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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Sagenbuch des Erzgebirges - -Author: Johann August Ernst Köhler - -Release Date: October 16, 2016 [EBook #53292] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. - - Im Original gesperrter Text ist hier +so ausgezeichnet+. - - Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~. - - Im Original fetter Text ist =so ausgezeichnet=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des - Buches. - - - - - Sagenbuch - - des Erzgebirges - - von - - ~Dr.~ Joh. Aug. Ernst Köhler, - - erstem Oberlehrer am Königlichen Seminare in Schneeberg, - Vorsitzendem im Gesamtvorstande des Erzgebirgsvereins, - Ehrenmitgliede der oberlaus. Gesellschaft der Wissenschaften - in Görlitz sowie des vogtländ. altertumsforschenden - Vereins in Hohenleuben, Mitgliede des Altertumsvereins zu - Freiberg, Ehren- und korrespondierendem Mitgliede mehrerer - naturwissenschaftlichen Gesellschaften u. s. w. - - Schneeberg und Schwarzenberg. - - Verlag und Druck von Carl Moritz Gärtner. - - 1886. - - - - -Vorwort. - - -In einer Zeit, da sich die Teilnahme weiterer Kreise dem Erzgebirge, -seiner Natur und dem auf demselben pulsierenden Volksleben zugewandt -hat, verdienten gleich den Sitten und Gebräuchen und den schlichten -Volksliedern auch die Sagen gesammelt und zu einem Ganzen vereinigt -zu werden. Besitzen doch andere deutsche Gebirge schon längst ihre -Sagensammlungen. Zwar haben bereits in den Jahren 1822 und 1824 -Dietrich und Textor zwei Bändchen erzgebirgischer Sagen herausgegeben; -niemand aber, der diese 22 Nummern starke Sammlung kennt, wird -behaupten wollen, daß uns in derselben ein wirkliches Sagenbuch des -Gebirgs geschenkt wurde. Einem solchen haben in anerkennenswerter Weise -Gräße und Ziehnert durch ihre sächsischen, Grohmann, Bernau, Wenisch -und andere durch ihre böhmischen Sagen vorgearbeitet, und ebenso bieten -Chroniken und die periodische Litteratur viel zerstreutes Material, das -mit den immer spärlicher werdenden mündlichen Überlieferungen zu einem -erzgebirgischen Sagenbuche vereinigt werden mußte. - -Das Erzgebirge ist ein völlig abgeschlossenes Ganzes, dessen -südliche Grenze von den Teplitzer und Komotauer Kohlenmulden -und dem Egerthale bis Mariakulm gebildet wird. Dabei haben wir -das sogenannte »Elstergebirge«, welches geologisch jedoch keine -Selbständigkeit beanspruchen kann, sondern als nordöstlicher Ausläufer -des Fichtelgebirgs zu betrachten ist und dasselbe unmerklich mit dem -Erzgebirge verbindet, von letzterem abgetrennt. Der quellenreiche -Abhang des Schönecker Schieferplateaus mit seinen tief eingeschnittenen -Thälern und steilen Abhängen trägt jedoch so unverkennbar den -erzgebirgischen Charakter an sich, daß wir dasselbe auch in unser -Sagengebiet mit eingeschlossen haben. In Böhmen würde der gegen -Schönbach gekehrte Abfall und der Leibitschkamm mit den Mariakulmer -Bergen die westliche Grenze bilden. Von dem Schönecker Plateau ist -dieselbe dann weiter über Falkenstein und Auerbach ins Göltzschthal und -von dort an der Westgrenze der Kirchberger Granitinsel über Irfers- und -Hauptmannsgrün bis in die Gegend von Neumark und an der Pleiße abwärts -nach Frankenhausen bei Crimmitschau zu ziehen. Da das erzgebirgische -Becken in vorliegender Sagensammlung ebenfalls berücksichtigt -worden ist, so verläuft die Nordgrenze des Gebiets nordöstlich von -Crimmitschau über Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Oberrabenstein, -etwas nördlich an Chemnitz vorüber nach Frankenberg, Hainichen und -Siebenlehn nach Nossen. Die Ostgrenze zieht sich von Nossen über -Tharand, den Wilisch nach Gottleuba und von da bis nahe an die Tyssaer -Wände, westlich vom hohen Schneeberge fort. Obschon diese östliche -Grenze gewöhnlich von Nossen aus über Grillenburg nach Dorfhain und -Seifersdorf südlich von Tharand und Rabenau gezogen wird, so glaubte -der Verfasser doch beide letztgenannten Orte mit einschließen zu -müssen, da der bis an die Weißeritz sich fortsetzende Tharander Wald -nur als ein letzter Ausläufer des Erzgebirges anzusehen ist. - -Im Jahre 805 zog ein Teil des Heeres bei dem Feldzuge, welchen König -Karl, Kaiser Karls des Großen Sohn unternahm, über »Fergunna«, d. -h. das Waldgebirge, worunter jedenfalls das Erzgebirge als ein -Glied des Ptolemäischen Sudetengebirges, verstanden werden muß. -Unser vaterländisches Gebirge war zu jener Zeit noch unbewohnt und -dunkler Nadelwald bedeckte dasselbe. Im 10. und 11. Jahrhunderte -tritt daher der Name »Miriquidi«, d. h. Schwarzwald, für dasselbe -auf, welcher jedoch auch den Colditzer Wald, nicht aber das östliche -Erzgebirge umfaßte. In den darauf folgenden Jahrhunderten finden wir -des Erzgebirges nicht besonders gedacht, denn der Anbau schritt auf -demselben nur sehr sparsam fort. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts -aber begegnet man neben den Bezeichnungen »böhmisches Gebirge« und -»böhmischer Wald« vereinzelt bei Petrus Albinus auch dem Namen -»Erzgebirge«, womit jedoch nicht das ganze Gebirge, sondern nur die -Gegenden bezeichnet wurden, in denen Bergbau getrieben ward. Selbst in -der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die letztere Bezeichnung -noch nicht recht eingebürgert, obschon wir jetzt bereits dem Ausdrucke -»erzgebirgischer Kreis« begegnen. - -Aus dem »Waldgebirge« war im Laufe der Jahrhunderte ein »Erzgebirge« -geworden; ehe aber dieser Name allgemeinen Eingang in der -geographischen Litteratur gefunden hatte, waren schon längst die -ersten Gruben zur Erzgewinnung im Betriebe. Wenn auch die slavischen -Bewohner an dem Fuße des Gebirges in den Sudpanien Daleminzi und -Chutizi, welche letztere sich selbst in die Thäler des alten Miriquidi -hinaufzog, vorherrschend Ackerbau trieben, so haben sie doch als -nicht ungeschickte Metallbearbeiter jedenfalls auch Erze gesucht. -Der älteste erzgebirgische Bergbau bezog sich vielleicht nur auf die -Gewinnung von Zinn-, Kupfer- und Eisenerzen, und erst später trat der -Silberbergbau hinzu. Letzterer veranlaßte die Gründung Freibergs in -der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Damals kamen unter ihrem -Vogte Hermann von Gowische Harzer Bergleute, und fortgesetzt hat dann -der Zuzug in unser Gebirge, auch aus der bayrischen Oberpfalz, dem -Fichtelgebirge und Bezirke von Eger fortgedauert. Schon um das Jahr -1000 hatten Einwanderungen Deutscher in die oben genannten slavischen -Gaue stattgefunden und es wurden damals Orte, wie Sachsenfeld, -Sachsengrün, Frankenstein, Frankenberg, Frankenhausen u. s. w. -gegründet, welche in ihren Namen noch die Erinnerung an diese ersten -deutschen Ansiedler erhalten haben. Ebenso weist die Übereinstimmung -von Ortsnamen in der Eibenstocker Gegend mit solchen im egerschen -Bezirke und in Bayern oder im Harze auf frühere Einwanderungen hin. -Vermutlich wurde z. B. auch gegen das Ende des 15. Jahrhunderts das -Dorf Bermsgrün von Blechschmieden aus dem Fichtelgebirge, welche das -damals entstandene Hammerwerk Erla hinzog, angelegt; soll doch vor -ungefähr 40 bis 50 Jahren der dortige Dialekt noch manche Ähnlichkeit -mit dem im bayrischen Fichtelgebirge gesprochenen gehabt haben, -ebenso wie der Chronist von Bockau, ~M.~ Georg Körner, in der Mitte -des vorigen Jahrhunderts auf eine Verwandtschaft der Mundart in der -Eibenstocker Gegend mit derjenigen bei Eger hinweist. Durch die -Gründung der Bergstädte seit Ende des 14. (1395 Geyer), hauptsächlich -jedoch im 15. (Altenberg, Schneeberg, Annaberg) und vielleicht auch -im 16. Jahrhunderte (Hohenstein, Marienberg) wurden viele Familien -von auswärts zur Niederlassung in unserm Gebirge veranlaßt; einzelne -derselben gründeten selbst neue Orte, wie Blauenthal, welches seinen -Namen der Nürnberger Familie Blaue verdankt, deren Glieder durch die -Zwitterzechen in die dortige Gegend gezogen wurden. - -Bei Beachtung dieser allmählichen Besiedelung des Erzgebirges darf -man sich nicht wundern, wenn unsere Volkssagen vielfach an solche -des Fichtelgebirges und Harzes oder Thüringens erinnern, da es sehr -wahrscheinlich ist, daß Berg- und Hüttenleute dieselben aus ihrer alten -Heimat mitbrachten und mit Plätzen ihrer neuen Heimat verknüpften, wie -ja auch Berge, Bäche und neugegründete Orte mit Namen belegt wurden, -welche das Andenken an die heimatlichen Fluren erhalten sollten. - -Das Gesagte gilt in erster Linie von den Spuk- und Gespenster- sowie -Dämonen- und Schatzsagen. Auffällig könnte dabei erscheinen, daß die -Sagen von der während der Weihnachtszeit umherziehenden Frau Holle oder -Perchtha, welche im Vogtlande und Thüringen, im nördlichen Franken -über die Rhön hinaus, in der Wetterau bis zum Westerwalde und im -Egerlande heimisch sind, im Erzgebirge gänzlich fehlen. Mutmaßlich sind -dieselben aber hier wieder verloren gegangen, da für ihr einstmaliges -Vorhandensein manche abergläubischen Meinungen und Gebräuche sprechen. -~Dr.~ M. Spieß teilt z. B. mit, daß man nach dem Volksglauben im -sächs. Obererzgebirge während der Zwölfnächte nicht klöppeln dürfe, -weil die Klöpplerinnen ihre Spitzen beschmutzen würden, daß man die -Reste von Speisen in der Christnacht auf dem Tische stehen, oder -wenigstens das in ein Tischtuch eingeschlagene Brot daselbst liegen -lasse, und daß man die Tenne in der Scheune sorgfältig reinige, weil -die Abgeschiedenen (die Götter) um Mitternacht dort tanzen sollen u. s. -w. (Sitten und Gebräuche des sächs. Obererzgebirges, 1862. S. 7--9.) - -Neben den jedenfalls aus andern deutschen Landschaften in unser -Gebirge eingewanderten Sagen entstanden in demselben auch neue und -ihm eigenartige. Schlummert doch die Phantasie nirgends und zu keiner -Zeit, und so läßt sich die Sagenbildung selbst bis in die Gegenwart -verfolgen. Ein Beispiel möge dies beweisen. Als vor einigen Jahren die -seit Jahrhunderten verlassen gewesenen Baue des St. Georg zu Schneeberg -wieder aufgeschlossen wurden, fand man in den Erd- und Gesteinsmassen -neben zahlreichen Werkzeugen auch ein kleines gußeisernes Männchen. -Dasselbe stellt eine harlekinartige Figur vor, welche vielleicht ein -Musikinstrument in den Händen hielt und wahrscheinlich von einem der -Trinkgefäße abbrach, die 1477 auf den bekannten Silbertisch Herzog -Albrechts gestellt wurden. Als man bald nachher im St. Georg auch -reiche Silbererze fand, da erzählten die Bergleute, das Männchen habe -so gelegen, daß es mit seinem ausgestreckten linken Arme dorthin -gezeigt habe, wo man diese Erze suchen müsse. Der den Bau leitende -Beamte habe dieses Zeichen wohl verstanden. Wenn man nun weiß, daß der -betreffende Beamte die kleine Figur gar nicht gefunden hatte, sondern -daß man ihm dieselbe erst einige Tage später übergab, so wird man -zugestehen müssen, daß hier die dichtende Phantasie der Bergknappen -etwas schuf, was sich vielleicht nach Jahrzehnten den älteren -Volkssagen von wunderbaren Anzeichen auf verborgene Schätze ebenbürtig -an die Seite stellen dürfte. - -Wie hier die Phantasie sich einer historischen Thatsache bemächtigt -hat, so thut sie dies auch in anderen Fällen, sie dichtet zu -eigentümlich klingenden Namen wunderbare Sagen und so werden einzelne -Felsen, Höhlen, Berge und die Reste alter Schlösser durch den -poetischen Sinn der Bewohner gleichsam verschönt. - -Jeder Erzgebirger, der seine Heimat lieb hat, sollte sich daher auch -ihrer Sagen freuen und diejenigen, welche noch aus der Kinderzeit in -seine alten Tage hinüberklingen, treu bewahren. - -Die vorliegende Sagensammlung will ihm dabei zu Hülfe kommen und ihn -mit dem Schatze dessen, was unser Volk gedichtet hat, bekannt machen, -halb Vergessenes wieder auffrischen und ihm zeigen, daß in manchem, -worüber er vielleicht gelächelt und was er nur als der kindlichen -Einfalt zusagend angesehen hat, oft ein tiefer Sinn ruht. - -In den Volkssagen, wie - - »in des Volkes Kindermund, in Lied und Spruch der Alten, - da rauscht manch frischer Weisheitsquell wie aus Granites Spalten.« - -Es gab eine Zeit, und sie ist vielleicht nicht völlig vorüber, da -glaubte man die einfachen Stoffe, wie solche im Munde des Volkes -lebten und noch leben, durch Zuthaten ausschmücken zu müssen. In -diesen Fehler sind z. B. die bereits genannten Sammler Dietrich und -Textor verfallen, in deren Erzählungen es vielfach schwierig ist, den -eigentlichen Kern aus der novellistischen Umhüllung herauszuschälen; -auch die in metrischer Form wiedergegebenen Sagen Ziehnerts haben -gerade dadurch ihren Duft verloren. Der Herausgeber der vorliegenden -Sammlung vermied aber möglichst jede der ursprünglichen Überlieferung -fremde Ausschmückung, selbst auf die Gefahr hin, daß er damit dem -verbildeten Geschmacke manches Lesers keinen Gefallen erwies. Er -beherzigte vielmehr die Worte, welche die Brüder Grimm ihren »Deutschen -Sagen« voranschicken und die kurz und bündig aussprechen, was von -einer Sagensammlung verlangt wird. Sie lauten: »Das erste, was wir bei -Sammlung von Sagen nicht aus den Augen gelassen haben, ist +Treue+ und -+Wahrheit+. Die ungenügsamen Gebildeten haben nicht bloß die wirkliche -Geschichte, sondern auch das gleich unverletzliche Gut der Sage mit -Unwahrheiten zu vermengen, zu überfüllen und überbieten getrachtet. -Wir haben arme Sagen nicht reich machen mögen, weder aus einer -Zusammenfügung mehrerer kleinen, wobei zur Not der Stoff geblieben, -Zuschnitt und Färbung aber verloren gegangen wäre, noch gar durch -unerlaubte, fremde Zuthaten, die mit nichts zu beschönigen sind.« -Schlicht und einfach erzählt das Volk und in gleicher Form müssen auch -seine Sagen der möglichen Vergessenheit entrissen werden. Daß mich bei -der vorliegenden Sammlung einzelne meiner Schüler unterstützten, welche -in dem Elternhause manche Sage hörten, die mir vielleicht entgangen -wäre, habe ich mit Dank anzuerkennen, und ebenso gebührt allen andern, -welche mir in gleicher Weise behülflich waren, mein verbindlichster -Dank, auch wenn ihre Namen, die mir nach der Aufzeichnung der -mündlichen Mitteilungen nicht mehr in der Erinnerung geblieben waren, -hie und da fehlen sollten. - -Das Sagenbuch des Erzgebirge berücksichtigt, wie sich ja schon aus der -vorangeschickten Umgrenzung des Gebietes ergiebt, neben dem sächsischen -auch den böhmischen Teil des Gebirgs. War doch das Volksleben in den -früheren Jahrhunderten, denen wohl die meisten Sagenstoffe entstammen, -auf beiden Seiten ein im wesentlichen gleiches und haben ja auch die -politischen Grenzen mehrfach sich verändert, so daß Bezirke, die -früher zu Böhmen gehörten, jetzt sächsisch sind, und umgekehrt. Ich -stellte mich hier auf denselben Standpunkt wie andere Sagensammler, die -allgemein thüringsche oder lausitzsche Sagen u. s. w. veröffentlichten. - -Den einzelnen Abteilungen des Sagenbuches sind einleitende Worte -vorausgeschickt und vielen einzelnen Sagen Bemerkungen beigefügt -worden, in denen für diejenigen, welche sich mit spezieller -Sagenforschung nicht befaßt haben, einerseits auf die mythologische -Bedeutung vieler Sagen oder auf verwandte Überlieferungen in andern -deutschen Gebieten hingewiesen, in denen aber auch auf einzelne -historische Thatsachen aufmerksam gemacht wird, um die betreffenden -Sagen als das hinzunehmen, was sie sind: Erzeugnisse der Phantasie und -Poesie, welche sich nur an historische und zum Teil wieder vergessene -Ereignisse anlehnen. Der Fachgelehrte bedarf selbstverständlich der -Anmerkungen nicht. - -Da es schwer ist, in allen Fällen die Sage von der wirklichen -Geschichte zu trennen, so sind auch einzelne Stoffe aufgenommen worden, -welche als bloße chronikalische Nachrichten aufgefaßt werden können, -obschon ihnen ein, wenn auch nur schwacher Schimmer des dichtenden -Volksgeistes anhaftet. Dies gilt besonders von den sogenannten -Ortssagen, von denen einige vielleicht auch einen Platz in einem andern -Abschnitte hätten finden können. So dürfte z. B. No. 329, welche Sage -freilich, was hier gleich bemerkt sein mag, durch ein Versehen mit -eingereiht wurde, da dieselbe streng genommen nicht mehr in das am -Eingange abgegrenzte Gebiet gehört, unter den Göttersagen an keinem -unrechten Platze sein. Über solche Einzelheiten und ebenso über die -Gruppierung der Sagenstoffe können ja die Meinungen aneinander gehen. - -Möge nun das Buch recht viele Freunde finden und möge es, wie bereits -ein Rezensent aussprach, dazu beitragen, »daß die Freude an Herkommen -und Vergangenheit uns wieder wie unsern Altvorderen zu eigen werde, -damit wir selbst wieder mit unserer Scholle verwachsen und in unserer -Heimat heimisch werden, wie es von jeher deutsche Art und Sitte war.« - - =Schneeberg=, den 16. Juni 1886. - - ~Dr.~ Köhler. - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - I. Göttersagen. - - Vorbemerkungen. - - 1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau. - - 2. Der Slavengott Ladon. - - 3. Ursprung des Namens Crottendorf. - - 4. Der Crodensee in Eibenstock. - - 5. Der Götze Crodo bei Meerane. - - 6. Das Herdabild bei Zwickau. - - 7. Der heilige Hain bei Freiberg. - - 8. Der heilige Hain in Weißbach. - - 9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein. - - 10. Der Taufstein bei Ober-Crinitz. - - - II. Sagen von Spukgeistern und Gespenstern. - - Vorbemerkungen. - - 11. Das wütende Heer bei Annaberg. - - 12. Das wütende Heer bei Weißbach. - - 13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld. - - 14. Die wilde Jagd bei Komotau. - - 15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld. - - 16. Der wilde Jäger bei Schönlinde. - - 17. Der wilde Jäger bei Neustadt b. Falkenstein. - - 18. Der graue Jäger auf dem Tossen. - - 19. Der Waldschütz. - - 20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger. - - 21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusche bei Schlettau. - - 22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz. - - 23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg. - - 24. Der gespenstische Reiter bei Waschleite. - - 25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels. - - 26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach. - - 27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein. - - 28. Der Panzerreiter zu Stollberg. - - 29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt. - - 30. Das Geisterschloß bei Bockau. - - 31. Der Spuk an der Straße bei Albernau. - - 32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg. - - 33. Die weiße Frau zu Neustädtel. - - 34. Die weiße Frau zu Venusberg. - - 35. Die weiße Frau in Schneeberg. - - 36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld. - - 37. Die weiße Frau am Brautstock bei Altenberg. - - 38. Die weiße Frau auf Schloß Scharfenstein. - - 39. Die weiße Frau in Unterchodau. - - 40. Die weiße Frau in Premlowitz. - - 41. Die weiße Frau des Hohen Steins. - - 42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau. - - 43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau. - - 44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane. - - 45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im - Hartensteiner Walde. - - 46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg. - - 47. Die Jungfrau des Lautersteins bei Zöblitz. - - 48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide. - - 49. Verwünschte Schloßfräulein hängen Wäsche auf. - - 50. Die Jungfrau auf dem Braunsteine. - - 51. Der Schön-Jungferngrund bei Oberwiesenthal. - - 52. Die Jungfrau des Pürsteins. - - 53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau. - - 54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins. - - 55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege. - - 56. Die Jungfrau des Grauensteins. - - 57. Die eifersüchtige tote Frau. - - 58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht. - - 59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Tochter zu ihrem Rechte. - - 60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels. - - 61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus. - - 62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle. - - 63. Gespenstische Frauen in Eibenstock. - - 64. Die alte Frau in der Isenburg. - - 65. Das Fegeweib vom Katzensteine. - - 66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau. - - 67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau. - - 68. Der Katzenhans und seine Genossen. - - 69. Der Rachhals in Aue. - - 70. Das Hammergespenst. - - 71. Der unheimliche Hansmichel. - - 72. Der rote Hohensteiner. - - 73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein. - - 74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain. - - 75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzelle. - - 76. Der Mönch in Komotau. - - 77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge. - - 78. Der Laternenmann in Alberode. - - 79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz. - - 80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg. - - 81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün. - - 82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde. - - 83. Der Feuermann von Komotau. - - 84. Der Mann mit dem Lichte bei Pobershau. - - 85. Der schwarze Mann zu Königswalde. - - 86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg. - - 87. Der Schamprich zu Nossen. - - 88. Der schwarze Mann des Jüdensteins. - - 89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe. - - 90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer. - - 91. Der Einsiedler im Thale der roten Weißeritz. - - 92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf. - - 93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane. - - 94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf. - - 95. Das Gespenst in einer Halde in Pobershau. - - 96. Die sieben Ruten bei Chemnitz. - - 97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten. - - 98. Der Baslerfels bei Platten. - - 99. Der böse Graf von Wildenfels. - - 100. Der Hirse zählende Verbannte. - - 101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt - um. - - 102. Der alte Turm in Tannenberg. - - 103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz. - - 104. Spuk auf dem Braunsteine. - - 105. Spuk auf dem Grauensteine. - - 106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten. - - 107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und - Zschorlau. - - 108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße bei Scheibenberg. - - 109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde. - - 110. Die Erlösung. - - 111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln. - - 112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg. - - 113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal. - - 114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla. - - 115. Der Kirchenbau zu Pritschapel. - - 116. Der große Bergsturz zu Altenberg. - - 117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und - Komotau. - - 118. Der feurige Hund bei Graslitz. - - 119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün. - - 120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen. - - 121. Das gespenstische Schaf bei Wildenfels. - - 122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema. - - 123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau. - - 124. Der schwarze Hund in Grünthal. - - 125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe. - - 126. Der Walkpudel. - - 127. Der Hüttenmops. - - 128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg. - - 129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach. - - 130. Das Schindergründel bei Joachimsthal. - - 131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal. - - 132. Die Puppe von Brand. - - 133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock. - - 134. Die geheimnisvollen Hammerschläge in einem Keller zu - Eibenstock. - - 135. Die Klage in den Kohlenschächten bei Bockwa. - - 136. Das gefährliche Feld bei Zwickau. - - - III. Dämonensagen. - - Vorbemerkungen. - - 137. Die Zwerge des Hohen Steins. - - 138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge. - - 139. Das Zwergloch im Scheibenberge. - - 140. Die Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg. - - 141. Die Zwerge in Schmiedeberg. - - 142. Die Zwerge backen Kuchen. - - 143. Die Heilingszwerge. - - 144. Der Zwergtanz im Kupferhügel. - - 145. Das graue Männlein bei Joachimsthal. - - 146. Das graue Männlein bei Blauenthal. - - 147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf. - - 148. Der graue Zwerg am weißen Steine bei Alberoda. - - 149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird - gestört. - - 150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden. - - 151. Spuk der Berggeister u. Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein - bei Zöblitz. - - 152. Berggeister in den Schneeberger Gruben. - - 153. Der Berggeist in der Grube Sieben-Schlehen bei Neustädtel. - - 154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg. - - 155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter. - - 156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in - Neu-Geising. - - 157. Vom Berggeist in Schneeberg. - - 158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch. - - 159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. - - 160. Der gespenstische Bergmann in Aue. - - 161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald. - - 162. Der gespenstische Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla. - - 163. Der gespenstische Bergmann bei Scheibenberg. - - 164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre. - - 165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann. - - 166. Das graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft« - bei Johanngeorgenstadt. - - 167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel. - - 168. Der Berggeist verlangt für reiche Ausbeute eine Pfennigsemmel. - - 169. Der Berggeist von Joachimsthal. - - 170. Der Berggeist von Abertham. - - 171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau. - - 172. Der Gevattersmann vom Greifensteine. - - 173. Das Geschenk des Holzweibchens. - - 174. Die Waldweibchen bei Pobershau. - - 175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz. - - 176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel. - - 177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel. - - 178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach. - - 179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold. - - 180. Das Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald. - - 181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden. - - 182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde. - - 183. Buschweibchen in der Umgebung des Hohen Steins. - - 184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann. - - 185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben. - - 186. Die Holzweibel ziehen fort. - - 187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg. - - 188. Der Waldgeist bei Pfannenstiel. - - 189. Ein Feldteufel zu Grumbach. - - 190. Der Getreideschneider. - - 191. Der Hemann im Erzgebirge. - - 192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen. - - 193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf. - - 194. Das Hemännchen bei Graslitz. - - 195. Der Hemann des Rammelsberges. - - 196. Das Heideweibchen. - - 197. Die Marzebilla. - - 198. Der Wechselbalg. - - 199. Das Mittagsgespenst. - - 200. Der Alp. - - 201. Die Melusina. - - 202. Vom thörichten See bei Satzung. - - 203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau. - - 204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab. - - 205. Die Wassernixe am Hans-Heilings-Felsen. - - 206. Der Wassermann flickt. - - 207. Der Nix fordert sein Opfer. - - 208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen. - - 209. Die Nixenwanne und die Nixentaufe des Chemnitzflusses. - - 210. Der Nix im Rabenauer Grunde. - - 211. Die Seebergsjungfer. - - 212. Der Kobold zu Lauter. - - 213. Der Poltergeist zu Grüna. - - 214. Der Kobold zu Thalheim. - - 215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg. - - 216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün. - - 217. Der Kaspar des Greifensteins. - - 218. Geist Mützchen. - - 219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau. - - 220. Ein Stückchen vom Pumphut. - - 221. Das Jüdel. - - 222. Das Schrackagerl. - - 223. Die Wehklage. - - 224. Die Winselmutter bei Grünhain. - - 225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg. - - 226. Die Staatslaterne bei Geyer. - - 227. Die unheimliche Fackel. - - 228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau. - - 229. Dämonische Gestalten in einem Teiche bei Scheibenberg. - - 230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe. - - 231. Der Drache. - - 232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg. - - 233. Das gespenstische Kalb zu Mildenau. - - 234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock. - - 235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin. - - 236. Die Riesenrippe zu Nossen. - - 237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine. - - 238. Große Menschengebeine. - - - IV. Teufelssagen. - - Vorbemerkungen. - - 239. Eines Schmiedes Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. - - 240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an. - - 241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg. - - 242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle. - - 243. Der Teufel erscheint in Freiberg einem Bergmanne. - - 244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann. - - 245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft. - - 246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz. - - 247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz. - - 248. Die Teufelsmühle am Wilischberge. - - 249. Der Käthelstein bei Annaberg. - - 250. Der Hans-Heilings-Felsen. - - 251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale. - - 252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg. - - 253. Der versteinerte Kammerwagen. - - 254. Wie der Teufel Schellerhau verlor. - - - V. Zaubersagen. - - Vorbemerkungen. - - 255. Der Schwarzkünstler zu Geyer. - - 256. Pestzauberei. - - 257. Die Zauberelse zu Zwickau. - - 258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Raben. - - 259. Die unheimlichen Gäste in Werda. - - 260. Die Hexen zu Schellenberg. - - 261. Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen. - - 262. Das Hexenloch bei Joachimsthal. - - 263. Mittel gegen Zauberei. - - 264. Eine Hexe wird erkannt. - - 265. Die Hexen am Walpurgisabende. - - 266. Der wunderliche Katzentanz. - - 267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern. - - 268. Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne. - - 269. Speisen werden festgemacht. - - 270. Festgemachte werden überwunden. - - 271. Festgemachte werden von ihrem Wesen u. ihrer geheimnisvollen - Kraft befreit. - - 272. Der Räuber Hartenknopf bei Zelle ist kugelfest. - - 273. Der Holzmüller von Neudorf. - - 274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht. - - 275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben. - - 276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün. - - 277. ~Dr.~ Fausts Höllenzwang. - - 278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen. - - 279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen. - - 280. Wie das Feuer gebannt wird. - - - VI. Schatzsagen. - - Vorbemerkungen. - - 281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal. - - 282. Die Schatzkammer am Bärensteine. - - 283. Der Schatzkeller im Scheibenberge. - - 284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine. - - 285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich. - - 286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine. - - 287. Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine. - - 288. Der Schatz im Heinrichsteine bei Platten. - - 289. Der Schatz des Seeberges. - - 290. Die Teufelswand bei Blauenthal. - - 291. Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge. - - 292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins. - - 293. Der Schatz in der Loh bei Schönau. - - 294. Der Schatz auf der Geyersburg. - - 295. Die Schätze bei der Prokopikapelle in Graupen. - - 296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau. - - 297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau. - - 298. Das Aberthamer »Fels'l.« - - 299. Der Tümpelstein bei Klösterle. - - 300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein. - - 301. Die Schätze von Oberlauterstein. - - 302. Der Silbermann bei Pürstein. - - 303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein. - - 304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau. - - 305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg. - - 306. Der Schatz des Tschinnersteines bei Brandau. - - 307. Der Heldenberg bei Seifen. - - 308. Der Schatz des Braunsteines bei Joachimsthal. - - 309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine. - - 310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz. - - 311. Der Schatz zu Joachimsthal. - - 312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal. - - 313. Der weiße Fels bei Bäringen. - - 314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau. - - 315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal. - - 316. Der Eimer voll Silber. - - 317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg - einen Schatz. - - 318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten. - - 319. Die Schatzgräber. - - 320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Gold. - - 321. Kutter verwandeln sich in Geld. - - 322. Die sonderbaren Sägespäne. - - 323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln. - - 324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen. - - 325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges. - - 326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda. - - 327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda. - - 328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz. - - 329. Der Schatz im Taurasteine. - - 330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im - Kaiser-Wilhelmsthale bei Nossen. - - 331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen. - - 332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen. - - 333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach. - - 334. Der Schatz im Kloster Grünhain. - - 335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf. - - 336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde. - - 337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau. - - 338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein. - - 339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg. - - 340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg. - - 341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau. - - - VII. Wundersagen. - - Vorbemerkungen. - - 342. Die Wunderblume auf dem Schlettenberge bei Marienberg. - - 343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter. - - 344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab. - - 345. Die Wunderblume des Grauensteins. - - 346. Die Wunderblume bei Blauenthal. - - 347. Die Wünschelrute. - - 348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge. - - 349. Die Goldstampfe am Borlasbache. - - 350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz. - - 351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz. - - 352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg. - - 353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge. - - 354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche. - - 355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärensteine. - - 356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von - Joachimsthal. - - 357. Der Anfang des Bergwerkes St. Briccius am Pöhlberge. - - 358. Die Entstehung Annabergs. - - 359. Die Kapelle zu Frohnau. - - 360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal. - - 361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal. - - 362. Die Tellerhäuser bei Oberwiesenthal. - - 363. Die neue Grube bei Preßnitz. - - 364. Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg. - - 365. Der goldene Hirsch auf dem Kuhberge bei Stützengrün. - - 366. Die Eselswiese bei Zwickau. - - 367. Des Schlackenmannes oder albernen Mannes Loch. - - 368. Die Grube »Himmlisches Heer« bei Annaberg. - - 369. Der Alaunsee bei Komotau. - - 370. Der gute Brunn zu Nieder-Zwönitz. - - 371. Die Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach. - - 372. Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht verloren. - - 373. Die Heilquelle bei Hartessenreuth. - - 374. Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth. - - 375. Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge. - - 376. Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer Serpentins. - - 377. Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg. - - 378. Der dürre Lindenstab. - - 379. Der Galgenbaum bei Blankenhain. - - 380. Die drei Linden bei Crimmitschau. - - 381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz. - - 382. Prophezeiung des ~M.~ Schütze zu Öderan. - - 383. Eine Prophezeiung der Zigeuner. - - 384. Die Eiche bei Hartenstein. - - 385. Eine Sylvestersage. - - 386. Der Scharfrichter und sein Schwert. - - 387. Der Traum auf Augustusburg. - - 388. Die Kurfürstin Margaretha wird durch einen Traum vor den - Prinzenräubern gewarnt. - - 389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung durch die Schweden. - - 390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an. - - 391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an. - - 392. Nächtliches Fallen zeigt den Tod an. - - 393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an. - - 394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an. - - 395. Singen und Klingen verkündet einen Sterbefall. - - 396. Rumoren zeigt einen Todesfall an. - - 397. Der geplagte Polizeidiener. - - 398. Vögel sind Unglücksverkündiger. - - 399. Anzeichen von Feuersbrünsten. - - 400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an. - - 401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an. - - 402. Ein Sturm ist Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges. - - 403. Ungestümes Wetter zeigt Krieg an. - - 404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an. - - 405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung - Johanngeorgenstadts. - - 406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls. - - 407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg. - - 408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft. - - 409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft. - - 410. Der heillose Bäcker in Freiberg. - - 411. Die Görkauer Maskenhochzeit. - - 412. Meineid wird bestraft. - - 413. Der bestrafte Gotteslästerer in Zwickau. - - 414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelsteins bei Lauter. - - 415. Die Oswaldskirche bei Grünhain. - - 416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauensteine. - - 417. Der Gottesleugner zu Nossen. - - 418. Vorboten der Pest. - - 419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht. - - 420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest - verschont. - - 421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen. - - 422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch. - - 423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg. - - 424. Ein himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal. - - 425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab. - - 426. Kreuze fallen vom Himmel. - - 427. Ein Topf schwitzt zu Öderan Blut aus. - - 428. Blutzeichen. - - 429. Ein längst verstorbenes Kind blutet. - - 430. Blutende Geweihe in Schneeberg. - - 431. Ein wunderbarer Schuß in Schneeberg. - - 432. Der krumme Schuß in Zwickau. - - 433. Perlenschoten in Wiesenthal. - - 434. Brot wird aus weißer Erde gebacken. - - 435. Gottes-Speise bei Zwickau. - - 436. Körnerregen. - - 437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein. - - 438. Die Kapelle des St. Jobs in Wiesenbad. - - 439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde. - - 440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf. - - 441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg. - - 442. Das Marienbild bei Klösterle. - - 443. Das Marienbild in Mariaschein. - - 444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche. - - 445. Die heilige Georgenfahne zu Tharand. - - 446. Das Wunschfläschchen. - - 447. Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau. - - 448. Sieben versteinerte Jungfrauen. - - 449. Wie die große Glocke auf der Marienkirche zu Zwickau ihre - Stimmung bekommen hat. - - 450. St. Wolfgang zu Freiberg. - - 451. Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg. - - 452. Ein Totenschänder wird entdeckt. - - 453. Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in der - Marienkirche zu Zwickau. - - 454. Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau. - - 455. Die Fußtapfen der heiligen Maria. - - 456. Die heilige Maria im Erzgebirge. - - 457. Der heilige Petrus in Eisenberg. - - 458. Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen. - - 459. Der Hengstberg bei Hengstererben. - - 460. Das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau. - - 461. Die Totenhand in Buchholz. - - 462. Der Doppelgänger zu Wiesenthal. - - 463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich. - - 464. Das Meteoreisen in Elbogen. - - 465. Der Köhler von Klingenthal. - - 466. Vom flinken Knechte zu Rechenberg. - - 467. Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde. - - - VIII. Völker-, Helden- und Geschlechtssagen. - - Vorbemerkungen. - - 468. Von den alten Wenden bei Eibenstock. - - 469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt. - - 470. Der Riese Einheer. - - 471. Schwanhildis. - - 472. Libussas Tanzplatz. - - 473. Die Herren von Einsiedel. - - 474. Die Herren von Rechenberg. - - 475. Die Herren von Sebottendorf. - - 476. Das Geschlecht Callenberg. - - 477. Die Familie von Berbisdorf. - - 478. Die Herren von Hartitzsch. - - 479. Die Herren von Pardubitz. - - 480. Das Geschlecht von Vitzthum. - - 481. Die Herren von Wildenfels. - - 482. Die Herren von Ortwinsdorf. - - 483. Das Geschlecht von Arnim. - - 484. Das Geschlecht von Auerswald. - - 485. Die Herren von Bünau. - - 486. Die Ritter von Bärenstein. - - 487. Das Geschlecht von Lüttichau. - - 488. Das Wappenschild der Schönburge. - - 489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist. - - 490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen - sind. - - 491. Die Siebenschläfer. - - 492. Die Türkenheide. - - 493. Die Korporallöcher bei Schönau. - - - IX. Ortssagen. - - Vorbemerkungen. - - 494. Entdeckung der Freiberger Silbererze. - - 495. Der Anfang der Stadt Freiberg. - - 496. Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde. - - 497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen. - - 498. Die Entdeckung der Silbererze des Schneebergs. - - 499. Entdeckung der Altenberger Zwitter. - - 500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen. - - 501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg. - - 502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg. - - 503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges zu Schneeberg. - - 504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal. - - 505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten. - - 506. Die Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham. - - 507. Der Fronleichnamsstollen bei Annaberg. - - 508. Die Entstehung von Schöneck. - - 509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein. - - 510. Die Stiftung des Klosters Altzella. - - 511. Ursprung von Dippoldiswalde. - - 512. Ursprung der Stadt Öderan. - - 513. Die Gründung von Mittelsayda. - - 514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis. - - 515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau. - - 516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite. - - 517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf. - - 518. Ursprung des Namens Buchholz. - - 519. Ursprung des Namens Grünstädtel. - - 520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau. - - 521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels. - - 522. Entdeckung der Heilquellen in Teplitz. - - 523. Die Namen der Stadt Zwickau. - - 524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg. - - 525. Gründung und Name der Stadt Werdau. - - 526. Der Name der Stadt Frankenberg. - - 527. Von dem Namen der Stadt Marienberg. - - 528. Ursprung und Name von Elterlein. - - 529. Ursprung des Namens Hermannsdorf (bei Elterlein). - - 530. Ursprung des Namens Crandorf. - - 531. Ursprung des Namens Grünhain. - - 532. Von dem Namen Hermannsdorf (bei Weißbach). - - 533. Entstehung des Namens Gottesgab. - - 534. Entstehung des Namens Abertham. - - 535. Ursprung des Namens der Stadt Platten. - - 536. Ursprung und Namensentstehung von Bäringen. - - 537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum. - - 538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt. - - 539. Ursprung des Namens Wolkenstein. - - 540. Ursprung des Namens Eibenstock. - - 541. Der Name des Schlosses Pürstein. - - 542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain. - - 543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand. - - 544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn. - - 545. Ursprung des Namens Conradsdorf. - - 546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung. - - 547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand. - - 548. Der Name des Dorfes Crossen. - - 549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf. - - 550. Der Ursprung des Ortsnamens Silberstraße. - - 551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda u. - Rechenberg. - - 552. Der Name des Fleckens Bockau. - - 553. Ursprung des Ortsnamens Remse. - - 554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg. - - 555. Der Name der Stadt Sonnenberg. - - 556. Der Name der Stadt Falkenau. - - 557. Die Entstehung des Namens Neudeck. - - 558. Die Entstehung des Namens Frühbuß. - - 559. Über den Namen des Dorfes Sauersack. - - 560. Ursprung des Namens Sorgenthal. - - 561. Name und Ursprung der Stadt Weipert. - - 562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn. - - 563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel. - - 564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg. - - 565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jacob. - - 566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein. - - 567. Ursprung des Namens Dörnthal. - - 568. Deutung des Namens Weiters-Wiese. - - 569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde. - - 570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz. - - 571. Der frühere Name von Lichtenstein. - - 572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein. - - 573. Der Predigtstuhl bei Rabenau. - - 574. Das Brautbett bei Rabenau. - - 575. Der Katharinenstein bei Lauenstein. - - 576. Die Kutte bei Elterlein. - - 577. Sechs Brüder bei Geyer. - - 578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg. - - 579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen. - - 580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt. - - 581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein. - - 582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen. - - 583. Ursprung des Namens Fastenberg. - - 584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Öderan. - - 585. Ursprung des Bergnamens »Schweizer«. - - 586. Ursprung des Namens Silberbach. - - 587. Ursprung des Namens Höllengrund im Öderaner Walde. - - 588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal. - - 589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün. - - 590. Der Dreimännerberg. - - 591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer. - - 592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa. - - 593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein. - - 594. Der Claußberg in Schneeberg. - - 595. Der Galgenberg bei Euba. - - 596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein. - - 597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde. - - 598. Der letzte Heller und die Teufelskanzel am Schottenberge bei - Annaberg. - - 599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt. - - 600. Von den Namen einiger Brunnen. - - 601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen. - - 602. Die alte Mordgrube bei Freiberg. - - 603. Ursprung des Namens Pacemmühle bei Schneeberg. - - 604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese. - - 605. Das Stadtwappen von Geyer. - - 606. Das Wappen der Stadt Kirchberg. - - 607. Das Stadtwappen von Öderan. - - 608. Das Stadtsiegel von Frankenberg. - - 609. Das Gerichtssiegel von Rabenau. - - 610. Das Stadtsiegel von Zöblitz. - - 611. Das Wappen der Stadt Zwickau. - - 612. Das Wappen der Stadt Freiberg. - - 613. Das Denkbild zum Stadtwappen von Scheibenberg. - - 614. Siegel der Stadt Dippoldiswalde. - - 615. Siegel der Stadt Frauenstein. - - 616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau. - - 617. Das Siegel des Dorfes Auerbach. - - 618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau. - - 619. Die Wahrzeichen Freibergs. - - 620. Wahrzeichen von Crimmitschau. - - 621. Das Wahrzeichen von Chemnitz. - - 622. Das Wahrzeichen von Tharand. - - 623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth. - - 624. Die Wüstung Kraxdorf. - - 625. Breitenau wird entvölkert und Wüstung. - - 626. Die frühere Größe des Städtchens Platz. - - 627. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane. - - 628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal u. - Königswalde. - - 629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde. - - 630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein. - - 631. Die wüste Mark Oberopritz. - - 632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz. - - 633. Wüste Marken bei Augustusburg. - - 634. Von früheren Vesten bei Schneeberg. - - 635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida. - - 636. Die Wüste Mark Eibendorf. - - 637. Die Wüste Mark Nennigkau. - - 638. Wüstungen bei Bärenstein. - - 639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan. - - 640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau. - - 641. Die Wüstung Sahnau. - - 642. Die Wüstung Rappendorf. - - 643. Die Wüstung Boberau. - - 644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck. - - 645. Die wüste Mark Warnsdorf bei Grillenburg. - - 646. Die ehemalige Burg Sohra. - - 647. Alt-Elbogen. - - 648. Die Grillenburg. - - 649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg. - - 650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen. - - 651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein. - - 652. Die ehemalige Lage von Preßnitz. - - 653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg. - - 654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz. - - 655. Der Peststein bei Rauenstein. - - 656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg. - - 657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein. - - 658. Zeichen auf dem Katzensteine bei Marienberg. - - 659. Die zwei Messer zu Eibenstock. - - 660. Das Steinkreuz bei Schlettau. - - 661. Das Steinkreuz in Werda bei Falkenstein. - - 662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen. - - 663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld. - - 664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße. - - 665. Der Denkstein in Fürstenwalde. - - 666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz. - - 667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz. - - 668. Die drei Kreuze bei Brand. - - 669. Das Hahnenkreuz bei Görkau. - - 670. Beim roten Kreuze in Schmiedeberg. - - 671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau. - - 672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde. - - 673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach. - - 674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda. - - 675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz. - - 676. Das Marienbild in Maria-Kulm. - - 677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe. - - 678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark. - - 679. Die Walfischrippen in Zwota. - - 680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei - Glocken aus. - - 681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau - ausgewühlt worden. - - 682. Die Glocke von Jahnsgrün. - - 683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee. - - 684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün. - - 685. Die große Glocke in Geyer. - - 686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswalder Heide. - - 687. Die Kapelle in Unterwiesenthal. - - 688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz. - - 689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf. - - 690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz. - - 691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg. - - 692. Die Domkanzel in Freiberg. - - 693. Der Donatsturm zu Freiberg. - - 694. Der Marterturm auf Hassenstein. - - 695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen. - - 696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg. - - 697. Die Eichen zu Callnberg. - - 698. Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz. - - 699. Das zürnende Steinbild zu Nossen. - - 700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim. - - 701. Das Schächerhäusel bei Geyer. - - 702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz. - - 703. Das wandernde Haus in Zinnwald. - - 704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels - mit benachbarten Schlössern. - - 705. Der Judenborn zu Sayda. - - 706. Der Mühlengrabenstollen bei Schloß Scharfenstein. - - 707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg. - - 708. Die übermütige Rede eines Schneebergers wird bestraft. - - 709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen - Fischkessel. - - 710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft. - - 711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft. - - 712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg. - - 713. Historia, wie Silbererz im Holz gewachsen. - - 714. Reiche Ausbeute zu Mildenau. - - 715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg. - - 716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war. - - 717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt. - - 718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke. - - 719. Die Grabmäler der Ritter von Theler. - - 720. Vom früheren Bergbau in Niklasberg und Böhmisch-Moldau. - - 721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde. - - 722. Wie der Zwickauische Kohlenberg brennend wurde. - - 723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen - Erdfall. - - 724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge. - - 725. Die Freiberger Bauernhasen. - - 726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck. - - 727. Das Märktlein Markersbach. - - 728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg. - - 729. Wittichs Schloß bei Glashütte. - - 730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale. - - 731. Der schwarze Teich auf Henneberg u. der Teufelsstein - bei Johanngeorgenstadt. - - 732. Das Schloß auf dem Hohen Steine. - - 733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz. - - 734. Das Raubschloß Sommerstein. - - 735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine. - - 736. Die Räuber auf Schloß Frauenstein. - - 737. Schloß Hauenstein. - - 738. Burg Neustein bei Görkau. - - 739. Das alte Schloß Mulda. - - 740. Tauben verraten das Schloß Schönfels. - - 741. Schön-Guta von Hassenstein. - - 742. Die heldenmütige Herrin des Schlosses Hartenberg. - - 743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe. - - 744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein. - - 745. Der treue Haberberger von Freiberg. - - 746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem - Freidigen das Leben. - - 747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe. - - 748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt. - - 749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Öderan. - - 750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« bei Nossen. - - 751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel. - - 752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma. - - 753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf. - - 754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen. - - 755. Kunigunde Mathesius von Öderan. - - 756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr. - - 757. Die Söhne des Ritters Conrad von Theler. - - 758. Der treue Rat von Freiberg. - - 759. Die Erfindung des Spitzenklöppelns. - - 760. Cristoph Schürer. - - 761. ~Dr.~ Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit - Gutem. - - 762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba. - - 763. Harras der kühne Springer. - - 764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf. - - 765. Der Kärrner zu Stollberg. - - 766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf. - - 767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei - Reichstädt. - - 768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser. - - 769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat. - - 770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins. - - 771. Das Paradies zu Zwickau. - - 772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick. - - 773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor. - - 774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins - erhielt. - - 775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratstand gezogen wurde. - - 776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde. - - 777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat. - - 778. Wie das Schnorr'sche Chor in der St. Wolfgangskirche zu - Schneeberg eine Thür von außen erhielt. - - 779. Der erste Klöppel in Annaberg. - - 780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg. - - 781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in - Chemnitz. - - 782. Die Zipperleinkur in Annaberg. - - 783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein. - - 784. Die Bäuerin in Frohnau. - - 785. Die beiden Brüder zu Frohnau. - - 786. Das Mönchskalb zu Freiberg. - - 787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab. - - 788. Die Fichte auf dem Gottesacker zu Annaberg. - - 789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau. - - 790. Woher der Name Preiselbeere stammt. - - 791. Was der Name Wismut bedeutet. - - 792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt. - - 793. Redensarten. - - ~a.~ Zwickau gehört zum Vogtlande. - - ~b.~ Der Kas is och darnoch. - - ~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, - man weiß nicht wie? - - ~d.~ Man kann die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, - als die schwedischen Truppen. - - ~e.~ Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine. - - ~f.~ Fägel schweiget seine Gäste. - - ~g.~ Toffel, das gilt dir auch mit. - - ~h.~ Der Narr ist aus dem Häusel gekommen. - - ~i.~ Die Schlimmen von Öderan. - - ~k.~ Je, daß dich der Bär herze. - - ~l.~ Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten. - - ~m.~ Redensarten Herzog Georgs. - - ~n.~ Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt? - - ~o.~ Anhang. Sprichwörter und Rätsel. - - 794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem - jetzigen Platze erbaut wurde. - - 795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner. - - 796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten. - - 797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg. - - 798. Sprüche von der Stadt Freiberg. - - 799. Das Todaustreiben. - - 800. Der Totenteich bei Tharand. - - 801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute. - - 802. Der Streittag der Freiberger Bergleute. - - 803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz. - - 804. Strafe für zänkische Weiber. - - 805. Strafe für liederliche Weibspersonen. - - 806. Wie das Lehen gereicht wurde. - - 807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung. - - 808. Das Bärenprivileg für Lößnitz. - - - Anhang. - - 809. Der Wegzug der Zwerge. - - 810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe. - - 811. Der Schmiedmönch von Thierfeld. - - 812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche - zu Schneeberg zugemauert wurde. - - 813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst. - - 814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.) - - 815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. - (Zu No. 239.) - - 816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu No. 247.) - - 817. Der Geldkeller auf dem Greifensteine. (Zu No. 284.) - - 818. Gottesspeise bei Zwickau. (Zu No. 435.) - - 819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen - Wandersmann. (Zu No. 537.) - - - - -I. - -Göttersagen. - - -Von den Höhen des Erzgebirge dehnte sich nordwärts bis in die Gegenden -von Chemnitz, Mittweida, Freiberg und Tharand der Miriquidi d. h. -Schwarzwald aus, ein Stück des alten Germanien, welches Tacitus als ein -Land voll grauser Waldungen oder abscheulicher Sümpfe bezeichnet. Auf -den dichtbewaldeten Höhen und in den düsteren Thälern des Miriquidi -wurde in jener Zeit die tiefe Stille nur von dem Geheul des Sturmes, -dem Rauschen der Gewässer, dem Geprassel der zusammenstürzenden -Riesenstämme, auf deren vermodernden Leibern wieder eine junge -Vegetation emporwucherte, und dem Geschrei der Vögel und des -zahlreichen Wildes unterbrochen; der Mensch hielt sich noch von dem -unwirtlichen Gebirge fern, da er an seinem Fuße im Nord und Süd Raum -genug für seine einsamen Wohnungen fand. Von der nördlichen Grenze -an, ausgebreitet zwischen Saale und Elbe, waren die Hermunduren, im -jetzigen Böhmen die Markomannen und in den südwestlich gelegenen Gauen, -im nordöstlichen Baiern und im Vogtlande, die Varisker seßhaft. Da, -wahrscheinlich schon am Anfange, besonders aber im letzten Viertel des -4. