heidnischen Gebräuche.
-
-Lange blieb das Treiben der Schwestern und ihres Anhanges verborgen,
-als aber aus dem Walde am Geiersberg heraus ein Kirchlein sich
-erhob und die Mönche dort das Seelsorgeramt mit Strenge übten, da
-setzten diese auch den Zusammenkünften am Opfersteine ein Ziel,
-und forderten die Schwestern, als die Veranstalter derselben, zu
-strenger Rechenschaft. »Ihr dient dem Herrscher der Hölle«, eiferten
-sie; »wohlan, da ihr unsere Warnungen und Mahnungen nicht beachtet
-habt, so sollt ihr auch dem Bösen verfallen sein. Wir sprechen den
-Bann über euch aus; freud- und friedlos sollt ihr sein, bis es euch
-gelingt, ein Christenkind zu herzen und zu küssen, das man aus dem
-Walde herein nach St. Margarethen zur Taufe trägt«. -- In der That
-gewann es den Anschein, als waltete über den aus der Gesellschaft
-Gestoßenen von Stund an ein freundlicher Stern nicht mehr. Jedermann
-vermied den Umgang mit ihnen; sie hatten weder Rast noch Ruhe mehr
-und mußten öfters in der Nachtzeit, wenn die wilde Jagd dahin zog,
-wie das gehetzte Wild den finstern Wald durchirren. Das waren böse,
-harte Zeiten für die Schwestern, traurige Erlebnisse, welche endlich
-in ihren Herzen die Reue erkeimen ließen, dem Willen des Vaters gemäß
-gehandelt zu haben. Vergebens erwies sich auch das Bemühen, den
-wenigen, zufällig in ihre Nähe kommenden Menschen sich freundlich zu
-erweisen, vergebens die Bitte bei den Mönchen zu St. Margarethen, den
-bösen Zauber zu lösen, welchen ihr Bann über sie gebracht hatte, die
-Not blieb und nahm zu, je älter sie wurden. Manches Jahr war bereits
-verschwunden und noch immer harrten die Schwestern des Zusammentreffens
-mit einem Kinde, das im nahen Kirchlein die Taufe empfangen sollte.
-Zwar hatte der Zufall die Gelegenheit hierzu einigemale geboten, aber
-die Scheu vor ihnen war so groß, daß man bei ihrem Erscheinen stets
-zur Seite wich und schon aus der Ferne den Versuch einer Annäherung
-zu hindern suchte. Da gewahrte einst in einer Nacht die jüngste der
-Schwestern in der Gegend, wo, umgeben vom dichten Wald, eines Köhlers
-Hütte stand, noch helles Licht; von dem Wahrgenommenen unterrichtet,
-schlichen alle drei, begleitet von ihren zwei treuen Knechten, bis
-zur Hütte und bemerkten, daß des Köhlers Weib ein Kind geboren hatte.
-Sogleich stand der Entschluß in ihnen fest, dem Kinde, wenn es zur
-Taufe getragen würde, zu nahen und dessen Begleitung um die Erfüllung
-ihres Wunsches anzugehen. -- Es währte auch nur kurze Zeit, als spät
-an einem Nachmittage der Köhler in Gesellschaft weniger Personen auf
-dem schmalen Pfade daher geschritten kam, um seinen Neugebornen nach
-St. Margarethen zur Taufe zu bringen. Alsogleich trat die älteste
-der Schwestern an ihn heran und sprach: »Lieber, laß mich Dein Kind
-sehen und herzen, Du sollst dafür auch diesen schönen glänzenden Stein
-haben, sieh' nur, wie er in der Sonne blitzt und funkelt.« Doch der
-Angeredete wandte sich ab und entgegnete: »Ich begehre weder Deinen
-Stein, noch sollst Du mein Kind sehen; halte mich nicht auf und laß
-mich weiter gehen.« Eine Strecke weiter kam die zweite Schwester und
-redete: »Lieber, sieh' dieses Goldstück, es soll Dir gehören, sobald
-Du mir erlaubst, Dein Kind einen Augenblick auf meinen Armen wiegen zu
-dürfen.« »Nein,« rief unwillig der Köhler, »Deines Goldstücks wegen
-gebe ich den Kleinen nicht aus meinen Händen; blicke nur empor, welch
-schweres Wetter am Himmel dräuet, ich will eilen, weiche zur Seite.«
-Abermals einen Steinwurf weiter kam die dritte Schwester dem Taufzuge
-entgegen. »Ei, lieber Köhler,« begann sie im muntern Ton, »Freya, die
-liebreiche, hat Dir ein Kind beschert, welches Du ohne Zweifel jetzt
-zur Taufe trägst; hier nimm diesen Wickel Flachs als Taufgeschenk,
-er soll Deinem Kinde Segen bringen, doch erlaube mir, den Kleinen
-auf einen Augenblick zu sehen.« Da reichte der Vater dem Mädchen,
-weil es gar so herzlich bat, das Kind und dieses drückte rasch einen
-warmen Kuß auf dessen Lippen. Noch redeten beide miteinander, als das
-Glöcklein von der Kapelle eifrig mahnte, das Gespräch einzustellen.
-Über den brausenden Bach auf schwankendem Steg eilte der Köhler
-hinauf zur Kapelle, die Jungfrau aber raschen Laufes zu den in banger
-Erwartung harrenden Schwestern. Wie fröhlich lenkten diese jetzt ihre
-Schritte dem Hofe zu, wie glücklich saßen sie, nachdem der jüngsten die
-Ausführung des längst gehegten Vorhabens gelungen war, dort beisammen!
-Die That, einst als Erfordernis bestimmt, den auf ihnen lastenden
-Zauber zu bannen, war erfüllt und von nun an sollte der Böse keine
-Macht mehr über sie haben.
-
-Die Taufe in der Kapelle hatte längst ihr Ende erreicht, aber das
-inzwischen zum Ausbruch gekommene Gewitter hinderte bis zum späten
-Abend den Köhler an der Rückkehr zu seiner Hütte. Mit mächtiger Gewalt
-tosete diesmal der Donnergott. Mehr als einmal fuhr der blendende
-Strahl, wie von der Kapelle aus zu bemerken war, auf den Borberg nieder
-und mußte zuletzt auch gezündet haben, denn man sah im strömenden Regen
-dort dichten Qualm und Rauch aufsteigen. Dazu ließ sich ein Pfeifen und
-Rollen in der Luft vernehmen, als wenn der Fürst der Hölle selbst sein
-Wesen triebe. Letzteres war in der That auch der Fall; denn erzürnt
-darüber, daß drei durch den Bann ihm verfallene Seelen sich seiner
-Herrschaft zu entringen gewußt hatten, fuhr er grimmig und tobend im
-Wetter davon. -- Endlich hatte die Natur ihre Ruhe wieder gefunden;
-am Himmel leuchteten bereits die Sterne, und in reicher Fülle sandte
-der Mond sein silbernes Licht zur Erde, als der Köhler mit seiner
-Begleitung den Heimweg antrat. Ohne Aufenthalt kam er auch diesmal
-nicht am Borberge vorüber. Mitten auf dem Wege, an derselben Stelle, wo
-vor wenig Stunden eine der Schwestern den Anblick seines Kindes erbeten
-hatte, hörte er plötzlich seinen Namen rufen. Er blickte empor und
-sah zwischen den Bäumen hindurch oben auf einem vorspringenden Felsen
-die drei Jungfrauen stehen und hörte zugleich, wie sie ihm zuriefen:
-»Lieber Köhler, habe Dank, daß Du dein Kind unserer jüngsten zum Kusse
-reichtest; Du hast uns dadurch aus schwerer Not und Drangsal befreit.
-Komm nur sonder Scheu herauf zu uns und nimm den Schatz, mit dem wir
-Dich belohnen wollen.« Aber dem Angerufenen und seinen Begleitern
-liefen bei diesen Worten die Schauer bald kalt, bald heiß über den
-Rücken; sie schlugen eiligst ein Kreuz und suchten schnell weiter zu
-kommen.
-
-Gegen den anbrechenden Morgen hin mochte es jedoch den Köhler
-gereuen, der Einladung nicht Folge geleistet zu haben. Der Gedanke
-an den angebotenen, von ihm aber so leichtfertig verschmähten Schatz
-beherrschte seine ganze Seele, und über sein Vorhalten peinigten ihn
-umsomehr allerlei Vorwürfe, als ja die Schwestern sich ihm immer
-freundlich erwiesen hatten. Mit dem ersten Sonnenstrahl, der seine
-Hütte traf, war er darum auch schon auf den Beinen, ging auf den
-Berg und forschte nach den drei Jungfrauen. Er kam zu ihrem Hofe,
-doch dieser lag still und abgebrannt vor ihm; er stieg hinauf zum
-zerklüfteten Gemäuer der Burg, aber auch hier war nichts von den
-Gesuchten zu sehen und zu hören. Mißmutig lagerte er sich nunmehr in
-das Gras und rief mit fast weinerlicher Stimme und allerlei zärtlichen
-Worten nach den Schwestern. Doch auch diese Mühe schien lange des
-Erfolges zu entbehren. Endlich gewahrten seine Augen hinter einem
-Stein ein kleines graues Männlein mit langem weißen Bart, welches ihm
-also zurief: »Thörichter, warum störst Du die kaum begonnene Ruhe der
-Schwestern? Warum lohntest Du ihr Vertrauen nicht wieder mit Deinem
-Vertrauen? Du hast Dein Glück verscherzt, doch Deines Sohnes werden
-sie gedenken, sobald die Sonne achtzehnmal über die Erde gegangen sein
-wird. Wisse, die einst Vielgeplagten schlafen von jetzt an bei ihren
-Schätzen im Berge; wenn sie erwachen, erscheinen sie wieder an dem
-Brunnen; begegnet ihnen dann ein Menschenkind, dem sie wohlwollen, so
-beglücken sie es mit großem Gute.«
-
-An des Köhlers Kinde ist die Verheißung zur Wahrheit geworden; ebenso
-sind im Verlauf der Zeiten die Schwestern mehreren nächtlichen
-Wanderern glückbringend erschienen. Aber noch sollen die von ihnen
-gehüteten Schätze so groß sein, daß sie davon noch vielen Erwählten
-zu spenden vermögen. Wer nun davon haben will, der gehe zur Zeit
-der Sommer- und Wintersonnenwende, sobald es nächtet, auf den Berg;
-vielleicht erscheinen die Schwestern und lassen ihn Gnade finden vor
-ihren Augen.
-
-
-326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.
-
-(Mündlich.)
-
-Zwischen den Dörfern Lichtenberg, Burkersdorf bei Frauenstein
-und dem als Sommerfrischort in Aufnahme gekommenen Mulda erhebt
-sich der Burgberg, auf dessen Gipfel man noch die Überreste eines
-Doppel-Steinwalles und einen Brunnen, »Junfernbrunnen« genannt, sieht.
-Nach der Volkssage stand ehemals auf diesem Berge ein Schloß, und in
-einer weiten Felsenhöhle soll daselbst noch ein großer Schatz in einer
-Braupfanne liegen. Zuweilen hat man des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr
-von Lichtenberg aus auf dem Berge ein Licht gesehen, und wenn man dann,
-wenn sich das Licht zeigt, den Gipfel erklimmt und einen weißhaarigen
-Jungen mitbringt, dann ist man fähig, den Schatz zu heben. Jedoch sind
-schon viele Personen, welche dies versuchten, von dem Lichte oder einem
-Hahne, welcher auf dem Platze des alten Schlosses erscheint, irre
-geführt worden. Der Hahn soll ein verzauberter Burgherr sein; derselbe
-ist erlöst, wenn es jemandem gelingt, den Schatz zu heben. Der Eintritt
-in den Geldkeller, und ebenso der Austritt, muß stillschweigend
-geschehen. Einer kam einst hinein und da sah er viel Gold und
-Edelsteine, von denen er sich eine große Menge mitnahm. Als er aber
-durch das Thor getreten war und in seiner Freude einen Laut ausstieß,
-schloß sich plötzlich dicht hinter ihm die Pforte und die Schätze,
-welche er soeben noch getragen hatte, waren wie ein Traum verschwunden.
-
-Es lebte einmal in dem Dorfe Lichtenberg ein Junge, der sehr verwegen
-war, und den man deshalb den »Waldteufel« nannte. Derselbe kam einst
-mit zwei andern Jungen auf den Berg und kletterte an den Felsen,
-welcher nördlich von den Wällen steil abfällt. Hier sahen sie eine
-tiefe Felsenkluft und über derselben waren zwei Felszinken. Da hielt
-sich der »Waldteufel« an diesen Zinken fest und die beiden andern
-Jungen halfen ihm, so daß er sich etwas in der Spalte hinablassen
-konnte. Da sah er in der Tiefe einen großen Haufen Knochen, so daß er
-sich doch fürchtete, obschon er sonst beherzt war, und schnell wieder
-heraufstieg. Von Geld hat er aber nichts gesehen.
-
-Übrigens sind auf dem Berge und in seiner Nähe schon viele Leute, auch
-bei Tage, so bethört worden, daß sie lange Zeit in der Irre gegangen
-sind.
-
-Der oben genannte Brunnen soll immer Wasser gehabt haben, und wenn man
-versucht hat, dasselbe auszuschöpfen, so gelang es nicht.
-
-
-327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.
-
-(Mündlich.)
-
-Da, wo sich jetzt die Schäferei von Voigtsdorf bei Sayda befindet, soll
-einst ein Schloß gestanden haben, das in einem Kriege, vielleicht im
-Hussitenkriege, eingeäschert wurde. Bei dieser Zerstörung wurde ein
-Schloßfräulein mit ihren Schätzen verschüttet. Ein Mann hat vor vielen
-Jahren wiederholt an dem Platze gegraben, um des Schatzes teilhaftig zu
-werden, jedoch nichts finden können.
-
-
-328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.
-
-(Richter, Chronica der Stadt Chemnitz I. 1767, S. 54.)
-
-Der ehemalige Schulrektor in Chemnitz, Paulus Niavis, welcher sich
-gegen das Jahr 1494 von da nach Leipzig gewendet, erzählt, daß bei
-dem Bürgerwald, das ist der jetzige Zeisigwald, ein kleiner Hügel bei
-des Bürgermeister Arnold Felde wäre, da habe unten an dem Fuße des
-Hügels eine große ausgebreitete Fichte gestanden, und daselbst wäre
-eine Höhle, von außen mit Dornen und Brombeersträuchern verwachsen;
-von dieser würde erzählt, daß in ihr ein großer Schatz von Golde
-verborgen liege, dieweil die Leute in dem Hussitenkriege ihr Vermögen
-darin verstecket. Solcher Schatz aber wäre besessen; es hätten einige
-Schatzgräber denselbigen haben wollen, aber nichts ausgerichtet.
-
-
-329. Der Schatz im Taurasteine.
-
-(Chemnitzer Tageblatt, 1882, No. 89, und nach einer poetischen
-Bearbeitung, mitgeteilt vom Lehrer Drescher in Burgstädt.)
-
-In dem Taurasteine bei Burgstädt soll ein Schatz liegen. Auch
-erzählt die Sage von einem unterirdischen Verbindungswege zwischen
-dem Taurasteine und dem Rathause in Burgstädt. Einst soll auch auf
-dem Taurasteine ein Altar der heidnischen Wenden gestanden haben,
-welche sich, von ihren Priestern gerufen, im Hahnbusche versammelten,
-wenn sie zum Opfer hinaufzogen. Die Wenden und ihre Priester wurden
-vertrieben, aber noch lassen sich auf dem Platze gespenstische Männchen
-sehen, welche den verborgenen Schatz hüten. Es geschah einmal, daß ein
-Bewohner Burgstädts durch den Wald auf den Stein ging. Von der Hitze
-ermattet, legte er sich im Waldesgrün, wo ihn wohlthätige Kühlung
-umfing, nieder und fiel bald in einen tiefen Schlaf. Plötzlich rief
-ihm eine Stimme zu: »Stehe auf, denn ich führ Dich zu Deinem Glücke!«
-Als er die Augen aufschlug, war es Nacht und vor ihm stand ein graues
-Männchen. Mit unsichtbarer Macht zog es ihn, dem Männchen zu folgen,
-wohin ihn dasselbe führte. Bald standen sie vor einer geöffneten
-Pforte, und im Innern der Höhle lagen Haufen von hellleuchtendem Golde.
-Da sagte das Männchen: »Jetzt sind wir am rechten Orte. Alles was Du
-hier siehst, soll Dein sein und Du bist alle Deine Sorgen los. Nur
-eine Kleinigkeit wünsche ich dafür von Dir: Dein Weib gebar Dir einen
-Knaben, den sollst Du mir für all dies Gold schenken, daß er mir mit
-Leib und Seele gehört.« Da nahm der fromme Burgstädter schnell ein
-Kreuz, der Christen heiliges Zeichen, das er bei sich trug, hervor
-und hielt es dem Verführer entgegen. Plötzlich stürzten die Felswände
-krachend ein und das Gold sank wieder in die Tiefe hinab. Der Arme aber
-fiel mit bleichem Gesichte wie leblos zwischen dem Gesteine nieder,
-und als er am Morgen erwachte, wurde gar freundlich in der nahen Stadt
-das Pfingstfest eingeläutet. Zu Hause angekommen, fand er sein Weib,
-welches ihm in der Nacht ein Söhnchen geboren hatte, und als sich die
-Kunde von dem Geschehenen in der Stadt verbreitete, da eilte jung und
-alt nach dem Taurasteine, ob man noch etwas von dem Golde sehen möchte;
-doch jede Spur von der reichen Schatzkammer war verschwunden.
-
-
-330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im Kaiser
-Wilhelmsthale bei Nossen.
-
-(Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ II. S. 107.)
-
-Im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen zeigt sich in der Nähe der
-Pfarrbrücke, besonders an herbstlichen Abenden, ein schwarzer Pudel
-mit feurigen Augen, der sich einsamen Wanderern aufzuhocken pflegt. Er
-soll eine von 1813 hier längere Zeit lagernden Franzosen vergrabene
-Kriegskasse bewachen, die links unter der großen Linde liegt, des
-wachsamen Pudels wegen aber noch von niemandem gehoben werden konnte.
-
-
-331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.
-
-(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ I. S. 189.)
-
-Den Burgberg zu Gleisberg krönt ein alter heidnischer Rundwall, in
-welchem angeblich im Mittelalter eine Burg stand. In dem Wallkessel,
-zu dem einige Stufen führen, soll ein großer Schatz liegen, dessen
-Dasein vielseitig bemerkte kleine blaue Flämmchen verkünden. Ein
-Nossener hatte sich einst daran gemacht, den Schatz zu heben, als er
-aber auf der Stelle, wo der Schatz liegen sollte, eine große Menge
-schwarze Kröten mit hellleuchtenden Augen sitzen sah, stand er von
-seinem Vorhaben ab. Mehrere Marbacher, die zu gleichem Zwecke auf
-dem Burgberge erschienen, wurden durch große schwarze Schlangen mit
-feurigen Augen veranlaßt, umzukehren.
-
- Kröten und Schlangen sind wie der Drache Hüter von Schätzen. In der
- Lausitz sagt man, daß, wo eine Kröte sitzt, ein Schatz liege. (Haupt,
- Sagenbuch d. L. I. No. 301.)
-
-
-332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.
-
-(Alfred Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella (o. J.), S. 11.)
-
-Auf dem Rodigberge bei Nossen befindet sich ein großer Rundwall, in
-welchem angeblich die erste Burg Nossen stand, der aber jedenfalls
-ein heidnischer Wall sein dürfte. In diesem Walle giebt es Stellen,
-die beim Darauftreten hohl klingen und auf alte verschüttete Gewölbe
-jener Burg hindeuten sollen. Der Sage nach liegt darin ein bedeutender
-Schatz, der in der Mitternachtsstunde des Christabends gehoben werden
-kann. Schon viele Leute haben an erwähnten Stellen blaue Flämmchen
-herumhüpfen sehen.
-
-
-333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.
-
-(Alfred Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im
-Zellwalde, 1874, S. 7. ~Saxonia~ I., S. 172.)
-
-Eine Stunde von Nossen entfernt und nahe dem Dorfe Marbach liegt die
-Stelle, auf welcher in den Jahren 1141 bis 1146 Thammo von Strehla ein
-Klösterlein gründete, welches aber endlich einging und dessen Gebäude
-abgetragen wurden. Nahe der jetzigen Bahnmeisterwohnung sieht man eine
-Vertiefung; diese war einst der Klosterbrunnen. In denselben hatten die
-letzten Mönche eine Glocke und vieles Gold- und Silbergeräte geworfen
-und den Brunnen dann mit 95 Klaftern Stöcke zugeschüttet. Diese Schätze
-harren noch der Ausgrabung. Nach einer Tradition bewacht sie ein Pudel
-mit feurigen Augen, der bereits oft nächtliche Wanderer des Zellwaldes,
-»die nicht mit Eisen oder Stahl versehen waren«, belästigte.
-
- Die letzte Bemerkung vom Eisen oder Stahl bezieht sich jedenfalls
- auf den bei deutschen und Slaven verbreiteten Glauben, daß man auf
- den durch glühende oder erloschene Kohlen oder Flämmchen angezeigten
- Schatz eiserne und stählerne Gegenstände, besonders Messer u.
- dgl., aber auch Geldstücke, selbst Brot oder ein auf bloßem Leibe
- getragenes Kleidungsstück werfen müsse, um beim Heben des Schatzes
- alle Gefahr von sich abzuwenden. (Jac. Grimm, Deutsche Mythologie,
- 1835, S. 544. Veckenstedt, Wendische Sagen etc., 1880, S. 356.)
-
-
-334. Der Schatz im Kloster Grünhain.
-
-(Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen o. J. S. 453.)
-
-In der Klosterkirche zu Grünhain liegt angeblich ein großer Schatz
-begraben. Im März des Jahres 1657 hat der Schäfer Eucharius Bömely
-zu Grünhain einen Bergmann 6 Tage und Nächte darnach graben lassen,
-aber als derselbe in der letzten Mitternacht gehoben werden sollte, so
-bewegte der Bergmann mit der Keilhaue eine Wand, ließ sie jedoch der
-Schwere wegen wieder gehen, worauf die Wand eine Viertelelle tiefer
-sank und mit ihr der vermeinte Schatz. Man ließ sofort einen gewissen
-Rutengänger Tippmann kommen, der das Vorhandensein des Schatzes mit der
-Rute feststellte, doch brachte man nichts zustande, da der Schatz unter
-großem Geräusche immer weiter vorrückte. Es ist ein »großer, reicher
-Schatz gewesen, so einst der Abt zu Ebersbach in Franken Siegmund
-Siegeln anvertraut, aber wohl sehr flüchtig und schwer zu erlangen und
-darum ist es auch mißlungen«, erläutert die Chronik.
-
-
-335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.
-
-(Nach Mitteilung des Ratsaktuars Fr. Köhler in Sayda.)
-
-Ungefähr in der Mitte zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf erhebt sich
-in der Flur des letzteren Ortes auf dem höchsten Punkte des dasigen
-Geländes ein Gneiskegel, der »Alpstein« genannt. Vor einigen Jahren
-ist derselbe zum Teil abgetragen und beim Bau einer Scheune verwendet
-worden. Von diesem Alpstein erzählt die Sage, daß sich daselbst zu
-Zeiten ein Hund mit feurigen Augen, sowie ein schwarzes Männchen habe
-sehen lassen. Wer diesen Erscheinungen folge, der würde nach der Stelle
-geführt werden, wo bei dem Steine ein Schatz vergraben liege. Selten
-aber wird jemand zur Nachtzeit an dem Steine vorübergegangen sein.
-
-
-336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.
-
-(Mündlich.)
-
-An dem auf der Höhe des rechten Muldenufers mitten im Walde zwischen
-Schloß Stein und Niederschlema sich erhebenden weißen Fels soll eine
-goldene Kette liegen, welche in gewissen Nächten aus der Tiefe steigt
-und sichtbar wird. Einst träumte einem Manne in Lößnitz, daß er an dem
-weißen Fels sein Glück machen werde, er solle nur in einer gewissen
-Nacht um die Mitternachtsstunde dorthin gehen. Der Mann that es, und da
-sahe er an dem genannten Felsen eine goldene Kette liegen, so groß wie
-eine Hemmkette. Beherzt ergriff er dieselbe, da sie aber zu schwer war,
-so faßte er sie am ersten Gliede und schleppte sie hinter sich fort.
-Auf dem Nachhausewege aber sah er neben sich allerlei Spuk und er hörte
-auch dicht hinter sich einen greulichen Lärm. Doch ließ er sich dadurch
-nicht stören, sah sich auch nicht um, sondern er zog die Kette mit sich
-fort bis vor seine Wohnung. Da er aber die Hausthüre öffnen wollte,
-wurde der Lärm noch größer und es klang, als ob alle bösen höllischen
-Geister dicht an seinen Fersen wären. Jetzt konnte er es nicht mehr
-verwinden, ohne einen Blick rückwärts in sein Haus zu treten, da er
-sich nun für geborgen hielt. Er sah sich um; plötzlich aber wurde alles
-still und die goldene Kette war verschwunden. Nur das erste Glied hielt
-er in seiner Hand. Es war jedoch genug, um ihn zum vermögenden Manne zu
-machen.
-
-
-337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau.
-
-(Mündlich.)
-
-Es war einmal ein Krieg ausgebrochen. Da vergrub einer aus der
-berühmten und reichen Familie derer von Römer in dem roten Berge,
-welcher sich nahe bei der Stadt Werdau erhebt, eine Braupfanne voll
-Geld, um dasselbe vor den Feinden zu verbergen. Als dann jener Römer
-starb, hinterließ er den Schatz demjenigen seiner Nachkommen, welcher
-nur mit einem Auge auf die Welt kommen würde. Von da an sahe man lange
-Zeit hindurch alle Nächte von 11 bis 12 Uhr auf dem genannten Berge ein
-Licht, und es wurde gesagt, daß sich dasselbe gerade über der Stelle
-befinde, an welcher in der Tiefe der Schatz verborgen worden war.
-Ebenso zeigte man eine kleine Höhle als Anfang des Ganges, in welchem
-man zu der mit Gold und Silber gefüllten Braupfanne gelangen könne.
-
-Da nun kein einäugiger Römer geboren wurde, so beschlossen endlich
-zwölf Männer, unter denen sich auch der Pfarrer von Werdau befand,
-den Schatz zu heben. Ehe sie aber an's Werk gingen, segnete der
-Priester sich selbst und die Teilnehmer in der Kirche ein, und sie
-nahmen darauf ein aus Wachs geformtes einäugiges Kind mit, welches bei
-Kerzenlicht feierlich getauft worden war. Mit brennenden Kerzen zogen
-darauf alle in der Mitternachtsstunde nach dem Orte, an welchem der
-Schatz verborgen war. Unter Furcht und Zittern waren sie vor der Höhle
-angelangt und unter Gebet bereiteten sie sich zum Eintritte vor. Da auf
-einmal that sich mit einem furchtbaren Getöse der rote Berg weit auf,
-und ein feuriger Hund kam wie ein Löwe brüllend auf sie zu und rief:
-»Welchen nehmen wir zuerst?« Eine Stimme aus der Tiefe aber antwortete:
-»Den mit dem roten Tuche!« Wie die Männer diese schreckhaften Worte
-hörten, flohen sie entsetzt und freuten sich, als sie aus dem Bereiche
-des Ungetüms gekommen waren, ihres glücklich geretteten Lebens. Sie
-erzählten zwar, daß sie noch im Innern des Berges die große, mit Geld
-gefüllte Braupfanne gesehen hätten, doch da sie bald darauf, einer nach
-dem andern, starben, so ist niemandem mehr die Lust angekommen, den
-Schatz zu heben.
-
-
-338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.
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-(Nach v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, II., S. 415 bei Gräße,
-Sagenschatz, 2. Aufl., Nr. 590.)
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-Bei Christoph Müller, Besitzer eines Vorwerkes zu Elterlein, diente
-im Jahre 1702 eine gewisse Magdalena Gräßler, 18 Jahre alt. Dieser
-erschien 14 Tage vor Johannis ein kleines Männlein mit einem grauen
-Kopfe und Bart, in ein altes graues Röckchen gekleidet, und eröffnete
-ihr, daß bei dem Backofen ein Kästchen mit Geld, welches eine alte Frau
-in Kriegszeiten vergraben, sich befinde und 500 Thaler Geld enthalte.
-Der Geist forderte sie auf, ihn zu begleiten, um den Schatz zu heben,
-mit der Bemerkung, sie solle von dem Gelde 50 Thaler der Kirche zu
-Elterlein, 50 Thaler ihrem Dienstherrn geben, die übrigen 400 Thaler
-aber für sich behalten, aber nicht an Hoffart wenden, sondern ihren
-alten Vater damit erhalten. Das Mädchen verkroch sich vor Angst in ihr
-Bett, der Geist ließ sich aber nicht abschrecken, sondern kam in den
-folgenden Nächten immer wieder, auch forderte er sie dringend auf,
-den Schatz zu heben, bis sie am Abend vor Johannis ihm versprach, sie
-wolle am nächsten Tage zu Mittag, aber nicht in der Gespensterstunde,
-nach dem Schatze graben. Sie entdeckte sich nun ihrer Dienstherrin
-und am Mittag begannen beide zu graben. Jene überließ jedoch bald
-die beschwerliche Arbeit der Gräßler, indem sie sich neben derselben
-hinlegte. Nach längerem Graben kam diese mit dem Spaten auf einen
-breiten Stein, der bei dem Berühren des Eisens wie Kettengeklirr tönte.
-Das Mädchen erhob den Stein, erblickte darunter ein Kästchen von
-Eisen, etwa ½ Elle lang und 1½ Elle breit, erhielt aber gleichzeitig
-von ihrer Dienstherrin einen Schlag aufs Kreuz, so daß sie sich umsah.
-In diesem Augenblicke entstand ein heftiges Gepolter, das Kästchen
-aber war verschwunden. In der folgenden Nacht erschien der Geist dem
-Mädchen wiederum und sagte: »Du bist heute gestört worden, allein du
-kriegst es noch, in sieben Jahren komme ich wieder, es ist niemandem
-als dir beschert, bete fleißig!« Mit diesen Worten nahm das Männchen
-Abschied, das Mädchen vermietete sich auf ein anderes Vorwerk, aber
-Ende Juli 1705 hörte es die Stimme des Geistes, welcher sprach: »Ich
-bin vor drei Jahren bei dir gewesen, und weil dein gewesener Herr das
-Geld herausgegraben und gefunden hat, so melde ich es dir.« Die Gräßler
-verlangte es auch von ihm und zwar auf gütlichem Wege, allein Müller
-leugnete alles und gab nichts heraus.
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-339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.
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-(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885,
-S. 125.)
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-Auf dem Plateau des Seeberges oberhalb Eisenberg liegen die Trümmer
-einer Burg zerstreut, welche längst von Grün aller Art überwuchert
-sind. Der Volksmund weiß nicht anzugeben, ob es eine Grenzveste oder
-ein Jagdschloß gewesen, doch wird die Erbauung in das achte bis zehnte
-Jahrhundert verlegt. Die Sage erzählt, daß hier ein Burgfräulein die
-vergrabenen Schätze bewache, und daß solches auch Holz und Beeren
-suchende Leute schon zu verschiedenen Malen gesehen haben wollen;
-doch nur einem Menschenkinde reinen Herzens sei es vergönnt, ihr zu
-folgen. Ersteigt ein solches während der Passionsstunde den Berg, dann
-erscheint das Fräulein demselben auf dreimaligen Ruf und winkt --
-wortlos und ohne Furcht müsse man ihr folgen und könne dann Schätze
-ungemessenen Wertes heben -- dann sei auch der Geist erlöst. Doch auf
-den ersten Laut verschwinde die Erscheinung mit Weinen und Gebärden des
-Leides.
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-340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.
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-(A. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S.
-124.)
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-Auf dem Riesenberge bei Ossegg steht ein Turm, worin ein Schatz
-vergraben sein soll, und der Glückliche, der ihn einst heben wird,
-muß erst geboren werden. Es werden einst zwei leibliche Geschwister
-mit einander eine Ehe eingehen, und dieses Ehepaar wird vom Himmel
-mit einem Kinde beschenkt werden. Dieses Kind aber muß in einer Wiege
-»eingeschlummert« werden, deren Holz von einer Fichte stammt, die auf
-dem Flecke gewachsen ist, unter welchem derjenige ruht, der den Schatz
-in dem Turme vergraben hat. Wenn nun dieses Kind erwachsen sein wird,
-so ist es berufen, den Schatz zu heben und wird ihn auch finden, ohne
-daß es nach demselben sucht. Denn im Traume wird ihm gesagt werden,
-daß es den Schatz heben soll, und es wird ihm auch die Stelle genau
-bezeichnet werden. Dann erst, wenn der Schatz gehoben ist, wird auch
-die arme Seele erlöst sein, welche bei Lebzeiten den Schatz vergraben
-hatte.
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-341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.
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-(Nach einer Mitteilung des Seminarist Reinmuth.)
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-Eine halbe Stunde von Haslau entfernt liegt ein Wald, den man nach
-dem Kiefernbestande das Kiefrig nennt. Hier befindet sich ein
-Felsen, auf welchem einst ein Raubschloß gestanden haben soll,
-und darnach nennt man den Felsen jetzt auch gewöhnlich kurz das
-Raubschloß. Unter dem Felsen aber soll ein großer Schatz liegen. In
-dem genannten Dorfe glauben manche Leute, daß verborgene Schätze am
-Weihnachts-Heiligenabend gehoben werden können. Daher ging auch vor
-wenigen Jahren ein Oberhaßlauer Bergarbeiter zu dieser Zeit hinaus zum
-Raubschlosse, um daselbst den Schatz zu heben. Als er die üblichen
-Zeichen gemacht hatte und nun im Begriffe war nachzugraben, erblickte
-er auf einmal eine Gestalt, welche so zart wie Spinnwebe war. Diese
-gespenstische Gestalt sprang plötzlich auf seinen Rücken und klammerte
-sich an seinem Halse fest. Wie er dieselbe wieder los geworden, wird
-nicht erzählt, wohl aber, daß sich der Mann, als er glücklich nach
-Hause gekommen war, krank niederlegte und nicht wieder aufstand,
-sondern nach einem Jahre starb.
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-VII.
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-Wundersagen.
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-Durch Wunder geschieht Übernatürliches, d. h. alles das, was sich über
-die Naturgesetze erhebt. Wunder können daher nur Götter oder dämonische
-Wesen verrichten; wo sie von Menschen verrichtet werden, da wohnt in
-letzteren allemal etwas Dämonisches.
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-Wenn uns die Sagen von Wunderblumen erzählen, durch welche sich
-Berge mit darin verborgenen Schätzen öffnen, so leben wir auf dem
-Gebiete des Übernatürlichen, zugleich aber offenbart sich uns darin
-eine tiefe Symbolik. Die ersten gelben, blauen, weißen oder roten
-Frühlingsblumen sind die Abbilder des Blitzes, durch welchen Donar im
-Frühlinge die Berge des Himmels, d. h. die Wolken erschließt, so daß
-darauf die golden glänzende und Segen spendende Sonne sichtbar wird.
-Unter gewaltigem Krachen öffnet sich der Berg, unter Donner die Wolke,
-und Donar ist es selbst, welcher sie mit seinem Blitze öffnet, er ist
-der Hirte, von dessen Hand die Blume abgepflückt ward, die dann den
-Zugang zu den Schätzen im Innern des Berges erschloß. (Mannhardt,
-Die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 204.) In allen hierher
-gehörigen Sagen ertönt die warnende Stimme: »Vergiß das Beste nicht!«
-und so ist dieser Zuruf nach Jac. Grimm (Deutsche Myth. S. 545) wohl
-die Blume selbst, unser »Vergißmeinnicht«, zu dessen Namen sich später
-erst die sentimentale Deutung bildete, oder der »Gamander« und das
-»Mausöhrchen«, welche beide ebenfalls vom Volke, das ihre Wunderkraft
-berücksichtigte, als »Vergißmeinnicht« bezeichnet wurden. Oder die
-Wunderblume ist die gelbe Schlüsselblume, das »Himmelschlüssel«,
-worauf eine Sage hinweist, welche Henne-Am-Rhyn (Deutsche Volkssage,
-S. 79) uns mitteilt. Darnach saß die Berg-Jungfrau am Steinböckli bei
-Unter-Erendingen im Aargau als Hüterin auf einem Häuflein gepflückter
-Schlüsselblümchen in der Morgensonne, ein Schlüsselbund, das sich hier,
-wie in anderen Sagen, stets auf einen verborgenen Schatz bezieht, an
-der Seite. Ein aufgehobenes Schlüsselblümchen verwandelte sich darauf
-in der Hand eines Jünglings in ein hellglänzendes Goldstück. -- Wenn
-oben auf die Symbolik des Blitzes als Wunderblume hingewiesen wurde,
-so ist hier die Schlüsselblume unverkennbar eine solche, da sie sich
-in den Händen des Jünglings in ein Goldstück verwandelt; nach einem
-deutschen Volksglauben schlägt der Donner Gold ins Haus, und in Tyrol
-sagt man von den nach einem Gewitter gefundenen Münzen, daß sie vom
-Himmel gefallen seien.
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-Wie das Eisenkraut (~Verbena~) als »Wunschkraut«, wenn man dasselbe
-beim Aufgehen des Hundssterns sammelte, ehe es von Sonne oder Mond
-beschienen war, und ebenso die »Wünschelsamen«, d. h. die Sporen des
-Farnkrauts, alle Wünsche erfüllten (Reling und Bohnhorst, Unsere
-Pflanzen, S. 62 und 112), so galt auch die Wünschelrute unbeschadet
-ihrer Beziehung zu Donar als wunderkräftiger Stab, der dem Menschen
-von Odhin, als dem Herrn des Wunsches und Wisser der Orte, wo Gold und
-Silber in der Erde liegen, verliehen ward. Nach Jakob Grimm drückt der
-Wunsch den Inbegriff von Glück und Heil aus. Die Wünschelrute heißt
-darum in David Kellners 1702 zu Nordhausen geschriebenen »~Schola
-metallurgica~« oder »wohleingerichteten Bergmanns-Schule« auch
-Glücksrute, und hinzugefügt wird dabei, daß man sie noch »Wicker« oder
-»Wahrsager« nenne, »sintemal das alte deutsche Wort wicken so viel
-ist, als vorher- oder wahrsagen.« Die Wünschelrute ist der Kompaß,
-welcher in der Mitternachtsstunde des ersten Maitages den Ort anzeigt,
-wo die Wunderblume blüht (Mannhardt a. a. O. S. 206); sie führt nach
-den ältesten Überlieferungen zu verborgenen Schätzen, ja noch mehr
-als dies: sie stärkte und vergrößerte fort und fort deren Gehalt und
-verlieh dem Besitzer übermenschliche Kräfte, und darum sagt auch die
-Edda von dem Nibelungenhorte, »dem Schatze, der nichts anderes als nur
-Gestein und Gold enthielt,«
-
- »Es lag der Wunsch darunter: von Gold ein Rütelein;
- Wer dessen Kraft erforschte, der möchte Meister sein
- Wohl auf der ganzen Erde und über jeden Mann.«
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-Hier wird die Wünschelrute golden genannt, und obschon man in der
-Blütezeit ihres Gebrauchs vereinzelt auch aus Messingdraht gemachte
-Ruten, ja selbst Lichtscheren, wie uns sagenhafte Überlieferungen
-melden, mit gutem Erfolge anwandte, so war es doch hauptsächlich der
-Haselstrauch und in einigen Fällen noch der Kreuzdorn, wenn der Zweig
-in einem Jahre gewachsen und kein Flecken altes Holz daran war, von
-welchem sie abgeschnitten wurde. Nach einer Kärntner Sage von der
-Erbauung des Schlosses Waisenburg wurde ein Mädchen in einem Traume
-belehrt, sie möge mit einem Wachholderzweige einen Schatz suchen; dort,
-wo sich das Zweiglein der Erde zuneige, solle sie nachgraben. (Österr.
-Touristenzeitung 1885, No. 10.) Der dem Donar geweihte Haselstrauch
-ist nach der Sage mit wunderbaren Kräften ausgestattet. Sein Zweig
-schützt gegen den Blitz, denn letzterer darf weder den Strauch, noch
-denjenigen treffen, welcher unter ihm Schutz sucht; ein Haselstab, mit
-einem Hollunderzweige übers Kreuz gebunden, schützt gegen das wütende
-Heer; Haselzweige in den Ställen bessern den Viehstand auf; drei
-derselben auf dem Boden einer Scheune sichern das Getreide gegen allen
-Schaden; Kühe, von den Hirten mit Haseln an die Lenden geschlagen,
-geben reichlich Milch; ein am Karfreitage vor Sonnenaufgang im Namen
-des dreieinigen Gottes stillschweigend mit drei Schnitten abgelöster
-Zweig überträgt die Schläge auf den Abwesenden, und so weiß das Volk
-noch manche Kräfte zu nennen, welche dem Strauche verliehen wurden. Im
-Schwarzwalde trugen einst die Hochzeitsleute eine Haselrute, und an
-einigen Orten Frankreichs umtanzt man noch jetzt die Johannisfeuer mit
-einem Haselzweige.
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-Für die Wünschelrute mußte vom Strauche eine jährige Zwiesel oder
-Gabel, welche so stand, daß Ost- und Westsonne durch dieselbe schien,
-im Mondschein geschnitten werden. Man wählte dazu am liebsten die
-Johannis-, aber auch Christ- und Karfreitagsnacht, oder die der
-heiligen drei Könige, nachdem man die Rute bei Neumond gesucht hatte.
-Sie durfte weder mit Hülfe eines Messers oder anderen metallenen
-Werkzeugs, sondern mußte mit einem scharfen Feuerstein rasch vom Stamme
-gelöst werden, damit der Strauch nicht Zeit habe, die geheimnisvolle
-Kraft aus dem Zweige herauszuziehen. Dabei kehrte man sein Angesicht
-nach Morgen, neigte sich dreimal vor der Rute und sprach: »Gott segne
-dich, du edles Reis! Mit Gott dem Vater such' ich dich, mit Gott dem
-Sohne find' ich dich, mit Gott des heiligen Geistes Macht und Kraft
-breche ich dich. Ich beschwöre dich Rute und Sommerlatte bei der Kraft
-des Allerhöchsten, daß du mir wollest zeigen, was ich dir gebiete,
-und solches so gewiß und wahr, so rein und klar wie Maria, die Mutter
-Gottes, eine reine Jungfrau war, da sie unsern Herrn Jesum gebar, im
-Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen!«
-(Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 712.) Beim Gebrauche
-faßte man die Rute an den beiden Zwieselenden, so daß sich der Stiel,
-in welchem sie zusammenliefen, aufwärts kehrte. Kam man damit über
-die in der Erde liegenden Erzgänge, so beugte sie sich gewaltig
-nieder, während sie dann, wenn man dem Gange nicht folgte, sondern ihn
-überschritt, gerade über sich unbeweglich stand. Etliche Rutenschläger
-»gingen mit ihr stillschweigend über das Gebirge, etliche aber fragten
-dieselbe entweder laut oder nur in Gedanken auf allerhand Manier
-und faßten auch ein gewiß Metall, dergleichen sie gern erkundigen
-wollten, daneben in der Hand.« »Es ist aber«, wie die oben genannte
-~Schola metallurgica~ (S. 196) schreibt, »diese Wirkung der Rute ein
-Wunder der Natur und verborgenen Sache, deren Ursache man nicht wohl
-erkundigen kann, ebenfalls wie der Magnet das Eisen, der Agtstein, so
-er erhitzet, das Stroh oder Sprey, der Serpentin oder Schlangenstein,
-wo er im Felde lieget, die Schlangen an sich ziehet, und dergleichen
-natürliche Wunder viele mehr.«
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-Nach Jacob Grimm unterschied man von der Wünschelrute mehrere Arten:
-als Feuerrute, Brandrute, Springrute, Schlagrute und Beberute, und man
-glaubte mit ihr nicht nur verborgene Schätze und Erzadern, sowie taube
-Gänge, »alte Gebäude und Gezimmer in der Erde«, sondern auch Salz-
-und Kohlenlager und Wasserquellen, ja Mörder und Diebe zu entdecken.«
-(Grimm, Deutsche Myth. S. 546.) Der Verfasser der ~Schola metallurgica~
-fügt außerdem (S. 490) hinzu, daß man von ihr fast alles erkundigen
-wolle, was in der Welt geschähe, ob nämlich diese oder jene Person
-zu Hause sei, oder ob man eine belagerte Festung erobern werde und
-dergleichen mehr; doch kann er nicht umhin, dabei hinzuzusetzen, daß
-ihm dieses sehr verdächtig vorkomme. Nach einer Überlieferung aus
-Johanngeorgenstadt schlägt die Rute auch auf verborgene Rainsteine und
-durch sie werden Diebe entdeckt und gestohlene Sachen wieder gefunden.
-
-In das Bereich der Wundersagen gehören auch die Überlieferungen
-von den Venedigern oder Wahlen, jenen rätselhaften Fremden, welche
-außer dem Fichtelgebirge, Thüringerwalde, dem Vogtlande und andern
-mitteldeutschen Gebirgen auch das Erzgebirge nach Gold durchsuchten
-und von dem Volke mit übernatürlichen Kräften ausgestattet wurden. Sie
-kannten das Innere der Berge, wuschen die Goldkörner aus dem Sande der
-Flüsse und waren mancher Zauberkünste kundig. Vielleicht sind manche
-der von ihnen meldenden Sagen auf die Schätze hütenden Berggeister
-zurückzuführen, umsomehr, da in den Volkssagen der Oberpfalz die
-Venetianer häufig Größe und Aussehen der Bergmännchen besitzen. In
-der Bavaria (III. S. 269) deutet E. Fentsch die Wahlen als Wenden und
-verweist dabei auf eine Ansicht von Baumers, nach welcher die Vallen
-des Plinius ein slavischer Volksstamm waren, welcher beim Vordringen
-aus dem Osten Europas bis in die Fichtelgebirgsgegend gelangte und dort
-seine alte Kunst, nach Gold und andern Metallen zu graben, ausübte.
-(Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 104.) Wir können dann noch
-weiter gehen und auch die Venediger des Erzgebirges auf zerstreute
-Sorben zurückzuführen, welche, als einem unterdrückten Volksstamme
-angehörig, in der Überlieferung nach und nach zu zwerghaften Wesen
-zusammenschrumpften. Meldet uns doch auch eine alte Nachricht, »daß
-schon dreihundert Jahre vor Aufkunft des Goslarischen Bergbaues unter
-Otto I. die böhmischen Wenden unser Obergebirge (Erzgebirge) jenseits,
-unsere Wenden aber diesseits (d. h. auf jetzt sächs. Seite) angebaut,
-daselbst Eisenstein gegraben, Eisenhämmer und Schmelzhütten angelegt
-und von Pirna bis an Hof im Vogtland alle Wälder, Berge und Hügel
-durchschürft hätten.« (Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues
-im s. Vogtland, S. 2.)
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-Neben den Sagen von Wunderblumen, welche den Zugang zu unterirdischen
-Schätzen öffnen, von der Wünschelrute und den Gold suchenden Venedigern
-sind auch diejenigen für unser Gebirge charakteristisch, welche uns von
-Träumen und Prophezeiungen erzählen, durch welche reiche Silbergänge
-angezeigt wurden. Es ist ein alter Glaube, daß vermittelst der Träume
-durch Schutzgeister der Wille der Götter den einzelnen Menschen als
-Rat oder Warnung mitgeteilt wird, und daher hegte man von jeher das
-Vertrauen auf Erfüllung dessen, was man geträumt, weil man darin
-Winke des Schicksals erblickte. In gleicher Weise wurden auch die
-Ahnungen, d. h. das Träumen im wachen Zustande, als Eingebungen der
-Götter angesehen, und ebenso achtete man bereits im Heidentume auf
-die Erscheinungen der belebten Natur; man erblickte in denselben,
-sowie in allen Dingen einen ursächlichen Zusammenhang, so daß man in
-den wunderbaren Gestaltungen der Wolken und in anderen auffälligen
-Erscheinungen am Himmel und in der Luft die Beschlüsse des von Göttern
-über den einzelnen Menschen oder ein ganzes Volk verhängten Schicksals
-herauslas. Das sind die Vorzeichen. -- Hierhin gehören auch die
-Anzeichen durch mancherlei Geräusch, wie Klopfen an Thür und Wand, das
-Klirren von Waffen u. a. mehr, durch welche Töne entweder gewarnt oder
-ein Todesfall angezeigt wird.
-
-Von derartigen Überlieferungen einer wunderbaren direkten Äußerung
-der Gottheit in Bezug auf das Geschick der Menschen finden wir eine
-ziemliche Mannigfaltigkeit, ebenso von wunderbarer Hülfe durch
-heilkräftige Quellen oder von plötzlicher Strafe für Meineid oder
-gotteslästerliche Worte. Es wird in dieser Hinsicht schließlich auf die
-einzelnen Sagen verwiesen.
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-342. Die Wunderblume auf dem Schlettenberge bei Marienberg.
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-(Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges.
-Programmarbeit, 1862, S. 40. Mündlich.)
-
-Auf dem Schlettenberge bei Marienberg lassen sich zu gewissen Zeiten
-ein paar kleine Lichter sehen. In dem Berge steckt nämlich ein goldenes
-Kind und aller 50 Jahre am Johannistage mittags 12 Uhr wächst auf dem
-Berge eine schöne Blume. Wer dieselbe nun pflückt, der kann in den Berg
-hineingehen. Da sieht er dann den goldenen Jungen in einer goldenen
-Pfanne liegen; beide werden von einem großen Pudel bewacht. Wer aber
-die Blume hat, darf sie nur dem Pudel hinzeigen, dann kann er die
-Pfanne mit dem goldenen Jungen nehmen. Jedoch muß er darauf schnell
-fortlaufen; ist er über den Hammergraben gekommen, so kann ihm der Hund
-nichts mehr thun. Wenn ihn jedoch der Hund einholt, ehe er über den
-Graben gekommen ist, muß er die Pfanne mit dem Kinde wieder hergeben
-und der Hund trägt beides wieder in den Berg.
-
- Der Hund ist der Wächter der Unterwelt. Aber worauf ist das goldene
- Kind zurückzuführen? Deutet es auf eine der goldstrahlenden
- heidnischen Gottheiten hin? Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch,
- I., S. 4) bemerkt, daß nach den ältesten Vorstellungen nicht nur der
- Himmel, sondern auch die Götter selbst und ihre Lieblingstiere golden
- waren. Die Pfanne ist wie der in andern Sagen auftretende Braukessel
- möglicherweise eine Hindeutung auf ein Opfergerät.
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- Eine Anzahl von Beispielen, nach denen der Schatz eine bestimmte
- Gestalt, besonders von Tieren, angenommen hat, führt Grohmann
- (Aberglauben und Gebräuche in Böhmen und Mähren, S. 214) an. Hierhin
- gehört z. B. auch die Sage von einer goldenen Ente mit goldenen
- Eiern, welche im Klosterhofe zu Sittichenbach liegen soll. (Gräßler,
- Sagen von Mansfeld, No. 46.)
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-343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.
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-(R. im Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 1882, No. 3.)
-
-Gegenüber dem Geringsberge zwischen Lauter und Neuwelt erhebt sich
-am rechten Ufer des Schwarzwassers der im Ganzen kahle Teufelsstein,
-den man von der Haltestelle Lauter bequem in fünf Minuten erreichen
-kann. Nach der Meinung einiger ist der Name Teufelsstein verfälscht
-und lautet eigentlich »Taufenstein«, weil sich hier in alter Zeit
-ein Taufstein oder Taufbecken befunden haben soll. Eine andere Sage
-aber bezeichnet den Teufelsstein als ein verwünschtes Schloß, welches
-kostbare Schätze in seinem Innern birgt und von Jahr zu Jahr des
-Tages seiner Erlösung aus der Hand des »Bösen« und der Hebung seines
-reichen Gutes harret, -- doch bis jetzt vergebens. Noch immer liegt
-es verzaubert unter mächtigen Felsblöcken. Zwar ist ein Schlüssel,
-durch dessen wunderbare Macht die verborgenen Zugänge unwiderstehlich
-sich öffnen, vorhanden, doch noch niemandem ist es gelungen,
-hineinzudringen. Der Schlüssel ist eine gelbe Blume, welche alljährlich
-im Frühjahr aufs neue emporsprießt und ihren Wunderkelch entfaltet.
-Ein Schäfer aus Beierfeld, welcher dort vor vielen Jahren seine Herde
-weidete, fand sie eines Tages und pflückte sie. Alsbald merkte er,
-wie sich in seiner Nähe geheimnisvoll eine Felsenspalte öffnete,
-und verwundert schaute er in eine Höhle, aus deren Hintergrunde ihm
-zauberischer Goldesschimmer entgegenblickte. Da er jedoch die Mahnung
-des am Eingange sitzenden bärtigen Wächters mit grauem Hute, still zu
-bleiben, nicht beachtete, sondern einen lauten Ausruf des Erstaunens
-ausstieß, so schloß sich ebenso geheimnisvoll und schnell die Öffnung
-wieder und hat sich bis heute noch nicht wieder aufgethan.
-
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-344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.
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-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 72.)
-
-In südwestlicher Richtung von Gottesgab erhebt sich der kegelförmige
-basaltische, mit Wald bedeckte Spitzberg. Auf demselben stand nach
-der Sage in alten Zeiten ein großes, festes Schloß. Dort hauste mit
-gleichgesinnten Spießgesellen ein Ritter, der als Räuber und Mörder
-sich in der ganzen Gegend furchtbar machte. Einst geschah es, daß ein
-greiser Mönch aus dem nahen Kloster zu Mariasorg bei dichtem Nebel sich
-auf dem öden Heideplateau verirrte und in die ruchlosen Hände dieser
-Räuber fiel. Sie schleppten den Priester auf ihr schwer zugängliches
-Raubnest und warfen ihn unbarmherzig ins Burgverließ, wo er eines
-qualvollen Hungertodes sterben sollte. -- Als die gottlosen Missethäter
-im Saale sich bei lärmendem Becherklang ihrer ausgeführten Verbrechen
-in frechen Lästerreden rühmten, sank der dem Tode überlieferte
-Mönch auf die Knie und flehte im inbrünstigen Gebete zu Gott, dem
-starken Helfer in der Not, daß er die berüchtigte Mörderburg in einen
-Schutthaufen verwandle. Plötzlich machte ein furchtbarer Donnerschlag
-die Mauern des stolzen Schlosses wanken, sie stürzten zusammen und
-begruben die Räuber unter ihren Trümmern; nur der Mönch wurde gerettet.
-Die angehäuften Schätze aber versanken in des Berges inneren Schoß. --
-Nach langen Jahren träumte einmal einem armen, frommen Hirtenjungen
-drei Nächte hintereinander, daß er dazu erkoren sei, den im Innern
-des Spitzberges verborgenen Schatz zu heben. Zwei Tage hatte er schon
-seine Kühe auf diesem Berge geweidet, und noch war ihm kein Anzeichen
-geschehen. Als er nun am dritten Tage -- es war der Karfreitag --
-wieder seine Herde am Spitzberge hütete, sah er auf einmal auf einem
-nahen Felsblocke eine wunderschöne gelbe Blume stehen. Ei, dachte
-er, eine so schöne Blume habe ich in unseren Bergen und Thälern noch
-nicht gesehen! Ich werde sie pflücken und auf meinen Hut stecken, gewiß
-werden alle daheim die Schönheit der Blume bewundern. Gedacht, gethan.
-Kaum hatte er aber mit der Blume den Hut geschmückt, als unter einem
-fürchterlichen Knall sich der Berg aufthat. Der Hirt sah sofort eine
-weitgeöffnete Thür im Felsen, vor der ein kaum spannenhohes Männlein
-stand, das ihm zu folgen winkte. Obwohl er durch diese unerwarteten,
-wunderbaren Vorgänge für den Augenblick aus der Fassung gekommen war,
-nahm er doch allen Mut zusammen und schritt seinem Führer nach. Der
-Weg ging erst durch dunkle, dann magisch erleuchtete Gewölbe, deren
-Wände diamantartig glitzerten, bis beide endlich in einen überaus
-prachtvollen Saal gelangten, der mit den kostbarsten Schätzen aller Art
-angefüllt war, und in dessen Mitte sich eine weißgekleidete Jungfrau
-befand. Diese betrachtete den erstaunten Hirtenjungen mit freundlichen
-Blicken und hub dann lächelnd an: »Hier hast Du die feinsten und
-auserlesensten Speisen, genieße von ihnen! Wohin Du blickst, sind
-ganze Haufen von Gold, Perlen, Edelsteinen und köstlichen Gewanden
-aufgeschichtet. Nimm Dir davon, soviel Dein Herz begehrt; doch vergiß
-das Beste nicht!« Der Junge, durch die vernommenen Worte ermutigt,
-griff nach den besten Speisen und aß und trank, steckte sich hernach
-Hut und Taschen voll Gold und Edelsteine, und schickte sich zum
-Rückwege an. »Vergiß doch das Beste nicht!« rief lauter und ängstlicher
-zum zweitenmale die Jungfrau mit flehenden Gebärden. Der Hirtenjunge
-spähte umher und erblickte zu seiner Verwunderung eine Peitsche, welche
-vortrefflich zu seinem Geschäfte zu passen schien. Da dachte er: Du
-hast dir schon von allen Schätzen im Überfluß genommen; diese Peitsche
-da wird jedenfalls das Beste für dich sein! Mithin griff er ohne
-Bedenken nach der Peitsche. Da fing aber die Jungfrau bitterlich zu
-weinen und zu wehklagen an; ein plötzlicher Donnerschlag erschütterte
-den Saal so, daß der Boden unter den Füßen des Hirten wankte, der im
-Nu wieder auf der Oberfläche des Berges stand. Jetzt erst erinnerte
-er sich an seine Wunderblume. Mit Hast griff er an den Hut, um sie
-herabzunehmen, aber er bemerkte zu seinem größten Leidwesen, daß er
-sie unter den Schätzen im Felsensaale zurückgelassen habe. -- Mit den
-Worten: »Vergiß doch das Beste nicht!« hatte die Jungfrau die gelbe
-Blume, den Schlüssel zum verzauberten Schlosse gemeint. Hätte der Junge
-dieselbe nicht vergessen, so würde er nicht nur die Jungfrau von ihrem
-Zauber befreit, sondern auch den ganzen Schatz gehoben haben. Seit
-dieser Zeit hat niemand die Zauberblume, die alle tausend Jahre einmal
-zum Vorschein kommen soll, auf dem Spitzberge gefunden, in dessen
-Innerem auch der Schatz noch heute verborgen liegt. Der Hirtenjunge
-aber, der ein reicher Mann wurde, wäre zweifellos noch reicher und
-glücklicher geworden, wenn er nicht das Beste vergessen hätte.
-
- Bereits in der Einleitung ist darauf hingewiesen worden, wie unter
- dem Hirten Donar und unter der den Zugang zu den goldenen Schätzen
- im Innern des Berges öffnenden Blume der Blitz zu verstehen sei.
- Die Wolke wird als Berg gedacht; aus ihr leuchtet nach dem Gewitter
- wieder die Sonne goldig hervor. Die Sonne ist der Schatz. Die Schafe
- oder Kühe, welche der Hirt hütet, sind ebenfalls Wolken; Donar ist
- der Wolkenhüter. Die den Schatz hütende weiße Jungfrau ist eine von
- den Wolkenfrauen, welche der Erde himmlische Milch, d. h. den Regen
- spendeten, aber auch in Bergen wohnten, da man sich, wie bereits
- bemerkt wurde, den Berg als Wolke dachte. (Mannhardt a. a. O. S. 204;
- Grohmann, Sagen aus Böhmen, I., S. 87.) -- Der gleiche Sagenstoff,
- allerdings mit mancherlei Modifikationen, aber immer als Darstellung
- von einem Hirten, welcher eine Blume findet, die der Schlüssel zu
- einem großen Schatze ist und mit dem Zurufe: »Vergiß das Beste
- nicht!«, als die Blume vergessen wurde, tritt uns in Überlieferungen
- aus dem Fichtelgebirge (Zapf a. a. O., S. 19 und 25), sowie besonders
- zahlreich im Thüringerwalde (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 125,
- 138, 173, 180, 276, Gräßler, Sagen aus Mansfeld, No. 20 und 211) und
- an noch vielen anderen Orten entgegen. Auch die Lausitz, sowie das
- Vogtland und der Harz besitzen Sagen von Wunderblumen, durch welche
- man verborgener Schätze teilhaftig werden kann; sie unterscheiden
- sich jedoch insofern von den vorigen, als hier nicht der warnende
- Zuruf ertönt, das Beste nicht zu vergessen.
-
- Sagen von Schlössern, welche in die Erde versanken, weil ihre
- Insassen Raub und Mord und andere Greuelthaten verübten, erzählt der
- Volksmund auch in anderen Gegenden. So bezeichnet das sogenannte
- Silberloch bei Seesen im Harze die Stelle, wo gleiches geschah.
- Auch hier läßt sich zuweilen eine weißgekleidete Jungfrau mit einem
- Schlüsselbunde, welche die Sage als die mildthätige Tochter des
- Burgherrn bezeichnet, sehen, um, wie sie es im Leben gethan, auch
- ferner den Unglücklichen und Notleidenden beizustehen. (H. Heine,
- Sagen aus dem Harze, S. 10.)
-
-
-345. Die Wunderblume des Grauensteins.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 70.)
-
-Einmal weidete ein vierzehnjähriger Knabe am Fuße des Grauensteins bei
-Joachimsthal seine Herde. Da dieselbe ruhig graste, ließ er sich ins
-Gras nieder, vertiefte sich in den Inhalt eines Buches und gewahrte
-zu spät, daß sich das Vieh auf die Gebirge verstiegen hatte. So mußte
-er denn mit bangem Herzen von einem Berge zum andern steigen, bis er
-endlich die vollzählige Herde fand, die er auf die Wiese zurücktrieb.
-Aber ermüdet vom langen Suchen, versank der junge Hirt in einen
-tiefen Schlaf. Als er erwachte, schimmerte ihm eine so feuerrote Lilie
-entgegen, wie er noch keine auf allen seinen Wanderungen über Berg und
-Thal gesehen hatte. Alsogleich eilte er darauf zu, pflückte sie und
-steckte sie auf seinen Hut.
-
-Und wie wunderbar! Kaum berührte er sein Haupt, so ward es plötzlich
-auf demselben lebendig. Voll Bestürzung nahm der Junge den Hut ab; er
-sah eine Otter darauf liegen und warf den Hut eiligst zu Boden, wo
-statt des zischenden Tieres ein goldener Schlüssel niederfiel, der
-aber in dem Augenblicke verschwand, als er ihn aufheben wollte. -- Es
-soll dies der Schlüssel zum Schatze in dem verzauberten Grauensteiner
-Schlosse gewesen sein, den bis auf den heutigen Tag noch niemand in
-Besitz genommen hat. Der Glückliche, dem er bestimmt ist, soll demnach
-noch kommen.
-
-
-346. Die Wunderblume bei Blauenthal.
-
-(Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)
-
-Bei dem Orte Unter-Blauenthal findet sich eine jetzt durch Gesträuch
-fast völlig verwachsene Felsenschlucht und in dieser soll man einst
-ein eisernes Thor, welches eine Höhle verschloß, gesehen haben. Vor
-langer Zeit mähte in der Nähe dieser Höhle ein Einwohner des genannten
-Ortes Gras, und als er sich in der Mittagstunde unter einen schattigen
-Baum setzte, um seine Sense zu dengeln, stand auf einmal ein schwarzer
-Ritter vor ihm und zu seinen Füßen sah er aus dem kahlen Erdboden
-eine gelbe Blume hervorsprießen. Der Ritter aber sprach zu ihm, er
-solle diese Blume abpflücken, sie sei der Schlüssel zu der eisernen
-Pforte; damit solle er dieselbe öffnen und sich aus der Höhle so viel
-von den Schätzen mitnehmen, als ihm behage; »jedoch«, so setzte er
-hinzu, »laß mir die Blume nicht liegen, sonst bist Du verloren.« Der
-Mann that, wie ihm der Ritter geheißen hatte. Die Höhle, in welche er
-gelangte, war an den Wänden mit funkelnden Edelsteinen besetzt und auf
-dem Boden standen viel Kisten, aus denen ihm Gold und Silber entgegen
-glänzte. Plötzlich erweiterte sich der Raum zu einem großen Saale und
-an einer mit kostbaren Speisen und Getränken besetzten Tafel sah er den
-Ritter mit Gefolge wieder; die Speisenden wurden von Zwergen bedient.
-Da winkte der Ritter dem Manne, derselbe solle sich mit an die mit
-einem Trauerflor behangene Tafel setzen. Ängstlich setzte sich der
-Arbeiter nieder, aber bald bekam er wieder Mut. Nachdem er gegessen
-und getrunken hatte, steckte er sich auf Geheiß des schwarzen Ritters
-so viel von dem Golde und den Edelsteinen ein, als er fortbringen
-konnte. Da er wieder vor der Pforte stand, schloß sich dieselbe mit
-einem großen Knalle, der Felsen wankte und der Eingang war nicht mehr
-zu sehen. Erschrocken wollte der Mann nach seiner Blume greifen; doch
-er besaß sie nicht mehr, denn er hatte sie in der Höhle zurückgelassen,
-als er die Schätze zusammenraffte. Nach wenigen Tagen starb er; man
-fand ihn, das Gesicht nach dem Nacken umgedreht, und das Gold war auch
-verschwunden. Der Fels aber, in dem sich der Eingang zu der Höhle
-befunden haben soll, heißt heute der Teufelsfels.
-
-
-347. Die Wünschelrute.
-
-(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
-Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 172--174.)
-
-Die Wünschelrute, durch welche Klüfte und Gänge ausgegangen werden,
-wird abgeschnitten von allerlei Holz, auch zu allen Zeiten, doch so,
-daß sie zwei Zacken oder Zwiesel hat, und man selbige in beiden Händen
-zwischen den Daumen und geschlossenen Fingern halten kann. Ja man mag
-auch eine andere Materie dazu gebrauchen, als Messing, Eisen u. dgl. Es
-ist aber der Nutzen der Rute dieser, daß sie die in der Erden liegende
-Klüfte und Gänge andeutet, indem, wenn der Rutengeher an dergleichen
-Stätte kommt und die Rute aufwärts hält, sie sich gewaltig niederbeuget
-und sich zuweilen, wenn sie stark gehalten wird, fast entzwei windet,
-während die Rute da, wo man dem Gange nicht folgt, sondern ihn
-überschreitet, wieder grade über sich unbeweglich steht.
-
-Die Rute schlägt aber außer auf Gänge und Klüfte auch auf andere
-Dinge. Es entwendete eine Magd ihrer Herrschaft unterschiedliches,
-worauf man endlich einen Rutengänger holte, um im Hause die Rute
-zu schlagen; dieselbe führte ihn zu der Lade der Magd, in welcher
-sich auch die gestohlenen Sachen vorfanden. Ferner wurde einem
-Hammerwerksbesitzer allerhand entwendet. Derselbe schrieb an seine
-Freundin, den Rutengänger holen zu lassen, damit dieser mit der Rute
-forsche, ob nicht die Mägde des Bestohlenen, und welche unter ihnen,
-den Diebstahl begangen hätten. Er schickte zu dem Ende deren Namen
-mit. Die Freundin legte beide Zettel mit den Namen auf den Tisch,
-aber die Rute wollte sich nicht bewegen. Da fiel es der Freundin ein,
-ob nicht der Junge des Hammerherrn, dem es dieser zwar gar nicht
-zutraute, den Diebstahl begangen habe. Sie schrieb also dessen Namen
-mit auf ein Papier, wickelte es zusammen und legte es heimlich mit
-auf den Tisch. Da fing die Rute an sich zu winden, und als die Zettel
-gesondert worden waren, schlug sie allezeit auf denjenigen, welcher
-mit des Jungen Namen beschrieben war. Der Hammerherr nahm darauf den
-Jungen vor und die entwendeten Sachen wurden von ihm wieder erlangt.
--- In einem Zechenhause bei Johanngeorgenstadt wurden unterschiedliche
-Centner Kobalt entwendet, und weil einem frommen und christlichen
-Hammerwerksbesitzer, dem die Rute schlug, ein anderer Gewerke zuredete,
-zu versuchen, ob nicht die Rute den Dieb und dessen genommenen Weg
-anzeige, wollte dieser erst nicht darein willigen, in der Meinung, sie
-ziele nur auf Klüfte und Gänge. Er ließ sich aber doch bereden, nahm
-eine kleine Stufe Kobalt von dem Haufen weg, wovon ein Teil entwendet
-worden war, ging um das Zechenhaus, und als er an den erbrochenen Laden
-kam, schlug die Rute, führte ihn über die Wiese einen Berg hinauf
-und in einen Busch. Hier erblickte man frische Erde, und als diese
-hinweggeschafft worden war, fand sich eine Partie versteckter Kobalt.
-Darauf führte die Rute in einen zweiten und dritten Busch, so daß man
-wohl die Hälfte des gestohlenen Kobalts wieder bekam. Ja als sich
-einige Männer in der folgenden Nacht versteckten und die Diebe den Rest
-nachholen wollten, wurde einer davon ergriffen und nach Joachimsthal
-abgeliefert. -- Die Rute schlägt auch auf Rainsteine. Einem Rutengänger
-wurde sofort der Rainstein im Boden angezeigt, ungeachtet schon
-Bäumchen darüber gewachsen waren. -- Vielen Leuten schlägt die Rute
-gar nicht. Sie hat aber auch anderen von Kindheit an vortrefflich
-geschlagen; aber dieselben sind krank geworden oder gar ausgewachsen,
-und ob sie gleich wieder genesen, so hat ihnen doch die Rute keinen Zug
-mehr gethan.
-
- Zu den in der Einleitung zu diesem Abschnitte über die vermeintlichen
- Wirkungen der Wünschelrute und deren Gebrauch vorangeschickten
- Bemerkungen möge noch folgendes beigefügt sein:
-
- Man fand in früheren Jahrhunderten Analogien dazu in dem das Wasser
- aus einem Felsen schlagenden Stabe des Moses, in der blühenden Rute
- Aarons, durch welche dem Moses der zum Priestertum bestimmte Stamm
- der Israeliten angezeigt ward, in der Rute der Minerva, welche den
- alten Ulysses wieder jung machte, in derjenigen der Zauberin Circe,
- durch welche seine Gefährten verwandelt wurden und in dem Wunderstabe
- des Merkur, durch den Wachende in Schlaf fielen.
-
- Als man statt wirklicher Ruten Metalldraht und andere metallene
- Gegenstände auf unterirdische Gänge und vergrabene Schätze verwandte,
- mochte man zunächst zur Herstellung solcher Instrumente Legierungen
- aus verschiedenen Metallen gebraucht haben, bis man später fand, daß
- auch gewöhnliches Messing genügte.
-
- Ein frommer Prediger in Freiberg entdeckte z. B., wie eine alte
- Bergpredigt von Meltzer mitteilt, mittelst einer Lichtputze einen
- versteckten Groschen. An den beiden Enden der Rute wurde auch in
- einem seidenen oder tuchenen Fleckchen sogenannter Erdweihrauch,
- d. h. Harz aus Ameisenhaufen eingenäht. Man wollte ferner durch
- die Rute erfahren, ob Gold oder Silber und was für ein Erz, ob
- Rotgüldig- oder Glanzerz u. s. w. in der Erde liege, wenn man davon
- ein Stückchen zugleich mit der Rute in die Hand nähme. (Physikalische
- Belustigungen. Berlin, 1751. S. 116 etc.)
-
- Sicher ist, daß sich der Glaube an die wunderbare Kraft der
- Wünschelrute noch bis in die Gegenwart erhalten hat, obschon
- der Freiberger Professor Johann Friedrich Wilhelm Charpentier
- sich bewogen fand, auf dem Titelkupfer seiner 1778 erschienenen
- »Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande« das alte
- Vorurteil mit verbundenen Augen und fliehend, den aufgeklärten Genius
- aber die Wünschelrute zerbrechend darzustellen. ~Dr.~ Gustav E. Stein
- erzählt noch von einem Versuche, welcher anfangs der vierziger Jahre
- dieses Jahrhunderts in Freiberg auf Veranlassung eines Markscheiders
- angestellt wurde. In scheinbar wissenschaftlicher Weise war dabei
- von seiten dieses Markscheiders in einer Abhandlung die Wirkung
- einer ganz metallenen oder auch hölzernen, jedoch mit einem dünnen
- Metallüberzuge versehenen Rute durch elektrische Ströme erklärt
- worden, und es sollten auch zur bessern Leitung dieser Ströme die
- Schuhsohlen des Rutengängers mit dünnen Metallplatten belegt sein.
- Selbstverständlich blieben die von dem Verfasser der erwähnten
- Abhandlung erwarteten Erfolge aus.
-
-
-348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 197 etc. und 250. Schurig,
-Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, 1875, S.
-36 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 256. ~Documenta~ oder
-alte Uhrkunden und Nachrichtigungen, wo hin und wieder im Römischen
-Reiche Gold- und Silber-Ertze, Goldkörner etc. zu finden sein sollen.
-Abteilung in ~Dr.~ David Kellner, ~Schola metallurgica~. Nordhausen,
-1702. Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrgang, 1878, S. 108.)
-
-Von meißnischen Goldseifen im Ober-Erzgebirge schreibt Mathesius,
-daß dieselben den Welschen und Fremden viel besser bekannt, als den
-Inwohnern selbst. Das Wasch- und ledig Gold, das in Flüssen und
-Forellenbächen wächst, wird oft von Felsen und Gängen abgerissen oder
-von Grus und Dammerde ausgewaschen und vom Gebirge erledigt; es ist das
-edelste und reinste Gold, dem Kronengolde gleich gehalten und ist ein
-Quentlein mit 38 Groschen bezahlt worden. Solche Goldkörner, Flietschen
-und »Flämmigen« sind an Farbe und Gestalt nicht einerlei, etliche sind
-rot wie rostig Eisen, andere grau, etliche rauh und blaufarbicht,
-etliche wie Pech, andere dunkel und durchsichtig wie die Granaten,
-etliche mild und mürbe, andere zerspringen im Schlag wie Glas, etliche
-sind viereckig, etliche groß wie die Erbsen und Bohnen, andere
-lassen sich »flötschen« wie Blei, und diese hält man für die besten.
-Solche Goldkörner, die sich flötschen lassen, hat man am Schallerberg
-um Lengefeld in Brunnen und Bächen gefunden. Alle Bächlein an der
-Zschopau, die vom roten Haus auf den Stolzenhain in das Grenzwasser
-am Weinberg (Weipert) fallen, haben gediegene schwarze Goldkörner bei
-sich geführet, und die, so sich darauf verstanden, in kurzem reich
-gemacht. Im Grenzwasser Pila (Pöhla) hat man ebenfalls gute Goldkörner
-gefunden, die sich auch flötschen lassen, desgleichen im Bächlein
-Conduppel schwarze Körner, die man auf dem Amboß breit schlagen konnte.
-Im Preßnitzer Wasser haben die Alten gut Gold gewaschen, und hinter
-dem Spitzberge über Jöhstadt hat der Bach viel und gute Silberkörner
-gegeben und heißt noch davon der Silberbach. In allen Bächen zwischen
-Wolkenstein und Annaberg, die in die Zschopau fallen, hat man Granaten
-gefunden, in Farbe schwarz, braun und rot, als der beste Zusatz zum
-Gold, außerdem Amethysten und Körner, dem Eisenstein gleich und so gut
-als Rheinisch Gold. In Forellenbächen um Marienberg, Fernrückertswald
-und Glashütte haben die Alten gediegene Goldflietschen klein und groß
-gewaschen, die sich auch fletschen lassen. Daher auch die Forellen,
-die in solchen Goldbächen wachsen, ~Auratae~ genannt, von Gold, nicht
-eben ab ~aureolis maculis~, daß sie goldfärbig wären, dieweil sie um
-Annaberg und Scheibenberg auch gemeiniglich mit schwarzen Sprenklein
-gefunden werden, sondern von goldführenden Bächlein, oder bei sich
-führendem Golde, wie andere wollen. Am Schwarzwasser und seinen
-Einfällen über und um Platten, Gottesgab und Breitenbrunn, in ihren
-Zinn-, Lauter- und Küheseifen von der Goldenen Höhe herein, werden noch
-bis jetzt Goldflietschen im Ausmagneten und Reinmachen des Zinnsteins
-in Federkielen gesammelt, und bisweilen feine Stüflein gediegenen
-Goldes gefunden, welche von Chymisten höher denn ander Gold gehalten
-werden. An der Schneeberger Mulde um Schneeberg, Auerbach, Dörrbach,
-Fletschmaul u. s. w. werden auch Goldflietschen gefunden, und bei
-Eibenstock hat in einer Seifen, der Goldbrunn genannt, ein Mann des
-Tages 1½ Pfund Goldkörner waschen können, davon ein Pfund 14 bis 18 fl.
-gegolten.
-
-Dieser Goldreichtum war die Veranlassung, daß sich seit mehreren
-Jahrhunderten Ausländer einfanden, welche umher zogen und Gold in
-Flüssen und in der Erde aufsuchten, dasselbe mit sich nach Hause
-trugen, daselbst gut machten und sich dadurch großes Vermögen erwarben.
-Man nannte diese Leute Wahlen oder Venetianer, weil sie größtenteils
-aus Venedig her kamen; sie stammten aber auch aus Florenz, Veltlin,
-Wallis, Graubündten und aus Walheim bei Mecheln in den Niederlanden.
-So haben zu Gablenz im Schönburgischen an einem Orte im Oberdorfe
-Venediger alle Jahre Goldkörner »ausgeküttet«, und nach Auffindung der
-Bergwerke zu Annaberg sind die Wahlen auch dahin gekommen und haben
-das reichhaltige Erz geschmolzen und auf eine bessere Art gut gemacht,
-als die dasigen Bergleute konnten. Man kennt von solchen Wahlen u. A.
-folgende mit Namen. ~Dr.~ Markus und ~M.~ Hieronymus von Venedig und
-Piger, Antonius von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nic.
-Schlascau, Adam und George Bauch, Christoph und Hanß, Friedrich und
-Barthel ~Fratres~ und Moses Hojung von Venedig, die sich von 1400 bis
-1608 im Gebirge aufgehalten haben oder an Flüssen ertappt worden sind.
-Übrigens scheinen diese Leute sehr oft von guter Herkunft gewesen
-zu sein. Wahlen werden nach der Überlieferung auch als Gründer des
-Bergbaus im Vogtlande bezeichnet.
-
-Die Orte, an denen die Wahlen Gold oder Edelsteine gefunden, haben
-sie fleißig angemerkt und in Büchlein, sogenannte Wahlenbüchlein,
-eingetragen, wobei sie sich merkwürdigerweise der deutschen und nicht
-ihrer Landessprache bedienten. Zur Orientierung schnitten sie in
-Bäume oder meißelten sie in Felsen bestimmte Merkzeichen ein. Sie
-bedienten sich auch vieler abergläubischer Mittel; so z. B. haben sie
-zum Schmelzen, Rösten und zur Verwandlung der Metalle einzelne Kräuter
-gebraucht, wie das Mondkraut (~Lunaria~), bei Aufgang der Sonne im
-vollen Mond gepflückt, ferner Goldwurzel oder Martigen, Mondraute
-und Eisenkraut, auch Taubenkraut genannt. Sie sollen aber auch die
-Erze verthan oder verzaubert haben, damit sie niemand als sie finden
-könne. Sie sollen deshalb ein Stück Holz von einem Sarge genommen
-und an solche Orte, wo Körner, Erz oder sonst Metalle sind, oder in
-einen Baum in der Nähe eingeschlagen haben, und niemand habe sie dann
-ausfindig machen können, es sei denn, das Holz wäre verfault oder
-herausgefallen. Auch sollen sie Totenköpfe in die Brunnen und Erzgruben
-geworfen haben, die erst entfernt werden mußten, wenn man etwas finden
-wollte; ja zuweilen sollen sie einen bösen Geist dahin gebannt haben.
-Gleichwohl gab es auch wieder Mittel, um diesen Zauber aufzuheben;
-so wurde folgendes angegeben: »Kreuch dreymal rücklings vorne um das
-(verzauberte) Loch, wenn es nicht aufgethan, so ist's auf jener Seite
-verthan worden und so hast du es auf dieser Seite noch einmal verthan.
-So gehe und kreuch auf jener Seite sechsmal rücklings herum, so thust
-du jenes und deines auf, dann wirst du es recht finden, also kannst du
-auch alle anderen Sachen, die verthan sind, wieder aufmachen, sie mögen
-verzaubert sein, wie sie wollen.«
-
-Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und deshalb
-hat der Aberglaube sie zu Zauberern und Teufelsbannern gestempelt.
-
-Einige Proben aus obengenannten Wahlenbüchern, soweit sie sich auf das
-Erzgebirge beziehen, mögen hier Platz finden.
-
-»Im Tharandischen Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich an Gold
-und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von Höckendorf
-geht, darunter liegt ein Bergwerk, ist so reich an Silber, daß vor
-viel tausend Thaler daraus genommen worden. Nicht weit davon liegt
-der graue Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem Wasser nach
-dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein reiches Bergwerk,
-darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet, auch bereits das
-Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze Keulhaue und unter
-dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze gehauen. Weiter hinauf
-in dem Walde wird man mehr Zeichen an Bäumen finden, und mitten durch
-die Bäume streichet ein sehr mächtiger Kupfergang einer Ellen breit,
-und liegt der ganze Mann da, nach dem Wasser der halbe Theil, der Arm
-nach Freiberg, und das ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie
-die Zeichen vermelden.
-
-Zu Höckendorf, wo das Silber-Bergwerk ist, welches aber durch Gottes
-Strafe wegen Übermuths überschwemmt ist, hat ein Bauer 1660 gediegen
-Silber ausgeackert.«
-
-»Bei Dippolswald ist ein Dorff, das heist Rotenbach, davon eine Meile
-bricht guter gelber Kieß, der ist sehr gut.«
-
-»Henichen (Hainichen) ein Städtlein 2 Meilen von Freyberg, darbey liegt
-ein Dorff, heist Machern, alldar ist ein Waschwerck von guten Körnern
-und Gold; liegt nicht weit von Ottendorff an der Waldeck, da man durch
-den Wald gehet.«
-
-»Bey der Zella in dem Wald bey Sibeln (Siebenlehn) und Nossen an der
-Mulda gelegen, da liegt gut Ertz und ein guter blauer Schiefer.«
-
-»Bey Frauenstein ist ein Fluß gelegen, 2 Meilen etwa von Soda (Sayda?),
-bey einem Gerichte, da findest du zween Wege, einen zur rechten, den
-andern zur linken Hand, da gehe den Rasenweg fort, derselbe führt
-dich an einen Steig, dem folge nach, so kömmst du an ein Wasser,
-die Grimnitz (Gimlitz?) genandt, gehe daran wohl hinauff und zwart
-zur rechten Seite desselben, so kömmst du an einen alten Graben, da
-vorzeiten eine Mühle gestanden, folge demselben abermahls nach, so
-kommest du an einen Fluß, darinnen Forellen sind, der führet Körner,
-die sind wie natürlich Gold, und hab ich Hieronymus Weigard Hauß
-und Hoff davon erbauet. ~NB.~ Wenn die Körner naß sind, sehen sie
-schwärtzlich aus. Gehe von dar weiter die Grimnitz hinabwerts, biß du
-zu einem Steige kommest, gehe aber nicht darüber, sondern den Weg,
-der da das Holtz herab gehet, so kömmest du wieder an einen Fluß, dem
-folge nach, so kommest du an ein Brüchig, wasche dar, so findest du
-schwartze Körner, die ich nicht genugsam verloben kan, ihres Nutzens
-wegen. Darnach gehe über die Grimnitz zurücke auff eine halbe Meile
-Wegs, da wirst du an einen großen Berg kommen, nahe bei einem Dorff,
-Liechtenberg genannt, da findest du gegen das Dorff am Berge weiße
-Letten, so sehr gut abzutreiben ist.«
-
-»Bey Marienberg zwischen dem Olbernhause und Katternberg (Olbernhau
-und Katharinenberg) bricht ein spißiger Marcasith in einem schwartzen
-Schiefer.«
-
-»Bey Zwickau liegt ein Dorff, heist Rotenbach, daselbst soll ein Bach
-seyn, welcher Gold und Silber-Granatenstein führet.
-
-Item bey einem andern Dorff, so eine Meile von Zwickau lieget, Nahmens
-Hartmanns Grüen, findet man auch Körner, die sich fletschen lassen.
-
-Item zur Neumarck anderthalb Meilweges von Zwickau ist ein gut
-Gold-Seiffen, und bricht auch Silber und Antimonium daherum.«
-
-»Wenn du kommest gegen Dürresbach oder Auerbach, frage nach dem
-Fluß-Maul- oder Fletschmaul, darnach Eibenstock, allda frage nach dem
-Gold-Brunnen, darinnen sichere und suche, so findest du schwartze
-Körner, deren 1 Pfund 14 biß 18 fl. gilt. Diese Gelegenheit ist eine
-Meile vom Schneeberg, und kannst du in einem Tage 1 biß 2 Pfund
-waschen.«
-
-»Hinder Otten im Voigtlande auf der Kuttenheide gehe zu oder vor St.
-Peters-Capell bei 2. Ackerlänge, gegen dem Großleinwerts, so kömmst du
-zu einen hohen Felsen, darbey ist nahe ein alter Glaß-Ofen, und hat
-vorzeiten eine Glaßhütte daselbst gestanden, da findest du ein weiß
-Wasser gegen dem schwartzen Berge zu, darinn sind gute Goldwasch-Körner
-enthalten, bißweilen als Erbsen oder Bohnen groß.
-
-Willt du allda nicht waschen, so gehe wiederum hinab zum Hirschberge,
-da kommest du zu einen abgeschnittenen Baum, von diesem Baum gehe
-eine Ackerlänge, so kömmest du zu einer zwieselichten Gabel, daselbst
-lege dich nieder auf die Erde, und höre wo Wasser rauschet unter der
-Erden, räume das Mooß daselbst hinweg, so auff Holtz, gegen Mitternacht
-zu gelegt ist, so wirst du einen Ertzgang antreffen, welcher das
-herrlichste Gold führet.
-
-Von dannen gehe weiter auff dem Rasen fort gegen Mittag vom Holtze an,
-da wirst du zu einen Brunnen kommen, in selbigen ist noch das schönste
-Gold enthalten. Von diesem Brünnlein gehe dem Wasser, das darauf
-entstehet, nach, so kommst du an ein Steingewölb, da warte auff.
-
-Item Bey der Capellen unter den Fenstern gegen Mittage wirst du eine
-Hand in einen Baum geschnitten finden, die weiset dich nach der ziehnen
-Gabel, da kömmst du zu einen Brünnlein, woraus die Zwoyt (Zwota)
-entspringt; dem Fluß gehe nach zu der ziehnen Gabel, daselbst suche, so
-wirst du viel Gold finden.
-
-Item Wenn du zur Kuttenheide, bey St. Peters Capell, bist, so frage
-nach St. Peters-Brunn, und gehe dem Flusse nach, biß er in einen andern
-Bach fällt, daran gehe förter und siehe dich um, so findest du ein
-Zeichen in einer Tanne und eines in einer Fichten, so nicht weit von
-einander stehen, dazwischen suche, da wirst du einen Schacht finden,
-der ist verdeckt; mache denselben auff, so findest du einen gelben
-Gang, von guten Gold-Ertz, davon das Pfund 10 fl. gilt.
-
-Item, Auff der Kuttenheide frage nach Weyher, ist eine Meile davon ein
-Dorff, daselbst liegt eine Mühle, heist die Geigers-Mühle, am Bach,
-ein Armbrust-Schuß weit davon zur linken Hand ist ein Felsen, darinn
-bricht ein schöner Gold-Talck und sonst noch ein schwartz Ertz, das ist
-Marcasith.«
-
-»Von Großlitz (Graslitz) aus gehe über eine Wiese am Wasser hinauf und
-siehe dich nach einer Buchen um, daran ein Kreutz gehauen ist, von
-derselben gehe einer Ackerlänge am Berge hinauff, so wirst du eine sehr
-große alte Fichten finden und nahe dabey einen alten Stollen, darinnen
-ist ein Gold-Ertz-Gang, dessen Pfund ist vor 14 fl. verkaufft worden.
-
-Item. Wenn man von Großlitz aus der Holen geht, so kommt man zu einen
-Fohrenbach, der fleust Kreutz weiß über den Weg; daran gehe zur rechten
-Hand hinauff so lange biß an die Quelle desselben Baches, darauf er
-entstehet, die liegt auf einen hohen Berg, und wirft viel Sand aus, den
-sichere, so wirst du schwartze Körner finden, die viel Gold halten,
-davon das Pfund 15 fl. gilt.«
-
-»Zu Schöneck frage nach der Helle und gehe von dar um St. Johannis Tag,
-bey St. Peters Capelle, der aufgehenden Morgen-Sonne gerad entgegen,
-biß zu Mittags 11 Uhr; so kommst du auf eine weite Heide, da eitel
-Birken stehen, davon gehe zwei Steinwürffe gegen Mittag zu, so kömmst
-du an ein Gemöß bey einem Wässerlein, räume das Gemöß hinweg und grabe
-daselbst ein, so wirst du einen großen Reichthum von Gold antreffen.
-
-Item. Im Holenstein eine halbe Meile von Schöneck ist ein Stollen,
-darinnen bricht ein Quartz, so weiß Gold-Ertz hält.«
-
-»Auffm Schneeberg frage nach dem Schloß Wiesenburg, dabey fleust
-ein Wasser hinweg, an diesem gehe aufwerts fort biß du kommst dem
-Schafstall gleich, daselbst stehet ein Teich, über diesem Teich suche
-in dem Wässerlein, so wirst du viel und gute reichhaltige Gold-Körner
-darinn finden, welche dir die Mühe wohl belohnen werden.«
-
-»Eisenberg ist ein Schloß also genennet, laß dasselbe auff der linken
-Hand liegen und gehe gerichts nach demselben wohl hinauff, auff den
-Kamp, und gehe gegen der Sonnen-Auffgang, nach Brix zu, auf dem
-Kamp, dann gehe auff das Schadehauß, so nahe darbey liegt, wenn du
-darhinder kommst, so kehre dich um, und wende den Rücken nach der
-Sonnen-Auffgang, siehe von dar wieder auff oder nach den Kamp, so wirst
-du einen Rasenweg, auff St. Katharinberg zu, erblicken, dann gehe einen
-guten Armbrust-Schuß weit, nach dem Kamp zu, hinein, da wirst du einen
-Steinfelß finden, dem stelle dich zur rechten Hand, gegen das schlimme
-Thal nach dem Schadeberge zu, und gehe daselbst im Thal nach 2 Hügeln
-gerade fort, so wirst du in einer Tannen eine Hand eingeschnitten
-finden, von derselben kömmst du zu einem Wasser, das zwischen dem
-Schottenberg hinfleust, da kannst du viel Gold waschen.«
-
-»Wenn man von Brix auff Seida gehet, in dem Wald fleust ein Wasser,
-darinn sind gute Körner.«
-
-»Zwischen Krohenzahl (Cranzahl) und Breßnitz fleuset ein Wasser,
-darüber gehet ein Brücklein und nicht weit davon stehet ein großer Baum
-mit einem krummen Ast, als ein Arm, da findet man schwartze Körner, die
-man auff einen Amboß breit schlagen kann.«
-
-»Bei Kupferberg liegt ein Dörfflein, heist zum Holitsch an einem Berge
-bei dem Halß-Gericht, daselbst findet man je zuweilen auch gediegene
-Gold-Körner.«
-
-»Auff Satzunge gegen Konnetur (Komotau?) nicht weit von einem Wege, da
-stehet eine Stein-Tanne, auf welcher Wurtzel ein Zeichen eingeschnitten
-ist. Nicht weit davon soll ein Wässerlein fließen, und um die Tanne ist
-eine Grube, in welcher ein schöner Goldhaltiger ~Marcasith~ bricht.«
-
-»Schlackenwerth oder Schlackenwerda. Frage hiervon nach der Eger in die
-Nössel; wohl hinden am Steige findest du ein Loch in dem schwartzen
-Brand, kreich darein, so wirst du viel Gutes antreffen.«
-
-»Hawenstein (Hauenstein) liegt eine Meilwegs von Schlackenwalda, von
-Hawenstein gehe in das Gründlein unter die Fichten, da der gestümmelte
-Baum stehet, allwo der liebe Gott dran hengt, und von dar weiter zu
-einen Felsen, etwa einer Ackerlänge vom alten Hammer-Graben, da ist ein
-Loch inne, worinnen viel weiß Gold enthalten ist, welches nach der
-~Cementation~ dem Arabischen und Ungarischen gleich ist. ~NB~. Lieget
-nach dem Fichtelberge zu.«
-
-»Von dem Hauenstein, da man in den Stollen gehet, fleust ein Wasser
-herab in die Eger an den Jungfer-Stein, dasselbe Wasser hat gute
-Körner, so viel Gold halten, das ist das reichste Seiffenwerk im ganzen
-Böhmerland. Diese Körner sind schwärtzlich und gediegen.«
-
-»Im Walde bei Hasenstein (Hassenstein) unter einer Tannen, so
-gezeichnet ist, stehet ein Gang Spannen breit oder mächtig, welcher
-eine große Feste neben sich hat, darinnen ist ein sprenglichter Kieß,
-hält 12 Loth.«
-
-»Item. Von dem Hasenstein frage und gehe nach einem Dorff, heist
-Brunnersdorff, gehe von dar ferner oben bey dem Dorff und der Mühlen
-hinaus, und frage nach einem Dorff, heist Wernersdorff, so nicht weit
-davon ist, alldar gehe auch oben die Straß nach dem Klösterlein,
-so kömmst du zu einem Dorff, ehe du in das Städtlein kommst, heist
-Zirnabis, und an der Straßen vordem Dorff findet man Amethisten
-am Wege und Äckern. Zur rechten Hand nach dem Gebirge, etwa einen
-Armbrust-Schuß dem Berg hinan, da ist ein Loch, kreich darein, so
-findest du einen Gang voller Amethisten.«
-
-»Hagensdorff liegt nicht weit von Hasenstein, oder Hasendorff und
-Bleißdorff, bey diesem Hagensdorff hat vor Zeiten ein Kloster
-gestanden, wie noch zu sehen ist, darzu gehe, so findest du ein
-Berglein wie eine Mauer, darunter ist ein Stollen, in welchem man viel
-Granaten findet, ja! wenn man suchet, auch auff den Äckern daherum.
-Desgleichen auch auff dem Hasenstein im Eichwald, über dem alten
-Kloster. Item zum Hauenstein bey der Hauß-Mühlen ist ein schöner
-Goldgang.«
-
-»Item. Bey Zirnisch ist ein Gründlein auff der rechten Hand, das heist
-die Schona, ist ein Wasser, darinnen hat ein Hirte geseiffet oder
-gewaschen und viel Gold funden, daher er sehr reich worden, und seinen
-Hirtenstand verändert; Massen er seine Güther an einem ihme gefälligen
-Orthe erkaufft und sich sehr wohl eingesetzt hat.«
-
-»Item. Von den Caden an der Eger hinauff fleust ein Wässerlein,
-welches von Hauenstein in die Eger fleust, darinn findet man in weißen
-Quärtzlein gediegen Gold, und ist der reichsten Seiffenwerken eines in
-gantz Böhmen-Land. Dergleichen Quärtze und Gold-Körner findet man der
-Orthen herum fast viel in den sandigten Flüssen und Wasser.«
-
-»Item bey Caden im Steinbruch stehet ein Letten eines Fingers breit,
-dessen Centner hält 14 Loth Silber.«
-
-»Item Bey den vierzehn Nothhelffern nach dem Klösterlein über der
-Steinern Brücken, jenseits des Spitzberges in der Silberbach, hat ein
-Hirte in einem Tage, nebst seiner Huth- und Weide-Verrichtung, ein Loth
-Gold gewaschen, an Körnern, die er vor Gold nur angesehen und erkennet
-hat, die andern hat er ohnerkandt weggeworffen.«
-
-»Zur Hohen Tanne am Galgenberg, bey der Silberbach, da die zwey
-Flüßlein einen Steinwurff weit herabfließen, findest du einen alten
-Stumpff von einer abgehauenen Birken, in welchen ein Bilgrams-Stab
-geschnitten ist mit einem Sack. Zwischen dem Stumpff und Bach findest
-du eine Hurt, die hebe auff, darunter ist ein Loch in Stein gearbeitet,
-in welchem ein Gang einer Ellen breit des herrlichsten Gold-Ertzes ist.
-Kanst du die Hurt nicht flugs finden, so rumpele oder stöhre mit den
-Füßen oder Stock zu rings umher, biß du es hörest dummeln, allda wirst
-du viel Gold finden.«
-
- * * * * *
-
-In der Umgegend von Elbogen erzählt man, daß alte Leute noch im vorigen
-Jahrhunderte Goldsucher aus Welschland angetroffen hätten, welche
-mittelst Wünschelrute und Haue den unterirdischen Schätzen nachspürten.
-Besonders geschah dies am sagenreichen Krudimberge. Doch hat man
-sie niemals bei ihrer Arbeit, sondern stets vor und nach derselben
-gesehen. Bei dem Dorfe Steinmeißl bei Elbogen sahen Waldarbeiter aus
-den »Grundhöhlen« durch eine Art Rauchfang Rauch aufsteigen; doch nie
-konnten die Leute entdecken, wer das Feuer angemacht. Man meinte,
-daß es Venediger gewesen, die hier und im Hans-Heilingsthale Erze
-suchten. Der Wald bei dem Hornesbauerhofe war einst für Venediger ein
-wichtiger Fundort von Erzen. Besonders sollen sie in einer Höhle an der
-Morgenseite der Felsen ihr geheimnisvolles Werk getrieben haben. Es ist
-das eine Höhle, welche sich, wie die Sage berichtet, am Karfreitage
-öffnet, so daß man in die Felsen hineingehen und Schätze heben kann. --
-
-In Platz wird erzählt, daß ein Italiener (Venediger) namens Antonio
-Stoll hier auf Silber einschlug und wirklich in zwei Bergwerken Silber
-fand, von dem er auch an die Regierung abgeliefert hat. Die Zeit, wann
-dies geschah, ist unbekannt.
-
- In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde
- bereits darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold
- suchenden Venetianern außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen
- Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt ihre Heimat fast durchgängig
- nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen und von wo sie in
- gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge zu
- durchstreifen.
-
- Im ~Zlatorog~ von Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen
- geschildert:
-
- Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,
- Wenn Venetianer kommen in das Thal.
- Er weiß recht wohl, warum die klugen Wälschen
- Verlassen ihre schönen Marmorhäuser
- Alljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)
- -- -- -- Was --, frag' ich, treiben
- Die Venetianer denn bis in den Spätherbst?
- Warum denn kriechen sie durch alle Schluchten
- Der Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?
- Warum denn schleichen sie durch alle Bäche
- Gleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?
- Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,
- Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,
- Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspüren
- So gut wie jene klugen Venetianer.
- Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzen
- Aus Kieselstein und waschen aus dem Bachsand
- Das gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.
-
-
-349. Die Goldstampe am Borlasbache.
-
-(Ludwig Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)
-
-Wenn man vom Weißeritzwehre an der großen Rabenauer Mühle den Fluß
-aufwärts geht, gelangt man bald an ein munteres Bächlein, das von
-Borlas herabkommt und sich in die Weißeritz ergießt, und abermals
-wenige Schritte flußaufwärts steht ein großer Felskegel künstlich
-abgetrennt von seinem Mutterfelsen, um der Eisenbahn einen Durchgang zu
-schaffen.
-
-An der Spitze des Kegels kann man bei aufmerksamer Beobachtung den
-Rest einer Aushöhlung erkennen, die nicht das Werk der Natur, sondern
-fleißiger Hände ist.
-
-Vor viel hundert Jahren kamen in Zwischenräumen, wenn die Goldkörner in
-der nahen Weißeritz reif geworden, Wahlen aus dem fernen Wälschlande,
-deren Zunge man nicht verstand und die sich nur notdürftig verständlich
-machen konnten, und schafften den Sand aus dem am Fuße des Felsens
-befindlichen Weißeritzheger hinauf auf diesen Felsen und stampften ihn
-in diesem Loche mit Wasser, bis die Goldkörner sich vom Sande sonderten
-und von ihnen ausgelesen werden konnten.
-
-So hatte sich nach und nach ein Loch gestampft, in dem ein Mann wohl
-bis an den Gürtel stehen konnte, und noch jetzt zeugen die einzigen
-zwei Seitenwände, die von der Goldstampe übrig geblieben sind, von der
-rührigen Arbeit der Wahlen.
-
-Und auch jetzt noch führt die Weißeritz Goldkörner an dieser Stelle,
-sie sehen aber dem Sande gleich aus, denn sie sind noch nicht reif.
-
-
-350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
-
-(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 62.)
-
-Der ehemals so ergiebige Bergbau auf edle Erze lockte Bergleute
-aus weiter Ferne, darunter auch aus dem Venetianischen, sogenannte
-Venediger, ins Erzgebirge. Einer derselben kam Sommer für Sommer auf
-den Spitzberg bei Preßnitz. Man wußte lange nicht, was er hier wollte
-und er selbst sagte niemandem ein Sterbenswörtchen davon. Endlich aber
-ward er doch einmal beobachtet, wie er andächtig kniend zum Himmel
-betete und sodann aus einer vorüberrieselnden Quelle viele funkelnde
-Goldkörner in seinen Spitzhut raffte. Nachher sah man den Venediger nie
-wieder, sei es, daß er sein Glück wo anders versuchte, sei es, daß er,
-der Schätze schon genug besitzend, für immer in seine Heimat gezogen
-war.
-
-
-351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.
-
-(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit etc. 1845, S. 324--26.)
-
-Im Dorfe Fürstenwalde lebte in früherer Zeit ein Häusler, namens Bär,
-bei welchem seit vielen Jahren ein schlichter Fremder, angeblich
-ein Italiener, alljährlich einkehrte, sich mehrere Wochen daselbst
-aufhielt, und die dasige Gegend bloß deshalb besuchte, um in dem
-Flußbette der Müglitz Goldkörner und edle Steine zu suchen. Erstere
-soll er in der Gegend vom Kratzhammer abwärts bis an das sogenannte
-Löwenbrückchen, letztere hingegen außer in der Müglitz auch im
-Schlotteritzer Grunde gefunden haben. Seine Bemühungen wurden jedesmal
-mit dem besten Erfolge gekrönt, und er lohnte daher seinem Wirte Kost
-und Herberge zur völligen Zufriedenheit. Nach mehr als zwanzigmaligem
-Wiederkehren eröffnete der Fremde endlich seinem Wirte, daß er nun
-nicht mehr nach Sachsen kommen, sondern seine Reisen einstellen werde,
-und bat ihn zugleich, ihn einmal in seiner Heimat zu besuchen, wozu er,
-der Fremde, die nötigen Anstalten schon treffen wolle. Bär sagte zu.
-Nach länger als Jahresfrist erhält nun Bär von seinem frühern Gaste die
-Nachricht, daß er kommen solle, daß er nur bis Teplitz zu gehen und
-dort auf der Post sich zu melden brauche, indem das Übrige wegen seines
-Fortkommens und seiner Beköstigung schon besorgt sei. Halbgezwungen
-macht sich also Bär auf den Weg, findet alles so, wie die Nachricht
-es ihm gemeldet, und langt wohlbehalten in der ihm beschriebenen
-Stadt an. Hier geht nun Bär, die Adresse seines Freundes, welche den
-Namen der Gasse und die Nummer des Hauses enthielt, in der Hand, im
-schlichten ländlichen Anzuge die Gassen mehrmals auf und ab, ohne
-das Ziel seiner Reise gefunden zu haben, da er der dortigen Sprache
-nicht kundig ist und mithin auch sich niemandem mitteilen kann. Nach
-langem Suchen findet er endlich das mit der ihm angegebenen Nummer
-bezeichnete Haus, jedoch weit größer und prächtiger, als er sich das
-Haus seines Freundes gedacht. Er tritt aber demohngeachtet in dasselbe
-ein, um sich nach dem Namen des Besitzers zu erkundigen, wird aber von
-einem prachtvoll gekleideten Bedienten, der ihn für einen gewöhnlichen
-Bettler hält und dessen Sprache er nicht versteht, mit Gewalt wieder
-zum Hause hinausgebracht. In dieser Bedrängnis ruft ihm eine Stimme aus
-dem Hause zu: »Vater Bär, bist Du's?« und gleich darauf erscheint zu
-Bärs großer Freude sein Freund, um ihn bei sich einzuführen. Bär, ganz
-erstaunt über die große Pracht, welche ihn auf einmal umgiebt, verlebte
-mehrere Tage in seliger Trunkenheit. Sein Freund bot alles auf, ihm den
-Aufenthalt so viel wie möglich zu verschönern, und als Bär sich endlich
-zur Rückreise anschickte, führte ihn sein Freund noch in ein Kabinet,
-welches seine Schätze enthielt. Hier bat er ihn, unter mehreren dort
-aufgestellten, aus dem reinsten Gold gegossenen Figuren sich als
-Andenken eine mitzunehmen, da sie aus den Goldkörnern seien, welche
-er in Bärs Heimat gesammelt habe. Bär wählte nach langem Zaudern ein
-goldenes Lamm, und langte damit, sowie mit einer kleinen Summe Geldes,
-welche ihm sein Freund noch aufgedrungen, glücklich in seiner Heimat
-wieder an. Die Kunde von dem goldenen Lamme verbreitete sich bald in
-der Umgegend und kam endlich auch vor den Besitzer von Lauenstein, der
-am sächsischen Hofe eine Stelle bekleidete. Auf seine Veranlassung
-brachte Bär sein goldenes Lamm diesem aufs Schloß Lauenstein, und der
-Herr fand solches so kunst- und wertvoll, daß er den Vorschlag that,
-dieses Lamm dem Kurfürsten zu zeigen. Auch dieser fand großen Gefallen
-an dem goldenen Lamme und suchte Bären endlich dahin zu bestimmen,
-daß er dasselbe gegen eine ihm zugesicherte lebenslängliche Rente dem
-Fürsten überließ. Das goldne Lamm soll sich noch heute im Königlichen
-Kunstkabinet zu Dresden befinden; aber auch Bärs Nachkommen leben heute
-noch im Dorfe Fürstenwalde.
-
- Eine thüringische Sage erzählt, wie einst ein Hirte von einem
- Venetianer, welcher ihm die Schätze im großen Wartberge zeigte,
- nachdem er die Schlangenkönigin getötet und ihre Krone an sich
- genommen hatte, ein Wunschtüchlein und die Einladung erhielt, ihn
- einmal in Venedig zu besuchen. Wirklich wünschte sich der Hirte einst
- zu dem Venetianer hin und plötzlich schwebte er über den Türmen
- Venedigs und fand seinen Bekannten in einem schönen Palaste. Er wurde
- gut aufgenommen und beim Abschiede mit einer kleinen Kutsche und 6
- Pferden von gediegenem Golde beschenkt. Dies Geschenk hat der Hirte
- und seine Familie lange aufbewahrt; später ist es in die Kunstkammer
- zu Gotha gekommen. (Richter, Deutscher Sagenschatz, II. No. 50.)
-
- Ebenso erzählt eine fichtelgebirgische Sage, daß ein Mann aus
- Wilfersdorf einen Goldsucher, den er in seinem Hause beherbergt
- hatte, in dessen Heimat Venedig besuchte und dort gut aufgenommen und
- reichlich beschenkt wurde. (Zapf, Der Sagenkreis des Fichtelgebirges,
- S. 102.)
-
-
-352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg.
-
-(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 62.)
-
-Unterhalb des Ortes Schmiedeberg, auf Pleiler Gemeindegebiet,
-befindet sich ein großer Schlackenhaufen, welcher das alte Schloß
-genannt wird. Zweifellos ist dies eine uralte Ansiedelungstätte des
-Schwarzwasserthales, die aus einem großen Eisenschmelzfeuer mit
-Hammerwerk bestanden haben mag. Mancherlei Sagen knüpfen sich an
-diese öde Schlackenhalde. Unter andern soll hier auch ein Schatz,
-ein kupferner Kessel mit Silber gefüllt, vergraben liegen. Oft schon
-haben Geldgierige am Palmsonntage oder in den Tagen der Karwoche, doch
-immer vergebens, darnach gesucht. Um den Schatz zu heben ist eine gute
-Wünschelrute von nöten.
-
-Einst fischten beim alten Schloß einige Knaben im Schwarzwasser. Einer
-derselben, der sich von seinen Kameraden zufällig entfernt hatte,
-findet auf einmal eine große, thorähnliche Öffnung im Berge, geht
-dreist in die sich mehr und mehr erweiternde Höhle hinein und kann
-sich vor Staunen kaum fassen, denn eine solche Pracht haben seine
-hellen Augen noch nicht gesehen. Rings krystallene Wände, daran in
-Regenbogenfarben glitzernde Edelsteine und funkelnde Erze und in der
-Ferne ein wunderbar strahlendes Licht. Von diesem zauberhaft übergossen
-aber standen im Hintergrunde große Krystallvasen, gefüllt mit eitel
-gediegen Gold und Silber. Lange stand der Knabe, versunken in diesen
-herrlichen Anblick. Da plötzlich erinnert er sich seiner Genossen;
-auch sie sollen dies alles sehen, denkt er und eilt hinweg, sie zu
-verständigen. Allein da die Knaben alle kamen, konnten sie trotz
-des eifrigsten Suchens die Wunderhöhle nicht mehr finden. Der Berg
-hatte sich geschlossen und zeigte wieder sein gewöhnliches Aussehen.
-Alle Jahre aber, am Karfreitag Punkt 3 Uhr soll er, wie man erzählt,
-eine Zeit lang geöffnet und samt all seinen Schätzen für jedermann
-zugänglich sein.
-
-
-353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.
-
-(Joh. Falke, Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden, 1866. S. 84.)
-
-Vor etwa 60 Jahren ist noch an dem hintern Teile der Kirche zu Geyer
-auf der Südseite ein gemaltes Fenster zu sehen gewesen, das einen
-buntfarbigen Bauer von ½ Elle Höhe mit zwei Dreschflegeln darstellte.
-Dieser Bauer war der Sage nach aus Geyersdorf, das vor Annabergs
-Erbauung nach Geyer eingepfarrt gewesen sein soll, und derselbe ließ
-den hintern Teil der Kirche auf seine Kosten bauen. Unter diesem
-Fenster war ein Gemälde auf Leinwand mit einem Bauer in größerer Figur,
-zu dessen Füßen ein Leichenstein. Nach der Sage soll jener Bauer auf
-dem Rückwege von Geyer nach Geyersdorf, von der Nacht oder einem
-Schneegestöber überrascht, seine Zuflucht auf einem Baume genommen und
-dort geträumt haben, unter diesem Baume seien Erzgänge. Er suchte und
-fand so reiche Erze, daß er durch den nun begonnenen Bau in kurzem zum
-reichen Manne wurde und aus Dankbarkeit diesen Teil der Kirche bauen
-ließ. Auf dem Gemälde war er abgebildet, wie er im Begriff stand, mit
-einer lang gespitzten Keilhaue einzuschlagen.
-
-
-354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.
-
-(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
-Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28.)
-
-Im Jahre 1713 soll in der Nähe von Johanngeorgenstadt bei einem
-Vogelherde, an welcher Stelle man hierauf das Bergwerk »Glockenklang
-und Vogelgesang« erschürfte, drei Tage nach einander von früh bis
-gegen Mittag Geläute gehört worden sein, was von etlichen Personen
-gewissenhaft an Eidesstatt ausgesagt wurde. Wie nun die Gründung der
-Stadt Johanngeorgenstadt durch Glockengeläute angezeigt wurde, so
-deutete man auch jenes Läuten als ein Anzeichen für die Erweiterung des
-Bergbaus in dortiger Gegend.
-
-
-355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärenstein.
-
-(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.
-Annaberg, 1746. S. 6.)
-
-Anno 1471 hat Peter Rosenkranz, ein Mönch im Kloster Grünhain, dem
-Herrn Abt von vielen und mancherlei Sachen gesagt, auch wie ein
-Bergwerk am Bärenstein aufkommen würde; dasselbe würde einen langen
-Bestand haben und viel Ausbeute geben. Denn es läge ein ganzer Stock
-Erz davor hinter dem Stein, hinab gegen das Wasser zu, ein Gang eines
-Wagens breit im Streichen, gegen halb Mittag und halb Abend, führte
-solch großes Erz, daß er nicht auszusagen wüßte. Und wenn es die Zeit
-geben würde, daß es sollte aufkommen und offenbar werden, so würde eine
-Zeche an der andern stehen, bis über die Waschleite hinauf, und wer nur
-einen Kux davon hätte, da würde er und seine Kinder und Kindeskinder
-Nahrung davon haben. Auch würde ein Bergwerk aufkommen zwischen dem
-Pöhlberg und Bärenstein, das würde einen guten Bestand haben und viele
-Ausbeute geben, und eine schöne Stadt dahin gebauet werden. Aber
-dieses Bergwerk wäre nur eine Ader vom Bärenstein. Und es läge auch
-auf den Raschauer Gütern viel Eisenstein, welcher auch bald gefunden,
-und gar gut Eisen daraus gemacht worden. Aber die Zeit wäre noch
-nicht vorhanden, daß der Bärenstein aufkommen sollte, denn es würde
-durch einen Aufruhr das Kloster ganz zerstöret werden, und kein Mönch
-darinnen sein, ja es würde so zerstöret werden, daß das Erdbeerkräutig
-auf denen Mauern und die Bäume über die Mauern hinauswachsen und gar
-miteinander an die Fürsten von Sachsen kommen würde.
-
-Dasselbe prophezeiten später mit denselben Worten drei fahrende
-Schüler, die den Abt von Grünhain Johann Gottfried Küttner um Herberge
-und Beförderung angesprochen. Auf ihre Rede hat der Abt eine Hirsch-
-und Bärenjagd am Bärenstein angestellt und die drei fahrenden Schüler
-mit hinüber geschickt. Als man sie an Ort und Stelle fragte, welche
-Zeit und Jahr es sollte offenbar werden, sind sie ein wenig von dannen
-und unter einen Ulmenbaum getreten, und haben miteinander geredet und
-gesagt: Ungefähr 50 Jahre nach dem Bauerkrieg und Aufruhr würde das
-Kloster so wüste werden, daß das Erdbeerkräutig auf den Mauern wachsen
-würde, und werden die Bergstädte teils zu Grunde gehen, alsdann wird
-der Bärenstein angehen und aufgenommen, allein man müßte mit dem
-Stollen die Gänge überfahren.
-
-
-356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von Joachimsthal.
-
-(Nach Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrgang 2. und 3.
-Heft.)
-
-Die Gegend, wo jetzt Mariasorg liegt, war bis zum Anfange des 16.
-Jahrhunderts eine mit Wald bedeckte Einöde. Hier wohnte damals in
-einer einfachen Klause »um Sanct Albrecht unten am Wolfsberg, wo der
-Schwarzgang hinabstreicht,« der fromme Einsiedler Johannes Niavis
-(Schneevogel). Seine Andacht verrichtete er in einer kleinen Kapelle,
-an deren Stelle sich heute die Mariasorger Kirche befindet. Dieser
-Johannes Niavis hat samt der alten Gräfin Kaspar Schlick deutlich von
-dem Thal, da jetzt die Stadt Joachimsthal liegt, geweissagt, daß allhie
-ein großes Gut liege und eine mächtige Stadt hierher solle erbauet
-werden. Es werde zwar das Bergwerk in sehr großen Abfall geraten, aber
-doch hernach wieder florieren und in größere Aufnahmen kommen, als es
-je gewesen.
-
-Diese Prophezeiung gab Veranlassung, daß im Jahre 1515 Graf Stephan
-Schlick, Graf Alexander von Leisnick, Wolf von Schönberg und Hans
-Tommeshirn sich zu der ersten Gewerkschaft vereinigten, die alte
-Fundgrube am Schottenberge wieder belegten und so »mit Gewalt das
-Bergwerk aufbrachten.«
-
-Die Kapelle des Einsiedlers Niavis war bei Einbürgerung der
-lutherischen Lehre in Joachimsthal zerstört worden, und als man
-1691, da das Bergwerk infolge des dreißigjährigen Krieges und der
-Gegenreformation in Verfall gekommen war, an dem Platze, wo sie
-gestanden hatte, ein Kirchlein erbauen, und den sogenannten schwarzen
-Gang entblößen wollte, fand man endlich einen Stein mit einem
-eingehauenen Kreuze. Die Stelle, wo er lag, sollte der gesuchte
-Platz sein. Hier wurde nun die Mariasorger Kirche gebaut, über deren
-Thüre man jenen noch heute daselbst zu sehenden Stein einmauerte.
-Die Einweihung erfolgte 1699. Der Ort selbst erhielt nach einem
-wunderthätigen Marienbilde, das in der Kirche aufgestellt wurde und
-viel Wallfahrer anzog, den Namen Mariasorg. Später wurde an die Kirche
-das Kloster mit einer besondern Ordenskirche angebaut und im Jahre 1765
-vollendet. In der darauf bezüglichen, von der Kaiserin Maria Theresia
-unter dem 16. November 1752 ausgestellten Urkunde heißt es unter
-anderem, daß dies auch geschähe »aus dankmütiger Erkenntlichkeit für
-den bisher von Gott verliehenen und ferners zu erbittenden Berg-Segen.«
-So war die Prophezeiung des Einsiedlers Johannes Niavis nicht nur die
-Veranlassung zur Gründung der Bergstadt Joachimsthal, sondern auch zu
-derjenigen der Kirche und des Klosters zu Mariasorg.
-
-
-357. Anfang des Bergwerks St. Briccius am Pöhlberge.
-
-(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.
-Annaberg, 1746, S. 11--13.)
-
-1. Es soll ein Bergmann des Nachts im Traum eine göttliche Erscheinung
-gehabt haben; dem habe geträumt, es komme ein Engel zu ihm, der sagte,
-er solle in den Wald zu einem gewissen Baume gehen, den ihm auch der
-Engel im Traum bezeichnet, da würde er ein Nest mit goldenen Eiern
-finden. Darauf sei der Bergmann, als es Tag geworden, aufgestanden und
-habe den ihm im Traume gezeigten Baum gesucht und auch gefunden. Als er
-nun vermittelst einer Fahrt auf solchen Baum gestiegen, so habe er das
-Nest mit den güldenen Eiern zwar gesucht, aber nichts angetroffen. Da
-er wieder herunter gestiegen, sei der im Traum ihm vorher erschienene
-Engel alsbald zu ihm gekommen und habe ihm befohlen, er solle bei
-diesem Baum einschlagen, so würde er das Nest mit denen güldenen Eiern
-antreffen. Als der Bergmann diesem Befehle des Engels gefolgt und zu
-schürfen angefangen, so habe er auch wirklich einen reichen Silbergang
-entblößet, darauf alsdann der Bergbau allhier angegangen. Es ist diese
-Geschichte in der Hauptkirche zu St. Annaberg an dem hintern Teile des
-kleinen Altars, welchen die Knappschaft 1521 erbauen ließ, abgebildet.
-Auch lieget in der alten Sakristei der Hauptkirche ein großer runder
-Stein, auf welchem dieselbe Geschichte ausgehauen steht.
-
-2. ~Dr.~ Barth, welcher 1584 als Professor in Leipzig starb, erzählt
-dagegen: Einem Bergmanne, mit Namen Daniel, habe geträumt, er
-sollte in den finstern Wald gehen, da würde das Feuer vom Himmel
-fallen, dem sollte er alsbald nachgehen und an dem Orte suchen, so
-würde er daselbst in der Erde einen großen Schatz finden, davon er
-sich unterhalten und in seiner Armut leben könnte. Sobald es nun
-Tag geworden, wäre der Bergmann aufgestanden, hätte Gott im Gebete
-angerufen, daß er ihm gnädig sein und den Traum erfüllen wolle. Hernach
-wäre er in den Wald gegangen, hätte den ganzen Wald durchsucht, bald
-auf die Erde, bald gen Himmel gesehen und nicht ohne große Hoffnung zu
-Gott gebetet, um das ihm im Traume versprochene Feuer sehen zu lassen.
-Wider Vermuten wäre hernach ein Gewitter am Himmel aufgestiegen, daß
-es mit einem starken Donner in den Wald geschlagen. Da wäre dann
-der Bergmann geschwind gegangen und hätte alles durchsuchet, um zu
-sehen, wo es hingeschlagen. Da er den Ort gefunden, habe er alsbald
-die Wünschelrute genommen und sie feste in die Höhe gehalten, die Rute
-hätte sich aber in der Hand so sehr gewendet, daß er solche fast nicht
-erhalten können, und also gezeiget, daß der Schatz des Silbers hier
-an diesem Orte in der Erde verborgen liege. Hierauf habe der Bergmann
-nachgegraben und auch wirklich einen reichen Gang entdeckt. Dieser
-glückliche Finder wäre hernach zu den Bauersleuten gegangen, hätte
-ihnen sein Glück angezeigt, viele von denselben zu Gehülfen in seiner
-Arbeit genommen und dieselben seines Schatzes teilhaftig gemacht,
-worauf sie dann viele Erze gewonnen und schmelzen lassen. Da sich nun
-der Ruf davon allenthalben ausgebreitet, so wären von allen Orten
-und Enden viele Fremde hierher gekommen, das neu von Gott bescherte
-Glück zu sehen; viele hätten auch hernach unten gegen Abend, wo der
-Berg abfällt, noch viele andere reiche Gänge durch die Rutengänger
-entdecket, und auf solche Art wäre also zuerst durch die Gnade des
-großen Gottes das Bergwerk daselbst entdecket worden.
-
-
-358. Die Entstehung Annabergs.
-
-(I. Mündlich. II. Ziehnert a. a. O. Anhang No. 21.)
-
-I. Zur Zeit Friedrich des Weisen lebte im obern Erzgebirge nicht weit
-vom Schreckenberge ein alter, schlichter Bergmann mit Namen Daniel
-Knapp. Nach alter frommer Sitte beugte er jeden Abend seine Knie vor
-dem Muttergottesbilde. Als er dies eines Abends wieder gethan hatte,
-legte er sich nieder. Da erschien ihm im Traume die heilige Mutter
-Anna und befahl ihm, an der Stelle, welche sie ihm im Traume zeigte,
-einzuschlagen. Verwundert über den seltsamen Traum, machte sich der
-Bergmann auf und wanderte nach Wittenberg, wo damals der Kurfürst
-weilte. Zagend trat Daniel Knapp vor denselben hin und bat ihn, daß
-er ihm seinen Traum erzählen dürfe. Der Kurfürst hörte verwundert
-dem Bergmanne zu, und als er geendet hatte, folgte er ihm mit seinem
-Kanzler und begleitet von Rittern und anderen Herren. Am Fuße des
-Schreckenberges, an der Stelle, welche ihm im Traume geoffenbart
-worden war, schlug darauf der Bergmann kräftig ein und bald strahlte
-dem Kurfürsten und seinen Begleitern heller Silberglanz entgegen.
-Darauf ließ der Kurfürst zur Erinnerung an den wunderbaren Fund die
-sogenannten Engelsgroschen prägen und wenig Jahre später entwickelte
-sich aus den Ansiedelungen, welche in der Nähe des silberreichen
-Schreckenberges gegründet wurden, die Stadt Annaberg. Von dem
-Bergmanne Knapp aber sollen seit jener Zeit alle Bergleute den Namen
-»Knappen« führen.
-
-II. Als noch dicke Waldung den Pöhlberg und seine Nachbarn deckte,
-lebte im Dorfe Frohnau ein Bergmann, Daniel Knappe, fromm und brav,
-aber blutarm. Große Teuerung und Hungersnot war im Lande, und Knappe
-hatte sieben Kinder und ein krankes Weib in seiner Hütte. Er wußte
-seiner Not kein Ende und war nahe daran, zu verzweifeln an der
-göttlichen Hülfe. Da erschien ihm einst im Traum ein Engel Gottes und
-sprach zu ihm: »Gehe morgen in den Wald am Fuße des Schreckenberges.
-Dort ragt eine Tanne hoch über alle Bäume des Waldes hervor. In ihren
-Zweigen wirst du ein Nest mit goldenen Eiern finden; dies ist dein,
-brauche es wohl!« Als Knappe am Morgen erwachte, erinnerte er sich
-des Traumes und ging hinaus in den Wald, das Nest mit den goldenen
-Eiern auszunehmen. Bald hatte er die Tanne in der Nähe der Wolfshöhle
-gefunden und kletterte rasch in ihren Ästen bis in den höchsten Wipfel
-hinauf, fand aber nichts. Traurig, daß ihn der Traum getäuscht habe,
-stieg er wieder herab und setzte sich auf die Wurzeln des Baumes
-nieder, um auszuruhen. Er sann hin und her, und dabei fiel ihm ein, daß
-unter den Zweigen wohl auch die Wurzeln der Tanne zu verstehen sein
-könnten. Die Vermutung ward bald zum festen Glauben, und eilig lief er
-und holte aus seiner Hütte das Gezäh zum Schürfen. Eifrig begann er den
-Schurf, und kaum hatte er die Dammerde durchbrochen, als mächtige, nach
-allen Seiten streichende Silbergänge ihm entgegen blickten. Er sank auf
-seine Kniee und dankte Gott.
-
-Bald war die Kunde von dem neuentdeckten Bergreichtum in alle Lande
-verbreitet, und Tausende zogen herzu, um sich in der bisher so wilden
-Gegend anzusiedeln. Dies veranlaßte den Herzog Georg den Bärtigen, eine
-neue Bergstadt zu gründen. Am 21. Sept. 1496 wurde der Grundstein zu
-dem ersten Hause gelegt, und die neue Stadt Neustadt am Schreckenberge,
-später aber Annaberg genannt. -- Zum Andenken an Daniel Knappe aber
-heißen noch heute die Bergleute im allgemeinen die Knappen und ihre
-Gemeinschaft die Knappschaft.
-
-
-359. Die Kapelle zu Frohnau.
-
-(~Jenisii Hist. Annaberg.~ II., S. 2. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen. No. 514.)
-
-Im Jahre 1502 ist ein gewisser angesehener und würdiger Mann namens
-Lorenz Pflock gen Annaberg gekommen; als ihm nun seine Gemahlin in
-kurzer Frist auf einem Wagen folgte, kam es ihr, als sie etwas über
-das Dorf Frohnau hinaus war, vor, als wenn die Erde in dieser Gegend
-erschüttert werde. Nicht lange darauf legte ihr Mann an diesem Orte ein
-Bergwerk an, das überreiche Ausbeute gab, und ließ, weil er überzeugt
-war, daß durch jenes Gesicht das Vorhandensein einer reichen Silberader
-angedeutet worden sei, mitten im Dorfe Frohnau einen kostbaren Altar
-nebst Kirche erbauen.
-
-
-360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 5.)
-
-In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in der Schweiz ein
-verarmter Kaufmann, der einmal den höchst sonderbaren Traum hatte,
-er werde auf der steinernen Karlsbrücke zu Prag sein Glück finden.
-Ohne sich lange zu besinnen, bestieg er sein Rößlein und ritt nach
-der Hauptstadt Böhmens, dem hunderttürmigen Prag. Daselbst angelangt,
-ging er in froher Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, auf
-der Moldaubrücke auf und ab. Durch sein seltsames Benehmen zog der
-Schweizer bald die Aufmerksamkeit des auf der Brücke aufgestellten
-Wachsoldaten auf sich, welcher ihn endlich fragte, was er hier suche.
-»Mir hat geträumt«, erwiderte der Angesprochene, »daß ich auf dieser
-Brücke mein Glück finden werde. Nun gehe ich aber hier schon mehrere
-Stunden hin und her, ohne nur eine Spur des erhofften Glückes zu
-finden.« »Sonderbar«, sagte der Wachposten, »mir träumte auch einmal
-von meinem künftigen Glücke, das ich in den westlichen Bergen erst
-suchen gehen soll, aber ich lege den Träumen keine Bedeutung bei, denn
-Träume sind Schäume!« Kaum hatte dies der Schweizer vernommen, so
-eilte er in seine Herberge zurück, ließ sein Pferd satteln und ritt,
-seinem Sterne folgend, immer dem Westen zu, um zu dem geistreichen,
-durch seine Prophezeiungen bekannten Johannes Niavis (Schneevogel),
-dem Einsiedler am Wolfsberge, wo heute das Dorf Mariasorg liegt, zu
-gelangen und dann seine Reise nach »Conradisgrün« (Konradsgrün), der
-ersten Ansiedelung von Joachimsthal, fortzusetzen. Nach mehrtägigem
-Ritt kam er in die Gegend von Lichtenstadt. Wie er immer weiter
-trabte, blieb des Rosses Huf an etwas hängen, und das Hufeisen wurde
-abgesprengt. Er stieg ab, um nach der Ursache dieses Unfalles zu sehen.
-Da bemerkte er, daß ein Zapfen von Silbererz das Hufeisen abgerissen
-und freute sich, sein zwischen den Schweizerbergen geträumtes Glück
-gefunden zu haben. Der Schweizer kehrte, nachdem sein Pferd in der
-nächsten Schmiedewerkstatt wieder beschlagen worden war, in die
-Heimat zurück, traf aber bald in Konradsgrün mit einem Zuge Schweizer
-Bergleute ein. Diese durchforschten die Gegend und gruben untertags mit
-bestem Erfolge nach Silbererzen. So wurde der Kaufmann aus der Schweiz,
-der in der That auf der Prager Moldaubrücke sein Glück gefunden hatte,
-ein grundreicher Mann, und noch heute führt ein langer Haldenzug, der
-damals eine sehr ergiebige Ausbeute gab, den Namen »der Schweizerzug«.
-
- Eine im Wesentlichen gleiche Sage finden wir in den deutschen Sagen
- der Brüder Grimm (2. Aufl., I. B., No. 212). Hier wird aber jemandem
- auf der Brücke zu Regensburg die Mitteilung, daß unter einem gewissen
- Baume ein großer Kessel mit Geld vergraben sei, was sich auch
- bestätigte.
-
-
-361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 7.)
-
-Vor vielen Jahren lebte in der alten Bergstadt Joachimsthal ein
-gottesfürchtiger Gewerke, mit Namen Basler. Er besaß nebst Haus und
-Acker eine Grube, welche eine gute Ausbeute an Silber gab und sein
-Vermögen beträchtlich vermehrte. Plötzlich aber blieb das blinkende
-Silbererz in den harten Felsadern aus, und er traf auf lauter taubes
-Gestein. Basler, der ein sehr unternehmender Mann war, stellte jedoch
-seinen nunmehr kostspieligen Bau nicht ein, sondern ließ rühriger
-denn je mit Fäustel und Bohrer weiter arbeiten, da er in Bälde in
-eine silberhaltige Teufe zu kommen hoffte. Schon war aber Schrank und
-Beutel leer, Haus und Acker verpfändet, und noch immer leuchtete ihm
-kein Hoffnungsschein in der Grube. Seine Lage gestaltete sich vielmehr
-von Tag zu Tag trauriger, denn er wurde von seiner Freunde Schwarm nun
-gemieden, und einen Bergknappen nach dem andern mußte er aus seinem
-Dienste entlassen. Zuletzt war er auf seine Kräfte allein angewiesen;
-doch ließ er auch jetzt voll Zuversicht, daß Gott ihm helfen werde, den
-Mut nicht sinken und baute unverdrossen und emsig im harten Gestein
-fort, -- leider ohne allen Erfolg. Dadurch geriet seine Familie, die
-ehemals in guten Verhältnissen gelebt hatte, in die bitterste Not.
-Um die Seinigen zu ernähren, sah sich der arme Basler, dem niemand
-mehr Geld vorstrecken mochte, sogar genötiget, nicht bloß Hausgeräte,
-sondern auch halbwegs entbehrliche Kleidungsstücke zu verkaufen.
-
-Als eines Tages die Not aufs Höchste gestiegen war, und er sich weder
-zu raten noch zu helfen wußte, nahm seine Frau ihr teuerstes Kleinod,
-einen feingestickten Schleier, der noch von all ihren Habseligkeiten
-übrig geblieben war, in die Hand. Ihn hatte am Hochzeitsfeste die gute
-Mutter ihr ins Haar geknüpft und gesegnet, darum war der Schleier
-ihr so lieb und wert. Sie betrachtete denselben unter tiefem Seufzen
-lange mit thränenfeuchten Blicken; denn zentnerschwer drückte ihr
-Herz der schreckliche Gedanke, ihr kostbarstes Pfand mütterlicher
-Liebe zu veräußern. Endlich entschloß sie sich, freilich schweren
-Herzens, zum Verkaufe des Brautschleiers. Aus dem gelösten Gelde
-kaufte Basler, nachdem er für das nötige Brot gesorgt hatte, Unschlitt
-ein, um sein Geleucht aufschütten zu können. Er wollte nämlich, um
-sein Glück zu versuchen, noch einmal anfahren, dann aber, falls auch
-dieser Versuch mißglückte, den Bergbau, der ihn zum Bettler gemacht,
-aufgeben. -- Als sich nun Basler zur Fahrt nach der Grube gerüstet
-hatte, sprach er, treu seinem gewohnten Spruche: »Bete und arbeite!«
-ein herzinniges Bergmannsgebet, fuhr hierauf ein und schritt an's
-Tagewerk. »Herr«, sprach er zu sich selbst, Du kennest mein ehrliches
-Sinnen und Trachten, sowie meinen und der Meinigen Jammer und Gram;
-erbarme Dich unser und segne heute meiner Hände Arbeit, damit ich viel,
-recht viel zur Verherrlichung Deines Hauses beitragen kann!« -- Es
-gingen nämlich gerade zu derselben Zeit -- es war im Jahr 1536 -- die
-Grafen Hieronymus und Laurenz Schlick daran, in Joachimsthal, dem rasch
-aufgeblühten und zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Bergorte,
-eine neue, stattliche Kirche zu bauen. Wie sehr mochte sich wohl unser
-frommer Basler, der früher so reiche Bergherr, gekränkt haben, daß er
-jetzt in seiner größten Armut gar nichts zum Baue des Gotteshauses
-beisteuern konnte! Er ergriff, gestärkt durch sein unerschütterliches,
-festes Gottvertrauen, sein Gezäh und arbeitete mit solcher Kraft,
-daß das Gestein weit umhersprang. Da bemerkte er auf einmal, daß das
-Unschlitt in seiner Lampe zu Ende ging; er wollte nun sein Geleucht
-wieder auffüllen, allein das Unschlitt war verschwunden. Bestürzt und
-unmutig, daß ihm auch seine letzte Hoffnung vereitelt sei, suchte er
-nach dem Unschlitt und sah eine Maus mit demselben ihrem sicheren
-Verstecke zueilen. Über das mutwillige Tierchen erzürnt, erfaßte
-Basler seinen Schlägel und warf nach dem Mäuschen. Aber nicht dieses
-zerschmetterte sein wuchtiger Wurf, sondern das Felsgestein an der
-Öffnung der Wand, in der das Mäuschen verschwunden war. Doch siehe, was
-schimmert da unserm Basler entgegen? Ists bloß blendender Schein oder
-Wirklichkeit? Er prüft und findet, daß eine Silberader sich vor ihm
-geöffnet hat. So wurde mit einemmale Basler auf höchst merkwürdige und
-überraschende Weise wieder in den Stand gesetzt, den Bergbau mit vielen
-Knappen zu betreiben. Er ward gar bald ein reicher Mann, der aber auch
-als solcher seinem früheren einfachen und frommen Lebenswandel treu
-blieb. Sein Gelübde erfüllte er treulich. Er spendete für die Kirche zu
-Joachimsthal ein silbernes Kreuz und ließ überdies einen Predigtstuhl
-verfertigen, dessen Stütze ihn selbst im Bilde in Wams und Bergkappe
-darstellte.
-
-Noch bis zum furchtbaren Brande des 31. März 1873 konnte man diese
-interessante Bergmannsfigur in der reichen und geschichtlich
-merkwürdigen Dekanatkirche zu Joachimsthal, die an dem genannten Tage
-ebenfalls zerstört wurde, unter dem Predigtstuhle sehen.
-
-Baslers Frau, vom ungewöhnlichen Glücke berauscht, vergaß Tugend und
-Frömmigkeit und wurde über alle Maßen stolz und hochmütig. Als ihr
-Mann auf der Totenbahre lag und die Bergknappen beim Einsegnen vor dem
-Hausthore standen und nach ortsüblicher Weise das Trauerlied mit den
-Worten beendigten:
-
- »Du bist, Herr, stark in Deinem Arm,
- Du machst bald reich und machst bald arm«,
-
-da sprang die Übermütige, prangend im kostbaren Kleide und strahlend im
-Diamanten- und Perlenschmucke, zum offenen Fenster und rief voll Zorn
-und Hohn hinab: »Frau Basler kann und wird niemals verarmen!«
-
-Noch in erhöhterem Grade gab sich Frau Basler von jetzt an der
-Verschwendung hin; sie lebte in Saus und Braus, so daß ganz unbemerkt
-die Silberschätze in ihren Kästen und Truhen gleich einer Seifenblase
-zerrannen. Eines Tages stand sie auf der Prager Brücke. Da zog die
-Prahlerin einen prächtigen Siegelring vom Finger, warf ihn in die
-Moldau und rief:
-
- »So wahr, als mein Ring nicht kehrt nach Haus,
- So wahr schöpf' ich meine Schätze nicht aus!«
-
-Ein Fisch aber hörte die übermütigen Worte der frevelnden Baslerin und
-sah das kostbare, blitzende Ringlein; da dachte er bei sich: »Ohnedies
-harrt der Tod mein, es soll auch für Dich der Tod sein!« Bald ließ der
-Lachs, der den Ring verschlungen hatte, sich fangen. Und siehe da! Des
-andern Tages brachte ein Fischer einen Fisch, in dessen Bauche sich der
-Ring befand, der zur Frau Baslerin heimgekehrt war; und wie der Ring
-kam zurückgeschwommen, so ist sie hülflos auch verkommen. -- Die Maus
-hat Baslern zum Reichtume verholfen, der Fisch der Baslerin zur Armut.
-
- Einzelne Züge dieser Sage haben große Ähnlichkeit mit solchen in der
- folgenden Sage von den Tellerhäusern bei Oberwiesenthal.
-
-
-362. Die Tellerhäuser bei Wiesenthal.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Beh. in Gräße, Sagenschatz etc. No. 502.)
-
-Um das Jahr 1570 lebte zu Wiesenthal ein blutarmer, aber frommer und
-fleißiger Bergmann, namens Teller, der bei einer Grube beschäftigt war,
-die auf einmal keine Ausbeute mehr gab und deshalb von ihrem Besitzer,
-einem reichen Geizhals, nicht mehr bebaut ward. Ebenso vergebens wie
-er von Letzterem seinen rückständigen Lohn zu bekommen gesucht hatte,
-sah er sich nach neuer Arbeit um; er hatte eine kranke Frau und drei
-Söhne zu Hause, allein er hatte kein Brot für sie und so mußte er nach
-und nach alles, was er besaß, verkaufen. So kam der Ostermorgen heran
-und das letzte, was noch zu Gelde gemacht werden konnte, war bereits
-weggegeben. Siehe, da zog es ihn nach der Kirche, und als er traurig an
-den Eingang derselben getreten war, kam es ihm vor, als sehe er sich im
-Festtagsgewande, eine Stufe glänzenden Silbers auf der Schulter, an der
-Kanzel stehen. Er rieb sich die Augen, wendete sein Gesicht weg, aber
-sobald er wieder auf jenen Punkt schaute, stand auch sein Doppelgänger
-wieder da. Er verließ endlich die Kirche, und auf dem Wege nach seinem
-Hause begegnete ihm ein wohlgekleideter Unbekannter, der ihm, als er
-von ihm befragt, warum er so traurig aussehe, seine Not geklagt hatte,
-ein großes Geldstück schenkte. Damit kaufte er die notwendigsten
-Bedürfnisse und begab sich nach Hause. Hier hatte er aber keine Ruhe,
-denn überall sah er das gehabte Gesicht vor sich, und es kam ihm vor,
-als ziehe ihn sein Doppelgänger nach jener eben aufgegebenen Grube hin.
-Endlich konnte er nicht mehr diesem innern Drängen widerstehen, daher
-kaufte er sich von dem noch übrig gebliebenen Gelde von dem Bergmeister
-die Erlaubnis, in der auflässigen Grube zu bauen, und fing eifrig an
-einzuschlagen. Allein seine zwei Hände brachten wenig vorwärts, der
-Tag verfloß und er war auf kein edles Metall gestoßen; schon war der
-zweite halb zu Ende und er machte eben Anstalt, sein letztes Stücklein
-Brot zum Mittagsmahl zu sich zu nehmen, als aus einem Loche im Gestein
-ein Mäuschen herauskroch und ungescheut die heruntergefallenen Brosamen
-auflas. Er ließ dasselbe ruhig gewähren, als es aber anfing auch
-sein Grubenlicht zu beknabbern, warf er sein Fäustel nach demselben.
-Statt daß aber die Maus davon getroffen ward, sprengte er ein starkes
-Stück Gestein los, und siehe, hinter demselben lag ein reicher Gang
-gediegenen Silbers zu Tage. Kaum wollte er seinen Augen trauen, allein
-er konnte nicht zweifeln; er eilte nach Hause, um seine Familie mit
-der frohen Kunde zu erfreuen, und so ward er in wenigen Tagen aus
-einem armen Häuer ein reicher Bergwerksbesitzer. Allein er vergaß
-darum seine früheren Leiden nicht, er blieb bis an seinen Tod einer
-der frömmsten und mildthätigsten Männer in der ganzen Gegend. Seinen
-drei Söhnen erbaute er von seinem Reichtum drei kleine Güter in einer
-wildromantischen Gegend zwischen Wiesenthal und Rittersgrün, die
-heute noch die Tellerhäuser genannt werden, sich selbst ließ er ganz
-so, wie er sich an jenem Ostermorgen in der Kirche gesehen hatte, im
-Sonntagsputze des Häuers in Holz aushauen und dies Bild zum Andenken in
-jener Kirche aufstellen, wo es noch zu sehen ist.
-
-
-363. Die neue Grube bei Preßnitz.
-
-(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 2.)
-
-Unweit der Bergstadt Preßnitz steht an der Straße, welche von Dörnsdorf
-dahin führt, eine Marienstatue. Dieselbe stellt die Mutter Gottes mit
-dem Jesuskindlein dar, welches die Erdkugel und das Scepter in seinen
-Händchen hält. Neben dem Gnadenbilde stand vor vielen, vielen Jahren
-eine unansehnliche, kleine Berghütte mit einer ergiebigen Grube. Im
-Volksmunde lebt noch die Sage fort, welche sich an die Statue und
-die Berghütte knüpft. Zur Zeit einer großen Teuerung lebte in einer
-windschiefen, halbverfallenen Hütte des Erzgebirgs eine arme, brave
-Bergmannsfamilie. Schlecht und recht, wie es eben bei einem Bergmanne
-möglich ist, hatte der arbeitsame Vater in bessern Tagen sein Weib
-und seine vier Kinder im Schweiße seines Angesichts ernährt. Heute
-aber saß er gar tiefbekümmert, das Haupt gebeugt, die schwieligen
-Hände gefaltet, im Kämmerlein, denn weder ein Bissen Brot noch ein
-roter Pfennig war in der Hütte. Als er sein Weib vor Not heiße Thränen
-weinen sah, und seine sterbenskranken Kinder vor Hunger schrieen, da
-wollte dem Vater vor Gram und Kummer schier das Herz zerspringen.
-Nicht länger litt es ihn unter seinem Dache. Viel Schönes hatte er ja
-von der Mildthätigkeit der Menschen erzählen hören, warum sollte er
-dieselbe nicht auch in seiner hartbedrängten Lage in Anspruch nehmen?
-Und er ergriff, den seinigen Trost zusprechend, den Wanderstab, um in
-den benachbarten Dörfern wohlthätige Mitmenschen um Gaben für seine
-hungernde Familie anzuflehen. Wo er anklopfte, ward ihm zwar aufgethan,
-allein überall traten ihm bleiche, darbende Gestalten entgegen, die
-selbst bittere Not litten und darüber klagten; denn schwerer als
-jeder andere Landesteil war diesmal das blutarme Erzgebirge von der
-ausgebrochenen Teuerung heimgesucht. So kam unser Bergmann ganz
-hoffnungslos vor Preßnitz an. Der schreckliche Gedanke, daß seine
-Familie nun dem Hungertode zum Opfer fallen müsse, brachte ihn zur
-Verzweiflung. Ermattet brach der Lebensmüde auf dem Wege zusammen und
-wollte, da er gerade einen Strick bei sich hatte, Hand an sich legen,
-um so allem Elende mit einemmale zu entgehen. Doch von neuem erwachte
-in ihm sein echt christlicher Sinn und verscheuchte das wahnsinnige
-Hirngespinst; er nahm seine Zuflucht zur gnadenreichen Gottesmutter,
-sank auf die Knie und verrichtete ein kräftiges Gebet, das lindernden
-Balsam in sein wundes Herz träufelte, so daß alsbald Friede in
-dasselbe einkehrte. Vom Schlaf überwältigt, legte der Hungrige sein
-müdes Haupt auf den Rasen und schlief ein. Da klang es um ihn her wie
-himmlischer Engelschor, und im strahlenden Lichtglanze erschien Maria,
-die Himmelskönigin, mit dem holden Jesuskindlein auf dem Arme. Mit
-wundermilden Blicken näherte sie sich dem Bergmann und sprach: »Wach'
-auf, öffne die Erde unter deinem Haupte und vertraue fest auf Gott!«
-
-Der Bergmann erwachte; heiliger Schauer durchrieselte seine Glieder,
-da er noch immer die überirdischen Klänge zu vernehmen meinte. Neu
-gestärkt sprang er auf, ergriff, um sich zu überzeugen, ob er geträumt
-oder gewacht habe, seinen wuchtigen Wanderstab und wühlte an jener
-Stelle, wo er geschlafen, die Erde auf. Kaum hatte er diese einige
-Zoll aufgeschürft, da sank er plötzlich in die Knie, hob seine Hände
-gen Himmel und rief aus: »Gepriesen sei der allmächtige Gott und die
-seligste Jungfrau Maria, ich bin gerettet!« Ein Klumpen Gold lag zu
-seinen Füßen, der nun aller Not ein Ende machte. Mit beflügelten
-Schritten eilte der Bergmann zu den Seinigen heim und verkündigte ihnen
-mit freudestrahlendem Gesichte das wunderbare, rettende Ereignis. Wer
-beschreibt wohl den Jubel der armen Familie, die auf überaus seltsame
-Weise in die Lage kam, sich die lange entbehrten Nahrungsmittel
-anzuschaffen und so ihre Gesundheit bald wieder herzustellen? Gottes
-reicher Segen aber begleitete auch fernerhin die Unternehmungen des
-Bergmanns, der von jetzt an auf eigene Faust den Bergbau an jener
-wunderbaren Stelle betrieb und daselbst viel edles Erz zu Tage förderte.
-
-Zur bleibenden Erinnerung an die glückliche Errettung seiner Familie
-ließ der Bergmann aus tiefer Religiosität und Dankbarkeit neben der
-kleine Berghütte eine Statue der heiligen Jungfrau Maria errichten und
-lebte mit den Seinen noch viele Jahre glücklich und zufrieden.
-
-
-364. Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche in Schneeberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Es wird erzählt, daß man anfangs beabsichtigt habe, die St.
-Wolfgangskirche in Schneeberg auf dem Platze zu erbauen, wo gegenwärtig
-die Bürgerschule steht. Als man aber daselbst den Grundstein legte,
-verschwand derselbe zweimal nach einander. Da erschien einem Bergmanne
-im Traum ein Grubenmännchen, welches ihm die Stelle zeigte, auf welcher
-die neue Kirche erbaut werden sollte. Als man daselbst den Grundstein
-legte, blieb er liegen. Darauf führte das Männchen den Bergmann in die
-Tiefe und zeigte ihm unter dem Platze die reichen Silbererze.
-
-
-365. Der goldne Hirsch auf dem Kuhberge.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Ludwig in Stützengrün.)
-
-Man erzählt sich, daß auf dem Kuhberge bei Stützengrün, links von dem
-Fahrwege, welcher von genanntem Orte auf den Berg führt, in einer
-mit Heidekraut überwachsenen grubenartigen Vertiefung ein goldener
-Hirsch vergraben liege. Wenn der Hirsch aufgefunden wird, was bestimmt
-geschehen soll, wird der Kuhberg zur Stadt werden. Einen Brunnen auf
-dem Kuhberge heißt man Goldbrunnen.
-
- Nach altüberlieferten Vorstellungen, welche besonders in deutschen
- Volksmärchen einen Nachklang haben (als z. B. das Marienkind ein
- wenig an den Glanz der Dreieinigkeit rührte, wurde ihm der Finger
- golden), war nicht nur der Götterhimmel golden, sondern auch der
- Leib der Götter selbst und ihrer Lieblingstiere von einem Geblüt
- durchronnen, welche reines Gold ist. Golden ist der Hirsch, weil er
- der Leben nährenden Sonne angehört. (Rochholz, Deutscher Glaube und
- Brauch, I. S. 4--7.)
-
-
-366. Die Eselswiese bei Zwickau.
-
-(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts bei Gräße a. a. O. No. 610;
-z. T. mündlich.)
-
-Südlich von Zwickau liegt eine Wiese, die man Eselswiese nennt. Diese
-Wiese soll einst von einem Zauberer bezaubert worden sein, der auf
-ihr einen gefährlichen Fall gethan, so daß, obschon schönes Gras und
-Klee darauf wuchs, sie doch von ihrem Besitzer durchaus nicht benutzt
-werden konnte, weil die Milch des Viehes, das von demselben fraß, so
-blau wie Indigo ward. Nun hatte aber nicht weit von der Wiese ein armer
-Holzmacher seine ärmliche Hütte gebaut; derselbe wurde, da er drei
-Esel besaß, der Eselsgürge genannt, und er war allgemein wegen seiner
-Gutherzigkeit beliebt und gern gesehen. Der zog sich das Gras dieser
-Wiese zu Nutze und seine Esel wurden dick und fett davon.
-
-Einst, bei einem heftigen Gewitter, pochte es des Nachts an seine
-Hütte, und als er die Thür öffnete, da trat eine wunderschöne Jungfrau,
-die trotz des Unwetters ganz trocken war, weiß verschleiert herein,
-rosenfarbene Sandalen an den Füßen und einen goldenen, mit Diamanten
-gezierten Kranz auf dem Haupte. Sie setzte sich an seinen Tisch, als
-er ihr aber Essen und Trinken, sowie sein armseliges Binsenlager zum
-Schlafe anbot, wies sie beides zurück und sagte, sie bedürfe dieser
-irdischen Erholung niemals, und auf sein Befragen, wohin sie wolle,
-entgegnete sie: »Nach oben, wo ich herkomme«. Der arme Gürge legte
-sich hierauf verwundert wieder nieder, als aber der Morgen anbrach,
-weckte sie ihn auf, um Abschied zu nehmen, und als er sie ein Stück
-Weges begleitete, fragte er sie, ob sie nicht die heilige Jungfrau
-selbst sei, sie gleiche gar zu sehr dem Bilde derselben, wie er es
-in den Kirchen so oft gesehen. Darauf antwortete sie: »Ja, ich bin
-es; Du aber, guter Gürge, sollst den Lohn für Deine Gastfreundschaft
-heute Abend erhalten, wenn Deine Esel von der Weide zurückkehren«.
-Damit verschwand sie. Als nun die Sonne im Untergehen war, da ging
-Gürge voll Neugier seinen Eseln entgegen, allein er konnte nichts an
-ihnen wahrnehmen, als daß ihre Mäuler blutig waren. Da es nun auf
-der Wiese weder Dornen noch scharfe Gräser gab, solche die Esel auch
-bekanntlich wegen ihrer Hartmäulichkeit nicht verwunden können, so
-begab er sich an Ort und Stelle und trat plötzlich auf etwas Spitzes.
-Er griff darnach und zog einen Goldbarren aus der Erde, ja er fand ohne
-viel Mühe eine Menge davon; er holte darauf seine Esel, die sich davon
-blutig gefressen, und trieb sie schwerbeladen in sein Hüttchen zurück.
-Am andern Morgen aber, wie er seinen Reichtum beschaute, beschloß
-er davon eine Kirche zu bauen. Dies soll die Marienkirche sein. Das
-Volk aber hält noch heute die hölzerne Statue des Obristwachtmeisters
-von Heldreich († 1674), welche sich über der Thür zur sogenannten
-Götzenkammer in der erwähnten Kirche befindet, für das Bild des armen
-Eselgürge, den man auch zum Stammvater der Herren von Römer gemacht hat.
-
-Nach einer andern mündlichen Überlieferung soll das gefundene Gold
-eine zapfenähnliche Form gehabt haben. Die Menge desselben betrug zehn
-Scheffel.
-
-
-367. Des Schlackenmanns oder albernen Mannes Loch.
-
-(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, 1879, S. 62.)
-
-Das oben genannte Loch befindet sich unweit des »alten Schlosses«,
-eines Schlackenhügels auf Pleiler Gemeindegebiet, und ist ein alter
-verfallener Stollen, welcher von einem Irrsinnigen (Albernen) in den
-Berg getrieben worden sein soll. Nach einem in der Nähe befindlichen
-großen Schlackenhaufen, in welchem er oft herumwühlte, erhielt der
-Alberne auch den Namen Schlackenmann. Der Schlackenmann soll Silbererze
-gesucht und in Menge gefunden haben. Er verbarg sie aber so gut in
-seinem Loche, daß sie bisher niemand aufzufinden vermochte. Da er für
-seinen Schatz fürchtete, vermied er ängstlich jeden Umgang mit Menschen
-und kroch stets in das Bergloch, sobald jemand sich näherte. Hier
-ist er auch einsam verstorben. Sein Name und Andenken aber sind im
-Volksmunde noch lebendig.
-
-Ein ähnlicher verfallener Bergstollen befindet sich auch hinter der
-Bogmühle. Er wird das Türkenloch genannt, nach einem Manne türkischer
-Abstammung, der hier gleichfalls Bergbau auf edles Erz getrieben
-haben soll. Der Türke hatte es jedoch nicht auf den Gewinn abgesehen,
-legte auch keinen Schatz an, wie der geizige Schlackenmann, sondern
-holte sich von dem Silbererz immer nur nach Maßgabe seiner leiblichen
-Bedürfnisse.
-
-
-368. Die Grube »himmlisches Heer« bei Annaberg.
-
-(Novellistisch von Textor in »Die romantischen Sagen des Erzgebirgs«,
-I. 1882, S. 225 etc. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No.
-523.)
-
-Einst lebte in der Gegend des heutigen Annabergs ein armer Bergmann,
-mit Namen Daniel, der reich mit Kindern, aber nicht mit zeitlichen
-Gütern gesegnet war, und sich, weil seine Frau schwer erkrankt war, in
-großer Not befand. Denn die Grube am südlichen Abhange des Pöhlberges,
-wo er arbeitete, war unergiebig. Wie er nun mit seinem Gevatter, dem
-Steiger, lange vergeblich gearbeitet hatte, fiel auf einmal ein Teil
-des Gesteins von selbst herab und sie sahen einen mächtigen Gang
-reichen Erzes vor sich; eine Stimme aber rief: »Daniel! Ich bin der
-Fürst der Berge! Was Du in diesem Schachte gewinnst, ist Dein, ich
-schenke es Dir!« Jener aber sprach: »Ich kann nicht annehmen, denn
-es gehört den Gewerken«. Als nun der Berggeist ihn noch mehrmals
-aufgefordert hatte, das Gefundene zu nehmen und an seine Frau und
-Kinder zu denken, er aber sich weigerte, verschwand auf einmal der
-ganze Erzgang wieder. Daniel ging traurig nach Hause, als er aber dort
-ankam, kam ihm seine Frau völlig gesund entgegen und sagte, es sei ein
-fremder Bergmann dagewesen, habe ihr Brot, Fleisch und Wein für ihre
-Kinder gebracht, und sie aus einem kleinen Fläschchen trinken lassen,
-und seitdem seien alle ihre Schmerzen verschwunden, jener aber habe
-gesagt, ihre Not werde bald aufhören, das lasse ihr der Fürst der Berge
-sagen. In der Nacht träumte aber der fromme Bergmann, der Berggeist
-stehe vor ihm und sage ihm, zum Lohn für seine Redlichkeit wolle er
-ihn glücklich machen, er solle früh auf den Schreckenberg gehen, dort
-werde er Feuer vom Himmel fallen sehen, und an dieser Stelle solle er
-einschlagen. Wie gedacht, so geschehen, er ging in den Wald; plötzlich
-fuhr aus heiterem Himmel ein Blitz in eine hohe Fichte, und als jener
-die bergmännische Rute an den Wurzeln des Baumes schlagen ließ, da
-entdeckte er beim Nachgraben einen reichen Silbergang. Diesen mutete
-er und sein Gevatter Steiger und beide wurden schnell reich; die Grube
-aber nannte man das himmlische Heer.
-
-
-369. Der Alaunsee bei Komotau.
-
-(Fr. Hübler in der Comotovia. 4. Jahrg., S. 76 etc.)
-
-Eine Viertelstunde nordöstlich von Komotau liegt an der Straße und
-nächst dem Fußwege, welcher nach dem benachbarten Görkau führt, die
-Alaun- oder Schweizerhütte, eine Restauration im Schweizerstile,
-welche wegen ihrer reizenden Lage für die Bewohner Komotau's einen
-beliebten Ausflugsort bildet. Sie liegt in einem Kessel, welcher
-gegen Westen von einem schönen Eichenwäldchen, dem sogenannten
-Hüttenbusche, im Nordosten und Süden von Obstgärten eingesäumt ist,
-welche den in der Mitte des Kessels liegenden Hütten- oder Alaunsee
-einschließen. Auf dem Platze nun, den jetzt die spiegelglatte Fläche
-des Sees bedeckt, befand sich vor 300 Jahren ein Alaunbergwerk, von
-dessen Dasein noch rote Hügel an seinem Ufer zeugen. Bevor noch die
-Gewässer des Sees aus der Tiefe der Erde hervorquollen, befand sich
-dort ebenfalls ein Eichenwäldchen, wohin an Sonn- und Feiertagen die
-ehrsamen Bürgersleute Komotau's mit Weib und Kind hinauszogen, um sich
-zwischen den Bäumen und auf dem Rasen zu erlustigen und besonders an
-den milden Frühlingsabenden im Mai dem Gesange der Nachtigallen zu
-lauschen, welche sich sonst dort, wie in der Gegend überhaupt, in viel
-größerer Anzahl aufgehalten haben sollen, als jetzt. Noch heutzutage
-sieht man an dem Ufer des Sees die mitunter mächtigen Baumstrünke
-der abgesägten oder umgeschlagenen Eichenstämme wie Klippen aus dem
-Wasser hervorstehen, und schon mancher Lustfahrende hat mit ihrer Tücke
-Bekanntschaft gemacht, saß auf und konnte nur mit Mühe sein Fahrzeug
-wieder flott machen. -- Über die Auffindung des Alaunbergwerkes und den
-Ursprung des Sees erzählt nun die Sage folgendes:
-
-Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte in Komotau ein Mann, der »dürre
-Merten« genannt, welcher im Besitze der schwarzen Kunst und als Prophet
-in der Stadt eine bedeutende Rolle spielte, und welcher allgemein
-wegen seiner Weisheit geehrt, aber auch wegen seiner Prophetengabe und
-übernatürlichen Geheimmittel gescheut wurde. Er erreichte ein Alter von
-118 Jahren, lebte am Ende seiner Tage im Komotauer Spitale und fand
-schließlich einen gewaltsamen Tod durch Mörderhand. Er erließ viele
-Prophezeiungen, die lange im Volksmunde blieben und jetzt noch nicht
-völlig verwischt sind. Seine größte Prophezeiung bezog sich auf den
-30jährigen Krieg und dessen Grund, auf das Erscheinen der Jesuiten in
-Komotau, und auf das tragische Ende des Georg Popel von Lobkowitz, des
-ehemaligen Herrn von Komotau. Außerdem prophezeite er einst: »Auf einer
-Wiese, welche von drei Seiten ein Kessel einschließt, ist ein großer
-Schatz verborgen, der durch Jahrhunderte Menschen und Geschlechter
-ernähren wird.«
-
-Viele Leute von Geldgier getrieben, suchten emsig solche Plätze, welche
-mit der Prophezeiung übereinstimmten, auf und gruben, mit Schaufel
-und Haue bewaffnet, zur Nachtzeit nach dem verborgenen Schatze,
-erschreckten sich wohl oft gegenseitig, konnten jedoch nichts auffinden.
-
-Einmal ging nun ein Fleischhauer aus Komotau, namens Lazarus
-Drohmann, der sich und seine alte gebrechliche Mutter durch sein
-Handwerk schlecht und recht ernährte, nach Rothenhaus bei Görkau,
-um Schlachtvieh einzukaufen. Er verspätete sich daselbst, da er
-nichts Passendes hatte finden können, und begab sich bei schon
-hereingebrochener Nacht nach Görkau, wo er Speise und Trank zu sich
-nahm und dann den Heimweg nach Komotau einschlug, als gerade der
-Türmer 11 Uhr blies. Er bemerkte es nicht, wie vom Milleschauer her
-schwarze, dichte Gewitterwolken herzogen. Bald brauste der Sturmwind
-einher, grelle Blitze beleuchteten auf Augenblicke den Weg und die
-ganze Gegend bis zu den Gipfeln des Erzgebirgs, und der Donner kam
-prasselnd und krachend im Gefolge. Lazarus beflügelte seine Schritte,
-um noch die Stadt vor dem völligen Ausbruch des Unwetters zu erreichen,
-aber vergeblich; gerade noch eine Viertelstunde war er von derselben
-entfernt und er hatte eben den Eichenwald betreten, dessen Platz jetzt
-der See einnimmt, als das Gewitter mit aller Macht entfesselt wurde.
-Er suchte vor dem herabströmenden Regen und dem wütenden Sturme hinter
-einem dichten Eichengestrüppe notdürftigen Schutz und verfiel bald, von
-der Müdigkeit übermannt, trotz Sturm und Wetter in einen festen Schlaf.
-Plötzlich, es schlug gerade 12 Uhr auf dem Komotauer Turme, fuhr,
-wenige Schritte von ihm entfernt, ein greller Blitz in die Erde und
-erleuchtete Gras, Gestrüpp und Bäume tageshell. Der grelle Lichtschein
-und der damit verbundene Donnerschlag erweckten ihn gewaltsam und er
-fuhr entsetzt in die Höhe. Da sah er, betäubt und staunend, wie der
-Blitzstrahl einige Sekunden auf einer Stelle wie festgebannt haften
-blieb, dann sich aber teilte, indem ein Teil des Strahles in die Höhe
-ging, der andere jedoch in der Erde verschwand. Lazarus war voll
-Schreck und Staunen einige Zeit sitzen geblieben. Endlich, nachdem
-er sich von seiner Betäubung erholt hatte, sprang er auf und setzte,
-da auch das Unwetter bereits weiter gezogen war, den Rückweg fort,
-im Herzen Gott dankend, daß ihn der Blitzstrahl nicht getroffen, und
-erreichte glücklich seine Hütte.
-
-Nach acht Tagen wanderte Lazarus abermals Geschäfte halber nach
-Rothenhaus. Auch diesmal schlug er den Rückweg bei vorgerückter Nacht
-ein. Seinen Weg beleuchtete jedoch der freundliche Mond und wohlgemut
-trat er in den Schatten des Eichenwäldchens, wo er vor wenigen Tagen
-dem Tode, wie er glaubte, nur durch ein Wunder entronnen war. Wie er so
-sinnend auf dem weichen Rasen dahinschritt, stand plötzlich ein Mädchen
-in hellstrahlender Schönheit vor ihm.
-
-Der Mond beschien durch die Zweige der Eichen ihre freundlich
-lieblichen Züge, und von ihrem weißen Gewande schien selbst ein heller
-Schimmer abzugehen. Sie grüßte ihn und reichte ihm ihre Hand. Er fragte
-verwundert: »Woher kommst Du und was willst Du?« »Ich komme weither aus
-schönen Landen und gehe dorthin, wo mich meine innere Stimme ruft. Ich
-fliehe die Nähe böser Menschen, aber gute suche ich auf und beglücke
-sie. Du hast ein gutes Herz, ich will Dich daher glücklich machen,
-komm' und folge mir.« Die holde Erscheinung schritt voran, so leicht,
-daß sie kaum den Boden zu berühren schien, freudig und beklommen
-zugleich folgte ihr Drohmann. Nach einigen hundert Schritten machte sie
-halt und zwar merkwürdigerweise auf derselben Stelle, wo er sich vor
-acht Tagen vor dem Ungewitter verborgen hatte. Kein Laut, kein Ton war
-zu vernehmen, selbst das Heimchen schlief, überall herrschte die Stille
-des Grabes. Da ertönten von der Stadt her die ernsten, tiefen Töne
-der Mitternachtsstunde und wie auf einen Zauberschlag begann es sich
-überall im Wäldchen auf dem Grase, zwischen den mächtigen Baumstämmen
-und dem niedrigen Gebüsche zu regen und zu bewegen; kleine Männlein
-mit Schurzleder und Kappe angethan, mit Hauen und Schaufeln versehen,
-eilten geschäftig herbei und begannen genau an dem Punkte, wo der eine
-Blitzstrahl sich in die Erde gesenkt hatte, zu graben, zu schaufeln und
-die Erde in winzigen Karren wegzufahren, daß es eine Lust war, ihnen
-zuzusehen. Im Umsehen war ein Stollen in die Erde getrieben und schon
-kamen daraus Männchen zum Vorschein, welche winzige Fäßlein pustend
-und schnaufend heraufrollten, die wiederum von anderen auf Wägelchen
-geladen und fortgeschafft wurden. Lazarus sah schweigend und verwundert
-dem geschäftigen Treiben der Gnomen zu, da schlug es 1 Uhr und wie mit
-einem Schlage war alles verschwunden, die Zwerge, der Stollen, die
-Fäßchen und Wägelchen, und Stille herrschte wieder ringsum. Er glaubte
-aus einem Traume erwacht zu sein. Wie er sich jedoch umsah, stand noch
-neben ihm das schöne Mädchen. Dasselbe sah ihn mit ernster Milde an und
-sprach: »Du sahest hier das Bild künftigen Fleißes. Die Erde, worauf
-wir stehen, birgt in ihrem Schoße Alaun und Schwefel. Ihr Gewinn gehört
-Dir. Gehe morgen wieder hierher, aber allein, und grabe um die zwölfte
-Stunde auf dem bestimmten Platze; wenn Du drei Schuh tief gegraben
-hast, wirst Du das Gesuchte finden. Dann erst können andere Dir helfen.
-Der Schatz, der in der Erde schlummert, ist groß, hebe ihn zu Deinem
-und der Mitmenschen Frommen. Wehe aber,« fuhr sie in noch ernsterem
-Tone fort, »wenn das Werk gierig und hastig, oder lässig und unachtsam
-betrieben wird, dann werden die Erdgeister den Schatz der Mutter Erde
-den Lässigen und Unachtsamen entrücken und sein Segen wird dem Lande
-für immer verschwunden sein. Lebe wohl!« Damit reichte sie ihm die Hand
-und ging schwebenden Ganges zwischen den Eichen dahin und je weiter sie
-ging, desto mehr schien es, als ob es ein heller Nebelstreif wäre, der
-sich am Waldesrasen dahinzog und der in der Ferne endlich verschwand.
--- In der folgenden Nacht verließ Lazarus heimlich seine Hütte, ohne
-der alten Mutter etwas von dem Erlebten mitgeteilt zu haben, und mit
-Spitzhaue und Schaufel versehen eilte er dem bekannten Wäldchen zu.
-Wiederum ballten sich über dem Erzgebirge Gewitterwolken zusammen,
-er aber ließ sich dadurch nicht in seinem Vorhaben zurückschrecken,
-glaubte er ja sicher und fest an die ihm gewordene Verheißung. Um 12
-Uhr war er am Platze angelangt. Da brach aber auch mit furchtbarer
-Gewalt das Gewitter los und unter betäubendem Donner fuhr ein Blitz
-herab und senkte sich in geringer Entfernung von ihm in die Erde,
-alle Gegenstände ringsum grell beleuchtend. Dort erkannte er auch
-die Stelle, an welcher tags vorher die Zwerge gearbeitet, und nun
-begab er sich herzhaft ans Werk. Kaum hatte er mehrere Schuh tief
-gegraben, so stieß er auch auf das verheißene Alaun- und Schwefelerz.
-Frohlockend verließ er den Platz und eilte, da es Tag geworden, nach
-Sebastiansberg, um der Bergobrigkeit seinen großen Fund anzuzeigen. Er
-erhielt hierauf vom Erbherrn von Komotau, Johann von der Weitmühl, die
-Rechte und Privilegien, welche zum Betriebe des Bergwerkes notwendig
-waren, und nun begann ein reges Leben im stillen Eichenwäldchen, so wie
-er es früher schon erschaut. Er wurde ein reicher Mann und sein altes
-Mütterchen erlebte noch frohe Tage.
-
-Und die armen Bewohner der Stadt, des Landes und Gebirges genossen
-mit an dem Segen der Erde, und derselbe schien bei fleißigem und
-verständigem Betriebe eher zu- als abzunehmen, denn -- wie der dürre
-Merten prophezeit hatte -- »das Alaunerz wuchs unter der Stadt mit
-Gewalt.« Aber die ausgesprochene Drohung der weißen Jungfrau sollte
-ebenfalls in Erfüllung gehen. So lange das Werk mit Fleiß und Sorgfalt
-betrieben wurde, trug es reichlichen Gewinn und war ein Segen für
-Stadt und Land. Da kam es jedoch in habsüchtige Hände, es sollte
-rasch und viel gefördert werden, die Gänge und Stollen wurden nicht
-mit der alten Sorgfalt getrieben und erhalten, weil die Kosten der
-Erhaltung gescheut wurden. Da stieß man eines Tages in einem neu
-angelegten Stollen auf ungewöhnlich reiche Alaungänge, aber auch beim
-Weitergraben auf eine Quelle, deren Wasser lustig hervorsprudelte.
-Ein erfahrner alter Bergmann riet dem Bergwerksvorsteher, hier nicht
-weiter graben zu lassen, sondern den Stollen zu verbauen; aber sein
-Rat wurde verworfen, der prophezeiten Gefahr durch die kleine Quelle
-gespottet, winkte ja in dem neuen Stollen reicher Gewinn. Aber siehe,
-je weiter man arbeitete, desto mächtiger sprudelte die Quelle hervor,
-alle Versuche, sie zu verstopfen, mißlangen, das Wasser füllte den
-neuen Stollen, es stieg in die alten und stieg von Stunde zu Stunde
-immer höher, so daß die Bergleute eilig die Schächte verlassen mußten
-und keiner mehr in die Tiefe hinab fahren konnte. Endlich stieg es im
-mächtigen Schwalle bis zum Ausgange und füllte schließlich die Tiefe
-des ganzen Kessels und beherrschte als Sieger den ganzen Raum, wo
-früher viele zufriedene Menschen thätig gewesen waren. So entstand
-der jetzige Hütten- oder Alaunsee aus einer kleinen Quelle, und so
-war die Drohung in Erfüllung gegangen. Die Erdgeister hatten den
-Schatz wieder hinabgesenkt in die Erde, und die Wassergeister hüten
-ihn mit zähem Neide bis an den heutigen Tag. Selbst auf dem Wasser
-des Sees scheint noch der alte Fluch zu liegen, denn nichts lebendes
-kommt darin vor, kein Fisch schnellt über dem Spiegel nach spielenden
-Mücken empor, kein Wasserkäfer rudert darin emsig hin und her, sein
-Ufer bedeckt kein rauschendes Schilf, in welchem der Rohrsperling
-sein Unwesen treibt oder der Rohrsänger seinen schönen Gesang ertönen
-läßt und das Wasserhuhn scheu sich birgt, nur selten lassen sich im
-Fluge, von seinem Spiegel gelockt, Wasservögel darauf nieder, um ihn
-enttäuscht nach kurzer Rast wieder zu verlassen; es herrscht auf ihm
-die Stille und der Friede eines Kirchhofes. Die Quelle, welche den
-See geschaffen, sprudelt noch fort. Wenn im Winter der Frost seine
-Decke darüber spannt, friert die Stelle am spätesten zu und sie birgt
-gebrechliches Eis. Schon manches Opfer der Unvorsichtigkeit hat sie in
-ihre Tiefe gezogen.
-
- Im Komotauer Stadtarchive befindet sich eine Original-Urkunde, nach
- welcher der Komotauer Bürger Lazarus Drohmann im Jahre 1558 das
- Privilegium, auf Alaun und andere Mineralien bauen zu dürfen, erhielt.
-
-
-370. Der gute Brunn zu Niederzwönitz.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 871--875.)
-
-Im Jahre 1608 hat sich der gute Brunn auf dem Streitwalde bei
-Niederzwönitz offenbaret, weil er viel Leute gesund machte. Eine
-Bäuerin aus Kühnheide hat nämlich dieses Brunnens heilsame Kraft durch
-einen Traum offenbart bekommen, nachdem sie 14 Jahre lang einen bösen
-Schaden an einem Schenkel gehabt und viel daran ausstehen müssen. Sie
-hat, als sie nach ihres Traumes Anweisung den Brunnen nicht sogleich
-finden konnte, viel alte Leute gefragt, ob nicht bevor in dieser Gegend
-ein gewisser Heilbrunnen vorhanden gewesen oder noch anzutreffen sei.
-Da habe sie endlich einen hundertjährigen Mann angetroffen und sich
-bei demselben weiter erkundigt. Derselbe habe die Bäuerin getröstet
-und ihr angezeigt, daß er den Brunnen wüßte; das Wasser desselben habe
-schon viele gesund gemacht und es sei deshalb früher an demselben eine
-Kapelle zu Ehren der heiligen Anna aufgebaut gewesen. Darauf habe er
-das Weib an den Ort geführt, worauf es auch nach des Brunnens Gebrauch
-von ihrer Krankheit befreit worden sei.
-
-Im Jahre 1646 ist dieser Gesundbrunnen, der auch der Brunnen zu den
-drei Tannen genannt wurde, aufs neue in Aufnahme gekommen; jedoch soll
-derselbe jetzt 12 Lachter höher hinauf seinen Ausfluß gehabt haben.
-Einem Mägdlein zu Gablenz, so einen Kern im Auge gehabt, träumte, es
-solle sich zu dem Drei Tannen-Brunnen führen und daselbst sich waschen
-lassen, so würde es sehend werden. Und da es dem Vater solchen Traum
-erzählet und inständig angehalten, er möge es dahin führen, habe es
-den alten Brunnen, dahin sie gelanget, nicht für den rechten Brunnen
-erkannt, sondern gesagt, es wäre gar ein kleines, frisches Brünnlein.
-Und da hierauf der Vater seitwärts abgegangen und den neuen Quell in
-einem morastigen Sumpfe gefunden, hätte er dem Kinde die Augen dreimal
-mit dem Wasser gewaschen und etwas davon mitgenommen, und da er mit
-dem Waschen aus diesem Wasser fortgefahren, in der That erfreulich
-empfunden, daß das Mädchen auf dem Auge wieder sehend wurde. Darauf ist
-denn ein großer Zulauf der Leute von nahen und fernen Orten entstanden,
-so daß an manchem Tage wohl vier-, fünf- und mehr hundert Personen
-auf dem Platze sich befunden hätten, welche das Wasser teils kalt
-getrunken, teils gewärmet oder Suppen daraus gemachet, teils sich damit
-gewaschen oder zum Bad gebraucht hätten. Es hat auch seine Kraft und
-Wirkung an vielen kranken Personen gezeigt.
-
- Die Sage, daß im Jahre 1646 der gute Brunnen aufs neue in Aufnahme
- gekommen sei, scheint sich auf eine zweite Quelle, welche man nach
- der Angabe Engelhardts (Erdbeschreibung von Kursachsen, 2. B.,
- S. 219) in dem genannten Jahre fand und Krätzbrunnen nannte, zu
- beziehen. Die erste Quelle soll bereits 1498 oder 1501 entdeckt
- worden sein und sich so heilsam gezeigt haben, daß man bei ihr die
- in der Sage erwähnte Kapelle zu Ehren der heiligen Anna erbaute.
- Dieselbe ging jedoch bald wieder ein; doch blieb der Name St.
- Annenbrunnen, aus welchem das Volk später »Tannenbrunnen« oder
- »Brunnen zu den drei Tannen« machte, weil drei Tannen in seiner
- Nähe standen. Rings um den Brunnen baute man Hütten und es wurden
- Predigten und Betstunden bei der Quelle gehalten.
-
-
-371. Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 242.)
-
-In Grumbach wohnte ein feiner, ehrlicher Mann, Daniel Nestler, welcher
-große Beschwerung im Leibe hatte; diesem träumte im Jahre 1646 von
-einem Gesundquell. Er ging darauf durch Wiesen auf einem gebahnten Wege
-an die Stelle, welche nahe am Walde und nicht weit von dem sogenannten
-Thumshirn-Brunnen lag. Als er von dem neuen Quell getrunken hatte,
-grimmete es ihm erstlich sehr im Leibe, doch wurde er darauf seine
-Beschwerung los. Weil dann aus Meißen und Böhmen ein großer Zulauf
-wurde und man das Wasser im warmen Bad gebrauchte, hielt man dabei
-Betstunden und vermahnte zugleich, das Wasser behutsam zu gebrauchen.
-
-Der oben genannte Thumshirn-Brunnen hat seinen Namen von einem
-Generale, welcher 1548 mit einigen Regimentern auf Befehl des
-Kurfürsten Joh. Friedrich nach Böhmen zog und an dem Brunnen sich
-lagerte.
-
-
-372. Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht bald verloren.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 243.)
-
-Das Geschrei vom Bernsbacher Heilbrunnen entstand im Jahre 1684. Denn
-als die Kirchleute am 7. Sonntage nach Trinitatis nach Hause gingen,
-sahen sie ein Wasser, das mitten im Wege in ungewöhnlicher Weise
-emporquoll. Das ungebändige Volk lief zu und brauchte den Brunnen mehr
-zum Schaden als zum Nutzen. Denn bei manchen unreinen Leibern blieb er
-sitzen und machte große Ungelegenheit, etliche purgierte er heftig,
-etliche gar nicht. Einigen machte er die blöden Augen klar, anderen
-aber verdunkelte er dieselben. Es verschwand aber die heilsame Kraft
-samt dem Brunnen, nachdem dabei viel Unfug getrieben worden war.
-
-
-373. Die Heilquelle bei Hartessenreuth.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 257.)
-
-In der Nähe des Dorfes Hartessenreuth ist ein Brunnen, dessen Wasser
-heilkräftig sein soll. Am Rande dieses Brunnens pflegt zur Adventszeit
-in der Nacht ein altes Weib zu sitzen, und wenn jemand in später Nacht
-vorbeigeht, so hockt sie sich ihm auf und läßt sich bis zum nächsten
-Kreuzwege schleppen. Dort springt sie herab und eilt lachend zum
-Brunnen zurück. Vor alten Zeiten soll hier ein Einsiedler seine Hütte
-erbaut haben. Jeden Morgen ging er zum Brunnen, wusch sich dort und
-verrichtete dann sein Gebet. Darin wurde er aber durch einen höllischen
-Lärm gestört und wenn er aufblickte, sah er, daß hinter dem Brunnen
-ein altes Weib hockte und ihn störte. Er suchte die Hexe zu bannen,
-aber sie rührte sich nicht von der Stelle. Da rief er im Zorne: »So
-verfluche ich Dich, ewig bei diesem Brunnen zu sitzen, aber das Wasser
-des Brunnens soll heilkräftig werden und Du sollst zusehen, wie die
-Menschen, die krank hierher kommen, fröhlich von dannen ziehen!« Seit
-dieser Zeit ist der Brunnen heilkräftig geworden, das alte Weib aber
-sitzt heute noch an seinem Rande.
-
-
-374. Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 256.)
-
-In der Nähe von Mariakulm liegt auf einer Anhöhe das Dorf
-Hartessenreuth. Am Fuße dieser Anhöhe erstreckt sich eine breite
-Wiese und in derselben ist eine Quelle, deren Wasser fortwährend
-in sprudelnder Bewegung ist, wodurch ein deutlich hörbares Brausen
-entsteht, so daß man glaubt, das Wasser siede. Dort, wo jetzt die
-Quelle sprudelt, stand früher ein Gehöfte, das von einem Bauer mit
-seinem Weibe und seinen Knechten bewohnt ward. Der Mann und das Gesinde
-waren sehr gottesfürchtig, das Weib aber nicht. Sonn- und Feiertage
-wurden von ihr nicht geheiligt; sie hatte die Gewohnheit, während
-der Messe Garn zu sieden. Der Mann hielt ihr das oft vor, aber sie
-antwortete jedesmal mit Schimpfworten. Einst, als sie wieder des
-Sonntags anfing Garn zu sieden, wurde der Bauer zornig und sprach:
-»Dich soll das Donnerwetter bei lichtem Tage holen!« Darauf ging er
-mit seinen Knechten in die Kirche. Sie waren noch nicht lange dort,
-als sich ein furchtbares Gewitter erhob; es blitzte und donnerte
-schrecklich. Der Bauer dachte dabei an die Worte, die er gesprochen
-hatte und es wurde ihm bange. Die Bäuerin daheim aber kümmerte sich
-um das Unwetter gar nicht, sondern ging unbesorgt ihrer gewöhnlichen
-Beschäftigung nach. Da wurde es plötzlich finster wie die Nacht, ein
-Blitz entfuhr den Wolken und schlug in das Gehöfte. Kaum aber hatte
-er die Erde berührt, so öffnete sich diese und verschlang das ganze
-Gehöfte samt der Bäuerin. Die oben genannte Quelle soll nun der Hafen
-sein, worin sie das Wasser kochte und deshalb ist das Wasser darin
-fortwährend in siedender Bewegung.
-
-
-375. Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge bei Annaberg.
-
-(Chronica der Bergstadt St. Annaberg. I. 1746. S. 5.)
-
-Es wird erzählt, auf dem Pöhlberge solle ein Wunderbrunnen sein, den
-aber nicht jedermann finden und sehen könne, der bald da wäre, bald
-aber wieder verschwinde, und säße eine Jungfer dabei.
-
- ~Dr.~ Ewald Dietrich führt in den romantischen Sagen des Erzgebirges
- I. Bd. No. 1 die obige Sage unter der Überschrift: »Die Jungfrau
- des Bielberges« noch weiter aus. Diese novellistische Bearbeitung
- trägt aber ganz unverkennbar das Gepräge des Selbsterfundenen und
- Gemachten, so daß Abstand genommen wurde, sie hier, wenn auch nur
- in gekürzter Form, wieder zu geben, obschon dies Gräße in seinem
- Sagenschatze gethan hat. Siehe auch No. 46.
-
-
-376. Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer Serpentins.
-
-(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz, 1750, S. 28; Lehmann,
-Schauplatz etc., S. 451.)
-
-Man war ehemals der Meinung, daß der Serpentin ein gutes Gegengift sei,
-da man in den Serpentinsteinbrüchen von Zöblitz niemals eine Otter,
-Kröte, einen Molch oder dergleichen giftiges Tier gesehen habe. Daher
-wurden aus dem Steine Pflaster und Pillen, sowie eine vortreffliche
-Tinktur gemacht; das Pflaster gebrauchte man gegen Kopfschmerzen,
-Reißen und Gicht, die Pillen gegen Schwachheit des Magens und die
-Tinktur gegen Gift und »alle anfälligen Krankheiten.« Ein alter Reim
-zählt auf, gegen welche Krankheiten sich der Stein als nützlich
-erwiesen habe:
-
- »Vor Leibes-Grimmen, Colica,
- Vor Miltz, Gedarm oder Magen, da
- Manches sich überspeiset hat,
- Bringt seine Wärme guten Rath,
- Wenn er auf'n Bauch geleget wird.
- Und wo der Blasen-Stein sich rührt,
- Hilft seine Wärme trefflich wohl,
- Den man was tiefer legen soll.
- An Händ und Füß das Zipperlein
- Der warme Stein auch lindert fein.
- Denen Kindes-Gebährerinn
- Nimmt seine Wärm die Wehen hin.
- In Schwindsucht macht er Kranke ruhn,
- Wenn Lung und Leber wehe thun. etc.«
-
-
-377. Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg.
-
-(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 248.)
-
-Auf dem Gottesacker zu Annaberg stehet eine große, schöne und mit
-Ästen stattlich ausgebreitete Linde, unter welcher der Rat und die
-Vornehmsten aus der Stadt auf Stühlen zu sitzen pflegen, wenn die
-Trinitatispredigt unter freiem Himmel jährlich zu Mittage gehalten wird.
-
-Man hat die Tradition, daß diese Linde bei folgender Gelegenheit
-umgekehrt hierher gesetzt worden sei. Ein Marstaller allhier auf St.
-Annaberg habe einen ruchlosen Sohn gehabt, welcher sonderlich an
-keine Auferstehung habe glauben wollen, daher ein Priester sich alle
-Mühe gegeben, diesen bösen Menschen auf bessere Gedanken zu bringen.
-Derselbe sei mit dem ruchlosen jungen Burschen auf den Gottesacker
-gegangen und habe ihm daselbst vorgestellt, daß dieses das Feld des
-Herrn sei; wie der ausgestreute Same auf dem Felde aufginge und herfür
-wachse, so würden auch diese Begrabenen, so zu sagen, als ein Samen,
-wieder aus der Erde am jüngsten Tage herfür kommen. Darauf habe dieser
-junge Mensch eine noch kleine Linde auf dem Kirchhof erblicket, solche
-angesehen und zu dem Priester gesagt, so wenig als diese Linde, wenn
-man sie ausreißen und umgekehrt mit den Ästen in die Erde setzen
-wollte, ausschlagen würde, so wenig würden diejenigen, welche einmal
-tot wären, wiederum lebendig werden und auferstehn. Hierauf habe der
-Priester, in göttlichem Eifer entbrannt, geantwortet, er wüßte gewiß,
-Gott würde so gnädig sein, und um solche Ruchlosigkeit zu strafen, ein
-Zeichen seiner Allmacht sehen lassen, er wolle diese Linde umgekehrt
-lassen in die Erde setzen, und würde sie ausschlagen, so sollte er
-hiervon seinen bösen Unglauben kennen lernen, welches auch hernach also
-geschehen.
-
- Die der Frigg geheiligte Linde war Liebesbaum, welcher nicht bloß
- von Liebenden besucht, sondern auch als äußeres Zeichen der Liebe,
- welche über das Grab hinaus dauert, auf den Friedhöfen angepflanzt
- wurde. Außerdem galt sie unsern Vorfahren als Dingbaum, unter welchem
- Beratungen gehalten und Recht gesprochen wurde. Die Mitglieder des
- Annaberger Rats setzten sich zum Zeichen ihrer Würde und Gewalt auch
- während der Predigt im Freien unter den Lindenbaum. -- An unsere
- Sage erinnert die von der großen Linde auf dem Nikolai-Kirchhof in
- Görlitz, insofern auch dieser Baum, verkehrt eingepflanzt und so noch
- fortgrünend, einen Glaubenssatz als Wahrheit bestätigte. Als nämlich
- zu Ende des 16. Jahrhunderts der in den Verdacht des Calvinismus
- gekommene Pfarrer Martin Moller zu Görlitz sterben wollte, sagte er
- zu den Seinen: »Wenn ich werde gestorben sein, so pflanzt auf mein
- Grab eine junge Linde mit den Zweigen in die Erde. So gewiß diese
- Linde wachsen wird, so gewiß habe ich auch Gottes Wort rein und
- lauter gelehrt und gepredigt.« Dieser sein letzter Wille geschah und
- was er gesagt hatte, traf ein, so daß alles sich hoch verwunderte und
- viele gläubig wurden. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, II. No. 125. 2.)
-
-
-378. Der dürre Lindenstab.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 52.)
-
-Einstmals zog aus einem Städtchen, im Innern Böhmens gelegen, ein armer
-braver Jüngling mit Namen Georg, da der Kaiser die Kriegstrommel rühren
-ließ, ins Feld, um als treuer Soldat für das bedrohte Vaterland zu
-kämpfen. Er nahm von seinem lieben Mütterlein und von Maria, seiner
-Verlobten, herzlichen Abschied und gab letzterer das Versprechen, nach
-seiner Rückkehr sie als Gattin heimzuführen. Aber Jahr um Jahr verging,
-ohne daß seine Angehörigen eine Nachricht von ihm erhielten. Endlich
-ward der langwierige Krieg beendigt, und die siegesfreudigen Truppen
-kehrten in die Heimat zurück, wo ihnen allenthalben jung und alt
-einen festlichen Empfang bereitete. Auch Marie, die unter Hoffen und
-Harren sechs kummervolle Jahre verlebt hatte, eilte auf die Landstraße
-hinaus, um ihren Bräutigam zu empfangen, allein er kam nicht. Dies gab
-ihrer Mutter, welche die Hand ihrer Tochter schon längst dem reichen
-Nachbar Paul zugesagt hatte, eine willkommene Veranlassung, in sie zu
-dringen, Georg, der entweder im Kampfe gefallen sei oder sich unter
-liederlichem Gesindel herumtreibe, zu vergessen und in die glänzende
-Partie einzuwilligen. Jedoch Marie blieb standhaft und hielt fest an
-Georg. -- Als aber Mutter und Verwandte sie mit wiederholten Bitten und
-mit ungestümen Drohungen bestürmten, gab sie dem Verlangen nach und
-erbat sich ein Jahr Aufschub; denn sie hoffte mit aller Zuversicht, daß
-innerhalb dieser Frist ihr Verlobter heimkehren werde. Doch auch das
-siebente Jahr verstrich ohne Georgs Rückkehr, und Marie wurde Pauls
-Gattin.
-
-An einem trüben Septembertage schritt ein junger, kräftiger Wandersmann
-auf der Landstraße daher. Es war Georg, der voll Sehnsucht seiner
-Heimat zueilte. Derselbe war nach abgeschlossenem Frieden in der Fremde
-geblieben, um durch rastlose Arbeit und Sparsamkeit sich einiges
-Vermögen zu erwerben. Nachdem ihm sein Plan geglückt war, wollte er
-nun seiner alten Mutter, die ihm unter Mühen und Sorgen so viel Gutes
-erwiesen, das Alter versüßen und mit Marie einen eigenen Hausstand
-gründen. Mit wonnigen Gefühlen erreichte er beim Dunkelwerden sein
-heißersehntes Ziel, die ärmliche Hütte seiner Mutter, und schaute durch
-die Fensterscheiben ins traute, stille Stübchen, wo sein greises,
-gebücktes Mütterchen beim Spinnrocken saß und spann. Er klopfte leise
-an die Hausthür, und beim Öffnen derselben fiel ihm seine Mutter mit
-thränenden Blicken um den Hals und drückte ihn an ihr Herz. Nach der
-Freude der ersten Umarmung erkundigte sich Georg nach seiner Braut.
-Da erzählte ihm die Mutter, wie Marie sieben Jahre vergebens auf ihn
-gewartet habe, und wie sie, ihn für tot haltend, Pauls Gattin geworden
-sei. Wie vom Schlage getroffen stand Georg da, dann faßte er Mut und
-sprach mit festem männlichen Ton: »Also für tot hielt mich Marie;
-wohlan denn, ich will es sein für sie und die Welt! Morgen in der
-Frühe verlasse ich diesen Ort für immer, um mich in die Einsamkeit
-zurückzuziehen.« Hierauf ging er zu dem Lindenbaume, welcher vor dem
-Hause des Nachbars Paul stand, und schnitt sich einen Stab als treuen
-Gefährten auf seiner Pilgerreise, die er trotz der Mutter inständigem
-Flehen bei Anbruch des nächsten Tages antrat, um den Einsiedler
-Johannes Niavis (Schneevogel), welcher im Erzgebirge ein frommes Leben
-führte, aufzusuchen und mit ihm sich zu vereinigen. Georg beeilte sich,
-in großen Tagesmärschen seine Reise zu vollführen. Und wirklich kam er
-nach mehrtägiger, mühsamer Wanderung seinem Ziele so nahe, daß er bis
-zu der einsamen Wohnung des Eremiten, welche um St. Albrecht unter dem
-Wolfsberge bei Joachimsthal lag, wo der Schwarzgang hinabstreicht, nur
-noch eine Viertelstunde Weges zurückzulegen hatte. Da klang aus der
-Ferne das Ave-Maria-Glöcklein. Georg zog sein Hütlein, kniete nieder
-und betete. Doch horch; leises Wimmern, klägliches Stöhnen dringt an
-sein Ohr! Der Andächtige erhob sich und eilte nach der Stelle hin,
-woher die Stimme ertönte. Er fand im Gebüsche einen Israeliten liegen,
-der aus vielen Wunden blutete. Ihn hatten Räuber, als er von seinem
-Hausierhandel nach Lichtenstadt zurückkehren wollte, überfallen,
-mißhandelt und seiner Habseligkeiten beraubt. Von tiefem Mitleid
-ergriffen, holte Georg in seinem Hute aus der nahen Quelle Wasser,
-um den Todesblassen mit einem frischen Trunke zu stärken und dessen
-klaffende Wunden auszuwaschen; allein sein Liebesdienst war erfolglos,
-denn in wenigen Minuten hauchte der Israelit seine Seele aus.
-
-Während der Fremdling, ein wahrer Samariter, bei der Leiche kniete
-und mutterseelenallein das Sterbegebet verrichtete, näherten sich dem
-Thalorte eilige Schritte. Georg glaubte hülfreiche Unterstützung zu
-erlangen, um den Leichnam nach einem andern Orte schaffen zu können,
-und war deshalb sehr überrascht, als er von Schergen, die ihn des
-verübten Mordes beschuldigten, ergriffen und gebunden wurde. Dann
-führten sie den Unschuldigen nach der nahen Bezirksstadt Joachimsthal,
-wo sie ihn ins Gefängnis warfen.
-
-Georg beteuerte beim Verhöre seine Unschuld, allein seine Aussagen
-wurden als freche Lügen hingestellt. Eher hätte er von den Säulen,
-auf denen die Saaldecke ruhete, Gnade erflehen können, als von den
-hartherzigen Richtern, welche ihn der vollbrachten Mordthat schuldig
-erklärten und zum Tode durch Henkershand verurteilten.
-
-Des andern Tages ertönte das Sünderglöcklein. Eine unzählige Volksmenge
-hatte sich auf dem Marktplatze versammelt, denn alles wollte den
-Mörder, der zum Galgen geführt wurde, sehen. Als die Versammelten aber
-einen jungen Mann mit mildem Angesichte erblickten, der einmal gen
-Himmel, das andremal auf seinen Lindenstab seine Blicke richtete,
-blieb kein Auge thränenleer. -- Auf dem im Osten der Stadt gelegenen
-Galgenberge, dem damaligen Richtplatze, angekommen, sprach Georg mit
-lauter, weithin vernehmbarer Stimme: »Daß ich schuldlos sterbe, möge
-Gott der Barmherzige an meinem dürren Lindenstabe bezeugen!« Nach
-diesen Worten hob er ihn in die Höhe und stieß ihn mit aller Kraft in
-die Erde. Und siehe! kaum hatte der Henker sein Werk vollbracht, so
-sah man an dem Lindenstabe die ersten grünen Keime. Derselbe wurde nun
-ausgehoben und zum gottesfürchtigen Einsiedler Schneevogel getragen,
-der ihn neben seiner Kapelle in die lockere Erde einsetzte und mit
-Sorgfalt hegte und pflegte. Aus dem dürren Stabe aber wuchs im Laufe
-der Zeit ein mächtiger Lindenbaum, die Urmutter der stattlichen Linden
-heran, die noch heutzutage bei dem Kapuzinerkloster zu Mariasorg stehen.
-
-
-379. Der Galgenbaum bei Blankenhain.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 51.)
-
-Auf dem Rittergute Blankenhain im Amte Zwickau diente einst ein
-ehrlicher und braver Hirtenjunge, namens Liebhold, dem aber die Knechte
-und Mägde gehässig waren, weil er, sobald er von denselben etwas
-sah, was wider den Willen seiner lieben Herrin, der Edelfrau, war,
-ihr solches immer sogleich anzeigte. Als daher einmal der gnädigen
-Frau ein goldnes Kettchen weggekommen war, ergriff das gottlose
-Gesinde die günstige Gelegenheit, den armen Jungen zu verderben; der
-gewissenloseste unter den Knechten ging hin zur Herrin und zeigte
-Liebholden als den Dieb an, den er über der That betroffen habe.
-Die Edelfrau übergab den Angeklagten den Gerichten, welche ihn nach
-vielfachem Verhöre, wie hoch er auch seine Unschuld beteuerte, auf
-den falschen Schwur seines Anklägers zum Strange verdammten. Nach
-wenigen Tagen wurde das Urteil vollzogen. Unter wimmerndem Geläut der
-Sünderglocke führte man den armen Liebhold hinaus vor das Dorf, wo
-ein großer Balken mit einem Arme oben als Galgen aufgerichtet war.
-Noch einmal, ehe er in den Tod ging, betete er zu Gott, daß er seine
-Unschuld rechtfertigen möge und dann, zu den Umstehenden gewendet, rief
-er: »Der mich angeklagt hat, der hat einen falschen Eid geschworen.
-Denn, so wahr ich unschuldig bin, so wahr wird dieser Balken, welcher
-mein Galgen sein soll, nach meinem Tode anfangen zu grünen und Zweige
-treiben, und Jahrhunderte hindurch als ein frischer Baum bewundert
-werden!« Darauf wendete er sich zum Henker und litt mit frommer
-Zuversicht auf das Jenseits den unverdienten schmachvollen Tod. --
-Und als das nächste Frühjahr kam, da gab Gott die Unschuld Liebholds
-an den Tag. Der Balken des Galgens wurde grün und trieb Zweige, so wie
-es Liebhold vorhergesagt hatte. Die Edelfrau wurde darüber voll Unruhe
-und gebot, den meineidigen Knecht zu verhaften. Aber ehe die Häscher
-denselben erreichten, hatte er sich im Koberbache ertränkt. Es wurden
-später mehrere nahe am Rittergute stehende, hohe Erlen umgeschlagen,
-und auf einer derselben fand man ein Dohlennest und darinnen das
-gestohlene goldne Kettchen der Edelfrau. -- Der Galgenbaum, jetzt ein
-starker und hoher Baum, ist heute noch bei Blankenhain zu sehen.
-
- Sagen von dürrem Holze, von Pfählen, Stecken und dergleichen, welche
- wieder grünen und dadurch die Unschuld eines unschuldig mit dem Tode
- Bestraften anzeigen, giebt es auch an andern Orten. So erzählt eine
- thüringische Sage, daß ein Bursche aus Lautersdorf, welcher, der
- Hexerei angeklagt, zum Richtplatze geführt wurde, beim Anblicke von
- Pfählen, die ein Bauer einschlug, um Bäume anzubinden, noch seine
- Unschuld mit den Worten beteuerte: »So wahr ich unschuldig bin, wird
- Gott ein Wunder thun und einen dieser dürren Pfähle ausschlagen und
- zum starken Baume heranwachsen lassen.« So geschah es. Als das Volk
- von der Richtstätte zurückkehrte, hatte einer der trocknen Pfähle
- grüne Blätter und braune Zweiglein bekommen. Er wuchs zu einer
- starken Buche empor. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No.
- 69.)
-
-
-380. Die drei Linden bei Crimmitschau.
-
-(Mitgeteilt von G. Fiedler.)
-
-In der Nähe des Sahnparkes bei Crimmitschau stehen drei große
-schattenreiche Linden. Es wird erzählt, daß einst ein Schäfer des
-Rittergutes Frankenhausen eines Diebstahls wegen zum Tode verurteilt
-wurde, trotzdem er bis zum letzten Augenblicke seine Unschuld
-beteuerte. Da bat er sich noch die Gnade aus, auf dem Richtplatze drei
-junge Linden verkehrt pflanzen zu dürfen. Würden die auf solche Weise
-gepflanzten Bäumchen fortkommen, so möge man dies als Zeichen seiner
-Unschuld ansehen, würden sie aber verdorren, so wäre er des Diebstahls
-schuldig. Der Schäfer wurde hingerichtet, aber die vor seinem Tode von
-ihm mit den Ästen in die Erde gepflanzten Bäume gediehen zum Zeugnisse,
-daß er unschuldig gewesen war.
-
-
-381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.
-
-(~Curiosa Sax.~ 1733, S. 77. Gräße, Sagenschatz etc. No. 466. Richter,
-Chron. von Chemnitz I. 1767, S. 100.)
-
-Als den 19. April des Jahres 1540 die Barfüßermönche aus der Stadt
-Chemnitz vertrieben wurden, nahmen sie ihren Abzug über den Katzberg
-(Kassberg), Sauanger und Altchemnitz, nach Böhmen zu; dabei hat
-einer derselben, Bruder Barthel genannt, auf dem Sauanger bei der
-Nikolaigasse eine Valetpredigt gehalten und darin verschiedene Dinge
-prophezeit. So hat er ein unter seinen Zuhörern stehendes Weib also
-angeredet: »Du liebes Weib, Du trittst allhier und hörst mir zu,
-weißt aber nicht, daß Dir unterdessen Dein einziges Kind im Bade
-ertrunken ist?« welches sie auch also tot gefunden. Ingleichen hat er
-verkündigt, daß der gute Mühlsteinbruch bei Chemnitz gangbar werden und
-daß in den beiden Kirchen zu St. Johannes und Nikolaus auf dem Altare
-Heidelbeersträucher wachsen würden. Dies ist auch geschehen, denn es
-sind beide Kirchen im Jahre 1547 von den Feinden angegriffen worden,
-wie sie denn viel größer und schöner denn jetzt gebaut gewesen. Weiter
-hat er dieser Stadt angesagt, daß sie nach ihm eine schöne wohlgebaute
-Stadt, volkreich und mit vielem Glück und Gaben Gottes würde begabt
-werden, allein wegen ihres Übermuts und anderer Sünden werde sie von
-Gott mit Pestilenz, Kriegsnot, Feuerschaden und endlich mit einer
-großen Wasserflut gestraft und heimgesucht werden, was auch leider bald
-nachher eingetroffen ist. Von Neukirchen im Amte Chemnitz hat dieser
-Mönch gesagt, daß sein Erbherr ein großes Schloß daselbst bauen, aber
-keiner allhier sterben und begraben werden dürfe, welches auch bis 1709
-also geschehen, als in welchem Jahre der ältere Baron von Taube auf dem
-genannten Schlosse gestorben und in Neukirchen begraben worden. Ferner
-hat er gesagt, es werde daselbst auch eine steinerne Brücke erbaut
-werden, darauf werde eine doppelt verlobte Braut, wenn sie zur Kirche
-fahren wolle, versinken, welches auch die Erfahrung wahr gemacht hat.
-
-
-382. Prophezeiung des M. Schütze in Oederan.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 255.)
-
-Am 22. Januar 1763 legte sich der alte Pastor M. Schütze zu Oederan
-ins Grab. Wenige Stunden vor seinem Ende forderte er Feder, Tinte
-und Papier, da er nicht mehr sprechen konnte. Die Feder entfiel ihm
-ebenfalls. Da blickte er den anwesenden Diakonus Frey wehmütig an und
-schrieb mit dem Finger folgende Zeichen aufs Bett: »m -- E -- gef.
---. 7 Jam -- El -- betet!«, das letzte Wort ganz deutlich, die ersten
-aber vermochte der Diakonus nur mit Mühe herauszubringen und auf ein
-Papier zu schreiben. Erst im Jahre 1770 sollten die Buchstaben, welche
-man nicht verstanden, ihre Bedeutung finden; sie hießen: »Machet Euch
-gefaßt in 7 Jahren auf Jammer und Elend! betet!« Und es folgten drei
-traurige Hungerjahre, hervorgerufen durch Mißwachs. Schon im zweiten
-Jahre konnte niemand mehr dem Andern eine Gabe reichen. Die Ernte
-faulte schon auf dem Felde. Die Körner wurden auf der Mühle zu Brei
-statt zu Mehl und hatten einen üblen Geruch. Viele starben buchstäblich
-vor Hunger, so daß vom Obergebirge, wo es am traurigsten aussah, viele
-hundert Kinder, welche keine Eltern mehr hatten, in die großen Orte
-verteilt werden mußten.
-
-
-383. Eine Prophezeiung der Zigeuner.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 312.)
-
-In Graslitz sollen auf dem Marktplatze einmal Zigeuner Feuer angemacht
-und sich ihre Speisen gekocht haben. Als sie wegzogen, konnte niemand
-mehr eine Spur entdecken, wo das Feuer gebrannt hatte. Diese Zigeuner
-sollen denn auch der Stadt prophezeit haben, daß, wenn in Graslitz ein
-Brand entstünde, doch niemals mehr als zwei Häuser abbrennen würden.
-Diese Prophezeiung hat sich denn auch stets bestätigt.
-
-
-384. Die Eiche bei Hartenstein.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 557.)
-
-In dem beim Schlosse Hartenstein befindlichen Walde befand sich vor
-Jahren ein ungeheurer, prächtig belaubter Eichenbaum, von dem man
-erzählte, daß sein Bestehen auf geheimnisvolle Weise mit dem Schicksale
-des Schönburgischen Hauses verflochten sei. Man sagte, wenn der Baum
-umgehauen werde, würden drei Glieder des Schönburgischen Stammes
-sterben.
-
-
-385. Eine Sylvestersage.
-
-(Illustrirtes Familien-Journal. V. No. 116.)
-
-Es war im vorigen Jahrhunderte an einem Sylvesterabende, da saß in der
-Stadt Schöneck ein alter, wackerer Schneider, zugleich Stadtrat und
-Gemeindeältester, mit seiner getreuen Ehehälfte im rauchgebräunten
-Stübchen und schneiderte noch für den Festtag. Im großen Kachelofen
-prasselte ein gemütliches Feuer, und in der Röhre sang der Kaffee
-gar lustige Liedlein. Auf einmal erhob sich die Hausmutter, kramte
-herum und suchte und suchte, und machte ein gar verdrießlich Gesicht,
-vergeblich, sie fand nicht das Kameelgarn zu den Knopflöchern. Die
-Niederlage war aber oben auf dem Boden; deshalb mußte der Vater hinauf.
-Oben stand er in der schönen Winternacht an der Dachluke, und es wurde
-ihm so wunderlich im Herzen und er mußte sein Käppchen abnehmen und
-ein stilles Vaterunser beten. Wenn man aber zur Neujahrsnacht unter
-einem Balken steht, dessen eines Ende nach Morgen gerichtet ist, und
-ein Vaterunser betet, und nicht aus der Linie des Balkens heraustritt,
-so kann man »horchen«, d. h. einen Blick in die Zukunft thun, die in
-einzelnen Bildern vorüberzieht. Tritt man aber aus dem Kreise heraus,
-oder man erzählt jemandem, was man gesehen hat, so solls einem den Hals
-umdrehen. Der Alte hatte gar nicht daran gedacht, -- aber auf einmal,
-da fängts an zu läuten, als ob eine Leiche wäre, und den Mühlberg
-herauf kommt ein langer, langer Leichenzug, immer näher und näher, bis
-er endlich vor des alten Schneiders Haus anhält. Es dauert auch nicht
-lange, so kommt die Schule und die Geistlichkeit, mit dem Kreuze voran,
-stellen sich neben der Bahre auf, singen zwei Lieder und eine Arie, und
-dann setzte sich der Zug in Bewegung nach dem Kirchhofe zu. Der Alte
-kann die Leichenbegleiter alle erkennen, Vettern, Nachbarn, Gevattern,
-ja sogar sich selbst und seine Ehehälfte darunter, sich selbst dicht
-hinter dem Sarge und mit weinenden Augen. Da ward's ihm doch ein wenig
-bange und er wäre gern fortgegangen; aber es fiel ihm noch zu guter
-Zeit das Halsumdrehen ein. Wie er nun so recht trübselig da stand
-und träumerisch hinausblickte, sah er aus einem Hause ein Flämmchen
-herausfahren, dann aus einem andern, dann wieder eins und wieder eins,
-und zuletzt kam fast aus jedem Hause ein Flämmchen gefahren, und das,
-wußte er wohl, bedeutet Feuer. Da konnte er sich denn doch nicht mehr
-halten, sprang aus dem Kreise, und -- es schlug Eins! Als er indessen
-wieder herunterkam, war seine alte Ehehälfte eingeschlafen; er weckte
-sie auch nicht erst auf, sondern ließ die Arbeit sein und legte sich
-nieder, konnte aber nicht schlafen, war früh verstimmt, ging auch
-nicht in die Metten, sondern saß still und traurig daheim. Als er nach
-einigen Tagen den Wächter traf, that dieser sehr geheimnisvoll und
-beklommen und meinte: »Meister, Meister! 's wird ä schlecht Jahr für
-Euch und für uns all'! Der liebe Gott behüt' uns und die Stadt! mehr
-darf ich nit sagen: aber wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung
-fallet!« Der hatte auch gehorcht, und so noch andere. -- Es dauerte
-auch nur wenig Wochen, da starb des alten Schneiders Bruder, der Müller
-drunten in der Bockmühle. Es wurde zur Leiche gelauten, den Mühlberg
-herauf kam ein langer Zug, der vor des Alten Haus anhielt. Es kam die
-Schule und die Geistlichkeit voran, die stellten sich auf, sangen
-dieselben zwei Lieder und dieselbe Arie, dieselben Leute gingen hinter
-dem Sarge her, der Alte mit entblößtem Haupte und weinenden Auges. Der
-alte Wächter aber stand am Kirchhofthore, sah den Alten verständnis-
-und geheimnisvoll an, und weinte so heftig, daß die Leute gar nicht
-begreifen konnten, wie ihm der Tod des Bockmüllers so zu Herzen gehen
-könne. Der hatte aber seinen guten Grund, traurig zu sein, denn er
-wußte, was geschehen würde. Es geschah auch. In demselben Jahre noch
-ist fast die ganze Stadt abgebrannt und des Alten Haus dazu. Es war nur
-gut, daß es gerade Eins schlug, als er aus dem Kreise sprang; sonst
-wäre es wohl noch schlimmer für ihn geworden.
-
-
-386. Der Scharfrichter und sein Schwert.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 37.)
-
-Zur Zeit, da in Joachimsthal das Hochgericht bestand, bewohnte der
-Scharfrichter, mit dem niemand verkehren wollte, ein einsames Häuschen
-im untersten Stadtteil. Häufig besuchte eine Frau des Henkers Familie.
-So oft sie mit ihrem Kinde in die Stube trat, hörte das Weib des
-Scharfrichters die in dem Waffenschranke hängenden Schwerter dumpf
-aneinander schlagen. Auf diesen merkwürdigen Vorfall machte das
-Weib endlich ihren Mann aufmerksam, der darüber nicht die geringste
-Verwunderung aussprach. Als der Scharfrichter eines Tages bemerkte,
-daß die Frau mit dem Kinde sich seiner Wohnung näherte, öffnete er den
-Schrank, worin sich die Schwerter und die übrigen Hinrichtungswerkzeuge
-befanden. Kaum hatten die erwarteten Ankömmlinge des Gemaches
-Schwelle überschritten, so bewegte sich sofort das größte Schwert im
-Schranke, berührte die daneben hängenden Schwerter und verursachte ein
-unheimliches Geklirre. »Arme Frau,« sprach bewegt der Scharfrichter,
-»meine Freundespflicht befiehlt mir, Euch eine höchst traurige
-Mitteilung zu machen. Ihr werdet an Eurem Kinde viel Kummer und Schmerz
-erleben, denn es wird durch Henkershand sein Leben enden. Seht, wie
-sich dort das Schwert bewegt, dessen Klänge Ihr hört! Dies alles
-zeigt mir an, daß Euer Kind einst hingerichtet werden wird durch mein
-Schwert.« »Um Gotteswillen! ich beschwöre Euch,« rief laut schluchzend,
-händeringend und schreckensbleich die Mutter, »sucht das gräßliche
-Los von meinem Kinde abzuwenden!« »Soll Euer Kind dem schmählichen
-Tode entgehen«, entgegnete der Henker, »dann muß ich dessen Körper
-mit dem Schwerte ein wenig ritzen, auf daß dieses sich mit dem Blute
-des bestimmten Opfers färbe.« Sprach's nahm das Schwert und brachte
-mit demselben dem Kinde eine leichte Wunde bei. -- Die dankbare Frau
-setzte mit dem Kinde ihre Besuche bei der Scharfrichtersfamilie fort,
-doch das Schwert blieb fortan ruhig im Waffenschranke hängen.
-
-
-387. Der Traum auf Augustusburg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anh. No. 20.)
-
-Kurfürst August I., der Erbauer der Augustusburg, hatte auf derselben
-ein Schlafgemach, darin zwei Betten standen, das eine für ihn selbst,
-das andere für seinen Kanzler, einen Edlen von Pflug. Neben dem
-Bette des Kurfürsten aber stand ein Tisch, auf welchem stets eine
-aufgeschlagene Bibel lag, weil der fromme Kurfürst jedesmal vor dem
-Schlafengehen ein Kapitel aus derselben zu lesen gewohnt war.
-
-Einst schlief er ruhig in seinem Bette, da hatte er folgenden Traum:
-Ein Mönch und eine Nonne traten in das Gemach und schritten zu dem
-Tische, auf dem die Bibel lag und das brennende Nachtlicht stand. Der
-Mönch nahm die Bibel auf und las darin, legte sie aber bald wieder
-verdrießlich weg und wollte das Licht ausblasen. Als ihm aber das trotz
-aller Anstrengung nicht gelingen wollte, ward er darüber voll Ärger
-und eilte der Thüre zu. Hierauf versuchte auch die Nonne das Licht
-auszublasen, und blies es auch aus, jedoch nicht ganz. Denn kaum, daß
-sie mit dem Mönche zur Thür hinausgeeilt war, da entzündete sich die
-Kerze, an deren Dochte noch einige Fünkchen glommen, plötzlich wieder
-und brannte mit schöner, heller Flamme.
-
-Dieser Traum schien auf den Kurfürsten einen tiefen Eindruck gemacht
-zu haben, denn als er früh in der fünften Stunde erwachte, war das
-erste Wort, das er nach dem Morgengruße an den Kanzler richtete:
-»Ich habe einen seltsamen Traum gehabt in dieser Nacht!« Da nun der
-Kanzler antwortete, daß auch er, obgleich er bis nach Mitternacht wach
-geblieben, gar seltsame Dinge gesehen habe, so that der Kurfürst den
-Vorschlag, daß sie beide ihr Gesicht alsbald aufzeichnen wollten; dies
-geschah denn auch, und als sie fertig, teilten sie das Geschriebene
-einander mit. Wunderbar genug hatte der Kanzler ganz dasselbe mit
-wachen Augen gesehen, was dem Kurfürsten im Traume vorgekommen war, und
-noch wunderbarer war es, daß das von ihnen Aufgezeichnete in jedem Wort
-und Buchstaben vollkommen übereinstimmte. Der Kanzler wußte nicht, was
-er davon denken sollte; der Kurfürst aber sprach: »Es wird dermaleinst
-nach meinem Tode auch ein Augustus in diesem Lande regieren, der wird
-die evangelische Lehre unterdrücken wollen, aber nicht können, denn
-Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehen nun und nimmermehr!«
-
-Nach andern Nachrichten soll der Kurfürst eine harte Verwünschung
-desjenigen unter seinen Nachkommen, der die Lutherlehre anfeinden
-würde, in der Bibel aufgezeichnet haben.
-
-Ob der Mönch und die Nonne jemals wieder in Augustusburg erschienen
-sind, davon hat niemand etwas erfahren. Die obige Geschichte aber
-erzählen viele Chroniken.
-
-
-388. Die Kurfürstin Margarethe wird durch einen Traum vor den
-Prinzenräubern gewarnt.
-
-(Johann Vulpius, ~Plagium Kauffungense~, d. i. die Chur-Fürstl. Sächß.
-Printzen Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg. Anhang zu Daniel
-Wilh. Triller, Der sächs. Prinzenraub, 1743. S. 199.)
-
-Die Nacht zuvor, ehe der Kurfürst Friedrich der Sanftmütige in der
-Woche nach Mariä Heimsuchung 1455 von Altenburg aus eine Reise
-nach Leipzig unternahm, während welcher die beiden Prinzen Ernst
-und Albrecht durch Kunz von Kauffungen entführt wurden, hatte die
-Kurfürstin geträumet, es wäre ein grausames wildes Schwein gekommen,
-welches in einem angenehmen Garten eingebrochen sei. Dasselbe habe sich
-unterstanden, neben den Reben und Gewächsen fürnehmlich die junge,
-schön aufwachsende Raute zu verderben und niemand habe ihm Widerstand
-gethan, bis endlich noch ein Bär (dessen Bild des errettenden Köhlers
-Schmidt Nachkommen auch später ins Wappen erhielten) herzugelaufen,
-welcher des wilden Schweines Wüten mit seiner Tatze gesteuert habe.
-Deshalb hat auch die Kurfürstin ihren Gemahl gebeten, die Reise
-aufzuschieben. Der Kurfürst aber hat darauf geantwortet, Träume wären
-Schäume; wer auf Träume achte, greife nach dem Schatten.
-
-
-389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung von den Schweden.
-
-(Christ. Lehmann, Schauplatz etc. S. 793.)
-
-Im Jahre 1642 lebte in Elterlein eine sehr andächtige Jungfrau von 24
-Jahren, Margarethe, Christoph Landrocks Tochter, welche sich vor den
-schwedischen Einfällen sehr fürchtete und daher herzlich für sich und
-die belagerte Stadt Freiberg betete. Am Neujahr 1643 stand sie vom
-Schlaf auf, war ganz freudig und sprach: O, nun bekommen die Schweden
-die Stadt Freiberg nicht; heute sahe ich im Traume, daß zwar der
-Torstensohn die Stadt an einer Kette hatte, aber es kam ein vornehmer
-Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten, der hieb die Kette mit
-einem Streich entzwei, daß der Torstensohn mit der halben Kette
-zurückfiel, darüber seine Soldaten erschraken und ausrissen. Nach 7
-Wochen ging der Traum aus und der Feind mußte abziehen.
-
-
-390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an.
-
-(~Curiosa Sax.~ 1762. S. 242. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen,
-No. 228.)
-
-Im Jahre 1760 ist ein Knabe aus Bräunsdorf nach Neumark bei Freiberg
-zu einem Schuhmacher in die Lehre gethan worden. Dieser Lehrjunge wird
-von dem Sohne des gedachten Schusters, der seinem Vater im Handwerk
-hilft, mit einem Schuhleisten totgeschlagen, und sie schaffen denselben
-in aller Stille bei Seite und geben vor, er sei davongelaufen, was
-auch geglaubt wird. Aber des Knaben Großmutter, die ebenfalls in
-Bräunsdorf wohnte und den Knaben in seiner Lehrzeit öfter als seine
-Eltern besuchte und ihm auch oft etwas mitgebracht hatte, erblickte
-nach einigen Tagen mehrere Nächte hintereinander den Geist ihres
-erschlagenen Enkels, der ihr erzählte, er sei nicht davongelaufen,
-sondern vielmehr mit einem Schuhleisten erschlagen und in der Scheune
-begraben worden. Diese Begebenheit ist dem Amtmann zu Freiberg gemeldet
-und in Folge davon im Januar des Jahres 1762 Vater, Mutter und Sohn
-eingezogen worden, bei deren Vernehmung sich alles, wie oben erzählt,
-bestätigt hat.
-
-
-391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 781. 782.)
-
-Den 5. Januar 1630 starb Nikolaus Walde, Pfarrer zu Schwarzenberg;
-dem verdorrete das Jahr zuvor sein Birnbaum. Da er's sahe, sagte er:
-»Ich habe lange genug vom Sterben gepredigt, jetzt wird der Birnbaum
-mein Prediger. Mein Baum verdorret und ich werde auch bald sterben!«
-Am Neujahrstage steigt er auf die Kanzel und da er anfangen will
-zu singen: Helft mir Gottes Güte preisen u. s. w., überfällt ihn
-ein Schlagfluß, daß er nach Hause geführt werden und sich auf sein
-Todesbett legen mußte. -- Heinrich Ryhel, Pfarrer in Wiesenthal, hatte
-einen Zeilanderstrauch in seinen Pfarrhof gepflanzt, der trefflich
-grünte und im Frühjahr, da genannter Pfarrer starb, schon im April
-ausgeschlagen war. Sobald der Pfarrer krank wurde, fing der Strauch an
-sichtlich zu verdorren; darauf starb der Pfarrer.
-
-
-392. Nächtliches Fallen zeigt einen Todesfall an.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 930.)
-
-Das Fallen nennt der gemeine Mann das Leichenbret, und glauben manche,
-es müsse notwendig darauf ein Todesfall erfolgen, auch könne solcher
-Fall vom Menschen ab und auf ein Vieh gewendet werden, wenn man sage:
-Falle auf meine Henne, Ziege u. s. w. Im Jahre 1627, ehe der Pfarrer
-in Markersbach im September zum Tode krank wurde, lag er abends samt
-seiner Ehefrau schon in der Ruhe. Die Magd war noch auf, und da sie
-etwas oben im Hause stark fallen hörte, lief sie hinauf, in der
-Meinung, der Herr habe ihr gepocht, und fragte, was sie solle? Sie
-wurde abgewiesen als eine Träumende, sie sollte zu Bette gehen. Am
-neunten Tage darauf war der Pfarrer tot.
-
-Anno 1653 lebte in Scheibenberg eine Pfarrerswittwe von Thum. Als
-dieselbe einst ihren Sohn, welcher verreisete, ein Stück begleitet
-hatte und wieder auf dem Heimwege war, thats in ihrem Hause einen
-ungemeinen Fall, und zwar zu derselben Stunde, da sie auf dem Rückwege
-von einem Fieberfrost überfallen wurde, daran sie auch nach zehn Tagen
-starb.
-
-
-393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 785.)
-
-Im Jahre 1664 brannte von der Stadt Annaberg über die Hälfte ab; dabei
-verbrannte auch jämmerlich der Stadtrichter Martin Meyer nebst seiner
-Frau. Des Tags zuvor geht er vor dem Gottesacker vorüber, da ruft
-ihn eine Stimme, die als seiner verstorbenen Schnur Stimme gelautet,
-etliche mal: Herr Vater! Des Nachts geht das erschreckliche Feuer
-gegenüber seiner Wohnung auf.
-
-Im Jahre 1686 wurde ~M.~ Benjamin Heyde, Oberpfarrer in Schneeberg,
-frühe, da er predigen sollte, in seinem Bette tot gefunden. Abends
-zuvor rief dreimal eine Stimme, welche seines ersten Weibes Stimme
-gleich: Herr! Herr! Herr! und darauf erfolgte sein Tod.
-
-
-394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784.)
-
-Im Jahre 1666 wohnte ein Kopist in Schneeberg, ein junger, starker
-Mann, der beim Trinken hurtig von der Faust war. Seinem Weib, Marie
-Böhmin, sprang der Ring vom Finger entzwei und fiel auf die Erde. Sie
-erschrak darüber und sagte: Was soll mir das sein? Da der Mann des
-Abends zu Bier gehen will, hat sie große Angst und erzählt, was ihr
-begegnet, er solle zu Haus bleiben, aber er schlugs in ein Gelächter.
-Sie begleitet ihn bis zur Hausthür und vermahnt ihn, er soll sich ja in
-acht nehmen. Abends bringen sie ihn totkrank nach Haus, und der Schlag
-rühret ihn eben dieselbige Nacht, daß er starb.
-
-
-395. Klingen und Singen verkündet einen Sterbefall.
-
-(Chr. G. Wilisch, Kirchen-Histor. von Freiberg etc. II., S. 401.
-Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 195.)
-
-Am Abende des 4. August 1629, welcher dem Tode der Gemahlin des Moritz
-v. Hartitzsch auf Krummenhennersdorf voranging, hörte letzterer mit
-dem Pfarrer Benedictus Scheuchler und dem Arzte (?) Däntzki, da sie
-miteinander in Kümmernis am Fenster des Schloßerkers standen, draußen
-gar nahe ein klares helles Glöcklein klingen, gleich oben über den
-Bäumen, anders nicht, als ob man wollte anfangen zu Grabe zu läuten.
-Bald darauf hörten sie gar einen lieblichen Laut, als wenn kleine
-Kindlein singen. Am Morgen wies sich aus, was hierdurch angedeutet
-worden, daß nämlich die kranke Frau seligen Feierabend machen wollte
-und ihr Körper zur Ruhe gebracht werden sollte.
-
-
-396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.
-
-(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
-
-In Nossen lebte einmal ein gottesfürchtiger Tischlermeister, bei dem
-es manchmal des Abends, wenn die Familie still beschäftigt war, in den
-Brettern oder Hobelspähnen rumorte. Dann wußte der Meister, daß am
-nächsten Tage ein Sarg bestellt werden würde.
-
-In ähnlicher Weise pflegten sich beim dortigen Totengräber des Abends
-zuweilen die Werkzeuge zu rühren, und dann wurde Tags darauf ein neues
-Grab verlangt.
-
-
-397. Der geplagte Polizeidiener.
-
-(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
-
-Bis gegen Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts befand sich
-die Stadtwache zu Nossen in einem am Obermarkte gelegenen, der
-brauberechtigten Bürgerschaft gehörigen, jetzt aber abgebrochenen
-Brau- und Malzhause, vor dessen Ostseite zwei schöne Linden standen.
-Dort wohnte einmal ein Polizeidiener, ein altgedienter Soldat. Wenn
-nun in der Stadt ein schwer Kranker nicht »ersterben« konnte, erschien
-sein Geist des Nachts dem Polizeidiener und nötigte ihn zum Aufstehen
-aus dem Bette. Der mußte sich nun vollständig in Uniform kleiden und
-mit umgehängtem Säbel den Geist bis an die Hausthüre begleiten, worauf
-dieser verschwand. Der Polizeidiener pflegte manchmal zu sagen: Diese
-Nacht ist der oder die bei mir gewesen, und darauf hörte man bald auch
-von ihrem Ableben.
-
-Still und mürrisch, wie er war, mußte er sich oft vom Bürgermeister
-ausschelten lassen. Das hörte er in Positur ernsthaft an und sprach
-dann, als wenn er schwerhörig sei: »Schön, Herr Bürgermeister, ich
-werd's ihm sofort sagen.« Da mußte der Bürgermeister immer lachen und
-das gute Einvernehmen war wieder hergestellt.
-
-
-398. Vögel sind Unglücksverkündiger.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 834.)
-
-Als im Jahre 1639 ein großes Sterben war, hatten die Raben bei Tage ein
-greulich Geschrei, bissen sich auch des Nachts bei Mondenschein heftig
-auf den Kirchen und Häusern herum, und es war furchtsam anzuhören,
-wenn die Eulen in den Gärten so jauchzten. Man merkte auch um selbige
-Zeit, daß ein Haufen Elstern mit Schreien und Schnattern alle Gassen
-voll gemacht und gleichsam die Post gebracht hatten, wenn räuberische
-Parteien kamen. Ehe einem Hausvater sein Weib und Kind in den Wochen
-starb, zogen die unter dem Dache nistenden Schwalben samt ihren Jungen
-weg. Desgleichen ist in Schneeberg geschehen, daß die Störche, welche
-lange Zeit auf eines Bürgers Hause genistet, im Jahre 1688, ehe der
-Bürger gestorben, davon gezogen und ausgeblieben sind. Im Jahre 1664
-kamen des Nachts, ehe in Annaberg 400 Häuser in Asche gelegt wurden,
-etliche Eulen, setzten sich auf des Bürgermeisters Haus am Markte und
-schrien gräßlich.
-
-
-399. Anzeichen von Feuersbrünsten.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 780.)
-
-Man hat in unterschiedlichen Bergstädten wahrgenommen, daß wenn Gott
-mit einer Feuersbrunst strafen wollte, sich zuvor allerhand bedenkliche
-Vorboten gezeigt haben. Man hat in der Ratsstube des Nachts ein Licht
-brennen sehen, oder es ist ein Wasserkübel auf dem Rathausboden
-herunter gefallen, oder es hat auf dem Markt mit den Wasserkübeln
-gerasselt und sich in den Bottichen gebadet, oder es sind auch eiserne
-Reifen an den Röhrenbottichen geborsten und abgesprungen, oder es haben
-sich ungewöhnliche Feuervögel sehen lassen, oder es sind die Kinder
-unversehens vorbeigelaufen und haben Feuer gerufen, oder man hat eine
-unbekannte Stimme des Nachts zuvor gehört: Lösche, dein Haus brennet!
-
-
-400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 430.)
-
-Die sonderlich bei Nachtzeiten lichterloh brennende Bergwitterung,
-welche in Gestalt eines ausgestreuten Pulvers plötzlich lodert und
-verlöscht, und die Ausgänge, Luftlöcher und Klüfte der Metalladern
-zeigt, ist in dem Erzgebirge gar gemein, und hat man an den Orten, da
-hernach Bergstädte erbaut worden, zuvor viel und starke Bergwitterung
-gespüret. Dies ist geschehen im Jahre 1491, da um den Pöhlberg die
-Bergwitterungsflammen lichterloh ausgelauscht und die Bergleute
-veranlaßt, daß sie hernach die Erzgänge mit der Rute erforschten und
-entblößten. Dergleichen hat sich auch um Scheibenberg begeben, da
-vorzeiten rauher Wald und Morast gewesen, daß sich des Nachts viel
-Witterungen von ferne sehen lassen, so daß die Nachbarn vermuteten, es
-müsse daselbst reiches Erz liegen. Daher hat auch Caspar Klinger von
-Elterlein im Jahre 1515 zuerst daselbst eingeschlagen und die erste
-Fundgrube gemutet.
-
-
-401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1154.)
-
-Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirg
-ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene
-Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären, desgleichen hat man
-gehöret, als wenn Musketen losgingen und zur Begrüßung geschossen
-würde. Dies haben unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken
-beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen
-Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.
-
-
-402. Ein Sturm als Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 391.)
-
-Ein Anzeichen war es, als am 15. Febr. 1625 des Nachts das mit Riegeln,
-Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von
-einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet
-wurde, denn es wurde so getrennt, daß das Hinterteil des mittleren
-Riegels samt dem starken Thornagel und eiserner Feder geborsten und das
-Vorlegschloß samt dem Kloben, der das Thor mit einer starken eisernen
-Kette über dem Thorriegel geschränkt, eine Stube weit davon auf dem
-Schloßplatze verschlossen gelegen. Und dieser ungemeine Sturm hat den
-damaligen böhmischen Bauernkrieg nach sich gezogen.
-
-
-403. Ungestümes Wetter im Gebirge zeigt Krieg an.
-
-(Lehmann, a. a. O., S. 420.)
-
-Man hat beobachtet, wenn Schlachten zur See oder Land vorgegangen,
-daß solche mit einer ungemeinen Witterungsungünstigkeit im Gebirge
-gleichsam angedeutet worden sind.
-
-
-404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an.
-
-(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 207.)
-
-Sonst hat man an dem Schwarz- und anderem Wasser gemerkt, daß sie bei
-bevorstehendem Unglück, Feuer- oder Wasserschaden, greulich geheulet.
-Im Jahr 1630, den Tag zuvor, ehe die Stadt Annaberg abgebrannt, hat
-der Elterleiner große Teich am Geyerschen Wege entsetzlich geheulet,
-so daß des Zainschmieds Junge, der mehr Wasser aufschlagen sollte,
-vor Schrecken davon gelaufen. Im Jahre 1645 den 10. Juni, am zweiten
-Pfingstfeiertage, heulte frühe in Elterlein ein Teich jämmerlich, so
-daß eine Jungfrau, welche über den Teichdamm ging, aus Furcht eilends
-fortlief. Darauf ist ein Schulknabe, des alten Richters Matthes Rüdels
-Sohn, im Teiche ertrunken.
-
-
-405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.
-
-(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
-Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28. Lehmann, Hist. Schauplatz. S.
-402.)
-
-Ein Köhler war kurz vor Erbauung von Johanngeorgenstadt auf dem
-gegenüberliegenden böhmischen Berge eingeschlummert. Hierauf aber hat
-er ein so starkes Geläute auf dem Fastenberge, worauf jetzt die Stadt
-steht, vernommen, wie sonst nur in einer Stadt gebräuchlich ist.
-Darüber ist er nicht nur aufgewacht, sondern er hat sich auch wachend
-nicht zu fassen gewußt.
-
-Der letzte evangelische Lehrer zu Platten, mit Namen Johann Jahn, hat
-einstmals einen Traum gehabt, als wären vom Joachimsthaler Wege Wagen
-gerasselt gekommen, deren Deichseln alle auf den Markt zugegangen;
-hernach wäre ein großes Wasser und rauschende Flut gekommen und hätte
-alles in den Grund hinabgeschwemmt.
-
-Am Fest Mariä Heimsuchung, als am 2. Juli des Jahres 1648, sahe man
-zu Breitenbrunn frühe unter der Predigt gegen den Fastenberg zu, auf
-welchem sieben Jahre später die Stadt gegründet wurde, in der Wolke
-eine Stadt aufgehen, und vor der Stadt einen Gottesacker liegen, darauf
-zwei Totenbahren standen, und in der Mitte ein grüner Baum.
-
-
-406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 1064.)
-
-In Neustädtel trug sichs bei angehender Reformation zu, daß eines
-Morgens unterschiedliche Berg- und andere Leute zusammen kamen und
-auch von der Reformation redeten. Wie sie nun teils ungereimte Sachen
-vorbrachten und unter anderem auch auf die Lehre vom Abendmahl fielen,
-geschahe es, daß der eine Teil das Abendmahl in beiderlei, der andere
-aber in einer Gestalt verteidigte. Indem nun ein Bergschmied, welcher
-an dem Fenster saß, dergestalt für eine Gestalt stritt und dabei sagte,
-daß, wenn dieses der rechte Glaube sei, daß ein Laie das Sakrament in
-beiderlei Gestalt empfangen sollte, er in seiner Hand vor dem Fenster
-einen Vogel fangen wollte: siehe, so trug es sich, indem er im Reden
-mit der Hand zum Fenster hinausgriff, in einem Nu zu, daß sich zwei
-Sperlinge mit einander bissen und vor das Fenster fielen, solche aber
-von ihm beide ergriffen und in die Stube gebracht wurden, weswegen sich
-darauf alle Anwesende, als vor einem Zeichen, entsetzten.
-
-
-407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 922.)
-
-Als im Jahre 1478 in dem Mühlberge zu Schneeberg reiche Erze
-angetroffen wurden, da fuhr Römer, vermutlich jener Sebastian, welcher
-vorher Romner geheißen, mit seinem Haufen zu und wollten alles allein
-haben. Sie nannten die Zeche Münzer- oder Römerzeche und es galt ein
-Kux darauf 1200 bis 1400 Gulden. Da aber die unrechten Besitzer,
-darunter außer Römer noch Fürsten, Grafen und Herren waren, den armen
-Bergmann mit seiner Gewerkschaft auf der Sattlerzeche, in welcher
-Lehn das Erz gebrochen war, ausmaßen und auf die Halde setzten, auch
-sogar der Lehenträger Römer falsch beschworen hatte, daß der Gang ihm
-gehöre, so war solches ein Greuel vor Gott. Alsbald verschwand das
-Erz dieser Zeche und verwandelte sich im Anbruch in Kohlen. Es soll
-auch zu derselben Zeit, da Römer draußen auf der Haspelstätte nach den
-alten Bergrechten den Schwur leistete, im Berggerichte zu Zwickau,
-wo Römer und sein Haufe mit den armen Gewerken um das Erz gestritten
-hatte, das Gewölbe aufgerissen sein, und das Glöcklein, womit man die
-Diener herein zu rufen pflegte, von selbst geklungen haben. Von dieser
-Begebenheit rühren die Worte Herzogs Georg her: »Der Gleeßberg ist ein
-tauber Berg, der Mühlberg ein verschworener Berg, sehet mir auf den
-Schickenberg.«
-
-
-408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 918.)
-
-Als Paul Gramman, insgemein der Hosenschneider genannt, im Anfang des
-Schneebergs eine Zeche am Wolfsberge, die der grüne Schild geheißen,
-fast allein zu eigen gehabt und einen Stollen hineingetrieben, hat
-er ein köstliches Erz angetroffen, da er aber einstmals hinter dem
-Steiger gestanden und zugesehen, wie derselbe das schönste Glaserz
-losgebrochen, ist einer seiner guten Freunde vor den Ort gekommen
-und hat ihm nach bergmännischem Gebrauch ein Glückauf gewünscht. Der
-Hosenschneider aber hat freventlich und übermütig darauf geantwortet:
-»Was bedürfen wir dieses Glückwünschens? Siehe, wir haben ja das Glück
-in Händen und vor Augen!« Darauf aber soll sich alsbald das Erz im
-Anbruch dermaßen abgeschnitten haben, daß man nicht gewußt, wie es
-verschwunden ist. Es ist auch ferner sowohl an diesem Orte, als auch am
-ganzen Wolfsberge wenig mehr ausgerichtet worden.
-
-
-409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.
-
-(Richter, Chronica von Chemnitz, I. 1767, S. 72.)
-
-In einem Gange des ehemaligen Benedictiner-Klosters zu Chemnitz befand
-sich ein hölzernes Christusbild mit einem krummen oder schiefen
-Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles darin
-verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von Stund
-an aber hatte derselbe ein offenstehendes Maul und ist stumm geworden.
-
-
-410. Der heillose Bäcker in Freiberg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Pros. Anhang, No. 9.)
-
-Im Jahre 1471 wohnte in Freiberg auf der Burggasse, dem Oberkloster
-gegenüber, ein Bäcker, namens Werner Kühn, ein gottloser Mann, der
-an Fluchen und Lästern sein Vergnügen fand. Derselbe brachte seine
-Mitbürger in großes Unglück.
-
-Als er eines Morgens (am 24. Juli) seinen Backofen heizte, wollte das
-feuchte Holz nicht sogleich brennen, so daß der gottlose Mann wütend
-darüber wurde und rief: »Ha, du verfluchtes Feuer, so brenne doch in
-aller Teufels Namen!« Das war ein heilloser Fluch und Gott ließ ihn
-in Erfüllung gehen. Das Feuer schlug alsbald zum Ofen heraus und in
-wenig Augenblicken stand das ganze Haus in Flammen. Nach drei Stunden
-lag Freiberg in Trümmer und Asche. Nur die alte Frauenkirche, die
-meißnische Gasse und die halbe Sächsstadt blieben stehen.
-
-
-411. Die Görkauer Maskenhochzeit.
-
-(Nach Franz Herbabny in den Mitteilungen des Nordböhm.
-Excursions-Klubs, 1885, S. 117.)
-
-Am Faschingsdienstage 1588 ging es in der Stadt Görkau überaus
-fröhlich zu, und die Schuljugend machte mit Schreien und Peitschen
-einen Spektakel, daß die Häuser in den Gassen wackelten. Der
-Hochzeitsplampatsch ritt auf einem Grauschimmel und trank wacker
-aus den Gläsern, womit man ihm schenkte. Auf dem Kopfe trug er
-eine Narrenkappe mit einer klingenden Schelle und überdies zwei
-Narrengesichter, von denen das vordere lachte, das hintere weinte.
-Bald kamen auch die beiden Herolde hoch zu Roß, bliesen auf ihren
-Trompeten, und der vielerwartete Hochzeits-Schlittenzug setzte sich in
-Bewegung. Es war nämlich eine Faschingshochzeit. Den Vorreitern und
-den Stadtpfeifern folgten die Brautleute mit dem Bilde der heiligen
-Jungfrau, darauf der Brautführer und die Kränzeljungfern, neben
-ihnen der heilige Nikolaus mit zwei Teufeln an der Kette, und auch
-die Salzmäste warf nach allen Seiten Pfeffernüßchen aus. So folgte
-Schlitten auf Schlitten, vierzig an der Zahl. Und nun ging es in tollem
-Jagen, die Kreuz und die Quere, durch die Stadt, bis der Zug neben der
-Kirche ein wenig stockte. Da blies der Hanswurst-Plampatsch auf seiner
-Trompete und rief in trunkenem Frevelmute durch das offene Thor zum
-Kirchhof hinein: »Auf, auf! Ihr Faulpelze! Heraus aus Euren Nestern!
-Heut ist Fasching! In der Stadt giebt es noch Besen genug, die nehmet
-zwischen die Beine und reitet mit! Hollah! Vorwärts!« Gelächter der
-Umstehenden folgte, und der Trunkenbold stürzte vom Pferde, aber der
-Zug fuhr weiter, immer bis nach Komotau, obwohl ein Sturmwind unterwegs
-das Brautpaar und die Salzmäste und viele andere in den Schnee geworfen
-hatte. In Komotau trank man Glühwein, und die Heiterkeit wuchs, wenn
-dies noch möglich war.
-
-Allein als man zum Thore hinausfuhr, da hatte sich zu den drei
-Vorreitern noch ein vierter gesellt, einer aus Komotau, wie man
-wähnte. Doch seine Tracht war seltsam. Kohlschwarz vom Kopfe bis
-zu den Sporen, schwenkte er ein schwarzes Banner mit dem Bilde des
-Sensenmannes. Vielen aber war es recht unheimlich, wenn er rechts und
-links die Schlittenreihe auf- und absprengte und gewissermaßen die
-Hochzeitsgäste zählte. Als es aber finster wurde, da sprühten sogar
-aus seiner Fahnenstange Funken und Flammen und die dampften und rochen
-wie Leichenfackeln. So ging es fort bis man wieder in Görkau vor den
-Kirchhof kam; da öffnete der Schwarze sein Visir, schlug den Plampatsch
-auf die Schulter und rief: »Nun kommt mit mir; wir zwei voran, die
-andern kommen nach!« »Jesus, Marie!« schrie der Plampatsch, als er den
-fleischlosen Totenschädel erblickte. Jener aber rief mit weithallender
-Stimme: »Heute war ich Euer Gast; zur künftigen Fasching seid Ihr alle
-meine Gäste!« Sprachs und verschwand in Nacht und Gekrach. Die Fackel
-war verloschen. --
-
-Auf dem Tanzboden fand sich allmählich die helle Faschingslust wieder
-ein. Als man aber am folgenden Tage nach altem Herkommen den Fasching
-begraben wollte, da erscholl das Zügenglöcklein, und man erfuhr, daß
-der Plampatsch totkrank darniederliege. Drei Tage später lag er auf
-dem Kirchhof bei den Toten, die er zur Maskenhochzeit eingeladen
-hatte. Ihm folgte zuerst die Braut und eine Kränzeljungfer, dann ein
-Vorreiter, der Brautführer und der Bräutigam. Selten verging ein Tag,
-an dem die Totenglocke nicht erscholl, und ein Leichenzug folgte
-dem anderen. So dauerte es mit geringen Pausen ein volles Jahr, und
-nicht weniger als 450 Personen unterlagen der schrecklichen Seuche.
-Am Faschingsonntage aber rief der Priester dem unglücklichen Volke
-zu: »Ja, Ihr sollt ausziehen, aber nicht in Larven und Maskeraden,
-sondern in Sack und Asche, in Buß- und Trauerkleidern!« und so geschah
-es. Am Faschingsdienstage, da zog jung und alt, Mann und Weib, hoch
-und niedrig, in Trauergewändern und mit schwarzen Schärpen durch
-die Stadt zum Friedhofe hin. Und als man den heiligen Boden betrat,
-unter dem die Lieben ruhten, welche im letzten Jahre gestorben waren,
-da erscholl laute Klage und Wehegeschrei. In der Kirche aber las der
-Pfarrer ein Totenamt und vom Chor erklang das »~Dies irae!~« wie an
-einem Allerseelentage; doch von Stund an erkrankte niemand mehr, und
-wer schon krank war, fand meistens Genesung. Acht Wochen später war
-die Seuche beendet, und der Pfarrer konnte am weißen Sonntage die
-Pestilenzpredigt halten. Die Erinnerung an jene schreckliche Zeit
-aber -- so sagt der Chronist -- lag den Görkauern noch lange in den
-Gebeinen, und sie haben durch manches Jahr keine Hochzeitsmaskerade
-mehr am Faschingsdienstage gehalten.
-
-
-412. Meineid wird bestraft.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 367.)
-
-Im Jahre 1627 zankte sich Matthes Becker, Bauer zu Pappendorf, mit
-seinem Grenznachbar, Christoph Dehner, um ein geringes Wiesenflecklein,
-und als sie nicht konnten verglichen werden, nahm er es auf sein
-Gewissen. Darauf hat es ihm der, dem Unrecht geschah, in Gegenwart
-des Amtsschössers von Nossen, Matthäus Horn, und hiesiger Gerichten,
-mit diesem Glückwunsch cediert und überreicht: »So nimm's hin und laß
-Dir's auf der Seele verbrennen!« Von selbiger Zeit an ist gedachter
-Becker von Tage zu Tage schwermütiger geworden, endlich am 28. August
-nachfolgenden Jahres um Mitternacht aus dem Bette weggelaufen und hat
-sich ersäuft, wessen man ihn frühmorgens unter dem blauen Steine im
-Striegnitzbache tot angetroffen, nur ein Schlafmützlein und Hemd an
-sich habend.
-
-
-413. Der bestrafte Gotteslästerer zu Zwickau.
-
-(T. Schmidt, ~Chron. Cygn.~ II. S. 437. Misander, ~Deliciae Hist.~, S.
-277. Gräße, Sagenschatz etc. No. 608.)
-
-Im Herbst des Jahres 1594 ist zu Zwickau M. Wolfgang Raabe, eines
-Tuchmachers Sohn daselbst verstorben, welcher etliche Jahre rasend
-gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber Gott also
-wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren zu
-Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt, hat
-sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen und ist es mit ihm
-soweit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerische
-Reden, vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner
-Sinnen beraubt worden. Nachdem ihn nun seine Eltern nach Hause
-bringen lassen, ist's nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat
-sich stets ungebärdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat
-er sehr gefressen (maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung
-auch gebraucht) und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich, als
-etliche Knaben mit einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und
-sich mit den Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum
-Fenster hinaussehend gesagt, sie sollten ihm denselben geben, was sie
-auch gethan. Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen
-und ist bald darauf gestorben. Er hat auch einen seinesgleichen von
-Reichenbach, namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch
-große Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem
-Crucifix vorgenommen, der ist auch seiner Sinnen beraubt, etliche Jahre
-daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also gestorben.
-
-
-414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelssteins bei Lauter.
-
-(Mitgeteilt von Heinrich Weißflog aus Raschau.)
-
-Ein Kriegsheer wollte einst Schwarzenberg belagern und hatte sich
-deshalb bei dem jetzigen Teufelssteine in der Nähe von Lauter
-zusammengezogen. Hier in dem Lager lebte nun alles in Saus und Braus.
-Da kam eines Tages ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster daher, der
-einen Leuchter zur Reparatur nach Schwarzenberg tragen sollte. Als
-ihn sein Weg durch das Lager führte, wurde er von den Kriegsknechten
-angehalten und verleitet, mit ihnen zu tanzen und zu spielen. Sein
-weniges Geld war bald verspielt, und nun vergaß er sich soweit, daß
-er den Leuchter in Geld umsetzte. In diesem Augenblicke kam der Abt
-des Klosters, welcher zufällig denselben Weg ging, und als er das
-Treiben und Thun seines Ordensbruders sah, suchte er denselben mit
-herzlichen Worten von seinem gottlosen Treiben abzuraten. Dafür wurde
-er jedoch von dem Mönche und den Kriegsleuten verhöhnt und verspottet.
-Da übermannte ihn der Zorn und er rief: »So möge Euch, Ihr Genossen
-des Teufels, der allmächtige und strafende Gott, den Ihr jetzt noch
-eben verhöhnt habt, zu Steinen werden lassen!« Kaum waren diese
-Worte gesprochen, so erfüllte ein donnerähnlicher Schlag die Luft,
-und was der Abt in seinem Fluch erbeten, das geschah. Der Mönch und
-die Kriegsknechte wurden zu Felsblöcken, welche noch heute auf dem
-Teufelssteine zur Warnung für Gotteslästerer emporragen.
-
-
-415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße, Sagenschatz etc. No. 531.)
-
-Nicht weit von Waschleithe bei Grünhain, im Thale des Oswaldbaches,
-stehen die Trümmer einer Kirche, die Oswaldskirche genannt, welche 1514
-der Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet hat, die aber, weil die
-Reformation dort auskam, nicht vollendet wurde und so liegen geblieben
-sein soll. Anders erzählt sich das Volk, welches auch die Kirche mit
-dem Grünhainer Kloster unterirdisch verbunden sein läßt, die Ursache.
-Es soll nämlich um jene Zeit ein reicher Hammerherr, mit Namen Caspar
-Klinger, gelebt haben, den aber sein Reichtum so übermütig gemacht
-hatte, daß er keinem Gruße, selbst von seiten solcher Personen, die
-mit ihm auf gleicher Stufe standen, zu danken sich herabließ. Dem
-begegnete einst ein ebenso reicher Bergherr von Elterlein, namens Wolf
-Götterer, und rief ihm ein freundliches Glückauf zu; allein Klinger
-hielt es abermals unter seiner Würde, dem Grüßenden zu danken, und so
-geschah es, daß letzterer ihm darüber einige harte, beleidigende Worte
-sagte. So stolz nun der Hammerherr auch war, so rachsüchtig war er und
-er beschloß auf der Stelle, seinen Beleidiger für seine freimütige
-Rede büßen zu lassen. Er teilte seinem Bruder seinen Plan mit, und
-nachdem sie eines Tages ausgekundschaftet, daß der Bergherr allein zu
-Hause sein werde, weil alle seine Dienerschaft zu einer Belustigung
-sich entfernt hätte, gelang es ihnen, sich in die Wohnung desselben
-einzuschleichen, wo sie den Unglücklichen mit Beilhieben ermordeten.
-Weit entfernt, ihr Verbrechen, dessen sie sich freuten, zu leugnen,
-stellten sie sich selbst dem Gerichte, welches sie zwar zum Schein zum
-Tode verurteilte, allein auch kein Bedenken trug, die Todesstrafe in
-eine Geldbuße zu verwandeln. Letztere sollte darin bestehen, daß der
-reiche Hammerherr zur Sühne jenes Mordes eine Kirche zur Ehre des h.
-Oswald zu erbauen und auch die Armen der Stadt reichlich zu bedenken
-habe.
-
-Klinger ließ nun Arbeitsleute, so viele ihrer nur kommen wollten, für
-seinen Bau anwerben, Bauholz in seinen Wäldern schlagen und Steine in
-seinen Steinbrüchen brechen, zahlte mit vollen Händen und es verging
-kein Jahr, da stand die Kirche fertig da. Nun ließ er es auch nicht an
-reicher Ausschmückung des Inneren fehlen, Kanzel und Altar waren von
-geschicktesten Künstlern gearbeitet und mit der größten Pracht geziert,
-eine herrliche Glocke hing auf dem Turme und alles war zur Einweihung
-der Kirche in Bereitschaft. Siehe, da zog an demselben Morgen, wo die
-Geistlichkeit sich anschickte, das neuerbaute Gotteshaus zu weihen, ein
-furchtbares Gewitter über das Thal herein und man zögerte deshalb,
-die Prozession zu beginnen, selbst der Glöckner weigerte sich, die
-Glocke ertönen zu lassen, bevor nicht das Unwetter vorüber sei. Da
-ward Klinger ungeduldig und schwur und vermaß sich hoch und teuer,
-nichts sollte ihn abhalten, das einmal angefangene Geschäft zu Ende zu
-führen, und wenn niemand anders es thun wolle, so werde er selbst in
-die Kirche eilen und das Geläute zum erstenmale in Bewegung setzen.
-Zwar versuchten ihn die Priester von diesem Beginnen abzuhalten, aber
-umsonst, er stürzte in den Turm und fing an die Glocke zu ziehen. Aber
-sonderbar, dieselbe klang wie ein Armesünderglöckchen und lange zuvor,
-ehe es ausgelauten hatte, fuhr ein Blitzstrahl aus dunkler Wetterwolke
-herab in den Turm, tötete Klinger und zündete die Kirche an. Niemand
-wagte zu löschen, denn jeder sah hier das Gericht Gottes, und so war
-in kurzem von dem schönen Bau nichts als die Mauer übrig und niemand
-wagte es seitdem, die Kirche wieder aufzubauen. Klingers Leichnam ward
-zerschmettert im Turme gefunden und am Rande des Waldes eingescharrt.
-Die Umwohner aber erzählen sich, um Mitternacht gehe sein Geist ruhelos
-dort umher und grüße den zufällig dorthin verirrten und bei seinem
-Anblick ängstlich davon fliehenden Wanderer, und sein Herumirren müsse
-so lange dauern, bis ihm jemand danke. Seinen Bruder hatte die Strafe
-Gottes schon vorher ereilt, denn noch ehe das Gericht sein Urteil
-gesprochen, war er vom Pferde gestürzt und hatte den Hals gebrochen.
-
- In Schumanns Lexicon von Sachsen (12. B. S. 444) wird die Gründung
- der Oswaldskirche, welche vom Volke gewöhnlich Duselskirche genannt
- wird, dem Grünhainer Amtmann Gregor Kienter und dem Elterleiner
- Pfarrer M. Wolf zugeschrieben und als Jahr der Gründung 1515
- angegeben. In Bezug der Sage von dem Hammer- und Bergherrn Kaspar
- Klinger wird gesagt, daß derselbe zur Sühne des Mordes 12 silberne
- Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und Bogen geben,
- Seelbäder stiften und nach Rom wallfahrten mußte. Auch hatte er
- von dieser Wallfahrt die Erlaubnis für die Markersbacher Kirche
- mitgebracht, Ablaß erteilen zu dürfen (S. 164).
-
- Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man
- 1795 auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die
- wahrscheinlich vom Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben
- diese Brakteaten Veranlassung zu der Sage von einem großen Schatze
- gegeben, welcher unter der Kirche vergraben liegen soll.
-
- Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt
- Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder
- »Aswaldbache« d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die
- Meinung ausgesprochen wird, die eingewanderten Sachsen hätten den
- dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt, welcher Name dann auch auf
- den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung für sehr
- gewagt und nicht recht glaubwürdig.
-
-
-416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.)
-
-Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe
-des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«, dessen
-südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe von
-der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird. Zu
-letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer Allee
-bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze« herumzieht,
-und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause »Hut« über die
-Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein, welcher eine schöne
-Aussicht gewährt, erzählt man folgendes:
-
-Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein mächtiger
-Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten reiche
-Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm sein erstgeborener
-Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde, denn dieser führte
-ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine liederliche Lebensweise.
-
-Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu geben und nach
-der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome der Welt zu
-einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte.
-
-In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte
-Gelegenheit dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als
-nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines
-unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte
-Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen
-Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er wanderte also
-im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge zu und gelangte
-nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen Joachimsthal, wo
-in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag. Überrascht und entzückt
-von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt mit ihren Thälern und
-Schluchten, ließ er sich hier nieder und baute mit Hülfe der Einwohner
-ein stattliches Schloß, in welchem er in Gesellschaft verdorbener
-Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte. Den unaussprechlichen
-Schmerz des Vaters über den Verlust des ungeratenen Sohnes hatte indeß
-die alles heilende Zeit gemildert.
-
-Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger Weidmann
-war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten, im
-Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im dichten Walde
-verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem mühevollen
-Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit eine Wiese, von
-wo er am fernen Bergesrücken ein helles Licht schimmern sah, dem er nun
-frohen Mutes mit starken Schritten zueilte. Als er vor dem Schlosse
-stand, aus welchem das Licht kam, bat er um Einlaß und ein gastlich
-Obdach, und er wurde darauf vor den Schloßherrn geführt, den sein
-Vaterauge gleich erkannte. Auch der verlorne Sohn erkannte sofort,
-freilich mit Schrecken, in dem Weidmann seinen Vater; aber statt mit
-reumütigem Herzen den Tiefgekränkten um Verzeihung zu bitten, gab
-er, die wohlverdiente Strafe fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn
-gefangen zu nehmen.
-
-Entsetzt und aufgebracht über dieses unerhört ruchlose Benehmen
-sprach der Vater über den ungeratenen Sohn den Fluch aus, welcher
-augenblicklich in Erfüllung ging. Die Erde erbebte mit einemmale so
-gewaltig, daß die Grundmauern des Schlosses erzitterten; dasselbe
-zerfiel in Trümmer und begrub in seinem Schutte alle Insassen. Nur der
-Fürst und ein Diener kamen mit dem bloßen Schrecken davon und eilten
-nach Konradsgrün, wo das sorgenvolle Jagdgefolge den vermißten Herrn
-erwartete, den es bis spät in die Nacht im Hochwalde vergebens gesucht
-hatte. Am Grauenstein aber treiben seitdem die bösen Geister ihren Spuk.
-
-Eine andere Sage erzählt, daß des Grafen Schlick Urgroßmutter zwei
-Söhne hatte, die sich allen Lastern ergaben. Sie lästerten Gott,
-raubten, plünderten und mordeten. Bald aber erkannten sie ihre tiefe
-Verworfenheit und beschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen
-und ein bußfertiges, Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Zu ihrem
-bleibenden Aufenthalte wollten sie sich ein Schloß erbauen lassen
-und fanden zu dessen Anlegung den dazumal im tiefsten Waldesdunkel
-gelegenen Grauenstein besonders geeignet. Alsogleich übertrugen sie
-den Bau des Schlosses, dessen Steine durchweg von grauer Farbe sein
-sollten, zweien Maurern. Nachdem diese das Schloß vollendet hatten,
-erhielten sie aber den verheißenen Lohn nicht; deshalb riefen sie auf
-dasselbe den Fluch des Himmels herab. Und dieser Fluch der Maurer
-erfüllte sich schnell. Ein furchtbares Gewitter, das plötzlich übers
-Gebirge dahergezogen kam, entlud sich; ein Blitzstrahl traf das Schloß,
-zündete -- und verwandelte es in einen Schutthaufen.
-
-Nach einer anderen Sage wohnte im Grauensteiner Schlosse ein Vater, der
-seiner Tochter einen Bräutigam aufdringen wollte, den sie nicht mochte.
-Um sich zu retten, trieb die Tochter dem Vater während des Schlafes
-einen Nagel durch den Kopf. In den letzten Atemzügen verwünschte der
-Vater das Schloß samt den Inwohnern.
-
-
-417. Der Gottesleugner zu Nossen.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 349.)
-
-Zu Nossen lebte im Jahre 1592 ein alter Zimmermann und Steinbrecher,
-namens Walter Koch, der zeitlebens ein großer Verächter des
-Gottesdienstes gewesen, auch binnen 32 Jahren niemals zur Beichte und
-zum Abendmahl des Herrn gekommen war. Dieser ward am 21. Juni des
-genannten Jahres gleich in der Mittagsstunde von einer alten Kirchmauer
-im Kloster Zelle, an der er hatte einbrechen helfen, erschlagen. Als
-man nun seinen Körper in einen Backtrog legte, ist selbiger alsbald
-zersprungen, darauf ist ein grausamer Wirbelwind entstanden, und als
-man ihm zu Grabe läuten wollte, ist der Klöppel in der großen Glocke
-ebenfalls zersprungen, weil er eines christlichen Begräbnisse nicht
-würdig gewesen.
-
-
-418. Vorboten der Pest.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 962.)
-
-Im Erzgebirge hat es an Warnungszeichen vor der Pest nicht gemangelt.
-Zu Lengefeld ließen sich auf dem Kirchhofe, als in der Stadt 1680 die
-Pest eingezogen war, zwei weiße Schwalben sehen, die gegen den Herbst
-wieder fortzogen. Zu Marienberg hörte man zehn Wochen vor der Pest ein
-Poltern und Fallen bei Nacht in der Kirche, als wenn man Leichen in
-die Erde senkte und häufig die Erde auf die Särge nachschüttete; beide
-Kerzen verlöschten auf dem Altare, die Glocken wurden so unnatürlich
-schwer, daß man sie mit großer Mühe mußte in Schwung bringen, das
-Uhrwerk auf dem Rathause lief bei Tag und Nacht unterschiedliche Mal
-ganz ab, und einige Bürger haben des Nachts ein hellbrennendes Licht
-auf dem Rathause gesehen.
-
- Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für
- sich nicht gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest
- angesehen. In Böhmen prophezeit z. B. der Storch in der Gegend,
- durch welche er fliegt, die Pest, während er dorthin, wo er sich
- niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 64.),
- und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden
- (Hunde sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei
- weinender Menschen, die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch
- und Gestank und selbst ungewöhnliches Blühen von Rosen im August und
- September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch, I. No. 354.)
-
-
-419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.
-
-(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 311.)
-
-Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde Freiberg von
-einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim Hospital hatte eine
-Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben 1564 etwas von alten
-Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern geworfen worden war. Da
-stieg ihm alsobald ein widriger giftiger Dampf entgegen, so daß er sich
-legen mußte und nicht allein die Seinigen, sondern auch viele in der
-Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche verbreitete sich darauf weiter und
-nahm dermaßen überhand, daß von da an bis Weihnachten 1577 Personen
-starben.
-
- Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast
- ausgestorben war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine
- blaue Wolke und zog in zwei Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf
- der Müller Pflöcke hineinschlug und alles im Hause wohlauf blieb. Als
- aber der Müller später einmal nachsah, was aus dem Dunste geworden
- sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle seine
- Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No.
- 457.) Desgleichen erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in
- Gestalt eines blauen Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der
- Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein Zauberer aus Böhmen verschloß bei
- Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen Orten der Umgegend in
- Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer Grube mit
- der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt,
- Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam
- noch 1709 zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an
- Kirchen war im Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war
- das sogenannte »garstige Ding« (eine weibliche Figur, an welcher ein
- Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten Kreuzkirche
- in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten Pest.
- (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf
- hingewiesen werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von
- Hunden begleitet sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert
- werden. In altkirchlichen Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem
- Schutzpatron gegen die Pest, ein Hündlein beigegeben. (Rochholz,
- Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) In Außig in Böhmen glaubt
- man, daß die Pest als +weißer+ Rauch erscheint, welcher Menschen,
- wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc. S.
- 184.)
-
-
-420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.
-
-(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.)
-
-Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier wuchs
-in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed« (Zeitheide)
-bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen
-Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser Pflanze, welche in
-gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht werden muß, weggetragen
-haben. Auch soll sie in der Brauerei des Ortes mit zur Verwendung
-gekommen sein. Der balsamische und durchdringende Geruch machte sie
-berühmt in der Gegend und wohlthätig für den Ort selbst. Denn in
-den Jahren, in welchen die Pest das Land verheerend durchzog und
-benachbarte Orte aussterben ließ, soll Großhartmannsdorf durch jene
-Pflanze verschont geblieben sein.
-
- Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, ~Ledum palustre~.
-
-
-421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.
-
-(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 345.)
-
-Innerhalb 10 Jahren, von 1163 bis 1173, da das Freibergische Bergwerk
-rege und die Stadt angelegt worden, sind allerhand erschreckliche
-Wunder und Erscheinungen am Himmel aufgetreten, nämlich drei Sonnen,
-etliche Wundersterne, brennende Fackeln, Blutregen, stürmende Donner
-und Blitze. Gleichwohl wars dem Bergwerk nicht nachteilig, so daß man
-1171 schrieb:
-
- FreIberg VnD seinen fIxen PLan
- DIe Sterne haben nIChts gethan.
-
-Im Jahre 1472 erschien ein Komet im Zeichen der Wage, darauf das
-Bergwerk zu Schneeberg, welches das vorhergehende Jahr war angegangen,
-in hohem Flor gekommen und reichlich geschüttet hat, nach den bekannten
-Worten:
-
- Bergknappen auf! erstaVnet, seht
- ZU SChneebergs GLUCk sCheInt der CoMet.
-
-Im Jahre 1492 erschienen im Januar drei Sonnen am Himmel, und im März
-ein Komet; das schadete aber dem Obergebirge nichts, sondern es wurde
-das Bergwerk am Schreckenberge bei Annaberg rege, nach den Worten:
-
- Der Annaberg braCht hoCh AUsbUt
- An SIlber ohne Sternen-StreIt,
- Unsern GewerCken reCht zUr FreUD.
-
-In den Jahren 1515 und 1516 brannten zwei Kometen am Himmel; dabei
-kamen die Silberzechen am Scheibenberg und in Joachimsthal auf, wie
-folgende Verse deuten:
-
- ACh sIehe an hIe JoChIMsthal,
- Ist EVangelIsCh UberaLL.
-
-
-422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch verkündet Unwetter.
-
-(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 271.)
-
-Den 13. Aug. 1559 hat man zu Niederbobritzsch bei Freiberg abends
-neben dem Monde eine große Menschenhand in den Wolken gesehen, darüber
-ein Stern in Größe der Sonne, ohne daß derselbe einen hellen Schein
-verbreitete. Die Hand ist im Verlauf einer halben Stunde immer größer
-geworden, bis sie eines Tisches Breite erreicht, darauf hat sie sich
-umgewandt und zugethan und ist jählings zerfahren, als wenn sie
-stückweise herunterfiele. Den Tag darauf erhob sich in der Umgegend
-ein starkes Unwetter mit Hagelstücken bis zur Schwere von über 3
-Pfund; dieselben waren teils rund, teils viereckig, mit Zacken, wie
-Kreuze, Spangen und Rosen an Gürteln. Besonders arg war das Wetter
-in Niederbobritzsch, wo die ganze Zeit der Himmel voll Feuer stand,
-von dem auch etliche Klumpen herabfielen, die viel Bäume und Büsche
-versengten und großen Schrecken verursachten.
-
-
-423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.
-
-(Moller a. a. O. II., S. 277.)
-
-Den 13. März 1562 hat man zu Freiberg des Nachts am klaren Himmel einen
-weißen Kreis gesehn, der sich oft von einander gethan und inwendig ganz
-feuerrot erschienen. Dabei haben lange Strahlen rings umher gestanden,
-ziemlich dick und breit, doch oben zugespitzt, die haben auf einander
-gestoßen. Zwischen den Strahlen aber ist es aufgefahren wie Rauch und
-es hat die ganze Nacht hindurch geblitzt und geleuchtet. An etlichen
-Orten sind zugleich zwei Regenbogen und darüber ein Kreuz, sowie auch
-auf der einen Seite eine gebundene Rute und auf der anderen eine große
-Hand mit einer Rute gesehen worden.
-
-
-424. Himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1155.)
-
-Anno 1543 den 4. Juni hat man in Wiesenthal des Abends um 7 Uhr am
-hellen Himmel nachverzeichnete Wunder gesehen. Erstlich einen langen
-Mann schwärzlich mit einem schwarzen und breiten Bart, welcher den
-Kopf oft schnell hin und wider gewandt, daß man ein zorniges Gemüt hat
-merken können. Dem ward ein Kranz gegeben, und da er ihn empfangen,
-ist er vergangen. Darnach ist auf einem hohen Fels ein anderer langer
-Mann gestanden, welcher einen langen, spitzen Schnabel und vom Haupt
-an durch den Rücken die Länge lange Federn gehabt, gleich eines
-Straußes, ist aber auch bald verschwunden. Alsdann sind auf einem
-ebenen Felde zwei Städte gesehen worden, eine große, mit steinernen
-und hohen Gebäuden herrlich gezieret, und eine kleinere, die doch
-je länger je deutlicher ist gesehen worden. Desgleichen ein Mann,
-der auf einem Pferd gesessen und in der rechten Hand ein Fähnlein
-geführet, in der linken aber ein jung Kind gehabt, welcher auch bald
-verschwunden. Darnach ist auf einem hohen Berge ein großer Mann gesehen
-worden, der einem kleinern mit einem Schwerte das Haupt abgehauen.
-Es ist auch einer zwischen zweien Felsen gesehen worden, welcher auf
-die Knie gefallen und die Hände aufgehoben über sich zum Himmel,
-als bete er. Nach ihm ist ein anderer langer Mann gesehen worden in
-einem langen Kleide, der unter den Armen ein junges Lämmlein und auf
-der Schulter ein groß Schaf getragen, dem ein stinkender Bock mit
-langen Hörnern gefolget. Weiter sind gefolget zwei Jungfrauen, eine
-hat die Arme in die Seiten gestützt und sich fröhlich erzeiget, die
-andere hat gegeiget. Nach diesen ist ein groß Kameel erschienen, auf
-welchem ein Mann aufgericht gestanden, der auf dem Rücken mit langen
-Federn geschmückt gewesen, dem ist ein Löwe mit aufgesperrtem Rachen
-entgegengegangen, hat mit den vordern Klauen das Kameel angefallen,
-darauf ist das Kameel alsobald zusamt dem Mann verblichen. Der Löwe
-hat sich den Städten genahet, welchem auf dem Fuße gefolget die zwei
-Jungfrauen und der Mann, der das Schäflein getragen mit dem zottigen
-Bock, so hernach gezottet. Letztlich sind einige andere Löwen gesehen
-worden, die nach der Stadt wärts gegangen, und viel groß Geschütz,
-welches auf die Stadt gerichtet gewesen, als wollte man jetzt
-abschießen, und sind die Städte bei anderthalb Stunden gesehen worden.
-
-So viel hat in einer handschriftlichen Chronik Michael Pabst
-verzeichnet, der sonst ein guter Astronomus gewesen und alle
-Begebenheiten und Ungeheuer am Himmel fleißig aufgezeichnet.
-
-
-425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.
-
-(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß 1719, S. 104.)
-
-Am 28. November des Jahres 1692 hat ein Köhler auf dem Sonnenwirbel
-bei Gottesgab ein hellglänzendes Schwert am Himmel gesehen, welches
-frühe um 5 Uhr geschehen ist. Solches Schwert hat neben einem Stern
-gestanden, und auch selbst wie ein heller Stern geleuchtet; die Spitze
-des Schwertes aber hat sich gegen Böhmen und den Egerschen Kreis
-gewandt. Es ist nicht anders anzusehen gewesen als ein langer Degen
-mit Gefäß, aber ohne Bügel, und hat nach des Köhlers Erachten so hoch
-gestanden, als die Sonne auf diesem gebirgischen Horizont in langen
-Tagen um 2 Uhr zu stehen pfleget. Nachdem es wieder vergangen und nicht
-länger gewähret, ist dem Köhler ein Schauer darüber angekommen, daß er
-sich in seinem Kohlkram niederlegen müssen.
-
-
-426. Kreuze fallen vom Himmel.
-
-(Moller, ~Theatr. Freib.~ II., S. 148.)
-
-Im Jahre 1504 sind Kreuze von verschiedenen Farben den Leuten vom
-Himmel herab auf die Kleider gefallen, und wenn dieselben auch
-verschossen gewesen, hat man doch dergleichen Zeichen auf ihnen
-gefunden.
-
-
-427. Ein Topf schwitzt zu Oederan Blut aus.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847, S. 226 etc.)
-
-Am Sonnabende vor dem Pfingstfeste 1707 hatte der Kantor zu Oederan,
-Nikol. Haberland, einen frischen Maienbaum in einen Topf mit
-Wasser gesetzt, worauf er wahrnahm, daß der Topf eine rote Materie
-ausschwitzte. Man war allgemein der Meinung, daß diese rote Materie
-Blut sei und deutete die Erscheinung auf kommendes Unglück. Auch als
-der Topf leer in die Sonne getragen wurde, blieb er ganz rot, als
-ob eine blutende Wunde daran abgewischt worden sei. Auf erstatteten
-Bericht wurde er an das Konsistorium nach Dresden gesendet. Was damit
-weiter geschehen, ist nicht bekannt geworden.
-
-
-428. Blutzeichen.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 853.)
-
-Im Jahre 1666, Dienstags nach dem neuen Jahre früh um 8 Uhr, floß das
-Röhrwasser zu Wolkenstein in drei Trögen blutig und währte drei Stunden
-lang, darauf eine vielfältige große Uneinigkeit in dem gedachten Orte
-erfolgte.
-
-Im Jahre 1639, in der Marterwoche, blutete bei Freiberg ein Crucifix.
-Anno 1666 ist zu Sayda ein Teich in Blut verwandelt worden. Am 25. Mai
-1672 geschah es zu Planen im Vogtlande, daß in Leonhard Weckerleins,
-eines Zeugwirkers Stube an unterschiedlichen Orten Blut aus den Wänden
-heraus drang, so häufig, daß man auch Pfützen auf der Erde gesehen.
-Es war eine ungeheuerliche Sache, indem aus den Stubendielen, Bank-
-und Wirkstuhlbeinen, dürren, abgeschälten Wachholderstecken, welche
-zum Wollschlagen gebraucht wurden, ferner aus einer Schreib- und
-Schiefertafel Blut geflossen, das man auf Tüchern und Papier auffing
-und klumpenweise sammelte. Und dieses Blutschwitzen dauerte an etlichen
-Orten der Stube beinahe eine Stunde lang; wischte man's ab, so kam es
-wieder, schnitt man aber ein Stück von den oben angeführten dürren
-Wachholderstecken ab, so war inwendig kein Blut zu spüren.
-
- Blutzeichen, insbesondere blutschwitzende Tempelstatuen, galten
- schon bei den alten Römern als Gefahren verkündigend; ganz besonders
- aber ist das christliche Mittelalter reich an Legenden, nach denen
- Heiligenbilder oder andere Gegenstände Blutstropfen ausschwitzten,
- was entweder als Beweis einer ihnen innewohnenden wunderthätigen
- Kraft oder als Zeichen von bevorstehendem Unglück angesehen wurde.
- Eine Menge hierher gehöriger Beispiele führt Rochholz (Deutscher
- Glaube und Brauch. I. S. 48 etc.) an.
-
-
-429. Ein längst verstorbenes Kind blutet.
-
-(Histor. Nachricht von denen Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734,
-S. 80.)
-
-Den 13. Mai des Jahres 1546 wurde in Chemnitz ein Weib, so ihr eigenes
-Kind ermordet, enthauptet, und das Kind zu ihr in den Sarg geleget,
-welches dann angefangen zu bluten, wiewohl es schon 14 Tage tot gewesen.
-
-
-430. Blutende Geweihe in Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1159.)
-
-Im Jahre 1564 hat zu Schneeberg in Bastian Fischers Stube ein
-angenageltes Hirschgeweihe geblutet und übel gerochen, gleichwie ein
-anderes in der nächsten Woche darauf, welches gegen 12 Jahre in der
-Stube gewesen, vom Fette getrieft, also daß ein schwarzer Gischt am
-Horn zu sehen gewesen ist, weswegen es aufs Rathaus gebracht werden
-mußte. Man hat sich darüber allerlei Gedanken machen müssen.
-
- Ein Hirschgeweih führt das würtembergische Haus in seinem Wappen. Als
- Sophie, die Tochter des Schwabenherzogs Christoph, starb, soll ein
- solches Geweih an ihrer Zimmerwand geblutet haben.
-
- Erinnert mag noch daran werden, daß während der Hirsch Eikthyrnir
- den Gipfel der Weltesche Yggdrasil benagte, aus seinem Geweihe eine
- große Honigfülle durch den Wohnsitz der Asen und zu den Menschen und
- bis in die Unterwelt floß. Wer von solcher Honigfülle trank, wurde
- hirschtrunken, d. h. selig. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch,
- I., S. 7.)
-
-
-431. Der wunderbare Schuß zu Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 1020.)
-
-Am 14. März 1615 ist in Schneeberg in Paul Leibigers Stube Christoph
-Büttner, ein Zahnbrecher, auf wunderbare Weise erschossen worden.
-Dieser war kurz zuvor am Sonntage ~Oculi~ von der Reise gekommen
-und wollte mit Christoph Leibigern um ein Handrohr, das über ein
-halbes Jahr an der Wand gespannet gehangen, tauschen. Als er aber
-dasselbe spannte und solches kein Feuer gehen wollte, da hat Büttner
-zu Leibigern, welcher dazumal das Rohr in der Hand gehabt, gesagt.
-»Ei, es muß Feuer geben in Teufels Namen!« Siehe, da ist alsbald das
-Rohr losgegangen und der leichtsinnige Büttner erschossen worden,
-ungeachtet, wie der damalige Pfarrer dies aufgezeichnet, man weder
-Kugel noch Schrot gesehen und gefunden.
-
-
-432. Der krumme Schuß in Zwickau.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 125.)
-
-Als 1546 Ferdinand, König von Böhmen, und Herzog Moritz von Sachsen
-Zwickau belagerten, ist aus der Stadt mit einem Stück (einer Kanone)
-durch beide Kirchthüren geschossen worden. Die Kirche liegt in der
-Stadt fast zwischen Morgen und Mittag, die Thüren aber gehen gegen
-Mittag und Mitternacht. Bei der mittäglichen Thüre liegt ein Berg vor
-und die mitternächtliche geht ganz und gar nicht gegen die Stadt.
-Darum haben die Alten gemeinet, daß diesen Schuß ein Zauberer gethan
-habe, welcher gewußt, daß eben zur selben Zeit sich in der Kirche viel
-vornehme Herren aufgehalten, und sind darum auch keine neuen Thüren
-gemacht, sondern nur Brettlein vor die Löcher genagelt worden.
-
-
-433. Perlenschoten in Wiesenthal.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 481.)
-
-Wahrhaftig ist's, was sich mit gewachsenen Perlenschoten zu
-Neustadt-Wiesenthal im Jahre 1626 zugetragen. Nach dem großen Sterben
-selbiger Zeiten wohnte in gedachtem Bergstädtlein Michael Rohdörfer,
-ein Exulant aus Lutitz in Böhmen, welcher mit seinem Weibe und sieben
-kleinen Kindern wunderbarer Weise den Religionsfeinden entkommen.
-Sein Töchterlein von sieben Jahren hatte vom Schutthaufen eines
-ausgegrabenen alten Kellers etliche Kapsamen-Strünklein aufgelesen
-und in des Vaters Garten gesteckt. Da nun solche wohl fortgekommen
-und gereifet, nimmt sie die Schötchen ab und klopfet sie aus, findet
-aber mit Verwunderung weiße Körnchen, die sie, unwissend was es sei,
-dem Vater weiset und spricht: »Ja, Vater sehet, was find ich für
-Patterlein?« Der Vater kennets, daß es rechte Perlen, suchet und findet
-sie in den Schötchen selbst, also, daß je nach zwei Samenkörnchen eine
-wahrhafte Perle lag, und sammelten sie dieses Samens und der Perlen
-ein Käsnäpfchen voll. Viel Edelleute, die sich damals in Wiesenthal
-als Exulanten aufhielten, habens selbst in Augenschein genommen, auch
-einige dieser Perlen dem Töchterlein abgeschwatzt und als Rarität
-aufgehoben. Eine Gräfin von Hauenstein kam von Annaberg, hielt mit der
-Karosse vor des erwähnten Exulanten Thür, breitete ihr Haartuch auf den
-Schoß und bat, das Mägdlein sollte ihr einige Samenschötlein aufmachen,
-welches auch geschah, und sie fand, daß es wahrhaftige Perlen waren.
-Sie versprach darauf, wenn der Vater einwilligen wollte, dieses
-glückselige Kind auf- und anzunehmen. Endlich machte die Gräfin etliche
-Schoten eigenhändig auf, aber die Perlen zerschmolzen ihr unter den
-Fingern, wie es auch zuvor andern Leuten, die sie selbst aufgemacht,
-begegnet war. Darauf sagte sie: »Ei, so ists eine sonderbare Gnade
-von Gott, derer wir nicht würdig sind.« Ein frommer Edelmann aus
-Böhmen, der auch daselbst im Exil lebte, ließ den Vater mit allen
-sieben Kindern vor sich kommen, betrachtete und befand das Wunder
-augenscheinlich und kleidete die armen Kinder alle neu.
-
-
-434. Brot wird aus weißer Erde gebacken.
-
-(Moller, ~Theatrum Freib. Chr.~ II, S. 364. Ziehnert, Sachsens
-Volkssagen, Anhang, Nr. 12.)
-
-Im Jahre 1590 fand ein armes Hirtenmädchen, welches bei der
-herrschenden großen Dürre viel Hunger leiden mußte, zwei Meilen von
-Freiberg einen weißen Gang einer guten Spanne dick. Derselbe sah wie
-Mehl aus und sie nahm etwas davon mit nach Hause und buk Brot daraus.
-Darauf geschah von anderen armen Leuten ein großer Zulauf; das weiße
-Mehl wurde ausgegraben und ebenfalls verbacken. Ein solches Brot
-wurde auch nach Freiberg gebracht und auf's Rathaus geliefert; es
-schmeckte gar süßlich und roch ein wenig nach Brot. Nach einer andern
-Volkssage hackte im Jahre 1590, da große Teurung war, ein frommer Mann
-aus Freiberg ohnweit der Stadt in einer Lehmgrube. Er hatte daheim
-eine zahlreiche Familie hungrig verlassen und gedachte mit Thränen,
-wie unzureichend das Brot sein würde, welches er für die wenigen
-Pfennige Tagelohn am Abend würde kaufen können. »Ach Gott!« rief
-er, die nassen Augen zum Himmel gewendet, »du kannst Großes thun, o
-gieb mir und den Meinen, daß wir nicht verhungern dürfen!« Da fielen
-plötzlich große Stücke einer schönen weißen Masse unter den Schlägen
-seiner Hacke aus der Lehmwand hervor. Wie erstaunte der gute Mann,
-als er sie genauer betrachtete und sah, daß sie beim Angreifen zu
-Mehl wurden, welches gutem Brotmehl an Ansehen, Gewicht und Geschmack
-ganz gleich war. Nicht länger zweifelte er, daß Gott durch diese
-seltene Masse ihm wunderbar helfen wolle, lud ohne Säumen seinen
-Schiebkarren voll solcher Mehlklumpen und fuhr damit nach Hause. Ehe
-der Abend kam, hatte er eine ziemliche Anzahl Brote daraus gebacken,
-welche sehr schmackhaft waren und wie Veilchenwurzel dufteten. Bald
-wurde die Mähr von dem wunderbaren Mehle bekannt und noch viele arme
-Leute in Freiberg und der Umgebung suchten in den Lehmgruben nach der
-belobten weißen Masse, welche sie auch fanden und zu Brot backen und
-genießen konnten, nämlich, wenn sie fromm und gut waren. Denn nur wenn
-arme rechtschaffene und gottesfürchtige Leute das Mehl als eine Gabe
-Gottes ausgruben und mit Danksagung verbrauchten, blieb es gutes und
-brauchbare Mehl; wenn es aber Spötter und Gottlose in die Hände nahmen,
-ward es zu Sand und zu Stein.
-
-
-435. Gottes-Speise bei Zwickau.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 49. Nach Luthers Tischreden
-bei den Br. Grimm, Deutsche Sagen I., Nr. 362.)
-
-Bei Zwickau auf einem Dorfe schickten einst Eltern ihren Sohn, einen
-muntern Knaben, in den Wald, die Ochsen, welche da auf der Weide waren,
-heimzutreiben. Aber die Nacht überraschte den Knaben und es erhob sich
-ein solch mörderisches Schneewetter, daß er nicht aus dem Walde zu
-kommen wußte. Als nun der Knabe am andern Tage immer noch nicht nach
-Hause kam, gerieten seine Eltern in große Angst und konnten doch vor
-dem großen Schnee nicht in den Wald. Am dritten Tage erst, nachdem
-der Schnee zum Teil abgeflossen, gingen sie hinaus, den Knaben zu
-suchen und fanden ihn endlich an einem sonnigen Hügel sitzen, wo gar
-kein Schnee lag. Freundlich lachte er seine Eltern an, und als sie ihn
-fragten, warum er nicht heimgekommen, antwortete er, daß er habe warten
-wollen, bis es Abend würde. Er wußte nicht, daß schon mehrere Tage
-vergangen waren, und als man ihn ferner fragte, ob er etwas gegessen
-hätte, erwiderte er, es sei ein Mann zu ihm gekommen, der ihm Käse und
-Brot gegeben habe.
-
-Also ist dieser Knabe sonder Zweifel durch einen Engel Gottes gespeist
-und erhalten worden.
-
- Nach einer thüringschen Sage bringt eine Jungfrau einem im Walde
- verirrten Kinde Speise und Trank. (Witzschel, Sagen aus Thüringen,
- Nr. 113.)
-
-
-436. Körnerregen.
-
-(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, 1843, S. 297. Moller, ~Theatrum
-Freibergense~, 1653, S. 313.)
-
-Am 7. und 9. Juli 1770 regnete es eine Art Korn, welches dem
-natürlichen Korn zum Teil sehr ähnlich aussah, zum Teil waren es runde
-Körner wie Wicken. Man fand es auf den Bleichen bei Chemnitz und
-meinte nun, es müsse vom Himmel gefallen sein. Das Volk deutete es auf
-Pestilenz und Teurung. Als man es steckte, ging es nicht auf; man hat
-es getrocknet und gemahlen und es gab etwas Mehl.
-
-Auch am 17. Juni 1572 hat es bei Freiberg gut natürlich Korn geregnet,
-wie auch am 2. Juli desselben Jahres zu Frankenberg. Die Leute haben es
-aufgerafft, gemahlen und schön Brot daraus gebacken.
-
-Sonst soll dergleichen geregnetes Korn mehrenteils taub und unnütz,
-bisweilen auch schädlich gewesen, und das Vieh, so davon gefressen,
-gestorben sein.
-
- Dieser Körnerregen bestand jedenfalls aus den kleinen Knollenknospen
- des gemeinen Feigwarzenkrautes (~Ficaria ranunculoides~), welche in
- den Blattachseln genannter Pflanze sitzen und später abfallen, um im
- nächsten Jahre zu keimen. Bei heftigen Regengüssen wurden dieselben
- losgerissen und zusammengeschwemmt, so daß sie dann bei massenhaftem
- Vorkommen die Aufmerksamkeit des Volkes und den Glauben erregten, sie
- seien mit dem Regen zugleich vom Himmel gefallen.
-
-
-437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.
-
-(Hauptmann, Uhralter Wolkensteinscher Warmer Badt- und Wasser-Schatz
-etc. Leipzig, 1657, S. 63, 85. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S.
-234.)
-
-Das Warmbad im Hüttengrunde bei Wolkenstein führte vor der Reformation
-nach einer auf der Höhe erbauten Kirche, in welche sieben Dörfer
-eingepfarrt waren, den Namen »zu unser lieben Frauen auf dem Sande«.
-Man hat in dieser Kirche Messe gehalten, ehe man in's Bad gegangen
-ist. Während des Papsttums ist auch dorthin ein solches Wallfahrten
-geschehen, daß die Kirche vielmal zu klein und ein großes Gedränge
-darum war. Dabei sind gar viele, welche das Bad gebrauchten, gesund
-geworden und haben zum Gedächtnis Krücken und Stäbe, deren sie sich bei
-ihrer Gebrechlichkeit bedient hatten, bei der Kirche zurückgelassen. Es
-kann aber kein Mensch sagen, zu welcher Zeit man dieses Bades sei innen
-worden. Man zeigte früher an dem Badehause ein hölzernes Christusbild
-mit der Jahreszahl 1385 und folgender Inschrift:
-
- »Diß Warmbad am Sand zu unser lieben Frawen
- Hat Gottes Wunderhand gelegt in diese Awen,
- Wodurch dem Leibe Heil werden krancke Hertzen,
- Christi Verdienst und Blut lindert die Seelenschmertzen.«
-
-
-438. Die Kapelle des St. Jobs im Wiesenbad.
-
-(Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg
-1782, S. 38. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 66.)
-
-Im Wiesenbad bei Annaberg, wohin besonders Kranke und Sieche
-wallfahrten, hat eine Kapelle gestanden, die dem St. Job gewidmet
-gewesen ist und welche vom Fürst Georgen reichlich begabet und vom
-Bischof zu Meißen im Jahre 1505 eingeweihet wurde. Letzterer setzte
-auch einen Meßpriester dahin, welcher den Badegästen, ehe sie ins
-Bad gegangen, eine Messe lesen mußte. Von dieser Kapelle des St.
-Jobs ist alsdann das Bad das Jobs- oder Hiobsbad genannt worden.
--- Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne
-herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in diesem Wasser gewaschen
-und heil geworden.
-
-
-439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II, S. 20.)
-
-Anno 1262 haben die Geißler in großer Zahl das Land Meißen durchlaufen
-und sich dieses Jahr in der Stadt Freiberg befunden, dahin damals eine
-starke Wallfahrt zur schönen Marie gewesen. Diese Leute sind halb
-nackend je zwei und zwei barfuß gegangen, in roten offenen Mänteln, die
-man spanisch Armilausen genannt.
-
-Das Marienbild war von Wachs in menschlicher Größe ganz schön und
-zierlich gestaltet und stand in einer besondern Kapelle. Die Leute
-kamen von allen Orten heftig gelaufen, als wenn sie bezaubert wären,
-und was ein jedes von Männern und Weibern von seiner Arbeit in der Hand
-gehabt, wenn ihn die Tollheit angestoßen, das hat er mit sich genommen
-und allda gelassen; wie auch viel krumme, lahme und andere preßhafte
-Menschen, die sich zu diesem Bilde verlobet, gesund geworden und ohne
-Mangel wieder davon gegangen sein sollen.
-
-Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß unter dem
-Schein des Heiligtums ein böses sodomitisches Leben und viel Schande
-und Laster getrieben wurde, worauf durch einen fürstlichen Befehl dem
-Gelaufe und den Zusammenkünften gesteuert wurde und solche mit Ernst
-abgeschafft worden sind.
-
-
-440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Öderan, 1847, S. 87. Gräße, Sagenschatz d.
-K. Sachsen, Nr. 559. Kirchengalerie, 8. B., S. 117.)
-
-Vom Jahre 1439 bis 1443 ward das Meißnerland von einer besondern Pest
-heimgesucht. Die davon betroffenen Menschen waren nicht mit Schmerzen
-geplagt; von Schlafsucht befallen, war der Pestkranke in wenigen
-Tagen tot. Früher wanderte man vor dem Pestengel aus, diesmal half
-man sich mit Gelöbnissen. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf
-bei Frankenberg ward von Tausenden besucht, und diese wurden dann mit
-irgend einem Trostspruche oder der Verhängung einer Buße entlassen. Für
-die Öderaner lautete die Sühne und Strafe folgendermaßen:
-
- »Das Haus der lieben Frawen
- Mit Klang druf ufzubawen!«
-
-Das hieß nun: die Kirche zu Öderan samt deren Glocken herzustellen. Die
-Öderaner haben dann auch Glocken auf den Turm besorgt; inwieweit sie
-sonst noch dem Verlangen des Marienbildes nachgekommen sind, wird uns
-vom Chronisten verschwiegen.
-
-Außer manchen andern Reliquien, wie einem hölzernen Christusbilde, das
-zu manchen Zeiten Thränen vergossen haben soll, zeigt man in der Kirche
-zu Ebersdorf noch heute eine Krücke, welche ein durch die Berührung des
-Marienbildes geheilter Lahmer getragen habe. Diese Krücke ist mit der
-Jahreszahl 1333 gezeichnet, und man liest an ihr die eingeschnittenen
-Worte:
-
- »Kruck, Du bist ein schön Kruck,
- Kruck, Du bist mein Ungluck,
- Zu meinem Ungluck hab ich ein schön Kruck.«
-
-
-441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 57.)
-
-Dreiviertel Stunden von der Bergstadt Joachimsthal entfernt liegt die
-zerstreute Ortschaft Mariasorg, welche ein Kapuzinerhospiz besitzt,
-in dessen Kirche sich am Hochaltare eine Muttergottesstatue befindet,
-zu der alljährlich zahlreiche Wallfahrer und Andächtige von fern und
-nah wegen der vielen Wunder pilgern, durch welche Gott das Bildnis der
-heiligen Jungfrau Maria verherrlichte. An dieses Gnadenbild knüpft sich
-folgende Sage:
-
-Zur Zeit, als ~M.~ Johannes Mathesius, Luthers Schüler und
-Tischgenosse, in Joachimsthal als Pfarrherr wirkte, bewohnten »das
-vor alters benannte rote Haus im untern Viertel des Türkners« mehrere
-Protestanten und ein Mädchen, welches der römisch-katholischen Kirche
-treu geblieben war. Von den vielen Heiligenbildern, mit denen es
-das Kämmerlein geschmückt hatte, erfreute sich besonders eine alte,
-verbräunte Muttergottesstatue einer hohen Verehrung seitens des
-Mädchens. Ungestört kniete dieses oft stundenlang vor derselben und
-flehte mit gefalteten Händen zur Jungfrau Maria, der gnadenreichen
-Himmelskönigin. Allein bald erfuhren die Hausgenossen von der stillen
-Andacht, welcher sich das Mädchen hingab, und zwei Brüder, eifrige
-Protestanten, faßten den Entschluß, diesen religiösen Übungen für immer
-ein Ende zu machen. Der eine der Brüder bemächtigte sich eines Tages
-der Statue und wollte sie mit dem Angesichte gegen die Mauer annageln,
-wovon das Zeichen noch heute an dem Hinterhaupte des Bildes zu sehen
-sein soll, fiel aber zur Strafe für seine Frevelthat von der Leiter und
-starb. Der andere warf hierauf das Marienbildnis in den Winkel eines im
-Hause befindlichen Hühnerkämmerleins, wo es, durch Schmutz entstellt,
-viele Jahre versteckt blieb, bis mit der Vertreibung der Protestanten
-der Katholicismus in Joachimsthal wieder feste Wurzeln faßte.
-
-Damals geschah es, daß David Weidner aus Plan sich daselbst niederließ
-und mehrere, von den Protestanten verlassene Bürgerhäuser, darunter
-auch das rote Haus, kaufte. Zu seiner Überraschung fand er in letzterem
-die Muttergottesstatue in dem Hühnerkämmerlein; er ließ sie als guter
-Katholik absäubern und hielt sie lebenslang in Ehren. Weidner starb um
-das Jahr 1676 als Stadtrichter und vererbte das Bildnis seiner Tochter
-Anna Lucia, verehelichten Mader, die dasselbe als Heiligtum aufbewahrte
-und andächtig in ihrem Wohnzimmer verehrte. Als darauf in den neunziger
-Jahren des 17. Jahrhunderts die Joachimsthaler Gemeinde an dem
-denkwürdigen Orte, wo des Einsiedlers Niavis kleine Kapelle gestanden,
-die bei Einführung des Luthertums in hiesiger Gegend zerstört
-wurde, eine Kirche erbaute, ließ Anna Lucia Mader daselbst ihre
-Muttergottesstatue zur allgemeinen Verehrung aufstellen. Nach diesem
-Marienbilde erhielt die Kirche, da die Gegend schon von uraltersher
-Sorg hieß, den Namen »Maria-Sorg«, der in der Folge auch auf das Dorf
-überging.
-
-Noch immer ladet die Kirche zu Maria-Sorg zum Beten ein, dagegen fiel
-das alte rote Haus dem verhängnisvollen Brande vom 31. März 1873 zum
-Opfer.
-
-
-442. Das Marienbild bei Klösterle.
-
-(Glückauf, 3. Jahrg., Nr. 4, S. 33.)
-
-Bei Klösterle steht an der Schlackenwerther Straße ein Marienbild in
-einer hohlen Linde. Das stand erst auf der andern Seite, auch in einem
-Baume. Da schlug das Wetter ein. Der Baum flog in tausend Granatstücke
-und das Bild schwebte unversehrt, so daß ihm kein Unthätchen geschehen,
-über die Straße zu der andern Linde, und dort hat man es denn auch
-aufgestellt.
-
- Die Linde, der Nationalbaum der Deutschen, galt unsern Vorfahren
- als heilig; sie war besonders der Göttin Frigg geweiht, an deren
- Stelle später Maria getreten ist, die nun zur Beschützerin der
- Linden wurde. Auch das Bild der heiligen Maria von Rosenthal wurde
- in einer Linde gefunden. (Haupt, Sagenbuch II, Nr. 287.) Als ein
- aus Holz geschnitztes Marienbild von den Rastenburgern von seinem
- Platze, einer Linde, welche immer grün blieb, geholt und nach der
- Kirche getragen wurde, stand es doch am andern Morgen wieder in der
- Linde, weshalb man unter derselben eine Kapelle baute. So entstand
- der Wallfahrtsort »Heiligenlinde«. (Reling und Bohnhorst, unsere
- Pflanzen, S. 17.)
-
-
-443. Das Marienbild in Mariaschein.
-
-(Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Aufl., S. 65.)
-
-Von Teplitz 1½ Stunde entfernt und in der Nähe des Bergstädtchens
-Graupen liegt das Jesuitenkloster Mariaschein. Die große Kirche
-desselben ist rings von prächtigen Linden umgeben, sowie von
-Säulenhallen, in denen Beichtstühle aufgestellt sind; Freskobilder
-stellen die wunderbaren Wirkungen des Gnadenbildes dar. Dieses selbst,
-ein Marienbild, »die schmerzhafte Mutter Gottes«, wird in der Mitte
-des Hochaltars unter Glas in goldener Hülle aufbewahrt; es ist aus
-Thon, etwa 12 cm hoch, und soll zur Zeit der Hussitenkriege nach der
-Zerstörung des Nonnenklosters zu Schwatz von einer Nonne in einer
-Linde an der Stelle der jetzigen Kirche versteckt worden sein, wo
-es seine Kraft durch die wunderbare Errettung eines Mädchens von
-einer Schlange bewies. Als die Bürger des Städtchens Graupen dasselbe
-in feierlichem Zuge in ihre Kirche gebracht hatten, kehrte es auf
-wunderbare Weise in die Linde zurück. Deshalb baute man an dieser
-Stelle zuerst eine Kapelle, dann die Kirche. Bei Wallfahrten wird das
-Bild gezeigt und von den Gläubigen geküßt.
-
- S. die Bemerkung zur vorhergehenden Sage.
-
-
-444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 134.)
-
-Betritt man die Pfarrkirche des am Hohen Steine gelegenen Dorfes
-Stein, so fällt einem in der Vorhalle, oberhalb des Weihwasserbeckens,
-ein Ölgemälde auf, Diebe darstellend, wie sie eben die wertvollsten
-Gegenstände vom Altar der Steiner Pfarrkirche zusammenraffen und
-davontragen. Die fromme Sage erzählt weiter: Die Verbrecher flohen
-mit dem gestohlenen Kirchengute nach Sachsen zu und in der Nähe des
-Hohen Steines entleerten sie die Monstranze und das Ciborium der
-consecrierten Hostien. Das geschah im Herbste. Das Jahr darauf, im
-Frühlinge, weidete eine Rinderherde in dieser Gegend. Da hörte der
-Hirte ein anhaltendes Röhren einiger der ihm anvertrauten Kühe, und
-als er nach der Ursache forschte, sah er zu seinem Erstaunen mehrere
-Rinder um eine Wachholderstaude stehen, an der noch einige der von
-den Dieben hier verschütteten Hostien hingen, während die andern,
-ebenfalls unbeschädigt, unter dem Strauche am Boden lagen. Eilig lief
-der Hirte, seine Heerde im Stiche lassend nach Hause und verkündete,
-was er gesehen. Viele Leute gingen mit ihm und fanden seine anfangs
-bezweifelten Aussagen bestätigt, sahen auch zu ihrer Verwunderung
-die Rinder, immer noch laut röhrend, um den »Kronawittstrauch«
-herumstehen. Geistliche, von einer großen Volksmenge begleitet, welcher
-das merkwürdige Ereignis kund geworden, kamen bald an den Ort, unter
-Absingung heiliger Lieder faßten sie die Hostien in den Kelch und
-übertrugen sie in feierlicher Prozession in die Pfarrkirche, aus der
-sie so freventlich entwendet worden waren.
-
-Auf der Stelle aber, wo das Wunder geschehen, erhob sich bald eine
-einfache Kapelle, welche in ihrem Innern außer anderm ein Gemälde
-aufweist, welches auf das Auffinden der Hostien Bezug hat und an deren
-Stufen das bedrängte Herz Trost und Linderung seiner Leiden findet,
-wenn es sich zum Urquell aller Dinge erhebt.
-
-
-445. Die heilige Georgenfahne zu Tharand.
-
-(Die Ruinen von Tarant. Ein Beitrag zur Kunde der Vorzeit etc. Dresden,
-Joh. Sam. Gerlach, 1795, S. 20.)
-
-Im Jahre 1190 erlitt die Burg Tharand das Unglück, daß sie in Feuer
-aufging, wobei sich noch obendrein ein großes Wunder ereignete. Es
-flog die daselbst seit einiger Zeit aufbewahrte heilige Georgenfahne,
-die im Kriege wider die Ungläubigen viele Wunder gethan hatte, während
-des Brandes vor aller Augen zum Fenster unversehrt hinaus, und niemand
-wußte anzugeben, wohin sie gekommen war.
-
- Von dieser heiligen Georgenfahne wird erzählt, daß sich dieselbe
- Ludwig der Fromme, Landgraf zu Thüringen, im Kriege gegen die
- Sarazenen vortragen ließ. Als er bei Akkon blieb, ward die Fahne erst
- auf die Wartburg und später nach Tharand geschafft. (Merkels und
- Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 103.)
-
-
-446. Das Wunschfläschchen.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 205.)
-
-Bevor die Eisenbahnen aufkamen, vermittelten die Reischdorfer Fuhrleute
-den Handel zwischen Böhmen und den übrigen Ländern. So fuhr auch einmal
-ein Reischdorfer nach Nürnberg. Eines Tages, da ein großer Sturm und
-Regen herrschte, geschah es, daß unser Fuhrmann mit seinem Wagen in
-einen Abgrund fiel, wo Wagen und Pferde zerschmetterten. Er fluchte und
-jammerte, allein alles vergebens. Plötzlich fühlte er, daß ihm jemand
-auf die Achseln klopfte. Er schaute sich um und sah einen sonderbar
-gekleideten Mann vor sich, der ihn fragte, weshalb er so jammere. Der
-Fuhrmann zeigte auf seinen Wagen und erzählte sein Unglück. Da zog der
-Fremde ein Fläschchen aus der Tasche, in welchem sich ein Ding hin und
-her bewegte, und sagte zum Fuhrmann, er solle ihm dafür zwei Thaler
-geben; wenn er das Fläschchen rüttle und sich dabei etwas wünsche,
-so werde sein Wunsch augenblicklich in Erfüllung gehen; nur müsse er
-das Fläschchen billiger verkaufen, als er es eingehandelt habe. Der
-Fuhrmann zahlte voll Freuden das Geld, rüttelte das Fläschchen und
-wünschte sich das schönste Haus in Nürnberg. Dort lebte er in Hülle
-und Fülle. Eines Tages aber, als er wiederum im Wirtshaus saß und mit
-Geld um sich warf, sah er einen schwarz gekleideten Herrn, der ihn ganz
-seltsam anblickte. Der Fuhrmann ging auf ihn zu und fragte ihn, warum
-er ihn so betrachte. Der Fremde antwortete, daß ihm seine Verschwendung
-auffalle. »Ja,« sagte der Reischdörfer, »ich hab' da ein Fläschchen,
-damit kann ich mir alles wünschen, was ich will. Um einen Thaler jedoch
-will ich's Euch verkaufen.« Der Fremde nahm das Fläschchen, sprach
-einen Spruch darüber, so daß es in tausend Stücke zersprang; das darin
-befindliche Ding aber ward eine Schlange, die so stank, daß der Bauer
-in Ohnmacht fiel. Als er erwachte, befand er sich auf der nämlichen
-Stelle, wo sein Gespann zu Grunde gegangen war. Er ging nach Nürnberg,
-um zu sehen, was aus seinen Reichtümern geworden sei. Da sah er auf dem
-Balkon des Hauses, das ihm gehört hatte, seine eigene Gestalt, die ihm
-zuwinkte. Er trat ins Haus, allein alle Leute darin waren ihm fremd
-und die Gestalt war verschwunden. So kehrte er ebenso arm nach Hause
-zurück, als er ausgezogen war.
-
-
-447. Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau.
-
-(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 15.)
-
-Über die Entstehung der Tempiskapelle am obern Wege von Komotau nach
-Görkau erzählt die Sage:
-
-In Rothenhaus war Herr Tempis Kastellan, der seine Arbeitsleute
-und Herrschaftsangehörige sehr hart und grausam behandelte. Einmal
-kehrte er auf seinem Rosse von Komotau nach Hause zurück. Es war eine
-finstere, rabenschwarze Nacht, und dazu hatte er noch etwas zu viel von
-geistigen Getränken genossen. Anfangs ging sein Roß ganz gut, dann aber
-sauste es im rasenden Galopp dahin. In der Ferne bemerkte Herr Tempis
-ein Licht und glaubte schon bei Rothenhaus zu sein. Da auf einmal fing
-sein Pferd an zu sinken, und je weiter er ritt, desto tiefer sank es.
-Trotz aller seiner und seines Pferdes Anstrengung gelang es nicht,
-aus diesem Moraste heranzukommen. Herr Tempis sah schon seine letzte
-Stunde gekommen, da eine Rettung hier nicht möglich war. In diesem
-qualvollen und entsetzlichen Augenblicke that er das Gelübde, im Falle
-er gerettet werde, eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes an dieser
-Stelle zu erbauen. Er trieb jetzt sein Pferd noch einmal an. Dieses bot
-seine letzten Kräfte auf und siehe, Roß und Reiter waren gerettet. Herr
-Tempis erfüllte nun auch gewissenhaft sein Gelübde.
-
-
-448. Sieben versteinerte Jungfrauen.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 274.)
-
-Bei Komotau gegen das Gebirge hin liegen auf einem Berge mehrere
-große Steine, die Katzen ähnlich sind. Das sollen sieben Jungfrauen
-sein, welche ein schlechtes Leben führten und deshalb in diese
-katzenähnlichen Steine verwandelt worden sind.
-
-
-449. Wie die große Glocke in der Marienkirche zu Zwickau ihre Stimmung
-bekommen hat.
-
-(T. Schmidt, ~Chronica Cygnea~ I., S. 78.)
-
-Als auf dem Turme der Marienkirche zu Zwickau die große Glocke am 12.
-Juli 1512 sprang, weil man von 8 Uhr des Abends bis den andern Morgen
-früh um Vier eines schrecklichen Gewitters halber nach damaliger
-Gewohnheit geläutet hatte, so fragte der Glockengießer, der sie
-umzugießen hatte, als das Metall schon geschmolzen war, und er das
-Werk selbst beginnen sollte, die dabei stehenden Ratsherren, was für
-einen Ton er der Glocke geben solle? Da nun diese verlangten, er solle
-derselben das Chormaß nach der Orgel, also das bloße ~C~ geben, hat er
-ein Pulver von Kräutern zugerichtet und in das Metall geworfen, und
-davon hat die Glocke den gewünschten Ton bekommen.
-
-
-450. St. Wolfgang zu Freiberg.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 290.)
-
-Ist einst ein Bischof, namens Wolfgang, aus dem Geschlechte derer von
-Schleinitz zu Freiberg gewesen. Wie der nun einmal in vollem Ornate zum
-Dienste des Herrn in den Dom geht, da stürzt sich ein Bettler vor seine
-Füße nieder, der Gliederreißen oder das böse Wesen zu haben schien.
-Mitleidsvoll blickten den Unglücklichen alle Anwesende an, nur der
-Bischof machte eine Ausnahme, er sprach zu ihm: »Tobt wirklich eine
-Krankheit in Dir, so möge sich Gott Deiner erbarmen und Dich gesund
-machen, hast Du sie aber zum Frevel erlogen, um Almosen zu erlangen,
-soll sie von jetzt an Deine Strafe sein.« Kaum war aber der gottlose
-Heuchler, welcher der ernsten Mahnung des Bischofs nicht ungehorsam
-zu sein wagte, vom Boden aufgestanden, als er auch mit jämmerlichem
-Geschrei wieder niederfiel und niemand mehr an der Erfüllung des
-göttlichen Strafgerichts zweifeln konnte. Da hat das Volk den frommen
-Bischof als Heiligen verehrt und die Begleiter haben seitdem den St.
-Wolfgang zu ihrem Schutzpatron angenommen.
-
-
-451. Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg.
-
-(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz etc.,
-Nr. 511.)
-
-Am 26. Juli des Jahres 1519 ward die St. Annenkirche in der Stadt
-Annaberg durch den Bischof von Meißen, Johann VI., geweiht und bei
-dieser Gelegenheit ereignete sich folgende wunderbare Begebenheit,
-welche durch ein, wahrscheinlich von Lucas Cranach gemaltes Bild, das
-sich am Grabmonumente L. Pflocks, eines reichen Bergherrn, der bei
-diesem Vorgange zugegen war, befindet, noch heute im Andenken erhalten
-wird. Als nämlich die Prozession, bei der sich auch Herzog Georg
-von Sachsen befand, an der Pforte der Kirche angelangt war und der
-Bischof sich anschickte, dieselbe einzuweihen, sah er plötzlich einen
-zerlumpten Bettler, der sich in epileptischen Zuckungen auf der Erde
-herumwälzte, vor sich. Da erhob sich in der Seele des geistlichen Herrn
-der Verdacht, die Krankheit dieses Elenden sei nur eine verstellte
-und derselbe benutze dieselbe bloß, um bei dem heutigen hohen Feste
-das Mitleid der Anwesenden zu erregen. Er hob also die Rechte zur
-Benediktion, schlug ein Kreuz über den Bettler und sprach mit laut
-erhobener Stimme: »Bist Du wirklich krank, so helfe Dir der Herr,
-verstellest Du Dich aber, so strafe er Dich!« Kaum hatte er diese
-Worte gesprochen, so geschah es, daß die von dem Bettler vorgegebene
-Krankheit zur Wirklichkeit ward, ein fürchterliches Geschrei verkündete
-ihr Dasein und mehrere starke Männer waren jetzt kaum im Stande, den
-Unseligen in seinen Zuckungen zu bändigen und auf die Seite zu bringen.
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-452. Ein Totenschänder wird entdeckt.
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-(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 572.)
-
-Vor einer Reihe von Jahren lebte in Schöneck ein Pfarrer Merz, welchem
-ein Kind von 2 Jahren starb. Nach 14 Tagen rief eine Kinderstimme bei
-diesem Pfarrer Merz des Abends nach 10 Uhr beim Schlafstubenfenster:
-»Mein Händchen und mein Füßchen!« und dies einigemale. Der letzte Ruf
-lautete: »Vater, mein Händchen und mein Füßchen fehlt mir!« Darauf ließ
-der Pfarrer Merz sein Kind wieder ausgraben, und wirklich fehlten auch
-diese Glieder. Es wurde nachgeforscht und man hatte auf einen Bewohner
-der Birkenhäuser bei Schöneck, welcher einen Schatz hatte heben wollen,
-Verdacht. Am nächsten Sonntage erblickte der Pfarrer den bezeichneten
-Mann in der Kirche; er leitete seine Predigt auf den Vorfall und rief,
-indem er auf den Verdächtigen hinzeigte, laut aus: »Du Schalksknecht,
-Du Übelthäter, verschaffe die Glieder meines Kindes wieder!« Darauf
-soll der Mann wie tot umgefallen sein.
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-453. Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in der
-Marienkirche zu Zwickau.
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-(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygnea~ I., S. 63.)
-
-Früher ward in der gewölbten Sakristei in der Marienkirche zu Zwickau
-ein in arabisch Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt,
-welches der Hauptmann Martin Römer im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt
-hatte. Nun war aber in die Einfassung mit Cyrillischen Buchstaben und
-in serbischer Sprache eine Inschrift gegraben, welche also lautete:
-»Dieses ehrwürdige Crucifix ist auf der Königin ... (der Name war nicht
-mehr zu lesen) Befehl gemacht und in die Kirche der h. Dreifaltigkeit
-bei der Grube (zu Konstantinopel) gesetzt worden; es sind in
-demselben fünf ganze Stücklein vom h. Kreuz und vier Edelsteine, die
-hölzernen Stücklein sind für 2000 Gulden gekauft, das Gold aber und
-die Edelsteine kosten 1000. Wer ein Stücklein von diesem Holze des
-Kreuzes mit Gewalt aus der Kirche der h. Dreifaltigkeit nehmen wird,
-der sei verflucht und das h. Kreuz bringe ihn um, wer es etwa an einem
-andern Orte antrifft, der schaffe es wieder in die Kirche zur h.
-Dreifaltigkeit, wer es nicht thut, den bringe Gott und das h. Kreuz
-um.« Trotz dieses Fluches hat aber, als die Türken Konstantinopel
-eingenommen, ein Grieche dieses Heiligtum, damit es nicht in unheilige
-Hände komme, errettet und hernach M. Römern in Zwickau verkauft, der
-auch von dem darauf geschriebenen Fluch nichts zu befürchten gehabt,
-weil er es nicht mutwillig entwendet, sondern nur vor denen, die es
-ohnedem zerschlagen und beschimpft hätten, bewahrt hat. Nun hat aber
-der Herzog von Friedland, insgemein der Wallenstein genannt, am 1.
-September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern Graf Maximilian von
-Wallenstein und Graf Paul von Lichtenstein abholen und hernach auf
-der Post durch genannten Grafen von Wallenstein dem Kaiser anbieten
-lassen, als verehre die Stadt Zwickau und die geistliche Behörde
-solches demselben freiwillig; allein es war hierbei wenig Willigkeit,
-sondern nur Gewalt zu finden, und es hieß vielmehr: willst du nicht,
-so mußt du. Nun ist aber der besagte Fluch an allen diesen Personen
-ausgegangen. Nachdem dies nämlich hier am 14. September geschehen, hat
-der Wallenstein am 6. November die große Schlacht bei Lützen verloren
-und seit dieser Zeit kein Glück mehr gehabt, also daß er bald darauf
-zu Eger ein blutiges Ende nahm; die beiden Grafen aber sind noch in
-demselben Jahre umgekommen und ist keiner von ihnen eines natürlichen
-Todes gestorben.
-
-
-454. Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau.
-
-(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, frühere Schicksale und jetzige
-Beschaffenheit. Lauenstein, 1845. S. 297.)
-
-Eine geschichtliche Merkwürdigkeit besitzt das in einem der rauhesten
-Teile des Erzgebirges liegende Dorf Fürstenau in seiner Kirche, welche
-eine Filiale von Fürstenwalde und die älteste Kirche der ganzen
-Umgegend ist. Denn schon lange vor der Reformation war die Kapelle in
-Fürstenau eine Tochter der Hauptkirche zu Graupen; sie führte den Namen
-»Zur unbefleckten Empfängnis Mariä« und ward 1424 mit einer Glocke
-beehrt. Das am Altar dieser Kirche befindliche Marienbild, von nicht
-ganz schlechter Bildhauerarbeit und reicher Vergoldung, stellt den
-Besuch Marias bei ihrer Schwester Elisabeth vor. Zu diesem Marienbilde
-zog der fromme Glaube eine Menge Wallfahrer, und mehrere dem Kirchlein
-verehrte Geschenke, sowie daselbst aufgestellte und bewahrte, von
-geheilten Kranken zurückgelassene Gegenstände sollen die gnadenreiche
-Wirkung bezeugen. Auch noch jetzt findet alljährlich am Sonntage nach
-Mariä Heimsuchung eine Wallfahrt der Katholiken aus dem benachbarten
-Böhmen unter Gesang zur Fürstenauer protestantischen Kirche statt. Sie
-verrichten dort vor dem Bilde knieend ihre Andacht und ziehen dann
-singend wieder über die Grenze zurück.
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-Zur Zeit der hussitischen Unruhen (um 1419 bis 1436) wurde das genannte
-Marienbild des Nachts von Dieben entwendet; diese aber sollen sich
-im Walde verlaufen und sodann, um den Weg aufzusuchen, das Bild
-einstweilen in einem Strauche versteckt haben. Kaum sei aber das Bild
-aus ihren Händen gewesen, so hätten sie auch den Weg wiedergefunden.
-Als nun einer der Diebe wieder zurückgegangen, um das Bild nachzuholen,
-sei dasselbe nirgends aufzufinden gewesen, so hätten die Diebe
-unverrichteter Sache wieder abziehen müssen. Das Bild aber ist tags
-darauf wieder an seinem Platze in der Kirche zu Fürstenau gewesen.
-Einer der Diebe soll dies seinem Beichtvater noch auf dem Sterbebette
-entdeckt haben.
-
-Bei einem zweiten Entwendungsversuche sollen die Diebe mit dem
-Marienbilde des Nachts in der Gegend von Teplitz von unbekannten
-Männern angefallen, das Bild ihnen wieder abgenommen und solches an
-den Prior des Klosters Mariaschein abgeliefert worden sein. Der Prior
-jedoch habe das Bild seiner Schönheit und reichen Vergoldung halber für
-sich behalten, oder solches einer anderen Kirche verehren, nicht aber
-nach Fürstenau zurückgeben wollen. Allein dasselbe sei hierauf bei ihm
-auf einmal verschwunden und wieder an seinem Platze in der Kirche zu
-Fürstenau gewesen. Diese Begebenheit ist auf Befehl des Priors in allen
-Kirchen der Umgegend öffentlich bekannt gemacht worden, seitdem aber
-sei nie wieder ein Versuch zur Entwendung des Bildes vorgekommen.
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-455. Die Fußtapfe der heiligen Maria.
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-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 306.)
-
-Zwischen dem Hausberge bei Graslitz und dem Holzhaue ist die Räumer,
-ein Thal, das mit großen Granitblöcken besäet ist. Dort liegt auch
-ein Stein, auf welchem der Abdruck eines Fußes sichtbar ist. Als die
-heilige Jungfrau übers Gebirge ging zu ihrer Base Elisabeth, soll sie
-hier gestrauchelt sein und den Fuß in den Stein eingetreten haben. Die
-Fußtapfe hat deshalb auch die merkwürdige Eigenschaft, daß jeder Fuß
-in dieselbe paßt. -- Nach einer anderen Sage soll hier ein Mädchen
-ermordet worden sein und im Todeskampf das Mal in den Stein getreten
-haben.
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-456. Maria im Erzgebirge.
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-(Nach der metrischen Bearbeitung von Ludw. Bowitsch bei Wenisch, Sagen
-aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)
-
-Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte Mutter
-das kärgliche tägliche Brod erwerben. Da wurde ihm einst von der
-reichen Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer Herrin,
-der Auftrag erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist ein
-reiches Spitzenkleid zu fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre Aufgabe
-pünktlich und zur Zufriedenheit ihrer Herrin löste, sollte ihr reicher
-Lohn werden; beim Gegenteile erwartete sie dagegen Spott und bitt'rer
-Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und Nacht bei ihrer Arbeit, doch
-als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich nicht mehr des Schlafes
-erwehren und sie wankte todesmüde ans Bett der Mutter hin. Aber
-wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch durch ihre Seele;
-die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem Scheine und leise trat eine
-holde Frau ein, mit einer goldenen Krone auf dem Haupte. Es war die
-Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte sich an das Klöppelkissen und
-die Klöppeln flogen so zauberhaft, wie es dem Mädchen nie gelungen
-war, so daß vor Anbruch des Tages das reichste Spitzenkleid vollendet
-da lag. Als das also träumende Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand
-bereits die Sonne hoch am Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum
-es gezeigt hatte, war das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug
-es frohen Mutes hinauf zum Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin
-und belohnte die Arbeit so reichlich wie nie zuvor. In dem Kleide
-jedoch war Gottes Segen eingewoben, welcher in der Folge nicht nur der
-strengen Edelfrau, sondern auch der armen Klöpplerin zu teil wurde.
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-457. Der heilige Petrus in Eisenberg.
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-(Nach Vernaleken bei Henne-Am-Rhyn, Die deutsche Volkssage, 1879, S.
-424.)
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-Bei einem alten Manne, einem Schmied in Eisenberg bei Komotau, kehrte
-einst der heilige Petrus ein, blieb über Nacht und gab ihm am Morgen
-drei Wünsche frei. Der Schmied wünschte sich: 1. einen Stuhl, von dem
-keiner ohne seinen Willen aufstehen könne, 2. einen Kirschbaum, von dem
-kein Hinaufgestiegener ohne seinen Willen wieder herab könne, und 3.
-daß er bei jedem Spiele gewinne. Das Letztere machte den Schmied zum
-reichen Manne. Endlich wollte niemand mehr mit ihm spielen, da kam der
-Tod und wollte ihn holen. Der Schmied schlug auch ihm ein Spiel vor
-und gewann noch zehn Jahre Leben. Als der Tod wieder erschien, bot er
-ihm den Stuhl und der Tod saß und durfte nur um zehn neue Jahre frei
-fort. Als auch die um waren, ließ er ihn auf den Baum steigen, dessen
-Kirschen ihm in die Augen stachen, und ließ ihn erst wieder herab, als
-er verhieß, nie wieder zu kommen.