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, begann die Erschütterung, das -Drängen und Vorrücken der Völker. Die slavischen Stämme rückten von -Osten her vor. Zwischen 454 und 495 drangen die Czechen in Böhmen ein -und ungefähr zu gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend -die Milczener, Lusitzer, Lutitzier, Obotriten und Sorben bis in die -später sächsischen, mecklen- und brandenburgischen Länder. Von diesen -rückten die Sorben oder Serben, deren Name sie ganz besonders als -ackerbautreibendes Volk bezeichnet, in das spätere Meißnische, und -da 531 von den Franken und Sachsen das mächtige Reich der Thüringer -vernichtet wurde, westwärts bis zur Saale vor. Die Sorben waren demnach -die unmittelbar nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi, und sie -gründeten sehr bald in den fruchtbaren Niederungen und Thälern Orte und -bebaueten das Land. Aber noch wurde dieses Volk von der Ansiedelung -auf den rauhen unwirtlichen Waldhöhen abgeschreckt, bis endlich nach -den langen Vernichtungskämpfen der mächtigen deutschen Kaiser im 9. -Jahrhunderte, denen die Erbauung der Burg Meißen (928 oder 929) folgte, -und ganz besonders als unter Otto I. die Grafen Hermann Billung und -Gero glücklich die letzte Erhebung an der niedern Elbe und in den -Lausitzen niedergeschlagen, die Macht der Slaven völlig gebrochen war. -Der Tributpflichtigkeit zu entgehen, festhaltend an dem Glauben ihrer -Väter, erfüllt mit tiefem Haß gegen die christliche Geistlichkeit, -welche von ihren Einkünften an Getreide und Vieh, Leinwand, Honig -und Wachs den zehnten Teil forderte, zogen sich nun nach den für -ihr Volk unglücklichen Kämpfen zahlreiche sorbische Familien in das -unfreundliche und von wilden Tieren bevölkerte, aber ihnen doch -Freiheit und Sicherheit gegen ihre Besieger verheißende Erzgebirge -zurück, und so wurden bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts von -diesen slavischen Einwanderern daselbst einzelne feste Niederlassungen -gegründet. Immer höher stiegen sie, vorzugsweise wohl in den Thälern -und so dem Laufe der Gewässer entgegen, auf der nordwestlichen Senkung -des Gebirges bis ungefähr zur Linie Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda -auf. Erst vom 12. Jahrhundert an, da das Gebirge durch die Entdeckung -reicher Silbererze zum Erzgebirge wurde, drangen auch die Deutschen -zahlreicher vor, gründeten Städte und Dörfer, und das germanische -Element verschlang sehr bald die slavischen Reste, wo sich dieselben -bis dahin noch in einiger Selbständigkeit erhalten hatten. Wohl erhielt -sich noch, wenigstem am Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache, -denn im Jahre 1327 wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer -Gerichten und in Meißen sogar erst 1424 verboten (Rich. Andree, -Wendische Wanderstudien, S. 143.); jedoch auch in den höher gelegenen -slavischen Ansiedelungen wird die Muttersprache nach Berührung mit den -später vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele -slavische Worte, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind, -von den Deutschen festgehalten wurden. - -Wenn wir nun vom Erzgebirge übereinstimmend mit dem Vogtlande und -der Lausitz wissen, daß sich germanische und slavische Bewohner in -die Kultur des Bodens teilten, daß demnach von beiden Volksstämmen -mythische Sagen in das Gebirge verpflanzt und im Laufe der Jahrhunderte -von den nachfolgenden Generationen, wenn auch vielfach umgewandelt, -festgehalten wurden, so mögen doch die verhältnismäßig spät und nur -sporadisch gegründeten Niederlassungen eine Ursache davon sein, daß -wir solche Sagen, denen eine naturreligiöse Bedeutung innewohnt, -in unserm Gebirge sparsamer, als in den vorhingenannten Provinzen -mit dem Volksleben verwachsen finden. Besonders sparsam sind die -eigentlichen Göttersagen, welche uns heidnische Gottheiten mit ihren -Namen vorführen, oder welche früher geheiligte Plätze durch die -ihnen innewohnende Poesie gleichsam erklären. Wo uns einige deutsche -Göttergestalten entgegentreten, da sind dieselben jedenfalls durch -spätere Einwanderer in unser Gebirge verpflanzt und möglicher Weise -infolge zufälliger Ähnlichkeiten der neuen Niederlassungen mit Orten -der verlassenen Heimat auf erstere übertragen worden. Dies gilt -zunächst von den Ueberlieferungen, welche im Erzgebirge einen Götzen -Crodo verehrt sein lassen. In Bothes 1492 erschienener »Kroneka der -Sachsen« tritt zuerst die Nachricht auf, daß man bei Goslar auf -der Harzburg das Bild eines alten Götzen, mit Namen Crodo, der als -Krankenhelfer galt, verehrt habe, jedoch wurde später nachgewiesen, -daß diese Nachricht eine erfundene ist, daß es also einen Sachsengott, -der diesen Namen führte, nicht gegeben hat. Immer aber ist hierbei -erwähnenswert, daß eine unserer Volkssagen einen Platz, an welchem -der »Krankenhelfer« verehrt wurde, in die Nähe von Meerane verlegt, -von wo aus früher bis zum Anfange dieses Jahrhunderts die sogenannten -»fahrenden Ärzte« ihre jährlichen, oft sehr weiten Reisen unternahmen. - -Bergleute deutscher Abkunft aus dem Harze waren ja, wenn wir von dem -einige Jahrhunderte früheren Eisenbergbau und den hüttenmännischen -Arbeiten der Slaven auf der südlichen und nördlichen Abdachung des -Gebirges absehen (K. Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im -sächs. Vogtlande, Plauen 1875, S. 2), die ersten, welche im Erzgebirge -Bergwerke auf edle Erze anlegten und z. B. 1171 nach Mollers Chronik -von Freiberg die Gründung dieser Stadt veranlaßten. Liegt es da nicht -nahe anzunehmen, daß durch solche Bergleute und andere deutsche -Einwanderer aus Baiern und der Oberpfalz auch germanische Göttersagen -neben anderen Überlieferungen in die neue Heimat verpflanzt wurden, in -welche ja von ihnen, wie M. Körner in seinen Bockauischen Nachrichten -(1758, S. 278 und 279) nachweist, auch die Benennungen von Bergen -und Ortschaften, sowie von kleinen Gewässern aus der alten Heimat -übertragen wurden? - -Weiter verweist die Sage vom Herdabilde bei Zwickau ganz deutlich auf -die Ueberlieferung von der mütterlichen Gottheit der Erde Nerthus -(Herda, altnord. Jördh), welche, nachdem sie in ihrem von Kühen -gezogenen Wagen im Lande umhergeführt worden war und frohe Tage -und Frieden gebracht hatte, in dem heiligen See auf Rügen gebadet -wurde. (Grimm, deutsche Myth. 1835, S. 155. Mannhardt, die Götter der -deutschen und nord. Völker, 1860, S. 316.) - -Anders ist es mit zwei slavischen Göttern, welche im erzgebirgischen -Sagenkreise auftreten, dem Triglav und Ladon. Triglav oder Triglas, ein -Hauptgott oder vielmehr eine Göttertrias der Wenden, welche in Stettin -einen der vornehmsten Tempel hatte, wurde als eine Person mit 3 Köpfen -dargestellt. Bei den Wenden auf Rügen waren in ihr die drei Gottheiten -Swantowit, Radegast und Prowe vereinigt, und daß auch die Slaven an -der Mittelelbe, Mulde und Saale eine göttliche Trias gehabt haben -mögen, ist deshalb anzunehmen, weil die slavischen Völkerschaften in -den Hauptlehren ihrer Religion größtenteils übereinstimmten. (Liebusch, -Skythika, 1833, S. 198 und 205.) Unterstützt wird diese Annahme durch -folgende Mitteilung des Albinus (Meißnische Land- und Bergchronik, S. -184 und 149): »Man hat im Lande zu Meisen auch, wie ich berichtet bin, -an etlichen Orten alte Bilder in Stein gehauen mit dreyen Angesichten -gefunden. Vnd ist sonderlich zu Grimma auff der Brücken eines -dergleichen zu sehen gewesen, daran drey Angesicht vnter einem Hütlein. -Dannen her denn zu achten, daß die Sorben diesen Abgott (den Triglas), -wie ihre Nachbarn auch geehret«. - -Ladon wird in unserer Sage ein Kriegsgott genannt. Nach Liebusch -(Skythika, S. 155) war Ladon ursprünglich der Mondgott und hieß -wahrscheinlich als Mondgöttin Lada; dieselbe war in ihrer Funktion -der russischen Led und der polnischen Leda ähnlich, weshalb man sie -mit dem Mars verglich; als Mondgöttin war sie zugleich Todesgöttin im -Kriegskampfe. -- Noch mag erwähnt werden, daß sich auch nach Vernaleken -eine Erinnerung an den Perun, die slavische Gewittergottheit, in -Eisenberg auf dem böhmischen Abfalle des Erzgebirges erhalten hat. - -Ebenso sparsam wie die Überlieferungen von heidnischen Göttern -sind diejenigen von Opferplätzen. Der Volksmund nennt bei uns nur -wenige Haine, welche wir als einst geheiligte Orte ansehen könnten; -aber weiter liegt die Vermutung sehr nahe, daß der Taufstein bei -Oberkrinitz, welcher mit seinen Vertiefungen den zahlreichen -Opfersteinen im Fichtelgebirge und der Lausitz ungemein ähnlich ist, -ebenfalls in der heidnischen Vorzeit zu gottesdienstlichen Handlungen -bestimmt war. Nach ~Dr.~ Kalina Ritter von Jäthenstein war auch der -Berg, welcher heute die Ruinen der Burg Hassenstein bei Sonnenberg -trägt, einst ein heidnischer Opferplatz, da innerhalb des Schloßhofes -daselbst Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste nicht selten gefunden -wurden. (Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg., 1. Heft, S. 19.) Endlich -mögen noch aus der Gegend des Bergstädtchens Graupen der Rosen- und -Geiersberg als alte Kultusstätten genannt werden. Wenn nun auch Albinus -in seiner Meißnischen Bergchronik (S. 98) bei dem Jahre 932 schreibt: -»Die Sorben sind endlich durch die christliche Religion so weit -gebracht, das sie sich ihrer barbarischen gewohnheit des stehlens und -raubens geschemet«, so teilt doch wieder Christian Knauth in seiner -Sorbenwendischen Kirchengeschichte (S. 145) mit, daß der Bischof Bruno -II. von Meißen den St. Petridom in Bautzen an Stelle einer älteren -Kirche im Jahre 1213 ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet habe, um -die Sorben der Lausitz und Meißens zum Christentume zu bekehren; denn -dieselben »steckten annoch in großer geistlicher Finsternis, führten -wohl den christlichen Namen, hatten aber keine oder wenige Erkenntnis -vom Christentum; hingegen waren sie mit heidnischen Irrtümern behaftet, -lebten heidnisch, und einige mochten auch wohl hin und wieder im -Verborgenen, in Wäldern und Heiden, ihre heidnischen Greuel treiben.« - -Diese Stelle wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die im -Erzgebirge zerstreut lebenden Sorben angewendet werden können; denn -es ist wohl anzunehmen, daß dieselben bei ihrer Abgeschiedenheit in -dem einst fast undurchdringlichen Miriquidi noch längere Zeit ihre -Gottheiten verehrten. Obschon die zuerst von M. Körner ausgesprochene -Meinung, daß in dem Thale, in welchem sich jetzt das Dorf Bockau -hinzieht, einst ein slavischer Gott verehrt worden sei, der den Namen -des Ortes veranlaßte, hinfällig geworden ist, da man Bockau nicht als -»Gottesdorf« oder »Gotteshain,« sondern als »Buchholz« oder »Buchwald« -zu deuten hat, so weist doch dafür nach Immisch (Die slavischen -Ortsnamen im Erzgebirge, 1866) der Name des Dorfes Klaffenbach bei -Chemnitz, obschon er wie ein deutsches Wort klingt, in seiner Ableitung -von den slavischen Worten ~hlowa~ (oberlaus. wendisch), ~glawa~ -(niederlaus. wendisch), ~hlawa~ (czechisch) = Haupt, Kopf und ~bòh~ = -Gott, also in seiner Deutung als »Hauptgott,« auf einen Platz hin, an -welchem ein slavischer Gott verehrt wurde. Die Geschichte erzählt auch, -daß im Jahre 892 der Bischof Arno von Würzburg auf der Klaffenbacher -Höhe, als er den daselbst zum Götzendienste zahlreich versammelten -Heiden das Christentum predigte und die Messe las, von letzteren -ermordet wurde (Immisch a. a. O.). - -Endlich ist noch auf zwei Plätze hinzuweisen, welche offenbar zu -gottesdienstlichen Handlungen bestimmt waren; dabei mag es jedoch dahin -gestellt sein, ob hier slavischen Gottheiten geopfert wurde, oder ob -die Plätze vielleicht schon einer früheren germanischen Bevölkerung -zu Kultuszwecken gedient haben. Es sind zwei Steinkreise, von denen -der eine, auf dem Borberge bei Kirchberg, nur noch zu einem kleinen -Teile an der Westseite eines Granitplateaus vorhanden ist, während -der größere Teil im Jahre 1848 abgetragen wurde. Der andere Überrest -aus dem grauen Altertume ist ein Doppelsteinkreis auf dem Burgberge -zwischen Mulda und Lichtenberg. Beide Kreise lehnen sich hier an einen -steil abfallenden Porphyrfelsen, der in der Mitte zu einer felsigen -Kuppe aufragt, an, und wie auf dem Borberge liegt innerhalb der -Steinwälle ein in das Gestein gearbeiteter Brunnen, in welchem nach der -Volkssage das Wasser niemals verschwinden soll. Dieser Brunnen heißt an -beiden Örtlichkeiten »Jungfernbrunnen.« Es gleichen beide Steinkreise, -die einzigen, welche zur Zeit in dem Erzgebirge bekannt geworden sind, -denen in der Lausitz und in Böhmen, so daß wohl die Annahme, nach -welcher wir es an diesen Orten mit einst den Göttern geweihten Plätzen -zu thun haben, eine berechtigte ist. Wünschenswert wären Nachgrabungen -nach etwaiger Asche oder Kohlenresten. - - -1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau. - -(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656. S. 79 u. 360.) - -In der Hauptkirche zu Zwickau ist des Triglas oder Triglaff Kopf -zweimal und außer der Kirche an einem Pfeiler noch einmal zu finden, -das eine Mal mit drei Bärten und die andern zweimal ohne Bart. An einem -Kopfe sind drei Gesichter mit Augen, Nasen und Mäulern. Andere halten -diese Bildnisse aber nicht für Köpfe des Götzen, sondern meinen, daß -man damit das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit in einem göttlichen -Wesen habe andeuten wollen. - - -2. Der Slavengott Ladon. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 199.) - -Der Schloßberg zu Teplitz trug einst eine starke Feste mit doppelten -Ringmauern, sowie sieben Türmen, welche jene zierten. Bereits im -achten Jahrhundert aber soll auf dem Berge ein Tempel des slavischen -Kriegsgottes Ladon gestanden haben. - - -3. Ursprung des Namens Crottendorf. - -(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, Dresden 1847, S. 204. Ziehnert, -Sachsens Volkssagen, Annaberg 1838--39. III. S. 201. Segnitz, Sagen, -Legenden etc., Meißen 1839--54. II. S. 73.) - -Der Name des Dorfes Crottendorf würde richtiger »Crodendorf« zu -schreiben sein, da der Ort seinen Namen dem Götzen +Crodo+ verdankt, -welcher am östlichen hohen Gebirge, auf den Klippen der Wolfs- und -Liebensteine, lange nach Einführung des Christentums noch verehrt -worden ist. Denn als man im Orte eine Kirche bauen wollte, suchte dies -der Heidengott in Gestalt des Teufels zu verhindern. Er riß das am Tage -aufgeführte Mauerwerk in der Nacht wieder ein und das Bauholz schleppte -er weit bis an das andere Ende des Dorfs. Da ging einst ein frommer -Priester zu derselben Zeit vorüber, als die Bauleute eben beschäftigt -waren, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Derselbe segnete -das sämtliche Holz und Baumaterial und nun mußte der Götze dasselbe in -Ruhe lassen, so daß der Bau bald vollendet werden konnte. - - In der Einleitung ist bereits auf die unhistorische Gottheit Crodo - hingewiesen worden. Von späteren Schriftstellern wurde dieselbe - als ein Mann mit entblößtem Haupte, barfuß auf einer Säule stehend - und mit einem leinenen Schurze umgürtet, in der linken Hand ein - Rad, in der rechten einen Wassereimer haltend, dargestellt. Anders - bildet Großer in seinen Merkwürdigkeiten der Ober- und Niederlausitz - den Gott ab. Hier erscheint er als ein bekleideter Mann ohne - Kopfbedeckung; in der einen Hand trägt er einen Korb mit Früchten - (?), in der andern erhobenen ein Rad; er steht auf einem Fische, - welcher auf einer Säule liegt. - - -4. Der Crodensee in Eibenstock. - -(Oettel, Hist. von Eibenstock. 1748, S. 5. Oesfeld, Historische -Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge. 2. Teil 1777, -Seite 51.) - -Man hat behaupten wollen, daß die Harzländer, welche nach den Wenden in -die Gegend von Eibenstock gekommen, noch Heiden gewesen wären und den -Abgott Crodo verehrt hätten, davon auch der Croden- oder Crottensee, -der obere Stadtteil von Eibenstock seinen Namen haben soll. - - -5. Der Götze Crodo bei Meerane. - -(H. Leopold, Chronik von Meerane, S. 9.) - -Das Volk bezeichnet den Thalgrund bei Meerane, in welchem die Dörfer -Götzenthal, Crotenleide und Hainichen und Köthel liegen, als einen Ort, -wo der Götze Crodo verehrt wurde. Bei Crotenleide wurden auch einige -Altertümer, nämlich zwei steinerne Hämmer und unter uralten Eichen ein -Opfertisch, der jetzt im Wechselburger Parke steht, ausgegraben. - - Als der obengenannte Opfertisch wird jene achtseitige, auf vier - steinernen Unterlagen ruhende Porphyrplatte, welche im Wechselburger - Parke der Eulenkluft gegenüber aufgestellt ist, bezeichnet. (S. C. - Ehrhardt, Ausflüge in das Sächs. Erzgebirge 1885, S. 40.) - - -6. Das Herdabild bei Zwickau. - -(Köhler, Volksbrauch im Voigtlande. 1867, S. 447.) - -Nach der Sage soll das Bild der Herda von Rügen in die Zwickauer Gegend -gebracht worden sein. In dem Schwanenteiche wusch man den Wagen der -Göttin, und es soll sich ihr Dienst daselbst noch lange erhalten haben. - - Wie berichtet wird, befand sich auf einer Insel im Meer ein heiliger - Hain und in demselben stand ein mit Decken verhüllter Wagen, in - welchem die Erdgöttin Nerthus (Herda), von Priestern geleitet, von - Zeit zu Zeit ihren Umzug hielt. Wenn der von Kühen gezogene Wagen - mit der Göttin durch das Land fuhr, hörte aller Krieg auf und im - Frieden freuten sich die Sterblichen. War die Göttin wieder nach dem - heiligen Hain zurückgekehrt, dann wurde ihr Wagen und sie selbst in - einem See von Sklaven gewaschen, die dann das Wasser des Sees begrub. - - -7. Der heilige Hain bei Freiberg. - -(Heinr. Gerlach, Kleine Chronik von Freiberg, S. 85.) - -Auf der Höhe unweit des »schwarzen Teichs«, zwischen den Seitenthälern -der Mulde, welche von der Münz- und Waltersbach gebildet werden, soll -in jener Zeit, da die Sorben in der Gegend von Freiberg noch seßhaft -waren, ein heiliger Hain gestanden haben, in welchem ein Götzenbild -aufgestellt war. Man hat in der neuesten Zeit sowohl am Gehänge des -Münzbachthales, als auch in der untern Waltersbach zu Großschirma -Streitäxte gefunden. - - -8. Der heilige Hain in Weißbach bei Schneeberg. - -(Mündlich.) - -Auf der flachen Höhe südlich von der Kirche zu Weißbach, wo man vor -mehr als hundert Jahren noch die spärlichen Überreste eines Walles sah, -soll ehemals die Rommels- oder Rummelsburg gestanden haben. Andere aber -erzählen wieder, daß daselbst ein heiliger Hain der Sorben stand. - - -9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein. - -(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 25.) - -Wie die alten Heiden ihre Haine, Hahne oder Hagen und Gehege gehabt -und darinnen ihren Götzendienst verrichtet, so findet man auch bei -Frauenstein davon eine sattsame Spur vor dem Hainthor, das zwischen -dem Schloß- und Freibergischen Thor stehet. Allem Ansehen nach hat ihr -Götze auf dem Platze gestanden, wo jetzt die drei Linden stehen, welche -zum Andenken an den Abgott und zerstörten Hain gepflanzt worden sind. -Und weil die Heiden bei ihrem Götzendienst sich zu waschen und zu baden -pflegten, so ist nicht weit davon der Hainteich angelegt. Jetzo nennen -es die Frauensteiner das Hahnthor und den Hahnteich. - - Haine waren bei den germanischen Völkern Orte, an denen sie ihren - Göttern opferten und Volksversammlungen und Gericht abhielten; es - waren heilige Plätze, und vielfach wurden an solchen Stellen später - christliche Kirchen errichtet. Zu solchen heiligen Hainen gehörte - jedenfalls auch das »Götzenbüschchen« bei Oelsa bei Dippoldiswalde. - Ob alle Plätze, welche heute noch den Namen Hain (oder Hahn) führen, - früher zu gottesdienstlichen Zwecken geheiligt waren, darf wohl als - sehr fraglich gelten. Von Grünhain meldet allerdings die Sage, daß - der nahe Spiegelwald in der Sorbenzeit zur Gottesverehrung gedient - habe (Schumann, Lex. v. Sachsen, 16 B. S. 567); vielleicht bezieht - sich diese Angabe besser auf einen heiligen Hain, der sich an dem - Platze befand, wo jetzt das genannte Städtchen steht. - - Am rechten Ufer des Brückenbaches bei Jöhstadt nennt man eine Waldung - »die alten Haine« oder »die alte Henne«. Im Nassauer Revier giebt es - einen »breiten Hain« und »Hainwiesen«, und in die obere Freiberger - Mulde ergießt sich das jedenfalls von dem breiten Haine und den - Hainwiesen kommende Hainwässerlein (Bahn, Frauenstein, S. 25). Ein - »hoher Hahn« oder Hain liegt in der Gegend der Morgenleite bei - Schwarzenberg. Durch den »großen und kleinen Hain« bei Sachsenburg - führen der Kirchsteig von Neudörfchen nach Seyfersbach und die - Straße von Mittweida nach Dresden; eine Waldung bei Geyer heißt der - »Hahnrück« (ursprünglich Hainrücken). Bei Oberlungwitz existierte - früher ein »oberes und unteres Hahnholz«; ersteres befand sich - an der Stelle des jetzigen Gottesackers zu Ernstthal (Gumprecht, - Lindenblätter von Oberlungwitz. 1863, S. 15.). Ein »Hainholz« ist - noch heute westlich vom Hüttengrunde bei Hohenstein auf den Karten - namhaft gemacht. Außerdem giebt es Ortschaften, deren Namen die Silbe - »Hain« enthalten, wie Stolzenhain, Altenhain u. a. Vom letzteren Orte - vermutet Bahn in seinen historischen Nachrichten von Frankenberg (S. - 12.), daß daselbst von altersher ein starker Verkehr gewesen sei und - ein heidnischer Götzenhain gestanden haben müsse, welcher von ihm an - der Stelle gesucht wird, wo das Vorwerk steht. - - Wenn Jacob Grimm (deutsche Mythologie, S. 45.) geneigt ist, die fast - überall in Deutschland erscheinende örtliche Benennung »heiliger - Wälder« auf das Heidentum zurückzuführen, so gilt dies vielleicht - auch von den Namen »heilige Wiese« und »heiliger Born«. Eine heilige - Wiese und ein heiliger Born liegen am untern Teile des Dorfes - Königswalde bei Werdau. (Göpfert, Gesch. des Pleißengrundes, S. 308.) - - -10. Der Taufstein bei Oberkrinitz. - -(P. Wetzel im »Glückauf,« 1881, No. 7.) - -Auf einer unbedeutenden Anhöhe beim Dorfe Oberkrinitz, die früher -einen schönen Buchenbestand trug, liegt ein unregelmäßig gestalteter -Granitblock, welcher auf der Oberfläche eine große und fünf kleinere -künstliche Vertiefungen zeigt. Von den letzteren gruppieren sich vier -um die große in der Mitte befindliche Vertiefung, welche die Form eines -Beckens hat, während die fünfte sich an der Rückseite des Steines -befindet. Nach dem Becken öffnen sich drei kleinere sitzähnliche -Aushöhlungen, und in eine von diesen mündet wieder ein noch kleinerer -Sitz. Die Sitze sind so groß, daß Kinder bis zu 10 Jahren bequem -darin Platz nehmen können, während der auf der Rückseite des Steines -befindliche Sitz einen etwas größern Umfang hat. Man nennt diesen -großen Granitblock in der Gegend allgemein den »Taufstein« und erzählt -sich von ihm folgendes: Als vor langer, langer Zeit das Christentum -sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte die -Verehrung des wahren Gottes nur im Geheimen geschehen, da sonst die -heidnischen Priester den Christen ein sicheres Verderben bereitet -hätten; besonders aber mußte die Taufe geheim gehalten werden. Deshalb -suchten die wenigen Christen einsame, tief im Walde versteckte Orte -auf, wo sie ungesehen und unbemerkt die heilige Taufe vollziehen -konnten. Zu diesem Behufe wählten sich nun die Glaubensgenossen große, -auf bewaldeten Anhöhen liegende Steine aus und arbeiteten in dieselben -ein Becken zur Aufnahme des Wassers, drei Sitze für die drei Taufpaten -und einen für den Täufling hinein. Der Taufstein bei Oberkrinitz -soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und niemand hat -das Becken vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter Mann erzählte, -er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit seinen Freunden -das Wasser gänzlich ausgeschöpft, doch als sie am nächsten Morgen -nachgesehen, sei eine größere Menge Wassers in dem Becken zu finden -gewesen als vorher, obgleich es die ganze Nacht nicht geregnet hatte. -Schon oft hätten die Steinmetzen sich an den Stein gemacht, um ihn zu -zerschlagen und zu verarbeiten, aber der »Uhâmel« (Unheimel?), mit dem -in der Gegend auch die Mütter ihren Kindern drohen, um sie zur Ruhe -zu bringen, habe sie stets auf den Arm geschlagen, so daß sie von der -Arbeit hätten abstehen müssen. Der Taufstein werde deshalb jetzt von -ihnen in Ruhe gelassen. Noch wird erzählt, daß in dem Wasserbecken Geld -liege. - -Nach einer von Karl Morgenroth novellistisch bearbeiteten Sage -(Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgegend 1869, No. 12 und 14) -drangen einst die siegreichen Deutschen in ein verlassenes sorbisches -Dorf ein, in welchem sie nur den heidnischen Oberpriester, einen -silberhaarigen Greis, antrafen. Derselbe rief bei ihrem Eindringen den -Zorn der Götter auf die verhaßten Deutschen herab und empfing dafür -alsbald den tötlichen Schwertstreich. Sein Enkel aber, welcher in der -Hütte vergeblich auf ihn harrte, wurde von einem Deutschen an Sohnes -statt angenommen, um zunächst getauft zu werden und in der Taufe statt -seines Heidennamens Scop den christlichen Namen Johannes zu erhalten. -Der junge Sorbe Johannes wurde später Priester und als solcher zog es -ihn vorzugsweise zu seinen Stammesgenossen hin, denen er das Evangelium -predigte. Auf seinen Wanderungen durch den Miriquidi forschte er nach -den ehemaligen Bewohnern seines Heimatortes, ohne sie zu finden. Dabei -wurde er selbst alt, und als er nun, ein Greis geworden, eines Tages an -den Platz kam, wo der Taufstein liegt, lehnte er sein Haupt ermüdet an -den Stein, welcher damals von einer alten Eiche beschattet wurde. Bald -schlief er ein, und im Traume verkündete ihm Gott, daß er in der Nähe -der Gesuchten sei, und alle zum Christentume bekehren würde. Als nun -der Morgen anbrach, baute sich Johannes eine Hütte neben dem Steine und -stellte in derselben ein einfaches Kreuz auf. Eines Tages trat aus dem -Walde, welcher seine Wohnung umschloß, ein junger Sorbe, der zwar in -seinem Schrecken, hier jemanden anzutreffen, schnell umkehren wollte, -aber durch die Freundlichkeit, mit welcher Johannes in seiner eigenen -Sprache zu ihm redete, bewogen ward, zu bleiben. Es war der Sohn eines -sorbischen Priesters, den Feinde des letzteren verfolgt hatten. Als sie -aber gesehen, daß der Flüchtling durch den Sumpf und auf den Hügel, -auf welchem sich noch heute der Taufstein befindet, eilte, da ließen -sie ab, denn dieser Platz war als Sitz böser Geister gefürchtet. Von -seinem Schützlinge, welcher Tage und Wochen lang bei Johannes blieb, -erfuhr nun letzterer, daß in der Nähe eine slavische Ansiedelung und -ein Götterhain sei und daß sich der junge Sorbe ebenfalls Scop nannte. -Es stellte sich heraus, daß beide mit einander verwandt waren. Zuletzt -sprach der junge Scop das dringende Verlangen aus, ebenfalls Christ zu -werden und die Taufe von Johannes zu empfangen. Der Tag, an welchem -die heilige Handlung geschehen sollte, war da, aber das Wasser fehlte, -denn reines Wasser sollte es sein, und der umgebende Sumpf bot nur -übelriechendes dar. Die Eiche, unter welcher der Stein lag, war noch -vom vortägigen Regen naß und ein scharfer Wind ließ das Regenwasser auf -den Stein fallen, der oben eine Vertiefung hatte, also ein Naturbecken -war; somit war auch Taufwasser vorhanden. Freudig bewegt sagte der -Täufling: »Hier ist Wasser, taufe mich!« und Johannes that es im -Glauben, daß dies nicht der letzte seines Ortes sei, den er taufe. -So geschah es auch. Johannes begleitete seinen Schützling bis zur -Hütte des heidnischen Priesters und war später oft ein Gast daselbst. -Endlich wurde der alte Priester Scop selbst den Lehren des Christentums -zugänglich, so daß er sich an demselben Orte taufen ließ, an welchem -sein Sohn die Taufe empfangen hatte. Da nun die übrigen Sorben der -Ansiedelung sahen, daß kein Opferrauch mehr aus dem Götterhaine -aufstieg, verwunderten sie sich und forschten nach der Ursache. Nachdem -sie dieselbe erfahren, wurden sie anfangs mit Zorn und Angst, später -aber, als sie vernahmen, wie glücklich ihr früherer Priester und dessen -Sohn geworden waren, mit Sehnsucht nach dem neuen Glauben erfüllt. So -zog denn eines Tages eine große Menge Sorben hinaus nach dem Steine und -empfing dort die Taufe. Die alten Widersacher des früheren Priesters -Scop aber waren zurückgeblieben und zündeten unterdeß die Hütten der -jungen Christen an. Johannes wehrte ihnen, dafür Rache zu nehmen; sie -ließen vielmehr die Heiden, welche sich 2 Stunden abwärts im Thale -ansiedelten und den neuen Ort wie den alten nannten, ruhig abziehen. Da -geschah es jedoch ein Jahr später, daß Blitze auf Blitze niederfuhren -und das Heidendorf in Asche legten. Die christlichen Stammesgenossen -im obern Dorfe kamen helfend herbei und von dieser Liebe, welche -Böses mit Gutem vergalt, wurden die Heiden erwärmt und ebenfalls für -das Christentum gewonnen. Auch sie wurden an dem Taufsteine in den -Christenbund aufgenommen. Aus den beiden sorbischen Ansiedelungen -erwuchsen aber die Dörfer Ober- und Niederkrinitz. - - Obschon unsere Sagen bestimmt von einem Taufsteine sprechen und die - in ihm vorhandene größere Vertiefung als Taufbecken bezeichnen, so - glaube ich doch, daß der Krinitzer Granitblock ein alter Opferstein - ist und habe ich deshalb die sich mit ihm verknüpfenden Sagen dem - ersten Abschnitte des Sagenbuchs angereiht. Bestimmend ist für - mich seine offenbare Ähnlichkeit mit Blöcken im Fichtelgebirge, - in Schlesien und andern Landesteilen, welche von den meisten - Archäologen für Opfersteine angesehen, aber von dem Volke nicht immer - als solche, sondern auch als Richter- und Teufelssitze, Teufels- - und Hexenschüsseln u. s. w. bezeichnet werden. In den Schüsseln - sammelten die Priester das Blut der geschlachteten Tiere und zum - Opfer bestimmten Kriegsgefangenen, um dann vielleicht ihre Hände - hinein zu tauchen und das umstehende Volk damit zu besprengen. - Obschon ~Dr.~ H. Gruner (Opfersteine Deutschlands, Leipzig, 1881) die - schüssel- und muldenartigen Vertiefungen als durch Einwirkung von - Frost und Atmosphärilien, Gletscherthätigkeit oder Wasserstrahlen - entstanden erklärt, würde doch ihre spätere Benutzung zu Opferzwecken - damit nicht ausgeschlossen sein; schreibt doch ~Dr.~ Gruner (S. 7) - selbst: »Daß viele Steine zu solchem Zwecke gedient haben, soll nicht - bestritten werden.« Unsere zweite Sage vom Krinitzer Taufsteine faßt - übrigens die Hauptvertiefung ebenfalls als ein Naturbecken auf. - - Ganz unwahrscheinlich klingt in der zuerst mitgeteilten Sage die - Deutung der übrigen Vertiefungen als Sitze für den Täufling und die - Taufpaten. Die Täuflinge stiegen in der ersten christlichen Zeit - wohl durchgängig ins Wasser und wurden untergetaucht, später, vom 8. - Jahrhundert an, trat das Begießen und Besprengen an die Stelle des - Untertauchens, obschon sich in der lateinischen Kirche das letztere - teilweise noch bis ins 13. Jahrhundert erhalten hat. (Hauff, Bibl. - Real- und Verbal-Concordanz, II. S. 748.) Es wäre dabei allerdings - immer möglich, daß man am Krinitzer Taufsteine aus dem mittelsten - Becken das Wasser geschöpft und damit den Täufling besprengt habe. - Daraus aber, daß eine der Vertiefungen als Sitz für den Täufling - bezeichnet wird, ergiebt sich, daß der Taufstein bei Erwachsenen - benutzt wurde. Wozu dienten dann aber die andern Sitze, da ja wohl - bei der Taufe von Erwachsenen keine Paten nötig waren? Es kann - nämlich angenommen werden, daß die Wahl von Paten zugleich mit der - Kindertaufe gegen Ende des zweiten Jahrhunderts in der christlichen - Kirche Gebrauch wurde. - - Mir erscheint es darum wahrscheinlicher, in unserm Taufsteine einen - heidnischen, entweder germanischen oder slavischen Opferstein zu - erblicken, und zwar auch in Berücksichtigung der Sage von dem - dämonischen »Uhâmel,« welcher ihn gegen Steinmetzen schützen soll. - Von spukhaften Gestalten, welche alte Opfersteine schützen, erzählen - auch andere Sagen. So befindet sich bei Mukwar auf einem Hügel ein - Stein, von dem man sagt, daß auf demselben einst geopfert worden ist. - Als denselben einst ein Arbeiter zerschlagen wollte, sah er auf ihm - eine Gestalt in langem, weißem Gewande sitzen. Vor Schrecken lief er - davon und seit der Zeit hat niemand mehr Hand an den Stein zu legen - gewagt. (Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen. Graz, 1880, S. - 431.) - - - - -II. - -Spukgeister- und Gespenstersagen. - - -Spukgeister und Gespenster sind nach Otto Henne-Am-Rhyn (die deutsche -Volkssage) die Schatten der Götter; Götter werden zu Gespenstern, d. h. -zu geisterhaftem täuschenden Trug (Jacob Grimm, deutsche Myth. 1835, S. -512), zu Phantomen, welche Menschen verlocken. Aber ebenso werden auch -Menschen, deren Seelen nach der Sage häufig zur Strafe für begangenes -Unrecht nicht der Seligkeit teilhaftig wurden, zu Gespenstern, und sie -müssen nun zwischen Himmel und Erde schweben oder auch wohl zu den -Stätten wiederkehren, an denen sie einst auf Erden wandelten. - -Daß die alten heidnischen Götter zu gespenstischen Wesen wurden, -erklärt sich aus der Zähigkeit, mit welcher unsere Vorfahren noch -lange die Erinnerung an jene Göttergestalten bewahrten, obschon diese -Erinnerung nach und nach in soweit verblaßte, als die ursprünglichen -Züge sich verwischten und die Begriffe finsterer und abschreckender -Gewalten an ihre Stelle traten. (Grimm a. a. O., S. 515.) - -Als Beweis hierfür ist an erster Stelle +Wuotan+ (Wodan) oder +Odhin+, -der Herr des Himmels, und somit der Sterne, Wolken und Stürme zu -nennen. Begleitet von den Walkyren, den Schlachtjungfrauen, und den -in der Schlacht gefallenen Helden, ritt er auf seinem weißen Rosse -Sleipnir dahin. Kampf gegen Menschen und Tiere ist die Tugend der -Helden und darum ziehen letztere auch durch die Wälder, um zu jagen, -und vor ihnen flüchtet das gehetzte Wild; als Geister ziehen sie jetzt -durch die Lüfte. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 2.) - -Wuotans Zug ist in der Volkssage zum wilden Heer, der Gott selbst aber -zum wilden Jäger geworden. Begründet wird diese Annahme in erster -Linie durch skandinavische Sagen und Redensarten; so glaubt z. B. -der schwedische Bauer im Sturmesgeheul des Gottes Jagd mit Rossen -und Wagen zu vernehmen, und in Schonen nennt man ein nächtliches -Geräusch »Odens Jagd«. Ähnlich sagt man in Mecklenburg und Pommern, daß -»Wode jage«, und in Schwaben wird das wilde Heer zum »Wuetes«- oder -»Wuotes«-, in Mittel- und Süddeutschland aber zum »wütenden Heere«. -Und wenn nach einer unserer Sagen der wilde Jäger bei Schönlinde mit -»hölzernen Hunden,« d. h. jedenfalls »Holzhunden« oder Wölfen jagt, -so verweisen auch letztere auf Odhins Wölfe Geri und Freki, die er -nach dem nordgermanischen Mythus täglich füttert. So reicht die Sage -vom wilden Jäger und der wilden Jagd bis in das germanische Heidentum -zurück. Sie verknüpft sich jedoch nicht nur mit dem Sturmgott Wuotan, -sondern auch mit anderen Göttern, selbst Göttinnen und Helden. In -Schwaben wurde noch im 16. Jahrhundert an die Spitze der wilden -Jagd ein Gespenst mit Namen Berchtold, die männliche Gestaltung der -Berahta gesetzt, und so mochten auch heidnische Göttinnen, besonders -die genannte Berahta und Holda, welche einst feierlich durch das Land -zogen, später nach dem Volksglauben auch das wilde Heer zu bestimmten -Zeiten anführen. Wenn Frau Holda an der Spitze ihres Geisterheeres -dahinzog, versah Eckhart mit dem weißen Stabe das Amt eines Herolds. -Neben Eckhart war nach dem Volksglauben auch Dietrich von Bern ein -zweiter Held des gespenstischen Zuges, (Grimm, a. a. O., S. 522--524), -wenigstens heißt im Bereiche des Erzgebirges (bei Schönlinde) der wilde -Jäger noch »Banditterch,« ebenso wie er in einer oberlausitzischen Sage -(Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 138) »Pan«, d. h. Herr »Dietrich« -heißt, der einst ein Raubritter war, welcher wegen seiner Frevel zum -wilden Jäger wurde. Der Übertragung der Sagen von Wuotan als wilden -Jäger auf die historische Person Dietrichs von Bern wird auch von W. -Mannhardt (die Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 119) -gedacht. Der Gotenkönig Theodorich, welcher in der Sage als Dietrich -von Bern fortlebt, soll, -- so ging schon im 12. Jahrhundert die Rede, --- lebend auf einem Rosse ins Totenreich geritten sein. In Westfalen -und Niedersachsen wird dagegen der wilde Jäger auf die historische -Person eines braunschweigischen Oberjägermeisters namens Hackelbärend -oder Hackelberg bezogen, der zur Strafe für sein eifriges Jagen als -wilder Jäger spuken soll. Hackelbärend, d. h. Mantelträger, ist jedoch, -wie Jacob Grimm vermutet, ein Beiname des Wuotan, denn des Gottes -Schultern umhüllte ein weiter schwarzer Mantel, wenn er auf seinem -Rosse dahinbrauste. (Grimm a. a. O., S. 517. Mannhardt, die Götter der -deutschen und nordischen Völker, S. 108.) - -Nach einer erzgebirgischen Sage (aus Karlsfeld) besteht das Gefolge -des wilden Jägers aus den Seelen von Jägern, welche im Leben Übles -gethan haben; ähnlich spricht auch der Volksmund in Böhmen (Grohmann, -Sagenbuch aus Böhmen und Mähren I., S. 74), daß dem wilden Jäger die -Seelen der Verdammten in Gestalt von glühenden Hühnern folgen, und -eine norwegische Sage erzählt, daß diejenigen Seelen, welche nicht -so viel Gutes thun, daß sie den Himmel, und nicht so viel Böses, daß -sie die Hölle verdienen, wie Trunkenbolde und Spötter zur Strafe -bis ans Ende der Welt umreiten sollen. (Grimm, a. a. O., S. 525.) -Neben denen, die ihre Christenpflicht vergessen haben, sollen auch -die ungetauft gestorbenen Kinder und die eines gewaltsamen Todes -Umgekommenen zum Gefolge des wilden Jägers gehören, da diese nach einem -engherzigen christlichen Dogma vom Himmel verschmäht, dem heidnischen -Gotte zufallen. (Henne-Am Rhyn, a. a. O., S. 530.) Wie bei uns im -Erzgebirge hörte man auch in der Lausitz beim Durchziehen der wilden -Jagd das Anschlagen wie von »Dachshunden« (Haupt a. a. O., N. 39.), und -diejenigen, welche den wilden Jäger anriefen, erhielten bei uns wie in -der Lausitz und im Harz ein Stück übelriechendes Aas. (Haupt a. a. O., -No. 144. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 43, 44, 50. Gillwald, der -Harz in Geschichte und Sage, S. 21.) So hören wir dieselben Sagenklänge -in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes; überall ist -das Schattenbild des germanischen Gottes in seinen wesentlichen -Eigenschaften gleich; denn er zieht wiederholt dieselbe Straße, führt -die Wanderer in der Nachtzeit irre und ist erzürnt, wenn man sein Huh, -Huh! oder das Gekläff seiner Hunde nachahmt. Daher gilt auch heute das -Gebot, sich bei seinem Nahen nieder auf die Erde zu werfen und ihn -nicht anzurufen, wie dies auch eine durch den Kult gebotene Forderung -an unsere heidnischen Vorfahren war, wenn Gott Wuotan im Sturme durch -die Wipfel der Bäume brauste. - -Wie die Sagen vom wilden Jäger, dem ähnlich in unserm Gebirge der -Katzen- und Bachreiter, sowie der unheimliche Hans Michel erscheinen, -sind auch diejenigen vom Reiter ohne Kopf, der bei uns ein Schrecken -der Holzdiebe ist, auf Wuotan zurückzuführen. Ein Reiter ohne Kopf -zieht durch die Waldungen des Saallandes, und wenn er junge Leute, -welche um Mitternacht auf einem Kreuzwege horchten, vertrieb und -verfolgte und diese dann glücklich vor ihm die Hausthüre verschlossen -hatten, so geschah ein schwerer Schlag an die Thüre und am anderen -Morgen war der tiefe Eindruck eines Hufeisens zu sehen. (L. Zapf, a. -a. O., S. 4.) Das Hufeisen weist uns auf Odhins oder Wuotans Roß hin. --- Fremdartig ists in einer unserer Sagen, daß der Reiter ohne Kopf -auf schwarzem Rosse sitzt, da sowohl dem wilden Jäger als auch Wuotan -übereinstimmend sonst nur ein weißer oder grauer Schimmel zugewiesen -wird; doch trägt der Reiter einen schwarzen Mantel und um ihn flattert -eine Krähe und verkündet den Tod. Einen schwarzen Mantel trägt auch -der wilde Jäger, welcher am Roßberge in der Schweiz wohnt (Henne-Am -Rhyn, a. a. O., S. 521), und zu Wuotan als wildem Jäger gesellen sich -die Totenvögel Eule und Rabe (Mannhardt a. a. O., S. 108); letzterer -aber wird in dem Volksglauben vielfach auch durch die Krähe vertreten. --- Kopflos tritt meist der wilde Jäger auf, wenn ihn der Glaube als -Geist eines ruhelos umhergehenden Herrn, der das Volk durch seine -Härte quälte, auffaßt. H. Heine (Sagen, Märchen und Bilder aus dem -Harze, 1878, S. 55.) bemerkt, daß bei Meißen der wilde Jäger ein -Mann im grauen Rocke, mit hohen Sporenstiefeln, einem Jagdhorne und -+ohne Kopf+ sei, der auf einem Grauschimmel reite, und auf der Insel -Möen jagt im Grünewalde Wuotan mit einer Meute Hunde hoch zu Roß, -einen Spieß in der rechten Hand und +das Haupt unter dem+ linken Arme -tragend. (Mannhardt a. a. O., S. 153.) -- Die Göttin der Unterwelt war -nach dem Glauben der Germanen +Hel+, nach demjenigen der slavischen -Bevölkerung Böhmens die +Morana+; wenn eine von ihnen erschien, zeigte -sie einen Todesfall an. Ursprünglich war die Hel wahrscheinlich die -Mutter alles Lebens, zu der auch alles Leben wieder zurückkehrte. -Daher wurde sie auf Grund dieser Doppelseite ihres Wesens, in ihrer -Eigenschaft als Gebieterin über Leben und Tod, halb menschenfarbig, -halb schwarz vorgestellt, und beide Farben tragen auch noch vielfach -nach den Überlieferungen der Sage die +verwünschten Jungfrauen+ und -Frauen, welche ihre Schattenbilder sind und die teils freundlich, -teils feindlich in das Leben der Menschen eingreifen. (Henne-Am-Rhyn, -a. a. O., S. 549.) Die weiße Frau zu Neuhaus erscheint bei fröhlichen -Gelegenheiten im langen weißen Talar, bei Todesfällen aber in schwarzen -Handschuhen. Einen Todesfall verkündet auch die weiße Frau zu -Venusberg. -- Ihre Doppelnatur kennzeichnet sich bei den weißen Frauen -noch dadurch, daß sie nach der Volksüberlieferung bald als blühende -schöne Jungfrauen, bald wieder als häßliche alte Weiber erscheinen. -Ich rechne dazu die Erscheinung am weißen Fels bei Hartenstein, welche -in ihrer Wandelbarkeit an die schöne Jungfrau am Fuße des Nußhardt im -Fichtelgebirge erinnert, und die nur dann erlöst werden kann, wenn -sie von jemandem zu der Zeit, da sie als häßliches Weib wiederkommt, -auf die Stirne geküßt wird. Man sieht sie zuweilen mit einem Rechen -an der Sonne Flachsknoten ausbreiten, und dadurch erinnert sie an die -+Hulda+ oder Frau +Holle+, die freundliche Göttin, welche den Flachsbau -beschirmte und die fleißigen Spinnerinnen belohnte, die faulen aber -bestrafte. Zur Weihnachtszeit hielt sie ihre Umzüge, aber sie fuhr auch -nach anderen Überlieferungen, ihrer ursprünglichen Natur entgegen, -auf einem Wagen mit dem wilden Heere schreckhaft durch die Lüfte, und -Hexen bildeten dann ihre Gesellschaft. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. -554.) Ihre abgeschwächten Abbilder sind vielleicht die zwei Jungfrauen -des Breiten- und Röthelsteins, die in feuriger Kutsche mit dergleichen -Pferden umherfahren und dann im Röthelsteine verschwinden; beide -erscheinen zuweilen in schwarzen Kleidern. -- Hexenähnlich erscheint -uns auch das Fegeweib des Katzensteins, das mit einem Besen die durch -die Luft fliegenden Kugeln wegfegt, bis es endlich durch einen frommen -Spruch machtlos wird. - -Die Überlieferungen von diesen ursprünglich göttlichen Wesen, welche -zum Zeichen ihrer Göttlichkeit gewöhnlich weiß gekleidet erscheinen, -fließen vielfach zusammen. So erscheint die Frau Holle in Norwegen und -Schweden als die Berg- und Waldfrau +Hull+ oder +Huldra+; sie liebt -Musik und Gesang wie das über die Mulde bei Zelle schwebende Fräulein, -welchem musicierende Bergleute ein Ständchen bringen, oder wie die -Lieder singende Jungfrau des Braunsteins und das Schloßfräulein im -Schönjungferngrunde bei Oberwiesenthal, welches die Laute spielt. Auch -die Huldra wird bald jung und schön, bald alt und finster gedacht, und -wenn sie grau gekleidet und alt an der Spitze ihrer Herde im Walde -angetroffen wird, hat sie einen Melkeimer in der Hand. Ich bin geneigt, -die Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege bei Breitenbach für identisch -mit ihr zu halten, obschon sie durch die Sage zu einer wegen schlechten -Maßes der verkauften Milch verwünschten Jungfrau wird, die nun ruhelos -umher wandeln muß; sie trägt in der Hand ein Milchseidel und einen -grünen Kranz auf dem Kopfe. - -Wie die +Hulda+ und die mit ihr verwandte +Berahta+ beschenken auch -die weißen Frauen einzelne Menschenkinder mit scheinbar wertlosen -Dingen, welche sich später in Gold verwandeln. Ich verweise aus -unserm Sagenkreise in dieser Beziehung auf die weiße Frau des hohen -Steins bei Graslitz, von welcher ein armer Hirte eine wunderthätige -Rute und Laub empfing, das sich in Goldstücke verwandelte; ähnliches -wird auch von einem Hirten erzählt, den die Jungfrau des Lautersteins -beschenkte, und als die beiden musicierenden Bergleute der Jungfrau bei -Klösterlein Zelle ein Ständchen brachten, erhielt jeder von ihnen ein -Blumensträußchen, deren eines sich in Gold verwandelte, weil es nicht -weggeworfen wurde. - -Die den Melkeimer in einer Hand tragende Huldra gehört als Bergfrau -offenbar zu den weißen Frauen, welche nach dem Glauben unserer -heidnischen Vorfahren ihren Sitz in den Wolken hatten und von da -der Erde himmlische Milch, den Regen, spendeten. Wenn man ihre -Wohnungen nach einem anderen Glauben auch auf die Berge verlegte, -so erklärt sich dies daraus, daß die Wolken von den Naturvölkern -auch als Berge angesehen wurden. Die weißen Jungfrauen hängen als -Wolkenfrauen häufig Wäsche auf oder bleichen Linnen. Dies thun die -Fräulein im Schönjungferngrunde am Fichtelberge und die Jungfrau des -Grauensteins; als der letzteren einmal die ausbreitete Wäsche geraubt -wurde, verwandelte sich dieselbe in zischende Ottern. Bemerkenswert -ist übrigens, daß die Grauensteiner Jungfrau keinen Kopf hat, und sie -erinnert dadurch an eine der zahlreichen weißen Frauen des Vogtlandes, -welche zuweilen aus den unterirdischen Gemächern der Teufelskanzel bei -Ranis hervortritt und an der Stelle des Kopfes zwei goldene Hörner -trägt. (Rob. Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 235.) Die Jungfrauen -auf dem Hausberge bei Graslitz hängen Wäsche auf, die sich beim -Näherkommen in Spinngewebe verwandelt. Anderwärts im Gebirge scheint -man die aufgehängte und plötzlich wieder verschwindende Wäsche den -Holzweibeln zugeschrieben zu haben. (S. Dämonensagen.) - -Da die Wolke in der Vorstellung unserer Vorfahren sowie der Slaven auch -als Brunnen galt, so wohnen weiße Jungfrauen nicht bloß auf Bergen, -sondern auch in Brunnen. Die Sage erzählt von einem Wunderbrunnen auf -dem Fichtelberge, an dem man zu Zeiten eine Jungfrau gesehen hat. Durch -diese Brunnenjungfrauen werden wir auch wieder auf die mütterliche -Gottheit der Erde Nerthus und auf Frau Holle hingewiesen, welche den -Aufenthalt in Brunnen liebten; in der Mittagsstunde sah man sie als -weiße Frauen daselbst baden und dann wieder verschwinden. (Jac. Grimm, -deutsche Mythologie, S. 166.) Derartigen Überlieferungen begegnet man -in den meisten Gauen unseres deutschen Vaterlandes; so badet auch -oft eine weiße Frau in dem Heribertsborn, welcher auf dem Höhenzuge -Grünscheid bei Solingen entspringt. (Leibing, Sagen und Märchen des -Bergischen Landes, No. 54.) Ebenso sind derartige Sagenklänge auch -in Böhmen heimisch; dort wird die gütige Jungfrau Lida, welche in -Brunnen wohnt und nur in mondhellen Nächten hervorkommt, auf Lada, die -slavische Göttin des Frühlings und der Liebe zurückgeführt. (Grohmann, -Sagenbuch von Böhmen, S. 33.) - -Die auf und in den Bergen, besonders solchen, welche ehemals Burgen -trugen, wohnenden weißen Jungfrauen, denen die Sage gewöhnlich ein -Schlüsselbund beilegt, und von denen sie erzählt, daß sie unermeßliche -Schätze hüten (s. die Schatzsagen), sind ebenfalls göttliche Wesen. -Grohmann (a. a. O., S. 34) meint, daß unter ihnen in Böhmen die -Tochter des Donnergottes Perun, die jungfräuliche Göttin Devana zu -verstehen sei, welche Hanus als Göttin des Lichtes deutet. Während -des Winters, wenn das Licht durch trübe Wolken verdeckt wird, ist -dieselbe in die Wolkenberge verbannt, und sie wartet auf den Frühling, -welcher sie wieder befreien soll. So warten auch die in das Innere -der Berge verbannten Jungfrauen, und vielfach ist es eine Blume, -welche den Zugang zu ihrem Gefängnisse öffnet. Nach Schönwerth aber -ist die Schätze hütende Jungfrau in den rein deutschen Bezirken die -verhüllte Erdenmutter, die bereits genannte Hel, oder auch die Nerthus -oder Freya; letztere, als Gemahlin Wuotans und Wolkenfrau, nähert -sich in vielen Zügen der slavischen Devana, soweit sie aber neben -der Herrschaft über Winde, Wolken und Blitze auch Macht über den -Sonnenschein besaß und so auch der Erde Segen spendete, verschmolz -sie wieder mit der Erdgöttin. (Mannhardt a. a. O., S. 271.) Aller -Germanen Mutter und somit die gemeinsame Ahnfrau aller auf den Burgen -herrschenden adeligen Geschlechter ist die Erde. Diese göttlichem -Geschlechte angehörende Ahnfrau erscheint nun nach der Volkssage -noch heute an denjenigen Plätzen, wo ihre Kinder wohnten, welche das -Christentum für sich gewann. Durch dasselbe will auch sie erlöst -werden, und sie bietet daher ihre Schätze, um dafür Ruhe zu erlangen -und wieder mit den Ihrigen vereint zu werden. (Zapf, Sagenkreis des -Fichtelgebirges, S. 22.) - -Einen mythischen Hintergrund haben die Sagen von gespenstischen -+Hunden+, +Hähnen+ und +Hasen+. Erstere erscheinen gewöhnlich schwarz, -vereinzelt aber auch feurig, und erschrecken die einsamen Wanderer. -Vielleicht sind sie in einigen unserer Sagen auf die Hunde der -Schicksal verkündenden Nornen zurückzuführen, und damit sind sie auch -Verkündiger des Todes oder Krankheit bringend, wie der schwarze Pudel, -welcher sich zuweilen auf dem Hemberge bei Bockau sehen läßt. Wo der -Hund in Gesellschaft einer Jungfrau im Innern des Berges Schätze hütet, -ist derselbe Sarmr, der Hund der Unterwelt. - -Daß auch der Hahn mythisch ist, erzählt uns die nordische Götterlehre, -nach welcher der Hahn Fialan kräht, ehe das Weltende herannaht; durch -Hähne werden Hexen und böse Geister verscheucht und ein schwarzer Hahn -ist nach dem Volksglauben dem Teufel geweiht. Ebenso tritt auch der -Hahn in den Schatzsagen auf. So führt z. B. ein solcher diejenigen -irre, welche auf dem Burgberge bei Lichtenberg den daselbst liegenden -Schatz heben wollen. In böhmischen Sagen vertreten goldene Hähne die -Stelle von Schätzen, und Hühner legen auch nach anderen Überlieferungen -goldene Eier. -- Endlich sprechen für die mythische Bedeutung des -+Hasens+ viele abergläubische Meinungen; so ist z. B. im Vogtlande -ein Hase, welchen man beim ersten Ausgange zuerst erblickt, Unglück -verkündend. Er ist ein Göttertier, denn die Göttin Hulda ließ sich bei -ihrer nächtlichen Wanderung, welche sie als Mond ausführte, von Hasen -Lichter voraustragen. Als einst ein Arbeiter in Blauenthal nach einem -an der nahen Steinwand, wo sich auch andere Spukgespenster sehen -lassen, wiederholt nächtlich erscheinenden weißen Hasen schlug, war er -in der nächsten Nacht tot. - -Unter den erzgebirgischen Spukgeschichten giebt es viele, nach denen -die Seelen verstorbener Menschen, welche der himmlischen Ruhe nicht -teilhaftig geworden sind, auf Erden umherwandeln. »Sie gehen um«, -wie der Volksmund sagt, denn sie bleiben als schattenhafte Wesen in -der Nähe des Ortes, welcher ihnen einst in ihrem irdischen Leibe als -Wohnplatz angewiesen war. Nicht immer ist dies, wie bei dem Rachhals -zu Aue, nach dem Volksglauben eine Strafe für begangenes Unrecht, oft -sind diese Gespenster warnende Geister, ja sie haben sich vereinzelt -selbst zu gutmütigen Hausgeistern umgewandelt. Andererseits aber werden -auch solche Gespenster zu Quälgeistern, die sich gleich böswilligen -Kobolden dem Wanderer aufhocken, oder ihre Angehörigen in anderer -Weise ängstigen; dies thun z. B. das Gespenst, welches als feuriger -Hund bei Graslitz erscheint, und die gespenstischen Frauen, welche -ihre Ehemänner beunruhigen. Der »+schwarze Mann+«, mit welchem Namen -sich häufig die Kinder gegenseitig schrecken, ist ein Schattengeist, -der zuweilen nur erscheint, um zu drohen, ohne jemandem sonst weiter -ein Leid zuzufügen. Teilweise, wie in Schneeberg, meldet die Sage -bloß, daß er sich sehen läßt, sie teilt aber über die Bedeutung und -Ursache seines Erscheinens nichts weiter mit. An anderen Orten, -wie in Königswalde, ist er ein bösartiges Wesen, welches ein eben -getauftes Kind holen will; er erinnert so an den Vernichtungsgott -Surtr. Ursprünglich aber ist der schwarze Mann wohl auf den Schutzgeist -zurückzuführen, welchen jeder Mensch zu eigen hatte. (Rochholz, -deutscher Glaube und Brauch, I. S. 104.) - -Die Sagen von den umherwandelnden Geistern Verstorbener werden -durch altheidnischen Glauben begründet. Nach demselben tritt mit -dem Tode keine Vernichtung ein, ja der Krieger ist nach solchem -Glauben imstande, auch im Grabe einen ins Land fallenden Feind -zurückzuschrecken. Der deutsche Häuptling Iwar befiehlt sterbend, daß -man ihn an derjenigen Landesgrenze begrabe, an welcher am meisten -feindliche Einfälle zu befürchten seien. (Rochholz a. a. O., S. 117.) -Nach der Darstellung der Edda behalten die Helden ihren Körper; kämpfen -sie doch in Walhalla mit vollkommenem Leibe, den keine Wunden töten; -aber die Bösen, - - »die Männer, die Meineid und Mord verübt - Und zur Untreu' verleitet des andern Geliebte,« - -kommen in einen Saal, »fern von der Sonnen, das Thor gegen Norden am -Leichenstrand. Da saugt und frißt an entseelten Leichen der wölfische -Neidhagen«. (Edda, die Kunde der Wala 13.) Wenn also nach diesem -altheidnischen Glauben der Leib der Bösen vernichtet und in den -Urstoff aufgelöst wird, so müssen ihre Seelen ruhelos auf der Erde -umherwandeln, bis ihre Strafzeit vorüber ist und sie einen anderen Leib -finden. - -So ist also der Gespensterglaube ein Überrest heidnischer -Vorstellungen, welche in die Gegenwart hineinragen, deren Ursprung -jedoch dem Volke nicht bekannt, deren tiefere Bedeutung vergessen -worden ist. - - -11. Das wütende Heer bei Annaberg. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 77.) - -Insonderheit hatte der höllische Jäger vor und in dem 30jährigen Kriege -auf den hohen Wäldern sein Affenspiel, indem es, vornehmlich, wenn etwa -eine feindliche Armee einbrechen sollte, wie ein starkes Jägergeschrei -»Hu! hu! hu!« erschallte. Man hieß es insgemein das wütende Heer, und -war ein böser Vorbote. Anno 1626 ritt Junker Rudolf von Schmertzing, -Erbsaß auf dem Hammergute Förstel, halbtrunken von Annaberg ganz -allein, und vermeinte den geraden Weg über Schlettau auf die -Scheibenbergischen Mühlen durch die Unter-Scheibner Räume zu nehmen. Es -verführte ihn aber eine Jagd mit Jägergeschrei und Hundegebell, welchem -er nachritt, und fiel mit seinem Pferde in einen Morast, darin das -Pferd halbversunken stecken blieb. Er arbeitete sich endlich heraus, -lief nach den benachbarten Vorwerken, kleidete sich um und ließ Leute -auftreiben, welche das Pferd mit Stangen und Seilen aus dem Morast -zogen. - -Einst reiste auch ein alter Priester von Wiesenthal sehr frühe durch -den Wald nach Annaberg. Da erhob sich mitten im Walde ein ungemeines -Jägergetöne, um welche Zeit doch kein Arbeiter und Jäger in dem Walde -zu finden war. Sein Fuhrmann besann sich bald darauf und sagte: »Herr, -es ist das wütende Heer; wir wollen in Gottes Namen fahren, es kann uns -nicht schaden.« - - -12. Das wütende Heer bei Weißbach. - -(Mündlich.) - -An dem von der Straße in Weißbach nach Kirchberg abführenden Hohlwege -soll sich oftmals das wütende Heer haben hören lassen. - - -13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld. - -(I. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 499. II. Mündlich.) - -I. Eines Tages sind zwei Brüder, Spitzenhändler, auf der Straße -von Stangengrün nach Hirschfeld geritten, da haben sie plötzlich -am hellerlichten Tage auf freiem Felde das laute Hohoschreien des -wilden Jägers gehört, aber ihn selbst nicht gesehen; nur unter ihren -Pferden, die sich furchtbar gebäumt, sind eine Menge kleiner Dachshunde -herumgelaufen, ohne daß sie jedoch einen derselben hätten von den -Pferden treten sehen, und plötzlich ist alles wieder verschwunden -gewesen. - -II. Zwischen Hirschfeld und Stangengrün liegt der Teufelswald. In -demselben hat man mehrmals die wilde Jagd gesehen und gehört. Dies -widerfuhr unter anderen einem Tischler, welcher einst des Nachts um -12 Uhr mit einem Karren durch den Wald fuhr. Da hörte er Pfeifen und -Gebell, und darauf sah er auch den wilden Jäger als schwarze Gestalt zu -Fuße an sich vorübergehen; derselbe führte zwei Hunde bei sich. - - -14. Die wilde Jagd bei Komotau. - -(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864. -S. 5.) - -Eine alte Frau aus Komotau erzählte: Geht man an Adam und Eva früh zur -heiligen Beichte und Kommunion und fastet dann den ganzen Tag, selbst -abends, und geht dann um Mitternacht auf einen Kreuzweg, so sieht -man die wilde Jagd vorüberziehen, und der letzte aus derselben giebt -einem einen Thaler, der, so oft man ihn auch wechselt, immer wieder -zurückkehrt. - - Wenn Grohmann (Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, - Vorrede S. 7) bemerkt, daß den Slaven der Glaube an den wilden Jäger - fehlt, so bezieht sich dies wohl nur auf die Czechen. Veckenstedt - teilt eine größere Anzahl wendischer Sagen vom Nachtjäger mit. Auch - nach dem Glauben der Niederlausitzer Wenden erscheint der Nachtjäger - wie bei uns auf Kreuzwegen; ebenso ist er selbst sowie sein Pferd - ohne Kopf. (Wendische Sagen und Märchen, Graz 1880, S. 35 etc.) - - -15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.) - -Bei Karlsfeld ist der wilde Jäger mit seinem Heere öfters gesehen und -gehört worden. Sein Gefolge besteht aus den Seelen von Jägern, die in -ihrem Leben Böses gethan haben und nicht zur Ruhe kommen können. - - -16. Der wilde Jäger bei Schönlinde. - -(Grohmann, Sagenbuch von Böhmen und Mähren, I. S. 78.) - -Auch bei Schönlinde läßt sich zuweilen der wilde Jäger sehen; man -nennt ihn dort Banditterch (Berndietrich). Er soll daselbst in den -Schweinsgründen und in Budersdorf mit hölzernen Hunden herumjagen. - - Die hölzernen Hunde sind ebenfalls gleichbedeutend mit Holzhunden, - wie man in Norddeutschland die Wölfe heißt; der wilde Jäger jagt also - nach dieser Sage mit Wölfen. Die Wölfe aber, welche schon in der Edda - Hunde genannt werden, sind Lieblingstiere Wuotans. - - -17. Der wilde Jäger bei Neustadt. - -(Köhler, Volksbrauch etc. im Vogtlande, S. 509.) - -Noch im vorigen Jahrhunderte hatte der wilde Jäger sein Revier in -der Gegend von Neustadt bei Falkenstein. Da zog er des Nachts in der -Luft mit seinen Hunden oft über Neustadt hinweg und ließ sein »Hoho!« -hören. Einmal sah ein dortiger Bauer zum Fenster hinaus, als der wilde -Jäger in der Luft hinzog, und er äffte das »Hoho!« nach. Am nächsten -Morgen fand der Bauer auf seinem Fensterstocke draußen einen toten, -übelriechenden Hasen. Er verscharrte ihn in seinen Düngerhaufen, aber -am nächsten Morgen lag er doch wieder auf demselben Fensterstocke. Er -verscharrte ihn zum zweiten und dritten Male, aber der Hase lag am -nächsten Morgen immer wieder auf dem alten Platze. Auf den Rat anderer -Leute vergrub ihn der Bauer endlich unter gewissen Förmlichkeiten auf -einem Kreuzwege, und der ihm vom wilden Jäger zugedachte Braten kam -nimmer wieder. - - Wir finden im Erzgebirge für die Züge des wilden Jägers oder Wuotans - sowohl die Bezeichnung »wilde Jagd«, als auch »wütendes Heer.