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-458. Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen.
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-(Jos. Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 162.)
-
-Noch vor wenigen Jahrzehnten zeigte man in einem Felsen oberhalb des
-Bergstädtchens Graupen eine Fußspur, welche von dem heiligen Wolfgang
-herrühren sollte. Dieser Heilige und spätere Bischof von Regensburg
-soll vor Antritt seiner Mission nach Pannonien hier in einer Höhle
-gewohnt und dabei die Spur seines Fußes zurückgelassen haben.
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-459. Der Hengstberg bei Hengstererben.
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-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 76.)
-
-In dem Hengstberge bei Abertham arbeiteten einmal fünf Bergleute, die
-wegen ihrer Frömmigkeit und Gottesfurcht weit und breit bekannt waren.
-Sie fuhren nie an, ohne den kräftigen Bergmannssegen gesprochen zu
-haben:
-
- In Gottes Namen setzen
- Wir unser Erz jetzt ein;
- Laß uns von Deinen Schätzen
- Auf's neu beschenket sein!
- Wir sehn auf Deine Hände,
- Wem Du es giebst, dem glückt's,
- Vom Anfang bis ans Ende
- Herr benedei! so blickt's!
-
-Die Grube aber, in welcher sie arbeiteten, war ein Bau auf Zinn.
-Unverdrossen und mit treuem Sinn verrichteten sie ihre Schicht. Der
-Herr segnete auch ihrer Hände Fleiß; denn wo sie mit ihrem Gezähe
-einschlugen, arbeiteten sie große Mengen Erzes heraus, und daher kam
-es auch, daß die Strecken schon tief in den Berg hineinreichten. --
-Eines Tages versammelten sie sich wie gewöhnlich im Grubenhause. Immer
-pflegten sie heitern Angesichts zu sein, heute hingegen war in ihren
-Mienen Traurigkeit und Besorgnis zu lesen. »Freunde,« hub der älteste
-an, »mir scheint, daß Ihr heute sehr ernsthaft gestimmt seid. Ich bin
-es auch und zwar, weil ich einen bösen Traum gehabt, in welchem ich
-mich in einer großen Gefahr befand.« -- »Uns ist es auch nicht besser
-gegangen,« sprachen die Viere. Da sie aber fromm waren und feste
-Zuversicht auf Gott hatten, blieb ihr Gemüt ruhig, sie sangen ohne
-Furcht und mit Ergebung den Bergmannssegen und fuhren ein. Als sie vor
-Ort gekommen, falteten sie nochmals die Hände und beteten:
-
- Jesu! Du reicher Schöpfer mein,
- Thu kräftig sprechen
- Auf allen Zechen
- Den Segen Dein.
- Bescher mit Freud'
- Reiche Ausbeut'!
- Wend' allen Schaden,
- Thu uns in Gnaden
- Behüten fein!
- Schicht! Schicht!
-
-Da ward plötzlich die ganze Strecke sonnenhell erleuchtet, und die
-erschrockenen Bergleute wußten nicht, wie ihnen geschah. Sie hörten
-aber eine Stimme: »Fürchtet Euch nicht, Ihr frommen Männer! Blicket
-auf zu mir, ich bin der Engel des Herrn, der Euer Gebet erhört! Gehet
-eilends aus der Grube, denn diese findet heute ihren Untergang!«
-
-Die Fünf blickten auf und sahen freilich nur auf einen einzigen kurzen
-Augenblick das milde Antlitz des Himmelsboten, und als sie ihm danken
-wollten, war er verschwunden. Heiliger Schauer durchrieselte ihre
-Glieder, lautlos fuhren sie zu Tage, eilten zu den Ihrigen und dankten
-Gott für alle Gnaden mit Rührung und Andacht. Da krachte es auf einmal
-wie ungeheueres Gewitter vom Hengstenberge her, -- der Bau war und
-blieb verschüttet.
-
-
-460. Das Mönchgesicht an der Kirche zu Schlettau.
-
-(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert in Gräße, Sagenschatz etc. Nr.
-525.)
-
-An der östlichen Außenseite der Kirche zu Schlettau befindet sich
-etwa 8 Ellen von der Erde ein Stein in der Mauer, der angeblich, ohne
-von Menschenhänden bearbeitet zu sein, einem Mönchgesichte täuschend
-ähnlich ist. Das Volk erzählt sich von demselben folgende wunderbare
-Geschichte: Um das Jahr 1520 war Johannes Küttner (oder Kottne), ein
-Bruder des Grünhainer Abtes Georg Küttner, Pfarrer zu Schlettau. Da
-begab es sich, daß einst in stiller Mitternacht, als dieser noch
-eifrig in den Kirchenvätern studierte, ein bleicher Schatten vor ihn
-hintrat und also sprach: »Fürchte Dich nicht, ich bin der Geist eines
-Deiner Vorgänger, der vor nunmehr 100 Jahren, als die Hussiten in der
-Nähe waren, ein silbernes Crucifix um Mitternacht in die Kirchmauer
-vergrub, wo es noch ist; ich ward am nächsten Morgen von den wilden
-Ketzern erschlagen und bin jetzt gekommen, um Dich aufzufordern, das
-heilige Kreuz wieder an seinen frühern Ort auf den Altar zu stellen;
-Du wirst den Fleck, wo es vermauert ist, leicht erkennen, denn es wird
-sich Deinem Auge ein Lichtschein zeigen und da, wo derselbe erglänzt,
-schlage ein, und Du wirst es sogleich entdecken!« Damit verschwand der
-Geist, der fromme Pfarrer aber eilte in die Kapelle, wo der Sakristan
-ihn bereits zur Messe erwartete. Diesem teilte er das Erlebte mit und
-hieß ihn am folgenden Mittag mit Hammer und Spitzhaue zur Hand sein,
-um das Crucifix aus seinem Verstecke herauszunehmen. Kaum war aber der
-Pfarrer wieder weggegangen, da versuchte der Böse das dem Geize an sich
-schon zugewendete Herz des Sakristans, er beschloß auf der Stelle den
-Versuch zu machen, das Crucifix zu entdecken, den Raub auf die Seite zu
-schaffen und dann den Fleck möglichst gut wieder auszubessern, damit
-man von dem geschehenen Diebstahl nichts gewahren möge. Nach kurzem
-Suchen fand er auch das Lichtlein, und als er an der Stelle, die hohl
-klang, einschlug, blinkte ihm auch das Silber entgegen; allein er hatte
-bei dem Schlage das eherne Bildnis des Heilandes mit zerschlagen.
-Da fuhr auf einmal ein Donnerschlag vom Himmel herab und die
-Kirchenglocken fingen von selbst an Sturm zu läuten. Der Pfarrer fuhr
-aus dem Schlummer empor, er eilte herab und fand schon eine Menge Volk
-um die Kirche versammelt, weil man glaubte, dieselbe stehe in Flammen.
-Als die Thüren geöffnet wurden, fand man dieselbe zwar ganz hell, aber
-nirgends sah man Feuer, wohl aber lag der Tempelräuber zerschmettert
-neben dem herabgestürzten Crucifix am Boden, doch war sein Kopf vom
-Rumpf wie abgehauen, und als man nach demselben suchte, fand man ihn an
-derselben Stelle in der Mauer, wo das Crucifix eingemauert gewesen war.
-Der tiefbetrübte Pfarrer ließ nun das zerschlagene Bild des Heilands
-aus seinen Trümmern zusammensuchen, den Körper des Verbrechers aus der
-Kirche fortschaffen und befahl, den Kopf desselben nach Morgen zu in
-der Mauer zum ewigen Gedächtnis einzumauern. Als aber der Tag anbrach,
-da sah man das bleiche Gesicht des Sakristans von selbst zum Stein
-geworden aus der Mauer heraussehen, und dort steht es noch, denn es
-läßt sich weder übertünchen noch vermauern, ja man erzählt, daß es oft
-Thränen vergieße und allemal, wenn dem Städtchen Gefahren drohen, in
-gelbem Lichte leuchte.
-
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-461. Die Totenhand in Buchholz.
-
-(Nach Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Auflage, Nr. 53 bei Gräße,
-Sagenschatz etc., Nr. 521.)
-
-Als im Jahre 1730 der Totengräber auf dem Kirchhofe zu Buchholz
-ein Grab machen wollte, fand er im Sande noch eine ganz unverweste
-Totenhand, der aber der Gold- und kleine Finger wie abgehackt waren.
-Er zeigte dieselbe dem Pastor Melzer daselbst und dieser schlug
-nun im Kirchenbuche nach, wem dieselbe gehört haben möge, da er
-sich erinnerte, daß schon am 14. Juni des Jahres 1704 ihm von dem
-damaligen Totengräber dieselbe Meldung gemacht worden sei, er aber
-demselben den Bescheid gegeben, die Hand wieder einzuscharren, weil
-sie wahrscheinlich an einer Wasserkluft gelegen und deshalb nicht
-habe verwesen können. Jetzt fand sich's, daß die Hand dem im Jahre
-1669 begrabenen Sohne des Stadtrichters von Buchholz, Andreas Müller,
-gehörte, der, weil er seine alte Mutter, die er bestohlen und die ihm
-den Diebstahl vorgeworfen, gemißhandelt und mit Ermordung bedroht, von
-dieser verflucht worden war. Dadurch war denn jene alte Sage bewiesen,
-daß dem, der sich an seinen Eltern vergeht, die Hand aus dem Grabe
-wächst.
-
- Auch Temme erzählt in den Sagen der Altmark (Nr. 56.) von einem
- ungeratenen Sohne im Dorfe Groß-Redensleben, welcher seinen Vater
- schlug, als ihn derselbe wegen seines sündhaften Wandels ermahnte.
- Darauf ereilte den Sohn sogleich die Strafe des Himmels; er stürzte
- tot nieder. Als man ihn aber begrub, wuchs seine eine Hand aus
- dem Grabe heraus und man mußte sie abhauen, da sie sich nicht mit
- vergraben ließ. Zur Erinnerung wurde sie in der Kirche aufgehangen
- und darüber an einer schwarzen Tafel folgendes geschrieben:
-
- Sieh, sieh Du böses Kind,
- Was man hier merklich find't,
- Eine Hand, die nicht verwest,
- Weil der, deß sie gewest,
- War ein ungeratenes Kind,
- Wie man auch jetzt noch find't.
- Den Vater schlug der Sohn,
- Drum hat er dies zum Lohn,
- Daß hier hängt seine Hand;
- Hüt' Dich für solche Schand'.
-
-
-462. Der Doppelgänger zu Wiesenthal.
-
-(Flader, Wiesenthalisches Ehrengedächtniß, 1719, S. 108. Darnach Gräße,
-Sagenschatz d. K. S., Nr. 500.)
-
-Im Jahre 1709 ist ein kurfürstlicher Geleitseinnehmer, mit Namen A.
-L., in gewissen Angelegenheiten verreist; da er nun wenigstens zwanzig
-Meilen entfernt ist, so sieht sein damaliges Hausmädchen, da sie am
-Abend gegen 5 Uhr von ihrer Frau in ihre Schlafkammer geschickt wird,
-ihn von ohngefähr in seinem Bette liegen und meint, er sei ohne ihr
-Wissen nach Hause zurückgekehrt. Sie fragte also die Frau: »Ist der
-Herr nach Hause gekommen?« Diese antwortet aber: »Du wirst ihn ja
-sehen.« Daher hat sie sich weiter nicht darum gekümmert. Nachdem nun
-die Frau selbst des Nachts gegen 12 Uhr schlafen geht, erblickt diese
-ihn ebenfalls in ihrem Bette, da er sich denn gerührt, daß es davon
-geknistert und das Bett ein wenig von sich geschlagen. Welches sie
-bewegt, daß sie unten um das Bett herumgegangen und ihn angeredet hat:
-»Ei, mein Kind, wie bist Du denn hier? Hast Du mich doch erschreckt!«
-Da er denn die Beine hinausgeschlagen, aus dem Bette gefahren und unter
-das Dach, so sich in der Schlafkammer findet, gekrochen, auch daselbst
-plötzlich verschwunden ist. Die Frau hat sich nun zwar ins Bett gelegt,
-aber vor großem Schreck die ganze Nacht nicht schlafen können, weil sie
-nicht gewußt, wie es zugehe, daß sie ihren Mann, der so viele Meilen
-entfernt war, habe sehen können. Sie hat aber fleißig gebetet, der Herr
-wolle sie vor Anfechtung bewahren. Als ihr Mann nun wieder nach Hause
-gekommen, hat er erzählt, er sei an jenem Tage gerade bei einem Jäger
-gewesen, der ihn sehr wohl traktiert und mit Braten, Kuchen und Wein
-bestens bewirtet, da habe er immer an seine Frau gedacht und gewünscht,
-daß sie solches auch mit genießen möge.
-
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-463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.
-
-(~Curiosa Saxon.~, 1738, S. 269. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, Nr. 229.)
-
-Als Gott am heiligen Abende vor dem Johannistage des Jahres 1738
-Tuttendorf bei Freiberg mit einem heftigen Donnerwetter heimsuchte
-und der Strahl des Bergmanns J. D. Schieffels Wohnhaus im Oberdorfe
-entzündete, hat zwar die wütende Feuersglut alles verzehrt, allein alle
-im Hause befindliche Personen sind mit dem Leben davon gekommen, und
-was das Sonderbarste ist, die schon zu mehreren Malen über ~Dr.~ Joh.
-Arndts berühmtes Gebetbuch, Paradiesgärtlein betitelt, in Feuersgefahr
-waltende Fürsorge Gottes hat sich auch hier wiederum bethätigt. Denn
-da sich unter dem geistlichen Büchervorrat dieser armen Verunglückten
-auch gedachtes Buch in der von Chr. Weinmann, Buchhändler zu Erfurt, in
-länglich Duodez 1725 besorgten Auflage befunden, so hat man dasselbe am
-anderen Tage unter der Asche dergestalt angetroffen, daß, obwohl der
-Einband desselben gänzlich zu Kohlen verbrannt, dennoch kein Buchstabe
-in dem Buche selbst verletzt war, sondern dasselbe ganz unversehrt
-im Feuer geblieben ist. Es ist solches dem Pastor des Ortes von den
-Abgebrannten zum ewigen Andenken überlassen worden, bei dem man es noch
-lange hat sehen können.
-
-
-464. Das Meteoreisen in Elbogen.
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-(I. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 168. II. Die Natur von Müller,
-1878, Nr. 45.)
-
-I. Es war seinerzeit in Elbogen ein Burggraf von Wülfenfels unter
-der Oberherrschaft der Rohenburger als berüchtigter, mordlustiger
-und raubgieriger Burgherr und wegen seiner grausamen Handlungen
-gefürchtet und bekannt. Seine Leibeigenen pflegte er oft ohne
-besonderen Anlaß in den Sprudel-Teufelsweiher zu werfen, um sie zu
-versteinern. Als er sogar seine eigene Tochter im Burghofe anketten
-ließ und im Begriff war, den Todespfeil auf sie zu schleudern, da
-grollte plötzlich der Himmel, ein Donnerschlag ertönte und ein Blitz
-lähmte seinen Arm. Das Kind war gerettet, denn soeben hielt der
-edle Rohburger seinen Einzug in Elbogen. Da ihm Mitteilung von den
-Schandthaten des Burgherrn gemacht wurde, befahl er, denselben sofort
-festzunehmen und zu züchtigen. Wülfenfels, der dies hörte, verschwand.
-Das letztemal sah man ihn mit drohenden Gebärden, seine Armbrust
-gegen den Himmel haltend, auf dem Schloßbalkon stehen und hörte ihn
-lästern über den Donner und Blitz, die Schuld trugen, daß sein Kind
-noch lebte. Vergeblich suchte man nach ihm; doch bald sollte sich das
-Ganze aufklären; am Balkon fand man einen großen, zur Eisenschlacke
-zusammengeschmolzenen Stein, mit den Resten einer halbverbrannten
-Armbrust auf einem Klumpen liegen. Der Markgraf ließ diesen Stein
-im Schlosse aufbewahren; die Franzosen aber warfen ihn bei ihren
-Kriegszügen im Jahre 1776 in den tiefen Schloßbrunnen, aus dem er
-später wieder herausgehoben wurde, um auf das Rathaus gebracht zu
-werden. Dieser Stein, von den Naturforschern als Meteor bezeichnet,
-war ursprünglich 192 Pfund schwer; ein Teil davon kam in das
-Naturalienkabinet nach Wien, ein Teil in jenes nach Prag, und der Rest
-im Gewichte von 43 Pfund wird auf dem Rathause zu Elbogen vorgezeigt.
-
-II. Auf dem Schlosse zu Elbogen lebte vor Jahrhunderten ein böser
-Burggraf, welcher seine Unterthanen hart drückte. Einst läutete
-derselbe während eines Gewitters eigenhändig auf dem Turme die Glocke,
-um damit seine Leute zum Frohndienste zusammenzurufen. Da schlug
-plötzlich der Blitz ein und schmolz den Grafen und die Glocke in einen
-Guß zusammen. Das ist nun jener Eisenklumpen, von welchem man noch
-heute in der Stadt einen Teil zeigt. Man hat die Masse schon oft in
-einen Brunnen versenkt, aber immer ist dieselbe von selbst wieder
-herausgekommen. Sie soll bald zentnerschwer, bald ganz leicht sein,
-letzteres aber nur für Menschen, welche noch nicht gesündigt haben.
-
-
-465. Der Köhler von Klingenthal.
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-(Metrisch von Hager, Vogtl. Volkssagen, 1839, II., S. 13. Darnach bei
-Gräße a. a. O., Nr. 640.)
-
-Vom Kirchhofe zu Klingenthal bis an den naheliegenden Wald geht jede
-Nacht um die zwölfte Stunde ein gespenstiger Schatten, eine Leuchte in
-der Hand. Das Volk erzählt sich hierüber folgende Geschichte: Es soll
-einst in Klingenthal ein Köhler gewohnt haben, der jede Nacht von der
-Seite seiner getreuen Hausfrau aufstand, um angeblich im Walde nach
-seinem Meiler zu sehen. Die wahre Ursache war aber, daß er im Busche zu
-einer dort wohnenden Concubine schlich. Einst ging er auch in finsterer
-Nacht, die Leuchte in der Hand, den wohlbekannten Weg, da folgte
-ihm sein Weib, das er schlafend glaubte, und warf ihm geradezu sein
-Vergehen vor. Er wollte es zwar anfangs leugnen, aber bald gab ein Wort
-das andere, er ward heftig, schlug seine rechtschaffene Frau nieder
-und begab sich zu seinem Kebsweibe. Als er mit diesem im besten Kosen
-begriffen war, öffnete sich plötzlich die Thür und sein Weib stürzte
-herein und traf die Schuldigen auf offner That. Jetzt halfen keine
-Verstellungen mehr, er mißhandelte sie abermals und warf sie zur Thür
-hinaus mit der Drohung, sie in den brennenden Meiler zu schleudern,
-wenn sie ihm wieder zu nahe komme. Sie aber verfluchte ihn und rief:
-»Der Meiler werde Dir selbst zum Grab, mögest Du lebendig verbrennen!«
-Des lachte der Köhler; als er aber nach seiner Gewohnheit den Meiler
-erklomm, um sich umzuschauen, stürzte dieser plötzlich zusammen und der
-Frevler versank in seinen feurigen Schlund.
-
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-466. Vom flinken Knecht zu Rechenberg.
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-(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 289.)
-
-An der südlichen Grenze des meißnischen Erzgebirges lebte vor alter
-Zeit ein wohledler Ritter, mit Namen Kurt von Rechenberg, auf seinem
-Stammschlosse Rechenberg an der Mulde, von welchem sich noch jetzt
-Ruinen auf einem Felskegel am rechten Thalgehänge inmitten des
-freundlichen Fleckens Rechenberg vorfinden.
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-Hochbegütert und vom Glanze einer zahlreichen Dienerschaft umgeben,
-lebte der fromme Edelmann gar glückliche Tage dahin. Seine Diener hielt
-er gleich eigenen Kindern wert, und er wurde darum von allen auch
-wieder geliebt wie ein Vater.
-
-Da geschah es eines Tages, daß ein junger, dürftig gekleideter Bursche
-aus fremden Landen zum Ritter kam und ihm seine Dienste anbot. Das
-treuherzige Wesen des jungen Mannes, der erzählte, wie viel Elend er
-schon habe ertragen müssen, gefiel dem Herrn von Rechenberg und er nahm
-ihn in seinen Dienst.
-
-Georg -- so hieß der junge Bursche -- war munter und flink auf den
-Füßen, er flog gleichsam wie ein Pfeil, wenn ihn sein Herr irgendwo
-hinsandte, und seiner thätigen, willfährigen und geschickten Hand
-glückte alles wunderbar, ja, es schien ordentlich, als wenn ein
-besonderer Segen auf seinem Thun ruhte. Ein außerordentliches Ereignis
-sollte seine Verdienste um das Haus Rechenberg noch mehr ins Licht
-stellen.
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-Einst versetzten Flüchtlinge aus der nahen böhmischen Pflege die
-Bewohner der Burg Rechenberg in lebhafte Aufregung, denn sie meldeten,
-daß einige bekannte böhmische Raubritter mit ihren Mannen sich der
-Grenze näherten und mordend und sengend das Land verwüsteten. Darüber
-ward Kurt von Rechenberg sehr betrübt und er beschloß nach Rücksprache
-mit seinem Vogte einen Kundschafter auszusenden, um zu erfahren, wie
-stark die Zahl der Feinde sei. Niemand erschien ihm dazu geeigneter
-als sein flinker Diener Georg. Derselbe dankte für den ihn ehrenden
-Auftrag und wenige Minuten später jagte er auf flüchtigem Rosse hinaus
-zum Burgthore, dem Feinde entgegen. Bereits am andern Morgen kehrte der
-Knappe in das Schloß zurück. Zum Erstaunen der Burgbewohner befanden
-sich zwei gefüllte Säcke, einer hinten und einer vorn, auf dem Gaule.
-Ritter Kurt stand unter dem Thor, und befremdet wegen des seltsamen
-Aufzuges fragte er: »Was klirrt denn so um Deinen Sattel?« Georg
-antwortete wohlgemut: »Seid getrost, Herr Ritter, alles hat gute Wege.
-Das sind Hufeisen, die ich den Pferden abgerissen habe, während die
-Feinde schliefen. Vorsichtig und dennoch sonder Hast eilte ich den
-Raubgesellen entgegen, immer der Grenze entlang, bis ich sie in der
-Nähe des Dorfes Einsiedel erblickte. Es war schon finstere Nacht und
-alle hatten sich sorglos dem Schlafe überlassen. Deshalb machte ich
-mich unverweilt an die Arbeit und glaube damit unsern Feinden einen
-recht üblen guten Morgen geboten zu haben, denn ohne Hufeisen sind die
-Spitzbuben nicht imstande, die Gebirgspfade zu bereiten, und noch viel
-weniger möchte es gelingen, hier herum so viel Eisen aufzutreiben, als
-ihnen fehlen. Damit ihr aber, gestrenger Herr, die Anzahl der Feinde
-schätzen möget, bracht' ich die Eisen gleich mit, da die Dunkelheit
-der Nacht mich hinderte, die Feinde zu überzählen. Nun ist es wohl
-mit uns bestellt, und ruhig können wir uns rüsten, bevor sie sich uns
-nahen.« Der Burgherr lächelte zufrieden und sagte: »Du bist, traun,
-ein seltsamer, aber vortrefflicher Bursche!« Dann setzte er, zu dem
-Vogte gewendet, hinzu: »Entweder war das Begebnis ein Wunder, oder der
-Knecht Georg ist verwegen bis zur Tollkühnheit. Nun, wir wollen die
-Raubgesellen gehörig empfangen!«
-
-Die Worte Georgs erfüllten sich; die Feinde nahten erst, nachdem alle
-Vorbereitungen zu deren nachdrücklichem Empfange getroffen waren. Sie
-wurden über die Grenze zurückgetrieben und dabei zeichnete sich Georg
-durch persönliche Tapferkeit aus, so daß er sich noch mehr die Liebe
-seines Herrn gewann.
-
-Später zeigte sich die Treue und Liebe Georgs noch auf eine andere Art.
-Sein Herr gab ihm einst ein Schreiben, welches nach dem Rittersitze
-Grünau bei Marienberg bestimmt war, mit dem Bemerken, bei der
-Bestellung zu eilen, dieweil es Not habe, der Ort, wohin der Brief
-solle, fern liege und die Sonne schon tief stehe. Georg versprachs und
-rühmte sich, die drei Meilen bis nach dem Orte Grünau mit der Schnelle
-eines Vogels zurücklegen zu wollen. Nach Verlauf einer Stunde aber
-kam der Ritter von ungefähr in den Stall. Wie erstaunte er da, als er
-seinen Knecht, den er weit fort glaubte, in einer Ecke des Stalles,
-auf Stroh gebettet, sanft schlafend fand. Da ward der Ritter unwillig
-und weckte den Knecht auf, indem seine Augen in aufsteigendem Zorne
-funkelten, doch bezwang er sich, denn sein Herz war gut und sein Gemüt
-lauter und fromm. Erschrocken vor seines Herrn plötzlicher Umwandlung
-fuhr Georg auf und sprach: »Da, lieber Herr, -- o zürnt mir nur nicht!
--- da ist ja schon die Antwort!« Unter diesen Worten überreichte er
-das Gegenschreiben. »Bei allen Heiligen!« rief der Ritter aus, dessen
-Angesicht erbleicht war, »es ist die Wahrheit! Sage, Georg, wie wäre
-das wohl möglich? Du müßtest schneller als der Sturm, flüchtiger als
-der Raubvogel gewesen sein, um das zu vollbringen. Du warst also
-wirklich in Grünau?« Und als Georg diese Frage bejahte, verfinsterten
-sich des frommen Rechenbergers Züge; mit stillem Grausen erbrach er
-zitternd das Schreiben und taumelte mit Entsetzen zurück, als er
-wirklich die ihm wohlbekannte Handschrift des weitentfernten Freundes
-in Grünau erblickte.
-
-Nachdem er die Antwort gelesen hatte, hob er also an: »So ist es
-denn wahr, was ich nimmermehr für möglich gehalten hätte! Dies zu
-vollbringen, reicht die Menschenkraft nicht aus. Entweder bist Du,
-seltsames Wesen, ein Bote Gottes, oder ein Abgesandter der Teufels!
-Die Weise Deines Thuns, wie auch Dein Thun selber ist unheimlich und
-verschlossen, und Du scheinst mir unmöglich ein Sterblicher zu sein!«
-Da verwandelte sich schnell, wie durch Zauberkraft, der rätselhafte
-Jüngling vor den Augen des Ritters und eine von Licht umflossene
-Engelsgestalt stand da, welche sprach: »Der Herr der Herren, welcher
-mich zu Dir gesandt hat, Dir zu dienen, hat mich auch zugleich
-befähigt, Dir also thun zu können, wie ich that; sein Auge ruhte
-schon lange auf Deinem Haupte, Dir zum Schutze. Durch mich läßt Dir
-der Herr verkünden, wie wohl es ihm gefalle, wenn Herrscher gegen
-ihre Untergebenen Milde und Geduld üben! Diese hast Du mir erwiesen
-und auch den andern Knechten. Der Herr wird Dir dafür lohnen, wenn Du
-die Menschen stets wie Deine Brüder liebst!« Darauf verschwand der
-Engel wie das Rot eines Sommermorgens, den Ritter aber durchwehte
-Gottesfrieden, und es zog ihn in die Burgkapelle, wo er Gott für seine
-unendliche Gnade dankte. Er gelobte, seinen Untergebenen stets ein
-Vater sein zu wollen und bis an sein Lebensende hat er dieses Gelöbnis
-treu gehalten.
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-467. Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde.
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-(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885,
-S. 126.)
-
-Seitwärts vom Eisenberger Forsthause befindet sich auf einer malerisch
-schön gelegenen Waldlichtung eine niemals vollendet gewesene und
-teilweise wieder verfallene Kapelle in romanischem Stil. Behauene
-Steine und Säulen liegen rings umher, von Gesträuch und Epheu
-überwuchert, die Stufen sind mit Moos überkleidet, und im Innern der
-Kapelle grünt und blüht es. Die Vögel üben hier nun ungestört ihre
-Baukunst, denn die Gebirgsbewohner meiden voll Scheu jenen Unglücksort.
-Die Sage giebt nämlich die Kunde, daß ein Graf Lobkowitz, als das
-Geschlecht noch nicht gefürstet war, hier einst eine Kapelle für den
-heiligen Dorn erbauen wollte, um einen Wallfahrtsort zu gründen; doch
-der edle Graf fand beim Bau, den er oft besichtigte, durch einen
-herabstürzenden Stein den Tod. Ein Nachkomme, ein Fürst Lobkowitz,
-wollte später das begonnene Werk vollenden, doch ihn erschlug eine
-riesige Eiche, die man zum Bau fällte. Dieses abermalige Unglück
-wurde als Fingerzeig Gottes aufgefaßt, daß der heilige Dorn in der
-Schloßkapelle verbleiben solle, und die Kapelle, deren Kuppel sich
-schon zu wölben begann, blieb unvollendet. Aus jener Eiche wurde ein
-großes Crucifix geschnitzt, das man an der Unglücksstelle mit einer
-kleinen Kapelle überbaute. Jetzt aber ist dieses Kreuz, welches einen
-nicht unbedeutenden Kunstwert besitzen soll, in der renovierten
-Schloßkapelle aufgestellt.
-
-
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-
-VIII.
-
-Völker-, Helden- und Geschlechts-Sagen.
-
-
-Abgesehen von Ortsnamen und andern sprachlichen Resten, sowie von
-einzelnen Gebräuchen, sind von den einstigen sorbischen Bewohnern
-des Erzgebirges nur wenig Ueberlieferungen uns erhalten worden. Dies
-gilt insbesondere auch von den Sagen. Manche mythische Sagen tragen
-zwar noch unverkennbar das Gepräge ihres slavischen Ursprungs, aber
-nur zwei Sagen dieses Abschnittes, die vom Riesen Einheer und von
-Schwanhildis, gedenken auch der Kämpfe der Deutschen mit der slavischen
-Nation, über deren Wohnsitze in unserem Gebirge mir ebenfalls nur
-zwei dem Sagengebiete angehörige Überlieferungen bekannt geworden
-sind. Diese Armut hierher gehöriger Stoffe beruht jedenfalls auf dem
-Umstande, daß die Sorben einen doch nur vorübergehenden und teilweise
-nur geduldeten Wohnsitz in unserm Gebirge gefunden haben. Ebenso arm
-sind die Sagen von bergentrückten Helden und versunkenen Kriegern;
-sie besitzen teilweise einen mythischen Grund, teilweise gestalten
-sie sich zu bloßen Gespenster- und Spukgeschichten. Die Sagen von den
-edlen Geschlechtern endlich, welche aufgenommen wurden, wenn Glieder
-der letzteren in unserm Gebirge auf Gütern ansässig waren oder noch
-sind, leben nur in den chronikalischen Aufzeichnungen, obschon sie
-wenig wirkliche und urkundliche Begebenheiten enthalten. Im Volksmunde
-haben sie sich bei uns nicht fortgepflanzt, ja sie sind wohl kaum dem
-eigentlichen Volke aus den alten Schriften bekannt geworden, und so
-finden wir auch bei uns bestätigt, was die Brüder Grimm in der Vorrede
-zum 2. Bande der deutschen Sagen schreiben, daß sich nämlich die Sage
-um die seltsame Bildung eines Felsens dauernder, als um den Ruhm selbst
-der edelsten Geschlechter sammelt.
-
-
-468. Von den alten Wenden bei Eibenstock.
-
-(Oesfeld, Historische Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im
-Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 50. -- Oettel, Alte und neue Historie der
-freien Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 3, 202.)
-
-Bei Eibenstock sind von den alten Wenden noch verschiedene Spuren
-anzutreffen; z. B. an der Mulde gegen Schönheide liegt die Cunitzhöhe
-und die daneben am Dorfbache liegenden Wiesen heißen die wendischen.
-In derselben Gegend hat auch ein Dorf gestanden und der über der
-Mulde angebaute Hammer hat sonst Windischthal geheißen. Ferner die
-anstreichende Höhe von der Mulde nach der Stadt zu heißt noch jetzt
-der wendische Berg oder wendische Knock, und die auf derselben Höhe
-befindlichen drei Freihöfe sollen aus einem zerteilten Rittergut
-entstanden und nach der Überlieferung die Wohnung des vornehmsten
-wendischen Herrn gewesen sein. Dieselben haben auch mit der
-Schwarzenberger Herrschaft keine Verbindung gehabt und bereits mit der
-Lehnsfolge nach Dresden gehört, ehe noch Eibenstock mit Schwarzenberg
-an das Kurhaus Sachsen verkauft wurde. -- Man ist auch der Meinung, es
-wäre mit dem Seifen des Zwitters der Anbau Eibenstocks erfolgt, und die
-Wenden hätten schon den ganzen Grund der Wendisch- oder Windischwiesen
-bis an die jetzige Stadt ausgeseift.
-
-
-469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.
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-(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 69.)
-
-Der am Fuße des Erzgebirges, 1½ Stunde südlich von Zwickau liegende Ort
-Rottmannsdorf, welchen man zum Unterschiede von Alt-Rottmannsdorf auch
-Wendisch-Rottmannsdorf nennt, soll von Wenden bewohnt gewesen sein, die
-später vom Landesherrn genötigt wurden, in die Lausitz auszuwandern.
-
- Der Zusatz »Wendisch« zu dem Namen Rottmannsdorf, welcher sich
- auch häufig in andern jetzt deutschen Provinzen und Ländern, wie
- in der Altmark und in Thüringen findet, oder welcher wenigstem
- früher daselbst gebräuchlich war, weist vielleicht darauf hin, daß
- sich in dem Dorfe unter den Bewohnern die slavische Sprache und
- slavische Gebräuche und Sitten länger als anderswo erhielten. Im
- alten Pleißnerlande behielten die daselbst wohnenden Nachkommen
- der ehemaligen sorbischen Bevölkerung lange Zeit ihre Sprache
- bei, so daß man sie auch vor Gericht hören mußte. Im Jahre 1327
- ward aber ernstlich anbefohlen, daß weder Parteien noch Advokaten
- ihre Klagen und Verantwortungen in wendischer, sondern allein in
- deutscher Sprache anbringen sollten. (Gottl. Göpfert, Gesch. d.
- Pleißnergrundes, S. 18.)
-
-
-470. Der Riese Einheer.
-
-(Tob. Schmidt, ~Chronica Cygnea~, II, 1656, S. 5 und 6.)
-
-Als im Jahre 805 Karl der Jüngere, Karls des Großen Sohn, die
-aufrührerischen Böhmen überwunden und ihren Fürsten Lecho erschlagen
-hatte, zog er durch den Böhmerwald in die Gegend von Zwickau, um hier,
-sowie überhaupt zwischen Saale, Mulde und Elbe die mit den Böhmen
-verbündeten Wenden zu strafen. In diesem Kriege hat auch die Fürstin
-Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern dem Kaiser getreulich gedient, so
-daß Karl der Jüngere die Stadt Zwickau zur Mark wider die Wenden und
-Böhmen machte. In derselben Zeit lebte auch ein Riese oder Recke, der
-hieß Einheer (sein rechter Name ist aber ~Aenotherus~ gewesen) und war
-ein Schwabe, gebürtig aus Thurgau in der Schweiz. Dieser watete durch
-alle Wasser, durfte über keine Brücken gehen, zog sein Pferd bei dem
-Schwanze nach und sagte allezeit: »Nun Gesell, du mußt auch hernach«.
-In den genannten Kriegen des Kaisers half er diesem gegen die Wenden.
-Er mähete die Leute wie das Gras nieder, hängte sie an den Spieß, trug
-sie über den Achseln wie Hasen oder Füchse, und da er wieder heim kam
-und seine guten Gesellen und Nachbarn fragten, was er ausgerichtet
-hätte und wie es ihm im Kriege gegangen wäre, sagte er aus Unmut und
-Zorn: »Was soll ich von diesen Fröschlein sagen? Ich trug ihrer sieben
-oder achte an dem Spieß über der Achsel, weiß nicht, was sie quaken,
-ist der Müh nicht wert, daß der Kaiser so viel Volks wider die Kröten
-und Würmer zusammengebracht.« Es flohen vor ihm die Feinde und Wenden
-und meinten, er wäre der leidige Teufel.
-
- Die Sage vom Riesen Einheer erzählen auch die Brüder Grimm (Deutsche
- Sagen, I, Nr. 18), jedoch ohne Beziehung auf die Gegend von Zwickau.
- Es heißt darin noch: Diesen Riesen nennt man Einheer, weil er sich in
- Kriegen schier einem Heer vergleicht und also viel ausrichtet.
-
-
-471. Schwanhildis.
-
-(Tob. Schmidt, ~Chronica Cygnea~, Zwickau, 1656, S. 20 u. 24.)
-
-Aus dem Geschlechte der ~Cygnus~ ist entsprossen Schwanhildis, der
-letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau von der
-Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend ihren
-Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben noch aus, als
-sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels,
-eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß und von
-welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden. Johann
-Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt nämlich,
-daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis ~Epitaphium~
-gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum, welchen der Wind
-niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum aufräumen sollte, bei dem
-Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten vom Adel gebracht worden
-sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet und sonderlich die Lehrsprüche,
-welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern befohlen. -- Dieselbe hat Karls
-des Großen Sohn, dem jüngern Karl, als er in diesen Landen wider die
-Sorbenwenden und Böhmen gestritten, getreulich Beistand geleistet, und
-ist ihm nicht allein mit ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat
-ihm auch mit Speise und Trank großen Vorschub gethan.
-
-
-472. Libussas Tanzplatz.
-
-(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S.
-112.)
-
-Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende
-Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu Füßen des
-Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes aus,
-in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken wir das
-schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel zum Himmel
-empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten Äste
-stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst Libussa, Böhmens
-Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche Landschaft zu ihren
-Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor Entzücken getanzt haben.
-
-
-473. Die Herren von Einsiedel.
-
-(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen,
-Adelslex. I, 364. Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I, 73. Darnach bei
-Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.)
-
-Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen
-Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß und noch
-jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe, ist sehr
-glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von dem Orte
-nicht festgestellt ist.
-
-Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau und
-Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf seinen Namen von
-drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach die folgenden
-Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von Einsiedel zu erklären
-suchen, damit in Verbindung gebracht werden können.
-
-Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im Wappen.
-Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin war kinderlos
-und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht an, that auch das
-Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken würde, dem Herrn zum Dienste
-zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn, welcher Grubo genannt wurde.
-Derselbe wurde also geistlich und wohnte lange als Einsiedler in einer
-einsamen Gegend Böhmens, wo er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher
-aber verließ er seine Zelle, zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde
-der Stammvater derer von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280.
-
-Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad, Meinhard).
-Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen Wäldern, aber
-er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das noch) beweibt und
-gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner Nachkommen, der im
-Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich in die Welt zurück.
-
-
-474. Die Herren von Rechenberg.
-
-(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I, 1332.
-Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius, Schles.
-Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen, S.
-129.)
-
-In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen
-Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen Schlosses,
-welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen wurde, jedoch ein
-böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren wahrscheinlich
-die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270 kommt bereits ein
-Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg vor.
-
-Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz ab, deren
-Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist Hans von
-Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz 1241 die
-Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief Heinrich der
-Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser sich an die Spitze
-eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von dem Berge vertrieb.
-Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan Rechenberg genannt.
-
-Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde einen
-schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern und gelber
-Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber einen
-nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die von Haugwitz in
-Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf mit Hals und Brust,
-aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot und weiß abgeteilten
-Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber
-den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei zum Sprunge aufgerichteten
-Vorderbeinen ohne Krone und Federn.
-
-
-475. Die Herren von Sebottendorf.
-
-(Schumann, Lex. v. Sachsen, 11. B., S. 32. Sinapius, Schles. Curios. I,
-S. 865. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 63.)
-
-Die Herren von Sebottendorf, welche aus Kurland stammen, wo ihre
-Vorfahren in der kurischen Nehrung einige kleine Besitzungen hatten,
-waren mutmaßlich auch im Erzgebirge seßhaft. Zwischen Lößnitz und
-Thierfeld liegt eine wüste Mark Sebottendorf; das gleichnamige Dorf
-wurde bereits im 13. Jahrhundert gänzlich verwüstet. Ein Herr von
-Sebottendorf wurde einstmals als Gesandter zu kaiserlicher Majestät
-geschickt und von diesem wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften und
-guten Dienste in den Ritterstand versetzt, mit dem Namen »Seebote«
-beehrt und mit einem Wappen begnadigt, welches im Schilde eine
-Wasser-Kannelwurzel mit zwei daran hängenden Kannelblättern, auf dem
-Helme aber zwei dergleichen Blätter mit zuwachsenden Seerosen enthält.
-
-
-476. Das Geschlecht Callenberg.
-
-(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 17. B., S. 165. Gauher,
-Adelslex. I, S. 232. Angelus, Märk. Chronik, S. 39. Haupt, Sagenbuch
-der Lausitz II, Nr. 35, Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 193.)
-
-Die Stadt Callnberg wurde 1712 nach der ersten Gemahlin des Begründers,
-Grafen Otto Wilhelm von Waldenburg, einer geborenen Gräfin von
-Callenberg aus Muskau, benannt.
-
-Anfangs gab man der Stadt, als einer beabsichtigten Erweiterung von
-Lichtenstein den Namen »Neustadt«. Nachdem aber des Grafen Otto Wilhelm
-erste Gemahlin, Henriette Eleonore geb. Gräfin von Callenberg, von
-der man sagt, daß sie von den Fenstern des Schlosses aus mit vieler
-Teilnahme »ihre fleißigen Schäfchen« bei dem Neubau betrachtet habe,
-1710 gestorben war, ward ihrem Gedächtnis zu Ehren von dem verwitweten
-Gemahl die neue Stadt Callenberg (Callnberg) genannt.
-
-Das Stammschloß der Grafen Callenberg liegt in Westfalen bei Marburg.
-Es ward von einem der vier Ritter erbaut, welche Kaiser Karl der
-Große nebst einem Grafen von Oettingen im Jahre 804 in jene Gegend
-schickte, um dem fortgesetzten Götzendienste der heidnischen Einwohner
-zu steuern. Als Heinrich der Vogler die Wenden in der Mark bekriegte,
-kamen mehrere Callenberger nach der Stadt Brandenburg und ließen sich
-dort nieder. Galle von Callenberg zog 1093 mit gegen die Saracenen.
-
- Der Grund und Boden, auf welchem Callnberg erbaut wurde, hieß das
- »Rennfeld«. Dieser Name wird von einem im Jahre 1136 daselbst
- geschehenen Treffen, bei welchem mehr als 50 Zwickauer geblieben
- sind, oder davon abgeleitet, daß hier ehemals ritterliche Übungen auf
- einer Rennbahn von den Besitzern des Schlosses Lichtenstein gehalten
- wurden.
-
-
-477. Die Familie von Berbisdorf.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 2. Band. S. 231.)
-
-Neben andern Rittergütern, wie Ober- und Nieder-Forchheim, hat die
-Familie von Berbisdorf Jahrhunderte hindurch und zwar bis 1767, da
-Heinrich von Berbisdorf kinderlos starb, auch das Rittergut Lippersdorf
-besessen. Das uralte Geschlecht führt gekrönte Arme mit dem leuchtenden
-Stern im Wappen und eine alte Urkunde besagt darüber: »~Anno~ 1140 hat
-der Großmeister Weinrich von Kniprode mit Knisdude, Fürstin zu Littaw,
-so eine Hewdin (Heidin) gewesen, eine Schlacht vor Khaen in Littaw
-gehalten, in welcher Schlacht Andreas von Berbisdorf ein Fendrich
-gewesen, und sein Fähnlein, ob ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen
-gewesen, im Maule davon bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens
-willen er nicht allein zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein
-Wappen mit dem abgehawenen gekrönten schwartz und rothen Armen (welches
-ohne Zweiffel blut undt leiden oder schmertzen bedeutet) mit den
-darüber leuchtenden Stern verbessert, undt zu führen gegeben worden.«
-
-Das adelige Geschlecht von Berbisdorf stammt aus Preußen, wie
-nachstehende alte Nachricht zu erkennen giebt: »Caspar von Berbisdorf
-ist wegen Kriegsgefahr außn Land in Preusen mit einem Graffen von
-Leisneck (Leisnig) in diese Länder kommen, so geschehn im Jahr unser
-Erlößung 1230 und ist bey mehr gedachten Graffen alß sein Hoffmeister
-blieben, auch allda ~Anno~ 1270 verstorben. Wer sein Weib gewesen,
-hat man nicht in Erfahrung bringen können, hat nach sich einen Sohn
-gelassen mit Namen Hanß. Dieser Hanß von Berbisdorff hat etliche
-Bergwerk zu Freybergk an sich bracht, undt daraus großen Reichthum
-erlanget, die Gütter Wegfahrt, Duttendorff undt den Halß bey Freybergk
-erkaufft, auch dem Graffen Leisneck (des vorigen Sohn) 4000 Rheinische
-Gülden uff die Herrschafft Lauterstein geliehen, so geschehen ~Ao.~
-1300.«
-
-
-478. Die Herren von Hartitzsch.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 240.)
-
-Das Rittergut Dorfchemnitz bei Sayda soll durch Heirat an die von
-Hartitzsche Familie gekommen sein. Ein Vorfahr dieser Familie, erzählt
-man, sei Fischer an der Donau gewesen, habe einen deutschen Kaiser auf
-der Flucht mit der größten Lebensgefahr über die hochangeschwollene
-Donau gesetzt, da es kein andrer Fischer gewagt habe, und sei nachher
-von dem Kaiser dafür, daß er ihn gerettet, in den Adelstand erhoben
-worden. Darauf könnten wohl die zwei Fische in dem Hartitzschen Wappen
-hindeuten.
-
-Die Familie hat sich sonst von Harticz, nach dem Rittergute bei
-Jonsdorf in Böhmen an der sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr früh
-aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wahrscheinlich wegen der reichen
-Silberbergwerke bei Freiberg, und hat wichtige Stellen im Rate zu
-Freiberg bekleidet.
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-479. Die Herren von Pardubitz.
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-(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, 1876, S. 114.)
-
-Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen unter
-Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem Geschlechte wird
-folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1158
-Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw von Böhmen mit vielen
-böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im Dunkel einer Nacht erstiegen
-die Böhmen die Mauern der belagerten Stadt und drangen bis auf den
-Markt vor; allein hier kamen ihnen die Mailänder entgegen, es entstand
-ein heftiger Kampf und die Übermacht der Bürger drängte die bisherigen
-Sieger zurück. Vorher sprengten sie jedoch das Thor und hatten sich so
-den Rückzug gesichert. Es gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck
-von Pardubitz verweilte am längsten im Thore, noch immer kämpfend,
-und als er endlich den Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt
-aus dem Türmer zu, er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter
-befestigt war. Dies geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel
-dergestalt auf Geschecks Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei
-Hälften geteilt ward. »Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!«
-rief der Ritter und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager,
-wo ihm Wladislaw entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum
-Ehrenzeichen dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter
-und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im roten
-Felde zum Wappen.
-
-
-480. Geschlecht von Vitzthum.
-
-(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik, I.
-II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.)
-
-Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum, in alten
-Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den ~Vicedominis~,
-welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des Kaisers die
-Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert haben. Ihr
-Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues Thüringen, und
-daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie Vitzthum von
-Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht besitzt
-seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert und
-vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war.
-
-
-481. Die Herren von Wildenfels.
-
-(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.)
-
-Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits 1233
-Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die im Jahre 1602
-ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst 1222 urkundlich und
-zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft gedacht wird. In ihrem
-Wappen führten sie eine Rose im goldenen Felde.
-
-
-482. Die Herren von Ortwinsdorf.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.)
-
-Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf geschrieben,
-und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen Geschlechte,
-welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt, seinen Namen.
-Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte die Ritter von
-Remse als Wildenfelser Afterlehen. -- Vielleicht dankt auch das Dorf
-seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in Chemnitz blühenden
-Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine, ein Name, welchen im
-Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt. Ein Nicol und Matthias Ortwyn
-haben 1373 zu der Kirche St. Jacob und besonders dem Altar des heiligen
-Leichnams und Blutes Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist.
-Nachricht von denen vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz.
-1734. S. 18).
-
-
-483. Geschlecht von Arnim.
-
-(Hesekiel, Wappensagen, S. 3. in poetischer Bearbeitung. Gräße,
-Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 5.)
-
-Seit mehr denn tausend Jahren führen die auf Planitz mit Kainsdorf,
-Voigtsgrün u. s. w. angesessenen Arnims im roten Felde zwei silberne
-Balken als Wappenzeichen. Der Familiensage nach rühren dieselben
-davon her, daß einst in einer Schlacht gegen die Friesen der Feldherr
-einem Junker von Arnheim befohlen hatte, eine hölzerne Brücke, welche
-zwischen ihm und den ihn verfolgenden Friesen liegend, diesen die
-Möglichkeit ihn zu verfolgen, gewährte, abzubrechen. Der tapfere Mann
-vermochte jedoch nicht, alle Balken derselben ins Wasser zu werfen,
-sondern es blieben zwei übrig, über welche die nachsetzenden Friesen
-das Wasser zu überschreiten suchten. Allein Arnheim ließ sich nicht
-von seinem Platze vertreiben, sondern wußte sich so lange zu halten,
-bis Hülfe kam. Zur Belohnung erhielt er von dem Grafen von Holland,
-seinem Lehnsherrn, den Ritterschlag und das obengedachte Wappen. Später
-nannten sich die Arnheims Arnim.
-
-
-484. Geschlecht von Auerswald.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B., S. 123.)
-
-Das Dorf Auerswald bei Chemnitz gehörte sonst den Herren von Auerswald,
-deren Geschlecht im 15. Jahrhundert in Meißen bekannt geworden ist. Der
-erste dieses Geschlechts, so aus Preußen gekommen und Oberster gewesen
-ist, hat ein gräfliches Fräulein von Dohna geheiratet und ist vom
-Kurfürsten mit dem genannten Dorfe, so er erbauet und nach seinem Namen
-genannt, belehnt worden. Bis zu Ende des 16. Jahrhunderts haben die
-Herren von Auerswald hier ihren Sitz gehabt und Nachkommen von ihnen
-leben noch im Königreiche Preußen. Von 1596 an aber sind die Herren
-von Schönberg hier Gerichtsherren gewesen.
-
-
-485. Die Herren von Bünau.
-
-(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 25.)
-
-Die Herren von Bünau waren auch im Erzgebirge angesessen; ein Heinrich
-von Bünau verkaufte 1596 Bärenwalde mit Lichtenau an den Zwickauer Rat.
-(Kirchengalerie, 8. B. S. 24.)
-
-Die Abkunft dieses uralten meißnischen Geschlechts leiten einige
-aus Polen her und sagen, das Geschlecht der von Bunawezky an der
-litthauischen Grenze sei mit den Bünaus einerlei Stammes. Andere
-sagen, sie seien aus der Schweiz nach Sachsen gekommen; allein die
-Hauptmeinung ist, daß sie von den Pedemontanen oder piemontesischen
-Fürsten abstammen, welche im Jahre 1232 von dem savoyischen Grafen
-Thomas ihrer Erblande beraubt worden wären. Sie hätten nun zuerst in
-Sicilien Kaiser Friedrich II. um Beistand gebeten, allein dieser habe
-mit seinen eigenen Kriegen genug zu thun gehabt; dann hätten sie sich
-an andere deutsche Fürsten um Hülfe gewandt, als diese ihnen aber
-auch nicht beizuspringen gewagt, wären sie in Deutschland geblieben
-und hätten sich in Böhmen und Meißen ansässig gemacht. Ihr Wappen,
-ein Löwenkopf, im Rachen eine Lilie haltend, sei auch das Wappen
-jener pedemontanischen Fürstenfamilie. Weil nun aber im Turnierbuche
-Feierabends einer Demuth von Bünau, der hinterlassenen Witwe Günthers
-von Saalhausen gedacht wird, die auf dem 996 vom Markgraf Ludolph von
-Sachsen und Herrn von Braunschweig gehaltenen Turniere zu Braunschweig
-den vierten Dank dem Turniervogt Kilian von Wolfskäl, einem Franken
-gab, so mußten die Herren von Bünau eher aus Italien als erst im
-Jahre 1232 nach Deutschland gekommen sein, wenn sie italienischer
-Abkunft wären. Einer aus diesem Geschlechte derer von Bünau soll nun
-aber Kurfürst von Trier gewesen sein, und als Kaiser Maximilian II.
-(nach anderen sei das viel früher geschehen und zwar unter Kaiser
-Konrad III. und jener Heinrich von Bünau sei nicht Kurfürst von Trier,
-sondern von Mainz gewesen) zu Frankfurt gekrönt ward, an S. Majestät
-folgende drei Bitten gerichtet haben: Erstlich, weil er einer aus dem
-Geschlechte der von Bünau sei, welches zwei Helme führe, daß er sein
-(rotes) Kurhütlein auf den einen Helm setzen dürfe. Zweitens, daß die
-von Bünau unterschiedliche gewisse Namen, als Heinrich, Rudolph und
-Günther haben könnten, und drittens, daß er seinen ganzen Schatz,
-welchen er in seinem Stifte erübrigt, dem Geschlechte derer von
-Bünau zum ewigen Gedächtnisse vermachen dürfe, welche drei Bitten S.
-K. Majestät gedachtem Herrn Kurfürsten auch bewilligt habe. Weil nun
-seine Verlassenschaft sich auf etliche Tonnen Goldes belaufen, habe
-er in seinem Testamente verordnet, daß seine Barschaft zum ewigen
-Gedächtnis an acht Stammhäuser verwendet werde, nämlich an je zwei in
-Böhmen, Meißen, Thüringen und Vogtland, von deren Einkommen das ganze
-Geschlecht zu genießen habe. Peccenstein aber meldet in seinem ~Theatr.
-Saxon.~ I. No. 50 von den drei Taufnamen Heinrich, Günther und Rudolph,
-daß solches aus einem besonderen Zufall und Betrug eines, so sich
-ihres Stammes gerühmt und damit ein ~Falsum~ gebraucht, auch allerhand
-Unglück gestiftet, nach deren Vorfahren Rat und Vergleich geschehen
-sein sollte, oder daß vor ohngefähr 200 Jahren (er schrieb um das Jahr
-1608) das Geschlecht bis auf drei Personen ausgestorben sein sollte,
-da dann diese damals unter sich einig geworden wären, diese drei Namen
-fort und fort zu gebrauchen. (Nach anderen wäre dies viel später
-geschehen, erst nach der Schlacht am weißen Berge, wo gegen 200 Glieder
-dieser Familie gefallen waren.)
-
-
-486. Die Ritter von Bärenstein.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B. S. 138.)
-
-In der Kirche des Städtchens Bärenstein befinden sich die Bildnisse
-Kaspar von Bärensteins auf Bärenstein und Bärenburg (1612), Walzig v.
-Bernsteins (1492) und Christoph von Bernsteins (1534 oder 1315?). Ein
-Albrecht von Bernstein, welcher ebenfalls auf dem Schlosse Bärenstein
-wohnte, wird bereits unter dem Jahre 1156 genannt, da er auf seine
-Unkosten einem Turniere zu Zürich, welches der Herzog von Baiern und
-König von Sardinien anstellten, beiwohnte. Früher schrieben sich die
-in Bärenstein sässig gewesenen alten Ritter von »Bernstein«, weil sie
-aus der Schweiz, bei Constanz her, abstammen sollen und dieser Name
-dort mehr (z. B. Bern) angetroffen wird. Späterhin schrieb man aber,
-wahrscheinlich wegen der früher in der Gegend hausenden vielen Bären
-und wegen einer gehabten sehr glücklichen Bärenjagd »Bärenstein«.
-Viele andere Orte in der Nähe haben davon ihre Namen, als: Bärenklau,
-Bärenhecke, Bärenburg, Bärenfels, Bärenklause u. s. w.
-
-Auch führten die alten Ritter von Bernstein folgendes Wappen: Ein in
-silbernem Schilde zum Streit gerüsteter aufrecht stehender schwarzer
-Bär; auf dem Schilde ruhet ein mit einer goldenen Krone bedeckter
-offener Turnierhelm, aus welchem ein erhabener und zum Streit
-geschickter Bär hervorragt; die Helmdecken sind schwarz und silbern.
-
-
-487. Das Geschlecht von Lüttichau.
-
-(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 98. Nach Hesekiel,
-Wappensagen, S. 175.)
-
-Das Wappen der Herren von Lüttichau sind zwei Sicheln und drei
-schwarze Federn. Die Sage erzählt hierüber folgendes: Es soll einst
-ein deutscher Kaiser in den Niederlanden gegen die Franzosen im Felde
-gestanden haben und in der Nähe von Lüttich mit dem feindlichen
-Heere zusammengestoßen sein. Anfangs war dieses im Vorteil, allein
-ein adliger Junker aus Meißen, der bei der böhmischen Reiterei des
-Kaisers diente und sich durch drei schwarze Federn auf seinem Helme
-auszeichnete, deshalb auch den Namen »der schwarze Hahn« erhalten
-hatte, hat sich mit seinen Leuten so wütend in die Reihen der Gegner
-gestürzt, daß er sie sprengte und die Kaiserlichen die Schlacht
-gewannen. Da hat ihm der Kaiser aus Dankbarkeit den Namen Lüttichau,
-weil er in Lüttichs Auen den Sieg gewonnen hatte, und als Wappen zwei
-Sicheln, weil er die Feinde wie Korn abgemäht, verliehen.
-
-Die Herren von Lüttichau werden als mehr denn 200jährige Besitzer der
-bei Dippoldiswalde gelegenen Rittergüter Ober- und Nieder-Ulbersdorf,
-sowie im Besitze von Stadt und Dorf Bärenstein, Hammerbärenklau, Groß-
-und Kleinbörnchen und Walthersdorf angeführt.
-
-
-488. Das Wappenschild der Schönburge.
-
-(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgebirgs, I. S. 35 etc.)
-
-In seiner Herrlichkeit saß Karl der Große eines Tages auf dem
-Herrscherthrone zu Pavia, und alle seine Edlen standen um ihn im
-weiten Kreise. »Zeigt mir Eure Wappenschilder,« sprach der hohe
-Siegesfürst, »daß ich ihre Kleinode durch neue, auf die späte Nachwelt
-forterbende Zeugnisse Eurer Thaten verherrlichen kann!« Da nahten sich
-ihm die Großen seiner Reiche und er bestätigte die Kleinode in ihren
-Wappenschildern oder fügte denselben neue bei. Jetzt fiel sein Blick
-auf einen der jüngsten seiner Edlen. Einfach, ohne Kleinod war das
-Silberschild des blonden jugendlichen Helden. »Schönburg!« sprach zu
-ihm der große König, »auch Deine Thaten sah ich in dem letzten Kampfe,
-auch Deiner Tapferkeit verdanke ich den Sieg; willst Du kein Kleinod in
-das Wappenschild?« Da erwiderte der junge ritterliche Held: »Erhabener
-Herr und König! Was ich that, war Pflicht, und ich focht bis jetzt
-für Dich, ohne für Dich zu bluten. Lasse mir mein Wappenschild, rein
-sei es in seiner Silberfarbe, der Unschuld und der Herzensreinheit
-wahres Sinnbild für und für!« »Bescheidener Jüngling!« sagte darauf der
-Kaiser, »Du sollst es so behalten, bis mit Deinem Blute sich's färbt
-zu meiner Ehre. Sei immer, was Du warst, ein Ritter ohne Furcht und
-Tadel, einfach und gut, tapfer und bescheiden, und das treue Vorbild
-Deines künftigen Stammes! Die Tage des Ruhmes werden kommen!« Und sie
-kamen. Noch einmal trat Wittekind, der Herzog der Sachsen, als Feind
-gegen Kaiser Karl auf. Eine furchtbare Schlacht entbrannte; Karl
-wurde umgangen, die Felsen im Rücken seines Heeres waren vom Feinde
-besetzt, Steine hagelten nieder und entwurzelte Baumstämme rollten auf
-die Streitenden herab. Da zerschmetterte ein Felsenstück Kaiser Karls
-Schild und seine Brust war nun den Waffen der Feinde freigegeben. In
-dieser Not erhob sich aus dem Leichenhaufen um ihn der Verwundeten
-einer. Blässe deckte das schöne Angesicht und Blut floß aus der treuen
-Brust. Er reichte dem Kaiser seinen Schild und sank ermattet wieder
-nieder. Die Feinde staunten und meinten ein Wunder zu sehen, denn
-sie hatten den gefallenen Helden an des Kaisers Seite erblickt und
-zum Tode getroffen fallen sehen. Die Christen wurden mit neuem Mute
-erfüllt und erfochten unter Karl einen glänzenden Sieg. Jetzt blickte
-der Kaiser aufmerksam auf den Schild, welcher ihn errettete und er
-rief: »Das ist Schönburgs Schild! Wo ist er, der ihn trug?« Man suchte
-einen Toten und fand einen Schwerverwundeten. Derselbe schlug die Augen
-auf, als Karl vor ihm stand und sprach: »Mein Herr und König!« Der
-Kaiser aber sprach, nachdem er ihm die blasse Lippe geküßt: »Du hast
-vollbracht, was Du gelobt! Dein König bin ich und Dein Freund!« Dann
-berührte er mit dem Ring-, Mittel- und Zeigefinger seiner Rechten die
-blutende Wunde und strich mit der Wunde reinem Blute zweimal über das
-silberfarbene, herzförmige Wappenschild, so daß zwei rote Streifen des
-edlen reinen, für Christentum, König und Vaterland vergossenen Blutes
-es verherrlichten. »Schönburg! dies sei fortan Dein Zeichen, Dein Blut
-das Wappenkleinod Deines Hauses!«
-
-
-489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist.
-
-(Grünewald, Meißner Chronik I., Anhang S. 87. Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 58.)
-
-In einem alten handschriftlichen Wappenbuche findet sich folgende
-Erklärung über den Ursprung des alten meißnischen und seit
-Jahrhunderten auch im Erzgebirge, u. a. z. B. seit 1336 auf
-Purschenstein angesessenen Geschlechtes der Schönberge. Es soll ein
-Ritter aus dieser Familie einst ins gelobte Land gezogen und auf der
-Jagd an einem Flusse, dessen morastige Ufer mit Schilf bedeckt waren,
-von einem Löwen überfallen worden sein. Dem hat der tapfere Ritter
-so zugesetzt, daß er verwundet und brüllend vor Schmerz sich in den
-Schilfwald zurückzog; der Schönberg aber hat nicht abgelassen, sondern
-ist ihm gefolgt und hat ihm hier den Todesstoß gegeben. Wie nun der
-Löwe verendet und von ihm aus dem Moraste gezogen ward, da fand es
-sich, daß er zur Hälfte mit Meerlinsen bedeckt war und grün aussah. Der
-Ritter hat nun zum Andenken an diese Begebenheit in sein Wappen einen
-kämpfenden Löwen, dessen Unterleib grün, der Oberleib aber rot ist,
-aufgenommen.
-
-
-490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen sind.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 612.)
-
-Ist um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein Eseltreiber zu Zwickau in
-der Mühle gewesen, dem hat einer Kuxwerk geschenkt, das erstlich
-nicht viel getragen, also daß er es auch fahren lassen wollte, weil
-er kein Vermögen hatte, es zu erhalten. Da nun die Bergleute Zubuße
-haben wollten, haben sie ihn getröstet und gesagt: Gott der Herr
-werde in Bälde einen großen Schatz aufthun, was auch kurz darauf
-geschehen ist, also daß der Eseltreiber nicht allein bei diesem Kux
-geblieben, sondern auch viele andere dazu gekauft, wodurch er mächtig
-reich geworden, daß die Silberkuchen in seinem Hause wie Stücken Blei
-nebeneinander gelegen und täglich auf Schleifen die Straße auf Zwickau
-geführt wurden, davon dieselbige Straße bis auf den heutigen Tag die
-Silberstraße genannt wird. Nun ist aber zu wissen, daß zu Zwickau zu
-jener Zeit eine Münze gestanden hat und täglich gemünzt worden ist.
-Weil aber das Silber damals zu viel gewesen, hat dieser Römer, so ein
-kleines Männlein gewesen, zu sich gesagt: Wohl ist ein reicher Mann
-auch wohl ein armer Mann, weil ich mein Silber nicht einmal gemünzt
-haben kann! Darum ist er bei sich darüber zu Rat gegangen und hat
-drei Lastwagen mit Silberkuchen beladen und beschlossen, dieselben
-nach Nürnberg zu führen, wo ein sehr reicher Rat sein sollte. Als er
-nun nicht weit von dieser Stadt, sind ihm etliche Kaufleute begegnet,
-welche er gar einfältig gefragt, ob sich der Markt auch wohl anlasse.
-Aber diese haben ihn verlacht und gesagt: Dieser alte Narr kömmt zu
-Markte, da derselbe schon aus ist, er wird den Weg wieder nach Hause
-zurückmachen müssen. Er hat das nicht groß gerechnet, sondern hat sein
-Vorhaben dem Kämmerer angezeigt und gefragt, ob wohl ein ehrenweiser
-und wohlweiser Rat ein Stück Geld für ein Stücklein Silbers, so einen
-Zentner schwer, geben wolle. Da haben sie gesagt: Ja wohl, wenn nur das
-Silber vorhanden und zwar des recht viel wäre. Darauf hat er gesagt, er
-habe ein solches Stücklein, wenn sie es sehen wollten. Da antworteten
-sie, er solle sie zufrieden lassen, wo er es denn hernehmen wolle?
-Doch endlich auf sein Anhalten ist einer von ihnen mit ihm gegangen,
-dem hat er ein Stücklein Silber gewiesen und nach der Probierung, als
-jener gesehen, daß es gediegen Silber gewesen, hat er ihm noch ein
-Stücklein gezeigt und gesagt, so ihm Geld dafür zugewogen werde, wolle
-er es allda lassen. Da hat der Kämmerer gesagt: Ja Herr, wenn es mehr
-wäre, so könnte es ein Rat der Stadt Nürnberg wohl thun! Darauf hat
-er ihm die drei Wagen mit Silber beladen gezeigt und gesagt, er habe
-dessen noch mehr. Darüber ist der Kämmerer sehr erschrocken und hat
-nicht gewußt, wie er mit ihm daran sei, hat aber gesagt, er wolle es
-den Herrn anzeigen. Nach diesem ist ihm für so viele Zentner Silbers,
-als er gehabt, ebensoviel gemünztes Geld zugewogen, er von ihnen zu
-Gaste geladen und herrlich traktiert und für einen gnädigen Herrn
-tituliert und geehrt worden. Als er nun seine Ware losgeworden, ist er
-wiederum mit seinen drei Wagen mit Geld beladen nach Zwickau gekommen.
-Darauf hat aber Herzog Albrecht von Sachsen zu ihm geschickt, ob er
-ihm auf seiner weiten Reise zum heiligen Grabe mit etlichen tausend
-Gulden dienen könne, worauf er denn zurück gemeldet hat, dafern es
-seiner fürstlichen Gnade gefällig, so wolle er selbst mit, welches denn
-auch geschehen, und hat dieser Römer seinen Fürsten mit 150 Pferden
-bis zum heiligen Grabe und dann wieder anheim freigehalten und endlich
-quittiert, welche Reise ohne Zweifel eine stattliche Summe Geldes wird
-gekostet haben. Darum ist er beim heiligen Grabe zum Ritter geschlagen
-und er und die Seinen edel gemacht worden. Zum Zeugnis führen die
-Römer, so in Zwickau wohnen, eine Eselspeitsche (nach anderen einen
-Pilgerstab) im Wappen. Auch hat dieser Römer ein gewaltiges Haus am
-Markte eine Gasse lang nach der Mulde zu, und das Kaufhaus am Markte
-nebst dem Kornhause am Schlosse gebaut, das Kaufhaus dem Rate und das
-Kornhaus dem Fürsten geschenkt, auch dem Rate noch viele andere Güter
-geschenkt und sonst noch etliche tausend Gulden dazu geliehen, also
-daß sie nur Söhnen seines Geschlechts, so diese in die Schule gehen
-und studieren würden, von den Zinsen erhalten sollten, damit es ihren
-Eltern nichts koste, sie möchten studieren, wo sie wollten.
-
-
-491. Die Siebenschläfer.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)
-
-Im Schloßberge von Teplitz sollen einige Ritter schon 700 Jahre lang
-schlafen und heißen daher die Siebenschläfer. Wenn es einmal den
-Deutschen schlecht gehen wird, werden die Ritter hervorkommen und ihnen
-helfen. Das Bächlein am Fuße des Berges ist oft gelb gefärbt von dem
-Urin der Pferde, die im Innern des Berges stehen, und auf dem Berge
-liegen Steine, in denen die Hufe dieser Pferde abgedrückt sind. Früher
-soll den Schloßberg eine Mauer umgeben haben; es ist aber davon nichts
-mehr übrig, als das Thor, durch welches die Ritter aus- und einritten.
-Bei diesem Thore soll in der Nacht von 12--1 Uhr ein großer, starker
-Mann ohne Kopf umgehen.
-
- Wenn statt des befruchtenden Regens, welchen der milde, segnende
- Gott Wuotan mit seinen himmlischen Helden zur Erde niedersendete, in
- den kalten Wintertagen Schnee niederfiel und Eis die Erde bedeckte,
- da glaubte man, daß die Winterdämonen zur Herrschaft gelangt seien.
- Wuotan hatte sich mit seinem Gefolge in den Wolkenberg, nach späteren
- Anschauungen in das Innere eines wirklichen Berges zurückgezogen, um
- hier zu schlafen oder verzaubert auf die Wiederkehr des Frühlings
- zu warten. Später wurde Wuotan zu einem der Lieblingshelden unseres
- Volks, der in einem Berge schlafend auf die Wiedergeburt des
- deutschen Reiches harrt. So schläft nach der Sage Karl der Große
- in dem Desenberge bei Warburg, Kaiser Heinrich der Vogelsteller im
- Sudemerberge bei Goslar und Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser. Bei
- den Slaven ist es Swantewit, welcher mit seinen himmlischen Kriegern
- die Stelle des germanischen Wuotan einnimmt, und auf ihn ist die Sage
- der Böhmen vom Könige Wenzel und seinen Kriegern im Berge Blanick
- zurückzuführen. -- Die Sage von den Siebenschläfern im Schloßberge
- zu Teplitz erzählt zwar nichts von einem bestimmten Helden, der an
- die Stelle Wuotans getreten ist, doch trägt sie ganz das Gepräge
- der obengenannten Überlieferungen. Die im Berge schlafenden Ritter,
- welche den deutschen in der Not helfen werden, sind das Gefolge
- Wuotans, auf welchen vielleicht die Abdrücke der Hufe in den
- Steinen und die gespenstische Erscheinung eines großen Mannes ohne
- Kopf hindeuten. Hufeisen, später dem Teufel zugeschrieben, weisen
- ursprünglich auf Odhins weißes Roß Sleipnir hin. Als der Gott einst
- im wilden Ritte dahin sauste, flog von diesem Rosse eins der Eisen
- ab und blieb an einem Felsen bei Wexiö hängen. Der Mann ohne Kopf
- erinnert an den wilden Jäger, welcher in den Sagen an Wuotans Stelle
- getreten ist. (Mannhardt a. a. O. S. 135.)
-
-
-492. Die Türkenheide.
-
-(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)
-
-In der Nähe des Dorfes Kühnheide breitet sich ein Stück sumpfiges Land
-aus, welches in der Gegend unter dem Namen Türkenheide bekannt ist.
-Dieses sumpfige Land soll seinen Namen von einem Regimente Türken
-haben, welche hier, als sie ins Gebirge dringen wollten, versunken
-sind. In der Karwoche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollen
-sich dort blaue Flämmchen sehen lassen und türkische Musik und
-Pferdegetrappe zu hören sein.
-
- Es ist auffällig, daß die Sage den Namen Türkenheide von einem
- versunkenen Regimente Türken herleitet, da doch Türken niemals in
- jene Gegend gekommen sind. Hängt der Name vielleicht mit einer
- Begebenheit, welche ~Dr.~ Joh. Pöschel (Eine erzgebirgische
- Gelehrtenfamilie, Leipzig 1883, S. 150 etc.) erzählt, zusammen?
- Darnach hielten 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von
- Preßnitz und Reitzenhain besetzt, die Bauern aber thaten sich
- zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten
- ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der
- Bauern war der Amtsschösser von Grünhain, Friedrich +Türck+. Als nun
- von allen Seiten Klagen über die Bauern beim General Gallas, welcher
- um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Kuriere
- an Friedrich Türcken mit Warnungen und Drohungen und verlangte
- Kontribution. Friedrich Türck wollte davon nichts wissen und ließ den
- Kaiserlichen entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei
- und alle katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe
- geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben. Gallas entsandte 2000
- Pferde mit zwanzig Standarten unter dem Obristen Kehreuß gegen die
- Bauern ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch Kühnheide.
- Von Friedrich Türck wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen
- animirt und abgericht, daß sie frisch vorn Feind standen, keine
- Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich wenn er darbey
- wahr vnd ihnen zusprach.« -- Es drängt sich die Vermutung auf, daß
- die Türkenheide bei Kühnheide ihren Namen von jenem Bauernanführer
- Friedrich Türck erhalten hat.
-
-
-493. Die Korporallöcher bei Schönau.
-
-(Chemnitzer Tageblatt, 1882. N. 17. 1. Beil.)
-
-Auf der Rittergutsflur zu Schönau bei Chemnitz liegen seitwärts der
-Bahn die sogenannten Korporallöcher, von denen die Sage geht, es sei
-im letzten Schwedenkriege eine ganze Korporalschaft spurlos darin
-versunken. Noch sollen sich zeitweilig die Ertrunkenen in verschiedenen
-Gestalten daselbst sehen lassen, auch wird erzählt, daß die mit
-weißlichem Wasser gefüllten Löcher mit dem Meere in Verbindung stehen.
-
-
-
-
-IX.
-
-Ortssagen.
-
-
-Was in diesem letzten Abschnitte unter dem Begriffe der Ortssagen
-zusammengefaßt wurde, besteht einerseits aus bloßen chronikalischen
-Mitteilungen über Orte oder über Begebenheiten, welche sich an
-bestimmte Plätze knüpfen. Diese Erzählungen, und dies gilt besonders
-auch von einigen alten Gebräuchen, gehören demnach nicht dem
-eigentlichen Sagengebiete an; doch möchte ich sie nach dem Vorgange
-Carl Haupts in dessen Sagenbuche der Lausitz nicht unberücksichtigt
-lassen, und zwar umsomehr nicht, als sich bei manchen derselben ein
-schwacher Schimmer der dichterischen Gestaltungskraft des Volkes
-zeigt. Andererseits haben einige dieser Ortssagen wieder etwas vom
-mythischen Charakter an sich, so daß sie vielleicht auch in einer
-der vorhergehenden Abteilungen, besonders bei den Wundersagen,
-hätten untergebracht werden können. Hierhin gehören z. B. manche der
-Mitteilungen über die Gründung von Ortschaften und die Entdeckung
-reicher Erzgänge. Häufig hat die dichterische Phantasie des Volkes die
-Namen von Orten, Bergen und Felsen, sowie von Ortssiegeln und Wappen
-erfaßt, und solche Überlieferungen mußten deshalb in diesem Abschnitte,
-ebenso wie diejenigen von den Wahrzeichen der Städte, eine Stelle
-finden. Letztere können bloße Zeichen der Gewahrsame d. h. Umgrenzung
-der Orte, oder Symbole der Bürgerschaft und mißverstandene Wappen
-und Bilder sein; oder sie sind auch nur Andenken einer Sache, Sitte,
-oder Begebenheit aus früherer Zeit. Verwandt mit solchen Wahrzeichen
-sind alle die sprichwörtlichen Redensarten und Scherze, welche sich
-auf die Lage oder Eigentümlichkeit eines Ortes oder den Charakter und
-die Beschäftigung seiner Bewohner beziehen; manche derselben müssen
-auch auf eine bestimmte Begebenheit oder die That eines Einzelnen
-zurückgeführt werden. Anhangsweise wurden den sprichwörtlichen
-Redensarten auch eigentliche Sprichwörter (und Rätsel) beigefügt,
-insofern dieselben der Beschäftigung der Bewohner oder gewissen
-Beobachtungen an denselben entsprungen sind.
-
-
-494. Entdeckung der Freiberger Silbererze.
-
-(Petrus Albinus, Meißnische Bergk-Chronika. Dreßden, 1590. S. 10.)
-
-Auf eine Zeit ist ein Goslarischer, oder wie etliche bloß setzen,
-sonst ein sächsischer Fuhrmann zu Hall durchgefahren und hat Salz ins
-Land zu Böhmen führen wollen, weil dasselbe Land auf den heutigen Tag
-aller Ding die Fülle, allein kein Salz hat. Dieser Salzführer, als er
-fast an die Grenzen des böhmischen Gebirges, gleich um die Gegend, da
-jetzo Freiberg stehet, kommen, hat er ohngefähr ein Geschiebe von einem
-gediegenen Glanz oder Bleierz in einem Wagengleis gefunden, dasselbe,
-weil es schön gleißende und schwer gewesen, auf den Wagen geworfen und
-im Wiederkehren mit sich gen Goslar gebracht. Daselbst, nachdem es von
-den Bergleuten probiert und im Silber viel reicher als der Goslarische
-Glanz und Bleischweif befunden worden, haben sich die Sachsen alsbald
-aufgemacht, sind dahin auf Nachrichtung des Fuhrmannes gezogen, da er
-das Geschiebe gefunden hatte, haben Gänge ausgerichtet, eingeschlagen
-und geschürft, und da es ein gut Ansehen genommen, folgend getrost
-Kübel und Seil eingeworfen, in Eil etliche Röschen getrieben, damit sie
-die Gebirge etwas verstollet, und das Wasser verschroten, auf daß sie
-ohne Hindernis bauen mögen, und haben also in Summa die Sachsen das
-Bergwerk im Lande Meißen rechtschaffen rege gemacht.
-
-
-495. Der Anfang der Stadt Freiberg.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense Chronicum~. II. 1653, S. 3.)
-
-Im Jahre 1169 hat der Bergmeister mit den Bergleuten auf dem Zellerfeld
-in Sachsen, verschiedener Unbilligkeiten wegen, die ihnen widerfahren,
-einen Aufstand gemacht und hat sich dann mit den Bergleuten nach
-Meißen zum neuen Bergwerk, welches bereits in hohen Ruf gekommen war,
-begeben. Zwei Jahre darauf aber haben die eingewanderten Sachsen das
-Dorf Christiansdorf am jetzigen Münzbach im Baue gebessert und also
-zugerichtet, daß es einer neuen Stadt glich, wie auch hernach dieser
-Ort die Sachsenstadt genannt wurde. Etliche rechnen deshalb den Anfang
-der Stadt Freiberg vom Jahre 1171 an.
-
- Die Entdeckung der reichen Freiberger Silbergänge erfolgte
- wahrscheinlich zwischen 1162 und 1170. Nach Aufzeichnungen des
- Klosters Zelle vom Ende des 13. Jahrh. wurde die Stadt Freiberg im
- Jahre 1181 gegründet; wahrscheinlich aber fällt die Gründung zwischen
- die Jahre 1185 und 1190. Urkundlich wird der Freiberger Bergbau
- zuerst 1185 erwähnt. (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und
- Kunstdenkmäler des K. Sachsen, III. S. 8.)
-
-
-496. Die Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde.
-
-(Benseler, Berggeschichten vom Aufkommen des sächs. Silberbergbaues.
-Freiberg, o. J. S. 12.)
-
-Wo das Rathaus in Freiberg steht, soll der erste Silberfund
-geschehen sein, und in einem Kreuze, welches in einer Ecke desselben
-eingemauert ist, soll man noch heute die erste Art Freiberger Erze
-sehen. Gegenüber an der Ecke der Petersstraße, da, wo das Bild des
-Bergmannes an dem Hause steht, soll sich die erste Zeche befunden
-haben. Die bedeutenderen älteren Gruben waren im alten Loßnitz- oder
-Münzbachthale. In Christiansdorf, welches seinen Anfang in der Nähe vom
-Vorwerk Langerinne nahm und sich bis an die Loßnitz erstreckte, war
-eine sehr alte Grube der Stubenberg, von dem erzählt wird, daß eine
-Köchin aus dem Kloster Zelle das erste Grubengebäude hier gebaut habe
-und sehr reich davon geworden sei.
-
-
-497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen.
-
-(Ursprung der Bergwerke in Sachsen. Chemnitz, 1764. S. 110.)
-
-Es wird erzählt, daß die Bergwerke an der Mulde gegen Nossen lange vor
-den Freiberger Silbergruben gangbar gewesen seien. Das Gersdorfische
-Bergwerk soll unter diesen das älteste und bei folgender Gelegenheit
-aufgekommen sein. Im Jahre 733, am Tage Simonis und Judä, hätte ein
-Mönch, der Kappenmönch genannt, einen auf der alten, jetzt gänzlich
-verfallenen Wunderburg bei Roßwein gesessenen Räuber, mit Namen Martin
-Griechen, besuchet. Darauf habe ihn letzterer nebst seiner Buhlerin,
-welche Gertraut geheißen, beim Abschiede ein Stück Weges begleitet,
-bei welcher Gelegenheit sie unterwegs reiche Erze entdeckt hätten.
-Der Mönch habe infolgedessen seine Kutte für immer abgelegt und der
-Räuber von seinem Räuberhandwerk gelassen. Dafür hätten sie ein
-Bergwerk angelegt und reichhaltige Erze gefunden und nun an dem Orte
-einen Flecken gegründet, den sie nach des ehemaligen Räubers Buhlerin
-Gertraut Gersdorf benannt hätten. Das Bergwerk wäre hierauf bis zum
-Jahre 887 angebauet worden, von dieser Zeit an aber zwei Jahre lang,
-einer sich entsponnenen Räuberei halber, liegen geblieben, mit welchem
-Schicksale auch ein anderes Bergwerk, der Goppisch genannt, dessen
-Lage man nicht mehr wüßte, heimgesucht worden. Nach einer anderweiten
-Niederlage von drei Jahren, wovon die eigentliche Zeit nicht angegeben
-werden könnte, hätte man endlich angefangen, zu Erzdorf ein ganz neues
-Bergwerk vorzurichten, wozu bei Ermangelung der Bergarbeiter ein jeder
-Bauer zwei Leute schicken müssen, und wäre das Bergamt damals auf dem
-jetzigen Schafhofe gewesen.
-
-
-498. Entdeckung der Silbererze des Schneeberges.
-
-(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica etc. Dreßden, 1590. S. 28. Meltzer,
-~Hist. Schneeberg.~, S. 33--35.)
-
-Es hat sich von ungefähr zugetragen, daß ein Bergmann oder Arbeiter,
-welcher zu dem in Schlema vor Zeiten befindlichen Hammer gehörte,
-nach Eisenstein schürfte. Dabei kam er auch an den Schneeberg, wo er
-einen besseren Eisenstein zu finden vermeinte, als er am Wolfsberge,
-Hasenberge und anderen Orten gefunden hatte. Als er nun etliche Schürfe
-geworfen, wobei es ihm aber nach seinem Sinne nicht gegangen, hat sich
-nicht lange darnach an dem Orte, wo später die St. Georgenzeche und die
-zugehörenden, als die alte und neue Fundgrube u. s. w. aufkamen, ein
-Bürger von Zwickau (die Sage nennt ihn Romner oder Römer), welcher mit
-einer Würzlade auf dem Lande umherging und sich dadurch seine Nahrung
-suchte, in einem alten Schurf, darin eine schöne Gilb und Bräun alsbald
-in der Dammerde gewesen, eingelegt und zwei Arbeiter daselbst gehalten,
-denen er alle vier Wochen abgelohnt, und unterdeß alleweg mit seinem
-Kram wieder ausgelaufen. Bald nachher ließ er einen Schacht sinken, und
-die Arbeiter trafen endlich eine »gänßkötige« Bergart, samt einer Bräun
-und Gilben, welche der ersten Bergart im Schurf ähnlich war, wovon sie
-ihrem Herrn an dem Lohntage etliche Handsteine nach Zwickau brachten.
-Derselbe ließ sie bei einem Goldschmiede probieren und erhielt darauf
-die Antwort, wenn er dieses Dinges noch mehr habe, solle er's ihm
-bringen, er wolle ihm schöne silberne Becher daraus machen. Dieses soll
-ungefähr im Jahr 1470 geschehen sein. Nach dieser Zeit sollen sich
-bald mehr Bürger von Zwickau und von anderen Orten, edel und unedel,
-zusammengeschlagen, fortgebauet und endlich ein mächtig Erz angetroffen
-haben. Im Jahre 1472 hat man allererst den rechten Putzen, wie die
-Bergleute reden, angetroffen, worauf das Schneebergische Bergwerk so in
-Schwank gekommen, daß seinesgleichen nie gewesen, also daß man damals
-das Silber nicht alles vermünzen können, sondern kuchenweise oder in
-ganzen »Plicken« hat austeilen müssen.
-
-Nach einer anderen Erzählung habe sich ein Schustergerätträger mit
-Namen Sebastian Romner, welcher von Krembs an der Donau gebürtig, aber
-zu Görkau in Böhmen wohnhaft gewesen sei und der seine Nahrung zu
-Zwickau gesucht, in der Gegend von Schneeberg verirrt. Dabei sei er an
-eine Eisenzeche gekommen und habe den Steiger heraus gerufen, um ihn
-nach dem rechten Wege und um einen Trunk Wasser zu bitten. Der Steiger
-habe ihm im Verlaufe des Gesprächs geklagt, daß die Gewerken nicht mehr
-verlegen wollten, weil man aus dem Eisensteine nichts machen könne; es
-sei ein Gang dazu gekommen und derselbe mache das Eisen so flüssig, daß
-man kein Stabeisen mehr schmieden könne, weil alles zerfahre. Romner
-nahm darauf einige Stücke des Erzes mit nach Görkau und Nürnberg, um
-sie untersuchen zu lassen und es fand sich, daß sie reichlich Silber
-enthielten. Als er später wieder nach Zwickau zurückkehrte, wurde
-er infolge eines Streites vor den Hauptmann geführt. Als der etwas
-berauschte Romner vor diesem Worte fallen ließ, daß er in der Nähe
-einen Schatz wisse, ließ der Hauptmann nicht nach, bis ihm Romner
-versprach, ihn nach diesem Orte zu führen. Und als sie am andern Tage
-zu der Eisenzeche gelangten, fand sichs, daß der Hauptmann bei dieser
-durch Kuxe beteiligt war. Beide begannen jetzt in Gemeinschaft den
-Silberbau, und da der Hauptmann erkundete, daß Romner ehrlichen Stammes
-sei, gab er ihm eine Muhme, Anna von Bünau, zur Ehefrau. Romner hielt
-sich darauf zu Neumark auf, genoß des Bergsegens und wandelte, indem er
-das Geschlecht derer von Römer begründete, seinen Namen in Römer um.
-
- Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Silbererze des Schneeberges
- entdeckt wurden, war die Gegend umher nicht mehr so unwirtlich, wie
- angenommen wird. Von Lößnitz führte bereits durch das Schlemathal
- über Neustädtel eine Straße nach Böhmen; im genannten Thale pochten
- Eisenhämmer und im hohen Forste, sowie in der Gegend der über die
- Mulde führenden Eisenbrücke gab es schon Silbergruben. Der erste Fund
- auf dem Schneeberge geschah am Ende des Jahres 1470 und bald darauf,
- am 6. Febr. 1471 folgte ein neuer reicher Anbruch.
-
- Als die junge Ansiedelung auf dem Berge 1481 den Stadtbrief empfing,
- hatte man daselbst schon Gruben von 200 M. Tiefe. (H. Jacobi,
- Schneeberg. Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, S. 3--7).
-
- Der in der zweiten sagenhaften Erzählung genannte Hauptmann war der
- Amtshauptmann von Zwickau, Martin von Römer, dessen Epitaph noch
- jetzt in der dortigen Marienkirche vorhanden ist. Derselbe gehörte
- mit zu den bedeutendsten Fundgrübnern jener Zeit, unter denen uns
- noch Angehörige der adeligen Familien von Starschedel, von Spiegel
- und von Schönberg, sowie die Zwickauer Bürger Hans Federangel,
- Clemens Schicker, Andreas Gaulnhöfer und Peter Polner genannt werden.
-
- Martin Römer soll nicht allein durch die Schneeberger Silberausbeute,
- sondern auch durch den ihm zufließenden Segen aus anderen Fundgruben
- so reich geworden sein, daß er z. B. für den Neubau der Zwickauer
- Marienkirche allein 72000 Gulden beitragen konnte.
-
- Sebastian Romner, dem er die Kenntnis der Schneeberger reichen
- Gänge verdankte, soll dann später in Venedig große Geschäfte mit
- Silberkuchen, welche er daselbst verkaufte, gemacht haben.
-
-
-499. Entdeckung der Altenberger Zwitter.
-
-(Meißner, Umständliche Begebenheit von der Bergstadt Altenberg. Dreßden
-und Leipzig, 1747, S. 2.)
-
-Als Anno 1458 in dem ehemaligen Walde, welcher dem Herrn Walzig von
-Bärenstein eigentümlich zugestanden, ein Köhler einen Meiler auf einem
-mächtigen flachen Gange, welcher jetzt die alte Fundgrube genannt
-wird, zugerichtet hatte, traf er im Ausstoßen Zinn an. Denn die am
-Tage gelegenen Zwitter, welche der Köhler zu seinem Kohlenbrennen
-lange Zeit hindurch zum Unterlegen gebraucht hatte, waren durch die
-heftige Hitze nach und nach zermalmt und mürbe gebrannt worden, so daß
-endlich »berglauter Zinn« zum Vorschein kam. Auf diese Art ist der
-so berufene Zwitterstock zum Altenberge unvermutet fündig geworden.
-Nachdem nun hierauf das Gerücht von diesem reichen Zinnbergwerke durchs
-Land erschollen, haben sich viele ausländische Bergleute an dem Platze
-niedergelassen und die Stadt Altenberg gegründet.
-
- Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des
- 15. Jahrh. auf dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer
- Bergordnung neben einem förmlichen Bauplane für die Stadt Altenberg
- festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der Weise aber verlieh bereits
- 1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit ziemlicher
- Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch
- Stadtrechte. (Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II.
- S. 1.)
-
-
-500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen.
-
-(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, früheren Schicksale und jetzige
-Beschaffenheit. Lauenstein, 1845, S. 272. Erzgebirgszeitung, 5.
-Jahrgang, S. 162.)
-
-Die Königin Judith, Gemahlin des Herzogs Wladislaus I. von Böhmen,
-gründete in Teplitz ein Kloster der Benediktinerinnen. Es geschah
-dies in einem der Jahre 1153 bis 1173. Im Jahre dieser Gründung aber
-war es, so berichtet der böhmische Geschichtsschreiber Hajek, da ging
-ein Mann, mit Namen Wnadeck, aus dem Dorfe Cloditze, auf dem Gebirge,
-welches fast eine Meile Weges von Teplitz gegen Mitternacht gelegen,
-und fand einen langen und lichten, aus der Erde herausgewachsenen Stab.
-Er vermeinte, derselbe wäre Silber, brach ihn ab und brachte ihn der
-Herzogin Gertrud (Königin Judith) gen Teplitz. Diese aber übergab den
-Stab bergverständigen Männern zum Probieren, welche im Feuer befanden,
-daß es Zinn war. Hierauf befahl die Herzogin, dem Wnadeck 3 Mark Silber
-zu geben, doch sollte derselbe den Ort zeigen, wo er den Stab gefunden
-habe. Als dieses geschehen, grub man nach, und wurde eine gar große
-Menge Zwitter gefunden, darum die Herzogin und alles böhmische Volk
-unserm Herrgott mit Herz und Mund großen Dank sagten.
-
-Auch erzählt die Sage: Als Libusa das Czechenvolk beherrschte, eine
-weise Seherin, die das Glück und Unglück ihres Landes in der Nähe
-und in der Zukunft schaute, da geschah es auch (d. h. im Jahre 733),
-daß die Herzogin, von der Höhe des Wyschehrad aus, weissagend sich
-nach Nordwesten gewendet und dem Volke in blühenden Worten von dem
-übermäßigen Zinnreichtum des einstigen Graupens gepredigt habe.
-
-
-501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.
-
-(Richter, Chronica der freyen Bergstadt Annaberg. 1746. S. 17.)
-
-In dem Dorfe Frohnau wohnte ein Bergmann, welchen die alte geschriebene
-Stadt-Chronica von Annaberg Caspar Nietzel oder Nitzelt nennt. Dieser
-schürfte an dem Schreckenberge und entdeckte daselbst den 27. Oct.
-1492 in der Dammerde einen lettigen Gang, welcher im Centner 2 Loth
-Silber hielt. Dieser Bergmann nahm den Letten, trug denselben am Abende
-Simonis Judä nach Geyer zu einem Schmelzer, welcher Martin Pflugk oder
-Pfennig geheißen, und ließ es probieren. Als aber der Schmelzer diesem
-Nietzel es nicht glauben wollte, daß er zu Tage aus einen solchen
-herrlichen Gang gefunden, so gab er ihm etliche verständige Bergleute
-mit, welche die Sache sollten in Augenschein nehmen, und diese, als
-sie den Gang wirklich so gefunden, hatten auch dem Nietzel hernach
-geraten, daß er solchen Gang von Herrn Johann Fischern, Bergmeistern
-zu Freiberg, aufnehmen sollte. Das allerälteste geschriebene Chronikon
-aber, welches noch vorhanden ist, sagt, daß Hans Heintze und Martin
-Pflugk, der Schmelzer in Geyer, das Lehngeld geleget, und solchen Gang
-bei Hans Fischern, Bergmeistern in Freiberg, aufnehmen lassen. Als sich
-nun beim Abteufen der Gang veredelt, der Gehalt gebessert, und das
-Geschrei ins Oberamt nach Freiberg geschollen, so hat der Bergmeister
-daselbst etliche abgeordnet, das neue Gebäude zu befahren und an dem
-nahe dabei liegenden Schottenberge einen Stollen zu treiben anfangen
-lassen. Dies ist also Anno 1492 geschehen, als in welchem Jahre dieser
-wüste und wilde Ort das Glück hatte, daß er bekannt geworden. Von
-diesem Jahre an rechnen nun etliche den Anfang der Stadt St. Annaberg.
-
-
-502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~ 1716, S. 32.)
-
-Als noch der Schneeberg mit Wald bedeckt war, befand sich daselbst eine
-Försterei. Hier wurde den Umwohnenden, besonders in den Mühlen gegen
-Griesbach, sowie den Hammerleuten in Schlema Holz angewiesen. Dabei
-soll ein Pferd, welches man an einen Baum gebunden hatte, gescharrt und
-in der Dammerde eine »Gilbe« entblößt haben. Das war der Anfang zum
-Fündigwerden des St. Georg, an dessen Zechenhause sich vor Zeiten zur
-Erinnerung ein aufgenietetes Hufeisen befand.
-
- Auch auf dem Rammelsberge im Harz soll nach der Sage ein Bleierzgang
- durch das scharrende Pferd eines adeligen Herrn, mit Namen Ramm,
- nach welchem später der Rammelsberg benannt wurde, aufgefunden
- worden sein. Ist vielleicht die Schneeberger Sage derjenigen vom
- Rammelsberge nachgebildet worden? Hingewiesen mag darauf werden,
- daß Wuotan der Herr der Schätze ist und daß sein Roß dieselben
- hervorstampft, indem es Erzadern ausscharrt.
-
-
-503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges in Schneeberg.
-
-(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt
-Schneebergk. 1684, S. 42. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen. 1883.
-S. 22.)
-
-Der Freudensteiner Gang wurde 1526 von einer Magd entdeckt, als sie auf
-dem hinteren Gleeßberge in einem Waldraum auf Neustädter Feldern Gras
-holte und dabei einen Silberzahn mit der Sichel abhieb und nach Hause
-brachte. Glaublicher wird gesagt, daß das gediegene Silber daselbst
-von einer Kuh ausgetreten und vom Hirten gefunden und nachgehends mit
-großem Nutzen gehauen worden ist, deswegen hier die Bergleute ein
-Rätsel gemacht und einander zu raten aufgegeben haben: Wo das Erz über
-den Haspel gewachsen? welches sodann mit dieser Zeche aufgelöst worden.
-
-
-504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.
-
-(Wrubel a. a. O., S. 23.)
-
-In der Gegend von Joachimsthal trafen Bergleute vom Geyer den ersten
-Gang an der Wurzel eines Baumes, den der Wind an einem Bache umgeworfen
-hatte.
-
-
-505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.
-
-(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica. 1590, S. 125.)
-
-Bei Joachimsthal, nicht weit von Arlsgrün (Arletzgrün) hinter dem
-Galgenberge ist ein Zain Goldes mit dem Getreide abgeschnitten worden.
-
-
-506. Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.
-
-(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 79.)
-
-Das Bergwerk St. Lorenz oder Gottesgab bei Abertham ist also
-aufgekommen: Nachdem eine Zeitlang an diesem Orte gebaut worden war,
-ist im Jahre 1528 ein gar armer, jedoch verständiger und guter Bergmann
-gewesen, welcher im dichten Walde fast allein in seinem Hüttlein wohnte
-und sich von Viehzucht, obschon nicht alles sein Eigen war, ernährte.
-Als dieser einstmals (es soll am 20. Februar gewesen sein) bei seinem
-Weiler eine andere Milchgrube, wie solche gebräuchlich waren, graben
-wollte, hat er eine reiche Sicherung von gediegen Silber, welche der
-Brunnenquell vom Gange geröhret hatte, angetroffen. Darauf ist er mit
-großen Freuden zu seinem Herrn gelaufen und hat ihm und anderen solches
-anvertraut. Bald ist er auch zum Bergmeister gegangen und hat eine
-Fundgrube gemutet, welche er Gottesgabe nannte. Nachdem er geschürft
-und gesunken, hat er schöne Bergarten und noch mehr gediegen Silber
-gefunden. Später hat man auf dieser Zeche so viel gediegen Silber
-gebrochen, wie auf keiner andern seit Mannes Gedenken, ausgenommen St.
-Georgen auf dem Schneeberge.
-
-
-507. Der Fronleichnams-Stollen bei Annaberg.
-
-(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 18.)
-
-Derselbe hat sich von ohngefähr einem Fischer entblößet; denn als
-dieser unter Buchholz fischte und mit dem »Stirreln« an dem Ufer
-das Wasser trübe machen wollte, so brach ein Stück vom Ufer ein und
-entblößte einen reichen und nutzbaren Gang, darauf hernach viel Erz
-gebrochen und viel Silber gewonnen worden. Solches geschah am heiligen
-Abende des Fronleichnams-Tages, davon der Stollen also den Namen
-bekommen hat.
-
-
-508. Die Entstehung von Schöneck.
-
-(I. Nach der poet. Bearbeit. Ziehnerts bei Gräße a. a. O., Nr. 633. II.
-Nach mündlicher Überlieferung.)
-
-I. Das Städtchen Schöneck soll seinen Namen folgender Ursache
-verdanken: Einst soll der kaiserliche Landvogt Heinrich Reuß (der
-Reiche von 1140--1150?) auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt worden
-und auf ein Bärenlager gestoßen sein. Die für ihre Jungen besorgte
-Bärin sprang auf sein Roß los, dasselbe stürzte von ihrem wütenden
-Angriffe zu Boden, und es würde um den Landvogt geschehen gewesen sein,
-da sein Schwert beim Sturze zerbrach, wäre nicht ein junger Köhler auf
-sein Hülferufen herbeigeeilt und hätte das wütende Tier von hinten
-mit seinem Schürbaum erschlagen. Der Vogt erlaubte nun seinem Retter
-sich eine Gnade auszubitten, und derselbe gestand ihm, er habe eine
-Geliebte, die er aber nicht heiraten könne, weil er zu arm sei; er
-bitte nur um einen Platz, wo er sich ein Häuschen bauen könne, und um
-Holz dazu. Da lachte der Reuß und sagte ihm, er möge in seinem Lande
-sich aussuchen, welchen Platz er wolle, wo er sich ein Haus bauen möge,
-Holz möge er aus dem nächsten Walde nehmen und Steine brechen, so
-viele er brauche, und so ihn jemand nach seinem Rechte fragen werde,
-dem solle er diesen seinen Ring und sein zerbrochenes Schwert, welches
-er ihm einhändigte, vorzeigen. Darauf zog der Köhler lange mit seinem
-Liebchen im Vogtlande herum und nirgends wollte denselben ein Ort
-passend erscheinen; endlich kamen sie auf einen hohen Berg voll Wald
-und üppigem Graswuchs, da rief sie: »Das ist ein gar schön Eckchen,
-da kann man weit ausschauen, da wollen wir bauen!« Und so geschah es
-auch; der Köhler baute sich ein Häuschen und brannte einen Meiler an,
-und nach und nach zogen auch andere Leute dahin und bauten sich um das
-Häuschen herum an, und so entstand nach und nach ein Flecken, den hieß
-man zum Andenken Schöneck.
-
-II. Emigranten aus Böhmen kamen einst in die Gegend von Schöneck.
-Da gefiel es ihnen so wohl, daß sie ausriefen: »Das ist eine schöne
-Eck'! hier wollen wir uns anbauen!« Und sie gründeten einen Ort, aus
-dem später eine Stadt wurde, und nannten ihn wegen der Schönheit des
-Platzes, auf dem er gegründet wurde, Schöneck.
-
- Nach ~Dr.~ Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger
- Zeitung, 1883, Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt
- sich erhebenden Friedrichsteines eine jedenfalls zur Zügelung der
- Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225 Schöneck hieß, denn um
- diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später siedelten
- sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen
- entstandene Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe
- des Kaisers Karl IV., die Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck
- nahm also ihren Namen von der weit älteren Burg an. Der Name der
- Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen wurde, kein
- slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende)
- Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit
- gebräuchliche Bezeichnung für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich
- »schön« auf den für Anlage einer Burg geeigneten Platz und nicht auf
- die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher bei Gründung
- des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede sein
- konnte.
-
-
-509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.
-
-(Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I, S. 89. Darnach Gräße, Sagenschatz d.
-K. Sachsen, Nr. 243.)
-
-Da, wo jetzt das Schloß Bärenstein liegt, war vor grauen Jahren eine
-rauhe Wildnis, und es hat einmal einer aus dem Geschlechte derer
-von Bärenstein mit einem seiner Söhne auf dem Felsen, den jetzt das
-genannte Schloß krönt, zwei wilde Bären angetroffen. Nachdem diese zum
-Stehen gebracht worden, ist der Sohn vor dem Vater niedergefallen,
-willens, den einen abzufangen, allein es ist ihm dies mißlungen, indem
-ihm der Bär den Spieß zerbrach und ihn den Felsen hinuntergeworfen
-hat. Hierauf hat die ganze Gefahr den Vater bedroht, allein dieser,
-über den Fall seines Sohnes, den er tot vermeinte, hart ergrimmt, hat
-den Bären heftig zugesetzt, sie mit seinem Spieße durchbohrt und den
-Felsen hinabgestürzt, dann ist er aber zu seinem Sohne hingeeilt und
-hat diesen wider alles Erwarten noch lebendig gefunden. Von dieser
-Geschichte hat der Ort den Namen Bärenstein erhalten und ist derselbe
-nachmals auch auf das Schloß übertragen worden.
-
-
-510. Die Stiftung des Klosters Altzelle.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 357. Merkel und Engelhardt,
-Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., S. 111.)
-
-Einst ist der heilige Benno über Land gereist, und da er an einem
-öden Orte viele Tauben sitzen sah, prophezeite er, es werde in
-Kurzem ein neuer Orden dorthin kommen, durch dessen Gebete viele
-könnten selig werden. Darnach hat Otto, ein Markgraf zu Meißen, dem
-Cisterzienserorden hier ein Kloster, Zelle genannt, bauen lassen,
-herrlich begabt und ihnen eingegeben. Ein wunderthätiges Kreuzbild
-in der Mitte der Klosterkirche, sowie eine Menge Reliquien machten
-das Kloster bald zu dem berühmtesten und reichsten im Markgraftume
-Meißen, und ein alter sächsischer Geschichtsschreiber erzählt von
-den Reliquien, es wären ihrer so viel gewesen, daß er zweifele, ob
-St. Petrus an der Himmelspforte sie alle namentlich in seinem langen
-Thorzettel beisammen haben möge.
-
-
-511. Ursprung von Dippoldiswalde.
-
-(I. Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde,
-1863, S. 4. Lessing, Bemerkungen zu der Frage: Ist der Ursprung und
-erste Anbau von Dippoldisw. mit histor. Gewißheit nachzuweisen? 1863,
-S. 6, 7. II. Nach einer handschriftl. Nachricht, welche sich einem der
-Stadtgemeinde Dippoldiswalde gehörigen Manuskripte: »Der Churfürstl.
-Sächs. Stadt Dippoldiswalde Statuta und Stadt-Recht etc. Anno 1678«
-beigelegt findet.)
-
-I. Um das Jahr 930 soll in der Dippoldiswalder Heide ein Einsiedler
-mit Namen Dippold aus dem Geschlechte derer von Clumme oder Lohmen
-gelebt haben, um Gott in dieser Abgeschiedenheit mit Beten und Fasten
-zu dienen und die heidnischen Bewohner zum Christentume zu bekehren.
-Zu dieser Zeit soll auch die ganze Gegend noch böhmisch gewesen sein.
-Nun hatte aber der Herzog Wratislaw von Böhmen zwei Söhne, Wenzel
-und Boleslaw, von denen der erstere durch seine bereits christliche
-Großmutter Ludomilla ebenfalls zum Christentume erzogen wurde. Darüber
-entstand zwischen beiden Brüdern Feindschaft, welche so weit ging, daß
-eines Tages Boleslaw seinen Bruder bei der Taufe eines seiner Kinder
-meuchlings umbringen ließ. Aber der Brudermörder fand nun keine Ruhe
-mehr, und um seine Gewissensbisse zu betäuben, suchte er Zerstreuung in
-der Jagd. Dabei kam er auch in die mit dichtem Walde bedeckte Gegend
-von Dippoldiswalde, wo er Kunde von dem Einsiedler Dippold erhielt. Er
-suchte ihn auf und wurde von seiner Frömmigkeit und seinem Zuspruche
-so ergriffen, daß er sich entschloß, Christ zu werden und sich taufen
-ließ. Nach empfangener Taufe soll dann Boleslaw nicht weit von Dippolds
-Klause, am Weißeritzflusse, an der Seite gegen Morgen, wo jetzt die
-Stadtkirche steht, eine Kapelle gebaut und den Ort zu Ehren des
-heiligen Mannes ~Sancti Dippoldi Silvam~, d. h. des heiligen Dippolds
-Wald, genannt und den Ort mit vielen Freiheiten begnadigt haben.
-Dieser Kirche soll Dippold acht Jahre lang als Priester vorgestanden
-und viel von den ungläubigen Sorben, welche die angrenzende Landschaft
-bewohnten, zu leiden gehabt haben. Nach seinem Tode soll er vom Papste
-Johann X. oder Leo VII. heilig gesprochen worden sein, und weil man
-angenommen, er thäte nach seinem Tode viel Wunder, soll eine große
-Wallfahrt nach dem Orte erfolgt und dadurch Dippoldiswalde in Aufnahme
-gekommen sein.
-
-Noch sieht man in der Heide am Fußwege nach Wendischcarsdorf die
-Wohnung Dippolds, den Einsiedlerstein, und man zeigt dabei die Küche,
-sowie im Grunde eine Quelle, den Brunnen des Einsiedlers, und auf
-der Höhe im Walde zusammengeschichtete Steine, welche einer früheren
-Kapelle angehört haben sollen. Ebenso war vor Jahren noch der Eingang
-zu einer Höhle zu sehen, welche sich als Gang bis unter die Totenkirche
-in Dippoldiswalde fortgesetzt haben soll.
-
-II. Die Stadt Dippoldiswalde hat daher ihren Ursprung und Anfang
-genommen: Es ist einer mit Namen ~Dippoldus~ des Geschlechts der
-~Clomen~ gewesen, welcher sich in seinem Alter in die Wildnis begeben
-und darinnen etliche Zeit als Einsiedler mit Fasten und Beten Gott
-gedienet. Seine Klause war in der Dippoldiswalder Heide nahe am
-Dresdner Steige in einem großen Steine zu finden, und dabei befand
-sich eine kleine Kapelle, ein Obstgarten und ein Brunnen, was aber
-alles, bis auf den Brunnen, zerstört worden ist. Als einst der Herzog
-Wenzel von Böhmen, wohin diese Landschaft ehemals gehörte, auf der
-Jagd gewesen und den Einsiedler angetroffen, hat er sich mit ihm in
-seine Klause begeben, und sich nicht allein über des Mannes Heiligkeit
-und Andacht verwundert, sondern er hat auch nicht weit davon ihm eine
-Kapelle zu Ehren erbauet, die er nach seinem Namen ~Sancti Dippoldi
-Silvam~ genannt. Es ist diese Kapelle an dem Flusse Weißeritz, an der
-Seite gegen Morgen, da jetzt die Stadtkirche stehet, erbaut worden.
-Der Herzog aber hat diesen Ort mit vielen Freiheiten begnadet und dem
-heiligen Manne vermacht. Derselbe hat darauf der Kirche acht Jahre
-lang als ein Priester vorgestanden, das Volk treulich belehret, auch
-viele von dem Unglauben zum christlichen Glauben gebracht. Wegen
-seiner Heiligkeit ist er vom Papste canonisieret und von allem Volke
-verehrt worden, und weil man dafür gehalten, er thäte nach seinem Tode
-noch viele Wunder, ist eine große Wallfahrt nach dem Platze gehalten
-worden. Dabei hat nun die Stadt Dippoldiswalde den Anfang genommen und
-viele Jahre lang als ein offener Flecken bestanden. Als derselbe aber
-unverhofft von Jahr zu Jahr zugenommen, die Hölzer zum Teil ausgerodet,
-das dadurch gewonnene Feld bebauet und gute Silberbergwerke angelegt
-worden waren, aber als ein Grenzflecken bei den Kriegszeiten, da die
-Herzöge und Regenten in Böhmen und Markgrafen zu Meißen einander oft
-bekriegt, großen Schaden hat leiden müssen, so hat man zum Schutze
-gegen die eine oder andere feindliche Partei die Stadt zusammengezogen,
-ordentliche Gassen und den Markt abgeteilet, und diese mit einer
-starken Mauer und hohen Türmen, auch mit einer Zwingermauer und tiefem
-Stadtgraben in der Runde umgeben. Solches ist zu der Zeit geschehen, da
-der Ort unter die Markgrafen zu Meißen gehörte.
-
-
-512. Ursprung der Stadt Oederan.
-
-(Staberoh, Chronik der St. Oederan. 1847. S. 15--17.)
-
-In früherer Zeit wurde die von Freiberg nach Chemnitz führende Straße,
-besonders in der Gegend, wo jetzt Oederan liegt, von den Rittern des
-Schellenberges und anderen Räubern vielfach beunruhigt.
-
-Im Jahre 1210 reiste ein Handelsmann aus Uffenheim im Frankenlande,
-mit Namen Sebald Ranius, begleitet von seinem Diener nach der Stadt
-Julin (Wollin) in Pommern. Als beide von Chemnitz aus glücklich durch
-die unsicheren Waldungen bis in die Gegend des Wolfsthales gelangt
-waren, wurden sie von den Räubern des Schellenberges überfallen. Nach
-heftigem Widerstande blieben sie auf dem Platze in ihrem Blute liegen,
-während der Wagen mit den Maultieren von den Räubern mitgenommen wurde.
-Einige herbeikommende Mönche vom Orden der schwarzen Brüder, welche
-am Ausgange des Wolfsthales, in der Gegend des jetzigen Hospitales
-bei Oederan, eine Kapelle erbaut hatten und für die Klöster zu Flöha
-und Chemnitz Almosen sammelten, kamen bald darauf an die Stelle und
-fanden den Herrn tot, den halbtoten Diener jedoch nahmen sie mit und
-verpflegten ihn. Als derselbe nach einigen Monaten geheilt war, reiste
-er wieder nach Uffenheim zurück. Im folgenden Jahre kam die Witwe des
-erschlagenen Ranius mit dem Diener an den Unglücksort, denn sie trug
-das Verlangen, den Platz zu besuchen, wo ihr Eheherr gestorben und
-begraben war. Sie beschenkte die schwarzen Brüder reichlich, ließ in
-der Kapelle Seelenmessen lesen und verordnete, daß an dem Platze des
-Überfalls ein Denkstein errichtet werde. Treulich befolgten dies die
-Brüder, fertigten ein Denkmal, und weil der Erschlagene Ranius, dessen
-Witwe aber Edda geheißen, so schrieben sie darauf: ~Edda Ranio~, d. h.
-Edda dem Ranius. Das Denkmal stand an der Stelle, wo sich jetzt der
-Gasthof zu den drei Schwanen befindet. Der Diener baute daneben ein
-Gasthaus, um die Pilger mit Speise und Trank zu erquicken. Auch die
-schwarzen Brüder benutzten diese Gelegenheit, verließen ihre Wohnung
-bei der Kapelle und bauten sich bei dem Denkmale an, an welchem sie
-nun ihre Almosen einsammelten. Von der Inschrift des Denkmals aber
-wurde diese kleine Ansiedelung »Edda Ranio«, genannt, woraus sich mit
-der Zeit der Name »Eddaran« und »Oederan« bildete. Die Ansiedelung
-vergrößerte sich, denn es entstand bald darauf eine Schmiede neben
-dem Gasthofe und später auch ein Kloster, das bald eine größere
-Menge von Ansiedlern herbeizog. Von diesen Ansiedlern lebt der Name
-eines einzigen fort, welcher gleich anfangs hier eine Mühle (die
-Kirschbaummühle) anlegte, und dessen Name sich bis auf unsere Zeiten
-erhalten hat.
-
-
-513. Die Gründung von Mittelsayda.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 234.)
-
-Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda in
-der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen 1419
-und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten abwanderten und
-sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem
-Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfert'sche und
-Zimmermann'sche, deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten.
-
-
-514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis bei Freiberg.
-
-(E. H. Müller, Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 28.)
-
-In einem tiefen, fruchtbaren, mit Laubholz bewachsenen Thale bei
-Erbisdorf entdeckten einige Mönche aus Zelle ein klares rieselndes
-Quellwasser. Einem alten, im blutigen Kriegshandwerke ergrauten Ritter,
-welcher des rohen, wilden Lebens müde war, gefiel die abgelegene
-friedliche, von Grün umgebene Gegend so sehr, daß er hier sein Schwert
-niederlegte, eine Hütte erbaute und ein beschauliches Einsiedlerleben
-führte. Viele Menschen aus der Umgegend besuchten bald darauf den
-stillen, frommen und zugleich erfahrenen Mann und fragten ihn in
-besonders schwierigen Lebensfällen um Rat. Vorzugsweise galt er für
-einen guten Arzt und seine Arten von Thee sollen große Heilkuren
-bewirkt haben. Das klare Wasser seiner Quelle kam bald in den Ruf, daß
-es wunderbare Heilkräfte besitze und wider viele Gebrechen und Übel
-gute Dienste leiste. Später baute man, angeblich ums Jahr 1430, eine
-kleine Kapelle in der Nähe der Quelle, und der Abt zu Zelle widmete sie
-dem Erzengel Michael. An der Kapelle zu St. Michael dienten anfangs
-zwei, später nur ein Priester, der daselbst Messe las und Beichte
-hörte. Über dem geweihten Altare hing ein uraltes schwarzes, aber
-wunderthätiges Heiligenbild, von dem man aber völlig im Unklaren blieb,
-ob es den Erzengel Michael oder die Jungfrau Maria vorstellen sollte.
-
-Die Kapelle, welche später mit dem Heiligenbilde durch einen Brand
-vernichtet wurde, war der Anfang des Dorfes St. Michaelis.
-
-
-515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.
-
-(Nach der Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 216.)
-
-Schon zu Zeiten der Kreuzzüge gab es in Niederschönau eine berühmte
-Wallfahrtskapelle, die Hundskapelle genannt, welche man aus weiter
-Entfernung besuchte. Die jetzige Kirche soll durch einen Ritter von
-Mergenheim oder Mergenthal gegründet worden sein. Derselbe hatte sich
-das Kreuz angeheftet und war zur Wiedergewinnung des heiligen Landes
-fortgezogen. Dabei that er das Gelübde, wenn er glücklich wieder in
-die Heimat zurückkehre, wolle er eine Kirche und Pfarrei begründen.
-So geschah es auch. Für die Pfarrstelle gab er ein ansehnliches Stück
-Land und eine nicht unbedeutende Waldung her; später aber sollen leider
-einige Priester ihren Haushälterinnen von dem Pfarrgrundstücke einige
-Parzellen zu verschaffen gewußt haben, jedenfalls dieselben, welche
-gegenwärtig mit einem sehr geringen Erbzins für den Pfarrer des Ortes
-belegt sind.
-
-
-516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite bei Schwarzenberg.
-
-(Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge.
-II. 1777. S. 68. Lindner, Wanderungen durch die interessantesten
-Gegenden des Erzgebirges, I. H., Annaberg, 1844. S. 13.)
-
-In dem Dörfchen Waschleute (Waschleite) hatten sich zu der frommen
-Klosterzeit in Grünhain Leute angesiedelt, die das Waschen und
-Scheuern im Kloster versahen; man hatte sich nicht die Mühe genommen,
-ihrem Ansiedelungsplatze einen Namen zu geben, denn waren sie nötig,
-so wußte jedermann, wo die Waschleute zu suchen waren. -- Das
-Gerichtssiegel des Ortes führt ein Waschfaß, an welchem zwei weibliche
-Personen mit Wäsche beschäftigt sind.
-
- Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen
- von Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar
- Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte.
- Das Dorf entstand auf einem Teile der Glaßberger Fluren. Das Dorf
- Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört wurde, lag am Fuße
- des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile des
- Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.)
-
-
-517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf bei Annaberg.
-
-(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746. S. 15.)
-
-Daß lange vor der Erbauung von Annaberg schon Bergbau in der dortigen
-Gegend getrieben worden, erhellet daraus, daß das Dorf Geyersdorf, ¾
-Stunde von der genannten Stadt entfernt, schon vor Gründung derselben
-angebaut gewesen und eigentlich Häuersdorf geheißen hat. Viele
-Bergleute von Geyer sind hierher gezogen und haben dem Dorfe den Namen
-gegeben, indem damals nichts als Häuer und andere Bergleute darinnen
-gewohnet. Auch hat an dem Pöhlberge ehemals ein Dorf gelegen, darinnen
-vielleicht auch Bergleute mögen gewohnt haben, welche hernach nach
-Geyersdorf gezogen sind, und welches Dorf damals, als St. Annaberg
-erbauet worden, schon wieder wüste gelegen und von seinen Einwohnern
-vielleicht wegen der gefährlichen Gewitter am Pöhlberge verlassen
-worden ist.
-
- ~Dr.~ E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen
- Annaberg und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs.
- Gesch. 10. B., S. 84.)
-
-
-518. Ursprung des Namens Buchholz.
-
-(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 17.)
-
-Buchholz heißt eigentlich Catharinenberg, und weil auch ein Catharinen-
-oder Catharberg in Böhmen gelegen, in der Gegend des heutigen Annaberg
-und Buchholz aber ein Buchenwäldlein oder sogenanntes Buchholz
-vorhanden gewesen, so ist dieser, durch Erregung des Bergwerks
-angebaute Ort nach selbiger Zeiten Brauch der heiligen Catharina, als
-einer vermeinten Schutzpatronin, geeignet, dann aber zum Unterschied
-des Catharinenberg in Böhmen, St. Catharinenberg im Buchholz genannt
-worden; doch hat es meistens, nur der Kürze willen, den Namen Buchholz
-behalten.
-
-
-519. Ursprung des Namens Grünstädtel.
-
-(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748, S. 25.)
-
-Grünstädtel bei Schwarzenberg wird in Schriften »Dorff-Städtlein«
-genannt. Von Annaberg aus wurden nach seiner kleinen, der heiligen
-Anna geweihten Kirche große Wallfahrten unternommen. »Maßen denn auf
-dem Altar noch das Bildnis der St. Anna stehet, die in der einen
-Hand ~Salvatorem mundi~ mit der Erdkugel hält, und in der anderen
-Hand den heiligen Johannes; unter dem Bildnisse aber stehet in Holz
-eingeschnitten: ›O heilige Anna, hilf selb dritt!‹« Das Dorf hatte
-einen Jahrmarkt samt Brauen und freien Bierschenken, nebst Fleischbank,
-und darum wurde es »Städtel« genannt, bis nachgehends etliche Häuser
-nach Pöhla zu angebaut wurden, die man »die Grün« geheißen; so habe
-man's endlich zusammengesetzt und es sei »Grünstädtel« daraus geworden.
-
- Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung
- zur Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren
- der h. Anna eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge
- erbauen lassen, da man von ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die
- Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel: »O heilige Anna, hilf
- selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung, daß Anna,
- Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man nannte
- sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen
- Geschichte des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert,
- daß sich am Kirchthore zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden:
- »Hilf St. Anna selb dritt uns allen Amen!« und er verweist dabei auf
- eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle in Freiberg, welche
- lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!« Sind
- diese Inschriften noch vorhanden?
-
-
-520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.
-
-(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)
-
-Als einst die Sorben immer weiter nach Süden ins Gebirge gedrängt
-wurden, kamen sie auch in die Gegend, wo jetzt Zschorlau liegt. In
-dem dichten Walde, welcher die Gegend bedeckte, gelangten sie an eine
-frische, sprudelnde Quelle, an der sie ihr Mittagsmahl hielten. Das
-Thal gefiel ihnen so, daß sie beschlossen, sich hier niederzulassen.
-Die Quelle nannten sie eine »Zschorle«, aus welchem Worte nach und nach
-Zschorlau geworden ist. Noch heute wird jener Brunnen gezeigt, derselbe
-befindet sich im obersten Teile des Dorfes. Früher floß der Quell in
-einen Wasserkasten, später wurde ein kleines Häuschen darüber gebaut
-und jetzt fördert eine Pumpe das Wasser zu Tage.
-
- Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl«
- genannt. Nach Immisch ist der Name von dem wendischen ~Zorlo~, die
- Quelle, abzuleiten.
-
-
-521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels.
-
-(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.)
-
-Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt Karlsbad
-liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem Wild etwas zu
-sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten, hat er alsbald
-ein großes Heulen und Geschrei angefangen. Als dies die Jäger vernommen
-und gedacht, der Hund hätte etwas angetroffen und gestellet, sind
-sie dem Geschrei nachgefolget und haben den Hund in dem heißen Pfuhl
-oder Moder gefunden. Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er
-mit vielen der Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici
-nachmals befunden, daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte,
-auch solches an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel
-gehabt, probiert, hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen
-und bewohnen solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große
-Stadt zu bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück
-Mauern am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß
-Keller allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß
-bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur das
-wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter Kaiser Karl
-seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt das Rathaus
-stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu heiß, sondern
-etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen Sessel, in Stein
-ausgehauen, gezeiget haben.
-
- Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad
- bereits vor Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den
- Umwohnenden bekannt waren. Eine alte Karte, welche den Zustand
- Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts darstellt, hat auf der
- Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort ~Wary~; dieses
- böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus.
- Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer
- Wissenschaft beschäftigenden Mönche der schon frühzeitig in dieser
- Gegend entstandenen Klöster auf die Heilkräftigkeit des Wassers
- aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale der Ort »Warmbad«,
- wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde. Historisch
- ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann,
- dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt
- wurde, und daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter
- besucht hatte, am 14. Aug. 1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob
- und derselben dabei seinen Namen verlieh. (S. Ausführliches bei Fr.
- Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia, 5. Jahrg. 1879.)
-
-
-522. Die Entdeckung der Heilquellen von Teplitz.
-
-(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3.
-Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI, 9. und
-10. Heft.)
-
-Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter und
-mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen Hirten hatten
-eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine verloren, welche
-sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen Waldes fanden, wie
-sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe wühlten. Das Wasser des
-Sumpfes schien seine Wärme von einem unterirdischen Feuer erhalten zu
-haben. Eiligst trugen nun die Hirten die Kunde von ihrer wunderbaren
-Entdeckung ihrem Herrn zu, und dieser verfügte sich sofort an Ort und
-Stelle und ließ daselbst in der Folge eine wohlbefestigte Holzburg
-erbauen.
-
-Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus. Da bewog
-Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin, welche den
-Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete, ihren Gemahl
-Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall bemächtige.
-Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg Kolostuj's,
-doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand
-versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod.
-
-Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen
-Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt
-man noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange
-des Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus,
-welches als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt
-Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man
-ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum
-Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an
-dieser Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im
-Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel,
-worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen
-Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken. Eine
-lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie.
-Sie lautet in deutscher Übersetzung:
-
- »Unter dem Schirme des allerschaffenden dreieinigen Gottes,
- unter dem Schutze Johannes des Täufers,
- unter der Regierung des Herzogs Nezamislaus,
- als Kolostuj hierorts gebot,
- wurde durch dessen Schweine, die in den Wäldern auf der Weide waren
- und mit ihren Rüsseln die Thermen aufwühlten,
- unser Quell 762 entdeckt.
- Zum Andenken daran ward dieser Stein errichtet,
- angefertigt von dem Bildhauer Balthasar.«
-
- Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten
- Angabe des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan,
- welcher auch als Tag der Entdeckung der Quelle den 29. August, den
- Tag Johannes des Täufers, anführt. Josef Schwarz teilt dagegen
- (Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim Abtäufen der
- Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen
- scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten
- Römern bekannt war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für
- günstige Heilerfolge der Quellennymphe gespendet worden. Auch beim
- Abtäufen der Riesenquelle bei Dux fand man Bronzeschmuck aus der
- Heidenzeit.
-
- Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich
- Kolostuj's Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa
- nannte, es möge Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört
- haben, da sich Herzöge nur nach solchen nannten. Ferner erzählt er,
- daß einst die Quellen, wie dies auch später im Jahre 1755 bei dem
- Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der Anwohner
- verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil
- sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen.
-
- Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der
- Teplitzer warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte
- Balbinus das Jahr 502 n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden
- noch die Jahre 507, 616 und 858 angeführt. Das in dem Teplitzer
- Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes des Täufers,
- welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich
- auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29.
- August gewesen sei. (Erzgebirgszeitung a. a. O.) -- Es ist nicht
- uninteressant, wie die Sage auch von andern warmen Heilquellen
- meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden. So wird
- z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien
- seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von
- Schweidnitz und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen
- Hirsch aufspürte, welcher, seinem Instinkte folgend, in dem »warmen
- Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm. (Vom Fels zum Meere.
- Sommerfrische, 1884, S. 500.)
-
-
-523. Die Namen der Stadt Zwickau.
-
-(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~ oder Beschreibung der sehr alten,
-löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.)
-
-Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen ~Cygna~, sei
-also benannt von dem alten Fürsten ~Cygno~, welcher einesteils für
-~Herculis~ Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils
-auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen
-Gottesdienst und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der
-Tempel und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. -- Andere
-sagen, diese Stadt habe den Namen von ~Cygno~ des ~Harminii~ und
-Sachsen-Königs, so den Römer ~Quintilium Varum~ erlegt, Kriegs-Obristen
-einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben
-und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. -- Etliche leiten diesen
-Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen,
-dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben
-Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn, nach ihrem
-Namen ~Cignavia~ oder Schwanenfeld benannt worden, wie auch die Reime
-am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also gelautet:
-
- Schwanhildis gherrscht an diesem Ort,
- Nach ihr Schwanfeld genannt ward.
-
-Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich bis auf
-Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den Namen zu
-verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. -- Etliche
-meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei Schwanen zur
-Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen, so hätte er die
-Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch andere Meinungen, aber
-sie können doch dieser nicht vorgezogen werden. Denn sie sagen, Zwicka
-habe des Namens Ursprung von Zwickbärten, welche die Zwickauer vor
-Zeiten getragen haben und sonsten nicht jedermann hat tragen dürfen,
-darauf sie auch sonderlichen sind privilegiert gewesen.
-
- Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im
- Erzgebirge (Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen
- Namens Zwickau als von ~Wiki~, der Markt, möglich hingestellt, so
- daß derselbe dann mit ~Wikow~, dem wendischen Namen für Elsterwerda,
- gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße. Jedenfalls
- entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr
- bald zu einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen
- nach Böhmen zwischen Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im
- Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs zwischen Nord- und
- Süddeutschland werden.
-
-
-524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg bei Marienberg.
-
-(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dresden, 1750, S. 12.)
-
-Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von einem
-Besitzer des Schlosses Lauterstein haben; und zwar, als es belagert
-worden, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler war,
-mit einem Pferde herab auf die Wiese gesprungen und das Pferd darüber
-in der Erde stecken geblieben sein. Hierauf habe er sich auf den Berg,
-wo das Dörfchen liegt, retirieret und er sei alsdann dort gefangen
-worden. Von diesem ritterlichen Sprung habe darauf erwähntes Dörfchen
-den Namen Ritterssprung und nach der Zeit Rittersberg bekommen.
-
-
-525. Gründung und Name der Stadt Werdau.
-
-(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißnergrundes. Zwickau,
-1794, S. 267.)
-
-Ein Bischof Egidius soll zu der Zeit, als die ganze Gegend noch Wald
-gewesen, an diesem Orte gejagt haben. Als er hier etwas ausgeruht und
-geschlummert hatte, sei ein Reh zu ihm gekommen, und da er gerufen:
-»Wer da!« habe sich das Reh vor ihm niedergeworfen und seine Läufte
-auf den Schoß gelegt. Da habe sich denn der Bischof entschlossen, die
-Bäume auszurotten, eine Stadt anzulegen und an dem Ort, wo das Reh zu
-ihm gekommen, das Rathaus zu bauen, und die Stadt habe daher den Namen
-»Werda« bekommen. Sie führt im Siegel einen Bischof mit einem Stabe.
-
-
-526. Der Name der Stadt Frankenberg.
-
-(Schumann und Schiffner, Lex. von Sachsen, 15. B., S. 809.)
-
-Den Namen der Stadt Frankenberg findet man in ältern Urkunden
-Vrankenberc geschrieben, und man will ihn von den Brüdern Franz und
-Anton Franke ableiten, welche das berühmte Silber- und Kupferbergwerk
-am Treppen- oder Trappenhauer jenseits des Schlosses Sachsenburg
-gründeten oder doch sehr erhoben. Andere aber bringen ihn mit dem Namen
-Sachsenburg in Vereinbarung.
-
- Auf dem Treppenhauer, wo man früher Spuren von Wällen und Gräben sah,
- soll nach einer Überlieferung im 13. Jahrhundert die Burgwarte Gozne
- gestanden haben.
-
-
-527. Von dem Namen der Stadt Marienberg.
-
-(Kirchengalerie v. Sachsen, 12. B., S. 207.)
-
-Das Gebiet der Stadt Marienberg wurde am 29. April 1521 von ~Dr.~
-Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister zu Freiberg, welcher im Jahre
-1497 Annaberg hatte messen helfen, abgesteckt. Es soll nun Herzog
-Heinrich die neue Stadt deshalb Marienberg genannt haben, weil
-sie gleichsam wie eine Tochter aus den Annabergischen Bergwerken
-entsprungen wäre, oder weil sich bei neulichen Zeiten der Jungfrau
-Maria Eltern, Anna und Joachim, sehr wohl und reich im Bergbau dieser
-Gegend zu St. Annaberg und in Joachimsthal bezeiget, habe er solches
-zum guten Glücke gethan und gemeint, die Tochter werde nicht minder als
-die Eltern sich wohl lösen.
-
- Es ist bemerkenswert, daß sich in den Städtenamen des Erzgebirges
- die ganze heilige Familie, nämlich die Eltern der Maria, Joachim und
- Anna, durch Joachimsthal und Annaberg und die Eltern Jesu, Josef
- und Maria, durch Josephsstadt und Marienberg vertreten findet.
- Aus Josephsstadt entstand durch Zusammenziehung Jöhstadt, das als
- Dorf Gißdorf hieß. Joachimsthal soll nach Meltzer, (Bergkläufftige
- Beschreibung der löblichen Bergk-Stadt Schneeberg, 1684, S. 26)
- anfangs von den Bergleuten blos Thal genannt worden sein, »dahero
- auch dieses Geschrey beym Anfang desselbigen Bergkwerks entstunde: Im
- Thal, im Thal, mit Mutter mit all!«
-
-
-528. Ursprung und Name von Elterlein.
-
-(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs.
-Erzgebirges, 1. H., Annaberg, 1844, S. 57. Grundig, Neue Versuche
-nützlicher Sammlungen etc., 1. B., 1750, S. 99. Joh. Poeschel im
-Glückauf, Jahrbuch für das Erzgebirge, 1884, S. 168 etc.)
-
-Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von der Gegend
-von Elterlein bis Wiesenthal aus. Reisenden war in der Nähe, wo jetzt
-Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet, um welches
-sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung gewährten.
-Sie hießen die Häuser am Altärlein und gaben Anlaß für die allmählige
-Erbauung des Städtchens, welches in seinem Ratssiegel ein Altärlein
-mit zwei Kerzen und einem Kelche bis zur Stunde führt. Lange Zeit noch
-erhielt sich die Tradition, daß die Reisenden gemeiniglich unterwegs
-den Vorsatz gefaßt: »wenn wir zum Altärlein kommen, wollen wir uns
-Messe halten lassen; daher sei es gekommen, daß der Ort selbst nach und
-nach Altärlein, oder wie man jetzt schreibt, Elterlein sei genennet
-worden.«
-
-Nach Richters »Umständlichen aus zuverlässigen Nachrichten
-zusammengetragenen Chronica der im Meißn. Obererzgebirge gelegenen
-Königl. Kurfürstl. Sächs. freyen Bergstadt St. Annaberg, II. Theil
-(Annaberg 1738) S. 31, soll Elterlein so viel heißen als »das
-ältere Lehen«, ~respectu~ Schlettau, welches bereits vormals den
-Schönburgischen Herrn zugestanden.«
-
-Nach anderen soll Elterlein ehedem »Quedlinburg« geheißen haben.
-
- Bei den Beschwerden und Gefährlichkeiten des Reisens in früheren
- Jahrhunderten war es Bedürfnis, daß die Reisenden vor einer Reise
- Gott um Schutz anflehten und nach derselben für seinen Schutz
- dankten. Diesem Bedürfnisse kam die Kirche dadurch entgegen, daß z.
- B. im Jahre 888 auf dem Konzil zu Mainz durch Erzbischof Liutbert
- dem Reisenden gestattet worden war, in Ermangelung einer Kapelle
- oder Kirche unter freiem Himmel an geweihten tragbaren Altären
- Messe halten zu lassen. Ein solcher Altar mochte auch da, wo jetzt
- Elterlein steht, durch das Cistercienserkloster Grünhain errichtet
- worden sein. Das Recht, derartige Altäre im Freien anzustellen,
- gehörte mit zu den besonderen Privilegien der Cistercienserklöster.
- (S. Joh. Poeschel a. a. O., S. 169.)
-
-
-529. Ursprung des Namens Hermannsdorf bei Elterlein.
-
-(Richter, Chronica von Annaberg, II, 1748, S. 31.)
-
-Es soll in Hermannsdorf ehemals einer von Adel gewohnt haben, Hermann
-genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen. Dessen drei
-hinterlassene Söhne aber, als Simon, Walther und Konrad, hätten die
-drei nahgelegenen Dörfer Sehma, Walthersdorf und Konradsdorf angebaut
-und bewohnt.
-
-Um Hermannsdorf hat auch früher ein großer Buchenwald gestanden, also,
-daß die Annaberg'schen Bergleute, die solches Holz oft geholt, die
-Hermannsdörfer nur die »Hainbuchner Bauern« geheißen.
-
-
-530. Ursprung des Namens Crandorf.
-
-(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 33.)
-
-Einige Alten wollten wissen, daß der Anbau von Crandorf zur Zeit des
-Hussitenkrieges im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen habe, da
-einige von den Verfolgten aus Böhmen in die damals in dortiger Gegend
-ausgebreiteten Wälder geflohen seien. Sie hätten dann mit Holzschlagen
-und Kohlenbrennen ihre Nahrung gesucht. Weil nun in den Waldungen
-mancher »Kohl-Cram«, d. h. Häuschen für die Köhler, anzutreffen
-gewesen, oder weil sich die Ansiedler zu ihren Wohnungen anfangs nur
-solche niedrige Hütten gebaut, die einem »Kohl-Cram« nicht unähnlich
-geschienen, so hätte man den Ort anfänglich »Cramdorf« genannt, woraus
-später »Crandorf« geworden sei.
-
-
-531. Ursprung des Namens Grünhain.
-
-(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 34.)
-
-Grünhain soll seinen Namen von dem grünen Hain haben, darin die
-Sorbenwenden ihre Götzen aufgerichtet, oder wenigstens haben sich die
-Mönche darin verliebt und ihr Kloster darinnen aufgebaut.
-
-
-532. Von dem Namen Hermannsdorf bei Weißbach.
-
-(Mündlich. Schumann, Lex. von Sachsen, 12. B., S. 548. Sachsens
-Kirchengalerie, 8. B., S. 31, 59, 60.)
-
-Hermannsdorf oder Hermersdorf ist ein Ortsteil von Weißbach. Seinen
-Namen soll derselbe von einem gewissen Hermann erhalten haben, dessen
-Edelsitz nach der Volkssage im untern Teile des Ortes lag, wo man beim
-Kellergraben verschiedene alte Gefäße und in einem Garten tief in der
-Erde ein altes Hufeisen gefunden haben will. Man bezeichnet auch noch
-heute einen Felsen, welcher sich am Abhange eines kleinen, nördlich
-von Hermannsdorf im Walde liegenden Thales erhebt, als »Hermannsgrab.«
-Dicht an demselben führt ein Weg vorüber, welcher sich links von dem
-von Griesbach nach dem Orte führenden Wege abzweigt, und wenn man in
-unmittelbarer Nähe des Felsens auf diesem Wege scharf auftritt, so
-klingt es hohl, als ob man sich über einem Gewölbe befinde. Hier soll
-der genannte Hermann, welcher auch ein berühmter Heerführer gewesen
-sein soll, in einem silbernen Sarge begraben liegen. Manche erzählen,
-daß von dem Hermannsgrabe ein unterirdischer Gang bis nach Hermannsdorf
-führe. In dem anstoßenden Walde sind schon viele Leute des Nachts durch
-Lichter irre geführt worden, oder sie erblickten an dem oben erwähnten
-Felsen den Schlangenkönig mit goldener Krone. Früher war es Sitte, daß
-die Schützen von Hermannsdorf bei einem ihrer Feste jedes Jahr mit
-Musik nach diesem Platze zogen.
-
-Am Hermannsgrabe sollen auch 1718 die acht Steinplatten mit uralten
-Inschriften gefunden worden sein, welche sich seit dem Jahre 1753 im
-Schlosse zu Wildenfels befinden. Die eine dieser Platten nennt einen
-»Hermin«, und man vermutet (jedoch mit Unrecht), daß dies ein Sohn
-Markgraf Eckarts I. gewesen sei, welcher zwischen 1029 und 1032 von den
-aufständischen Sorben erschlagen wurde. Auch verlegt die Volkssage in
-die Gegend, nämlich auf eine südlich von der Kirche zu Weißbach, dicht
-am Kirchhofe liegende kleine Anhöhe, welche früher mit einem Walle
-umgeben gewesen sein soll, die Stelle, wo einst die Rammels-, Rommels-
-oder Rummelsburg stand. Von dieser aus soll jener Hermann gegen die
-Sorben zu Felde gezogen sein.
-
- Die genannten 8 Steinplatten bestehen bis auf eine, welche eine
- Grünschieferplatte ist, aus Thonschiefer. Adelung hat seiner Zeit
- die Inschriften für die ältesten Denkmäler obersächsischer Mundart
- erklärt. Sie lauten: ~1. Voir glabbe alla in ainen Got Vade Vahan.~
- (Nun folgen die Figuren einer Krone, einer Geißel und eines Kreuzes.)
- ~2. Diser hogn ist im tuszend and tr... nati Chrs. 3. Da laitgodsa
- hermin was of a man Künglg anita vilil starn Amshabt and üm handa
- üm dar alaigt üm dar akogl haer um gumers din was dar bool bor. 4.
- Daristain haldi laits tuai. 5. sgrab dar harmit ludott bottai. 6. Dia
- Hermandr barrtn sundr sandan boolbor. 7. Das awas ab hagods. 8. Das
- Gebat~ (eine Überschrift des nun folgenden, aber nur bruchstückweise
- noch vorhandenen Vaterunsers) ~Voder onser du bist im Himel ... dein
- Voill gescho ...~
-
- Nach Joh. Gottfried Wellers Erklärung besagt die Inschrift Folgendes:
- Wir glauben alle an einen Gott, Vater von (wegen) der Dornenkrone,
- der Geißel und des Kreuzes (des Leidens Christi). Dieser Hügel ist
- im tausend und dritten (13ten oder 30sten) Jahre ~Nat. Christi~.
- Da liegt Hermann, welcher war ein königlicher Mann hienieden, viel
- (vortrefflich) regierend amtshaft (amtsmäßig) und umhanden (um der
- Beschaffenheit oder Gelegenheit wegen). Darum er liegt am Ende des
- Eichhügels. Herr, um deines Jammers willen war er wohlgefahren. Der
- Stein enthüllt zwei Leute, des Grabs in dessen Mitte sie gelegt
- wurden. Die Hermunduren (Kriegsmänner) wurden (sind) wohlgefahren
- (selig gestorben) auch ohne Mönchskutten (~santan~ wahrscheinlich von
- ~sanctum~, weil hohe Personen sich im Mittelalter zum Beweis ihrer
- Frömmigkeit gern in Mönchskutten begraben ließen). Das war ihres
- Herrgotts wegen. Das Gebet. Vater unser u. s. w.
-
-
-533. Entstehung des Namens Gottesgab.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 71. Krieglstein in
-der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. 3. und 4. Heft.)
-
-Auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirtbaren und
-frostigen Moorplateau des an Naturschönheiten aller Art reichen
-Erzgebirges liegt hart an der sächsischen Grenze Gottesgab, die
-höchstgelegene Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie.
-Ursprünglich Wintersgrün genannt, erhielt dieses Städtchen seiner
-Silbererze wegen, die hier im 16. Jahrhunderte zu Tage gefördert
-wurden, gar bald von frommen und dankbaren Bergleuten den
-bedeutungsvollen Namen: Gottes Gabe.
-
-Der Sage nach verdankt Gottesgab die Entstehung seines Namens dem
-Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Als derselbe nämlich eines
-Tages mit seinem Gefolge nach Wintersgrün kam, das dazumal zu Sachsen
-gehörte, und den blühenden Bergbau in Augenschein nahm, setzte man
-ihm einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen
-vor. Der fromme Kurfürst aber soll dieses Anerbieten mit den Worten
-abgewiesen haben: »Das ist Gottesgabe, und so soll die Stadt hinfüro
-genannt werden.« Daher hieß in der Folge die Bergstadt Gottesgab.
-
-Nach einer andern Sage kam der Kurfürst Johann Friedrich einst mit
-seinem Jagdgefolge in die waldreiche Gegend der Hochebene. Da traf
-es sich, daß sein edles Roß, mit dem Hufe die Erde stampfend, ein
-ansehnliches Stück Silbererz zu Tage förderte. Über solch reichen
-Bergsegen erstaunt, rief der Fürst aus: »Das ist eine Gottesgabe!« Und
-darnach wurde bald darauf die infolge der daselbst brechenden reichen
-Silbererze entstehende Ansiedelung genannt.
-
-
-534. Die Entstehung des Namens Abertham.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 83.)
-
-An einem kleinen Bache, der roten Wistritz, liegt unweit am Fuße
-des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Pleßberges auf einem
-rauhen Hochplateau das alte Bergstädtchen Abertham, über dessen
-Namensentstehung die Sage folgendes berichtet: Als um das Jahr 1529
-ein Bergmann in der Aberthamer Gegend eine Silberader verfolgte und
-bei seiner Arbeit einen Damm schlug, wurde er von einem Fremden,
-der gerade vorüberging, gefragt, was er hier mache. Der Angeredete,
-welcher sich in seiner Beschäftigung nicht stören ließ, sagte kurz und
-schnauzig: »Einen Damm.« Der Fremde ging seines Weges weiter, kam aber
-nach kurzer Zeit wieder zu dem Orte, wo er den emsigen Bergmann bei der
-nämlichen Arbeit beschäftigt fand. Diesmal werde ich mit der Antwort
-glücklicher sein, dachte der Fremde und sprach: »Guter Freund, sagt
-mir doch, was für Arbeit Ihr da vollführt?« Allein der Bergmann gab
-ärgerlich, weil ihm entweder die Arbeit nicht gelingen wollte, oder er
-den Fragesteller, dem er schon einmal Rede gestanden, wieder erkannte,
-zur Antwort: »Aber einen Damm!« Aus diesen Worten entstand für die neue
-Bergkolonie der Name: »Am Abertham,« der in der Folge als »Abertham«
-dem Städtchen verblieb. Manche Leute aus der Umgebung gebrauchen noch
-die alte übliche Benennung: »Am Abertham.«
-
-
-535. Ursprung des Namens der Stadt Platten.
-
-(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 48.)
-
-Es geben etliche für, die Platten soll ihren Namen haben vom ~Petro
-Plateano~, dem hochgelehrten Mann und wohlverdienten weitberühmten
-Schulmeister, welcher zu der Zeit, da er der Schul in Joachimsthal
-fürgestanden, bisweilen selbst am selben Ort geschurft haben soll, wie
-auch auf der Gottesgab. Soll des Morgens frühe mit etlichen großen
-Schülern aufgestanden sein, auf dieselben Gebirge hinaus gelaufen,
-geschurft und gearbeitet haben, bis zu der Zeit, da er in der Schul
-~laboriren~ sollen.
-
-
-536. Ursprung und Namensentstehung von Bärringen.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)
-
-Das ganze obere Erzgebirge war vor ungefähr 400 Jahren noch mit einem
-dichten Urwald von Fichten, Eichen und Buchen bedeckt, in welchem Eber,
-Dachse, Luchse, Elenthiere, Biber, Wölfe und Bären hausten. Auf das
-Vorkommen solcher Thiere weisen viele Bezeichnungen von Plätzen hin. So
-giebt es beispielsweise in der Umgebung von Platten einen Wolfsberg,
-eine Wolfspinge, einen Bärenfang, bei Salmthal am Abhange des Wölflings
-ein Bärenloch, bei Mariasorg einen Wolfsberg. Ja die Sage schreibt
-einem Bären sogar den Ursprung und Namen des Städtchens Bärringen zu.
-Sie lautet: Einst fuhr ein Bergmann von dem Dörfchen Irrgang nach dem
-heutigen Bärringen und bemerkte abseits des Weges im Walde, in der
-Gegend des sogenannten schwarzen Teiches, einen gewaltigen Bären, der
-mit seinen Tatzen die Erde aufwühlte, um sich ein Lager zurecht zu
-richten. Der Mann suchte, das grimmige Tier fürchtend, das Weite. Als
-er aber später auf demselben Wege nach Irrgang zurückfuhr, war von
-dem Bären nichts zu sehen. Deshalb ging er auf den Ort zu, wo der Bär
-gescharrt hatte, und erblickte erstaunt einen Schurf (Ring, Kreis), aus
-welchem Zinngraupen von ungewöhnlicher Größe hervorblinkten. An dieser
-vom Bären entblößten Lagerstätte von Zinnerz wurde im Jahre 1532 der
-Bergbau begonnen, dem das Städtchen, das durch Vereinigung der Wörter
-»Bär« und »Ring« den Namen Bärringen erhielt, seinen Ursprung verdankt.
-Darauf soll auch das Stadtwappen deuten, welches einen Bären vorstellt,
-der einen Ring in der Pfote hält.
-
-Andere erzählen, daß Bärringen in seinen ersten Anfängen nur aus
-wenigen zerstreut liegenden, armseligen Hütten bestanden habe, welche
-Bergleute bewohnten. Eines Tages sahen mehrere Bergknappen zwei
-Bären im erbitterten Kampfe mit einander ringen. Als in der Folge
-mit dem Aufschwung des Bergbaues sich die Ansiedler mehrten und die
-Niederlassung zu einem zusammenhängenden und ansehnlichen Orte anwuchs,
-wurde dieser »Bär-Ringen« genannt, woraus sich im Laufe der Zeit das
-Wort Bärringen bildete.
-
-Nach einer anderen Sage soll ein Bergmann mit einem Bären gerungen
-haben.
-
-Ein jüngerer Bruder des ritterlichen Grafen Stephan Schlick, durch
-dessen vortreffliche Fürsorge Joachimsthal zu einer reichen,
-dichtbevölkerten Stadt emporblühte, verlor einmal auf einer Jagd im
-dunkeln Tannenforst der Bärringer Gegend einen prachtvollen Ring. Alles
-Suchen blieb erfolglos. Da bemerkte kurze Zeit darauf ein Bergmann auf
-einem alten Gemäuer einen Bären, der den verlorenen Ring des Grafen
-Schlick im Rachen hielt. Auch von dieser Begebenheit sucht man durch
-Verknüpfung der Wörter »Bär« und »Ring« die Benennung des Städtchens
-Bärringen abzuleiten.
-
-
-537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.
-
-(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirges, 1822, I,
-S. 134 etc. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 41. Gießler,
-Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 105.)
-
-Ein Wandersmann, mit Namen Jahn, irrte bei Nacht in der Gegend des
-Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich eine zwerghafte
-Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen. Nicht ohne Grausen
-folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn der Zwerg, bis sie
-endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie eintraten, mächtig
-erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die Wände waren von
-Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend krystallene Leuchter
-mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanz über das ganze
-Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern und mit langen
-Bärten saßen an einer Tafel und speisten. Der Zwerg lud den erstaunten
-Jahn ein, sich zu setzen und am Mahl teilzunehmen. Der Hunger besiegte
-die Schüchternheit, -- Jahn setzte sich und aß und trank von dem, was
-ihm der Zwerg bot. Noch nie hatte er so köstlich getafelt; er ward
-erquickt und allmählich getrosten und frohen Mutes. Die zwölf schienen
-sich über ihn zu freuen und geboten dem Zwerge, sein Ränzel zu füllen.
-Mit herzlichem Danke schied Jahn von seinen gastfreien Wirten. Der
-Zwerg führte ihn aus der Höhle, welche, wie Jahn jetzt bemerkte, im
-Greifensteine war, und geleitete ihn auf die Straße, welche nach Böhmen
-führte und auf welcher Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann
-verschwand er.
-
-Als nun Jahn sein Ränzel auspackte, um zu sehen, womit ihn die
-freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine
-ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freuden
-gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend
-des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen Leuten ohne
-Mietzins überließ, und that auch sonst allerlei Gutes an Kranken und
-Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte und ein ganzes
-Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken Jahnsbach genannt.
-
-
-538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.
-
-(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg,
-1880. S. 8.)
-
-Zu der Zeit, da auf dem Mückenberge bei Graupen reiches Zinnerz brach,
-wurde noch nicht mit genügender bergmännischer Vorsicht gebaut, so daß
-infolge dessen ein großer Teil des Berges samt zwei Arbeiterhäuschen
-im 14. Jahrhunderte untergingen. Dadurch ist die große Pinge am
-Mückentürmchen entstanden. Damals lebten auch die drei Gebrüder Müchle
-als Zinngrubenbesitzer in der Gegend, von denen das Dorf Müglitz
-(Michlitz) abstammen soll.
-
-
-539. Ursprung des Namens Wolkenstein.
-
-(Köhler, Histor. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg,
-1781, S. 3. O. Mosen, Reisehandbuch für das sächs. Erzgebirge, 1882, S.
-65.)
-
-Wolkenstein soll seinen Namen von der Höhe des Schlosses, indem es
-fast die Wolken erreiche, und von dem Steine oder Felsen, auf welchem
-es erbaut ist, führen. Nach anderen stammt der Name von seinem
-mutmaßlichen Erbauer Bolko von Waldenburg, weshalb es eigentlich
-Bolkenstein heißen müßte.
-
-
-540. Ursprung des Namens Eibenstock.
-
-(Oettel, Alte und neue Historie der Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 1 u.
-2.)
-
-Man will vorgeben, es hätte ehedem an dem Orte, wo jetzt die Kirche
-von Eibenstock erbauet ist, eine Eibe gestanden, bei deren Stock die
-anfahrenden Bergleute sich versammelt hätten; davon soll der Name der
-Stadt herkommen. Auch wurde erzählt, es sei aus dem Stamme der Eibe das
-früher in der Kirche stehende Kruzifix, nach anderen aber der Pfeiler
-der Kanzel gemacht worden.
-
-
-541. Der Name des Schlosses Pürstein.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1880, S. 67.)
-
-Der Name des Schlosses Pürstein ist erst seit diesem Jahrhundert
-eingeführt. In früheren Zeiten hieß es Birsenstein, Pirssinstein,
-Pirschanstein, Pirkenstein. Der Name soll von einem alten Ritter
-herstammen, der mit Vorliebe in dieser Gegend »auf die Birsche« ging.
-
-
-542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 41. Kirchengalerie, 12. B., S. 180.)
-
-Reitzenhain erhielt nach Angabe der Eingebornen auf eigentümliche Art
-seinen jetzigen Namen. Da in früheren Zeiten der ganze Verkehr den
-Straßenfuhrwerken überlassen war, haben die Fuhrleute jedes an der
-Straße gelegene Wirtshaus »Han« genannt. Da nach ihren Berechnungen
-dort, wo jetzt Reitzenhain liegt, der dreizehnte »Han« war, so wurde
-dieses einzelnstehende Wirtshaus der dreizehnte Han, dann Dreizehnhan,
-Reitzenhan und endlich Reitzenhain genannt. Man schätzte dabei den
-dreizehnten Han als gleichweit von Leipzig und Prag entfernt.
-
-
-543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.
-
-(I. Wilisch, Kirchen-Hist. von Freyberg etc., II. S. 300. II.
-Novellistisch in E. H. Müllers Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 6
-etc.)
-
-I. Das Städtlein Brand soll seinen Namen daher haben, weil anfangs
-lauter Wald und Busch allhier gewesen, welchen nach der Zeit eine
-unvermutete Feuersbrunst größtenteils verzehret; darauf Gott Bergwerke
-in dieser Gegend gezeiget, und so hätte man anfänglich schlechte Zechen
-und Hüttenhäuser, da aber der Bergsegen sich reichlich vermehret,
-Wohnhäuser zu bauen angefangen, und habe sich das Bergvolk häufig
-allhier vermehret.
-
-II. In dem Walde, welcher einst die Gegend, wo jetzt das Städtchen
-liegt, bedeckte, wohnte einst mit seiner Tochter der Köhler Klaus.
-Derselbe hatte in seine Hütte einen jungen Mann aus dem Thüringer
-Lande aufgenommen, welcher ihm als Gehülfe dienete und sich bald um
-die Gunst von seines Herrn Tochter Margaretha bemühte. Da geschah
-es eines Tages, daß auch ein junger Bergmann in die Hütte kam, der
-im Walde in eine Wolfsgrube gestürzt war und sich dabei so verletzt
-hatte, daß er einen vollen Tag bei dem Köhler verleben mußte, um sich
-zu erholen. Er stammte aus dem nahen Freiberg, und bald wurde er der
-Liebling des Vaters Klaus und der Verlobte von dessen Tochter. Darüber
-wurde der fremd zugereiste Gehülfe ergrimmt und in der Nacht nach der
-Hochzeit Margarethens mit dem fremden Bergknappen führte er seinen
-Racheplan aus. Plötzlich wälzte sich eine Feuerwolke über dem Boden
-hin, von allen Seiten kamen die Flammen gezüngelt und ergriffen auch
-sehr bald die Hütte des Vaters Klaus, in welcher alle im friedlichen
-Schlummer lagen. Nur mit Mühe entgingen die Neuvermählten dem
-Tode, ihr Vater aber kam in dem grausigen Flammenmeer, welches den
-größten Teil des Waldes verzehrte, um. Das Feuer wütete den ganzen
-folgenden Tag und eine Nacht hindurch, bis am nächsten Morgen ein
-gewaltiger Gewitterregen den Flammen ein Ziel setzte. Das junge Paar
-flüchtete nach Freiberg, wo die Glocken stürmten und von wo aus eine
-Rettungsschar den Fliehenden bereits entgegenkam. Erst am vierten
-Tage zogen die Flüchtlinge wieder hinaus auf die Brandstätte. Sie
-gingen in Freiberg von Haus zu Haus, suchten ihre ebenfalls mit ihnen
-aus den übrigen zerstreuten Köhlerhütten geflüchteten Gefährten und
-sprachen: »Wir wollen auf den Brand gehen!« Von der Hütte des Vaters
-Klaus, sowie von den übrigen Wohnungen war nichts mehr zu sehen, nur
-hie und da fanden sich Menschengebeine, welche man sammelte und in
-geheiligter Erde, auf dem Kirchhofe in Erbisdorf begrub. Als man dann
-an den alten Plätzen wieder Grund zu neuen Wohnungen grub, fand der
-Knappe eine Stufe rotgültigen Erzes und er legte die erste neue Grube
-auf dem Brande an, welche man später zum Gedächtnisse des göttlichen
-Segens den »Segensfürsten« nannte. Der Ruf von dem Silberreichtume
-verbreitete sich weiter und bald zogen noch andere Bergleute herbei,
-welche sich daselbst anbauten. Später wurden diese Berghütten, Wald-
-und Zechenhäuser auf dem Brande unter der Regierung des Herzogs Georg
-des Bärtigen im Jahre 1515 zu einer Gemeinde vereinigt und der Ort
-erhielt von da an den Namen »Bergstadt Brand.«
-
-
-544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 164.)
-
-Das an der von Freiberg nach Frauenstein führenden Straße gelegene
-Dorf Weißenborn hat seinen Namen von einem unfern der Mulde vorhanden
-gewesenen Brunnen, welchem man Heilkräfte zuschrieb und bei welchem
-sich bisweilen eine weiße Frau sehen ließ.
-
-
-545. Ursprung des Namens Conradsdorf.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 167.)
-
-Conradsdorf, das einzige Dorf dieses Namens in Sachsen, liegt eine
-Stunde von Freiberg entfernt. Vermutlich hat es seinen Namen von seinem
-Erbauer und ersten Besitzer Conrad, obwohl behauptet wird, daß es dem
-Kaiser Conrad zu Ehren so genannt worden sei, der es mit besonderen
-Freiheiten begnadigte, die bis in die neueren Zeiten sich erhalten
-hatten.
-
-
-546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 88.)
-
-Der frühere Name des Dorfes Ursprung bei Hohenstein-Ernstthal ist
-Morspurg gewesen. In der Umgegend findet sich dafür die geläufigere
-Benennung Morspring. Nach einer sagenhaften Überlieferung soll der
-jetzige, um die Zeit der Reformation an seine Stelle getretene Name
-davon herrühren, daß aus dem oberen Gemeindeborne des Dorfes der
-Lungwitzbach entspringt, oder daß der Ort zur Zeit der Reformation das
-erste evangelische Pfarramt in dieser Gegend bekam.
-
-
-547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 68.)
-
-Nach einer Sage hat das Dorf Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal
-in uralten Zeiten einen anderen Namen gehabt, ist in der heillosen
-Zeit des großen Interregnum »verwüstet« und »verbrannt« und erst
-in der Folge unter den Hohenstaufen wieder hergestellt und mit
-seinem gegenwärtigen Namen belegt worden. Ebenso ist nach einer Sage
-Wüstenbrand als Filiale zu Pleise geschlagen worden, als das Dorf
-Gecksdorf, von dessen Lage zwischen dem Rabensteiner Walde und den
-Meinersdorfer Fluren sich bis auf die neuere Zeit Spuren erhalten
-haben, im Hussitenkriege völlig zerstört worden war.
-
-
-548. Der Name des Dorfes Crossen.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 75.)
-
-Laut Nachrichten aus einem alten Kirchenbuche stammt der Name des
-Dorfes Crossen bei Zwickau von dem slavischen Worte ~croszove~, d. h.
-zerrissen oder zerstückelt, her. Denn da es von Slaven erbaut worden
-und sie, wie sie dem sumpfigen Terrain nach und nach trockenes Land
-abgewannen, dasselbe unter sich verteilt haben, so haben die Bewohner
-ihre Grundstücke vereinzelt und nicht beisammen.
-
- Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge) ist nicht geneigt,
- den Namen für einen slavischen gelten zu lassen, vielmehr hält er
- unser Crossen, sowie alle Orte, welche dieselbe Benennung haben,
- für fränkische Ansiedelungen. Er verweist dabei auf die in deren
- Nähe liegenden Orte Frankenau (2 Stunden von Crossen bei Mitweida,
- 3 Stunden von Crossen bei Zeitz) und Franken (6 Stunden von Crossen
- bei Luckau); Crossen bei Zwickau ist von einem Frankenau ungefähr 3
- Stunden entfernt.
-
-
-549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.
-
-(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc.
-von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet, 1766. Manuskript.)
-
-Gersdorf soll vor Zeiten ganz anders gelegen und die Kirche oben
-im Hofgraben gestanden haben, bis sie durch Kriegsverwüstung ihren
-Untergang allda gefunden hat. Das Dorf soll nicht weiter als bis
-dahin, wo jetzt Hüllbert wohnt, gegangen sein. Die obere Hammermühle
-soll damals in einem dicken Walde gestanden haben und davon umgeben
-gewesen sein. Da aber der Bach vorher den Namen »Gersche« geführt haben
-soll, so hätte das Dorf, nachdem es weiter abwärts angebaut und auch
-die Kirche weiter herunter gesetzt worden wäre, vom Wasser den Namen
-Gersdorf bekommen.
-
-
-550. Der Ursprung des Namens Silberstraße.
-
-(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1102.)
-
-Edelmann von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe, ein alter und getreuer
-Diener der Kurfürsten von Sachsen, brachte einst zu Zwickau bei einem
-Landesfürsten folgende Bitte mündlich vor: Dieweil aus Gottes Segen
-das reiche Bergwerk zu Schneeberg geoffenbaret und desselben Lob in
-aller Welt erschollen wäre, zögen viel Fürsten, Grafen, Herren, Ritter,
-Edel- und andere gute, redliche Leute nach demselben, und müßten dabei
-meist bei ihm durch, wodurch sein und seines Geschlechtes Namen weithin
-bekannt würde. Aber es stünde nicht wohl, wenn man fragete, wer er sei?
-und geantwortet würde: Es ist der von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe.
-Da nun das Erz und Silber bei ihm nach Zwickau durchgeführt würde,
-so bäte er unterthänigst, man wolle ihm seines Gutes und Dörfleins
-Namen »die Armen-Ruhe« in der Landtafel auslöschen und dasselbe dafür
-die »Silberstraße« nennen zu lassen. Dies würde ihn in ein größer
-Ansehen bei den Leuten bringen, da er doch ohne das, wenn nur sein Name
-nicht also bekannt werden sollte, wohl mit dem alten Namen zufrieden
-gewesen wäre. -- Diese Bitte wurde dem Uttenhoff gewährt, und der
-Armen-Ruhe Namen also geändert, daß bis diese Stunde noch das Dorf die
-»Silberstraße« und die dabei befindliche Muldenbrücke die Silberstraßer
-Brücke heißt.
-
-
-551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda, und
-Rechenberg.
-
-(Mündlich, desgl. bei Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein,
-1748, S. 19.)
-
-Auf der jetzt in Ruinen liegenden Burg Rechenberg hausten einmal
-mächtige Ritter. Dieselben hatten in Frauenstein ihre Frauen, in
-Purschenstein ihre Burschen, in Pfaffroda wohnte ihr Pfaffe und in
-Rechenberg machten sie die Rechnung und teilten den Raub. -- Die
-genannten Schlösser sollen auch durch unterirdische Gänge mit einander
-verbunden gewesen sein.
-
-
-552. Der Name des Fleckens Bockau.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen,
-No. 579.)
-
-Die Bewohner des Bergfleckens Bockau bei Schneeberg ernährten sich
-sonst vorzugsweise durch den Anbau von Arzneikräutern und den Handel
-damit. Sie zogen damit, sowie mit Pulvern, Tropfen, Pillen und dgl.
-mehr auf Jahrmärkte und waren einst wie die Königsseer häufig im
-deutschen Vaterlande anzutreffen. Die Sage erzählt, es habe sich
-einst in jenem Thale, in welchem jetzt der Flecken Bockau liegt, ein
-Bock, das einzige Eigentum eines armen Gärtnersohns, verlaufen. Sein
-Herr, der ihn gesucht, habe ihn endlich mitten unter den kostbaren
-Arzneikräutern wohlbehalten wieder gefunden, habe sich den Platz genau
-gemerkt und sei dann durch das Sammeln und den Verkauf jener Kräuter
-sehr bald wohlhabend geworden. Nach und nach hätten sich daselbst
-mehrere niedergelassen und den neuen Wohnort zur Erinnerung an seinen
-Ursprung Bockau genannt.
-
- Historisch ist, daß der Kräuter- und Medikamentenhandel der Bockauer
- erst gegen das Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts begann.
- Die in dem Orte wohnenden Schachtelmacher, und unter diesen zuerst
- zwei Brüder Weiß, füllten ihre Schachteln anfänglich mit gedörrten
- medicinischen Wurzeln und Kräutern, welche sie an Apotheker und
- Laboranten und später auch als Hausmittel an andere Leute verkauften.
- (Körner, Nachrichten von Bockau, S. 346--355).
-
- In der Einleitung zum ersten Abschnitte des Sagenbuchs wurde bereits
- darauf hingewiesen, daß der Name des Ortes nicht von dem slavischen
- ~bóh~, d. i. Gott, sondern von dem slav. ~buk~, die Buche, und dem
- davon gebildeten Adjektivum ~bukowy~ abzuleiten ist. Aus ~bukowy~
- entstand Bockau, was wir demnach mit Buchwald oder Buchholz zu
- übersetzen hätten. Dasselbe gilt auch von dem Ortsnamen Bockwa bei
- Zwickau. Bockau und Bockwa wurden in früherer Zeit mit u geschrieben.
- (Immisch, a. a. O., S. 8.)
-
-
-553. Ursprung des Ortsnamens Remse.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 12 B., S. 87.)
-
-Der Name des Kirchdorfes Remse zwischen Glauchau und Waldenburg scheint
-auf das lateinische ~remissa~, die Erlassung, hinzuweisen. Eine
-Sage erzählt, es habe sich in dem früher daselbst befindlichen und
-in dem 12. Jahrhundert gestifteten Nonnenkloster ein wunderthätiges
-Marienbild befunden, zu dem die Ablaß Suchenden aus der Nähe und Ferne
-wallfahrteten. Von einem Erker des jetzt sogenannten roten Stockes aus
-habe dann der Probst den Segen erteilt und die Gläubigen mit den Worten
-entlassen: »~peccata sunt vobis +remissa+~« (d. h. die Sünden sind euch
-vergeben). Daher der Name Remse.
-
-
-554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.
-
-(Comotovia, 2. Jahrg. 1876., S. 10.)
-
-Es wird erzählt, daß im Jahre 1364 der Prager Bürger Johlin Rotlöw
-mit Bewilligung Karls IV. seinen besten Bergmeister in die Gegend des
-Gebirgs, wo jetzt Sebastiansberg liegt, sandte, um Erze zu suchen. Er
-hatte so glücklichen Erfolg, daß sich die Bergleute sogleich die ersten
-Häuser bauten. Man nannte nun den neuen Ort Paßberg, weil bereits der
-Berg, auf welchem die Stadt steht, und welcher die Grenze bildete und
-zum Aufpaß und zur Sicherung der Fuhrleute und Reisenden mit einem
-Militärposten besetzt war, den Namen Paßberg führte. Aus Paßberg soll
-mit der Zeit der Name Sebastiansberg entstanden sein. Nach einer
-anderen Sage soll jedoch Sebastiansberg anfänglich den Namen Neustadtl
-geführt haben.
-
- Richtig ist wohl, daß die Stadt ihren Namen dem Sebastian von
- Weitmühl verdankt. Von demselben wurde Sebastiansberg des Bergbaues
- wegen, aber keinesfalls vor 1519 gegründet; er erbaute daselbst auch
- eine kleine Kirche, die auf Wunsch seiner Unterthanen nach seinem
- Namenspatron zu St. Sebastian benannt wurde. Von der Kirche ging der
- Name auch auf die ganze Ansiedelung über.
-
-
-555. Der Name der Stadt Sonnenberg.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 71.)
-
-Die Veranlassung zur Gründung der Stadt Sonnenberg gab der in
-dortiger Gegend einst stark betriebene Bergbau auf Silber, Kupfer,
-Zinn und Blei. An einem nebligen Morgen, in der zweiten Hälfte des
-16. Jahrhunderts, so erzählt die Sage, sandte der Grundherr, der ein
-Lobkowitz auf Hassenstein war, einige seiner erfahrenen Bergleute auf
-die Höhen mit dem Auftrage, dort, wo die Sonne am ersten durch das
-trübe Gewölk brechen würde, einzuschlagen und das Bergglück zu suchen.
-An dem Orte nun, wo jetzt Sonnenberg steht, erschien sie ihnen zuerst.
-Es wurde gleich mit Schlägel und Eisen Hand an die Arbeit gelegt, und
-die Mühe belohnte sich reichlich. Man baute dann einzelne Hütten für
-die Bergleute. Mit dem wachsenden Bergglück vermehrten sich beide. Die
-Sonne gab diesem Orte den Namen, und aus dem wüsten Waldorte wurde in
-kurzem ein Bergflecken. Durch spätere Begnadigung erwuchs er endlich zu
-einer Bergstadt.
-
-
-556. Der Name der Stadt Falkenau.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 169.)
-
-Die Stadt Falkenau soll ihren Namen dadurch erhalten haben, daß ein
-Bürger aus Eger einen Falkenhof erbaut und dadurch eine Ansiedelung
-hervorgerufen hat, die sich allmählig zu einem Dorfe und schließlich
-zu einer Stadt emporhob. Die über dem Röhrbrunnen am Marktplatze in
-Falkenau sich erhebende Bildsäule stellt einen Falkner dar, der ein
-Hüfthorn am Schulterbande und einen Hund zur Seite hat. Es soll dies
-die Statue jenes Falkners sein, der als Gründer der Stadt gilt und
-dessen Name im Volksmunde »Wastel« (Sebastian) heißt.
-
- Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß
- auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht
- im 12. Jahrhunderte, da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern
- auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen mit Leidenschaft hingaben,
- eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr dafür, daß zu
- obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem
- Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt
- und es ist daher jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst
- 1724 errichtete Falknerstatue nur eine Ausschmückung des Stadtwappens.
-
- Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in
- deutschen, als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung
- dieser Benennungen ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem Dorfe
- ~Sokolec~ (~Sokol~ = Falke) bei Podiebrad wird erzählt, daß man
- daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader Jäger Falken
- abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem Namen
- eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau.
-
-
-557. Die Entstehung des Namens Neudeck.
-
-(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 4.)
-
-In der sehr industriellen, am Rohlauflüßchen gelegenen Stadt Neudeck
-zieht der sogenannte Turmbergfels unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er
-besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken. Auf diesem
-Felsen steht ein uralter Glockenturm, der ehedem zu einer Burg gehört
-haben soll, welche von einem Raubritter bewohnt wurde. Diesem Turme
-verdankt Neudeck, wie folgende Sage berichtet, seinen Namen.
-
-Einstmals verirrte sich auf der Jagd ein Jäger im dichten Walde
-und wußte nicht, wo ein und aus. Schon viele Stunden hatte er im
-Waldesdunkel nach einem rettenden Pfade gespäht, da kam er auf den
-Hochtannenberg und stieg dort, um sich in der Gegend zurecht zu
-finden, auf eine hohe Tanne. Hocherfreut sah er östlich im Thale ein
-Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war. Darauf ging der ermüdete
-Waidmann zu und fand daselbst den alten Turm, neben dem ein Häuschen
-stand, welches ein Schmied, namens Waldesel, bewohnte. Er trat in die
-Schmiedewerkstätte. »Lieber Waldesel«, redete er den alten Meister an,
-»dem neugedeckten Turme da verdanke ich den Ausweg aus dem Walde;
-deshalb heiße er samt den andern Gebäuden von jetzt an »Neudeckt!« Und
-des Jägers Wunsch ging in Erfüllung; denn noch heute trägt der Ort, der
-nach und nach zu einer gewerbfleißigen Stadt anwuchs, den Namen Neudeck.
-
-
-558. Die Entstehung des Namens Frühbuß.
-
-(Mündlich.)
-
-Frühbuß ist ein altes Bergstädtchen im böhmischen Gebirge, das einst
-weiter oben und zwar da lag, wo sich heute der Kranichsee ausbreitet.
-In diesem Moore ist es eines Tages versunken. Da haben sich die
-Bewohner tiefer angebaut, weil ihnen hier die vielen Zinnerze, welche
-aus dem Gebirgsschutte durch die Seifenarbeit gewonnen werden konnten,
-reichen Unterhalt versprachen. Die Gewinnung der Erze nahm sie auch so
-in Anspruch, daß sie den Bau ihrer Hütten und ihre häuslichen Arbeiten
-nur vor der Seifenarbeit vornehmen konnten, um bei dieser selbst keine
-Zeit zu versäumen. Solche Früharbeit aber nannte und nennt man noch
-jetzt in der Gegend »Frühbuß«, und von ihr erhielt in der Folge die
-Ansiedelung ihren Namen.
-
- Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die
- unterirdischen Glocken im Kranichsee« verwiesen.
-
- Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in
- Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln«
- = geschäftig da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon
- abgeleitete »Hausbussel«, womit ein auf diese Weise thätiger Mensch
- bezeichnet wird.
-
-
-559. Über den Namen des Dorfes Sauersack.
-
-(Mündlich.)
-
-Oberhalb Karlsfeld nahe am Kranichsee, durch welchen sich die
-sächsisch-böhmische Grenze zieht, liegt auf einer Meereshöhe von ca.
-900 Mtr. das böhmische Dorf Sauersack.
-
-~M.~ Christoph Gottlob Grundig macht in den »Neuen Versuchen nützlicher
-Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich von
-Ober-Sachsen, 2. B., (Schneeberg, 1752,)« bei diesem Orte und seinem
-Namen folgende Bemerkungen: »Sauersack, ein fast auf dem höchsten
-Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser Seite von
-einander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher auf dem
-kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem aus Nordwest nach
-Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinirten Waldes vom
-Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern erhebt, -- -- hat wohl den
-Namen mit der That, weil sowohl denen Reisenden die hier vorübergehende
-Straße, sonderlich bei üblem Wetter, äußerst sauer werden, als auch
-denen armen Einwohnern des Ortes, welche wie die Vögel des Himmels
-weder säen, ernten, noch etwas in ihre Scheuern sammeln können, -- --
-nicht weniger ihr mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen
-muß.« Und: »Es ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine
-lange, schmale und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern
-ein »Geseer« (Gesäuer?) zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem
-Namen der Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.«
-
-Eine Sage erzählt nun über die Entstehung des Ortsnamens Sauersack
-folgendes:
-
-In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges, welcher
-hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten Ansiedler
-anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse
-aus dem fruchtbaren Egerthale geholt wurden. Diese Arbeit hatten
-hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten. Da geschah es
-nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren Sack mit
-Nahrungsmitteln (die Volkssage spricht von Kartoffeln) geholt hatte und
-bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: »Ei, das ist ein saurer Sack!«
-So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung »Sauersack«
-genannt, welchen Namen sie bis zum heutigen Tage behalten hat.
-
-
-560. Ursprung des Namens Sorgenthal.
-
-(Mündlich.)
-
-Sorgenthal bei Jöhstadt ist ein Ortsteil des böhmischen Dorfes Pleil.
-Wo derselbe jetzt liegt, war einst ein finsteres Waldthal, durch
-welches früher die Straße von Weipert nach Preßnitz führte. Wenn
-nun die Reisenden durch das Waldthal kamen, befiel sie große Sorge,
-denn hier lauerten ihnen vielfach Räuber auf, die in dem sogenannten
-Blechhammer zwischen Weipert und dem »weißen Hirsch« ihre Herberge
-hatten. Sie führten die Gefangenen aus dem Thale mit sich nach
-genanntem Blechhammer, wo viele Mordthaten geschehen sind. In dem Thale
-aber, wo anfangs nur einige Köhlerhütten standen, wurde nach Lichtung
-des Waldes ein Ort gegründet, welcher den Namen Sorgenthal erhielt.
-
-
-561. Name und Ursprung der Stadt Weipert.
-
-(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und Joseph Pohl, Chemnitz,
-1874, S. 10 und 17.)
-
-Die Stadt Weipert wurde früher auch Weiberg oder Weinberg genannt.
-Dieser Name schreibt sich daher: Als die Bergbaulustigen die reichen
-Silberanbrüche der »Milde-Hand-Gotteszeche« auffanden, riefen sie
-freudig aus: »Das ist ein fruchtbringender Weinberg!« Davon ist dann
-der Ort genannt worden.
-
-Der Ursprung von Weipert ist jedenfalls unmittelbar an der heutigen
-Grenzbrücke und wahrscheinlich an der Stelle zu suchen, wo jetzt
-die Fabrik des Julius Schmidt steht. Hier am Bache ist die tiefste
-Thaleinsenkung, welche der uralte Paß von Preßnitz nach Schlettau zu
-überwinden hatte, und hier hatte der Frachtfuhrmann, mochte er kommen,
-von welcher Seite er wollte, einen steilen Berg vor sich, so daß er
-seinen Tieren Ruhe gönnen mußte. Es entstand daher an dieser Stelle
-die erste Niederlassung, die eine Herberge war. Die Sage erzählt, daß
-dieses Wirtshaus später eine Räuberhöhle war, in welcher Reisende durch
-eine Fallthüre in einen Keller stürzten und dort ermordet und begraben
-wurden, bis es endlich durch eine Dienstmagd, die einen jungen Mann
-warnte, verraten wurde, worauf Soldaten aus Kaaden das Haus umringten
-und samt den Bewohnern niederbrannten. Man hat auch unter späteren
-Besitzern des Hauses, das jedenfalls bald wieder aufgebaut wurde, bei
-Umbauten Totengebeine im Keller gefunden.
-
-Als dann im 12. Jahrhunderte mit dem in der Gegend aufblühenden
-Eisensteinbergbau auch die ersten Eisenschmelzen in Sorgenthal und
-bei Pleil entstanden, bildete sich oberhalb des Passes dort, wo
-jetzt der Gasthof zur Stadt Leipzig steht, eine zweite Ansiedelung.
-Ein unternehmender Mann mit Namen Weyperth, von dem Erzreichtum der
-Gegend angelockt und mit der Erz- und Eisengewinnung vertraut, erbaute
-hier das erste Haus und ein Hammerwerk, dem seine Angehörigen und
-Arbeitsleute den Namen ihres Werkherrn gaben.
-
- Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des
- Namens Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als
- schon im Jahre 1533 der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer
- Zeit, zu welcher der Silberbergbau in der Gegend noch nicht begonnen
- hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes vorkommt. Vielleicht wurde
- auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen Wigbert geweiht
- hatte, auf den entstehenden Ort übertragen.
-
- Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und
- Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug
- zwischen Preßnitz und Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger
- Gebirge, nach Pleil und Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser
- und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert und Pleil nach dem weißen
- Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über den Pöhlbach und
- sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz nach
- Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten
- ihr Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach
- Böhmen holten, führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht,
- und solche Fuhrleute waren es nach der Sage auch, welche in einem
- Wagengleise daselbst die ersten Silbererze fanden und so die Gründung
- Freibergs veranlaßten.
-
- Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum
- Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil
- selbst in festem Gestein vorhanden sind.
-
- Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des
- Ortes Kuhberg von einem czechischen Worte ~küweribi~, welches er
- mit »ausspannen« verdeutscht, ab. Wenn dies richtig ist, so würde
- dieser Name zur Bestätigung von einer uralten Herberge am Pöhl- oder
- Grenzbache dienen.
-
- Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg
- gelegene sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h.
- Kuhschwanz geheißen haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach
- dem Archiv für sächs. Geschichte (12. B., S. 95) erst seit dem Jahre
- 1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an dessen Fuße er liegt.
-
-
-562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.
-
-(Aus einer handschriftlichen Chronik von Böhmisch-Wiesenthal,
-mitgeteilt vom Pfarrer H. Friedlein in Ober-Wiesenthal.)
-
-Bei dem Städtchen Böhmisch-Wiesenthal liegt der Ort Stolzenhahn, auch
-Stolzenhain und Stolzenhann, in alten Kirchenbüchern »der Stoltze Hayn«
-genannt.
-
-In alten Zeiten stand in der Gegend des jetzigen Dorfes im dichten
-Walde eine Schmelzhütte. Als eines Morgens zwei Arbeiter vor die Thür
-traten, erblickte der eine von ihnen einen schönen Auerhahn, der auf
-einem nahen Baume saß. Da rief er aus: »Sieh, welch ein stolzer Hahn!«
-und von diesem Ausrufe hat der Ort später seinen Namen bekommen.
-
-
-563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.
-
-(Aug. Kießling, Das Mineralbad zu Einsiedel, 1881, S. 8. Sachsens
-Kirchengalerie, 8. B., S. 72.)
-
-Nach einer alten geschriebenen Chronik, welche im Pfarramts-Archive
-zu Neuhausen aufbewahrt wird, hat der Ort Einsiedel bei Sayda seinen
-Namen von drei Brüdern bekommen, welche sich vor langer, langer Zeit
-als Einsiedler dort aufhielten. Auch die zu Einsiedel gehörige
-Ortschaft Brüderwiese soll ihren Namen diesen drei Brüdern verdanken.
-Man vermutet, daß sich daselbst ihre Einsiedelei befand, denn in der
-Kirche zu Seiffen zeigt man eine alte Glocke, welche in der Brüderwiese
-aufgefunden worden sein soll und die möglicherweise der Klause der drei
-Einsiedler einst angehörte.
-
-Auch das Dorf Einsiedel bei Chemnitz soll seine Entstehung einem
-Einsiedler verdanken, der in frühesten Zeiten dort gehaust hat.
-
- Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten
- Verkehrsstraßen durch unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige
- Straßen vielfach unter ihren Schutz. Klosterbrüder bauten sich an
- ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit geistlichem
- Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen
- zu lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher
- Einsiedeleien, an denen sich vielleicht auch Kapellen befanden,
- später entstanden sind, ebenso wie die Namen von Brunnen oder Anhöhen
- u. s. w., haben die Erinnerung an derartige Stationen erhalten. Es
- ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden Ortschaften
- auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine
- der alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und
- das jetzige Einsiedel nach Böhmen. (S. auch ~Dr.~ Alfr. Moschkau,
- Oybin-Chronik, S. 197.)
-
-
-564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. S., N. 294.)
-
-In der Nähe der Dörfer Rothenfurth und Halsbrücke bei Freiberg führt
-eine Brücke über die Mulde, welche man die Halsbrücke nennt. Die Sage
-erzählt, sie habe ihren Namen davon erhalten, daß der Bote, welcher
-Kunzens von Kauffungen Begnadigung vom Kurfürsten überbringen sollte,
-hier, weil die Brücke von den Fluten der sehr angeschwollenen Mulde
-weggerissen worden war, aufgehalten ward, also nicht zu rechter Zeit
-eintreffen konnte und so Kunz seinen Hals hergeben mußte.
-
-
-565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jakob.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer R. Schlegel aus Hartenstein.)
-
-Als in früheren Zeiten im jetzigen Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und
-St. Jakob eine furchtbare Pest wütete, sollen in diesen Dörfern, welche
-damals andere Namen hatten, nur drei Männer, Ortmann, Niklas und Jakob,
-am Leben geblieben sein, nach deren Namen später die Dörfer benannt
-wurden.
-
-
-566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.
-
-(Nach der metr. Bearbeitung eines Lichtenbergers.)
-
-Bei dem Dorfe Lichtenberg erhebt sich der bewaldete und die ganze
-Umgegend beherrschende Burgberg. Man erzählt, daß einst auf ihm ein
-Schloß stand, welches als gefürchtetes Raubnest weit und breit bekannt
-war. Wenn der Herr dieser Burg mit seinen Knappen durch das Land zog,
-so bezeichneten Mord und Brand die Stätten, welche er heimsuchte.
-Kehrte er dann von seinem blutigen Zuge wieder nach dem Schlosse auf
-dem Burgberge zurück, so kreisten in wilder Lust daselbst die Becher
-und die geängstigten Bewohner des Thales sahen dann in der Nacht die
-Fenster des Schlosses hell erleuchtet. Da sprachen sie zu einander:
-»Es wird wieder Licht auf unserm Berge!« Dabei verwünschten sie die
-Bösewichter und baten Gott, daß er sie doch von dieser Plage befreien
-wolle. Und die Zeit kam endlich auch, daß die Burg zerfiel, und nur
-einen alten Steinwall bezeichnet man als deren Reste. An dem Fuße des
-Berges konnte man wieder ruhig wohnen, es bauten sich daselbst mehr
-und mehr an, und die zerstreuten Ansiedelungen wurden später zu einem
-Dorfe vereinigt, dem man zur Erinnerung an das Licht, welches einst
-nach jedem Raubzuge der Ritter auf der Spitze des Burgberges zu sehen
-gewesen war, den Namen »Lichtenberg« gab.
-
-
-567. Der Ursprung des Namens Dörnthal.
-
-(Mündlich. Wilisch, Kirchenhist. v. Freiberg etc. II., S. 293.
-Kirchengalerie, 12. B., S. 115.)
-
-Das Dorf Dörnthal bei Sayda hieß früher Dorothenthal nach einer des
-heiligen Dorothea gewidmeten Kapelle, welche im 30jährigen Kriege
-zerstört worden sein soll. Diese Kapelle soll zum Kloster Ossegg gehört
-haben und sind zu derselben viel Wallfahrten geschehen. Man sagt,
-daß von ihr noch eine zerschossene Wetterfahne vorhanden sei, welche
-sich jetzt auf dem dermalen dem Kramer Keilig in Dörnthal gehörigen
-Hause befindet. Auch zeigt man noch die eingefriedigte Stelle, wo jene
-Kapelle gestanden haben soll. Von zwei Glocken, die auf der Kapelle
-gehangen haben, soll die eine nach Annaberg und die andere nach
-Großhartmannsdorf gekommen sein.
-
-
-568. Deutung des Namens Weiters-Wiese.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
-
-Das nur aus wenigen Waldhäusern bestehende Örtchen Weiters-Wiese bei
-Karlsfeld soll ehemals »Weidewiese« geheißen haben. Es war an dieser
-Stelle mitten im Walde eine nach Auerbach gehörige Wiese vorhanden, auf
-welche während des Sommers von den Fleischern genannter Stadt das Vieh
-zur Weide getrieben wurde.
-
-
-569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.)
-
-Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb in
-ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr
-Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon
-entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch
-Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg her
-jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich zeigten,
-so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an -- daher der
-Name Schellenberg --, was für die jenseitigen Räuber das Zeichen war,
-sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen. Wenn hingegen von
-Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen, zündeten jene ein Feuer
-an, um dem Schellenberger ein gleiches Zeichen zu geben; daher der
-Name; denn der Wächter rief dann: »Licht im Walde!« Länger als 300
-Jahre trieben die Räuber ungestraft dies Wesen; man weiß jedoch nicht,
-wer und wann es endigte.
-
-
-570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.
-
-(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)
-
-Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, man
-darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind sei
-abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar und
-also aus ihrer Hand sei erlöset worden.
-
- Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber
- mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch
- einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei.
- Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg
- auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche
- im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der alsdann den
- Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang
- bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des
- Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)
-
-
-571. Der frühere Name von Lichtenstein.
-
-(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc.
-von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)
-
-In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein steht,
-ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die wenigen
-Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein«
-bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung mehrerer
-Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu einer Stadt
-bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.
-
-
-572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.
-
-(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und ~Dr.~ Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No.
-3., Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)
-
-Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem Pavillon
-versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name soll von
-einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. Erzählt
-wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem Kurfürsten Friedrich
-dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen Heinrich Reuß-Plauen, worin
-ersterer dessen Burg Frauenstein im Jahre 1438 erstürmen und brechen
-ließ, soll ein sie verteidigender Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig,
-als Rebell auf dem obengenannten Felsen enthauptet worden sein. Noch
-heutigen Tages zeigt man in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch
-welche jener burggräfliche Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden
-sein soll. Ein gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter
-nördlich jetzt in den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen
-»Storch« gegeben haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln:
-Finke, Storch und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder
-deutlicher zu reden, des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.
-
-
-573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.
-
-(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
-
-Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau in die
-nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien, und
-es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch jetzt
-der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals bis
-auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der Höhe,
-in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. Nachdem
-die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen
-Einwohner näher der Kirche wieder an.
-
-
-574. Das Brautbette bei Rabenau.
-
-(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
-
-Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich in
-den Junker Jeschke (~Jesico~) von Dohna. Der harte Vater verwehrte sie
-ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch entschlossen raubte
-sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und das Beilager gleich
-im Walde an der Stelle, die noch heute das Brautbette genannt wird.
-
-Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und
-Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine ganze
-Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber aber nicht
-bekannt geworden.
-
-
-575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.)
-
-Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb. von Ponikau,
-Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer Reise nach Mainz
-gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen. Im dritten
-Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn, der unter der sorgsamen
-Pflege der Mutter und einer Amme wohl gedieh. Der Knabe war wenig
-über das zweite Jahr alt, als einst an einem schönen Sommertage
-Frau Katharina mit der Amme ohnweit des Schlosses auf jenem Hügel
-lustwandelte, welcher jetzt der Pavillon heißt. Als der Knabe in den
-Armen der Amme entschlummert war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen
-pflücken, damit wir ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme
-bettete das Kind an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half
-sodann der Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich
-aus der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf
-das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich damit
-in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich,
-denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften und
-Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die beiden Frauen den
-Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug die arme Mutter die Hände
-vor das Gesicht und sank ohnmächtig nieder; die Amme aber verfolgte
-schreiend und händeringend den über ihr fliegenden Räuber. Schon
-schwebte derselbe über dem hohen und felsigen Hügel, der im oberen
-Teile des unmittelbar vor dem Schlosse liegenden Städtchens Lauenstein
-sich erhebt, -- da fiel ein Schuß. Ein Jäger, welcher, aus dem nahen
-Forste zurückkommend, die Gefahr sah, hatte den Schuß gethan und gut
-getroffen. Der Vogel stürzte tot zur Erde und lebend und wohlbehalten
-hing das geraubte Kind an den Klauen des erschossenen Vogels.
-
-Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens ließ Frau
-Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte, einen
-Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen. Dieser
-Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf dem
-Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch der
-Katharinenstein.
-
-
-576. Die Kutte bei Elterlein.
-
-(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No.
-35.)
-
-Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle, wo er seines
-Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im Walde nieder, um zu
-verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen berührte ihn etwas von
-hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut aufschrie. Er untersuchte
-den Boden und fand einen starken Zacken gewachsenen Silbers, der drei
-Zoll lang aus der Erde hervorstand. Um die Stelle sicher zu bezeichnen,
-zog er seine Kutte aus und legte sie darüber. Dann eilte er in vollem
-Laufe nach Grünhain zurück und erzählte von seinem Funde voller Freude
-dem Abte. Bald darauf ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein
-regelmäßiges Berggebäude angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab
-und noch jetzt die Kutte heißt.
-
-
-577. Sechs Brüder bei Geyer.
-
-(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.)
-
-Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein
-die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es einem Trupp
-herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen, in der
-Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten Walde
-schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den
-Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger
-Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich
-tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen und
-brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu bringen.
-So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, erhob sich
-der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt drohten, so
-wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen
-ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum
-waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen
-Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf
-Österreicher auf die grausamste Weise; den sechsten aber warfen sie in
-ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage
-jammern hörten.
-
-Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer
-noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die
-sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.
-
-
-578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.
-
-(Mündlich.)
-
-An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr eine halbe
-Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe,
-welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist. Über den Namen
-dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah, daß einst drei Brüder
-mit einander in den Wald nach Holz fuhren. Da fanden sie einen zu
-Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben alsobald ab und legten
-hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe zu holen, ein Bergwerk an, in
-welchem sie große Reichtümer gewannen. So entstand zuerst die Grube
-»Alte Brüder«, und später, als auch weiter abwärts Silbererze gefunden
-wurden, die Zeche »Neue Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung
-an jene Brüder die Dreibrüderhöhe genannt.
-
-
-579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.
-
-(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.)
-
-Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der Grenze
-des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung, »Reue«
-genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen Feldparzellen
-einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft worden. Weil nun
-der Verkäufer es später bitter bereut hat, die Grundstücke so billig
-verkauft zu haben, so hat man der Waldung den Namen »Reue« beigelegt,
-welchen sie noch heute führt.
-
-
-580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.
-
-(Mündlich.)
-
-Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb
-Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten von Wald
-eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der »Bär« genannt.
-Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben: In dem
-dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen sich die letzten Bären
-aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von der gegenüberliegenden
-Spitzleite und mußten dabei über die Mulde. Ein kleiner Bär wollte
-nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen Schlag, daß er sofort tot
-war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem Lager. Von dem getöteten Bären
-nun soll der Name des Grundes herrühren.
-
-
-581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.
-
-(Mitgeteilt vom Prof. ~Dr.~ Friedrich Polle in Dresden.)
-
-An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber eine
-schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein
-heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst ein Jäger
-mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß er den Bären
-die Felswand hinunter warf.
-
-
-582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.
-
-(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg,
-1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl Müller, die Natur,
-1882, No. 24.)
-
-I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge bei
-Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge befindet,
-eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und durch den Schein
-der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen Glanz verbreitet haben,
-daß die Ritter der Festen Geiersburg und Lauenstein, welche in jener
-Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei ihrem gegenseitigen
-Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen dem jetzt dort
-befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« nächst dem
-Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme
-auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein als einen
-Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, woraus
-später »Mückenberg« ward, genannt wurde. -- Auf derselben Stelle
-am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein steht,
-hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine Klause
-aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten sich in
-einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen in
-der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und waren
-ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr und
-des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den alten Einsiedler
-verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des Berges alles
-Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk zur Last legten. Sie
-erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden ihn und drohten mit
-Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und reumütiges Geständnis
-über den teuflischen Spuk und das höllische Wetter, woran er nur
-allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme Einsiedler fiel vor
-Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen Heiligen, man möchte
-ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, dann würden ihre Herren
-Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. Als dies die Knappen
-hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. Da nun der Tag graute,
-war in der Natur Stille eingetreten, kein Lüftchen regte sich, die
-Lerchen erhoben sich zum Gesange und der alte Einsiedler Wolfgang
-führte die beiden Knappen den Hügel empor, wo jetzt die Restauration
-Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten gegen Osten und siehe da
--- majestätisch ging die Sonne auf, sodaß die Knappen wie versteinert
-dastanden. Sodann sprach der Einsiedler mit feierlicher Stimme: »Sehet
-ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, der jetzt die Sonne aufgehen läßt,
-welche ihre wunderbaren Strahlen auf diesen Zinnturm wirft und immer
-den Glanz und Schein verbreitet, vor dem ihr euch fürchtet, der läßt
-auch finstere Nächte, große Stürme und Regen werden; darum gehet hin
-zu euren Rittern und verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein
-mir bekanntes, gewinnreiches Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen
-von euch unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!«
-Hierauf verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die
-Schönheit des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden
-Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund nach
-der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und gesehen
-hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den Rittern der
-Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen haben sollen,
-daselbst die Zinngraupen zu brechen.
-
-II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener Räuber,
-dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der Nachbarschaft
-erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. Mit dem Raube
-eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß ihn der schnellste und
-gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. Einst hatte der Bösewicht
-auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. Das Mütterchen aber,
-froh des Besitzes einer Wünschelrute, schwang diese, sobald sie den
-Raub entdeckt, und rief im höchsten Ingrimme die Worte aus: »Du sollst
-zerstochen sein, bevor du den Gipfel des Berges erreichst!« Diese
-Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Ein ungeheurer Mückenschwarm
-tauchte auf und zerstach den Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag.
-An der Stelle, wo ihn die Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete
-man später ein Denkmal, das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter
-Ort für die Ausflüge der Badegäste von Teplitz ist.
-
- Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche
- Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher
- sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist
- z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen
- auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten
- berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß
- als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590.
- S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen.
- Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge
- aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S.
- 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes
- Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe
- Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde
- fortzusetzen.
-
-
-583. Ursprung des Namens Fastenberg.
-
-(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
-Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 11.)
-
-Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt steht,
-soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge eine
-Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem nichts
-oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das mag mir wohl
-ein rechter Fastenberg sein!«
-
-
-584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Oederan.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.)
-
-Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten aus der
-Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei
-der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon liefen, über
-Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin
-von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet hatte, kam zwei
-Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er sogleich von den
-Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße
-geschleppt, dort lebendig gespießt und ihm sein silberner Helm oben
-auf den Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin
-schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu
-vergreifen wagte, und erst zur Zeit der Reformation verschwand sie
-zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde. Von dieser
-Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe der weiße Helm genannt.
-
-
-585. Ursprung des Bergnamens »Schweiger.«
-
-(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.)
-
-Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange des
-Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«.
-Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar,
-fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten hin
-die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll daher
-kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner
-als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage
-zubrachte.
-
-
-586. Ursprung des Namens Silberbach.
-
-(Mündlich.)
-
-Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß, welches
-erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopf des
-Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser fernerhin
-der Silberbach genannt wurde.
-
-
-587. Ursprung des Namens Höllengrund im Oederaner Walde.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)
-
-Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen
-Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei Frankenberg, um
-daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Sie
-kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen bis an den jetzigen
-Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich von den Räubern
-des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer hatten sich eine
-starke Bedeckung von kampffähigen Männern mitgenommen, denen die Räuber
-unterlagen. Ihre Flucht über das Eis der Flöha, welches brach, mißlang
-gänzlich und sie suchten deshalb ihre Rettung in dem Walde. Doch auch
-hier ereilte sie das Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden
-hinausgetrieben und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber
-aber führt seit dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod
-der Räuber den Namen »Höllengrund.«
-
-
-588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.
-
-(Mündlich.)
-
-Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches sich von
-Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte herabkommenden
-Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister in dem nahen
-Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein solcher aus
-Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher die Zuflüsse für
-das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen haben.
-
-
-589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)
-
-Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam
-ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist.
-Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg,
-wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz
-aus Fichtenholz ziert.
-
-Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am
-Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest
-feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob
-Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn
-im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner
-dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter
-heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig
-aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen
-wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen
-alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den
-Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.
-
-
-590. Der Dreimännerberg.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)
-
-Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich erhebenden
-Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer bis an die
-letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des Eremiten
-»Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen Erzgang über
-dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die Schächte über dem
-Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen Gang so aufzuschließen
-im Sinne hatten, aber es blieb bei dem »Glückauf!« Und wenn sie
-hineinriefen in die Schächte, durch die Stollen und mit dem Hammer
-und Schlegel frugen, der schwarze Gang gab keinen Bescheid mit seinem
-tauben Gestein.
-
-
-591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.
-
-(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs.
-Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.)
-
-Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer erhebt
-sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher
-Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst
-ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen
-Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in
-Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger
-entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken
-zurückgeblieben sei.
-
- Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen
- des Felsens hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens,
- auf dem möglicherweise früher ein loser, hin und her zu wiegender
- Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein identisch mit den
- »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind
- »solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf
- ihren Schwerpunkt gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her
- bewegt werden können.« (Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus
- Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) -- Noch sei es gestattet, wenn
- wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein war, die
- Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die
- Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen
- kann, waren jedenfalls heidnische Opferstätten oder Beratungsorte
- und dienten auch als Orakel bei Prüfung der Frauentreue. Dann könnte
- unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung der altgermanischen
- Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben. Darauf
- würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen
- zurückzuführen sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der
- Deutschen, S. 353). Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen
- Jungfernsprung, d. h. die Stelle, von wo einst ein verfolgtes
- Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe auf dem genannten Felsen
- ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine heidnische
- Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die
- vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die
- Sage vom Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges
- Menschen- resp. Jungfernopfer sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S.
- 10--13.)
-
- Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine
- vermuten?
-
-
-592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.
-
-(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.)
-
-Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei Eibenstock
-ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt. Die
-Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer
-besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden.
-
-
-593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.
-
-(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig,
-Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.)
-
-Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten
-Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe
-soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl
-hervorgequollen sei.
-
-
-594. Der Claußberg in Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, 1716, S. 24.)
-
-Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg, auf welcher
-das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg. Den Ursprung
-desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein Edelmann, namens
-Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen worden sein soll.
-
-
-595. Der Galgenberg bei Euba.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.)
-
-Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen
-Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg genannt,
-von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge und abwärts
-bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt. Auf dieser Höhe
-befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der jedesmalige
-Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten hat. Man hält
-sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an welchem im 30jährigen
-Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem Feinde gegenübergestanden,
-einen gefangenen Spion soll aufgehängt haben. Daher der Name Galgenberg.
-
-
-596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.
-
-(~Dr.~ Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn, Das
-Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.)
-
-Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn bei
-Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem nahen
-und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer Stein« aus
-Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch aus freiem
-Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner
-Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt, und ebensoweit
-von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden
-»Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner
-Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll er davon
-erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge, zum
-Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines Kelches
-in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals dem
-katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden Umwohner
-oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit der Figur, ein
-Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen. Die andere Annahme,
-daß der Volksmund den isolierten, im Laufe der Jahrhunderte ziemlich
-verwitterten Felsen wegen seiner eigenen Ähnlichkeit mit einem solchen
-Gefäße so genannt habe, hat deswegen weniger Wahrscheinlichkeit für
-sich, weil eine solche Ähnlichkeit von keiner Phantasie zu entdecken
-sein dürfte.
-
-Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen Namen
-von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei Burschen
-mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in die Nähe des
-Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und sie warfen sich
-in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer von ihnen so
-unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur Erinnerung
-an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte stehenden Fels
-»Buttertöpfchen«.
-
-
-597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.
-
-(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.)
-
-In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt rechts
-von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in einem
-Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein, worauf ein
-Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen fließenden
-Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen Taufstein
-und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten Emigranten sich
-in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und Gottesdienst hier
-gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten.
-
-
-598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge bei
-Annaberg.
-
-(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.)
-
-Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum letzten
-Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen einige die
-Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel« führen. Beide
-Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt.
-
-Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die wilde
-Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen. Als er eines
-Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die Sehma überschreiten
-wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen, vor dem er sich
-nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und mit blutigen Streifen im
-Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen hatten, erreichte er den
-Gipfel des Berges und gelangte nach wenig Schritten zu einem Häuschen,
-aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte. Von dem Wirte und dessen Frau
-freundlich bewillkommnet, erholte er sich bald bei Speise und Trank
-in der wohlerwärmten Stube. Nun hörte er von der redseligen Wirtin,
-welcher Gefahr er glücklich entgangen sei, denn in dem nahen Walde
-trieben böse Geister ihr Wesen und der Bär sei wahrscheinlich auch ein
-solcher gewesen. Nicht weit von ihrem Häuschen befinde sich im Walde
-ein Kreis von zackigen Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und
-einen großen Schatz bewachen.
-
-Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student
-von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf mit dem
-Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich mir«, rief er
-aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!« Die
-mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der Student stürmte
-hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er den Teufel herbei,
-und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der Finsternis und
-sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit seinem Dolche
-über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe entwunden und in die
-Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner wieder, da zuckte ein
-Blitz und beim Scheine desselben sah er noch deutlicher die schwarze
-Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos stürzte er zwischen
-den Felsen nieder.
-
-In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich
-auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das Fenster
-blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus
-zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei ihnen
-ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie er die
-Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach: »Fürchtet
-euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es auch. Es war der
-Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von dem Kloster Grünhain von
-der Nacht überrascht worden und in der Irre gegangen war, bis er sich
-an den Felsen ein Nachtlager gebettet hatte. Da war er durch den Ruf
-des Studenten aufgeweckt worden und noch halb im Schlafe war er auf
-denselben zugegangen. Als ihn dieser aber mit dem Dolche angefallen,
-erzählte er weiter, habe er sich zur Wehr gesetzt und einen grimmigen
-Kampf bestanden. Weiter wisse er nichts. Als er am Morgen aus seiner
-Ohnmacht erwacht sei, habe er blutend neben seinem Gegner gelegen, den
-er nun mit sich geschleppt. Während dieser Erzählung zeigten sich bei
-dem Studenten Lebenszeichen und es gelang auch bald, ihn wieder zum
-Bewußtsein zurückzubringen. Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte
-er sich, diese gewannen ihn lieb, und da er selbst gern an dem Orte
-bleiben wollte, nahmen sie ihn an Kindesstatt an und hinterließen ihm
-bei ihrem Tode das Haus, welches von nun an nach den vor dem Kampfe
-mit dem vermeintlichen Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten
-»zum letzten Heller« genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach
-jenem Kampfe die Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete
-die Schwester des Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines
-bescheidenen Wohlstandes.
-
-
-599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.
-
-(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.)
-
-Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge
-zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald, dessen Name
-nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch
-für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat
-ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen
-waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter Mauern erschienen; ferner
-fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das
-»rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage
-von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß.
-
- Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit:
-
- Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich
- 1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin
- von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich
- in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als
- dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz)
- den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit
- ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen
- mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie
- die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie
- tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leib zogen
- und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr
- ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von
- Gleichen und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann
- erschlagen, darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und
- Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen,
- da der sechste daheim in der Wiege lag. Conrad von Einsiedel ward
- gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder
- gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt. Es ward
- nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute
- der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal,
- Nürnberg, 1734, 2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz
- verlegt wird, geschah jedoch bei Außig.
-
-
-600. Von den Namen einiger Brunnen.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung, 1.
-Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und Sachsenburg,
-S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels und Engelhardts
-Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.)
-
-1) Der +Jüdenbrunnen+ bei Kühnheide, dessen in einer alten Berg- und
-Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden und Wallonen
-der Goldkörner wegen besucht.
-
-2) Mit dem Wasser des +Löffelbrunnens+ auf Satzunger und Preßnitzer
-Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft.
-
-3) An dem +Traubrunnen+ zu Steinbach hat man in Kriegsläuften die
-Eheleute getraut.
-
-4) Der +kurfürstliche Jagdbrunnen+ liegt eine Meile von Crottendorf
-nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I. im Jahre 1613
-oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein noch Bier besser
-geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine Jäger einzimmern,
-die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum eine Trinkkanne ein,
-die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu versichern.
-
-5) Der +süße Kühl-+ und +Löschbrunnen+ zu Schlettau. Am 23. Febr.
-1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den Schweden
-zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über den Preßnitzer
-Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen. Der linke Flügel
-lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen viel Oberste
-zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre silbernen und
-vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten den Durst auf
-das annabergische Bier, und lobten und priesen dabei das gute, gesunde
-Wasser viel höher als Bier.
-
-6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein Brunnen,
-dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt +Finkenbrunnen+.
-Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen bei einem Labetrunk
-dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt.
-
-7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt, in welcher
-die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche die
-+Goldbörner+ heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst Johann Georg
-I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus getrunken und dazu
-gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!« worauf er etliche Dukaten
-in die Börner geworfen, die dem anwesenden Förster zu teil geworden,
-der von selbiger Zeit an diese Börner seine Goldbörner genannt hätte.
-
-8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der Kaiserforst
-und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche der
-+Goldborn+ heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen zum Scherz,
-wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die kleinen Kinder aus
-dem Goldborne hole und bringe.
-
- In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf
- hinweist, daß Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist
- ein Bild der Erzeugung, und daher der Glaube, daß der Storch die
- kleinen Kinder aus einem Brunnen holt. Auf dem Queckborn in Dresden
- stand früher das Bild eines Storches.
-
-9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der
-+Zigeunerbrunnen+. Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner,
-welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie
-Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze;
-daher der Name desselben.
-
-
-601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.
-
-1) »+Grauen Manns Fundgrube+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name soll von
-einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen haben will, herrühren.
-
-2) »+Glockenklang+ und +Vogelgesanger Fdgr.+« bei Johanngeorgenstadt
-hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute, welches man auf
-des Försters Vogelherd einige Tage vernommen, so deutlich, als geschehe
-es in einer nahegelegenen Stadt, wobei man auch zuweilen ein Bobern
-oder Lummern in der Erde verspürte.
-
-3) »+Hohe Tanne+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt daher: Etliche
-Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie im Schurf
-arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel ein solcher
-Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen.
-
-4) »+Scheller Traum+« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt. Der Name
-rührt von einem Traume her, welchen eine Frau gehabt und der den Ort
-anzeigte, wo man einschlagen müsse.
-
- (Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt
- Johanngeorgenstadt, 1723, S. 229. 244. 246.)
-
-5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich ein
-alter Stollen, das +Bocksloch+ genannt. In demselben soll sich ein
-Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen Zeiten
-und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen, um die
-Vorübergehenden zu necken.
-
- (Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, 1716, S. 47.)
-
-6) Die +fruchtbare Thorheit+, eine frühere Silbergrube bei Schneeberg,
-erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den ersten Jahren
-des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, daß man
-jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer
-halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk sogar in
-seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, worüber
-man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig war, nannte
-man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und Engelhardts
-Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)
-
-
-602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II, S. 61. Wilisch,
-Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.)
-
-Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten
-diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu
-dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als
-die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an
-Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern
-gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte,
-zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher
-Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging,
-um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das
-gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden
-und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann,
-welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie
-nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich
-alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig
-verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem
-kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch
-der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen
-mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter
-bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der
-Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des
-Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche
-zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt
-gewesen sein.
-
-
-603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 150.)
-
-In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals ein
-böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben zu sagen
-und ihn zu rufen pflegte: ~Bacchale patszem!~ welches in böhmischer
-Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun das erste Wort
-zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen Jungen ~Bacchale~ zu
-rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den Namen des Pacemmüllers
-und der Pacemmühle aufbringen können.
-
-
-604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
-
-Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes Torfhaus,
-welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst eine
-Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende und
-Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände mit
-einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines Mittags in der
-Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech in den offen
-gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser Begebenheit soll
-sich der Name jener Hütte herschreiben.
-
-
-605. Das Stadtwappen von Geyer.
-
-(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg,
-1740, S. 31 u. 32.)
-
-Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen Zeiten her drei
-Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von der Entstehung
-des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das Bergstädtchen
-gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch einen Geier, welcher
-auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und Hühner vom Hofe zu
-Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum Geyer erreget worden, indem
-die Schützen dem Geier nachgespüret und darüber schöne Zinngraupen
-angetroffen haben.
-
-
-606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.
-
-(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881. Nr. 48.)
-
-Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im Osten das
-Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das obere Thor. Als
-Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme oder auch die dreifach
-getürmte Kirche im Wappen.
-
-
-607. Das Stadtwappen von Öderan.
-
-(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch,
-Kirchenhist. von Freiberg etc. II, S. 475.)
-
-Öderan führt im Wappen ein auf zwei Türmen liegendes Wagenrad, um damit
-anzudeuten, daß die Entstehung der Stadt im 12. oder 13. Jahrhundert
-ein Fuhrmann veranlaßte, welcher auf dem Platze eine Herberge erbaute.
-Bald gesellten sich noch andere Anbauer und unter anderen einige Mönche
-hinzu, welche vor ihrer Einsiedelei ein großes Kreuz aufpflanzten und
-Vorübergehende um Almosen ansprachen. Man nannte sie »Schmerbrüder«,
-und es soll zu diesem Namen die Wagenschmiere den Fuhrleuten
-Veranlassung gegeben haben, wie alte Erzählungen berichten, nach denen
-auch der lang erhaltene Gebrauch des schwarzen Siegels bei dem Rate zu
-Öderan darauf zurückzuführen ist.
-
-
-608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.
-
-(Bahn, Hist. Nachrichten v. Frankenberg u. Sachsenburg, 1755, S. 36.)
-
-Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf dem
-Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes Frauenzimmer
-vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit offenem Thore
-stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes oder Namenssiegel
-gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno 1690 gestochen worden,
-sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret, der mit einem Mantel
-bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes Schlachtschwert
-mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über einem offenen
-Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten Franken, wenn
-sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter in die Erde
-gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen haben.
-
-
-609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.)
-
-Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben mit
-gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen oder Fliegen
-fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der Kirchturmspitze
-ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein. Damit will
-man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich daselbst
-aufgehalten haben, ableiten.
-
-
-610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.
-
-(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.)
-
-Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will man
-vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden.
-
-
-611. Das Wappen der Stadt Zwickau.
-
-(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656, S. 136.)
-
-Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem Rate ihr
-Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz rot,
-oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter denen ein
-Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur umgekehrt,
-daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme aber gegen die
-linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf dem Schilde aber
-zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen Aufschläge weiß,
-und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein. Auf dem andern Helm
-aber stehet der Ritter Moritz, welchen der Kaiser der Stadt zum Patron
-gegeben.
-
-Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten Teil
-des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen.
-
-
-612. Das Wappen der Stadt Freiberg.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense Chronicum~. Freiberg, 1653, S. 21.)
-
-Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt einem Thore und
-Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im gelben Felde darin soll
-Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem eigenen Wappen der Stadt für
-geleistete Dienste dazu verliehen haben.
-
-
-613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg.
-
-(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge,
-2. Teil. Halle, 1777, S. 89.)
-
-Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen Scheibenberg
-angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild zum
-Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln von
-unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget auf
-beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern
-haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel Greif in
-der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen Schlegel
-und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren nur dadurch
-unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.
-
-In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses
-Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang des
-Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen,
-und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da es aber ein
-Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und Redlichkeit so
-fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die Herrschaft wolle
-es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.
-
-
-614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)
-
-Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne zeigt
-ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis über die
-Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte aber sind
-zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet.
-Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der Sage die
-Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung der Stadt
-Dippoldiswalde war.
-
-
-615. Siegel der Stadt Frauenstein.
-
-(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. Darnach
-Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)
-
-Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen steht und
-in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. Dies bedeutet,
-daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge stand und von
-der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde. Der Zweig, welchen
-die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich auf die Haselrute des
-Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, welche grünte, als sie
-letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten Libussas vom Pfluge
-weg nach Prag auf den Königsthron holten.
-
-Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit entblößtem
-rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß Frauenstein
-zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie springt zwischen
-den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in denselben steckt, was
-bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem damals noch florierenden
-Bergbau bezogen hat.
-
-
-616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.
-
-(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.)
-
-Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes Thal mit drei
-hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem beckenartigen Schilde
-einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das reichsgräflich von Loß'sche
-Wappen am Herrenhause des Rittergutes hat einen Frosch im runden
-Mittelschilde und als mittelste Helmzier. Man deutet das angebliche
-Wappen von Olbernhau damit, daß sich aus dem abgetrockneten See, für
-welchen man die flache Thalsohle, in welchem der Ort liegt, ansieht,
-der letzte Frosch entfernt, um nach dem auf der Höhe sich zeigenden
-Walde zu flüchten.
-
-
-617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.)
-
-Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das Dorf
-durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer Mulde
-sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher in dem
-Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen- als
-das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt.
-
-Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von den vielen
-Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von dem Bache,
-welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das Siegel führt
-deshalb einen Auerhahn am Bache.
-
-
-618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.
-
-(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~, Zwickau, 1656, S. 37.)
-
-Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große Brille in
-Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen, daß es ein
-geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der zu Zwickau
-gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker viel auf
-dergleichen Zeichen zu achten pflegten.
-
-
-619. Die Wahrzeichen Freibergs.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~, 1653, S. 29, 37 u. 138. Gräße,
-Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.)
-
-Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem Dache auf
-allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu sehen, wovon
-die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches
-derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein wolle. Etliche
-meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers, der
-1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht worden. -- Als
-Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte männliche Statue
-wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl. sächsischen und
-Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an der Brücke befand,
-sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die Stelle bezeichnet, auf
-der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde.
-
-Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine mit
-eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war.
-
- Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet,
- auf welcher Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh.
- Vulpius (~Plagium Kauffungense~, als Beigabe zu ~Dr.~ Daniel Wilh.
- Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743, S. 229) folgendes: »Als 1702
- der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein fast in kleine
- Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen neuen
- an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit
- des E. E. Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen
- schwartz-blaulichten ungepolirten Marmor-Stein darunter, auf welchem
- ein alter Silbergroschen gelegen, dessen Schrifft und Gemählde
- Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern so mürbe war,
- daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man auch diesen,
- in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu
- finden, auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten,
- sonst aber gar nichts gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey
- Steine hatten einerlei Große, Länge und Breite. Der Marmorstein wurde
- in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster gleich kommen, und wiederum
- ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit gepräget,
- gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern
- Merkmahl, drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf
- ~recta~ darauff.«
-
- Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am
- Erker des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein
- steinerner Kopff, welcher für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird,
- mit einem gräßlichen Gesichte, großen Knebel-Barte und Sturmhaube,
- über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf angedeuteten
- vierecketen Stein.«
-
-
-620. Wahrzeichen von Crimmitschau.
-
-(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.)
-
-Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher mitten auf
-dem Markte eingemauert war.
-
-
-621. Die Wahrzeichen von Chemnitz.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)
-
-Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein,
-welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen
-Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der Kopf sollte
-anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne eingemauert
-oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit einem Hunde
-verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf Mauertürme vom
-Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach einer andern Sage wäre
-es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann gewesen, und die Sache
-1415 geschehen.
-
-Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild des
-sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier
-mit Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war,
-an dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der
-Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.
-
-
-622. Das Wahrzeichen von Tharand.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)
-
-Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene und
-neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene
-Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz Granaten mit
-sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der
-Ort selbst Granaten hieß.
-
-
-623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.
-
-(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)
-
-Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein
-»Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen,
-der allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des
-unaussprechlichen Elends und der schrecklichen Not gilt, die der
-dreißigjährige Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte.
-Es wurde nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit
-jenes Krieges das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der
-Stein-Laib 6 Zoll im Durchmesser.
-
-Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«, wurde
-vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich
-eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen
-Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz
-Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber
-berühmten Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war.
-
-
-624. Die frühere Größe des Städtchens Platz.
-
-(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.)
-
-Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem
-ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß beim
-sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner in
-trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen sei. Die
-Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300 Häuser (jetzt nur 64!)
-gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört worden sei, worauf sich
-der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von Platz nach Norden und
-Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut habe, und auf diese Weise
-sollen die beiden Ortschaften Hohentann, d. i. bei der hohen Tanne, und
-Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden sein.
-
-
-625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.)
-
-Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal
-erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers
-des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16.
-Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort
-und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav und
-seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter
-Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre 1174 flohen,
-gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der Stadt heute noch
-die Burghäuser heißen und die Befreiung von der Abgabe des sogenannten
-Dienerkornes genießen.
-
-
-626. Die wüste Mark Kraxdorf.
-
-(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F. A.
-Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.)
-
-Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten im Walde aus
-Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe
-nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Krafftsdorf
-gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem westlich im Walde
-gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel
-gefunden wurden.
-
-In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West
-nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf
-dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr
-wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten hatten.
-
-
-627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.
-
-(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.)
-
-Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w., welche
-jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen
-Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden heimgesucht.
-Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten, zur Nothdurfft
-erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später wurde das Dorf
-als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und Georg von Mügeln
-verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten Sage die Pest den Ort so
-von Menschen entblößt haben, daß von der ganzen Bevölkerung nur zwei
-alte Jungfern am Leben blieben, welche sich im Heu verborgen hatten.
-
-
-628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal und
-Königswalde.
-
-(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II, 1656, S. 157. G. Göpfert,
-Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.)
-
-Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und Königswalde,
-findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk, welches über
-einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches Berglein, weil es beraset
-und mit Holz bewachsen, anzusehen ist. Von diesem Gemäuer wird erzählt,
-daß es ein Raubschloß gewesen sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und
-ausgemauerter Brunnen, welchen die Bauern den bösen Brunnen nennen,
-weil sich bisweilen Gespenster daselbst haben sehen lassen. Es sollen
-hier nämlich die Geister zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht
-haben, umgehen. Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf,
-Rappendorf genannt, gelegen haben. (S. No. 642.)
-
-
-629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.
-
-(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, 1863,
-S. 3. Der Schluß mündlich.)
-
-Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von Dippoldiswalde
-ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen, gestanden habe. Man
-sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur ein nach dem Berreuther
-Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz und ein in der Nähe
-befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt. Auf dem Platze soll
-eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen.
-
-
-630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.
-
-(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge, 1.
-Teil, 1776, S. 111.)
-
-In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein
-einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern noch
-in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch in
-einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im
-Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag
-Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und
-Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf am
-Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein
-ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie die Fluren
-beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von denen ein Teil
-jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz soll auch ein Dorf mit
-Namen Kempfersgrün gestanden haben.
-
-
-631. Die wüste Mark Oberopritz.
-
-(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S.
-92.)
-
-Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des Räderkopfes
-zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein die zu
-letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll früher
-das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im Hussitenkriege
-zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und zwar da, wo in
-dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz kommendes Bächlein
-mündet, die Wüstung Niederopritz.
-
-
-632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.
-
-(~Dr.~ Herzog, a. a. O., S. 60 etc.)
-
-1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen
-Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein
-gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch
-Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon von
-Sachsen, 16. B., S. 19.)
-
-2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer Grundes,
-in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und Heinersdorf
-liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg Blankenau her,
-deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben und Wällen nebst
-verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna und Heinersdorf in einem
-kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die Sage setzt die Einäscherung der
-Burg, von der sich ein Rittergeschlecht von Blankenowe schrieb, in den
-Krieg Friedrich des Gebissenen mit den Süddeutschen. (S. auch Schumann
-und Schiffner a. a. O., 14. B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B.,
-S. 114.)
-
-3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen Adels-
-oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf, Oneritz
-(Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz und
-Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen Chemnitz
-und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses.
-
-
-633. Wüste Marken bei Augustusburg.
-
-(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.)
-
-1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der
-von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende große
-fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen
-verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll.
-
-2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland
-gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine Wüstung
-und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich im
-Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf
-Röthenbach lag.
-
-3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha
-gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor
-dem Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen
-»Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben
-Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere
-Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen
-zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen, 1. B., Schneeberg,
-1750, S. 268.)
-
-
-634. Von früheren Festen bei Schneeberg.
-
-(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik von
-Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges, 1. B.,
-1795, S. 14.)
-
-Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden
-und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine
-Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins
-Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher.
-Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man früher am
-südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten Grunde
-sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und ebenso soll
-ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das Brünnlasgut
-befindet, eine Warte gestanden haben.
-
-
-635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.)
-
-Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in Pöhla bis an
-die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand geheißen,
-weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden ist.
-Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf und
-Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten und
-Ackerbeete.
-
-
-636. Die wüste Mark Eibendorf.
-
-(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.)
-
-Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen die meisten
-Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen
-Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen Kriege zerstört worden
-sein soll.
-
-
-637. Die wüste Mark Nennigkau.
-
-(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.)
-
-Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe
-wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher im
-Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha mündet.
-
-
-638. Wüstungen bei Bärenstein.
-
-(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.)
-
-Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain und
-Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen
-Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches im
-30jährigen Kriege zerstört wurde.
-
-
-639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.
-
-(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.)
-
-Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem
-dreißigjährigen Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha
-gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle
-am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen Kriege das
-Dorf Kuhren stand.
-
-Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache gelegenes
-ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes Dorf
-war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle stehen jetzt das
-Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen Bergwerksgebäuden,
-und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr vorhandene Rittergut
-Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche Vorwerk stehen
-soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem Freiberger Bürger
-Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, welcher hülflos im
-Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf dieser ein neues Heer
-gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze bot. (Siehe Schumann und
-Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., S. 761.)
-
-
-640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.
-
-(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter
-von Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu
-Oberlungwitz, St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her
-gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766.
-Manuskript.)
-
-I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb der
-Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege
-verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch
-um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein sollen.
-Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten und
-überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet wurde.
-Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz nach Waldenburg
-geführt haben, denn er diente später den Bewohnern des an der Stelle
-des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und nach wieder entstandenen
-Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem ersten Kirchen- und
-Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.
-
-II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf liegenden
-»Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene Dorf Naundorf,
-welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde von 1348
-oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der untere Teil des Ortes blieb
-wüste, während der obere Teil unter dem Namen »Hölzel« später wieder
-aufgebaut wurde.
-
-III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober-
-und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der
-Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich,
-in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf
-uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts
-Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen Bauern
-des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo einst
-Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den
-Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem
-auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme
-als Decem gehalten haben.
-
-
-641. Die Wüstung Sahnau.
-
-(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 109.)
-
-In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen und
-Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem Hussitenkriege am
-Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher noch zu Anfang dieses
-Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.
-
-
-642 Die Wüstung Rappendorf.
-
-(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)
-
-In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal,
-Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal findet sich
-die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein Dorf, welches
-wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten Herren von Rapp
-oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt man hier Spuren einer
-alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. Jahrhundert zerstört worden
-sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle den »bösen Brunnen«, welcher
-mit einem hohen Erddamm umgeben ist. Mehrere Feld- und Waldbesitzer
-in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, teils beim Holzfällen und
-Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, gezimmertes Holz, eiserne Haspen
-und Bänder und dergleichen gefunden.
-
-
-643. Die Wüstung Boberau.
-
-(Herzog a. a. O., S. 64.)
-
-An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei Drehfeld
-lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages noch das zu
-Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.
-
-
-644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.
-
-(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)
-
-Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist vielleicht
-ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich,
-welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, und
-ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu dem Dorfe
-Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört wurde und
-dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege nach Falkenstein
-und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.
-
-
-645. Die wüste Mark Warnsdorf.
-
-(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S.
-174)
-
-In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine große
-Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und
-die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem
-dreißigjährigen Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese
-befindet sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch
-einen breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer
-Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer
-Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von hier
-herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese vergraben
-gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.
-
-
-646. Die ehemalige Burg Sohra.
-
-(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)
-
-Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale das
-Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach Pretzschendorf
-hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich im
-Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr hundert Jahren
-sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, und eine eiserne
-Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Ruinen
-abstammen. An die Burg erinnert auch noch der sogenannte Vorwerksring.
-In der Gegend, wo die Burg stand, sollen Gespenster umgehen.
-
-
-647. Alt-Elbogen.
-
-(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)
-
-Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der Mitte
-zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge zwischen dem
-Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der Eger, die zahllosen
-Windungen des engen Felsenthales entlang gegen Osten eilt und hier
-einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen Hochebene nur
-durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen Süden mit einer 40
-Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. Alt-Elbogen besteht aus
-der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, etwa 190 Meter langen
-Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen Hochburg, die ungefähr 1400
-Quadratmeter enthält und ebenfalls durch einen an der Nordostecke noch
-2 Meter hohen Wall umgeben ist. Mauerreste findet man hier nicht. In
-der Südostecke stand der Tradition nach eine St. Barbarakapelle, die
-bereits im Jahre 1247 urkundlich erwähnt wird.
-
-Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht
-wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen Gewölben große
-Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht werden.
-
-
-648. Die Grillenburg.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie
-der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte und
-Dörfer, 1727, II, S. 287.)
-
-Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, die
-Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als Wohnung für
-einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in grauer Vorzeit
-eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten nachgewiesen
-wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune einen geräumigen, aus
-dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl tausendjährig ist. Das
-Gewölbe wird in der Mitte von einer starken Säule getragen, um welche
-herum mit einem zweispännigen Wagen zu fahren, der Raum reichlich
-gestatten würde.
-
-Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses Grillenburg
-gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften Nachricht,
-sie lauteten:
-
- I.
-
- »Meines lieben Bruders kläglich End,
- Der schwere Eingang zum Regiment,
- Groß Widerwärtigkeit und Gefahr
- Mir schwere Sorg und Müh gebahr.
- Zu vertreiben solch Fantasey,
- Fieng ich diß neu Gebäu,
- Die Grüllen-Burg ichs davon nennt,
- In einem Jahr wurds gar vollend.
-
- II.
-
- Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen,
- Da baut Hertzog August zu Sachsen
- In einem Jahr diß Jagd-Haus behend,
- Welches er die Grüllen-Burg nennt,
- Vor schwerer Sorg und Gedanken,
- Die ihm oblagen und bedrangten,
- Und richtets an zur Lust und Freud,
- Drum wird man hier der Grüllen queit.
-
- III.
-
- Ich bin genannt die Grüllenburg,
- Darauf geschieht gar mancher Schlurg,
- Gedanken und schwere Fantasey,
- Legt man auf diesem Hause bey;
- Gegen Hasen, Hirsch und Schwein
- Vertreibt man hier die Zeit allein.
- Wer nun hat Grüllen und Mücken,
- Der lasse sie hinter sich zurücken.«
-
-
-649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.
-
-(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)
-
-Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach ein Dörfchen
-Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen verwüstet worden
-wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt der Lützenbach und
-der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor alters eine Mühle unten
-in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle genannt worden ist. Alte
-Leute wollen von derselben noch Baustelle und Mühlgraben gesehen haben.
-
-
-650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.
-
-(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)
-
-Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen zeigt man
-eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt wird, daß hier
-einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« erbautes
-Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen des Niklas
-sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das ist auch der
-Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren nächste Umgebung von
-Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.
-
-
-651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.
-
-(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II, S. 67. Bahn, Das Amt, Schloß und
-Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)
-
-Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem jetzigen
-Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe Reichenau zu
-gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche stehet.
-Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen segnete, ist
-die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich mit der Kirche auf
-dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen Bewohner Frauensteins
-wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse gebracht, welche bei
-gefallenem Platzregen sehr stark waren und ihre Wohnungen schädigten.
-Man sah auf dem alten Stadtplatze im vorigen Jahrhundert noch die
-Gassen und Überreste von den alten Baustellen. Von dieser Verlegung
-der Stadt kam es auch, daß, was sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt
-ward, nicht die Stadtkirche, sondern die Begräbniskirche, als die
-Mutterkirche, erhielt.
-
-
-652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.
-
-(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, S. 20.)
-
-Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits
-am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte man
-sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten
-Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren
-Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war
-das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden,
-weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde und
-noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.
-
- Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13.
- Jahrhunderts zurück, der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem
- Jahre 1352 in den eigentlichen Bereich der Geschichte. Jedenfalls
- entwickelte sich infolge der Entdeckung von Silbererzen der junge
- Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien Bergstadt
- erhoben wurde.
-
-
-653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.
-
-(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, 1881, Nr. 44.
-Mündliche Mitteilungen.)
-
-Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen Abdachung
-des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke in dieser
-Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden der alten
-Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei Erbauung
-von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der Gottesacker
-dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das Königliche
-Amtsgericht befindet.
-
-Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden
-haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts
-hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung
-an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen
-unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das
-Dörfel'sche Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß
-man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.
-
-Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht des
-Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die
-einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der Stadt
-am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit in
-Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage und
-errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den Ruinen
-des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich die jetzige
-Stadt Kirchberg.
-
-
-654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.
-
-(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc.
-Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)
-
-Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, Herr
-der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, im Jahre 1476
-von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, legten sie das
-Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren Unterthanen
-zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich wuchs.
-
-Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes zu Grünhain,
-eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter Grenzstreit
-zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen der Pflege
-Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen, welcher
-zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten ihnen lag.
-Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, und
-der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: »Keinem von Euch
-beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb er plötzlich. Sein
-Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder Priester, welcher den
-Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung der inzwischen
-aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. Dieselben kamen auf
-freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen und durch Händedruck
-und Bruderkuß wurde die Versöhnung besiegelt. An der Stelle aber, wo
-dies geschah, wurde ein Stein errichtet, den der Abt segnete und mit
-Weihwasser, geschöpft aus dem in der Nähe befindlichen heilbringenden
-»guten Brunnen«, besprengte. Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein
-Zwönitz ein frohes Fest gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter
-Stadt ein neues Wappenschild: Den buntgefiederten Sittich im blauen
-Felde. Der Stein aber wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei
-Grünhain und dem von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der
-Volksglaube gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver
-gerieben und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die
-ersprießlichsten Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später
-den Namen Streitwald, welchen er noch heute führt.
-
-
-655. Der Peststein bei Rauenstein.
-
-(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. S.
-305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)
-
-Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure Jahre, die
-Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere im niedern
-Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die letztgenannte
-Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun lebte aber in
-dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des Richters, welcher
-mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu Lengefeld verlobt
-war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten
-der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden Tag neue Opfer
-forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater davon befallen
-wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo unterdeß die Pest
-nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber mehrere gewürzhafte
-Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt und damit sich selbst
-und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von welchem ihm die
-Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer berühmten Apotheke
-hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach Reifland zurück, und
-als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm er über die Flöha und
-gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch nach Lengefeld. Um den
-Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar zu spät, allein es gelang
-ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater und viele andere mit
-seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald verschwand die furchtbare
-Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die übrig gebliebenen Bewohner
-von Lengefeld, Rauenstein und Reifland feierten ein Wiedersehens- und
-Dankfest. Auf der Stelle, wo dies geschah und die Einwohner genannter
-Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung ein Stein aufgerichtet und
-dieser bewahrt noch heute die Erinnerung an jene traurige Zeit.
-
-
-656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.
-
-(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)
-
-Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet sich
-im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:
-
-Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und ward von einem
-Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein Chormantel ihm als
-Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten auf die Erde.
-Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam dem verwogenen Gesellen
-ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm lustig genug schien, auch
-zu versuchen. Er nahm also einen Mantel um, stieg auf den Turm und
-sprang herab. Aber wehe, der Mantel verwickelte sich, und kopfüber
-im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne Schieferdecker auf das
-Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod fand, setzte man zum Andenken an
-diese Begebenheit den roten Stein in das Pflaster.
-
-
-657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, Hist.
-Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)
-
-In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche an
-der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren
-früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden
-Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre 1428
-ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und
-drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern
-würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies
-thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten
-erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab.
-An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in
-den Fluten der Zschopau.
-
-
-658. Zeichen auf dem Katzensteine.
-
-(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)
-
-Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt sich der
-wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze
-und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein
-Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf findet man
-einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere
-gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem
-Steine gefrühstückt haben.
-
- Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von
- Kursachsen (2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf
- dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messer und Gabel
- zu sehen gewesen sein. Nach derselben Quelle war der in der Sage
- angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., wenigstem will
- man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.
-
-
-659. Die zwei Messer zu Eibenstock.
-
-(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)
-
-Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt Hans Meichsner
-zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, G. Unger und Chr.
-Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander uneins worden und haben
-sich geschlagen. Solches haben sie so lange getrieben, bis Fröhlich
-mit einem Messer dem Unger gegen das Herz einen Stich gegeben,
-darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat Unger das Messer wieder
-herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, doch hat sich dieser
-auf die Flucht begeben. Hernach ist über ihn auf dem Markte öffentlich
-Halsgericht gehalten, und damit diese schreckliche That den Nachkommen
-im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 Messer in einen Stein gehauen, und
-solcher an der Ecke der Brotbänke, wo früher der hölzerne Esel stand,
-aufgerichtet worden.
-
-
-660. Das Steinkreuz bei Schlettau.
-
-(Mündlich.)
-
-An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, steht nahe
-vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. Dasselbe
-soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege ein
-schwedischer Offizier begraben wurde.
-
-
-661. Das Steinkreuz bei Werda.
-
-(Mündlich.)
-
-In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber dem
-Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus katholischer
-Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser Stelle ein vornehmer
-Soldat im Kampfe gefallen sei.
-
-
-662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.
-
-(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)
-
-Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün nach Waldkirchen,
-an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, ein Stein mit
-eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich ein Schafhirte
-von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen worden sein. Der
-Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm zukam und als er
-deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, wurde er grob; es kam
-zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit dem gewaltsamen Tode des
-Hirten.
-
-
-663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.
-
-(Mündlich.)
-
-Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden
-Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den gegenwärtig
-aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach vielleicht 20
-Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen Meter hohen, an den
-Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten Steine, dessen Oberfläche
-zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt ist. Doch sieht man auf ihm
-noch zwei gekreuzte Messer und ein Brotchen eingehauen. Hier sollen
-sich einst vor vielen Jahren bei einer Hungersnot zwei Frauen, welche
-zusammen in Wolfersgrün ein Brot gekauft hatten, mit ihren Messern
-erstochen haben, weil jede von ihnen das Brod ganz haben wollte.
-
-
-664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)
-
-An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock und
-Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt, steht
-ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt im Walde ein alter
-Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno 1799 ist an dieser Stelle
-ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend, nachts mit seinem Fuhrwerk
-auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte des Gasthofes zu Karlsfeld
-ermordet worden. Der Fuhrmann ließ sich gegen Abend vom Wirte des
-genannten Gasthofes für Silbergeld neue Kupfermünze geben. Dies sahe
-der Hausknecht, welcher jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke
-hielt. Ihn gelüstete nach denselben, und er ging deshalb, als der
-Fuhrmann bereits ein gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete
-ihn und nahm ihm die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an
-diese That ist der Stein gesetzt worden.
-
-
-665. Der Denkstein in Fürstenwalde.
-
-(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.)
-
-Auf Gotthelf Tittels Gute in Fürstenwalde steht ein Denkmal mit der
-Bezeichnung ~G. D.~ und einer Schneiderschere, nebst der Jahreszahl
-1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre ein aus
-Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr aus
-der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem
-Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren
-und in Fürstenwalde beerdigt worden.
-
-
-666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.
-
-(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im
-Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 10.)
-
-Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei Kreuze aus
-Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes
-Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler einer Mordthat
-hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten daselbst
-Fleischerknechte totgeschlagen hätten.
-
-
-667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.
-
-(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.)
-
-Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche
-Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und
-vor derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis
-eingehauene Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei,
-und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.
-
-
-668. Die drei Kreuze bei Brand.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)
-
-Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen von alters
-her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. Bereits im
-Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so vermorscht, daß
-an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den Jahren 1608 und
-1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle der steinernen waren
-wieder solche von Holz gekommen. Von diesen Kreuzen aber erzählt der
-Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß in welchem, wäre Freiberg
-belagert worden und hätte eine hohe Summe Brandschatzung geben sollen,
-diese aber nicht sogleich aufbringen können, und deshalb drei Ratsherrn
-zu Geißeln gestellt. Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre,
-so hätten sie einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der den
-Ratsherrn insgeheim kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie
-womöglich in der kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt
-sei nicht gesonnen, die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch
-die Ratsherrn ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager
-gekommen, hier aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch
-durch das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum
-Andenken ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben
-müssen, die drei Kreuze errichten lassen.
-
-
-669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.
-
-(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
-
-An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand ein von
-Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, worauf
-ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. An diesen
-knüpft sich folgende Sage:
-
-Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten Ziska,
-nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt Görkau und
-das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen katholischen Bewohnern
-ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste,
-als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin
-aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten,
-als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei vernahmen,
-welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber tönte. Sie verfolgten
-die Richtung des Krähens und verfehlten glücklich die Stadt, indem sie
-weiter östlich gelangten und schließlich nicht mehr zurückkehrten. Zur
-Erinnerung an diese wunderbare Errettung aus drohender Gefahr ließen
-die Bewohner von Görkau das erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem
-Friedhofe aufstellen, von wo es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz
-unter großen Feierlichkeiten übertragen wurde. Die kleinen daselbst
-stehenden Linden wurden damals von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.
-
-
-670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg.
-
-(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.)
-
-Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen Wirtshauses
-»Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke, in welcher
-es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage, als ein
-schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende Donner, wie
-der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung der Lustbarkeiten.
-Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden Zeichen; die Ausbrüche
-wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die Musik begann ein munteres
-Tanzstück zu spielen und unter Lärmen und Johlen drehten sich die
-Paare im Kreise. Diesem frevelhaften Treiben konnte die Strafe des
-Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter hatte seine ganze Macht
-entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten grell das Halbdunkel und
-das betäubende Krachen des Donners vermischte sich mit dem Brausen des
-wütenden Sturmes. Den tollen Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein
-fürchterlicher Schlag, alle Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde
-lang sonnenhell beleuchtet und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein
-mächtiger Blitzstrahl hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem
-gräßlich gähnenden Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen
-darin Anwesenden spurlos versank. -- An der Stelle, wo die Schenke
-stand, wurde später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz
-errichtet. Dieses ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name
-»Beim roten Kreuz« jedoch bis heute geblieben.
-
-
-671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.
-
-(Mündlich.)
-
-Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden Höhe am
-rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst soll ein Mann
-mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne daß weder er noch
-seine Pferde Schaden genommen haben.
-
-
-672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.
-
-(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.)
-
-In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt, ein großer
-Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz sieht. Die Sage
-erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem heftigen Gewitter
-zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig donnerte, spotteten
-sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort oben fährt der liebe
-Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber hatte er diese Worte gesagt,
-so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz. Der Knabe wurde darauf an
-dem Orte begraben, und zur Erinnerung an diese Begebenheit meißelte man
-ein Kreuz in den großen Stein, der bereits an dem Platze gelegen hatte,
-wo dies geschehen war.
-
-
-673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.
-
-(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit des
-sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern, 1860, S.
-3.)
-
-Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen
-Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt man
-sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August Bachmann
-stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite ein
-Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche
-zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er nämlich,
-heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der Landstraße gegen
-Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel hatte aufschlagen
-lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen Schar
-ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine Gefährten in den
-Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt selbst dem
-Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende Lichter erblickt
-werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind, bezweifeln selbst
-die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit des Kaisers Arnulf
-geschehen.
-
- Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7.
-
-
-674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.)
-
-In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde führt.
-Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr stark und
-zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo ein Mensch
-verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat.
-
- Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem
- Kruzifix, welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat,
- herrührt. -- Erwähnt mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den
- Platz vermutet, an welchem 892 die Ermordung des Bischofs Arno von
- Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv für sächs. Gesch. 2. S.
- 175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen zu den
- Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen.
-
-
-675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz bei Sayda.
-
-(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.)
-
-In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal von
-Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei
-Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen
-gehauen haben, so daß beide gestorben sind.
-
-
-676. Das Marienbild in Maria-Kulm.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.)
-
-Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten und
-unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet
-wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber
-ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch
-wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine
-Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord unsicher
-gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein Ritter
-aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der Kapelle
-auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen und dem
-Strafgerichte in Eger übergeben wurden.
-
-
-677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.
-
-(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.)
-
-Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck und
-Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine hölzerne
-Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in der Hand
-hält und folgende Umschrift hat:
-
- »Das Zedels-Bild bin ich genannt
- Die löbliche Jägerei bin ich wol bekannt
- Sie komen her zu mir
- Und suchen auf dem Abschied
- Der Wölfe ihr Quartir
- Drincke auch gehrne gutes Bir
- Anno 1695.«
-
-An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch gemalt,
-aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich ist das Bild
-ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo die letzten
-Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß das Bild früher
-etwas weiter im Walde angebracht war und daß es die Stelle bezeichnete,
-wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde.
-
-
-678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.
-
-(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.)
-
-Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll von
-dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein. Über die
-Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der Künstler
-sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus, vorher
-diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm, aber er soll
-seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen Worte
-gemäß niemals jene Strafe verbüßte.
-
-
-679. Die Walfischrippen in Zwota.
-
-(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.)
-
-In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren am Wege
-zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des Walfisches,
-zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben in einem Garten
-des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an dem jetzt eingegangenen
-Hammerwerke, welches nach der Überlieferung des Volkes das feinste
-und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden haben, und es
-wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten Fuhrleute nach dem
-Hammer kamen, um das weit und breit geschätzte Eisen zu holen. Von
-solchen Fuhrleuten sollen die genannten »Walfischrippen« mitgebracht
-worden sein.
-
-
-680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus.
-
-(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im
-Zellwalde, 1874, S. 7.)
-
-Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche zu
-Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten
-Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt worden sein.
-
-
-681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau
-ausgewühlt worden.
-
-(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt, was
-man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300 Jahren ~a~)
-wegen der Kirchen, ~b~) wegen des Thurms und ~c~) wegen derer Glocken
-gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage derer Kirchen
-Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)
-
-Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am Grunde an
-dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder sagen, es wäre
-ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und die Einwohner dieses
-Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und des sündigen Wesens so hoch
-getrieben, daß Gottes Strafe über sie ergangen und der Ort versunken
-wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei Viehhirten ohnweit des ehemaligen
-Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet haben, und solche hätten wahrgenommen,
-daß eine wilde Sau zwei Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine
-gesagt. »Diese Glocke will ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.«
-Der andere habe gesprochen: »Das laß ich wohl bleiben; ich will mit
-meiner Glocke mir etwas zu gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche
-Glocke wieder in die Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten
-Männer haben erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren
-Vätern und Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten
-gefundene Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar
-geben sie nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie
-gleichsam taktweise ihren Klang hätte.
-
- »Baum maum Kirchberg,
- Kirchberg ist mein Vaterland,
- Da mich die wilde Sau umwandt«.
-
- Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640.
-
-
-682. Die Glocke von Jahnsgrün.
-
-(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.)
-
-Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün bei
-Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen gelegen
-haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche Weise,
-untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden worden, als
-eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen Boden wühlte. Diese
-Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu Bärenwalde hängen. Man hat
-über die Begebenheit folgendes Volkslied:
-
- »Gahnsgri is uner goange,
- Gahnsgri is verschwunden
- Ä wilde Sau hot ä Glock' ausgegrob'n,
- Ä Bettelma hot's gefunden«.
-
- Auch Sachsen Kirchengalerie (8. B., S. 58.) erzählt, daß man aus
- manchen Spuren, z. B. aufgefundenen alten Schlüsseln, schließen will,
- daß die Gegend von Jahnsgrün vor der Zeit des Hussitenkriegs stark
- bevölkert gewesen sei. Hier ist besonders bemerkenswert, daß die Sage
- noch von zahlreichen anderen Glocken erzählt, welche durch Schweine
- aufgewühlt wurden. Dahin gehören die große Glocke zu Marienei und
- die Kirchenglocke zu Treuen, welche letztere ebenfalls brummt: »En
- wille Sau ausgegrob'n, en Bettelmann gefunne«. (Köhler, Volksbrauch
- im Vogtlande, S. 605.) Ferner mögen die Lobesdorfer Glocke, in
- der viel Silber war, so daß sie sich durch ihren schönen Klang
- auszeichnete (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 36.), die
- Glocken von See und Spree in der Lausitz (Haupt, a. a. O., S. 403.),
- zu Blankensee, welche summt: »Sau fand jenen Sand«, und zu Görzdorf
- mit dem unmelodischen Tone: »Sony woillt us« (d. i. Sau wühlt aus),
- genannt sein.
-
- Nork (Sitten u. Gebräuche etc. S. 372.) versucht einen mythischen
- Zusammenhang zu finden, indem er meint, die Glocke, welche zuweilen
- aus Teichen und Seen aufsteigt, sei wie die Nebelkappe auf dem Wasser
- (Odhins Hut) ein Symbol für Stürme; ihr Tönen sei der heranbrausende
- Sturm. Er bringt damit die Benennung »Sauzagel« für Wirbelwind in
- Verbindung. Die Sau aber ist Finderin der im Dunkeln verborgenen
- Gegenstände, sonst ein der Finsternis geweihtes und darum als
- Juelschwein dem Lichtgott geopfertes Tier. (Haupt, a. a. O., No. 283
- a.) Ein goldenborstiger Eber, auf welchem Freir und Freia ritten,
- erhellte die Nacht taghell.
-
-
-683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
-
-Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein gegen
-2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes
-Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra und
-Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen Fläche
-einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos waren, daß
-Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an einem dritten
-Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes Jahr an
-diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen Glocken der
-versunkenen Stadt läuten hören.
-
- S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland.
- Da, wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine
- Stadt, welche versunken ist; man hört noch die Glocken in der
- Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 66.) Auf dem
- Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges in Thüringen,
- soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken
- ließ, weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der
- Sage nicht die Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine
- wurde einst auf dem Platze eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch,
- auch als man sie umgegossen hatte, einen abscheulichen Klang gab. S.
- übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. (Richter, Deutscher
- Sagenschatz, 3. H., No. 18.)
-
-
-684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.
-
-(Mündlich.)
-
-Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk großer
-Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die Überreste
-eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die Produkte
-der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges angegriffen
-wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne übrig blieben.
-Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine Stadt gestanden
-habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei.
-
-
-685. Die große Glocke in Geyer.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.)
-
-Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam auf
-einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt die Sage,
-daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch
-eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor ausgewühlt und von den
-Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden sei, aber
-nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben habe, bis ein Priester
-sie zu ihrer heiligen Bestimmung feierlich eingeweiht.
-
-Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen
-Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz von
-Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst
-Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der
-Prinzenraub darauf abgebildet.
-
-
-686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswaldaer Heide.
-
-(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.)
-
-Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen
-am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der
-Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde jedoch
-diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen und das
-Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf übergeführt.
-Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und 16 Schritt breite,
-jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem Antonius, an welchen
-der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser ausgezeichnete
-Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen Barbara erbaut worden
-sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese, auf welcher ehemals
-die Antoniusklause gestanden haben soll.
-
- In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in
- Rabenau, daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche
- genannt, sei eine Wallfahrtskirche gewesen, der historischen
- Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr den Namen
- »Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine
- solche sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war
- der Patron der Kaufleute und an der an der alten Grenze von Meißen
- und Böhmen gelegenen Kapelle führte jedenfalls in früheren Zeiten
- die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden vorüber. Nach einer
- anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster Zelle
- Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf
- befindliche Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die
- Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei,
- da eine andere Nachricht mitteilt, daß sie im dreißigjährigen Kriege
- eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler
- des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.)
-
-
-687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.
-
-(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5--7.
-Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 147.)
-
-Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als
-ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf
-einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen
-Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an diesem
-Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen aber
-stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres Schuppens
-ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte es den
-»gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte herum aber ist
-das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf einer grünen Wiese
-gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal, dem erst später
-die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet ward, erbaute man an
-dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine Kapelle, nach derem
-Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die daselbst befindlich
-gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie ihnen zu gewisser
-Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren von Schönburg,
-welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den Gerichten von
-Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe zur Erinnerung
-an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf beiden Seiten und
-auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist.
-
-
-688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.
-
-(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.)
-
-Auf der sogenannten heiligen Wiese im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz
-stand einst ein der Jungfrau Maria geweihter Altar mit einem
-wundertätigen Marienbilde, das zahlreiche Gläubige an sich lockte. Wenn
-dieselben die von den Mönchen des Klosters Grünthal gehaltenen Messen
-angehört hatten, besuchten sie die Märkte in Lungwitz, welche unter den
-»Linden«, die einst bei der jetzigen alten Post standen, abgehalten
-wurden. Der alte Weg, der vom Dorfe zu der heiligen Wiese führte und
-den die Wallfahrer ziehen mußten, hieß damals die Vorlage und besteht
-teilweise noch heute unter dem Namen »die Vorel« oder »Vurel« in der
-Nähe der jetzt Rügerschen Grundstücke in Abtei-Lungwitz.
-
-Auf dem Turme der Oberlungwitzer Kirche befindet sich noch eine
-uralte Glocke, die wahrscheinlich aus irgend einem Kloster stammt und
-seiner Zeit an die alte Lungwitzer Kapelle abgegeben worden ist, und
-zwar vorzugsweise mit zu dem Behufe, um bei den Wallfahrten nach der
-heiligen Wiese gelauten zu werden. Nach einer alten Tradition hat man
-stets mit dem Läuten der Glocken auf der Lungwitzer Kirche begonnen,
-wenn die Wallfahrtsprozessionen bei dem Marienbilde im Hirschgrunde
-angekommen waren, und es hat überhaupt dieses Bild dort an dem Orte
-gestanden, von wo aus die Oberlungwitzer Kirche am besten zu übersehen
-war, um während des Lesens der Messe u. s. w. die erforderlichen
-Zeichen zum Anschlagen oder Lauten der Glocken vom Platze aus hinüber
-nach dem Turme geben zu können.
-
-
-689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O., No. 560.)
-
-Unter den Reliquien der Kirche zu Ebersdorf befindet sich ein
-Schiffchen von Holz, welches aus dem 14. Jahrhundert stammt und bei
-folgender Gelegenheit dort aufgehängt worden ist. Ein gewisser Junker
-Wolf von Lichtenwalde (?) war ins gelobte Land gezogen, um dort gegen
-die Sarazenen zu kämpfen; er hatte alle Gefahren und Anstrengungen
-des Krieges glücklich überwunden und kehrte jetzt mit Schätzen
-beladen nach seinem Vaterlande zurück, wo ihn eine liebende Braut
-erwartete. Siehe, da begab es sich, daß das Schiff, auf dem er nach
-Venedig segelte, von einem furchtbaren Sturme überfallen ward; keine
-Geschicklichkeit des seekundigen Kapitäns, noch die übermenschlichen
-Anstrengungen der Mannschaft vermochten dem Andrange der wütenden
-Elemente zu widerstehen und jeder sah dem Untergange des Schiffes in
-nächster Zeit entgegen. Da sank der sonst so mutige Kreuzfahrer in
-wilder Verzweiflung auf die Knie und gelobte der heiligen Jungfrau
-zu Ebersdorf, daß, wenn sie ihn aus dieser Todesnot befreien und
-glücklich in sein Ahnenschloß zurückkehren lassen werde, er ihr ein
-Schiffchen ganz mit gutem Gold gefüllt als Opfer darbringen wolle, und
-solle er auch sein ganzes Eigentum dabei aufwenden. Und siehe, fast
-augenblicklich legte sich der Sturm, die Wogen glätteten sich und ein
-günstiger Wind trieb das Schiff schnell und glücklich in den sichern
-Hafen. Der Ritter vergaß aber nach seiner glücklichen Heimkehr sein
-Gelübde nicht, er ließ von einem geschickten Künstler ein Schiffchen
-anfertigen, füllte es mit Gold an und hing es zum ewigen Andenken in
-der Kirche zu Ebersdorf am Altare der hl. Jungfrau auf. Zwar hat die
-Lichtenwalder Gutsherrschaft nach der Reformation sowohl dieses Gold
-als auch alle andern Kostbarkeiten und Nutzungen der Kirche an sich
-genommen, nachdem sie die Verpflichtung eingegangen war, dieselbe in
-allen Baulichkeiten zu unterhalten, ja, sollte sie einmal abbrennen,
-ohne Zuthun der Gemeinde und des Kirchenärars aus ihren Mitteln wieder
-aufzubauen, allein das Schiffchen ist heute noch zu sehen.
-
-
-690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.
-
-(Richter, Chron. v. Chemnitz I, 1767, S. 85.)
-
-Im Jahre 1738 wurde in der Schloßkirche zu Chemnitz eine Geißelsäule
-wieder aufgerichtet, welche einige Jahre da gelegen hatte. Dieselbe
-befand sich vorher in dem sogenannten Geißelsaale nahe bei der Kirche
-und war aus einem Eichenbaume oder einer Linde gearbeitet. Die Sage
-erzählte, daß der Baum unten aus der Erde aufgewachsen und durchgeführt
-worden sei. Aus diesem ist nun durch die Bildhauerkunst eine Säule
-zugerichtet und an derselbigen, ohne Zuthun anderen Holzes, die ganze
-Geißelung Christi in Lebensgröße im ganzen ausgehauen worden. Dieses
-Kunstwerk haben viele hundert Personen von Fremden und Einheimischen
-jährlich zur Sommerzeit beim Spazierengehen ehedem besichtiget.
-
-
-691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 23.)
-
-Der Hauptaltar in der Annaberger Kirche besteht aus lauter
-italienischem und griechischem Marmor und ist von Meister Adolf in
-Augsburg verfertigt worden. Man erzählt davon folgende Sage:
-
-Ulrich Mengemeyer, ein reicher Bürger zu Augsburg, hatte sich mit
-Andreas Tuchern, einem böswilligen Ratsherrn, verfeindet, und ward
-durch dessen heimtückische Nachstellung bewogen, seine Vaterstadt zu
-verlassen. Er wandte sich nach Annaberg, wo er schon seit längerer
-Zeit viele Kuxe an sehr gesegneten Fundgruben hatte, und ward Bürger
-daselbst, in der Meinung, vor Tuchers Verfolgungen nunmehr sicher zu
-sein. Aber er irrte. Am Freitag vor Pfingsten 1514 ward er auf dem
-Wege zu seinem Freunde, dem Guardian des Franziskanerklosters, von
-zwei Meuchelmördern überfallen und erstochen. Die Mörder flohen zum
-Frohnauer Thore hinaus nach dem Schreckenberge hin. Der eine aber,
-Wilwald Dyrmann, den sein wüstes Aussehen und das Blut an den Händen
-verriet, wurde im Thale von einem Bergmann festgehalten und nach der
-Stadt zurückgebracht; der andere, Hansel Unger, ward auch bald nachher
-in Pirna eingefangen und in Ketten nach Annaberg geführt. Im Verhöre
-sagte Dyrmann aus, Andreas Tucher habe ihn durch seinen Vetter, Philipp
-Weisenburgern, einen armen Edelmann im Dienste der Stadt Augsburg, zu
-diesem Meuchelmorde für 400 fl. dingen lassen. Deshalb ward sogleich an
-den Augsburger Rat geschickt und Weisenburgers und Tuchers Auslieferung
-gefordert. Aber Weisenburger nahm die Sache allein auf sich und schrieb
-an den Rat zu Annaberg, er habe gute Sache an Mengemeyern gehabt und
-allein, ohne Tuchers Geheiß, Dyrmann zu dieser That bewogen; darum
-möchten sie dem das Lehen schenken. Zugleich war Weisenburger aus
-Augsburg entwichen. Tucher schickte einen Sachwalter nach Annaberg, der
-ihn vollends rechtfertigte. Dyrmann und Unger aber wurden am Freitag
-nach St. Anna 1511 durch das Rad hingerichtet. So war die Sache mit dem
-Rate zu Annaberg beigelegt. Herzog Georg von Sachsen aber ließ es nicht
-dabei bewenden, sondern verklagte die Reichsstadt Augsburg beim Kaiser,
-und obgleich der Augsburger Rat sich vielfach entschuldigte, so ward
-doch auf dem Reichstage dahin entschieden, daß die Stadt Augsburg wegen
-verletzten Gottesfriedens der Hauptkirche zu Annaberg einen marmornen
-Altar verehren solle. Und dies geschah auch.
-
-So erzählt die Sage. Geschichtlich glaubwürdige Nachrichten aber sagen,
-dieser Altar sei von den Annabergern, welche sich damals des reichsten
-Bergsegens erfreuten, mit 2551 fl. bezahlt worden, und Herzog Georg der
-Bärtige habe selbst 1000 fl. von seinem Grubenanteil abgegeben.
-
-
-692. Die Domkanzel in Freiberg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 134.)
-
-Die Sage erzählt, daß in dem Dome in Freiberg ein Meister und sein
-Geselle jeder eine Kanzel gebaut habe, die des Gesellen aber besser
-geraten sei. Darüber sei der Meister so zornig geworden, daß er den
-Gesellen erschlagen habe. Noch jetzt kann kein Geistlicher auf des
-Gesellen Kanzel wegen jener Greuelthat predigen.
-
-
-693. Der Donatsturm zu Freiberg.
-
-(~Curiosa Sax.~, 1736, S. 171. Darnach Gräße, Sagenschatz, No. 286.
-Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 275.)
-
-Auf dem sogenannten Donatsthore in Freiberg befindet sich ein runder
-und sehr starker Turm, dessen Mauern 9 Ellen dick sind und den
-angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von seinem Solde
-abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man um die Stadt Freiberg
-herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore nach dem
-Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtturm, hinter den sich,
-sobald man demselben gleichsteht, der große Donatturm verkriecht,
-also daß man an solchem nichts mehr als den Knopf von der oben darauf
-stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Turm mehr als einmal
-so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtturm.
-
-
-694. Der Marterturm auf Hassenstein.
-
-(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)
-
-Auf der Nordseite der Burg Hassenstein steht, einige hundert
-Schritte von dieser malerischen Ruine entfernt, im dichten Walde
-ein hoher, geräumiger Turm, von dem umwohnenden Landvolke insgemein
-der »Marterturm« genannt. Der Sage nach wurde dieser Turm von einem
-der ersten Hassensteiner Burgherren für gefallene Mädchen und ihre
-Verführer gebaut. Doch es geschah, daß die Tochter des sittenstrengen
-Besitzen die erste schuldige war, und deshalb in den Grund des Turmes
-eingemauert, ihr Verführer aber vor dem Turme enthauptet wurde.
-
-
-695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 347.)
-
-In einem der Zimmer des Schlosses zu Nossen befand sich sonst ein
-Gemälde, auf dem ein Mohr vorgestellt war, der in einer Wanne saß.
-Den scheuern zwei Bademägde mit Katzenzagel und Sandhadern recht
-nachdrücklich, also daß ihnen der Angstschweiß über die Wangen läuft,
-können aber doch kein weißes Fleckchen an seiner Haut entdecken, wie
-die darunter stehenden Reime bezeugen:
-
- Wir waschen ihn mit ganzem Fleiß,
- Noch will der Mohr nicht werden weiß.
-
-
-696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.
-
-An der Straße, welche von Thalheim nach Stollberg führt, steht auf der
-Höhe im Walde eine Restauration, »Tabakstanne« genannt, die ihren Namen
-von einer alten Tanne hat, in welche Handwerksburschen vor alter Zeit
-folgenden Reim schnitten:
-
- »Sieh' hier, mein lieber Wandersmann,
- Ist die Forst- und Tabakstann',
- Setz' dich nieder, ruhe aus
- Und rauch' dein Pfeifchen Tabak aus.«
-
-In der Neuzeit ist an die Stelle der alten wurmstichigen Tanne eine
-junge gepflanzt worden, an der sich eine Tafel mit folgender Inschrift
-befindet:
-
- »Sieh' hier, mein lieber Wandersmann,
- Verjüngt die alte Tabakstann',
- Bedenk' dabei die goldne Lehr':
- Das Neue prüf', das Alte ehr'.«
-
-
-697. Die Eichen bei Callnberg.
-
-(Nach Ziehnert bei Gräße a. a. O., No. 475.)
-
-In Callnberg bei Lichtenstein, wo Kunz von Kauffungen die Gartenleitern
-(lederne Leitern mit Holzsprossen) für den Prinzenraub fertigte -- der
-Ort gehörte seinem Vetter Dietrich -- stehen noch heute ohngefähr 200
-Schritte vom Rittergute an der Straße von Waldenburg nach Lichtenstein
-zwei sehr alte, jedoch nicht schön gewachsene Eichen, von denen man
-sagt, daß sie zum Andenken an den Prinzenraub gepflanzt worden sind.
-Die Scheune, in welcher jene Leitern angefertigt wurden, ist längst
-zerstört, der Platz aber mit einer Gedenktafel bezeichnet, deren
-Schrift mit der Zeit unleserlich geworden. Diesem Mangel wurde später
-durch folgende Inschrift abgeholfen:
-
- Hier knüpfte Leitern der Teufelskerl
- Kunz Kaufung, zu rauben des Landes Perl.
- Hans Schwalbe dazu ihm war bereit,
- Gelobt sei Gott in Ewigkeit.
-
-
-698. Die Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.
-
-(Hist. Nachricht von den Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz, 1734, S.
-24. Gräße, Sagenschatz etc., No. 497, nach ~Curiosa Sax.~ und Ziehnert.)
-
-Auf dem Pflaster der Schloßkirche zu Chemnitz sieht man einen dunkeln
-Fleck, der daher rührt, daß einst ein Mönch, der sich bei einer dort
-gehaltenen Himmelfahrtskomödie an der Maschine, die zum Hinaufziehen
-in ein oben befindliches Gewölbe oder Herablassen aus diesem diente,
-hinaufziehen ließ, im Herabfallen zu Tode stürzte. In derselben
-befindet sich auch das Bild des Abtes Hilarius, der dieselbe etliche
-Jahre vor der Vertreibung der Mönche hatte reparieren lassen. Dieses
-Bild darf aber von niemandem geneckt oder von seinem Orte weggenommen
-werden, wenn dem Thäter kein Unglück begegnen soll, wogegen es einst
-einer Hausmagd, die es hübsch gesäubert, diesen Dienst mit einem alten
-Thaler gelohnt hat.
-
-Von den aus Stein gehauenen Bildern im alten Portal der Kirche wird
-gesagt, daß dieselben ein alchemistisches Geheimnis bedeuten sollen,
-und man zeigte auch das Gewölbe, in dem die Mönche Alchemie betrieben.
-
-Ebenso sah man früher den Eingang zu der Höhle, durch welche die Mönche
-unvermerkt aus dem Kloster und absonderlich in das Minoritenkloster
-in der Stadt, bei welchem ein ähnlicher Gang unter der Erde gefunden
-worden war, hätten kommen können.
-
-
-699. Das zürnende Steinbild in Nossen.
-
-(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ II, S. 107.)
-
-Im Keller des Hauses dicht neben dem Gasthofe zum Stern am Markte in
-Nossen soll ein altes, aus dem Kloster Altzella stammendes Steinbild
-eingemauert sein. Vor ihm haben sich, des zürnenden Blickes wegen,
-welches das Bild oft machte, die Dienstboten des Hauses so gefürchtet,
-daß es erst ohnlängst verblendet werden mußte.
-
-
-700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, 495.)
-
-Auf dem alten Schlosse Oberforchheim am Haselbache, an der Straße von
-Freiberg nach Annaberg, stand bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts
-auf dem Oberboden in einer Kammer ein alter Großvaterstuhl, den hieß
-man der Frau Mutter Stuhl und auf diesem lag eine hölzerne Statue, die
-aber sehr stark vergoldet war, und ein kleines Männchen vorstellte.
-Diese zwei Gegenstände kannte jedermann im Schlosse und im Dorfe, und
-alle hatten eine gewisse heilige Scheu vor denselben, denn man sagte,
-sie seien die Palladien des Rittergutes, und wenn jemand den Stuhl von
-seiner Stelle rücke oder das Männchen angreife und in eine andere Lage
-bringen wolle, der werde dafür schwer von demselben gezüchtigt. Da
-diente um diese Zeit auf dem Hofe ein Knecht, der sich vor dem Teufel
-nicht fürchtete und einst in seiner Vermessenheit sich gegen seine
-Mitdiener rühmte, er wolle doch sehen, ob ihm etwas geschehen werde,
-wenn er sich an dem Stuhle vergreife. Darauf ging er also hinauf, schob
-den Stuhl weg und gab dem alten Männchen einen Backenstreich; allein
-die Strafe blieb nicht aus, denn noch in derselben Nacht legte sich
-dasselbe im Bette auf ihn als schwerer Alp und drückte ihn bis es Tag
-wurde, in der nächsten litt es ihn ebenso wenig und in der dritten
-warf es ihn gar aus dem Bette heraus. Nun ward er zwar ängstlich,
-rückte auch den Stuhl wieder an seinen alten Platz, allein der Geist
-war auf immer seiner alten Wohnung abhold, denn er zog auf und davon.
-In den darauf folgenden Tagen brannte das ganze Rittergut ab, und so
-viel man sich auch Mühe gab, den Stuhl und das Männchen zu retten,
-das einstürzende Dach begrub beide unter seinen Trümmern und als man
-dieselben abräumte, war nichts mehr von ihnen übrig.
-
-
-701. Das Schächerhäusel bei Geyer.
-
-(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. Band,
-Schneeberg, 1750, S. 31.)
-
-An der Landstraße bei Geyer stand ehemals das sogenannte
-Schächerhäusel, welches aus einem gemauerten Schwibbogen, so mit
-Schindeln gedeckt und vornen mit Staketen verwahret war, bestand;
-darin befanden sich drei Kreuzbilder. Dieses Schächerhäusel war wohl
-ein Überbleibsel des Papsttums, doch erzählte man, es diene dazu, die
-Reisenden vor dem Bergabgrunde, sowie vor Irrwischen und Berggeistern
-zu warnen.
-
-
-702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 43.)
-
-Diese kleine, nahe bei der Stadt Zwönitz gelegene Kirche, in welcher
-nur noch bei Begräbnissen und wenigen Festtagen gepredigt wird, soll
-ein Hufschmied aus Niederzwönitz zur Strafe getriebener Sodomiterei
-haben erbauen müssen. Zum schmachvollen Gedächtnis des Gründers hängen
-inwendig über der Thüre an einem Brette fünf vergoldete Hufeisen; fünf,
-weil er sein Verbrechen fünf Jahre lang soll getrieben haben.
-
- Hufeisen kommen oder kamen an und in vielen Kirchen, z. B. an der
- Nikolaikirche zu Leipzig, in Nürnberg, Tangermünde etc., und zwar
- besonders an den dem heil. Nikolaus geweihten vor und das Volk
- verbindet damit verschiedene Sagen. So ist auch ein solches Eisen an
- der Domkirche in Wexiö in Schweden aufgehangen; dasselbe soll Odhins
- Roß Sleipnir verloren haben, als es beim ersten Geläute der ersten
- christlichen Messe einen gewaltigen Schlag gegen einen Felsen führte.
- Wo sich Hufeisen an und in den Kirchen finden, deuten sie vielleicht
- auf einen einst an demselben Platze gestandenen Tempel Wuotans hin.
- Die christlichen Bekehrer gestatteten, daß dieses Heilszeichen (nach
- einem noch heute weitverbreiteten Glauben bringt ein gefundenes
- Hufeisen Glück) dann an der Kirche aufgehangen wurde, um dem Volke
- wenigstem etwas von dem gewohnten Kultus zu lassen.
-
- In den Nikolaikirchen bezieht sich das Hufeisen auf den heiligen
- Nikolaus selbst, der an die Stelle Odhins trat und als geharnischter
- Reiter gedacht wurde. In anderen Kirchen zeigte dieses Eisen
- vielleicht an, daß sich bei denselben eine Gesellschaft in »Not
- und Tod« befand, welche die an der Pest Gestorbenen bestattete und
- ihren Stifter, den Bischof Elegius, welchem das Hufeisen heilig
- war, als ihren Schutzheiligen betrachtete. (Schäfer, Deutsche
- Städtewahrzeichen, 1858, S. 23.)
-
-
-703. Das wandernde Haus in Zinnwald.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Pros. Nachtrag, No. 2.)
-
-In sächsisch Zinnwald steht (?), ohngefähr fünfzig Schritt von der
-Grenze entfernt, ein kleines hölzernes, von einem Bergmanne bewohntes
-Häuschen, an dessen hintern Deckbalken in der Stube folgender Vers
-eingeschnitten ist:
-
- Ich bin nun auf Sachsen Boden, Gott Lob,
- weil mich mein Wirth, Hans Hirsch, aus Böhmen rüber schob.
-
- 1721.
-
-In den Jahren 1716 bis 1728 wurden nämlich die protestantischen
-Einwohner Böhmens ihrer Religion wegen hart verfolgt und sogar
-gezwungen, entweder zur katholischen Kirche überzutreten oder das Land
-zu verlassen. Wenige thaten das erstere, die meisten wanderten nach
-Sachsen aus. Unter letzteren war auch ein Bergmann, mit Namen Hans
-Hirsch. Er hielt fest an seinem Glauben und besann sich deshalb keinen
-Augenblick, was er thun solle; aber sein Häuschen, welches ohnweit
-der Grenze stand, hätte er gern mitgenommen. Darum beriet er sich mit
-seinen Freunden und Gevattern und endlich hatten sie's erklügelt. Das
-Häuschen ward auf Walzen gebracht und bei Nacht und Nebel glücklich
-nach Sachsen herüber gepascht auf den Fleck, wo es jetzt noch steht.
-Zum Andenken schnitt Hirsch obige Schrift in den Balken ein.
-
-
-704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels mit
-benachbarten Schlössern.
-
-(Mündlich.)
-
-Es wird erzählt, das Schloß Wildenfels habe in alter Zeit durch
-unterirdische Gänge mit Stein, sowie mit Wiesenburg, welches früher ein
-Raubschloß gewesen sein soll, in Verbindung gestanden. Ebenso soll ein
-Gang von dem Schlosse nach einer Burg geführt haben, deren Ruinen man
-noch vor Jahren in der »Loh«, einem sumpfigen Walddistrikte bei Schönau
-sah. Auf einen der Gänge ist man vor mehreren Jahren unter einem am
-Teichplatze des Städtchens Wildenfels gelegenen Hause gestoßen; man hat
-darin aber weiter nichts gefunden, als eine alte Grubenlampe.
-
-
-705. Der Judenborn zu Sayda.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 21; z. T. mündlich.)
-
-Zum schnellen Anbau Oederans trug das nahe Freiberg mit seinem
-Silbersegen sehr vieles bei. Besonders waren es Eisenarbeiter, deren
-Arbeit und Erzeugnisse dem Bergbaue daselbst nötig waren, welche
-Oederan im Anfange bevölkerten. Für die Oederaner Ansiedler wurde zu
-dieser Zeit ein sogenannter Silberjude, der seine Wohnung im jetzigen
-Rathause hatte, der Mäkler und Gläubiger. Denn er lieferte die
-Silberstangen Freibergs größtenteils in das Oederaner Kloster, wo das
-Silber geschlagen und nach Nürnberg und Böhmen verpascht wurde, woraus
-man großen Gewinn zog und wobei man sich aber um die Unterstützung der
-Bewohner sehr wenig kümmerte. Nun zogen jener Jude und einige Mönche
-(es soll im Jahre 1236 gewesen sein) mit einem starken Silbertransport
-über Sayda nach Böhmen. Die erbitterten Oederaner schlichen ihnen bis
-Sayda nach, vereinigten sich dort mit den Bewohnern und besonders mit
-der Besatzung des dortigen Schlosses, überfielen und plünderten die
-ungetreuen Haushalter, schlugen den Juden tot und warfen ihn in einen
-Brunnen, welcher deshalb der Judenbrunnen genannt wurde.
-
-Noch zeigt man am Gasthofe zum Bade in Sayda den Judenbrunnen. Nach
-einer anderen Überlieferung erinnert derselbe, ebenso wie eine Wiese,
-welche der Judenkirchhof genannt wird, an die alte Judenvorstadt,
-welche außerhalb der alten Stadtwälle etwas unterhalb des
-Judenkirchhofes auf einer Wiese lag, die jetzt noch den Namen »Flecken«
-trägt. Als im Jahre 1465 die Stadt abbrannte, wurde die Judenstadt
-nicht wieder aufgebaut, weil man den Juden die Schuld an dem Brande
-beimaß.
-
- Man hat den Namen der Stadt und Burg Sayda (urkundl. ~Saydow~,
- ~Seydowe~) vom slavischen ~sid~, der Jude, Adj. ~sidowy~ abgeleitet.
- Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge, Programmarb., Annaberg,
- 1866) stimmt dem jedoch nicht bei, sondern hält die Ableitung vom
- slav. ~sad~, die Anpflanzung, der Garten, für richtiger. Er meint,
- daß vor den Juden die Slaven eine Ansiedelung gründeten, mit der Zeit
- sei aber aus ~sadowy~, d. h. die zur Ansiedelung Gehörigen, ~saidow~,
- ~seidow~, ~Sidow~ geworden, welche letztere Form sehr gut wegen der
- Ähnlichkeit mit ~Zidow~, Judenstadt, verwechselt werden konnte.
-
-
-706. Der Mühlgrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.
-
-(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgeb. Dresden, 1847, S. 299. Gießler, Sächs.
-Volkssagen, Stolpen o. J., S. 591.)
-
-Vom Fuße des Schloßberges Scharfenstein schiebt sich eine schmale,
-niedrige, kaum 10 Meter hohe Felsenrippe weit in das Thal hinein. Durch
-dieselbe wird die Zschopau genötigt, eine beinahe wieder zurücklaufende
-Krümmung zu machen und das Thal im weitesten Bogen an seinem äußersten
-Rande zu umkreisen. Bereits im 16. Jahrhunderte wurde ungefähr in der
-Mitte dieser Felsenbank ein 30 Meter langer Stollen durch dieselbe
-gebrochen, um das Flußwasser mit recht viel Fall zu der jetzt
-Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Im Jahre 1834 wurde derselbe
-erweitert, was später noch einmal geschah.
-
-Die Sage erzählt nun über die Entstehung dieses Stollens folgendes:
-Nach dem dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern
-Scharfensteins wie anderwärts Räuber und Wildschützen, welche sich
-meist aus den entlassenen Söldlingen rekrutierten, umher. Ein Herr von
-Einsiedel, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß den Wildschützen
-mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu säubern, und
-es gelang ihm auch endlich, zwei derselben gefangen zu nehmen. Es gab
-damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der That ertappten
-Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr zögerte nicht, diese Strafe
-auch über die beiden gefangenen Raubschützen verhängen zu lassen.
-Dieselben sollten auf einen starken lebenden Hirsch, den man zu diesem
-Behufe eingefangen hatte, gebunden und dann ihrem weiteren Schicksale
-überlassen werden. Das war einen zehnfachen Tode gleich zu achten,
-denn man hatte Beispiele, daß nach Tagen und Wochen die geängstigten
-Tiere ihre schreckliche Last, zerfleischt und doch noch lebend mit sich
-herumschleppten. Als den beiden Missethätern das Urteil verkündigt
-worden war, erkannten sie sofort dessen furchtbare Bedeutung und sie
-flehten um Gnade. Den älteren von ihnen durchzuckte ein rettender
-Gedanke und er sprach zum Schloßbesitzer: »Gnädiger Herr, wir sind
-Bergleute unserem Berufe nach, und in diesem Fache gar wohl erfahren.
-Schon früher ist uns der Wunsch nahe gelegt worden, einen Stollen vom
-Wasserspiegel der Zschopau aus zu treiben, damit eine Wassermühle im
-Dorfe, an der es jetzt so sehr fehlt, angelegt werden könne. Erlaßt
-uns nur die furchtbare Strafe des Hirschreitens, und zur Sühne unserer
-Thaten machen wir uns anheischig, den besagten Stollen durch den hohen
-Felsen in Zeit von drei Tagen und drei Nächten zu treiben und zwar nur
-mit Schlägel und Eisen.« Der Schloßherr ging nach kurzer Überlegung
-auf den Vorschlag ein, und die beiden Verurteilten begannen sofort
-ihr schweres Werk. Es wurden ihnen Leute gestellt, welche die nötige
-Handreichung thun mußten, und genau nach Verlauf der ausbedungnen Zeit
-war der Stollen fertig. Die Wildschützen freilich waren vor Erschöpfung
-dem Tode nahe; halb entseelt lagen sie neben dem Stolleneingange. Doch
-erholten sie sich und der Ritter vom Scharfenstein hielt sein Wort und
-schenkte ihnen Freiheit und Leben.
-
-Erzählt wird, daß der berüchtigte Raubschütz Carl Stülpner, Ende des
-18. Jahrhunderts, ein Nachkomme des einen der Begnadigten gewesen sein
-soll.
-
-
-707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1008.)
-
-Im Jahre 1493 ist ein Schneeberger, namens Kegler, bestraft worden,
-weil er schmählich und leichtfertig von dem schneebergischen Frauenvolk
-geredet hatte, daß er alle frommen Weiber auf einem Karren vom
-Schneeberg führen wollte. Auf diese Rede hin, und weil er insgemein von
-den Frauen nichts gutes gesprochen, ist er gefänglich von den Gerichten
-eingezogen und ihm darauf zur Strafe auferlegt worden, daß er die große
-Pfütze zwischen dem Schnee- und Claußberge, da, wo jetzt das Rathaus
-steht, ausstürzen, und pflastern lassen solle. Trotz seiner Beschwerde
-wurde diese Strafe auch vom Herzog Georg bekräftigt. Das Pflaster aber,
-zu dem er über hundert Fuder Steine haben mußte, wurde lange Zeit
-nachher noch des Keglers Pflaster genannt.
-
-
-708. Die übermütige Rede eines Schneeberges wird bestraft.
-
-(Mündlich.)
-
-Unter den reichen Verzierungen in Steinmetzarbeit, womit das früher
-Trebra'sche Haus in Schneeberg ausgezeichnet ist, befindet sich auch
-als eine Art Wahrzeichen ein Kopf mit einer heraushängenden Zunge. Von
-dem Erbauer des Hauses, einem gewissen Bortenreuter, aber wird erzählt,
-daß derselbe seinem Vater, als ihm solcher einst Vorstellungen wegen
-des übermäßigen, an dem Hause angebrachten Luxus machte, in seinem
-Hochmute geantwortet habe, er sei so reich, daß er dies und noch mehr
-thun könne, er könne sogar die ganze Zobelgasse mit preußischen Thalern
-pflastern. Worauf ihm der Vater antwortete: »Du wirst es noch so weit
-bringen, daß Dich einmal in Deiner Armut die Läuse fressen!« Und so,
-wie es der Vater prophezeit, ist es endlich auch gekommen.
-
-
-709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen
-Fischkessel.
-
-(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1165.)
-
-Zu der Kipper- und Wipperzeit, welche 1604 auf der Ostermesse in
-Leipzig ihren Anfang nahm und 1623 ihren Höhepunkt erreichte, so daß
-ein ganzer Reichsthaler 10 Gulden, ein rheinischer Gulden 13 fl. und
-ein Dukaten 17 Gulden gegolten, hat einer von Adel 1500 Gulden dieses
-leichten Geldes, nachdem es gefallen, beisammen gehabt, und da er noch
-die Unkosten darauf gewendet und das Silber und Kupfer von einander
-scheiden lassen, hat er nur so viel gehabt, daß er einen silbernen
-Löffel und einen kupfernen Fischkessel daraus hat machen lassen können.
-
-
-710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 912 und 920.)
-
-Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu
-Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht
-und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß sie
-sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben ließen.
-Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab greifen
-mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche um Almosen bat.
-
-Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt
-worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe, daß er
-aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen. Dasselbe
-Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter Zeit mit
-seinem Weibe in Rheinwein badete.
-
-In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau, die
-unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern
-auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit Malvasier
-begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden, sagte sie,
-sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde sonst wenig an
-ihn gedacht haben.
-
-
-711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 904.)
-
-Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um 1500 Gulden
-verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern für eine solche
-Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für den Barchent eine
-Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die Nachtigall einen Kux
-auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges, welcher anfangs nicht
-groß geachtet worden, gegeben. Und da der Kux so herrliche Ausbeute
-und zwar an die 1500 Gulden gebracht, hat man die Vogelbirne und die
-Ausbeute mit einander verglichen.
-
-
-712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.
-
-(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier,
-1881, S. 71.)
-
-Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und
-Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein
-mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme vorstelle,
-was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der Teurung 1772
-hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals Trebra'schen Hause
-berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen für 25 Thaler verkauft
-worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause erzählt man übrigens
-noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe, wenn man das Bild an der
-Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder aufhörte, sobald die Figur an
-ihre alte Stelle gebracht wurde.
-
-
-713. Historia, wie Silberz in Holz gewachsen.
-
-(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 80.)
-
-Wie auf der St. Lorenz-Zeche zu Abertham eine Bergfeuchtigkeit aus
-einer Strossen gesintert und darunter das Liegende in den Strecken
-übersilbert und in den Klunsen des Trag-Tempels oder Kappen und
-Strauben »zeenicht Silber« gewachsen, da das Holz nicht viel über 20
-Jahre im Berge gelegen, beschreibt Matthesius in seiner ~Sarepta~ mit
-diesen Worten: »Ich will euch eine wunderschöne Berghistorie sagen,
-von gediegenem Silber, das in St. Lorenz-Fundgrube auf dem Abertham
-innerhalb 20 Jahren in einem Stempel gewachsen und dies laufende 1556
-Jahr aus der Grube gekommen ist.
-
-Da sich der Steiger auf dem St. Lorenz in der Zeche umsiehet, wird
-er in einer Strecke gewahr, daß sich eine weiße »geharschte Art« im
-Liegenden, wohl halb Orts hoch angelegt hat, die sahe aus, als wäre das
-Gestein überzinnt. Solche sticht er ab und findet »in der Sicherung«
-weiß Silber, als wenn es von einem Thalergroschen abgefeilet worden
-wäre, und da er's probieren ließ, hielt es bis 17 Mark. Wie er sich
-aber umschauet, wann es dahin gesintert sei, wird er seiner gewahr in
-der First, daß es getropft sei aus einem schwebenden Feld, das oben
-und unten, hinten und vorn verfahren, welches nur seine Bergfeste noch
-hatte, kaum drei oder vier Spannen dick, und siehet, daß eine weiße
-Guhr oder molkenfarbiges Wasser erstlich auf den Stempel »gesiegen oder
-gesiefert«, und aus dem Stempel in das »Bunloch« geronnen, hernach
-im Liegenden herabgeflossen und sich allda »geliefert,« angelegt und
-»erherscht« hatte. Wie er aber den Stempel ausschlägt, findet er in
-»Strauben« und Spalten gediegen und »zänicht« weiß Silber, drein sich
-Haken schneiden ließen.«
-
-
-714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.
-
-(Chronica der fr. Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 36.)
-
-Das Oberdorf von Mildenau hat wegen guter Ausbeute aus den vielen
-daselbst befindlichen Bergwerken »Reichenau« geheißen, daher auch noch
-hier bekannt, daß die Marktstraße der Oberdörfer nach Annaberg die
-Reichenauer Straße genannt wurde. Man soll vor Zeiten mit so großer
-Ausbeute begnadigt worden sein, daß die 12 Apostel in Lebensgröße aus
-Silber hergestellt wurden, welche darauf nach Grünhain gekommen sein
-sollen.
-
-
-715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.
-
-(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 144.)
-
-Von etlichen alten steinernen Häusern zu Schneeberg, als der
-Fundgrübner Haus, des Koithen Haus, Dietrich Kadmanns, Wolf Meiners und
-Jacob Selings Haus findet man dieses sonderliche, daß dazu solcher Sand
-kommen sein soll, der weit mehr als die Häuser wert gewesen, welches
-man aber vor der Zeit, ehe man die Siebarbeit und nasse Pochwerke
-gehabt, nicht verstanden.
-
-
-716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 917.)
-
-Am hohen Gebirge auf der Unruher Gang bei Neustädtel ist eine Zeche
-gewesen, die Hundsfliegen genannt. Der Schichtmeister hat geheißen
-Georg Rücker, und sein Vorstand Brosius Teuschel; der Steiger hat
-geheißen Simon Tod, der Häuer mit dem Zunamen Teufel, und der Junge
-Leckhänsel. Zur Zeit sind Nürnberger, so da gebauet, herein gekommen,
-und da sie alle diese Namen der Amt- und Arbeitsleute auf der Zeche
-gehört, hat einer unter ihnen gesagt: »Ei Lieber, es ist kein guter
-Name auf der ganzen Zeche, und kein anderer, als Hundsfliegen, Rücker,
-Teuschel, Tod, Teufel, Lecker; was soll man da für gute Hoffnung haben?
-Ich will hinfort nicht mehr bauen.«
-
-Es hat auch ein vornehmer Mann auf etlicher Leute Angaben am Gleeßberge
-geschürft und einen schönen Gang entblößet und die darauf angelegte
-Zeche »auf der fruchtbaren Sara« genannt. Aber auf eine Zeit hat er
-seinem Eidam, einem berühmten und hochgelehrten Manne, auch einen Teil
-angeboten und geschenkt. Da derselbe aber von ungefähr der Zeche Namen
-gehört, hat er gesagt: »Mein lieber Herr Vater, ich komme wieder zurück
-mit meinem Kuxbauen, der Name hat eine so gar böse Bedeutung. Sara ist
-90 Jahre alt geworden, ehe sie fruchtbar gewesen; sollte ich nun auch
-so lange warten, so würde mir die Zeit zu lange und ich nimmer da sein.
-Ich will mich hiermit freundlich bedanket haben.«
-
-
-717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.
-
-(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1164.)
-
-Als im Angehen des Schneebergs die köstlichen Erze in großer Menge
-zu Zwickau an dem Orte, da der Holzanger ist, geschmolzen und sehr
-viel guter Schlacken in die Mulde gestürzt worden, welche dann, wenn
-sie angeschwollen, dieselben fortgeführt, hat sichs über demselben
-Schmelzen einstmals zugetragen, daß man aus Mangel der Fuhre in bösem
-Wetter und Wege eine ganze Woche kein Erz nach Zwickau geführt. Da man
-nun drinnen vermeinte, daß man noch länger in der Schmelzhütte kalt
-liegen müsse, ist in solchen Gedanken ein Schmelzer nach einem Regen
-hinaus auf einen Schlackenhaufen spazieren gegangen, und weil ihm
-die Schlacken, als wenn Silberflitzschen darauf lägen, in die Augen
-geschimmert, hat er dieselben genommen, durchgesetzt, und so die Tage
-über mehr Silber aufs neue, als je zuvor daraus gemacht. Da nun der
-Hauptmann oder Verwalter (andere wollen wissen, es sei Römer gewesen),
-welcher zu ihm gekommen, gefragt, woher das Silber käme, und er dessen,
-was sich begeben, berichtet worden, ist er mit dem Schmelzer auf die
-Knie gefallen und hat Gott um Verzeihung gebeten, daß den Gewerken
-und Fürsten so übel vorgestanden und die herrlichen Gaben Gottes so
-unnütze, jedoch wider sein Wissen, umgebracht, und so viel köstlicher
-Schlacken vom Wasser weggeführet worden wären.
-
-
-718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.
-
-(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und
-Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52.
--- Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., 1804, S. 52. W. Clauß,
-Führer durch das Weißeritzthal, 2. Aufl., S. 33.)
-
-Einst gab der Höckendorfer Bergbau, und besonders das aus acht
-zusammengeschlagenen Zechen bestehende Berggebäude Edle Krone
-ungewöhnlich reiche Ausbeute an Silber, bisweilen auch an Gold, das
-man hier und in der nahen Gegend in Stockwerken fand. Mehrere Stellen
-alter Grubenrisse sind mit dem Ausdruck: »Das ist der rechte silberne
-Mandelmann«, bezeichnet. Die Herren von Theler wurden infolge dieses
-Silberreichtums sehr übermütig. Ein Conrad von Theler aber, welcher
-wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen aufschlagen und wo
-er ritt, Geld ausstreuen ließ, auch das Aufheben eines dieser etwa
-verloren gegangenen silbernen Hufeisen von seiten seiner Unterthanen
-verbot, damit man wisse, welchen Weges die Theler gezogen, soll am 9.
-Sonntag nach Trinitatis, am 25. August 1557, um es in seinem Hochmut
-dem Herzog Albrecht in der St. Georgszeche zu Schneeberg gleich zu
-thun, der Ritterschaft der Umgegend ein glänzendes Gastmahl in seiner
-reichen Silbergrube »Zur Edlen Krone« gegeben haben, in welcher die
-Knappen Tische und Bänke aus den edelsten Metallen gehauen und alles
-Geschirr der Tafel von gediegenem Gold und Silber gewesen sei. Als
-man nun tief unter der Erde in wilder Lust geschwelgt und sogar mit
-silbernen Kugeln nach silbernen Kegeln geschoben habe, da sei von
-Bärwalde her ein furchtbares Gewitter aufgezogen und habe sich unter
-orkanähnlichem Sturme mit Wolkenbrüchen über das Thal der wilden
-Weißeritz entladen und der über sieben Ellen hoch anschwellende Fluß
-habe sich mit solcher Macht in das offen stehende Stollenmundloch der
-Edlen Krone gestürzt, daß der Ritter von Theler mit all' seinen Gästen
-und Dienern da unten ertrunken und all' kostbares Geschirr und zur
-Prunkschau aufgestelltes Silbererz verschüttet und verschwemmt worden
-sei. Seitdem ist der dortige Bergbau nie wieder recht in Gang gekommen;
-daß er aber einst schwunghaft betrieben worden, beweisen eine Menge
-Stollenmundlöcher, beraste Halden, Überreste eines großen Kunstgrabens
-und von Pochwerken, große Schlackenhaufen und dergl. mehr.
-
- Eine angebliche Urkunde erzählt, es seien von dem Stollenmundloche
- aus, vor welchem man die Küche errichtet, die Speisen auf silbernen
- Schüsseln in die Grube getragen worden, und die Aufwartung von den
- Bergleuten der Edlen Krone und anderer Werke geschehen. Bei dem
- Banket habe ein ganzes Chor Musikanten aufgespielt und der Überschuß
- der Grube, 35000 Thaler in Silber, sei auf der Gasttafel zur Schau
- aufgestellt gewesen. »Als nun die Herren sich wohl bezecht und
- besoffen, da sei ein sehr schweres Gewitter von Frauenstein herunter
- nach Bärwalde gezogen, welches denn die aufwartenden Bergleute
- gesehen und es den Schmaußenden in der Grube vermeldet, auch erinnert
- auszufahren, weil man nicht wissen könne, was der große Gott etwa
- verhängen möchte, haben darauf einige von den Sauf- und Freßbrüdern
- gottloser und frevelndlicher Weise geantwortet: »Sie wären in der
- Grube sicher genug, es möchte draußen zugehen, wie es wollte«. Da
- denn sogleich im Moment ein schrecklicher Wolkenbruch vor Bärwalde
- hernieder gefallen, auch ein rechtes Erdbeben erfolget, und die
- Weißeritz in einem Nu so plötzlich angeschwellet, daß das Wasser
- das Stollenmundloch gleich erreichet und darinnen hinuntergelaufen,
- so viel nur hätte hinein gekonnt. Was nun im Abteufen auf Arbeit
- gelegen, ist sogleich umgekommen, die aber oben auf dem Stollen bei
- der Fresserei gewesen, sind zu den Tageschachten hinausgefahren,
- da sind fast alle beschädigt worden, weil von der grausamen
- Erschütterung die Tonnenbretter und ganze Zimmerung in den Schachten
- ab- und losgeworden und den Auffahrenden entgegengekommen, und dies
- ohne großen Schaden nicht abgegangen.
-
- So sind denn in wenigen Minuten die sonst im ganzen Lande so sehr
- berühmten Bergwerke zu Grunde gegangen. Das Silber, das ganze
- Silberservice, die Musik liegt bis zu dieser Stunde samt allen
- verunglückten Menschen in der Grube«.
-
- Auch diese Mitteilungen sind nur Sage, denn die zuverlässigsten
- sächsischen Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts
- erwähnen nichts von dem Gastmahle. Historisch ist wohl nur die
- Vernichtung der Bergwerke durch einen Wolkenbruch am 25. August 1557.
- Wahrscheinlich hielten die Ritter von Theler bei den damaligen nur
- geringen Hülfsmitteln die Wiederherstellung der ersoffenen Gruben
- für unmöglich. Im Jahre 1565 verkaufte Benno von Theler Höckendorf
- mit dem Rechte des Bergwerks an den Kurfürsten August für 25000
- meißnische Gulden. Bis in das 17. Jahrhundert müssen einzelne
- Zechen noch gangbar gewesen sein; spätere Bergbauversuche wurden
- hauptsächlich durch die Kriege im 17. und 18. Jahrhundert vereitelt;
- im gegenwärtigen Jahrhundert nahmen die Gesellschaften »Edle Krone«
- und »Unverhofft Glück und Gottes Segen Erbstolln« den dortigen
- Bergbau wieder in Angriff. (Sachsengrün, 1860, S. 19 und 20.)
-
-
-719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.
-
-(Sachsengrün, 1860, S. 20.)
-
-In der Kirche von Höckendorf befinden sich unter dem Altare die
-Erbbegräbnisse der durch den Silberbergbau so reich gewordenen Ritter
-von Theler. Eine arme hülflose Somnambule, welche im Höckendorfer
-Pfarrhause längere Zeit Aufnahme gefunden, war in der Nähe des Altars
-jedesmal von einer fieberhaften Unruhe ergriffen worden und hatte dann
-erklärt, daß sie hier nicht bleiben könne, da unter ihren Füßen Metall
-vorhanden sein müsse. Die Sage geht auch, daß die Edlen von Theler in
-diesen Grüften in silbernen Särgen ruhen.
-
-
-720. Vom frühern Bergbau in Niklasberg und böhmisch Moldau.
-
-(Mündlich.)
-
-Früher waren die Silbergruben in Niklasberg, Klostergrab und Moldau
-in starkem Betriebe; erzählt wird, daß sie in den Hussitenkriegen
-eingingen. In Niklasberg wurde der Stollen verschüttet und die Hussiten
-nahmen die Grubenzeichnungen, welche jetzt in Dresden liegen sollen,
-mit. In Moldau zeigt man noch die Orte, wo der Stollen mündete und
-die Wäschen waren. Im Stollen soll ein Ort sein, die »Schatzkammer«
-genannt, an welchem aus jener Zeit noch viel reiche Silbererze liegen
-sollen. Vor Jahren wollte man dieselben nach Freiberg verkaufen, der
-Handel zerschlug sich aber, weil man daselbst nicht genug Geld hatte.
-
-
-721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.
-
-(v. Trebra, Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil
-der Gebürge im Bergamtsrevier Marienberg. Annaberg, 1770, S. 69.
-Darnach bei Gräße, Sagen des K. S. 2. Aufl., No. 584.)
-
-Im Jahre 1728 hatten sogenannte Rutengänger Risse zu Erzgängen in
-dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau liegt,
-angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, diese Züge
-zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen; man fing Röschen (d.
-i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man trieb einen
-Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, welche
-diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich niemand, der
-bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen wollte. Nun
-war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen Ansprung und Olbernhau,
-dem man schon längst schuld gegeben hatte, daß er gegossene Arbeit von
-einem Metall verfertige, welches dem Silber gleich komme. Er leugnete
-dies aber und wollte niemals zugestehen, daß er das Metall kenne,
-welches in seiner Fabrik verfertigt werde. Da führte der Zufall im
-Jahre 1735 den Richter von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des
-Hufschmieds, wo er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt,
-was er schmelze, und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde
-am Wege stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe,
-um zu sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter
-gerade wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen,
-um den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wundersteine
-etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und zu
-einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen und
-Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte gemacht
-wurde, hielt dieses Produkt 128 Lot Silber und 60 Pf. Garkupfer.
-Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte dergleichen Speise
-ein Lot gegeben. Tages darauf mutete der Richter unverzüglich und
-zwar gleich geviert Feld; in wenig Tagen wurde auf 20 Mutungen beim
-Bergamt eingelegt, in vier Wochen stieg die Zahl auf 80, und gegen 60
-Lehnträger suchten ihr Glück und fast alle auf geviert Feld. Wenn man
-die Rute nach Kupfer und Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger
-Weise fast gar nicht in die Höhe zu bringen, man mochte auf dem
-Gebirge damit hingehen, wohin man wollte; was war also sicherer, als
-daß das ganze Gebirge Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun
-nach dem Theesenwalde und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen
-zusammenbrachten. Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar
-keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah also ein,
-daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse graue und
-braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht ganz ohne
-Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner und Gewerken
-verlangten nun ein Probeschmelzen im großen und es fand sich ein
-Schmelzer aus Beyerfeld, in dessen Geschicklichkeit die Gewerken ihre
-Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute mußten
-zurücktreten und den Fremden alles nach seinem Kopfe einrichten lassen.
-Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen Bergarten konnten
-nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere Einrichtung des Ofens
-und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von Katharina-Fundgrube zu
-Raschau und von Geyer brachten die Freiberger Hüttenleute das Gemenge
-zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr Rohstein davon und dieser auch
-nicht reicher, als geschehen sein würde, wenn auch ohne Zusatz von
-den Theesenwälder Gebirgsarten die Kathariner und Geyerischen Kiese
-für sich allein geschmelzet worden wären. Dabei war auf einige Zeit
-das Geschrei vom Theesenwalde zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch
-ein Maler aus Bilin einfand, der mit verdoppelter Geschicklichkeit im
-Schmelzen diese Theesenwälder Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute
-machen wollte. Er verlangte die Erlaubnis zum Anlegen eines Ofens, man
-erlaubte es ihm auch, aber alles ohne Erfolg.
-
-So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis
-nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was kaum
-glaublich war, oder aber, um das Geheimnis seiner Nahrung zu bewahren,
-dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle
-Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt hatte,
-weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Dies war das
-Wahrscheinlichste, denn man hatte ja zuerst reiches Silber in dem
-Gesteine entdeckt.
-
-
-722. Wie der zwickauische Kohlenschacht brennend wurde.
-
-(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 187. G. Geitner,
-Wegweiser durch die Treibgärtnerei zu Planitz, S. 14.)
-
-Bei Zwickau ist ein brennender Berg (jedenfalls die Strecke zwischen
-Cainsdorf und Planitz, welche der Bockwaer Kommunwald bedeckt und wo
-man heute noch auf eine Menge Brandspuren stößt), daher manch Fuder
-Steinkohlen wird zu Markte gebracht. Dieser Berg ist um das Jahr 1479
-mit einem Büchsenschuß angezündet worden, da ein Waidmann einem Fuchse
-nachgejagt und so unvorsichtigerweise ein Schuß in die Grube geraten,
-wodurch die Steinkohle angezündet worden. Obgleich zu gewisser Zeit
-wie im Sommer das Feld daselbst grünet, Laub und Gras trägt, so kommt
-dennoch das Feuer bisweilen bis unter den Rasen, zündet Berggebäude an
-und versenget Birken und andere Bäumlein.
-
-Eine andere Sage erzählt von einem Bürger Zwickaus, welcher einen Fuchs
-aus dem Bau räuchern wollte und dabei nicht nur die oberen Kohlen,
-sondern auch den darüber stehenden Wald anzündete. Noch andere suchen
-die Ursache des Brandes in dem Anzünden eines Ameisenhaufens und
-endlich in dem Einschlagen des Blitzes in Stollen, wo die Kohlen zu
-Tage standen.
-
-
-723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen
-Erdfall.
-
-(Moller, ~Theatrum Freibergense, Chron.~ II., S. 38.)
-
-Als Kaiser Adolf im Jahre 1296 mit großer Macht nach Meißen kam, zog
-er an Zwickau und Chemnitz vorüber nach Freiberg, in der Absicht, sich
-dieser Stadt wegen ihrer reichen Bergwerke und ihrer Treue gegen den
-Markgrafen Friedrich zu bemächtigen. Dabei begab sichs, daß sich einer
-seiner Obersten mit seinem Regimente auf einer hohen Halde lagerte,
-um die Stadt zu übersehen und ihre Mauern und die Tiefe der Gräben
-zu erkunden. Weil aber die Halde zuvor von Bergleuten durchfahren
-worden und voll heimlicher Schächte war, ist der ganze Berg mit großem
-Krachen und Prasseln eingegangen und der Oberst ist dabei elendiglich
-umgekommen. Dieser Fall hat den Kaiser also furchtsam gemacht, daß er
-sich wieder zurückgezogen und sich nicht eher lagern wollte, bis man
-alle Gelegenheit um die Stadt fleißig ausgekundschaftet hatte. Als
-dann seine Quartiermeister hartes und festes Erdreich antrafen, hat er
-sein Lager aufgeschlagen und darauf alles zum Angriff und Sturm auf
-die Stadt vorbereiten lassen. -- Der genannte Erdfall soll vor dem
-Donatsthor auf dem dürren Schönberge geschehen sein.
-
-
-724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.
-
-(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 614--617.)
-
-Am böhmischen Grenzgebirge liegen zwei alte wüste Schlösser, Himmel-
-und Hauenstein genannt; in und um dieselben haben sich lange Zeit
-grausame Gewürme und Schlangen, Wiesenbäume groß, sehen lassen, welche
-die Fische aus den Bächen, und die in Fallen und Dohnen gefangenen
-Vögel gefressen. Einst hat dergleichen Schlange auf den Hauensteiner
-Gründen einen Schützen von Joachimsthal vom Vogelherd weggejagt, die
-Vögel erbissen und gefressen, und als der Schütz nach ihr geschossen,
-hat er an der Spur im langen Waldgras abnehmen können, daß sie eines
-Scheitholzes dick und viel Ellen lang gewesen, dafür sich alle Bauern
-umher gefürchtet.
-
-Als die Bergstadt Joachimsthal in Flor stand, ging im Jahre 1530 des
-Rats Schütze auf die Wälder, eben da die Himbeeren reif waren, etwas
-vom Wild auf Befehl zu schießen. Da wurde er unversehens eines aus den
-Himbeersträuchern hervorragenden Kopfes mit erhabenen Ohren gewahr, in
-Gestalt eines Fuchses, der die Beeren abfraß. Und weil er meinte, es
-wäre ein so vermutztes Reh, gab er Feuer und traf den Wurm an den Kopf,
-daß er 3 Ellen lang in die Höhe sprang, sich krümmete und überschlug,
-bis ihm der Schütze vollends den Rest gab. Er erschrak über das
-häßliche Wildpret, schlang es an eine Winde und schleppte es Wunders
-wegen nach Joachimsthal. Die Herren ließen den Balg abziehen und nach
-Prag bringen.
-
-
-725. Die Freiberger Bauerhasen.
-
-(H. Gerlach, Kleine Chronik v. Freiberg, S. 90. -- Geschäftsanzeige der
-Bauerhasen-Bäckerei von A. Thümmel in Freiberg.)
-
-Markgraf Friedrich der Freidige hielt sich gern in seiner getreuen
-Bergstadt Freiberg und in der Mitte ihrer Bürger auf. Im Jahre 1292
-gab er daselbst ein großes Gastmahl, zu welchem viele weltliche und
-geistliche Herren eingeladen waren. Unter den letzteren befand sich
-auch der Abt Bruno aus dem Barfüßler-Kloster. Obschon derselbe oft
-gegen Unmäßigkeit predigte und behauptete, je mehr ein Mensch faste,
-um so eher komme er ins Himmelreich, so hielt er für seine eigene
-Person doch viel auf's Essen und Trinken und trug deshalb einen
-gewaltigen Schmerbauch vor sich her. Auch bei diesem Festmahle hatte
-er schon weidlich gezecht, als nach Mitternacht der Hofkoch Bauer
-einen duftenden Hasenbraten auf die fürstliche Tafel setzte. Schon
-wollte sich der Markgraf ein Stück davon auf den Teller legen, da
-rief der Abt ihm zu: »Durchlaucht halten zu Gnaden, es ist soeben ein
-Fasttag angebrochen, und Ihr wollt Euch doch nicht versündigen?« »Wäre
-denn wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluß noch ein Stück
-Hasenbraten zu uns nehmen?« fragte der Markgraf, und der Abt erwiderte:
-»Gewiß! Ich kenne auf Gottes weitem Erdboden keine größere Sünde.
-Auch habe ich mehr als einmal bemerkt, daß es Frevlern, die sogar am
-Feiertage Fleisch essen, sehr übel aus dem Halse riecht. Nehmt Euch
-ein Beispiel an mir; schon seit einer halben Stunde habe ich keinen
-Bissen mehr gegessen.« Alle sahen den geistlichen wohlgenährten Herrn
-betroffen an, schwiegen jedoch, und der Koch mußte den schönen Braten
-wieder abtragen. Obschon er ihn darauf selbst ohne Gewissensbisse
-verzehrte, so ärgerte er sich doch nicht wenig über den gestrengen
-Sittenprediger, welchen eine Stunde später sechs Diener in seinen Wagen
-tragen mußten. Bei einem späteren Gastmahle auf der Burg Freistein
-traf es sich nun, daß abermals ein Fasttag folgte, und jetzt brachte
-nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten auf
-die Tafel. Da konnte sich nun der Abt nicht enthalten, dem sündhaften
-Koch eine derbe Strafpredigt darüber zu halten, daß er den Fasttag
-nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel setze. Der
-Koch aber sprach behaglich lächelnd: »Nun, das ist ein Hase, den
-jeder gute Christ am Fasttage essen darf, ohne sich der Sünde zu
-fürchten!« Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf schon den
-Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen bemerkt, daß der scheinbar
-wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck in der
-bekannten Form des Bratens war. Da wollte der Strafprediger selbst
-nach dem Gerichte langen; er erhob sich, verlor aber bei seinem
-schweren Kopfe das Gleichgewicht und riß dabei alles mit sich von
-der Tafel herab. Er war auch nicht vermögend, sich selbst wieder
-aus dem Wirrsal zu erheben, so daß auf Befehl des Markgrafen die
-Diener hülfreiche Hand anlegen mußten. Das Gebäck erhielt nun den
-Namen »Bauerhasen«; alle adeligen Herren wollten in der Fastenzeit
-solche Bauerhasen essen, die auch in den Klöstern nicht verschmäht
-wurden. Doch wollte man behaupten, auf manchen vornehmen Tafeln
-habe man aus Versehen auch an Fasttagen ganz ordentliche Krauthasen
-statt der Bauerhasen aufgetragen. Anfangs nannte man das neue Gebäck
-auch »Brunohasen«; allein der Abt protestierte lebhaft gegen diese
-Bezeichnung und so erhielt es seinen noch jetzt gebräuchlichen Namen zu
-Ehren seines Erfinders.
-
-Die Bauerhasen aus Freiberg fanden gute Aufnahme an allen deutschen
-Höfen, wurden sogar kistenweise in fremde Länder gesendet, und auch
-noch in unsern Tagen verläßt selten ein Fremder die Stadt Freiberg,
-ohne den Seinen einen Bauerhasen mitzubringen.
-
-
-726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.
-
-(Marbach, Das in der Freiheit lebende Schöneck I. Schneeberg, 1731 S.
-21. Ulrich Schneider in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger
-Zeitung 1883. No. 31.)
-
-Kaiser Karl IV. hatte 1370 der Stadt Schöneck verschiedene Freiheiten,
-welche auch Elbogen »von altersher redlich gehabt und gehalten
-hat«, verliehen, wofür die Stadt nur verpflichtet war, »fünf Pfund
-Schwäbischer Heller in einem neuen hölzernen Becher zu geben,« wenn der
-Landesherr in eigener Person dorthin kam, oder wie es in der Urkunde
-heißt: »So Wier mit unser selbst Leibe zu ihn kommen, nur einß in dem
-Jahre.« Von niemand aber kann man gründlich erfahren, wodurch der
-Kaiser bewogen worden war, der Stadt Befreiung von allen sonstigen
-Abgaben zu erteilen. Einige sagen, es habe dieser Kaiser, der ein
-Liebhaber der Jagd gewesen, sich in dortigen Wäldern einmal mit seinem
-Gefolge verirrt und sei hernach von einem Waldmann oder Holzarbeiter
-heraus nach Schöneck geführt worden. Nach einer andern Sage ist der
-Kaiser Karl, welcher sich oftmals in Karlsbad aufgehalten hat, von
-Räubern überfallen und verfolgt worden, so daß er sich mit seinen
-Leuten in den Schönecker Wald flüchtete, wo ihm die Bürger von Schöneck
-Beistand leisteten und von den Räubern erretteten. Zum Danke dafür
-hätten darauf die Schönecker ihre Privilegien erhalten.
-
- Die Urkunde, laut welcher der Stadt Elbogen bereits vor Schöneck ein
- gleicher Freiheitsbrief von Karl IV. erteilt wurde, stammt aus dem
- Jahre 1352.
-
-
-727. Das Märktlein Markersbach.
-
-(Chronica der freien Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 24.)
-
-Die Kirche in Markersbach ist eine der ältesten im Gebirge. Sie hat
-vor Zeiten unter den Abt zu Grünhain gehört, der auch mit seinen
-Ordensleuten und anderen öfters dorthin Wallfahrten gehalten. Infolge
-dessen hat das Dorf früher besondere Freiheiten besessen und wurde das
-»Märktlein Markersbach« genannt.
-
-
-728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.
-
-(Mündlich.)
-
-Ein Wald auf der Höhe zwischen Schneeberg und Aue, gegenüber dem
-Gasthofe zum Brünlasberge, heißt der Hoyer. Daselbst sieht man noch
-links von der Chaussee, welche von Schneeberg nach Aue führt, einen
-Hohlweg, welcher einst Straße war; und an derselben stand in alten
-Zeiten mitten im Walde ein Wirtshaus. Der Wirt in demselben war ein
-Räuber. Einst kehrte daselbst des Abends ein Fremder ein, der von dem
-Klösterlein Zelle kam und vieles Geld bei sich trug. Er wollte in dem
-Hause übernachten; aber ein Mädchen offenbarte ihm heimlich, daß er
-nicht lebend wieder hinausgehen werde. Da übergab der Fremde dem Wirte
-seine Tasche mit dem Gelde und sagte, daß er einem Freunde, der auch
-von Zelle her mit noch mehr Geld als er habe, komme, entgegen gehen
-müsse, der Wirt solle nur einstweilen sein Geld in Verwahrung nehmen.
-Als dies geschehen war, eilte der Reisende schnell nach dem Kloster
-und kam bald darauf mit nahmhafter Hülfe zurück. Seine Begleiter
-umzingelten das Haus und nahmen den Wirt gefangen. Als sie das Haus
-durchsuchten, fanden sie neben vielem Gelde auch Totengerippe zum
-Beweise, daß es vordem schon vielen Reisenden ebenso ergangen war, wie
-es dem Fremden, wenn ihn das Mädchen nicht gewarnt hätte, hätte ergehen
-müssen. Viele mochten in der Herberge eingekehrt, aber nicht wieder
-herausgekommen sein.
-
-Der Wirt aber, welcher ein Räuberhauptmann war, hieß Hoyer, und von
-diesem hat nun auch der Wald, wo das Gasthaus einst stand, den Namen
-Hoyer erhalten.
-
-
-729. Wittichs Schloß bei Glashütte.
-
-(I. Schumann, Lex. v. Sachsen, 13. B. S. 204. II. Peccenstein,
-~Theatrum Sax.~ I. S. 88.)
-
-I. Eine Höhle über dem Müglitzthale, eine halbe Stunde von Glashütte,
-welche sich oberhalb der Herrenmühle in einem schwer zu erklimmenden
-Gneisfelsen befindet, heißt Wittichs Schloß. Nach der Sage war diese
-Höhle ehemals durch Befestigung ein noch sicherer Zufluchtsort als
-jetzt, und wurde im 15. Jahrhundert von einem Räuber Wittigo oder
-Wittich bewohnt, den der Ritter Weichold von Bärenstein auf Lugau bei
-Glashütte erschlug. Als Belohnung dafür erbat er sich vom Markgrafen,
-der auf Wittichs Einlieferung einen hohen Preis gesetzt hatte, sehr
-genügsam nichts weiter, als daß er ein Wild, welches er auf seinem
-Gebiete überall gehetzt habe, auch außerdem, und selbst auf der
-Dresdner Brücke, die damals als Asyl galt, verfolgen dürfe.
-
-II. Es waren vor Zeiten viele Raubhäuser an dem böhmischen Gebirge,
-und soll insonderheit ein Räuber, namens Wittich, seinen Aufenthalt
-in einem starken Felsen gehabt haben, so unter der jetzigen Bergstadt
-Glashütte gelegen. Da dieser Räuber mehrere böse Buben zu sich gezogen,
-auch ganz Meißen beunruhigt und unsicher gemacht, so hat der Markgraf
-auf des Raubritters Wittich Kopf einen hohen Preis setzen lassen.
-Obschon nun Wittich dadurch hätte vorsichtig gemacht werden sollen, so
-hat er dies dennoch nicht gethan, vielmehr sich noch fürchterlicher
-machen wollen, indem er einstmals in der Morgenzeit mit etlichen
-seiner Leute sich vor des Ritters Weichold von Bärenstein Wohnung
-gegen der Lochow begeben, ein Gespräch mit ihm begehret, und als der
-von Bärenstein, keiner Gefahr sich versehend, ihm solches gewährt und
-zu ihm vors Haus getreten, thut der Bösewicht mit einer Armbrust auf
-ihn drei Schüsse, doch ohne Schaden. Der von Bärenstein rufet in der
-Eile seine Leute herbei, folget den Räubern auf dem Fuße nach, welche
-er auch über dem Rittersitze Reinhardtsgrimma, damals denen von Karras
-zuständig, erreichet. Ob nun gleich Wittich und seine Gesellen der Wehr
-wohl kundig, so hat doch der von Bärenstein die Oberhand behalten,
-den Räuber erlegt und umgebracht, sein Raubhaus, so auf steilem hohen
-Felsen an der Müglitz gelegen, eingenommen und zerbrochen, wiewohl
-dieser Ort von ihm bis auf den heutigen Tag noch Wittichs Schloß
-genannt wird. Auf der Stelle, wo der Räuber erlegt worden, steht ein
-Kreuz. Der Ritter Weichold von Bärenstein aber hat die ihm gebotene
-Belohnung großmütig ausgeschlagen und erklärt, daß er diese That bloß,
-um dem Vaterlande zu dienen, verrichtet habe.
-
-
-730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.
-
-(Mündlich.)
-
-In dem schönen Pöbelbachthale oberhalb Schmiedeberg liegt die
-Putzmühle, so genannt, weil man früher hier das Silbererz, welches
-man in der Nähe grub, »geputzt«, d. h. gereinigt haben soll. Oberhalb
-dieser Mühle sieht man dann die Überreste einiger Grundmauern und die
-Spuren eines Wassergrabens; hier lag die dürre Bretmühle, welche ihren
-Namen von dem Umstande führte, daß sie häufig nicht genug Wasser hatte.
-Daselbst ist es einst geschehen, daß Räuber einbrachen, welche den
-Müller auf einen Klotz banden und mit durchsägen ließen. Seitdem ist
-die Mühle liegen geblieben, niemand wollte mehr in derselben wohnen,
-und so ist sie dann nach und nach verfallen.
-
-
-731. Der schwarze Teich auf Henneberg und der Teufelsstein bei
-Johanngeorgenstadt.
-
-(Nach einer novellistischen Bearbeitung im Unterhaltungsblatte zum
-Erzgebirgischen Volksfreund, 1884, No. 53.)
-
-Als noch in unseren Gauen und insbesondere auf dem Erzgebirge das
-Christen- und Heidentum mit einander im Kampfe lagen, wohnte auf einer
-Burg im Egerthale ein böser Ritter. Zwar war derselbe als Christ
-getauft worden, jedoch hatte er im Herzen noch nicht dem Heidentume
-entsagt, und Raubzüge und blutige Fehden galten ihm für kein Unrecht.
-Das Gegenteil von ihm war seine fromme Gemahlin, welche mit Hülfe ihres
-Bruders, der als Einsiedler in der Nähe der Burg lebte und oft in
-derselben verkehrte, ihre beiden Kinder, einen Sohn und eine Tochter,
-christlich erzog. Dem wilden Gemahl aber mißfiel die Frömmigkeit von
-Frau und Kindern, und ganz besonders erzürnte er sich über seinen Sohn,
-weil derselbe keinen Gefallen an dem wilden Waffenhandwerke fand. Als
-er nun einst zu einer Fehde gegen den ihm verhaßten Burgherrn von
-Königsberg auszog und seinen Sohn, obschon derselbe des Königsbergers
-einzige Tochter innig liebte, zwang, daran teilzunehmen, geschah es,
-daß der Sohn beim Ritte von der Burg vom Pferde stürzte und verwundet
-ins Schloß zurückgetragen werden mußte. Ingrimmig gab nun der Vater
-der Erziehung und dem Einflusse seines Schwagers die Schuld an dem
-Unglücke, und er nahm sich vor, mit Härte einzugreifen. Sein Sohn genaß
-zwar unter der sorgsamen Pflege von Mutter und Schwester bald wieder,
-doch um dessen Ruhe war es für immer geschehen. Ja alle fühlten, daß
-der Vater böse Gedanken sowohl gegen den Sohn als auch Schwager im
-Herzen hegte und es ward von beiden die Flucht beschlossen. Dieselbe
-wurde bald darauf nach dem damals unwegsamen Erzgebirge ausgeführt, als
-der Vater wieder zum Kampfe gegen den Königsberger ausgezogen war und
-dabei den Sohn nicht mitgenommen hatte. Bei der Rückkehr in seine Burg
-kannte der Zorn des Ritters keine Grenzen, und da er ganz richtig in
-Frau und Tochter Mitwisserinnen der Flucht seines Sohnes erblickte, so
-mußten dieselben von ihm harte Mißhandlungen erdulden. Er veranstaltete
-zwar sogleich Streifzüge durch das Gebirge, doch konnte er die
-Flüchtigen nicht auffinden.
-
-Auf dem Kamme des Erzgebirges lag im dichten Walde ein freundlicher
-See; die Maisonne am blauen Himmel spiegelte sich in demselben. Aus
-dem Dickichte aber trat schüchtern ein Reh mit zwei weißgefleckten
-Zicklein, und gegenüber brach aus dem Walde ein weißer Hirsch, welcher
-sich in dem klaren Wasser des Sees widerspiegelte. Abseits stand eine
-mit grünem Rasen gedeckte Erdhütte, aus der eine bläuliche Rauchwolke
-aufstieg. Diese Hütte hatten sich die beiden Flüchtlinge erbaut. Sie
-traten eben zur Wanderung gerüstet daraus hervor, denn sie wollten
-versuchen, die duldende Mutter und Tochter heimlich von der Burg des
-harten Gemahls und Vaters zu entführen und hierher in diese von dem
-menschlichen Verkehre abgeschlossene Wildnis in Sicherheit zu bringen.