« Unser - Gebirge bildet die Grenzscheide zwischen Nord- und Süddeutschland, - und daher vermengen sich hier beide Namen, von denen der eine - (wilde Jagd) vorzugsweise Nord-, der andere (wütendes Heer) aber - Süddeutschland angehört. Wuotan ist übrigens in seinem Namen, welcher - den »stürmisch Schreitenden« bedeutet, mit dem Worte »Wut« verwandt. - - Die Sagen von dem wilden Jäger lassen uns Umschreibungen von - Naturvorgängen erkennen. Der Sturmgott Wuotan ist der Sturm selbst; - sein Roß, Hut und wallender Mantel sind die Wolken, Wolken sind - ursprünglich vielleicht auch die von ihm gejagten Frauen. (S. die - Sagen von den Holzweibchen.) - - Der Hase ist ein gespenstisches oder teuflisches Tier; in der Lausitz - glaubt man, daß die Hexen zuweilen in der Gestalt von Hasen durch das - Dorf laufen. Der Hase war den Asen geweiht. Das Hinwerfen eines Hasen - durch den wilden Jäger hat also eine mythische Bedeutung, ebenso wenn - anderwärts ähnliche Sagen erzählen, daß der wilde Jäger dem Rufenden - ein Pferdeviertel zugeworfen habe. In letztgenannter Überlieferung - findet sich vielleicht eine Erinnerung an die alten heidnischen - Opfermahlzeiten, bei denen das Pferdefleisch nicht fehlte. - - -18. Der graue Jäger auf dem Tossen. - -(Mitgeteilt vom Lehrer R. Bachmann aus Markneukirchen.) - -Auf dem Tossen, einem kahlen Landrücken bei Schönbach in Böhmen, jagt -allnächtlich der graue Jäger mit seinem Hunde. Als einst eine Frau aus -der sogenannten Hetaschen von Markneukirchen aus heimkehrte, gesellte -sich zu ihr der graue Jäger und begleitete sie bis nach Hause. Die Frau -erzählte dies ihrem Manne. Am andern Morgen lag ein Stück Hirschfleisch -auf dem äußern Fensterbrette. Der Mann stieß es hinab, und drei Tage -darauf war er eine Leiche. Seitdem hat man den grauen Jäger nie wieder -gesehen oder jagen gehört. - - -19. Der Waldschütz. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen. S. 115.) - -In Rodau, einem Dorfe bei Graslitz, erzählt man sich viel von dem -Waldschützen. Es soll dies ein Mann sein, der in dem nahegelegenen -Walde zu mitternächtlicher Stunde umgeht. Er schlägt dabei mit großer -Kraft und Gewalt an die Bäume und verursacht dadurch einen großen Lärm. -Zugleich setzt er dem Wilde nach, scheucht es auf und treibt es so -lange herum, bis ihn die Geisterstunde zurückruft. Dabei hört man, wie -er die Hunde hetzt. Deshalb nennen ihn die Leute den Waldschützen. Er -geht immer tiefer in den Wald und verliert sich endlich im Forste. - -Dieser Waldschütz hat endlich auch die Gewohnheit, die Leute in -diesem tiefen Walde irre zu führen. Eines Tages ging ein Holzhauer -aus dem Walde nach Hause. Er war noch nicht lange gegangen, als es -stockfinster wurde und er furchtbare Axtschläge in seiner Nähe vernahm. -Der Holzhauer ging herzhaft auf den Lärm los, weil er glaubte, daß -es Holzdiebe seien. Wie er aber auf den Platz kam, wo die Schläge -erschallten, sah er einen fremden Mann in Jägertracht, der an die -Bäume klopfte. Der Holzhauer fragte: »Wer bist Du?« »Ich bin der -Waldschütz!« sagte der Mann und klopfte weiter. Der Holzhauer folgte -dem Mann nach. Um Mitternacht waren sie schon tief in den Wald geraten, -da fühlte der Holzhauer plötzlich einen Axtschlag, daß er halbtot zu -Boden stürzte. Am anderen Morgen, als er aufwachte, standen einige -Leute bei ihm, die ihn gefunden hatten. -- In der Hochgart geschah -es, daß dieser Geist sich am Tage sehen ließ; dann ist er böswillig -und läßt niemanden ungeschoren. Ein armer Mann sah ihn und rief ihn -dreimal beim Namen: »Waldschütz, Waldschütz, Waldschütz!« Da drehte -sich derselbe um und sprach: »Für dein Necken sollst du hier in einen -Baumstumpf verwandelt so lange stehen, bis dich der Zufall erlöst.« -Augenblicklich ward der Mann zu einem Baumstumpf und wurzelte im Boden. -Seine Erlösung aber blieb nicht lange aus. Eines Tages waren Köhler in -der Nähe; einer derselben sah den Stock dastehen und dachte, er sei -gut, das Mittagsessen darauf einzunehmen. Er legte daher sein Brot -darauf, schnitt es mit dem Messer durch, so zwar, daß er auch noch in -den Stock schnitt, und hackte auch seine Hacke darin ein. In demselben -Augenblicke schrie es heftig auf, der Baumstumpf verschwand und der -verzauberte Mann stand erlöst vor den Augen der Köhler. - - -20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger. - -(Sachsens Kirchengalerie, 2. B. S. 177.) - -In der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte der Ort Klingenberg einem -Herrn Reichbrod von Schrenkendorf, der ein großer Jagdfreund gewesen zu -sein scheint, indem eine nach Colmnitz hin gelegene Waldwiese, genannt -»Reichbrods Wiese«, heute noch von den Landleuten ungern zur Nachtzeit -passiert wird, weil daselbst Reichbrod einen Jagdlärm treibt, als ob -wilde Schweine gehetzt würden. - - -21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusch bei Schlettau. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 29.) - -In dem Hofbusche bei Schlettau, durch den der Weg nach -Unter-Herrmannsdorf führt, läßt sich bei Nacht oft ein gespenstischer -Jäger ohne Kopf sehen. Er soll vor alter Zeit die Armen, welche sich -das dürre Reißholz sammelten, oft unbarmherzig mißhandelt haben und zur -Strafe nach seinem Tode nun umgehen müssen. Rechtliche Leute läßt er -ungeneckt, aber die Holzdiebe hat er schon oft in Todesangst gejagt und -bisweilen festgebannt, so daß sie Stunden lang an einer Stelle stehen -bleiben mußten. - - -22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz. - -(Nach der poetischen Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz -des K. S. No. 572.) - -Auf dem Ziegenberge bei Zwönitz soll sich ein Reiter ohne Kopf sehen -lassen, von dem sich das Volk folgendes erzählt: - -Einst (im 17. Jahrhundert) soll ein Müller in Zwönitz eine sehr schöne -Tochter gehabt haben, die mit dem Förster von Grünhain heimlich -versprochen war; derselbe war übrigens mit den übrigen Gliedern ihrer -Familie so gut wie gar nicht bekannt. Nun hatte aber der Müller auch -einen Sohn, von dem er sich losgesagt hatte, weil derselbe ohne seine -Erlaubnis die Tochter des Scharfrichters geehelicht und damit nach -den Ansichten jener Zeit seine Familie beschimpft hatte. Gleichwohl -kamen die Geschwister an diesem und jenem Orte mit einander zusammen, -und als nun eines Tages die schöne Müllerstochter in die Schenke wo -sie ihren Liebhaber zu treffen dachte, zum Tanz gegangen war, traf -sie ihren Bruder mit seiner Frau und konnte es ihm natürlich nicht -abschlagen, ein Tänzchen mit ihm zu machen. Während dem war aber der -Förster angelangt und gleich vom Pferde aus, wie er war, auf den -Tanzsaal geeilt; als er nun seine Braut in den Armen eines ihm Fremden -erblickte und sah, wie sie freundlich mit ihm scherzte, ergriff ihn -rasende Eifersucht. Er lockte sie also unter Schmeichelworten auf den -Ziegenberg, indem er vorgab, er habe bei dem schnellen Ritte etwas -im Walde verloren und sie solle ihm suchen helfen. Das Mädchen ging -auch, nichts Böses ahnend, mit; als sie aber an eine recht wilde, -verwachsene Stelle des Berges kamen, warf er ihr ihre Untreue vor und -erstach sie, ohne nur ihre Verteidigung anhören zu wollen. Leider hatte -er nur zu sicher getroffen, die Unglückliche gab in wenigen Minuten -ihren Geist auf, indem sie nur noch so viel Zeit hatte, ihrem Mörder -zuzurufen, ihr vermeintlicher Verführer sei ihr Bruder gewesen, den er -noch nicht gekannt habe. In wilder Verzweiflung warf sich der Förster -über die Sterbende, allein er vermochte sie nicht wieder ins Leben -zurückzurufen. Er eilte also auf den Tanzsaal und schrie ihrem Bruder -zu, er habe seine Schwester gemordet, er wolle sich selbst dem Gerichte -übergeben. So geschah es auch. Da er den Tod suchte, dauerte die -Untersuchung nicht lange, schon nach drei Monden fiel sein schuldiges -Haupt zu Grünhain auf dem Schafott; auf dem Flecke aber wo die blutige -That geschehen, ward ein Rosenstrauch gepflanzt, dessen weiße Rosen des -Nachts wie mit Blut besprengt aussehen und der seine Blätter traurig -zur Erde zu senken scheint. Um Mitternacht aber kommt, wenn böse Zeiten -bevorstehen, ein Reiter, den Kopf unter dem Arme, vom Grünhainer -Hochgericht nach dem Rosenstock geritten, verweilt kurze Zeit daselbst -und kehrt dann wieder zurück. - - Der letzte Teil der Sage erinnert an die poetische Vorstellung, daß - die entweichende Seele eine aufblühende Blume ist, durch welche - sie auch symbolisch dargestellt wird. Die weiße Rose, welche des - Nachts wie mit Blut besprengt dasteht, ist die Seele des ermordeten - Mädchens. Die Seelen Verstorbener wachsen als Blumen aus dem Grabe. - Erhob sich doch auch auf den Gräbern Tristans und Isoldes eine Rebe - und ein Rosenstock. - - »-- Doch eine Rose, einen Reben - sah man sich aus den Gräbern heben - und innig sich verschlingen.« - - -23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg. - -(Gräße, Sagenschatz etc. No. 267.) - -Auf der von Hainsberg nach Tharand führenden Chaussee soll sich an -gewissen Tagen um Mitternacht ein Spukgeist sehen lassen; er reitet auf -einem Pferde ohne Kopf und trägt den seinigen zuweilen selbst unter dem -Arme, er jagt bis Tharand und kehrt dann wieder zurück. - - -24. Gespenstische Reiter bei Waschleite. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 75.) - -Eine halbe Meile von Grünhain gegen Waschleite ist einem Gerber von -Elterlein, der des Nachts von Schwarzenberg heimfuhr, eine ganze Rotte -Reiter ohne Köpfe und in mancherlei Gestalt entgegengekommen, denen -mußte er ausweichen, worauf er infolge des gehabten Schrecks krank -wurde. Daselbst hat man auch zuweilen die schönste Geistermusik gehört. - - -25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels. - -(Nach Mitteilung des Lehrers R. Schlegel aus Wildenfels.) - -Die Holzhauer erzählen, daß sich an dem sogenannten neuen Teiche im -Wildenfelser Walde ein Reiter ohne Kopf sehen lasse, welcher dann im -Wasser verschwinde. - - Unselige Geister erscheinen häufig hauptlos, wie uns die Sagen aus - zahlreichen Orten erzählen. Ohne Kopf sieht man z. B. den Reiter im - Wiesenthale bei Königerode. Auch der wilde Jäger im Zellgrunde zeigt - sich ohne Kopf. (Größler, Sagen aus der Grafschaft Mannsfeld, No. 54 - und 162.) In einem bei Weimar gelegenen Hölzchen läßt sich des Nachts - ein Reiter sehen, welcher seinen Kopf wie einen Hut unter dem Arme - trägt; er führt die Leute irre. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. - 297.) Bemerkenswert ist dabei, daß solche unselige Geister vielfach - auf halben oder dreibeinigen Rossen reiten und mit einer Meute - dreibeiniger Hunde den Zug des wilden Jägers begleiten. Es ist dies - eine Erinnerung an die Todes- und Pestgöttin Hal, welche auf einem - dreibeinigen Pferde erscheint. - - -26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach. - -(Mitgeteilt vom Seminarist Osw. Hübner aus Bernsbach.) - -Auf der Straße von Bernsbach nach Beierfeld, im sogenannten -Kirchgraben, soll öfters ein Reiter ohne Kopf gesehen worden sein. - - -27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein. - -(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.) - -In der Mitte des Weges zwischen Lößnitz und Schloß Stein ist ein -Waldort, genannt »die hohle Linde.« Zur Zeit steht an der Stelle -neben einer Vertiefung eine junge Linde; ehemals befand sich eine -umfangreiche hohle Linde daselbst. Früher stieg aus derselben um -Mitternacht ein Reiter ohne Kopf, der den Wald durchirrte und die Leute -schreckte. Noch jetzt soll derselbe zuweilen aus der kleinen Senke -daselbst aufsteigen. - - -28. Der Panzerreiter zu Stollberg. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 574; z. T. mündlich.) - -In der Gegend von Stollberg soll bei Nacht ein Reiter ohne Kopf, in -einen langen schwarzen Mantel gehüllt, auf einem schwarzen kopflosen -Rosse herumreiten. Vor ihm her flattert eine grau und schwarz gefleckte -Krähe, welche sich auch bisweilen auf einer großen Linde in der -Oberstadt sehen ließ und durch ihr nächtliches Krächzen jedem, der -es hörte, den Tod binnen drei Tagen verkündigte. Nach anderen sollen -vor dem Reiter drei Raben fliegen; auf welchem Hause sich dieselben -niederlassen, daraus soll jemand in demselben Jahre sterben. Den Reiter -nennt man den Panzerreiter. - - -29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 95.) - -Einst gingen einige Leute von Lichtenstadt nach Karlsbad; als sie den -Berg hinuntergingen, war es gerade 11 Uhr in der Nacht. Da sahen sie -unten viele hunderte von feurigen Männern und Pferden ohne Köpfe sich -herumtummeln. Um 12 Uhr war alles wieder verschwunden. - - -30. Das Geisterschloß bei Bockau. - -(Mitgeteilt vom Seminarist Paul Mothes aus Bockau.) - -Ungefähr 20 Minuten von dem durch seinen früher lebhaft betriebenen -Arzneihandel bekannten Bergflecken Bockau befindet sich ein Sumpf, -von den Bewohnern einfach »die Pfütze« genannt. Dabei erhebt sich -ein Felsen, auf dem in gewissen Nächten zwischen 11 und 12 Uhr ein -großes Schloß mit unzählig erleuchteten Fenstern zu sehen ist. Jeder -aber, welcher auf das Schloß zugeht, wird in der Irre umher geführt. -An demselben Platze hat sich auch zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen -lassen. - - -31. Der Spuk an der Straße bei Albernau. - -(Mitgeteilt von Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.) - -Da, wo von der Chaussee zwischen Schneeberg und Bockau der -Communikationsweg nach Albernau abgeht, steht eine steinerne Säule. Von -diesem Platze wird verschiedenes erzählt. Einige wollen daselbst in -gewissen Nächten zur Mitternachtsstunde einen Reiter ohne Kopf gesehen -haben, der mit wildem Geheule vorüberjagte; andere erzählen, daß sich -dort des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr ein Licht hin und her bewege, -wobei zugleich deutlich Gewinsel zu hören sei. - - -32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg. - -(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen, S. 618.) - -Schon von vielen Personen wurde auf der Chaussee vom Gasthofe zu -Bärenburg aufwärts nach Altenberg, da wo die Straße der Steigung halber -die großen Krümmungen macht, eine Erscheinung ohne Kopf beobachtet. Bei -der letzten »Drehe« pflegt die Gestalt, welche sonst immer in gleicher -Höhe mit dem Wanderer auf der andern Seite der Straße fortschreitet, zu -verschwinden. Die oft einsam fahrenden Postillone der Nachtpost wollten -in früherer Zeit den Spuk neben den Pferden hergehend gesehen haben. - - -33. Die weiße Frau zu Neustädtel. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. S. 943.) - -In Neustädtel bei Schneeberg erzählt man von einer gespenstischen -weißen Frau, welche eine Sechswöchnerin gewesen und endlich verbannet -worden. Auf deren Grab ist immer ein Grüblein, einer Backschüssel groß, -geblieben, ob man es gleich zufüllete. - - -34. Die weiße Frau zu Venusberg. - -(Lehmann a. a. O. S. 942.) - -Auf dem herrschaftlichen Hofe zu Venusberg bei Thum kennt man eine -weiße Frau von langen Jahren her, ohne daß jemand wissen will, wer -sie gewesen. So oft bei der Herrschaft oder ihrer Familie und nächsten -Anverwandten ein Todesfall sich ereignen soll, lässet sie sich eine -gute Zeit zuvor von vielen öffentlich sehen, und zwar, wenn ein -Todesfall im Hause geschehen soll, gehet sie aus selbigem heraus, die -Treppen hinunter, über den Hof hinab bis zu demjenigen Thor, durch -welches die Leiche hinausgetragen werden soll. Ist aber der Todesfall -außerhalb des Hauses unter den nächsten Anverwandten zu vermuten, so -läßt sie sich nur bald hier, bald dort, auch wohl zu den Fenstern herab -sehen. Es ist aber niemandem dadurch ein Leid oder eine Krankheit -widerfahren, weil sie ohne Beleidigung ihr Wesen treibt. - - -35. Die weiße Frau in Schneeberg. - -(Mündlich.) - -In der Kosaken- und Webergasse zu Schneeberg hat sich des Nachts -mehrere Male eine weiße Frau sehen lassen. - - -36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.) - -Auf dem Wege von Wildenthal nach Karlsfeld ist öfters des Nachts bei -Mondenschein eine Frauengestalt in weißem Gewande erschienen. Dieselbe -ging stets vor dem Wanderer her, ließ sich aber von demselben nicht -erreichen, so sehr er auch seine Schritte beschleunigte. - - -37. Die weiße Frau am Brautstock in Altenberg. - -(Bürgermeister Schönherr im Freiberger Anzeiger 1883, No. 181. 1. -Beilage.) - -Der Weg durch die sogenannte lange Gasse in Altenberg, welche nach -Zinnwald führt, wird vielfach begangen; man findet darin eine einfache -unbearbeitete Porphyrsäule, der Brautstock genannt. Eingearbeitet sind -die Jahreszahlen 1716 und 1820. Der Sage nach soll von Zeit zu Zeit -und in gewissen Nächten eine weiß gekleidete junge Frau zu erblicken -sein, welche am Steine seufzt, betet und dann zu versinken scheint. -Im Anfange des vorigen Jahrhunderts soll unter seltsamen Umständen an -dieser Stelle eine Vermählung stattgefunden haben. Ein in einem Duell -verwundeter Offizier ließ sich hier die Geliebte antrauen und gab -darauf sein Leben Gott zurück. - - In Wirklichkeit dürfte der genannte Brautstock nichts anderes als - ein großer Rainstein sein, der bei der großen Verrainung vom - Jahre 1716 zwischen der kurfürstlichen Waldung und derjenigen der - Zwitterstocksgewerkschaft zu Altenberg gesetzt wurde. Der Stein trägt - zunächst das Waldzeichen letzterer Gewerkschaft, das Jupiterzeichen - aus den Kalendern, welches einem lateinischen »~Z~« ähnelt, sodann - die Jahreszahlen »1716« und »1820«, die Rainungsziffer 53, nach - Süden abermals das Jupiterzeichen und nach Westen ein lateinisches - »~A~« (Altenberger Staatsforstzeichen). Eine Innschrift führt der - Brautstock nicht und doch ist derselbe schon seit Jahren unter - diesem Namen als Grenzrainungsmarke in verschiedenen Karten und - Fluraufrissen geführt worden. - - Der vorigen Sage von der weißen Frau am Brautstocke liegt eine - wirkliche Begebenheit zu Grunde. Auf einer kleinen sumpfigen - Waldwiese südlich von Peterswalde fand zu Anfange des vorigen - Jahrhunderts ein Duell auf Kugeln statt, bei welchem der - Garde-Capitän von Siemensky tödlich verwundet wurde. Seine Braut - war in einem Wagen mit einem Arzte gefolgt und als der letztere - äußerte, der Verwundete könne vielleicht noch gerettet werden, - wenn es gelänge, die Kugel durch einen sachverständigen Beistand - zu entfernen, wurde der Garde-Capitän in dem Wagen auf einer - vierstündigen Fahrt über Schönwalde und Voitsdorf bis nahe vor - Altenberg gebracht. Hier aber auf der steinigen Landstraße fühlte der - Verwundete sein Ende herannahen und begehrte, daß ihn ein Geistlicher - mit seiner Braut trauen sollte, um letztere in den ungeschmälerten - Besitz seiner Güter zu setzen und ihre Ehre vor der Welt zu retten. - Eilig wurde aus Altenberg der Pastor Johann George Bretschneider - geholt und dieser vollzog unter freiem Himmel die Trauung. Darauf - starb von Siemensky. Seine angetraut Gattin starb bei der Geburt - eines Knaben, welcher von einem Herrn von Nostitz erzogen wurde und - später das Erbe seines im Duell getöteten Vaters antrat. - - Forstleute haben später durch den einfachen »Brautstock« die - Stelle bezeichnet, wo jene tragische Begebenheit der Vermählung im - Angesichte des Todes sich ereignete. - - (S. Näheres bei Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen ohne - Jahreszahl. S. 607 etc.) - - -38. Die weiße Frau auf Scharfenstein. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 15.) - -Auf dem Schlosse Scharfenstein zwischen Zschopau und Wolkenstein geht -seit Jahrhunderten eine weiße Frau um. Des Nachts mit dem zwölften -Glockenschlage wird sie rege und wandelt, in lange, weiße, nebeldünne -Gewänder gehüllt, durch alle Gemächer des Schlosses, bleibt bisweilen -stehen und seufzt und ist überhaupt traurig. Oft hat man gewagt, sie -anzureden, aber nie hat sie Antwort gegeben, sondern ist immer sogleich -entflohen. Sie muß eine schwere Sünde begangen haben; welche aber, weiß -niemand. - - -39. Die weiße Frau in Unterchodau. - -(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg. -Komotau 1878. S. 84.) - -Zu Unterchodau bei Elbogen stand früher an der Stelle der -Porzellanfabrik ein einfaches, einstöckiges Schlößchen, an das -später eine Glashütte angebaut wurde. Erst später entstand hier eine -Porzellanfabrik. In diesem Schlößchen nun wohnte die Witwe eines -ehemaligen Littmitzer Brauers, welche Wohnung ihr von der Stadt Elbogen -mildherzig verliehen wurde, nachdem sie mit ihrem Manne gänzlich von -Vermögen gekommen war. Sie ging nun einst bei ihrem Schwager vorbei, -der gegenüber der Schule wohnte; derselbe rief sie ins Haus und gab -ihr ein Krüglein Bier. Da blickt sie gegen das Schlößchen und sieht -plötzlich im Erkerfenster eine weiße Frau stehen. Ach Gott! rief -sie, ich habe meine ganze Wäsche auf dem Boden, man will sie mir -gewiß stehlen! Sie läuft nach Hause, ihre Kinder weinen, sie nimmt -das jüngste auf den Arm und eilt die Treppe hinauf. Auf dem Boden -angelangt, bleibt sie jedoch ganz starr stehen, -- sie sieht die -weiße Frau mit verschränkten Armen und auf dem Dachboden einen Haufen -Gold, auf welchem Pergamentrollen lagen. Statt von dem Golde zu -nehmen, lief sie zum Schwager mit der Bitte, ihr das Gold wegtragen -zu helfen; bei der Rückkehr jedoch war alles verschwunden. Auch als -schon die Glashütte stand, hielt sich kein Arbeiter abends gerne in der -Werkstätte auf und selbst jetzt noch hält man es dort nicht für geheuer. - - -40. Die weiße Frau in Premlowitz. - -(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg. -Komotau 1878. S. 84.) - -Bei dem Hofe Premlowitz bei Karlsbad geht eine weiße Frau um. Vor -fünfzig Jahren noch will man sie täglich von 11 bis 12 Uhr mittags mit -verschränkten Armen auf dem Hofgang gesehen haben. - -Einmal sah die weiße Frau ein Knecht, der auf dem Felde ackerte. Er -rief sie mit den Worten an: Du könntest mir auch ausspannen helfen! -erhielt aber plötzlich einen solchen Schlag ins Gesicht, daß ihm der -Backen anschwoll und er mehrere Wochen das Bett hüten mußte. - - -41. Die weiße Frau des hohen Steins bei Graslitz. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg. S. 131.) - -Es weidete einmal ein Junge aus Waltersdorf, einem Dorfe am Südostfuße -des hohen Steines, seine Herde, als um die Mittagszeit herum eine weiße -Frau erschien und ihn fragte, was er denn in seinem Zwerchsacke trage. -»Mein Brot,« antwortete furchtsam der Hirt. »Gieb mir etwas davon,« -bat die Frau, und während der Angesprochene ihrem Wunsche willfahrte, -sagte er, daß er ihr nur wenig bieten könne, indem seine Bäuerin ein -geiziges Weib sei, die ihrem Gesinde die Brocken in die Schüssel zähle. -Da überreichte ihm die weiße Frau eine kleine Rute mit dem Bedeuten, -das geizige Weib damit zu berühren, wenn sie im Begriffe stehe, ihm -sein Brot mit auf die Hutweide zu geben. Außerdem streifte sie mit der -Hand das Laub von dem Aste eines Baumes und sprach: »Nimm auch diese -Blätter und hebe dieselben wohl auf; sie sind der Lohn für das mir -gereichte Brot.« Nach diesen Worten entschwand die Frau den Blicken -des Hirten, der das erhaltene Geschenk in seinen Taschen barg. Als er -aber am Abend seine Herde nach Hause trieb, wurde ihm das Tragen der -Blätter unbequem, und einfältig, wie er war, warf er sie von sich. Wie -reute ihn aber sein Thun, als er zu Hause angelangt, in seiner Tasche -drei funkelnde Goldstücke fand, welche durch Verwandlung dreier von den -geschenkten Blättern, die in seiner Tasche kleben geblieben, entstanden -waren. Wohl lief er schnell zurück, um das so leichtsinnig weggeworfene -Geschenk der gütigen Frau wieder aufzunehmen; allein sein Suchen war -und blieb vergeblich. Die Blätter blieben verschwunden. Als ihm am -andern Morgen die Bäuerin sein Brot schnitt, berührte sie der junge -Hirte, ungesehen von ihr, mit der erhaltenen Rute und war erstaunt, -das geizige Weib alsbald sprechen zu hören: »Dem Hirten muß ich heute -ein großes Stück Brot samt einer Butterflade und mehrere Kuchen mit -auf die Weide geben; er verdients.« Und es geschah. So oft der Hirt -die Bäuerin mit seiner wunderthätigen Rute berührte, erhielt er eine -reichliche und gute Zehrung. -- Einst aber unterzog die Magd des Hauses -den Stall einer durchgreifenden gründlichen Reinigung, und bei dieser -Gelegenheit warf sie des Hüters Rute, der sie im Stalle oben unter -einen Balken gesteckt hatte, mit hinaus. Weinend beklagte dieser nach -seiner Nachhausekunft seinen unersetzlichen Verlust; aber das half ihm -nichts. Die Bäuerin schnitt fortan das trockene Brot fast noch kleiner -als vordem und bitter bereute es der Betroffene, das wohlthätige -Geschenk der weißen Frau nicht sorgsamer aufbewahrt zu haben. Diese -erschien dem jungen Hirten zwar noch einige Male, aber nur in der -Ferne. Ihre Gesichtszüge waren finster auf ihn gerichtet und drohend -erhob sie manchmal den Zeigefinger ihrer Rechten gegen den Unachtsamen, -vielleicht dadurch ihre Unzufriedenheit mit ihm zu erkennen gebend. - - -42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau. - -(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. S. 173.) - -Wenn man von Brandau, das mit dem zugehörigen Orte böhm. Grünthal den -am weitesten vorgeschobenen Zipfel des Brüxer Bezirks ausfüllt, nach -Kallich wandert, so muß man durch das wegen seiner Naturschönheiten -berühmte und deshalb von Touristen sehr besuchte Teltschthal, in dem -der Grenzbach Natschung zahlreiche Brettmühlen und auch das jetzt -allmählich verfallende Eisenwerk Gabrielenhütte treibt. Am Eingange -in dieses Thal befindet sich zur rechten Hand, unmittelbar über dem -zu Brandau gehörigen Wirtshause zu »Beneschau,« vielleicht 8 Minuten -vom eigentlichen Dorfe entfernt, in dem der Gemeinde Brandau gehörigen -Walde ein Felsen, der schon steil gegen die Straße, noch mehr aber -gegen das Natschungthal abfällt. Hier auf diesem Felsen will man noch -Mauerüberreste sehen und man nennt den Platz das Raubschloß. Die Sage -erzählt davon folgendes: - -Auf dem Raubschlosse stand früher eine Burg, die einem mächtigen -Ritter gehörte, der gar oft viele Wochen von ihr sich entfernte, aber -immer reich mit fremden Schätzen beladen zu ihr zurückkehrte. Als -er einst wieder auf Raub auszog, überfielen seine Feinde die Burg, -nahmen die Besatzung gefangen und legten sich in den Hinterhalt, um -auch den nur von wenigen Reisigen umgebenen Ritter zu fangen. Als -dieser zurückkehrte, erkannte er sogleich die ihm drohende Gefahr und -sprengte, um der Gefangenschaft zu entgehen, mit seinem Pferde den -steilen Berg hinab in das Thal, wo er zerschmettert anlangte. Die Burg -wurde dem Erdboden gleich gemacht. - -Seit jener Zeit treibt dort ein graues Männchen sein Wesen, das einst -einem Försterburschen eine Thür zeigte, durch die er in ein großes -Zimmer im Berge trat. Das Männchen erlaubte ihm auch, von dem vielen -hier aufgespeicherten Gelde täglich eine bestimmte Summe zu holen. -Als der Bursche aber noch einen seiner Kameraden mitbrachte, damit -auch dieser die Schatzkammer kennen lerne, blieb er in der Höhle -eingeschlossen. - -Wenn am Pfingstmontage nach dem Gottesdienste die Lichter in der -Kirche ausgelöscht werden, öffnet sich die Thür, und eine weiße Frau -kommt heraus, die aber schon wieder nach einer halben Stunde hinter -derselben verschwindet. Benutzt man diese halbe Stunde, so kann man die -verborgenen Schätze aus der Höhle holen. - -Ein Knabe aus dem sächsischen Grenzorte Rothenthal spielte eben auf der -Violine, als die weiße Frau aus dem Felsen trat und ihn aufforderte, -ihr etwas vorzuspielen. Furchtlos überschritt er den Grenzbach und -spielte der Frau seine schönsten Melodien vor, in der Meinung, von ihr -reich belohnt zu werden. Als die halbe Stunde verflossen war, nahm ihn -aber die Frau nicht, wie er vermutet hatte, mit in den Berg, sondern -füllte nur seinen Geigenkasten mit Laub. - -Ärgerlich warf er dasselbe heraus und lief heim. Dort sah er noch -einmal in den Kasten und fand drei Thaler darin. Eilends kehrte er -zurück, fand aber weder die Frau, noch das weggeworfene Laub. - -Ein andermal saß ein Mann am Ufer der Natschung und fischte. Da öffnete -sich wieder die Thür im Raubschloß, und drei weiße Frauen traten -heraus, gingen zum Bache und wuschen ihre Hände. Als sie den Mann -sahen, riefen sie ihm zu, er möge drei Säcke holen, was sich dieser -nicht zweimal sagen ließ. Obwohl die Frauen die Säcke nur mit Laub -füllten, trug sie der Mann doch eine weite Strecke. Als sie ihm aber -zu schwer wurden, schüttete er das Laub aus. Doch blieben in jedem -Sacke einige Blätter, die er später als reines Gold erkannte. So oft er -auch später die Stelle wieder aufsuchte, wo ihm das Glück so gelächelt -hatte, die Frauen sah er nie wieder. - -Am Palmsonntage ging eine Frau mit ihrem kleinen Kinde in derselben -Gegend spazieren und kam zu einer Thür, die sie noch nie gesehen hatte. -Neugierig versuchte sie die Thür zu öffnen, was ihr auch gelang. Sie -trat in ein einfaches Zimmer, in dessen Mitte ein Tisch mit Geld -stand. Während sie das Kind auf den Tisch setzte, raffte sie schnell -das Geld zusammen und trug es hinaus. Hier sah sie aber nur Laub in -ihrer Schürze und fand, als sie ihr Kind wieder holen wollte, die -Thür verschlossen. Ein Priester, den sie in ihrer Verzweiflung um Rat -fragte, schalt sie ihrer Habsucht wegen und sagte ihr, daß sie in einem -Jahre genau um dieselbe Stunde wieder bei der Thür warten müsse, bis -sich diese öffne. Sie that dies und fand auch wirklich ihr Kind, mit -roten Äpfeln spielend, die sich im Freien in Goldklumpen verwandelten. - - -43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 948.) - -Am 15. September des Jahres 1695, Sonntags spät, ritt Christoph Kaiser, -Müller zu Blumenau, nach Hause, und als er hinter die Pfarrwohnung zu -Olbernhau kam, wo ihn sein Weg nach Hause führte, gingen drei Männer -geschwind und ohne Gruß vorüber, worüber er sich verwunderte, weil er -sie für Blumenauer ansah. Als er ein wenig fortreitet, kommen ihm auf -dem Wege vier verschleierte Weiber entgegen, welche eine Totenbahre -mit einem Sarge und Leichentuch tragen. Darüber erschrickt er und weiß -nicht, wo er ist; bald dünkt ihm, er reite durch ein großes Wasser, -bald scheint es ihm, als müsse er einen hohen Berg hinan reiten, bis -es ein wenig licht wird und er sich bekennet, daß er auf dem rechten -Wege sei. Als er zu des Richters Teich, der nahe bei dem Gerichte ist, -kommt, sieht er abermals fünf bis sechs Paar verschleierte Weiber daher -kommen, die über den Steig, darüber er auch gewollt, gehen, daß er -nicht weiß, was er thun soll. Er lässet aber dem Pferde seinen Gang; -dasselbe ist des Weges wohl gewohnt, will jedoch über den Steig nicht -gehen, sondern lenket sich mit Schnauben neben demselben durch ein -Bächlein, und bringet so seinen Reiter gesund nach Hause, wie wohl es -sehr geschwitzet. Des andern Tages hat es der Müller ausgesagt und hat -ihm nichts geschadet. - - -44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane. - -(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane, S. 252.) - -In alter Zeit lebte auf dem Schlosse zu Meerane ein Herzog, der von -seiner Gemahlin keine Kinder bekam. Daher nahmen sie ein junges -Mädchen, eine Gräfin, an Kindesstatt an. Als diese 17 Jahr alt war, -starb des Herzogs Gattin. Sie ward bald vergessen und kurze Zeit darauf -von dem Herzoge jenes Mädchen zur zweiten Gemahlin erwählt, welche ihm -in der Folge zwei Kinder gebar, einen Knaben und ein Mädchen. Auch -der Vater starb, als jener acht, dieses zwei Jahre alt war, und die -junge Witwe ließ sich bald darauf den Zutritt eines fremden, ihr nicht -ganz ebenbürtigen Mannes gefallen. Als er nun während der Zeit seiner -Bewerbungen einmal wieder abreiste, hatte er die Worte fallen lassen: -es sei alles gut, wenn nur vier Augen nicht wären. Das verblendete -Weib und die dabei unnatürliche Mutter deutete obige Worte so, daß ihr -Liebhaber sie gern heiraten würde, wenn nur ihre zwei Kinder nicht -wären. Und sofort war auch ihr Entschluß gefaßt. Die Wartefrau mußte -mit den beiden Kindern in den nahen Wald, das Gottesholz, gehen und -ein gedungener Bösewicht alle drei ermorden. Die Wartefrau fiel als -erstes Opfer. Als der Knabe sie in ihrem Blute hinsinken sah, fiel er -dem Mörder um den Hals und versprach, er wolle ihm fünf Rittergüter von -seinen acht geben, wenn er ihn nur leben ließe. Doch auch ihm senkte -der Schändliche den Dolch in die Brust. Das Mädchen hielt ihm zur -Abwehr, wie zur Beschwichtigung, in jeder Hand eine Puppe entgegen, -die sie mitgenommen hatte. Auch dies Kind wurde nicht geschont. Die -Mutter ließ hierauf die drei Leichen heimlich in die Burg bringen, und -nach dem sie ausgesprengt, alle drei seien schnell einer bösartigen -Krankheit erlegen, in der Burgkirche beisetzen. Ihrem Liebhaber schrieb -sie, das Hindernis ihres Ehebundes sei beseitigt und er solle nun -kommen. Und er kam -- aber mit strafendem Blicke und dem Bedeuten, -daß er sie nur habe prüfen wollen, ob bei ihr sinnliche Liebe über -Kindesliebe siegen könne, und daß nun ein Ehebündnis mit ihm unmöglich -sei. Jetzt überfiel die Unglückliche die entsetzlichste Reue und da -sie meinte, daß ihre so große Schuld nur durch die schwerste Buße -zu sühnen sei, ließ sie sich beide Knie mit Polstern umkleiden und -trat nun in Begleitung ihrer Kammerfrau und in leichtem Gewande ihre -Bußreise zu dem Papste nach Rom immer auf den Knien rutschend an. Auf -der Hälfte des Weges starb ihre Begleiterin, sie selbst mußte allein -weiter reisen. Als sie endlich an dem ihr bezeichneten Kloster in Rom -angekommen war, war es nachts 12 Uhr; sie vermochte es nicht mehr, sich -aufzurichten und an der Schelle zu ziehen, sank vor Erschöpfung nieder -und wurde früh morgens vor der noch ungeöffneten Pforte des Klosters -von Vorübergehenden tot aufgefunden. Ihre Seele fand daher keine -Ruhe, sondern schweift seitdem als weiße Frau in dem Rotengarten oder -Raubgarten, dem jetzigen Pfarrgarten von Meerane, umher. - -In einem alten Buche über Meerane soll die Ermordung der beiden Kinder -abgebildet sein mit den Unterschriften: - - »Mein lieber H., laß mich leben, - Ich will Dir Neudeck und Nossen (?) geben, - Pleißenburg, die neue, - Es wird Dich nicht gereue.« Und: - »Mein lieber H., laß mich leben, - Ich will Dir meine Puppen geben.« - - Fast ganz übereinstimmend mit unser Sage ist die von der Gräfin von - Orlamünde. (Richter, deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 51.) - - -45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner Walde. - -(Nach Mitteilung des Lehrers G. Günther aus Lößnitz.) - -Auf dem zwischen Schloß Stein und Nieder-Schlema auf der Höhe -des rechten Muldenufers emporragenden weißen Fels und in dessen -Umgebung hat sich vorzeiten eine Frauengestalt sehen lassen. Anfangs -erschien dieselbe als weiß gekleidete Jungfrau, später aber als altes -Mütterchen. In dieser Gestalt ist sie noch vor einigen Jahren von -Holzlesern gesehen worden. - - -46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg. - -(Br. Grimm, deutsche Sagen, I. No. 11.) - -Bei Annaberg liegt vor der Stadt ein hoher Berg, der Pöhl- oder -Pielberg genannt, darauf soll vor Zeiten eine schöne Jungfrau verbannt -und verwünscht sein, die sich noch öfters um Mittag, weshalb sich -dann niemand darf sehen lassen, in köstlicher Gestalt, mit prächtigen -gelben, hinter sich geschlagenen Haaren zeigte. - - -47. Die Jungfrau des Lauterstein bei Zöblitz. - -(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 5.) - -Einst hütete ein junger Hirte aus Lauterbach seine magere Herde bei der -Ruine Lauterstein und legte sich auf den weichen warmen Rasen, um sich -zu sonnen. Schon wollte er zu Mittag eintreiben, als er ein Geräusch -hinter sich hörte. Er sieht sich um und erblickt eine Jungfrau, groß -und stark, in einer Kleidung, wie sie niemand mehr trug; dieselbe war -beschäftigt, Laub zusammen zu rechen. Freundlich kommt sie auf den -Hirten zu, steckt ihm alle Taschen voll Laub und verschwindet, als er -sich nach ihr umsieht. Voll Verwunderung und innerem Grauen treibt -der Knabe seine Herde eilig nach Hause. Hier erzählt er bei Tische -von der Erscheinung, greift in die Tasche nach dem Laube und zeigt es -vor. Welch Wunder! Die Blätter hatten sich in eitel Gold verwandelt. -Noch an demselben Tage gingen seine Leute in die Gegend der Ruine, um -Laub zu rechen. Sie brachten ganze Säcke davon nach Hause, aber es -war und blieb Laub. Der Hirtenknabe kaufte später das Lehngericht in -Lauterbach; aber die goldspendende Jungfrau hat er nie wieder gesehen. - - -48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide. - -(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 519.) - -An den Breiten- und Röthelstein bei Beerheide knüpft man folgende Sage: -Im grauen Altertume sollen von Ellefeld bei Falkenstein aus zwei alte -Jungfrauen hierher verbannt worden sein, die noch jetzt ihr Wesen in -dieser Gegend treiben. Denn bald fahren dieselben in feuriger Kutsche -mit dergleichen Rossen bespannt vom Breitenstein über den Göhlenbach -zum Röthelstein, der dann seine Thore öffnet und sie aufnimmt; bald -gehen dieselben in schwarzen Kleidern um den Röthelstein spazieren. -Zuweilen findet man dort die schönsten Silber- und Kupfermünzen, die, -wenn man sie aufgehoben und in die Tasche gebracht hat, aus derselben -wieder verschwinden. -- Auch wird erzählt, daß am Morgen des ersten -Osterfeiertags die Jungfrauen des Röthelsteins tanzen. - - -49. Verwunschene Schloßfräulein hängen Wäsche auf. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 88.) - -Vor Jahren ging ein Mann im Graslitzer Amtshofe herum. Da bemerkte er -auf dem Hausberge mehrere verwunschene Schloßfräulein, die eben Wäsche -aufhingen. Um sich zu überzeugen, daß er sich nicht täusche, ging er -auf den Berg, der Stelle zu, wo das Linnen aufgehängt war. Allein je -weiter er ging, desto weiter schien sich das Linnen zu entfernen. -Endlich stand es stille. Als er aber darauf losging, verschwanden die -Jungfrauen und auch das Linnen und statt des letzteren sah er eine -Masse von Spinnweben, die ihn so dicht umhüllten, daß er sich nur mit -Not herausfitzen konnte. - - -50. Die Jungfrau auf dem Braunstein. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 44.) - -Droben am Braunstein zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal hat -ein verwunschenes Schloß gestanden, das ist mit einer verwunschenen -Jungfrau und vielen Schätzen versunken. Holt sie einmal ein recht -frommer Mann, dann wird er mit ihr auch die Schätze heimführen. - -Der Petermüller unten hat es mit seinen eigenen Ohren zu Ostern -jedesmal in der Passionszeit gehört, wie da die Jungfrau im Berge -drinnen geweint, und bald darauf hörte er auch einen solchen -Engelgesang, wie ihn die Leute niemals vernahmen. Die Jungfrau hat noch -niemand zu holen versucht. - -An einem heißen Augusttage des Jahres 1848 schritt um die elfte -Vormittagsstunde ein Mann aus Joachimsthal heiteren Sinnes an der -»Petermühle« vorbei. Seine Verwunderung war nicht gering, als er -bemerkte, daß die Müllerin, seine Verwandte, auf der unterhalb der -Mühle gelegenen Wiese Heu wendete, da doch Sonntag war. Überzeugung -kann nicht schaden, dachte sich unser Joachimsthaler und ging in -die Mühle, um dort nach der Ursache zu fragen, daß die Frau des -Hauses heute am Sonntage, am Tage des Herrn, Heu mache. Doch welche -Überraschung! Seine Verwandte stand gerade beim Ofen und bereitete -das Mittagsmahl. Man eilte schnurstracks auf die Wiese, allein die -Heumacherin, welche die Braunsteiner Jungfrau gewesen sein soll, war -verschwunden. Derselbe Mann erzählte, daß sein Vater, als er Schafe -hütete, die Braunsteiner Jungfrau habe herrliche Lieder singen hören. - -Drei Männern aus Mariasorg träumte einmal, sie sollten auf den -Braunstein gehen, dort würden sie ungeheure Schätze finden, welche -von einer verwunschenen Jungfrau bewacht würden. Als die Männer früh -zusammen kamen, erzählten sie sich gegenseitig den seltsamen Traum -und entschlossen sich, in der folgenden Nacht zwischen elf und zwölf -Uhr auf den Braunstein zu gehen. Dort angelangt, fanden sie den Berg -offen, gingen furchtlos hinein und erblickten wirklich eine große -Pfanne mit Gold- und Silbermünzen und eine schöne Jungfrau, welche die -Männer freundlich begrüßte und zu ihnen mit wohltönender Stimme sprach: -»Diese Schätze gehören Euch; doch müßt Ihr die Pfanne samt dem Inhalte -auf einmal forttragen.« Als aber einer der Männer, der die Ausführung -dieser Forderung für unmöglich hielt, seine Meinung unverhohlen zum -Ausdrucke brachte, verspürten alle drei gleichzeitig eine so derbe -Ohrfeige, daß sie besinnungslos zu Boden sanken. Als die Männer wieder -zum Bewußtsein erwacht waren, machten sie große Augen, weil sie sich, -in ihrer Hoffnung getäuscht, auf der Oberfläche des Berges befanden. - - -51. Der Schön-Jungfern-Grund bei Ober-Wiesenthal. - -(I. F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg. No. 3. II. Ziehnert a. a. O. -Anhang, No. 32.) - -I. Wer von Neudorf nach Oberwiesenthal wandert und die Richtung -durch den Wald nach dem Fichtelberge einschlägt, kommt nach seinem -Austritt aus dem Walde zuerst bei dem roten Vorwerke, sodann auf -der andern Seite bei dem weißen Vorwerke vorbei und hierauf an den -Schön-Jungfern-Grund, einen tiefen, von der Höhe des Fichtelberges -beginnenden und sich nach Osten ziehenden Einschnitt. In diesem Grunde -liegt oft der Schnee in den Wintern viele Meter tief und zeigt noch -schmutzigweiße Reste im Spätfrühling, wenn längst schon Feld, Wiese und -Wald sich grün geschmückt haben. Die Sonne kann ihm nicht gut beikommen -und das herabrieselnde Gewässer kann nur den tiefliegenden fortbringen. -So erklärt es der gewöhnliche Verstand. Die Sage weiß es anders und -zwar so: Vor langen Zeiten stand hier ein schönes Schloß und darin -wohnten noch schönere Burgfräulein. Darauf kamen böse Raubritter, -zerstörten das Schloß und ermordeten die schönen Jungfrauen. Sie leben -aber doch noch, wohnen im Innern des Berges und bleichen im Frühlinge -ihre Leibwäsche. - -II. Der Jungferngrund soll seinen Namen von zwei Jungfern haben, -welche sich oftmals im Neumond sehen lassen. Es sind Schwestern; die -eine spielt auf der Laute und die andere windet einen Kranz. Wer sie -eigentlich sind, weiß niemand. - -Den Wiesenthalern dient der Jungferngrund auch als Wetterprophet. Denn -wenn der Himmel über demselben hell ist, so wird -- ob es auch sonst -allenthalben trübe aussieht -- zuverlässig schönes Wetter; wenn aber -der Jungferngrund voll Nebel ist, so sagt man: Die Jungfern trocknen -ihre Wäsche! und dann folgt kalte und nasse Witterung. - - -52. Die Burgfrau des Pürsteins. - -(Karl Jentscher in der Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg. S. 66.) - -Die Sage berichtet, daß einst in dem Bache am Schlosse Pürstein ein -Knabe fischte, was die Aufmerksamkeit der Burgfrau erweckte. Sie -saß nämlich oben auf dem Söller und winkte ihrem Gemahl, welcher in -den Krieg zog, ihre letzten Scheidegrüße zu. Heftig erzürnt über -den Knaben, der es wagte in diesem Bache Fische zu fangen, ließ sie -ihn sofort gefangen nehmen und vorführen. Der Vater des Knaben, der -Brücknerhäusel-Besitzer gewesen sein soll, warf sich zu Füßen der -Burgfrau und bat um Gnade, allein vergebens; ja man fesselte jetzt -beide und warf sie in das tiefste Burgverließ. Ein Knecht öffnete des -andern Tages den Kerker, um dem Vater die Freiheit, aber auch den -Befehl zu bringen, daß er sofort diesen Ort und die umliegende Gegend -zu verlassen habe, sein Eigentum sei unter die Schergen verteilt und -sein Weib ausgejagt worden. »Und mein Kind?« rief der Alte. Der Knecht -deutete auf den Mühlberg, wo soeben das Haupt des Kindes unter dem -Beile fiel und über die Höhe des Berges hinabrollte. Der arme Vater, -auf das tiefste getroffen, wankte langsam den Burgweg hinab und nie -kehrte er wieder. Seitdem wurde der Gipfel des Mühlberges »Kopfleiten« -genannt und zum Andenken ein Kreuz dort errichtet, welches noch bis -in die dreißiger Jahre dort stand. Wenn der Allerseelensonntag seine -trüben Nebel über die Gegend wirft, dann wandelt der Knabe als eine -lichte Gestalt traurig dahin, und aus den Felsen des Hinterwaldes -ertönt ein Jammergeschrei. Die Burgfrau aber, von Gewissensbissen -getrieben, hatte keine Ruhe mehr gefunden, weshalb auch ihr Gemahl das -Schloß verließ und es seinen nahen Vettern übergab. Ihr Schatten zog -noch lange und oft auf dem Wege dahin, welchen das unglückliche Opfer -zur Richtstätte genommen hatte. Viele wollte die alte Burgfrau zu den -Schätzen des Schlosses locken, um durch diese von ihrem Schicksale -erlöst zu werden, oft hatte sie sich den Dorfbewohnern in später -Nachtstunde gezeigt, ein Becken mit Geld und Gold auf den Schultern -tragend, -- doch jeder wich scheu zurück und dachte an den armen -Brücknersohn. Nur einem Manne gelang es, wie die Sage weiter erzählt, -sich in einer Nacht reich zu machen. Ihm träumte, er solle dreimal auf -die Brücke von Rodisfort gehen und zwar immer zur bestimmten Zeit; -während er das dritte Mal zur Stelle war und harrend sann, kam die -Burgfrau als ein altes, häßliches Weib hinkend auf ihn zu und deutete -mit erhobener Krücke gegen Pürstein mit den Worten: »Gehe dahin gegen -Pürstein auf das alte Schloß! Wenn dann der Mond am höchsten steht, so -glänzt dir in der alten, schwarzen Mauer ein weißer Stein entgegen, -diesen hebe hinweg, und was du suchtest, das wird dir mehr als zuviel!« -Und er hob um Mitternacht diesen verhängnisvollen Stein hinweg, und -fand so viel Gold, daß er nicht stark genug war, alles fortzubringen. --- Seit dieser Zeit hat niemand mehr die alte Frau gesehen, und während -früher in den alten Mauern nachts oft Getöse hörbar war, herrscht dort -jetzt Grabesstille. - - -53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau. - -(Mitgeteilt vom Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.) - -Von Zeit zu Zeit ließ sich auf dem Schloßhofe zu Rabenau ein Fräulein -sehen, welches des Nachts ruhelos auf demselben mit einem hellen, -weitleuchtenden Lichte umherwandelte und auf Erlösung von dem Banne -wartete. Welcher Art diese Erlösung sein sollte und warum das Fräulein -umging, hat man nicht erfahren können. - - -54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins. - -(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs I. 1822. S. -123 etc.) - -Am Hofe des Böhmenherzogs Wratislaw lebte im 11.Jahrhunderte ein -Ritter Otto von Greifen, welcher sich, des Hoflebens müde, mit seiner -Gemahlin in das damals unwegsame Erzgebirge zurückzog und im jetzigen -Freiwalde eine Burg erbaute. Von dieser Burg, Greifenburg genannt, will -man jetzt noch Überreste auf dem Greifensteine bei Ehrenfriedersdorf -sehen. Seine Gemahlin schenkte ihm einen Sohn, und als derselbe fünf -Jahre alt war, brachte der Ritter ein zweijähriges Mädchen mit, welches -er im Walde schlafend angetroffen hatte. Das Mädchen erblühte nach -und nach zur herrlichen Jungfrau und so geschah es, daß sie von dem -Junker Werner, dem Sohne Ottos von Greifen, mit welchem sie auf der -Burg erzogen worden war, herzlich geliebt wurde. Werners Eltern ahnten -nichts von diesem Verhältnisse; doch eine Entdeckung konnte nicht -ausbleiben, da die Frucht der heimlich gehaltenen Liebe heranreifte. -Unglücklicherweise aber geschah die Entdeckung zu einer Zeit, wo -Werner angezogen war, einem alten Freunde seines Vaters, dem Ritter -Bruno von Scharfenstein, gegen den räuberischen Rekko von Rauenstein, -welcher vor achtzehn Jahren Brunos schwangere Gemahlin geraubt hatte, -und seitdem mit jenem in Fehde lebte, in einem Kampfe beizustehen. Als -Ritter Otto von Greifen von dem heimlichen Verhältnisse seines Sohnes -zu seiner Pflegeschwester hörte, zieh' er dieselbe in seinem Stolze der -Verführung und ließ sie in das Verließ seiner Burg hinabstoßen. Hier -genaß das verlassene Mädchen eines Kindes und in einer sie befallenden -Geistesstörung schleuderte sie dasselbe an die Mauer des Gefängnisses. -Plötzlich aber stieg aus dem Boden eine Geistergestalt auf und sprach: -»Heil mir, wehe dir! Seit langen Jahren bin ich wegen einer gleichen -That zum ruhelosen Umherwandeln verurteilt worden. Jetzt bin ich durch -dich erlöst und du wirst meine Stelle so lange einnehmen, bis einst -ein keusches Weib, das niemals einen unreinen Gedanken in seiner Seele -gehabt hat, in stiller Mitternacht deinen Namen dreimal ohne Furcht -rufen wird!« Die Gestalt verschwand, und das gefangene Mädchen sank -zu Boden, um in fürchterlicher Raserei wieder zu erwachen, wobei sie -sich endlich den Kopf wie den ihres Kindes an der Gefängnißmauer -zerschmetterte. Ihr Geist aber erschien in der Nacht dem hartherzigen -Pflegevater und verkündete seinem Hause Verderben. Reuig eilte er in -den Kerker, wo er den Leichnam seiner unglücklichen und verstoßenen -Pflegetochter neben dem ihres Kindes fand. Da ließ er beiden ein -ehrendes Begräbnis bereiten; doch eben, als dies geschah, kehrte sein -Sohn wieder zurück. Derselbe war voller Freude, denn durch ihn war -der räuberische Rekko von Rauenstein gefallen, und in der Todesstunde -hatte derselbe bekannt, daß Brunos von Scharfenstein geraubte Gemahlin -eines Töchterchens sehr schwer genesen und an den Folgen der Entbindung -gestorben sei. Das Kind aber habe er bei einem Köhler des großen -Schellenberger Waldes zwei Jahre lang erziehen lassen und dann, als es -ihm lästig geworden sei, weiter für dasselbe zu sorgen, im Freiwalde, -ohnweit Ottos Burg aussetzen lassen. Dieses Kind war also kein anderes, -als Werners unglückliche Pflegeschwester; sie war ihm durch ihre -Geburt ebenbürtig und daher war er hoffend, daß seine Eltern in eine -Verbindung mit ihr willigen würden, zurückgekehrt. Als er nun alles -erfuhr, was sich während seiner Abwesenheit zugetragen hatte, sank er -in tiefe Ohnmacht. Als er wieder erwachte, hatte stiller Wahnsinn seine -Seele umnachtet; er endete sein Leben in einem Kloster der Ritter vom -Hospital zu Prag. Otto von Greifen und seine Gemahlin erlagen bald -dem Übermaße ihres Grams. Die Greifenburg fiel als erledigtes Lehen -an Herzog Wratislav, wurde aber später, da die folgenden Besitzer zum -Räuberhandwerk griffen, auf Befehl Wipprechts von Groitzsch zerstört. -Sie ist nie wieder aufgebaut worden. - - Historisch ist, daß auf dem Greifensteine eine Burg »Gryfenstein« - gestanden hat; sie wird als ein markgräflich meißnisches Lehen der - Dynasten von Waldenburg urkundlich im Jahre 1372 angeführt. (Herzog, - Archiv für sächs. Gesch. II. S. 76.) - - -55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 101.) - -In der zur Gemeinde Breitenbach gehörigen Ortschaft Ziegenschacht -lebte vor langer Zeit eine Jungfrau, welche ihres Geizes und ihrer -Ungerechtigkeit wegen gefürchtet war. Seit ihrer Verlobung kannte -ihre Habsucht keine Grenzen. Um ihr Heiratsgut, woran ohnedies schon -die Thränen der Armut hingen, zu vergrößern, bediente sie sich sogar -beim Verkaufe der Milch eines so schlechten Maßes, daß sich darüber -allgemeine Klagen erhoben. Als die hartherzige Jungfrau dieselben -jedoch nicht berücksichtigte, wurde sie von einer Milchkäuferin -verwünscht. Von dieser Stunde an wandelt die Jungfrau auf dem -Ziegenschachter Wege noch bis heute herum. In der Hand trägt sie ein -Milchseidel und auf dem Kopfe einen grünen Kranz. Doch sehen die -verwünschte Jungfrau, die bloß zu gewissen Zeiten erscheint, nur wenige -Menschen. - - Auf die mögliche Verwandtschaft der Ziegenschachter Jungfrau mit - der Huldra wurde bereits in der Einleitung hingewiesen. Eine - thüringische Sage ist übrigens der unsrigen sehr ähnlich. Eine - Krämerin, welche ihre Käufer durch falsches Gewicht und Maß betrog, - wandelt ebenfalls als Gespenst in der Nähe von Mehlis bei dem - Reißigersteine umher und ruft dabei: »Drei Viertel für ein Pfund! - Drei Quärtchen für eine Kanne!« (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, - 3. H. No. 10.) Daß aber gerade der Betrug beim Milchverkauf mit dem - gespenstischen Umherwandeln der Betrüger bestraft wird, ist eine - in der Volkssage erhaltene Erinnerung an den hohen, alle übrigen - Besitztümer überragenden Wert der Milch und Milch gebenden Tiere aus - dem frühesten Zeitalter der indoeuropäischen Völker. - - -56. Die Jungfrau des Grauensteins bei Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 64 etc.) - -Sehr viel wird von der Grauensteiner Jungfrau erzählt, welche keinen -Kopf hat und sich zuweilen blicken läßt. Einst ging ein Weib von -Joachimsthal nach Holz, da bemerkte sie einen schönen rasigen Platz, -auf dem sich Wäsche ausbreitet fand. Darauf zugehend, um es näher -anzuschauen, bemerkte sie, daß die Wäsche immer reiner und schöner -ward. In ihrem Innern regte sich der Wunsch, ein Stück Wäsche zu -nehmen, was sie auch that. Plötzlich hörte sie hinter sich ein -Geschrei; als sie aber, sich umsehend, niemanden bemerkte, nahm sie -noch ein Stück Wäsche und ging ihren Weg, auf ein abermaliges Rufen -nicht achtend. Sie erreichte eben einen Kreuzweg, als die unbekannte -Stimme zum dritten Male sich hören ließ: »Wenn kein Kreuzweg gekommen -wäre, wärest Du des Todes!« Hätte sie alle Wäsche gestohlen, so wäre -die Grauensteiner Jungfrau erlöst worden. - -Es geht noch die Sage, daß das Weib an derselben Stelle, wo es ein -Stück Linnen erbeutete, um Mitternacht eine wundersam blaue Flamme als -Wahrzeichen eines verborgenen Schatzes emporschlagen sah. Als sie, um -den Geist zu bannen und den Schatz zu heben, ihren Rosenkranz in den -blauen Flammenschein geworfen hatte, siehe da! des Morgens lagen an -dieser Stelle zwei funkelnde Silbersiebzehner. - -Eines Tages ging ein altes, gebücktes Mütterchen in den Wald, um -dürre Reiser zu sammeln. Als die Alte in der Nähe des Grauensteines -das aufgeschichtete Reisigbündel zusammengebunden hatte und es auf -den Rücken nehmen wollte, tönte ihr von dort bezaubernder Gesang -entgegen. Das Mütterchen lauschte eine Weile, faßte sich dann ein -Herz und schritt dem Grauensteine zu. Doch welch eine Überraschung! -Es erblickte daselbst ein prächtiges Schloß, vor dem eine schöne, -weißgekleidete Jungfrau Wäsche bleichte. Kaum wurde die Jungfrau des -Weibes ansichtig, so zog sie sich stillschweigend und langsam hinter -die Mauern des Schlosses zurück. Als aber das herzhafte Mütterlein nach -einem Stück Wäsche griff und mit dem gestohlenen Gut davontrippelte, -verschwand unter Blitz und Donner das Zauberschloß, an dessen Stelle -wieder die Halde war. -- Wie die Sage weiter erzählt, soll das Weib, -das auf diesen weggenommenen Linnen ein paar Jahre gelegen hat, darauf -schmählich verkommen sein. - -Der Bergschmied Bernhard ging eines Tages nach der Schönerzzeche, -um dort sein Gezähe in Ordnung zu bringen, all die Fäusteln und -Stopfer, Stecher und Bohrer, Hacken und Sägen, mit denen der Bergmann -hantiert. In der Mondscheinnacht kam er zwischen elf und zwölf Uhr am -Grauensteine an. Potztausend! Auf der blanken Wiese, wo weitum keine -Einschichte liegt, rings Wäsche um Wäsche, die ganze Wiese ist von -Linnen vollauf überspannt. Bernhard nahm sich sein klopfendes Herz -in die Hand, und eine innere Stimme sagte ihm: Ei! für wen liegt so -herrliche Wäsche ausgespannt? die Geister haben genug daran, unsereins -wäre reich fürs ganze Leben! Greif zu, Bernhard! Nimm, so viel du -schleppen kannst! Und er griff zu, faßte die Wäsche mit beiden Händen, -schlug sie über den Rücken, wand sie um den Leib und lief hastig; -doch horch! Hollah! hinterher welch ein Gepolter, welch ein Getümmel, -welch ein Gekrach! Ist der Grauenstein geborsten? Schnell, wie er sie -zusammenraffte, warf er die Wäsche wieder von sich. -- Da hat er die -Poltergeister versöhnt; denn mit einemmale ist es stille geworden -ringsum, und die Wäsche war verschwunden, als er sich umsah, und er -lief voll Entsetzen nach der Schönerzzeche. - -Einem Weibe aus Joachimsthal träumte in einigen aufeinander folgenden -Nächten, sie solle auf ihre unweit des Grauensteins gelegene Wiese -gehen, dann könne sie reich werden. Als sie sich endlich in einer -mondhellen Nacht auf den Weg machte und zwischen 11 und 12 Uhr auf der -Wiese anlangte, sah sie zu ihrer Verwunderung auf derselben ringsum -Kinderwäsche ausbreitet. Find' ich auch kein Geld, dachte sie, so lasse -ich doch auch dieses Zeug nicht liegen. Sie nahm also die Wäsche in -ihre Schürze und trat die Heimkehr an. Doch siehe! Kaum näherte sich -das Weib einem Graben, da rührte es sich mit einemmale in der Schürze -und als sie dieselbe öffnete, erblickte sie darin lauter zischende -Ottern. Vor Furcht und Ekel warf sie alle in den Graben und lief -bestürzt nach Hause; nur zwei Schlangen erreichten den jenseitigen -Rand. Als das Weib des anderen Tages zu dieser Stelle kam, fand sie -zwei Häufchen Gold. - - -57. Die eifersüchtige tote Frau. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 943.) - -Im Jahre 1666 im September hat sich in einer Bergstadt folgendes -begeben. Eine Frau war in der Fastenzeit gedachten Jahres Todes -verblichen. Da nun der Witwer zur andern Heirat schreiten wollte, kam -immer ein Gespenst in der Gestalt der verstorbenen Frau und ängstigte -ihn, daß er keine Ruhe haben konnte. Daher gebot er seinem Gesinde, -sie sollten in der Stube schlafen und ihr Bette vor seine Schlafkammer -schieben. Am Donnerstage zuvor spricht das Gesinde: Herr, wenn ihr -doch zuvor, ehe ihr wieder Bräutigam seid, eurer vorigen Frau einen -Leichenstein legen ließet, vielleicht bliebe sie außen. Er bestellte -am Freitage die Maurer und läßt ihn legen und sagt: Nun habe ich meine -Alte fein eingeschwert, sie wird nicht wiederkommen, der Teufel müßte -sie denn heraus führen. Er nimmt die Maurer mit sich nach Hause, ißt -und trinkt mit ihnen, bestellt einen Boten, der morgens frühe soll -weglaufen, gehet zu Bette, und das Gesinde liegt vor der Kammerthür. -Zur Mitternacht kommt ein Gespenst in die Stube, sucht erst in den -Registern und blättert darin, darnach rauschet es über das Gesindebette -weg, kam in die Kammer und würgte den Mann. Früh kam der bestellte Bote -und wartete zwei Stunden; das Gesinde hieß ihn anpochen, rufen und gar -hinausgehen, da findet er ihn tot. Und dieser Mann hat sich nach dem -Tode gleichfalls sehen lassen. - - -58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 946.) - -In Joachimsthal hat sichs begeben, daß ein Gespenst in Gestalt einer -daselbst verstorbenen Frau immer in ihres hinterlassenen Mannes Haus -kam und ihn bei Tag und Nacht beunruhigte. Der Witwer klagte seine Not -dem Pfarrer und bat, ob er nicht gegen Mittag zu ihm kommen und wider -den Geist beistehen möchte. Der Pfarrer kam endlich auf des Mannes -inständiges Bitten, und da erschien die gespenstische Frau gleich am -Mittage in ihrem Todeshabit, wie sie im Sarg war beschicket worden. -Der Pfarrer redete den Geist getrost an und fragte ihn, was er hier -im Hause zu schaffen habe. Das Gespenst sagte: Ich habe eine Kette -verborgen, die liegt da und da vergraben; ebenso fürchte ich auch, mein -Mann möchte eine Person in der Nachbarschaft heiraten, mit der ich -nicht kann zufrieden sein, darum kann ich auch im Grabe nicht ruhen. -Der Pfarrer aber verwies dem Teufel seine Bosheit und trieb ihn mit -Gottes Wort so weit, daß er keine Ausflucht mehr hatte, sondern es -verschwand die gespenstische Gestalt allmählich und ließ endlich an der -Stelle, da sie gestanden, eine Hand voll Asche übrig. Sie ist auch von -der Zeit an nicht wieder gesehen worden. - - -59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Schwester zu ihrem Rechte. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 947.) - -Im Jahre 1694 hat sich im September in einem Bergstädtchen zugetragen, -daß eines Fleischhackers Frau vier Wochen nach ihrem Begräbnis wieder -kam. Sie hatte sonst den Nachruf eines frommen und eingezogenen -Lebens und man sagte von ihr, daß sie sich zu ihren Lebzeiten -unterschiedlichemal über das böse Leben beklagt habe, so ihr zweiter -Mann mit Fluchen und Streit nebst den Kindern treibe, und daß sie es -nicht vertragen könne, sie müsse viel leiden, daß es kein Wunder wäre, -sie ließe sich lebendig begraben. Als sie kurz darauf starb, hinterließ -sie auch eine arme Schwester, welche bei dem Witwer allerhand Erbstücke -suchte, aber nichts erhalten konnte. Ungeachtet nun diese Erbforderung -gerichtlich beigelegt worden war, wollte sich doch die blutarme -Schwester nicht so abweisen lassen und vergoß viel Thränen. Der Witwer -lag nebst seinem Sohne krank in der Unterstube. Da kommt ein Gespenst -zu Mitternacht in Gestalt der Verstorbenen und setzt sich vor sein -Bette. Er erschrickt und fängt an zu beten: Gott, der Vater steh' uns -bei! zu dreien malen, aber die gespenstische Frau will nicht weichen, -der Kranke kann nicht fort und schwitzet gar sehr. Es schlägt 12 Uhr, -da meint er, nun werde sie fortgehen, aber sie bleibet sitzen bis nach -2 Uhr. Da fängt er an: Alle guten Geister loben Gott den Herrn. Sie -antwortet, zwei Schritte zurücktretend: Ich auch. Der Kranke fragt: Was -wollet ihr hier? Gehet hin, wo ihr hingehöret. Sie antwortet: Ihr sollt -meiner Schwester Magdalena nicht alles nehmen. Und damit fuhr der Geist -zum vordern Fenster hinaus. Eine Hausgenossin wohnte in der Oberstube, -die auf der Bank liegend eben dieses Gespenst gesehen, welches sie -angegriffen und begehrt, man solle ihre Schwester nicht kränken; damit -warf's ein Biermaß nach ihr und blieb außen. - - -60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels. - -(Mündlich.) - -In der früheren, jetzt nicht mehr vorhandenen Kirche zu Wildenfels -befanden sich die Begräbnisse der verstorbenen Glieder der erlauchten -gräflichen Familie der Herrschaft. Alte Leute erzählen noch jetzt, -einst habe eine verstorbene Gräfin daselbst nicht Ruhe finden können, -sondern sei oft in der Kirche umhergewandelt und habe die Orgel -gespielt. Als sich endlich der Pfarrer des Ortes entschloß, sie zur -Ruhe zu bringen, habe er den Kantor vor der Kirchthüre mit der Weisung -stehen bleiben lassen, während seiner, des Pfarrers Abwesenheit in -der Kirche, ein Gebet zu verlesen. Als der Kantor aus Neugierde durch -ein Schlüsselloch sah, soll eine Stimme gerufen haben: »Es guckt!