-
-Der Vater aber rüstete sich ungefähr zu derselben Zeit zu einem neuen
-Fehdezuge gegen den Königsberger. Letzterer aber hatte davon Kunde
-erhalten und seine Burg wohl verwahrt, während sein Sohn mit einem
-Häuflein Knechte dem Feinde entgegen zog. Trotz der Vorkehrungen
-des Königsbergers schien es, als ob der Feind seine Burg gewinnen
-werde; unaufhaltsam stürmte derselbe vorwärts, unbekümmert um den
-Steinhagel, welcher ihn unausgesetzt empfing. Schon war er an der
-Brücke, als dieselbe mit einem furchtbaren Krach zusammenbrach. Als
-aber der Feind sich anschicken wollte, den Wallgraben mit Steinen
-und Holz zu füllen, um so in die Burg zu gelangen, kam ein blutender
-Bote, welcher meldete, daß die eigene Burg von des Königsbergers Sohne
-eingenommen worden sei und in Flammen aufgehe. Da zogen sich die
-Feinde von der bedrängten Burg zurück. Die Belagerten hatten jedoch
-schon Vorbereitungen getroffen, ihnen schnell zu folgen. Es wurde eine
-Notbrücke niedergelassen und bald sahen sich die Weichenden von vorn
-und hinten angegriffen. Hinter ihnen kamen die Belagerten und vorn
-wurden sie von des Königsbergers Sohne mit seinen Mannen bestürmt. Nur
-durch rasche Flucht war es dem fehdelustigen und hartherzigen Ritter
-möglich, der Gefangenschaft oder dem Tode zu entgehen. Er überschritt
-mit den ihm noch übrig gebliebenen Knechten, da er in den Trümmern
-seiner Burg Frau und Tochter, welche unterdeß geflohen waren, nicht
-fand, den Kamm des Erzgebirgs und baute sich in wilder Gegend eine neue
-Burg. Von dieser aus durchzog er nun die Wildnis nach Bären, Wölfen und
-Auerochsen. Eines Tages meldete ihm einer seiner Troßbuben, daß er in
-einer gewissen Gegend einen weißen Hirsch gesehen habe. Diese Nachricht
-reizte den Ritter und er zog alsbald aus, die Spur des seltsamen Tieres
-zu suchen. Bald hatte er dieselbe auch gefunden, und als er darauf des
-Hirsches ansichtig ward, warf er seinen Jagdspieß nach demselben. Der
-zu Tode getroffene Hirsch raffte sich wieder auf und floh blutend in
-das Dickicht. Als nun der Ritter mit seinen Knechten durch dasselbe
-drang, erreichte er das Ufer eines klaren Sees, an welchem sich eine
-Erdhütte erhob. Dort lag auch der verwundete weiße Hirsch, über den
-sich eine Jungfrau beugte; neben ihr standen noch drei Personen. Der
-Ritter erkannte sie sehr wohl, er eilte hinzu und wurde in seiner
-Wut der Mörder der Seinen. Da verhüllte eine dunkle Wolke die Sonne,
-gleichsam als solle dieselbe die Unthat nicht sehen. Der klare See
-aber wurde zu einem unheimlichen Sumpfe und die Fischlein wurden zu
-Molchen. Noch zeigt man bei den Henneberger Häusern südwestlich von
-Johanngeorgenstadt die Stelle, wo der See lag.
-
-Als der Himmel so vernehmlich zu dem Ritter und seinen Knechten
-gesprochen hatte, wollte keiner von ihnen den toten weißen Hirsch
-mit zur Burg tragen; dem Ritter selbst lag auch nichts daran. In der
-folgenden Nacht aber erbebte ringsum die Erde und in der Burg des
-vierfachen Mörders ertönte ein furchtbares Krachen. Die Morgensonne
-beschien einen gewaltigen Trümmerhaufen, und der Kopf des Ritters
-schaut noch heutigen Tages von der einen Felskuppe, welche man den
-Teufelsstein heißt und die sich an der Stelle der ehemaligen Burg
-erhebt, nach Osten. Der Teufel hatte in der Nacht die Burg zerstört
-und zum warnenden Zeichen den Kopf des Gottlosen an dem Felsen
-aufgerichtet.
-
-
-732. Das Schloß auf dem hohen Steine.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130.)
-
-Als gewaltiger Markstein eines der letzten südwestlichen Ausläufer
-des metallreichen Erzgebirges erhebt sich der hohe Stein mit seinen
-wunderbar gestalteten Felsenmauern und Pfeilern. Vor vielen hundert
-Jahren stand an der Stelle, auf welcher sich heute diese mächtigen
-Felsen auftürmen, eine große feste Burg, welche mit ihren gewaltigen
-Mauern weithin die Gegend überblickte. Ungeheure dichte Wälder
-bedeckten die Gegend und nur auf gelichteten Stellen am Fuße des Berges
-hatten sich fleißige Menschen angesiedelt und zwangen dem Boden seine
-wenigen Erzeugnisse ab. Aus fernen Landen waren sie auf des Ritters Ruf
-gekommen und hofften in Genügsamkeit, Ruhe und Frieden hier leben zu
-können, aber nur zu bald seufzten sie unter dem harten Joche, welches
-der Ritter ihnen auferlegte, unter den schweren Strafen, welche er
-über sie verhängte, wenn sie seinen maßlosen Forderungen und grausamen
-Befehlen nicht sogleich nachkamen. Je älter er wurde, desto mehr
-schien das Mitleid von ihm zu weichen und sein Herz zu versteinern. Da
-verwünschte ein Mann, dem der Schnee des Alters seinen Scheitel deckte,
-den Wüterich und sein Schloß. Er, samt der Burg, wurde in grauen,
-harten Stein verwandelt und viele hundert Jahre wird es währen, bis die
-Sonne wieder die Zinnen der Burg mit ihrem Glanze vergolden wird.
-
-So sieht man nun die gewaltigen Burgtürme und Rauchfänge, sowie den
-riesigen Ritter versteinert emporragen, während tief unten im dunkeln
-Schoße der Felsen die reichen Schätze des Burgherrn begraben liegen.
-
-Nach einer andern Sage hat der verwünschte Ritter auf dem hohen
-Steine keine Ruhe; oft hört man lautes Getöse und Wiehern von Rossen
-aus den gewaltigen Felsen hervorschallen, sieht auch manchmal den
-unterirdischen Stall seine Jauche entleeren, und in finstern,
-unheimlichen Nächten hört man vom hohen Stein herab in der Richtung
-gegen »die drei Rainsteine« (an der Graslitz-Schönbach-Sächsischen
-Grenze) die wilde Jagd dahinbrausen, der sich auch der verwünschte
-»hohe Stein-Ritter« anschließen muß.
-
-
-733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.
-
-(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 12.)
-
-Der erste Felsen unter Zöblitz, linker Hand unter der Pfarrwiese nach
-Lauterstein zu, heißt der Lauterstein, welcher gegen das alte Schloß
-Lauterstein liegt und vom roten Wasser aus sehr hoch und jähe ist. Dem
-Vorgeben nach soll auf diesem Felsen ein Raubschloß, von welchem man
-gegen das dem Katzensteine an der schwarzen Pockau gegenüberliegende
-»Raubschloß« Losung geben konnte, gestanden haben. Man bemerkte früher
-auf dem Felde noch einige Gräben. Das genannte »Raubschloß« lag am
-rechten Pockauufer im Walde, ungefähr eine Stunde von Zöblitz entfernt.
-Man fand daselbst viel alte Kriegsgeräte, Pferdezeug, Sporen u.
-dergl., ferner Überreste von einer unterirdischen Wasserleitung. Nach
-der Volkssage soll das »Raubschloß« durch Kurfürst Joh. Georg I. vom
-Katzensteine aus in den Grund geschossen worden sein. Wahrscheinlich
-aber wurde es bereits im Hussitenkriege zerstört.
-
-
-734. Das Raubschloß Sommerstein.
-
-(Chronica der freyen Bergstadt S. Annaberg, II., 1748, S. 32. Grundig,
-Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 2. Band, 1750, S. 171.)
-
-Auf dem Schenkgute über der Pfarre zu Hermannsdorf liegt im Walde ein
-Fels, der Sommerstein genannt, worauf in alten Zeiten ein Raubschloß
-gestanden haben soll. Die Besatzung desselben lauerte gleich derjenigen
-der Schlösser zu Tannenberg und Greifenstein den Kaufleuten auf,
-welche von Böhmen kamen oder dorthin zogen. Man sieht noch etwas von
-den Mauern nebst einen in Fels gehauenen Backofen und einen wohl
-ausgemauerten viereckigen Brunnen, in welchen das Wasser durch einen
-langen Graben von Westen her geleitet wurde. Erzählt wird noch, es
-solle in diesen Felsen ein großes Loch gehen, darin stände ein großer
-Kasten mit Gold.
-
-
-735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.
-
-(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183 und 184.)
-
-Woher der Greifenstein bei Ehrenfriedersdorf den Namen habe, weiß
-niemand, außer daß man sagt, es hätte ein Greif daselbst genistet.
-Außerdem hat man die Vermutung, es hätte ein Raubschloß da gestanden,
-von welchem die Räuber denen auf dem Schellenberge, wo jetzt
-Augustusburg steht, Zeichen hätten geben können. Noch hat es das
-Ansehen, daß vor alten Zeiten der Platz zwischen zwei hohen Felsen mit
-Mauern eingeschlossen gewesen sei. Auch hat man zuweilen Topfscherben,
-Nägel, Pfeile, Schlüssel und anderes Eisenwerk, Totengebeine,
-Schweinszähne und Fischgräten daselbst gefunden. Auch ist daselbst
-ein kleines silbernes Ringlein mit einem Kreuzchen und dem Namen Maria
-gefunden worden.
-
-
-736. Die Räuber auf dem Frauenstein.
-
-(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 301.)
-
-Es ist geschichtlich erwiesen, daß vor der Zerstörung des Schlosses
-Frauenstein im Jahre 1438 der Ritter Dietrich von Vitzthum, welchem die
-Burg vom Grafen Heinrich von Plauen zur Bewahrung anvertraut worden
-war, mit böhmischen Raubrittern gemeinsame Sache machte. Um nun den
-durch die versteckten Nachbarburgen und die damaligen dichten Waldungen
-um Frauenstein begünstigten Bedrückungen der Wegelagerer ein Ende zu
-machen, entsandte Kurfürst Friedrich der Sanftmütige Abgeordnete mit
-einem Herold nach dem Frauenstein, um Vitzthum zu sofortiger Verweisung
-des böhmischen Raubgesindels zu veranlassen.
-
-Die kurfürstlichen Gesandten kamen an dem weit im Lande berüchtigten
-Räuberneste an, fanden aber das äußere Burgthor verschlossen und die
-Zugbrücke aufgezogen. Der Herold ließ den herkömmlichen Trompetenruf
-erschallen und verkündete darauf laut den Befehl des Kurfürsten:
-»Dietrich von Vitzthum, Du sollst gehalten sein, dem Durchlauchtigen
-Kurfürsten des heiligen römischen Reiches, Friedrich, Herzog zu
-Sachsen und Markgraf zu Meißen, zu Befehl zu handeln und alsobald die
-böhmischen und anderen Ritter von Dir zu thun, welche das Land berennen
-und die Reichsstraßen und sonstigen Wege unsicher machen, die Bürger
-berauben und brandschatzen. Also gebietet der Durchlauchtige Lehnsherr,
-Du mögest seine Abgeordneten mit Glimpf empfangen und in allen Stücken
-seinem Befehlig aus ihrem Munde gehorsamen, bei Acht und Aberacht, die
-Dich und alle, so zu Dir halten, Freie und Unfreie, treffen wird, wenn
-den Landfriedensbrechern noch ferner Unterstand auf dem Frauenstein
-gewährt würde. Künde Dir das zum ersten-, zum andern-, zum drittenmale,
-kraft meines Amtes, Dietrich von Vitzthum!«
-
-Wieder blies der Herold in die Trompete und erwartete, gegen das Thor
-vorreitend, eine Antwort. Dieselbe kam auch alsbald, aber in Gestalt
-eines starken Armbrustpfeiles, der dicht an den Ohren des Herolds
-vorübersauste. Dazu erklang aus der Burg ein höhnische Gelächter. Am
-Fenster des Thorwärters erschien der Ritter Dietrich und rief: »Was
-schiert mich der Markgraf von Meißen? Der Burggraf von Plauen ist mein
-Herr, dem nur stehe ich Rede und sonst keinem!« Unverrichteter Sache
-zogen die Gesandten von dannen; vorher aber hefteten sie noch die
-Vorladung für Dietrich von Vitzthum zum Achtsprozeß an das Gerichtsbret
-des Rathauses zu Frauenstein.
-
-Der Kurfürst war über die Widersetzlichkeit Vitzthums in hohem Grade
-erzürnt und bot alsbald die Bürger der benachbarten Städte zum Zuge
-gegen das Schloß Frauenstein auf. Die Freiberger ließen auch nicht
-lange auf sich warten und schlossen sich dem kleinen Feldzuge um so
-lieber an, als ihnen durch die Räuber auf dem Frauenstein, welche die
-wichtige Handelsstraße nach Böhmen beunruhigten, schon beträchtlicher
-Schaden zugefügt worden war. Sie erschienen unter Kuno von Schönberg
-mit den übrigen kursächsischen Streitgenossen alsbald, und als auf die
-übliche Aufforderung zur Übergabe der Burg keine Antwort erfolgte,
-wurden die Donnerbüchsen auf die Umfassungsmauern des Schlosses
-gerichtet. Die Steinkugeln, deren man noch etliche als Andenken in
-dem alten Gemäuer sieht, prasselten gegen die Burg, jedoch auch die
-Besatzung schleuderte unzählige Wurfgeschosse gegen die Belagerer.
-Es entbrannte ein harter Kampf, der lange unentschieden blieb, bis
-plötzlich große Rauchwolken und Flammen aus der Burg emporstiegen.
-Jetzt wurde dieselbe auf ein gegebenes Zeichen gleichzeitig von allen
-Seiten berannt und in kurzer Zeit wurde sie von Kurfürst Friedrichs
-Mannen erstiegen. Innerhalb der Burg entbrannte nun ein Kampf Mann
-gegen Mann, wobei auch Kuno von Schönberg und Dietrich von Vitzthum
-zusammentrafen. Beide fochten löwenkühn, zuletzt siegte jedoch der
-Ritter von Schönberg und stieß den Gegner nieder. Man schleppte den
-verwundeten Vitzthum fort, und was noch von der Burgbesatzung lebte,
-ergab sich auf Gnade und Ungnade.
-
-Drei Tage hatte der Verurteilte Zeit, sich zum Abschied vorzubereiten.
-In den ersten Tagen des Dezembers 1438 strömten Hunderte aus der
-Umgebung Frauensteins nach der Stadt, um den einst gefürchteten
-Vitzthum hinrichten zu sehen. Dicht gedrängt stand die harrende Menge
-im Schloßhofe, da erklang von der Burgkapelle her das Sterbeglöcklein,
-vier Knappen brachten den armen Sünder, der schwer verwundet und kaum
-bei Besinnung war, zur Richtstatt und alsbald wurde der Spruch des
-Gerichtes mit dem Schwerte an ihm vollzogen.
-
-Die Burg wurde hierauf insoweit zerstört, daß sie nicht mehr
-widerstandsfähig war und den Räubern keinen weiteren Schlupfwinkel zu
-bieten vermochte. Dann erst zogen die Kurfürstlichen ab. Der Burggraf
-von Plauen ging seiner Besitzung Frauenstein, die er so unwürdig hatte
-verwalten lassen, verlustig; das Lehen wurde vom Kurfürsten eingezogen.
-
-Der Geist des hingerichteten Raubritters soll von Zeit zu Zeit noch
-immer in der Schloßruine umgehen und auch in den hinteren, nicht
-bewohnten Teilen des neuen Schlosses schon bemerkt worden sein. In der
-Nähe des Parkschlößchens läßt sich manchmal etwas »Graues« sehen.
-
-
-737. Schloß Hauenstein.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 103.)
-
-Malerisch und majestätisch ruht das Schloß Hauenstein auf einem fast
-senkrecht abfallenden Basaltfelsen, welcher aus dem wildromantischen,
-herrlichen Waldthale sich emporhebt, das menschliche Hand zu einem
-lieblichen Garten umgeschaffen. Zu dem Schlosse gehört ein alter,
-aus schwarzem Basalt errichteter Rundturm, von altersher der
-»Bürgermeister« genannt, weil der Sage nach ein solcher in seinem
-Verließe zuerst den Hungertod fand; er diente lange als Gefängnis, und
-der in der Gemeinde Damitz gelegene Galgenberg erinnert heutigen Tages
-noch an die Zeit, wo die Zwingherren von Hauenstein das Blutgericht
-ausübten.
-
-Beachtung verdient ferner das Perlenzimmer. Wie der Volksmund erzählt,
-sollen allhier Nonnen die im Egerflusse gefischten Perlen verwahrt
-haben. Nach einer andern Überlieferung hieß besagtes Gemach eigentlich
-»Perlhefterstube«, weil sich daselbst zur Zeit der Schlickschen
-Herrschaft im 16. Jahrhundert eine Perlhefterei befand.
-
-An der Felswand in der Vorhalle des Schlosses bemerkte man sonst einen
-schwarzen Fleck, angeblich vertrocknetes Blut, welches ein Herr von
-Vitzthum dort im dreißigjährigen Kriege kämpfend vergossen haben soll.
-
-
-738. Burg Neustein bei Görkau.
-
-(Erzgebirgs-Zeitung, Komotau 1880. 1. Jahrg. S. 47.)
-
-Es mochte um das 11. oder 12. Jahrhundert sein, als auf der Burg
-Neustein ein verwegener und berüchtigter Raubritter hauste. Derselbe
-hegte aus irgend einem Grunde einen unversöhnlichen Haß gegen den
-Grafen zu Rothenhaus. Da geschah es eines Tages, daß er demselben
-seinen erstgebornen Sohn in zartem Kindesalter samt der Wärterin
-raubte, und, um die Eltern irre zu führen, streute er die mit Blut
-getränkten Kleider des Kindes im Walde in der Nähe des Schlosses
-Rothenhaus aus, so daß der Graf glauben mußte, ein wildes Tier habe
-seinen Sohn zerrissen. Den Knaben aber ließ er als seinen eigenen Sohn
-erziehen und flößte ihm dabei tiefen Haß gegen das Grafengeschlecht in
-Rothenhaus ein.
-
-Bei einem Überfalle venetianischer Kaufleute geriet der Raubritter von
-Neustein mit dem Grafen von Rothenhaus, welcher zufällig an der Spitze
-seiner Leute an den Ort der Unthat kam und die Bedrängten verteidigte,
-in Kampf und wurde dabei zum Tode verwundet. Nur mit Mühe entkam er auf
-seine Burg, wo er auf dem Sterbelager sich von seinem angeblichen Sohne
-einen Eid leisten ließ, daß derselbe an dem Grafen Rache nehmen wolle.
-Darauf starb er. Nach einiger Zeit gelang es dem nunmehrigen Herrn des
-Neusteins, die Tochter des Grafen von Rothenhaus zu rauben und durch
-einen geheimen unterirdischen Gang auf seine Burg zu führen, wo er sie
-gefangen hielt. Als er sie nun sogar zur Gemahlin begehrte, weigerte
-sich die Jungfrau standhaft, denn ihr Herz gehörte bereits einem andern.
-
-Auf Schloß Rothenhaus war man durch das Verschwinden der Tochter des
-Hauses in nicht geringe Bestürzung geraten, denn man vermutete mit
-Recht einen frechen Raub. Der Graf entbot noch in derselben Nacht seine
-Mannen zu sich und zog mit ihnen am frühen Morgen gegen die Burgen
-Neosablitz und Wodehrad, die im Thale des Assigbaches lagen und deren
-damalige Herren sich nicht des besten Rufes erfreuten. Doch in keinem
-der beiden Schlösser war die Geraubte zu finden. Von dem Vorhandensein
-des Felsennestes Neustein aber wußte man nichts, denn dasselbe lag tief
-im Walde versteckt.
-
-Unterdeß hatte die gefangene Grafentochter einen Plan zu ihrer Rettung
-entworfen. Sie heuchelte dem Herrn von Neustein, sie sähe ein, daß ihr
-Sträuben vergeblich sei, und so habe sie sich entschlossen, die Seine
-zu werden; der Ritter möge ihr nur einige Tage Zeit lassen und ihr
-gestatten, daß sie eine Kirche besuche, damit sie Gott um Trost und
-Beistand anflehe. Nur ungern willigte der Ritter ein. So zog sie denn
-mit ihrer treuen Dienerin, die man ebenfalls in Rothenhaus geraubt
-hatte, und bewacht von einer Schar wilder Gesellen, nach Komotau, wo
-sich die nächste Kirche befand. Als sie daselbst dem Pfarrer beichtete,
-erkannte sie derselbe und er forderte sie auf, ihm ihren Aufenthaltsort
-anzugeben. Sie sogleich zu befreien, erschien ihm unmöglich, da die
-Kirche von den Bewaffneten umstellt worden war und die Leute im Orte
-noch schliefen, denn es war zu sehr früher Stunde. Die Jungfrau konnte
-dem Priester jedoch ihren Aufenthaltsort nicht angeben, da man sie mit
-verbundenen Augen aus dem Raubschlosse nach der Kirche gebracht hatte.
-Ratlos lief der Priester in die Sakristei und kam ebenso ratlos wieder
-zurück. Da bemerkte er plötzlich ein altes Weib, das unvermerkt mit
-in die Kirche gekommen war. Er fragte die Alte, was sie wohl in ihrem
-Korbe habe. »Ein Säckchen mit Linsen«, entgegnete diese. »Weib,« rief
-der Pfarrer, »Ihr seid mir von Gott gesandt; überlaßt mir die Linsen,
-sie sollen Euch gut bezahlt werden!« Das Weib war einverstanden,
-und der Priester händigte die Linsen seinem Beichtkinde ein mit der
-Weisung, auf dem Heimwege von Zeit zu Zeit heimlich einige Linsen
-fallen zu lassen; er werde dann dafür sorgen, daß ihr Aufenthaltsort
-entdeckt werde. Dann entließ er das Fräulein, welches nun mit seinen
-bewaffneten Begleitern wieder zu Pferde stieg und den Rückweg antrat.
-Der Geistliche aber gab einem zuverlässigen Manne den Auftrag, dem Zuge
-sofort unvermerkt zu folgen, hie und da am Boden zerstreute Linsen
-würden ihm im Walde den Weg zeigen. So wurde das Raubschloß entdeckt.
-Dem Grafen von Rothenhaus aber brachte man sofort die Nachricht
-hiervon, und noch an demselben Abende stand er mit seinen Mannen
-vor der Feste des Raubritters und verlangte die Auslieferung seiner
-Tochter. Diese erfolgte aber nicht; man rüstete sich vielmehr in der
-Burg zur Verteidigung. Nun umschlossen die von Rothenhaus die Burg und
-trafen Anstalten zum Sturme auf dieselbe. Am frühen Morgen des nächsten
-Tages begann man auch sofort den Angriff, und trotz der verzweifelten
-Gegenwehr der Belagerten hatten die Angreifer bald vom Bergrücken her
-den Wall und Graben überschritten und begannen die Mauern zu ersteigen.
-Da versuchte der jugendliche Ritter vom Neustein ein letztes Mittel,
-die Feinde vom weitern Vordringen abzuhalten. Er schleppte das geraubte
-Fräulein auf den Wartturm und drohte dasselbe in die Tiefe zu stürzen.
-Da trat aber die alte Wärterin heran, welche allein im Schlosse seine
-wahre Abkunft kannte, und teilte ihm mit, daß er eben im Begriffe
-stehe, seine Schwester zu ermorden. Jetzt erfaßte Verzweigung den
-Ritter; er bestieg sein Pferd, ritt auf die Burgmauer, gab dem Tiere
-die Sporen und stürzte mit ihm in die gewaltige Tiefe. Die Felsenburg
-wurde nun vollends eingenommen und zerstört. Groß war aber die Trauer
-zu Rothenhaus, als man erfuhr, wer der gewesen, der die Tochter des
-Grafen geraubt hatte. Der Leichnam des Ritters wurde feierlich in der
-Familiengruft der Rothenhauser beigesetzt.
-
-
-739. Das alte Schloß Mulda.
-
-(Mündlich.)
-
-Oberhalb des Ortes Mulda bei Freiberg zeigt man am linken Muldenufer
-in der sogenannten »Grüne« einen Platz, auf welchem einst ein altes
-Schloß stand. Von den Ruinen ist seit einer Reihe von Jahren nichts
-mehr zu sehen, da man die Steine bei einem Wegebau verwendete. Die
-Sage erzählt nun, daß nach dem Schlosse eine kupferne Wasserleitung
-von dem Brunnen auf dem Burgberge geführt habe und daß dasselbe
-von einem gewissen Hegewald niedergerissen worden sei. Die Steine
-verwendete derselbe zum Aufbau des jetzigen Rittergutes. Als das Schloß
-niedergerissen wurde, fand dieser Hegewald (er hieß mit dem Vornamen
-Zacharias, wurde 1670 geboren und starb 1731), wie der Volksmund
-erzählt, in dem Gemäuer einen großen Schatz, den er in einem Sacke auf
-der Schulter nach dem neuerbauten Rittergute trug. Die Last war aber
-so schwer, daß sie ihn auf dem Wege erdrückte. Früher soll auch in dem
-Rittergute ein Bild zu sehen gewesen sein, welches diese Begebenheit
-darstellte.
-
-
-740. Tauben verraten das Schloß Schönfels.
-
-(Köhler, Volksbrauch etc. S. 623.)
-
-Das Schloß Schönfels bei Zwickau soll einst rings von einem großen
-Walde umgeben gewesen sein, so daß man es nicht sehen und schwer
-auffinden konnte. Einst wollte es der Feind erstürmen und suchte es
-lange; und hätten nicht Tauben, die man im Schlosse hielt und welche ab
-und zu flogen, die Richtung verraten, so hätte man noch lange suchen
-können.
-
-
-741. Schön-Guta von Hassenstein.
-
-(Nach Ed. Heger in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 143 etc.)
-
-Eine halbe Stunde vor dem Bergstädtchen Platz liegen die von einem
-dreifachen Walle umgebenen Ruinen des Schlosses Hassenstein. Nach
-einer Sage wurde dasselbe in der Mitte des 11. Jahrhunderts von einem
-Reichsritter Emerich erbaut, welcher mit dem Grund und Boden von dem
-Kaiser Heinrich III. für geleistete Kriegsdienste und besonders für
-seinen Beistand in der Heerfahrt gegen den Böhmenherzog Achilles
-Bratislav belehnt worden war. Sieben Jahre dauerte der Bau, und als er
-beendigt war und der Ritter einzog in sein stattliches Bergschloß, da
-nahm er sich vor, als Gebieter Gerechtigkeit, aber auch die vollste
-sittliche Strenge walten zu lassen. Um seine Anschauungen von Recht und
-Sittlichkeit zum Ausdruck zu bringen, that er ein Gelübde sonderbar und
-folgenschwer. Er gelobte, diejenige Bewohnerin des Schlosses, welche
-ihre Ehre verlieren würde -- und sollte es auch seine eigene Tochter
-sein -- lebendig einmauern zu lassen. Noch sieht man in der geborstenen
-Mauer des Hassenstein eine Nische, welche der Ritter Emerich für
-diese furchtbare Bestimmung herstellen ließ, um seinem Gelöbnis den
-weiblichen Schloßbewohnern gegenüber den rechten Nachdruck zu geben.
-
-So vergingen Jahre. Der Ritter jagte in den ungeheuren Wäldern den
-starken Eber oder den flüchtigen Edelhirsch, während seine Gemahlin
-die Erziehung ihrer Kinder, dreier Knaben, welche des Vaters Stolz
-und Freude waren, überwachte. Als die Söhne wehrhaft geworden waren,
-lernten sie auf den Nachbarburgen feine Sitte, und nachdem sie den
-Schwertschlag zu Gottes und Mariens Ehre erhalten hatten, dienten
-sie als Ritter an den Höfen im deutschen Reiche. Die Burgfrau hatte
-ihrem Gemahl später auch ein Töchterchen geschenkt, dessen Geburt
-der Mutter leider das Leben kostete. Auf ihrem Sterbelager hatte sie
-ihr Kind der Obhut des alten Schloßkaplans übergeben, welcher ihr
-versprach, dasselbe in Frömmigkeit zu erziehen und Vaterstelle an ihm
-zu vertreten. Denn der Ritter war zu häufig in Fehden verwickelt und
-oft lange von der Burg abwesend, als daß er sich der Erziehung seiner
-Tochter, welche bei der Taufe den Namen Guta empfing, mit rechter
-Aufmerksamkeit hätte widmen können.
-
-Der Schloßkaplan, ein sanftmütiger Priester, verwendete nun seine ganze
-Sorgfalt auf die Erziehung der kleinen Guta, und besonders war es die
-wunderbare Welt der Märchen und der Kreis der Sagenlieder und Legenden,
-welche auf die empfängliche Schülerin den größten Eindruck ausübten. So
-wuchs das Mädchen zur blühenden Jungfrau heran und fast schien es, als
-ob dieselbe ihren sanften Lehrer mehr liebe, als den strengen Vater.
-Derselbe dachte endlich daran, wie er seine Tochter versorgen und sich
-damit zugleich eines Nachfolgers im Besitze der Burg versichern könne.
-Alle seine Söhne, seine natürlichen Stützen und Erben hatten ihn ja
-verlassen, sie weilten, Abenteuer suchend, in weiten, unbekannten
-Fernen und nie hatte er eine Nachricht von ihnen erhalten. Die Wahl
-eines passenden Eidams erschien ihm nicht leicht, doch hoffte er sie
-am besten am Hoflager zu Regensburg treffen zu können, wohin Kaiser
-Heinrich IV., seines kaiserlichen Gönners Sohn, die Fürsten, Ritter und
-Edlen entboten hatte, damit des Reiches Wohl und der Römerzug beraten
-werde. Ritter Emerich begab sich also nach Regensburg.
-
-Während der Abwesenheit des Burgherrn beschloß der greise Kaplan,
-seiner Pflegetochter, welche bisher kaum über die Schwelle des äußern
-Burgthores hinausgekommen war, ein größere Maß von Freiheit zu
-gewähren. Er führte sie daher hinaus in die Wälder und auf die Fluren
-und besuchte mit ihr die Ansiedelungen im Burgbanne. Oft ruhten sie auf
-einer Waldwiese unter einer riesigen Eiche und lauschten am Morgen dem
-Gesange der Waldvöglein. Als sie einmal wieder so saßen, trat plötzlich
-aus dem dichten Gebüsch ein schöner ritterlicher Jüngling. Guta war
-anfangs recht erschrocken, doch konnte man dem Fremdlinge, welcher die
-edelsten Sitten zeigte, nicht gram sein. Es war ein fahrender Ritter
-aus dem Meißnerlande, welcher in der Gegend Gastfreundschaft gesucht
-und gefunden hatte und den der Zufall auf einer seiner Wanderungen
-dem Priester und Guta entgegenführte. Nach mehreren Tagen traf der
-Ritter mit ihnen an derselben Stelle wieder zusammen, und dann noch
-öfter und öfter. Der Priester war kein strenger Wächter, und so kam
-es, daß die Herzen der jungen Leute sich fanden und der Ritter die
-Jungfrau um Erlaubnis bat, ihr sein Leben weihen zu dürfen. Nach der
-Rückkehr ihres Vaters wollte er um ihre Hand anhalten, denn Guta war
-es unbekannt geblieben, aus welchem Grunde ihr Vater nach Regensburg
-abgereist war. Bald kam aber von dorther die Botschaft an den Kaplan,
-daß der Burgherr bald zurückkehren und den für seine Tochter erkorenen
-Bräutigam sogleich mitbringen werde. Als dies Guta hörte, stürzte sie
-fassungslos ihrem Erzieher zu Füßen und entdeckte ihm ihr Geheimnis.
-Dieser erschrak heftig, denn er kannte die unbeugsame Strenge Emerichs
-und dachte an das offene Grab in der Schloßmauer. Freilich fühlte
-er sich selbst auch nicht von Schuld frei, und nach reiflicher
-Überlegung glaubte er ein Mittel gefunden zu haben, um der ersten
-Heftigkeit des heimkehrenden Burgherrn zu begegnen. Zu Seelau im St.
-Magdalenenkloster, von dem heute kein Stein mehr auf dem andern ist,
-da hat Schön-Guta Aufnahme gefunden; und auch der meißnische Ritter
-ward in die Verbannung geschickt, er ging zu den Benediktinern nach
-Klösterle. So blieb nur der greise Priester zurück und derselbe wollte
-dem Ausbruche des Zornes standhalten.
-
-Als der Schloßherr kam, gestand der Kaplan alles. In wildem Grimme
-vergriff sich der Ritter an ihm, würgte den schwachen Priester und
-stieß ihn über die steile Treppe hinab, so daß der Arme die Steinvließe
-drunten mit seinem Blute färbte und seine Seele aushauchte. Nun erst
-kam der Ritter zur Besinnung und dachte besonders an die Verfolgung,
-welche die mächtige Geistlichkeit gegen ihn einleiten würde, wenn sie
-Kenntnis von diesem Morde erhielte. Deshalb suchte er eilig die Spuren
-des Verbrechens zu beseitigen. Er erinnerte sich der Mauernische, die
-er einst für eine ehrenvergessene Schloßbewohnerin hatte herrichten
-lassen. Wie fürchterlich hatte nun das Geschick entschieden! Seine
-eigene Tochter war zum Opfer geworden, sie hätte er nach jenem
-Gelübde lebendig hier begraben müssen. Da ließ Emerich den Leichnam
-des ermordeten Priesters an jener Stelle bergen. Doch damit konnte
-er die Erinnerung an das Geschehene nicht begraben; eine Stimme frug
-ihn fort und fort: Hast Du auch recht gethan? Sein Trotz wollte diese
-Frage wohl bejahen; doch er konnte damit die Stimme des Gewissens nicht
-betäuben, er ergab sich dem Trunke, um so Vergessenheit zu finden. Da
-geschah es eines Abends, daß er sich ruhelos umhertrieb; sein Schritt
-war unsicher, er wankte und stürzte über die jähen Stufen hinab, so daß
-seine Glieder an eben demselben Steine zerschellten, auf welchem der
-Schloßkaplan seine Seele ausgehaucht hatte. Die Knechte und Reisigen
-bereiteten dann das Begräbnis ihres toten Herrn, und außerhalb der
-Burg, mitten im grünen Hag, wo es am kühlsten war und die Vögel am
-schönsten sangen, dort wölbten sie den Hügel des Ritters, und dann
-zerstreuten sie sich, denn sie wollten nicht mehr bleiben an der Stätte
-mit dem fluchbeladenen Steine. Und sprachen sie in der Folge von der
-Burg, so versäumten sie nicht, den Ort des Übels zu kennzeichnen: »Haß
-dem Stein!« Aus dieser Redensart aber entstand im Laufe der Zeit der
-Name »Hassenstein.«
-
-Und die schöne Guta? Die Leute erzählten oft, daß im Kloster eine Nonne
-sei, die man immer weinen sehe, das Gesicht gegen die kalten Eisenstäbe
-des Fensters gedrückt. Und der Ritter aus den meißnischen Landen?
-Der blieb auch im Kloster, denn er hätte keine Freude mehr gefunden
-draußen ohne Guta. Aber die Söhne Ritter Emerichs? Die hatten das Kreuz
-genommen und waren mit Peter dem Einsiedler ins heilige Land gezogen
-und man hat nie mehr von ihnen gehört.
-
-Das erledigte Hassenstein erwarben später die Herren von Schönburg,
-welche auch in der Nachbarschaft, bei Klösterle, eine Feste besaßen,
-deren Ruine von den Anwohnern heutzutage »Schömmerich« genannt wird.
-
-
-742. Die heldenmütige Herrin des Schloß Hartenberg.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 26.)
-
-Zur Zeit der Hussitenkriege lebte auf dem Schlosse Hartenberg, umgeben
-von nur wenigen Getreuen und unter der Obhut einer alten Dienerin
-Zdenka von Hartenberg, eine schöne achtzehnjährige Jungfrau. Seit einer
-Reihe von Jahren mutterlose Waise, entriß ihr auch das Schwert eines
-wütenden Taboriten vor kurzem den Vater, und ihr nächster Anverwandter,
-Jodok von Pichlberg, ein eifriger Utraquist, den sie um männlichen
-Schutz und Beistand anflehte, wollte oder konnte solchen nicht leisten,
-sondern riet ihr, der neuen Lehre beizutreten und so aller Gefahren
-überhoben zu sein. Das mochte Zdenka nicht. Getreu den frommen Lehren
-ihrer verklärten Mutter hing sie mit kindlichem Glauben und Vertrauen
-der katholischen Kirche an und setzte, da ihr kein Freund mehr auf der
-Welt blieb, das feste Vertrauen auf Gott, den mächtigen Beschützer der
-Bedrängten und Verlassenen. Daneben vergaß sie auch nicht, an das Ehr-
-und Pflichtgefühl ihrer Unterthanen zu appellieren, versah die Burg mit
-Lebensmitteln, ließ die Mauern, Streittürme und Basteien ausbessern
-und einen größern Vorrat des schon damals im Gebrauche stehenden
-Schießpulvers herbeischaffen, um die einzigen Waffen der Burg, zwei
-Doppelhaken, in Verwendung nehmen zu können, kurz, ordnete alles mit
-männlicher Umsicht und Entschlossenheit an, was zur Verteidigung ihres
-väterlichen Erbes dienen konnte.
-
-Die Vorsicht war nur zu wohl gerechtfertigt. In einer finstern
-Nacht rötete sich der Himmel von mächtigen Feuersäulen, die aus
-den benachbarten, von den Hussiten in Brand gesteckten Dörfern
-emporstiegen, und ein beträchtlicher Taboritenschwarm, angelockt
-von dem reichen ungeplünderten Gute und der ihrer Meinung nach sehr
-schwach oder gar nicht verteidigten Burg, stand bald vor den Thoren
-Hartenbergs, mit rauhen, grimmigen Worten Einlaß begehrend und mit
-drohenden Mienen zur Übergabe auffordernd. Da beides verweigert wurde,
-schrien hunderte von Stimmen nach Sturm, Pfeilen und Pechkränzen und
-vermengten ihre Rufe mit tausend Verwünschungen und Flüchen.
-
-Zdenka ließ die Feuerschlünde donnern, ein Steinregen fiel auf die
-Schädel der Stürmenden, heißes Pech troff auf sie herab, und viele
-der blutdürstigen Taboriten, welche versuchten, die Burg in Brand
-zu stecken, den Thorgraben mit Steinblöcken zu füllen, die Mauern
-zu ersteigen, sanken zerschmettert zu Boden. -- Die grause Nacht
-verging und der neue Morgen sah neue Stürme, neue angestrengte
-Versuche, die Burg zu Falle zu bringen. Umsonst; das tapfere Häuflein
-der Eingeschlossenen, angespornt durch Wort und That ihrer edlen
-Gebieterin, sowie die starken Mauern, die tiefen Gräben und die
-treffliche Lage der Burg spotteten aller Versuche der Hussiten, so
-daß diese beschlossen, die Belagerten durch die Macht des Hungers zur
-Übergabe zu zwingen. Die Lage Zdenkas und ihrer Getreuen wurde nun mit
-jedem Tage furchtbarer; Mutlosigkeit riß ein, die Lebensmittel nahmen
-immer mehr ab, die bleiche Krankheit mit der hohläugigen Not erschienen
-in der Burg als unwillkommene Gäste, kein Ersatz war zu erwarten;
-denn das verzagte Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite
-ausgesteckte Notfahne herbeirufen sollte, hatte die schwer heimgesuchte
-Gegend verlassen. -- Als die Not aufs höchste gestiegen war, begab
-sich die bemitleidenswerte Jungfrau in die Burgkapelle, weilte dort
-auf den Knien liegend lange, bange Stunden und faßte daselbst,
-gestärkt durch ein inbrünstiges Gebet, einen bewunderungswürdigen,
-heroischen Entschluß, der, als sie wieder unter ihre Leute getreten
-war, ihren Augen einen eigenen Glanz, ihren Zügen eine stille Ruhe und
-Resignation, ihrem ganzen Wesen eine heilige Weihe gab. Ein Knecht
-mußte die letzte Nahrung, ein Rehviertel, vor den Turm werfen, ein
-anderer ins Horn stoßen und den Anführer der erbitterten Belagerer
-herbeizurufen. Dieser erschien, und Zdenka rief hinab: »Unter gewissen
-Bedingungen will ich die Burg übergeben, obwohl, wie Ihr an dem
-Wildpret sehen könnt, keine Not mich dazu zwingt. Erstlich werdet Ihr
-meine Getreuen mit Hab und Gut frei und ungehindert abziehen lassen.«
-»Nur Euch nicht, holde Frau«, unterbrach sie der Rohe, »sonst mag
-das ganze Gesindel das Weite suchen.« »Ich bleibe in der Burg meiner
-Väter, so lange ich lebe!« rief Zdenka leuchtenden Blicks und fuhr
-hierauf fort: »Dann werdet Ihr Euch nicht eher dem Thore nähern, bis
-meine Leute den Platz gänzlich verlassen und die Stätte jenes Vorwerks
-erreicht haben. Zuletzt beschwöret mir, falls Ihr ein Christ seid,
-die genaue Befolgung des Versprechens.« »Ich schwöre«, tönte es von
-den Lippen des Kelchners, »aber glaubt nur nicht«, setzte er bei,
-»daß Ihr mir entwischen könntet.« -- Zdenka ordnete nun den Abzug
-ihrer Diener an, dankte ihnen für alle bewiesene Treue und gehorsam
-geleisteten Dienste, verteilte ihre Kleinodien und Kostbarkeiten unter
-sie und tröstete die in Thränen Aufgelösten damit, daß ihr der wilde
-Hussitenführer wohl freundlich entgegenkommen werde.
-
-Die Fallbrücke rasselte herab, sechzehn bleiche und abgezehrte Männer
-mit der alten, weinenden Wärterin schwankten heraus, und nicht lange
-darnach stürzten die nach Beute lechzenden Taboriten mit ihrem Anführer
-an der Spitze, welcher die Jungfrau suchte, in die Burg. Allein wie vom
-Blitze gerührt blieb die wilde Rotte am Eingange einer Halle stehen
-und starrte mit stummen Entsetzen auf das ihr sich darbietende Bild.
-Dort in der Mitte des Gemaches stand Zdenka, bräutlich geschmückt,
-Entschlossenheit in Mienen und Gebärden, Hoheit und Würde in Haltung
-und Stellung zeigend. In ihrer Rechten loderte, Unheil und Verwüstung
-drohend, eine Fackel mit blutigrotem Scheine, und mit dem Zeigefinger
-ihrer Linken deutete sie auf ein vor ihr stehendes Pulverfaß. --
-Todesschauer schien die Kelchner gelähmt zu haben, und dieser wollte
-auch dann nicht von ihnen weichen, als ein brausendes Getöse sich
-gegen die Burg hinanwälzte, und endlich ein Haufen sich gesammelten,
-bewaffneten Landvolkes, entrüstet über die unmenschliche Verheerung
-ihrer Heimat, angefeuert durch die Not der verlassenen Jungfrau,
-zum Entsatze herbeieilte und die blutdürstigen Räuber mit leichter
-Mühe überwältigte. Zdenka stand noch immer, wie ein Engel des Todes,
-drohend vor der Pulvertonne. Erst als sie sich gerettet sah, fiel
-sie, inbrünstig dem Himmel für ihre Rettung dankend, auf ihre Knie.
-Die ruhmwürdige Jungfrau hätte eher die Burg in die Luft gesprengt,
-als sich den Taboriten ergeben, da sie voraussah, daß Entehrung und
-grausame Behandlung ihrer warte.
-
-
-743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.
-
-(Joh. Böhm in der Erzgebirgszeitung 1882, S. 29.)
-
-Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des siebenjährigen
-Krieges, als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein
-bei Bleistadt Vater und Sohn vor dem Kienfeuer sitzend in einem
-lauten Gespräche begriffen waren. Dieses war besonders für letzteren
-hochinteressant, denn oft ließ der fünfzehnjährige Michel seine
-Hände, welche sich mit Kieferspäneschnitzen beschäftigten, sinken und
-hörte lange Zeit mit gespanntester Aufmerksamkeit auf das, was sein
-Vater, ein alter, verdienter Soldat, von seinen Feldzügen gegen den
-hartnäckigsten Feind Maria Theresias mit großem Eifer und dramatischer
-Lebendigkeit zu erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund
-gesprächiger denn je, denn eine österreichische Truppenabteilung, bei
-deren Anblick sich des Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten,
-war seit wenigen Stunden an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte
-sich für die Nacht eine kurze Strecke davon. Immer und immer wieder
-wurde Michel zu bewundernden Ausrufen hingerissen, und es wäre ihm am
-liebsten gewesen, wenn er gleich als Soldat mit Säbel und Gewehr hätte
-Bekanntschaft machen können.
-
-»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete
-den Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert in
-die Stube warf, »heraus mit euch, oder das Feuer wird schnelle Beine
-machen!«
-
-Auf seinem Stelzfuße hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat einem
-Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von ihm zu
-erfahren wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen,
-wie stark sie sei und wo dieselbe liege. Der Veteran erwiderte, daß
-er dieses alles nicht wisse, und weder Versprechungen, noch harte
-Drohungen und arge Mißhandlungen, welche Michel zum Widerstande
-bewogen, konnten den braven Mann veranlassen, zum Verräter zu werden,
-so daß die Preußen diesen entschlossenen Leuten gegenüber einen andern
-Weg einschlugen, um zum Ziele zu gelangen.
-
-Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel gezwungen
-wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib einen Strick, dessen
-Ende der Befehlshaber selber in die Hand nahm, wobei er drohend und
-nachdrücklich sagte: »Du, Bursche, gehst links zwei Schritte neben
-mir und wirst weder husten, noch scharf auftreten. Zwei Mann mit
-gezogenen Säbeln gehen vier Schritte voraus, ebenso viele hinten und
-an den Seiten, die Mannschaft folgt, sechs Schritte entfernt, nach.
-Du führst uns den nächsten Weg zu dem Lager der Österreicher und wenn
-irgend ein Wort meiner Befehle übertreten wird, so werden dich meine
-Leute augenblicklich niederstoßen.« Der arme, bedauernswerte Michel
-leistete anfangs mit stürmischem Herzpochen, was man von ihm verlangte;
-allmählich wurde er aber ruhiger, dachte nach und machte endlich den
-Versuch die verhaßten Preußen irre zu führen, um die Soldaten seiner
-Kaiserin zu retten. Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald
-gemerkt; denn dieser zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins
-Ohr: »Wenn wir in einer halben Stunde die Österreicher nicht haben,
-stirbst du eines martervollen Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg
-mehr und entschlossen bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade
-auf das Lager der kaiserlichen Truppen führte. Die schwarze Nacht, die
-unheimliche Stille, das raubtierartige Gebahren seiner schlagfertigen
-Begleiter hatten etwas Fürchterliches, was im Vereine mit den heute
-von seinem Vater erzählten Kriegsthaten seine Thatkraft zeitigte und
-den kühn gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich entdeckten
-die Vordermänner eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf geben
-wollte, lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe
-sein, weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum
-Stillstande gab. Diesen Moment benützte der Bursche, sprang wie ein
-Luchs auf den Befehlshaber und ihn am Halse fest umschlingend, schrie
-er aus allen Leibeskräften: »Auf! auf! die Preußen! Holla, die Feinde!«
-Der Heldenmütige blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß
-seinen Mund auf ewig verstummte, dessen Rufe die kaiserliche Mannschaft
-rettete und ihr über die durch den unverhofften Verrat betäubten
-Preußen einen leichten Sieg verschaffte.
-
-
-744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.
-
-(Brandner, Lauenstein. 1845. S. 24 und 25.)
-
-Das Schloß Lauenstein, welches früher Löwenstein hieß, hatte wie andere
-Burgwarten einen markgräflichen Hauptmann. Durch die Räubereien dieser
-Hauptleute aber erhielt Lauenstein später den Ruf eines Raubschlosses.
-Einer dieser Hauptleute, mit Namen Gecko oder Jecko, war wegen seiner
-räuberischen Streifzüge, die er zuweilen bis an die Elbe ausdehnte,
-besonders gefürchtet. Bei einer solchen Gelegenheit bekam er die
-Gemahlin des Burggrafen Otto von Dohna und deren Tochter Edda in
-seine Gewalt, und er ließ beide, da Otto das schwere Lösegeld nicht
-aufbringen konnte, in schmählicher Gefangenschaft schmachten. Erst,
-nachdem Otto die Burg Lauenstein hart bedrängte, erhielten sie ihre
-Freiheit wieder. Aber Ottos Gemahlin genoß die Freude des Wiedersehens
-nur auf Augenblicke, denn als ihr Gemahl herbeieilte, um sie zu
-empfangen, erlag sie, durch lange, harte Gefangenschaft, durch Harm und
-Kummer geschwächt, der Wonne herzlicher Bewillkommnung. Sie starb in
-den Armen ihres Gemahls.
-
-Der Hauptmann Gecko aber fand später ein elendes Ende, das man, wie die
-alte Nachricht hinzufügt, für ein hartes Strafgericht Gottes halten
-mußte.
-
-Als Geckos kleiner Sohn an dem Rande des Zwinggrabens spielte, stürzte
-er, nach Blumen langend, in denselben hinab. Gecko, dies gewahrend,
-eilte behende herbei, um zu helfen, glitt indeß aus, stürzte hinab,
-blieb aber an einem Pfahle hängen und spießte sich denselben in
-der Hüfte zwischen Wamms und Brustschild durch den Leib, woran er
-elendiglich seinen Tod fand. Der Knabe aber ist ohne Fehl wieder
-herausgekommen.
-
-
-745. Der treue Haberberger von Freiberg.
-
-(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 43.)
-
-Als Markgraf Friedrich der Freidige, vom Kaiser Adolf besiegt, elend
-im Lande umherzog, kam er, von einem einzigen Diener begleitet und
-unerkannt in eine Schmelzhütte, in welcher ein Freiberger Bürger,
-namens Haberberger, einen starken Blick Silber abtrieb. Als er nun
-gefragt, wem so viel Silber zustände und darüber berichtet worden war,
-hat er den Haberberger allein vor die Hütte geführt, sich zu erkennen
-gegeben und ihn um das Silber angesprochen. Haberberger hat ihm dies
-nicht allein willig zugestellt, sondern ihm auch versprochen, daß er
-ihm nach wenig Tagen, wenn er es geschmolzen, noch mehreres geben
-wolle. Markgraf Friedrich nahm es mit Dank an, und da ihm in der Folge
-noch mehrere reiche Bürger heimlich von ihren Ausbeuten zuschickten,
-warb er neues Kriegsvolk an, mit dem es ihm gelang, in seinem Lande
-wieder festen Fuß zu fassen. Er konnte sich um so mehr darin behaupten,
-als bald darauf der Kaiser abgesetzt wurde und in einer Schlacht
-mit seinem Gegenkaiser sein Leben einbüßte. Haberberger aber wurde
-reichlich beschenkt und erhielt mancherlei Freiheiten.
-
-
-746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem Freidigen das
-Leben.
-
-(Moller a. a. O. II. S. 47.)
-
-Im Jahre 1305 ist der Kaiser Albrecht nach Altenburg gekommen und hat
-Markgraf Friedrich den Freidigen zu sich entbieten lassen, ihn auch
-freundlich aufgenommen und zu seiner Tafel gezogen, allein heimlich hat
-er einen Meuchelmörder bestellt gehabt, der plötzlich ins Tafelzimmer
-hineinsprang und einen Stoß auf den Markgrafen führte. Als dieses seine
-Diener sahen, ist der eine, so ein Bürger von Freiberg gewesen, ihm in
-den Stoß gefallen, dabei aber tötlich verletzt worden, die andern aber
-haben zu ihrer Wehr gegriffen und teils den Thäter in Stücke gehauen,
-teils ihren Herrn aus der Gefahr vom Schlosse hinweg und am folgenden
-Tage in fremden Kleidern aus der Stadt gebracht, worauf er sich nach
-Pegau gerettet hat.
-
-
-747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.
-
-(Nach Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I. S. 91 in Gräße, Sagenschatz d. K.
-S. No. 244.)
-
-Der König von Ungarn Matthias ist den deutschen niemals sonderlich hold
-gewesen, also daß er sich mehrmals öffentlich hat vernehmen lassen, er
-wolle den Türken einen Paß durch sein Land vergünstigen, Deutschland
-zu überfallen. Gleichwohl hat er immer deutsches Volk an seinem Hofe
-gehabt und in seinen Kriegen gebraucht, und so ist denn auch ein Ritter
-von Bärenstein in seine Dienste gekommen. Nun trug es sich zu, daß
-der König einmal auf dem Schlosse zu Ofen spazieren ging, und wie er
-dabei an die Löwengrube kommt, so forderte er den von Bärenstein zu
-sich, befiehlt, dem Löwen Fleisch zuwerfen und redet darnach den von
-Bärenstein an, er solle doch, da er so kühn sei, den Löwen vom Fleische
-wegjagen. Wiewohl nun der Ritter leicht abnehmen konnte, wie solches
-gemeint sei und was ihm für Gefahr bevorstehe, wenn er es unternehmen
-wolle, so hat er doch, um allen Unglimpf zu verhüten und abzuwenden,
-sein Leben nicht zu sparen gedacht, seinen Mantel um den linken Arm
-gewickelt, das Schwert in die rechte Hand genommen und ist also in die
-Grube auf den Löwen zugegangen. Wie dieser ihn ansichtig worden und
-sein unerschrockenes Gemüt gemerkt, hat er seiner nicht erwarten wollen
-(wie es denn die Natur dieses Tieres sein soll, daß es denen weicht, so
-es an Kühnheit übertreffen), und also hat der Ritter von Bärenstein das
-Fleisch genommen und dem König überbracht, nicht ohne dessen sowie des
-ganzen Hofes große Verwunderung. Ob nun wohl der König sich darauf ganz
-gnädig gegen ihn bezeigt, hat jener doch bald Abschied genommen und
-sich aus seinen Diensten begeben.
-
-
-748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847. S. 83.)
-
-Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über Olbernhau und Sayda
-durch das Gebirge herunter nach Oederan zog, galt es besonders dem
-Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus der Gefangenschaft
-entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg wohnte. Täglich
-wurde jetzt dieses Schloß 3 Wochen lang von den Hussiten gestürmt.
-Da rettete den geängstigten Schönberg sein Knappe durch einen
-unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor dem Schlosse öffnete.
-Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine, auf dem ein Kreuz
-eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit gehaltenes Roß trug den
-Ritter in der dunkeln Nacht durch den Forst auf die nahe Straße nach
-Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen Hussiten nach und hart vor
-Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten beinahe eingeholt.
-Der Turmwächter auf dem Meißner Thore gewahrte in der Morgendämmerung
-diese Menschenjagd. Er öffnete dem nahenden Ritter, welcher ihm sein
-weißes Tuch entgegenschwang, einen Thorflügel, den er vor den mit
-heransprengenden Hussiten schnell wieder zuschlug. Innerhalb des Thores
-aber verließen den Ritter die Kräfte; auf der Meißner Gasse stürzte er
-mit dem Pferde und wurde tot in das nächste Haus getragen. Auch diese
-Stelle ward mit einem Steine, den man später an die Stadtmauer gelehnt
-hat, zum traurigen Andenken bezeichnet.
-
-
-749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Oederan.
-
-(Staberoh, Chron. der Stadt Oederan. 1847. S. 36.)
-
-Im Bruderkriege wurde die Kirche zu Oederan von Herzog Wilhelms wilden,
-meist böhmischen Kriegern völlig ausgeraubt. Vom völligen Feuerruin
-wurde sie nur dadurch gerettet, daß, als die Räuber mit den Pechkränzen
-schon nach dem Gotteshause liefen, ein adeliges Fräulein, Hertha von
-der Planitz, in die Kirche eilte, das Marienbild vom Altare nahm und
-dieses dem Feldhauptmann Cuno von Witzleben, der zu Pferde vor der
-Kirchthüre hielt, mit den Worten zeigte: »Halt ein, du Gottloser! Diese
-Heilige wohnt in dieser Kirche, und wird dich bei ihrem Sohn verklagen.
-Ich trage sie zurück in ihr Heiligtum und werde mich selbst mit ihr
-verbrennen lassen!« Der Feldhauptmann ließ zwar die Pechkränze wieder
-wegtragen, doch nun die Thüre der Kirche erbrechen und diese ausrauben;
-jedoch befahl er, jenes heldenmütige Edelfräulein mit ihrem Marienbilde
-zu verschonen. Dies geschah 1447.
-
-
-750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« im Zellwalde bei
-Nossen.
-
-(Alfr. Moschkau, Geschichte des Benediktinerklosters St. Walpurgis im
-Zellwalde. 1874. S. 8. ~Saxonia~ I. S. 172.)
-
-Das im Jahre 1540 als Wallfahrtskirche eingegangene Mönchsklösterlein
-»alte Zelle« im Zellwalde soll nach der Sage ein +Nonnen+kloster
-gewesen und erst im dreißigjährigen Kriege eingegangen sein. Als Banner
-Freiberg vergeblich belagert hatte und seinen Zug gegen den Zellwald
-nahm, soll ihm die Aebtissin einen Boten entgegengesandt und für die
-Schonung des Klosters versprochen haben, ihm den Weg von Freiberg bis
-hierher mit Silbergulden zu belegen. Banner aber habe geantwortet, er
-wolle sich das Geld schon selber holen. Endlich sei er gekommen, habe
-das Kloster ausgeplündert und die Gebäude dann niedergebrannt.
-
-Eine Sage erzählt noch, daß dieses Nonnenkloster mit dem Mönchskloster
-Altzelle bei Nossen durch einen unterirdischen Gang verbunden gewesen
-sei. (Merkel und Engelhard, Erdbeschreibung von Kursachsen, 2. B. S.
-117.)
-
-
-751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.
-
-(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~. S. 672.)
-
-In ganz Deutschland ist in keiner Zeche jemals mehr gediegen Silber
-gehauen worden, als in St. Georgen zu Schneeberg. Von dem Herzog
-Albrecht, dem teuren und hochberühmten Helden, wird gemeldet, daß er
-auf diesem St. Georg (1477) angefahren und darin auf einer verschrämten
-großen, gediegenen Silberstufe, woraus später 400 Centner Silber
-gewonnen wurden, wie auf einem Tische mit etlichen seiner Räte Tafel
-gehalten, auch unter andern diese nachdenklichen Worte gesagt habe:
-»Unser Kaiser Friedrich ist zwar gewaltig und reich, ich weiß aber
-doch, daß er jetzo keinen solchen stattlichen Tisch hat.«
-
-In der Bergamtsstube auf dem Rathause zu Schneeberg wurde lange nachher
-noch der Sattel aufbewahrt, auf welchem Herzog Albrecht in den St.
-Georg und später auch Kurfürst Johann Friedrich auf dem Fürsten-Vertrag
-eingefahren war.
-
-
-752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.
-
-(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge. Dresden, 1847. S. 205.)
-
-Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen der tiefere
-Teil des angrenzenden Ortes Rothensehma führt. Im engsten Sinne ist der
-Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle und vielen Vorrechten,
-auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart. Nach einer Volkssage soll
-hier (und nicht am Fürstenberge bei Grünhain) des Prinzen Albert
-Errettung aus den Händen Kunzens von Kauffungen 1455 geschehen sein.
-Noch zeigt man im Westen, diesseits eines alten Marmorbruchs, den
-Fürstenbrunnen, und im Süden die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige
-Köhler Schmidt, der Triller genannt, sich aufhielt, welcher später
-die Erlaubnis erhielt, hier an der böhmischen Straße den Kretscham
-(Gasthof) anzulegen.
-
-
-753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.
-
-(Nach Berkenmeyer, ~Cur. Antiquarius~ S. 652 und W. Schäfer, Der
-Prinzenraub, S. 50; bei Gräße a. a. O. No. 528.)
-
-Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber,
-dem Ritter Kunz von Kauffungen, durch Gottes Hülfe glücklich entronnen
-waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche
-bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden
-jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des
-Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen.
-Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:
-
- Kuntz Kauffung der viel wilde Mann,
- Im Meißnerland ist kommen an,
- Wohl auf das Schloß zu Altenborg,
- Sehr frech und kühn ohne alle Sorg,
- Dem Fürsten allda seine Kind,
- Entführt hat listig und geschwind,
- Der Kleider noch sie hängen seht,
- Ein jeder der fürüber geht,
- Die dazumahl bald nach der That,
- Der Vater hergehänget hat.
-
- Die gegenwärtig in der Pfarre von Ebersdorf aufbewahrten Kleider der
- Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.
-
-
-754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.
-
-(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ II. S. 71.)
-
-Die Steinbrücke, die sich unterhalb des Schlosses Nossen über die Mulde
-wölbt, steht auf der Stelle einer uralten Furt. Noch Anfang vorigen
-Jahrhunderts mußte man, um von Meißen her in die Stadt zu gelangen,
-diese Furt passieren und es gehörte zu deren eifrigsten Frequentanten
-längere Zeit August der Starke, den die Liebe oft auf das nahe
-Rittergut Keseberg trieb. Da traf es sich denn einmal, als sein Sehnen
-groß und er dem Ziele so nahe war, daß er ratlos mit seinem Gefolge an
-der Mulde rasten mußte, weil der Strom geschwollen und es kein Vorwärts
-gab. Um nicht wieder in solche fatale Lage zu geraten, ordnete August
-der Starke sofort den Bau der heutigen Muldenbrücke an.
-
-
-755. Kunigunde Mathesius von Oederan.
-
-(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 123 etc.)
-
-Im Jahre 1572 befand sich Kurfürst August mit seiner Gemahlin Anna
-auf der Augustusburg. Nach wenigen Tagen schon stellten sich bei der
-Kurfürstin Zeichen ein, welche eine schnelle Abreise bedingten. Sie
-wünschte sogleich fort und nach Freiberg geschafft zu werden, wohin
-ihre Frauen, das Nötige zu ordnen, sämtlich vorauseilten. Es war
-spät am Abend und eine finstere Herbstnacht, als August und Anna
-ganz allein diesen nachfolgten. Der kürzere Fürstenweg sollte sie
-schnell nach Freiberg führen. Allein am Tannichtholze war die Kraft
-der Kurfürstin am Ende. Der Kutscher wußte jedoch Bescheid und lenkte
-auf sanftem Feldwege sogleich nach Oederan ein. Hier lag alles nach
-tags vorher gefeiertem »Mariä Geburtsfeste« in tiefem Schlafe. Der
-schwerfällige Wagen bewegte sich langsam bis nach dem Obermarkte
-herauf, wo an der Ecke eines Hauses, des jetzt Oehme'schen, No. 108,
-noch ein Lichtlein durchs Fenster leuchtete. Dahin wünschte Anna so
-heimlich als möglich gebracht zu werden. Der Hauswirt Jakob Mathesius,
-seines Gewerbes ein Schlosser, war mit seiner Tochter Kunigunde eben
-von einem Kindtaufsschmause heimgekehrt und letztere vor dem Spiegel
-beschäftigt, ihren orientalischen Patenschmuck abzulegen, als ein
-leises aber freundliches Rufen sie vor die Thüre lockte. Zwei Worte
-reichten hin ihr zu sagen, wem und wie sie hier zu helfen habe, mit
-gewandtem Anstande führte sie die Landesmutter in ihr Schlafzimmer,
-rief die erfahrene Hausfrau herbei, ordnete die nötige Hausarznei und
-schwatzte die sich erholende Anna in den ihr so nötigen Schlaf, bei der
-das kluge Jüngferchen wie bei einer Mutter sorgliche Wache hielt, indeß
-der Landesvater in der Wohnstube sich von dem verblüfften Vater die
-Wahrheit sagen ließ.
-
-Eine zweistündige Ruhe der gestärkten Fürstin ermutigte diese zu dem
-Wunsche, sogleich weiter zu reisen und den Gemahl herbeizurufen. Von
-der Gemahlin unterrichtet, was und wie viel sie dem Mädchen danke,
-fühlte der Kurfürst sich diesem verpflichtet und hielt der Bescheidenen
-die volle Börse hin. Mit edlem Stolz aber trat Kunigunde, den Reichtum
-abweisend, zurück und sagte: »Mir genügt an der ehrenvollen Gnade und
-dem Heil, das unserm Hause wiederfahren ist, und an der Aussicht«,
-dabei auf die Kurfürstin deutend, »für diese Gesegnete des Herrn bald
-vielleicht knieend diesen meinen Dank zu bringen!« »Sie hat Recht!«
-rief, sich erhebend, die Kurfürstin, drängte den Gemahl mit seinem
-Golde zurück und schloß das edle Mädchen in ihre Arme, den zweideutigen
-Sinn ihrer Worte recht gut fassend. »An der Wiege meines Kindes wirst
-Du diesen Dank gen Himmel senden, und dahin mich sogleich begleiten!«
-Schneller als ihr Entschluß, dieser hohen Gnade und dem gütigen Wunsche
-zu folgen, waren die Reisekleider der entzückten Kunigunde herbeigeholt
-und nach wenigen Minuten fuhr sie mit ihren erlauchten Gästen zum
-Freiberger Thore hinaus, hinab nach Dresden, wo nach 4 Wochen die
-Überglückliche denselben orientalischen Patenschmuck am Taufpult der
-neugeborenen Prinzessin trug, welchen sie einst getragen hatte, als
-ihre hohe Gevatterin vor die älterliche Wohnung geführt wurde.
-
-Die Kurfürstin verheiratete später diese Kunigunde mit einem Freiherrn
-von Voppelius.
-
-
-756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.
-
-(Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, bearbeitet von Engelhardt, 2. B.,
-S. 105.)
-
-Als Kaiser Maximilian II. im Jahre 1648, da er noch Erzherzog war,
-den Kurfürsten August von Sachsen besuchte, ward von letzterem in
-dem großen Tharander oder Grillenburger Walde eine glänzende Jagd
-veranstaltet. Auf dieser Jagd kam der Erzherzog in eine zweifache
-Lebensgefahr. Denn ehe er sichs versah, gerieth er mit seinem
-unbändigen Rosse an einen steilen Felsenhang, wo nur noch ein Schritt
-zwischen Leben und Tod war, und als er dann, glücklich der Gefahr
-entgangen, wieder umkehrte, um den Jagdtroß zu erreichen, verirrte er
-sich beim Sinken des Tages im Waldesdickicht, und er mußte endlich froh
-sein, daß er die Strohhütte eines Waldhirten erreichte, in welcher er
-übernachten wollte. Den Hirten aber verblendeten die reichen Kleider
-des erlauchten Gastes, so daß er den Vorsatz faßte, diesen während
-seines Schlafes zu ermorden. Doch Maximilians Wachsamkeit und Mut
-vereitelten diesen Plan. Unterdeß war auch der Jagdtroß, welcher den
-Fürsten suchte, herbeigekommen, und als die Jäger erfuhren, in welcher
-Gefahr Maximilian geschwebt hatte, schleppten sie den Hirten mit fort.
-Derselbe wurde sehr bald hingerichtet, seine Waldhütte aber wurde
-verbrannt.
-
-
-757. Die Sühne des Ritters Conrad von Theler.
-
-(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und
-Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52.)
-
-Über das Geschlecht der Edlen von Theler, sowie über deren reiche
-Silberzechen im Thale der wilden Weißeritz sind gar manche Sagen dem
-Anscheine nach seit Jahrhunderten im Munde des Volkes, und vorzugsweise
-die Sage vom Ritter Conrad von Theler, welcher seinen Hauspfaffen am
-Sonntage Oculi 1332 in der Sakristei der Burgkirche erstochen haben
-soll, weil dieser ihn von der Kanzel herab verflucht und von dem
-reichen Bergwerkssegen immer zu viel für die Kirche verlangt habe.
-Nach jener verbrecherischen That sei Conrad nach Jerusalem gezogen, um
-dort am heiligen Grabe Buße zu thun, und habe, als er am 5. Juli 1334
-zurückgekehrt sei, von Höckendorf an sieben Bet- oder Marter-Säulen
-setzen lassen, von welchen gegenwärtig noch drei vorhanden sind,
-deren erste nahe am neuen Höckendorfer Kirchhofe steht. Auch habe
-derselbe den wertvollen Altarschrank bauen lassen, der gegenwärtig
-noch die dortige Kirche schmückt, und dessen reiche Vergoldung aus dem
-Goldbergwerke gewonnen sei, welches Conrad in der Höckendorfer Heide
-besessen.
-
- Die Höckendorfer Kirchennachrichten vom Jahre 1846 bringen hierüber
- Conrads von Theler eigene Worte, welche einer Urkunde entnommen
- sein sollen. Sie heißen: »Was ich mitgebracht hatte, das wollte
- der Pfaff hineinschlucken, welches mir aber nicht anstund; weil
- nun das Verfluchen auf der Cancel auf mich losging und er mich so
- sehr verfluchte, sagte ich zu ihm: was habt ihr mich und mein Haus
- zu verfluchen, da Christus ja auch für mich gestorben und wieder
- auferwecket von den Toden, zu sitzen zu der rechten Hand Gottes und
- vertritt uns.
-
- Es war der Sonntag, an welchem das Evangelium: Jesus trieb die Teufel
- aus: Luc. am II. (am Sonntage Oculi) gepredigt wurde, Anno 1332,
- als ich den Pfaffen erstach und sogleich nach Jerusalem reiste, wo
- ich die heilige Stätte abmas, und als ich wieder nach Hause kam,
- ließ ich vom Dorfe Cunnersdorf an steinerne Capellen setzen, welche
- soviel auseinanderstanden, als unser Heiland mit dem schweren Kreuze
- gegangen ist, ehe er ausruhete, in jeder Capell stehen die sieben
- Buchstaben ~christus~, welches Alles in unserem Herrn Jesu zu einem
- Gelübde gethan habe. Ich Cunrad Theler habe auch den 5. Juny 1334
- den hohen Altar zu Höckendorf zu bauen angefangen, welcher den 6.
- October 1337 fertig worden ist, das Schnitzwerk ist aus Wien kommen
- und kostet 5000 Thaler und das Gold mit Vorhängen 24000 Thaler, und
- den 3. November ist selbiger durch einen Cardinal aus Rom geweihet
- worden.«
-
- Diese Urkunde ist jedenfalls unecht, denn sowohl Moller in seiner
- Freiberger Chronik als auch König in seinem Adelslexikon, welche
- beide die Thelersche Reise nach Jerusalem mitteilen, erzählen nichts
- von einem Priestermorde, als der Veranlassung zu jener Wallfahrt.
- Vielmehr heißt es in dem angeführten Adelslexicon von Conrad Theler,
- daß derselbe gottesfürchtig, andächtig, im Glauben beständig und
- gegen die Kirche ehrerbietig gewesen sei. (Sachsengrün, 1860, S. 21.)
-
-
-758. Der treue Rat von Freiberg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Pros. Anhang, No. 8.)
-
-Die Söhne Friedrichs des Streitbaren, Kurfürst Friedrich und Herzog
-Wilhelm, hatten über ihre Länder einen Teilungsvertrag geschlossen,
-nach welchem die Stadt Freiberg beiden zugleich angehörte. Als nun
-zwischen den beiden Brüdern der Krieg ausbrach, welcher gegen sechs
-Jahre währte, da war die arme Stadt oft in Kümmernis, denn zwei Herren,
-die sich befehden, durch Treuschwur zugleich unterthan zu sein, das ist
-gar ein schlimmes Ding.
-
-Im Jahre 1446 kam Kurfürst Friedrich, vielleicht nur, um die Treue der
-Bürger zu erproben, mit starker Heeresmacht nach Freiberg, hielt auf
-dem Markte Lager mit seiner Ritterschaft und ließ durch einen Herold
-ausrufen, »daß der Rat und die Bürgschaft bei Verlust Gutes und Lebens
-ihm allein huldigen, seinen Bruder verschwören und wider denselben ihm
-zu Hülfe thun sollten.« -- Da gingen die Herren des Rates zusammen
-und hielten voller Ängsten einen Rat, was zu beginnen sei und konnten
-nichts Erfreuliches ersinnen, denn entweder sie mußten den Treuschwur
-am Herzog Wilhelm brechen, oder die Stadt war der Zerstörung durch den
-Zorn des Kurfürsten Friedrich gewärtig. Also waren sie in großen Nöten,
-wählten aber dennoch das beste Teil. -- Als der Herold zum dritten
-Male rief, gingen sie barhäuptig, je zwei und zwei, vom Rathause auf
-den Markt, jeder seinen Sterbekittel am Arme tragend, und traten vor
-den Kurfürsten, um den seine Ritter einen Kreis geschlossen hatten.
-Nikol Weller von Molsdorf, der Bürgermeister, aber nahm das Wort und
-sprach: »Wir und die ganze Stadt sind so bereitwillig als schuldig,
-Euch, unserm gnädigsten Herrn, untertänigst zu gehorsamen, und ist uns
-gegenwärtige Trennung unserer beiden Fürsten ein herzliches Leidwesen;
-aber weil wir dem Herzog Wilhelm, Eurem Bruder, mit gleichen Pflichten
-verhaftet und solcher von ihm noch nicht entlassen sind, also auch
-mit gutem Gewissen keinem Teil Schaden zufügen können, so bitten
-wir um Gotteswillen, Ihr wollet uns doch dabei lassen und zu keinem
-Widrigen zwingen. Wenn es nicht gegen den Bruder ginge, so wollten wir
-gern Leib, Ehre und Gut für Euch zusetzen; aber dafern Ihr, was Gott
-verhüte, in uns dringen wollt, so gedenken wir lieber zu sterben, als
-uns in solche Seelengefahr zu stürzen, und ich will gern der Erste sein
-und mir meinen alten, grauen Kopf abhauen lassen!« Durch diese Rede
-erweicht, warf der Kurfürst sein Roß herum, ritt zu Wellern, klopfte
-ihm auf die Achsel und sagte freundlich: »Nicht Kopf weg, Alter! nicht
-Kopf weg! wir bedürfen solcher ehrlicher Leute noch länger, die ihr Eid
-und Pflicht also in acht nehmen!« -- Hierauf lobte er die Treue der
-Stadt und ermahnte die Ratsherren und Bürger, darinnen zu verharren und
-furchtlos zu sein, denn er stehe gern ab von seinem harten Begehren.
-
-
-759. Erfindung des Spitzenklöppelns.
-
-(Aug. Diezmann im Album fürs Erzgebirge, Leipzig, 1847, S. 133.)
-
-Ziemlich allgemein setzt man die Erfindung des Spitzenklöppelns durch
-Barbara Uttman in das Jahr 1561, ohne einen haltbaren Grund dafür
-angeben zu können; wahrscheinlich war in jener Zeit die neue Kunst
-schon so weit vervollkommnet und erleichtert, daß sie von da an
-allgemeinen Eingang fand. Dies muß der Fall gewesen sein, denn als 1568
-eine bösartige Krankheit in Annaberg herrschte, sollen allein in dieser
-Stadt gegen 800 Spitzenklöpplerinnen gestorben sein.
-
-Barbara Uttmann war die Tochter des Fundgrübners Hans Heinrich von
-Elterlein und wurde im Jahre 1514 geboren. Schon frühzeitig zeichnete
-sie sich durch eine seltene Geschicklichkeit in allen weiblichen
-Arbeiten und namentlich in der Verfertigung von Spitzen mit der Nadel
-aus. Die Sage erzählt nun:
-
-Ein junger Mann aus der damals berühmten Familie Uttman, welche durch
-den Bergbau große Schätze erlangt hatte, sah Barbara, verliebte sich
-in sie und wurde, als er ihr die Gefühle seines Herzens entdeckte,
-durch das Geständnis der Gegenliebe beglückt. Die Eltern der jungen
-Liebenden hatten gegen die Verbindung derselben nichts einzuwenden
-und die Zeit der Vermählung wurde festgesetzt. Die Männer trugen zu
-jener Zeit breite gestickte Hemdkragen und Barbara wünschte ihren
-Bräutigam am Hochzeitsfeste mit einem selbstgefertigten Spitzenkragen
-zu überraschen. Sie sann und grübelte deshalb noch eifriger als sonst
-über die neue Art der Spitzenbereitung, mit der sie sich schon lange
-beschäftigt hatte; sie versuchte wohl tausenderlei, steckte Nadeln
-fest, schlang um dieselben die Faden und endlich brachte sie auf diese
-Weise glücklich ein Gewebe zu Stande, dem sie mit der Nadel die letzte
-Vollendung gab. So soll die erste geklöppelte Spitze entstanden sein,
-welche der Bräutigam der Erfinderin, Christoph Uttman, an seinem
-Hochzeitstage als Halskragen trug.
-
-Eine andere Sage erzählt, daß Barbara in der Kunst des Spitzenklöppelns
-von einer Magd unterrichtet wurde, die aus Brabant entflohen war und in
-dem Hause des Herrn von Elterlein eine Zuflucht gefunden hatte.
-
-
-760. Christoph Schürer.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 45.)
-
-Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich sich
-verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber, wie
-man den Kobalt nannte, sich erhob, da kam Christoph Schürer, eines
-Apothekers Sohn aus Westphalen und landesflüchtig seines evangelischen
-Glaubens wegen, nach Schneeberg, wo er, als ein in der Chemie
-wohlerfahrener junger Mann, bald eine Anstellung bei den Hütten fand.
-Schon wenige Tage nach seiner Ankunft gewann er die Liebe Anna's, der
-Tochter des Hüttenmeisters Rau, und bald auch durch sein einnehmendes
-Betragen das Jawort ihres Vaters, so daß die Hochzeit auf das nächste
-Bergfest bestimmt wurde. Ehe aber das Bergfest kam, wären beinahe
-die Hoffnungen Schürers vernichtet worden. Bei seinen chemischen
-Forschungen war er nämlich auf den Gedanken geraten, den viel
-verrufenen Kobalt zu etwas Nützlichem umzugestalten. Er machte demnach
-im geheimen in einer Schmelzhütte in Oberschlema vielfache Versuche
-und trieb es damit oft die ganze Nacht hindurch so eifrig, daß er bald
-in den Verdacht der Alchimisterei und Schwarzkünstlerei gerieth. Als
-daher aus Platten in Böhmen, wo er sich bei seinem frühern Aufenthalte
-daselbst durch seinen Glauben Feinde und durch seine Kenntnisse Neider
-gemacht hatte, mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb
-und Glaspartierer gewesen sei, und man seine Auslieferung forderte,
-gebot der Bergmeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der
-Schmelzhütte mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Frohn,
-ihn festzunehmen, fand aber die äußere Thür verschlossen, was er
-dem Bergmeister meldete. Diesen sowie den Hüttenmeister Rau und
-einige Geschworene trieb jetzt die Neugier mitzugehen. Die Thür ward
-aufgesprengt und mit freudefunkelnden Augen trat der Gesuchte den
-Eintretenden entgegen. Aber wie staunte er, als der Frohn ihn griff und
-ihm die Handschellen anzwang! Wie erschrak er, als ihn die Bergherren
-mit Vorwürfen überhäuften und ihn einen Zauberer, Dieb und Partierer
-schalten. Da rief er, schnell sich fassend, mit fester Stimme: »Männer
-prüfen, ehe sie entscheiden! Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug hier
-mit schwarzer Kunst, so tretet her! Seht, dies wollt ich gewinnen,
-und, Gott sei Dank, endlich ists gelungen! Ich meine, es soll dem
-Lande von großem Nutzen sein!« Mit diesen Worten reichte er ihnen eine
-Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehls hin. Die Bergherrn staunten
-und begehrten zu wissen, wie und woraus er solche schöne blaue Farbe
-bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig und reinigte sich
-so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler sei. Auch machte es
-dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe versprach, alles zu
-thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen der Böhmen zu erweisen.
-Dies gelang auch dem wackeren Manne bald, und Schürer erhielt nun
-seine Freiheit wieder und kam durch die Erfindung der schönen blauen
-Farbe, die man anfangs nur blaues Wunder, später aber Schmalte nannte,
-zu großen Ehren, und als das Bergfest gekommen war, wurde er des
-Hüttenmeisters glücklicher Eidam.
-
-
-761. ~Dr.~ Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit Gutem.
-
-(Meißner, Umständl. Nachrichten von Altenberg, S. 19. Darnach Gräße,
-Sagenschatz, No. 232.)
-
-Im Jahre 1522 haben eine Menge Leute zu Altenberg ein hölzernes Bild,
-das wie Luther angezogen war, gemacht, dasselbe vor ein aus fingierten
-Richtern und Schöppen gebildetes Gericht geführt, es wegen Ketzerei
-verklagt und verurteilt, und dann mit großem Geschrei und Lärm auf
-den Geisingberg geführt und am Sonntag Lätare an einem aus 25 Fudern
-Holz bestehenden Feuer verbrannt, nachdem vorher ein gewisser Bergmann
-darüber den Stab gebrochen und das Urteil gesprochen hatte. Zwanzig
-Jahre nachher kommen zwei Bürger aus Altenberg zu ~Dr.~ M. Luther gen
-Wittenberg und bringen ihm einen schönen Handstein von rotgüldenem
-Erze, worauf sie derselbe zu Tische bittet. Da sagte der Eine, sein
-Kamerad habe sich einst schwer an ihm versündigt, indem er sein Bild
-wie Johann Huß zum Feuer verdammt, später habe er aber die Wahrheit
-seiner Lehre erkannt, und bitte nun, da ihm solches von Herzen leid
-sei, demütig um Gnade und Verzeihung seines thörichten Unverstandes.
-Dem Luther gefällt die Rede und er sagt, weil solches Feuer ihm und
-seiner Lehre nichts geschadet, solle es ihm im Namen des Herrn vergeben
-und vergessen sein. Wie nun dieser Handel ein gut und ehrliches
-Gelächter gab, spricht der Absolvierte: »O Herr Doktor, ich danke
-Ew. Ehrwürden, aber ich hab noch eine große Schuld auf mir, bitte,
-Ihr wollet mich auch davon absolvieren, denn ich armer Bergmann habe
-mich bei der Zeche verpufft und bin an die 500 Gulden schuldig.« Da
-sagt der Luther: »Ihr Bergleute, wenn Ihr am ärmsten seid, blüht Euer
-Glück, denn da haltet Ihr an und sehet selber zu Euern Zechen, und Not
-lehret Euch beten, zur Kirche gehen und nüchtern und mäßig sein, darum
-wisset Ihr selber nicht, wie reich Ihr seid. Ziehet heim und arbeitet
-treulich und handelt redlich und glaubt und hofft an den Allmächtigen,
-den rechten Erzschaffer im Namen seines Sohnes, der Silber und Gold ins
-Fisches Mund sprach (Matth. 17) und läßt immer Erz wachsen und giebts
-zu rechter Zeit denen, die in ihren Zechen anhalten und bei ihm im
-Gebet aushalten. Der reiche Gott wird mit Euch sein, auf seinen reichen
-Segen und milde Hand absolviere ich Euch von aller Eurer Schuld.« Ehe
-dieser Bergmann wieder zu Hause kommt, erhält er Botschaft unterwegs,
-man habe in seiner Zeche auf dem seligen Asar gut Erz angetroffen; da
-löst er Geld und giebt Ausbeute und zahlt alles ab und behält noch
-Überlauf.
-
-
-762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.
-
-(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 242.)
-
-Als die Hussiten im Jahre 1429 durch das Land Meißen zogen und alles
-mit Mord und Brand verwüsteten, kamen sie auch in das sächsische
-Hochland und zwar in die Nähe des in einem der tiefsten und schönsten
-Thäler Sachsens liegenden Städtchens Gottleuba. Schon brachten
-Flüchtige aus Liebstadt die Nachricht, daß das feindliche Heer im
-Anzuge sei, und um in die benachbarten Berge zu flüchten, schien die
-Zeit zu kurz, wenn es nicht möglich werde, dasselbe eine Zeitlang zu
-beschäftigen. Da rief der Bürgermeister rasch die ratlosen Bürger auf
-dem Markte zusammen, und forderte sie auf, freiwillig zurückzubleiben
-und sich den Hussiten entgegen zu werfen, auf daß Greise, Weiber und
-Kinder indeß Zeit zum Entrinnen gewinnen könnten. Obwohl sich aber
-fast alle Männer bereit erklärten, so wählte der tapfere Mann doch nur
-dreizehn Unverheiratete aus und zog mit ihnen, nachdem sie von den
-Ihrigen auf Nimmerwiedersehen Abschied genommen, den Feinden entgegen.
-Sie besetzten eine steile Bergspitze, bei welcher dieselben vorüber
-mußten, wenn sie zur Stadt wollten, und als ihnen die Hussiten einen
-Gesandten entgegenschickten, der sie zur Übergabe auffordern sollte,
-wiesen sie ihn mutig zurück. Nun rückten jene mit ihren ganzen Massen
-heran, um sie von ihrem Posten zu vertreiben, allein sie widerstanden
-männiglich, und erst nach Verlauf von drei Stunden, als keiner der
-Vierzehn mehr am Leben war, ward der Paß frei und die Feinde drangen
-über die Leichen der tapfern Bürger ins Thal herab; allein sie fanden
-niemanden mehr im Städtchen, denn jener Aufenthalt hatte alle gerettet.
-Die waldige Höhe aber, wo jene so wacker gestritten, heißt noch jetzt
-die vierzehn Nothelfer, obwohl manche diesen Namen von einer einst
-dort gestandenen Kapelle (die 12 Apostel, die Jungfrau Maria, Johannes
-der Täufer oder Joseph führen in katholischen Ländern den Namen der
-14 Nothelfer) herleiten wollen, die übrigens recht gut zum Andenken
-an jene Begebenheit erst erbaut sein könnte, um so mehr, als jene 14
-hier begraben sein sollen. Eine andere, südlich von der Stadt gelegene
-Anhöhe, welche jenen Bürgern als Ausguck gedient haben soll, heißt von
-derselben Begebenheit noch jetzt die »schnelle Gucke«.
-
- Als die 14 Nothelfer galten anderwärts auch Jesus, die 12 Apostel
- und irgend ein Heiliger, welchen der Bischof bezeichnete. Diesen 14
- Nothelfern war z. B. ein uraltes Wallfahrtskirchlein auf der kahlen
- Höhe bei Reichstädt geweiht; der Heilige war daselbst St. Nikolaus.
- (Monatsbeilage zur Weißeritzzeitung, 1884, No. 5.)
-
-
-763. Harras der kühne Springer.
-
-(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen. No. 327. Sachsens Kirchengalerie 8.
-B. S. 118.)
-
-Zwischen Frankenberg und Lichtenwalde an der Zschopau befindet sich
-ein hoher Fels, der Haustein genannt. Am 28. Mai des Jahres 1499 ist
-der Ritter von Harras, Besitzer von Lichtenwalde -- seine Familie
-besaß dasselbe bis 1561 -- in einer Fehde von seinen Feinden in
-der Nähe desselben überfallen und so verfolgt worden, daß ihm kein
-anderer Weg zur Rettung übrig blieb, als mit seinem Rosse von der
-Spitze des hohen Felsens, der den Namen Haustein trägt, in den unten
-vorbeiströmenden Zschopaufluß zu springen. Dieser kühne Sprung von
-einer Höhe von mehr als 100 Ellen ist ihm auch geglückt, und da er
-eine Tiefe von 10 Ellen Wasser im Flusse getroffen, hat derselbe
-weder ihm, noch dem Rosse Schaden gebracht, sondern beide haben das
-gegenüberliegende Ufer glücklich erreicht und später im Schlosse zu
-Lichtenwalde Schutz gefunden. Der Ritter aber hat nach der Kapelle zu
-Ebersdorf und dem dort befindlichen Gnadenbilde eine Wallfahrt gemacht
-und zum Andenken daselbst ein großes silbernes Hufeisen hinterlassen,
-welches in der Kapelle aufgehangen, aber um 1529 gegen ein eisernes
-vertauscht worden ist. Dieses Hufeisen befindet sich an einem Balken
-in der Nähe des am mittleren Thore der Kirche zu Ebersdorf errichteten
-steinernen Standbildes eines Ritters Dietrich von Harras, der als der
-kühne Springer bezeichnet wird. Im Mai des Jahres 1801 ist am Rande
-der Zschopau, dem Haustein gegenüber, bei einer sehr alten Eiche ein
-Denkstein mit der Inschrift auf den beiden Hauptseiten: »Dem tapfern
-Springer, Ritter von Harras,« errichtet worden, auf dessen Nebenseiten
-ein Sporn und ein Hufeisen abgebildet wurden.
-
- Bei den Brüdern Grimm (Deutsche Sagen, I. No. 332), welche Theodor
- Körners Nachlaß benutzten, lautet die Sage ganz einfach: Bei
- Lichtenwalde im sächsischen Erzgebirge zeigt man an dem Zschopauthal
- eine Stelle, genannt der Harrassprung, wo vor Zeiten ein Ritter, von
- seinen Feinden verfolgt, die steile Felsenwand hinunter geritten sein
- soll. Das Roß wurde zerschmettert, aber der Held entkam glücklich auf
- das jenseitige Ufer.
-
-
-764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.
-
-(K. W. Clauß, Führer auf der Fahrt durch das Weißeritzthal. 1883. 2.
-Aufl. S. 12.)
-
-Kurz vor der Haltestelle Seifersdorf zwischen Hainsberg und
-Dippoldiswalde befindet sich auf dem jenseitigen Weißeritzufer der
-Trompeterfelsen, an welchen sich eine Art Harrassage knüpft. Ein
-sächsischer Trompeter wird von Oelsa her von Feinden hart verfolgt und
-steht plötzlich auf einer Waldblöße vor dem Abgrunde. Den Tod vor und
-hinter sich sehend, sprengt er über den Abhang in die Weißeritz. Sein
-Pferd zerschellt, er aber kommt mit dem Leben davon, steigt auf die
-dem Felsen gegenüber liegende Höhe und bläst dort ein »Nun danket alle
-Gott.« Die erbitterten Verfolger sandten ihm Schüsse nach und eine
-Kugel streckte ihn nieder.
-
-Andere erzählen, die Kugel sei ihm zwischen Hand und Mund durch die
-Trompete gefahren, dieselbe unbrauchbar machend. Die Trompete sei in
-das alte Messing gewandert, das Loch aber noch in einem Altertumsmuseum
-zu sehen.
-
-
-765. Der Kärrner zu Stollberg.
-
-(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O. No. 575.)
-
-In der letzten Zeit vor dem 30jährigen Kriege lebte zu Stollberg eine
-Witwe mit ihrer Tochter in einem kleinen Häuschen am Ende der Stadt;
-das Häuschen war ihr von ihrem verstorbenen Ehemanne als einziges
-Erbe hinterlassen worden. Dem Hause gegenüber wohnte ein junger Mann,
-der seinen Unterhalt damit fand, auf den Dörfern mit verschiedenen
-Waren herumzuziehen, die er auf einem kleinen Wagen, welchen sein
-Hund zog, mit sich führte. Nun war der junge Mann längst der Tochter
-der Witwe gut gewesen und auch diese hatte ihn immer gern gesehen;
-da traf es sich, daß er gerade am heiligen Christabende mit ihr von
-seiner Liebe sprach und sie fragte, ob sie sein Weib werden wolle.
-Das Mädchen sagte freudig ja, und beide teilten der alten Mutter die
-frohe Neuigkeit mit und feierten so recht in Herzenslust den heiligen
-Abend. Allein plötzlich sprang der Kärrner auf und erklärte, er könne
-nicht länger bleiben, er müsse noch in das benachbarte, 1½ Stunde
-von der Stadt gelegene Wittendorf, das später durch den Krieg zur
-wüsten Mark ward, um dorthin bestellte Waren zu schaffen. Zwar bat
-ihn seine Braut, nur diesen Abend zu bleiben, es sei ihr so ängstlich
-zu Mute; allein der Kärrner lachte sie aus und meinte, es sei ja
-Mondenschein, er habe den Weg schon so viele male bei schlechterem
-Wetter und im Finstern gemacht, er werde ihn also auch heute nicht
-verfehlen. Er ließ sich nicht halten, sein Mädchen aber setzte sich
-traurig an den Spinnrocken und versuchte sich die Zeit mit Spinnen zu
-vertreiben. Aber in ihrer Herzensangst kamen ihr häßliche Bilder vor,
-die Spindel und das Garn schienen ihr blutig zu sein, und es war ihr,
-als spinne sie ihr Leichenhemde. Sie nahm also das Gesangbuch und die
-Bibel zur Hand, allein alles half nichts, es wollte keine Ruhe in ihr
-ängstlich schlagendes Herz einziehen. Endlich hörte sie die Glocke zur
-Frühmette läuten und sie eilte hinaus, um zu sehen, ob ihr Bräutigam
-zurückgekehrt sei; allein weder jetzt noch nach dem Schlusse der Mette
-ließ er sich sehen. Endlich hatte sie keine Ruhe mehr, sie bat einen
-ihr freundlich gesinnten Nachbar sie nach Wittendorf zu begleiten, um
-dort zu hören, ob ihrem Geliebten etwas zugestoßen sei. Als sie aber
-dort ankamen, hörten sie, derselbe sei zwar dagewesen, aber schon
-seit Mitternacht wieder fortgefahren, und sie konnten also nicht mehr
-zweifeln, daß ihm ein Unglück begegnet sei. Auf dem Rückwege verfolgten
-sie nun die Spur, welche der Kärrner mit seinem Wagen hinterlassen
-hatte, und dieselbe führte sie auch deutlich nach einer morastigen,
-aber grundlosen Stelle eines den Stollbergern unter dem Namen des
-Walkteiches bekannten Weihers, wo sie auf einmal aufhörte. Jetzt konnte
-die Arme nicht mehr an dem Schicksale ihres Bräutigams zweifeln, sie
-kehrte trostlos in das Städtchen zurück und sprach im halben Wahnsinn
-zu ihrer alten Mutter, in drei Monaten werde sie ihr Bräutigam zur
-Trauung abholen, bis dahin müsse sie sich ihr Hochzeitskleid spinnen.
-So spann sie denn emsig bis zum Osterfeste, und als die Mitternacht
-des Vorabends gekommen war, da dünkte es ihr, es poche jemand dreimal
-ans Fenster. Sie öffnete es und es schien ihr Bräutigam draußen zu
-stehen, zwar mit totenbleichem, aber himmlischfreundlichem Gesichte;
-er lud einen Myrthenkranz und Cypressenranken von seinem Wagen ab und
-verschwand. Kaum hatte sie ihrer bekümmerten Mutter von der Erscheinung
-erzählt, als sie auch schwer erkrankte, und es waren nicht 24 Stunden
-verronnen, da war das Mädchen entschlafen. Seit dieser Zeit sagt man
-aber, daß sich der Geist des Kärrners mit seinem Wagen und Hunde in
-den Gassen von Stollberg allnächtlich sehen lasse, und wo er vor einem
-Hause anhält und Kränze abladet, da wird jemand aus demselben drei Tage
-nachher begraben, und wenn jemand in der Stadt auf den Tod liegt, da
-sagt man: Dort hat der Kärrner abgeladen. Das Sumpfloch aber, worin er
-sein Grab fand, heißt noch heute das Kärrnerloch.
-
- Aus den Akten über den Kärrner von Stollberg ergiebt sich folgendes:
- Er hieß Martin Schmidt aus Crottendorf und ertrank am 24. Dezember
- 1591 abends 6 Uhr im Ratsteiche, d. i. Walkteiche, zu Stollberg.
- Am 25. abends 4 Uhr ist er aufgefunden, durch den Scharfrichter
- herausgezogen, aufgehoben und »hinterm Städtlein an der Zwickschen
- Straße auf dem Scheidewege, am Viehweg nach Würschnitz zu« begraben
- worden. Solches ist vom Stollberger Schösser Lorenz Stuihler
- dem Beamten in Schwarzenberg, Seibold Werner, gemeldet und bei
- demselben, wahrscheinlich weil man in Zweifel war, ob der Mann
- ertrunken oder sich ertränkt hatte, angefragt worden, wie man
- sich dabei zu verhalten habe, da so ein Fall ihm weder bei seinen
- jetzigen, noch in seinen früheren Ämtern vorgekommen sei. Dieser
- hat darauf angeraten, sich darüber beim Amte Chemnitz, wo sich
- zweifelsohne solche Fälle schon zugetragen, im Vertrauen zu befragen.
- (Stollberger Anzeiger, 1882, No. 39.)
-
-
-766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.
-
-(Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirgs, I. 1822.
-S. 167 etc. Gräße, Sagenschatz etc. No. 478.)
-
-Einst lebte in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf ein junger Bergmann,
-namens Oswald Barthel, des alten Bergmanns Michael Barthel Sohn,
-der von seinen Vorgesetzten so geschätzt war, daß ihm der reiche
-Obersteiger Baumwald seine einzige Tochter Anna verlobte. Nun sollte
-er im tiefen Stolln »Gutes Glück« im Sauberge anfahren, um einen
-Durchschlag zu machen, welches wegen des entgegenstehenden Wassers
-unter die gefährlichsten Arbeiten des Bergbaues gehört. Er und
-diejenigen seiner Kameraden, welche die Reihe hierzu traf, traten
-nun, nachdem sie zuvor mit ihrem Steiger gebeichtet und das heilige
-Abendmahl genommen, am Tage St. Katharinä im Jahre 1508 die Fahrt
-mit einem herzlichen Glückauf! an. Als sie an dem gefährlichen
-Punkte angekommen waren, ward die Arbeit sofort in rolliger, sehr
-gebrechlicher Bergart betrieben und das Einstürzen der Firste durch
-Zimmerung verhütet. Die Last war groß, die auf dieser Zimmerung ruhte,
-und als der Steiger, etwas zurückstehend, eben eine Anordnung treffen
-wollte, hörte er ein heftiges Krachen in der Firsten-Zimmerung und
-im nächsten Augenblick ein gleiches. »Brüder, rettet Euch!« rief er
-schnell, »es macht einen Bruch!« Diesem Rufe folgten alle in der
-größten Eile, nur Oswald, der jüngste und rascheste von allen blieb
-auf eine bis jetzt unbegreiflich gebliebene Weise zurück und wurde
-verschüttet. Zwar gab man sich die unsäglichste Mühe, den armen Oswald
-zu retten, und immer neue Arbeiter lösten die bereits ermatteten ab,
-aber vergebens, es brach immer mehr nach und der Unglückliche ward
-nicht wieder gefunden. Als nun aber die Braut des armen Bergmanns die
-furchtbare Kunde vernahm, sank sie zuerst in eine tiefe Ohnmacht,
-aus der sie nur wieder erwachte, um in eine tödliche Krankheit zu
-verfallen. Zwar besiegte ihre Jugendkraft dieselbe und sie ward dem
-Leben erhalten, allein als sie nach ihrer Genesung zum ersten male
-wieder das Gotteshaus betrat, da brachte sie am Altar der hochheiligen
-Mutter des Herrn das Gelübde, ihrem Oswald treu zu bleiben und ihr
-Leben lang Jungfrau zu bleiben; dann hing sie ihren Brautkranz mit
-eigner Hand unter den Totenkränzen in der Kirche auf und lebte in
-tiefster Stille, den Segen der Armen verdienend. -- So gingen denn seit
-jenem Unglückstage viele Jahre dahin und zuletzt waren nur noch die
-jungfräuliche Braut, sowie drei Bergleute, Balthasar Thomas Kendler,
-Andreas Reiter der ältere, beide in Ehrenfriedersdorf, sowie Simon
-Löser, in Drehbach wohnhaft, von allen denen übrig, die damals das
-unglückliche Ereignis mit angesehen hatten. Da fügte es sich, daß in
-Brünlers Fdgr. am Sauberge ein Stolln bewältigt wurde, und als man
-in die siebente Lachter im rolligen Gebirge fortgerückt war, stieß
-man auf einen in der Erde liegenden menschlichen Körper, der noch in
-seinen unverwesten Kleidern dalag. Mit vieler Mühe machte man ihn von
-seiner drängenden Umgebung frei und schaffte ihn nach dem Tageschachte,
-da brach dieser harte Leichnam mitten auseinander und man konnte
-ihn also nur in zwei Stücken heraufwinden. Diese Begebenheit wurde
-sogleich dem damaligen Bergmeister Valentin Feige gemeldet, welcher
-den Geschwornen Thomas Langer rufen und die obengenannten Greise an
-Bergamtsstelle bescheiden ließ. Diese Männer sagten nun aus, daß sie
-sich noch wohl erinnerten, wie einst in der Zeit ihrer Jugend, vor 60
-Jahren, ein junger Bergmann, namens Oswald Barthel, in der Gegend, wo
-der Leichnam jetzt gefunden worden, so verfallen sei, daß ihn niemand
-habe retten können. Und als man nun den Leichnam brachte, erkannten
-sie ihn als den Verschütteten. Dieses Wiederfinden geschah am 20.
-Sept. 1568, so daß der Verschüttete 60 Jahre 9 Wochen und 3 Tage in
-der Erde gelegen hatte, als man ihn wiederfand, worauf er am 26.
-desselbigen Monats mit einem feierlichen Leichenbegängnis wieder zur
-Erde bestattet wurde, welche ihn schon so lange umschlossen gehabt
-hatte. Es war ein Begräbnis, wie Ehrenfriedersdorf noch keins gesehen
-hatte. Der Leichenzug bestand aus Tausenden, die herbeigekommen waren,
-um dem so wunderbar Wiedergefundenen das letzte Geleite zu geben. Als
-die Leiche eingesenkt werden sollte, eilte auch die treugebliebene
-Braut herbei und sprach den Wunsch aus, ihrem Bräutigam bald folgen
-zu können, und nach wenigen Tagen ward ihre Hoffnung auch erfüllt.
-In der Gedächtnispredigt, welche der damalige Ortspfarrer ~M.~ Georg
-Raute hielt, sagte derselbe am Eingange, es sei eine wundersame
-Mär, daß er, der Pfarrer, der schon im 31. Jahre stehe, heute einer
-Leiche die Gedächtnispredigt halte, welche schon 30 Jahre vor seiner
-Geburt gestorben sei. Als Oswald verschüttet ward, herrschte in
-Ehrenfriedersdorf noch das Papsttum, als er begraben ward, hatte
-dasselbe schon längst der Reformation weichen müssen. Noch heute heißt
-aber die Hauptzusammenkunft der Bergknappschaft zu Ehrenfriedersdorf,
-die zugleich eine Begräbnis-Brüderschaft ist, und welche am Montag nach
-Ostern abgehalten wird, zum Andenken an obige Begebenheit die lange
-Schicht.
-
-Nach einer andern Überlieferung, welche Dietrich erzählt, lebte
-von den einstigen Kameraden Oswalds, als man seine Leiche wieder
-auffand, nur noch einer, der alte Balthasar. Oswald aber wurde von der
-Verwesung noch unversehrt, in seinem Grubenkittel, lederner Bergkappe,
-desgleichen mit seinem Gezäh (Werkzeug), seiner Unschlitttasche
-und dem Zscherper wiedergefunden, ohne daß er beim Heraufwinden in
-zwei Stücke zerbrach. Als das Leichenbegängnis beendet war, wankte
-Oswalds Braut Anna, geleitet von dem Bergmeister und dem Pfarrer in
-ihre Wohnung zurück. Hier bat sie, daß man ihr den Brautkranz aus
-der Kirche wieder gebe, und ihre Bitte ward gewährt. Am nächsten
-Sonntagsmorgen genoß sie in der Kirche öffentlich das Abendmahl des
-Herrn, die längst vertrocknete Myrthenkrone im Silberhaar; dem alten
-Balthasar aber mußte man die heilige Spende zum Krankenlager bringen,
-denn ein Schlagfluß hatte ihn darniedergeworfen und seine Auflösung
-war nahe. An diesem Sonntage noch ging mit der Himmelssonne auch der
-treuen Anna Lebenssonne unter, und um Mitternacht folgte ihr Balthasar
-nach. Es wurden diese beiden an einem Tage begraben. Oswald und Anna
-ruhen in einem Grabe, des treuen Freundes Balthasars Grab aber war
-nahe an Oswalds Seite, und tausende von Thränen weihten ihre stillen
-Ruhestätten.
-
-
-767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei
-Reichstädt.
-
-(Mitgeteilt durch Ludw. Lamer in der Monatsbeilage zur
-Weißeritz-Zeitung 1886. No. 5 etc.)
-
-Ganz in der Nähe des Dorfes Reichstädt, 1½ Stunde von Dippoldiswalde
-gelegen, stand ehedem auf einer Anhöhe, die »Kahle Höhe« genannt,
-ganz einsam und verlassen ein uraltes Kirchlein, den »vierzehn
-Nothelfern« geweiht. Nach einer Urkunde vom Jahre 1320 war dasselbe
-eine überaus berühmte Wallfahrtskapelle, und zu ihr strömten jährlich
-viele Tausende, um ihre Anliegen und Gebete den vierzehn Nothelfern,
-nämlich Jesu, den zwölf Aposteln und dem heilgen Nikolaus vorzutragen.
-Durch die vielen, der Kirche gespendeten Geschenke wurde dieselbe
-sehr reich; als aber nach Beginn der Reformation die zahlreichen
-Wallfahrer ausblieben und im niedern Teile des Dorfes Reichstädt eine
-Kirche gebaut und daselbst der lutherische Gottesdienst eingeführt
-worden war, verschwand plötzlich auch der letzte Meßpriester der
-Kapelle und mit ihm das ganze aufgehäufte Vermögen derselben nebst
-den Heiligenbildern und Kirchengeräten. So verfiel nach und nach
-das Kirchlein und während des dreißigjährigen Krieges wurden auch
-Bänke, Betstühle und alles Holzwerk herausgerissen und verbrannt. In
-der Zeit nun, da das kleine Gotteshaus mit leerem Boden und leeren
-Wänden dastand, geschah folgendes: Bei dem reichen Bauer Wolf zu
-Oberreichstädt diente in den 1640er Jahren die Tochter einer armen
-Witwe aus Sadisdorf, namens Hanna. Durch ihren Fleiß, ihre Treue und
-Bescheidenheit machte sich dieselbe bei ihrer Herrschaft bald beliebt;
-noch mehr aber gefiel Hanna dem einzigen Sohne ihres Dienstherrn,
-einem mit ihr gleichaltrigen, blühenden Burschen mit Namen Christian.
-Allgemach zog die Liebe zu dem Mädchen in sein Herz, doch verriet er
-davon nichts, denn sein Vater war starrsinnig und unbeugsam und dabei
-dem Gelde so wohlgeneigt, daß er nie die Verbindung seines einzigen
-Sohnes mit einem armen Mädchen zugegeben hätte. Das wußte der Sohn aus
-manchen Äußerungen des Vaters. Ja eines Tages sagte ihm derselbe, daß
-er für ihn die Tochter eines reichen Bauern zur Frau bestimmt habe,
-die ihm sogleich 2000 Thaler als Heiratsgut mitbringen werde. Doch
-Christian weigerte sich, dieses Mädchen heimzuführen, da dasselbe
-träge, zänkisch und roh sei. Erzürnt drohte ihm darauf der Vater, daß
-er nie seine Einwilligung zu einer andern Verbindung geben werde, es
-sei denn, daß ihm die Braut ebenfalls 2000 Thaler Mitgift zuführe.
-Da Hanna diese Worte ebenfalls, von beiden unbemerkt, gehört hatte,
-war ihr Herz traurig, denn auch sie liebte Christian heimlich von
-ganzem Herzen. Sie nahm sich alsobald vor, das Haus, in welchem sie so
-glücklich gewesen war, zu verlassen. Aber als Christian ihren Kummer
-sah und in sie drang, ihm zu sagen, was ihr fehle, weinte sie heftig
-und beide gestanden sich ihre gegenseitige Liebe. Da sagte Christian,
-daß er sich vor der Drohung seines Vaters nicht fürchte und er bat
-Hanna, noch zu bleiben, da ja Gott alles noch zum Besten lenken werde.
-
-Bald darauf wurde der Vater Wolf bedenklich krank und auf seinem Lager
-ließ er sein Testament mit der ausdrücklichen Bestimmung anfertigen,
-daß sein Sohn Christian nach seinem Ableben nur dann als Erbe der
-Besitzung zu betrachten sei, wenn derselbe eine Frau mit 2000 Thalern
-Mitgift eheliche; sei dies jedoch in vier Jahren nach des Testators
-Ableben nicht erfolgt, so trete der älteste Sohn seines Bruders als
-rechtmäßiger Erbe ein. Der Vater hatte also sein früher ausgesprochenes
-Wort nicht vergessen.
-
-Hannas Mutter zu Sadisdorf war während der Zeit ebenfalls erkrankt.
-An einem rauhen Sonntage des Herbstes 1644 ging daher Hanna nach
-Hause, um nach ihrer Mutter zu sehen. Die Stunden vergingen schnell,
-und als es Mitternacht schlug, machte sie sich wieder auf den Rückweg.
-Sie mußte dabei an der Kirche zu den vierzehn Nothelfern vorüber. Da
-vernahmen ihre Ohren plötzlich schwere Tritte hinter sich, und als
-sie sich umblickte, gewahrte sie zwei schwedische Soldaten, welche
-ihr eilig folgten. Sie lief so schnell, als sie nur konnte, und als
-sie an dem Kirchlein anlangte, waren die Verfolger dicht hinter ihr.
-In ihrer Todesangst riß sie an der Thüre des Kirchleins und dieselbe
-gab glücklich nach, da sie wunderbarer Weise nicht verschlossen war.
-Schnell schlüpfte sie hinein und schlug mit kräftigem Stoße die Thüre
-wieder ins Schloß zurück. Es war die höchste Zeit gewesen. Draußen
-tobten die Soldaten und versuchten die Thüre zu sprengen, Hanna aber
-sah sich vergeblich in der leeren Kirche um, um irgend ein Versteck zu
-finden. Nur hinter dem Gemäuer, wo sonst der Altar gestanden hatte,
-bemerkte sie ein geräumiges Loch, das sie zwar nicht völlig, aber
-doch teilweise aufnehmen konnte. Emsig arbeitete sie, durch Auswerfen
-des Schuttes das Versteck zu erweitern. Hierbei wurden ihre Gedanken
-plötzlich auf einen ganz besonderen Gegenstand gerichtet, und sie
-vergaß wenigstem auf Augenblicke die Gefahr, in der sie sich befand.
-Zwischen ihren Fingern fühlte sie nämlich unerwartet ein Geldstück
-von der Größe eines Dukatens; ob es wirklich ein solcher sei, konnte
-sie freilich wegen der Finsternis, die sie umgab, nicht bestimmen,
-doch unterschied sie mit den Fingern recht deutlich ein Gepräge. Mit
-Eifer suchte sie nun weiter und fand dann nach und nach eine solche
-Menge, daß sie das Gewicht derselben in ihrer Schürze fühlte. Waren
-es wirklich Dukaten, so hatte ihr Gott geholfen und sie war ihres
-Kummers und ihrer Sorgen enthoben. Draußen vor der Kirche war es
-unterdeß auch still geworden, und nachdem Hanna noch lange gelauscht
-und annehmen konnte, daß sich ihre Verfolger wieder entfernt hatten,
-versuchte sie die Thüre zu öffnen. Mit der größten Anstrengung gelang
-ihr dies endlich und sie trat hinaus. Die Soldaten waren nirgends
-mehr zu sehen, und glücklich gelangte das Mädchen in das Haus ihres
-Dienstherrn, wo sie sich erschöpft niederlegte. Am Morgen, so bald
-es dämmerte, sah sie sich die Geldstücke an, und richtig, es waren
-lauter Dukaten, deren sie zusammen 820 Stück zählte. Da sie dieselben
-alsobald dem aus seiner Kammer tretenden Christian zeigte und ihm
-erzählte, wie sie zu diesem Schatze gekommen sei, der ja mehr betrug
-als 2000 Thaler, staunte derselbe zunächst, dann aber brach er in laute
-Freudenrufe aus. Jetzt war das Hindernis, welches ihrer Vereinigung
-entgegenstand, plötzlich und auf so wunderbare Weise gehoben. In ihren
-besten Gewändern betraten beide bald darauf das Gemach des Vaters
-Wolf, der noch an das Bett gefesselt war. Hier bat Christian um seinen
-Segen zur ehelichen Verbindung mit Hanna, die nun mehr als 2000 Thaler
-Mitgift besäße. Dabei legte das Mädchen die Dukaten in einem Tuche auf
-das Bett. Erst wußte der Vater nicht, was er dazu sagen sollte, als
-aber Hanna den nötigen Aufschluß gegeben hatte, ging eine merkliche
-Veränderung in seinem Innern vor. Nach langem Sinnen erfaßte er endlich
-die Hände des jungen Paares, segnete es und sagte: »Ich war hart gegen
-euch, aber Gott wußte ein Mittel, durch welches meine Härte und mein
-Starrsinn gebrochen worden ist.« Auch die Mutter trat nun tief bewegt
-hinzu und segnete das Paar; sie hatte ja oft gewünscht, daß Hanna ihre
-Schwiegertochter werden möchte. Der Sohn übernahm das Gut des Vaters
-und bald wurde eine fröhliche Hochzeit gefeiert. Damit zog wieder
-Friede und Glück in der Familie ein. Noch heute soll das Wolfsche
-Geschlecht in mehreren Zweigen in Reichstädt fortleben.
-
-
-768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser.
-
-(Nach der metr. Bearbeitung im Glückauf, 1. Jahrg. S. 60.)
-
-Im Schwarzwasserthale lag einst eine Zeche, »Trau auf Gott« genannt.
-Als der Besitzer derselben seinen Knappen versprach, daß derjenige
-von ihnen, welcher zuerst eine reiche Silberader finden und dieselbe
-anhauen werde, die Hälfte der Ausbeute erhalten solle, da regten
-sich mit verdoppeltem Eifer die Hände der fleißigen Knappen. Aber
-manche Schicht wurde verfahren und es zeigte sich doch immer nur
-taubes Gestein, so daß endlich Unmut an der Stelle der Hoffnung in
-den Herzen platzgriff. Ein Knappe war es endlich nur noch, welcher
-in der Grube fortarbeitete; er gönnte sich kaum die nötige Ruhe, so
-daß er auch in den Nachtstunden seine Schicht verfuhr. Da geschah
-es einmal um Mitternacht, als er bekümmerten Herzens ein Gebet zum
-Himmel sendete, daß ihm der Berggeist im hellen Lichte erschien und
-einen reichen Gang zeigte, aus dem bald das reichste Erz brach. Froh
-eilte mit Tagesanbruch der Knappe zu seinem Herrn und verkündigte ihm
-das große Glück. Beide stiegen in den Schacht hinab, wo ihnen das
-Silbererz entgegenleuchtete. Als aber der Knappe den Herrn an sein
-Versprechen erinnerte und dabei auf die Not der Seinen hinwies, die
-jetzt gehoben sei, stand der Eigner schweigend und überdachte, wie viel
-Reichtum er verschenken müsse, wenn er sein Versprechen halten wollte.
-Die Habsucht verhärtete sein Herz und er beschloß, den unbequemen
-Mahner heimlich aus dem Wege zu schaffen. Aus der Grube tönte jähes
-Angstgeschrei hinauf, dann war es still. Der Knappe fuhr nicht mehr
-hinauf zum Tageslichte und sein Weib und seine Kinder mußten, da ihnen
-der Ernährer so plötzlich genommen war, betteln gehen. Die Grube »Trau
-auf Gott« aber blieb von Stund an verlassen, denn der Berggeist nahm
-wieder, was er so reichlich geboten hatte. Der Grubenherr fand die
-verdiente Strafe, denn er verfiel den höllischen Mächten. Sein von Reue
-gequältes Herz jedoch wuchs zum riesengroßen Steine, der heute noch als
-»steinernes Herz« in den Fluten des Schwarzwassers liegt.
-
- »Eidbruch und die Sucht nach Erz
- Räumt dem Bösen Wohnung ein,
- Macht das Menschenherz zu Stein.«
-
-
-769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.
-
-(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane. S. 63.)
-
-Eine gedruckte Nachricht von 1788 erzählt: Da das Städtlein Meerane
-dreierlei Gerichte hatte, so kam es, daß zu Anfange des 18.
-Jahrhunderts dieser Ort in einem fast bösen Geschrei war, weil sich
-fremd liederlich Gesindel da aufgehalten, so bei Visitationen leicht
-aus einem Gerichte oder Amtssprengel ins andere entwischen können;
-daher entstund in dieser Gegend ein Sprichwort, daß, wenn man einen
-schimpfen wollte, man ihn einen Meeraner genannt. Nachher ist dieses
-Geschrei durch gute Ordnung der Obrigkeit und redliche Einwohner völlig
-unterdrückt worden. Es geschah, daß der dortige Pastor ~M.~ Sigismund
-Stolze einstmals auf die Leipziger Messe reiste. Als er mit dem Wagen
-unter's Thor zu Leipzig kam, wurde er gefragt, woher er käme und wer er
-wäre. Als er es beantwortet: der Pastor von Meerane! mußte er wieder
-umkehren, weil man von Meerane niemanden einlassen durfte. Der gute
-Mann kehrte mit der Kutsche wieder um und fuhr unter einem andern Namen
-zu einem andern Thore hinein. Bei seiner Heimkunft brachte er dies
-mit Thränen auf der Kanzel vor, ließ auch nicht eher nach, bis seine
-berüchtigte Gemeinde ein besseres Leben zu führen anfing.
-
-
-770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.
-
-(Merkels u. Engelhardts Erdbeschreibung v. Kursachsen, 3. B. S. 140.
-143. Joh. Gottlieb Kern v. Schneckensteine. Prag 1776. S. 5.)
-
-Eine Stunde von Tannebergsthal über Auerbach liegt im Walde der
-Topasfelsen Schneckenstein, der diesen Namen von den vielen
-Schnecken, welche an seinem hier und da feuchten Fuße sich aufzuhalten
-pflegten, erhalten haben soll. Es wird erzählt, daß er erst durch
-einen Tuchmacher aus Auerbach, namens Kraut, seit 1727 allgemein
-bekannt und seitdem auch fleißig benutzt worden sei. Jener Kraut,
-welcher ein eigener seltsamer Mensch und ein etwas lockerer Mann, der
-nicht im besten Rufe stand, genannt wird, soll durch Holzhauer oder
-Kohlenbrenner auf den harten und schimmernden Stein aufmerksam geworden
-sein, und er soll darauf heimlich Topase, die er schleifen ließ, und
-die er für hohe Preise unter dem Namen von Schneckensteinen oder
-Königskronen ins Ausland schaffte, gebrochen haben. Als er merkte, daß
-man seinem Schleichhandel auf die Spur kam, machte er seine Entdeckung
-dem Kurfürsten August III. bekannt, der den Felsen dem Herrn von
-Trützschler, welchem Grund und Boden gehörte, abkaufte und später einer
-Gewerkschaft überließ.
-
-
-771. Das Paradies zu Zwickau.
-
-(Nach Ziehnerts poetischer Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 607.)
-
-In Zwickau, am rechten Ufer der Mulde, an der Straße, die von der Stadt
-nach Chemnitz führt, befindet sich noch heute ein Gasthof, zum Paradies
-genannt, der ehedem aber das Ochsenhaus oder der Ratsweinkeller hieß
-und seinen jetzigen Namen von seiner schönen Lage erhalten haben
-soll. Nach einer Sage rührt derselbe aber von folgender, freilich
-unverbürgter Begebenheit her: Als Luther einst zu Zwickau war und seine
-Predigten einen solchen Eindruck auf das Volk machten, das dasselbe
-das Kloster oder den Grünhainer Hof stürmte, lockten die erbitterten
-Mönche Luthern eines Abends zu einem angeblichen Kranken in eine
-entlegene Straße, um ihn zu ermorden. Sie sendeten nämlich ein Weib
-in Luthers Haus, welches daselbst weinend aussagte, ihr Mann sei zum
-Tode krank und verlange vor seinem Ende noch einmal den frommen Herrn
-zu sehen. Auf solche Bitten ging Luther mit ihr und sie führte ihn
-durchs Tränkthor. Plötzlich öffnete sich ein Haus, das Weib entsprang
-und aus dem Hause stürzte voller Wut der Mönche Troß. Jedoch gelang
-es dem großen Reformator, sich ihren Händen zu entreißen und in ein
-offenstehendes Haus zu flüchten, dessen Thor er eilig durch den
-vorgeschobenen Riegel verschloß. Da zogen sich die Mönche still zurück;
-Luther aber sprach mit freudigem Blicke zum Wirte des Hauses, der
-ihn nach dem Grunde seiner Flucht fragte: »Die Kuttenträger lechzten
-lange nach meinem Blute; aber Gott sei Dank, der mich dieses Haus in
-meiner Bedrängnis finden ließ, dasselbe ist mir zum wahren Paradiese
-geworden!« Der Wirt gab ihm darauf zwei Knechte mit, die ihn sicher
-nach seiner Wohnung geleiteten. Das Haus, in welchem Luther damals
-Schutz fand, wird aber noch heute das Paradies genannt.
-
-
-772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.
-
-(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 33.)
-
-Als man im Jahre 1769 auf der Ostseite der durch den Brand von 1873
-zerstörten schönen Joachimsthaler Decanatkirche eine neue Sakristei
-baute, an deren Stelle heutzutage der prachtvolle Hochaltar steht,
-entdeckte man in einer Tiefe von ungefähr fünf Ellen ein altes Gewölbe.
-In demselben befand sich ein Doppelsarg, in welchem »ein in purpurrotem
-Sammt gekleideter, verwester großer Körper ohne Kopf« ruhte.
-
-An diesen Fund knüpft sich die Sage, daß dies der Leichnam des Grafen
-Joachim Andreas Schlick, Oberstlandrichters von Böhmen, gewesen sei,
-der am 21. Juni 1621 wegen Teilnahme am böhmischen Aufstande am
-Altstädter Ringe zu Prag das Blutgerüst besteigen mußte und enthauptet
-wurde. Der Kopf des Hingerichteten ward am »Bruckthor« aufgestellt,
-während dessen Rumpf sechs verkappte Personen entfernten.
-
-
-773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.
-
-(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. II. 1748. S. 29.)
-
-Die Wälder um Bernsbach sind einst unbedachtsamer Weise der Gemeinde
-verloren gegangen. Denn dem Verlaut nach soll zu Joh. Georgs I. Zeiten
-eine Revision gekommen sein, und da die Bernsbacher gleichfalls gefragt
-worden, ob sie Grundstücke hätten, so noch nicht zinsbar, sollen sie
-geantwortet haben, es wäre Refier und wilder Wald genug, was ihnen
-der Quark sollte, sie könnten das Holz so nicht tilgen. Worauf die
-Kommission gefragt, ob sie es denn nicht haben wollten? Darauf sie
-gesagt, das Holz wüchse ihnen so in die Fenster hinein; wenn es der
-Kurfürst besser zu gebrauchen wüßte, möchte er es hinnehmen, sie wüßten
-damit nichts anzufangen. Darauf hätten sie sich ordentlich losgesagt,
-und ist dies Holz also hernach eingezogen worden, und hat jetzt dieses
-ganze Dorf nicht eine Hand breit an Refieren und Holz.
-
-
-774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins erhält.
-
-(Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II. 1656. S. 131.)
-
-Im Jahre 1267 ward vom Papste Urban IV. das Fronleichnamsfest
-angeordnet, wobei die Geistlichkeit die Fluren der betreffenden
-Gemeinden zu umgehen hatte. Weil aber die Pfaffen in Zwickau nicht
-alle Felder und Fluren an diesem Tage umgehen konnten, haben sie ein
-gewisses Teil auf dem Berge, der Stadt gegen Morgen gelegen, den
-Pfaffen zu Reinsdorf zu umziehen übergeben. Und daher ists gekommen,
-daß die Besitzer dieser Felder dem Pfarrherrn zu Reinsdorf noch
-jährlich ein gewisses an Getreide zinsen müssen.
-
-
-775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratsstand gezogen wurde.
-
-(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II. 1656. S. 181.)
-
-Im Jahre 1403 ist in Zwickau ein so großes Feuer ausgebrochen, daß
-die ganze Stadt ausgebrannt, also daß man auf dem Markt zu allen vier
-Thoren hat hinaussehen können. Dieses Feuer ist bei einem Kürschner in
-der Scheergasse ausgekommen, und sind dem Rat damals die wichtigsten
-Urkunden mit verbrannt. Es ist dann die gemeine Sage gegangen, daß von
-der Zeit an kein Kürschner mehr zum Ratstand gezogen worden sei.
-
-
-776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.
-
-(Mündlich.)
-
-Dresden war einmal von der Pest heimgesucht, so daß alle Umwohnenden
-die Stadt mieden und die Märkte unbesucht blieben. Eine Ausnahme davon
-aber machten, wie erzählt wird, die Schachtelmacher von Seiffen und die
-Töpfer von Dippoldiswalde. Dieselben besuchten auch während der Zeit,
-da die Krankheit viele Einwohner hinwegraffte, die Märkte der Stadt
-und boten ihre Waren feil. Daher erhielten insbesondere die Töpfer von
-Dippoldiswalde das Recht, auch fernerhin frei und ungehindert diese
-Märkte besuchen zu dürfen. Später wurde ihnen solches Privilegium von
-den Kurfürsten wiederholt und unter anderem auch von August dem Starken
-bestätigt, jedoch mit dem Zusatze, daß jeder Meister nur einen Korb
-Waren mitbringen und nur »einen Sonnenschein lang« (d. h. nur einen Tag
-lang) verkaufen dürfe.
-
-
-777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.
-
-(Mitgeteilt vom Lehrer Krauß aus Schneeberg.)
-
-Das Dorf Griesbach bei Schneeberg hat wohl eine kleine Kirche, aber
-keinen eigenen Pfarrer; das Pfarramt zu Griesbach ist nämlich dem
-Diakonus von Schneeberg übertragen. Vom Volke wird nun erzählt, daß
-einst auch genanntes Dorf seinen eigenen Pfarrer gehabt habe. Der
-letzte derselben soll eines Tages mit mehreren Gliedern seiner Gemeinde
-nach dem nahen Lindenau gegangen sein und dort sich in dem Biere etwas
-gütlich gethan haben. Auf dem Heimwege entstand ein Streit, der immer
-hitziger wurde und damit endete, daß der allein als Partei auf einer
-Seite stehende Pfarrer erschlagen wurde. Dies geschah in dem Walde
-zwischen Griesbach und Lindenau. Der Körper des Erschlagenen aber wurde
-in dem Walde verborgen und noch heute soll sich die Gestalt dieses
-Pfarrers zu manchen Zeiten daselbst sehen lassen. Die Griesbacher
-Gemeinde hat aber seitdem keinen eigenen Pfarrer mehr erhalten.
-
- Nach der Kirchengalerie von Sachsen (8. B. S. 132.) ist die
- Griesbacher Kirche, ehe das dortige Pfarramt von Schneeberg aus
- verwaltet wurde, stets ein Filial von Neustädtel gewesen; sie hatte
- also niemals einen eigenen Pfarrer. Zu Beschützern hatte sie St.
- Georg und St. Martin. Am Tage des heilg. Georg stand die Bildsäule
- desselben zu Pferde vor der Kirchthüre und bei derselben wurden
- Almosen für Arme gesammelt. Am St. Märtens-Tage aber saß der heil.
- Martin hoch zu Roß vor dem Kirchthore, und die leichtgläubigen
- Bauernweiber brachten ihm, als einem besonderen Schutzpatrone des
- Viehes, ansehnliche Opfer an Geld und andern Dingen. (Kirchengalerie
- a. a. O.) Der heilige Martin trat bei der Gründung von Martinskirchen
- durch die deutschen Heidenapostel als Schimmelreiter an die Stelle
- Wuotans.
-
-
-778. Wie das Schnorrsche Chor in der St. Wolfgangs-Kirche zu Schneeberg
-eine Thür von außen erhielt.
-
-(Kirchengalerie Sachsens, 8. B. S. 165.)
-
-Nahe an der äußern Thüre zur Sakristei der Schneeberger St.
-Wolfgangskirche führt auch eine schwarze eiserne Thüre nach dem Chor
-der Schnorrschen Familie. Durch diese Thüre sind früher oft Diebe in
-die Kirche eingebrochen, und so oft dies geschah, wurde die Thüre
-fester und fester gemacht; jetzt hält man sie für unüberwindlich.
-
-Über ihre Entstehung wird folgendes erzählt:
-
-Der reiche Veit Schnorr von Carlsfeld, welcher um das Ende des
-vorigen Jahrhunderts in Schneeberg lebte, wollte nicht gern durch die
-ganze Kirche wandern und dann im Angesichte aller Kirchleute die
-damals nur von innen auf sein Chor führende Thüre aufschließen. Aber
-obschon er oft um die Erlaubnis bat, eine Thür von außen auf seine
-Kosten durchbrechen zu lassen, wurde ihm dies von dem Rate doch nicht
-gestattet. Da wurde er endlich still und man hielt die Angelegenheit
-für erledigt. Unter dem Vorwande, die Herren vom Rate, welche ihm
-wegen seiner dringlichen Gesuche doch am Ende etwas böse gesinnt sein
-könnten, wieder mit sich auszusöhnen, lud er sie alle zu sich nach
-Carlsfeld zu einem dreitägigen Feste ein. Wer geladen war und kommen
-konnte, fand sich ein. Man aß und trank nach Herzenslust und voller
-Dank gegen den gastfreien Schnorr zog man endlich ab. Wer ihm irgend
-einen Dienst für die Zukunft anbieten konnte, that dies; alles, wenn
-es sonst nur ginge, sollte für ihn geschehen, nur freilich mit dem
-Eingange, das wisse er, ging es nicht. Schnorr entschuldigte nochmals
-seine Zudringlichkeit, und versöhnten Herzens gingen sie auseinander.
-Da erfuhr man es am andern Tage, der Herr Wirt habe sich während des
-gegebenen Festes Maurer bestellt und diese hätten eine Thüre in drei
-Tagen durchgebrochen und fertig gemacht. Was konnte man thun? Die Thüre
-blieb bis auf den heutigen Tag.
-
-
-779. Der erste Klöppel in Annaberg.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 24.)
-
-Als man im Jahre 1512 den Galgen vor der Stadt Annaberg aufbaute, kam
-einer, namens Klingensporn, gewandert und betrachtete den Galgen und
-sagte im Vorübergehen zu dem Baumeister, den die Chronik den dicken
-Michel nennt, lachend: »Ei, ihr baut da eine schöne Glocke! Nun, ich
-will gerne sehen, wer der erste Klöppel darin sein wird!« Nicht lange
-darauf fing man einen Dieb, und wer war's? Klingensporn. Er ward zum
-Strange verurteilt und hing nach wenig Tagen als der erste Klöppel in
-der großen steinernen Glocke vor der Stadt. Seinen Tod aber haben die
-Alten angesehen für ein göttliches Warnungszeichen, daß man über ernste
-Dinge nicht mutwillig scherzen solle.
-
-
-780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.
-
-(Ziehnert a. a. O. Anhang No. 25.)
-
-Am 27. April 1604 brach in Annaberg eine Feuersbrunst aus, welche, vom
-Sturme rasch verbreitet, die Stadt bis auf sieben Häuser verzehrte.
-Nun wohnte aber am Markte in dem Hause, welches jetzt das Museum heißt,
-ein Geschwisterpaar, Johann und Benigna Biener. Der Bruder krankte
-seit längerer Zeit am gräßlichsten Wahnsinn, so daß er mit Ketten an
-die Wand gefesselt werden mußte. Als nun der Markt bereits in vollen
-Flammen stand, da suchte Benigna in Todesangst nach dem Schlüssel,
-um ihrem Bruder die Ketten abzunehmen und ihn fortzuführen, aber der
-Schlüssel war nicht zu finden; sie suchte die Ketten zu zerschlagen,
-aber das Eisen trotzte der schwachen Mädchenhand. Schon schlug die Lohe
-zu den Fenstern und der Thüre herein, die treue Benigna ließ nicht
-von ihrem Bruder. Die Decke brach nieder und unter dem nachstürzenden
-Schutt und Gebälke lagen die beiden Geschwister begraben. Am dritten
-Tage darauf zog man ihre verschrumpften und halbverbrannten Leichen
-unter den Trümmern hervor. Sie hielten sich noch fest umarmt, wie der
-schreckliche Tod sie übereilt hatte. War vielleicht dem Wahnsinnigen
-durch die Todesangst ein lichter Augenblick gekommen?
-
-Am 13. Mai wurden die beiden Leichen in der ebenfalls ausgebrannten
-Annenkirche unter großem Zulauf beerdigt. Ihr gemeinsames Grab zeigt
-man noch jetzt.
-
-
-781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz.
-
-(Richter, Chron. v. Chemnitz I., 1767, S. 169.)
-
-Der Ort, wo die Kirche zu St. Jacob in Chemnitz stehet, soll ehedem
-sehr sumpfig und morastig gewesen sein, daher die Kirche auf der einen
-Seite, gleichwie auch der Turm, auf eingerammelten Pfählen steht. Der
-Baumeister, welcher zuerst diese Kirche erbaut, soll, nachdem er mit
-dem ganzen Bau fertig gewesen, sich von oben herabgestürzt und also den
-Bau mit seinem Blute versiegelt haben.
-
-Auch wird erzählt, daß der Kaiser Otto I., unter welchem die
-anfängliche, viel kleinere Kirche erbaut wurde, den ersten Grundstein,
-nebst einer Münze mit dem Bildnisse St. Jacobs darunter, legte. Er
-schenkte auch der Kirche das Bildnis der heiligen Maria; dasselbe soll
-viel Zeichen und Wunder gethan haben, weshalb nicht weniger Zulauf
-von Wallfahrern dahin gewesen, als nach Aachen oder St. Compostell in
-Spanien.
-
-
-782. Die Zipperleinkur in Annaberg.
-
-(Ziehnert a. a. O. Anhang. No. 27.)
-
-Schriftlich und mündlich hat sich folgende seltsame Geschichte in
-Annaberg erhalten. Im Jahre 1572 nämlich ließ ein Ratsherr, welcher
-schon seit vielen Jahren mit dem heftigsten Zipperlein beladen war,
-sein Haus pflastern und stand dabei und sahe zu. Der Pflasterer war
-gerade bemüht, das Pflaster mit dem Rammel eben und fest zu schlagen.
-Im Gespräche aber mit dem Ratsherrn hatte er auf seinen Rammel nicht
-wohl acht und traf damit heftig den Fuß des Ratsherrn. Dieser schrie
-zwar laut vor Schmerz, ward aber bald gar froh darüber, denn das
-Zipperlein war aus seinem Fuße verschwunden und ist auch bis an seinen
-Tod nicht wiedergekehrt.
-
-In Zwickau ward auch einem vom Zipperlein geholfen dadurch, daß ein
-geladenes Gewehr, welches der Kranke auf dem Schoße liegen hatte,
-unversehens los ging.
-
-
-783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.
-
-(Mündlich, z. T. Einige Nachrichten zur Elterleiner Geschichte vom
-Pfarrer Christoph Schreiter. Manuskr.)
-
-Auf dem Pfarrhof zu Elterlein zeigt man eine Stelle, welche nach jedem
-Regen rot wird. Hier soll im Jahre 1518 der Bergmeister Hans Hünerkopf
-den frevelnden und grobscherzenden Kaplan Moritz von Annaberg erstochen
-haben, »weil er seiner Henne (d. h. des Bergmeisters Frau) nachgegangen
-war.«
-
- Die oben genannte Thatsache findet sich auch in Meyers Geschichte des
- Annen-Tempels zu Annaberg, S. 128 und bei Chr. Friedr. Haupt, die
- gelehrten Elterleiner, 1739.
-
- Die Hünerkopfe werden »uralt adelige Bergherren« genannt, welche »ein
- ihrem Namen gleiches Wappen« führten. Nach der Familie soll noch ein
- Feld bei Elterlein seinen Namen haben. In der Elterleiner Kirche
- aber fand man eine Messingtafel mit dem Hünerkopfschen Wappen und
- folgender Inschrift: »~Anno~ 1533 ist verschieden der Erbare Hans
- Hünerkopf von Adorf, allhier begraben, dem Gott gnädig sey.« Dieser
- Hans Hünerkopf war bereit um das Jahr 1516 der Herren von Schönburg
- geschworener Bergmeister an dem damaligen Bergamte Elterlein.
-
- Der nach jedem Regen sichtbare braunrote Fleck auf dem Pfarrhofe zu
- Elterlein rührt von einer zur Familie der ~Chroococcaceen~ gehörige
- Alge her.
-
-
-784. Die Bäuerin in Frohnau.
-
-(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 28.)
-
-In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, als das Berggebäude
-»himmlisches Heer« bei Kunnersdorf noch 1400 Flgr. vierteljährliche
-Ausbeute für den Kux gab, baute auch eine Bäuerin in Frohnau als
-Gewerkin an jenem Gebäude mit und ward dadurch in kurzer Zeit sehr
-reich, wußte aber nicht im Glücke mäßig zu sein und trieb allerlei
-Unfug der Verschwendung. So z. B. badete sie sich täglich in dem
-teuersten Weine, den sie aufzutreiben wußte, und um nun denselben nicht
-umkommen zu lassen, so gab sie ihn, mit Semmelbrocken vermischt, den
-Armen als Kaltschale zu trinken. Diese wußten nicht, was die Bäuerin
-erst mit dem Weine gemacht hatte, aßen mit vieler Lust und dankten
-der reichen Geberin viel tausend Mal für die köstliche Erquickung.
-Aber als sie die Badegeschichte erfuhren, da ekelte sie und warfen der
-übermütigen Bäuerin die Fenster ein und sangen Spottlieder auf sie,
-so daß sie sich nicht mehr öffentlich sehen lassen durfte. Übrigens
-muß sie auch noch andere recht unziemliche Dinge verübt haben, denn
-der Klerus war darüber so erzürnt, daß er Gott öffentlich bat, den
-Bergsegen zu vermindern.
-
-Ein Andenken an diese Bäuerin ist das Berggebäude »die Bäuerin« am
-Schottenberge, welches sie aufgenommen haben soll.
-
-
-785. Die beiden Brüder zu Frohnau.
-
-(Hering, Gesch. d. Sächs. Hochlandes. 1828. II. S. 42.)
-
-Im Dorfe Frohnau bei Annaberg befanden sich im Jahre 1544 zwei Brüder,
-die zusammen ein Gut hatten, eines Sonntags im Wirtshause und hatten
-etwas zu viel getrunken. Nur um sie zu necken, raunt ihnen einer zu,
-es habe sich ein Dieb in ihr Feld geschlichen und raube dort die
-Früchte. Sie springen hastig auf, ergreifen ihre Schwerter und nahmen
-die Abrede, daß der eine von dieser, der andere von jener Seite das
-Feld durchsuchen solle, damit der Dieb nicht entwische. So schleichen
-sie denn heran und als einer den andern im Dunkel erblickt, stürzen sie
-in der Meinung, daß es der Dieb sei, auf einander los und einer erhält
-eine tödliche Wunde. Bei seinem Hülfsgeschrei erkennt ihn der Sieger
-als seinen Bruder, man eilt herbei und als der schwer Getroffene noch
-in derselben Nacht an seinen Wunden stirbt, ergreift der unglückliche
-Brudermörder die Flucht, und erhielt nur unter der Bedingung Verzeihung
-von dem Herzoge Moritz, daß er seinen Anteil an dem Gute an die Frau
-und Kinder des Erschlagenen abtrat. Der Fleck aber, wo jener Mord
-geschah, wird noch jetzt gezeigt.
-
-
-786. Das Mönchskalb zu Freiberg.
-
-(Moller, ~Theatr. Freibg.~ I. S. 213. II. S. 179. Gräße, Sagenschatz d.
-K. Sachsen, No. 279.)
-
-Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe in einer
-geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte, das
-sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb hat einen runden
-ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte wie ein Pfaffe,
-samt zwei großen Warzen wie kleine Hörner; mit dem Untermaule ist es
-einem Menschen, mit dem obern und der Nase einem Kalbe gleich, sonst
-aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat die Zunge lang aus dem Munde
-herausgestreckt; die Haut am Halse und Rücken herunter hat wie eine
-gewundene Mönchskutte ausgesehen, an den Seiten aber vorn und an den
-Beinen ist es voller Ritze und Schnitte gewesen, als wenn die Kutte
-zerhauen oder zerschnitten wäre. Solches Ungeheuer ist von ~Dr.~ M.
-Luther in seinen Schriften, wo es auch abgebildet wird, neben der
-Beschreibung des Papstesels, den man 1496 zu Rom gefangen, gedeutet
-worden, Melanchthon aber meinte, daß durch dieses Kalb die Verderbnis
-der lutherischen Lehre in fleischliche und verderbliche Meinungen, wie
-sie zu selbiger Zeit im Schwunge gewesen, angezeigt worden, inmaßen
-auch bald hierauf ein Schwein zu Halle in den Osterfeiertagen ein
-Ferklein geworfen, welches einem Pfaffen in Gestalt des damaligen
-Habits ganz ähnlich gesehen. Es hat aber gedachtes Mönchskalb die
-Autorität der Geistlichen, so dem Papste zugethan gewesen, sehr
-verringert, also daß auch die Bergleute ein besonderes schimpfliches
-Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen und Pfaffen zu Spott und
-Hohn lange Zeit allhier gesungen mit Bezug darauf, daß der Fleischer
-mit Vorbedacht und Willen das Fleisch von der Kuh, in welcher man das
-besagte Mönchskalb gefunden, niemandem als den Canonicis, Mönchen und
-andern Geistlichen gelassen und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben.
-
-
-787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.
-
-(Mitgeteilt von H. Weißflog aus Raschau.)
-
-An der Waldstraße, welche von Mitweida nach Gottesgab führt, stand
-hart an der sächsischen Grenze eine starke Tanne; man sagt, daß sieben
-Mann dieselbe kaum hätten umspannen können. Jetzt sieht man von
-derselben nur einen Stumpf, da der morsche Baum abgebrannt und dadurch
-vernichtet worden ist. Diese Tanne hieß die »Abschiedstanne«, und
-man erzählt, daß einst an ihr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen
-und der Schwedenkönig Gustav Adolf von einander Abschied genommen
-hätten. Ebenso knüpfte sich an den Baum folgende Sage: Ein Graf von
-Schwarzenberg kehrte unverhofft von einer Fehde zurück und traf in
-seinem Schlosse bei seiner Gemahlin einen für treu gehaltenen Freund
-als Buhlen an. Darüber ergrimmte er dermaßen, daß er beide binden
-ließ und mit sich tief in den Forst führte. Hier gebot er ihnen, von
-einander und von dem Leben Abschied zu nehmen; nachdem sie dies gethan
-hatten, fielen sie von seiner Hand. Dies aber soll an jener Tanne
-geschehen sein, welche davon den Namen Abschiedstanne erhielt.
-
-
-788. Die Fichte auf dem Gottesacker in Annaberg.
-
-(Nach G. Andrä, Chron. Nachr. von Annaberg. 1837. S. 67. Bei Gräße,
-Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 504.)
-
-Zu Frohnau bei Annaberg lebte einst ein ganz armer Mann, namens Georgi,
-der in den kümmerlichsten Umständen starb. Da nun sein einziger Sohn
-wegen seiner Armut die Begräbniskosten für denselben nicht aufbringen
-konnte, man also deshalb mit der Beerdigung anstand nahm, steckte
-er seinen Vater in einen Leinwandsack, legte denselben auf einen
-Schubkarren und beerdigte ihn auf dem hintern oder neuen Gottesacker
-in Annaberg mit den Worten: »Komm, alter Vater, komm! laß dich von mir
-begraben, dieweil die Menschen dich nicht hier begraben wollen.« Kurze
-Zeit nachher soll nun aus dessen Grab eine Fichte hervorgewachsen sein,
-die man heute noch sehen kann, und eine im Beinhaus ausgehängte Tafel
-vom Jahre 1737 deutet noch jetzt auf diese Begebenheit hin.
-
-
-789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.
-
-(Alb. Schiffner im Archiv für sächs. Gesch., 2. B. S. 169.)
-
-Nächst dem Glauchauer Schlosse stehen an einem sehr anmutigen
-Spazierwege im sogenannten Gründel drei Eichen nahe beisammen. Diese
-sollen, wie erzählt wird, ein Gesamteigentum des Hauses Schönburg in
-der Maße bilden, daß ohne Einwilligung aller majorennen Glieder des
-Hauses keine derselben geschlagen werden darf.
-
-
-790. Woher der Name Preißelbeere stammt.
-
-(Lindner, Wanderungen durch die interess. Gegenden des sächs.
-Erzgebirgs. I. Heft. Annaberg, 1844. S. 43.)
-
-Ober- und Unterjugel bei Johanngeorgenstadt sind älter als genannte
-Stadt, welche 1654 gegründet wurde; denn schon 1571 erhielt Sebastian
-Preisler die Konzession zur Erbauung einer Glashütte und 8 Häusern;
-ebenso hatte Gabriel Löbel die Vergünstigung zur Anlegung eines
-Blaufarbenwerks erhalten. Dies waren die Anfänge von Ober- und
-Unterjugel. Im Volke aber hat sich die Sage erhalten, daß die jetzt
-allgemein bekannten Preißelbeeren ihren Namen von jenem Preisler
-empfingen, weil dieser sie erst in den Handel gebracht und genießbar zu
-machen gelehrt habe.
-
- Der Name »Preißelbeere« führt uns auf die Wurzelbrossen, mhd.
- ~brozzen~, d. h. brechen, hervorbrechen, hervorsprießen. Er würde
- also mit »sprießende Beere« oder »Sprießeln«, welche letztere
- Bezeichnung in der That für das Kraut gebraucht wird, zu deuten sein.
- Die Pflanze macht in den Waldungen, deren Boden sie mit frischem Grün
- bedeckt, den Eindruck des sprießenden.
-
- (Graßmann, deutsche Pflanzennamen, S. 152.)
-
-
-791. Was der Name Wismut bedeutet.
-
-(Engelschall, Beschr. v. Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.
-1723. S. 188.)
-
-Es halten etliche dafür, weil Wismut seine Blüte und mancherlei Farben
-hat, und siehet weiß, braun, rot, gesprenglich durcheinander aus, so
-habens die alten Bergleute Wismut genannt, das blühe wie eine schöne
-Wiese, darauf allerlei farbige Blumen stehen. Albinus schreibt in
-seiner meißnischen Bergchronik, daß die Bergleute der Meinung seien,
-Silber bilde sich aus Wismut, wie man bei Halden gefunden, auf die man
-Wismut gestürzt und in denen man dann nach Jahren Silber gefunden habe.
-Sie nennen es auch des Silbererzes Mutter oder des Silbers Dach, da
-dasselbe öfters darunter liegt. Auch sprechen die Bergleute, sie kommen
-zu frühe, wenn sie Wismut finden, und bekennen, wenn diese Bergart
-länger im Bergfeuer gestanden hätte, so wäre gut Silber daraus geworden.
-
- Der Name Wismut soll jedoch nach Koch aus dem Arabischen: ~wiss
- majaht~, d. h. die Leichtigkeit des Storax oder was so leicht wie
- Storax schmilzt, abstammen. (Leunis, Synopsis d. Min. und Geogn.,
- bearbeitet von Senft, I. S. 294.)
-
-
-792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.
-
-(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt
-Schneebergk. 1684. S. 163.)
-
-Andreas Funk, welcher 30 Jahre auf dem Schneeberge das Münzmeisteramt
-bedienet, hat auf kurfürstlichen Befehl der Armut zu gute die ersten
-schneebergischen Groschen gemünzet. Denn weil man zuvor lauter
-Güldengroschen (d. i. Thaler) und »Oerter« gepräget, so ist ein solcher
-Lärm unter dem Volke gewesen, daß, wenn der Schichtmeister gelohnet,
-man lieber 22 Groschen kleine Münze für einen Thaler, als einen ganzen
-Güldengroschen genommen hat. Dabei ist noch zu gedenken, daß, weil der
-gemeine Mann solche Schneeberger Groschen nicht recht ausgesprochen,
-sondern nur Schneeber oder Schnieber genannt hat, von einigen Leuten,
-sonderlich um Zwickau, der Groschen ein Schnieber genannt wurde.
-
-
-793. Redensarten.
-
-
-~a.~ Zwickau gehörte zum Vogtlande.
-
-(Herzog, Chronik von Zwickau. I. 1839, S. 69.)
-
-Es wird behauptet, daß Zwickau oder doch ein Teil seines Weichbildes
-ehedem zum Vogtlande gehört habe. Man hat nämlich ein altes Sprichwort:
-»Daß die Zwickauer im Meißnerlande sterben und im Vogtlande begraben
-werden,« und noch heutzutage hört man die Redensart: »Er wird ins
-Vogtland getragen,« d. i. er wird begraben.
-
- Obschon Zwickau nahe an der Grenze des Vogtlandes lag, so hat es doch
- nie zu diesem selbst gehört. Es stand zwar als Reichsstadt ehedem
- unter den Reichsrichtern des Pleißnerlandes zu Altenburg, welche fast
- immer aus dem Geschlechte der Vögte genommen wurden, und später als
- markgräflich meißnische Stadt hatte Zwickau seine eigenen Untervögte,
- welche im Namen der Landesherren die Gerichtsbarkeit ausübten. Dies
- währte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Rat die Gerichte
- über die Stadt erlangte.
-
-
-~b.~ Der Kas is och dornoch.
-
-(Mündlich.)
-
-»Der Käse ist auch darnach,« d. h. der Gegenstand ist das Geld wert.
-Dies ist eine Redensart in Eibenstock, welche sich von folgender
-Begebenheit herschreibt: Der Besitzer des früheren Hammerwerkes
-Wolfsgrün, das nach Eibenstock eingepfarrt ist, schickte, wenn er mit
-den Seinigen bei dem dortigen Pfarrer zu kommunizieren gedachte,
-diesem durch einen seiner Arbeiter mit der Meldung zugleich auch einen
-Dukaten. Das war Herkommen. Herkommen war aber auch, daß der Arbeiter
-im Pfarrhause Bier, Brot, Butter und einen Käse vorgesetzt erhielt.
-Eines Tages, als der Bote seine Herrschaft wieder zur Kommunion
-anmeldete und den Dukaten abgeliefert hatte, war die Frau Pfarrerin
-nicht zu Hause. Der Pfarrer war in Verlegenheit; Bier, Brot und Butter
-konnte er schaffen, aber keinen Käse. Doch da besann er sich, daß er
-einen damals noch seltenen und teueren Limburger Käse hatte. Diesen
-holte er und setzte ihn dem Arbeiter vor. Der Arbeiter aß zum Schrecken
-des Pfarrers mehr davon, als er erwartet hatte, weshalb letzterer ihn
-fragte, ob ihm der Käse schmecke. Auf die Bejahung sah sich der Pfarrer
-zu der Bemerkung veranlaßt, daß der Käse auch teuer sei. Darauf folgte
-die trockene Entgegnung: »Der Kas ist och dornoch.« Der Arbeiter aß
-weiter. Endlich sprach der Pfarrer: »Ja, mein Lieber, ich muß nur noch
-bemerken, daß diese Art von Käse auch schädlich werden kann, wenn man
-zuviel davon ißt.« »Wenn das ist,« sprach der Bote, indem er das übrige
-Stück Käse einpackte, »da muß ich das Übrige meiner Frau mit nach Hause
-nehmen.«
-
-Die Geschichte wurde ruchbar. Der Pfarrer ist jedenfalls sehr
-ausgelacht worden, und es hat sich bis zur Stunde die oben angeführte
-Redensart in Eibenstock erhalten.
-
-
-~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß
-nicht wie?
-
-Eine sprichwörtliche Redensart in der Schwarzenberger Gegend lautet:
-»=Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß
-nicht wie?=« Diese Redensart bezieht sich darauf, daß nicht mehr
-arbeitsfähige Hammerschmiede bettelnd von einem Hammerwerke zum andern
-zogen und daß deshalb selten einer in der Heimat starb. (Merkels
-Erdbeschreibung von Kursachsen. I. 1804, S. 161.)
-
-
-~d.~ Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die
-schwedischen Truppen.
-
-»=Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die
-schwedischen Truppen=,« sagte ein schwedischer Quartiermeister,
-der 1712 im Hammerwerke Erla den großen Stabhammer im Niederfallen
-aufhalten wollte, dafür aber mit gelähmter Hand bezahlt ward. Der
-Quartiermeister hieß Schulze und stand beim Kavallerieregiment des
-Obersten Rosenstern. Die erzählte Begebenheit soll sich übrigens am
-27. Juni 1707 zugetragen haben und die angeführten Worte wurden beim
-Rückmarsche der Schweden auf der Schiffbrücke zu Pirna gesprochen.
-(Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., S. 103.)
-
-
-~e.~ Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.
-
-Von den Venetianern geht eine Rede, daß sie gesagt haben: In Meißen
-(dem meißnischen Erzgebirge) und dem Vogtlande wirft man einen Stein
-nach der Kuh, da doch der Stein mehr als die Kuh selber wert ist.
-(Meltzer, Beschreibung der Bergstadt Schneeberg, 1684. S. 54.)
-
-
-~f.~ Fägel schweiget seine Gäste.
-
-Ein Fleischer zu Schneeberg, mit Namen Fägel, welcher auf der
-Badergasse wohnte, hatte seinen beiden Gästen, die in Streit geraten
-waren, Frieden geboten und deswegen auch zu dem Richter geschickt.
-Weil dieser sich aber etwas verzogen hatte und die Gäste sich nicht
-steuren lassen wollten, hat er sie beide erstochen, darauf die Flucht
-genommen und dem Richter Hans Kempfen, der ihm begegnet, auf Befragen
-geantwortet: »Ei, Herr Richter, es ist unnötig, daß Ihr Euch bemühet
-und hinunter gehet, ich habe sie allbereit gestillet, sie haben sich
-wohl müssen bedeuten lassen.« Daher ist, als der Richter hinunter
-gegangen und die jämmerliche That befunden, Fägel aber unterdeß des
-Landes entlaufen war, von ihm das Sprichwort entstanden: »Er hat sie
-geschweiget oder gestillet, wie Fägel seine Gäste.« (Meltzer, a. a. O.,
-S. 1099.)
-
-
-~g.~ »Toffel, das gilt dir auch mit.«
-
-Diese sprichwörtliche Rede, welche lange in Schneeberg im Gange war,
-ist durch ein Wort des Pastors Christoph Schindler entstanden. Derselbe
-gebrauchte es, wenn er Amtes halber etwas strafte und dabei sich selbst
-nicht heuchelte, falls er diesen Fehler an sich selbst gefunden hatte.
-Man wandte die Worte in der Folge an, wenn man sich selbst eines
-Fehlers schuldig fand. (Meltzer, a. a. O., S. 1100.)
-
-
-~h.~ »Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.«
-
-Dies pflegt von einem ausgelassenen Menschen gesagt zu werden. Die
-Redensart kann davon herkommen: Eine uralte Art der Beschimpfung ist
-es gewesen, wenn Diebe, die Feld- und Gartenfrüchte gestohlen, in das
-sogenannte Narrenhäusel gesteckt worden sind, wie solche sonderlich in
-den teuren Jahren 1771 und 1772 fast in allen gebirgischen Städten sind
-errichtet worden. Ein solches Haus stand noch im letzten Viertel des
-vorigen Jahrhunderts auf dem Markte zu Lößnitz; es sah wie ein Käfig
-aus und konnte herumgedreht werden. Personen, die da hineingesteckt
-wurden, hatten von den Gassenkindern, welche das Haus bald gedreht,
-bald mit Steinen und Kot den Gefangenen geworfen, allerlei Schmach zu
-erleiden. (Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im
-Erzgebirge, insonderheit der Hochgräflich Schönburg. freyen Bergstadt
-Lößnitz etc. 1776, S. 11.)
-
- Auch in Leipzig gab es zwei solche Narrenhäuschen, das eine war bei
- den sogenannten Brotbänken am Naschmarkte und das andere an der
- Thomaskirche. Das erstere diente für Skandalmacher, Verläumder und
- losmäulige Frauen, während letzteres unter geistlicher Jurisdiktion
- stand und für diejenigen bestimmt war, welche als Flucher und
- Gotteslästerer bezichtigt waren. In Oschatz ist noch jetzt (?) im
- Winkel nächst den Stufen, die durch den vom Ratsarchive gebildeten
- Schwibbogen vom Markte zum Stadtkirchhofe führen, das von Eisengitter
- nach Art eines Käfigs gebildete Narrenhäuschen vorhanden. (Schäfer,
- Deutsche Städtewahrzeichen, 1. B., S. 54.)
-
-
-~i.~ Die Schlimmen von Öderan.
-
-(Staberoh, Chronik von Öderan. 1847, S. 197--201.)
-
-Im Jahre 1645 begann zwischen Öderan und dem Ritter Nikolaus von
-Schönberg auf Börnichen der Streit wegen des Hirtenfeldes. Letzterer
-verlangte das Grundstück, welches bereits seit Jahren von der Stadt
-bebaut worden war, zurück, unter dem Vorgeben, daß es zu den Fluren von
-Börnichen gehöre. In das Dunkel über diese Angelegenheit war kein Licht
-zu bringen, da die Urkunden in dem Kriege verbrannt, die alten Leute
-aber, welche Auskunft hätten geben können, an der Pest gestorben oder
-geflüchtet waren. Nachdem der Prozeß beinahe 4 Jahre geschwebt hatte,
-ging der Schafmeister vom Rittergute Börnichen, Caspar Witte, nach
-Böhmen, um für seinen Herrn 100 Stück Schafe zu kaufen, welche damals
-zu Tausenden für das ruinierte Böhmen aus Ungarn herauskamen. Der
-Schafmeister kam mit seinen Schöpsen glücklich bis auf die Eppendorfer
-Fluren, wo ihn eine Abteilung schwedischer Reiter anhielt und um 10
-Schafe gegen Bezahlung bat. Doch der Schafmeister, rauh und trotzig
-wie sein Herr, und wohl wissend, daß die Schweden den Waffenstillstand
-achten mußten, verweigerte sie ihnen und trieb weiter. Allein die
-Schweden nahmen ihm nun die ganze Herde, schlugen ihn überdies und
-trieben die Schafe nach Öderan hinein, wo sie 50 Stück verkauften. Der
-geschlagene Schafmeister kam nun mit seinem Anhange nach der Stadt und
-verlangte seine Schafe zurück. Da er sie nicht erhielt, so brach er
-wenige Tage darauf des Nachts in Öderan ein und stahl die letzten noch
-übrig gebliebenen 20 Stück. Er wurde aber noch auf Öderaner Gebiet
-ertappt und nun als Schafdieb in Öderan gefangen gesetzt. Es war jetzt
-für ihn wenig Gnade zu hoffen, da der Kurfürst, ergrimmt über die
-überhand genommenen Räubereien, befohlen hatte, jeden Diebstahl mit
-dem Strange zu bestrafen. Der Prozeß wegen des streitigen Hirtenfeldes
-wurde unterdeß fortgeführt, bis gegen 1650 das Endurteil kam, welches
-lautete, »daß diejenige der streitenden Parteien das fragliche
-Hirtenfeld bei Öderan auf ewige Zeiten in Besitz haben sollte, welche
-zuerst ein Galgengericht darauf erbauen und solches auch zugleich mit
-einem Verbrecher bestätigen würde.« In einer und derselben Stunde wurde
-dieser Spruch in Öderan und Börnichen bekannt gemacht. Der Ritter von
-Schönberg sandte sogleich nach Meißen, einen Verbrecher dort abzuholen,
-wo solche Räuber und Mörder, die der Krieg erzeugt hatte, zu Dutzenden
-gefangen saßen und für Geld zu haben waren. Zugleich wurde ein Galgen
-zusammengezimmert und des Abends der Hof verschlossen, um ersteren am
-Morgen an Ort und Stelle aufzubauen.
-
-In Öderan dagegen gab es weder Holz noch Zimmermann, ja kaum Axt
-und Säge. Teurung und Pest hatten die Bewohner bis auf 18 Bürger
-vermindert, welche an selbigem Tage eben erst aus dem Niederlande
-mit einigen Säcken Korn zur Aussaat sowie zur Speise heimgekehrt
-waren, denn die Not war in diesem Jahre noch schrecklich. Man lief
-ratlos zu einander und beriet, wo ein Galgengerüst herzunehmen sei,
-um das Feld zu behaupten. Am frühen Morgen des zweiten Tages, als
-eben der Ritter von Schönberg seinen Galgen nach dem Hirtenfelde
-abfahren lassen wollte, sah er mit Entsetzen durchs Fenster auf diesem
-Felde einen Galgen stehen und an demselben schon seinen Schafmeister
-aufgehenkt, dessen Urteil der Rechtsbeistand der Öderaner, mit Namen
-Matthesius, zugleich mit aus Dresden besorgt und in die Stadt gesendet
-hatte. »Seht, seht die Schlimmen von Öderan!« rief da der Ritter
-seinen Leuten zu, und befahl den Galgen wieder abzuladen. Daher die
-Redensart: »Die Schlimmen von Öderan!« Wie aber waren die Öderaner zu
-dem Galgen gekommen? Zwölf der Bürger hatten die Galgensäule auf dem
-Gahlenzer Berge aus dem alten Hochgericht ausgegraben, herübergetragen,
-aufgerichtet und den Schafdieb aufgehenkt. Der Ritter von Schönberg
-aber schloß noch an diesem Tage mit den Öderanern Frieden.
-
-
-~k.~ »Je, daß dich der Bär herze!«
-
-(~Curiosa Saxon.~ S. 47. Darnach Gräße, Sagenschatz, Nr. 494.)
-
-Im Jahre 1631 hat eine Jungfer nicht weit von Hundshübel das Vieh von
-Waldhäusern auf die Weide getrieben, da sie sich dann hingesetzt und
-nach erzgebirgischer Art, um sich die Zeit zu vertreiben, geklöppelt.
-Ehe sie sich's nun versieht, kommt ein großer Bär hinter sie
-geschlichen, daß sie ganz ungemein erschrickt und nicht weiß, was sie
-machen soll. Der Bär thut ihr aber nichts, sondern beriecht sie und
-tatschet sie mit seinen Tatzen ganz sauber an, gleich als wüßte er, was
-für einen Respekt er dem Frauenzimmer schuldig sei. Da nun der zottige
-Bär sich ganz höflich gegen sie aufführt und sie herzen zu wollen
-Anstalt macht, entschließt sich das Mädchen kurz und läuft unter das
-Vieh. Dieses drängt sich zusammen und geht auf den Bären los, bis das
-Mädchen schreit und ihre Eltern nebst andern Waldleuten zu Hülfe ruft.
-Da nimmt der Bär reißaus, das Sprichwort aber ist nachgehends beständig
-geblieben und von jedermann, um eine Verwunderung auszudrücken,
-gebraucht worden: Je, daß dich der Bär herze!
-
-
-~l.~ Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.
-
-Es ist eine gemeine Rede, daß man sagt: Wenn einer vom Himmel in ein
-gut Ort Landes fallen sollte, möchte er in die meißnischen Bergstädte
-sich wünschen. (Meltzer a. a. O. S. 866.) Eine Abänderung lautet: Wenn
-einer vom Himmel fiele, so könne er nicht besser, als auf Marienberg
-fallen.
-
-
-~m.~ Redensarten Herzog Georgs.
-
-Herzog Georg pflegte von seinen Städten zu sagen: »Leipzig die beste,
-Chemnitz die feste, Freiberg die größte und Annaberg die liebste.«
-(Richter, Chron. d. St. Chemnitz I. S. 18.) Ebenso rührt von demselben
-Fürsten der Ausspruch über drei Berge in der Nähe Schneebergs her:
-»Der Gleßberg ist ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworner Berg,
-sehet mir auf den Schickenberg!« (Meltzer a. a. O. S. 922.) Außer dem
-angeführten Spruche von Freiberg lautet ein anderer: »Meißen wird
-ertrinken, Freiberg wird versinken, Dresden wird man zusammenkehren mit
-Besen.« (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. Heft, S. 281.)
-
-
-~n.~ Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?
-
-Die Einwohner von Gottesgab werden in der Umgegend nur »die Wölfe«
-genannt, weil sie unter sich selbst diesen Titel als zärtliche Anrede
-gebrauchen. Sie sagen z. B. »Guten Tag, Wolf!« Häufiger noch werden in
-der Anrede die Bezeichnungen »Wehrwolf« oder »Wolfskind« gebraucht.
-(Mündlich aus Wiesenthal.)
-
- ~Dr.~ E. Göpfert (Glückauf V. Nr. 8) führt auch das im Gebirge häufig
- gebrauchte Kose- oder Scheltwort »Werchl« auf das althochdeutsche
- ~warc~, d. i. der Wolf, zurück.
-
-
-~o.~ Anhang: Sprichwörter, sprichwörtliche Redensarten u. Rätsel.
-
- 1. Erz führt wieder zu Erz.
-
- 2. Kies macht den Bergmann ungewiß.
-
- 3. Die vielerlei Herrschaften, das böhmische Bier und die
- sichtlichen Zwitter verderben den Zinnwald.
-
- 4. Das Bergwerk will seine Zeit und Leute haben.
-
- 5. Zank ist des Bergwerks Untergang.
-
- 6. Wenig Zubuß, viel Ausbeut',
- Machet fröhliche Bergleut'. (Altes schneebergisches Lemma.)
-
- 7. Wenn wir spüren Kies, treffen wir Erz gewiß. (Merkels Erdbeschr.
- von Kursachsen. 1. B. 1804, S. 132.)
-
- 8. Wer Ausbeut will genießen,
- Laß' sich die Zubuß' nicht verdrießen. (Daselbst.)
-
- 9. Bergwerk will stets ein Freies (Freiheiten) han,
- Soll es anders von statten gahn. (Daselbst.)
-
- 10. Wenn Gott nicht geit, hilft kein Arbeit. (C. Lehmann, Chronik
- d. fr. Bergstadt Schneeberg. 1. B. 1837, S. 26.)
-
- 11. Das Bergwerk will haben Verstand
- Und eine getreue Hand. (Daselbst.)
-
- 12. Bergwerks Glück und Pracht
- Steigt und fällt über Nacht. (Daselbst.)
-
- 13. Der erste Finder, der erste Muter.
-
- 14. Es war kein Bergwerk ja so gut,
- Es führt zuvor ein eisern Hut. Oder:
- Das Silber hat einen eisernen Hut. (Dieses alte Sprichwort
- bezieht sich auf die Wahrnehmung, daß man stellenweise
- Eisenerze aufarbeiten mußte, ehe man an die reichen Silbererze
- kam. S. H. Jacobi in der wissenschaftlichen Beilage zur
- Leipziger Zeitung 1886, Nr. 2.)
-
- 15. Edle schöne Guhren
- Führen zu Erzspuren.
-
- 16. Kurze Gänge, kurz Erz.
-
- 17. Von Schlettau sagt man: »Wenn die Bauern auf dem Felde
- sind, ist kein Bürger zu Hause.« Die Einwohner beschäftigen
- sich nämlich neben Posamenten-, Spitzen- und Bandgewebearbeiten
- viel mit Landwirtschaft. (Lindner, Wanderungen durch das sächs.
- Obererzgebirge I. S. 56.)
-
- 18. Zschopauer Strümpfe und Kirchberger Tuch,
- Wenn man's heem bringt, so hat's ä Luch (d. h. Loch.) (Mündl.)
-
- 19. Du bist so alt wie Buchholz. (Dies bezieht sich auf die Gründung
- von Buchholz durch Bergleute aus Geyer und Ehrenfriedersdorf
- vor 1496, dem Gründungsjahre von Annaberg. (M. v. Süßmilch,
- Leipzg. Zeitung 1885, Nr. 101.)
-
- 20. Es wird in dem Lande Meißen eher an Holz und Kohlen
- zum Bergwerk und Schmelzen mangeln, als an Erz und Metallen.
- (Nach des Petrus Albinus Meißnischen Bergchronik (1590), worin
- bemerkt wird, daß der bekannte Joachimsthaler Pfarrer Matthesius
- diese Worte von gelehrten und weisen Leuten gehört habe. Als
- altes bergmännisches Sprichwort auch in Merkels Erdbeschr. von
- Kursachsen I. S. 140 angeführt.)
-
- 21. Man sagt, in Freiberg seien »Himmel, Hölle und Teufelskapelle«
- beisammen, d. h. die Nicolaikirche, die Schankwirtschaft zur
- Hölle und das Theater, sämtlich am Buttermarkt gelegen.
- (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. H. S. 280.)
-
- 22. Wenn im Erzgebirge recht bedeutender Schneefall eintritt, so
- sagt man: »Es schneit Brot!« Man will damit aussprechen, daß
- dann die armen Leute durch Schneeausschaufeln auf den
- fiskalischen und kommunlichen Straßen Verdienst erhalten.
-
- 23. Warum werden in Dönschten (ein Dorf bei Altenberg) die
- Eierkuchen nur auf einer Seite gebacken? Antw.: Weil nur auf
- einer Seite Häuser stehen. (Fr. Polle, Führer durch das
- Weißeritzthal. 1883. S. 73.)
-
- 24. Zwischen Gey'r un Thum
- Do liegt e gàle Blum';
- Un wàr die gàle Blum will hohm,
- Dàr muß Gey'r un Thum zerschlong.
-
- (Alfr. Müller, Volkslieder aus dem Erzgebirge, S. 189.)
-
- 25. Das Rätsel von der Mulde.
-
- Der Joachimsthaler Pfarrer Matthesius, Luthers Freund und
- Tischgenosse, machte aus dem Worte ~M V L D~ folgendes Rätsel:
-
- »Rat' was ist das? drei Wasser-Strom[5]
- Die ha'n Ein' Syllb', Ein'n deutschen Nam',
- Ein's theuern Doctors[6] Namen zwar,
- Ein's frommen Weibes Sterbejahr.[7]
- Allen in vier Buchstaben steht:
- »Gnad dir Gott« sprech', wer hiefür geht!«
-
- (Gräße, Sagenschatz etc., No. 308.)
-
- [5] Die Zschopau, Freiberger und Zwickauer Mulde.
-
- [6] ~D. M. L.~ Doctor Martin Luther.
-
- [7] ~M. D. L. V.~ (1555) starb die Witwe Kurfürsts Moritz.
-
-
-794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem
-jetzigen Platze erbaut wurde.
-
-(Nach einer Mitteilung des Pfarrers Friedlein in Oberwiesenthal.)
-
-Von jeher hatten das Städtchen Böhmisch-Wiesenthal und das Dorf
-Stolzenhan gemeinschaftlich eine Kirche, welche früher an der Stelle
-stand, wo sich jetzt der Gottesacker beider Orte befindet. Als die
-Kirche sehr baufällig geworden war, wollte man eine neue bauen,
-jedoch konnte man sich nicht darüber einigen, wohin dieselbe gebaut
-werden sollte. Die Stolzenhaner wollten sie nach Stolzenhan und die
-Wiesenthaler nach Wiesenthal haben. Endlich kam man überein, die
-Kirche auf dem Grund und Boden derjenigen Gemeinde zu erbauen, wohin
-der Turmknopf, dessen Niedersturz man baldigst erwarten konnte, fallen
-würde. Der Knopf fiel auch endlich, und zwar auf Stolzenhaner Gebiet.
-Ein Einwohner von Wiesenthal aber, welcher zufällig auf seinem Acker
-in der Nähe arbeitete, zog die Turmspitze mit dem Knopfe eiligst
-hinüber auf die Wiesenthaler Seite. Somit wurde die neue Kirche in
-Böhmisch-Wiesenthal und nicht in Stolzenhan gebaut.
-
-
-795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.
-
-(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)
-
-Die Hauptmannsgrüner wollten einmal eine Wiese nach einem andern
-Platze ziehen und schlugen einen Pfahl ein, daran befestigten sie ein
-Ortscheit und spannten Ochsen vor. Als nun der Wind die Schmielen
-bewegte, hielten sie dafür, daß die Wiese fortrücke. Und als die Ochsen
-noch mehr angetrieben wurden, rissen die Stränge und die Ochsen liefen
-bis nach Stenn. In Stenn ist das Ortscheit liegen geblieben und es soll
-noch heut dort liegen.
-
-Ein andermal konnten die Hauptmannsgrüner das Zapfenloch eines Teiches,
-dessen Wasser abgelassen werden sollte, nicht auffinden. Da sagte der
-Richter: »Nun müssen wir'n aussaufen.« Er legte sich zuerst hin und
-nach ihm die Bauern, und sie fingen an zu trinken.
-
-
-796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.
-
-(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)
-
-Von den Ebelsbrunnern wird erzählt, daß sie einst den aufgegangenen
-Mond dicht am Berge stehen sahen; da holten sie Stangen, um ihn
-herunter zu schlagen, und es entstand in Folge dessen das Spottlied:
-
- »In Abelsbrunn
- Sein se hameldumm,
- Nehm' se lange Stang',
- Woll'n den Manden fang'!«
-
- Th. Schäfer, (Sächs. Volksfreund 1880, 1. Dez.) erzählt auch von
- den Eibenstockern, daß sie einst auf den Auersberg gezogen seien,
- um den Vollmond mit einer Stange herunter zu holen. Eine ähnliche
- Sage findet man im Fichtelgebirge. Auch den Zellern wurde von den
- Münchbergern nachgesagt, daß sie mittels langer Stangen den Mond vom
- Himmel »herunter zu stieren« suchten. Dabei weist Zapf (Sagenkreis
- des Fichtelgebirges, S. 185) darauf hin, daß zu dieser Sage uralte
- Vorbilder vorliegen, indem schon der griechische Arzt Hippokrates
- (geb. 460 v. Chr.) von Menschen spricht, welche durch magische Künste
- und Opfer den Mond herabziehen. Die Medea wurde in dieser Kunst
- von der Göttin Hekate unterrichtet, und ebenso waren ihrer auch
- insbesondere die Thessalerinnen mächtig.
-
-
-797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.
-
-(Rankewitz, Kurze Beschreibung des Schlosses Augustusburg. 1836. S. 5.)
-
-Einige sagen, daß das Schloß Augustusburg so viele Fenster gehabt habe,
-als das Jahr Tage, so viel Feueressen, als es Wochen, und so viel
-Wetterfahnen, als es Monate enthält.
-
-(In ähnlicher Weise sagt man auch von dem Schlosse Rothenhaus i. B.,
-daß es gerade so viel Fenster habe, als Tage im Jahre.)
-
-
-798. Sprüche von der Stadt Freiberg.
-
-(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen. No. 289.)
-
-Die Stadt Freiberg ist nicht bloß durch ihren reichen Bergsegen,
-sondern auch durch ihre Schönheit von alter Zeit her berühmt gewesen;
-davon sagt ein altes Sprichwort: »Wenn Leipzig mein wäre, wollte ich es
-in Freiberg verzehren.«
-
-Obgleich das Freiberger Bier keinen besondern Namen hatte, wie es
-im 16. und 17. Jahrhundert Mode war, so gab es doch zu einem andern
-Sprichworte Gelegenheit. Dieses hieß: »Es kitzelt einem in der Nase,
-wie das Freiberger Bier.«
-
-Ein anderes Sprüchlein, welches sich zugleich mit auf zwei andere
-Städte Sachsens bezieht und deren Untergang prophezeit, lautet:
-
- »Meißen wird ertrinken,
- Freiberg wird versinken,
- Dresen
- Wird man zusammenkehren mit Besen.«
-
-
-799. Todaustreiben.
-
-(Gottl. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes. 1794. S. 309. Joseph
-Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg. S. 99 etc.)
-
-In Königswalde bei Werdau erhielt sich bis 1630 folgendes:
-
-Am Sonntag Lätare ward jährlich ein Strohbild verfertigt, welches in
-dem einen Jahre einen Mann, im andern ein Weib darstellte. Diesem
-Bild ward von den ledigen Personen beiderlei Geschlechts mit Hülfe
-einer Leichenfrau als eine Leiche angezogen, mit grünen Blättern
-und Wintergrünkränzen geziert, das Haar ward aus Flachs verfertigt,
-und das ganze Bild an eine Stange angemacht. Nach Endigung des
-Nachmittaggottesdienstes ward es durchs ganze Dorf getragen, und eine
-Menge Volks, groß und klein, folgte mit Gesang nach. Endlich ward
-es auf eine Wiese gebracht, mit Ungestüm zerrissen und in den Bach
-geworfen. Die Wiese, wohin in Königswalde dieses Bild gebracht ward,
-heißt noch heut' die Todenwiese; sie liegt neben der heiligen Wiese
-nach Langenhessen zu. Man nennt diese Ceremonie den Tod austreiben, und
-der Sonntag Lätare hieß der Todensonntag.
-
-An einigen Orten des böhmischen Erzgebirges wird noch gegenwärtig
-am Sonntage Lätare das Todaustreiben unter der Bezeichnung des
-Todaustragens (»Tudaustrog'n«) gefeiert. Von fünf Knaben zieht sich
-einer als Tod (Winter) an, ein anderer als König, der dritte als dessen
-Tochter (Lenz) und die übrigen als Diener (Sommer und Herbst.) Der
-König, wohl den Herrn der Jahreszeiten personifizierend, trägt eine
-goldpapierne Krone und einen Rocken als Szepter. Die Königstochter ist
-ihrer Würde angemessen aufgeputzt, verschmäht es indessen nicht, Geld
-und andere Geschenke entgegen zu nehmen. Die Diener tragen Degen, der
-weißgekleidete Tod ein Bund Späne. Alle aber, mit Ausnahme des Winters,
-sind mit bunten Bändern geschmückt; deshalb heißt dieser Gebrauch auch
-der »Bändertod«. Die Gesellschaft zieht von Haus zu Haus und führt ein
-kurzes dramatische Spiel auf, dessen Inhalt folgender ist: Die Diener,
-in der Folge auch der Tod, halten um die Hand der Königstochter an.
-Letzterer büßt seine Vermessenheit mit dem Leben, indem ihn der König
-niedersticht. Die beiden übrigen Brautwerber stehen zitternd da, weil
-sie eine gleiche Strafe befürchten. Der König überwindet indessen
-seinen Zorn bald und lächelnd legt er die Hand des Sommers in die
-seiner Tochter, welche er auffordert, daß sie sich von dem anderen
-Freier durch Darreichung der von ihr gesammelten Gaben loskaufe.
-
-An andern Orten tritt diese Sitte in nachfolgender Gestalt auf: Mehrere
-Knaben gehen mit einer langen Stange, an die oben ein Querholz
-befestigt ist, von Haus zu Haus und sammeln alte Kleider, die dem
-den Tod darstellenden Holzgerippe angethan werden. Nach Vollendung
-dieser Toilette ist der Teil der Vorbereitung vorüber und nun geht der
-eigentliche Umzug vor sich, indem man den Tod durch das Dorf trägt und
-dabei singt:
-
- »Tud aus! Tud aus!
- Hätt'n m'r 'n Tud nich ausgetrog'n,
- Hätt ar uns im Bett erschlog'n.
- Tud aus! Tud aus!«
-
-Zuletzt wird der Popanz ins Wasser geworfen. Dies ist das Signal
-für die Knaben, eilends die Flucht zu ergreifen. Wer am meisten
-zurückbleibt, heißt der »Tud'nvota« und wird als solcher das Jahr über
-geneckt.
-
-Das Todaustragen ist ein Privilegium der Mädchen. Knaben bringen ihnen
-aus dem Walde ein kleines Fichtenbäumchen. Die Mädchen schmücken erst
-dieses und dann sich selbst aufs beste und schönste. Darnach tragen sie
-das Bäumchen von Haus zu Haus und singen in jedem ein Liedchen, wofür
-sie Kuchen, Kaffee und Geld erhalten. Letzteres wird zu Kerzen für die
-Kirche oder Kapelle verwendet.
-
- Das Todaustreiben fand sich früher an vielen Orten Sachsens,
- besonders der Lausitz und des Vogtlands, ferner in Böhmen, Schlesien
- u. s. w. Meist wurde dabei von den jungen Burschen ein Strohmann,
- welcher den Winter, in der späteren christlichen Zeit aber den Tod
- vorstellte, angeputzt, unter Gesang durch das Dorf getragen und
- endlich ins Wasser geworfen oder verbrannt. Mit grünen Zweigen
- geschmückt kehrte die Jugend wieder heim. Im Vogtlande sang man dabei
- das Lied:
-
- »Wir alle, wir alle kommen 'raus,
- Und tragen heute den Tod 'naus,
- Komm' Frühling wieder mit uns in das Dorf,
- Willkommen lieber Frühling!«
-
- In Deutsch-Böhmen sang man:
-
- »Nun treiben wir den Tod aus,
- Den alten Weibern in das Haus,
- Den Reichen in den Kasten,
- Heute ist Mitfasten!«
-
- Das Todaustreiben war ein Nachklang des alten Frühlingsfestes, von
- dem wir auch Andeutungen bei den alten Griechen und Römern, ja selbst
- in Persien und Indien finden, und das jedenfalls die indoeuropäischen
- Völkerstämme aus ihren Ursitzen in Asien mitbrachten. Bei den
- heidnischen Germanen wurde es vielleicht zu einem Feste der Ostara,
- der Göttin des aufgehenden Lichtes, oder der mütterlichen Erdgöttin
- Nerthus oder auch Odhins, bei den Slaven zu einem Feste der Ziva, der
- Göttin des Lichts und der Fruchtbarkeit.
-
- Es ist sicher, daß die in verschiedenen Gegenden gefeierten Maifeste,
- bei denen eine Maikönigin oder ein Maikönig einzog, oder ein Maigraf
- aus dem Walde in die Stadt eingeholt wurde, oder bei denen man den
- in Tannenrinde und Laub gehüllten Pfingstbutz zu Roß ins Dorf führte
- (s. Mannhardt, die Götter der deutsch. und nord. Völker, S. 144
- etc.), mit dem Todaustreiben gleiche Bedeutung hatten. Wegen der in
- unsern Gegenden zu zeitigen Feier des Frühlingsfestes im März, da
- häufig noch Eis und Schnee die Fluren deckte, wurde dieselbe vielfach
- auf den sonnigen Mai verlegt und jetzt nun nicht mehr der Winter
- verjagt, sondern der vor der Thür harrende Frühling eingeholt und
- begrüßt. (S. über die Frühlingsfeier bei den Germanen und Slaven:
- Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, I. S. 142--152.)
-
-
-800. Der Totenteich bei Tharand.
-
-(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 101. Gräße,
-Sagenschatz etc. No. 268.)
-
-Wenn man durch Tharand hinauf am Amthause vorbei nach dem Kalkofen
-und dann weiter im Thale fortgeht, so kommt man in den sogenannten
-Ebergrund und zur Ebermühle, bei welcher der von dem Mühlbache
-gebildete Totenteich liegt, der seinen Namen davon hat, daß früher
-bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts die Sitte herrschte, wenn
-die Bewohner der umliegenden Dörfer den Tod austrieben, den diesen
-vorstellenden Strohmann hier hineinzuwerfen. Man behauptet, bei hellem
-Sonnenschein in der Tiefe noch heute das steinerne Bild desselben
-liegen zu sehen.
-
-
-801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.
-
-(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 757.)
-
-Im Erzgebirge trägt man sich mit einer alten Tradition, daß wilde
-Waldleute bisweilen an die Waldhäuser gekommen seien. Solcher wilden
-gebirgischen Satyren erinnerten sich vor Alters die Einwohner und
-Bergleute bei ihrem »Quaß« und Fastnachtsspiel, bei welchem sie
-jährlich zwei wilde Männer verkleidet, den einen in Reisig und Moos,
-den andern in Stroh gehüllt, auf den Gassen umhergeführt, endlich aber
-auf dem Markt herumgejagt und endlich zum Schein niedergeschossen und
-gestochen haben. Die verkleideten Personen riefen dabei durch ihr
-Taumeln und ihre seltsamen Gebärden Gelächter hervor und spritzten
-dabei aus angefüllten Blasen Blut unter die umstehenden Leute, ehe sie
-als Tote niederfielen. Dann faßten sie die Jäger, legten sie auf Breter
-und trugen sie ins Wirtshaus. Die Bergleute gingen daneben her und
-bliesen durch ihre Pechpfeifen und Grubenleder auf, als hätten sie ein
-stattliches Wildpret gefangen. Dergleichen Aufzüge hielt man vor dem
-dreißigjährigen Kriege; aber darnach sind sie abgekommen.
-
- Auch dieses Fastnachtsspiel war jedenfalls ein Überrest der alten
- Frühlingsfeste; seine Bedeutung ist aber hier sehr verwischt worden.
- Der in Reisig und Moos gehüllte Mann sollte den Frühling, der
- Strohmann dagegen den Winter darstellen. Ursprünglich haben beide
- wohl miteinander gekämpft, bis der Frühling den Winter besiegte. Daß
- solche Kämpfe zwischen den persönlich dargestellten Jahreszeiten
- Winter und Frühling (Sommer) wirklich, z. B. in Schweden und
- Gothland, dargestellt worden sind, dafür bringt Jac. Grimm in seiner
- deutschen Mythologie mehrere Beispiele; auf S. 440 heißt es daselbst:
- Ein vermummter Sommer und Winter, jener im Epheu oder Singrün, dieser
- in Stroh oder Moos gekleidet, traten auf und kämpften so lange
- miteinander, bis der Sommer siegte. Dann wird dem zu Boden geworfenen
- Winter seine Hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlicher Kranz
- oder Zweig umhergetragen.
-
-
-802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.
-
-(Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 271.)
-
-In Freiberg kehrt alljährlich am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli,
-ein besonderer Bergfeiertag wieder, an welchem vormittags im Dome eine
-große Kirchenparade der Bergleute und eine Bergpredigt abgehalten
-wird. Bei Gelegenheit im Jahre 1737 angestellter Erörterungen ergab
-sich, daß die Freiberger Bergleute bis dahin den Maria-Magdalena-Tag
-angeblich seit länger als 200 Jahren am sogenannten Hungerborne
-gefeiert hätten, woselbst sogar zu Zeiten gepredigt worden sein
-sollte. Dieser Brunnen, welcher wegen seines guten und reichlichen
-Trinkwassers besonders von den benachbarten Huthäusern stark benutzt
-wurde, lag etwa eine Viertelstunde nordwestlich von dem Huthause
-»Beschert Glück« im Ratswalde und ist erst im Jahre 1790 infolge der
-von »Beschert Glück« betriebenen Grubenbaue weggefallen. Eine Meinung
-der damaligen Bergleute schreibt den Ursprung seines Namens einer
-Frau Maria Magdalena Hunger zu; die Veranlassung zum Festtage, dessen
-althergebrachte Feier sich die Bergleute 1737, als solche auf den
-nächsten Sonntag verlegt werden sollte, »erstritten« haben, soll sich
-aber daher schreiben, daß die Kurfürstin Magdalena Sybilla, Witwe des
-Kurfürsten Johann Georgs II, als sie ihren Namenstag am Hungerborne
-feierte, den Bergleuten für alle Zeiten ihren Namenstag daselbst zu
-feiern angeordnet habe. Gewiß ist, daß die Bergleute bis zum Jahre 1737
-die Umgebung des Hungerbornes als einen gewohnten Versammlungsplatz
-betrachteten und als solchen benutzten; ja noch in unserm Jahrhunderte
-fand daselbst zu gewissen Zeiten im Jahre, besonders Pfingsten,
-ein großer Zusammenfluß von Personen aus der Umgegend statt. Man
-unterhielt sich dabei mit Musik und Spielen.
-
- Die Feier des »Streittags« fand sich wahrscheinlich in allen
- sächsischen Bergrevieren vor. Meltzer schreibt in seiner
- »bergkläuffigen Beschreibung der Bergk-Stadt Schneeberg«, (1684. S.
- 3), daß die Bergleute daselbst diese Feier »mit dem Schwerte errungen
- hätten«, und er vermutet, daß solches bei dem Aufstande der Bergleute
- im Jahre 1496 geschehen sei. Herzog Heinrich der Fromme ließ den
- Maria-Magdalena-Tag bei Einführung der Reformation 1539 ausdrücklich
- als bergmännischen Feiertag fortbestehen, und derselbe wird auch noch
- gegenwärtig in Schneeberg durch Bergaufzug, Gottesdienst und eine
- Ergötzlichkeit der Bergleute gefeiert.
-
-
-803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.
-
-(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, S. 158.)
-
-Am 18. Februar 1613 führten die Tuchknappen zur Feier des Faschings
-auf dem Markte zu Chemnitz den Schwerttanz auf. Dieser Schwerttanz ist
-noch heutzutage unter den Salzknappen Halleins und Hallstadts üblich,
-und er wurde von neun Tänzern, zwei Pfeifern, einem Trommler und zwei
-Hanswürsten aufgeführt, welche mit dem Spruche auftraten:
-
- Wir treten herein ganz edel und fest,
- Und grüßen alle anwesenden Zuschauer aufs Best';
- Grüßten wir einen und den Andern nicht,
- So möchtens meinen, wir wären die echten Schwerttänzer nicht;
- Die rechten Schwerttänzer sind wir genannt,
- Wir tragen das Schwert in unserer Hand.
- Spielmann, mach' auf den rechten Schwerttanz!
-
-Nun begann der Tanz, indem jeder die Spitze des Schwertes von seinem
-Nebenmann faßte, mit einem Rondo; alsdann Springen über Schwerter.
-Darauf legte man die Schwerter nieder, tanzte herum, hob sie wieder auf
-und bildete eine Schnecke, die sich wieder auseinander winden mußte,
-ohne daß ein Tänzer die Schwertspitze seines Nachbars losließ. Dann
-trat ein Hanswurst in den Kreis und kniete nieder. Die Tänzer hielten
-ihre Schwerter auf ihn, der Vortänzer schwang sich auf diese Schwerter
-und sprach folgenden Spruch:
-
- Da bin ich heraufgestiegen,
- Wär' besser, ich wär' unten blieben;
- Der Fasching ist ein verthunlicher Mann,
- Hat all sein Hab und Gut verthan;
- Er hat verthan sein Hab und Gut,
- Bis auf einen alten zerrissenen Hut.
- Er reist das Land wohl auf und nieder,
- Was er bekommt, versäuft er wieder;
- So spring' ich aus dem grünen Kranz,
- Spielmann, mach' auf den lustigen Schwerttanz.
-
-Nun ward wiederum ein Rondo getanzt, aber schneller als das erste; die
-Tänzer traten einer nach dem andern ab, bis Vor- und Nachtänzer allein
-waren, die sich noch ein paar Mal herumdrehten, mit den übrigen die
-Schwerter zusammenschlugen und so unter dem Jubelruf der Zuschauer
-schlossen.
-
-
-804. Strafe für zänkische Weiber.
-
-(Oesfeld, Histor. Beschreibung von Lößnitz (1776) S. 10. Göpfert,
-Geschichte des Pleißengrundes (1794), S. 180.)
-
-Auf der rechten Seite ohnweit der Hauptthüre des Rathauses in Lößnitz
-befanden sich zwei steinerne halbe Zentnergewichte, welche oben einen
-eisernen, sehr weiten Angriff hatten und auf der einen Seite glatt,
-übrigens aber rund und an einem Ring aufgehangen waren. Auf dem einen
-Steingewichte sah man ein Frauenbild mit einem Bund Schlüssel, welches
-sie über dem Kopfe hielt, als ob sie damit werfen wollte, und der
-Umschrift. »Du leugst wie eine Hure.« Auf dem anderen Gewichte war auch
-ein Frauenbild mit einem »Waschbleu« und den Worten: »Du bist eine
-Hure«, zu sehen, und die gemeine Sage war, daß in alten Zeiten diese
-Gewichte von zänkischen Weibern, welche sich geschlagen, öffentlich
-hätten herumgetragen werden müssen.
-
-Eine ähnliche Strafe gab es in Crimmitschau. Wenn daselbst
-Weibspersonen einander geschimpft hatten, so mußten sie an der
-Rathausthüre einander gegenüber stehen und ward jeder eine Art von
-bleiernem Gewichte an den Hals gehängt.
-
- In Bautzen war es im Mittelalter bis gegen Ende des 17. Jahrh.
- eine gewöhnliche Strafe für zänkische Weiber, daß sie sogenannte
- Schandsteine, welche die Form von runden Flaschen hatten, an einer
- eisernen Kette um den Hals durch die Stadt tragen mußten. Man nannte
- diese Strafe das Flaschentragen oder das trinken aus des Büttels
- Flasche. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 89.) Auch in Leipzig
- gab es für solche Weiber, welche sich auf dem Markte schlugen,
- rauften oder einander schmähten, Schandsteine, die der Rat 1624 neu
- anfertigen ließ. An manchen Orten wurden auch diejenigen Personen
- damit geschmückt, welche nächtlichen Straßenlärm machten. Da und
- dort hatten diese Steine Brotform, und daher schreibt sich wohl
- auch die Redensart: Ein schwerer Bissen Brod. In Lübeck hatten sie
- die Form von Schüsseln, und nach dem Dortmunder und Halberstädter
- Statut von 1348 sollten sie das Gewicht eines Zentners haben. Waren
- die »losmäuligen« Frauen wohlhabend, so konnten sie sich von dieser
- schmachvollen Strafe durch einen Sack voll Hafer, der mit einem
- roten Bande zugebunden sein mußte, loskaufen. (Schäfer, deutsche
- Städtewahrzeichen, I. S. 54.)
-
-
-805. Strafe für liederliche Weibspersonen.
-
-(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)
-
-Es war sonst in Crimmitschau die Gewohnheit, welche auch an andern
-Orten, z. B. in Schmölln, eingeführt war, daß liederliche Weibspersonen
-sich auf den niedern Stadtturm begeben mußten, allwo oben auswendig
-ein großer Korb befindlich war. In diesen mußten sie sich setzen,
-worauf sie dann jählings in den unten am Thore befindlichen Teich
-herabgelassen wurden.
-
-
-806. Wie das Lehen gereicht wurde.
-
-(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)
-
-Wenn sonst jemandem in Crimmitschau das Lehen gereicht wurde, so
-beobachtete man die Zeremonie, daß dem Empfänger vom Gerichtsdirektor
-oder Amtmann ein runder Hut dargereicht wurde, woran der Empfänger
-greifen mußte, und wenn mehrere etwas in sämtliche Lehn empfingen, so
-mußten ebenfalls alle diesen Hut berühren.
-
-
-807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.
-
-(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)
-
-Eine Gewohnheit, welche in Crimmitschau ausgeübt wurde, war,
-daß die Witwen, welche sich zum zweiten Male verheirateten, der
-Gerichtsherrschaft ein Bett abgeben mußten.
-
-Hidda, Friedrichs und Dedaus, Grafen zu Eilenburg Schwester,
-verordnete, daß jede Witwe, welche sich wieder verheiratete, dem
-Amtmann (~praefecto arcis~) zwei Schreckenberger in einem Beutel ohne
-Naht geben sollte.
-
-
-808. Das Bärenprivilegium für Lößnitz.
-
-(C. Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. 1. B. Schneeberg
-1837. S. 8.)
-
-In der ältesten bekannten, aus dem Jahre 1284 stammenden Urkunde von
-Lößnitz erhielt die Stadt das Privilegium, daß sich in seinen Mauern
-kein Mönch oder Priester häuslich ankaufen sollte, sowie kein Edelmann.
-Letzteres soll der Sage nach davon kommen, daß ein Edelmann, mit Namen
-von Hagenest, im Jahre 1283 einen Bären gehabt, der sich von der Kette
-losgerissen und eines Bürgers Kind erwürgt. Darauf hätten die Bürger
-den Bären samt dem Edelmann erschlagen. Daher das Privilegium, welches
-deshalb auch das Bärenprivilegium hieß.
-
-
-
-
-Anhang.
-
-
-809. Der Wegzug der Zwerge.
-
-(A. Stropnitzky in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs,
-1885, S. 120.)
-
-Am rechten Ufer der Eger liegt bei dem Dorfe Sosau eine
-Bauernwirtschaft, deren Besitzer schon seit Menschengedenken den
-Dienst von Fährleuten versehen haben. Eines Tages kam nun zu dem Bauer
-ein kleines Männchen und sagte, er wäre der Zwergkönig und wolle mit
-seinem Volke aus der Gegend auswandern, da die Leute schon das Brot
-in den Ofen und die Knödel in den Topf gegeben hätten. Der Fuhrmann
-möge sich für seine Arbeit eine Mütze voll Gold oder für jeden Zwerg
-einen Pfennig wählen. Der Bauer wählte das Erstere. Am nächsten Morgen
-kamen die Zwerge, aber alle unsichtbar; nur durch den Lärm, den sie
-verursachten, wurde es dem Bauersmanne klar, daß er sein Werk beginnen
-könne. Er band also den Kahn los, und tief sank dieser in das Wasser,
-so schwer war er beladen. Doch sah der Fährmann niemanden. Bereits den
-ganzen Tag hatte er schon gearbeitet, und noch immer war kein Ende. Als
-er nun von neuem leer herübergekommen war, trat der Zwergkönig zu ihm
-heran, lobte ihn und gab ihm den bedungenen Lohn. Zugleich sagte er,
-daß er noch einmal hinüberfahren müsse. Der Fährmann war in den Kahn
-gestiegen und der Zwergkönig folgte ihm. Als sie nun in der Mitte der
-Eger waren, fragte der Zwergkönig, ob der Fuhrmann nicht sehen wolle,
-wie viel Zwerge er hinüber gefahren habe. Und als der Fährmann diesen
-Wunsch äußerte, so schlug der Zwergkönig mit seinem Stabe in die Lüfte,
-und nun sah der Fährmann die ganze Straße und die benachbarten Felder
-mit Zwergen erfüllt. Doch nur einen Augenblick währte es, und alles war
-wieder vorbei. Seitdem sind die Zwerge aus der Gegend verschwunden.
-
- In No. 186 bezieht sich diese Sage auf den Wegzug der Holzweibchen.
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-810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.
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-(Nach der Mitteilung von H. Weißflog.)
-
-An der Grenze der Dörfer Unterscheibe und Markersbach, unterhalb
-des sogenannten Vogtelgutes, läßt sich in stürmischen Nächten ein
-schneeweißer Hund mit rotleuchtenden Augen sehen, dessen Klagegeheul
-schauerlich durch die Nacht tönt. Er thut jedoch niemandem etwas zu
-Leide. Es soll dies der Hund eines Schäfers sein, der seinem Herrn sehr
-treu ergeben war. Der Schäfer hat sich einst in jener Gegend erhängt,
-und der Hund soll nun seinen Herrn suchen.
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-811. Der Schmiedmönch von Thierfeld.
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-(Mitgeteilt vom Seminarist Emil Müller.)
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-Alte Leute in Thierfeld bei Hartenstein erzählen von einem Geiste, dem
-sogenannten Schmiedmönch, welcher früher in der Schmiede des Ortes sein
-Wesen getrieben haben soll. Den Kindern ist er zu einem Schreckgespenst
-geworden, denn wenn dieselben nicht folgen wollen, so droht man ihnen
-mit dem Schmiedmönch, welcher jetzt neben der Schmiede unter den
-Wurzeln eines Strauches wohnen soll.
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-812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche zu
-Schneeberg zugemauert wurde.
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-(Nach einer Mitteilung des Archidiakonus Blanckmeister in Schneeberg.)
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-Ursprünglich hatte die St. Wolfgangskirche in Schneeberg drei
-Haupteingänge, von denen aber derjenige, welcher sich der
-Superintendentur gegenüber an der Turmseite befand, später zugemauert
-wurde. Als Veranlassung dazu wird folgendes erzählt: Ein früherer
-Pfarrer hat sich alle hundert Jahre des Nachts sehen lassen, und
-das letzte Mal soll er dem Pfarrer W. erschienen sein. Um nun das
-Wiedererscheinen des Gespenstes für alle Zeiten zu verhindern,
-vermauerte man nicht nur den oben bezeichneten Kircheneingang, sondern
-auch die gegenüberliegende Hausthüre der Oberpfarrerwohnung, welche
-sich auf der schmalen Seite des Hauses befand, und verlegte sie nach
-der Breitseite, wo sie sich noch heute befindet. Trotzdem glaubt man
-noch jetzt, daß es auf dem Kirchplatze nicht richtig sei, und man
-bringt z. B. das vor einer Reihe von Jahren auf dem Platze geschehene
-Unglück, wobei ein Arbeiter durch einen Erdfall ums Leben kam, damit in
-Zusammenhang, indem viele meinen, daß der umgehende Geist sein Opfer
-gefordert habe.
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-813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.
-
-(Johann Vulpius, ~Plagium Kauffungense~, das ist: Der Chur-Fürstl.
-Sächß. Printzen durch Conrad (Curt, Cuntz) von Kauffungen, geschehene
-Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg, wie sich solche ~Anno~ 1455
-zugetragen. Ohne Jahrzahl.)
-
-Nachdem Kunz von Kauffungen mit seinen Genossen in der Nacht vom 7.
-zum 8. Juli 1455 die beiden Prinzen Ernst und Albert aus dem Schlosse
-Altenburg geraubt hatte, setzte er den erst genannten Prinzen auf
-ein gut gesattelt Roß und führte ihn bei finsterer Nacht nach dem
-Lande Böhmen zu, erstlich durch die Leine, so ein Wald oder Holz
-bei Altenburg gelegen, ferner durch die Rabensteiner Wälder bis
-ohnfern Elterlein um die Gegend des Klosters Grünhain, dahin er bei
-aufgehendem Mondschein gegen Morgen gekommen, vermeinend, nun mit
-seinem hohen Gefangenen leicht vollends nach Böhmen zu gelangen. Die
-andern haben den Prinzen Ernst auch auf ein Roß gesetzt und zwischen
-sich einen andern Weg davon geführt, willens ihn durch das Vogt- und
-Frankenland durch einen andern Strich in ihre Gewahrsam zu bringen;
-denn sie hatten sich dessen zuvor mit einander verglichen, diesen Raub
-durch unterschiedliche Wege wegzubringen, und obschon ein Teil mit
-seinem Prinzen ergriffen würde, so sollte doch der andere Teil seinen
-gefangenen Herrn nicht eher von sich geben, es wäre ihnen denn allen
-das Leben und Straffreiheit zugesagt.
-
-Unterdessen ist auf dem Schlosse zu Altenburg ein groß Wehklagen,
-bei den Hofleuten aber ein großer Schrecken entstanden. Man hat es
-durch einen Eilboten gen Leipzig dem Kurfürsten zu wissen gethan,
-dem anfänglich diese That fast unglaublich vorgekommen. So haben die
-Hofleute auch nicht gesäumt, sondern von Stund an in alle Gegenden
-geschicket, sind auch zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag
-in allen Städten und Dörfern angehen zu lassen, dadurch das ganze
-Land rege geworden, sintemal immer eines dem andern auf frischem Fuße
-gefolget, auch den Nachbarn zu wissen gethan, und alle Straßen beleget.
-Im Städtlein Geyer ist von den heftigen Glockenschlägen über diesem
-Sturme die Glocke zersprungen. Solchen Sturmschlag und Nacheilen hat
-Kunz von Kauffungen wohl gehöret, weil er aber bei Mittagszeit den
-Wald erreichet, verhoffte er leichtlich davon zu kommen. Da er nun
-nicht über eine halbe Meile bis zur böhmischen Grenze gehabt, hat es
-Gott sonderlich geschickt, daß den jungen Herrn, Herzog Albrechten
-(Albert) sehr gehungert und gedürstet, welches er Kunzen mit den Worten
-beklagt: Wo er nicht zu essen und zu trinken bekäme, würde er Krankheit
-halber nicht weiter kommen können, sondern müsse liegen bleiben.
-Solches besorget Kunz selbst, sintemal er ihn von Mitternacht bis nun
-fast gegen Mittagszeit auf einem schnell trabenden Rosse geführet.
-Deswegen behielt er einen Reiter bei sich und stieg vom Pferde ab, in
-Mangel anderer Speise dem Herzoge im Walde Erdbeeren abzupflücken;
-seine andern Reiter, derer fünf gewesen, hieß er ein wenig auf den
-Halt voranreiten, er aber spazierte im Walde mit dem Prinzen ein
-wenig abseits, Erdbeeren zu suchen. In diesem Walde arbeiteten aber
-unterschiedliche Köhler. Von denen war ein Junge, namens Urban Schmidt,
-gen Geyer geschickt worden, einen Kober voll Brot, Salz und andere
-nötige Dinge zu holen. Dieser Junge hatte das Anschlagen der Glocken
-gehört, dazu vernommen, wie die große Glocke von gemeldetem Stürmen
-geborsten und die Rede gegangen, es hätte der Feind zu Altenburg einen
-Einfall gethan, das Schloß erstiegen und einen großen Raub weggeführet.
-Weil man nun dazumal von keinem Krieg noch Feinde wußte, der Junge auch
-nicht mehr erzählen konnte, so gerieten die Wäldler oder Köhler in
-große Verwunderung und Bestürzung.
-
-Dazwischen begab sichs, indem Kunz von Kauffungen mit dem Prinzen
-und seinem Reiter über dem Erdbeersuchen etwas tiefer vom Wege ab
-im Walde spazierten, und am Fürstenberge, der von dieser Geschichte
-den Namen bekommen, Beeren pflückten, daß durch sonderbare Schickung
-Gottes ein Köhler, mit Namen Georg Schmidt, welcher in der Gegend
-ohnweit Grünhain und dem Dorfe Raschau Kohlen bereitet, im Walde sich
-umzusehen daher kommet und seinen Hund bei sich hatte. Dieser Hund wird
-fremder Leute innen, schlug also bellend an und führete seinen Herrn,
-den genannten Köhler, welcher einen dichten Schürbaum zum Waldgewehre
-in der Hand hatte, an den Ort. Dieser Köhler siehet, daß Kunz ein
-Panzerhemd anhatte, auch ein Pferd an der Hand führte, dazu, daß der
-bei ihm befindliche Knabe schön, zart und adliger Gebärden; lässet
-sich daher bedünken, es möge nicht recht zugehen, und fraget trotzig,
-wie der Wäldler Art ist, von wannen er mit dem Knaben komme und wo
-er hinaus wolle? Darauf ihm Kunz antwortete: Es sei ein böser Bube,
-der seinem Herrn entlaufen, dem müsse er ihn wieder bringen. Wie sie
-aber miteinander ein wenig fortgehen, fällt Kunz von Kauffungen in dem
-Gestrüppe, Gebüsche oder Hecken, darinnen er mit seinen langen Sporen
-hängen blieb, und konnte wegen der schweren Rüstung, und daß er das Roß
-an der Hand nicht wollte fahren lassen, nicht wohl wieder aufkommen.
-Da er nun also lieget, spricht Prinz Albrecht heimlich zum Köhler: Ich
-bin ein Fürst von Sachsen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl
-vergelten. Darauf Jan Schweinitz, Kunzens Reisiger, sein Schwert über
-den Prinzen gezogen, daß nicht viel gefehlet, er hätte ihn umgebracht.
-Sobald der Köhler solches vernommen, auch des Reiters Ernst gesehen,
-erinnert er sich der oben gemeldeten Zeitung, die der Junge von Geyer
-mitgebracht, glaubet des Prinzen Rede, spricht dem Reiter ernstlich zu,
-solche Gewalt bleiben zu lassen, hetzet seinen Hund an, welcher sich
-sehr laut machet, Schweinitzen anfällt und stattlich zurückhält; er
-aber hat mit seinem Schürbaume auf Kunzen, welcher wegen seiner Rüstung
-nicht flugs hat aufkommen können, so wohl als auf den Reiter tapfer
-zugeschlagen, hätte auch vielleicht Kunzen totgeschmissen, wenn nicht
-der Prinz treulich gewehret und für ihn gebeten. Da nun der Köhler sich
-mit Mund und Händen sehr gereget, der Hund auch trefflich gebellt,
-läuft des Köhlers Weib aus dem Kohlenkrame auch herzu und siehet, was
-für ein Streit da ist. Als sie ihren Mann auf Kunzen schlagen siehet,
-denket sie, es seien Räuber da und giebt alsbald das gewöhnliche
-Waldzeichen, so die Köhler im Gebrauche hatten, daß sie mit einem
-großen Messer oder Zschörper auf eine Holzaxt schlagen. Hierauf liefen
-alsbald andere Köhler mit Äxten und Schürbäumen zu, nahmen Kunzen und
-seinen Reiter gefangen, den Prinzen führeten sie in einen Kohlkram,
-gaben ihm schwarz Brot zu essen und Wasser zu trinken, zeigeten es auch
-unverzüglich der Obrigkeit, nämlich dem Abte des Klosters Grünhain
-an, welcher alsbald Befehl gab, die vorangeschickten fünf Reiter
-auch aufzusuchen, und also geschahe es, daß noch diesen Tag, welcher
-war Kilianitag, Kunz von Kauffungen mit sechs seiner Gesellen in
-gefängliche Haft gebracht wurde. Diese Gefangenen überantwortete der
-Abt noch denselben Tag dem Oberamtmann von Schönburg auf Glauchau und
-Hartenstein nach Zwickau, welcher sie festsetzen und die übrigen ferner
-verfolgen ließ.
-
-Die übrigen Prinzenräuber, Wilhelm von Mosen, Wilhelm von Schönfels
-und andere, welche den Prinzen Ernst mit sich führten, hatten versucht
-beim Pfarrherrn zu Hartenstein einzusprechen, allein der Pfarrherr war
-nicht daheim und sie konnten deshalb keine andere Zuflucht finden,
-als daß sie sich in dem Walde nahe bei der Mulde, über dem Schlosse
-Stein, in eine entlegene Höhle oder Steinkluft versteckten. Denn sie
-höreten den Sturmschlag und konnten aus dem Getümmel die Verfolgung
-wohl ermessen. Zu dem brach das Geschrei, daß Kunz und etliche seiner
-Reiter gefangen und der junge Prinz Albrecht erlöset wäre, geschwinde
-aus, welches sie meisterlich erkundeten, auch besorgeten, es möchte
-ihnen gleichfalls nicht anders gehen; denn die Pferde waren ihnen
-bereits abgejagt und guter Rat teuer. In solcher Gefahr vergaßen sie
-des gemachten Vergleichs und waren entschlossen, sich mit dem Prinzen
-auf kurfürstliche Gnade zu ergeben. Deswegen schickten sie einen
-vertrauten Boten zum Oberamtmann nach Zwickau, dem sie schrieben,
-sie bereueten ihre That und hätten den Prinzen unversehrt bei sich;
-wenn ihnen von dem Kurfürsten Sicherung ihres Lebens, ihrer Ehre und
-ihres Gutes zugesagt werde, so wollten sie den Prinzen ausliefern, wo
-nicht, so würden sie denselben zuerst und dann sich selbst töten. Der
-Oberamtmann Friedrich von Schönburg sicherte ihnen dies darauf bei
-seinen »adeligen Ehren und Treuen« zu, und so lieferten sie den Prinzen
-am 11. Juli an denselben ab, der ihn dann seinen Eltern nach Chemnitz
-überbrachte.
-
- In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere
- des Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist
- es sehr unwahrscheinlich, daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei
- Grünhain und in unmittelbarer Nähe der damaligen Grenze von Böhmen
- noch eine Rast hielt, während ringsum die Sturmglocken ertönten. Die
- Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine zufällige, sondern vielmehr
- ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber, daß sich dabei
- der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich
- damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb.
- Die Altzeller Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen
- von ungefähr »ein arm Mann« (der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen
- sei und dem Abte zu Grünhain, was er gesehen, gemeldet habe; er habe
- auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz gefangen worden.
- Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung des
- Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß
- ihm und darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich
- ein Scheffel Korn ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit
- dem sogenannten Trillergute in Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler
- Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine Nachkommen den Namen
- »Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt, d. h.
- geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten
- und daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von
- Kauffungen, Mitteilungen des Freiberger Altertumvereins, 13. H.)
-
-
-814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)
-
-Nach »~Loci theologici historii~, oder Theologisches Exempel-Buch« von
-Kaspar Titius (Leipzig 1684), S. 133 lautet diese Sage:
-
-Auf St. Annaberg in Meißen in einer Erzgruben zum Rosenberg genannt,
-ist ein Teufel gewesen, welcher in einer Kluft mit seinem Anblasen
-oder Anhauchen zwölf Bergknappen umgebracht, darum man auch dieselbige
-Grube oder Schacht, wiewohl sie ganz reich an Silber gewesen, hat
-müssen wüste liegen lassen. Den Odem aber oder Hauch, damit er die
-Leute anblies, ließ er aus aufgesperrtem Rachen heraus gehen: denn
-wie man daraus saget, er in eines Pferdes Gestalt mit langem Hals und
-greulichen Augen ist gesehen worden.
-
-
-815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. (Zu Nr.
-239.)
-
-Nach »~Loci theologici historii~ oder Theologisches Exempel-Buch
-(Leipzig 1684)« S. 137 lautet diese Sage:
-
-~Anno Christi~ 1559 ist dies schreckliche Ding geschehen, auf der
-Platten, zwei Meilen Weges von Joachimsthal. Daselbst hat ein
-Schmied eine Tochter gehabt, die fromm, züchtig und gottesfürchtig
-gewesen, fleißig zur Kirche gegangen, hat auch das hochwürdige
-Sakrament oft empfangen. Diese ist durch Verhängnis Gottes vom Teufel
-besessen, ohngefähr in Fastnachten, und hat sie der böse Feind oft
-niedergeworfen, als hätte sie die fallende Sucht. Die Eltern haben
-hierüber bei Wahrsagern Rat gesucht, daß der Teufel nachmals hat zu
-Schutz seiner Gewalt angezogen. Nach Ostern hat der Teufel begonnen,
-leibhaftig aus der Jungfrau zu reden, hat sich in der Stube sehen
-lassen, wie ein Kuckuck, Rabe, Hummel und dergleichen, auch also, wie
-solche Vögel pflegen, geschrieen. Hat grausame, wunderliche Dinge aus
-ihr geredet, daß nicht genugsam davon zu schreiben, und ist ein großer
-Zulauf vom Volke, auch von vielen Fremden worden, diese wunderliche
-Dinge zu hören. Und haben sich viele fromme Christen unterstanden, mit
-ihm zu reden, denen er allen Antwort genug gegeben.
-
-Aber die Jungfrau ist stets geduldig gewesen, hat oft selber mit zu
-Gott gebetet, und wenn sie um Erlösung im Namen Jesu Christi gerufen,
-hat sich bald der böse Geist wieder funden, ihr in den Augen gesessen
-und dieselben aus dem Kopfe herausgetrieben, so groß wie ein Hühnerei,
-die Zunge wie eine zusammengeflochtene Weide, einer Spannen lang zum
-Munde herausgesteckt, auch ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet,
-also jämmerlich, daß es nicht genugsam zu beschreiben. Wenn sie
-Ruhe gehabt, und man sie gefragt, wie es ihr gehe, hat sie allewege
-geantwortet, es dünke sie, wie sie auf einem Wasser liege und müsse
-ertrinken, so kämen doch allewege viel fromme Leute, die ihr davon
-hülfen.
-
-Es sind alle Priester, so des Orts umher gewesen, dahin kommen und
-haben mit ihr Gespräch gehalten, denen der Teufel über die Maßen
-höhnische Antwort aus der Jungfrau gegeben, und wenn man von Christo
-Jesu ihn gefragt, ist er allewege auf eine höhnische Fabel gekommen,
-daß es nicht gut, so spöttlich zu schreiben. Da er auch befraget, wie
-er in sie gekommen, hat er gesagt: Sie habe es in einem Trunk Bier
-einges..., zu Fastnacht in einer Fliegen Gestalt, denn er sei ihr zwei
-Jahr nachgegangen, und da die Eltern zur Wahrsagerin gelaufen, habe er
-desto besser Platz bekommen.
-
-Dieser böse Geist ist endlich von der besessenen Jungfrau durch
-fleißiges Gebet der Christen abgetrieben worden, da er wie ein Schwarm
-Fliegen ausgefahren.
-
-
-816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu Nr. 247.)
-
-(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.)
-
-Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht in einem
-romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen Katzenmühle
-führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand schon diese
-Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist. Bei derselben
-befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich hauste,
-daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte, sondern
-dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später Nacht und im
-schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei Bären, welcher
-sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich um Nachtquartier
-bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse. Mitleidig erklärte
-der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine Person gerne Quartier
-geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht unterzubringen, weil
-er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und in einem andern hause
-ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin bleiben könne. Gedrungen von
-der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer, daß er ihm den Stall, wo
-das Gespenst sei, nur einräumen solle, seine Bären möchten sehen, wie
-sie mit dem Gespenst fertig würden. Nach mancher Einwendung gewährte
-der Müller dem Fremden seine Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall
-zog und sie ihrer Maulkörbe entledigte. Um Mitternacht erhob sich
-ein schrecklicher Lärm in dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen
-anhielt; dann wurde es endlich still.
-
-Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach dem Stalle
-eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf mit ihnen
-seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den Wald, um sich
-etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei kam, rief ihn
-eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen noch in seinem
-Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme seines bösen
-Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie werden auch
-immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen Geistes
-entledigt.
-
-
-817. Der Geldkeller auf dem Greifenstein. (Zu Nr. 284.)
-
-(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)
-
-Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinauf auf den
-Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt an
-die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten
-nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen
-vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte, eilte
-sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie plötzlich
-am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten sich in ihrem
-weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte den Eingang. Eine
-freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle, die sie erinnerte, ihre
-Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen Mut und furchtlos
-bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und mehr verengte sich mit
-jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend entfloh sie mit schnellen
-Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am Ausgange war, ergriff der
-Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das geängstigte Weib starb am
-folgenden Tage.
-
-
-818. Gottes Speise bei Zwickau. (Zu Nr. 435.)
-
-Diese Sage befindet sich auch in »~Loci theologici historii~, oder
-Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durch ~M. Casparum
-Titium~, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen
-erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit
-einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde, als
-er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er: Ist
-doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal
-Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert
-dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide brachte
-mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer wollte hier
-sagen, daß es nicht ein Engel gewesen?
-
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-819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann.
-(Zu Nr. 537.)
-
-(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)
-
-Es zog einst aus den Ebenen von Sachsen ein Wandersmann ins Gebirge,
-von da hinab zu steigen in die gesegneten Auen von Böhmen. Unkundig
-des Gebirges verlor er den Heerweg und betrat, unwissend wohin er
-geraten möchte, einen stark befahrenen Kohlenweg, der nach einer
-Meilerstätte des Freiwalds führte. Die Nacht war im Anzuge und die
-Angst des Wanderers groß. Im blassen Scheine des Mondes durchzog er
-den Wald, durchspähete sorgsam jede Rodung und horchte leise atmend
-auf das Bellen der Hunde, welches die Abendluft aus der Ferne herüber
-trug. Den Tönen nach zog er, als plötzlich eine kleine Geistergestalt
-ihm entgegen trat und ihn aufforderte, ihr zu folgen. Ihr Weg ging nun
-über Stock und Stein und fand endlich an den Felsen des Greifensteins
-sein Ziel. Kaum waren sie durch eine daselbst befindliche Höhle
-eingetreten, als sich auf einmal ein ungeheures Gewölbe dem staunenden
-Wandrer öffnete. Seine Wände schienen von Silber, seine Tische von Gold
-zu sein. Aus tausend goldenen, mit Edelsteinen besetzten Leuchtern,
-in denen die Strahlen der Lichter sich unzähligemal brachen, strömte
-ein überirdischer Glanz über das ganze Gewölbe. Eine lange, köstlich
-besetzte Tafel zog sich in demselben herab und war mit ehrwürdigen
-Männern umgeben, die sich an den aufgetragenen Speisen sättigten. Ein
-Diener lud ihn ein, sich zu setzen und ein anderer brachte ihm schon,
-indem jener noch sprach, Speisen von der langen Tafel. Da endlich der
-Wanderer davon genoß, ward er zusehends erquickt und fröhlich und gutes
-Muts. Die ehrwürdigen Berggeister aber freuten sich sichtbar über ihn
-und befahlen den Dienern, ihm den Reisesack zu füllen, den er bei sich
-hatte. Mit herzlichem Danke schied er darauf von seinen Wirten. Als er
-aber im Scheine des Mondes und nach einer ungeduldig durchwachten Nacht
-bei den ersten Strahlen der Morgensonne seinen Sack aufthat, blitzten
-ihm die Goldgeschirre und Edelsteine entgegen, deren Glanz ihn schon im
-Gewölbe in Erstaunen gesetzt hatte. Zum Überfluß hatten ihn die gütigen
-Berggeister hart an die Straße gebracht, auf welcher er fröhlich gen
-Böhmen zog. Später siedelte er sich ohnweit des Freiwaldes an und lebte
-in einem ruhigen Genusse seines Reichtums bis in ein spätes Alter.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Ansonsten
- wurde die Originalschreibweise beibehalten.
-
- Korrekturen und Anmerkungen:
-
- S. X: Alberoda → Alberode
- 78. Der Laternenmann in {Alberode}.
-
- S. XIX: Schönburg → Schönberg
- Woher das Wappen der Herren von {Schönberg} entstanden ist
-
- S. 71: Nixenhügel → Nixentump
- {Nixentump}, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist
-
- S. 331: der → den
- Die Quelle, welche {den} See geschaffen
-
- S. 334: Anstand → Abstand
- so daß {Abstand} genommen wurde
-
- S. 503: innen → ihnen
- denen der Abtei Grünhain mitten {ihnen} lag
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Sagenbuch des Erzgebirges, by
-Johann August Ernst Köhler
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES ***
-
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- The Project Gutenberg eBook of Sagenbuch des Erzgebirges, by Johann August Ernst Köhler.
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-
-
-<pre>
-
-Project Gutenberg's Sagenbuch des Erzgebirges, by Johann August Ernst Köhler
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Sagenbuch des Erzgebirges
-
-Author: Johann August Ernst Köhler
-
-Release Date: October 16, 2016 [EBook #53292]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net. (This file was produced from images
-generously made available by SLUB: Sächsische
-Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek
-Dresden at http://www.slub-dresden.de )
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_i">[i]</a></span></p>
-
-<div class="transnote">
-<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p>
-
-<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.</p>
-
-<p>Im Original gesperrter Text ist hier <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.</p>
-
-<p>Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.</p>
-
-<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am <a href="#tnextra">Ende
-des Buches</a>.</p>
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h1>Sagenbuch<br />
-<span class="smaller">des Erzgebirges</span></h1>
-
-<p class="center smaller">von</p>
-
-<p class="h2"><em class="antiqua">Dr.</em> Joh. Aug. Ernst Köhler,</p>
-
-<p class="center smaller">erstem Oberlehrer am Königlichen Seminare in Schneeberg, Vorsitzendem
-im Gesamtvorstande des Erzgebirgsvereins, Ehrenmitgliede der oberlaus.
-Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz sowie des vogtländ. altertumsforschenden
-Vereins in Hohenleuben, Mitgliede des Altertumsvereins zu
-Freiberg, Ehren- und korrespondierendem Mitgliede mehrerer naturwissenschaftlichen
-Gesellschaften u. s. w.</p>
-
-<p class="center p2">Schneeberg und Schwarzenberg.<br />
-Verlag und Druck von Carl Moritz Gärtner.<br />
-1886.
-</p>
-<hr class="chap" />
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_iii">[iii]</a></span></p>
-
-<h2 id="Vorwort">Vorwort.</h2>
-</div>
-
-<p class="drop">In einer Zeit, da sich die Teilnahme weiterer Kreise dem Erzgebirge,
-seiner Natur und dem auf demselben pulsierenden Volksleben
-zugewandt hat, verdienten gleich den Sitten und Gebräuchen und den
-schlichten Volksliedern auch die Sagen gesammelt und zu einem Ganzen
-vereinigt zu werden. Besitzen doch andere deutsche Gebirge schon längst
-ihre Sagensammlungen. Zwar haben bereits in den Jahren 1822 und
-1824 Dietrich und Textor zwei Bändchen erzgebirgischer Sagen herausgegeben;
-niemand aber, der diese 22 Nummern starke Sammlung kennt,
-wird behaupten wollen, daß uns in derselben ein wirkliches Sagenbuch
-des Gebirgs geschenkt wurde. Einem solchen haben in anerkennenswerter
-Weise Gräße und Ziehnert durch ihre sächsischen, Grohmann,
-Bernau, Wenisch und andere durch ihre böhmischen Sagen vorgearbeitet,
-und ebenso bieten Chroniken und die periodische Litteratur viel
-zerstreutes Material, das mit den immer spärlicher werdenden mündlichen
-Überlieferungen zu einem erzgebirgischen Sagenbuche vereinigt
-werden mußte.</p>
-
-<p>Das Erzgebirge ist ein völlig abgeschlossenes Ganzes, dessen südliche
-Grenze von den Teplitzer und Komotauer Kohlenmulden und dem Egerthale
-bis Mariakulm gebildet wird. Dabei haben wir das sogenannte
-»Elstergebirge«, welches geologisch jedoch keine Selbständigkeit beanspruchen
-kann, sondern als nordöstlicher Ausläufer des Fichtelgebirgs
-zu betrachten ist und dasselbe unmerklich mit dem Erzgebirge verbindet,
-von letzterem abgetrennt. Der quellenreiche Abhang des Schönecker
-Schieferplateaus mit seinen tief eingeschnittenen Thälern und steilen Abhängen
-trägt jedoch so unverkennbar den erzgebirgischen Charakter an sich,
-daß wir dasselbe auch in unser Sagengebiet mit eingeschlossen haben.
-In Böhmen würde der gegen Schönbach gekehrte Abfall und der Leibitschkamm
-mit den Mariakulmer Bergen die westliche Grenze bilden.
-Von dem Schönecker Plateau ist dieselbe dann weiter über Falkenstein
-und Auerbach ins Göltzschthal und von dort an der Westgrenze der
-Kirchberger Granitinsel über Irfers- und Hauptmannsgrün bis in die
-Gegend von Neumark und an der Pleiße abwärts nach Frankenhausen
-bei Crimmitschau zu ziehen. Da das erzgebirgische Becken in
-vorliegender Sagensammlung ebenfalls berücksichtigt worden ist, so verläuft<span class="pagenum"><a id="Seite_iv">[iv]</a></span>
-die Nordgrenze des Gebiets nordöstlich von Crimmitschau über
-Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Oberrabenstein, etwas nördlich an
-Chemnitz vorüber nach Frankenberg, Hainichen und Siebenlehn nach
-Nossen. Die Ostgrenze zieht sich von Nossen über Tharand, den Wilisch
-nach Gottleuba und von da bis nahe an die Tyssaer Wände, westlich
-vom hohen Schneeberge fort. Obschon diese östliche Grenze gewöhnlich
-von Nossen aus über Grillenburg nach Dorfhain und Seifersdorf südlich
-von Tharand und Rabenau gezogen wird, so glaubte der Verfasser
-doch beide letztgenannten Orte mit einschließen zu müssen, da der bis
-an die Weißeritz sich fortsetzende Tharander Wald nur als ein letzter
-Ausläufer des Erzgebirges anzusehen ist.</p>
-
-<p>Im Jahre 805 zog ein Teil des Heeres bei dem Feldzuge, welchen
-König Karl, Kaiser Karls des Großen Sohn unternahm, über
-»Fergunna«, d. h. das Waldgebirge, worunter jedenfalls das Erzgebirge
-als ein Glied des Ptolemäischen Sudetengebirges, verstanden werden
-muß. Unser vaterländisches Gebirge war zu jener Zeit noch unbewohnt
-und dunkler Nadelwald bedeckte dasselbe. Im 10. und 11. Jahrhunderte
-tritt daher der Name »Miriquidi«, d. h. Schwarzwald, für dasselbe
-auf, welcher jedoch auch den Colditzer Wald, nicht aber das östliche
-Erzgebirge umfaßte. In den darauf folgenden Jahrhunderten
-finden wir des Erzgebirges nicht besonders gedacht, denn der Anbau
-schritt auf demselben nur sehr sparsam fort. Gegen Ende des 15.
-Jahrhunderts aber begegnet man neben den Bezeichnungen »böhmisches
-Gebirge« und »böhmischer Wald« vereinzelt bei Petrus Albinus auch
-dem Namen »Erzgebirge«, womit jedoch nicht das ganze Gebirge, sondern
-nur die Gegenden bezeichnet wurden, in denen Bergbau getrieben
-ward. Selbst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die
-letztere Bezeichnung noch nicht recht eingebürgert, obschon wir jetzt bereits
-dem Ausdrucke »erzgebirgischer Kreis« begegnen.</p>
-
-<p>Aus dem »Waldgebirge« war im Laufe der Jahrhunderte ein
-»Erzgebirge« geworden; ehe aber dieser Name allgemeinen Eingang
-in der geographischen Litteratur gefunden hatte, waren schon längst
-die ersten Gruben zur Erzgewinnung im Betriebe. Wenn auch die
-slavischen Bewohner an dem Fuße des Gebirges in den Sudpanien
-Daleminzi und Chutizi, welche letztere sich selbst in die Thäler des alten
-Miriquidi hinaufzog, vorherrschend Ackerbau trieben, so haben sie doch
-als nicht ungeschickte Metallbearbeiter jedenfalls auch Erze gesucht.
-Der älteste erzgebirgische Bergbau bezog sich vielleicht nur auf die Gewinnung
-von Zinn-, Kupfer- und Eisenerzen, und erst später trat der
-Silberbergbau hinzu. Letzterer veranlaßte die Gründung Freibergs in
-der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Damals kamen unter ihrem<span class="pagenum"><a id="Seite_v">[v]</a></span>
-Vogte Hermann von Gowische Harzer Bergleute, und fortgesetzt hat dann
-der Zuzug in unser Gebirge, auch aus der bayrischen Oberpfalz, dem
-Fichtelgebirge und Bezirke von Eger fortgedauert. Schon um das Jahr
-1000 hatten Einwanderungen Deutscher in die oben genannten slavischen
-Gaue stattgefunden und es wurden damals Orte, wie Sachsenfeld,
-Sachsengrün, Frankenstein, Frankenberg, Frankenhausen u. s. w.
-gegründet, welche in ihren Namen noch die Erinnerung an diese ersten
-deutschen Ansiedler erhalten haben. Ebenso weist die Übereinstimmung
-von Ortsnamen in der Eibenstocker Gegend mit solchen im egerschen
-Bezirke und in Bayern oder im Harze auf frühere Einwanderungen
-hin. Vermutlich wurde z. B. auch gegen das Ende des 15. Jahrhunderts
-das Dorf Bermsgrün von Blechschmieden aus dem Fichtelgebirge,
-welche das damals entstandene Hammerwerk Erla hinzog, angelegt;
-soll doch vor ungefähr 40 bis 50 Jahren der dortige Dialekt noch
-manche Ähnlichkeit mit dem im bayrischen Fichtelgebirge gesprochenen
-gehabt haben, ebenso wie der Chronist von Bockau, <em class="antiqua">M.</em> Georg Körner,
-in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf eine Verwandtschaft der
-Mundart in der Eibenstocker Gegend mit derjenigen bei Eger hinweist.
-Durch die Gründung der Bergstädte seit Ende des 14. (1395 Geyer),
-hauptsächlich jedoch im 15. (Altenberg, Schneeberg, Annaberg) und
-vielleicht auch im 16. Jahrhunderte (Hohenstein, Marienberg) wurden
-viele Familien von auswärts zur Niederlassung in unserm Gebirge
-veranlaßt; einzelne derselben gründeten selbst neue Orte, wie Blauenthal,
-welches seinen Namen der Nürnberger Familie Blaue verdankt,
-deren Glieder durch die Zwitterzechen in die dortige Gegend gezogen wurden.</p>
-
-<p>Bei Beachtung dieser allmählichen Besiedelung des Erzgebirges
-darf man sich nicht wundern, wenn unsere Volkssagen vielfach an solche
-des Fichtelgebirges und Harzes oder Thüringens erinnern, da es sehr
-wahrscheinlich ist, daß Berg- und Hüttenleute dieselben aus ihrer alten
-Heimat mitbrachten und mit Plätzen ihrer neuen Heimat verknüpften,
-wie ja auch Berge, Bäche und neugegründete Orte mit Namen belegt
-wurden, welche das Andenken an die heimatlichen Fluren erhalten sollten.</p>
-
-<p>Das Gesagte gilt in erster Linie von den Spuk- und Gespenster-
-sowie Dämonen- und Schatzsagen. Auffällig könnte dabei erscheinen,
-daß die Sagen von der während der Weihnachtszeit umherziehenden Frau
-Holle oder Perchtha, welche im Vogtlande und Thüringen, im nördlichen
-Franken über die Rhön hinaus, in der Wetterau bis zum Westerwalde
-und im Egerlande heimisch sind, im Erzgebirge gänzlich fehlen.
-Mutmaßlich sind dieselben aber hier wieder verloren gegangen, da für
-ihr einstmaliges Vorhandensein manche abergläubischen Meinungen und
-Gebräuche sprechen. <em class="antiqua">Dr.</em> M. Spieß teilt z. B. mit, daß man nach<span class="pagenum"><a id="Seite_vi">[vi]</a></span>
-dem Volksglauben im sächs. Obererzgebirge während der Zwölfnächte
-nicht klöppeln dürfe, weil die Klöpplerinnen ihre Spitzen beschmutzen
-würden, daß man die Reste von Speisen in der Christnacht auf dem
-Tische stehen, oder wenigstens das in ein Tischtuch eingeschlagene Brot
-daselbst liegen lasse, und daß man die Tenne in der Scheune sorgfältig
-reinige, weil die Abgeschiedenen (die Götter) um Mitternacht
-dort tanzen sollen u. s. w. (Sitten und Gebräuche des sächs. Obererzgebirges,
-1862. S. 7&ndash;9.)</p>
-
-<p>Neben den jedenfalls aus andern deutschen Landschaften in unser
-Gebirge eingewanderten Sagen entstanden in demselben auch neue und
-ihm eigenartige. Schlummert doch die Phantasie nirgends und zu
-keiner Zeit, und so läßt sich die Sagenbildung selbst bis in die Gegenwart
-verfolgen. Ein Beispiel möge dies beweisen. Als vor einigen
-Jahren die seit Jahrhunderten verlassen gewesenen Baue des St. Georg
-zu Schneeberg wieder aufgeschlossen wurden, fand man in den Erd-
-und Gesteinsmassen neben zahlreichen Werkzeugen auch ein kleines gußeisernes
-Männchen. Dasselbe stellt eine harlekinartige Figur vor, welche
-vielleicht ein Musikinstrument in den Händen hielt und wahrscheinlich
-von einem der Trinkgefäße abbrach, die 1477 auf den bekannten
-Silbertisch Herzog Albrechts gestellt wurden. Als man bald nachher
-im St. Georg auch reiche Silbererze fand, da erzählten die Bergleute,
-das Männchen habe so gelegen, daß es mit seinem ausgestreckten linken
-Arme dorthin gezeigt habe, wo man diese Erze suchen müsse.
-Der den Bau leitende Beamte habe dieses Zeichen wohl verstanden.
-Wenn man nun weiß, daß der betreffende Beamte die kleine Figur
-gar nicht gefunden hatte, sondern daß man ihm dieselbe erst einige
-Tage später übergab, so wird man zugestehen müssen, daß hier die
-dichtende Phantasie der Bergknappen etwas schuf, was sich vielleicht
-nach Jahrzehnten den älteren Volkssagen von wunderbaren Anzeichen
-auf verborgene Schätze ebenbürtig an die Seite stellen dürfte.</p>
-
-<p>Wie hier die Phantasie sich einer historischen Thatsache bemächtigt
-hat, so thut sie dies auch in anderen Fällen, sie dichtet zu eigentümlich
-klingenden Namen wunderbare Sagen und so werden einzelne
-Felsen, Höhlen, Berge und die Reste alter Schlösser durch den poetischen
-Sinn der Bewohner gleichsam verschönt.</p>
-
-<p>Jeder Erzgebirger, der seine Heimat lieb hat, sollte sich daher
-auch ihrer Sagen freuen und diejenigen, welche noch aus der Kinderzeit
-in seine alten Tage hinüberklingen, treu bewahren.</p>
-
-<p>Die vorliegende Sagensammlung will ihm dabei zu Hülfe kommen
-und ihn mit dem Schatze dessen, was unser Volk gedichtet hat, bekannt
-machen, halb Vergessenes wieder auffrischen und ihm zeigen, daß in<span class="pagenum"><a id="Seite_vii">[vii]</a></span>
-manchem, worüber er vielleicht gelächelt und was er nur als der kindlichen
-Einfalt zusagend angesehen hat, oft ein tiefer Sinn ruht.</p>
-
-<p>In den Volkssagen, wie</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»in des Volkes Kindermund, in Lied und Spruch der Alten,<br /></span>
-<span class="i0">da rauscht manch frischer Weisheitsquell wie aus Granites Spalten.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Es gab eine Zeit, und sie ist vielleicht nicht völlig vorüber, da
-glaubte man die einfachen Stoffe, wie solche im Munde des Volkes
-lebten und noch leben, durch Zuthaten ausschmücken zu müssen. In
-diesen Fehler sind z. B. die bereits genannten Sammler Dietrich und
-Textor verfallen, in deren Erzählungen es vielfach schwierig ist, den
-eigentlichen Kern aus der novellistischen Umhüllung herauszuschälen;
-auch die in metrischer Form wiedergegebenen Sagen Ziehnerts haben
-gerade dadurch ihren Duft verloren. Der Herausgeber der vorliegenden
-Sammlung vermied aber möglichst jede der ursprünglichen Überlieferung
-fremde Ausschmückung, selbst auf die Gefahr hin, daß er damit
-dem verbildeten Geschmacke manches Lesers keinen Gefallen erwies.
-Er beherzigte vielmehr die Worte, welche die Brüder Grimm ihren
-»Deutschen Sagen« voranschicken und die kurz und bündig aussprechen,
-was von einer Sagensammlung verlangt wird. Sie lauten: »Das
-erste, was wir bei Sammlung von Sagen nicht aus den Augen gelassen
-haben, ist <em class="gesperrt">Treue</em> und <em class="gesperrt">Wahrheit</em>. Die ungenügsamen Gebildeten
-haben nicht bloß die wirkliche Geschichte, sondern auch das
-gleich unverletzliche Gut der Sage mit Unwahrheiten zu vermengen,
-zu überfüllen und überbieten getrachtet. Wir haben arme Sagen
-nicht reich machen mögen, weder aus einer Zusammenfügung mehrerer
-kleinen, wobei zur Not der Stoff geblieben, Zuschnitt und
-Färbung aber verloren gegangen wäre, noch gar durch unerlaubte,
-fremde Zuthaten, die mit nichts zu beschönigen sind.« Schlicht und
-einfach erzählt das Volk und in gleicher Form müssen auch seine
-Sagen der möglichen Vergessenheit entrissen werden. Daß mich bei
-der vorliegenden Sammlung einzelne meiner Schüler unterstützten,
-welche in dem Elternhause manche Sage hörten, die mir vielleicht entgangen
-wäre, habe ich mit Dank anzuerkennen, und ebenso gebührt
-allen andern, welche mir in gleicher Weise behülflich waren, mein verbindlichster
-Dank, auch wenn ihre Namen, die mir nach der Aufzeichnung
-der mündlichen Mitteilungen nicht mehr in der Erinnerung
-geblieben waren, hie und da fehlen sollten.</p>
-
-<p>Das Sagenbuch des Erzgebirge berücksichtigt, wie sich ja schon
-aus der vorangeschickten Umgrenzung des Gebietes ergiebt, neben dem
-sächsischen auch den böhmischen Teil des Gebirgs. War doch das
-Volksleben in den früheren Jahrhunderten, denen wohl die meisten<span class="pagenum"><a id="Seite_viii">[viii]</a></span>
-Sagenstoffe entstammen, auf beiden Seiten ein im wesentlichen gleiches
-und haben ja auch die politischen Grenzen mehrfach sich verändert, so
-daß Bezirke, die früher zu Böhmen gehörten, jetzt sächsisch sind, und
-umgekehrt. Ich stellte mich hier auf denselben Standpunkt wie andere
-Sagensammler, die allgemein thüringsche oder lausitzsche Sagen
-u. s. w. veröffentlichten.</p>
-
-<p>Den einzelnen Abteilungen des Sagenbuches sind einleitende Worte
-vorausgeschickt und vielen einzelnen Sagen Bemerkungen beigefügt
-worden, in denen für diejenigen, welche sich mit spezieller Sagenforschung
-nicht befaßt haben, einerseits auf die mythologische Bedeutung
-vieler Sagen oder auf verwandte Überlieferungen in andern deutschen
-Gebieten hingewiesen, in denen aber auch auf einzelne historische
-Thatsachen aufmerksam gemacht wird, um die betreffenden
-Sagen als das hinzunehmen, was sie sind: Erzeugnisse der Phantasie
-und Poesie, welche sich nur an historische und zum Teil wieder vergessene
-Ereignisse anlehnen. Der Fachgelehrte bedarf selbstverständlich
-der Anmerkungen nicht.</p>
-
-<p>Da es schwer ist, in allen Fällen die Sage von der wirklichen
-Geschichte zu trennen, so sind auch einzelne Stoffe aufgenommen worden,
-welche als bloße chronikalische Nachrichten aufgefaßt werden können,
-obschon ihnen ein, wenn auch nur schwacher Schimmer des dichtenden
-Volksgeistes anhaftet. Dies gilt besonders von den sogenannten Ortssagen,
-von denen einige vielleicht auch einen Platz in einem andern Abschnitte
-hätten finden können. So dürfte z. B. <a href="#sec329">No. 329</a>, welche Sage
-freilich, was hier gleich bemerkt sein mag, durch ein Versehen mit eingereiht
-wurde, da dieselbe streng genommen nicht mehr in das am
-Eingange abgegrenzte Gebiet gehört, unter den Göttersagen an keinem
-unrechten Platze sein. Über solche Einzelheiten und ebenso über die
-Gruppierung der Sagenstoffe können ja die Meinungen aneinander
-gehen.</p>
-
-<p>Möge nun das Buch recht viele Freunde finden und möge es,
-wie bereits ein Rezensent aussprach, dazu beitragen, »daß die Freude
-an Herkommen und Vergangenheit uns wieder wie unsern Altvorderen
-zu eigen werde, damit wir selbst wieder mit unserer Scholle verwachsen
-und in unserer Heimat heimisch werden, wie es von jeher deutsche
-Art und Sitte war.«</p>
-
-<p class="center">
-<b>Schneeberg</b>, den 16. Juni 1886.</p>
-<p class="right">
-<em class="antiqua">Dr.</em> Köhler.
-</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_ix">[ix]</a></span></p>
-
-<h2 id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis.</h2>
-</div>
-
-<table summary="Inhalt">
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap1">I.</a> Göttersagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec1">1.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec2">2.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Slavengott Ladon.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec3">3.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Crottendorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec4">4.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Crodensee in Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec5">5.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Götze Crodo bei Meerane.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec6">6.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Herdabild bei Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec7">7.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der heilige Hain bei Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec8">8.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der heilige Hain in Weißbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec9">9.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec10">10.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Taufstein bei Ober-Crinitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap2">II.</a> Sagen von Spukgeistern und Gespenstern.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec11">11.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das wütende Heer bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec12">12.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das wütende Heer bei Weißbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec13">13.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec14">14.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die wilde Jagd bei Komotau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec15">15.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der wilde Jäger bei Karlsfeld.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec16">16.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der wilde Jäger bei Schönlinde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec17">17.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der wilde Jäger bei Neustadt b. Falkenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec18">18.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der graue Jäger auf dem Tossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec19">19.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Waldschütz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec20">20.</a></td>
- <td class="tdtoc">Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec21">21.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Jäger ohne Kopf im Hofbusche bei Schlettau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec22">22.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec23">23.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec24">24.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Reiter bei Waschleite.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec25">25.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec26">26.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der kopflose Reiter bei Bernsbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec27">27.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec28">28.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Panzerreiter zu Stollberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec29">29.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec30">30.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geisterschloß bei Bockau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec31">31.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Spuk an der Straße bei Albernau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec32">32.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec33">33.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau zu Neustädtel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec34">34.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau zu Venusberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec35">35.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec36">36.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec37">37.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau am Brautstock bei Altenberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_x">[x]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec38">38.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau auf Schloß Scharfenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec39">39.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau in Unterchodau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec40">40.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau in Premlowitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec41">41.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau des Hohen Steins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec42">42.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec43">43.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec44">44.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec45">45.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner Walde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec46">46.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec47">47.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Jungfrau des Lautersteins bei Zöblitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec48">48.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec49">49.</a></td>
- <td class="tdtoc">Verwünschte Schloßfräulein hängen Wäsche auf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec50">50.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Jungfrau auf dem Braunsteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec51">51.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schön-Jungferngrund bei Oberwiesenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec52">52.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Jungfrau des Pürsteins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec53">53.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Fräulein des Schlosses Rabenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec54">54.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec55">55.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec56">56.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Jungfrau des Grauensteins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec57">57.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die eifersüchtige tote Frau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec58">58.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec59">59.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Verstorbene verhilft ihrer Tochter zu ihrem Rechte.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec60">60.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec61">61.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec62">62.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec63">63.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gespenstische Frauen in Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec64">64.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die alte Frau in der Isenburg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec65">65.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Fegeweib vom Katzensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec66">66.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec67">67.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec68">68.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Katzenhans und seine Genossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec69">69.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Rachhals in Aue.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec70">70.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Hammergespenst.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec71">71.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der unheimliche Hansmichel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec72">72.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der rote Hohensteiner.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec73">73.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Freier auf Hartenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec74">74.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Mönch bei Grünhain.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec75">75.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzelle.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec76">76.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Mönch in Komotau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec77">77.</a></td>
- <td class="tdtoc">Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec78">78.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Laternenmann in <span id="corr-x">Alberode</span>.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec79">79.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec80">80.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec81">81.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Mordgespenst bei Stützengrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec82">82.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec83">83.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Feuermann von Komotau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec84">84.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Mann mit dem Lichte bei Pobershau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec85">85.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der schwarze Mann zu Königswalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec86">86.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xi">[xi]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec87">87.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schamprich zu Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec88">88.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der schwarze Mann des Jüdensteins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec89">89.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec90">90.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec91">91.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Einsiedler im Thale der roten Weißeritz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec92">92.</a></td>
- <td class="tdtoc">Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec93">93.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec94">94.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec95">95.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Gespenst in einer Halde in Pobershau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec96">96.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die sieben Ruten bei Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec97">97.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der böse Seidelmann in den Sechsruten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec98">98.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Baslerfels bei Platten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec99">99.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der böse Graf von Wildenfels.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec100">100.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hirse zählende Verbannte.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec101">101.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt um.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec102">102.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der alte Turm in Tannenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec103">103.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec104">104.</a></td>
- <td class="tdtoc">Spuk auf dem Braunsteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec105">105.</a></td>
- <td class="tdtoc">Spuk auf dem Grauensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec106">106.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec107">107.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und Zschorlau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec108">108.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße bei Scheibenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec109">109.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec110">110.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Erlösung.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec111">111.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec112">112.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec113">113.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec114">114.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec115">115.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Kirchenbau zu Pritschapel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec116">116.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der große Bergsturz zu Altenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec117">117.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und Komotau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec118">118.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der feurige Hund bei Graslitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec119">119.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec120">120.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec121">121.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das gespenstische Schaf bei Wildenfels.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec122">122.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec123">123.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec124">124.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der schwarze Hund in Grünthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec125">125.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec126">126.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Walkpudel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec127">127.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hüttenmops.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec128">128.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Hase bei Frankenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec129">129.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec130">130.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schindergründel bei Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec131">131.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec132">132.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Puppe von Brand.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec133">133.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec134">134.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die geheimnisvollen Hammerschläge in einem Keller zu Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec135">135.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Klage in den Kohlenschächten bei Bockwa.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xii">[xii]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec136">136.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das gefährliche Feld bei Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap3">III.</a> Dämonensagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec137">137.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zwerge des Hohen Steins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec138">138.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec139">139.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Zwergloch im Scheibenberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec140">140.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec141">141.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zwerge in Schmiedeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec142">142.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zwerge backen Kuchen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec143">143.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Heilingszwerge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec144">144.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Zwergtanz im Kupferhügel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec145">145.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das graue Männlein bei Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec146">146.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das graue Männlein bei Blauenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec147">147.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec148">148.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der graue Zwerg am weißen Steine bei Alberoda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec149">149.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird gestört.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec150">150.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec151">151.</a></td>
- <td class="tdtoc">Spuk der Berggeister u. Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein bei Zöblitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec152">152.</a></td>
- <td class="tdtoc">Berggeister in den Schneeberger Gruben.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec153">153.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist in der Grube Sieben-Schlehen bei Neustädtel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec154">154.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist am Donat zu Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec155">155.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec156">156.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in Neu-Geising.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec157">157.</a></td>
- <td class="tdtoc">Vom Berggeist in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec158">158.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec159">159.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec160">160.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Bergmann in Aue.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec161">161.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec162">162.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec163">163.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Bergmann bei Scheibenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec164">164.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein gespenstischer Bergmann führt irre.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec165">165.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das graue Männchen warnt einen Bergmann.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec166">166.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft« bei Johanngeorgenstadt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec167">167.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec168">168.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist verlangt für reiche Ausbeute eine Pfennigsemmel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec169">169.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist von Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec170">170.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist von Abertham.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec171">171.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec172">172.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Gevattersmann vom Greifensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec173">173.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geschenk des Holzweibchens.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec174">174.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Waldweibchen bei Pobershau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec175">175.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec176">176.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec177">177.</a></td>
- <td class="tdtoc">Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec178">178.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec179">179.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec180">180.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xiii">[xiii]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec181">181.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec182">182.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Holzweibchen im Schönecker Walde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec183">183.</a></td>
- <td class="tdtoc">Buschweibchen in der Umgebung des Hohen Steins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec184">184.</a></td>
- <td class="tdtoc">Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec185">185.</a></td>
- <td class="tdtoc">Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec186">186.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Holzweibel ziehen fort.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec187">187.</a></td>
- <td class="tdtoc">Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec188">188.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Waldgeist bei Pfannenstiel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec189">189.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Feldteufel zu Grumbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec190">190.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Getreideschneider.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec191">191.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hemann im Erzgebirge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec192">192.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec193">193.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec194">194.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Hemännchen bei Graslitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec195">195.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hemann des Rammelsberges.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec196">196.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Heideweibchen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec197">197.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Marzebilla.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec198">198.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Wechselbalg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec199">199.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Mittagsgespenst.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec200">200.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Alp.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec201">201.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Melusina.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec202">202.</a></td>
- <td class="tdtoc">Vom thörichten See bei Satzung.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec203">203.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec204">204.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec205">205.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wassernixe am Hans-Heilings-Felsen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec206">206.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Wassermann flickt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec207">207.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Nix fordert sein Opfer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec208">208.</a></td>
- <td class="tdtoc">Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec209">209.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Nixenwanne und die Nixentaufe des Chemnitzflusses.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec210">210.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Nix im Rabenauer Grunde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec211">211.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Seebergsjungfer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec212">212.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Kobold zu Lauter.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec213">213.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Poltergeist zu Grüna.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec214">214.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Kobold zu Thalheim.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec215">215.</a></td>
- <td class="tdtoc">Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec216">216.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Koboldstein bei Pfaffengrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec217">217.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Kaspar des Greifensteins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec218">218.</a></td>
- <td class="tdtoc">Geist Mützchen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec219">219.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec220">220.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Stückchen vom Pumphut.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec221">221.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Jüdel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec222">222.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schrackagerl.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec223">223.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wehklage.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec224">224.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Winselmutter bei Grünhain.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec225">225.</a></td>
- <td class="tdtoc">Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec226">226.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Staatslaterne bei Geyer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec227">227.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die unheimliche Fackel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec228">228.</a></td>
- <td class="tdtoc">Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec229">229.</a></td>
- <td class="tdtoc">Dämonische Gestalten in einem Teiche bei Scheibenberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xiv">[xiv]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec230">230.</a></td>
- <td class="tdtoc">Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec231">231.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Drache.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec232">232.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec233">233.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das gespenstische Kalb zu Mildenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec234">234.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec235">235.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec236">236.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Riesenrippe zu Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec237">237.</a></td>
- <td class="tdtoc">In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec238">238.</a></td>
- <td class="tdtoc">Große Menschengebeine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap4">IV.</a> Teufelssagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec239">239.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eines Schmiedes Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec240">240.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec241">241.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec242">242.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec243">243.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Teufel erscheint in Freiberg einem Bergmanne.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec244">244.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Teufel ängstigt einen Bergmann.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec245">245.</a></td>
- <td class="tdtoc">Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec246">246.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec247">247.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec248">248.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Teufelsmühle am Wilischberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec249">249.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Käthelstein bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec250">250.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hans-Heilings-Felsen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec251">251.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec252">252.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec253">253.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der versteinerte Kammerwagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec254">254.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie der Teufel Schellerhau verlor.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap5">V.</a> Zaubersagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec255">255.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schwarzkünstler zu Geyer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec256">256.</a></td>
- <td class="tdtoc">Pestzauberei.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec257">257.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zauberelse zu Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec258">258.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Zauberbuch und die gespenstischen Raben.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec259">259.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die unheimlichen Gäste in Werda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec260">260.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Hexen zu Schellenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec261">261.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec262">262.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Hexenloch bei Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec263">263.</a></td>
- <td class="tdtoc">Mittel gegen Zauberei.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec264">264.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Hexe wird erkannt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec265">265.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Hexen am Walpurgisabende.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec266">266.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der wunderliche Katzentanz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec267">267.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec268">268.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec269">269.</a></td>
- <td class="tdtoc">Speisen werden festgemacht.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec270">270.</a></td>
- <td class="tdtoc">Festgemachte werden überwunden.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec271">271.</a></td>
- <td class="tdtoc">Festgemachte werden von ihrem Wesen u. ihrer geheimnisvollen Kraft befreit.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec272">272.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Räuber Hartenknopf bei Zelle ist kugelfest.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec273">273.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Holzmüller von Neudorf.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xv">[xv]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec274">274.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec275">275.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec276">276.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Wunderdoktor zu Permesgrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec277">277.</a></td>
- <td class="tdtoc"><em class="antiqua">Dr.</em> Fausts Höllenzwang.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec278">278.</a></td>
- <td class="tdtoc">Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec279">279.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec280">280.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie das Feuer gebannt wird.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap6">VI.</a> Schatzsagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec281">281.</a></td>
- <td class="tdtoc">Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec282">282.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Schatzkammer am Bärensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec283">283.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatzkeller im Scheibenberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec284">284.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Geldkeller auf dem Greifensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec285">285.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec286">286.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec287">287.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec288">288.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Heinrichsteine bei Platten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec289">289.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz des Seeberges.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec290">290.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Teufelswand bei Blauenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec291">291.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec292">292.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec293">293.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz in der Loh bei Schönau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec294">294.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz auf der Geyersburg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec295">295.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Schätze bei der Prokopikapelle in Graupen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec296">296.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec297">297.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec298">298.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Aberthamer »Fels'l.«</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec299">299.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Tümpelstein bei Klösterle.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec300">300.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Schätze der Burg Niederlauterstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec301">301.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Schätze von Oberlauterstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec302">302.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Silbermann bei Pürstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec303">303.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Schlosse Rabenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec304">304.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec305">305.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz in der Ruine Rechenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec306">306.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz des Tschinnersteines bei Brandau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec307">307.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Heldenberg bei Seifen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec308">308.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz des Braunsteines bei Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec309">309.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der erlöste Herr auf dem Braunsteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec310">310.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec311">311.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz zu Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec312">312.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec313">313.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der weiße Fels bei Bäringen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec314">314.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec315">315.</a></td>
- <td class="tdtoc">Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec316">316.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Eimer voll Silber.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec317">317.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg einen Schatz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec318">318.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec319">319.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Schatzgräber.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xvi">[xvi]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec320">320.</a></td>
- <td class="tdtoc">Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Gold.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec321">321.</a></td>
- <td class="tdtoc">Kutter verwandeln sich in Geld.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec322">322.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die sonderbaren Sägespäne.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec323">323.</a></td>
- <td class="tdtoc">In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec324">324.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec325">325.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec326">326.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec327">327.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec328">328.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec329">329.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Taurasteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec330">330.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im Kaiser-Wilhelmsthale bei Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec331">331.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec332">332.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec333">333.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec334">334.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Kloster Grünhain.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec335">335.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec336">336.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec337">337.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im roten Berge bei Werdau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec338">338.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec339">339.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec340">340.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec341">341.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap7">VII.</a> Wundersagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec342">342.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wunderblume auf dem Schlettenberge bei Marienberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec343">343.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec344">344.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec345">345.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wunderblume des Grauensteins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec346">346.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wunderblume bei Blauenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec347">347.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wünschelrute.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec348">348.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec349">349.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Goldstampfe am Borlasbache.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec350">350.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec351">351.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec352">352.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das alte Schloß bei Schmiedeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec353">353.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec354">354.</a></td>
- <td class="tdtoc">Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec355">355.</a></td>
- <td class="tdtoc">Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec356">356.</a></td>
- <td class="tdtoc">Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec357">357.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Anfang des Bergwerkes St. Briccius am Pöhlberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec358">358.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entstehung Annabergs.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec359">359.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Kapelle zu Frohnau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec360">360.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schweizerzug bei Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec361">361.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec362">362.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Tellerhäuser bei Oberwiesenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec363">363.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die neue Grube bei Preßnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec364">364.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xvii">[xvii]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec365">365.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der goldene Hirsch auf dem Kuhberge bei Stützengrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec366">366.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Eselswiese bei Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec367">367.</a></td>
- <td class="tdtoc">Des Schlackenmannes oder albernen Mannes Loch.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec368">368.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Grube »Himmlisches Heer« bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec369">369.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Alaunsee bei Komotau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec370">370.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gute Brunn zu Nieder-Zwönitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec371">371.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec372">372.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht verloren.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec373">373.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Heilquelle bei Hartessenreuth.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec374">374.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec375">375.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec376">376.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer Serpentins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec377">377.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec378">378.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der dürre Lindenstab.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec379">379.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Galgenbaum bei Blankenhain.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec380">380.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die drei Linden bei Crimmitschau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec381">381.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec382">382.</a></td>
- <td class="tdtoc">Prophezeiung des <em class="antiqua">M.</em> Schütze zu Öderan.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec383">383.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Prophezeiung der Zigeuner.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec384">384.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Eiche bei Hartenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec385">385.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Sylvestersage.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec386">386.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Scharfrichter und sein Schwert.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec387">387.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Traum auf Augustusburg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec388">388.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Kurfürstin Margaretha wird durch einen Traum vor den Prinzenräubern gewarnt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec389">389.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung durch die Schweden.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec390">390.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Geist zeigt eine Mordthat an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec391">391.</a></td>
- <td class="tdtoc">Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec392">392.</a></td>
- <td class="tdtoc">Nächtliches Fallen zeigt den Tod an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec393">393.</a></td>
- <td class="tdtoc">Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec394">394.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec395">395.</a></td>
- <td class="tdtoc">Singen und Klingen verkündet einen Sterbefall.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec396">396.</a></td>
- <td class="tdtoc">Rumoren zeigt einen Todesfall an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec397">397.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der geplagte Polizeidiener.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec398">398.</a></td>
- <td class="tdtoc">Vögel sind Unglücksverkündiger.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec399">399.</a></td>
- <td class="tdtoc">Anzeichen von Feuersbrünsten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec400">400.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec401">401.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec402">402.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Sturm ist Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec403">403.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ungestümes Wetter zeigt Krieg an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec404">404.</a></td>
- <td class="tdtoc">Heulendes Wasser zeigt Unglück an.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec405">405.</a></td>
- <td class="tdtoc">Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec406">406.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec407">407.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec408">408.</a></td>
- <td class="tdtoc">Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec409">409.</a></td>
- <td class="tdtoc">In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec410">410.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der heillose Bäcker in Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec411">411.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Görkauer Maskenhochzeit.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec412">412.</a></td>
- <td class="tdtoc">Meineid wird bestraft.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xviii">[xviii]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec413">413.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der bestrafte Gotteslästerer in Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec414">414.</a></td>
- <td class="tdtoc">Mönch und Kriegsknechte des Teufelsteins bei Lauter.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec415">415.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Oswaldskirche bei Grünhain.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec416">416.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec417">417.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Gottesleugner zu Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec418">418.</a></td>
- <td class="tdtoc">Vorboten der Pest.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec419">419.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec420">420.</a></td>
- <td class="tdtoc">Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec421">421.</a></td>
- <td class="tdtoc">Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec422">422.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec423">423.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec424">424.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec425">425.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec426">426.</a></td>
- <td class="tdtoc">Kreuze fallen vom Himmel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec427">427.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Topf schwitzt zu Öderan Blut aus.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec428">428.</a></td>
- <td class="tdtoc">Blutzeichen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec429">429.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein längst verstorbenes Kind blutet.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec430">430.</a></td>
- <td class="tdtoc">Blutende Geweihe in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec431">431.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein wunderbarer Schuß in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec432">432.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der krumme Schuß in Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec433">433.</a></td>
- <td class="tdtoc">Perlenschoten in Wiesenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec434">434.</a></td>
- <td class="tdtoc">Brot wird aus weißer Erde gebacken.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec435">435.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gottes-Speise bei Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec436">436.</a></td>
- <td class="tdtoc">Körnerregen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec437">437.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec438">438.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Kapelle des St. Jobs in Wiesenbad.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec439">439.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec440">440.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec441">441.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec442">442.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Marienbild bei Klösterle.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec443">443.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Marienbild in Mariaschein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec444">444.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec445">445.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die heilige Georgenfahne zu Tharand.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec446">446.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Wunschfläschchen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec447">447.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec448">448.</a></td>
- <td class="tdtoc">Sieben versteinerte Jungfrauen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec449">449.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie die große Glocke auf der Marienkirche zu Zwickau ihre Stimmung bekommen hat.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec450">450.</a></td>
- <td class="tdtoc">St. Wolfgang zu Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec451">451.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec452">452.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Totenschänder wird entdeckt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec453">453.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in der Marienkirche zu Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec454">454.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec455">455.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Fußtapfen der heiligen Maria.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec456">456.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die heilige Maria im Erzgebirge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec457">457.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der heilige Petrus in Eisenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec458">458.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec459">459.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hengstberg bei Hengstererben.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xix">[xix]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec460">460.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec461">461.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Totenhand in Buchholz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec462">462.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Doppelgänger zu Wiesenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec463">463.</a></td>
- <td class="tdtoc">Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec464">464.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Meteoreisen in Elbogen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec465">465.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Köhler von Klingenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec466">466.</a></td>
- <td class="tdtoc">Vom flinken Knechte zu Rechenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec467">467.</a></td>
- <td class="tdtoc">Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap8">VIII.</a> Völker-, Helden- und Geschlechtssagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec468">468.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von den alten Wenden bei Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec469">469.</a></td>
- <td class="tdtoc">Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec470">470.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Riese Einheer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec471">471.</a></td>
- <td class="tdtoc">Schwanhildis.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec472">472.</a></td>
- <td class="tdtoc">Libussas Tanzplatz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec473">473.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Einsiedel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec474">474.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Rechenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec475">475.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Sebottendorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec476">476.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geschlecht Callenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec477">477.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Familie von Berbisdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec478">478.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Hartitzsch.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec479">479.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Pardubitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec480">480.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Vitzthum.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec481">481.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Wildenfels.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec482">482.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Ortwinsdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec483">483.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Arnim.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec484">484.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Auerswald.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec485">485.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Herren von Bünau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec486">486.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Ritter von Bärenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec487">487.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Lüttichau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec488">488.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Wappenschild der Schönburge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec489">489.</a></td>
- <td class="tdtoc">Woher das Wappen der Herren von <span id="corr-xix">Schönberg</span> entstanden ist.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec490">490.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen sind.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec491">491.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Siebenschläfer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec492">492.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Türkenheide.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec493">493.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Korporallöcher bei Schönau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap9">IX.</a> Ortssagen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec494">494.</a></td>
- <td class="tdtoc">Entdeckung der Freiberger Silbererze.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec495">495.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Anfang der Stadt Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec496">496.</a></td>
- <td class="tdtoc">Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec497">497.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung der Bergwerke bei Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec498">498.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entdeckung der Silbererze des Schneebergs.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec499">499.</a></td>
- <td class="tdtoc">Entdeckung der Altenberger Zwitter.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec500">500.</a></td>
- <td class="tdtoc">Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec501">501.</a></td>
- <td class="tdtoc">Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec502">502.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xx">[xx]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec503">503.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges zu Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec504">504.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec505">505.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec506">506.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec507">507.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Fronleichnamsstollen bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec508">508.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entstehung von Schöneck.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec509">509.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec510">510.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Stiftung des Klosters Altzella.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec511">511.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung von Dippoldiswalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec512">512.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung der Stadt Öderan.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec513">513.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Gründung von Mittelsayda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec514">514.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Gründung des Dorfes St. Michaelis.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec515">515.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec516">516.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ursprung des Dorfes Waschleite.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec517">517.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Dorfes Geyersdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec518">518.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Buchholz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec519">519.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Grünstädtel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec520">520.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec521">521.</a></td>
- <td class="tdtoc">Entdeckung des Karlsbader Sprudels.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec522">522.</a></td>
- <td class="tdtoc">Entdeckung der Heilquellen in Teplitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec523">523.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Namen der Stadt Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec524">524.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Dorfnamens Rittersberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec525">525.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gründung und Name der Stadt Werdau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec526">526.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name der Stadt Frankenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec527">527.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von dem Namen der Stadt Marienberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec528">528.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung und Name von Elterlein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec529">529.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Hermannsdorf (bei Elterlein).</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec530">530.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Crandorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec531">531.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Grünhain.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec532">532.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von dem Namen Hermannsdorf (bei Weißbach).</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec533">533.</a></td>
- <td class="tdtoc">Entstehung des Namens Gottesgab.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec534">534.</a></td>
- <td class="tdtoc">Entstehung des Namens Abertham.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec535">535.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens der Stadt Platten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec536">536.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung und Namensentstehung von Bäringen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec537">537.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec538">538.</a></td>
- <td class="tdtoc">Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec539">539.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Wolkenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec540">540.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec541">541.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name des Schlosses Pürstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec542">542.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec543">543.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec544">544.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec545">545.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Conradsdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec546">546.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von dem Namen des Dorfes Ursprung.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec547">547.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name des Dorfes Wüstenbrand.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec548">548.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name des Dorfes Crossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec549">549.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec550">550.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ursprung des Ortsnamens Silberstraße.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec551">551.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda u. Rechenberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xxi">[xxi]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec552">552.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name des Fleckens Bockau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec553">553.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Ortsnamens Remse.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec554">554.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec555">555.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name der Stadt Sonnenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec556">556.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name der Stadt Falkenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec557">557.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entstehung des Namens Neudeck.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec558">558.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entstehung des Namens Frühbuß.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec559">559.</a></td>
- <td class="tdtoc">Über den Namen des Dorfes Sauersack.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec560">560.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Sorgenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec561">561.</a></td>
- <td class="tdtoc">Name und Ursprung der Stadt Weipert.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec562">562.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec563">563.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec564">564.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec565">565.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jacob.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec566">566.</a></td>
- <td class="tdtoc">Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec567">567.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Dörnthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec568">568.</a></td>
- <td class="tdtoc">Deutung des Namens Weiters-Wiese.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec569">569.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec570">570.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec571">571.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der frühere Name von Lichtenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec572">572.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec573">573.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Predigtstuhl bei Rabenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec574">574.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Brautbett bei Rabenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec575">575.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Katharinenstein bei Lauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec576">576.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Kutte bei Elterlein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec577">577.</a></td>
- <td class="tdtoc">Sechs Brüder bei Geyer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec578">578.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec579">579.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec580">580.</a></td>
- <td class="tdtoc">Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec581">581.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec582">582.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec583">583.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Fastenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec584">584.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Öderan.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec585">585.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Bergnamens »Schweizer«.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec586">586.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Silberbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec587">587.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Höllengrund im Öderaner Walde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec588">588.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec589">589.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Spitzberg bei Pfaffengrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec590">590.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Dreimännerberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec591">591.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec592">592.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec593">593.</a></td>
- <td class="tdtoc">Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec594">594.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Claußberg in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec595">595.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Galgenberg bei Euba.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec596">596.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec597">597.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec598">598.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der letzte Heller und die Teufelskanzel am Schottenberge bei Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec599">599.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec600">600.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von den Namen einiger Brunnen.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xxii">[xxii]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec601">601.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung der Namen verschiedener Zechen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec602">602.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die alte Mordgrube bei Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec603">603.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Pacemmühle bei Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec604">604.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec605">605.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Stadtwappen von Geyer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec606">606.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Wappen der Stadt Kirchberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec607">607.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Stadtwappen von Öderan.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec608">608.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Stadtsiegel von Frankenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec609">609.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Gerichtssiegel von Rabenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec610">610.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Stadtsiegel von Zöblitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec611">611.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Wappen der Stadt Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec612">612.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Wappen der Stadt Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec613">613.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Denkbild zum Stadtwappen von Scheibenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec614">614.</a></td>
- <td class="tdtoc">Siegel der Stadt Dippoldiswalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec615">615.</a></td>
- <td class="tdtoc">Siegel der Stadt Frauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec616">616.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Gemeindesiegel von Olbernhau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec617">617.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Siegel des Dorfes Auerbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec618">618.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wahrzeichen der Stadt Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec619">619.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wahrzeichen Freibergs.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec620">620.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wahrzeichen von Crimmitschau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec621">621.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Wahrzeichen von Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec622">622.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Wahrzeichen von Tharand.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec623">623.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec624">624.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüstung Kraxdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec625">625.</a></td>
- <td class="tdtoc">Breitenau wird entvölkert und Wüstung.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec626">626.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die frühere Größe des Städtchens Platz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec627">627.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec628">628.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal u. Königswalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec629">629.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec630">630.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec631">631.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die wüste Mark Oberopritz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec632">632.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec633">633.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wüste Marken bei Augustusburg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec634">634.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von früheren Vesten bei Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec635">635.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec636">636.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüste Mark Eibendorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec637">637.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüste Mark Nennigkau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec638">638.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wüstungen bei Bärenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec639">639.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wüstungen bei Freiberg und Öderan.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec640">640.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec641">641.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüstung Sahnau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec642">642.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüstung Rappendorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec643">643.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüstung Boberau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec644">644.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec645">645.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die wüste Mark Warnsdorf bei Grillenburg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec646">646.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die ehemalige Burg Sohra.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec647">647.</a></td>
- <td class="tdtoc">Alt-Elbogen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec648">648.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Grillenburg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec649">649.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xxiii">[xxiii]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec650">650.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec651">651.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec652">652.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die ehemalige Lage von Preßnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec653">653.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec654">654.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec655">655.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Peststein bei Rauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec656">656.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec657">657.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec658">658.</a></td>
- <td class="tdtoc">Zeichen auf dem Katzensteine bei Marienberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec659">659.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die zwei Messer zu Eibenstock.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec660">660.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Steinkreuz bei Schlettau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec661">661.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Steinkreuz in Werda bei Falkenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec662">662.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec663">663.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec664">664.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Stein an der alten Frühbußer Straße.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec665">665.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Denkstein in Fürstenwalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec666">666.</a></td>
- <td class="tdtoc">Drei Steinkreuze bei Lößnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec667">667.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec668">668.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die drei Kreuze bei Brand.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec669">669.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Hahnenkreuz bei Görkau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec670">670.</a></td>
- <td class="tdtoc">Beim roten Kreuze in Schmiedeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec671">671.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec672">672.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec673">673.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec674">674.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec675">675.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec676">676.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Marienbild in Maria-Kulm.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec677">677.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec678">678.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec679">679.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Walfischrippen in Zwota.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec680">680.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec681">681.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau ausgewühlt worden.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec682">682.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Glocke von Jahnsgrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec683">683.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec684">684.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec685">685.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die große Glocke in Geyer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec686">686.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Barbarakapelle in der Dippoldiswalder Heide.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec687">687.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Kapelle in Unterwiesenthal.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec688">688.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec689">689.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec690">690.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec691">691.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec692">692.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Domkanzel in Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec693">693.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Donatsturm zu Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec694">694.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Marterturm auf Hassenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec695">695.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Mohr im Schlosse zu Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec696">696.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec697">697.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Eichen zu Callnberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xxiv">[xxiv]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec698">698.</a></td>
- <td class="tdtoc">Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec699">699.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das zürnende Steinbild zu Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec700">700.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec701">701.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schächerhäusel bei Geyer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec702">702.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec703">703.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das wandernde Haus in Zinnwald.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec704">704.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels mit benachbarten Schlössern.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec705">705.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Judenborn zu Sayda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec706">706.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Mühlengrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec707">707.</a></td>
- <td class="tdtoc">Des Keglers Pflaster in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec708">708.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die übermütige Rede eines Schneebergers wird bestraft.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec709">709.</a></td>
- <td class="tdtoc">1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec710">710.</a></td>
- <td class="tdtoc">Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec711">711.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec712">712.</a></td>
- <td class="tdtoc">Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec713">713.</a></td>
- <td class="tdtoc">Historia, wie Silbererz im Holz gewachsen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec714">714.</a></td>
- <td class="tdtoc">Reiche Ausbeute zu Mildenau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec715">715.</a></td>
- <td class="tdtoc">Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec716">716.</a></td>
- <td class="tdtoc">Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec717">717.</a></td>
- <td class="tdtoc">Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec718">718.</a></td>
- <td class="tdtoc">Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec719">719.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Grabmäler der Ritter von Theler.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec720">720.</a></td>
- <td class="tdtoc">Vom früheren Bergbau in Niklasberg und Böhmisch-Moldau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec721">721.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec722">722.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie der Zwickauische Kohlenberg brennend wurde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec723">723.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen Erdfall.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec724">724.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec725">725.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Freiberger Bauernhasen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec726">726.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec727">727.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Märktlein Markersbach.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec728">728.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec729">729.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wittichs Schloß bei Glashütte.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec730">730.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec731">731.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der schwarze Teich auf Henneberg u. der Teufelsstein bei Johanngeorgenstadt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec732">732.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Schloß auf dem Hohen Steine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec733">733.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec734">734.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Raubschloß Sommerstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec735">735.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Raubschloß auf dem Greifensteine.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec736">736.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Räuber auf Schloß Frauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec737">737.</a></td>
- <td class="tdtoc">Schloß Hauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec738">738.</a></td>
- <td class="tdtoc">Burg Neustein bei Görkau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec739">739.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das alte Schloß Mulda.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec740">740.</a></td>
- <td class="tdtoc">Tauben verraten das Schloß Schönfels.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec741">741.</a></td>
- <td class="tdtoc">Schön-Guta von Hassenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec742">742.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die heldenmütige Herrin des Schlosses Hartenberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec743">743.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec744">744.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec745">745.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der treue Haberberger von Freiberg.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xxv">[xxv]</a></span></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec746">746.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem Freidigen das Leben.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec747">747.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec748">748.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec749">749.</a></td>
- <td class="tdtoc">Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Öderan.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec750">750.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« bei Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec751">751.</a></td>
- <td class="tdtoc">Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec752">752.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec753">753.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec754">754.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec755">755.</a></td>
- <td class="tdtoc">Kunigunde Mathesius von Öderan.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec756">756.</a></td>
- <td class="tdtoc">Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec757">757.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Söhne des Ritters Conrad von Theler.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec758">758.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der treue Rat von Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec759">759.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Erfindung des Spitzenklöppelns.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec760">760.</a></td>
- <td class="tdtoc">Cristoph Schürer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec761">761.</a></td>
- <td class="tdtoc"><em class="antiqua">Dr.</em> Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit Gutem.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec762">762.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec763">763.</a></td>
- <td class="tdtoc">Harras der kühne Springer.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec764">764.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec765">765.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Kärrner zu Stollberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec766">766.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec767">767.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei Reichstädt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec768">768.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das steinerne Herz im Schwarzwasser.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec769">769.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec770">770.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec771">771.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Paradies zu Zwickau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec772">772.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec773">773.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec774">774.</a></td>
- <td class="tdtoc">Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins erhielt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec775">775.</a></td>
- <td class="tdtoc">Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratstand gezogen wurde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec776">776.</a></td>
- <td class="tdtoc">Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec777">777.</a></td>
- <td class="tdtoc">Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec778">778.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie das Schnorr'sche Chor in der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg eine Thür von außen erhielt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec779">779.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der erste Klöppel in Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec780">780.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec781">781.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec782">782.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Zipperleinkur in Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec783">783.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec784">784.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Bäuerin in Frohnau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec785">785.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die beiden Brüder zu Frohnau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec786">786.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Mönchskalb zu Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec787">787.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec788">788.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Fichte auf dem Gottesacker zu Annaberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec789">789.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec790">790.</a></td>
- <td class="tdtoc">Woher der Name Preiselbeere stammt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec791">791.</a></td>
- <td class="tdtoc">Was der Name Wismut bedeutet.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec792">792.</a></td>
- <td class="tdtoc">Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec793">793.</a></td>
- <td class="tdtoc">Redensarten.
-<span class="pagenum"><a id="Seite_xxvi">[xxvi]</a></span></td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">a.</em> Zwickau gehört zum Vogtlande.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">b.</em> Der Kas is och darnoch.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">c.</em> Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß nicht wie?</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">d.</em> Man kann die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die schwedischen Truppen.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">e.</em> Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">f.</em> Fägel schweiget seine Gäste.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">g.</em> Toffel, das gilt dir auch mit.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">h.</em> Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">i.</em> Die Schlimmen von Öderan.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">k.</em> Je, daß dich der Bär herze.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">l.</em> Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">m.</em> Redensarten Herzog Georgs.</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">n.</em> Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?</td>
-</tr>
-<tr><td></td>
-<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">o.</em> Anhang. Sprichwörter und Rätsel.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec794">794.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem jetzigen Platze erbaut wurde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec795">795.</a></td>
- <td class="tdtoc">Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec796">796.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec797">797.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec798">798.</a></td>
- <td class="tdtoc">Sprüche von der Stadt Freiberg.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec799">799.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Todaustreiben.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec800">800.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Totenteich bei Tharand.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec801">801.</a></td>
- <td class="tdtoc">Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec802">802.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Streittag der Freiberger Bergleute.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec803">803.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec804">804.</a></td>
- <td class="tdtoc">Strafe für zänkische Weiber.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec805">805.</a></td>
- <td class="tdtoc">Strafe für liederliche Weibspersonen.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec806">806.</a></td>
- <td class="tdtoc">Wie das Lehen gereicht wurde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec807">807.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec808">808.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Bärenprivileg für Lößnitz.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#appendix">Anhang.</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec809">809.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Wegzug der Zwerge.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec810">810.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec811">811.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Schmiedmönch von Thierfeld.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec812">812.</a></td>
- <td class="tdtoc">Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche zu Schneeberg zugemauert wurde.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec813">813.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec814">814.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec815">815.</a></td>
- <td class="tdtoc">Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. (Zu No. 239.)</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec816">816.</a></td>
- <td class="tdtoc">Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu No. 247.)</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec817">817.</a></td>
- <td class="tdtoc">Der Geldkeller auf dem Greifensteine. (Zu No. 284.)</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec818">818.</a></td>
- <td class="tdtoc">Gottesspeise bei Zwickau. (Zu No. 435.)</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdsec"><a href="#sec819">819.</a></td>
- <td class="tdtoc">Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann. (Zu No. 537.)</td>
-</tr>
-</table>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_1">[1]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap1">I.<br />
-Göttersagen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_3">[3]</a></span></p>
-<p class="drop">Von den Höhen des Erzgebirge dehnte sich nordwärts bis in die
-Gegenden von Chemnitz, Mittweida, Freiberg und Tharand der
-Miriquidi d. h. Schwarzwald aus, ein Stück des alten Germanien,
-welches Tacitus als ein Land voll grauser Waldungen oder abscheulicher
-Sümpfe bezeichnet. Auf den dichtbewaldeten Höhen und in den
-düsteren Thälern des Miriquidi wurde in jener Zeit die tiefe Stille
-nur von dem Geheul des Sturmes, dem Rauschen der Gewässer, dem
-Geprassel der zusammenstürzenden Riesenstämme, auf deren vermodernden
-Leibern wieder eine junge Vegetation emporwucherte, und dem Geschrei
-der Vögel und des zahlreichen Wildes unterbrochen; der Mensch
-hielt sich noch von dem unwirtlichen Gebirge fern, da er an seinem Fuße
-im Nord und Süd Raum genug für seine einsamen Wohnungen fand.
-Von der nördlichen Grenze an, ausgebreitet zwischen Saale und Elbe,
-waren die Hermunduren, im jetzigen Böhmen die Markomannen und
-in den südwestlich gelegenen Gauen, im nordöstlichen Baiern und im
-Vogtlande, die Varisker seßhaft. Da, wahrscheinlich schon am Anfange,
-besonders aber im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts unserer
-Zeitrechnung, begann die Erschütterung, das Drängen und Vorrücken
-der Völker. Die slavischen Stämme rückten von Osten her vor. Zwischen
-454 und 495 drangen die Czechen in Böhmen ein und ungefähr
-zu gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend die
-Milczener, Lusitzer, Lutitzier, Obotriten und Sorben bis in die später
-sächsischen, mecklen- und brandenburgischen Länder. Von diesen rückten
-die Sorben oder Serben, deren Name sie ganz besonders als ackerbautreibendes
-Volk bezeichnet, in das spätere Meißnische, und da 531
-von den Franken und Sachsen das mächtige Reich der Thüringer
-vernichtet wurde, westwärts bis zur Saale vor. Die Sorben waren
-demnach die unmittelbar nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi,
-und sie gründeten sehr bald in den fruchtbaren Niederungen und
-Thälern Orte und bebaueten das Land. Aber noch wurde dieses
-Volk von der Ansiedelung auf den rauhen unwirtlichen Waldhöhen
-abgeschreckt, bis endlich nach den langen Vernichtungskämpfen der
-mächtigen deutschen Kaiser im 9. Jahrhunderte, denen die Erbauung
-der Burg Meißen (928 oder 929) folgte, und ganz besonders als unter
-Otto I. die Grafen Hermann Billung und Gero glücklich die letzte
-Erhebung an der niedern Elbe und in den Lausitzen niedergeschlagen, die<span class="pagenum"><a id="Seite_4">[4]</a></span>
-Macht der Slaven völlig gebrochen war. Der Tributpflichtigkeit zu entgehen,
-festhaltend an dem Glauben ihrer Väter, erfüllt mit tiefem
-Haß gegen die christliche Geistlichkeit, welche von ihren Einkünften an
-Getreide und Vieh, Leinwand, Honig und Wachs den zehnten Teil
-forderte, zogen sich nun nach den für ihr Volk unglücklichen Kämpfen
-zahlreiche sorbische Familien in das unfreundliche und von wilden Tieren
-bevölkerte, aber ihnen doch Freiheit und Sicherheit gegen ihre Besieger
-verheißende Erzgebirge zurück, und so wurden bereits gegen Ende des
-10. Jahrhunderts von diesen slavischen Einwanderern daselbst einzelne
-feste Niederlassungen gegründet. Immer höher stiegen sie, vorzugsweise
-wohl in den Thälern und so dem Laufe der Gewässer entgegen,
-auf der nordwestlichen Senkung des Gebirges bis ungefähr zur Linie
-Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda auf. Erst vom 12. Jahrhundert an,
-da das Gebirge durch die Entdeckung reicher Silbererze zum Erzgebirge
-wurde, drangen auch die Deutschen zahlreicher vor, gründeten Städte
-und Dörfer, und das germanische Element verschlang sehr bald die
-slavischen Reste, wo sich dieselben bis dahin noch in einiger Selbständigkeit
-erhalten hatten. Wohl erhielt sich noch, wenigstem am
-Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache, denn im Jahre 1327
-wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer Gerichten und in
-Meißen sogar erst 1424 verboten (Rich. Andree, Wendische Wanderstudien,
-S. 143.); jedoch auch in den höher gelegenen slavischen Ansiedelungen
-wird die Muttersprache nach Berührung mit den später
-vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele slavische
-Worte, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind, von den
-Deutschen festgehalten wurden.</p>
-
-<p>Wenn wir nun vom Erzgebirge übereinstimmend mit dem Vogtlande
-und der Lausitz wissen, daß sich germanische und slavische Bewohner
-in die Kultur des Bodens teilten, daß demnach von beiden
-Volksstämmen mythische Sagen in das Gebirge verpflanzt und im Laufe
-der Jahrhunderte von den nachfolgenden Generationen, wenn auch
-vielfach umgewandelt, festgehalten wurden, so mögen doch die verhältnismäßig
-spät und nur sporadisch gegründeten Niederlassungen eine Ursache
-davon sein, daß wir solche Sagen, denen eine naturreligiöse
-Bedeutung innewohnt, in unserm Gebirge sparsamer, als in den vorhingenannten
-Provinzen mit dem Volksleben verwachsen finden. Besonders
-sparsam sind die eigentlichen Göttersagen, welche uns heidnische
-Gottheiten mit ihren Namen vorführen, oder welche früher geheiligte
-Plätze durch die ihnen innewohnende Poesie gleichsam erklären. Wo
-uns einige deutsche Göttergestalten entgegentreten, da sind dieselben
-jedenfalls durch spätere Einwanderer in unser Gebirge verpflanzt und<span class="pagenum"><a id="Seite_5">[5]</a></span>
-möglicher Weise infolge zufälliger Ähnlichkeiten der neuen Niederlassungen
-mit Orten der verlassenen Heimat auf erstere übertragen worden.
-Dies gilt zunächst von den Ueberlieferungen, welche im Erzgebirge einen
-Götzen Crodo verehrt sein lassen. In Bothes 1492 erschienener »Kroneka
-der Sachsen« tritt zuerst die Nachricht auf, daß man bei Goslar auf
-der Harzburg das Bild eines alten Götzen, mit Namen Crodo, der als
-Krankenhelfer galt, verehrt habe, jedoch wurde später nachgewiesen, daß
-diese Nachricht eine erfundene ist, daß es also einen Sachsengott, der diesen
-Namen führte, nicht gegeben hat. Immer aber ist hierbei erwähnenswert,
-daß eine unserer Volkssagen einen Platz, an welchem der »Krankenhelfer«
-verehrt wurde, in die Nähe von Meerane verlegt, von wo
-aus früher bis zum Anfange dieses Jahrhunderts die sogenannten
-»fahrenden Ärzte« ihre jährlichen, oft sehr weiten Reisen unternahmen.</p>
-
-<p>Bergleute deutscher Abkunft aus dem Harze waren ja, wenn
-wir von dem einige Jahrhunderte früheren Eisenbergbau und den
-hüttenmännischen Arbeiten der Slaven auf der südlichen und nördlichen
-Abdachung des Gebirges absehen (K. Schurig, Beiträge zur Geschichte
-des Bergbaues im sächs. Vogtlande, Plauen 1875, S. 2), die ersten,
-welche im Erzgebirge Bergwerke auf edle Erze anlegten und z. B.
-1171 nach Mollers Chronik von Freiberg die Gründung dieser Stadt
-veranlaßten. Liegt es da nicht nahe anzunehmen, daß durch solche
-Bergleute und andere deutsche Einwanderer aus Baiern und der Oberpfalz
-auch germanische Göttersagen neben anderen Überlieferungen in
-die neue Heimat verpflanzt wurden, in welche ja von ihnen, wie M.
-Körner in seinen Bockauischen Nachrichten (1758, S. 278 und 279)
-nachweist, auch die Benennungen von Bergen und Ortschaften, sowie
-von kleinen Gewässern aus der alten Heimat übertragen wurden?</p>
-
-<p>Weiter verweist die Sage vom Herdabilde bei Zwickau ganz
-deutlich auf die Ueberlieferung von der mütterlichen Gottheit der Erde
-Nerthus (Herda, altnord. Jördh), welche, nachdem sie in ihrem von
-Kühen gezogenen Wagen im Lande umhergeführt worden war und
-frohe Tage und Frieden gebracht hatte, in dem heiligen See auf Rügen
-gebadet wurde. (Grimm, deutsche Myth. 1835, S. 155. Mannhardt,
-die Götter der deutschen und nord. Völker, 1860, S. 316.)</p>
-
-<p>Anders ist es mit zwei slavischen Göttern, welche im erzgebirgischen
-Sagenkreise auftreten, dem Triglav und Ladon. Triglav oder
-Triglas, ein Hauptgott oder vielmehr eine Göttertrias der Wenden,
-welche in Stettin einen der vornehmsten Tempel hatte, wurde als eine
-Person mit 3 Köpfen dargestellt. Bei den Wenden auf Rügen waren
-in ihr die drei Gottheiten Swantowit, Radegast und Prowe vereinigt,
-und daß auch die Slaven an der Mittelelbe, Mulde und Saale eine<span class="pagenum"><a id="Seite_6">[6]</a></span>
-göttliche Trias gehabt haben mögen, ist deshalb anzunehmen, weil die slavischen
-Völkerschaften in den Hauptlehren ihrer Religion größtenteils
-übereinstimmten. (Liebusch, Skythika, 1833, S. 198 und 205.) Unterstützt
-wird diese Annahme durch folgende Mitteilung des Albinus (Meißnische
-Land- und Bergchronik, S. 184 und 149): »Man hat im Lande
-zu Meisen auch, wie ich berichtet bin, an etlichen Orten alte Bilder in
-Stein gehauen mit dreyen Angesichten gefunden. Vnd ist sonderlich zu
-Grimma auff der Brücken eines dergleichen zu sehen gewesen, daran drey
-Angesicht vnter einem Hütlein. Dannen her denn zu achten, daß die Sorben
-diesen Abgott (den Triglas), wie ihre Nachbarn auch geehret«.</p>
-
-<p>Ladon wird in unserer Sage ein Kriegsgott genannt. Nach Liebusch
-(Skythika, S. 155) war Ladon ursprünglich der Mondgott und hieß
-wahrscheinlich als Mondgöttin Lada; dieselbe war in ihrer Funktion der
-russischen Led und der polnischen Leda ähnlich, weshalb man sie mit
-dem Mars verglich; als Mondgöttin war sie zugleich Todesgöttin im
-Kriegskampfe. &ndash; Noch mag erwähnt werden, daß sich auch nach Vernaleken
-eine Erinnerung an den Perun, die slavische Gewittergottheit, in Eisenberg
-auf dem böhmischen Abfalle des Erzgebirges erhalten hat.</p>
-
-<p>Ebenso sparsam wie die Überlieferungen von heidnischen Göttern
-sind diejenigen von Opferplätzen. Der Volksmund nennt bei uns nur
-wenige Haine, welche wir als einst geheiligte Orte ansehen könnten;
-aber weiter liegt die Vermutung sehr nahe, daß der Taufstein bei
-Oberkrinitz, welcher mit seinen Vertiefungen den zahlreichen Opfersteinen
-im Fichtelgebirge und der Lausitz ungemein ähnlich ist, ebenfalls
-in der heidnischen Vorzeit zu gottesdienstlichen Handlungen bestimmt
-war. Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Kalina Ritter von Jäthenstein war auch der
-Berg, welcher heute die Ruinen der Burg Hassenstein bei Sonnenberg
-trägt, einst ein heidnischer Opferplatz, da innerhalb des Schloßhofes
-daselbst Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste nicht selten gefunden
-wurden. (Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg., 1. Heft, S. 19.) Endlich mögen
-noch aus der Gegend des Bergstädtchens Graupen der Rosen- und
-Geiersberg als alte Kultusstätten genannt werden. Wenn nun auch
-Albinus in seiner Meißnischen Bergchronik (S. 98) bei dem Jahre
-932 schreibt: »Die Sorben sind endlich durch die christliche Religion so
-weit gebracht, das sie sich ihrer barbarischen gewohnheit des stehlens
-und raubens geschemet«, so teilt doch wieder Christian Knauth in
-seiner Sorbenwendischen Kirchengeschichte (S. 145) mit, daß der Bischof
-Bruno II. von Meißen den St. Petridom in Bautzen an Stelle einer
-älteren Kirche im Jahre 1213 ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet
-habe, um die Sorben der Lausitz und Meißens zum Christentume zu
-bekehren; denn dieselben »steckten annoch in großer geistlicher Finsternis,<span class="pagenum"><a id="Seite_7">[7]</a></span>
-führten wohl den christlichen Namen, hatten aber keine oder wenige
-Erkenntnis vom Christentum; hingegen waren sie mit heidnischen
-Irrtümern behaftet, lebten heidnisch, und einige mochten auch wohl
-hin und wieder im Verborgenen, in Wäldern und Heiden, ihre heidnischen
-Greuel treiben.«</p>
-
-<p>Diese Stelle wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die im
-Erzgebirge zerstreut lebenden Sorben angewendet werden können; denn
-es ist wohl anzunehmen, daß dieselben bei ihrer Abgeschiedenheit in
-dem einst fast undurchdringlichen Miriquidi noch längere Zeit ihre
-Gottheiten verehrten. Obschon die zuerst von M. Körner ausgesprochene
-Meinung, daß in dem Thale, in welchem sich jetzt das Dorf Bockau
-hinzieht, einst ein slavischer Gott verehrt worden sei, der den Namen
-des Ortes veranlaßte, hinfällig geworden ist, da man Bockau nicht als
-»Gottesdorf« oder »Gotteshain,« sondern als »Buchholz« oder »Buchwald«
-zu deuten hat, so weist doch dafür nach Immisch (Die slavischen
-Ortsnamen im Erzgebirge, 1866) der Name des Dorfes Klaffenbach
-bei Chemnitz, obschon er wie ein deutsches Wort klingt, in seiner Ableitung
-von den slavischen Worten <em class="antiqua">hlowa</em> (oberlaus. wendisch), <em class="antiqua">glawa</em>
-(niederlaus. wendisch), <em class="antiqua">hlawa</em> (czechisch) = Haupt, Kopf und <em class="antiqua">bòh</em> = Gott,
-also in seiner Deutung als »Hauptgott,« auf einen Platz hin, an
-welchem ein slavischer Gott verehrt wurde. Die Geschichte erzählt auch,
-daß im Jahre 892 der Bischof Arno von Würzburg auf der Klaffenbacher
-Höhe, als er den daselbst zum Götzendienste zahlreich versammelten
-Heiden das Christentum predigte und die Messe las, von letzteren ermordet
-wurde (Immisch a. a. O.).</p>
-
-<p>Endlich ist noch auf zwei Plätze hinzuweisen, welche offenbar zu
-gottesdienstlichen Handlungen bestimmt waren; dabei mag es jedoch
-dahin gestellt sein, ob hier slavischen Gottheiten geopfert wurde, oder
-ob die Plätze vielleicht schon einer früheren germanischen Bevölkerung
-zu Kultuszwecken gedient haben. Es sind zwei Steinkreise, von denen
-der eine, auf dem Borberge bei Kirchberg, nur noch zu einem kleinen
-Teile an der Westseite eines Granitplateaus vorhanden ist, während
-der größere Teil im Jahre 1848 abgetragen wurde. Der andere Überrest
-aus dem grauen Altertume ist ein Doppelsteinkreis auf dem
-Burgberge zwischen Mulda und Lichtenberg. Beide Kreise lehnen sich
-hier an einen steil abfallenden Porphyrfelsen, der in der Mitte zu
-einer felsigen Kuppe aufragt, an, und wie auf dem Borberge liegt
-innerhalb der Steinwälle ein in das Gestein gearbeiteter Brunnen, in
-welchem nach der Volkssage das Wasser niemals verschwinden soll.
-Dieser Brunnen heißt an beiden Örtlichkeiten »Jungfernbrunnen.« Es
-gleichen beide Steinkreise, die einzigen, welche zur Zeit in dem Erzgebirge<span class="pagenum"><a id="Seite_8">[8]</a></span>
-bekannt geworden sind, denen in der Lausitz und in Böhmen, so daß
-wohl die Annahme, nach welcher wir es an diesen Orten mit einst den
-Göttern geweihten Plätzen zu thun haben, eine berechtigte ist. Wünschenswert
-wären Nachgrabungen nach etwaiger Asche oder Kohlenresten.</p>
-
-<h3 id="sec1">1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. Zwickau, 1656. S. 79 u. 360.)</p>
-
-<p>In der Hauptkirche zu Zwickau ist des Triglas oder Triglaff
-Kopf zweimal und außer der Kirche an einem Pfeiler noch einmal zu
-finden, das eine Mal mit drei Bärten und die andern zweimal ohne
-Bart. An einem Kopfe sind drei Gesichter mit Augen, Nasen und
-Mäulern. Andere halten diese Bildnisse aber nicht für Köpfe des
-Götzen, sondern meinen, daß man damit das Geheimnis der heiligen
-Dreifaltigkeit in einem göttlichen Wesen habe andeuten wollen.</p>
-
-<h3 id="sec2">2. Der Slavengott Ladon.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 199.)</p>
-
-<p>Der Schloßberg zu Teplitz trug einst eine starke Feste mit
-doppelten Ringmauern, sowie sieben Türmen, welche jene zierten. Bereits
-im achten Jahrhundert aber soll auf dem Berge ein Tempel des
-slavischen Kriegsgottes Ladon gestanden haben.</p>
-
-<h3 id="sec3">3. Ursprung des Namens Crottendorf.</h3>
-
-<p class="source">(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, Dresden 1847, S. 204. Ziehnert,
-Sachsens Volkssagen, Annaberg 1838&ndash;39. III. S. 201. Segnitz,
-Sagen, Legenden etc., Meißen 1839&ndash;54. II. S. 73.)</p>
-
-<p>Der Name des Dorfes Crottendorf würde richtiger »Crodendorf«
-zu schreiben sein, da der Ort seinen Namen dem Götzen <em class="gesperrt">Crodo</em> verdankt,
-welcher am östlichen hohen Gebirge, auf den Klippen der Wolfs-
-und Liebensteine, lange nach Einführung des Christentums noch verehrt
-worden ist. Denn als man im Orte eine Kirche bauen wollte,
-suchte dies der Heidengott in Gestalt des Teufels zu verhindern. Er
-riß das am Tage aufgeführte Mauerwerk in der Nacht wieder ein und
-das Bauholz schleppte er weit bis an das andere Ende des Dorfs.
-Da ging einst ein frommer Priester zu derselben Zeit vorüber, als die
-Bauleute eben beschäftigt waren, den angerichteten Schaden wieder gut
-zu machen. Derselbe segnete das sämtliche Holz und Baumaterial und
-nun mußte der Götze dasselbe in Ruhe lassen, so daß der Bau bald
-vollendet werden konnte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_9">[9]</a></span></p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In der Einleitung ist bereits auf die unhistorische Gottheit Crodo hingewiesen
-worden. Von späteren Schriftstellern wurde dieselbe als ein Mann mit entblößtem
-Haupte, barfuß auf einer Säule stehend und mit einem leinenen Schurze
-umgürtet, in der linken Hand ein Rad, in der rechten einen Wassereimer haltend,
-dargestellt. Anders bildet Großer in seinen Merkwürdigkeiten der Ober- und Niederlausitz
-den Gott ab. Hier erscheint er als ein bekleideter Mann ohne Kopfbedeckung;
-in der einen Hand trägt er einen Korb mit Früchten (?), in der andern erhobenen
-ein Rad; er steht auf einem Fische, welcher auf einer Säule liegt.</p></div>
-
-<h3 id="sec4">4. Der Crodensee in Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Oettel, Hist. von Eibenstock. 1748, S. 5. Oesfeld, Historische Beschreibung
-einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge. 2. Teil 1777, Seite 51.)</p>
-
-<p>Man hat behaupten wollen, daß die Harzländer, welche nach den
-Wenden in die Gegend von Eibenstock gekommen, noch Heiden gewesen
-wären und den Abgott Crodo verehrt hätten, davon auch der Croden- oder
-Crottensee, der obere Stadtteil von Eibenstock seinen Namen haben soll.</p>
-
-<h3 id="sec5">5. Der Götze Crodo bei Meerane.</h3>
-
-<p class="source">(H. Leopold, Chronik von Meerane, S. 9.)</p>
-
-<p>Das Volk bezeichnet den Thalgrund bei Meerane, in welchem
-die Dörfer Götzenthal, Crotenleide und Hainichen und Köthel liegen,
-als einen Ort, wo der Götze Crodo verehrt wurde. Bei Crotenleide
-wurden auch einige Altertümer, nämlich zwei steinerne Hämmer und
-unter uralten Eichen ein Opfertisch, der jetzt im Wechselburger Parke
-steht, ausgegraben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Als der obengenannte Opfertisch wird jene achtseitige, auf vier steinernen
-Unterlagen ruhende Porphyrplatte, welche im Wechselburger Parke der Eulenkluft
-gegenüber aufgestellt ist, bezeichnet. (S. C. Ehrhardt, Ausflüge in das Sächs. Erzgebirge
-1885, S. 40.)</p></div>
-
-<h3 id="sec6">6. Das Herdabild bei Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Voigtlande. 1867, S. 447.)</p>
-
-<p>Nach der Sage soll das Bild der Herda von Rügen in die Zwickauer
-Gegend gebracht worden sein. In dem Schwanenteiche wusch
-man den Wagen der Göttin, und es soll sich ihr Dienst daselbst
-noch lange erhalten haben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wie berichtet wird, befand sich auf einer Insel im Meer ein heiliger Hain
-und in demselben stand ein mit Decken verhüllter Wagen, in welchem die Erdgöttin
-Nerthus (Herda), von Priestern geleitet, von Zeit zu Zeit ihren Umzug hielt. Wenn
-der von Kühen gezogene Wagen mit der Göttin durch das Land fuhr, hörte aller
-Krieg auf und im Frieden freuten sich die Sterblichen. War die Göttin wieder nach<span class="pagenum"><a id="Seite_10">[10]</a></span>
-dem heiligen Hain zurückgekehrt, dann wurde ihr Wagen und sie selbst in einem
-See von Sklaven gewaschen, die dann das Wasser des Sees begrub.</p></div>
-
-<h3 id="sec7">7. Der heilige Hain bei Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Heinr. Gerlach, Kleine Chronik von Freiberg, S. 85.)</p>
-
-<p>Auf der Höhe unweit des »schwarzen Teichs«, zwischen den Seitenthälern
-der Mulde, welche von der Münz- und Waltersbach gebildet
-werden, soll in jener Zeit, da die Sorben in der Gegend von Freiberg
-noch seßhaft waren, ein heiliger Hain gestanden haben, in welchem ein
-Götzenbild aufgestellt war. Man hat in der neuesten Zeit sowohl am
-Gehänge des Münzbachthales, als auch in der untern Waltersbach zu
-Großschirma Streitäxte gefunden.</p>
-
-<h3 id="sec8">8. Der heilige Hain in Weißbach bei Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf der flachen Höhe südlich von der Kirche zu Weißbach, wo man
-vor mehr als hundert Jahren noch die spärlichen Überreste eines Walles sah,
-soll ehemals die Rommels- oder Rummelsburg gestanden haben. Andere
-aber erzählen wieder, daß daselbst ein heiliger Hain der Sorben stand.</p>
-
-<h3 id="sec9">9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 25.)</p>
-
-<p>Wie die alten Heiden ihre Haine, Hahne oder Hagen und Gehege
-gehabt und darinnen ihren Götzendienst verrichtet, so findet man
-auch bei Frauenstein davon eine sattsame Spur vor dem Hainthor,
-das zwischen dem Schloß- und Freibergischen Thor stehet. Allem Ansehen
-nach hat ihr Götze auf dem Platze gestanden, wo jetzt die drei
-Linden stehen, welche zum Andenken an den Abgott und zerstörten Hain
-gepflanzt worden sind. Und weil die Heiden bei ihrem Götzendienst
-sich zu waschen und zu baden pflegten, so ist nicht weit davon der
-Hainteich angelegt. Jetzo nennen es die Frauensteiner das Hahnthor
-und den Hahnteich.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Haine waren bei den germanischen Völkern Orte, an denen sie ihren Göttern
-opferten und Volksversammlungen und Gericht abhielten; es waren heilige Plätze,
-und vielfach wurden an solchen Stellen später christliche Kirchen errichtet. Zu solchen
-heiligen Hainen gehörte jedenfalls auch das »Götzenbüschchen« bei Oelsa bei Dippoldiswalde.
-Ob alle Plätze, welche heute noch den Namen Hain (oder Hahn) führen,
-früher zu gottesdienstlichen Zwecken geheiligt waren, darf wohl als sehr fraglich
-gelten. Von Grünhain meldet allerdings die Sage, daß der nahe Spiegelwald in
-der Sorbenzeit zur Gottesverehrung gedient habe (Schumann, Lex. v. Sachsen, 16 B.<span class="pagenum"><a id="Seite_11">[11]</a></span>
-S. 567); vielleicht bezieht sich diese Angabe besser auf einen heiligen Hain, der sich
-an dem Platze befand, wo jetzt das genannte Städtchen steht.</p>
-
-<p>Am rechten Ufer des Brückenbaches bei Jöhstadt nennt man eine Waldung
-»die alten Haine« oder »die alte Henne«. Im Nassauer Revier giebt es einen
-»breiten Hain« und »Hainwiesen«, und in die obere Freiberger Mulde ergießt sich
-das jedenfalls von dem breiten Haine und den Hainwiesen kommende Hainwässerlein
-(Bahn, Frauenstein, S. 25). Ein »hoher Hahn« oder Hain liegt in der Gegend
-der Morgenleite bei Schwarzenberg. Durch den »großen und kleinen Hain« bei
-Sachsenburg führen der Kirchsteig von Neudörfchen nach Seyfersbach und die Straße
-von Mittweida nach Dresden; eine Waldung bei Geyer heißt der »Hahnrück« (ursprünglich
-Hainrücken). Bei Oberlungwitz existierte früher ein »oberes und unteres
-Hahnholz«; ersteres befand sich an der Stelle des jetzigen Gottesackers zu Ernstthal
-(Gumprecht, Lindenblätter von Oberlungwitz. 1863, S. 15.). Ein »Hainholz« ist
-noch heute westlich vom Hüttengrunde bei Hohenstein auf den Karten namhaft gemacht.
-Außerdem giebt es Ortschaften, deren Namen die Silbe »Hain« enthalten,
-wie Stolzenhain, Altenhain u. a. Vom letzteren Orte vermutet Bahn in seinen
-historischen Nachrichten von Frankenberg (S. 12.), daß daselbst von altersher ein
-starker Verkehr gewesen sei und ein heidnischer Götzenhain gestanden haben müsse,
-welcher von ihm an der Stelle gesucht wird, wo das Vorwerk steht.</p>
-
-<p>Wenn Jacob Grimm (deutsche Mythologie, S. 45.) geneigt ist, die fast überall
-in Deutschland erscheinende örtliche Benennung »heiliger Wälder« auf das Heidentum
-zurückzuführen, so gilt dies vielleicht auch von den Namen »heilige Wiese«
-und »heiliger Born«. Eine heilige Wiese und ein heiliger Born liegen am untern Teile
-des Dorfes Königswalde bei Werdau. (Göpfert, Gesch. des Pleißengrundes, S. 308.)</p></div>
-
-<h3 id="sec10">10. Der Taufstein bei Oberkrinitz.</h3>
-
-<p class="source">(P. Wetzel im »Glückauf,« 1881, No. 7.)</p>
-
-<p>Auf einer unbedeutenden Anhöhe beim Dorfe Oberkrinitz, die früher
-einen schönen Buchenbestand trug, liegt ein unregelmäßig gestalteter
-Granitblock, welcher auf der Oberfläche eine große und fünf kleinere
-künstliche Vertiefungen zeigt. Von den letzteren gruppieren sich vier um
-die große in der Mitte befindliche Vertiefung, welche die Form eines
-Beckens hat, während die fünfte sich an der Rückseite des Steines befindet.
-Nach dem Becken öffnen sich drei kleinere sitzähnliche Aushöhlungen,
-und in eine von diesen mündet wieder ein noch kleinerer
-Sitz. Die Sitze sind so groß, daß Kinder bis zu 10 Jahren bequem
-darin Platz nehmen können, während der auf der Rückseite des Steines
-befindliche Sitz einen etwas größern Umfang hat. Man nennt diesen
-großen Granitblock in der Gegend allgemein den »Taufstein« und erzählt
-sich von ihm folgendes: Als vor langer, langer Zeit das Christentum
-sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte
-die Verehrung des wahren Gottes nur im Geheimen geschehen, da sonst
-die heidnischen Priester den Christen ein sicheres Verderben bereitet hätten;
-besonders aber mußte die Taufe geheim gehalten werden. Deshalb<span class="pagenum"><a id="Seite_12">[12]</a></span>
-suchten die wenigen Christen einsame, tief im Walde versteckte Orte
-auf, wo sie ungesehen und unbemerkt die heilige Taufe vollziehen
-konnten. Zu diesem Behufe wählten sich nun die Glaubensgenossen
-große, auf bewaldeten Anhöhen liegende Steine aus und arbeiteten in
-dieselben ein Becken zur Aufnahme des Wassers, drei Sitze für die
-drei Taufpaten und einen für den Täufling hinein. Der Taufstein
-bei Oberkrinitz soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und
-niemand hat das Becken vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter
-Mann erzählte, er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit
-seinen Freunden das Wasser gänzlich ausgeschöpft, doch als sie am
-nächsten Morgen nachgesehen, sei eine größere Menge Wassers in dem
-Becken zu finden gewesen als vorher, obgleich es die ganze Nacht nicht
-geregnet hatte. Schon oft hätten die Steinmetzen sich an den Stein
-gemacht, um ihn zu zerschlagen und zu verarbeiten, aber der »Uhâmel«
-(Unheimel?), mit dem in der Gegend auch die Mütter ihren Kindern
-drohen, um sie zur Ruhe zu bringen, habe sie stets auf den Arm geschlagen,
-so daß sie von der Arbeit hätten abstehen müssen. Der
-Taufstein werde deshalb jetzt von ihnen in Ruhe gelassen. Noch wird
-erzählt, daß in dem Wasserbecken Geld liege.</p>
-
-<p>Nach einer von Karl Morgenroth novellistisch bearbeiteten Sage
-(Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgegend 1869, No. 12 und 14)
-drangen einst die siegreichen Deutschen in ein verlassenes sorbisches
-Dorf ein, in welchem sie nur den heidnischen Oberpriester, einen silberhaarigen
-Greis, antrafen. Derselbe rief bei ihrem Eindringen den
-Zorn der Götter auf die verhaßten Deutschen herab und empfing dafür
-alsbald den tötlichen Schwertstreich. Sein Enkel aber, welcher in
-der Hütte vergeblich auf ihn harrte, wurde von einem Deutschen an
-Sohnes statt angenommen, um zunächst getauft zu werden und in der
-Taufe statt seines Heidennamens Scop den christlichen Namen Johannes
-zu erhalten. Der junge Sorbe Johannes wurde später Priester und
-als solcher zog es ihn vorzugsweise zu seinen Stammesgenossen hin,
-denen er das Evangelium predigte. Auf seinen Wanderungen durch
-den Miriquidi forschte er nach den ehemaligen Bewohnern seines Heimatortes,
-ohne sie zu finden. Dabei wurde er selbst alt, und als er nun,
-ein Greis geworden, eines Tages an den Platz kam, wo der Taufstein
-liegt, lehnte er sein Haupt ermüdet an den Stein, welcher damals
-von einer alten Eiche beschattet wurde. Bald schlief er ein, und im
-Traume verkündete ihm Gott, daß er in der Nähe der Gesuchten sei,
-und alle zum Christentume bekehren würde. Als nun der Morgen anbrach,
-baute sich Johannes eine Hütte neben dem Steine und stellte in
-derselben ein einfaches Kreuz auf. Eines Tages trat aus dem Walde,<span class="pagenum"><a id="Seite_13">[13]</a></span>
-welcher seine Wohnung umschloß, ein junger Sorbe, der zwar in seinem
-Schrecken, hier jemanden anzutreffen, schnell umkehren wollte, aber durch
-die Freundlichkeit, mit welcher Johannes in seiner eigenen Sprache zu
-ihm redete, bewogen ward, zu bleiben. Es war der Sohn eines sorbischen
-Priesters, den Feinde des letzteren verfolgt hatten. Als sie aber gesehen,
-daß der Flüchtling durch den Sumpf und auf den Hügel, auf
-welchem sich noch heute der Taufstein befindet, eilte, da ließen sie ab,
-denn dieser Platz war als Sitz böser Geister gefürchtet. Von seinem
-Schützlinge, welcher Tage und Wochen lang bei Johannes blieb, erfuhr
-nun letzterer, daß in der Nähe eine slavische Ansiedelung und ein
-Götterhain sei und daß sich der junge Sorbe ebenfalls Scop nannte.
-Es stellte sich heraus, daß beide mit einander verwandt waren. Zuletzt
-sprach der junge Scop das dringende Verlangen aus, ebenfalls
-Christ zu werden und die Taufe von Johannes zu empfangen. Der
-Tag, an welchem die heilige Handlung geschehen sollte, war da, aber
-das Wasser fehlte, denn reines Wasser sollte es sein, und der umgebende
-Sumpf bot nur übelriechendes dar. Die Eiche, unter welcher der Stein
-lag, war noch vom vortägigen Regen naß und ein scharfer Wind ließ
-das Regenwasser auf den Stein fallen, der oben eine Vertiefung hatte,
-also ein Naturbecken war; somit war auch Taufwasser vorhanden.
-Freudig bewegt sagte der Täufling: »Hier ist Wasser, taufe mich!«
-und Johannes that es im Glauben, daß dies nicht der letzte seines Ortes
-sei, den er taufe. So geschah es auch. Johannes begleitete seinen Schützling
-bis zur Hütte des heidnischen Priesters und war später oft ein Gast
-daselbst. Endlich wurde der alte Priester Scop selbst den Lehren des
-Christentums zugänglich, so daß er sich an demselben Orte taufen ließ,
-an welchem sein Sohn die Taufe empfangen hatte. Da nun die übrigen
-Sorben der Ansiedelung sahen, daß kein Opferrauch mehr aus dem
-Götterhaine aufstieg, verwunderten sie sich und forschten nach der Ursache.
-Nachdem sie dieselbe erfahren, wurden sie anfangs mit Zorn
-und Angst, später aber, als sie vernahmen, wie glücklich ihr früherer
-Priester und dessen Sohn geworden waren, mit Sehnsucht nach dem
-neuen Glauben erfüllt. So zog denn eines Tages eine große Menge
-Sorben hinaus nach dem Steine und empfing dort die Taufe. Die
-alten Widersacher des früheren Priesters Scop aber waren zurückgeblieben
-und zündeten unterdeß die Hütten der jungen Christen an. Johannes
-wehrte ihnen, dafür Rache zu nehmen; sie ließen vielmehr die
-Heiden, welche sich 2 Stunden abwärts im Thale ansiedelten und den
-neuen Ort wie den alten nannten, ruhig abziehen. Da geschah es jedoch
-ein Jahr später, daß Blitze auf Blitze niederfuhren und das
-Heidendorf in Asche legten. Die christlichen Stammesgenossen im obern<span class="pagenum"><a id="Seite_14">[14]</a></span>
-Dorfe kamen helfend herbei und von dieser Liebe, welche Böses mit
-Gutem vergalt, wurden die Heiden erwärmt und ebenfalls für das
-Christentum gewonnen. Auch sie wurden an dem Taufsteine in den
-Christenbund aufgenommen. Aus den beiden sorbischen Ansiedelungen
-erwuchsen aber die Dörfer Ober- und Niederkrinitz.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Obschon unsere Sagen bestimmt von einem Taufsteine sprechen und die
-in ihm vorhandene größere Vertiefung als Taufbecken bezeichnen, so glaube ich doch,
-daß der Krinitzer Granitblock ein alter Opferstein ist und habe ich deshalb die sich mit
-ihm verknüpfenden Sagen dem ersten Abschnitte des Sagenbuchs angereiht. Bestimmend
-ist für mich seine offenbare Ähnlichkeit mit Blöcken im Fichtelgebirge, in Schlesien und
-andern Landesteilen, welche von den meisten Archäologen für Opfersteine angesehen, aber
-von dem Volke nicht immer als solche, sondern auch als Richter- und Teufelssitze,
-Teufels- und Hexenschüsseln u. s. w. bezeichnet werden. In den Schüsseln sammelten
-die Priester das Blut der geschlachteten Tiere und zum Opfer bestimmten Kriegsgefangenen,
-um dann vielleicht ihre Hände hinein zu tauchen und das umstehende Volk
-damit zu besprengen. Obschon <em class="antiqua">Dr.</em> H. Gruner (Opfersteine Deutschlands, Leipzig,
-1881) die schüssel- und muldenartigen Vertiefungen als durch Einwirkung von
-Frost und Atmosphärilien, Gletscherthätigkeit oder Wasserstrahlen entstanden erklärt,
-würde doch ihre spätere Benutzung zu Opferzwecken damit nicht ausgeschlossen sein;
-schreibt doch <em class="antiqua">Dr.</em> Gruner (S. 7) selbst: »Daß viele Steine zu solchem Zwecke gedient
-haben, soll nicht bestritten werden.« Unsere zweite Sage vom Krinitzer Taufsteine
-faßt übrigens die Hauptvertiefung ebenfalls als ein Naturbecken auf.</p>
-
-<p>Ganz unwahrscheinlich klingt in der zuerst mitgeteilten Sage die Deutung
-der übrigen Vertiefungen als Sitze für den Täufling und die Taufpaten. Die Täuflinge
-stiegen in der ersten christlichen Zeit wohl durchgängig ins Wasser und wurden
-untergetaucht, später, vom 8. Jahrhundert an, trat das Begießen und Besprengen an
-die Stelle des Untertauchens, obschon sich in der lateinischen Kirche das letztere teilweise
-noch bis ins 13. Jahrhundert erhalten hat. (Hauff, Bibl. Real- und Verbal-Concordanz,
-II. S. 748.) Es wäre dabei allerdings immer möglich, daß man am
-Krinitzer Taufsteine aus dem mittelsten Becken das Wasser geschöpft und damit den
-Täufling besprengt habe. Daraus aber, daß eine der Vertiefungen als Sitz für den
-Täufling bezeichnet wird, ergiebt sich, daß der Taufstein bei Erwachsenen benutzt
-wurde. Wozu dienten dann aber die andern Sitze, da ja wohl bei der Taufe von Erwachsenen
-keine Paten nötig waren? Es kann nämlich angenommen werden, daß
-die Wahl von Paten zugleich mit der Kindertaufe gegen Ende des zweiten Jahrhunderts
-in der christlichen Kirche Gebrauch wurde.</p>
-
-<p>Mir erscheint es darum wahrscheinlicher, in unserm Taufsteine einen heidnischen,
-entweder germanischen oder slavischen Opferstein zu erblicken, und zwar auch
-in Berücksichtigung der Sage von dem dämonischen »Uhâmel,« welcher ihn gegen
-Steinmetzen schützen soll. Von spukhaften Gestalten, welche alte Opfersteine schützen,
-erzählen auch andere Sagen. So befindet sich bei Mukwar auf einem Hügel ein
-Stein, von dem man sagt, daß auf demselben einst geopfert worden ist. Als denselben
-einst ein Arbeiter zerschlagen wollte, sah er auf ihm eine Gestalt in langem,
-weißem Gewande sitzen. Vor Schrecken lief er davon und seit der Zeit hat niemand
-mehr Hand an den Stein zu legen gewagt. (Veckenstedt, Wendische Sagen und
-Märchen. Graz, 1880, S. 431.)</p></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_15">[15]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap2">II.<br />
-Spukgeister- und Gespenstersagen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_17">[17]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Spukgeister und Gespenster sind nach Otto Henne-Am-Rhyn (die
-deutsche Volkssage) die Schatten der Götter; Götter werden zu Gespenstern,
-d. h. zu geisterhaftem täuschenden Trug (Jacob Grimm, deutsche
-Myth. 1835, S. 512), zu Phantomen, welche Menschen verlocken. Aber
-ebenso werden auch Menschen, deren Seelen nach der Sage häufig zur
-Strafe für begangenes Unrecht nicht der Seligkeit teilhaftig wurden, zu Gespenstern,
-und sie müssen nun zwischen Himmel und Erde schweben oder auch
-wohl zu den Stätten wiederkehren, an denen sie einst auf Erden wandelten.</p>
-
-<p>Daß die alten heidnischen Götter zu gespenstischen Wesen wurden,
-erklärt sich aus der Zähigkeit, mit welcher unsere Vorfahren noch lange
-die Erinnerung an jene Göttergestalten bewahrten, obschon diese Erinnerung
-nach und nach in soweit verblaßte, als die ursprünglichen
-Züge sich verwischten und die Begriffe finsterer und abschreckender Gewalten
-an ihre Stelle traten. (Grimm a. a. O., S. 515.)</p>
-
-<p>Als Beweis hierfür ist an erster Stelle <em class="gesperrt">Wuotan</em> (Wodan) oder
-<em class="gesperrt">Odhin</em>, der Herr des Himmels, und somit der Sterne, Wolken und
-Stürme zu nennen. Begleitet von den Walkyren, den Schlachtjungfrauen,
-und den in der Schlacht gefallenen Helden, ritt er auf seinem
-weißen Rosse Sleipnir dahin. Kampf gegen Menschen und Tiere ist
-die Tugend der Helden und darum ziehen letztere auch durch die Wälder,
-um zu jagen, und vor ihnen flüchtet das gehetzte Wild; als
-Geister ziehen sie jetzt durch die Lüfte. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges,
-S. 2.)</p>
-
-<p>Wuotans Zug ist in der Volkssage zum wilden Heer, der Gott
-selbst aber zum wilden Jäger geworden. Begründet wird diese Annahme
-in erster Linie durch skandinavische Sagen und Redensarten;
-so glaubt z. B. der schwedische Bauer im Sturmesgeheul des Gottes
-Jagd mit Rossen und Wagen zu vernehmen, und in Schonen nennt
-man ein nächtliches Geräusch »Odens Jagd«. Ähnlich sagt man in
-Mecklenburg und Pommern, daß »Wode jage«, und in Schwaben
-wird das wilde Heer zum »Wuetes«- oder »Wuotes«-, in Mittel- und
-Süddeutschland aber zum »wütenden Heere«. Und wenn nach einer
-unserer Sagen der wilde Jäger bei Schönlinde mit »hölzernen Hunden,«
-d. h. jedenfalls »Holzhunden« oder Wölfen jagt, so verweisen auch
-letztere auf Odhins Wölfe Geri und Freki, die er nach dem nordgermanischen<span class="pagenum"><a id="Seite_18">[18]</a></span>
-Mythus täglich füttert. So reicht die Sage vom wilden
-Jäger und der wilden Jagd bis in das germanische Heidentum zurück.