« -Nach Beendigung der Beschwörung trat der Pfarrer aus der Kirche und -verkündete dem Kantor, daß sie beide in dem Jahre sterben müßten. -Solches soll dann auch geschehen sein. - - -61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus. - -(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen, S. 618.) - -Auf der Straße zwischen Altenberg und Zaunhaus, in der Nähe des -Kahlenberges gesellt sich nach der Sage manchmal eine schweigsame, -dunkelgrün und nach längst vergessener Mode gekleidete Frau zu -dem Wanderer, geht neben ihm her, ohne ihm Rede zu stehen, biegt -auch wohl auf einen sonst nicht sehr betretenen Waldweg ein und -verschwindet daselbst. Dieselbe zeigte sich zumeist nach Eintritt -der Abenddämmerung, seltener des Nachts, ist aber auch schon -im Morgengrauen bemerkt worden. Ein Mann erzählte, daß er in -seiner Jugend, als er am frühesten Morgen der verbotenen Lust des -Vogelstellens in der Nähe von »Paradies-Fundgrube« am Kahlenberge -nachgehen wollte, einer lustwandelnden Dame begegnete, die er höflich -begrüßte und anredete, da er selbige für die alte Schwester des -damaligen Bergmeisters hielt. Der junge Mann erhielt keine Antwort; die -Frau ging an ihm vorbei, in einen Waldweg hinein und verschwand dort -vor seinen Augen. - - Diese Sage könnte vielleicht besser unter den Dämonensagen stehen, - da die grüngekleidete Frau an Holzweibchen erinnert, welche im - Vogtlande grün erscheinen. Ebenso erzählen Tyroler Sagen von den - grüngekleideten Norgen oder Wildmänneln, die zu den Pflanzendämonen - gehören und mit denen auch die grünen, in Menschengröße erscheinenden - Männchen der Burgundischen und Schweizer Sage, welche die Leute im - Walde irre führen, verwandt sind. - - Grün ist auch die Farbe des Teufels. Auf dem Blocksberge erschien der - Teufel grün und ebenso waren auch die Hexen bei ihren Tänzen in Grün - gekleidet. (Österreich. Touristenzeitung, I. No. 5.) - - -62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle. - -(Nach einer Mitteilung von L. Fischer aus Aue.) - -Vor langer Zeit war auf dem Rittergute Klösterlein bei Aue ein Fräulein -gestorben, welches nach seinem Tode des Nachts auf der Mulde dahin -schweben sollte. Da geschah es, daß zwei Bergleute einst eines Sonntags -in einer schönen Sommernacht von Schlema nach Zelle gingen, um daselbst -Musik zu machen. Ihr Weg führte sie über die sogenannte Ochsenwiese und -den Klostersteg. Als sie an die Ochsenwiese kamen, setzten sie sich -nieder, um ein wenig auszuruhen; dabei kamen sie auf den Gedanken, -dem Fräulein ein Morgenständchen zu bringen, und als sie eine Weile -geblasen hatten, näherte sich ihnen das in einen Schleier gehüllte -Fräulein und warf jedem ein Sträußchen in den Schoß. Der eine von -ihnen steckte dasselbe in eine Tasche seines Kittels, der andere aber -warf es weg. Als am nächsten Morgen derjenige, welcher sein Sträußchen -eingesteckt hatte, den Kittel wieder anziehen wollte, kam ihm derselbe -so schwer vor, und da er in die Tasche griff, um nachzusehen, zog er -sein Sträußchen heraus, welches sich in pures Gold verwandelt hatte. -Voll Freude teilte er dies seinem Kameraden mit. Da nun derselbe -eilends nach der Ochsenwiese lief, um das andere Sträußchen zu suchen, -konnte er es nirgends finden und er mußte unverrichteter Sache wieder -nach Hause zurückkehren. - - Ähnlich ist die Sage von den Musikanten aus Kleingölitz, welche des - Nachts am alten Schlosse vorbeigehen und dem alten Grafen, welcher - in der Burg umgeht, ein Ständchen bringen. Jeder von ihnen erhält - ein grünes Buchenreis, welches jedoch nur einer behält; am andern - Morgen sieht er, daß es vom reinsten Golde ist. (Witzschel, Sagen aus - Thüringen, No. 193.) - - -63. Gespenstische Frauen in Eibenstock. - -(Mündlich.) - -Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um eine -gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem -weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man von -ihr beschenkt. -- Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine -Begräbnishalle, in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein -auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis es mit -dieser Frau hat, kann niemand sagen. - - -64. Die alte Frau in der Isenburg. - -(Mündlich.) - -In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach diente -vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals noch besser -erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem Mädchen kam eines -Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte, es solle mit ihr -gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen das zerfallene Gemäuer -der Burg und hier in ein bis dahin verborgen gewesenes Zimmer, dessen -Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte sie, das Mädchen solle ihr -das Zimmer kehren. Als solches geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2 -Groschen. Dies wiederholte sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen -das Wohnzimmer der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da -geschah es, daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging. -In der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt -hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt, -deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke. Als -nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes -Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen war. Von -dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg nie wieder -erschienen. - - -65. Das Fegeweib vom Katzenstein. - -(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27. -Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.) - -In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter auf -einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau bei -Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch seine -Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung -ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten also -vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus -Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen, -sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn -auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem Teufel -im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit demselben -die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich traf -keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse. Schon -wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan -eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er -wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so -geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte -die Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und -nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die -Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse Ritter -ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch heute -aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige Amme die -Trümmerhaufen fegen sehen. - - -66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau. - -(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach bei -Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.) - -Im Jahre 1675 im Monat Oktober hat sich auf der Superintendentur zu -Glauchau ein Gespenst sehen lassen, welches einen weißen Trauerhabit -anhatte und sich für eine von Adel ausgab, so bei dem zu Glauchau -früher befindlichen Nonnenkloster die Stelle einer Äbtissin vertreten -habe. Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später nur die -weiße Frau genannt hat, einer hier dienenden Nähterin aus Leipzig, -namens Marie Sabine Demantin erschienen, ist vor das Bett, in welchem -sie mit der Kindermagd lag, getreten, hat geächzt und geseufzt, dann -hat es die silbernen Eßlöffel, welche in einem Körbchen gelegen, -gezählt und, da ihrer nur elf gewesen, gesagt: »Ei, des Herrn Löffel -fehlt!« was auch der Fall gewesen. Hierauf hat es des Superintendenten -langen Mantel und die mit Pelz gefütterte Schaube seiner Frau, welche -an der Wand gehangen, heruntergenommen, den Mantel und die Schaube oben -darauf umgenommen und ist so in der Stube herumspaziert, als aber das -Kindermädchen darüber gelacht und gesagt: »Was macht denn der Narr!« -ist es ihr schlecht bekommen, denn sie hat augenblicklich im Munde -und Gesicht heiße Blasen bekommen und deshalb 14 Tage das Bett hüten -müssen. So oft aber, als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen -Glanz und Schimmer um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der -Erde erkennen konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A. -Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet -worden waren, in dieselbe niedergelegt, um das Gespenst abzulauern, -es ist aber nicht von ihnen wahrgenommen worden, sondern hat sich nur -durch Geräusch kundgegeben, hat auch mit einem schweren Steine in die -Kammer geworfen, daß darüber alles erschüttert worden ist; darauf ist -es in den Stall gegangen, und hat daselbst einer alten Ziege den Hals -umgedreht, auch in dem Hühnerhause gegenüber eine Henne erdrückt. Seit -dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu der Nähterin gekommen -und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr Bett gestellt, auch öfters -bitterlich geweint, da denn die herabfallenden Thränen wie weiße Milch -ausgesehen, welche das Gespenst mit einem schönen weißen Schnupftuch -abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent dem Mädchen verboten, -sich mit dem Gespenste in ein Gespräch einzulassen, hat sie es doch -nicht lassen können, sondern gefragt, was es denn wolle, worauf es mit -einer ganz ungewöhnlichen Stimme geantwortet, sie solle mit ihm gehen -und einen Schatz heben, der gehöre zwar dem Superintendenten, allein -sie solle davon allen im Hause soviel bringen, daß sie alle genug -hätten. - -Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt, endlich -ist die Nähterin mitgegangen, und wie sie durch des Superintendenten -Studierstube gehen und zwei angezündete Unschlittlichter in den Händen -haben, thut sich auf einmal die Thüre auf den Saal hinaus von selbst -auf, worauf ihr ein ziemlicher Haufe von schwarzgekleideten Mönchen -entgegenkommt, unter welchen ein sehr langer war, der sich nach ihr -hinneigte und beide Lichter ausblies, daher sie seufzte: Ach Jesus! -Aber diese Worte zogen einen solchen Tumult nach sich, daß es schien, -es wolle alles zu Grund und Boden gehen. Hierauf ist sie vor Schreck -davon gelaufen, hat sich aber verirrt und ist in das Schlafgemach des -Superintendenten gekommen, der von dem Lärm aufgewacht war und gemeint -hatte, es sei ein großer Stein in seine Studierstube geworfen worden. -Als er aber die Nähterin erblickt, hat er ihr zugerufen zu beten, und -selbst angefangen zu singen; das Mädchen aber hat gesehen, wie die -ganze Kammer nach und nach durch das Absingen der geistlichen Lieder -von den schwarzen Mönchen, mit denen sie angefüllt war, leer ward. In -der nächsten Nacht ist das Gespenst zu der Nähterin, die mittlerweile -krank geworden war, wiedergekommen und hat gesagt, sie hätte sich nicht -fürchten sollen, denn die schwarzen Männer würden ihr nichts gethan -haben, der Schatz stehe schon außen und bestehe aus Kirchenkleinodien, -welche vor etlichen 100 Jahren dorthin gebracht worden seien, sie möge -nur nachsuchen lassen, so würden sich gewiß Vorzeichen finden. Als man -nun nachgesucht, haben sich verschiedene Gefäße von Zinn und etliche -Lampen von Thon gefunden, welche noch so neu und weiß waren, als wenn -sie erst gestern hineingelegt worden wären. Unter der Grundmauer hat -man auch ein mit Ziegelsteinen ausgemauertes Behältnis und am Ende -desselben starke Pfosten von Eichenholz und nach denselben schöne -Schiefertafeln gefunden, mit welchen das Behältnis oder die Kästen -zu den Kleinodien bedeckt gewesen waren, die letzteren sind aber -nicht mehr zu sehen gewesen, sondern waren, wie man meinte, verrückt -worden. Aber über den Ziegeln hat ein großer Ziegelstein, ein Quadrat, -gelegen, auf welchem ein Crucifix ganz kenntlich geprägt gewesen ist. -Während dem hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der -Mauer über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn -Bergleute da arbeiten und etwas bewältigen wollten, allein als man -zum Fenster hinabgesehen, hat man nicht das Geringste wahrgenommen. -Während des Grabens hat man auch etliche Totenknochen gefunden, welche -vermutlich Reliquien von diesem und jenem Heiligen gewesen, so zu -diesem Schatz gelegt worden, daß er sich nicht verrücken möchte. Es -hat auch das Gespenst bei dem Ausfüllen des gemachten Loches nicht -wenig Widerwillen, zum Teil auch Spötterei sehen lassen, denn nachdem -man lange Bratspieße genommen und an dem Orte, wo die Ziegelsteine -herausgegangen waren, herabwärts in den Erdboden gefühlt, ob sich -etwa die Kästen gesenkt, hat es bei der Nacht auch einen Bratspieß -mitgebracht und hin und wieder in der Kammer mit solchem gegen den -Boden gefühlt. Da man nun wirklich anfing, den Berg wieder einzufüllen, -hat es nicht allein mit Ziegeln und Steinen um sich geworfen, daß die -Arbeitenden davon liefen, sondern es hat auch in der folgenden Nacht -die Betten des Frauenvolks mit Schutt und Erde bestreut, daß darüber -etlichen, zumal den Mägden, der Mund mit Erde angefüllt ward, den sie -im Schlafen offen gehalten. - -Als nun die Nähterin nicht wieder mit dem Gespenst allein gehen -wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, das 3jährige Söhnlein des -Superintendenten mitzunehmen, von welchem die weiße Frau gesagt, sie -habe sich gefreut, als es geboren worden, denn es werde sie erlösen. -Wirklich hatte man bemerkt, daß seit der Geburt dieses Kindes sich das -Gespenst sehen ließ; es kam auch mit einem großen Bund Schlüssel in -die Kammer, wo die Schwester des Superintendenten schlief, und sagte: -Nun ist der geboren, der mich erlösen wird! Als später die Kindermagd -einmal das Knäblein mit sich ins Bett genommen, ist das Gespenst darauf -losgegangen und hat es aus dem Bett reißen wollen mit den Worten: -»Harre, harre, Du bist mein!« Darüber ist die Magd aufgewacht, hat aber -das Kind so fest an seinem Hemdchen gehalten, daß dasselbe entzweiriß, -das Gespenst aber hat das Kind fahren lassen und ist auf die Magd -gefallen und hat solche dermaßen gedrückt, daß sie kaum mehr Atem holen -können. Von dieser Zeit an hat sich das Gespenst aber auch in der -eigenen Schlafkammer des Superintendenten, wo dessen Söhnlein in einem -Gitterbettlein schlief, eingefunden, hat dasselbe öfter beunruhigt, die -Flügel in dem Bettchen aufgemacht und es gereizt, es solle aufstehen -und mitgehen, sie wolle ihm schöne gelbe Pfennige geben, es hat auch -dergleichen Goldstücke mitgebracht und dem Kinde gezeigt. Während dem -ist aber die Nähterin einmal über das andere von dem Gespenste genötigt -worden, sie möge doch nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen -werde, es solle weder ihr noch dem Kinde ein Leid geschehen, und sie -werde soviel finden, daß sie für ihre Lebtage daran genug haben werde. -Daher hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf -das Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studierstube gegangen -und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus -seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht hat, -welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem sich -aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der Wachsstock, -den das Gespenst nebst einem langen Briefe mit Mönchsschrift -beschrieben, in der rechten Hand gehabt, sehr helle, wie wenn des -Morgens die Sonne aufgeht, geleuchtet, ist das Knäblein gleich darüber -aufgewacht und hat dem Gespenst eine Ohrfeige nach der anderen gegeben, -daß sie es endlich vom Arme herabgelassen und mit der linken Hand -fortgeführt, weil es nicht weiter hat mitgehen wollen. Da dann der -ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer -Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben, und -haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit Geigen, -Posaunen und Trompeten aufs Lieblichste musiciert, wie solches alle im -Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind samt der Nähterin an die -Treppe kommt, sieht es daselbst einen großen schwarzen Hund sitzen, der -eine feurige Zunge aus seinem Rachen reckt, ist aber davon noch mehr -erschrocken, und fängt an zu schreien: Ach, Hund beißt! Hund beißt! -worauf es sich aus den Händen des Gespenstes gerissen und wieder in -die Studierstube gelaufen ist. Da nun die Nähterin solches gesehen, -entfällt ihr der Mut auch, sie kehrt ebenfalls um, allein es ist ihr -wie das erste Mal nicht wohl bekommen, sondern die bösen Geister haben -sie bei den Haarzöpfen ergriffen, zurückgezogen und etliche Mal wider -den Boden gestoßen, wobei es ihr vorgekommen ist, als wenn neben ihrem -Kopfe lauter Pistolen losgeschossen würden. Indem sie nun noch mit -großer Mühe in die Studierstube gekommen und niedergesunken, nicht -wissend, wo sie sei noch wie ihr geschehen, da hat sich das Knäblein -umgewandt, sie bei der Hand genommen, und vollends in seines Vaters -Schlafkammer geführt, wohin die Frauenzimmer aus der anderen Kammer -gelaufen kamen und sie hier zu erquicken suchten. Der Superintendent -hat nun die ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde -des Morgens und Abends seine Andacht gehalten, die Nähterin aber, weil -sie zum zweiten Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie -jedoch fort gewesen, so hat das Gespenst sich die folgende Nacht darauf -in der Kammer, wo die Nähterin sonst gelegen, mit vernehmlicher Stimme -hören lassen: »Wo Ihr mir die Marie Sabine nicht wieder herschafft, -so will ich auf den dritten Abend so turnieren, daß Ihr nicht sollt -darinnen bleiben können.« Worauf der Herr des Hauses, der solches -gehört, geantwortet: »Der Teufel ist ein Lügner, er wird's auch diesmal -bleiben!« Und wirklich ist es in der darauf folgenden Nacht ganz still -geblieben und hat sich seit der Zeit nichts wieder von dem Spuk hören -lassen. - - -67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau. - -(Nach Iccander, Sächs. Kernchronik, bei Gräße, Sagenschatz des K. S., -No. 453.) - -In Olbernhau starb im Jahre 1719 eine hochschwangere Frau und ward -gewöhnlicher Weise begraben. Da kommt einige Tage darauf ein Student -auf den Kirchhof und liest dort die Inschriften der Grabsteine. -Plötzlich sieht er auf einem Grabe eine weinende Frauensperson stehen, -die auf sein Befragen, warum sie das thue, antwortet: »Ach, daß Gott -erbarm, ein Kind und keine Windeln!« Da hat der Student aus Mitleid -sein Halstuch abgebunden und es ihr zugeworfen, worauf sie sogleich -verschwunden war. Nun hat den Studenten eine große Angst befallen, es -möge diese Person kein lebendes Wesen, sondern ein Gespenst gewesen -sein, er ist also sogleich zum Ortsgeistlichen und in's Amt gegangen -und hat die Sache angezeigt, worauf die Obrigkeit jenes Grab öffnen -ließ und man fand, daß jene Frau im Grabe ein Kind geboren hatte, -welches tot zu ihren Füßen in das Halstuch des Studenten, welches -dieser, durch seinen darin gestickten Namen als sein recognosciert hat, -eingewickelt lag. - - -68. Der Katzenhans und seine Genossen. - -(F. A. Türke im Glückauf, Jahrg. 2, No. 3.) - -Zwischen den Feldern von Neudorf und Crottendorf liegt ein schmaler -Streifen Staatswaldung, die Braunelle genannt, in welchem die Sage den -Katzenhans des Nachts sein Wesen treiben läßt. Sein weithin tönendes -»hollerndes« Geschrei schreckt den Einsamen und treibt ihn auf Irrwege. -Zuweilen begiebt er sich auch durch die Luft über Crottendorf hinweg -nach einer sumpfigen Gegend zwischen diesem Orte und Scheibenberg, -um allda sein Wesen zu treiben. Die Sage berichtet aber nicht mehr, -wer jener Katzenhans gewesen sei und woher es komme, daß er gerade -dort sein Wesen treibe. Sein Parteigänger ist der Glasmeister mit -sehr großen Glasaugen, der in der oberen Braunelle, da, wo die Straße -von Neudorf nach Crottendorf den Wald durchschneidet, den Wanderer -in der Nacht schreckt und irre führt. Ob sein Herkommen auf die -ehemalige Glashütte in Ober-Crottendorf zurückzuführen ist, weiß aber -niemand zu sagen. -- Ist nun der Fußgänger des Nachts glücklich durch -Ober-Crottendorf und ein gutes Stück auf der Straße nach Scheibenberg -weiter gekommen, so begleitet ihn eine gespenstische Laterne eine gute -Strecke. - -In Neudorf berichtet die Sage von einem zweiten Kameraden des -Katzenhans, dem Bachreiter, der zuweilen des Nachts den Sehmabach auf- -und abwärts durchreitet und durch sein Erscheinen Unglück verkündet, -wenigstens macht er darauf aufmerksam, daß in der Nähe des Ortes, wo -die Hufeisen seines Rosses Funken schlagen, bald ein Feuer entstehen -werde. - - Von einem Bach- oder Schimmelreiter erzählt auch die schwäbische - Sage. Derselbe reitet die Wald- und Wiesenthäler entlang, folgt dem - Laufe des Wassers oder setzt durch dasselbe des Abends hindurch. Die - ihn Begegnenden führt er irre. Sein Roß hat er sich aus dem Meere - geholt, vor Sonnenaufgang stieg der herrliche Schimmel daraus hervor, - ließ sich vom Reiter an den Ohren fassen und ihn aufsitzen, trug - ihn ohne Sattel und Zaum, wohin er wollte. In den Fahrten dieses - geisterhaften Reiters lassen sich Nebelbilder erkennen. (Mannhardt, - die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 54.) - - -69. Der Rachhals zu Aue. - -(Nach einer Mitteilung von C. Vieweg aus Aue.) - -In früheren Zeiten lebte in Aue ein Förster mit Namen Rachhals. -Derselbe war rauh in seinem Wesen und flößte allgemeine Furcht ein, -so daß man seiner Person so viel wie möglich aus dem Wege ging. Nach -seinem Tode ging die Sage, Rachhals sei in eine finstere Kammer seines -Hauses, durch welche eine Esse führte, verbannt worden und spuke darin -um Mitternacht. Die Kammer hatte nur ein kleines Fenster nach dem Hofe, -und es wurde erzählt, sobald dieses Fenster geöffnet werden würde, -sollte Rachhals erlöst sein, gleichzeitig aber würde auch das Haus -abbrennen. Das Haus stand in der Nähe des jetzigen Gasthofs zum Engel. -Als daselbst im Jahre 1859 Feuer ausbrach, wurde auch das ehemals -Rachhals'sche Haus ein Raub der Flammen. - - -70. Das Hammergespenst. - -(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 944 und 945.) - -Im Jahre 1670 den 30. September hat sich in einem Bergorte zugetragen, -daß ein Mann seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung über Feld ins -nächste Dorf schickte. Als der Knabe wieder zurückgeht, begegnet -ihm sein gewesener Pate, ein Hammerherr, der schon vor zwei Jahren -gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn hatte im Sarg angezogen -gesehen, der sieht ihn an und spricht: »Siehe Pat, bist Du es? -Steht mein Hammer noch? Ist er noch nicht weggebrannt?« Der Knabe -erschrickt, schüttelt den Kopf und eilet nach Hause. Die Erscheinung -aber ist bald vorn, bald hinter ihm, brummt etwas, was er nicht -verstehen konnte und verändert sich dreimal in den Kleidern. Da der -Knabe über das Dorf heraus kommt, fängt es an: »Ach, wie müde bin -ich, ach, wenn mich jemand trüge! Pat, gehe in meinen Hammer, an dem -Orte wirst Du Geld finden, Dir ist's beschert.« Und damit däuchte es -dem Knaben, er sähe Geld vor sich liegen und schimmern. Als er seinem -Städtlein nahe kam, und zuvor durch ein Gebüsch gehen mußte, da fing -sich erst ein Alarm an, das ganze Büschlein war voll schwarzer Männer, -die den Hammermeister umringten. Bald verwandelten sie sich in große -rote Hirsche, daß der Knabe nicht wußte, wo aus oder ein; bald sah er -einen Mann kommen, der hatte eine Rute in der Hand und drohte damit den -Gespenstern und den Hirschen. Der Knabe lief aus Furcht und Zittern -fort, die Hirsche verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn -noch eines Stück Weges, und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm, -lehnte sich's noch einmal über den Knaben hinüber, und sahe ihn scharf -unter die Augen, ging davon einen anderen Weg, bei sich murmelnd. Der -Knabe kam heim, klagte es den Eltern und lag acht Tage krank. - -Im Jahre 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher ein guter -Kirchen- und Schulfreund, ein weltkluger, bergerfahrener Mann, ein -geübter Sänger und Musikus, ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen und -Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen ist. Dennoch hat -der Teufel nach seinem Tode einen gefährlichen Lärm angerichtet. Er -ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer, da -er gewohnet, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer -Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stall, seine Tochter -über dem Nähen, daß sie acht Wochen krank gelegen, vexierte die -Arbeiter, daß niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Ruhe und -Friede bei ihm; aber da nach dieser Zeit ein Bauer ungefähr über eine -unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißet und sie heimfahren -und nun das letzte Brett abreißen will, drückte ihn der gespenstische -Mann, daß er sterben mußte. Von da fing er sein Mordspiel wieder an -und drückte erstlich Caspar Bibera, einen Kohlenmesser, auf dem Hofe -tot. Die Nacht vor dem Christfest des Jahres 1659 schlägt er stark -an's Thor, der Wächter meint, es sei eine nötige Post und macht auf; -da präsentiert er sich in einem schwarzsamtnen Pelz und mit einem -spanischen Rohr, drückt dem Wächter alle Glieder entzwei und begehet -andere Thaten mehr, daß sich die Nachbarn vor diesem gespenstischen -Gaste sehr gefürchtet haben. - - -71. Der unheimliche Hansmichel. - -(E. Heger und J. Lienert, Ortskunde des Dorfes Schmiedeberg i. B. 1879. -S. 60.) - -Zuweilen kann man in und bei Schmiedeberg einen Umzug, ähnlich der -wilden Jagd, beobachten. Von Norden, über die Schmiedstättheide, kommt -nämlich hoch in den Lüften der unheimliche Hansmichel dahergebraust. -In einem mit Ziegenböcken bespannten Wagen stürmt er beim Glaserbergel -über den Ort und verschwindet im Walde. Während seiner rasenden Fahrt -läßt er den Ruf »Hoho! Hoho!« erschallen, bethört dadurch die Wanderer -in der Waldung und leitet sie auf falsche Wege. Früher hauste der -unheimliche Hansmichel auch mit besonderer Vorliebe am sogenannten -Hammerwege. Nach der Sage soll er Herr des ehemaligen Weiperter -Spindlerhofes gewesen und irgend einer großen Ungerechtigkeit wegen zu -dieser ruhelosen Luftfahrt verurteilt worden sein. Sonst bösartig hat -sich der unheimliche Hansmichel nie gezeigt. - - -72. Der rote Hohensteiner. - -(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.) - -Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg -hervorragender steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen -Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau -und Altenburg genießt. »Denkmal der Freundschaft« kann man auf seiner -Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige -Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten und zwar -alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit langem roten -Bart, in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner. Angesprochen -hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber, denn er -läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen, ertönen. Der -rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm nur von einem -furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht mutig anspricht. - - Der rote Hohensteiner erscheint hier als eine teuflische Gestalt. Der - Teufel hieß auch der Rote, und mit Hinweis darauf sagte man: »Rote - Lütli, Tüfelshüttli« und »Rotbart, Teufelsart!« »Wenn du numme rot - wurdist« heißt: »Daß Dich der Teufel holte!« Der einen roten Bart - tragende Gewittergott Donar wurde zum Teufel. (Rochholz, deutscher - Brauch und Glaube. II. S. 224.) - - -73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 514.) - -Auf dem Schlosse Hartenstein, dem Stammschlosse der Schönburge, fand -sich einst jeden Tag ein Schattenritter ein. Man nannte ihn Vollmer -den Geisterkönig. Er hatte, man weiß nicht wie, die Liebe der schönen -Kunigunde von Schönburg, als sie noch Kind war, gewonnen, und dieselbe -hatte erklärt, ihn und keinen anderen wolle sie ehelichen. So ritt er -denn jeden Tag auf unsichtbarem Rosse in's Burgthor ein, zog ersteres, -ohne daß jemand es sah, -- nur hören konnte man seinen Tritt, -- in -den Stall und stieg dann selbst unsichtbar, und nur am Schall seines -Trittes kenntlich, die Schloßtreppe hinan. Dort kam ihm seine Braut -entgegen, der reichte er seine Hand, -- das war der einzige fühlbare -Teil seines Körpers, weich und glatt aber eiskalt -- und nun sprachen -und koseten sie zusammen wie zwei Liebende es thun. Dann schritten sie -in den Speisesaal, wo ihrer schon der Bruder des Fräuleins harrte, -und alle drei setzten sich zu Tische und aßen und tranken nach -Herzenslust; die dem Schattenritter vorgelegten Speisen und der Wein -in seinem Becher verschwanden, und doch sah niemand, wo es hinkam. Man -hörte nur des Schattenbräutigams Stimme, und der Graf, dem früher vor -seinem geisterhaften Schwager gegraut, faßte immer mehr Neigung zu -ihm, denn er hatte an ihm einen steten treuen Berater und Warner bei -bevorstehendem Unglück. Wenn das Mahl vorüber war, verließ der Graf die -beiden Brautleute, und so saßen sie bis kurz vor ein Uhr; dann nahm -der gespenstische Gast eilig Abschied, so trieb er es viele Jahre; da -äußerte einmal das Fräulein, wie sie sich nach einem Kusse von seinem -Munde sehne, und siehe, ihr geisterhafter Bräutigam antwortete: »Lebe -wohl auf ewig; weil ich an Deine rein geistige Liebe glaubte, verließ -ich mein himmlisches Reich, um bei Dir zu sein; jetzt wo Du an irdische -Liebe denkst, ist mein Bleiben nicht mehr hier, Du siehst mich nie -wieder!