-Sie verknüpft sich jedoch nicht nur mit dem Sturmgott Wuotan, sondern
-auch mit anderen Göttern, selbst Göttinnen und Helden. In
-Schwaben wurde noch im 16. Jahrhundert an die Spitze der wilden
-Jagd ein Gespenst mit Namen Berchtold, die männliche Gestaltung
-der Berahta gesetzt, und so mochten auch heidnische Göttinnen, besonders
-die genannte Berahta und Holda, welche einst feierlich durch das
-Land zogen, später nach dem Volksglauben auch das wilde Heer zu
-bestimmten Zeiten anführen. Wenn Frau Holda an der Spitze ihres
-Geisterheeres dahinzog, versah Eckhart mit dem weißen Stabe das
-Amt eines Herolds. Neben Eckhart war nach dem Volksglauben auch
-Dietrich von Bern ein zweiter Held des gespenstischen Zuges, (Grimm,
-a. a. O., S. 522&ndash;524), wenigstens heißt im Bereiche des Erzgebirges
-(bei Schönlinde) der wilde Jäger noch »Banditterch,« ebenso wie er
-in einer oberlausitzischen Sage (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 138)
-»Pan«, d. h. Herr »Dietrich« heißt, der einst ein Raubritter war,
-welcher wegen seiner Frevel zum wilden Jäger wurde. Der Übertragung
-der Sagen von Wuotan als wilden Jäger auf die historische
-Person Dietrichs von Bern wird auch von W. Mannhardt (die Götter
-der deutschen und nordischen Völker, S. 119) gedacht. Der Gotenkönig
-Theodorich, welcher in der Sage als Dietrich von Bern fortlebt, soll, &ndash;
-so ging schon im 12. Jahrhundert die Rede, &ndash; lebend auf einem Rosse
-ins Totenreich geritten sein. In Westfalen und Niedersachsen wird
-dagegen der wilde Jäger auf die historische Person eines braunschweigischen
-Oberjägermeisters namens Hackelbärend oder Hackelberg bezogen,
-der zur Strafe für sein eifriges Jagen als wilder Jäger spuken
-soll. Hackelbärend, d. h. Mantelträger, ist jedoch, wie Jacob Grimm
-vermutet, ein Beiname des Wuotan, denn des Gottes Schultern umhüllte
-ein weiter schwarzer Mantel, wenn er auf seinem Rosse dahinbrauste.
-(Grimm a. a. O., S. 517. Mannhardt, die Götter der deutschen
-und nordischen Völker, S. 108.)</p>
-
-<p>Nach einer erzgebirgischen Sage (aus Karlsfeld) besteht das Gefolge
-des wilden Jägers aus den Seelen von Jägern, welche im Leben
-Übles gethan haben; ähnlich spricht auch der Volksmund in Böhmen
-(Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen und Mähren I., S. 74), daß
-dem wilden Jäger die Seelen der Verdammten in Gestalt von glühenden
-Hühnern folgen, und eine norwegische Sage erzählt, daß diejenigen
-Seelen, welche nicht so viel Gutes thun, daß sie den Himmel, und
-nicht so viel Böses, daß sie die Hölle verdienen, wie Trunkenbolde
-und Spötter zur Strafe bis ans Ende der Welt umreiten sollen.<span class="pagenum"><a id="Seite_19">[19]</a></span>
-(Grimm, a. a. O., S. 525.) Neben denen, die ihre Christenpflicht
-vergessen haben, sollen auch die ungetauft gestorbenen Kinder und die
-eines gewaltsamen Todes Umgekommenen zum Gefolge des wilden
-Jägers gehören, da diese nach einem engherzigen christlichen Dogma
-vom Himmel verschmäht, dem heidnischen Gotte zufallen. (Henne-Am
-Rhyn, a. a. O., S. 530.) Wie bei uns im Erzgebirge hörte
-man auch in der Lausitz beim Durchziehen der wilden Jagd das Anschlagen
-wie von »Dachshunden« (Haupt a. a. O., N. 39.), und diejenigen,
-welche den wilden Jäger anriefen, erhielten bei uns wie in
-der Lausitz und im Harz ein Stück übelriechendes Aas. (Haupt a. a.
-O., No. 144. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 43, 44, 50. Gillwald,
-der Harz in Geschichte und Sage, S. 21.) So hören wir dieselben
-Sagenklänge in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes;
-überall ist das Schattenbild des germanischen Gottes in seinen
-wesentlichen Eigenschaften gleich; denn er zieht wiederholt dieselbe
-Straße, führt die Wanderer in der Nachtzeit irre und ist erzürnt,
-wenn man sein Huh, Huh! oder das Gekläff seiner Hunde nachahmt.
-Daher gilt auch heute das Gebot, sich bei seinem Nahen nieder auf
-die Erde zu werfen und ihn nicht anzurufen, wie dies auch eine durch
-den Kult gebotene Forderung an unsere heidnischen Vorfahren war, wenn
-Gott Wuotan im Sturme durch die Wipfel der Bäume brauste.</p>
-
-<p>Wie die Sagen vom wilden Jäger, dem ähnlich in unserm Gebirge
-der Katzen- und Bachreiter, sowie der unheimliche Hans Michel
-erscheinen, sind auch diejenigen vom Reiter ohne Kopf, der bei uns
-ein Schrecken der Holzdiebe ist, auf Wuotan zurückzuführen. Ein
-Reiter ohne Kopf zieht durch die Waldungen des Saallandes, und
-wenn er junge Leute, welche um Mitternacht auf einem Kreuzwege
-horchten, vertrieb und verfolgte und diese dann glücklich vor ihm
-die Hausthüre verschlossen hatten, so geschah ein schwerer Schlag an
-die Thüre und am anderen Morgen war der tiefe Eindruck eines
-Hufeisens zu sehen. (L. Zapf, a. a. O., S. 4.) Das Hufeisen weist
-uns auf Odhins oder Wuotans Roß hin. &ndash; Fremdartig ists in einer
-unserer Sagen, daß der Reiter ohne Kopf auf schwarzem Rosse sitzt,
-da sowohl dem wilden Jäger als auch Wuotan übereinstimmend sonst
-nur ein weißer oder grauer Schimmel zugewiesen wird; doch trägt
-der Reiter einen schwarzen Mantel und um ihn flattert eine Krähe
-und verkündet den Tod. Einen schwarzen Mantel trägt auch der wilde
-Jäger, welcher am Roßberge in der Schweiz wohnt (Henne-Am
-Rhyn, a. a. O., S. 521), und zu Wuotan als wildem Jäger gesellen
-sich die Totenvögel Eule und Rabe (Mannhardt a. a. O., S. 108);
-letzterer aber wird in dem Volksglauben vielfach auch durch die Krähe<span class="pagenum"><a id="Seite_20">[20]</a></span>
-vertreten. &ndash; Kopflos tritt meist der wilde Jäger auf, wenn ihn der
-Glaube als Geist eines ruhelos umhergehenden Herrn, der das Volk
-durch seine Härte quälte, auffaßt. H. Heine (Sagen, Märchen und
-Bilder aus dem Harze, 1878, S. 55.) bemerkt, daß bei Meißen der
-wilde Jäger ein Mann im grauen Rocke, mit hohen Sporenstiefeln,
-einem Jagdhorne und <em class="gesperrt">ohne Kopf</em> sei, der auf einem Grauschimmel
-reite, und auf der Insel Möen jagt im Grünewalde Wuotan mit einer
-Meute Hunde hoch zu Roß, einen Spieß in der rechten Hand und <em class="gesperrt">das
-Haupt unter dem</em> linken Arme tragend. (Mannhardt a. a. O.,
-S. 153.) &ndash; Die Göttin der Unterwelt war nach dem Glauben der
-Germanen <em class="gesperrt">Hel</em>, nach demjenigen der slavischen Bevölkerung Böhmens
-die <em class="gesperrt">Morana</em>; wenn eine von ihnen erschien, zeigte sie einen Todesfall
-an. Ursprünglich war die Hel wahrscheinlich die Mutter alles
-Lebens, zu der auch alles Leben wieder zurückkehrte. Daher wurde
-sie auf Grund dieser Doppelseite ihres Wesens, in ihrer Eigenschaft
-als Gebieterin über Leben und Tod, halb menschenfarbig, halb schwarz
-vorgestellt, und beide Farben tragen auch noch vielfach nach den Überlieferungen
-der Sage die <em class="gesperrt">verwünschten Jungfrauen</em> und Frauen,
-welche ihre Schattenbilder sind und die teils freundlich, teils feindlich
-in das Leben der Menschen eingreifen. (Henne-Am-Rhyn, a. a.
-O., S. 549.) Die weiße Frau zu Neuhaus erscheint bei fröhlichen
-Gelegenheiten im langen weißen Talar, bei Todesfällen aber in schwarzen
-Handschuhen. Einen Todesfall verkündet auch die weiße Frau zu
-Venusberg. &ndash; Ihre Doppelnatur kennzeichnet sich bei den weißen
-Frauen noch dadurch, daß sie nach der Volksüberlieferung bald als
-blühende schöne Jungfrauen, bald wieder als häßliche alte Weiber erscheinen.
-Ich rechne dazu die Erscheinung am weißen Fels bei Hartenstein,
-welche in ihrer Wandelbarkeit an die schöne Jungfrau am
-Fuße des Nußhardt im Fichtelgebirge erinnert, und die nur dann erlöst
-werden kann, wenn sie von jemandem zu der Zeit, da sie als
-häßliches Weib wiederkommt, auf die Stirne geküßt wird. Man sieht
-sie zuweilen mit einem Rechen an der Sonne Flachsknoten ausbreiten,
-und dadurch erinnert sie an die <em class="gesperrt">Hulda</em> oder Frau <em class="gesperrt">Holle</em>, die freundliche
-Göttin, welche den Flachsbau beschirmte und die fleißigen Spinnerinnen
-belohnte, die faulen aber bestrafte. Zur Weihnachtszeit hielt
-sie ihre Umzüge, aber sie fuhr auch nach anderen Überlieferungen,
-ihrer ursprünglichen Natur entgegen, auf einem Wagen mit dem wilden
-Heere schreckhaft durch die Lüfte, und Hexen bildeten dann ihre
-Gesellschaft. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 554.) Ihre abgeschwächten
-Abbilder sind vielleicht die zwei Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins,
-die in feuriger Kutsche mit dergleichen Pferden umherfahren und<span class="pagenum"><a id="Seite_21">[21]</a></span>
-dann im Röthelsteine verschwinden; beide erscheinen zuweilen in schwarzen
-Kleidern. &ndash; Hexenähnlich erscheint uns auch das Fegeweib des
-Katzensteins, das mit einem Besen die durch die Luft fliegenden Kugeln
-wegfegt, bis es endlich durch einen frommen Spruch machtlos wird.</p>
-
-<p>Die Überlieferungen von diesen ursprünglich göttlichen Wesen,
-welche zum Zeichen ihrer Göttlichkeit gewöhnlich weiß gekleidet erscheinen,
-fließen vielfach zusammen. So erscheint die Frau Holle in Norwegen
-und Schweden als die Berg- und Waldfrau <em class="gesperrt">Hull</em> oder <em class="gesperrt">Huldra</em>;
-sie liebt Musik und Gesang wie das über die Mulde bei Zelle schwebende
-Fräulein, welchem musicierende Bergleute ein Ständchen bringen,
-oder wie die Lieder singende Jungfrau des Braunsteins und das Schloßfräulein
-im Schönjungferngrunde bei Oberwiesenthal, welches die Laute
-spielt. Auch die Huldra wird bald jung und schön, bald alt und
-finster gedacht, und wenn sie grau gekleidet und alt an der Spitze
-ihrer Herde im Walde angetroffen wird, hat sie einen Melkeimer in
-der Hand. Ich bin geneigt, die Jungfrau auf dem Ziegenschachter
-Wege bei Breitenbach für identisch mit ihr zu halten, obschon sie durch
-die Sage zu einer wegen schlechten Maßes der verkauften Milch verwünschten
-Jungfrau wird, die nun ruhelos umher wandeln muß; sie
-trägt in der Hand ein Milchseidel und einen grünen Kranz auf dem
-Kopfe.</p>
-
-<p>Wie die <em class="gesperrt">Hulda</em> und die mit ihr verwandte <em class="gesperrt">Berahta</em> beschenken
-auch die weißen Frauen einzelne Menschenkinder mit scheinbar
-wertlosen Dingen, welche sich später in Gold verwandeln. Ich verweise
-aus unserm Sagenkreise in dieser Beziehung auf die weiße Frau
-des hohen Steins bei Graslitz, von welcher ein armer Hirte eine
-wunderthätige Rute und Laub empfing, das sich in Goldstücke verwandelte;
-ähnliches wird auch von einem Hirten erzählt, den die
-Jungfrau des Lautersteins beschenkte, und als die beiden musicierenden
-Bergleute der Jungfrau bei Klösterlein Zelle ein Ständchen brachten,
-erhielt jeder von ihnen ein Blumensträußchen, deren eines sich in Gold
-verwandelte, weil es nicht weggeworfen wurde.</p>
-
-<p>Die den Melkeimer in einer Hand tragende Huldra gehört als Bergfrau
-offenbar zu den weißen Frauen, welche nach dem Glauben unserer
-heidnischen Vorfahren ihren Sitz in den Wolken hatten und von da der
-Erde himmlische Milch, den Regen, spendeten. Wenn man ihre Wohnungen
-nach einem anderen Glauben auch auf die Berge verlegte, so
-erklärt sich dies daraus, daß die Wolken von den Naturvölkern auch
-als Berge angesehen wurden. Die weißen Jungfrauen hängen als
-Wolkenfrauen häufig Wäsche auf oder bleichen Linnen. Dies thun
-die Fräulein im Schönjungferngrunde am Fichtelberge und die Jungfrau<span class="pagenum"><a id="Seite_22">[22]</a></span>
-des Grauensteins; als der letzteren einmal die ausbreitete Wäsche
-geraubt wurde, verwandelte sich dieselbe in zischende Ottern. Bemerkenswert
-ist übrigens, daß die Grauensteiner Jungfrau keinen Kopf
-hat, und sie erinnert dadurch an eine der zahlreichen weißen Frauen
-des Vogtlandes, welche zuweilen aus den unterirdischen Gemächern der
-Teufelskanzel bei Ranis hervortritt und an der Stelle des Kopfes zwei
-goldene Hörner trägt. (Rob. Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes,
-No. 235.) Die Jungfrauen auf dem Hausberge bei Graslitz hängen
-Wäsche auf, die sich beim Näherkommen in Spinngewebe verwandelt.
-Anderwärts im Gebirge scheint man die aufgehängte und plötzlich wieder
-verschwindende Wäsche den Holzweibeln zugeschrieben zu haben.
-(S. Dämonensagen.)</p>
-
-<p>Da die Wolke in der Vorstellung unserer Vorfahren sowie der
-Slaven auch als Brunnen galt, so wohnen weiße Jungfrauen nicht
-bloß auf Bergen, sondern auch in Brunnen. Die Sage erzählt von
-einem Wunderbrunnen auf dem Fichtelberge, an dem man zu Zeiten
-eine Jungfrau gesehen hat. Durch diese Brunnenjungfrauen werden wir
-auch wieder auf die mütterliche Gottheit der Erde Nerthus und auf
-Frau Holle hingewiesen, welche den Aufenthalt in Brunnen liebten;
-in der Mittagsstunde sah man sie als weiße Frauen daselbst baden
-und dann wieder verschwinden. (Jac. Grimm, deutsche Mythologie,
-S. 166.) Derartigen Überlieferungen begegnet man in den meisten
-Gauen unseres deutschen Vaterlandes; so badet auch oft eine weiße
-Frau in dem Heribertsborn, welcher auf dem Höhenzuge Grünscheid
-bei Solingen entspringt. (Leibing, Sagen und Märchen des Bergischen
-Landes, No. 54.) Ebenso sind derartige Sagenklänge auch in Böhmen
-heimisch; dort wird die gütige Jungfrau Lida, welche in Brunnen
-wohnt und nur in mondhellen Nächten hervorkommt, auf Lada, die slavische
-Göttin des Frühlings und der Liebe zurückgeführt. (Grohmann,
-Sagenbuch von Böhmen, S. 33.)</p>
-
-<p>Die auf und in den Bergen, besonders solchen, welche ehemals
-Burgen trugen, wohnenden weißen Jungfrauen, denen die Sage gewöhnlich
-ein Schlüsselbund beilegt, und von denen sie erzählt, daß sie
-unermeßliche Schätze hüten (s. die Schatzsagen), sind ebenfalls göttliche
-Wesen. Grohmann (a. a. O., S. 34) meint, daß unter ihnen in
-Böhmen die Tochter des Donnergottes Perun, die jungfräuliche Göttin
-Devana zu verstehen sei, welche Hanus als Göttin des Lichtes deutet.
-Während des Winters, wenn das Licht durch trübe Wolken verdeckt
-wird, ist dieselbe in die Wolkenberge verbannt, und sie wartet auf den
-Frühling, welcher sie wieder befreien soll. So warten auch die in das
-Innere der Berge verbannten Jungfrauen, und vielfach ist es eine Blume,<span class="pagenum"><a id="Seite_23">[23]</a></span>
-welche den Zugang zu ihrem Gefängnisse öffnet. Nach Schönwerth
-aber ist die Schätze hütende Jungfrau in den rein deutschen Bezirken
-die verhüllte Erdenmutter, die bereits genannte Hel, oder auch die
-Nerthus oder Freya; letztere, als Gemahlin Wuotans und Wolkenfrau,
-nähert sich in vielen Zügen der slavischen Devana, soweit sie
-aber neben der Herrschaft über Winde, Wolken und Blitze auch Macht
-über den Sonnenschein besaß und so auch der Erde Segen spendete, verschmolz
-sie wieder mit der Erdgöttin. (Mannhardt a. a. O., S. 271.)
-Aller Germanen Mutter und somit die gemeinsame Ahnfrau aller auf
-den Burgen herrschenden adeligen Geschlechter ist die Erde. Diese
-göttlichem Geschlechte angehörende Ahnfrau erscheint nun nach der
-Volkssage noch heute an denjenigen Plätzen, wo ihre Kinder wohnten,
-welche das Christentum für sich gewann. Durch dasselbe will auch sie
-erlöst werden, und sie bietet daher ihre Schätze, um dafür Ruhe zu
-erlangen und wieder mit den Ihrigen vereint zu werden. (Zapf,
-Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 22.)</p>
-
-<p>Einen mythischen Hintergrund haben die Sagen von gespenstischen
-<em class="gesperrt">Hunden</em>, <em class="gesperrt">Hähnen</em> und <em class="gesperrt">Hasen</em>. Erstere erscheinen gewöhnlich schwarz,
-vereinzelt aber auch feurig, und erschrecken die einsamen Wanderer.
-Vielleicht sind sie in einigen unserer Sagen auf die Hunde der Schicksal
-verkündenden Nornen zurückzuführen, und damit sind sie auch Verkündiger
-des Todes oder Krankheit bringend, wie der schwarze Pudel,
-welcher sich zuweilen auf dem Hemberge bei Bockau sehen läßt. Wo
-der Hund in Gesellschaft einer Jungfrau im Innern des Berges
-Schätze hütet, ist derselbe Sarmr, der Hund der Unterwelt.</p>
-
-<p>Daß auch der Hahn mythisch ist, erzählt uns die nordische Götterlehre,
-nach welcher der Hahn Fialan kräht, ehe das Weltende herannaht;
-durch Hähne werden Hexen und böse Geister verscheucht und
-ein schwarzer Hahn ist nach dem Volksglauben dem Teufel geweiht.
-Ebenso tritt auch der Hahn in den Schatzsagen auf. So führt z. B.
-ein solcher diejenigen irre, welche auf dem Burgberge bei Lichtenberg
-den daselbst liegenden Schatz heben wollen. In böhmischen Sagen vertreten
-goldene Hähne die Stelle von Schätzen, und Hühner legen auch
-nach anderen Überlieferungen goldene Eier. &ndash; Endlich sprechen für
-die mythische Bedeutung des <em class="gesperrt">Hasens</em> viele abergläubische Meinungen;
-so ist z. B. im Vogtlande ein Hase, welchen man beim ersten Ausgange
-zuerst erblickt, Unglück verkündend. Er ist ein Göttertier, denn
-die Göttin Hulda ließ sich bei ihrer nächtlichen Wanderung, welche sie
-als Mond ausführte, von Hasen Lichter voraustragen. Als einst ein
-Arbeiter in Blauenthal nach einem an der nahen Steinwand, wo sich<span class="pagenum"><a id="Seite_24">[24]</a></span>
-auch andere Spukgespenster sehen lassen, wiederholt nächtlich erscheinenden
-weißen Hasen schlug, war er in der nächsten Nacht tot.</p>
-
-<p>Unter den erzgebirgischen Spukgeschichten giebt es viele, nach
-denen die Seelen verstorbener Menschen, welche der himmlischen Ruhe
-nicht teilhaftig geworden sind, auf Erden umherwandeln. »Sie gehen
-um«, wie der Volksmund sagt, denn sie bleiben als schattenhafte
-Wesen in der Nähe des Ortes, welcher ihnen einst in ihrem irdischen
-Leibe als Wohnplatz angewiesen war. Nicht immer ist dies, wie bei
-dem Rachhals zu Aue, nach dem Volksglauben eine Strafe für begangenes
-Unrecht, oft sind diese Gespenster warnende Geister, ja sie
-haben sich vereinzelt selbst zu gutmütigen Hausgeistern umgewandelt.
-Andererseits aber werden auch solche Gespenster zu Quälgeistern, die
-sich gleich böswilligen Kobolden dem Wanderer aufhocken, oder ihre
-Angehörigen in anderer Weise ängstigen; dies thun z. B. das Gespenst,
-welches als feuriger Hund bei Graslitz erscheint, und die gespenstischen
-Frauen, welche ihre Ehemänner beunruhigen. Der »<em class="gesperrt">schwarze Mann</em>«,
-mit welchem Namen sich häufig die Kinder gegenseitig schrecken, ist ein
-Schattengeist, der zuweilen nur erscheint, um zu drohen, ohne jemandem
-sonst weiter ein Leid zuzufügen. Teilweise, wie in Schneeberg,
-meldet die Sage bloß, daß er sich sehen läßt, sie teilt aber über die
-Bedeutung und Ursache seines Erscheinens nichts weiter mit. An
-anderen Orten, wie in Königswalde, ist er ein bösartiges Wesen, welches
-ein eben getauftes Kind holen will; er erinnert so an den Vernichtungsgott
-Surtr. Ursprünglich aber ist der schwarze Mann wohl
-auf den Schutzgeist zurückzuführen, welchen jeder Mensch zu eigen hatte.
-(Rochholz, deutscher Glaube und Brauch, I. S. 104.)</p>
-
-<p>Die Sagen von den umherwandelnden Geistern Verstorbener werden
-durch altheidnischen Glauben begründet. Nach demselben tritt mit dem
-Tode keine Vernichtung ein, ja der Krieger ist nach solchem Glauben
-imstande, auch im Grabe einen ins Land fallenden Feind zurückzuschrecken.
-Der deutsche Häuptling Iwar befiehlt sterbend, daß man
-ihn an derjenigen Landesgrenze begrabe, an welcher am meisten feindliche
-Einfälle zu befürchten seien. (Rochholz a. a. O., S. 117.) Nach
-der Darstellung der Edda behalten die Helden ihren Körper; kämpfen
-sie doch in Walhalla mit vollkommenem Leibe, den keine Wunden töten;
-aber die Bösen,</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»die Männer, die Meineid und Mord verübt<br /></span>
-<span class="i0">Und zur Untreu' verleitet des andern Geliebte,«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="noind">kommen in einen Saal, »fern von der Sonnen, das Thor gegen Norden
-am Leichenstrand. Da saugt und frißt an entseelten Leichen der
-wölfische Neidhagen«. (Edda, die Kunde der Wala 13.) Wenn also<span class="pagenum"><a id="Seite_25">[25]</a></span>
-nach diesem altheidnischen Glauben der Leib der Bösen vernichtet
-und in den Urstoff aufgelöst wird, so müssen ihre Seelen ruhelos auf
-der Erde umherwandeln, bis ihre Strafzeit vorüber ist und sie einen
-anderen Leib finden.</p>
-
-<p>So ist also der Gespensterglaube ein Überrest heidnischer Vorstellungen,
-welche in die Gegenwart hineinragen, deren Ursprung jedoch
-dem Volke nicht bekannt, deren tiefere Bedeutung vergessen
-worden ist.</p>
-
-<h3 id="sec11">11. Das wütende Heer bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 77.)</p>
-
-<p>Insonderheit hatte der höllische Jäger vor und in dem 30jährigen
-Kriege auf den hohen Wäldern sein Affenspiel, indem es, vornehmlich,
-wenn etwa eine feindliche Armee einbrechen sollte, wie ein starkes Jägergeschrei
-»Hu! hu! hu!« erschallte. Man hieß es insgemein das wütende
-Heer, und war ein böser Vorbote. Anno 1626 ritt Junker Rudolf
-von Schmertzing, Erbsaß auf dem Hammergute Förstel, halbtrunken von
-Annaberg ganz allein, und vermeinte den geraden Weg über Schlettau
-auf die Scheibenbergischen Mühlen durch die Unter-Scheibner Räume
-zu nehmen. Es verführte ihn aber eine Jagd mit Jägergeschrei und
-Hundegebell, welchem er nachritt, und fiel mit seinem Pferde in einen
-Morast, darin das Pferd halbversunken stecken blieb. Er arbeitete
-sich endlich heraus, lief nach den benachbarten Vorwerken, kleidete sich um
-und ließ Leute auftreiben, welche das Pferd mit Stangen und Seilen
-aus dem Morast zogen.</p>
-
-<p>Einst reiste auch ein alter Priester von Wiesenthal sehr frühe
-durch den Wald nach Annaberg. Da erhob sich mitten im Walde ein
-ungemeines Jägergetöne, um welche Zeit doch kein Arbeiter und Jäger
-in dem Walde zu finden war. Sein Fuhrmann besann sich bald darauf
-und sagte: »Herr, es ist das wütende Heer; wir wollen in Gottes
-Namen fahren, es kann uns nicht schaden.«</p>
-
-<h3 id="sec12">12. Das wütende Heer bei Weißbach.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>An dem von der Straße in Weißbach nach Kirchberg abführenden
-Hohlwege soll sich oftmals das wütende Heer haben hören lassen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_26">[26]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec13">13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.</h3>
-
-<p class="source">(I. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 499. II. Mündlich.)</p>
-
-<p>I. Eines Tages sind zwei Brüder, Spitzenhändler, auf der Straße
-von Stangengrün nach Hirschfeld geritten, da haben sie plötzlich am
-hellerlichten Tage auf freiem Felde das laute Hohoschreien des wilden
-Jägers gehört, aber ihn selbst nicht gesehen; nur unter ihren Pferden,
-die sich furchtbar gebäumt, sind eine Menge kleiner Dachshunde herumgelaufen,
-ohne daß sie jedoch einen derselben hätten von den Pferden
-treten sehen, und plötzlich ist alles wieder verschwunden gewesen.</p>
-
-<p>II. Zwischen Hirschfeld und Stangengrün liegt der Teufelswald.
-In demselben hat man mehrmals die wilde Jagd gesehen und gehört.
-Dies widerfuhr unter anderen einem Tischler, welcher einst des Nachts
-um 12 Uhr mit einem Karren durch den Wald fuhr. Da hörte er
-Pfeifen und Gebell, und darauf sah er auch den wilden Jäger als
-schwarze Gestalt zu Fuße an sich vorübergehen; derselbe führte zwei
-Hunde bei sich.</p>
-
-<h3 id="sec14">14. Die wilde Jagd bei Komotau.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren.
-1. B. 1864. S. 5.)</p>
-
-<p>Eine alte Frau aus Komotau erzählte: Geht man an Adam und
-Eva früh zur heiligen Beichte und Kommunion und fastet dann den
-ganzen Tag, selbst abends, und geht dann um Mitternacht auf einen
-Kreuzweg, so sieht man die wilde Jagd vorüberziehen, und der letzte
-aus derselben giebt einem einen Thaler, der, so oft man ihn auch
-wechselt, immer wieder zurückkehrt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wenn Grohmann (Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren,
-Vorrede S. 7) bemerkt, daß den Slaven der Glaube an den wilden Jäger fehlt,
-so bezieht sich dies wohl nur auf die Czechen. Veckenstedt teilt eine größere Anzahl
-wendischer Sagen vom Nachtjäger mit. Auch nach dem Glauben der Niederlausitzer
-Wenden erscheint der Nachtjäger wie bei uns auf Kreuzwegen; ebenso ist er selbst
-sowie sein Pferd ohne Kopf. (Wendische Sagen und Märchen, Graz 1880, S. 35 etc.)</p></div>
-
-<h3 id="sec15">15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p>
-
-<p>Bei Karlsfeld ist der wilde Jäger mit seinem Heere öfters gesehen
-und gehört worden. Sein Gefolge besteht aus den Seelen von
-Jägern, die in ihrem Leben Böses gethan haben und nicht zur Ruhe
-kommen können.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_27">[27]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec16">16. Der wilde Jäger bei Schönlinde.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagenbuch von Böhmen und Mähren, I. S. 78.)</p>
-
-<p>Auch bei Schönlinde läßt sich zuweilen der wilde Jäger sehen;
-man nennt ihn dort Banditterch (Berndietrich). Er soll daselbst in den
-Schweinsgründen und in Budersdorf mit hölzernen Hunden herumjagen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die hölzernen Hunde sind ebenfalls gleichbedeutend mit Holzhunden, wie man
-in Norddeutschland die Wölfe heißt; der wilde Jäger jagt also nach dieser Sage
-mit Wölfen. Die Wölfe aber, welche schon in der Edda Hunde genannt werden,
-sind Lieblingstiere Wuotans.</p></div>
-
-<h3 id="sec17">17. Der wilde Jäger bei Neustadt.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. im Vogtlande, S. 509.)</p>
-
-<p>Noch im vorigen Jahrhunderte hatte der wilde Jäger sein Revier
-in der Gegend von Neustadt bei Falkenstein. Da zog er des Nachts
-in der Luft mit seinen Hunden oft über Neustadt hinweg und ließ sein
-»Hoho!« hören. Einmal sah ein dortiger Bauer zum Fenster hinaus,
-als der wilde Jäger in der Luft hinzog, und er äffte das »Hoho!« nach.
-Am nächsten Morgen fand der Bauer auf seinem Fensterstocke draußen
-einen toten, übelriechenden Hasen. Er verscharrte ihn in seinen
-Düngerhaufen, aber am nächsten Morgen lag er doch wieder auf demselben
-Fensterstocke. Er verscharrte ihn zum zweiten und dritten Male,
-aber der Hase lag am nächsten Morgen immer wieder auf dem alten
-Platze. Auf den Rat anderer Leute vergrub ihn der Bauer endlich
-unter gewissen Förmlichkeiten auf einem Kreuzwege, und der ihm vom
-wilden Jäger zugedachte Braten kam nimmer wieder.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wir finden im Erzgebirge für die Züge des wilden Jägers oder Wuotans
-sowohl die Bezeichnung »wilde Jagd«, als auch »wütendes Heer.« Unser Gebirge
-bildet die Grenzscheide zwischen Nord- und Süddeutschland, und daher vermengen
-sich hier beide Namen, von denen der eine (wilde Jagd) vorzugsweise Nord-, der
-andere (wütendes Heer) aber Süddeutschland angehört. Wuotan ist übrigens in seinem
-Namen, welcher den »stürmisch Schreitenden« bedeutet, mit dem Worte »Wut« verwandt.</p>
-
-<p>Die Sagen von dem wilden Jäger lassen uns Umschreibungen von Naturvorgängen
-erkennen. Der Sturmgott Wuotan ist der Sturm selbst; sein Roß, Hut
-und wallender Mantel sind die Wolken, Wolken sind ursprünglich vielleicht auch die
-von ihm gejagten Frauen. (S. die Sagen von den Holzweibchen.)</p>
-
-<p>Der Hase ist ein gespenstisches oder teuflisches Tier; in der Lausitz glaubt man,
-daß die Hexen zuweilen in der Gestalt von Hasen durch das Dorf laufen. Der
-Hase war den Asen geweiht. Das Hinwerfen eines Hasen durch den wilden Jäger
-hat also eine mythische Bedeutung, ebenso wenn anderwärts ähnliche Sagen erzählen,
-daß der wilde Jäger dem Rufenden ein Pferdeviertel zugeworfen habe. In letztgenannter<span class="pagenum"><a id="Seite_28">[28]</a></span>
-Überlieferung findet sich vielleicht eine Erinnerung an die alten heidnischen
-Opfermahlzeiten, bei denen das Pferdefleisch nicht fehlte.</p></div>
-
-<h3 id="sec18">18. Der graue Jäger auf dem Tossen.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer R. Bachmann aus Markneukirchen.)</p>
-
-<p>Auf dem Tossen, einem kahlen Landrücken bei Schönbach in
-Böhmen, jagt allnächtlich der graue Jäger mit seinem Hunde. Als
-einst eine Frau aus der sogenannten Hetaschen von Markneukirchen
-aus heimkehrte, gesellte sich zu ihr der graue Jäger und begleitete sie
-bis nach Hause. Die Frau erzählte dies ihrem Manne. Am andern
-Morgen lag ein Stück Hirschfleisch auf dem äußern Fensterbrette. Der
-Mann stieß es hinab, und drei Tage darauf war er eine Leiche. Seitdem
-hat man den grauen Jäger nie wieder gesehen oder jagen gehört.</p>
-
-<h3 id="sec19">19. Der Waldschütz.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen. S. 115.)</p>
-
-<p>In Rodau, einem Dorfe bei Graslitz, erzählt man sich viel von
-dem Waldschützen. Es soll dies ein Mann sein, der in dem nahegelegenen
-Walde zu mitternächtlicher Stunde umgeht. Er schlägt dabei
-mit großer Kraft und Gewalt an die Bäume und verursacht dadurch
-einen großen Lärm. Zugleich setzt er dem Wilde nach, scheucht es auf
-und treibt es so lange herum, bis ihn die Geisterstunde zurückruft.
-Dabei hört man, wie er die Hunde hetzt. Deshalb nennen ihn die
-Leute den Waldschützen. Er geht immer tiefer in den Wald und verliert
-sich endlich im Forste.</p>
-
-<p>Dieser Waldschütz hat endlich auch die Gewohnheit, die Leute in
-diesem tiefen Walde irre zu führen. Eines Tages ging ein Holzhauer
-aus dem Walde nach Hause. Er war noch nicht lange gegangen, als
-es stockfinster wurde und er furchtbare Axtschläge in seiner Nähe
-vernahm. Der Holzhauer ging herzhaft auf den Lärm los, weil er
-glaubte, daß es Holzdiebe seien. Wie er aber auf den Platz kam, wo
-die Schläge erschallten, sah er einen fremden Mann in Jägertracht,
-der an die Bäume klopfte. Der Holzhauer fragte: »Wer bist Du?«
-»Ich bin der Waldschütz!« sagte der Mann und klopfte weiter. Der
-Holzhauer folgte dem Mann nach. Um Mitternacht waren sie schon
-tief in den Wald geraten, da fühlte der Holzhauer plötzlich einen Axtschlag,
-daß er halbtot zu Boden stürzte. Am anderen Morgen, als er aufwachte,
-standen einige Leute bei ihm, die ihn gefunden hatten. &ndash; In
-der Hochgart geschah es, daß dieser Geist sich am Tage sehen ließ;<span class="pagenum"><a id="Seite_29">[29]</a></span>
-dann ist er böswillig und läßt niemanden ungeschoren. Ein armer
-Mann sah ihn und rief ihn dreimal beim Namen: »Waldschütz, Waldschütz,
-Waldschütz!« Da drehte sich derselbe um und sprach: »Für dein
-Necken sollst du hier in einen Baumstumpf verwandelt so lange stehen,
-bis dich der Zufall erlöst.« Augenblicklich ward der Mann zu einem
-Baumstumpf und wurzelte im Boden. Seine Erlösung aber blieb nicht
-lange aus. Eines Tages waren Köhler in der Nähe; einer derselben
-sah den Stock dastehen und dachte, er sei gut, das Mittagsessen darauf
-einzunehmen. Er legte daher sein Brot darauf, schnitt es mit
-dem Messer durch, so zwar, daß er auch noch in den Stock schnitt, und
-hackte auch seine Hacke darin ein. In demselben Augenblicke schrie es
-heftig auf, der Baumstumpf verschwand und der verzauberte Mann
-stand erlöst vor den Augen der Köhler.</p>
-
-<h3 id="sec20">20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B. S. 177.)</p>
-
-<p>In der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte der Ort Klingenberg
-einem Herrn Reichbrod von Schrenkendorf, der ein großer Jagdfreund
-gewesen zu sein scheint, indem eine nach Colmnitz hin gelegene Waldwiese,
-genannt »Reichbrods Wiese«, heute noch von den Landleuten
-ungern zur Nachtzeit passiert wird, weil daselbst Reichbrod einen Jagdlärm
-treibt, als ob wilde Schweine gehetzt würden.</p>
-
-<h3 id="sec21">21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusch bei Schlettau.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 29.)</p>
-
-<p>In dem Hofbusche bei Schlettau, durch den der Weg nach Unter-Herrmannsdorf
-führt, läßt sich bei Nacht oft ein gespenstischer Jäger
-ohne Kopf sehen. Er soll vor alter Zeit die Armen, welche sich das
-dürre Reißholz sammelten, oft unbarmherzig mißhandelt haben und zur
-Strafe nach seinem Tode nun umgehen müssen. Rechtliche Leute läßt
-er ungeneckt, aber die Holzdiebe hat er schon oft in Todesangst gejagt
-und bisweilen festgebannt, so daß sie Stunden lang an einer Stelle
-stehen bleiben mußten.</p>
-
-<h3 id="sec22">22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der poetischen Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz
-des K. S. No. 572.)</p>
-
-<p>Auf dem Ziegenberge bei Zwönitz soll sich ein Reiter ohne Kopf
-sehen lassen, von dem sich das Volk folgendes erzählt:</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_30">[30]</a></span></p>
-
-<p>Einst (im 17. Jahrhundert) soll ein Müller in Zwönitz eine sehr
-schöne Tochter gehabt haben, die mit dem Förster von Grünhain heimlich
-versprochen war; derselbe war übrigens mit den übrigen Gliedern
-ihrer Familie so gut wie gar nicht bekannt. Nun hatte aber der Müller
-auch einen Sohn, von dem er sich losgesagt hatte, weil derselbe ohne
-seine Erlaubnis die Tochter des Scharfrichters geehelicht und damit nach
-den Ansichten jener Zeit seine Familie beschimpft hatte. Gleichwohl
-kamen die Geschwister an diesem und jenem Orte mit einander zusammen,
-und als nun eines Tages die schöne Müllerstochter in die Schenke
-wo sie ihren Liebhaber zu treffen dachte, zum Tanz gegangen war, traf
-sie ihren Bruder mit seiner Frau und konnte es ihm natürlich nicht
-abschlagen, ein Tänzchen mit ihm zu machen. Während dem war aber
-der Förster angelangt und gleich vom Pferde aus, wie er war, auf
-den Tanzsaal geeilt; als er nun seine Braut in den Armen eines ihm
-Fremden erblickte und sah, wie sie freundlich mit ihm scherzte, ergriff
-ihn rasende Eifersucht. Er lockte sie also unter Schmeichelworten auf den
-Ziegenberg, indem er vorgab, er habe bei dem schnellen Ritte etwas
-im Walde verloren und sie solle ihm suchen helfen. Das Mädchen
-ging auch, nichts Böses ahnend, mit; als sie aber an eine recht wilde,
-verwachsene Stelle des Berges kamen, warf er ihr ihre Untreue vor
-und erstach sie, ohne nur ihre Verteidigung anhören zu wollen. Leider
-hatte er nur zu sicher getroffen, die Unglückliche gab in wenigen Minuten
-ihren Geist auf, indem sie nur noch so viel Zeit hatte, ihrem Mörder
-zuzurufen, ihr vermeintlicher Verführer sei ihr Bruder gewesen, den er
-noch nicht gekannt habe. In wilder Verzweiflung warf sich der Förster
-über die Sterbende, allein er vermochte sie nicht wieder ins Leben zurückzurufen.
-Er eilte also auf den Tanzsaal und schrie ihrem Bruder
-zu, er habe seine Schwester gemordet, er wolle sich selbst dem Gerichte
-übergeben. So geschah es auch. Da er den Tod suchte, dauerte die
-Untersuchung nicht lange, schon nach drei Monden fiel sein schuldiges
-Haupt zu Grünhain auf dem Schafott; auf dem Flecke aber wo die
-blutige That geschehen, ward ein Rosenstrauch gepflanzt, dessen weiße
-Rosen des Nachts wie mit Blut besprengt aussehen und der seine
-Blätter traurig zur Erde zu senken scheint. Um Mitternacht aber kommt,
-wenn böse Zeiten bevorstehen, ein Reiter, den Kopf unter dem Arme,
-vom Grünhainer Hochgericht nach dem Rosenstock geritten, verweilt
-kurze Zeit daselbst und kehrt dann wieder zurück.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der letzte Teil der Sage erinnert an die poetische Vorstellung, daß die entweichende
-Seele eine aufblühende Blume ist, durch welche sie auch symbolisch dargestellt
-wird. Die weiße Rose, welche des Nachts wie mit Blut besprengt dasteht, ist
-die Seele des ermordeten Mädchens. Die Seelen Verstorbener wachsen als Blumen<span class="pagenum"><a id="Seite_31">[31]</a></span>
-aus dem Grabe. Erhob sich doch auch auf den Gräbern Tristans und Isoldes eine
-Rebe und ein Rosenstock.</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»&ndash; Doch eine Rose, einen Reben<br /></span>
-<span class="i0">sah man sich aus den Gräbern heben<br /></span>
-<span class="i0">und innig sich verschlingen.«<br /></span>
-</div></div></div>
-
-<h3 id="sec23">23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz etc. No. 267.)</p>
-
-<p>Auf der von Hainsberg nach Tharand führenden Chaussee soll
-sich an gewissen Tagen um Mitternacht ein Spukgeist sehen lassen;
-er reitet auf einem Pferde ohne Kopf und trägt den seinigen zuweilen
-selbst unter dem Arme, er jagt bis Tharand und kehrt dann wieder
-zurück.</p>
-
-<h3 id="sec24">24. Gespenstische Reiter bei Waschleite.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 75.)</p>
-
-<p>Eine halbe Meile von Grünhain gegen Waschleite ist einem
-Gerber von Elterlein, der des Nachts von Schwarzenberg heimfuhr,
-eine ganze Rotte Reiter ohne Köpfe und in mancherlei Gestalt entgegengekommen,
-denen mußte er ausweichen, worauf er infolge des
-gehabten Schrecks krank wurde. Daselbst hat man auch zuweilen die
-schönste Geistermusik gehört.</p>
-
-<h3 id="sec25">25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers R. Schlegel aus Wildenfels.)</p>
-
-<p>Die Holzhauer erzählen, daß sich an dem sogenannten neuen Teiche
-im Wildenfelser Walde ein Reiter ohne Kopf sehen lasse, welcher dann
-im Wasser verschwinde.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Unselige Geister erscheinen häufig hauptlos, wie uns die Sagen aus zahlreichen
-Orten erzählen. Ohne Kopf sieht man z. B. den Reiter im Wiesenthale bei Königerode.
-Auch der wilde Jäger im Zellgrunde zeigt sich ohne Kopf. (Größler, Sagen aus der
-Grafschaft Mannsfeld, No. 54 und 162.) In einem bei Weimar gelegenen Hölzchen
-läßt sich des Nachts ein Reiter sehen, welcher seinen Kopf wie einen Hut unter dem
-Arme trägt; er führt die Leute irre. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 297.)
-Bemerkenswert ist dabei, daß solche unselige Geister vielfach auf halben oder dreibeinigen
-Rossen reiten und mit einer Meute dreibeiniger Hunde den Zug des wilden
-Jägers begleiten. Es ist dies eine Erinnerung an die Todes- und Pestgöttin Hal,
-welche auf einem dreibeinigen Pferde erscheint.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_32">[32]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec26">26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Seminarist Osw. Hübner aus Bernsbach.)</p>
-
-<p>Auf der Straße von Bernsbach nach Beierfeld, im sogenannten
-Kirchgraben, soll öfters ein Reiter ohne Kopf gesehen worden sein.</p>
-
-<h3 id="sec27">27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p>
-
-<p>In der Mitte des Weges zwischen Lößnitz und Schloß Stein ist
-ein Waldort, genannt »die hohle Linde.« Zur Zeit steht an der Stelle
-neben einer Vertiefung eine junge Linde; ehemals befand sich eine umfangreiche
-hohle Linde daselbst. Früher stieg aus derselben um Mitternacht
-ein Reiter ohne Kopf, der den Wald durchirrte und die Leute
-schreckte. Noch jetzt soll derselbe zuweilen aus der kleinen Senke daselbst
-aufsteigen.</p>
-
-<h3 id="sec28">28. Der Panzerreiter zu Stollberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 574; z. T. mündlich.)</p>
-
-<p>In der Gegend von Stollberg soll bei Nacht ein Reiter ohne Kopf,
-in einen langen schwarzen Mantel gehüllt, auf einem schwarzen kopflosen
-Rosse herumreiten. Vor ihm her flattert eine grau und schwarz
-gefleckte Krähe, welche sich auch bisweilen auf einer großen Linde in
-der Oberstadt sehen ließ und durch ihr nächtliches Krächzen jedem, der
-es hörte, den Tod binnen drei Tagen verkündigte. Nach anderen sollen
-vor dem Reiter drei Raben fliegen; auf welchem Hause sich dieselben
-niederlassen, daraus soll jemand in demselben Jahre sterben. Den
-Reiter nennt man den Panzerreiter.</p>
-
-<h3 id="sec29">29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 95.)</p>
-
-<p>Einst gingen einige Leute von Lichtenstadt nach Karlsbad; als
-sie den Berg hinuntergingen, war es gerade 11 Uhr in der Nacht.
-Da sahen sie unten viele hunderte von feurigen Männern und Pferden
-ohne Köpfe sich herumtummeln. Um 12 Uhr war alles wieder verschwunden.</p>
-
-<h3 id="sec30">30. Das Geisterschloß bei Bockau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Seminarist Paul Mothes aus Bockau.)</p>
-
-<p>Ungefähr 20 Minuten von dem durch seinen früher lebhaft betriebenen
-Arzneihandel bekannten Bergflecken Bockau befindet sich ein<span class="pagenum"><a id="Seite_33">[33]</a></span>
-Sumpf, von den Bewohnern einfach »die Pfütze« genannt. Dabei erhebt
-sich ein Felsen, auf dem in gewissen Nächten zwischen 11 und 12
-Uhr ein großes Schloß mit unzählig erleuchteten Fenstern zu sehen ist.
-Jeder aber, welcher auf das Schloß zugeht, wird in der Irre umher
-geführt. An demselben Platze hat sich auch zuweilen ein Reiter ohne
-Kopf sehen lassen.</p>
-
-<h3 id="sec31">31. Der Spuk an der Straße bei Albernau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)</p>
-
-<p>Da, wo von der Chaussee zwischen Schneeberg und Bockau der
-Communikationsweg nach Albernau abgeht, steht eine steinerne Säule.
-Von diesem Platze wird verschiedenes erzählt. Einige wollen daselbst
-in gewissen Nächten zur Mitternachtsstunde einen Reiter ohne Kopf gesehen
-haben, der mit wildem Geheule vorüberjagte; andere erzählen,
-daß sich dort des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr ein Licht hin und
-her bewege, wobei zugleich deutlich Gewinsel zu hören sei.</p>
-
-<h3 id="sec32">32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen, S. 618.)</p>
-
-<p>Schon von vielen Personen wurde auf der Chaussee vom Gasthofe
-zu Bärenburg aufwärts nach Altenberg, da wo die Straße der
-Steigung halber die großen Krümmungen macht, eine Erscheinung ohne
-Kopf beobachtet. Bei der letzten »Drehe« pflegt die Gestalt, welche
-sonst immer in gleicher Höhe mit dem Wanderer auf der andern Seite
-der Straße fortschreitet, zu verschwinden. Die oft einsam fahrenden
-Postillone der Nachtpost wollten in früherer Zeit den Spuk neben den
-Pferden hergehend gesehen haben.</p>
-
-<h3 id="sec33">33. Die weiße Frau zu Neustädtel.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. S. 943.)</p>
-
-<p>In Neustädtel bei Schneeberg erzählt man von einer gespenstischen
-weißen Frau, welche eine Sechswöchnerin gewesen und endlich verbannet
-worden. Auf deren Grab ist immer ein Grüblein, einer Backschüssel
-groß, geblieben, ob man es gleich zufüllete.</p>
-
-<h3 id="sec34">34. Die weiße Frau zu Venusberg.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann a. a. O. S. 942.)</p>
-
-<p>Auf dem herrschaftlichen Hofe zu Venusberg bei Thum kennt
-man eine weiße Frau von langen Jahren her, ohne daß jemand wissen<span class="pagenum"><a id="Seite_34">[34]</a></span>
-will, wer sie gewesen. So oft bei der Herrschaft oder ihrer Familie
-und nächsten Anverwandten ein Todesfall sich ereignen soll, lässet sie
-sich eine gute Zeit zuvor von vielen öffentlich sehen, und zwar, wenn
-ein Todesfall im Hause geschehen soll, gehet sie aus selbigem heraus,
-die Treppen hinunter, über den Hof hinab bis zu demjenigen Thor,
-durch welches die Leiche hinausgetragen werden soll. Ist aber der
-Todesfall außerhalb des Hauses unter den nächsten Anverwandten zu
-vermuten, so läßt sie sich nur bald hier, bald dort, auch wohl zu den
-Fenstern herab sehen. Es ist aber niemandem dadurch ein Leid oder
-eine Krankheit widerfahren, weil sie ohne Beleidigung ihr Wesen treibt.</p>
-
-<h3 id="sec35">35. Die weiße Frau in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>In der Kosaken- und Webergasse zu Schneeberg hat sich des
-Nachts mehrere Male eine weiße Frau sehen lassen.</p>
-
-<h3 id="sec36">36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p>
-
-<p>Auf dem Wege von Wildenthal nach Karlsfeld ist öfters des
-Nachts bei Mondenschein eine Frauengestalt in weißem Gewande erschienen.
-Dieselbe ging stets vor dem Wanderer her, ließ sich aber
-von demselben nicht erreichen, so sehr er auch seine Schritte beschleunigte.</p>
-
-<h3 id="sec37">37. Die weiße Frau am Brautstock in Altenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Bürgermeister Schönherr im Freiberger Anzeiger 1883, No. 181.
-1. Beilage.)</p>
-
-<p>Der Weg durch die sogenannte lange Gasse in Altenberg, welche
-nach Zinnwald führt, wird vielfach begangen; man findet darin eine
-einfache unbearbeitete Porphyrsäule, der Brautstock genannt. Eingearbeitet
-sind die Jahreszahlen 1716 und 1820. Der Sage nach soll
-von Zeit zu Zeit und in gewissen Nächten eine weiß gekleidete junge
-Frau zu erblicken sein, welche am Steine seufzt, betet und dann zu
-versinken scheint. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts soll unter
-seltsamen Umständen an dieser Stelle eine Vermählung stattgefunden
-haben. Ein in einem Duell verwundeter Offizier ließ sich hier die
-Geliebte antrauen und gab darauf sein Leben Gott zurück.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_35">[35]</a></span></p><div class="blockquot">
-
-<p>In Wirklichkeit dürfte der genannte Brautstock nichts anderes als ein großer
-Rainstein sein, der bei der großen Verrainung vom Jahre 1716 zwischen der kurfürstlichen
-Waldung und derjenigen der Zwitterstocksgewerkschaft zu Altenberg gesetzt wurde.
-Der Stein trägt zunächst das Waldzeichen letzterer Gewerkschaft, das Jupiterzeichen
-aus den Kalendern, welches einem lateinischen »<em class="antiqua">Z</em>« ähnelt, sodann die Jahreszahlen
-»1716« und »1820«, die Rainungsziffer 53, nach Süden abermals das Jupiterzeichen
-und nach Westen ein lateinisches »<em class="antiqua">A</em>« (Altenberger Staatsforstzeichen). Eine
-Innschrift führt der Brautstock nicht und doch ist derselbe schon seit Jahren unter
-diesem Namen als Grenzrainungsmarke in verschiedenen Karten und Fluraufrissen
-geführt worden.</p>
-
-<p>Der vorigen Sage von der weißen Frau am Brautstocke liegt eine wirkliche Begebenheit
-zu Grunde. Auf einer kleinen sumpfigen Waldwiese südlich von Peterswalde
-fand zu Anfange des vorigen Jahrhunderts ein Duell auf Kugeln statt, bei welchem
-der Garde-Capitän von Siemensky tödlich verwundet wurde. Seine Braut war in
-einem Wagen mit einem Arzte gefolgt und als der letztere äußerte, der Verwundete
-könne vielleicht noch gerettet werden, wenn es gelänge, die Kugel durch einen sachverständigen
-Beistand zu entfernen, wurde der Garde-Capitän in dem Wagen auf
-einer vierstündigen Fahrt über Schönwalde und Voitsdorf bis nahe vor Altenberg
-gebracht. Hier aber auf der steinigen Landstraße fühlte der Verwundete sein Ende
-herannahen und begehrte, daß ihn ein Geistlicher mit seiner Braut trauen sollte, um
-letztere in den ungeschmälerten Besitz seiner Güter zu setzen und ihre Ehre vor der
-Welt zu retten. Eilig wurde aus Altenberg der Pastor Johann George Bretschneider
-geholt und dieser vollzog unter freiem Himmel die Trauung. Darauf starb von
-Siemensky. Seine angetraut Gattin starb bei der Geburt eines Knaben, welcher
-von einem Herrn von Nostitz erzogen wurde und später das Erbe seines im Duell
-getöteten Vaters antrat.</p>
-
-<p>Forstleute haben später durch den einfachen »Brautstock« die Stelle bezeichnet,
-wo jene tragische Begebenheit der Vermählung im Angesichte des Todes sich
-ereignete.</p>
-
-<p>(S. Näheres bei Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen ohne Jahreszahl.
-S. 607 etc.)</p></div>
-
-<h3 id="sec38">38. Die weiße Frau auf Scharfenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 15.)</p>
-
-<p>Auf dem Schlosse Scharfenstein zwischen Zschopau und Wolkenstein
-geht seit Jahrhunderten eine weiße Frau um. Des Nachts mit
-dem zwölften Glockenschlage wird sie rege und wandelt, in lange, weiße,
-nebeldünne Gewänder gehüllt, durch alle Gemächer des Schlosses,
-bleibt bisweilen stehen und seufzt und ist überhaupt traurig. Oft hat
-man gewagt, sie anzureden, aber nie hat sie Antwort gegeben, sondern
-ist immer sogleich entflohen. Sie muß eine schwere Sünde begangen
-haben; welche aber, weiß niemand.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_36">[36]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec39">39. Die weiße Frau in Unterchodau.</h3>
-
-<p class="source">(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg.
-Komotau 1878. S. 84.)</p>
-
-<p>Zu Unterchodau bei Elbogen stand früher an der Stelle der
-Porzellanfabrik ein einfaches, einstöckiges Schlößchen, an das später
-eine Glashütte angebaut wurde. Erst später entstand hier eine Porzellanfabrik.
-In diesem Schlößchen nun wohnte die Witwe eines
-ehemaligen Littmitzer Brauers, welche Wohnung ihr von der Stadt
-Elbogen mildherzig verliehen wurde, nachdem sie mit ihrem Manne
-gänzlich von Vermögen gekommen war. Sie ging nun einst bei ihrem
-Schwager vorbei, der gegenüber der Schule wohnte; derselbe rief sie
-ins Haus und gab ihr ein Krüglein Bier. Da blickt sie gegen das
-Schlößchen und sieht plötzlich im Erkerfenster eine weiße Frau stehen.
-Ach Gott! rief sie, ich habe meine ganze Wäsche auf dem Boden,
-man will sie mir gewiß stehlen! Sie läuft nach Hause, ihre Kinder
-weinen, sie nimmt das jüngste auf den Arm und eilt die Treppe
-hinauf. Auf dem Boden angelangt, bleibt sie jedoch ganz starr stehen, &ndash;
-sie sieht die weiße Frau mit verschränkten Armen und auf dem Dachboden
-einen Haufen Gold, auf welchem Pergamentrollen lagen. Statt
-von dem Golde zu nehmen, lief sie zum Schwager mit der Bitte, ihr
-das Gold wegtragen zu helfen; bei der Rückkehr jedoch war alles verschwunden.
-Auch als schon die Glashütte stand, hielt sich kein Arbeiter
-abends gerne in der Werkstätte auf und selbst jetzt noch hält
-man es dort nicht für geheuer.</p>
-
-<h3 id="sec40">40. Die weiße Frau in Premlowitz.</h3>
-
-<p class="source">(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg.
-Komotau 1878. S. 84.)</p>
-
-<p>Bei dem Hofe Premlowitz bei Karlsbad geht eine weiße Frau
-um. Vor fünfzig Jahren noch will man sie täglich von 11 bis 12
-Uhr mittags mit verschränkten Armen auf dem Hofgang gesehen haben.</p>
-
-<p>Einmal sah die weiße Frau ein Knecht, der auf dem Felde
-ackerte. Er rief sie mit den Worten an: Du könntest mir auch ausspannen
-helfen! erhielt aber plötzlich einen solchen Schlag ins Gesicht,
-daß ihm der Backen anschwoll und er mehrere Wochen das Bett hüten
-mußte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_37">[37]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec41">41. Die weiße Frau des hohen Steins bei Graslitz.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg. S. 131.)</p>
-
-<p>Es weidete einmal ein Junge aus Waltersdorf, einem Dorfe
-am Südostfuße des hohen Steines, seine Herde, als um die Mittagszeit
-herum eine weiße Frau erschien und ihn fragte, was er denn in
-seinem Zwerchsacke trage. »Mein Brot,« antwortete furchtsam der
-Hirt. »Gieb mir etwas davon,« bat die Frau, und während der Angesprochene
-ihrem Wunsche willfahrte, sagte er, daß er ihr nur
-wenig bieten könne, indem seine Bäuerin ein geiziges Weib sei, die
-ihrem Gesinde die Brocken in die Schüssel zähle. Da überreichte ihm
-die weiße Frau eine kleine Rute mit dem Bedeuten, das geizige Weib
-damit zu berühren, wenn sie im Begriffe stehe, ihm sein Brot mit auf
-die Hutweide zu geben. Außerdem streifte sie mit der Hand das Laub
-von dem Aste eines Baumes und sprach: »Nimm auch diese Blätter
-und hebe dieselben wohl auf; sie sind der Lohn für das mir gereichte
-Brot.« Nach diesen Worten entschwand die Frau den Blicken des
-Hirten, der das erhaltene Geschenk in seinen Taschen barg. Als er
-aber am Abend seine Herde nach Hause trieb, wurde ihm das Tragen
-der Blätter unbequem, und einfältig, wie er war, warf er sie von sich.
-Wie reute ihn aber sein Thun, als er zu Hause angelangt, in seiner
-Tasche drei funkelnde Goldstücke fand, welche durch Verwandlung dreier
-von den geschenkten Blättern, die in seiner Tasche kleben geblieben,
-entstanden waren. Wohl lief er schnell zurück, um das so leichtsinnig
-weggeworfene Geschenk der gütigen Frau wieder aufzunehmen; allein
-sein Suchen war und blieb vergeblich. Die Blätter blieben verschwunden.
-Als ihm am andern Morgen die Bäuerin sein Brot schnitt,
-berührte sie der junge Hirte, ungesehen von ihr, mit der erhaltenen
-Rute und war erstaunt, das geizige Weib alsbald sprechen zu hören:
-»Dem Hirten muß ich heute ein großes Stück Brot samt einer Butterflade
-und mehrere Kuchen mit auf die Weide geben; er verdients.«
-Und es geschah. So oft der Hirt die Bäuerin mit seiner wunderthätigen
-Rute berührte, erhielt er eine reichliche und gute Zehrung. &ndash;
-Einst aber unterzog die Magd des Hauses den Stall einer durchgreifenden
-gründlichen Reinigung, und bei dieser Gelegenheit warf sie des
-Hüters Rute, der sie im Stalle oben unter einen Balken gesteckt hatte,
-mit hinaus. Weinend beklagte dieser nach seiner Nachhausekunft seinen
-unersetzlichen Verlust; aber das half ihm nichts. Die Bäuerin schnitt
-fortan das trockene Brot fast noch kleiner als vordem und bitter bereute
-es der Betroffene, das wohlthätige Geschenk der weißen Frau
-nicht sorgsamer aufbewahrt zu haben. Diese erschien dem jungen Hirten<span class="pagenum"><a id="Seite_38">[38]</a></span>
-zwar noch einige Male, aber nur in der Ferne. Ihre Gesichtszüge
-waren finster auf ihn gerichtet und drohend erhob sie manchmal den
-Zeigefinger ihrer Rechten gegen den Unachtsamen, vielleicht dadurch
-ihre Unzufriedenheit mit ihm zu erkennen gebend.</p>
-
-<h3 id="sec42">42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.</h3>
-
-<p class="source">(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. S. 173.)</p>
-
-<p>Wenn man von Brandau, das mit dem zugehörigen Orte böhm.
-Grünthal den am weitesten vorgeschobenen Zipfel des Brüxer Bezirks ausfüllt,
-nach Kallich wandert, so muß man durch das wegen seiner Naturschönheiten
-berühmte und deshalb von Touristen sehr besuchte Teltschthal,
-in dem der Grenzbach Natschung zahlreiche Brettmühlen und auch das
-jetzt allmählich verfallende Eisenwerk Gabrielenhütte treibt. Am Eingange
-in dieses Thal befindet sich zur rechten Hand, unmittelbar über
-dem zu Brandau gehörigen Wirtshause zu »Beneschau,« vielleicht 8
-Minuten vom eigentlichen Dorfe entfernt, in dem der Gemeinde Brandau
-gehörigen Walde ein Felsen, der schon steil gegen die Straße, noch
-mehr aber gegen das Natschungthal abfällt. Hier auf diesem Felsen
-will man noch Mauerüberreste sehen und man nennt den Platz das
-Raubschloß. Die Sage erzählt davon folgendes:</p>
-
-<p>Auf dem Raubschlosse stand früher eine Burg, die einem mächtigen
-Ritter gehörte, der gar oft viele Wochen von ihr sich entfernte, aber
-immer reich mit fremden Schätzen beladen zu ihr zurückkehrte. Als er
-einst wieder auf Raub auszog, überfielen seine Feinde die Burg, nahmen
-die Besatzung gefangen und legten sich in den Hinterhalt, um auch den
-nur von wenigen Reisigen umgebenen Ritter zu fangen. Als dieser
-zurückkehrte, erkannte er sogleich die ihm drohende Gefahr und sprengte,
-um der Gefangenschaft zu entgehen, mit seinem Pferde den steilen Berg
-hinab in das Thal, wo er zerschmettert anlangte. Die Burg wurde
-dem Erdboden gleich gemacht.</p>
-
-<p>Seit jener Zeit treibt dort ein graues Männchen sein Wesen,
-das einst einem Försterburschen eine Thür zeigte, durch die er in ein
-großes Zimmer im Berge trat. Das Männchen erlaubte ihm auch,
-von dem vielen hier aufgespeicherten Gelde täglich eine bestimmte
-Summe zu holen. Als der Bursche aber noch einen seiner Kameraden
-mitbrachte, damit auch dieser die Schatzkammer kennen lerne, blieb er
-in der Höhle eingeschlossen.</p>
-
-<p>Wenn am Pfingstmontage nach dem Gottesdienste die Lichter
-in der Kirche ausgelöscht werden, öffnet sich die Thür, und eine weiße<span class="pagenum"><a id="Seite_39">[39]</a></span>
-Frau kommt heraus, die aber schon wieder nach einer halben Stunde
-hinter derselben verschwindet. Benutzt man diese halbe Stunde, so
-kann man die verborgenen Schätze aus der Höhle holen.</p>
-
-<p>Ein Knabe aus dem sächsischen Grenzorte Rothenthal spielte eben
-auf der Violine, als die weiße Frau aus dem Felsen trat und ihn
-aufforderte, ihr etwas vorzuspielen. Furchtlos überschritt er den Grenzbach
-und spielte der Frau seine schönsten Melodien vor, in der Meinung,
-von ihr reich belohnt zu werden. Als die halbe Stunde verflossen
-war, nahm ihn aber die Frau nicht, wie er vermutet hatte, mit in den
-Berg, sondern füllte nur seinen Geigenkasten mit Laub.</p>
-
-<p>Ärgerlich warf er dasselbe heraus und lief heim. Dort sah er
-noch einmal in den Kasten und fand drei Thaler darin. Eilends kehrte
-er zurück, fand aber weder die Frau, noch das weggeworfene Laub.</p>
-
-<p>Ein andermal saß ein Mann am Ufer der Natschung und fischte.
-Da öffnete sich wieder die Thür im Raubschloß, und drei weiße Frauen
-traten heraus, gingen zum Bache und wuschen ihre Hände. Als sie
-den Mann sahen, riefen sie ihm zu, er möge drei Säcke holen, was
-sich dieser nicht zweimal sagen ließ. Obwohl die Frauen die Säcke nur
-mit Laub füllten, trug sie der Mann doch eine weite Strecke. Als sie
-ihm aber zu schwer wurden, schüttete er das Laub aus. Doch blieben
-in jedem Sacke einige Blätter, die er später als reines Gold erkannte.
-So oft er auch später die Stelle wieder aufsuchte, wo ihm das Glück
-so gelächelt hatte, die Frauen sah er nie wieder.</p>
-
-<p>Am Palmsonntage ging eine Frau mit ihrem kleinen Kinde in
-derselben Gegend spazieren und kam zu einer Thür, die sie noch nie
-gesehen hatte. Neugierig versuchte sie die Thür zu öffnen, was ihr
-auch gelang. Sie trat in ein einfaches Zimmer, in dessen Mitte ein
-Tisch mit Geld stand. Während sie das Kind auf den Tisch setzte,
-raffte sie schnell das Geld zusammen und trug es hinaus. Hier sah
-sie aber nur Laub in ihrer Schürze und fand, als sie ihr Kind wieder
-holen wollte, die Thür verschlossen. Ein Priester, den sie in ihrer
-Verzweiflung um Rat fragte, schalt sie ihrer Habsucht wegen und sagte
-ihr, daß sie in einem Jahre genau um dieselbe Stunde wieder bei der
-Thür warten müsse, bis sich diese öffne. Sie that dies und fand auch
-wirklich ihr Kind, mit roten Äpfeln spielend, die sich im Freien in
-Goldklumpen verwandelten.</p>
-
-<h3 id="sec43">43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 948.)</p>
-
-<p>Am 15. September des Jahres 1695, Sonntags spät, ritt Christoph
-Kaiser, Müller zu Blumenau, nach Hause, und als er hinter die Pfarrwohnung<span class="pagenum"><a id="Seite_40">[40]</a></span>
-zu Olbernhau kam, wo ihn sein Weg nach Hause führte,
-gingen drei Männer geschwind und ohne Gruß vorüber, worüber er sich
-verwunderte, weil er sie für Blumenauer ansah. Als er ein wenig
-fortreitet, kommen ihm auf dem Wege vier verschleierte Weiber entgegen,
-welche eine Totenbahre mit einem Sarge und Leichentuch tragen. Darüber
-erschrickt er und weiß nicht, wo er ist; bald dünkt ihm, er reite
-durch ein großes Wasser, bald scheint es ihm, als müsse er einen hohen
-Berg hinan reiten, bis es ein wenig licht wird und er sich bekennet,
-daß er auf dem rechten Wege sei. Als er zu des Richters Teich, der
-nahe bei dem Gerichte ist, kommt, sieht er abermals fünf bis sechs
-Paar verschleierte Weiber daher kommen, die über den Steig, darüber
-er auch gewollt, gehen, daß er nicht weiß, was er thun soll. Er lässet
-aber dem Pferde seinen Gang; dasselbe ist des Weges wohl gewohnt,
-will jedoch über den Steig nicht gehen, sondern lenket sich mit Schnauben
-neben demselben durch ein Bächlein, und bringet so seinen Reiter
-gesund nach Hause, wie wohl es sehr geschwitzet. Des andern Tages
-hat es der Müller ausgesagt und hat ihm nichts geschadet.</p>
-
-<h3 id="sec44">44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.</h3>
-
-<p class="source">(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane, S. 252.)</p>
-
-<p>In alter Zeit lebte auf dem Schlosse zu Meerane ein Herzog,
-der von seiner Gemahlin keine Kinder bekam. Daher nahmen sie ein
-junges Mädchen, eine Gräfin, an Kindesstatt an. Als diese 17 Jahr
-alt war, starb des Herzogs Gattin. Sie ward bald vergessen und
-kurze Zeit darauf von dem Herzoge jenes Mädchen zur zweiten Gemahlin
-erwählt, welche ihm in der Folge zwei Kinder gebar, einen
-Knaben und ein Mädchen. Auch der Vater starb, als jener acht, dieses
-zwei Jahre alt war, und die junge Witwe ließ sich bald darauf den
-Zutritt eines fremden, ihr nicht ganz ebenbürtigen Mannes gefallen.
-Als er nun während der Zeit seiner Bewerbungen einmal wieder abreiste,
-hatte er die Worte fallen lassen: es sei alles gut, wenn nur
-vier Augen nicht wären. Das verblendete Weib und die dabei unnatürliche
-Mutter deutete obige Worte so, daß ihr Liebhaber sie gern heiraten
-würde, wenn nur ihre zwei Kinder nicht wären. Und sofort war auch
-ihr Entschluß gefaßt. Die Wartefrau mußte mit den beiden Kindern
-in den nahen Wald, das Gottesholz, gehen und ein gedungener Bösewicht
-alle drei ermorden. Die Wartefrau fiel als erstes Opfer. Als
-der Knabe sie in ihrem Blute hinsinken sah, fiel er dem Mörder um
-den Hals und versprach, er wolle ihm fünf Rittergüter von seinen acht
-geben, wenn er ihn nur leben ließe. Doch auch ihm senkte der Schändliche<span class="pagenum"><a id="Seite_41">[41]</a></span>
-den Dolch in die Brust. Das Mädchen hielt ihm zur Abwehr,
-wie zur Beschwichtigung, in jeder Hand eine Puppe entgegen, die sie
-mitgenommen hatte. Auch dies Kind wurde nicht geschont. Die Mutter
-ließ hierauf die drei Leichen heimlich in die Burg bringen, und nach
-dem sie ausgesprengt, alle drei seien schnell einer bösartigen Krankheit
-erlegen, in der Burgkirche beisetzen. Ihrem Liebhaber schrieb
-sie, das Hindernis ihres Ehebundes sei beseitigt und er solle nun kommen.
-Und er kam &ndash; aber mit strafendem Blicke und dem Bedeuten,
-daß er sie nur habe prüfen wollen, ob bei ihr sinnliche Liebe über
-Kindesliebe siegen könne, und daß nun ein Ehebündnis mit ihm unmöglich
-sei. Jetzt überfiel die Unglückliche die entsetzlichste Reue und
-da sie meinte, daß ihre so große Schuld nur durch die schwerste Buße
-zu sühnen sei, ließ sie sich beide Knie mit Polstern umkleiden und trat
-nun in Begleitung ihrer Kammerfrau und in leichtem Gewande ihre
-Bußreise zu dem Papste nach Rom immer auf den Knien rutschend an.
-Auf der Hälfte des Weges starb ihre Begleiterin, sie selbst mußte allein
-weiter reisen. Als sie endlich an dem ihr bezeichneten Kloster in Rom
-angekommen war, war es nachts 12 Uhr; sie vermochte es nicht mehr,
-sich aufzurichten und an der Schelle zu ziehen, sank vor Erschöpfung
-nieder und wurde früh morgens vor der noch ungeöffneten Pforte
-des Klosters von Vorübergehenden tot aufgefunden. Ihre Seele fand
-daher keine Ruhe, sondern schweift seitdem als weiße Frau in dem
-Rotengarten oder Raubgarten, dem jetzigen Pfarrgarten von Meerane,
-umher.</p>
-
-<p>In einem alten Buche über Meerane soll die Ermordung der
-beiden Kinder abgebildet sein mit den Unterschriften:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Mein lieber H., laß mich leben,<br /></span>
-<span class="i0">Ich will Dir Neudeck und Nossen (?) geben,<br /></span>
-<span class="i0">Pleißenburg, die neue,<br /></span>
-<span class="i0">Es wird Dich nicht gereue.« Und:<br /></span>
-<span class="i0">»Mein lieber H., laß mich leben,<br /></span>
-<span class="i0">Ich will Dir meine Puppen geben.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Fast ganz übereinstimmend mit unser Sage ist die von der Gräfin von Orlamünde.
-(Richter, deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 51.)</p></div>
-
-<h3 id="sec45">45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner
-Walde.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers G. Günther aus Lößnitz.)</p>
-
-<p>Auf dem zwischen Schloß Stein und Nieder-Schlema auf der Höhe
-des rechten Muldenufers emporragenden weißen Fels und in dessen<span class="pagenum"><a id="Seite_42">[42]</a></span>
-Umgebung hat sich vorzeiten eine Frauengestalt sehen lassen. Anfangs
-erschien dieselbe als weiß gekleidete Jungfrau, später aber als altes
-Mütterchen. In dieser Gestalt ist sie noch vor einigen Jahren von
-Holzlesern gesehen worden.</p>
-
-<h3 id="sec46">46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Br. Grimm, deutsche Sagen, I. No. 11.)</p>
-
-<p>Bei Annaberg liegt vor der Stadt ein hoher Berg, der Pöhl-
-oder Pielberg genannt, darauf soll vor Zeiten eine schöne Jungfrau
-verbannt und verwünscht sein, die sich noch öfters um Mittag, weshalb
-sich dann niemand darf sehen lassen, in köstlicher Gestalt, mit prächtigen
-gelben, hinter sich geschlagenen Haaren zeigte.</p>
-
-<h3 id="sec47">47. Die Jungfrau des Lauterstein bei Zöblitz.</h3>
-
-<p class="source">(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 5.)</p>
-
-<p>Einst hütete ein junger Hirte aus Lauterbach seine magere Herde
-bei der Ruine Lauterstein und legte sich auf den weichen warmen Rasen,
-um sich zu sonnen. Schon wollte er zu Mittag eintreiben, als er ein
-Geräusch hinter sich hörte. Er sieht sich um und erblickt eine Jungfrau,
-groß und stark, in einer Kleidung, wie sie niemand mehr trug; dieselbe
-war beschäftigt, Laub zusammen zu rechen. Freundlich kommt sie auf
-den Hirten zu, steckt ihm alle Taschen voll Laub und verschwindet, als
-er sich nach ihr umsieht. Voll Verwunderung und innerem Grauen
-treibt der Knabe seine Herde eilig nach Hause. Hier erzählt er bei
-Tische von der Erscheinung, greift in die Tasche nach dem Laube und
-zeigt es vor. Welch Wunder! Die Blätter hatten sich in eitel Gold
-verwandelt. Noch an demselben Tage gingen seine Leute in die Gegend
-der Ruine, um Laub zu rechen. Sie brachten ganze Säcke davon nach
-Hause, aber es war und blieb Laub. Der Hirtenknabe kaufte später
-das Lehngericht in Lauterbach; aber die goldspendende Jungfrau hat
-er nie wieder gesehen.</p>
-
-<h3 id="sec48">48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 519.)</p>
-
-<p>An den Breiten- und Röthelstein bei Beerheide knüpft man folgende
-Sage: Im grauen Altertume sollen von Ellefeld bei Falkenstein aus
-zwei alte Jungfrauen hierher verbannt worden sein, die noch jetzt ihr
-Wesen in dieser Gegend treiben. Denn bald fahren dieselben in feuriger<span class="pagenum"><a id="Seite_43">[43]</a></span>
-Kutsche mit dergleichen Rossen bespannt vom Breitenstein über den
-Göhlenbach zum Röthelstein, der dann seine Thore öffnet und sie aufnimmt;
-bald gehen dieselben in schwarzen Kleidern um den Röthelstein
-spazieren. Zuweilen findet man dort die schönsten Silber- und Kupfermünzen,
-die, wenn man sie aufgehoben und in die Tasche gebracht hat,
-aus derselben wieder verschwinden. &ndash; Auch wird erzählt, daß am Morgen
-des ersten Osterfeiertags die Jungfrauen des Röthelsteins tanzen.</p>
-
-<h3 id="sec49">49. Verwunschene Schloßfräulein hängen Wäsche auf.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 88.)</p>
-
-<p>Vor Jahren ging ein Mann im Graslitzer Amtshofe herum.
-Da bemerkte er auf dem Hausberge mehrere verwunschene Schloßfräulein,
-die eben Wäsche aufhingen. Um sich zu überzeugen, daß er sich
-nicht täusche, ging er auf den Berg, der Stelle zu, wo das Linnen
-aufgehängt war. Allein je weiter er ging, desto weiter schien sich das
-Linnen zu entfernen. Endlich stand es stille. Als er aber darauf losging,
-verschwanden die Jungfrauen und auch das Linnen und statt des
-letzteren sah er eine Masse von Spinnweben, die ihn so dicht umhüllten,
-daß er sich nur mit Not herausfitzen konnte.</p>
-
-<h3 id="sec50">50. Die Jungfrau auf dem Braunstein.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 44.)</p>
-
-<p>Droben am Braunstein zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal
-hat ein verwunschenes Schloß gestanden, das ist mit einer verwunschenen
-Jungfrau und vielen Schätzen versunken. Holt sie einmal ein recht
-frommer Mann, dann wird er mit ihr auch die Schätze heimführen.</p>
-
-<p>Der Petermüller unten hat es mit seinen eigenen Ohren zu Ostern
-jedesmal in der Passionszeit gehört, wie da die Jungfrau im Berge
-drinnen geweint, und bald darauf hörte er auch einen solchen Engelgesang,
-wie ihn die Leute niemals vernahmen. Die Jungfrau hat noch
-niemand zu holen versucht.</p>
-
-<p>An einem heißen Augusttage des Jahres 1848 schritt um die
-elfte Vormittagsstunde ein Mann aus Joachimsthal heiteren Sinnes
-an der »Petermühle« vorbei. Seine Verwunderung war nicht gering,
-als er bemerkte, daß die Müllerin, seine Verwandte, auf der unterhalb
-der Mühle gelegenen Wiese Heu wendete, da doch Sonntag war. Überzeugung
-kann nicht schaden, dachte sich unser Joachimsthaler und ging
-in die Mühle, um dort nach der Ursache zu fragen, daß die Frau des<span class="pagenum"><a id="Seite_44">[44]</a></span>
-Hauses heute am Sonntage, am Tage des Herrn, Heu mache. Doch
-welche Überraschung! Seine Verwandte stand gerade beim Ofen und
-bereitete das Mittagsmahl. Man eilte schnurstracks auf die Wiese,
-allein die Heumacherin, welche die Braunsteiner Jungfrau gewesen sein
-soll, war verschwunden. Derselbe Mann erzählte, daß sein Vater, als er
-Schafe hütete, die Braunsteiner Jungfrau habe herrliche Lieder singen hören.</p>
-
-<p>Drei Männern aus Mariasorg träumte einmal, sie sollten auf den
-Braunstein gehen, dort würden sie ungeheure Schätze finden, welche
-von einer verwunschenen Jungfrau bewacht würden. Als die Männer
-früh zusammen kamen, erzählten sie sich gegenseitig den seltsamen Traum
-und entschlossen sich, in der folgenden Nacht zwischen elf und zwölf
-Uhr auf den Braunstein zu gehen. Dort angelangt, fanden sie den
-Berg offen, gingen furchtlos hinein und erblickten wirklich eine große
-Pfanne mit Gold- und Silbermünzen und eine schöne Jungfrau, welche
-die Männer freundlich begrüßte und zu ihnen mit wohltönender Stimme
-sprach: »Diese Schätze gehören Euch; doch müßt Ihr die Pfanne samt
-dem Inhalte auf einmal forttragen.« Als aber einer der Männer,
-der die Ausführung dieser Forderung für unmöglich hielt, seine Meinung
-unverhohlen zum Ausdrucke brachte, verspürten alle drei gleichzeitig eine
-so derbe Ohrfeige, daß sie besinnungslos zu Boden sanken. Als die
-Männer wieder zum Bewußtsein erwacht waren, machten sie große
-Augen, weil sie sich, in ihrer Hoffnung getäuscht, auf der Oberfläche
-des Berges befanden.</p>
-
-<h3 id="sec51">51. Der Schön-Jungfern-Grund bei Ober-Wiesenthal.</h3>
-
-<p class="source">(I. F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg. No. 3. II. Ziehnert a. a. O.
-Anhang, No. 32.)</p>
-
-<p>I. Wer von Neudorf nach Oberwiesenthal wandert und die Richtung
-durch den Wald nach dem Fichtelberge einschlägt, kommt nach
-seinem Austritt aus dem Walde zuerst bei dem roten Vorwerke, sodann
-auf der andern Seite bei dem weißen Vorwerke vorbei und hierauf
-an den Schön-Jungfern-Grund, einen tiefen, von der Höhe des
-Fichtelberges beginnenden und sich nach Osten ziehenden Einschnitt. In
-diesem Grunde liegt oft der Schnee in den Wintern viele Meter tief
-und zeigt noch schmutzigweiße Reste im Spätfrühling, wenn längst
-schon Feld, Wiese und Wald sich grün geschmückt haben. Die Sonne
-kann ihm nicht gut beikommen und das herabrieselnde Gewässer kann
-nur den tiefliegenden fortbringen. So erklärt es der gewöhnliche
-Verstand. Die Sage weiß es anders und zwar so: Vor langen Zeiten
-stand hier ein schönes Schloß und darin wohnten noch schönere Burgfräulein.<span class="pagenum"><a id="Seite_45">[45]</a></span>
-Darauf kamen böse Raubritter, zerstörten das Schloß und
-ermordeten die schönen Jungfrauen. Sie leben aber doch noch, wohnen
-im Innern des Berges und bleichen im Frühlinge ihre Leibwäsche.</p>
-
-<p>II. Der Jungferngrund soll seinen Namen von zwei Jungfern
-haben, welche sich oftmals im Neumond sehen lassen. Es sind Schwestern;
-die eine spielt auf der Laute und die andere windet einen Kranz.
-Wer sie eigentlich sind, weiß niemand.</p>
-
-<p>Den Wiesenthalern dient der Jungferngrund auch als Wetterprophet.
-Denn wenn der Himmel über demselben hell ist, so wird &ndash; ob
-es auch sonst allenthalben trübe aussieht &ndash; zuverlässig schönes Wetter;
-wenn aber der Jungferngrund voll Nebel ist, so sagt man: Die Jungfern
-trocknen ihre Wäsche! und dann folgt kalte und nasse Witterung.</p>
-
-<h3 id="sec52">52. Die Burgfrau des Pürsteins.</h3>
-
-<p class="source">(Karl Jentscher in der Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg. S. 66.)</p>
-
-<p>Die Sage berichtet, daß einst in dem Bache am Schlosse Pürstein
-ein Knabe fischte, was die Aufmerksamkeit der Burgfrau erweckte.
-Sie saß nämlich oben auf dem Söller und winkte ihrem Gemahl,
-welcher in den Krieg zog, ihre letzten Scheidegrüße zu. Heftig erzürnt
-über den Knaben, der es wagte in diesem Bache Fische zu fangen, ließ
-sie ihn sofort gefangen nehmen und vorführen. Der Vater des Knaben,
-der Brücknerhäusel-Besitzer gewesen sein soll, warf sich zu Füßen
-der Burgfrau und bat um Gnade, allein vergebens; ja man fesselte
-jetzt beide und warf sie in das tiefste Burgverließ. Ein Knecht öffnete
-des andern Tages den Kerker, um dem Vater die Freiheit, aber auch
-den Befehl zu bringen, daß er sofort diesen Ort und die umliegende
-Gegend zu verlassen habe, sein Eigentum sei unter die Schergen
-verteilt und sein Weib ausgejagt worden. »Und mein Kind?« rief der
-Alte. Der Knecht deutete auf den Mühlberg, wo soeben das Haupt
-des Kindes unter dem Beile fiel und über die Höhe des Berges hinabrollte.
-Der arme Vater, auf das tiefste getroffen, wankte langsam
-den Burgweg hinab und nie kehrte er wieder. Seitdem wurde der
-Gipfel des Mühlberges »Kopfleiten« genannt und zum Andenken ein
-Kreuz dort errichtet, welches noch bis in die dreißiger Jahre dort stand.
-Wenn der Allerseelensonntag seine trüben Nebel über die Gegend
-wirft, dann wandelt der Knabe als eine lichte Gestalt traurig dahin,
-und aus den Felsen des Hinterwaldes ertönt ein Jammergeschrei. Die
-Burgfrau aber, von Gewissensbissen getrieben, hatte keine Ruhe mehr
-gefunden, weshalb auch ihr Gemahl das Schloß verließ und es seinen<span class="pagenum"><a id="Seite_46">[46]</a></span>
-nahen Vettern übergab. Ihr Schatten zog noch lange und oft auf dem
-Wege dahin, welchen das unglückliche Opfer zur Richtstätte genommen
-hatte. Viele wollte die alte Burgfrau zu den Schätzen des Schlosses
-locken, um durch diese von ihrem Schicksale erlöst zu werden, oft hatte
-sie sich den Dorfbewohnern in später Nachtstunde gezeigt, ein Becken
-mit Geld und Gold auf den Schultern tragend, &ndash; doch jeder wich
-scheu zurück und dachte an den armen Brücknersohn. Nur einem Manne
-gelang es, wie die Sage weiter erzählt, sich in einer Nacht reich zu
-machen. Ihm träumte, er solle dreimal auf die Brücke von Rodisfort
-gehen und zwar immer zur bestimmten Zeit; während er das dritte
-Mal zur Stelle war und harrend sann, kam die Burgfrau als ein
-altes, häßliches Weib hinkend auf ihn zu und deutete mit erhobener
-Krücke gegen Pürstein mit den Worten: »Gehe dahin gegen Pürstein
-auf das alte Schloß! Wenn dann der Mond am höchsten steht, so
-glänzt dir in der alten, schwarzen Mauer ein weißer Stein entgegen,
-diesen hebe hinweg, und was du suchtest, das wird dir mehr als zuviel!«
-Und er hob um Mitternacht diesen verhängnisvollen Stein hinweg,
-und fand so viel Gold, daß er nicht stark genug war, alles fortzubringen.
-&ndash; Seit dieser Zeit hat niemand mehr die alte Frau gesehen,
-und während früher in den alten Mauern nachts oft Getöse
-hörbar war, herrscht dort jetzt Grabesstille.</p>
-
-<h3 id="sec53">53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)</p>
-
-<p>Von Zeit zu Zeit ließ sich auf dem Schloßhofe zu Rabenau ein
-Fräulein sehen, welches des Nachts ruhelos auf demselben mit einem
-hellen, weitleuchtenden Lichte umherwandelte und auf Erlösung von
-dem Banne wartete. Welcher Art diese Erlösung sein sollte und
-warum das Fräulein umging, hat man nicht erfahren können.</p>
-
-<h3 id="sec54">54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.</h3>
-
-<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs I. 1822.
-S. 123 etc.)</p>
-
-<p>Am Hofe des Böhmenherzogs Wratislaw lebte im 11.Jahrhunderte
-ein Ritter Otto von Greifen, welcher sich, des Hoflebens müde,
-mit seiner Gemahlin in das damals unwegsame Erzgebirge zurückzog
-und im jetzigen Freiwalde eine Burg erbaute. Von dieser Burg, Greifenburg
-genannt, will man jetzt noch Überreste auf dem Greifensteine
-bei Ehrenfriedersdorf sehen. Seine Gemahlin schenkte ihm einen Sohn,<span class="pagenum"><a id="Seite_47">[47]</a></span>
-und als derselbe fünf Jahre alt war, brachte der Ritter ein zweijähriges
-Mädchen mit, welches er im Walde schlafend angetroffen
-hatte. Das Mädchen erblühte nach und nach zur herrlichen Jungfrau
-und so geschah es, daß sie von dem Junker Werner, dem Sohne
-Ottos von Greifen, mit welchem sie auf der Burg erzogen worden
-war, herzlich geliebt wurde. Werners Eltern ahnten nichts von diesem
-Verhältnisse; doch eine Entdeckung konnte nicht ausbleiben, da die
-Frucht der heimlich gehaltenen Liebe heranreifte. Unglücklicherweise
-aber geschah die Entdeckung zu einer Zeit, wo Werner angezogen war,
-einem alten Freunde seines Vaters, dem Ritter Bruno von Scharfenstein,
-gegen den räuberischen Rekko von Rauenstein, welcher vor
-achtzehn Jahren Brunos schwangere Gemahlin geraubt hatte, und seitdem
-mit jenem in Fehde lebte, in einem Kampfe beizustehen. Als Ritter
-Otto von Greifen von dem heimlichen Verhältnisse seines Sohnes zu
-seiner Pflegeschwester hörte, zieh' er dieselbe in seinem Stolze der Verführung
-und ließ sie in das Verließ seiner Burg hinabstoßen. Hier
-genaß das verlassene Mädchen eines Kindes und in einer sie befallenden
-Geistesstörung schleuderte sie dasselbe an die Mauer des Gefängnisses.
-Plötzlich aber stieg aus dem Boden eine Geistergestalt auf
-und sprach: »Heil mir, wehe dir! Seit langen Jahren bin ich wegen
-einer gleichen That zum ruhelosen Umherwandeln verurteilt worden.
-Jetzt bin ich durch dich erlöst und du wirst meine Stelle so lange
-einnehmen, bis einst ein keusches Weib, das niemals einen unreinen
-Gedanken in seiner Seele gehabt hat, in stiller Mitternacht deinen
-Namen dreimal ohne Furcht rufen wird!« Die Gestalt verschwand,
-und das gefangene Mädchen sank zu Boden, um in fürchterlicher
-Raserei wieder zu erwachen, wobei sie sich endlich den Kopf wie den
-ihres Kindes an der Gefängnißmauer zerschmetterte. Ihr Geist aber
-erschien in der Nacht dem hartherzigen Pflegevater und verkündete seinem
-Hause Verderben. Reuig eilte er in den Kerker, wo er den Leichnam
-seiner unglücklichen und verstoßenen Pflegetochter neben dem ihres
-Kindes fand. Da ließ er beiden ein ehrendes Begräbnis bereiten;
-doch eben, als dies geschah, kehrte sein Sohn wieder zurück. Derselbe
-war voller Freude, denn durch ihn war der räuberische Rekko von
-Rauenstein gefallen, und in der Todesstunde hatte derselbe bekannt, daß
-Brunos von Scharfenstein geraubte Gemahlin eines Töchterchens sehr
-schwer genesen und an den Folgen der Entbindung gestorben sei. Das
-Kind aber habe er bei einem Köhler des großen Schellenberger Waldes
-zwei Jahre lang erziehen lassen und dann, als es ihm lästig geworden
-sei, weiter für dasselbe zu sorgen, im Freiwalde, ohnweit Ottos Burg
-aussetzen lassen. Dieses Kind war also kein anderes, als Werners<span class="pagenum"><a id="Seite_48">[48]</a></span>
-unglückliche Pflegeschwester; sie war ihm durch ihre Geburt ebenbürtig
-und daher war er hoffend, daß seine Eltern in eine Verbindung mit
-ihr willigen würden, zurückgekehrt. Als er nun alles erfuhr, was sich
-während seiner Abwesenheit zugetragen hatte, sank er in tiefe Ohnmacht.
-Als er wieder erwachte, hatte stiller Wahnsinn seine Seele umnachtet;
-er endete sein Leben in einem Kloster der Ritter vom Hospital zu
-Prag. Otto von Greifen und seine Gemahlin erlagen bald dem Übermaße
-ihres Grams. Die Greifenburg fiel als erledigtes Lehen an
-Herzog Wratislav, wurde aber später, da die folgenden Besitzer zum
-Räuberhandwerk griffen, auf Befehl Wipprechts von Groitzsch zerstört.
-Sie ist nie wieder aufgebaut worden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Historisch ist, daß auf dem Greifensteine eine Burg »Gryfenstein« gestanden
-hat; sie wird als ein markgräflich meißnisches Lehen der Dynasten von Waldenburg
-urkundlich im Jahre 1372 angeführt. (Herzog, Archiv für sächs. Gesch. II. S. 76.)</p></div>
-
-<h3 id="sec55">55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 101.)</p>
-
-<p>In der zur Gemeinde Breitenbach gehörigen Ortschaft Ziegenschacht
-lebte vor langer Zeit eine Jungfrau, welche ihres Geizes und ihrer
-Ungerechtigkeit wegen gefürchtet war. Seit ihrer Verlobung kannte
-ihre Habsucht keine Grenzen. Um ihr Heiratsgut, woran ohnedies
-schon die Thränen der Armut hingen, zu vergrößern, bediente sie sich
-sogar beim Verkaufe der Milch eines so schlechten Maßes, daß sich
-darüber allgemeine Klagen erhoben. Als die hartherzige Jungfrau
-dieselben jedoch nicht berücksichtigte, wurde sie von einer Milchkäuferin
-verwünscht. Von dieser Stunde an wandelt die Jungfrau auf dem
-Ziegenschachter Wege noch bis heute herum. In der Hand trägt sie
-ein Milchseidel und auf dem Kopfe einen grünen Kranz. Doch sehen
-die verwünschte Jungfrau, die bloß zu gewissen Zeiten erscheint, nur
-wenige Menschen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auf die mögliche Verwandtschaft der Ziegenschachter Jungfrau mit der Huldra
-wurde bereits in der Einleitung hingewiesen. Eine thüringische Sage ist übrigens
-der unsrigen sehr ähnlich. Eine Krämerin, welche ihre Käufer durch falsches Gewicht
-und Maß betrog, wandelt ebenfalls als Gespenst in der Nähe von Mehlis
-bei dem Reißigersteine umher und ruft dabei: »Drei Viertel für ein Pfund! Drei
-Quärtchen für eine Kanne!« (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 10.)
-Daß aber gerade der Betrug beim Milchverkauf mit dem gespenstischen Umherwandeln
-der Betrüger bestraft wird, ist eine in der Volkssage erhaltene Erinnerung an
-den hohen, alle übrigen Besitztümer überragenden Wert der Milch und Milch gebenden
-Tiere aus dem frühesten Zeitalter der indoeuropäischen Völker.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_49">[49]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec56">56. Die Jungfrau des Grauensteins bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 64 etc.)</p>
-
-<p>Sehr viel wird von der Grauensteiner Jungfrau erzählt, welche
-keinen Kopf hat und sich zuweilen blicken läßt. Einst ging ein Weib
-von Joachimsthal nach Holz, da bemerkte sie einen schönen rasigen
-Platz, auf dem sich Wäsche ausbreitet fand. Darauf zugehend, um
-es näher anzuschauen, bemerkte sie, daß die Wäsche immer reiner und
-schöner ward. In ihrem Innern regte sich der Wunsch, ein Stück
-Wäsche zu nehmen, was sie auch that. Plötzlich hörte sie hinter sich
-ein Geschrei; als sie aber, sich umsehend, niemanden bemerkte, nahm
-sie noch ein Stück Wäsche und ging ihren Weg, auf ein abermaliges
-Rufen nicht achtend. Sie erreichte eben einen Kreuzweg, als die unbekannte
-Stimme zum dritten Male sich hören ließ: »Wenn kein Kreuzweg
-gekommen wäre, wärest Du des Todes!« Hätte sie alle Wäsche
-gestohlen, so wäre die Grauensteiner Jungfrau erlöst worden.</p>
-
-<p>Es geht noch die Sage, daß das Weib an derselben Stelle, wo
-es ein Stück Linnen erbeutete, um Mitternacht eine wundersam blaue
-Flamme als Wahrzeichen eines verborgenen Schatzes emporschlagen
-sah. Als sie, um den Geist zu bannen und den Schatz zu heben,
-ihren Rosenkranz in den blauen Flammenschein geworfen hatte, siehe
-da! des Morgens lagen an dieser Stelle zwei funkelnde Silbersiebzehner.</p>
-
-<p>Eines Tages ging ein altes, gebücktes Mütterchen in den Wald,
-um dürre Reiser zu sammeln. Als die Alte in der Nähe des Grauensteines
-das aufgeschichtete Reisigbündel zusammengebunden hatte und
-es auf den Rücken nehmen wollte, tönte ihr von dort bezaubernder
-Gesang entgegen. Das Mütterchen lauschte eine Weile, faßte sich
-dann ein Herz und schritt dem Grauensteine zu. Doch welch eine Überraschung!
-Es erblickte daselbst ein prächtiges Schloß, vor dem eine
-schöne, weißgekleidete Jungfrau Wäsche bleichte. Kaum wurde die
-Jungfrau des Weibes ansichtig, so zog sie sich stillschweigend und langsam
-hinter die Mauern des Schlosses zurück. Als aber das herzhafte
-Mütterlein nach einem Stück Wäsche griff und mit dem gestohlenen
-Gut davontrippelte, verschwand unter Blitz und Donner das Zauberschloß,
-an dessen Stelle wieder die Halde war. &ndash; Wie die Sage
-weiter erzählt, soll das Weib, das auf diesen weggenommenen Linnen
-ein paar Jahre gelegen hat, darauf schmählich verkommen sein.</p>
-
-<p>Der Bergschmied Bernhard ging eines Tages nach der Schönerzzeche,
-um dort sein Gezähe in Ordnung zu bringen, all die Fäusteln
-und Stopfer, Stecher und Bohrer, Hacken und Sägen, mit denen der
-Bergmann hantiert. In der Mondscheinnacht kam er zwischen elf<span class="pagenum"><a id="Seite_50">[50]</a></span>
-und zwölf Uhr am Grauensteine an. Potztausend! Auf der blanken
-Wiese, wo weitum keine Einschichte liegt, rings Wäsche um Wäsche,
-die ganze Wiese ist von Linnen vollauf überspannt. Bernhard nahm
-sich sein klopfendes Herz in die Hand, und eine innere Stimme sagte
-ihm: Ei! für wen liegt so herrliche Wäsche ausgespannt? die Geister
-haben genug daran, unsereins wäre reich fürs ganze Leben! Greif zu,
-Bernhard! Nimm, so viel du schleppen kannst! Und er griff zu, faßte
-die Wäsche mit beiden Händen, schlug sie über den Rücken, wand sie
-um den Leib und lief hastig; doch horch! Hollah! hinterher welch ein
-Gepolter, welch ein Getümmel, welch ein Gekrach! Ist der Grauenstein
-geborsten? Schnell, wie er sie zusammenraffte, warf er die Wäsche
-wieder von sich. &ndash; Da hat er die Poltergeister versöhnt; denn mit
-einemmale ist es stille geworden ringsum, und die Wäsche war verschwunden,
-als er sich umsah, und er lief voll Entsetzen nach der
-Schönerzzeche.</p>
-
-<p>Einem Weibe aus Joachimsthal träumte in einigen aufeinander
-folgenden Nächten, sie solle auf ihre unweit des Grauensteins gelegene
-Wiese gehen, dann könne sie reich werden. Als sie sich endlich in einer
-mondhellen Nacht auf den Weg machte und zwischen 11 und 12 Uhr
-auf der Wiese anlangte, sah sie zu ihrer Verwunderung auf derselben
-ringsum Kinderwäsche ausbreitet. Find' ich auch kein Geld,
-dachte sie, so lasse ich doch auch dieses Zeug nicht liegen. Sie nahm
-also die Wäsche in ihre Schürze und trat die Heimkehr an. Doch
-siehe! Kaum näherte sich das Weib einem Graben, da rührte es sich
-mit einemmale in der Schürze und als sie dieselbe öffnete, erblickte
-sie darin lauter zischende Ottern. Vor Furcht und Ekel warf sie alle
-in den Graben und lief bestürzt nach Hause; nur zwei Schlangen erreichten
-den jenseitigen Rand. Als das Weib des anderen Tages zu
-dieser Stelle kam, fand sie zwei Häufchen Gold.</p>
-
-<h3 id="sec57">57. Die eifersüchtige tote Frau.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 943.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1666 im September hat sich in einer Bergstadt folgendes
-begeben. Eine Frau war in der Fastenzeit gedachten Jahres
-Todes verblichen. Da nun der Witwer zur andern Heirat schreiten
-wollte, kam immer ein Gespenst in der Gestalt der verstorbenen Frau
-und ängstigte ihn, daß er keine Ruhe haben konnte. Daher gebot er
-seinem Gesinde, sie sollten in der Stube schlafen und ihr Bette vor
-seine Schlafkammer schieben. Am Donnerstage zuvor spricht das Gesinde:
-Herr, wenn ihr doch zuvor, ehe ihr wieder Bräutigam seid, eurer<span class="pagenum"><a id="Seite_51">[51]</a></span>
-vorigen Frau einen Leichenstein legen ließet, vielleicht bliebe sie außen.
-Er bestellte am Freitage die Maurer und läßt ihn legen und sagt:
-Nun habe ich meine Alte fein eingeschwert, sie wird nicht wiederkommen,
-der Teufel müßte sie denn heraus führen. Er nimmt die
-Maurer mit sich nach Hause, ißt und trinkt mit ihnen, bestellt einen
-Boten, der morgens frühe soll weglaufen, gehet zu Bette, und das
-Gesinde liegt vor der Kammerthür. Zur Mitternacht kommt ein Gespenst
-in die Stube, sucht erst in den Registern und blättert darin,
-darnach rauschet es über das Gesindebette weg, kam in die Kammer
-und würgte den Mann. Früh kam der bestellte Bote und wartete zwei
-Stunden; das Gesinde hieß ihn anpochen, rufen und gar hinausgehen,
-da findet er ihn tot. Und dieser Mann hat sich nach dem Tode gleichfalls
-sehen lassen.</p>
-
-<h3 id="sec58">58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe
-gebracht.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 946.)</p>
-
-<p>In Joachimsthal hat sichs begeben, daß ein Gespenst in Gestalt
-einer daselbst verstorbenen Frau immer in ihres hinterlassenen Mannes
-Haus kam und ihn bei Tag und Nacht beunruhigte. Der Witwer
-klagte seine Not dem Pfarrer und bat, ob er nicht gegen Mittag zu
-ihm kommen und wider den Geist beistehen möchte. Der Pfarrer kam
-endlich auf des Mannes inständiges Bitten, und da erschien die gespenstische
-Frau gleich am Mittage in ihrem Todeshabit, wie sie im
-Sarg war beschicket worden. Der Pfarrer redete den Geist getrost an
-und fragte ihn, was er hier im Hause zu schaffen habe. Das Gespenst
-sagte: Ich habe eine Kette verborgen, die liegt da und da vergraben;
-ebenso fürchte ich auch, mein Mann möchte eine Person in
-der Nachbarschaft heiraten, mit der ich nicht kann zufrieden sein, darum
-kann ich auch im Grabe nicht ruhen. Der Pfarrer aber verwies dem
-Teufel seine Bosheit und trieb ihn mit Gottes Wort so weit, daß er
-keine Ausflucht mehr hatte, sondern es verschwand die gespenstische Gestalt
-allmählich und ließ endlich an der Stelle, da sie gestanden, eine
-Hand voll Asche übrig. Sie ist auch von der Zeit an nicht wieder gesehen
-worden.</p>
-
-<h3 id="sec59">59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Schwester zu ihrem Rechte.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 947.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1694 hat sich im September in einem Bergstädtchen
-zugetragen, daß eines Fleischhackers Frau vier Wochen nach ihrem Begräbnis<span class="pagenum"><a id="Seite_52">[52]</a></span>
-wieder kam. Sie hatte sonst den Nachruf eines frommen und
-eingezogenen Lebens und man sagte von ihr, daß sie sich zu ihren Lebzeiten
-unterschiedlichemal über das böse Leben beklagt habe, so ihr
-zweiter Mann mit Fluchen und Streit nebst den Kindern treibe, und
-daß sie es nicht vertragen könne, sie müsse viel leiden, daß es kein
-Wunder wäre, sie ließe sich lebendig begraben. Als sie kurz darauf
-starb, hinterließ sie auch eine arme Schwester, welche bei dem Witwer
-allerhand Erbstücke suchte, aber nichts erhalten konnte. Ungeachtet nun
-diese Erbforderung gerichtlich beigelegt worden war, wollte sich doch die
-blutarme Schwester nicht so abweisen lassen und vergoß viel Thränen.
-Der Witwer lag nebst seinem Sohne krank in der Unterstube. Da
-kommt ein Gespenst zu Mitternacht in Gestalt der Verstorbenen und
-setzt sich vor sein Bette. Er erschrickt und fängt an zu beten: Gott,
-der Vater steh' uns bei! zu dreien malen, aber die gespenstische Frau
-will nicht weichen, der Kranke kann nicht fort und schwitzet gar sehr.
-Es schlägt 12 Uhr, da meint er, nun werde sie fortgehen, aber sie
-bleibet sitzen bis nach 2 Uhr. Da fängt er an: Alle guten Geister
-loben Gott den Herrn. Sie antwortet, zwei Schritte zurücktretend:
-Ich auch. Der Kranke fragt: Was wollet ihr hier? Gehet hin, wo
-ihr hingehöret. Sie antwortet: Ihr sollt meiner Schwester Magdalena
-nicht alles nehmen. Und damit fuhr der Geist zum vordern Fenster
-hinaus. Eine Hausgenossin wohnte in der Oberstube, die auf der Bank
-liegend eben dieses Gespenst gesehen, welches sie angegriffen und begehrt,
-man solle ihre Schwester nicht kränken; damit warf's ein Biermaß
-nach ihr und blieb außen.</p>
-
-<h3 id="sec60">60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>In der früheren, jetzt nicht mehr vorhandenen Kirche zu Wildenfels
-befanden sich die Begräbnisse der verstorbenen Glieder der erlauchten
-gräflichen Familie der Herrschaft. Alte Leute erzählen noch jetzt,
-einst habe eine verstorbene Gräfin daselbst nicht Ruhe finden können,
-sondern sei oft in der Kirche umhergewandelt und habe die Orgel
-gespielt. Als sich endlich der Pfarrer des Ortes entschloß, sie zur
-Ruhe zu bringen, habe er den Kantor vor der Kirchthüre mit der
-Weisung stehen bleiben lassen, während seiner, des Pfarrers Abwesenheit
-in der Kirche, ein Gebet zu verlesen. Als der Kantor aus Neugierde durch
-ein Schlüsselloch sah, soll eine Stimme gerufen haben: »Es guckt!«
-Nach Beendigung der Beschwörung trat der Pfarrer aus der Kirche<span class="pagenum"><a id="Seite_53">[53]</a></span>
-und verkündete dem Kantor, daß sie beide in dem Jahre sterben müßten.
-Solches soll dann auch geschehen sein.</p>
-
-<h3 id="sec61">61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.</h3>
-
-<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen, S. 618.)</p>
-
-<p>Auf der Straße zwischen Altenberg und Zaunhaus, in der Nähe
-des Kahlenberges gesellt sich nach der Sage manchmal eine schweigsame,
-dunkelgrün und nach längst vergessener Mode gekleidete Frau zu dem
-Wanderer, geht neben ihm her, ohne ihm Rede zu stehen, biegt auch
-wohl auf einen sonst nicht sehr betretenen Waldweg ein und verschwindet
-daselbst. Dieselbe zeigte sich zumeist nach Eintritt der Abenddämmerung,
-seltener des Nachts, ist aber auch schon im Morgengrauen bemerkt
-worden. Ein Mann erzählte, daß er in seiner Jugend, als er am
-frühesten Morgen der verbotenen Lust des Vogelstellens in der Nähe
-von »Paradies-Fundgrube« am Kahlenberge nachgehen wollte, einer
-lustwandelnden Dame begegnete, die er höflich begrüßte und anredete,
-da er selbige für die alte Schwester des damaligen Bergmeisters hielt.
-Der junge Mann erhielt keine Antwort; die Frau ging an ihm vorbei,
-in einen Waldweg hinein und verschwand dort vor seinen Augen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Diese Sage könnte vielleicht besser unter den Dämonensagen stehen, da die grüngekleidete
-Frau an Holzweibchen erinnert, welche im Vogtlande grün erscheinen.
-Ebenso erzählen Tyroler Sagen von den grüngekleideten Norgen oder Wildmänneln,
-die zu den Pflanzendämonen gehören und mit denen auch die grünen, in Menschengröße
-erscheinenden Männchen der Burgundischen und Schweizer Sage, welche die
-Leute im Walde irre führen, verwandt sind.</p>
-
-<p>Grün ist auch die Farbe des Teufels. Auf dem Blocksberge erschien der
-Teufel grün und ebenso waren auch die Hexen bei ihren Tänzen in Grün gekleidet.
-(Österreich. Touristenzeitung, I. No. 5.)</p></div>
-
-<h3 id="sec62">62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer Mitteilung von L. Fischer aus Aue.)</p>
-
-<p>Vor langer Zeit war auf dem Rittergute Klösterlein bei Aue
-ein Fräulein gestorben, welches nach seinem Tode des Nachts auf der
-Mulde dahin schweben sollte. Da geschah es, daß zwei Bergleute einst
-eines Sonntags in einer schönen Sommernacht von Schlema nach Zelle
-gingen, um daselbst Musik zu machen. Ihr Weg führte sie über die
-sogenannte Ochsenwiese und den Klostersteg. Als sie an die Ochsenwiese
-kamen, setzten sie sich nieder, um ein wenig auszuruhen; dabei
-kamen sie auf den Gedanken, dem Fräulein ein Morgenständchen zu
-bringen, und als sie eine Weile geblasen hatten, näherte sich ihnen<span class="pagenum"><a id="Seite_54">[54]</a></span>
-das in einen Schleier gehüllte Fräulein und warf jedem ein
-Sträußchen in den Schoß. Der eine von ihnen steckte dasselbe in
-eine Tasche seines Kittels, der andere aber warf es weg. Als
-am nächsten Morgen derjenige, welcher sein Sträußchen eingesteckt
-hatte, den Kittel wieder anziehen wollte, kam ihm derselbe so schwer
-vor, und da er in die Tasche griff, um nachzusehen, zog er sein
-Sträußchen heraus, welches sich in pures Gold verwandelt hatte. Voll
-Freude teilte er dies seinem Kameraden mit. Da nun derselbe eilends
-nach der Ochsenwiese lief, um das andere Sträußchen zu suchen, konnte
-er es nirgends finden und er mußte unverrichteter Sache wieder nach
-Hause zurückkehren.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Ähnlich ist die Sage von den Musikanten aus Kleingölitz, welche des Nachts
-am alten Schlosse vorbeigehen und dem alten Grafen, welcher in der Burg umgeht,
-ein Ständchen bringen. Jeder von ihnen erhält ein grünes Buchenreis, welches
-jedoch nur einer behält; am andern Morgen sieht er, daß es vom reinsten Golde ist.
-(Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 193.)</p></div>
-
-<h3 id="sec63">63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um
-eine gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem
-weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man
-von ihr beschenkt. &ndash; Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine Begräbnishalle,
-in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein
-auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis
-es mit dieser Frau hat, kann niemand sagen.</p>
-
-<h3 id="sec64">64. Die alte Frau in der Isenburg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach
-diente vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals
-noch besser erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem
-Mädchen kam eines Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte,
-es solle mit ihr gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen
-das zerfallene Gemäuer der Burg und hier in ein bis dahin verborgen
-gewesenes Zimmer, dessen Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte
-sie, das Mädchen solle ihr das Zimmer kehren. Als solches
-geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2 Groschen. Dies wiederholte
-sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen das Wohnzimmer<span class="pagenum"><a id="Seite_55">[55]</a></span>
-der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da geschah es,
-daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging. In
-der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt
-hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt,
-deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke.
-Als nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes
-Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen
-war. Von dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg
-nie wieder erschienen.</p>
-
-<h3 id="sec65">65. Das Fegeweib vom Katzenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27.
-Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.)</p>
-
-<p>In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter
-auf einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau
-bei Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch
-seine Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung
-ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten
-also vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus
-Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen,
-sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn
-auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem
-Teufel im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit
-demselben die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich
-traf keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse.
-Schon wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan
-eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er
-wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so
-geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte die
-Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und
-nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die
-Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse
-Ritter ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch
-heute aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige
-Amme die Trümmerhaufen fegen sehen.</p>
-
-<h3 id="sec66">66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.</h3>
-
-<p class="source">(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach
-bei Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1675 im Monat Oktober hat sich auf der Superintendentur
-zu Glauchau ein Gespenst sehen lassen, welches einen weißen<span class="pagenum"><a id="Seite_56">[56]</a></span>
-Trauerhabit anhatte und sich für eine von Adel ausgab, so bei dem zu
-Glauchau früher befindlichen Nonnenkloster die Stelle einer Äbtissin
-vertreten habe. Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später
-nur die weiße Frau genannt hat, einer hier dienenden Nähterin aus
-Leipzig, namens Marie Sabine Demantin erschienen, ist vor das Bett,
-in welchem sie mit der Kindermagd lag, getreten, hat geächzt und geseufzt,
-dann hat es die silbernen Eßlöffel, welche in einem Körbchen
-gelegen, gezählt und, da ihrer nur elf gewesen, gesagt: »Ei, des Herrn
-Löffel fehlt!« was auch der Fall gewesen. Hierauf hat es des
-Superintendenten langen Mantel und die mit Pelz gefütterte Schaube
-seiner Frau, welche an der Wand gehangen, heruntergenommen, den
-Mantel und die Schaube oben darauf umgenommen und ist so in der
-Stube herumspaziert, als aber das Kindermädchen darüber gelacht
-und gesagt: »Was macht denn der Narr!« ist es ihr schlecht bekommen,
-denn sie hat augenblicklich im Munde und Gesicht heiße Blasen bekommen
-und deshalb 14 Tage das Bett hüten müssen. So oft aber,
-als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen Glanz und Schimmer
-um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der Erde erkennen
-konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A.
-Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet
-worden waren, in dieselbe niedergelegt, um das Gespenst abzulauern,
-es ist aber nicht von ihnen wahrgenommen worden, sondern
-hat sich nur durch Geräusch kundgegeben, hat auch mit einem schweren
-Steine in die Kammer geworfen, daß darüber alles erschüttert worden
-ist; darauf ist es in den Stall gegangen, und hat daselbst einer alten
-Ziege den Hals umgedreht, auch in dem Hühnerhause gegenüber eine
-Henne erdrückt. Seit dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu
-der Nähterin gekommen und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr
-Bett gestellt, auch öfters bitterlich geweint, da denn die herabfallenden
-Thränen wie weiße Milch ausgesehen, welche das Gespenst mit einem
-schönen weißen Schnupftuch abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent
-dem Mädchen verboten, sich mit dem Gespenste in ein Gespräch
-einzulassen, hat sie es doch nicht lassen können, sondern gefragt,
-was es denn wolle, worauf es mit einer ganz ungewöhnlichen Stimme
-geantwortet, sie solle mit ihm gehen und einen Schatz heben, der gehöre
-zwar dem Superintendenten, allein sie solle davon allen im Hause
-soviel bringen, daß sie alle genug hätten.</p>
-
-<p>Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt,
-endlich ist die Nähterin mitgegangen, und wie sie durch des Superintendenten
-Studierstube gehen und zwei angezündete Unschlittlichter in
-den Händen haben, thut sich auf einmal die Thüre auf den Saal<span class="pagenum"><a id="Seite_57">[57]</a></span>
-hinaus von selbst auf, worauf ihr ein ziemlicher Haufe von schwarzgekleideten
-Mönchen entgegenkommt, unter welchen ein sehr langer war,
-der sich nach ihr hinneigte und beide Lichter ausblies, daher sie seufzte:
-Ach Jesus! Aber diese Worte zogen einen solchen Tumult nach sich,
-daß es schien, es wolle alles zu Grund und Boden gehen. Hierauf
-ist sie vor Schreck davon gelaufen, hat sich aber verirrt und ist in
-das Schlafgemach des Superintendenten gekommen, der von dem Lärm
-aufgewacht war und gemeint hatte, es sei ein großer Stein in seine
-Studierstube geworfen worden. Als er aber die Nähterin erblickt, hat
-er ihr zugerufen zu beten, und selbst angefangen zu singen; das Mädchen
-aber hat gesehen, wie die ganze Kammer nach und nach durch das
-Absingen der geistlichen Lieder von den schwarzen Mönchen, mit denen
-sie angefüllt war, leer ward. In der nächsten Nacht ist das Gespenst
-zu der Nähterin, die mittlerweile krank geworden war, wiedergekommen
-und hat gesagt, sie hätte sich nicht fürchten sollen, denn die schwarzen
-Männer würden ihr nichts gethan haben, der Schatz stehe schon außen
-und bestehe aus Kirchenkleinodien, welche vor etlichen 100 Jahren dorthin
-gebracht worden seien, sie möge nur nachsuchen lassen, so würden
-sich gewiß Vorzeichen finden. Als man nun nachgesucht, haben sich
-verschiedene Gefäße von Zinn und etliche Lampen von Thon gefunden,
-welche noch so neu und weiß waren, als wenn sie erst gestern hineingelegt
-worden wären. Unter der Grundmauer hat man auch ein mit
-Ziegelsteinen ausgemauertes Behältnis und am Ende desselben starke
-Pfosten von Eichenholz und nach denselben schöne Schiefertafeln gefunden,
-mit welchen das Behältnis oder die Kästen zu den Kleinodien
-bedeckt gewesen waren, die letzteren sind aber nicht mehr zu sehen gewesen,
-sondern waren, wie man meinte, verrückt worden. Aber über
-den Ziegeln hat ein großer Ziegelstein, ein Quadrat, gelegen, auf
-welchem ein Crucifix ganz kenntlich geprägt gewesen ist. Während dem
-hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der Mauer
-über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn
-Bergleute da arbeiten und etwas bewältigen wollten, allein als man
-zum Fenster hinabgesehen, hat man nicht das Geringste wahrgenommen.
-Während des Grabens hat man auch etliche Totenknochen gefunden,
-welche vermutlich Reliquien von diesem und jenem Heiligen gewesen,
-so zu diesem Schatz gelegt worden, daß er sich nicht verrücken möchte.
-Es hat auch das Gespenst bei dem Ausfüllen des gemachten Loches
-nicht wenig Widerwillen, zum Teil auch Spötterei sehen lassen, denn
-nachdem man lange Bratspieße genommen und an dem Orte, wo die
-Ziegelsteine herausgegangen waren, herabwärts in den Erdboden gefühlt,
-ob sich etwa die Kästen gesenkt, hat es bei der Nacht auch einen<span class="pagenum"><a id="Seite_58">[58]</a></span>
-Bratspieß mitgebracht und hin und wieder in der Kammer mit solchem
-gegen den Boden gefühlt. Da man nun wirklich anfing, den Berg
-wieder einzufüllen, hat es nicht allein mit Ziegeln und Steinen um
-sich geworfen, daß die Arbeitenden davon liefen, sondern es hat auch
-in der folgenden Nacht die Betten des Frauenvolks mit Schutt und
-Erde bestreut, daß darüber etlichen, zumal den Mägden, der Mund
-mit Erde angefüllt ward, den sie im Schlafen offen gehalten.</p>
-
-<p>Als nun die Nähterin nicht wieder mit dem Gespenst allein
-gehen wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, das 3jährige Söhnlein des
-Superintendenten mitzunehmen, von welchem die weiße Frau gesagt,
-sie habe sich gefreut, als es geboren worden, denn es werde sie erlösen.
-Wirklich hatte man bemerkt, daß seit der Geburt dieses Kindes
-sich das Gespenst sehen ließ; es kam auch mit einem großen Bund
-Schlüssel in die Kammer, wo die Schwester des Superintendenten
-schlief, und sagte: Nun ist der geboren, der mich erlösen wird! Als
-später die Kindermagd einmal das Knäblein mit sich ins Bett genommen,
-ist das Gespenst darauf losgegangen und hat es aus dem Bett reißen
-wollen mit den Worten: »Harre, harre, Du bist mein!« Darüber ist
-die Magd aufgewacht, hat aber das Kind so fest an seinem Hemdchen
-gehalten, daß dasselbe entzweiriß, das Gespenst aber hat das Kind fahren
-lassen und ist auf die Magd gefallen und hat solche dermaßen gedrückt,
-daß sie kaum mehr Atem holen können. Von dieser Zeit an hat sich das
-Gespenst aber auch in der eigenen Schlafkammer des Superintendenten,
-wo dessen Söhnlein in einem Gitterbettlein schlief, eingefunden, hat
-dasselbe öfter beunruhigt, die Flügel in dem Bettchen aufgemacht und
-es gereizt, es solle aufstehen und mitgehen, sie wolle ihm schöne gelbe
-Pfennige geben, es hat auch dergleichen Goldstücke mitgebracht und
-dem Kinde gezeigt. Während dem ist aber die Nähterin einmal
-über das andere von dem Gespenste genötigt worden, sie möge doch
-nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen werde, es solle
-weder ihr noch dem Kinde ein Leid geschehen, und sie werde soviel
-finden, daß sie für ihre Lebtage daran genug haben werde. Daher
-hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf das
-Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studierstube gegangen
-und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus
-seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht
-hat, welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem
-sich aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der
-Wachsstock, den das Gespenst nebst einem langen Briefe mit Mönchsschrift
-beschrieben, in der rechten Hand gehabt, sehr helle, wie wenn
-des Morgens die Sonne aufgeht, geleuchtet, ist das Knäblein gleich<span class="pagenum"><a id="Seite_59">[59]</a></span>
-darüber aufgewacht und hat dem Gespenst eine Ohrfeige nach der anderen
-gegeben, daß sie es endlich vom Arme herabgelassen und mit der linken
-Hand fortgeführt, weil es nicht weiter hat mitgehen wollen. Da dann der
-ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer
-Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben,
-und haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit
-Geigen, Posaunen und Trompeten aufs Lieblichste musiciert, wie solches
-alle im Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind samt der
-Nähterin an die Treppe kommt, sieht es daselbst einen großen schwarzen
-Hund sitzen, der eine feurige Zunge aus seinem Rachen reckt, ist
-aber davon noch mehr erschrocken, und fängt an zu schreien: Ach,
-Hund beißt! Hund beißt! worauf es sich aus den Händen des Gespenstes
-gerissen und wieder in die Studierstube gelaufen ist. Da nun
-die Nähterin solches gesehen, entfällt ihr der Mut auch, sie kehrt ebenfalls
-um, allein es ist ihr wie das erste Mal nicht wohl bekommen,
-sondern die bösen Geister haben sie bei den Haarzöpfen ergriffen, zurückgezogen
-und etliche Mal wider den Boden gestoßen, wobei es ihr
-vorgekommen ist, als wenn neben ihrem Kopfe lauter Pistolen losgeschossen
-würden. Indem sie nun noch mit großer Mühe in die Studierstube
-gekommen und niedergesunken, nicht wissend, wo sie sei noch
-wie ihr geschehen, da hat sich das Knäblein umgewandt, sie bei der
-Hand genommen, und vollends in seines Vaters Schlafkammer geführt,
-wohin die Frauenzimmer aus der anderen Kammer gelaufen kamen
-und sie hier zu erquicken suchten. Der Superintendent hat nun die
-ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde des Morgens
-und Abends seine Andacht gehalten, die Nähterin aber, weil sie
-zum zweiten Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie jedoch
-fort gewesen, so hat das Gespenst sich die folgende Nacht darauf in
-der Kammer, wo die Nähterin sonst gelegen, mit vernehmlicher Stimme
-hören lassen: »Wo Ihr mir die Marie Sabine nicht wieder herschafft,
-so will ich auf den dritten Abend so turnieren, daß Ihr nicht sollt
-darinnen bleiben können.« Worauf der Herr des Hauses, der solches
-gehört, geantwortet: »Der Teufel ist ein Lügner, er wird's auch diesmal
-bleiben!« Und wirklich ist es in der darauf folgenden Nacht
-ganz still geblieben und hat sich seit der Zeit nichts wieder von dem
-Spuk hören lassen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_60">[60]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec67">67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Iccander, Sächs. Kernchronik, bei Gräße, Sagenschatz des K. S.,
-No. 453.)</p>
-
-<p>In Olbernhau starb im Jahre 1719 eine hochschwangere Frau
-und ward gewöhnlicher Weise begraben. Da kommt einige Tage darauf
-ein Student auf den Kirchhof und liest dort die Inschriften
-der Grabsteine. Plötzlich sieht er auf einem Grabe eine weinende
-Frauensperson stehen, die auf sein Befragen, warum sie das thue,
-antwortet: »Ach, daß Gott erbarm, ein Kind und keine Windeln!«
-Da hat der Student aus Mitleid sein Halstuch abgebunden und es
-ihr zugeworfen, worauf sie sogleich verschwunden war. Nun hat den
-Studenten eine große Angst befallen, es möge diese Person kein lebendes
-Wesen, sondern ein Gespenst gewesen sein, er ist also sogleich
-zum Ortsgeistlichen und in's Amt gegangen und hat die Sache angezeigt,
-worauf die Obrigkeit jenes Grab öffnen ließ und man fand,
-daß jene Frau im Grabe ein Kind geboren hatte, welches tot zu ihren
-Füßen in das Halstuch des Studenten, welches dieser, durch seinen
-darin gestickten Namen als sein recognosciert hat, eingewickelt lag.</p>
-
-<h3 id="sec68">68. Der Katzenhans und seine Genossen.</h3>
-
-<p class="source">(F. A. Türke im Glückauf, Jahrg. 2, No. 3.)</p>
-
-<p>Zwischen den Feldern von Neudorf und Crottendorf liegt ein
-schmaler Streifen Staatswaldung, die Braunelle genannt, in welchem
-die Sage den Katzenhans des Nachts sein Wesen treiben läßt. Sein
-weithin tönendes »hollerndes« Geschrei schreckt den Einsamen und
-treibt ihn auf Irrwege. Zuweilen begiebt er sich auch durch die Luft
-über Crottendorf hinweg nach einer sumpfigen Gegend zwischen diesem
-Orte und Scheibenberg, um allda sein Wesen zu treiben. Die Sage
-berichtet aber nicht mehr, wer jener Katzenhans gewesen sei und woher
-es komme, daß er gerade dort sein Wesen treibe. Sein Parteigänger
-ist der Glasmeister mit sehr großen Glasaugen, der in der oberen
-Braunelle, da, wo die Straße von Neudorf nach Crottendorf den
-Wald durchschneidet, den Wanderer in der Nacht schreckt und irre führt.
-Ob sein Herkommen auf die ehemalige Glashütte in Ober-Crottendorf
-zurückzuführen ist, weiß aber niemand zu sagen. &ndash; Ist nun der Fußgänger
-des Nachts glücklich durch Ober-Crottendorf und ein gutes
-Stück auf der Straße nach Scheibenberg weiter gekommen, so begleitet
-ihn eine gespenstische Laterne eine gute Strecke.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_61">[61]</a></span></p>
-
-<p>In Neudorf berichtet die Sage von einem zweiten Kameraden
-des Katzenhans, dem Bachreiter, der zuweilen des Nachts den Sehmabach
-auf- und abwärts durchreitet und durch sein Erscheinen Unglück
-verkündet, wenigstens macht er darauf aufmerksam, daß in der Nähe
-des Ortes, wo die Hufeisen seines Rosses Funken schlagen, bald ein
-Feuer entstehen werde.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Von einem Bach- oder Schimmelreiter erzählt auch die schwäbische Sage.
-Derselbe reitet die Wald- und Wiesenthäler entlang, folgt dem Laufe des Wassers
-oder setzt durch dasselbe des Abends hindurch. Die ihn Begegnenden führt er irre.
-Sein Roß hat er sich aus dem Meere geholt, vor Sonnenaufgang stieg der herrliche
-Schimmel daraus hervor, ließ sich vom Reiter an den Ohren fassen und ihn
-aufsitzen, trug ihn ohne Sattel und Zaum, wohin er wollte. In den Fahrten dieses
-geisterhaften Reiters lassen sich Nebelbilder erkennen. (Mannhardt, die Götter der
-deutschen und nord. Völker, S. 54.)</p></div>
-
-<h3 id="sec69">69. Der Rachhals zu Aue.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer Mitteilung von C. Vieweg aus Aue.)</p>
-
-<p>In früheren Zeiten lebte in Aue ein Förster mit Namen Rachhals.
-Derselbe war rauh in seinem Wesen und flößte allgemeine
-Furcht ein, so daß man seiner Person so viel wie möglich aus dem
-Wege ging. Nach seinem Tode ging die Sage, Rachhals sei in eine
-finstere Kammer seines Hauses, durch welche eine Esse führte, verbannt
-worden und spuke darin um Mitternacht. Die Kammer hatte nur
-ein kleines Fenster nach dem Hofe, und es wurde erzählt, sobald dieses
-Fenster geöffnet werden würde, sollte Rachhals erlöst sein, gleichzeitig
-aber würde auch das Haus abbrennen. Das Haus stand in der
-Nähe des jetzigen Gasthofs zum Engel. Als daselbst im Jahre 1859
-Feuer ausbrach, wurde auch das ehemals Rachhals'sche Haus ein
-Raub der Flammen.</p>
-
-<h3 id="sec70">70. Das Hammergespenst.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 944 und 945.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1670 den 30. September hat sich in einem Bergorte
-zugetragen, daß ein Mann seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung
-über Feld ins nächste Dorf schickte. Als der Knabe wieder zurückgeht,
-begegnet ihm sein gewesener Pate, ein Hammerherr, der schon vor
-zwei Jahren gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn hatte im Sarg
-angezogen gesehen, der sieht ihn an und spricht: »Siehe Pat, bist Du
-es? Steht mein Hammer noch? Ist er noch nicht weggebrannt?« Der<span class="pagenum"><a id="Seite_62">[62]</a></span>
-Knabe erschrickt, schüttelt den Kopf und eilet nach Hause. Die Erscheinung
-aber ist bald vorn, bald hinter ihm, brummt etwas, was er
-nicht verstehen konnte und verändert sich dreimal in den Kleidern.
-Da der Knabe über das Dorf heraus kommt, fängt es an: »Ach, wie
-müde bin ich, ach, wenn mich jemand trüge! Pat, gehe in meinen
-Hammer, an dem Orte wirst Du Geld finden, Dir ist's beschert.« Und
-damit däuchte es dem Knaben, er sähe Geld vor sich liegen und schimmern.
-Als er seinem Städtlein nahe kam, und zuvor durch ein
-Gebüsch gehen mußte, da fing sich erst ein Alarm an, das ganze Büschlein
-war voll schwarzer Männer, die den Hammermeister umringten.
-Bald verwandelten sie sich in große rote Hirsche, daß der Knabe nicht
-wußte, wo aus oder ein; bald sah er einen Mann kommen, der hatte
-eine Rute in der Hand und drohte damit den Gespenstern und den
-Hirschen. Der Knabe lief aus Furcht und Zittern fort, die Hirsche
-verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn noch eines Stück
-Weges, und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm, lehnte sich's
-noch einmal über den Knaben hinüber, und sahe ihn scharf unter die
-Augen, ging davon einen anderen Weg, bei sich murmelnd. Der
-Knabe kam heim, klagte es den Eltern und lag acht Tage krank.</p>
-
-<p>Im Jahre 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher ein
-guter Kirchen- und Schulfreund, ein weltkluger, bergerfahrener Mann,
-ein geübter Sänger und Musikus, ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen
-und Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen ist. Dennoch
-hat der Teufel nach seinem Tode einen gefährlichen Lärm angerichtet.
-Er ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer,
-da er gewohnet, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer
-Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stall, seine Tochter
-über dem Nähen, daß sie acht Wochen krank gelegen, vexierte die Arbeiter,
-daß niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Ruhe
-und Friede bei ihm; aber da nach dieser Zeit ein Bauer ungefähr
-über eine unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißet und sie
-heimfahren und nun das letzte Brett abreißen will, drückte ihn der gespenstische
-Mann, daß er sterben mußte. Von da fing er sein Mordspiel
-wieder an und drückte erstlich Caspar Bibera, einen Kohlenmesser,
-auf dem Hofe tot. Die Nacht vor dem Christfest des Jahres 1659
-schlägt er stark an's Thor, der Wächter meint, es sei eine nötige Post
-und macht auf; da präsentiert er sich in einem schwarzsamtnen Pelz
-und mit einem spanischen Rohr, drückt dem Wächter alle Glieder entzwei
-und begehet andere Thaten mehr, daß sich die Nachbarn vor
-diesem gespenstischen Gaste sehr gefürchtet haben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_63">[63]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec71">71. Der unheimliche Hansmichel.</h3>
-
-<p class="source">(E. Heger und J. Lienert, Ortskunde des Dorfes Schmiedeberg i. B.
-1879. S. 60.)</p>
-
-<p>Zuweilen kann man in und bei Schmiedeberg einen Umzug, ähnlich
-der wilden Jagd, beobachten. Von Norden, über die Schmiedstättheide,
-kommt nämlich hoch in den Lüften der unheimliche Hansmichel
-dahergebraust. In einem mit Ziegenböcken bespannten Wagen
-stürmt er beim Glaserbergel über den Ort und verschwindet im Walde.
-Während seiner rasenden Fahrt läßt er den Ruf »Hoho! Hoho!« erschallen,
-bethört dadurch die Wanderer in der Waldung und leitet sie
-auf falsche Wege. Früher hauste der unheimliche Hansmichel auch
-mit besonderer Vorliebe am sogenannten Hammerwege. Nach der
-Sage soll er Herr des ehemaligen Weiperter Spindlerhofes gewesen
-und irgend einer großen Ungerechtigkeit wegen zu dieser ruhelosen Luftfahrt
-verurteilt worden sein. Sonst bösartig hat sich der unheimliche
-Hansmichel nie gezeigt.</p>
-
-<h3 id="sec72">72. Der rote Hohensteiner.</h3>
-
-<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)</p>
-
-<p>Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg hervorragender
-steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen
-Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau
-und Altenburg genießt. »Denkmal der Freundschaft« kann man auf
-seiner Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige
-Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten
-und zwar alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit
-langem roten Bart, in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner.
-Angesprochen hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber,
-denn er läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen,
-ertönen. Der rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm
-nur von einem furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht
-mutig anspricht.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der rote Hohensteiner erscheint hier als eine teuflische Gestalt. Der Teufel
-hieß auch der Rote, und mit Hinweis darauf sagte man: »Rote Lütli, Tüfelshüttli«
-und »Rotbart, Teufelsart!« »Wenn du numme rot wurdist« heißt: »Daß Dich
-der Teufel holte!« Der einen roten Bart tragende Gewittergott Donar wurde
-zum Teufel. (Rochholz, deutscher Brauch und Glaube. II. S. 224.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_64">[64]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec73">73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 514.)</p>
-
-<p>Auf dem Schlosse Hartenstein, dem Stammschlosse der Schönburge,
-fand sich einst jeden Tag ein Schattenritter ein. Man nannte
-ihn Vollmer den Geisterkönig. Er hatte, man weiß nicht wie, die
-Liebe der schönen Kunigunde von Schönburg, als sie noch Kind war,
-gewonnen, und dieselbe hatte erklärt, ihn und keinen anderen wolle sie
-ehelichen. So ritt er denn jeden Tag auf unsichtbarem Rosse in's Burgthor
-ein, zog ersteres, ohne daß jemand es sah, &ndash; nur hören konnte man
-seinen Tritt, &ndash; in den Stall und stieg dann selbst unsichtbar, und nur am
-Schall seines Trittes kenntlich, die Schloßtreppe hinan. Dort kam
-ihm seine Braut entgegen, der reichte er seine Hand, &ndash; das war der
-einzige fühlbare Teil seines Körpers, weich und glatt aber eiskalt &ndash;
-und nun sprachen und koseten sie zusammen wie zwei Liebende es thun.
-Dann schritten sie in den Speisesaal, wo ihrer schon der Bruder des
-Fräuleins harrte, und alle drei setzten sich zu Tische und aßen und tranken
-nach Herzenslust; die dem Schattenritter vorgelegten Speisen und der
-Wein in seinem Becher verschwanden, und doch sah niemand, wo es
-hinkam. Man hörte nur des Schattenbräutigams Stimme, und der
-Graf, dem früher vor seinem geisterhaften Schwager gegraut, faßte
-immer mehr Neigung zu ihm, denn er hatte an ihm einen steten treuen
-Berater und Warner bei bevorstehendem Unglück. Wenn das Mahl
-vorüber war, verließ der Graf die beiden Brautleute, und so saßen
-sie bis kurz vor ein Uhr; dann nahm der gespenstische Gast eilig Abschied,
-so trieb er es viele Jahre; da äußerte einmal das Fräulein,
-wie sie sich nach einem Kusse von seinem Munde sehne, und siehe, ihr
-geisterhafter Bräutigam antwortete: »Lebe wohl auf ewig; weil ich an
-Deine rein geistige Liebe glaubte, verließ ich mein himmlisches Reich,
-um bei Dir zu sein; jetzt wo Du an irdische Liebe denkst, ist mein
-Bleiben nicht mehr hier, Du siehst mich nie wieder!« Damit verschwand
-er und nie hat das Fräulein wieder seine Nähe empfunden.</p>
-
-<h3 id="sec74">74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)</p>
-
-<p>Fünfzig Jahre nach der Verwüstung des Grünhainer Klosters
-hat sich am Elterleiner Wege, wo, wie die Schlackenhaufen ausweisen,
-des Abts Hammer gestanden, ein Gespenst in Mönchsgestalt sehen
-lassen, welches die Vorübergehenden, sonderlich Trunkene und Jauchzende,
-übel bezahlte, und einst einen Bergmann von Elterlein, der das<span class="pagenum"><a id="Seite_65">[65]</a></span>
-Gespenst in seiner Trunkenheit herausforderte, mit den Beinen den
-Berg hinunter geschleppt, in den Bach geworfen und am Kopfe arg
-verwundet. Einen Richter, der trunken in der Nacht von Grünhain
-heimgeritten, hat's mit dem Pferde gestürzt, daß er den Arm brach,
-und ist der Richter mit großer Lebensgefahr nach Hause gekommen.</p>
-
-<h3 id="sec75">75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzella.</h3>
-
-<p class="source">(Alfr. Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II., S. 91.)</p>
-
-<p>Wie in alten Burgen Ritter und Ritterfräulein, so hausen in
-alten Klöstern auch oft gespenstische Mönche. Während man aber diese
-Wesen meist in den Mitternachtsstunden belauscht haben will, erzählt
-man sich, daß im Klostergarten zu Altzella in der Mittagsstunde ein
-Cisterziensermönch mit langem weißen Barte promeniere und oft gesehen
-wurde. Er soll zumeist, das Haupt sinnend auf die Hand gestützt,
-in den Abteiruinen sitzen, sich aber, sobald man ihm zu nahen
-versucht, sich in einer weißen Rauchwolke verflüchtigen.</p>
-
-<h3 id="sec76">76. Der Mönch von Komotau.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.)</p>
-
-<p>Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt
-man in einen Hof, der das »Mönchshöfel« heißt. An der einen Wand
-desselben bemerkt man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen
-Haupt und Hände getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft
-der Stadt eine Gefahr droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf
-unter dem Arme trägt. Er geht vom Rathause bis zur Kaserne, einem
-ehemaligen Jesuitenkloster, wo er verschwindet. Viele Leute wollen
-ihn schon gesehen, namentlich soll er im Jahre 1832 sich gezeigt
-haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen ist die ganze Stadt abgebrannt.</p>
-
-<h3 id="sec77">77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 250.)</p>
-
-<p>Abraham Munsch, ein alter frommer Hutmann in Wiesenthal,
-erzählte, daß er einstmals oben auf dem Fichtelberge einen überaus
-schönen Brunnen angetroffen, dessen Grund und Boden von eitel Goldflammen
-geleuchtet habe. Da er sich niedergesetzt, um den schönen
-Quell zu betrachten und wieder aufgesehen, sei ein schönes buntes Vöglein
-auf einer Seiten, auf der anderen aber ein Mönch mit einem<span class="pagenum"><a id="Seite_66">[66]</a></span>
-offenen Buche gesessen, darüber er erschrocken und davon gelaufen.
-Er habe aber seit dieser Zeit den Brunnen nicht wieder antreffen
-können.</p>
-
-<h3 id="sec78">78. Der Laternenmann in Alberode.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p>
-
-<p>An unbestimmten Tagen, besonders wenn der Mond nicht scheint,
-entsteigt dem Keller des alten Rittergutes Alberode nachts 12 Uhr
-ein Mönch mit einer großen, hellleuchtenden Laterne, vom Volke der
-Laternenmann genannt. Derselbe geht unbeirrt langsamen Schrittes
-auf dem Marktsteige nach dem Klosterholze und verschwindet in einem
-Keller des Rittergutes Klösterlein. Er thut niemandem ein Leid.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In Sagen anderer Gegenden nähert sich der Laternenmann dem feurigen
-Manne ohne Kopf; ohne Kopf geht z. B. der Mann mit der Laterne bei Hackpfiffel
-in der Grafschaft Mannsfeld umher. (Größler a. a. O. No. 195.) Wir finden
-überhaupt, daß in den Sagen von Laternen tragenden und feurigen Männern, sowie
-von Irrlichtern mancherlei Berührungspunkte vorhanden sind. In Kärnten z. B.
-heißt das Irrlicht »Lichtmandl« d. h. Lichtmännchen; es wird also hier ganz als
-persönliches Wesen gedacht und entspricht unserm feurigen Manne. Das »Lichtmandl«
-hat flammende Hände, mit denen es einen Mann züchtigte, als es derselbe anrief,
-ihm Feuer in seine Pfeife zu geben. (Österr. Touristenzeitung 1884, No. 21.)</p></div>
-
-<h3 id="sec79">79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 469.)</p>
-
-<p>In der Stadt Chemnitz bei dem sogenannten Kloster in der Vorwerksstube
-war früher ein Mönchskopf zu sehen, auf dem, so oft man
-die Stube reparierte, allemal ein Groschen Geld liegend gefunden ward.
-Dieser Kopf war aber sehr empfindlich, wenn jemand mit ihm Kurzweil
-treiben wollte. So ist einmal ein Steinmetzgeselle nach Chemnitz
-gekommen, und weil er vieles von diesem Kopf gehört, hat er ihn
-sehen wollen. Als er nun dessen altes, zorniges Gesicht genau betrachtet,
-hat er es nachzumachen und überall auszuspotten sich eitel
-Mühe gegeben. So ist es geschehen, daß er mit einer Gesellschaft von
-Kameraden einmal nach Hause ging, da kam ihm ein Bedürfnis an
-und als unterdessen seine Reisegefährten weiter gingen, ist er, wie er
-später aussagte, von einem Mönch in einen mit Eis bedeckten Teich &ndash;
-es war gerade Winterszeit &ndash; geworfen worden, und hat ihn derselbe
-dermaßen geängstigt, daß, als seine Kameraden, die wieder umkehrten,
-ihn suchten, sie ihn winselnd und fast vor Schrecken stumm antrafen,<span class="pagenum"><a id="Seite_67">[67]</a></span>
-für tot herauszogen und so nach Hause brachten. Sein Mund war
-ihm dergestalt der Quere gezogen, daß er über ein halb Jahr zubrachte,
-ehe er wieder gesund ward, auch in der Kirche für ihn gebetet ward.</p>
-
-<h3 id="sec80">80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 74.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1632 ließ der Stadtschreiber zu Scheibenberg, Theophilus
-Groschupf, einen Raum an der Erbisleite zu Acker machen.
-Da nun ein Arbeiter, Georg Feuereisen, mittags hinunter an einen
-Brunnen ging, um Trinkwasser zu holen, fand er dabei einen häßlichen
-unbekannten Mann liegen, der ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern
-auf dem Rückwege ihm auf den Hals fiel und ihn braun und
-blau drückte, so daß er infolge dessen acht Wochen krank lag.</p>
-
-<h3 id="sec81">81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann a. a. O. S. 76.)</p>
-
-<p>Zur Herbstzeit des Jahres 1654 kommt der Kirchvater von
-Stützengrün aus dem Walde, ist gar schwermütig und klagt auch, es
-habe ihn ein Gespenst erschreckt. Als er im Februar des nächsten
-Jahres wieder hinausgeht, höret er eine Stimme: »Erwürge Dich, oder
-ich thue es! Greif lieber selber zu!« Damit zieht der bestürzte Mann
-sein Messer heraus und schneidet sich den Bauch auf, daß die Gedärme
-in den Schnee fallen. Weil er aber vor Schmerzen heftig schreiet,
-finden ihn etliche Köhler in seinem Blute liegen und führen ihn noch
-lebend heim. Nachdem er gebeichtet und das Abendmahl genommen
-hatte, auch getröstet worden war, ist er bald darauf verschieden.</p>
-
-<h3 id="sec82">82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und
-Königswalde.</h3>
-
-<p class="source">(Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche im sächs. Obererzgebirge.
-Programmarbeit. 1862. S. 39.)</p>
-
-<p>Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla,
-liegt die sogenannte Reicheltwiese, welche, da sie sumpfigen Untergrund
-hat, sehr weich und »papprich« ist. In derselben soll ein Fuhrmann,
-der Salz geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein.
-Abends 9 Uhr soll derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder erscheinen,
-mit seiner Peitsche knallen und dabei »Hüoh!« rufen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_68">[68]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec83">83. Der Feuermann von Komotau.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen. 1. B. 1864,
-S. 21.)</p>
-
-<p>In Komotau läßt sich zu manchen Zeiten ein feuriger Mann
-sehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. So oft er erscheint,
-bricht in derselben Gasse, wo man ihn sieht, Feuer aus.</p>
-
-<h3 id="sec84">84. Die Gestalt mit dem Lichte bei Pobershau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Sem. Richter in Schneeberg.)</p>
-
-<p>Den Weg von Mittel-Pobershau nach Zöblitz über den sogenannten
-»Berg« des Nachts zu gehen, ist gewiß jedem Einheimischen
-unangenehm, da schon mancher von einer Gestalt, die dort mit einem
-Lichte herumläuft, geäfft worden ist.</p>
-
-<h3 id="sec85">85. Der schwarze Mann zu Königswalde.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.)</p>
-
-<p>Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler,
-und sein Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher
-Ehe lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott
-mit einer jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat
-sich in der Nacht darauf ein langer schwarzer Mann, der aus der
-Stubenkammer hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der
-Frau eingefunden und hat sie angeredet: »Gieb mir Dein Kind!«
-Als sie sich aber dessen geweigert, ist er wieder hinausgegangen und
-hat das Schloß hinter sich zugeschlagen, daß es geschmettert. Nach 14
-Tagen kam etwas an den Laden, daß sie auch den Schatten am
-Fenster sehen konnte, und weil sie es für einen Hund gehalten, hat sie
-auf dasselbe gerufen: »Gehst Du garstiges Aas!« Worauf es den
-Fensterladen gewaltig zugeschlagen und weiter nichts unternommen.
-Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus dem Bettchen gezogen, worauf
-sie es quer über dem Badewännchen auf dem Gesichte liegend wieder
-gefunden, welches darauf eine Nacht um die andere wiederholt worden.
-An einem Sonnabend im August hat die Mutter zu Nacht das Kind
-kurz vorher gestillet und wieder hinaus in das Wännchen gelegt. Da
-träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen Arm gebrochen, worüber
-er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich besonnen, es sei ja sein
-Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer habe, ist er bald wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_69">[69]</a></span>
-eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette vom Leibe gezogen, worüber
-er auffuhr und nach dem Kinde schrie, welches sie leider aus dem
-Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend tot fanden. Als nach
-dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit im Kohlenhau
-gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner Wiederkunft
-dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen 11 und
-12 Uhr etwas an dem untern Bettbret angegeben, damit geknacket,
-ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und
-da sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt:
-»Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!« Womit es weggekommen,
-und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören,
-und der Hund hatte es gemerkt und sehr gewinselt.</p>
-
-<h3 id="sec86">86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf dem Gottesacker in Schneeberg ist früher am Tage ein
-schwarzes Männchen gesehen worden, welches ein Buch in der Hand
-hatte. Eines Tages erblickte es auch der Totengräber; derselbe erschrak
-darüber so sehr, daß er bald darauf starb.</p>
-
-<h3 id="sec87">87. Der Schamprich zu Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Jugenderinnerung eines geborenen Nosseners.)</p>
-
-<p>Auf dem Fußwege, der an der Südseite des Schloßberges von
-der Unterstadt (dem früher sogenannten »Loch«) nach der Oberstadt
-führt, trieb noch vor fünfzig Jahren ein Spukgeist, der Schamprich,
-sein Wesen. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfange des
-Weges nach einigen Schritten »aufzuhucken« und sich den Berg hinauf
-bis zum Stumpfe einer großen Eiche tragen zu lassen, wobei die Last
-immer schwerer wurde. Mit dem Neubau der Dresdner Straße, bei
-der auch der obere Teil des Weges in Wegfall kam, ist er verschwunden.
-Der Eichenstumpf befand sich gegenüber dem dicken runden Eckturme,
-in welchem Lips Tullian einige Zeit verwahrt worden sein soll,
-links am Wege.</p>
-
-<p>In früherer Zeit mußte der Stadtnachtwächter am nördlichen
-Schloßgraben entlang gehen und von der äußersten Bergecke aus, an
-der sogenannten Dechanei, die Stunde abtuten. Da hat er einmal
-in einer Winternacht von unsichtbarer Hand eine Ohrfeige bekommen,
-daß ihm die Pelzmütze den Berg hinabrollte. Er schrieb den Schabernack
-dem Schamprich zu.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_70">[70]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec88">88. Der schwarze Mann des Jüdensteins.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Seminarist Förster aus Bärenwalde.)</p>
-
-<p>Zwischen Bärenwalde und Giegengrün erhebt sich ein Granitfels,
-der Jüden- oder Giegenstein genannt. Es sollen einst in der Umgebung
-desselben Soldaten einen Lagerplatz gehabt und die umwohnenden
-Bewohner hart ausgeplündert haben. Dabei hat einer von den
-Soldaten einem armen Manne, welcher nichts geben konnte, das Hüttlein
-angezündet. Da verwünschte ihn der Arme und zur Strafe muß
-nun die Seele des Soldaten in der Gestalt eines schwarzen Mannes
-an dem Jüdensteine, wo auch reiche Schätze vergraben sein sollen, ruhelos
-umherwandeln. Viele Leute wollen diesen schwarzen Mann schon
-gesehen haben.</p>
-
-<p>Ein Mann aus Bärenwalde sagte einmal, er fürchte sich nicht,
-denn es gebe keinen schwarzen Mann; er sei schon oft des Nachts an
-dem Steine vorbeigegangen, ohne etwas gesehen zu haben. Da geschah
-es, daß er einst wieder an dem Jüdensteine vorbeifuhr. Plötzlich
-setzte sich ein schwarzer Mann zu ihm auf den Wagen, der immer
-schwerer und schwerer wurde; zuletzt konnten die Pferde den Wagen
-nicht mehr weiter ziehen. Der Bärenwalder glaubte, der Mann wolle
-ihn nur erschrecken, deshalb drehte er sich um und gab ihm eine Ohrfeige.
-Aber ebenso schnell bekam er eine solche von unsichtbarer Hand
-wieder. Er mußte den Wagen stehen lassen, ging nach Hause und starb
-nach neun Tagen.</p>
-
-<h3 id="sec89">89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Als in Weißbach bei Schneeberg ein Jüngling gestorben war,
-zog man ihm seine schwarzen Kleider an; in der Westentasche aber befand
-sich noch ein Pfennig. Da kam der Verstorbene zweimal des
-Nachts um 12 Uhr wieder nach Hause. In der zweiten Nacht soll der
-Pfarrer anwesend gewesen sein, der hat ihn gefragt, was er wolle.
-Darauf sagte die Erscheinung, sie fände im Grabe nicht eher Ruhe,
-bis man den mitgenommenen Pfennig wieder geholt hätte.</p>
-
-<h3 id="sec90">90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.</h3>
-
-<p class="source">(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtnis, 1719, S. 97.)</p>
-
-<p>Anno 1655 ging ein Fleischhauer aus Wiesenthal sehr frühe bei
-Mondenschein und wollte nach Elterlein. Als er aber eine halbe Meile<span class="pagenum"><a id="Seite_71">[71]</a></span>
-zurückgeleget und auf einen Platz kommt, tritt ihm ein grausames Gespenst
-mit feuriger Zunge und Augen entgegen, in Gestalt eines verrufen
-gewesenen Gebirgers, der manchem auf dem böhmischen Wald das
-Licht ausgelöschet. Dies Gespenst verlegt ihm den Weg mit seiner Kette
-um den Leib, daran eitel Totenköpfe hingen. Der Fleischhauer erschrickt,
-betet und kehrt eilends zurück nach Haus. Das Ungetüm aber begleitet
-ihn bis in seine Stube, stellet sich daselbst vor ihn und sieht
-ihn an, bis die Wirtin aufgestanden ist und ein Licht angezündet hat.
-Da ist das Gespenst wieder verschwunden.</p>
-
-<h3 id="sec91">91. Der Einsiedel im Thale der roten Weißeritz.</h3>
-
-<p class="source">(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 91. Gräße,
-Sagenschatz etc. No. 264.)</p>
-
-<p>Ganz in der Nähe des Städtchens Tharand befindet sich das
-Thal der roten Weißeritz. Hier gestatten schroffe Felsriffe und wild
-aufbrausende Fluten im Frühjahr kaum einen schmalen Pfad am linken
-Gehänge hin. Eine felsige Landzunge, der sogenannte Einsiedel, wo
-einmal ein Einsiedler seine Klause gehabt haben soll, ist in der Umgegend
-als ein Ort, wo es spukt, berüchtigt. Man erzählt sich von
-grauen Männchen, die da herumgehen, und von Geistern, die einen
-dort verborgen liegenden Schatz bewachen sollen, den nur eine ganz
-reine Jungfrau heben kann. Ein Mann aus dem nahegelegenen Sommsdorf
-sah vor Jahren, wie ein kleiner, höhnisch lachender Zwerg eine
-alte Frau vom Berge herabzerrte, die dann zerkratzt und halb besinnungslos
-in ihrer Heimat ankam. &ndash; In demselben Thale, bei der
-langen Brücke am Felsen hin, befindet sich auch der <span id="corr071">Nixentump</span>, der
-sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist.</p>
-
-<h3 id="sec92">92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf. Marienberg, S. 36.)</p>
-
-<p>Der älteste Flügel der herrschaftlichen Gebäude in Großhartmannsdorf
-bei Freiberg, welcher eine Anzahl finsterer Gewölbe enthält,
-soll der Schauplatz mancher gespenstischen Erscheinungen sein.
-Einmal soll des Nachts zur Zeit, da kein Mensch das Herrenhaus bewohnte,
-eine Gestalt mit Licht durch alle Zimmer gegangen sein; einmal
-wieder eine lange weibliche Gestalt in alter Tracht und mit einem
-großen Schlüsselbunde zum öftern im Hofraume des Nachts umhergewandelt,<span class="pagenum"><a id="Seite_72">[72]</a></span>
-und noch ein anderes Mal ein Lärmen und Poltern wahrgenommen
-worden sein.</p>
-
-<h3 id="sec93">93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.</h3>
-
-<p class="source">(Leopold, Chron. und Beschr. d. St. Meerane, S. 101.)</p>
-
-<p>Von dem Tannicht, einem feuchten Thale bei Meerane, sagte
-man früher, daß es daselbst einem aufhocke, d. h., daß ein Geist sich
-da manchem schon mit bleierner Schwere auf die Schultern gesetzt habe.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p><em class="antiqua">Dr.</em> Leopold, der Verfasser der Chronik von Meerane, führt den Ursprung
-dieser Sage auf den Umstand zurück, daß Leute, die stark schwitzend von der Höhe
-des Crimmitschauer Weges in den Tannicht hinabstiegen, sich verkühlten und von
-Blutandrang nach Kopf und Brust befallen wurden.</p></div>
-
-<h3 id="sec94">94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.</h3>
-
-<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.
-Leipzig, 1723, S. 135.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1719 fährt Abraham Friedrich einem Schmiede in
-Johanngeorgenstadt Kohlen ein. Da er nun Nachmittag um 1 Uhr
-wieder an die Meilerstätte kommt und den Schmiedegesellen, welcher
-ihm beim Aufladen helfen soll, nicht findet, im Gebüsch sich aber etwas
-bewegen sieht, so meint er, es sei der Gehülfe und ruft ihm daher
-zu, er solle sich herpacken und mit aufladen. Hierauf erschallt eine
-Stimme: »Jetzt gleich.« Es kommt auch wirklich jemand und hilft
-ihm etliche Kübel Kohlen auf den Karren laden, also daß Friedrich
-nicht anders meint, er habe seinen Gesellen. Nachdem sich aber der
-Kohlenstaub ein wenig legt, sieht er an dessen Unterleib eine seltsame
-Gestalt, er stößt ihn daher von sich und spricht, er solle sich packen,
-seine Hülfe begehre er nicht. Indem nun Friedrich weiter aufladet,
-kehrt der andere das Löschfäßlein um und belegt es mit lauter neuem
-kurfürstlichen Gelde. Dabei begehrt er, weil Friedrich ein armer Mann
-sei, solle er's nehmen, und so oft er etwas brauche, möge er wieder
-an diese Stätte kommen, da er ihm ein mehreres geben wolle. Darüber
-wurde Friedrich unwillig und stieß das Faß mit dem Gelde um,
-so daß letzteres über den ganzen Platz verstreut wurde. Der andere
-aber raffte es im Hui wieder in seinen Beutel und hielt es von neuem
-vor. Friedrich jedoch kehrte sich nicht daran und fuhr fort. Er mußte
-aber seinen Gefährten noch ein gut Stück Weges bei sich haben. Derselbe
-hielt ihm immer den Beutel vor, schüttelte mit dem Gelde und<span class="pagenum"><a id="Seite_73">[73]</a></span>
-wollte es ihm aufdringen, bis endlich Friedrich aus Ungeduld ihn
-garstig gescholten und mit der Peitsche darnach geschlagen. Da ging
-der andere seitwärts ins Holz und hinterließ einen solchen Dampf und
-Gestank, daß Friedrich zu ersticken meinte und auch in der Folge
-krank wurde.</p>
-
-<h3 id="sec95">95. Das Gespenst in einer Halde bei Pobershau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Seminarist Richter in Schneeberg.)</p>
-
-<p>In Pobershau bei Zöblitz sieht man neben der alten Schule
-eine große Steinhalde. Hier soll ein Gespenst sein Wesen treiben,
-denn schon oft hat man daselbst Stöhnen, Rufen und Gepolter gehört,
-und es wird überhaupt viel darüber gemunkelt. Nach der allgemeinen
-Sage soll dies Gespenst der Geist eines früheren Grundbesitzers sein,
-welcher als sehr hartherzig verschrien war.</p>
-
-<h3 id="sec96">96. Die sieben Ruten bei Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Ein Teil des Schloßwaldes bei Chemnitz trägt den Namen »Die
-sieben Ruten.« Jeder, der diesen Teil betritt, soll keinen Ausweg finden
-können. Der Sage nach soll hier einst einer besonderen Krankheit
-wegen ein Mann begraben worden sein, der jedem, welcher dies Gebiet
-betritt, den Ausweg verstellt.</p>
-
-<h3 id="sec97">97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten bei Glößa.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 18.)</p>
-
-<p>Zwischen den Dörfern Auerswalde und Glößa bei Chemnitz liegt
-ein Wald, die sogenannten Sechsruten. In diesem spukt der Schatten
-eines bösen Beamten, welchen die Volkssage den bösen Seidelmann nennt.
-Er hat bei seinen Lebzeiten die ihm Untergebenen übel behandelt und
-viele Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten verübt, wofür er zur Strafe
-im Grabe keine Ruhe findet. Sein spukender Geist führt die Wanderer
-irre und neckt und erschreckt sie durch gellendes Rufen. Niemand
-in der Umgegend weiß, was zu Seidelmanns Erlösung vonnöten ist.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Ein Walddistrikt zwischen Roßleben und Ziegelrode heißt »der Sechse«. Auch
-hier spukte einst in einem Zauberkreise ein dorthin verbannter Geist, der sogar
-Prügel austeilte. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 260.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_74">[74]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec98">98. Der Baslerfels bei Platten.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 91.)</p>
-
-<p>Unterhalb der letzten Häuser von Platten, welche an der nach
-Breitenbach führenden Straße liegen, erhebt sich jenseits des Baches
-ein ziemlich hoher, mit dunklen Fichten bewachsener Felsen, der allgemein
-»der Baslerfels« genannt wird. An der Stelle, wo dieser Fels
-emporragt, soll vor so und so viel Jahren ein stattliches Schloß gestanden
-haben, das der reiche Basler bewohnte. Er verdiente in der
-That diesen Beinamen, denn er war der reichste Bergwerksbesitzer in
-der ganzen Umgegend. Allein Reichtum erzeugt nicht selten Hochmut,
-und Hochmut führt leicht zum Fall. Auch Basler, pochend auf seine
-Gold- und Silberschätze, lebte in verschwenderischer Pracht und Herrlichkeit,
-bedrückte über die Maßen die Armen und ließ in frevlem
-Übermute seinen Pferden sogar silberne Hufeisen aufschlagen. Und
-als er in seiner Verstocktheit noch größere Frevelthaten verübte, ereilte
-ihn die Strafe des Himmels. Basler wurde samt der Burg zum
-warnenden Zeichen für alle Zeiten in harten Stein verwandelt. Seit
-dieser Zeit ist es beim Baslerfels nicht richtig.</p>
-
-<p>Drei Bergleute, von denen einer taub war, gingen einmal nach
-beendigter Schicht nach Hause. Als sie bei der unteren Mühle anlangten,
-da, wo sich im Felsen ein Stollen befindet, vernahm der taube
-Bergmann deutlich das Getrabe von Pferden und das Gerassel einer
-Kutsche und machte seine Kameraden darauf aufmerksam. Dieselben
-sahen fürwahr aus dem Stollen eine vierspännige Kutsche herauskommen,
-doch hörten sie diese weder rasseln noch die Pferde traben.</p>
-
-<p>Andere Leute wollen zu einer bestimmten Zeit bei der sogenannten
-Kühbrücke, die sich am Fuße des Baslerfelsens befindet, ein weißes
-Schaf gesehen haben, das manchen bis zu dem bereits oben genannten
-Stollen geführt haben soll.</p>
-
-<p>Neben der Kühbrücke liegt heute noch ein großer Stein, auf
-welchem einst ein Mann, der eine schwere Bürde trug, ausruhte.
-Während seiner Rast schimpfte er gewaltig auf den Baslerwald, weil
-er sich darin verirrt hatte. Wie er vom Steine wieder aufstehen wollte,
-konnte er trotz aller Kraftanstrengung sich nicht in die Höhe erheben.
-Erst dann, als der Mann sein Fluchen bereute, kam er von der
-Stelle.</p>
-
-<p>Auch führt es Holzleute, die in das Bereich des Baslerfelsens
-kommen, irre, so daß sie erst nach längerem Hin- und Herlaufen wieder
-den rechten Weg gewinnen.</p>
-
-<p>Überdies soll sich im Baslerfelsen ein Hemann aufhalten, der<span class="pagenum"><a id="Seite_75">[75]</a></span>
-Personen, welche sein ihm zugeteiltes Gebiet betreten, so lange herumtreibt,
-bis sie tot zu Boden stürzen.</p>
-
-<h3 id="sec99">99. Der böse Graf von Wildenfels.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt durch Lehrer Günther aus Lößnitz.)</p>
-
-<p>Ein böser Graf von Wildenfels ist einst in ein Pfund Hirse verbannt
-worden. Er muß so lange darin bleiben, bis der Haufen, von
-dem jedes Jahr nur ein einziges Körnchen abfällt, verschwunden ist.
-Dieser Graf ist nämlich bei seinen Lebzeiten sehr unbarmherzig und
-geizig gewesen. Während einer großen Teuerung war ihm das Getreide
-noch nicht teuer genug, daher verkaufte er seine Vorräte nicht.
-Da kam ihm aber der Wurm hinein, der das ganze Getreide durchwühlte.
-Auch jetzt gönnte es der Graf niemandem, sondern ließ es
-fuderweise in die Mulde schütten. Zur Strafe wurde er nach seinem
-Tode in den Hirse verbannt.</p>
-
-<h3 id="sec100">100. Der Hirse zählende Verbannte.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p>
-
-<p>In dem Oberförstergebäude zu Karlsfeld wohnte in früheren
-Zeiten ein reicher Mann, der sehr geizig war. Nach seinem Tode
-mußte er, an einem bestimmten Erkerfenster des Hauses sitzend, zur
-Strafe für seinen Geiz ein Viertel Hirse zählen. Ob er damit fertig
-geworden und somit erlöst ist, weiß die Sage nicht zu melden.</p>
-
-<h3 id="sec101">101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt
-um.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 476.)</p>
-
-<p>In der Nähe des Dorfes Wildbach bei Schneeberg liegen auf
-einem Vorberge des Muldenthales die Überreste der Isenburg, welche
-vielleicht eine Art Vorfestung von Schloß Stein war, mit welchem sie
-durch einen unterirdischen, unter der Mulde hinführenden Gang verbunden
-gewesen sein soll. Hier hauste nach der Sage im 14. Jahrhundert
-ein Raubritter, Konrad von Kauffungen, der solche Schandthaten
-verübte, daß ihm der Teufel den Hals brach und sein Geist verdammt
-ist, bis auf den heutigen Tag die Umgegend in Zwerggestalt zu
-schrecken.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_76">[76]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec102">102. Der alte Turm in Tanneberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 38.)</p>
-
-<p>Nahe bei den Rittergutsgebäuden des Dorfes Tanneberg bei
-Geyer steht ein uralter viereckiger Turm. Seine starken Mauern sind
-noch jetzt an dreißig Ellen hoch und von einem Wassergraben umgeben.
-Viel erzählt man von ihm, aber wenig zusammenhängendes.</p>
-
-<p>In uralter Zeit soll einmal ein Graf, der Besitzer dieser Gegend,
-eine große Jagd abgehalten und sich dabei verirrt haben und mit seinem
-Rosse in einen Sumpf gesunken sein. Dem Tode nahe, wäre er noch
-von den Jägern mit Mühe gerettet worden und hätte zum Andenken
-den Turm erbaut.</p>
-
-<p>Jetzt noch soll in dem Turme der Geist eines der späteren Besitzer
-spuken, aber warum? weiß niemand. Auch wollen alte Holzhauer
-und Bergleute den Baum wissen, wo die Seele dieses unglücklichen
-Spukers eingespündet sein soll. Es wäre sonst ein eiserner Reif
-um den Baum gelegt gewesen, um die Seele recht festzuhalten, aber
-die Holzdiebe hätten zuletzt auch den Reif gestohlen.</p>
-
-<h3 id="sec103">103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p>
-
-<p>Die sogenannte hintere Aue, ein Thal von Dreihansen bis
-Niederlößnitz, war einst mit Wald bewachsen, und in diesem wohnten
-viele Geister. Der Wald wurde nach und nach gerodet, das Thal urbar
-gemacht und die Geister vertrieben. Dieselben kommen aber noch
-in den warmen Sommernächten auf ihre alten Spielplätze und führen
-ihre munteren Tänze das Thal entlang aus.</p>
-
-<h3 id="sec104">104. Spuk auf dem Braunsteine.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)</p>
-
-<p>Ein altes Weib aus Joachimsthal begab sich einst in den Wald
-am Braunstein, um Beeren zu sammeln. Am Fuße des Berges bemerkte
-sie einen großen steinernen Wassertrog. Verwundert darüber
-blieb sie stehen und sprach halblaut zu sich: So alt ich bin, hab ich
-weder den Wassertrog gesehen, noch etwas von ihm gehört. In Gedanken
-vertieft, stieg das Weib weiter bergauf und erblickte auf einmal
-auf einem sonnigen Platze drei mit reifen Erdbeeren gefüllte
-Töpfe. Bist du doch nicht allein hier, dachte sie bei sich und ging<span class="pagenum"><a id="Seite_77">[77]</a></span>
-an den Töpfen vorbei, ohne eine Erdbeere anzurühren. Kaum hatte
-sich jedoch das Weib einige Schritte entfernt, da vernahm sie hinter sich
-ein lautes Jammern und Schluchzen. Rasch drehte sie sich um. Als
-sie aber nichts mehr von den Töpfen mit den Beeren sah, überkam sie
-ein solches Grauen, daß sie im Sturmschritt über den Abhang des
-Braunsteins hinunterlief, um in kürzester Zeit aus dem Walde zu kommen.
-Daheim erzählte das Weib, was ihr begegnet war, verfiel in eine
-längere Krankheit, lebte aber noch viele Jahre.</p>
-
-<h3 id="sec105">105. Spuk auf dem Grauensteine bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 63 etc.)</p>
-
-<p>Nach einer Überlieferung soll der Grauenstein ein verwünschtes,
-durch Zaubersprüche unsichtbar gewordenes Schloß sein. Einst veranstalteten
-die nächsten Umwohner eine Prozession, um die am Grauenstein
-polternden Geister und Gespenster zu bannen und zur Ruhe zu
-bringen. Auf einmal hörte man Musik und Gesang in den Lüften,
-ja noch mehr, ein ganzer Schwarm von Geistern kam auf die Herannahenden
-zu. Erschreckt ergriffen die Leute die Flucht, und der Grauenstein
-ward umsomehr gefürchtet.</p>
-
-<p>Einem armen Bergmanne träumte drei Nächte hinter einander,
-er solle um 12 Uhr des Nachts auf den Grauenstein gehen, er könne
-das Schloß erlösen. Er machte sich auf den Weg, und als er sich demselben
-näherte, hörte er lärmende Musik. Er sah zwei Reiter dahersprengen,
-die zwischen sich ein leeres schmuckes Pferd führten und dem Erschreckten
-winkten. Da sank sein Mut, er kehrte den Reitern den Rücken,
-und mit Krachen und Zischen war alles verschwunden.</p>
-
-<p>Andere Bergleute wollen zur Abendzeit Musik vernommen haben,
-die sich vom Grauensteine gegen die Schwedenschanze gleichsam fortbewegte
-und dort in die Töne des pfeifenden Windes sich auflöste; ja
-einer erzählte sogar, er habe einmal zwischen elf und zwölf Uhr des
-Nachts die erleuchteten Fenster des verwünschten Schlosses gesehen und
-sie gezählt, als er zu dieser Zeit Holz holte.</p>
-
-<p>In dem Thalgrunde, wo jetzt bei Joachimsthal die große k. k.
-Cigarrenfabrik steht, wohnte vor etwa siebzig Jahren ein Mann, mit
-Namen Huß. Als derselbe eines Abends bei mattem Lampenscheine
-in seinem Stübchen saß, klopfte es plötzlich an sein Fenster. Er öffnete
-dieses mit der Frage, wer so spät da sei? »Mach' auf Kamerad!«
-war die Antwort des Klopfenden. Huß hieß ihn in die Stube treten
-und erkannte in dem Ankömmling seinen alten Kriegsgenossen aus<span class="pagenum"><a id="Seite_78">[78]</a></span>
-Tirol. »Sage mir doch, mein Lieber,« sprach Huß, »was Dich in so
-später Nacht zu mir führt?« »Mir hat geträumt«, antwortete
-der Tiroler, »daß ich nach der Bergstadt St. Joachimsthal gehen und
-das unweit davon gelegene verwünschte Grauensteiner Schloß von
-seinem Zauber befreien soll. Du bist in der Gegend bekannt und wirst
-mir gewiß den Weg zum Grauenstein zeigen.« »Diesen Freundschaftsdienst
-kann ich Dir, Waghals, schon erweisen; wir gehen um elf Uhr
-hinauf,« entgegnete der treuherzige Huß seinem ehemaligen Waffengefährten.
-&ndash; Nachdem beide den freien Platz erreicht hatten, der im
-Volksmunde »Kuhplatz« heißt, hörten sie aus der Ferne eine liebliche
-Musik. Hier blieb Huß stehen, während der Tiroler bergauf in der
-Richtung weiter ging, woher die Wunderklänge drangen. Endlich kam
-er gegen Mitternacht am Grauensteine an und sah auf einmal vor
-sich das verzauberte Schloß, strahlend im wundervollen Lichtglanze,
-wie er sein Lebtag noch keinen gesehen. Furcht und Freude kämpften
-bei diesem Anblicke in seinem Herzen; aber jemehr er sich dem Schlosse,
-dem Ziele seiner Wünsche, näherte, desto größere Schweißtropfen
-traten auf seine Stirn. Schon stand er beim offenen Portale, da
-kehrte er, von Angst und Grauen überwältigt, wieder um; in demselben
-Augenblicke jedoch donnerte und krachte es und im Nu waren die
-Lichter samt dem Schlosse, das noch immer seiner Erlösung harrt,
-verschwunden.</p>
-
-<h3 id="sec106">106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Fünfzehn Minuten von Platten liegt ein Wald, der Leidenswald
-genannt; in diesem soll vor vielen Jahren ein Mann nach seinem
-Tode seines gottlosen Lebenswandels wegen verbannt gewesen sein.
-Wenn man früher durch diesen Wald ging, hörte man ein leises
-Glockengeläute; dasselbe ist aber verstummt, seit man in dem nahen
-Platten des Nachts 12 Uhr eine Glocke läutet. Die Leute glauben
-nun, daß damit auch der Verbannte im Leidenswalde erlöst worden sei.</p>
-
-<h3 id="sec107">107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und
-Zschorlau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)</p>
-
-<p>Als vor Jahrhunderten im Erzgebirge die Pest wütete, berührte
-sie auch den kleinen Ort Neidhardsthal. Die Leichen wurden auf einem<span class="pagenum"><a id="Seite_79">[79]</a></span>
-Platze zwischen Neidhardsthal und Zschorlau begraben und ein Weg,
-welcher beide Dörfer verbindet, heißt noch heute der Leichenweg. Auf
-demselben sieht man zu Zeiten in der Mitternachtsstunde Gestalten
-ängstlich hin und her laufen, oder man erblickt auch eine Frau mit
-feurigen Augen. Der Begräbnisplatz ist jetzt eine Wiese voller Hügel
-und Löcher; er wird »das Gottesäckerle« genannt. Auch dort will
-man in der Mitternachtsstunde Gewimmer gehört haben. Alte Personen
-erzählen wieder, daß auf diesem Platze die Heiden begraben
-worden seien, welche einst auf dem nahen Steinberge wohnten. Auf
-dem Gipfel desselben sieht man noch jetzt ein Gemäuer und einen
-ebenen Rasenplatz. Dort sollen sie zu ihren Göttern gebetet haben.
-Das Gemäuer wird von den Bewohnern der Umgegend »Kirchel«
-genannt.</p>
-
-<h3 id="sec108">108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von Heinr. Weißflog aus Raschau.)</p>
-
-<p>Zwischen Mitweide bei Schwarzenberg und dem nördlich davon
-gelegenen Dorfe Schwarzbach befindet sich eine alte, nach dem Städtchen
-Scheibenberg führende Marktstraße, die Ämmlerstraße genannt.
-Dieselbe soll ihren Namen von einem früheren Bergherrn Ämmler
-haben, auf dessen Rat sie angelegt wurde. Von dieser Straße nun
-wird gar Schauriges erzählt. So soll daselbst des Nachts 12 Uhr,
-wenn alles recht ruhig ist, ein Leichenzug zu sehen sein, und den ihn
-begleitenden Gesang hört man über sich in der Luft. Dieser Gesang
-soll überaus lieblich klingen, so daß schon manche wie bezaubert
-stehen geblieben sind und gelauscht haben. Wer aber darauf hört,
-dem wird es verderblich, denn er findet seinen Weg nicht mehr.
-Erst wenn man irgend ein Kleidungsstück umwendet, so soll man sich
-wieder zurecht finden.</p>
-
-<p>Auf der Ämmlerstraße soll auch in stürmischen Nächten das
-wilde Heer zu sehen sein. Neben dem »Hussa!« der vorüberjagenden
-Reiter hört man dann aber auch eine schöne, himmlische Musik.</p>
-
-<h3 id="sec109">109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der poet. Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K.
-S., No. 238.)</p>
-
-<p>In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dorf Dittersdorf ist
-auch das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, welches früher nur ein einziges<span class="pagenum"><a id="Seite_80">[80]</a></span>
-Vorwerk war, zu dem der ohnweit davon im Grunde gelegene
-Eisenhammer, jetzt die Herrenmühle, gehörte. Beide Grundstücke waren
-vor langen Jahren im Besitz eines gewissen Pessel, der ein zwar reicher,
-aber ebenso habsüchtiger Mann war, dem alle Mittel recht waren, wenn
-sie nur zur Vergrößerung seines Mammons dienten. Einst ging derselbe
-in der Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt
-war, zur Kommunion und sah, wie der Lauensteiner Schösser ein funkelnagelneues
-Goldstück als Opferpfennig auf den Altar legte. Da
-gab ihm der Teufel den bösen Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen;
-er wartete also, bis alle übrigen Kommunikanten an den
-Altar getreten waren, und als er nun als der letzte hinzutrat, um
-die Hostie zu empfangen, stahl er mit gewandter Hand das Goldstück
-vom Altare herab. Der Geistliche hatte jedoch den Frevel bemerkt,
-und als nun Pessel auf der anderen Seite des Altars den Kelch empfangen
-sollte, zog jener ihn zurück, verkündete öffentlich seine Schandthat
-und verfluchte ihn. Pessel wankte nach Hause, allein der Schreck
-und die Reue warfen ihn aufs Krankenbett, von dem er nicht wieder
-aufstand. Als nun aber einige Tage darauf in früher Morgenstunde
-ihn seine Hammerknechte nach Liebenau zu Grabe trugen, überraschte
-sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein plötzliches Donnerwetter;
-sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese hin und flüchteten in die
-im Grunde gelegene Mühle. Als nach einem furchtbaren Donnerschlage
-das Gewitter sich verzogen hatte und sie aus der Mühle heraustraten,
-um den Leichenkondukt wieder fortzusetzen, war der Sarg
-spurlos verschwunden und man glaubte, daß der Teufel denselben
-samt dem Inhalte entführt habe. Seit dieser Zeit aber erblickt man
-jede Mitternacht den Schatten des alten Pessel, der nach der Mühle
-zu umherirrt und mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und
-sie bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam
-aber auch die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte
-mehr dort mahlen lassen und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe,
-woher es kam, daß sie bald von ihren Bewohnern verlassen ward
-und als Ruine für ewige Zeiten von dieser schauerlichen Geschichte
-Kunde giebt.</p>
-
-<h3 id="sec110">110. Die Erlösung.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 99.)</p>
-
-<p>Auf einer Wiese am Abhange des Plattenberges bei Platten sah
-man vor längst entschwundenen Jahren öfters einen Mann umherwandeln,<span class="pagenum"><a id="Seite_81">[81]</a></span>
-der auf der Achsel einen Grenzstein trug und schrie: »Wohin
-soll ich ihn setzen?« Das war ein gespenstischer Mann, der zu Lebzeiten,
-um seinen Besitz zu vergrößern, den Rainstein auf der Wiese
-zum Nachteile seines Nachbarn verrückte und deshalb zur Strafe für
-diese ungerechte Handlung so lange herumirren mußte, bis ihn jemand
-erlösen würde. Als an einem Abende einen Bürger aus Platten der
-Weg über diese Wiese führte, stand plötzlich der verwünschte Mann
-mit seinem Steine vor ihm und rief in kläglichem Tone: »Wohin soll
-ich ihn setzen?« Gefaßt erwiderte der Angesprochene: »Trag ihn hin,
-woher Du ihn genommen hast!« Diesen Worten folgte ein Blitz und
-Donnerschlag und der Mann mit dem Steine war verschwunden; man
-hat ihn auch seitdem nie wiedergesehen.</p>
-
-<h3 id="sec111">111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 31.)</p>
-
-<p>Vor hundert und mehr Jahren lebte zu Joachimsthal ein ehrsamer
-Fleischhauer, der in einem Schlick'schen Hause wohnte. Eines
-Abends befahl er seinem Gesellen, des anderen Tages in aller Frühe
-zu Dorfe zu gehen, weil er dringend Schlachtvieh benötigte. &ndash; Der
-Fleischerbursche, welcher seinem Herrn mit größter Treue und Pünktlichkeit
-diente, hatte auf seinem Nachtlager keine Ruhe und Rast und
-machte sich, da der Mondschein so freundlich zum Wandern einlud,
-schon um die elfte Stunde auf den Weg. Dieser führte an dem auf
-dem steilen Schloßberge gelegenen Schlosse Freudenstein vorüber, dessen
-wiederhergestellte Türme noch heute auf der Westseite der Stadt
-Joachimsthal stolz in die Luft ragen. &ndash; In dem Augenblicke, als
-der Bursche daselbst seine Schritte vorbei lenken wollte, geriet er in
-einen tiefen grubenähnlichen Gang, den er vorher nie bemerkt hatte,
-und stand plötzlich in einem prachtvoll erleuchteten Saale, in welchem
-viele vermummte Ritter waren. Dieselben unterhielten sich mit Kegelspiel,
-wobei sie mit silbernen Kugeln schoben, schritten aber sofort auf
-den Fremdling, der wie Espenlaub zitterte, mit freundlichem Gruße
-zu und luden ihn zum Spiele ein. Jedoch erst auf wiederholtes Drängen
-nahm der erschrockene Fleischerbursche eine Kugel, die aus purem
-Silber war, in die Hand, schob und &ndash; traf alle neun, was die Ritter
-über die Maßen sehr erfreute. Beim zweiten Ausschub traf er
-gleichfalls alle neun Kegel. Wie er nun über abermalige Aufforderung
-zum dritten Male sein Glück versuchen wollte, schlug gerade
-die Uhr auf dem nahen Stadtturme zwölf, und alles war verschwunden.<span class="pagenum"><a id="Seite_82">[82]</a></span>
-Der Geselle aber befand sich, ohne einen Gang zu sehen, auf
-demselben Platze, wo er früher seinen Weg fortsetzen wollte; er
-glaubte geträumt zu haben, allein die Silberkugel, die er noch in der
-Rechten hielt, belehrte ihn, daß alles Wirklichkeit gewesen. &ndash; Voll
-Entsetzen und Grausen eilte er beflügelten Schrittes nach Hause und
-erzählte seinem Herrn das seltsame, unheimliche Erlebnis. Da ihm
-derselbe jedoch keinen Glauben beimessen wollte, zeigte er als Wahrzeichen
-seiner Aussage die silberne Kegelkugel, durch welche beide,
-Meister und Geselle, reiche Leute wurden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Derartige Sagen von kegelschiebenden Geistern oder dämonischen Wesen finden
-sich noch an zahlreichen Orten. Ein Ziegenhirt setzt auf dem Kyffhäuser Kegel auf,
-nach denen 12 ernste Ritter schieben. Er war während dessen 20 Jahre aus seinem
-Dorfe abwesend und niemand wollte ihn daselbst anfangs kennen. Auch ein Sängerchor
-aus Kelbra sah auf dem Kyffhäuser eine Gesellschaft, welche sich am Neujahrsmorgen
-daselbst mit Kegelschieben vergnügte. Der einem von ihnen geschenkte Kegelkönig
-verwandelte sich unten am Berge in Gold. (O. Richter, deutscher Sagenschatz,
-I. No. 5 und 10.) Im Hausberge im Mannsfeld'schen schieben verzauberte Herren
-Kegel. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld No. 60.) Mit goldenen Kegeln
-und Kugeln spielen stattliche Herren in der Dämmerung oder des Nachts in den
-Ruinen der Neu-Habsburg in Luzern und auf einem langen waldigen Hügel zwischen
-Sargans und Wallenstad. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 43 und 44.) Eine Kugel,
-mit welcher auf dem Löbauer Berge Zwerge Kegel geschoben hatten, verwandelte sich
-in Gold; auf dem Oderwitzer Spitzberge dagegen waren es Riesen, die mit 6 goldenen
-Kugeln nach 9 goldenen Kegeln schoben. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 29 und 91.)
-In den Gewölben der Ruine Schauenforst soll ein goldenes Kegelspiel vergraben
-sein. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 230.)</p>
-
-<p>Schönherr hat vermutet, daß alle diese Sagen von kegelschiebenden Geistern
-Nachklänge von dem heidnischen Himmel, dem Asgard, sind, in welchem die Götter
-friedlich mit goldenen Tafeln und Würfeln spielten, »und wenn nach der Götternacht
-die goldene Zeit wiederkehrt, werden sie wieder mit goldenen Tafeln werfen auf dem
-Idafelde.« (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 76.) Nach Anderen
-soll das Kegelspiel die fallenden und aufstehenden Kämpfer bei den allabendlichen
-Spielen der Einherien in Walhalla bedeuten, nach Nork aber stelle die goldenen
-Kugeln Gestirne vor. In der Annaberger Kirche soll sich ein Gemälde befinden,
-auf welchem kegelschiebende Engel abgebildet sind. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 91.)</p>
-
-<p>Wenn nach der Sage im Kyffhäuser der deutsche Kaiser Friedrich mit seinen
-Knappen Kegel spielt und in der Johannisnacht ein Hirte, der dazu kam, einen
-silbernen Kegel oder nach andern Überlieferungen eine Kugel erhielt, welche zu Gold
-wurde, so erinnert dies an den gütigen Wuotan, der alle Wünsche erfüllen konnte.
-Auf ihn weist auch unsere Sage hin. In der deutschen Mythe ist das Kegelspiel
-jedoch auch ein Sinnbild des Donners. In der Mark Brandenburg sagt man beim
-Rollen des Donners: »Der liebe Gott kegelt.« Obschon nun Donar die eigentliche
-Gewittergottheit ist, so herrscht doch auch Wuotan oder Odhin im Gewittersturme.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_83">[83]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec112">112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863, S. 104.)</p>
-
-<p>Ein Abt des Klosters Ossegg war der im Munde des Volkes noch
-fortlebende Hieronymus Bösneker. Unter den vielen Gerüchten, die
-von ihm verbreitet sind, ist folgendes das erheblichste. In einer Nacht,
-als der Nachtwächter der Abtei die Klosterhöfe durchwandelte, klopfte
-es an den Thoren und herein kam der erst verstorbene Abt Hieronymus.
-Da sich diese Erscheinung wiederholte, meldete er es am gehörigen
-Orte, wo man ihm seine Furcht zu benehmen suchte und zugleich
-dem Nachtwächter die Weisung gab, sollte ihm dies Gesicht noch
-einmal erscheinen, so möchte er sogleich zu dem Nachfolger im Vorsteheramte
-eilen. Beruhigt betrat der Hüter wieder seinen Posten.
-Um Mitternacht pochte es abermals am Thore gegen Herrlich. Das
-Thor öffnete sich und herein zogen vier schwarze Rosse schnaubend eine
-Kalesche, worin sich der Verstorbene befand. Auf das Rufen des
-Nachtwächters kam der damalige fromme und gottesfürchtige Prälat
-Cajetan im Ornate, ganz wie er beim Altare erscheint, herbei. Der
-Mann trat ab und es entspann sich zwischen dem furchtbaren Gaste
-und ihm ein Gespräch in lateinischer Sprache. Alsbald führte der
-fromme Cajetan seine Begleiter durch die Thür im Sommersalon, der
-schon vorbereitet war, hinaus in den Garten, und man sah durch die
-Lindenallee nach Herrlich wieder die greuliche Gestalt dahinfahren.
-Diese Allee wurde von dem Wiedererschienenen angelegt. Bald nachher
-entstand ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug in eine Linde dieser
-Allee und die Krone kam in die Erde, die Wurzel aber oben zu
-stehen und seit dieser Zeit war nichts mehr zu sehen und zu hören.
-Der Enkel jenes Nachtwächters Woitzendörfer ist ein Mann von 70
-Jahren und lebt als Lehrer in Rathschitz.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In Zittau jagt ein gespenstischer Ratsherr des Nachts um 12 Uhr in einem
-schwarzen, von dergleichen Rossen gezogenen Wagen durch die Straßen der Stadt.
-Ähnliches erzählt man von Görlitz, Köln, Bremen und a. O. (Haupt, Sagenbuch
-d. L. No. 154 und 155.) Der gespenstische Baron Hußmann von Tachau fährt in
-einem feurigen Wagen, der von vier schwarzen Pferden gezogen wird. (Grohmann
-a. a. O. S. 101.) Der Wagen ist der Höllenwagen oder die Höllenkutsche. Die
-Todesgöttin Hel führte die Seelen der Verstorbenen auf einem schwarzen Wagen,
-der ein Gegenbild vom Wagen Wuotans ist, in die Unterwelt.</p>
-
-<p>Wie in unserer Sage der Geist eines Verstorbenen in einem Wagen wieder
-auf der Erde erschien, so läßt der Volksglaube in manchen Gegenden die Toten auch<span class="pagenum"><a id="Seite_84">[84]</a></span>
-in einem Wagen abholen. In Komotau heißt es mit Beziehung auf diese Vorstellung
-in einem Volksliede:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Auf der Brücke steht ein goldner Wagen,<br /></span>
-<span class="i0">Wird mich und dich in Himmel tragen.«<br /></span>
-</div></div></div>
-
-<h3 id="sec113">113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe
-unter Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche
-die armen Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte,
-dasselbe aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu
-und Kleie war und in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich
-beklagten und über das ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz:
-»Ei, meine Gottesgaber Säue könnens schon fressen!« Als sie aber
-gestorben war, ist sie oft wiedergekommen und hat den Mann geplagt.
-So oft der Müller seine Säue fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische
-Sau mit zugelaufen und hat samt den andern aus dem
-Troge gefressen.</p>
-
-<h3 id="sec114">114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen
-Zeiten des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten
-demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt
-stehen bleiben; nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich
-führte, konnte ungehindert seines Weges ziehen.</p>
-
-<h3 id="sec115">115. Der Kirchenbau in Pritschapel.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)</p>
-
-<p>Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt
-sich ein nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen
-Gipfel noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im
-Juli 1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von
-ihr gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche
-gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein
-Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber<span class="pagenum"><a id="Seite_85">[85]</a></span>
-der Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine,
-Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf
-dem Gipfel des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf,
-wie das zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate
-und führte die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In
-der Nacht darauf tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute
-nach dortiger Sitte aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen
-über den Himmel dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig
-großes, sehr schönes weißes Maultier gesehen haben, das die
-Baumaterialien den Berg wieder hinauftrug. Man sah dies als einen
-Wink Gottes an, und die Kirche wurde auf dem Gipfel des Berges
-erbaut.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877, S. 77
-meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den Tempelbauversuchen nach
-der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu denken. Das weiße Maultier erinnert
-vielmehr an das weiße Roß Odhins oder des slavischen Gottes Swantowit, oder
-an die weissagenden Rosse, welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven
-besessen haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom weißen
-Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom Schafberge, auf
-welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen wollte, hinab ins Thal trug,
-so daß nun hier die Anlage der Stadt erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II.
-No. 189.)</p></div>
-
-<h3 id="sec116">116. Der große Bergsturz zu Altenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430&ndash;32.
-Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.)</p>
-
-<p>Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu
-Altenberg der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon
-dadurch der größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden
-ist, so ist es doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so
-abgegangen, daß nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und
-tiefer einging, sowie vier Zechen und ein Schacht verfielen und des
-Bergschmieds Wohnhaus versank. Die meisten Bergleute sind glücklich
-gerettet worden, obschon sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne
-Speise in der Tiefe ausharren mußten. Nur ein alter Bergmann von
-79 Jahren, mit Namen David Eichler (oder Siemon Sohr), ist nicht
-zu finden gewesen, auf welchem die meiste Schuld hernach sitzen geblieben,
-weil er nämlich aller Warnung ungeachtet, alle Bergvesten,
-d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze der Decken stehen läßt, nach<span class="pagenum"><a id="Seite_86">[86]</a></span>
-und nach weggehauen habe. Derselbe soll auch sonst ein gottloser
-Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne Gebet und in Teufels
-Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden Klagereime sind
-aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld gewesen;
-sie lauten also:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Ich George Frölich der Alte,<br /></span>
-<span class="i0">ich wolt übern Bergwerck halte,<br /></span>
-<span class="i0">es wolt aber gar nicht seyn.<br /></span>
-<span class="i0">sondern die Gottlosen fuhren hinein,<br /></span>
-<span class="i0">und rissen die Berg-Vesten ein,<br /></span>
-<span class="i0">das ist bewust der ganzen Gemein.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Das Unglück aber ist nicht ohne Warnung von oben geschehen,
-denn man hat einige Zeit vorher, wenn die Bergleute früh zwischen
-4 und 5 Uhr im Zechenhause ihr Gebet vor dem Einfahren abgewartet
-hatten, wahrgenommen, daß ein weißes Pferd im vollen Lauf von
-oben bis zum Ende der Binge sprang und alsbald verschwand. Man
-hat dies auch für eine Warnung angesehen, weil zuvor viele vor dem
-gemeinschaftlichen Gebet eingefahren, den das Gebet versäumenden
-Bergleuten zwei Groschen von ihrem Lohn für arme Leute abgezogen,
-wovon dann das sogenannte Aufrufen gekommen ist. Im Jahre 1729
-hat man, als man das damals Eingestürzte wieder aufzuarbeiten suchte,
-was jedoch nicht gelungen ist, eine alte Bergmütze von Filz gefunden,
-die man für die Fahrmütze jenes Eichler gehalten hat.</p>
-
-<h3 id="sec117">117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz
-und Komotau.</h3>
-
-<p class="source">(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 14.)</p>
-
-<p>Die Straße zwischen Udwitz und Komotau durchschneidet eine
-Gegend, in der bei Nacht Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben
-und den Vorübergehenden oder Fahrenden allerlei Schabernack spielen.
-So spukte während einer längeren Zeit daselbst ein schwarzer Hund,
-der gleichsam auf der Lauer lag und der, sobald sich ein Bauer mit
-seinem Fuhrwerke näherte, auf dessen Wagen sprang. Der Bauer
-konnte sich anstrengen und machen, was er wollte, er mochte dem Hund
-zurufen oder ihm Peitschenhiebe versetzen, um sich desselben zu entledigen,
-alles umsonst, der schwarze unheimliche Gast blieb liegen, bis
-der Bauer die sogenannte St. Josephsstatue passiert hatte; dann war
-sein Begleiter verschwunden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_87">[87]</a></span></p>
-
-<p>Einmal mußte ein Bauer um die Mitternachtsstunde mit seinem
-Wagen den Weg passieren. Da gewahrte er plötzlich den schwarzen
-Hund, der, als er näher kam, mit einem Sprunge auf dem Wagen
-war. Der Bauer wurde leichenblaß; er bebte und zitterte an allen
-Gliedern, nahm die Peitsche, schlug nach dem Hunde und fing an entsetzlich
-zu schimpfen; allein das unheimliche Tier rührte sich nicht. Da
-der Bauer einsah, daß er im Bösen nichts ausrichte, fing er an zu
-beten und zu seiner Überraschung wurde der Hund auf einmal halb
-weiß, blieb aber immer noch liegen. Jetzt wußte sich der schlichte
-Bauer keinen Rat mehr; er rief nun mit lauter Stimme: »Lieber
-Herrgott, laß mich doch nur wissen, was dieses Höllentier von mir
-will!« Sobald er diese Worte gesprochen, wurde der Hund ganz weiß
-und verschwand, und eine Stimme rief dem Bäuerlein zu: »Tausend
-Dank! Du hast meine arme Seele erlöst und mich von meinem Leid
-befreit!«</p>
-
-<p>Im Jahre 1867 ging am heiligen Weihnachtsabende ein mutiges
-Bürschchen, das bei einem Görkauer Meister in der Lehre stand, heim
-zu seinen Angehörigen nach Komotau. Furchtlos schritt der Jüngling
-vorwärts. Ein kalter Frost wehte ihn an, lautlose Stille herrschte
-ringsum, nur unterbrochen von dem Knirschen des Schnees. Schon
-hatte er Udwitz hinter sich; da, kaum noch 100 Schritte von der St.
-Josephsstatue entfernt, erblickt er den schwarzen Hund, dessen feurige
-Augen wohl auch dem Beherztesten Schrecken eingejagt hätten. Halbtot
-schleppte sich der arme Junge weiter, kein Auge von dem unheimlichen
-Begleiter wegwendend. Da griff er plötzlich in die Tasche, zog
-sein Messer heraus und stach auf die Bestie los. Zwar schwang der
-Arm das Messer, ein Schwefelgestank verbreitete sich, aber &ndash; ruhig
-schritt das Tier wieder neben dem Wanderer einher. Kalter Angstschweiß
-bedeckte die Stirn des armen Knaben; schon glaubte er, sein
-letztes Stündlein sei gekommen. Da faltete er die Hände und fing
-an zu beten. Kaum hatte er ein Vaterunser geendet, so war auch
-das Untier verschwunden. Bleich und verstört kam der Ärmste bei
-den Seinen an. Längere Zeit hindurch mußte er das Bett hüten.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In den frühesten Zeiten hat der Hund wohl allen Ariern als ein den Göttern
-geheiligtes und darum mit der Gabe der Weissagung ausgestattetes Tier gegolten.
-Später wurde er Hüter der Unterwelt und galt dann als Tod- und Unglücksverkündiger.
-Der eine von den beiden »Wege bewachenden« Hunden, welche nach der
-indischen Sage dem Todesgotte Yama beigesellt sind, ist der schwarze Sarameya,
-der die Sterbenden heimsucht. Auch die griechische Mythe weiß von einem Höllenhunde
-und geistersichtigen Hunden wie die germanische Sage. Nach letzterer wittern
-es auch die Hunde der Sterblichen, wenn die Nornen und Walkyren ausgesandt<span class="pagenum"><a id="Seite_88">[88]</a></span>
-werden, oder wenn die Pestseuche naht. Odhin und seine Walkyren werden von
-einem Hunde begleitet. Gespenster erscheinen als Hunde, so z. B. der holländische
-Nachtgeist Lodder, welcher seinem Namen nach dem Bruder Odhins und Mitschöpfer
-der Menschen, Lothur, entspricht. (Rochholz, deutscher Glaube und Brauch I., S. 101.)</p></div>
-
-<h3 id="sec118">118. Der feurige Hund bei Graslitz.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 236.)</p>
-
-<p>Auf dem Schönauer Berge bei Graslitz soll in der Nacht ein
-Hund herum gehen, mit einer brennenden, feurigen Zunge. Derselbe
-soll den Leuten, besonders Mädchen auf den Rücken springen und sich
-dann eine Strecke forttragen lassen.</p>
-
-<h3 id="sec119">119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün
-und Pöhla sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit
-glühenden Augen und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Erscheinen weißer Tiere gilt als Tod verkündend. Wahrscheinlich hat
-sich diese Prophezeihung ursprünglich auch mit dem Erscheinen der beiden weißen
-Pudel, so wie eines weißen Widders und Schafes in den beiden folgenden Sagen
-verknüpft. Die Bewohner der Glarner Alpen sprechen, wenn ein Gemsenjäger in
-der Wildnis umkommt, er habe eine weiße Gemse gesehen, und ebenso verkündet
-auch nach einem Volksglauben in der Lausitz und in Böhmen ein weißer Schmetterling
-den Tod. Vielleicht hängt damit auch die weiße Trauerkleidung der Slaven
-zusammen. Rochholz (deutscher Glaube und Brauch I., S. 138.) vermutet, daß
-eine Zeit bestanden haben müsse, in welcher das Kennzeichen von Trauer und Freude
-durchgehend die weiße Tracht gewesen sei, da letztere ursprünglich »ein feierliches
-ins Leben treten und ein unergründliches Geheimnis des Wiederverschwindens« bezeichnete.</p></div>
-
-<h3 id="sec120">120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen bei Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen.
-Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner
-von Aue mit Panduren gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf
-ihm zuweilen des Nachts ein weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_89">[89]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec121">121. Gespenstisches Schaf bei Wildenfels.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Bei dem nahe am Weinberge gelegenen Gottesacker zu Wildenfels
-soll sich zu nächtlicher Stunde früher ein weißes Schaf haben
-sehen lassen, welches die Vorübergehenden erschreckte.</p>
-
-<h3 id="sec122">122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer G. Günther aus Lößnitz.)</p>
-
-<p>In der Nähe der bei Niederschlema über die Mulde führenden
-Eisenbrücke stand vor Jahrhunderten und noch ehe Schneeberg
-gegründet wurde, ein Eisenhammer. Auch wurde das Eisenerz, welches
-damals am Schneeberge gegraben ward, über die alte Brücke nach Lößnitz
-gefahren, um es daselbst auf der Ratswage wiegen zu lassen.
-Die Brücke war mit einem Dache versehen und deshalb sehr dunkel,
-und weil außerdem auf beiden Seiten der Mulde bis an das Ufer
-finstere Waldungen waren, wurden an dieser damals schauerlichen
-Stelle viele Greuelthaten verübt. Unter andern wurde daselbst auch
-ein Mann erschlagen, welcher einen schwarzen Pudel mit sich führte.
-Dieser Pudel ist dann noch nach langen Jahren bei der Brücke gesehen
-worden, seinen Herrn suchend, und darauf ist er jedesmal plötzlich
-wieder verschwunden.</p>
-
-<h3 id="sec123">123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt durch Sem. Paul Mothes aus Bockau.)</p>
-
-<p>Auf dem Hemberge bei dem Bergflecken Bockau ist ein bestimmter
-Kreis, in welchem ein schwarzer Hund haust. Wer sich in diesen Kreis
-verirrt, der sieht den Hund und trägt jedesmal eine Krankheit davon.</p>
-
-<h3 id="sec124">124. Der schwarze Hund in Grünthal.</h3>
-
-<p class="source">(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)</p>
-
-<p>Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern
-in Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst
-ein großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere
-auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden
-Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe Landesgrenze
-verfolge.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_90">[90]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec125">125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von Ernst Michael in Niederhaßlau.)</p>
-
-<p>An der Straße von Bockwa nach Niederhaßlau, auf der sogenannten
-»Köppe« oberhalb des neuen Bockwaer Friedhofes, soll sich
-öfters um Mitternacht ein schwarzer gespenstischer Hund sehen lassen,
-der entweder neben den ihm Begegnenden ein Stückchen hinläuft und
-dann plötzlich verschwindet, oder auch sich diesen eine Weile in den
-Weg stellt und sie im Weitergehen hindert. Den oder jenen soll er
-zuweilen auch genötigt haben den Straßendamm hinabzuspringen,
-wohin er darauf selbst gefolgt ist, um in den nahen Muldengebüschen,
-von woher er zumeist gekommen war, sich zu verlaufen. &ndash; Von den
-letzteren ist bekannt, daß sich darin etliche Personen erhängt, ebenso,
-daß in dem daneben rauschenden Muldenwehre mehrere Lebensüberdrüssige
-ihren Tod gesucht und gefunden haben.</p>
-
-<h3 id="sec126">126. Der Walkpudel.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf dem Walksteige zwischen Dippoldiswalde und Ulberndorf
-läßt sich zuweilen ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen, den
-die Umwohnenden Walk- oder auch Waldpudel nennen.</p>
-
-<h3 id="sec127">127. Der Hüttenmops.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>An dem Huthause bei Ober-Karsdorf oder beim Stollen an der
-Naundorfer Brücke sind schon viele von einem gespenstischen Hunde,
-welcher der Hüttenmops heißt, erschreckt worden. Der Hüttenmops
-erscheint auch in Olbernhau, Oberneuschönberg, Rothenthal, Grünthal
-und Umgegend. Er heißt dort meist »Hüttenmatz« oder »Hüttenmutz«,
-und die ihn gesehen haben, beschreiben ihn als einen großen, schwarzen
-Pudel mit feurigen Augen, der des Nachts umherstreicht, ja zuweilen
-sogar auf Bäumen angetroffen wird. Gesagt wird weiter, daß der
-Hüttenmops ein böser Geist sei. Einst ist er einem ruhig dahinschreitenden
-Fleischer auf den Rücken gesprungen, und trotz allen
-Schüttelns, Betens und Fluchens konnte ihn der Mann nicht wieder
-herunterbringen, bis er vor seiner Thür angelangt war, wo das Gespenst
-mit einem höhnischen Schrei verschwand. Der Fleischer aber
-starb nach drei Tagen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_91">[91]</a></span></p>
-
-<p>Auch auf der Straße zwischen Freiberg und Erbisdorf ließ sich
-früher der Hüttenmops in Gestalt eines riesenhaften Pudels mit feurigen
-Augen sehen. Man hielt ihn für einen verwandelten Bergbeamten,
-der ohne Rast von Grube zu Grube wandern mußte. (E. H.
-Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, S. 4.)</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Gespenstische Hunde sind meist Tod oder Unheil verkündend, auch wenn ihnen
-die Sage nicht ausdrücklich die prophetische Gabe beilegt. Wenn des Nachts vor
-seinem Hause ein Hund heult, so sagt man in Schleswig: die Hel ist bei den Hunden,
-d. h. Hunde wittern die umziehende Pest. Letztere aber wird mit einem Feuer
-verglichen, das als blaue Flamme erscheint. Damit hängt nun jedenfalls wieder
-der Glaube zusammen, daß der Hund eine Feuersbrunst anzeigt. (Rochholz, Deutscher
-Glaube und Brauch, I. S. 159.) Im Erzgebirge sagt man: Heult ein Hund
-mit erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt er den Kopf dabei, so stirbt jemand.</p>
-
-<p>Sich den Menschen aufhockende gespenstische schwarze Hunde kennt auch die
-slavische Sage. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 330.)</p></div>
-
-<h3 id="sec128">128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 471.)</p>
-
-<p>An der Frankenberger Straße, die nach Chemnitz führt, steht in
-einem Dorfe ein schöner neugebauter Gasthof, in dem kein Besitzer
-lange bleibt, denn da läßt sich am Tage und des Nachts ein Hase
-sehen, der überall neben dem Hausherrn herläuft, allerdings ohne ihm
-etwas zu thun, für alle anderen aber unsichtbar ist.</p>
-
-<h3 id="sec129">129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Liberius Veridicus, Unmaßgebliche Gedanken von den Dittersbacher
-Vögeln. Frankenberg 1707, bei Gräße a. a. O., No. 588.)</p>
-
-<p>Im Monat Oktober des Jahres 1706 entstand des Nachts eine
-große Feuersbrunst in dem bei Frankenberg gelegenen Dorfe Dittersbach.
-Bei derselben versammelten sich wilde Enten, wilde Gänse,
-Quäker, Kiebitze, Sperber, Eulen, Lerchen, Rotkehlchen u. s. w. und
-gegen Morgen kamen Raben und Krähen dazu und machten ein gräßliches
-Geschrei. Die Vögel flogen um das Feuer herum, viele verbrannten,
-viele aber wurden gefangen. Weil man sich aber den Grund
-dieser Vögelversammlung nicht denken konnte, ist vom Gerichtsamte
-am 6. November eine Registratur hierüber aufgenommen und an die
-sächsische Regierung eingeschickt worden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_92">[92]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec130">130. Das Schindergründel bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 49.)</p>
-
-<p>In der Joachimsthaler Gegend hauste früher ein gewisser Schinderhans,
-von welchem man manches drollige Märchen erzählt; dem
-Volksglauben nach soll er mit dem Teufel im Bunde gewesen sein.</p>
-
-<p>Ein anderer Räuber hieß Schwabenkunert; dieser verstand die
-Kunst, verschiedene Gestalten anzunehmen.</p>
-
-<p>Beide wurden nach Verübung vieler Unthaten am Galgenberge
-gehängt; als dort vor einiger Zeit Steine gebrochen wurden, fand
-man noch ihre Skelette. Als man diese herausnahm, reichten sich die
-zwei Galgenvögel die Hände.</p>
-
-<p>Auch geschah einst im Schindergründel ein Mord; als ein Fuhrmann
-später über diese Stelle fuhr, bemerkte er zu seinem Entsetzen
-rückwärts am Wagen einen großen schwarzen Hund; er hieb ihn mit
-der Peitsche, aber siehe da, der Hund wurde viermal größer, und erst
-als der Fuhrmann aus dem Schindergründel kam, verschwand der
-Hund, der Fuhrmann aber starb nach einer kurzen Zeit. &ndash; Auch war
-das Schindergründel berüchtigt als Aufenthaltsort vieler Diebe und
-Räuber.</p>
-
-<h3 id="sec131">131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Als vor einigen Jahrhunderten viel falsches Geld von Österreich
-nach Sachsen geschafft wurde, kamen auch mit solchem Gelde einige
-Fuhrleute in die Nähe von Blauenthal, da wo sich am linken Ufer
-der Bockau die sogenannte Steinwand erhebt. Es kam ein schweres
-Gewitter und die Fuhrleute suchten deshalb Schutz unter einem überhängenden
-Felsen. Da das Unwetter lange anhielt, so vertrieben sie
-sich die Zeit mit Kartenspiel. Plötzlich fuhr ein Blitz nieder, ein
-schwerer Donnerschlag folgte und die Felsenhöhle mit den darin sitzenden
-Männern war im Nu verschwunden. Die stehengebliebenen Wagen
-wurden nach Eibenstock gebracht. An gewissen Tagen lassen sich nun
-in der Nähe der Steinwand Spukgespenster sehen. So kam einst wiederholt
-des Nachts ein weißer Hase. Ein Arbeiter des Hammerwerks
-schlug nach ihm und rühmte sich dann, er habe ihm eins ausgewischt.
-Aber in der folgenden Nacht fand man den Mann tot.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_93">[93]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec132">132. Die Puppe von Brand.</h3>
-
-<p class="source">(E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, 1858, S. 119 etc.)</p>
-
-<p>An die ältere Geschichte des Gasthofes zum Erbgericht in Brand
-knüpft sich folgende Sage:</p>
-
-<p>In früheren Zeiten war eine wohlhabende Witwe im Besitze dieses
-Erbgerichts. Dieselbe übertrug den ganzen Reichtum ihrer Liebe
-auf ihre siebenjährige Tochter, und an einem Weihnachtsfeste wollte sie
-derselben eine seltene Freude bereiten und schenkte ihr eine Puppe, die
-mit der Tochter von fast gleicher Größe war. Als aber das Töchterchen
-die Puppe erblickte, zeigte es mehr Furcht als Freude, und auch
-an dem folgenden Tage mochte das Kind die Puppe nicht sonderlich
-anschauen, vielmehr wurde es krank und starb noch in den 12 Nächten
-an dem bösen Scharlachfieber. Als einen Ersatz ihres geliebten Töchterchens
-nahm nun die Witwe die Puppe zur Hand, kleidete sie an
-mit den Gewändern der Verstorbenen, ließ sie neben sich auf einem
-besonderen Stuhle sitzen, setzte ihr Speisen und Getränke vor und
-sprach mit ihr wie mit einem Kinde. Eine Magd mußte die Puppe
-aus- und anziehen und regelmäßig ins Bett bringen. Ja die Frau
-ging allen Ernstes mit dem Plane um, einen Hauslehrer für ihren
-Liebling zu berufen, als der Tod ihrem wunderlichen Treiben ein Ende
-machte. Seltsame Gerüchte verbreiteten sich über ihr Dahinscheiden;
-feierlich wurde sie zur Erde bestattet und mit Grauen gedachte man
-der Puppe, die still in ihrer Lade lag.</p>
-
-<p>Allein nach dem Begräbnisse der Hausmutter hatte dieselbe keine
-Ruhe mehr; in nächtlicher Weile stand sie auf, suchte ihre Kleider,
-die der neue Besitzer an sich genommen, und lief im ganzen Hause
-umher, so daß jeder Einwohner sich in der Nacht nicht getraute, über
-die ängstlich verschlossene Kammer zu schreiten. Selbst an Sonn- und
-Festtagen, wenn sich das junge Volk durch Spiel und Tanz ein Vergnügen
-bereitete, trippelte sie hinter den kräftigen Bergburschen und
-den rotwangigen Mädchen her, so daß man anfangs floh, später aber,
-an die Erscheinung gewöhnt, sich nicht sonderlich mehr stören ließ.
-Der Wirt aber nahm sich ernstlich vor, dem Spuk ein Ende zu machen.
-In St. Michaelis wohnte nämlich in einem einsamen halbverfallenen
-Häuslein eine alte triefäugige Frau, von der man behauptete, es sei
-nicht ganz richtig mit ihr, auch habe man in ihrer Stube einst ein
-Geschöpf, einer Fledermaus ähnlich, bemerkt. Sie wurde nur die Haldenhexe
-genannt. An diese Person wandte sich der Wirt in seiner
-peinlichen Lage, und sie versprach unter seltsamen Geberden die Puppe
-in der Lade. Allein die Geschichte scheint nicht geholfen zu haben,<span class="pagenum"><a id="Seite_94">[94]</a></span>
-vielmehr rumorte die Puppe mehr als je, und es schien ihr gar nicht
-in der zugenagelten Lade zu gefallen. Kurze Zeit darauf kam auch das
-letzte Stündlein der Hexe und sie starb eines rätselhaften Todes. In
-seiner Not wandte sich nun der geplagte Erbgerichtsbesitzer an den
-Ortsgeistlichen in Erbisdorf. Der Pastor erschien, las einige lateinische
-Gebete vor, beschwor die Gestalt und schloß mit den Worten <em class="antiqua">apage
-satanas</em>! Darauf entfernte sich der Geistliche. Unterwegs aber hörte
-er ein leises Husten und als er sich umdrehte, tanzte die Puppe
-spottend hinter ihm her, so daß er voll Grausen eilends nach Hause lief und
-Thür und Thor fest zuschloß. Und so blieb denn die Puppe ungebannt
-im Hause. Lange Zeit wohl mochte sich dieselbe ruhig verhalten
-haben, bis sie dann endlich wieder mit ihrem Spuke auftrat. Ihrem
-Treiben sollte aber nunmehr ein baldiges Ende bereitet werden. An
-einem sonnenhellen Nachmittage wurde die Lade mit allem Zubehör
-auf einen Schubkarren geladen und von einem Tagelöhner dem dunklen
-Spitalwalde zugefahren. Je näher er demselben kam, desto schwerer
-wurde die Lade, so daß ihm der Schweiß von der Stirne rann.
-Unter einer Birke machte er ein Loch, einige Fuß tief; doch war ihm
-bei dieser Arbeit nicht ganz wohl, denn der Himmel umzog sich mit
-dunklen Wolken, Blitze leuchteten durch des Waldes Düster und in
-der Ferne rollte der Donner. In aller Eile setzte er die Lade in das
-gegrabene Loch, schaufelte Erde darauf, bedeckte es mit Rasen und begab
-sich nun eiligst auf den Rückweg. Je näher er an Brand kam,
-desto eiliger hörte er hinter sich trippeln und trappeln und als er sich
-auf einen Augenblick umsah, erblickte er zu seinem Entsetzen die begrabene
-Puppe mit hellleuchtenden Augen. Außer sich vor Schreck
-kam er halbtot nach Hause, aß und trank nicht und legte sich zu Bette.
-Das hitzige Fieber übermannte ihn und schon nach drei Tagen war
-er eine Leiche.</p>
-
-<p>Seit jener Zeit hat man von der gespenstischen Puppe nicht mehr
-viel vernommen. Als jedoch das Erbgericht neu aufgebaut wurde,
-wollen einige Bauleute dieselbe gesehen haben, wie sie auf den halbvollendeten
-Mauern herumgesprungen sei, und man sagt, daß sie
-heimlich samt der Lade wieder aus dem Spitalwalde hereingeschafft
-worden wäre.</p>
-
-<h3 id="sec133">133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Im Dönitzgrunde bei Eibenstock, in welchem noch die Überreste
-früherer Zinnseifen zu sehen sind, zeigt man auch eine alte Binge.<span class="pagenum"><a id="Seite_95">[95]</a></span>
-Von derselben wird erzählt, daß einst zwei Reiter über dieselbe
-setzen wollten, daß sie aber dabei mit ihren Pferden hinabstürzten.
-Wer nun in der Johannisnacht an diese Binge kommt und aufmerksam
-horcht, der vernimmt in der Tiefe nicht nur das Klirren
-von zusammenschlagenden Hufeisen, sondern auch das leise Ticken
-einer Uhr.</p>
-
-<h3 id="sec134">134. Die geheimnisvollen Ambosschläge im Keller eines Hauses
-zu Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>In Eibenstock zeigt man ein Haus, welches früher einem Schmied
-gehörte, dessen Frau mit dem Teufel ein Bündnis geschlossen hatte.
-Als die Frau gestorben war, verkaufte der Mann das Haus und zog
-fort; doch ließ er verschiedene Gegenstände in dem weitläufigen und in
-viele Gänge auslaufenden Keller zurück. Da geschah es, nachdem das
-Haus wieder bewohnt war, daß eines Abends eine Frau hinab in den
-Keller ging, in welchem sich ein Brunnen befindet, um daselbst noch
-Wasser zu holen. Da hörte sie heftige, wie auf einen Ambos ausgeführte
-Schläge, von denen sie jedoch nicht sagen konnte, woher sie
-rührten. Dies wiederholte sich noch zweimal nach einander. Darauf
-ist aber der Frau der Mut plötzlich gesunken und sie ist eilends davongegangen.
-Solche Ambosschläge sind übrigens noch mehrmals in der
-Nacht in jenem Keller gehört worden.</p>
-
-<h3 id="sec135">135. Die Klage in Kohlenschächten bei Bockwa.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz etc. No. 585.)</p>
-
-<p>Hinter Bockwa, seitwärts von Hohndorf nach Reinsdorf zu, gab
-es vor einigen dreißig Jahren noch einige verfallene Kohlenschächte;
-in einen derselben soll einmal ein Offizier beim Spazierengehen hineingestürzt
-und sein Leichnam erst nach langer Zeit wiedergefunden
-worden sein. Wenn man in die Nähe dieses Ortes kam, so hörte
-man fortwährend Winseln aus jenen Schächten, ohne heraus zu
-bekommen, woher dasselbe kam.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_96">[96]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec136">136. Das gefährliche Feld bei Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz etc. 2. Aufl., No. 611.)</p>
-
-<p>Vor dem Schneeberger Thore an dem Wege nach Oberhohndorf
-liegt ein Feld, auf welchem sich ein Kreuzweg befindet, den die Wege
-von Schedewitz, Reinsdorf und Oberhohndorf bilden; über diesen geht
-des Mittags zwischen 12 bis 1 Uhr niemand, auch soll denselben kein
-Fuhrwerk passieren. Vor einigen Jahren fand man daselbst um diese
-Zeit einen umgeworfenen Wagen, aber ohne Pferde und menschliche
-Begleiter, und hat sich zu demselben auch nachmals kein Besitzer gefunden.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_97">[97]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap3">III.<br />
-Dämonensagen.</h2>
-</div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_99">[99]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Auch die Sagen von den Dämonen, d. h. mit göttlichen und natürlichen
-Eigenschaften ausgestatteten Wesen, welche wir sonst im Mythus
-mit den Gottheiten selbst verkehren sehen, wurzeln in dem alten Götterglauben.
-Wo die mit übermenschlichen Eigenschaften und daher mit
-der Kraft, den Menschen zu helfen oder zu schaden, begabten, dabei ein
-eigenes, abgeschlossenes Reich bildenden Dämonen in den Überlieferungen
-des Volkes nicht mehr gefürchtet, sondern geneckt und verspottet
-werden, da zeigt sich bereits der Einfluß des Christentums, dessen
-Verkündiger und Hüter bestrebt waren, die alten heidnischen Gottheiten
-in ihrer Ohnmacht und ihrem Nichts darzustellen.</p>
-
-<p>Die Dämonenwelt zerfällt in Zwerge, Vegetationsgeister, Wassergeister
-oder Nixe, Riesen und Tierdämonen; wenn wir aber diese
-Dämonenwelt an uns vorüberziehen lassen, empfangen wir nicht bloß
-die Überlieferungen des germanischen, sondern zugleich auch solche des
-slavischen Götterkreises. In den Volkssagen der Wenden, Czechen und
-anderer sprachverwandter Nationen leben gleiche mit menschlichen und
-göttlichen Eigenschaften ausgestattete Wesen fort; sie sind demselben
-Quell entsprungen, aus welchem alle dem indogermanischen Sprachstamme
-angehörigen Völker schöpften, und das böhmische Volk erzählt
-vom Ursprunge dieser Dämonen: »Als Gott die übermütigen Engel
-aus dem Himmel verstieß, wurden aus ihnen die bösen Geister, welche
-den Menschen bei Tag und Nacht beunruhigen, ihn necken und schädigen.
-Die in die Hölle stürzten und in die Löcher und Abgründe,
-das sind die Teufel und die Todmädchen. Aus denen aber, die auf
-die Erde fielen, wurden die Kobolde, Schrätlein, die Zwerge, Daumlinge,
-die Alpe, die Mittags- und Abendgespenster und die Irrlichter.
-Die in die Wälder fielen, wurden zu Waldgeistern, als da sind: die
-Hemänner, die wilden Männer, die Waldmänner und die wilden
-Weiber und Waldfrauen. Jene endlich, die ins Wasser fielen, wurden
-zu Wassergeistern, zu Wassermännern, zu Meerjungfern und Meerfrauen.«
-(Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen und Mähren, I. S. 108.)</p>
-
-<p>Die <em class="gesperrt">Zwerge</em>, welche die Volkssage nicht bloß in Böhmen, sondern
-auch in Tirol und der Schweiz als gefallene, obschon nicht ganz
-verdorbene, sondern nur verführte Engel ansieht, die aber nach einer Überlieferung<span class="pagenum"><a id="Seite_100">[100]</a></span>
-aus Schwaben einst über die Menschen herrschten und von diesen
-göttlich verehrt wurden, sind vorzugsweise die Phantasiegebilde der Gebirgsbewohner.
-Sie gleichen vielfach den gnomenartigen <em class="antiqua">Yakschas</em> der
-indischen Sagenwelt, welche in den Gebirgen die Schätze des Metallgottes
-<em class="antiqua">Kuveras</em> hüten, und wie nach dem Glauben der alten Griechen die Pygmäen
-wie Ameisen in der Erde wohnten, so halten sich auch die Zwerge
-des deutschen Sagenkreises, dem sie hauptsächlich angehören, vorzugsweise
-in Höhlen und Klüften auf, während die Wenden der Lausitz die Wohnungen
-ihrer Zwerge, der Ludki, in die heidnischen Grabhügel verlegen,
-deren Urnen nach dem Volksglauben Hausgeräte des Zwergvolkes sind.</p>
-
-<p>Von allen Wesen wurden die Zwerge nach der Edda zuerst geschaffen,
-sie schmiedeten gleich den Göttern Erze und lebten in dem
-Körper des aus Reif oder gefrorenem Tau entsprungenen Riesen Ymir,
-der die Welt bedeutet. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 282.) Unter
-einem Könige zu einem Volke vereinigt, lebten sie friedlich mit den
-Menschen, für welche sie arbeiteten und die sie häufig für kleine Dienste
-reichlich belohnten. Besonders thaten sie frommen und armen Leuten
-Gutes. Gewisse übermenschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die
-Kenntnis von geheimen Heilkräften, z. B. denen der Bärwurz und des
-Baldrian gegen die Pest, ihr Auftreten als Hüter unermeßlicher Schätze,
-aber auch nach Jakob Grimm die Liebe zu den Tönen, knüpft ihr
-Geschlecht an höhere Wesen, vorzüglich an Halbgötter und Göttinnen.
-(Deutsche Myth., S. 264.) Während sie auf der einen Seite dadurch,
-daß sie den Menschen beistehen, ihnen Glück bringen und sie belohnen,
-sich denselben nähern, scheinen sie, um mich der Worte Jacob Grimms
-(a. a. O. S. 259.) zu bedienen, doch überhaupt von ihnen zurückzuweichen,
-und »so machen sie den Eindruck eines unterdrückten, bedrängten
-Volksstammes, der im Begriffe steht, die alte Heimat den
-neuen mächtigeren Ankömmlingen zu überlassen«. Übereinstimmend
-damit bemerkt auch Preusker in seinen Blicken in die vaterländische
-Vorzeit (I. S. 54.), daß die Zwergsagen der Lausitz, des Vogtlandes,
-Harzes und Thüringens auf zerstreute slavische Ansiedler hinweisen,
-die später von den vordringenden Deutschen verdrängt und unterdrückt
-wurden, so daß sie sich verbergen und ihre Wohnsitze verlassen mußten.
-Ja nach einer Lausitzer Sage, die Veckenstedt (Wendische Sagen, S.
-157.) mitteilt, stammen die Wenden von den Ludkis ab. Unsere erzgebirgischen
-Sagen erzählen, wie die Zwerge durch Lauch, den man in
-die Milch that, durch Aufrichtung der Pochwerke, Eisenhämmer und des
-»Klippelwerks«, sowie dadurch vertrieben wurden, daß man die Knödel
-im Topfe und die Brote im Backofen zählte. Sie werden aber wiederkommen,
-»wenn die Hämmer würden abgehen.« Von Schmiedeberg<span class="pagenum"><a id="Seite_101">[101]</a></span>
-zogen sie über die Eger. Ähnlichen Überlieferungen begegnen wir anderwärts.
-In der Lausitz konnten sie das Kümmelbrot und Glockengeläute
-nicht vertragen und sie ließen sich von einem Bauer aus Hainewalde
-über die böhmische Grenze fahren. Bei Langenberg fuhren sie
-in einer mondhellen Nacht über die Elster, und die Zwerge, welche ehemals
-in den Hüttener Bergen, besonders in dem Kindelberge und im
-Pläterberge bei Wittensee wohnten, kamen in der Nacht an die Hohner
-Fähre und ließen sich übersetzen. (Müllenhof, Schleswig-Holst. Volkssagen,
-No. 329.) Auch die Wichtel- oder Heinzelmännchen des Spatenberges
-fuhren über einen Fluß. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, S. 107.)</p>
-
-<p>Überall spricht sich dabei der Groll über menschliche Treulosigkeit
-und Unduldsamkeit, ursprünglich wohl über den Abfall von den heidnischen
-alten Göttern aus. Wenn aber in anderen Gegenden der Glockenton
-die Zwerge vertrieb und letztere demnach in der Sage der Kirche unfreundlich
-gegenüber treten, so bauten sie wieder nach einer dazu fremdartig
-erscheinenden Überlieferung im Erzgebirge die Steiner Pfarrkirche, indem
-sie des Nachts das Baumaterial von unten, wo man die Kirche
-zu errichten beabsichtigte, auf den Berg trugen. Sie übernehmen hier
-eine Arbeit, welche nach anderen Sagen einem weißen Pferde oder einem
-anderen gespenstischen Wesen zugeschrieben wird.</p>
-
-<p>In den Volksüberlieferungen werden die Zwerge, deren Frauen
-nach einer unserer Sagen die Klagemütter, in der Lausitz jedoch die
-Busch- oder Holzweibel sind (Preusker a. a. O., S. 52.), in mehrere
-Gattungen mit verschiedenen Namen geschieden, welche jedoch nicht
-immer streng von einander zu trennen sind. Vielfach gehen die eigentlichen,
-bunte Röcklein oder spitze rote Hüte tragenden und Höhlen und
-Schluchten des Gebirges bewohnenden Zwerge in <em class="gesperrt">Berggeister</em> über.
-Letztere, als ursprünglich gutmütige und in Gestalt sehr verschieden,
-meist als Bergleute, Mönche, jedoch auch in einer erzgebirgischen Sage
-in Roßgestalt auftretende Wesen, nähern sich wieder, indem sie zuweilen
-boshaft werden, den Kobolden.</p>
-
-<p>Der Berggeist kommt nur beim Bergwerke vor, und die Sagen
-von ihm sind gewiß so alt wie der Bergbau selbst. Mit Recht weist daher
-Wrubel (Sammlung bergmännischer Sagen, S. 5.) darauf hin,
-daß man unsern Berggeist wohl vom Rübezahl des Riesengebirges,
-welcher besser »Gebirgsgeist« zu nennen sei, unterscheiden müsse. Wenn
-wir auch in den Sagen vom Berggeiste einen Überrest des heidnischen
-Götterglaubens haben, so mochten doch die stetigen Gefahren, denen
-der Bergmann bei seinen Berufsgeschäften ausgesetzt ist, das von verschiedenen
-abergläubischen Meinungen beeinflußte Gemüt mit Bangen
-vor einer unterirdischen Macht erfüllen, welche allmählich festere Form<span class="pagenum"><a id="Seite_102">[102]</a></span>
-annahm und zu einem Beherrscher des unterirdischen Reiches wurde.
-(Wrubel a. a. O., S. 8.)</p>
-
-<p>Die Berggeister waren die Hüter von edlen Erzgängen, und
-vielleicht sind die sagenhaften Überlieferungen von den rätselhaften
-Fremden, welche das Erzgebirge, den Thüringerwald, das Vogtland,
-Fichtelgebirge und andere Landschaften nach Gold durchsuchten, und
-die als Venetier oder Wahlen von dem Volke mit überirdischen
-Kräften ausgestattet wurden, die das Innere der Berge kannten und
-mancher Zauberkünste kundig waren, zum Teil auf die Schätze hütenden
-Berggeister zurückzuführen.</p>
-
-<p>Venetier, die nach der Volkssage in verschiedenen Gestalten auftraten,
-wuschen auch die Goldkörner aus den Brunnen und Flüssen,
-und so gehört wohl auch die Sage von dem Hutmanne in Wiesenthal,
-welcher einstmals auf dem Fichtelberge an einem Brunnen, dessen Boden
-von eitel Goldflammen leuchtete, einen in einem Buche lesenden Mönch
-antraf, ebenfalls hierher.</p>
-
-<p>Ein anderes Geschlecht der Zwerge sind die <em class="gesperrt">Hausgeister</em> und
-<em class="gesperrt">Kobolde</em>, welche eine mehr heitere und neckische, zuweilen selbst boshafte
-Natur besitzen. Sie halten sich vorzugsweise in den Wohnungen
-der Menschen, aber auch in Bergwerken auf, und nur ganz vereinzelt
-erscheinen sie im Freien. Wie die Zwerge und die später besprochenen
-Moosweibchen sind auch die Kobolde unselige Geister. Daher hat ein
-Knabe in Lauter, welchem ein solcher Kobold keine Ruhe ließ, fleißig
-gebetet und gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn Du nicht beten
-willst und auch nicht beten kannst, so gehe Deiner Wege.« Andere
-Hausgeister sind befriedigt, wenn man ihnen ein wenig Milch aufstellt,
-und wäre es auch nur in einem Katzenschüsselchen, so daß sie daher
-Katzenveit, Heinzelmann, Katermann u. s. w. heißen. (Rochholz, Deutscher
-Glaube und Brauch, I. S. 18.) Der erzgebirgische Katzenveit,
-dessen Jacob Grimm nur kurz und zwar als eines »Waldgeistes« im
-Fichtelgebirge gedenkt, erinnert in mancher Beziehung wieder an den
-Rübezahl des Riesengebirges.</p>
-
-<p>Ein Hausgeist, wie das vogtländische »Schreckgökerle«, vor dem
-sich die Kinder fürchten, ist das »Schreckagerl«, welches wie andere
-Kobolde bei der Arbeit hilft; nur muß man ihm dafür zu essen geben.
-Dieses hilfreiche Beistehen bei der häuslichen Arbeit, das Füttern des
-Viehes, das Fegen der Küche und dergl. mehr gehört so recht zum Wesen
-der Kobolde. Unser Bahnbrecher in der Kenntnis der germanischen
-Götterlehre sagt in seiner deutschen Mythologie (S. 284.), daß es ihm
-scheine, man habe früher aus Buchsbaumholz kleine Hausgeister geschnitzt
-und dieselben in dem Zimmer aufgestellt; der Ernst habe sich in Scherz<span class="pagenum"><a id="Seite_103">[103]</a></span>
-umgewandelt und die christliche Ansicht habe die Beibehaltung des alten
-Brauches geduldet. In gleicher Weise mag aber auch aus dem ursprünglich
-dienstfertigen Kobolde, welcher das Gesinde weckte und nach
-dem Rechten im Hause sah, mit der Zeit ein Polter- und Plagegeist
-geworden sein, der dann mehr teuflisch und gespenstisch auftrat. So
-sank, wie Jakob Grimm sich ausdrückt, der getreue Hausfreund des
-Heidentums zum Schreckbild und Gespött der Kinder herab, ein Los,
-das er mit Göttern und Göttinnen teilt. (Deutsche Myth., S. 293.)</p>
-
-<p>Als Kindergespenst tritt überall im Erzgebirge das »Jüdel« oder
-»Hütchen« auf, welches den letzten Namen vielleicht von dem roten
-Hute der Zwerge hat. Das Jüdel spielt während ihres Schlafes mit
-den Kindern; es spielt auch des Nachts mit den Kühen. Will man
-das Jüdel als Hausgeist unterhalten, so muß man demselben Spielsachen
-geben. Wie unter den Kobolden der Katzenveit vom Kohlberge
-bei Zwickau und die Männchen des Koboldsteins bei Kloster Maria
-Sorg, so waren auch der <em class="gesperrt">Kaspar</em> des Greifensteins und der Geist
-<em class="gesperrt">Mützchen</em> bei Freiberg keine eigentlichen Hausgeister; bei letzterem
-ist durch die Nebelkappe deutlich seine Zwergnatur gekennzeichnet.</p>
-
-<p>Zahlreich melden uns endlich Sagen von koboldartigen Wesen,
-welche in den Zechen den Bergknappen entgegentraten. Sollen doch
-die beiden Metalle Kobalt und Nickel, nach denen gegenwärtig vorzugsweise
-die Gruben des Schneeberg-Neustädtler Reviers abgebaut
-werden, von zwei neckischen Geistern ihre Namen erhalten haben. Von
-dem Kobalt, dessen Name zwar auch von dem böhmischen <em class="antiqua">Kow</em>, das
-Erz, <em class="antiqua">kowalty</em>, erzhaltig, abgeleitet wird, sagt ein alter Bergprediger:
-»Ihr Leute heißt es Kobalt und die Deutschen nennen den schwarzen
-Teufel Kobel, der Menschen und Vieh durch Zauberei Schaden thut.
-Es haben nun aber der Teufel und seine Hallraunen oder Drutten
-dem Kobalt, oder der Kobalt den Zauberinnen den Namen gegeben, so ist
-Kobalt ein giftig und schädlich Metall.« (Merkel, Erdbeschr. v. Kursachsen
-I. S. 176.)</p>
-
-<p>Mit den Kobolden teilweise verwandt sind die <em class="gesperrt">Irrlichter</em>,
-welche man sich als lebende Wesen vorstellt. Sie führen Menschen
-irre, hocken sich ihnen auf oder bestrafen sie auch, wie die erzgebirgische
-Sage von der unheimlichen Fackel erzählt. Irrlichter können aber auch
-in feuriger Gestalt umherschweifende Seelen sein, welche nicht der
-himmlischen Seligkeit teilhaftig wurden, und dann nähern sie sich den
-zum Gespensterspuk gehörenden feurigen Männern.</p>
-
-<p>Aus der Klasse der <em class="gesperrt">Vegetationsgeister</em> begegnen wir im
-Erzgebirge, als einem ursprünglichen Waldgebirge, hauptsächlich den
-<em class="gesperrt">Walddämonen</em> unter den Namen von Waldgeistern, Waldteufeln,<span class="pagenum"><a id="Seite_104">[104]</a></span>
-Moosmännchen, wilden Weibern und Holzweibchen. Wie die Nixe
-fügen sie sich nicht in die Civilisation, und obschon sie zuweilen freundlich
-mit den Menschen verkehren und dieselben für geleistete Dienste
-belohnen, so ist ihnen doch der Humor, welcher die Zwerge auszeichnet,
-fremd, und Schwermut oder große Wildheit charakterisiert sie. Zuweilen
-treten die Holzweibchen als Schicksalsverkündiger oder Wetterpropheten
-auf. Der wilde Jäger oder der Teufel verfolgt sie auch
-im Erzgebirge und ein Baumstamm mit eingehauenen Kreuzen gewährt
-ihnen gegen denselben Schutz, wenn sie sich auf ihm niederlassen. Die
-vogtländische Sage, welche von ihnen das meiste weiß (Jul. Schmidt,
-Topographie der Pflege Reichenfels und Witzschel, Sagen aus Thüringen),
-erzählt, daß sie vor dem wilden Jäger Ruhe finden, wenn sie
-sich auf einen Stamm setzen, in welchem während der Zeit, da man
-den Schall des niederfallenden Baumes hört, drei Kreuze in einem
-Zwickel gehauen wurden. Im Sagenschatz des K. Sachsen (zu No.
-550.) bemerkt hierzu Gräße, daß viele glauben, die Holzweibchen seien
-aus den heidnischen Sorbenfrauen entstanden, die vor dem Christentume
-in die Wälder geflohen, wenn sie dieselben aber wieder verlassen
-hätten, von den Christen verfolgt bei Stämmen, auf denen drei Kreuze
-eingehauen gewesen, Schutz gesucht und gefunden hätten. Dagegen
-zählt Jakob Grimm die Holzweibchen, die nach ihm einen Übergang
-zu den Zwergen bilden, zu dem heidnischen Gespensterspuk, der sich
-aus den Vorstellungen von halbgöttlichen Wesen, mit denen das Heidentum
-den Wald bevölkert dachte, entwickelte. (Deutsche Myth., S.
-243 und 520.) Und Nork greift in den Sitten und Gebräuchen der
-Deutschen (S. 63.) sogar auf die Gnomengestalten der indischen Sagen
-zurück, mit denen er unsere ähnlichen Sagenstoffe wie Ausläufer aus
-einer gemeinschaftlichen Wurzel in Verbindung setzt. &ndash; Unsere Sage
-nennt die Holzweibel auch Buschweibchen und faßt sie teilweise als
-den Moosweibchen gleiche Wesen auf. Die Moosweibchen waren
-immer zwerghaft und über und über mit Moos bewachsen; nach der
-thüringischen Sage wohnten sie an dunklen Orten und in Höhlen unter
-der Erde. (Richter, Sagen des Thüringer Landes, IV. S. 43.)
-Wie in Thüringen die Moosweibchen, so kamen auch im Erzgebirge
-die Buschweibchen zuweilen in die Wohnungen der Menschen und begehrten
-daselbst Essen. Sie beschenkten mit Spänen und Laub, welche
-Dinge sich später in Gold verwandelten. Bei uns wurden sie wie die
-eigentlichen Zwerge vertrieben, als man das Brot im Backofen zählte.</p>
-
-<p>Neben den Sagen vom Erscheinen der Holzweibchen im Erzgebirge,
-von denen ein Teil allerdings nur noch in älteren schriftlichen
-Überlieferungen vorhanden ist, leben im Volke noch Redensarten, welche<span class="pagenum"><a id="Seite_105">[105]</a></span>
-sich auf den Glauben an das frühere Erscheinen dieser dämonischen
-Gestalten beziehen. So sagt man in der Gegend von Schneeberg: »Das
-Holzweibel hat aufgehängt«, wenn man früh an den Büschen Spinnweben
-ausgespannt sieht, die auf beständiges schönes Wetter gedeutet
-werden. Steigen weiße Nebel aus den Waldungen auf, so sagt der
-Gebirger: »Das Holzweibel heizt ein, es wird ander Wetter!« (Lindner,
-Wanderungen durch das sächsische Obererzgebirge, I. S. 4.) Bei
-Brunnersdorf warnte man noch vor wenigen Jahren die Beeren suchenden
-Kinder vor dem Buschweibchen und ermahnte sie, im Walde der
-Sicherheit wegen beisammen zu bleiben; bei Kupferberg sagt man von
-eilig Dahinlaufenden: »Der läuft wie der Teufel, wenn er dem Holzweibel
-nachläuft«, und in der Gegend von Platz nennt man kleine
-vermummte Kinder scherzweise Buschweibel. (Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung
-VI. S. 55 und 56.) Ähnliche Redensarten sind in
-anderen deutschen Gegenden gebräuchlich. So sagen z. B. die Bauern
-in der Zittauer Gegend, wenn daselbst die Berge dampfen: »Die Holzweibchen
-kochen Kaffee« (Haupt, Sagenbuch etc. No. 38.), während die
-Erdmännchen am Eisengraben backen, wenn gewisse Nebel auf dem
-Kaisacker im Frickthale aufsteigen, und die Wölkchen, welche hoch am
-Gebirge schweben, in Tirol für die aufgehängte Wäsche der Holzweibchen
-gehalten werden, die schönes Wetter verkünden. (Gartenlaube,
-1880, No. 31. und Henne-Am-Rhyn a. a. O., S. 261 und 278.)</p>
-
-<p>Mir scheint, als ob sich auch der Name »Käthel« in manchen
-Volksüberlieferungen auf ein dämonisches Wesen, vielleicht ein Holz-
-oder Buschweibchen bezieht.</p>
-
-<p>Das enge Muldenthal zwischen dem Mehltheuer und der hohen
-Rieß unterhalb der Haltestelle Niederschlema heißt im Volksmunde das
-»Käthelloch« und man prophezeit auf Grund der in ihm lagernden
-Nebel auf eine Änderung des Wetters. Es erinnert dies an Volksmeinungen
-in Nordböhmen. Die Frauen in Neuland bei Gabel sagen,
-wenn der Rollberg von Wolken umzogen ist, daß das Roll-Kathel
-koche und in Sukohrad spricht man in ähnlicher Weise: »Die Geltsch-Käthe
-kocht.« (Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 7.
-Jahrg. S. 95.)</p>
-
-<p>Während den Holz- und Moosweibchen ein Grad von Gutmütigkeit
-und Zuneigung zu den Menschen zukommt, sind die <em class="gesperrt">Waldgeister</em>
-und <em class="gesperrt">Feldteufel</em> schreckhafte Gestalten. Auch der <em class="gesperrt">Hemann</em>, welcher
-sich ebenfalls im Gebirge sehen läßt und Antwort giebt, wenn man
-ihn im Walde laut mit »He he, hu hu!« ruft, hat Freude an dem
-Schaden der Leute.</p>
-
-<p>Zu den Vegetations- und insbesondere zu den <em class="gesperrt">Feldgeistern</em> ist<span class="pagenum"><a id="Seite_106">[106]</a></span>
-weiter das <em class="gesperrt">Mittagsgespenst</em> zu zählen. Schon die alten Kirchenschriftsteller
-des 6. Jahrhunderts schreiben eine Reihe von Krankheiten
-dem Mittagsteufel zu; seinetwegen wurden die Kirchen, welche sonst den
-ganzen Tag bis zum Abendläuten offen stehen sollten, während der
-Mittagsstunde zugeschlossen. In der Schweiz wandeln bei der vom
-Volke keineswegs als gnadenreich gehaltenen Mittagssonne die verwünschten
-Schloßjungfern umher, und wie die Pest früher <em class="antiqua">morbus meridianus</em>
-hieß, so ist auch das Mittagsgespenst der Wenden teilweise zugleich
-die Pestjungfrau. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch,
-I. S. 67.)</p>
-
-<p>Die slavische, zu den Feld- und Waldgeistern gehörende <em class="gesperrt">Marzebilla</em>
-tritt ebenfalls im Erzgebirge auf. Sie führt die Leute ins
-Dickicht und an fruchtbare Stellen, wenn sie beten, überläßt sie aber
-ihrem Schicksal, wenn sie fluchen.</p>
-
-<p>Die <em class="gesperrt">Wehklage</em> aber gehört teilweise wie das Klopfen an die
-Thüre, ohne daß jemand draußen steht, das Rufen des eigenen Namens,
-als ob derselbe aus weiter Ferne hertönte, und viele andere geheimnisvolle
-Laute, aus denen das Volk auf Tod oder bevorstehendes Unglück
-schließt, zu den Voranzeichen. (Rochholz a. a. O., I. S. 143.)
-Auf dem Harze ist die Klagemutter Frau Holle, (Henne-Am-Rhyn, a.
-a. O., S. 562.), anderwärts ist eine »Heulmutter« oder »Frau Hel«
-die Schattengöttin Hel, welche an dunkeln Furten sitzt. (Rochholz a.
-a. O., I. S. 90.) Nach einer Sage aus der Gegend von Fulda ist
-die Wehklage dagegen unverkennbar ein Waldgeist, denn man sagt daselbst,
-wenn jemand sterben sollte, so sei eine Waldfrau von der wilden
-Frauen-Loch hergekommen und habe sich wehklagend in der Nähe des
-Sterbehauses gezeigt. (Wolf, Hessische Sagen, S. 53.) Eine erzgebirgische
-Sage bezeichnet die Klageweibel als Frauen verbannter
-Berggeister und Zwerge. &ndash; Wenn nach der Edda die Zwerge und
-Riesen dem Menschen in der Schöpfung vorangingen und weiter nach
-alter Überlieferung von beiden Dämonen die Zwerge zuerst geschaffen
-wurden, um das wüste Land und Gebirge zu bauen (J. Grimm,
-Myth., S. 253.), so fügt noch eine Oberpfälzer Sage hinzu, daß alle
-Zwerge, da sich das trockene Land noch nicht abgeschieden hatte, zunächst
-im Wasser lebten. Sie waren demnach im Anfange gleich den <em class="gesperrt">Nixen</em>.
-Der männliche Nix, Necker oder Nicker, erinnert nach einer anderen
-Überlieferung wieder an den skandinavischen Odhin, dessen Beiname
-<em class="antiqua">Nikarr</em> ihn als den Wellen besänftigenden Meergott bezeichnet. (J.
-Grimm a. a. O., S. 276.) Der Nikur soll als schönes apfelgraues
-Roß am Meeresstrande erscheinen, und ein großes Pferd mit ungeheuren
-Hufen zeigt sich auf dem Wasser, wenn Sturm und Gewitter<span class="pagenum"><a id="Seite_107">[107]</a></span>
-aufsteigen. Anklängen an diese Vorstellungen begegnet man im Erzgebirge.
-Es mag dabei auf die Sagen vom Grundtümpel bei Wildenau
-und von dem Sturmwinde bei Oberscheibe, der in die Teiche
-fuhr und das Wasser in die Höhe warf, »als wenn sich zwei Pferde
-im Wasser mit einander schlügen«, hingewiesen werden. Vorherrschend
-schildert die Sage den männlichen Nix als häßlich, ausnahmsweise
-wird er als von schöner Gestalt beschrieben. Er hat struppige grüne
-Haare und grüne Zähne, Rock und Hosen sind immer zerrissen und
-kotig. Auch die slavischen Flußnixen sind grünhaarig und der finnische
-Wassergott Ahto hat einen Grasbart. (Rochholz, a. a. O., II. S. 281.)
-Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau, welcher ein Krönlein auf
-dem Haupte trug, sah blau aus. Grün und blau aber sind dämonische
-Farben, und besonders weist letztere Farbe auf Wuotan hin, dessen
-Leibfarbe ebenfalls blau ist. Haupt bemerkt in seinem Sagenbuche der
-Lausitz (No. 44.), daß, obschon der skandinavische Odhin im Gegensatze
-zu dem deutschen Luft- und Sturmgotte Wuotan auch Nix ist, bei den
-Slaven vielleicht der Luftgott zu einem Wassergotte wurde. Hier berühren
-sich jedenfalls germanische und slavische Überlieferungen. Die
-Freude aller Wassergeister ist Tanz, Gesang und Musik. Auch die
-erzgebirgische Nixensage erzählt von zu Tanze gehenden Wasserjungfrauen,
-sowie vom »thörichten See« bei Satzung, in welchem ein Nix seine
-Wohnung hatte, daß man daselbst mittags großen Tumult und
-Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört habe, als
-ob eine lustige Bauernhochzeit in dem See abgehalten würde. In dem
-Sagenbuche der Lausitz hat Karl Haupt mehrere unter der slavischen
-Bevölkerung lebende Sagen mitgeteilt und er bemerkt dabei, daß der
-musikalische Nix der Wenden ebenso bezeichnend für die slavische Anschauung
-sei, wie die Querxe oder Zwerge und der wilde Jäger, die
-Berg- und Luftbewohner, für die Anschauung der Deutschen.</p>
-
-<p>Das was Jacob Grimm (deutsche Myth., S. 280.) im Allgemeinen
-bei den Wassergeistern hervorhebt, nämlich ein Zug von Grausamkeit
-und Blutdurst und die Ausübung blutiger Rache, welche in
-den Sagen von diesen Geistern so vielfach wiederkehren, dabei aber
-auch ein Beispiel für die Aufrechterhaltung der männlichen Ehre, welche
-dem Nix charakteristisch ist, finden wir in der Sage von dem obengenannten
-thörichten See vereinigt. Hier belohnt auch der Nix einen
-Holzhacker für den geleisteten Dienst, indem er ihm einen Beutel schenkt,
-der nie leer werden sollte, so oft er auch hineingreifen würde. Die
-Belohnung für geleistete Dienste, scheinbar unbedeutend und doch so
-reich, ist eine Handlung, welche uns an ähnliche Handlungen in den
-Zwergsagen erinnert; das Wesen der Kobolde und Poltergeister aber<span class="pagenum"><a id="Seite_108">[108]</a></span>
-nehmen die Nixe an, wenn sie ohne Veranlassung, wie dies bei Elterlein
-geschah, ruhige Arbeiter und Spaziergänger erschrecken.</p>
-
-<p>Der Nix der Zschopau fordert jedes Jahr sein Opfer. Es ist
-dies eine Überlieferung, welche auch der Lausitz nicht fehlt und die sich
-in gleicher Weise bei der Saale, Elster, Donau, Oder u. s. w. wiederholt.
-In die Bode bei Quedlinburg warf man früher in bestimmter
-Frist einen schwarzen Hahn; geschah dies nicht, so forderte der Fluß
-ein Menschenleben. Wenn auch nicht bei allen Überlieferungen von
-den jährlich ein Menschenleben fordernden Flüssen die Nixe ausdrücklich
-genannt werden, so ist doch immer dabei an heidnische Menschenopfer,
-welche den Wassergeistern gebracht wurden, zu denken. (Haupt
-a. a. O., No. 45.) Als man die Opfer nicht mehr freiwillig brachte,
-holte sich diese der Flußgeist selbst.</p>
-
-<p>Schließlich mag noch auf die in unserem Sagenkreise etwas
-fremdartig erscheinende Seebergjungfer, welche zuweilen an den Hoderwiesteich
-bei Seestadtl kam, um daselbst zu baden, hingewiesen werden.
-Sie erschien halb als Fisch und zur Hälfte als Mensch und erinnert
-durch diese Gestalt an die keltische Brunnennymphe Melusina, deren
-Namen wir aber in einer Sage aus dem böhmischen Teile des
-Erzgebirgs einer Luftgottheit beigelegt finden. Jac. Grimm ist geneigt,
-alle Vorstellungen von geschwänzten Nixen als echt deutsche anzuzweifeln.
-(Deutsche Myth., S. 277.) &ndash; Der vielleicht bis zur europäischen
-Völkerwiege zurückreichende Glaube an Wasserdämonen hat
-bei den auseinandergehenden Völkerstämmen mancherlei Gestalt angenommen.
-Verwandt mit unsern deutschen und slavischen Nixen und
-den keltischen Brunnennymphen sind die indischen <em class="antiqua">Apsaras</em>, d. h. die
-aus dem Wasser Entsprossenen. &ndash; Zur Dämonenwelt gehören auch die
-<em class="gesperrt">Riesen</em>, welche nach der germanischen Mythe erst nach den Zwergen
-erschaffen wurden, um die Ungeheuer und Würmer zu erschlagen. Abgesehen
-von den chronikalischen Überlieferungen von Riesenknochen,
-welche da und dort gefunden wurden, fehlen im Erzgebirge eigentliche
-Sagen von Riesen und ebenso ist es jedenfalls auch bemerkenswert,
-daß sich bei uns nicht, wie dies in anderen Gebirgen der Fall ist,
-Riesensagen mit gewaltigen Felsmassen verknüpfen, welche nicht selten
-mauerartig aufgetürmt, die bewaldeten Höhen krönen, oder die durch
-ihre absonderliche Form &ndash; ich erinnere dabei an die granitischen
-»Hefenklöse« bei Johanngeorgenstadt und den Rockenstein bei Schönheiderhammer
-&ndash; die Aufmerksamkeit der Bewohner gewiß schon in
-früherer Zeit erregten. Die so häufig im oberen Erzgebirge auftretenden
-Blockwerke hat das Volk nüchtern betrachtet, während es z. B.
-im Vogtlande in ihnen die Hinterlassenschaft von Riesen erblickt, und<span class="pagenum"><a id="Seite_109">[109]</a></span>
-spitze Felskegel haben seine Phantasie nicht wie in der Lausitz erregt,
-wo ein solches bei Heidersdorf anstehendes Naturgebilde als Keule
-eines Riesen gedeutet wird. (Eisel, Sagenbuch des Vogtl., No. 22&ndash;25.
-Haupt, a. a. O., No. 90&ndash;93.)</p>
-
-<p>Die kindlichen Naturmenschen konnten sich entfernte Erscheinungen,
-welche sie am Himmel oder im Luftkreise beobachteten, nur durch
-Vergleichung mit näheren bekannten erklären. So war ihnen der Blitz
-eine feurige Schlange, im Heulen des Sturmes hörten sie die Stimmen
-bekannter Tiere und die Wolken erschienen ihnen als Kühe oder
-Ziegen, welche statt der Milch Regen spendeten. Noch jetzt begegnen
-wir dieser Vorstellung in einem schwedischen Volksrätsel, dessen Lösung
-die Wolke ist: »Eine schwarzrandige Kuh ging über eine pfeilerlose
-Brücke, kein Mensch in diesem Lande die Kuh aufhalten kann.« (Manhardt,
-a. a. O., S. 89.) Jedoch sah man die Tiere der Erde im
-Himmel größer und gewaltiger wieder, und man fing an, diese himmlischen
-Wesen zu fürchten oder fühlte sich veranlaßt, ihnen für ihre
-Segensspenden zu danken. Als sich dann der Glaube an menschenähnliche,
-im Himmel wohnende Götter entwickelte, trat eine Verschmelzung
-derselben mit jenen himmlischen Tieren ein, indem man
-meinte, daß sich Götter selbst in solche Tiere verwandeln könnten, oder
-letztere ihnen als ihre Begleiter nahe standen. Später hefteten sich
-diese Überlieferungen an irdische Tiere und an Menschen, so daß
-z. B. aus dem die Blitzschlange bändigenden Sturmgotte Wuotan ein
-Mann wurde, welcher eine wunderbare Macht auf wirkliche Schlangen
-auszuüben imstande war. In dieser Weise haben wir die Sagen von
-<em class="gesperrt">dämonischen Tieren</em> aufzufassen. (Grohmann, Sagenbuch von
-Böhmen und Mähren, I. S. 216.)</p>
-
-<p>Ein wendischer Aberglaube berichtet, daß jeder Kobold die Gestalt
-eines Kalbes annehmen könne. (Haupt, Sagenbuch d. L.,
-No. 88.) In unseren Sagen ist das gespenstische Kalb Anzeichen eines
-Krieges oder es springt des Nachts jemandem, der dann sterben muß,
-auf den Rücken und läßt sich forttragen. Zu Ypern wurde ein reicher
-Mann, der ein goldenes Kalb anbetete, nach seinem Tode verwünscht,
-die Gestalt eines Kalbes anzunehmen, das jedem, dem es begegnet, auf
-den Rücken springt. (Nork, Sitten und Gebräuche d. Deutschen, S. 281.)</p>
-
-<p>Das bereits genannte Mittagsgespenst nimmt auch zuweilen Tiergestalt
-an; so erscheint es im Jura unter dem Namen »Stollnwurm«
-als Drache. Als <em class="gesperrt">Bock</em> sonnt es sich des Mittags am Charfreitage
-auf der Ruine Hagberg. In diesen Vorstellungskreis gehört vielleicht
-auch der Bock, welcher sich zuweilen des Mittags (aber auch des
-Nachts) um 12 Uhr am Bocksloche, einem alten Stollen in Oberschlema<span class="pagenum"><a id="Seite_110">[110]</a></span>
-sehen läßt (s. Ortssagen.) Als <em class="gesperrt">Lamm</em> erscheint das Mittagsgespenst
-am Tobelhötzli in der Aargauer Gemeinde, und hierher gehören
-wohl auch unsere Sagen vom weißen Schafe, das Menschen erschreckt,
-und vom weißen Widder mit goldenen Hörnern.</p>
-
-<p>Aus der Auffassung des Blitzes als <em class="gesperrt">Schlange</em> sind zahlreiche
-mythologische Vorstellungen hervorgegangen. Wie der Blitz die Gewitterwolke
-gleichsam spaltet, so daß dann die goldene Sonne wieder aufleuchtet,
-so sollen die himmlischen Schlangen einen kostbaren Edelstein
-verfertigen. Diese Vorstellung wurde später auf die irdischen Schlangen
-übertragen. (Mannhardt, a. a. O., S. 103.) Weit verbreitet sind
-die Sagen von dem Schlangenkönige, welcher auf seinem Kopfe eine
-goldene Krone trägt. Es drängt sich hier auch die Vermutung auf,
-daß die gelben Flecke hinter den Augen der Ringelnatter bei der Häutung
-zu dem Glauben von einer goldenen Krone Veranlassung gegeben haben.
-Wie der Schlangenkönig von Lübbenau in der Niederlausitz seine Krone
-auf ein feines weißes, großes Tuch niederlegte, so erzählt auch die erzgebirgische
-Sage gleiches von unserem Otternkönige oder unserer Schlangenkönigin.
-Karl Haupt (Sagenbuch d. Lausitz, No. 84.) bemerkt dabei,
-daß die weiße Farbe, welche das Tuch haben muß, auf die Repräsentanten
-der Finsternis einen zwingenden und siegreichen Zauber ausüben
-muß, so daß sie nun ihre Schätze opfern. Nach einem anderen Volksglauben
-aber, welchen Mannhardt (a. a. O., S. 103) anführt, legt der
-Schlangenkönig seine Krone auf ein <em class="gesperrt">rotes</em> Tuch nieder.</p>
-
-<h3 id="sec137">137. Die Zwerge des hohen Steins.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 133.)</p>
-
-<p>Der hohe Stein zwischen Graslitz und Markneukirchen war der
-Aufenthalt der Zwerge, welche von hier aus die umliegenden Häuser
-besuchten, den Leuten bei ihren Arbeiten halfen und ihnen manche
-Wohlthat erwiesen. Als aber die Knödel in den Topf und die Brote
-in den Backofen gezählt wurden, verschwanden sie nach und nach aus
-der Gegend.</p>
-
-<p>Beim Baue der Steiner Pfarrkirche zeichneten sich dieselben besonders
-aus. Dieselbe sollte nämlich am Fuße des Berges, auf dessen
-Abhange sie sich gegenwärtig erhebt, zu stehen kommen, und viel Material
-hatte man bereits dorthin gebracht. Allein die Zwerge trugen
-des Nachts zu wiederholten Malen das Baumaterial auf die Anhöhe,
-bis man sich endlich entschließen mußte, dort das Gotteshaus aufzurichten.
-Der Bau schritt ungemein rasch vorwärts. Was die Maurer<span class="pagenum"><a id="Seite_111">[111]</a></span>
-und Werkleute am Tage begonnen hatten, wurde von dem arbeitsamen
-Zwergenvolke während der Nachtstunden zur vollsten Zufriedenheit
-des Baumeisters hergestellt, so daß in kurzer Zeit der
-eherne Mund der Glocken die Gläubigen zum Hause des Herrn rufen
-konnte. Zum Andenken setzte man drei in Stein gehauene Bilder von
-Zwergen außen an die südliche Wand der Kirche, wo sie heute noch
-zu sehen sind.</p>
-
-<h3 id="sec138">138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.</h3>
-
-<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 57.)</p>
-
-<p>Häufig haben sich die Zwerge auf dem Pürsteiner Burberge, sowie
-auf dem Leskauer Schloßberge aufgehalten. Ihr Hauptsitz war
-jedoch auf dem Schwarzberge und viele Höhlen führten in die Tiefe
-des Berges zu den Versammlungssälen. Diese merkwürdigen Höhlen,
-glatt ausgemeißelt und schön gewölbt, sind noch gegenwärtig im Volksmunde
-unter dem Namen »die Zwerglöcher« allgemein bekannt, und
-eines dieser Zwerglöcher enthält in einer etwas geräumigeren Weitung
-einen Brunnen, dessen Wasser in der ganzen Gegend gerühmt wird.
-Der Ort, wo die meisten Zwerghöhlen münden, wird die »Lihtmerskirch«
-genannt, und man sagt, es sei vor geraumer Zeit eine Kirche
-dort gewesen.</p>
-
-<p>Die Zwerglein, die ehemals in diesen Höhlen gewohnt haben,
-beschäftigten sich hier häufig mit Kuchenbacken. Auch haben sie daselbst
-einmal ein Menschenkind beherbergt und das ging so zu: Eine Frau
-aus dem nahen Dorfe Leskau hatte in diese wilde Waldgegend einst
-ihr Kind mitgenommen, sie entfernte sich ein wenig von demselben und
-konnte es zu ihrem Schrecken nicht wieder auffinden. Alles Rufen und
-Suchen war erfolglos und so mußte die verzweifelnde Mutter ohne
-ihr Kind heimkehren. Ein langer Zeitraum war vergangen, als die
-Frau wieder einmal und ganz zufällig in jenen Wald kam. Da trieb
-sie ein unerklärliches Gefühl an, in eine der Zwerghöhlen hineinzugehen,
-und wen erblickte sie darin? Zu ihrem freudigsten Erstaunen
-ihr totgeglaubtes Kind, frisch und gesund und recht groß geworden,
-und es aß ein Stück Kuchen; denselben hatte es von den guten Zwergen
-bekommen, die seine Pfleger und Behüter geworden waren, seit es
-damals von der Mutter weggekommen und aus Neugierde in die Zwerghöhle
-geschlüpft war.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Edw. Heger leitet das Wort »<em class="antiqua">Lithmer</em>« von <em class="antiqua">lih</em>, der Leichnam, und <em class="antiqua">mere</em>,
-die in der Unterwelt herrschenden, den Tod bezeichnenden Mächte ab, so daß es<span class="pagenum"><a id="Seite_112">[112]</a></span>
-also eine Stätte bezeichnen soll, welche die den Unterweltsmächten Verfallenen aufnimmt.
-Konnte man nicht auch eine andere Ableitung, nämlich vom mhd. <em class="antiqua">lîte</em>,
-der Abhang, die Halde, und <em class="antiqua">maere</em>, berühmt, berüchtigt, versuchen, so daß dann
-der Name »Lihtmerskirche« eine Kirche bezeichnet, welche auf einem berüchtigten,
-d. h. durch die Zwerge berüchtigten Abhange steht?</p></div>
-
-<h3 id="sec139">139. Das Zwergloch im Scheibenberge.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 33. Winter in der
-Constit. Zeitung, 1854, No. 282.)</p>
-
-<p>An der Morgenseite des Scheibenberges befindet sich eine unbedeutende
-Höhle, das Zwergloch genannt. Darinnen wohnten sonst
-viele Zwerge, deren König Oronomossan hieß. Sie waren nicht über
-zwei Schuh lang und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es
-schien ihr größtes Vergnügen zu sein, die Leute zu necken; sie thaten
-aber auch manchem viel Gutes und halfen vorzüglich frommen und
-armen Leuten. Einst, im Winter, ging ein armes Mädchen aus
-Schlettau in den am Fuße des Scheibenberges gelegenen Wald, um
-Holz zu holen. Da begegnete ihr ein kleines Männchen mit einer
-goldenen Krone auf dem Haupte, das war Oronomossan. Er grüßte
-das Mädchen und rief gar kläglich: »Ach, Du liebe Maid, nimm mich
-in Deinen Tragkorb! Ich bin so müd' und es schneit und ist so kalt
-und ich weiß keine Herberge! Drum nimm mich mit zu Dir in
-Dein Haus!« Das Mädchen kannte den Zwergkönig zwar nicht, aber
-da er gar zu flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragkorb und
-deckte ihre Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf schneien
-möchte. Darauf nahm sie den Korb auf den Rücken und trat den
-Rückweg an. Aber das Männchen in dem Korbe war zentnerschwer
-und sie mußte alle Kräfte zusammennehmen, daß sie die Last nicht
-niederdrückte.</p>
-
-<p>Als sie nach Hause gekommen, setzte sie den Tragkorb keuchend
-ab und wollte nach dem Männchen darin sehen und deckte die Schürze
-ab. Aber &ndash; wer schildert ihr Staunen? &ndash; das Männchen war fort
-und statt seiner lag in dem Tragkorbe ein großer Klumpen gediegenen
-Silbers!</p>
-
-<p>Nach einer anderen Sage soll jenes Mädchen eines Schneiders
-Tochter aus Schlettau gewesen sein und um das Jahr 1535 gelebt
-haben. Sie sei auch nachher noch mehrmals bei dem Zwergkönige im
-Scheibenberge gewesen und habe für ihn, seine Frau und Kinder Kleider
-machen müssen. Dafür habe sie solche Geschenke erhalten, daß
-sie zu großem Vermögen gekommen sei und nachdem sie sich verheiratet,<span class="pagenum"><a id="Seite_113">[113]</a></span>
-eine der reichsten Familien in Schlettau begründet habe. Nach dem
-dreißigjährigen Kriege aber seien ihre Nachkommen verarmt und zuletzt
-wieder so herabgekommen, wie zu der Zeit, wo sie den Zwergkönig
-zuerst gesehen hatte.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Geschlecht der Zwerge hat seine Wohnungen in den Bergen. Zwerglöcher
-kennt man wohl überall in Deutschland. In Schlesien ist eins auf dem
-Prudelberge bei Stonsdorf, in der Lausitz giebt es welche auf dem Dittersberge bei
-Schönau auf dem Eigen und am Fuße des Breitenberges bei Zittau (Haupt, Sagenbuch
-etc. I. No. 24.), in Böhmen bei Warnsdorf und im Kammerbühl bei Franzensbad
-(Grohmann, Sagenbuch etc. S. 180.), im Vogtlande bei Stublach und bei
-der Milbitzer Ziegelei (Eisel, Sagenbuch d. Vogtl. No. 26.), im Mansfeldischen am
-Kammerbache bei Freiersdorf und in der Steinklippe zwischen Hermerode und Wippra
-(Größler, Sagen der Grafsch. Mannsfeld, No. 153 und 155.), und so erzählt die
-Sage noch von vielen anderen Orten, an denen die Zwerge die Zugänge zu ihrem
-unterirdischen Reiche hatten.</p></div>
-
-<h3 id="sec140">140. Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Umständliche aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragene
-Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. Annaberg, 1746, S. 4.)</p>
-
-<p>Die Sage erzählt, es hätten in der Gegend bei dem Pöhlberge,
-ehe die Stadt Annaberg erbauet gewesen, kleine Leutlein, einer Ellen
-lang, gewohnet.</p>
-
-<h3 id="sec141">141. Die Zwerge in Schmiedeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde d. Dorfes Schmiedeberg i. B. S. 60.)</p>
-
-<p>In Schmiedeberg wohnten lange Zeit Zwerge. Dieselben erreichten
-nur die Größe eines zwei- bis dreijährigen Kindes und trugen
-einen spitzen Hut, rot wie ihre Haare, außerdem gefeite Stiefel. Sie
-hielten sich in Ställen, Scheuern, Kellern und Stuben auf, waren
-nicht menschenscheu, kamen im Gegenteil oft freiwillig unter dem
-Herde hervor und boten ihre Dienste an. Nachts um die zwölfte
-Stunde kamen alle zusammen, gingen dabei durch verschlossene Thüren
-und begannen nun emsig das aufzuarbeiten und zu vollenden, was die
-Menschen verabsäumten oder unvollendet ließen. Im Nu war ihre
-Arbeit zierlich und fein gethan, dann ging es an's Tanzen. Punkt
-ein Uhr verschwanden sie wieder. Neckereien konnten sie nicht vertragen;
-sie zogen dann fort. Man vertrieb sie übrigens auch, wenn man Lauch
-in die Milch that und ihnen diese vorsetzte.</p>
-
-<p>Von den Bewohnern Schmiedebergs wurden diese Zwerge nur
-»Holzweibchen« genannt. Seit jeher hatten sie im Hause No. 172<span class="pagenum"><a id="Seite_114">[114]</a></span>
-ihren ständigen Aufenthalt und brachten durch nächtlichen Fleiß Glück
-und Segen in die Wirtschaft. Endlich aber schien es ihnen hier nicht
-mehr zu gefallen, denn sie sagten: »Hier ist nimmer gut wohnen, sie
-(die Hausfrau) zählt die Knödeln im Topf und im Backofen das Brot.«
-So zogen denn die Zwerge fort, weit fort, über die Eger bei Aubach,
-wo sie den Fährmann, um ihn zu entlohnen, gefragt haben sollen,
-was ihm lieber wäre &ndash; ein roter Heller oder ein Sturmhut voll
-Goldstücke. Der Fährmann wählte natürlich das letztere. Die Leutchen
-sagten ihm, er habe schlecht gewählt und werde schließlich noch
-weniger besitzen als einen roten Heller. Das traf auch ein, der Fährmann
-verarmte in kürzester Zeit gänzlich.</p>
-
-<h3 id="sec142">142. Die Zwerge backen Kuchen.</h3>
-
-<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 58.)</p>
-
-<p>Von den Bergen aus besuchten die Zwerge häufig die benachbarten
-Ansiedelungen der Menschen, um deren Gastfreundschaft in Anspruch
-zu nehmen, und man gab ihnen auch gern etwas von Lebensmitteln
-ab. Sie suchten aber nicht nur Gastfreundschaft, sondern
-gewährten auch solche; ward jedoch ihre Gabe verschmäht, so gerieten
-sie leicht in Zorn, ja rächten sich an dem Unwürdigen, was ihnen
-nicht schwer fiel, da sie mit geheimen Kräften begabt waren.</p>
-
-<p>Als einst ein alter Bauer aus Redenitz und dessen Knecht an der
-Berglehne zwischen Leskau und Spinnelsdorf ihre Ackerfurchen zogen,
-vernahmen sie plötzlich ein sonderbares Gespräch in der Nähe, ohne daß
-die Sprechenden zu sehen waren. »Bringt erst die Weißen, dann die
-Schwarzen!« »Nein, erst die Schwarzen, dann die Weißen!« so rief
-es rätselhaft durcheinander.</p>
-
-<p>Als die beiden Lauscher aber einen äußerst angenehmen Geruch
-nach frischem Kuchen verspürten, da wußten sie auf einmal, was alles
-zu bedeuten habe, und der Knecht sagte: »Das sind ja die Zwerglein,
-die in ihren nahen Wohnungen eben Kuchen backen, schwarze und
-weiße (d. h. von geringerem und feinerem Mehle); sehen kann man
-freilich nichts, denn sie haben sich unsichtbar gemacht.«</p>
-
-<p>»Ja«, &ndash; meinte der Bauer &ndash; »aber diese Kuchen riechen auch
-gar zu gut; wer doch einen davon hätte!«</p>
-
-<p>»Nun, da werde ich halt einen bestellen«, sprach der Knecht im
-Spaße und rief dann, so laut er konnte: »He, backt uns doch auch
-einen Kuchen mit, aber einen recht guten!«</p>
-
-<p>Als die Ackerleute nach dem Mittagessen ihre Arbeit wieder beginnen
-wollten, da fand jeder von beiden auf seiner Pflugschar einen<span class="pagenum"><a id="Seite_115">[115]</a></span>
-wunderschönen, duftenden Kuchen liegen. Der Bauer biß herzhaft in
-den Kuchen und ließ sich ihn ausgezeichnet schmecken, der Knecht aber
-mißtraute der geheimnisvollen Gabe und verschmähte sie. Klatsch! &ndash;
-da hatte der Undankbare auch schon von unsichtbarer Hand eine tüchtige
-Ohrfeige erhalten, an die er sich noch lange nachher schmerzlich
-erinnerte.</p>
-
-<h3 id="sec143">143. Die Heilingszwerge.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Grimm in der Erzgebirgszeitung, 2. Jahrg., S. 6.)</p>
-
-<p>An der Eger, zwischen dem Hofe Wildenau und dem Schlosse
-Aich, ragen große Felsen empor, die man von Alters her die Heilingsfelsen
-nennt. Am Fuße derselben erblickt man eine Höhle, inwendig
-gewölbt, auswendig aber nur durch eine kleine Öffnung erkennbar, in
-die man, den Leib gebückt, kriechen muß.</p>
-
-<p>Diese Höhle wurde von kleinen Zwerglein bewohnt, über die
-zuletzt ein unbekannter alter Mann, namens Heiling, als Fürst geherrscht
-haben soll. Einmal vor Zeiten ging ein Weib, aus dem
-Dorfe Daschwitz gebürtig, am Vorabende von Peter Pauli in den
-Forst und wollte Beeren suchen; es wurde Nacht, und sie sah neben
-diesem Felsen ein schönes Haus stehen. Sie trat hinein, und als sie
-die Thüre öffnete, saß ein alter Mann am Tische, der schrieb emsig
-und eifrig. Die Frau bat um Herberge und wurde willig angenommen.
-Außer dem alten Manne war aber kein lebendes Wesen im ganzen
-Gemach, allein es rumorte heftig in allen Ecken; der Frau ward
-greulich und schauerlich und sie fragte den Alten: »Wo bin ich denn
-eigentlich?« Der Alte versetzte, daß er Heiling heiße, bald aber auch
-abreisen werde, »denn zwei Drittel meiner Zwerge sind schon fort und
-entflohen.« Diese sonderbare Antwort machte das Weib noch unruhiger,
-und sie wollte mehr fragen, allein er gebot ihr Stillschweigen
-und sagte nebenbei: »Wäret Ihr nicht gerade in dieser merkwürdigen
-Stunde gekommen, solltet Ihr nimmer Herberge gefunden haben.«
-Die furchtsame Frau kroch demütig in einen Winkel und schlief sanft
-ein. Als sie am Morgen mitten unter den Felssteinen erwachte,
-glaubte sie geträumt zu haben; denn nirgends war ein Gebäude zu
-sehen. Froh und zufrieden, daß ihr in der gefährlichen Gegend kein
-Leid widerfahren sei, eilte sie nach ihrem Dorfe zurück; es war alles
-so verändert und seltsam. Im Dorfe waren die Häuser neu und anders
-aufgebaut, die Leute, die ihr begegneten, kannte sie nicht und sie
-wurde auch nicht von ihnen erkannt. Mit Mühe fand sie endlich die
-Hütte, wo sie sonst wohnte, und auch die war besser gebaut; nur dieselbe<span class="pagenum"><a id="Seite_116">[116]</a></span>
-Eiche beschattete sie noch, welche einst ihr Großvater dahin gepflanzt
-hatte. Aber wie sie in die Stube treten wollte, ward sie von
-den unbekannten Bewohnern als eine Fremde vor die Thür gewiesen.
-Sie lief weinend und klagend im Dorfe umher. Die Leute hielten sie
-für wahnwitzig und führten sie vor die Obrigkeit, wo sie verhört und
-ihre Sache untersucht wurde. Siehe da, es fand sich in den Gedenk-
-und Kirchenbüchern, daß gerade vor hundert Jahren an eben diesem
-Tage eine Frau ihres Namens, welche nach dem Forst in die Beeren
-gegangen, nicht wieder heimgekehrt sei und auch nicht mehr zu finden
-gewesen war. Es war also deutlich erwiesen, daß sie volle hundert
-Jahre im Felsen geschlafen hatte und die Zeit über nicht älter geworden
-war. Sie verlebte nun ihre übrigen Jahre ruhig und sorgenlos
-und wurde von der ganzen Gemeinde anständig gepflegt, zum Lohne
-für die Zauberei, die sie hatte erdulden müssen.</p>
-
-<h3 id="sec144">144. Der Zwergtanz im Kupferhügel.</h3>
-
-<p class="source">(Friedr. Bernau in der Comotovia, 1877, S. 77.)</p>
-
-<p>Drei Bergleute fuhren einst an, um die Erze aus dem tiefsten
-Schachte zu holen. Um jene Zeit waren noch reichhaltige Gruben im
-Kupferhügel, vorzüglich auf Kupfer und Eisen, wie es noch die vielen
-Schachte und unterirdischen Gänge in demselben beweisen. Fleißig
-und frohgemut arbeiteten nun die Bergleute in den Felsen hinein, um
-ihn zu zerkleinern und die Erze daraus zu gewinnen. Noch waren
-sie nicht mit einer Schicht fertig, als sie plötzlich durch eine liebliche
-Musik, die aus dem Innern des Berges zu kommen schien, überrascht
-wurden. Alle gerieten in Spannung und Freude. »Wahrhaftig«,
-sagten sie zu einander, »eine so schöne Musik haben wir noch nie
-gehört, selbst am Prokopitage nicht, wenn wir Schritt für Schritt,
-angethan mit unserer festlichen Bergkleidung, die Hacke und die brennende
-Lampe in der Hand, hinter unserer Bergmusik zur Kirche ziehen!«
-Um den Berggeist, wie sie glaubten, in seiner Unterhaltung nicht zu
-stören, schickten sich die Bergleute schon an, an den Tag zu fahren,
-als sie von der Seite her, von welcher die Musik kam, eine Menge
-kleiner Männchen, kaum größer als eine Menschenhand, auf sich zukommen
-sahen, die mit den verschiedenartigsten Musikinstrumenten
-versehen waren. Hinterdrein zog ein munterer Schwarm von Zwergen,
-die unter fröhlichem Hüpfen endlich in einem großen Felsengewölbe
-Platz nahmen. Bald kamen auch einige Zwerge näher zu den Bergleuten,<span class="pagenum"><a id="Seite_117">[117]</a></span>
-grüßten sie freundlich mit dem Bergmannsgruße »Glückauf!«
-und sagten: »Ruhet aus und seid fröhlich mit uns; was Ihr versäumt,
-das wollen wir Euch nach dem Tanze nachholen.« Flink legten die
-Bergleute ihre Werkzeuge bei Seite, denn sie waren schon müde von
-der anstrengenden Arbeit, und folgten gerne der zutraulichen Einladung.
-Alles freute sich und war guter Dinge. Die Zwerge tanzten, und
-die Bergleute schauten ihnen vergnügt zu, so daß oft der Berg sich mit
-den beglückten Bergleuten zu drehen schien. Endlich erhob sich eines
-der kleinen Männchen, gab ein Zeichen mit der Hand und alles stellte
-sich in einem enggeschlossenen Kreise auf, in den auch die Bergleute
-eintreten mußten. Die Musiker befanden sich in der Mitte und es
-schien, als ob sie erst jetzt recht ergreifend spielen wollten, wohlgeordnet
-und langsam setzte sich der Kreis, dem ein Vortänzer voranging, in
-Bewegung; die Bewegung wurde unter dem seltsamen Hüpfen, Springen
-und Laufen immer schneller. Bald standen die Zwerge stille,
-schienen sich zu bedenken, dann fingen sie plötzlich wieder an, mit
-Händen und Füßen zu zappeln, dabei sprangen sie in die Höhe, der
-eine über den andern, bis alle in größter Unordnung waren. Die
-drei Gäste konnten sich des lauten Lachens nicht erwehren, was die
-Zwerge in ihrer Lust auch ungestraft ließen. Endlich setzten sich alle
-wieder auf ihre Plätze, nur ein altes, ganz graues Männlein trat zu
-den Bergleuten, strich mit seiner flachen Hand über deren Augen, die
-also bald erblindet zu sein schienen; dann nahm es die Bergleute bei
-der Hand und führte sie eine ziemliche Strecke aufwärts, bis sie in
-eine Kammer gelangten, wo sie rasch wieder sehend wurden. Hier
-ergriff sie nun das höchste Staunen, denn das ganze Gewölbe war
-mit goldenen Platten belegt; Gold- und Silberstangen lagen da aufgeschlichtet,
-wie daheim die Späne in der Küche; die Tische beugten
-sich unter der Last von Edelsteinen, die ein blendendes Licht verbreiteten.
-Die Bergleute standen da wie versteinert. Endlich nach
-langem Schweigen sprach der Alte zu ihnen: »Nehmet Euch nun,
-was Euch nützlich ist; Ihr sollt damit so lange glücklich sein, als
-Ihr dabei fleißig und sparsam bleibt; thut Ihr das nicht, so
-werdet Ihr trotz des Reichtums noch elend sterben müssen.« Ein
-jeder nahm nun so viel, als er in beide Hände bringen konnte,
-und bald befanden sie sich wieder unter den kleinen Männchen, die
-während der Zeit, als die Bergleute in der Goldkammer waren,
-für sie gearbeitet hatten. Mächtige Kupferadern waren aufgeschlossen
-und große Haufen Erze herausgearbeitet. Als die Bergleute den
-Zwergen danken wollten, war alles verschwunden; nur aus der
-Ferne hörte man noch die bezaubernde Musik. Bald begaben sich auch<span class="pagenum"><a id="Seite_118">[118]</a></span>
-die Bergleute, da es doch schon Nacht sein mußte, auf die Fahrt,
-um heimzukehren; um so größer aber war ihr Erstaunen, als sie die
-Sonne im Osten aufgehen sahen und von den Leuten erfuhren, daß
-schon der fünfte Tag verflossen war, seitdem sie in die Grube gestiegen.
-Dennoch glaubte ein jeder von ihnen nur geträumt zu haben; allein
-die großen Goldstücke in ihren Händen überzeugten sie eines anderen.
-Ein jeder von ihnen kaufte sich ein Häuschen und lebte glücklich mit
-seiner Familie. Nur einer wurde stolz und glaubte nicht mehr arbeiten
-zu sollen, wofür ihn, wie der Zwerg gedroht hatte, das Los bitterster
-Armut traf; die beiden andern arbeiteten fleißig wie früher und
-erinnerten sich in ihrem Glück oft an den alten grauen Zwerg, den
-Begründer ihres Wohlstandes. Noch heute zeigt man im Kupferhügel
-Spuren jenes Gewölbes und heißt dieselben seit dieser Begebenheit »die
-Zwergkammer.«</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Zwerge sind elbische Wesen, welche für sich ein eigenes Reich bilden und
-durch Zufall oder Drang der Umstände bewogen, mit den Menschen, denen sie helfen
-oder schaden können, verkehren; sie sind jedoch meist wohlthätig und hilfreich. Die
-Liebe zur Musik verknüpft sie mit höheren Wesen, besonders mit Halbgöttinnen und
-Göttinnen. Ja eine Stelle in einem mittelhochdeutschen Gedichte: »<em class="antiqua">da sassen
-fideler und videlten all den albleich</em>«, spricht ihnen die Erfindung einer eigenen
-Weise zu. Neben der Musik liebten die Zwerge besonders den Tanz. Elbe tanzten
-des Nachts im Mondschein, und aus der Erscheinung tanzender Berggeister prophezeite
-man ein gesegnetes Jahr. (Grimm, Deutsche Myth., S. 264.) Auch die Ludki,
-die Zwerge der wendischen Sage, waren Spielleute und besuchten als solche und
-manchmal auch als Tänzer die Feste der Menschen, wobei sie Geschenke mitbrachten.
-(Haupt, Sagenbuch etc. I., No. 43.)</p></div>
-
-<h3 id="sec145">145. Das graue Männlein bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 40.)</p>
-
-<p>Nahe bei Joachimsthal führt der sogenannte »Apostelsteig« nach
-der »Prokops-Kapelle.« Ein greiser Mann aus dem Gewerbestande
-erzählte: Mein Vater hat als vierzehnjähriger Junge im Frühjahre
-bei Abenddämmerung ein graues Männlein, nicht länger als sein
-eigener Bart, plötzlich sich breit vor ihn hinstellen gesehen. Kein
-Gebet, aber auch kein Fluch hat das wie im Boden wurzelnde graue
-Männlein verscheucht. Vor Verwirrung griff der Vater zuerst nach
-der Tabaksdose, dann räusperte er sich, betete und weinte, endlich ist
-ihm bei allem Entsetzen das Evangelium Johannes in den Sinn gefahren,
-und als er sprach: »Das Wort ist Fleisch geworden«, ist das
-Männlein verblitzt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_119">[119]</a></span></p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das graue Männchen als zwerghaftes Wesen ist der Berggeist; die graue
-Farbe ist Erdfarbe.</p></div>
-
-<h3 id="sec146">146. Das graue Männel bei Blauenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Wenn man auf der Straße von Burkhardsgrün nach Blauenthal
-geht, so hat man, ehe die Muldenbrücke erreicht wird, zur linken
-Hand einen Waldbezirk, welcher das »graue Männel« heißt. Dieser
-Name soll von folgender Begebenheit herrühren. Einst herrschte in
-Blauenthal und Umgegend die Pest. Da waren Holzhauer in dem
-genannten Walde, die unterhielten sich beim Vesperbrot und klagten
-über das viele Sterben. Auf einmal stand ein graues Männel vor ihnen
-das ihnen vorher unbemerkt zugehört hatte; dasselbe sagte:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Trinkt Bärenwurz und Baldrian,<br /></span>
-<span class="i0">So kommt ihr alle gut davon!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In Nordböhmen soll zur Zeit einer großen Pest ein Engel gerufen haben:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Eßt Bibernell und Baldrian,<br /></span>
-<span class="i0">So geht euch die Pest nicht an.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="noind">(Grohmann, Aberglauben etc., S. 92.)</p>
-
-<p>Während einer Pest in Hinterpommern kam eine Taube vom Himmel
-und rief:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Ist die Krankheit noch so schnell,<br /></span>
-<span class="i0">So braucht geschwind nur Bibernell.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="noind">(Die Natur von Ule und Müller, 1866, No. 2.) Dieselbe Sage findet sich auch im
-Spessart. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 305.)</p>
-
-<p>Als nach dem 30jährigen Kriege die Pest im Vogtlande und Erzgebirge
-furchtbar wütete, kam von Norden her ein weißer Rabe geflogen, welcher rief:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Freßt nur recht Rapuntika,<br /></span>
-<span class="i0">Sinsten kimmt kä Mensch derva.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="noind">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 628.)</p></div>
-
-<h3 id="sec147">147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich. Köhler, Volksbrauch etc., S. 497.)</p>
-
-<p>In Bernsdorf bei Werdau war eine Seuche, an der viel Menschen
-starben. Des Abends pochte es an die Hausthüre, und so vielmal
-es gepocht hatte, so viel Menschen starben am andern Morgen
-in dem Hause. Es war aber ein graues Männchen, das von Haus
-zu Haus ging und klopfte. Dasselbe Männchen kam auch zu einem
-Manne und dessen Frau und sagte: »Eure Nachbarn werden alle sterben
-und Ihr sollt die Totengräber machen.« Am anderen Tage waren<span class="pagenum"><a id="Seite_120">[120]</a></span>
-die Nachbarn tot und der Mann mußte sie mit Hilfe seiner Frau begraben.
-Da sich aber beide darüber entsetzten und sich vor dem Tode
-fürchteten, kam das Männchen wieder und sprach:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Trinkt Baldrian,<br /></span>
-<span class="i0">So kommt ihr alle davon.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In einer Lausitzer Sage wird Baldrian von einem Vogel als Mittel gegen
-die Pest empfohlen. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 337.)</p></div>
-
-<h3 id="sec148">148. Der graue Zwerg am weißen Stein bei Alberode.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p>
-
-<p>Bei dem sogenannten weißen Stein, einem einzelnstehenden Felskegel
-zwischen der Mulde und Alberode, sitzt zuweilen ein graues
-Männchen. Wenn der rechte Mann kommt und zur rechten Stunde
-und sagt das richtige Sprüchelchen, der sieht den Zwerg, und dieser
-zeigt ihm große Schätze, ganze Backschüsseln voll Gold.</p>
-
-<h3 id="sec149">149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen
-wird gestört.</h3>
-
-<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 59.)</p>
-
-<p>Das Verhältnis zwischen den Zwerglein und Menschen blieb
-nicht immer ein freundliches. Es kam dahin, daß die kleinen Leute,
-wenn sie bittend vorsprachen, häufig von der Thür gewiesen, ja daß
-sie sogar verfolgt und an Freiheit und Leben bedroht wurden.</p>
-
-<p>Einst war ein Zwergweiblein nach Langenau gekommen, man
-ließ es aber nicht mehr fort und einige Unbarmherzige sperrten es sogar
-ein. Es bat und flehte inständig um seine Freiheit, denn es habe
-ein ganz kleines Kindchen zu Hause und müsse es warten und pflegen;
-aber sein Bitten war umsonst.</p>
-
-<p>So saß es über Nacht gefangen und man hörte es in einem fort
-jammern und klagen: »Mein Spinnerl spinnt nit, mei Waferl waft
-nit, mein jüngstes Bübel greint Tag und Nacht!«</p>
-
-<p>Als man am Morgen öffnete, war das Weiblein tot.</p>
-
-<p>Aber diese Unthat ward gerächt. Aus dem Hause, wo sie geschehen,
-floh das Glück und der Segen für immer; die Besitzer gingen
-zugrunde, sie mochten arbeiten und sich mühen, wie sie wollten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_121">[121]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec150">150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben
-wurden.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 185 und 190.)</p>
-
-<p>Der gemeine Mann trägt sich mit der Sage, daß vor alten
-Zeiten, ehe das Obererzgebirge angebaut worden, auf dem Waldgebirge
-und in dessen Felslöchern Zwerge gewohnt hätten, welche aber
-durch Aufrichtung der Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks«
-sollten sein verjagt worden. Sie wollten aber wiederkommen, wenn
-die Hämmer würden abgehen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>S. auch die Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte. &ndash; Das »Klippelwerk« ist
-ein Pochwerk, in welchem die Erze durch niederfallende Stampfen (Klippel) zerstoßen
-werden. Später verstand man unter Klippelwerk eine Bauart ärmlicher Häuser,
-nach welcher Holzscheite zum Aussetzen der Zwischenräume im Säulenwerke oder
-auch in Verbindung mit Lehm und Stroh zur Herstellung der Feueressen verwandt
-wurden. (Joh. Poeschel, Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie. 1883, S. 124, Anmerkung.)</p>
-
-<p>Ich finde bei Meltzer (Beschreibung der löbl. Bergkstadt Schneebergk, 1684,
-S. 471.) noch eine dritte Erklärung des Wortes. Darnach wäre darunter das
-Spitzenklöppeln zu verstehen, und bei dieser Erklärung würde die Tautologie »Pochwerk
-und Klippelwerk« wegfallen.</p></div>
-
-<h3 id="sec151">151. Spuk der Berggeister und Zwerge auf der Ruine
-Oberlauterstein bei Zöblitz.</h3>
-
-<p class="source">(Wg. im Glückauf, 2. Jahrg., No. 5.)</p>
-
-<p>Die Burg Oberlauterstein ist im Hussitenkriege geschleift worden.
-In den noch längere Zeit gebliebenen Überresten wohnten Berggeister
-und Zwerge, welche sich nicht miteinander vertrugen, sich stets zankten
-und des Nachts einen furchtbaren Lärm verursachten, so daß die Wanderer
-oft auf den Gedanken kamen, es donnere daselbst. Da kam
-einst aus dem Baierlande ein Geisterbanner, ein Feilenhauer von
-Profession, in diese Gegend. Es war ein langer, hagerer Mann mit
-zerlumpten Kleidern, als Geisterbanner gesucht hier und da, gefürchtet
-aber von jung und alt. Der Amtmann im Schlosse Niederlauterstein
-bat ihn, die Geister in der Ruine Oberlauterstein zu bannen, denn
-sie ließen auch ihn nicht ungeneckt. Der Feilenhauer versprach alles
-und hielt auch Wort. In einer finsteren Nacht nahm er seine Beschwörungen
-vor, pfiff dreimal ganz laut, und die unruhigen Geister
-krochen allzumal in den vorgehaltenen Ranzensack. Diese Geister trug
-der Mann in der folgenden Nacht im Ranzen, wie eine Partie junger
-Katzen, in die entferntere Ruine des Raubschlosses am Katzenstein, wo<span class="pagenum"><a id="Seite_122">[122]</a></span>
-sie sich nun unter dunklen Fichten die Zeit mit Würfel- und Kartenspiel
-vertrieben. Als jedoch die Ruinen des Raubschlosses immer
-mehr zusammenbrachen, hatten die gebannten Geister nicht alle mehr
-Platz und zogen aus. Nicht selten zeigen sie sich jetzt noch in der
-Nähe des alten Oberlauterstein in feuriger Gestalt. Die Frauen dieser
-Geister heißen Klageweibel. Sie zeigen den nahen Tod der Bewohner
-an und haben ihren Sitz auf den sumpfigen Wiesen von Ansprung.
-Zuweilen erscheinen sie auch in Zöblitz in Gestalt kleiner Kinder, bittere
-Thränen vergießend.</p>
-
-<h3 id="sec152">152. Berggeister in den Schneeberger Gruben.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1019.)</p>
-
-<p>Außer höchster Not wegen der bösen aufsteigenden Wetter und
-Schwaden, welche die zwei edelsten Glieder des menschlichen Leibes,
-das Gehirn und Herz ergreifen, sind die Bergleute auch nicht in geringerer
-Gefahr wegen der Bergteufel, Mönche und Berggespenster,
-die in der Finsternis herrschen und in den Strecken herumfahren wie
-brüllende Löwen, und suchen, wie sie Bergleute, wo dieselben nicht
-mit Gebet und Glauben widerstehen möchten, verschlingen. Und ob
-auch wohl die Bergmännlein einfältige Bergleute nicht so furchtsam
-machen, sondern doch wohl ein Zeichen eines guten künftigen Anbruchs,
-wo sie gesehen werden, sein sollen, so ist doch ein Teufel so arg wie
-der andere, und welcher am freundlichsten sich stellet, der ist wohl am
-schädlichsten und verursacht durch Gottes Verhängnis Fälle und Brüche.
-Es ist bekannt, wie einst dergleichen Bergteufel in Gestalt eines Mönchs
-einen Arbeiter in dem alten reichen St. Georg ergriffen und nicht
-ohne Beschädigung seines Leibes in der großen Weite in die Höhe
-geworfen.</p>
-
-<p>Im Jahre 1538 ist ein Bergmann in der Höflichen Besserung
-Fundgrube, vom Ungeheuer erwürget worden, weshalb Kurfürst Johann
-Friedrich darüber in einem besonderen Befehle umständlichen Bericht
-verlangte.</p>
-
-<p>Am 26. März des Jahres 1683 ging die Levitenzeche mit 3
-Schächten in Haufen, daß man nichts von der Kaue sahe. Kurz
-zuvor aber war ein dicker Mann, mit Silber und Gold geschmückt,
-aus dem Kämmerlein heraus in die Kaue zu einem Bergmanne, Israel
-Ficker, welcher daselbst Schachtholz zurichtete, gekommen, und
-hatte ihn mit diesen Worten gefragt: »Kennst Du mich nicht?« Und
-da der Bergmann geantwortet: »Herr, wie soll ich Euch kennen, Ihr
-werdet wohl einer vom Herzog aus Holstein (der diese Zeche bauete)<span class="pagenum"><a id="Seite_123">[123]</a></span>
-sein!« Da hat er ihn heißen anfahren, und, weil er es nicht thun
-wollte, dergestalt getäuscht, daß er darüber des Todes war und am
-30sten desselben Monats begraben wurde.</p>
-
-<h3 id="sec153">153. Der Berggeist in der Grube »Sieben-Schlehen« bei
-Neustädtel.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)</p>
-
-<p>Es war eines Jahres am 24. December, als ein Bergmann in
-der Grube »Sieben-Schlehen«, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte,
-getrosten Mutes einfuhr. Rüstig ging er an seine Arbeit. Da gegen
-Mitternacht ließen sich in der Ferne Schritte vernehmen, und der
-Bergmann glaubte, einer seiner Gesellen komme, um ihn abzulösen.
-Doch als das »Sappen« näher kam, erblickte er einen Mann, der
-trug an der Brust eine goldig funkelnde Blende mit einer Kerze darin;
-seine Kleidung war dunkel bis auf die weißen Strümpfe; an den
-Füßen hatte er glänzend schwarze Schuhe und der Kopf war mit einem
-Hute, ähnlich den Napoleonshüten, bedeckt. Sein Gesicht konnte jedoch
-der Bergmann vor Glanz nicht sehen; nur das eine sah er, daß ein silberweißer
-Bart bis auf die Brust hernieder hing. Die Erscheinung blieb vor
-ihm stehen und sagte nichts, leuchtete ihn aber an und kehrte auf demselben
-Wege wieder zurück. Als der Bergmann am anderen Morgen
-von seinem Begegnis erzählte, sagten ihm seine Gesellen, das sei der
-Berggeist gewesen.</p>
-
-<p>In demselben Schachte arbeitete am nächsten Charfreitage ein
-anderer Bergmann. Derselbe hörte in seiner Nähe ein unaufhörliches
-Sägen und Hämmern, wiewohl er wußte, daß keine Zimmerlinge da
-waren. Er zeigte dies beim Ausfahren dem Steiger an, welcher sogleich
-einfuhr und die Töne ebenfalls hörte. Darauf ließ derselbe
-den Ort mit Bretern verschlagen. Nach wenigen Tagen aber war er tot.</p>
-
-<h3 id="sec154">154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Anhang, No. 7.)</p>
-
-<p>Auf dem Donat Spath im Bereiche der Elisabeth-Fundgrube zu
-Freiberg sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen
-»Hans« in Stein gehauen, wahrscheinlich zum Andenken eines Verunglückten.
-Das Bergvolk aber erzählt davon folgende Sage:</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_124">[124]</a></span></p>
-
-<p>Vor Zeiten arbeitete auf dem Donat auch ein Bergknecht Hans,
-welcher so arm war, daß er manchmal hätte verzweifeln mögen. Er
-weinte oft stundenlang in der Grube und eines Tages, als er sich
-keinen Rat mehr wußte, brach er in laute Klagen aus. Da zerteilte
-sich der Felsen und aus dem steinernen Thore trat ein kleines Männchen
-hervor. Das war der Berggeist, der sagte: »Armer Hans, ich
-will Dir helfen, aber Du mußt mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrot
-und ein Pfenniglicht geben und ewiges Schweigen geloben!«
-Hans, welcher sich bald von seinem Schrecken erholt hatte, versprach
-alles mit Freuden. Darauf verschwand der Berggeist wieder und ließ
-ihm des Silbers in Menge zurück. Nun war Hans ein gemachter
-Mann, der schon ein paar Groschen aufgehen lassen konnte. Niemand
-konnte begreifen, woher er das Geld habe, und er nahm sich wohl
-in acht, davon zu plaudern. Aber da kam das Stollnbier, wo das
-Bergvolk sich der Freude hinzugeben pflegt. Hans war diesmal vorzüglich
-auf dem Zeuge und sprach dem Glase wacker zu. Bald war
-er berauscht und konnte in der Lust des Herzens das Geheimnis nicht
-länger verschweigen. Als aber am andern Tage sein Taumel verflogen
-war und die Freunde ihm erzählten, was er geplaudert habe, da erschrak
-er und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war,
-den Knechten, welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben. Diese
-warteten lange vergeblich, er gab kein Zeichen, sie riefen ihn, er antwortete
-nicht. Da plötzlich zuckte es rasch am Seile und ein helles
-Licht erglänzte in der Teufe. Die Haspelknechte wußten nicht, was
-das zu bedeuten habe, drehten aber den Rundbaum mit Eile banger
-Erwartung, und bald war der Kübel zu Tage gefördert. Rings um
-den Rand desselben brannten Pfenniglichte, und drinnen lag der arme
-Hans tot, mit blauem Antlitz, wie ein Erdrosselter, und auf ihm
-das letzte Pfennigbrot. Der grausame Berggeist hatte ihn umgebracht.</p>
-
-<h3 id="sec155">155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)</p>
-
-<p>Nahe bei »Sieben-Schlehen« befand sich ein Schacht, in welchem
-folgendes geschah: Als der Kunstwärter daselbst das Kunstzeug
-einölte und dabei an den Hauptzapfen kam, ließ sich ein Gesicht an
-der Wand sehen, welches sprach: »Diesen Zapfen schmiere ich.« Der
-Kunstwärter gehorchte und ließ von da an diesen Zapfen unberührt, bis
-er doch einmal das Gebot übertrat. Kaum hatte er den Hauptzapfen<span class="pagenum"><a id="Seite_125">[125]</a></span>
-eingeölt, so geriet er mit dem rechten Arme in das Kunstzeug, welches
-ihm den Arm abriß. Doch empfand er dabei nicht den geringsten
-Schmerz und die Wunde blutete auch nicht. Als er den weggerissenen
-Arm aufhob, erblickte er das Gesicht an der Wand wieder;
-dasselbe sah ihn höhnisch an, ohne etwas zu sprechen.</p>
-
-<h3 id="sec156">156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne
-in Neu-Geising.</h3>
-
-<p class="source">(Meißner, Umständliche Nachricht von der Bergstadt Altenberg,
-1747, S. 239.)</p>
-
-<p>Gottfried Behr, welcher im Zwitterstock zu Altenberg arbeitete
-und einen Brennofen beschickte, erzählte folgendes: Es sei am 31. August
-1713, als er in seinem Hause zu Neu-Geising früh vor 3 Uhr habe
-aufstehen wollen, ein Mann, grau von Haaren und Bart, in einer
-vollkommen menschlichen Gestalt, in einer langen grauen Kutte vor
-sein Bett getreten und hätte gesagt: »Warte immer noch ein
-Bißchen!« Und als Behr geantwortet: »Ich muß anfahren«, hätte
-dieser weiter gesagt: »Du sollst noch eher droben sein, als der, so
-mein Volk zählen läßt. Warte noch ein Bißchen, ich will Dir was
-sagen. Ich will mit Dir ins Zechenhaus gehen und Dir was weisen,
-wie ich mein Volk will wegnehmen. Du hast unterschiedliche Warnungen
-gethan und dabei haben Dich viele verunglimpfet; dieselben haben
-ihr Teil schon gekriegt. Und wenn sie Dich itzo werden wieder so
-verunglimpfen, wenn Du es sagen wirst, so soll es denen wieder so
-gehen, wie den ersten. Und Du sollst eher droben im Zechenhause
-sein, wie der Geschworene, das merke Dir zum Wahrzeichen gewiß!«
-Darauf wäre der Mann verschwunden und er hätte nicht gesehen wohin.
-Hierauf sei er aus dem Bette aufgestanden, hätte sich angezogen, und
-wie er seinen ordentlichen Weg den Mühlberg hinan ins Zechenhaus
-gegangen, habe er daselbst den alten grauen Mann innen an
-der Thür stehend wieder angetroffen und gesehen, daß er vom Ofentopfe
-an einen Strich mit dem rechten Arme über die Bergleute nach
-dem Fenster zu gethan, und ihn an der linken Seite berührt, daß
-er solches die ganze Woche lang sehr gefühlet und manche Thräne
-darüber vergossen. Nach diesem hätte er wahrgenommen, daß die
-Leute alle weggewesen, bis auf zehn Personen, so an dem Ofen traurig
-gesessen. Der graue Mann aber hätte dazu gesagt: »Da haben
-sie die Zwölf, die mögen sie auszählen.« Darauf sei er wieder verschwunden,
-und habe er, nämlich Behr, die Leute, welche fortgewesen,<span class="pagenum"><a id="Seite_126">[126]</a></span>
-mitten unterm Gebete wieder um sich gesehen; es sei auch gleich der
-Herr Geschworene hineingekommen und habe sich sofort am Tische an
-seinen Ort gesetzt und mit den Burschen sein Gebet gethan; weiter
-aber habe er damals weder im Zechenhause, noch in der Grube, oder
-sonst etwas mehr gemerket. Freitags hernach, den 8. September,
-habe sich ferner begeben, daß, als er zu seiner Zeit aufgestanden und
-ins Zechenhaus sich begeben, auch in die Stube hineingetreten, dieser alte
-graue Mann in voriger Gestalt und Tracht beim vorderen Fenster am
-Tisch auf seinem Orte gesessen. Nachdem er nun näher gegangen, den
-Tisch mit der Hand ergriffen und sich setzen wollen, sei derselbe aufgestanden
-und gleich wieder vor seinen Augen weggekommen, worauf
-er sich gesetzet und mit den Bergleuten gebetet. Am 11. September,
-früh 5 Uhr, erschien der graue Mann dem Gottfried Behr wieder vor
-dem Bette und sagte, er solle mit ihm wohin gehen, da würde eine
-Hochzeit sein, es wären schon drei Tafeln gesetzt. Nachdem aber seine
-Frau dazu gekommen und ihn gerufen, wäre der graue Mann wieder
-verschwunden.</p>
-
-<h3 id="sec157">157. Vom Berggeist in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer mündlichen Mitteilung.)</p>
-
-<p>In der St. Georgenzeche zu Schneeberg ist früher einem Knappen
-ein Berggeist erschienen und hat ihn so gewaltig auf einen Stein
-gesetzt, daß er wie angemauert sitzen bleiben mußte. Ebenso erging
-es einem Steiger, welcher die Bergleute sehr streng behandelte. Später
-erschien der Berggeist wieder und schlug mit der Faust gewaltig
-an die Felswand. Die Bergleute, welche daselbst arbeiteten, sahen
-darauf eine Höhlung, in welcher viel Silber lag. Hätten sie sogleich
-eine Hacke oder ein anderes Gerät in die Höhle geworfen, so würden
-sie den Schatz gewonnen haben. So aber unterließen sie es aus Unkenntnis
-und der Schatz verschwand; auch der Berggeist ließ sich von
-dieser Zeit an nicht wieder sehen.</p>
-
-<h3 id="sec158">158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.</h3>
-
-<p class="source">(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, Sammlung bergmännischer
-Sagen, 1883, S. 29.)</p>
-
-<p>In der St. Georgsgrube zu Schneeberg erschien der Berggeist
-in Gestalt eines schwarzen Mönches, ergriff einen Bergknappen, der
-sich in der Teufe ungebührlich aufgeführt, hob ihn auf, und setzte ihn<span class="pagenum"><a id="Seite_127">[127]</a></span>
-auf einer ehedem silberreichen Grube nieder, so hart, daß ihm das
-Hinterleder platzte und alle Rippen krachten.</p>
-
-<h3 id="sec159">159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.</h3>
-
-<p class="source">(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, a. a. O., S. 29.)</p>
-
-<p>Zu Annaberg war eine Grube, genannt »der Rosenkranz«, darinnen
-arbeiteten 12 Knappen. Die schwatzten mit einander possenhaft,
-wollten sich gegenseitig mit dem Berggeist fürchten machen und leugneten
-ihn als einen lächerlichen Popanz. Da mit einem Male sahen sie
-eine Roßgestalt mit langem Halse und mit feurigen Augen an der
-Stirne und erschraken zum Tode. Dann ward aus der Roßgestalt
-die wahre Gestalt des Bergmönches, die trat ihnen schweigend nahe
-und hauchte jeden nur an. Sein Atem aber war wie ein böses Wetter,
-sie sanken tot nieder von des Geistes Anhauch, und nur einer kam
-wieder zu sich, gewann mit Mühe den Ausgang und sagte, was sich
-zugetragen. Dann starb auch er. Darauf ist die silberreiche Grube
-»der Rosenkranz« zum Erliegen gekommen und nicht mehr angebaut
-worden.</p>
-
-<h3 id="sec160">160. Der gespenstische Bergmann in Aue.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis.</em>, S. 1146.)</p>
-
-<p>In den erzgebirgischen Bergstädten sind die Bergteufel in manchen
-Gestalten erschienen, bald als Bergmönche inner- und außerhalb
-der Gruben, bald mit einem Irrlicht, als einem vermeinten Grubenlicht.
-So ließ sich im Jahre 1684 in einer Auischen Wohnung beim
-Schnorrschen Hammerwerk ein Geist hören und darauf in Gestalt eines
-Bergmanns sehen. Derselbe hüpfte in einer gewissen Gegend unweit
-der Mulde, und da man an diesen Ort mit der Rute ging, soll dieselbe
-auf Silber geschlagen haben.</p>
-
-<h3 id="sec161">161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Frauen, welche mit Butter durch den Zechengrund bei Zinnwald,
-wo früher reiche Bergwerke waren, gingen, sahen oftmals daselbst
-Bergknappen, obgleich schon längst kein Bergbau dort im Gange mehr
-war.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_128">[128]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec162">162. Gespenstischer Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 75.)</p>
-
-<p>Am Bache zwischen Rittersgrün und Pöhla ist ein Fels, in dessen
-Nähe sich ein Gespenst als Bergmann hören und sehen ließ, oben auf
-dem Kopfe mit einem brennenden Grubenlichte. Derselbe erschreckte des
-Nachts die Leute und warf sie in den Bach.</p>
-
-<h3 id="sec163">163. Gespenstischer Bergmann bei Scheibenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 76. Wrubel, Sammlung
-bergmännischer Sagen, 1883, S. 79.)</p>
-
-<p>Am Scheibenberge hat sich oft ein Gespenst in Gestalt eines Bergmanns
-sehen lassen. Dasselbe ist den Maurern, welche dort Sand gesiebt,
-plötzlich auf den Hals gekommen; andere hat es hinter dem Berge
-an eine eiserne Thüre geführt, wie zum Eingange eines Schatzes, die
-man aber darauf nicht hat wieder finden können. Auch hat daselbst
-ein Gespenst in Gestalt einer Jungfrau, oder in der von Wölfen,
-Füchsen und Irrwischen manche irre geführt und geäfft.</p>
-
-<p>Im Jahre 1632 hat Hans Schürf zu Crottendorf eine Tochter
-von 8 Jahren im Walde verloren, die man innerhalb 13 Tagen nicht
-auffinden konnte, bis sie von einer Köhlerin im Walde angetroffen
-und heimgebracht wurde. Da man sie nun fragte, was sie denn gegessen
-und getrunken, antwortete sie, ein Männchen habe ihr alle Tage
-eine Semmel und zu trinken gebracht.</p>
-
-<h3 id="sec164">164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, a. a. O. Nr. 499.)</p>
-
-<p>Einmal ritt ein beherzter Mann ganz allein in der Abenddämmerung
-nicht weit von Annaberg auf der gewöhnlichen Heerstraße,
-da sah er einen alten Bergmann vor sich hergehen. Als er an ihn
-herankam, bot er ihm einen guten Abend, erhielt aber keine Antwort,
-ebenso wenig auf die Wiederholung des Grußes, und da er etwas
-hitzig war, schrie er: »Ei, so soll Dich Grobian gleich der Teufel&nbsp;&ndash;!«
-und zog ihm eins mit der Reitgerte über. Aber siehe, auf einmal
-wußte er nicht mehr, wo er war; er ritt bis in die Nacht in der Irre
-herum und erst gegen Mitternacht hörte er Stimmen. Er rief, es kamen
-Leute, er fragte, wo er sei, und erfuhr, er sei in seinem eigenen
-Heimatorte. Man führte ihn bis an sein Haus und noch immer kannte<span class="pagenum"><a id="Seite_129">[129]</a></span>
-er sich nicht; erst als seine alte Mutter mit einem Lichte vor die Thür
-trat, wußte er wieder, wo er war. Der Bergmann hatte ihn geäfft.</p>
-
-<h3 id="sec165">165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann.</h3>
-
-<p class="source">(K. Fr. Döhnel im Erzgeb. Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 180.)</p>
-
-<p>Eine geraume Zeit hatte der alte Bergmann Kapuzer redlich und
-treu in den unterirdischen Klüften gearbeitet, und wer ihn gesund und
-von der verderblichen Bergluft verschont in seinem grauen Kopfe sah,
-der mußte ihm gut sein. Freilich hatte er sich auf der Fahrt seines
-Lebens durch Kämme<a id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> und Knauer<a id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> winden müssen, und manches
-Wetter und manche Felsenwand hatten ihn auf seiner Fahrt bedroht.
-Es schien fast, als hätte ihn das Schicksal als ein taubes Gestein auf
-die Halde des Lebens geworfen; aber nie verlöschte das Grubenlicht
-der Hoffnung in seiner Hand, und mit diesem glaubte er noch einen
-reichhaltigen Gang zu treffen. Aber eine fürchterliche Teuerung brach
-herein, und Berghenne<a id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>, die sonst ihm und seinen Kindern Sonntagskost
-gewesen war, mußte er ganz entbehren und oft Tage lang
-hungern. Die Kleinen jammerten ihn sehr, und ob er sich schon manches
-entzog, um nur ihren Hunger zu stillen, so wollte es doch nicht
-zulangen. Einstmals fuhr er zur Frühschicht an und sang mit frohem
-Mute das schöne Lied: Wer nur den lieben Gott läßt walten, obschon
-er seit zwei Tagen wenig gegessen hatte. Unter den letzten Versen
-des Liedes begann er seine Arbeit und verfolgte rasch mit dem Fäustel
-den am Tage vorher getroffenen Gang. Da sprang ihm gediegenes
-Silber ins Auge. Die Stufe, die er abhieb, war reichlich, und von
-ihrem Verkaufe konnte er langen Unterhalt für seine Kinder hoffen.
-Das Elend der Kinder stand vor ihm, die Mittel, es zu mildern, auch,
-und schon streckte er in Erwägung der wachsenden Not seine Hand nach
-der Silberstufe. Da schlug ihm etwas auf die Achsel. Er drehte sich
-um und sah ein kleines graues Männchen im Berghabite hinter sich
-stehen, das mit der einen Hand auf die Silberstufe zeigte und die
-andere drohend erhob. Kapuzer schauderte, warf die Silberstufe hin
-und das Männchen verschwand. Sogleich fuhr er aus, um es seinen
-Vorgesetzten zu melden, daß Gott das Gebet der Gewerken erhört und
-Gänge und Klüfte aufgethan hätte. Die Vorgesetzten umarmten den<span class="pagenum"><a id="Seite_130">[130]</a></span>
-redlichen Mann, fuhren in den Schacht und sahen den reichen Fund.
-Die meisten Gewerken waren bemittelte Leute, sie wollten den alten
-Kapuzer mit Ruhe in seinen alten Tagen für seinen Fund belohnen,
-aber er schlug es aus, obschon sie ihm doppelten Lohn boten. »Ich
-will in meinem Berufe sterben, ist ja das Grab auch nur ein Schacht,
-in dem der Silbergang der Ewigkeit glänzt,« rief der Greis mit Thränen
-in den Augen; »ich kann noch arbeiten.« Die Bitte ward ihm
-gewährt, seine Kinder wurden gekleidet und er durch ein ansehnliches
-Geschenk der drückenden Nahrungssorgen für sich und die Seinen entzogen.
-Noch sechs Jahre arbeitete er mit gleicher Thätigkeit. Da rief
-ihn der Bergfürst von der Schicht. Früh morgens um drei Uhr
-wollte er zur Arbeit aufstehen, aber er vermochte es nicht. Um acht
-Uhr rief er seinen ältesten Knaben: »Geh' zum Bergmeister,« sprach er,
-»und sag' ihm, der alte Kapuzer werde bald Schicht machen, sein
-Grubenlicht wolle verlöschen, er solle mich noch einmal besuchen.« Der
-redliche Bergmeister kam zu dem Sterbenden und dieser erzählte ihm
-die Geschichte von dem Bergmännchen. Der Bergmeister stand gerührt
-an seinem Bette. Dann faltete der Kranke die Hände, betete still
-und endlich sprach er mit schwacher Stimme: »Es ist vollbracht, Glückauf!«
-und verschied.</p>
-
-<p>Wenn ein redlicher Bergmann aus Armut stehlen will, warnt ihn
-das Bergmännchen, und nur die, welche geübte Bösewichter sind, überläßt
-es der Stimme ihres Gewissens und der strafenden Hand der
-Obrigkeit.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Kämme sind festere Gesteinslagen.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Knauer, ein festes und rohes Gestein.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_3_3"></a><a href="#FNAnker_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Berghenne ist eine Wassersuppe oder auch Brot und Käse.</p></div>
-</div>
-
-<h3 id="sec166">166. Das gespenstische graue Männchen in der Grube »Treue
-Freundschaft« bei Johanngeorgenstadt.</h3>
-
-<p class="source">(Engelschall, Beschreib. d. Bergstadt Joh.-Georgenstadt. 1723, S. 136.)</p>
-
-<p>In dem Bergwerke zur »Treuen Freundschaft« hat sich am
-7. Aug. 1719 folgendes begeben: Es arbeitete vor Ort Johann
-Christoph Schlott, und da man zu Mittag ausgepocht hatte, hörte er
-gegen den Schacht noch jemanden husten. Da meinte er, es werde der
-Steiger vor Ort fahren, solches in Augenschein zu nehmen. Nachdem
-sich aber niemand eingestellt hatte, wollte er ausfahren; aber kaum
-hatte er sich umgewendet, da nahm er wahr, wie ihm jemand vom
-Schachte her mit brennendem Grubenlichte entgegen kam. Dadurch
-wurde Schlott in seiner früheren Meinung, daß es der Steiger sei,
-wieder bestärkt. Doch als sie endlich beide auf der Strecke zusammenstießen,
-nahm er wahr, daß es ein sehr kleiner Mann in einem braunen
-Kittel war. Derselbe hing eben, als Schlott vorbei fuhr, sein Grubenlicht<span class="pagenum"><a id="Seite_131">[131]</a></span>
-ans Gestein, so daß es auch sofort hängen blieb, legte die Tasche
-ab und sprach zu Schlotten. »Ists schon Schicht?« denn die Bergleute
-fuhren an diesem Tage wegen der Beerdigung des Hammerwerksbesitzers
-eine Stunde früher aus. Bei dieser Anrede überfuhr Schlotten
-ein Schauer, er eilte davon und traf keine Arbeiter mehr in der Grube
-an. Dies Begegnis erzählte er darauf dem Steiger, welcher anfangs
-nicht viel davon wissen wollte; doch mußte Schlott später den Ort
-zeigen, woran das Männchen sein Grubenlicht gehangen hatte. Daselbst
-nahm man eine kleine Kluft wahr und es wurde an der Stelle ein
-Schuß gebohrt, der einen Gang öffnete, von dem man mehrere Quartale
-nacheinander eine gute Ausbeute machte.</p>
-
-<h3 id="sec167">167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Ein Bergjunge fuhr einst auf dem Bergschachte Orschel bei
-Schneeberg an; da erschien ihm ein Berggeist, welcher ihn töten wollte.
-Doch ließ er es bei der Drohung bewenden, wenn ihm der Junge
-alle Tage eine Semmel mitbrächte; aber er solle niemandem etwas
-davon sagen. Eines Tages brachte der Junge keine Semmel mit und
-wurde in einem Kübel erwürgt. Als man ihn fand, lagen um ihn
-herum viele verschimmelte Semmeln, mit denen er an das Tageslicht
-gefördert wurde.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Diese Sage hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit der vom Berggeiste am
-Donat zu Freiberg. Das Geschenk einer Semmel, welches dem Berggeiste gemacht
-werden muß, erinnert an das Essen, welches man nach deutschen Sagen den Kobolden
-hinsetzen mußte. Wie die Kobolde sind hier vielleicht auch die Berggeister
-als Geister der Vorältern und zwar derjenigen, welche in der Erde ruhen, aufzufassen.
-Zwergen und Berggeistern werden an gewissen Orten Speisen und Getränke
-hingestellt, wofür sie sich durch Geschenke dankbar bezeugen. (Nork, Sitten und Gebräuche,
-S. 241) In Idria stellen die Bergleute den Wichtlein, die man im Bergwerke
-öfters klopfen hört, ein Töpflein Speise an einen besondern Ort. (Grimm,
-deutsche Sagen, I. No 37.)</p></div>
-
-<h3 id="sec168">168. Der Berggeist verlangt für reiche Anbrüche eine Pfennigsemmel.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke. 1882, S. 1. etc.)</p>
-
-<p>Vor langen Jahren lebte in Joachimsthal ein erfahrener, aber
-armer Bergmann, namens Christoph Wattmer, der sich und seine zahlreiche
-Familie, so gut es eben ging, durch seiner Hände Fleiß redlich<span class="pagenum"><a id="Seite_132">[132]</a></span>
-ernährte. War auch oft in seiner Hütte Schmalhans Küchenmeister,
-so bewahrte sich doch Wattmer stets einen heiteren, zufriedenen Sinn,
-um den ihn seine Kameraden nicht selten beneideten. Einmal hatte
-er aber in der Nacht einen bösen Traum, der ihn recht traurig stimmte,
-da er ein großes Unglück befürchtete. Deswegen wäre er gern von
-der kommenden Morgenschicht weggeblieben, allein er mußte seiner
-Pflicht folgen. Mit sorgenschwerem Herzen machte sich also Wattmer
-beim Tagesanbruch auf den Weg zum Grubenhause, verrichtete daselbst
-sein Gebet und mit dem üblichen »Glück auf!« fuhr er im Namen
-Gottes in den tiefen Schacht. Als er vor Ort war, arbeitete er fleißig
-und unverdrossen, bis er plötzlich in der Nähe ein Klopfen und
-Hämmern, ein Ächzen und Stöhnen vernahm, das ihn nichts Gutes
-erwarten ließ. Wie er nun in Gedanken versunken dastand, sah er
-einen großen, dicken Mann im schmierigen, erdfahlen Grubenkittel auf
-sich zuschreiten. Er hatte einen großen runden Hut auf dem Kopfe,
-Schlägel und Eisen im breiten Gürtel, in der rechten Hand aber trug
-er ein Grubenlicht, das die ganze Strecke taghell erleuchtete. Je näher
-die unheimliche Gestalt kam, desto enger schnürten Furcht und Grausen
-des Bergmanns Brust zusammen. »Fürchte Dich nicht,« redete der
-Berggeist den zitternden Bergmann an, »ich will Dir kein Leid zufügen,
-denn Du bist mir gerade willkommen. Sorge täglich für eine Pfennigsemmel,
-es soll nicht Dein Schaden sein!« Der Bergmann that, wie
-ihm befohlen ward, und brachte dem Berggeiste jede Schicht eine
-Pfennigsemmel. Darüber erfreut, sprach der Berggeist eines Morgens
-zu Wattmer: »Da Du bisher meinen Wunsch erfüllet hast, will ich
-Dich zum reichen Manne machen.« Nach diesen Worten schlug er an
-die Wand und sofort öffnete sich eine Strecke voll Silbererzes. »Melde
-den Anbruch«, fügte er hinzu, »Deinen Vorgesetzten, doch sage niemandem,
-daß ich mit Dir im Verkehre stehe, sonst bist Du unrettbar
-verloren!« Der Bergmann versprach Stillschweigen, schied mit dankerfülltem
-Herzen von seinem Gönner und fuhr vergnügt zu Tage. Er
-eilte alsdann zum Berghauptmann und hinterbrachte ihm die Nachricht
-von dem reichen Silberanbruche. Wie ein Lauffeuer ging diese
-Kunde von Mund zu Mund und Freude strahlte auf allen Gesichtern.
-Die gesamte Bergknappschaft veranstaltete nun zu Ehren des wackern
-Christoph Wattmer ein glänzendes Mahl, bei welchem er obenan saß.
-Als die Teilnehmer des Freudenfestes im Saale schmausten, zechten
-und sich lustig machten, bestürmten sie unablässig Wattmer, er möge
-ihnen doch endlich über das unerwartete Auffinden des Anbruches
-näheren Aufschluß geben. Die Aussage, die derselbe machte, genügte
-den neugierigen Kameraden, welche den Zusammenhang der Sachlage<span class="pagenum"><a id="Seite_133">[133]</a></span>
-ahnen mochten, noch lange nicht, sie wollten mehr erfahren. Ihrem
-Drängen gab endlich der unbesonnene Wattmer nach und erzählte mit
-beklommenem Herzen die ganze Begebenheit; dafür aber sollte er schwer
-büßen. Als er nämlich am folgenden Tage mit Zittern und Zagen
-anfuhr, erwartete ihn schon mit geballter Faust der ergrimmte Berggeist,
-der ihm mit donnernder Stimme zurief: »Heißt das, armseliger
-Erdenwurm, mir, dem Herrn über alle Gebirge dieser Gegend, Wort
-gehalten?« Dann ergriff er Wattmer und schleuderte ihn unbarmherzig
-in den Schacht hinunter, wo er zerschmettert tot liegen blieb.</p>
-
-<h3 id="sec169">169. Der Berggeist von Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Novellistisch in Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke,
-S. 12. etc.)</p>
-
-<p>Die Grube St. Barbara zu Joachimsthal hatte einst einen bösartigen
-gottlosen Obersteiger, welcher über Kirche und Gebet spottete,
-unmäßig trank und spielte, seine Untergebenen drückte und einen schändlichen
-Unterschleif machte. Seinem Beispiele folgten die meisten seiner
-Untergebenen; nur acht oder zehn Bergleute glaubten treu an Gott
-und Vergeltung, hielten in frommer Gemeinschaft zu einander und
-wurden von der bösen Rotte ihrer Kameraden spottweise »Moses und
-die Propheten« genannt. Zu diesem kleinen Häuflein, welches vergebens
-der einreißenden Verwilderung entgegenstrebte und sogar mit
-einer Anzeige drohte, gehörte auch Daniel. Derselbe war ein junger
-Mann voll Geist und Leben und dabei ausgestattet mit reichen Kenntnissen
-im praktischen Bergbau, so daß er bereits von dem verstorbenen
-Vorgänger des gottlosen Obersteigers dem Bergamte zur Beförderung
-vorgeschlagen worden war. Doch hatte man ihn bald wieder vergessen,
-so daß die Hoffnung Daniels, seine Braut Marie, welche die hinterlassene
-Tochter des verstorbenen Obersteigers war, heiraten zu können, in
-weite Ferne rückte. Dazu kam noch, daß ihn der gottvergessene neue
-Obersteiger wegen seines frommen Wesens haßte und bei den übrigen
-Vorgesetzten verleumdete. Nur die Trostworte seiner Braut und eines
-alten Freundes, des eisgrauen Martin, welcher mit ihm auf derselben
-Grube anfuhr, trösteten ihn. Als nun Daniel eines Tages vor Ort
-arbeitete und es schon stark gegen das Ende der Schicht gehen mußte,
-da sein letztes Licht in der Blende fast ganz heruntergebrannt war,
-hörte er unter seinen Füßen ein Klopfen und Hämmern, und er wußte
-wohl aus den Erzählungen des alten Martin, daß dies von den Erdgeistern
-herrühren müsse, da er ja auf der Sohle der Grube stand<span class="pagenum"><a id="Seite_134">[134]</a></span>
-und unter ihm keine Häuer arbeiteten. Da suchte er sein Arbeitszeug
-zusammen, um wieder auszufahren. Als er aber im Stollen um eine
-Ecke bog, trat ihm plötzlich aus einem von den Alten betriebenen und
-wieder verlassenen Orte ein kleiner, dicker Mann im Grubenkittel entgegen.
-Schlägel und Eisen, die ihm im Gürtel staken, waren ungeheuer
-groß und stark. In der rechten Hand hielt er eine Blende, in der
-aber kein Licht brannte, sondern ein herrlicher grüner Stein befestigt
-war, der einen wunderlieblichen Schein in hellen Strahlen nach allen
-Seiten hinwarf. Wie nun Daniel schweigend vorübergehen wollte,
-ward er mit Erstaunen gewahr, daß der unbekannte Bergmann mit
-seinem Leibe die Breite des Stollens so genau ausfüllte, daß an ein
-Vorbeischlüpfen nicht zu denken war. Er trat also einen Schritt zurück,
-schlug ein Kreuz vor der Gestalt und sagte: »Wer Du auch
-seist, gieb einem frommen Bergmanne Raum, der auf seinem Berufswege
-wandelt!« Aber der kleine Kerl lachte und sagte: »Ich fürchte
-mich vor Deinem Zeichen nicht, Kamerad, und magst Du daraus abnehmen,
-daß ich Dir kein Leid zufügen will. Im Gegenteil, ich will
-Dir helfen. Du bist ein armer Kerl, hast manchmal kaum satt Brot
-und verdienst mehr, als alle die Schurken, die hier anfahren. Ich bin
-der, den Ihr den Bergmönch nennt, bin Herr über alle Gebirge dieser
-Gegend und kenne alle edlen Flötze und reichen Gänge. Dich hab ich
-lieb gewonnen und will Dich zum reichen Manne machen. Hier nimm!«
-Damit langte er aus seinem weiten Grubenkleide eine Menge der
-herrlichsten Schaustufen von Rotgüldenerz hervor. »Gott behüte«,
-sprach Daniel, »daß ich Euer Geschenk annehme, und somit meinen
-Landesherrn bestehle. Wißt Ihr wirklich, wo edle Geschicke brechen,
-so zeigt es dem Steiger an, und wir bekommen dann alle einen höheren
-Lohn. Schimpft mir auch nicht auf meine Kameraden, es sind auch noch
-ehrliche Kerls darunter.« »Narr Du,« brummte der Bergkönig, »mit
-Deinen ehrlichen Kameraden; und Dein Steiger ist ein Schuft, der
-die Grube bestiehlt und dem ich noch einmal den Hals umdrehen will! &ndash;
-Du nimmst also mein Geschenk nicht?« »Ich darf nicht, Herr!« entgegnete
-Daniel. »Nun, so krieche hinaus, Du blöder Maulwurf!«
-Mit diesen Worten faßte ihn der Berggeist bei den Schultern und
-warf ihn den Stollen vor bis an den Fahrschacht, ohne daß dem
-Daniel jedoch ein Glied weh gethan hätte. Derselbe stieg nun hinauf,
-und als er so hoch oben war, daß das Tageslicht in den Schacht fiel,
-sah er wieder den Berggeist, welcher bereits oben war und mit dem
-Neffen des Steigers seine Silberstufen theilte. Da der Neffe aber
-immer die größere Hälfte in seinen Kittel steckte und darauf den
-übrigen Teil dem Berggeiste zuschob, packte ihn dieser beim Gürtel,<span class="pagenum"><a id="Seite_135">[135]</a></span>
-riß ihm die versteckten Stücke heraus, rannte ihn mit dem Kopfe gegen
-die Fahrt, wobei er immer schrie: »Heißt das ehrlich geteilt, Du
-Galgenstrick? heißt das ehrlich geteilt?« und schleuderte ihn endlich in
-den Schacht hinunter. Glücklicherweise gelang es dem auf der Fahrt feststehenden
-Daniel, den Neffen des Steigers aufzufangen und wieder
-mit heraufzubringen. Er trug ihn zum Steiger, dem er die ganze
-Geschichte erzählte. Dieser aber hieß ihn einen Narren, der wohl betrunken
-gewesen sei, und gebot ihm nach Hause zu gehen. &ndash; Am anderen
-Morgen wurde Daniel vor den Steiger gefordert, der ihn der
-Lüge beschuldigte, indem sein Neffe ausgesagt habe, wie Daniel betrunken
-in die Grube gekommen sei, Händel angefangen und ihn, den
-Neffen, blutrünstig geschlagen habe. Das Märchen vom Bergmönch sei
-nur erfunden worden, damit sich Daniel auf diese Weise entschuldige.
-Zur Strafe solle derselbe nun 8 Tage lang zur Huntejungenarbeit, welche
-die jüngsten Anfänger verrichteten, verurteilt sein. Diese neue unverschuldete
-Kränkung empörte Daniels Herz; er beschloß, seinen Abschied zu
-fordern und auf einem ausländischen Bergwerke ein Unterkommen zu
-suchen. Seine Braut Marie bestärkte ihn in seinem Entschlusse. Am
-nächsten Lohntage wollte er seinen Abgang anzeigen.</p>
-
-<p>Im Bewußtsein seiner Unschuld war er wieder angefahren und
-begann eben seine Strafarbeit. Plötzlich stand der Berggeist vor ihm
-und sprach: »Siehst Du, Tropf, wie Deine Gutmütigkeit belohnt
-wird, und was Du für ehrliche Kameraden hast? So nimm nun ein
-Stück Silber von mir, damit Du wenigstens einen Zehrpfennig auf
-die Reise hast!« »Hebe Dich weg, Versucher!« antwortete Daniel;
-»jetzt leide ich unschuldig, deshalb bin ich heiter und guter Dinge;
-so ich aber Deinen Reichtum nähme und mein Gewissen mit ungerechtem
-Gut belastete, was bliebe mir dann für ein Trost?« Da entgegnete
-der Berggeist: »Ich sehe wohl, daß Du ein ehrlicher, wackrer Bursche
-bist, und deshalb soll es Dir wohl gehen. Jetzt merke wohl
-auf, was ich Dir sage. Wenn Du zu Abend aus der Grube fährst,
-so bitte den Steiger, er möchte Dich morgen frei lassen, Du wolltest
-Deine Andacht halten. Das darf er Dir nicht abschlagen. Dann
-gehe zum Geistlichen, empfange das heilige Sakrament und halte Dich
-ruhig. Hüte Dich aber jemand ein Wort zu sagen, es wäre zu Deinem
-Schaden. Wenn nun der Steiger die Knappen beruft, so gehe und
-thue frischen Muts, was Dir befohlen wird, Du bist auf guten Wegen,
-Gott wird Dich schützen und ich werde Dir behülflich sein!« Daniel
-that, wie ihm gesagt ward. Er verrichtete am andern Morgen seine
-Andacht und saß nun stillbetend in seinem Kämmerlein, wartend, was
-da kommen sollte. Einige Stunden nach Mittag hörte er ein Zusammenlaufen<span class="pagenum"><a id="Seite_136">[136]</a></span>
-und lautes eilendes Gespräch vor seiner Hütte. Als er
-hinaustrat, vernahm er, daß in der Grube ein großes Unglück geschehen
-sein müsse, denn das Gestänge stehe still und man höre in der
-Tiefe ein ungewöhnliches Brausen und Poltern. Bald rief die Bergglocke
-die Arbeiter, welche sich nicht auf der Schicht befanden, beim
-Steiger zusammen, welcher wetterte und fluchte. Beim Zählen fehlte
-bloß der alte Martin, welcher am vorigen Tage die Erlaubnis erhalten
-hatte, in sein Geburtsdorf zu gehen. Nun ordnete der Steiger an,
-daß einer hinabsteigen müsse, um nachzusehen, was unten geschehen sei.
-Dazu veranlaßte er seinen eigenen Neffen, weil er ihm Gelegenheit
-verschaffen wollte, sich auszuzeichnen. »Ich verspreche Dir,« so sagte
-er zu ihm, »einen Bericht an's Bergamt, der Dir den Untersteiger
-einbringen soll!« Der Neffe weigerte sich anfangs, versuchte es dann,
-stieg wieder empor und bat schließlich, ihn zu verschonen, da ihn die
-Angst umbringe. Da stieß ihn der erzürnte Oheim in die Grube hinab
-und warf die schwere Fallthüre zu. &ndash; Unterdeß hatte sich die Kunde
-von dem Unglücke in der Grube weiter verbreitet, die Frauen und
-Kinder von mehr als zwanzig Bergleuten, die auf der Schicht arbeiteten,
-kamen herbei und überhäuften den Steiger mit Vorwürfen;
-unter ihnen war auch Marie, welche von tödlicher Angst um Daniel
-an den Unglücksplatz getrieben wurde. Da gebot der Steiger, durch
-die Vorwürfe erbittert, durch seines Neffen vorsätzlichen Mord noch
-mehr verwildert, Daniel solle nun hinab und ihm Kundschaft bringen,
-woraus er dann den Bericht abfassen könne. Daniel trat darauf, obwohl
-ihn Marie davon zurückzuhalten suchte, die gefährliche Fahrt an.
-Er tröstete seine Braut und sagte, sie würden sich gewiß wiedersehen.
-Der Steiger aber warf die Fallthür wieder zu, schob den Riegel vor
-und sagte lachend: »Der fromme Mann wird wohl pochen, wenn er
-wieder heraus will!« Damit ging er nach seinem Hause. Auf
-Mariens Bitten öffneten die oben stehenden Bergleute den Schacht
-wieder und das Mädchen lauschte hinab. Plötzlich rief sie aus: »Ich sehe
-ein Licht in der Tiefe!« und dann wieder: »Gottlob, es ist Daniel!«
-So war es. Daniel stieg glücklich hinauf, alle Arme streckten sich nach
-ihm aus, um ihm zu helfen. Um seinen Leib hatte er ein Seil geschlagen,
-und an dem Seile hing der leblose Körper des vom eigenen
-Onkel hinabgestürzten Neffen. Das erste, was Daniel that, war, des
-Neffen Schläfe zu reiben; man entzündete Sprengpulver vor dessen
-Nase, und endlich gelang es den vereinten Bemühungen, ihn wieder
-zum Leben zurückzurufen. Als er die Augen aufschlug, sah er Daniel
-und stammelte: »Daniel, unschuldiger, verleumdeter Daniel, zweimal
-mein Retter, ach, vergieb!« Dieser drückte ihn an sein Herz. Während<span class="pagenum"><a id="Seite_137">[137]</a></span>
-dessen war ein höherer Bergbeamter mit dem Steiger an die Grube
-gekommen. Der Bergoffizier beugte sich über den Schacht, starrte
-hinab und sagte: »Unglaublich! die Wässer steigen noch immer. Seht
-nur selbst, Obersteiger!« Dieser eilte herbei, sich weit über den Abgrund
-legend. Aber plötzlich fuhr, allen sichtbar, eine Riesenfaust aus der
-Tiefe, drehte im Nu des Steigers Angesicht auf den Nacken, daß man
-alle Wirbel brechen hörte, hielt das gräßlich verzerrte, blaue Todenantlitz
-der Menge entgegen und verschwand mit seinem Raube unter
-der Flut. Darauf hörte man ein fürchterliches Donnern in der Tiefe.
-Als sich die Umstehenden von ihrem Schreck etwas erholt hatten, sprach
-der Bergbeamte sehr ernst: »Gott hat gerichtet und meinen schwachen
-Händen dies Amt entnommen! denn auch ich war gekommen zu richten!«
-Er erzählte nun, wie die Unredlichkeit des Steigers dem Bergamte
-bekannt geworden sei, und wie er vor seiner Abreise von dem alten
-Martin, den er als einen frommen Bergmann kenne, noch mehr vollgiltige
-Beweise der Schuld erhalten habe. Hier an der Grube habe
-er den unredlichen Mann seines Amtes entsetzen und zur Strafe ziehen
-wollen. Und als der Bergoffizier nun weiter von Daniel hörte, wie derselbe
-in der Grube seinem Tode in den hereinbrechenden Wassern entgangen
-sei und wie er den Körper des Neffen vom Steiger gefunden und auf wunderbare
-Weise gerettet habe, da erkannten er und alle Anwesenden die Hand
-Gottes und die Hülfe des Berggeistes. Daniel war mit dem Körper des von
-seinem Onkel Hinabgestürzten von den Fluten verschlungen worden,
-und als er wieder zum Bewußtsein kam, fand er sich mit letzterem in
-einer geräumigen, trocknen Halle, zu seinen Füßen stand die angezündete
-Blende und lag ein Stück Seil. So gelang es ihm, wieder die
-Fahrt zu gewinnen und den leblosen Körper mit hinauf zu ziehen. &ndash;
-Der Bergoffizier ernannte hierauf Daniel im Auftrage des Bergamtes
-zum Untersteiger an der Grube St. Barbara, und ebenso wies er
-auch dem alten Martin einen Zuschuß an, der es ihm erlaubte, den
-Rest seines Lebens außer der Grube zuzubringen. Darauf schied der
-Beamte von ihnen, indem er dem Daniel noch Glück zu seinem neuen
-Berufe wünschte.</p>
-
-<p>Nach acht Tagen war Marie Daniels glückliches Weib. Der
-Berggeist erschien zwar nicht wieder, aber mehrfach konnten die Glücklichen
-seine Nähe spüren. Zwar blieb die ersoffene Grube liegen, jedoch
-entdeckte Daniel in demselben Reviere die herrlichsten Anbrüche.
-Die Grube ward nach seinem Namen »Daniel-Zeche« genannt, gab
-überreiche Ausbeute und baute sich gut aus. Als aber nach einem
-Jahre Daniel den Beamten und den alten Martin zu Gevattern bei
-seinem neugeborenen Söhnlein bat und ersterer ihm die Ernennung<span class="pagenum"><a id="Seite_138">[138]</a></span>
-zum Obersteiger mit Gehaltszulage mitbrachte, da klingelte es auf
-einmal wie goldene Schellen auf den zinnernen Tellern, die an der
-Wand standen, und siehe, es fielen eitel neue Goldstücke durch die
-Decke herab, hundert an der Zahl. In der Mitte war ein Mönch
-darauf geprägt, und rund herum standen die Worte: »Beschert Glück
-zur Daniel-Zeche!« Jetzt erkannte Daniel wohl seinen alten Freund,
-den Berggeist, und in der Freude seines Herzens griff er nach einem
-Becher Weins und brachte auf den Berggeist die Gesundheit aus.
-Da that ihm jedermann Bescheid, die Gläser klirrten und zugleich ertönte
-eine starke, liebliche Musik von Harfen und Zithern, Hörnern
-und Schalmeien. Als man aber die Thüre öffnete und den Spielleuten
-zu trinken geben wollte, da war niemand zu sehen und zu hören.</p>
-
-<h3 id="sec170">170. Der Berggeist von Abertham.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 84.)</p>
-
-<p>Am ältesten Ende von Abertham liegen mächtige Halden der
-ehemaligen »Kreuzzeche,« welche in der letzten Periode des dortigen
-Bergbaues allein zur Förderung sämtlicher Erze und Gesteine der
-Aberthamer Grubengänge benutzt wurde. Über 300 Bergknappen waren
-bloß zur Förderung angelegt. Als man aber daran ging, in genannter
-Zeche mancherlei Fördermaschinen einzusetzen, waren viele Bergleute
-um ihr Brot besorgt und trauerten und jammerten. Ihr Klagen rührte
-sogar den mächtigen Berggeist, der sich entschloß, die bedrängte Lage
-von den armen Bergleuten abzuwenden. Er ließ sich daher mehrmals
-an verschiedenen Orten der Kreuzzeche sehen und stieß bei seinem jeweiligen
-Erscheinen die warnende Drohung aus:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Legst Du mir meine Manneln (Knappen) ab,<br /></span>
-<span class="i0">So schneid' ich Dir Deine Mittel ab!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Da sich jedoch der Bergherr an diese Drohung nicht kehrte, sondern
-unablässig darauf sann, immer mehr Maschinen in Anwendung
-zu bringen, trat endlich, nachdem des Berggeistes Langmut ein Ende
-genommen, die unglückliche Katastrophe ein, welche die gesamte
-Knappschaft schon längst befürchtet hatte. Es brach nämlich eines Tages
-der sogenannte tiefe Stollen, auch Schlickenstollen genannt, zusammen
-und ließ sich nicht mehr bewältigen. Alle angewandten Kunstgriffe,
-die Entsumpfung der nach Erz führenden Horizonte zu bewerkstelligen,
-erwiesen sich zwecklos; die Mittel waren und blieben abgeschnitten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_139">[139]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec171">171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von P. Mothes aus Bockau.)</p>
-
-<p>Bei der alten Zeche auf dem Ochsenkopfe haben verschiedene Leute
-einen kleinen Jäger mit erdfahlem Gesichte gesehen. Derselbe ladet
-jeden, der ihm begegnet, zu einem Spiele ein, und wenn ihm dann der
-Betreffende folgt, so führt er ihn auf unbekannte Flecke, von wo aus
-derselbe sich nur schwer wieder zurecht findet.</p>
-
-<h3 id="sec172">172. Der Gevattersmann vom Greifenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 40. Dietrich und Textor,
-die romantischen Sagen des Erzgebirges. I. 1822, S. 150. etc.
-Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen (o. J.) S. 107.)</p>
-
-<p>Vor langer Zeit lebte in Geyer ein armer Häuer, mit Namen
-Hans Geißler, der war blutarm und hatte ein schwangeres Weib und
-viele Kinder und wußte sich oftmals keinen Bissen Brot zu verdienen.
-Am größten aber war seine Not am Sylvesterabende, als die Niederkunft
-seines Weibes auf wenig Stunden nahe war und er weder eine
-warme Stube, noch sonst eine Erquickung, ja nicht einmal eine Wehmutter
-für sie hatte. Er eilte hinaus, eine erfahrene Muhme aus
-Günsdorf zu holen, verirrte sich aber bei dem gräßlichen Schneegestöber
-von dem Wege und kam, durch tiefe Wehen sich mühsam durcharbeitend,
-zuletzt an die Felsenschichten des Greifensteines. Erschrocken
-wollte er umkehren, als der Berggeist ihm erschien und mit freundlichem
-Blick ihn also ansprach: »Eile, glücklicher Vater! Gott hat
-Dein Weib mit drei holden Knäblein gesegnet! Wenn Du nichts dawider
-hast, will ich Dein Gevatter sein!« Da verließ Hansen die Furcht und
-er antwortete: »In Gottes Namen magst Du mein Gevatter sein, aber
-wie thue ich Dir die Stunde der Taufweihe kund?« Wie nun der
-Berggeist lächelnd sagte, daß er ohnedem kommen würde zur rechten
-Zeit, da verließ sich Hans darauf und eilte heim. Sein Weib hatte
-ihm drei holde Knäblein geboren.</p>
-
-<p>Am andern Tage, als alles zur Taufe bereitet war, da ließ
-auch der Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er
-erschien in Häuerkleidung und übte das fromme Werk mit inniger
-Andacht; als die heilige Handlung vorüber war, da schenkte er Hansen
-einen Schlägel und ein Eisen und sprach: »Lieber Gevatter, bete und
-arbeite! Wo Du mit diesem Gezäh einschlägst, da wirst Du reiche
-Ausbeute finden, und dann denke allemal an Gott und Deinen Gevattersmann.«<span class="pagenum"><a id="Seite_140">[140]</a></span>
-Darauf verschwand er; seine Worte aber trafen ein.
-Hans ward ein reicher Mann und soll die Siebenhöfe bei Geyer gebaut
-haben.</p>
-
-<h3 id="sec173">173. Das Geschenk des Holzweibchens.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)</p>
-
-<p>Die Holzweibchen sollen kleine zwerghafte Wesen gewesen sein,
-die sich in verschiedenen Wäldern des Joachimsthaler Bezirks aufhielten.</p>
-
-<p>Ein Holzhauer setzte sich einmal zur Mittagszeit auf einen gefällten
-Baumstamm und verzehrte sein hartes Brot. Da kam aus
-dem Gebüsche ein altes Holzweibchen, füllte den Hut des Mannes bis
-an den äußersten Rand mit Holzspänen und verschwand. Alsbald
-sprang der Holzhauer, welcher diesem harmlosen Treiben ruhig zugesehen
-hatte, auf und schüttelte die Späne aus. Als er abends zu
-Hause den Hut abnahm, fiel klingend ein Stück Gold zur Erde, welches die
-Form eines Spanes hatte. Einer der Späne, die das Holzweibchen
-dem Holzhauer geschenkt und die er weggeschüttet hatte, war im Hute
-hängen geblieben und zu Gold geworden.</p>
-
-<h3 id="sec174">174. Die Waldweibchen bei Pobershau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Sem. Richter.)</p>
-
-<p>Ungefähr zehn Minuten von Pobershau und nicht weit vom
-Walde zeigt man auf der sogenannten Amtsseite das Burkhardtsloch.
-Hier sollen vor vielen Jahren Waldweibchen oder wilde Weibchen gelebt
-haben, welche sehr gutmütig waren und oft armen Leuten in
-ihrer Not halfen. Deshalb werden sie noch heute in der Gegend, so
-oft man von ihnen erzählt, »Feen« genannt.</p>
-
-<h3 id="sec175">175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 56.)</p>
-
-<p>Auf dem großen Spitzberge bei Preßnitz haben sich ehedem Holzweibel
-aufgehalten. Sie sind aber fortgezogen, als die Bewohner der
-umliegenden Orte anfingen, die Knödel im Topfe zu zählen. Nur ein
-Holzweibel blieb zurück, führte aber gegen die Menschen nichts Gutes
-im Schilde, weshalb man ihm aus dem Wege ging. Dem aber, der
-ein gutes Sprüchlein konnte oder ein Stückchen geweihte Kreide oder
-»Charsamstagskohle« bei sich führte, konnte es nichts anhaben.<span class="pagenum"><a id="Seite_141">[141]</a></span>
-Ältere Bewohner von Preßnitz beschrieben es als von winziger Gestalt,
-mit einem Körbchen auf dem Rücken und einem Rührlöffel in
-der Hand.</p>
-
-<h3 id="sec176">176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.</h3>
-
-<p class="source">(Edw. Heger a. a. O., S. 83.)</p>
-
-<p>Ein Gebirgsholzhauer in der Gegend von Pürstein ward während
-seiner Waldarbeit häufig von einem Holzweibel besucht und mit
-Geld beschenkt. Einmal kam aber das Weibel in eiliger Flucht, denn
-der Teufel wollte es holen, und es rief schon von weitem: »Holzhauer,
-hacke geschwind drei Kreuze auf den Stock.« Das that denn auch gleich der
-dankbare Mann, das Holzweibchen setzte sich flugs auf den Stock und
-der Teufel mußte mit leeren Krallen abziehen.</p>
-
-<h3 id="sec177">177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 78.)</p>
-
-<p>Vom Holzweibchen werden dann und wann einige alte Sagen
-herumgetragen, daß es vom Satan gejagt würde und in solcher Flucht
-einen Stock, darin die Holzhacker ein Kreuz gehauen, suche, sich darauf
-setze und alsdann erlöset würde. Man hat auch von alten Leuten
-zu Grum- und Steinbach erzählen hören, daß vor alten Zeiten ein
-Holzweibel gekommen, sich auf den Ofenherd gesetzet und gesponnen und
-das Gespinst in die Stube geworfen habe; dem hätten sie müssen zu
-essen geben.</p>
-
-<p>So wollte man auch im Februar 1681 auf dem Pfannenstiel,
-einem Schönburg'schen hohen Walde, ein Holzweib gesehen haben,
-welches einen großen Schnee, schnelle Wasserfluten und hitzigen Sommer
-angedeutet, darauf viel Menschen und Vieh hinsterben würden.</p>
-
-<h3 id="sec178">178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann a. a. O., S. 187.)</p>
-
-<p>An der Aschermittwoch des Jahres 1633 hatte Adam Beyer im
-Walde bei Steinbach einen Baum gefällt. Indem der Baum im
-Fallen ist, hauet er nach der Holzhacker Gebrauch ein Kreuz hinein;
-sogleich kommt ein gejagtes Waldweibchen und bleibet an dem mit dem
-Kreuz bezeichneten Baume stehen, da es dann sicher geblieben. Unterdessen
-füllet es dem Holzhacker seinen Kober mit Spänen, er aber<span class="pagenum"><a id="Seite_142">[142]</a></span>
-schüttet die Späne wieder aus, und da ungefähr ein Spänlein hängen
-geblieben und er nach Hause kommt, findet er an dessen statt einen
-ganzen Thaler. Er gehet alsobald wieder in den Wald, in der Hoffnung,
-solcher Thaler viel aufzulesen, aber vergebens. Doch weil dieser
-Mann damals in kurzer Zeit zu seinen Mitteln gekommen, hat
-man vermutet, er müsse etwas gefunden haben. Von dieser Begebenheit
-an gehet niemand gern an der Aschermittwoche daselbst ins Holz,
-in der Meinung, der Teufel jage das Holzweibchen an der Aschermittwoche.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch im Thüringerwalde und Fichtelgebirge wohnen Waldweibchen zuweilen bei
-den Menschen, sie geben ihnen Geschenke und sind vor dem wilden Jäger auf Baumstämmen,
-in welche drei Kreuze eingehauen wurden, sicher. Dasselbe wird von den
-Moosweibchen erzählt, welche Menschen um Brot bitten. Wenn in Pfaffenreut bei
-Wunsiedel beim Mahl an dem Rande der Schüssel durch Herausschöpfen Tropfen
-hängen blieben und diese die Kinder oder auch Erwachsene mit dem Löffel abstreifen
-und verzehren wollten, sagten die Ältern: »Das dürft ihr nicht, das gehört dem
-Moosfräula!« Ein Beweis von dem freundschaftlichen Verkehre, in welchem die
-Wald- und Moosweibchen mit den Menschen standen. (Witzschel, Sagen aus Thüringen,
-No. 206, 212, 221, 235. Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 37.)</p>
-
-<p>Mannhardt erklärt die Holz- und Moosweibchen für Genien der Wälder und
-Personifikationen des Blättergrüns; darauf fußt der Glaube, daß ihr Leben an dasjenige
-der Waldbäume gebunden ist. Wenn die Sage erzählt, daß der wilde Jäger
-(d. h. der Sturmgott Wuotan) die Waldweibchen jage, so ist dann darunter der Sturm
-zu verstehen, welcher die Blätter vor sich her treibt. Damit hat sich aber die ältere
-Vorstellung, nach welcher unter den gejagten Frauen Wolken zu verstehen sind, verändert;
-die Wolkenfrauen, welche durch Regen die Pflanzenwelt befeuchten, sind
-später auf die Erde herabgezogen und zu Waldgenien geworden. (Mannhardt, die
-Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 112 und 116.)</p></div>
-
-<h3 id="sec179">179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.</h3>
-
-<p class="source">(Edwart Heger in der Erzgebirgszeitung, VI. S. 84.)</p>
-
-<p>In der Gegend von Kupferberg erhielten Waldarbeiter von den
-Holzweibchen häufig Geschenke; doch mußten sie sich auch manchen
-Schabernack gefallen lassen. Oft machten sich die Weibel unsichtbar
-und nahmen den Leuten die mitgebrachten Lebensmittel weg. Der
-hungrige Waldmann fand dann manchmal statt des Mittagsbrotes
-höchst ärgerlicherweise nur eine Menge Hackspäne in seinem Schnappsacke
-vor, die er meist achtlos wegwarf. Zuhause angekommen, erstaunte
-er freilich, wenn einige hängengebliebene Spänchen und Splitter zu
-purem Golde geworden waren. Ähnliches passierte auch einmal zweien
-armen Weibern, die oberhalb des Pürsteiner Burberges und unweit<span class="pagenum"><a id="Seite_143">[143]</a></span>
-des Dorfes Gesseln in der Waldung dürres Holz sammelten. Sie
-trafen da ein kleines Wesen, das ihnen eine Menge Hackspäne zeigte
-und sie aufforderte, diese Späne noch mitzunehmen. Die Weiber, obwohl
-schon ziemlich belastet, gehorchten und füllten die letzten leeren
-Plätzchen in ihren Körben mit den Spänen, auf dem Heimwege aber,
-als die Bürden sich gar zu schwer erwiesen, sagten sie: »Was sollen
-uns eigentlich auch die Späne!« und warfen sie hinaus. Nur ein
-paar dieser Späne blieben an den Körben hängen, und diese wurden
-zuhause &ndash; o Wunder! &ndash; zu blankem Golde. Jetzt freilich ärgerte
-es die Weiber ungemein, daß sie die reiche Gabe so leichtsinnig weggeworfen
-hatten, und das ließ in ihnen leider die Freude über den
-verbliebenen Rest schönen Goldes sowie das Gefühl der Dankbarkeit
-gar nicht recht aufkommen.</p>
-
-<h3 id="sec180">180. Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Ein Mann von Zinnwald trieb etwas Spitzenhandel, der ihn
-öfters nach Böhmen führte. Einmal ritt er durch den Seegrund nach
-Eichwald, da begegnete ihm ein Waldweibchen. Dasselbe redete ihn
-an: »Bruder, willst Du mit mir schnupfen?« dabei that es sonderbarer
-Weise seine Schürze auf und die war voller Laub. Als der
-Spitzenhändler hineingriff, um sich des Spaßes halber, wie er meinte,
-eine Hand voll Laub zu nehmen, blickte er zugleich auf und sahe das
-Gesicht des Waldweibchens gleich einem alten Käse. Da erschrak er
-so sehr, daß er seine Hand schnell zurückzog und fortritt. Das Weibchen
-aber rief ihm nach: »Nun muß ich noch hundert Jahre warten;
-hättest Du das Laub genommen und wärest nicht erschrocken, so wäre
-ich erlöst!« Ein Blatt war ihm jedoch unter den Ärmel gefahren,
-und das war, als er es später fand, lauter Gold.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Ansehen des Gesichts vom Waldweibchen gleich einem Käse erinnert an
-die Zwerge Tirols und der Schweiz, welche »Kasermandeln« (Käsemännchen) heißen
-und goldene Käse oder sich erneuernde Gemskäslein verschenken. Förstemann hat
-in Kuhns Zeitschrift für Sprachforschung I. S. 426 nachgewiesen, daß Quark
-(= Käse) und Twarg (vergl. mhd. <em class="antiqua">querx</em> und <em class="antiqua">twere</em>) im deutschen Norden bis Lievland
-beides Zwerg und Käse bedeutet. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch,
-I. S. 12.) In den Lausitzer Sagen heißen die Zwerge Querxe. Nach einer schottischen
-Sage haben auch die Elfen, welche sich durch ihre gewöhnlich grüne Kleidung
-unsern Holzweibchen nähern, eine Vorliebe für Käse. Auf dem Gipfel des <em class="antiqua">Minchmuir</em>
-in <em class="antiqua">Peebleshire</em> befindet sich die Käsequelle, welche den Elfen geweiht war
-und die ihren Namen davon erhalten hat, daß die Vorübergehenden gewohnt<span class="pagenum"><a id="Seite_144">[144]</a></span>
-waren, ein Stück Käse hineinzuwerfen. (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage,
-S. 269.)</p></div>
-
-<h3 id="sec181">181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 758.)</p>
-
-<p>Als Kurfürst Joh. Georg I. im Jahre 1644 um Rabenstein gejagt
-hatte und am 18. August an Chemnitz vorbeizog, bekam er die
-Nachricht, daß seine Jäger ein wildes Weiblein in der Stallung
-gefangen hätten, welches einer Ellen lang, von menschlicher Gestalt,
-rauher Haut, doch im Angesicht und an den Fußsohlen glatt war.
-Endlich habe dasselbe angefangen zu reden und gesagt: »Ich verkündige
-und bringe den Frieden.« Darauf hat der Kurfürst befohlen, dasselbe
-wieder laufen zu lassen und gesagt: »Wir erinnern uns, als wir vor
-25 Jahren auf den Lautersteinischen und Crottendörfischen Wäldern
-gejagt, daß wir dergleichen Männlein gefangen, welches uns den Krieg
-verkündiget und gesagt: »Ich bring euch Krieg.«</p>
-
-<h3 id="sec182">182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde.</h3>
-
-<p class="source">(Illustrirtes Familien-Journal. VI. No. 157.)</p>
-
-<p>Da droben im Schönecker Walde lebte vor Jahren ein Holzhauer,
-ein braver, stämmiger Bursche, der aber trotz rastloser Thätigkeit kaum
-soviel verdienen konnte, um eine alte kranke Mutter und ein paar
-kleinere Geschwister zu ernähren. Es ging immer knapp her, und
-doch mußte hie und da noch ein Groschen für ein rotes Band oder
-etwas dergleichen abfallen, womit der Bursche die Tochter des Nachbars
-beschenkte. Die jungen Leute waren einander gut; aber an's
-Heiraten durften sie noch lange nicht denken, denn es fehlte ihnen ein
-eigenes Hüttchen, und die Wohnungen der Ältern hatten nicht Raum
-für einen neuen jungen Hausstand. Da entschloß sich der Bursche
-schweren Herzens, ein paar Jahre hinaus in die Welt zu wandern
-und sich irgendwo zu vermieten, bis er sich das Nötige verdient
-haben würde. Als er bald darauf durch den grünen Wald zog und
-trübe Bilder der nächsten Zukunft in seiner Seele auftauchten, da
-sprang plötzlich vor ihm ein kleines graues Mütterchen mit einem
-Körbchen Reisig aus dem Gebüsche, und wie gehetzt lief es auf ihn
-zu und bat flehentlich, er möge schnell in eine niedergebrochene Fichte,
-die just über den Weg lag, drei Kreuze schneiden, der wilde Jäger
-sei ihr auf dem Fuße und der sei ihr Feind und werde sie töten.
-Das alles war das Werk eines Augenblicks, und alsbald hatte der<span class="pagenum"><a id="Seite_145">[145]</a></span>
-Bursche auch mit seinem Messer die drei Kreuze in den Baumstamm
-geschnitten, und war selbst mit dem fremden Weibchen darunter gekrochen,
-als auch schon das wilde Heer ankam. An den drei Kreuzen
-aber hatte die Macht des wilden Jägers eine Schranke, er zog fluchend
-und wetternd zurück und das Holzweibchen war gerettet. Dasselbe gab
-seinem Helfer einen grünen Zweig aus seinem Körbchen, dankte gar
-geheimnisvoll und &ndash; war verschwunden. Dem Burschen war's noch
-ganz wirbelig und drehend im Kopfe von all dem Spuk, aber so viel
-war ihm doch klar, daß das graue Mütterchen, wenn es einmal etwas
-schenken wollte, sich schon ein wenig mehr hätte angreifen können.
-Mißmutig wollte er den Zweig wegwerfen, besann sich aber doch noch
-und steckte ihn zum Andenken an das sonderbare Erlebnis auf seine
-Mütze. Wie er nun frisch weiter schritt, da ward ihm sein Mützlein
-immer schwerer und schwerer, und als er es endlich abnahm, da war
-der Zweig gewachsen, und was war's überhaupt für ein Zweig geworden?
-Gelbe glitzernde Blätter waren d'ran, und wuchsen immer noch
-mehr, daß ihm schier Sehen und Denken und am Ende die Lust, weiter
-zu wandern, verging. Er kehrte um, ohne eigentlich zu wissen, warum,
-und war noch vor Abend wieder daheim. Was die alte Mutter sich
-wundern mochte! Der Tochter des Nachbars aber war's eben recht,
-denn: Wiederkommen bringt Freude.</p>
-
-<p>Der wilde Jäger hatte wohl Ursache, das Holzweibchen zu verfolgen,
-denn dasselbe hatte in seinem Garten von dem wunderbaren
-Goldbaume sich ein Körbchen der besten Zweige geholt. Davon hatte
-nun der Bursche einen bekommen und der trieb immer neue Blätter.
-Die Blätter schüttelte unser Holzhauer ab und verkaufte sie in den
-Städten, wo sie noch heute von den schönen Damen als Schmuck getragen
-werden. Nun konnte er seines Nachbars Kind heiraten,
-und sie mögen sich wohl auch ein gar hübsches Haus gebaut haben.
-Das Goldbäumchen aber ist mit der Zeit eingegangen, vielleicht hat
-sichs auch das Holzweibchen wieder geholt, vielleicht auch der wilde
-Jäger selber.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch Christ. Lehmann erzählt im Histor. Schauplatze, daß sich die Holzweibchen
-in ihrer Gutmütigkeit und um die Menschen glücklich zu machen, zuweilen
-an dem zauberhaften Baume im Garten des wilden Jägers vergreifen, daß sich
-aber die von ihm abgebrochenen Zweige und Blätter in Gold verwandeln.
-Deshalb werden nun die wilden Weibchen vom Satan, d. h. dem wilden Jäger
-verfolgt.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_146">[146]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec183">183. Buschweibchen in der Umgebung des hohen Steines.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)</p>
-
-<p>Wie im hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen
-menschenfreundliche Zwerge wohnten, so hielten sich in den umliegenden
-Wäldern Buschweibchen auf, welche häufig in die Häuser kamen
-und dort Essen begehrten, wofür sie manch' seltenen, kostbaren Stein,
-manch' heilkräftige Pflanze zurückließen.</p>
-
-<p>Manche Leute nennen sie auch Moosweibchen, und man schildert
-sie als zwerghafte Gestalten, über und über mit Moos bewachsen
-und Kleider aus Baumrinde und Flechten tragend. Einst bezeigte
-sich ein solches Wesen besonders wohlthätig, wie uns die folgende
-Sage berichtet.</p>
-
-<p>Zu wiederholten Malen vernahmen Beerweiber und Schwämmesammlerinnen
-aus einem dichten Gestrüppe in der Nähe des hohen
-Steines heftiges und anhaltendes Niesen; aber keiner von ihnen fiel
-ein, »Helf Gott!« zu rufen. Wenn sie sich dann auf den Heimweg
-begaben, sahen sie aus dem Gebüsche ein Moosweibchen treten, das
-sich unter schweren Seufzern und traurigen, vorwurfsvollen Blicken entfernte.
-Einst aber, als das Niesen denn gar zu laut und häufig erschallte,
-sagte ein Weib: »Nun so helf Gott der Person, welche so heftig da
-drin nieset!« Augenblicklich stand eine weiße Frau vor ihr und sagte
-freudig: »Du hast mich erlöst, hier empfange Deinen Lohn!« Mit
-diesen Worten überreichte sie dem armen, erschrockenen Weibe einen
-schweren Moosknollen und verschwand. Der überreichte Knollen aber
-enthielt ein großes Stück Gold, welches das Weib reich machte.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Eine ähnliche Sage aus der Grafschaft Mannsfeld erzählt von einem Görsbacher,
-welcher am »Wahle«, einem Stück Land, wo jedenfalls früher ein alter Gerichts-
-und Opferplatz war, vorüberging und dabei wiederholt jemanden niesen hörte.
-Der Görsbacher rief jedesmal »Gott helf!«, aber kein Dank schallte zurück. Als
-es nun zum dritten Male nieste, sagte der späte Wanderer: »Ei, wenn Du mir
-nicht dankst, so schweig ich auch.« Da rief es ihm kläglich zu: »Ach, hättest Du mir
-doch nur noch einmal »Gott helf!« zugerufen, so wäre ich erlöst gewesen; nun muß
-ich wieder 100 Jahre nach Erlösung schmachten!« (Größler, Sagen der Grafschaft
-Mannsfeld, No. 221.)</p>
-
-<p>Ganz ähnlich sind die Sagen vom Spuk am roten Steine bei Oberhof in
-Thüringen, (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 7), und von den verfluchten
-Jungfern bei Eisenach und am Falkensteine bei Schmalkalden. (Witzschel, Sagen
-aus Thüringen, No. 113 und 153.)</p>
-
-<p>Die Sitte, beim Niesen dem Betreffenden »Gott helf!« oder dem Entsprechendes
-zuzurufen, reicht jedenfalls bis ins graue Altertum zurück, obschon der Anfang
-dieses Gebrauchs gewöhnlich in das 6. Jahrhundert verlegt wird, als eine Beulenpest<span class="pagenum"><a id="Seite_147">[147]</a></span>
-in Italien auftrat, welche mit Niesen begann und mit dem Tode endete. Damals
-soll man zuerst demjenigen, welcher zu niesen anfing, zugerufen haben: »Nun
-helf' Dir Gott!« (Hahn, Geschichte von Gera I. S. 287.) Jedoch gedenken dieser
-Sitte schon Aristoteles und Plinius. Aristophanes bezeichnet das Niesen als eine
-göttliche Kundgebung, und als eine solche galt dasselbe auch bei den Indianern
-Amerikas; denn als die Spanier in Florida eindrangen, sahen sie, daß, wenn der
-einheimische Herrscher nieste, die Anwesenden sich vor ihm beugten und die Arme
-flehend nach der Sonne ausstreckten.</p>
-
-<p>Daß die Buschweibchen und wilden Weiber heilkräftige Kräuter kannten, wie
-unsere Sage meldet, erfahren wir auch aus dem Gudrunliede. Wate von Stürmen
-verband sich und die im Kampfe Verwundeten und nahm eine gute Wurzel in seine
-Hand, denn längst hatte man vernommen, »heilkundig sei Herr Wate von einem
-wilden Weibe!«</p></div>
-
-<h3 id="sec184">184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.</h3>
-
-<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 55.)</p>
-
-<p>Man erzählt in der Gegend von Hohentann und Platz, daß in
-alten Zeiten, wenn das Gesinde auf den Feldern und die Hausfrau
-allein zu Hause war, daß die Buschweibel öfters in den Häusern erschienen
-und bei verschiedenen häuslichen Verrichtungen hülfreich an
-die Hand gingen und sogar die Kinder warteten. Diese gute Zeit
-ging aber vorüber wie die Buschweibel selbst prophezeiten, denn sie
-sagten: »Wenn man wird die Knödel im Topf und das Brot im
-Ofen zählen, dann ist unsere Zeit vorbei, dann werden wir nicht
-mehr da sein!«</p>
-
-<h3 id="sec185">185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren.
-1. B., S. 14.)</p>
-
-<p>Der Holzweibchen sind vormals viele in den erzgebirgischen Wäldern
-gewesen; sie können aber jetzt nicht mehr daselbst leben, seit das
-Brot im Backofen gezählt wird. Früher wurde es nicht gezählt und da
-konnten sich die Holzweibel unbemerkt davon holen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Mehr noch wie die eigentlichen Zwerge machen die Holzweibchen den Eindruck
-von Angehörigen eines unterdrückten und nur geduldeten Volksstammes. Bemerkenswert
-ist dabei, daß sie niemals wie die Berge bewohnenden Zwerge als Volk, sondern
-nur vereinzelt auftraten. Die Eigentümlichkeit ist ihnen nicht bloß bei uns,
-sondern auch in den Sagen der Lausitz und des Vogtlandes beigelegt. Eine Lausitzer
-Sage ermöglicht die Deutung, in den Holzweibchen versprengte Slaven zu sehen.
-In dem Dorfe Königshain wird nämlich einem solchen Weibchen, welches sich den
-Winter über bei einem Bauer aufgehalten hatte, von einem anderen, das vorübergeht,<span class="pagenum"><a id="Seite_148">[148]</a></span>
-»Deuto, Deuto!« zugerufen. Es könnte dies ein Warn- oder Fluchtruf sein
-und so viel wie »Deutsche kommen!« bedeuten. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz I.
-No. 37.) Unsere Sage deutet an, daß die Holzweibchen sich heimlich das Brot
-holten, denn als man es zählte, konnten sie nicht mehr in der Gegend unbemerkt
-leben und zogen deshalb fort.</p>
-
-<p>Doch weisen wieder andere Züge, welche die Sagen von den Holzweibchen
-anführen, auf mythische Wesen hin, wie sich denn überhaupt die Vorstellungen von
-unterdrückten Volksstämmen und diejenigen ihrer Gottheiten im Laufe der Zeit mit
-einander vermengten.</p></div>
-
-<h3 id="sec186">186. Die Holzweibel ziehen fort.</h3>
-
-<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 60.)</p>
-
-<p>Als die Holzweibel von den Menschen nicht mehr gastlich aufgenommen
-wurden, nahmen sie immer heimlich etwas weg: hier ein
-paar Klöße aus dem Topfe, dort ein frisch gebackenes Brot, und das
-war ihnen ein Leichtes, denn sie konnten sich unsichtbar machen. Doch
-man merkte endlich den Diebstahl und nun zählte die geizige Hausfrau
-allemal ihre Klöße und Brote, und die Weibel konnten dann nichts
-davon wegnehmen. Das war schlimm für die kleinen Leute, und sie
-beschlossen, die ungastlichen Stätten der Menschen zu verlassen und
-weit fortzuziehen.</p>
-
-<p>Auf der Sosauer Flur wollte die Auswandererschar den rauschenden
-Egerfluß übersetzen, und ihr König rief dem Fährmann zu:
-»He Ferge, Du sollst Deinen Lohn im voraus wählen: entweder einen
-roten Kreuzer für jede Person oder Deinen Hut voll Goldstücke ein
-für allemal!«</p>
-
-<p>Da sich die Weibel unsichtbar gemacht hatten, so kannte der
-Fährmann ihre Zahl nicht, und er dachte: Du nimmst das Gewisse!
-Er entschied sich daher für das Gold. Aber der Zug Leutchen wollte
-schier kein Ende nehmen, und Nacht und Tag ohne Unterlaß mußte
-der Mann die Fähre lenken. Endlich sagte der König: »Ferge, Du
-bist jetzt zu Ende; willst Du aber einmal sehen, was Du mit Deiner
-Arbeit geleistet hast?« Als dies der Fährmann bejahte, winkte der
-König und alsbald wurden die Weibel sichtbar, die alle kleine Sturmhütlein
-trugen. Da erstaunte der Fährmann über die Menge der
-kleinen Gestalten, die auf den angrenzenden Feldern des Dorfes Pokatitz
-am nordöstlichen Fuße des Kaadner Burberges aufgestellt waren, eng
-zusammen, so daß alles rings kohlschwarz aussah. Er merkte nun,
-wie thöricht seine Wahl gewesen, und daß ihm der verschmähte rote
-Kreuzer viel mehr eingebracht hätte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_149">[149]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec187">187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf der mitternächtlichen Seite des Kahleberges sind schon viele
-irre gegangen. Das geschah durch Moosmännchen, welche sich hier
-aufhielten und an gewissen Tagen besonders die Holzhauer neckten.
-Ein Holzarbeiter sah einmal ein solches Männchen; es war klein und
-sein Gesicht war mit Moos überzogen. Der Holzhauer konnte es aber nur
-sehen, wenn er etwas seitlich blickte; wendete er sich eilig um, damit
-er es anredete, so war es verschwunden; er sah es aber immer wieder
-von der Seite, wenn er weiter ging.</p>
-
-<p>Auch die wilde Jagd hat man vielmals am Kahleberge gehört.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Deutsche Sagen und unter diesen auch solche aus dem böhmischen Erzgebirge
-erzählen uns ebenfalls von Moosweibchen, welche vielfach mit Wald- oder Holzweibchen
-zusammenfließen. Moosweibchen lebten z. B. im Harz in der Gegend von Wildemann.
-Sie werden uns als freundlich und liebreich geschildert und hatten Gänsefüße.
-Gleich den Holzweibchen wurden sie vom wilden Jäger verfolgt. Eine Erinnerung
-an die Moosmännchen hat sich im Harze noch darin erhalten, daß bei
-Volksfesten verkleidete und über und über in Moos gehüllte Knaben mit einem
-kleinen Tannenbaum in der einen und einer Sparbüchse in der andere Hand umhergehen
-und milde Gaben erbitten. (Heine, Sagen etc. aus dem Harze, S. 29.)
-Eine ähnliche dunkle Erinnerung an diese mythischen Wesen findet sich auch im Vogtlande,
-wo man an einzelnen Orten, wie in Reichenbach, zu Weihnachten kleine
-Moosmännchen auf den Tisch stellt.</p></div>
-
-<h3 id="sec188">188. Waldgeist bei Pfannenstiel.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)</p>
-
-<p>Hinter Grünhain liegt ein Wald, der Pfannenstiel genannt, auf
-welchem nicht allein viel Menschen erschlagen worden sind, sondern
-es hat auch daselbst ein Waldgeist viel Leute geneckt und erschreckt,
-daß sie davon starben. Dergleichen ist einem Schneeberger mit Namen
-Mehlhorn begegnet, den es in den Rumpelsbach geworfen, nachdem
-er dieses Gespenst auf dem Rücken den Berg hinan getragen hatte.</p>
-
-<h3 id="sec189">189. Ein Feldteufel zu Grumbach.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 76.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1654 hielt der Richter zu Grumbach einen Dorfknaben
-von 13 Jahren zu seinen Schafen. Von diesen führte ihn
-ein Feldteufel zweimal weg; das eine Mal warf er ihn nach dem Kitzwalde<span class="pagenum"><a id="Seite_150">[150]</a></span>
-ins dürre Fichtengras, das andere Mal sahe das Gespenst seinem
-verstorbenen Vater ähnlich, bald mit, bald ohne Kopf, und es trug
-ihn in der Höhe über drei Äcker weg und warf ihn dann in einen
-Morast, so daß der Knabe krank wurde und nicht mehr hüten wollte.</p>
-
-<h3 id="sec190">190. Der Getreideschneider.</h3>
-
-<p class="source">(Spieß, Aberglaube, Sitten etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit.
-Dresden 1862, S. 14; z. T. mündlich.)</p>
-
-<p>Am Johannesabende in der sechsten Stunde kommt der sogenannte
-Getreideschneider, der über die Ecke eines Stückes Getreide durchschneidet,
-von welchem er dann, wenn der Bauer drischt, den vollen Nutzen hat.
-Um diesem vorzubeugen, nimmt der Bauer Liebstöckelöl (Öl aus
-<em class="antiqua">Levisticum officinale</em>) und macht, nachdem er den Finger in das
-Öl getaucht, ebenfalls in der sechsten Abendstunde des Johannestages,
-drei Kreuze an jede Ecke des Feldes auf die Erde. Ist aber der Getreideschneider
-bereits dagewesen, so hängt der Bauer, bevor er das
-Getreide einfährt, ein Büschel Reisigspitzen (frischgrünende Tannenzweige)
-über dem Scheunenthor auf, drischt sobald als möglich und
-macht dabei mit dem Reisigbüschel den Anfang. Dann ist der Bann
-gelöst und der Getreideschneider zieht keinen Nutzen.</p>
-
-<p>In Thierfeld geht die Sage, daß in der Mittagsstunde des Walpurgistages
-die Vogelbeerbäume und Feldfrüchte von dem Getreideschneider
-beschnitten würden, ohne daß man ihn sieht.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch in Thüringen hat man ein ähnliche Mittel, um den Getreideschneider,
-den man daselbst, sowie im Vogtlande, Bilmschnitter nennt, zu erkennen. Man belegt
-die Tenne mit sieben Reisigbündeln und bearbeitet dieselben mit dem Dreschflegel;
-die Person nun, welche während dieses Dreschens an das Scheunenthor tritt,
-wird für den Bilmschnitter gehalten. (B. Sigismund in »Aus der Heimat«, 1862,
-No. 13.) &ndash; In Süddeutschland heißt der Bilmschnitter »Bilwitzschneider«, und
-dieser Name erinnert an den slavischen Pilwitz oder Plon, den Gott des Reichtums
-und zugleich des Todes. Auch die »Pilweisen« der schlesischen und Lausitzer Sagen
-sind Kobolde oder von Kobolden besessene Menschen, die andern Schaden zufügen.
-In einer Sage von den Pilweisen zu Lauban tritt ein schwarzer Bock auf; da derselbe
-auf den Teufel hinweist, so verbindet sich mit den weiblichen Pilweisen (und mit
-dem Bilmschnitter?) der Begriff der Hexen. &ndash; Da die Sagen von gespenstischen Tieren
-im Kornfelde mit denen vom Bilmschnitter in einer gewissen Verbindung stehen, so erklären
-sich dadurch vielleicht auch die im Erzgebirge vorkommenden Bezeichnungen
-»Stoppelhahn« (jetzt allerdings nur in der Bedeutung eines Festes am letzten Erntetage
-gebraucht) und »Panzelhahn«. Der letztere Ausdruck erinnert an die oben angeführte
-Sitte des Reisigbüscheldreschens; denn wenn beim Dreschen des Getreides
-der letzte Schlag fällt, so ruft man demjenigen, welcher diesen Schlag gethan hat,
-zu: »Du hast den Panzelhahn geschlagen!«</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_151">[151]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec191">191. Der Hemann im Erzgebirge.</h3>
-
-<p class="source">(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 80.)</p>
-
-<p>Während der Hemann im nördlichen Böhmerwalde einen schwarzen
-Mantel trägt und ein Hut zum Teil sein bärtiges Gesicht beschattet,
-erscheint derselbe im Erzgebirge, in der Gegend von Preßnitz, Sonnenberg,
-Weipert u. s. w. ganz in Grau gekleidet. Den Tag über hält
-er sich verborgen, kommt aber bei einbrechender Dunkelheit aus seinem
-Verstecke hervor, um seine nächtliche Wanderung zu beginnen, auf
-welcher er Ungläubige und Frevler erschreckt und nicht selten mit
-dem Tode bestraft.</p>
-
-<h3 id="sec192">192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren.
-1. B. 1864, S. 15.)</p>
-
-<p>In Bäringen neckt und ängstigt der Hemann die Menschen.
-Doch giebt es dort auch noch andere Waldgeister, die gar nicht einmal
-sichtbar werden, sondern dem nächtlichen Wanderer nur einen »Traf«
-geben, ihn »muschen« oder ihm einen Tappen anhängen und ihn so
-erschrecken, daß er krank wird oder einen Ausschlag im Gesichte erhält.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Sollte unser Hemann mit dem schwäbischen »Hojemann«, d. h. Waldmännlein,
-oder dem »Hoymann« in der Oberpfalz identisch sein? Beide Namen werden von
-»hojen« d. h. hegen, den Waldhüten, abgeleitet. (Leipziger Illustr. Zeitung, No. 1738.)</p></div>
-
-<h3 id="sec193">193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 118.)</p>
-
-<p>Seitwärts von den Dörfern Krima und Neudorf dehnt sich der
-Tenichwald bis nach Sonnenberg aus. Wenn man des Nachts durch
-diesen Wald geht und mit lauter Stimme ruft: He, he! Hu, hu!
-so erhält man aus der Ferne Antwort. Hierauf hockt sich etwas auf
-den Rücken des Wanderers und zwingt ihn, es bis ins nächste Dorf
-zu tragen, wo es verschwindet. So ging es einmal einem Heger, der
-mußte die Last bis Krima tragen. Dort war es ihm, als ob etwas
-hinabspringe, aber er konnte nichts sehen, so rasch war es verschwunden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_152">[152]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec194">194. Das Hemännchen bei Graslitz.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen etc., S. 118.)</p>
-
-<p>In Graslitz ist das Hemännchen ein neckender Waldgeist, der
-seine Freude hat an dem Schaden der Leute. Mehrere Holzhauer
-fuhren einst mit ihren Karren in den Wald, um Bäume zu fällen.
-Als sie den ersten Baum zu Falle brachten, hörten sie ein heiseres
-Lachen hinter sich und sahen, daß ihre Karren genau an die Stelle
-geschoben waren, wohin der Baum fallen mußte. Einen Augenblick
-später waren alle Karren zersplittert. &ndash; Einige Weiber suchten Heidelbeeren.
-Nachdem sie ihre Krüge gefüllt hatten, stellten sie dieselben
-auf den Boden und gingen ein wenig bei Seite. Als sie aber zurückkehrten
-und ihre Krüge aufheben wollten, blieb der Boden derselben
-auf der Erde. Zugleich erscholl hinter ihnen ein wildes Gelächter und
-als sie sich umschauten, sahen sie zwar nichts, erhielten aber eine
-tüchtige Ohrfeige.</p>
-
-<h3 id="sec195">195. Der Hemann des Rammelsberges.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 97.)</p>
-
-<p>Einst lebte zu Platten ein Mann, der hieß Pänkert. Er führte
-ein lasterhaftes Leben und soll sogar mit dem Teufel im Bunde gestanden
-sein. Nach seinem Tode entstand in dem Hause, das er bewohnt
-hatte, ein solcher Tumult, daß darin niemand mehr bleiben
-konnte. Deswegen kam auf Geheiß der Verwandten ein Schwarzkünstler
-aus Sachsen, der den polternden Geist auf einen grünen Platz zum
-sogenannten großen Rainstein bannte, wo er ihn verwünschte, ewig in
-den Wäldern des Rammelsberges umherzuirren. Seit dieser Zeit treibt
-dort der gebannte Pänkert als Hemann sein Unwesen. Er erschreckt
-die durch den Wald gehenden Leute, welche auf sein He-He-Rufen
-Antwort geben, durch seine löschpapierfarbige, eisgraue Gestalt und
-drückt sie, wenn sie nicht die Kraft besitzen, über den nächsten Graben
-zu springen. Über das Wasser wagt sich, wie man sagt, der Hemann
-nicht.</p>
-
-<p>Einstmals ging ein Weib in den Wald, um ihrem Manne, der
-Holz fällte, das Mittagessen zu bringen. Auf einmal hörte sie ein
-lautes He! He! He! Sie dachte, ihr Mann wolle sie ein wenig
-necken, deshalb gab sie gar herzhaft zur Antwort. Daher! daher! Aber
-kaum war das Wort verhallt, da stand vor ihr ein baumlanger, eisgrauer
-Mann mit wütenden Geberden. Vor Furcht und Schrecken eilte
-das Weib einem Bache zu, den sie mit knapper Not übersetzte, sonst<span class="pagenum"><a id="Seite_153">[153]</a></span>
-wäre sie unrettbar in die Hände des Hemannes gefallen, welcher ihr
-dicht auf den Fersen gefolgt war.</p>
-
-<h3 id="sec196">196. Das Heideweibchen.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Zwischen Scheibenberg und Crottendorf liegt eine sumpfige Gegend,
-welche die Heide genannt wird; daselbst geht zu bestimmten Zeiten das
-Heideweibchen um.</p>
-
-<h3 id="sec197">197. Die Marzebilla.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 114.)</p>
-
-<p>In der Gegend von Preßnitz befindet sich ein Berg, namens
-»Bartelwulfenberg«. Hier soll vor Jahren ein Schloß gestanden haben.
-Der Besitzer desselben hatte eine Tochter, die in ein Nonnenkloster ging.
-Hier hatte sie eine Liebschaft mit einem Ritter und kam zu Falle. Sie
-entfloh und starb im Elend. Seit dieser Zeit läßt sie sich nun im
-Kaiserwalde bei Preßnitz öfter sehen und ist allgemein bekannt unter
-dem Namen Marzebilla. Sie trägt an ihrer linken Hand einen Handschuh
-von Blech. Einmal soll ein Bauer aus Neudorf in den Wald
-gefahren sein, um Holz zu holen. Da blieb plötzlich sein Gespann
-stehen und konnte nicht weiter. Er sah sich um und erblickte auf dem
-hinteren Ende des Wagens ein altes Weib, das er an dem Blechhandschuh
-gleich als die Marzebilla erkannte. Sie bat ihn, sie mitfahren
-zu lassen. Allein der Bauer sagte, sie sei zu schwer und als
-sie nicht heruntersteigen wollte, schlug er sie so, daß sie herabfiel. Als
-aber der Bauer nach Hause kam, legte er sich in's Bett und starb nach acht
-Tagen. Der Leichnam aber war verschwunden. Erst nach einigen
-Jahren fand man beim Fällen alter Bäume ein Gerippe im Walde,
-das man an einem Amulet als das des Bauern erkannte.</p>
-
-<p>Einige Schnitter mähten das Gras am Rande des Kaiserwaldes.
-Um Mittag, als im Dorfe geläutet wurde, erschien die Marzebilla und
-forderte die Arbeiter auf zu beten. Diese waren zu faul dazu. Als
-sie aber nachher zur Quelle gingen, um zu trinken, fanden sie Blut
-statt des Wassers. Einer von den Schnittern wollte sich besser überzeugen
-und stieß mit dem Stock in den Schlamm. Da erschien die
-Marzebilla, gehüllt in einen feinen Nebel, sprach eine Formel und die
-Schnitter verwandelten sich in Aschenhäufchen.</p>
-
-<p>Wenn Leute in den Wald gehen, um Beeren zu suchen, so erscheint
-ihnen oft die Marzebilla und führt sie in undurchdringliches
-Dickicht. Fluchen dann die Leute, so überläßt sie die Marzebilla<span class="pagenum"><a id="Seite_154">[154]</a></span>
-ihrem Schicksale, beten sie aber, so führt sie dieselben an fruchtbare
-Stellen, von wo sie den Heimweg leicht treffen.</p>
-
-<h3 id="sec198">198. Der Wechselbalg.</h3>
-
-<p class="source">(Spieß, Aberglaube, Sitten, etc. d. s. Erzgeb. Dresden, S. 36.)</p>
-
-<p>Ein unter sechs Wochen altes Kind soll nicht ȟber den Wechsel
-getragen werden« (d. h. wohl, bald auf dem rechten, bald auf dem
-linken Arme), sonst holt es der Wechselbalg.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Hier erscheint der Wechselbalg als der auswechselnde Dämon. In der Lausitzer
-Sage ist dagegen der Wechselbalg ein geistesschwaches, mißgestaltetes Kind, welches
-von einer aus dem Gebirge oder Walde kommenden alten Frau gegen das wohlgebildete,
-unter sechs Wochen alte Kind umgetauscht wird, wenn keine Person in dessen
-Nähe ist. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 71.) Ebenso tauschten nach einer schlesischen
-Sage die Feenixweibel ein auf dem Felde allein gelassenes kleines Kind gegen
-das ihrige um, welches verbuttet blieb und ebenfalls Wechselbalg genannt wurde.
-(Mitteilungen des mähr.-schles. Sudeten-Gebirgsvereins, 2. Jahrg. No. 7.)</p></div>
-
-<h3 id="sec199">199. Das Mittagsgespenst.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren.
-1. B., S. 13.)</p>
-
-<p>In Bäringen sagt man: Das Mittagsgespenst hockt den Wöchnerinnen
-auf, die zu Mittag von 11 bis 12 Uhr auf die Gasse treten
-oder in den Keller oder auf den Boden gehen, und »muscht« sie.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Lausitzer Mittagsgespenst, die Mittagsfrau (<em class="antiqua">Pripolniza</em>), welche zur Mittagszeit
-zwischen 12 und 2 Uhr als großes weibliches Wesen auf den Feldern zu
-erscheinen pflegt, ist streng genommen von der slavischen Todesgöttin oder Pestfrau
-(<em class="antiqua">Smertniza</em>) zu unterscheiden. (S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.) Die Smertniza
-wandelt ebenfalls als weiße Frau umher und macht sich durch Pochen in dem
-Hause bemerklich, in welchem innerhalb dreier Tagen jemand sterben soll. (Haupt,
-Sagenbuch d. L. I., No. 74. Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 91.)</p></div>
-
-<h3 id="sec200">200. Der Alp.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Der Alp ist ein dämonisches Wesen, welches schlafende Menschen
-drückt, so daß sie keinen Laut von sich geben können. Man nennt
-dieses Drücken Alpdrücken.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_155">[155]</a></span></p>
-
-<p>Ein Mädchen erzählte, der Alp käme durchs Schlüsselloch zu ihr,
-aber sie könne dann nicht um Hülfe rufen; daher bat sie ihre Schwester,
-dieselbe solle sie nur des Nachts bei ihrem Namen rufen, dann würde
-der Alp durchs Schlüsselloch wieder fortgehen. In Zwickau erzählt
-man, daß der Alp fortgehe, wenn man ihn für den andern Morgen
-zum Kaffee einlade. (Nach Spieß.) Auch glaubt man, daß der Alp
-Tiere tot drücke. Wenn man nämlich junge Gänse in einen Schweinstall
-steckt und sie sterben, so spricht man, der Alp habe sie erdrückt.
-Sterben die Kuhhasen (Kaninchen) und sie sehen dann breitgedrückt
-aus, so legt man einen Besen in den Stall; dann verliert der Alp
-die Macht.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wie in Zwickau wird auch von den Lausitzer Wenden der Alp mit den Worten
-»<em class="antiqua">Pschindz justje ksnje danju</em>« (Komm morgen zum Frühstück) zum Frühstück eingeladen,
-und es stellt sich dann der Alp gewiß am Morgen dazu ein. Es ist nur
-schlimm, daß der Alp am Sprechen hindert. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz,
-No. 68.)</p>
-
-<p>Der Alp ist gleichbedeutend mit Elb. Elbe, welche in lichte und schwarze
-Elbe zerfallen, sind höhere Wesen, denen die Lust innewohnt, die Menschen zu necken,
-die aber auch teuflische Eigenheiten besitzen. (Grimm, Myth. S. 252.)</p>
-
-<p>In Sagen anderer Gegenden fällt der Alp mit dem Trut, d. h. einem nächtlichen
-Gespenste zusammen, welches die Menschen ebenfalls im Schlafe ängstigt und drückt.
-In Kärnthen sagt man:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Tsch nachts (bei der Nacht) hat mi d'r Trut<br /></span>
-<span class="i0">Gar beasla (bös) g'druckt.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="noind">(Leipz. Zeitung, Wissensch. Beilage. 1884, No. 11.)</p></div>
-
-<h3 id="sec201">201. Die Melusina.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren,
-1. B. Prag und Leipzig, 1864, S. 3.)</p>
-
-<p>In Bäringen heißt der Sturmwind »Melusina's Klagen um ihre
-Kinder«, und wahr muß dies sein, sonst würde man nicht am heiligen
-Abende, an welchem man neunerlei essen soll, das Tischtuch mit dem
-Überreste in eine Staude ausschütteln, damit die Melusina, die man
-wohl hie und da auch heilige Melusina nennt, etwas zu essen habe.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Melusina tritt nach allen Überlieferungen unverkennbar als Luftgeist auf.
-So sagt man z. B. noch anderwärts in Böhmen, wenn der Wind recht pfeift und
-heult, das sei die Melusina, welche mit ihren Kindern durch die Luft fliege und
-jammere. Im Jungbunzlauer Kreise denkt man sich dieselbe angethan mit einem
-schwarzen Mantel und in der Hand ein Sieb haltend, aus welchem Schloßen und
-Hagel herausfliegen. Bemerkenswert ist schließlich, daß die Czechen für »sterben«<span class="pagenum"><a id="Seite_156">[156]</a></span>
-die Redensart haben: »mit der Melusina Salz lecken.« (Grohmann, Aberglauben
-und Gebräuche etc., S. 3 und 234.)</p>
-
-<p>In den Niederlanden sagt man von dem Wirbelwinde, er sei die »fahrende
-Frau« oder »fahrende Mutter«, und nach einem Glauben in Westflandern hält die
-von ihren Ältern verwünschte Königstochter Alvina im heulenden Sturmwinde ihre
-Umfahrt und weint.</p>
-
-<p>Wenn man im Anfange den Wind mit einem heulenden und gefräßigen
-Tiere verglichen hat, das alles, was in seinen Weg tritt, vernichtet, so lag dann
-der allmähliche Übergang dieser Vorstellung in diejenige von einem Geiste, der hungrig
-im Winde dahinfährt, nahe. In manchen Gegenden Baierns findet sich der
-Gebrauch, bei heftigem Sturme einen Mehlsack zum Fenster hinaus für den Wind
-und sein Kind auszuschütten, wobei man spricht: »Nimm das, lieber Wind, koch'
-ein Mus für Dein Kind!« In diesem Gebrauche zeigt sich eine große Übereinstimmung
-mit demjenigen in Bäringen, wo die Speisereste aus dem Tischtuche für die
-im Sturmwinde klagende Melusina ausgeschüttet werden. Der Gebrauch, dem Wind
-Mehl zu streuen, scheint auch in den deutschen Alpen vorhanden zu sein; wenigstens
-findet sich bei Rosegger (die Schriften des Waldschulmeisters, 3. Aufl. S. 170)
-folgende Stelle: »Sie (die Waldleute in den Winkeln) streuen Mehl in den Wind,
-um dräuende Stürme zu sättigen &ndash; so wie die Alten den Göttern haben geopfert.«
-In anderen Gegenden nehmen die Landleute, wenn der Wind 12 Tage vor Weihnachten
-am ärgsten tobt, Apfel und Nüsse und werfen sie in den Ofen, indem sie
-sagen, daß sie das der »Windsbraut« zum Essen geben. (Henne-Am-Rhyn, a. a.
-O., S. 55.)</p>
-
-<p>Wie aber ist zu erklären, daß der Sturm Melusinas Klage um ihre Kinder
-genannt wird? Als nach der Erzählung Gustav Schwabs (Deutsche Volksbücher,
-3. B.) die Brunnennymphe Melusina von ihrem Gemahle Raimund Abschied genommen
-und sich, halb zur greulichen Schlange verwandelt, zum Fenster hinausgeschwungen
-hatte, hörte man dreimal um das Schloß lautes Rauschen und ein
-Klaggeschrei; zur Nachtzeit aber sah die Amme der beiden kleinen Söhne Melusinas,
-wie letztere in gespenstischer Gestalt wiederkehrte und die Kinder aus der Wiege nahm
-und säugte, so daß dieselben zusehends gediehen.</p></div>
-
-<h3 id="sec202">202. Vom thörichten See bei Satzung.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. 1699, S. 205. etc.)</p>
-
-<p>Der thörichte See, eine halbe Meile über Satzung an einem
-wilden, mit jungen Kiefern bewachsenen rauhen Orte, ist ins Gevierte
-30 Schritte breit und lang, der Pfuhl ist mit rotem Moos bewachsen,
-und das Wasser gehet einer Elle hoch darüber ohne Abfluß. Der See
-soll unergründlich sein, und niemand machet sich gern allein an den
-Ort, weil die Leute, welche sich im 30jährigen Kriege dorthin geflüchtet,
-daselbst viel Anfechtung gehabt haben. Es ist umher auf eine
-halbe Meile lang nichts als eitel sumpfiges Land, daß auch kein rechter
-Baum darauf wachsen kann, es verwimmert und verbuttet alles. Insonderheit
-erzählen die Umherwohnenden, daß sich bisweilen viel ungeheure<span class="pagenum"><a id="Seite_157">[157]</a></span>
-Dinge und Gespenster da sehen lassen. Als einstmals Veit
-Vogel, ein Mann von Satzung, in selbiger Gegend Vogel gestellet,
-habe er von 9 Uhr an bis 12 Uhr mittags einen großen Tumult
-und Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört,
-daß es nicht anders geschienen, als würde eine volkreiche Bauernhochzeit
-oder ein lustiger Schmaus in dem See gehalten; dergleichen
-Freudentöne haben auch andere zu anderer Zeit gehört.</p>
-
-<p>Ein Mann von Sebastiansberg, Georg Kastmann genannt, hat
-in derselben Gegend Feuerholz gemacht; zu diesem kam ein schöner
-Reiter auf einem großen Pferde mit einer langen Spießrute in der
-Hand, welcher den Holzhauer grüßte und fragte, ob er den thörichten
-See wüßte. Da der Holzhacker mit Ja antwortete, hat ihm der
-Reiter ein Trinkgeld versprochen, wenn er mit ihm ginge und den
-Ort zeige. Da sie nun beide hinzu kamen, ist der Reiter vom Pferde
-gesprungen und hat gesagt. »Ich bin ein Wassermann, und ist mir
-mein Weib von einem andern Wassermanne entführt worden; die habe
-ich in der weiten Welt in vielen Wassern und Seen gesucht und doch
-nicht gefunden, und soll sie nun an einem so garstigen und wilden
-Ort finden. Halt mir mein Pferd fest, daß es mir nicht nachspringt,
-ich will hinein und mein Weib heraus holen.« Darauf hat er mit
-seiner langen Rute in das Wasser geschlagen, daß es sich zerteilet,
-dann ist er hineingegangen. Sobald er aber darin gewesen ist, hat
-sich ein so großes jämmerliches Geschrei und Wehklagen erhoben, daß
-der Holzhacker nicht wußte, wo er vor Angst bleiben sollte, weil sonderlich
-das Pferd sehr wild und ungebärdig wurde und immer ins
-Wasser springen wollte. Mittlerweile ist unter diesem Tumult das
-Wasser ganz rot geworden und da hat der Reiter sein Weib heraus
-gebracht und gesagt, er habe sich nunmehr an seinem Feinde gerächt
-und den Räuber, der ihm sein Weib entführt, erwürget. Damit hat
-er sich samt seinem Weibe aufs Pferd geschwungen und ist davon geritten;
-doch hat er zuvor dem Holzhacker ein Beutelein, darin ein
-Kreuzer gewesen, zum Trinkgeld verehret, mit dem Versprechen, so
-oft er würde in diesen Beutel greifen, sollte er soviel, als jetzt darin
-wäre, finden. Der Ausgang hat es auch bestätigt, so daß der
-arme Mann viel Geld zusammengebracht, weil er oft in den Beutel
-gefühlet. Da er aber den Beutel zu frei und sicher gebrauchte, ist er
-ihm entwendet worden; doch hat der Räuber keinen Genuß davon gehabt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_158">[158]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec203">203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße a. a. O., No. 578.)</p>
-
-<p>Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte
-eine wunderschöne Tochter. Dieselbe hatte sich aus der großen Anzahl
-ihrer Anbeter einen der hübschesten jungen Burschen angesucht.
-Nun war sie aber heitern und muntern Sinnes, und daher kamen oft
-aus dem benachbarten Dorfe die jungen Mädchen und Burschen bei
-ihrem Vater zusammen und vertrieben sich die Zeit mit heiteren
-Scherzen und Spielen. Da begab es sich einst, am Andreasabend,
-daß das junge Volk auch wieder beisammen war und im Scherz darauf
-kam, die Zukunft zu befragen. Man schaffte Blei herbei und
-ein jeder versuchte sein Glück mit Gießen. Als nun die Reihe auch an
-die schöne Fischerstochter kam, da spritzte auf einmal beim Guß helles
-Feuer aus dem Wasser, das Blei zerfuhr und nahm sich auf dem
-Wasser wie Blutstropfen aus. Das Mädchen schrie laut auf und alle
-schwiegen bestürzt ob des traurigen Anzeichens. Endlich schlug ihr
-Bräutigam vor, das Schicksal noch einmal zu befragen, nämlich nach
-dem Pöhlwasser zu gehen und dort Reiser zu suchen. Zwar wollte
-das Mädchen nicht mit fort, allein durch Zureden ließ sie sich endlich
-bewegen mit zu gehen; alle ihre Begleiter brachen sich ihre Zweige,
-als aber die Fischerstochter nach einem derselben langen wollte, glitt
-sie aus und ein Nix zog sie hinab in die Fluten. Der Nix sah am
-ganzen Leibe blau aus und trug auf dem Haupte ein Krönlein. Verzweiflung
-erfaßte den Bräutigam und den betagten Vater. Letzteren entrückte
-der Tod bald seinen irdischen Leiden, der Bräutigam aber irrte
-jede Nacht am Ufer der Pöhl in halbem Wahnsinn herum und behauptete,
-er sähe seine Braut in blauer Nixentracht aus der Flut auftauchen,
-sie breite die Arme nach ihm aus und rufe ihm zu, in einem
-Jahre werde sie wieder mit ihm vereinigt sein. So verging ein
-Jahr; der sonst so blühende Jüngling war fast zum Schatten zusammengeschwunden,
-und als die Andreasnacht kam, da war er an seinem gewöhnlichen
-Orte. Allein dieses Mal sahe er seine Braut nicht mehr
-aus den Fluten winken, als Leiche lag sie im Sande, und als der
-andere Morgen kam, da fand man ihn neben ihr tot liegen und begrub
-beide in einem Grabe. Seit jenem Tage aber sieht man dort unzählige
-Irrlichter auf- und abfliegen, die manchen schon verführt haben;
-wo aber der Nix das Mädchen hinabzog, da ist das Wasser grundlos
-geworden, ohne Unterlaß wirbeln die Wellen dort im Kreise und wehe
-dem Schwimmer, Kahn oder Floß, die sich dahin verirren, der Strudel<span class="pagenum"><a id="Seite_159">[159]</a></span>
-zieht sie ohne Erbarmen in den Grundtümpel (so nennt man jene
-Stelle) hinab.</p>
-
-<h3 id="sec204">204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1613 wollte ein Bürger zu Gottesgab einen alten
-Teich, der lange als Sumpf wüste gelegen, wieder herrichten lassen.
-Als nun zwei Bergleute den Sumpf abführten und zu Grund arbeiten
-wollten, fuhr ein Wasserteufel im Sumpf auf, wütete und tobte
-und trieb die Bergleute mit Wasser und Schmutz fort, so daß sie ausreißen
-mußten.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem Teiche
-bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein »Prusten und Schnaufen, als
-wären Pferde hineingefallen und dem Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische
-Sagen, S. 189.) S. auch No. 227.</p></div>
-
-<h3 id="sec205">205. Die Wassernixe am Hans-Heiling-Felsen.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.)</p>
-
-<p>Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der
-Eger eine Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt.
-Über dies Steingebilde meldet die Sage folgendes:</p>
-
-<p>Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg
-Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer,
-der auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar
-der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen
-ein verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum
-sei dies gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen
-Schönfeld. Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit
-sich. Im Schlosse angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der
-Markgräfin Johanna und sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim
-Erscheinen auf dem Schlosse eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute,
-als ich eben zur Frone hierher ging, dies Kindlein gefunden und biete
-es Euch als Gabe dar. Möchtet Ihr doch, gnädige Herrin, an dem
-armen, hülfsbedürftigen Waislein Barmherzigkeit üben und sein besser
-pflegen als die eigene Mutter!« Die Worte des biederen Mannes erweichten
-der Markgräfin Herz. Sie nahm sich des Knäbleins an, das
-auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans, nach seinem Finder
-aber den Zunamen Heiling erhielt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_160">[160]</a></span></p>
-
-<p>Hans Heiling wuchs unter dem liebreichen Schutze der Markgräfin
-zum blühenden Jüngling heran, der an den Wissenschaften, in
-die ihn der Burgkaplan einweihte, mehr Gefallen fand, als an den
-Ritterspielen. Er liebte die Einsamkeit, durchstreifte Wald und Flur
-und beschädigte sich unablässig mit dem Gedanken, den Urgrund aller
-Wahrheit zu erforschen.</p>
-
-<p>Als er einmal am Ufer der rauschenden Eger saß und gedankenvoll
-nach dem Wasserspiegel schaute, tauchte aus demselben eine holde
-Nixe empor, die mit lieblicher, wunderbarer Stimme dem Überraschten
-zurief: »Ich kenne, wißbegieriger Jüngling, Deines Herzens tiefen
-Kummer, die schwarze Kunst ist Dein Begehr. Diese will ich Dir
-lehren, doch nur unter der Bedingung, daß Du Dich nie vermählst.«
-Hans Heiling, bezaubert durch die vielversprechenden Worte, strahlte
-vor Freude, daß er nach langem, erfolglosen Forschen endlich sein so
-heiß ersehntes Ziel erreichen könne, und schloß mit der Wassernixe
-unbesonnen den Bund. Die Nixe hielt Wort und Hans Heiling wähnte
-sich der Glücklichste unter der Sonne zu sein, als er des Wissens
-Drang erfüllt sah. Seit der Begegnung mit der Nixe war manches
-Jahr verflossen. Da faßte Hans Heiling mit Hintenansetzen seines
-gegebenen Versprechens den Entschluß, sich zu vermählen; denn er hoffte,
-selbst auf seine Kunst vertrauend, die Macht des geheimnisvollen Wasserweibes
-zu hemmen. Unbesorgt veranstaltete er also die Hochzeit. Der
-Tag der Trauung war erschienen und die Hochzeitsgäste hatten sich
-in den Räumen des Schlosses versammelt. Schon stand der Brautzug
-vor dem Traualtare, eben wollte das glückliche Paar das Jawort
-aussprechen &ndash; da stieg plötzlich mit furchtbaren Blicken die erzürnte
-Nixe aus den tobenden Wellen der Eger, ließ unter Blitz und Donner
-das Schloß verschwinden und verwandelte durch ihren Fluch die ganze
-Hochzeitsgesellschaft in Stein: das Brautpaar, den Mönch, die Gäste
-und die Musikanten.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die Sage
-vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese erst hervorgerufen
-worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg Krudum, südlich von Elbogen
-gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag,
-von mythischer Bedeutung. Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im
-Archive zu Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
-herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein Elpogen
-gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven die lethaditzer giebt
-2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine »heilige Wiese« genannt; der Zusatz
-»Hans« kommt zu dieser Zeit noch nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise
-»Am Heiling« die allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigen<span class="pagenum"><a id="Seite_161">[161]</a></span>
-Elbogener Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem dreißigjährigen
-Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des Aberges.</p></div>
-
-<h3 id="sec206">206. Der Wassermann flickt.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 162.)</p>
-
-<p>Bei Seestadtl am Fuße des Erzgebirges liegt an der Straße ein
-großer Teich, welcher durch einen breiten, mit Gebüsch bewachsenen
-Damm eingeschlossen ist und der »Steinteich« genannt wird. Bei diesem
-Teiche soll sich ein Wassermann öfter am Ufer sehen lassen. Gewöhnlich flickt
-er dann seine Kleider. Nach dem Glauben der Landleute steigt er
-immer nur während des Mittagsläutens an's Ufer, setzt sich am Fuße
-des Dammes hart am Wasser nieder und flickt. Wer ihn verspottet,
-der wird von ihm in's Wasser hinabgezogen; bloß demjenigen, welcher
-des Morgens vor dem Ausgehen gebackene Semmelschnitte verzehrt,
-kann er nichts anhaben. Hat einer den Wassermann beleidigt und
-keine Schnitten gegessen, so nutzt ihm selbst das Hersagen des Spruches
-nicht mehr:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Wassermann plump,<br /></span>
-<span class="i0">Zieh mich nich in Tump,<br /></span>
-<span class="i0">Zieh mich nich zu tief nei',<br /></span>
-<span class="i0">Daß ich nich stecken blei'.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Der Wassermann ist immer schlecht gekleidet. Sein alter zerdrückter
-Hut ist voll großer Löcher, durch welche oft Büschel struppiger,
-grüner Haare herausragen. Sein Gesicht ist mit einem starken Barte
-bewachsen, und wenn er seinen Mund öffnet, erblickt man seine großen
-grünen Zähne. Sein Rock sowie seine Hosen sind immer zerrissen und
-kotig, und er flickt daran, so oft er ans Ufer steigt. Hat er jemandem
-nachgestellt und ihn unter's Wasser gezogen, so läßt er sich lange
-nicht sehen.</p>
-
-<p>Eines Morgens trug ein Bauernmädchen Gemüse hinauf nach
-Eisenberg, und nahm, um zuzustrecken, ihre Richtung über den Damm.
-Sie war fast hinüber, als sie unten am Damme einen alten Mann
-sitzen sah, der an einem zerrissenen Rocke flickte und ihr zunickte. Das
-Bauernmädchen, welches eben nicht an den Wassermann dachte, gab
-ihm einen Schimpfnamen, worauf sich der Wassermann erhob und
-seinen Mund öffnete. Die Bäuerin erschrak und lief, so schnell es
-ihre schwere Last erlaubte, über den Damm hin; der Wassermann
-hinter ihr drein. Trotz ihres Schreiens sprang er auf den Korb, den
-sie auf dem Rücken trug und faßte sie beim Halse. Vor Todesschrecken<span class="pagenum"><a id="Seite_162">[162]</a></span>
-rief sie: »Jesus Marie!« und sogleich war der Wassermann verschwunden.
-Das Mädchen kam halbtot im Schlosse an und wurde noch dazu
-ausgelacht, als sie vom Wassermann erzählte. Nach 3 Tagen starb
-sie und alle Leute waren fest überzeugt, daß daran nur die Berührung
-des Wassermanns schuld gewesen sei.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte
-wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische Farbe ist. Eine erzgebirgische
-Sage erzählt von einer grünen Frau am Kahleberge bei Altenberg.
-Dämonisch wird die verzauberte, ein Schlüsselbund tragende und Schätze hütende
-Jungfrau des Hausberges in der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet
-(Größler, a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei
-ihren Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb auch
-der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881, No. 5.)</p>
-
-<p>Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der Niederlausitz ihre
-Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei Buckow bittet Vorübergehende um
-einige Lappen und Flecken. Ein Nix in einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine
-Schuhe aus. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 187&ndash;198.)</p></div>
-
-<h3 id="sec207">207. Der Nix fordert sein Opfer.</h3>
-
-<p class="source">(M. Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit,
-1862, S. 39.)</p>
-
-<p>In der obern Zschopau lebt ein Nix, welcher jedes Jahr sein
-Opfer fordert.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.</p></div>
-
-<h3 id="sec208">208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Alfr. Moschkau, Gesch. des Benedictiner Klosters St. Walpurgis
-im Zellwalde, 1874, S. 8. <em class="antiqua">Saxonia</em> I., S. 172.)</p>
-
-<p>In dem genannten, ungemein lieblich im Zellwalde gelegenen
-Teiche sollen Nixe ihren Wohnsitz haben.</p>
-
-<h3 id="sec209">209. Die Nixenwannen und Nixensteufe des Chemnitzflusses.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Theile in »Über Berg und Thal«, 7. Jahrg., No. 5.)</p>
-
-<p>Im Chemnitzthale hat das nagende und mit Sand und Geröllen
-schleifende Wasser in den Blöcken des Cordieritgneißes zahlreiche Strudellöcher<span class="pagenum"><a id="Seite_163">[163]</a></span>
-gebildet, welche man daselbst »Nixenwannen« nennt. Einen
-Teil der Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke
-von ungefähr 300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im
-Frühjahr und Herbst, am wildesten ist und so heftig schäumt und
-brüllt, daß man an ihren Ufern sein eigenes Wort nicht hört,
-bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten in dieser Strecke befindet
-sich im Flusse ein großer, vollständig durchlöcherter Steinblock, der
-zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen worden ist. Diese Höhle
-galt beim Volke als der Ausgang eines unterirdischen Nixenschlosses
-und man erzählte sich, daß man, besonders in mondhellen
-Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das Thal habe
-ziehen sehen.</p>
-
-<p>Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz
-ein mächtiger Fels, im Volke die »Ullrichsburg« genannt, der ehedem
-ein Raubschloß getragen haben soll.</p>
-
-<p>Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches
-jetzt den Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde
-des Volks »Zietsch« hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch
-Steg führte. Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach
-Dunkelwerden wagte sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen
-Pfad, welcher der Chemnitz entlang lief. Dabei mußte man die obengenannte
-unheimliche Nixensteufe passieren.</p>
-
-<h3 id="sec210">210. Der Nix im Rabenauer Grunde.</h3>
-
-<p class="source">(Ludw. Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)</p>
-
-<p>Etwa halbwegs im Rabenauer Grunde, da wo die rote Weißeritz,
-nachdem sie schäumend zwischen großen Steinen sich durchgewunden, einen
-Bogen macht und sich vertieft, also daß man trotz klaren Wassers
-nicht auf den Grund sehen kann, ist der Nixentump, in welchem der
-alte Nix haust.</p>
-
-<p>Wenn die Lübauer Bauern mit ihren schwerbeladenen Wagen den
-steilen Feldweg am Anfange der nahegelegenen Planwiese hinauffuhren
-und die Gespanne trotz allen Antreibens die schweren Gefährte nicht den
-Berg hinaufzubringen vermochten, dann kam wohl der alte Nix mit seinen
-zwei Schimmeln, legte sich vor den Wagen und nun gings unter fröhlichem
-Hohrufen und Peitschenknall den Berg hinauf, als wären es
-bloß leere Geschirre; waren die Gefährte oben angelangt, so daß nur
-noch ebene Straße vor ihnen lag, dann verschwand plötzlich der alte
-Nix mit seinen Schimmeln, ohne Lohn oder Dank abzuwarten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_164">[164]</a></span></p>
-
-<p>Auf der Planwiese pflegten auch die zwei Töchter des alten Nix
-die schneeweiße Wäsche zum Bleichen ausbreiten; war aber das Wetter
-dazu im Grunde nicht günstig, oder störte sie sonst öfteres Begängnis
-oder des Holzhauers Axtschlag, dann bleichten sie auf der Wiese, da
-wo rote und weiße Weißeritz ihre Wasser mischen.</p>
-
-<p>Manchmal verlangte es die beiden Töchter des Nix auch nach
-menschlicher Gesellschaft; dann kamen sie wohl nach Lübau, wenn in der
-Schenke die Fiedeln zum fröhlichen Tanze aufspielten, und tanzten da
-mit den jungen Burschen, so daß sie nichts von den Bauerndirnen
-unterschied, wie ein handbreiter nasser Streifen am Saume des Gewandes.
-Sie ließen sich dann auch wohl von ihren Tänzern manchmal
-bis an den Nixentump geleiten, entschwanden aber, dort angekommen,
-plötzlich ihren Augen; nie hat man gehört, daß sie einem Burschen
-den Zugang zum Nixentump eröffneten.</p>
-
-<h3 id="sec211">211. Die Seebergsjungfer.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 143.)</p>
-
-<p>Geht man von Eisenberg auf dem Fußwege nach der Hütt' und
-nach dem Orte Kunersdorf, so kommt man aus dem Walde auf die
-Heide, die sich von Eisenberg bis gegen Kunersdorf und vom alten
-Seeberg bis hinab an die Straße ausbreitet. Der untere Teil besteht
-aus schönem Wiesengrunde, den man nur die »Haderwies« nennt.
-Über dem Eisenberger Walde liegt ein kleiner, stark mit Schilf bewachsener
-Teich, der »Haderwiesteich« genannt. Gegenüber demselben, einige
-hundert Schritte aufwärts, quillt aus steinigem Boden ein Bächlein.
-Diese Quelle hält sehr gutes Wasser, welches immer rein und kühl ist,
-und heißt das »Quakbrünn'l«.</p>
-
-<p>Vor Zeiten kam oft die Seebergsjungfer herab, um sich in dem
-Teiche zu baden. Die Hütbuben, welche das Vieh auf der Haderwiese
-weideten, sahen sie oft dahin kommen. Sie war halb Fisch und halb
-Mensch. Einstmals war nur ein Junge auf der Wiese. Da stand auf
-einmal die Seebergsjungfer vor ihm und fragte, ob er sie wohl erlösen
-möchte, sie wolle ihm so viel Geld geben, daß er die Haderwiese
-kaufen könnte. Der Junge war damit zufrieden. Hierauf sagte sie
-ihm, er solle sich jetzt vom Teiche entfernen und nicht eher kommen,
-als bis sie ihm winken würde. Wenn er ohne Erlaubnis komme, so
-werde es ihm nicht gut gehen. Der Hütjunge lief eiligst weg, und
-während er nach seinem Vieh sah, badete sich die Seebergsjungfer in dem
-Teiche. Als sie fertig war, winkte sie dem Hütjungen. Der kam und<span class="pagenum"><a id="Seite_165">[165]</a></span>
-schimpfte und warf mit Steinen nach ihr. Weinend kehrte sie nach
-dem Seeberge zurück und in der folgenden Nacht hörte man sie bis
-hinab nach Barthelsdorf weinen und jammern. Lange Zeit kam sie
-nicht mehr, um zu baden.</p>
-
-<p>Auch erschien sie den Leuten oft in Gestalt eines alten Weibes.</p>
-
-<p>Eines Tages ging ein Weib von Eisenberg in den »Busch«, um
-Holz einzuführen. Als sie am Seeberge ankam, ihre Huck niedersetzte
-und Holzstücke aufklaubte, sah sie ein altes Weib, welches ihrer Arbeit
-mit Aufmerksamkeit zusah. »Wohin geht Ihr?« fragte das Eisenberger
-Weib. »In's Gebarg'sche!« (übers Gebirge) antwortete die Alte und
-verschwand vor den Augen des Holzweibes. Diese hatte aber gesehen,
-daß sie hinter sich einen Fetzen von ihrem Kleide nachschleppte; es war
-also die Seebergsjungfrau gewesen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe, halb
-Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte. Noch mag darauf
-hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache zwischen Schleusingen und
-Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher
-Sagenschatz, 3. H., No. 19.)</p></div>
-
-<h3 id="sec212">212. Der Kobold zu Lauter.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 949.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1695, kurz vor Weihnachten, ereignete sich zu Lauter
-in einer Schenke bei einem Fleischhacker in der Kammer, wo er mit
-seinen Kindern geschlafen, von ungefähr 9 bis 11 Uhr abends, und
-von 1 bis 3 Uhr nach Mitternacht, bei der Kinder Bette ein Kratzen,
-welches sie in der Ruhe merklich störte. Anfänglich hielt er's für eine
-große Ratte und hat fleißig aufgestellt, aber nichts gefangen. Mit der
-Zeit hat's auch angefangen so laut zu pochen, daß man's im Keller
-hat hören können, und hat den Kindern keine Ruhe gelassen. Ein Knabe
-von zwölf Jahren hat fleißig gebetet und zu ihm gesagt: »Laß mich
-doch in Ruhe; wenn du nicht mit beten willst, auch nicht beten kannst,
-so gehe deiner Wege!« und ist dabei unerschrocken gewesen. Im Januar
-1696 hat ein Kind von ohngefähr ein Band in den Händen mit ins
-Bette genommen, welches das Ungetüm dem zulaufenden Volk, durch
-ein Astloch der Decke herab ins Haus steckend, gezeigt und damit gespielt;
-wenn es jemand hat ergreifen wollen, ist's entwischt und bald
-zu einem andern Loch auf solche Weise herunter gehangen worden. Gedachter
-Fleischhacker hat dabei sein Geld aus einem verschlossenen Kasten
-vermisset und ist dazu gekommen, daß es eine ganze Bürde Wäsche<span class="pagenum"><a id="Seite_166">[166]</a></span>
-bis an die Kammerthür gebracht, welche er noch rettete. Der Schulmeistersubstitut
-des Ortes unterstand sich das Ungeheuer zu fragen, da
-es denn viel geredet, in einem Tone, wie ein zarter Knabe oder eine
-Weibsperson, es ist auch zornig auf ihn geworden, daß es ihn hinein
-in die Kammer gefordert, wohin er sich jedoch nicht getraute, sondern
-ist in der Thür stehen geblieben. Hernach haben auch andere ihren
-Fürwitz gebüßt und allerlei gefragt: unter andern, ob es von einer gewissen
-Person dahin gebannet wäre, da es denn mit Ja geantwortet.
-Als am 19. Januar die Wirtin eines Kindes genesen, und am 20.
-darauf das Taufmahl gegeben wurde, wobei sich auch nebst den Gevattern
-der Pfarrer und andere Leute befunden, ist weiter nicht das
-geringste gehöret worden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf hingewiesen worden,
-daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen, welche nicht beten können. Als der
-Bauer dem Kobolde in Schmalzerode vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut
-Christi,« setzte der Kobold an und sprach: »das Blut &ndash; das Blut&nbsp;&ndash;« dann sprang er
-verdrießlich auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke,
-zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht wieder gekommen.
-(Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.)</p>
-
-<p>In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen Zügen. So
-nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den Schornstein, als er
-einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und Getränke brachte; er war dabei
-wie helles, loderndes Feuer anzusehen. Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau
-Kobolde zum Verkaufe; wer einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen
-mit dem eigenen Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte. (Größler,
-Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum Verkaufe ausgetragenen
-Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von Hausgöttern (S. die Einleitung);
-Kobolde waren wie letztere klein, denn der Kobold (vom wälschen <em class="antiqua">cob</em>, der Daumen)
-ist ein Däumling.</p></div>
-
-<h3 id="sec213">213. Der Poltergeist zu Grüna.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)</p>
-
-<p>Auf dem adeligen Vorwerk Grüna bei Scharfenstein hat ein Poltergeist
-im Stall an Menschen und Vieh großen Mutwillen geübt, daß
-fast kein Gesinde mehr bleiben konnte. Endlich sind Leute in einer
-Kammer, da es sich am meisten hat spüren lassen, mit bloßem Gewehr
-geordnet worden, welche alle Winkel durchhauen mußten, da sich endlich
-eine alte Haube oder Mütze soll gefunden haben, und hat damit
-die Gaukelei ein Ende gehabt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_167">[167]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec214">214. Der Kobold zu Thalheim.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann a. a. O., S. 952.)</p>
-
-<p>Bei dem Oberförster zu Thalheim war ein Kobold im Hause,
-welcher den Leuten große Last und Schalkheit anthat, daß sie nicht
-mehr bleiben konnten. Endlich brannte das Haus weg; etliche meinten,
-das böse Ding hätte es angezündet, andere, der Hausherr hätte es
-selber lassen anzünden, um das Ungetüm los zu werden. Da sie aber
-ihre Sachen ausgeräumt hatten und auf einem Wagen davon fahren,
-lässet es sich unter denselben mit vernehmlicher Stimme hören: »Wären
-wir nicht so gerannt, so wären wir wohl mit verbrannt.«</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als Geister
-der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit zu letzterer und allem
-was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische Natur ist ein späterer Zusatz.</p>
-
-<p>Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.), daß man
-eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu entgehen. Als man
-aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den Neubau einfuhr, sprang der
-Kobold als Katze zusammengebuckelt vom Wagen in die offene Scheune.</p></div>
-
-<h3 id="sec215">215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)</p>
-
-<p>In eines Geistlichen, des <em class="antiqua">M.</em> Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg
-hat sich im August und September des Jahres 1691 folgendes
-begeben:</p>
-
-<p>Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf-
-und Zumachen der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats,
-Rufen, Lachen, Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken
-einer Magd viel seltsame Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein
-dunkelgrauer fortrauschender Schatten erschienen und hat sich einst mit
-einem nackenden Arm erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man
-Licht brennen, es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen
-es auch auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe
-hat sichs hören lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine
-Kugel hat es die Treppe herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider
-hat es hervorgetragen und seltsam aufgehängt. Den Schlafenden
-wollte es die Betten nehmen, bei Tage hat es etliche Betten verschleppt
-und brennendes Licht auf den Boden getragen. Einem wachenden
-beherzten Bürger überfiel etwas in der Nacht, seinen Gedanken nach
-wie ein zottiger brauner Bär. Es sah bisweilen zum Stallfenster heraus<span class="pagenum"><a id="Seite_168">[168]</a></span>
-wie ein altes Angesicht mit einer schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin
-eine starke Ohrfeige, daß man die roten Striemen noch des
-andern Tages sehen konnte. Es steckte die Ofengabel, Ofenkrücke, einen
-langen Borstwisch mit allerlei Lumpen behangen zur Hausthür hinaus
-auf die Gasse. Ferner zog es den großen Wassertrog ab und versteckte
-die Zapfen, setzte ein brennendes Licht auf die Hausbank und
-schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen Schalkheiten verübte es
-sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so lachte es. Es versteckte
-die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab in den Hof. Der Hausgenossin
-Betten trug es auf den Gang hervor, aber man sahe keinen Träger.
-Es steckte allerlei Sachen zusammen in den Ofentopf. Ein Studiosus
-sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn mit einem Steinchen
-und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit kalten Händen die
-Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete Wäsche. Den
-26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle, worauf
-die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht
-wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle
-Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen
-Stunden gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der
-Kirche Fürbitte angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr
-spüren lassen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der Aberglaube
-viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk in dem Hause des
-Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem Manne mit Namen Anton
-Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich in eine zottige Decke gehüllt und in
-dieser Verkleidung entweder als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei
-Monate lang geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine
-derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst in dem Urteile
-des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698, wodurch der Inquisit
-zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft
-gedacht wurde. Der Geistliche, der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang
-mit der Frage in ihn, ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und
-als er sich erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man ihm
-seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche mit heiligem Schauer
-und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche er noch zu leben hätte, nicht zu
-zu solchen Teufeleien, sondern zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt
-zum Erzgeb. Volksfreunde, 1884, No. 32.)</p></div>
-
-<h3 id="sec216">216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.)</p>
-
-<p>Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg
-führenden Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höhe<span class="pagenum"><a id="Seite_169">[169]</a></span>
-eine bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter
-Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen
-Teil des Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein
-sein Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche
-Aussicht gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin
-wandert die Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage
-um ein Uhr morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben
-die Kobolde tanzen; doch die Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt
-man die Sonne, bevor sie sich ruhig über den Horizont hebt,
-vorerst dreimal emporhüpfen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil daselbst
-Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter von Hansgirg.)
-Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche doch vorzugsweise Hausgeister
-sind, auf einem Berge tanzen; jedoch mag daran erinnert werden, daß Kobolde
-auch zuweilen als Waldgeister auftreten.</p></div>
-
-<h3 id="sec217">217. Der Kaspar des Greifensteins.</h3>
-
-<p class="source">(M. Spieß, Aberglauben etc., des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit.
-1862, S. 39. Gießler, Sächs. Volkssagen, S. 116.)</p>
-
-<p>Auf dem Greifensteine bei Geyer läßt sich der Kaspar sehen.
-Er erscheint in weißen Hosen, rotem Fräckel, großen Kanonenstiefeln
-und Bonaparthut. Man erzählt: Eines Tages, nachmittags 4 Uhr,
-als die Arbeiter eines Steinbruchs, welcher dem Greifenstein sehr nahe
-liegt, ihr Brot verzehrten, ruft aus Unmut einer von den Arbeitern
-gegen die Höhe des Felsens: »Komm, Kaspar, iß mit!« In demselben
-Augenblicke kommt ein großer Stein vom Felsen herab und fällt
-gerade neben dem Arbeiter hin.</p>
-
-<h3 id="sec218">218. Geist Mützchen.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 554.)</p>
-
-<p>Nicht weit von Freiberg ist ein Gehölz, das heißt der heimische
-Busch, und in demselben hauste vordem ein Kobold, den die Leute
-Mützchen nannten und damit an den bekannten Kobold Hütchen erinnerten.
-Geist Mützchen gehörte zu jenen gespenstischen Hockelmännchen,
-die sich den Reisenden und solchen Leuten, die im Walde Geschäfte
-hatten, aufhockten und sich weite Strecken tragen ließen, bis die Leute<span class="pagenum"><a id="Seite_170">[170]</a></span>
-ganz abgemattet waren und fast odemlos umsanken. Wenn sie ihn
-nun fast nicht mehr tragen konnten, hüpfte er von ihrem Rücken plötzlich
-weg, schnellte auf einen Baum und schlug ein schmetterndes Gelächter
-auf. Dies arge Possenspiel trieb Geist Mützchen absonderlich
-im Jahre 1573 und sind viele Personen durch sein Aufhockeln krank
-geworden. Einst fand eine Butterhökerin einen prächtigen Käse im
-heimischen Busche. Des Fundes froh und überrechnend, was sie dafür
-lösen werde, legte sie ihn in ihren Tragkorb; da wurde der Korb so
-schwer, daß sie endlich von der Last niedergezogen ward und in die
-Knie sank und den Korb abwarf. Da rollte ein Mühlstein aus dem
-Korbe und in die Büsche, und aus den Büschen schaute Mützchen mit
-gellendem Gelächter, daher man auch von einem hell und grell Lachenden
-sagt: »Der lacht wie ein Kobold.« Den Namen aber hatte Mützchen
-von seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar machte, und wenn er sie
-abthat, so sah man ihn, und dann setzte er sie oft plötzlich wieder auf
-und war im Nu verschwunden. Davon ist das Sprichwort entstanden,
-wenn jemand etwas sucht und es an einem Orte gesehen zu haben glaubt
-und es doch nicht finden kann, daß man sagt: »Ja, da sitzt er und
-hat Mützchen auf!« &ndash; nämlich der Zwerglein unsichtbar machendes
-Nebelkäppchen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im Besitze
-der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe gewesen sei. Er
-hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche den eigentlichen Zwergen fehlt.
-Letztere leben mit den Menschen auf freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich
-als Volk auf; Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild
-des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen Sagen
-tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer, Thüringsche Sagen,
-S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat von dem spitzen roten Hute
-seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth., S. 290.)</p></div>
-
-<h3 id="sec219">219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Ein gründlicher Bericht vom Schnackischen Katzen-Veite. Als einem
-wercklichen und würcklichen Abentheure beym Kohlenberge im Voigtlande
-etc. An den Tag gegeben von Steffen Läufepeltzen, aus Ritt mier
-ins Dorff. o. O. u. J. (1651.) Daraus bei Gräße, Sagenschatz d.
-K. Sachsen, No. 616.)</p>
-
-<p>Um den Kohlberg bei Zwickau soll sich ein Gespenst sehen lassen,
-welches seiner lustigen Streiche wegen viele Ähnlichkeit mit dem Rübezahl
-hat und der Katzenveit heißt. Jener Berg hat seinen Namen von<span class="pagenum"><a id="Seite_171">[171]</a></span>
-den Steinkohlen, die er enthält und soll seit dem Jahre 1479, wo
-einmal ein Jäger einen Fuchs gehetzt und nachdem er solchen verfolgt,
-sein Gewehr von ohngefähr in eine Grube losgebrannt, innerlich brennen.
-Wer jener Katzenveit ursprünglich gewesen, darüber sind vielerlei
-Vermutungen aufgestellt worden. Unter anderem sagt man, er sei
-einst ein sehr ungetreuer Schösser oder Statthalter der Hessen, also
-ein Katten-Vogt gewesen, habe aber so viele Gelder und Einnahmen
-unterschlagen, daß er nach seinem Tode nicht habe ruhen können, sondern
-immer spukend umgegangen sei, bis er von einem Hexenmeister und
-Teufelsbanner in diese Wildnis verbannt worden; weil er sich nun nicht
-unter diesem Berge wolle bergen lassen, sondern sich über die schwere
-Last beschwere, so bewege er den Berg und speie aus Bosheit und
-Gift Feuer von unten in die Höhe. Am meisten läßt er sich zur Zeit
-des St. Veitstags spüren, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses
-tritt. Von ihm werden nun verschiedene lustige Streiche erzählt.</p>
-
-<p>So zog einst in einem vogtländischen Städtchen ein fremder
-Hausierer mit Brillen und einer Menge Kurzwaaren herum und betrog
-die Leute durch seine geschickte Redegabe um ihr Geld und hing ihnen dafür
-seinen unnützen Kram auf. Das verdroß den Katzenveit, der gerade
-dort herum strich, gewaltig, er kaufte ihm also ein hölzernes Pfeifchen
-für 15 Pfennige ab, obgleich jener 18 gefordert hatte, und versprach
-ihm noch mehr Waren abzunehmen, wenn er mit sich handeln ließe,
-betastete dann jedes einzelne Stück und steckte es wieder an seinen Ort,
-worauf er, angeblich um Geld zu holen, sich entfernte. Sobald er
-aber weg war, da hatte sich der ganze Kram des Hausierers in Seile,
-Stricke, Stränge, Sackbänder, Peitschenschnüre und Bindfaden verwandelt
-und an seinem Halse befand sich ein natürlicher Diebsstrang,
-an dem ein kleiner hölzerner Galgen baumelte. Da stand nun Matz
-Flederwisch ganz bestürzt da und wunderte sich, daß er auf einmal aus
-einem Materialisten ein Seiler geworden.</p>
-
-<p>Einst hatte ein geiziger Bauer seinen ganzen Sinn auf die Bienen
-gestellt und wo er nur einen Schwarm vermutete, derselbe mochte nun
-von den Seinigen abgezogen oder anders woher gekommen sein, da
-hat er seinen Korb angeschlagen. Das hat den Katzenveit schwer verdrossen.
-Er hat sich also in Gestalt eines Bienenschwarms an einen
-Baum gehängt und ist von dem geizigen Bauer schnell in den Bienenkorb
-geschlagen worden. Als derselbe nun nachsehen will, wie sich der
-Schwarm im Gefäße geberde, da wird er gewahr, daß die vermeinten
-Bienen schon darin gearbeitet, Zellen und Honig gesetzt haben. Darüber
-hat er sich erst sehr verwundert, aber als er näher zuschaut, findet er,
-daß der vermeintliche Honig stinkender Kot sei, welchen ihm eine im<span class="pagenum"><a id="Seite_172">[172]</a></span>
-Stocke sitzende Eule mit den Flügeln ins Gesicht schleuderte, dann herausfuhr
-und auch seine übrigen Bienenstöcke, 200 an der Zahl, mit
-entführte; der Bauer aber, der ihr nacheilte und sie aufhalten wollte,
-brach vor lauter Eifer beide Beine.</p>
-
-<p>Ein anderesmal kam ein fremder Botaniker auf den Kohlenberg
-und dachte dort kostbare Pflanzen zum Goldmachen zu finden; zu dem
-gesellte sich der Katzenveit als Kräutermann gekleidet und nannte ihm
-das reife Silberblatt, Pfennigkraut, Tausendgüldenkraut, Goldblümchen,
-Frauenmütze etc. als lauter Kräuter, die Gold brächten. Der
-Thor grub nun alle diese Kräuter aus, weil er meinte, Gold unter
-ihnen zu finden, allein er fand nichts, und als er mit seinem Funde
-schnell nach Hause eilte, brach er unterwegs den Arm, ja er erschlug
-zu Hause in der Hitze seine Frau, die ihn ausgelacht hatte, und grämte
-sich dann teils deswegen, teils weil er aus den Wurzeln nicht reich
-geworden war, zu Tode.</p>
-
-<p>Einst ist er nach Tripstrille als Kammerjäger gekommen und hat
-vorgegeben, er könne Ratten und Mäuse vertreiben. Dafür hat man
-ihm eine Partie schöner Thaler versprochen, allein als er das Ungeziefer
-weggebannt, ihm solche nicht ausgezahlt. Da ist er nach Art
-des Rattenfängers von Hameln wiedergekommen und hat alle Katzen
-der Bürger, deren 666 gewesen sein sollen, aus der Stadt geführt,
-und seit dieser Zeit sollen dort keine Katzen mehr fortkommen.</p>
-
-<p>Einmal hat ein Saufbruder vor Pfingsten Maien beim Kohlberge
-geholt und in seine Behausung gebracht, in Willens, eine grüne Lust
-dabei zu genießen und seine Biergötzen damit zu beehren; das hat den
-Katzenveit, der der rechte Waldmeister und Baumherr ist, schwer geärgert.
-Wie nun solcher Birkenschmuck hin und wieder in der Stube ausgebreitet
-und damit gleichsam eine Laubhütte gemacht worden war, da
-wird das Bierfaß hereingeschleppt, in die Mitte gestellt und der Saufbartel
-und seine Freunde setzen sich auf Schemeln rund herum und
-gießen so einen Becher nach dem andern in die Gurgel hinab und
-bringen sich einen Toast nach dem andern zu. Auf einmal fängt aus
-dem Laube ein Kuckuck zu schreien an, was ihnen anfänglich gar
-närrisch vorkommt, darauf fängt ein Storch an zu klappern und endlich
-singt die Nachtigall ihr Runda Runda Dinellula. Da erschrecken
-sie bald ein wenig und wissen nicht, wie ihnen geschieht, denn bald
-werden sie gezupft und sehen doch nicht, woher es kommt, bald schwingen
-und schütteln sich die Maien und schlagen auf die Tagediebe los, daß
-sie Zeter und Mordio schreien und aus der Stube hinweglaufen. Gleichwohl
-hoffen sie, der Spuk werde sich bald wieder verlieren, damit sie
-zu ihrem Gelage zurückkehren können. Sie gucken darüber zum Fenster<span class="pagenum"><a id="Seite_173">[173]</a></span>
-hinein, siehe da waren aus allen Maien junge Mägdlein geworden,
-welche schöne Gläser in den Händen hatten. Da sprangen alle eilig
-wieder in die Stube, faßten sie an und sprangen mit ihnen um das
-Bierfaß herum. Wie sie sich aber ein wenig umschauen, da haben die
-Damen Teufelsklauen an Händen und Füßen, ein großes rundes Auge
-mitten im Kopfe und an diesem Ziegenhörner. Ei, wie teuer wurde
-ihnen jetzt das Lachen, wie gern wären die Hengste jetzt hinaus und
-davon gewesen! Aber sie mußten ausharren und bei etlichen Stunden
-also herumhüpfen, daß ihnen der Angstschweiß an allen Orten ausbrach
-und sie endlich für tot niedersanken. Zwar haben sie sich bald
-wieder erholt, aber ihre lose Pfingstlust war ihnen für immer vergangen.</p>
-
-<p>Oft zog der Katzenveit als fahrender Schüler im Lande herum
-und foppte die Wirte. So kam er einst als armer Student zu einer
-Wirtin und legte sich ohne Weiteres in ein schönes Gastbett. Sie aber
-trieb ihn heraus, er aber stahl ihr das Bett und verkaufte es. Ein
-anderesmal sah er, daß eine Schankwirtin gebratene Tauben am Spieße
-stecken hatte; als sie nun aus der Küche abgerufen ward, huschte er
-hinein, nahm sie mit sich und aß sie ungescheut in der Stube am Tische
-auf. Wie nun die Frau das sah und ihr Eigentum vermißte, fragte
-sie ihn, wie er zu den Tauben komme, und er antwortete. »Wie kommt
-der Tag zum Winde (sintemal es gerade sehr stürmte)?« Damit nahm
-er die andere gestohlene Taube beim Kopfe und fraß sie auch auf.
-Endlich kam er einst in ein Dorf, wo ein geiziger Pfarrer wohnte,
-der niemandem etwas gab, sondern alle Ansprechenden entweder selbst,
-in einem dicken Bauernpelz vermummt, oder durch seine Leute oder
-mittelst seines Kettenhundes forttrieb. Bei diesem trug er sich so an,
-als gehe er auf Freiersfüßen und wolle seine Tochter ehelichen. Da
-nahm man ihn mit Freuden auf, der Vater ließ etliche Tauben zurichten
-und braten und die Mutter lief etliche Male vom Feuer weg
-und ließ die Küche leer stehen. Nun zog er schnell mitgebrachte junge,
-abgerupfte Raben aus dem Ränzel, lief zum Herde, spießte sie an
-und so wurden sie zusammen fertig. Als sie aber aufgetischt wurden,
-da partierte er letztere auf den Teller des Pfarrers und seiner Frau,
-und kehrte es also, daß die rechten Tauben auf den seinigen kamen,
-dann aber machte er sich, nachdem sein Appetit gestillt war, aus dem
-Staube.</p>
-
-<p>Einst fragte man ihn, warum jetzt alles so teuer sei, und er
-antwortete, es gebe jetzt mehr Tribulierer und Flegel als sonst, besonders
-junge Drescher, die Prokuratoren hießen und sich für ihre Dienste
-allemal zuvor bezahlt machten, also, daß wenig in den Scheunen blieb.<span class="pagenum"><a id="Seite_174">[174]</a></span>
-Das hörte zufällig ein Advokat, der dabei stand und sprach: »Ganz
-recht mein Knecht!« und indem er ihn bei der Hand faßte, sagte er:
-»Ich greife nach dem Flegel und marschiere auf die Tenne in Willens,
-den Rest vollends auszuklopfen und darauf zu schlagen, bis ich das
-Stroh aufreibe.« Aber jener nicht faul, packte den Rabulisten bei der
-Kartause, fuhr ihm erstlich über's Maul, warf ihn dann zu Boden und
-sprach. »Halt, Geselle, ich muß dich ein wenig zudreschen!« und indem schlug
-er mit allen beiden Klöppeln auf die ungegerbte Garbe los, daß das Schrot
-und Korn haufenweise (denn der Geizhals hatte eben einen Haufen
-Geldes bei sich) aus dem Strohjunker heraussprang, also daß der
-neue Drescher nicht allein eine große Ernte an ihm hielt und seine
-Säckel anfüllte, sondern auch die Zuschauer eine gute Nachlese halten
-konnten, weil der Katzenveit ihn wund geschlagen. So hatte der
-Patient keinen Beweis, seinen Beleidiger zu verklagen, und damit zu
-wuchern, sondern er mußte die Stöße hinnehmen, als hätte ihn ein
-Hund gebissen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte auf die Ähnlichkeit des
-erzgebirgischen Katzenveit mit dem Rübezahl des Riesengebirges hingewiesen worden.
-Unter den derben Neckereien des ersteren erinnert z. B. die mit dem kotigen Bienenkorbe
-an eine Sage von Rübezahl; derselbe verkaufte nämlich Bienenkörbe, welche
-mit Menschenkot bestrichen waren. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg.
-1. und 2. H., S. 11.) Beiden Sagengestalten ist die Fähigkeit, verschiedene Gestalten
-anzunehmen, sowie Gegenstände zu verwandeln, gemeinsam.</p></div>
-
-<h3 id="sec220">220. Ein Stückchen vom Pumphut.</h3>
-
-<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)</p>
-
-<p>In der Beiermühle bei Siebenlehn sprach einmal der gespenstige
-Mühlknappe an, der seines eigentümlich geformten Hütchens wegen
-»Pumphut« genannt wurde. Die Leute waren eben beschäftigt, ein
-neues Wasserrad einzusetzen, sahen den Fremden gar nicht an und
-fertigten ihn kurz ab. Kaum war Pumphut weiter gegangen, so fand
-sich, daß die Zapfen am Rade zu kurz waren. Die Zeugarbeiter,
-die ihr Werk so sorgfältig wie immer ausgeführt hatten, zerbrachen
-sich den Kopf, bis einer auf den Gedanken kam, der Fremde möge
-wohl Pumphut gewesen sein und ihnen einen Schabernack angethan
-haben. Sofort eilten sie ihm nach und bald sahen sie ihn gemächlich
-an der Mulde weiter wandeln, aber so sehr sie auch rannten, sie konnten
-ihn nicht einholen, auch hörte er lange nicht auf ihr Rufen. Endlich
-blieb er stehen, erwartete sie und kehrte nach vielen Bitten mit um<span class="pagenum"><a id="Seite_175">[175]</a></span>
-nach der Mühle. Dort klopfte er mit seinem Hütchen rechts und links
-an das Rad und nun paßte alles vortrefflich. Da ihm nun alle Ehre
-erwiesen ward, bannte er noch die Sperlinge, die dem Müller immer
-viel Schaden gethan hatten. Seitdem soll sich kein Sperling mehr
-dort wohlbefinden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In Gräßes Sagenschatz von Sachsen (No. 672) ist eine im Wesentlichen mit
-der unsrigen übereinstimmende Sage vom Pumphut mit der Burkhardtsmühle im
-Vogtlande verknüpft; eine andere Sage, die Gräves Laus. Sagen entlehnt ist und
-auch von Karl Haupt mitgeteilt wird, verlegt die Begebenheit nach Volkersdorf (Sagenschatz
-No. 841.) Ebenso teilt Veckenstedt in seinen Wendischen Sagen und Märchen
-S. 86 etc. drei Überlieferungen mit, nach denen Pumphut Mühlwellen verkürzte.
-Mehr noch als durch seine übernatürlichen Künste, wie das Fahren in
-papiernen Kähnen über Flüsse, z. B. die Mulde, das Zerschneiden eines Mühlsteins
-in Bautzen, das Auffangen von Kugeln in seinem Hute u. a. m., erscheint
-uns Pumphut durch sein Ende und eine Begebenheit in seiner ersten
-Kindheit als ein dämonisches Wesen. Da er noch als Kind in der Wiege lag, verschwand
-er plötzlich und an seiner Stelle fand sich eine Schlange; wie ihn nun seine Eltern
-vergeblich überall gesucht hatten und wieder in die Wiege blickten, lag er auf einmal
-frisch und gesund in derselben. Hier tritt die dämonische Schlange an die Stelle
-des ebenfalls dämonischen Wechselbalgs. Pumphut wurde endlich nach seinem Wanderleben,
-auf dem er hauptsächlich Mühlen aufsuchte, von einer Schlange, welcher
-ein Kopf nach dem andern aus dem Halse wuchs, bis es an die Hundert waren,
-lebendig verzehrt.</p>
-
-<p>Eine wendische Sage bezeichnet ihn als großen Nix, der aber nicht gern im
-Wasser lebte. (Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 220 und Veckenstedt, Wendische
-Sagen und Märchen, S. 86 etc.)</p></div>
-
-<h3 id="sec221">221. Das Jüdel.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, etc. S. 930. Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen No. 561.)</p>
-
-<p>Man kennt im ganzen Erzgebirge ein Kindergespenst, das sogenannte
-Jüdel (richtiger »Gütel«, von gut) oder Hebreerchen und erzählt,
-daß, wenn die kleinen Wochenkinder während des Schlafs die
-Augen halb aufthun, die Augäpfel in die Höhe wenden, als wollten
-sie etwas sehen, dabei zu lächeln scheinen und dann wieder fortschlafen,
-manchmal auch zu weinen anfangen, daß das Jüdel mit ihnen spiele.
-Damit nun aber die Kinder nicht ferner von demselben beunruhigt
-werden, so kauft man ein kleines, neues Töpfchen samt einem Quirlchen,
-und zwar so teuer, als man es bietet, ohne zu handeln; da hinein
-wird von dem Bade des Kindes gegossen und es dann auf den Ofen
-gestellt und man sagt, das Jüdel spiele damit und plätschere das Wasser<span class="pagenum"><a id="Seite_176">[176]</a></span>
-so lange heraus, bis nichts mehr im Töpfchen sei. Andere blasen
-Eier aus den Schalen in des Kindes Brei und der Mutter Suppe
-und hängen solche hohle Eierschalen samt etlichen Kartenblättern und
-anderen leichten Sachen mehr mit Zwirn an die Wiege des Kindes,
-daß es frei schwebe. Wenn nun die Thür aufgemacht wird, oder es
-geht und bewegt sich jemand in der Stube, also daß die am Faden
-schwebenden Sachen sich in der Luft bewegen, so sagen die Weiber,
-man solle nur acht geben, wie das Jüdel mit den Sachen an der
-Wiege spiele. Wenn zuweilen die Kinder rote Flecke haben, da sagt
-man, das Jüdel habe sie verbrannt; dann soll man das Ofenloch mit
-einem Speckschwärtlein schmieren. Das Jüdel spielt aber auch des
-Nachts mit den Kühen, dann werden sie unruhig und brummen, macht
-man aber Licht an, so sieht man nichts. Ebenso geht es in die Pferdeställe
-und fängt an die Pferde des Nachts zu striegeln, dann werden
-dieselben wild, beißen und schlagen um sich, ohne daß sie sich des Gespenstes,
-welches auf ihnen hockt, entledigen können. Um das Jüdel
-als Hausgeist zu unterhalten, muß man ihm Bogen und Pfeile und
-Spielsachen in den Keller und die Scheune legen, damit es damit
-spiele und Glück in's Haus bringe. Wenn aber die Wöchnerin vor
-demselben ganz sicher sein soll, so muß ein Strohhalm aus ihrem Bette
-an jede Thür gelegt werden, dann kann weder das Jüdel noch ein
-anderes Gespenst herein.</p>
-
-<p>Man will auch das nächtliche Fallen, welches einen Tod anzeigen
-soll, mit dem Jüdel in Verbindung bringen.</p>
-
-<p>In Scheibenberg diente vor Jahren eine alte Magd, welche bei
-solchem nächtlichen Fallen sagte. »Gütchen, ich geb' dir mein Hütchen, willst
-du den Mann, ich gebe dir den Hahn; willst du die Frau, nimm hin die Sau;
-willst du mich, nimm die Zieg'; willst du unsere Kinder lassen leben,
-so will ich dir alle Hühner geben!« Es ist in Elterlein geschehen, daß
-man bei solchem gespenstischen Fallen eine Henne oder Ziege dem Ungetüme
-gegeben, auch solche Stücke des Morgens tot gefunden hat.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das erzgebirgische »Jüdel« ist das »Gütel« (Heugütel) der vogtl. Sage, oder
-das »Hütchen« in den deutschen Sagen der Brüder Grimm (I. No. 75.) Es ist
-ein guter, hülfreicher Hausgeist, dessen Name jedenfalls auf »gut« zurückweist. Es
-mag hierbei auch an das in Oberungarn gebräuchliche »Gödchen« für Patenkind und
-an das oberösterreichische »Göd« ein Taufkind, hingewiesen werden. Göthe spricht
-im Faust von den »frommen« Gütchen. In mancher Beziehung hat es Ähnlichkeit
-mit den Kobolden, welche in Gestalt kleiner Kinder erschienen.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_177">[177]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec222">222. Das Schrackagerl.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren.
-1. B. 1864, S. 16 und 234.)</p>
-
-<p>Das Schrackagerl ist im Erzgebirge ein Hausgeist; es sitzt im
-Stalle auf der Raufe und sieht aus wie ein kleines Kind. Wo es ist,
-gedeiht alles, das Vieh, das Geflügel; nur darf man nicht fluchen,
-sonst verwirrt es den Pferden die Mähnen, bindet die Kühe los und
-treibt sie durcheinander. Das Schrackagerl hilft den Mägden arbeiten,
-so daß alles rein im Hause ist; nur muß ihm die Magd von ihrem
-Essen immer einen Teil aufheben und hinlegen.</p>
-
-<p>In Heinrichsgrün heißt das Schrackagerl auch Strackagerl; es
-verwirrt den Kindern die Haare. Wenn die Kinder des Morgens mit
-verwirrten und verfilzten Haaren aufstehen, sagt man: Da ist auch das
-Strackagerl darüber gewesen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Schrackagerl von Heinrichsgrün ähnelt dem Schreckgökerle der vogtländischen
-Sage, vor dem sich die Kinder fürchten und mit dem deshalb letzteren gedroht
-wird. (Köhler, Volksbrauch etc. S. 477.)</p></div>
-
-<h3 id="sec223">223. Die Wehklage.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784. Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 568.)</p>
-
-<p>Im Erzgebirge giebt es ein Gespenst, die sogenannte Klagefrau
-oder Klagemutter; diese geht vor das Haus, wo ein Kranker liegt und
-fängt an jämmerlich zu heulen. Will man nun wissen, ob derselbe
-stirbt oder nicht, so wirft man vor die Thüre von oben ein Tuch herab,
-das demselben gehört; nimmt die Klagefrau, die nun zu heulen aufhört,
-dasselbe mit fort, so stirbt der Kranke, läßt sie es aber liegen, so
-findet das Gegenteil statt.</p>
-
-<p>Im Jahre 1626, da ein großes Sterben war, wohnte Nikolaus
-Köhler, ein Schuster in Oberwiesenthal, am Markt. Da er sich abends
-zur Ruhe gelegt, höret er ein jämmerlich Geheule auf dem Markt,
-so daß er nicht schlafen kann. Er siehet hinaus und wird gewahr, daß
-es um den Holzstoß eines gegenüber wohnenden Nachbars so winselt
-und jammert. In dem Hause desselben aber lagen zwei Sterbende,
-wie er des folgenden Morgens allererst erfahren. Er spricht: »Ja heule,
-daß Dir was anders in Rachen fahre!« und legt sich wieder nieder.
-Gleich kommt das Heulgespenst vor die Kammer und heulet noch gräßlicher.<span class="pagenum"><a id="Seite_178">[178]</a></span>
-Er fähret ins Bett hinein mit Furcht und Grausen, und das
-Weib verweist ihm seine Verwegenheit, warum er bei elenden Sterbezeiten
-so frech hinaus geschrien; sie fangen an mit einander zu beten.
-Das Heulding fähret hinauf auf den Oberboden, und von dannen zum
-Fenster in das Quergäßchen herunter, und heulet wieder aufs neue vor
-des Büttels Thür, und des Morgens erfuhr er, daß auch darinnen
-ein Patient am Tode läge. Der Schuhmacher aber hat noch über 30
-Jahre gelebt und ist erst anno 1664 an der ungarischen Soldatenkrankheit
-gestorben.</p>
-
-<h3 id="sec224">224. Die Winselmutter bei Grünhain.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz des K.
-Sachsen, No. 530.)</p>
-
-<p>In der Nähe von Grünhain fließt der sogenannte Oswaldsbach.
-An demselben soll um die Mitternachtsstunde ein gespenstischer Schatten
-auf- und niederhuschen, der beständig Klagetöne ausstößt. Das Volk
-nennt denselben die Winselmutter und erzählt sich, einst habe ein Jüngling,
-dem seine Geliebte die Treue gebrochen, in dem genannten, an
-vielen Stellen sehr tiefen und reißenden Bache seinem Leben ein Ende
-gemacht; seine ihn liebende Mutter habe ihn darauf sieben Tage lang
-aufs sorgfältigste gesucht, aber doch seinen Leichnam nicht wiederfinden
-können, und so sei sie zuletzt selbst an Erschöpfung und gebrochenem
-Herzen gestorben. Weil sie dabei gegen Gottes weise Fügung gemurrt,
-so sei es nun ihr Los, ewig den Körper ihres ertrunkenen
-Sohnes unter steten Klagen und Wimmern suchen zu müssen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch dem
-Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man sich jedoch das
-Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als Kalb oder Schaf mit feurigen
-Augen vor, oder es wird als unförmliches Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch
-etc., S. 478.)</p></div>
-
-<h3 id="sec225">225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 421. Moritz Spieß, Aberglauben
-etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39.)</p>
-
-<p>Am Schottenberge unter Annaberg giebts alte Bergkessel und
-Bingen, an denen der Fußsteig vorbei geht. Daselbst sind etlichemal
-bei Nacht, sonderlich zur Winterszeit, Reisende von Irrlichtern bethört
-und in Löcher und tiefen Schnee geführt worden, so daß man sie auf<span class="pagenum"><a id="Seite_179">[179]</a></span>
-ihr jämmerliches Schreien und Rufen mit Laternen aufgesucht und gerettet
-hat.</p>
-
-<p>Im Jahre 1683 ging ein Witwer mit seiner Braut beim Scheibenberger
-Gottesacker vorbei und sagte: »Da drinnen liegt mein voriges
-liebes Weib.« In dem Wort blendet sie ein Licht und umgiebt
-sie ein Feuerschein zweimal, so daß sie mit Schrecken davon gelaufen
-sind.</p>
-
-<p>Auch bei der Grube »Dorothea« auf Geiersdorfer Gebiet und
-bei der Grube »Stern« auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen
-Zeiten ein Lichtlein sehen.</p>
-
-<h3 id="sec226">226. Die Staatslaterne bei Geyer.</h3>
-
-<p class="source">(Andrä, Chron. Nachrichten von Annaberg. 1837, S. 77. Gräße,
-Sagenschatz d. K. S., No. 491. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, 1847,
-Seite 253.)</p>
-
-<p>Nordöstlich von Geyer gegen den Greifenstein hin zeigt sich an Herbstabenden
-eine merkwürdige Lufterscheinung oder ein rötlich leuchtendes,
-beinahe 7 Ellen hohes Irrlicht, das, sobald es sich zu bewegen anfängt,
-immer kleiner wird, bis es endlich gar verschwindet, in der
-dortigen Gegend aber die Staatslaterne von Geyer genannt wird.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Sagen von Irrlichtern sind ungemein zahlreich; dabei erscheinen die Irrlichter
-entweder als selbständige Flammen, oder sie fließen mit der Vorstellung von feurigen
-Männern zusammen. Eine Laterne wandelt des Nachts zwischen dem Pfaffenholze und
-Martinsrieth bei Sangerhausen, dergleichen im Loh, einem Hölzchen bei Buttstädt;
-beide Laternen werden von einer Hand gehalten, ohne daß man sonst jemanden sieht.
-(Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 267 und 303.) Im Vogtlande will man
-dagegen bemerkt haben, daß jedes Irrlicht den Kopf zu einer dunkeln, gewöhnlich
-nicht sichtbaren Gestalt bilde. Hier nähert es sich dem feurigen Manne. Als wirklicher
-feuriger Mann, also offenbar als Kobold, erscheint es auf einer sumpfigen
-Strecke bei Loitzsch. An einem andern Orte tanzen die Nixe mit Irrlichtern. (Eifel,
-Sagen aus dem Vogtlande No. 449, 159 und 60.) In dem Volksglauben gelten die
-Irrlichter vielfach als die Seelen ungetauft verstorbener Kinder; die beiden Irrlichter
-in Holzzelle im Mansfeldischen sind dagegen die Seelen eines Mönchs und einer
-Nonne (Größler a. a. O. No. 49.) Das Licht ist ein Symbol für den Geist des
-Verstorbenen, darum erscheinen die Seelen als Lichter. Haupt weist dabei (Sagenbuch
-etc. No. 57.) auf den Gebrauch in der Lausitz hin, daß man zwei Lichter anzündet,
-wenn Brautleute bei Tische sitzen; wessen Licht zuerst verlischt, der stirbt zuerst.
-Eine ähnliche Bedeutung haben auch die Lichter, welche man im Erzgebirge wie
-anderwärts am Andreasabende oder zu Sylvester in Nußschalen auf einem Becken
-mit Wasser schwimmen läßt, um daraus die Zukunft der betreffenden Personen zu
-erfahren. In dem Märchen vom Gevatter Tod (Br. Grimm, Kinder- und Hausmärchen,<span class="pagenum"><a id="Seite_180">[180]</a></span>
-1. B. No. 44) zeigt letzterer seinem Paten in einer unterirdischen Höhle
-die Lebenslichter der Menschen, und vielleicht ist auch auf die gleiche Vorstellung der
-Gebrauch zurückzuführen, daß man in katholischen Ländern bei Begräbnissen dem
-Sarge brennende Lichter voranträgt, oder am Vorabende des Allerseelenfestes Wachslichtchen
-anzündet.</p></div>
-
-<h3 id="sec227">227. Die unheimliche Fackel.</h3>
-
-<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)</p>
-
-<p>Man hat bei Schmiedeberg dann und wann Irrlichter gesehen,
-die man unheimliche Fackeln nannte. Die Leute hüteten sich, mit denselben
-Bekanntschaft zu machen und wichen ihnen aus, wo sie konnten.</p>
-
-<p>Einst soll im Bogenhaus, in der Nähe des »letzten Pfennigs«,
-ein Mann durchs geöffnete Fenster eine unheimliche Fackel bemerkt und
-ihr vorwitzig zugerufen haben: »Komm her auf Courage!« In diesem
-Augenblicke erhielt er von unsichtbarer Hand eine tüchtige Ohrfeige;
-die Fackel aber war verschwunden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Eine tüchtige Ohrfeige erhielt auch vom Irrlichte jener Schulmeister, welcher
-demselben bei der sogenannten Lerch am Saalwalde im reußischen Oberlande mit
-den Worten entgegentrat: »Was bist Du für ein Licht?« Neben der Ohrfeige erhielt
-er noch die Antwort: »Kümm're Dich um Dich, ich bin ein Licht für mich!«
-(Eisel, Sagenbuch des Vogtl., S. 163.)</p></div>
-
-<h3 id="sec228">228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz., S. 207 und 208.)</p>
-
-<p>Zu Wildenau ist im Pöhlwasser ein unheimlicher Ort, der Grundtümpel
-genannt, da sich das Wasser einer Stuben groß in die Runde
-dreht, und sich öfters darin allerlei Spukgestalten sehen lassen, als Weiber,
-Männer und Pferde. Man hat auch in selbiger Gegend bis nach
-Schwarzenberg und Sachsenfeld viel Irrwische und feurige Drachen ziehen
-und spielen sehen. Wenn die Leute aus Raschau nach Wildenau
-gingen, oder von Schwarzenberg herüber gehen wollten, hat es sie oft
-die ganze Nacht irre und gar nahe an den besagten Tümpel geführt,
-so daß sie beim Anbruche des Tages an dem Wasser gesessen haben.</p>
-
-<p>Teilweise ist ihnen ein Fischer mit Hamen begegnet, der sie bis
-an die Dorfhäuser täuschte, so daß sie 10 bis 12 Wochen darnach
-krank gelegen haben. Im Jahre 1624 wollte Andreas Illings Vater
-am Wildenauer Berge mit seinem Pferde arbeiten; da kam ein fremdes
-weißes Pferd mit allem Geschirr gelaufen und spannete sich selbst an.<span class="pagenum"><a id="Seite_181">[181]</a></span>
-Nachdem es aber eine Weile hurtig gegangen, ahnte der Ackermann
-nichts gutes und wollte ausspannen und Mittag machen. Damit aber
-riß sich das wilde Pferd mit Haken und dem andern Pferde los und
-lief nach dem Tümpel zu; der Ackermann hing sich an sein Pferd,
-schrie und gab gute und böse Worte, bis sich das Gespenst verlor und
-ihn mit seinem Pferde in großer Bestürzung zurückließ.</p>
-
-<h3 id="sec229">229. Dämonische Gestalten an einem Teiche bei Scheibenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)</p>
-
-<p>Eine starke Viertelstunde unter Scheibenberg, am Elterleiner
-Wege, läuft der tiefe Stollen in einen Teich aus. Daselbst hat es
-die Leute oft bei Tag und Nacht erschreckt und den Weg bald in Gestalt
-eines großen, ungeheuren Mannes, bald eines Wolfes vertreten, oder
-sonst mit Tumult und Gerassel bethört.</p>
-
-<h3 id="sec230">230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)</p>
-
-<p>Im Juli des Jahres 1644 waren die Oberscheibener oben bei
-ihren Teichen im Heumachen. Da kommt am Sonnabende vor dem
-zehnten Trinitatissonntage ein mächtiger Sturmwind mit Sausen und
-Pfeifen, fährt in die Teiche und wirft das Wasser hoch in die Höhe,
-als wenn sich zwei Pferde im Wasser mit einander schlugen. Darüber
-erschraken die Leute, liefen an die Heuschöber, die bösen Geister aber
-fuhren aus den Teichen in die Heuschöber, spielten damit in der Luft,
-fuhren über die Äcker hinaus und nahmen, wo sie gegen Crottendorf
-zu antrafen, alle Wipfel von den Bäumen mit.</p>
-
-<h3 id="sec231">231. Der Drache.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich. Spieß, Aberglaube etc. Progr., S. 30. Lehmann, a. a. O.,
-S. 207.)</p>
-
-<p>Auf einer sumpfigen Wiese unterhalb Neustadt bei Falkenstein,
-nach Dorfstadt zu, ist öfters der Drache gesehen worden. &ndash; Vielfach
-verbreitet ist der Glaube, daß der Teufel denen, welche mit ihm ein
-Bündnis geschlossen haben, in der Gestalt eines Drachen Geld und
-andere Gegenstände zuträgt, welche er anderswo geraubt hat. Der Drache
-fährt bei solchen Leuten zur Feueresse herein, und man muß ihm dann<span class="pagenum"><a id="Seite_182">[182]</a></span>
-eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen; er verzehrt den Brei
-und legt statt dessen Geld in die Schüssel. Bei Marienberg sagt man,
-daß ein solches Geldstück, welches der Drache gebracht hat, stets wiederkommt,
-wenn es auch ausgegeben worden ist. Thut es dagegen der
-Empfänger in ein Glas, das er mit einem Deckel verwahrt hat, auf
-den er einen Kreis mit Kreide beschreibt und innerhalb desselben die
-Kreide liegen läßt, so muß es bleiben.</p>
-
-<p>Feurige Drachen hat man zugleich mit Irrlichtern auch in der
-Gegend von Schwarzenberg ziehen und spielen sehen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Glaube, daß man dem Drachen eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden
-setzen müsse, steht jedenfalls mit dem auch im Erzgebirge vorhandenen Gebrauche
-in Verbindung, am Neujahrstage Hirse zu essen, damit man das
-ganze Jahr über Geld habe. Auch nach einer slavischen Sage mußte der
-Drache, welcher einem Bauer Geld brachte, mit Hirse gefüttert werden.
-(Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 166.)</p></div>
-
-<h3 id="sec232">232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Drei Bürger in Schneeberg kamen einmal des Nachts in der
-zwölften Stunde aus dem Wirtshause. Als sie an den Frauenmarkt
-gelangten, trennten sich zwei von ihnen und der dritte ging allein über
-den genannten Markt. Auf einmal sprang ihm daselbst ein Kalb auf
-den Rücken und legte die beiden Vorderbeine fest auf seine Schultern;
-so mußte es der Mann bis an sein Haus tragen. Dort verschwand
-es, als die Frau ihrem Manne die Thür aufmachte. Die Frau verwunderte
-sich, daß ihr Mann so bleich und erschrocken aussah und fragte
-ihn nach der Ursache; doch er wollte ihr unter 9 Tagen nichts erzählen.
-Da drang seine Frau noch mehr in ihn, bis er ihr endlich das Begebnis
-erzählte und ihr zugleich die Spuren auf seinen Achseln zeigte, welche
-das gespenstische Kalb mit seinen Pfoten darauf zurückgelassen hatte.
-Das war sein Unglück, denn man soll von derartigen Erlebnissen,
-wenn sie nicht dem Betreffenden Verderben bringen sollen, unter
-9 Tagen nichts erzählen. Der Mann starb auch noch innerhalb
-dieser Zeit.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch nach
-einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der Lausitz ein Kalb<span class="pagenum"><a id="Seite_183">[183]</a></span>
-ohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis in sein Dorf tragen.
-(Veckenstedt, a. a. O., S. 411.)</p></div>
-
-<h3 id="sec233">233. Ein gespenstisches Kalb zu Mildenau.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 673.)</p>
-
-<p>Ein Vorbote war es, daß vor dem deutschen Kriege, da der Feind
-einfallen sollte, sich zu Mildenau im Herbst des Nachts ein gräßliches
-Geblöke und Geschrei erhob; es lief etwas im Dorfe durchs Wasser
-auf und nieder in Gestalt eines Kalbes und brüllete so abscheulich,
-daß die Leute alle bestürzt wurden. Den folgenden Sommer ist der
-Feind eingefallen und hat geplündert und verheert.</p>
-
-<h3 id="sec234">234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Zwischen der Stadt Eibenstock und dem dortigen Bahnhofe liegt
-in einem flachen Wiesengrunde der »Mielahr« oder Windischteich.
-Darin soll ein wunderbarer Fisch mit einem goldenen Reifen leben,
-und um den Fisch zu fangen, hat man vor einer Reihe von Jahren
-den Teich ausgepumpt, aber den Fisch doch nicht gefunden. Von dem
-Fische erzählt man, daß denselben einst eine Prinzessin in den Teich
-gesetzt habe.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der Oberlausitz,
-daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die goldenen Halsbänder der
-Fische erinnern an die Halsringe mythischer Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.)
-Als mächtiger Karpfen mit einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder
-bei Breslau auch Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg.
-1. und 2. H., S. 13.)</p>
-
-<p>Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf. Seine dämonische
-Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster bei Stublach; derselbe ist ein
-Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache
-in Schwaben verläßt das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der Zwerg
-<em class="antiqua">Andwari</em>, welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach
-der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt a. a. O., S. 420.)
-Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich Fischlein, deren Schuppen gediegen
-Gold und deren Augen kostbare Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert.
-(Pröhle, Deutsche Sagen, S. 225.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_184">[184]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec235">235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.</h3>
-
-<p class="source">(Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 3. Jahrg., S. 114. Grohmann,
-Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B.
-1864, S. 79.)</p>
-
-<p>Die Beerensammler im Erzgebirge erzählen von einem Otternkönige,
-welcher ein goldenes Krönlein trägt und über das ganze Natterngezücht
-herrscht. Derselbe hat die Gewohnheit, in einer Quelle zu baden
-und zu trinken; weiß man die Stelle und breitet daselbst ein weißes
-Tuch aus, neben das man eine Schüssel mit Semmel und Milch gestellt
-hat, so legt dann der Otternkönig sein Krönlein während der Mahlzeit
-auf jenes Tuch. Wer sich desselben schnell bemächtigt, dem bringt
-es Reichtum und Glück; wird er aber von den durch das Pfeifen des
-Königs gerufenen und von allen Seiten herbeieilenden Nattern erreicht,
-so ist er unrettbar verloren.</p>
-
-<p>In Schönlinde erzählt man: Wenn man mit Schlangen und
-Nattern in guter Freundschaft leben will, muß man sich vor allem
-die Schlangenkönigin zur Freundin machen. Dies geschieht, wenn man an
-einem heißen Tage zum Waldrande geht, ein weißes Tüchlein ausbreitet
-und ein Schüsselchen Milch mit Weißbrot darauf stellt. Jeden Tag
-muß man das thun, bis die Schlangenkönigin endlich ihr Krönlein auf
-dem Tuche liegen läßt. Wer dies Krönlein hat, ist vor Schlangen
-und Nattern sicher.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der Schlangenkönigin,
-welche goldene Kronen tragen, finden sich allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt,
-daß die eine goldene Krone tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube
-kommt und dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige
-behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein. (Zapf, Sagenkreis
-des Fichtelgebirges, S. 49.)</p></div>
-
-<h3 id="sec236">236. Die Riesenrippe zu Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in
-der <em class="antiqua">Saxonia</em> I., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und
-Altzella, S. 8.)</p>
-
-<p>In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster
-Altzelle stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen
-Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für
-die Rippe eines Meerwunders oder Elephanten, von anderen für die<span class="pagenum"><a id="Seite_185">[185]</a></span>
-eines Riesenfräuleins von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen
-seien, ausgegeben wird. Diesen Gegenstand hat man auch der
-Rarität wegen in das Siegel der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen.
-Erzählt wird von dem genannten Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa
-einen auf dem Felde arbeitenden Bauer mit Pflug und Pferden in
-ihre Schürze nahm und ihrem Vater hineintrug. Auch soll sie öfter
-nach Haslau »in die Haselnüsse« gegangen sein. &ndash; Die Rippe kam
-Anfang des 17. Jahrhunderts in die Königl. Kunstkammer nach Dresden,
-1657 aber wieder zurück nach Nossen. Nach einer andern Meinung
-wäre diese Rippe identisch mit der in Gold gefaßten Rippe der heiligen
-Katharina, welche zu den Reliquien des Klosters Altzella gehörte.</p>
-
-<h3 id="sec237">237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und
-den Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung
-ausgegraben. <em class="antiqua">Anno</em> 1652, als der Amtmann zu Wolkenstein,
-Johann Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von
-Marmor und Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ,
-haben die Maurer riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen
-die Arme und Beine eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen
-gemeiner Mannspersonen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen
-Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als etwas fraglich, wenn
-man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu sein scheint, die Knochen großer urweltlicher
-Tiere für menschliche Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus
-Darwin, S. 208 und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die
-Natur 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in
-denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche das Volk für die
-Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben wurden in der Nähe der Orte gefunden,
-in deren Kirchen sie sich jetzt befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus
-bis in die früheren Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine
-von Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu schützen
-suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. &ndash; Es könnte noch eine Deutung versucht
-werden. Die Germanen veranstalteten zu Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer,
-Pferde weissagten und die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten
-Rosse auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei unsern deutschen
-Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes Tier war. Damit hängt
-auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach welchem unter jeder Kirche, welche
-gebaut wird, ein lebendes Pferd eingegraben werden müsse. Sollte man auch bei<span class="pagenum"><a id="Seite_186">[186]</a></span>
-uns dem Glauben an eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener
-Pferde, so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?</p></div>
-
-<h3 id="sec238">238. Große Menschengebeine in Preßnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)</p>
-
-<p>Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer
-herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß niedergerissen
-und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil
-ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst,
-bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_187">[187]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap4">IV.<br />
-Teufelssagen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_189">[189]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später
-den Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen
-Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten
-sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen wirklich
-existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und teuflische Gewalten
-seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten und die
-Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und Dämonen
-sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus der
-griechischen Sprache entlehnte Name <em class="antiqua">Diabolos</em> ging in die lateinische
-und später auch als <em class="antiqua">Diufal</em>, <em class="antiqua">Tiuvel</em>, <em class="antiqua">Tüvel</em> u. s. w. in die deutsche,
-sowie als <em class="antiqua">djabel</em> in die slavische Sprache über; in letzterer wurde
-er später durch das Wort <em class="antiqua">czert</em>, welches den Begriff eines schwarzen
-Wesens in sich schließt, ersetzt.</p>
-
-<p>Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen
-mußten, ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9.
-Jahrhunderts, welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung
-kamen und worin es heißt: »<em class="antiqua">Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole</em>«,
-oder: »<em class="antiqua">Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.</em>«</p>
-
-<p>Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat,
-wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben.
-Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit
-ihm ein Bündnis eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse
-irdische Vorteile zu erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel
-mit Leib und Seele ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan,
-sich ihm mit seinem Blute verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem
-Blute Verschreibens weist Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I.,
-S. 55.) darauf hin, daß nach dem früheren Volksglauben nicht nur
-alle verstorbenen Menschen, sondern auch die entthronten Götter und
-der Teufel, als ein gestürzter Engel, an Blutmangel leiden, und daß
-deshalb besonders der letztere geizig auf ein Tröpflein Bluts desjenigen
-Menschen besteht, der sich zu ihm in ein Schutzverhältnis begeben
-will. &ndash; Wenn der Teufel einem Menschen dienstbar geworden
-ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen Volksglauben als
-Drache. &ndash; Zahlreich sind die späteren Sagen, nach denen er sich in<span class="pagenum"><a id="Seite_190">[190]</a></span>
-seiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so daß er von menschlicher
-List überflügelt wird. Dies geschieht z. B., wenn er junge Mädchen,
-wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen will.<a id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a> Ein gläubiges
-Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn; gottlosen Säufern und Fluchern
-aber dreht er die Hälse um; hier hat er Macht über den Menschen.
-Obschon der Teufel ein natürlicher Feind der Menschen und unter
-diesen besonders der Müller ist, vielleicht weil diese das ernährende
-Mehl liefern, so baut er auch wieder unter gewissen Bedingungen
-Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde er von einem
-Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle, von welcher
-nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist, zerschmetterte.
-Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb Auerhammer;
-doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen zu
-sein. &ndash; Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über dieselben
-werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen.</p>
-
-<p>Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und
-»Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen
-Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei
-Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach
-und Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld.
-Denselben Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins
-in Schöneck.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_4_4"></a><a href="#FNAnker_4_4"><span class="label">[4]</span></a> In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre die
-Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, Aberglauben und
-Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)</p></div>
-</div>
-
-<h3 id="sec239">239. Eines Schmied's Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 1148&ndash;1153.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1559 hat sich zu Platten, der Schneebergischen Kolonie,
-wo damals noch alles evangelisch gewesen, ein Teufelsspiel geäußert,
-da der Satan eines Schmieds Tochter, mit Namen Anna, leibhaftig
-besessen und sie grausam gequälet, bis er wieder ausgetrieben worden.
-Bemeldete Schmieds Tochter hat sonst ein gutes Zeugnis gehabt, wie
-sie christlich, keusch und züchtig gelebt, zur Kirche gegangen, das heilige
-Sakrament oft gebraucht und die Evangelien mehrenteils auswendig
-gelernt; aber doch wäre sie zu Fastnacht aus Verhängnis Gottes vom
-bösen Geiste besessen und darauf krank niedergeworfen worden. Zu<span class="pagenum"><a id="Seite_191">[191]</a></span>
-Ostern habe man die leibliche Besitzung des Teufels verstanden, nachdem
-der Satan aus der Jungfrau leibhaftig zu reden angefangen und
-in der Stube in der Gestalt eines Kuckucks, Rabens und einer Hummel
-sich sehen und mit solcher Vogelstimme sich hören lassen und je länger
-je mehr von Tag zu Tag wunderliche Dinge geredet, sonderlich bei
-dem großen Zulauf des Volkes von Einheimischen und Fremden. Und
-wenn der Name Jesus genannt worden, habe er sich in der Jungfrau
-Augen gesetzt und ihr dieselben wie große Henneneier aus dem Kopfe
-herausgetrieben, daneben die Zunge einer Spanne lang wie eine zusammengeflochtene
-Wiede zum Mund herausgestreckt und ihr das Angesicht
-auf den Rücken gewendet. Wenn sie einmal Ruhe gehabt und
-gefragt worden, wie es ihr ginge, habe sie kurz geantwortet, es dünke
-sie, als wenn sie stets auf einem Wasser läge und ertrinken solle,
-aber es kämen noch allewege fromme Leute und hülfen ihr davon.
-Einstmals habe der Teufel bekannt, daß die Jungfrau ihn zu Fastnachten
-in einem Trunk Bier unter einer Fliege Gestalt getrunken,
-nachdem er ihr zwei Jahre nachgegangen wäre. Ein frommer Mann,
-mit Namen Elias Hirsch, ist alle Nacht bei der Jungfrau gewesen, hat
-ihr vorgebetet und sie getröstet. Einstens habe der böse Geist zu ihm
-gesprochen: »Elias, thue einen Reihen oder Tanz mit mir, tanz vor
-oder tanz nach!« Und da Elias geantwortet: »Du Schelm, Du gehörest
-nicht unter die Menschen, mit ihnen zu tanzen, tanze in das
-höllische Feuer!« so habe er wieder geantwortet: »So gehe hinweg,
-Du wirst einen feinen Tanz sehen.« Und indem er angefangen zu
-pfeifen, wäre eine Katze zur Stube herein, und ein Hund unter dem
-Tische hervorgelaufen, und diese hätten miteinander einen langen Tanz
-gethan, bis die Katze wieder zur Stubenthüre hinaus, und der Hund
-sich auch wieder verlaufen. Dergleichen seltsame Possen hätte der
-Teufel noch mehr angerichtet. Endlich aber ist er aus der Jungfrau
-durch der Priester und vieler frommen Christen Gebet und Seufzen
-getrieben worden und wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinausgefahren,
-nachdem er vorher von der Jungfrau ein Glied, dann einen
-Nagel vom Finger und zuletzt nur ein Haar begehret, gleichwohl aber
-nichts erhalten. Dabei hat er gesagt: »Alle, die nicht gern zur Kirche
-gehen wollen, selbst daheim lesen, zum Sakramente nicht gehen, im
-Fressen, Saufen und Wucher liegen, sind alle mein mit Leib und
-Seele. Und sofern diese Buße thun wollen, so will ich ausfahren.«
-Zu dem mit anwesenden Geistlichen von Schlackenwerthe sagte er noch:
-»Und Du Pfaff von Schlackenwerthe, vermahne die Deinen zur Buße,
-dahin fahre ich!« Welches denn dieser Pfarrer seiner Gemeinde
-öffentlich auf der Kanzel auch angesagt mit Vermahnung zur Buße.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_192">[192]</a></span></p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder einer Hummel
-sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinaus.</p>
-
-<p>Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein Teufelstier ist
-und als Teufel selbst auftritt, beweisen die Redensarten: »Das weiß der Kuckuck!
-Des Kuckucks werden! Der Kuckuck hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung
-nur bei den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches
-(Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin dienstbar
-und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden; die Seelen der Verwünschten
-und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt an. (Rochholz, Deutscher Glaube
-und Brauch, I. S. 156. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen
-und Mähren, S. 65.)</p>
-
-<p>Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns ebenfalls
-eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder und Schwester
-zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel in einem Keller an; der kam in einer
-Hummel-Gestalt und flog jedem in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte,
-dem ward viel Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine
-andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel erschienen ist.
-(Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub) heißt Fliegengott. Märchen
-erzählen von teuflischen Geistern, die als Fliegen in einem Glase verschlossen
-sind. Der dem Bösen sich hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt
-sich in eine Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.)</p>
-
-<p>Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze sind
-hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze, gilt bald als Hexentier,
-bald als Hexe selbst oder ein verwünschter, böser Geist. Der anfänglich den
-Göttern geweihte Hund aber, dem auch die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde
-Bote und Hüter der Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.)</p></div>
-
-<h3 id="sec240">240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.</h3>
-
-<p class="source">(T. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygnea</em>. II., S. 692.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1645 ist ein Soldat von der schwedischen Besatzung
-zu Chemnitz nach Zwickau gekommen, hat aber bald darauf seine
-Frau und Kinder wieder böslich verlassen und ist wieder zu den
-Schweden gelaufen. Als nun dessen Weib in höchster Armut lebte
-und sich sehr bekümmerte, wie sie sich und ihre Kinder nähren solle,
-ist der Teufel etlichemale zu ihr gekommen, hat ihr ein Säcklein mit
-Geld vorgehalten und gesagt, wenn sie sich ihm ergeben wolle, werde
-er ihr dieses geben, und so dies verzehrt, noch mehr bringen. Die
-Frau hat sich aber des allezeit durch's Gebet erwehrt und es endlich
-so weit gebracht, daß er sie ganz in Frieden gelassen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_193">[193]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec241">241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatr. Freiberg.</em> S. 425 etc. Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 284.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin zu Freiberg eines
-Kindes genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und
-der Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich
-krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über
-sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da
-an hat sie immer abscheuliche Convulsionen und Gesichte gehabt, ist
-ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme
-erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal
-aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem
-und ihres Nachbars Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie
-um drei Uhr des Morgens auf dem Ofen, ein andermal vor dem
-Fenster auf einem Stein gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart
-zweier Zeugen im Bette mit dem ganzen Leibe, Händen und
-Füßen aufgehoben worden, und ohne daß sie irgendwo angestoßen,
-hat sie so frei geschwebt, also daß man geglaubt, sie wolle zum Fenster
-hinaussehen etc.; in der Kirche ist der Teufel wie eine Katze oder Hund
-ihr um die Beine gekrochen, dann hat sie aber zum öftern einen
-weißen hellen Glanz gesehen, der sie getröstet und in die Zukunft hat
-sehen lassen, worauf sie vielerlei wunderbare Sachen, unter andern
-die Drangsale Freibergs im 30jährigen Kriege, prophezeit hat. Endlich,
-nachdem weder Beschwörungen noch Zureden und Ermahnungen
-der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen, sondern ihr Zustand an
-die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt drei ganze Jahre verschlossenen
-Leibes gewesen, ist sie den 10. Oktober 1620 selig verstorben.</p>
-
-<h3 id="sec242">242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 363.)</p>
-
-<p>Im Kloster Zelle befand sich im Jahre 1630 eine Magd,
-welche dem abergläubischen Brauche nach in der heiligen Christnacht
-hinterrücks durch die Stubenthüre hinausgriff. Sie ist aber durch
-göttliches Verhängnis von einem höllischen Gespenst gar hinausgezogen
-und sehr übel traktiert worden, also daß sie ihr Lebtage hat hinsiechen
-müssen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_194">[194]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec243">243. Der Teufel erscheint zu Freiberg einem Bergmanne.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II., S. 203.)</p>
-
-<p>Zu Anfang der Reformation lag zu Freiberg ein ehrlicher Bergmann,
-namens Benedix Reisiger, sehr krank darnieder. Zu diesem ist
-der Teufel mit einem langen Papier, fast einer Kuhhaut gleich, gekommen
-und hat gesagt, er wäre als Notar abgefertigt, alle Sünden,
-die er begangen, aufzuzeichnen. Dabei hat er sich beim Bette niedergesetzt,
-Feder und Tinte zur Hand genommen und den Bergmann ernstlich
-vermahnt, ihm die Sünden aufzuzählen. Wiewohl nun der Bergmann
-etwas darüber erschrocken, so hat er doch wieder Mut gefaßt,
-sich des Herrn Christi getröstet und geantwortet: »Ich bin ein armer
-Sünder, das bekenne ich; willst Du meine Sünden ja aufschreiben,
-und bist Du deswegen hergekommen, so schreib oben an: Des Weibes
-Samen Jesus Christus hat der Schlange den Kopf zertreten.« Wie
-solches der Teufel gehöret, ist er alsbald mit Papier und Tinte verschwunden,
-daß nichts als ein übler und abscheulicher Gestank von
-ihm übrig geblieben. Der Bergmann aber ist im festen Glauben an
-das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig verstorben.</p>
-
-<h3 id="sec244">244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense</em>. II., S. 393.)</p>
-
-<p>Es geschahe im Jahre 1609, daß ein Bergmann, welcher sonst
-seines stillen und eingezogenen Wandels wegen gutes Lob gehabt, in
-der Fastnachtszeche von einem andern zu Üppigkeit und etlichen leichten
-Reden über Gott und göttliche Dinge verleitet wurde. Unter andern
-meinte er, daß er schon gute Gesellen genug in der Hölle antreffen
-würde, für den Fall er einmal dahin käme. Diesem Bergmanne nun
-ist eines Abends auf dem Heimwege der Teufel in schrecklicher Gestalt
-erschienen, hat ihm gedroht und gesagt, daß, wenn er erst rechte
-Macht über ihn habe, wolle er ihn an den Ort führen, wo er seine
-guten Gesellen fände. Der Teufel ist auch eine Zeit lang neben ihm
-in die Grube und aus derselben wieder herausgefahren, so daß der
-Bergmann nirgends Ruhe fand. Endlich suchte er Trost bei seinem
-Beichtvater, nahm das heilige Abendmahl, mied böse Gesellschaften und
-begann wieder ein gottesfürchtiges Leben. Darauf hat sich der Teufel
-nicht wieder bei ihm sehen lassen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_195">[195]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec245">245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1267.)</p>
-
-<p>An der böhmischen Grenze soll sich zugetragen haben, daß einst
-sechs berufene Säufer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntage
-bis zum Morgen bestialisch gesoffen und dem Gemälde des Teufels
-an der Wand etliche Mal zugetrunken haben. Da einer von ihnen
-wegen empfundenen Schreckens zeitlich davon gegangen, sind die
-andern fünf des Morgens um sechs Uhr mit schlotternden und gebrochenen
-Hälsen tot gefunden worden. So haben sie zum Schrecken
-anderer bis an den dritten Tag gelegen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine Oberlausitzer Sage
-von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar sehr miteinander geflucht hatten,
-so daß ihnen der böse Geist die Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der
-Diebeshenker dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ
-man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt, Sagenbuch
-der Lausitz, No. 126.)</p></div>
-
-<h3 id="sec246">246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.)</p>
-
-<p>Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes
-Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren
-prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis
-liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der
-Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen
-war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel
-keineswegs zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner
-Mißbilligung der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die
-Kirche des neuen Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die
-Treppen herauf schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch
-eine Kanzel zu bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete
-er seine Arbeit. Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder
-zu vergrößern, vermauerte er die Kanzel, damit niemand sie betreten
-und benutzen könnte. Der Tag begann zu dämmern, als er mit
-seiner Arbeit zustande gekommen war, und er ging, um seinen Heimweg
-anzutreten. Zuvor aber trabte er in das Schiff der Kirche, beschaute
-sich sein Werk und befand es für gut. Dann entfernte er sich
-eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder zu beten kamen, erstaunten
-sie nicht wenig über die neue Kanzel und stiegen die Treppe aufwärts,
-um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie war vermauert. Voll<span class="pagenum"><a id="Seite_196">[196]</a></span>
-Entsetzen fanden sie aber auch die Spur eines eingedrückten Pferdehufes.
-Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses Werkes und zugleich seinen
-bösen Willen. &ndash; Noch jetzt sieht man die Kanzel unbeschädigt und kennt
-sie in der ganzen Gegend unter dem Namen der Teufelskanzel.</p>
-
-<h3 id="sec247">247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.</h3>
-
-<p class="source">(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.)</p>
-
-<p>Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage,
-daß einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen
-getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach
-einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe,
-die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage
-darauf sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe
-ihn gefragt, ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom
-Müller bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte
-und nie wiedergekehrt wäre.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In
-der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol als Ungetüm, das
-einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen Sagenhelden Dietrich und Artus
-erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär
-vertreibt Gespenster und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung.
-Ein Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem Dämonenüberwinder
-Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter schläft, geheiligt. Nach einer
-Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein
-lästiger Wassernix von einem Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei
-Buchholz fragt er später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht
-wieder zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. &ndash; In
-einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große Katze. (Haupt,
-Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 195.)</p></div>
-
-<h3 id="sec248">248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.</h3>
-
-<p class="source">(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.)</p>
-
-<p>Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des
-Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse
-des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben
-soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine
-Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel erbaut
-hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur
-auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszug<span class="pagenum"><a id="Seite_197">[197]</a></span>
-vorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der
-Mühle zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und
-das Klappern der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei
-einer gewöhnlichen Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was
-er konnte, davon.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel geholfen;
-dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf diesem dem Teufel
-verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt,
-Sagenbuch etc. No. 98 und 109). Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange
-der Teufelsmühle am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort
-ganz anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin. &ndash; Es
-giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen, welche mit Hülfe
-des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem zwischen 12 und 1 Uhr nachts die
-Mühle allein zur Verfügung stehen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)</p></div>
-
-<h3 id="sec249">249. Der Käthelstein bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.)</p>
-
-<p>Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger,
-Namens Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er
-zur Winterszeit von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner
-Wohnung mitten durch den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann
-aus dem Dickicht vor ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten
-mit in sein Haus zu gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil
-er sich nicht getraue im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis
-den Weg weiter zu finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme
-noch das Aussehen des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm
-und gewährte ihm also seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben
-einander bis ins Dorf, als sie aber an das Haus Günzers gekommen
-waren und ihnen die Tochter desselben, Katharina, die Thür geöffnet
-hatte, stieß diese bei dem Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares
-Wehegeschrei aus, ließ vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in
-der Hand trug, und als der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet
-und seine in Ohnmacht gefallene Tochter wieder zum Leben
-gebracht hatte, sah er erst, daß jener verschwunden war. Er hatte
-nun nichts Eiligeres zu thun, als seine Tochter zu fragen, warum
-sie so erschrocken sei, allein diese antwortete, es sei der Teufel gewesen,
-der sie als Braut heimführen wolle; sie habe nämlich vergangene
-Nacht geträumt, sie liege im Walde und es komme ein Mann, ganz
-so wie der eben verschwundene Fremde, auf sie zu und nenne sie seine<span class="pagenum"><a id="Seite_198">[198]</a></span>
-Braut, küsse sie und lasse dann bei seinem Weggehen sich durch seine
-Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den Teufel erkennen. Der alte
-Günzer war eben daran, sie zu trösten, da erblickte er auf dem Tische
-ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben stand: In 9 Wochen werde
-ich um Mitternacht an's Fenster pochen und meine Braut heimführen!
-Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in Erfüllung gegangen
-war. &ndash; Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen in Angst und
-Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen auch zum
-Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der Böse
-nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als die
-Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war, da
-pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut
-heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand
-an und der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit
-den Worten: »Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder
-Eure Hütte steht in Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage
-unter Angst und Sorgen; wieder kam die gefürchtete Mitternachtsstunde
-heran und mit dem zwölften Schlage klopfte es an das Fenster
-und rief: »Heraus die Braut, sonst brennt das Haus!« Aber der
-alte Günzer schloß seine besinnungslose Tochter in seine Arme und
-sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg von uns, Satanas!« Da
-brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in Flammen! Nochmals
-9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so wird
-Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er
-zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der
-größten Mühe retteten beide ihr Leben. &ndash; Sie flohen nun zuerst zu
-Verwandten, allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere
-Hütte am Rande des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden
-Schwefelpfuhl geworden. Allein auch hier ward es nicht besser;
-schon kam wieder die neunte Woche heran, da übermannte einst am
-hellen Mittag Käthchen der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit
-seinem Gefolge schaue zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine
-höllische Residenz entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei
-aus dem Schlafe auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und
-ein Engel, umstrahlt von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch
-in der Hand tragend, winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe
-Dir Frieden!« Er führte sie nun mitten durch den Wald auf einem
-ihr gänzlich unbekannten Wege, bis sie an einen Felsen kamen, der
-öffnete sich, als der Engel ihn mit dem Kreuze berührte, und nun
-schritten sie durch eine Felsenspalte, bis sie an ein hohes Thor kamen,
-was wie Silber glänzte; vor diesem saßen sieben Greise mit spitzen<span class="pagenum"><a id="Seite_199">[199]</a></span>
-Mützen und langen Bärten. Als sie aber das Crucifix erblickten, da
-neigten sie sich tief und der Engel und die Jungfrau traten in
-einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen verziert war und durch
-deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag auf kostbarem Lager unter
-einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne Frau, umstrahlt von einem
-Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben Zwerge betend auf den
-Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie ihn, was ihn herführe,
-dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr des unglücklichen
-Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die Fürstin der
-Berge &ndash; denn das war sie &ndash; einem der Zwerge, ihr eine Urne von
-Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus ein
-Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses
-Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben
-können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus
-der Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken.
-Damit nahm der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie
-denselben Weg wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er
-den Felsen wieder mit Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er
-Abschied von ihr und sprach, sie solle ruhig sein, denn sie stehe in
-Gottes Schutz. Als Käthchen nach Hause kam, fand sie ihren Vater
-daheim und erzählte ihm, was ihr begegnet war, zeigte ihm auch das
-Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer Erzählung. Da erwiderte ihr
-derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches widerfahren, denn er habe
-im Schachte beim Graben ein goldenes Jesuskreuz gefunden. Als sie
-es näher betrachteten, um vielleicht ein Merkmal zu finden, an welchem
-sie den rechten Besitzer erkennen könnten, sahen sie den Namen des
-Steigers darauf geschnitten, mit den Worten: »Dem Gläubigen hilf
-Jesus Christus.«</p>
-
-<p>So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und
-die früher so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und
-kaum war der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und
-brüllte: »Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen
-selbst das Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen
-und unter furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber
-rief er: »Käthchen, Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil
-an Dir, aber jetzt ist die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu
-folgen; komm heraus, daß ich Dich packen kann!« Allein auch hier
-mußte er weichen, denn Günzer hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz
-entgegen. Aber diesmal verschwand er nicht so ruhig, wie die frühern
-Male. Ein furchtbares Gewitter begann sich zu entladen, ein Orkan
-warf die stärksten Bäume nieder und erschütterte das Häuschen in<span class="pagenum"><a id="Seite_200">[200]</a></span>
-seinen Grundfesten, der zum Strom angeschwollene Waldbach drohte
-dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug es Eins, so war alles wieder
-still und der Mond leuchtete silberhell durch die finstern Wolken.</p>
-
-<p>So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und
-nach zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau,
-der ihr schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber
-verlieh demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur
-Ruhe setzte und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben
-gedachte. Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude,
-innerhalb dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen.</p>
-
-<p>Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches
-Los er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich
-geführt hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am
-Felsen bestatten, wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun
-ging sie jeden Tag hin, um dort für das Seelenheil des geliebten
-Verstorbenen zu beten. Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine
-Greisin war. Einst aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres
-Vaters zu beten, und kehrte nicht zurück, und als ihr Mann und ihre
-Kinder hinausgingen, um sie zu suchen, da fanden sie nur ihre Leiche;
-aus dem Felsen trat aber ein Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte
-auf die Stirne, nahm ihr das Demantkreuz ab und schwang sich damit
-zum Himmel auf. Der tiefbetrübte Gatte aber rief einige seiner
-Kameraden herbei und brach ihr ein Grab in den Felsen ein, und als
-Raum genug vorhanden war, um den Sarg hineinzusetzen, und die
-Leidtragen eben damit beschäftigt waren, denselben an seinen Ort zu
-stellen, da schwebten zwei Engel herab, hoben ihn von der Bahre,
-stellten ihn in den Felsen und schlossen denselben wieder mit einem
-großen Quadersteine so geschickt, daß niemand mehr sehen konnte, wo
-die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit aber nennt man jenen
-Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den Käthelstein.</p>
-
-<h3 id="sec250">250. Hans Heilings-Felsen.</h3>
-
-<p class="source">(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm.
-2. Aufl. 1. B., No. 329.)</p>
-
-<p>An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen
-empor, die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es
-heißt, vor alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling,
-im Lande gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden
-Freitag in sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar geblieben<span class="pagenum"><a id="Seite_201">[201]</a></span>
-sei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh,
-wo er ein Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt
-haben, die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert
-worden war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen
-Gästen Hochzeit hielt, erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich
-unter ihnen und rief laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit,
-wenn Du mir diese vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du
-mein!« und verwandelte alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und
-Bräutigam stehen da, wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten
-Händen. Hans Heiling stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die
-ihn zischend verschlang und kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch
-jetzt zeigt man die Steinbilder, die Liebenden, den Brautvater und
-die Gäste, auch die Stelle, wo Heiling hinabstürzte.</p>
-
-<h3 id="sec251">251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.)</p>
-
-<p>Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger
-Stunde in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte,
-wenn er nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel
-sein. Da erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel
-auf. Dem kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel
-liebte und trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht,
-doch der Graf verlor fortwährend und hatte schon alle seine
-Knechte und Mägde und zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es
-dem Teufel nach Isa, der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte
-aber seine Tochter über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit
-geopfert; denn sie war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige
-Stern, zu dem er mit aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre
-Schönheit und sittliche Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert,
-doch nur dem edlen Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit
-jungfräulicher Schüchternheit erwidert. Der Graf wollte seine geliebte
-Tochter Isa nicht auf den Wurf setzen. Doch der Teufel bot
-ihm die Freiheit für sich und seine Knechte und Mägde und noch so
-viel Geld, als er mit seinem gewaltigen Streitrosse wiege, wenn er
-gewönne. Der Graf zögerte trotz der Versprechung und wollte den
-verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der Teufel drängte, denn in kurzer
-Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber und seine Macht zu Ende.
-Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus seinem Humpen, ergriff
-die beiden Würfel und warf &ndash; jubelnd sprang er auf &ndash; er hatte<span class="pagenum"><a id="Seite_202">[202]</a></span>
-12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den Teufel auf, mehr
-zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte die Würfel und
-mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den eichenen Tisch
-und zeigten &ndash; 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn sein Schwert
-heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen. Doch dieser
-hauchte seinen schwefeligen Odem aus &ndash; und kraftlos sank der Graf
-auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du meinen
-Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah
-mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen. Da
-schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den
-Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von
-Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben.
-Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem
-Vorschlage wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso
-verhaßt, wie seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern.
-Der Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde
-zu Ende ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen.
-Dieser gelobte, Isa dem Kloster zu übergeben. In einer blauen
-Wolke verschwand der Satan. Der Graf aber gedachte den Teufel
-zu betrügen und seine Isa dem Kloster wieder zu entführen. &ndash; Die
-schweren Thore des Klosters Grünhain schlossen sich hinter der jammernden
-Isa. Weder die tröstenden Worte der Oberin, noch die
-freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern vermochten die arme Isa
-zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram zerstörte das blühende
-Leben. &ndash; Nach einigen Monaten stand an der westlichen Klostermauer
-allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt, die stets mit dem
-frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im Kloster ein
-einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten Nacht nach
-der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne den baumreichen
-Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten über
-die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen
-Walde zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester
-Barbara (das war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle &ndash;
-sie war verschwunden. &ndash; Alle Räume des Klosters wurden durchforscht,
-jedoch vergeblich. Da entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden
-in die umliegenden Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen
-großen Vorsprung nach dem dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen.
-Als am 3. Tage die Sonne sich neigen wollte, standen die Flüchtigen
-auf einer hohen Felswand, an deren Fuß das Schwarzwasser rauschte.
-Da verkündete Hundegebell die Nähe der Verfolger und zwischen den
-uralten Fichtenstämmen zeigten sich die Klosterknechte. Schon sind die<span class="pagenum"><a id="Seite_203">[203]</a></span>
-Hunde heran, die Fliehenden hören den Zuruf der Klosterknechte &ndash;
-da ertönt ein markdurchdringender Schrei &ndash; der jähe Sprung in die
-schauerliche Tiefe erfolgt. &ndash; Hunde und Häscher finden weder in den
-Wellen noch im Walde eine Spur der Flüchtigen. Der Felsen
-bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird heute noch der Nonnenfelsen
-genannt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in mehreren
-Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No. 103), wird jedoch dabei
-der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen, da sein Gegner ein Auge mehr
-hatte; eins war nämlich beim Werfen herausgesprungen und lag neben dem Würfel.</p></div>
-
-<h3 id="sec252">252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.)</p>
-
-<p>Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man
-die Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war
-vor mehr als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar,
-welches zu den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und
-in seinen Anfängen vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs
-zurückreichte. Wie aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum
-Opfer fällt, so waren auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon
-vor Jahrhunderten kam sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen,
-und die Ausbeute der Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch
-nun der Turmhof zum Erliegen gekommen, darüber giebt folgende
-Sage Aufschluß.</p>
-
-<p>Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich;
-er verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte
-er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden,
-nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb
-gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der
-Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem
-Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war bekannt
-und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid, Habsucht,
-Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er absonderlich
-zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an ihm
-und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch
-erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen
-habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen
-Veit, einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit
-bravem, rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstande<span class="pagenum"><a id="Seite_204">[204]</a></span>
-angehörte und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein
-rauher und harter Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer
-Liebe zugethan.</p>
-
-<p>Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und
-zwar ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß.
-Alle Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen,
-denn sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit
-heimlich verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung
-als Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit
-machen, falls ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts
-dagegen hätten. Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde
-seiner Tochter, wie die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch
-die Thränen und Bitten der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische
-Tüchtigkeit und untadelhafte Aufführung endlich beseitigt.</p>
-
-<p>Anders war es bei dem alten Kunststeiger. Derselbe grollte mit
-dem Obersteiger fort und trachtete darnach, demselben Schaden zuzufügen.
-Dazu sollte ihm das unlängst geschlossene Bündnis mit dem
-Teufel helfen. Für die Dienste, welche ihm letzterer zu gewähren versprochen
-hatte, sollte ihm der Kunststeiger Heinrich alljährlich die Seele
-eines Menschen liefern, und zwar sollte es jederzeit derjenige sein,
-welcher am letzten Tage des Jahres der letzte beim Ausfahren aus der
-Grube Turmhof wäre. &ndash; Wieder war der letzte Tag des Jahres erschienen,
-an welchem nach dem Vertrage der Plan des bösen Kunststeigers
-zur Ausführung kommen mußte. Die Schichtzeit war abgelaufen, die
-Zeit zum Ausfahren gekommen. Die sämtliche Mannschaft befand sich
-auf der Fahrt; der Obersteiger war vom Kunststeiger durch irgend
-einen Vorwand in der Grube zurückgehalten worden. Jetzt kamen sie
-zum Schachte; da bestieg der Kunststeiger schnell die Fahrt und gab vor,
-dem Obersteiger beim Hinausfahren das Öffnen des Schachtdeckels ersparen
-zu wollen. So gelangte der Obersteiger als der letzte zum Ausfahren.</p>
-
-<p>Der Himmel aber fügte es, daß der Kunststeiger dennoch eine
-falsche Rechnung gemacht hatte. Sein eigener Sohn Veit war, unbemerkt
-von ihm, noch in der Grube zurückgeblieben. So wurde dieser
-nun derjenige, der zuletzt zum Ausfahren kam; &ndash; aber er hat das
-Tageslicht nicht mehr gesehen und keines Menschen Auge erblickte den
-Unglücklichen jemals wieder. Der Teufel lauerte seinem Opfer auf und
-stürzte es rücklings in die grausige Tiefe. Als der Kunststeiger seinen
-Feind, den Obersteiger Gebhardt, rüstig und ohne Fährlichkeit Sprosse
-um Sprosse hinter sich nachfahren sah, mochte er sich wohl wundern,
-daß der Satan sich nicht des letzteren bemächtigte. Mit Unwillen und
-Staunen bemerkte er, daß sein Widersacher unbeschädigt nach ihm die<span class="pagenum"><a id="Seite_205">[205]</a></span>
-Schachtkaue betrat. Als er aber mit düster forschendem Blicke die
-Mannschaft überschaute, und unter ihr seinen Sohn Veit vermißte, da
-fiel es ihm wie Schuppen von den Augen; der Teufel hatte ihn um
-das liebste, für welches sein verknöchertes Herz noch Gefühl gehegt,
-betrogen. Bewußtlos sank er zusammen.</p>
-
-<p>Die Abwesenheit Veits war bald bemerkt worden; man wunderte
-sich über sein Außenbleiben. Da erhob sich der endlich zum Bewußtsein
-gekommene Kunststeiger mit irrem Blicke. Hastig schrie er: »Ich
-will sehen, wo mein Sohn geblieben ist!« Dann fuhr er zurück in die
-Grube. »Niemand folge mir, dem sein Leben lieb ist!« herrschte er
-den Knappen zu, die sich erbötig zeigten, den bekümmerten Vater zu
-begleiten.</p>
-
-<p>Die Berghäuer gehorchten und lauschten nur hinab in die Tiefe.</p>
-
-<p>Da erscholl es drunten wie von mächtigen Axthieben und man
-vernahm bald darauf ein entsetzliches Geprassel. Erschrocken flohen die
-Leute, denn sie befürchteten des Schachtes baldigen Einbruch und hatten
-sich nicht getäuscht. Der Kunststeiger zerhieb mit furchtbaren Axtschlägen
-die Kunstgestänge und zerstörte die Gerinne, in welchen das
-starke Aufschlagwasser zum Umtriebe des Kunstrades über den Schacht
-geleitet war, so daß die ganze Wassermasse sich in die Tiefbaue ergoß
-und bald die ganze Grube ersoff. In den wild hereinstürzenden Gewässern
-hat der Kunststeiger seinen Tod gefunden. Der Teufel verpaßte
-seine Zeit nicht: er hatte ihn drunten geholt.</p>
-
-<p>Des Obersteigers Tochter Johanna verfiel infolge jenes trübseligen
-Ereignisses in ein hitziges Fieber, an welchem sie lange in
-Lebensgefahr darniederlag. Die Jugend half ihr die Krankheit überwinden,
-aber sie war und blieb für immer tiefsinnig. So trat sie
-in das in der Sächsstadt zu Freiberg gelegene Jungfrauenkloster zur
-heiligen Maria Magdalena ein. Erst später verließ sie es wieder,
-als dasselbe bei der Reformation gänzlich aufgelöst wurde, und kehrte
-in die Welt zurück. Die Grube Turmhof kam nach jenem unglücklichen
-Ereignisse zum Erliegen, denn wo der Teufel gehaust hat, kann
-kein Segen aufkommen.</p>
-
-<h3 id="sec253">253. Der versteinerte Kammerwagen.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau: Comotovia 1877, S. 80.)</p>
-
-<p>In einem friedlichen Thale bei Neudeck lebte ein Bauersmann
-still und zufrieden mit seiner Familie; nur seine älteste Tochter, bereits
-zur blühenden Jungfrau herangewachsen, machte ihm manche Sorge.<span class="pagenum"><a id="Seite_206">[206]</a></span>
-Sie unterhielt nämlich ein Liebesverhältnis mit einem armen Burschen
-aus der Umgebung des Dorfes, der als Bergknappe im Schoße der
-Erde sein Brot verdiente. Schon lange wurde von den Liebenden
-eine Verbindung angestrebt, allein der Vater versagte die Einwilligung,
-so sehr auch das Mädchen darum bat. Da beschloß der Knappe, sich
-noch auf einige Jahre in eine andere Gegend zu wenden, dort fleißig
-zu arbeiten und nach seiner Rückkehr wieder um die Hand der Geliebten
-anzuhalten. Diese gelobte ihm beim Abschiede ewige Treue, und
-dadurch getröstet zog er von dannen.</p>
-
-<p>Anfangs schien der Schmerz des Mädchens über die Entfernung
-des Geliebten sehr groß; doch nach und nach mäßigte sich die Sehnsucht,
-und Zeit und Arbeit brachten es dahin, daß sie den Geliebten
-allmählich vergaß. Da gelang es denn einem andern Dorfburschen
-ohne Mühe, sich ihre Gegenliebe zu erwerben, und da er reich war,
-erhielt er auch die Einwilligung des Vaters. Es wurden Vorbereitungen
-zur Hochzeit getroffen, und der Tag der Trauung war nicht
-mehr fern. Da kehrte plötzlich der Bergknappe zurück. Er hatte sich
-in der Fremde manches erspart und hoffte nun, bald im Besitze des
-geliebten Mädchens zu sein. Abends, als es schon im Thale zu dämmern
-begann, ging er an das Haus seiner Geliebten und hoffte sie zu
-sehen; er sah sie auch &ndash; aber in den Armen eines andern. Wie ein
-Blitzstrahl durchfuhr es seine Glieder, er wollte vorwärts, doch sein
-Fuß war wie angewurzelt; einen Fluch zwischen den Zähnen murmelnd,
-stürzte er hinweg. Von diesem Tage an war er fahrlässiger in seinen
-Arbeiten und siechte vor Gram immer mehr dahin. Oft sah man
-ihn spät abends seine Hütte verlassen und einem Platze zuwandern,
-welchen selten ein Mensch betrat, da, wie es hieß, die bösen Geister
-dort ihr Wesen trieben. Hier schloß er nun ein Bündnis mit dem
-Bösen, um die treulose Geliebte und ihren Bräutigam zu verderben.
-Acht Tage vor der Hochzeit begab er sich in die Wohnung der Braut.
-Obschon von seiner Ankunft unterrichtet, erschrak sie doch sehr über
-sein verstörtes Aussehen; er dagegen gab sich den Anschein, als wüßte
-er nichts von ihrer Treulosigkeit. Vor Schreck war sie keines Wortes
-mächtig; da er hieraus nur zu deutlich ersah, daß sie wirklich treulos
-an ihm gehandelt, kündigte er ihr mit kurzen Worten seine Rache
-an; er werde mit Hülfe des Teufels alles das, was sie vom Hause
-aus mit bekäme, verderben, weil es ihr Reichtum war, der ihren
-Vater von der Einwilligung zur Verbindung mit einem armen Burschen
-abgehalten hatte. Und auch sie selbst werde den Folgen seiner Rache
-erliegen zur Strafe für ihre Treulosigkeit. Und so geschah es. Die
-Hochzeit wurde gehalten und das Ehepaar begab sich in die neue<span class="pagenum"><a id="Seite_207">[207]</a></span>
-Heimat; der hochbepackte Kammerwagen folgte. Eben passierten sie
-eine Höhe, von welcher sie die Hütte des Bergknappen erblicken konnten.
-Da erbebte von einem dumpfen Donner der Boden, der Kammerwagen
-ward umgestürzt, die Betten und alle sonstigen Geräte lagen am
-Boden und wurden in demselben Momente zu Stein. Die vor den
-Wagen gespannten Tiere wurden scheu und stürzten wie wütend den
-Berg hinab, den Kammerwagen gänzlich zertrümmernd. Die Braut
-aber warf der Schreck aufs Krankenlager, und dies, sowie die Reue
-über die begangene Treulosigkeit, brachten ihr einen schnellen Tod.
-Dieses war nach der Sage die Rache des Bergknappen; er selbst war
-nach diesem Vorfalle aus der Gegend verschwunden und nie hat man
-ihn wieder gesehen. Aufgehäufte Steinmassen bezeichnen noch heute
-die Stelle seiner Rache.</p>
-
-<h3 id="sec254">254. Wie der Teufel Schellerhau verlor.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Man hat eine Redensart, womit man die Bewohner des langgestreckten,
-aus zerstreut liegenden Häusern bestehenden Dorfes Schellerhau
-neckt: »Euch Schellerhauer hat der Teufel im Sack verloren!«
-Dies rührt davon her: Der Teufel fuhr einmal durch die Luft und
-hatte ganz Schellerhau in einem Sacke. Der Sack jedoch hatte ein
-Loch, so daß ein Haus nach dem andern herab zur Erde fiel. Wie
-nun der Teufel merkte, daß der Sack so leicht geworden war, weil
-er fast ganz Schellerhau verloren hatte, da warf er ihn im Ärger
-hin und rief: »Zum Schinder!« Da wurde dort, wo der Sack ganz
-am Ende des Dorfes nieder gefallen war, die »Schinderei«, wie man
-allgemein die Abdeckerei nannte; und in diese »Schinderei« mußte
-jedes gefallene Stück Vieh abgeliefert werden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wie hier die Häuser von Schellerhau, so verlor der Teufel auf den Fluren
-der Kolonie Fichtenthal bei Heide-Gersdorf aus seinem Sacke die vielen Steine, welche
-daselbst noch liegen und die er sich zum Baue eines Hauses vom Riesengebirge
-geholt hatte. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, No. 112.)</p>
-
-<p>Ebenso erzählt eine lausitzisch-wendische Sage, daß der Teufel einmal auf dem
-Wege war, um <em class="antiqua">Kneschki</em>, d. i. kleine Herren oder Junker auszusäen. Als er von
-der Bautzner Gegend aus über Wittichenau, Hoyerswerda und Senftenberg kam,
-um in der Niederlausitz seine Saat fortzusetzen, verlor er bei dem Dorfe Skado bei
-Senftenberg einen solchen Kneschk. Ärgerlich sagte er: »<em class="antiqua">to je skoda</em>!« (das ist
-schade!), weil er den Junker für die Niederlausitz hatte aufsparen wollen. Davon
-hat denn jenes Dorf seinen Namen erhalten. (Preusker, Blicke in die vaterländische<span class="pagenum"><a id="Seite_208">[208]</a></span>
-Vorzeit, I., S. 180.). Auch das Dorf Langenschade in Thüringen verdankt seinen
-Namen einem gleichen Ausrufe des Teufels. Der Teufel flog hoch durch die Luft
-und trug in seiner Schürze eine Menge Häuser mit sich davon. Ohne daß
-er es merkte, fiel eines nach dem andern aus der Schürze. Als er es endlich gewahr
-wurde, rief er ärgerlich aus: »Das ist schade!« So entstand der Ort Langenschade.
-(Richter, Deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 23.)</p>
-
-<p>Die letzten beiden Sagen zeigen besonders darin eine große Ähnlichkeit mit
-der unsrigen, als der ärgerliche Ausruf des Teufels einem Dorfe, bei uns aber
-dem letzten Hause von Schellerhau seinen Namen verschaffte.</p></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_209">[209]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap5">V.<br />
-Zaubersagen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_211">[211]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Neben dem Götterkultus bestanden bei den alten Deutschen auch
-Übungen in der Zauberei, d. h. in dem Vermögen, höhere geheime
-Kräfte auf andere, und zwar anfänglich gut oder böse, später jedoch
-nur schädlich wirken zu lassen. Durch die christlichen Priester wurden
-diese heidnischen gottesdienstlichen Gebräuche für sündhaftes Blendwerk
-erklärt und mit dem Teufel in Verbindung gesetzt, so daß sich die
-Vorstellung von einem unmittelbaren Zusammenhange des bösen Feindes
-mit dem Wesen der Zauberei ausbildete. (J. Grimm, Deutsche Myth.,
-S. 580.)</p>
-
-<p>Im Zusammenhange mit dem Zaubern steht auch das Beschwören,
-d. h. ein Zaubern durch Segensformeln, sowie das die Zukunft enthüllende
-Wahr- und Weissagen; letzteres geschah einst bei germanischen
-Völkern durch das Auflesen der auf ein Tuch geworfenen Runen. Besonders
-wurde die Kraft der Weissagung den mit einem reizbaren Nervensystem
-begabten und mehr von der Außenwelt abgezogenen Frauen,
-welche deshalb bei den alten Deutschen Priesterinnen und Wahrsagerinnen
-zugleich waren, zugeschrieben; sie waren auch die Wisserinnen
-mancher Geheimnisse, und sie kannten die heilende Kraft der Kräuter,
-so daß sich daraus später der Glaube des Mittelalters an Hexen und
-Hexerei entwickelte. Wie das Christentum den Begriff zaubernder
-Frauen bereits bei dem Heidentume vorfand und nun vielfach veränderte,
-so läßt sich bis in die Gegenwart in dem ganzen Hexenwesen
-noch ein offenbarer Zusammenhang mit den Opfern, den vielfach mit
-religiösen Veranstaltungen verbundenen Volksversammlungen und der
-Geisterwelt der alten Deutschen nachweisen. (J. Grimm, a. a. O.,
-S. 587.) Es mag nur daran erinnert werden, daß die Hexen nach
-den Volksüberlieferungen am Walpurgis- oder Hexenabende fast immer
-nach Orten durch die Luft fahren, welche ehemalige Gerichts- oder
-Opferplätze sind. Ob übrigens die »Drutenau«, mit welchem Namen
-man schon seit Jahrhunderten das Thal von Auerhammer bezeichnet,
-ein solcher Platz war, mag dahin gestellt bleiben; die Drut, welche
-teilweise die Frau Holle oder Perchtha vertritt und mit der man in
-der Schweiz lärmende Kinder beschwichtigt, gilt häufig auch als Hexe.
-Eine solche erkennt man nach dem Glauben der Erzgebirger an den<span class="pagenum"><a id="Seite_212">[212]</a></span>
-Platt- oder Drudenfüßen, an den roten Haaren, den roten, triefenden
-Augen und großen, buschigen, über der Nase zusammengewachsenen
-Augenbrauen. (Spieß, Aberglauben etc., S. 29.) Das Behexen richtet
-sich hauptsächlich auf das Vieh und Getreide der Nachbarn; in unsern
-Sagen wird dadurch gute Milch in blutige verwandelt. Außerdem
-schreibt der Volksmund noch das Beschreien, wobei jemand wegen irgend
-einer guten Eigenschaft gelobt wird, damit dann das Gegenteil davon
-eintrete, der Hexerei zu. Als Schutz gegen Zauberei und Hexerei gelten
-Kreuzeszeichen an der Thüre, das Durchkriechen unter sogenannten
-Schleifbrämen, das Versprechen und anderes mehr.</p>
-
-<p>Nach dem Volksglauben stehen nicht bloß die Hexen, sondern überhaupt
-alle Zauberer in einem Bunde mit dem Teufel. Die ersten
-Überlieferungen von solchen Bündnissen des Teufels mit Männern
-finden sich bereits im 10. Jahrhunderte, während die erste sichere Erwähnung
-eines Bundes des Teufels mit Hexen in der Mitte des 14.
-Jahrhunderts in Italien vorkommt. Jacob Grimm vermutet dabei,
-daß die Veranlassung zu dem Glauben an Teufels- und insbesondere
-Hexenbündnisse in der Verfolgung der Ketzereien, welche in der Mitte
-des 13. Jahrhunderts von Italien und Frankreich nach Deutschland
-kam, zu suchen sei. Man legte den Zusammenkünften der Ketzer abgöttische
-Ausschweifungen zur Last und die Kirche eiferte gegen die
-neuen Irrlehren und Überreste des Heidentums, welche sich jenen da
-und dort zugesellten. (Deutsche Mythologie, S. 600.)</p>
-
-<p>In unsern Sagen wird der Teufel zur Dienstleistung citiert, oder
-er wird durch Beschwörungen in Fliegen- oder Hummelgestalt aus
-Personen ausgetrieben. Durch gewisse Zauberformeln, welche in geheimnisvollen
-Büchern stehen, werden die höllischen Geister in verschiedenen
-Gestalten, hauptsächlich als schwarze Vögel, herbeigerufen. Mit
-Hülfe des Teufels verbreitet sich die Pest, und Speisen werden so fest
-gemacht, daß man nichts davon abschneiden kann. Durch teuflische
-Künste festgemachte Personen können auf gewöhnliche Weise nicht
-verwundet werden; dies gelingt erst durch einen abgeschossenen
-Dukaten oder silbernen Knopf, oder durch einen Degen, welchen man
-zuvor unter dem Schuh durch die frische Erde oder durch ein Brot
-gezogen, oder dessen Spitze man wenigstens vorher in die Erde
-gestoßen hat.</p>
-
-<p>Die musicierenden und tanzenden <em class="gesperrt">Katzen</em> erscheinen offenbar
-als Hexentiere. Katzen werden aber auch als Wesen gedacht, von
-deren Lebensdauer der Bestand der Familie abhängt. (Rochholz, a. a.
-O. I., S. 160); zuweilen verkündigen sie etwas Erfreuliches. Bei
-uns sagt man, daß eine über den Weg laufende Katze, besonders eine<span class="pagenum"><a id="Seite_213">[213]</a></span>
-schwarze, Unglück bedeutet. Wenn eine Katze sich putzt oder einen
-krummen Rücken macht, so kommt Besuch. &ndash; Wie als Kühe und
-Ziegen hat man sich die Wolken auch als Katzen gedacht, und man
-meinte weiter, daß die in den Wolken waltenden Weiber die Gestalten
-von Katzen annehmen könnten; daher nennt man die durch Luft und
-Wolken ziehenden Hexen auch Wetter- und Donnerkatzen. (Mannhardt,
-a. a. O., S. 90.) &ndash; Katzen zogen den Wagen der Freya.</p>
-
-<h3 id="sec255">255. Der Schwarzkünstler zu Geyer.</h3>
-
-<p class="source">(Lothar, Volkssagen und Märchen. 1820. S. 69. Darnach Gräße,
-Sagenbuch d. K. S., No. 450.)</p>
-
-<p>Vor vielen Jahren ward zu Geyer ein Totengräber gefangen
-genommen und in einen Turm gesetzt, so daß er mit den Füßen die
-Erde nicht hat berühren können. Man glaubte nämlich früher, daß
-Zauberer und Hexen, wenn sie die Erde nicht mehr berühren könnten,
-unschädlich würden, und sperrte sie daher oft in eiserne Käfige ein.
-Der genannte Totengräber hatte seine Frau ermordet, ihren Mund mit
-schwarzen Beeren angestrichen, als sei sie an der Pest gestorben, alsdann
-ihr den Kopf abgeschnitten, das Herz aus der Brust genommen,
-verbrannt, solches auf die Straße ausgestreut und wer darüber gegangen,
-ist gestorben. Seines Kindes Kopf hat er an die Feuermauer gehängt;
-so viele Tropfen Blutes von ihm gefallen, so viele Menschen sind gestorben.
-Dann hat er die sterbenden Leute aufs Gesicht gelegt und
-ihr Sterben hat kein Ende genommen. Drei Ruten hat dieser Mann
-ausgesteckt, eine nach Annaberg, die andere nach Schweinitz, die dritte
-nach Alterle (Elterlein?). Zuletzt hat er erzählt, wie viel Glück er
-mit seiner Kunst in großen Städten gemacht habe. Er meinte, wenn
-er nur die Erde oder einen Kreuzweg oder eine Dachtraufe erreichen
-könnte, so wollte er sich schon die Freiheit verschaffen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Blutstropfen sind Symbole für die Seele. Drei frische, auf die Hand fallende
-Blutstropfen zeigen einer Mutter den Tod ihres gemordeten Kindes an. (Grimm,
-Deutsche Sagen, No. 353.)</p>
-
-<p>Jacob Grimm bemerkt (Deutsche Myth., S. 607), daß früher der Glaube verbreitet
-gewesen sei, eine Hexe könne sich verwandeln, sobald sie die Erde berühre.
-Eine Frau in Zittau, welche als Hexe galt, wurde, damit sie die Erde nicht berühre,
-im Stockhause frei aufgehängt. Ähnliches geschah 1678 in Bautzen mit einem Räuber
-und Mörder, der den Teufel hatte. (Pescheck, Gesch. v. Zittau, II. S. 746.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_214">[214]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec256">256. Pestzauberei.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 987.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1680 wurde zu Geyer der Totengräber wegen Zauberei
-auf dem Gottesacker gefänglich eingezogen. Denn man hatte
-ihn auf den Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen
-sehen. Als darauf allerhand Beweismittel gesucht wurden, ihn seiner
-Bosheit zu überführen, so fand man unter anderen, daß er sein eigen
-Weib wieder ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten
-und zu Pulver gebrannt und dieses Pulver auf die Gasse gestreuet
-hatte. Er erhielt dafür den Staupenschlag und wurde des Landes
-verwiesen.</p>
-
-<p>Im Jahre 1614 hatte ein Totengräber zu Wolkenstein einer
-Pestleiche den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an
-einer Schnur in des Teufels Namen aufgehängt, darein Hefen, Bier
-und Blut von Verstorbenen, sowie Milch aus der Pestleichen Brüsten
-gegossen und darnach eingeheizt. So viel Tropfen nun aus dem
-schwitzenden Hirnschädel gefallen, so viel Pestleichen hat er denselben
-Tag gehabt. Dieser Pestzauberer hatte auch zweierlei Pulver, ein
-gutes wider die Pest, und ein ansteckendes, so er aus einer Pestdrüse
-gemacht. Wegen solcher schrecklichen Unthaten ist er verbrannt worden.</p>
-
-<p>Im Jahre 1623 hauste die Pest in Gottesgab, welches Städtchen
-halb ausstarb. Der Totengräber kam in den Verdacht, daß er
-diese Seuche mit bösen Mitteln verursacht habe. Hans Leonhardt, ein
-verwegener Mühlknecht, welcher kürzlich erst aus dem Kriege gekommen
-war, wagte sich hinein in des Totengräbers Häuslein und fand einen
-Totenkopf über dem Ofen hängen, darüber er sich erboste, und er
-hieb den Totengräber samt dem Weibe krumm und lahm, holte Feuer
-und brannte das Spital gar weg, daraus zwar die tötlich Gehauenen
-gekrochen, aber dennoch an ihren Wunden gestorben sind.</p>
-
-<p>Im Jahre 1633 hatte eine gewisse Pittelia samt ihrer Tochter
-zu Abertham die Pest durch Zaubermittel vermehren helfen. Bei der
-Marter bekannte sie, daß sie eine Bürste neben einer Leiche ins Grab
-geworfen habe; man müsse dieselbe wieder herausnehmen, wo nicht,
-müsse ganz Abertham aussterben, da schon 26 Personen gestorben
-waren. Es hat sich mit der Bürste auch also befunden, und wurde
-diese Pestzauberin am 18. November genannten Jahres in Joachimsthal
-an einem Pfahle mit dem Strange erwürgt, ihre Tochter von
-13 Jahren enthauptet, beide Körper verbrannt, der Sohn aber des
-Landes verwiesen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_215">[215]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec257">257. Die Zauberelse zu Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygn.</em> II., S. 374. Gräße, a. a. O.,
-No. 550.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1557 den 22. Mai ist zu Zwickau die alte Zauberelse
-gefänglich eingezogen worden. Die hatte den Leuten Tränke gesotten,
-den Mägden Kinder abgetrieben, auch vielen Menschen in ihren
-Gliedmaßen, Armen, Beinen, Fingern, Brüsten und in die Fersen
-»gefärtigt«, auch viele andere Zauberei mehr getrieben. Sie hatte
-auch einem Maler zu Glauchau Gift beigebracht, daß er gestorben.
-So hatte sie auch leiblich mit dem bösen Feind gebuhlt und eine lange
-Zeit mit ihm zugehalten, der ihr auch Geld gebracht, bisweilen 2
-und 3, bisweilen auch 4 Thaler, mehr aber nie. Da man sie gefragt,
-wie er aussehe, hat sie geantwortet, er wäre ein alter grauer, häßlicher
-Teufel. Dieser böse Geist ist auf der Gasse oftmals mit ihr gegangen,
-doch, sprach sie, es hat ihn niemand als sie sehen können. Als sie
-gefangen gesessen, ist er oftmals zu ihr vor's Gefängnis und an das
-vergitterte Fenster gekommen und hat sie gefragt, was sie mache, ob
-sie heraus wolle, er wolle ihr helfen. Sie hat aber geantwortet, sie
-wolle gern hinaus, aber sie habe noch ihre Seele zu bedenken. Auf
-diese Rede ist er davon geschieden, sie aber hat gesessen bis zum 18.
-Juni, da hat sie wegen vielfälliger Zauberei ihre Strafe empfangen
-und ist am Galgen verbrannt worden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Jacob Grimm weist (Deutsche Myth., S. 599) darauf hin, daß, nachdem die
-heidnischen Vorstellungen von einer Verbindung der Helden mit Schwanenfrauen und
-Elbinnen verdrängt worden seien, der Glaube an einen geschlechtlichen Verkehr des
-Teufels mit Hexen, durch welchen das geschlossene Bündnis besiegelt und dem Teufel
-freie Macht über die Zauberinnen verliehen ward, Platz greifen konnte.</p></div>
-
-<h3 id="sec258">258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Krähen.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Sem. Osw. Hübner aus Bernsbach.)</p>
-
-<p>Eine alte Frau in Bernsbach, die selbst schon Großmutter war,
-erzählte, daß ihr Großvater einst einen alten Freund, der Gasthofsbesitzer
-in einem andern Orte war, besucht habe. Da gerade Heuernte
-gewesen, sei der Wirt mit allen seinen Leuten auf die Wiese gegangen,
-so daß nur sein alter Freund in dem Gasthofe zurückblieb. Dieser
-erhielt den Auftrag, Bier zu verschänken, wenn Gäste kämen. Als er
-nun allein gewesen, hätte er ein Buch aus einem Schranke genommen
-und sich mit Lesen darin vertieft. Auf einmal wäre eine Krähe an<span class="pagenum"><a id="Seite_216">[216]</a></span>
-das Fenster gekommen, und bald darauf wären noch mehrere gefolgt,
-welche sich sämtlich vor der Hausthüre niedergelassen hätten. Auf einmal
-wäre aber der Wirt atemlos in das Haus gestürzt gekommen,
-hätte dem sonst sehr lieben Freunde eine Ohrfeige gegeben, das Buch
-weggenommen und die Worte gesprochen: »Wäre ich nicht gekommen,
-so wärest Du in einer Viertelstunde tot gewesen, denn die Krähen
-hätten Dich umgebracht!«</p>
-
-<p>Daran ist bloß das Lesen in dem geheimnisvollen Buche schuld
-gewesen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Raben, an deren Stelle bei uns im Glauben des Volkes auch die Krähen
-und Dohlen getreten sind, gelten als Teufelsvögel, deren Erscheinen gewöhnlich Unglück
-und insbesondere einen Todesfall verkündet. Nach einem slavischen Aberglauben
-sind überhaupt Vögel die Seelen Verstorbener; Raben und Krähen gelten als die
-Seelen Verdammter. Nach Aargauer Sagen entschweben die Seelen der Erlösten
-in Gestalt von Tauben, die von Verwünschten und Erhängten dagegen verwandeln
-sich in Raben. (Rochholz, a. a. O. I., S. 156.) Auf dem Kirchhofe zu Scherpenheuvel
-wurden die Nahewohnenden nach dem Begräbnisse eines Mannes, der ein
-schlechte Leben geführt hatte, durch das Geschrei eines Raben in ihrer nächtlichen
-Ruhe gestört. (Nork, a. a. O., S. 275.)</p>
-
-<p>Wie unter dem Einflusse der christlichen Bekehrer die alten heidnischen Gottheiten
-zu dämonischen und teuflischen Gestalten wurden, so auch die ihnen einst geheiligten
-Tiere. Auf den Schultern Odhins saßen zwei Raben, »Hugin und
-Munin«, d. h. Gedanke und Erinnerung, welche jeden Tag durch die Welt flogen
-und dann dem Gotte Nachrichten ins Ohr raunten. In Erinnerung an diese einst
-dem Gotte beigegebenen Vögel erzählt die Sage, daß der Kaiser Friedrich Barbarossa,
-auf dessen Gestalt, ebenso wie auf die anderer beliebter Helden, Odhin übertragen
-wurde, im Kyffhäuser einen Hirten frug, ob noch die Raben um den Berg flögen.
-Nach einer lausitzischen Sage dagegen wurde der wilde Jäger, d. i. Odhin, in einen
-Nachtraben verwandelt.</p></div>
-
-<h3 id="sec259">259. Die unheimlichen Gäste in Werda.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 537.)</p>
-
-<p>In dem Dorfe Werda bei Falkenstein lebte ein junger Mann,
-der saß an einem Sonntagabende im Winter ganz allein zu Hause
-und hatte ein Buch aus einem alten Schranke zur Hand genommen,
-um darin zu lesen. In dem Buche aber waren verschiedene Zeichen
-und Figuren, die er sich nicht sogleich ausdeuten konnte. Deshalb zog
-er die Lampe näher an sich heran, um besser sehen zu können. Als
-er nun so eine Weile im Lesen und Ausdeuten vertieft ist, blickt er
-zufällig in die Höhe, fährt aber wieder erschrocken zurück, denn zu dem
-kleinen Schiebefenster herein sieht ein rabenschwarzer Mann mit grinsendem<span class="pagenum"><a id="Seite_217">[217]</a></span>
-Gesichte. Der Bursche fragt nach dem Begehr, erhält aber
-keine Antwort. Nachdem er sich vom Schreck etwas erholt hatte, las
-er ruhig weiter und war bemüht, die Figuren ordentlich zu deuten.
-Er sah sich wieder um und wurde zu seinem Schrecken gewahr, daß
-zu jedem Fenster ein schwarzer unheimlicher Gast hereinsah. Dabei
-war er auf seinem Sitze wie festgebannt und konnte fast kein Glied
-mehr regen. Jetzt wollte er das Buch zumachen, denn es flimmerte
-und tanzte ihm alles vor den Augen. Aber wie von einer unsichtbaren
-Macht gefesselt, konnte er seinen Blick nicht von dem Buche abwenden
-und er fing wieder an zu lesen. Plötzlich aber entstand im Hause
-ein groß Getöse und Gepolter, die Thüre flog auf und ein langer
-schwarzer Mann kam herein und blieb in der Mitte der Stube stehen.
-Der Lesende fragte zum zweiten Male, was sein Begehr sei, erhielt
-aber wieder keine Antwort. Dabei mußte er in dem Buche immer
-weiter lesen, und es dauerte gar nicht lange, so ging das Gepolter
-von neuem los und eine zweite schwarze Gestalt trat in die Stube
-und stellte sich neben die erste hin. Ohne von seinem Buche aufzusehen,
-las der Bursche fort. Jetzt aber that es einen Schlag, daß
-das ganze Haus in seinen Grundfesten erschüttert wurde, Fenster und
-Thüren sprangen auf, ein blitzähnlicher Schein fuhr durch die Stube
-und eine dritte Gestalt, länger als die beiden ersten und wild von
-Aussehen, trat nun in Begleitung von allerhand Tieren, als Raben,
-Eulen und Elstern, in die Stube und stellte sich nun zwischen die beiden
-ersten hinein. Jetzt wurde es unserm Geisterbeschwörer himmelangst
-und er rief aus vollem Halse nach Hülfe. Es dauerte aber lange,
-ehe die gewünschte Hülfe kam. Endlich kam der Bruder des Burschen
-mit noch einigen Nachbarssöhnen nach Hause, und diese sahen nun,
-was vorgefallen war. Der Sohn des Wirtes, der auch mit hinzugekommen
-war, lief sogleich zum Pastor, welcher auch erschien, aber
-dessen Kraft zu schwach war, die Geister wieder zu bannen. Er
-gab den guten Rat, es solle doch gleich einer nach Theuma zum
-Pater reiten, der könne Hülfe schaffen. Ohne sich lange zu besinnen,
-ritt der Sohn des Wirtes nach Theuma und erzählte daselbst dem
-Pater, was vorgefallen war. Der Pater ließ sich auch bewegen mitzukommen.
-Da er ankam, war bereits das halbe Dorf vor dem Hause
-versammelt, und sogleich begann er seine Beschwörungen. Es dauerte
-auch nicht lange, so entfernten sich die ungebetenen Gäste, nur der
-letzte hielt noch stand und wollte nicht weichen. Als aber der Theumaische
-Pater ein großes Buch hervorzog, entfloh er unter fürchterlichem
-Gebraus durch den Schornstein und ließ einen Schwefelgeruch
-zurück. Das Buch aber, welches der Bursche gebraucht hatte, nahm<span class="pagenum"><a id="Seite_218">[218]</a></span>
-der Pater mit und ermahnte noch den jungen Mann, solche Sachen
-fernerhin zu lassen und nichts zu unternehmen, was er nicht verstehe.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Buch, in welchem der Bursche las, ist Faust's Höllenzwang, von dem
-uns der Volksmund erzählt. Ähnlich wie dem jungen Manne in Werda erging es
-den Buben eines Wunderdoktors in Schumburg, die in Abwesenheit ihres Vaters dies
-geheimnisvolle Buch aus einem Schranke nahmen und darin lasen, worauf eine
-Menge von teuflischen Vögeln ins Zimmer kam. (Grohmann, Sagen aus Böhmen
-und Mähren I., S. 315.) Ein alter Mann in Eichelborn in Thüringen hatte große
-Kenntnisse in geheimen Künsten. Einst las er abends in einem großen Buche, während
-ein Knabe bei ihm in der Stube war. Da wurde er hinausgerufen. Der
-Knabe las trotz des Verbotes in dem Buche, und da kamen viele Raben, welche
-von außen an das Fenster pochten. Auf das ängstliche Geschrei des Knaben kam
-der Alte zurück, gab dem Ungehorsamen eine derbe Ohrfeige und las in dem Buche
-schnell einige Worte; siehe, sofort verschwanden die Raben nieder. (O. Richter,
-Deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 3.) Dieselbe Sage findet sich auch bei den
-Lausitzer Wenden. Als ein Bauer, welcher am Schloßberge zu Burg in der Nieder-Lausitz
-wohnte und der im Besitze eines »Charakters« war, einmal auf dem Felde
-arbeitete, suchte daheim sein Sohn das Zauberbuch hervor. Beim Lesen desselben
-kamen ebenfalls Hasen, Krähen und andere Vögel zu Thür und Fenster herein.
-Der Vater, von Unruhe und Angst getrieben, lief eilig nach Hause und sahe, was
-der Sohn angerichtet hatte. Da nahm er das Buch zur Hand und las alle Stellen,
-welche der Sohn gelesen hatte, rückwärts; da verschwanden die Ungetüme wieder.
-(Veckenstedt, Wendische Sagen, 1880, S. 273.)</p></div>
-
-<h3 id="sec260">260. Die Hexen zu Schellenberg.</h3>
-
-<p class="source">(v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, I. S. 371. Darnach bei Gräße
-a. a. O., No. 552.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1529 sind zu Schellenberg im alten Schloß, welches
-an der Stelle der vom Kurfürst August erbauten Augustusburg stand,
-die beiden Hexen, die alte und junge Rodin, weil sie mehrmals zu
-Schönerstedt auf dem Hexensabbath gewesen, Diebsdaumen verkauft,
-untreue Männer durch Zaubermittel zu ihren Frauen zurückführen
-gelehrt, Hexensalben gesotten und Abwesende citiert, gefoltert und dann
-wahrscheinlich hingerichtet worden.</p>
-
-<h3 id="sec261">261. Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 908.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1080 war Böhmen voller Zauberer, Hexen, Wahrsager
-und Beschwörer, wider welche Herzog Ulrich inquirierte und 107 in
-einem Jahre hinrichten ließ. Die andern zerstreuten sich in Mähren<span class="pagenum"><a id="Seite_219">[219]</a></span>
-und unser Gebirge. Um Klostergrab und Ossegg behexten sie die Leute,
-daß sie erkrankten, besonders die Schwangern.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Im böhmischen Erzgebirge stellt man sich die Hexe in Gestalt eines hämischen,
-boshaften, alten Weibes vor, das im Bunde mit dem Teufel steht, auf Ofengabeln,
-Schürhaken oder Besen durch den Schlott fährt und durch die Luft reitet, den Brand
-ins Getreide legt, die Kühe verhext, daß sie keine oder rote Milch geben, die Kinder
-in der Wiege mit Wechselbälgen vertauscht und ähnlichen Unfug treibt. Ihre Macht
-über den Menschen und über alles, was ihm lieb ist, soll in der Walpurgisnacht
-am stärksten sein. (Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg., S. 101.)</p></div>
-
-<h3 id="sec262">262. Das Hexenloch bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Wenisch, a. a. O., S. 40.)</p>
-
-<p>Nicht weit von der Johanneskapelle bei Joachimsthal zeigte man
-auf einem Feldraine das gegenwärtig durch einen Steinhaufen verdeckte
-»Hexenloch«. Die Sage erzählt von demselben, daß sich hier Hexen
-aufhalten. In der Walpurgisnacht führen sie ihre Tänze auf, essen
-und trinken und spielen um die Seelen von Selbstmördern Karten. Zum
-Schutze gegen ihr Eindringen in die Wohnungen werden von vielen Leuten
-am Walpurgisabende mit geweihter Kreide oder Kohle drei Kreuze
-an die Thüren gemacht.</p>
-
-<h3 id="sec263">263. Mittel gegen Zauberei.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 900.)</p>
-
-<p>Zwei junge Eheleute in Pöhl waren von einer rachgierigen Dorfhexe
-so verzaubert, daß sie einander spinnefeind wurden und eines das
-andere ein ganzes Jahr lang nicht ansehen konnte. Endlich krochen sie
-beide durch sogenannte Schleifbrämen, das sind Brom- oder Kratzbeerzweige,
-welche einen Bogen geworfen und wieder in die Erde gewurzelt.
-Damit ist ihnen geholfen worden.</p>
-
-<h3 id="sec264">264. Eine Hexe wird erkannt.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, a. a. O., S. 908.)</p>
-
-<p>Zu Arnsfeld bei Wolkenstein wurde eines Mannes Vieh bezaubert,
-daß es Blut gab. Da die Magd melken wollte, merkte sie das
-lose Stück, nahm ein Seihtuch, stach's voller Nadeln und kochte es
-im Ofen. Darauf kam der Nachbarin Mann gelaufen und begehrte
-Citronenschalen. Dieselben wurden ihm abgeschlagen, denn der Magd<span class="pagenum"><a id="Seite_220">[220]</a></span>
-war es verboten worden, das geringste zu geben. Da kam der Mann
-wieder und bot etliche Hühnchen zum Verkaufe an; aber auch jetzt wurde
-er abgewiesen. Er kam zum dritten Male und verlangte nur eine Birne
-vom Baume im Garten; doch erlangte er nichts. Endlich kam er und
-bekannte, daß seine Frau brennende höllische Schmerzen habe und bat,
-so sie etwas gebraucht, es weg zu thun. Damit wurde es offenbar
-und mußte der Mann mit Weib und Kind davonlaufen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>H. Heine erzählt in seinen Sagen, Märchen und Bildern aus dem Harze
-(No. 79), daß einst eine Hexe, welche Milch verzaubert hatte, jämmerlich verbrüht
-und zerstochen wurde, als der Wirt, gegen den die Zauberei gerichtet war, die
-Milch kochte und dann mit einer Gabel in der kochenden Milch herum fuhr.</p></div>
-
-<h3 id="sec265">265. Die Hexen am Walpurgisabende.</h3>
-
-<p class="source">(Spieß, Aberglaube etc. im Erzgeb., Progr., S. 13; z. T. mündlich.)</p>
-
-<p>Am Walpurgisabende, dem Abende vor dem 1. Mai, zünden überall
-im Erzgebirge Knaben auf hochgelegenen Punkten Besen an und springen
-damit herum; es wird geschossen, geschrieen, mit Peitschen geknallt und
-mit Bretern zusammengeschlagen, um ein rechtes Getöse hervorzurufen.
-Dies geschieht, um den Hexentanz darzustellen, oder, wie allgemeiner
-behauptet wird, um die zum Blocksberg ziehenden Hexen zu vertreiben.
-Am Walpurgisabende ziehen auch die Hexen ein, und man muß daher
-Besen oder landwirtschaftliche Geräte vor die Stallthüre legen, um
-sie abzuhalten. In Neustädtel erzählt man: Als Karl der Große die
-alten Sachsen vom Brocken oder Blocksberg jagen wollte, kamen die
-Hexen und allerhand Gespenster mit glühenden Besen und auf Ziegenböcken
-geritten, um ihn zu vertreiben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Walpurgis, welche in der Mitte des 8. Jahrhunderts lebte und eine Tochter des
-Königs Richard von England war, wurde später heilig gesprochen und als Beschützerin
-gegen den Bosheitszauber verehrt. Die angezündeten Feuer sind die Opferflammen
-für die Frühlingsgöttin Ostara; das Umherspringen ist ein Rest der alten religiösen
-Tänze; die Hexen, welche in der Walpurgisnacht eine so große Rolle spielen, sind
-die weisen Frauen, welche Kräuter kochten und, mit dem Priesteramt bekleidet, als
-»Alrunen« in dem germanischen Götterkultus auftreten. Sie versammeln sich in der
-ersten Mainacht auf dem Hörsel- und Inselberge in Thüringen, auf dem Stoffelsteine
-bei Bamberg und an vielen anderen Orten, besonders aber auf dem Blocksberge im
-Harz. In Schweden war ihr Sammelplatz die kleine Felseninsel Blakulla, zwischen
-Oeland und Smaland gelegen; dorthin reisten sie aber am grünen Donnerstage.
-Die Böcke, mit denen nach unserer Sage die Hexen nach dem Blocksberge ziehen,
-sind die Opfertiere.</p>
-<span class="pagenum"><a id="Seite_221">[221]</a></span>
-<p>Vor dem Eintreten der Hexen schützen drei Kreuze an der Stallthüre oder
-die Buchstaben <em class="antiqua">C. M. B.</em> (Kaspar, Melchior, Balthasar, nach der Legende die Namen
-der heiligen drei Könige); oder man legt einen alten Besen oder ein Stück frischen
-Rasen vor die Thürschwellen.</p>
-
-<p>Es mag schließlich noch darauf hingewiesen werden, daß der Glaube an Hexen
-in den indischen <em class="antiqua">Çâkinî</em>, <em class="antiqua">Dâkinî</em> und <em class="antiqua">Yeginî</em>, welche kraft mythischer Zaubersprüche
-des Nachts durch die Lüfte reiten und ihre Tänze abhalten, eine Parallele findet.
-Es ist demnach die Vorstellung von weiblichen Unholden bereits der indogermanischen
-Urzeit eigen, und so mag vielleicht unserm Worte »Hexe« die Wurzel, <em class="antiqua">çak</em>, mächtig
-sein, zu Grunde liegen. (Fr. Hirsch, Gesch. der Deutsch. Litteratur, I., S. 6.)</p></div>
-
-<h3 id="sec266">266. Der wunderliche Katzentanz.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 507.)</p>
-
-<p>Am 1. Mai des Jahres 1726 ist ein gewisser zuverlässiger Mann
-im Erzgebirge von einem Orte zum andern gereist und am Abend bei
-düsterer Witterung bei einem Walde vorbeipassiert, da denn er sowie
-sein Begleiter, den er bei sich hatte, ein dem Anschein nach in einem
-Hause scheinendes Licht bemerkt, welchem beide in der Hoffnung, eine
-Herberge zu finden, zugelaufen. Nachdem sie aber näher und näher
-gekommen, hören sie eine zum Tanz gehende Musik, und der eine von
-ihnen geht aus Neugierde ans Fenster und wird durch selbiges gewahr,
-daß eine große Anzahl Katzen darin zu finden, davon etliche musicieren
-und die andern darnach tanzen. Sein Begleiter beschließt nun, in
-das Haus hineinzugehen, wird aber von dem andern davon abgehalten,
-und jetzt nimmt einer von ihnen wahr, daß seine große Hauskatze ebenfalls
-dabei anzutreffen. Aus Entsetzen gehen beide fort und kommen
-in spätester Nacht nach Hause. Als nun des andern Tags zu Mittag
-sich die große Hauskatze bei der Mahlzeit in der Stube einfindet,
-spricht ihr Hausherr, sie anschauend: »Nun, Du machtest Dich gestern
-Abend auch sehr lustig!« Da springt ihm alsbald der alte Kater auf
-den Hals und kratzt ihn in den Kopf und das Gesicht, hätte ihn auch
-sicherlich getötet, wofern nicht das Hausgesinde herzugelaufen und mit
-Schlägen und Schreien diesen verteufelten Feind abgetrieben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Diese Sage hat viel Ähnlichkeit mit der vom sogenannten Katzenberge zwischen
-Leipzig und Merseburg. Um die Mitte des 16. Jahrh. ist nämlich ein Bischof von
-Merseburg, namens Michael, ein großer Katzenfreund gewesen und hat eine große
-schwarze Katze besessen. Dieser Bischof ist einst nach Leipzig gereist und hat auf
-dem oben genannten Hügel, der nachher davon seinen Namen bekam, eine ganze
-Katzengesellschaft angetroffen. Er rief derselben im Scherze zu: »Ihr Katzen, seid
-ihr alle beisammen?« Da hat eine geantwortet: »Es mangelt keine, ausgenommen
-Bischof Michael seine Katze.« Bei seiner Rückkehr erzählte er seiner Katze die wunderliche<span class="pagenum"><a id="Seite_222">[222]</a></span>
-Begebenheit und fragte zugleich, warum sie den andern Katzen nicht Gesellschaft
-geleistet? Alsbald fuhr die Katze zum Fenster hinaus und ist nicht mehr gesehen
-worden.</p>
-
-<p>Katzen sind Hexentiere, sie bilden entweder das Gespann der Hexen, oder
-diese nehmen die Gestalt jener Tiere an.</p>
-
-<p>Auf der Brüßlerstraße zu Dendermonde liegt ein Haus, worin sich ehedem
-eine Brauerei befand. Hier diente Hans Zimmermann als Knecht. Da er sein
-Handwerk sehr gut verstand, so konnte er nicht begreifen, warum das erste, zweite
-und dritte Gebräu mißlang. Nun hatte er aber bemerkt, daß jedesmal, wenn er
-am Brauen war, eine Katze rund um den Kessel lief. Als er sein viertes Gebräu
-begann, und die Katze wieder miauend um den Kessel strich, redete er sie in der
-Überzeugung an, daß sie eine Hexe sei; er bekam zwar nur ein Miau zur Antwort,
-worauf sie weglief, aber bald mit einem Dutzend Katzen wieder zurückkam;
-die faßten sich Pfote an Pfote und begannen einen Tanz um den Kessel, wobei sie
-unaufhörlich sangen: »Hansken Temmermann vroeg aen my: Katze, van wear kom
-drgy?« (Hänschen Zimmermann mich frug: Kätzchen, woher kommst denn Du?)
-Da wurde Hans böse, füllte einen Eimer mit dem kochenden Bier und goß das
-über die Katzen hin. »Miau! Miau!« schrien alle und verschwanden, das Gebräu
-aber glückte. Am andern Morgen jedoch sah man im Rochusgäßchen sechs Frauen
-mit verbrannten Gesichtern tot auf der Straße liegen. Da blieb kein Zweifel mehr,
-wer die Katzen gewesen waren. (Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen,
-S. 556.) Eine ähnliche Sage erzählt Leibing (Sagen und Märchen des bergischen
-Landes, No. 64). Nach ihm verwundete ein Brauknecht zwei Katzen, die eine am
-Ohr und die andere büßte eine Pfote ein; am andern Tage hatte die Frau des
-Braumeisters ein zerschmettertes Ohr und eine andere Frau in der Nachbarschaft
-hatte ein Stück eines Fußes eingebüßt. Auch Jacob Grimm weist in seiner Deutschen
-Mythologie (S. 623) darauf hin, daß viel von verwundeten Katzen erzählt wird, die
-man hernach an verbundenen Weibern wieder erkannte.</p>
-
-<p>Ebenso fehlen auch die gleichen Überlieferungen der slavischen Sage nicht. Zu
-einem Bauer in Saspow in der Nieder-Lausitz kam oft eine graue Katze in den Stall
-und das Vieh wurde krank. Als diese Katze mit einer Düngergabel in den Hals gestochen
-wurde, sprang sie weg. Am andern Tage hatte eine Frau im Dorfe mehrere
-Löcher im Halse; diese war die Hexe. &ndash; Ähnliches geschah in der Mühle bei Leipa
-im Spreewalde, wo viele Katzen des Nachts einen fürchterlichen Spuk trieben, bis
-endlich der zu Hülfe herbeigezogene Scharfrichter mit dem Messer eine Katze in die
-Pfote schnitt. Am andern Tage hatte die Frau des Amtmanns im nächsten Dorfe
-eine kranke Hand und es hieß, sie habe sich geschnitten. (Veckenstedt, Wendische Sagen,
-S. 281 und 292.)</p></div>
-
-<h3 id="sec267">267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freiberg. Chron.</em> II., S. 254. Wilisch, Kirchen-Hist.
-v. Freyberg etc. II., S. 378.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1552 hat in den Dörfern um Freiberg die Pest
-grassiert, sonderlich starb viel Volk zu Hermsdorf, Claußnitz und
-Dittersbach. Das Volk glaubte dabei, daß die toten Körper in den
-Gräbern anfingen zu essen und einer den andern nachholete. Etliche,<span class="pagenum"><a id="Seite_223">[223]</a></span>
-die auf den Gräbern gestanden, erzählten, daß sie gehört, wie die
-Toten unter der Erde schmatzten. Deswegen hat man den Verstorbenen
-die Köpfe mit einem Grabscheite abgestoßen oder sie ganz verbrannt
-und dabei gemeint, so das Unheil und Sterben abzuwenden. Es hat
-aber nichts geholfen, denn die Pest hat als Strafe Gottes noch heftiger
-überhand genommen, so daß einzelne Dörfer fast ausstarben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Schmatzen der Toten in den Gräbern ist nur eine besondere Form des besonders
-im Aberglauben slawischer Völker herrschenden Vampyrismus. Der Vampyr wird
-meist als die Seele eines Verstorbenen gedacht, welcher im Grabe keine Ruhe findet,
-letzteres verläßt und sich auf schlafende Menschen, besonders Blutsverwandte legt und
-ihnen auf körperlich kaum wahrnehmbare Weise das Blut aussaugt. Nach der Lausitzer
-Sage wird ein solcher Vampyr gebannt, wenn ein Priester den Leichnam ausgraben
-läßt, ihm den Kopf abschneidet, das Herz mit einem Pfahl durchsticht, selbiges
-sodann verbrennt und die Asche auf das Grab streut. (Haupt, Sagenbuch d. L.,
-No. 69.) Der Pfahl mußte bei den Slaven von Eichenholz oder vom Weißdorn
-sein. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche in Böhmen, S. 191.)</p>
-
-<p>Nach Görres ist der Vampyrismus, welcher sich bereits bei den alten Griechen
-vorfand, nur eine besondere Form des Alpdrückens. (Nork, Sitten und Gebräuche
-etc., S. 686.) Er beruht auf dem Glauben, daß der Verstorbene des Blutes entbehrt
-und darum sein Grab verläßt, um einem noch Lebenden Blut auszusaugen. (Rochholz,
-Deutscher Glaube und Brauch I., S. 55.)</p></div>
-
-<h3 id="sec268">268. Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II., S. 221. Br. Grimm,
-Deutsche Sagen I., No. 231.)</p>
-
-<p>Als ein Bürger zu Freiberg, namens Lorenz Richter und seines
-Handwerks ein Leinweber, welcher auf der Weingasse gewohnet, seinem
-Sohne von 14 Jahren etwas zu thun befohlen und derselbe nicht gehorcht,
-sondern in der Stube an derselben Stelle stehen geblieben, hat
-ihn der zornige Vater verwünscht und gesagt: »Ei stehe, daß Du
-nimmermehr könntest fortgehen!« Auf diese Verwünschung des Vaters
-ist der Knabe stehen geblieben, und er hat drei ganze Jahre an derselben
-Stelle gestanden, so daß er tiefe Gruben in die Dielen getreten,
-und man ihm des Nachts, wenn er schlafen wollte, ein Pult untersetzte,
-damit er den Kopf und die Arme darauf legen konnte, um ein
-wenig zu ruhen. Weil er aber nahe an der Stubenthüre beim Ofen
-den eintretenden Leuten im Anlaufe war, haben ihn die Geistlichen der
-Stadt durch ihr Gebet von diesem Orte aufgehoben und gegenüber in
-den andern Winkel der Stube glücklich und ohne Schaden gebracht.
-An diesem Orte hat er ferner bis ins vierte Jahr gestanden und die<span class="pagenum"><a id="Seite_224">[224]</a></span>
-Dielen noch tiefer durchgetreten, als zuvor. Damit ihn die Aus- und
-Eingehenden nicht so sehen könnten, hat man ihn auf seine Bitten durch
-einen Umhang verdeckt; er hat wegen steter Traurigkeit nicht viel gesprochen.
-Endlich hat Gott die Strafe etwas gemildert, indem er das
-letzte halbe Jahr sitzen, sich auch ins Bette, das man neben ihn gestellt,
-legen konnte. Er hat ganz elende ausgesehen, ist blaß von Angesicht,
-hagern Leibes und auch sehr mäßig im Essen und Trinken gewesen.
-Nach sieben Jahren wurde er den 11. September 1552 durch den Tod
-erlöst. Die Fußtapfen sahe man noch lange an den betreffenden Plätzen,
-und als sie der Vater nach dem Tode seines Sohnes aussetzen lassen
-wollte, weil er sich derselben wegen seines Fluches schämte, hat ihm
-der Rat solches verboten.</p>
-
-<h3 id="sec269">269. Speisen werden festgemacht.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 869 und 870.)</p>
-
-<p>Ein Bergmann in Seifen hatte ein Doctor Faustsches Kunststück,
-indem er zur Lust in Gesellschaft über dem Essen alle Speisen stahlfest
-machte, daß kein Mensch, ehe er wollte, einen Bissen abschneiden
-konnte. Desgleichen war zu Elterlein ein Schlosser, Zacharias Vogel,
-der eine gute Zeit im Kriege gedient hatte; dieser konnte nicht nur
-sich selbst, sondern auch andere Menschen und alles Vieh, wie auch
-Käse, Butter, Brot und andere Speisen fest machen.</p>
-
-<h3 id="sec270">270. Festgemachte werden überwunden.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, a. a. O., S. 873 und 874.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1632, den 3. Januar, wurde Jochim Escher erschossen,
-auf welchen sein Feind erstlich eine bleierne Kugel losbrannte; weil
-diese aber nicht einging, riß er eilend einen Dukaten aus der Tasche,
-biß ihn zusammen, brauchte ihn anstatt der Kugel und schoß den Escher
-Knall und Fall vom Pferde.</p>
-
-<p>Im Jahre 1677 schlugen sich zwei freche Kerle auf Böhmisch-Wiesenthal.
-Der eine war stahlfeste und konnte gar nicht verwundet werden.
-Da sein Gegenpart dieses merkte, sagte er: »Halt, ich will dir besser
-kommen!« Zieht hiermit den Degen unter dem Schuh durch die frische
-Erde und verwundet ihn dann dreimal nacheinander. Andere haben Magnet
-in die Kugeln gegossen, oder den Degen durch ein Brot gezogen, oder
-mit Kugeln von Wißmut geschossen, oder die Degenspitze nur in die
-Erde gestochen und damit die Festgemachten überwältigt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_225">[225]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec271">271. Festgemachte werden von ihrem Wesen und ihrer geheimnisvollen
-Kraft befreit.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 873 u. 874.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1652 lebte zu Satzung ein ehemaliger Soldat, <em class="gesperrt">Michael
-Vogel</em>, welcher der Festigkeit wegen ein Amulet am Halse trug und
-nun beim Trunk immer Zank und Schlägerei anfing. Als er aus dem
-Kriege nach Hause kam, warf er das Amulet weg, aber es kam aus
-Feuer und Wasser wieder. Endlich wurde sein Beichtvater auf das
-Amulet aufmerksam und nahm es an sich. Michael Vogel sagte, er
-müsse es mit gewissen Ceremonien abnehmen, doch der Priester versicherte,
-der Teufel habe über ihn keine Gewalt, er wolle es schon
-wegschaffen. Damit ging er zu einem Schmied und warf es ins Feuer.
-Da fuhr's zur Esse hinaus mit Ungestüm und platzte wie ein Doppelhaken.
-Darauf wurde der Kerl ganz anders, friedlich und sittsam.</p>
-
-<p>Ähnliches begab sich 1639 in Grünhain. Ein junger Fleischer
-hatte sich bei den damals auf Scharfenstein liegenden Schweden fest
-machen lassen; davon wurde er so blutdürstig und unbändig, daß er
-beim Trunk keines Menschen Freund war. Als er sich aber verheiratete
-und in die Zunft aufnehmen ließ, trachtete die Freundschaft darauf,
-wie er die Festigkeit los werden möchte. Man brauchte allerlei
-Mittel, aber vergebens, bis endlich einer die Teufelei aus dem Leibe
-purgierte und eine Hummel von ihm kam.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Sowohl die römische als auch germanische Götterlehre erzählt uns von Göttern,
-welche unverwundbar waren. Cygnus, der Sohn Neptuns, konnte von keinem Pfeil
-verwundet werden und ebenso wurde Baldr durch die Gunst seiner Mutter Frigg
-gegen alle Waffen geschützt. Nur das Holz des Strauches Mistiltein (<em class="antiqua">Loranthus
-europacus</em>) tötete ihn, da Frigg von demselben keinen Eid gefordert hatte. Wie
-Götter wurden auch Helden unverwundbar. Siegfried badete sich im Drachenblute,
-das seine Haut fest gegen Waffen machte; nur wo das Lindenblatt zwischen seinen
-Schultern gelegen, war er verwundbar. Im Mittelalter hielt man die sogenannte
-Waffensalbe, die Gemskugel, die Wurzel <em class="antiqua">Doronicum</em>, das Nothemde u. s. w. für
-Mittel, um sich waffenfest zu machen. (Nork, Sitten und Gebräuche d. D. S. 707).
-Auch die Lausitzer Sage erzählt von Hieb- und Stichfesten. Das Garn zu einem
-Nothemde, welches auch hier als Zaubermittel dient, muß von einem Mädchen unter
-7 Jahren gesponnen, die Nähte müssen mit Kreuzstichen gemacht und schließlich müssen
-noch drei Messen darüber gelesen werden. (Haupt a. a. O. I. N. 240.)</p></div>
-
-<h3 id="sec272">272. Der Räuber Hartenkopf bei Zelle ist kugelfest.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenbuch d. K. S., No. 362.)</p>
-
-<p>Im Zellwalde bei Kloster Zelle und zwar besonders in dem alten<span class="pagenum"><a id="Seite_226">[226]</a></span>
-Gemäuer, welches gemeine Leute für den Stadel eines alten Nonnenklosters
-ansehen, hatte sich ein Fleischer, namens Hartenkopf aus Siebenlehn,
-festgesetzt und beschlossen, hinfüro von Raub und Mord zu leben,
-weswegen die Leute den Fußweg, der von Siebenlehn nach Roßwein
-führt, nicht mehr sicher wandeln konnten, noch wollten. Weil sich nun
-dieser Schnapphahn nicht nur am Leibe festgemacht, sondern auch mit Geschütz
-und Gewehr versehen, also daß allen denen, so ihm zu nahe
-kommen würden, der Tod drohte, konnten die aufgebotenen Landgerichte
-und Amtsunterthanen, weil jeder für seine Haut fürchtete, wenig
-schaffen, bis endlich eine von Roßwein aus kommandierte kurfürstlich
-sächsische Korporalschaft vom Leibregiment zu Roß dieses Raubnest ersprengte,
-und weil die bleiernen Kugeln an dem Räuber nirgends haften
-wollten, haben sie endlich noch mit einem eingeladenen silbernen
-Knopfe den Zauber gelöst und den Leib zugleich mit gefällt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die durch Hülfe des Teufels erworbene Kugelfestigkeit besteht nicht gegen einen
-geerbten silbernen Knopf. Von einem solchen wurde der Stadtkommandant Bruse von
-Greifswalde, auf welchen mehr als zwanzig schwedische Kugeln erfolglos abgeschossen worden
-waren, getötet. (Temme, Pommer'sche Sagen, No. 244.) Ebenso erzählt eine
-Sage, wie der Reitknecht König Augusts des Starken den seinen Herrn verfolgenden
-Husaren durch einen silbernen Knopf niederschoß. (Johannes-Album, Chemnitz 1857.
-2. T. S. 181.) An die Stelle des silbernen Knopfes treten auch silberne Kugeln.
-Nach einem rumänischen Volksliede konnten den Freischarenführer Pintye nur drei
-silberne Kugeln, drei Maß Frühjahrsroggen und drei Nägel von einem Frühlingsfohlen
-verwunden. (Jahrbuch des Ungarischen Karpathen-Vereins XII., S. 87.)</p></div>
-
-<h3 id="sec273">273. Der Holzmüller von Neudorf.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 317.)</p>
-
-<p>In der sogenannten Holzmühle zu Neudorf bei Sebastiansberg
-lebte einst ein Müller, der war so reich, daß er den Fußboden seiner
-Stube mit lauter harten Thalern gepflastert und darüber erst die Dielen
-gelegt hatte. Er verstand aber auch die schwarze Kunst. Als er einmal
-ganz allein in der Mühle war, drangen plötzlich zwölf Räuber in
-die Stube und forderten sein Geld. Der Müller hieß sie niedersetzen
-und that, als ob er das Geld holte. Bald aber merkten die Räuber,
-daß sie nicht aufstehen konnten. Nun baten sie den Müller, er möge
-sie loslassen; der erbarmte sich, schnitt aber jedem mit seinem Messer
-ein Zeichen ins geschwärzte Gesicht und entließ sie. Als er nun am
-nächsten Sonntage seine Verwandten besuchte, fand er in ihren Gesichtern
-das eingeschnittene Zeichen. Oft schon hatte man versucht ihn zu erschießen,<span class="pagenum"><a id="Seite_227">[227]</a></span>
-er war aber kugelfest. Endlich hat ihn ein Jäger auf dem
-Wege nach Krümau mit einer gläsernen Kugel erschossen; auf der Stelle,
-wo dies geschehen, steht heute noch ein Kreuz.</p>
-
-<h3 id="sec274">274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel
-umgebracht.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em> II., S. 19.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1260 hat sich zu Freiberg ein Schüler (einige halten
-dafür, daß es ein Priester gewesen sei) in eine Jungfrau heftig verliebt,
-und um dieselbe zu gewinnen, hat er Rat und Hülfe bei einem
-Schwarzkünstler gesucht. Derselbe führte ihn in der Sachsenstadt in ein
-abgesondertes Gemach, stellte ihn in einen Kreis und begann seine gewöhnlichen
-Beschwörungen. Der Teufel ließ sich nicht lange bitten
-und erschien plötzlich in der Gestalt der begehrten Jungfrau. Da stand
-der Jüngling heftig auf und bot ihr aus dem Kreise die Hand. Doch
-zu seinem höchsten Unglück und Verderben riß ihn der Teufel zu sich
-und warf ihn gegen die Wand, so daß er auf der Stelle tot blieb.
-Aber auch der Schwarzkünstler erhielt seine Strafe. Der Teufel nahm
-den zerschmetterten Körper des Schülers und warf damit mit solcher
-Gewalt nach ihm, daß er daran »versterret die ganze Nacht winselnd
-gelegen und auch früh noch also gefunden wurde.« Er wurde darnach
-zu gebührender Strafe gezogen.</p>
-
-<h3 id="sec275">275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, a. a. O. II., S. 201. Wilisch, Kirchen-Historie von Freyberg etc.
-II., S. 327. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Prosaischer
-Anhang, No. 5.)</p>
-
-<p>Am Montage nach Palmarum 1536 hat ein Pfaffe aus Mulda
-in einem Weinhause zu Frauenstein allerlei Üppigkeit getrieben, ist auch
-des Nachts daselbst ganz voll und toll liegen geblieben, morgens aber
-mit umgedrehtem Halse tot gefunden worden. Man hat ihn für einen
-Zauberer gehalten, von dem gemeldet wird, daß er in Wirtshäusern
-böhmische und andere Groschen nach Belieben aus den Wänden herausgegraben
-und sonst allerlei Gaukelspiel zur Verwunderung gemeiner
-Leute getrieben habe. Er ließ z. B. auch den Wein zu Feuer werden
-und wußte es im Spiele zu machen, daß er allein alles gewann.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_228">[228]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec276">276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 314. Wenisch, Sagen aus dem
-Joachimsthaler Bezirke, S. 102.)</p>
-
-<p>Ein Hirte, der bei Permesgrün die Herde weidete, fand einmal
-unter einem Steine, der am Fuße einer uralten Eiche lag, ein altes
-Buch, auf welchem die Worte standen: Wende den Inhalt wohl an,
-und Du wirst der Menschheit nützen. Das that der Hirte, und bald
-war er in der ganzen Gegend als Wunderdoktor bekannt und gesucht.
-Da erkrankte der Sohn des Herzogs so schwer, daß der Vater in der
-Verzweiflung dem Retter seine Tochter zur Frau versprach. Der Wunderdoktor
-ging an den Hof des Herzogs und versprach die Heilung. Der
-Herzog wiederholte sein Versprechen, drohte aber ihn umzubringen,
-wenn der Versuch mißlänge.</p>
-
-<p>Der Wunderdoktor machte sich an die Kur, und bald war der
-Prinz gerettet. Als aber der Wunderdoktor seinen Lohn verlangte,
-verweigerte ihm der Herzog die Tochter. Darüber ärgerte sich der
-Doktor, daß er sichtbar hinsiechte. Da las er in seinem Buche und
-befahl hierauf seinem Diener, ihn zu zerstückeln, die Stücke in eine
-Kiste zu legen und diese unter jener alten Eiche zu begraben; nach
-einem Jahre sollte er die Kiste wieder öffnen, aber nicht früher. Dann
-werde er wieder frisch und gesund auferstehen.</p>
-
-<p>Der Diener that, wie ihm sein Herr geheißen hatte, aber er konnte
-die Zeit nicht erwarten und öffnete schon nach dreiviertel Jahren die
-Kiste, um nachzusehen, wie es mit seinem Herrn stünde. Da war die
-Wunderkraft vernichtet, und der Herr blieb tot.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wir haben am Schlusse dieser Sage eine Variante des alten Glaubens, daß
-der alternde Mensch oder der Verstorbene durch Zauberkünste wieder nach einem
-gewissen Zeitraume verjüngt aufersteht, wenn man seinen Körper in Stücke zerhaut.
-Der junge Graf <em class="antiqua">de Villano</em> hatte zu Salamanca in der Schule des Teufels auch
-gelernt, wie man alte Leute wieder verjüngt. Nachdem er selbst zu Jahren gekommen,
-wollte er zu seinem eigenen Vorteile von diesem Geheimmittel Gebrauch machen. Er
-ließ sich, als es mit ihm zu Ende ging, von einigen gekauften Mohren schnell in Stücke
-zerhauen, die Stücke in eine Glasflasche füllen und diese in den Pferdemist setzen.
-Auf der Folter jedoch gestanden die Mohren, leider zu früh, was sie gethan hatten,
-und als man nachgrub, fand man das Glas und darin ein bereits ganz wohlgestaltetes
-Kind. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I., S. 121.) Nach Mannhardts
-Mythen (S. 66.) wurden der polnische Räuber Twardowsky und der ungarische
-Eisenlaci zerhauen und mit gekochten Heilkräutern begossen; nach sieben
-Monaten gewannen ihre Leichname wieder Kinder- oder Jünglingsgestalt. Auch der
-Arzt und Wunderdoktor Theophrast befahl vor seinem nahen Tode dem Diener, daß
-er seine Leiche in kleine Stücke zerschnitten in eine eherne Truhe lege und mit
-einem gewissen Pulver bestreuen solle. Nach 9 Monaten solle er die Truhe wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_229">[229]</a></span>
-öffnen. Der Diener öffnete sie aber bereits nach 7 Monaten und fand ein noch nicht
-völlig entwickeltes Kind, das sich krümmte und vom Zutritte der kalten Luft starb.
-(Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 672.)</p></div>
-
-<h3 id="sec277">277. <em class="antiqua">Dr.</em> Faust's Höllenzwang.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 128.)</p>
-
-<p><em class="antiqua">Dr.</em> Faust's Höllenzwang nennt die Sage ein Buch, in welchem
-die Kunst gelehrt wird, Geister zu citieren, ja selbst den Teufel sich
-dienstbar zu machen. Dieses Buch haben schon viele Freunde der
-schwarzen Kunst vergeblich gesucht, indem sie den Dornstrauch nicht wissen,
-unter dem es hinter dem Chemnitzer Schlosse, am Wege nach dem
-Küchwald, vergraben sein soll.</p>
-
-<h3 id="sec278">278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc., S. 552, Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs,
-7. Jahrg., S. 132.)</p>
-
-<p>In dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Lauterholz bei
-Lauterhof und Stangengrün soll man keine Sperlinge finden. Man
-hat sie schon in Nestern dorthin verpflanzen wollen, aber sie sind nicht
-geblieben. Dasselbe erzählt man von Karlsfeld, wohin man Sperlinge
-aus Eibenstock brachte, ohne daß sie geblieben sind. Es wird
-erzählt, daß diese Vögel von Zigeunern weggebracht worden seien.</p>
-
-<p>Als in früheren Zeiten zur Thomasmühle bei Falkenau noch
-ausgedehnte Felder gehörten, wurden dieselben sehr von Sperlingen
-besucht, welche an den Saaten bedeutenden Schaden anrichteten. Da
-kam eines Tages eine alte Zigeunerin, welche den Müller um ein
-Almosen anflehte. Der Müller bot ihr eine gute Belohnung an, wenn
-sie die lästigen Gäste vertreiben könnte. Da sprach sie über die Sperlinge
-einen Spruch und von jener Zeit an waren auf den Feldern der
-Thomasmühle und auch in dem benachbarten Hillemühl keine Sperlinge
-mehr zu sehen. Erst, nachdem 1867 die Bahn gebaut wurde, haben
-sich etliche in Hillemühl angesiedelt. Die Thomasmühle aber fliehen
-sie noch heute.</p>
-
-<p>In Fürstenwalde bat ein Soldat in einem Hause um etwas zu
-essen. Der geizige Hauswirt aber erwiderte: »Da geben wir's lieber
-den Spatzen, als euch.« Der erzürnte Soldat antwortete: »Ihr werdet
-den Spatzen nicht mehr viel geben.« Er hat darauf die Sperlinge
-verwünscht und seit dieser Zeit sind sie in Fürstenwalde nicht mehr zu
-finden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Daß die Sperlinge von Zigeunern, welche von den Bewohnern freundlich
-aufgenommen wurden, verbannt worden sind, erzählt die Sage auch von dem Dorfe<span class="pagenum"><a id="Seite_230">[230]</a></span>
-Sora bei Bautzen. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 246.) In Böhmen giebt es
-noch verschiedene Orte, an denen sich keine Sperlinge aufhalten, weil sie daselbst
-verbannt wurden. Nach einem dortigen Volksglauben kann man sie von den Feldern
-verscheuchen, wenn man einen Span von dem Holze, woraus ein Tischler einen
-Sarg angefertigt hat, in's Getreide steckt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche
-in Böhmen und Mähren, S. 73.) Aus dem Erzgebirge ist mir noch Neudörfel bei
-Schneeberg bekannt, von dem ebenfalls erzählt wird, daß daselbst keine Sperlinge
-nisten; die Sage meldet jedoch nichts davon, daß hier die Sperlinge durch Zigeuner
-weggebannt worden seien. Alle Orte ohne Sperlinge liegen oder lagen fast ganz
-von Wald umschlossen, so daß in ihrer Nähe Raubvögel einen sichern Schutz finden;
-ebenso tritt in der Nähe kleiner Walddörfer der Ackerbau zurück und es fehlen demnach
-daselbst Körnerfrüchte und Insekten, denen unsere Vögel nachgehen; ist es doch
-nachgewiesen, daß die Sperlinge überall dem Ackerbau gefolgt sind.</p>
-
-<p>Von Interesse erscheint es, aus den mitgeteilten Sagen zu erfahren, daß
-das Volk das Fehlen der Sperlinge für eine Wohlthat ansieht; nur in der letzten
-Sage wird dasselbe als eine Strafe dargestellt. Sollte damit auch zugleich ausgesprochen
-werden, daß in Fürstenwalde der Ackerbau zurückgegangen sei?</p></div>
-
-<h3 id="sec279">279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 619.)</p>
-
-<p>Südwestlich von Zwickau liegt das Dorf Planitz, welches der
-Familie von Arnim gehört. Ein früherer Herr von Arnim konnte
-das Feuer segnen. Wenn irgendwo viele Meilen in der Runde eine
-Feuersbrunst war, holte man ihn oder er eilte selbst hin, ritt um das
-brennende Haus herum, sprach seinen Segen und augenblicklich verlöschte
-die Brunst.</p>
-
-<h3 id="sec280">280. Wie das Feuer gebannt wird.</h3>
-
-<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)</p>
-
-<p>Vor hundert Jahren lebte in der Umgegend von Nossen ein
-Rittergutsbesitzer, der konnte das Feuer bannen. War irgendwo ein
-Brand ausgebrochen, so kam er eilends angeritten, jagte dreimal unter
-geheimnisvollem Murmeln um das Feuer herum, dann schnell wieder
-fort und über ein fließendes Wasser, worauf das Feuer erlosch. Wäre
-er nicht über ein Wasser geritten, so würde das Feuer ihn verbrannt
-haben.</p>
-
-<p>Zur Zeit, als die Leute ihr Brot noch selbst einteigten, pflegte
-man in der Nossener Gegend bei ausgebrochenem Feuer den Backtrog
-vor's Haus zu tragen und nach dem Feuer gerichtet an das Haus
-anzulehnen. Dann wendete sich der Wind vom Hause ab. Auch schaffte
-man beim Retten niemals zuerst die Betten aus dem Hause, sondern
-irgend etwas anderes, da sonst die Kräfte gelähmt wurden.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_231">[231]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap6">VI.<br />
-Sagen von Schätzen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_233">[233]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Ein Volksglaube, welchen Veckenstedt in den »Wendischen Sagen,
-Märchen und abergläubischen Gebräuchen« (Graz, 1880) an die
-Spitze seiner Schatzsagen stellt, erzählt uns, daß da, wo des Nachts
-um 12 Uhr kleine Flämmchen auf der Erde herumflackern, Geld
-brenne; man müsse dann ein Geldstück oder ein Messer hineinwerfen,
-um den Schatz zu erlangen; derselbe werde jedoch von wilden Hunden
-oder anderen Tieren bewacht. In dieser kurzen Sage ist der wesentlichste
-Inhalt aller Sagen niedergelegt, welche uns erzählen, wo sich
-jene mythischen Schätze finden, die Henne-Am-Rhyn (Die deutsche
-Volkssage etc., S. 48) als niedergegangene Sterne des Himmels oder
-als Morgen- und Abendröte deutet, und die wieder von anderen, z. B.
-von Nork in seinen »Sitten und Gebräuchen der Deutschen« zu den
-Münzen in Beziehung gebracht werden, welche von den heidnischen
-Germanen und Slaven ihren Toten mit ins Grab gegeben wurden.
-Es wird uns aber auch in jener kurzen lausitzischen Sage mitgeteilt,
-wie diese Schätze zu heben sind und welche Mächte dieselben gegen das
-Eindringen der Sterblichen bewachen. Derselbe Sagenstoff wiederholt
-sich in mannigfachen Abänderungen an zahlreichen Örtlichkeiten. Auch
-im Erzgebirge zeigen blaue Flämmchen oder Lichter Schätze an, bei
-deren Heben kein Wort gesprochen werden darf. Nach Jacob Grimm
-(Deutsche Myth., S. 544) wird auch ein auf bloßem Leibe getragenes
-Kleidungsstück (nach einer unserer Sagen kann dies z. B. ein Halstuch
-sein) auf den Schatz geworfen, um alle Gefahr von sich abzuwehren.</p>
-
-<p>Zahlreich sind ferner im Erzgebirge wie anderwärts die Sagen,
-nach denen unermeßliche Schätze in weiten Gewölben in Braupfannen
-oder Laden liegen. Die Pforten zu diesen Höhlen öffnen sich nur an
-bestimmten Tagen zu gewissen Stunden, und wenn die Glücklichen in
-die Schatzkammern eintreten, so finden sie die Schätze entweder von
-Hunden oder grauen Männchen, Kobolden oder Schattenmännchen bewacht.
-Bei den Schätzen ist gewöhnlich eine weiße Jungfrau, teilweise
-mit einem Schlüsselbunde. Nicht selten sind es auch Wunderblumen,
-welche die Pforten zu den Geldgewölben öffnen, und die von<span class="pagenum"><a id="Seite_234">[234]</a></span>
-denen, welchen es beschieden war einzutreten, vergessen werden. (S.
-Wundersagen.) Frauen, welche mit einem Kinde eintreten, lassen in
-der Hast, womit sie die Schätze zusammenraffen, ihr Kind zurück; sie
-finden dasselbe im nächsten Jahre an gleichem Tage wohlbehalten mit
-einem Apfel in den Händen in der Schatzkammer wieder.</p>
-
-<p>In diesen Überlieferungen erkennen wir den Mythus, in welchem
-der Kreislauf des Jahres erscheint. Das Kind mit dem Apfel in der
-Hand bedeutet die Fruchtbarkeit des Jahres; die Erdgöttin (Freija)
-hat das Kind zu sich genommen und läßt es erst nach Ablauf eines
-Jahres wiederfinden. (S. Ludwig Zapf in der Leipziger Illustr. Zeitung,
-No. 1890.)</p>
-
-<p>Unsere Sagen erzählen uns auch, wie sich die Schätze als Halme
-an den Bäumen sommern und dann wieder, wenn sie fortgetragen
-wurden, in goldene Ketten verwandelten; sie melden uns von Ziegelsteinen,
-Leinwandfleckchen, Kohlen, Hobel- und Sägespänen, Baumrinde
-und Kartoffeln, die zu Gold wurden.</p>
-
-<p>Wenn auch manche Überlieferungen, wie der Gebrauch der dem
-Donar geweihten Hasel als Wünschelrute und die rote, blaue und zuweilen
-gelbe oder weiße Farbe der Wunderblumen, welche dem Blitze
-als gleichfarbig erscheinen, in Beziehung zur Gewittergottheit gebracht
-werden können, deren Blitz dem Golde gleich aus der finstern Wolke,
-dem himmlischen Berge, hervorleuchtet, so meine ich doch, daß auch
-viele Schatzsagen auf den heidnischen Gebrauch, den Toten Geld mit
-ins Grab zu geben, zurückzuführen und daß zahlreiche Plätze, besonders
-Berge und Orte, an denen einst Schlösser und Burgen standen,
-und an denen die Sage des Volkes Schätze verheißt, zugleich ehemalige
-Begräbnisplätze sind. In heidnischen Begräbnisfeldern wurden neben
-Münzen und Schmucksachen auch Kohlen vom Leichenbrand gefunden,
-und so mochte sich der Glaube bilden, daß überall da, wo in der
-Erde an den von Geschlecht zu Geschlecht in nebelhafter Erinnerung
-als ehemals geheiligt gehaltenen Orten Kohlen angetroffen wurden,
-auch Schätze vergraben lägen; ja die Kohlen selbst wurden später als
-durch Zauber umgewandelte Schätze betrachtet. (Nork a. a. O., S. 709.)</p>
-
-<p>Die Toten aber finden nach einem Volksglauben im Grabe keine
-Ruhe, so lange sie das mitgenommene Geld nicht wieder an einen
-Sterblichen abgegeben haben. Ich verweise dabei auf die Sage vom
-Jünglinge zu Weißbach, welcher im Grab0e keine Ruhe fand, bis man
-den mitgenommenen Pfennig wiedergeholt hatte. Was hier der Volksmund
-vom geringen Pfennig erzählt, das wiederholt er in ähnlichen
-Überlieferungen vom Gold und reichen Geschmeide. Überall kehrt in
-den Schatzsagen die Erscheinung von Wesen wieder, welche keine Ruhe<span class="pagenum"><a id="Seite_235">[235]</a></span>
-finden, bis das Gold und Silber gehoben ist; außerdem aber zeigen
-sie dem Sterblichen meist auch die Mittel, deren sich derselbe bedienen muß,
-um in das Innere der Erde zu gelangen, wo die unermeßlichen Reichtümer
-liegen und gleichzeitig der Hüter seiner endlichen Erlösung aus
-dem Zauberbanne harrt.</p>
-
-<h3 id="sec281">281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>An der Plänerleite zwischen Blauenthal und Zimmersacher liegt
-ein zerklüfteter Granitfelsen, welchen man wegen seiner Form die
-Steinwand nennt. Weiter oben nach dem Zimmersacher zu aber quillt
-der »Goldbrunnen«, aus welchem man einst Gold gewaschen hat. In
-der Steinwand jedoch öffnete sich einst an einem Karfreitage, als in
-Eibenstock die »lateinische Litanei« gesungen wurde, eine Höhle, und
-wenn jemand durch das Thor derselben hineingegangen wäre, hätte
-er daselbst große Schätze gefunden.</p>
-
-<h3 id="sec282">282. Der Schatzkeller am Bärenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.
-Annaberg, 1746, S. 8.)</p>
-
-<p>Es ist die alte Richterin zu Königswalde nebst noch zweien ihrer
-Nachbarn am Bärenstein im Mai Gras und Kräuter zu holen gegangen,
-und als sie an den Berg gekommen sind, so hat sichs am
-Berge aufgethan wie ein großes Scheunenthor, daß sie hinein gesehen
-hat, wie in eitel Silber und Gold, und als sie die andern zwei gerufen,
-daß sie es auch sehen sollten, so ist es wieder verschwunden.</p>
-
-<h3 id="sec283">283. Der Schatzkeller im Scheibenberge.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 187.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1605 bekam <em class="antiqua">M.</em> Laurentius Schwabe, Pfarrer in
-Scheibenberg, etliche Gäste von Annaberg. Seine Ehefrau führte
-einige ältere Freundinnen über und um den Scheibenberg, ihnen dessen
-Gegend zu zeigen. Dabei trafen sie aber ein Loch, in welches drei
-Stufen führten und darin lag ein glänzender Klumpen, wie glühendes
-Gold. Darüber erschraken sie und gingen eilends nach der Stadt.
-Als sie jedoch den Pfarrer nebst den übrigen Gästen nach dem Orte
-führen wollten, konnten sie das Loch nicht wieder finden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_236">[236]</a></span></p>
-
-<p>Im Jahre 1648 starb Hans Haß, ein alter ehrlicher Bürger zu
-Scheibenberg, welcher auf dem Siechbette von seiner Armut am Anfange
-seines Ehestandes folgendes erzählte: Als Wolf Köhler seine
-Tochter Elisabeth weggab, wären wir junge Eheleute gerne mit zu
-Ehren gezogen, aber wir hatten kein Geschenke. Wir gingen am Berge
-grasen und wurden eines Lochs gewahr, das mit einer eichenen Thür
-verschlossen, und gingen etliche Stufen hinein. Da wir Wunders halber
-hinein sehen, liegt ein Fuchs auf einer Stufen. Wir erschraken darüber,
-gleichwohl weil sich der Fuchs nicht rührete, gaben wir ihm einen
-Stoß und befunden, daß er tot war. Ich verkaufte den abgestreiften
-Balg, wir gingen auf die Hochzeit und waren lustig. Aber nach selbiger
-Zeit habe ich das Loch nicht wieder finden können, wie fleißig ich auch
-gesucht habe.</p>
-
-<h3 id="sec284">284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183. Gießler, Sächs.
-Volkssagen, Stolpen (o. J.) S. 104.)</p>
-
-<p>Unter einem großen Felsen des Greifensteins, wo der Vermutung
-nach ein altes Schloß gestanden hat, ist ein offenes Loch zu sehen, in
-das ein Mann bequem kriechen kann. Von diesem Loch aber wird erzählt,
-daß einst eine Magd aus dem Vorwerke Hayde, die, wenn sie
-daselbst grasete, öfters mit Namen gerufen wurde, im Beisein einer
-andern Magd auf abermaliges Rufen hineingegangen wäre, mit dem
-Verlaß, wenn sie schreien würde, daß ihr die andere zu Hülfe kommen
-sollte. Es hätte aber die hineingehende Magd einen großen Kasten mit
-Gold und Geld und einen schwarzen Hund dabei liegend angetroffen,
-und auf Befehl einer Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber
-inzwischen der Eingang ganz enge geworden sei, daß sie auf die andere
-Magd um Hülfe geschrien, wäre der Hund auf sie losgesprungen und
-hätte alles Eingefaßete wieder aus dem Grastuche gescharret, darauf
-sie voller Schrecken von der andern herausgezogen worden, und des
-dritten Tages darauf wäre sie gestorben.</p>
-
-<p>Besser (indem er wenigstens nicht mit dem Leben büßen mußte)
-erging es einst einem alten Manne aus Geyer, einem gewissen Christoph
-Hackebeil, der von seinem Heimatsorte nach der am Fuße des
-Greifensteins liegenden Gifthütte ging, durch sonderbaren Zufall auf
-den Greifenstein geriet, dort in dem obengedachten Loche entschlief und
-die ganze Nacht und den halben folgenden Tag daselbst zubringen mußte.
-Es ließ ihn schlechterdings nicht fort, und für die Angst und Versäumnis<span class="pagenum"><a id="Seite_237">[237]</a></span>
-seiner Zeit hat derselbe nicht einmal einen klingenden Lohn
-von den Berggeistern erhalten.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Hund, welcher den Schatz bewacht, ist der Hund der Unterwelt, welcher
-bei der Göttin Hel wacht. Ursprünglich ist derselbe das Tier Odhins, einer von den
-Wölfen der Walstatt. Odhin aber ist als Verleiher jedes Gutes auch zugleich der
-Herr der Schätze.</p></div>
-
-<h3 id="sec285">285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.</h3>
-
-<p class="source">(I. Mündlich. II. Moritz Spieß, Aberglaube, Sitten und Gebräuche
-des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 40.)</p>
-
-<p>I. Eines Tages gingen zwei Mädchen durch den Wald, in welchem
-der Greifenstein liegt; sie hatten Streu gesammelt und trugen
-dieselbe in ihren Tragkörben nach Hause. Als sie nun auf einem
-schmalen Wege die Höhe abwärts stiegen, sahen sie an den Zweigen
-der Fichten zu beiden Seiten Strohhalme hängen. Darüber wunderten
-sie sich, denn sie meinten, daß hier doch kein Weg für Wagen sei;
-es sah nämlich aus, als ob von einem mit Stroh beladenen Wagen
-durch die zum Teil über den Weg hängenden Zweige einzelne Halme
-losgerissen worden seien, wie man solches ja häufig an den mit Bäumen
-besetzten Landstraßen sieht. Wie die Mädchen aber nach Hause
-gekommen waren und ihre Streu ausschütteten, fanden sie darunter
-eitel goldene Ketten. Der Schatz des Greifensteins hatte sich in der
-Gestalt von Strohhalmen an diesem Tage gesommert und so waren
-einzelne Halme in die Körbe gefallen, wo sie sich in die goldenen
-Ketten verwandelt hatten.</p>
-
-<p>II. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte Förster Töpel
-eines Tages bei dem Greifensteine vorbei ritt, hingen so viel Gras-
-und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum hindurchreiten
-konnte. Dabei blieben einige Halme auf seinem Hute liegen.
-Als er daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine goldene
-Kette. Es soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage, S. 49 und 52) deutet die Schätze
-der Sage als Sinnbilder der Sterne; sie bewegen sich und versinken wie letztere.
-Daß Schätze an gewissen Tagen aufsteigen, um sich zu sonnen, erzählen noch mehrere
-Volkssagen. Als einst Steinbrecher auf dem Schlatter Rehberge bei Bingen von
-ferne einen schimmernden Haufen liegen sahen, sagten sie: »Heute ist der erste März,
-da sonnen sich die Schätze.« Thönerne Scherben, welche dann einer von ihnen an jener
-Stelle fand, verwandelten sich zu Hause in zerbrochene Silbermünzen. Nach einer
-andern Sage steigen Schätze an Märzfreitagen aus dem Boden, um sich zu sonnen;
-dabei wird ihre Ankunft vielfach durch eine blaue Flamme verkündet. Die Schätze
-werden auch von Geistern unter der Erde fortgerückt. (Nork a. a. O., S. 709.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_238">[238]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec286">286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130 und 132.)</p>
-
-<p>Auf dem Hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen ist
-eine Schatzkammer, deren Eingang sich in der Nähe des sogenannten
-Franzosensteins, eines prismatisch zubehauenen Granitblocks mit der
-Jahreszahl 1808, befindet. Die Pforten zu der Schatzkammer sollen
-sich alljährlich am Karfreitage, während in der Kirche die Passion gesungen
-wird, öffnen.</p>
-
-<p>Ein armes Weib aus dem naheliegenden Orte Stein nahm ihr
-einjähriges Kind, welches sie niemandem der Obhut anvertrauen konnte,
-und begab sich an einem Karfreitage mit demselben in den Wald
-am Hohen Stein, um »Holz zu klauben.« Schon hatte sie davon
-eine ziemliche Menge beisammen, als sie plötzlich in einem Felsen
-eine weite Öffnung bemerkte, welche von ihr früher niemals gesehen
-worden war. Verwundert darüber nahm sie ihr Kind, welches unterdessen
-auf weichem Moose gesessen, auf den Arm und faßte den Entschluß,
-das seltsame Thor näher zu betrachten. Hinzugetreten und in
-die gähnende Höhlung hineinblickend, sah sie zu ihrem Erstaunen in
-derselben Haufen rotwangige Äpfel, eine große Menge gleißendes Geld
-und funkelnde Edelsteine, ferner auf einem Tische ein Bund altertümlicher
-Schlüssel. Nachdem das Weib schnell seinen Korb herbeigeholt
-und das Kind zu den Äpfeln gesetzt hatte, mit dem Bedeuten, es möge
-davon essen, fing sie an, von den reichen Schätzen in ihren Korb zu
-raffen, bis dieser nichts mehr tragen konnte. Im Begriffe hinauszugehen,
-um ihre schwere Last draußen abzusetzen und hierauf ihr Kind
-zu holen, hörte sie eine Stimme rufen: »Vergiß das Beste nicht!« Doch
-sie konnte den Sinn dieser Worte nicht deuten und begab sich ins Freie.
-Kaum war dieses geschehen, so schloß sich hinter ihr der Felsen geräuschlos
-und so sehr auch das Weib jammerte und weinte, um ihr
-verlornes Kind bat und flehte, der Eingang war und blieb verschwunden.
-Todmüde und tiefbetrübt wankte sie endlich ihrer armseligen
-Hütte zu, laut und heftig ihre Habsucht und Geldgier verwünschend.
-Es verging ein Jahr und die hartgeprüfte Mutter lenkte, das nicht
-angetastete Geld im Korbe tragend, am Karfreitage zu derselben
-Stunde wie vor zwölf Monaten ihre Schritte dem hohen Steine zu.
-Und siehe da! der Eingang zur Schatzkammer stand offen, und als sie
-klopfenden Herzens und froher Hoffnung näher getreten war, sah sie
-zu ihrer unaussprechlichen Freude ihr totgeglaubtes Kind frisch und
-gesund, sowie kräftig herangewachsen auf derselben Stelle, auf welche
-sie es im Vorjahre gesetzt hatte. Schnell schüttete sie das Geld wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_239">[239]</a></span>
-an seinen Ort, nahm das Kind und machte sich eilig davon, obwohl
-sie neuerdings rufen hörte: »Vergiß das Beste nicht!« Auf dem Heimwege
-fragte sie ihr Kind, wer es gepflegt habe. »Eine weiße, freundliche
-Frau,« antwortete dieses, »gab mir zu essen und zu trinken, kleidete
-und bewachte mich.« &ndash; Hätte das Weib den Schlüsselbund mitgenommen,
-so würde sich ihr der Felsen jederzeit geöffnet und seine
-Schätze dargeboten haben. Das war das Beste, welches die Stimme
-meinte.</p>
-
-<p>Die genannte weiße Frau ließ sich früher, meist zur Mittagszeit,
-häufig in der Nähe des Hohen Steines sehen, den Bund mit altertümlichen
-Schlüsseln in der Rechten tragend. Sie that niemandem ein Leid,
-im Gegenteil, manchen würde sie reich gemacht haben, wenn er nicht
-unwissend und leichtsinnig die dargebotenen Geschenke von sich gewiesen
-hätte.</p>
-
-<p>Ein Waltersgrüner Knecht machte sich in später Nachtstunde auf
-den Weg, um einer dringenden Angelegenheit halber nach Stein zu gelangen.
-Bei der untern Mühle verließ er den Fahrweg und schlug
-einen schmalen Fußpfad ein, der am Abhange des Hohen Steines dahinführt,
-und auf dem er, wie er glaubte, in kürzerer Zeit an den
-Ort seiner Bestimmung gelangen konnte. Allein die große Dunkelheit
-der Nacht und das arge Wetter waren Ursache, daß er vom rechten
-Steige abkam und lange Zeit in der Irre herumging. Endlich sah er
-zu seiner Freude ein Licht schimmern, und er verdoppelte seine Schritte
-in der Meinung, zu einem gastlichen Hause gelangen zu können. Wie
-groß war aber sein Erstaunen, als er statt der Flur eines solchen
-einen breiten Gang betrat, an dessen Ende von der Decke eine strahlende
-Lampe herabhing, die ungeheuere Schätze von Gold und Edelsteinen
-aller Art beleuchtete. Nachdem der Knecht eine starke Anwandlung von
-Furcht bekämpft hatte, da er außer den köstlichen Reichtümern noch eine
-weiße Frau bemerkte, welche jene zu hüten schien, trat er näher und
-betrachtete mit lebhaftem Verlangen das gleißende Gold und die funkelnden
-Juwelen. Die weiße Frau schien seine Gedanken zu erraten, denn
-sie erhob ihren rechten schneeigen Arm, deutete mit dem Zeigefinger
-auf die Schätze und sprach: »Nimm davon, soviel dein Herz begehrt;
-aber vergiß das Beste nicht!« Das letztere glaubte er unter den Edelsteinen
-zu finden und raffte mit gierigen Händen in seine Taschen, so
-viel diese fassen konnten. Noch zweimal trafen jene Worte sein Ohr;
-allein er achtete nicht darauf und verließ frohen Sinnes über den gewonnenen
-Reichtum den hohen und breiten Gang. Kaum war er im
-Freien, als sich der Eingang zu demselben donnernd schloß und eine
-dumpfe Stimme sprach: »Thor, das Beste war der Schlüssel, den Du<span class="pagenum"><a id="Seite_240">[240]</a></span>
-unbeachtet liegen ließest, und der Dir jederzeit den Eingang zu meinen
-Schätzen geöffnet hätte.« Von der Steiner Pfarrkirche aber trug die
-Luft die zwölf Schläge der Mitternachtsstunde an sein Ohr, und da
-sich die dunkeln Wolken zerteilt hatten und die Sterne herniederlugten
-auf die stille Erde, bemerkte der erstaunte Knecht, daß er sich am Hohen
-Steine befand.</p>
-
-<p>Manche alte Leute nennen die weiße Jungfrau mit dem Schlüsselbunde
-das »Schwedenweibl« und erzählen, daß dieses die verwünschte
-Tochter eines gefürchteten schwedischen Feldherrn sei, welcher lange Zeit
-auf dem hohen Steine hauste und von hier aus die ganze umliegende
-Gegend arg heimsuchte.</p>
-
-<p>Die Schweden stehen überhaupt bei den Bewohnern der um den
-Hohen Stein liegenden Dörfer im schlimmen Andenken. Wenn der
-Vater in den Feierstunden sein Büblein auf den Knieen schaukelt, spricht
-er dabei:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Reiter, sa, sa!<br /></span>
-<span class="i0">Der Schwed' ist gekommen,<br /></span>
-<span class="i0">Hat alles mitg'nommen,<br /></span>
-<span class="i0">Hat d' Fenster 'neing'schlag'n,<br /></span>
-<span class="i0">Hat 's Blei davon trag'n,<br /></span>
-<span class="i0">Hat Kugeln d'raus 'gossen,<br /></span>
-<span class="i0">Hat 's Bubel erschossen.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec287">287. Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine.</h3>
-
-<p class="source">(H. Arnold im Chemnitzer Tageblatte 1882, No. 11, 2. Beilage.)</p>
-
-<p>Gar nicht weit vom Hohen Steine, unweit des Dorfes Landwüst,
-steht eine Säule, welche die Stundensäule genannt wird. Unter dieser
-befindet sich, wie alte Leute erzählen, ein riesiger großer, eiserner Kasten,
-welcher mit Goldstücken angefüllt ist, die aber von einem Geiste bewacht
-werden. Derselbe sitzt auf der Truhe und wird nur dann weichen,
-wenn das rechte Zauberwort gesprochen wird. Wenn man den Schatz
-heben will, so muß man dieses Zauberwort kennen, darf aber weder
-auf dem Wege bis zur Säule, noch während des Grabens und auf
-dem Rückwege ein Wort außer dem Zauberworte sprechen. Ebenso
-darf man sich nicht umsehen, denn wer dies thut, dem wird das Genick
-gebrochen.</p>
-
-<p>Mit dem Schatze aber hat es eine eigentümliche Bewandtnis.</p>
-
-<p>Vor alter Zeit, als noch die Heerstraße von Adorf über Remtengrün,
-Schönlinde und Landwüst nach Eger hinführte, kam einmal in<span class="pagenum"><a id="Seite_241">[241]</a></span>
-der Nacht ein Reiter in das Dorf Landwüst gesprengt und begehrte
-einen Bauer als Führer. Sein Mantel pauschte ganz gewaltig, denn
-er hatte einen großen Sack mit lauter blanken Goldstücken, welche er
-durch Raub und Plünderung während des damals herrschenden Schwedenkriegs
-an sich gebracht hatte, darunter verborgen.</p>
-
-<p>Es fand sich ein Bauer, der ihm den Weg zeigen wollte, und
-beide verließen das Dorf bei dichter Finsternis. Als sie an den Ort
-gekommen waren, wo die Säule stand, verbarg der Reiter sein Gold
-in einem Kasten und befahl dem Bauer, denselben in die Erde zu vergraben.
-Er sagte aber, daß Pulver und Blei darin verschlossen wären.
-Der Mann grub aus Leibeskräften, versenkte die Truhe und deckte sie
-wieder sorgfältig mit Schutt zu. Für seine Mühe erhielt er zehn
-Dukaten. Kaum war aber der Bauer einige Schritte von der Säule
-entfernt, so kam der Reiter ihm nach und erstach ihn, damit das Geheimnis
-mit dem Kasten niemandem bekannt würde. Der Offizier &ndash;
-denn ein solcher war der Reitersmann, &ndash; wurde im nahen Walde von
-seinen Kameraden, mit welchen er das Geld teilen sollte, erwartet.
-Weil er aber mit leerem Beutel kam, hängten ihn diese an den ersten
-besten Baum und ritten davon.</p>
-
-<p>Am nächsten Tage fand eine Schar schwedischer Reiter, welche
-den Wald und andere zu Verstecken geeignete Plätze nach Spionen
-und Vagabunden durchsuchte, nicht allein den gehenkten Schwedenoffizier,
-sondern auch den ermordeten Bauer. Weil dieser aber zehn Dukaten
-in der Tasche hatte, die er vordem nicht besessen haben konnte, so
-sagten die Leute, er sei ein Schatzgräber gewesen, habe auch einen
-Griff in den Goldbehälter gethan, sei aber, da er jedenfalls während
-der Arbeit gesprochen oder sich umgesehen habe, von einem Geiste getötet
-worden.</p>
-
-<h3 id="sec288">288. Der Schatz im Heinrichstein bei Platten.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 93. etc.)</p>
-
-<p>Von Platten aus führt die Straße nach dem Orte Breitenbach.
-In mehreren Windungen zieht sie sich durch ein schönes, anmutendes
-Thal, das ein klares Gebirgswässerlein, der Breitenbach, durcheilt,
-in dessen Wellen die lustige Forelle ihr Wesen treibt, während in den
-kräftigen Fichten- und Tannenwaldungen, womit die Thalwände bewachsen
-sind, zur Zeit des Lenzes die Vögel ihre fröhlichen Weisen
-erschallen lassen. Beim oberen Farbwerk gewahrt man zur Rechten
-einen 915 Meter hohen Felsen, den Heinrichfelsen, welcher eine prachtvolle
-Fernsicht gewährt. Seine Spitze trägt ein aus rohem Holz zusammengefügtes<span class="pagenum"><a id="Seite_242">[242]</a></span>
-Kreuz, das wie eine schützende Wacht herabblickt in
-das stille, freundliche Thal. In der Umgebung des Heinrichsteines
-wachsen viele große und schmackhafte Heidelbeeren, was auch in früherer,
-längst vergangener Zeit der Fall gewesen ist.</p>
-
-<p>Einst kamen an einem herrlichen Sommertage in die Nähe dieses
-Felsens zwei junge Mädchen aus Platten, um dort Beeren zu klauben.
-Unter heiteren Gesprächen wurden sie des Pflückens gar nicht müde,
-bis sie ihre Körbchen gehäuft voll hatten. Nun machten sie sich beide
-auf den Heimweg und verwunderten sich sehr, als sie am Fuße des
-Berges eine offene Thür erblickten, welche in einen weiten Gang
-führte. Die Mädchen gingen beherzt hinein und fanden daselbst eine
-eiserne Truhe, an der ein großer, altertümlicher Schlüssel steckte. Voll
-Hast öffneten sie mittelst desselben die Lade und sahen, daß diese mit
-Gold und Silber gefüllt war. Schier geblendet von den gleißenden
-Schätzen, schauten die Mädchen mit verblüfftem Antlitze eins das andere
-an und wußten gar nicht, was sie mit dem edlen Metalle anfangen
-sollten. Einfältig, wie sie waren, verschlossen sie, ohne etwas von
-den Schätzen anzurühren, die Truhe, nahmen den Schlüssel zu sich und
-liefen über Stock und Stein nach Hause, um ihren Eltern von dem
-reichen Funde Mitteilung zu machen. Außer sich vor Freude, eilten
-darauf die Väter der Mädchen zum Heinrichstein, aber der Eingang
-in den Felsen war nirgends mehr zu finden; auch die Mädchen suchten
-ihn vergebens, so sehr sie ihre Augen anstrengten. Noch lange soll
-der Schlüssel zur Schatztruhe auf dem Rathause in Platten aufbewahrt
-worden sein, doch ist er allda gegenwärtig nicht mehr vorhanden.</p>
-
-<p>Vor vielen, vielen Jahren ging am Karfreitag ein armes Weib,
-ihr Kindlein auf dem Arme tragend, in den Wald am Heinrichstein,
-um Reiser zu sammeln. Über ihre mißlichen Verhältnisse nachdenkend,
-weinte sie bitterlich und meinte, ein Teil der im Felsen verborgenen
-Schätze genügte, mit einem Schlage ihrer Armut ein Ende zu machen.
-Da bemerkte sie auf einem Felsblocke des Heinrichsteines allerlei bunte
-Blumen. Sie schritt mit ihrem Kinde darauf zu, um für dieses einige
-Blümlein zum Spielen zu pflücken. Während das Weib sich dieser
-Beschäftigung hingab, gelangte sie plötzlich zu einer in den Felsen führenden
-Pforte, die sie früher niemals gesehen hatte. Höchlich überrascht,
-nahm sie ihr Kind, das sie auf einem grünen Platze niedergesetzt hatte,
-auf den Arm und trat näher zu der offenen Thüre, deren Schwelle sie
-ohne Bedenken überschritt. In dem Felsengewölbe standen Säcke, die
-mit Gold- und Silbererzen bis oben angefüllt waren, und ein Tisch.
-Auf letzteren setzte das nun sich glücklich fühlende Weib das Kind und
-begann von den funkelnden Schätzen gierig in ihre Schürze zu raffen.<span class="pagenum"><a id="Seite_243">[243]</a></span>
-Kaum hatte sie diese voll, da erschien ein Zwerg, der sie zum schleunigen
-Fortgehen aufforderte. Erschrocken lief sie dem Ausgange zu und vergaß
-in der Angst ihres Kindes, dessen sie sich erst im Freien erinnerte.
-Wohl kehrte das bestürzte Weib ungesäumt und rasch zur Öffnung zurück,
-allein unter Krachen hatte sich der Felsen geschlossen. Wie sehr
-auch die trostlose Mutter weinte und um den Verlust ihres Kindes
-jammerte, der Eingang war und blieb unsichtbar. Fast verzweifelnd
-und die in ihrer Schürze befindlichen Schätze verwünschend, mußte sie
-endlich nach Hause wanken. In ihrem unbeschreiblichen Schmerze wandte
-sie sich an den Geistlichen in Platten, der sie nicht nur tröstete, sondern
-ihr auch den Rat erteilte, im nächsten Jahre zu gleicher Stunde wieder
-zum Heinrichstein zu gehen. Lange, sehr lange dauerte diesmal der
-schwergeprüften, sorgenvollen Mutter das Jahr, bis endlich der heißersehnte
-Karfreitag erschien. Da ging sie, fest auf den Heiland vertrauend,
-der an diesem Tage für die Menschen den Kreuzestod litt,
-wieder zum Felsen. Und siehe da! Die Thür stand wie vor Jahresfrist
-offen. Mit unaussprechlicher Freude stürzte das Weib in das
-Gewölbe und erblickte auf dem Tische ihr mittlerweile herangewachsenes
-Kind frisch und gesund, einen schönen Apfel in den Händchen haltend.
-Seelenfroh nahm sie dasselbe, drückte es an ihr Herz und eilte, so schnell
-sie die Füße tragen konnten, aus dem Felsen. Die daselbst aufgespeicherten
-blendenden Schätze übten diesmal keine Zauberkraft auf die Mutter
-aus, der ihr gefundenes Kind mehr galt als alle Reichtümer der Erde.</p>
-
-<p>Ein andermal erblickte ein armer, tugendhafter Mann aus Platten,
-der einstmals in dem Walde beim Heinrichstein Holz sammelte, ganz
-unerwartet vor sich ein Licht, das sich am Boden fortbewegte. Er
-ging ihm nach und gewahrte eine große, offene Truhe aus Eisen, in
-welcher Gold- und Silbermünzen aller Art angehäuft waren. Da er
-mit den Händen die Lade nicht fortzuschaffen im stande war, zog er
-den Schlüssel ab, deckte, damit niemand anders den Schatz finde, denselben
-mit Reisig zu und eilte beflügelten Schrittes heim, um einen
-Schiebkarren zu holen. Als der Mann an Ort und Stelle zurückgekehrt
-war, fand er zwar das Reisig, aber zu seiner Bestürzung war
-die Geldtruhe spurlos verschwunden. Hätte er, statt die Lade mit Reisig
-zu bedecken, ein Halstuch auf den Schatz geworfen, so wäre dieser gebannt
-gewesen.</p>
-
-<p>Schon mancher, der den Schatz heben wollte, wurde von der wilden
-Jagd arg bestraft, welche um den Heinrichstein ihr Unwesen treibt.
-Der Vorwitzige verfiel in eine schwere Krankheit oder starb sogar an
-den Folgen des Schreckens. Die wilde Jagd sollen Reiter sein, welche
-in der Luft dahin brausen. Viele Holzleute wollen in der Nähe des<span class="pagenum"><a id="Seite_244">[244]</a></span>
-Heinrichsteines Hundegebell, Hörnerblasen, lautet Halloh und Peitschenknallen
-vernommen haben, was von der wilden Jagd herrührt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Ähnlich wie vom Hohen- und Heinrichsteine erzählen uns Sagen aus anderen
-Gegenden Deutschlands von Frauen, welche beim Betreten des Schatzgewölbes ihr
-Kind niedersetzten und dasselbe nach einem Jahre im Innern des Berges mit einem
-Apfel in der Hand wiederfanden. Wie in unsern beiden Sagen geschah dies auch
-auf dem Löbauer Berge an einem Karfreitage (Haupt, Sagenbuch d. L. <em class="antiqua">I. N.</em> 249),
-auf dem Waldsteine im Fichtelgebirge jedoch am Johannestage (Zapf, Sagenkreis
-d. F. S. 16). Das übereinstimmende Anführen eines Apfels, welchen das Kind in
-der Hand hielt, ist gewiß nicht ohne Bedeutung. Vielleicht liegt darin eine Beziehung
-zu den verjüngenden Äpfeln, welche Idhuna, die Göttin der Jugend, besaß. Diese
-selbst wurde im Frühlinge aus der Gewalt der Frostriesen den Göttern zurückgebracht.
-Neben der »Quelle der Jugend«, die ihren Namen von der aus dem Tode erweckenden
-Eigenschaft ihres Wassers erhalten hatte, wuchsen Apfelbäume, von denen nach
-einem altfranzösischen Romane der Held Hüon von Bordeaux Wunder wirkende Früchte
-mitbrachte. (Nork, Sitten und Gebräuche d. Deutschen, S. 198.)</p></div>
-
-<h3 id="sec289">289. Der Schatz des Seeberges.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau, Comotovia. 1877, S. 76.)</p>
-
-<p>In der Nähe des erzgebirgischen Schlosses Eisenberg erhebt sich
-der sogenannte Seeberg, der seinen Namen von dem großen See führt,
-welcher einst seinen felsigen Fuß umspülte. An diesen Berg knüpft
-sich die Sage, daß er eine ganze Braupfanne voll Gold in seinem
-Innern berge. Aber es giebt nur ein Mittel, in denselben und zu
-dem Schatze zu gelangen, und dies ist folgendes: Wenn der Priester
-am Palmsonntage die Passionsgeschichte liest, öffnet sich eine geheime
-Thüre, durch welche man zu dem Golde gelangen kann, was jedoch
-bis Mittag 12 Uhr geschehen muß, da mit dem zwölften Glockenschlage
-die Thüre wieder bis auf Jahresfrist verschwindet.</p>
-
-<p>Im Jahre 1855, so erzählte ein Bauer aus jener Gegend, machte
-sich an dem besagten Tage ein Schneider mit noch zwei Gefährten auf
-den Weg nach dem Seeberge. Am Fuße desselben angelangt, eilte
-der Schneider voraus und bald hatte er seine schwerfälligeren Begleiter
-im Rücken. Er klomm von Felsen zu Felsen, durch Gesträuch und
-Gebüsch zum Gipfel hinan und gelangte bald auf einen grünen, baumfreien
-Platz, wo er seine Gefährten erwarten wollte. Allein er wurde
-fast starr vor Schrecken, als er in einer kolossalen Felsenwand plötzlich
-eine große geöffnete Thür erblickte, welche in einen langen, dunklen
-Gang führte. Als er seine Sinne wieder gesammelt hatte, konnte er
-deutlich Stöhnen, Bitten und Flehen um Befreiung aus dem Innern<span class="pagenum"><a id="Seite_245">[245]</a></span>
-des Berges vernehmen; er besann sich nicht lange, merkte sich die umstehenden
-Bäume wohl und lief in aller Eile zurück, um seine Kameraden
-zu holen. Diese waren jedoch noch weit zurück, und als er sie endlich
-erreicht, hörte er auch schon den zwölften Glockenschlag und zugleich
-einen furchtbaren Donnerschlag vom Berge her, daß alle drei dem
-Herannahen ihres letzten Stündleins schaudernd entgegensahen. Da
-aber der Himmel sonst ganz heiter war, auch die Natur vollkommen
-ruhig sich zeigte, ließen sich die beiden andern endlich bewegen, mit
-dem Schneider an die bezeichnete Stelle zurückzukehren. Dort angekommen,
-fanden sie jedoch statt der erwarteten Thüre nur die hochragende
-starre Felsenwand, die sie von früher her wohl kannten; von
-einer zu den Schätzen führenden Öffnung war keine Spur zu sehen. Dieser
-tragische Anblick versetzte nun den armen Schneider in ein abermaliges
-Erstarren, indem er das schon sicher gewähnte Glück mit einem Schlage
-vernichtet sah.</p>
-
-<p>Ob seit jener Zeit wieder irgend ein schatzsüchtiges Menschenkind
-den Versuch gemacht hat, dem Seeberge seine Schätze abzugewinnen,
-hat man nicht erfahren.</p>
-
-<h3 id="sec290">290. Die Teufelswand bei Blauenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgischer Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 322 etc.)</p>
-
-<p>Die granitene Teufels- oder Steinwand liegt zwischen Eibenstock
-und Blauenthal am linken Ufer der Bockau, ohngefähr 1000 Schritte
-von dem Punkte, wo sich dieses Wasser in die Mulde ergießt. In
-dieser Teufelswand befindet sich eine Höhle, von welcher die Sage
-folgendes erzählt: Als die Menschen in allerhand Laster verfielen,
-verlor sich auch der allgemeine Wohlstand und drückende Armut folgte.
-Um aber das Elend zu vollenden, hatten sich zehn reiche Bösewichter
-vereinigt, alle gute und gangbare Münzen, deren es damals bei weitem
-nicht so viel gab, als heut zu Tage, an sich zu bringen, damit in
-fremde Länder zu ziehen, sie daselbst mit jüdischem Gewinne gegen
-schlechte umzutauschen, diese ins Land zurück zu schaffen und nach und
-nach unter die Leute zu bringen. Dies gelang ihnen auch und zwar
-noch besser, als sie gehofft hatten.</p>
-
-<p>Einst fuhren sie auch mit einem Wagen Geld den böhmischen
-Wald hinan und gedachten noch vor Einbruch der Nacht eine Herberge
-zu erreichen. Da zogen von Norden herauf finstere, schwere Gewitterwolken;
-der Sturm sauste durch die hohen Fichten und riß so manchen
-Stamm mit seinen Wurzeln aus dem Boden. Die Reisenden konnten
-unmöglich weiter kommen und suchten deshalb ein nahes Obdach. Bald<span class="pagenum"><a id="Seite_246">[246]</a></span>
-kam einer von ihnen mit der Botschaft zurück, daß er unfern der
-Straße auf einer Anhöhe ein unbewohntes Schloß gefunden habe, in
-welchem sie wenigstens das Gewitter abwarten könnten. Sie ließen
-ihre Knechte bei dem Wagen und begaben sich an den bezeichneten Ort.
-Die Burg mochte schon lange von niemandem bewohnt gewesen sein,
-denn nur noch ein einziges Zimmer schützte unsere Reisenden vor dem
-herabstürzenden Regen. Sie setzten sich an eine halbvermorschte Tafel
-und nahmen die nötige Speise zu sich. Plötzlich tobte der Sturm noch
-schrecklicher, heftiger ergoß sich der Regen, dreifach durchkreuzten sich
-die Blitze und dreimal krachte der Donner. Im Nu stürzten die
-Mauern der Burg zusammen und ein gespaltener Felsen stieg aus ihren
-Trümmern empor.</p>
-
-<p>Unten am Wege aber lagen die von den Donnerschlägen betäubten
-Knechte unter dem Wagen, und sie erholten sich erst, als der Mond
-wieder die Wolken zerteilte. Mit Schrecken sahen sie nun, daß das
-Geld vom Wagen verschwunden war. Eben mochte die Mitternachtsstunde
-geschlagen haben, als eine lichte Gestalt sich dem Wagen näherte
-und durch langsames Winken den zitternden Knechten befahl, zu folgen.
-Sie thaten es und kamen an einen hohen Felsen. Von selbst sprang
-eine steinerne Thür auf, und sie traten in ein Gewölbe, wo ihre
-Herren an einer Tafel saßen und Geld zählten. Keiner sah sich um.
-Da sagte die Gestalt zu den Knechten folgende Worte: »Gehet hin
-und erzählt, was Ihr gesehen habt. So lange sind diese zehn Unholde
-verdammt, Geld zu zählen, bis einst ein Mann geboren werden wird,
-der zehn Armen ohne Eigennutz Wohlthaten erzeigt. Diesem sei es
-vergönnt, wenn er mit dem Kraute, welches Lunaria heißt, den Felsen
-berührt, dieses Gewölbe zu öffnen und alles vorhandene Geld mit sich
-zu nehmen.« Die Gestalt verschwand, und die Knechte lagen wieder
-unter ihrem Wagen.</p>
-
-<p>Zu Zeiten soll ein großes Getöse in der Teufelswand gehört werden,
-welches sich seit einigen Jahren sehr vermehrt haben soll.</p>
-
-<h3 id="sec291">291. Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge.</h3>
-
-<p class="source">(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 16.)</p>
-
-<p>Der Purberg bei dem Dorfe Tschernowitz bei Komotau trug vor
-langer Zeit auf seinem altehrwürdigen Haupte ein prachtvolles Schloß,
-von welchem nur noch einige Trümmer übrig geblieben sind. Vor
-seiner Zerstörung schon waren aber die Schätze, welche es in seinem
-Innern barg, verschwunden; Geister haben sie hinweggeräumt und bewachen<span class="pagenum"><a id="Seite_247">[247]</a></span>
-sie in den unterirdischen Räumen des Berges Tag und Nacht.
-Wenn man sich in der Nacht dem Berge nähert, so bemerkt man über
-gewissen Stellen blaue Flämmchen, die aber bald wieder verschwinden.</p>
-
-<p>Einstmals hüteten zwei Knaben Vieh auf dem Berge und, ohne
-sich um dasselbe viel zu kümmern, setzten sie sich nieder und spielten,
-nachdem sie sich vorher der Stiefeln entledigt hatten. Bald aber kamen
-sie miteinander in Streit. Der eine Knabe nahm jetzt den Stiefel
-von seinem Kameraden und warf ihn aus Bosheit in den Schloßbrunnen.
-Was war jetzt zu thun? Den Stiefel wollte und mußte der
-Beschädigte haben. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als in den
-Brunnen zu steigen und den Stiefel zu holen. Gedacht, gethan. Er
-hatte aber noch nicht den Wasserspiegel erreicht, als er zu seiner Rechten
-einen Gang gewahrte, in dessen Wölbung ein alter, stämmiger,
-weißbärtiger Mann stand; der Knabe erschrak, faßte sich aber sogleich
-und klagte dem Greise seine Not. Dieser gab dem Knaben den Stiefel
-aus Mitleid zurück; der Knabe dankte, kletterte zurück und kam glücklich
-wieder oben an. Aber welches Entsetzen! der Stiefel war schwer
-wie Blei! Er sah hinein und bemerkte einen großen Goldklumpen.
-Sobald der andere Knabe dieses sah, erwachte in ihm der Neid und
-die Habgier, und um sich ebenfalls einen solchen Schatz zu holen, stieg
-er auch in den Brunnen hinab, kam aber nie mehr zum Vorschein.</p>
-
-<p>Ein armer Mann, dessen Weib schwer krank darnieder lag und
-der überdies noch drei unmündige Kinder zu versorgen hatte, beschäftigte
-sich, um nur das tägliche Brot zu verdienen, mit dem
-Sammeln von Hadern und Papierabfällen, um sie dann zu verkaufen.
-Einmal, am Karfreitage, ging er an sein armseliges Tagewerk, hatte
-aber zu seinem großen Leide nichts von seinen gesammelten Effekten
-verkauft. Betrübt darüber, mit Thränen in den Augen, kam er an
-dem Purberge vorüber und dachte darüber nach, wovon er mit seinem
-Weibe und seinen hungrigen Kindern heute und morgen leben werde. Wie
-er so in Gedanken weiter geht, sieht er plötzlich einen alten Mann, der
-ihn fragt, worüber er so betrübt sei. Der Hadersammler erzählte ihm ganz
-aufrichtig seinen Kummer und sprach ihn zuletzt um ein Almosen an.
-Der alte Mann aber antwortete: »Geld habe ich zwar keines, aber
-gehe nur nach Hause, dort wird Dir schon geholfen werden.« Der arme
-Mann glaubte seinen Worten, und zu Hause angelangt, schüttete er
-seinen Korb mit dem Papier und den Hadern aus und entdeckte zu
-seinem größten Erstaunen am Boden des Korbes einen großen Goldklumpen.
-Von nun an war er ein wohlhabender Mann.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_248">[248]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec292">292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)</p>
-
-<p>Ein Weib, welches mit einer Gefährtin am Hohen Steine Holz
-sammelte, sah plötzlich, als sie sich aus ihrer gebückten Stellung aufrichtete,
-einen großen Haufen Gold vor sich, über dem ein zuckendes
-Flämmchen schwebte. Überrascht und erstaunt betrachtete sie mit gierigen
-Blicken das gleißende Metall und rief laut ihrer entfernten Gefährtin
-zu: »Komm' doch schnell hierher und hilf mir den großen Schatz in
-meinen Korb raffen, welcher hier liegt!« Kaum waren diese Worte
-ihrem Munde entflohen, als unter zischendem Geräusche der Schatz verschwand,
-und die Gerufene, welche eiligen Laufes herbeigekommen war,
-schalt jetzt ihre Genossin tüchtig aus, weil sie so unbedachtsam den Schatz
-beschrieen und ihn so zum Verschwinden gebracht habe.</p>
-
-<h3 id="sec293">293. Der Schatz in der Loh bei Schönau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer H. Schlegel aus Wildenfels.)</p>
-
-<p>In der sogenannten »Loh,« einem stellenweise sumpfigen, nach
-dem nahen Dorfe Schönau bei Wildenfels zu gelegenen Distrikte, soll in
-früher Zeit ein Raubschloß gestanden haben. Man sah an diesem Orte
-auch häufig des Nachts um die zwölfte Stunde ein kleines Licht, und
-als man daselbst nachgrub, fand man einen großen Schatz, welcher in
-einer kupfernen Pfanne lag.</p>
-
-<h3 id="sec294">294. Der Schatz auf der Geyersburg.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 196.)</p>
-
-<p>Oberhalb des Ortes Hohenstein bei der Haltestelle Mariaschein-Calvarienberg
-der Dux-Bodenbacher Bahn erheben sich auf dem 456 <em class="antiqua">m</em>
-hohen Bergsattel des Erzgebirgs die wildromantischen Ruinen der Geyersburg.
-In dem daselbst befindlichen unterirdischen Gange, welcher erst
-auf dem Teplitzer Schloßberge ausmünden soll, liegen ungeheuere Kostbarkeiten
-aufgespeichert, die man nur am Karfreitage innerhalb der
-Dauer der Frühmesse heben kann, vorausgesetzt, daß man dabei auch
-mit der erforderlichen Vorsicht zu Werke geht. Verstreicht dieser günstige
-Zeitpunkt, so schließt sich mit einem furchtbaren Schlage die Öffnung
-zu dem Raume, welcher, bewacht von neidischen Kobolden, die Schätze
-birgt, und der Suchende ist unrettbar verloren. So sollen vor einiger
-Zeit zwei Bergknappen es gewagt haben, in den Stollen einzudringen;<span class="pagenum"><a id="Seite_249">[249]</a></span>
-dem einen war das Glück insofern günstig, als er, wenn auch ohne die
-gehofften Schätze, jedoch wenigstens mit heiler Haut davon kam, während
-der zweite infolge seiner Verspätung aus dem unheimlichen Raume
-nicht mehr zurückkehrte.</p>
-
-<h3 id="sec295">295. Die Schätze bei der Prokopikirche in Graupen.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 192.)</p>
-
-<p>Die Sage weiß von großen Schätzen zu erzählen, welche neben
-und unter der Prokopikirche in Graupen verborgen liegen. Sie sollen
-in Kriegszeiten eingegraben worden sein. Vor Jahren pflügte auf dem
-nahen Felde ein Landmann; plötzlich sah er einen elegant gekleideten
-jungen Mann vor sich stehen, der bald ein Gespräch mit ihm anknüpfte
-und sich eingehend um seine Verhältnisse erkundigte. Der Mann klagte
-über die schweren Zeiten, über harte Arbeit und schmalen Verdienst.
-»Ei was,« rief der rätselhafte Fremde aus, »da ist Euch bald geholfen;
-geht nur auf den Friedhof der Prokopikirche, dort werdet Ihr knapp
-an der Friedhofmauer auf einem Grabhügel ein weißes Tuch erblicken.
-An dieser Stelle müßt Ihr so lange graben, bis Geld zum Vorschein
-kommt. Finden müßt Ihr es sicher; die Tiere dürft Ihr aber unter
-keiner Bedingung auf den Friedhof führen.« Darauf verschwand der
-Jüngling. Der Bauer zog noch einige Furchen, bis die Turmuhr die
-zwölfte Mittagsstunde ankündigte. Er wollte aber seine Ochsen nicht
-allein lassen und dachte bei sich: Der Jüngling ist ja nicht da und
-weiß nichts davon, wenn ich sie mitnehme, zudem postiere ich sie ja
-ohnehin nur am Eingange. Gesagt, gethan; er betrat den Friedhof
-und bald war auch das bezeichnete Grab gefunden. Nun gings rasch
-an die Arbeit und, o Wunder! mit einem Male blenden gleißende
-Goldstücke, die eine große, geöffnete Kiste füllen, seine Augen. Er will
-darnach greifen, da tritt ein nebelhaftes, graues Männchen dazwischen,
-schlägt mit Gewalt den Deckel wieder zu und deutet mit wilder Geberde
-dem Manne an, er möge sich mit seinem Gespanne gleich von hier
-entfernen und den heiligen Ort nicht fürder entweihen. Kaum war
-er mit den Tieren draußen, so schlossen sich auch die beiden Thorflügel
-mit solcher Wucht, daß ihm der Schlag durch Mark und Bein ging.
-Das schlaue Bäuerlein ließ sich indeß durch diesen fruchtlosen Versuch
-nicht abschrecken, ging später wieder auf den Friedhof und grub aus
-Leibeskräften an jener Stelle; aber die Kiste mit den Goldstücken hat
-er nicht wieder gesehen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_250">[250]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec296">296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)</p>
-
-<p>In der großen Mühle, welche früher zum Rabenauer Schlosse
-gehörte und durch einen unterirdischen Gang mit demselben verbunden
-gewesen sein soll, war von Raubrittern ein großer Schatz verbannt,
-der nur von einem ganz unbescholtenen Mädchen von zwanzig Jahren
-gehoben werden konnte. Dieser Schatz wurde von zwei kleinen Schattenmännchen
-bewacht, welche von vielen Leuten gesehen worden sind. Diese
-Männchen besuchten das Mühlengebiet öfter und sobald sie dasselbe betraten,
-blieben alle Werke stehen und waren nicht eher wieder in Gang
-zu bringen, bis die Schattenmännchen wieder fort waren. Sie nahmen
-ihren Rückweg jedesmal durch die zum Wasserbett führende Thür, gingen
-über letzteres weg und verschwanden bei dem daneben befindlichen Keller.
-Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts wurden dieselben gesehen, und genau
-nach hundert Jahren sollen sie wieder erscheinen, wenn der Schatz
-inzwischen nicht gehoben wird.</p>
-
-<p>Ein Mädchen, welches sich vorgenommen hatte, den Schatz zu
-heben, wurde von ihren Angehörigen gewaltsam daran verhindert, die
-Mühle zu betreten, um sie vor Unheil zu bewahren; sie gebärdete
-sich wie wahnsinnig, so daß man sie anbinden und anschließen mußte;
-darauf verfiel sie in eine hitzige Krankheit und starb bald.</p>
-
-<p>Ende vorigen Jahrhunderts soll ein Besitzer der Mühle, dessen
-Name vormals auch genannt wurde, mit Hülfe eines Geistesbeschwörers
-den vergrabenen Schatz auch zum Teile gehoben haben; dafür wurde
-er aber von den Geistern so geplagt und verfolgt, daß er die Mühle
-verkaufte und sich bei Dresden von dem Schatze ein großes, schönes
-Grundstück erwarb.</p>
-
-<p>Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts ließen sich Geister in der
-Mühle sehen, welche den damaligen Besitzer überall so arg verfolgten
-und in Furcht setzten, daß er zuletzt in Wahnsinn verfiel.</p>
-
-<h3 id="sec297">297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgetheilt von Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)</p>
-
-<p>Vor 50 bis 60 Jahren standen von dem Rabenauer Schlosse
-noch mehrere Mauern und Gewölbe und auch ein Altan. Da erzählten
-alte Leute, frühere Raubritter hätten in dem Schlosse einen Schatz
-vergraben, welcher von einer großen, schwarzen Henne mit feurigen Augen
-versetzt oder verbannt sein sollte; diesen Schatz konnte nur derjenige
-finden, welcher eine gleiche Henne mit zur Stelle brachte. Die versetzte<span class="pagenum"><a id="Seite_251">[251]</a></span>
-Henne ließ sich von Zeit zu Zeit sehen und scharrte und kratzte grade
-auf der Stelle des Schloßhofes, wo der verbannte Schatz lag,
-verschwand aber jedesmal, wenn sich ihr ein Mensch näherte. Schon
-in früherer Zeit hat man fleißig Schatzgräberei im Schlosse unternommen
-und sogar bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts allen Ernstes
-Schätze gesucht, aber stets ohne Erfolg.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Hühner sind mythische Tiere. Sagen erzählen von Hühnern, welche goldene
-Eier legen; auch nehmen nach einem böhmischen Aberglauben Kobolde die Gestalt
-schwarzer Hühner an. Sollte die schwarze Henne unserer Sage ein solcher Schatz
-hütender Kobold, und die Henne, welche der Schatzgräber mitzubringen hat, ein
-Opfer sein, welches den unterirdische Mächten darzubringen ist? &ndash; Auf dem Burgberge
-bei Mulda, wo ebenfalls nach der Sage ein Schatz vergraben liegt, läßt sich
-ein Huhn sehen, welches jedoch ein verzauberter Burgherr sein soll.</p></div>
-
-<h3 id="sec298">298. Das Aberthamer »Fels'l.«</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)</p>
-
-<p>Nördlich von Abertham, dort, wo fruchtbarer Ackerboden und ein
-ziemlich ausgedehntes Torfmoor sich scheiden, erhebt sich eine eigentümliche
-Felspartie, im Volksmunde »das Fels'l« genannt. Der
-Sage zufolge sind diese Felsen eine Burgruine, in deren Innerem
-große Schätze an Gold- und Silbermünzen, Edelsteinen und Perlen
-verzaubert liegen. Der Zutritt zu denselben soll sich während der
-Christmette und der Passion am Karfreitage öffnen. Aber schon
-mancher, der die vermeintlichen Schätze an genannten Tagen heben
-wollte, holte sich durch das lange und vergebliche Zuwarten bei stürmischem
-Wetter nicht unbedeutende Krankheiten. Bis in die dreißiger
-Jahre machten Personen, deren Söhne heute noch leben, den Versuch,
-der Schätze habhaft zu werden.</p>
-
-<h3 id="sec299">299. Der Tümpelstein bei Klösterle.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 79.)</p>
-
-<p>Der Tümpelstein ist ein großer, unterhalb Klösterle in den Egerfluß
-vorspringender Felsen. Sein Inneres enthält der Sage nach ungeheuere
-Schätze, die von verwunschenen Rittern bewacht werden; nur
-am Karfreitage während des Gottesdienstes ist der sonst unsichtbare
-Eingang offen, und die angehäuften Schätze sind sodann den Menschenkindern
-zugänglich.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_252">[252]</a></span></p>
-
-<p>Eine Mutter mit ihrem Kinde ging gerade am Karfreitage an
-dem Felsen vorbei und erblickte in der offenen Höhlung geschäftige
-Männchen, die ein Festmahl vorrichteten und ihr winkten, einzutreten
-und von den Schätzen zu nehmen. Die Frau trat schüchtern ein, setzte
-das Kind auf den Boden nieder und begann eifrig ihre Schürze mit
-Goldbarren und Edelsteinen zu füllen, als sich, da der Gottesdienst in
-der Kirche schon zu Ende war, das Felsenthor mit großem Getöse
-wieder schloß. Die Frau mußte nun ein ganzes Jahr im Felsen zubringen,
-während welcher Zeit das Kind kräftig und stark wurde. Am
-nächstfolgenden Karfreitag konnte die Frau frisch, gesund und mit
-Schätzen beladen nach Hause ziehen; von ihr erfuhr man auch, daß
-die Wächter, sobald der Eingang sich geschlossen, zu Stein verwandelt
-wurden.</p>
-
-<p>Einst pflügte am Karfreitage ein Bauersmann in der Nähe des
-Felsens, erblickte ihn offen und sah darin allerlei Gestalten, die Vorbereitungen
-zu einer Hochzeit machten. Im Vorbeigehen rief er hinein:
-»Backet mir auch einen Kuchen mit!« Er ackerte dann rüstig bis zum
-Mittag fort, dann spannte er aus, gab den Ochsen zu fressen und nahm
-auch selbst sein mitgebrachtes Mittagsmahl ein. Schon hatte er eine
-Weile still gesessen, als ein winziges Männlein erschien und die bestellten
-Kuchen auf den Pflug legte. Der Bauer, eine Vergiftung fürchtend,
-hatte nicht den Mut, die Kuchen selbst zu verzehren; er zerbröckelte
-sie und fütterte seine Ochsen damit. Als er damit fertig war, erschien
-jenes Männlein wieder, drohte ihm mit dem Finger und sagte: »Weil
-du unsere Kuchen verschmähst, die du selber bestellt hast, so soll für
-diesen Undank deine Wirtschaft kein Glück und keinen Segen mehr
-haben.« Und diese Prophezeiung ging wirklich in Erfüllung, den Bauer
-traf Unglück über Unglück, er mußte endlich das Haus mit den Feldern
-verkaufen und wurde ein armer Mann.</p>
-
-<h3 id="sec300">300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein bei Zöblitz.</h3>
-
-<p class="source">(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)</p>
-
-<p>Unweit der Stadt Zöblitz an den Ufern der Pockau liegen die
-Ruinen der alten Burgen Ober- und Niederlauterstein. Die Burg
-Oberlauterstein, ¼ Stunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer
-auf einer felsigen Bergecke, wurde schon im Jahre 1430 von den
-Hussiten, die eben von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke
-herkamen, geschleift. Das Schloß Niederlauterstein, nur einige Minuten
-unterhalb davon am linken Pockauufer, erhielt sich über 200 Jahre
-länger. Vieles erzählt man sich von den früheren Besitzern desselben,<span class="pagenum"><a id="Seite_253">[253]</a></span>
-den Herren von Berbisdorf, deren einer 1530 bei einem Brande des
-Schlosses auf schreckliche Weise sein Leben verlor. Es war Georg von
-Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis von 90 Jahren. Um ihn vom
-Flammentode zu retten, wollte man ihn, in Tücher gewickelt, zu einem
-der Fenster herablassen, allein die in der Eile nicht festgeknüpften
-Knoten lösten sich und der unglückliche Alte wurde an den Felsen zerschmettert.
-Nachdem im Jahre 1559 Kurfürst August das Schloß von
-Kaspar von Berbisdorf gekauft und zum Sitz eines Amtes bestimmt
-hatte, wurde es im März 1639, als am Gründonners- und Karfreitage
-Banners Schaaren die ganze Umgegend verwüsteten, von drei
-schwedischen Reitern in Brand gesteckt und nun von seinen Bewohnern
-verlassen. So weit die Geschichte.</p>
-
-<p>In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses Niederlauterstein
-sollen 3 Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und breit, mit lauter
-gemünztem Golde gefüllt. In einem andern Kessel liegen Edelsteine,
-Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene Krone aus den
-Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten ist ein Mönchlein
-aus Prag gekommen in schwarzen Kleidern, klein von Person
-und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber im
-Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor Erstaunen.
-Die Gewölbe schlossen sich, und von ihren Kleinodien, sowie
-von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.</p>
-
-<p>Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des
-Abends nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah
-sie auf der Höhe eine kleine Kapelle, deren Thüre offen stand. Neugierig
-stieg sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf
-die Erde, ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor
-dem Altare gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze,
-als sie tragen konnte; freudenvoll eilte sie damit nach Hause, ihr
-Kind und die Beeren vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben,
-gedachte sie ihres armen Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine
-ankam, war die Kapelle verschwunden, aber auch ihr Kind. Jammernd
-und klagend ging nun das arme Weib täglich zur Ruine; sie
-verwünschte das Gold und wollte es gar nicht wieder ansehen; das
-Liebste fehlte ihr ja &ndash; ihr unschuldiges Kind. So trieb sie es Jahre
-lang. Als sie nach drei Jahren an demselben Tage abermals mit
-verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte, siehe, da zeigte
-sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und traf vor dem
-Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie es an ihr
-mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu denken,
-nach Hause. Als sie den Berg hinunter ging und sich umschaute, war<span class="pagenum"><a id="Seite_254">[254]</a></span>
-die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier
-eine Grafschaft, gründete ein Kloster und that von ihren Schätzen
-den Armen viel Gutes.</p>
-
-<h3 id="sec301">301. Die Schätze von Oberlauterstein bei Zöblitz.</h3>
-
-<p class="source">(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)</p>
-
-<p>Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht 300 Jahren in
-der Nähe des Oberlautersteins. Es war Abend geworden, und eben
-wollte er nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer
-ein Mann in alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine
-große Höhle, in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der
-bestürzte Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der
-alte Ritter winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen
-ordinären Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann darnach. Sogleich
-geschah ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden,
-und der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der
-Hand haltend. Er ging nach Hause; aber da ihm der Ziegelstein zu
-schwer wurde und er sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und
-zu Hause auslachen lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. »Nun,
-Mann, wie siehst Du nur aus?« fragte ihn zu Hause mürrisch und
-spottend die Frau; »Du glänzt ja, als wenn Du vergoldet wärst am
-Ärmel.« Der Mann sah nach und erblickte den reinsten Goldstaub an
-den Händen und seinen Kleidern. Nun erzählte er seine Geschichte am
-Schloßfelsen. Am andern Morgen suchte er bei guter Zeit nach dem
-weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern. Allein umsonst; den
-edlen Stein hat niemand wieder gesehen.</p>
-
-<p>Am Sylvestertage nachts 12 Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz
-das neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage
-der hohe Fels des Oberlautersteins und ein Zuschauer kann vom Thale
-aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackern
-Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich
-die Höhle wieder und die Braupfanne sinkt in die Tiefe.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Sage von Ziegelsteinen, welche sich in Gold verwandeln, lebt auch im
-Fichtelgebirge. Ist sie von dort her in unser Gebirge verpflanzt worden? In Gestalt
-von Ziegelsteinen erscheinen nämlich die Schätze des Waldsteins. Wer den
-Fund als unscheinbar oder lästig von sich schleudert, erkennt an den goldglänzenden
-Spuren, die Kleid und Hand zeigen, mit Reue, daß er sein Glück weggeworfen.
-(L. Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 20.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_255">[255]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec302">302. Der Silbermann bei Pürstein.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgszeitung 1880, S. 67.)</p>
-
-<p>In der Gegend des Pürsteins befindet sich Silbererz in der Gestalt
-eines Mannes, dessen Körper im Buchwald ruht, dessen Füße nach
-Joachimsthal und dessen einer Arm nach Sachsen hinausragt, während
-der andere Arm im Tannelberge liegt.</p>
-
-<p>Auf Grund dieser Sage bildete sich 1870 eine Gesellschaft mit
-128 Anteilen, die den alten Silberberg beim Friedhof wieder aufmachte.
-Die dabei aufgefundenen alten Gänge sind verfallen, sollen
-sich aber ununterbrochen bis gegen Joachimsthal ziehen, so daß der
-Sage nach ein Arbeiter von hier den andern von dort rufen konnte.</p>
-
-<h3 id="sec303">303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 130; z. T. mündlich.)</p>
-
-<p>Ein ehemaliger Besitzer des Schlosses Rabenstein (die Sage bezeichnet
-ihn als einen Herrn von Carlowitz), der sehr mißgestaltet gewesen,
-soll in dem Schlosse an einem unbekannten Orte eine Pfanne
-voll Gold vergraben haben mit dem Bannspruche, daß ein Besitzer des
-Schlosses aus seiner Familie, welcher eben so bucklig wie er sei, den
-Schatz finden und heben sollte.</p>
-
-<p>Erzählt wird noch, daß von dem Schlosse zu Rabenstein vor
-Zeiten ein unterirdischer Gang nach Schloß Chemnitz geführt habe.</p>
-
-<h3 id="sec304">304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.</h3>
-
-<p class="source">(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 19. 20.
-Ziehnert, Sachsens Volkssagen. 4. Aufl., Pros. Anhang, No. 4;
-z. T. mündlich.)</p>
-
-<p>Mitten auf der Rainung der beiden Dörfer Reichenau und
-Hermsdorf im Amte Frauenstein, am Kreuzwald, hart an der Straße
-nach Böhmen, steht ein kleiner Stein mit der Bezeichnung »Kapelle«;
-hier stand noch bis 1876 ein Teil des Mauerwerks der Kapelle zum
-heiligen Kreuz oder der sogenannten wüsten Kirche, welches in dem
-genannten Jahre abgetragen und als Straßenbaumaterial verwandt
-wurde. Von der Erbauung und Zerstörung dieser Kapelle weiß man
-wenig; wohl aber erzählt die Sage, daß unter derselben eine ganze
-Braupfanne voll Gold stehe und zwölf Fässer alten Weins vergraben
-seien. Viele haben schon danach gegraben; daß aber von den Schatzgräbern<span class="pagenum"><a id="Seite_256">[256]</a></span>
-allen auch nur einer etwas gefunden hätte, davon will niemand
-etwas wissen. Auch soll sich daselbst des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr
-zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen lassen, und man erzählt, daß
-um diese Zeit einmal an dem Orte einem früheren Pfarrer von Hermsdorf
-etwas passiert sei, was derselbe aber anderen nicht mitgeteilt
-habe.</p>
-
-<h3 id="sec305">305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Im Orte Rechenberg südlich von Frauenstein sieht man nahe der
-Kirche auf einem Felsen die Ruinen eines Schlosses, welches vielleicht
-zur Bewachung der alten Zollstraße nach Böhmen erbaut wurde und
-das nach der Sage durch einen unterirdischen Gang mit dem Schlosse
-Frauenstein in Verbindung stand. In der Nähe des Schlosses zeigt
-man noch die Überreste von Wällen, und als man am Fuße desselben
-die Schule baute, traf man auf alte Gänge, welche anzusehen viele
-Leute weit her kamen; doch konnte man nicht tief in die Gänge eindringen.
-In manchen Nächten will man oben in der Ruine ein Licht
-gesehen haben. Erzählt wird, daß in den Gewölben große Schätze in
-einer Braupfanne liegen, wer dieselben heben will, muß seine eigene
-Tochter zum Opfer bringen; dieselbe muß aber weißhaarig sein. Doch
-hat auch einmal ohne solches Opfer ein Mann einen kleinen Teil des
-Schatzes gehoben. Als nämlich einst ein Bierknecht des früheren Rittergutes
-vom Berge herab fuhr, sah er von ferne auf der Ruine ein
-Licht. Er ging hinauf und sahe darauf an dem Lichte dreihundert
-Thaler liegen, welche er einsteckte und mitnahm. Nach vier Wochen
-war er jedoch tot.</p>
-
-<h3 id="sec306">306. Der Schatz des Tschinnersteins bei Brandau.</h3>
-
-<p class="source">(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)</p>
-
-<p>Geht man von Brandau auf dem Fahrwege über den »Hof« hinaus
-in den Wald, so findet man links leicht einen nicht zu großen
-schräg liegenden Stein, über den die Kinder oft herabrutschen oder
-»tschinnern«. Dieser Stein soll den Eingang in eine reiche Schatzkammer
-verschließen, und Sonntagskinder können dort am Ostermontage um 12
-Uhr ein Schloß sehen und den Schatz heben, wenn es ihnen gelingt,
-schnell die Thür des Schlosses zu erreichen. Doch schnell müssen sie
-sein, da das Schloß gewöhnlich entflieht und den habgierigen Schatzjäger
-irre führt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_257">[257]</a></span></p>
-
-<p>Einige Frauen rupften in der Nähe des Tschinnersteins Moos
-und hatten ihre Körbe auf den Stein gestellt. Als sie dieselben um 12
-Uhr holen wollten, um das Moos nach Hause zu tragen, waren sie
-verschwunden. Schreiend entfernten sich die Frauen, bis auf eine, die
-nach einer halben Stunde ihren Korb wiederfand, den Boden mit Gold
-bedeckt.</p>
-
-<p>Ein Knabe hütete am Tschinnerstein. Da scharrte eine Kuh einen
-Topf von Silbergeld heraus, das er seinem Vater gab. Wenn das
-Geld auch nicht mehr gangbar war, so wurde dieser doch dadurch reich,
-indem er es verkaufte.</p>
-
-<h3 id="sec307">307. Der Heldenberg bei Seifen.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 78.)</p>
-
-<p>Auf dem öden und rauhen Kamme des Erzgebirges erhebt sich
-bei dem böhmischen Kirchdorfe Seifen der Heldenberg, der vor vielen
-Jahren mit einem dichten, fast undurchdringlichen Hochwalde bedeckt
-war. In diesen ging einst ein blutarmer Holzhacker, um Holz zu
-fällen. Als er in die Mitte des Waldes kam, vernahm er mit einemmale
-im nahen Gebüsche ein ungewöhnliches Geräusch. Unverweilt
-schritt er darauf zu und sah unter der Erde durch das Moos reines
-gediegenes Gold hindurchschimmern. Dem Holzhauer klopfte das Herz
-voll Freude über den unerwarteten Fund, der nun für immer seiner
-bitteren Armut abhelfen sollte. Er lief über Stock und Stein, durch
-dick und dünn nach Hause, um sich zum Ausgraben des edlen Metalles
-die nötigen Werkzeuge, als Spitzhaue und Schaufel, zu holen. Als
-der Überglückliche aber zu derselben Waldesstelle zurückgekehrt war,
-fand er weder das Gebüsch, noch schimmerte ihm vom Boden Gold
-entgegen; alles war verschwunden. Darob war der Holzhauer tief betrübt;
-er mußte nun bis zu seinem Tode sein hartes Los, Holz zu
-fällen, ertragen.</p>
-
-<p>Die Sage erzählt weiter, daß einmal eine ganz schwarze Kuh über
-diese reichen Goldlager gehen und sie aufwühlen wird. Dann soll aus
-dem jetzt unansehnlichen Orte Seifen eine große blühende Bergstadt entstehen,
-die den stolzen Namen Heldenberg erhalten wird.</p>
-
-<h3 id="sec308">308. Der Schatz des Braunsteins bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 46.)</p>
-
-<p>Ein Hirtenjunge aus der Petermühle weidete einmal in der<span class="pagenum"><a id="Seite_258">[258]</a></span>
-Nähe des Braunsteins sein Vieh. Da sah er plötzlich, als er den Berg
-hinanstieg, eine offene Thür, die er sonst nie bemerkt hatte. Unwillkürlich
-trieb ihn eine innere Stimme an, in das Gewölbe hineinzugehen.
-Daselbst erblickte er eine Kiste mit großen Schätzen. Davon
-nahm er so viel, als seine Taschen fassen konnten, und ging vergnügt
-zu seiner Viehherde zurück. Zu Hause angekommen, versteckte er das
-Geld in seinem Koffer. Aber trotz aller Vorsicht hörte die Magd das
-Klingen der Münzen und zeigte dies ihrem Herrn, dem alten Mühlpeter,
-an, der den Jungen wegen des Geldes zur Rede stellte. Derselbe
-erzählte nun das wunderbare Ereignis und versprach seinem
-Herrn den Eingang zu den unermeßlichen Schätzen zu zeigen. Als
-jedoch beide am nächsten Tage zum Braunsteine kamen, war zu ihrer
-höchst unliebsamen Überraschung das Felsenthor unsichtbar. Der Mühlpeter
-kaufte bald darnach dem Hirtenjungen ein neues Gewand, gab
-ihm das größte Goldstück und schickte ihn in die Fremde. Das übrige
-Geld behielt er für sich und ward, freilich auf ungerechte Weise, ein
-reicher Mann.</p>
-
-<p>Ein anderer Hirtenjunge, der gleichfalls am Fuße des Braunsteins
-hütete, sah eines Tages eine Menge kleiner, buntgefärbter Leinwandfleckchen
-auf der Erde liegen. Um den Kindern seines Herrn bei
-seiner Heimkehr eine Freude zu bereiten, suchte er die schönsten Flecke
-aus und steckte sie in seine Hirtentasche. Um die Mittagsstunde trieb
-er seine Viehherde nach Hause. Als er diese im Stalle versorgt hatte,
-ging er in die Stube und wollte die mitgebrachten Geschenke verteilen.
-Er griff in die Tasche, doch siehe! statt der bunten Flecklein zog er
-lauter funkelnde Goldstücke heraus. Darob herrschte unbeschreibliche
-Freude im ganzen Hause. Nur der geldgierige Herr gab sich mit dem
-erhaltenen Gelde nicht zufrieden, sondern schickte den Jungen eiligst
-zurück, damit er alle Leinwandflecke sammle und heimbringe. Als derselbe
-fast atemlos zur Fundstelle kam und mit einemmale ein Zwerg
-vor ihm stand, stiegen ihm vor Furcht die Haare zu Berge, und kein
-Wort kam über seine Zunge. Doch das Männlein, das die Ursache
-seines Kommens wußte, sprach zornentbrannt zu dem Jungen: »Du
-bist zwar unschuldig, aber Dein habsüchtiger und ungenügsamer Herr
-hat Dich hierher geschickt, um den ganzen Schatz zu gewinnen. Dafür
-soll er hart gestraft werden, er soll &ndash; verarmen!« Hierauf verschwand
-der Zwerg. Vor Angst und Schrecken eilte der arme Hirtenjunge durch
-dick und dünn heim, erzählte das eben Geschehene und starb bald darauf.
-Auch des Zwergleins Prophezeiung ging buchstäblich in Erfüllung;
-denn der Herr des Jungen kam an den Bettelstab.</p>
-
-<p>So muß gar oft der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_259">[259]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec309">309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 41.)</p>
-
-<p>Geht der Wanderer von Schlackenwerth durch das enge, anmutige
-Weseritzthal nach Joachimsthal, und klettert er, bei der sogenannten Petermühle
-(Schöffl-Mühle) angekommen, zur Rechten am reichbewaldeten
-Bergabhange empor, so gelangt er zum Braunstein, einem Bergkegel,
-welcher vor einigen Jahren mit Wald gekrönt war, jetzt aber nahezu
-gänzlich abgeholzt ist. &ndash; Auf dem Braunsteine stand, wie der Volksmund
-erzählt, in uralten Zeiten ein Schloß, dessen Nähe jeder Umwohner
-scheute. Obgleich es unbewohnt war, sah man doch in stürmischen,
-finstern Nächten die Fenster des Schlosses prachtvoll beleuchtet,
-und mancher Pilgrim, der dasselbe aus Neugierde betrat, kehrte nicht
-mehr zurück. &ndash; Trotz alledem schlug einmal ein herzhafter Handwerksbursche
-alle Warnungen in den Wind und lenkte eines Abends, als
-die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, seine Schritte dem
-gefürchteten Schlosse zu, um dort zu übernachten. Ringsumher herrschte
-tiefes Schweigen. Er stieg die Treppe empor, schritt durch das hohe
-Portal ungehindert fürbaß und gelangte in einen geräumigen, tageshell
-erleuchteten Saal, in welchem eine lange Tafel stand. An dieser nahm
-er Platz und verfiel allmählich gegen seinen Willen in einen festen Schlaf.
-Um die Mitternachtsstunde aber weckte den Handwerksburschen ein heftiges
-Klopfen. Er erwachte und erstaunte, daß die Tafel gedeckt und
-mit Speisen und Getränken in Fülle beladen war. Da öffnete sich
-plötzlich die Thür, und in den Saal trat ein graubärtiger Greis, dem
-seine Familie folgte. Nachdem die Angekommenen sich an die Tafel
-gesetzt hatten, unterbrach der Alte das Stillschweigen, indem er sagte:
-»Willkommen, Fremdling, in meinen Hallen! Hier hast Du Speise und
-Trank im Überfluß; iß und trink, was Dir beliebt!« Darnach wollte
-er ohne weiteres die Mahlzeit einnehmen, doch der Wandersmann sprang
-im Nu von seinem Sitze auf, gab dem Greise einen derben Backenstreich
-und rief: »Beten muß man, bevor man ißt!« &ndash; Diesen Worten
-folgte ein furchtbarer Donnerschlag, worauf der Alte sagte: »Habe
-Dank, braver Geselle, Du hast durch Deine Frömmigkeit mich und die
-Meinen erlöst! Vernimm in Kürze meinen Lebenswandel! Mein Vater
-war ein mächtiger Ritter, meine Mutter eine gute und fromme Frau.
-Als einziger Sohn war ich der Eltern Stolz und wurde mit größter
-Liebe und Sorgfalt erzogen; allein ich bereitete denselben für ihre
-Mühen und Opfer nur unsägliches Herzeleid. Denn am Gebete fand
-ich keinen Gefallen, verhöhnte alles, was dem Menschen heilig und
-ehrwürdig sein muß, und sank in meiner Verblendung immer tiefer<span class="pagenum"><a id="Seite_260">[260]</a></span>
-und tiefer. Zuletzt zog ich als Familienvater Frau und Kinder mit
-ins Verderben. Aber Gottes gerechtes Strafgericht ereilte uns bald.
-Eins nach dem andern starb und wurde in dieses Schloß entrückt mit
-der Bestimmung, hier so lange zu hausen, bis ein frommer Mensch uns
-erlösen würde. Viele kamen schon vor Dir, allein da sie unlauteren
-Herzens waren, fanden sie insgesamt ihren Tod. Auch Dich hätte
-ein gleiches Los getroffen, wenn Du nicht gottesfürchtig gewesen wärest.
-Du kannst Dir nicht denken, welche Angst mich befiel, als ich Dich
-versuchte. Hättest Du die Probe nicht bestanden, so müßten wir noch
-länger in diesen Räumen verwünscht umherwandeln. Jetzt komm' und
-folge mir!« Der Handwerksbursche willfahrte dieser Aufforderung und
-so führte ihn der Greis abwärts in einen weiten Gang, wo dem Eintretenden
-Kessel mit Gold und Silber entgegenblinkten. »Nimm von
-diesen Schätzen,« hub der Alte an, »so viel Du tragen kannst; laß
-jedoch davon eine Kapelle erbauen, und gieb den Armen und Notleidenden
-reichliche Almosen.« Nach diesen Worten verschwand er. &ndash; Der
-Fremdling that, wie ihm geheißen, und verließ ungesäumt das Schloß,
-das schon längst von der Bergeshöhe in Staub gesunken ist. Er erfüllte
-aber auch aufs Gewissenhafteste des Greises Begehren und blieb
-glücklich sein Leben lang.</p>
-
-<h3 id="sec310">310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 296.)</p>
-
-<p>In der Umgegend von Graslitz erhebt sich der Hausberg, von
-welchem viele Sagen erzählt werden. Früher sollen darauf die Überreste
-einer Burg gesehen worden sein; sie wurden aber zum Baue einer
-großen Fabrik verwendet.</p>
-
-<p>Einem Weibe träumte einmal, sie solle in den Hausberg gehen,
-dort würde ihr ein schwarzes Zicklein mit feurigen Augen begegnen,
-dem solle sie folgen. Als sie erwachte, erzählte sie den Traum ihrem
-Manne; dieser aber ärgerte sich darüber und verbot ihr zu gehen. Da
-ihr aber in der zweiten und dritten Nacht das nämliche träumte, ging
-sie doch auf den Berg. Und wirklich, dort kam ihr ein schwarzes Zicklein
-entgegen, das hatte feurige Augen und meckerte ihr freundlich zu.
-Sie folgte dem Zicklein und kam in eine Höhle, wo das Zicklein verschwand.
-In der Höhle aber erblickte sie eine schöne Jungfrau, die
-winkte ihr zu und füllte ihr die Schürze mit den Steinen, die neben
-ihr lagen. Hierauf entfernte sich das Weib und als sie heimkam, hatte
-sie goldene Münzen in der Schürze. Der Berg soll sich regelmäßig<span class="pagenum"><a id="Seite_261">[261]</a></span>
-am Karfreitage während der Passion öffnen. Eine Mutter, die zu
-dieser Zeit eindrang und von den Schätzen, die darin aufgespeichert
-sind, nahm, vergaß ihr Kind darin, fand es aber nach einem Jahre
-unversehrt wieder, von einer Jungfrau behütet.</p>
-
-<h3 id="sec311">311. Der Schatz zu Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 34.)</p>
-
-<p>Im nördlichen Stadtteile von Joachimsthal, im sogenannten
-Oberthal, stand vor Jahren hart an der Gartenmauer, welche sich rückwärts
-des Hauses Nr. 106 befindet, ein stark gewachsener Hollunderstrauch.
-Da die Wurzeln desselben immer tiefer in die ohnedies sehr schadhafte
-Mauer eindrangen, war diese dem Einsturze nahe, deshalb schickten
-sich die beiden Nachbarn Anton und Franz an, die Mauer abzutragen.
-In der Mitte derselben fanden sie beim Abräumen einen irdenen Topf
-mit Kirschkernen, von denen jeder eine kleine Öffnung hatte, als ob
-er von einem Käfer angebohrt worden wäre. Einer der Nachbarn
-nahm den Topf und schleuderte ihn an einen Stein, so daß die Scherben
-und Kirschkerne auf ein Häufchen zusammenfielen. Dies geschah um
-die Mittagsstunde, als auf dem nahen Kirchturme die Glocke ertönte. &ndash;
-Die beiden Männer begaben sich hierauf nach Hause, um ihr Mahl
-einzunehmen, und erzählten ihren Angehörigen von dem Funde im
-Garten. Diese gingen, von Neugierde gequält, sogleich an Ort und
-Stelle, um den merkwürdigen Fund zu betrachten; allein weder ein
-Scherben noch ein Kirschkern war zu finden. Auch die Nachbarn, die
-mit Eifer an der Abtragung der Gartenmauer fortarbeiteten, sahen
-nicht die geringste Spur von dem früher verschmähten Funde, der ein
-großer Schatz gewesen sein soll.</p>
-
-<p>Bald darauf ging Elisabeth, die Wirthschafterin des Besitzers
-jenes Hauses, während des Abendläutens nach dem Hintergebäude,
-wo eine Fallthür in den Keller führte, und bemerkte darauf ein Häufchen
-glühender Kohlen. Bestürzt eilte sie zu ihrem Herrn und fragte
-ihn, ob er auf die Kellerthür Asche geschüttet habe, was er mit Entschiedenheit
-verneinte. Um sich aber zu überzeugen, liefen beide zur
-Fallthür, das Gluthäufchen jedoch war verschwunden.</p>
-
-<p>Über der Gasse, dem oben bezeichneten Hause gegenüber, befand
-sich zwischen zwei Häusern ein überaus schmaler, freier Raum, wo viel
-Stroh- und Heugesäme abgelagert war. Daselbst fand ein Mann, der
-mit der Säuberung des Platzes beschäftigt war, ein schweres eisernes
-Kistchen und stieg mit seinem Funde, um ihn in Sicherheit zu bringen,<span class="pagenum"><a id="Seite_262">[262]</a></span>
-auf die Leiter, die er zur leichteren Vollführung seiner Arbeit angelegt
-hatte. Als er mitten auf der Leiter stand, hörte er plötzlich seine
-Frau ängstlich rufen: »Hans, komm' herauf, das Kind hat's Bein gebrochen!«
-Vor Schrecken ließ er das Kistchen fallen und lief in die
-Stube, in welcher die Frau das lächelnde Kind in der Wiege schaukelte.
-Seine Verwunderung steigerte sich, als er erfuhr, daß seine Frau ihn
-gar nicht gerufen habe. Nachdem Hans den Vorfall seinem Weibe erzählt
-hatte, eilte er nach dem Orte zurück, um das in seiner Bestürzung
-weggeworfene Kistchen zu holen, welches er jedoch trotz allen
-Suchens nicht wiederfand.</p>
-
-<p>Glücklicher war ein anderer Nachbar, der in späteren Jahren vor
-seinem Hause ein glühendes Kohlenhäufchen sah. Er nahm eine Schürze
-und deckte dasselbe vorsichtig zu. Dann ging er in sein Haus, holte
-ein Gefäß, in welches er das Häufchen schüttete, und trug es in den
-Keller. Des andern Tages sah er nach und siehe! aus den Kohlen
-waren lauter blanke Goldstücke geworden.</p>
-
-<h3 id="sec312">312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 39.)</p>
-
-<p>Auf einer felsigen Anhöhe an der Ostseite von Joachimsthal erhebt
-sich die weithin sichtbare Johanneskapelle, die mit einem Wohngebäude
-in unmittelbarer Verbindung steht. Über die Entstehung dieses
-Kirchleins erzählt die Sage folgendes:</p>
-
-<p>Als der Bau der Hospitalkirche zu Joachimsthal in Angriff genommen
-wurde, wohnte im sogenannten »Seidl-Koch-Haus,« dessen
-Ruinen seit dem gewaltigen Brande vom 31. März 1873 noch heute
-zu sehen sind, der Bergbeamte Vogelhaupt, welcher neben seinem Berufsamte
-die Geschäfte eines Spitalrechnungsführers versah. &ndash; Da
-geschah es, daß beim Grundgraben dieser Kirche ein Maurer eine eiserne
-Kiste fand, die sehr schwer war. Deshalb schaffte sie Vogelhaupt
-mittels eines Pferdegespanns auf heimliche Weise zu seiner Wohnung.
-Dabei zersprengte sich wegen der allzu großen Last eines der Pferde.
-In der Kiste lag ein Schatz nebst einer Urkunde, in welcher es hieß,
-daß derjenige, der die Kiste finde, von dem darin enthaltenen Gelde
-möge ein Kloster errichten lassen. Vogelhaupt eignete sich wohl die
-gefundenen Schätze an, erfüllte jedoch nicht die daran geknüpfte Bedingung.
-Erst seine Nachkommenschaft, die von dem reichen Funde
-genaue Kenntnis hatte, suchte ihr geängstigtes Gewissen durch den Bau
-einer Kapelle einigermaßen zu beruhigen. Und so errichtete denn Johann<span class="pagenum"><a id="Seite_263">[263]</a></span>
-Jakob Vogelhaupt mit seiner Gattin Maria Sophie, geb. Makasy,
-im Jahre 1734 die Johanneskapelle. Selbige gelangte, da Maria
-Barbara, die Tochter des genannten Ehepaares, sich mit Franz Ludwig
-Pallas vermählte, in den Besitz der Pallasfamilie. Der spätere Besitzer
-Franz Pallas, Domdechant in Prag, vererbte die Kapelle am 4.
-Juni 1823 seiner Schwester Barbara, verehelichten Walz, mit der Bedingung,
-daß an die Kapelle ein Haus mittels Legates von 15000 fl.
-Wiener Währung angebaut und dieselbe für immerwährende Zeiten
-als Hauskapelle erhalten werde. Diese letztwillige Verfügung des
-Domdechanten Pallas ist in den Jahren 1838 und 1839 erfüllt worden.</p>
-
-<p>Gegenwärtig gehört die Johanneskapelle dem Bürger Hilarius
-Seidl, der sie am 30. November 1867 käuflich an sich brachte.</p>
-
-<h3 id="sec313">313. Der weiße Fels bei Bäringen.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 171.)</p>
-
-<p>Im Buchwalde bei Bäringen erhebt sich ein hoher Felsen, der
-heißt »der weiße Fels.« Am Karfreitage soll sich der Felsen öffnen
-und ein uraltes Bäuerlein herauskommen, welches hier die frische
-Saat fürs nächste Jahr beginnt. Am nächsten Karfreitage soll nämlich
-an dem Orte, wo dasselbe säet, Gold hervorwachsen. Wer an diesem
-Tage hier vorübergeht, der kann es sehen, und wer von dem Golde etwas
-aufhebt, der kann mit demselben sein Vermögen bessern.</p>
-
-<h3 id="sec314">314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearb. b. Gräße a. a. O. No. 580.)</p>
-
-<p>In der Nähe von Glauchau befindet sich der sogenannte Schafteich,
-der fast eine halbe Stunde im Umfange hat und beinahe den
-ganzen ebenen Raum zwischen dem Scheerberge, der Mulde und der
-Lungwitz einnimmt. Nahe bei diesem Teiche befindet sich eine Art
-Stolln, der weit hinein in die Erde reicht, und den man gewöhnlich
-die Räuberhöhle nennt. In derselben soll es aber nicht geheuer sein.
-So erzählt man, daß einst ein armer Hirtenknabe an jener Höhle fast
-täglich gespielt habe und oft von brennender Neugierde gequält worden
-sei, einmal hinein zu kriechen, um zu wissen, was denn eigentlich darin
-sei. Nun getraute er sich aber, so beherzt er sonst auch immer
-war, doch nicht so recht hinein, weil er den Rückweg zu verfehlen gedachte.
-Da sah er einmal eine schwarze, goldgesprenkelte Henne in
-den Eingang kriechen und gackern, gerade als wenn sie legen wolle.<span class="pagenum"><a id="Seite_264">[264]</a></span>
-In der Hoffnung ihr Nest zu finden, folgte er ihr einige Schritte,
-allein bald ward es ihm zu unheimlich und zu finster und so kehrte er
-wieder um. Da er nun aber die Henne auch die nächsten Tage immer
-wieder an demselben Orte fand, so dachte er darüber nach, wie ihm
-wohl die Henne den Weg in das Innere der Höhle zeigen könne. Er
-nahm also einen starken Knäuel Garn und band der Henne einen
-Faden desselben an das Bein, und diese zog ihn nun ganz langsam, gerade
-als ob sie seine Absicht merke, hinter sich in die Höhle. Schon war
-aber das Garn fast ganz abgewickelt, da sah er auf einmal vor sich
-ein brennendes Licht. Allein wie ward ihm, als er bemerkte, daß
-dasselbe aus den Augen eines schwarzen, zottigen großen Hundes mit
-furchtbarem Rachen und starken Klauen ausströme! Neben demselben
-stand aber ein Männchen in einem grauen Mäntelchen, das hatte einen
-großen Sack Geld in der Hand und rief ihm zu, er möge nur näher
-kommen. Allein der Knabe wagte es nicht und nur erst, als das
-Männchen ihm nochmals zurief, er könne es ohne Gefahr thun, wagte
-er es. Hierauf reichte ihm der Graumantel eine Hand voll Thaler
-und sagte, er könne hierher so oft kommen, als er wolle, er solle
-jedesmal eine gleiche Summe bekommen, nur dürfe er niemandem
-sagen, woher er das Geld habe, sonst sei er verloren. Der Knabe
-fand nun den Rückweg sehr leicht, allein da er niemandem, auch seinen
-Eltern nicht, sein Glück mitteilen konnte, so blieb ihm nichts übrig, als
-das Geld zu vernaschen. Dies that er auch nach und nach, und als
-dasselbe verthan war, begab er sich wieder in die Höhle und holte sich
-eine zweite Auflage des vorigen Geschenks. Weil nun aber der Knabe
-gar zu oft bei dem Kaufmanne Näschereien kaufte und stets in blanken
-Thalern bezahlte, schöpfte derselbe Verdacht, das Geld sei gestohlen,
-und teilte seine Wahrnehmung dem Vater des Knaben mit. Da dieser
-nun recht gut wußte, daß sein Sohn nicht Pfennige, geschweige denn
-Thaler haben könne, so suchte er erst durch Drohungen heraus zu
-bringen, woher das Geld sei, und als der Knabe es nicht gestehen
-wollte, schlug er ihn so lange aufs Unbarmherzigste, bis derselbe alles
-gestand, aber auch hinzusetzte, daß ihm gewiß sein Brot gebacken sei,
-weil er das graue Männchen verraten habe. Und so geschah es auch,
-denn als der Vater am andern Morgen seinen Sohn, der ihm zu lange
-zu schlafen schien, aufwecken wollte, war er tot; der Böse hatte ihm
-den Hals umgedreht.</p>
-
-<h3 id="sec315">315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Vom Hammerberge bei Wittichsthal sagte ein Venetianer, als<span class="pagenum"><a id="Seite_265">[265]</a></span>
-er den Berg vom Fenster seines Logis aus erblickte, in ihm liege noch
-ein Königreich. Er wollte damit ausdrücken, daß in dem Berge ein
-großer Schatz liege.</p>
-
-<h3 id="sec316">316. Der Eimer voll Silber.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 262.)</p>
-
-<p>Eine Magd, die in Komotau in einem Hause am Graben diente,
-ging zu Weihnachten spät des Abends zum Brunnen und schöpfte
-Wasser. Wie sie aber den Eimer heraufzog, war er voll Silbergeld.
-Sie lief eiligst zum Herrn und meldete das Wunder. Als dieser aber
-mit ihr wieder zum Brunnen kam, war der Eimer leer.</p>
-
-<h3 id="sec317">317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg
-einen Schatz.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>. 1716, S. 1146.)</p>
-
-<p>Ungefähr im Jahre 1679 zeigte sich in dem Knappschaftshause
-zu Schneeberg ein Gespenst in eines alten, graubärtigen kleinen Mannes
-Gestalt einem Schüler, welcher daselbst seine Wohnung hatte. Es machte
-sich nach vielfältiger Erscheinung und Wortwechselung mit ihm dergestalt
-bekannt, daß er zuletzt nicht mehr so furchtsam sein konnte, sondern,
-um endlich Ruhe zu haben, einen angegebenen Schatz zu graben
-sich erkühnte. Obwohl nun der Schüler solchen Schatz, nachdem er
-des Tages immer darnach gegraben, endlich in vielen güldenen Ketten
-und Silbergeschirr, darauf die alten Schneeberger viel gehalten, erblickte,
-so hat er dennoch das betrogene Spiel in Händen gehabt. Denn als
-es zum Treffen und Heben gekommen, wie dazu das alte Männlein
-die Zeit gesetzet, hat der Schüler im Gewölbe, darin er allein gewesen,
-zwar gesehen, wie zwei anwesende Männer den Schatz aus der Erde
-gehoben und lauter Pretiosen auf den vorhandenen Tisch ausschütteten,
-wornach auch das alte Männlein ihn greifen heißen; aber wie er daneben
-von einem andern, der seitwärts auf einem Sessel gesessen, die
-Anrede gehört, wie er als ein armer Mensch sich erkühne, einen solchen
-kostbaren Schatz zu heben, darüber er, als der Herr der Welt, doch
-die Macht hätte: siehe, so ist darauf der Schüler voller Schrecken zurückgekehrt
-und in höchster Angst gewesen, bis der Seiger nachmittags 4
-Uhr geschlagen. Denn eben bis auf diese Zeit hatte das alte Männlein
-die Gelegenheit zum Schatzheben gesetzt, und eben um diese Zeit
-hat ein Sturmwind gewütet und einen Baum im Garten gebrochen,<span class="pagenum"><a id="Seite_266">[266]</a></span>
-dahin zugleich, wie das Gespenst bei letzter Erscheinung sagte, der
-Schatz aus dem Hause fortgerückt sein sollte.</p>
-
-<h3 id="sec318">318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 89.)</p>
-
-<p>Vor etwa siebzig Jahren kamen nach der Bergstadt Platten einige
-Zigeuner. Da dieselben wegen der rauhen Jahreszeit nicht im Freien
-ihr Lager aufschlagen konnten, gingen sie von Haus zu Haus und baten
-flehentlich um Herberge. Allein überall wurden die braunen Söhne
-mürrisch und hartherzig abgewiesen, bis sie ein armer, aber ehrlicher
-Bergmann, mit Namen Friedrich, in seine windschiefe Hütte aufnahm.
-Beseelt von edler Menschenliebe, kochte die Frau des Bergmannes sofort
-eine Milchsuppe, welche den hungrigen Gästen vortrefflich mundete. Nach
-mehrtägigem Aufenthalte beschlossen die Zigeuner, an's Wandern gewöhnt,
-weiter zu ziehen. Zuvor aber wollten sie sich der braven Bergmannsfamilie
-dankbar erweisen. Deshalb legte eine Zigeunerin das Geständnis
-ab, im Auffinden von Schätzen gut bewandert zu sein, und hielt alsogleich
-im Hause Umschau. Sie nahm die Wünschelrute, begab sich
-aus dem Stübchen in den Küchenraum und ließ diese schlagen. Die
-Rute neigte sich gegen den Ofen, ein Zeichen, daß hier ein Schatz verborgen
-liege. Nach mehreren anderen Schwankungen bezeichnete sie genau
-den Ort, und den Andreasabend als die Zeit zum Heben des Schatzes.
-Mit Segenswünschen schieden die Zigeuner. Der arme Bergmann
-jedoch konnte den festgesetzten Tag gar nicht erwarten und schritt noch
-vor dem Termine an die Ausführung seiner geheimnisvollen Arbeit.
-Zu diesem Zwecke verfertigte er einen großen Kreis aus Papier, den er
-mit hunderten von Kreuzen beschrieb und legte ihn auf den Platz,
-wo der vermeintliche Schatz sich befinden sollte. Hierauf stellten sich
-der Bergmann und ein Nachbar in den Kreis und fingen zu graben
-an. Es dauerte nicht lange, da kam eine eiserne Truhe zum Vorschein.
-In dem Augenblicke aber, als einer der Schatzgräber mit der Haue
-auf die Lade schlug, entstand ein gewaltiger Donnerschlag, und der
-Kreis zerriß in tausend Stücke. Sprachlos und totenblaß standen
-beide Männer da, und als sie sich von der Betäubung erholt hatten,
-sahen sie einander nicht wenig erstaunt an, denn der Schatz war wieder
-in die Tiefe zurückgerollt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_267">[267]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec319">319. Die Schatzgräber.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 100.)</p>
-
-<p>Zwischen Platten und Jungenhengst steht am Wege, der in die
-letztgenannte Ortschaft führt, ein Bild, welches Jesum, wie er gegeißelt
-wird, darstellt und von den Umwohnern »schönster Jesus« genannt wird.
-Dort soll ein großer Schatz verborgen liegen. Denselben wollten vor
-vielen Jahren zwei Geschwister, Bruder und Schwester, heben. Nachdem
-beide sich mit den üblichen Beschwörungsformeln bekannt gemacht
-hatten, gaben sie sich das Versprechen, kein Wörtlein während des
-Schatzgrabens zu sprechen. In einer Nacht gingen sie nun an Ort
-und Stelle und gruben allda, bis sie nach längerer Arbeit auf den
-Deckel einer Geldkiste stießen. Allein welcher Schreck! Mit einemmale
-kommt ein Soldat gegen das schätzesuchende Geschwisterpaar heran. Nach
-einer Weile sprengt auf feuersprühendem Rosse ein Reiter daher, dem
-mit Blitzesschnelle sich eine ganze Schwadron Kriegsgefährten anschließt.
-Eisiges Grauen überfiel da die Geschwister, welche einander schweigend
-anblickten. Als aber eine Totenbahre sichtbar ward, der ein langer
-Leichenzug folgte, da rief die Schwester: »Jesus, Maria! Da tragen
-sie unsere Mutter!« Wie diese Worte ihrem Munde entflohen waren,
-stürzte im Innern der ausgegrabenen Grube ein mächtig sprudelnder
-Quell hervor. Immer höher und höher stieg das Wasser und überflutete
-in wenigen Augenblicken den Weg. Bald reichte es sogar den Geschwistern
-bis zur Brust, so daß sie, über die höchst sonderbaren Erscheinungen
-entsetzt, von dannen eilten. Als sie nach Hause kamen,
-waren sie &ndash; welch ein Wunder &ndash; ganz trocken. Das Geschwisterpaar
-verspürte nun keine Lust mehr, den Schatz zu holen.</p>
-
-<h3 id="sec320">320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Geld.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 288.)</p>
-
-<p>Eine Frau fand eines Tages auf dem Hausberge bei Graslitz
-beim Beerensuchen ein Bündel Reisig, worin verschiedene Buchstaben
-zerstreut herumlagen. Sie nahm einige derselben und dachte sie ihren
-Kindern zum Spielzeug zu bringen. Als sie dieselben aber zu Hause
-aus ihrem Korbe nehmen wollte, waren es Silberstücke geworden.
-Nun eilte sie wohl nach dem Orte zurück, um die übrigen zu holen,
-allein das Bündel samt den Buchstaben war verloren. Ein andermal
-fand eine Frau ein Häufchen Hobelspäne, die daheim zu Thalerstücken<span class="pagenum"><a id="Seite_268">[268]</a></span>
-wurden, und wieder ein andermal trugen Kinder Kohlen und Steinchen
-heim, die sich zu Hause in Gold verwandelten.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Dämonische Wesen besitzen die Wunderkraft, die verschiedensten Gegenstände
-in edles Metall zu verwandeln. Auch wo sie in der Sage bei einer solchen Verwandlung
-nicht ausdrücklich genannt werden, ist die letztere doch von ihnen ausgegangen.
-Im Fichtelgebirge schenkt eine weiße Jungfrau Laub, das zu Golde wird
-(Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 18), und im Harze verwandeln sich
-durch den Zwergkönig des Hübigensteins und die Prinzessin Ilse Tannenzapfen in
-Silber oder Gold. (Heine, Sagen, Märchen etc. aus dem Harze, S. 16 und 94.)</p></div>
-
-<h3 id="sec321">321. Kutter verwandeln sich in Geld.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Einst ging eine Frau aus Bermsgrün in den Wald und fand
-daselbst mehrere wohl geordnete Häufchen von rundlichen, abgesprungenen
-Fichtenrindenstücken, die man »Kutter« nennt. Da sagte sie für
-sich: »Wer mag nur da gespielt haben?« und nahm solche Kutter von
-den Häufchen mit nach Hause, damit ihre Kinder auch damit spielen
-sollten. Als sie aber zu Hause ankam und den Korb aufdeckte, um
-die dahinein geworfenen Kutter ihren Kindern zu geben, fand sie statt
-derselben Geldstücke. Schnell ging sie darauf zurück, um auch die liegen
-gelassenen Kutter zu holen, allein sie konnte keine mehr finden.</p>
-
-<h3 id="sec322">322. Die sonderbaren Sägespäne.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 85.)</p>
-
-<p>Vor vielen Jahren ging ein Weib aus Abertham in den in der
-Nähe liegenden Wald, der damals den Mühlberg bedeckte, um Klaubholz
-zu holen. Im Walde angekommen, stellte sie ihren Korb bei einem
-Kreuzwege nieder und lief in die Kreuz und Quer herum, um die
-Reiser zusammenzutragen. Als sie zu dem Korbe zurückkam, fand
-sie denselben mit Sägespänen angefüllt. Da sie jedoch ihrer nicht bedurfte,
-schüttete sie in ihrer Einfalt die Späne aus und legte in den
-Korb das Klaubholz. Wie war aber das Weib erstaunt, als sie, nach
-Hause gelangt, den Korb leerte und darin viele Goldstücke fand!
-Diese waren auf wunderbare Weise aus den Sägespänen, welche an
-dem Korbrande hängen geblieben waren, entstanden. Mit freudestrahlendem
-Gesichte eilte das Weib sogleich in den Wald zurück, um die verschmähten
-Sägespäne aufzuraffen, allein ihr Suchen war vergeblich,
-denn dieselben waren spurlos verschwunden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_269">[269]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec323">323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 98.)</p>
-
-<p>Unweit von Platten steht an der Straße, die vormals von dieser
-Stadt nach Bäringen leitete, eine Johannes-Statue. Eines Abends
-&ndash; es mochte 9 Uhr sein &ndash; ging der Binder Fladerer aus Platten
-von Bäringen nach seinem Wohnorte. Als er bei der erwähnten Statue
-vorbeischritt, lagen mitten auf dem Wege frische, erst aus dem Felde
-genommene Kartoffeln. Ohne sich lange zu besinnen, griff Fladerer
-nach denselben und steckte sie ein. Wie er daheim die Kartoffeln aus
-den Taschen nehmen wollte, zog er lauter blanke Goldstücke hervor.</p>
-
-<p>Nach der Sage soll unter der Johannes-Statue ein Silbergang sein.</p>
-
-<h3 id="sec324">324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.</h3>
-
-<p class="source">(Deutsche Sagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl.
-1. B. No. 158.)</p>
-
-<p>Am Johannistag kamen zwei Hirtenknaben, indem sie den jungen
-Vögeln nachstellten, in die Gegend des Heilingsfelsen an der Eger und
-erblickten unten an demselben eine kleine Thüre offen stehen. Die Neugierde
-trieb sie hinein; in der Ecke standen zwei große Truhen, eine
-geöffnet, die andere verschlossen. In der offenen lag ein großer Haufen
-Geld, sie griffen hastig danach und füllten ihre Brotsäcklein voll. Drauf
-kams ihnen greulich; sie eilten nach der Thür, glücklich trat der erste
-durch. Als aber der zweite folgte, knarrten die Angel fürchterlich,
-er machte einen jähen großen Sprung nach der Schwelle, die Thüre
-fuhr schnell zu und riß ihm noch den hölzernen Absatz seines linken
-Schuhes ab. So kam er noch heil davon und sie brachten das Geld
-ihren erfreuten Eltern heim.</p>
-
-<h3 id="sec325">325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges
-bei Kirchberg.</h3>
-
-<p class="source">(Anton Bär im Glückauf, 2. Jahrg. S. 80.)</p>
-
-<p>In der Schlacht an der Göltzsch, in welcher die Deutschen die
-Herrschaft der Sorbenwenden in den Flußgebieten der Saale, Elster
-und Mulde brachen, verlor auch ein adeliger Sorbe das Leben. Seine
-Burg lag inmitten seines ansehnlichen Grundbesitzes auf dem Borberge,
-welcher sich nahe bei der Stadt Kirchberg erhebt. Bevor er in den
-Kampf gezogen war, hatte er seine Schätze dicht neben dem Burgbrunnen,
-welchen man noch heute auf dem Borberge zeigt, vergraben, seine<span class="pagenum"><a id="Seite_270">[270]</a></span>
-Kinder aber, drei Mädchen von großer Schönheit, hinausgeführt in
-den heiligen Hain und sie hier geloben lassen, dem Glauben ihrer
-Väter treu zu bleiben und die heiligen Gebräuche ihres Volkes fortzuüben.
-Als die Deutschen in die Gegend einrückten, brannten sie die Burg
-nieder, ließen aber die drei Schwestern, welche unterdessen ein kleines
-Gehöfte am Berge bezogen hatten, ziemlich unbelästigt in ihrer Verborgenheit
-leben. Allerdings traf auch sie, was jetzt über alle ihre
-Stammesgenossen in der Umgegend erging: sie mußten den Weisungen
-der deutschen Herrschaft willigen Gehorsam leisten und die Taufe und
-den christlichen Glauben annehmen. Letzterer Anordnung kamen sie
-indessen nur widerwillig nach, denn der neue Glaube stand im Widerspruch
-mit ihrem dem Vater geleisteten Gelübde und erlaubte ihnen
-nicht, manchen alten liebgewordenen Gebrauch weiter zu pflegen; sie
-fühlten sich darum oft in ihrem Herzen beschwert und gingen häufig
-zur Nachtzeit mit anderen Genossen hinaus zum zerschlagenen Opfersteine
-und übten allda ihre heidnischen Gebräuche.</p>
-
-<p>Lange blieb das Treiben der Schwestern und ihres Anhanges
-verborgen, als aber aus dem Walde am Geiersberg heraus ein Kirchlein
-sich erhob und die Mönche dort das Seelsorgeramt mit Strenge
-übten, da setzten diese auch den Zusammenkünften am Opfersteine ein
-Ziel, und forderten die Schwestern, als die Veranstalter derselben, zu
-strenger Rechenschaft. »Ihr dient dem Herrscher der Hölle«, eiferten
-sie; »wohlan, da ihr unsere Warnungen und Mahnungen nicht beachtet
-habt, so sollt ihr auch dem Bösen verfallen sein. Wir sprechen den
-Bann über euch aus; freud- und friedlos sollt ihr sein, bis es euch
-gelingt, ein Christenkind zu herzen und zu küssen, das man aus dem
-Walde herein nach St. Margarethen zur Taufe trägt«. &ndash; In der
-That gewann es den Anschein, als waltete über den aus der Gesellschaft
-Gestoßenen von Stund an ein freundlicher Stern nicht mehr.
-Jedermann vermied den Umgang mit ihnen; sie hatten weder Rast
-noch Ruhe mehr und mußten öfters in der Nachtzeit, wenn die wilde
-Jagd dahin zog, wie das gehetzte Wild den finstern Wald durchirren.
-Das waren böse, harte Zeiten für die Schwestern, traurige Erlebnisse,
-welche endlich in ihren Herzen die Reue erkeimen ließen, dem Willen
-des Vaters gemäß gehandelt zu haben. Vergebens erwies sich auch
-das Bemühen, den wenigen, zufällig in ihre Nähe kommenden Menschen
-sich freundlich zu erweisen, vergebens die Bitte bei den Mönchen
-zu St. Margarethen, den bösen Zauber zu lösen, welchen ihr Bann
-über sie gebracht hatte, die Not blieb und nahm zu, je älter sie
-wurden. Manches Jahr war bereits verschwunden und noch immer
-harrten die Schwestern des Zusammentreffens mit einem Kinde, das im<span class="pagenum"><a id="Seite_271">[271]</a></span>
-nahen Kirchlein die Taufe empfangen sollte. Zwar hatte der Zufall die
-Gelegenheit hierzu einigemale geboten, aber die Scheu vor ihnen war so
-groß, daß man bei ihrem Erscheinen stets zur Seite wich und schon
-aus der Ferne den Versuch einer Annäherung zu hindern suchte. Da
-gewahrte einst in einer Nacht die jüngste der Schwestern in der Gegend,
-wo, umgeben vom dichten Wald, eines Köhlers Hütte stand, noch helles
-Licht; von dem Wahrgenommenen unterrichtet, schlichen alle drei, begleitet
-von ihren zwei treuen Knechten, bis zur Hütte und bemerkten,
-daß des Köhlers Weib ein Kind geboren hatte. Sogleich stand der
-Entschluß in ihnen fest, dem Kinde, wenn es zur Taufe getragen
-würde, zu nahen und dessen Begleitung um die Erfüllung ihres Wunsches
-anzugehen. &ndash; Es währte auch nur kurze Zeit, als spät an einem
-Nachmittage der Köhler in Gesellschaft weniger Personen auf dem
-schmalen Pfade daher geschritten kam, um seinen Neugebornen nach
-St. Margarethen zur Taufe zu bringen. Alsogleich trat die älteste der
-Schwestern an ihn heran und sprach: »Lieber, laß mich Dein Kind
-sehen und herzen, Du sollst dafür auch diesen schönen glänzenden Stein
-haben, sieh' nur, wie er in der Sonne blitzt und funkelt.« Doch der
-Angeredete wandte sich ab und entgegnete: »Ich begehre weder Deinen
-Stein, noch sollst Du mein Kind sehen; halte mich nicht auf und laß
-mich weiter gehen.« Eine Strecke weiter kam die zweite Schwester und
-redete: »Lieber, sieh' dieses Goldstück, es soll Dir gehören, sobald Du
-mir erlaubst, Dein Kind einen Augenblick auf meinen Armen wiegen
-zu dürfen.« »Nein,« rief unwillig der Köhler, »Deines Goldstücks wegen
-gebe ich den Kleinen nicht aus meinen Händen; blicke nur empor, welch
-schweres Wetter am Himmel dräuet, ich will eilen, weiche zur Seite.«
-Abermals einen Steinwurf weiter kam die dritte Schwester dem Taufzuge
-entgegen. »Ei, lieber Köhler,« begann sie im muntern Ton,
-»Freya, die liebreiche, hat Dir ein Kind beschert, welches Du ohne
-Zweifel jetzt zur Taufe trägst; hier nimm diesen Wickel Flachs als
-Taufgeschenk, er soll Deinem Kinde Segen bringen, doch erlaube
-mir, den Kleinen auf einen Augenblick zu sehen.« Da reichte der Vater
-dem Mädchen, weil es gar so herzlich bat, das Kind und dieses drückte
-rasch einen warmen Kuß auf dessen Lippen. Noch redeten beide miteinander,
-als das Glöcklein von der Kapelle eifrig mahnte, das Gespräch
-einzustellen. Über den brausenden Bach auf schwankendem Steg
-eilte der Köhler hinauf zur Kapelle, die Jungfrau aber raschen Laufes
-zu den in banger Erwartung harrenden Schwestern. Wie fröhlich
-lenkten diese jetzt ihre Schritte dem Hofe zu, wie glücklich saßen sie,
-nachdem der jüngsten die Ausführung des längst gehegten Vorhabens
-gelungen war, dort beisammen! Die That, einst als Erfordernis bestimmt,<span class="pagenum"><a id="Seite_272">[272]</a></span>
-den auf ihnen lastenden Zauber zu bannen, war erfüllt und
-von nun an sollte der Böse keine Macht mehr über sie haben.</p>
-
-<p>Die Taufe in der Kapelle hatte längst ihr Ende erreicht, aber
-das inzwischen zum Ausbruch gekommene Gewitter hinderte bis zum
-späten Abend den Köhler an der Rückkehr zu seiner Hütte. Mit mächtiger
-Gewalt tosete diesmal der Donnergott. Mehr als einmal fuhr
-der blendende Strahl, wie von der Kapelle aus zu bemerken war, auf
-den Borberg nieder und mußte zuletzt auch gezündet haben, denn man
-sah im strömenden Regen dort dichten Qualm und Rauch aufsteigen.
-Dazu ließ sich ein Pfeifen und Rollen in der Luft vernehmen, als
-wenn der Fürst der Hölle selbst sein Wesen triebe. Letzteres war in
-der That auch der Fall; denn erzürnt darüber, daß drei durch den
-Bann ihm verfallene Seelen sich seiner Herrschaft zu entringen gewußt
-hatten, fuhr er grimmig und tobend im Wetter davon. &ndash; Endlich
-hatte die Natur ihre Ruhe wieder gefunden; am Himmel leuchteten
-bereits die Sterne, und in reicher Fülle sandte der Mond sein silbernes
-Licht zur Erde, als der Köhler mit seiner Begleitung den Heimweg
-antrat. Ohne Aufenthalt kam er auch diesmal nicht am Borberge
-vorüber. Mitten auf dem Wege, an derselben Stelle, wo vor wenig
-Stunden eine der Schwestern den Anblick seines Kindes erbeten hatte,
-hörte er plötzlich seinen Namen rufen. Er blickte empor und sah zwischen
-den Bäumen hindurch oben auf einem vorspringenden Felsen die
-drei Jungfrauen stehen und hörte zugleich, wie sie ihm zuriefen:
-»Lieber Köhler, habe Dank, daß Du dein Kind unserer jüngsten zum
-Kusse reichtest; Du hast uns dadurch aus schwerer Not und Drangsal befreit.
-Komm nur sonder Scheu herauf zu uns und nimm den Schatz,
-mit dem wir Dich belohnen wollen.« Aber dem Angerufenen und
-seinen Begleitern liefen bei diesen Worten die Schauer bald kalt, bald
-heiß über den Rücken; sie schlugen eiligst ein Kreuz und suchten schnell
-weiter zu kommen.</p>
-
-<p>Gegen den anbrechenden Morgen hin mochte es jedoch den Köhler
-gereuen, der Einladung nicht Folge geleistet zu haben. Der Gedanke
-an den angebotenen, von ihm aber so leichtfertig verschmähten Schatz
-beherrschte seine ganze Seele, und über sein Vorhalten peinigten ihn
-umsomehr allerlei Vorwürfe, als ja die Schwestern sich ihm immer
-freundlich erwiesen hatten. Mit dem ersten Sonnenstrahl, der seine
-Hütte traf, war er darum auch schon auf den Beinen, ging auf den
-Berg und forschte nach den drei Jungfrauen. Er kam zu ihrem Hofe,
-doch dieser lag still und abgebrannt vor ihm; er stieg hinauf zum
-zerklüfteten Gemäuer der Burg, aber auch hier war nichts von den
-Gesuchten zu sehen und zu hören. Mißmutig lagerte er sich nunmehr<span class="pagenum"><a id="Seite_273">[273]</a></span>
-in das Gras und rief mit fast weinerlicher Stimme und allerlei zärtlichen
-Worten nach den Schwestern. Doch auch diese Mühe schien lange
-des Erfolges zu entbehren. Endlich gewahrten seine Augen hinter einem
-Stein ein kleines graues Männlein mit langem weißen Bart, welches
-ihm also zurief: »Thörichter, warum störst Du die kaum begonnene
-Ruhe der Schwestern? Warum lohntest Du ihr Vertrauen nicht wieder
-mit Deinem Vertrauen? Du hast Dein Glück verscherzt, doch Deines
-Sohnes werden sie gedenken, sobald die Sonne achtzehnmal über die
-Erde gegangen sein wird. Wisse, die einst Vielgeplagten schlafen von
-jetzt an bei ihren Schätzen im Berge; wenn sie erwachen, erscheinen
-sie wieder an dem Brunnen; begegnet ihnen dann ein Menschenkind,
-dem sie wohlwollen, so beglücken sie es mit großem Gute.«</p>
-
-<p>An des Köhlers Kinde ist die Verheißung zur Wahrheit geworden;
-ebenso sind im Verlauf der Zeiten die Schwestern mehreren nächtlichen
-Wanderern glückbringend erschienen. Aber noch sollen die von ihnen
-gehüteten Schätze so groß sein, daß sie davon noch vielen Erwählten
-zu spenden vermögen. Wer nun davon haben will, der gehe zur Zeit
-der Sommer- und Wintersonnenwende, sobald es nächtet, auf den
-Berg; vielleicht erscheinen die Schwestern und lassen ihn Gnade finden
-vor ihren Augen.</p>
-
-<h3 id="sec326">326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Zwischen den Dörfern Lichtenberg, Burkersdorf bei Frauenstein und
-dem als Sommerfrischort in Aufnahme gekommenen Mulda erhebt sich
-der Burgberg, auf dessen Gipfel man noch die Überreste eines Doppel-Steinwalles
-und einen Brunnen, »Junfernbrunnen« genannt, sieht.
-Nach der Volkssage stand ehemals auf diesem Berge ein Schloß, und
-in einer weiten Felsenhöhle soll daselbst noch ein großer Schatz in einer
-Braupfanne liegen. Zuweilen hat man des Nachts zwischen 11 und
-12 Uhr von Lichtenberg aus auf dem Berge ein Licht gesehen, und
-wenn man dann, wenn sich das Licht zeigt, den Gipfel erklimmt und
-einen weißhaarigen Jungen mitbringt, dann ist man fähig, den Schatz
-zu heben. Jedoch sind schon viele Personen, welche dies versuchten,
-von dem Lichte oder einem Hahne, welcher auf dem Platze des alten
-Schlosses erscheint, irre geführt worden. Der Hahn soll ein verzauberter
-Burgherr sein; derselbe ist erlöst, wenn es jemandem gelingt, den
-Schatz zu heben. Der Eintritt in den Geldkeller, und ebenso der
-Austritt, muß stillschweigend geschehen. Einer kam einst hinein und
-da sah er viel Gold und Edelsteine, von denen er sich eine große<span class="pagenum"><a id="Seite_274">[274]</a></span>
-Menge mitnahm. Als er aber durch das Thor getreten war und in
-seiner Freude einen Laut ausstieß, schloß sich plötzlich dicht hinter ihm
-die Pforte und die Schätze, welche er soeben noch getragen hatte,
-waren wie ein Traum verschwunden.</p>
-
-<p>Es lebte einmal in dem Dorfe Lichtenberg ein Junge, der sehr
-verwegen war, und den man deshalb den »Waldteufel« nannte. Derselbe
-kam einst mit zwei andern Jungen auf den Berg und kletterte
-an den Felsen, welcher nördlich von den Wällen steil abfällt. Hier
-sahen sie eine tiefe Felsenkluft und über derselben waren zwei Felszinken.
-Da hielt sich der »Waldteufel« an diesen Zinken fest und die
-beiden andern Jungen halfen ihm, so daß er sich etwas in der Spalte
-hinablassen konnte. Da sah er in der Tiefe einen großen Haufen
-Knochen, so daß er sich doch fürchtete, obschon er sonst beherzt war,
-und schnell wieder heraufstieg. Von Geld hat er aber nichts gesehen.</p>
-
-<p>Übrigens sind auf dem Berge und in seiner Nähe schon viele Leute,
-auch bei Tage, so bethört worden, daß sie lange Zeit in der Irre gegangen
-sind.</p>
-
-<p>Der oben genannte Brunnen soll immer Wasser gehabt haben,
-und wenn man versucht hat, dasselbe auszuschöpfen, so gelang es nicht.</p>
-
-<h3 id="sec327">327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Da, wo sich jetzt die Schäferei von Voigtsdorf bei Sayda befindet,
-soll einst ein Schloß gestanden haben, das in einem Kriege,
-vielleicht im Hussitenkriege, eingeäschert wurde. Bei dieser Zerstörung
-wurde ein Schloßfräulein mit ihren Schätzen verschüttet. Ein Mann
-hat vor vielen Jahren wiederholt an dem Platze gegraben, um des
-Schatzes teilhaftig zu werden, jedoch nichts finden können.</p>
-
-<h3 id="sec328">328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der Stadt Chemnitz I. 1767, S. 54.)</p>
-
-<p>Der ehemalige Schulrektor in Chemnitz, Paulus Niavis, welcher
-sich gegen das Jahr 1494 von da nach Leipzig gewendet, erzählt, daß
-bei dem Bürgerwald, das ist der jetzige Zeisigwald, ein kleiner Hügel
-bei des Bürgermeister Arnold Felde wäre, da habe unten an dem
-Fuße des Hügels eine große ausgebreitete Fichte gestanden, und daselbst
-wäre eine Höhle, von außen mit Dornen und Brombeersträuchern
-verwachsen; von dieser würde erzählt, daß in ihr ein großer Schatz<span class="pagenum"><a id="Seite_275">[275]</a></span>
-von Golde verborgen liege, dieweil die Leute in dem Hussitenkriege ihr
-Vermögen darin verstecket. Solcher Schatz aber wäre besessen; es
-hätten einige Schatzgräber denselbigen haben wollen, aber nichts ausgerichtet.</p>
-
-<h3 id="sec329">329. Der Schatz im Taurasteine.</h3>
-
-<p class="source">(Chemnitzer Tageblatt, 1882, No. 89, und nach einer poetischen Bearbeitung,
-mitgeteilt vom Lehrer Drescher in Burgstädt.)</p>
-
-<p>In dem Taurasteine bei Burgstädt soll ein Schatz liegen. Auch
-erzählt die Sage von einem unterirdischen Verbindungswege zwischen
-dem Taurasteine und dem Rathause in Burgstädt. Einst soll auch auf
-dem Taurasteine ein Altar der heidnischen Wenden gestanden haben,
-welche sich, von ihren Priestern gerufen, im Hahnbusche versammelten,
-wenn sie zum Opfer hinaufzogen. Die Wenden und ihre Priester
-wurden vertrieben, aber noch lassen sich auf dem Platze gespenstische
-Männchen sehen, welche den verborgenen Schatz hüten. Es geschah
-einmal, daß ein Bewohner Burgstädts durch den Wald auf den Stein
-ging. Von der Hitze ermattet, legte er sich im Waldesgrün, wo ihn
-wohlthätige Kühlung umfing, nieder und fiel bald in einen tiefen Schlaf.
-Plötzlich rief ihm eine Stimme zu: »Stehe auf, denn ich führ Dich
-zu Deinem Glücke!« Als er die Augen aufschlug, war es Nacht und
-vor ihm stand ein graues Männchen. Mit unsichtbarer Macht zog es
-ihn, dem Männchen zu folgen, wohin ihn dasselbe führte. Bald standen
-sie vor einer geöffneten Pforte, und im Innern der Höhle lagen
-Haufen von hellleuchtendem Golde. Da sagte das Männchen: »Jetzt
-sind wir am rechten Orte. Alles was Du hier siehst, soll Dein sein
-und Du bist alle Deine Sorgen los. Nur eine Kleinigkeit wünsche
-ich dafür von Dir: Dein Weib gebar Dir einen Knaben, den sollst
-Du mir für all dies Gold schenken, daß er mir mit Leib und Seele
-gehört.« Da nahm der fromme Burgstädter schnell ein Kreuz, der
-Christen heiliges Zeichen, das er bei sich trug, hervor und hielt es
-dem Verführer entgegen. Plötzlich stürzten die Felswände krachend ein
-und das Gold sank wieder in die Tiefe hinab. Der Arme aber fiel
-mit bleichem Gesichte wie leblos zwischen dem Gesteine nieder, und als
-er am Morgen erwachte, wurde gar freundlich in der nahen Stadt das
-Pfingstfest eingeläutet. Zu Hause angekommen, fand er sein Weib,
-welches ihm in der Nacht ein Söhnchen geboren hatte, und als sich
-die Kunde von dem Geschehenen in der Stadt verbreitete, da eilte jung
-und alt nach dem Taurasteine, ob man noch etwas von dem Golde sehen
-möchte; doch jede Spur von der reichen Schatzkammer war verschwunden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_276">[276]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec330">330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im
-Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Alfr. Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II. S. 107.)</p>
-
-<p>Im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen zeigt sich in der Nähe der
-Pfarrbrücke, besonders an herbstlichen Abenden, ein schwarzer Pudel
-mit feurigen Augen, der sich einsamen Wanderern aufzuhocken pflegt.
-Er soll eine von 1813 hier längere Zeit lagernden Franzosen vergrabene
-Kriegskasse bewachen, die links unter der großen Linde liegt,
-des wachsamen Pudels wegen aber noch von niemandem gehoben werden
-konnte.</p>
-
-<h3 id="sec331">331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Alfred Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> I. S. 189.)</p>
-
-<p>Den Burgberg zu Gleisberg krönt ein alter heidnischer Rundwall,
-in welchem angeblich im Mittelalter eine Burg stand. In dem
-Wallkessel, zu dem einige Stufen führen, soll ein großer Schatz liegen,
-dessen Dasein vielseitig bemerkte kleine blaue Flämmchen verkünden.
-Ein Nossener hatte sich einst daran gemacht, den Schatz zu heben, als
-er aber auf der Stelle, wo der Schatz liegen sollte, eine große Menge
-schwarze Kröten mit hellleuchtenden Augen sitzen sah, stand er von
-seinem Vorhaben ab. Mehrere Marbacher, die zu gleichem Zwecke auf
-dem Burgberge erschienen, wurden durch große schwarze Schlangen
-mit feurigen Augen veranlaßt, umzukehren.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Kröten und Schlangen sind wie der Drache Hüter von Schätzen. In der
-Lausitz sagt man, daß, wo eine Kröte sitzt, ein Schatz liege. (Haupt, Sagenbuch
-d. L. I. No. 301.)</p></div>
-
-<h3 id="sec332">332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Alfred Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella (o. J.), S. 11.)</p>
-
-<p>Auf dem Rodigberge bei Nossen befindet sich ein großer Rundwall,
-in welchem angeblich die erste Burg Nossen stand, der aber
-jedenfalls ein heidnischer Wall sein dürfte. In diesem Walle giebt es
-Stellen, die beim Darauftreten hohl klingen und auf alte verschüttete
-Gewölbe jener Burg hindeuten sollen. Der Sage nach liegt darin ein
-bedeutender Schatz, der in der Mitternachtsstunde des Christabends
-gehoben werden kann. Schon viele Leute haben an erwähnten Stellen
-blaue Flämmchen herumhüpfen sehen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_277">[277]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec333">333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.</h3>
-
-<p class="source">(Alfred Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im
-Zellwalde, 1874, S. 7. <em class="antiqua">Saxonia</em> I., S. 172.)</p>
-
-<p>Eine Stunde von Nossen entfernt und nahe dem Dorfe Marbach
-liegt die Stelle, auf welcher in den Jahren 1141 bis 1146 Thammo
-von Strehla ein Klösterlein gründete, welches aber endlich einging
-und dessen Gebäude abgetragen wurden. Nahe der jetzigen Bahnmeisterwohnung
-sieht man eine Vertiefung; diese war einst der Klosterbrunnen.
-In denselben hatten die letzten Mönche eine Glocke und
-vieles Gold- und Silbergeräte geworfen und den Brunnen dann mit
-95 Klaftern Stöcke zugeschüttet. Diese Schätze harren noch der Ausgrabung.
-Nach einer Tradition bewacht sie ein Pudel mit feurigen
-Augen, der bereits oft nächtliche Wanderer des Zellwaldes, »die nicht
-mit Eisen oder Stahl versehen waren«, belästigte.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die letzte Bemerkung vom Eisen oder Stahl bezieht sich jedenfalls auf den
-bei deutschen und Slaven verbreiteten Glauben, daß man auf den durch glühende
-oder erloschene Kohlen oder Flämmchen angezeigten Schatz eiserne und stählerne Gegenstände,
-besonders Messer u. dgl., aber auch Geldstücke, selbst Brot oder ein auf
-bloßem Leibe getragenes Kleidungsstück werfen müsse, um beim Heben des Schatzes
-alle Gefahr von sich abzuwenden. (Jac. Grimm, Deutsche Mythologie, 1835, S. 544.
-Veckenstedt, Wendische Sagen etc., 1880, S. 356.)</p></div>
-
-<h3 id="sec334">334. Der Schatz im Kloster Grünhain.</h3>
-
-<p class="source">(Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen o. J. S. 453.)</p>
-
-<p>In der Klosterkirche zu Grünhain liegt angeblich ein großer
-Schatz begraben. Im März des Jahres 1657 hat der Schäfer Eucharius
-Bömely zu Grünhain einen Bergmann 6 Tage und Nächte
-darnach graben lassen, aber als derselbe in der letzten Mitternacht gehoben
-werden sollte, so bewegte der Bergmann mit der Keilhaue eine
-Wand, ließ sie jedoch der Schwere wegen wieder gehen, worauf die
-Wand eine Viertelelle tiefer sank und mit ihr der vermeinte Schatz.
-Man ließ sofort einen gewissen Rutengänger Tippmann kommen, der
-das Vorhandensein des Schatzes mit der Rute feststellte, doch brachte
-man nichts zustande, da der Schatz unter großem Geräusche immer
-weiter vorrückte. Es ist ein »großer, reicher Schatz gewesen, so einst
-der Abt zu Ebersbach in Franken Siegmund Siegeln anvertraut, aber
-wohl sehr flüchtig und schwer zu erlangen und darum ist es auch mißlungen«,
-erläutert die Chronik.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_278">[278]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec335">335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Ratsaktuars Fr. Köhler in Sayda.)</p>
-
-<p>Ungefähr in der Mitte zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf erhebt
-sich in der Flur des letzteren Ortes auf dem höchsten Punkte des
-dasigen Geländes ein Gneiskegel, der »Alpstein« genannt. Vor einigen
-Jahren ist derselbe zum Teil abgetragen und beim Bau einer Scheune
-verwendet worden. Von diesem Alpstein erzählt die Sage, daß sich
-daselbst zu Zeiten ein Hund mit feurigen Augen, sowie ein schwarzes
-Männchen habe sehen lassen. Wer diesen Erscheinungen folge, der
-würde nach der Stelle geführt werden, wo bei dem Steine ein Schatz
-vergraben liege. Selten aber wird jemand zur Nachtzeit an dem
-Steine vorübergegangen sein.</p>
-
-<h3 id="sec336">336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>An dem auf der Höhe des rechten Muldenufers mitten im Walde
-zwischen Schloß Stein und Niederschlema sich erhebenden weißen Fels
-soll eine goldene Kette liegen, welche in gewissen Nächten aus der
-Tiefe steigt und sichtbar wird. Einst träumte einem Manne in Lößnitz,
-daß er an dem weißen Fels sein Glück machen werde, er solle
-nur in einer gewissen Nacht um die Mitternachtsstunde dorthin gehen.
-Der Mann that es, und da sahe er an dem genannten Felsen eine
-goldene Kette liegen, so groß wie eine Hemmkette. Beherzt ergriff er
-dieselbe, da sie aber zu schwer war, so faßte er sie am ersten Gliede
-und schleppte sie hinter sich fort. Auf dem Nachhausewege aber sah
-er neben sich allerlei Spuk und er hörte auch dicht hinter sich einen
-greulichen Lärm. Doch ließ er sich dadurch nicht stören, sah sich auch
-nicht um, sondern er zog die Kette mit sich fort bis vor seine Wohnung.
-Da er aber die Hausthüre öffnen wollte, wurde der Lärm noch
-größer und es klang, als ob alle bösen höllischen Geister dicht an seinen
-Fersen wären. Jetzt konnte er es nicht mehr verwinden, ohne
-einen Blick rückwärts in sein Haus zu treten, da er sich nun für geborgen
-hielt. Er sah sich um; plötzlich aber wurde alles still und die
-goldene Kette war verschwunden. Nur das erste Glied hielt er in
-seiner Hand. Es war jedoch genug, um ihn zum vermögenden Manne
-zu machen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_279">[279]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec337">337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Es war einmal ein Krieg ausgebrochen. Da vergrub einer aus
-der berühmten und reichen Familie derer von Römer in dem roten
-Berge, welcher sich nahe bei der Stadt Werdau erhebt, eine Braupfanne
-voll Geld, um dasselbe vor den Feinden zu verbergen. Als
-dann jener Römer starb, hinterließ er den Schatz demjenigen seiner
-Nachkommen, welcher nur mit einem Auge auf die Welt kommen
-würde. Von da an sahe man lange Zeit hindurch alle Nächte von
-11 bis 12 Uhr auf dem genannten Berge ein Licht, und es wurde
-gesagt, daß sich dasselbe gerade über der Stelle befinde, an welcher
-in der Tiefe der Schatz verborgen worden war. Ebenso zeigte man
-eine kleine Höhle als Anfang des Ganges, in welchem man zu der mit
-Gold und Silber gefüllten Braupfanne gelangen könne.</p>
-
-<p>Da nun kein einäugiger Römer geboren wurde, so beschlossen
-endlich zwölf Männer, unter denen sich auch der Pfarrer von Werdau
-befand, den Schatz zu heben. Ehe sie aber an's Werk gingen, segnete
-der Priester sich selbst und die Teilnehmer in der Kirche ein, und sie
-nahmen darauf ein aus Wachs geformtes einäugiges Kind mit, welches
-bei Kerzenlicht feierlich getauft worden war. Mit brennenden
-Kerzen zogen darauf alle in der Mitternachtsstunde nach dem Orte, an
-welchem der Schatz verborgen war. Unter Furcht und Zittern waren
-sie vor der Höhle angelangt und unter Gebet bereiteten sie sich zum
-Eintritte vor. Da auf einmal that sich mit einem furchtbaren Getöse
-der rote Berg weit auf, und ein feuriger Hund kam wie ein Löwe
-brüllend auf sie zu und rief: »Welchen nehmen wir zuerst?« Eine
-Stimme aus der Tiefe aber antwortete: »Den mit dem roten Tuche!«
-Wie die Männer diese schreckhaften Worte hörten, flohen sie entsetzt
-und freuten sich, als sie aus dem Bereiche des Ungetüms gekommen
-waren, ihres glücklich geretteten Lebens. Sie erzählten zwar, daß sie
-noch im Innern des Berges die große, mit Geld gefüllte Braupfanne
-gesehen hätten, doch da sie bald darauf, einer nach dem andern, starben,
-so ist niemandem mehr die Lust angekommen, den Schatz zu heben.</p>
-
-<h3 id="sec338">338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.</h3>
-
-<p class="source">(Nach v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, II., S. 415 bei Gräße,
-Sagenschatz, 2. Aufl., Nr. 590.)</p>
-
-<p>Bei Christoph Müller, Besitzer eines Vorwerkes zu Elterlein,
-diente im Jahre 1702 eine gewisse Magdalena Gräßler, 18 Jahre alt.<span class="pagenum"><a id="Seite_280">[280]</a></span>
-Dieser erschien 14 Tage vor Johannis ein kleines Männlein mit
-einem grauen Kopfe und Bart, in ein altes graues Röckchen gekleidet,
-und eröffnete ihr, daß bei dem Backofen ein Kästchen mit Geld, welches
-eine alte Frau in Kriegszeiten vergraben, sich befinde und 500
-Thaler Geld enthalte. Der Geist forderte sie auf, ihn zu begleiten,
-um den Schatz zu heben, mit der Bemerkung, sie solle von dem Gelde
-50 Thaler der Kirche zu Elterlein, 50 Thaler ihrem Dienstherrn geben,
-die übrigen 400 Thaler aber für sich behalten, aber nicht an
-Hoffart wenden, sondern ihren alten Vater damit erhalten. Das
-Mädchen verkroch sich vor Angst in ihr Bett, der Geist ließ sich aber
-nicht abschrecken, sondern kam in den folgenden Nächten immer wieder,
-auch forderte er sie dringend auf, den Schatz zu heben, bis sie am
-Abend vor Johannis ihm versprach, sie wolle am nächsten Tage zu
-Mittag, aber nicht in der Gespensterstunde, nach dem Schatze graben.
-Sie entdeckte sich nun ihrer Dienstherrin und am Mittag begannen
-beide zu graben. Jene überließ jedoch bald die beschwerliche Arbeit
-der Gräßler, indem sie sich neben derselben hinlegte. Nach längerem
-Graben kam diese mit dem Spaten auf einen breiten Stein, der bei
-dem Berühren des Eisens wie Kettengeklirr tönte. Das Mädchen erhob
-den Stein, erblickte darunter ein Kästchen von Eisen, etwa ½
-Elle lang und 1½ Elle breit, erhielt aber gleichzeitig von ihrer Dienstherrin
-einen Schlag aufs Kreuz, so daß sie sich umsah. In diesem
-Augenblicke entstand ein heftiges Gepolter, das Kästchen aber war verschwunden.
-In der folgenden Nacht erschien der Geist dem Mädchen
-wiederum und sagte: »Du bist heute gestört worden, allein du kriegst
-es noch, in sieben Jahren komme ich wieder, es ist niemandem als dir
-beschert, bete fleißig!« Mit diesen Worten nahm das Männchen Abschied,
-das Mädchen vermietete sich auf ein anderes Vorwerk, aber
-Ende Juli 1705 hörte es die Stimme des Geistes, welcher sprach:
-»Ich bin vor drei Jahren bei dir gewesen, und weil dein gewesener
-Herr das Geld herausgegraben und gefunden hat, so melde ich es
-dir.« Die Gräßler verlangte es auch von ihm und zwar auf gütlichem
-Wege, allein Müller leugnete alles und gab nichts heraus.</p>
-
-<h3 id="sec339">339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs,
-1885, S. 125.)</p>
-
-<p>Auf dem Plateau des Seeberges oberhalb Eisenberg liegen die
-Trümmer einer Burg zerstreut, welche längst von Grün aller Art überwuchert<span class="pagenum"><a id="Seite_281">[281]</a></span>
-sind. Der Volksmund weiß nicht anzugeben, ob es eine Grenzveste
-oder ein Jagdschloß gewesen, doch wird die Erbauung in das
-achte bis zehnte Jahrhundert verlegt. Die Sage erzählt, daß hier ein
-Burgfräulein die vergrabenen Schätze bewache, und daß solches auch
-Holz und Beeren suchende Leute schon zu verschiedenen Malen gesehen
-haben wollen; doch nur einem Menschenkinde reinen Herzens sei es
-vergönnt, ihr zu folgen. Ersteigt ein solches während der Passionsstunde
-den Berg, dann erscheint das Fräulein demselben auf dreimaligen
-Ruf und winkt &ndash; wortlos und ohne Furcht müsse man ihr folgen
-und könne dann Schätze ungemessenen Wertes heben &ndash; dann sei auch
-der Geist erlöst. Doch auf den ersten Laut verschwinde die Erscheinung
-mit Weinen und Gebärden des Leides.</p>
-
-<h3 id="sec340">340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.</h3>
-
-<p class="source">(A. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs,
-1885, S. 124.)</p>
-
-<p>Auf dem Riesenberge bei Ossegg steht ein Turm, worin ein
-Schatz vergraben sein soll, und der Glückliche, der ihn einst heben
-wird, muß erst geboren werden. Es werden einst zwei leibliche Geschwister
-mit einander eine Ehe eingehen, und dieses Ehepaar wird vom
-Himmel mit einem Kinde beschenkt werden. Dieses Kind aber muß
-in einer Wiege »eingeschlummert« werden, deren Holz von einer Fichte
-stammt, die auf dem Flecke gewachsen ist, unter welchem derjenige
-ruht, der den Schatz in dem Turme vergraben hat. Wenn nun dieses
-Kind erwachsen sein wird, so ist es berufen, den Schatz zu heben und
-wird ihn auch finden, ohne daß es nach demselben sucht. Denn im
-Traume wird ihm gesagt werden, daß es den Schatz heben soll, und
-es wird ihm auch die Stelle genau bezeichnet werden. Dann erst,
-wenn der Schatz gehoben ist, wird auch die arme Seele erlöst sein,
-welche bei Lebzeiten den Schatz vergraben hatte.</p>
-
-<h3 id="sec341">341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Seminarist Reinmuth.)</p>
-
-<p>Eine halbe Stunde von Haslau entfernt liegt ein Wald, den
-man nach dem Kiefernbestande das Kiefrig nennt. Hier befindet sich
-ein Felsen, auf welchem einst ein Raubschloß gestanden haben soll,
-und darnach nennt man den Felsen jetzt auch gewöhnlich kurz das
-Raubschloß. Unter dem Felsen aber soll ein großer Schatz liegen. In<span class="pagenum"><a id="Seite_282">[282]</a></span>
-dem genannten Dorfe glauben manche Leute, daß verborgene Schätze
-am Weihnachts-Heiligenabend gehoben werden können. Daher ging
-auch vor wenigen Jahren ein Oberhaßlauer Bergarbeiter zu dieser Zeit
-hinaus zum Raubschlosse, um daselbst den Schatz zu heben. Als er
-die üblichen Zeichen gemacht hatte und nun im Begriffe war nachzugraben,
-erblickte er auf einmal eine Gestalt, welche so zart wie Spinnwebe
-war. Diese gespenstische Gestalt sprang plötzlich auf seinen Rücken
-und klammerte sich an seinem Halse fest. Wie er dieselbe wieder los
-geworden, wird nicht erzählt, wohl aber, daß sich der Mann, als er
-glücklich nach Hause gekommen war, krank niederlegte und nicht wieder
-aufstand, sondern nach einem Jahre starb.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_283">[283]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap7">VII.<br />
-Wundersagen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_285">[285]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Durch Wunder geschieht Übernatürliches, d. h. alles das, was sich
-über die Naturgesetze erhebt. Wunder können daher nur Götter oder
-dämonische Wesen verrichten; wo sie von Menschen verrichtet werden,
-da wohnt in letzteren allemal etwas Dämonisches.</p>
-
-<p>Wenn uns die Sagen von Wunderblumen erzählen, durch welche
-sich Berge mit darin verborgenen Schätzen öffnen, so leben wir auf
-dem Gebiete des Übernatürlichen, zugleich aber offenbart sich uns darin
-eine tiefe Symbolik. Die ersten gelben, blauen, weißen oder roten
-Frühlingsblumen sind die Abbilder des Blitzes, durch welchen Donar
-im Frühlinge die Berge des Himmels, d. h. die Wolken erschließt, so
-daß darauf die golden glänzende und Segen spendende Sonne sichtbar
-wird. Unter gewaltigem Krachen öffnet sich der Berg, unter Donner
-die Wolke, und Donar ist es selbst, welcher sie mit seinem Blitze
-öffnet, er ist der Hirte, von dessen Hand die Blume abgepflückt ward,
-die dann den Zugang zu den Schätzen im Innern des Berges erschloß.
-(Mannhardt, Die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 204.) In
-allen hierher gehörigen Sagen ertönt die warnende Stimme: »Vergiß
-das Beste nicht!« und so ist dieser Zuruf nach Jac. Grimm (Deutsche
-Myth. S. 545) wohl die Blume selbst, unser »Vergißmeinnicht«, zu
-dessen Namen sich später erst die sentimentale Deutung bildete, oder
-der »Gamander« und das »Mausöhrchen«, welche beide ebenfalls vom
-Volke, das ihre Wunderkraft berücksichtigte, als »Vergißmeinnicht« bezeichnet
-wurden. Oder die Wunderblume ist die gelbe Schlüsselblume,
-das »Himmelschlüssel«, worauf eine Sage hinweist, welche Henne-Am-Rhyn
-(Deutsche Volkssage, S. 79) uns mitteilt. Darnach saß die
-Berg-Jungfrau am Steinböckli bei Unter-Erendingen im Aargau als
-Hüterin auf einem Häuflein gepflückter Schlüsselblümchen in der Morgensonne,
-ein Schlüsselbund, das sich hier, wie in anderen Sagen,
-stets auf einen verborgenen Schatz bezieht, an der Seite. Ein aufgehobenes
-Schlüsselblümchen verwandelte sich darauf in der Hand eines
-Jünglings in ein hellglänzendes Goldstück. &ndash; Wenn oben auf die
-Symbolik des Blitzes als Wunderblume hingewiesen wurde, so ist hier
-die Schlüsselblume unverkennbar eine solche, da sie sich in den Händen<span class="pagenum"><a id="Seite_286">[286]</a></span>
-des Jünglings in ein Goldstück verwandelt; nach einem deutschen Volksglauben
-schlägt der Donner Gold ins Haus, und in Tyrol sagt man
-von den nach einem Gewitter gefundenen Münzen, daß sie vom Himmel
-gefallen seien.</p>
-
-<p>Wie das Eisenkraut (<em class="antiqua">Verbena</em>) als »Wunschkraut«, wenn man
-dasselbe beim Aufgehen des Hundssterns sammelte, ehe es von Sonne
-oder Mond beschienen war, und ebenso die »Wünschelsamen«, d. h.
-die Sporen des Farnkrauts, alle Wünsche erfüllten (Reling und Bohnhorst,
-Unsere Pflanzen, S. 62 und 112), so galt auch die Wünschelrute
-unbeschadet ihrer Beziehung zu Donar als wunderkräftiger Stab,
-der dem Menschen von Odhin, als dem Herrn des Wunsches und Wisser
-der Orte, wo Gold und Silber in der Erde liegen, verliehen ward.
-Nach Jakob Grimm drückt der Wunsch den Inbegriff von Glück und
-Heil aus. Die Wünschelrute heißt darum in David Kellners 1702 zu
-Nordhausen geschriebenen »<em class="antiqua">Schola metallurgica</em>« oder »wohleingerichteten
-Bergmanns-Schule« auch Glücksrute, und hinzugefügt wird dabei,
-daß man sie noch »Wicker« oder »Wahrsager« nenne, »sintemal das
-alte deutsche Wort wicken so viel ist, als vorher- oder wahrsagen.«
-Die Wünschelrute ist der Kompaß, welcher in der Mitternachtsstunde
-des ersten Maitages den Ort anzeigt, wo die Wunderblume blüht
-(Mannhardt a. a. O. S. 206); sie führt nach den ältesten Überlieferungen
-zu verborgenen Schätzen, ja noch mehr als dies: sie stärkte und
-vergrößerte fort und fort deren Gehalt und verlieh dem Besitzer übermenschliche
-Kräfte, und darum sagt auch die Edda von dem Nibelungenhorte,
-»dem Schatze, der nichts anderes als nur Gestein und Gold
-enthielt,«</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Es lag der Wunsch darunter: von Gold ein Rütelein;<br /></span>
-<span class="i0">Wer dessen Kraft erforschte, der möchte Meister sein<br /></span>
-<span class="i0">Wohl auf der ganzen Erde und über jeden Mann.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="noind">Hier wird die Wünschelrute golden genannt, und obschon man in der
-Blütezeit ihres Gebrauchs vereinzelt auch aus Messingdraht gemachte
-Ruten, ja selbst Lichtscheren, wie uns sagenhafte Überlieferungen
-melden, mit gutem Erfolge anwandte, so war es doch hauptsächlich
-der Haselstrauch und in einigen Fällen noch der Kreuzdorn, wenn der
-Zweig in einem Jahre gewachsen und kein Flecken altes Holz daran
-war, von welchem sie abgeschnitten wurde. Nach einer Kärntner Sage
-von der Erbauung des Schlosses Waisenburg wurde ein Mädchen in
-einem Traume belehrt, sie möge mit einem Wachholderzweige einen
-Schatz suchen; dort, wo sich das Zweiglein der Erde zuneige, solle sie
-nachgraben. (Österr. Touristenzeitung 1885, No. 10.) Der dem Donar
-geweihte Haselstrauch ist nach der Sage mit wunderbaren Kräften ausgestattet.<span class="pagenum"><a id="Seite_287">[287]</a></span>
-Sein Zweig schützt gegen den Blitz, denn letzterer darf weder
-den Strauch, noch denjenigen treffen, welcher unter ihm Schutz sucht;
-ein Haselstab, mit einem Hollunderzweige übers Kreuz gebunden, schützt
-gegen das wütende Heer; Haselzweige in den Ställen bessern den Viehstand
-auf; drei derselben auf dem Boden einer Scheune sichern das
-Getreide gegen allen Schaden; Kühe, von den Hirten mit Haseln an
-die Lenden geschlagen, geben reichlich Milch; ein am Karfreitage vor
-Sonnenaufgang im Namen des dreieinigen Gottes stillschweigend mit
-drei Schnitten abgelöster Zweig überträgt die Schläge auf den Abwesenden,
-und so weiß das Volk noch manche Kräfte zu nennen, welche
-dem Strauche verliehen wurden. Im Schwarzwalde trugen einst die
-Hochzeitsleute eine Haselrute, und an einigen Orten Frankreichs umtanzt
-man noch jetzt die Johannisfeuer mit einem Haselzweige.</p>
-
-<p>Für die Wünschelrute mußte vom Strauche eine jährige Zwiesel
-oder Gabel, welche so stand, daß Ost- und Westsonne durch dieselbe
-schien, im Mondschein geschnitten werden. Man wählte dazu am liebsten
-die Johannis-, aber auch Christ- und Karfreitagsnacht, oder die
-der heiligen drei Könige, nachdem man die Rute bei Neumond gesucht
-hatte. Sie durfte weder mit Hülfe eines Messers oder anderen metallenen
-Werkzeugs, sondern mußte mit einem scharfen Feuerstein rasch vom
-Stamme gelöst werden, damit der Strauch nicht Zeit habe, die geheimnisvolle
-Kraft aus dem Zweige herauszuziehen. Dabei kehrte man
-sein Angesicht nach Morgen, neigte sich dreimal vor der Rute und
-sprach: »Gott segne dich, du edles Reis! Mit Gott dem Vater such'
-ich dich, mit Gott dem Sohne find' ich dich, mit Gott des heiligen
-Geistes Macht und Kraft breche ich dich. Ich beschwöre dich Rute und
-Sommerlatte bei der Kraft des Allerhöchsten, daß du mir wollest zeigen,
-was ich dir gebiete, und solches so gewiß und wahr, so rein und klar
-wie Maria, die Mutter Gottes, eine reine Jungfrau war, da sie
-unsern Herrn Jesum gebar, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes
-und des heiligen Geistes. Amen!« (Nork, Sitten und Gebräuche der
-Deutschen, S. 712.) Beim Gebrauche faßte man die Rute an den
-beiden Zwieselenden, so daß sich der Stiel, in welchem sie zusammenliefen,
-aufwärts kehrte. Kam man damit über die in der Erde liegenden
-Erzgänge, so beugte sie sich gewaltig nieder, während sie dann,
-wenn man dem Gange nicht folgte, sondern ihn überschritt, gerade
-über sich unbeweglich stand. Etliche Rutenschläger »gingen mit ihr stillschweigend
-über das Gebirge, etliche aber fragten dieselbe entweder
-laut oder nur in Gedanken auf allerhand Manier und faßten auch ein
-gewiß Metall, dergleichen sie gern erkundigen wollten, daneben in der
-Hand.« »Es ist aber«, wie die oben genannte <em class="antiqua">Schola metallurgica</em><span class="pagenum"><a id="Seite_288">[288]</a></span>
-(S. 196) schreibt, »diese Wirkung der Rute ein Wunder der Natur
-und verborgenen Sache, deren Ursache man nicht wohl erkundigen kann,
-ebenfalls wie der Magnet das Eisen, der Agtstein, so er erhitzet, das
-Stroh oder Sprey, der Serpentin oder Schlangenstein, wo er im
-Felde lieget, die Schlangen an sich ziehet, und dergleichen natürliche
-Wunder viele mehr.«</p>
-
-<p>Nach Jacob Grimm unterschied man von der Wünschelrute
-mehrere Arten: als Feuerrute, Brandrute, Springrute, Schlagrute
-und Beberute, und man glaubte mit ihr nicht nur verborgene Schätze
-und Erzadern, sowie taube Gänge, »alte Gebäude und Gezimmer in
-der Erde«, sondern auch Salz- und Kohlenlager und Wasserquellen,
-ja Mörder und Diebe zu entdecken.« (Grimm, Deutsche Myth. S. 546.)
-Der Verfasser der <em class="antiqua">Schola metallurgica</em> fügt außerdem (S. 490) hinzu,
-daß man von ihr fast alles erkundigen wolle, was in der Welt geschähe,
-ob nämlich diese oder jene Person zu Hause sei, oder ob man
-eine belagerte Festung erobern werde und dergleichen mehr; doch kann
-er nicht umhin, dabei hinzuzusetzen, daß ihm dieses sehr verdächtig
-vorkomme. Nach einer Überlieferung aus Johanngeorgenstadt schlägt
-die Rute auch auf verborgene Rainsteine und durch sie werden Diebe
-entdeckt und gestohlene Sachen wieder gefunden.</p>
-
-<p>In das Bereich der Wundersagen gehören auch die Überlieferungen
-von den Venedigern oder Wahlen, jenen rätselhaften Fremden,
-welche außer dem Fichtelgebirge, Thüringerwalde, dem Vogtlande und
-andern mitteldeutschen Gebirgen auch das Erzgebirge nach Gold durchsuchten
-und von dem Volke mit übernatürlichen Kräften ausgestattet
-wurden. Sie kannten das Innere der Berge, wuschen die Goldkörner
-aus dem Sande der Flüsse und waren mancher Zauberkünste kundig.
-Vielleicht sind manche der von ihnen meldenden Sagen auf die Schätze
-hütenden Berggeister zurückzuführen, umsomehr, da in den Volkssagen
-der Oberpfalz die Venetianer häufig Größe und Aussehen der Bergmännchen
-besitzen. In der Bavaria (III. S. 269) deutet E. Fentsch
-die Wahlen als Wenden und verweist dabei auf eine Ansicht von
-Baumers, nach welcher die Vallen des Plinius ein slavischer Volksstamm
-waren, welcher beim Vordringen aus dem Osten Europas bis
-in die Fichtelgebirgsgegend gelangte und dort seine alte Kunst, nach
-Gold und andern Metallen zu graben, ausübte. (Zapf, Sagenkreis
-des Fichtelgebirgs, S. 104.) Wir können dann noch weiter gehen und
-auch die Venediger des Erzgebirges auf zerstreute Sorben zurückzuführen,
-welche, als einem unterdrückten Volksstamme angehörig, in der Überlieferung
-nach und nach zu zwerghaften Wesen zusammenschrumpften.
-Meldet uns doch auch eine alte Nachricht, »daß schon dreihundert Jahre<span class="pagenum"><a id="Seite_289">[289]</a></span>
-vor Aufkunft des Goslarischen Bergbaues unter Otto I. die böhmischen
-Wenden unser Obergebirge (Erzgebirge) jenseits, unsere Wenden
-aber diesseits (d. h. auf jetzt sächs. Seite) angebaut, daselbst Eisenstein
-gegraben, Eisenhämmer und Schmelzhütten angelegt und von Pirna
-bis an Hof im Vogtland alle Wälder, Berge und Hügel durchschürft
-hätten.« (Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im s. Vogtland,
-S. 2.)</p>
-
-<p>Neben den Sagen von Wunderblumen, welche den Zugang zu
-unterirdischen Schätzen öffnen, von der Wünschelrute und den Gold
-suchenden Venedigern sind auch diejenigen für unser Gebirge charakteristisch,
-welche uns von Träumen und Prophezeiungen erzählen, durch welche
-reiche Silbergänge angezeigt wurden. Es ist ein alter Glaube, daß
-vermittelst der Träume durch Schutzgeister der Wille der Götter den
-einzelnen Menschen als Rat oder Warnung mitgeteilt wird, und daher
-hegte man von jeher das Vertrauen auf Erfüllung dessen, was man
-geträumt, weil man darin Winke des Schicksals erblickte. In gleicher
-Weise wurden auch die Ahnungen, d. h. das Träumen im wachen Zustande,
-als Eingebungen der Götter angesehen, und ebenso achtete man
-bereits im Heidentume auf die Erscheinungen der belebten Natur; man
-erblickte in denselben, sowie in allen Dingen einen ursächlichen Zusammenhang,
-so daß man in den wunderbaren Gestaltungen der Wolken
-und in anderen auffälligen Erscheinungen am Himmel und in der Luft
-die Beschlüsse des von Göttern über den einzelnen Menschen oder ein
-ganzes Volk verhängten Schicksals herauslas. Das sind die Vorzeichen.
-&ndash; Hierhin gehören auch die Anzeichen durch mancherlei Geräusch, wie
-Klopfen an Thür und Wand, das Klirren von Waffen u. a. mehr,
-durch welche Töne entweder gewarnt oder ein Todesfall angezeigt
-wird.</p>
-
-<p>Von derartigen Überlieferungen einer wunderbaren direkten Äußerung
-der Gottheit in Bezug auf das Geschick der Menschen finden wir
-eine ziemliche Mannigfaltigkeit, ebenso von wunderbarer Hülfe
-durch heilkräftige Quellen oder von plötzlicher Strafe für Meineid oder
-gotteslästerliche Worte. Es wird in dieser Hinsicht schließlich auf die
-einzelnen Sagen verwiesen.</p>
-
-<h3 id="sec342">342. Die Wunderblume auf dem Schlettenberge
-bei Marienberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit,
-1862, S. 40. Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf dem Schlettenberge bei Marienberg lassen sich zu gewissen<span class="pagenum"><a id="Seite_290">[290]</a></span>
-Zeiten ein paar kleine Lichter sehen. In dem Berge steckt nämlich ein
-goldenes Kind und aller 50 Jahre am Johannistage mittags 12 Uhr
-wächst auf dem Berge eine schöne Blume. Wer dieselbe nun pflückt,
-der kann in den Berg hineingehen. Da sieht er dann den goldenen
-Jungen in einer goldenen Pfanne liegen; beide werden von einem
-großen Pudel bewacht. Wer aber die Blume hat, darf sie nur dem
-Pudel hinzeigen, dann kann er die Pfanne mit dem goldenen Jungen
-nehmen. Jedoch muß er darauf schnell fortlaufen; ist er über den
-Hammergraben gekommen, so kann ihm der Hund nichts mehr thun.
-Wenn ihn jedoch der Hund einholt, ehe er über den Graben gekommen
-ist, muß er die Pfanne mit dem Kinde wieder hergeben und der Hund
-trägt beides wieder in den Berg.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Hund ist der Wächter der Unterwelt. Aber worauf ist das goldene Kind
-zurückzuführen? Deutet es auf eine der goldstrahlenden heidnischen Gottheiten hin?
-Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 4) bemerkt, daß nach den ältesten
-Vorstellungen nicht nur der Himmel, sondern auch die Götter selbst und ihre Lieblingstiere
-golden waren. Die Pfanne ist wie der in andern Sagen auftretende Braukessel
-möglicherweise eine Hindeutung auf ein Opfergerät.</p>
-
-<p>Eine Anzahl von Beispielen, nach denen der Schatz eine bestimmte Gestalt,
-besonders von Tieren, angenommen hat, führt Grohmann (Aberglauben und Gebräuche
-in Böhmen und Mähren, S. 214) an. Hierhin gehört z. B. auch die Sage
-von einer goldenen Ente mit goldenen Eiern, welche im Klosterhofe zu Sittichenbach
-liegen soll. (Gräßler, Sagen von Mansfeld, No. 46.)</p></div>
-
-<h3 id="sec343">343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.</h3>
-
-<p class="source">(R. im Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 1882, No. 3.)</p>
-
-<p>Gegenüber dem Geringsberge zwischen Lauter und Neuwelt erhebt
-sich am rechten Ufer des Schwarzwassers der im Ganzen kahle
-Teufelsstein, den man von der Haltestelle Lauter bequem in fünf Minuten
-erreichen kann. Nach der Meinung einiger ist der Name Teufelsstein
-verfälscht und lautet eigentlich »Taufenstein«, weil sich hier
-in alter Zeit ein Taufstein oder Taufbecken befunden haben soll. Eine
-andere Sage aber bezeichnet den Teufelsstein als ein verwünschtes
-Schloß, welches kostbare Schätze in seinem Innern birgt und von Jahr
-zu Jahr des Tages seiner Erlösung aus der Hand des »Bösen« und
-der Hebung seines reichen Gutes harret, &ndash; doch bis jetzt vergebens.
-Noch immer liegt es verzaubert unter mächtigen Felsblöcken. Zwar
-ist ein Schlüssel, durch dessen wunderbare Macht die verborgenen Zugänge
-unwiderstehlich sich öffnen, vorhanden, doch noch niemandem ist<span class="pagenum"><a id="Seite_291">[291]</a></span>
-es gelungen, hineinzudringen. Der Schlüssel ist eine gelbe Blume,
-welche alljährlich im Frühjahr aufs neue emporsprießt und ihren
-Wunderkelch entfaltet. Ein Schäfer aus Beierfeld, welcher dort vor
-vielen Jahren seine Herde weidete, fand sie eines Tages und pflückte
-sie. Alsbald merkte er, wie sich in seiner Nähe geheimnisvoll eine
-Felsenspalte öffnete, und verwundert schaute er in eine Höhle, aus
-deren Hintergrunde ihm zauberischer Goldesschimmer entgegenblickte.
-Da er jedoch die Mahnung des am Eingange sitzenden bärtigen Wächters
-mit grauem Hute, still zu bleiben, nicht beachtete, sondern einen
-lauten Ausruf des Erstaunens ausstieß, so schloß sich ebenso geheimnisvoll
-und schnell die Öffnung wieder und hat sich bis heute noch
-nicht wieder aufgethan.</p>
-
-<h3 id="sec344">344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 72.)</p>
-
-<p>In südwestlicher Richtung von Gottesgab erhebt sich der kegelförmige
-basaltische, mit Wald bedeckte Spitzberg. Auf demselben stand
-nach der Sage in alten Zeiten ein großes, festes Schloß. Dort hauste
-mit gleichgesinnten Spießgesellen ein Ritter, der als Räuber und Mörder
-sich in der ganzen Gegend furchtbar machte. Einst geschah es, daß
-ein greiser Mönch aus dem nahen Kloster zu Mariasorg bei dichtem
-Nebel sich auf dem öden Heideplateau verirrte und in die ruchlosen
-Hände dieser Räuber fiel. Sie schleppten den Priester auf ihr schwer
-zugängliches Raubnest und warfen ihn unbarmherzig ins Burgverließ,
-wo er eines qualvollen Hungertodes sterben sollte. &ndash; Als die gottlosen
-Missethäter im Saale sich bei lärmendem Becherklang ihrer ausgeführten
-Verbrechen in frechen Lästerreden rühmten, sank der dem
-Tode überlieferte Mönch auf die Knie und flehte im inbrünstigen Gebete
-zu Gott, dem starken Helfer in der Not, daß er die berüchtigte
-Mörderburg in einen Schutthaufen verwandle. Plötzlich machte ein
-furchtbarer Donnerschlag die Mauern des stolzen Schlosses wanken, sie
-stürzten zusammen und begruben die Räuber unter ihren Trümmern;
-nur der Mönch wurde gerettet. Die angehäuften Schätze aber versanken
-in des Berges inneren Schoß. &ndash; Nach langen Jahren träumte
-einmal einem armen, frommen Hirtenjungen drei Nächte hintereinander,
-daß er dazu erkoren sei, den im Innern des Spitzberges verborgenen
-Schatz zu heben. Zwei Tage hatte er schon seine Kühe auf
-diesem Berge geweidet, und noch war ihm kein Anzeichen geschehen.
-Als er nun am dritten Tage &ndash; es war der Karfreitag &ndash; wieder
-seine Herde am Spitzberge hütete, sah er auf einmal auf einem nahen<span class="pagenum"><a id="Seite_292">[292]</a></span>
-Felsblocke eine wunderschöne gelbe Blume stehen. Ei, dachte er, eine
-so schöne Blume habe ich in unseren Bergen und Thälern noch nicht
-gesehen! Ich werde sie pflücken und auf meinen Hut stecken, gewiß
-werden alle daheim die Schönheit der Blume bewundern. Gedacht,
-gethan. Kaum hatte er aber mit der Blume den Hut geschmückt, als
-unter einem fürchterlichen Knall sich der Berg aufthat. Der Hirt sah
-sofort eine weitgeöffnete Thür im Felsen, vor der ein kaum spannenhohes
-Männlein stand, das ihm zu folgen winkte. Obwohl er durch
-diese unerwarteten, wunderbaren Vorgänge für den Augenblick aus
-der Fassung gekommen war, nahm er doch allen Mut zusammen und
-schritt seinem Führer nach. Der Weg ging erst durch dunkle, dann
-magisch erleuchtete Gewölbe, deren Wände diamantartig glitzerten, bis
-beide endlich in einen überaus prachtvollen Saal gelangten, der mit
-den kostbarsten Schätzen aller Art angefüllt war, und in dessen Mitte
-sich eine weißgekleidete Jungfrau befand. Diese betrachtete den erstaunten
-Hirtenjungen mit freundlichen Blicken und hub dann lächelnd
-an: »Hier hast Du die feinsten und auserlesensten Speisen, genieße
-von ihnen! Wohin Du blickst, sind ganze Haufen von Gold, Perlen,
-Edelsteinen und köstlichen Gewanden aufgeschichtet. Nimm Dir davon,
-soviel Dein Herz begehrt; doch vergiß das Beste nicht!« Der Junge,
-durch die vernommenen Worte ermutigt, griff nach den besten Speisen
-und aß und trank, steckte sich hernach Hut und Taschen voll Gold
-und Edelsteine, und schickte sich zum Rückwege an. »Vergiß doch das
-Beste nicht!« rief lauter und ängstlicher zum zweitenmale die Jungfrau
-mit flehenden Gebärden. Der Hirtenjunge spähte umher und erblickte
-zu seiner Verwunderung eine Peitsche, welche vortrefflich zu
-seinem Geschäfte zu passen schien. Da dachte er: Du hast dir schon
-von allen Schätzen im Überfluß genommen; diese Peitsche da wird
-jedenfalls das Beste für dich sein! Mithin griff er ohne Bedenken
-nach der Peitsche. Da fing aber die Jungfrau bitterlich zu weinen
-und zu wehklagen an; ein plötzlicher Donnerschlag erschütterte den
-Saal so, daß der Boden unter den Füßen des Hirten wankte, der im
-Nu wieder auf der Oberfläche des Berges stand. Jetzt erst erinnerte
-er sich an seine Wunderblume. Mit Hast griff er an den Hut, um
-sie herabzunehmen, aber er bemerkte zu seinem größten Leidwesen, daß
-er sie unter den Schätzen im Felsensaale zurückgelassen habe. &ndash; Mit
-den Worten: »Vergiß doch das Beste nicht!« hatte die Jungfrau die
-gelbe Blume, den Schlüssel zum verzauberten Schlosse gemeint.
-Hätte der Junge dieselbe nicht vergessen, so würde er nicht nur die
-Jungfrau von ihrem Zauber befreit, sondern auch den ganzen Schatz
-gehoben haben. Seit dieser Zeit hat niemand die Zauberblume, die<span class="pagenum"><a id="Seite_293">[293]</a></span>
-alle tausend Jahre einmal zum Vorschein kommen soll, auf dem Spitzberge
-gefunden, in dessen Innerem auch der Schatz noch heute verborgen
-liegt. Der Hirtenjunge aber, der ein reicher Mann wurde,
-wäre zweifellos noch reicher und glücklicher geworden, wenn er nicht
-das Beste vergessen hätte.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Bereits in der Einleitung ist darauf hingewiesen worden, wie unter dem
-Hirten Donar und unter der den Zugang zu den goldenen Schätzen im Innern des
-Berges öffnenden Blume der Blitz zu verstehen sei. Die Wolke wird als Berg gedacht;
-aus ihr leuchtet nach dem Gewitter wieder die Sonne goldig hervor. Die
-Sonne ist der Schatz. Die Schafe oder Kühe, welche der Hirt hütet, sind ebenfalls
-Wolken; Donar ist der Wolkenhüter. Die den Schatz hütende weiße Jungfrau ist
-eine von den Wolkenfrauen, welche der Erde himmlische Milch, d. h. den Regen
-spendeten, aber auch in Bergen wohnten, da man sich, wie bereits bemerkt wurde,
-den Berg als Wolke dachte. (Mannhardt a. a. O. S. 204; Grohmann, Sagen aus
-Böhmen, I., S. 87.) &ndash; Der gleiche Sagenstoff, allerdings mit mancherlei Modifikationen,
-aber immer als Darstellung von einem Hirten, welcher eine Blume findet,
-die der Schlüssel zu einem großen Schatze ist und mit dem Zurufe: »Vergiß
-das Beste nicht!«, als die Blume vergessen wurde, tritt uns in Überlieferungen aus
-dem Fichtelgebirge (Zapf a. a. O., S. 19 und 25), sowie besonders zahlreich im
-Thüringerwalde (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 125, 138, 173, 180, 276,
-Gräßler, Sagen aus Mansfeld, No. 20 und 211) und an noch vielen anderen Orten
-entgegen. Auch die Lausitz, sowie das Vogtland und der Harz besitzen Sagen von
-Wunderblumen, durch welche man verborgener Schätze teilhaftig werden kann; sie
-unterscheiden sich jedoch insofern von den vorigen, als hier nicht der warnende Zuruf
-ertönt, das Beste nicht zu vergessen.</p>
-
-<p>Sagen von Schlössern, welche in die Erde versanken, weil ihre Insassen
-Raub und Mord und andere Greuelthaten verübten, erzählt der Volksmund auch in
-anderen Gegenden. So bezeichnet das sogenannte Silberloch bei Seesen im Harze
-die Stelle, wo gleiches geschah. Auch hier läßt sich zuweilen eine weißgekleidete
-Jungfrau mit einem Schlüsselbunde, welche die Sage als die mildthätige Tochter
-des Burgherrn bezeichnet, sehen, um, wie sie es im Leben gethan, auch ferner den
-Unglücklichen und Notleidenden beizustehen. (H. Heine, Sagen aus dem Harze, S. 10.)</p></div>
-
-<h3 id="sec345">345. Die Wunderblume des Grauensteins.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 70.)</p>
-
-<p>Einmal weidete ein vierzehnjähriger Knabe am Fuße des Grauensteins
-bei Joachimsthal seine Herde. Da dieselbe ruhig graste, ließ
-er sich ins Gras nieder, vertiefte sich in den Inhalt eines Buches und
-gewahrte zu spät, daß sich das Vieh auf die Gebirge verstiegen hatte.
-So mußte er denn mit bangem Herzen von einem Berge zum andern
-steigen, bis er endlich die vollzählige Herde fand, die er auf die Wiese
-zurücktrieb. Aber ermüdet vom langen Suchen, versank der junge<span class="pagenum"><a id="Seite_294">[294]</a></span>
-Hirt in einen tiefen Schlaf. Als er erwachte, schimmerte ihm eine
-so feuerrote Lilie entgegen, wie er noch keine auf allen seinen Wanderungen
-über Berg und Thal gesehen hatte. Alsogleich eilte er darauf
-zu, pflückte sie und steckte sie auf seinen Hut.</p>
-
-<p>Und wie wunderbar! Kaum berührte er sein Haupt, so ward
-es plötzlich auf demselben lebendig. Voll Bestürzung nahm der Junge
-den Hut ab; er sah eine Otter darauf liegen und warf den Hut eiligst
-zu Boden, wo statt des zischenden Tieres ein goldener Schlüssel niederfiel,
-der aber in dem Augenblicke verschwand, als er ihn aufheben
-wollte. &ndash; Es soll dies der Schlüssel zum Schatze in dem verzauberten
-Grauensteiner Schlosse gewesen sein, den bis auf den heutigen Tag
-noch niemand in Besitz genommen hat. Der Glückliche, dem er bestimmt
-ist, soll demnach noch kommen.</p>
-
-<h3 id="sec346">346. Die Wunderblume bei Blauenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)</p>
-
-<p>Bei dem Orte Unter-Blauenthal findet sich eine jetzt durch Gesträuch
-fast völlig verwachsene Felsenschlucht und in dieser soll man
-einst ein eisernes Thor, welches eine Höhle verschloß, gesehen haben.
-Vor langer Zeit mähte in der Nähe dieser Höhle ein Einwohner des
-genannten Ortes Gras, und als er sich in der Mittagstunde unter
-einen schattigen Baum setzte, um seine Sense zu dengeln, stand auf
-einmal ein schwarzer Ritter vor ihm und zu seinen Füßen sah er aus
-dem kahlen Erdboden eine gelbe Blume hervorsprießen. Der Ritter
-aber sprach zu ihm, er solle diese Blume abpflücken, sie sei der
-Schlüssel zu der eisernen Pforte; damit solle er dieselbe öffnen und
-sich aus der Höhle so viel von den Schätzen mitnehmen, als ihm behage;
-»jedoch«, so setzte er hinzu, »laß mir die Blume nicht liegen,
-sonst bist Du verloren.« Der Mann that, wie ihm der Ritter geheißen
-hatte. Die Höhle, in welche er gelangte, war an den Wänden
-mit funkelnden Edelsteinen besetzt und auf dem Boden standen viel
-Kisten, aus denen ihm Gold und Silber entgegen glänzte. Plötzlich
-erweiterte sich der Raum zu einem großen Saale und an einer mit
-kostbaren Speisen und Getränken besetzten Tafel sah er den Ritter mit
-Gefolge wieder; die Speisenden wurden von Zwergen bedient. Da
-winkte der Ritter dem Manne, derselbe solle sich mit an die mit
-einem Trauerflor behangene Tafel setzen. Ängstlich setzte sich der Arbeiter
-nieder, aber bald bekam er wieder Mut. Nachdem er gegessen
-und getrunken hatte, steckte er sich auf Geheiß des schwarzen Ritters<span class="pagenum"><a id="Seite_295">[295]</a></span>
-so viel von dem Golde und den Edelsteinen ein, als er fortbringen
-konnte. Da er wieder vor der Pforte stand, schloß sich dieselbe mit
-einem großen Knalle, der Felsen wankte und der Eingang war nicht
-mehr zu sehen. Erschrocken wollte der Mann nach seiner Blume greifen;
-doch er besaß sie nicht mehr, denn er hatte sie in der Höhle zurückgelassen,
-als er die Schätze zusammenraffte. Nach wenigen Tagen
-starb er; man fand ihn, das Gesicht nach dem Nacken umgedreht, und
-das Gold war auch verschwunden. Der Fels aber, in dem sich der
-Eingang zu der Höhle befunden haben soll, heißt heute der Teufelsfels.</p>
-
-<h3 id="sec347">347. Die Wünschelrute.</h3>
-
-<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.
-Leipzig, 1723, S. 172&ndash;174.)</p>
-
-<p>Die Wünschelrute, durch welche Klüfte und Gänge ausgegangen
-werden, wird abgeschnitten von allerlei Holz, auch zu allen Zeiten,
-doch so, daß sie zwei Zacken oder Zwiesel hat, und man selbige in
-beiden Händen zwischen den Daumen und geschlossenen Fingern halten
-kann. Ja man mag auch eine andere Materie dazu gebrauchen, als
-Messing, Eisen u. dgl. Es ist aber der Nutzen der Rute dieser, daß
-sie die in der Erden liegende Klüfte und Gänge andeutet, indem, wenn
-der Rutengeher an dergleichen Stätte kommt und die Rute aufwärts
-hält, sie sich gewaltig niederbeuget und sich zuweilen, wenn sie stark
-gehalten wird, fast entzwei windet, während die Rute da, wo man
-dem Gange nicht folgt, sondern ihn überschreitet, wieder grade über
-sich unbeweglich steht.</p>
-
-<p>Die Rute schlägt aber außer auf Gänge und Klüfte auch auf
-andere Dinge. Es entwendete eine Magd ihrer Herrschaft unterschiedliches,
-worauf man endlich einen Rutengänger holte, um im Hause
-die Rute zu schlagen; dieselbe führte ihn zu der Lade der Magd, in
-welcher sich auch die gestohlenen Sachen vorfanden. Ferner wurde
-einem Hammerwerksbesitzer allerhand entwendet. Derselbe schrieb an
-seine Freundin, den Rutengänger holen zu lassen, damit dieser mit
-der Rute forsche, ob nicht die Mägde des Bestohlenen, und welche
-unter ihnen, den Diebstahl begangen hätten. Er schickte zu dem Ende
-deren Namen mit. Die Freundin legte beide Zettel mit den Namen
-auf den Tisch, aber die Rute wollte sich nicht bewegen. Da fiel es
-der Freundin ein, ob nicht der Junge des Hammerherrn, dem es dieser
-zwar gar nicht zutraute, den Diebstahl begangen habe. Sie schrieb
-also dessen Namen mit auf ein Papier, wickelte es zusammen und legte<span class="pagenum"><a id="Seite_296">[296]</a></span>
-es heimlich mit auf den Tisch. Da fing die Rute an sich zu winden,
-und als die Zettel gesondert worden waren, schlug sie allezeit auf
-denjenigen, welcher mit des Jungen Namen beschrieben war. Der
-Hammerherr nahm darauf den Jungen vor und die entwendeten Sachen
-wurden von ihm wieder erlangt. &ndash; In einem Zechenhause bei
-Johanngeorgenstadt wurden unterschiedliche Centner Kobalt entwendet,
-und weil einem frommen und christlichen Hammerwerksbesitzer, dem
-die Rute schlug, ein anderer Gewerke zuredete, zu versuchen, ob nicht
-die Rute den Dieb und dessen genommenen Weg anzeige, wollte dieser
-erst nicht darein willigen, in der Meinung, sie ziele nur auf Klüfte
-und Gänge. Er ließ sich aber doch bereden, nahm eine kleine Stufe
-Kobalt von dem Haufen weg, wovon ein Teil entwendet worden war,
-ging um das Zechenhaus, und als er an den erbrochenen Laden kam,
-schlug die Rute, führte ihn über die Wiese einen Berg hinauf und
-in einen Busch. Hier erblickte man frische Erde, und als diese hinweggeschafft
-worden war, fand sich eine Partie versteckter Kobalt.
-Darauf führte die Rute in einen zweiten und dritten Busch, so daß
-man wohl die Hälfte des gestohlenen Kobalts wieder bekam. Ja als
-sich einige Männer in der folgenden Nacht versteckten und die Diebe
-den Rest nachholen wollten, wurde einer davon ergriffen und nach
-Joachimsthal abgeliefert. &ndash; Die Rute schlägt auch auf Rainsteine.
-Einem Rutengänger wurde sofort der Rainstein im Boden angezeigt,
-ungeachtet schon Bäumchen darüber gewachsen waren. &ndash; Vielen Leuten
-schlägt die Rute gar nicht. Sie hat aber auch anderen von Kindheit
-an vortrefflich geschlagen; aber dieselben sind krank geworden oder gar
-ausgewachsen, und ob sie gleich wieder genesen, so hat ihnen doch die
-Rute keinen Zug mehr gethan.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Zu den in der Einleitung zu diesem Abschnitte über die vermeintlichen Wirkungen
-der Wünschelrute und deren Gebrauch vorangeschickten Bemerkungen möge
-noch folgendes beigefügt sein:</p>
-
-<p>Man fand in früheren Jahrhunderten Analogien dazu in dem das Wasser
-aus einem Felsen schlagenden Stabe des Moses, in der blühenden Rute Aarons, durch
-welche dem Moses der zum Priestertum bestimmte Stamm der Israeliten angezeigt
-ward, in der Rute der Minerva, welche den alten Ulysses wieder jung machte, in
-derjenigen der Zauberin Circe, durch welche seine Gefährten verwandelt wurden und
-in dem Wunderstabe des Merkur, durch den Wachende in Schlaf fielen.</p>
-
-<p>Als man statt wirklicher Ruten Metalldraht und andere metallene Gegenstände
-auf unterirdische Gänge und vergrabene Schätze verwandte, mochte man zunächst
-zur Herstellung solcher Instrumente Legierungen aus verschiedenen Metallen
-gebraucht haben, bis man später fand, daß auch gewöhnliches Messing genügte.</p>
-
-<p>Ein frommer Prediger in Freiberg entdeckte z. B., wie eine alte Bergpredigt
-von Meltzer mitteilt, mittelst einer Lichtputze einen versteckten Groschen. An den<span class="pagenum"><a id="Seite_297">[297]</a></span>
-beiden Enden der Rute wurde auch in einem seidenen oder tuchenen Fleckchen sogenannter
-Erdweihrauch, d. h. Harz aus Ameisenhaufen eingenäht. Man wollte ferner
-durch die Rute erfahren, ob Gold oder Silber und was für ein Erz, ob Rotgüldig-
-oder Glanzerz u. s. w. in der Erde liege, wenn man davon ein Stückchen zugleich
-mit der Rute in die Hand nähme. (Physikalische Belustigungen. Berlin, 1751.
-S. 116 etc.)</p>
-
-<p>Sicher ist, daß sich der Glaube an die wunderbare Kraft der Wünschelrute
-noch bis in die Gegenwart erhalten hat, obschon der Freiberger Professor Johann
-Friedrich Wilhelm Charpentier sich bewogen fand, auf dem Titelkupfer seiner 1778
-erschienenen »Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande« das alte Vorurteil
-mit verbundenen Augen und fliehend, den aufgeklärten Genius aber die
-Wünschelrute zerbrechend darzustellen. <em class="antiqua">Dr.</em> Gustav E. Stein erzählt noch von einem
-Versuche, welcher anfangs der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts in Freiberg auf
-Veranlassung eines Markscheiders angestellt wurde. In scheinbar wissenschaftlicher
-Weise war dabei von seiten dieses Markscheiders in einer Abhandlung
-die Wirkung einer ganz metallenen oder auch hölzernen, jedoch mit einem
-dünnen Metallüberzuge versehenen Rute durch elektrische Ströme erklärt worden, und
-es sollten auch zur bessern Leitung dieser Ströme die Schuhsohlen des Rutengängers
-mit dünnen Metallplatten belegt sein. Selbstverständlich blieben die von dem Verfasser
-der erwähnten Abhandlung erwarteten Erfolge aus.</p></div>
-
-<h3 id="sec348">348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 197 etc. und 250. Schurig, Beiträge
-zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, 1875, S. 36
-etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 256. <em class="antiqua">Documenta</em> oder
-alte Uhrkunden und Nachrichtigungen, wo hin und wieder im Römischen
-Reiche Gold- und Silber-Ertze, Goldkörner etc. zu finden sein
-sollen. Abteilung in <em class="antiqua">Dr.</em> David Kellner, <em class="antiqua">Schola metallurgica</em>. Nordhausen,
-1702. Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrgang, 1878,
-S. 108.)</p>
-
-<p>Von meißnischen Goldseifen im Ober-Erzgebirge schreibt Mathesius,
-daß dieselben den Welschen und Fremden viel besser bekannt,
-als den Inwohnern selbst. Das Wasch- und ledig Gold, das in
-Flüssen und Forellenbächen wächst, wird oft von Felsen und Gängen
-abgerissen oder von Grus und Dammerde ausgewaschen und vom Gebirge
-erledigt; es ist das edelste und reinste Gold, dem Kronengolde
-gleich gehalten und ist ein Quentlein mit 38 Groschen bezahlt worden.
-Solche Goldkörner, Flietschen und »Flämmigen« sind an Farbe und
-Gestalt nicht einerlei, etliche sind rot wie rostig Eisen, andere grau,
-etliche rauh und blaufarbicht, etliche wie Pech, andere dunkel und
-durchsichtig wie die Granaten, etliche mild und mürbe, andere zerspringen
-im Schlag wie Glas, etliche sind viereckig, etliche groß wie<span class="pagenum"><a id="Seite_298">[298]</a></span>
-die Erbsen und Bohnen, andere lassen sich »flötschen« wie Blei, und
-diese hält man für die besten. Solche Goldkörner, die sich flötschen
-lassen, hat man am Schallerberg um Lengefeld in Brunnen und Bächen
-gefunden. Alle Bächlein an der Zschopau, die vom roten Haus
-auf den Stolzenhain in das Grenzwasser am Weinberg (Weipert)
-fallen, haben gediegene schwarze Goldkörner bei sich geführet, und die,
-so sich darauf verstanden, in kurzem reich gemacht. Im Grenzwasser
-Pila (Pöhla) hat man ebenfalls gute Goldkörner gefunden, die sich
-auch flötschen lassen, desgleichen im Bächlein Conduppel schwarze Körner,
-die man auf dem Amboß breit schlagen konnte. Im Preßnitzer
-Wasser haben die Alten gut Gold gewaschen, und hinter dem Spitzberge
-über Jöhstadt hat der Bach viel und gute Silberkörner gegeben
-und heißt noch davon der Silberbach. In allen Bächen zwischen
-Wolkenstein und Annaberg, die in die Zschopau fallen, hat man Granaten
-gefunden, in Farbe schwarz, braun und rot, als der beste Zusatz
-zum Gold, außerdem Amethysten und Körner, dem Eisenstein gleich
-und so gut als Rheinisch Gold. In Forellenbächen um Marienberg,
-Fernrückertswald und Glashütte haben die Alten gediegene Goldflietschen
-klein und groß gewaschen, die sich auch fletschen lassen. Daher
-auch die Forellen, die in solchen Goldbächen wachsen, <em class="antiqua">Auratae</em> genannt,
-von Gold, nicht eben ab <em class="antiqua">aureolis maculis</em>, daß sie goldfärbig
-wären, dieweil sie um Annaberg und Scheibenberg auch gemeiniglich
-mit schwarzen Sprenklein gefunden werden, sondern von goldführenden
-Bächlein, oder bei sich führendem Golde, wie andere wollen. Am
-Schwarzwasser und seinen Einfällen über und um Platten, Gottesgab
-und Breitenbrunn, in ihren Zinn-, Lauter- und Küheseifen von der
-Goldenen Höhe herein, werden noch bis jetzt Goldflietschen im Ausmagneten
-und Reinmachen des Zinnsteins in Federkielen gesammelt,
-und bisweilen feine Stüflein gediegenen Goldes gefunden, welche von
-Chymisten höher denn ander Gold gehalten werden. An der Schneeberger
-Mulde um Schneeberg, Auerbach, Dörrbach, Fletschmaul u. s. w.
-werden auch Goldflietschen gefunden, und bei Eibenstock hat in einer
-Seifen, der Goldbrunn genannt, ein Mann des Tages 1½ Pfund
-Goldkörner waschen können, davon ein Pfund 14 bis 18 fl. gegolten.</p>
-
-<p>Dieser Goldreichtum war die Veranlassung, daß sich seit mehreren
-Jahrhunderten Ausländer einfanden, welche umher zogen und
-Gold in Flüssen und in der Erde aufsuchten, dasselbe mit sich nach
-Hause trugen, daselbst gut machten und sich dadurch großes Vermögen
-erwarben. Man nannte diese Leute Wahlen oder Venetianer, weil sie
-größtenteils aus Venedig her kamen; sie stammten aber auch aus
-Florenz, Veltlin, Wallis, Graubündten und aus Walheim bei Mecheln<span class="pagenum"><a id="Seite_299">[299]</a></span>
-in den Niederlanden. So haben zu Gablenz im Schönburgischen an
-einem Orte im Oberdorfe Venediger alle Jahre Goldkörner »ausgeküttet«,
-und nach Auffindung der Bergwerke zu Annaberg sind die
-Wahlen auch dahin gekommen und haben das reichhaltige Erz geschmolzen
-und auf eine bessere Art gut gemacht, als die dasigen Bergleute
-konnten. Man kennt von solchen Wahlen u. A. folgende mit
-Namen. <em class="antiqua">Dr.</em> Markus und <em class="antiqua">M.</em> Hieronymus von Venedig und Piger,
-Antonius von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nic. Schlascau,
-Adam und George Bauch, Christoph und Hanß, Friedrich und
-Barthel <em class="antiqua">Fratres</em> und Moses Hojung von Venedig, die sich von 1400
-bis 1608 im Gebirge aufgehalten haben oder an Flüssen ertappt worden
-sind. Übrigens scheinen diese Leute sehr oft von guter Herkunft
-gewesen zu sein. Wahlen werden nach der Überlieferung auch als
-Gründer des Bergbaus im Vogtlande bezeichnet.</p>
-
-<p>Die Orte, an denen die Wahlen Gold oder Edelsteine gefunden,
-haben sie fleißig angemerkt und in Büchlein, sogenannte Wahlenbüchlein,
-eingetragen, wobei sie sich merkwürdigerweise der deutschen und
-nicht ihrer Landessprache bedienten. Zur Orientierung schnitten sie in
-Bäume oder meißelten sie in Felsen bestimmte Merkzeichen ein. Sie
-bedienten sich auch vieler abergläubischer Mittel; so z. B. haben sie
-zum Schmelzen, Rösten und zur Verwandlung der Metalle einzelne
-Kräuter gebraucht, wie das Mondkraut (<em class="antiqua">Lunaria</em>), bei Aufgang der
-Sonne im vollen Mond gepflückt, ferner Goldwurzel oder Martigen,
-Mondraute und Eisenkraut, auch Taubenkraut genannt. Sie sollen
-aber auch die Erze verthan oder verzaubert haben, damit sie niemand
-als sie finden könne. Sie sollen deshalb ein Stück Holz von einem
-Sarge genommen und an solche Orte, wo Körner, Erz oder sonst Metalle
-sind, oder in einen Baum in der Nähe eingeschlagen haben, und
-niemand habe sie dann ausfindig machen können, es sei denn, das
-Holz wäre verfault oder herausgefallen. Auch sollen sie Totenköpfe
-in die Brunnen und Erzgruben geworfen haben, die erst entfernt werden
-mußten, wenn man etwas finden wollte; ja zuweilen sollen sie
-einen bösen Geist dahin gebannt haben. Gleichwohl gab es auch wieder
-Mittel, um diesen Zauber aufzuheben; so wurde folgendes angegeben:
-»Kreuch dreymal rücklings vorne um das (verzauberte) Loch,
-wenn es nicht aufgethan, so ist's auf jener Seite verthan worden und
-so hast du es auf dieser Seite noch einmal verthan. So gehe und
-kreuch auf jener Seite sechsmal rücklings herum, so thust du jenes
-und deines auf, dann wirst du es recht finden, also kannst du auch
-alle anderen Sachen, die verthan sind, wieder aufmachen, sie mögen
-verzaubert sein, wie sie wollen.«</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_300">[300]</a></span></p>
-
-<p>Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und
-deshalb hat der Aberglaube sie zu Zauberern und Teufelsbannern gestempelt.</p>
-
-<p>Einige Proben aus obengenannten Wahlenbüchern, soweit sie sich
-auf das Erzgebirge beziehen, mögen hier Platz finden.</p>
-
-<p>»Im Tharandischen Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich
-an Gold und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von
-Höckendorf geht, darunter liegt ein Bergwerk, ist so reich an Silber,
-daß vor viel tausend Thaler daraus genommen worden. Nicht weit
-davon liegt der graue Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem
-Wasser nach dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein
-reiches Bergwerk, darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet,
-auch bereits das Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze
-Keulhaue und unter dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze
-gehauen. Weiter hinauf in dem Walde wird man mehr Zeichen an
-Bäumen finden, und mitten durch die Bäume streichet ein sehr mächtiger
-Kupfergang einer Ellen breit, und liegt der ganze Mann da,
-nach dem Wasser der halbe Theil, der Arm nach Freiberg, und das
-ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie die Zeichen vermelden.</p>
-
-<p>Zu Höckendorf, wo das Silber-Bergwerk ist, welches aber durch
-Gottes Strafe wegen Übermuths überschwemmt ist, hat ein Bauer
-1660 gediegen Silber ausgeackert.«</p>
-
-<p>»Bei Dippolswald ist ein Dorff, das heist Rotenbach, davon
-eine Meile bricht guter gelber Kieß, der ist sehr gut.«</p>
-
-<p>»Henichen (Hainichen) ein Städtlein 2 Meilen von Freyberg,
-darbey liegt ein Dorff, heist Machern, alldar ist ein Waschwerck von
-guten Körnern und Gold; liegt nicht weit von Ottendorff an der
-Waldeck, da man durch den Wald gehet.«</p>
-
-<p>»Bey der Zella in dem Wald bey Sibeln (Siebenlehn) und Nossen
-an der Mulda gelegen, da liegt gut Ertz und ein guter blauer Schiefer.«</p>
-
-<p>»Bey Frauenstein ist ein Fluß gelegen, 2 Meilen etwa von
-Soda (Sayda?), bey einem Gerichte, da findest du zween Wege, einen
-zur rechten, den andern zur linken Hand, da gehe den Rasenweg fort,
-derselbe führt dich an einen Steig, dem folge nach, so kömmst du an
-ein Wasser, die Grimnitz (Gimlitz?) genandt, gehe daran wohl hinauff
-und zwart zur rechten Seite desselben, so kömmst du an einen alten
-Graben, da vorzeiten eine Mühle gestanden, folge demselben abermahls
-nach, so kommest du an einen Fluß, darinnen Forellen sind,
-der führet Körner, die sind wie natürlich Gold, und hab ich Hieronymus
-Weigard Hauß und Hoff davon erbauet. <em class="antiqua">NB.</em> Wenn die Körner<span class="pagenum"><a id="Seite_301">[301]</a></span>
-naß sind, sehen sie schwärtzlich aus. Gehe von dar weiter die Grimnitz
-hinabwerts, biß du zu einem Steige kommest, gehe aber nicht
-darüber, sondern den Weg, der da das Holtz herab gehet, so kömmest
-du wieder an einen Fluß, dem folge nach, so kommest du an ein Brüchig,
-wasche dar, so findest du schwartze Körner, die ich nicht genugsam verloben
-kan, ihres Nutzens wegen. Darnach gehe über die Grimnitz
-zurücke auff eine halbe Meile Wegs, da wirst du an einen großen
-Berg kommen, nahe bei einem Dorff, Liechtenberg genannt, da
-findest du gegen das Dorff am Berge weiße Letten, so sehr gut abzutreiben
-ist.«</p>
-
-<p>»Bey Marienberg zwischen dem Olbernhause und Katternberg
-(Olbernhau und Katharinenberg) bricht ein spißiger Marcasith in einem
-schwartzen Schiefer.«</p>
-
-<p>»Bey Zwickau liegt ein Dorff, heist Rotenbach, daselbst soll ein
-Bach seyn, welcher Gold und Silber-Granatenstein führet.</p>
-
-<p>Item bey einem andern Dorff, so eine Meile von Zwickau lieget,
-Nahmens Hartmanns Grüen, findet man auch Körner, die sich
-fletschen lassen.</p>
-
-<p>Item zur Neumarck anderthalb Meilweges von Zwickau ist ein
-gut Gold-Seiffen, und bricht auch Silber und Antimonium daherum.«</p>
-
-<p>»Wenn du kommest gegen Dürresbach oder Auerbach, frage nach
-dem Fluß-Maul- oder Fletschmaul, darnach Eibenstock, allda frage nach
-dem Gold-Brunnen, darinnen sichere und suche, so findest du schwartze
-Körner, deren 1 Pfund 14 biß 18 fl. gilt. Diese Gelegenheit ist
-eine Meile vom Schneeberg, und kannst du in einem Tage 1 biß 2
-Pfund waschen.«</p>
-
-<p>»Hinder Otten im Voigtlande auf der Kuttenheide gehe zu oder
-vor St. Peters-Capell bei 2. Ackerlänge, gegen dem Großleinwerts,
-so kömmst du zu einen hohen Felsen, darbey ist nahe ein alter Glaß-Ofen,
-und hat vorzeiten eine Glaßhütte daselbst gestanden, da findest
-du ein weiß Wasser gegen dem schwartzen Berge zu, darinn sind gute
-Goldwasch-Körner enthalten, bißweilen als Erbsen oder Bohnen groß.</p>
-
-<p>Willt du allda nicht waschen, so gehe wiederum hinab zum Hirschberge,
-da kommest du zu einen abgeschnittenen Baum, von diesem
-Baum gehe eine Ackerlänge, so kömmest du zu einer zwieselichten Gabel,
-daselbst lege dich nieder auf die Erde, und höre wo Wasser rauschet
-unter der Erden, räume das Mooß daselbst hinweg, so auff Holtz,
-gegen Mitternacht zu gelegt ist, so wirst du einen Ertzgang antreffen,
-welcher das herrlichste Gold führet.</p>
-
-<p>Von dannen gehe weiter auff dem Rasen fort gegen Mittag vom
-Holtze an, da wirst du zu einen Brunnen kommen, in selbigen ist<span class="pagenum"><a id="Seite_302">[302]</a></span>
-noch das schönste Gold enthalten. Von diesem Brünnlein gehe dem
-Wasser, das darauf entstehet, nach, so kommst du an ein Steingewölb,
-da warte auff.</p>
-
-<p>Item Bey der Capellen unter den Fenstern gegen Mittage wirst
-du eine Hand in einen Baum geschnitten finden, die weiset dich nach
-der ziehnen Gabel, da kömmst du zu einen Brünnlein, woraus die
-Zwoyt (Zwota) entspringt; dem Fluß gehe nach zu der ziehnen Gabel,
-daselbst suche, so wirst du viel Gold finden.</p>
-
-<p>Item Wenn du zur Kuttenheide, bey St. Peters Capell, bist, so
-frage nach St. Peters-Brunn, und gehe dem Flusse nach, biß er in
-einen andern Bach fällt, daran gehe förter und siehe dich um, so
-findest du ein Zeichen in einer Tanne und eines in einer Fichten, so
-nicht weit von einander stehen, dazwischen suche, da wirst du einen
-Schacht finden, der ist verdeckt; mache denselben auff, so findest du
-einen gelben Gang, von guten Gold-Ertz, davon das Pfund 10 fl. gilt.</p>
-
-<p>Item, Auff der Kuttenheide frage nach Weyher, ist eine Meile
-davon ein Dorff, daselbst liegt eine Mühle, heist die Geigers-Mühle,
-am Bach, ein Armbrust-Schuß weit davon zur linken Hand ist ein
-Felsen, darinn bricht ein schöner Gold-Talck und sonst noch ein schwartz
-Ertz, das ist Marcasith.«</p>
-
-<p>»Von Großlitz (Graslitz) aus gehe über eine Wiese am Wasser hinauf
-und siehe dich nach einer Buchen um, daran ein Kreutz gehauen ist, von
-derselben gehe einer Ackerlänge am Berge hinauff, so wirst du eine
-sehr große alte Fichten finden und nahe dabey einen alten Stollen,
-darinnen ist ein Gold-Ertz-Gang, dessen Pfund ist vor 14 fl. verkaufft
-worden.</p>
-
-<p>Item. Wenn man von Großlitz aus der Holen geht, so kommt
-man zu einen Fohrenbach, der fleust Kreutz weiß über den Weg; daran
-gehe zur rechten Hand hinauff so lange biß an die Quelle desselben
-Baches, darauf er entstehet, die liegt auf einen hohen Berg, und
-wirft viel Sand aus, den sichere, so wirst du schwartze Körner finden,
-die viel Gold halten, davon das Pfund 15 fl. gilt.«</p>
-
-<p>»Zu Schöneck frage nach der Helle und gehe von dar um St.
-Johannis Tag, bey St. Peters Capelle, der aufgehenden Morgen-Sonne
-gerad entgegen, biß zu Mittags 11 Uhr; so kommst du auf
-eine weite Heide, da eitel Birken stehen, davon gehe zwei Steinwürffe
-gegen Mittag zu, so kömmst du an ein Gemöß bey einem Wässerlein,
-räume das Gemöß hinweg und grabe daselbst ein, so wirst du einen
-großen Reichthum von Gold antreffen.</p>
-
-<p>Item. Im Holenstein eine halbe Meile von Schöneck ist ein
-Stollen, darinnen bricht ein Quartz, so weiß Gold-Ertz hält.«</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_303">[303]</a></span></p>
-
-<p>»Auffm Schneeberg frage nach dem Schloß Wiesenburg, dabey
-fleust ein Wasser hinweg, an diesem gehe aufwerts fort biß du kommst
-dem Schafstall gleich, daselbst stehet ein Teich, über diesem Teich suche
-in dem Wässerlein, so wirst du viel und gute reichhaltige Gold-Körner
-darinn finden, welche dir die Mühe wohl belohnen werden.«</p>
-
-<p>»Eisenberg ist ein Schloß also genennet, laß dasselbe auff der
-linken Hand liegen und gehe gerichts nach demselben wohl hinauff,
-auff den Kamp, und gehe gegen der Sonnen-Auffgang, nach Brix
-zu, auf dem Kamp, dann gehe auff das Schadehauß, so nahe darbey
-liegt, wenn du darhinder kommst, so kehre dich um, und wende den
-Rücken nach der Sonnen-Auffgang, siehe von dar wieder auff oder nach
-den Kamp, so wirst du einen Rasenweg, auff St. Katharinberg zu,
-erblicken, dann gehe einen guten Armbrust-Schuß weit, nach dem Kamp
-zu, hinein, da wirst du einen Steinfelß finden, dem stelle dich zur
-rechten Hand, gegen das schlimme Thal nach dem Schadeberge zu,
-und gehe daselbst im Thal nach 2 Hügeln gerade fort, so wirst du
-in einer Tannen eine Hand eingeschnitten finden, von derselben kömmst
-du zu einem Wasser, das zwischen dem Schottenberg hinfleust, da
-kannst du viel Gold waschen.«</p>
-
-<p>»Wenn man von Brix auff Seida gehet, in dem Wald fleust
-ein Wasser, darinn sind gute Körner.«</p>
-
-<p>»Zwischen Krohenzahl (Cranzahl) und Breßnitz fleuset ein Wasser,
-darüber gehet ein Brücklein und nicht weit davon stehet ein großer
-Baum mit einem krummen Ast, als ein Arm, da findet man schwartze
-Körner, die man auff einen Amboß breit schlagen kann.«</p>
-
-<p>»Bei Kupferberg liegt ein Dörfflein, heist zum Holitsch an einem
-Berge bei dem Halß-Gericht, daselbst findet man je zuweilen auch gediegene
-Gold-Körner.«</p>
-
-<p>»Auff Satzunge gegen Konnetur (Komotau?) nicht weit von einem
-Wege, da stehet eine Stein-Tanne, auf welcher Wurtzel ein Zeichen
-eingeschnitten ist. Nicht weit davon soll ein Wässerlein fließen, und
-um die Tanne ist eine Grube, in welcher ein schöner Goldhaltiger
-<em class="antiqua">Marcasith</em> bricht.«</p>
-
-<p>»Schlackenwerth oder Schlackenwerda. Frage hiervon nach der
-Eger in die Nössel; wohl hinden am Steige findest du ein Loch in
-dem schwartzen Brand, kreich darein, so wirst du viel Gutes antreffen.«</p>
-
-<p>»Hawenstein (Hauenstein) liegt eine Meilwegs von Schlackenwalda,
-von Hawenstein gehe in das Gründlein unter die Fichten, da der gestümmelte
-Baum stehet, allwo der liebe Gott dran hengt, und von
-dar weiter zu einen Felsen, etwa einer Ackerlänge vom alten Hammer-Graben,
-da ist ein Loch inne, worinnen viel weiß Gold enthalten ist,<span class="pagenum"><a id="Seite_304">[304]</a></span>
-welches nach der <em class="antiqua">Cementation</em> dem Arabischen und Ungarischen gleich
-ist. <em class="antiqua">NB</em>. Lieget nach dem Fichtelberge zu.«</p>
-
-<p>»Von dem Hauenstein, da man in den Stollen gehet, fleust ein
-Wasser herab in die Eger an den Jungfer-Stein, dasselbe Wasser hat
-gute Körner, so viel Gold halten, das ist das reichste Seiffenwerk im
-ganzen Böhmerland. Diese Körner sind schwärtzlich und gediegen.«</p>
-
-<p>»Im Walde bei Hasenstein (Hassenstein) unter einer Tannen, so
-gezeichnet ist, stehet ein Gang Spannen breit oder mächtig, welcher
-eine große Feste neben sich hat, darinnen ist ein sprenglichter Kieß,
-hält 12 Loth.«</p>
-
-<p>»Item. Von dem Hasenstein frage und gehe nach einem Dorff,
-heist Brunnersdorff, gehe von dar ferner oben bey dem Dorff und der
-Mühlen hinaus, und frage nach einem Dorff, heist Wernersdorff, so
-nicht weit davon ist, alldar gehe auch oben die Straß nach dem Klösterlein,
-so kömmst du zu einem Dorff, ehe du in das Städtlein kommst,
-heist Zirnabis, und an der Straßen vordem Dorff findet man Amethisten
-am Wege und Äckern. Zur rechten Hand nach dem Gebirge,
-etwa einen Armbrust-Schuß dem Berg hinan, da ist ein Loch, kreich
-darein, so findest du einen Gang voller Amethisten.«</p>
-
-<p>»Hagensdorff liegt nicht weit von Hasenstein, oder Hasendorff
-und Bleißdorff, bey diesem Hagensdorff hat vor Zeiten ein Kloster
-gestanden, wie noch zu sehen ist, darzu gehe, so findest du ein Berglein
-wie eine Mauer, darunter ist ein Stollen, in welchem man viel
-Granaten findet, ja! wenn man suchet, auch auff den Äckern daherum.
-Desgleichen auch auff dem Hasenstein im Eichwald, über dem alten
-Kloster. Item zum Hauenstein bey der Hauß-Mühlen ist ein schöner
-Goldgang.«</p>
-
-<p>»Item. Bey Zirnisch ist ein Gründlein auff der rechten Hand,
-das heist die Schona, ist ein Wasser, darinnen hat ein Hirte geseiffet
-oder gewaschen und viel Gold funden, daher er sehr reich worden, und
-seinen Hirtenstand verändert; Massen er seine Güther an einem ihme
-gefälligen Orthe erkaufft und sich sehr wohl eingesetzt hat.«</p>
-
-<p>»Item. Von den Caden an der Eger hinauff fleust ein Wässerlein,
-welches von Hauenstein in die Eger fleust, darinn findet man in
-weißen Quärtzlein gediegen Gold, und ist der reichsten Seiffenwerken
-eines in gantz Böhmen-Land. Dergleichen Quärtze und Gold-Körner findet
-man der Orthen herum fast viel in den sandigten Flüssen und Wasser.«</p>
-
-<p>»Item bey Caden im Steinbruch stehet ein Letten eines Fingers
-breit, dessen Centner hält 14 Loth Silber.«</p>
-
-<p>»Item Bey den vierzehn Nothhelffern nach dem Klösterlein über
-der Steinern Brücken, jenseits des Spitzberges in der Silberbach, hat<span class="pagenum"><a id="Seite_305">[305]</a></span>
-ein Hirte in einem Tage, nebst seiner Huth- und Weide-Verrichtung,
-ein Loth Gold gewaschen, an Körnern, die er vor Gold nur angesehen
-und erkennet hat, die andern hat er ohnerkandt weggeworffen.«</p>
-
-<p>»Zur Hohen Tanne am Galgenberg, bey der Silberbach, da die
-zwey Flüßlein einen Steinwurff weit herabfließen, findest du einen
-alten Stumpff von einer abgehauenen Birken, in welchen ein Bilgrams-Stab
-geschnitten ist mit einem Sack. Zwischen dem Stumpff und Bach
-findest du eine Hurt, die hebe auff, darunter ist ein Loch in Stein
-gearbeitet, in welchem ein Gang einer Ellen breit des herrlichsten
-Gold-Ertzes ist. Kanst du die Hurt nicht flugs finden, so rumpele
-oder stöhre mit den Füßen oder Stock zu rings umher, biß du es
-hörest dummeln, allda wirst du viel Gold finden.«</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>In der Umgegend von Elbogen erzählt man, daß alte Leute noch
-im vorigen Jahrhunderte Goldsucher aus Welschland angetroffen hätten,
-welche mittelst Wünschelrute und Haue den unterirdischen Schätzen nachspürten.
-Besonders geschah dies am sagenreichen Krudimberge. Doch
-hat man sie niemals bei ihrer Arbeit, sondern stets vor und nach derselben
-gesehen. Bei dem Dorfe Steinmeißl bei Elbogen sahen Waldarbeiter
-aus den »Grundhöhlen« durch eine Art Rauchfang Rauch
-aufsteigen; doch nie konnten die Leute entdecken, wer das Feuer angemacht.
-Man meinte, daß es Venediger gewesen, die hier und im
-Hans-Heilingsthale Erze suchten. Der Wald bei dem Hornesbauerhofe
-war einst für Venediger ein wichtiger Fundort von Erzen. Besonders
-sollen sie in einer Höhle an der Morgenseite der Felsen ihr
-geheimnisvolles Werk getrieben haben. Es ist das eine Höhle, welche
-sich, wie die Sage berichtet, am Karfreitage öffnet, so daß man in
-die Felsen hineingehen und Schätze heben kann.&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p>In Platz wird erzählt, daß ein Italiener (Venediger) namens
-Antonio Stoll hier auf Silber einschlug und wirklich in zwei Bergwerken
-Silber fand, von dem er auch an die Regierung abgeliefert
-hat. Die Zeit, wann dies geschah, ist unbekannt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde bereits
-darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold suchenden Venetianern
-außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt
-ihre Heimat fast durchgängig nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen
-und von wo sie in gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge
-zu durchstreifen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_306">[306]</a></span></p>
-
-<p>Im <em class="antiqua">Zlatorog</em> von Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen
-geschildert:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn Venetianer kommen in das Thal.<br /></span>
-<span class="i0">Er weiß recht wohl, warum die klugen Wälschen<br /></span>
-<span class="i0">Verlassen ihre schönen Marmorhäuser<br /></span>
-<span class="i0">Alljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)<br /></span>
-<span class="i0">&ndash; &ndash; &ndash; Was&nbsp;&ndash;, frag' ich, treiben<br /></span>
-<span class="i0">Die Venetianer denn bis in den Spätherbst?<br /></span>
-<span class="i0">Warum denn kriechen sie durch alle Schluchten<br /></span>
-<span class="i0">Der Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?<br /></span>
-<span class="i0">Warum denn schleichen sie durch alle Bäche<br /></span>
-<span class="i0">Gleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?<br /></span>
-<span class="i0">Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,<br /></span>
-<span class="i0">Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,<br /></span>
-<span class="i0">Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspüren<br /></span>
-<span class="i0">So gut wie jene klugen Venetianer.<br /></span>
-<span class="i0">Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzen<br /></span>
-<span class="i0">Aus Kieselstein und waschen aus dem Bachsand<br /></span>
-<span class="i0">Das gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.<br /></span>
-</div></div></div>
-
-<h3 id="sec349">349. Die Goldstampe am Borlasbache.</h3>
-
-<p class="source">(Ludwig Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)</p>
-
-<p>Wenn man vom Weißeritzwehre an der großen Rabenauer Mühle
-den Fluß aufwärts geht, gelangt man bald an ein munteres Bächlein,
-das von Borlas herabkommt und sich in die Weißeritz ergießt, und
-abermals wenige Schritte flußaufwärts steht ein großer Felskegel künstlich
-abgetrennt von seinem Mutterfelsen, um der Eisenbahn einen
-Durchgang zu schaffen.</p>
-
-<p>An der Spitze des Kegels kann man bei aufmerksamer Beobachtung
-den Rest einer Aushöhlung erkennen, die nicht das Werk der
-Natur, sondern fleißiger Hände ist.</p>
-
-<p>Vor viel hundert Jahren kamen in Zwischenräumen, wenn die
-Goldkörner in der nahen Weißeritz reif geworden, Wahlen aus dem
-fernen Wälschlande, deren Zunge man nicht verstand und die sich nur
-notdürftig verständlich machen konnten, und schafften den Sand aus
-dem am Fuße des Felsens befindlichen Weißeritzheger hinauf auf diesen
-Felsen und stampften ihn in diesem Loche mit Wasser, bis die Goldkörner
-sich vom Sande sonderten und von ihnen ausgelesen werden
-konnten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_307">[307]</a></span></p>
-
-<p>So hatte sich nach und nach ein Loch gestampft, in dem ein Mann
-wohl bis an den Gürtel stehen konnte, und noch jetzt zeugen die einzigen
-zwei Seitenwände, die von der Goldstampe übrig geblieben sind, von
-der rührigen Arbeit der Wahlen.</p>
-
-<p>Und auch jetzt noch führt die Weißeritz Goldkörner an dieser
-Stelle, sie sehen aber dem Sande gleich aus, denn sie sind noch nicht reif.</p>
-
-<h3 id="sec350">350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 62.)</p>
-
-<p>Der ehemals so ergiebige Bergbau auf edle Erze lockte Bergleute
-aus weiter Ferne, darunter auch aus dem Venetianischen, sogenannte
-Venediger, ins Erzgebirge. Einer derselben kam Sommer für
-Sommer auf den Spitzberg bei Preßnitz. Man wußte lange nicht,
-was er hier wollte und er selbst sagte niemandem ein Sterbenswörtchen
-davon. Endlich aber ward er doch einmal beobachtet, wie er andächtig
-kniend zum Himmel betete und sodann aus einer vorüberrieselnden
-Quelle viele funkelnde Goldkörner in seinen Spitzhut raffte.
-Nachher sah man den Venediger nie wieder, sei es, daß er sein Glück
-wo anders versuchte, sei es, daß er, der Schätze schon genug besitzend,
-für immer in seine Heimat gezogen war.</p>
-
-<h3 id="sec351">351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.</h3>
-
-<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit etc. 1845, S. 324&ndash;26.)</p>
-
-<p>Im Dorfe Fürstenwalde lebte in früherer Zeit ein Häusler,
-namens Bär, bei welchem seit vielen Jahren ein schlichter Fremder,
-angeblich ein Italiener, alljährlich einkehrte, sich mehrere Wochen daselbst
-aufhielt, und die dasige Gegend bloß deshalb besuchte, um in
-dem Flußbette der Müglitz Goldkörner und edle Steine zu suchen.
-Erstere soll er in der Gegend vom Kratzhammer abwärts bis an das
-sogenannte Löwenbrückchen, letztere hingegen außer in der Müglitz auch
-im Schlotteritzer Grunde gefunden haben. Seine Bemühungen wurden
-jedesmal mit dem besten Erfolge gekrönt, und er lohnte daher seinem
-Wirte Kost und Herberge zur völligen Zufriedenheit. Nach mehr als
-zwanzigmaligem Wiederkehren eröffnete der Fremde endlich seinem
-Wirte, daß er nun nicht mehr nach Sachsen kommen, sondern seine
-Reisen einstellen werde, und bat ihn zugleich, ihn einmal in seiner
-Heimat zu besuchen, wozu er, der Fremde, die nötigen Anstalten schon<span class="pagenum"><a id="Seite_308">[308]</a></span>
-treffen wolle. Bär sagte zu. Nach länger als Jahresfrist erhält nun
-Bär von seinem frühern Gaste die Nachricht, daß er kommen solle,
-daß er nur bis Teplitz zu gehen und dort auf der Post sich zu melden
-brauche, indem das Übrige wegen seines Fortkommens und seiner Beköstigung
-schon besorgt sei. Halbgezwungen macht sich also Bär auf
-den Weg, findet alles so, wie die Nachricht es ihm gemeldet, und
-langt wohlbehalten in der ihm beschriebenen Stadt an. Hier geht nun
-Bär, die Adresse seines Freundes, welche den Namen der Gasse und
-die Nummer des Hauses enthielt, in der Hand, im schlichten ländlichen
-Anzuge die Gassen mehrmals auf und ab, ohne das Ziel seiner Reise
-gefunden zu haben, da er der dortigen Sprache nicht kundig ist und
-mithin auch sich niemandem mitteilen kann. Nach langem Suchen
-findet er endlich das mit der ihm angegebenen Nummer bezeichnete
-Haus, jedoch weit größer und prächtiger, als er sich das Haus seines
-Freundes gedacht. Er tritt aber demohngeachtet in dasselbe ein,
-um sich nach dem Namen des Besitzers zu erkundigen, wird aber von
-einem prachtvoll gekleideten Bedienten, der ihn für einen gewöhnlichen
-Bettler hält und dessen Sprache er nicht versteht, mit Gewalt wieder
-zum Hause hinausgebracht. In dieser Bedrängnis ruft ihm eine
-Stimme aus dem Hause zu: »Vater Bär, bist Du's?« und gleich darauf
-erscheint zu Bärs großer Freude sein Freund, um ihn bei sich
-einzuführen. Bär, ganz erstaunt über die große Pracht, welche ihn
-auf einmal umgiebt, verlebte mehrere Tage in seliger Trunkenheit.
-Sein Freund bot alles auf, ihm den Aufenthalt so viel wie möglich
-zu verschönern, und als Bär sich endlich zur Rückreise anschickte, führte
-ihn sein Freund noch in ein Kabinet, welches seine Schätze enthielt.
-Hier bat er ihn, unter mehreren dort aufgestellten, aus dem reinsten
-Gold gegossenen Figuren sich als Andenken eine mitzunehmen, da sie
-aus den Goldkörnern seien, welche er in Bärs Heimat gesammelt habe.
-Bär wählte nach langem Zaudern ein goldenes Lamm, und langte
-damit, sowie mit einer kleinen Summe Geldes, welche ihm sein Freund
-noch aufgedrungen, glücklich in seiner Heimat wieder an. Die Kunde
-von dem goldenen Lamme verbreitete sich bald in der Umgegend und
-kam endlich auch vor den Besitzer von Lauenstein, der am sächsischen
-Hofe eine Stelle bekleidete. Auf seine Veranlassung brachte Bär sein
-goldenes Lamm diesem aufs Schloß Lauenstein, und der Herr fand
-solches so kunst- und wertvoll, daß er den Vorschlag that, dieses Lamm
-dem Kurfürsten zu zeigen. Auch dieser fand großen Gefallen an dem
-goldenen Lamme und suchte Bären endlich dahin zu bestimmen, daß
-er dasselbe gegen eine ihm zugesicherte lebenslängliche Rente dem Fürsten
-überließ. Das goldne Lamm soll sich noch heute im Königlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_309">[309]</a></span>
-Kunstkabinet zu Dresden befinden; aber auch Bärs Nachkommen leben
-heute noch im Dorfe Fürstenwalde.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Eine thüringische Sage erzählt, wie einst ein Hirte von einem Venetianer,
-welcher ihm die Schätze im großen Wartberge zeigte, nachdem er die Schlangenkönigin
-getötet und ihre Krone an sich genommen hatte, ein Wunschtüchlein und die
-Einladung erhielt, ihn einmal in Venedig zu besuchen. Wirklich wünschte sich der
-Hirte einst zu dem Venetianer hin und plötzlich schwebte er über den Türmen Venedigs
-und fand seinen Bekannten in einem schönen Palaste. Er wurde gut aufgenommen
-und beim Abschiede mit einer kleinen Kutsche und 6 Pferden von gediegenem
-Golde beschenkt. Dies Geschenk hat der Hirte und seine Familie lange aufbewahrt;
-später ist es in die Kunstkammer zu Gotha gekommen. (Richter, Deutscher
-Sagenschatz, II. No. 50.)</p>
-
-<p>Ebenso erzählt eine fichtelgebirgische Sage, daß ein Mann aus Wilfersdorf
-einen Goldsucher, den er in seinem Hause beherbergt hatte, in dessen Heimat Venedig
-besuchte und dort gut aufgenommen und reichlich beschenkt wurde. (Zapf, Der Sagenkreis
-des Fichtelgebirges, S. 102.)</p></div>
-
-<h3 id="sec352">352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 62.)</p>
-
-<p>Unterhalb des Ortes Schmiedeberg, auf Pleiler Gemeindegebiet,
-befindet sich ein großer Schlackenhaufen, welcher das alte Schloß genannt
-wird. Zweifellos ist dies eine uralte Ansiedelungstätte des
-Schwarzwasserthales, die aus einem großen Eisenschmelzfeuer mit
-Hammerwerk bestanden haben mag. Mancherlei Sagen knüpfen sich
-an diese öde Schlackenhalde. Unter andern soll hier auch ein Schatz,
-ein kupferner Kessel mit Silber gefüllt, vergraben liegen. Oft schon
-haben Geldgierige am Palmsonntage oder in den Tagen der Karwoche,
-doch immer vergebens, darnach gesucht. Um den Schatz zu heben ist
-eine gute Wünschelrute von nöten.</p>
-
-<p>Einst fischten beim alten Schloß einige Knaben im Schwarzwasser.
-Einer derselben, der sich von seinen Kameraden zufällig entfernt hatte,
-findet auf einmal eine große, thorähnliche Öffnung im Berge, geht
-dreist in die sich mehr und mehr erweiternde Höhle hinein und kann
-sich vor Staunen kaum fassen, denn eine solche Pracht haben seine
-hellen Augen noch nicht gesehen. Rings krystallene Wände, daran
-in Regenbogenfarben glitzernde Edelsteine und funkelnde Erze und in
-der Ferne ein wunderbar strahlendes Licht. Von diesem zauberhaft
-übergossen aber standen im Hintergrunde große Krystallvasen, gefüllt
-mit eitel gediegen Gold und Silber. Lange stand der Knabe, versunken
-in diesen herrlichen Anblick. Da plötzlich erinnert er sich seiner<span class="pagenum"><a id="Seite_310">[310]</a></span>
-Genossen; auch sie sollen dies alles sehen, denkt er und eilt hinweg,
-sie zu verständigen. Allein da die Knaben alle kamen, konnten sie
-trotz des eifrigsten Suchens die Wunderhöhle nicht mehr finden. Der
-Berg hatte sich geschlossen und zeigte wieder sein gewöhnliches Aussehen.
-Alle Jahre aber, am Karfreitag Punkt 3 Uhr soll er, wie man
-erzählt, eine Zeit lang geöffnet und samt all seinen Schätzen für
-jedermann zugänglich sein.</p>
-
-<h3 id="sec353">353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Falke, Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden, 1866. S. 84.)</p>
-
-<p>Vor etwa 60 Jahren ist noch an dem hintern Teile der Kirche
-zu Geyer auf der Südseite ein gemaltes Fenster zu sehen gewesen,
-das einen buntfarbigen Bauer von ½ Elle Höhe mit zwei Dreschflegeln
-darstellte. Dieser Bauer war der Sage nach aus Geyersdorf,
-das vor Annabergs Erbauung nach Geyer eingepfarrt gewesen sein soll,
-und derselbe ließ den hintern Teil der Kirche auf seine Kosten bauen.
-Unter diesem Fenster war ein Gemälde auf Leinwand mit einem Bauer
-in größerer Figur, zu dessen Füßen ein Leichenstein. Nach der Sage
-soll jener Bauer auf dem Rückwege von Geyer nach Geyersdorf, von
-der Nacht oder einem Schneegestöber überrascht, seine Zuflucht auf
-einem Baume genommen und dort geträumt haben, unter diesem Baume
-seien Erzgänge. Er suchte und fand so reiche Erze, daß er durch den
-nun begonnenen Bau in kurzem zum reichen Manne wurde und aus
-Dankbarkeit diesen Teil der Kirche bauen ließ. Auf dem Gemälde
-war er abgebildet, wie er im Begriff stand, mit einer lang gespitzten
-Keilhaue einzuschlagen.</p>
-
-<h3 id="sec354">354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.</h3>
-
-<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.
-Leipzig, 1723, S. 28.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1713 soll in der Nähe von Johanngeorgenstadt bei
-einem Vogelherde, an welcher Stelle man hierauf das Bergwerk
-»Glockenklang und Vogelgesang« erschürfte, drei Tage nach einander
-von früh bis gegen Mittag Geläute gehört worden sein, was von etlichen
-Personen gewissenhaft an Eidesstatt ausgesagt wurde. Wie nun
-die Gründung der Stadt Johanngeorgenstadt durch Glockengeläute angezeigt
-wurde, so deutete man auch jenes Läuten als ein Anzeichen für
-die Erweiterung des Bergbaus in dortiger Gegend.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_311">[311]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec355">355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und
-Bärenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.
-Annaberg, 1746. S. 6.)</p>
-
-<p>Anno 1471 hat Peter Rosenkranz, ein Mönch im Kloster Grünhain,
-dem Herrn Abt von vielen und mancherlei Sachen gesagt, auch
-wie ein Bergwerk am Bärenstein aufkommen würde; dasselbe würde
-einen langen Bestand haben und viel Ausbeute geben. Denn es läge
-ein ganzer Stock Erz davor hinter dem Stein, hinab gegen das Wasser
-zu, ein Gang eines Wagens breit im Streichen, gegen halb Mittag
-und halb Abend, führte solch großes Erz, daß er nicht auszusagen
-wüßte. Und wenn es die Zeit geben würde, daß es sollte aufkommen
-und offenbar werden, so würde eine Zeche an der andern stehen, bis
-über die Waschleite hinauf, und wer nur einen Kux davon hätte, da
-würde er und seine Kinder und Kindeskinder Nahrung davon haben.
-Auch würde ein Bergwerk aufkommen zwischen dem Pöhlberg und
-Bärenstein, das würde einen guten Bestand haben und viele Ausbeute
-geben, und eine schöne Stadt dahin gebauet werden. Aber dieses Bergwerk
-wäre nur eine Ader vom Bärenstein. Und es läge auch auf den
-Raschauer Gütern viel Eisenstein, welcher auch bald gefunden, und gar
-gut Eisen daraus gemacht worden. Aber die Zeit wäre noch nicht
-vorhanden, daß der Bärenstein aufkommen sollte, denn es würde durch
-einen Aufruhr das Kloster ganz zerstöret werden, und kein Mönch
-darinnen sein, ja es würde so zerstöret werden, daß das Erdbeerkräutig
-auf denen Mauern und die Bäume über die Mauern hinauswachsen
-und gar miteinander an die Fürsten von Sachsen kommen würde.</p>
-
-<p>Dasselbe prophezeiten später mit denselben Worten drei fahrende
-Schüler, die den Abt von Grünhain Johann Gottfried Küttner um
-Herberge und Beförderung angesprochen. Auf ihre Rede hat der Abt
-eine Hirsch- und Bärenjagd am Bärenstein angestellt und die drei
-fahrenden Schüler mit hinüber geschickt. Als man sie an Ort und
-Stelle fragte, welche Zeit und Jahr es sollte offenbar werden, sind
-sie ein wenig von dannen und unter einen Ulmenbaum getreten, und
-haben miteinander geredet und gesagt: Ungefähr 50 Jahre nach dem
-Bauerkrieg und Aufruhr würde das Kloster so wüste werden, daß das
-Erdbeerkräutig auf den Mauern wachsen würde, und werden die Bergstädte
-teils zu Grunde gehen, alsdann wird der Bärenstein angehen
-und aufgenommen, allein man müßte mit dem Stollen die Gänge
-überfahren.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_312">[312]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec356">356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von
-Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrgang 2. und
-3. Heft.)</p>
-
-<p>Die Gegend, wo jetzt Mariasorg liegt, war bis zum Anfange
-des 16. Jahrhunderts eine mit Wald bedeckte Einöde. Hier wohnte
-damals in einer einfachen Klause »um Sanct Albrecht unten am Wolfsberg,
-wo der Schwarzgang hinabstreicht,« der fromme Einsiedler Johannes
-Niavis (Schneevogel). Seine Andacht verrichtete er in einer
-kleinen Kapelle, an deren Stelle sich heute die Mariasorger Kirche befindet.
-Dieser Johannes Niavis hat samt der alten Gräfin Kaspar
-Schlick deutlich von dem Thal, da jetzt die Stadt Joachimsthal liegt,
-geweissagt, daß allhie ein großes Gut liege und eine mächtige Stadt
-hierher solle erbauet werden. Es werde zwar das Bergwerk in sehr
-großen Abfall geraten, aber doch hernach wieder florieren und in
-größere Aufnahmen kommen, als es je gewesen.</p>
-
-<p>Diese Prophezeiung gab Veranlassung, daß im Jahre 1515
-Graf Stephan Schlick, Graf Alexander von Leisnick, Wolf von Schönberg
-und Hans Tommeshirn sich zu der ersten Gewerkschaft vereinigten,
-die alte Fundgrube am Schottenberge wieder belegten und so »mit
-Gewalt das Bergwerk aufbrachten.«</p>
-
-<p>Die Kapelle des Einsiedlers Niavis war bei Einbürgerung der
-lutherischen Lehre in Joachimsthal zerstört worden, und als man 1691,
-da das Bergwerk infolge des dreißigjährigen Krieges und der Gegenreformation
-in Verfall gekommen war, an dem Platze, wo sie gestanden
-hatte, ein Kirchlein erbauen, und den sogenannten schwarzen
-Gang entblößen wollte, fand man endlich einen Stein mit einem eingehauenen
-Kreuze. Die Stelle, wo er lag, sollte der gesuchte Platz
-sein. Hier wurde nun die Mariasorger Kirche gebaut, über deren
-Thüre man jenen noch heute daselbst zu sehenden Stein einmauerte.
-Die Einweihung erfolgte 1699. Der Ort selbst erhielt nach einem
-wunderthätigen Marienbilde, das in der Kirche aufgestellt wurde und
-viel Wallfahrer anzog, den Namen Mariasorg. Später wurde an die
-Kirche das Kloster mit einer besondern Ordenskirche angebaut und im
-Jahre 1765 vollendet. In der darauf bezüglichen, von der Kaiserin
-Maria Theresia unter dem 16. November 1752 ausgestellten Urkunde
-heißt es unter anderem, daß dies auch geschähe »aus dankmütiger
-Erkenntlichkeit für den bisher von Gott verliehenen und ferners zu
-erbittenden Berg-Segen.« So war die Prophezeiung des Einsiedlers
-Johannes Niavis nicht nur die Veranlassung zur Gründung der Bergstadt<span class="pagenum"><a id="Seite_313">[313]</a></span>
-Joachimsthal, sondern auch zu derjenigen der Kirche und des Klosters
-zu Mariasorg.</p>
-
-<h3 id="sec357">357. Anfang des Bergwerks St. Briccius am Pöhlberge.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.
-Annaberg, 1746, S. 11&ndash;13.)</p>
-
-<p>1. Es soll ein Bergmann des Nachts im Traum eine göttliche
-Erscheinung gehabt haben; dem habe geträumt, es komme ein Engel
-zu ihm, der sagte, er solle in den Wald zu einem gewissen Baume
-gehen, den ihm auch der Engel im Traum bezeichnet, da würde er
-ein Nest mit goldenen Eiern finden. Darauf sei der Bergmann, als
-es Tag geworden, aufgestanden und habe den ihm im Traume gezeigten
-Baum gesucht und auch gefunden. Als er nun vermittelst einer
-Fahrt auf solchen Baum gestiegen, so habe er das Nest mit den güldenen
-Eiern zwar gesucht, aber nichts angetroffen. Da er wieder
-herunter gestiegen, sei der im Traum ihm vorher erschienene Engel
-alsbald zu ihm gekommen und habe ihm befohlen, er solle bei diesem
-Baum einschlagen, so würde er das Nest mit denen güldenen Eiern
-antreffen. Als der Bergmann diesem Befehle des Engels gefolgt und
-zu schürfen angefangen, so habe er auch wirklich einen reichen Silbergang
-entblößet, darauf alsdann der Bergbau allhier angegangen. Es
-ist diese Geschichte in der Hauptkirche zu St. Annaberg an dem hintern
-Teile des kleinen Altars, welchen die Knappschaft 1521 erbauen
-ließ, abgebildet. Auch lieget in der alten Sakristei der Hauptkirche
-ein großer runder Stein, auf welchem dieselbe Geschichte ausgehauen
-steht.</p>
-
-<p>2. <em class="antiqua">Dr.</em> Barth, welcher 1584 als Professor in Leipzig starb, erzählt
-dagegen: Einem Bergmanne, mit Namen Daniel, habe geträumt,
-er sollte in den finstern Wald gehen, da würde das Feuer vom Himmel
-fallen, dem sollte er alsbald nachgehen und an dem Orte suchen,
-so würde er daselbst in der Erde einen großen Schatz finden, davon
-er sich unterhalten und in seiner Armut leben könnte. Sobald es nun
-Tag geworden, wäre der Bergmann aufgestanden, hätte Gott im Gebete
-angerufen, daß er ihm gnädig sein und den Traum erfüllen wolle.
-Hernach wäre er in den Wald gegangen, hätte den ganzen Wald
-durchsucht, bald auf die Erde, bald gen Himmel gesehen und nicht ohne
-große Hoffnung zu Gott gebetet, um das ihm im Traume versprochene
-Feuer sehen zu lassen. Wider Vermuten wäre hernach ein Gewitter
-am Himmel aufgestiegen, daß es mit einem starken Donner in den
-Wald geschlagen. Da wäre dann der Bergmann geschwind gegangen<span class="pagenum"><a id="Seite_314">[314]</a></span>
-und hätte alles durchsuchet, um zu sehen, wo es hingeschlagen. Da
-er den Ort gefunden, habe er alsbald die Wünschelrute genommen
-und sie feste in die Höhe gehalten, die Rute hätte sich aber in der
-Hand so sehr gewendet, daß er solche fast nicht erhalten können, und
-also gezeiget, daß der Schatz des Silbers hier an diesem Orte in
-der Erde verborgen liege. Hierauf habe der Bergmann nachgegraben
-und auch wirklich einen reichen Gang entdeckt. Dieser glückliche Finder
-wäre hernach zu den Bauersleuten gegangen, hätte ihnen sein Glück
-angezeigt, viele von denselben zu Gehülfen in seiner Arbeit genommen
-und dieselben seines Schatzes teilhaftig gemacht, worauf sie dann viele
-Erze gewonnen und schmelzen lassen. Da sich nun der Ruf davon
-allenthalben ausgebreitet, so wären von allen Orten und Enden viele
-Fremde hierher gekommen, das neu von Gott bescherte Glück zu sehen;
-viele hätten auch hernach unten gegen Abend, wo der Berg abfällt,
-noch viele andere reiche Gänge durch die Rutengänger entdecket, und
-auf solche Art wäre also zuerst durch die Gnade des großen Gottes
-das Bergwerk daselbst entdecket worden.</p>
-
-<h3 id="sec358">358. Die Entstehung Annabergs.</h3>
-
-<p class="source">(I. Mündlich. II. Ziehnert a. a. O. Anhang No. 21.)</p>
-
-<p>I. Zur Zeit Friedrich des Weisen lebte im obern Erzgebirge
-nicht weit vom Schreckenberge ein alter, schlichter Bergmann mit Namen
-Daniel Knapp. Nach alter frommer Sitte beugte er jeden Abend
-seine Knie vor dem Muttergottesbilde. Als er dies eines Abends
-wieder gethan hatte, legte er sich nieder. Da erschien ihm im Traume
-die heilige Mutter Anna und befahl ihm, an der Stelle, welche sie
-ihm im Traume zeigte, einzuschlagen. Verwundert über den seltsamen
-Traum, machte sich der Bergmann auf und wanderte nach Wittenberg,
-wo damals der Kurfürst weilte. Zagend trat Daniel Knapp vor denselben
-hin und bat ihn, daß er ihm seinen Traum erzählen dürfe.
-Der Kurfürst hörte verwundert dem Bergmanne zu, und als er geendet
-hatte, folgte er ihm mit seinem Kanzler und begleitet von Rittern
-und anderen Herren. Am Fuße des Schreckenberges, an der
-Stelle, welche ihm im Traume geoffenbart worden war, schlug darauf
-der Bergmann kräftig ein und bald strahlte dem Kurfürsten und seinen
-Begleitern heller Silberglanz entgegen. Darauf ließ der Kurfürst
-zur Erinnerung an den wunderbaren Fund die sogenannten Engelsgroschen
-prägen und wenig Jahre später entwickelte sich aus den Ansiedelungen,
-welche in der Nähe des silberreichen Schreckenberges gegründet<span class="pagenum"><a id="Seite_315">[315]</a></span>
-wurden, die Stadt Annaberg. Von dem Bergmanne Knapp
-aber sollen seit jener Zeit alle Bergleute den Namen »Knappen«
-führen.</p>
-
-<p>II. Als noch dicke Waldung den Pöhlberg und seine Nachbarn
-deckte, lebte im Dorfe Frohnau ein Bergmann, Daniel Knappe, fromm
-und brav, aber blutarm. Große Teuerung und Hungersnot war im
-Lande, und Knappe hatte sieben Kinder und ein krankes Weib in seiner
-Hütte. Er wußte seiner Not kein Ende und war nahe daran, zu
-verzweifeln an der göttlichen Hülfe. Da erschien ihm einst im Traum
-ein Engel Gottes und sprach zu ihm: »Gehe morgen in den Wald
-am Fuße des Schreckenberges. Dort ragt eine Tanne hoch über alle
-Bäume des Waldes hervor. In ihren Zweigen wirst du ein Nest mit
-goldenen Eiern finden; dies ist dein, brauche es wohl!« Als Knappe
-am Morgen erwachte, erinnerte er sich des Traumes und ging hinaus
-in den Wald, das Nest mit den goldenen Eiern auszunehmen. Bald
-hatte er die Tanne in der Nähe der Wolfshöhle gefunden und kletterte
-rasch in ihren Ästen bis in den höchsten Wipfel hinauf, fand aber
-nichts. Traurig, daß ihn der Traum getäuscht habe, stieg er wieder
-herab und setzte sich auf die Wurzeln des Baumes nieder, um auszuruhen.
-Er sann hin und her, und dabei fiel ihm ein, daß unter den
-Zweigen wohl auch die Wurzeln der Tanne zu verstehen sein könnten.
-Die Vermutung ward bald zum festen Glauben, und eilig lief er und
-holte aus seiner Hütte das Gezäh zum Schürfen. Eifrig begann er
-den Schurf, und kaum hatte er die Dammerde durchbrochen, als
-mächtige, nach allen Seiten streichende Silbergänge ihm entgegen blickten.
-Er sank auf seine Kniee und dankte Gott.</p>
-
-<p>Bald war die Kunde von dem neuentdeckten Bergreichtum in alle
-Lande verbreitet, und Tausende zogen herzu, um sich in der bisher
-so wilden Gegend anzusiedeln. Dies veranlaßte den Herzog Georg
-den Bärtigen, eine neue Bergstadt zu gründen. Am 21. Sept. 1496
-wurde der Grundstein zu dem ersten Hause gelegt, und die neue Stadt
-Neustadt am Schreckenberge, später aber Annaberg genannt. &ndash; Zum
-Andenken an Daniel Knappe aber heißen noch heute die Bergleute im
-allgemeinen die Knappen und ihre Gemeinschaft die Knappschaft.</p>
-
-<h3 id="sec359">359. Die Kapelle zu Frohnau.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Jenisii Hist. Annaberg.</em> II., S. 2. Darnach Gräße, Sagenschatz
-d. K. Sachsen. No. 514.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1502 ist ein gewisser angesehener und würdiger Mann
-namens Lorenz Pflock gen Annaberg gekommen; als ihm nun seine<span class="pagenum"><a id="Seite_316">[316]</a></span>
-Gemahlin in kurzer Frist auf einem Wagen folgte, kam es ihr, als
-sie etwas über das Dorf Frohnau hinaus war, vor, als wenn die
-Erde in dieser Gegend erschüttert werde. Nicht lange darauf legte
-ihr Mann an diesem Orte ein Bergwerk an, das überreiche Ausbeute
-gab, und ließ, weil er überzeugt war, daß durch jenes Gesicht das
-Vorhandensein einer reichen Silberader angedeutet worden sei, mitten
-im Dorfe Frohnau einen kostbaren Altar nebst Kirche erbauen.</p>
-
-<h3 id="sec360">360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 5.)</p>
-
-<p>In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in der Schweiz
-ein verarmter Kaufmann, der einmal den höchst sonderbaren Traum
-hatte, er werde auf der steinernen Karlsbrücke zu Prag sein Glück
-finden. Ohne sich lange zu besinnen, bestieg er sein Rößlein und ritt
-nach der Hauptstadt Böhmens, dem hunderttürmigen Prag. Daselbst
-angelangt, ging er in froher Erwartung der Dinge, die da kommen
-sollten, auf der Moldaubrücke auf und ab. Durch sein seltsames Benehmen
-zog der Schweizer bald die Aufmerksamkeit des auf der Brücke
-aufgestellten Wachsoldaten auf sich, welcher ihn endlich fragte, was er
-hier suche. »Mir hat geträumt«, erwiderte der Angesprochene, »daß
-ich auf dieser Brücke mein Glück finden werde. Nun gehe ich aber
-hier schon mehrere Stunden hin und her, ohne nur eine Spur des
-erhofften Glückes zu finden.« »Sonderbar«, sagte der Wachposten,
-»mir träumte auch einmal von meinem künftigen Glücke, das ich in
-den westlichen Bergen erst suchen gehen soll, aber ich lege den Träumen
-keine Bedeutung bei, denn Träume sind Schäume!« Kaum hatte
-dies der Schweizer vernommen, so eilte er in seine Herberge zurück,
-ließ sein Pferd satteln und ritt, seinem Sterne folgend, immer dem
-Westen zu, um zu dem geistreichen, durch seine Prophezeiungen bekannten
-Johannes Niavis (Schneevogel), dem Einsiedler am Wolfsberge,
-wo heute das Dorf Mariasorg liegt, zu gelangen und dann
-seine Reise nach »Conradisgrün« (Konradsgrün), der ersten Ansiedelung
-von Joachimsthal, fortzusetzen. Nach mehrtägigem Ritt kam er
-in die Gegend von Lichtenstadt. Wie er immer weiter trabte, blieb
-des Rosses Huf an etwas hängen, und das Hufeisen wurde abgesprengt.
-Er stieg ab, um nach der Ursache dieses Unfalles zu sehen.
-Da bemerkte er, daß ein Zapfen von Silbererz das Hufeisen abgerissen
-und freute sich, sein zwischen den Schweizerbergen geträumtes Glück
-gefunden zu haben. Der Schweizer kehrte, nachdem sein Pferd in der<span class="pagenum"><a id="Seite_317">[317]</a></span>
-nächsten Schmiedewerkstatt wieder beschlagen worden war, in die Heimat
-zurück, traf aber bald in Konradsgrün mit einem Zuge Schweizer
-Bergleute ein. Diese durchforschten die Gegend und gruben untertags
-mit bestem Erfolge nach Silbererzen. So wurde der Kaufmann aus
-der Schweiz, der in der That auf der Prager Moldaubrücke sein Glück
-gefunden hatte, ein grundreicher Mann, und noch heute führt ein
-langer Haldenzug, der damals eine sehr ergiebige Ausbeute gab, den
-Namen »der Schweizerzug«.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Eine im Wesentlichen gleiche Sage finden wir in den deutschen Sagen der
-Brüder Grimm (2. Aufl., I. B., No. 212). Hier wird aber jemandem auf der
-Brücke zu Regensburg die Mitteilung, daß unter einem gewissen Baume ein großer
-Kessel mit Geld vergraben sei, was sich auch bestätigte.</p></div>
-
-<h3 id="sec361">361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 7.)</p>
-
-<p>Vor vielen Jahren lebte in der alten Bergstadt Joachimsthal
-ein gottesfürchtiger Gewerke, mit Namen Basler. Er besaß nebst
-Haus und Acker eine Grube, welche eine gute Ausbeute an Silber
-gab und sein Vermögen beträchtlich vermehrte. Plötzlich aber blieb
-das blinkende Silbererz in den harten Felsadern aus, und er traf auf
-lauter taubes Gestein. Basler, der ein sehr unternehmender Mann
-war, stellte jedoch seinen nunmehr kostspieligen Bau nicht ein, sondern
-ließ rühriger denn je mit Fäustel und Bohrer weiter arbeiten, da er
-in Bälde in eine silberhaltige Teufe zu kommen hoffte. Schon war
-aber Schrank und Beutel leer, Haus und Acker verpfändet, und noch
-immer leuchtete ihm kein Hoffnungsschein in der Grube. Seine Lage
-gestaltete sich vielmehr von Tag zu Tag trauriger, denn er wurde
-von seiner Freunde Schwarm nun gemieden, und einen Bergknappen
-nach dem andern mußte er aus seinem Dienste entlassen. Zuletzt war
-er auf seine Kräfte allein angewiesen; doch ließ er auch jetzt voll Zuversicht,
-daß Gott ihm helfen werde, den Mut nicht sinken und baute
-unverdrossen und emsig im harten Gestein fort, &ndash; leider ohne allen
-Erfolg. Dadurch geriet seine Familie, die ehemals in guten Verhältnissen
-gelebt hatte, in die bitterste Not. Um die Seinigen zu ernähren,
-sah sich der arme Basler, dem niemand mehr Geld vorstrecken
-mochte, sogar genötiget, nicht bloß Hausgeräte, sondern auch halbwegs
-entbehrliche Kleidungsstücke zu verkaufen.</p>
-
-<p>Als eines Tages die Not aufs Höchste gestiegen war, und er sich
-weder zu raten noch zu helfen wußte, nahm seine Frau ihr teuerstes<span class="pagenum"><a id="Seite_318">[318]</a></span>
-Kleinod, einen feingestickten Schleier, der noch von all ihren Habseligkeiten
-übrig geblieben war, in die Hand. Ihn hatte am Hochzeitsfeste
-die gute Mutter ihr ins Haar geknüpft und gesegnet, darum war der
-Schleier ihr so lieb und wert. Sie betrachtete denselben unter tiefem
-Seufzen lange mit thränenfeuchten Blicken; denn zentnerschwer drückte
-ihr Herz der schreckliche Gedanke, ihr kostbarstes Pfand mütterlicher
-Liebe zu veräußern. Endlich entschloß sie sich, freilich schweren Herzens,
-zum Verkaufe des Brautschleiers. Aus dem gelösten Gelde kaufte
-Basler, nachdem er für das nötige Brot gesorgt hatte, Unschlitt ein,
-um sein Geleucht aufschütten zu können. Er wollte nämlich, um sein
-Glück zu versuchen, noch einmal anfahren, dann aber, falls auch dieser
-Versuch mißglückte, den Bergbau, der ihn zum Bettler gemacht,
-aufgeben. &ndash; Als sich nun Basler zur Fahrt nach der Grube gerüstet
-hatte, sprach er, treu seinem gewohnten Spruche: »Bete und arbeite!«
-ein herzinniges Bergmannsgebet, fuhr hierauf ein und schritt an's
-Tagewerk. »Herr«, sprach er zu sich selbst, Du kennest mein ehrliches
-Sinnen und Trachten, sowie meinen und der Meinigen Jammer und
-Gram; erbarme Dich unser und segne heute meiner Hände Arbeit, damit
-ich viel, recht viel zur Verherrlichung Deines Hauses beitragen
-kann!« &ndash; Es gingen nämlich gerade zu derselben Zeit &ndash; es war im
-Jahr 1536 &ndash; die Grafen Hieronymus und Laurenz Schlick daran,
-in Joachimsthal, dem rasch aufgeblühten und zu den schönsten Hoffnungen
-berechtigenden Bergorte, eine neue, stattliche Kirche zu bauen.
-Wie sehr mochte sich wohl unser frommer Basler, der früher so reiche
-Bergherr, gekränkt haben, daß er jetzt in seiner größten Armut gar
-nichts zum Baue des Gotteshauses beisteuern konnte! Er ergriff, gestärkt
-durch sein unerschütterliches, festes Gottvertrauen, sein Gezäh
-und arbeitete mit solcher Kraft, daß das Gestein weit umhersprang.
-Da bemerkte er auf einmal, daß das Unschlitt in seiner Lampe zu
-Ende ging; er wollte nun sein Geleucht wieder auffüllen, allein das
-Unschlitt war verschwunden. Bestürzt und unmutig, daß ihm auch
-seine letzte Hoffnung vereitelt sei, suchte er nach dem Unschlitt und sah
-eine Maus mit demselben ihrem sicheren Verstecke zueilen. Über das
-mutwillige Tierchen erzürnt, erfaßte Basler seinen Schlägel und warf
-nach dem Mäuschen. Aber nicht dieses zerschmetterte sein wuchtiger
-Wurf, sondern das Felsgestein an der Öffnung der Wand, in der das
-Mäuschen verschwunden war. Doch siehe, was schimmert da unserm
-Basler entgegen? Ists bloß blendender Schein oder Wirklichkeit? Er
-prüft und findet, daß eine Silberader sich vor ihm geöffnet hat. So
-wurde mit einemmale Basler auf höchst merkwürdige und überraschende
-Weise wieder in den Stand gesetzt, den Bergbau mit vielen Knappen<span class="pagenum"><a id="Seite_319">[319]</a></span>
-zu betreiben. Er ward gar bald ein reicher Mann, der aber auch als
-solcher seinem früheren einfachen und frommen Lebenswandel treu blieb.
-Sein Gelübde erfüllte er treulich. Er spendete für die Kirche zu Joachimsthal
-ein silbernes Kreuz und ließ überdies einen Predigtstuhl
-verfertigen, dessen Stütze ihn selbst im Bilde in Wams und Bergkappe
-darstellte.</p>
-
-<p>Noch bis zum furchtbaren Brande des 31. März 1873 konnte
-man diese interessante Bergmannsfigur in der reichen und geschichtlich
-merkwürdigen Dekanatkirche zu Joachimsthal, die an dem genannten
-Tage ebenfalls zerstört wurde, unter dem Predigtstuhle sehen.</p>
-
-<p>Baslers Frau, vom ungewöhnlichen Glücke berauscht, vergaß
-Tugend und Frömmigkeit und wurde über alle Maßen stolz und hochmütig.
-Als ihr Mann auf der Totenbahre lag und die Bergknappen
-beim Einsegnen vor dem Hausthore standen und nach ortsüblicher
-Weise das Trauerlied mit den Worten beendigten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Du bist, Herr, stark in Deinem Arm,<br /></span>
-<span class="i0">Du machst bald reich und machst bald arm«,<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="noind">da sprang die Übermütige, prangend im kostbaren Kleide und strahlend
-im Diamanten- und Perlenschmucke, zum offenen Fenster und rief voll
-Zorn und Hohn hinab: »Frau Basler kann und wird niemals verarmen!«</p>
-
-<p>Noch in erhöhterem Grade gab sich Frau Basler von jetzt an der
-Verschwendung hin; sie lebte in Saus und Braus, so daß ganz unbemerkt
-die Silberschätze in ihren Kästen und Truhen gleich einer Seifenblase
-zerrannen. Eines Tages stand sie auf der Prager Brücke. Da
-zog die Prahlerin einen prächtigen Siegelring vom Finger, warf ihn
-in die Moldau und rief:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»So wahr, als mein Ring nicht kehrt nach Haus,<br /></span>
-<span class="i0">So wahr schöpf' ich meine Schätze nicht aus!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Ein Fisch aber hörte die übermütigen Worte der frevelnden Baslerin
-und sah das kostbare, blitzende Ringlein; da dachte er bei sich:
-»Ohnedies harrt der Tod mein, es soll auch für Dich der Tod sein!«
-Bald ließ der Lachs, der den Ring verschlungen hatte, sich fangen.
-Und siehe da! Des andern Tages brachte ein Fischer einen Fisch, in
-dessen Bauche sich der Ring befand, der zur Frau Baslerin heimgekehrt
-war; und wie der Ring kam zurückgeschwommen, so ist sie hülflos
-auch verkommen. &ndash; Die Maus hat Baslern zum Reichtume verholfen,
-der Fisch der Baslerin zur Armut.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Einzelne Züge dieser Sage haben große Ähnlichkeit mit solchen in der folgenden
-Sage von den Tellerhäusern bei Oberwiesenthal.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_320">[320]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec362">362. Die Tellerhäuser bei Wiesenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Beh. in Gräße, Sagenschatz etc. No. 502.)</p>
-
-<p>Um das Jahr 1570 lebte zu Wiesenthal ein blutarmer, aber
-frommer und fleißiger Bergmann, namens Teller, der bei einer Grube
-beschäftigt war, die auf einmal keine Ausbeute mehr gab und deshalb
-von ihrem Besitzer, einem reichen Geizhals, nicht mehr bebaut ward.
-Ebenso vergebens wie er von Letzterem seinen rückständigen Lohn zu
-bekommen gesucht hatte, sah er sich nach neuer Arbeit um; er hatte
-eine kranke Frau und drei Söhne zu Hause, allein er hatte kein Brot
-für sie und so mußte er nach und nach alles, was er besaß, verkaufen.
-So kam der Ostermorgen heran und das letzte, was noch zu Gelde
-gemacht werden konnte, war bereits weggegeben. Siehe, da zog es
-ihn nach der Kirche, und als er traurig an den Eingang derselben getreten
-war, kam es ihm vor, als sehe er sich im Festtagsgewande, eine
-Stufe glänzenden Silbers auf der Schulter, an der Kanzel stehen.
-Er rieb sich die Augen, wendete sein Gesicht weg, aber sobald er wieder
-auf jenen Punkt schaute, stand auch sein Doppelgänger wieder da.
-Er verließ endlich die Kirche, und auf dem Wege nach seinem Hause
-begegnete ihm ein wohlgekleideter Unbekannter, der ihm, als er von
-ihm befragt, warum er so traurig aussehe, seine Not geklagt hatte,
-ein großes Geldstück schenkte. Damit kaufte er die notwendigsten Bedürfnisse
-und begab sich nach Hause. Hier hatte er aber keine Ruhe,
-denn überall sah er das gehabte Gesicht vor sich, und es kam ihm vor,
-als ziehe ihn sein Doppelgänger nach jener eben aufgegebenen Grube
-hin. Endlich konnte er nicht mehr diesem innern Drängen widerstehen,
-daher kaufte er sich von dem noch übrig gebliebenen Gelde von
-dem Bergmeister die Erlaubnis, in der auflässigen Grube zu bauen,
-und fing eifrig an einzuschlagen. Allein seine zwei Hände brachten
-wenig vorwärts, der Tag verfloß und er war auf kein edles Metall
-gestoßen; schon war der zweite halb zu Ende und er machte eben Anstalt,
-sein letztes Stücklein Brot zum Mittagsmahl zu sich zu nehmen,
-als aus einem Loche im Gestein ein Mäuschen herauskroch und ungescheut
-die heruntergefallenen Brosamen auflas. Er ließ dasselbe ruhig
-gewähren, als es aber anfing auch sein Grubenlicht zu beknabbern,
-warf er sein Fäustel nach demselben. Statt daß aber die Maus davon
-getroffen ward, sprengte er ein starkes Stück Gestein los, und siehe, hinter
-demselben lag ein reicher Gang gediegenen Silbers zu Tage. Kaum
-wollte er seinen Augen trauen, allein er konnte nicht zweifeln; er eilte
-nach Hause, um seine Familie mit der frohen Kunde zu erfreuen, und so
-ward er in wenigen Tagen aus einem armen Häuer ein reicher Bergwerksbesitzer.<span class="pagenum"><a id="Seite_321">[321]</a></span>
-Allein er vergaß darum seine früheren Leiden nicht, er blieb bis
-an seinen Tod einer der frömmsten und mildthätigsten Männer in der
-ganzen Gegend. Seinen drei Söhnen erbaute er von seinem Reichtum
-drei kleine Güter in einer wildromantischen Gegend zwischen Wiesenthal
-und Rittersgrün, die heute noch die Tellerhäuser genannt werden,
-sich selbst ließ er ganz so, wie er sich an jenem Ostermorgen in der
-Kirche gesehen hatte, im Sonntagsputze des Häuers in Holz aushauen
-und dies Bild zum Andenken in jener Kirche aufstellen, wo es noch
-zu sehen ist.</p>
-
-<h3 id="sec363">363. Die neue Grube bei Preßnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 2.)</p>
-
-<p>Unweit der Bergstadt Preßnitz steht an der Straße, welche von
-Dörnsdorf dahin führt, eine Marienstatue. Dieselbe stellt die Mutter
-Gottes mit dem Jesuskindlein dar, welches die Erdkugel und das
-Scepter in seinen Händchen hält. Neben dem Gnadenbilde stand vor
-vielen, vielen Jahren eine unansehnliche, kleine Berghütte mit einer
-ergiebigen Grube. Im Volksmunde lebt noch die Sage fort, welche
-sich an die Statue und die Berghütte knüpft. Zur Zeit einer großen
-Teuerung lebte in einer windschiefen, halbverfallenen Hütte des Erzgebirgs
-eine arme, brave Bergmannsfamilie. Schlecht und recht, wie
-es eben bei einem Bergmanne möglich ist, hatte der arbeitsame Vater
-in bessern Tagen sein Weib und seine vier Kinder im Schweiße seines
-Angesichts ernährt. Heute aber saß er gar tiefbekümmert, das Haupt
-gebeugt, die schwieligen Hände gefaltet, im Kämmerlein, denn weder
-ein Bissen Brot noch ein roter Pfennig war in der Hütte. Als er
-sein Weib vor Not heiße Thränen weinen sah, und seine sterbenskranken
-Kinder vor Hunger schrieen, da wollte dem Vater vor Gram
-und Kummer schier das Herz zerspringen. Nicht länger litt es ihn
-unter seinem Dache. Viel Schönes hatte er ja von der Mildthätigkeit
-der Menschen erzählen hören, warum sollte er dieselbe nicht auch in
-seiner hartbedrängten Lage in Anspruch nehmen? Und er ergriff, den
-seinigen Trost zusprechend, den Wanderstab, um in den benachbarten
-Dörfern wohlthätige Mitmenschen um Gaben für seine hungernde Familie
-anzuflehen. Wo er anklopfte, ward ihm zwar aufgethan, allein
-überall traten ihm bleiche, darbende Gestalten entgegen, die selbst
-bittere Not litten und darüber klagten; denn schwerer als jeder andere
-Landesteil war diesmal das blutarme Erzgebirge von der ausgebrochenen
-Teuerung heimgesucht. So kam unser Bergmann ganz hoffnungslos
-vor Preßnitz an. Der schreckliche Gedanke, daß seine Familie<span class="pagenum"><a id="Seite_322">[322]</a></span>
-nun dem Hungertode zum Opfer fallen müsse, brachte ihn zur Verzweiflung.
-Ermattet brach der Lebensmüde auf dem Wege zusammen
-und wollte, da er gerade einen Strick bei sich hatte, Hand an sich legen,
-um so allem Elende mit einemmale zu entgehen. Doch von neuem erwachte
-in ihm sein echt christlicher Sinn und verscheuchte das wahnsinnige
-Hirngespinst; er nahm seine Zuflucht zur gnadenreichen Gottesmutter,
-sank auf die Knie und verrichtete ein kräftiges Gebet, das
-lindernden Balsam in sein wundes Herz träufelte, so daß alsbald
-Friede in dasselbe einkehrte. Vom Schlaf überwältigt, legte der Hungrige
-sein müdes Haupt auf den Rasen und schlief ein. Da klang es
-um ihn her wie himmlischer Engelschor, und im strahlenden Lichtglanze
-erschien Maria, die Himmelskönigin, mit dem holden Jesuskindlein auf
-dem Arme. Mit wundermilden Blicken näherte sie sich dem Bergmann
-und sprach: »Wach' auf, öffne die Erde unter deinem Haupte und vertraue
-fest auf Gott!«</p>
-
-<p>Der Bergmann erwachte; heiliger Schauer durchrieselte seine
-Glieder, da er noch immer die überirdischen Klänge zu vernehmen
-meinte. Neu gestärkt sprang er auf, ergriff, um sich zu überzeugen,
-ob er geträumt oder gewacht habe, seinen wuchtigen Wanderstab und
-wühlte an jener Stelle, wo er geschlafen, die Erde auf. Kaum
-hatte er diese einige Zoll aufgeschürft, da sank er plötzlich in die Knie,
-hob seine Hände gen Himmel und rief aus: »Gepriesen sei der allmächtige
-Gott und die seligste Jungfrau Maria, ich bin gerettet!«
-Ein Klumpen Gold lag zu seinen Füßen, der nun aller Not ein Ende
-machte. Mit beflügelten Schritten eilte der Bergmann zu den Seinigen
-heim und verkündigte ihnen mit freudestrahlendem Gesichte das wunderbare,
-rettende Ereignis. Wer beschreibt wohl den Jubel der armen
-Familie, die auf überaus seltsame Weise in die Lage kam, sich die
-lange entbehrten Nahrungsmittel anzuschaffen und so ihre Gesundheit
-bald wieder herzustellen? Gottes reicher Segen aber begleitete auch
-fernerhin die Unternehmungen des Bergmanns, der von jetzt an auf
-eigene Faust den Bergbau an jener wunderbaren Stelle betrieb und
-daselbst viel edles Erz zu Tage förderte.</p>
-
-<p>Zur bleibenden Erinnerung an die glückliche Errettung seiner
-Familie ließ der Bergmann aus tiefer Religiosität und Dankbarkeit
-neben der kleine Berghütte eine Statue der heiligen Jungfrau Maria
-errichten und lebte mit den Seinen noch viele Jahre glücklich und zufrieden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_323">[323]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec364">364. Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Es wird erzählt, daß man anfangs beabsichtigt habe, die St.
-Wolfgangskirche in Schneeberg auf dem Platze zu erbauen, wo gegenwärtig
-die Bürgerschule steht. Als man aber daselbst den Grundstein
-legte, verschwand derselbe zweimal nach einander. Da erschien einem
-Bergmanne im Traum ein Grubenmännchen, welches ihm die Stelle
-zeigte, auf welcher die neue Kirche erbaut werden sollte. Als man daselbst
-den Grundstein legte, blieb er liegen. Darauf führte das Männchen
-den Bergmann in die Tiefe und zeigte ihm unter dem Platze die reichen
-Silbererze.</p>
-
-<h3 id="sec365">365. Der goldne Hirsch auf dem Kuhberge.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Ludwig in Stützengrün.)</p>
-
-<p>Man erzählt sich, daß auf dem Kuhberge bei Stützengrün, links
-von dem Fahrwege, welcher von genanntem Orte auf den Berg führt,
-in einer mit Heidekraut überwachsenen grubenartigen Vertiefung ein
-goldener Hirsch vergraben liege. Wenn der Hirsch aufgefunden wird,
-was bestimmt geschehen soll, wird der Kuhberg zur Stadt werden.
-Einen Brunnen auf dem Kuhberge heißt man Goldbrunnen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Nach altüberlieferten Vorstellungen, welche besonders in deutschen Volksmärchen
-einen Nachklang haben (als z. B. das Marienkind ein wenig an den Glanz
-der Dreieinigkeit rührte, wurde ihm der Finger golden), war nicht nur der Götterhimmel
-golden, sondern auch der Leib der Götter selbst und ihrer Lieblingstiere von
-einem Geblüt durchronnen, welche reines Gold ist. Golden ist der Hirsch, weil er
-der Leben nährenden Sonne angehört. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch,
-I. S. 4&ndash;7.)</p></div>
-
-<h3 id="sec366">366. Die Eselswiese bei Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts bei Gräße a. a. O. No. 610;
-z. T. mündlich.)</p>
-
-<p>Südlich von Zwickau liegt eine Wiese, die man Eselswiese nennt.
-Diese Wiese soll einst von einem Zauberer bezaubert worden sein, der
-auf ihr einen gefährlichen Fall gethan, so daß, obschon schönes Gras
-und Klee darauf wuchs, sie doch von ihrem Besitzer durchaus nicht
-benutzt werden konnte, weil die Milch des Viehes, das von demselben
-fraß, so blau wie Indigo ward. Nun hatte aber nicht weit von der
-Wiese ein armer Holzmacher seine ärmliche Hütte gebaut; derselbe<span class="pagenum"><a id="Seite_324">[324]</a></span>
-wurde, da er drei Esel besaß, der Eselsgürge genannt, und er war
-allgemein wegen seiner Gutherzigkeit beliebt und gern gesehen. Der
-zog sich das Gras dieser Wiese zu Nutze und seine Esel wurden dick
-und fett davon.</p>
-
-<p>Einst, bei einem heftigen Gewitter, pochte es des Nachts an seine
-Hütte, und als er die Thür öffnete, da trat eine wunderschöne Jungfrau,
-die trotz des Unwetters ganz trocken war, weiß verschleiert herein,
-rosenfarbene Sandalen an den Füßen und einen goldenen, mit
-Diamanten gezierten Kranz auf dem Haupte. Sie setzte sich an seinen
-Tisch, als er ihr aber Essen und Trinken, sowie sein armseliges Binsenlager
-zum Schlafe anbot, wies sie beides zurück und sagte, sie bedürfe
-dieser irdischen Erholung niemals, und auf sein Befragen, wohin
-sie wolle, entgegnete sie: »Nach oben, wo ich herkomme«. Der
-arme Gürge legte sich hierauf verwundert wieder nieder, als aber der
-Morgen anbrach, weckte sie ihn auf, um Abschied zu nehmen, und als
-er sie ein Stück Weges begleitete, fragte er sie, ob sie nicht die heilige
-Jungfrau selbst sei, sie gleiche gar zu sehr dem Bilde derselben,
-wie er es in den Kirchen so oft gesehen. Darauf antwortete sie: »Ja,
-ich bin es; Du aber, guter Gürge, sollst den Lohn für Deine Gastfreundschaft
-heute Abend erhalten, wenn Deine Esel von der Weide
-zurückkehren«. Damit verschwand sie. Als nun die Sonne im Untergehen
-war, da ging Gürge voll Neugier seinen Eseln entgegen, allein
-er konnte nichts an ihnen wahrnehmen, als daß ihre Mäuler blutig
-waren. Da es nun auf der Wiese weder Dornen noch scharfe Gräser
-gab, solche die Esel auch bekanntlich wegen ihrer Hartmäulichkeit nicht
-verwunden können, so begab er sich an Ort und Stelle und trat plötzlich
-auf etwas Spitzes. Er griff darnach und zog einen Goldbarren
-aus der Erde, ja er fand ohne viel Mühe eine Menge davon; er
-holte darauf seine Esel, die sich davon blutig gefressen, und trieb sie
-schwerbeladen in sein Hüttchen zurück. Am andern Morgen aber, wie
-er seinen Reichtum beschaute, beschloß er davon eine Kirche zu bauen.
-Dies soll die Marienkirche sein. Das Volk aber hält noch heute die
-hölzerne Statue des Obristwachtmeisters von Heldreich († 1674), welche
-sich über der Thür zur sogenannten Götzenkammer in der erwähnten
-Kirche befindet, für das Bild des armen Eselgürge, den man auch
-zum Stammvater der Herren von Römer gemacht hat.</p>
-
-<p>Nach einer andern mündlichen Überlieferung soll das gefundene
-Gold eine zapfenähnliche Form gehabt haben. Die Menge desselben
-betrug zehn Scheffel.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_325">[325]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec367">367. Des Schlackenmanns oder albernen Mannes Loch.</h3>
-
-<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, 1879, S. 62.)</p>
-
-<p>Das oben genannte Loch befindet sich unweit des »alten Schlosses«,
-eines Schlackenhügels auf Pleiler Gemeindegebiet, und ist ein
-alter verfallener Stollen, welcher von einem Irrsinnigen (Albernen)
-in den Berg getrieben worden sein soll. Nach einem in der Nähe befindlichen
-großen Schlackenhaufen, in welchem er oft herumwühlte,
-erhielt der Alberne auch den Namen Schlackenmann. Der Schlackenmann
-soll Silbererze gesucht und in Menge gefunden haben. Er verbarg
-sie aber so gut in seinem Loche, daß sie bisher niemand aufzufinden
-vermochte. Da er für seinen Schatz fürchtete, vermied er
-ängstlich jeden Umgang mit Menschen und kroch stets in das Bergloch,
-sobald jemand sich näherte. Hier ist er auch einsam verstorben. Sein
-Name und Andenken aber sind im Volksmunde noch lebendig.</p>
-
-<p>Ein ähnlicher verfallener Bergstollen befindet sich auch hinter der
-Bogmühle. Er wird das Türkenloch genannt, nach einem Manne
-türkischer Abstammung, der hier gleichfalls Bergbau auf edles Erz
-getrieben haben soll. Der Türke hatte es jedoch nicht auf den Gewinn
-abgesehen, legte auch keinen Schatz an, wie der geizige Schlackenmann,
-sondern holte sich von dem Silbererz immer nur nach Maßgabe seiner
-leiblichen Bedürfnisse.</p>
-
-<h3 id="sec368">368. Die Grube »himmlisches Heer« bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Novellistisch von Textor in »Die romantischen Sagen des Erzgebirgs«,
-I. 1882, S. 225 etc. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 523.)</p>
-
-<p>Einst lebte in der Gegend des heutigen Annabergs ein armer
-Bergmann, mit Namen Daniel, der reich mit Kindern, aber nicht mit zeitlichen
-Gütern gesegnet war, und sich, weil seine Frau schwer erkrankt
-war, in großer Not befand. Denn die Grube am südlichen Abhange
-des Pöhlberges, wo er arbeitete, war unergiebig. Wie er nun mit
-seinem Gevatter, dem Steiger, lange vergeblich gearbeitet hatte, fiel
-auf einmal ein Teil des Gesteins von selbst herab und sie sahen einen
-mächtigen Gang reichen Erzes vor sich; eine Stimme aber rief: »Daniel!
-Ich bin der Fürst der Berge! Was Du in diesem Schachte gewinnst,
-ist Dein, ich schenke es Dir!« Jener aber sprach: »Ich kann nicht annehmen,
-denn es gehört den Gewerken«. Als nun der Berggeist ihn
-noch mehrmals aufgefordert hatte, das Gefundene zu nehmen und an
-seine Frau und Kinder zu denken, er aber sich weigerte, verschwand<span class="pagenum"><a id="Seite_326">[326]</a></span>
-auf einmal der ganze Erzgang wieder. Daniel ging traurig nach Hause,
-als er aber dort ankam, kam ihm seine Frau völlig gesund entgegen
-und sagte, es sei ein fremder Bergmann dagewesen, habe ihr Brot,
-Fleisch und Wein für ihre Kinder gebracht, und sie aus einem kleinen
-Fläschchen trinken lassen, und seitdem seien alle ihre Schmerzen verschwunden,
-jener aber habe gesagt, ihre Not werde bald aufhören, das
-lasse ihr der Fürst der Berge sagen. In der Nacht träumte aber der
-fromme Bergmann, der Berggeist stehe vor ihm und sage ihm, zum
-Lohn für seine Redlichkeit wolle er ihn glücklich machen, er solle früh
-auf den Schreckenberg gehen, dort werde er Feuer vom Himmel fallen
-sehen, und an dieser Stelle solle er einschlagen. Wie gedacht, so geschehen,
-er ging in den Wald; plötzlich fuhr aus heiterem Himmel ein
-Blitz in eine hohe Fichte, und als jener die bergmännische Rute an
-den Wurzeln des Baumes schlagen ließ, da entdeckte er beim Nachgraben
-einen reichen Silbergang. Diesen mutete er und sein Gevatter
-Steiger und beide wurden schnell reich; die Grube aber nannte man
-das himmlische Heer.</p>
-
-<h3 id="sec369">369. Der Alaunsee bei Komotau.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Hübler in der Comotovia. 4. Jahrg., S. 76 etc.)</p>
-
-<p>Eine Viertelstunde nordöstlich von Komotau liegt an der Straße
-und nächst dem Fußwege, welcher nach dem benachbarten Görkau führt,
-die Alaun- oder Schweizerhütte, eine Restauration im Schweizerstile,
-welche wegen ihrer reizenden Lage für die Bewohner Komotau's einen
-beliebten Ausflugsort bildet. Sie liegt in einem Kessel, welcher gegen
-Westen von einem schönen Eichenwäldchen, dem sogenannten Hüttenbusche,
-im Nordosten und Süden von Obstgärten eingesäumt ist, welche
-den in der Mitte des Kessels liegenden Hütten- oder Alaunsee einschließen.
-Auf dem Platze nun, den jetzt die spiegelglatte Fläche des
-Sees bedeckt, befand sich vor 300 Jahren ein Alaunbergwerk, von
-dessen Dasein noch rote Hügel an seinem Ufer zeugen. Bevor noch
-die Gewässer des Sees aus der Tiefe der Erde hervorquollen, befand
-sich dort ebenfalls ein Eichenwäldchen, wohin an Sonn- und Feiertagen
-die ehrsamen Bürgersleute Komotau's mit Weib und Kind hinauszogen,
-um sich zwischen den Bäumen und auf dem Rasen zu erlustigen
-und besonders an den milden Frühlingsabenden im Mai dem
-Gesange der Nachtigallen zu lauschen, welche sich sonst dort, wie in
-der Gegend überhaupt, in viel größerer Anzahl aufgehalten haben
-sollen, als jetzt. Noch heutzutage sieht man an dem Ufer des Sees
-die mitunter mächtigen Baumstrünke der abgesägten oder umgeschlagenen<span class="pagenum"><a id="Seite_327">[327]</a></span>
-Eichenstämme wie Klippen aus dem Wasser hervorstehen, und schon
-mancher Lustfahrende hat mit ihrer Tücke Bekanntschaft gemacht, saß
-auf und konnte nur mit Mühe sein Fahrzeug wieder flott machen. &ndash;
-Über die Auffindung des Alaunbergwerkes und den Ursprung des Sees
-erzählt nun die Sage folgendes:</p>
-
-<p>Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte in Komotau ein Mann,
-der »dürre Merten« genannt, welcher im Besitze der schwarzen Kunst
-und als Prophet in der Stadt eine bedeutende Rolle spielte, und welcher
-allgemein wegen seiner Weisheit geehrt, aber auch wegen seiner
-Prophetengabe und übernatürlichen Geheimmittel gescheut wurde. Er
-erreichte ein Alter von 118 Jahren, lebte am Ende seiner Tage im
-Komotauer Spitale und fand schließlich einen gewaltsamen Tod durch
-Mörderhand. Er erließ viele Prophezeiungen, die lange im Volksmunde
-blieben und jetzt noch nicht völlig verwischt sind. Seine größte
-Prophezeiung bezog sich auf den 30jährigen Krieg und dessen Grund,
-auf das Erscheinen der Jesuiten in Komotau, und auf das tragische
-Ende des Georg Popel von Lobkowitz, des ehemaligen Herrn von
-Komotau. Außerdem prophezeite er einst: »Auf einer Wiese, welche
-von drei Seiten ein Kessel einschließt, ist ein großer Schatz verborgen,
-der durch Jahrhunderte Menschen und Geschlechter ernähren wird.«</p>
-
-<p>Viele Leute von Geldgier getrieben, suchten emsig solche Plätze,
-welche mit der Prophezeiung übereinstimmten, auf und gruben, mit
-Schaufel und Haue bewaffnet, zur Nachtzeit nach dem verborgenen
-Schatze, erschreckten sich wohl oft gegenseitig, konnten jedoch nichts auffinden.</p>
-
-<p>Einmal ging nun ein Fleischhauer aus Komotau, namens Lazarus
-Drohmann, der sich und seine alte gebrechliche Mutter durch sein Handwerk
-schlecht und recht ernährte, nach Rothenhaus bei Görkau, um
-Schlachtvieh einzukaufen. Er verspätete sich daselbst, da er nichts
-Passendes hatte finden können, und begab sich bei schon hereingebrochener
-Nacht nach Görkau, wo er Speise und Trank zu sich nahm und
-dann den Heimweg nach Komotau einschlug, als gerade der Türmer
-11 Uhr blies. Er bemerkte es nicht, wie vom Milleschauer her schwarze,
-dichte Gewitterwolken herzogen. Bald brauste der Sturmwind einher,
-grelle Blitze beleuchteten auf Augenblicke den Weg und die ganze Gegend
-bis zu den Gipfeln des Erzgebirgs, und der Donner kam prasselnd
-und krachend im Gefolge. Lazarus beflügelte seine Schritte, um noch
-die Stadt vor dem völligen Ausbruch des Unwetters zu erreichen, aber
-vergeblich; gerade noch eine Viertelstunde war er von derselben entfernt
-und er hatte eben den Eichenwald betreten, dessen Platz jetzt der See
-einnimmt, als das Gewitter mit aller Macht entfesselt wurde. Er<span class="pagenum"><a id="Seite_328">[328]</a></span>
-suchte vor dem herabströmenden Regen und dem wütenden Sturme
-hinter einem dichten Eichengestrüppe notdürftigen Schutz und verfiel
-bald, von der Müdigkeit übermannt, trotz Sturm und Wetter in einen
-festen Schlaf. Plötzlich, es schlug gerade 12 Uhr auf dem Komotauer
-Turme, fuhr, wenige Schritte von ihm entfernt, ein greller Blitz in die
-Erde und erleuchtete Gras, Gestrüpp und Bäume tageshell. Der grelle
-Lichtschein und der damit verbundene Donnerschlag erweckten ihn gewaltsam
-und er fuhr entsetzt in die Höhe. Da sah er, betäubt und
-staunend, wie der Blitzstrahl einige Sekunden auf einer Stelle wie
-festgebannt haften blieb, dann sich aber teilte, indem ein Teil des
-Strahles in die Höhe ging, der andere jedoch in der Erde verschwand.
-Lazarus war voll Schreck und Staunen einige Zeit sitzen geblieben.
-Endlich, nachdem er sich von seiner Betäubung erholt hatte, sprang
-er auf und setzte, da auch das Unwetter bereits weiter gezogen war,
-den Rückweg fort, im Herzen Gott dankend, daß ihn der Blitzstrahl
-nicht getroffen, und erreichte glücklich seine Hütte.</p>
-
-<p>Nach acht Tagen wanderte Lazarus abermals Geschäfte halber
-nach Rothenhaus. Auch diesmal schlug er den Rückweg bei vorgerückter
-Nacht ein. Seinen Weg beleuchtete jedoch der freundliche Mond und
-wohlgemut trat er in den Schatten des Eichenwäldchens, wo er vor
-wenigen Tagen dem Tode, wie er glaubte, nur durch ein Wunder entronnen
-war. Wie er so sinnend auf dem weichen Rasen dahinschritt,
-stand plötzlich ein Mädchen in hellstrahlender Schönheit vor ihm.</p>
-
-<p>Der Mond beschien durch die Zweige der Eichen ihre freundlich
-lieblichen Züge, und von ihrem weißen Gewande schien selbst ein heller
-Schimmer abzugehen. Sie grüßte ihn und reichte ihm ihre Hand.
-Er fragte verwundert: »Woher kommst Du und was willst Du?« »Ich
-komme weither aus schönen Landen und gehe dorthin, wo mich meine
-innere Stimme ruft. Ich fliehe die Nähe böser Menschen, aber gute
-suche ich auf und beglücke sie. Du hast ein gutes Herz, ich will Dich
-daher glücklich machen, komm' und folge mir.« Die holde Erscheinung
-schritt voran, so leicht, daß sie kaum den Boden zu berühren schien,
-freudig und beklommen zugleich folgte ihr Drohmann. Nach einigen
-hundert Schritten machte sie halt und zwar merkwürdigerweise auf derselben
-Stelle, wo er sich vor acht Tagen vor dem Ungewitter verborgen
-hatte. Kein Laut, kein Ton war zu vernehmen, selbst das Heimchen
-schlief, überall herrschte die Stille des Grabes. Da ertönten von der
-Stadt her die ernsten, tiefen Töne der Mitternachtsstunde und wie
-auf einen Zauberschlag begann es sich überall im Wäldchen auf dem
-Grase, zwischen den mächtigen Baumstämmen und dem niedrigen Gebüsche
-zu regen und zu bewegen; kleine Männlein mit Schurzleder und<span class="pagenum"><a id="Seite_329">[329]</a></span>
-Kappe angethan, mit Hauen und Schaufeln versehen, eilten geschäftig
-herbei und begannen genau an dem Punkte, wo der eine Blitzstrahl
-sich in die Erde gesenkt hatte, zu graben, zu schaufeln und die Erde
-in winzigen Karren wegzufahren, daß es eine Lust war, ihnen zuzusehen.
-Im Umsehen war ein Stollen in die Erde getrieben und schon
-kamen daraus Männchen zum Vorschein, welche winzige Fäßlein pustend
-und schnaufend heraufrollten, die wiederum von anderen auf Wägelchen
-geladen und fortgeschafft wurden. Lazarus sah schweigend und verwundert
-dem geschäftigen Treiben der Gnomen zu, da schlug es 1
-Uhr und wie mit einem Schlage war alles verschwunden, die Zwerge,
-der Stollen, die Fäßchen und Wägelchen, und Stille herrschte wieder
-ringsum. Er glaubte aus einem Traume erwacht zu sein. Wie
-er sich jedoch umsah, stand noch neben ihm das schöne Mädchen. Dasselbe
-sah ihn mit ernster Milde an und sprach: »Du sahest hier das
-Bild künftigen Fleißes. Die Erde, worauf wir stehen, birgt in ihrem
-Schoße Alaun und Schwefel. Ihr Gewinn gehört Dir. Gehe morgen
-wieder hierher, aber allein, und grabe um die zwölfte Stunde auf dem
-bestimmten Platze; wenn Du drei Schuh tief gegraben hast, wirst Du
-das Gesuchte finden. Dann erst können andere Dir helfen. Der Schatz,
-der in der Erde schlummert, ist groß, hebe ihn zu Deinem und der Mitmenschen
-Frommen. Wehe aber,« fuhr sie in noch ernsterem Tone
-fort, »wenn das Werk gierig und hastig, oder lässig und unachtsam
-betrieben wird, dann werden die Erdgeister den Schatz der Mutter
-Erde den Lässigen und Unachtsamen entrücken und sein Segen wird dem
-Lande für immer verschwunden sein. Lebe wohl!« Damit reichte sie
-ihm die Hand und ging schwebenden Ganges zwischen den Eichen dahin
-und je weiter sie ging, desto mehr schien es, als ob es ein heller
-Nebelstreif wäre, der sich am Waldesrasen dahinzog und der in der
-Ferne endlich verschwand. &ndash; In der folgenden Nacht verließ Lazarus
-heimlich seine Hütte, ohne der alten Mutter etwas von dem Erlebten
-mitgeteilt zu haben, und mit Spitzhaue und Schaufel versehen eilte
-er dem bekannten Wäldchen zu. Wiederum ballten sich über dem Erzgebirge
-Gewitterwolken zusammen, er aber ließ sich dadurch nicht in
-seinem Vorhaben zurückschrecken, glaubte er ja sicher und fest an die
-ihm gewordene Verheißung. Um 12 Uhr war er am Platze angelangt.
-Da brach aber auch mit furchtbarer Gewalt das Gewitter los und
-unter betäubendem Donner fuhr ein Blitz herab und senkte sich in geringer
-Entfernung von ihm in die Erde, alle Gegenstände ringsum
-grell beleuchtend. Dort erkannte er auch die Stelle, an welcher tags
-vorher die Zwerge gearbeitet, und nun begab er sich herzhaft ans
-Werk. Kaum hatte er mehrere Schuh tief gegraben, so stieß er auch<span class="pagenum"><a id="Seite_330">[330]</a></span>
-auf das verheißene Alaun- und Schwefelerz. Frohlockend verließ er
-den Platz und eilte, da es Tag geworden, nach Sebastiansberg, um
-der Bergobrigkeit seinen großen Fund anzuzeigen. Er erhielt hierauf
-vom Erbherrn von Komotau, Johann von der Weitmühl, die Rechte
-und Privilegien, welche zum Betriebe des Bergwerkes notwendig waren,
-und nun begann ein reges Leben im stillen Eichenwäldchen, so wie er
-es früher schon erschaut. Er wurde ein reicher Mann und sein altes
-Mütterchen erlebte noch frohe Tage.</p>
-
-<p>Und die armen Bewohner der Stadt, des Landes und Gebirges
-genossen mit an dem Segen der Erde, und derselbe schien bei fleißigem
-und verständigem Betriebe eher zu- als abzunehmen, denn &ndash; wie der
-dürre Merten prophezeit hatte &ndash; »das Alaunerz wuchs unter der Stadt
-mit Gewalt.« Aber die ausgesprochene Drohung der weißen Jungfrau
-sollte ebenfalls in Erfüllung gehen. So lange das Werk mit Fleiß
-und Sorgfalt betrieben wurde, trug es reichlichen Gewinn und war
-ein Segen für Stadt und Land. Da kam es jedoch in habsüchtige
-Hände, es sollte rasch und viel gefördert werden, die Gänge und
-Stollen wurden nicht mit der alten Sorgfalt getrieben und erhalten,
-weil die Kosten der Erhaltung gescheut wurden. Da stieß man eines
-Tages in einem neu angelegten Stollen auf ungewöhnlich reiche Alaungänge,
-aber auch beim Weitergraben auf eine Quelle, deren Wasser
-lustig hervorsprudelte. Ein erfahrner alter Bergmann riet dem Bergwerksvorsteher,
-hier nicht weiter graben zu lassen, sondern den Stollen
-zu verbauen; aber sein Rat wurde verworfen, der prophezeiten Gefahr
-durch die kleine Quelle gespottet, winkte ja in dem neuen Stollen reicher
-Gewinn. Aber siehe, je weiter man arbeitete, desto mächtiger
-sprudelte die Quelle hervor, alle Versuche, sie zu verstopfen, mißlangen,
-das Wasser füllte den neuen Stollen, es stieg in die alten
-und stieg von Stunde zu Stunde immer höher, so daß die Bergleute
-eilig die Schächte verlassen mußten und keiner mehr in die Tiefe hinab
-fahren konnte. Endlich stieg es im mächtigen Schwalle bis zum Ausgange
-und füllte schließlich die Tiefe des ganzen Kessels und beherrschte
-als Sieger den ganzen Raum, wo früher viele zufriedene Menschen
-thätig gewesen waren. So entstand der jetzige Hütten- oder Alaunsee
-aus einer kleinen Quelle, und so war die Drohung in Erfüllung gegangen.
-Die Erdgeister hatten den Schatz wieder hinabgesenkt in die
-Erde, und die Wassergeister hüten ihn mit zähem Neide bis an den
-heutigen Tag. Selbst auf dem Wasser des Sees scheint noch der alte
-Fluch zu liegen, denn nichts lebendes kommt darin vor, kein Fisch
-schnellt über dem Spiegel nach spielenden Mücken empor, kein Wasserkäfer
-rudert darin emsig hin und her, sein Ufer bedeckt kein rauschendes<span class="pagenum"><a id="Seite_331">[331]</a></span>
-Schilf, in welchem der Rohrsperling sein Unwesen treibt oder der
-Rohrsänger seinen schönen Gesang ertönen läßt und das Wasserhuhn
-scheu sich birgt, nur selten lassen sich im Fluge, von seinem Spiegel
-gelockt, Wasservögel darauf nieder, um ihn enttäuscht nach kurzer Rast
-wieder zu verlassen; es herrscht auf ihm die Stille und der Friede
-eines Kirchhofes. Die Quelle, welche <span id="corr331">den</span> See geschaffen, sprudelt
-noch fort. Wenn im Winter der Frost seine Decke darüber spannt,
-friert die Stelle am spätesten zu und sie birgt gebrechliches Eis. Schon
-manches Opfer der Unvorsichtigkeit hat sie in ihre Tiefe gezogen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Im Komotauer Stadtarchive befindet sich eine Original-Urkunde, nach welcher
-der Komotauer Bürger Lazarus Drohmann im Jahre 1558 das Privilegium, auf
-Alaun und andere Mineralien bauen zu dürfen, erhielt.</p></div>
-
-<h3 id="sec370">370. Der gute Brunn zu Niederzwönitz.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 871&ndash;875.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1608 hat sich der gute Brunn auf dem Streitwalde
-bei Niederzwönitz offenbaret, weil er viel Leute gesund machte. Eine
-Bäuerin aus Kühnheide hat nämlich dieses Brunnens heilsame Kraft
-durch einen Traum offenbart bekommen, nachdem sie 14 Jahre lang
-einen bösen Schaden an einem Schenkel gehabt und viel daran ausstehen
-müssen. Sie hat, als sie nach ihres Traumes Anweisung den
-Brunnen nicht sogleich finden konnte, viel alte Leute gefragt, ob nicht
-bevor in dieser Gegend ein gewisser Heilbrunnen vorhanden gewesen
-oder noch anzutreffen sei. Da habe sie endlich einen hundertjährigen
-Mann angetroffen und sich bei demselben weiter erkundigt. Derselbe
-habe die Bäuerin getröstet und ihr angezeigt, daß er den Brunnen
-wüßte; das Wasser desselben habe schon viele gesund gemacht und es
-sei deshalb früher an demselben eine Kapelle zu Ehren der heiligen
-Anna aufgebaut gewesen. Darauf habe er das Weib an den Ort geführt,
-worauf es auch nach des Brunnens Gebrauch von ihrer Krankheit
-befreit worden sei.</p>
-
-<p>Im Jahre 1646 ist dieser Gesundbrunnen, der auch der Brunnen
-zu den drei Tannen genannt wurde, aufs neue in Aufnahme gekommen;
-jedoch soll derselbe jetzt 12 Lachter höher hinauf seinen Ausfluß
-gehabt haben. Einem Mägdlein zu Gablenz, so einen Kern im Auge
-gehabt, träumte, es solle sich zu dem Drei Tannen-Brunnen führen
-und daselbst sich waschen lassen, so würde es sehend werden. Und da
-es dem Vater solchen Traum erzählet und inständig angehalten, er
-möge es dahin führen, habe es den alten Brunnen, dahin sie gelanget,<span class="pagenum"><a id="Seite_332">[332]</a></span>
-nicht für den rechten Brunnen erkannt, sondern gesagt, es wäre gar
-ein kleines, frisches Brünnlein. Und da hierauf der Vater seitwärts
-abgegangen und den neuen Quell in einem morastigen Sumpfe gefunden,
-hätte er dem Kinde die Augen dreimal mit dem Wasser gewaschen und
-etwas davon mitgenommen, und da er mit dem Waschen aus diesem
-Wasser fortgefahren, in der That erfreulich empfunden, daß das
-Mädchen auf dem Auge wieder sehend wurde. Darauf ist denn ein
-großer Zulauf der Leute von nahen und fernen Orten entstanden, so
-daß an manchem Tage wohl vier-, fünf- und mehr hundert Personen
-auf dem Platze sich befunden hätten, welche das Wasser teils kalt getrunken,
-teils gewärmet oder Suppen daraus gemachet, teils sich damit
-gewaschen oder zum Bad gebraucht hätten. Es hat auch seine
-Kraft und Wirkung an vielen kranken Personen gezeigt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Sage, daß im Jahre 1646 der gute Brunnen aufs neue in Aufnahme
-gekommen sei, scheint sich auf eine zweite Quelle, welche man nach der Angabe
-Engelhardts (Erdbeschreibung von Kursachsen, 2. B., S. 219) in dem genannten
-Jahre fand und Krätzbrunnen nannte, zu beziehen. Die erste Quelle soll bereits
-1498 oder 1501 entdeckt worden sein und sich so heilsam gezeigt haben, daß man
-bei ihr die in der Sage erwähnte Kapelle zu Ehren der heiligen Anna erbaute.
-Dieselbe ging jedoch bald wieder ein; doch blieb der Name St. Annenbrunnen, aus
-welchem das Volk später »Tannenbrunnen« oder »Brunnen zu den drei Tannen«
-machte, weil drei Tannen in seiner Nähe standen. Rings um den Brunnen baute
-man Hütten und es wurden Predigten und Betstunden bei der Quelle gehalten.</p></div>
-
-<h3 id="sec371">371. Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 242.)</p>
-
-<p>In Grumbach wohnte ein feiner, ehrlicher Mann, Daniel Nestler,
-welcher große Beschwerung im Leibe hatte; diesem träumte im Jahre
-1646 von einem Gesundquell. Er ging darauf durch Wiesen auf einem
-gebahnten Wege an die Stelle, welche nahe am Walde und nicht
-weit von dem sogenannten Thumshirn-Brunnen lag. Als er von dem
-neuen Quell getrunken hatte, grimmete es ihm erstlich sehr im Leibe,
-doch wurde er darauf seine Beschwerung los. Weil dann aus Meißen
-und Böhmen ein großer Zulauf wurde und man das Wasser im warmen
-Bad gebrauchte, hielt man dabei Betstunden und vermahnte zugleich,
-das Wasser behutsam zu gebrauchen.</p>
-
-<p>Der oben genannte Thumshirn-Brunnen hat seinen Namen von
-einem Generale, welcher 1548 mit einigen Regimentern auf Befehl<span class="pagenum"><a id="Seite_333">[333]</a></span>
-des Kurfürsten Joh. Friedrich nach Böhmen zog und an dem Brunnen
-sich lagerte.</p>
-
-<h3 id="sec372">372. Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht bald verloren.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 243.)</p>
-
-<p>Das Geschrei vom Bernsbacher Heilbrunnen entstand im Jahre
-1684. Denn als die Kirchleute am 7. Sonntage nach Trinitatis nach
-Hause gingen, sahen sie ein Wasser, das mitten im Wege in ungewöhnlicher
-Weise emporquoll. Das ungebändige Volk lief zu und brauchte
-den Brunnen mehr zum Schaden als zum Nutzen. Denn bei manchen
-unreinen Leibern blieb er sitzen und machte große Ungelegenheit, etliche
-purgierte er heftig, etliche gar nicht. Einigen machte er die blöden
-Augen klar, anderen aber verdunkelte er dieselben. Es verschwand
-aber die heilsame Kraft samt dem Brunnen, nachdem dabei viel Unfug
-getrieben worden war.</p>
-
-<h3 id="sec373">373. Die Heilquelle bei Hartessenreuth.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 257.)</p>
-
-<p>In der Nähe des Dorfes Hartessenreuth ist ein Brunnen, dessen
-Wasser heilkräftig sein soll. Am Rande dieses Brunnens pflegt zur
-Adventszeit in der Nacht ein altes Weib zu sitzen, und wenn jemand
-in später Nacht vorbeigeht, so hockt sie sich ihm auf und läßt sich bis
-zum nächsten Kreuzwege schleppen. Dort springt sie herab und eilt
-lachend zum Brunnen zurück. Vor alten Zeiten soll hier ein Einsiedler
-seine Hütte erbaut haben. Jeden Morgen ging er zum Brunnen,
-wusch sich dort und verrichtete dann sein Gebet. Darin wurde er aber
-durch einen höllischen Lärm gestört und wenn er aufblickte, sah er, daß
-hinter dem Brunnen ein altes Weib hockte und ihn störte. Er suchte
-die Hexe zu bannen, aber sie rührte sich nicht von der Stelle. Da
-rief er im Zorne: »So verfluche ich Dich, ewig bei diesem Brunnen
-zu sitzen, aber das Wasser des Brunnens soll heilkräftig werden und
-Du sollst zusehen, wie die Menschen, die krank hierher kommen, fröhlich
-von dannen ziehen!« Seit dieser Zeit ist der Brunnen heilkräftig
-geworden, das alte Weib aber sitzt heute noch an seinem Rande.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_334">[334]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec374">374. Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 256.)</p>
-
-<p>In der Nähe von Mariakulm liegt auf einer Anhöhe das Dorf
-Hartessenreuth. Am Fuße dieser Anhöhe erstreckt sich eine breite Wiese
-und in derselben ist eine Quelle, deren Wasser fortwährend in sprudelnder
-Bewegung ist, wodurch ein deutlich hörbares Brausen entsteht,
-so daß man glaubt, das Wasser siede. Dort, wo jetzt die Quelle
-sprudelt, stand früher ein Gehöfte, das von einem Bauer mit seinem
-Weibe und seinen Knechten bewohnt ward. Der Mann und das Gesinde
-waren sehr gottesfürchtig, das Weib aber nicht. Sonn- und
-Feiertage wurden von ihr nicht geheiligt; sie hatte die Gewohnheit,
-während der Messe Garn zu sieden. Der Mann hielt ihr das oft
-vor, aber sie antwortete jedesmal mit Schimpfworten. Einst, als sie
-wieder des Sonntags anfing Garn zu sieden, wurde der Bauer zornig
-und sprach: »Dich soll das Donnerwetter bei lichtem Tage holen!«
-Darauf ging er mit seinen Knechten in die Kirche. Sie waren noch
-nicht lange dort, als sich ein furchtbares Gewitter erhob; es blitzte
-und donnerte schrecklich. Der Bauer dachte dabei an die Worte, die
-er gesprochen hatte und es wurde ihm bange. Die Bäuerin daheim
-aber kümmerte sich um das Unwetter gar nicht, sondern ging unbesorgt
-ihrer gewöhnlichen Beschäftigung nach. Da wurde es plötzlich finster
-wie die Nacht, ein Blitz entfuhr den Wolken und schlug in das Gehöfte.
-Kaum aber hatte er die Erde berührt, so öffnete sich diese und
-verschlang das ganze Gehöfte samt der Bäuerin. Die oben genannte
-Quelle soll nun der Hafen sein, worin sie das Wasser kochte und deshalb
-ist das Wasser darin fortwährend in siedender Bewegung.</p>
-
-<h3 id="sec375">375. Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Chronica der Bergstadt St. Annaberg. I. 1746. S. 5.)</p>
-
-<p>Es wird erzählt, auf dem Pöhlberge solle ein Wunderbrunnen
-sein, den aber nicht jedermann finden und sehen könne, der bald da
-wäre, bald aber wieder verschwinde, und säße eine Jungfer dabei.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p><em class="antiqua">Dr.</em> Ewald Dietrich führt in den romantischen Sagen des Erzgebirges I. Bd.
-No. 1 die obige Sage unter der Überschrift: »Die Jungfrau des Bielberges« noch
-weiter aus. Diese novellistische Bearbeitung trägt aber ganz unverkennbar das Gepräge
-des Selbsterfundenen und Gemachten, so daß <span id="corr334">Abstand</span> genommen wurde, sie
-hier, wenn auch nur in gekürzter Form, wieder zu geben, obschon dies Gräße in
-seinem Sagenschatze gethan hat. Siehe auch No. 46.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_335">[335]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec376">376. Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer
-Serpentins.</h3>
-
-<p class="source">(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz, 1750, S. 28; Lehmann,
-Schauplatz etc., S. 451.)</p>
-
-<p>Man war ehemals der Meinung, daß der Serpentin ein gutes
-Gegengift sei, da man in den Serpentinsteinbrüchen von Zöblitz niemals
-eine Otter, Kröte, einen Molch oder dergleichen giftiges Tier
-gesehen habe. Daher wurden aus dem Steine Pflaster und Pillen,
-sowie eine vortreffliche Tinktur gemacht; das Pflaster gebrauchte man
-gegen Kopfschmerzen, Reißen und Gicht, die Pillen gegen Schwachheit
-des Magens und die Tinktur gegen Gift und »alle anfälligen Krankheiten.«
-Ein alter Reim zählt auf, gegen welche Krankheiten sich der
-Stein als nützlich erwiesen habe:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Vor Leibes-Grimmen, Colica,<br /></span>
-<span class="i0">Vor Miltz, Gedarm oder Magen, da<br /></span>
-<span class="i0">Manches sich überspeiset hat,<br /></span>
-<span class="i0">Bringt seine Wärme guten Rath,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn er auf'n Bauch geleget wird.<br /></span>
-<span class="i0">Und wo der Blasen-Stein sich rührt,<br /></span>
-<span class="i0">Hilft seine Wärme trefflich wohl,<br /></span>
-<span class="i0">Den man was tiefer legen soll.<br /></span>
-<span class="i0">An Händ und Füß das Zipperlein<br /></span>
-<span class="i0">Der warme Stein auch lindert fein.<br /></span>
-<span class="i0">Denen Kindes-Gebährerinn<br /></span>
-<span class="i0">Nimmt seine Wärm die Wehen hin.<br /></span>
-<span class="i0">In Schwindsucht macht er Kranke ruhn,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn Lung und Leber wehe thun. etc.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec377">377. Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 248.)</p>
-
-<p>Auf dem Gottesacker zu Annaberg stehet eine große, schöne und
-mit Ästen stattlich ausgebreitete Linde, unter welcher der Rat und die
-Vornehmsten aus der Stadt auf Stühlen zu sitzen pflegen, wenn die
-Trinitatispredigt unter freiem Himmel jährlich zu Mittage gehalten
-wird.</p>
-
-<p>Man hat die Tradition, daß diese Linde bei folgender Gelegenheit
-umgekehrt hierher gesetzt worden sei. Ein Marstaller allhier auf
-St. Annaberg habe einen ruchlosen Sohn gehabt, welcher sonderlich<span class="pagenum"><a id="Seite_336">[336]</a></span>
-an keine Auferstehung habe glauben wollen, daher ein Priester sich
-alle Mühe gegeben, diesen bösen Menschen auf bessere Gedanken zu
-bringen. Derselbe sei mit dem ruchlosen jungen Burschen auf den
-Gottesacker gegangen und habe ihm daselbst vorgestellt, daß dieses das
-Feld des Herrn sei; wie der ausgestreute Same auf dem Felde aufginge
-und herfür wachse, so würden auch diese Begrabenen, so zu
-sagen, als ein Samen, wieder aus der Erde am jüngsten Tage herfür
-kommen. Darauf habe dieser junge Mensch eine noch kleine Linde
-auf dem Kirchhof erblicket, solche angesehen und zu dem Priester gesagt,
-so wenig als diese Linde, wenn man sie ausreißen und umgekehrt mit
-den Ästen in die Erde setzen wollte, ausschlagen würde, so wenig
-würden diejenigen, welche einmal tot wären, wiederum lebendig werden
-und auferstehn. Hierauf habe der Priester, in göttlichem Eifer entbrannt,
-geantwortet, er wüßte gewiß, Gott würde so gnädig sein, und um
-solche Ruchlosigkeit zu strafen, ein Zeichen seiner Allmacht sehen lassen,
-er wolle diese Linde umgekehrt lassen in die Erde setzen, und würde
-sie ausschlagen, so sollte er hiervon seinen bösen Unglauben kennen
-lernen, welches auch hernach also geschehen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die der Frigg geheiligte Linde war Liebesbaum, welcher nicht bloß von
-Liebenden besucht, sondern auch als äußeres Zeichen der Liebe, welche über das Grab
-hinaus dauert, auf den Friedhöfen angepflanzt wurde. Außerdem galt sie unsern
-Vorfahren als Dingbaum, unter welchem Beratungen gehalten und Recht gesprochen
-wurde. Die Mitglieder des Annaberger Rats setzten sich zum Zeichen ihrer Würde
-und Gewalt auch während der Predigt im Freien unter den Lindenbaum. &ndash; An
-unsere Sage erinnert die von der großen Linde auf dem Nikolai-Kirchhof in Görlitz,
-insofern auch dieser Baum, verkehrt eingepflanzt und so noch fortgrünend, einen
-Glaubenssatz als Wahrheit bestätigte. Als nämlich zu Ende des 16. Jahrhunderts
-der in den Verdacht des Calvinismus gekommene Pfarrer Martin Moller zu Görlitz
-sterben wollte, sagte er zu den Seinen: »Wenn ich werde gestorben sein, so pflanzt
-auf mein Grab eine junge Linde mit den Zweigen in die Erde. So gewiß diese
-Linde wachsen wird, so gewiß habe ich auch Gottes Wort rein und lauter gelehrt
-und gepredigt.« Dieser sein letzter Wille geschah und was er gesagt hatte, traf ein,
-so daß alles sich hoch verwunderte und viele gläubig wurden. (Haupt, Sagenbuch
-der Lausitz, II. No. 125. 2.)</p></div>
-
-<h3 id="sec378">378. Der dürre Lindenstab.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 52.)</p>
-
-<p>Einstmals zog aus einem Städtchen, im Innern Böhmens gelegen,
-ein armer braver Jüngling mit Namen Georg, da der Kaiser die
-Kriegstrommel rühren ließ, ins Feld, um als treuer Soldat für das
-bedrohte Vaterland zu kämpfen. Er nahm von seinem lieben Mütterlein<span class="pagenum"><a id="Seite_337">[337]</a></span>
-und von Maria, seiner Verlobten, herzlichen Abschied und gab
-letzterer das Versprechen, nach seiner Rückkehr sie als Gattin heimzuführen.
-Aber Jahr um Jahr verging, ohne daß seine Angehörigen
-eine Nachricht von ihm erhielten. Endlich ward der langwierige Krieg
-beendigt, und die siegesfreudigen Truppen kehrten in die Heimat zurück,
-wo ihnen allenthalben jung und alt einen festlichen Empfang bereitete.
-Auch Marie, die unter Hoffen und Harren sechs kummervolle Jahre
-verlebt hatte, eilte auf die Landstraße hinaus, um ihren Bräutigam
-zu empfangen, allein er kam nicht. Dies gab ihrer Mutter, welche
-die Hand ihrer Tochter schon längst dem reichen Nachbar Paul zugesagt
-hatte, eine willkommene Veranlassung, in sie zu dringen, Georg,
-der entweder im Kampfe gefallen sei oder sich unter liederlichem Gesindel
-herumtreibe, zu vergessen und in die glänzende Partie einzuwilligen.
-Jedoch Marie blieb standhaft und hielt fest an Georg. &ndash;
-Als aber Mutter und Verwandte sie mit wiederholten Bitten und mit
-ungestümen Drohungen bestürmten, gab sie dem Verlangen nach und
-erbat sich ein Jahr Aufschub; denn sie hoffte mit aller Zuversicht, daß
-innerhalb dieser Frist ihr Verlobter heimkehren werde. Doch auch das
-siebente Jahr verstrich ohne Georgs Rückkehr, und Marie wurde Pauls
-Gattin.</p>
-
-<p>An einem trüben Septembertage schritt ein junger, kräftiger
-Wandersmann auf der Landstraße daher. Es war Georg, der voll
-Sehnsucht seiner Heimat zueilte. Derselbe war nach abgeschlossenem
-Frieden in der Fremde geblieben, um durch rastlose Arbeit und Sparsamkeit
-sich einiges Vermögen zu erwerben. Nachdem ihm sein Plan
-geglückt war, wollte er nun seiner alten Mutter, die ihm unter Mühen
-und Sorgen so viel Gutes erwiesen, das Alter versüßen und mit Marie
-einen eigenen Hausstand gründen. Mit wonnigen Gefühlen erreichte
-er beim Dunkelwerden sein heißersehntes Ziel, die ärmliche Hütte
-seiner Mutter, und schaute durch die Fensterscheiben ins traute, stille
-Stübchen, wo sein greises, gebücktes Mütterchen beim Spinnrocken
-saß und spann. Er klopfte leise an die Hausthür, und beim Öffnen
-derselben fiel ihm seine Mutter mit thränenden Blicken um den Hals
-und drückte ihn an ihr Herz. Nach der Freude der ersten Umarmung
-erkundigte sich Georg nach seiner Braut. Da erzählte ihm die Mutter,
-wie Marie sieben Jahre vergebens auf ihn gewartet habe, und wie
-sie, ihn für tot haltend, Pauls Gattin geworden sei. Wie vom
-Schlage getroffen stand Georg da, dann faßte er Mut und sprach mit
-festem männlichen Ton: »Also für tot hielt mich Marie; wohlan denn,
-ich will es sein für sie und die Welt! Morgen in der Frühe verlasse
-ich diesen Ort für immer, um mich in die Einsamkeit zurückzuziehen.«<span class="pagenum"><a id="Seite_338">[338]</a></span>
-Hierauf ging er zu dem Lindenbaume, welcher vor dem Hause des
-Nachbars Paul stand, und schnitt sich einen Stab als treuen Gefährten
-auf seiner Pilgerreise, die er trotz der Mutter inständigem Flehen
-bei Anbruch des nächsten Tages antrat, um den Einsiedler Johannes
-Niavis (Schneevogel), welcher im Erzgebirge ein frommes Leben führte,
-aufzusuchen und mit ihm sich zu vereinigen. Georg beeilte sich, in
-großen Tagesmärschen seine Reise zu vollführen. Und wirklich kam
-er nach mehrtägiger, mühsamer Wanderung seinem Ziele so nahe, daß
-er bis zu der einsamen Wohnung des Eremiten, welche um St. Albrecht
-unter dem Wolfsberge bei Joachimsthal lag, wo der Schwarzgang
-hinabstreicht, nur noch eine Viertelstunde Weges zurückzulegen hatte.
-Da klang aus der Ferne das Ave-Maria-Glöcklein. Georg zog sein
-Hütlein, kniete nieder und betete. Doch horch; leises Wimmern, klägliches
-Stöhnen dringt an sein Ohr! Der Andächtige erhob sich und
-eilte nach der Stelle hin, woher die Stimme ertönte. Er fand im
-Gebüsche einen Israeliten liegen, der aus vielen Wunden blutete.
-Ihn hatten Räuber, als er von seinem Hausierhandel nach Lichtenstadt
-zurückkehren wollte, überfallen, mißhandelt und seiner Habseligkeiten
-beraubt. Von tiefem Mitleid ergriffen, holte Georg in seinem Hute
-aus der nahen Quelle Wasser, um den Todesblassen mit einem frischen
-Trunke zu stärken und dessen klaffende Wunden auszuwaschen; allein
-sein Liebesdienst war erfolglos, denn in wenigen Minuten hauchte der
-Israelit seine Seele aus.</p>
-
-<p>Während der Fremdling, ein wahrer Samariter, bei der Leiche
-kniete und mutterseelenallein das Sterbegebet verrichtete, näherten sich
-dem Thalorte eilige Schritte. Georg glaubte hülfreiche Unterstützung
-zu erlangen, um den Leichnam nach einem andern Orte schaffen zu
-können, und war deshalb sehr überrascht, als er von Schergen, die
-ihn des verübten Mordes beschuldigten, ergriffen und gebunden wurde.
-Dann führten sie den Unschuldigen nach der nahen Bezirksstadt Joachimsthal,
-wo sie ihn ins Gefängnis warfen.</p>
-
-<p>Georg beteuerte beim Verhöre seine Unschuld, allein seine Aussagen
-wurden als freche Lügen hingestellt. Eher hätte er von den
-Säulen, auf denen die Saaldecke ruhete, Gnade erflehen können, als
-von den hartherzigen Richtern, welche ihn der vollbrachten Mordthat
-schuldig erklärten und zum Tode durch Henkershand verurteilten.</p>
-
-<p>Des andern Tages ertönte das Sünderglöcklein. Eine unzählige
-Volksmenge hatte sich auf dem Marktplatze versammelt, denn alles
-wollte den Mörder, der zum Galgen geführt wurde, sehen. Als die
-Versammelten aber einen jungen Mann mit mildem Angesichte erblickten,
-der einmal gen Himmel, das andremal auf seinen Lindenstab<span class="pagenum"><a id="Seite_339">[339]</a></span>
-seine Blicke richtete, blieb kein Auge thränenleer. &ndash; Auf dem im
-Osten der Stadt gelegenen Galgenberge, dem damaligen Richtplatze,
-angekommen, sprach Georg mit lauter, weithin vernehmbarer Stimme:
-»Daß ich schuldlos sterbe, möge Gott der Barmherzige an meinem
-dürren Lindenstabe bezeugen!« Nach diesen Worten hob er ihn in die
-Höhe und stieß ihn mit aller Kraft in die Erde. Und siehe! kaum
-hatte der Henker sein Werk vollbracht, so sah man an dem Lindenstabe
-die ersten grünen Keime. Derselbe wurde nun ausgehoben und zum
-gottesfürchtigen Einsiedler Schneevogel getragen, der ihn neben seiner
-Kapelle in die lockere Erde einsetzte und mit Sorgfalt hegte und pflegte.
-Aus dem dürren Stabe aber wuchs im Laufe der Zeit ein mächtiger
-Lindenbaum, die Urmutter der stattlichen Linden heran, die noch heutzutage
-bei dem Kapuzinerkloster zu Mariasorg stehen.</p>
-
-<h3 id="sec379">379. Der Galgenbaum bei Blankenhain.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 51.)</p>
-
-<p>Auf dem Rittergute Blankenhain im Amte Zwickau diente einst
-ein ehrlicher und braver Hirtenjunge, namens Liebhold, dem aber die
-Knechte und Mägde gehässig waren, weil er, sobald er von denselben
-etwas sah, was wider den Willen seiner lieben Herrin, der Edelfrau,
-war, ihr solches immer sogleich anzeigte. Als daher einmal der gnädigen
-Frau ein goldnes Kettchen weggekommen war, ergriff das gottlose
-Gesinde die günstige Gelegenheit, den armen Jungen zu verderben; der
-gewissenloseste unter den Knechten ging hin zur Herrin und zeigte Liebholden
-als den Dieb an, den er über der That betroffen habe. Die
-Edelfrau übergab den Angeklagten den Gerichten, welche ihn nach vielfachem
-Verhöre, wie hoch er auch seine Unschuld beteuerte, auf den
-falschen Schwur seines Anklägers zum Strange verdammten. Nach
-wenigen Tagen wurde das Urteil vollzogen. Unter wimmerndem Geläut
-der Sünderglocke führte man den armen Liebhold hinaus vor das
-Dorf, wo ein großer Balken mit einem Arme oben als Galgen aufgerichtet
-war. Noch einmal, ehe er in den Tod ging, betete er zu
-Gott, daß er seine Unschuld rechtfertigen möge und dann, zu den Umstehenden
-gewendet, rief er: »Der mich angeklagt hat, der hat einen
-falschen Eid geschworen. Denn, so wahr ich unschuldig bin, so wahr
-wird dieser Balken, welcher mein Galgen sein soll, nach meinem Tode
-anfangen zu grünen und Zweige treiben, und Jahrhunderte hindurch
-als ein frischer Baum bewundert werden!« Darauf wendete er sich
-zum Henker und litt mit frommer Zuversicht auf das Jenseits den unverdienten<span class="pagenum"><a id="Seite_340">[340]</a></span>
-schmachvollen Tod. &ndash; Und als das nächste Frühjahr kam, da
-gab Gott die Unschuld Liebholds an den Tag. Der Balken des Galgens
-wurde grün und trieb Zweige, so wie es Liebhold vorhergesagt
-hatte. Die Edelfrau wurde darüber voll Unruhe und gebot, den
-meineidigen Knecht zu verhaften. Aber ehe die Häscher denselben erreichten,
-hatte er sich im Koberbache ertränkt. Es wurden später mehrere
-nahe am Rittergute stehende, hohe Erlen umgeschlagen, und auf einer
-derselben fand man ein Dohlennest und darinnen das gestohlene goldne
-Kettchen der Edelfrau. &ndash; Der Galgenbaum, jetzt ein starker und
-hoher Baum, ist heute noch bei Blankenhain zu sehen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Sagen von dürrem Holze, von Pfählen, Stecken und dergleichen, welche wieder
-grünen und dadurch die Unschuld eines unschuldig mit dem Tode Bestraften anzeigen,
-giebt es auch an andern Orten. So erzählt eine thüringische Sage, daß
-ein Bursche aus Lautersdorf, welcher, der Hexerei angeklagt, zum Richtplatze geführt
-wurde, beim Anblicke von Pfählen, die ein Bauer einschlug, um Bäume anzubinden,
-noch seine Unschuld mit den Worten beteuerte: »So wahr ich unschuldig bin, wird
-Gott ein Wunder thun und einen dieser dürren Pfähle ausschlagen und zum starken
-Baume heranwachsen lassen.« So geschah es. Als das Volk von der Richtstätte
-zurückkehrte, hatte einer der trocknen Pfähle grüne Blätter und braune Zweiglein bekommen.
-Er wuchs zu einer starken Buche empor. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz,
-3. H. No. 69.)</p></div>
-
-<h3 id="sec380">380. Die drei Linden bei Crimmitschau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von G. Fiedler.)</p>
-
-<p>In der Nähe des Sahnparkes bei Crimmitschau stehen drei große
-schattenreiche Linden. Es wird erzählt, daß einst ein Schäfer des
-Rittergutes Frankenhausen eines Diebstahls wegen zum Tode verurteilt
-wurde, trotzdem er bis zum letzten Augenblicke seine Unschuld beteuerte.
-Da bat er sich noch die Gnade aus, auf dem Richtplatze
-drei junge Linden verkehrt pflanzen zu dürfen. Würden die auf solche
-Weise gepflanzten Bäumchen fortkommen, so möge man dies als Zeichen
-seiner Unschuld ansehen, würden sie aber verdorren, so wäre er
-des Diebstahls schuldig. Der Schäfer wurde hingerichtet, aber die vor
-seinem Tode von ihm mit den Ästen in die Erde gepflanzten Bäume
-gediehen zum Zeugnisse, daß er unschuldig gewesen war.</p>
-
-<h3 id="sec381">381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Sax.</em> 1733, S. 77. Gräße, Sagenschatz etc. No. 466. Richter,
-Chron. von Chemnitz I. 1767, S. 100.)</p>
-
-<p>Als den 19. April des Jahres 1540 die Barfüßermönche aus<span class="pagenum"><a id="Seite_341">[341]</a></span>
-der Stadt Chemnitz vertrieben wurden, nahmen sie ihren Abzug über
-den Katzberg (Kassberg), Sauanger und Altchemnitz, nach Böhmen zu;
-dabei hat einer derselben, Bruder Barthel genannt, auf dem Sauanger
-bei der Nikolaigasse eine Valetpredigt gehalten und darin verschiedene
-Dinge prophezeit. So hat er ein unter seinen Zuhörern stehendes Weib
-also angeredet: »Du liebes Weib, Du trittst allhier und hörst mir zu,
-weißt aber nicht, daß Dir unterdessen Dein einziges Kind im Bade ertrunken
-ist?« welches sie auch also tot gefunden. Ingleichen hat er
-verkündigt, daß der gute Mühlsteinbruch bei Chemnitz gangbar werden
-und daß in den beiden Kirchen zu St. Johannes und Nikolaus auf
-dem Altare Heidelbeersträucher wachsen würden. Dies ist auch geschehen,
-denn es sind beide Kirchen im Jahre 1547 von den Feinden
-angegriffen worden, wie sie denn viel größer und schöner denn jetzt
-gebaut gewesen. Weiter hat er dieser Stadt angesagt, daß sie nach
-ihm eine schöne wohlgebaute Stadt, volkreich und mit vielem Glück
-und Gaben Gottes würde begabt werden, allein wegen ihres Übermuts
-und anderer Sünden werde sie von Gott mit Pestilenz, Kriegsnot,
-Feuerschaden und endlich mit einer großen Wasserflut gestraft und
-heimgesucht werden, was auch leider bald nachher eingetroffen ist. Von
-Neukirchen im Amte Chemnitz hat dieser Mönch gesagt, daß sein Erbherr
-ein großes Schloß daselbst bauen, aber keiner allhier sterben und
-begraben werden dürfe, welches auch bis 1709 also geschehen, als in
-welchem Jahre der ältere Baron von Taube auf dem genannten Schlosse
-gestorben und in Neukirchen begraben worden. Ferner hat er gesagt,
-es werde daselbst auch eine steinerne Brücke erbaut werden, darauf
-werde eine doppelt verlobte Braut, wenn sie zur Kirche fahren wolle,
-versinken, welches auch die Erfahrung wahr gemacht hat.</p>
-
-<h3 id="sec382">382. Prophezeiung des M. Schütze in Oederan.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 255.)</p>
-
-<p>Am 22. Januar 1763 legte sich der alte Pastor M. Schütze zu
-Oederan ins Grab. Wenige Stunden vor seinem Ende forderte er
-Feder, Tinte und Papier, da er nicht mehr sprechen konnte. Die Feder
-entfiel ihm ebenfalls. Da blickte er den anwesenden Diakonus Frey
-wehmütig an und schrieb mit dem Finger folgende Zeichen aufs Bett:
-»m &ndash; E &ndash; gef. &ndash;. 7 Jam &ndash; El &ndash; betet!«, das letzte Wort ganz
-deutlich, die ersten aber vermochte der Diakonus nur mit Mühe herauszubringen
-und auf ein Papier zu schreiben. Erst im Jahre 1770
-sollten die Buchstaben, welche man nicht verstanden, ihre Bedeutung
-finden; sie hießen: »Machet Euch gefaßt in 7 Jahren auf Jammer<span class="pagenum"><a id="Seite_342">[342]</a></span>
-und Elend! betet!« Und es folgten drei traurige Hungerjahre, hervorgerufen
-durch Mißwachs. Schon im zweiten Jahre konnte niemand
-mehr dem Andern eine Gabe reichen. Die Ernte faulte schon auf dem
-Felde. Die Körner wurden auf der Mühle zu Brei statt zu Mehl und
-hatten einen üblen Geruch. Viele starben buchstäblich vor Hunger, so
-daß vom Obergebirge, wo es am traurigsten aussah, viele hundert
-Kinder, welche keine Eltern mehr hatten, in die großen Orte verteilt
-werden mußten.</p>
-
-<h3 id="sec383">383. Eine Prophezeiung der Zigeuner.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 312.)</p>
-
-<p>In Graslitz sollen auf dem Marktplatze einmal Zigeuner Feuer
-angemacht und sich ihre Speisen gekocht haben. Als sie wegzogen, konnte
-niemand mehr eine Spur entdecken, wo das Feuer gebrannt hatte.
-Diese Zigeuner sollen denn auch der Stadt prophezeit haben, daß, wenn
-in Graslitz ein Brand entstünde, doch niemals mehr als zwei Häuser
-abbrennen würden. Diese Prophezeiung hat sich denn auch stets bestätigt.</p>
-
-<h3 id="sec384">384. Die Eiche bei Hartenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 557.)</p>
-
-<p>In dem beim Schlosse Hartenstein befindlichen Walde befand sich
-vor Jahren ein ungeheurer, prächtig belaubter Eichenbaum, von dem
-man erzählte, daß sein Bestehen auf geheimnisvolle Weise mit dem
-Schicksale des Schönburgischen Hauses verflochten sei. Man sagte,
-wenn der Baum umgehauen werde, würden drei Glieder des Schönburgischen
-Stammes sterben.</p>
-
-<h3 id="sec385">385. Eine Sylvestersage.</h3>
-
-<p class="source">(Illustrirtes Familien-Journal. V. No. 116.)</p>
-
-<p>Es war im vorigen Jahrhunderte an einem Sylvesterabende, da
-saß in der Stadt Schöneck ein alter, wackerer Schneider, zugleich Stadtrat
-und Gemeindeältester, mit seiner getreuen Ehehälfte im rauchgebräunten
-Stübchen und schneiderte noch für den Festtag. Im großen
-Kachelofen prasselte ein gemütliches Feuer, und in der Röhre sang
-der Kaffee gar lustige Liedlein. Auf einmal erhob sich die Hausmutter,
-kramte herum und suchte und suchte, und machte ein gar verdrießlich
-Gesicht, vergeblich, sie fand nicht das Kameelgarn zu den Knopflöchern.<span class="pagenum"><a id="Seite_343">[343]</a></span>
-Die Niederlage war aber oben auf dem Boden; deshalb mußte der
-Vater hinauf. Oben stand er in der schönen Winternacht an der Dachluke,
-und es wurde ihm so wunderlich im Herzen und er mußte sein
-Käppchen abnehmen und ein stilles Vaterunser beten. Wenn man aber
-zur Neujahrsnacht unter einem Balken steht, dessen eines Ende nach
-Morgen gerichtet ist, und ein Vaterunser betet, und nicht aus der
-Linie des Balkens heraustritt, so kann man »horchen«, d. h. einen
-Blick in die Zukunft thun, die in einzelnen Bildern vorüberzieht. Tritt
-man aber aus dem Kreise heraus, oder man erzählt jemandem, was
-man gesehen hat, so solls einem den Hals umdrehen. Der Alte hatte
-gar nicht daran gedacht, &ndash; aber auf einmal, da fängts an zu läuten,
-als ob eine Leiche wäre, und den Mühlberg herauf kommt ein langer,
-langer Leichenzug, immer näher und näher, bis er endlich vor des
-alten Schneiders Haus anhält. Es dauert auch nicht lange, so kommt
-die Schule und die Geistlichkeit, mit dem Kreuze voran, stellen sich
-neben der Bahre auf, singen zwei Lieder und eine Arie, und dann
-setzte sich der Zug in Bewegung nach dem Kirchhofe zu. Der Alte
-kann die Leichenbegleiter alle erkennen, Vettern, Nachbarn, Gevattern,
-ja sogar sich selbst und seine Ehehälfte darunter, sich selbst dicht hinter
-dem Sarge und mit weinenden Augen. Da ward's ihm doch ein
-wenig bange und er wäre gern fortgegangen; aber es fiel ihm noch
-zu guter Zeit das Halsumdrehen ein. Wie er nun so recht trübselig
-da stand und träumerisch hinausblickte, sah er aus einem Hause ein
-Flämmchen herausfahren, dann aus einem andern, dann wieder eins
-und wieder eins, und zuletzt kam fast aus jedem Hause ein Flämmchen
-gefahren, und das, wußte er wohl, bedeutet Feuer. Da konnte er
-sich denn doch nicht mehr halten, sprang aus dem Kreise, und &ndash; es
-schlug Eins! Als er indessen wieder herunterkam, war seine alte Ehehälfte
-eingeschlafen; er weckte sie auch nicht erst auf, sondern ließ die
-Arbeit sein und legte sich nieder, konnte aber nicht schlafen, war früh
-verstimmt, ging auch nicht in die Metten, sondern saß still und traurig
-daheim. Als er nach einigen Tagen den Wächter traf, that dieser
-sehr geheimnisvoll und beklommen und meinte: »Meister, Meister! 's
-wird ä schlecht Jahr für Euch und für uns all'! Der liebe Gott behüt'
-uns und die Stadt! mehr darf ich nit sagen: aber wachet und betet,
-daß ihr nicht in Anfechtung fallet!« Der hatte auch gehorcht, und so
-noch andere. &ndash; Es dauerte auch nur wenig Wochen, da starb des
-alten Schneiders Bruder, der Müller drunten in der Bockmühle. Es
-wurde zur Leiche gelauten, den Mühlberg herauf kam ein langer Zug,
-der vor des Alten Haus anhielt. Es kam die Schule und die Geistlichkeit
-voran, die stellten sich auf, sangen dieselben zwei Lieder und<span class="pagenum"><a id="Seite_344">[344]</a></span>
-dieselbe Arie, dieselben Leute gingen hinter dem Sarge her, der Alte
-mit entblößtem Haupte und weinenden Auges. Der alte Wächter aber
-stand am Kirchhofthore, sah den Alten verständnis- und geheimnisvoll
-an, und weinte so heftig, daß die Leute gar nicht begreifen konnten,
-wie ihm der Tod des Bockmüllers so zu Herzen gehen könne. Der
-hatte aber seinen guten Grund, traurig zu sein, denn er wußte, was
-geschehen würde. Es geschah auch. In demselben Jahre noch ist fast
-die ganze Stadt abgebrannt und des Alten Haus dazu. Es war nur
-gut, daß es gerade Eins schlug, als er aus dem Kreise sprang; sonst
-wäre es wohl noch schlimmer für ihn geworden.</p>
-
-<h3 id="sec386">386. Der Scharfrichter und sein Schwert.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 37.)</p>
-
-<p>Zur Zeit, da in Joachimsthal das Hochgericht bestand, bewohnte
-der Scharfrichter, mit dem niemand verkehren wollte, ein einsames
-Häuschen im untersten Stadtteil. Häufig besuchte eine Frau des Henkers
-Familie. So oft sie mit ihrem Kinde in die Stube trat, hörte das
-Weib des Scharfrichters die in dem Waffenschranke hängenden Schwerter
-dumpf aneinander schlagen. Auf diesen merkwürdigen Vorfall machte
-das Weib endlich ihren Mann aufmerksam, der darüber nicht die geringste
-Verwunderung aussprach. Als der Scharfrichter eines Tages
-bemerkte, daß die Frau mit dem Kinde sich seiner Wohnung näherte,
-öffnete er den Schrank, worin sich die Schwerter und die übrigen Hinrichtungswerkzeuge
-befanden. Kaum hatten die erwarteten Ankömmlinge
-des Gemaches Schwelle überschritten, so bewegte sich sofort das größte
-Schwert im Schranke, berührte die daneben hängenden Schwerter und
-verursachte ein unheimliches Geklirre. »Arme Frau,« sprach bewegt
-der Scharfrichter, »meine Freundespflicht befiehlt mir, Euch eine höchst
-traurige Mitteilung zu machen. Ihr werdet an Eurem Kinde viel
-Kummer und Schmerz erleben, denn es wird durch Henkershand sein
-Leben enden. Seht, wie sich dort das Schwert bewegt, dessen Klänge
-Ihr hört! Dies alles zeigt mir an, daß Euer Kind einst hingerichtet
-werden wird durch mein Schwert.« »Um Gotteswillen! ich beschwöre
-Euch,« rief laut schluchzend, händeringend und schreckensbleich die
-Mutter, »sucht das gräßliche Los von meinem Kinde abzuwenden!«
-»Soll Euer Kind dem schmählichen Tode entgehen«, entgegnete der
-Henker, »dann muß ich dessen Körper mit dem Schwerte ein wenig
-ritzen, auf daß dieses sich mit dem Blute des bestimmten Opfers färbe.«
-Sprach's nahm das Schwert und brachte mit demselben dem Kinde<span class="pagenum"><a id="Seite_345">[345]</a></span>
-eine leichte Wunde bei. &ndash; Die dankbare Frau setzte mit dem Kinde
-ihre Besuche bei der Scharfrichtersfamilie fort, doch das Schwert blieb
-fortan ruhig im Waffenschranke hängen.</p>
-
-<h3 id="sec387">387. Der Traum auf Augustusburg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anh. No. 20.)</p>
-
-<p>Kurfürst August I., der Erbauer der Augustusburg, hatte auf
-derselben ein Schlafgemach, darin zwei Betten standen, das eine für ihn
-selbst, das andere für seinen Kanzler, einen Edlen von Pflug. Neben
-dem Bette des Kurfürsten aber stand ein Tisch, auf welchem stets eine
-aufgeschlagene Bibel lag, weil der fromme Kurfürst jedesmal vor dem
-Schlafengehen ein Kapitel aus derselben zu lesen gewohnt war.</p>
-
-<p>Einst schlief er ruhig in seinem Bette, da hatte er folgenden
-Traum: Ein Mönch und eine Nonne traten in das Gemach und schritten
-zu dem Tische, auf dem die Bibel lag und das brennende Nachtlicht
-stand. Der Mönch nahm die Bibel auf und las darin, legte sie
-aber bald wieder verdrießlich weg und wollte das Licht ausblasen.
-Als ihm aber das trotz aller Anstrengung nicht gelingen wollte, ward
-er darüber voll Ärger und eilte der Thüre zu. Hierauf versuchte auch
-die Nonne das Licht auszublasen, und blies es auch aus, jedoch nicht
-ganz. Denn kaum, daß sie mit dem Mönche zur Thür hinausgeeilt
-war, da entzündete sich die Kerze, an deren Dochte noch einige Fünkchen
-glommen, plötzlich wieder und brannte mit schöner, heller Flamme.</p>
-
-<p>Dieser Traum schien auf den Kurfürsten einen tiefen Eindruck
-gemacht zu haben, denn als er früh in der fünften Stunde erwachte,
-war das erste Wort, das er nach dem Morgengruße an den Kanzler
-richtete: »Ich habe einen seltsamen Traum gehabt in dieser Nacht!«
-Da nun der Kanzler antwortete, daß auch er, obgleich er bis nach
-Mitternacht wach geblieben, gar seltsame Dinge gesehen habe, so that
-der Kurfürst den Vorschlag, daß sie beide ihr Gesicht alsbald aufzeichnen
-wollten; dies geschah denn auch, und als sie fertig, teilten sie
-das Geschriebene einander mit. Wunderbar genug hatte der Kanzler
-ganz dasselbe mit wachen Augen gesehen, was dem Kurfürsten im
-Traume vorgekommen war, und noch wunderbarer war es, daß das
-von ihnen Aufgezeichnete in jedem Wort und Buchstaben vollkommen
-übereinstimmte. Der Kanzler wußte nicht, was er davon denken sollte;
-der Kurfürst aber sprach: »Es wird dermaleinst nach meinem Tode
-auch ein Augustus in diesem Lande regieren, der wird die evangelische
-Lehre unterdrücken wollen, aber nicht können, denn Gottes Wort und
-Luthers Lehr' vergehen nun und nimmermehr!«</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_346">[346]</a></span></p>
-
-<p>Nach andern Nachrichten soll der Kurfürst eine harte Verwünschung
-desjenigen unter seinen Nachkommen, der die Lutherlehre anfeinden
-würde, in der Bibel aufgezeichnet haben.</p>
-
-<p>Ob der Mönch und die Nonne jemals wieder in Augustusburg
-erschienen sind, davon hat niemand etwas erfahren. Die obige Geschichte
-aber erzählen viele Chroniken.</p>
-
-<h3 id="sec388">388. Die Kurfürstin Margarethe wird durch einen Traum vor
-den Prinzenräubern gewarnt.</h3>
-
-<p class="source">(Johann Vulpius, <em class="antiqua">Plagium Kauffungense</em>, d. i. die Chur-Fürstl.
-Sächß. Printzen Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg.
-Anhang zu Daniel Wilh. Triller, Der sächs. Prinzenraub, 1743. S. 199.)</p>
-
-<p>Die Nacht zuvor, ehe der Kurfürst Friedrich der Sanftmütige in
-der Woche nach Mariä Heimsuchung 1455 von Altenburg aus eine
-Reise nach Leipzig unternahm, während welcher die beiden Prinzen
-Ernst und Albrecht durch Kunz von Kauffungen entführt wurden,
-hatte die Kurfürstin geträumet, es wäre ein grausames wildes Schwein
-gekommen, welches in einem angenehmen Garten eingebrochen sei.
-Dasselbe habe sich unterstanden, neben den Reben und Gewächsen
-fürnehmlich die junge, schön aufwachsende Raute zu verderben und
-niemand habe ihm Widerstand gethan, bis endlich noch ein Bär
-(dessen Bild des errettenden Köhlers Schmidt Nachkommen auch
-später ins Wappen erhielten) herzugelaufen, welcher des wilden
-Schweines Wüten mit seiner Tatze gesteuert habe. Deshalb hat auch
-die Kurfürstin ihren Gemahl gebeten, die Reise aufzuschieben. Der
-Kurfürst aber hat darauf geantwortet, Träume wären Schäume; wer
-auf Träume achte, greife nach dem Schatten.</p>
-
-<h3 id="sec389">389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung von den Schweden.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Schauplatz etc. S. 793.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1642 lebte in Elterlein eine sehr andächtige Jungfrau
-von 24 Jahren, Margarethe, Christoph Landrocks Tochter, welche
-sich vor den schwedischen Einfällen sehr fürchtete und daher herzlich für
-sich und die belagerte Stadt Freiberg betete. Am Neujahr 1643
-stand sie vom Schlaf auf, war ganz freudig und sprach: O, nun bekommen
-die Schweden die Stadt Freiberg nicht; heute sahe ich im
-Traume, daß zwar der Torstensohn die Stadt an einer Kette hatte,
-aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten,<span class="pagenum"><a id="Seite_347">[347]</a></span>
-der hieb die Kette mit einem Streich entzwei, daß der Torstensohn
-mit der halben Kette zurückfiel, darüber seine Soldaten erschraken und
-ausrissen. Nach 7 Wochen ging der Traum aus und der Feind
-mußte abziehen.</p>
-
-<h3 id="sec390">390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Sax.</em> 1762. S. 242. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 228.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1760 ist ein Knabe aus Bräunsdorf nach Neumark
-bei Freiberg zu einem Schuhmacher in die Lehre gethan worden.
-Dieser Lehrjunge wird von dem Sohne des gedachten Schusters, der
-seinem Vater im Handwerk hilft, mit einem Schuhleisten totgeschlagen,
-und sie schaffen denselben in aller Stille bei Seite und geben vor,
-er sei davongelaufen, was auch geglaubt wird. Aber des Knaben
-Großmutter, die ebenfalls in Bräunsdorf wohnte und den Knaben in
-seiner Lehrzeit öfter als seine Eltern besuchte und ihm auch oft etwas
-mitgebracht hatte, erblickte nach einigen Tagen mehrere Nächte hintereinander
-den Geist ihres erschlagenen Enkels, der ihr erzählte, er sei
-nicht davongelaufen, sondern vielmehr mit einem Schuhleisten erschlagen
-und in der Scheune begraben worden. Diese Begebenheit ist dem
-Amtmann zu Freiberg gemeldet und in Folge davon im Januar des
-Jahres 1762 Vater, Mutter und Sohn eingezogen worden, bei deren
-Vernehmung sich alles, wie oben erzählt, bestätigt hat.</p>
-
-<h3 id="sec391">391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 781. 782.)</p>
-
-<p>Den 5. Januar 1630 starb Nikolaus Walde, Pfarrer zu
-Schwarzenberg; dem verdorrete das Jahr zuvor sein Birnbaum. Da
-er's sahe, sagte er: »Ich habe lange genug vom Sterben gepredigt,
-jetzt wird der Birnbaum mein Prediger. Mein Baum verdorret und
-ich werde auch bald sterben!« Am Neujahrstage steigt er auf die
-Kanzel und da er anfangen will zu singen: Helft mir Gottes Güte
-preisen u. s. w., überfällt ihn ein Schlagfluß, daß er nach Hause geführt
-werden und sich auf sein Todesbett legen mußte. &ndash; Heinrich
-Ryhel, Pfarrer in Wiesenthal, hatte einen Zeilanderstrauch in seinen
-Pfarrhof gepflanzt, der trefflich grünte und im Frühjahr, da genannter
-Pfarrer starb, schon im April ausgeschlagen war. Sobald der
-Pfarrer krank wurde, fing der Strauch an sichtlich zu verdorren;
-darauf starb der Pfarrer.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_348">[348]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec392">392. Nächtliches Fallen zeigt einen Todesfall an.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 930.)</p>
-
-<p>Das Fallen nennt der gemeine Mann das Leichenbret, und
-glauben manche, es müsse notwendig darauf ein Todesfall erfolgen,
-auch könne solcher Fall vom Menschen ab und auf ein Vieh gewendet
-werden, wenn man sage: Falle auf meine Henne, Ziege u. s. w. Im
-Jahre 1627, ehe der Pfarrer in Markersbach im September zum
-Tode krank wurde, lag er abends samt seiner Ehefrau schon in der
-Ruhe. Die Magd war noch auf, und da sie etwas oben im Hause
-stark fallen hörte, lief sie hinauf, in der Meinung, der Herr habe
-ihr gepocht, und fragte, was sie solle? Sie wurde abgewiesen als
-eine Träumende, sie sollte zu Bette gehen. Am neunten Tage darauf
-war der Pfarrer tot.</p>
-
-<p>Anno 1653 lebte in Scheibenberg eine Pfarrerswittwe von
-Thum. Als dieselbe einst ihren Sohn, welcher verreisete, ein Stück
-begleitet hatte und wieder auf dem Heimwege war, thats in ihrem
-Hause einen ungemeinen Fall, und zwar zu derselben Stunde, da sie
-auf dem Rückwege von einem Fieberfrost überfallen wurde, daran sie
-auch nach zehn Tagen starb.</p>
-
-<h3 id="sec393">393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 785.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1664 brannte von der Stadt Annaberg über die
-Hälfte ab; dabei verbrannte auch jämmerlich der Stadtrichter Martin
-Meyer nebst seiner Frau. Des Tags zuvor geht er vor dem Gottesacker
-vorüber, da ruft ihn eine Stimme, die als seiner verstorbenen
-Schnur Stimme gelautet, etliche mal: Herr Vater! Des Nachts geht
-das erschreckliche Feuer gegenüber seiner Wohnung auf.</p>
-
-<p>Im Jahre 1686 wurde <em class="antiqua">M.</em> Benjamin Heyde, Oberpfarrer in
-Schneeberg, frühe, da er predigen sollte, in seinem Bette tot gefunden.
-Abends zuvor rief dreimal eine Stimme, welche seines ersten Weibes
-Stimme gleich: Herr! Herr! Herr! und darauf erfolgte sein Tod.</p>
-
-<h3 id="sec394">394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1666 wohnte ein Kopist in Schneeberg, ein junger,
-starker Mann, der beim Trinken hurtig von der Faust war. Seinem
-Weib, Marie Böhmin, sprang der Ring vom Finger entzwei und fiel<span class="pagenum"><a id="Seite_349">[349]</a></span>
-auf die Erde. Sie erschrak darüber und sagte: Was soll mir das
-sein? Da der Mann des Abends zu Bier gehen will, hat sie große
-Angst und erzählt, was ihr begegnet, er solle zu Haus bleiben, aber
-er schlugs in ein Gelächter. Sie begleitet ihn bis zur Hausthür und
-vermahnt ihn, er soll sich ja in acht nehmen. Abends bringen sie
-ihn totkrank nach Haus, und der Schlag rühret ihn eben dieselbige
-Nacht, daß er starb.</p>
-
-<h3 id="sec395">395. Klingen und Singen verkündet einen Sterbefall.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. G. Wilisch, Kirchen-Histor. von Freiberg etc. II., S. 401.
-Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 195.)</p>
-
-<p>Am Abende des 4. August 1629, welcher dem Tode der Gemahlin
-des Moritz v. Hartitzsch auf Krummenhennersdorf voranging, hörte
-letzterer mit dem Pfarrer Benedictus Scheuchler und dem Arzte (?)
-Däntzki, da sie miteinander in Kümmernis am Fenster des Schloßerkers
-standen, draußen gar nahe ein klares helles Glöcklein klingen, gleich
-oben über den Bäumen, anders nicht, als ob man wollte anfangen
-zu Grabe zu läuten. Bald darauf hörten sie gar einen lieblichen Laut,
-als wenn kleine Kindlein singen. Am Morgen wies sich aus, was
-hierdurch angedeutet worden, daß nämlich die kranke Frau seligen
-Feierabend machen wollte und ihr Körper zur Ruhe gebracht werden sollte.</p>
-
-<h3 id="sec396">396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.</h3>
-
-<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)</p>
-
-<p>In Nossen lebte einmal ein gottesfürchtiger Tischlermeister, bei
-dem es manchmal des Abends, wenn die Familie still beschäftigt war,
-in den Brettern oder Hobelspähnen rumorte. Dann wußte der
-Meister, daß am nächsten Tage ein Sarg bestellt werden würde.</p>
-
-<p>In ähnlicher Weise pflegten sich beim dortigen Totengräber des
-Abends zuweilen die Werkzeuge zu rühren, und dann wurde Tags
-darauf ein neues Grab verlangt.</p>
-
-<h3 id="sec397">397. Der geplagte Polizeidiener.</h3>
-
-<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)</p>
-
-<p>Bis gegen Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts befand
-sich die Stadtwache zu Nossen in einem am Obermarkte gelegenen,
-der brauberechtigten Bürgerschaft gehörigen, jetzt aber abgebrochenen<span class="pagenum"><a id="Seite_350">[350]</a></span>
-Brau- und Malzhause, vor dessen Ostseite zwei schöne Linden standen.
-Dort wohnte einmal ein Polizeidiener, ein altgedienter Soldat. Wenn
-nun in der Stadt ein schwer Kranker nicht »ersterben« konnte, erschien
-sein Geist des Nachts dem Polizeidiener und nötigte ihn zum Aufstehen
-aus dem Bette. Der mußte sich nun vollständig in Uniform kleiden
-und mit umgehängtem Säbel den Geist bis an die Hausthüre begleiten,
-worauf dieser verschwand. Der Polizeidiener pflegte manchmal zu sagen:
-Diese Nacht ist der oder die bei mir gewesen, und darauf hörte man
-bald auch von ihrem Ableben.</p>
-
-<p>Still und mürrisch, wie er war, mußte er sich oft vom Bürgermeister
-ausschelten lassen. Das hörte er in Positur ernsthaft an und
-sprach dann, als wenn er schwerhörig sei: »Schön, Herr Bürgermeister,
-ich werd's ihm sofort sagen.« Da mußte der Bürgermeister immer
-lachen und das gute Einvernehmen war wieder hergestellt.</p>
-
-<h3 id="sec398">398. Vögel sind Unglücksverkündiger.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 834.)</p>
-
-<p>Als im Jahre 1639 ein großes Sterben war, hatten die Raben
-bei Tage ein greulich Geschrei, bissen sich auch des Nachts bei Mondenschein
-heftig auf den Kirchen und Häusern herum, und es war furchtsam
-anzuhören, wenn die Eulen in den Gärten so jauchzten. Man
-merkte auch um selbige Zeit, daß ein Haufen Elstern mit Schreien
-und Schnattern alle Gassen voll gemacht und gleichsam die Post gebracht
-hatten, wenn räuberische Parteien kamen. Ehe einem Hausvater sein
-Weib und Kind in den Wochen starb, zogen die unter dem Dache
-nistenden Schwalben samt ihren Jungen weg. Desgleichen ist in Schneeberg
-geschehen, daß die Störche, welche lange Zeit auf eines Bürgers
-Hause genistet, im Jahre 1688, ehe der Bürger gestorben, davon gezogen
-und ausgeblieben sind. Im Jahre 1664 kamen des Nachts,
-ehe in Annaberg 400 Häuser in Asche gelegt wurden, etliche Eulen,
-setzten sich auf des Bürgermeisters Haus am Markte und schrien gräßlich.</p>
-
-<h3 id="sec399">399. Anzeichen von Feuersbrünsten.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 780.)</p>
-
-<p>Man hat in unterschiedlichen Bergstädten wahrgenommen, daß
-wenn Gott mit einer Feuersbrunst strafen wollte, sich zuvor allerhand
-bedenkliche Vorboten gezeigt haben. Man hat in der Ratsstube des
-Nachts ein Licht brennen sehen, oder es ist ein Wasserkübel auf dem<span class="pagenum"><a id="Seite_351">[351]</a></span>
-Rathausboden herunter gefallen, oder es hat auf dem Markt mit den
-Wasserkübeln gerasselt und sich in den Bottichen gebadet, oder es sind
-auch eiserne Reifen an den Röhrenbottichen geborsten und abgesprungen,
-oder es haben sich ungewöhnliche Feuervögel sehen lassen, oder es
-sind die Kinder unversehens vorbeigelaufen und haben Feuer gerufen,
-oder man hat eine unbekannte Stimme des Nachts zuvor gehört:
-Lösche, dein Haus brennet!</p>
-
-<h3 id="sec400">400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 430.)</p>
-
-<p>Die sonderlich bei Nachtzeiten lichterloh brennende Bergwitterung,
-welche in Gestalt eines ausgestreuten Pulvers plötzlich lodert und verlöscht,
-und die Ausgänge, Luftlöcher und Klüfte der Metalladern zeigt,
-ist in dem Erzgebirge gar gemein, und hat man an den Orten, da
-hernach Bergstädte erbaut worden, zuvor viel und starke Bergwitterung
-gespüret. Dies ist geschehen im Jahre 1491, da um den Pöhlberg
-die Bergwitterungsflammen lichterloh ausgelauscht und die Bergleute
-veranlaßt, daß sie hernach die Erzgänge mit der Rute erforschten und
-entblößten. Dergleichen hat sich auch um Scheibenberg begeben, da
-vorzeiten rauher Wald und Morast gewesen, daß sich des Nachts viel
-Witterungen von ferne sehen lassen, so daß die Nachbarn vermuteten,
-es müsse daselbst reiches Erz liegen. Daher hat auch Caspar Klinger
-von Elterlein im Jahre 1515 zuerst daselbst eingeschlagen und die
-erste Fundgrube gemutet.</p>
-
-<h3 id="sec401">401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1154.)</p>
-
-<p>Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man
-überall im Gebirg ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen,
-als wenn unterschiedene Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären,
-desgleichen hat man gehöret, als wenn Musketen losgingen und zur
-Begrüßung geschossen würde. Dies haben unzählige Personen mit
-Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung
-in erfolgten feindlichen Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.</p>
-
-<h3 id="sec402">402. Ein Sturm als Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 391.)</p>
-
-<p>Ein Anzeichen war es, als am 15. Febr. 1625 des Nachts das
-mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in<span class="pagenum"><a id="Seite_352">[352]</a></span>
-Joachimsthal von einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen
-und geöffnet wurde, denn es wurde so getrennt, daß das Hinterteil
-des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und eiserner
-Feder geborsten und das Vorlegschloß samt dem Kloben, der das
-Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel geschränkt,
-eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen gelegen. Und
-dieser ungemeine Sturm hat den damaligen böhmischen Bauernkrieg
-nach sich gezogen.</p>
-
-<h3 id="sec403">403. Ungestümes Wetter im Gebirge zeigt Krieg an.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, a. a. O., S. 420.)</p>
-
-<p>Man hat beobachtet, wenn Schlachten zur See oder Land vorgegangen,
-daß solche mit einer ungemeinen Witterungsungünstigkeit im
-Gebirge gleichsam angedeutet worden sind.</p>
-
-<h3 id="sec404">404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 207.)</p>
-
-<p>Sonst hat man an dem Schwarz- und anderem Wasser gemerkt,
-daß sie bei bevorstehendem Unglück, Feuer- oder Wasserschaden, greulich
-geheulet. Im Jahr 1630, den Tag zuvor, ehe die Stadt Annaberg
-abgebrannt, hat der Elterleiner große Teich am Geyerschen
-Wege entsetzlich geheulet, so daß des Zainschmieds Junge, der mehr
-Wasser aufschlagen sollte, vor Schrecken davon gelaufen. Im Jahre
-1645 den 10. Juni, am zweiten Pfingstfeiertage, heulte frühe in
-Elterlein ein Teich jämmerlich, so daß eine Jungfrau, welche über
-den Teichdamm ging, aus Furcht eilends fortlief. Darauf ist ein
-Schulknabe, des alten Richters Matthes Rüdels Sohn, im Teiche
-ertrunken.</p>
-
-<h3 id="sec405">405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.</h3>
-
-<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.
-Leipzig, 1723, S. 28. Lehmann, Hist. Schauplatz. S. 402.)</p>
-
-<p>Ein Köhler war kurz vor Erbauung von Johanngeorgenstadt
-auf dem gegenüberliegenden böhmischen Berge eingeschlummert. Hierauf
-aber hat er ein so starkes Geläute auf dem Fastenberge, worauf
-jetzt die Stadt steht, vernommen, wie sonst nur in einer Stadt gebräuchlich<span class="pagenum"><a id="Seite_353">[353]</a></span>
-ist. Darüber ist er nicht nur aufgewacht, sondern er hat
-sich auch wachend nicht zu fassen gewußt.</p>
-
-<p>Der letzte evangelische Lehrer zu Platten, mit Namen Johann
-Jahn, hat einstmals einen Traum gehabt, als wären vom Joachimsthaler
-Wege Wagen gerasselt gekommen, deren Deichseln alle auf den
-Markt zugegangen; hernach wäre ein großes Wasser und rauschende
-Flut gekommen und hätte alles in den Grund hinabgeschwemmt.</p>
-
-<p>Am Fest Mariä Heimsuchung, als am 2. Juli des Jahres 1648,
-sahe man zu Breitenbrunn frühe unter der Predigt gegen den Fastenberg
-zu, auf welchem sieben Jahre später die Stadt gegründet wurde,
-in der Wolke eine Stadt aufgehen, und vor der Stadt einen Gottesacker
-liegen, darauf zwei Totenbahren standen, und in der Mitte ein
-grüner Baum.</p>
-
-<h3 id="sec406">406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 1064.)</p>
-
-<p>In Neustädtel trug sichs bei angehender Reformation zu, daß
-eines Morgens unterschiedliche Berg- und andere Leute zusammen
-kamen und auch von der Reformation redeten. Wie sie nun teils ungereimte
-Sachen vorbrachten und unter anderem auch auf die Lehre
-vom Abendmahl fielen, geschahe es, daß der eine Teil das Abendmahl
-in beiderlei, der andere aber in einer Gestalt verteidigte. Indem
-nun ein Bergschmied, welcher an dem Fenster saß, dergestalt für
-eine Gestalt stritt und dabei sagte, daß, wenn dieses der rechte Glaube
-sei, daß ein Laie das Sakrament in beiderlei Gestalt empfangen sollte,
-er in seiner Hand vor dem Fenster einen Vogel fangen wollte: siehe,
-so trug es sich, indem er im Reden mit der Hand zum Fenster hinausgriff,
-in einem Nu zu, daß sich zwei Sperlinge mit einander bissen
-und vor das Fenster fielen, solche aber von ihm beide ergriffen und
-in die Stube gebracht wurden, weswegen sich darauf alle Anwesende,
-als vor einem Zeichen, entsetzten.</p>
-
-<h3 id="sec407">407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 922.)</p>
-
-<p>Als im Jahre 1478 in dem Mühlberge zu Schneeberg reiche
-Erze angetroffen wurden, da fuhr Römer, vermutlich jener Sebastian,
-welcher vorher Romner geheißen, mit seinem Haufen zu und wollten
-alles allein haben. Sie nannten die Zeche Münzer- oder Römerzeche
-und es galt ein Kux darauf 1200 bis 1400 Gulden. Da aber die<span class="pagenum"><a id="Seite_354">[354]</a></span>
-unrechten Besitzer, darunter außer Römer noch Fürsten, Grafen und
-Herren waren, den armen Bergmann mit seiner Gewerkschaft auf der
-Sattlerzeche, in welcher Lehn das Erz gebrochen war, ausmaßen und
-auf die Halde setzten, auch sogar der Lehenträger Römer falsch beschworen
-hatte, daß der Gang ihm gehöre, so war solches ein Greuel
-vor Gott. Alsbald verschwand das Erz dieser Zeche und verwandelte
-sich im Anbruch in Kohlen. Es soll auch zu derselben Zeit, da
-Römer draußen auf der Haspelstätte nach den alten Bergrechten den
-Schwur leistete, im Berggerichte zu Zwickau, wo Römer und sein
-Haufe mit den armen Gewerken um das Erz gestritten hatte, das
-Gewölbe aufgerissen sein, und das Glöcklein, womit man die Diener
-herein zu rufen pflegte, von selbst geklungen haben. Von dieser Begebenheit
-rühren die Worte Herzogs Georg her: »Der Gleeßberg ist
-ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworener Berg, sehet mir
-auf den Schickenberg.«</p>
-
-<h3 id="sec408">408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 918.)</p>
-
-<p>Als Paul Gramman, insgemein der Hosenschneider genannt, im
-Anfang des Schneebergs eine Zeche am Wolfsberge, die der grüne
-Schild geheißen, fast allein zu eigen gehabt und einen Stollen hineingetrieben,
-hat er ein köstliches Erz angetroffen, da er aber einstmals
-hinter dem Steiger gestanden und zugesehen, wie derselbe das schönste
-Glaserz losgebrochen, ist einer seiner guten Freunde vor den Ort gekommen
-und hat ihm nach bergmännischem Gebrauch ein Glückauf
-gewünscht. Der Hosenschneider aber hat freventlich und übermütig darauf
-geantwortet: »Was bedürfen wir dieses Glückwünschens? Siehe,
-wir haben ja das Glück in Händen und vor Augen!« Darauf aber
-soll sich alsbald das Erz im Anbruch dermaßen abgeschnitten haben,
-daß man nicht gewußt, wie es verschwunden ist. Es ist auch ferner
-sowohl an diesem Orte, als auch am ganzen Wolfsberge wenig mehr
-ausgerichtet worden.</p>
-
-<h3 id="sec409">409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica von Chemnitz, I. 1767, S. 72.)</p>
-
-<p>In einem Gange des ehemaligen Benedictiner-Klosters zu Chemnitz
-befand sich ein hölzernes Christusbild mit einem krummen oder
-schiefen Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und
-alles darin verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben.<span class="pagenum"><a id="Seite_355">[355]</a></span>
-Von Stund an aber hatte derselbe ein offenstehendes Maul und ist
-stumm geworden.</p>
-
-<h3 id="sec410">410. Der heillose Bäcker in Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Pros. Anhang, No. 9.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1471 wohnte in Freiberg auf der Burggasse, dem
-Oberkloster gegenüber, ein Bäcker, namens Werner Kühn, ein gottloser
-Mann, der an Fluchen und Lästern sein Vergnügen fand. Derselbe
-brachte seine Mitbürger in großes Unglück.</p>
-
-<p>Als er eines Morgens (am 24. Juli) seinen Backofen heizte,
-wollte das feuchte Holz nicht sogleich brennen, so daß der gottlose
-Mann wütend darüber wurde und rief: »Ha, du verfluchtes Feuer,
-so brenne doch in aller Teufels Namen!« Das war ein heilloser
-Fluch und Gott ließ ihn in Erfüllung gehen. Das Feuer schlug alsbald
-zum Ofen heraus und in wenig Augenblicken stand das ganze
-Haus in Flammen. Nach drei Stunden lag Freiberg in Trümmer
-und Asche. Nur die alte Frauenkirche, die meißnische Gasse und die
-halbe Sächsstadt blieben stehen.</p>
-
-<h3 id="sec411">411. Die Görkauer Maskenhochzeit.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Franz Herbabny in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Klubs,
-1885, S. 117.)</p>
-
-<p>Am Faschingsdienstage 1588 ging es in der Stadt Görkau überaus
-fröhlich zu, und die Schuljugend machte mit Schreien und Peitschen
-einen Spektakel, daß die Häuser in den Gassen wackelten. Der Hochzeitsplampatsch
-ritt auf einem Grauschimmel und trank wacker aus
-den Gläsern, womit man ihm schenkte. Auf dem Kopfe trug er eine
-Narrenkappe mit einer klingenden Schelle und überdies zwei Narrengesichter,
-von denen das vordere lachte, das hintere weinte. Bald
-kamen auch die beiden Herolde hoch zu Roß, bliesen auf ihren Trompeten,
-und der vielerwartete Hochzeits-Schlittenzug setzte sich in Bewegung.
-Es war nämlich eine Faschingshochzeit. Den Vorreitern
-und den Stadtpfeifern folgten die Brautleute mit dem Bilde der heiligen
-Jungfrau, darauf der Brautführer und die Kränzeljungfern, neben
-ihnen der heilige Nikolaus mit zwei Teufeln an der Kette, und auch
-die Salzmäste warf nach allen Seiten Pfeffernüßchen aus. So folgte
-Schlitten auf Schlitten, vierzig an der Zahl. Und nun ging es in
-tollem Jagen, die Kreuz und die Quere, durch die Stadt, bis der
-Zug neben der Kirche ein wenig stockte. Da blies der Hanswurst-Plampatsch<span class="pagenum"><a id="Seite_356">[356]</a></span>
-auf seiner Trompete und rief in trunkenem Frevelmute
-durch das offene Thor zum Kirchhof hinein: »Auf, auf! Ihr Faulpelze!
-Heraus aus Euren Nestern! Heut ist Fasching! In der Stadt
-giebt es noch Besen genug, die nehmet zwischen die Beine und reitet
-mit! Hollah! Vorwärts!« Gelächter der Umstehenden folgte, und der
-Trunkenbold stürzte vom Pferde, aber der Zug fuhr weiter, immer
-bis nach Komotau, obwohl ein Sturmwind unterwegs das Brautpaar
-und die Salzmäste und viele andere in den Schnee geworfen
-hatte. In Komotau trank man Glühwein, und die Heiterkeit wuchs,
-wenn dies noch möglich war.</p>
-
-<p>Allein als man zum Thore hinausfuhr, da hatte sich zu den
-drei Vorreitern noch ein vierter gesellt, einer aus Komotau, wie man
-wähnte. Doch seine Tracht war seltsam. Kohlschwarz vom Kopfe bis
-zu den Sporen, schwenkte er ein schwarzes Banner mit dem Bilde
-des Sensenmannes. Vielen aber war es recht unheimlich, wenn er
-rechts und links die Schlittenreihe auf- und absprengte und gewissermaßen
-die Hochzeitsgäste zählte. Als es aber finster wurde, da
-sprühten sogar aus seiner Fahnenstange Funken und Flammen und
-die dampften und rochen wie Leichenfackeln. So ging es fort bis
-man wieder in Görkau vor den Kirchhof kam; da öffnete der Schwarze
-sein Visir, schlug den Plampatsch auf die Schulter und rief: »Nun
-kommt mit mir; wir zwei voran, die andern kommen nach!« »Jesus,
-Marie!« schrie der Plampatsch, als er den fleischlosen Totenschädel
-erblickte. Jener aber rief mit weithallender Stimme: »Heute war ich
-Euer Gast; zur künftigen Fasching seid Ihr alle meine Gäste!« Sprachs
-und verschwand in Nacht und Gekrach. Die Fackel war verloschen.&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p>Auf dem Tanzboden fand sich allmählich die helle Faschingslust
-wieder ein. Als man aber am folgenden Tage nach altem Herkommen
-den Fasching begraben wollte, da erscholl das Zügenglöcklein, und
-man erfuhr, daß der Plampatsch totkrank darniederliege. Drei Tage
-später lag er auf dem Kirchhof bei den Toten, die er zur Maskenhochzeit
-eingeladen hatte. Ihm folgte zuerst die Braut und eine
-Kränzeljungfer, dann ein Vorreiter, der Brautführer und der Bräutigam.
-Selten verging ein Tag, an dem die Totenglocke nicht erscholl,
-und ein Leichenzug folgte dem anderen. So dauerte es mit geringen
-Pausen ein volles Jahr, und nicht weniger als 450 Personen unterlagen
-der schrecklichen Seuche. Am Faschingsonntage aber rief der
-Priester dem unglücklichen Volke zu: »Ja, Ihr sollt ausziehen, aber
-nicht in Larven und Maskeraden, sondern in Sack und Asche, in Buß-
-und Trauerkleidern!« und so geschah es. Am Faschingsdienstage, da
-zog jung und alt, Mann und Weib, hoch und niedrig, in Trauergewändern<span class="pagenum"><a id="Seite_357">[357]</a></span>
-und mit schwarzen Schärpen durch die Stadt zum Friedhofe
-hin. Und als man den heiligen Boden betrat, unter dem die
-Lieben ruhten, welche im letzten Jahre gestorben waren, da erscholl
-laute Klage und Wehegeschrei. In der Kirche aber las der Pfarrer
-ein Totenamt und vom Chor erklang das »<em class="antiqua">Dies irae!</em>« wie an einem
-Allerseelentage; doch von Stund an erkrankte niemand mehr, und wer
-schon krank war, fand meistens Genesung. Acht Wochen später war
-die Seuche beendet, und der Pfarrer konnte am weißen Sonntage
-die Pestilenzpredigt halten. Die Erinnerung an jene schreckliche Zeit
-aber &ndash; so sagt der Chronist &ndash; lag den Görkauern noch lange in
-den Gebeinen, und sie haben durch manches Jahr keine Hochzeitsmaskerade
-mehr am Faschingsdienstage gehalten.</p>
-
-<h3 id="sec412">412. Meineid wird bestraft.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 367.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1627 zankte sich Matthes Becker, Bauer zu Pappendorf,
-mit seinem Grenznachbar, Christoph Dehner, um ein geringes
-Wiesenflecklein, und als sie nicht konnten verglichen werden, nahm er
-es auf sein Gewissen. Darauf hat es ihm der, dem Unrecht geschah,
-in Gegenwart des Amtsschössers von Nossen, Matthäus Horn, und
-hiesiger Gerichten, mit diesem Glückwunsch cediert und überreicht:
-»So nimm's hin und laß Dir's auf der Seele verbrennen!« Von selbiger
-Zeit an ist gedachter Becker von Tage zu Tage schwermütiger geworden,
-endlich am 28. August nachfolgenden Jahres um Mitternacht aus dem
-Bette weggelaufen und hat sich ersäuft, wessen man ihn frühmorgens
-unter dem blauen Steine im Striegnitzbache tot angetroffen, nur ein
-Schlafmützlein und Hemd an sich habend.</p>
-
-<h3 id="sec413">413. Der bestrafte Gotteslästerer zu Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(T. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygn.</em> II. S. 437. Misander, <em class="antiqua">Deliciae Hist.</em>,
-S. 277. Gräße, Sagenschatz etc. No. 608.)</p>
-
-<p>Im Herbst des Jahres 1594 ist zu Zwickau M. Wolfgang Raabe,
-eines Tuchmachers Sohn daselbst verstorben, welcher etliche Jahre
-rasend gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber
-Gott also wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren
-zu Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt,
-hat sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen und ist es mit ihm
-soweit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerische Reden,<span class="pagenum"><a id="Seite_358">[358]</a></span>
-vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner Sinnen
-beraubt worden. Nachdem ihn nun seine Eltern nach Hause bringen
-lassen, ist's nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat sich stets
-ungebärdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat er sehr gefressen
-(maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung auch gebraucht)
-und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich, als etliche Knaben mit
-einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und sich mit den
-Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum Fenster
-hinaussehend gesagt, sie sollten ihm denselben geben, was sie auch gethan.
-Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen und
-ist bald darauf gestorben. Er hat auch einen seinesgleichen von Reichenbach,
-namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch große
-Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem
-Crucifix vorgenommen, der ist auch seiner Sinnen beraubt, etliche
-Jahre daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also
-gestorben.</p>
-
-<h3 id="sec414">414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelssteins bei Lauter.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von Heinrich Weißflog aus Raschau.)</p>
-
-<p>Ein Kriegsheer wollte einst Schwarzenberg belagern und hatte
-sich deshalb bei dem jetzigen Teufelssteine in der Nähe von Lauter
-zusammengezogen. Hier in dem Lager lebte nun alles in Saus und
-Braus. Da kam eines Tages ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster
-daher, der einen Leuchter zur Reparatur nach Schwarzenberg tragen
-sollte. Als ihn sein Weg durch das Lager führte, wurde er von den
-Kriegsknechten angehalten und verleitet, mit ihnen zu tanzen und zu
-spielen. Sein weniges Geld war bald verspielt, und nun vergaß er
-sich soweit, daß er den Leuchter in Geld umsetzte. In diesem Augenblicke
-kam der Abt des Klosters, welcher zufällig denselben Weg ging,
-und als er das Treiben und Thun seines Ordensbruders sah, suchte
-er denselben mit herzlichen Worten von seinem gottlosen Treiben abzuraten.
-Dafür wurde er jedoch von dem Mönche und den Kriegsleuten
-verhöhnt und verspottet. Da übermannte ihn der Zorn und er
-rief: »So möge Euch, Ihr Genossen des Teufels, der allmächtige und
-strafende Gott, den Ihr jetzt noch eben verhöhnt habt, zu Steinen
-werden lassen!« Kaum waren diese Worte gesprochen, so erfüllte ein
-donnerähnlicher Schlag die Luft, und was der Abt in seinem Fluch
-erbeten, das geschah. Der Mönch und die Kriegsknechte wurden zu
-Felsblöcken, welche noch heute auf dem Teufelssteine zur Warnung
-für Gotteslästerer emporragen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_359">[359]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec415">415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße, Sagenschatz etc. No. 531.)</p>
-
-<p>Nicht weit von Waschleithe bei Grünhain, im Thale des Oswaldbaches,
-stehen die Trümmer einer Kirche, die Oswaldskirche genannt,
-welche 1514 der Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet hat, die
-aber, weil die Reformation dort auskam, nicht vollendet wurde und so
-liegen geblieben sein soll. Anders erzählt sich das Volk, welches auch
-die Kirche mit dem Grünhainer Kloster unterirdisch verbunden sein
-läßt, die Ursache. Es soll nämlich um jene Zeit ein reicher Hammerherr,
-mit Namen Caspar Klinger, gelebt haben, den aber sein Reichtum
-so übermütig gemacht hatte, daß er keinem Gruße, selbst von
-seiten solcher Personen, die mit ihm auf gleicher Stufe standen, zu
-danken sich herabließ. Dem begegnete einst ein ebenso reicher Bergherr
-von Elterlein, namens Wolf Götterer, und rief ihm ein freundliches
-Glückauf zu; allein Klinger hielt es abermals unter seiner
-Würde, dem Grüßenden zu danken, und so geschah es, daß letzterer
-ihm darüber einige harte, beleidigende Worte sagte. So stolz nun
-der Hammerherr auch war, so rachsüchtig war er und er beschloß auf
-der Stelle, seinen Beleidiger für seine freimütige Rede büßen zu lassen.
-Er teilte seinem Bruder seinen Plan mit, und nachdem sie eines
-Tages ausgekundschaftet, daß der Bergherr allein zu Hause sein werde,
-weil alle seine Dienerschaft zu einer Belustigung sich entfernt hätte,
-gelang es ihnen, sich in die Wohnung desselben einzuschleichen, wo sie
-den Unglücklichen mit Beilhieben ermordeten. Weit entfernt, ihr
-Verbrechen, dessen sie sich freuten, zu leugnen, stellten sie sich selbst
-dem Gerichte, welches sie zwar zum Schein zum Tode verurteilte,
-allein auch kein Bedenken trug, die Todesstrafe in eine Geldbuße zu
-verwandeln. Letztere sollte darin bestehen, daß der reiche Hammerherr
-zur Sühne jenes Mordes eine Kirche zur Ehre des h. Oswald zu
-erbauen und auch die Armen der Stadt reichlich zu bedenken habe.</p>
-
-<p>Klinger ließ nun Arbeitsleute, so viele ihrer nur kommen wollten,
-für seinen Bau anwerben, Bauholz in seinen Wäldern schlagen
-und Steine in seinen Steinbrüchen brechen, zahlte mit vollen Händen
-und es verging kein Jahr, da stand die Kirche fertig da. Nun ließ
-er es auch nicht an reicher Ausschmückung des Inneren fehlen, Kanzel
-und Altar waren von geschicktesten Künstlern gearbeitet und mit der
-größten Pracht geziert, eine herrliche Glocke hing auf dem Turme
-und alles war zur Einweihung der Kirche in Bereitschaft. Siehe, da
-zog an demselben Morgen, wo die Geistlichkeit sich anschickte, das
-neuerbaute Gotteshaus zu weihen, ein furchtbares Gewitter über das<span class="pagenum"><a id="Seite_360">[360]</a></span>
-Thal herein und man zögerte deshalb, die Prozession zu beginnen,
-selbst der Glöckner weigerte sich, die Glocke ertönen zu lassen, bevor
-nicht das Unwetter vorüber sei. Da ward Klinger ungeduldig und
-schwur und vermaß sich hoch und teuer, nichts sollte ihn abhalten,
-das einmal angefangene Geschäft zu Ende zu führen, und wenn niemand
-anders es thun wolle, so werde er selbst in die Kirche eilen und
-das Geläute zum erstenmale in Bewegung setzen. Zwar versuchten
-ihn die Priester von diesem Beginnen abzuhalten, aber umsonst, er
-stürzte in den Turm und fing an die Glocke zu ziehen. Aber sonderbar,
-dieselbe klang wie ein Armesünderglöckchen und lange zuvor, ehe
-es ausgelauten hatte, fuhr ein Blitzstrahl aus dunkler Wetterwolke
-herab in den Turm, tötete Klinger und zündete die Kirche an. Niemand
-wagte zu löschen, denn jeder sah hier das Gericht Gottes, und
-so war in kurzem von dem schönen Bau nichts als die Mauer übrig
-und niemand wagte es seitdem, die Kirche wieder aufzubauen. Klingers
-Leichnam ward zerschmettert im Turme gefunden und am Rande
-des Waldes eingescharrt. Die Umwohner aber erzählen sich, um
-Mitternacht gehe sein Geist ruhelos dort umher und grüße den zufällig
-dorthin verirrten und bei seinem Anblick ängstlich davon fliehenden
-Wanderer, und sein Herumirren müsse so lange dauern, bis ihm
-jemand danke. Seinen Bruder hatte die Strafe Gottes schon vorher
-ereilt, denn noch ehe das Gericht sein Urteil gesprochen, war er vom
-Pferde gestürzt und hatte den Hals gebrochen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In Schumanns Lexicon von Sachsen (12. B. S. 444) wird die Gründung
-der Oswaldskirche, welche vom Volke gewöhnlich Duselskirche genannt wird, dem
-Grünhainer Amtmann Gregor Kienter und dem Elterleiner Pfarrer M. Wolf zugeschrieben
-und als Jahr der Gründung 1515 angegeben. In Bezug der Sage von
-dem Hammer- und Bergherrn Kaspar Klinger wird gesagt, daß derselbe zur Sühne
-des Mordes 12 silberne Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und
-Bogen geben, Seelbäder stiften und nach Rom wallfahrten mußte. Auch hatte er
-von dieser Wallfahrt die Erlaubnis für die Markersbacher Kirche mitgebracht, Ablaß
-erteilen zu dürfen (S. 164).</p>
-
-<p>Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man 1795
-auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die wahrscheinlich vom
-Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben diese Brakteaten Veranlassung zu
-der Sage von einem großen Schatze gegeben, welcher unter der Kirche vergraben
-liegen soll.</p>
-
-<p>Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt
-Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder »Aswaldbache«
-d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die Meinung ausgesprochen wird,
-die eingewanderten Sachsen hätten den dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt,
-welcher Name dann auch auf den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung
-für sehr gewagt und nicht recht glaubwürdig.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_361">[361]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec416">416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.)</p>
-
-<p>Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe
-des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«,
-dessen südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe
-von der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird.
-Zu letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer
-Allee bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze«
-herumzieht, und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause
-»Hut« über die Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein,
-welcher eine schöne Aussicht gewährt, erzählt man folgendes:</p>
-
-<p>Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein
-mächtiger Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten
-reiche Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm
-sein erstgeborener Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde,
-denn dieser führte ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine
-liederliche Lebensweise.</p>
-
-<p>Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu
-geben und nach der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome
-der Welt zu einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte.</p>
-
-<p>In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte Gelegenheit
-dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als
-nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines
-unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte
-Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen
-Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er
-wanderte also im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge
-zu und gelangte nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen
-Joachimsthal, wo in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag.
-Überrascht und entzückt von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt
-mit ihren Thälern und Schluchten, ließ er sich hier nieder und
-baute mit Hülfe der Einwohner ein stattliches Schloß, in welchem er
-in Gesellschaft verdorbener Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte.
-Den unaussprechlichen Schmerz des Vaters über den Verlust
-des ungeratenen Sohnes hatte indeß die alles heilende Zeit gemildert.</p>
-
-<p>Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger
-Weidmann war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten,
-im Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im
-dichten Walde verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem
-mühevollen Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit<span class="pagenum"><a id="Seite_362">[362]</a></span>
-eine Wiese, von wo er am fernen Bergesrücken ein helles
-Licht schimmern sah, dem er nun frohen Mutes mit starken Schritten
-zueilte. Als er vor dem Schlosse stand, aus welchem das Licht kam,
-bat er um Einlaß und ein gastlich Obdach, und er wurde darauf vor
-den Schloßherrn geführt, den sein Vaterauge gleich erkannte. Auch
-der verlorne Sohn erkannte sofort, freilich mit Schrecken, in dem
-Weidmann seinen Vater; aber statt mit reumütigem Herzen den Tiefgekränkten
-um Verzeihung zu bitten, gab er, die wohlverdiente Strafe
-fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn gefangen zu nehmen.</p>
-
-<p>Entsetzt und aufgebracht über dieses unerhört ruchlose Benehmen
-sprach der Vater über den ungeratenen Sohn den Fluch aus, welcher
-augenblicklich in Erfüllung ging. Die Erde erbebte mit einemmale
-so gewaltig, daß die Grundmauern des Schlosses erzitterten;
-dasselbe zerfiel in Trümmer und begrub in seinem Schutte alle Insassen.
-Nur der Fürst und ein Diener kamen mit dem bloßen Schrecken
-davon und eilten nach Konradsgrün, wo das sorgenvolle Jagdgefolge
-den vermißten Herrn erwartete, den es bis spät in die Nacht im Hochwalde
-vergebens gesucht hatte. Am Grauenstein aber treiben seitdem
-die bösen Geister ihren Spuk.</p>
-
-<p>Eine andere Sage erzählt, daß des Grafen Schlick Urgroßmutter
-zwei Söhne hatte, die sich allen Lastern ergaben. Sie lästerten Gott,
-raubten, plünderten und mordeten. Bald aber erkannten sie ihre
-tiefe Verworfenheit und beschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen
-und ein bußfertiges, Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Zu ihrem
-bleibenden Aufenthalte wollten sie sich ein Schloß erbauen lassen und
-fanden zu dessen Anlegung den dazumal im tiefsten Waldesdunkel gelegenen
-Grauenstein besonders geeignet. Alsogleich übertrugen sie den
-Bau des Schlosses, dessen Steine durchweg von grauer Farbe sein
-sollten, zweien Maurern. Nachdem diese das Schloß vollendet hatten,
-erhielten sie aber den verheißenen Lohn nicht; deshalb riefen sie auf
-dasselbe den Fluch des Himmels herab. Und dieser Fluch der Maurer
-erfüllte sich schnell. Ein furchtbares Gewitter, das plötzlich übers
-Gebirge dahergezogen kam, entlud sich; ein Blitzstrahl traf das
-Schloß, zündete &ndash; und verwandelte es in einen Schutthaufen.</p>
-
-<p>Nach einer anderen Sage wohnte im Grauensteiner Schlosse ein
-Vater, der seiner Tochter einen Bräutigam aufdringen wollte, den sie
-nicht mochte. Um sich zu retten, trieb die Tochter dem Vater während
-des Schlafes einen Nagel durch den Kopf. In den letzten Atemzügen
-verwünschte der Vater das Schloß samt den Inwohnern.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_363">[363]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec417">417. Der Gottesleugner zu Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 349.)</p>
-
-<p>Zu Nossen lebte im Jahre 1592 ein alter Zimmermann und
-Steinbrecher, namens Walter Koch, der zeitlebens ein großer Verächter
-des Gottesdienstes gewesen, auch binnen 32 Jahren niemals
-zur Beichte und zum Abendmahl des Herrn gekommen war. Dieser ward
-am 21. Juni des genannten Jahres gleich in der Mittagsstunde von
-einer alten Kirchmauer im Kloster Zelle, an der er hatte einbrechen
-helfen, erschlagen. Als man nun seinen Körper in einen Backtrog
-legte, ist selbiger alsbald zersprungen, darauf ist ein grausamer
-Wirbelwind entstanden, und als man ihm zu Grabe läuten wollte,
-ist der Klöppel in der großen Glocke ebenfalls zersprungen, weil er
-eines christlichen Begräbnisse nicht würdig gewesen.</p>
-
-<h3 id="sec418">418. Vorboten der Pest.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 962.)</p>
-
-<p>Im Erzgebirge hat es an Warnungszeichen vor der Pest nicht
-gemangelt. Zu Lengefeld ließen sich auf dem Kirchhofe, als in der
-Stadt 1680 die Pest eingezogen war, zwei weiße Schwalben sehen,
-die gegen den Herbst wieder fortzogen. Zu Marienberg hörte man
-zehn Wochen vor der Pest ein Poltern und Fallen bei Nacht in der
-Kirche, als wenn man Leichen in die Erde senkte und häufig die Erde
-auf die Särge nachschüttete; beide Kerzen verlöschten auf dem Altare,
-die Glocken wurden so unnatürlich schwer, daß man sie mit großer
-Mühe mußte in Schwung bringen, das Uhrwerk auf dem Rathause
-lief bei Tag und Nacht unterschiedliche Mal ganz ab, und einige Bürger
-haben des Nachts ein hellbrennendes Licht auf dem Rathause gesehen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für sich nicht
-gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest angesehen. In Böhmen
-prophezeit z. B. der Storch in der Gegend, durch welche er fliegt, die Pest, während
-er dorthin, wo er sich niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S.
-64.), und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden (Hunde
-sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei weinender Menschen,
-die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch und Gestank und selbst ungewöhnliches
-Blühen von Rosen im August und September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch,
-I. No. 354.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_364">[364]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec419">419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II. S. 311.)</p>
-
-<p>Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde
-Freiberg von einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim
-Hospital hatte eine Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben
-1564 etwas von alten Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern
-geworfen worden war. Da stieg ihm alsobald ein widriger giftiger
-Dampf entgegen, so daß er sich legen mußte und nicht allein die Seinigen,
-sondern auch viele in der Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche
-verbreitete sich darauf weiter und nahm dermaßen überhand, daß von
-da an bis Weihnachten 1577 Personen starben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast ausgestorben
-war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine blaue Wolke und zog in zwei
-Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf der Müller Pflöcke hineinschlug und alles
-im Hause wohlauf blieb. Als aber der Müller später einmal nachsah, was aus
-dem Dunste geworden sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle
-seine Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 457.) Desgleichen
-erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in Gestalt eines blauen
-Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein
-Zauberer aus Böhmen verschloß bei Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen
-Orten der Umgegend in Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer
-Grube mit der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt,
-Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam noch 1709
-zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an Kirchen war im
-Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war das sogenannte »garstige Ding«
-(eine weibliche Figur, an welcher ein Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten
-Kreuzkirche in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten
-Pest. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf hingewiesen
-werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von Hunden begleitet
-sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert werden. In altkirchlichen
-Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem Schutzpatron gegen die Pest,
-ein Hündlein beigegeben. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.)
-In Außig in Böhmen glaubt man, daß die Pest als <em class="gesperrt">weißer</em> Rauch erscheint, welcher
-Menschen, wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc.
-S. 184.)</p></div>
-
-<h3 id="sec420">420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest
-verschont.</h3>
-
-<p class="source">(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.)</p>
-
-<p>Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier
-wuchs in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed«
-(Zeitheide) bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen<span class="pagenum"><a id="Seite_365">[365]</a></span>
-Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser
-Pflanze, welche in gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht
-werden muß, weggetragen haben. Auch soll sie in der Brauerei des
-Ortes mit zur Verwendung gekommen sein. Der balsamische und
-durchdringende Geruch machte sie berühmt in der Gegend und wohlthätig
-für den Ort selbst. Denn in den Jahren, in welchen die Pest
-das Land verheerend durchzog und benachbarte Orte aussterben ließ,
-soll Großhartmannsdorf durch jene Pflanze verschont geblieben sein.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, <em class="antiqua">Ledum palustre</em>.</p></div>
-
-<h3 id="sec421">421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 345.)</p>
-
-<p>Innerhalb 10 Jahren, von 1163 bis 1173, da das Freibergische
-Bergwerk rege und die Stadt angelegt worden, sind allerhand erschreckliche
-Wunder und Erscheinungen am Himmel aufgetreten, nämlich
-drei Sonnen, etliche Wundersterne, brennende Fackeln, Blutregen,
-stürmende Donner und Blitze. Gleichwohl wars dem Bergwerk nicht
-nachteilig, so daß man 1171 schrieb:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">FreIberg VnD seinen fIxen PLan<br /></span>
-<span class="i0">DIe Sterne haben nIChts gethan.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Im Jahre 1472 erschien ein Komet im Zeichen der Wage, darauf
-das Bergwerk zu Schneeberg, welches das vorhergehende Jahr
-war angegangen, in hohem Flor gekommen und reichlich geschüttet hat,
-nach den bekannten Worten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Bergknappen auf! erstaVnet, seht<br /></span>
-<span class="i0">ZU SChneebergs GLUCk sCheInt der CoMet.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Im Jahre 1492 erschienen im Januar drei Sonnen am Himmel,
-und im März ein Komet; das schadete aber dem Obergebirge nichts,
-sondern es wurde das Bergwerk am Schreckenberge bei Annaberg rege,
-nach den Worten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Annaberg braCht hoCh AUsbUt<br /></span>
-<span class="i0">An SIlber ohne Sternen-StreIt,<br /></span>
-<span class="i0">Unsern GewerCken reCht zUr FreUD.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>In den Jahren 1515 und 1516 brannten zwei Kometen am
-Himmel; dabei kamen die Silberzechen am Scheibenberg und in Joachimsthal
-auf, wie folgende Verse deuten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">ACh sIehe an hIe JoChIMsthal,<br /></span>
-<span class="i0">Ist EVangelIsCh UberaLL.<br /></span>
-</div></div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_366">[366]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec422">422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch verkündet Unwetter.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II., S. 271.)</p>
-
-<p>Den 13. Aug. 1559 hat man zu Niederbobritzsch bei Freiberg
-abends neben dem Monde eine große Menschenhand in den Wolken
-gesehen, darüber ein Stern in Größe der Sonne, ohne daß derselbe
-einen hellen Schein verbreitete. Die Hand ist im Verlauf einer halben
-Stunde immer größer geworden, bis sie eines Tisches Breite erreicht,
-darauf hat sie sich umgewandt und zugethan und ist jählings zerfahren,
-als wenn sie stückweise herunterfiele. Den Tag darauf erhob sich in
-der Umgegend ein starkes Unwetter mit Hagelstücken bis zur Schwere
-von über 3 Pfund; dieselben waren teils rund, teils viereckig, mit
-Zacken, wie Kreuze, Spangen und Rosen an Gürteln. Besonders
-arg war das Wetter in Niederbobritzsch, wo die ganze Zeit der
-Himmel voll Feuer stand, von dem auch etliche Klumpen herabfielen,
-die viel Bäume und Büsche versengten und großen Schrecken verursachten.</p>
-
-<h3 id="sec423">423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moller a. a. O. II., S. 277.)</p>
-
-<p>Den 13. März 1562 hat man zu Freiberg des Nachts am
-klaren Himmel einen weißen Kreis gesehn, der sich oft von einander
-gethan und inwendig ganz feuerrot erschienen. Dabei haben lange
-Strahlen rings umher gestanden, ziemlich dick und breit, doch oben
-zugespitzt, die haben auf einander gestoßen. Zwischen den Strahlen
-aber ist es aufgefahren wie Rauch und es hat die ganze Nacht hindurch
-geblitzt und geleuchtet. An etlichen Orten sind zugleich zwei
-Regenbogen und darüber ein Kreuz, sowie auch auf der einen Seite
-eine gebundene Rute und auf der anderen eine große Hand mit einer
-Rute gesehen worden.</p>
-
-<h3 id="sec424">424. Himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1155.)</p>
-
-<p>Anno 1543 den 4. Juni hat man in Wiesenthal des Abends um
-7 Uhr am hellen Himmel nachverzeichnete Wunder gesehen. Erstlich
-einen langen Mann schwärzlich mit einem schwarzen und breiten Bart,
-welcher den Kopf oft schnell hin und wider gewandt, daß man ein
-zorniges Gemüt hat merken können. Dem ward ein Kranz gegeben,
-und da er ihn empfangen, ist er vergangen. Darnach ist auf einem
-hohen Fels ein anderer langer Mann gestanden, welcher einen langen,<span class="pagenum"><a id="Seite_367">[367]</a></span>
-spitzen Schnabel und vom Haupt an durch den Rücken die Länge lange
-Federn gehabt, gleich eines Straußes, ist aber auch bald verschwunden.
-Alsdann sind auf einem ebenen Felde zwei Städte gesehen worden,
-eine große, mit steinernen und hohen Gebäuden herrlich gezieret, und
-eine kleinere, die doch je länger je deutlicher ist gesehen worden.
-Desgleichen ein Mann, der auf einem Pferd gesessen und in der
-rechten Hand ein Fähnlein geführet, in der linken aber ein jung Kind
-gehabt, welcher auch bald verschwunden. Darnach ist auf einem
-hohen Berge ein großer Mann gesehen worden, der einem kleinern
-mit einem Schwerte das Haupt abgehauen. Es ist auch einer zwischen
-zweien Felsen gesehen worden, welcher auf die Knie gefallen und die
-Hände aufgehoben über sich zum Himmel, als bete er. Nach ihm ist
-ein anderer langer Mann gesehen worden in einem langen Kleide, der
-unter den Armen ein junges Lämmlein und auf der Schulter ein
-groß Schaf getragen, dem ein stinkender Bock mit langen Hörnern
-gefolget. Weiter sind gefolget zwei Jungfrauen, eine hat die Arme
-in die Seiten gestützt und sich fröhlich erzeiget, die andere hat gegeiget.
-Nach diesen ist ein groß Kameel erschienen, auf welchem ein Mann
-aufgericht gestanden, der auf dem Rücken mit langen Federn geschmückt
-gewesen, dem ist ein Löwe mit aufgesperrtem Rachen entgegengegangen,
-hat mit den vordern Klauen das Kameel angefallen, darauf ist das
-Kameel alsobald zusamt dem Mann verblichen. Der Löwe hat sich
-den Städten genahet, welchem auf dem Fuße gefolget die zwei Jungfrauen
-und der Mann, der das Schäflein getragen mit dem zottigen
-Bock, so hernach gezottet. Letztlich sind einige andere Löwen gesehen
-worden, die nach der Stadt wärts gegangen, und viel groß Geschütz,
-welches auf die Stadt gerichtet gewesen, als wollte man jetzt abschießen,
-und sind die Städte bei anderthalb Stunden gesehen worden.</p>
-
-<p>So viel hat in einer handschriftlichen Chronik Michael Pabst
-verzeichnet, der sonst ein guter Astronomus gewesen und alle Begebenheiten
-und Ungeheuer am Himmel fleißig aufgezeichnet.</p>
-
-<h3 id="sec425">425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.</h3>
-
-<p class="source">(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß 1719, S. 104.)</p>
-
-<p>Am 28. November des Jahres 1692 hat ein Köhler auf dem
-Sonnenwirbel bei Gottesgab ein hellglänzendes Schwert am Himmel
-gesehen, welches frühe um 5 Uhr geschehen ist. Solches Schwert
-hat neben einem Stern gestanden, und auch selbst wie ein heller Stern
-geleuchtet; die Spitze des Schwertes aber hat sich gegen Böhmen und<span class="pagenum"><a id="Seite_368">[368]</a></span>
-den Egerschen Kreis gewandt. Es ist nicht anders anzusehen gewesen
-als ein langer Degen mit Gefäß, aber ohne Bügel, und hat nach des
-Köhlers Erachten so hoch gestanden, als die Sonne auf diesem gebirgischen
-Horizont in langen Tagen um 2 Uhr zu stehen pfleget. Nachdem
-es wieder vergangen und nicht länger gewähret, ist dem Köhler
-ein Schauer darüber angekommen, daß er sich in seinem Kohlkram
-niederlegen müssen.</p>
-
-<h3 id="sec426">426. Kreuze fallen vom Himmel.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatr. Freib.</em> II., S. 148.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1504 sind Kreuze von verschiedenen Farben den Leuten
-vom Himmel herab auf die Kleider gefallen, und wenn dieselben auch
-verschossen gewesen, hat man doch dergleichen Zeichen auf ihnen gefunden.</p>
-
-<h3 id="sec427">427. Ein Topf schwitzt zu Oederan Blut aus.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847, S. 226 etc.)</p>
-
-<p>Am Sonnabende vor dem Pfingstfeste 1707 hatte der Kantor
-zu Oederan, Nikol. Haberland, einen frischen Maienbaum in einen
-Topf mit Wasser gesetzt, worauf er wahrnahm, daß der Topf eine
-rote Materie ausschwitzte. Man war allgemein der Meinung, daß
-diese rote Materie Blut sei und deutete die Erscheinung auf kommendes
-Unglück. Auch als der Topf leer in die Sonne getragen wurde,
-blieb er ganz rot, als ob eine blutende Wunde daran abgewischt
-worden sei. Auf erstatteten Bericht wurde er an das Konsistorium
-nach Dresden gesendet. Was damit weiter geschehen, ist nicht bekannt
-geworden.</p>
-
-<h3 id="sec428">428. Blutzeichen.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 853.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1666, Dienstags nach dem neuen Jahre früh um
-8 Uhr, floß das Röhrwasser zu Wolkenstein in drei Trögen blutig und
-währte drei Stunden lang, darauf eine vielfältige große Uneinigkeit
-in dem gedachten Orte erfolgte.</p>
-
-<p>Im Jahre 1639, in der Marterwoche, blutete bei Freiberg ein
-Crucifix. Anno 1666 ist zu Sayda ein Teich in Blut verwandelt
-worden. Am 25. Mai 1672 geschah es zu Planen im Vogtlande,
-daß in Leonhard Weckerleins, eines Zeugwirkers Stube an unterschiedlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_369">[369]</a></span>
-Orten Blut aus den Wänden heraus drang, so häufig,
-daß man auch Pfützen auf der Erde gesehen. Es war eine ungeheuerliche
-Sache, indem aus den Stubendielen, Bank- und Wirkstuhlbeinen,
-dürren, abgeschälten Wachholderstecken, welche zum Wollschlagen
-gebraucht wurden, ferner aus einer Schreib- und Schiefertafel Blut geflossen,
-das man auf Tüchern und Papier auffing und klumpenweise
-sammelte. Und dieses Blutschwitzen dauerte an etlichen Orten der
-Stube beinahe eine Stunde lang; wischte man's ab, so kam es wieder,
-schnitt man aber ein Stück von den oben angeführten dürren Wachholderstecken
-ab, so war inwendig kein Blut zu spüren.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Blutzeichen, insbesondere blutschwitzende Tempelstatuen, galten schon bei den
-alten Römern als Gefahren verkündigend; ganz besonders aber ist das christliche
-Mittelalter reich an Legenden, nach denen Heiligenbilder oder andere Gegenstände
-Blutstropfen ausschwitzten, was entweder als Beweis einer ihnen innewohnenden
-wunderthätigen Kraft oder als Zeichen von bevorstehendem Unglück angesehen wurde.
-Eine Menge hierher gehöriger Beispiele führt Rochholz (Deutscher Glaube und
-Brauch. I. S. 48 etc.) an.</p></div>
-
-<h3 id="sec429">429. Ein längst verstorbenes Kind blutet.</h3>
-
-<p class="source">(Histor. Nachricht von denen Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz.
-1734, S. 80.)</p>
-
-<p>Den 13. Mai des Jahres 1546 wurde in Chemnitz ein Weib,
-so ihr eigenes Kind ermordet, enthauptet, und das Kind zu ihr in
-den Sarg geleget, welches dann angefangen zu bluten, wiewohl es
-schon 14 Tage tot gewesen.</p>
-
-<h3 id="sec430">430. Blutende Geweihe in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1159.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1564 hat zu Schneeberg in Bastian Fischers Stube
-ein angenageltes Hirschgeweihe geblutet und übel gerochen, gleichwie
-ein anderes in der nächsten Woche darauf, welches gegen 12 Jahre
-in der Stube gewesen, vom Fette getrieft, also daß ein schwarzer
-Gischt am Horn zu sehen gewesen ist, weswegen es aufs Rathaus gebracht
-werden mußte. Man hat sich darüber allerlei Gedanken machen
-müssen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Ein Hirschgeweih führt das würtembergische Haus in seinem Wappen. Als
-Sophie, die Tochter des Schwabenherzogs Christoph, starb, soll ein solches Geweih
-an ihrer Zimmerwand geblutet haben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_370">[370]</a></span></p>
-
-<p>Erinnert mag noch daran werden, daß während der Hirsch Eikthyrnir den
-Gipfel der Weltesche Yggdrasil benagte, aus seinem Geweihe eine große Honigfülle
-durch den Wohnsitz der Asen und zu den Menschen und bis in die Unterwelt
-floß. Wer von solcher Honigfülle trank, wurde hirschtrunken, d. h. selig. (Rochholz,
-Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 7.)</p></div>
-
-<h3 id="sec431">431. Der wunderbare Schuß zu Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 1020.)</p>
-
-<p>Am 14. März 1615 ist in Schneeberg in Paul Leibigers Stube
-Christoph Büttner, ein Zahnbrecher, auf wunderbare Weise erschossen
-worden. Dieser war kurz zuvor am Sonntage <em class="antiqua">Oculi</em> von der Reise
-gekommen und wollte mit Christoph Leibigern um ein Handrohr, das
-über ein halbes Jahr an der Wand gespannet gehangen, tauschen.
-Als er aber dasselbe spannte und solches kein Feuer gehen wollte, da
-hat Büttner zu Leibigern, welcher dazumal das Rohr in der Hand
-gehabt, gesagt. »Ei, es muß Feuer geben in Teufels Namen!« Siehe,
-da ist alsbald das Rohr losgegangen und der leichtsinnige Büttner
-erschossen worden, ungeachtet, wie der damalige Pfarrer dies aufgezeichnet,
-man weder Kugel noch Schrot gesehen und gefunden.</p>
-
-<h3 id="sec432">432. Der krumme Schuß in Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 125.)</p>
-
-<p>Als 1546 Ferdinand, König von Böhmen, und Herzog Moritz
-von Sachsen Zwickau belagerten, ist aus der Stadt mit einem Stück
-(einer Kanone) durch beide Kirchthüren geschossen worden. Die Kirche
-liegt in der Stadt fast zwischen Morgen und Mittag, die Thüren aber
-gehen gegen Mittag und Mitternacht. Bei der mittäglichen Thüre
-liegt ein Berg vor und die mitternächtliche geht ganz und gar nicht gegen
-die Stadt. Darum haben die Alten gemeinet, daß diesen Schuß ein
-Zauberer gethan habe, welcher gewußt, daß eben zur selben Zeit sich
-in der Kirche viel vornehme Herren aufgehalten, und sind darum auch
-keine neuen Thüren gemacht, sondern nur Brettlein vor die Löcher
-genagelt worden.</p>
-
-<h3 id="sec433">433. Perlenschoten in Wiesenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 481.)</p>
-
-<p>Wahrhaftig ist's, was sich mit gewachsenen Perlenschoten zu
-Neustadt-Wiesenthal im Jahre 1626 zugetragen. Nach dem großen<span class="pagenum"><a id="Seite_371">[371]</a></span>
-Sterben selbiger Zeiten wohnte in gedachtem Bergstädtlein Michael
-Rohdörfer, ein Exulant aus Lutitz in Böhmen, welcher mit seinem
-Weibe und sieben kleinen Kindern wunderbarer Weise den Religionsfeinden
-entkommen. Sein Töchterlein von sieben Jahren hatte vom
-Schutthaufen eines ausgegrabenen alten Kellers etliche Kapsamen-Strünklein
-aufgelesen und in des Vaters Garten gesteckt. Da nun solche
-wohl fortgekommen und gereifet, nimmt sie die Schötchen ab und klopfet
-sie aus, findet aber mit Verwunderung weiße Körnchen, die sie, unwissend
-was es sei, dem Vater weiset und spricht: »Ja, Vater sehet,
-was find ich für Patterlein?« Der Vater kennets, daß es rechte Perlen,
-suchet und findet sie in den Schötchen selbst, also, daß je nach zwei
-Samenkörnchen eine wahrhafte Perle lag, und sammelten sie dieses
-Samens und der Perlen ein Käsnäpfchen voll. Viel Edelleute, die
-sich damals in Wiesenthal als Exulanten aufhielten, habens selbst in
-Augenschein genommen, auch einige dieser Perlen dem Töchterlein abgeschwatzt
-und als Rarität aufgehoben. Eine Gräfin von Hauenstein
-kam von Annaberg, hielt mit der Karosse vor des erwähnten Exulanten
-Thür, breitete ihr Haartuch auf den Schoß und bat, das Mägdlein
-sollte ihr einige Samenschötlein aufmachen, welches auch geschah, und
-sie fand, daß es wahrhaftige Perlen waren. Sie versprach darauf,
-wenn der Vater einwilligen wollte, dieses glückselige Kind auf- und
-anzunehmen. Endlich machte die Gräfin etliche Schoten eigenhändig
-auf, aber die Perlen zerschmolzen ihr unter den Fingern, wie es auch
-zuvor andern Leuten, die sie selbst aufgemacht, begegnet war. Darauf
-sagte sie: »Ei, so ists eine sonderbare Gnade von Gott, derer wir
-nicht würdig sind.« Ein frommer Edelmann aus Böhmen, der auch
-daselbst im Exil lebte, ließ den Vater mit allen sieben Kindern vor
-sich kommen, betrachtete und befand das Wunder augenscheinlich und
-kleidete die armen Kinder alle neu.</p>
-
-<h3 id="sec434">434. Brot wird aus weißer Erde gebacken.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chr.</em> II, S. 364. Ziehnert, Sachsens Volkssagen,
-Anhang, Nr. 12.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1590 fand ein armes Hirtenmädchen, welches bei der
-herrschenden großen Dürre viel Hunger leiden mußte, zwei Meilen von
-Freiberg einen weißen Gang einer guten Spanne dick. Derselbe sah
-wie Mehl aus und sie nahm etwas davon mit nach Hause und buk
-Brot daraus. Darauf geschah von anderen armen Leuten ein großer
-Zulauf; das weiße Mehl wurde ausgegraben und ebenfalls verbacken.<span class="pagenum"><a id="Seite_372">[372]</a></span>
-Ein solches Brot wurde auch nach Freiberg gebracht und auf's Rathaus
-geliefert; es schmeckte gar süßlich und roch ein wenig nach Brot.
-Nach einer andern Volkssage hackte im Jahre 1590, da große Teurung
-war, ein frommer Mann aus Freiberg ohnweit der Stadt in einer
-Lehmgrube. Er hatte daheim eine zahlreiche Familie hungrig verlassen
-und gedachte mit Thränen, wie unzureichend das Brot sein würde,
-welches er für die wenigen Pfennige Tagelohn am Abend würde kaufen
-können. »Ach Gott!« rief er, die nassen Augen zum Himmel gewendet,
-»du kannst Großes thun, o gieb mir und den Meinen, daß wir nicht
-verhungern dürfen!« Da fielen plötzlich große Stücke einer schönen
-weißen Masse unter den Schlägen seiner Hacke aus der Lehmwand
-hervor. Wie erstaunte der gute Mann, als er sie genauer betrachtete
-und sah, daß sie beim Angreifen zu Mehl wurden, welches gutem Brotmehl
-an Ansehen, Gewicht und Geschmack ganz gleich war. Nicht
-länger zweifelte er, daß Gott durch diese seltene Masse ihm wunderbar
-helfen wolle, lud ohne Säumen seinen Schiebkarren voll solcher Mehlklumpen
-und fuhr damit nach Hause. Ehe der Abend kam, hatte er
-eine ziemliche Anzahl Brote daraus gebacken, welche sehr schmackhaft
-waren und wie Veilchenwurzel dufteten. Bald wurde die Mähr von
-dem wunderbaren Mehle bekannt und noch viele arme Leute in Freiberg
-und der Umgebung suchten in den Lehmgruben nach der belobten
-weißen Masse, welche sie auch fanden und zu Brot backen und genießen
-konnten, nämlich, wenn sie fromm und gut waren. Denn nur wenn
-arme rechtschaffene und gottesfürchtige Leute das Mehl als eine Gabe
-Gottes ausgruben und mit Danksagung verbrauchten, blieb es gutes
-und brauchbare Mehl; wenn es aber Spötter und Gottlose in die
-Hände nahmen, ward es zu Sand und zu Stein.</p>
-
-<h3 id="sec435">435. Gottes-Speise bei Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 49. Nach Luthers Tischreden
-bei den Br. Grimm, Deutsche Sagen I., Nr. 362.)</p>
-
-<p>Bei Zwickau auf einem Dorfe schickten einst Eltern ihren Sohn,
-einen muntern Knaben, in den Wald, die Ochsen, welche da auf der
-Weide waren, heimzutreiben. Aber die Nacht überraschte den Knaben
-und es erhob sich ein solch mörderisches Schneewetter, daß er nicht aus
-dem Walde zu kommen wußte. Als nun der Knabe am andern Tage
-immer noch nicht nach Hause kam, gerieten seine Eltern in große Angst
-und konnten doch vor dem großen Schnee nicht in den Wald. Am
-dritten Tage erst, nachdem der Schnee zum Teil abgeflossen, gingen sie<span class="pagenum"><a id="Seite_373">[373]</a></span>
-hinaus, den Knaben zu suchen und fanden ihn endlich an einem sonnigen
-Hügel sitzen, wo gar kein Schnee lag. Freundlich lachte er seine Eltern
-an, und als sie ihn fragten, warum er nicht heimgekommen, antwortete
-er, daß er habe warten wollen, bis es Abend würde. Er wußte nicht,
-daß schon mehrere Tage vergangen waren, und als man ihn ferner
-fragte, ob er etwas gegessen hätte, erwiderte er, es sei ein Mann zu
-ihm gekommen, der ihm Käse und Brot gegeben habe.</p>
-
-<p>Also ist dieser Knabe sonder Zweifel durch einen Engel Gottes
-gespeist und erhalten worden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Nach einer thüringschen Sage bringt eine Jungfrau einem im Walde verirrten
-Kinde Speise und Trank. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, Nr. 113.)</p></div>
-
-<h3 id="sec436">436. Körnerregen.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, 1843, S. 297. Moller,
-<em class="antiqua">Theatrum Freibergense</em>, 1653, S. 313.)</p>
-
-<p>Am 7. und 9. Juli 1770 regnete es eine Art Korn, welches dem
-natürlichen Korn zum Teil sehr ähnlich aussah, zum Teil waren es
-runde Körner wie Wicken. Man fand es auf den Bleichen bei Chemnitz
-und meinte nun, es müsse vom Himmel gefallen sein. Das Volk
-deutete es auf Pestilenz und Teurung. Als man es steckte, ging es
-nicht auf; man hat es getrocknet und gemahlen und es gab etwas Mehl.</p>
-
-<p>Auch am 17. Juni 1572 hat es bei Freiberg gut natürlich Korn
-geregnet, wie auch am 2. Juli desselben Jahres zu Frankenberg. Die
-Leute haben es aufgerafft, gemahlen und schön Brot daraus gebacken.</p>
-
-<p>Sonst soll dergleichen geregnetes Korn mehrenteils taub und unnütz,
-bisweilen auch schädlich gewesen, und das Vieh, so davon gefressen,
-gestorben sein.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Dieser Körnerregen bestand jedenfalls aus den kleinen Knollenknospen des gemeinen
-Feigwarzenkrautes (<em class="antiqua">Ficaria ranunculoides</em>), welche in den Blattachseln genannter
-Pflanze sitzen und später abfallen, um im nächsten Jahre zu keimen. Bei
-heftigen Regengüssen wurden dieselben losgerissen und zusammengeschwemmt, so daß
-sie dann bei massenhaftem Vorkommen die Aufmerksamkeit des Volkes und den Glauben
-erregten, sie seien mit dem Regen zugleich vom Himmel gefallen.</p></div>
-
-<h3 id="sec437">437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Hauptmann, Uhralter Wolkensteinscher Warmer Badt- und Wasser-Schatz
-etc. Leipzig, 1657, S. 63, 85. Kirchengalerie von Sachsen,
-12. B., S. 234.)</p>
-
-<p>Das Warmbad im Hüttengrunde bei Wolkenstein führte vor der
-Reformation nach einer auf der Höhe erbauten Kirche, in welche sieben<span class="pagenum"><a id="Seite_374">[374]</a></span>
-Dörfer eingepfarrt waren, den Namen »zu unser lieben Frauen auf
-dem Sande«. Man hat in dieser Kirche Messe gehalten, ehe man in's
-Bad gegangen ist. Während des Papsttums ist auch dorthin ein solches
-Wallfahrten geschehen, daß die Kirche vielmal zu klein und ein großes
-Gedränge darum war. Dabei sind gar viele, welche das Bad gebrauchten,
-gesund geworden und haben zum Gedächtnis Krücken und
-Stäbe, deren sie sich bei ihrer Gebrechlichkeit bedient hatten, bei der
-Kirche zurückgelassen. Es kann aber kein Mensch sagen, zu welcher Zeit
-man dieses Bades sei innen worden. Man zeigte früher an dem Badehause
-ein hölzernes Christusbild mit der Jahreszahl 1385 und folgender
-Inschrift:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Diß Warmbad am Sand zu unser lieben Frawen<br /></span>
-<span class="i0">Hat Gottes Wunderhand gelegt in diese Awen,<br /></span>
-<span class="i0">Wodurch dem Leibe Heil werden krancke Hertzen,<br /></span>
-<span class="i0">Christi Verdienst und Blut lindert die Seelenschmertzen.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec438">438. Die Kapelle des St. Jobs im Wiesenbad.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg
-1782, S. 38. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 66.)</p>
-
-<p>Im Wiesenbad bei Annaberg, wohin besonders Kranke und Sieche
-wallfahrten, hat eine Kapelle gestanden, die dem St. Job gewidmet gewesen
-ist und welche vom Fürst Georgen reichlich begabet und vom
-Bischof zu Meißen im Jahre 1505 eingeweihet wurde. Letzterer setzte
-auch einen Meßpriester dahin, welcher den Badegästen, ehe sie ins Bad
-gegangen, eine Messe lesen mußte. Von dieser Kapelle des St. Jobs
-ist alsdann das Bad das Jobs- oder Hiobsbad genannt worden. &ndash;
-Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne
-herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in diesem Wasser gewaschen
-und heil geworden.</p>
-
-<h3 id="sec439">439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em> II, S. 20.)</p>
-
-<p>Anno 1262 haben die Geißler in großer Zahl das Land Meißen
-durchlaufen und sich dieses Jahr in der Stadt Freiberg befunden, dahin
-damals eine starke Wallfahrt zur schönen Marie gewesen. Diese Leute
-sind halb nackend je zwei und zwei barfuß gegangen, in roten offenen
-Mänteln, die man spanisch Armilausen genannt.</p>
-
-<p>Das Marienbild war von Wachs in menschlicher Größe ganz<span class="pagenum"><a id="Seite_375">[375]</a></span>
-schön und zierlich gestaltet und stand in einer besondern Kapelle. Die
-Leute kamen von allen Orten heftig gelaufen, als wenn sie bezaubert
-wären, und was ein jedes von Männern und Weibern von seiner Arbeit
-in der Hand gehabt, wenn ihn die Tollheit angestoßen, das hat er
-mit sich genommen und allda gelassen; wie auch viel krumme, lahme
-und andere preßhafte Menschen, die sich zu diesem Bilde verlobet, gesund
-geworden und ohne Mangel wieder davon gegangen sein sollen.</p>
-
-<p>Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß
-unter dem Schein des Heiligtums ein böses sodomitisches Leben und
-viel Schande und Laster getrieben wurde, worauf durch einen fürstlichen
-Befehl dem Gelaufe und den Zusammenkünften gesteuert wurde
-und solche mit Ernst abgeschafft worden sind.</p>
-
-<h3 id="sec440">440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Öderan, 1847, S. 87. Gräße, Sagenschatz
-d. K. Sachsen, Nr. 559. Kirchengalerie, 8. B., S. 117.)</p>
-
-<p>Vom Jahre 1439 bis 1443 ward das Meißnerland von einer
-besondern Pest heimgesucht. Die davon betroffenen Menschen waren
-nicht mit Schmerzen geplagt; von Schlafsucht befallen, war der Pestkranke
-in wenigen Tagen tot. Früher wanderte man vor dem Pestengel
-aus, diesmal half man sich mit Gelöbnissen. Das wunderthätige
-Marienbild in Ebersdorf bei Frankenberg ward von Tausenden besucht,
-und diese wurden dann mit irgend einem Trostspruche oder der Verhängung
-einer Buße entlassen. Für die Öderaner lautete die Sühne
-und Strafe folgendermaßen:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Das Haus der lieben Frawen<br /></span>
-<span class="i0">Mit Klang druf ufzubawen!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Das hieß nun: die Kirche zu Öderan samt deren Glocken herzustellen.
-Die Öderaner haben dann auch Glocken auf den Turm besorgt;
-inwieweit sie sonst noch dem Verlangen des Marienbildes nachgekommen
-sind, wird uns vom Chronisten verschwiegen.</p>
-
-<p>Außer manchen andern Reliquien, wie einem hölzernen Christusbilde,
-das zu manchen Zeiten Thränen vergossen haben soll, zeigt man
-in der Kirche zu Ebersdorf noch heute eine Krücke, welche ein durch die
-Berührung des Marienbildes geheilter Lahmer getragen habe. Diese
-Krücke ist mit der Jahreszahl 1333 gezeichnet, und man liest an ihr
-die eingeschnittenen Worte:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Kruck, Du bist ein schön Kruck,<br /></span>
-<span class="i0">Kruck, Du bist mein Ungluck,<br /></span>
-<span class="i0">Zu meinem Ungluck hab ich ein schön Kruck.«<br /></span>
-</div></div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_376">[376]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec441">441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 57.)</p>
-
-<p>Dreiviertel Stunden von der Bergstadt Joachimsthal entfernt
-liegt die zerstreute Ortschaft Mariasorg, welche ein Kapuzinerhospiz besitzt,
-in dessen Kirche sich am Hochaltare eine Muttergottesstatue befindet,
-zu der alljährlich zahlreiche Wallfahrer und Andächtige von fern
-und nah wegen der vielen Wunder pilgern, durch welche Gott das
-Bildnis der heiligen Jungfrau Maria verherrlichte. An dieses Gnadenbild
-knüpft sich folgende Sage:</p>
-
-<p>Zur Zeit, als <em class="antiqua">M.</em> Johannes Mathesius, Luthers Schüler und
-Tischgenosse, in Joachimsthal als Pfarrherr wirkte, bewohnten »das vor
-alters benannte rote Haus im untern Viertel des Türkners« mehrere
-Protestanten und ein Mädchen, welches der römisch-katholischen Kirche
-treu geblieben war. Von den vielen Heiligenbildern, mit denen es das
-Kämmerlein geschmückt hatte, erfreute sich besonders eine alte, verbräunte
-Muttergottesstatue einer hohen Verehrung seitens des Mädchens. Ungestört
-kniete dieses oft stundenlang vor derselben und flehte mit gefalteten
-Händen zur Jungfrau Maria, der gnadenreichen Himmelskönigin.
-Allein bald erfuhren die Hausgenossen von der stillen Andacht,
-welcher sich das Mädchen hingab, und zwei Brüder, eifrige Protestanten,
-faßten den Entschluß, diesen religiösen Übungen für immer ein Ende
-zu machen. Der eine der Brüder bemächtigte sich eines Tages der
-Statue und wollte sie mit dem Angesichte gegen die Mauer annageln,
-wovon das Zeichen noch heute an dem Hinterhaupte des Bildes zu
-sehen sein soll, fiel aber zur Strafe für seine Frevelthat von der Leiter
-und starb. Der andere warf hierauf das Marienbildnis in den Winkel
-eines im Hause befindlichen Hühnerkämmerleins, wo es, durch Schmutz
-entstellt, viele Jahre versteckt blieb, bis mit der Vertreibung der Protestanten
-der Katholicismus in Joachimsthal wieder feste Wurzeln faßte.</p>
-
-<p>Damals geschah es, daß David Weidner aus Plan sich daselbst
-niederließ und mehrere, von den Protestanten verlassene Bürgerhäuser,
-darunter auch das rote Haus, kaufte. Zu seiner Überraschung fand er
-in letzterem die Muttergottesstatue in dem Hühnerkämmerlein; er ließ
-sie als guter Katholik absäubern und hielt sie lebenslang in Ehren.
-Weidner starb um das Jahr 1676 als Stadtrichter und vererbte das
-Bildnis seiner Tochter Anna Lucia, verehelichten Mader, die dasselbe
-als Heiligtum aufbewahrte und andächtig in ihrem Wohnzimmer verehrte.
-Als darauf in den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts die
-Joachimsthaler Gemeinde an dem denkwürdigen Orte, wo des Einsiedlers
-Niavis kleine Kapelle gestanden, die bei Einführung des Luthertums<span class="pagenum"><a id="Seite_377">[377]</a></span>
-in hiesiger Gegend zerstört wurde, eine Kirche erbaute, ließ Anna
-Lucia Mader daselbst ihre Muttergottesstatue zur allgemeinen Verehrung
-aufstellen. Nach diesem Marienbilde erhielt die Kirche, da die
-Gegend schon von uraltersher Sorg hieß, den Namen »Maria-Sorg«,
-der in der Folge auch auf das Dorf überging.</p>
-
-<p>Noch immer ladet die Kirche zu Maria-Sorg zum Beten ein, dagegen
-fiel das alte rote Haus dem verhängnisvollen Brande vom 31.
-März 1873 zum Opfer.</p>
-
-<h3 id="sec442">442. Das Marienbild bei Klösterle.</h3>
-
-<p class="source">(Glückauf, 3. Jahrg., Nr. 4, S. 33.)</p>
-
-<p>Bei Klösterle steht an der Schlackenwerther Straße ein Marienbild
-in einer hohlen Linde. Das stand erst auf der andern Seite, auch
-in einem Baume. Da schlug das Wetter ein. Der Baum flog in
-tausend Granatstücke und das Bild schwebte unversehrt, so daß ihm
-kein Unthätchen geschehen, über die Straße zu der andern Linde, und
-dort hat man es denn auch aufgestellt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Linde, der Nationalbaum der Deutschen, galt unsern Vorfahren als heilig;
-sie war besonders der Göttin Frigg geweiht, an deren Stelle später Maria getreten
-ist, die nun zur Beschützerin der Linden wurde. Auch das Bild der heiligen Maria
-von Rosenthal wurde in einer Linde gefunden. (Haupt, Sagenbuch II, Nr. 287.)
-Als ein aus Holz geschnitztes Marienbild von den Rastenburgern von seinem Platze,
-einer Linde, welche immer grün blieb, geholt und nach der Kirche getragen wurde,
-stand es doch am andern Morgen wieder in der Linde, weshalb man unter derselben
-eine Kapelle baute. So entstand der Wallfahrtsort »Heiligenlinde«. (Reling und
-Bohnhorst, unsere Pflanzen, S. 17.)</p></div>
-
-<h3 id="sec443">443. Das Marienbild in Mariaschein.</h3>
-
-<p class="source">(Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Aufl., S. 65.)</p>
-
-<p>Von Teplitz 1½ Stunde entfernt und in der Nähe des Bergstädtchens
-Graupen liegt das Jesuitenkloster Mariaschein. Die große
-Kirche desselben ist rings von prächtigen Linden umgeben, sowie von
-Säulenhallen, in denen Beichtstühle aufgestellt sind; Freskobilder stellen
-die wunderbaren Wirkungen des Gnadenbildes dar. Dieses selbst, ein
-Marienbild, »die schmerzhafte Mutter Gottes«, wird in der Mitte des
-Hochaltars unter Glas in goldener Hülle aufbewahrt; es ist aus Thon,
-etwa 12 cm hoch, und soll zur Zeit der Hussitenkriege nach der Zerstörung
-des Nonnenklosters zu Schwatz von einer Nonne in einer Linde<span class="pagenum"><a id="Seite_378">[378]</a></span>
-an der Stelle der jetzigen Kirche versteckt worden sein, wo es seine
-Kraft durch die wunderbare Errettung eines Mädchens von einer
-Schlange bewies. Als die Bürger des Städtchens Graupen dasselbe
-in feierlichem Zuge in ihre Kirche gebracht hatten, kehrte es auf wunderbare
-Weise in die Linde zurück. Deshalb baute man an dieser Stelle
-zuerst eine Kapelle, dann die Kirche. Bei Wallfahrten wird das Bild
-gezeigt und von den Gläubigen geküßt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>S. die Bemerkung zur vorhergehenden Sage.</p></div>
-
-<h3 id="sec444">444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 134.)</p>
-
-<p>Betritt man die Pfarrkirche des am Hohen Steine gelegenen
-Dorfes Stein, so fällt einem in der Vorhalle, oberhalb des Weihwasserbeckens,
-ein Ölgemälde auf, Diebe darstellend, wie sie eben die
-wertvollsten Gegenstände vom Altar der Steiner Pfarrkirche zusammenraffen
-und davontragen. Die fromme Sage erzählt weiter: Die Verbrecher
-flohen mit dem gestohlenen Kirchengute nach Sachsen zu und in
-der Nähe des Hohen Steines entleerten sie die Monstranze und das
-Ciborium der consecrierten Hostien. Das geschah im Herbste. Das
-Jahr darauf, im Frühlinge, weidete eine Rinderherde in dieser Gegend.
-Da hörte der Hirte ein anhaltendes Röhren einiger der
-ihm anvertrauten Kühe, und als er nach der Ursache forschte, sah er
-zu seinem Erstaunen mehrere Rinder um eine Wachholderstaude stehen,
-an der noch einige der von den Dieben hier verschütteten Hostien hingen,
-während die andern, ebenfalls unbeschädigt, unter dem Strauche am
-Boden lagen. Eilig lief der Hirte, seine Heerde im Stiche lassend
-nach Hause und verkündete, was er gesehen. Viele Leute gingen mit
-ihm und fanden seine anfangs bezweifelten Aussagen bestätigt, sahen
-auch zu ihrer Verwunderung die Rinder, immer noch laut röhrend, um
-den »Kronawittstrauch« herumstehen. Geistliche, von einer großen
-Volksmenge begleitet, welcher das merkwürdige Ereignis kund geworden,
-kamen bald an den Ort, unter Absingung heiliger Lieder faßten sie die
-Hostien in den Kelch und übertrugen sie in feierlicher Prozession in die
-Pfarrkirche, aus der sie so freventlich entwendet worden waren.</p>
-
-<p>Auf der Stelle aber, wo das Wunder geschehen, erhob sich bald
-eine einfache Kapelle, welche in ihrem Innern außer anderm ein Gemälde
-aufweist, welches auf das Auffinden der Hostien Bezug hat und<span class="pagenum"><a id="Seite_379">[379]</a></span>
-an deren Stufen das bedrängte Herz Trost und Linderung seiner Leiden
-findet, wenn es sich zum Urquell aller Dinge erhebt.</p>
-
-<h3 id="sec445">445. Die heilige Georgenfahne zu Tharand.</h3>
-
-<p class="source">(Die Ruinen von Tarant. Ein Beitrag zur Kunde der Vorzeit etc.
-Dresden, Joh. Sam. Gerlach, 1795, S. 20.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1190 erlitt die Burg Tharand das Unglück, daß sie
-in Feuer aufging, wobei sich noch obendrein ein großes Wunder ereignete.
-Es flog die daselbst seit einiger Zeit aufbewahrte heilige Georgenfahne,
-die im Kriege wider die Ungläubigen viele Wunder gethan
-hatte, während des Brandes vor aller Augen zum Fenster unversehrt
-hinaus, und niemand wußte anzugeben, wohin sie gekommen war.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Von dieser heiligen Georgenfahne wird erzählt, daß sich dieselbe Ludwig der
-Fromme, Landgraf zu Thüringen, im Kriege gegen die Sarazenen vortragen ließ.
-Als er bei Akkon blieb, ward die Fahne erst auf die Wartburg und später nach Tharand
-geschafft. (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 103.)</p></div>
-
-<h3 id="sec446">446. Das Wunschfläschchen.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 205.)</p>
-
-<p>Bevor die Eisenbahnen aufkamen, vermittelten die Reischdorfer
-Fuhrleute den Handel zwischen Böhmen und den übrigen Ländern. So
-fuhr auch einmal ein Reischdorfer nach Nürnberg. Eines Tages, da
-ein großer Sturm und Regen herrschte, geschah es, daß unser Fuhrmann
-mit seinem Wagen in einen Abgrund fiel, wo Wagen und Pferde
-zerschmetterten. Er fluchte und jammerte, allein alles vergebens.
-Plötzlich fühlte er, daß ihm jemand auf die Achseln klopfte. Er schaute
-sich um und sah einen sonderbar gekleideten Mann vor sich, der ihn
-fragte, weshalb er so jammere. Der Fuhrmann zeigte auf seinen
-Wagen und erzählte sein Unglück. Da zog der Fremde ein Fläschchen
-aus der Tasche, in welchem sich ein Ding hin und her bewegte, und
-sagte zum Fuhrmann, er solle ihm dafür zwei Thaler geben; wenn er
-das Fläschchen rüttle und sich dabei etwas wünsche, so werde sein
-Wunsch augenblicklich in Erfüllung gehen; nur müsse er das Fläschchen
-billiger verkaufen, als er es eingehandelt habe. Der Fuhrmann zahlte
-voll Freuden das Geld, rüttelte das Fläschchen und wünschte sich das
-schönste Haus in Nürnberg. Dort lebte er in Hülle und Fülle. Eines
-Tages aber, als er wiederum im Wirtshaus saß und mit Geld um
-sich warf, sah er einen schwarz gekleideten Herrn, der ihn ganz seltsam<span class="pagenum"><a id="Seite_380">[380]</a></span>
-anblickte. Der Fuhrmann ging auf ihn zu und fragte ihn, warum er
-ihn so betrachte. Der Fremde antwortete, daß ihm seine Verschwendung
-auffalle. »Ja,« sagte der Reischdörfer, »ich hab' da ein Fläschchen, damit
-kann ich mir alles wünschen, was ich will. Um einen Thaler jedoch
-will ich's Euch verkaufen.« Der Fremde nahm das Fläschchen,
-sprach einen Spruch darüber, so daß es in tausend Stücke zersprang;
-das darin befindliche Ding aber ward eine Schlange, die so stank, daß
-der Bauer in Ohnmacht fiel. Als er erwachte, befand er sich auf der
-nämlichen Stelle, wo sein Gespann zu Grunde gegangen war. Er ging
-nach Nürnberg, um zu sehen, was aus seinen Reichtümern geworden
-sei. Da sah er auf dem Balkon des Hauses, das ihm gehört hatte,
-seine eigene Gestalt, die ihm zuwinkte. Er trat ins Haus, allein alle
-Leute darin waren ihm fremd und die Gestalt war verschwunden. So
-kehrte er ebenso arm nach Hause zurück, als er ausgezogen war.</p>
-
-<h3 id="sec447">447. Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau.</h3>
-
-<p class="source">(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 15.)</p>
-
-<p>Über die Entstehung der Tempiskapelle am obern Wege von Komotau
-nach Görkau erzählt die Sage:</p>
-
-<p>In Rothenhaus war Herr Tempis Kastellan, der seine Arbeitsleute
-und Herrschaftsangehörige sehr hart und grausam behandelte.
-Einmal kehrte er auf seinem Rosse von Komotau nach Hause zurück.
-Es war eine finstere, rabenschwarze Nacht, und dazu hatte er noch etwas
-zu viel von geistigen Getränken genossen. Anfangs ging sein Roß ganz
-gut, dann aber sauste es im rasenden Galopp dahin. In der Ferne
-bemerkte Herr Tempis ein Licht und glaubte schon bei Rothenhaus
-zu sein. Da auf einmal fing sein Pferd an zu sinken, und je weiter
-er ritt, desto tiefer sank es. Trotz aller seiner und seines Pferdes Anstrengung
-gelang es nicht, aus diesem Moraste heranzukommen. Herr
-Tempis sah schon seine letzte Stunde gekommen, da eine Rettung hier
-nicht möglich war. In diesem qualvollen und entsetzlichen Augenblicke
-that er das Gelübde, im Falle er gerettet werde, eine Kapelle zu Ehren
-der Mutter Gottes an dieser Stelle zu erbauen. Er trieb jetzt
-sein Pferd noch einmal an. Dieses bot seine letzten Kräfte auf und
-siehe, Roß und Reiter waren gerettet. Herr Tempis erfüllte nun auch
-gewissenhaft sein Gelübde.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_381">[381]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec448">448. Sieben versteinerte Jungfrauen.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 274.)</p>
-
-<p>Bei Komotau gegen das Gebirge hin liegen auf einem Berge
-mehrere große Steine, die Katzen ähnlich sind. Das sollen sieben
-Jungfrauen sein, welche ein schlechtes Leben führten und deshalb in
-diese katzenähnlichen Steine verwandelt worden sind.</p>
-
-<h3 id="sec449">449. Wie die große Glocke in der Marienkirche zu Zwickau ihre
-Stimmung bekommen hat.</h3>
-
-<p class="source">(T. Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em> I., S. 78.)</p>
-
-<p>Als auf dem Turme der Marienkirche zu Zwickau die große
-Glocke am 12. Juli 1512 sprang, weil man von 8 Uhr des Abends
-bis den andern Morgen früh um Vier eines schrecklichen Gewitters
-halber nach damaliger Gewohnheit geläutet hatte, so fragte der Glockengießer,
-der sie umzugießen hatte, als das Metall schon geschmolzen war,
-und er das Werk selbst beginnen sollte, die dabei stehenden Ratsherren,
-was für einen Ton er der Glocke geben solle? Da nun diese verlangten,
-er solle derselben das Chormaß nach der Orgel, also das bloße
-<em class="antiqua">C</em> geben, hat er ein Pulver von Kräutern zugerichtet und in das Metall
-geworfen, und davon hat die Glocke den gewünschten Ton bekommen.</p>
-
-<h3 id="sec450">450. St. Wolfgang zu Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 290.)</p>
-
-<p>Ist einst ein Bischof, namens Wolfgang, aus dem Geschlechte
-derer von Schleinitz zu Freiberg gewesen. Wie der nun einmal in
-vollem Ornate zum Dienste des Herrn in den Dom geht, da stürzt
-sich ein Bettler vor seine Füße nieder, der Gliederreißen oder das
-böse Wesen zu haben schien. Mitleidsvoll blickten den Unglücklichen
-alle Anwesende an, nur der Bischof machte eine Ausnahme, er sprach
-zu ihm: »Tobt wirklich eine Krankheit in Dir, so möge sich Gott
-Deiner erbarmen und Dich gesund machen, hast Du sie aber zum
-Frevel erlogen, um Almosen zu erlangen, soll sie von jetzt an Deine
-Strafe sein.« Kaum war aber der gottlose Heuchler, welcher der
-ernsten Mahnung des Bischofs nicht ungehorsam zu sein wagte, vom
-Boden aufgestanden, als er auch mit jämmerlichem Geschrei wieder
-niederfiel und niemand mehr an der Erfüllung des göttlichen Strafgerichts
-zweifeln konnte. Da hat das Volk den frommen Bischof als<span class="pagenum"><a id="Seite_382">[382]</a></span>
-Heiligen verehrt und die Begleiter haben seitdem den St. Wolfgang
-zu ihrem Schutzpatron angenommen.</p>
-
-<h3 id="sec451">451. Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz etc.,
-Nr. 511.)</p>
-
-<p>Am 26. Juli des Jahres 1519 ward die St. Annenkirche in der
-Stadt Annaberg durch den Bischof von Meißen, Johann VI., geweiht
-und bei dieser Gelegenheit ereignete sich folgende wunderbare Begebenheit,
-welche durch ein, wahrscheinlich von Lucas Cranach gemaltes Bild,
-das sich am Grabmonumente L. Pflocks, eines reichen Bergherrn, der
-bei diesem Vorgange zugegen war, befindet, noch heute im Andenken
-erhalten wird. Als nämlich die Prozession, bei der sich auch Herzog
-Georg von Sachsen befand, an der Pforte der Kirche angelangt war
-und der Bischof sich anschickte, dieselbe einzuweihen, sah er plötzlich
-einen zerlumpten Bettler, der sich in epileptischen Zuckungen auf der
-Erde herumwälzte, vor sich. Da erhob sich in der Seele des geistlichen
-Herrn der Verdacht, die Krankheit dieses Elenden sei nur eine verstellte
-und derselbe benutze dieselbe bloß, um bei dem heutigen hohen Feste
-das Mitleid der Anwesenden zu erregen. Er hob also die Rechte zur
-Benediktion, schlug ein Kreuz über den Bettler und sprach mit laut
-erhobener Stimme: »Bist Du wirklich krank, so helfe Dir der Herr,
-verstellest Du Dich aber, so strafe er Dich!« Kaum hatte er diese
-Worte gesprochen, so geschah es, daß die von dem Bettler vorgegebene
-Krankheit zur Wirklichkeit ward, ein fürchterliches Geschrei verkündete
-ihr Dasein und mehrere starke Männer waren jetzt kaum im Stande,
-den Unseligen in seinen Zuckungen zu bändigen und auf die Seite zu
-bringen.</p>
-
-<h3 id="sec452">452. Ein Totenschänder wird entdeckt.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 572.)</p>
-
-<p>Vor einer Reihe von Jahren lebte in Schöneck ein Pfarrer Merz,
-welchem ein Kind von 2 Jahren starb. Nach 14 Tagen rief eine
-Kinderstimme bei diesem Pfarrer Merz des Abends nach 10 Uhr beim
-Schlafstubenfenster: »Mein Händchen und mein Füßchen!« und dies
-einigemale. Der letzte Ruf lautete: »Vater, mein Händchen und mein
-Füßchen fehlt mir!« Darauf ließ der Pfarrer Merz sein Kind wieder
-ausgraben, und wirklich fehlten auch diese Glieder. Es wurde nachgeforscht<span class="pagenum"><a id="Seite_383">[383]</a></span>
-und man hatte auf einen Bewohner der Birkenhäuser bei
-Schöneck, welcher einen Schatz hatte heben wollen, Verdacht. Am nächsten
-Sonntage erblickte der Pfarrer den bezeichneten Mann in der
-Kirche; er leitete seine Predigt auf den Vorfall und rief, indem er
-auf den Verdächtigen hinzeigte, laut aus: »Du Schalksknecht, Du
-Übelthäter, verschaffe die Glieder meines Kindes wieder!« Darauf soll
-der Mann wie tot umgefallen sein.</p>
-
-<h3 id="sec453">453. Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in
-der Marienkirche zu Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygnea</em> I., S. 63.)</p>
-
-<p>Früher ward in der gewölbten Sakristei in der Marienkirche zu
-Zwickau ein in arabisch Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi
-verwahrt, welches der Hauptmann Martin Römer im Jahre 1479 der
-Kapelle geschenkt hatte. Nun war aber in die Einfassung mit Cyrillischen
-Buchstaben und in serbischer Sprache eine Inschrift gegraben,
-welche also lautete: »Dieses ehrwürdige Crucifix ist auf der Königin
-… (der Name war nicht mehr zu lesen) Befehl gemacht und in die
-Kirche der h. Dreifaltigkeit bei der Grube (zu Konstantinopel) gesetzt
-worden; es sind in demselben fünf ganze Stücklein vom h. Kreuz und
-vier Edelsteine, die hölzernen Stücklein sind für 2000 Gulden gekauft,
-das Gold aber und die Edelsteine kosten 1000. Wer ein Stücklein
-von diesem Holze des Kreuzes mit Gewalt aus der Kirche der h. Dreifaltigkeit
-nehmen wird, der sei verflucht und das h. Kreuz bringe ihn
-um, wer es etwa an einem andern Orte antrifft, der schaffe es wieder
-in die Kirche zur h. Dreifaltigkeit, wer es nicht thut, den bringe Gott
-und das h. Kreuz um.« Trotz dieses Fluches hat aber, als die Türken
-Konstantinopel eingenommen, ein Grieche dieses Heiligtum, damit es
-nicht in unheilige Hände komme, errettet und hernach M. Römern in
-Zwickau verkauft, der auch von dem darauf geschriebenen Fluch nichts
-zu befürchten gehabt, weil er es nicht mutwillig entwendet, sondern nur
-vor denen, die es ohnedem zerschlagen und beschimpft hätten, bewahrt
-hat. Nun hat aber der Herzog von Friedland, insgemein der Wallenstein
-genannt, am 1. September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern
-Graf Maximilian von Wallenstein und Graf Paul von Lichtenstein
-abholen und hernach auf der Post durch genannten Grafen von
-Wallenstein dem Kaiser anbieten lassen, als verehre die Stadt Zwickau
-und die geistliche Behörde solches demselben freiwillig; allein es war
-hierbei wenig Willigkeit, sondern nur Gewalt zu finden, und es hieß<span class="pagenum"><a id="Seite_384">[384]</a></span>
-vielmehr: willst du nicht, so mußt du. Nun ist aber der besagte
-Fluch an allen diesen Personen ausgegangen. Nachdem dies nämlich
-hier am 14. September geschehen, hat der Wallenstein am 6. November
-die große Schlacht bei Lützen verloren und seit dieser Zeit kein Glück
-mehr gehabt, also daß er bald darauf zu Eger ein blutiges Ende
-nahm; die beiden Grafen aber sind noch in demselben Jahre umgekommen
-und ist keiner von ihnen eines natürlichen Todes gestorben.</p>
-
-<h3 id="sec454">454. Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau.</h3>
-
-<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, frühere Schicksale und jetzige
-Beschaffenheit. Lauenstein, 1845. S. 297.)</p>
-
-<p>Eine geschichtliche Merkwürdigkeit besitzt das in einem der
-rauhesten Teile des Erzgebirges liegende Dorf Fürstenau in seiner
-Kirche, welche eine Filiale von Fürstenwalde und die älteste Kirche
-der ganzen Umgegend ist. Denn schon lange vor der Reformation
-war die Kapelle in Fürstenau eine Tochter der Hauptkirche zu Graupen;
-sie führte den Namen »Zur unbefleckten Empfängnis Mariä« und
-ward 1424 mit einer Glocke beehrt. Das am Altar dieser Kirche befindliche
-Marienbild, von nicht ganz schlechter Bildhauerarbeit und
-reicher Vergoldung, stellt den Besuch Marias bei ihrer Schwester
-Elisabeth vor. Zu diesem Marienbilde zog der fromme Glaube
-eine Menge Wallfahrer, und mehrere dem Kirchlein verehrte Geschenke,
-sowie daselbst aufgestellte und bewahrte, von geheilten Kranken
-zurückgelassene Gegenstände sollen die gnadenreiche Wirkung bezeugen.
-Auch noch jetzt findet alljährlich am Sonntage nach Mariä Heimsuchung
-eine Wallfahrt der Katholiken aus dem benachbarten Böhmen
-unter Gesang zur Fürstenauer protestantischen Kirche statt. Sie verrichten
-dort vor dem Bilde knieend ihre Andacht und ziehen dann singend
-wieder über die Grenze zurück.</p>
-
-<p>Zur Zeit der hussitischen Unruhen (um 1419 bis 1436) wurde
-das genannte Marienbild des Nachts von Dieben entwendet; diese
-aber sollen sich im Walde verlaufen und sodann, um den Weg aufzusuchen,
-das Bild einstweilen in einem Strauche versteckt haben.
-Kaum sei aber das Bild aus ihren Händen gewesen, so hätten sie
-auch den Weg wiedergefunden. Als nun einer der Diebe wieder zurückgegangen,
-um das Bild nachzuholen, sei dasselbe nirgends aufzufinden
-gewesen, so hätten die Diebe unverrichteter Sache wieder abziehen
-müssen. Das Bild aber ist tags darauf wieder an seinem Platze
-in der Kirche zu Fürstenau gewesen. Einer der Diebe soll dies seinem
-Beichtvater noch auf dem Sterbebette entdeckt haben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_385">[385]</a></span></p>
-
-<p>Bei einem zweiten Entwendungsversuche sollen die Diebe mit
-dem Marienbilde des Nachts in der Gegend von Teplitz von unbekannten
-Männern angefallen, das Bild ihnen wieder abgenommen
-und solches an den Prior des Klosters Mariaschein abgeliefert worden
-sein. Der Prior jedoch habe das Bild seiner Schönheit und reichen
-Vergoldung halber für sich behalten, oder solches einer anderen
-Kirche verehren, nicht aber nach Fürstenau zurückgeben wollen. Allein
-dasselbe sei hierauf bei ihm auf einmal verschwunden und wieder an
-seinem Platze in der Kirche zu Fürstenau gewesen. Diese Begebenheit
-ist auf Befehl des Priors in allen Kirchen der Umgegend öffentlich
-bekannt gemacht worden, seitdem aber sei nie wieder ein Versuch zur
-Entwendung des Bildes vorgekommen.</p>
-
-<h3 id="sec455">455. Die Fußtapfe der heiligen Maria.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 306.)</p>
-
-<p>Zwischen dem Hausberge bei Graslitz und dem Holzhaue ist die
-Räumer, ein Thal, das mit großen Granitblöcken besäet ist. Dort
-liegt auch ein Stein, auf welchem der Abdruck eines Fußes sichtbar
-ist. Als die heilige Jungfrau übers Gebirge ging zu ihrer Base
-Elisabeth, soll sie hier gestrauchelt sein und den Fuß in den Stein
-eingetreten haben. Die Fußtapfe hat deshalb auch die merkwürdige
-Eigenschaft, daß jeder Fuß in dieselbe paßt. &ndash; Nach einer anderen
-Sage soll hier ein Mädchen ermordet worden sein und im Todeskampf
-das Mal in den Stein getreten haben.</p>
-
-<h3 id="sec456">456. Maria im Erzgebirge.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der metrischen Bearbeitung von Ludw. Bowitsch bei Wenisch,
-Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)</p>
-
-<p>Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte
-Mutter das kärgliche tägliche Brod erwerben. Da wurde ihm einst
-von der reichen Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer
-Herrin, der Auftrag erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist
-ein reiches Spitzenkleid zu fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre
-Aufgabe pünktlich und zur Zufriedenheit ihrer Herrin löste, sollte ihr
-reicher Lohn werden; beim Gegenteile erwartete sie dagegen Spott
-und bitt'rer Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und Nacht bei
-ihrer Arbeit, doch als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich nicht
-mehr des Schlafes erwehren und sie wankte todesmüde ans Bett der<span class="pagenum"><a id="Seite_386">[386]</a></span>
-Mutter hin. Aber wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch
-durch ihre Seele; die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem
-Scheine und leise trat eine holde Frau ein, mit einer goldenen Krone
-auf dem Haupte. Es war die Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte
-sich an das Klöppelkissen und die Klöppeln flogen so zauberhaft, wie
-es dem Mädchen nie gelungen war, so daß vor Anbruch des Tages
-das reichste Spitzenkleid vollendet da lag. Als das also träumende
-Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand bereits die Sonne hoch am
-Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum es gezeigt hatte, war
-das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug es frohen Mutes hinauf
-zum Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin und belohnte die
-Arbeit so reichlich wie nie zuvor. In dem Kleide jedoch war Gottes
-Segen eingewoben, welcher in der Folge nicht nur der strengen Edelfrau,
-sondern auch der armen Klöpplerin zu teil wurde.</p>
-
-<h3 id="sec457">457. Der heilige Petrus in Eisenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Vernaleken bei Henne-Am-Rhyn, Die deutsche Volkssage, 1879,
-S. 424.)</p>
-
-<p>Bei einem alten Manne, einem Schmied in Eisenberg bei Komotau,
-kehrte einst der heilige Petrus ein, blieb über Nacht und gab
-ihm am Morgen drei Wünsche frei. Der Schmied wünschte sich: 1.
-einen Stuhl, von dem keiner ohne seinen Willen aufstehen könne, 2.
-einen Kirschbaum, von dem kein Hinaufgestiegener ohne seinen Willen
-wieder herab könne, und 3. daß er bei jedem Spiele gewinne. Das
-Letztere machte den Schmied zum reichen Manne. Endlich wollte niemand
-mehr mit ihm spielen, da kam der Tod und wollte ihn holen.
-Der Schmied schlug auch ihm ein Spiel vor und gewann noch zehn
-Jahre Leben. Als der Tod wieder erschien, bot er ihm den Stuhl
-und der Tod saß und durfte nur um zehn neue Jahre frei fort. Als
-auch die um waren, ließ er ihn auf den Baum steigen, dessen Kirschen
-ihm in die Augen stachen, und ließ ihn erst wieder herab, als er verhieß,
-nie wieder zu kommen.</p>
-
-<h3 id="sec458">458. Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen.</h3>
-
-<p class="source">(Jos. Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 162.)</p>
-
-<p>Noch vor wenigen Jahrzehnten zeigte man in einem Felsen oberhalb
-des Bergstädtchens Graupen eine Fußspur, welche von dem heiligen
-Wolfgang herrühren sollte. Dieser Heilige und spätere Bischof
-von Regensburg soll vor Antritt seiner Mission nach Pannonien hier<span class="pagenum"><a id="Seite_387">[387]</a></span>
-in einer Höhle gewohnt und dabei die Spur seines Fußes zurückgelassen
-haben.</p>
-
-<h3 id="sec459">459. Der Hengstberg bei Hengstererben.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 76.)</p>
-
-<p>In dem Hengstberge bei Abertham arbeiteten einmal fünf Bergleute,
-die wegen ihrer Frömmigkeit und Gottesfurcht weit und breit
-bekannt waren. Sie fuhren nie an, ohne den kräftigen Bergmannssegen
-gesprochen zu haben:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">In Gottes Namen setzen<br /></span>
-<span class="i0">Wir unser Erz jetzt ein;<br /></span>
-<span class="i0">Laß uns von Deinen Schätzen<br /></span>
-<span class="i0">Auf's neu beschenket sein!<br /></span>
-<span class="i0">Wir sehn auf Deine Hände,<br /></span>
-<span class="i0">Wem Du es giebst, dem glückt's,<br /></span>
-<span class="i0">Vom Anfang bis ans Ende<br /></span>
-<span class="i0">Herr benedei! so blickt's!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Die Grube aber, in welcher sie arbeiteten, war ein Bau auf
-Zinn. Unverdrossen und mit treuem Sinn verrichteten sie ihre Schicht.
-Der Herr segnete auch ihrer Hände Fleiß; denn wo sie mit ihrem Gezähe
-einschlugen, arbeiteten sie große Mengen Erzes heraus, und daher
-kam es auch, daß die Strecken schon tief in den Berg hineinreichten. &ndash;
-Eines Tages versammelten sie sich wie gewöhnlich im Grubenhause.
-Immer pflegten sie heitern Angesichts zu sein, heute hingegen war in
-ihren Mienen Traurigkeit und Besorgnis zu lesen. »Freunde,« hub
-der älteste an, »mir scheint, daß Ihr heute sehr ernsthaft gestimmt seid.
-Ich bin es auch und zwar, weil ich einen bösen Traum gehabt, in
-welchem ich mich in einer großen Gefahr befand.« &ndash; »Uns ist es auch
-nicht besser gegangen,« sprachen die Viere. Da sie aber fromm waren
-und feste Zuversicht auf Gott hatten, blieb ihr Gemüt ruhig, sie sangen
-ohne Furcht und mit Ergebung den Bergmannssegen und fuhren ein.
-Als sie vor Ort gekommen, falteten sie nochmals die Hände und
-beteten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Jesu! Du reicher Schöpfer mein,<br /></span>
-<span class="i0">Thu kräftig sprechen<br /></span>
-<span class="i0">Auf allen Zechen<br /></span>
-<span class="i0">Den Segen Dein.<br /></span>
-<span class="i0">Bescher mit Freud'<br /></span>
-<span class="i0">Reiche Ausbeut'!<br /></span>
-<span class="i0">Wend' allen Schaden,<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_388">[388]</a></span>
-<span class="i0">Thu uns in Gnaden<br /></span>
-<span class="i0">Behüten fein!<br /></span>
-<span class="i0">Schicht! Schicht!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Da ward plötzlich die ganze Strecke sonnenhell erleuchtet, und die
-erschrockenen Bergleute wußten nicht, wie ihnen geschah. Sie hörten
-aber eine Stimme: »Fürchtet Euch nicht, Ihr frommen Männer!
-Blicket auf zu mir, ich bin der Engel des Herrn, der Euer Gebet erhört!
-Gehet eilends aus der Grube, denn diese findet heute ihren
-Untergang!«</p>
-
-<p>Die Fünf blickten auf und sahen freilich nur auf einen einzigen
-kurzen Augenblick das milde Antlitz des Himmelsboten, und als sie
-ihm danken wollten, war er verschwunden. Heiliger Schauer durchrieselte
-ihre Glieder, lautlos fuhren sie zu Tage, eilten zu den Ihrigen
-und dankten Gott für alle Gnaden mit Rührung und Andacht. Da
-krachte es auf einmal wie ungeheueres Gewitter vom Hengstenberge
-her, &ndash; der Bau war und blieb verschüttet.</p>
-
-<h3 id="sec460">460. Das Mönchgesicht an der Kirche zu Schlettau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert in Gräße, Sagenschatz etc.
-Nr. 525.)</p>
-
-<p>An der östlichen Außenseite der Kirche zu Schlettau befindet sich
-etwa 8 Ellen von der Erde ein Stein in der Mauer, der angeblich,
-ohne von Menschenhänden bearbeitet zu sein, einem Mönchgesichte täuschend
-ähnlich ist. Das Volk erzählt sich von demselben folgende wunderbare
-Geschichte: Um das Jahr 1520 war Johannes Küttner (oder
-Kottne), ein Bruder des Grünhainer Abtes Georg Küttner, Pfarrer
-zu Schlettau. Da begab es sich, daß einst in stiller Mitternacht, als
-dieser noch eifrig in den Kirchenvätern studierte, ein bleicher Schatten
-vor ihn hintrat und also sprach: »Fürchte Dich nicht, ich bin der Geist
-eines Deiner Vorgänger, der vor nunmehr 100 Jahren, als die Hussiten
-in der Nähe waren, ein silbernes Crucifix um Mitternacht in die Kirchmauer
-vergrub, wo es noch ist; ich ward am nächsten Morgen von den
-wilden Ketzern erschlagen und bin jetzt gekommen, um Dich aufzufordern,
-das heilige Kreuz wieder an seinen frühern Ort auf den Altar zu
-stellen; Du wirst den Fleck, wo es vermauert ist, leicht erkennen, denn
-es wird sich Deinem Auge ein Lichtschein zeigen und da, wo derselbe
-erglänzt, schlage ein, und Du wirst es sogleich entdecken!« Damit verschwand
-der Geist, der fromme Pfarrer aber eilte in die Kapelle, wo
-der Sakristan ihn bereits zur Messe erwartete. Diesem teilte er das
-Erlebte mit und hieß ihn am folgenden Mittag mit Hammer und<span class="pagenum"><a id="Seite_389">[389]</a></span>
-Spitzhaue zur Hand sein, um das Crucifix aus seinem Verstecke herauszunehmen.
-Kaum war aber der Pfarrer wieder weggegangen, da versuchte
-der Böse das dem Geize an sich schon zugewendete Herz des
-Sakristans, er beschloß auf der Stelle den Versuch zu machen, das
-Crucifix zu entdecken, den Raub auf die Seite zu schaffen und dann
-den Fleck möglichst gut wieder auszubessern, damit man von dem geschehenen
-Diebstahl nichts gewahren möge. Nach kurzem Suchen fand
-er auch das Lichtlein, und als er an der Stelle, die hohl klang, einschlug,
-blinkte ihm auch das Silber entgegen; allein er hatte bei dem
-Schlage das eherne Bildnis des Heilandes mit zerschlagen. Da fuhr
-auf einmal ein Donnerschlag vom Himmel herab und die Kirchenglocken
-fingen von selbst an Sturm zu läuten. Der Pfarrer fuhr aus dem
-Schlummer empor, er eilte herab und fand schon eine Menge Volk
-um die Kirche versammelt, weil man glaubte, dieselbe stehe in Flammen.
-Als die Thüren geöffnet wurden, fand man dieselbe zwar ganz hell,
-aber nirgends sah man Feuer, wohl aber lag der Tempelräuber zerschmettert
-neben dem herabgestürzten Crucifix am Boden, doch war sein
-Kopf vom Rumpf wie abgehauen, und als man nach demselben suchte,
-fand man ihn an derselben Stelle in der Mauer, wo das Crucifix
-eingemauert gewesen war. Der tiefbetrübte Pfarrer ließ nun das zerschlagene
-Bild des Heilands aus seinen Trümmern zusammensuchen,
-den Körper des Verbrechers aus der Kirche fortschaffen und befahl, den
-Kopf desselben nach Morgen zu in der Mauer zum ewigen Gedächtnis
-einzumauern. Als aber der Tag anbrach, da sah man das bleiche Gesicht
-des Sakristans von selbst zum Stein geworden aus der Mauer
-heraussehen, und dort steht es noch, denn es läßt sich weder übertünchen
-noch vermauern, ja man erzählt, daß es oft Thränen vergieße
-und allemal, wenn dem Städtchen Gefahren drohen, in gelbem Lichte
-leuchte.</p>
-
-<h3 id="sec461">461. Die Totenhand in Buchholz.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Auflage, Nr. 53 bei Gräße,
-Sagenschatz etc., Nr. 521.)</p>
-
-<p>Als im Jahre 1730 der Totengräber auf dem Kirchhofe zu Buchholz
-ein Grab machen wollte, fand er im Sande noch eine ganz unverweste
-Totenhand, der aber der Gold- und kleine Finger wie abgehackt
-waren. Er zeigte dieselbe dem Pastor Melzer daselbst und dieser
-schlug nun im Kirchenbuche nach, wem dieselbe gehört haben möge, da
-er sich erinnerte, daß schon am 14. Juni des Jahres 1704 ihm von<span class="pagenum"><a id="Seite_390">[390]</a></span>
-dem damaligen Totengräber dieselbe Meldung gemacht worden sei, er
-aber demselben den Bescheid gegeben, die Hand wieder einzuscharren,
-weil sie wahrscheinlich an einer Wasserkluft gelegen und deshalb nicht
-habe verwesen können. Jetzt fand sich's, daß die Hand dem im Jahre
-1669 begrabenen Sohne des Stadtrichters von Buchholz, Andreas
-Müller, gehörte, der, weil er seine alte Mutter, die er bestohlen und
-die ihm den Diebstahl vorgeworfen, gemißhandelt und mit Ermordung
-bedroht, von dieser verflucht worden war. Dadurch war denn jene alte
-Sage bewiesen, daß dem, der sich an seinen Eltern vergeht, die Hand
-aus dem Grabe wächst.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch Temme erzählt in den Sagen der Altmark (Nr. 56.) von einem ungeratenen
-Sohne im Dorfe Groß-Redensleben, welcher seinen Vater schlug, als ihn
-derselbe wegen seines sündhaften Wandels ermahnte. Darauf ereilte den Sohn sogleich
-die Strafe des Himmels; er stürzte tot nieder. Als man ihn aber begrub,
-wuchs seine eine Hand aus dem Grabe heraus und man mußte sie abhauen, da sie
-sich nicht mit vergraben ließ. Zur Erinnerung wurde sie in der Kirche aufgehangen
-und darüber an einer schwarzen Tafel folgendes geschrieben:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sieh, sieh Du böses Kind,<br /></span>
-<span class="i0">Was man hier merklich find't,<br /></span>
-<span class="i0">Eine Hand, die nicht verwest,<br /></span>
-<span class="i0">Weil der, deß sie gewest,<br /></span>
-<span class="i0">War ein ungeratenes Kind,<br /></span>
-<span class="i0">Wie man auch jetzt noch find't.<br /></span>
-<span class="i0">Den Vater schlug der Sohn,<br /></span>
-<span class="i0">Drum hat er dies zum Lohn,<br /></span>
-<span class="i0">Daß hier hängt seine Hand;<br /></span>
-<span class="i0">Hüt' Dich für solche Schand'.<br /></span>
-</div></div></div>
-
-<h3 id="sec462">462. Der Doppelgänger zu Wiesenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Flader, Wiesenthalisches Ehrengedächtniß, 1719, S. 108. Darnach
-Gräße, Sagenschatz d. K. S., Nr. 500.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1709 ist ein kurfürstlicher Geleitseinnehmer, mit Namen
-A. L., in gewissen Angelegenheiten verreist; da er nun wenigstens
-zwanzig Meilen entfernt ist, so sieht sein damaliges Hausmädchen, da
-sie am Abend gegen 5 Uhr von ihrer Frau in ihre Schlafkammer geschickt
-wird, ihn von ohngefähr in seinem Bette liegen und meint, er
-sei ohne ihr Wissen nach Hause zurückgekehrt. Sie fragte also die
-Frau: »Ist der Herr nach Hause gekommen?« Diese antwortet aber:
-»Du wirst ihn ja sehen.« Daher hat sie sich weiter nicht darum gekümmert.
-Nachdem nun die Frau selbst des Nachts gegen 12 Uhr
-schlafen geht, erblickt diese ihn ebenfalls in ihrem Bette, da er sich<span class="pagenum"><a id="Seite_391">[391]</a></span>
-denn gerührt, daß es davon geknistert und das Bett ein wenig von sich
-geschlagen. Welches sie bewegt, daß sie unten um das Bett herumgegangen
-und ihn angeredet hat: »Ei, mein Kind, wie bist Du denn
-hier? Hast Du mich doch erschreckt!« Da er denn die Beine hinausgeschlagen,
-aus dem Bette gefahren und unter das Dach, so sich in der
-Schlafkammer findet, gekrochen, auch daselbst plötzlich verschwunden ist.
-Die Frau hat sich nun zwar ins Bett gelegt, aber vor großem Schreck
-die ganze Nacht nicht schlafen können, weil sie nicht gewußt, wie es
-zugehe, daß sie ihren Mann, der so viele Meilen entfernt war, habe
-sehen können. Sie hat aber fleißig gebetet, der Herr wolle sie vor Anfechtung
-bewahren. Als ihr Mann nun wieder nach Hause gekommen,
-hat er erzählt, er sei an jenem Tage gerade bei einem Jäger gewesen,
-der ihn sehr wohl traktiert und mit Braten, Kuchen und Wein bestens
-bewirtet, da habe er immer an seine Frau gedacht und gewünscht, daß
-sie solches auch mit genießen möge.</p>
-
-<h3 id="sec463">463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Saxon.</em>, 1738, S. 269. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, Nr. 229.)</p>
-
-<p>Als Gott am heiligen Abende vor dem Johannistage des Jahres
-1738 Tuttendorf bei Freiberg mit einem heftigen Donnerwetter heimsuchte
-und der Strahl des Bergmanns J. D. Schieffels Wohnhaus
-im Oberdorfe entzündete, hat zwar die wütende Feuersglut alles verzehrt,
-allein alle im Hause befindliche Personen sind mit dem Leben
-davon gekommen, und was das Sonderbarste ist, die schon zu mehreren
-Malen über <em class="antiqua">Dr.</em> Joh. Arndts berühmtes Gebetbuch, Paradiesgärtlein
-betitelt, in Feuersgefahr waltende Fürsorge Gottes hat sich auch hier
-wiederum bethätigt. Denn da sich unter dem geistlichen Büchervorrat
-dieser armen Verunglückten auch gedachtes Buch in der von Chr. Weinmann,
-Buchhändler zu Erfurt, in länglich Duodez 1725 besorgten Auflage
-befunden, so hat man dasselbe am anderen Tage unter der Asche
-dergestalt angetroffen, daß, obwohl der Einband desselben gänzlich zu
-Kohlen verbrannt, dennoch kein Buchstabe in dem Buche selbst verletzt
-war, sondern dasselbe ganz unversehrt im Feuer geblieben ist. Es ist
-solches dem Pastor des Ortes von den Abgebrannten zum ewigen Andenken
-überlassen worden, bei dem man es noch lange hat sehen können.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_392">[392]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec464">464. Das Meteoreisen in Elbogen.</h3>
-
-<p class="source">(I. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 168. II. Die Natur von Müller,
-1878, Nr. 45.)</p>
-
-<p>I. Es war seinerzeit in Elbogen ein Burggraf von Wülfenfels
-unter der Oberherrschaft der Rohenburger als berüchtigter, mordlustiger
-und raubgieriger Burgherr und wegen seiner grausamen Handlungen
-gefürchtet und bekannt. Seine Leibeigenen pflegte er oft ohne besonderen
-Anlaß in den Sprudel-Teufelsweiher zu werfen, um sie zu versteinern.
-Als er sogar seine eigene Tochter im Burghofe anketten ließ
-und im Begriff war, den Todespfeil auf sie zu schleudern, da grollte
-plötzlich der Himmel, ein Donnerschlag ertönte und ein Blitz lähmte
-seinen Arm. Das Kind war gerettet, denn soeben hielt der edle Rohburger
-seinen Einzug in Elbogen. Da ihm Mitteilung von den
-Schandthaten des Burgherrn gemacht wurde, befahl er, denselben sofort
-festzunehmen und zu züchtigen. Wülfenfels, der dies hörte, verschwand.
-Das letztemal sah man ihn mit drohenden Gebärden, seine Armbrust
-gegen den Himmel haltend, auf dem Schloßbalkon stehen und hörte
-ihn lästern über den Donner und Blitz, die Schuld trugen, daß sein
-Kind noch lebte. Vergeblich suchte man nach ihm; doch bald sollte sich
-das Ganze aufklären; am Balkon fand man einen großen, zur Eisenschlacke
-zusammengeschmolzenen Stein, mit den Resten einer halbverbrannten
-Armbrust auf einem Klumpen liegen. Der Markgraf ließ
-diesen Stein im Schlosse aufbewahren; die Franzosen aber warfen ihn
-bei ihren Kriegszügen im Jahre 1776 in den tiefen Schloßbrunnen,
-aus dem er später wieder herausgehoben wurde, um auf das Rathaus
-gebracht zu werden. Dieser Stein, von den Naturforschern als Meteor
-bezeichnet, war ursprünglich 192 Pfund schwer; ein Teil davon kam
-in das Naturalienkabinet nach Wien, ein Teil in jenes nach Prag,
-und der Rest im Gewichte von 43 Pfund wird auf dem Rathause zu
-Elbogen vorgezeigt.</p>
-
-<p>II. Auf dem Schlosse zu Elbogen lebte vor Jahrhunderten ein
-böser Burggraf, welcher seine Unterthanen hart drückte. Einst läutete
-derselbe während eines Gewitters eigenhändig auf dem Turme die
-Glocke, um damit seine Leute zum Frohndienste zusammenzurufen. Da
-schlug plötzlich der Blitz ein und schmolz den Grafen und die Glocke
-in einen Guß zusammen. Das ist nun jener Eisenklumpen, von welchem
-man noch heute in der Stadt einen Teil zeigt. Man hat die
-Masse schon oft in einen Brunnen versenkt, aber immer ist dieselbe
-von selbst wieder herausgekommen. Sie soll bald zentnerschwer, bald
-ganz leicht sein, letzteres aber nur für Menschen, welche noch nicht gesündigt
-haben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_393">[393]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec465">465. Der Köhler von Klingenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Metrisch von Hager, Vogtl. Volkssagen, 1839, II., S. 13. Darnach
-bei Gräße a. a. O., Nr. 640.)</p>
-
-<p>Vom Kirchhofe zu Klingenthal bis an den naheliegenden Wald
-geht jede Nacht um die zwölfte Stunde ein gespenstiger Schatten, eine
-Leuchte in der Hand. Das Volk erzählt sich hierüber folgende Geschichte:
-Es soll einst in Klingenthal ein Köhler gewohnt haben, der
-jede Nacht von der Seite seiner getreuen Hausfrau aufstand, um angeblich
-im Walde nach seinem Meiler zu sehen. Die wahre Ursache
-war aber, daß er im Busche zu einer dort wohnenden Concubine
-schlich. Einst ging er auch in finsterer Nacht, die Leuchte in der Hand,
-den wohlbekannten Weg, da folgte ihm sein Weib, das er schlafend
-glaubte, und warf ihm geradezu sein Vergehen vor. Er wollte es
-zwar anfangs leugnen, aber bald gab ein Wort das andere, er ward
-heftig, schlug seine rechtschaffene Frau nieder und begab sich zu seinem
-Kebsweibe. Als er mit diesem im besten Kosen begriffen war, öffnete
-sich plötzlich die Thür und sein Weib stürzte herein und traf die
-Schuldigen auf offner That. Jetzt halfen keine Verstellungen mehr, er
-mißhandelte sie abermals und warf sie zur Thür hinaus mit der
-Drohung, sie in den brennenden Meiler zu schleudern, wenn sie ihm
-wieder zu nahe komme. Sie aber verfluchte ihn und rief: »Der Meiler
-werde Dir selbst zum Grab, mögest Du lebendig verbrennen!« Des
-lachte der Köhler; als er aber nach seiner Gewohnheit den Meiler erklomm,
-um sich umzuschauen, stürzte dieser plötzlich zusammen und der
-Frevler versank in seinen feurigen Schlund.</p>
-
-<h3 id="sec466">466. Vom flinken Knecht zu Rechenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 289.)</p>
-
-<p>An der südlichen Grenze des meißnischen Erzgebirges lebte vor
-alter Zeit ein wohledler Ritter, mit Namen Kurt von Rechenberg, auf
-seinem Stammschlosse Rechenberg an der Mulde, von welchem sich noch
-jetzt Ruinen auf einem Felskegel am rechten Thalgehänge inmitten des
-freundlichen Fleckens Rechenberg vorfinden.</p>
-
-<p>Hochbegütert und vom Glanze einer zahlreichen Dienerschaft umgeben,
-lebte der fromme Edelmann gar glückliche Tage dahin. Seine
-Diener hielt er gleich eigenen Kindern wert, und er wurde darum von
-allen auch wieder geliebt wie ein Vater.</p>
-
-<p>Da geschah es eines Tages, daß ein junger, dürftig gekleideter
-Bursche aus fremden Landen zum Ritter kam und ihm seine Dienste<span class="pagenum"><a id="Seite_394">[394]</a></span>
-anbot. Das treuherzige Wesen des jungen Mannes, der erzählte, wie
-viel Elend er schon habe ertragen müssen, gefiel dem Herrn von Rechenberg
-und er nahm ihn in seinen Dienst.</p>
-
-<p>Georg &ndash; so hieß der junge Bursche &ndash; war munter und flink
-auf den Füßen, er flog gleichsam wie ein Pfeil, wenn ihn sein Herr
-irgendwo hinsandte, und seiner thätigen, willfährigen und geschickten
-Hand glückte alles wunderbar, ja, es schien ordentlich, als wenn ein
-besonderer Segen auf seinem Thun ruhte. Ein außerordentliches Ereignis
-sollte seine Verdienste um das Haus Rechenberg noch mehr ins
-Licht stellen.</p>
-
-<p>Einst versetzten Flüchtlinge aus der nahen böhmischen Pflege die
-Bewohner der Burg Rechenberg in lebhafte Aufregung, denn sie meldeten,
-daß einige bekannte böhmische Raubritter mit ihren Mannen sich
-der Grenze näherten und mordend und sengend das Land verwüsteten.
-Darüber ward Kurt von Rechenberg sehr betrübt und er beschloß nach
-Rücksprache mit seinem Vogte einen Kundschafter auszusenden, um zu
-erfahren, wie stark die Zahl der Feinde sei. Niemand erschien ihm
-dazu geeigneter als sein flinker Diener Georg. Derselbe dankte für
-den ihn ehrenden Auftrag und wenige Minuten später jagte er auf
-flüchtigem Rosse hinaus zum Burgthore, dem Feinde entgegen. Bereits
-am andern Morgen kehrte der Knappe in das Schloß zurück. Zum
-Erstaunen der Burgbewohner befanden sich zwei gefüllte Säcke, einer
-hinten und einer vorn, auf dem Gaule. Ritter Kurt stand unter dem
-Thor, und befremdet wegen des seltsamen Aufzuges fragte er: »Was
-klirrt denn so um Deinen Sattel?« Georg antwortete wohlgemut:
-»Seid getrost, Herr Ritter, alles hat gute Wege. Das sind Hufeisen,
-die ich den Pferden abgerissen habe, während die Feinde schliefen.
-Vorsichtig und dennoch sonder Hast eilte ich den Raubgesellen entgegen,
-immer der Grenze entlang, bis ich sie in der Nähe des Dorfes Einsiedel
-erblickte. Es war schon finstere Nacht und alle hatten sich sorglos
-dem Schlafe überlassen. Deshalb machte ich mich unverweilt an
-die Arbeit und glaube damit unsern Feinden einen recht üblen guten
-Morgen geboten zu haben, denn ohne Hufeisen sind die Spitzbuben
-nicht imstande, die Gebirgspfade zu bereiten, und noch viel weniger
-möchte es gelingen, hier herum so viel Eisen aufzutreiben, als ihnen
-fehlen. Damit ihr aber, gestrenger Herr, die Anzahl der Feinde
-schätzen möget, bracht' ich die Eisen gleich mit, da die Dunkelheit der
-Nacht mich hinderte, die Feinde zu überzählen. Nun ist es wohl mit
-uns bestellt, und ruhig können wir uns rüsten, bevor sie sich uns nahen.«
-Der Burgherr lächelte zufrieden und sagte: »Du bist, traun, ein seltsamer,
-aber vortrefflicher Bursche!« Dann setzte er, zu dem Vogte<span class="pagenum"><a id="Seite_395">[395]</a></span>
-gewendet, hinzu: »Entweder war das Begebnis ein Wunder, oder der
-Knecht Georg ist verwegen bis zur Tollkühnheit. Nun, wir wollen die
-Raubgesellen gehörig empfangen!«</p>
-
-<p>Die Worte Georgs erfüllten sich; die Feinde nahten erst, nachdem
-alle Vorbereitungen zu deren nachdrücklichem Empfange getroffen
-waren. Sie wurden über die Grenze zurückgetrieben und dabei zeichnete
-sich Georg durch persönliche Tapferkeit aus, so daß er sich noch mehr
-die Liebe seines Herrn gewann.</p>
-
-<p>Später zeigte sich die Treue und Liebe Georgs noch auf eine
-andere Art. Sein Herr gab ihm einst ein Schreiben, welches nach dem
-Rittersitze Grünau bei Marienberg bestimmt war, mit dem Bemerken,
-bei der Bestellung zu eilen, dieweil es Not habe, der Ort, wohin der
-Brief solle, fern liege und die Sonne schon tief stehe. Georg versprachs
-und rühmte sich, die drei Meilen bis nach dem Orte Grünau mit der
-Schnelle eines Vogels zurücklegen zu wollen. Nach Verlauf einer
-Stunde aber kam der Ritter von ungefähr in den Stall. Wie erstaunte
-er da, als er seinen Knecht, den er weit fort glaubte, in einer Ecke
-des Stalles, auf Stroh gebettet, sanft schlafend fand. Da ward der
-Ritter unwillig und weckte den Knecht auf, indem seine Augen in aufsteigendem
-Zorne funkelten, doch bezwang er sich, denn sein Herz war
-gut und sein Gemüt lauter und fromm. Erschrocken vor seines Herrn
-plötzlicher Umwandlung fuhr Georg auf und sprach: »Da, lieber Herr,
-&ndash; o zürnt mir nur nicht! &ndash; da ist ja schon die Antwort!« Unter
-diesen Worten überreichte er das Gegenschreiben. »Bei allen Heiligen!«
-rief der Ritter aus, dessen Angesicht erbleicht war, »es ist die Wahrheit!
-Sage, Georg, wie wäre das wohl möglich? Du müßtest schneller
-als der Sturm, flüchtiger als der Raubvogel gewesen sein, um das
-zu vollbringen. Du warst also wirklich in Grünau?« Und als Georg
-diese Frage bejahte, verfinsterten sich des frommen Rechenbergers Züge;
-mit stillem Grausen erbrach er zitternd das Schreiben und taumelte
-mit Entsetzen zurück, als er wirklich die ihm wohlbekannte Handschrift
-des weitentfernten Freundes in Grünau erblickte.</p>
-
-<p>Nachdem er die Antwort gelesen hatte, hob er also an: »So ist
-es denn wahr, was ich nimmermehr für möglich gehalten hätte! Dies
-zu vollbringen, reicht die Menschenkraft nicht aus. Entweder bist Du,
-seltsames Wesen, ein Bote Gottes, oder ein Abgesandter der Teufels!
-Die Weise Deines Thuns, wie auch Dein Thun selber ist unheimlich
-und verschlossen, und Du scheinst mir unmöglich ein Sterblicher zu
-sein!« Da verwandelte sich schnell, wie durch Zauberkraft, der rätselhafte
-Jüngling vor den Augen des Ritters und eine von Licht umflossene
-Engelsgestalt stand da, welche sprach: »Der Herr der Herren,<span class="pagenum"><a id="Seite_396">[396]</a></span>
-welcher mich zu Dir gesandt hat, Dir zu dienen, hat mich auch zugleich
-befähigt, Dir also thun zu können, wie ich that; sein Auge ruhte schon
-lange auf Deinem Haupte, Dir zum Schutze. Durch mich läßt Dir der
-Herr verkünden, wie wohl es ihm gefalle, wenn Herrscher gegen ihre
-Untergebenen Milde und Geduld üben! Diese hast Du mir erwiesen
-und auch den andern Knechten. Der Herr wird Dir dafür lohnen,
-wenn Du die Menschen stets wie Deine Brüder liebst!« Darauf verschwand
-der Engel wie das Rot eines Sommermorgens, den Ritter
-aber durchwehte Gottesfrieden, und es zog ihn in die Burgkapelle, wo
-er Gott für seine unendliche Gnade dankte. Er gelobte, seinen Untergebenen
-stets ein Vater sein zu wollen und bis an sein Lebensende hat
-er dieses Gelöbnis treu gehalten.</p>
-
-<h3 id="sec467">467. Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde.</h3>
-
-<p class="source">(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs,
-1885, S. 126.)</p>
-
-<p>Seitwärts vom Eisenberger Forsthause befindet sich auf einer
-malerisch schön gelegenen Waldlichtung eine niemals vollendet gewesene
-und teilweise wieder verfallene Kapelle in romanischem Stil. Behauene
-Steine und Säulen liegen rings umher, von Gesträuch und Epheu
-überwuchert, die Stufen sind mit Moos überkleidet, und im Innern
-der Kapelle grünt und blüht es. Die Vögel üben hier nun ungestört
-ihre Baukunst, denn die Gebirgsbewohner meiden voll Scheu jenen
-Unglücksort. Die Sage giebt nämlich die Kunde, daß ein Graf Lobkowitz,
-als das Geschlecht noch nicht gefürstet war, hier einst eine Kapelle
-für den heiligen Dorn erbauen wollte, um einen Wallfahrtsort zu
-gründen; doch der edle Graf fand beim Bau, den er oft besichtigte,
-durch einen herabstürzenden Stein den Tod. Ein Nachkomme, ein Fürst
-Lobkowitz, wollte später das begonnene Werk vollenden, doch ihn erschlug
-eine riesige Eiche, die man zum Bau fällte. Dieses abermalige
-Unglück wurde als Fingerzeig Gottes aufgefaßt, daß der heilige Dorn
-in der Schloßkapelle verbleiben solle, und die Kapelle, deren Kuppel
-sich schon zu wölben begann, blieb unvollendet. Aus jener Eiche
-wurde ein großes Crucifix geschnitzt, das man an der Unglücksstelle
-mit einer kleinen Kapelle überbaute. Jetzt aber ist dieses Kreuz, welches
-einen nicht unbedeutenden Kunstwert besitzen soll, in der renovierten
-Schloßkapelle aufgestellt.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_397">[397]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap8">VIII.<br />
-Völker-, Helden- und Geschlechts-Sagen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_399">[399]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Abgesehen von Ortsnamen und andern sprachlichen Resten, sowie von
-einzelnen Gebräuchen, sind von den einstigen sorbischen Bewohnern des
-Erzgebirges nur wenig Ueberlieferungen uns erhalten worden. Dies
-gilt insbesondere auch von den Sagen. Manche mythische Sagen tragen
-zwar noch unverkennbar das Gepräge ihres slavischen Ursprungs, aber
-nur zwei Sagen dieses Abschnittes, die vom Riesen Einheer und von
-Schwanhildis, gedenken auch der Kämpfe der Deutschen mit der slavischen
-Nation, über deren Wohnsitze in unserem Gebirge mir ebenfalls
-nur zwei dem Sagengebiete angehörige Überlieferungen bekannt geworden
-sind. Diese Armut hierher gehöriger Stoffe beruht jedenfalls
-auf dem Umstande, daß die Sorben einen doch nur vorübergehenden
-und teilweise nur geduldeten Wohnsitz in unserm Gebirge gefunden
-haben. Ebenso arm sind die Sagen von bergentrückten Helden und
-versunkenen Kriegern; sie besitzen teilweise einen mythischen Grund, teilweise
-gestalten sie sich zu bloßen Gespenster- und Spukgeschichten. Die
-Sagen von den edlen Geschlechtern endlich, welche aufgenommen wurden,
-wenn Glieder der letzteren in unserm Gebirge auf Gütern ansässig
-waren oder noch sind, leben nur in den chronikalischen Aufzeichnungen,
-obschon sie wenig wirkliche und urkundliche Begebenheiten enthalten.
-Im Volksmunde haben sie sich bei uns nicht fortgepflanzt, ja sie sind
-wohl kaum dem eigentlichen Volke aus den alten Schriften bekannt
-geworden, und so finden wir auch bei uns bestätigt, was die Brüder
-Grimm in der Vorrede zum 2. Bande der deutschen Sagen schreiben,
-daß sich nämlich die Sage um die seltsame Bildung eines Felsens
-dauernder, als um den Ruhm selbst der edelsten Geschlechter sammelt.</p>
-
-<h3 id="sec468">468. Von den alten Wenden bei Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Oesfeld, Historische Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge,
-2. Teil, 1777, S. 50. &ndash; Oettel, Alte und neue Historie der
-freien Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 3, 202.)</p>
-
-<p>Bei Eibenstock sind von den alten Wenden noch verschiedene Spuren
-anzutreffen; z. B. an der Mulde gegen Schönheide liegt die Cunitzhöhe<span class="pagenum"><a id="Seite_400">[400]</a></span>
-und die daneben am Dorfbache liegenden Wiesen heißen die wendischen.
-In derselben Gegend hat auch ein Dorf gestanden und der über der
-Mulde angebaute Hammer hat sonst Windischthal geheißen. Ferner
-die anstreichende Höhe von der Mulde nach der Stadt zu heißt noch
-jetzt der wendische Berg oder wendische Knock, und die auf derselben
-Höhe befindlichen drei Freihöfe sollen aus einem zerteilten Rittergut
-entstanden und nach der Überlieferung die Wohnung des vornehmsten
-wendischen Herrn gewesen sein. Dieselben haben auch mit der Schwarzenberger
-Herrschaft keine Verbindung gehabt und bereits mit der Lehnsfolge
-nach Dresden gehört, ehe noch Eibenstock mit Schwarzenberg an
-das Kurhaus Sachsen verkauft wurde. &ndash; Man ist auch der Meinung,
-es wäre mit dem Seifen des Zwitters der Anbau Eibenstocks erfolgt,
-und die Wenden hätten schon den ganzen Grund der Wendisch- oder
-Windischwiesen bis an die jetzige Stadt ausgeseift.</p>
-
-<h3 id="sec469">469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 69.)</p>
-
-<p>Der am Fuße des Erzgebirges, 1½ Stunde südlich von Zwickau
-liegende Ort Rottmannsdorf, welchen man zum Unterschiede von Alt-Rottmannsdorf
-auch Wendisch-Rottmannsdorf nennt, soll von Wenden
-bewohnt gewesen sein, die später vom Landesherrn genötigt wurden, in
-die Lausitz auszuwandern.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Zusatz »Wendisch« zu dem Namen Rottmannsdorf, welcher sich auch
-häufig in andern jetzt deutschen Provinzen und Ländern, wie in der Altmark und in
-Thüringen findet, oder welcher wenigstem früher daselbst gebräuchlich war, weist vielleicht
-darauf hin, daß sich in dem Dorfe unter den Bewohnern die slavische Sprache
-und slavische Gebräuche und Sitten länger als anderswo erhielten. Im alten Pleißnerlande
-behielten die daselbst wohnenden Nachkommen der ehemaligen sorbischen Bevölkerung
-lange Zeit ihre Sprache bei, so daß man sie auch vor Gericht hören mußte.
-Im Jahre 1327 ward aber ernstlich anbefohlen, daß weder Parteien noch Advokaten
-ihre Klagen und Verantwortungen in wendischer, sondern allein in deutscher Sprache
-anbringen sollten. (Gottl. Göpfert, Gesch. d. Pleißnergrundes, S. 18.)</p></div>
-
-<h3 id="sec470">470. Der Riese Einheer.</h3>
-
-<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>, II, 1656, S. 5 und 6.)</p>
-
-<p>Als im Jahre 805 Karl der Jüngere, Karls des Großen Sohn,
-die aufrührerischen Böhmen überwunden und ihren Fürsten Lecho erschlagen
-hatte, zog er durch den Böhmerwald in die Gegend von
-Zwickau, um hier, sowie überhaupt zwischen Saale, Mulde und Elbe<span class="pagenum"><a id="Seite_401">[401]</a></span>
-die mit den Böhmen verbündeten Wenden zu strafen. In diesem Kriege
-hat auch die Fürstin Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern dem Kaiser
-getreulich gedient, so daß Karl der Jüngere die Stadt Zwickau zur
-Mark wider die Wenden und Böhmen machte. In derselben Zeit lebte
-auch ein Riese oder Recke, der hieß Einheer (sein rechter Name ist aber
-<em class="antiqua">Aenotherus</em> gewesen) und war ein Schwabe, gebürtig aus Thurgau
-in der Schweiz. Dieser watete durch alle Wasser, durfte über keine
-Brücken gehen, zog sein Pferd bei dem Schwanze nach und sagte allezeit:
-»Nun Gesell, du mußt auch hernach«. In den genannten Kriegen
-des Kaisers half er diesem gegen die Wenden. Er mähete die Leute
-wie das Gras nieder, hängte sie an den Spieß, trug sie über den Achseln
-wie Hasen oder Füchse, und da er wieder heim kam und seine
-guten Gesellen und Nachbarn fragten, was er ausgerichtet hätte und
-wie es ihm im Kriege gegangen wäre, sagte er aus Unmut und Zorn:
-»Was soll ich von diesen Fröschlein sagen? Ich trug ihrer sieben oder
-achte an dem Spieß über der Achsel, weiß nicht, was sie quaken, ist
-der Müh nicht wert, daß der Kaiser so viel Volks wider die Kröten
-und Würmer zusammengebracht.« Es flohen vor ihm die Feinde und
-Wenden und meinten, er wäre der leidige Teufel.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Sage vom Riesen Einheer erzählen auch die Brüder Grimm (Deutsche
-Sagen, I, Nr. 18), jedoch ohne Beziehung auf die Gegend von Zwickau. Es heißt
-darin noch: Diesen Riesen nennt man Einheer, weil er sich in Kriegen schier einem
-Heer vergleicht und also viel ausrichtet.</p></div>
-
-<h3 id="sec471">471. Schwanhildis.</h3>
-
-<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>, Zwickau, 1656, S. 20 u. 24.)</p>
-
-<p>Aus dem Geschlechte der <em class="antiqua">Cygnus</em> ist entsprossen Schwanhildis,
-der letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau
-von der Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend
-ihren Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben
-noch aus, als sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels,
-eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß
-und von welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden.
-Johann Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt
-nämlich, daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis
-<em class="antiqua">Epitaphium</em> gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum,
-welchen der Wind niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum
-aufräumen sollte, bei dem Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten
-vom Adel gebracht worden sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet<span class="pagenum"><a id="Seite_402">[402]</a></span>
-und sonderlich die Lehrsprüche, welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern
-befohlen. &ndash; Dieselbe hat Karls des Großen Sohn, dem jüngern
-Karl, als er in diesen Landen wider die Sorbenwenden und Böhmen
-gestritten, getreulich Beistand geleistet, und ist ihm nicht allein mit
-ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat ihm auch mit Speise
-und Trank großen Vorschub gethan.</p>
-
-<h3 id="sec472">472. Libussas Tanzplatz.</h3>
-
-<p class="source">(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885,
-S. 112.)</p>
-
-<p>Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende
-Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu
-Füßen des Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes
-aus, in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken
-wir das schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel
-zum Himmel empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten
-Äste stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst
-Libussa, Böhmens Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche
-Landschaft zu ihren Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor
-Entzücken getanzt haben.</p>
-
-<h3 id="sec473">473. Die Herren von Einsiedel.</h3>
-
-<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen,
-Adelslex. I, 364. Peccenstein, <em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I, 73. Darnach bei
-Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.)</p>
-
-<p>Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen
-Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß
-und noch jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe,
-ist sehr glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von
-dem Orte nicht festgestellt ist.</p>
-
-<p>Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau
-und Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf
-seinen Namen von drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach
-die folgenden Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von
-Einsiedel zu erklären suchen, damit in Verbindung gebracht werden
-können.</p>
-
-<p>Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im
-Wappen. Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin<span class="pagenum"><a id="Seite_403">[403]</a></span>
-war kinderlos und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht
-an, that auch das Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken
-würde, dem Herrn zum Dienste zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn,
-welcher Grubo genannt wurde. Derselbe wurde also geistlich und
-wohnte lange als Einsiedler in einer einsamen Gegend Böhmens, wo
-er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher aber verließ er seine Zelle,
-zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde der Stammvater derer
-von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280.</p>
-
-<p>Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad,
-Meinhard). Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen
-Wäldern, aber er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das
-noch) beweibt und gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner
-Nachkommen, der im Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich
-in die Welt zurück.</p>
-
-<h3 id="sec474">474. Die Herren von Rechenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I,
-1332. Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius,
-Schles. Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen,
-S. 129.)</p>
-
-<p>In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen
-Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen
-Schlosses, welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen
-wurde, jedoch ein böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren
-wahrscheinlich die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270
-kommt bereits ein Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg
-vor.</p>
-
-<p>Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz
-ab, deren Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist
-Hans von Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz
-1241 die Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief
-Heinrich der Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser
-sich an die Spitze eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von
-dem Berge vertrieb. Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan
-Rechenberg genannt.</p>
-
-<p>Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde
-einen schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern
-und gelber Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg
-aber einen nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die<span class="pagenum"><a id="Seite_404">[404]</a></span>
-von Haugwitz in Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf
-mit Hals und Brust, aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot
-und weiß abgeteilten Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und
-die von Rechenberg aber den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei
-zum Sprunge aufgerichteten Vorderbeinen ohne Krone und Federn.</p>
-
-<h3 id="sec475">475. Die Herren von Sebottendorf.</h3>
-
-<p class="source">(Schumann, Lex. v. Sachsen, 11. B., S. 32. Sinapius, Schles. Curios.
-I, S. 865. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 63.)</p>
-
-<p>Die Herren von Sebottendorf, welche aus Kurland stammen, wo
-ihre Vorfahren in der kurischen Nehrung einige kleine Besitzungen
-hatten, waren mutmaßlich auch im Erzgebirge seßhaft. Zwischen Lößnitz
-und Thierfeld liegt eine wüste Mark Sebottendorf; das gleichnamige
-Dorf wurde bereits im 13. Jahrhundert gänzlich verwüstet.
-Ein Herr von Sebottendorf wurde einstmals als Gesandter zu kaiserlicher
-Majestät geschickt und von diesem wegen seiner vortrefflichen
-Eigenschaften und guten Dienste in den Ritterstand versetzt, mit dem
-Namen »Seebote« beehrt und mit einem Wappen begnadigt, welches
-im Schilde eine Wasser-Kannelwurzel mit zwei daran hängenden Kannelblättern,
-auf dem Helme aber zwei dergleichen Blätter mit zuwachsenden
-Seerosen enthält.</p>
-
-<h3 id="sec476">476. Das Geschlecht Callenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 17. B., S. 165. Gauher,
-Adelslex. I, S. 232. Angelus, Märk. Chronik, S. 39. Haupt,
-Sagenbuch der Lausitz II, Nr. 35, Kirchengalerie von Sachsen, 12. B.,
-S. 193.)</p>
-
-<p>Die Stadt Callnberg wurde 1712 nach der ersten Gemahlin des
-Begründers, Grafen Otto Wilhelm von Waldenburg, einer geborenen
-Gräfin von Callenberg aus Muskau, benannt.</p>
-
-<p>Anfangs gab man der Stadt, als einer beabsichtigten Erweiterung
-von Lichtenstein den Namen »Neustadt«. Nachdem aber des Grafen
-Otto Wilhelm erste Gemahlin, Henriette Eleonore geb. Gräfin von
-Callenberg, von der man sagt, daß sie von den Fenstern des Schlosses
-aus mit vieler Teilnahme »ihre fleißigen Schäfchen« bei dem Neubau
-betrachtet habe, 1710 gestorben war, ward ihrem Gedächtnis zu Ehren
-von dem verwitweten Gemahl die neue Stadt Callenberg (Callnberg)
-genannt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_405">[405]</a></span></p>
-
-<p>Das Stammschloß der Grafen Callenberg liegt in Westfalen bei
-Marburg. Es ward von einem der vier Ritter erbaut, welche Kaiser
-Karl der Große nebst einem Grafen von Oettingen im Jahre 804 in
-jene Gegend schickte, um dem fortgesetzten Götzendienste der heidnischen
-Einwohner zu steuern. Als Heinrich der Vogler die Wenden in der
-Mark bekriegte, kamen mehrere Callenberger nach der Stadt Brandenburg
-und ließen sich dort nieder. Galle von Callenberg zog 1093 mit
-gegen die Saracenen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Grund und Boden, auf welchem Callnberg erbaut wurde, hieß das »Rennfeld«.
-Dieser Name wird von einem im Jahre 1136 daselbst geschehenen Treffen,
-bei welchem mehr als 50 Zwickauer geblieben sind, oder davon abgeleitet, daß hier
-ehemals ritterliche Übungen auf einer Rennbahn von den Besitzern des Schlosses
-Lichtenstein gehalten wurden.</p></div>
-
-<h3 id="sec477">477. Die Familie von Berbisdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. Band. S. 231.)</p>
-
-<p>Neben andern Rittergütern, wie Ober- und Nieder-Forchheim,
-hat die Familie von Berbisdorf Jahrhunderte hindurch und zwar bis
-1767, da Heinrich von Berbisdorf kinderlos starb, auch das Rittergut
-Lippersdorf besessen. Das uralte Geschlecht führt gekrönte Arme
-mit dem leuchtenden Stern im Wappen und eine alte Urkunde besagt
-darüber: »<em class="antiqua">Anno</em> 1140 hat der Großmeister Weinrich von Kniprode
-mit Knisdude, Fürstin zu Littaw, so eine Hewdin (Heidin) gewesen,
-eine Schlacht vor Khaen in Littaw gehalten, in welcher Schlacht Andreas
-von Berbisdorf ein Fendrich gewesen, und sein Fähnlein, ob
-ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen gewesen, im Maule davon
-bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens willen er nicht allein
-zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein Wappen mit dem abgehawenen
-gekrönten schwartz und rothen Armen (welches ohne Zweiffel
-blut undt leiden oder schmertzen bedeutet) mit den darüber leuchtenden
-Stern verbessert, undt zu führen gegeben worden.«</p>
-
-<p>Das adelige Geschlecht von Berbisdorf stammt aus Preußen, wie
-nachstehende alte Nachricht zu erkennen giebt: »Caspar von Berbisdorf
-ist wegen Kriegsgefahr außn Land in Preusen mit einem Graffen von
-Leisneck (Leisnig) in diese Länder kommen, so geschehn im Jahr unser
-Erlößung 1230 und ist bey mehr gedachten Graffen alß sein Hoffmeister
-blieben, auch allda <em class="antiqua">Anno</em> 1270 verstorben. Wer sein Weib gewesen,
-hat man nicht in Erfahrung bringen können, hat nach sich einen Sohn
-gelassen mit Namen Hanß. Dieser Hanß von Berbisdorff hat etliche<span class="pagenum"><a id="Seite_406">[406]</a></span>
-Bergwerk zu Freybergk an sich bracht, undt daraus großen Reichthum
-erlanget, die Gütter Wegfahrt, Duttendorff undt den Halß bey
-Freybergk erkaufft, auch dem Graffen Leisneck (des vorigen Sohn)
-4000 Rheinische Gülden uff die Herrschafft Lauterstein geliehen, so
-geschehen <em class="antiqua">Ao.</em> 1300.«</p>
-
-<h3 id="sec478">478. Die Herren von Hartitzsch.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 240.)</p>
-
-<p>Das Rittergut Dorfchemnitz bei Sayda soll durch Heirat an die
-von Hartitzsche Familie gekommen sein. Ein Vorfahr dieser Familie,
-erzählt man, sei Fischer an der Donau gewesen, habe einen deutschen
-Kaiser auf der Flucht mit der größten Lebensgefahr über die hochangeschwollene
-Donau gesetzt, da es kein andrer Fischer gewagt habe,
-und sei nachher von dem Kaiser dafür, daß er ihn gerettet, in den
-Adelstand erhoben worden. Darauf könnten wohl die zwei Fische in
-dem Hartitzschen Wappen hindeuten.</p>
-
-<p>Die Familie hat sich sonst von Harticz, nach dem Rittergute bei
-Jonsdorf in Böhmen an der sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr
-früh aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wahrscheinlich wegen der
-reichen Silberbergwerke bei Freiberg, und hat wichtige Stellen im
-Rate zu Freiberg bekleidet.</p>
-
-<h3 id="sec479">479. Die Herren von Pardubitz.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, 1876, S. 114.)</p>
-
-<p>Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen
-unter Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem
-Geschlechte wird folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa
-im Jahre 1158 Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw
-von Böhmen mit vielen böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im
-Dunkel einer Nacht erstiegen die Böhmen die Mauern der belagerten
-Stadt und drangen bis auf den Markt vor; allein hier kamen ihnen
-die Mailänder entgegen, es entstand ein heftiger Kampf und die Übermacht
-der Bürger drängte die bisherigen Sieger zurück. Vorher sprengten
-sie jedoch das Thor und hatten sich so den Rückzug gesichert. Es
-gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck von Pardubitz verweilte
-am längsten im Thore, noch immer kämpfend, und als er endlich den
-Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt aus dem Türmer zu,
-er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter befestigt war. Dies<span class="pagenum"><a id="Seite_407">[407]</a></span>
-geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel dergestalt auf Geschecks
-Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei Hälften geteilt ward.
-»Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!« rief der Ritter
-und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager, wo ihm Wladislaw
-entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum Ehrenzeichen
-dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter
-und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im
-roten Felde zum Wappen.</p>
-
-<h3 id="sec480">480. Geschlecht von Vitzthum.</h3>
-
-<p class="source">(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik,
-I. II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.)</p>
-
-<p>Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum,
-in alten Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den <em class="antiqua">Vicedominis</em>,
-welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des
-Kaisers die Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert
-haben. Ihr Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues
-Thüringen, und daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie
-Vitzthum von Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht
-besitzt seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert
-und vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war.</p>
-
-<h3 id="sec481">481. Die Herren von Wildenfels.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.)</p>
-
-<p>Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits
-1233 Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die
-im Jahre 1602 ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst
-1222 urkundlich und zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft
-gedacht wird. In ihrem Wappen führten sie eine Rose im goldenen
-Felde.</p>
-
-<h3 id="sec482">482. Die Herren von Ortwinsdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.)</p>
-
-<p>Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf
-geschrieben, und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen
-Geschlechte, welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt,
-seinen Namen. Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte<span class="pagenum"><a id="Seite_408">[408]</a></span>
-die Ritter von Remse als Wildenfelser Afterlehen. &ndash; Vielleicht dankt
-auch das Dorf seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in
-Chemnitz blühenden Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine,
-ein Name, welchen im Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt.
-Ein Nicol und Matthias Ortwyn haben 1373 zu der Kirche St.
-Jacob und besonders dem Altar des heiligen Leichnams und Blutes
-Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist. Nachricht von denen
-vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734. S. 18).</p>
-
-<h3 id="sec483">483. Geschlecht von Arnim.</h3>
-
-<p class="source">(Hesekiel, Wappensagen, S. 3. in poetischer Bearbeitung. Gräße,
-Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 5.)</p>
-
-<p>Seit mehr denn tausend Jahren führen die auf Planitz mit
-Kainsdorf, Voigtsgrün u. s. w. angesessenen Arnims im roten Felde
-zwei silberne Balken als Wappenzeichen. Der Familiensage nach
-rühren dieselben davon her, daß einst in einer Schlacht gegen die
-Friesen der Feldherr einem Junker von Arnheim befohlen hatte, eine
-hölzerne Brücke, welche zwischen ihm und den ihn verfolgenden Friesen
-liegend, diesen die Möglichkeit ihn zu verfolgen, gewährte, abzubrechen.
-Der tapfere Mann vermochte jedoch nicht, alle Balken derselben ins
-Wasser zu werfen, sondern es blieben zwei übrig, über welche die
-nachsetzenden Friesen das Wasser zu überschreiten suchten. Allein Arnheim
-ließ sich nicht von seinem Platze vertreiben, sondern wußte sich
-so lange zu halten, bis Hülfe kam. Zur Belohnung erhielt er von
-dem Grafen von Holland, seinem Lehnsherrn, den Ritterschlag und
-das obengedachte Wappen. Später nannten sich die Arnheims Arnim.</p>
-
-<h3 id="sec484">484. Geschlecht von Auerswald.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B., S. 123.)</p>
-
-<p>Das Dorf Auerswald bei Chemnitz gehörte sonst den Herren
-von Auerswald, deren Geschlecht im 15. Jahrhundert in Meißen bekannt
-geworden ist. Der erste dieses Geschlechts, so aus Preußen
-gekommen und Oberster gewesen ist, hat ein gräfliches Fräulein von
-Dohna geheiratet und ist vom Kurfürsten mit dem genannten Dorfe,
-so er erbauet und nach seinem Namen genannt, belehnt worden. Bis
-zu Ende des 16. Jahrhunderts haben die Herren von Auerswald hier
-ihren Sitz gehabt und Nachkommen von ihnen leben noch im Königreiche<span class="pagenum"><a id="Seite_409">[409]</a></span>
-Preußen. Von 1596 an aber sind die Herren von Schönberg
-hier Gerichtsherren gewesen.</p>
-
-<h3 id="sec485">485. Die Herren von Bünau.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 25.)</p>
-
-<p>Die Herren von Bünau waren auch im Erzgebirge angesessen;
-ein Heinrich von Bünau verkaufte 1596 Bärenwalde mit Lichtenau
-an den Zwickauer Rat. (Kirchengalerie, 8. B. S. 24.)</p>
-
-<p>Die Abkunft dieses uralten meißnischen Geschlechts leiten einige
-aus Polen her und sagen, das Geschlecht der von Bunawezky an der
-litthauischen Grenze sei mit den Bünaus einerlei Stammes. Andere
-sagen, sie seien aus der Schweiz nach Sachsen gekommen; allein die
-Hauptmeinung ist, daß sie von den Pedemontanen oder piemontesischen
-Fürsten abstammen, welche im Jahre 1232 von dem savoyischen Grafen
-Thomas ihrer Erblande beraubt worden wären. Sie hätten nun zuerst
-in Sicilien Kaiser Friedrich II. um Beistand gebeten, allein dieser
-habe mit seinen eigenen Kriegen genug zu thun gehabt; dann hätten
-sie sich an andere deutsche Fürsten um Hülfe gewandt, als diese ihnen
-aber auch nicht beizuspringen gewagt, wären sie in Deutschland geblieben
-und hätten sich in Böhmen und Meißen ansässig gemacht.
-Ihr Wappen, ein Löwenkopf, im Rachen eine Lilie haltend, sei auch
-das Wappen jener pedemontanischen Fürstenfamilie. Weil nun aber im
-Turnierbuche Feierabends einer Demuth von Bünau, der hinterlassenen
-Witwe Günthers von Saalhausen gedacht wird, die auf dem 996 vom
-Markgraf Ludolph von Sachsen und Herrn von Braunschweig gehaltenen
-Turniere zu Braunschweig den vierten Dank dem Turniervogt
-Kilian von Wolfskäl, einem Franken gab, so mußten die Herren von
-Bünau eher aus Italien als erst im Jahre 1232 nach Deutschland
-gekommen sein, wenn sie italienischer Abkunft wären. Einer aus
-diesem Geschlechte derer von Bünau soll nun aber Kurfürst von Trier
-gewesen sein, und als Kaiser Maximilian II. (nach anderen sei das
-viel früher geschehen und zwar unter Kaiser Konrad III. und jener
-Heinrich von Bünau sei nicht Kurfürst von Trier, sondern von Mainz
-gewesen) zu Frankfurt gekrönt ward, an S. Majestät folgende drei
-Bitten gerichtet haben: Erstlich, weil er einer aus dem Geschlechte
-der von Bünau sei, welches zwei Helme führe, daß er sein (rotes)
-Kurhütlein auf den einen Helm setzen dürfe. Zweitens, daß die von
-Bünau unterschiedliche gewisse Namen, als Heinrich, Rudolph und
-Günther haben könnten, und drittens, daß er seinen ganzen Schatz,
-welchen er in seinem Stifte erübrigt, dem Geschlechte derer von<span class="pagenum"><a id="Seite_410">[410]</a></span>
-Bünau zum ewigen Gedächtnisse vermachen dürfe, welche drei Bitten
-S. K. Majestät gedachtem Herrn Kurfürsten auch bewilligt habe.
-Weil nun seine Verlassenschaft sich auf etliche Tonnen Goldes belaufen,
-habe er in seinem Testamente verordnet, daß seine Barschaft zum
-ewigen Gedächtnis an acht Stammhäuser verwendet werde, nämlich
-an je zwei in Böhmen, Meißen, Thüringen und Vogtland, von
-deren Einkommen das ganze Geschlecht zu genießen habe. Peccenstein
-aber meldet in seinem <em class="antiqua">Theatr. Saxon.</em> I. No. 50 von den drei Taufnamen
-Heinrich, Günther und Rudolph, daß solches aus einem besonderen
-Zufall und Betrug eines, so sich ihres Stammes gerühmt
-und damit ein <em class="antiqua">Falsum</em> gebraucht, auch allerhand Unglück gestiftet, nach
-deren Vorfahren Rat und Vergleich geschehen sein sollte, oder daß
-vor ohngefähr 200 Jahren (er schrieb um das Jahr 1608) das Geschlecht
-bis auf drei Personen ausgestorben sein sollte, da dann diese
-damals unter sich einig geworden wären, diese drei Namen fort und
-fort zu gebrauchen. (Nach anderen wäre dies viel später geschehen,
-erst nach der Schlacht am weißen Berge, wo gegen 200 Glieder dieser
-Familie gefallen waren.)</p>
-
-<h3 id="sec486">486. Die Ritter von Bärenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B. S. 138.)</p>
-
-<p>In der Kirche des Städtchens Bärenstein befinden sich die Bildnisse
-Kaspar von Bärensteins auf Bärenstein und Bärenburg (1612),
-Walzig v. Bernsteins (1492) und Christoph von Bernsteins (1534
-oder 1315?). Ein Albrecht von Bernstein, welcher ebenfalls auf dem
-Schlosse Bärenstein wohnte, wird bereits unter dem Jahre 1156 genannt,
-da er auf seine Unkosten einem Turniere zu Zürich, welches
-der Herzog von Baiern und König von Sardinien anstellten, beiwohnte.
-Früher schrieben sich die in Bärenstein sässig gewesenen alten Ritter
-von »Bernstein«, weil sie aus der Schweiz, bei Constanz her, abstammen
-sollen und dieser Name dort mehr (z. B. Bern) angetroffen
-wird. Späterhin schrieb man aber, wahrscheinlich wegen der früher
-in der Gegend hausenden vielen Bären und wegen einer gehabten sehr
-glücklichen Bärenjagd »Bärenstein«. Viele andere Orte in der Nähe
-haben davon ihre Namen, als: Bärenklau, Bärenhecke, Bärenburg,
-Bärenfels, Bärenklause u. s. w.</p>
-
-<p>Auch führten die alten Ritter von Bernstein folgendes Wappen:
-Ein in silbernem Schilde zum Streit gerüsteter aufrecht stehender schwarzer
-Bär; auf dem Schilde ruhet ein mit einer goldenen Krone bedeckter
-offener Turnierhelm, aus welchem ein erhabener und zum Streit geschickter
-Bär hervorragt; die Helmdecken sind schwarz und silbern.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_411">[411]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec487">487. Das Geschlecht von Lüttichau.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 98. Nach
-Hesekiel, Wappensagen, S. 175.)</p>
-
-<p>Das Wappen der Herren von Lüttichau sind zwei Sicheln und
-drei schwarze Federn. Die Sage erzählt hierüber folgendes: Es soll
-einst ein deutscher Kaiser in den Niederlanden gegen die Franzosen im
-Felde gestanden haben und in der Nähe von Lüttich mit dem feindlichen
-Heere zusammengestoßen sein. Anfangs war dieses im Vorteil,
-allein ein adliger Junker aus Meißen, der bei der böhmischen
-Reiterei des Kaisers diente und sich durch drei schwarze Federn auf
-seinem Helme auszeichnete, deshalb auch den Namen »der schwarze
-Hahn« erhalten hatte, hat sich mit seinen Leuten so wütend in die
-Reihen der Gegner gestürzt, daß er sie sprengte und die Kaiserlichen
-die Schlacht gewannen. Da hat ihm der Kaiser aus Dankbarkeit den
-Namen Lüttichau, weil er in Lüttichs Auen den Sieg gewonnen hatte,
-und als Wappen zwei Sicheln, weil er die Feinde wie Korn abgemäht,
-verliehen.</p>
-
-<p>Die Herren von Lüttichau werden als mehr denn 200jährige
-Besitzer der bei Dippoldiswalde gelegenen Rittergüter Ober- und
-Nieder-Ulbersdorf, sowie im Besitze von Stadt und Dorf Bärenstein,
-Hammerbärenklau, Groß- und Kleinbörnchen und Walthersdorf angeführt.</p>
-
-<h3 id="sec488">488. Das Wappenschild der Schönburge.</h3>
-
-<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgebirgs, I. S. 35 etc.)</p>
-
-<p>In seiner Herrlichkeit saß Karl der Große eines Tages auf
-dem Herrscherthrone zu Pavia, und alle seine Edlen standen um ihn
-im weiten Kreise. »Zeigt mir Eure Wappenschilder,« sprach der
-hohe Siegesfürst, »daß ich ihre Kleinode durch neue, auf die späte
-Nachwelt forterbende Zeugnisse Eurer Thaten verherrlichen kann!«
-Da nahten sich ihm die Großen seiner Reiche und er bestätigte die
-Kleinode in ihren Wappenschildern oder fügte denselben neue bei.
-Jetzt fiel sein Blick auf einen der jüngsten seiner Edlen. Einfach,
-ohne Kleinod war das Silberschild des blonden jugendlichen Helden.
-»Schönburg!« sprach zu ihm der große König, »auch Deine Thaten
-sah ich in dem letzten Kampfe, auch Deiner Tapferkeit verdanke ich
-den Sieg; willst Du kein Kleinod in das Wappenschild?« Da
-erwiderte der junge ritterliche Held: »Erhabener Herr und König!
-Was ich that, war Pflicht, und ich focht bis jetzt für Dich, ohne<span class="pagenum"><a id="Seite_412">[412]</a></span>
-für Dich zu bluten. Lasse mir mein Wappenschild, rein sei es
-in seiner Silberfarbe, der Unschuld und der Herzensreinheit wahres
-Sinnbild für und für!« »Bescheidener Jüngling!« sagte darauf der
-Kaiser, »Du sollst es so behalten, bis mit Deinem Blute sich's färbt
-zu meiner Ehre. Sei immer, was Du warst, ein Ritter ohne Furcht
-und Tadel, einfach und gut, tapfer und bescheiden, und das treue
-Vorbild Deines künftigen Stammes! Die Tage des Ruhmes werden
-kommen!« Und sie kamen. Noch einmal trat Wittekind, der Herzog
-der Sachsen, als Feind gegen Kaiser Karl auf. Eine furchtbare
-Schlacht entbrannte; Karl wurde umgangen, die Felsen im Rücken
-seines Heeres waren vom Feinde besetzt, Steine hagelten nieder und
-entwurzelte Baumstämme rollten auf die Streitenden herab. Da zerschmetterte
-ein Felsenstück Kaiser Karls Schild und seine Brust war
-nun den Waffen der Feinde freigegeben. In dieser Not erhob sich
-aus dem Leichenhaufen um ihn der Verwundeten einer. Blässe deckte
-das schöne Angesicht und Blut floß aus der treuen Brust. Er reichte
-dem Kaiser seinen Schild und sank ermattet wieder nieder. Die
-Feinde staunten und meinten ein Wunder zu sehen, denn sie hatten
-den gefallenen Helden an des Kaisers Seite erblickt und zum Tode
-getroffen fallen sehen. Die Christen wurden mit neuem Mute erfüllt
-und erfochten unter Karl einen glänzenden Sieg. Jetzt blickte
-der Kaiser aufmerksam auf den Schild, welcher ihn errettete und er
-rief: »Das ist Schönburgs Schild! Wo ist er, der ihn trug?« Man
-suchte einen Toten und fand einen Schwerverwundeten. Derselbe
-schlug die Augen auf, als Karl vor ihm stand und sprach: »Mein
-Herr und König!« Der Kaiser aber sprach, nachdem er ihm die blasse
-Lippe geküßt: »Du hast vollbracht, was Du gelobt! Dein König bin
-ich und Dein Freund!« Dann berührte er mit dem Ring-, Mittel-
-und Zeigefinger seiner Rechten die blutende Wunde und strich mit der
-Wunde reinem Blute zweimal über das silberfarbene, herzförmige
-Wappenschild, so daß zwei rote Streifen des edlen reinen, für Christentum,
-König und Vaterland vergossenen Blutes es verherrlichten.
-»Schönburg! dies sei fortan Dein Zeichen, Dein Blut das Wappenkleinod
-Deines Hauses!«</p>
-
-<h3 id="sec489">489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist.</h3>
-
-<p class="source">(Grünewald, Meißner Chronik I., Anhang S. 87. Gräße, Sagenschatz
-d. K. Sachsen, No. 58.)</p>
-
-<p>In einem alten handschriftlichen Wappenbuche findet sich folgende
-Erklärung über den Ursprung des alten meißnischen und seit Jahrhunderten<span class="pagenum"><a id="Seite_413">[413]</a></span>
-auch im Erzgebirge, u. a. z. B. seit 1336 auf Purschenstein
-angesessenen Geschlechtes der Schönberge. Es soll ein Ritter aus
-dieser Familie einst ins gelobte Land gezogen und auf der Jagd an
-einem Flusse, dessen morastige Ufer mit Schilf bedeckt waren, von
-einem Löwen überfallen worden sein. Dem hat der tapfere Ritter so
-zugesetzt, daß er verwundet und brüllend vor Schmerz sich in den
-Schilfwald zurückzog; der Schönberg aber hat nicht abgelassen, sondern
-ist ihm gefolgt und hat ihm hier den Todesstoß gegeben. Wie
-nun der Löwe verendet und von ihm aus dem Moraste gezogen ward,
-da fand es sich, daß er zur Hälfte mit Meerlinsen bedeckt war und
-grün aussah. Der Ritter hat nun zum Andenken an diese Begebenheit
-in sein Wappen einen kämpfenden Löwen, dessen Unterleib grün,
-der Oberleib aber rot ist, aufgenommen.</p>
-
-<h3 id="sec490">490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen
-gekommen sind.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 612.)</p>
-
-<p>Ist um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein Eseltreiber zu Zwickau
-in der Mühle gewesen, dem hat einer Kuxwerk geschenkt, das erstlich
-nicht viel getragen, also daß er es auch fahren lassen wollte, weil er
-kein Vermögen hatte, es zu erhalten. Da nun die Bergleute Zubuße
-haben wollten, haben sie ihn getröstet und gesagt: Gott der Herr werde
-in Bälde einen großen Schatz aufthun, was auch kurz darauf geschehen
-ist, also daß der Eseltreiber nicht allein bei diesem Kux geblieben, sondern
-auch viele andere dazu gekauft, wodurch er mächtig reich geworden,
-daß die Silberkuchen in seinem Hause wie Stücken Blei nebeneinander
-gelegen und täglich auf Schleifen die Straße auf Zwickau geführt wurden,
-davon dieselbige Straße bis auf den heutigen Tag die Silberstraße
-genannt wird. Nun ist aber zu wissen, daß zu Zwickau zu jener Zeit
-eine Münze gestanden hat und täglich gemünzt worden ist. Weil aber
-das Silber damals zu viel gewesen, hat dieser Römer, so ein kleines
-Männlein gewesen, zu sich gesagt: Wohl ist ein reicher Mann auch wohl
-ein armer Mann, weil ich mein Silber nicht einmal gemünzt haben
-kann! Darum ist er bei sich darüber zu Rat gegangen und hat drei
-Lastwagen mit Silberkuchen beladen und beschlossen, dieselben nach
-Nürnberg zu führen, wo ein sehr reicher Rat sein sollte. Als er nun
-nicht weit von dieser Stadt, sind ihm etliche Kaufleute begegnet, welche
-er gar einfältig gefragt, ob sich der Markt auch wohl anlasse. Aber
-diese haben ihn verlacht und gesagt: Dieser alte Narr kömmt zu Markte,
-da derselbe schon aus ist, er wird den Weg wieder nach Hause zurückmachen<span class="pagenum"><a id="Seite_414">[414]</a></span>
-müssen. Er hat das nicht groß gerechnet, sondern hat sein Vorhaben
-dem Kämmerer angezeigt und gefragt, ob wohl ein ehrenweiser
-und wohlweiser Rat ein Stück Geld für ein Stücklein Silbers, so einen
-Zentner schwer, geben wolle. Da haben sie gesagt: Ja wohl, wenn nur
-das Silber vorhanden und zwar des recht viel wäre. Darauf hat er
-gesagt, er habe ein solches Stücklein, wenn sie es sehen wollten. Da
-antworteten sie, er solle sie zufrieden lassen, wo er es denn hernehmen
-wolle? Doch endlich auf sein Anhalten ist einer von ihnen mit ihm
-gegangen, dem hat er ein Stücklein Silber gewiesen und nach der
-Probierung, als jener gesehen, daß es gediegen Silber gewesen, hat er
-ihm noch ein Stücklein gezeigt und gesagt, so ihm Geld dafür zugewogen
-werde, wolle er es allda lassen. Da hat der Kämmerer gesagt:
-Ja Herr, wenn es mehr wäre, so könnte es ein Rat der Stadt Nürnberg
-wohl thun! Darauf hat er ihm die drei Wagen mit Silber beladen
-gezeigt und gesagt, er habe dessen noch mehr. Darüber ist der
-Kämmerer sehr erschrocken und hat nicht gewußt, wie er mit ihm daran
-sei, hat aber gesagt, er wolle es den Herrn anzeigen. Nach diesem ist
-ihm für so viele Zentner Silbers, als er gehabt, ebensoviel gemünztes
-Geld zugewogen, er von ihnen zu Gaste geladen und herrlich traktiert
-und für einen gnädigen Herrn tituliert und geehrt worden. Als er nun
-seine Ware losgeworden, ist er wiederum mit seinen drei Wagen mit
-Geld beladen nach Zwickau gekommen. Darauf hat aber Herzog Albrecht
-von Sachsen zu ihm geschickt, ob er ihm auf seiner weiten Reise zum
-heiligen Grabe mit etlichen tausend Gulden dienen könne, worauf er
-denn zurück gemeldet hat, dafern es seiner fürstlichen Gnade gefällig,
-so wolle er selbst mit, welches denn auch geschehen, und hat dieser Römer
-seinen Fürsten mit 150 Pferden bis zum heiligen Grabe und dann
-wieder anheim freigehalten und endlich quittiert, welche Reise ohne
-Zweifel eine stattliche Summe Geldes wird gekostet haben. Darum ist
-er beim heiligen Grabe zum Ritter geschlagen und er und die Seinen
-edel gemacht worden. Zum Zeugnis führen die Römer, so in Zwickau
-wohnen, eine Eselspeitsche (nach anderen einen Pilgerstab) im Wappen.
-Auch hat dieser Römer ein gewaltiges Haus am Markte eine Gasse lang
-nach der Mulde zu, und das Kaufhaus am Markte nebst dem Kornhause
-am Schlosse gebaut, das Kaufhaus dem Rate und das Kornhaus dem
-Fürsten geschenkt, auch dem Rate noch viele andere Güter geschenkt und
-sonst noch etliche tausend Gulden dazu geliehen, also daß sie nur
-Söhnen seines Geschlechts, so diese in die Schule gehen und studieren
-würden, von den Zinsen erhalten sollten, damit es ihren Eltern nichts
-koste, sie möchten studieren, wo sie wollten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_415">[415]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec491">491. Die Siebenschläfer.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)</p>
-
-<p>Im Schloßberge von Teplitz sollen einige Ritter schon 700 Jahre
-lang schlafen und heißen daher die Siebenschläfer. Wenn es einmal
-den Deutschen schlecht gehen wird, werden die Ritter hervorkommen
-und ihnen helfen. Das Bächlein am Fuße des Berges ist oft gelb
-gefärbt von dem Urin der Pferde, die im Innern des Berges stehen,
-und auf dem Berge liegen Steine, in denen die Hufe dieser Pferde
-abgedrückt sind. Früher soll den Schloßberg eine Mauer umgeben
-haben; es ist aber davon nichts mehr übrig, als das Thor, durch
-welches die Ritter aus- und einritten. Bei diesem Thore soll in der
-Nacht von 12&ndash;1 Uhr ein großer, starker Mann ohne Kopf umgehen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wenn statt des befruchtenden Regens, welchen der milde, segnende Gott Wuotan
-mit seinen himmlischen Helden zur Erde niedersendete, in den kalten Wintertagen
-Schnee niederfiel und Eis die Erde bedeckte, da glaubte man, daß die Winterdämonen
-zur Herrschaft gelangt seien. Wuotan hatte sich mit seinem Gefolge in den Wolkenberg,
-nach späteren Anschauungen in das Innere eines wirklichen Berges zurückgezogen,
-um hier zu schlafen oder verzaubert auf die Wiederkehr des Frühlings zu warten.
-Später wurde Wuotan zu einem der Lieblingshelden unseres Volks, der in einem
-Berge schlafend auf die Wiedergeburt des deutschen Reiches harrt. So schläft nach
-der Sage Karl der Große in dem Desenberge bei Warburg, Kaiser Heinrich der
-Vogelsteller im Sudemerberge bei Goslar und Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser. Bei
-den Slaven ist es Swantewit, welcher mit seinen himmlischen Kriegern die Stelle
-des germanischen Wuotan einnimmt, und auf ihn ist die Sage der Böhmen vom
-Könige Wenzel und seinen Kriegern im Berge Blanick zurückzuführen. &ndash; Die Sage
-von den Siebenschläfern im Schloßberge zu Teplitz erzählt zwar nichts von einem
-bestimmten Helden, der an die Stelle Wuotans getreten ist, doch trägt sie ganz das
-Gepräge der obengenannten Überlieferungen. Die im Berge schlafenden Ritter, welche
-den deutschen in der Not helfen werden, sind das Gefolge Wuotans, auf welchen
-vielleicht die Abdrücke der Hufe in den Steinen und die gespenstische Erscheinung
-eines großen Mannes ohne Kopf hindeuten. Hufeisen, später dem Teufel zugeschrieben,
-weisen ursprünglich auf Odhins weißes Roß Sleipnir hin. Als der Gott einst im
-wilden Ritte dahin sauste, flog von diesem Rosse eins der Eisen ab und blieb an
-einem Felsen bei Wexiö hängen. Der Mann ohne Kopf erinnert an den wilden
-Jäger, welcher in den Sagen an Wuotans Stelle getreten ist. (Mannhardt a. a. O.
-S. 135.)</p></div>
-
-<h3 id="sec492">492. Die Türkenheide.</h3>
-
-<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)</p>
-
-<p>In der Nähe des Dorfes Kühnheide breitet sich ein Stück
-sumpfiges Land aus, welches in der Gegend unter dem Namen Türkenheide
-bekannt ist. Dieses sumpfige Land soll seinen Namen von<span class="pagenum"><a id="Seite_416">[416]</a></span>
-einem Regimente Türken haben, welche hier, als sie ins Gebirge
-dringen wollten, versunken sind. In der Karwoche in der Nacht
-von Donnerstag auf Freitag sollen sich dort blaue Flämmchen sehen
-lassen und türkische Musik und Pferdegetrappe zu hören sein.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Es ist auffällig, daß die Sage den Namen Türkenheide von einem versunkenen
-Regimente Türken herleitet, da doch Türken niemals in jene Gegend gekommen
-sind. Hängt der Name vielleicht mit einer Begebenheit, welche <em class="antiqua">Dr.</em> Joh. Pöschel
-(Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie, Leipzig 1883, S. 150 etc.) erzählt, zusammen?
-Darnach hielten 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von Preßnitz und
-Reitzenhain besetzt, die Bauern aber thaten sich zusammen, vertrieben die Kaiserlichen
-aus den Schanzen und lauerten ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge
-zogen. Der Anführer der Bauern war der Amtsschösser von Grünhain, Friedrich
-<em class="gesperrt">Türck</em>. Als nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim General
-Gallas, welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Kuriere an
-Friedrich Türcken mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kontribution.
-Friedrich Türck wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen entbieten,
-er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle katholischen Steine aus dem
-Kloster Grünhain auf die Köpfe geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben.
-Gallas entsandte 2000 Pferde mit zwanzig Standarten unter dem Obristen Kehreuß
-gegen die Bauern ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch Kühnheide.
-Von Friedrich Türck wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen animirt und
-abgericht, daß sie frisch vorn Feind standen, keine Gefahr scheuten und sich trefflich
-wehrten, sonderlich wenn er darbey wahr vnd ihnen zusprach.« &ndash; Es drängt sich
-die Vermutung auf, daß die Türkenheide bei Kühnheide ihren Namen von jenem
-Bauernanführer Friedrich Türck erhalten hat.</p></div>
-
-<h3 id="sec493">493. Die Korporallöcher bei Schönau.</h3>
-
-<p class="source">(Chemnitzer Tageblatt, 1882. N. 17. 1. Beil.)</p>
-
-<p>Auf der Rittergutsflur zu Schönau bei Chemnitz liegen seitwärts
-der Bahn die sogenannten Korporallöcher, von denen die Sage geht,
-es sei im letzten Schwedenkriege eine ganze Korporalschaft spurlos darin
-versunken. Noch sollen sich zeitweilig die Ertrunkenen in verschiedenen
-Gestalten daselbst sehen lassen, auch wird erzählt, daß die mit weißlichem
-Wasser gefüllten Löcher mit dem Meere in Verbindung stehen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_417">[417]</a></span></p>
-
-<h2 id="kap9">IX.<br />
-Ortssagen.</h2>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_419">[419]</a></span></p>
-
-<p class="drop">Was in diesem letzten Abschnitte unter dem Begriffe der Ortssagen
-zusammengefaßt wurde, besteht einerseits aus bloßen chronikalischen
-Mitteilungen über Orte oder über Begebenheiten, welche sich an bestimmte
-Plätze knüpfen. Diese Erzählungen, und dies gilt besonders
-auch von einigen alten Gebräuchen, gehören demnach nicht dem eigentlichen
-Sagengebiete an; doch möchte ich sie nach dem Vorgange Carl
-Haupts in dessen Sagenbuche der Lausitz nicht unberücksichtigt lassen,
-und zwar umsomehr nicht, als sich bei manchen derselben ein schwacher
-Schimmer der dichterischen Gestaltungskraft des Volkes zeigt. Andererseits
-haben einige dieser Ortssagen wieder etwas vom mythischen
-Charakter an sich, so daß sie vielleicht auch in einer der vorhergehenden
-Abteilungen, besonders bei den Wundersagen, hätten untergebracht
-werden können. Hierhin gehören z. B. manche der Mitteilungen über
-die Gründung von Ortschaften und die Entdeckung reicher Erzgänge.
-Häufig hat die dichterische Phantasie des Volkes die Namen von
-Orten, Bergen und Felsen, sowie von Ortssiegeln und Wappen erfaßt,
-und solche Überlieferungen mußten deshalb in diesem Abschnitte,
-ebenso wie diejenigen von den Wahrzeichen der Städte, eine Stelle
-finden. Letztere können bloße Zeichen der Gewahrsame d. h. Umgrenzung
-der Orte, oder Symbole der Bürgerschaft und mißverstandene Wappen
-und Bilder sein; oder sie sind auch nur Andenken einer Sache, Sitte,
-oder Begebenheit aus früherer Zeit. Verwandt mit solchen Wahrzeichen
-sind alle die sprichwörtlichen Redensarten und Scherze, welche
-sich auf die Lage oder Eigentümlichkeit eines Ortes oder den Charakter
-und die Beschäftigung seiner Bewohner beziehen; manche derselben
-müssen auch auf eine bestimmte Begebenheit oder die That eines Einzelnen
-zurückgeführt werden. Anhangsweise wurden den sprichwörtlichen
-Redensarten auch eigentliche Sprichwörter (und Rätsel) beigefügt,
-insofern dieselben der Beschäftigung der Bewohner oder gewissen
-Beobachtungen an denselben entsprungen sind.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_420">[420]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec494">494. Entdeckung der Freiberger Silbererze.</h3>
-
-<p class="source">(Petrus Albinus, Meißnische Bergk-Chronika. Dreßden, 1590. S. 10.)</p>
-
-<p>Auf eine Zeit ist ein Goslarischer, oder wie etliche bloß setzen,
-sonst ein sächsischer Fuhrmann zu Hall durchgefahren und hat Salz
-ins Land zu Böhmen führen wollen, weil dasselbe Land auf den
-heutigen Tag aller Ding die Fülle, allein kein Salz hat. Dieser
-Salzführer, als er fast an die Grenzen des böhmischen Gebirges, gleich
-um die Gegend, da jetzo Freiberg stehet, kommen, hat er ohngefähr
-ein Geschiebe von einem gediegenen Glanz oder Bleierz in einem
-Wagengleis gefunden, dasselbe, weil es schön gleißende und schwer
-gewesen, auf den Wagen geworfen und im Wiederkehren mit sich gen
-Goslar gebracht. Daselbst, nachdem es von den Bergleuten probiert und
-im Silber viel reicher als der Goslarische Glanz und Bleischweif befunden
-worden, haben sich die Sachsen alsbald aufgemacht, sind dahin
-auf Nachrichtung des Fuhrmannes gezogen, da er das Geschiebe
-gefunden hatte, haben Gänge ausgerichtet, eingeschlagen und geschürft,
-und da es ein gut Ansehen genommen, folgend getrost Kübel und
-Seil eingeworfen, in Eil etliche Röschen getrieben, damit sie die Gebirge
-etwas verstollet, und das Wasser verschroten, auf daß sie ohne
-Hindernis bauen mögen, und haben also in Summa die Sachsen
-das Bergwerk im Lande Meißen rechtschaffen rege gemacht.</p>
-
-<h3 id="sec495">495. Der Anfang der Stadt Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chronicum</em>. II. 1653, S. 3.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1169 hat der Bergmeister mit den Bergleuten auf
-dem Zellerfeld in Sachsen, verschiedener Unbilligkeiten wegen, die
-ihnen widerfahren, einen Aufstand gemacht und hat sich dann mit
-den Bergleuten nach Meißen zum neuen Bergwerk, welches bereits in
-hohen Ruf gekommen war, begeben. Zwei Jahre darauf aber haben
-die eingewanderten Sachsen das Dorf Christiansdorf am jetzigen
-Münzbach im Baue gebessert und also zugerichtet, daß es einer neuen
-Stadt glich, wie auch hernach dieser Ort die Sachsenstadt genannt
-wurde. Etliche rechnen deshalb den Anfang der Stadt Freiberg vom
-Jahre 1171 an.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Entdeckung der reichen Freiberger Silbergänge erfolgte wahrscheinlich
-zwischen 1162 und 1170. Nach Aufzeichnungen des Klosters Zelle vom Ende des
-13. Jahrh. wurde die Stadt Freiberg im Jahre 1181 gegründet; wahrscheinlich
-aber fällt die Gründung zwischen die Jahre 1185 und 1190. Urkundlich wird der<span class="pagenum"><a id="Seite_421">[421]</a></span>
-Freiberger Bergbau zuerst 1185 erwähnt. (Beschreibende Darstellung der älteren
-Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, III. S. 8.)</p></div>
-
-<h3 id="sec496">496. Die Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk
-fündig wurde.</h3>
-
-<p class="source">(Benseler, Berggeschichten vom Aufkommen des sächs. Silberbergbaues.
-Freiberg, o. J. S. 12.)</p>
-
-<p>Wo das Rathaus in Freiberg steht, soll der erste Silberfund geschehen
-sein, und in einem Kreuze, welches in einer Ecke desselben
-eingemauert ist, soll man noch heute die erste Art Freiberger Erze
-sehen. Gegenüber an der Ecke der Petersstraße, da, wo das Bild
-des Bergmannes an dem Hause steht, soll sich die erste Zeche befunden
-haben. Die bedeutenderen älteren Gruben waren im alten Loßnitz-
-oder Münzbachthale. In Christiansdorf, welches seinen Anfang in der
-Nähe vom Vorwerk Langerinne nahm und sich bis an die Loßnitz
-erstreckte, war eine sehr alte Grube der Stubenberg, von dem erzählt
-wird, daß eine Köchin aus dem Kloster Zelle das erste Grubengebäude
-hier gebaut habe und sehr reich davon geworden sei.</p>
-
-<h3 id="sec497">497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Ursprung der Bergwerke in Sachsen. Chemnitz, 1764. S. 110.)</p>
-
-<p>Es wird erzählt, daß die Bergwerke an der Mulde gegen Nossen
-lange vor den Freiberger Silbergruben gangbar gewesen seien. Das
-Gersdorfische Bergwerk soll unter diesen das älteste und bei folgender
-Gelegenheit aufgekommen sein. Im Jahre 733, am Tage Simonis
-und Judä, hätte ein Mönch, der Kappenmönch genannt, einen auf
-der alten, jetzt gänzlich verfallenen Wunderburg bei Roßwein gesessenen
-Räuber, mit Namen Martin Griechen, besuchet. Darauf habe ihn
-letzterer nebst seiner Buhlerin, welche Gertraut geheißen, beim Abschiede
-ein Stück Weges begleitet, bei welcher Gelegenheit sie unterwegs reiche
-Erze entdeckt hätten. Der Mönch habe infolgedessen seine Kutte für
-immer abgelegt und der Räuber von seinem Räuberhandwerk gelassen.
-Dafür hätten sie ein Bergwerk angelegt und reichhaltige Erze gefunden
-und nun an dem Orte einen Flecken gegründet, den sie nach des
-ehemaligen Räubers Buhlerin Gertraut Gersdorf benannt hätten. Das
-Bergwerk wäre hierauf bis zum Jahre 887 angebauet worden, von
-dieser Zeit an aber zwei Jahre lang, einer sich entsponnenen Räuberei
-halber, liegen geblieben, mit welchem Schicksale auch ein anderes<span class="pagenum"><a id="Seite_422">[422]</a></span>
-Bergwerk, der Goppisch genannt, dessen Lage man nicht mehr wüßte,
-heimgesucht worden. Nach einer anderweiten Niederlage von drei
-Jahren, wovon die eigentliche Zeit nicht angegeben werden könnte,
-hätte man endlich angefangen, zu Erzdorf ein ganz neues Bergwerk
-vorzurichten, wozu bei Ermangelung der Bergarbeiter ein jeder Bauer
-zwei Leute schicken müssen, und wäre das Bergamt damals auf dem
-jetzigen Schafhofe gewesen.</p>
-
-<h3 id="sec498">498. Entdeckung der Silbererze des Schneeberges.</h3>
-
-<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica etc. Dreßden, 1590. S. 28.
-Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 33&ndash;35.)</p>
-
-<p>Es hat sich von ungefähr zugetragen, daß ein Bergmann oder
-Arbeiter, welcher zu dem in Schlema vor Zeiten befindlichen Hammer
-gehörte, nach Eisenstein schürfte. Dabei kam er auch an den Schneeberg,
-wo er einen besseren Eisenstein zu finden vermeinte, als er am
-Wolfsberge, Hasenberge und anderen Orten gefunden hatte. Als er
-nun etliche Schürfe geworfen, wobei es ihm aber nach seinem Sinne
-nicht gegangen, hat sich nicht lange darnach an dem Orte, wo später
-die St. Georgenzeche und die zugehörenden, als die alte und neue
-Fundgrube u. s. w. aufkamen, ein Bürger von Zwickau (die Sage
-nennt ihn Romner oder Römer), welcher mit einer Würzlade auf dem
-Lande umherging und sich dadurch seine Nahrung suchte, in einem
-alten Schurf, darin eine schöne Gilb und Bräun alsbald in der
-Dammerde gewesen, eingelegt und zwei Arbeiter daselbst gehalten,
-denen er alle vier Wochen abgelohnt, und unterdeß alleweg mit seinem
-Kram wieder ausgelaufen. Bald nachher ließ er einen Schacht sinken,
-und die Arbeiter trafen endlich eine »gänßkötige« Bergart, samt einer
-Bräun und Gilben, welche der ersten Bergart im Schurf ähnlich war,
-wovon sie ihrem Herrn an dem Lohntage etliche Handsteine nach
-Zwickau brachten. Derselbe ließ sie bei einem Goldschmiede probieren
-und erhielt darauf die Antwort, wenn er dieses Dinges noch mehr
-habe, solle er's ihm bringen, er wolle ihm schöne silberne Becher
-daraus machen. Dieses soll ungefähr im Jahr 1470 geschehen sein.
-Nach dieser Zeit sollen sich bald mehr Bürger von Zwickau und von
-anderen Orten, edel und unedel, zusammengeschlagen, fortgebauet und
-endlich ein mächtig Erz angetroffen haben. Im Jahre 1472 hat man
-allererst den rechten Putzen, wie die Bergleute reden, angetroffen,
-worauf das Schneebergische Bergwerk so in Schwank gekommen, daß
-seinesgleichen nie gewesen, also daß man damals das Silber nicht<span class="pagenum"><a id="Seite_423">[423]</a></span>
-alles vermünzen können, sondern kuchenweise oder in ganzen »Plicken«
-hat austeilen müssen.</p>
-
-<p>Nach einer anderen Erzählung habe sich ein Schustergerätträger
-mit Namen Sebastian Romner, welcher von Krembs an der Donau
-gebürtig, aber zu Görkau in Böhmen wohnhaft gewesen sei und der
-seine Nahrung zu Zwickau gesucht, in der Gegend von Schneeberg
-verirrt. Dabei sei er an eine Eisenzeche gekommen und habe den
-Steiger heraus gerufen, um ihn nach dem rechten Wege und um einen
-Trunk Wasser zu bitten. Der Steiger habe ihm im Verlaufe des
-Gesprächs geklagt, daß die Gewerken nicht mehr verlegen wollten,
-weil man aus dem Eisensteine nichts machen könne; es sei ein Gang
-dazu gekommen und derselbe mache das Eisen so flüssig, daß man
-kein Stabeisen mehr schmieden könne, weil alles zerfahre. Romner
-nahm darauf einige Stücke des Erzes mit nach Görkau und Nürnberg,
-um sie untersuchen zu lassen und es fand sich, daß sie reichlich Silber
-enthielten. Als er später wieder nach Zwickau zurückkehrte, wurde er
-infolge eines Streites vor den Hauptmann geführt. Als der etwas
-berauschte Romner vor diesem Worte fallen ließ, daß er in der
-Nähe einen Schatz wisse, ließ der Hauptmann nicht nach, bis ihm
-Romner versprach, ihn nach diesem Orte zu führen. Und als sie am
-andern Tage zu der Eisenzeche gelangten, fand sichs, daß der Hauptmann
-bei dieser durch Kuxe beteiligt war. Beide begannen jetzt in
-Gemeinschaft den Silberbau, und da der Hauptmann erkundete, daß
-Romner ehrlichen Stammes sei, gab er ihm eine Muhme, Anna von
-Bünau, zur Ehefrau. Romner hielt sich darauf zu Neumark auf,
-genoß des Bergsegens und wandelte, indem er das Geschlecht derer von
-Römer begründete, seinen Namen in Römer um.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Silbererze des Schneeberges entdeckt
-wurden, war die Gegend umher nicht mehr so unwirtlich, wie angenommen
-wird. Von Lößnitz führte bereits durch das Schlemathal über Neustädtel eine
-Straße nach Böhmen; im genannten Thale pochten Eisenhämmer und im hohen
-Forste, sowie in der Gegend der über die Mulde führenden Eisenbrücke gab es
-schon Silbergruben. Der erste Fund auf dem Schneeberge geschah am Ende des
-Jahres 1470 und bald darauf, am 6. Febr. 1471 folgte ein neuer reicher Anbruch.</p>
-
-<p>Als die junge Ansiedelung auf dem Berge 1481 den Stadtbrief empfing,
-hatte man daselbst schon Gruben von 200 M. Tiefe. (H. Jacobi, Schneeberg. Ein
-Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, S. 3&ndash;7).</p>
-
-<p>Der in der zweiten sagenhaften Erzählung genannte Hauptmann war der
-Amtshauptmann von Zwickau, Martin von Römer, dessen Epitaph noch jetzt in der
-dortigen Marienkirche vorhanden ist. Derselbe gehörte mit zu den bedeutendsten
-Fundgrübnern jener Zeit, unter denen uns noch Angehörige der adeligen Familien
-von Starschedel, von Spiegel und von Schönberg, sowie die Zwickauer Bürger<span class="pagenum"><a id="Seite_424">[424]</a></span>
-Hans Federangel, Clemens Schicker, Andreas Gaulnhöfer und Peter Polner genannt
-werden.</p>
-
-<p>Martin Römer soll nicht allein durch die Schneeberger Silberausbeute, sondern
-auch durch den ihm zufließenden Segen aus anderen Fundgruben so reich geworden
-sein, daß er z. B. für den Neubau der Zwickauer Marienkirche allein
-72000 Gulden beitragen konnte.</p>
-
-<p>Sebastian Romner, dem er die Kenntnis der Schneeberger reichen Gänge
-verdankte, soll dann später in Venedig große Geschäfte mit Silberkuchen, welche er
-daselbst verkaufte, gemacht haben.</p></div>
-
-<h3 id="sec499">499. Entdeckung der Altenberger Zwitter.</h3>
-
-<p class="source">(Meißner, Umständliche Begebenheit von der Bergstadt Altenberg.
-Dreßden und Leipzig, 1747, S. 2.)</p>
-
-<p>Als Anno 1458 in dem ehemaligen Walde, welcher dem Herrn
-Walzig von Bärenstein eigentümlich zugestanden, ein Köhler einen
-Meiler auf einem mächtigen flachen Gange, welcher jetzt die alte Fundgrube
-genannt wird, zugerichtet hatte, traf er im Ausstoßen Zinn an.
-Denn die am Tage gelegenen Zwitter, welche der Köhler zu seinem
-Kohlenbrennen lange Zeit hindurch zum Unterlegen gebraucht hatte,
-waren durch die heftige Hitze nach und nach zermalmt und mürbe gebrannt
-worden, so daß endlich »berglauter Zinn« zum Vorschein kam.
-Auf diese Art ist der so berufene Zwitterstock zum Altenberge unvermutet
-fündig geworden. Nachdem nun hierauf das Gerücht von diesem
-reichen Zinnbergwerke durchs Land erschollen, haben sich viele ausländische
-Bergleute an dem Platze niedergelassen und die Stadt Altenberg
-gegründet.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des 15. Jahrh. auf
-dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer Bergordnung neben einem förmlichen
-Bauplane für die Stadt Altenberg festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der
-Weise aber verlieh bereits 1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit
-ziemlicher Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch Stadtrechte.
-(Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II. S. 1.)</p></div>
-
-<h3 id="sec500">500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg
-und Graupen.</h3>
-
-<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, früheren Schicksale und jetzige
-Beschaffenheit. Lauenstein, 1845, S. 272. Erzgebirgszeitung,
-5. Jahrgang, S. 162.)</p>
-
-<p>Die Königin Judith, Gemahlin des Herzogs Wladislaus I. von
-Böhmen, gründete in Teplitz ein Kloster der Benediktinerinnen. Es<span class="pagenum"><a id="Seite_425">[425]</a></span>
-geschah dies in einem der Jahre 1153 bis 1173. Im Jahre dieser
-Gründung aber war es, so berichtet der böhmische Geschichtsschreiber
-Hajek, da ging ein Mann, mit Namen Wnadeck, aus dem Dorfe
-Cloditze, auf dem Gebirge, welches fast eine Meile Weges von Teplitz
-gegen Mitternacht gelegen, und fand einen langen und lichten, aus der
-Erde herausgewachsenen Stab. Er vermeinte, derselbe wäre Silber,
-brach ihn ab und brachte ihn der Herzogin Gertrud (Königin Judith)
-gen Teplitz. Diese aber übergab den Stab bergverständigen Männern
-zum Probieren, welche im Feuer befanden, daß es Zinn war. Hierauf
-befahl die Herzogin, dem Wnadeck 3 Mark Silber zu geben,
-doch sollte derselbe den Ort zeigen, wo er den Stab gefunden habe.
-Als dieses geschehen, grub man nach, und wurde eine gar große
-Menge Zwitter gefunden, darum die Herzogin und alles böhmische
-Volk unserm Herrgott mit Herz und Mund großen Dank sagten.</p>
-
-<p>Auch erzählt die Sage: Als Libusa das Czechenvolk beherrschte,
-eine weise Seherin, die das Glück und Unglück ihres Landes in der
-Nähe und in der Zukunft schaute, da geschah es auch (d. h. im Jahre
-733), daß die Herzogin, von der Höhe des Wyschehrad aus, weissagend
-sich nach Nordwesten gewendet und dem Volke in blühenden Worten
-von dem übermäßigen Zinnreichtum des einstigen Graupens gepredigt
-habe.</p>
-
-<h3 id="sec501">501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt Annaberg. 1746.
-S. 17.)</p>
-
-<p>In dem Dorfe Frohnau wohnte ein Bergmann, welchen die alte
-geschriebene Stadt-Chronica von Annaberg Caspar Nietzel oder Nitzelt
-nennt. Dieser schürfte an dem Schreckenberge und entdeckte daselbst
-den 27. Oct. 1492 in der Dammerde einen lettigen Gang, welcher
-im Centner 2 Loth Silber hielt. Dieser Bergmann nahm den Letten,
-trug denselben am Abende Simonis Judä nach Geyer zu einem
-Schmelzer, welcher Martin Pflugk oder Pfennig geheißen, und ließ
-es probieren. Als aber der Schmelzer diesem Nietzel es nicht glauben
-wollte, daß er zu Tage aus einen solchen herrlichen Gang gefunden,
-so gab er ihm etliche verständige Bergleute mit, welche die Sache
-sollten in Augenschein nehmen, und diese, als sie den Gang wirklich
-so gefunden, hatten auch dem Nietzel hernach geraten, daß er solchen
-Gang von Herrn Johann Fischern, Bergmeistern zu Freiberg, aufnehmen
-sollte. Das allerälteste geschriebene Chronikon aber, welches
-noch vorhanden ist, sagt, daß Hans Heintze und Martin Pflugk, der<span class="pagenum"><a id="Seite_426">[426]</a></span>
-Schmelzer in Geyer, das Lehngeld geleget, und solchen Gang bei
-Hans Fischern, Bergmeistern in Freiberg, aufnehmen lassen. Als sich
-nun beim Abteufen der Gang veredelt, der Gehalt gebessert, und das
-Geschrei ins Oberamt nach Freiberg geschollen, so hat der Bergmeister
-daselbst etliche abgeordnet, das neue Gebäude zu befahren und an
-dem nahe dabei liegenden Schottenberge einen Stollen zu treiben anfangen
-lassen. Dies ist also Anno 1492 geschehen, als in welchem
-Jahre dieser wüste und wilde Ort das Glück hatte, daß er bekannt
-geworden. Von diesem Jahre an rechnen nun etliche den Anfang der
-Stadt St. Annaberg.</p>
-
-<h3 id="sec502">502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em> 1716, S. 32.)</p>
-
-<p>Als noch der Schneeberg mit Wald bedeckt war, befand sich daselbst
-eine Försterei. Hier wurde den Umwohnenden, besonders in den
-Mühlen gegen Griesbach, sowie den Hammerleuten in Schlema Holz
-angewiesen. Dabei soll ein Pferd, welches man an einen Baum gebunden
-hatte, gescharrt und in der Dammerde eine »Gilbe« entblößt
-haben. Das war der Anfang zum Fündigwerden des St. Georg, an
-dessen Zechenhause sich vor Zeiten zur Erinnerung ein aufgenietetes
-Hufeisen befand.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch auf dem Rammelsberge im Harz soll nach der Sage ein Bleierzgang
-durch das scharrende Pferd eines adeligen Herrn, mit Namen Ramm, nach welchem
-später der Rammelsberg benannt wurde, aufgefunden worden sein. Ist vielleicht die
-Schneeberger Sage derjenigen vom Rammelsberge nachgebildet worden? Hingewiesen
-mag darauf werden, daß Wuotan der Herr der Schätze ist und daß sein Roß dieselben
-hervorstampft, indem es Erzadern ausscharrt.</p></div>
-
-<h3 id="sec503">503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt Schneebergk.
-1684, S. 42. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen.
-1883. S. 22.)</p>
-
-<p>Der Freudensteiner Gang wurde 1526 von einer Magd entdeckt,
-als sie auf dem hinteren Gleeßberge in einem Waldraum auf Neustädter
-Feldern Gras holte und dabei einen Silberzahn mit der Sichel
-abhieb und nach Hause brachte. Glaublicher wird gesagt, daß das
-gediegene Silber daselbst von einer Kuh ausgetreten und vom Hirten
-gefunden und nachgehends mit großem Nutzen gehauen worden ist,<span class="pagenum"><a id="Seite_427">[427]</a></span>
-deswegen hier die Bergleute ein Rätsel gemacht und einander zu
-raten aufgegeben haben: Wo das Erz über den Haspel gewachsen?
-welches sodann mit dieser Zeche aufgelöst worden.</p>
-
-<h3 id="sec504">504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.</h3>
-
-<p class="source">(Wrubel a. a. O., S. 23.)</p>
-
-<p>In der Gegend von Joachimsthal trafen Bergleute vom Geyer
-den ersten Gang an der Wurzel eines Baumes, den der Wind an
-einem Bache umgeworfen hatte.</p>
-
-<h3 id="sec505">505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.</h3>
-
-<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica. 1590, S. 125.)</p>
-
-<p>Bei Joachimsthal, nicht weit von Arlsgrün (Arletzgrün) hinter
-dem Galgenberge ist ein Zain Goldes mit dem Getreide abgeschnitten
-worden.</p>
-
-<h3 id="sec506">506. Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.</h3>
-
-<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 79.)</p>
-
-<p>Das Bergwerk St. Lorenz oder Gottesgab bei Abertham ist also
-aufgekommen: Nachdem eine Zeitlang an diesem Orte gebaut worden
-war, ist im Jahre 1528 ein gar armer, jedoch verständiger und guter
-Bergmann gewesen, welcher im dichten Walde fast allein in seinem
-Hüttlein wohnte und sich von Viehzucht, obschon nicht alles sein Eigen
-war, ernährte. Als dieser einstmals (es soll am 20. Februar gewesen
-sein) bei seinem Weiler eine andere Milchgrube, wie solche gebräuchlich
-waren, graben wollte, hat er eine reiche Sicherung von gediegen Silber,
-welche der Brunnenquell vom Gange geröhret hatte, angetroffen. Darauf
-ist er mit großen Freuden zu seinem Herrn gelaufen und hat ihm
-und anderen solches anvertraut. Bald ist er auch zum Bergmeister
-gegangen und hat eine Fundgrube gemutet, welche er Gottesgabe nannte.
-Nachdem er geschürft und gesunken, hat er schöne Bergarten und noch
-mehr gediegen Silber gefunden. Später hat man auf dieser Zeche so
-viel gediegen Silber gebrochen, wie auf keiner andern seit Mannes
-Gedenken, ausgenommen St. Georgen auf dem Schneeberge.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_428">[428]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec507">507. Der Fronleichnams-Stollen bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 18.)</p>
-
-<p>Derselbe hat sich von ohngefähr einem Fischer entblößet; denn als
-dieser unter Buchholz fischte und mit dem »Stirreln« an dem Ufer das
-Wasser trübe machen wollte, so brach ein Stück vom Ufer ein und entblößte
-einen reichen und nutzbaren Gang, darauf hernach viel Erz gebrochen
-und viel Silber gewonnen worden. Solches geschah am heiligen
-Abende des Fronleichnams-Tages, davon der Stollen also den
-Namen bekommen hat.</p>
-
-<h3 id="sec508">508. Die Entstehung von Schöneck.</h3>
-
-<p class="source">(I. Nach der poet. Bearbeit. Ziehnerts bei Gräße a. a. O., Nr. 633.
-II. Nach mündlicher Überlieferung.)</p>
-
-<p>I. Das Städtchen Schöneck soll seinen Namen folgender Ursache
-verdanken: Einst soll der kaiserliche Landvogt Heinrich Reuß (der Reiche
-von 1140&ndash;1150?) auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt worden
-und auf ein Bärenlager gestoßen sein. Die für ihre Jungen besorgte
-Bärin sprang auf sein Roß los, dasselbe stürzte von ihrem wütenden
-Angriffe zu Boden, und es würde um den Landvogt geschehen gewesen
-sein, da sein Schwert beim Sturze zerbrach, wäre nicht ein junger
-Köhler auf sein Hülferufen herbeigeeilt und hätte das wütende Tier von
-hinten mit seinem Schürbaum erschlagen. Der Vogt erlaubte nun
-seinem Retter sich eine Gnade auszubitten, und derselbe gestand ihm, er
-habe eine Geliebte, die er aber nicht heiraten könne, weil er zu arm
-sei; er bitte nur um einen Platz, wo er sich ein Häuschen bauen könne,
-und um Holz dazu. Da lachte der Reuß und sagte ihm, er möge in
-seinem Lande sich aussuchen, welchen Platz er wolle, wo er sich ein
-Haus bauen möge, Holz möge er aus dem nächsten Walde nehmen und
-Steine brechen, so viele er brauche, und so ihn jemand nach seinem
-Rechte fragen werde, dem solle er diesen seinen Ring und sein zerbrochenes
-Schwert, welches er ihm einhändigte, vorzeigen. Darauf zog der
-Köhler lange mit seinem Liebchen im Vogtlande herum und nirgends
-wollte denselben ein Ort passend erscheinen; endlich kamen sie auf einen
-hohen Berg voll Wald und üppigem Graswuchs, da rief sie: »Das ist
-ein gar schön Eckchen, da kann man weit ausschauen, da wollen wir
-bauen!« Und so geschah es auch; der Köhler baute sich ein Häuschen
-und brannte einen Meiler an, und nach und nach zogen auch andere
-Leute dahin und bauten sich um das Häuschen herum an, und so entstand<span class="pagenum"><a id="Seite_429">[429]</a></span>
-nach und nach ein Flecken, den hieß man zum Andenken
-Schöneck.</p>
-
-<p>II. Emigranten aus Böhmen kamen einst in die Gegend von
-Schöneck. Da gefiel es ihnen so wohl, daß sie ausriefen: »Das ist eine
-schöne Eck'! hier wollen wir uns anbauen!« Und sie gründeten einen
-Ort, aus dem später eine Stadt wurde, und nannten ihn wegen der
-Schönheit des Platzes, auf dem er gegründet wurde, Schöneck.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 1883,
-Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt sich erhebenden Friedrichsteines
-eine jedenfalls zur Zügelung der Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225
-Schöneck hieß, denn um diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später
-siedelten sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen entstandene
-Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe des Kaisers Karl IV., die
-Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck nahm also ihren Namen von der weit
-älteren Burg an. Der Name der Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen
-wurde, kein slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende)
-Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit gebräuchliche Bezeichnung
-für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich »schön« auf den für Anlage einer Burg
-geeigneten Platz und nicht auf die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher
-bei Gründung des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede
-sein konnte.</p></div>
-
-<h3 id="sec509">509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Peccenstein, <em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I, S. 89. Darnach Gräße, Sagenschatz
-d. K. Sachsen, Nr. 243.)</p>
-
-<p>Da, wo jetzt das Schloß Bärenstein liegt, war vor grauen Jahren
-eine rauhe Wildnis, und es hat einmal einer aus dem Geschlechte derer
-von Bärenstein mit einem seiner Söhne auf dem Felsen, den jetzt das
-genannte Schloß krönt, zwei wilde Bären angetroffen. Nachdem diese
-zum Stehen gebracht worden, ist der Sohn vor dem Vater niedergefallen,
-willens, den einen abzufangen, allein es ist ihm dies mißlungen,
-indem ihm der Bär den Spieß zerbrach und ihn den Felsen hinuntergeworfen
-hat. Hierauf hat die ganze Gefahr den Vater bedroht, allein
-dieser, über den Fall seines Sohnes, den er tot vermeinte, hart ergrimmt,
-hat den Bären heftig zugesetzt, sie mit seinem Spieße durchbohrt
-und den Felsen hinabgestürzt, dann ist er aber zu seinem Sohne
-hingeeilt und hat diesen wider alles Erwarten noch lebendig gefunden.
-Von dieser Geschichte hat der Ort den Namen Bärenstein erhalten und
-ist derselbe nachmals auch auf das Schloß übertragen worden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_430">[430]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec510">510. Die Stiftung des Klosters Altzelle.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 357. Merkel und Engelhardt,
-Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., S. 111.)</p>
-
-<p>Einst ist der heilige Benno über Land gereist, und da er an einem
-öden Orte viele Tauben sitzen sah, prophezeite er, es werde in Kurzem
-ein neuer Orden dorthin kommen, durch dessen Gebete viele könnten
-selig werden. Darnach hat Otto, ein Markgraf zu Meißen, dem Cisterzienserorden
-hier ein Kloster, Zelle genannt, bauen lassen, herrlich begabt
-und ihnen eingegeben. Ein wunderthätiges Kreuzbild in der Mitte
-der Klosterkirche, sowie eine Menge Reliquien machten das Kloster bald
-zu dem berühmtesten und reichsten im Markgraftume Meißen, und ein
-alter sächsischer Geschichtsschreiber erzählt von den Reliquien, es wären
-ihrer so viel gewesen, daß er zweifele, ob St. Petrus an der Himmelspforte
-sie alle namentlich in seinem langen Thorzettel beisammen haben
-möge.</p>
-
-<h3 id="sec511">511. Ursprung von Dippoldiswalde.</h3>
-
-<p class="source">(I. Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde,
-1863, S. 4. Lessing, Bemerkungen zu der Frage: Ist der Ursprung
-und erste Anbau von Dippoldisw. mit histor. Gewißheit nachzuweisen?
-1863, S. 6, 7. II. Nach einer handschriftl. Nachricht, welche sich einem
-der Stadtgemeinde Dippoldiswalde gehörigen Manuskripte: »Der
-Churfürstl. Sächs. Stadt Dippoldiswalde Statuta und Stadt-Recht etc.
-Anno 1678« beigelegt findet.)</p>
-
-<p>I. Um das Jahr 930 soll in der Dippoldiswalder Heide ein Einsiedler
-mit Namen Dippold aus dem Geschlechte derer von Clumme
-oder Lohmen gelebt haben, um Gott in dieser Abgeschiedenheit mit Beten
-und Fasten zu dienen und die heidnischen Bewohner zum Christentume
-zu bekehren. Zu dieser Zeit soll auch die ganze Gegend noch
-böhmisch gewesen sein. Nun hatte aber der Herzog Wratislaw von
-Böhmen zwei Söhne, Wenzel und Boleslaw, von denen der erstere
-durch seine bereits christliche Großmutter Ludomilla ebenfalls zum
-Christentume erzogen wurde. Darüber entstand zwischen beiden Brüdern
-Feindschaft, welche so weit ging, daß eines Tages Boleslaw seinen
-Bruder bei der Taufe eines seiner Kinder meuchlings umbringen ließ.
-Aber der Brudermörder fand nun keine Ruhe mehr, und um seine Gewissensbisse
-zu betäuben, suchte er Zerstreuung in der Jagd. Dabei
-kam er auch in die mit dichtem Walde bedeckte Gegend von Dippoldiswalde,
-wo er Kunde von dem Einsiedler Dippold erhielt. Er suchte<span class="pagenum"><a id="Seite_431">[431]</a></span>
-ihn auf und wurde von seiner Frömmigkeit und seinem Zuspruche so
-ergriffen, daß er sich entschloß, Christ zu werden und sich taufen ließ.
-Nach empfangener Taufe soll dann Boleslaw nicht weit von Dippolds
-Klause, am Weißeritzflusse, an der Seite gegen Morgen, wo jetzt die
-Stadtkirche steht, eine Kapelle gebaut und den Ort zu Ehren des heiligen
-Mannes <em class="antiqua">Sancti Dippoldi Silvam</em>, d. h. des heiligen Dippolds
-Wald, genannt und den Ort mit vielen Freiheiten begnadigt haben.
-Dieser Kirche soll Dippold acht Jahre lang als Priester vorgestanden
-und viel von den ungläubigen Sorben, welche die angrenzende Landschaft
-bewohnten, zu leiden gehabt haben. Nach seinem Tode soll er
-vom Papste Johann X. oder Leo VII. heilig gesprochen worden sein,
-und weil man angenommen, er thäte nach seinem Tode viel Wunder,
-soll eine große Wallfahrt nach dem Orte erfolgt und dadurch Dippoldiswalde
-in Aufnahme gekommen sein.</p>
-
-<p>Noch sieht man in der Heide am Fußwege nach Wendischcarsdorf
-die Wohnung Dippolds, den Einsiedlerstein, und man zeigt dabei
-die Küche, sowie im Grunde eine Quelle, den Brunnen des Einsiedlers,
-und auf der Höhe im Walde zusammengeschichtete Steine,
-welche einer früheren Kapelle angehört haben sollen. Ebenso war vor
-Jahren noch der Eingang zu einer Höhle zu sehen, welche sich als
-Gang bis unter die Totenkirche in Dippoldiswalde fortgesetzt haben soll.</p>
-
-<p>II. Die Stadt Dippoldiswalde hat daher ihren Ursprung und
-Anfang genommen: Es ist einer mit Namen <em class="antiqua">Dippoldus</em> des Geschlechts
-der <em class="antiqua">Clomen</em> gewesen, welcher sich in seinem Alter in die Wildnis begeben
-und darinnen etliche Zeit als Einsiedler mit Fasten und Beten
-Gott gedienet. Seine Klause war in der Dippoldiswalder Heide nahe
-am Dresdner Steige in einem großen Steine zu finden, und dabei
-befand sich eine kleine Kapelle, ein Obstgarten und ein Brunnen, was
-aber alles, bis auf den Brunnen, zerstört worden ist. Als einst der
-Herzog Wenzel von Böhmen, wohin diese Landschaft ehemals gehörte,
-auf der Jagd gewesen und den Einsiedler angetroffen, hat er sich mit
-ihm in seine Klause begeben, und sich nicht allein über des Mannes
-Heiligkeit und Andacht verwundert, sondern er hat auch nicht weit
-davon ihm eine Kapelle zu Ehren erbauet, die er nach seinem Namen
-<em class="antiqua">Sancti Dippoldi Silvam</em> genannt. Es ist diese Kapelle an dem Flusse
-Weißeritz, an der Seite gegen Morgen, da jetzt die Stadtkirche stehet,
-erbaut worden. Der Herzog aber hat diesen Ort mit vielen Freiheiten
-begnadet und dem heiligen Manne vermacht. Derselbe hat darauf der
-Kirche acht Jahre lang als ein Priester vorgestanden, das Volk treulich
-belehret, auch viele von dem Unglauben zum christlichen Glauben gebracht.
-Wegen seiner Heiligkeit ist er vom Papste canonisieret und<span class="pagenum"><a id="Seite_432">[432]</a></span>
-von allem Volke verehrt worden, und weil man dafür gehalten, er
-thäte nach seinem Tode noch viele Wunder, ist eine große Wallfahrt
-nach dem Platze gehalten worden. Dabei hat nun die Stadt Dippoldiswalde
-den Anfang genommen und viele Jahre lang als ein offener
-Flecken bestanden. Als derselbe aber unverhofft von Jahr zu Jahr
-zugenommen, die Hölzer zum Teil ausgerodet, das dadurch gewonnene
-Feld bebauet und gute Silberbergwerke angelegt worden waren, aber
-als ein Grenzflecken bei den Kriegszeiten, da die Herzöge und Regenten
-in Böhmen und Markgrafen zu Meißen einander oft bekriegt, großen
-Schaden hat leiden müssen, so hat man zum Schutze gegen die
-eine oder andere feindliche Partei die Stadt zusammengezogen, ordentliche
-Gassen und den Markt abgeteilet, und diese mit einer starken
-Mauer und hohen Türmen, auch mit einer Zwingermauer und tiefem
-Stadtgraben in der Runde umgeben. Solches ist zu der Zeit geschehen,
-da der Ort unter die Markgrafen zu Meißen gehörte.</p>
-
-<h3 id="sec512">512. Ursprung der Stadt Oederan.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der St. Oederan. 1847. S. 15&ndash;17.)</p>
-
-<p>In früherer Zeit wurde die von Freiberg nach Chemnitz führende
-Straße, besonders in der Gegend, wo jetzt Oederan liegt, von den
-Rittern des Schellenberges und anderen Räubern vielfach beunruhigt.</p>
-
-<p>Im Jahre 1210 reiste ein Handelsmann aus Uffenheim im
-Frankenlande, mit Namen Sebald Ranius, begleitet von seinem
-Diener nach der Stadt Julin (Wollin) in Pommern. Als beide von
-Chemnitz aus glücklich durch die unsicheren Waldungen bis in die
-Gegend des Wolfsthales gelangt waren, wurden sie von den Räubern
-des Schellenberges überfallen. Nach heftigem Widerstande blieben sie
-auf dem Platze in ihrem Blute liegen, während der Wagen mit den
-Maultieren von den Räubern mitgenommen wurde. Einige herbeikommende
-Mönche vom Orden der schwarzen Brüder, welche am Ausgange
-des Wolfsthales, in der Gegend des jetzigen Hospitales bei
-Oederan, eine Kapelle erbaut hatten und für die Klöster zu Flöha
-und Chemnitz Almosen sammelten, kamen bald darauf an die Stelle
-und fanden den Herrn tot, den halbtoten Diener jedoch nahmen sie
-mit und verpflegten ihn. Als derselbe nach einigen Monaten geheilt
-war, reiste er wieder nach Uffenheim zurück. Im folgenden Jahre
-kam die Witwe des erschlagenen Ranius mit dem Diener an den
-Unglücksort, denn sie trug das Verlangen, den Platz zu besuchen, wo
-ihr Eheherr gestorben und begraben war. Sie beschenkte die schwarzen<span class="pagenum"><a id="Seite_433">[433]</a></span>
-Brüder reichlich, ließ in der Kapelle Seelenmessen lesen und verordnete,
-daß an dem Platze des Überfalls ein Denkstein errichtet werde. Treulich
-befolgten dies die Brüder, fertigten ein Denkmal, und weil der
-Erschlagene Ranius, dessen Witwe aber Edda geheißen, so schrieben
-sie darauf: <em class="antiqua">Edda Ranio</em>, d. h. Edda dem Ranius. Das Denkmal
-stand an der Stelle, wo sich jetzt der Gasthof zu den drei Schwanen
-befindet. Der Diener baute daneben ein Gasthaus, um die Pilger
-mit Speise und Trank zu erquicken. Auch die schwarzen Brüder benutzten
-diese Gelegenheit, verließen ihre Wohnung bei der Kapelle und
-bauten sich bei dem Denkmale an, an welchem sie nun ihre Almosen
-einsammelten. Von der Inschrift des Denkmals aber wurde diese
-kleine Ansiedelung »Edda Ranio«, genannt, woraus sich mit der Zeit
-der Name »Eddaran« und »Oederan« bildete. Die Ansiedelung vergrößerte
-sich, denn es entstand bald darauf eine Schmiede neben dem
-Gasthofe und später auch ein Kloster, das bald eine größere Menge
-von Ansiedlern herbeizog. Von diesen Ansiedlern lebt der Name
-eines einzigen fort, welcher gleich anfangs hier eine Mühle (die
-Kirschbaummühle) anlegte, und dessen Name sich bis auf unsere Zeiten
-erhalten hat.</p>
-
-<h3 id="sec513">513. Die Gründung von Mittelsayda.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 234.)</p>
-
-<p>Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda
-in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius
-zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten
-abwanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten.
-Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien,
-die Seyfert'sche und Zimmermann'sche, deren Vorfahren zu
-den Ausgewanderten gehörten.</p>
-
-<h3 id="sec514">514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis bei Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(E. H. Müller, Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 28.)</p>
-
-<p>In einem tiefen, fruchtbaren, mit Laubholz bewachsenen Thale
-bei Erbisdorf entdeckten einige Mönche aus Zelle ein klares rieselndes
-Quellwasser. Einem alten, im blutigen Kriegshandwerke ergrauten
-Ritter, welcher des rohen, wilden Lebens müde war, gefiel die abgelegene
-friedliche, von Grün umgebene Gegend so sehr, daß er hier sein Schwert
-niederlegte, eine Hütte erbaute und ein beschauliches Einsiedlerleben<span class="pagenum"><a id="Seite_434">[434]</a></span>
-führte. Viele Menschen aus der Umgegend besuchten bald darauf den
-stillen, frommen und zugleich erfahrenen Mann und fragten ihn in
-besonders schwierigen Lebensfällen um Rat. Vorzugsweise galt er
-für einen guten Arzt und seine Arten von Thee sollen große Heilkuren
-bewirkt haben. Das klare Wasser seiner Quelle kam bald in den
-Ruf, daß es wunderbare Heilkräfte besitze und wider viele Gebrechen
-und Übel gute Dienste leiste. Später baute man, angeblich ums Jahr
-1430, eine kleine Kapelle in der Nähe der Quelle, und der Abt zu
-Zelle widmete sie dem Erzengel Michael. An der Kapelle zu St.
-Michael dienten anfangs zwei, später nur ein Priester, der daselbst
-Messe las und Beichte hörte. Über dem geweihten Altare hing ein
-uraltes schwarzes, aber wunderthätiges Heiligenbild, von dem man
-aber völlig im Unklaren blieb, ob es den Erzengel Michael oder die
-Jungfrau Maria vorstellen sollte.</p>
-
-<p>Die Kapelle, welche später mit dem Heiligenbilde durch einen
-Brand vernichtet wurde, war der Anfang des Dorfes St. Michaelis.</p>
-
-<h3 id="sec515">515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 216.)</p>
-
-<p>Schon zu Zeiten der Kreuzzüge gab es in Niederschönau eine
-berühmte Wallfahrtskapelle, die Hundskapelle genannt, welche man
-aus weiter Entfernung besuchte. Die jetzige Kirche soll durch einen
-Ritter von Mergenheim oder Mergenthal gegründet worden sein.
-Derselbe hatte sich das Kreuz angeheftet und war zur Wiedergewinnung
-des heiligen Landes fortgezogen. Dabei that er das Gelübde, wenn
-er glücklich wieder in die Heimat zurückkehre, wolle er eine Kirche und
-Pfarrei begründen. So geschah es auch. Für die Pfarrstelle gab er
-ein ansehnliches Stück Land und eine nicht unbedeutende Waldung her;
-später aber sollen leider einige Priester ihren Haushälterinnen von
-dem Pfarrgrundstücke einige Parzellen zu verschaffen gewußt haben,
-jedenfalls dieselben, welche gegenwärtig mit einem sehr geringen Erbzins
-für den Pfarrer des Ortes belegt sind.</p>
-
-<h3 id="sec516">516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite bei Schwarzenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge.
-II. 1777. S. 68. Lindner, Wanderungen durch die interessantesten
-Gegenden des Erzgebirges, I. H., Annaberg, 1844. S. 13.)</p>
-
-<p>In dem Dörfchen Waschleute (Waschleite) hatten sich zu der
-frommen Klosterzeit in Grünhain Leute angesiedelt, die das Waschen<span class="pagenum"><a id="Seite_435">[435]</a></span>
-und Scheuern im Kloster versahen; man hatte sich nicht die Mühe genommen,
-ihrem Ansiedelungsplatze einen Namen zu geben, denn waren
-sie nötig, so wußte jedermann, wo die Waschleute zu suchen waren. &ndash;
-Das Gerichtssiegel des Ortes führt ein Waschfaß, an welchem zwei
-weibliche Personen mit Wäsche beschäftigt sind.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen von
-Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst
-einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte. Das Dorf entstand auf einem Teile
-der Glaßberger Fluren. Das Dorf Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört
-wurde, lag am Fuße des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile
-des Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.)</p></div>
-
-<h3 id="sec517">517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746. S. 15.)</p>
-
-<p>Daß lange vor der Erbauung von Annaberg schon Bergbau in
-der dortigen Gegend getrieben worden, erhellet daraus, daß das Dorf
-Geyersdorf, ¾ Stunde von der genannten Stadt entfernt, schon vor
-Gründung derselben angebaut gewesen und eigentlich Häuersdorf geheißen
-hat. Viele Bergleute von Geyer sind hierher gezogen und
-haben dem Dorfe den Namen gegeben, indem damals nichts als Häuer
-und andere Bergleute darinnen gewohnet. Auch hat an dem Pöhlberge
-ehemals ein Dorf gelegen, darinnen vielleicht auch Bergleute
-mögen gewohnt haben, welche hernach nach Geyersdorf gezogen sind,
-und welches Dorf damals, als St. Annaberg erbauet worden, schon
-wieder wüste gelegen und von seinen Einwohnern vielleicht wegen der
-gefährlichen Gewitter am Pöhlberge verlassen worden ist.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p><em class="antiqua">Dr.</em> E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen Annaberg
-und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs. Gesch. 10. B., S. 84.)</p></div>
-
-<h3 id="sec518">518. Ursprung des Namens Buchholz.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 17.)</p>
-
-<p>Buchholz heißt eigentlich Catharinenberg, und weil auch ein
-Catharinen- oder Catharberg in Böhmen gelegen, in der Gegend des
-heutigen Annaberg und Buchholz aber ein Buchenwäldlein oder sogenanntes
-Buchholz vorhanden gewesen, so ist dieser, durch Erregung
-des Bergwerks angebaute Ort nach selbiger Zeiten Brauch der heiligen<span class="pagenum"><a id="Seite_436">[436]</a></span>
-Catharina, als einer vermeinten Schutzpatronin, geeignet, dann aber
-zum Unterschied des Catharinenberg in Böhmen, St. Catharinenberg
-im Buchholz genannt worden; doch hat es meistens, nur der Kürze
-willen, den Namen Buchholz behalten.</p>
-
-<h3 id="sec519">519. Ursprung des Namens Grünstädtel.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748, S. 25.)</p>
-
-<p>Grünstädtel bei Schwarzenberg wird in Schriften »Dorff-Städtlein«
-genannt. Von Annaberg aus wurden nach seiner kleinen, der
-heiligen Anna geweihten Kirche große Wallfahrten unternommen.
-»Maßen denn auf dem Altar noch das Bildnis der St. Anna stehet,
-die in der einen Hand <em class="antiqua">Salvatorem mundi</em> mit der Erdkugel hält, und
-in der anderen Hand den heiligen Johannes; unter dem Bildnisse
-aber stehet in Holz eingeschnitten: ›O heilige Anna, hilf selb dritt!‹«
-Das Dorf hatte einen Jahrmarkt samt Brauen und freien Bierschenken,
-nebst Fleischbank, und darum wurde es »Städtel« genannt, bis nachgehends
-etliche Häuser nach Pöhla zu angebaut wurden, die man »die
-Grün« geheißen; so habe man's endlich zusammengesetzt und es sei
-»Grünstädtel« daraus geworden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung zur
-Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren der h. Anna
-eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge erbauen lassen, da man von
-ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel:
-»O heilige Anna, hilf selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung,
-daß Anna, Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man
-nannte sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen Geschichte
-des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert, daß sich am Kirchthore
-zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden: »Hilf St. Anna selb dritt uns allen
-Amen!« und er verweist dabei auf eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle
-in Freiberg, welche lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!«
-Sind diese Inschriften noch vorhanden?</p></div>
-
-<h3 id="sec520">520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)</p>
-
-<p>Als einst die Sorben immer weiter nach Süden ins Gebirge
-gedrängt wurden, kamen sie auch in die Gegend, wo jetzt Zschorlau
-liegt. In dem dichten Walde, welcher die Gegend bedeckte, gelangten
-sie an eine frische, sprudelnde Quelle, an der sie ihr Mittagsmahl<span class="pagenum"><a id="Seite_437">[437]</a></span>
-hielten. Das Thal gefiel ihnen so, daß sie beschlossen, sich hier niederzulassen.
-Die Quelle nannten sie eine »Zschorle«, aus welchem Worte
-nach und nach Zschorlau geworden ist. Noch heute wird jener Brunnen
-gezeigt, derselbe befindet sich im obersten Teile des Dorfes. Früher
-floß der Quell in einen Wasserkasten, später wurde ein kleines Häuschen
-darüber gebaut und jetzt fördert eine Pumpe das Wasser zu Tage.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl« genannt.
-Nach Immisch ist der Name von dem wendischen <em class="antiqua">Zorlo</em>, die Quelle, abzuleiten.</p></div>
-
-<h3 id="sec521">521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels.</h3>
-
-<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt
-Karlsbad liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem
-Wild etwas zu sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten,
-hat er alsbald ein großes Heulen und Geschrei angefangen.
-Als dies die Jäger vernommen und gedacht, der Hund hätte
-etwas angetroffen und gestellet, sind sie dem Geschrei nachgefolget
-und haben den Hund in dem heißen Pfuhl oder Moder gefunden.
-Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er mit vielen der
-Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici nachmals befunden,
-daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte, auch solches
-an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel gehabt, probiert,
-hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen und bewohnen
-solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große Stadt zu
-bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück Mauern
-am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß Keller
-allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß
-bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur
-das wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter
-Kaiser Karl seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt
-das Rathaus stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu
-heiß, sondern etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen
-Sessel, in Stein ausgehauen, gezeiget haben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad bereits vor
-Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den Umwohnenden bekannt
-waren. Eine alte Karte, welche den Zustand Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts
-darstellt, hat auf der Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort
-<em class="antiqua">Wary</em>; dieses böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus.<span class="pagenum"><a id="Seite_438">[438]</a></span>
-Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer Wissenschaft beschäftigenden
-Mönche der schon frühzeitig in dieser Gegend entstandenen Klöster auf
-die Heilkräftigkeit des Wassers aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale
-der Ort »Warmbad«, wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde.
-Historisch ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann,
-dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt wurde, und
-daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter besucht hatte, am 14. Aug.
-1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob und derselben dabei seinen Namen verlieh.
-(S. Ausführliches bei Fr. Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia,
-5. Jahrg. 1879.)</p></div>
-
-<h3 id="sec522">522. Die Entdeckung der Heilquellen von Teplitz.</h3>
-
-<p class="source">(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen,
-3. Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI,
-9. und 10. Heft.)</p>
-
-<p>Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter
-und mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen
-Hirten hatten eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine
-verloren, welche sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen
-Waldes fanden, wie sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe
-wühlten. Das Wasser des Sumpfes schien seine Wärme von einem
-unterirdischen Feuer erhalten zu haben. Eiligst trugen nun die Hirten
-die Kunde von ihrer wunderbaren Entdeckung ihrem Herrn zu, und
-dieser verfügte sich sofort an Ort und Stelle und ließ daselbst in der
-Folge eine wohlbefestigte Holzburg erbauen.</p>
-
-<p>Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus.
-Da bewog Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin,
-welche den Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete,
-ihren Gemahl Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall
-bemächtige. Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg
-Kolostuj's, doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand
-versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod.</p>
-
-<p>Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen
-Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt man
-noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange des
-Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus, welches
-als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt
-Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man
-ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum
-Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an dieser
-Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im<span class="pagenum"><a id="Seite_439">[439]</a></span>
-Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel,
-worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen
-Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken.
-Eine lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie.
-Sie lautet in deutscher Übersetzung:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Unter dem Schirme des allerschaffenden dreieinigen Gottes,<br /></span>
-<span class="i0">unter dem Schutze Johannes des Täufers,<br /></span>
-<span class="i0">unter der Regierung des Herzogs Nezamislaus,<br /></span>
-<span class="i0">als Kolostuj hierorts gebot,<br /></span>
-<span class="i0">wurde durch dessen Schweine, die in den Wäldern auf der Weide waren<br /></span>
-<span class="i0">und mit ihren Rüsseln die Thermen aufwühlten,<br /></span>
-<span class="i0">unser Quell 762 entdeckt.<br /></span>
-<span class="i0">Zum Andenken daran ward dieser Stein errichtet, angefertigt von dem Bildhauer Balthasar.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten Angabe
-des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan, welcher auch als Tag der
-Entdeckung der Quelle den 29. August, den Tag Johannes des Täufers, anführt.
-Josef Schwarz teilt dagegen (Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim
-Abtäufen der Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen
-scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten Römern bekannt
-war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für günstige Heilerfolge der
-Quellennymphe gespendet worden. Auch beim Abtäufen der Riesenquelle bei Dux
-fand man Bronzeschmuck aus der Heidenzeit.</p>
-
-<p>Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich Kolostuj's
-Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa nannte, es möge
-Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört haben, da sich Herzöge nur nach
-solchen nannten. Ferner erzählt er, daß einst die Quellen, wie dies auch später im
-Jahre 1755 bei dem Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der
-Anwohner verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil
-sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen.</p>
-
-<p>Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der Teplitzer
-warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte Balbinus das Jahr 502
-n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden noch die Jahre 507, 616 und 858
-angeführt. Das in dem Teplitzer Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes
-des Täufers, welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich
-auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29. August gewesen sei.
-(Erzgebirgszeitung a. a. O.) &ndash; Es ist nicht uninteressant, wie die Sage auch von
-andern warmen Heilquellen meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden.
-So wird z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien
-seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von Schweidnitz
-und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen Hirsch aufspürte, welcher,
-seinem Instinkte folgend, in dem »warmen Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm.
-(Vom Fels zum Meere. Sommerfrische, 1884, S. 500.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_440">[440]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec523">523. Die Namen der Stadt Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em> oder Beschreibung der sehr alten,
-löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.)</p>
-
-<p>Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen <em class="antiqua">Cygna</em>,
-sei also benannt von dem alten Fürsten <em class="antiqua">Cygno</em>, welcher einesteils für
-<em class="antiqua">Herculis</em> Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils
-auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen Gottesdienst
-und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der Tempel
-und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. &ndash; Andere sagen,
-diese Stadt habe den Namen von <em class="antiqua">Cygno</em> des <em class="antiqua">Harminii</em> und Sachsen-Königs,
-so den Römer <em class="antiqua">Quintilium Varum</em> erlegt, Kriegs-Obristen
-einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben
-und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. &ndash; Etliche leiten diesen
-Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen,
-dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben
-Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn,
-nach ihrem Namen <em class="antiqua">Cignavia</em> oder Schwanenfeld benannt worden, wie
-auch die Reime am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also
-gelautet:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Schwanhildis gherrscht an diesem Ort,<br /></span>
-<span class="i0">Nach ihr Schwanfeld genannt ward.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich
-bis auf Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den
-Namen zu verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. &ndash;
-Etliche meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei
-Schwanen zur Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen,
-so hätte er die Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch
-andere Meinungen, aber sie können doch dieser nicht vorgezogen werden.
-Denn sie sagen, Zwicka habe des Namens Ursprung von Zwickbärten,
-welche die Zwickauer vor Zeiten getragen haben und sonsten
-nicht jedermann hat tragen dürfen, darauf sie auch sonderlichen sind
-privilegiert gewesen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im Erzgebirge
-(Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen Namens Zwickau als von
-<em class="antiqua">Wiki</em>, der Markt, möglich hingestellt, so daß derselbe dann mit <em class="antiqua">Wikow</em>, dem wendischen
-Namen für Elsterwerda, gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße.
-Jedenfalls entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr bald zu
-einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen nach Böhmen zwischen
-Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs
-zwischen Nord- und Süddeutschland werden.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_441">[441]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec524">524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg bei Marienberg.</h3>
-
-<p class="source">(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dresden, 1750, S. 12.)</p>
-
-<p>Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von
-einem Besitzer des Schlosses Lauterstein haben; und zwar, als es belagert
-worden, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler
-war, mit einem Pferde herab auf die Wiese gesprungen und das Pferd
-darüber in der Erde stecken geblieben sein. Hierauf habe er sich auf
-den Berg, wo das Dörfchen liegt, retirieret und er sei alsdann dort
-gefangen worden. Von diesem ritterlichen Sprung habe darauf erwähntes
-Dörfchen den Namen Ritterssprung und nach der Zeit Rittersberg
-bekommen.</p>
-
-<h3 id="sec525">525. Gründung und Name der Stadt Werdau.</h3>
-
-<p class="source">(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißnergrundes. Zwickau,
-1794, S. 267.)</p>
-
-<p>Ein Bischof Egidius soll zu der Zeit, als die ganze Gegend noch
-Wald gewesen, an diesem Orte gejagt haben. Als er hier etwas ausgeruht
-und geschlummert hatte, sei ein Reh zu ihm gekommen, und da
-er gerufen: »Wer da!« habe sich das Reh vor ihm niedergeworfen
-und seine Läufte auf den Schoß gelegt. Da habe sich denn der
-Bischof entschlossen, die Bäume auszurotten, eine Stadt anzulegen und
-an dem Ort, wo das Reh zu ihm gekommen, das Rathaus zu bauen,
-und die Stadt habe daher den Namen »Werda« bekommen. Sie führt
-im Siegel einen Bischof mit einem Stabe.</p>
-
-<h3 id="sec526">526. Der Name der Stadt Frankenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lex. von Sachsen, 15. B., S. 809.)</p>
-
-<p>Den Namen der Stadt Frankenberg findet man in ältern Urkunden
-Vrankenberc geschrieben, und man will ihn von den Brüdern
-Franz und Anton Franke ableiten, welche das berühmte Silber- und
-Kupferbergwerk am Treppen- oder Trappenhauer jenseits des Schlosses
-Sachsenburg gründeten oder doch sehr erhoben. Andere aber bringen
-ihn mit dem Namen Sachsenburg in Vereinbarung.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auf dem Treppenhauer, wo man früher Spuren von Wällen und Gräben
-sah, soll nach einer Überlieferung im 13. Jahrhundert die Burgwarte Gozne gestanden
-haben.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_442">[442]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec527">527. Von dem Namen der Stadt Marienberg.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie v. Sachsen, 12. B., S. 207.)</p>
-
-<p>Das Gebiet der Stadt Marienberg wurde am 29. April 1521
-von <em class="antiqua">Dr.</em> Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister zu Freiberg, welcher
-im Jahre 1497 Annaberg hatte messen helfen, abgesteckt. Es soll nun
-Herzog Heinrich die neue Stadt deshalb Marienberg genannt haben,
-weil sie gleichsam wie eine Tochter aus den Annabergischen Bergwerken
-entsprungen wäre, oder weil sich bei neulichen Zeiten der Jungfrau
-Maria Eltern, Anna und Joachim, sehr wohl und reich im Bergbau
-dieser Gegend zu St. Annaberg und in Joachimsthal bezeiget, habe er
-solches zum guten Glücke gethan und gemeint, die Tochter werde nicht
-minder als die Eltern sich wohl lösen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Es ist bemerkenswert, daß sich in den Städtenamen des Erzgebirges die ganze
-heilige Familie, nämlich die Eltern der Maria, Joachim und Anna, durch Joachimsthal
-und Annaberg und die Eltern Jesu, Josef und Maria, durch Josephsstadt und
-Marienberg vertreten findet. Aus Josephsstadt entstand durch Zusammenziehung Jöhstadt,
-das als Dorf Gißdorf hieß. Joachimsthal soll nach Meltzer, (Bergkläufftige
-Beschreibung der löblichen Bergk-Stadt Schneeberg, 1684, S. 26) anfangs von den
-Bergleuten blos Thal genannt worden sein, »dahero auch dieses Geschrey beym Anfang
-desselbigen Bergkwerks entstunde: Im Thal, im Thal, mit Mutter mit all!«</p></div>
-
-<h3 id="sec528">528. Ursprung und Name von Elterlein.</h3>
-
-<p class="source">(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs.
-Erzgebirges, 1. H., Annaberg, 1844, S. 57. Grundig, Neue Versuche
-nützlicher Sammlungen etc., 1. B., 1750, S. 99. Joh. Poeschel im
-Glückauf, Jahrbuch für das Erzgebirge, 1884, S. 168 etc.)</p>
-
-<p>Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von der
-Gegend von Elterlein bis Wiesenthal aus. Reisenden war in der
-Nähe, wo jetzt Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet,
-um welches sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung
-gewährten. Sie hießen die Häuser am Altärlein und gaben Anlaß
-für die allmählige Erbauung des Städtchens, welches in seinem
-Ratssiegel ein Altärlein mit zwei Kerzen und einem Kelche bis zur
-Stunde führt. Lange Zeit noch erhielt sich die Tradition, daß die
-Reisenden gemeiniglich unterwegs den Vorsatz gefaßt: »wenn wir zum
-Altärlein kommen, wollen wir uns Messe halten lassen; daher sei es
-gekommen, daß der Ort selbst nach und nach Altärlein, oder wie
-man jetzt schreibt, Elterlein sei genennet worden.«</p>
-
-<p>Nach Richters »Umständlichen aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragenen
-Chronica der im Meißn. Obererzgebirge gelegenen<span class="pagenum"><a id="Seite_443">[443]</a></span>
-Königl. Kurfürstl. Sächs. freyen Bergstadt St. Annaberg, II. Theil
-(Annaberg 1738) S. 31, soll Elterlein so viel heißen als »das ältere
-Lehen«, <em class="antiqua">respectu</em> Schlettau, welches bereits vormals den Schönburgischen
-Herrn zugestanden.«</p>
-
-<p>Nach anderen soll Elterlein ehedem »Quedlinburg« geheißen haben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Bei den Beschwerden und Gefährlichkeiten des Reisens in früheren Jahrhunderten
-war es Bedürfnis, daß die Reisenden vor einer Reise Gott um Schutz anflehten
-und nach derselben für seinen Schutz dankten. Diesem Bedürfnisse kam die
-Kirche dadurch entgegen, daß z. B. im Jahre 888 auf dem Konzil zu Mainz durch
-Erzbischof Liutbert dem Reisenden gestattet worden war, in Ermangelung einer Kapelle
-oder Kirche unter freiem Himmel an geweihten tragbaren Altären Messe halten
-zu lassen. Ein solcher Altar mochte auch da, wo jetzt Elterlein steht, durch das Cistercienserkloster
-Grünhain errichtet worden sein. Das Recht, derartige Altäre im
-Freien anzustellen, gehörte mit zu den besonderen Privilegien der Cistercienserklöster.
-(S. Joh. Poeschel a. a. O., S. 169.)</p></div>
-
-<h3 id="sec529">529. Ursprung des Namens Hermannsdorf bei Elterlein.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica von Annaberg, II, 1748, S. 31.)</p>
-
-<p>Es soll in Hermannsdorf ehemals einer von Adel gewohnt haben,
-Hermann genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen.
-Dessen drei hinterlassene Söhne aber, als Simon, Walther und Konrad,
-hätten die drei nahgelegenen Dörfer Sehma, Walthersdorf und
-Konradsdorf angebaut und bewohnt.</p>
-
-<p>Um Hermannsdorf hat auch früher ein großer Buchenwald gestanden,
-also, daß die Annaberg'schen Bergleute, die solches Holz oft
-geholt, die Hermannsdörfer nur die »Hainbuchner Bauern« geheißen.</p>
-
-<h3 id="sec530">530. Ursprung des Namens Crandorf.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 33.)</p>
-
-<p>Einige Alten wollten wissen, daß der Anbau von Crandorf zur
-Zeit des Hussitenkrieges im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen
-habe, da einige von den Verfolgten aus Böhmen in die damals in
-dortiger Gegend ausgebreiteten Wälder geflohen seien. Sie hätten dann
-mit Holzschlagen und Kohlenbrennen ihre Nahrung gesucht. Weil nun
-in den Waldungen mancher »Kohl-Cram«, d. h. Häuschen für die
-Köhler, anzutreffen gewesen, oder weil sich die Ansiedler zu ihren Wohnungen
-anfangs nur solche niedrige Hütten gebaut, die einem »Kohl-Cram«<span class="pagenum"><a id="Seite_444">[444]</a></span>
-nicht unähnlich geschienen, so hätte man den Ort anfänglich
-»Cramdorf« genannt, woraus später »Crandorf« geworden sei.</p>
-
-<h3 id="sec531">531. Ursprung des Namens Grünhain.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 34.)</p>
-
-<p>Grünhain soll seinen Namen von dem grünen Hain haben, darin
-die Sorbenwenden ihre Götzen aufgerichtet, oder wenigstens haben sich
-die Mönche darin verliebt und ihr Kloster darinnen aufgebaut.</p>
-
-<h3 id="sec532">532. Von dem Namen Hermannsdorf bei Weißbach.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich. Schumann, Lex. von Sachsen, 12. B., S. 548. Sachsens
-Kirchengalerie, 8. B., S. 31, 59, 60.)</p>
-
-<p>Hermannsdorf oder Hermersdorf ist ein Ortsteil von Weißbach.
-Seinen Namen soll derselbe von einem gewissen Hermann erhalten haben,
-dessen Edelsitz nach der Volkssage im untern Teile des Ortes lag, wo
-man beim Kellergraben verschiedene alte Gefäße und in einem Garten
-tief in der Erde ein altes Hufeisen gefunden haben will. Man bezeichnet
-auch noch heute einen Felsen, welcher sich am Abhange eines
-kleinen, nördlich von Hermannsdorf im Walde liegenden Thales erhebt,
-als »Hermannsgrab.« Dicht an demselben führt ein Weg vorüber,
-welcher sich links von dem von Griesbach nach dem Orte führenden
-Wege abzweigt, und wenn man in unmittelbarer Nähe des Felsens auf
-diesem Wege scharf auftritt, so klingt es hohl, als ob man sich über
-einem Gewölbe befinde. Hier soll der genannte Hermann, welcher auch
-ein berühmter Heerführer gewesen sein soll, in einem silbernen Sarge
-begraben liegen. Manche erzählen, daß von dem Hermannsgrabe ein
-unterirdischer Gang bis nach Hermannsdorf führe. In dem anstoßenden
-Walde sind schon viele Leute des Nachts durch Lichter irre geführt
-worden, oder sie erblickten an dem oben erwähnten Felsen den Schlangenkönig
-mit goldener Krone. Früher war es Sitte, daß die Schützen
-von Hermannsdorf bei einem ihrer Feste jedes Jahr mit Musik nach
-diesem Platze zogen.</p>
-
-<p>Am Hermannsgrabe sollen auch 1718 die acht Steinplatten mit
-uralten Inschriften gefunden worden sein, welche sich seit dem Jahre
-1753 im Schlosse zu Wildenfels befinden. Die eine dieser Platten
-nennt einen »Hermin«, und man vermutet (jedoch mit Unrecht), daß
-dies ein Sohn Markgraf Eckarts I. gewesen sei, welcher zwischen 1029
-und 1032 von den aufständischen Sorben erschlagen wurde. Auch verlegt<span class="pagenum"><a id="Seite_445">[445]</a></span>
-die Volkssage in die Gegend, nämlich auf eine südlich von der Kirche
-zu Weißbach, dicht am Kirchhofe liegende kleine Anhöhe, welche früher
-mit einem Walle umgeben gewesen sein soll, die Stelle, wo einst die
-Rammels-, Rommels- oder Rummelsburg stand. Von dieser aus soll
-jener Hermann gegen die Sorben zu Felde gezogen sein.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die genannten 8 Steinplatten bestehen bis auf eine, welche eine Grünschieferplatte
-ist, aus Thonschiefer. Adelung hat seiner Zeit die Inschriften für die ältesten
-Denkmäler obersächsischer Mundart erklärt. Sie lauten: <em class="antiqua">1. Voir glabbe alla in ainen
-Got Vade Vahan.</em> (Nun folgen die Figuren einer Krone, einer Geißel und eines
-Kreuzes.) <em class="antiqua">2. Diser hogn ist im tuszend and tr… nati Chrs. 3. Da laitgodsa
-hermin was of a man Künglg anita vilil starn Amshabt and üm handa
-üm dar alaigt üm dar akogl haer um gumers din was dar bool bor. 4. Daristain
-haldi laits tuai. 5. sgrab dar harmit ludott bottai. 6. Dia Hermandr barrtn
-sundr sandan boolbor. 7. Das awas ab hagods. 8. Das Gebat</em> (eine Überschrift
-des nun folgenden, aber nur bruchstückweise noch vorhandenen Vaterunsers) <em class="antiqua">Voder
-onser du bist im Himel … dein Voill gescho&nbsp;…</em></p>
-
-<p>Nach Joh. Gottfried Wellers Erklärung besagt die Inschrift Folgendes: Wir
-glauben alle an einen Gott, Vater von (wegen) der Dornenkrone, der Geißel und
-des Kreuzes (des Leidens Christi). Dieser Hügel ist im tausend und dritten (13ten
-oder 30sten) Jahre <em class="antiqua">Nat. Christi</em>. Da liegt Hermann, welcher war ein königlicher
-Mann hienieden, viel (vortrefflich) regierend amtshaft (amtsmäßig) und umhanden
-(um der Beschaffenheit oder Gelegenheit wegen). Darum er liegt am Ende des Eichhügels.
-Herr, um deines Jammers willen war er wohlgefahren. Der Stein enthüllt
-zwei Leute, des Grabs in dessen Mitte sie gelegt wurden. Die Hermunduren (Kriegsmänner)
-wurden (sind) wohlgefahren (selig gestorben) auch ohne Mönchskutten (<em class="antiqua">santan</em>
-wahrscheinlich von <em class="antiqua">sanctum</em>, weil hohe Personen sich im Mittelalter zum Beweis
-ihrer Frömmigkeit gern in Mönchskutten begraben ließen). Das war ihres Herrgotts
-wegen. Das Gebet. Vater unser u. s. w.</p></div>
-
-<h3 id="sec533">533. Entstehung des Namens Gottesgab.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 71. Krieglstein
-in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. 3. und 4. Heft.)</p>
-
-<p>Auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirtbaren und
-frostigen Moorplateau des an Naturschönheiten aller Art reichen Erzgebirges
-liegt hart an der sächsischen Grenze Gottesgab, die höchstgelegene
-Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Ursprünglich Wintersgrün
-genannt, erhielt dieses Städtchen seiner Silbererze wegen, die
-hier im 16. Jahrhunderte zu Tage gefördert wurden, gar bald von
-frommen und dankbaren Bergleuten den bedeutungsvollen Namen: Gottes
-Gabe.</p>
-
-<p>Der Sage nach verdankt Gottesgab die Entstehung seines Namens<span class="pagenum"><a id="Seite_446">[446]</a></span>
-dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Als derselbe nämlich
-eines Tages mit seinem Gefolge nach Wintersgrün kam, das dazumal
-zu Sachsen gehörte, und den blühenden Bergbau in Augenschein nahm,
-setzte man ihm einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen
-vor. Der fromme Kurfürst aber soll dieses Anerbieten mit den
-Worten abgewiesen haben: »Das ist Gottesgabe, und so soll die Stadt
-hinfüro genannt werden.« Daher hieß in der Folge die Bergstadt
-Gottesgab.</p>
-
-<p>Nach einer andern Sage kam der Kurfürst Johann Friedrich einst
-mit seinem Jagdgefolge in die waldreiche Gegend der Hochebene. Da
-traf es sich, daß sein edles Roß, mit dem Hufe die Erde stampfend,
-ein ansehnliches Stück Silbererz zu Tage förderte. Über solch reichen
-Bergsegen erstaunt, rief der Fürst aus: »Das ist eine Gottesgabe!«
-Und darnach wurde bald darauf die infolge der daselbst brechenden
-reichen Silbererze entstehende Ansiedelung genannt.</p>
-
-<h3 id="sec534">534. Die Entstehung des Namens Abertham.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 83.)</p>
-
-<p>An einem kleinen Bache, der roten Wistritz, liegt unweit am
-Fuße des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Pleßberges auf einem
-rauhen Hochplateau das alte Bergstädtchen Abertham, über dessen
-Namensentstehung die Sage folgendes berichtet: Als um das Jahr
-1529 ein Bergmann in der Aberthamer Gegend eine Silberader verfolgte
-und bei seiner Arbeit einen Damm schlug, wurde er von einem
-Fremden, der gerade vorüberging, gefragt, was er hier mache. Der
-Angeredete, welcher sich in seiner Beschäftigung nicht stören ließ, sagte
-kurz und schnauzig: »Einen Damm.« Der Fremde ging seines Weges
-weiter, kam aber nach kurzer Zeit wieder zu dem Orte, wo er den
-emsigen Bergmann bei der nämlichen Arbeit beschäftigt fand. Diesmal
-werde ich mit der Antwort glücklicher sein, dachte der Fremde
-und sprach: »Guter Freund, sagt mir doch, was für Arbeit Ihr da
-vollführt?« Allein der Bergmann gab ärgerlich, weil ihm entweder
-die Arbeit nicht gelingen wollte, oder er den Fragesteller, dem er schon
-einmal Rede gestanden, wieder erkannte, zur Antwort: »Aber einen
-Damm!« Aus diesen Worten entstand für die neue Bergkolonie der
-Name: »Am Abertham,« der in der Folge als »Abertham« dem
-Städtchen verblieb. Manche Leute aus der Umgebung gebrauchen
-noch die alte übliche Benennung: »Am Abertham.«</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_447">[447]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec535">535. Ursprung des Namens der Stadt Platten.</h3>
-
-<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 48.)</p>
-
-<p>Es geben etliche für, die Platten soll ihren Namen haben vom
-<em class="antiqua">Petro Plateano</em>, dem hochgelehrten Mann und wohlverdienten weitberühmten
-Schulmeister, welcher zu der Zeit, da er der Schul in
-Joachimsthal fürgestanden, bisweilen selbst am selben Ort geschurft
-haben soll, wie auch auf der Gottesgab. Soll des Morgens frühe
-mit etlichen großen Schülern aufgestanden sein, auf dieselben Gebirge
-hinaus gelaufen, geschurft und gearbeitet haben, bis zu der Zeit, da
-er in der Schul <em class="antiqua">laboriren</em> sollen.</p>
-
-<h3 id="sec536">536. Ursprung und Namensentstehung von Bärringen.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)</p>
-
-<p>Das ganze obere Erzgebirge war vor ungefähr 400 Jahren noch
-mit einem dichten Urwald von Fichten, Eichen und Buchen bedeckt, in
-welchem Eber, Dachse, Luchse, Elenthiere, Biber, Wölfe und Bären
-hausten. Auf das Vorkommen solcher Thiere weisen viele Bezeichnungen
-von Plätzen hin. So giebt es beispielsweise in der Umgebung von
-Platten einen Wolfsberg, eine Wolfspinge, einen Bärenfang, bei
-Salmthal am Abhange des Wölflings ein Bärenloch, bei Mariasorg
-einen Wolfsberg. Ja die Sage schreibt einem Bären sogar den Ursprung
-und Namen des Städtchens Bärringen zu. Sie lautet: Einst
-fuhr ein Bergmann von dem Dörfchen Irrgang nach dem heutigen
-Bärringen und bemerkte abseits des Weges im Walde, in der Gegend
-des sogenannten schwarzen Teiches, einen gewaltigen Bären, der mit
-seinen Tatzen die Erde aufwühlte, um sich ein Lager zurecht zu richten.
-Der Mann suchte, das grimmige Tier fürchtend, das Weite. Als
-er aber später auf demselben Wege nach Irrgang zurückfuhr, war von
-dem Bären nichts zu sehen. Deshalb ging er auf den Ort zu, wo
-der Bär gescharrt hatte, und erblickte erstaunt einen Schurf (Ring,
-Kreis), aus welchem Zinngraupen von ungewöhnlicher Größe hervorblinkten.
-An dieser vom Bären entblößten Lagerstätte von Zinnerz
-wurde im Jahre 1532 der Bergbau begonnen, dem das Städtchen,
-das durch Vereinigung der Wörter »Bär« und »Ring« den Namen
-Bärringen erhielt, seinen Ursprung verdankt. Darauf soll auch das
-Stadtwappen deuten, welches einen Bären vorstellt, der einen Ring in
-der Pfote hält.</p>
-
-<p>Andere erzählen, daß Bärringen in seinen ersten Anfängen nur
-aus wenigen zerstreut liegenden, armseligen Hütten bestanden habe,<span class="pagenum"><a id="Seite_448">[448]</a></span>
-welche Bergleute bewohnten. Eines Tages sahen mehrere Bergknappen
-zwei Bären im erbitterten Kampfe mit einander ringen. Als in der
-Folge mit dem Aufschwung des Bergbaues sich die Ansiedler mehrten
-und die Niederlassung zu einem zusammenhängenden und ansehnlichen
-Orte anwuchs, wurde dieser »Bär-Ringen« genannt, woraus sich im
-Laufe der Zeit das Wort Bärringen bildete.</p>
-
-<p>Nach einer anderen Sage soll ein Bergmann mit einem Bären
-gerungen haben.</p>
-
-<p>Ein jüngerer Bruder des ritterlichen Grafen Stephan Schlick,
-durch dessen vortreffliche Fürsorge Joachimsthal zu einer reichen, dichtbevölkerten
-Stadt emporblühte, verlor einmal auf einer Jagd im
-dunkeln Tannenforst der Bärringer Gegend einen prachtvollen Ring.
-Alles Suchen blieb erfolglos. Da bemerkte kurze Zeit darauf ein
-Bergmann auf einem alten Gemäuer einen Bären, der den verlorenen
-Ring des Grafen Schlick im Rachen hielt. Auch von dieser Begebenheit
-sucht man durch Verknüpfung der Wörter »Bär« und »Ring«
-die Benennung des Städtchens Bärringen abzuleiten.</p>
-
-<h3 id="sec537">537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.</h3>
-
-<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirges, 1822,
-I, S. 134 etc. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 41.
-Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 105.)</p>
-
-<p>Ein Wandersmann, mit Namen Jahn, irrte bei Nacht in der
-Gegend des Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich
-eine zwerghafte Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen.
-Nicht ohne Grausen folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn
-der Zwerg, bis sie endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie
-eintraten, mächtig erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die
-Wände waren von Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend
-krystallene Leuchter mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden
-Glanz über das ganze Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern
-und mit langen Bärten saßen an einer Tafel und speisten.
-Der Zwerg lud den erstaunten Jahn ein, sich zu setzen und am Mahl
-teilzunehmen. Der Hunger besiegte die Schüchternheit, &ndash; Jahn setzte
-sich und aß und trank von dem, was ihm der Zwerg bot. Noch nie
-hatte er so köstlich getafelt; er ward erquickt und allmählich getrosten und
-frohen Mutes. Die zwölf schienen sich über ihn zu freuen und geboten
-dem Zwerge, sein Ränzel zu füllen. Mit herzlichem Danke schied Jahn
-von seinen gastfreien Wirten. Der Zwerg führte ihn aus der Höhle,<span class="pagenum"><a id="Seite_449">[449]</a></span>
-welche, wie Jahn jetzt bemerkte, im Greifensteine war, und geleitete
-ihn auf die Straße, welche nach Böhmen führte und auf welcher
-Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann verschwand er.</p>
-
-<p>Als nun Jahn sein Ränzel auspackte, um zu sehen, womit ihn
-die freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine
-ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller
-Freuden gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in
-der Gegend des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen
-Leuten ohne Mietzins überließ, und that auch sonst allerlei Gutes
-an Kranken und Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte
-und ein ganzes Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum
-Andenken Jahnsbach genannt.</p>
-
-<h3 id="sec538">538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg,
-1880. S. 8.)</p>
-
-<p>Zu der Zeit, da auf dem Mückenberge bei Graupen reiches
-Zinnerz brach, wurde noch nicht mit genügender bergmännischer Vorsicht
-gebaut, so daß infolge dessen ein großer Teil des Berges samt
-zwei Arbeiterhäuschen im 14. Jahrhunderte untergingen. Dadurch ist
-die große Pinge am Mückentürmchen entstanden. Damals lebten auch
-die drei Gebrüder Müchle als Zinngrubenbesitzer in der Gegend, von
-denen das Dorf Müglitz (Michlitz) abstammen soll.</p>
-
-<h3 id="sec539">539. Ursprung des Namens Wolkenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Histor. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg,
-1781, S. 3. O. Mosen, Reisehandbuch für das sächs. Erzgebirge,
-1882, S. 65.)</p>
-
-<p>Wolkenstein soll seinen Namen von der Höhe des Schlosses, indem
-es fast die Wolken erreiche, und von dem Steine oder Felsen,
-auf welchem es erbaut ist, führen. Nach anderen stammt der Name
-von seinem mutmaßlichen Erbauer Bolko von Waldenburg, weshalb
-es eigentlich Bolkenstein heißen müßte.</p>
-
-<h3 id="sec540">540. Ursprung des Namens Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Oettel, Alte und neue Historie der Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 1 u. 2.)</p>
-
-<p>Man will vorgeben, es hätte ehedem an dem Orte, wo jetzt die
-Kirche von Eibenstock erbauet ist, eine Eibe gestanden, bei deren Stock<span class="pagenum"><a id="Seite_450">[450]</a></span>
-die anfahrenden Bergleute sich versammelt hätten; davon soll der
-Name der Stadt herkommen. Auch wurde erzählt, es sei aus dem
-Stamme der Eibe das früher in der Kirche stehende Kruzifix, nach
-anderen aber der Pfeiler der Kanzel gemacht worden.</p>
-
-<h3 id="sec541">541. Der Name des Schlosses Pürstein.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1880, S. 67.)</p>
-
-<p>Der Name des Schlosses Pürstein ist erst seit diesem Jahrhundert
-eingeführt. In früheren Zeiten hieß es Birsenstein, Pirssinstein,
-Pirschanstein, Pirkenstein. Der Name soll von einem alten Ritter
-herstammen, der mit Vorliebe in dieser Gegend »auf die Birsche« ging.</p>
-
-<h3 id="sec542">542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 41. Kirchengalerie, 12. B., S. 180.)</p>
-
-<p>Reitzenhain erhielt nach Angabe der Eingebornen auf eigentümliche
-Art seinen jetzigen Namen. Da in früheren Zeiten der ganze
-Verkehr den Straßenfuhrwerken überlassen war, haben die Fuhrleute
-jedes an der Straße gelegene Wirtshaus »Han« genannt. Da nach
-ihren Berechnungen dort, wo jetzt Reitzenhain liegt, der dreizehnte
-»Han« war, so wurde dieses einzelnstehende Wirtshaus der dreizehnte
-Han, dann Dreizehnhan, Reitzenhan und endlich Reitzenhain genannt.
-Man schätzte dabei den dreizehnten Han als gleichweit von Leipzig
-und Prag entfernt.</p>
-
-<h3 id="sec543">543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.</h3>
-
-<p class="source">(I. Wilisch, Kirchen-Hist. von Freyberg etc., II. S. 300. II. Novellistisch
-in E. H. Müllers Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 6 etc.)</p>
-
-<p>I. Das Städtlein Brand soll seinen Namen daher haben, weil
-anfangs lauter Wald und Busch allhier gewesen, welchen nach der
-Zeit eine unvermutete Feuersbrunst größtenteils verzehret; darauf Gott
-Bergwerke in dieser Gegend gezeiget, und so hätte man anfänglich
-schlechte Zechen und Hüttenhäuser, da aber der Bergsegen sich reichlich
-vermehret, Wohnhäuser zu bauen angefangen, und habe sich das
-Bergvolk häufig allhier vermehret.</p>
-
-<p>II. In dem Walde, welcher einst die Gegend, wo jetzt das
-Städtchen liegt, bedeckte, wohnte einst mit seiner Tochter der Köhler<span class="pagenum"><a id="Seite_451">[451]</a></span>
-Klaus. Derselbe hatte in seine Hütte einen jungen Mann aus dem
-Thüringer Lande aufgenommen, welcher ihm als Gehülfe dienete und
-sich bald um die Gunst von seines Herrn Tochter Margaretha bemühte.
-Da geschah es eines Tages, daß auch ein junger Bergmann
-in die Hütte kam, der im Walde in eine Wolfsgrube gestürzt war
-und sich dabei so verletzt hatte, daß er einen vollen Tag bei dem
-Köhler verleben mußte, um sich zu erholen. Er stammte aus dem
-nahen Freiberg, und bald wurde er der Liebling des Vaters Klaus
-und der Verlobte von dessen Tochter. Darüber wurde der fremd zugereiste
-Gehülfe ergrimmt und in der Nacht nach der Hochzeit Margarethens
-mit dem fremden Bergknappen führte er seinen Racheplan
-aus. Plötzlich wälzte sich eine Feuerwolke über dem Boden hin, von
-allen Seiten kamen die Flammen gezüngelt und ergriffen auch sehr
-bald die Hütte des Vaters Klaus, in welcher alle im friedlichen
-Schlummer lagen. Nur mit Mühe entgingen die Neuvermählten dem
-Tode, ihr Vater aber kam in dem grausigen Flammenmeer, welches
-den größten Teil des Waldes verzehrte, um. Das Feuer wütete den
-ganzen folgenden Tag und eine Nacht hindurch, bis am nächsten
-Morgen ein gewaltiger Gewitterregen den Flammen ein Ziel setzte.
-Das junge Paar flüchtete nach Freiberg, wo die Glocken stürmten und
-von wo aus eine Rettungsschar den Fliehenden bereits entgegenkam.
-Erst am vierten Tage zogen die Flüchtlinge wieder hinaus auf die
-Brandstätte. Sie gingen in Freiberg von Haus zu Haus, suchten
-ihre ebenfalls mit ihnen aus den übrigen zerstreuten Köhlerhütten geflüchteten
-Gefährten und sprachen: »Wir wollen auf den Brand gehen!«
-Von der Hütte des Vaters Klaus, sowie von den übrigen Wohnungen
-war nichts mehr zu sehen, nur hie und da fanden sich Menschengebeine,
-welche man sammelte und in geheiligter Erde, auf dem Kirchhofe
-in Erbisdorf begrub. Als man dann an den alten Plätzen
-wieder Grund zu neuen Wohnungen grub, fand der Knappe eine
-Stufe rotgültigen Erzes und er legte die erste neue Grube auf dem
-Brande an, welche man später zum Gedächtnisse des göttlichen Segens
-den »Segensfürsten« nannte. Der Ruf von dem Silberreichtume verbreitete
-sich weiter und bald zogen noch andere Bergleute herbei, welche
-sich daselbst anbauten. Später wurden diese Berghütten, Wald- und
-Zechenhäuser auf dem Brande unter der Regierung des Herzogs Georg
-des Bärtigen im Jahre 1515 zu einer Gemeinde vereinigt und der
-Ort erhielt von da an den Namen »Bergstadt Brand.«</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_452">[452]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec544">544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 164.)</p>
-
-<p>Das an der von Freiberg nach Frauenstein führenden Straße
-gelegene Dorf Weißenborn hat seinen Namen von einem unfern der
-Mulde vorhanden gewesenen Brunnen, welchem man Heilkräfte zuschrieb
-und bei welchem sich bisweilen eine weiße Frau sehen ließ.</p>
-
-<h3 id="sec545">545. Ursprung des Namens Conradsdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 167.)</p>
-
-<p>Conradsdorf, das einzige Dorf dieses Namens in Sachsen, liegt
-eine Stunde von Freiberg entfernt. Vermutlich hat es seinen Namen
-von seinem Erbauer und ersten Besitzer Conrad, obwohl behauptet
-wird, daß es dem Kaiser Conrad zu Ehren so genannt worden sei,
-der es mit besonderen Freiheiten begnadigte, die bis in die neueren
-Zeiten sich erhalten hatten.</p>
-
-<h3 id="sec546">546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 88.)</p>
-
-<p>Der frühere Name des Dorfes Ursprung bei Hohenstein-Ernstthal
-ist Morspurg gewesen. In der Umgegend findet sich dafür die
-geläufigere Benennung Morspring. Nach einer sagenhaften Überlieferung
-soll der jetzige, um die Zeit der Reformation an seine Stelle
-getretene Name davon herrühren, daß aus dem oberen Gemeindeborne
-des Dorfes der Lungwitzbach entspringt, oder daß der Ort zur Zeit
-der Reformation das erste evangelische Pfarramt in dieser Gegend
-bekam.</p>
-
-<h3 id="sec547">547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 68.)</p>
-
-<p>Nach einer Sage hat das Dorf Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal
-in uralten Zeiten einen anderen Namen gehabt, ist in der
-heillosen Zeit des großen Interregnum »verwüstet« und »verbrannt«
-und erst in der Folge unter den Hohenstaufen wieder hergestellt und
-mit seinem gegenwärtigen Namen belegt worden. Ebenso ist nach einer
-Sage Wüstenbrand als Filiale zu Pleise geschlagen worden, als das
-Dorf Gecksdorf, von dessen Lage zwischen dem Rabensteiner Walde<span class="pagenum"><a id="Seite_453">[453]</a></span>
-und den Meinersdorfer Fluren sich bis auf die neuere Zeit Spuren
-erhalten haben, im Hussitenkriege völlig zerstört worden war.</p>
-
-<h3 id="sec548">548. Der Name des Dorfes Crossen.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 75.)</p>
-
-<p>Laut Nachrichten aus einem alten Kirchenbuche stammt der Name
-des Dorfes Crossen bei Zwickau von dem slavischen Worte <em class="antiqua">croszove</em>, d. h.
-zerrissen oder zerstückelt, her. Denn da es von Slaven erbaut worden
-und sie, wie sie dem sumpfigen Terrain nach und nach trockenes Land
-abgewannen, dasselbe unter sich verteilt haben, so haben die Bewohner
-ihre Grundstücke vereinzelt und nicht beisammen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge) ist nicht geneigt, den Namen
-für einen slavischen gelten zu lassen, vielmehr hält er unser Crossen, sowie alle
-Orte, welche dieselbe Benennung haben, für fränkische Ansiedelungen. Er verweist
-dabei auf die in deren Nähe liegenden Orte Frankenau (2 Stunden von Crossen bei
-Mitweida, 3 Stunden von Crossen bei Zeitz) und Franken (6 Stunden von Crossen
-bei Luckau); Crossen bei Zwickau ist von einem Frankenau ungefähr 3 Stunden
-entfernt.</p></div>
-
-<h3 id="sec549">549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt
-etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet, 1766. Manuskript.)</p>
-
-<p>Gersdorf soll vor Zeiten ganz anders gelegen und die Kirche
-oben im Hofgraben gestanden haben, bis sie durch Kriegsverwüstung
-ihren Untergang allda gefunden hat. Das Dorf soll nicht weiter als
-bis dahin, wo jetzt Hüllbert wohnt, gegangen sein. Die obere Hammermühle
-soll damals in einem dicken Walde gestanden haben und davon
-umgeben gewesen sein. Da aber der Bach vorher den Namen »Gersche«
-geführt haben soll, so hätte das Dorf, nachdem es weiter abwärts
-angebaut und auch die Kirche weiter herunter gesetzt worden wäre,
-vom Wasser den Namen Gersdorf bekommen.</p>
-
-<h3 id="sec550">550. Der Ursprung des Namens Silberstraße.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 1102.)</p>
-
-<p>Edelmann von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe, ein alter und
-getreuer Diener der Kurfürsten von Sachsen, brachte einst zu Zwickau
-bei einem Landesfürsten folgende Bitte mündlich vor: Dieweil aus<span class="pagenum"><a id="Seite_454">[454]</a></span>
-Gottes Segen das reiche Bergwerk zu Schneeberg geoffenbaret und
-desselben Lob in aller Welt erschollen wäre, zögen viel Fürsten, Grafen,
-Herren, Ritter, Edel- und andere gute, redliche Leute nach demselben,
-und müßten dabei meist bei ihm durch, wodurch sein und seines Geschlechtes
-Namen weithin bekannt würde. Aber es stünde nicht wohl,
-wenn man fragete, wer er sei? und geantwortet würde: Es ist der
-von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe. Da nun das Erz und Silber
-bei ihm nach Zwickau durchgeführt würde, so bäte er unterthänigst,
-man wolle ihm seines Gutes und Dörfleins Namen »die Armen-Ruhe«
-in der Landtafel auslöschen und dasselbe dafür die »Silberstraße«
-nennen zu lassen. Dies würde ihn in ein größer Ansehen bei den
-Leuten bringen, da er doch ohne das, wenn nur sein Name nicht
-also bekannt werden sollte, wohl mit dem alten Namen zufrieden gewesen
-wäre. &ndash; Diese Bitte wurde dem Uttenhoff gewährt, und der
-Armen-Ruhe Namen also geändert, daß bis diese Stunde noch das
-Dorf die »Silberstraße« und die dabei befindliche Muldenbrücke die
-Silberstraßer Brücke heißt.</p>
-
-<h3 id="sec551">551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda,
-und Rechenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich, desgl. bei Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen
-Frauenstein, 1748, S. 19.)</p>
-
-<p>Auf der jetzt in Ruinen liegenden Burg Rechenberg hausten einmal
-mächtige Ritter. Dieselben hatten in Frauenstein ihre Frauen,
-in Purschenstein ihre Burschen, in Pfaffroda wohnte ihr Pfaffe und
-in Rechenberg machten sie die Rechnung und teilten den Raub. &ndash;
-Die genannten Schlösser sollen auch durch unterirdische Gänge mit
-einander verbunden gewesen sein.</p>
-
-<h3 id="sec552">552. Der Name des Fleckens Bockau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenbuch des K.
-Sachsen, No. 579.)</p>
-
-<p>Die Bewohner des Bergfleckens Bockau bei Schneeberg ernährten
-sich sonst vorzugsweise durch den Anbau von Arzneikräutern und den
-Handel damit. Sie zogen damit, sowie mit Pulvern, Tropfen,
-Pillen und dgl. mehr auf Jahrmärkte und waren einst wie die Königsseer
-häufig im deutschen Vaterlande anzutreffen. Die Sage erzählt,
-es habe sich einst in jenem Thale, in welchem jetzt der Flecken Bockau<span class="pagenum"><a id="Seite_455">[455]</a></span>
-liegt, ein Bock, das einzige Eigentum eines armen Gärtnersohns, verlaufen.
-Sein Herr, der ihn gesucht, habe ihn endlich mitten unter
-den kostbaren Arzneikräutern wohlbehalten wieder gefunden, habe sich
-den Platz genau gemerkt und sei dann durch das Sammeln und den
-Verkauf jener Kräuter sehr bald wohlhabend geworden. Nach und
-nach hätten sich daselbst mehrere niedergelassen und den neuen Wohnort
-zur Erinnerung an seinen Ursprung Bockau genannt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Historisch ist, daß der Kräuter- und Medikamentenhandel der Bockauer erst
-gegen das Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts begann. Die in dem
-Orte wohnenden Schachtelmacher, und unter diesen zuerst zwei Brüder Weiß, füllten
-ihre Schachteln anfänglich mit gedörrten medicinischen Wurzeln und Kräutern, welche
-sie an Apotheker und Laboranten und später auch als Hausmittel an andere Leute
-verkauften. (Körner, Nachrichten von Bockau, S. 346&ndash;355).</p>
-
-<p>In der Einleitung zum ersten Abschnitte des Sagenbuchs wurde bereits darauf
-hingewiesen, daß der Name des Ortes nicht von dem slavischen <em class="antiqua">bóh</em>, d. i. Gott,
-sondern von dem slav. <em class="antiqua">buk</em>, die Buche, und dem davon gebildeten Adjektivum
-<em class="antiqua">bukowy</em> abzuleiten ist. Aus <em class="antiqua">bukowy</em> entstand Bockau, was wir demnach mit Buchwald
-oder Buchholz zu übersetzen hätten. Dasselbe gilt auch von dem Ortsnamen
-Bockwa bei Zwickau. Bockau und Bockwa wurden in früherer Zeit mit u geschrieben.
-(Immisch, a. a. O., S. 8.)</p></div>
-
-<h3 id="sec553">553. Ursprung des Ortsnamens Remse.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 12 B., S. 87.)</p>
-
-<p>Der Name des Kirchdorfes Remse zwischen Glauchau und Waldenburg
-scheint auf das lateinische <em class="antiqua">remissa</em>, die Erlassung, hinzuweisen.
-Eine Sage erzählt, es habe sich in dem früher daselbst befindlichen
-und in dem 12. Jahrhundert gestifteten Nonnenkloster ein wunderthätiges
-Marienbild befunden, zu dem die Ablaß Suchenden aus der
-Nähe und Ferne wallfahrteten. Von einem Erker des jetzt sogenannten
-roten Stockes aus habe dann der Probst den Segen erteilt und
-die Gläubigen mit den Worten entlassen: »<em class="antiqua">peccata sunt vobis <em class="gesperrt">remissa</em></em>«
-(d. h. die Sünden sind euch vergeben). Daher der Name
-Remse.</p>
-
-<h3 id="sec554">554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.</h3>
-
-<p class="source">(Comotovia, 2. Jahrg. 1876., S. 10.)</p>
-
-<p>Es wird erzählt, daß im Jahre 1364 der Prager Bürger Johlin
-Rotlöw mit Bewilligung Karls IV. seinen besten Bergmeister in
-die Gegend des Gebirgs, wo jetzt Sebastiansberg liegt, sandte, um<span class="pagenum"><a id="Seite_456">[456]</a></span>
-Erze zu suchen. Er hatte so glücklichen Erfolg, daß sich die Bergleute
-sogleich die ersten Häuser bauten. Man nannte nun den neuen Ort
-Paßberg, weil bereits der Berg, auf welchem die Stadt steht, und
-welcher die Grenze bildete und zum Aufpaß und zur Sicherung der
-Fuhrleute und Reisenden mit einem Militärposten besetzt war, den
-Namen Paßberg führte. Aus Paßberg soll mit der Zeit der Name
-Sebastiansberg entstanden sein. Nach einer anderen Sage soll jedoch
-Sebastiansberg anfänglich den Namen Neustadtl geführt haben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Richtig ist wohl, daß die Stadt ihren Namen dem Sebastian von Weitmühl
-verdankt. Von demselben wurde Sebastiansberg des Bergbaues wegen, aber keinesfalls
-vor 1519 gegründet; er erbaute daselbst auch eine kleine Kirche, die auf Wunsch
-seiner Unterthanen nach seinem Namenspatron zu St. Sebastian benannt wurde.
-Von der Kirche ging der Name auch auf die ganze Ansiedelung über.</p></div>
-
-<h3 id="sec555">555. Der Name der Stadt Sonnenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 71.)</p>
-
-<p>Die Veranlassung zur Gründung der Stadt Sonnenberg gab
-der in dortiger Gegend einst stark betriebene Bergbau auf Silber,
-Kupfer, Zinn und Blei. An einem nebligen Morgen, in der zweiten
-Hälfte des 16. Jahrhunderts, so erzählt die Sage, sandte der Grundherr,
-der ein Lobkowitz auf Hassenstein war, einige seiner erfahrenen
-Bergleute auf die Höhen mit dem Auftrage, dort, wo die
-Sonne am ersten durch das trübe Gewölk brechen würde, einzuschlagen
-und das Bergglück zu suchen. An dem Orte nun, wo jetzt Sonnenberg
-steht, erschien sie ihnen zuerst. Es wurde gleich mit Schlägel
-und Eisen Hand an die Arbeit gelegt, und die Mühe belohnte sich
-reichlich. Man baute dann einzelne Hütten für die Bergleute. Mit
-dem wachsenden Bergglück vermehrten sich beide. Die Sonne gab
-diesem Orte den Namen, und aus dem wüsten Waldorte wurde in
-kurzem ein Bergflecken. Durch spätere Begnadigung erwuchs er endlich
-zu einer Bergstadt.</p>
-
-<h3 id="sec556">556. Der Name der Stadt Falkenau.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 169.)</p>
-
-<p>Die Stadt Falkenau soll ihren Namen dadurch erhalten haben,
-daß ein Bürger aus Eger einen Falkenhof erbaut und dadurch eine
-Ansiedelung hervorgerufen hat, die sich allmählig zu einem Dorfe und<span class="pagenum"><a id="Seite_457">[457]</a></span>
-schließlich zu einer Stadt emporhob. Die über dem Röhrbrunnen am
-Marktplatze in Falkenau sich erhebende Bildsäule stellt einen Falkner
-dar, der ein Hüfthorn am Schulterbande und einen Hund zur Seite
-hat. Es soll dies die Statue jenes Falkners sein, der als Gründer
-der Stadt gilt und dessen Name im Volksmunde »Wastel« (Sebastian)
-heißt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß
-auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht im 12. Jahrhunderte,
-da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen
-mit Leidenschaft hingaben, eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr
-dafür, daß zu obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem
-Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt und es ist daher
-jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst 1724 errichtete Falknerstatue nur
-eine Ausschmückung des Stadtwappens.</p>
-
-<p>Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in deutschen,
-als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung dieser Benennungen
-ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem Dorfe <em class="antiqua">Sokolec</em> (<em class="antiqua">Sokol</em> = Falke)
-bei Podiebrad wird erzählt, daß man daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader
-Jäger Falken abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem
-Namen eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau.</p></div>
-
-<h3 id="sec557">557. Die Entstehung des Namens Neudeck.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 4.)</p>
-
-<p>In der sehr industriellen, am Rohlauflüßchen gelegenen Stadt
-Neudeck zieht der sogenannte Turmbergfels unsere Aufmerksamkeit auf
-sich. Er besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken.
-Auf diesem Felsen steht ein uralter Glockenturm, der ehedem zu einer
-Burg gehört haben soll, welche von einem Raubritter bewohnt wurde.
-Diesem Turme verdankt Neudeck, wie folgende Sage berichtet,
-seinen Namen.</p>
-
-<p>Einstmals verirrte sich auf der Jagd ein Jäger im dichten
-Walde und wußte nicht, wo ein und aus. Schon viele Stunden
-hatte er im Waldesdunkel nach einem rettenden Pfade gespäht, da
-kam er auf den Hochtannenberg und stieg dort, um sich in der Gegend
-zurecht zu finden, auf eine hohe Tanne. Hocherfreut sah er östlich im
-Thale ein Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war. Darauf ging
-der ermüdete Waidmann zu und fand daselbst den alten Turm, neben
-dem ein Häuschen stand, welches ein Schmied, namens Waldesel, bewohnte.
-Er trat in die Schmiedewerkstätte. »Lieber Waldesel«, redete
-er den alten Meister an, »dem neugedeckten Turme da verdanke ich<span class="pagenum"><a id="Seite_458">[458]</a></span>
-den Ausweg aus dem Walde; deshalb heiße er samt den andern
-Gebäuden von jetzt an »Neudeckt!« Und des Jägers Wunsch ging
-in Erfüllung; denn noch heute trägt der Ort, der nach und nach zu
-einer gewerbfleißigen Stadt anwuchs, den Namen Neudeck.</p>
-
-<h3 id="sec558">558. Die Entstehung des Namens Frühbuß.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Frühbuß ist ein altes Bergstädtchen im böhmischen Gebirge, das
-einst weiter oben und zwar da lag, wo sich heute der Kranichsee ausbreitet.
-In diesem Moore ist es eines Tages versunken. Da haben
-sich die Bewohner tiefer angebaut, weil ihnen hier die vielen Zinnerze,
-welche aus dem Gebirgsschutte durch die Seifenarbeit gewonnen
-werden konnten, reichen Unterhalt versprachen. Die Gewinnung der
-Erze nahm sie auch so in Anspruch, daß sie den Bau ihrer Hütten
-und ihre häuslichen Arbeiten nur vor der Seifenarbeit vornehmen
-konnten, um bei dieser selbst keine Zeit zu versäumen. Solche Früharbeit
-aber nannte und nennt man noch jetzt in der Gegend »Frühbuß«,
-und von ihr erhielt in der Folge die Ansiedelung ihren Namen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die unterirdischen Glocken
-im Kranichsee« verwiesen.</p>
-
-<p>Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in
-Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln« = geschäftig
-da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon abgeleitete »Hausbussel«, womit
-ein auf diese Weise thätiger Mensch bezeichnet wird.</p></div>
-
-<h3 id="sec559">559. Über den Namen des Dorfes Sauersack.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Oberhalb Karlsfeld nahe am Kranichsee, durch welchen sich die
-sächsisch-böhmische Grenze zieht, liegt auf einer Meereshöhe von ca.
-900 Mtr. das böhmische Dorf Sauersack.</p>
-
-<p><em class="antiqua">M.</em> Christoph Gottlob Grundig macht in den »Neuen Versuchen
-nützlicher Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich
-von Ober-Sachsen, 2. B., (Schneeberg, 1752,)« bei diesem Orte und
-seinem Namen folgende Bemerkungen: »Sauersack, ein fast auf dem
-höchsten Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser
-Seite von einander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher
-auf dem kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem aus<span class="pagenum"><a id="Seite_459">[459]</a></span>
-Nordwest nach Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinirten
-Waldes vom Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern
-erhebt, &ndash; &ndash; hat wohl den Namen mit der That, weil sowohl
-denen Reisenden die hier vorübergehende Straße, sonderlich bei üblem
-Wetter, äußerst sauer werden, als auch denen armen Einwohnern des
-Ortes, welche wie die Vögel des Himmels weder säen, ernten, noch
-etwas in ihre Scheuern sammeln können, &ndash; &ndash; nicht weniger ihr
-mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen muß.« Und: »Es
-ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine lange, schmale
-und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern ein »Geseer«
-(Gesäuer?) zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem Namen der
-Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.«</p>
-
-<p>Eine Sage erzählt nun über die Entstehung des Ortsnamens
-Sauersack folgendes:</p>
-
-<p>In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges,
-welcher hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten
-Ansiedler anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse
-aus dem fruchtbaren Egerthale geholt wurden. Diese
-Arbeit hatten hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten.
-Da geschah es nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren
-Sack mit Nahrungsmitteln (die Volkssage spricht von Kartoffeln)
-geholt hatte und bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: »Ei, das ist
-ein saurer Sack!« So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung
-»Sauersack« genannt, welchen Namen sie bis zum heutigen
-Tage behalten hat.</p>
-
-<h3 id="sec560">560. Ursprung des Namens Sorgenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Sorgenthal bei Jöhstadt ist ein Ortsteil des böhmischen Dorfes
-Pleil. Wo derselbe jetzt liegt, war einst ein finsteres Waldthal,
-durch welches früher die Straße von Weipert nach Preßnitz führte.
-Wenn nun die Reisenden durch das Waldthal kamen, befiel sie große
-Sorge, denn hier lauerten ihnen vielfach Räuber auf, die in dem
-sogenannten Blechhammer zwischen Weipert und dem »weißen Hirsch«
-ihre Herberge hatten. Sie führten die Gefangenen aus dem Thale
-mit sich nach genanntem Blechhammer, wo viele Mordthaten geschehen
-sind. In dem Thale aber, wo anfangs nur einige Köhlerhütten
-standen, wurde nach Lichtung des Waldes ein Ort gegründet, welcher
-den Namen Sorgenthal erhielt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_460">[460]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec561">561. Name und Ursprung der Stadt Weipert.</h3>
-
-<p class="source">(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und Joseph Pohl,
-Chemnitz, 1874, S. 10 und 17.)</p>
-
-<p>Die Stadt Weipert wurde früher auch Weiberg oder Weinberg
-genannt. Dieser Name schreibt sich daher: Als die Bergbaulustigen
-die reichen Silberanbrüche der »Milde-Hand-Gotteszeche« auffanden,
-riefen sie freudig aus: »Das ist ein fruchtbringender Weinberg!«
-Davon ist dann der Ort genannt worden.</p>
-
-<p>Der Ursprung von Weipert ist jedenfalls unmittelbar an der
-heutigen Grenzbrücke und wahrscheinlich an der Stelle zu suchen, wo
-jetzt die Fabrik des Julius Schmidt steht. Hier am Bache ist die
-tiefste Thaleinsenkung, welche der uralte Paß von Preßnitz nach
-Schlettau zu überwinden hatte, und hier hatte der Frachtfuhrmann,
-mochte er kommen, von welcher Seite er wollte, einen steilen Berg
-vor sich, so daß er seinen Tieren Ruhe gönnen mußte. Es entstand
-daher an dieser Stelle die erste Niederlassung, die eine Herberge war.
-Die Sage erzählt, daß dieses Wirtshaus später eine Räuberhöhle
-war, in welcher Reisende durch eine Fallthüre in einen Keller stürzten
-und dort ermordet und begraben wurden, bis es endlich durch eine
-Dienstmagd, die einen jungen Mann warnte, verraten wurde, worauf
-Soldaten aus Kaaden das Haus umringten und samt den Bewohnern
-niederbrannten. Man hat auch unter späteren Besitzern des Hauses,
-das jedenfalls bald wieder aufgebaut wurde, bei Umbauten Totengebeine
-im Keller gefunden.</p>
-
-<p>Als dann im 12. Jahrhunderte mit dem in der Gegend aufblühenden
-Eisensteinbergbau auch die ersten Eisenschmelzen in Sorgenthal
-und bei Pleil entstanden, bildete sich oberhalb des Passes dort,
-wo jetzt der Gasthof zur Stadt Leipzig steht, eine zweite Ansiedelung.
-Ein unternehmender Mann mit Namen Weyperth, von dem Erzreichtum
-der Gegend angelockt und mit der Erz- und Eisengewinnung vertraut,
-erbaute hier das erste Haus und ein Hammerwerk, dem seine
-Angehörigen und Arbeitsleute den Namen ihres Werkherrn gaben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des Namens
-Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als schon im Jahre 1533
-der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer Zeit, zu welcher der Silberbergbau
-in der Gegend noch nicht begonnen hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes
-vorkommt. Vielleicht wurde auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen
-Wigbert geweiht hatte, auf den entstehenden Ort übertragen.</p>
-
-<p>Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und
-Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug zwischen Preßnitz<span class="pagenum"><a id="Seite_461">[461]</a></span>
-und Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger Gebirge, nach Pleil und
-Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert
-und Pleil nach dem weißen Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über
-den Pöhlbach und sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz
-nach Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten ihr
-Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach Böhmen holten,
-führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht, und solche Fuhrleute waren
-es nach der Sage auch, welche in einem Wagengleise daselbst die ersten Silbererze
-fanden und so die Gründung Freibergs veranlaßten.</p>
-
-<p>Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum
-Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil selbst in
-festem Gestein vorhanden sind.</p>
-
-<p>Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des Ortes
-Kuhberg von einem czechischen Worte <em class="antiqua">küweribi</em>, welches er mit »ausspannen« verdeutscht,
-ab. Wenn dies richtig ist, so würde dieser Name zur Bestätigung von
-einer uralten Herberge am Pöhl- oder Grenzbache dienen.</p>
-
-<p>Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg gelegene
-sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h. Kuhschwanz geheißen
-haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach dem Archiv für sächs. Geschichte
-(12. B., S. 95) erst seit dem Jahre 1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an
-dessen Fuße er liegt.</p></div>
-
-<h3 id="sec562">562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.</h3>
-
-<p class="source">(Aus einer handschriftlichen Chronik von Böhmisch-Wiesenthal, mitgeteilt
-vom Pfarrer H. Friedlein in Ober-Wiesenthal.)</p>
-
-<p>Bei dem Städtchen Böhmisch-Wiesenthal liegt der Ort Stolzenhahn,
-auch Stolzenhain und Stolzenhann, in alten Kirchenbüchern
-»der Stoltze Hayn« genannt.</p>
-
-<p>In alten Zeiten stand in der Gegend des jetzigen Dorfes im
-dichten Walde eine Schmelzhütte. Als eines Morgens zwei Arbeiter
-vor die Thür traten, erblickte der eine von ihnen einen schönen Auerhahn,
-der auf einem nahen Baume saß. Da rief er aus: »Sieh,
-welch ein stolzer Hahn!« und von diesem Ausrufe hat der Ort später
-seinen Namen bekommen.</p>
-
-<h3 id="sec563">563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.</h3>
-
-<p class="source">(Aug. Kießling, Das Mineralbad zu Einsiedel, 1881, S. 8. Sachsens
-Kirchengalerie, 8. B., S. 72.)</p>
-
-<p>Nach einer alten geschriebenen Chronik, welche im Pfarramts-Archive
-zu Neuhausen aufbewahrt wird, hat der Ort Einsiedel bei
-Sayda seinen Namen von drei Brüdern bekommen, welche sich vor
-langer, langer Zeit als Einsiedler dort aufhielten. Auch die zu Einsiedel<span class="pagenum"><a id="Seite_462">[462]</a></span>
-gehörige Ortschaft Brüderwiese soll ihren Namen diesen drei
-Brüdern verdanken. Man vermutet, daß sich daselbst ihre Einsiedelei
-befand, denn in der Kirche zu Seiffen zeigt man eine alte Glocke,
-welche in der Brüderwiese aufgefunden worden sein soll und die möglicherweise
-der Klause der drei Einsiedler einst angehörte.</p>
-
-<p>Auch das Dorf Einsiedel bei Chemnitz soll seine Entstehung
-einem Einsiedler verdanken, der in frühesten Zeiten dort gehaust hat.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten Verkehrsstraßen durch
-unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige Straßen vielfach unter ihren Schutz.
-Klosterbrüder bauten sich an ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit
-geistlichem Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen zu
-lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher Einsiedeleien, an
-denen sich vielleicht auch Kapellen befanden, später entstanden sind, ebenso wie die
-Namen von Brunnen oder Anhöhen u. s. w., haben die Erinnerung an derartige
-Stationen erhalten. Es ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden
-Ortschaften auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine der
-alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und das jetzige Einsiedel
-nach Böhmen. (S. auch <em class="antiqua">Dr.</em> Alfr. Moschkau, Oybin-Chronik, S. 197.)</p></div>
-
-<h3 id="sec564">564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. S., N. 294.)</p>
-
-<p>In der Nähe der Dörfer Rothenfurth und Halsbrücke bei Freiberg
-führt eine Brücke über die Mulde, welche man die Halsbrücke
-nennt. Die Sage erzählt, sie habe ihren Namen davon erhalten, daß
-der Bote, welcher Kunzens von Kauffungen Begnadigung vom Kurfürsten
-überbringen sollte, hier, weil die Brücke von den Fluten der
-sehr angeschwollenen Mulde weggerissen worden war, aufgehalten ward,
-also nicht zu rechter Zeit eintreffen konnte und so Kunz seinen Hals
-hergeben mußte.</p>
-
-<h3 id="sec565">565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas
-und St. Jakob.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer R. Schlegel aus Hartenstein.)</p>
-
-<p>Als in früheren Zeiten im jetzigen Ortmannsdorf, Mülsen St.
-Niklas und St. Jakob eine furchtbare Pest wütete, sollen in diesen
-Dörfern, welche damals andere Namen hatten, nur drei Männer,
-Ortmann, Niklas und Jakob, am Leben geblieben sein, nach deren
-Namen später die Dörfer benannt wurden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_463">[463]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec566">566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der metr. Bearbeitung eines Lichtenbergers.)</p>
-
-<p>Bei dem Dorfe Lichtenberg erhebt sich der bewaldete und die
-ganze Umgegend beherrschende Burgberg. Man erzählt, daß einst auf
-ihm ein Schloß stand, welches als gefürchtetes Raubnest weit und
-breit bekannt war. Wenn der Herr dieser Burg mit seinen Knappen durch
-das Land zog, so bezeichneten Mord und Brand die Stätten, welche
-er heimsuchte. Kehrte er dann von seinem blutigen Zuge wieder nach
-dem Schlosse auf dem Burgberge zurück, so kreisten in wilder Lust
-daselbst die Becher und die geängstigten Bewohner des Thales sahen
-dann in der Nacht die Fenster des Schlosses hell erleuchtet. Da sprachen
-sie zu einander: »Es wird wieder Licht auf unserm Berge!« Dabei
-verwünschten sie die Bösewichter und baten Gott, daß er sie doch
-von dieser Plage befreien wolle. Und die Zeit kam endlich auch, daß
-die Burg zerfiel, und nur einen alten Steinwall bezeichnet man als
-deren Reste. An dem Fuße des Berges konnte man wieder ruhig
-wohnen, es bauten sich daselbst mehr und mehr an, und die zerstreuten
-Ansiedelungen wurden später zu einem Dorfe vereinigt, dem
-man zur Erinnerung an das Licht, welches einst nach jedem Raubzuge
-der Ritter auf der Spitze des Burgberges zu sehen gewesen war,
-den Namen »Lichtenberg« gab.</p>
-
-<h3 id="sec567">567. Der Ursprung des Namens Dörnthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich. Wilisch, Kirchenhist. v. Freiberg etc. II., S. 293.
-Kirchengalerie, 12. B., S. 115.)</p>
-
-<p>Das Dorf Dörnthal bei Sayda hieß früher Dorothenthal nach
-einer des heiligen Dorothea gewidmeten Kapelle, welche im 30jährigen
-Kriege zerstört worden sein soll. Diese Kapelle soll zum Kloster Ossegg
-gehört haben und sind zu derselben viel Wallfahrten geschehen. Man
-sagt, daß von ihr noch eine zerschossene Wetterfahne vorhanden sei,
-welche sich jetzt auf dem dermalen dem Kramer Keilig in Dörnthal
-gehörigen Hause befindet. Auch zeigt man noch die eingefriedigte Stelle,
-wo jene Kapelle gestanden haben soll. Von zwei Glocken, die auf der
-Kapelle gehangen haben, soll die eine nach Annaberg und die andere
-nach Großhartmannsdorf gekommen sein.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_464">[464]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec568">568. Deutung des Namens Weiters-Wiese.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p>
-
-<p>Das nur aus wenigen Waldhäusern bestehende Örtchen Weiters-Wiese
-bei Karlsfeld soll ehemals »Weidewiese« geheißen haben. Es
-war an dieser Stelle mitten im Walde eine nach Auerbach gehörige
-Wiese vorhanden, auf welche während des Sommers von den Fleischern
-genannter Stadt das Vieh zur Weide getrieben wurde.</p>
-
-<h3 id="sec569">569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.)</p>
-
-<p>Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb
-in ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr
-Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon
-entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch
-Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg
-her jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich
-zeigten, so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an &ndash;
-daher der Name Schellenberg&nbsp;&ndash;, was für die jenseitigen Räuber das
-Zeichen war, sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen.
-Wenn hingegen von Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen,
-zündeten jene ein Feuer an, um dem Schellenberger ein gleiches
-Zeichen zu geben; daher der Name; denn der Wächter rief dann:
-»Licht im Walde!« Länger als 300 Jahre trieben die Räuber ungestraft
-dies Wesen; man weiß jedoch nicht, wer und wann es endigte.</p>
-
-<h3 id="sec570">570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)</p>
-
-<p>Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei,
-man darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind
-sei abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar
-und also aus ihrer Hand sei erlöset worden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber mit der
-vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch einen Nebel verdeckt und so
-von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. Es sei nämlich der Feind einst früh
-aufgebrochen und habe seinen Weg auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber
-habe die Stadt, welche im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der<span class="pagenum"><a id="Seite_465">[465]</a></span>
-alsdann den Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang
-bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen
-Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)</p></div>
-
-<h3 id="sec571">571. Der frühere Name von Lichtenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt
-etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)</p>
-
-<p>In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein
-steht, ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die
-wenigen Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein«
-bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung
-mehrerer Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu
-einer Stadt bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.</p>
-
-<h3 id="sec572">572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und <em class="antiqua">Dr.</em> Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No. 3.,
-Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)</p>
-
-<p>Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem
-Pavillon versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name
-soll von einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren.
-Erzählt wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem
-Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen
-Heinrich Reuß-Plauen, worin ersterer dessen Burg Frauenstein im
-Jahre 1438 erstürmen und brechen ließ, soll ein sie verteidigender
-Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig, als Rebell auf dem obengenannten
-Felsen enthauptet worden sein. Noch heutigen Tages zeigt man
-in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch welche jener burggräfliche
-Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden sein soll. Ein
-gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter nördlich jetzt in
-den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen »Storch« gegeben
-haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln: Finke, Storch
-und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder deutlicher zu reden,
-des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.</p>
-
-<h3 id="sec573">573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)</p>
-
-<p>Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau
-in die nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien,<span class="pagenum"><a id="Seite_466">[466]</a></span>
-und es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch
-jetzt der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals
-bis auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der
-Höhe, in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben.
-Nachdem die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen
-Einwohner näher der Kirche wieder an.</p>
-
-<h3 id="sec574">574. Das Brautbette bei Rabenau.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)</p>
-
-<p>Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich
-in den Junker Jeschke (<em class="antiqua">Jesico</em>) von Dohna. Der harte Vater verwehrte
-sie ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch
-entschlossen raubte sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und
-das Beilager gleich im Walde an der Stelle, die noch heute das
-Brautbette genannt wird.</p>
-
-<p>Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und
-Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine
-ganze Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber
-aber nicht bekannt geworden.</p>
-
-<h3 id="sec575">575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.)</p>
-
-<p>Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb.
-von Ponikau, Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer
-Reise nach Mainz gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen.
-Im dritten Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn,
-der unter der sorgsamen Pflege der Mutter und einer Amme wohl
-gedieh. Der Knabe war wenig über das zweite Jahr alt, als einst
-an einem schönen Sommertage Frau Katharina mit der Amme ohnweit
-des Schlosses auf jenem Hügel lustwandelte, welcher jetzt der
-Pavillon heißt. Als der Knabe in den Armen der Amme entschlummert
-war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen pflücken, damit wir
-ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme bettete das Kind
-an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half sodann der
-Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich aus
-der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf
-das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich
-damit in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich,<span class="pagenum"><a id="Seite_467">[467]</a></span>
-denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften
-und Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die
-beiden Frauen den Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug
-die arme Mutter die Hände vor das Gesicht und sank ohnmächtig
-nieder; die Amme aber verfolgte schreiend und händeringend den über
-ihr fliegenden Räuber. Schon schwebte derselbe über dem hohen und
-felsigen Hügel, der im oberen Teile des unmittelbar vor dem Schlosse
-liegenden Städtchens Lauenstein sich erhebt, &ndash; da fiel ein Schuß.
-Ein Jäger, welcher, aus dem nahen Forste zurückkommend, die Gefahr
-sah, hatte den Schuß gethan und gut getroffen. Der Vogel stürzte
-tot zur Erde und lebend und wohlbehalten hing das geraubte Kind
-an den Klauen des erschossenen Vogels.</p>
-
-<p>Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens
-ließ Frau Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte,
-einen Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen.
-Dieser Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf
-dem Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch
-der Katharinenstein.</p>
-
-<h3 id="sec576">576. Die Kutte bei Elterlein.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 35.)</p>
-
-<p>Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle,
-wo er seines Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im
-Walde nieder, um zu verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen
-berührte ihn etwas von hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut
-aufschrie. Er untersuchte den Boden und fand einen starken Zacken
-gewachsenen Silbers, der drei Zoll lang aus der Erde hervorstand.
-Um die Stelle sicher zu bezeichnen, zog er seine Kutte aus und legte
-sie darüber. Dann eilte er in vollem Laufe nach Grünhain zurück
-und erzählte von seinem Funde voller Freude dem Abte. Bald darauf
-ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein regelmäßiges Berggebäude
-angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab und noch jetzt
-die Kutte heißt.</p>
-
-<h3 id="sec577">577. Sechs Brüder bei Geyer.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein
-die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es
-einem Trupp herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen,<span class="pagenum"><a id="Seite_468">[468]</a></span>
-in der Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten
-Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun
-mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern
-heftiger Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie
-sämtlich tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen
-und brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu
-bringen. So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen,
-erhob sich der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt
-drohten, so wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von
-ihnen, die Gefangenen ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein
-trauriges. Denn kaum waren die Zwönitzer im Walde verschwunden,
-so fielen die mordlustigen Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer
-Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die grausamste Weise;
-den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem ihn die
-Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten.</p>
-
-<p>Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen
-bei Geyer noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann,
-ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.</p>
-
-<h3 id="sec578">578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr
-eine halbe Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe,
-welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist.
-Über den Namen dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah,
-daß einst drei Brüder mit einander in den Wald nach Holz fuhren.
-Da fanden sie einen zu Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben
-alsobald ab und legten hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe
-zu holen, ein Bergwerk an, in welchem sie große Reichtümer gewannen.
-So entstand zuerst die Grube »Alte Brüder«, und später,
-als auch weiter abwärts Silbererze gefunden wurden, die Zeche »Neue
-Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung an jene Brüder
-die Dreibrüderhöhe genannt.</p>
-
-<h3 id="sec579">579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.</h3>
-
-<p class="source">(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.)</p>
-
-<p>Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der
-Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung,<span class="pagenum"><a id="Seite_469">[469]</a></span>
-»Reue« genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen
-Feldparzellen einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft
-worden. Weil nun der Verkäufer es später bitter bereut hat, die
-Grundstücke so billig verkauft zu haben, so hat man der Waldung
-den Namen »Reue« beigelegt, welchen sie noch heute führt.</p>
-
-<h3 id="sec580">580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal
-stammt.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb
-Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten
-von Wald eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der
-»Bär« genannt. Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben:
-In dem dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen
-sich die letzten Bären aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von
-der gegenüberliegenden Spitzleite und mußten dabei über die Mulde.
-Ein kleiner Bär wollte nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen
-Schlag, daß er sofort tot war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem
-Lager. Von dem getöteten Bären nun soll der Name des Grundes
-herrühren.</p>
-
-<h3 id="sec581">581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Friedrich Polle in Dresden.)</p>
-
-<p>An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber
-eine schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein
-heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst
-ein Jäger mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß
-er den Bären die Felswand hinunter warf.</p>
-
-<h3 id="sec582">582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg,
-1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl
-Müller, die Natur, 1882, No. 24.)</p>
-
-<p>I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge
-bei Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge
-befindet, eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und<span class="pagenum"><a id="Seite_470">[470]</a></span>
-durch den Schein der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen
-Glanz verbreitet haben, daß die Ritter der Festen Geiersburg und
-Lauenstein, welche in jener Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei
-ihrem gegenseitigen Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen
-dem jetzt dort befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz«
-nächst dem Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme
-auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein
-als einen Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«,
-woraus später »Mückenberg« ward, genannt wurde. &ndash; Auf derselben
-Stelle am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein
-steht, hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine
-Klause aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten
-sich in einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen
-in der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und
-waren ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr
-und des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den
-alten Einsiedler verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des
-Berges alles Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk
-zur Last legten. Sie erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden
-ihn und drohten mit Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und
-reumütiges Geständnis über den teuflischen Spuk und das höllische
-Wetter, woran er nur allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme
-Einsiedler fiel vor Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen
-Heiligen, man möchte ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren,
-dann würden ihre Herren Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein.
-Als dies die Knappen hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren.
-Da nun der Tag graute, war in der Natur Stille eingetreten, kein
-Lüftchen regte sich, die Lerchen erhoben sich zum Gesange und der
-alte Einsiedler Wolfgang führte die beiden Knappen den Hügel empor,
-wo jetzt die Restauration Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten
-gegen Osten und siehe da &ndash; majestätisch ging die Sonne auf, sodaß
-die Knappen wie versteinert dastanden. Sodann sprach der Einsiedler
-mit feierlicher Stimme: »Sehet ihr Rittersknappen! Derjenige Gott,
-der jetzt die Sonne aufgehen läßt, welche ihre wunderbaren Strahlen
-auf diesen Zinnturm wirft und immer den Glanz und Schein verbreitet,
-vor dem ihr euch fürchtet, der läßt auch finstere Nächte, große
-Stürme und Regen werden; darum gehet hin zu euren Rittern und
-verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein mir bekanntes, gewinnreiches
-Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen von euch
-unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!« Hierauf
-verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die Schönheit<span class="pagenum"><a id="Seite_471">[471]</a></span>
-des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden
-Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund
-nach der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und
-gesehen hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den
-Rittern der Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen
-haben sollen, daselbst die Zinngraupen zu brechen.</p>
-
-<p>II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener
-Räuber, dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der
-Nachbarschaft erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere.
-Mit dem Raube eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß
-ihn der schnellste und gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte.
-Einst hatte der Bösewicht auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen.
-Das Mütterchen aber, froh des Besitzes einer Wünschelrute,
-schwang diese, sobald sie den Raub entdeckt, und rief im höchsten
-Ingrimme die Worte aus: »Du sollst zerstochen sein, bevor du den
-Gipfel des Berges erreichst!« Diese Verwünschung ging sofort in Erfüllung.
-Ein ungeheurer Mückenschwarm tauchte auf und zerstach den
-Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag. An der Stelle, wo ihn die
-Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete man später ein Denkmal,
-das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter Ort für die Ausflüge
-der Badegäste von Teplitz ist.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche Naturerscheinungen
-zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher sich an der
-Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist z. B. eine Erinnerung an
-den großen Reichtum genannten Erzes, dessen auch Albinus mit den Worten gedenkt:
-Der Mückenberg ist vor Zeiten berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup
-allda so groß als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590.
-S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. Ungeheure
-Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge aufgetreten; so schreibt
-Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte
-zu Scheibenberg ein großes Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern
-eine halbe Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde
-fortzusetzen.</p></div>
-
-<h3 id="sec583">583. Ursprung des Namens Fastenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.
-Leipzig, 1723, S. 11.)</p>
-
-<p>Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt
-steht, soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge<span class="pagenum"><a id="Seite_472">[472]</a></span>
-eine Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem
-nichts oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das
-mag mir wohl ein rechter Fastenberg sein!«</p>
-
-<h3 id="sec584">584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Oederan.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten
-aus der Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten
-zog dabei der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon
-liefen, über Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem
-Gefolge, Bodowin von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet
-hatte, kam zwei Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da
-wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild
-an der Nossener Straße geschleppt, dort lebendig gespießt und
-ihm sein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an dem der
-Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese Silberkappe,
-an der sich niemand zu vergreifen wagte, und erst zur Zeit der
-Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten
-Heiligenbilde. Von dieser Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe
-der weiße Helm genannt.</p>
-
-<h3 id="sec585">585. Ursprung des Bergnamens »Schweiger.«</h3>
-
-<p class="source">(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.)</p>
-
-<p>Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange
-des Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«.
-Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar,
-fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten
-hin die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll
-daher kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner
-als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage
-zubrachte.</p>
-
-<h3 id="sec586">586. Ursprung des Namens Silberbach.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß,
-welches erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopf<span class="pagenum"><a id="Seite_473">[473]</a></span>
-des Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser
-fernerhin der Silberbach genannt wurde.</p>
-
-<h3 id="sec587">587. Ursprung des Namens Höllengrund im Oederaner Walde.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)</p>
-
-<p>Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen
-Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei
-Frankenberg, um daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke
-darzubringen. Sie kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen
-bis an den jetzigen Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich
-von den Räubern des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer
-hatten sich eine starke Bedeckung von kampffähigen Männern
-mitgenommen, denen die Räuber unterlagen. Ihre Flucht über das
-Eis der Flöha, welches brach, mißlang gänzlich und sie suchten deshalb
-ihre Rettung in dem Walde. Doch auch hier ereilte sie das
-Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden hinausgetrieben
-und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber aber führt seit
-dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod der Räuber
-den Namen »Höllengrund.«</p>
-
-<h3 id="sec588">588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches
-sich von Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte
-herabkommenden Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister
-in dem nahen Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein
-solcher aus Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher
-die Zuflüsse für das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen
-haben.</p>
-
-<h3 id="sec589">589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)</p>
-
-<p>Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der
-gleichsam ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener
-Vorposten ist. Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den
-Namen Spitzberg, wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine
-äußerste Spitze ein Kreuz aus Fichtenholz ziert.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_474">[474]</a></span></p>
-
-<p>Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals
-am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest
-feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob
-Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem
-Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner
-dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein
-Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen
-Posaunen gehörig aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die
-Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die
-Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille
-auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten
-ein neues Kreuz.</p>
-
-<h3 id="sec590">590. Der Dreimännerberg.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)</p>
-
-<p>Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich
-erhebenden Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer
-bis an die letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des
-Eremiten »Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen
-Erzgang über dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die
-Schächte über dem Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen
-Gang so aufzuschließen im Sinne hatten, aber es blieb bei dem
-»Glückauf!« Und wenn sie hineinriefen in die Schächte, durch die
-Stollen und mit dem Hammer und Schlegel frugen, der schwarze
-Gang gab keinen Bescheid mit seinem tauben Gestein.</p>
-
-<h3 id="sec591">591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.</h3>
-
-<p class="source">(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs.
-Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.)</p>
-
-<p>Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer
-erhebt sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher
-Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst
-ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen
-Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in
-Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger
-entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken
-zurückgeblieben sei.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen des Felsens
-hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens, auf dem möglicherweise früher<span class="pagenum"><a id="Seite_475">[475]</a></span>
-ein loser, hin und her zu wiegender Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein
-identisch mit den »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind
-»solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf ihren Schwerpunkt
-gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her bewegt werden können.«
-(Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) &ndash;
-Noch sei es gestattet, wenn wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein
-war, die Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die
-Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen kann, waren jedenfalls
-heidnische Opferstätten oder Beratungsorte und dienten auch als Orakel bei
-Prüfung der Frauentreue. Dann könnte unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung
-der altgermanischen Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben.
-Darauf würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen zurückzuführen
-sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 353).
-Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen Jungfernsprung, d. h. die
-Stelle, von wo einst ein verfolgtes Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe
-auf dem genannten Felsen ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine
-heidnische Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die
-vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die Sage vom
-Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges Menschen- resp. Jungfernopfer
-sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S. 10&ndash;13.)</p>
-
-<p>Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine vermuten?</p></div>
-
-<h3 id="sec592">592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.</h3>
-
-<p class="source">(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.)</p>
-
-<p>Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei
-Eibenstock ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt.
-Die Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer
-besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden.</p>
-
-<h3 id="sec593">593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.</h3>
-
-<p class="source">(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig,
-Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.)</p>
-
-<p>Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten
-Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe
-soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl
-hervorgequollen sei.</p>
-
-<h3 id="sec594">594. Der Claußberg in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, 1716, S. 24.)</p>
-
-<p>Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg,
-auf welcher das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg.<span class="pagenum"><a id="Seite_476">[476]</a></span>
-Den Ursprung desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein
-Edelmann, namens Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen
-worden sein soll.</p>
-
-<h3 id="sec595">595. Der Galgenberg bei Euba.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.)</p>
-
-<p>Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen
-Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg
-genannt, von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge
-und abwärts bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt.
-Auf dieser Höhe befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der
-jedesmalige Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten
-hat. Man hält sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an
-welchem im 30jährigen Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem
-Feinde gegenübergestanden, einen gefangenen Spion soll aufgehängt
-haben. Daher der Name Galgenberg.</p>
-
-<h3 id="sec596">596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn,
-Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.)</p>
-
-<p>Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn
-bei Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem
-nahen und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer
-Stein« aus Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch
-aus freiem Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner
-Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt,
-und ebensoweit von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden
-»Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner
-Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll
-er davon erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge,
-zum Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines
-Kelches in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals
-dem katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden
-Umwohner oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit
-der Figur, ein Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen.
-Die andere Annahme, daß der Volksmund den isolierten, im Laufe
-der Jahrhunderte ziemlich verwitterten Felsen wegen seiner eigenen
-Ähnlichkeit mit einem solchen Gefäße so genannt habe, hat deswegen<span class="pagenum"><a id="Seite_477">[477]</a></span>
-weniger Wahrscheinlichkeit für sich, weil eine solche Ähnlichkeit von
-keiner Phantasie zu entdecken sein dürfte.</p>
-
-<p>Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen
-Namen von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei
-Burschen mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in
-die Nähe des Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und
-sie warfen sich in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer
-von ihnen so unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur
-Erinnerung an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte
-stehenden Fels »Buttertöpfchen«.</p>
-
-<h3 id="sec597">597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.</h3>
-
-<p class="source">(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.)</p>
-
-<p>In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt
-rechts von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in
-einem Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein,
-worauf ein Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen
-fließenden Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen
-Taufstein und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten
-Emigranten sich in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und
-Gottesdienst hier gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten.</p>
-
-<h3 id="sec598">598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge
-bei Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.)</p>
-
-<p>Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum
-letzten Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen
-einige die Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel«
-führen. Beide Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt.</p>
-
-<p>Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die
-wilde Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen.
-Als er eines Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die
-Sehma überschreiten wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen,
-vor dem er sich nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und
-mit blutigen Streifen im Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen
-hatten, erreichte er den Gipfel des Berges und gelangte nach wenig<span class="pagenum"><a id="Seite_478">[478]</a></span>
-Schritten zu einem Häuschen, aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte.
-Von dem Wirte und dessen Frau freundlich bewillkommnet, erholte er
-sich bald bei Speise und Trank in der wohlerwärmten Stube. Nun
-hörte er von der redseligen Wirtin, welcher Gefahr er glücklich entgangen
-sei, denn in dem nahen Walde trieben böse Geister ihr Wesen
-und der Bär sei wahrscheinlich auch ein solcher gewesen. Nicht weit
-von ihrem Häuschen befinde sich im Walde ein Kreis von zackigen
-Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und einen großen Schatz
-bewachen.</p>
-
-<p>Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student
-von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf
-mit dem Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich
-mir«, rief er aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!«
-Die mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der
-Student stürmte hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er
-den Teufel herbei, und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der
-Finsternis und sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit
-seinem Dolche über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe
-entwunden und in die Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner
-wieder, da zuckte ein Blitz und beim Scheine desselben sah er noch
-deutlicher die schwarze Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos
-stürzte er zwischen den Felsen nieder.</p>
-
-<p>In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich
-auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das
-Fenster blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus
-zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei
-ihnen ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie
-er die Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach:
-»Fürchtet euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es
-auch. Es war der Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von
-dem Kloster Grünhain von der Nacht überrascht worden und in der
-Irre gegangen war, bis er sich an den Felsen ein Nachtlager gebettet
-hatte. Da war er durch den Ruf des Studenten aufgeweckt worden
-und noch halb im Schlafe war er auf denselben zugegangen. Als ihn
-dieser aber mit dem Dolche angefallen, erzählte er weiter, habe er sich
-zur Wehr gesetzt und einen grimmigen Kampf bestanden. Weiter wisse
-er nichts. Als er am Morgen aus seiner Ohnmacht erwacht sei, habe
-er blutend neben seinem Gegner gelegen, den er nun mit sich geschleppt.
-Während dieser Erzählung zeigten sich bei dem Studenten Lebenszeichen
-und es gelang auch bald, ihn wieder zum Bewußtsein zurückzubringen.
-Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte er sich, diese gewannen ihn<span class="pagenum"><a id="Seite_479">[479]</a></span>
-lieb, und da er selbst gern an dem Orte bleiben wollte, nahmen sie ihn
-an Kindesstatt an und hinterließen ihm bei ihrem Tode das Haus,
-welches von nun an nach den vor dem Kampfe mit dem vermeintlichen
-Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten »zum letzten Heller«
-genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach jenem Kampfe die
-Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete die Schwester des
-Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines bescheidenen Wohlstandes.</p>
-
-<h3 id="sec599">599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.</h3>
-
-<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.)</p>
-
-<p>Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes
-Gebirge zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald,
-dessen Name nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes,
-doch für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen
-wird. Man hat ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit
-Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter
-Mauern erschienen; ferner fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen,
-Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen
-Landstraße wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in
-jener Schlacht darin floß.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit:</p>
-
-<p>Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich 1426, um die
-entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, inzwischen
-ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer
-sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz)
-den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren
-Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten umschlossen,
-führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl
-nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden
-vom Leib zogen und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr
-ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen
-und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter
-noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz
-und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag.
-Conrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren
-vor Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt.
-Es ward nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute
-der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal, Nürnberg, 1734,
-2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz verlegt wird, geschah jedoch
-bei Außig.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_480">[480]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec600">600. Von den Namen einiger Brunnen.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung,
-1. Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und
-Sachsenburg, S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels
-und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.)</p>
-
-<p>1) Der <em class="gesperrt">Jüdenbrunnen</em> bei Kühnheide, dessen in einer alten
-Berg- und Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden
-und Wallonen der Goldkörner wegen besucht.</p>
-
-<p>2) Mit dem Wasser des <em class="gesperrt">Löffelbrunnens</em> auf Satzunger und
-Preßnitzer Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft.</p>
-
-<p>3) An dem <em class="gesperrt">Traubrunnen</em> zu Steinbach hat man in Kriegsläuften
-die Eheleute getraut.</p>
-
-<p>4) Der <em class="gesperrt">kurfürstliche Jagdbrunnen</em> liegt eine Meile von
-Crottendorf nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I.
-im Jahre 1613 oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein
-noch Bier besser geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine
-Jäger einzimmern, die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum
-eine Trinkkanne ein, die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu
-versichern.</p>
-
-<p>5) Der <em class="gesperrt">süße Kühl-</em> und <em class="gesperrt">Löschbrunnen</em> zu Schlettau. Am
-23. Febr. 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den
-Schweden zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über
-den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen.
-Der linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da
-standen viel Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein,
-zogen ihre silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser,
-löschten den Durst auf das annabergische Bier, und lobten und priesen
-dabei das gute, gesunde Wasser viel höher als Bier.</p>
-
-<p>6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein
-Brunnen, dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt <em class="gesperrt">Finkenbrunnen</em>.
-Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen
-bei einem Labetrunk dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt.</p>
-
-<p>7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt,
-in welcher die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche
-die <em class="gesperrt">Goldbörner</em> heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst
-Johann Georg I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus
-getrunken und dazu gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!«<span class="pagenum"><a id="Seite_481">[481]</a></span>
-worauf er etliche Dukaten in die Börner geworfen, die dem anwesenden
-Förster zu teil geworden, der von selbiger Zeit an diese Börner
-seine Goldbörner genannt hätte.</p>
-
-<p>8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der
-Kaiserforst und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche
-der <em class="gesperrt">Goldborn</em> heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen
-zum Scherz, wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die
-kleinen Kinder aus dem Goldborne hole und bringe.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf hinweist, daß
-Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist ein Bild der Erzeugung,
-und daher der Glaube, daß der Storch die kleinen Kinder aus einem Brunnen holt.
-Auf dem Queckborn in Dresden stand früher das Bild eines Storches.</p></div>
-
-<p>9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der <em class="gesperrt">Zigeunerbrunnen</em>.
-Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner,
-welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie
-Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze;
-daher der Name desselben.</p>
-
-<h3 id="sec601">601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.</h3>
-
-<p>1) »<em class="gesperrt">Grauen Manns Fundgrube</em>« bei Johanngeorgenstadt.
-Der Name soll von einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen
-haben will, herrühren.</p>
-
-<p>2) »<em class="gesperrt">Glockenklang</em> und <em class="gesperrt">Vogelgesanger Fdgr.</em>« bei Johanngeorgenstadt
-hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute,
-welches man auf des Försters Vogelherd einige Tage vernommen,
-so deutlich, als geschehe es in einer nahegelegenen Stadt, wobei
-man auch zuweilen ein Bobern oder Lummern in der Erde verspürte.</p>
-
-<p>3) »<em class="gesperrt">Hohe Tanne</em>« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt
-daher: Etliche Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie
-im Schurf arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel
-ein solcher Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen.</p>
-
-<p>4) »<em class="gesperrt">Scheller Traum</em>« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt.
-Der Name rührt von einem Traume her, welchen eine Frau
-gehabt und der den Ort anzeigte, wo man einschlagen müsse.</p>
-
-<p class="source">
-(Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt,
-1723, S. 229. 244. 246.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_482">[482]</a></span></p>
-
-<p>5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich
-ein alter Stollen, das <em class="gesperrt">Bocksloch</em> genannt. In demselben soll sich
-ein Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen
-Zeiten und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen,
-um die Vorübergehenden zu necken.</p>
-
-<p class="source">
-(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, 1716, S. 47.)</p>
-
-<p>6) Die <em class="gesperrt">fruchtbare Thorheit</em>, eine frühere Silbergrube bei
-Schneeberg, erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den
-ersten Jahren des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig,
-daß man jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer
-halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk
-sogar in seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude,
-worüber man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig
-war, nannte man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und
-Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)</p>
-
-<h3 id="sec602">602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em> II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie
-von Freiberg etc., II, S. 301.)</p>
-
-<p>Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten
-diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund
-zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als
-die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche
-an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern
-gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen
-Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten
-wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen
-Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche
-Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und
-Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann,
-welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder,
-um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald
-die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen
-haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem
-kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch
-der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen
-mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht
-weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide<span class="pagenum"><a id="Seite_483">[483]</a></span>
-der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was
-man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen.
-In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich
-dargestellt gewesen sein.</p>
-
-<h3 id="sec603">603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 150.)</p>
-
-<p>In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals
-ein böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben
-zu sagen und ihn zu rufen pflegte: <em class="antiqua">Bacchale patszem!</em> welches in
-böhmischer Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun
-das erste Wort zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen
-Jungen <em class="antiqua">Bacchale</em> zu rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den
-Namen des Pacemmüllers und der Pacemmühle aufbringen können.</p>
-
-<h3 id="sec604">604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p>
-
-<p>Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes
-Torfhaus, welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst
-eine Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende
-und Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände
-mit einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines
-Mittags in der Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech
-in den offen gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser
-Begebenheit soll sich der Name jener Hütte herschreiben.</p>
-
-<h3 id="sec605">605. Das Stadtwappen von Geyer.</h3>
-
-<p class="source">(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg,
-1740, S. 31 u. 32.)</p>
-
-<p>Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen
-Zeiten her drei Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von
-der Entstehung des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das
-Bergstädtchen gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch
-einen Geier, welcher auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und
-Hühner vom Hofe zu Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum
-Geyer erreget worden, indem die Schützen dem Geier nachgespüret und
-darüber schöne Zinngraupen angetroffen haben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_484">[484]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec606">606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.</h3>
-
-<p class="source">(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881.
-Nr. 48.)</p>
-
-<p>Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im
-Osten das Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das
-obere Thor. Als Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme
-oder auch die dreifach getürmte Kirche im Wappen.</p>
-
-<h3 id="sec607">607. Das Stadtwappen von Öderan.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch, Kirchenhist.
-von Freiberg etc. II, S. 475.)</p>
-
-<p>Öderan führt im Wappen ein auf zwei Türmen liegendes Wagenrad,
-um damit anzudeuten, daß die Entstehung der Stadt im 12. oder
-13. Jahrhundert ein Fuhrmann veranlaßte, welcher auf dem Platze
-eine Herberge erbaute. Bald gesellten sich noch andere Anbauer und
-unter anderen einige Mönche hinzu, welche vor ihrer Einsiedelei ein
-großes Kreuz aufpflanzten und Vorübergehende um Almosen ansprachen.
-Man nannte sie »Schmerbrüder«, und es soll zu diesem Namen die
-Wagenschmiere den Fuhrleuten Veranlassung gegeben haben, wie alte
-Erzählungen berichten, nach denen auch der lang erhaltene Gebrauch
-des schwarzen Siegels bei dem Rate zu Öderan darauf zurückzuführen
-ist.</p>
-
-<h3 id="sec608">608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Bahn, Hist. Nachrichten v. Frankenberg u. Sachsenburg, 1755, S. 36.)</p>
-
-<p>Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf
-dem Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes
-Frauenzimmer vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit
-offenem Thore stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes
-oder Namenssiegel gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno
-1690 gestochen worden, sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret,
-der mit einem Mantel bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes
-Schlachtschwert mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über
-einem offenen Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten
-Franken, wenn sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter
-in die Erde gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen
-haben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_485">[485]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec609">609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.)</p>
-
-<p>Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben
-mit gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen
-oder Fliegen fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der
-Kirchturmspitze ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein.
-Damit will man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich
-daselbst aufgehalten haben, ableiten.</p>
-
-<h3 id="sec610">610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.</h3>
-
-<p class="source">(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.)</p>
-
-<p>Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will
-man vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden.</p>
-
-<h3 id="sec611">611. Das Wappen der Stadt Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. Zwickau, 1656, S. 136.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem
-Rate ihr Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz
-rot, oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter
-denen ein Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur
-umgekehrt, daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme
-aber gegen die linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf
-dem Schilde aber zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen
-Aufschläge weiß, und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein.
-Auf dem andern Helm aber stehet der Ritter Moritz, welchen der
-Kaiser der Stadt zum Patron gegeben.</p>
-
-<p>Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten
-Teil des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen.</p>
-
-<h3 id="sec612">612. Das Wappen der Stadt Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chronicum</em>. Freiberg, 1653, S. 21.)</p>
-
-<p>Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt
-einem Thore und Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im
-gelben Felde darin soll Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem
-eigenen Wappen der Stadt für geleistete Dienste dazu verliehen haben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_486">[486]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec613">613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge,
-2. Teil. Halle, 1777, S. 89.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen
-Scheibenberg angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild
-zum Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln
-von unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget
-auf beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern
-haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel
-Greif in der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen
-Schlegel und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren
-nur dadurch unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.</p>
-
-<p>In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses
-Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang
-des Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen,
-und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da
-es aber ein Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und
-Redlichkeit so fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die
-Herrschaft wolle es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.</p>
-
-<h3 id="sec614">614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)</p>
-
-<p>Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne
-zeigt ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis
-über die Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte
-aber sind zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet.
-Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der
-Sage die Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung
-der Stadt Dippoldiswalde war.</p>
-
-<h3 id="sec615">615. Siegel der Stadt Frauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21.
-Darnach Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)</p>
-
-<p>Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen
-steht und in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält.
-Dies bedeutet, daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge
-stand und von der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde.<span class="pagenum"><a id="Seite_487">[487]</a></span>
-Der Zweig, welchen die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich
-auf die Haselrute des Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas,
-welche grünte, als sie letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten
-Libussas vom Pfluge weg nach Prag auf den Königsthron holten.</p>
-
-<p>Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit
-entblößtem rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß
-Frauenstein zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie
-springt zwischen den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in
-denselben steckt, was bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem
-damals noch florierenden Bergbau bezogen hat.</p>
-
-<h3 id="sec616">616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.</h3>
-
-<p class="source">(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.)</p>
-
-<p>Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes
-Thal mit drei hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem
-beckenartigen Schilde einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das
-reichsgräflich von Loß'sche Wappen am Herrenhause des Rittergutes
-hat einen Frosch im runden Mittelschilde und als mittelste Helmzier.
-Man deutet das angebliche Wappen von Olbernhau damit, daß sich
-aus dem abgetrockneten See, für welchen man die flache Thalsohle,
-in welchem der Ort liegt, ansieht, der letzte Frosch entfernt, um nach
-dem auf der Höhe sich zeigenden Walde zu flüchten.</p>
-
-<h3 id="sec617">617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.)</p>
-
-<p>Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das
-Dorf durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer
-Mulde sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher
-in dem Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen-
-als das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt.</p>
-
-<p>Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von
-den vielen Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von
-dem Bache, welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das
-Siegel führt deshalb einen Auerhahn am Bache.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_488">[488]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec618">618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>, Zwickau, 1656, S. 37.)</p>
-
-<p>Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große
-Brille in Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen,
-daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der
-zu Zwickau gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker
-viel auf dergleichen Zeichen zu achten pflegten.</p>
-
-<h3 id="sec619">619. Die Wahrzeichen Freibergs.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em>, 1653, S. 29, 37 u. 138.
-Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.)</p>
-
-<p>Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem
-Dache auf allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu
-sehen, wovon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen
-wäre, welches derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein
-wolle. Etliche meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers,
-der 1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht
-worden. &ndash; Als Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte
-männliche Statue wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl.
-sächsischen und Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an
-der Brücke befand, sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die
-Stelle bezeichnet, auf der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde.</p>
-
-<p>Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine
-mit eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet, auf welcher
-Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh. Vulpius (<em class="antiqua">Plagium Kauffungense</em>,
-als Beigabe zu <em class="antiqua">Dr.</em> Daniel Wilh. Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743,
-S. 229) folgendes: »Als 1702 der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein
-fast in kleine Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen
-neuen an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit des E. E.
-Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen schwartz-blaulichten ungepolirten
-Marmor-Stein darunter, auf welchem ein alter Silbergroschen gelegen,
-dessen Schrifft und Gemählde Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern
-so mürbe war, daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man
-auch diesen, in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu finden,
-auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten, sonst aber gar nichts
-gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey Steine hatten einerlei Große, Länge
-und Breite. Der Marmorstein wurde in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster
-gleich kommen, und wiederum ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit<span class="pagenum"><a id="Seite_489">[489]</a></span>
-gepräget, gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern Merkmahl,
-drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf <em class="antiqua">recta</em> darauff.«</p>
-
-<p>Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am Erker
-des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein steinerner Kopff, welcher
-für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird, mit einem gräßlichen Gesichte, großen
-Knebel-Barte und Sturmhaube, über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf
-angedeuteten vierecketen Stein.«</p></div>
-
-<h3 id="sec620">620. Wahrzeichen von Crimmitschau.</h3>
-
-<p class="source">(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.)</p>
-
-<p>Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher
-mitten auf dem Markte eingemauert war.</p>
-
-<h3 id="sec621">621. Die Wahrzeichen von Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)</p>
-
-<p>Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein,
-welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen
-Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der
-Kopf sollte anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne
-eingemauert oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit
-einem Hunde verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf
-Mauertürme vom Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach
-einer andern Sage wäre es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann
-gewesen, und die Sache 1415 geschehen.</p>
-
-<p>Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild
-des sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier mit
-Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war, an
-dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der
-Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.</p>
-
-<h3 id="sec622">622. Das Wahrzeichen von Tharand.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)</p>
-
-<p>Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene
-und neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene
-Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz
-Granaten mit sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts
-der Ort selbst Granaten hieß.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_490">[490]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec623">623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)</p>
-
-<p>Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein
-»Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen, der
-allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des unaussprechlichen
-Elends und der schrecklichen Not gilt, die der dreißigjährige
-Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte. Es wurde
-nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit jenes Krieges
-das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der Stein-Laib
-6 Zoll im Durchmesser.</p>
-
-<p>Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«,
-wurde vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich
-eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen
-Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz
-Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber berühmten
-Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war.</p>
-
-<h3 id="sec624">624. Die frühere Größe des Städtchens Platz.</h3>
-
-<p class="source">(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.)</p>
-
-<p>Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem
-ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß
-beim sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner
-in trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen
-sei. Die Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300
-Häuser (jetzt nur 64!) gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört
-worden sei, worauf sich der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von
-Platz nach Norden und Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut
-habe, und auf diese Weise sollen die beiden Ortschaften Hohentann,
-d. i. bei der hohen Tanne, und Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden
-sein.</p>
-
-<h3 id="sec625">625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.)</p>
-
-<p>Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal
-erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers
-des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16.
-Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort<span class="pagenum"><a id="Seite_491">[491]</a></span>
-und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav
-und seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter
-Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre
-1174 flohen, gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der
-Stadt heute noch die Burghäuser heißen und die Befreiung von der
-Abgabe des sogenannten Dienerkornes genießen.</p>
-
-<h3 id="sec626">626. Die wüste Mark Kraxdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F.
-A. Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.)</p>
-
-<p>Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten
-im Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll
-in seiner Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf
-oder Krafftsdorf gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem
-westlich im Walde gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser
-und Schlüssel gefunden wurden.</p>
-
-<p>In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche
-von West nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von
-Teichdämmen auf dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die
-ihre Schwärze sehr wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten
-hatten.</p>
-
-<h3 id="sec627">627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.</h3>
-
-<p class="source">(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.)</p>
-
-<p>Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w.,
-welche jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen
-Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden
-heimgesucht. Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten,
-zur Nothdurfft erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später
-wurde das Dorf als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und
-Georg von Mügeln verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten
-Sage die Pest den Ort so von Menschen entblößt haben, daß von der
-ganzen Bevölkerung nur zwei alte Jungfern am Leben blieben, welche
-sich im Heu verborgen hatten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_492">[492]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec628">628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal
-und Königswalde.</h3>
-
-<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. II, 1656, S. 157. G. Göpfert,
-Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.)</p>
-
-<p>Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und
-Königswalde, findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk,
-welches über einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches
-Berglein, weil es beraset und mit Holz bewachsen, anzusehen ist.
-Von diesem Gemäuer wird erzählt, daß es ein Raubschloß gewesen
-sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und ausgemauerter Brunnen, welchen
-die Bauern den bösen Brunnen nennen, weil sich bisweilen Gespenster
-daselbst haben sehen lassen. Es sollen hier nämlich die Geister
-zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht haben, umgehen.
-Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf, Rappendorf
-genannt, gelegen haben. (S. No. 642.)</p>
-
-<h3 id="sec629">629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.</h3>
-
-<p class="source">(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde,
-1863, S. 3. Der Schluß mündlich.)</p>
-
-<p>Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von
-Dippoldiswalde ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen,
-gestanden habe. Man sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur
-ein nach dem Berreuther Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz
-und ein in der Nähe befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt.
-Auf dem Platze soll eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen.</p>
-
-<h3 id="sec630">630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge,
-1. Teil, 1776, S. 111.)</p>
-
-<p>In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein
-einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern
-noch in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch
-in einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im
-Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag
-Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und
-Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf
-am Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein<span class="pagenum"><a id="Seite_493">[493]</a></span>
-ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie
-die Fluren beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von
-denen ein Teil jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz
-soll auch ein Dorf mit Namen Kempfersgrün gestanden haben.</p>
-
-<h3 id="sec631">631. Die wüste Mark Oberopritz.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S. 92.)</p>
-
-<p>Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des
-Räderkopfes zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein
-die zu letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll
-früher das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im
-Hussitenkriege zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und
-zwar da, wo in dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz
-kommendes Bächlein mündet, die Wüstung Niederopritz.</p>
-
-<h3 id="sec632">632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, a. a. O., S. 60 etc.)</p>
-
-<p>1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen
-Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein
-gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch
-Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon
-von Sachsen, 16. B., S. 19.)</p>
-
-<p>2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer
-Grundes, in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und
-Heinersdorf liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg
-Blankenau her, deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben
-und Wällen nebst verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna
-und Heinersdorf in einem kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die
-Sage setzt die Einäscherung der Burg, von der sich ein Rittergeschlecht
-von Blankenowe schrieb, in den Krieg Friedrich des Gebissenen mit
-den Süddeutschen. (S. auch Schumann und Schiffner a. a. O., 14.
-B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 114.)</p>
-
-<p>3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen
-Adels- oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf,
-Oneritz (Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz
-und Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen
-Chemnitz und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_494">[494]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec633">633. Wüste Marken bei Augustusburg.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.)</p>
-
-<p>1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich
-der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende
-große fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen
-verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll.</p>
-
-<p>2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland
-gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine
-Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich
-im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt
-gewesene Dorf Röthenbach lag.</p>
-
-<p>3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha
-gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor dem
-Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen
-»Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben
-Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und
-andere Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher
-Sammlungen zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen,
-1. B., Schneeberg, 1750, S. 268.)</p>
-
-<h3 id="sec634">634. Von früheren Festen bei Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik
-von Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges,
-1. B., 1795, S. 14.)</p>
-
-<p>Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden
-und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine
-Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins
-Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher.
-Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man
-früher am südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten
-Grunde sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und
-ebenso soll ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das
-Brünnlasgut befindet, eine Warte gestanden haben.</p>
-
-<h3 id="sec635">635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.)</p>
-
-<p>Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in
-Pöhla bis an die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand<span class="pagenum"><a id="Seite_495">[495]</a></span>
-geheißen, weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden
-ist. Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf
-und Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten
-und Ackerbeete.</p>
-
-<h3 id="sec636">636. Die wüste Mark Eibendorf.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.)</p>
-
-<p>Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen
-die meisten Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein
-Dorf mit Namen Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen
-Kriege zerstört worden sein soll.</p>
-
-<h3 id="sec637">637. Die wüste Mark Nennigkau.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.)</p>
-
-<p>Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe
-wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher
-im Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha
-mündet.</p>
-
-<h3 id="sec638">638. Wüstungen bei Bärenstein.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.)</p>
-
-<p>Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain
-und Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen
-Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches
-im 30jährigen Kriege zerstört wurde.</p>
-
-<h3 id="sec639">639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.)</p>
-
-<p>Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem dreißigjährigen
-Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden
-haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine
-Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen
-Kriege das Dorf Kuhren stand.</p>
-
-<p>Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache
-gelegenes ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes
-Dorf war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle<span class="pagenum"><a id="Seite_496">[496]</a></span>
-stehen jetzt das Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen
-Bergwerksgebäuden, und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr
-vorhandene Rittergut Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche
-Vorwerk stehen soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem
-Freiberger Bürger Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen,
-welcher hülflos im Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf
-dieser ein neues Heer gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze
-bot. (Siehe Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B.,
-S. 761.)</p>
-
-<h3 id="sec640">640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter von
-Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz,
-St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her
-gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766.
-Manuskript.)</p>
-
-<p>I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb
-der Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege
-verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch
-um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein
-sollen. Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten
-und überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet
-wurde. Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz
-nach Waldenburg geführt haben, denn er diente später den Bewohnern
-des an der Stelle des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und
-nach wieder entstandenen Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem
-ersten Kirchen- und Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.</p>
-
-<p>II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf
-liegenden »Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene
-Dorf Naundorf, welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde
-von 1348 oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der
-untere Teil des Ortes blieb wüste, während der obere Teil unter dem
-Namen »Hölzel« später wieder aufgebaut wurde.</p>
-
-<p>III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober-
-und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der
-Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich,
-in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf
-uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts
-Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen
-Bauern des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo<span class="pagenum"><a id="Seite_497">[497]</a></span>
-einst Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den
-Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem
-auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme
-als Decem gehalten haben.</p>
-
-<h3 id="sec641">641. Die Wüstung Sahnau.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 109.)</p>
-
-<p>In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen
-und Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem
-Hussitenkriege am Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher
-noch zu Anfang dieses Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.</p>
-
-<h3 id="sec642">642 Die Wüstung Rappendorf.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)</p>
-
-<p>In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal,
-Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal
-findet sich die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein
-Dorf, welches wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten
-Herren von Rapp oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt
-man hier Spuren einer alten Burg oder Warte, die jedoch im 14.
-Jahrhundert zerstört worden sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle
-den »bösen Brunnen«, welcher mit einem hohen Erddamm umgeben ist.
-Mehrere Feld- und Waldbesitzer in der Nähe haben teils bei Feldbestellung,
-teils beim Holzfällen und Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern,
-gezimmertes Holz, eiserne Haspen und Bänder und dergleichen
-gefunden.</p>
-
-<h3 id="sec643">643. Die Wüstung Boberau.</h3>
-
-<p class="source">(Herzog a. a. O., S. 64.)</p>
-
-<p>An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei
-Drehfeld lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages
-noch das zu Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_498">[498]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec644">644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.</h3>
-
-<p class="source">(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)</p>
-
-<p>Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist
-vielleicht ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich,
-welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war,
-und ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu
-dem Dorfe Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört
-wurde und dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege
-nach Falkenstein und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.</p>
-
-<h3 id="sec645">645. Die wüste Mark Warnsdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B.,
-S. 174)</p>
-
-<p>In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine
-große Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und
-die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem dreißigjährigen
-Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese befindet
-sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch einen
-breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer
-Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer
-Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von
-hier herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese
-vergraben gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.</p>
-
-<h3 id="sec646">646. Die ehemalige Burg Sohra.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)</p>
-
-<p>Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale
-das Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach
-Pretzschendorf hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich
-im Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr
-hundert Jahren sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller,
-und eine eiserne Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll
-von jenen Ruinen abstammen. An die Burg erinnert auch noch der
-sogenannte Vorwerksring. In der Gegend, wo die Burg stand, sollen
-Gespenster umgehen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_499">[499]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec647">647. Alt-Elbogen.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)</p>
-
-<p>Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der
-Mitte zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge
-zwischen dem Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der
-Eger, die zahllosen Windungen des engen Felsenthales entlang gegen
-Osten eilt und hier einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen
-Hochebene nur durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen
-Süden mit einer 40 Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand.
-Alt-Elbogen besteht aus der durch einen mehr oder weniger erhaltenen,
-etwa 190 Meter langen Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen
-Hochburg, die ungefähr 1400 Quadratmeter enthält und ebenfalls durch
-einen an der Nordostecke noch 2 Meter hohen Wall umgeben ist.
-Mauerreste findet man hier nicht. In der Südostecke stand der Tradition
-nach eine St. Barbarakapelle, die bereits im Jahre 1247 urkundlich
-erwähnt wird.</p>
-
-<p>Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht
-wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen
-Gewölben große Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht
-werden.</p>
-
-<h3 id="sec648">648. Die Grillenburg.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie
-der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte
-und Dörfer, 1727, II, S. 287.)</p>
-
-<p>Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß,
-die Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als
-Wohnung für einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in
-grauer Vorzeit eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten
-nachgewiesen wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune
-einen geräumigen, aus dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl
-tausendjährig ist. Das Gewölbe wird in der Mitte von einer starken
-Säule getragen, um welche herum mit einem zweispännigen Wagen zu
-fahren, der Raum reichlich gestatten würde.</p>
-
-<p>Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses
-Grillenburg gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften
-Nachricht, sie lauteten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i8">I.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">»Meines lieben Bruders kläglich End,<br /></span>
-<span class="i0">Der schwere Eingang zum Regiment,<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_500">[500]</a></span>
-<span class="i0">Groß Widerwärtigkeit und Gefahr<br /></span>
-<span class="i0">Mir schwere Sorg und Müh gebahr.<br /></span>
-<span class="i0">Zu vertreiben solch Fantasey,<br /></span>
-<span class="i0">Fieng ich diß neu Gebäu,<br /></span>
-<span class="i0">Die Grüllen-Burg ichs davon nennt,<br /></span>
-<span class="i0">In einem Jahr wurds gar vollend.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i8">II.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen,<br /></span>
-<span class="i0">Da baut Hertzog August zu Sachsen<br /></span>
-<span class="i0">In einem Jahr diß Jagd-Haus behend,<br /></span>
-<span class="i0">Welches er die Grüllen-Burg nennt,<br /></span>
-<span class="i0">Vor schwerer Sorg und Gedanken,<br /></span>
-<span class="i0">Die ihm oblagen und bedrangten,<br /></span>
-<span class="i0">Und richtets an zur Lust und Freud,<br /></span>
-<span class="i0">Drum wird man hier der Grüllen queit.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i8">III.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich bin genannt die Grüllenburg,<br /></span>
-<span class="i0">Darauf geschieht gar mancher Schlurg,<br /></span>
-<span class="i0">Gedanken und schwere Fantasey,<br /></span>
-<span class="i0">Legt man auf diesem Hause bey;<br /></span>
-<span class="i0">Gegen Hasen, Hirsch und Schwein<br /></span>
-<span class="i0">Vertreibt man hier die Zeit allein.<br /></span>
-<span class="i0">Wer nun hat Grüllen und Mücken,<br /></span>
-<span class="i0">Der lasse sie hinter sich zurücken.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec649">649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)</p>
-
-<p>Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach
-ein Dörfchen Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen
-verwüstet worden wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt
-der Lützenbach und der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor
-alters eine Mühle unten in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle
-genannt worden ist. Alte Leute wollen von derselben noch Baustelle
-und Mühlgraben gesehen haben.</p>
-
-<h3 id="sec650">650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)</p>
-
-<p>Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen
-zeigt man eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt<span class="pagenum"><a id="Seite_501">[501]</a></span>
-wird, daß hier einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen«
-erbautes Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen
-des Niklas sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das
-ist auch der Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren
-nächste Umgebung von Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.</p>
-
-<h3 id="sec651">651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II, S. 67. Bahn, Das Amt,
-Schloß und Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)</p>
-
-<p>Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem
-jetzigen Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe
-Reichenau zu gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche
-stehet. Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen
-segnete, ist die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich
-mit der Kirche auf dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen
-Bewohner Frauensteins wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse
-gebracht, welche bei gefallenem Platzregen sehr stark waren und
-ihre Wohnungen schädigten. Man sah auf dem alten Stadtplatze im
-vorigen Jahrhundert noch die Gassen und Überreste von den alten
-Baustellen. Von dieser Verlegung der Stadt kam es auch, daß, was
-sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt ward, nicht die Stadtkirche, sondern
-die Begräbniskirche, als die Mutterkirche, erhielt.</p>
-
-<h3 id="sec652">652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874,
-S. 20.)</p>
-
-<p>Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits
-am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte
-man sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten
-Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren
-Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war
-das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden,
-weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde
-und noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück,
-der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem Jahre 1352 in den eigentlichen
-Bereich der Geschichte. Jedenfalls entwickelte sich infolge der Entdeckung von
-Silbererzen der junge Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien
-Bergstadt erhoben wurde.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_502">[502]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec653">653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.</h3>
-
-<p class="source">(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend,
-1881, Nr. 44. Mündliche Mitteilungen.)</p>
-
-<p>Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen
-Abdachung des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke
-in dieser Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden
-der alten Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei
-Erbauung von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der
-Gottesacker dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das
-Königliche Amtsgericht befindet.</p>
-
-<p>Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden
-haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts
-hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung
-an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen
-unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das Dörfel'sche
-Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß
-man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.</p>
-
-<p>Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht
-des Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die
-einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der
-Stadt am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit
-in Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage
-und errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den
-Ruinen des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich
-die jetzige Stadt Kirchberg.</p>
-
-<h3 id="sec654">654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.</h3>
-
-<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc.
-Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)</p>
-
-<p>Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg,
-Herr der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau,
-im Jahre 1476 von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren,
-legten sie das Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren
-Unterthanen zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich
-wuchs.</p>
-
-<p>Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes
-zu Grünhain, eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter
-Grenzstreit zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen
-der Pflege Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen,<span class="pagenum"><a id="Seite_503">[503]</a></span>
-welcher zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten
-<span id="corr503">ihnen</span> lag. Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen,
-und der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können:
-»Keinem von Euch beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb
-er plötzlich. Sein Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder
-Priester, welcher den Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung
-der inzwischen aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte.
-Dieselben kamen auf freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen
-und durch Händedruck und Bruderkuß wurde die Versöhnung
-besiegelt. An der Stelle aber, wo dies geschah, wurde ein Stein errichtet,
-den der Abt segnete und mit Weihwasser, geschöpft aus dem in
-der Nähe befindlichen heilbringenden »guten Brunnen«, besprengte.
-Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein Zwönitz ein frohes Fest
-gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter Stadt ein neues Wappenschild:
-Den buntgefiederten Sittich im blauen Felde. Der Stein aber
-wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei Grünhain und dem
-von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der Volksglaube
-gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver gerieben
-und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die ersprießlichsten
-Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später den Namen
-Streitwald, welchen er noch heute führt.</p>
-
-<h3 id="sec655">655. Der Peststein bei Rauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B.
-S. 305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)</p>
-
-<p>Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure
-Jahre, die Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere
-im niedern Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die
-letztgenannte Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun
-lebte aber in dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des
-Richters, welcher mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu
-Lengefeld verlobt war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr
-aus den Fluten der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden
-Tag neue Opfer forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater
-davon befallen wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo
-unterdeß die Pest nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber
-mehrere gewürzhafte Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt
-und damit sich selbst und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von
-welchem ihm die Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer<span class="pagenum"><a id="Seite_504">[504]</a></span>
-berühmten Apotheke hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach
-Reifland zurück, und als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm
-er über die Flöha und gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch
-nach Lengefeld. Um den Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar
-zu spät, allein es gelang ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater
-und viele andere mit seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald
-verschwand die furchtbare Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die
-übrig gebliebenen Bewohner von Lengefeld, Rauenstein und Reifland
-feierten ein Wiedersehens- und Dankfest. Auf der Stelle, wo dies
-geschah und die Einwohner genannter Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung
-ein Stein aufgerichtet und dieser bewahrt noch heute die
-Erinnerung an jene traurige Zeit.</p>
-
-<h3 id="sec656">656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)</p>
-
-<p>Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet
-sich im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:</p>
-
-<p>Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und
-ward von einem Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein
-Chormantel ihm als Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten
-auf die Erde. Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam
-dem verwogenen Gesellen ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm
-lustig genug schien, auch zu versuchen. Er nahm also einen Mantel
-um, stieg auf den Turm und sprang herab. Aber wehe, der Mantel
-verwickelte sich, und kopfüber im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne
-Schieferdecker auf das Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod
-fand, setzte man zum Andenken an diese Begebenheit den roten Stein
-in das Pflaster.</p>
-
-<h3 id="sec657">657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler,
-Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)</p>
-
-<p>In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche
-an der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren
-früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden
-Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre
-1428 ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein
-und drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben
-ändern würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei,<span class="pagenum"><a id="Seite_505">[505]</a></span>
-ehe er dies thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn
-die Hussiten erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und
-stießen ihn hinab. An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank
-sein Leichnam in den Fluten der Zschopau.</p>
-
-<h3 id="sec658">658. Zeichen auf dem Katzensteine.</h3>
-
-<p class="source">(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)</p>
-
-<p>Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt
-sich der wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche
-Absätze und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam
-als ein Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf
-findet man einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte
-Charaktere gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu
-Sachsen auf diesem Steine gefrühstückt haben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von Kursachsen
-(2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf dem Steine auch verwitterte
-Figuren von Tellern, Messer und Gabel zu sehen gewesen sein. Nach derselben
-Quelle war der in der Sage angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I.,
-wenigstem will man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.</p></div>
-
-<h3 id="sec659">659. Die zwei Messer zu Eibenstock.</h3>
-
-<p class="source">(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)</p>
-
-<p>Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt
-Hans Meichsner zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren,
-G. Unger und Chr. Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander
-uneins worden und haben sich geschlagen. Solches haben sie so lange
-getrieben, bis Fröhlich mit einem Messer dem Unger gegen das Herz
-einen Stich gegeben, darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat
-Unger das Messer wieder herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen,
-doch hat sich dieser auf die Flucht begeben. Hernach ist über
-ihn auf dem Markte öffentlich Halsgericht gehalten, und damit diese
-schreckliche That den Nachkommen im Gedächtnis bleiben möge, sind 2
-Messer in einen Stein gehauen, und solcher an der Ecke der Brotbänke,
-wo früher der hölzerne Esel stand, aufgerichtet worden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_506">[506]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec660">660. Das Steinkreuz bei Schlettau.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt,
-steht nahe vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz.
-Dasselbe soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege
-ein schwedischer Offizier begraben wurde.</p>
-
-<h3 id="sec661">661. Das Steinkreuz bei Werda.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber
-dem Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus
-katholischer Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser
-Stelle ein vornehmer Soldat im Kampfe gefallen sei.</p>
-
-<h3 id="sec662">662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)</p>
-
-<p>Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün
-nach Waldkirchen, an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises,
-ein Stein mit eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich
-ein Schafhirte von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen
-worden sein. Der Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm
-zukam und als er deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward,
-wurde er grob; es kam zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit
-dem gewaltsamen Tode des Hirten.</p>
-
-<h3 id="sec663">663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden
-Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den
-gegenwärtig aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach
-vielleicht 20 Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen
-Meter hohen, an den Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten
-Steine, dessen Oberfläche zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt
-ist. Doch sieht man auf ihm noch zwei gekreuzte Messer und ein
-Brotchen eingehauen. Hier sollen sich einst vor vielen Jahren bei<span class="pagenum"><a id="Seite_507">[507]</a></span>
-einer Hungersnot zwei Frauen, welche zusammen in Wolfersgrün ein
-Brot gekauft hatten, mit ihren Messern erstochen haben, weil jede von
-ihnen das Brod ganz haben wollte.</p>
-
-<h3 id="sec664">664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)</p>
-
-<p>An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock
-und Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt,
-steht ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt
-im Walde ein alter Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno
-1799 ist an dieser Stelle ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend,
-nachts mit seinem Fuhrwerk auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte
-des Gasthofes zu Karlsfeld ermordet worden. Der Fuhrmann
-ließ sich gegen Abend vom Wirte des genannten Gasthofes für Silbergeld
-neue Kupfermünze geben. Dies sahe der Hausknecht, welcher
-jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke hielt. Ihn gelüstete
-nach denselben, und er ging deshalb, als der Fuhrmann bereits ein
-gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete ihn und nahm ihm
-die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an diese That ist
-der Stein gesetzt worden.</p>
-
-<h3 id="sec665">665. Der Denkstein in Fürstenwalde.</h3>
-
-<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.)</p>
-
-<p>Auf Gotthelf Tittels Gute in Fürstenwalde steht ein Denkmal
-mit der Bezeichnung <em class="antiqua">G. D.</em> und einer Schneiderschere, nebst der
-Jahreszahl 1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre
-ein aus Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr
-aus der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem
-Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren
-und in Fürstenwalde beerdigt worden.</p>
-
-<h3 id="sec666">666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge,
-2. Teil, 1777, S. 10.)</p>
-
-<p>Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei
-Kreuze aus Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes<span class="pagenum"><a id="Seite_508">[508]</a></span>
-Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler
-einer Mordthat hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten
-daselbst Fleischerknechte totgeschlagen hätten.</p>
-
-<h3 id="sec667">667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.)</p>
-
-<p>Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche
-Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und vor
-derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis eingehauene
-Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei,
-und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.</p>
-
-<h3 id="sec668">668. Die drei Kreuze bei Brand.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)</p>
-
-<p>Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen
-von alters her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt.
-Bereits im Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so
-vermorscht, daß an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den
-Jahren 1608 und 1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle
-der steinernen waren wieder solche von Holz gekommen. Von diesen
-Kreuzen aber erzählt der Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß
-in welchem, wäre Freiberg belagert worden und hätte eine hohe
-Summe Brandschatzung geben sollen, diese aber nicht sogleich aufbringen
-können, und deshalb drei Ratsherrn zu Geißeln gestellt.
-Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre, so hätten sie einen
-Boten in das feindliche Lager geschickt, der den Ratsherrn insgeheim
-kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie womöglich in der
-kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt sei nicht gesonnen,
-die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch die Ratsherrn
-ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager gekommen, hier
-aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch durch
-das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum Andenken
-ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben müssen,
-die drei Kreuze errichten lassen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_509">[509]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec669">669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)</p>
-
-<p>An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand
-ein von Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz,
-worauf ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist.
-An diesen knüpft sich folgende Sage:</p>
-
-<p>Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten
-Ziska, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt
-Görkau und das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen
-katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen.
-Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen äußerst dichten Nebel
-auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und sich erst dann wieder
-in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei
-vernahmen, welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber
-tönte. Sie verfolgten die Richtung des Krähens und verfehlten
-glücklich die Stadt, indem sie weiter östlich gelangten und schließlich
-nicht mehr zurückkehrten. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung
-aus drohender Gefahr ließen die Bewohner von Görkau das
-erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen, von wo
-es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz unter großen Feierlichkeiten
-übertragen wurde. Die kleinen daselbst stehenden Linden wurden damals
-von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.</p>
-
-<h3 id="sec670">670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.)</p>
-
-<p>Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen
-Wirtshauses »Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke,
-in welcher es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage,
-als ein schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende
-Donner, wie der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung
-der Lustbarkeiten. Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden
-Zeichen; die Ausbrüche wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die
-Musik begann ein munteres Tanzstück zu spielen und unter Lärmen
-und Johlen drehten sich die Paare im Kreise. Diesem frevelhaften
-Treiben konnte die Strafe des Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter
-hatte seine ganze Macht entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten
-grell das Halbdunkel und das betäubende Krachen des Donners
-vermischte sich mit dem Brausen des wütenden Sturmes. Den tollen<span class="pagenum"><a id="Seite_510">[510]</a></span>
-Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein fürchterlicher Schlag, alle
-Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde lang sonnenhell beleuchtet
-und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein mächtiger Blitzstrahl
-hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem gräßlich gähnenden
-Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen darin Anwesenden
-spurlos versank. &ndash; An der Stelle, wo die Schenke stand, wurde
-später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz errichtet. Dieses
-ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name »Beim roten
-Kreuz« jedoch bis heute geblieben.</p>
-
-<h3 id="sec671">671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden
-Höhe am rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst
-soll ein Mann mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne
-daß weder er noch seine Pferde Schaden genommen haben.</p>
-
-<h3 id="sec672">672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.)</p>
-
-<p>In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt,
-ein großer Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz
-sieht. Die Sage erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem
-heftigen Gewitter zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig
-donnerte, spotteten sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort
-oben fährt der liebe Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber
-hatte er diese Worte gesagt, so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz.
-Der Knabe wurde darauf an dem Orte begraben, und zur Erinnerung
-an diese Begebenheit meißelte man ein Kreuz in den großen Stein,
-der bereits an dem Platze gelegen hatte, wo dies geschehen war.</p>
-
-<h3 id="sec673">673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.</h3>
-
-<p class="source">(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit
-des sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern,
-1860, S. 3.)</p>
-
-<p>Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen
-Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt<span class="pagenum"><a id="Seite_511">[511]</a></span>
-man sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August
-Bachmann stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite
-ein Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche
-zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er
-nämlich, heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der
-Landstraße gegen Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel
-hatte aufschlagen lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen
-Schar ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine
-Gefährten in den Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt
-selbst dem Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende
-Lichter erblickt werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind,
-bezweifeln selbst die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit
-des Kaisers Arnulf geschehen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7.</p></div>
-
-<h3 id="sec674">674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.)</p>
-
-<p>In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde
-führt. Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr
-stark und zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo
-ein Mensch verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem Kruzifix,
-welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat, herrührt. &ndash; Erwähnt
-mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den Platz vermutet, an welchem 892
-die Ermordung des Bischofs Arno von Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv
-für sächs. Gesch. 2. S. 175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen
-zu den Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen.</p></div>
-
-<h3 id="sec675">675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz bei Sayda.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.)</p>
-
-<p>In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal
-von Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei
-Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen
-gehauen haben, so daß beide gestorben sind.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_512">[512]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec676">676. Das Marienbild in Maria-Kulm.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.)</p>
-
-<p>Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten
-und unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet
-wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber
-ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch
-wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine
-Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord
-unsicher gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein
-Ritter aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der
-Kapelle auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen
-und dem Strafgerichte in Eger übergeben wurden.</p>
-
-<h3 id="sec677">677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.)</p>
-
-<p>Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck
-und Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine
-hölzerne Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in
-der Hand hält und folgende Umschrift hat:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Das Zedels-Bild bin ich genannt<br /></span>
-<span class="i0">Die löbliche Jägerei bin ich wol bekannt<br /></span>
-<span class="i0">Sie komen her zu mir<br /></span>
-<span class="i0">Und suchen auf dem Abschied<br /></span>
-<span class="i0">Der Wölfe ihr Quartir<br /></span>
-<span class="i0">Drincke auch gehrne gutes Bir<br /></span>
-<span class="i8">Anno 1695.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch
-gemalt, aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich
-ist das Bild ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo
-die letzten Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß
-das Bild früher etwas weiter im Walde angebracht war und daß es
-die Stelle bezeichnete, wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde.</p>
-
-<h3 id="sec678">678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.)</p>
-
-<p>Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll
-von dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein.<span class="pagenum"><a id="Seite_513">[513]</a></span>
-Über die Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der
-Künstler sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus,
-vorher diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm,
-aber er soll seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen
-Worte gemäß niemals jene Strafe verbüßte.</p>
-
-<h3 id="sec679">679. Die Walfischrippen in Zwota.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.)</p>
-
-<p>In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren
-am Wege zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des
-Walfisches, zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben
-in einem Garten des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an
-dem jetzt eingegangenen Hammerwerke, welches nach der Überlieferung
-des Volkes das feinste und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden
-haben, und es wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten
-Fuhrleute nach dem Hammer kamen, um das weit und breit
-geschätzte Eisen zu holen. Von solchen Fuhrleuten sollen die genannten
-»Walfischrippen« mitgebracht worden sein.</p>
-
-<h3 id="sec680">680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei
-Glocken aus.</h3>
-
-<p class="source">(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im
-Zellwalde, 1874, S. 7.)</p>
-
-<p>Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche
-zu Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten
-Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt
-worden sein.</p>
-
-<h3 id="sec681">681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden
-Sau ausgewühlt worden.</h3>
-
-<p class="source">(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt,
-was man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300
-Jahren <em class="antiqua">a</em>) wegen der Kirchen, <em class="antiqua">b</em>) wegen des Thurms und <em class="antiqua">c</em>) wegen
-derer Glocken gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage
-derer Kirchen Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)</p>
-
-<p>Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am
-Grunde an dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_514">[514]</a></span>
-sagen, es wäre ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und
-die Einwohner dieses Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und
-des sündigen Wesens so hoch getrieben, daß Gottes Strafe über sie
-ergangen und der Ort versunken wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei
-Viehhirten ohnweit des ehemaligen Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet
-haben, und solche hätten wahrgenommen, daß eine wilde Sau zwei
-Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine gesagt. »Diese Glocke will
-ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.« Der andere habe gesprochen:
-»Das laß ich wohl bleiben; ich will mit meiner Glocke mir etwas zu
-gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche Glocke wieder in die
-Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten Männer haben
-erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren Vätern und
-Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten gefundene
-Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar geben sie
-nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie gleichsam
-taktweise ihren Klang hätte.</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Baum maum Kirchberg,<br /></span>
-<span class="i0">Kirchberg ist mein Vaterland,<br /></span>
-<span class="i0">Da mich die wilde Sau umwandt«.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640.</p></div>
-
-<h3 id="sec682">682. Die Glocke von Jahnsgrün.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.)</p>
-
-<p>Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün
-bei Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen
-gelegen haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche
-Weise, untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden
-worden, als eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen
-Boden wühlte. Diese Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu
-Bärenwalde hängen. Man hat über die Begebenheit folgendes
-Volkslied:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Gahnsgri is uner goange,<br /></span>
-<span class="i0">Gahnsgri is verschwunden<br /></span>
-<span class="i0">Ä wilde Sau hot ä Glock' ausgegrob'n,<br /></span>
-<span class="i0">Ä Bettelma hot's gefunden«.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch Sachsen Kirchengalerie (8. B., S. 58.) erzählt, daß man aus manchen
-Spuren, z. B. aufgefundenen alten Schlüsseln, schließen will, daß die Gegend von<span class="pagenum"><a id="Seite_515">[515]</a></span>
-Jahnsgrün vor der Zeit des Hussitenkriegs stark bevölkert gewesen sei. Hier ist besonders
-bemerkenswert, daß die Sage noch von zahlreichen anderen Glocken erzählt,
-welche durch Schweine aufgewühlt wurden. Dahin gehören die große Glocke zu
-Marienei und die Kirchenglocke zu Treuen, welche letztere ebenfalls brummt: »En
-wille Sau ausgegrob'n, en Bettelmann gefunne«. (Köhler, Volksbrauch im Vogtlande,
-S. 605.) Ferner mögen die Lobesdorfer Glocke, in der viel Silber war, so
-daß sie sich durch ihren schönen Klang auszeichnete (Größler, Sagen der Grafschaft
-Mansfeld, No. 36.), die Glocken von See und Spree in der Lausitz (Haupt, a. a.
-O., S. 403.), zu Blankensee, welche summt: »Sau fand jenen Sand«, und zu Görzdorf
-mit dem unmelodischen Tone: »Sony woillt us« (d. i. Sau wühlt aus), genannt
-sein.</p>
-
-<p>Nork (Sitten u. Gebräuche etc. S. 372.) versucht einen mythischen Zusammenhang
-zu finden, indem er meint, die Glocke, welche zuweilen aus Teichen und
-Seen aufsteigt, sei wie die Nebelkappe auf dem Wasser (Odhins Hut) ein Symbol
-für Stürme; ihr Tönen sei der heranbrausende Sturm. Er bringt damit die Benennung
-»Sauzagel« für Wirbelwind in Verbindung. Die Sau aber ist Finderin
-der im Dunkeln verborgenen Gegenstände, sonst ein der Finsternis geweihtes und
-darum als Juelschwein dem Lichtgott geopfertes Tier. (Haupt, a. a. O., No. 283 a.)
-Ein goldenborstiger Eber, auf welchem Freir und Freia ritten, erhellte die Nacht taghell.</p></div>
-
-<h3 id="sec683">683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p>
-
-<p>Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein
-gegen 2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes
-Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra
-und Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen
-Fläche einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos
-waren, daß Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an
-einem dritten Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes
-Jahr an diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen
-Glocken der versunkenen Stadt läuten hören.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland. Da,
-wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine Stadt, welche versunken
-ist; man hört noch die Glocken in der Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld,
-No. 66.) Auf dem Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges
-in Thüringen, soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken ließ,
-weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der Sage nicht die
-Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine wurde einst auf dem Platze
-eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch, auch als man sie umgegossen hatte, einen
-abscheulichen Klang gab. S. übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage.
-(Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 18.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_516">[516]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec684">684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk
-großer Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die
-Überreste eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die
-Produkte der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges
-angegriffen wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne
-übrig blieben. Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine
-Stadt gestanden habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei.</p>
-
-<h3 id="sec685">685. Die große Glocke in Geyer.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.)</p>
-
-<p>Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam
-auf einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt
-die Sage, daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die
-Stadt liegt, durch eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor
-ausgewühlt und von den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten,
-aufgehängt worden sei, aber nicht eher einen reinen und vollen Klang
-gegeben habe, bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung
-feierlich eingeweiht.</p>
-
-<p>Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen
-Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz
-von Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst
-Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der
-Prinzenraub darauf abgebildet.</p>
-
-<h3 id="sec686">686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswaldaer Heide.</h3>
-
-<p class="source">(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.)</p>
-
-<p>Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen
-am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der
-Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde
-jedoch diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen
-und das Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf
-übergeführt. Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und
-16 Schritt breite, jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem
-Antonius, an welchen der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser
-ausgezeichnete Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen<span class="pagenum"><a id="Seite_517">[517]</a></span>
-Barbara erbaut worden sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese,
-auf welcher ehemals die Antoniusklause gestanden haben soll.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in Rabenau,
-daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche genannt, sei eine Wallfahrtskirche
-gewesen, der historischen Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr
-den Namen »Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine solche
-sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war der Patron der Kaufleute
-und an der an der alten Grenze von Meißen und Böhmen gelegenen Kapelle
-führte jedenfalls in früheren Zeiten die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden
-vorüber. Nach einer anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster
-Zelle Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf befindliche
-Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die Kapelle durch den
-Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei, da eine andere Nachricht mitteilt,
-daß sie im dreißigjährigen Kriege eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren
-Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.)</p></div>
-
-<h3 id="sec687">687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.</h3>
-
-<p class="source">(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5&ndash;7. Kirchengalerie
-von Sachsen, 12. B., S. 147.)</p>
-
-<p>Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als
-ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf
-einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen
-Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an
-diesem Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen
-aber stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres
-Schuppens ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte
-es den »gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte
-herum aber ist das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf
-einer grünen Wiese gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal,
-dem erst später die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet
-ward, erbaute man an dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine
-Kapelle, nach derem Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die
-daselbst befindlich gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie
-ihnen zu gewisser Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren
-von Schönburg, welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den
-Gerichten von Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe
-zur Erinnerung an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf
-beiden Seiten und auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_518">[518]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec688">688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.</h3>
-
-<p class="source">(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.)</p>
-
-<p>Auf der sogenannten heiligen Wiese im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz
-stand einst ein der Jungfrau Maria geweihter Altar mit
-einem wundertätigen Marienbilde, das zahlreiche Gläubige an sich
-lockte. Wenn dieselben die von den Mönchen des Klosters Grünthal
-gehaltenen Messen angehört hatten, besuchten sie die Märkte in Lungwitz,
-welche unter den »Linden«, die einst bei der jetzigen alten Post
-standen, abgehalten wurden. Der alte Weg, der vom Dorfe zu der
-heiligen Wiese führte und den die Wallfahrer ziehen mußten, hieß damals
-die Vorlage und besteht teilweise noch heute unter dem Namen
-»die Vorel« oder »Vurel« in der Nähe der jetzt Rügerschen Grundstücke
-in Abtei-Lungwitz.</p>
-
-<p>Auf dem Turme der Oberlungwitzer Kirche befindet sich noch eine
-uralte Glocke, die wahrscheinlich aus irgend einem Kloster stammt und
-seiner Zeit an die alte Lungwitzer Kapelle abgegeben worden ist, und
-zwar vorzugsweise mit zu dem Behufe, um bei den Wallfahrten nach
-der heiligen Wiese gelauten zu werden. Nach einer alten Tradition
-hat man stets mit dem Läuten der Glocken auf der Lungwitzer Kirche
-begonnen, wenn die Wallfahrtsprozessionen bei dem Marienbilde im
-Hirschgrunde angekommen waren, und es hat überhaupt dieses Bild dort
-an dem Orte gestanden, von wo aus die Oberlungwitzer Kirche am
-besten zu übersehen war, um während des Lesens der Messe u. s. w.
-die erforderlichen Zeichen zum Anschlagen oder Lauten der Glocken vom
-Platze aus hinüber nach dem Turme geben zu können.</p>
-
-<h3 id="sec689">689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O., No. 560.)</p>
-
-<p>Unter den Reliquien der Kirche zu Ebersdorf befindet sich ein
-Schiffchen von Holz, welches aus dem 14. Jahrhundert stammt und
-bei folgender Gelegenheit dort aufgehängt worden ist. Ein gewisser
-Junker Wolf von Lichtenwalde (?) war ins gelobte Land gezogen, um
-dort gegen die Sarazenen zu kämpfen; er hatte alle Gefahren und
-Anstrengungen des Krieges glücklich überwunden und kehrte jetzt mit
-Schätzen beladen nach seinem Vaterlande zurück, wo ihn eine liebende
-Braut erwartete. Siehe, da begab es sich, daß das Schiff, auf dem
-er nach Venedig segelte, von einem furchtbaren Sturme überfallen ward;
-keine Geschicklichkeit des seekundigen Kapitäns, noch die übermenschlichen
-Anstrengungen der Mannschaft vermochten dem Andrange der wütenden<span class="pagenum"><a id="Seite_519">[519]</a></span>
-Elemente zu widerstehen und jeder sah dem Untergange des Schiffes in
-nächster Zeit entgegen. Da sank der sonst so mutige Kreuzfahrer in
-wilder Verzweiflung auf die Knie und gelobte der heiligen Jungfrau
-zu Ebersdorf, daß, wenn sie ihn aus dieser Todesnot befreien und
-glücklich in sein Ahnenschloß zurückkehren lassen werde, er ihr ein Schiffchen
-ganz mit gutem Gold gefüllt als Opfer darbringen wolle, und
-solle er auch sein ganzes Eigentum dabei aufwenden. Und siehe, fast
-augenblicklich legte sich der Sturm, die Wogen glätteten sich und ein
-günstiger Wind trieb das Schiff schnell und glücklich in den sichern
-Hafen. Der Ritter vergaß aber nach seiner glücklichen Heimkehr sein
-Gelübde nicht, er ließ von einem geschickten Künstler ein Schiffchen anfertigen,
-füllte es mit Gold an und hing es zum ewigen Andenken in
-der Kirche zu Ebersdorf am Altare der hl. Jungfrau auf. Zwar hat
-die Lichtenwalder Gutsherrschaft nach der Reformation sowohl dieses
-Gold als auch alle andern Kostbarkeiten und Nutzungen der Kirche an
-sich genommen, nachdem sie die Verpflichtung eingegangen war, dieselbe
-in allen Baulichkeiten zu unterhalten, ja, sollte sie einmal abbrennen,
-ohne Zuthun der Gemeinde und des Kirchenärars aus ihren Mitteln
-wieder aufzubauen, allein das Schiffchen ist heute noch zu sehen.</p>
-
-<h3 id="sec690">690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chron. v. Chemnitz I, 1767, S. 85.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1738 wurde in der Schloßkirche zu Chemnitz eine
-Geißelsäule wieder aufgerichtet, welche einige Jahre da gelegen hatte.
-Dieselbe befand sich vorher in dem sogenannten Geißelsaale nahe bei
-der Kirche und war aus einem Eichenbaume oder einer Linde gearbeitet.
-Die Sage erzählte, daß der Baum unten aus der Erde aufgewachsen
-und durchgeführt worden sei. Aus diesem ist nun durch die Bildhauerkunst
-eine Säule zugerichtet und an derselbigen, ohne Zuthun anderen
-Holzes, die ganze Geißelung Christi in Lebensgröße im ganzen ausgehauen
-worden. Dieses Kunstwerk haben viele hundert Personen von
-Fremden und Einheimischen jährlich zur Sommerzeit beim Spazierengehen
-ehedem besichtiget.</p>
-
-<h3 id="sec691">691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 23.)</p>
-
-<p>Der Hauptaltar in der Annaberger Kirche besteht aus lauter
-italienischem und griechischem Marmor und ist von Meister Adolf in
-Augsburg verfertigt worden. Man erzählt davon folgende Sage:</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_520">[520]</a></span></p>
-
-<p>Ulrich Mengemeyer, ein reicher Bürger zu Augsburg, hatte sich
-mit Andreas Tuchern, einem böswilligen Ratsherrn, verfeindet, und
-ward durch dessen heimtückische Nachstellung bewogen, seine Vaterstadt
-zu verlassen. Er wandte sich nach Annaberg, wo er schon seit längerer
-Zeit viele Kuxe an sehr gesegneten Fundgruben hatte, und ward Bürger
-daselbst, in der Meinung, vor Tuchers Verfolgungen nunmehr sicher
-zu sein. Aber er irrte. Am Freitag vor Pfingsten 1514 ward er auf
-dem Wege zu seinem Freunde, dem Guardian des Franziskanerklosters,
-von zwei Meuchelmördern überfallen und erstochen. Die Mörder flohen
-zum Frohnauer Thore hinaus nach dem Schreckenberge hin. Der eine
-aber, Wilwald Dyrmann, den sein wüstes Aussehen und das Blut an
-den Händen verriet, wurde im Thale von einem Bergmann festgehalten
-und nach der Stadt zurückgebracht; der andere, Hansel Unger, ward
-auch bald nachher in Pirna eingefangen und in Ketten nach Annaberg
-geführt. Im Verhöre sagte Dyrmann aus, Andreas Tucher habe ihn
-durch seinen Vetter, Philipp Weisenburgern, einen armen Edelmann
-im Dienste der Stadt Augsburg, zu diesem Meuchelmorde für 400 fl.
-dingen lassen. Deshalb ward sogleich an den Augsburger Rat geschickt
-und Weisenburgers und Tuchers Auslieferung gefordert. Aber Weisenburger
-nahm die Sache allein auf sich und schrieb an den Rat zu
-Annaberg, er habe gute Sache an Mengemeyern gehabt und allein,
-ohne Tuchers Geheiß, Dyrmann zu dieser That bewogen; darum
-möchten sie dem das Lehen schenken. Zugleich war Weisenburger aus
-Augsburg entwichen. Tucher schickte einen Sachwalter nach Annaberg,
-der ihn vollends rechtfertigte. Dyrmann und Unger aber wurden
-am Freitag nach St. Anna 1511 durch das Rad hingerichtet. So war
-die Sache mit dem Rate zu Annaberg beigelegt. Herzog Georg von
-Sachsen aber ließ es nicht dabei bewenden, sondern verklagte die Reichsstadt
-Augsburg beim Kaiser, und obgleich der Augsburger Rat sich
-vielfach entschuldigte, so ward doch auf dem Reichstage dahin entschieden,
-daß die Stadt Augsburg wegen verletzten Gottesfriedens der Hauptkirche
-zu Annaberg einen marmornen Altar verehren solle. Und dies
-geschah auch.</p>
-
-<p>So erzählt die Sage. Geschichtlich glaubwürdige Nachrichten aber
-sagen, dieser Altar sei von den Annabergern, welche sich damals des
-reichsten Bergsegens erfreuten, mit 2551 fl. bezahlt worden, und Herzog
-Georg der Bärtige habe selbst 1000 fl. von seinem Grubenanteil abgegeben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_521">[521]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec692">692. Die Domkanzel in Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 134.)</p>
-
-<p>Die Sage erzählt, daß in dem Dome in Freiberg ein Meister
-und sein Geselle jeder eine Kanzel gebaut habe, die des Gesellen aber
-besser geraten sei. Darüber sei der Meister so zornig geworden, daß
-er den Gesellen erschlagen habe. Noch jetzt kann kein Geistlicher auf
-des Gesellen Kanzel wegen jener Greuelthat predigen.</p>
-
-<h3 id="sec693">693. Der Donatsturm zu Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Sax.</em>, 1736, S. 171. Darnach Gräße, Sagenschatz, No. 286.
-Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 275.)</p>
-
-<p>Auf dem sogenannten Donatsthore in Freiberg befindet sich ein
-runder und sehr starker Turm, dessen Mauern 9 Ellen dick sind und
-den angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von seinem
-Solde abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man um die Stadt
-Freiberg herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore
-nach dem Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtturm, hinter
-den sich, sobald man demselben gleichsteht, der große Donatturm verkriecht,
-also daß man an solchem nichts mehr als den Knopf von der
-oben darauf stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Turm
-mehr als einmal so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtturm.</p>
-
-<h3 id="sec694">694. Der Marterturm auf Hassenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)</p>
-
-<p>Auf der Nordseite der Burg Hassenstein steht, einige hundert
-Schritte von dieser malerischen Ruine entfernt, im dichten Walde ein
-hoher, geräumiger Turm, von dem umwohnenden Landvolke insgemein
-der »Marterturm« genannt. Der Sage nach wurde dieser Turm von
-einem der ersten Hassensteiner Burgherren für gefallene Mädchen und
-ihre Verführer gebaut. Doch es geschah, daß die Tochter des sittenstrengen
-Besitzen die erste schuldige war, und deshalb in den Grund
-des Turmes eingemauert, ihr Verführer aber vor dem Turme enthauptet
-wurde.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_522">[522]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec695">695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 347.)</p>
-
-<p>In einem der Zimmer des Schlosses zu Nossen befand sich sonst
-ein Gemälde, auf dem ein Mohr vorgestellt war, der in einer Wanne
-saß. Den scheuern zwei Bademägde mit Katzenzagel und Sandhadern
-recht nachdrücklich, also daß ihnen der Angstschweiß über die Wangen
-läuft, können aber doch kein weißes Fleckchen an seiner Haut entdecken,
-wie die darunter stehenden Reime bezeugen:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wir waschen ihn mit ganzem Fleiß,<br /></span>
-<span class="i0">Noch will der Mohr nicht werden weiß.<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec696">696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.</h3>
-
-<p class="source">An der Straße, welche von Thalheim nach Stollberg führt, steht
-auf der Höhe im Walde eine Restauration, »Tabakstanne« genannt,
-die ihren Namen von einer alten Tanne hat, in welche Handwerksburschen
-vor alter Zeit folgenden Reim schnitten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Sieh' hier, mein lieber Wandersmann,<br /></span>
-<span class="i0">Ist die Forst- und Tabakstann',<br /></span>
-<span class="i0">Setz' dich nieder, ruhe aus<br /></span>
-<span class="i0">Und rauch' dein Pfeifchen Tabak aus.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>In der Neuzeit ist an die Stelle der alten wurmstichigen Tanne
-eine junge gepflanzt worden, an der sich eine Tafel mit folgender Inschrift
-befindet:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Sieh' hier, mein lieber Wandersmann,<br /></span>
-<span class="i0">Verjüngt die alte Tabakstann',<br /></span>
-<span class="i0">Bedenk' dabei die goldne Lehr':<br /></span>
-<span class="i0">Das Neue prüf', das Alte ehr'.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec697">697. Die Eichen bei Callnberg.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnert bei Gräße a. a. O., No. 475.)</p>
-
-<p>In Callnberg bei Lichtenstein, wo Kunz von Kauffungen die
-Gartenleitern (lederne Leitern mit Holzsprossen) für den Prinzenraub
-fertigte &ndash; der Ort gehörte seinem Vetter Dietrich &ndash; stehen noch heute
-ohngefähr 200 Schritte vom Rittergute an der Straße von Waldenburg
-nach Lichtenstein zwei sehr alte, jedoch nicht schön gewachsene
-Eichen, von denen man sagt, daß sie zum Andenken an den Prinzenraub
-gepflanzt worden sind. Die Scheune, in welcher jene Leitern angefertigt<span class="pagenum"><a id="Seite_523">[523]</a></span>
-wurden, ist längst zerstört, der Platz aber mit einer Gedenktafel
-bezeichnet, deren Schrift mit der Zeit unleserlich geworden. Diesem
-Mangel wurde später durch folgende Inschrift abgeholfen:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Hier knüpfte Leitern der Teufelskerl<br /></span>
-<span class="i0">Kunz Kaufung, zu rauben des Landes Perl.<br /></span>
-<span class="i0">Hans Schwalbe dazu ihm war bereit,<br /></span>
-<span class="i0">Gelobt sei Gott in Ewigkeit.<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec698">698. Die Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Hist. Nachricht von den Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz, 1734,
-S. 24. Gräße, Sagenschatz etc., No. 497, nach <em class="antiqua">Curiosa Sax.</em> und
-Ziehnert.)</p>
-
-<p>Auf dem Pflaster der Schloßkirche zu Chemnitz sieht man einen
-dunkeln Fleck, der daher rührt, daß einst ein Mönch, der sich bei einer
-dort gehaltenen Himmelfahrtskomödie an der Maschine, die zum Hinaufziehen
-in ein oben befindliches Gewölbe oder Herablassen aus diesem
-diente, hinaufziehen ließ, im Herabfallen zu Tode stürzte. In derselben
-befindet sich auch das Bild des Abtes Hilarius, der dieselbe etliche
-Jahre vor der Vertreibung der Mönche hatte reparieren lassen. Dieses
-Bild darf aber von niemandem geneckt oder von seinem Orte weggenommen
-werden, wenn dem Thäter kein Unglück begegnen soll, wogegen
-es einst einer Hausmagd, die es hübsch gesäubert, diesen Dienst mit
-einem alten Thaler gelohnt hat.</p>
-
-<p>Von den aus Stein gehauenen Bildern im alten Portal der Kirche
-wird gesagt, daß dieselben ein alchemistisches Geheimnis bedeuten sollen,
-und man zeigte auch das Gewölbe, in dem die Mönche Alchemie betrieben.</p>
-
-<p>Ebenso sah man früher den Eingang zu der Höhle, durch welche
-die Mönche unvermerkt aus dem Kloster und absonderlich in das Minoritenkloster
-in der Stadt, bei welchem ein ähnlicher Gang unter der
-Erde gefunden worden war, hätten kommen können.</p>
-
-<h3 id="sec699">699. Das zürnende Steinbild in Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Alfred Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II, S. 107.)</p>
-
-<p>Im Keller des Hauses dicht neben dem Gasthofe zum Stern am
-Markte in Nossen soll ein altes, aus dem Kloster Altzella stammendes
-Steinbild eingemauert sein. Vor ihm haben sich, des zürnenden Blickes<span class="pagenum"><a id="Seite_524">[524]</a></span>
-wegen, welches das Bild oft machte, die Dienstboten des Hauses so
-gefürchtet, daß es erst ohnlängst verblendet werden mußte.</p>
-
-<h3 id="sec700">700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, 495.)</p>
-
-<p>Auf dem alten Schlosse Oberforchheim am Haselbache, an der
-Straße von Freiberg nach Annaberg, stand bis in die Mitte des vorigen
-Jahrhunderts auf dem Oberboden in einer Kammer ein alter Großvaterstuhl,
-den hieß man der Frau Mutter Stuhl und auf diesem lag
-eine hölzerne Statue, die aber sehr stark vergoldet war, und ein kleines
-Männchen vorstellte. Diese zwei Gegenstände kannte jedermann im
-Schlosse und im Dorfe, und alle hatten eine gewisse heilige Scheu
-vor denselben, denn man sagte, sie seien die Palladien des Rittergutes,
-und wenn jemand den Stuhl von seiner Stelle rücke oder das Männchen
-angreife und in eine andere Lage bringen wolle, der werde dafür
-schwer von demselben gezüchtigt. Da diente um diese Zeit auf dem
-Hofe ein Knecht, der sich vor dem Teufel nicht fürchtete und einst in
-seiner Vermessenheit sich gegen seine Mitdiener rühmte, er wolle doch
-sehen, ob ihm etwas geschehen werde, wenn er sich an dem Stuhle
-vergreife. Darauf ging er also hinauf, schob den Stuhl weg und
-gab dem alten Männchen einen Backenstreich; allein die Strafe blieb
-nicht aus, denn noch in derselben Nacht legte sich dasselbe im Bette
-auf ihn als schwerer Alp und drückte ihn bis es Tag wurde, in der
-nächsten litt es ihn ebenso wenig und in der dritten warf es ihn gar
-aus dem Bette heraus. Nun ward er zwar ängstlich, rückte auch den
-Stuhl wieder an seinen alten Platz, allein der Geist war auf immer
-seiner alten Wohnung abhold, denn er zog auf und davon. In den
-darauf folgenden Tagen brannte das ganze Rittergut ab, und so viel
-man sich auch Mühe gab, den Stuhl und das Männchen zu retten,
-das einstürzende Dach begrub beide unter seinen Trümmern und als
-man dieselben abräumte, war nichts mehr von ihnen übrig.</p>
-
-<h3 id="sec701">701. Das Schächerhäusel bei Geyer.</h3>
-
-<p class="source">(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. Band, Schneeberg,
-1750, S. 31.)</p>
-
-<p>An der Landstraße bei Geyer stand ehemals das sogenannte
-Schächerhäusel, welches aus einem gemauerten Schwibbogen, so mit<span class="pagenum"><a id="Seite_525">[525]</a></span>
-Schindeln gedeckt und vornen mit Staketen verwahret war, bestand;
-darin befanden sich drei Kreuzbilder. Dieses Schächerhäusel war wohl
-ein Überbleibsel des Papsttums, doch erzählte man, es diene dazu,
-die Reisenden vor dem Bergabgrunde, sowie vor Irrwischen und Berggeistern
-zu warnen.</p>
-
-<h3 id="sec702">702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 43.)</p>
-
-<p>Diese kleine, nahe bei der Stadt Zwönitz gelegene Kirche,
-in welcher nur noch bei Begräbnissen und wenigen Festtagen gepredigt
-wird, soll ein Hufschmied aus Niederzwönitz zur Strafe getriebener
-Sodomiterei haben erbauen müssen. Zum schmachvollen Gedächtnis
-des Gründers hängen inwendig über der Thüre an einem Brette fünf
-vergoldete Hufeisen; fünf, weil er sein Verbrechen fünf Jahre lang
-soll getrieben haben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Hufeisen kommen oder kamen an und in vielen Kirchen, z. B. an der Nikolaikirche
-zu Leipzig, in Nürnberg, Tangermünde etc., und zwar besonders an den
-dem heil. Nikolaus geweihten vor und das Volk verbindet damit verschiedene Sagen.
-So ist auch ein solches Eisen an der Domkirche in Wexiö in Schweden aufgehangen;
-dasselbe soll Odhins Roß Sleipnir verloren haben, als es beim ersten Geläute der
-ersten christlichen Messe einen gewaltigen Schlag gegen einen Felsen führte. Wo sich
-Hufeisen an und in den Kirchen finden, deuten sie vielleicht auf einen einst an demselben
-Platze gestandenen Tempel Wuotans hin. Die christlichen Bekehrer gestatteten,
-daß dieses Heilszeichen (nach einem noch heute weitverbreiteten Glauben bringt ein
-gefundenes Hufeisen Glück) dann an der Kirche aufgehangen wurde, um dem Volke
-wenigstem etwas von dem gewohnten Kultus zu lassen.</p>
-
-<p>In den Nikolaikirchen bezieht sich das Hufeisen auf den heiligen Nikolaus
-selbst, der an die Stelle Odhins trat und als geharnischter Reiter gedacht wurde.
-In anderen Kirchen zeigte dieses Eisen vielleicht an, daß sich bei denselben eine Gesellschaft
-in »Not und Tod« befand, welche die an der Pest Gestorbenen bestattete
-und ihren Stifter, den Bischof Elegius, welchem das Hufeisen heilig war, als ihren
-Schutzheiligen betrachtete. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1858, S. 23.)</p></div>
-
-<h3 id="sec703">703. Das wandernde Haus in Zinnwald.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Pros. Nachtrag, No. 2.)</p>
-
-<p>In sächsisch Zinnwald steht (?), ohngefähr fünfzig Schritt von
-der Grenze entfernt, ein kleines hölzernes, von einem Bergmanne bewohntes
-Häuschen, an dessen hintern Deckbalken in der Stube folgender
-Vers eingeschnitten ist:</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_526">[526]</a></span></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich bin nun auf Sachsen Boden, Gott Lob,<br /></span>
-<span class="i0">weil mich mein Wirth, Hans Hirsch, aus Böhmen rüber schob.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i8">1721.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>In den Jahren 1716 bis 1728 wurden nämlich die protestantischen
-Einwohner Böhmens ihrer Religion wegen hart verfolgt und
-sogar gezwungen, entweder zur katholischen Kirche überzutreten oder
-das Land zu verlassen. Wenige thaten das erstere, die meisten
-wanderten nach Sachsen aus. Unter letzteren war auch ein Bergmann,
-mit Namen Hans Hirsch. Er hielt fest an seinem Glauben und besann
-sich deshalb keinen Augenblick, was er thun solle; aber sein Häuschen,
-welches ohnweit der Grenze stand, hätte er gern mitgenommen. Darum
-beriet er sich mit seinen Freunden und Gevattern und endlich
-hatten sie's erklügelt. Das Häuschen ward auf Walzen gebracht und
-bei Nacht und Nebel glücklich nach Sachsen herüber gepascht auf den
-Fleck, wo es jetzt noch steht. Zum Andenken schnitt Hirsch obige
-Schrift in den Balken ein.</p>
-
-<h3 id="sec704">704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels
-mit benachbarten Schlössern.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Es wird erzählt, das Schloß Wildenfels habe in alter Zeit durch
-unterirdische Gänge mit Stein, sowie mit Wiesenburg, welches früher
-ein Raubschloß gewesen sein soll, in Verbindung gestanden. Ebenso
-soll ein Gang von dem Schlosse nach einer Burg geführt haben, deren
-Ruinen man noch vor Jahren in der »Loh«, einem sumpfigen Walddistrikte
-bei Schönau sah. Auf einen der Gänge ist man vor mehreren
-Jahren unter einem am Teichplatze des Städtchens Wildenfels gelegenen
-Hause gestoßen; man hat darin aber weiter nichts gefunden, als eine
-alte Grubenlampe.</p>
-
-<h3 id="sec705">705. Der Judenborn zu Sayda.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 21; z. T. mündlich.)</p>
-
-<p>Zum schnellen Anbau Oederans trug das nahe Freiberg mit
-seinem Silbersegen sehr vieles bei. Besonders waren es Eisenarbeiter,
-deren Arbeit und Erzeugnisse dem Bergbaue daselbst nötig waren, welche
-Oederan im Anfange bevölkerten. Für die Oederaner Ansiedler wurde
-zu dieser Zeit ein sogenannter Silberjude, der seine Wohnung im
-jetzigen Rathause hatte, der Mäkler und Gläubiger. Denn er lieferte
-die Silberstangen Freibergs größtenteils in das Oederaner Kloster,<span class="pagenum"><a id="Seite_527">[527]</a></span>
-wo das Silber geschlagen und nach Nürnberg und Böhmen verpascht
-wurde, woraus man großen Gewinn zog und wobei man sich aber um die
-Unterstützung der Bewohner sehr wenig kümmerte. Nun zogen jener
-Jude und einige Mönche (es soll im Jahre 1236 gewesen sein) mit
-einem starken Silbertransport über Sayda nach Böhmen. Die erbitterten
-Oederaner schlichen ihnen bis Sayda nach, vereinigten sich
-dort mit den Bewohnern und besonders mit der Besatzung des dortigen
-Schlosses, überfielen und plünderten die ungetreuen Haushalter, schlugen
-den Juden tot und warfen ihn in einen Brunnen, welcher deshalb der
-Judenbrunnen genannt wurde.</p>
-
-<p>Noch zeigt man am Gasthofe zum Bade in Sayda den Judenbrunnen.
-Nach einer anderen Überlieferung erinnert derselbe, ebenso
-wie eine Wiese, welche der Judenkirchhof genannt wird, an die alte
-Judenvorstadt, welche außerhalb der alten Stadtwälle etwas unterhalb
-des Judenkirchhofes auf einer Wiese lag, die jetzt noch den Namen
-»Flecken« trägt. Als im Jahre 1465 die Stadt abbrannte, wurde
-die Judenstadt nicht wieder aufgebaut, weil man den Juden die Schuld
-an dem Brande beimaß.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Man hat den Namen der Stadt und Burg Sayda (urkundl. <em class="antiqua">Saydow</em>, <em class="antiqua">Seydowe</em>)
-vom slavischen <em class="antiqua">sid</em>, der Jude, Adj. <em class="antiqua">sidowy</em> abgeleitet. Immisch (die slav.
-Ortsnamen im Erzgebirge, Programmarb., Annaberg, 1866) stimmt dem jedoch
-nicht bei, sondern hält die Ableitung vom slav. <em class="antiqua">sad</em>, die Anpflanzung, der Garten,
-für richtiger. Er meint, daß vor den Juden die Slaven eine Ansiedelung gründeten,
-mit der Zeit sei aber aus <em class="antiqua">sadowy</em>, d. h. die zur Ansiedelung Gehörigen, <em class="antiqua">saidow</em>,
-<em class="antiqua">seidow</em>, <em class="antiqua">Sidow</em> geworden, welche letztere Form sehr gut wegen der Ähnlichkeit mit
-<em class="antiqua">Zidow</em>, Judenstadt, verwechselt werden konnte.</p></div>
-
-<h3 id="sec706">706. Der Mühlgrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgeb. Dresden, 1847, S. 299. Gießler,
-Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 591.)</p>
-
-<p>Vom Fuße des Schloßberges Scharfenstein schiebt sich eine
-schmale, niedrige, kaum 10 Meter hohe Felsenrippe weit in das Thal
-hinein. Durch dieselbe wird die Zschopau genötigt, eine beinahe wieder
-zurücklaufende Krümmung zu machen und das Thal im weitesten Bogen
-an seinem äußersten Rande zu umkreisen. Bereits im 16. Jahrhunderte
-wurde ungefähr in der Mitte dieser Felsenbank ein 30 Meter
-langer Stollen durch dieselbe gebrochen, um das Flußwasser mit recht
-viel Fall zu der jetzt Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Im
-Jahre 1834 wurde derselbe erweitert, was später noch einmal geschah.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_528">[528]</a></span></p>
-
-<p>Die Sage erzählt nun über die Entstehung dieses Stollens folgendes:
-Nach dem dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern
-Scharfensteins wie anderwärts Räuber und Wildschützen, welche sich
-meist aus den entlassenen Söldlingen rekrutierten, umher. Ein Herr
-von Einsiedel, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß den Wildschützen
-mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu
-säubern, und es gelang ihm auch endlich, zwei derselben gefangen zu
-nehmen. Es gab damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der
-That ertappten Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr zögerte
-nicht, diese Strafe auch über die beiden gefangenen Raubschützen verhängen
-zu lassen. Dieselben sollten auf einen starken lebenden Hirsch,
-den man zu diesem Behufe eingefangen hatte, gebunden und dann
-ihrem weiteren Schicksale überlassen werden. Das war einen zehnfachen
-Tode gleich zu achten, denn man hatte Beispiele, daß nach
-Tagen und Wochen die geängstigten Tiere ihre schreckliche Last, zerfleischt
-und doch noch lebend mit sich herumschleppten. Als den beiden
-Missethätern das Urteil verkündigt worden war, erkannten sie sofort
-dessen furchtbare Bedeutung und sie flehten um Gnade. Den älteren
-von ihnen durchzuckte ein rettender Gedanke und er sprach zum Schloßbesitzer:
-»Gnädiger Herr, wir sind Bergleute unserem Berufe nach,
-und in diesem Fache gar wohl erfahren. Schon früher ist uns der
-Wunsch nahe gelegt worden, einen Stollen vom Wasserspiegel der
-Zschopau aus zu treiben, damit eine Wassermühle im Dorfe, an der
-es jetzt so sehr fehlt, angelegt werden könne. Erlaßt uns nur die
-furchtbare Strafe des Hirschreitens, und zur Sühne unserer Thaten
-machen wir uns anheischig, den besagten Stollen durch den hohen
-Felsen in Zeit von drei Tagen und drei Nächten zu treiben und zwar
-nur mit Schlägel und Eisen.« Der Schloßherr ging nach kurzer
-Überlegung auf den Vorschlag ein, und die beiden Verurteilten begannen
-sofort ihr schweres Werk. Es wurden ihnen Leute gestellt,
-welche die nötige Handreichung thun mußten, und genau nach Verlauf
-der ausbedungnen Zeit war der Stollen fertig. Die Wildschützen freilich
-waren vor Erschöpfung dem Tode nahe; halb entseelt lagen sie neben
-dem Stolleneingange. Doch erholten sie sich und der Ritter vom
-Scharfenstein hielt sein Wort und schenkte ihnen Freiheit und Leben.</p>
-
-<p>Erzählt wird, daß der berüchtigte Raubschütz Carl Stülpner,
-Ende des 18. Jahrhunderts, ein Nachkomme des einen der Begnadigten
-gewesen sein soll.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_529">[529]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec707">707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1008.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1493 ist ein Schneeberger, namens Kegler, bestraft
-worden, weil er schmählich und leichtfertig von dem schneebergischen
-Frauenvolk geredet hatte, daß er alle frommen Weiber auf einem
-Karren vom Schneeberg führen wollte. Auf diese Rede hin, und weil
-er insgemein von den Frauen nichts gutes gesprochen, ist er gefänglich
-von den Gerichten eingezogen und ihm darauf zur Strafe auferlegt
-worden, daß er die große Pfütze zwischen dem Schnee- und Claußberge,
-da, wo jetzt das Rathaus steht, ausstürzen, und pflastern lassen
-solle. Trotz seiner Beschwerde wurde diese Strafe auch vom Herzog
-Georg bekräftigt. Das Pflaster aber, zu dem er über hundert Fuder
-Steine haben mußte, wurde lange Zeit nachher noch des Keglers
-Pflaster genannt.</p>
-
-<h3 id="sec708">708. Die übermütige Rede eines Schneeberges wird bestraft.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Unter den reichen Verzierungen in Steinmetzarbeit, womit das
-früher Trebra'sche Haus in Schneeberg ausgezeichnet ist, befindet
-sich auch als eine Art Wahrzeichen ein Kopf mit einer heraushängenden
-Zunge. Von dem Erbauer des Hauses, einem gewissen Bortenreuter,
-aber wird erzählt, daß derselbe seinem Vater, als ihm solcher
-einst Vorstellungen wegen des übermäßigen, an dem Hause angebrachten
-Luxus machte, in seinem Hochmute geantwortet habe, er sei so reich,
-daß er dies und noch mehr thun könne, er könne sogar die ganze
-Zobelgasse mit preußischen Thalern pflastern. Worauf ihm der Vater
-antwortete: »Du wirst es noch so weit bringen, daß Dich einmal in
-Deiner Armut die Läuse fressen!« Und so, wie es der Vater prophezeit,
-ist es endlich auch gekommen.</p>
-
-<h3 id="sec709">709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen
-Fischkessel.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 1165.)</p>
-
-<p>Zu der Kipper- und Wipperzeit, welche 1604 auf der Ostermesse
-in Leipzig ihren Anfang nahm und 1623 ihren Höhepunkt erreichte,
-so daß ein ganzer Reichsthaler 10 Gulden, ein rheinischer Gulden<span class="pagenum"><a id="Seite_530">[530]</a></span>
-13 fl. und ein Dukaten 17 Gulden gegolten, hat einer von Adel
-1500 Gulden dieses leichten Geldes, nachdem es gefallen, beisammen
-gehabt, und da er noch die Unkosten darauf gewendet und das Silber
-und Kupfer von einander scheiden lassen, hat er nur so viel gehabt,
-daß er einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel daraus
-hat machen lassen können.</p>
-
-<h3 id="sec710">710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung
-bestraft.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 912 und 920.)</p>
-
-<p>Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu
-Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht
-und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß
-sie sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben
-ließen. Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab
-greifen mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche
-um Almosen bat.</p>
-
-<p>Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt
-worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe,
-daß er aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen.
-Dasselbe Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter
-Zeit mit seinem Weibe in Rheinwein badete.</p>
-
-<p>In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau,
-die unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern
-auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit
-Malvasier begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden,
-sagte sie, sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde
-sonst wenig an ihn gedacht haben.</p>
-
-<h3 id="sec711">711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 904.)</p>
-
-<p>Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um
-1500 Gulden verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern
-für eine solche Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für
-den Barchent eine Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die
-Nachtigall einen Kux auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges,
-welcher anfangs nicht groß geachtet worden, gegeben. Und da der<span class="pagenum"><a id="Seite_531">[531]</a></span>
-Kux so herrliche Ausbeute und zwar an die 1500 Gulden gebracht,
-hat man die Vogelbirne und die Ausbeute mit einander verglichen.</p>
-
-<h3 id="sec712">712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier,
-1881, S. 71.)</p>
-
-<p>Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und
-Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein
-mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme
-vorstelle, was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der
-Teurung 1772 hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals
-Trebra'schen Hause berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen
-für 25 Thaler verkauft worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause
-erzählt man übrigens noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe,
-wenn man das Bild an der Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder
-aufhörte, sobald die Figur an ihre alte Stelle gebracht wurde.</p>
-
-<h3 id="sec713">713. Historia, wie Silberz in Holz gewachsen.</h3>
-
-<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 80.)</p>
-
-<p>Wie auf der St. Lorenz-Zeche zu Abertham eine Bergfeuchtigkeit
-aus einer Strossen gesintert und darunter das Liegende in den
-Strecken übersilbert und in den Klunsen des Trag-Tempels oder Kappen
-und Strauben »zeenicht Silber« gewachsen, da das Holz nicht viel
-über 20 Jahre im Berge gelegen, beschreibt Matthesius in seiner
-<em class="antiqua">Sarepta</em> mit diesen Worten: »Ich will euch eine wunderschöne Berghistorie
-sagen, von gediegenem Silber, das in St. Lorenz-Fundgrube
-auf dem Abertham innerhalb 20 Jahren in einem Stempel gewachsen
-und dies laufende 1556 Jahr aus der Grube gekommen ist.</p>
-
-<p>Da sich der Steiger auf dem St. Lorenz in der Zeche umsiehet,
-wird er in einer Strecke gewahr, daß sich eine weiße »geharschte Art«
-im Liegenden, wohl halb Orts hoch angelegt hat, die sahe aus, als
-wäre das Gestein überzinnt. Solche sticht er ab und findet »in der
-Sicherung« weiß Silber, als wenn es von einem Thalergroschen abgefeilet
-worden wäre, und da er's probieren ließ, hielt es bis 17 Mark.
-Wie er sich aber umschauet, wann es dahin gesintert sei, wird er
-seiner gewahr in der First, daß es getropft sei aus einem schwebenden
-Feld, das oben und unten, hinten und vorn verfahren, welches
-nur seine Bergfeste noch hatte, kaum drei oder vier Spannen<span class="pagenum"><a id="Seite_532">[532]</a></span>
-dick, und siehet, daß eine weiße Guhr oder molkenfarbiges Wasser
-erstlich auf den Stempel »gesiegen oder gesiefert«, und aus dem
-Stempel in das »Bunloch« geronnen, hernach im Liegenden herabgeflossen
-und sich allda »geliefert,« angelegt und »erherscht« hatte. Wie
-er aber den Stempel ausschlägt, findet er in »Strauben« und Spalten
-gediegen und »zänicht« weiß Silber, drein sich Haken schneiden ließen.«</p>
-
-<h3 id="sec714">714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.</h3>
-
-<p class="source">(Chronica der fr. Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 36.)</p>
-
-<p>Das Oberdorf von Mildenau hat wegen guter Ausbeute aus
-den vielen daselbst befindlichen Bergwerken »Reichenau« geheißen, daher
-auch noch hier bekannt, daß die Marktstraße der Oberdörfer nach
-Annaberg die Reichenauer Straße genannt wurde. Man soll vor
-Zeiten mit so großer Ausbeute begnadigt worden sein, daß die 12
-Apostel in Lebensgröße aus Silber hergestellt wurden, welche darauf
-nach Grünhain gekommen sein sollen.</p>
-
-<h3 id="sec715">715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 144.)</p>
-
-<p>Von etlichen alten steinernen Häusern zu Schneeberg, als der
-Fundgrübner Haus, des Koithen Haus, Dietrich Kadmanns, Wolf
-Meiners und Jacob Selings Haus findet man dieses sonderliche, daß
-dazu solcher Sand kommen sein soll, der weit mehr als die Häuser
-wert gewesen, welches man aber vor der Zeit, ehe man die Siebarbeit
-und nasse Pochwerke gehabt, nicht verstanden.</p>
-
-<h3 id="sec716">716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 917.)</p>
-
-<p>Am hohen Gebirge auf der Unruher Gang bei Neustädtel ist
-eine Zeche gewesen, die Hundsfliegen genannt. Der Schichtmeister hat
-geheißen Georg Rücker, und sein Vorstand Brosius Teuschel; der Steiger
-hat geheißen Simon Tod, der Häuer mit dem Zunamen Teufel, und
-der Junge Leckhänsel. Zur Zeit sind Nürnberger, so da gebauet,
-herein gekommen, und da sie alle diese Namen der Amt- und Arbeitsleute
-auf der Zeche gehört, hat einer unter ihnen gesagt: »Ei Lieber,
-es ist kein guter Name auf der ganzen Zeche, und kein anderer, als<span class="pagenum"><a id="Seite_533">[533]</a></span>
-Hundsfliegen, Rücker, Teuschel, Tod, Teufel, Lecker; was soll man
-da für gute Hoffnung haben? Ich will hinfort nicht mehr bauen.«</p>
-
-<p>Es hat auch ein vornehmer Mann auf etlicher Leute Angaben
-am Gleeßberge geschürft und einen schönen Gang entblößet und die
-darauf angelegte Zeche »auf der fruchtbaren Sara« genannt. Aber
-auf eine Zeit hat er seinem Eidam, einem berühmten und hochgelehrten
-Manne, auch einen Teil angeboten und geschenkt. Da derselbe
-aber von ungefähr der Zeche Namen gehört, hat er gesagt: »Mein
-lieber Herr Vater, ich komme wieder zurück mit meinem Kuxbauen,
-der Name hat eine so gar böse Bedeutung. Sara ist 90 Jahre alt
-geworden, ehe sie fruchtbar gewesen; sollte ich nun auch so lange
-warten, so würde mir die Zeit zu lange und ich nimmer da sein.
-Ich will mich hiermit freundlich bedanket haben.«</p>
-
-<h3 id="sec717">717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1164.)</p>
-
-<p>Als im Angehen des Schneebergs die köstlichen Erze in großer
-Menge zu Zwickau an dem Orte, da der Holzanger ist, geschmolzen
-und sehr viel guter Schlacken in die Mulde gestürzt worden, welche
-dann, wenn sie angeschwollen, dieselben fortgeführt, hat sichs über
-demselben Schmelzen einstmals zugetragen, daß man aus Mangel der
-Fuhre in bösem Wetter und Wege eine ganze Woche kein Erz nach
-Zwickau geführt. Da man nun drinnen vermeinte, daß man noch
-länger in der Schmelzhütte kalt liegen müsse, ist in solchen Gedanken
-ein Schmelzer nach einem Regen hinaus auf einen Schlackenhaufen
-spazieren gegangen, und weil ihm die Schlacken, als wenn Silberflitzschen
-darauf lägen, in die Augen geschimmert, hat er dieselben
-genommen, durchgesetzt, und so die Tage über mehr Silber aufs neue,
-als je zuvor daraus gemacht. Da nun der Hauptmann oder Verwalter
-(andere wollen wissen, es sei Römer gewesen), welcher zu ihm gekommen,
-gefragt, woher das Silber käme, und er dessen, was sich
-begeben, berichtet worden, ist er mit dem Schmelzer auf die Knie gefallen
-und hat Gott um Verzeihung gebeten, daß den Gewerken und
-Fürsten so übel vorgestanden und die herrlichen Gaben Gottes so
-unnütze, jedoch wider sein Wissen, umgebracht, und so viel köstlicher
-Schlacken vom Wasser weggeführet worden wären.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_534">[534]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec718">718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung
-und Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden,
-1863, S. 52. &ndash; Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., 1804,
-S. 52. W. Clauß, Führer durch das Weißeritzthal, 2. Aufl., S. 33.)</p>
-
-<p>Einst gab der Höckendorfer Bergbau, und besonders das aus
-acht zusammengeschlagenen Zechen bestehende Berggebäude Edle Krone
-ungewöhnlich reiche Ausbeute an Silber, bisweilen auch an Gold, das
-man hier und in der nahen Gegend in Stockwerken fand. Mehrere
-Stellen alter Grubenrisse sind mit dem Ausdruck: »Das ist der rechte
-silberne Mandelmann«, bezeichnet. Die Herren von Theler wurden
-infolge dieses Silberreichtums sehr übermütig. Ein Conrad von
-Theler aber, welcher wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen
-aufschlagen und wo er ritt, Geld ausstreuen ließ, auch das Aufheben
-eines dieser etwa verloren gegangenen silbernen Hufeisen von
-seiten seiner Unterthanen verbot, damit man wisse, welchen Weges die
-Theler gezogen, soll am 9. Sonntag nach Trinitatis, am 25. August
-1557, um es in seinem Hochmut dem Herzog Albrecht in der St. Georgszeche
-zu Schneeberg gleich zu thun, der Ritterschaft der Umgegend
-ein glänzendes Gastmahl in seiner reichen Silbergrube »Zur Edlen
-Krone« gegeben haben, in welcher die Knappen Tische und Bänke aus
-den edelsten Metallen gehauen und alles Geschirr der Tafel von gediegenem
-Gold und Silber gewesen sei. Als man nun tief unter der
-Erde in wilder Lust geschwelgt und sogar mit silbernen Kugeln nach
-silbernen Kegeln geschoben habe, da sei von Bärwalde her ein furchtbares
-Gewitter aufgezogen und habe sich unter orkanähnlichem Sturme
-mit Wolkenbrüchen über das Thal der wilden Weißeritz entladen und
-der über sieben Ellen hoch anschwellende Fluß habe sich mit solcher
-Macht in das offen stehende Stollenmundloch der Edlen Krone gestürzt,
-daß der Ritter von Theler mit all' seinen Gästen und Dienern da unten
-ertrunken und all' kostbares Geschirr und zur Prunkschau aufgestelltes
-Silbererz verschüttet und verschwemmt worden sei. Seitdem ist der
-dortige Bergbau nie wieder recht in Gang gekommen; daß er aber
-einst schwunghaft betrieben worden, beweisen eine Menge Stollenmundlöcher,
-beraste Halden, Überreste eines großen Kunstgrabens und
-von Pochwerken, große Schlackenhaufen und dergl. mehr.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Eine angebliche Urkunde erzählt, es seien von dem Stollenmundloche aus,
-vor welchem man die Küche errichtet, die Speisen auf silbernen Schüsseln in die
-Grube getragen worden, und die Aufwartung von den Bergleuten der Edlen Krone<span class="pagenum"><a id="Seite_535">[535]</a></span>
-und anderer Werke geschehen. Bei dem Banket habe ein ganzes Chor Musikanten
-aufgespielt und der Überschuß der Grube, 35000 Thaler in Silber, sei auf der Gasttafel
-zur Schau aufgestellt gewesen. »Als nun die Herren sich wohl bezecht und
-besoffen, da sei ein sehr schweres Gewitter von Frauenstein herunter nach Bärwalde
-gezogen, welches denn die aufwartenden Bergleute gesehen und es den Schmaußenden
-in der Grube vermeldet, auch erinnert auszufahren, weil man nicht wissen
-könne, was der große Gott etwa verhängen möchte, haben darauf einige von den
-Sauf- und Freßbrüdern gottloser und frevelndlicher Weise geantwortet: »Sie wären
-in der Grube sicher genug, es möchte draußen zugehen, wie es wollte«. Da denn
-sogleich im Moment ein schrecklicher Wolkenbruch vor Bärwalde hernieder gefallen,
-auch ein rechtes Erdbeben erfolget, und die Weißeritz in einem Nu so plötzlich angeschwellet,
-daß das Wasser das Stollenmundloch gleich erreichet und darinnen
-hinuntergelaufen, so viel nur hätte hinein gekonnt. Was nun im Abteufen auf
-Arbeit gelegen, ist sogleich umgekommen, die aber oben auf dem Stollen bei der
-Fresserei gewesen, sind zu den Tageschachten hinausgefahren, da sind fast alle beschädigt
-worden, weil von der grausamen Erschütterung die Tonnenbretter und ganze
-Zimmerung in den Schachten ab- und losgeworden und den Auffahrenden entgegengekommen,
-und dies ohne großen Schaden nicht abgegangen.</p>
-
-<p>So sind denn in wenigen Minuten die sonst im ganzen Lande so sehr berühmten
-Bergwerke zu Grunde gegangen. Das Silber, das ganze Silberservice,
-die Musik liegt bis zu dieser Stunde samt allen verunglückten Menschen in der
-Grube«.</p>
-
-<p>Auch diese Mitteilungen sind nur Sage, denn die zuverlässigsten sächsischen
-Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts erwähnen nichts von dem Gastmahle.
-Historisch ist wohl nur die Vernichtung der Bergwerke durch einen Wolkenbruch
-am 25. August 1557. Wahrscheinlich hielten die Ritter von Theler bei den damaligen
-nur geringen Hülfsmitteln die Wiederherstellung der ersoffenen Gruben für
-unmöglich. Im Jahre 1565 verkaufte Benno von Theler Höckendorf mit dem Rechte
-des Bergwerks an den Kurfürsten August für 25000 meißnische Gulden. Bis in das
-17. Jahrhundert müssen einzelne Zechen noch gangbar gewesen sein; spätere Bergbauversuche
-wurden hauptsächlich durch die Kriege im 17. und 18. Jahrhundert vereitelt;
-im gegenwärtigen Jahrhundert nahmen die Gesellschaften »Edle Krone« und
-»Unverhofft Glück und Gottes Segen Erbstolln« den dortigen Bergbau wieder in
-Angriff. (Sachsengrün, 1860, S. 19 und 20.)</p></div>
-
-<h3 id="sec719">719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.</h3>
-
-<p class="source">(Sachsengrün, 1860, S. 20.)</p>
-
-<p>In der Kirche von Höckendorf befinden sich unter dem Altare
-die Erbbegräbnisse der durch den Silberbergbau so reich gewordenen
-Ritter von Theler. Eine arme hülflose Somnambule, welche im
-Höckendorfer Pfarrhause längere Zeit Aufnahme gefunden, war in der
-Nähe des Altars jedesmal von einer fieberhaften Unruhe ergriffen
-worden und hatte dann erklärt, daß sie hier nicht bleiben könne, da
-unter ihren Füßen Metall vorhanden sein müsse. Die Sage geht<span class="pagenum"><a id="Seite_536">[536]</a></span>
-auch, daß die Edlen von Theler in diesen Grüften in silbernen
-Särgen ruhen.</p>
-
-<h3 id="sec720">720. Vom frühern Bergbau in Niklasberg und böhmisch Moldau.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Früher waren die Silbergruben in Niklasberg, Klostergrab und
-Moldau in starkem Betriebe; erzählt wird, daß sie in den Hussitenkriegen
-eingingen. In Niklasberg wurde der Stollen verschüttet und
-die Hussiten nahmen die Grubenzeichnungen, welche jetzt in Dresden
-liegen sollen, mit. In Moldau zeigt man noch die Orte, wo der
-Stollen mündete und die Wäschen waren. Im Stollen soll ein Ort
-sein, die »Schatzkammer« genannt, an welchem aus jener Zeit noch
-viel reiche Silbererze liegen sollen. Vor Jahren wollte man dieselben
-nach Freiberg verkaufen, der Handel zerschlug sich aber, weil man
-daselbst nicht genug Geld hatte.</p>
-
-<h3 id="sec721">721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.</h3>
-
-<p class="source">(v. Trebra, Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil
-der Gebürge im Bergamtsrevier Marienberg. Annaberg, 1770, S. 69.
-Darnach bei Gräße, Sagen des K. S. 2. Aufl., No. 584.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1728 hatten sogenannte Rutengänger Risse zu Erzgängen
-in dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau
-liegt, angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet,
-diese Züge zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen; man fing
-Röschen (d. i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man
-trieb einen Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken,
-welche diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich
-niemand, der bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen
-wollte. Nun war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen
-Ansprung und Olbernhau, dem man schon längst schuld gegeben
-hatte, daß er gegossene Arbeit von einem Metall verfertige, welches
-dem Silber gleich komme. Er leugnete dies aber und wollte niemals
-zugestehen, daß er das Metall kenne, welches in seiner Fabrik verfertigt
-werde. Da führte der Zufall im Jahre 1735 den Richter
-von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des Hufschmieds, wo
-er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt, was er schmelze,
-und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde am Wege
-stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, um zu<span class="pagenum"><a id="Seite_537">[537]</a></span>
-sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter gerade
-wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen, um
-den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wundersteine
-etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und
-zu einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen
-und Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte
-gemacht wurde, hielt dieses Produkt 128 Lot Silber und 60
-Pf. Garkupfer. Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte
-dergleichen Speise ein Lot gegeben. Tages darauf mutete der
-Richter unverzüglich und zwar gleich geviert Feld; in wenig Tagen
-wurde auf 20 Mutungen beim Bergamt eingelegt, in vier Wochen
-stieg die Zahl auf 80, und gegen 60 Lehnträger suchten ihr Glück und
-fast alle auf geviert Feld. Wenn man die Rute nach Kupfer und
-Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger Weise fast gar nicht in die
-Höhe zu bringen, man mochte auf dem Gebirge damit hingehen, wohin
-man wollte; was war also sicherer, als daß das ganze Gebirge
-Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun nach dem Theesenwalde
-und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen zusammenbrachten.
-Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar
-keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah
-also ein, daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse
-graue und braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht
-ganz ohne Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner
-und Gewerken verlangten nun ein Probeschmelzen im großen und es
-fand sich ein Schmelzer aus Beyerfeld, in dessen Geschicklichkeit die
-Gewerken ihre Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute
-mußten zurücktreten und den Fremden alles nach seinem Kopfe
-einrichten lassen. Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen
-Bergarten konnten nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere
-Einrichtung des Ofens und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von
-Katharina-Fundgrube zu Raschau und von Geyer brachten die Freiberger
-Hüttenleute das Gemenge zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr
-Rohstein davon und dieser auch nicht reicher, als geschehen sein würde,
-wenn auch ohne Zusatz von den Theesenwälder Gebirgsarten die
-Kathariner und Geyerischen Kiese für sich allein geschmelzet worden
-wären. Dabei war auf einige Zeit das Geschrei vom Theesenwalde
-zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch ein Maler aus Bilin einfand,
-der mit verdoppelter Geschicklichkeit im Schmelzen diese Theesenwälder
-Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute machen wollte. Er verlangte
-die Erlaubnis zum Anlegen eines Ofens, man erlaubte es ihm
-auch, aber alles ohne Erfolg.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_538">[538]</a></span></p>
-
-<p>So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis
-nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was
-kaum glaublich war, oder aber, um das Geheimnis seiner Nahrung zu
-bewahren, dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle
-Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt
-hatte, weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte.
-Dies war das Wahrscheinlichste, denn man hatte ja zuerst reiches
-Silber in dem Gesteine entdeckt.</p>
-
-<h3 id="sec722">722. Wie der zwickauische Kohlenschacht brennend wurde.</h3>
-
-<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 187. G. Geitner,
-Wegweiser durch die Treibgärtnerei zu Planitz, S. 14.)</p>
-
-<p>Bei Zwickau ist ein brennender Berg (jedenfalls die Strecke
-zwischen Cainsdorf und Planitz, welche der Bockwaer Kommunwald
-bedeckt und wo man heute noch auf eine Menge Brandspuren stößt),
-daher manch Fuder Steinkohlen wird zu Markte gebracht. Dieser
-Berg ist um das Jahr 1479 mit einem Büchsenschuß angezündet worden,
-da ein Waidmann einem Fuchse nachgejagt und so unvorsichtigerweise
-ein Schuß in die Grube geraten, wodurch die Steinkohle angezündet
-worden. Obgleich zu gewisser Zeit wie im Sommer das Feld
-daselbst grünet, Laub und Gras trägt, so kommt dennoch das Feuer
-bisweilen bis unter den Rasen, zündet Berggebäude an und versenget
-Birken und andere Bäumlein.</p>
-
-<p>Eine andere Sage erzählt von einem Bürger Zwickaus, welcher
-einen Fuchs aus dem Bau räuchern wollte und dabei nicht nur die
-oberen Kohlen, sondern auch den darüber stehenden Wald anzündete.
-Noch andere suchen die Ursache des Brandes in dem Anzünden eines
-Ameisenhaufens und endlich in dem Einschlagen des Blitzes in Stollen,
-wo die Kohlen zu Tage standen.</p>
-
-<h3 id="sec723">723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen
-Erdfall.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense, Chron.</em> II., S. 38.)</p>
-
-<p>Als Kaiser Adolf im Jahre 1296 mit großer Macht nach Meißen
-kam, zog er an Zwickau und Chemnitz vorüber nach Freiberg, in der
-Absicht, sich dieser Stadt wegen ihrer reichen Bergwerke und ihrer
-Treue gegen den Markgrafen Friedrich zu bemächtigen. Dabei begab
-sichs, daß sich einer seiner Obersten mit seinem Regimente auf einer<span class="pagenum"><a id="Seite_539">[539]</a></span>
-hohen Halde lagerte, um die Stadt zu übersehen und ihre Mauern
-und die Tiefe der Gräben zu erkunden. Weil aber die Halde zuvor
-von Bergleuten durchfahren worden und voll heimlicher Schächte
-war, ist der ganze Berg mit großem Krachen und Prasseln eingegangen
-und der Oberst ist dabei elendiglich umgekommen. Dieser Fall hat
-den Kaiser also furchtsam gemacht, daß er sich wieder zurückgezogen
-und sich nicht eher lagern wollte, bis man alle Gelegenheit um die
-Stadt fleißig ausgekundschaftet hatte. Als dann seine Quartiermeister
-hartes und festes Erdreich antrafen, hat er sein Lager aufgeschlagen
-und darauf alles zum Angriff und Sturm auf die Stadt vorbereiten
-lassen. &ndash; Der genannte Erdfall soll vor dem Donatsthor auf dem
-dürren Schönberge geschehen sein.</p>
-
-<h3 id="sec724">724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 614&ndash;617.)</p>
-
-<p>Am böhmischen Grenzgebirge liegen zwei alte wüste Schlösser,
-Himmel- und Hauenstein genannt; in und um dieselben haben sich
-lange Zeit grausame Gewürme und Schlangen, Wiesenbäume groß,
-sehen lassen, welche die Fische aus den Bächen, und die in Fallen und
-Dohnen gefangenen Vögel gefressen. Einst hat dergleichen Schlange
-auf den Hauensteiner Gründen einen Schützen von Joachimsthal vom
-Vogelherd weggejagt, die Vögel erbissen und gefressen, und als der
-Schütz nach ihr geschossen, hat er an der Spur im langen Waldgras
-abnehmen können, daß sie eines Scheitholzes dick und viel Ellen lang
-gewesen, dafür sich alle Bauern umher gefürchtet.</p>
-
-<p>Als die Bergstadt Joachimsthal in Flor stand, ging im Jahre
-1530 des Rats Schütze auf die Wälder, eben da die Himbeeren reif
-waren, etwas vom Wild auf Befehl zu schießen. Da wurde er unversehens
-eines aus den Himbeersträuchern hervorragenden Kopfes mit
-erhabenen Ohren gewahr, in Gestalt eines Fuchses, der die Beeren
-abfraß. Und weil er meinte, es wäre ein so vermutztes Reh, gab
-er Feuer und traf den Wurm an den Kopf, daß er 3 Ellen lang in
-die Höhe sprang, sich krümmete und überschlug, bis ihm der Schütze
-vollends den Rest gab. Er erschrak über das häßliche Wildpret, schlang
-es an eine Winde und schleppte es Wunders wegen nach Joachimsthal.
-Die Herren ließen den Balg abziehen und nach Prag bringen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_540">[540]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec725">725. Die Freiberger Bauerhasen.</h3>
-
-<p class="source">(H. Gerlach, Kleine Chronik v. Freiberg, S. 90. &ndash; Geschäftsanzeige
-der Bauerhasen-Bäckerei von A. Thümmel in Freiberg.)</p>
-
-<p>Markgraf Friedrich der Freidige hielt sich gern in seiner getreuen
-Bergstadt Freiberg und in der Mitte ihrer Bürger auf. Im Jahre
-1292 gab er daselbst ein großes Gastmahl, zu welchem viele weltliche
-und geistliche Herren eingeladen waren. Unter den letzteren befand sich
-auch der Abt Bruno aus dem Barfüßler-Kloster. Obschon derselbe oft
-gegen Unmäßigkeit predigte und behauptete, je mehr ein Mensch faste,
-um so eher komme er ins Himmelreich, so hielt er für seine eigene
-Person doch viel auf's Essen und Trinken und trug deshalb einen gewaltigen
-Schmerbauch vor sich her. Auch bei diesem Festmahle hatte
-er schon weidlich gezecht, als nach Mitternacht der Hofkoch Bauer einen
-duftenden Hasenbraten auf die fürstliche Tafel setzte. Schon wollte
-sich der Markgraf ein Stück davon auf den Teller legen, da rief der
-Abt ihm zu: »Durchlaucht halten zu Gnaden, es ist soeben ein Fasttag
-angebrochen, und Ihr wollt Euch doch nicht versündigen?« »Wäre denn
-wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluß noch ein Stück
-Hasenbraten zu uns nehmen?« fragte der Markgraf, und der Abt erwiderte:
-»Gewiß! Ich kenne auf Gottes weitem Erdboden keine größere
-Sünde. Auch habe ich mehr als einmal bemerkt, daß es Frevlern, die
-sogar am Feiertage Fleisch essen, sehr übel aus dem Halse riecht.
-Nehmt Euch ein Beispiel an mir; schon seit einer halben Stunde habe
-ich keinen Bissen mehr gegessen.« Alle sahen den geistlichen wohlgenährten
-Herrn betroffen an, schwiegen jedoch, und der Koch mußte den
-schönen Braten wieder abtragen. Obschon er ihn darauf selbst ohne
-Gewissensbisse verzehrte, so ärgerte er sich doch nicht wenig über den
-gestrengen Sittenprediger, welchen eine Stunde später sechs Diener in
-seinen Wagen tragen mußten. Bei einem späteren Gastmahle auf der
-Burg Freistein traf es sich nun, daß abermals ein Fasttag folgte, und
-jetzt brachte nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten
-auf die Tafel. Da konnte sich nun der Abt nicht enthalten,
-dem sündhaften Koch eine derbe Strafpredigt darüber zu halten, daß
-er den Fasttag nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel
-setze. Der Koch aber sprach behaglich lächelnd: »Nun, das ist ein Hase,
-den jeder gute Christ am Fasttage essen darf, ohne sich der Sünde zu
-fürchten!« Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf schon den
-Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen bemerkt, daß der scheinbar
-wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck in
-der bekannten Form des Bratens war. Da wollte der Strafprediger<span class="pagenum"><a id="Seite_541">[541]</a></span>
-selbst nach dem Gerichte langen; er erhob sich, verlor aber bei seinem
-schweren Kopfe das Gleichgewicht und riß dabei alles mit sich von
-der Tafel herab. Er war auch nicht vermögend, sich selbst wieder
-aus dem Wirrsal zu erheben, so daß auf Befehl des Markgrafen die
-Diener hülfreiche Hand anlegen mußten. Das Gebäck erhielt nun den
-Namen »Bauerhasen«; alle adeligen Herren wollten in der Fastenzeit
-solche Bauerhasen essen, die auch in den Klöstern nicht verschmäht
-wurden. Doch wollte man behaupten, auf manchen vornehmen Tafeln
-habe man aus Versehen auch an Fasttagen ganz ordentliche Krauthasen
-statt der Bauerhasen aufgetragen. Anfangs nannte man das neue Gebäck
-auch »Brunohasen«; allein der Abt protestierte lebhaft gegen diese
-Bezeichnung und so erhielt es seinen noch jetzt gebräuchlichen Namen
-zu Ehren seines Erfinders.</p>
-
-<p>Die Bauerhasen aus Freiberg fanden gute Aufnahme an allen
-deutschen Höfen, wurden sogar kistenweise in fremde Länder gesendet,
-und auch noch in unsern Tagen verläßt selten ein Fremder die Stadt
-Freiberg, ohne den Seinen einen Bauerhasen mitzubringen.</p>
-
-<h3 id="sec726">726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.</h3>
-
-<p class="source">(Marbach, Das in der Freiheit lebende Schöneck I. Schneeberg, 1731
-S. 21. Ulrich Schneider in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger
-Zeitung 1883. No. 31.)</p>
-
-<p>Kaiser Karl IV. hatte 1370 der Stadt Schöneck verschiedene
-Freiheiten, welche auch Elbogen »von altersher redlich gehabt und gehalten
-hat«, verliehen, wofür die Stadt nur verpflichtet war, »fünf
-Pfund Schwäbischer Heller in einem neuen hölzernen Becher zu geben,«
-wenn der Landesherr in eigener Person dorthin kam, oder wie es in
-der Urkunde heißt: »So Wier mit unser selbst Leibe zu ihn kommen,
-nur einß in dem Jahre.« Von niemand aber kann man gründlich erfahren,
-wodurch der Kaiser bewogen worden war, der Stadt Befreiung
-von allen sonstigen Abgaben zu erteilen. Einige sagen, es habe dieser
-Kaiser, der ein Liebhaber der Jagd gewesen, sich in dortigen Wäldern
-einmal mit seinem Gefolge verirrt und sei hernach von einem Waldmann
-oder Holzarbeiter heraus nach Schöneck geführt worden. Nach
-einer andern Sage ist der Kaiser Karl, welcher sich oftmals in Karlsbad
-aufgehalten hat, von Räubern überfallen und verfolgt worden,
-so daß er sich mit seinen Leuten in den Schönecker Wald flüchtete, wo
-ihm die Bürger von Schöneck Beistand leisteten und von den Räubern<span class="pagenum"><a id="Seite_542">[542]</a></span>
-erretteten. Zum Danke dafür hätten darauf die Schönecker ihre Privilegien
-erhalten.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Urkunde, laut welcher der Stadt Elbogen bereits vor Schöneck ein gleicher
-Freiheitsbrief von Karl IV. erteilt wurde, stammt aus dem Jahre 1352.</p></div>
-
-<h3 id="sec727">727. Das Märktlein Markersbach.</h3>
-
-<p class="source">(Chronica der freien Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 24.)</p>
-
-<p>Die Kirche in Markersbach ist eine der ältesten im Gebirge. Sie
-hat vor Zeiten unter den Abt zu Grünhain gehört, der auch mit seinen
-Ordensleuten und anderen öfters dorthin Wallfahrten gehalten. Infolge
-dessen hat das Dorf früher besondere Freiheiten besessen und
-wurde das »Märktlein Markersbach« genannt.</p>
-
-<h3 id="sec728">728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Ein Wald auf der Höhe zwischen Schneeberg und Aue, gegenüber dem
-Gasthofe zum Brünlasberge, heißt der Hoyer. Daselbst sieht man noch
-links von der Chaussee, welche von Schneeberg nach Aue führt, einen
-Hohlweg, welcher einst Straße war; und an derselben stand in alten Zeiten
-mitten im Walde ein Wirtshaus. Der Wirt in demselben war ein Räuber.
-Einst kehrte daselbst des Abends ein Fremder ein, der von dem Klösterlein
-Zelle kam und vieles Geld bei sich trug. Er wollte in dem Hause
-übernachten; aber ein Mädchen offenbarte ihm heimlich, daß er nicht
-lebend wieder hinausgehen werde. Da übergab der Fremde dem Wirte
-seine Tasche mit dem Gelde und sagte, daß er einem Freunde, der auch
-von Zelle her mit noch mehr Geld als er habe, komme, entgegen gehen
-müsse, der Wirt solle nur einstweilen sein Geld in Verwahrung nehmen.
-Als dies geschehen war, eilte der Reisende schnell nach dem Kloster und
-kam bald darauf mit nahmhafter Hülfe zurück. Seine Begleiter umzingelten
-das Haus und nahmen den Wirt gefangen. Als sie das Haus
-durchsuchten, fanden sie neben vielem Gelde auch Totengerippe zum
-Beweise, daß es vordem schon vielen Reisenden ebenso ergangen war,
-wie es dem Fremden, wenn ihn das Mädchen nicht gewarnt hätte, hätte
-ergehen müssen. Viele mochten in der Herberge eingekehrt, aber nicht
-wieder herausgekommen sein.</p>
-
-<p>Der Wirt aber, welcher ein Räuberhauptmann war, hieß Hoyer,<span class="pagenum"><a id="Seite_543">[543]</a></span>
-und von diesem hat nun auch der Wald, wo das Gasthaus einst stand,
-den Namen Hoyer erhalten.</p>
-
-<h3 id="sec729">729. Wittichs Schloß bei Glashütte.</h3>
-
-<p class="source">(I. Schumann, Lex. v. Sachsen, 13. B. S. 204. II. Peccenstein,
-<em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I. S. 88.)</p>
-
-<p>I. Eine Höhle über dem Müglitzthale, eine halbe Stunde von
-Glashütte, welche sich oberhalb der Herrenmühle in einem schwer zu
-erklimmenden Gneisfelsen befindet, heißt Wittichs Schloß. Nach der
-Sage war diese Höhle ehemals durch Befestigung ein noch sicherer Zufluchtsort
-als jetzt, und wurde im 15. Jahrhundert von einem Räuber
-Wittigo oder Wittich bewohnt, den der Ritter Weichold von Bärenstein
-auf Lugau bei Glashütte erschlug. Als Belohnung dafür erbat er sich
-vom Markgrafen, der auf Wittichs Einlieferung einen hohen Preis
-gesetzt hatte, sehr genügsam nichts weiter, als daß er ein Wild, welches
-er auf seinem Gebiete überall gehetzt habe, auch außerdem, und selbst
-auf der Dresdner Brücke, die damals als Asyl galt, verfolgen dürfe.</p>
-
-<p>II. Es waren vor Zeiten viele Raubhäuser an dem böhmischen
-Gebirge, und soll insonderheit ein Räuber, namens Wittich, seinen
-Aufenthalt in einem starken Felsen gehabt haben, so unter der jetzigen
-Bergstadt Glashütte gelegen. Da dieser Räuber mehrere böse Buben
-zu sich gezogen, auch ganz Meißen beunruhigt und unsicher gemacht,
-so hat der Markgraf auf des Raubritters Wittich Kopf einen hohen
-Preis setzen lassen. Obschon nun Wittich dadurch hätte vorsichtig gemacht
-werden sollen, so hat er dies dennoch nicht gethan, vielmehr
-sich noch fürchterlicher machen wollen, indem er einstmals in der Morgenzeit
-mit etlichen seiner Leute sich vor des Ritters Weichold von
-Bärenstein Wohnung gegen der Lochow begeben, ein Gespräch mit ihm
-begehret, und als der von Bärenstein, keiner Gefahr sich versehend,
-ihm solches gewährt und zu ihm vors Haus getreten, thut der Bösewicht
-mit einer Armbrust auf ihn drei Schüsse, doch ohne Schaden.
-Der von Bärenstein rufet in der Eile seine Leute herbei, folget den
-Räubern auf dem Fuße nach, welche er auch über dem Rittersitze Reinhardtsgrimma,
-damals denen von Karras zuständig, erreichet. Ob nun
-gleich Wittich und seine Gesellen der Wehr wohl kundig, so hat doch der
-von Bärenstein die Oberhand behalten, den Räuber erlegt und umgebracht,
-sein Raubhaus, so auf steilem hohen Felsen an der Müglitz
-gelegen, eingenommen und zerbrochen, wiewohl dieser Ort von ihm
-bis auf den heutigen Tag noch Wittichs Schloß genannt wird. Auf der<span class="pagenum"><a id="Seite_544">[544]</a></span>
-Stelle, wo der Räuber erlegt worden, steht ein Kreuz. Der Ritter
-Weichold von Bärenstein aber hat die ihm gebotene Belohnung großmütig
-ausgeschlagen und erklärt, daß er diese That bloß, um dem
-Vaterlande zu dienen, verrichtet habe.</p>
-
-<h3 id="sec730">730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>In dem schönen Pöbelbachthale oberhalb Schmiedeberg liegt die
-Putzmühle, so genannt, weil man früher hier das Silbererz, welches
-man in der Nähe grub, »geputzt«, d. h. gereinigt haben soll. Oberhalb
-dieser Mühle sieht man dann die Überreste einiger Grundmauern
-und die Spuren eines Wassergrabens; hier lag die dürre Bretmühle,
-welche ihren Namen von dem Umstande führte, daß sie häufig nicht
-genug Wasser hatte. Daselbst ist es einst geschehen, daß Räuber einbrachen,
-welche den Müller auf einen Klotz banden und mit durchsägen
-ließen. Seitdem ist die Mühle liegen geblieben, niemand wollte
-mehr in derselben wohnen, und so ist sie dann nach und nach verfallen.</p>
-
-<h3 id="sec731">731. Der schwarze Teich auf Henneberg und der Teufelsstein bei
-Johanngeorgenstadt.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer novellistischen Bearbeitung im Unterhaltungsblatte zum
-Erzgebirgischen Volksfreund, 1884, No. 53.)</p>
-
-<p>Als noch in unseren Gauen und insbesondere auf dem Erzgebirge
-das Christen- und Heidentum mit einander im Kampfe lagen,
-wohnte auf einer Burg im Egerthale ein böser Ritter. Zwar war
-derselbe als Christ getauft worden, jedoch hatte er im Herzen noch
-nicht dem Heidentume entsagt, und Raubzüge und blutige Fehden
-galten ihm für kein Unrecht. Das Gegenteil von ihm war seine
-fromme Gemahlin, welche mit Hülfe ihres Bruders, der als Einsiedler
-in der Nähe der Burg lebte und oft in derselben verkehrte, ihre beiden
-Kinder, einen Sohn und eine Tochter, christlich erzog. Dem wilden
-Gemahl aber mißfiel die Frömmigkeit von Frau und Kindern, und
-ganz besonders erzürnte er sich über seinen Sohn, weil derselbe keinen
-Gefallen an dem wilden Waffenhandwerke fand. Als er nun einst zu
-einer Fehde gegen den ihm verhaßten Burgherrn von Königsberg auszog
-und seinen Sohn, obschon derselbe des Königsbergers einzige Tochter
-innig liebte, zwang, daran teilzunehmen, geschah es, daß der Sohn
-beim Ritte von der Burg vom Pferde stürzte und verwundet ins<span class="pagenum"><a id="Seite_545">[545]</a></span>
-Schloß zurückgetragen werden mußte. Ingrimmig gab nun der Vater
-der Erziehung und dem Einflusse seines Schwagers die Schuld an dem
-Unglücke, und er nahm sich vor, mit Härte einzugreifen. Sein Sohn
-genaß zwar unter der sorgsamen Pflege von Mutter und Schwester
-bald wieder, doch um dessen Ruhe war es für immer geschehen. Ja
-alle fühlten, daß der Vater böse Gedanken sowohl gegen den Sohn
-als auch Schwager im Herzen hegte und es ward von beiden die Flucht
-beschlossen. Dieselbe wurde bald darauf nach dem damals unwegsamen
-Erzgebirge ausgeführt, als der Vater wieder zum Kampfe gegen den
-Königsberger ausgezogen war und dabei den Sohn nicht mitgenommen
-hatte. Bei der Rückkehr in seine Burg kannte der Zorn des Ritters
-keine Grenzen, und da er ganz richtig in Frau und Tochter Mitwisserinnen
-der Flucht seines Sohnes erblickte, so mußten dieselben
-von ihm harte Mißhandlungen erdulden. Er veranstaltete zwar sogleich
-Streifzüge durch das Gebirge, doch konnte er die Flüchtigen
-nicht auffinden.</p>
-
-<p>Auf dem Kamme des Erzgebirges lag im dichten Walde ein
-freundlicher See; die Maisonne am blauen Himmel spiegelte sich in
-demselben. Aus dem Dickichte aber trat schüchtern ein Reh mit zwei
-weißgefleckten Zicklein, und gegenüber brach aus dem Walde ein
-weißer Hirsch, welcher sich in dem klaren Wasser des Sees widerspiegelte.
-Abseits stand eine mit grünem Rasen gedeckte Erdhütte,
-aus der eine bläuliche Rauchwolke aufstieg. Diese Hütte hatten sich
-die beiden Flüchtlinge erbaut. Sie traten eben zur Wanderung gerüstet
-daraus hervor, denn sie wollten versuchen, die duldende Mutter
-und Tochter heimlich von der Burg des harten Gemahls und Vaters
-zu entführen und hierher in diese von dem menschlichen Verkehre abgeschlossene
-Wildnis in Sicherheit zu bringen.</p>
-
-<p>Der Vater aber rüstete sich ungefähr zu derselben Zeit zu einem
-neuen Fehdezuge gegen den Königsberger. Letzterer aber hatte davon
-Kunde erhalten und seine Burg wohl verwahrt, während sein Sohn
-mit einem Häuflein Knechte dem Feinde entgegen zog. Trotz der Vorkehrungen
-des Königsbergers schien es, als ob der Feind seine Burg
-gewinnen werde; unaufhaltsam stürmte derselbe vorwärts, unbekümmert
-um den Steinhagel, welcher ihn unausgesetzt empfing. Schon war er
-an der Brücke, als dieselbe mit einem furchtbaren Krach zusammenbrach.
-Als aber der Feind sich anschicken wollte, den Wallgraben mit Steinen
-und Holz zu füllen, um so in die Burg zu gelangen, kam ein blutender
-Bote, welcher meldete, daß die eigene Burg von des Königsbergers
-Sohne eingenommen worden sei und in Flammen aufgehe. Da zogen
-sich die Feinde von der bedrängten Burg zurück. Die Belagerten<span class="pagenum"><a id="Seite_546">[546]</a></span>
-hatten jedoch schon Vorbereitungen getroffen, ihnen schnell zu folgen.
-Es wurde eine Notbrücke niedergelassen und bald sahen sich die Weichenden
-von vorn und hinten angegriffen. Hinter ihnen kamen die Belagerten
-und vorn wurden sie von des Königsbergers Sohne mit
-seinen Mannen bestürmt. Nur durch rasche Flucht war es dem fehdelustigen
-und hartherzigen Ritter möglich, der Gefangenschaft oder dem
-Tode zu entgehen. Er überschritt mit den ihm noch übrig gebliebenen
-Knechten, da er in den Trümmern seiner Burg Frau und Tochter,
-welche unterdeß geflohen waren, nicht fand, den Kamm des Erzgebirgs
-und baute sich in wilder Gegend eine neue Burg. Von dieser
-aus durchzog er nun die Wildnis nach Bären, Wölfen und Auerochsen.
-Eines Tages meldete ihm einer seiner Troßbuben, daß er in
-einer gewissen Gegend einen weißen Hirsch gesehen habe. Diese Nachricht
-reizte den Ritter und er zog alsbald aus, die Spur des seltsamen
-Tieres zu suchen. Bald hatte er dieselbe auch gefunden, und
-als er darauf des Hirsches ansichtig ward, warf er seinen Jagdspieß
-nach demselben. Der zu Tode getroffene Hirsch raffte sich wieder
-auf und floh blutend in das Dickicht. Als nun der Ritter mit seinen
-Knechten durch dasselbe drang, erreichte er das Ufer eines klaren
-Sees, an welchem sich eine Erdhütte erhob. Dort lag auch der verwundete
-weiße Hirsch, über den sich eine Jungfrau beugte; neben ihr
-standen noch drei Personen. Der Ritter erkannte sie sehr wohl, er
-eilte hinzu und wurde in seiner Wut der Mörder der Seinen. Da
-verhüllte eine dunkle Wolke die Sonne, gleichsam als solle dieselbe
-die Unthat nicht sehen. Der klare See aber wurde zu einem unheimlichen
-Sumpfe und die Fischlein wurden zu Molchen. Noch zeigt man
-bei den Henneberger Häusern südwestlich von Johanngeorgenstadt die
-Stelle, wo der See lag.</p>
-
-<p>Als der Himmel so vernehmlich zu dem Ritter und seinen Knechten
-gesprochen hatte, wollte keiner von ihnen den toten weißen Hirsch
-mit zur Burg tragen; dem Ritter selbst lag auch nichts daran. In
-der folgenden Nacht aber erbebte ringsum die Erde und in der Burg
-des vierfachen Mörders ertönte ein furchtbares Krachen. Die Morgensonne
-beschien einen gewaltigen Trümmerhaufen, und der Kopf des
-Ritters schaut noch heutigen Tages von der einen Felskuppe, welche
-man den Teufelsstein heißt und die sich an der Stelle der ehemaligen
-Burg erhebt, nach Osten. Der Teufel hatte in der Nacht die Burg
-zerstört und zum warnenden Zeichen den Kopf des Gottlosen an dem
-Felsen aufgerichtet.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_547">[547]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec732">732. Das Schloß auf dem hohen Steine.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130.)</p>
-
-<p>Als gewaltiger Markstein eines der letzten südwestlichen Ausläufer
-des metallreichen Erzgebirges erhebt sich der hohe Stein mit
-seinen wunderbar gestalteten Felsenmauern und Pfeilern. Vor vielen
-hundert Jahren stand an der Stelle, auf welcher sich heute diese
-mächtigen Felsen auftürmen, eine große feste Burg, welche mit ihren
-gewaltigen Mauern weithin die Gegend überblickte. Ungeheure dichte
-Wälder bedeckten die Gegend und nur auf gelichteten Stellen am
-Fuße des Berges hatten sich fleißige Menschen angesiedelt und zwangen
-dem Boden seine wenigen Erzeugnisse ab. Aus fernen Landen waren
-sie auf des Ritters Ruf gekommen und hofften in Genügsamkeit, Ruhe
-und Frieden hier leben zu können, aber nur zu bald seufzten sie unter
-dem harten Joche, welches der Ritter ihnen auferlegte, unter den
-schweren Strafen, welche er über sie verhängte, wenn sie seinen maßlosen
-Forderungen und grausamen Befehlen nicht sogleich nachkamen.
-Je älter er wurde, desto mehr schien das Mitleid von ihm zu weichen
-und sein Herz zu versteinern. Da verwünschte ein Mann, dem der
-Schnee des Alters seinen Scheitel deckte, den Wüterich und sein Schloß.
-Er, samt der Burg, wurde in grauen, harten Stein verwandelt und
-viele hundert Jahre wird es währen, bis die Sonne wieder die Zinnen
-der Burg mit ihrem Glanze vergolden wird.</p>
-
-<p>So sieht man nun die gewaltigen Burgtürme und Rauchfänge,
-sowie den riesigen Ritter versteinert emporragen, während tief unten
-im dunkeln Schoße der Felsen die reichen Schätze des Burgherrn begraben
-liegen.</p>
-
-<p>Nach einer andern Sage hat der verwünschte Ritter auf dem
-hohen Steine keine Ruhe; oft hört man lautes Getöse und Wiehern
-von Rossen aus den gewaltigen Felsen hervorschallen, sieht auch manchmal
-den unterirdischen Stall seine Jauche entleeren, und in finstern,
-unheimlichen Nächten hört man vom hohen Stein herab in der Richtung
-gegen »die drei Rainsteine« (an der Graslitz-Schönbach-Sächsischen
-Grenze) die wilde Jagd dahinbrausen, der sich auch der verwünschte
-»hohe Stein-Ritter« anschließen muß.</p>
-
-<h3 id="sec733">733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.</h3>
-
-<p class="source">(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 12.)</p>
-
-<p>Der erste Felsen unter Zöblitz, linker Hand unter der Pfarrwiese
-nach Lauterstein zu, heißt der Lauterstein, welcher gegen das<span class="pagenum"><a id="Seite_548">[548]</a></span>
-alte Schloß Lauterstein liegt und vom roten Wasser aus sehr hoch
-und jähe ist. Dem Vorgeben nach soll auf diesem Felsen ein Raubschloß,
-von welchem man gegen das dem Katzensteine an der schwarzen
-Pockau gegenüberliegende »Raubschloß« Losung geben konnte, gestanden
-haben. Man bemerkte früher auf dem Felde noch einige Gräben.
-Das genannte »Raubschloß« lag am rechten Pockauufer im Walde,
-ungefähr eine Stunde von Zöblitz entfernt. Man fand daselbst viel
-alte Kriegsgeräte, Pferdezeug, Sporen u. dergl., ferner Überreste von
-einer unterirdischen Wasserleitung. Nach der Volkssage soll das
-»Raubschloß« durch Kurfürst Joh. Georg I. vom Katzensteine aus in
-den Grund geschossen worden sein. Wahrscheinlich aber wurde es bereits
-im Hussitenkriege zerstört.</p>
-
-<h3 id="sec734">734. Das Raubschloß Sommerstein.</h3>
-
-<p class="source">(Chronica der freyen Bergstadt S. Annaberg, II., 1748, S. 32. Grundig,
-Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 2. Band, 1750, S. 171.)</p>
-
-<p>Auf dem Schenkgute über der Pfarre zu Hermannsdorf liegt im
-Walde ein Fels, der Sommerstein genannt, worauf in alten Zeiten
-ein Raubschloß gestanden haben soll. Die Besatzung desselben lauerte
-gleich derjenigen der Schlösser zu Tannenberg und Greifenstein den
-Kaufleuten auf, welche von Böhmen kamen oder dorthin zogen. Man
-sieht noch etwas von den Mauern nebst einen in Fels gehauenen Backofen
-und einen wohl ausgemauerten viereckigen Brunnen, in welchen
-das Wasser durch einen langen Graben von Westen her geleitet wurde.
-Erzählt wird noch, es solle in diesen Felsen ein großes Loch gehen,
-darin stände ein großer Kasten mit Gold.</p>
-
-<h3 id="sec735">735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.</h3>
-
-<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183 und 184.)</p>
-
-<p>Woher der Greifenstein bei Ehrenfriedersdorf den Namen habe,
-weiß niemand, außer daß man sagt, es hätte ein Greif daselbst genistet.
-Außerdem hat man die Vermutung, es hätte ein Raubschloß
-da gestanden, von welchem die Räuber denen auf dem Schellenberge,
-wo jetzt Augustusburg steht, Zeichen hätten geben können. Noch hat
-es das Ansehen, daß vor alten Zeiten der Platz zwischen zwei hohen
-Felsen mit Mauern eingeschlossen gewesen sei. Auch hat man zuweilen
-Topfscherben, Nägel, Pfeile, Schlüssel und anderes Eisenwerk, Totengebeine,
-Schweinszähne und Fischgräten daselbst gefunden. Auch ist<span class="pagenum"><a id="Seite_549">[549]</a></span>
-daselbst ein kleines silbernes Ringlein mit einem Kreuzchen und dem
-Namen Maria gefunden worden.</p>
-
-<h3 id="sec736">736. Die Räuber auf dem Frauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 301.)</p>
-
-<p>Es ist geschichtlich erwiesen, daß vor der Zerstörung des Schlosses
-Frauenstein im Jahre 1438 der Ritter Dietrich von Vitzthum, welchem
-die Burg vom Grafen Heinrich von Plauen zur Bewahrung anvertraut
-worden war, mit böhmischen Raubrittern gemeinsame Sache
-machte. Um nun den durch die versteckten Nachbarburgen und die damaligen
-dichten Waldungen um Frauenstein begünstigten Bedrückungen
-der Wegelagerer ein Ende zu machen, entsandte Kurfürst Friedrich
-der Sanftmütige Abgeordnete mit einem Herold nach dem Frauenstein,
-um Vitzthum zu sofortiger Verweisung des böhmischen Raubgesindels
-zu veranlassen.</p>
-
-<p>Die kurfürstlichen Gesandten kamen an dem weit im Lande berüchtigten
-Räuberneste an, fanden aber das äußere Burgthor verschlossen
-und die Zugbrücke aufgezogen. Der Herold ließ den herkömmlichen
-Trompetenruf erschallen und verkündete darauf laut den
-Befehl des Kurfürsten: »Dietrich von Vitzthum, Du sollst gehalten
-sein, dem Durchlauchtigen Kurfürsten des heiligen römischen Reiches,
-Friedrich, Herzog zu Sachsen und Markgraf zu Meißen, zu Befehl
-zu handeln und alsobald die böhmischen und anderen Ritter von Dir
-zu thun, welche das Land berennen und die Reichsstraßen und sonstigen
-Wege unsicher machen, die Bürger berauben und brandschatzen. Also
-gebietet der Durchlauchtige Lehnsherr, Du mögest seine Abgeordneten
-mit Glimpf empfangen und in allen Stücken seinem Befehlig aus
-ihrem Munde gehorsamen, bei Acht und Aberacht, die Dich und alle,
-so zu Dir halten, Freie und Unfreie, treffen wird, wenn den Landfriedensbrechern
-noch ferner Unterstand auf dem Frauenstein gewährt
-würde. Künde Dir das zum ersten-, zum andern-, zum drittenmale,
-kraft meines Amtes, Dietrich von Vitzthum!«</p>
-
-<p>Wieder blies der Herold in die Trompete und erwartete,
-gegen das Thor vorreitend, eine Antwort. Dieselbe kam auch alsbald,
-aber in Gestalt eines starken Armbrustpfeiles, der dicht an
-den Ohren des Herolds vorübersauste. Dazu erklang aus der Burg
-ein höhnische Gelächter. Am Fenster des Thorwärters erschien
-der Ritter Dietrich und rief: »Was schiert mich der Markgraf von
-Meißen? Der Burggraf von Plauen ist mein Herr, dem nur
-stehe ich Rede und sonst keinem!« Unverrichteter Sache zogen die<span class="pagenum"><a id="Seite_550">[550]</a></span>
-Gesandten von dannen; vorher aber hefteten sie noch die Vorladung
-für Dietrich von Vitzthum zum Achtsprozeß an das Gerichtsbret des
-Rathauses zu Frauenstein.</p>
-
-<p>Der Kurfürst war über die Widersetzlichkeit Vitzthums in hohem
-Grade erzürnt und bot alsbald die Bürger der benachbarten Städte
-zum Zuge gegen das Schloß Frauenstein auf. Die Freiberger ließen
-auch nicht lange auf sich warten und schlossen sich dem kleinen Feldzuge
-um so lieber an, als ihnen durch die Räuber auf dem Frauenstein,
-welche die wichtige Handelsstraße nach Böhmen beunruhigten,
-schon beträchtlicher Schaden zugefügt worden war. Sie erschienen
-unter Kuno von Schönberg mit den übrigen kursächsischen Streitgenossen
-alsbald, und als auf die übliche Aufforderung zur Übergabe
-der Burg keine Antwort erfolgte, wurden die Donnerbüchsen auf die
-Umfassungsmauern des Schlosses gerichtet. Die Steinkugeln, deren
-man noch etliche als Andenken in dem alten Gemäuer sieht, prasselten
-gegen die Burg, jedoch auch die Besatzung schleuderte unzählige Wurfgeschosse
-gegen die Belagerer. Es entbrannte ein harter Kampf, der
-lange unentschieden blieb, bis plötzlich große Rauchwolken und Flammen
-aus der Burg emporstiegen. Jetzt wurde dieselbe auf ein gegebenes
-Zeichen gleichzeitig von allen Seiten berannt und in kurzer Zeit wurde
-sie von Kurfürst Friedrichs Mannen erstiegen. Innerhalb der Burg
-entbrannte nun ein Kampf Mann gegen Mann, wobei auch Kuno
-von Schönberg und Dietrich von Vitzthum zusammentrafen. Beide
-fochten löwenkühn, zuletzt siegte jedoch der Ritter von Schönberg und
-stieß den Gegner nieder. Man schleppte den verwundeten Vitzthum fort,
-und was noch von der Burgbesatzung lebte, ergab sich auf Gnade und
-Ungnade.</p>
-
-<p>Drei Tage hatte der Verurteilte Zeit, sich zum Abschied vorzubereiten.
-In den ersten Tagen des Dezembers 1438 strömten Hunderte
-aus der Umgebung Frauensteins nach der Stadt, um den einst
-gefürchteten Vitzthum hinrichten zu sehen. Dicht gedrängt stand die
-harrende Menge im Schloßhofe, da erklang von der Burgkapelle her das
-Sterbeglöcklein, vier Knappen brachten den armen Sünder, der schwer
-verwundet und kaum bei Besinnung war, zur Richtstatt und alsbald wurde
-der Spruch des Gerichtes mit dem Schwerte an ihm vollzogen.</p>
-
-<p>Die Burg wurde hierauf insoweit zerstört, daß sie nicht mehr
-widerstandsfähig war und den Räubern keinen weiteren Schlupfwinkel
-zu bieten vermochte. Dann erst zogen die Kurfürstlichen ab. Der
-Burggraf von Plauen ging seiner Besitzung Frauenstein, die er so unwürdig
-hatte verwalten lassen, verlustig; das Lehen wurde vom Kurfürsten
-eingezogen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_551">[551]</a></span></p>
-
-<p>Der Geist des hingerichteten Raubritters soll von Zeit zu Zeit noch
-immer in der Schloßruine umgehen und auch in den hinteren, nicht
-bewohnten Teilen des neuen Schlosses schon bemerkt worden sein. In
-der Nähe des Parkschlößchens läßt sich manchmal etwas »Graues« sehen.</p>
-
-<h3 id="sec737">737. Schloß Hauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 103.)</p>
-
-<p>Malerisch und majestätisch ruht das Schloß Hauenstein auf einem
-fast senkrecht abfallenden Basaltfelsen, welcher aus dem wildromantischen,
-herrlichen Waldthale sich emporhebt, das menschliche Hand zu
-einem lieblichen Garten umgeschaffen. Zu dem Schlosse gehört ein alter,
-aus schwarzem Basalt errichteter Rundturm, von altersher der »Bürgermeister«
-genannt, weil der Sage nach ein solcher in seinem Verließe
-zuerst den Hungertod fand; er diente lange als Gefängnis, und der
-in der Gemeinde Damitz gelegene Galgenberg erinnert heutigen Tages
-noch an die Zeit, wo die Zwingherren von Hauenstein das Blutgericht
-ausübten.</p>
-
-<p>Beachtung verdient ferner das Perlenzimmer. Wie der Volksmund
-erzählt, sollen allhier Nonnen die im Egerflusse gefischten
-Perlen verwahrt haben. Nach einer andern Überlieferung hieß besagtes
-Gemach eigentlich »Perlhefterstube«, weil sich daselbst zur Zeit
-der Schlickschen Herrschaft im 16. Jahrhundert eine Perlhefterei befand.</p>
-
-<p>An der Felswand in der Vorhalle des Schlosses bemerkte man
-sonst einen schwarzen Fleck, angeblich vertrocknetes Blut, welches ein
-Herr von Vitzthum dort im dreißigjährigen Kriege kämpfend vergossen
-haben soll.</p>
-
-<h3 id="sec738">738. Burg Neustein bei Görkau.</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, Komotau 1880. 1. Jahrg. S. 47.)</p>
-
-<p>Es mochte um das 11. oder 12. Jahrhundert sein, als auf der
-Burg Neustein ein verwegener und berüchtigter Raubritter hauste. Derselbe
-hegte aus irgend einem Grunde einen unversöhnlichen Haß gegen
-den Grafen zu Rothenhaus. Da geschah es eines Tages, daß er demselben
-seinen erstgebornen Sohn in zartem Kindesalter samt der Wärterin
-raubte, und, um die Eltern irre zu führen, streute er die mit
-Blut getränkten Kleider des Kindes im Walde in der Nähe des Schlosses
-Rothenhaus aus, so daß der Graf glauben mußte, ein wildes Tier<span class="pagenum"><a id="Seite_552">[552]</a></span>
-habe seinen Sohn zerrissen. Den Knaben aber ließ er als seinen eigenen
-Sohn erziehen und flößte ihm dabei tiefen Haß gegen das Grafengeschlecht
-in Rothenhaus ein.</p>
-
-<p>Bei einem Überfalle venetianischer Kaufleute geriet der Raubritter
-von Neustein mit dem Grafen von Rothenhaus, welcher zufällig
-an der Spitze seiner Leute an den Ort der Unthat kam und die Bedrängten
-verteidigte, in Kampf und wurde dabei zum Tode verwundet.
-Nur mit Mühe entkam er auf seine Burg, wo er auf dem Sterbelager
-sich von seinem angeblichen Sohne einen Eid leisten ließ, daß derselbe
-an dem Grafen Rache nehmen wolle. Darauf starb er. Nach einiger
-Zeit gelang es dem nunmehrigen Herrn des Neusteins, die Tochter
-des Grafen von Rothenhaus zu rauben und durch einen geheimen unterirdischen
-Gang auf seine Burg zu führen, wo er sie gefangen hielt.
-Als er sie nun sogar zur Gemahlin begehrte, weigerte sich die Jungfrau
-standhaft, denn ihr Herz gehörte bereits einem andern.</p>
-
-<p>Auf Schloß Rothenhaus war man durch das Verschwinden der
-Tochter des Hauses in nicht geringe Bestürzung geraten, denn man
-vermutete mit Recht einen frechen Raub. Der Graf entbot noch in
-derselben Nacht seine Mannen zu sich und zog mit ihnen am frühen
-Morgen gegen die Burgen Neosablitz und Wodehrad, die im Thale
-des Assigbaches lagen und deren damalige Herren sich nicht des besten
-Rufes erfreuten. Doch in keinem der beiden Schlösser war die Geraubte
-zu finden. Von dem Vorhandensein des Felsennestes Neustein
-aber wußte man nichts, denn dasselbe lag tief im Walde versteckt.</p>
-
-<p>Unterdeß hatte die gefangene Grafentochter einen Plan zu ihrer
-Rettung entworfen. Sie heuchelte dem Herrn von Neustein, sie sähe
-ein, daß ihr Sträuben vergeblich sei, und so habe sie sich entschlossen,
-die Seine zu werden; der Ritter möge ihr nur einige Tage Zeit lassen
-und ihr gestatten, daß sie eine Kirche besuche, damit sie Gott um Trost
-und Beistand anflehe. Nur ungern willigte der Ritter ein. So zog
-sie denn mit ihrer treuen Dienerin, die man ebenfalls in Rothenhaus
-geraubt hatte, und bewacht von einer Schar wilder Gesellen, nach
-Komotau, wo sich die nächste Kirche befand. Als sie daselbst dem
-Pfarrer beichtete, erkannte sie derselbe und er forderte sie auf, ihm
-ihren Aufenthaltsort anzugeben. Sie sogleich zu befreien, erschien ihm
-unmöglich, da die Kirche von den Bewaffneten umstellt worden war
-und die Leute im Orte noch schliefen, denn es war zu sehr früher
-Stunde. Die Jungfrau konnte dem Priester jedoch ihren Aufenthaltsort
-nicht angeben, da man sie mit verbundenen Augen aus dem Raubschlosse
-nach der Kirche gebracht hatte. Ratlos lief der Priester in die
-Sakristei und kam ebenso ratlos wieder zurück. Da bemerkte er plötzlich<span class="pagenum"><a id="Seite_553">[553]</a></span>
-ein altes Weib, das unvermerkt mit in die Kirche gekommen war.
-Er fragte die Alte, was sie wohl in ihrem Korbe habe. »Ein Säckchen
-mit Linsen«, entgegnete diese. »Weib,« rief der Pfarrer, »Ihr seid
-mir von Gott gesandt; überlaßt mir die Linsen, sie sollen Euch gut
-bezahlt werden!« Das Weib war einverstanden, und der Priester händigte
-die Linsen seinem Beichtkinde ein mit der Weisung, auf dem Heimwege
-von Zeit zu Zeit heimlich einige Linsen fallen zu lassen; er werde dann
-dafür sorgen, daß ihr Aufenthaltsort entdeckt werde. Dann entließ er
-das Fräulein, welches nun mit seinen bewaffneten Begleitern wieder
-zu Pferde stieg und den Rückweg antrat. Der Geistliche aber gab einem
-zuverlässigen Manne den Auftrag, dem Zuge sofort unvermerkt zu folgen,
-hie und da am Boden zerstreute Linsen würden ihm im Walde den
-Weg zeigen. So wurde das Raubschloß entdeckt. Dem Grafen von
-Rothenhaus aber brachte man sofort die Nachricht hiervon, und noch
-an demselben Abende stand er mit seinen Mannen vor der Feste des
-Raubritters und verlangte die Auslieferung seiner Tochter. Diese erfolgte
-aber nicht; man rüstete sich vielmehr in der Burg zur Verteidigung.
-Nun umschlossen die von Rothenhaus die Burg und trafen Anstalten
-zum Sturme auf dieselbe. Am frühen Morgen des nächsten
-Tages begann man auch sofort den Angriff, und trotz der verzweifelten
-Gegenwehr der Belagerten hatten die Angreifer bald vom Bergrücken
-her den Wall und Graben überschritten und begannen die Mauern zu
-ersteigen. Da versuchte der jugendliche Ritter vom Neustein ein letztes
-Mittel, die Feinde vom weitern Vordringen abzuhalten. Er schleppte
-das geraubte Fräulein auf den Wartturm und drohte dasselbe in die
-Tiefe zu stürzen. Da trat aber die alte Wärterin heran, welche allein
-im Schlosse seine wahre Abkunft kannte, und teilte ihm mit, daß er
-eben im Begriffe stehe, seine Schwester zu ermorden. Jetzt erfaßte
-Verzweigung den Ritter; er bestieg sein Pferd, ritt auf die Burgmauer,
-gab dem Tiere die Sporen und stürzte mit ihm in die gewaltige Tiefe.
-Die Felsenburg wurde nun vollends eingenommen und zerstört. Groß
-war aber die Trauer zu Rothenhaus, als man erfuhr, wer der gewesen,
-der die Tochter des Grafen geraubt hatte. Der Leichnam des
-Ritters wurde feierlich in der Familiengruft der Rothenhauser beigesetzt.</p>
-
-<h3 id="sec739">739. Das alte Schloß Mulda.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Oberhalb des Ortes Mulda bei Freiberg zeigt man am linken
-Muldenufer in der sogenannten »Grüne« einen Platz, auf welchem<span class="pagenum"><a id="Seite_554">[554]</a></span>
-einst ein altes Schloß stand. Von den Ruinen ist seit einer Reihe
-von Jahren nichts mehr zu sehen, da man die Steine bei einem Wegebau
-verwendete. Die Sage erzählt nun, daß nach dem Schlosse eine
-kupferne Wasserleitung von dem Brunnen auf dem Burgberge geführt
-habe und daß dasselbe von einem gewissen Hegewald niedergerissen
-worden sei. Die Steine verwendete derselbe zum Aufbau des jetzigen
-Rittergutes. Als das Schloß niedergerissen wurde, fand dieser Hegewald
-(er hieß mit dem Vornamen Zacharias, wurde 1670 geboren
-und starb 1731), wie der Volksmund erzählt, in dem Gemäuer einen
-großen Schatz, den er in einem Sacke auf der Schulter nach dem
-neuerbauten Rittergute trug. Die Last war aber so schwer, daß sie
-ihn auf dem Wege erdrückte. Früher soll auch in dem Rittergute ein
-Bild zu sehen gewesen sein, welches diese Begebenheit darstellte.</p>
-
-<h3 id="sec740">740. Tauben verraten das Schloß Schönfels.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. S. 623.)</p>
-
-<p>Das Schloß Schönfels bei Zwickau soll einst rings von einem
-großen Walde umgeben gewesen sein, so daß man es nicht sehen und
-schwer auffinden konnte. Einst wollte es der Feind erstürmen und
-suchte es lange; und hätten nicht Tauben, die man im Schlosse hielt
-und welche ab und zu flogen, die Richtung verraten, so hätte man
-noch lange suchen können.</p>
-
-<h3 id="sec741">741. Schön-Guta von Hassenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ed. Heger in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 143 etc.)</p>
-
-<p>Eine halbe Stunde vor dem Bergstädtchen Platz liegen die von
-einem dreifachen Walle umgebenen Ruinen des Schlosses Hassenstein.
-Nach einer Sage wurde dasselbe in der Mitte des 11. Jahrhunderts
-von einem Reichsritter Emerich erbaut, welcher mit dem Grund und
-Boden von dem Kaiser Heinrich III. für geleistete Kriegsdienste und
-besonders für seinen Beistand in der Heerfahrt gegen den Böhmenherzog
-Achilles Bratislav belehnt worden war. Sieben Jahre dauerte der
-Bau, und als er beendigt war und der Ritter einzog in sein stattliches
-Bergschloß, da nahm er sich vor, als Gebieter Gerechtigkeit,
-aber auch die vollste sittliche Strenge walten zu lassen. Um seine Anschauungen
-von Recht und Sittlichkeit zum Ausdruck zu bringen, that
-er ein Gelübde sonderbar und folgenschwer. Er gelobte, diejenige Bewohnerin
-des Schlosses, welche ihre Ehre verlieren würde &ndash; und<span class="pagenum"><a id="Seite_555">[555]</a></span>
-sollte es auch seine eigene Tochter sein &ndash; lebendig einmauern zu lassen.
-Noch sieht man in der geborstenen Mauer des Hassenstein eine Nische,
-welche der Ritter Emerich für diese furchtbare Bestimmung herstellen
-ließ, um seinem Gelöbnis den weiblichen Schloßbewohnern gegenüber
-den rechten Nachdruck zu geben.</p>
-
-<p>So vergingen Jahre. Der Ritter jagte in den ungeheuren Wäldern
-den starken Eber oder den flüchtigen Edelhirsch, während seine
-Gemahlin die Erziehung ihrer Kinder, dreier Knaben, welche des Vaters
-Stolz und Freude waren, überwachte. Als die Söhne wehrhaft geworden
-waren, lernten sie auf den Nachbarburgen feine Sitte, und
-nachdem sie den Schwertschlag zu Gottes und Mariens Ehre erhalten
-hatten, dienten sie als Ritter an den Höfen im deutschen Reiche. Die
-Burgfrau hatte ihrem Gemahl später auch ein Töchterchen geschenkt,
-dessen Geburt der Mutter leider das Leben kostete. Auf ihrem Sterbelager
-hatte sie ihr Kind der Obhut des alten Schloßkaplans übergeben,
-welcher ihr versprach, dasselbe in Frömmigkeit zu erziehen und
-Vaterstelle an ihm zu vertreten. Denn der Ritter war zu häufig in
-Fehden verwickelt und oft lange von der Burg abwesend, als daß er
-sich der Erziehung seiner Tochter, welche bei der Taufe den Namen
-Guta empfing, mit rechter Aufmerksamkeit hätte widmen können.</p>
-
-<p>Der Schloßkaplan, ein sanftmütiger Priester, verwendete nun
-seine ganze Sorgfalt auf die Erziehung der kleinen Guta, und besonders
-war es die wunderbare Welt der Märchen und der Kreis der
-Sagenlieder und Legenden, welche auf die empfängliche Schülerin den
-größten Eindruck ausübten. So wuchs das Mädchen zur blühenden
-Jungfrau heran und fast schien es, als ob dieselbe ihren sanften Lehrer
-mehr liebe, als den strengen Vater. Derselbe dachte endlich daran,
-wie er seine Tochter versorgen und sich damit zugleich eines Nachfolgers
-im Besitze der Burg versichern könne. Alle seine Söhne, seine natürlichen
-Stützen und Erben hatten ihn ja verlassen, sie weilten, Abenteuer
-suchend, in weiten, unbekannten Fernen und nie hatte er eine Nachricht
-von ihnen erhalten. Die Wahl eines passenden Eidams erschien ihm
-nicht leicht, doch hoffte er sie am besten am Hoflager zu Regensburg
-treffen zu können, wohin Kaiser Heinrich IV., seines kaiserlichen
-Gönners Sohn, die Fürsten, Ritter und Edlen entboten hatte, damit
-des Reiches Wohl und der Römerzug beraten werde. Ritter Emerich
-begab sich also nach Regensburg.</p>
-
-<p>Während der Abwesenheit des Burgherrn beschloß der greise
-Kaplan, seiner Pflegetochter, welche bisher kaum über die Schwelle
-des äußern Burgthores hinausgekommen war, ein größere Maß von
-Freiheit zu gewähren. Er führte sie daher hinaus in die Wälder und<span class="pagenum"><a id="Seite_556">[556]</a></span>
-auf die Fluren und besuchte mit ihr die Ansiedelungen im Burgbanne.
-Oft ruhten sie auf einer Waldwiese unter einer riesigen Eiche und
-lauschten am Morgen dem Gesange der Waldvöglein. Als sie einmal
-wieder so saßen, trat plötzlich aus dem dichten Gebüsch ein schöner
-ritterlicher Jüngling. Guta war anfangs recht erschrocken, doch konnte
-man dem Fremdlinge, welcher die edelsten Sitten zeigte, nicht gram
-sein. Es war ein fahrender Ritter aus dem Meißnerlande, welcher
-in der Gegend Gastfreundschaft gesucht und gefunden hatte und den
-der Zufall auf einer seiner Wanderungen dem Priester und Guta entgegenführte.
-Nach mehreren Tagen traf der Ritter mit ihnen an derselben
-Stelle wieder zusammen, und dann noch öfter und öfter. Der
-Priester war kein strenger Wächter, und so kam es, daß die Herzen
-der jungen Leute sich fanden und der Ritter die Jungfrau um Erlaubnis
-bat, ihr sein Leben weihen zu dürfen. Nach der Rückkehr ihres
-Vaters wollte er um ihre Hand anhalten, denn Guta war es unbekannt
-geblieben, aus welchem Grunde ihr Vater nach Regensburg abgereist
-war. Bald kam aber von dorther die Botschaft an den Kaplan,
-daß der Burgherr bald zurückkehren und den für seine Tochter erkorenen
-Bräutigam sogleich mitbringen werde. Als dies Guta hörte,
-stürzte sie fassungslos ihrem Erzieher zu Füßen und entdeckte ihm ihr
-Geheimnis. Dieser erschrak heftig, denn er kannte die unbeugsame
-Strenge Emerichs und dachte an das offene Grab in der Schloßmauer.
-Freilich fühlte er sich selbst auch nicht von Schuld frei, und nach
-reiflicher Überlegung glaubte er ein Mittel gefunden zu haben, um
-der ersten Heftigkeit des heimkehrenden Burgherrn zu begegnen. Zu
-Seelau im St. Magdalenenkloster, von dem heute kein Stein mehr
-auf dem andern ist, da hat Schön-Guta Aufnahme gefunden; und
-auch der meißnische Ritter ward in die Verbannung geschickt, er ging
-zu den Benediktinern nach Klösterle. So blieb nur der greise Priester
-zurück und derselbe wollte dem Ausbruche des Zornes standhalten.</p>
-
-<p>Als der Schloßherr kam, gestand der Kaplan alles. In wildem
-Grimme vergriff sich der Ritter an ihm, würgte den schwachen Priester
-und stieß ihn über die steile Treppe hinab, so daß der Arme die
-Steinvließe drunten mit seinem Blute färbte und seine Seele aushauchte.
-Nun erst kam der Ritter zur Besinnung und dachte besonders
-an die Verfolgung, welche die mächtige Geistlichkeit gegen ihn einleiten
-würde, wenn sie Kenntnis von diesem Morde erhielte. Deshalb suchte
-er eilig die Spuren des Verbrechens zu beseitigen. Er erinnerte sich
-der Mauernische, die er einst für eine ehrenvergessene Schloßbewohnerin
-hatte herrichten lassen. Wie fürchterlich hatte nun das Geschick entschieden!
-Seine eigene Tochter war zum Opfer geworden, sie hätte er<span class="pagenum"><a id="Seite_557">[557]</a></span>
-nach jenem Gelübde lebendig hier begraben müssen. Da ließ Emerich
-den Leichnam des ermordeten Priesters an jener Stelle bergen. Doch
-damit konnte er die Erinnerung an das Geschehene nicht begraben;
-eine Stimme frug ihn fort und fort: Hast Du auch recht gethan?
-Sein Trotz wollte diese Frage wohl bejahen; doch er konnte damit die
-Stimme des Gewissens nicht betäuben, er ergab sich dem Trunke, um
-so Vergessenheit zu finden. Da geschah es eines Abends, daß er sich
-ruhelos umhertrieb; sein Schritt war unsicher, er wankte und stürzte
-über die jähen Stufen hinab, so daß seine Glieder an eben demselben
-Steine zerschellten, auf welchem der Schloßkaplan seine Seele ausgehaucht
-hatte. Die Knechte und Reisigen bereiteten dann das Begräbnis
-ihres toten Herrn, und außerhalb der Burg, mitten im grünen
-Hag, wo es am kühlsten war und die Vögel am schönsten sangen, dort
-wölbten sie den Hügel des Ritters, und dann zerstreuten sie sich,
-denn sie wollten nicht mehr bleiben an der Stätte mit dem fluchbeladenen
-Steine. Und sprachen sie in der Folge von der Burg, so versäumten
-sie nicht, den Ort des Übels zu kennzeichnen: »Haß dem
-Stein!« Aus dieser Redensart aber entstand im Laufe der Zeit der
-Name »Hassenstein.«</p>
-
-<p>Und die schöne Guta? Die Leute erzählten oft, daß im Kloster
-eine Nonne sei, die man immer weinen sehe, das Gesicht gegen die
-kalten Eisenstäbe des Fensters gedrückt. Und der Ritter aus den
-meißnischen Landen? Der blieb auch im Kloster, denn er hätte keine
-Freude mehr gefunden draußen ohne Guta. Aber die Söhne Ritter
-Emerichs? Die hatten das Kreuz genommen und waren mit Peter dem
-Einsiedler ins heilige Land gezogen und man hat nie mehr von ihnen
-gehört.</p>
-
-<p>Das erledigte Hassenstein erwarben später die Herren von Schönburg,
-welche auch in der Nachbarschaft, bei Klösterle, eine Feste besaßen,
-deren Ruine von den Anwohnern heutzutage »Schömmerich«
-genannt wird.</p>
-
-<h3 id="sec742">742. Die heldenmütige Herrin des Schloß Hartenberg.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 26.)</p>
-
-<p>Zur Zeit der Hussitenkriege lebte auf dem Schlosse Hartenberg,
-umgeben von nur wenigen Getreuen und unter der Obhut einer alten
-Dienerin Zdenka von Hartenberg, eine schöne achtzehnjährige Jungfrau.
-Seit einer Reihe von Jahren mutterlose Waise, entriß ihr auch das
-Schwert eines wütenden Taboriten vor kurzem den Vater, und ihr
-nächster Anverwandter, Jodok von Pichlberg, ein eifriger Utraquist,<span class="pagenum"><a id="Seite_558">[558]</a></span>
-den sie um männlichen Schutz und Beistand anflehte, wollte oder konnte
-solchen nicht leisten, sondern riet ihr, der neuen Lehre beizutreten und
-so aller Gefahren überhoben zu sein. Das mochte Zdenka nicht. Getreu
-den frommen Lehren ihrer verklärten Mutter hing sie mit kindlichem
-Glauben und Vertrauen der katholischen Kirche an und setzte,
-da ihr kein Freund mehr auf der Welt blieb, das feste Vertrauen auf
-Gott, den mächtigen Beschützer der Bedrängten und Verlassenen. Daneben
-vergaß sie auch nicht, an das Ehr- und Pflichtgefühl ihrer Unterthanen
-zu appellieren, versah die Burg mit Lebensmitteln, ließ die
-Mauern, Streittürme und Basteien ausbessern und einen größern Vorrat
-des schon damals im Gebrauche stehenden Schießpulvers herbeischaffen,
-um die einzigen Waffen der Burg, zwei Doppelhaken, in Verwendung
-nehmen zu können, kurz, ordnete alles mit männlicher Umsicht
-und Entschlossenheit an, was zur Verteidigung ihres väterlichen Erbes
-dienen konnte.</p>
-
-<p>Die Vorsicht war nur zu wohl gerechtfertigt. In einer finstern
-Nacht rötete sich der Himmel von mächtigen Feuersäulen, die aus den
-benachbarten, von den Hussiten in Brand gesteckten Dörfern emporstiegen,
-und ein beträchtlicher Taboritenschwarm, angelockt von dem
-reichen ungeplünderten Gute und der ihrer Meinung nach sehr schwach
-oder gar nicht verteidigten Burg, stand bald vor den Thoren Hartenbergs,
-mit rauhen, grimmigen Worten Einlaß begehrend und mit
-drohenden Mienen zur Übergabe auffordernd. Da beides verweigert
-wurde, schrien hunderte von Stimmen nach Sturm, Pfeilen und Pechkränzen
-und vermengten ihre Rufe mit tausend Verwünschungen und
-Flüchen.</p>
-
-<p>Zdenka ließ die Feuerschlünde donnern, ein Steinregen fiel auf
-die Schädel der Stürmenden, heißes Pech troff auf sie herab, und viele
-der blutdürstigen Taboriten, welche versuchten, die Burg in Brand zu
-stecken, den Thorgraben mit Steinblöcken zu füllen, die Mauern zu
-ersteigen, sanken zerschmettert zu Boden. &ndash; Die grause Nacht verging
-und der neue Morgen sah neue Stürme, neue angestrengte Versuche,
-die Burg zu Falle zu bringen. Umsonst; das tapfere Häuflein der
-Eingeschlossenen, angespornt durch Wort und That ihrer edlen Gebieterin,
-sowie die starken Mauern, die tiefen Gräben und die treffliche Lage
-der Burg spotteten aller Versuche der Hussiten, so daß diese beschlossen,
-die Belagerten durch die Macht des Hungers zur Übergabe zu zwingen.
-Die Lage Zdenkas und ihrer Getreuen wurde nun mit jedem Tage
-furchtbarer; Mutlosigkeit riß ein, die Lebensmittel nahmen immer mehr
-ab, die bleiche Krankheit mit der hohläugigen Not erschienen in der
-Burg als unwillkommene Gäste, kein Ersatz war zu erwarten; denn<span class="pagenum"><a id="Seite_559">[559]</a></span>
-das verzagte Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite ausgesteckte
-Notfahne herbeirufen sollte, hatte die schwer heimgesuchte Gegend verlassen.
-&ndash; Als die Not aufs höchste gestiegen war, begab sich die bemitleidenswerte
-Jungfrau in die Burgkapelle, weilte dort auf den
-Knien liegend lange, bange Stunden und faßte daselbst, gestärkt durch
-ein inbrünstiges Gebet, einen bewunderungswürdigen, heroischen Entschluß,
-der, als sie wieder unter ihre Leute getreten war, ihren Augen
-einen eigenen Glanz, ihren Zügen eine stille Ruhe und Resignation,
-ihrem ganzen Wesen eine heilige Weihe gab. Ein Knecht mußte
-die letzte Nahrung, ein Rehviertel, vor den Turm werfen, ein anderer
-ins Horn stoßen und den Anführer der erbitterten Belagerer herbeizurufen.
-Dieser erschien, und Zdenka rief hinab: »Unter gewissen Bedingungen
-will ich die Burg übergeben, obwohl, wie Ihr an dem Wildpret
-sehen könnt, keine Not mich dazu zwingt. Erstlich werdet Ihr meine
-Getreuen mit Hab und Gut frei und ungehindert abziehen lassen.« »Nur
-Euch nicht, holde Frau«, unterbrach sie der Rohe, »sonst mag das ganze
-Gesindel das Weite suchen.« »Ich bleibe in der Burg meiner Väter,
-so lange ich lebe!« rief Zdenka leuchtenden Blicks und fuhr hierauf fort:
-»Dann werdet Ihr Euch nicht eher dem Thore nähern, bis meine Leute
-den Platz gänzlich verlassen und die Stätte jenes Vorwerks erreicht
-haben. Zuletzt beschwöret mir, falls Ihr ein Christ seid, die genaue
-Befolgung des Versprechens.« »Ich schwöre«, tönte es von den Lippen
-des Kelchners, »aber glaubt nur nicht«, setzte er bei, »daß Ihr mir entwischen
-könntet.« &ndash; Zdenka ordnete nun den Abzug ihrer Diener an,
-dankte ihnen für alle bewiesene Treue und gehorsam geleisteten Dienste,
-verteilte ihre Kleinodien und Kostbarkeiten unter sie und tröstete die
-in Thränen Aufgelösten damit, daß ihr der wilde Hussitenführer wohl
-freundlich entgegenkommen werde.</p>
-
-<p>Die Fallbrücke rasselte herab, sechzehn bleiche und abgezehrte
-Männer mit der alten, weinenden Wärterin schwankten heraus, und
-nicht lange darnach stürzten die nach Beute lechzenden Taboriten mit
-ihrem Anführer an der Spitze, welcher die Jungfrau suchte, in die
-Burg. Allein wie vom Blitze gerührt blieb die wilde Rotte am Eingange
-einer Halle stehen und starrte mit stummen Entsetzen auf das
-ihr sich darbietende Bild. Dort in der Mitte des Gemaches stand
-Zdenka, bräutlich geschmückt, Entschlossenheit in Mienen und Gebärden,
-Hoheit und Würde in Haltung und Stellung zeigend. In ihrer Rechten
-loderte, Unheil und Verwüstung drohend, eine Fackel mit blutigrotem
-Scheine, und mit dem Zeigefinger ihrer Linken deutete sie auf ein vor
-ihr stehendes Pulverfaß. &ndash; Todesschauer schien die Kelchner gelähmt
-zu haben, und dieser wollte auch dann nicht von ihnen weichen, als<span class="pagenum"><a id="Seite_560">[560]</a></span>
-ein brausendes Getöse sich gegen die Burg hinanwälzte, und endlich
-ein Haufen sich gesammelten, bewaffneten Landvolkes, entrüstet über
-die unmenschliche Verheerung ihrer Heimat, angefeuert durch die Not
-der verlassenen Jungfrau, zum Entsatze herbeieilte und die blutdürstigen
-Räuber mit leichter Mühe überwältigte. Zdenka stand noch immer,
-wie ein Engel des Todes, drohend vor der Pulvertonne. Erst als sie
-sich gerettet sah, fiel sie, inbrünstig dem Himmel für ihre Rettung
-dankend, auf ihre Knie. Die ruhmwürdige Jungfrau hätte eher die
-Burg in die Luft gesprengt, als sich den Taboriten ergeben, da sie
-voraussah, daß Entehrung und grausame Behandlung ihrer warte.</p>
-
-<h3 id="sec743">743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.</h3>
-
-<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgszeitung 1882, S. 29.)</p>
-
-<p>Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des siebenjährigen
-Krieges, als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein bei Bleistadt
-Vater und Sohn vor dem Kienfeuer sitzend in einem lauten Gespräche
-begriffen waren. Dieses war besonders für letzteren hochinteressant,
-denn oft ließ der fünfzehnjährige Michel seine Hände, welche sich mit
-Kieferspäneschnitzen beschäftigten, sinken und hörte lange Zeit mit gespanntester
-Aufmerksamkeit auf das, was sein Vater, ein alter, verdienter
-Soldat, von seinen Feldzügen gegen den hartnäckigsten Feind
-Maria Theresias mit großem Eifer und dramatischer Lebendigkeit zu
-erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund gesprächiger denn je,
-denn eine österreichische Truppenabteilung, bei deren Anblick sich des
-Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten, war seit wenigen
-Stunden an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte sich für die Nacht
-eine kurze Strecke davon. Immer und immer wieder wurde Michel
-zu bewundernden Ausrufen hingerissen, und es wäre ihm am liebsten
-gewesen, wenn er gleich als Soldat mit Säbel und Gewehr hätte Bekanntschaft
-machen können.</p>
-
-<p>»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete
-den Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert
-in die Stube warf, »heraus mit euch, oder das Feuer wird schnelle
-Beine machen!«</p>
-
-<p>Auf seinem Stelzfuße hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat
-einem Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von
-ihm zu erfahren wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen,
-wie stark sie sei und wo dieselbe liege. Der Veteran erwiderte,
-daß er dieses alles nicht wisse, und weder Versprechungen, noch harte<span class="pagenum"><a id="Seite_561">[561]</a></span>
-Drohungen und arge Mißhandlungen, welche Michel zum Widerstande
-bewogen, konnten den braven Mann veranlassen, zum Verräter zu
-werden, so daß die Preußen diesen entschlossenen Leuten gegenüber
-einen andern Weg einschlugen, um zum Ziele zu gelangen.</p>
-
-<p>Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel
-gezwungen wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib
-einen Strick, dessen Ende der Befehlshaber selber in die Hand
-nahm, wobei er drohend und nachdrücklich sagte: »Du, Bursche, gehst
-links zwei Schritte neben mir und wirst weder husten, noch scharf auftreten.
-Zwei Mann mit gezogenen Säbeln gehen vier Schritte voraus,
-ebenso viele hinten und an den Seiten, die Mannschaft folgt, sechs
-Schritte entfernt, nach. Du führst uns den nächsten Weg zu dem
-Lager der Österreicher und wenn irgend ein Wort meiner Befehle übertreten
-wird, so werden dich meine Leute augenblicklich niederstoßen.«
-Der arme, bedauernswerte Michel leistete anfangs mit stürmischem
-Herzpochen, was man von ihm verlangte; allmählich wurde er aber
-ruhiger, dachte nach und machte endlich den Versuch die verhaßten
-Preußen irre zu führen, um die Soldaten seiner Kaiserin zu retten.
-Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald gemerkt; denn dieser
-zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins Ohr: »Wenn wir in
-einer halben Stunde die Österreicher nicht haben, stirbst du eines martervollen
-Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg mehr und entschlossen
-bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade auf das Lager
-der kaiserlichen Truppen führte. Die schwarze Nacht, die unheimliche
-Stille, das raubtierartige Gebahren seiner schlagfertigen Begleiter
-hatten etwas Fürchterliches, was im Vereine mit den heute von seinem
-Vater erzählten Kriegsthaten seine Thatkraft zeitigte und den kühn
-gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich entdeckten die Vordermänner
-eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf geben wollte,
-lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe sein,
-weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum Stillstande
-gab. Diesen Moment benützte der Bursche, sprang wie ein Luchs
-auf den Befehlshaber und ihn am Halse fest umschlingend, schrie er
-aus allen Leibeskräften: »Auf! auf! die Preußen! Holla, die Feinde!«
-Der Heldenmütige blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß
-seinen Mund auf ewig verstummte, dessen Rufe die kaiserliche
-Mannschaft rettete und ihr über die durch den unverhofften Verrat
-betäubten Preußen einen leichten Sieg verschaffte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_562">[562]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec744">744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.</h3>
-
-<p class="source">(Brandner, Lauenstein. 1845. S. 24 und 25.)</p>
-
-<p>Das Schloß Lauenstein, welches früher Löwenstein hieß, hatte
-wie andere Burgwarten einen markgräflichen Hauptmann. Durch die
-Räubereien dieser Hauptleute aber erhielt Lauenstein später den Ruf
-eines Raubschlosses. Einer dieser Hauptleute, mit Namen Gecko oder
-Jecko, war wegen seiner räuberischen Streifzüge, die er zuweilen bis
-an die Elbe ausdehnte, besonders gefürchtet. Bei einer solchen Gelegenheit
-bekam er die Gemahlin des Burggrafen Otto von Dohna
-und deren Tochter Edda in seine Gewalt, und er ließ beide, da Otto
-das schwere Lösegeld nicht aufbringen konnte, in schmählicher Gefangenschaft
-schmachten. Erst, nachdem Otto die Burg Lauenstein hart bedrängte,
-erhielten sie ihre Freiheit wieder. Aber Ottos Gemahlin genoß
-die Freude des Wiedersehens nur auf Augenblicke, denn als ihr
-Gemahl herbeieilte, um sie zu empfangen, erlag sie, durch lange, harte
-Gefangenschaft, durch Harm und Kummer geschwächt, der Wonne herzlicher
-Bewillkommnung. Sie starb in den Armen ihres Gemahls.</p>
-
-<p>Der Hauptmann Gecko aber fand später ein elendes Ende, das
-man, wie die alte Nachricht hinzufügt, für ein hartes Strafgericht Gottes
-halten mußte.</p>
-
-<p>Als Geckos kleiner Sohn an dem Rande des Zwinggrabens spielte,
-stürzte er, nach Blumen langend, in denselben hinab. Gecko, dies gewahrend,
-eilte behende herbei, um zu helfen, glitt indeß aus, stürzte
-hinab, blieb aber an einem Pfahle hängen und spießte sich denselben
-in der Hüfte zwischen Wamms und Brustschild durch den Leib, woran
-er elendiglich seinen Tod fand. Der Knabe aber ist ohne Fehl wieder
-herausgekommen.</p>
-
-<h3 id="sec745">745. Der treue Haberberger von Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II. S. 43.)</p>
-
-<p>Als Markgraf Friedrich der Freidige, vom Kaiser Adolf besiegt,
-elend im Lande umherzog, kam er, von einem einzigen Diener begleitet
-und unerkannt in eine Schmelzhütte, in welcher ein Freiberger Bürger,
-namens Haberberger, einen starken Blick Silber abtrieb. Als er nun
-gefragt, wem so viel Silber zustände und darüber berichtet worden
-war, hat er den Haberberger allein vor die Hütte geführt, sich zu erkennen
-gegeben und ihn um das Silber angesprochen. Haberberger
-hat ihm dies nicht allein willig zugestellt, sondern ihm auch versprochen,
-daß er ihm nach wenig Tagen, wenn er es geschmolzen, noch mehreres<span class="pagenum"><a id="Seite_563">[563]</a></span>
-geben wolle. Markgraf Friedrich nahm es mit Dank an, und da ihm
-in der Folge noch mehrere reiche Bürger heimlich von ihren Ausbeuten
-zuschickten, warb er neues Kriegsvolk an, mit dem es ihm gelang, in
-seinem Lande wieder festen Fuß zu fassen. Er konnte sich um so mehr
-darin behaupten, als bald darauf der Kaiser abgesetzt wurde und in
-einer Schlacht mit seinem Gegenkaiser sein Leben einbüßte. Haberberger
-aber wurde reichlich beschenkt und erhielt mancherlei Freiheiten.</p>
-
-<h3 id="sec746">746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem
-Freidigen das Leben.</h3>
-
-<p class="source">(Moller a. a. O. II. S. 47.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1305 ist der Kaiser Albrecht nach Altenburg gekommen
-und hat Markgraf Friedrich den Freidigen zu sich entbieten lassen, ihn
-auch freundlich aufgenommen und zu seiner Tafel gezogen, allein heimlich
-hat er einen Meuchelmörder bestellt gehabt, der plötzlich ins Tafelzimmer
-hineinsprang und einen Stoß auf den Markgrafen führte. Als
-dieses seine Diener sahen, ist der eine, so ein Bürger von Freiberg
-gewesen, ihm in den Stoß gefallen, dabei aber tötlich verletzt worden,
-die andern aber haben zu ihrer Wehr gegriffen und teils den Thäter
-in Stücke gehauen, teils ihren Herrn aus der Gefahr vom Schlosse
-hinweg und am folgenden Tage in fremden Kleidern aus der Stadt
-gebracht, worauf er sich nach Pegau gerettet hat.</p>
-
-<h3 id="sec747">747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Peccenstein, <em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I. S. 91 in Gräße, Sagenschatz
-d. K. S. No. 244.)</p>
-
-<p>Der König von Ungarn Matthias ist den deutschen niemals sonderlich
-hold gewesen, also daß er sich mehrmals öffentlich hat vernehmen
-lassen, er wolle den Türken einen Paß durch sein Land vergünstigen,
-Deutschland zu überfallen. Gleichwohl hat er immer deutsches Volk
-an seinem Hofe gehabt und in seinen Kriegen gebraucht, und so ist
-denn auch ein Ritter von Bärenstein in seine Dienste gekommen. Nun
-trug es sich zu, daß der König einmal auf dem Schlosse zu Ofen spazieren
-ging, und wie er dabei an die Löwengrube kommt, so forderte er
-den von Bärenstein zu sich, befiehlt, dem Löwen Fleisch zuwerfen
-und redet darnach den von Bärenstein an, er solle doch, da er so kühn
-sei, den Löwen vom Fleische wegjagen. Wiewohl nun der Ritter leicht
-abnehmen konnte, wie solches gemeint sei und was ihm für Gefahr<span class="pagenum"><a id="Seite_564">[564]</a></span>
-bevorstehe, wenn er es unternehmen wolle, so hat er doch, um allen
-Unglimpf zu verhüten und abzuwenden, sein Leben nicht zu sparen gedacht,
-seinen Mantel um den linken Arm gewickelt, das Schwert in
-die rechte Hand genommen und ist also in die Grube auf den Löwen
-zugegangen. Wie dieser ihn ansichtig worden und sein unerschrockenes
-Gemüt gemerkt, hat er seiner nicht erwarten wollen (wie es denn die
-Natur dieses Tieres sein soll, daß es denen weicht, so es an Kühnheit
-übertreffen), und also hat der Ritter von Bärenstein das Fleisch
-genommen und dem König überbracht, nicht ohne dessen sowie des
-ganzen Hofes große Verwunderung. Ob nun wohl der König sich
-darauf ganz gnädig gegen ihn bezeigt, hat jener doch bald Abschied genommen
-und sich aus seinen Diensten begeben.</p>
-
-<h3 id="sec748">748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847. S. 83.)</p>
-
-<p>Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über Olbernhau
-und Sayda durch das Gebirge herunter nach Oederan zog, galt
-es besonders dem Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus
-der Gefangenschaft entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg
-wohnte. Täglich wurde jetzt dieses Schloß 3 Wochen lang von
-den Hussiten gestürmt. Da rettete den geängstigten Schönberg sein
-Knappe durch einen unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor
-dem Schlosse öffnete. Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine,
-auf dem ein Kreuz eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit
-gehaltenes Roß trug den Ritter in der dunkeln Nacht durch den Forst
-auf die nahe Straße nach Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen
-Hussiten nach und hart vor Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten
-beinahe eingeholt. Der Turmwächter auf dem Meißner Thore
-gewahrte in der Morgendämmerung diese Menschenjagd. Er öffnete
-dem nahenden Ritter, welcher ihm sein weißes Tuch entgegenschwang,
-einen Thorflügel, den er vor den mit heransprengenden Hussiten schnell
-wieder zuschlug. Innerhalb des Thores aber verließen den Ritter die
-Kräfte; auf der Meißner Gasse stürzte er mit dem Pferde und wurde
-tot in das nächste Haus getragen. Auch diese Stelle ward mit
-einem Steine, den man später an die Stadtmauer gelehnt hat, zum
-traurigen Andenken bezeichnet.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_565">[565]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec749">749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Oederan.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chron. der Stadt Oederan. 1847. S. 36.)</p>
-
-<p>Im Bruderkriege wurde die Kirche zu Oederan von Herzog Wilhelms
-wilden, meist böhmischen Kriegern völlig ausgeraubt. Vom
-völligen Feuerruin wurde sie nur dadurch gerettet, daß, als die Räuber
-mit den Pechkränzen schon nach dem Gotteshause liefen, ein adeliges
-Fräulein, Hertha von der Planitz, in die Kirche eilte, das Marienbild
-vom Altare nahm und dieses dem Feldhauptmann Cuno von
-Witzleben, der zu Pferde vor der Kirchthüre hielt, mit den Worten
-zeigte: »Halt ein, du Gottloser! Diese Heilige wohnt in dieser Kirche,
-und wird dich bei ihrem Sohn verklagen. Ich trage sie zurück in ihr
-Heiligtum und werde mich selbst mit ihr verbrennen lassen!« Der Feldhauptmann
-ließ zwar die Pechkränze wieder wegtragen, doch nun die
-Thüre der Kirche erbrechen und diese ausrauben; jedoch befahl er,
-jenes heldenmütige Edelfräulein mit ihrem Marienbilde zu verschonen.
-Dies geschah 1447.</p>
-
-<h3 id="sec750">750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« im Zellwalde
-bei Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Alfr. Moschkau, Geschichte des Benediktinerklosters St. Walpurgis im
-Zellwalde. 1874. S. 8. <em class="antiqua">Saxonia</em> I. S. 172.)</p>
-
-<p>Das im Jahre 1540 als Wallfahrtskirche eingegangene Mönchsklösterlein
-»alte Zelle« im Zellwalde soll nach der Sage ein <em class="gesperrt">Nonnen</em>kloster
-gewesen und erst im dreißigjährigen Kriege eingegangen sein.
-Als Banner Freiberg vergeblich belagert hatte und seinen Zug gegen
-den Zellwald nahm, soll ihm die Aebtissin einen Boten entgegengesandt
-und für die Schonung des Klosters versprochen haben, ihm den Weg
-von Freiberg bis hierher mit Silbergulden zu belegen. Banner aber
-habe geantwortet, er wolle sich das Geld schon selber holen. Endlich
-sei er gekommen, habe das Kloster ausgeplündert und die Gebäude
-dann niedergebrannt.</p>
-
-<p>Eine Sage erzählt noch, daß dieses Nonnenkloster mit dem Mönchskloster
-Altzelle bei Nossen durch einen unterirdischen Gang verbunden
-gewesen sei. (Merkel und Engelhard, Erdbeschreibung von Kursachsen,
-2. B. S. 117.)</p>
-
-<h3 id="sec751">751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>. S. 672.)</p>
-
-<p>In ganz Deutschland ist in keiner Zeche jemals mehr gediegen<span class="pagenum"><a id="Seite_566">[566]</a></span>
-Silber gehauen worden, als in St. Georgen zu Schneeberg. Von
-dem Herzog Albrecht, dem teuren und hochberühmten Helden, wird gemeldet,
-daß er auf diesem St. Georg (1477) angefahren und darin
-auf einer verschrämten großen, gediegenen Silberstufe, woraus später
-400 Centner Silber gewonnen wurden, wie auf einem Tische mit etlichen
-seiner Räte Tafel gehalten, auch unter andern diese nachdenklichen
-Worte gesagt habe: »Unser Kaiser Friedrich ist zwar gewaltig
-und reich, ich weiß aber doch, daß er jetzo keinen solchen stattlichen
-Tisch hat.«</p>
-
-<p>In der Bergamtsstube auf dem Rathause zu Schneeberg wurde
-lange nachher noch der Sattel aufbewahrt, auf welchem Herzog Albrecht
-in den St. Georg und später auch Kurfürst Johann Friedrich auf dem
-Fürsten-Vertrag eingefahren war.</p>
-
-<h3 id="sec752">752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der
-Sehma.</h3>
-
-<p class="source">(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge. Dresden, 1847. S. 205.)</p>
-
-<p>Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen
-der tiefere Teil des angrenzenden Ortes Rothensehma führt. Im engsten
-Sinne ist der Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle
-und vielen Vorrechten, auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart.
-Nach einer Volkssage soll hier (und nicht am Fürstenberge bei
-Grünhain) des Prinzen Albert Errettung aus den Händen Kunzens
-von Kauffungen 1455 geschehen sein. Noch zeigt man im Westen, diesseits
-eines alten Marmorbruchs, den Fürstenbrunnen, und im Süden
-die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige Köhler Schmidt, der Triller
-genannt, sich aufhielt, welcher später die Erlaubnis erhielt, hier an
-der böhmischen Straße den Kretscham (Gasthof) anzulegen.</p>
-
-<h3 id="sec753">753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Berkenmeyer, <em class="antiqua">Cur. Antiquarius</em> S. 652 und W. Schäfer, Der
-Prinzenraub, S. 50; bei Gräße a. a. O. No. 528.)</p>
-
-<p>Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem
-Räuber, dem Ritter Kunz von Kauffungen, durch Gottes Hülfe glücklich
-entronnen waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der
-Ebersdorfer Kirche bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die
-Kleider der beiden jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt,<span class="pagenum"><a id="Seite_567">[567]</a></span>
-wie auch des Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und
-Kappe aufhängen. Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Kuntz Kauffung der viel wilde Mann,<br /></span>
-<span class="i0">Im Meißnerland ist kommen an,<br /></span>
-<span class="i0">Wohl auf das Schloß zu Altenborg,<br /></span>
-<span class="i0">Sehr frech und kühn ohne alle Sorg,<br /></span>
-<span class="i0">Dem Fürsten allda seine Kind,<br /></span>
-<span class="i0">Entführt hat listig und geschwind,<br /></span>
-<span class="i0">Der Kleider noch sie hängen seht,<br /></span>
-<span class="i0">Ein jeder der fürüber geht,<br /></span>
-<span class="i0">Die dazumahl bald nach der That,<br /></span>
-<span class="i0">Der Vater hergehänget hat.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die gegenwärtig in der Pfarre von Ebersdorf aufbewahrten Kleider der Prinzen
-Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.</p></div>
-
-<h3 id="sec754">754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.</h3>
-
-<p class="source">(Alfred Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II. S. 71.)</p>
-
-<p>Die Steinbrücke, die sich unterhalb des Schlosses Nossen über
-die Mulde wölbt, steht auf der Stelle einer uralten Furt. Noch Anfang
-vorigen Jahrhunderts mußte man, um von Meißen her in die
-Stadt zu gelangen, diese Furt passieren und es gehörte zu deren eifrigsten
-Frequentanten längere Zeit August der Starke, den die Liebe oft
-auf das nahe Rittergut Keseberg trieb. Da traf es sich denn einmal,
-als sein Sehnen groß und er dem Ziele so nahe war, daß er ratlos
-mit seinem Gefolge an der Mulde rasten mußte, weil der Strom geschwollen
-und es kein Vorwärts gab. Um nicht wieder in solche fatale
-Lage zu geraten, ordnete August der Starke sofort den Bau der heutigen
-Muldenbrücke an.</p>
-
-<h3 id="sec755">755. Kunigunde Mathesius von Oederan.</h3>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 123 etc.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1572 befand sich Kurfürst August mit seiner Gemahlin
-Anna auf der Augustusburg. Nach wenigen Tagen schon stellten sich
-bei der Kurfürstin Zeichen ein, welche eine schnelle Abreise bedingten.
-Sie wünschte sogleich fort und nach Freiberg geschafft zu werden, wohin
-ihre Frauen, das Nötige zu ordnen, sämtlich vorauseilten. Es<span class="pagenum"><a id="Seite_568">[568]</a></span>
-war spät am Abend und eine finstere Herbstnacht, als August und
-Anna ganz allein diesen nachfolgten. Der kürzere Fürstenweg sollte
-sie schnell nach Freiberg führen. Allein am Tannichtholze war die
-Kraft der Kurfürstin am Ende. Der Kutscher wußte jedoch Bescheid
-und lenkte auf sanftem Feldwege sogleich nach Oederan ein. Hier lag
-alles nach tags vorher gefeiertem »Mariä Geburtsfeste« in tiefem
-Schlafe. Der schwerfällige Wagen bewegte sich langsam bis nach dem
-Obermarkte herauf, wo an der Ecke eines Hauses, des jetzt Oehme'schen,
-No. 108, noch ein Lichtlein durchs Fenster leuchtete. Dahin wünschte
-Anna so heimlich als möglich gebracht zu werden. Der Hauswirt
-Jakob Mathesius, seines Gewerbes ein Schlosser, war mit seiner Tochter
-Kunigunde eben von einem Kindtaufsschmause heimgekehrt und letztere
-vor dem Spiegel beschäftigt, ihren orientalischen Patenschmuck abzulegen,
-als ein leises aber freundliches Rufen sie vor die Thüre lockte.
-Zwei Worte reichten hin ihr zu sagen, wem und wie sie hier zu helfen
-habe, mit gewandtem Anstande führte sie die Landesmutter in ihr
-Schlafzimmer, rief die erfahrene Hausfrau herbei, ordnete die nötige
-Hausarznei und schwatzte die sich erholende Anna in den ihr so
-nötigen Schlaf, bei der das kluge Jüngferchen wie bei einer Mutter
-sorgliche Wache hielt, indeß der Landesvater in der Wohnstube sich
-von dem verblüfften Vater die Wahrheit sagen ließ.</p>
-
-<p>Eine zweistündige Ruhe der gestärkten Fürstin ermutigte diese
-zu dem Wunsche, sogleich weiter zu reisen und den Gemahl herbeizurufen.
-Von der Gemahlin unterrichtet, was und wie viel sie dem
-Mädchen danke, fühlte der Kurfürst sich diesem verpflichtet und hielt
-der Bescheidenen die volle Börse hin. Mit edlem Stolz aber trat
-Kunigunde, den Reichtum abweisend, zurück und sagte: »Mir genügt
-an der ehrenvollen Gnade und dem Heil, das unserm Hause wiederfahren
-ist, und an der Aussicht«, dabei auf die Kurfürstin deutend,
-»für diese Gesegnete des Herrn bald vielleicht knieend diesen meinen
-Dank zu bringen!« »Sie hat Recht!« rief, sich erhebend, die Kurfürstin,
-drängte den Gemahl mit seinem Golde zurück und schloß das
-edle Mädchen in ihre Arme, den zweideutigen Sinn ihrer Worte recht
-gut fassend. »An der Wiege meines Kindes wirst Du diesen Dank
-gen Himmel senden, und dahin mich sogleich begleiten!« Schneller als
-ihr Entschluß, dieser hohen Gnade und dem gütigen Wunsche zu folgen,
-waren die Reisekleider der entzückten Kunigunde herbeigeholt und nach
-wenigen Minuten fuhr sie mit ihren erlauchten Gästen zum Freiberger
-Thore hinaus, hinab nach Dresden, wo nach 4 Wochen die Überglückliche
-denselben orientalischen Patenschmuck am Taufpult der neugeborenen
-Prinzessin trug, welchen sie einst getragen hatte, als ihre
-hohe Gevatterin vor die älterliche Wohnung geführt wurde.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_569">[569]</a></span></p>
-
-<p>Die Kurfürstin verheiratete später diese Kunigunde mit einem
-Freiherrn von Voppelius.</p>
-
-<h3 id="sec756">756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.</h3>
-
-<p class="source">(Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, bearbeitet von Engelhardt, 2. B.,
-S. 105.)</p>
-
-<p>Als Kaiser Maximilian II. im Jahre 1648, da er noch Erzherzog
-war, den Kurfürsten August von Sachsen besuchte, ward von
-letzterem in dem großen Tharander oder Grillenburger Walde eine
-glänzende Jagd veranstaltet. Auf dieser Jagd kam der Erzherzog in
-eine zweifache Lebensgefahr. Denn ehe er sichs versah, gerieth er mit
-seinem unbändigen Rosse an einen steilen Felsenhang, wo nur noch ein
-Schritt zwischen Leben und Tod war, und als er dann, glücklich der
-Gefahr entgangen, wieder umkehrte, um den Jagdtroß zu erreichen,
-verirrte er sich beim Sinken des Tages im Waldesdickicht, und er
-mußte endlich froh sein, daß er die Strohhütte eines Waldhirten erreichte,
-in welcher er übernachten wollte. Den Hirten aber verblendeten
-die reichen Kleider des erlauchten Gastes, so daß er den Vorsatz
-faßte, diesen während seines Schlafes zu ermorden. Doch Maximilians
-Wachsamkeit und Mut vereitelten diesen Plan. Unterdeß
-war auch der Jagdtroß, welcher den Fürsten suchte, herbeigekommen,
-und als die Jäger erfuhren, in welcher Gefahr Maximilian geschwebt
-hatte, schleppten sie den Hirten mit fort. Derselbe wurde sehr bald
-hingerichtet, seine Waldhütte aber wurde verbrannt.</p>
-
-<h3 id="sec757">757. Die Sühne des Ritters Conrad von Theler.</h3>
-
-<p class="source">(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung
-und Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden,
-1863, S. 52.)</p>
-
-<p>Über das Geschlecht der Edlen von Theler, sowie über deren
-reiche Silberzechen im Thale der wilden Weißeritz sind gar manche
-Sagen dem Anscheine nach seit Jahrhunderten im Munde des Volkes,
-und vorzugsweise die Sage vom Ritter Conrad von Theler, welcher
-seinen Hauspfaffen am Sonntage Oculi 1332 in der Sakristei der
-Burgkirche erstochen haben soll, weil dieser ihn von der Kanzel herab
-verflucht und von dem reichen Bergwerkssegen immer zu viel für die
-Kirche verlangt habe. Nach jener verbrecherischen That sei Conrad
-nach Jerusalem gezogen, um dort am heiligen Grabe Buße zu thun,<span class="pagenum"><a id="Seite_570">[570]</a></span>
-und habe, als er am 5. Juli 1334 zurückgekehrt sei, von Höckendorf
-an sieben Bet- oder Marter-Säulen setzen lassen, von welchen gegenwärtig
-noch drei vorhanden sind, deren erste nahe am neuen Höckendorfer
-Kirchhofe steht. Auch habe derselbe den wertvollen Altarschrank bauen
-lassen, der gegenwärtig noch die dortige Kirche schmückt, und dessen
-reiche Vergoldung aus dem Goldbergwerke gewonnen sei, welches
-Conrad in der Höckendorfer Heide besessen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Höckendorfer Kirchennachrichten vom Jahre 1846 bringen hierüber Conrads
-von Theler eigene Worte, welche einer Urkunde entnommen sein sollen. Sie
-heißen: »Was ich mitgebracht hatte, das wollte der Pfaff hineinschlucken, welches
-mir aber nicht anstund; weil nun das Verfluchen auf der Cancel auf mich losging
-und er mich so sehr verfluchte, sagte ich zu ihm: was habt ihr mich und mein Haus
-zu verfluchen, da Christus ja auch für mich gestorben und wieder auferwecket von
-den Toden, zu sitzen zu der rechten Hand Gottes und vertritt uns.</p>
-
-<p>Es war der Sonntag, an welchem das Evangelium: Jesus trieb die Teufel
-aus: Luc. am II. (am Sonntage Oculi) gepredigt wurde, Anno 1332, als ich den
-Pfaffen erstach und sogleich nach Jerusalem reiste, wo ich die heilige Stätte abmas,
-und als ich wieder nach Hause kam, ließ ich vom Dorfe Cunnersdorf an steinerne
-Capellen setzen, welche soviel auseinanderstanden, als unser Heiland mit dem schweren
-Kreuze gegangen ist, ehe er ausruhete, in jeder Capell stehen die sieben Buchstaben
-<em class="antiqua">christus</em>, welches Alles in unserem Herrn Jesu zu einem Gelübde gethan habe. Ich
-Cunrad Theler habe auch den 5. Juny 1334 den hohen Altar zu Höckendorf zu bauen
-angefangen, welcher den 6. October 1337 fertig worden ist, das Schnitzwerk ist aus
-Wien kommen und kostet 5000 Thaler und das Gold mit Vorhängen 24000 Thaler,
-und den 3. November ist selbiger durch einen Cardinal aus Rom geweihet worden.«</p>
-
-<p>Diese Urkunde ist jedenfalls unecht, denn sowohl Moller in seiner Freiberger
-Chronik als auch König in seinem Adelslexikon, welche beide die Thelersche Reise
-nach Jerusalem mitteilen, erzählen nichts von einem Priestermorde, als der Veranlassung
-zu jener Wallfahrt. Vielmehr heißt es in dem angeführten Adelslexicon von
-Conrad Theler, daß derselbe gottesfürchtig, andächtig, im Glauben beständig und
-gegen die Kirche ehrerbietig gewesen sei. (Sachsengrün, 1860, S. 21.)</p></div>
-
-<h3 id="sec758">758. Der treue Rat von Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Pros. Anhang, No. 8.)</p>
-
-<p>Die Söhne Friedrichs des Streitbaren, Kurfürst Friedrich und
-Herzog Wilhelm, hatten über ihre Länder einen Teilungsvertrag geschlossen,
-nach welchem die Stadt Freiberg beiden zugleich angehörte.
-Als nun zwischen den beiden Brüdern der Krieg ausbrach, welcher
-gegen sechs Jahre währte, da war die arme Stadt oft in Kümmernis,
-denn zwei Herren, die sich befehden, durch Treuschwur zugleich unterthan
-zu sein, das ist gar ein schlimmes Ding.</p>
-
-<p>Im Jahre 1446 kam Kurfürst Friedrich, vielleicht nur, um die<span class="pagenum"><a id="Seite_571">[571]</a></span>
-Treue der Bürger zu erproben, mit starker Heeresmacht nach Freiberg,
-hielt auf dem Markte Lager mit seiner Ritterschaft und ließ durch
-einen Herold ausrufen, »daß der Rat und die Bürgschaft bei Verlust
-Gutes und Lebens ihm allein huldigen, seinen Bruder verschwören
-und wider denselben ihm zu Hülfe thun sollten.« &ndash; Da gingen die
-Herren des Rates zusammen und hielten voller Ängsten einen Rat,
-was zu beginnen sei und konnten nichts Erfreuliches ersinnen, denn
-entweder sie mußten den Treuschwur am Herzog Wilhelm brechen,
-oder die Stadt war der Zerstörung durch den Zorn des Kurfürsten
-Friedrich gewärtig. Also waren sie in großen Nöten, wählten aber
-dennoch das beste Teil. &ndash; Als der Herold zum dritten Male rief,
-gingen sie barhäuptig, je zwei und zwei, vom Rathause auf den Markt,
-jeder seinen Sterbekittel am Arme tragend, und traten vor den Kurfürsten,
-um den seine Ritter einen Kreis geschlossen hatten. Nikol
-Weller von Molsdorf, der Bürgermeister, aber nahm das Wort und
-sprach: »Wir und die ganze Stadt sind so bereitwillig als schuldig,
-Euch, unserm gnädigsten Herrn, untertänigst zu gehorsamen, und ist
-uns gegenwärtige Trennung unserer beiden Fürsten ein herzliches Leidwesen;
-aber weil wir dem Herzog Wilhelm, Eurem Bruder, mit
-gleichen Pflichten verhaftet und solcher von ihm noch nicht entlassen
-sind, also auch mit gutem Gewissen keinem Teil Schaden zufügen
-können, so bitten wir um Gotteswillen, Ihr wollet uns doch dabei
-lassen und zu keinem Widrigen zwingen. Wenn es nicht gegen den
-Bruder ginge, so wollten wir gern Leib, Ehre und Gut für Euch zusetzen;
-aber dafern Ihr, was Gott verhüte, in uns dringen wollt,
-so gedenken wir lieber zu sterben, als uns in solche Seelengefahr zu
-stürzen, und ich will gern der Erste sein und mir meinen alten, grauen
-Kopf abhauen lassen!« Durch diese Rede erweicht, warf der Kurfürst
-sein Roß herum, ritt zu Wellern, klopfte ihm auf die Achsel und sagte
-freundlich: »Nicht Kopf weg, Alter! nicht Kopf weg! wir bedürfen
-solcher ehrlicher Leute noch länger, die ihr Eid und Pflicht also in
-acht nehmen!« &ndash; Hierauf lobte er die Treue der Stadt und ermahnte
-die Ratsherren und Bürger, darinnen zu verharren und furchtlos zu
-sein, denn er stehe gern ab von seinem harten Begehren.</p>
-
-<h3 id="sec759">759. Erfindung des Spitzenklöppelns.</h3>
-
-<p class="source">(Aug. Diezmann im Album fürs Erzgebirge, Leipzig, 1847, S. 133.)</p>
-
-<p>Ziemlich allgemein setzt man die Erfindung des Spitzenklöppelns
-durch Barbara Uttman in das Jahr 1561, ohne einen haltbaren Grund<span class="pagenum"><a id="Seite_572">[572]</a></span>
-dafür angeben zu können; wahrscheinlich war in jener Zeit die neue
-Kunst schon so weit vervollkommnet und erleichtert, daß sie von da
-an allgemeinen Eingang fand. Dies muß der Fall gewesen sein, denn
-als 1568 eine bösartige Krankheit in Annaberg herrschte, sollen allein
-in dieser Stadt gegen 800 Spitzenklöpplerinnen gestorben sein.</p>
-
-<p>Barbara Uttmann war die Tochter des Fundgrübners Hans
-Heinrich von Elterlein und wurde im Jahre 1514 geboren. Schon
-frühzeitig zeichnete sie sich durch eine seltene Geschicklichkeit in allen weiblichen
-Arbeiten und namentlich in der Verfertigung von Spitzen mit
-der Nadel aus. Die Sage erzählt nun:</p>
-
-<p>Ein junger Mann aus der damals berühmten Familie Uttman,
-welche durch den Bergbau große Schätze erlangt hatte, sah Barbara,
-verliebte sich in sie und wurde, als er ihr die Gefühle seines Herzens
-entdeckte, durch das Geständnis der Gegenliebe beglückt. Die Eltern
-der jungen Liebenden hatten gegen die Verbindung derselben nichts einzuwenden
-und die Zeit der Vermählung wurde festgesetzt. Die Männer
-trugen zu jener Zeit breite gestickte Hemdkragen und Barbara wünschte
-ihren Bräutigam am Hochzeitsfeste mit einem selbstgefertigten Spitzenkragen
-zu überraschen. Sie sann und grübelte deshalb noch eifriger
-als sonst über die neue Art der Spitzenbereitung, mit der sie sich schon
-lange beschäftigt hatte; sie versuchte wohl tausenderlei, steckte Nadeln
-fest, schlang um dieselben die Faden und endlich brachte sie auf diese
-Weise glücklich ein Gewebe zu Stande, dem sie mit der Nadel die
-letzte Vollendung gab. So soll die erste geklöppelte Spitze entstanden
-sein, welche der Bräutigam der Erfinderin, Christoph Uttman, an
-seinem Hochzeitstage als Halskragen trug.</p>
-
-<p>Eine andere Sage erzählt, daß Barbara in der Kunst des Spitzenklöppelns
-von einer Magd unterrichtet wurde, die aus Brabant entflohen
-war und in dem Hause des Herrn von Elterlein eine Zuflucht
-gefunden hatte.</p>
-
-<h3 id="sec760">760. Christoph Schürer.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 45.)</p>
-
-<p>Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich
-sich verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber,
-wie man den Kobalt nannte, sich erhob, da kam Christoph
-Schürer, eines Apothekers Sohn aus Westphalen und landesflüchtig
-seines evangelischen Glaubens wegen, nach Schneeberg, wo er, als ein
-in der Chemie wohlerfahrener junger Mann, bald eine Anstellung bei
-den Hütten fand. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft gewann er<span class="pagenum"><a id="Seite_573">[573]</a></span>
-die Liebe Anna's, der Tochter des Hüttenmeisters Rau, und bald
-auch durch sein einnehmendes Betragen das Jawort ihres Vaters, so
-daß die Hochzeit auf das nächste Bergfest bestimmt wurde. Ehe aber
-das Bergfest kam, wären beinahe die Hoffnungen Schürers vernichtet
-worden. Bei seinen chemischen Forschungen war er nämlich auf den
-Gedanken geraten, den viel verrufenen Kobalt zu etwas Nützlichem
-umzugestalten. Er machte demnach im geheimen in einer Schmelzhütte
-in Oberschlema vielfache Versuche und trieb es damit oft die
-ganze Nacht hindurch so eifrig, daß er bald in den Verdacht der Alchimisterei
-und Schwarzkünstlerei gerieth. Als daher aus Platten in
-Böhmen, wo er sich bei seinem frühern Aufenthalte daselbst durch
-seinen Glauben Feinde und durch seine Kenntnisse Neider gemacht
-hatte, mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb und
-Glaspartierer gewesen sei, und man seine Auslieferung forderte, gebot
-der Bergmeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der
-Schmelzhütte mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Frohn, ihn
-festzunehmen, fand aber die äußere Thür verschlossen, was er dem
-Bergmeister meldete. Diesen sowie den Hüttenmeister Rau und einige
-Geschworene trieb jetzt die Neugier mitzugehen. Die Thür ward aufgesprengt
-und mit freudefunkelnden Augen trat der Gesuchte den Eintretenden
-entgegen. Aber wie staunte er, als der Frohn ihn griff und
-ihm die Handschellen anzwang! Wie erschrak er, als ihn die Bergherren
-mit Vorwürfen überhäuften und ihn einen Zauberer, Dieb und
-Partierer schalten. Da rief er, schnell sich fassend, mit fester Stimme:
-»Männer prüfen, ehe sie entscheiden! Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug
-hier mit schwarzer Kunst, so tretet her! Seht, dies wollt ich gewinnen,
-und, Gott sei Dank, endlich ists gelungen! Ich meine, es soll
-dem Lande von großem Nutzen sein!« Mit diesen Worten reichte er
-ihnen eine Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehls hin. Die Bergherrn
-staunten und begehrten zu wissen, wie und woraus er solche
-schöne blaue Farbe bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig
-und reinigte sich so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler
-sei. Auch machte es dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe
-versprach, alles zu thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen
-der Böhmen zu erweisen. Dies gelang auch dem wackeren Manne
-bald, und Schürer erhielt nun seine Freiheit wieder und kam durch
-die Erfindung der schönen blauen Farbe, die man anfangs nur blaues
-Wunder, später aber Schmalte nannte, zu großen Ehren, und als das
-Bergfest gekommen war, wurde er des Hüttenmeisters glücklicher Eidam.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_574">[574]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec761">761. <em class="antiqua">Dr.</em> Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses
-mit Gutem.</h3>
-
-<p class="source">(Meißner, Umständl. Nachrichten von Altenberg, S. 19. Darnach
-Gräße, Sagenschatz, No. 232.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1522 haben eine Menge Leute zu Altenberg ein
-hölzernes Bild, das wie Luther angezogen war, gemacht, dasselbe vor
-ein aus fingierten Richtern und Schöppen gebildetes Gericht geführt,
-es wegen Ketzerei verklagt und verurteilt, und dann mit großem Geschrei
-und Lärm auf den Geisingberg geführt und am Sonntag Lätare
-an einem aus 25 Fudern Holz bestehenden Feuer verbrannt, nachdem
-vorher ein gewisser Bergmann darüber den Stab gebrochen und das
-Urteil gesprochen hatte. Zwanzig Jahre nachher kommen zwei Bürger
-aus Altenberg zu <em class="antiqua">Dr.</em> M. Luther gen Wittenberg und bringen ihm
-einen schönen Handstein von rotgüldenem Erze, worauf sie derselbe zu
-Tische bittet. Da sagte der Eine, sein Kamerad habe sich einst schwer
-an ihm versündigt, indem er sein Bild wie Johann Huß zum Feuer
-verdammt, später habe er aber die Wahrheit seiner Lehre erkannt, und
-bitte nun, da ihm solches von Herzen leid sei, demütig um Gnade
-und Verzeihung seines thörichten Unverstandes. Dem Luther gefällt
-die Rede und er sagt, weil solches Feuer ihm und seiner Lehre nichts
-geschadet, solle es ihm im Namen des Herrn vergeben und vergessen
-sein. Wie nun dieser Handel ein gut und ehrliches Gelächter gab,
-spricht der Absolvierte: »O Herr Doktor, ich danke Ew. Ehrwürden,
-aber ich hab noch eine große Schuld auf mir, bitte, Ihr wollet mich
-auch davon absolvieren, denn ich armer Bergmann habe mich bei der
-Zeche verpufft und bin an die 500 Gulden schuldig.« Da sagt der
-Luther: »Ihr Bergleute, wenn Ihr am ärmsten seid, blüht Euer Glück,
-denn da haltet Ihr an und sehet selber zu Euern Zechen, und Not
-lehret Euch beten, zur Kirche gehen und nüchtern und mäßig sein,
-darum wisset Ihr selber nicht, wie reich Ihr seid. Ziehet heim und
-arbeitet treulich und handelt redlich und glaubt und hofft an den Allmächtigen,
-den rechten Erzschaffer im Namen seines Sohnes, der Silber
-und Gold ins Fisches Mund sprach (Matth. 17) und läßt immer Erz
-wachsen und giebts zu rechter Zeit denen, die in ihren Zechen anhalten
-und bei ihm im Gebet aushalten. Der reiche Gott wird mit Euch
-sein, auf seinen reichen Segen und milde Hand absolviere ich Euch von
-aller Eurer Schuld.« Ehe dieser Bergmann wieder zu Hause kommt,
-erhält er Botschaft unterwegs, man habe in seiner Zeche auf dem seligen
-Asar gut Erz angetroffen; da löst er Geld und giebt Ausbeute
-und zahlt alles ab und behält noch Überlauf.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_575">[575]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec762">762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d.
-K. Sachsen, No. 242.)</p>
-
-<p>Als die Hussiten im Jahre 1429 durch das Land Meißen zogen
-und alles mit Mord und Brand verwüsteten, kamen sie auch in das
-sächsische Hochland und zwar in die Nähe des in einem der tiefsten und
-schönsten Thäler Sachsens liegenden Städtchens Gottleuba. Schon
-brachten Flüchtige aus Liebstadt die Nachricht, daß das feindliche Heer
-im Anzuge sei, und um in die benachbarten Berge zu flüchten, schien
-die Zeit zu kurz, wenn es nicht möglich werde, dasselbe eine Zeitlang
-zu beschäftigen. Da rief der Bürgermeister rasch die ratlosen Bürger
-auf dem Markte zusammen, und forderte sie auf, freiwillig zurückzubleiben
-und sich den Hussiten entgegen zu werfen, auf daß Greise,
-Weiber und Kinder indeß Zeit zum Entrinnen gewinnen könnten. Obwohl
-sich aber fast alle Männer bereit erklärten, so wählte der tapfere
-Mann doch nur dreizehn Unverheiratete aus und zog mit ihnen, nachdem
-sie von den Ihrigen auf Nimmerwiedersehen Abschied genommen,
-den Feinden entgegen. Sie besetzten eine steile Bergspitze, bei welcher
-dieselben vorüber mußten, wenn sie zur Stadt wollten, und als ihnen
-die Hussiten einen Gesandten entgegenschickten, der sie zur Übergabe
-auffordern sollte, wiesen sie ihn mutig zurück. Nun rückten jene mit
-ihren ganzen Massen heran, um sie von ihrem Posten zu vertreiben,
-allein sie widerstanden männiglich, und erst nach Verlauf von drei
-Stunden, als keiner der Vierzehn mehr am Leben war, ward der Paß
-frei und die Feinde drangen über die Leichen der tapfern Bürger ins
-Thal herab; allein sie fanden niemanden mehr im Städtchen, denn
-jener Aufenthalt hatte alle gerettet. Die waldige Höhe aber, wo jene
-so wacker gestritten, heißt noch jetzt die vierzehn Nothelfer, obwohl
-manche diesen Namen von einer einst dort gestandenen Kapelle (die 12
-Apostel, die Jungfrau Maria, Johannes der Täufer oder Joseph führen
-in katholischen Ländern den Namen der 14 Nothelfer) herleiten wollen,
-die übrigens recht gut zum Andenken an jene Begebenheit erst erbaut
-sein könnte, um so mehr, als jene 14 hier begraben sein sollen. Eine
-andere, südlich von der Stadt gelegene Anhöhe, welche jenen Bürgern
-als Ausguck gedient haben soll, heißt von derselben Begebenheit noch
-jetzt die »schnelle Gucke«.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Als die 14 Nothelfer galten anderwärts auch Jesus, die 12 Apostel und irgend
-ein Heiliger, welchen der Bischof bezeichnete. Diesen 14 Nothelfern war z. B. ein uraltes
-Wallfahrtskirchlein auf der kahlen Höhe bei Reichstädt geweiht; der Heilige
-war daselbst St. Nikolaus. (Monatsbeilage zur Weißeritzzeitung, 1884, No. 5.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_576">[576]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec763">763. Harras der kühne Springer.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen. No. 327. Sachsens Kirchengalerie
-8. B. S. 118.)</p>
-
-<p>Zwischen Frankenberg und Lichtenwalde an der Zschopau befindet
-sich ein hoher Fels, der Haustein genannt. Am 28. Mai des Jahres
-1499 ist der Ritter von Harras, Besitzer von Lichtenwalde &ndash; seine
-Familie besaß dasselbe bis 1561 &ndash; in einer Fehde von seinen Feinden
-in der Nähe desselben überfallen und so verfolgt worden, daß ihm kein
-anderer Weg zur Rettung übrig blieb, als mit seinem Rosse von der
-Spitze des hohen Felsens, der den Namen Haustein trägt, in den unten
-vorbeiströmenden Zschopaufluß zu springen. Dieser kühne Sprung von
-einer Höhe von mehr als 100 Ellen ist ihm auch geglückt, und da er
-eine Tiefe von 10 Ellen Wasser im Flusse getroffen, hat derselbe weder
-ihm, noch dem Rosse Schaden gebracht, sondern beide haben das gegenüberliegende
-Ufer glücklich erreicht und später im Schlosse zu Lichtenwalde
-Schutz gefunden. Der Ritter aber hat nach der Kapelle zu Ebersdorf
-und dem dort befindlichen Gnadenbilde eine Wallfahrt gemacht
-und zum Andenken daselbst ein großes silbernes Hufeisen hinterlassen,
-welches in der Kapelle aufgehangen, aber um 1529 gegen ein eisernes
-vertauscht worden ist. Dieses Hufeisen befindet sich an einem Balken
-in der Nähe des am mittleren Thore der Kirche zu Ebersdorf errichteten
-steinernen Standbildes eines Ritters Dietrich von Harras, der als der
-kühne Springer bezeichnet wird. Im Mai des Jahres 1801 ist am
-Rande der Zschopau, dem Haustein gegenüber, bei einer sehr alten Eiche
-ein Denkstein mit der Inschrift auf den beiden Hauptseiten: »Dem
-tapfern Springer, Ritter von Harras,« errichtet worden, auf dessen
-Nebenseiten ein Sporn und ein Hufeisen abgebildet wurden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Bei den Brüdern Grimm (Deutsche Sagen, I. No. 332), welche Theodor Körners
-Nachlaß benutzten, lautet die Sage ganz einfach: Bei Lichtenwalde im sächsischen Erzgebirge
-zeigt man an dem Zschopauthal eine Stelle, genannt der Harrassprung, wo
-vor Zeiten ein Ritter, von seinen Feinden verfolgt, die steile Felsenwand hinunter
-geritten sein soll. Das Roß wurde zerschmettert, aber der Held entkam glücklich auf
-das jenseitige Ufer.</p></div>
-
-<h3 id="sec764">764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.</h3>
-
-<p class="source">(K. W. Clauß, Führer auf der Fahrt durch das Weißeritzthal. 1883.
-2. Aufl. S. 12.)</p>
-
-<p>Kurz vor der Haltestelle Seifersdorf zwischen Hainsberg und
-Dippoldiswalde befindet sich auf dem jenseitigen Weißeritzufer der<span class="pagenum"><a id="Seite_577">[577]</a></span>
-Trompeterfelsen, an welchen sich eine Art Harrassage knüpft. Ein
-sächsischer Trompeter wird von Oelsa her von Feinden hart verfolgt
-und steht plötzlich auf einer Waldblöße vor dem Abgrunde. Den Tod
-vor und hinter sich sehend, sprengt er über den Abhang in die Weißeritz.
-Sein Pferd zerschellt, er aber kommt mit dem Leben davon, steigt
-auf die dem Felsen gegenüber liegende Höhe und bläst dort ein »Nun
-danket alle Gott.« Die erbitterten Verfolger sandten ihm Schüsse nach
-und eine Kugel streckte ihn nieder.</p>
-
-<p>Andere erzählen, die Kugel sei ihm zwischen Hand und Mund
-durch die Trompete gefahren, dieselbe unbrauchbar machend. Die
-Trompete sei in das alte Messing gewandert, das Loch aber noch in
-einem Altertumsmuseum zu sehen.</p>
-
-<h3 id="sec765">765. Der Kärrner zu Stollberg.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O. No. 575.)</p>
-
-<p>In der letzten Zeit vor dem 30jährigen Kriege lebte zu Stollberg
-eine Witwe mit ihrer Tochter in einem kleinen Häuschen am
-Ende der Stadt; das Häuschen war ihr von ihrem verstorbenen Ehemanne
-als einziges Erbe hinterlassen worden. Dem Hause gegenüber
-wohnte ein junger Mann, der seinen Unterhalt damit fand, auf den
-Dörfern mit verschiedenen Waren herumzuziehen, die er auf einem
-kleinen Wagen, welchen sein Hund zog, mit sich führte. Nun war der
-junge Mann längst der Tochter der Witwe gut gewesen und auch diese
-hatte ihn immer gern gesehen; da traf es sich, daß er gerade am
-heiligen Christabende mit ihr von seiner Liebe sprach und sie fragte,
-ob sie sein Weib werden wolle. Das Mädchen sagte freudig ja, und
-beide teilten der alten Mutter die frohe Neuigkeit mit und feierten so
-recht in Herzenslust den heiligen Abend. Allein plötzlich sprang der
-Kärrner auf und erklärte, er könne nicht länger bleiben, er müsse
-noch in das benachbarte, 1½ Stunde von der Stadt gelegene Wittendorf,
-das später durch den Krieg zur wüsten Mark ward, um dorthin
-bestellte Waren zu schaffen. Zwar bat ihn seine Braut, nur diesen
-Abend zu bleiben, es sei ihr so ängstlich zu Mute; allein der Kärrner
-lachte sie aus und meinte, es sei ja Mondenschein, er habe den Weg
-schon so viele male bei schlechterem Wetter und im Finstern gemacht,
-er werde ihn also auch heute nicht verfehlen. Er ließ sich nicht halten,
-sein Mädchen aber setzte sich traurig an den Spinnrocken und versuchte
-sich die Zeit mit Spinnen zu vertreiben. Aber in ihrer Herzensangst
-kamen ihr häßliche Bilder vor, die Spindel und das Garn schienen<span class="pagenum"><a id="Seite_578">[578]</a></span>
-ihr blutig zu sein, und es war ihr, als spinne sie ihr Leichenhemde.
-Sie nahm also das Gesangbuch und die Bibel zur Hand, allein alles
-half nichts, es wollte keine Ruhe in ihr ängstlich schlagendes Herz einziehen.
-Endlich hörte sie die Glocke zur Frühmette läuten und sie eilte
-hinaus, um zu sehen, ob ihr Bräutigam zurückgekehrt sei; allein weder
-jetzt noch nach dem Schlusse der Mette ließ er sich sehen. Endlich
-hatte sie keine Ruhe mehr, sie bat einen ihr freundlich gesinnten Nachbar
-sie nach Wittendorf zu begleiten, um dort zu hören, ob ihrem
-Geliebten etwas zugestoßen sei. Als sie aber dort ankamen, hörten
-sie, derselbe sei zwar dagewesen, aber schon seit Mitternacht wieder
-fortgefahren, und sie konnten also nicht mehr zweifeln, daß ihm ein
-Unglück begegnet sei. Auf dem Rückwege verfolgten sie nun die Spur,
-welche der Kärrner mit seinem Wagen hinterlassen hatte, und dieselbe
-führte sie auch deutlich nach einer morastigen, aber grundlosen Stelle
-eines den Stollbergern unter dem Namen des Walkteiches bekannten
-Weihers, wo sie auf einmal aufhörte. Jetzt konnte die Arme nicht
-mehr an dem Schicksale ihres Bräutigams zweifeln, sie kehrte trostlos
-in das Städtchen zurück und sprach im halben Wahnsinn zu ihrer alten
-Mutter, in drei Monaten werde sie ihr Bräutigam zur Trauung abholen,
-bis dahin müsse sie sich ihr Hochzeitskleid spinnen. So spann
-sie denn emsig bis zum Osterfeste, und als die Mitternacht des Vorabends
-gekommen war, da dünkte es ihr, es poche jemand dreimal
-ans Fenster. Sie öffnete es und es schien ihr Bräutigam draußen
-zu stehen, zwar mit totenbleichem, aber himmlischfreundlichem Gesichte;
-er lud einen Myrthenkranz und Cypressenranken von seinem Wagen ab
-und verschwand. Kaum hatte sie ihrer bekümmerten Mutter von der
-Erscheinung erzählt, als sie auch schwer erkrankte, und es waren nicht
-24 Stunden verronnen, da war das Mädchen entschlafen. Seit dieser
-Zeit sagt man aber, daß sich der Geist des Kärrners mit seinem Wagen
-und Hunde in den Gassen von Stollberg allnächtlich sehen lasse, und
-wo er vor einem Hause anhält und Kränze abladet, da wird jemand
-aus demselben drei Tage nachher begraben, und wenn jemand in der
-Stadt auf den Tod liegt, da sagt man: Dort hat der Kärrner abgeladen.
-Das Sumpfloch aber, worin er sein Grab fand, heißt noch
-heute das Kärrnerloch.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Aus den Akten über den Kärrner von Stollberg ergiebt sich folgendes: Er
-hieß Martin Schmidt aus Crottendorf und ertrank am 24. Dezember 1591 abends 6
-Uhr im Ratsteiche, d. i. Walkteiche, zu Stollberg. Am 25. abends 4 Uhr ist er aufgefunden,
-durch den Scharfrichter herausgezogen, aufgehoben und »hinterm Städtlein
-an der Zwickschen Straße auf dem Scheidewege, am Viehweg nach Würschnitz zu«
-begraben worden. Solches ist vom Stollberger Schösser Lorenz Stuihler dem Beamten<span class="pagenum"><a id="Seite_579">[579]</a></span>
-in Schwarzenberg, Seibold Werner, gemeldet und bei demselben, wahrscheinlich
-weil man in Zweifel war, ob der Mann ertrunken oder sich ertränkt hatte, angefragt
-worden, wie man sich dabei zu verhalten habe, da so ein Fall ihm weder
-bei seinen jetzigen, noch in seinen früheren Ämtern vorgekommen sei. Dieser hat
-darauf angeraten, sich darüber beim Amte Chemnitz, wo sich zweifelsohne solche Fälle
-schon zugetragen, im Vertrauen zu befragen. (Stollberger Anzeiger, 1882, No. 39.)</p></div>
-
-<h3 id="sec766">766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.</h3>
-
-<p class="source">(Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirgs, I. 1822.
-S. 167 etc. Gräße, Sagenschatz etc. No. 478.)</p>
-
-<p>Einst lebte in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf ein junger Bergmann,
-namens Oswald Barthel, des alten Bergmanns Michael Barthel
-Sohn, der von seinen Vorgesetzten so geschätzt war, daß ihm der reiche
-Obersteiger Baumwald seine einzige Tochter Anna verlobte. Nun sollte
-er im tiefen Stolln »Gutes Glück« im Sauberge anfahren, um einen
-Durchschlag zu machen, welches wegen des entgegenstehenden Wassers
-unter die gefährlichsten Arbeiten des Bergbaues gehört. Er und diejenigen
-seiner Kameraden, welche die Reihe hierzu traf, traten nun,
-nachdem sie zuvor mit ihrem Steiger gebeichtet und das heilige Abendmahl
-genommen, am Tage St. Katharinä im Jahre 1508 die Fahrt
-mit einem herzlichen Glückauf! an. Als sie an dem gefährlichen Punkte
-angekommen waren, ward die Arbeit sofort in rolliger, sehr gebrechlicher
-Bergart betrieben und das Einstürzen der Firste durch Zimmerung
-verhütet. Die Last war groß, die auf dieser Zimmerung ruhte, und
-als der Steiger, etwas zurückstehend, eben eine Anordnung treffen wollte,
-hörte er ein heftiges Krachen in der Firsten-Zimmerung und im nächsten
-Augenblick ein gleiches. »Brüder, rettet Euch!« rief er schnell,
-»es macht einen Bruch!« Diesem Rufe folgten alle in der größten
-Eile, nur Oswald, der jüngste und rascheste von allen blieb auf eine
-bis jetzt unbegreiflich gebliebene Weise zurück und wurde verschüttet.
-Zwar gab man sich die unsäglichste Mühe, den armen Oswald zu
-retten, und immer neue Arbeiter lösten die bereits ermatteten ab, aber
-vergebens, es brach immer mehr nach und der Unglückliche ward nicht
-wieder gefunden. Als nun aber die Braut des armen Bergmanns die
-furchtbare Kunde vernahm, sank sie zuerst in eine tiefe Ohnmacht, aus
-der sie nur wieder erwachte, um in eine tödliche Krankheit zu verfallen.
-Zwar besiegte ihre Jugendkraft dieselbe und sie ward dem Leben erhalten,
-allein als sie nach ihrer Genesung zum ersten male wieder das
-Gotteshaus betrat, da brachte sie am Altar der hochheiligen Mutter
-des Herrn das Gelübde, ihrem Oswald treu zu bleiben und ihr Leben<span class="pagenum"><a id="Seite_580">[580]</a></span>
-lang Jungfrau zu bleiben; dann hing sie ihren Brautkranz mit eigner
-Hand unter den Totenkränzen in der Kirche auf und lebte in tiefster
-Stille, den Segen der Armen verdienend. &ndash; So gingen denn seit jenem
-Unglückstage viele Jahre dahin und zuletzt waren nur noch die jungfräuliche
-Braut, sowie drei Bergleute, Balthasar Thomas Kendler,
-Andreas Reiter der ältere, beide in Ehrenfriedersdorf, sowie Simon
-Löser, in Drehbach wohnhaft, von allen denen übrig, die damals das
-unglückliche Ereignis mit angesehen hatten. Da fügte es sich, daß in
-Brünlers Fdgr. am Sauberge ein Stolln bewältigt wurde, und als man in
-die siebente Lachter im rolligen Gebirge fortgerückt war, stieß man auf
-einen in der Erde liegenden menschlichen Körper, der noch in seinen
-unverwesten Kleidern dalag. Mit vieler Mühe machte man ihn von
-seiner drängenden Umgebung frei und schaffte ihn nach dem Tageschachte,
-da brach dieser harte Leichnam mitten auseinander und man konnte
-ihn also nur in zwei Stücken heraufwinden. Diese Begebenheit wurde
-sogleich dem damaligen Bergmeister Valentin Feige gemeldet, welcher
-den Geschwornen Thomas Langer rufen und die obengenannten Greise
-an Bergamtsstelle bescheiden ließ. Diese Männer sagten nun aus, daß
-sie sich noch wohl erinnerten, wie einst in der Zeit ihrer Jugend, vor
-60 Jahren, ein junger Bergmann, namens Oswald Barthel, in der
-Gegend, wo der Leichnam jetzt gefunden worden, so verfallen sei, daß
-ihn niemand habe retten können. Und als man nun den Leichnam brachte,
-erkannten sie ihn als den Verschütteten. Dieses Wiederfinden geschah
-am 20. Sept. 1568, so daß der Verschüttete 60 Jahre 9 Wochen und
-3 Tage in der Erde gelegen hatte, als man ihn wiederfand, worauf
-er am 26. desselbigen Monats mit einem feierlichen Leichenbegängnis
-wieder zur Erde bestattet wurde, welche ihn schon so lange umschlossen
-gehabt hatte. Es war ein Begräbnis, wie Ehrenfriedersdorf noch keins
-gesehen hatte. Der Leichenzug bestand aus Tausenden, die herbeigekommen
-waren, um dem so wunderbar Wiedergefundenen das letzte Geleite
-zu geben. Als die Leiche eingesenkt werden sollte, eilte auch die
-treugebliebene Braut herbei und sprach den Wunsch aus, ihrem Bräutigam
-bald folgen zu können, und nach wenigen Tagen ward ihre Hoffnung
-auch erfüllt. In der Gedächtnispredigt, welche der damalige
-Ortspfarrer <em class="antiqua">M.</em> Georg Raute hielt, sagte derselbe am Eingange, es
-sei eine wundersame Mär, daß er, der Pfarrer, der schon im 31. Jahre
-stehe, heute einer Leiche die Gedächtnispredigt halte, welche schon 30
-Jahre vor seiner Geburt gestorben sei. Als Oswald verschüttet ward,
-herrschte in Ehrenfriedersdorf noch das Papsttum, als er begraben ward,
-hatte dasselbe schon längst der Reformation weichen müssen. Noch heute
-heißt aber die Hauptzusammenkunft der Bergknappschaft zu Ehrenfriedersdorf,<span class="pagenum"><a id="Seite_581">[581]</a></span>
-die zugleich eine Begräbnis-Brüderschaft ist, und welche am
-Montag nach Ostern abgehalten wird, zum Andenken an obige Begebenheit
-die lange Schicht.</p>
-
-<p>Nach einer andern Überlieferung, welche Dietrich erzählt, lebte
-von den einstigen Kameraden Oswalds, als man seine Leiche wieder
-auffand, nur noch einer, der alte Balthasar. Oswald aber wurde von
-der Verwesung noch unversehrt, in seinem Grubenkittel, lederner Bergkappe,
-desgleichen mit seinem Gezäh (Werkzeug), seiner Unschlitttasche
-und dem Zscherper wiedergefunden, ohne daß er beim Heraufwinden
-in zwei Stücke zerbrach. Als das Leichenbegängnis beendet war, wankte
-Oswalds Braut Anna, geleitet von dem Bergmeister und dem Pfarrer
-in ihre Wohnung zurück. Hier bat sie, daß man ihr den Brautkranz
-aus der Kirche wieder gebe, und ihre Bitte ward gewährt. Am nächsten
-Sonntagsmorgen genoß sie in der Kirche öffentlich das Abendmahl
-des Herrn, die längst vertrocknete Myrthenkrone im Silberhaar; dem
-alten Balthasar aber mußte man die heilige Spende zum Krankenlager
-bringen, denn ein Schlagfluß hatte ihn darniedergeworfen und seine
-Auflösung war nahe. An diesem Sonntage noch ging mit der Himmelssonne
-auch der treuen Anna Lebenssonne unter, und um Mitternacht
-folgte ihr Balthasar nach. Es wurden diese beiden an einem Tage
-begraben. Oswald und Anna ruhen in einem Grabe, des treuen Freundes
-Balthasars Grab aber war nahe an Oswalds Seite, und tausende
-von Thränen weihten ihre stillen Ruhestätten.</p>
-
-<h3 id="sec767">767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern
-bei Reichstädt.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt durch Ludw. Lamer in der Monatsbeilage zur Weißeritz-Zeitung
-1886. No. 5 etc.)</p>
-
-<p>Ganz in der Nähe des Dorfes Reichstädt, 1½ Stunde von
-Dippoldiswalde gelegen, stand ehedem auf einer Anhöhe, die »Kahle
-Höhe« genannt, ganz einsam und verlassen ein uraltes Kirchlein, den
-»vierzehn Nothelfern« geweiht. Nach einer Urkunde vom Jahre 1320
-war dasselbe eine überaus berühmte Wallfahrtskapelle, und zu ihr strömten
-jährlich viele Tausende, um ihre Anliegen und Gebete den vierzehn
-Nothelfern, nämlich Jesu, den zwölf Aposteln und dem heilgen Nikolaus
-vorzutragen. Durch die vielen, der Kirche gespendeten Geschenke
-wurde dieselbe sehr reich; als aber nach Beginn der Reformation die
-zahlreichen Wallfahrer ausblieben und im niedern Teile des Dorfes
-Reichstädt eine Kirche gebaut und daselbst der lutherische Gottesdienst<span class="pagenum"><a id="Seite_582">[582]</a></span>
-eingeführt worden war, verschwand plötzlich auch der letzte Meßpriester der
-Kapelle und mit ihm das ganze aufgehäufte Vermögen derselben nebst
-den Heiligenbildern und Kirchengeräten. So verfiel nach und nach das
-Kirchlein und während des dreißigjährigen Krieges wurden auch Bänke,
-Betstühle und alles Holzwerk herausgerissen und verbrannt. In der
-Zeit nun, da das kleine Gotteshaus mit leerem Boden und leeren
-Wänden dastand, geschah folgendes: Bei dem reichen Bauer Wolf zu
-Oberreichstädt diente in den 1640er Jahren die Tochter einer armen
-Witwe aus Sadisdorf, namens Hanna. Durch ihren Fleiß, ihre
-Treue und Bescheidenheit machte sich dieselbe bei ihrer Herrschaft bald
-beliebt; noch mehr aber gefiel Hanna dem einzigen Sohne ihres Dienstherrn,
-einem mit ihr gleichaltrigen, blühenden Burschen mit Namen
-Christian. Allgemach zog die Liebe zu dem Mädchen in sein Herz, doch
-verriet er davon nichts, denn sein Vater war starrsinnig und unbeugsam
-und dabei dem Gelde so wohlgeneigt, daß er nie die Verbindung
-seines einzigen Sohnes mit einem armen Mädchen zugegeben hätte.
-Das wußte der Sohn aus manchen Äußerungen des Vaters. Ja eines
-Tages sagte ihm derselbe, daß er für ihn die Tochter eines reichen
-Bauern zur Frau bestimmt habe, die ihm sogleich 2000 Thaler als
-Heiratsgut mitbringen werde. Doch Christian weigerte sich, dieses
-Mädchen heimzuführen, da dasselbe träge, zänkisch und roh sei. Erzürnt
-drohte ihm darauf der Vater, daß er nie seine Einwilligung zu einer
-andern Verbindung geben werde, es sei denn, daß ihm die Braut ebenfalls
-2000 Thaler Mitgift zuführe. Da Hanna diese Worte ebenfalls,
-von beiden unbemerkt, gehört hatte, war ihr Herz traurig, denn auch
-sie liebte Christian heimlich von ganzem Herzen. Sie nahm sich alsobald
-vor, das Haus, in welchem sie so glücklich gewesen war, zu verlassen.
-Aber als Christian ihren Kummer sah und in sie drang, ihm
-zu sagen, was ihr fehle, weinte sie heftig und beide gestanden sich ihre
-gegenseitige Liebe. Da sagte Christian, daß er sich vor der Drohung
-seines Vaters nicht fürchte und er bat Hanna, noch zu bleiben, da ja
-Gott alles noch zum Besten lenken werde.</p>
-
-<p>Bald darauf wurde der Vater Wolf bedenklich krank und auf
-seinem Lager ließ er sein Testament mit der ausdrücklichen Bestimmung
-anfertigen, daß sein Sohn Christian nach seinem Ableben nur dann
-als Erbe der Besitzung zu betrachten sei, wenn derselbe eine Frau mit
-2000 Thalern Mitgift eheliche; sei dies jedoch in vier Jahren nach
-des Testators Ableben nicht erfolgt, so trete der älteste Sohn seines
-Bruders als rechtmäßiger Erbe ein. Der Vater hatte also sein früher
-ausgesprochenes Wort nicht vergessen.</p>
-
-<p>Hannas Mutter zu Sadisdorf war während der Zeit ebenfalls<span class="pagenum"><a id="Seite_583">[583]</a></span>
-erkrankt. An einem rauhen Sonntage des Herbstes 1644 ging daher
-Hanna nach Hause, um nach ihrer Mutter zu sehen. Die Stunden vergingen
-schnell, und als es Mitternacht schlug, machte sie sich wieder auf den
-Rückweg. Sie mußte dabei an der Kirche zu den vierzehn Nothelfern
-vorüber. Da vernahmen ihre Ohren plötzlich schwere Tritte hinter sich,
-und als sie sich umblickte, gewahrte sie zwei schwedische Soldaten,
-welche ihr eilig folgten. Sie lief so schnell, als sie nur konnte, und
-als sie an dem Kirchlein anlangte, waren die Verfolger dicht hinter
-ihr. In ihrer Todesangst riß sie an der Thüre des Kirchleins und dieselbe
-gab glücklich nach, da sie wunderbarer Weise nicht verschlossen war.
-Schnell schlüpfte sie hinein und schlug mit kräftigem Stoße die Thüre
-wieder ins Schloß zurück. Es war die höchste Zeit gewesen. Draußen
-tobten die Soldaten und versuchten die Thüre zu sprengen, Hanna
-aber sah sich vergeblich in der leeren Kirche um, um irgend ein Versteck zu
-finden. Nur hinter dem Gemäuer, wo sonst der Altar gestanden hatte,
-bemerkte sie ein geräumiges Loch, das sie zwar nicht völlig, aber doch
-teilweise aufnehmen konnte. Emsig arbeitete sie, durch Auswerfen des
-Schuttes das Versteck zu erweitern. Hierbei wurden ihre Gedanken
-plötzlich auf einen ganz besonderen Gegenstand gerichtet, und sie vergaß
-wenigstem auf Augenblicke die Gefahr, in der sie sich befand. Zwischen
-ihren Fingern fühlte sie nämlich unerwartet ein Geldstück von der
-Größe eines Dukatens; ob es wirklich ein solcher sei, konnte sie freilich
-wegen der Finsternis, die sie umgab, nicht bestimmen, doch unterschied
-sie mit den Fingern recht deutlich ein Gepräge. Mit Eifer suchte sie
-nun weiter und fand dann nach und nach eine solche Menge, daß sie
-das Gewicht derselben in ihrer Schürze fühlte. Waren es wirklich
-Dukaten, so hatte ihr Gott geholfen und sie war ihres Kummers und
-ihrer Sorgen enthoben. Draußen vor der Kirche war es unterdeß auch
-still geworden, und nachdem Hanna noch lange gelauscht und annehmen
-konnte, daß sich ihre Verfolger wieder entfernt hatten, versuchte sie die
-Thüre zu öffnen. Mit der größten Anstrengung gelang ihr dies endlich
-und sie trat hinaus. Die Soldaten waren nirgends mehr zu sehen, und
-glücklich gelangte das Mädchen in das Haus ihres Dienstherrn, wo sie
-sich erschöpft niederlegte. Am Morgen, so bald es dämmerte, sah sie
-sich die Geldstücke an, und richtig, es waren lauter Dukaten, deren sie
-zusammen 820 Stück zählte. Da sie dieselben alsobald dem aus seiner Kammer
-tretenden Christian zeigte und ihm erzählte, wie sie zu diesem
-Schatze gekommen sei, der ja mehr betrug als 2000 Thaler, staunte
-derselbe zunächst, dann aber brach er in laute Freudenrufe aus. Jetzt
-war das Hindernis, welches ihrer Vereinigung entgegenstand, plötzlich
-und auf so wunderbare Weise gehoben. In ihren besten Gewändern<span class="pagenum"><a id="Seite_584">[584]</a></span>
-betraten beide bald darauf das Gemach des Vaters Wolf, der noch
-an das Bett gefesselt war. Hier bat Christian um seinen Segen zur
-ehelichen Verbindung mit Hanna, die nun mehr als 2000 Thaler
-Mitgift besäße. Dabei legte das Mädchen die Dukaten in einem Tuche
-auf das Bett. Erst wußte der Vater nicht, was er dazu sagen sollte,
-als aber Hanna den nötigen Aufschluß gegeben hatte, ging eine merkliche
-Veränderung in seinem Innern vor. Nach langem Sinnen erfaßte
-er endlich die Hände des jungen Paares, segnete es und sagte:
-»Ich war hart gegen euch, aber Gott wußte ein Mittel, durch welches
-meine Härte und mein Starrsinn gebrochen worden ist.« Auch die
-Mutter trat nun tief bewegt hinzu und segnete das Paar; sie hatte
-ja oft gewünscht, daß Hanna ihre Schwiegertochter werden möchte. Der
-Sohn übernahm das Gut des Vaters und bald wurde eine fröhliche
-Hochzeit gefeiert. Damit zog wieder Friede und Glück in der Familie
-ein. Noch heute soll das Wolfsche Geschlecht in mehreren Zweigen in
-Reichstädt fortleben.</p>
-
-<h3 id="sec768">768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der metr. Bearbeitung im Glückauf, 1. Jahrg. S. 60.)</p>
-
-<p>Im Schwarzwasserthale lag einst eine Zeche, »Trau auf Gott«
-genannt. Als der Besitzer derselben seinen Knappen versprach, daß derjenige
-von ihnen, welcher zuerst eine reiche Silberader finden und dieselbe
-anhauen werde, die Hälfte der Ausbeute erhalten solle, da regten
-sich mit verdoppeltem Eifer die Hände der fleißigen Knappen. Aber
-manche Schicht wurde verfahren und es zeigte sich doch immer nur
-taubes Gestein, so daß endlich Unmut an der Stelle der Hoffnung in
-den Herzen platzgriff. Ein Knappe war es endlich nur noch, welcher
-in der Grube fortarbeitete; er gönnte sich kaum die nötige Ruhe, so
-daß er auch in den Nachtstunden seine Schicht verfuhr. Da geschah
-es einmal um Mitternacht, als er bekümmerten Herzens ein Gebet zum
-Himmel sendete, daß ihm der Berggeist im hellen Lichte erschien und
-einen reichen Gang zeigte, aus dem bald das reichste Erz brach. Froh
-eilte mit Tagesanbruch der Knappe zu seinem Herrn und verkündigte
-ihm das große Glück. Beide stiegen in den Schacht hinab, wo ihnen
-das Silbererz entgegenleuchtete. Als aber der Knappe den Herrn an
-sein Versprechen erinnerte und dabei auf die Not der Seinen hinwies,
-die jetzt gehoben sei, stand der Eigner schweigend und überdachte, wie
-viel Reichtum er verschenken müsse, wenn er sein Versprechen halten
-wollte. Die Habsucht verhärtete sein Herz und er beschloß, den unbequemen
-Mahner heimlich aus dem Wege zu schaffen. Aus der Grube<span class="pagenum"><a id="Seite_585">[585]</a></span>
-tönte jähes Angstgeschrei hinauf, dann war es still. Der Knappe fuhr
-nicht mehr hinauf zum Tageslichte und sein Weib und seine Kinder
-mußten, da ihnen der Ernährer so plötzlich genommen war, betteln
-gehen. Die Grube »Trau auf Gott« aber blieb von Stund an verlassen,
-denn der Berggeist nahm wieder, was er so reichlich geboten
-hatte. Der Grubenherr fand die verdiente Strafe, denn er verfiel den
-höllischen Mächten. Sein von Reue gequältes Herz jedoch wuchs zum
-riesengroßen Steine, der heute noch als »steinernes Herz« in den Fluten
-des Schwarzwassers liegt.</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Eidbruch und die Sucht nach Erz<br /></span>
-<span class="i0">Räumt dem Bösen Wohnung ein,<br /></span>
-<span class="i0">Macht das Menschenherz zu Stein.«<br /></span>
-</div></div>
-
-<h3 id="sec769">769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.</h3>
-
-<p class="source">(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane. S. 63.)</p>
-
-<p>Eine gedruckte Nachricht von 1788 erzählt: Da das Städtlein
-Meerane dreierlei Gerichte hatte, so kam es, daß zu Anfange des 18.
-Jahrhunderts dieser Ort in einem fast bösen Geschrei war, weil sich
-fremd liederlich Gesindel da aufgehalten, so bei Visitationen leicht aus
-einem Gerichte oder Amtssprengel ins andere entwischen können; daher
-entstund in dieser Gegend ein Sprichwort, daß, wenn man einen schimpfen
-wollte, man ihn einen Meeraner genannt. Nachher ist dieses Geschrei
-durch gute Ordnung der Obrigkeit und redliche Einwohner völlig unterdrückt
-worden. Es geschah, daß der dortige Pastor <em class="antiqua">M.</em> Sigismund
-Stolze einstmals auf die Leipziger Messe reiste. Als er mit dem Wagen
-unter's Thor zu Leipzig kam, wurde er gefragt, woher er käme
-und wer er wäre. Als er es beantwortet: der Pastor von Meerane!
-mußte er wieder umkehren, weil man von Meerane niemanden einlassen
-durfte. Der gute Mann kehrte mit der Kutsche wieder um und fuhr
-unter einem andern Namen zu einem andern Thore hinein. Bei seiner
-Heimkunft brachte er dies mit Thränen auf der Kanzel vor, ließ auch
-nicht eher nach, bis seine berüchtigte Gemeinde ein besseres Leben zu
-führen anfing.</p>
-
-<h3 id="sec770">770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.</h3>
-
-<p class="source">(Merkels u. Engelhardts Erdbeschreibung v. Kursachsen, 3. B. S. 140.
-143. Joh. Gottlieb Kern v. Schneckensteine. Prag 1776. S. 5.)</p>
-
-<p>Eine Stunde von Tannebergsthal über Auerbach liegt im Walde
-der Topasfelsen Schneckenstein, der diesen Namen von den vielen<span class="pagenum"><a id="Seite_586">[586]</a></span>
-Schnecken, welche an seinem hier und da feuchten Fuße sich aufzuhalten
-pflegten, erhalten haben soll. Es wird erzählt, daß er erst durch einen
-Tuchmacher aus Auerbach, namens Kraut, seit 1727 allgemein bekannt
-und seitdem auch fleißig benutzt worden sei. Jener Kraut, welcher ein
-eigener seltsamer Mensch und ein etwas lockerer Mann, der nicht im
-besten Rufe stand, genannt wird, soll durch Holzhauer oder Kohlenbrenner
-auf den harten und schimmernden Stein aufmerksam geworden sein,
-und er soll darauf heimlich Topase, die er schleifen ließ, und die er
-für hohe Preise unter dem Namen von Schneckensteinen oder Königskronen
-ins Ausland schaffte, gebrochen haben. Als er merkte, daß
-man seinem Schleichhandel auf die Spur kam, machte er seine Entdeckung
-dem Kurfürsten August III. bekannt, der den Felsen dem Herrn
-von Trützschler, welchem Grund und Boden gehörte, abkaufte und
-später einer Gewerkschaft überließ.</p>
-
-<h3 id="sec771">771. Das Paradies zu Zwickau.</h3>
-
-<p class="source">(Nach Ziehnerts poetischer Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz d. K.
-Sachsen, No. 607.)</p>
-
-<p>In Zwickau, am rechten Ufer der Mulde, an der Straße, die
-von der Stadt nach Chemnitz führt, befindet sich noch heute ein Gasthof,
-zum Paradies genannt, der ehedem aber das Ochsenhaus oder
-der Ratsweinkeller hieß und seinen jetzigen Namen von seiner schönen
-Lage erhalten haben soll. Nach einer Sage rührt derselbe aber von
-folgender, freilich unverbürgter Begebenheit her: Als Luther einst zu
-Zwickau war und seine Predigten einen solchen Eindruck auf das Volk
-machten, das dasselbe das Kloster oder den Grünhainer Hof stürmte,
-lockten die erbitterten Mönche Luthern eines Abends zu einem angeblichen
-Kranken in eine entlegene Straße, um ihn zu ermorden. Sie
-sendeten nämlich ein Weib in Luthers Haus, welches daselbst weinend
-aussagte, ihr Mann sei zum Tode krank und verlange vor seinem
-Ende noch einmal den frommen Herrn zu sehen. Auf solche Bitten
-ging Luther mit ihr und sie führte ihn durchs Tränkthor. Plötzlich
-öffnete sich ein Haus, das Weib entsprang und aus dem Hause stürzte
-voller Wut der Mönche Troß. Jedoch gelang es dem großen Reformator,
-sich ihren Händen zu entreißen und in ein offenstehendes Haus
-zu flüchten, dessen Thor er eilig durch den vorgeschobenen Riegel verschloß.
-Da zogen sich die Mönche still zurück; Luther aber sprach mit
-freudigem Blicke zum Wirte des Hauses, der ihn nach dem Grunde
-seiner Flucht fragte: »Die Kuttenträger lechzten lange nach meinem<span class="pagenum"><a id="Seite_587">[587]</a></span>
-Blute; aber Gott sei Dank, der mich dieses Haus in meiner Bedrängnis
-finden ließ, dasselbe ist mir zum wahren Paradiese geworden!«
-Der Wirt gab ihm darauf zwei Knechte mit, die ihn sicher nach seiner
-Wohnung geleiteten. Das Haus, in welchem Luther damals Schutz
-fand, wird aber noch heute das Paradies genannt.</p>
-
-<h3 id="sec772">772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.</h3>
-
-<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 33.)</p>
-
-<p>Als man im Jahre 1769 auf der Ostseite der durch den Brand
-von 1873 zerstörten schönen Joachimsthaler Decanatkirche eine neue
-Sakristei baute, an deren Stelle heutzutage der prachtvolle Hochaltar
-steht, entdeckte man in einer Tiefe von ungefähr fünf Ellen ein altes
-Gewölbe. In demselben befand sich ein Doppelsarg, in welchem »ein
-in purpurrotem Sammt gekleideter, verwester großer Körper ohne
-Kopf« ruhte.</p>
-
-<p>An diesen Fund knüpft sich die Sage, daß dies der Leichnam
-des Grafen Joachim Andreas Schlick, Oberstlandrichters von Böhmen,
-gewesen sei, der am 21. Juni 1621 wegen Teilnahme am böhmischen
-Aufstande am Altstädter Ringe zu Prag das Blutgerüst besteigen mußte
-und enthauptet wurde. Der Kopf des Hingerichteten ward am »Bruckthor«
-aufgestellt, während dessen Rumpf sechs verkappte Personen entfernten.</p>
-
-<h3 id="sec773">773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. II. 1748.
-S. 29.)</p>
-
-<p>Die Wälder um Bernsbach sind einst unbedachtsamer Weise der
-Gemeinde verloren gegangen. Denn dem Verlaut nach soll zu Joh.
-Georgs I. Zeiten eine Revision gekommen sein, und da die Bernsbacher
-gleichfalls gefragt worden, ob sie Grundstücke hätten, so noch nicht zinsbar,
-sollen sie geantwortet haben, es wäre Refier und wilder Wald genug, was
-ihnen der Quark sollte, sie könnten das Holz so nicht tilgen. Worauf
-die Kommission gefragt, ob sie es denn nicht haben wollten? Darauf
-sie gesagt, das Holz wüchse ihnen so in die Fenster hinein; wenn es
-der Kurfürst besser zu gebrauchen wüßte, möchte er es hinnehmen, sie
-wüßten damit nichts anzufangen. Darauf hätten sie sich ordentlich losgesagt,
-und ist dies Holz also hernach eingezogen worden, und hat jetzt
-dieses ganze Dorf nicht eine Hand breit an Refieren und Holz.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_588">[588]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec774">774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins
-erhält.</h3>
-
-<p class="source">(Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. II. 1656. S. 131.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1267 ward vom Papste Urban IV. das Fronleichnamsfest
-angeordnet, wobei die Geistlichkeit die Fluren der betreffenden
-Gemeinden zu umgehen hatte. Weil aber die Pfaffen in Zwickau nicht
-alle Felder und Fluren an diesem Tage umgehen konnten, haben sie
-ein gewisses Teil auf dem Berge, der Stadt gegen Morgen gelegen,
-den Pfaffen zu Reinsdorf zu umziehen übergeben. Und daher ists
-gekommen, daß die Besitzer dieser Felder dem Pfarrherrn zu Reinsdorf
-noch jährlich ein gewisses an Getreide zinsen müssen.</p>
-
-<h3 id="sec775">775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratsstand gezogen
-wurde.</h3>
-
-<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygnea</em>. II. 1656. S. 181.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1403 ist in Zwickau ein so großes Feuer ausgebrochen,
-daß die ganze Stadt ausgebrannt, also daß man auf dem Markt zu
-allen vier Thoren hat hinaussehen können. Dieses Feuer ist bei einem
-Kürschner in der Scheergasse ausgekommen, und sind dem Rat
-damals die wichtigsten Urkunden mit verbrannt. Es ist dann die gemeine
-Sage gegangen, daß von der Zeit an kein Kürschner mehr zum
-Ratstand gezogen worden sei.</p>
-
-<h3 id="sec776">776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>Dresden war einmal von der Pest heimgesucht, so daß alle Umwohnenden
-die Stadt mieden und die Märkte unbesucht blieben. Eine
-Ausnahme davon aber machten, wie erzählt wird, die Schachtelmacher von
-Seiffen und die Töpfer von Dippoldiswalde. Dieselben besuchten auch
-während der Zeit, da die Krankheit viele Einwohner hinwegraffte, die
-Märkte der Stadt und boten ihre Waren feil. Daher erhielten insbesondere
-die Töpfer von Dippoldiswalde das Recht, auch fernerhin
-frei und ungehindert diese Märkte besuchen zu dürfen. Später wurde
-ihnen solches Privilegium von den Kurfürsten wiederholt und unter
-anderem auch von August dem Starken bestätigt, jedoch mit dem Zusatze,
-daß jeder Meister nur einen Korb Waren mitbringen und nur »einen
-Sonnenschein lang« (d. h. nur einen Tag lang) verkaufen dürfe.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_589">[589]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec777">777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer
-hat.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Krauß aus Schneeberg.)</p>
-
-<p>Das Dorf Griesbach bei Schneeberg hat wohl eine kleine Kirche,
-aber keinen eigenen Pfarrer; das Pfarramt zu Griesbach ist nämlich
-dem Diakonus von Schneeberg übertragen. Vom Volke wird nun erzählt,
-daß einst auch genanntes Dorf seinen eigenen Pfarrer gehabt
-habe. Der letzte derselben soll eines Tages mit mehreren Gliedern
-seiner Gemeinde nach dem nahen Lindenau gegangen sein und dort sich
-in dem Biere etwas gütlich gethan haben. Auf dem Heimwege entstand
-ein Streit, der immer hitziger wurde und damit endete, daß der
-allein als Partei auf einer Seite stehende Pfarrer erschlagen wurde.
-Dies geschah in dem Walde zwischen Griesbach und Lindenau. Der
-Körper des Erschlagenen aber wurde in dem Walde verborgen und
-noch heute soll sich die Gestalt dieses Pfarrers zu manchen Zeiten daselbst
-sehen lassen. Die Griesbacher Gemeinde hat aber seitdem keinen
-eigenen Pfarrer mehr erhalten.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Nach der Kirchengalerie von Sachsen (8. B. S. 132.) ist die Griesbacher Kirche,
-ehe das dortige Pfarramt von Schneeberg aus verwaltet wurde, stets ein Filial von
-Neustädtel gewesen; sie hatte also niemals einen eigenen Pfarrer. Zu Beschützern
-hatte sie St. Georg und St. Martin. Am Tage des heilg. Georg stand die Bildsäule
-desselben zu Pferde vor der Kirchthüre und bei derselben wurden Almosen für
-Arme gesammelt. Am St. Märtens-Tage aber saß der heil. Martin hoch zu Roß
-vor dem Kirchthore, und die leichtgläubigen Bauernweiber brachten ihm, als einem
-besonderen Schutzpatrone des Viehes, ansehnliche Opfer an Geld und andern Dingen.
-(Kirchengalerie a. a. O.) Der heilige Martin trat bei der Gründung von Martinskirchen
-durch die deutschen Heidenapostel als Schimmelreiter an die Stelle Wuotans.</p></div>
-
-<h3 id="sec778">778. Wie das Schnorrsche Chor in der St. Wolfgangs-Kirche
-zu Schneeberg eine Thür von außen erhielt.</h3>
-
-<p class="source">(Kirchengalerie Sachsens, 8. B. S. 165.)</p>
-
-<p>Nahe an der äußern Thüre zur Sakristei der Schneeberger St.
-Wolfgangskirche führt auch eine schwarze eiserne Thüre nach dem Chor
-der Schnorrschen Familie. Durch diese Thüre sind früher oft Diebe
-in die Kirche eingebrochen, und so oft dies geschah, wurde die Thüre
-fester und fester gemacht; jetzt hält man sie für unüberwindlich.</p>
-
-<p>Über ihre Entstehung wird folgendes erzählt:</p>
-
-<p>Der reiche Veit Schnorr von Carlsfeld, welcher um das Ende des
-vorigen Jahrhunderts in Schneeberg lebte, wollte nicht gern durch die ganze<span class="pagenum"><a id="Seite_590">[590]</a></span>
-Kirche wandern und dann im Angesichte aller Kirchleute die damals
-nur von innen auf sein Chor führende Thüre aufschließen. Aber obschon
-er oft um die Erlaubnis bat, eine Thür von außen auf seine
-Kosten durchbrechen zu lassen, wurde ihm dies von dem Rate doch
-nicht gestattet. Da wurde er endlich still und man hielt die Angelegenheit
-für erledigt. Unter dem Vorwande, die Herren vom Rate, welche
-ihm wegen seiner dringlichen Gesuche doch am Ende etwas böse gesinnt
-sein könnten, wieder mit sich auszusöhnen, lud er sie alle zu sich nach
-Carlsfeld zu einem dreitägigen Feste ein. Wer geladen war und kommen
-konnte, fand sich ein. Man aß und trank nach Herzenslust und voller
-Dank gegen den gastfreien Schnorr zog man endlich ab. Wer ihm irgend
-einen Dienst für die Zukunft anbieten konnte, that dies; alles,
-wenn es sonst nur ginge, sollte für ihn geschehen, nur freilich mit dem
-Eingange, das wisse er, ging es nicht. Schnorr entschuldigte nochmals
-seine Zudringlichkeit, und versöhnten Herzens gingen sie auseinander.
-Da erfuhr man es am andern Tage, der Herr Wirt habe sich während
-des gegebenen Festes Maurer bestellt und diese hätten eine Thüre
-in drei Tagen durchgebrochen und fertig gemacht. Was konnte man
-thun? Die Thüre blieb bis auf den heutigen Tag.</p>
-
-<h3 id="sec779">779. Der erste Klöppel in Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 24.)</p>
-
-<p>Als man im Jahre 1512 den Galgen vor der Stadt Annaberg
-aufbaute, kam einer, namens Klingensporn, gewandert und betrachtete
-den Galgen und sagte im Vorübergehen zu dem Baumeister, den die
-Chronik den dicken Michel nennt, lachend: »Ei, ihr baut da eine schöne
-Glocke! Nun, ich will gerne sehen, wer der erste Klöppel darin sein
-wird!« Nicht lange darauf fing man einen Dieb, und wer war's?
-Klingensporn. Er ward zum Strange verurteilt und hing nach wenig
-Tagen als der erste Klöppel in der großen steinernen Glocke vor der
-Stadt. Seinen Tod aber haben die Alten angesehen für ein göttliches
-Warnungszeichen, daß man über ernste Dinge nicht mutwillig scherzen
-solle.</p>
-
-<h3 id="sec780">780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert a. a. O. Anhang No. 25.)</p>
-
-<p>Am 27. April 1604 brach in Annaberg eine Feuersbrunst aus,
-welche, vom Sturme rasch verbreitet, die Stadt bis auf sieben Häuser<span class="pagenum"><a id="Seite_591">[591]</a></span>
-verzehrte. Nun wohnte aber am Markte in dem Hause, welches
-jetzt das Museum heißt, ein Geschwisterpaar, Johann und Benigna
-Biener. Der Bruder krankte seit längerer Zeit am gräßlichsten Wahnsinn,
-so daß er mit Ketten an die Wand gefesselt werden mußte. Als
-nun der Markt bereits in vollen Flammen stand, da suchte Benigna
-in Todesangst nach dem Schlüssel, um ihrem Bruder die Ketten abzunehmen
-und ihn fortzuführen, aber der Schlüssel war nicht zu finden;
-sie suchte die Ketten zu zerschlagen, aber das Eisen trotzte der schwachen
-Mädchenhand. Schon schlug die Lohe zu den Fenstern und der
-Thüre herein, die treue Benigna ließ nicht von ihrem Bruder. Die
-Decke brach nieder und unter dem nachstürzenden Schutt und Gebälke
-lagen die beiden Geschwister begraben. Am dritten Tage darauf zog
-man ihre verschrumpften und halbverbrannten Leichen unter den Trümmern
-hervor. Sie hielten sich noch fest umarmt, wie der schreckliche
-Tod sie übereilt hatte. War vielleicht dem Wahnsinnigen durch die
-Todesangst ein lichter Augenblick gekommen?</p>
-
-<p>Am 13. Mai wurden die beiden Leichen in der ebenfalls ausgebrannten
-Annenkirche unter großem Zulauf beerdigt. Ihr gemeinsames
-Grab zeigt man noch jetzt.</p>
-
-<h3 id="sec781">781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob
-in Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Richter, Chron. v. Chemnitz I., 1767, S. 169.)</p>
-
-<p>Der Ort, wo die Kirche zu St. Jacob in Chemnitz stehet, soll
-ehedem sehr sumpfig und morastig gewesen sein, daher die Kirche auf
-der einen Seite, gleichwie auch der Turm, auf eingerammelten Pfählen
-steht. Der Baumeister, welcher zuerst diese Kirche erbaut, soll,
-nachdem er mit dem ganzen Bau fertig gewesen, sich von oben herabgestürzt
-und also den Bau mit seinem Blute versiegelt haben.</p>
-
-<p>Auch wird erzählt, daß der Kaiser Otto I., unter welchem die
-anfängliche, viel kleinere Kirche erbaut wurde, den ersten Grundstein,
-nebst einer Münze mit dem Bildnisse St. Jacobs darunter, legte. Er
-schenkte auch der Kirche das Bildnis der heiligen Maria; dasselbe soll
-viel Zeichen und Wunder gethan haben, weshalb nicht weniger Zulauf
-von Wallfahrern dahin gewesen, als nach Aachen oder St. Compostell
-in Spanien.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_592">[592]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec782">782. Die Zipperleinkur in Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert a. a. O. Anhang. No. 27.)</p>
-
-<p>Schriftlich und mündlich hat sich folgende seltsame Geschichte in
-Annaberg erhalten. Im Jahre 1572 nämlich ließ ein Ratsherr, welcher
-schon seit vielen Jahren mit dem heftigsten Zipperlein beladen
-war, sein Haus pflastern und stand dabei und sahe zu. Der Pflasterer
-war gerade bemüht, das Pflaster mit dem Rammel eben und fest zu
-schlagen. Im Gespräche aber mit dem Ratsherrn hatte er auf seinen
-Rammel nicht wohl acht und traf damit heftig den Fuß des Ratsherrn.
-Dieser schrie zwar laut vor Schmerz, ward aber bald gar froh
-darüber, denn das Zipperlein war aus seinem Fuße verschwunden und
-ist auch bis an seinen Tod nicht wiedergekehrt.</p>
-
-<p>In Zwickau ward auch einem vom Zipperlein geholfen dadurch,
-daß ein geladenes Gewehr, welches der Kranke auf dem Schoße liegen
-hatte, unversehens los ging.</p>
-
-<h3 id="sec783">783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.</h3>
-
-<p class="source">(Mündlich, z. T. Einige Nachrichten zur Elterleiner Geschichte vom
-Pfarrer Christoph Schreiter. Manuskr.)</p>
-
-<p>Auf dem Pfarrhof zu Elterlein zeigt man eine Stelle, welche
-nach jedem Regen rot wird. Hier soll im Jahre 1518 der Bergmeister
-Hans Hünerkopf den frevelnden und grobscherzenden Kaplan Moritz
-von Annaberg erstochen haben, »weil er seiner Henne (d. h. des Bergmeisters
-Frau) nachgegangen war.«</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die oben genannte Thatsache findet sich auch in Meyers Geschichte des Annen-Tempels
-zu Annaberg, S. 128 und bei Chr. Friedr. Haupt, die gelehrten Elterleiner,
-1739.</p>
-
-<p>Die Hünerkopfe werden »uralt adelige Bergherren« genannt, welche »ein
-ihrem Namen gleiches Wappen« führten. Nach der Familie soll noch ein Feld bei
-Elterlein seinen Namen haben. In der Elterleiner Kirche aber fand man eine Messingtafel
-mit dem Hünerkopfschen Wappen und folgender Inschrift: »<em class="antiqua">Anno</em> 1533 ist
-verschieden der Erbare Hans Hünerkopf von Adorf, allhier begraben, dem Gott
-gnädig sey.« Dieser Hans Hünerkopf war bereit um das Jahr 1516 der Herren
-von Schönburg geschworener Bergmeister an dem damaligen Bergamte Elterlein.</p>
-
-<p>Der nach jedem Regen sichtbare braunrote Fleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein
-rührt von einer zur Familie der <em class="antiqua">Chroococcaceen</em> gehörige Alge her.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_593">[593]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec784">784. Die Bäuerin in Frohnau.</h3>
-
-<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 28.)</p>
-
-<p>In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, als das Berggebäude
-»himmlisches Heer« bei Kunnersdorf noch 1400 Flgr. vierteljährliche
-Ausbeute für den Kux gab, baute auch eine Bäuerin in
-Frohnau als Gewerkin an jenem Gebäude mit und ward dadurch in
-kurzer Zeit sehr reich, wußte aber nicht im Glücke mäßig zu sein
-und trieb allerlei Unfug der Verschwendung. So z. B. badete sie
-sich täglich in dem teuersten Weine, den sie aufzutreiben wußte, und
-um nun denselben nicht umkommen zu lassen, so gab sie ihn, mit
-Semmelbrocken vermischt, den Armen als Kaltschale zu trinken. Diese
-wußten nicht, was die Bäuerin erst mit dem Weine gemacht hatte,
-aßen mit vieler Lust und dankten der reichen Geberin viel tausend
-Mal für die köstliche Erquickung. Aber als sie die Badegeschichte
-erfuhren, da ekelte sie und warfen der übermütigen Bäuerin die Fenster
-ein und sangen Spottlieder auf sie, so daß sie sich nicht mehr
-öffentlich sehen lassen durfte. Übrigens muß sie auch noch andere recht
-unziemliche Dinge verübt haben, denn der Klerus war darüber so erzürnt,
-daß er Gott öffentlich bat, den Bergsegen zu vermindern.</p>
-
-<p>Ein Andenken an diese Bäuerin ist das Berggebäude »die Bäuerin«
-am Schottenberge, welches sie aufgenommen haben soll.</p>
-
-<h3 id="sec785">785. Die beiden Brüder zu Frohnau.</h3>
-
-<p class="source">(Hering, Gesch. d. Sächs. Hochlandes. 1828. II. S. 42.)</p>
-
-<p>Im Dorfe Frohnau bei Annaberg befanden sich im Jahre 1544
-zwei Brüder, die zusammen ein Gut hatten, eines Sonntags im Wirtshause
-und hatten etwas zu viel getrunken. Nur um sie zu necken,
-raunt ihnen einer zu, es habe sich ein Dieb in ihr Feld geschlichen
-und raube dort die Früchte. Sie springen hastig auf, ergreifen ihre
-Schwerter und nahmen die Abrede, daß der eine von dieser, der andere von
-jener Seite das Feld durchsuchen solle, damit der Dieb nicht entwische.
-So schleichen sie denn heran und als einer den andern im
-Dunkel erblickt, stürzen sie in der Meinung, daß es der Dieb sei, auf
-einander los und einer erhält eine tödliche Wunde. Bei seinem Hülfsgeschrei
-erkennt ihn der Sieger als seinen Bruder, man eilt herbei
-und als der schwer Getroffene noch in derselben Nacht an seinen Wunden
-stirbt, ergreift der unglückliche Brudermörder die Flucht, und erhielt
-nur unter der Bedingung Verzeihung von dem Herzoge Moritz,
-daß er seinen Anteil an dem Gute an die Frau und Kinder des Erschlagenen
-abtrat. Der Fleck aber, wo jener Mord geschah, wird noch
-jetzt gezeigt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_594">[594]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec786">786. Das Mönchskalb zu Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatr. Freibg.</em> I. S. 213. II. S. 179. Gräße, Sagenschatz
-d. K. Sachsen, No. 279.)</p>
-
-<p>Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe
-in einer geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte,
-das sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb
-hat einen runden ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte
-wie ein Pfaffe, samt zwei großen Warzen wie kleine Hörner; mit
-dem Untermaule ist es einem Menschen, mit dem obern und der Nase
-einem Kalbe gleich, sonst aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat
-die Zunge lang aus dem Munde herausgestreckt; die Haut am Halse
-und Rücken herunter hat wie eine gewundene Mönchskutte ausgesehen,
-an den Seiten aber vorn und an den Beinen ist es voller Ritze und
-Schnitte gewesen, als wenn die Kutte zerhauen oder zerschnitten wäre.
-Solches Ungeheuer ist von <em class="antiqua">Dr.</em> M. Luther in seinen Schriften, wo es
-auch abgebildet wird, neben der Beschreibung des Papstesels, den man
-1496 zu Rom gefangen, gedeutet worden, Melanchthon aber meinte,
-daß durch dieses Kalb die Verderbnis der lutherischen Lehre in fleischliche
-und verderbliche Meinungen, wie sie zu selbiger Zeit im Schwunge
-gewesen, angezeigt worden, inmaßen auch bald hierauf ein Schwein
-zu Halle in den Osterfeiertagen ein Ferklein geworfen, welches einem
-Pfaffen in Gestalt des damaligen Habits ganz ähnlich gesehen. Es
-hat aber gedachtes Mönchskalb die Autorität der Geistlichen, so dem
-Papste zugethan gewesen, sehr verringert, also daß auch die Bergleute
-ein besonderes schimpfliches Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen
-und Pfaffen zu Spott und Hohn lange Zeit allhier gesungen mit
-Bezug darauf, daß der Fleischer mit Vorbedacht und Willen das Fleisch
-von der Kuh, in welcher man das besagte Mönchskalb gefunden,
-niemandem als den Canonicis, Mönchen und andern Geistlichen gelassen
-und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben.</p>
-
-<h3 id="sec787">787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt von H. Weißflog aus Raschau.)</p>
-
-<p>An der Waldstraße, welche von Mitweida nach Gottesgab führt,
-stand hart an der sächsischen Grenze eine starke Tanne; man sagt, daß sieben
-Mann dieselbe kaum hätten umspannen können. Jetzt sieht man von
-derselben nur einen Stumpf, da der morsche Baum abgebrannt und dadurch
-vernichtet worden ist. Diese Tanne hieß die »Abschiedstanne«, und<span class="pagenum"><a id="Seite_595">[595]</a></span>
-man erzählt, daß einst an ihr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen
-und der Schwedenkönig Gustav Adolf von einander Abschied genommen
-hätten. Ebenso knüpfte sich an den Baum folgende Sage:
-Ein Graf von Schwarzenberg kehrte unverhofft von einer Fehde zurück
-und traf in seinem Schlosse bei seiner Gemahlin einen für treu gehaltenen
-Freund als Buhlen an. Darüber ergrimmte er dermaßen, daß
-er beide binden ließ und mit sich tief in den Forst führte. Hier gebot
-er ihnen, von einander und von dem Leben Abschied zu nehmen;
-nachdem sie dies gethan hatten, fielen sie von seiner Hand. Dies aber
-soll an jener Tanne geschehen sein, welche davon den Namen Abschiedstanne
-erhielt.</p>
-
-<h3 id="sec788">788. Die Fichte auf dem Gottesacker in Annaberg.</h3>
-
-<p class="source">(Nach G. Andrä, Chron. Nachr. von Annaberg. 1837. S. 67. Bei
-Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 504.)</p>
-
-<p>Zu Frohnau bei Annaberg lebte einst ein ganz armer Mann,
-namens Georgi, der in den kümmerlichsten Umständen starb. Da nun
-sein einziger Sohn wegen seiner Armut die Begräbniskosten für denselben
-nicht aufbringen konnte, man also deshalb mit der Beerdigung
-anstand nahm, steckte er seinen Vater in einen Leinwandsack, legte
-denselben auf einen Schubkarren und beerdigte ihn auf dem hintern
-oder neuen Gottesacker in Annaberg mit den Worten: »Komm, alter
-Vater, komm! laß dich von mir begraben, dieweil die Menschen dich
-nicht hier begraben wollen.« Kurze Zeit nachher soll nun aus dessen
-Grab eine Fichte hervorgewachsen sein, die man heute noch sehen kann,
-und eine im Beinhaus ausgehängte Tafel vom Jahre 1737 deutet
-noch jetzt auf diese Begebenheit hin.</p>
-
-<h3 id="sec789">789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.</h3>
-
-<p class="source">(Alb. Schiffner im Archiv für sächs. Gesch., 2. B. S. 169.)</p>
-
-<p>Nächst dem Glauchauer Schlosse stehen an einem sehr anmutigen
-Spazierwege im sogenannten Gründel drei Eichen nahe beisammen.
-Diese sollen, wie erzählt wird, ein Gesamteigentum des Hauses Schönburg
-in der Maße bilden, daß ohne Einwilligung aller majorennen
-Glieder des Hauses keine derselben geschlagen werden darf.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_596">[596]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec790">790. Woher der Name Preißelbeere stammt.</h3>
-
-<p class="source">(Lindner, Wanderungen durch die interess. Gegenden des sächs. Erzgebirgs.
-I. Heft. Annaberg, 1844. S. 43.)</p>
-
-<p>Ober- und Unterjugel bei Johanngeorgenstadt sind älter als genannte
-Stadt, welche 1654 gegründet wurde; denn schon 1571 erhielt
-Sebastian Preisler die Konzession zur Erbauung einer Glashütte und
-8 Häusern; ebenso hatte Gabriel Löbel die Vergünstigung zur Anlegung
-eines Blaufarbenwerks erhalten. Dies waren die Anfänge von Ober-
-und Unterjugel. Im Volke aber hat sich die Sage erhalten, daß die
-jetzt allgemein bekannten Preißelbeeren ihren Namen von jenem Preisler
-empfingen, weil dieser sie erst in den Handel gebracht und genießbar
-zu machen gelehrt habe.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Name »Preißelbeere« führt uns auf die Wurzelbrossen, mhd. <em class="antiqua">brozzen</em>,
-d. h. brechen, hervorbrechen, hervorsprießen. Er würde also mit »sprießende Beere«
-oder »Sprießeln«, welche letztere Bezeichnung in der That für das Kraut gebraucht
-wird, zu deuten sein. Die Pflanze macht in den Waldungen, deren Boden sie mit
-frischem Grün bedeckt, den Eindruck des sprießenden.</p>
-
-<p>(Graßmann, deutsche Pflanzennamen, S. 152.)</p></div>
-
-<h3 id="sec791">791. Was der Name Wismut bedeutet.</h3>
-
-<p class="source">(Engelschall, Beschr. v. Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.
-1723. S. 188.)</p>
-
-<p>Es halten etliche dafür, weil Wismut seine Blüte und mancherlei
-Farben hat, und siehet weiß, braun, rot, gesprenglich durcheinander aus,
-so habens die alten Bergleute Wismut genannt, das blühe wie eine schöne
-Wiese, darauf allerlei farbige Blumen stehen. Albinus schreibt in seiner
-meißnischen Bergchronik, daß die Bergleute der Meinung seien, Silber
-bilde sich aus Wismut, wie man bei Halden gefunden, auf die man
-Wismut gestürzt und in denen man dann nach Jahren Silber gefunden
-habe. Sie nennen es auch des Silbererzes Mutter oder des Silbers
-Dach, da dasselbe öfters darunter liegt. Auch sprechen die Bergleute,
-sie kommen zu frühe, wenn sie Wismut finden, und bekennen, wenn
-diese Bergart länger im Bergfeuer gestanden hätte, so wäre gut Silber
-daraus geworden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Der Name Wismut soll jedoch nach Koch aus dem Arabischen: <em class="antiqua">wiss majaht</em>,
-d. h. die Leichtigkeit des Storax oder was so leicht wie Storax schmilzt, abstammen.
-(Leunis, Synopsis d. Min. und Geogn., bearbeitet von Senft, I. S. 294.)</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_597">[597]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec792">792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen
-stammt.</h3>
-
-<p class="source">(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt Schneebergk.
-1684. S. 163.)</p>
-
-<p>Andreas Funk, welcher 30 Jahre auf dem Schneeberge das
-Münzmeisteramt bedienet, hat auf kurfürstlichen Befehl der Armut zu
-gute die ersten schneebergischen Groschen gemünzet. Denn weil man
-zuvor lauter Güldengroschen (d. i. Thaler) und »Oerter« gepräget, so ist
-ein solcher Lärm unter dem Volke gewesen, daß, wenn der Schichtmeister
-gelohnet, man lieber 22 Groschen kleine Münze für einen Thaler, als
-einen ganzen Güldengroschen genommen hat. Dabei ist noch zu gedenken,
-daß, weil der gemeine Mann solche Schneeberger Groschen nicht recht
-ausgesprochen, sondern nur Schneeber oder Schnieber genannt hat, von
-einigen Leuten, sonderlich um Zwickau, der Groschen ein Schnieber
-genannt wurde.</p>
-
-<h3 id="sec793">793. Redensarten.</h3>
-
-<h4><em class="antiqua">a.</em> Zwickau gehörte zum Vogtlande.</h4>
-
-<p class="source">(Herzog, Chronik von Zwickau. I. 1839, S. 69.)</p>
-
-<p>Es wird behauptet, daß Zwickau oder doch ein Teil seines Weichbildes
-ehedem zum Vogtlande gehört habe. Man hat nämlich ein altes
-Sprichwort: »Daß die Zwickauer im Meißnerlande sterben und im Vogtlande
-begraben werden,« und noch heutzutage hört man die Redensart:
-»Er wird ins Vogtland getragen,« d. i. er wird begraben.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Obschon Zwickau nahe an der Grenze des Vogtlandes lag, so hat es doch nie
-zu diesem selbst gehört. Es stand zwar als Reichsstadt ehedem unter den Reichsrichtern
-des Pleißnerlandes zu Altenburg, welche fast immer aus dem Geschlechte der Vögte
-genommen wurden, und später als markgräflich meißnische Stadt hatte Zwickau seine
-eigenen Untervögte, welche im Namen der Landesherren die Gerichtsbarkeit ausübten.
-Dies währte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Rat die Gerichte über
-die Stadt erlangte.</p></div>
-
-<h4><em class="antiqua">b.</em> Der Kas is och dornoch.</h4>
-
-<p class="source">(Mündlich.)</p>
-
-<p>»Der Käse ist auch darnach,« d. h. der Gegenstand ist das Geld
-wert. Dies ist eine Redensart in Eibenstock, welche sich von folgender
-Begebenheit herschreibt: Der Besitzer des früheren Hammerwerkes Wolfsgrün,
-das nach Eibenstock eingepfarrt ist, schickte, wenn er mit den<span class="pagenum"><a id="Seite_598">[598]</a></span>
-Seinigen bei dem dortigen Pfarrer zu kommunizieren gedachte, diesem
-durch einen seiner Arbeiter mit der Meldung zugleich auch einen Dukaten.
-Das war Herkommen. Herkommen war aber auch, daß der Arbeiter
-im Pfarrhause Bier, Brot, Butter und einen Käse vorgesetzt erhielt.
-Eines Tages, als der Bote seine Herrschaft wieder zur Kommunion
-anmeldete und den Dukaten abgeliefert hatte, war die Frau Pfarrerin
-nicht zu Hause. Der Pfarrer war in Verlegenheit; Bier, Brot und
-Butter konnte er schaffen, aber keinen Käse. Doch da besann er sich,
-daß er einen damals noch seltenen und teueren Limburger Käse hatte.
-Diesen holte er und setzte ihn dem Arbeiter vor. Der Arbeiter aß zum
-Schrecken des Pfarrers mehr davon, als er erwartet hatte, weshalb
-letzterer ihn fragte, ob ihm der Käse schmecke. Auf die Bejahung sah
-sich der Pfarrer zu der Bemerkung veranlaßt, daß der Käse auch teuer
-sei. Darauf folgte die trockene Entgegnung: »Der Kas ist och dornoch.«
-Der Arbeiter aß weiter. Endlich sprach der Pfarrer: »Ja, mein Lieber,
-ich muß nur noch bemerken, daß diese Art von Käse auch schädlich
-werden kann, wenn man zuviel davon ißt.« »Wenn das ist,« sprach
-der Bote, indem er das übrige Stück Käse einpackte, »da muß ich
-das Übrige meiner Frau mit nach Hause nehmen.«</p>
-
-<p>Die Geschichte wurde ruchbar. Der Pfarrer ist jedenfalls sehr
-ausgelacht worden, und es hat sich bis zur Stunde die oben angeführte
-Redensart in Eibenstock erhalten.</p>
-
-<h4><em class="antiqua">c.</em> Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der
-Welt, man weiß nicht wie?</h4>
-
-<p>Eine sprichwörtliche Redensart in der Schwarzenberger Gegend
-lautet: »<b>Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der
-Welt, man weiß nicht wie?</b>« Diese Redensart bezieht sich darauf,
-daß nicht mehr arbeitsfähige Hammerschmiede bettelnd von einem Hammerwerke
-zum andern zogen und daß deshalb selten einer in der Heimat
-starb. (Merkels Erdbeschreibung von Kursachsen. I. 1804, S. 161.)</p>
-
-<h4><em class="antiqua">d.</em> Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten,
-als die schwedischen Truppen.</h4>
-
-<p>»<b>Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten,
-als die schwedischen Truppen</b>,« sagte ein schwedischer Quartiermeister,
-der 1712 im Hammerwerke Erla den großen Stabhammer im Niederfallen
-aufhalten wollte, dafür aber mit gelähmter Hand bezahlt ward. Der
-Quartiermeister hieß Schulze und stand beim Kavallerieregiment des
-Obersten Rosenstern. Die erzählte Begebenheit soll sich übrigens am
-27. Juni 1707 zugetragen haben und die angeführten Worte wurden
-beim Rückmarsche der Schweden auf der Schiffbrücke zu Pirna gesprochen.
-(Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., S. 103.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_599">[599]</a></span></p>
-
-<h4><em class="antiqua">e.</em> Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.</h4>
-
-<p>Von den Venetianern geht eine Rede, daß sie gesagt haben: In
-Meißen (dem meißnischen Erzgebirge) und dem Vogtlande wirft man
-einen Stein nach der Kuh, da doch der Stein mehr als die Kuh selber
-wert ist. (Meltzer, Beschreibung der Bergstadt Schneeberg, 1684. S. 54.)</p>
-
-<h4><em class="antiqua">f.</em> Fägel schweiget seine Gäste.</h4>
-
-<p>Ein Fleischer zu Schneeberg, mit Namen Fägel, welcher auf der
-Badergasse wohnte, hatte seinen beiden Gästen, die in Streit geraten
-waren, Frieden geboten und deswegen auch zu dem Richter geschickt. Weil
-dieser sich aber etwas verzogen hatte und die Gäste sich nicht steuren
-lassen wollten, hat er sie beide erstochen, darauf die Flucht genommen
-und dem Richter Hans Kempfen, der ihm begegnet, auf Befragen geantwortet:
-»Ei, Herr Richter, es ist unnötig, daß Ihr Euch bemühet
-und hinunter gehet, ich habe sie allbereit gestillet, sie haben sich wohl
-müssen bedeuten lassen.« Daher ist, als der Richter hinunter gegangen
-und die jämmerliche That befunden, Fägel aber unterdeß des Landes
-entlaufen war, von ihm das Sprichwort entstanden: »Er hat sie geschweiget
-oder gestillet, wie Fägel seine Gäste.« (Meltzer, a. a. O.,
-S. 1099.)</p>
-
-<h4><em class="antiqua">g.</em> »Toffel, das gilt dir auch mit.«</h4>
-
-<p>Diese sprichwörtliche Rede, welche lange in Schneeberg im Gange
-war, ist durch ein Wort des Pastors Christoph Schindler entstanden.
-Derselbe gebrauchte es, wenn er Amtes halber etwas strafte und dabei
-sich selbst nicht heuchelte, falls er diesen Fehler an sich selbst gefunden
-hatte. Man wandte die Worte in der Folge an, wenn man sich selbst
-eines Fehlers schuldig fand. (Meltzer, a. a. O., S. 1100.)</p>
-
-<h4><em class="antiqua">h.</em> »Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.«</h4>
-
-<p>Dies pflegt von einem ausgelassenen Menschen gesagt zu werden.
-Die Redensart kann davon herkommen: Eine uralte Art der Beschimpfung
-ist es gewesen, wenn Diebe, die Feld- und Gartenfrüchte
-gestohlen, in das sogenannte Narrenhäusel gesteckt worden sind, wie
-solche sonderlich in den teuren Jahren 1771 und 1772 fast in allen
-gebirgischen Städten sind errichtet worden. Ein solches Haus stand
-noch im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf dem Markte zu
-Lößnitz; es sah wie ein Käfig aus und konnte herumgedreht werden.
-Personen, die da hineingesteckt wurden, hatten von den Gassenkindern,<span class="pagenum"><a id="Seite_600">[600]</a></span>
-welche das Haus bald gedreht, bald mit Steinen und Kot den Gefangenen
-geworfen, allerlei Schmach zu erleiden. (Oesfeld, Hist. Beschreibung
-einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, insonderheit
-der Hochgräflich Schönburg. freyen Bergstadt Lößnitz etc. 1776, S. 11.)</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch in Leipzig gab es zwei solche Narrenhäuschen, das eine war bei den
-sogenannten Brotbänken am Naschmarkte und das andere an der Thomaskirche. Das
-erstere diente für Skandalmacher, Verläumder und losmäulige Frauen, während letzteres
-unter geistlicher Jurisdiktion stand und für diejenigen bestimmt war, welche als
-Flucher und Gotteslästerer bezichtigt waren. In Oschatz ist noch jetzt (?) im Winkel
-nächst den Stufen, die durch den vom Ratsarchive gebildeten Schwibbogen vom
-Markte zum Stadtkirchhofe führen, das von Eisengitter nach Art eines Käfigs gebildete
-Narrenhäuschen vorhanden. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1. B., S. 54.)</p></div>
-
-<h4><em class="antiqua">i.</em> Die Schlimmen von Öderan.</h4>
-
-<p class="source">(Staberoh, Chronik von Öderan. 1847, S. 197&ndash;201.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1645 begann zwischen Öderan und dem Ritter Nikolaus
-von Schönberg auf Börnichen der Streit wegen des Hirtenfeldes.
-Letzterer verlangte das Grundstück, welches bereits seit Jahren von der
-Stadt bebaut worden war, zurück, unter dem Vorgeben, daß es zu den
-Fluren von Börnichen gehöre. In das Dunkel über diese Angelegenheit
-war kein Licht zu bringen, da die Urkunden in dem Kriege verbrannt,
-die alten Leute aber, welche Auskunft hätten geben können,
-an der Pest gestorben oder geflüchtet waren. Nachdem der Prozeß
-beinahe 4 Jahre geschwebt hatte, ging der Schafmeister vom Rittergute
-Börnichen, Caspar Witte, nach Böhmen, um für seinen Herrn 100
-Stück Schafe zu kaufen, welche damals zu Tausenden für das ruinierte
-Böhmen aus Ungarn herauskamen. Der Schafmeister kam mit seinen
-Schöpsen glücklich bis auf die Eppendorfer Fluren, wo ihn eine Abteilung
-schwedischer Reiter anhielt und um 10 Schafe gegen Bezahlung
-bat. Doch der Schafmeister, rauh und trotzig wie sein Herr, und wohl
-wissend, daß die Schweden den Waffenstillstand achten mußten, verweigerte
-sie ihnen und trieb weiter. Allein die Schweden nahmen ihm
-nun die ganze Herde, schlugen ihn überdies und trieben die Schafe nach
-Öderan hinein, wo sie 50 Stück verkauften. Der geschlagene Schafmeister
-kam nun mit seinem Anhange nach der Stadt und verlangte
-seine Schafe zurück. Da er sie nicht erhielt, so brach er wenige Tage
-darauf des Nachts in Öderan ein und stahl die letzten noch übrig gebliebenen
-20 Stück. Er wurde aber noch auf Öderaner Gebiet ertappt
-und nun als Schafdieb in Öderan gefangen gesetzt. Es war jetzt für ihn
-wenig Gnade zu hoffen, da der Kurfürst, ergrimmt über die überhand<span class="pagenum"><a id="Seite_601">[601]</a></span>
-genommenen Räubereien, befohlen hatte, jeden Diebstahl mit dem
-Strange zu bestrafen. Der Prozeß wegen des streitigen Hirtenfeldes
-wurde unterdeß fortgeführt, bis gegen 1650 das Endurteil kam, welches
-lautete, »daß diejenige der streitenden Parteien das fragliche Hirtenfeld
-bei Öderan auf ewige Zeiten in Besitz haben sollte, welche zuerst
-ein Galgengericht darauf erbauen und solches auch zugleich mit einem
-Verbrecher bestätigen würde.« In einer und derselben Stunde wurde
-dieser Spruch in Öderan und Börnichen bekannt gemacht. Der Ritter
-von Schönberg sandte sogleich nach Meißen, einen Verbrecher dort abzuholen,
-wo solche Räuber und Mörder, die der Krieg erzeugt hatte,
-zu Dutzenden gefangen saßen und für Geld zu haben waren. Zugleich
-wurde ein Galgen zusammengezimmert und des Abends der Hof verschlossen,
-um ersteren am Morgen an Ort und Stelle aufzubauen.</p>
-
-<p>In Öderan dagegen gab es weder Holz noch Zimmermann, ja
-kaum Axt und Säge. Teurung und Pest hatten die Bewohner bis
-auf 18 Bürger vermindert, welche an selbigem Tage eben erst aus
-dem Niederlande mit einigen Säcken Korn zur Aussaat sowie zur
-Speise heimgekehrt waren, denn die Not war in diesem Jahre noch
-schrecklich. Man lief ratlos zu einander und beriet, wo ein Galgengerüst
-herzunehmen sei, um das Feld zu behaupten. Am frühen
-Morgen des zweiten Tages, als eben der Ritter von Schönberg seinen
-Galgen nach dem Hirtenfelde abfahren lassen wollte, sah er mit Entsetzen
-durchs Fenster auf diesem Felde einen Galgen stehen und an
-demselben schon seinen Schafmeister aufgehenkt, dessen Urteil der Rechtsbeistand
-der Öderaner, mit Namen Matthesius, zugleich mit aus Dresden
-besorgt und in die Stadt gesendet hatte. »Seht, seht die Schlimmen
-von Öderan!« rief da der Ritter seinen Leuten zu, und befahl
-den Galgen wieder abzuladen. Daher die Redensart: »Die Schlimmen
-von Öderan!« Wie aber waren die Öderaner zu dem Galgen gekommen?
-Zwölf der Bürger hatten die Galgensäule auf dem Gahlenzer
-Berge aus dem alten Hochgericht ausgegraben, herübergetragen,
-aufgerichtet und den Schafdieb aufgehenkt. Der Ritter von Schönberg
-aber schloß noch an diesem Tage mit den Öderanern Frieden.</p>
-
-<h4><em class="antiqua">k.</em> »Je, daß dich der Bär herze!«</h4>
-
-<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Saxon.</em> S. 47. Darnach Gräße, Sagenschatz, Nr. 494.)</p>
-
-<p>Im Jahre 1631 hat eine Jungfer nicht weit von Hundshübel das
-Vieh von Waldhäusern auf die Weide getrieben, da sie sich dann hingesetzt
-und nach erzgebirgischer Art, um sich die Zeit zu vertreiben, geklöppelt.
-Ehe sie sich's nun versieht, kommt ein großer Bär hinter<span class="pagenum"><a id="Seite_602">[602]</a></span>
-sie geschlichen, daß sie ganz ungemein erschrickt und nicht weiß, was
-sie machen soll. Der Bär thut ihr aber nichts, sondern beriecht sie und
-tatschet sie mit seinen Tatzen ganz sauber an, gleich als wüßte er, was
-für einen Respekt er dem Frauenzimmer schuldig sei. Da nun der
-zottige Bär sich ganz höflich gegen sie aufführt und sie herzen zu wollen
-Anstalt macht, entschließt sich das Mädchen kurz und läuft unter das
-Vieh. Dieses drängt sich zusammen und geht auf den Bären los, bis
-das Mädchen schreit und ihre Eltern nebst andern Waldleuten zu Hülfe
-ruft. Da nimmt der Bär reißaus, das Sprichwort aber ist nachgehends
-beständig geblieben und von jedermann, um eine Verwunderung auszudrücken,
-gebraucht worden: Je, daß dich der Bär herze!</p>
-
-<h4><em class="antiqua">l.</em> Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.</h4>
-
-<p>Es ist eine gemeine Rede, daß man sagt: Wenn einer vom Himmel
-in ein gut Ort Landes fallen sollte, möchte er in die meißnischen
-Bergstädte sich wünschen. (Meltzer a. a. O. S. 866.) Eine Abänderung
-lautet: Wenn einer vom Himmel fiele, so könne er nicht besser, als
-auf Marienberg fallen.</p>
-
-<h4><em class="antiqua">m.</em> Redensarten Herzog Georgs.</h4>
-
-<p>Herzog Georg pflegte von seinen Städten zu sagen: »Leipzig die
-beste, Chemnitz die feste, Freiberg die größte und Annaberg die liebste.«
-(Richter, Chron. d. St. Chemnitz I. S. 18.) Ebenso rührt von demselben
-Fürsten der Ausspruch über drei Berge in der Nähe Schneebergs
-her: »Der Gleßberg ist ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworner
-Berg, sehet mir auf den Schickenberg!« (Meltzer a. a. O. S. 922.)
-Außer dem angeführten Spruche von Freiberg lautet ein anderer:
-»Meißen wird ertrinken, Freiberg wird versinken, Dresden wird man
-zusammenkehren mit Besen.« (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins,
-3. Heft, S. 281.)</p>
-
-<h4><em class="antiqua">n.</em> Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?</h4>
-
-<p>Die Einwohner von Gottesgab werden in der Umgegend nur »die
-Wölfe« genannt, weil sie unter sich selbst diesen Titel als zärtliche Anrede
-gebrauchen. Sie sagen z. B. »Guten Tag, Wolf!« Häufiger noch
-werden in der Anrede die Bezeichnungen »Wehrwolf« oder »Wolfskind«
-gebraucht. (Mündlich aus Wiesenthal.)</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p><em class="antiqua">Dr.</em> E. Göpfert (Glückauf V. Nr. 8) führt auch das im Gebirge häufig gebrauchte
-Kose- oder Scheltwort »Werchl« auf das althochdeutsche <em class="antiqua">warc</em>, d. i. der
-Wolf, zurück.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_603">[603]</a></span></p>
-
-<h4><em class="antiqua">o.</em> Anhang: Sprichwörter, sprichwörtliche Redensarten u. Rätsel.</h4>
-
-<ol>
-<li>Erz führt wieder zu Erz.</li>
-<li>Kies macht den Bergmann ungewiß.</li>
-<li>Die vielerlei Herrschaften, das böhmische Bier und die sichtlichen<br />
-Zwitter verderben den Zinnwald.</li>
-<li>Das Bergwerk will seine Zeit und Leute haben.</li>
-<li>Zank ist des Bergwerks Untergang.</li>
-<li>Wenig Zubuß, viel Ausbeut',<br />
-Machet fröhliche Bergleut'. (Altes schneebergisches Lemma.)</li>
-<li>Wenn wir spüren Kies,<br />
-treffen wir Erz gewiß. (Merkels Erdbeschr.
-von Kursachsen. 1. B. 1804, S. 132.)</li>
-<li>Wer Ausbeut will genießen,<br />
-Laß' sich die Zubuß' nicht verdrießen. (Daselbst.)</li>
-<li>Bergwerk will stets ein Freies (Freiheiten) han,<br />
-Soll es anders von statten gahn. (Daselbst.)</li>
-<li>Wenn Gott nicht geit, hilft kein Arbeit. (C. Lehmann, Chronik
-d. fr. Bergstadt Schneeberg. 1. B. 1837, S. 26.)</li>
-<li>Das Bergwerk will haben Verstand<br />
-Und eine getreue Hand. (Daselbst.)</li>
-<li>Bergwerks Glück und Pracht<br />
-Steigt und fällt über Nacht. (Daselbst.)</li>
-<li>Der erste Finder, der erste Muter.</li>
-<li>Es war kein Bergwerk ja so gut,<br />
-Es führt zuvor ein eisern Hut.<br />
-Oder: Das Silber hat einen eisernen Hut. (Dieses alte Sprichwort
-bezieht sich auf die Wahrnehmung, daß man stellenweise Eisenerze aufarbeiten
-mußte, ehe man an die reichen Silbererze kam. S. H. Jacobi
-in der wissenschaftlichen Beilage zur Leipziger Zeitung 1886, Nr. 2.)</li>
-<li>Edle schöne Guhren<br />
-Führen zu Erzspuren.</li>
-<li>Kurze Gänge, kurz Erz.</li>
-<li>Von Schlettau sagt man: »Wenn die Bauern auf dem Felde
-sind, ist kein Bürger zu Hause.« Die Einwohner beschäftigen sich nämlich
-neben Posamenten-, Spitzen- und Bandgewebearbeiten viel mit Landwirtschaft.
-(Lindner, Wanderungen durch das sächs. Obererzgebirge I.
-S. 56.)</li>
-<li>Zschopauer Strümpfe und Kirchberger Tuch,<br />
-Wenn man's heem bringt, so hat's ä Luch (d. h. Loch.) (Mündl.)</li>
-<li>Du bist so alt wie Buchholz. (Dies bezieht sich auf die Gründung
-<span class="pagenum"><a id="Seite_604">[604]</a></span>von Buchholz durch Bergleute aus Geyer und Ehrenfriedersdorf
-vor 1496, dem Gründungsjahre von Annaberg. (M. v. Süßmilch,
-Leipzg. Zeitung 1885, Nr. 101.)</li>
-<li>Es wird in dem Lande Meißen eher an Holz und Kohlen
-zum Bergwerk und Schmelzen mangeln, als an Erz und Metallen.
-(Nach des Petrus Albinus Meißnischen Bergchronik (1590), worin bemerkt
-wird, daß der bekannte Joachimsthaler Pfarrer Matthesius diese
-Worte von gelehrten und weisen Leuten gehört habe. Als altes bergmännisches
-Sprichwort auch in Merkels Erdbeschr. von Kursachsen I. S.
-140 angeführt.)</li>
-<li>Man sagt, in Freiberg seien »Himmel, Hölle und Teufelskapelle«
-beisammen, d. h. die Nicolaikirche, die Schankwirtschaft zur Hölle und
-das Theater, sämtlich am Buttermarkt gelegen. (Mitteilungen des Freiberger
-Altertumsvereins, 3. H. S. 280.)</li>
-<li>Wenn im Erzgebirge recht bedeutender Schneefall eintritt, so
-sagt man: »Es schneit Brot!« Man will damit aussprechen, daß dann
-die armen Leute durch Schneeausschaufeln auf den fiskalischen und
-kommunlichen Straßen Verdienst erhalten.</li>
-<li>Warum werden in Dönschten (ein Dorf bei Altenberg) die Eierkuchen
-nur auf einer Seite gebacken? Antw.: Weil nur auf einer Seite
-Häuser stehen. (Fr. Polle, Führer durch das Weißeritzthal. 1883. S. 73.)</li>
-<li>Zwischen Gey'r un Thum<br />
-Do liegt e gàle Blum';<br />
-Un wàr die gàle Blum will hohm,<br />
-Dàr muß Gey'r un Thum zerschlong.<br />
-<br />
-(Alfr. Müller, Volkslieder aus dem Erzgebirge, S. 189.)</li>
-<li>Das Rätsel von der Mulde.<br />
-Der Joachimsthaler Pfarrer Matthesius, Luthers Freund und
-Tischgenosse, machte aus dem Worte <em class="antiqua">M V L D</em> folgendes Rätsel:<br />
-<br />
-<span class="i2">»Rat' was ist das? drei Wasser-Strom<a id="FNAnker_5_5"></a><a href="#Fussnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a><br /></span>
-<span class="i2">Die ha'n Ein' Syllb', Ein'n deutschen Nam',<br /></span>
-<span class="i2">Ein's theuern Doctors<a id="FNAnker_6_6"></a><a href="#Fussnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a> Namen zwar,<br /></span>
-<span class="i2">Ein's frommen Weibes Sterbejahr.<a id="FNAnker_7_7"></a><a href="#Fussnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a><br /></span>
-<span class="i2">Allen in vier Buchstaben steht:<br /></span>
-<span class="i2">»Gnad dir Gott« sprech', wer hiefür geht!«<br /></span>
-<br />
-(Gräße, Sagenschatz etc., No. 308.)</li>
-</ol>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_5_5"></a><a href="#FNAnker_5_5"><span class="label">[5]</span></a> Die Zschopau, Freiberger und Zwickauer Mulde.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_6_6"></a><a href="#FNAnker_6_6"><span class="label">[6]</span></a> <em class="antiqua">D. M. L.</em> Doctor Martin Luther.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_7_7"></a><a href="#FNAnker_7_7"><span class="label">[7]</span></a> <em class="antiqua">M. D. L. V.</em> (1555) starb die Witwe Kurfürsts Moritz.</p>
-</div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_605">[605]</a></span></p></div>
-
-<h3 id="sec794">794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf
-ihrem jetzigen Platze erbaut wurde.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Pfarrers Friedlein in Oberwiesenthal.)</p>
-
-<p>Von jeher hatten das Städtchen Böhmisch-Wiesenthal und das
-Dorf Stolzenhan gemeinschaftlich eine Kirche, welche früher an der
-Stelle stand, wo sich jetzt der Gottesacker beider Orte befindet. Als
-die Kirche sehr baufällig geworden war, wollte man eine neue bauen,
-jedoch konnte man sich nicht darüber einigen, wohin dieselbe gebaut
-werden sollte. Die Stolzenhaner wollten sie nach Stolzenhan und die
-Wiesenthaler nach Wiesenthal haben. Endlich kam man überein, die
-Kirche auf dem Grund und Boden derjenigen Gemeinde zu erbauen,
-wohin der Turmknopf, dessen Niedersturz man baldigst erwarten konnte,
-fallen würde. Der Knopf fiel auch endlich, und zwar auf Stolzenhaner
-Gebiet. Ein Einwohner von Wiesenthal aber, welcher zufällig auf
-seinem Acker in der Nähe arbeitete, zog die Turmspitze mit dem
-Knopfe eiligst hinüber auf die Wiesenthaler Seite. Somit wurde die
-neue Kirche in Böhmisch-Wiesenthal und nicht in Stolzenhan gebaut.</p>
-
-<h3 id="sec795">795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)</p>
-
-<p>Die Hauptmannsgrüner wollten einmal eine Wiese nach einem
-andern Platze ziehen und schlugen einen Pfahl ein, daran befestigten
-sie ein Ortscheit und spannten Ochsen vor. Als nun der Wind die Schmielen
-bewegte, hielten sie dafür, daß die Wiese fortrücke. Und als die
-Ochsen noch mehr angetrieben wurden, rissen die Stränge und die
-Ochsen liefen bis nach Stenn. In Stenn ist das Ortscheit liegen geblieben
-und es soll noch heut dort liegen.</p>
-
-<p>Ein andermal konnten die Hauptmannsgrüner das Zapfenloch
-eines Teiches, dessen Wasser abgelassen werden sollte, nicht auffinden.
-Da sagte der Richter: »Nun müssen wir'n aussaufen.« Er legte sich
-zuerst hin und nach ihm die Bauern, und sie fingen an zu trinken.</p>
-
-<h3 id="sec796">796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.</h3>
-
-<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)</p>
-
-<p>Von den Ebelsbrunnern wird erzählt, daß sie einst den aufgegangenen
-Mond dicht am Berge stehen sahen; da holten sie Stangen,
-um ihn herunter zu schlagen, und es entstand in Folge dessen das Spottlied:</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_606">[606]</a></span></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»In Abelsbrunn<br /></span>
-<span class="i0">Sein se hameldumm,<br /></span>
-<span class="i0">Nehm' se lange Stang',<br /></span>
-<span class="i0">Woll'n den Manden fang'!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Th. Schäfer, (Sächs. Volksfreund 1880, 1. Dez.) erzählt auch von den Eibenstockern,
-daß sie einst auf den Auersberg gezogen seien, um den Vollmond mit
-einer Stange herunter zu holen. Eine ähnliche Sage findet man im Fichtelgebirge.
-Auch den Zellern wurde von den Münchbergern nachgesagt, daß sie mittels langer
-Stangen den Mond vom Himmel »herunter zu stieren« suchten. Dabei weist Zapf
-(Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 185) darauf hin, daß zu dieser Sage uralte Vorbilder
-vorliegen, indem schon der griechische Arzt Hippokrates (geb. 460 v. Chr.) von
-Menschen spricht, welche durch magische Künste und Opfer den Mond herabziehen.
-Die Medea wurde in dieser Kunst von der Göttin Hekate unterrichtet, und ebenso waren
-ihrer auch insbesondere die Thessalerinnen mächtig.</p></div>
-
-<h3 id="sec797">797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.</h3>
-
-<p class="source">(Rankewitz, Kurze Beschreibung des Schlosses Augustusburg. 1836. S. 5.)</p>
-
-<p>Einige sagen, daß das Schloß Augustusburg so viele Fenster gehabt
-habe, als das Jahr Tage, so viel Feueressen, als es Wochen,
-und so viel Wetterfahnen, als es Monate enthält.</p>
-
-<p>(In ähnlicher Weise sagt man auch von dem Schlosse Rothenhaus
-i. B., daß es gerade so viel Fenster habe, als Tage im Jahre.)</p>
-
-<h3 id="sec798">798. Sprüche von der Stadt Freiberg.</h3>
-
-<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen. No. 289.)</p>
-
-<p>Die Stadt Freiberg ist nicht bloß durch ihren reichen Bergsegen,
-sondern auch durch ihre Schönheit von alter Zeit her berühmt gewesen;
-davon sagt ein altes Sprichwort: »Wenn Leipzig mein wäre, wollte
-ich es in Freiberg verzehren.«</p>
-
-<p>Obgleich das Freiberger Bier keinen besondern Namen hatte,
-wie es im 16. und 17. Jahrhundert Mode war, so gab es doch zu
-einem andern Sprichworte Gelegenheit. Dieses hieß: »Es kitzelt einem
-in der Nase, wie das Freiberger Bier.«</p>
-
-<p>Ein anderes Sprüchlein, welches sich zugleich mit auf zwei andere
-Städte Sachsens bezieht und deren Untergang prophezeit, lautet:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Meißen wird ertrinken,<br /></span>
-<span class="i0">Freiberg wird versinken,<br /></span>
-<span class="i0">Dresen<br /></span>
-<span class="i0">Wird man zusammenkehren mit Besen.«<br /></span>
-</div></div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_607">[607]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec799">799. Todaustreiben.</h3>
-
-<p class="source">(Gottl. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes. 1794. S. 309. Joseph
-Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg. S. 99 etc.)</p>
-
-<p>In Königswalde bei Werdau erhielt sich bis 1630 folgendes:</p>
-
-<p>Am Sonntag Lätare ward jährlich ein Strohbild verfertigt, welches
-in dem einen Jahre einen Mann, im andern ein Weib darstellte.
-Diesem Bild ward von den ledigen Personen beiderlei Geschlechts mit
-Hülfe einer Leichenfrau als eine Leiche angezogen, mit grünen Blättern
-und Wintergrünkränzen geziert, das Haar ward aus Flachs verfertigt,
-und das ganze Bild an eine Stange angemacht. Nach Endigung des
-Nachmittaggottesdienstes ward es durchs ganze Dorf getragen, und
-eine Menge Volks, groß und klein, folgte mit Gesang nach. Endlich
-ward es auf eine Wiese gebracht, mit Ungestüm zerrissen und in den
-Bach geworfen. Die Wiese, wohin in Königswalde dieses Bild gebracht
-ward, heißt noch heut' die Todenwiese; sie liegt neben der heiligen
-Wiese nach Langenhessen zu. Man nennt diese Ceremonie den
-Tod austreiben, und der Sonntag Lätare hieß der Todensonntag.</p>
-
-<p>An einigen Orten des böhmischen Erzgebirges wird noch gegenwärtig
-am Sonntage Lätare das Todaustreiben unter der Bezeichnung
-des Todaustragens (»Tudaustrog'n«) gefeiert. Von fünf Knaben zieht
-sich einer als Tod (Winter) an, ein anderer als König, der dritte als
-dessen Tochter (Lenz) und die übrigen als Diener (Sommer und Herbst.)
-Der König, wohl den Herrn der Jahreszeiten personifizierend, trägt
-eine goldpapierne Krone und einen Rocken als Szepter. Die Königstochter
-ist ihrer Würde angemessen aufgeputzt, verschmäht es indessen
-nicht, Geld und andere Geschenke entgegen zu nehmen. Die Diener
-tragen Degen, der weißgekleidete Tod ein Bund Späne. Alle aber,
-mit Ausnahme des Winters, sind mit bunten Bändern geschmückt;
-deshalb heißt dieser Gebrauch auch der »Bändertod«. Die Gesellschaft
-zieht von Haus zu Haus und führt ein kurzes dramatische Spiel auf,
-dessen Inhalt folgender ist: Die Diener, in der Folge auch der Tod,
-halten um die Hand der Königstochter an. Letzterer büßt seine Vermessenheit
-mit dem Leben, indem ihn der König niedersticht. Die beiden
-übrigen Brautwerber stehen zitternd da, weil sie eine gleiche Strafe
-befürchten. Der König überwindet indessen seinen Zorn bald und lächelnd
-legt er die Hand des Sommers in die seiner Tochter, welche
-er auffordert, daß sie sich von dem anderen Freier durch Darreichung
-der von ihr gesammelten Gaben loskaufe.</p>
-
-<p>An andern Orten tritt diese Sitte in nachfolgender Gestalt auf: Mehrere
-Knaben gehen mit einer langen Stange, an die oben ein Querholz<span class="pagenum"><a id="Seite_608">[608]</a></span>
-befestigt ist, von Haus zu Haus und sammeln alte Kleider, die
-dem den Tod darstellenden Holzgerippe angethan werden. Nach Vollendung
-dieser Toilette ist der Teil der Vorbereitung vorüber und nun
-geht der eigentliche Umzug vor sich, indem man den Tod durch das
-Dorf trägt und dabei singt:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Tud aus! Tud aus!<br /></span>
-<span class="i0">Hätt'n m'r 'n Tud nich ausgetrog'n,<br /></span>
-<span class="i0">Hätt ar uns im Bett erschlog'n.<br /></span>
-<span class="i0">Tud aus! Tud aus!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Zuletzt wird der Popanz ins Wasser geworfen. Dies ist das
-Signal für die Knaben, eilends die Flucht zu ergreifen. Wer am
-meisten zurückbleibt, heißt der »Tud'nvota« und wird als solcher das
-Jahr über geneckt.</p>
-
-<p>Das Todaustragen ist ein Privilegium der Mädchen. Knaben
-bringen ihnen aus dem Walde ein kleines Fichtenbäumchen. Die
-Mädchen schmücken erst dieses und dann sich selbst aufs beste und schönste.
-Darnach tragen sie das Bäumchen von Haus zu Haus und singen
-in jedem ein Liedchen, wofür sie Kuchen, Kaffee und Geld erhalten.
-Letzteres wird zu Kerzen für die Kirche oder Kapelle verwendet.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Das Todaustreiben fand sich früher an vielen Orten Sachsens, besonders der
-Lausitz und des Vogtlands, ferner in Böhmen, Schlesien u. s. w. Meist wurde dabei
-von den jungen Burschen ein Strohmann, welcher den Winter, in der späteren
-christlichen Zeit aber den Tod vorstellte, angeputzt, unter Gesang durch das Dorf
-getragen und endlich ins Wasser geworfen oder verbrannt. Mit grünen Zweigen geschmückt
-kehrte die Jugend wieder heim. Im Vogtlande sang man dabei das Lied:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Wir alle, wir alle kommen 'raus,<br /></span>
-<span class="i0">Und tragen heute den Tod 'naus,<br /></span>
-<span class="i0">Komm' Frühling wieder mit uns in das Dorf,<br /></span>
-<span class="i0">Willkommen lieber Frühling!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>In Deutsch-Böhmen sang man:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Nun treiben wir den Tod aus,<br /></span>
-<span class="i0">Den alten Weibern in das Haus,<br /></span>
-<span class="i0">Den Reichen in den Kasten,<br /></span>
-<span class="i0">Heute ist Mitfasten!«<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Das Todaustreiben war ein Nachklang des alten Frühlingsfestes, von dem
-wir auch Andeutungen bei den alten Griechen und Römern, ja selbst in Persien und
-Indien finden, und das jedenfalls die indoeuropäischen Völkerstämme aus ihren Ursitzen
-in Asien mitbrachten. Bei den heidnischen Germanen wurde es vielleicht zu
-einem Feste der Ostara, der Göttin des aufgehenden Lichtes, oder der mütterlichen
-Erdgöttin Nerthus oder auch Odhins, bei den Slaven zu einem Feste der Ziva,
-der Göttin des Lichts und der Fruchtbarkeit.</p>
-
-<p>Es ist sicher, daß die in verschiedenen Gegenden gefeierten Maifeste, bei denen
-eine Maikönigin oder ein Maikönig einzog, oder ein Maigraf aus dem Walde<span class="pagenum"><a id="Seite_609">[609]</a></span>
-in die Stadt eingeholt wurde, oder bei denen man den in Tannenrinde und Laub
-gehüllten Pfingstbutz zu Roß ins Dorf führte (s. Mannhardt, die Götter der
-deutsch. und nord. Völker, S. 144 etc.), mit dem Todaustreiben gleiche Bedeutung
-hatten. Wegen der in unsern Gegenden zu zeitigen Feier des Frühlingsfestes im
-März, da häufig noch Eis und Schnee die Fluren deckte, wurde dieselbe vielfach auf
-den sonnigen Mai verlegt und jetzt nun nicht mehr der Winter verjagt, sondern der
-vor der Thür harrende Frühling eingeholt und begrüßt. (S. über die Frühlingsfeier
-bei den Germanen und Slaven: Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, I.
-S. 142&ndash;152.)</p></div>
-
-<h3 id="sec800">800. Der Totenteich bei Tharand.</h3>
-
-<p class="source">(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 101.
-Gräße, Sagenschatz etc. No. 268.)</p>
-
-<p>Wenn man durch Tharand hinauf am Amthause vorbei nach dem
-Kalkofen und dann weiter im Thale fortgeht, so kommt man in den
-sogenannten Ebergrund und zur Ebermühle, bei welcher der von dem
-Mühlbache gebildete Totenteich liegt, der seinen Namen davon hat,
-daß früher bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts die Sitte
-herrschte, wenn die Bewohner der umliegenden Dörfer den Tod austrieben,
-den diesen vorstellenden Strohmann hier hineinzuwerfen. Man
-behauptet, bei hellem Sonnenschein in der Tiefe noch heute das
-steinerne Bild desselben liegen zu sehen.</p>
-
-<h3 id="sec801">801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.</h3>
-
-<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 757.)</p>
-
-<p>Im Erzgebirge trägt man sich mit einer alten Tradition, daß
-wilde Waldleute bisweilen an die Waldhäuser gekommen seien. Solcher
-wilden gebirgischen Satyren erinnerten sich vor Alters die Einwohner
-und Bergleute bei ihrem »Quaß« und Fastnachtsspiel, bei
-welchem sie jährlich zwei wilde Männer verkleidet, den einen in Reisig
-und Moos, den andern in Stroh gehüllt, auf den Gassen umhergeführt,
-endlich aber auf dem Markt herumgejagt und endlich zum Schein niedergeschossen
-und gestochen haben. Die verkleideten Personen riefen dabei
-durch ihr Taumeln und ihre seltsamen Gebärden Gelächter hervor und
-spritzten dabei aus angefüllten Blasen Blut unter die umstehenden Leute,
-ehe sie als Tote niederfielen. Dann faßten sie die Jäger, legten sie
-auf Breter und trugen sie ins Wirtshaus. Die Bergleute gingen daneben
-her und bliesen durch ihre Pechpfeifen und Grubenleder auf, als
-hätten sie ein stattliches Wildpret gefangen. Dergleichen Aufzüge hielt<span class="pagenum"><a id="Seite_610">[610]</a></span>
-man vor dem dreißigjährigen Kriege; aber darnach sind sie abgekommen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Auch dieses Fastnachtsspiel war jedenfalls ein Überrest der alten Frühlingsfeste;
-seine Bedeutung ist aber hier sehr verwischt worden. Der in Reisig und Moos gehüllte
-Mann sollte den Frühling, der Strohmann dagegen den Winter darstellen.
-Ursprünglich haben beide wohl miteinander gekämpft, bis der Frühling den Winter
-besiegte. Daß solche Kämpfe zwischen den persönlich dargestellten Jahreszeiten Winter
-und Frühling (Sommer) wirklich, z. B. in Schweden und Gothland, dargestellt
-worden sind, dafür bringt Jac. Grimm in seiner deutschen Mythologie mehrere
-Beispiele; auf S. 440 heißt es daselbst: Ein vermummter Sommer und Winter,
-jener im Epheu oder Singrün, dieser in Stroh oder Moos gekleidet, traten auf und
-kämpften so lange miteinander, bis der Sommer siegte. Dann wird dem zu Boden
-geworfenen Winter seine Hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlicher Kranz oder
-Zweig umhergetragen.</p></div>
-
-<h3 id="sec802">802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.</h3>
-
-<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 271.)</p>
-
-<p>In Freiberg kehrt alljährlich am Tage Maria Magdalena, den
-22. Juli, ein besonderer Bergfeiertag wieder, an welchem vormittags
-im Dome eine große Kirchenparade der Bergleute und eine Bergpredigt
-abgehalten wird. Bei Gelegenheit im Jahre 1737 angestellter Erörterungen
-ergab sich, daß die Freiberger Bergleute bis dahin den Maria-Magdalena-Tag
-angeblich seit länger als 200 Jahren am sogenannten
-Hungerborne gefeiert hätten, woselbst sogar zu Zeiten gepredigt worden
-sein sollte. Dieser Brunnen, welcher wegen seines guten und reichlichen
-Trinkwassers besonders von den benachbarten Huthäusern stark benutzt
-wurde, lag etwa eine Viertelstunde nordwestlich von dem Huthause
-»Beschert Glück« im Ratswalde und ist erst im Jahre 1790 infolge
-der von »Beschert Glück« betriebenen Grubenbaue weggefallen. Eine
-Meinung der damaligen Bergleute schreibt den Ursprung seines Namens
-einer Frau Maria Magdalena Hunger zu; die Veranlassung zum Festtage,
-dessen althergebrachte Feier sich die Bergleute 1737, als solche
-auf den nächsten Sonntag verlegt werden sollte, »erstritten« haben,
-soll sich aber daher schreiben, daß die Kurfürstin Magdalena Sybilla,
-Witwe des Kurfürsten Johann Georgs II, als sie ihren Namenstag
-am Hungerborne feierte, den Bergleuten für alle Zeiten ihren Namenstag
-daselbst zu feiern angeordnet habe. Gewiß ist, daß die Bergleute bis
-zum Jahre 1737 die Umgebung des Hungerbornes als einen gewohnten
-Versammlungsplatz betrachteten und als solchen benutzten; ja noch
-in unserm Jahrhunderte fand daselbst zu gewissen Zeiten im
-Jahre, besonders Pfingsten, ein großer Zusammenfluß von Personen<span class="pagenum"><a id="Seite_611">[611]</a></span>
-aus der Umgegend statt. Man unterhielt sich dabei mit Musik
-und Spielen.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Die Feier des »Streittags« fand sich wahrscheinlich in allen sächsischen Bergrevieren
-vor. Meltzer schreibt in seiner »bergkläuffigen Beschreibung der Bergk-Stadt
-Schneeberg«, (1684. S. 3), daß die Bergleute daselbst diese Feier »mit dem
-Schwerte errungen hätten«, und er vermutet, daß solches bei dem Aufstande der Bergleute
-im Jahre 1496 geschehen sei. Herzog Heinrich der Fromme ließ den Maria-Magdalena-Tag
-bei Einführung der Reformation 1539 ausdrücklich als bergmännischen
-Feiertag fortbestehen, und derselbe wird auch noch gegenwärtig in Schneeberg durch
-Bergaufzug, Gottesdienst und eine Ergötzlichkeit der Bergleute gefeiert.</p></div>
-
-<h3 id="sec803">803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.</h3>
-
-<p class="source">(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, S. 158.)</p>
-
-<p>Am 18. Februar 1613 führten die Tuchknappen zur Feier des
-Faschings auf dem Markte zu Chemnitz den Schwerttanz auf. Dieser
-Schwerttanz ist noch heutzutage unter den Salzknappen Halleins und
-Hallstadts üblich, und er wurde von neun Tänzern, zwei Pfeifern, einem
-Trommler und zwei Hanswürsten aufgeführt, welche mit dem
-Spruche auftraten:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wir treten herein ganz edel und fest,<br /></span>
-<span class="i0">Und grüßen alle anwesenden Zuschauer aufs Best';<br /></span>
-<span class="i0">Grüßten wir einen und den Andern nicht,<br /></span>
-<span class="i0">So möchtens meinen, wir wären die echten Schwerttänzer nicht;<br /></span>
-<span class="i0">Die rechten Schwerttänzer sind wir genannt,<br /></span>
-<span class="i0">Wir tragen das Schwert in unserer Hand.<br /></span>
-<span class="i0">Spielmann, mach' auf den rechten Schwerttanz!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Nun begann der Tanz, indem jeder die Spitze des Schwertes
-von seinem Nebenmann faßte, mit einem Rondo; alsdann Springen
-über Schwerter. Darauf legte man die Schwerter nieder, tanzte herum,
-hob sie wieder auf und bildete eine Schnecke, die sich wieder
-auseinander winden mußte, ohne daß ein Tänzer die Schwertspitze
-seines Nachbars losließ. Dann trat ein Hanswurst in den Kreis und
-kniete nieder. Die Tänzer hielten ihre Schwerter auf ihn, der Vortänzer
-schwang sich auf diese Schwerter und sprach folgenden Spruch:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Da bin ich heraufgestiegen,<br /></span>
-<span class="i0">Wär' besser, ich wär' unten blieben;<br /></span>
-<span class="i0">Der Fasching ist ein verthunlicher Mann,<br /></span>
-<span class="i0">Hat all sein Hab und Gut verthan;<br /></span>
-<span class="i0">Er hat verthan sein Hab und Gut,<br /></span>
-<span class="i0">Bis auf einen alten zerrissenen Hut.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_612">[612]</a></span>
-<span class="i0">Er reist das Land wohl auf und nieder,<br /></span>
-<span class="i0">Was er bekommt, versäuft er wieder;<br /></span>
-<span class="i0">So spring' ich aus dem grünen Kranz,<br /></span>
-<span class="i0">Spielmann, mach' auf den lustigen Schwerttanz.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Nun ward wiederum ein Rondo getanzt, aber schneller als das
-erste; die Tänzer traten einer nach dem andern ab, bis Vor- und
-Nachtänzer allein waren, die sich noch ein paar Mal herumdrehten,
-mit den übrigen die Schwerter zusammenschlugen und so unter dem
-Jubelruf der Zuschauer schlossen.</p>
-
-<h3 id="sec804">804. Strafe für zänkische Weiber.</h3>
-
-<p class="source">(Oesfeld, Histor. Beschreibung von Lößnitz (1776) S. 10.
-Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes (1794), S. 180.)</p>
-
-<p>Auf der rechten Seite ohnweit der Hauptthüre des Rathauses in Lößnitz
-befanden sich zwei steinerne halbe Zentnergewichte, welche oben einen
-eisernen, sehr weiten Angriff hatten und auf der einen Seite glatt,
-übrigens aber rund und an einem Ring aufgehangen waren. Auf dem
-einen Steingewichte sah man ein Frauenbild mit einem Bund Schlüssel,
-welches sie über dem Kopfe hielt, als ob sie damit werfen wollte, und
-der Umschrift. »Du leugst wie eine Hure.« Auf dem anderen Gewichte
-war auch ein Frauenbild mit einem »Waschbleu« und den Worten:
-»Du bist eine Hure«, zu sehen, und die gemeine Sage war, daß in
-alten Zeiten diese Gewichte von zänkischen Weibern, welche sich geschlagen,
-öffentlich hätten herumgetragen werden müssen.</p>
-
-<p>Eine ähnliche Strafe gab es in Crimmitschau. Wenn daselbst
-Weibspersonen einander geschimpft hatten, so mußten sie an der Rathausthüre
-einander gegenüber stehen und ward jeder eine Art von
-bleiernem Gewichte an den Hals gehängt.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In Bautzen war es im Mittelalter bis gegen Ende des 17. Jahrh. eine gewöhnliche
-Strafe für zänkische Weiber, daß sie sogenannte Schandsteine, welche die
-Form von runden Flaschen hatten, an einer eisernen Kette um den Hals durch die Stadt
-tragen mußten. Man nannte diese Strafe das Flaschentragen oder das trinken aus
-des Büttels Flasche. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 89.) Auch in Leipzig gab
-es für solche Weiber, welche sich auf dem Markte schlugen, rauften oder einander
-schmähten, Schandsteine, die der Rat 1624 neu anfertigen ließ. An manchen Orten
-wurden auch diejenigen Personen damit geschmückt, welche nächtlichen Straßenlärm
-machten. Da und dort hatten diese Steine Brotform, und daher schreibt sich wohl
-auch die Redensart: Ein schwerer Bissen Brod. In Lübeck hatten sie die Form von
-Schüsseln, und nach dem Dortmunder und Halberstädter Statut von 1348 sollten
-sie das Gewicht eines Zentners haben. Waren die »losmäuligen« Frauen wohlhabend,<span class="pagenum"><a id="Seite_613">[613]</a></span>
-so konnten sie sich von dieser schmachvollen Strafe durch einen Sack voll Hafer, der mit
-einem roten Bande zugebunden sein mußte, loskaufen. (Schäfer, deutsche Städtewahrzeichen,
-I. S. 54.)</p></div>
-
-<h3 id="sec805">805. Strafe für liederliche Weibspersonen.</h3>
-
-<p class="source">(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)</p>
-
-<p>Es war sonst in Crimmitschau die Gewohnheit, welche auch an
-andern Orten, z. B. in Schmölln, eingeführt war, daß liederliche
-Weibspersonen sich auf den niedern Stadtturm begeben mußten, allwo
-oben auswendig ein großer Korb befindlich war. In diesen mußten
-sie sich setzen, worauf sie dann jählings in den unten am Thore befindlichen
-Teich herabgelassen wurden.</p>
-
-<h3 id="sec806">806. Wie das Lehen gereicht wurde.</h3>
-
-<p class="source">(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)</p>
-
-<p>Wenn sonst jemandem in Crimmitschau das Lehen gereicht wurde,
-so beobachtete man die Zeremonie, daß dem Empfänger vom Gerichtsdirektor
-oder Amtmann ein runder Hut dargereicht wurde, woran der
-Empfänger greifen mußte, und wenn mehrere etwas in sämtliche Lehn
-empfingen, so mußten ebenfalls alle diesen Hut berühren.</p>
-
-<h3 id="sec807">807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.</h3>
-
-<p class="source">(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)</p>
-
-<p>Eine Gewohnheit, welche in Crimmitschau ausgeübt wurde, war,
-daß die Witwen, welche sich zum zweiten Male verheirateten, der
-Gerichtsherrschaft ein Bett abgeben mußten.</p>
-
-<p>Hidda, Friedrichs und Dedaus, Grafen zu Eilenburg Schwester,
-verordnete, daß jede Witwe, welche sich wieder verheiratete, dem
-Amtmann (<em class="antiqua">praefecto arcis</em>) zwei Schreckenberger in einem Beutel ohne
-Naht geben sollte.</p>
-
-<h3 id="sec808">808. Das Bärenprivilegium für Lößnitz.</h3>
-
-<p class="source">(C. Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. 1. B. Schneeberg
-1837. S. 8.)</p>
-
-<p>In der ältesten bekannten, aus dem Jahre 1284 stammenden Urkunde
-von Lößnitz erhielt die Stadt das Privilegium, daß sich in seinen<span class="pagenum"><a id="Seite_614">[614]</a></span>
-Mauern kein Mönch oder Priester häuslich ankaufen sollte, sowie
-kein Edelmann. Letzteres soll der Sage nach davon kommen, daß ein
-Edelmann, mit Namen von Hagenest, im Jahre 1283 einen Bären
-gehabt, der sich von der Kette losgerissen und eines Bürgers Kind
-erwürgt. Darauf hätten die Bürger den Bären samt dem Edelmann
-erschlagen. Daher das Privilegium, welches deshalb auch das Bärenprivilegium
-hieß.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_615">[615]</a></span></p>
-
-<h2 id="appendix">Anhang.</h2>
-</div>
-
-<h3 id="sec809">809. Der Wegzug der Zwerge.</h3>
-
-<p class="source">(A. Stropnitzky in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs,
-1885, S. 120.)</p>
-
-<p>Am rechten Ufer der Eger liegt bei dem Dorfe Sosau eine
-Bauernwirtschaft, deren Besitzer schon seit Menschengedenken den Dienst
-von Fährleuten versehen haben. Eines Tages kam nun zu dem Bauer
-ein kleines Männchen und sagte, er wäre der Zwergkönig und wolle
-mit seinem Volke aus der Gegend auswandern, da die Leute schon das
-Brot in den Ofen und die Knödel in den Topf gegeben hätten. Der
-Fuhrmann möge sich für seine Arbeit eine Mütze voll Gold oder für
-jeden Zwerg einen Pfennig wählen. Der Bauer wählte das Erstere.
-Am nächsten Morgen kamen die Zwerge, aber alle unsichtbar; nur
-durch den Lärm, den sie verursachten, wurde es dem Bauersmanne
-klar, daß er sein Werk beginnen könne. Er band also den Kahn los,
-und tief sank dieser in das Wasser, so schwer war er beladen. Doch
-sah der Fährmann niemanden. Bereits den ganzen Tag hatte er schon
-gearbeitet, und noch immer war kein Ende. Als er nun von neuem
-leer herübergekommen war, trat der Zwergkönig zu ihm heran, lobte
-ihn und gab ihm den bedungenen Lohn. Zugleich sagte er, daß er
-noch einmal hinüberfahren müsse. Der Fährmann war in den Kahn
-gestiegen und der Zwergkönig folgte ihm. Als sie nun in der Mitte
-der Eger waren, fragte der Zwergkönig, ob der Fuhrmann nicht sehen
-wolle, wie viel Zwerge er hinüber gefahren habe. Und als der
-Fährmann diesen Wunsch äußerte, so schlug der Zwergkönig mit seinem
-Stabe in die Lüfte, und nun sah der Fährmann die ganze Straße und
-die benachbarten Felder mit Zwergen erfüllt. Doch nur einen Augenblick
-währte es, und alles war wieder vorbei. Seitdem sind die Zwerge
-aus der Gegend verschwunden.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In No. 186 bezieht sich diese Sage auf den Wegzug der Holzweibchen.</p></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_616">[616]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec810">810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.</h3>
-
-<p class="source">(Nach der Mitteilung von H. Weißflog.)</p>
-
-<p>An der Grenze der Dörfer Unterscheibe und Markersbach, unterhalb
-des sogenannten Vogtelgutes, läßt sich in stürmischen Nächten
-ein schneeweißer Hund mit rotleuchtenden Augen sehen, dessen Klagegeheul
-schauerlich durch die Nacht tönt. Er thut jedoch niemandem
-etwas zu Leide. Es soll dies der Hund eines Schäfers sein, der seinem
-Herrn sehr treu ergeben war. Der Schäfer hat sich einst in jener
-Gegend erhängt, und der Hund soll nun seinen Herrn suchen.</p>
-
-<h3 id="sec811">811. Der Schmiedmönch von Thierfeld.</h3>
-
-<p class="source">(Mitgeteilt vom Seminarist Emil Müller.)</p>
-
-<p>Alte Leute in Thierfeld bei Hartenstein erzählen von einem Geiste,
-dem sogenannten Schmiedmönch, welcher früher in der Schmiede des
-Ortes sein Wesen getrieben haben soll. Den Kindern ist er zu einem
-Schreckgespenst geworden, denn wenn dieselben nicht folgen wollen, so
-droht man ihnen mit dem Schmiedmönch, welcher jetzt neben der
-Schmiede unter den Wurzeln eines Strauches wohnen soll.</p>
-
-<h3 id="sec812">812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche
-zu Schneeberg zugemauert wurde.</h3>
-
-<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Archidiakonus Blanckmeister in Schneeberg.)</p>
-
-<p>Ursprünglich hatte die St. Wolfgangskirche in Schneeberg drei
-Haupteingänge, von denen aber derjenige, welcher sich der Superintendentur
-gegenüber an der Turmseite befand, später zugemauert wurde.
-Als Veranlassung dazu wird folgendes erzählt: Ein früherer Pfarrer
-hat sich alle hundert Jahre des Nachts sehen lassen, und das letzte
-Mal soll er dem Pfarrer W. erschienen sein. Um nun das Wiedererscheinen
-des Gespenstes für alle Zeiten zu verhindern, vermauerte man
-nicht nur den oben bezeichneten Kircheneingang, sondern auch die gegenüberliegende
-Hausthüre der Oberpfarrerwohnung, welche sich auf der
-schmalen Seite des Hauses befand, und verlegte sie nach der Breitseite,
-wo sie sich noch heute befindet. Trotzdem glaubt man noch jetzt, daß
-es auf dem Kirchplatze nicht richtig sei, und man bringt z. B. das
-vor einer Reihe von Jahren auf dem Platze geschehene Unglück, wobei
-ein Arbeiter durch einen Erdfall ums Leben kam, damit in Zusammenhang,
-indem viele meinen, daß der umgehende Geist sein Opfer gefordert
-habe.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_617">[617]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec813">813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.</h3>
-
-<p class="source">(Johann Vulpius, <em class="antiqua">Plagium Kauffungense</em>, das ist: Der Chur-Fürstl.
-Sächß. Printzen durch Conrad (Curt, Cuntz) von Kauffungen, geschehene
-Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg, wie sich solche <em class="antiqua">Anno</em>
-1455 zugetragen. Ohne Jahrzahl.)</p>
-
-<p>Nachdem Kunz von Kauffungen mit seinen Genossen in der Nacht
-vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Prinzen Ernst und Albert aus
-dem Schlosse Altenburg geraubt hatte, setzte er den erst genannten
-Prinzen auf ein gut gesattelt Roß und führte ihn bei finsterer Nacht
-nach dem Lande Böhmen zu, erstlich durch die Leine, so ein Wald
-oder Holz bei Altenburg gelegen, ferner durch die Rabensteiner Wälder
-bis ohnfern Elterlein um die Gegend des Klosters Grünhain, dahin
-er bei aufgehendem Mondschein gegen Morgen gekommen, vermeinend,
-nun mit seinem hohen Gefangenen leicht vollends nach Böhmen
-zu gelangen. Die andern haben den Prinzen Ernst auch auf ein
-Roß gesetzt und zwischen sich einen andern Weg davon geführt, willens
-ihn durch das Vogt- und Frankenland durch einen andern Strich in
-ihre Gewahrsam zu bringen; denn sie hatten sich dessen zuvor mit
-einander verglichen, diesen Raub durch unterschiedliche Wege wegzubringen,
-und obschon ein Teil mit seinem Prinzen ergriffen würde, so sollte
-doch der andere Teil seinen gefangenen Herrn nicht eher von sich
-geben, es wäre ihnen denn allen das Leben und Straffreiheit zugesagt.</p>
-
-<p>Unterdessen ist auf dem Schlosse zu Altenburg ein groß Wehklagen,
-bei den Hofleuten aber ein großer Schrecken entstanden. Man
-hat es durch einen Eilboten gen Leipzig dem Kurfürsten zu wissen gethan,
-dem anfänglich diese That fast unglaublich vorgekommen. So
-haben die Hofleute auch nicht gesäumt, sondern von Stund an in alle
-Gegenden geschicket, sind auch zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag
-in allen Städten und Dörfern angehen zu lassen, dadurch das
-ganze Land rege geworden, sintemal immer eines dem andern auf
-frischem Fuße gefolget, auch den Nachbarn zu wissen gethan, und alle
-Straßen beleget. Im Städtlein Geyer ist von den heftigen Glockenschlägen
-über diesem Sturme die Glocke zersprungen. Solchen Sturmschlag
-und Nacheilen hat Kunz von Kauffungen wohl gehöret, weil er
-aber bei Mittagszeit den Wald erreichet, verhoffte er leichtlich davon
-zu kommen. Da er nun nicht über eine halbe Meile bis zur böhmischen
-Grenze gehabt, hat es Gott sonderlich geschickt, daß den jungen
-Herrn, Herzog Albrechten (Albert) sehr gehungert und gedürstet, welches
-er Kunzen mit den Worten beklagt: Wo er nicht zu essen und zu
-trinken bekäme, würde er Krankheit halber nicht weiter kommen können,<span class="pagenum"><a id="Seite_618">[618]</a></span>
-sondern müsse liegen bleiben. Solches besorget Kunz selbst, sintemal er
-ihn von Mitternacht bis nun fast gegen Mittagszeit auf einem schnell
-trabenden Rosse geführet. Deswegen behielt er einen Reiter bei sich
-und stieg vom Pferde ab, in Mangel anderer Speise dem Herzoge im
-Walde Erdbeeren abzupflücken; seine andern Reiter, derer fünf gewesen,
-hieß er ein wenig auf den Halt voranreiten, er aber spazierte im
-Walde mit dem Prinzen ein wenig abseits, Erdbeeren zu suchen. In
-diesem Walde arbeiteten aber unterschiedliche Köhler. Von denen war
-ein Junge, namens Urban Schmidt, gen Geyer geschickt worden, einen
-Kober voll Brot, Salz und andere nötige Dinge zu holen. Dieser
-Junge hatte das Anschlagen der Glocken gehört, dazu vernommen, wie
-die große Glocke von gemeldetem Stürmen geborsten und die Rede gegangen,
-es hätte der Feind zu Altenburg einen Einfall gethan, das
-Schloß erstiegen und einen großen Raub weggeführet. Weil man nun
-dazumal von keinem Krieg noch Feinde wußte, der Junge auch nicht
-mehr erzählen konnte, so gerieten die Wäldler oder Köhler in große
-Verwunderung und Bestürzung.</p>
-
-<p>Dazwischen begab sichs, indem Kunz von Kauffungen mit dem
-Prinzen und seinem Reiter über dem Erdbeersuchen etwas tiefer vom
-Wege ab im Walde spazierten, und am Fürstenberge, der von dieser
-Geschichte den Namen bekommen, Beeren pflückten, daß durch sonderbare
-Schickung Gottes ein Köhler, mit Namen Georg Schmidt, welcher
-in der Gegend ohnweit Grünhain und dem Dorfe Raschau Kohlen bereitet,
-im Walde sich umzusehen daher kommet und seinen Hund bei sich
-hatte. Dieser Hund wird fremder Leute innen, schlug also bellend an
-und führete seinen Herrn, den genannten Köhler, welcher einen dichten
-Schürbaum zum Waldgewehre in der Hand hatte, an den Ort. Dieser
-Köhler siehet, daß Kunz ein Panzerhemd anhatte, auch ein Pferd
-an der Hand führte, dazu, daß der bei ihm befindliche Knabe schön,
-zart und adliger Gebärden; lässet sich daher bedünken, es möge nicht
-recht zugehen, und fraget trotzig, wie der Wäldler Art ist, von wannen
-er mit dem Knaben komme und wo er hinaus wolle? Darauf ihm Kunz
-antwortete: Es sei ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen, dem
-müsse er ihn wieder bringen. Wie sie aber miteinander ein wenig
-fortgehen, fällt Kunz von Kauffungen in dem Gestrüppe, Gebüsche
-oder Hecken, darinnen er mit seinen langen Sporen hängen blieb, und
-konnte wegen der schweren Rüstung, und daß er das Roß an der
-Hand nicht wollte fahren lassen, nicht wohl wieder aufkommen. Da er
-nun also lieget, spricht Prinz Albrecht heimlich zum Köhler: Ich bin
-ein Fürst von Sachsen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl
-vergelten. Darauf Jan Schweinitz, Kunzens Reisiger, sein Schwert<span class="pagenum"><a id="Seite_619">[619]</a></span>
-über den Prinzen gezogen, daß nicht viel gefehlet, er hätte ihn umgebracht.
-Sobald der Köhler solches vernommen, auch des Reiters Ernst
-gesehen, erinnert er sich der oben gemeldeten Zeitung, die der Junge
-von Geyer mitgebracht, glaubet des Prinzen Rede, spricht dem Reiter
-ernstlich zu, solche Gewalt bleiben zu lassen, hetzet seinen Hund an,
-welcher sich sehr laut machet, Schweinitzen anfällt und stattlich zurückhält;
-er aber hat mit seinem Schürbaume auf Kunzen, welcher wegen
-seiner Rüstung nicht flugs hat aufkommen können, so wohl als auf
-den Reiter tapfer zugeschlagen, hätte auch vielleicht Kunzen totgeschmissen,
-wenn nicht der Prinz treulich gewehret und für ihn gebeten. Da nun
-der Köhler sich mit Mund und Händen sehr gereget, der Hund auch
-trefflich gebellt, läuft des Köhlers Weib aus dem Kohlenkrame auch
-herzu und siehet, was für ein Streit da ist. Als sie ihren Mann
-auf Kunzen schlagen siehet, denket sie, es seien Räuber da und giebt
-alsbald das gewöhnliche Waldzeichen, so die Köhler im Gebrauche
-hatten, daß sie mit einem großen Messer oder Zschörper auf eine
-Holzaxt schlagen. Hierauf liefen alsbald andere Köhler mit Äxten und
-Schürbäumen zu, nahmen Kunzen und seinen Reiter gefangen, den
-Prinzen führeten sie in einen Kohlkram, gaben ihm schwarz Brot zu
-essen und Wasser zu trinken, zeigeten es auch unverzüglich der Obrigkeit,
-nämlich dem Abte des Klosters Grünhain an, welcher alsbald
-Befehl gab, die vorangeschickten fünf Reiter auch aufzusuchen, und also
-geschahe es, daß noch diesen Tag, welcher war Kilianitag, Kunz von
-Kauffungen mit sechs seiner Gesellen in gefängliche Haft gebracht wurde.
-Diese Gefangenen überantwortete der Abt noch denselben Tag dem
-Oberamtmann von Schönburg auf Glauchau und Hartenstein nach
-Zwickau, welcher sie festsetzen und die übrigen ferner verfolgen ließ.</p>
-
-<p>Die übrigen Prinzenräuber, Wilhelm von Mosen, Wilhelm von
-Schönfels und andere, welche den Prinzen Ernst mit sich führten,
-hatten versucht beim Pfarrherrn zu Hartenstein einzusprechen, allein
-der Pfarrherr war nicht daheim und sie konnten deshalb keine andere Zuflucht
-finden, als daß sie sich in dem Walde nahe bei der Mulde, über
-dem Schlosse Stein, in eine entlegene Höhle oder Steinkluft versteckten.
-Denn sie höreten den Sturmschlag und konnten aus dem Getümmel
-die Verfolgung wohl ermessen. Zu dem brach das Geschrei, daß Kunz
-und etliche seiner Reiter gefangen und der junge Prinz Albrecht erlöset
-wäre, geschwinde aus, welches sie meisterlich erkundeten, auch besorgeten,
-es möchte ihnen gleichfalls nicht anders gehen; denn die Pferde
-waren ihnen bereits abgejagt und guter Rat teuer. In solcher Gefahr
-vergaßen sie des gemachten Vergleichs und waren entschlossen, sich mit
-dem Prinzen auf kurfürstliche Gnade zu ergeben. Deswegen schickten<span class="pagenum"><a id="Seite_620">[620]</a></span>
-sie einen vertrauten Boten zum Oberamtmann nach Zwickau, dem sie
-schrieben, sie bereueten ihre That und hätten den Prinzen unversehrt
-bei sich; wenn ihnen von dem Kurfürsten Sicherung ihres Lebens,
-ihrer Ehre und ihres Gutes zugesagt werde, so wollten sie den Prinzen
-ausliefern, wo nicht, so würden sie denselben zuerst und dann sich selbst
-töten. Der Oberamtmann Friedrich von Schönburg sicherte ihnen dies
-darauf bei seinen »adeligen Ehren und Treuen« zu, und so lieferten
-sie den Prinzen am 11. Juli an denselben ab, der ihn dann seinen
-Eltern nach Chemnitz überbrachte.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere des
-Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist es sehr unwahrscheinlich,
-daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei Grünhain und in unmittelbarer
-Nähe der damaligen Grenze von Böhmen noch eine Rast hielt, während ringsum
-die Sturmglocken ertönten. Die Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine
-zufällige, sondern vielmehr ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber,
-daß sich dabei der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich
-damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb. Die Altzeller
-Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen von ungefähr »ein arm Mann«
-(der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen sei und dem Abte zu Grünhain, was er
-gesehen, gemeldet habe; er habe auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz
-gefangen worden. Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung
-des Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß ihm und
-darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich ein Scheffel Korn
-ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit dem sogenannten Trillergute in
-Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine
-Nachkommen den Namen »Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt,
-d. h. geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten und
-daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von Kauffungen, Mitteilungen
-des Freiberger Altertumvereins, 13. H.)</p></div>
-
-<h3 id="sec814">814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)</h3>
-
-<p class="source">Nach »<em class="antiqua">Loci theologici historii</em>, oder Theologisches Exempel-Buch«
-von Kaspar Titius (Leipzig 1684), S. 133 lautet diese Sage:</p>
-
-<p>Auf St. Annaberg in Meißen in einer Erzgruben zum Rosenberg
-genannt, ist ein Teufel gewesen, welcher in einer Kluft mit seinem
-Anblasen oder Anhauchen zwölf Bergknappen umgebracht, darum
-man auch dieselbige Grube oder Schacht, wiewohl sie ganz reich an
-Silber gewesen, hat müssen wüste liegen lassen. Den Odem aber oder
-Hauch, damit er die Leute anblies, ließ er aus aufgesperrtem Rachen
-heraus gehen: denn wie man daraus saget, er in eines Pferdes Gestalt
-mit langem Hals und greulichen Augen ist gesehen worden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_621">[621]</a></span></p>
-
-<h3 id="sec815">815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.
-(Zu Nr. 239.)</h3>
-
-<p class="source">Nach »<em class="antiqua">Loci theologici historii</em> oder Theologisches Exempel-Buch (Leipzig
-1684)« S. 137 lautet diese Sage:</p>
-
-<p><em class="antiqua">Anno Christi</em> 1559 ist dies schreckliche Ding geschehen, auf der
-Platten, zwei Meilen Weges von Joachimsthal. Daselbst hat ein
-Schmied eine Tochter gehabt, die fromm, züchtig und gottesfürchtig gewesen,
-fleißig zur Kirche gegangen, hat auch das hochwürdige Sakrament
-oft empfangen. Diese ist durch Verhängnis Gottes vom Teufel besessen,
-ohngefähr in Fastnachten, und hat sie der böse Feind oft niedergeworfen,
-als hätte sie die fallende Sucht. Die Eltern haben hierüber bei Wahrsagern
-Rat gesucht, daß der Teufel nachmals hat zu Schutz seiner Gewalt
-angezogen. Nach Ostern hat der Teufel begonnen, leibhaftig aus
-der Jungfrau zu reden, hat sich in der Stube sehen lassen, wie ein
-Kuckuck, Rabe, Hummel und dergleichen, auch also, wie solche Vögel
-pflegen, geschrieen. Hat grausame, wunderliche Dinge aus ihr geredet,
-daß nicht genugsam davon zu schreiben, und ist ein großer Zulauf vom
-Volke, auch von vielen Fremden worden, diese wunderliche Dinge zu
-hören. Und haben sich viele fromme Christen unterstanden, mit ihm
-zu reden, denen er allen Antwort genug gegeben.</p>
-
-<p>Aber die Jungfrau ist stets geduldig gewesen, hat oft selber
-mit zu Gott gebetet, und wenn sie um Erlösung im Namen Jesu Christi
-gerufen, hat sich bald der böse Geist wieder funden, ihr in den Augen
-gesessen und dieselben aus dem Kopfe herausgetrieben, so groß wie ein
-Hühnerei, die Zunge wie eine zusammengeflochtene Weide, einer Spannen
-lang zum Munde herausgesteckt, auch ihr das Angesicht auf den Rücken
-gewendet, also jämmerlich, daß es nicht genugsam zu beschreiben. Wenn
-sie Ruhe gehabt, und man sie gefragt, wie es ihr gehe, hat sie allewege
-geantwortet, es dünke sie, wie sie auf einem Wasser liege und
-müsse ertrinken, so kämen doch allewege viel fromme Leute, die ihr
-davon hülfen.</p>
-
-<p>Es sind alle Priester, so des Orts umher gewesen, dahin
-kommen und haben mit ihr Gespräch gehalten, denen der Teufel über
-die Maßen höhnische Antwort aus der Jungfrau gegeben, und wenn
-man von Christo Jesu ihn gefragt, ist er allewege auf eine höhnische
-Fabel gekommen, daß es nicht gut, so spöttlich zu schreiben. Da er
-auch befraget, wie er in sie gekommen, hat er gesagt: Sie habe es in
-einem Trunk Bier einges…, zu Fastnacht in einer Fliegen Gestalt,
-denn er sei ihr zwei Jahr nachgegangen, und da die Eltern zur Wahrsagerin
-gelaufen, habe er desto besser Platz bekommen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Seite_622">[622]</a></span></p>
-
-<p>Dieser böse Geist ist endlich von der besessenen Jungfrau durch
-fleißiges Gebet der Christen abgetrieben worden, da er wie ein Schwarm
-Fliegen ausgefahren.</p>
-
-<h3 id="sec816">816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu Nr. 247.)</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.)</p>
-
-<p>Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht
-in einem romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen
-Katzenmühle führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand
-schon diese Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist.
-Bei derselben befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich
-hauste, daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte,
-sondern dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später
-Nacht und im schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei
-Bären, welcher sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich
-um Nachtquartier bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse.
-Mitleidig erklärte der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine
-Person gerne Quartier geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht
-unterzubringen, weil er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und
-in einem andern hause ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin
-bleiben könne. Gedrungen von der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer,
-daß er ihm den Stall, wo das Gespenst sei, nur einräumen
-solle, seine Bären möchten sehen, wie sie mit dem Gespenst fertig würden.
-Nach mancher Einwendung gewährte der Müller dem Fremden seine
-Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall zog und sie ihrer Maulkörbe
-entledigte. Um Mitternacht erhob sich ein schrecklicher Lärm in
-dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen anhielt; dann wurde
-es endlich still.</p>
-
-<p>Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach
-dem Stalle eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf
-mit ihnen seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den
-Wald, um sich etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei
-kam, rief ihn eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen
-noch in seinem Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme
-seines bösen Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie
-werden auch immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen
-Geistes entledigt.</p>
-
-<h3 id="sec817">817. Der Geldkeller auf dem Greifenstein. (Zu Nr. 284.)</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)</p>
-
-<p>Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinauf<span class="pagenum"><a id="Seite_623">[623]</a></span>
-auf den Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt
-an die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten
-nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen
-vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte,
-eilte sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie
-plötzlich am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten
-sich in ihrem weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte
-den Eingang. Eine freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle,
-die sie erinnerte, ihre Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen
-Mut und furchtlos bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und
-mehr verengte sich mit jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend
-entfloh sie mit schnellen Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am
-Ausgange war, ergriff der Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das
-geängstigte Weib starb am folgenden Tage.</p>
-
-<h3 id="sec818">818. Gottes Speise bei Zwickau. (Zu Nr. 435.)</h3>
-
-<p class="source">Diese Sage befindet sich auch in »<em class="antiqua">Loci theologici historii</em>, oder
-Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durch <em class="antiqua">M. Casparum
-Titium</em>, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen
-erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit
-einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde,
-als er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er:
-Ist doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal
-Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert
-dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide
-brachte mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer
-wollte hier sagen, daß es nicht ein Engel gewesen?</p>
-
-<h3 id="sec819">819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann.
-(Zu Nr. 537.)</h3>
-
-<p class="source">(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)</p>
-
-<p>Es zog einst aus den Ebenen von Sachsen ein Wandersmann ins
-Gebirge, von da hinab zu steigen in die gesegneten Auen von Böhmen.
-Unkundig des Gebirges verlor er den Heerweg und betrat, unwissend
-wohin er geraten möchte, einen stark befahrenen Kohlenweg, der nach
-einer Meilerstätte des Freiwalds führte. Die Nacht war im Anzuge
-und die Angst des Wanderers groß. Im blassen Scheine des Mondes
-durchzog er den Wald, durchspähete sorgsam jede Rodung und horchte
-leise atmend auf das Bellen der Hunde, welches die Abendluft aus<span class="pagenum"><a id="Seite_624">[624]</a></span>
-der Ferne herüber trug. Den Tönen nach zog er, als plötzlich eine
-kleine Geistergestalt ihm entgegen trat und ihn aufforderte, ihr zu folgen.
-Ihr Weg ging nun über Stock und Stein und fand endlich an den
-Felsen des Greifensteins sein Ziel. Kaum waren sie durch eine daselbst
-befindliche Höhle eingetreten, als sich auf einmal ein ungeheures Gewölbe
-dem staunenden Wandrer öffnete. Seine Wände schienen von
-Silber, seine Tische von Gold zu sein. Aus tausend goldenen, mit
-Edelsteinen besetzten Leuchtern, in denen die Strahlen der Lichter sich
-unzähligemal brachen, strömte ein überirdischer Glanz über das ganze
-Gewölbe. Eine lange, köstlich besetzte Tafel zog sich in demselben herab
-und war mit ehrwürdigen Männern umgeben, die sich an den aufgetragenen
-Speisen sättigten. Ein Diener lud ihn ein, sich zu setzen und
-ein anderer brachte ihm schon, indem jener noch sprach, Speisen von der
-langen Tafel. Da endlich der Wanderer davon genoß, ward er zusehends
-erquickt und fröhlich und gutes Muts. Die ehrwürdigen Berggeister
-aber freuten sich sichtbar über ihn und befahlen den Dienern, ihm den
-Reisesack zu füllen, den er bei sich hatte. Mit herzlichem Danke schied
-er darauf von seinen Wirten. Als er aber im Scheine des Mondes
-und nach einer ungeduldig durchwachten Nacht bei den ersten Strahlen
-der Morgensonne seinen Sack aufthat, blitzten ihm die Goldgeschirre
-und Edelsteine entgegen, deren Glanz ihn schon im Gewölbe in Erstaunen
-gesetzt hatte. Zum Überfluß hatten ihn die gütigen Berggeister
-hart an die Straße gebracht, auf welcher er fröhlich gen Böhmen zog.
-Später siedelte er sich ohnweit des Freiwaldes an und lebte in einem
-ruhigen Genusse seines Reichtums bis in ein spätes Alter.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="transnote chapter" id="tnextra">
-
-<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p>
-
-<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Ansonsten wurde
-die Originalschreibweise beibehalten.</p>
-
-<p>Korrekturen und Anmerkungen:</p>
-
-<div class="corr">
-<p>
-S. X: Alberoda → Alberode<br />
-78. Der Laternenmann in <a href="#corr-x">Alberode</a>.</p>
-<p>
-S. XIX: Schönburg → Schönberg<br />
-Woher das Wappen der Herren von <a href="#corr-xix">Schönberg</a> entstanden ist</p>
-<p>
-S. 71: Nixenhügel → Nixentump<br />
-<a href="#corr071">Nixentump</a>, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist</p>
-<p>
-S. 331: der → den<br />
-Die Quelle, welche <a href="#corr331">den</a> See geschaffen</p>
-<p>
-S. 334: Anstand → Abstand<br />
-so daß <a href="#corr334">Abstand</a> genommen wurde</p>
-<p>
-S. 503: innen → ihnen<br />
-denen der Abtei Grünhain mitten <a href="#corr503">ihnen</a> lag</p>
-</div></div>
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Sagenbuch des Erzgebirges, by
-Johann August Ernst Köhler
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES ***
-
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