« Damit verschwand er und nie hat das Fräulein wieder seine Nähe -empfunden. - - -74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.) - -Fünfzig Jahre nach der Verwüstung des Grünhainer Klosters hat sich -am Elterleiner Wege, wo, wie die Schlackenhaufen ausweisen, des -Abts Hammer gestanden, ein Gespenst in Mönchsgestalt sehen lassen, -welches die Vorübergehenden, sonderlich Trunkene und Jauchzende, übel -bezahlte, und einst einen Bergmann von Elterlein, der das Gespenst in -seiner Trunkenheit herausforderte, mit den Beinen den Berg hinunter -geschleppt, in den Bach geworfen und am Kopfe arg verwundet. Einen -Richter, der trunken in der Nacht von Grünhain heimgeritten, hat's mit -dem Pferde gestürzt, daß er den Arm brach, und ist der Richter mit -großer Lebensgefahr nach Hause gekommen. - - -75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzella. - -(Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ II., S. 91.) - -Wie in alten Burgen Ritter und Ritterfräulein, so hausen in alten -Klöstern auch oft gespenstische Mönche. Während man aber diese Wesen -meist in den Mitternachtsstunden belauscht haben will, erzählt man -sich, daß im Klostergarten zu Altzella in der Mittagsstunde ein -Cisterziensermönch mit langem weißen Barte promeniere und oft gesehen -wurde. Er soll zumeist, das Haupt sinnend auf die Hand gestützt, in den -Abteiruinen sitzen, sich aber, sobald man ihm zu nahen versucht, sich -in einer weißen Rauchwolke verflüchtigen. - - -76. Der Mönch von Komotau. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.) - -Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt man in einen -Hof, der das »Mönchshöfel« heißt. An der einen Wand desselben bemerkt -man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen Haupt und Hände -getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft der Stadt eine Gefahr -droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. Er geht -vom Rathause bis zur Kaserne, einem ehemaligen Jesuitenkloster, wo er -verschwindet. Viele Leute wollen ihn schon gesehen, namentlich soll er -im Jahre 1832 sich gezeigt haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen -ist die ganze Stadt abgebrannt. - - -77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 250.) - -Abraham Munsch, ein alter frommer Hutmann in Wiesenthal, erzählte, daß -er einstmals oben auf dem Fichtelberge einen überaus schönen Brunnen -angetroffen, dessen Grund und Boden von eitel Goldflammen geleuchtet -habe. Da er sich niedergesetzt, um den schönen Quell zu betrachten und -wieder aufgesehen, sei ein schönes buntes Vöglein auf einer Seiten, auf -der anderen aber ein Mönch mit einem offenen Buche gesessen, darüber -er erschrocken und davon gelaufen. Er habe aber seit dieser Zeit den -Brunnen nicht wieder antreffen können. - - -78. Der Laternenmann in Alberode. - -(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.) - -An unbestimmten Tagen, besonders wenn der Mond nicht scheint, entsteigt -dem Keller des alten Rittergutes Alberode nachts 12 Uhr ein Mönch mit -einer großen, hellleuchtenden Laterne, vom Volke der Laternenmann -genannt. Derselbe geht unbeirrt langsamen Schrittes auf dem Marktsteige -nach dem Klosterholze und verschwindet in einem Keller des Rittergutes -Klösterlein. Er thut niemandem ein Leid. - - In Sagen anderer Gegenden nähert sich der Laternenmann dem feurigen - Manne ohne Kopf; ohne Kopf geht z. B. der Mann mit der Laterne - bei Hackpfiffel in der Grafschaft Mannsfeld umher. (Größler a. a. - O. No. 195.) Wir finden überhaupt, daß in den Sagen von Laternen - tragenden und feurigen Männern, sowie von Irrlichtern mancherlei - Berührungspunkte vorhanden sind. In Kärnten z. B. heißt das Irrlicht - »Lichtmandl« d. h. Lichtmännchen; es wird also hier ganz als - persönliches Wesen gedacht und entspricht unserm feurigen Manne. Das - »Lichtmandl« hat flammende Hände, mit denen es einen Mann züchtigte, - als es derselbe anrief, ihm Feuer in seine Pfeife zu geben. (Österr. - Touristenzeitung 1884, No. 21.) - - -79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 469.) - -In der Stadt Chemnitz bei dem sogenannten Kloster in der Vorwerksstube -war früher ein Mönchskopf zu sehen, auf dem, so oft man die Stube -reparierte, allemal ein Groschen Geld liegend gefunden ward. Dieser -Kopf war aber sehr empfindlich, wenn jemand mit ihm Kurzweil treiben -wollte. So ist einmal ein Steinmetzgeselle nach Chemnitz gekommen, -und weil er vieles von diesem Kopf gehört, hat er ihn sehen wollen. -Als er nun dessen altes, zorniges Gesicht genau betrachtet, hat er -es nachzumachen und überall auszuspotten sich eitel Mühe gegeben. So -ist es geschehen, daß er mit einer Gesellschaft von Kameraden einmal -nach Hause ging, da kam ihm ein Bedürfnis an und als unterdessen seine -Reisegefährten weiter gingen, ist er, wie er später aussagte, von einem -Mönch in einen mit Eis bedeckten Teich -- es war gerade Winterszeit -- -geworfen worden, und hat ihn derselbe dermaßen geängstigt, daß, als -seine Kameraden, die wieder umkehrten, ihn suchten, sie ihn winselnd -und fast vor Schrecken stumm antrafen, für tot herauszogen und so nach -Hause brachten. Sein Mund war ihm dergestalt der Quere gezogen, daß er -über ein halb Jahr zubrachte, ehe er wieder gesund ward, auch in der -Kirche für ihn gebetet ward. - - -80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 74.) - -Im Jahre 1632 ließ der Stadtschreiber zu Scheibenberg, Theophilus -Groschupf, einen Raum an der Erbisleite zu Acker machen. Da nun ein -Arbeiter, Georg Feuereisen, mittags hinunter an einen Brunnen ging, um -Trinkwasser zu holen, fand er dabei einen häßlichen unbekannten Mann -liegen, der ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern auf dem Rückwege -ihm auf den Hals fiel und ihn braun und blau drückte, so daß er infolge -dessen acht Wochen krank lag. - - -81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün. - -(Christ. Lehmann a. a. O. S. 76.) - -Zur Herbstzeit des Jahres 1654 kommt der Kirchvater von Stützengrün aus -dem Walde, ist gar schwermütig und klagt auch, es habe ihn ein Gespenst -erschreckt. Als er im Februar des nächsten Jahres wieder hinausgeht, -höret er eine Stimme: »Erwürge Dich, oder ich thue es! Greif lieber -selber zu!« Damit zieht der bestürzte Mann sein Messer heraus und -schneidet sich den Bauch auf, daß die Gedärme in den Schnee fallen. -Weil er aber vor Schmerzen heftig schreiet, finden ihn etliche Köhler -in seinem Blute liegen und führen ihn noch lebend heim. Nachdem er -gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, auch getröstet worden war, -ist er bald darauf verschieden. - - -82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde. - -(Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche im sächs. -Obererzgebirge. Programmarbeit. 1862. S. 39.) - -Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, liegt -die sogenannte Reicheltwiese, welche, da sie sumpfigen Untergrund hat, -sehr weich und »papprich« ist. In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz -geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr soll -derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder erscheinen, mit seiner Peitsche -knallen und dabei »Hüoh!« rufen. - - -83. Der Feuermann von Komotau. - -(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen. 1. B. 1864, S. 21.) - -In Komotau läßt sich zu manchen Zeiten ein feuriger Mann sehen, der den -Kopf unter dem Arme trägt. So oft er erscheint, bricht in derselben -Gasse, wo man ihn sieht, Feuer aus. - - -84. Die Gestalt mit dem Lichte bei Pobershau. - -(Nach Mitteilung des Sem. Richter in Schneeberg.) - -Den Weg von Mittel-Pobershau nach Zöblitz über den sogenannten »Berg« -des Nachts zu gehen, ist gewiß jedem Einheimischen unangenehm, da schon -mancher von einer Gestalt, die dort mit einem Lichte herumläuft, geäfft -worden ist. - - -85. Der schwarze Mann zu Königswalde. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.) - -Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler, und sein -Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher Ehe -lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott mit einer -jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat sich in der -Nacht darauf ein langer schwarzer Mann, der aus der Stubenkammer -hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der Frau eingefunden und -hat sie angeredet: »Gieb mir Dein Kind!« Als sie sich aber dessen -geweigert, ist er wieder hinausgegangen und hat das Schloß hinter sich -zugeschlagen, daß es geschmettert. Nach 14 Tagen kam etwas an den -Laden, daß sie auch den Schatten am Fenster sehen konnte, und weil -sie es für einen Hund gehalten, hat sie auf dasselbe gerufen: »Gehst -Du garstiges Aas!« Worauf es den Fensterladen gewaltig zugeschlagen -und weiter nichts unternommen. Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus -dem Bettchen gezogen, worauf sie es quer über dem Badewännchen auf -dem Gesichte liegend wieder gefunden, welches darauf eine Nacht um -die andere wiederholt worden. An einem Sonnabend im August hat die -Mutter zu Nacht das Kind kurz vorher gestillet und wieder hinaus in -das Wännchen gelegt. Da träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen -Arm gebrochen, worüber er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich -besonnen, es sei ja sein Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer -habe, ist er bald wieder eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette -vom Leibe gezogen, worüber er auffuhr und nach dem Kinde schrie, -welches sie leider aus dem Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend -tot fanden. Als nach dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit -im Kohlenhau gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner -Wiederkunft dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen -11 und 12 Uhr etwas an dem untern Bettbret angegeben, damit geknacket, -ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und da -sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt: -»Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!« Womit es weggekommen, -und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören, und der Hund -hatte es gemerkt und sehr gewinselt. - - -86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg. - -(Mündlich.) - -Auf dem Gottesacker in Schneeberg ist früher am Tage ein schwarzes -Männchen gesehen worden, welches ein Buch in der Hand hatte. Eines -Tages erblickte es auch der Totengräber; derselbe erschrak darüber so -sehr, daß er bald darauf starb. - - -87. Der Schamprich zu Nossen. - -(Jugenderinnerung eines geborenen Nosseners.) - -Auf dem Fußwege, der an der Südseite des Schloßberges von der -Unterstadt (dem früher sogenannten »Loch«) nach der Oberstadt führt, -trieb noch vor fünfzig Jahren ein Spukgeist, der Schamprich, sein -Wesen. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfange des Weges -nach einigen Schritten »aufzuhucken« und sich den Berg hinauf bis zum -Stumpfe einer großen Eiche tragen zu lassen, wobei die Last immer -schwerer wurde. Mit dem Neubau der Dresdner Straße, bei der auch -der obere Teil des Weges in Wegfall kam, ist er verschwunden. Der -Eichenstumpf befand sich gegenüber dem dicken runden Eckturme, in -welchem Lips Tullian einige Zeit verwahrt worden sein soll, links am -Wege. - -In früherer Zeit mußte der Stadtnachtwächter am nördlichen Schloßgraben -entlang gehen und von der äußersten Bergecke aus, an der sogenannten -Dechanei, die Stunde abtuten. Da hat er einmal in einer Winternacht von -unsichtbarer Hand eine Ohrfeige bekommen, daß ihm die Pelzmütze den -Berg hinabrollte. Er schrieb den Schabernack dem Schamprich zu. - - -88. Der schwarze Mann des Jüdensteins. - -(Nach Mitteilung des Seminarist Förster aus Bärenwalde.) - -Zwischen Bärenwalde und Giegengrün erhebt sich ein Granitfels, der -Jüden- oder Giegenstein genannt. Es sollen einst in der Umgebung -desselben Soldaten einen Lagerplatz gehabt und die umwohnenden Bewohner -hart ausgeplündert haben. Dabei hat einer von den Soldaten einem -armen Manne, welcher nichts geben konnte, das Hüttlein angezündet. Da -verwünschte ihn der Arme und zur Strafe muß nun die Seele des Soldaten -in der Gestalt eines schwarzen Mannes an dem Jüdensteine, wo auch -reiche Schätze vergraben sein sollen, ruhelos umherwandeln. Viele Leute -wollen diesen schwarzen Mann schon gesehen haben. - -Ein Mann aus Bärenwalde sagte einmal, er fürchte sich nicht, denn es -gebe keinen schwarzen Mann; er sei schon oft des Nachts an dem Steine -vorbeigegangen, ohne etwas gesehen zu haben. Da geschah es, daß er -einst wieder an dem Jüdensteine vorbeifuhr. Plötzlich setzte sich ein -schwarzer Mann zu ihm auf den Wagen, der immer schwerer und schwerer -wurde; zuletzt konnten die Pferde den Wagen nicht mehr weiter ziehen. -Der Bärenwalder glaubte, der Mann wolle ihn nur erschrecken, deshalb -drehte er sich um und gab ihm eine Ohrfeige. Aber ebenso schnell bekam -er eine solche von unsichtbarer Hand wieder. Er mußte den Wagen stehen -lassen, ging nach Hause und starb nach neun Tagen. - - -89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe. - -(Mündlich.) - -Als in Weißbach bei Schneeberg ein Jüngling gestorben war, zog man ihm -seine schwarzen Kleider an; in der Westentasche aber befand sich noch -ein Pfennig. Da kam der Verstorbene zweimal des Nachts um 12 Uhr wieder -nach Hause. In der zweiten Nacht soll der Pfarrer anwesend gewesen -sein, der hat ihn gefragt, was er wolle. Darauf sagte die Erscheinung, -sie fände im Grabe nicht eher Ruhe, bis man den mitgenommenen Pfennig -wieder geholt hätte. - - -90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer. - -(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtnis, 1719, S. 97.) - -Anno 1655 ging ein Fleischhauer aus Wiesenthal sehr frühe bei -Mondenschein und wollte nach Elterlein. Als er aber eine halbe Meile -zurückgeleget und auf einen Platz kommt, tritt ihm ein grausames -Gespenst mit feuriger Zunge und Augen entgegen, in Gestalt eines -verrufen gewesenen Gebirgers, der manchem auf dem böhmischen Wald -das Licht ausgelöschet. Dies Gespenst verlegt ihm den Weg mit seiner -Kette um den Leib, daran eitel Totenköpfe hingen. Der Fleischhauer -erschrickt, betet und kehrt eilends zurück nach Haus. Das Ungetüm aber -begleitet ihn bis in seine Stube, stellet sich daselbst vor ihn und -sieht ihn an, bis die Wirtin aufgestanden ist und ein Licht angezündet -hat. Da ist das Gespenst wieder verschwunden. - - -91. Der Einsiedel im Thale der roten Weißeritz. - -(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 91. Gräße, -Sagenschatz etc. No. 264.) - -Ganz in der Nähe des Städtchens Tharand befindet sich das Thal -der roten Weißeritz. Hier gestatten schroffe Felsriffe und wild -aufbrausende Fluten im Frühjahr kaum einen schmalen Pfad am linken -Gehänge hin. Eine felsige Landzunge, der sogenannte Einsiedel, wo -einmal ein Einsiedler seine Klause gehabt haben soll, ist in der -Umgegend als ein Ort, wo es spukt, berüchtigt. Man erzählt sich von -grauen Männchen, die da herumgehen, und von Geistern, die einen dort -verborgen liegenden Schatz bewachen sollen, den nur eine ganz reine -Jungfrau heben kann. Ein Mann aus dem nahegelegenen Sommsdorf sah vor -Jahren, wie ein kleiner, höhnisch lachender Zwerg eine alte Frau vom -Berge herabzerrte, die dann zerkratzt und halb besinnungslos in ihrer -Heimat ankam. -- In demselben Thale, bei der langen Brücke am Felsen -hin, befindet sich auch der Nixentump, der sehr tief und von zwei -Wassernixen bewohnt ist. - - -92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf. - -(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf. Marienberg, S. 36.) - -Der älteste Flügel der herrschaftlichen Gebäude in Großhartmannsdorf -bei Freiberg, welcher eine Anzahl finsterer Gewölbe enthält, soll der -Schauplatz mancher gespenstischen Erscheinungen sein. Einmal soll des -Nachts zur Zeit, da kein Mensch das Herrenhaus bewohnte, eine Gestalt -mit Licht durch alle Zimmer gegangen sein; einmal wieder eine lange -weibliche Gestalt in alter Tracht und mit einem großen Schlüsselbunde -zum öftern im Hofraume des Nachts umhergewandelt, und noch ein anderes -Mal ein Lärmen und Poltern wahrgenommen worden sein. - - -93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane. - -(Leopold, Chron. und Beschr. d. St. Meerane, S. 101.) - -Von dem Tannicht, einem feuchten Thale bei Meerane, sagte man früher, -daß es daselbst einem aufhocke, d. h., daß ein Geist sich da manchem -schon mit bleierner Schwere auf die Schultern gesetzt habe. - - ~Dr.~ Leopold, der Verfasser der Chronik von Meerane, führt den - Ursprung dieser Sage auf den Umstand zurück, daß Leute, die stark - schwitzend von der Höhe des Crimmitschauer Weges in den Tannicht - hinabstiegen, sich verkühlten und von Blutandrang nach Kopf und Brust - befallen wurden. - - -94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf. - -(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt -Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 135.) - -Im Jahre 1719 fährt Abraham Friedrich einem Schmiede in -Johanngeorgenstadt Kohlen ein. Da er nun Nachmittag um 1 Uhr wieder -an die Meilerstätte kommt und den Schmiedegesellen, welcher ihm beim -Aufladen helfen soll, nicht findet, im Gebüsch sich aber etwas bewegen -sieht, so meint er, es sei der Gehülfe und ruft ihm daher zu, er solle -sich herpacken und mit aufladen. Hierauf erschallt eine Stimme: »Jetzt -gleich.« Es kommt auch wirklich jemand und hilft ihm etliche Kübel -Kohlen auf den Karren laden, also daß Friedrich nicht anders meint, -er habe seinen Gesellen. Nachdem sich aber der Kohlenstaub ein wenig -legt, sieht er an dessen Unterleib eine seltsame Gestalt, er stößt ihn -daher von sich und spricht, er solle sich packen, seine Hülfe begehre -er nicht. Indem nun Friedrich weiter aufladet, kehrt der andere das -Löschfäßlein um und belegt es mit lauter neuem kurfürstlichen Gelde. -Dabei begehrt er, weil Friedrich ein armer Mann sei, solle er's -nehmen, und so oft er etwas brauche, möge er wieder an diese Stätte -kommen, da er ihm ein mehreres geben wolle. Darüber wurde Friedrich -unwillig und stieß das Faß mit dem Gelde um, so daß letzteres über -den ganzen Platz verstreut wurde. Der andere aber raffte es im Hui -wieder in seinen Beutel und hielt es von neuem vor. Friedrich jedoch -kehrte sich nicht daran und fuhr fort. Er mußte aber seinen Gefährten -noch ein gut Stück Weges bei sich haben. Derselbe hielt ihm immer den -Beutel vor, schüttelte mit dem Gelde und wollte es ihm aufdringen, -bis endlich Friedrich aus Ungeduld ihn garstig gescholten und mit der -Peitsche darnach geschlagen. Da ging der andere seitwärts ins Holz und -hinterließ einen solchen Dampf und Gestank, daß Friedrich zu ersticken -meinte und auch in der Folge krank wurde. - - -95. Das Gespenst in einer Halde bei Pobershau. - -(Nach Mitteilung des Seminarist Richter in Schneeberg.) - -In Pobershau bei Zöblitz sieht man neben der alten Schule eine große -Steinhalde. Hier soll ein Gespenst sein Wesen treiben, denn schon -oft hat man daselbst Stöhnen, Rufen und Gepolter gehört, und es wird -überhaupt viel darüber gemunkelt. Nach der allgemeinen Sage soll dies -Gespenst der Geist eines früheren Grundbesitzers sein, welcher als sehr -hartherzig verschrien war. - - -96. Die sieben Ruten bei Chemnitz. - -(Mündlich.) - -Ein Teil des Schloßwaldes bei Chemnitz trägt den Namen »Die sieben -Ruten.« Jeder, der diesen Teil betritt, soll keinen Ausweg finden -können. Der Sage nach soll hier einst einer besonderen Krankheit wegen -ein Mann begraben worden sein, der jedem, welcher dies Gebiet betritt, -den Ausweg verstellt. - - -97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten bei Glößa. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 18.) - -Zwischen den Dörfern Auerswalde und Glößa bei Chemnitz liegt ein Wald, -die sogenannten Sechsruten. In diesem spukt der Schatten eines bösen -Beamten, welchen die Volkssage den bösen Seidelmann nennt. Er hat -bei seinen Lebzeiten die ihm Untergebenen übel behandelt und viele -Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten verübt, wofür er zur Strafe im -Grabe keine Ruhe findet. Sein spukender Geist führt die Wanderer irre -und neckt und erschreckt sie durch gellendes Rufen. Niemand in der -Umgegend weiß, was zu Seidelmanns Erlösung vonnöten ist. - - Ein Walddistrikt zwischen Roßleben und Ziegelrode heißt »der Sechse«. - Auch hier spukte einst in einem Zauberkreise ein dorthin verbannter - Geist, der sogar Prügel austeilte. (Größler, Sagen der Grafschaft - Mannsfeld, No. 260.) - - -98. Der Baslerfels bei Platten. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 91.) - -Unterhalb der letzten Häuser von Platten, welche an der nach -Breitenbach führenden Straße liegen, erhebt sich jenseits des Baches -ein ziemlich hoher, mit dunklen Fichten bewachsener Felsen, der -allgemein »der Baslerfels« genannt wird. An der Stelle, wo dieser -Fels emporragt, soll vor so und so viel Jahren ein stattliches Schloß -gestanden haben, das der reiche Basler bewohnte. Er verdiente in der -That diesen Beinamen, denn er war der reichste Bergwerksbesitzer in -der ganzen Umgegend. Allein Reichtum erzeugt nicht selten Hochmut, und -Hochmut führt leicht zum Fall. Auch Basler, pochend auf seine Gold- und -Silberschätze, lebte in verschwenderischer Pracht und Herrlichkeit, -bedrückte über die Maßen die Armen und ließ in frevlem Übermute seinen -Pferden sogar silberne Hufeisen aufschlagen. Und als er in seiner -Verstocktheit noch größere Frevelthaten verübte, ereilte ihn die Strafe -des Himmels. Basler wurde samt der Burg zum warnenden Zeichen für -alle Zeiten in harten Stein verwandelt. Seit dieser Zeit ist es beim -Baslerfels nicht richtig. - -Drei Bergleute, von denen einer taub war, gingen einmal nach beendigter -Schicht nach Hause. Als sie bei der unteren Mühle anlangten, da, -wo sich im Felsen ein Stollen befindet, vernahm der taube Bergmann -deutlich das Getrabe von Pferden und das Gerassel einer Kutsche und -machte seine Kameraden darauf aufmerksam. Dieselben sahen fürwahr aus -dem Stollen eine vierspännige Kutsche herauskommen, doch hörten sie -diese weder rasseln noch die Pferde traben. - -Andere Leute wollen zu einer bestimmten Zeit bei der sogenannten -Kühbrücke, die sich am Fuße des Baslerfelsens befindet, ein weißes -Schaf gesehen haben, das manchen bis zu dem bereits oben genannten -Stollen geführt haben soll. - -Neben der Kühbrücke liegt heute noch ein großer Stein, auf welchem -einst ein Mann, der eine schwere Bürde trug, ausruhte. Während seiner -Rast schimpfte er gewaltig auf den Baslerwald, weil er sich darin -verirrt hatte. Wie er vom Steine wieder aufstehen wollte, konnte er -trotz aller Kraftanstrengung sich nicht in die Höhe erheben. Erst dann, -als der Mann sein Fluchen bereute, kam er von der Stelle. - -Auch führt es Holzleute, die in das Bereich des Baslerfelsens kommen, -irre, so daß sie erst nach längerem Hin- und Herlaufen wieder den -rechten Weg gewinnen. - -Überdies soll sich im Baslerfelsen ein Hemann aufhalten, der Personen, -welche sein ihm zugeteiltes Gebiet betreten, so lange herumtreibt, bis -sie tot zu Boden stürzen. - - -99. Der böse Graf von Wildenfels. - -(Mitgeteilt durch Lehrer Günther aus Lößnitz.) - -Ein böser Graf von Wildenfels ist einst in ein Pfund Hirse verbannt -worden. Er muß so lange darin bleiben, bis der Haufen, von dem jedes -Jahr nur ein einziges Körnchen abfällt, verschwunden ist. Dieser Graf -ist nämlich bei seinen Lebzeiten sehr unbarmherzig und geizig gewesen. -Während einer großen Teuerung war ihm das Getreide noch nicht teuer -genug, daher verkaufte er seine Vorräte nicht. Da kam ihm aber der Wurm -hinein, der das ganze Getreide durchwühlte. Auch jetzt gönnte es der -Graf niemandem, sondern ließ es fuderweise in die Mulde schütten. Zur -Strafe wurde er nach seinem Tode in den Hirse verbannt. - - -100. Der Hirse zählende Verbannte. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.) - -In dem Oberförstergebäude zu Karlsfeld wohnte in früheren Zeiten ein -reicher Mann, der sehr geizig war. Nach seinem Tode mußte er, an einem -bestimmten Erkerfenster des Hauses sitzend, zur Strafe für seinen Geiz -ein Viertel Hirse zählen. Ob er damit fertig geworden und somit erlöst -ist, weiß die Sage nicht zu melden. - - -101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt um. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 476.) - -In der Nähe des Dorfes Wildbach bei Schneeberg liegen auf einem -Vorberge des Muldenthales die Überreste der Isenburg, welche vielleicht -eine Art Vorfestung von Schloß Stein war, mit welchem sie durch einen -unterirdischen, unter der Mulde hinführenden Gang verbunden gewesen -sein soll. Hier hauste nach der Sage im 14. Jahrhundert ein Raubritter, -Konrad von Kauffungen, der solche Schandthaten verübte, daß ihm der -Teufel den Hals brach und sein Geist verdammt ist, bis auf den heutigen -Tag die Umgegend in Zwerggestalt zu schrecken. - - -102. Der alte Turm in Tanneberg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 38.) - -Nahe bei den Rittergutsgebäuden des Dorfes Tanneberg bei Geyer steht -ein uralter viereckiger Turm. Seine starken Mauern sind noch jetzt an -dreißig Ellen hoch und von einem Wassergraben umgeben. Viel erzählt man -von ihm, aber wenig zusammenhängendes. - -In uralter Zeit soll einmal ein Graf, der Besitzer dieser Gegend, eine -große Jagd abgehalten und sich dabei verirrt haben und mit seinem Rosse -in einen Sumpf gesunken sein. Dem Tode nahe, wäre er noch von den -Jägern mit Mühe gerettet worden und hätte zum Andenken den Turm erbaut. - -Jetzt noch soll in dem Turme der Geist eines der späteren Besitzer -spuken, aber warum? weiß niemand. Auch wollen alte Holzhauer und -Bergleute den Baum wissen, wo die Seele dieses unglücklichen Spukers -eingespündet sein soll. Es wäre sonst ein eiserner Reif um den Baum -gelegt gewesen, um die Seele recht festzuhalten, aber die Holzdiebe -hätten zuletzt auch den Reif gestohlen. - - -103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz. - -(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.) - -Die sogenannte hintere Aue, ein Thal von Dreihansen bis Niederlößnitz, -war einst mit Wald bewachsen, und in diesem wohnten viele Geister. -Der Wald wurde nach und nach gerodet, das Thal urbar gemacht und -die Geister vertrieben. Dieselben kommen aber noch in den warmen -Sommernächten auf ihre alten Spielplätze und führen ihre munteren Tänze -das Thal entlang aus. - - -104. Spuk auf dem Braunsteine. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.) - -Ein altes Weib aus Joachimsthal begab sich einst in den Wald am -Braunstein, um Beeren zu sammeln. Am Fuße des Berges bemerkte sie einen -großen steinernen Wassertrog. Verwundert darüber blieb sie stehen und -sprach halblaut zu sich: So alt ich bin, hab ich weder den Wassertrog -gesehen, noch etwas von ihm gehört. In Gedanken vertieft, stieg das -Weib weiter bergauf und erblickte auf einmal auf einem sonnigen Platze -drei mit reifen Erdbeeren gefüllte Töpfe. Bist du doch nicht allein -hier, dachte sie bei sich und ging an den Töpfen vorbei, ohne eine -Erdbeere anzurühren. Kaum hatte sich jedoch das Weib einige Schritte -entfernt, da vernahm sie hinter sich ein lautes Jammern und Schluchzen. -Rasch drehte sie sich um. Als sie aber nichts mehr von den Töpfen mit -den Beeren sah, überkam sie ein solches Grauen, daß sie im Sturmschritt -über den Abhang des Braunsteins hinunterlief, um in kürzester Zeit aus -dem Walde zu kommen. Daheim erzählte das Weib, was ihr begegnet war, -verfiel in eine längere Krankheit, lebte aber noch viele Jahre. - - -105. Spuk auf dem Grauensteine bei Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 63 etc.) - -Nach einer Überlieferung soll der Grauenstein ein verwünschtes, durch -Zaubersprüche unsichtbar gewordenes Schloß sein. Einst veranstalteten -die nächsten Umwohner eine Prozession, um die am Grauenstein polternden -Geister und Gespenster zu bannen und zur Ruhe zu bringen. Auf einmal -hörte man Musik und Gesang in den Lüften, ja noch mehr, ein ganzer -Schwarm von Geistern kam auf die Herannahenden zu. Erschreckt ergriffen -die Leute die Flucht, und der Grauenstein ward umsomehr gefürchtet. - -Einem armen Bergmanne träumte drei Nächte hinter einander, er solle -um 12 Uhr des Nachts auf den Grauenstein gehen, er könne das Schloß -erlösen. Er machte sich auf den Weg, und als er sich demselben näherte, -hörte er lärmende Musik. Er sah zwei Reiter dahersprengen, die zwischen -sich ein leeres schmuckes Pferd führten und dem Erschreckten winkten. -Da sank sein Mut, er kehrte den Reitern den Rücken, und mit Krachen und -Zischen war alles verschwunden. - -Andere Bergleute wollen zur Abendzeit Musik vernommen haben, die sich -vom Grauensteine gegen die Schwedenschanze gleichsam fortbewegte -und dort in die Töne des pfeifenden Windes sich auflöste; ja einer -erzählte sogar, er habe einmal zwischen elf und zwölf Uhr des Nachts -die erleuchteten Fenster des verwünschten Schlosses gesehen und sie -gezählt, als er zu dieser Zeit Holz holte. - -In dem Thalgrunde, wo jetzt bei Joachimsthal die große k. k. -Cigarrenfabrik steht, wohnte vor etwa siebzig Jahren ein Mann, mit -Namen Huß. Als derselbe eines Abends bei mattem Lampenscheine in -seinem Stübchen saß, klopfte es plötzlich an sein Fenster. Er öffnete -dieses mit der Frage, wer so spät da sei? »Mach' auf Kamerad!« war die -Antwort des Klopfenden. Huß hieß ihn in die Stube treten und erkannte -in dem Ankömmling seinen alten Kriegsgenossen aus Tirol. »Sage mir -doch, mein Lieber,« sprach Huß, »was Dich in so später Nacht zu mir -führt?« »Mir hat geträumt«, antwortete der Tiroler, »daß ich nach -der Bergstadt St. Joachimsthal gehen und das unweit davon gelegene -verwünschte Grauensteiner Schloß von seinem Zauber befreien soll. Du -bist in der Gegend bekannt und wirst mir gewiß den Weg zum Grauenstein -zeigen.« »Diesen Freundschaftsdienst kann ich Dir, Waghals, schon -erweisen; wir gehen um elf Uhr hinauf,« entgegnete der treuherzige Huß -seinem ehemaligen Waffengefährten. -- Nachdem beide den freien Platz -erreicht hatten, der im Volksmunde »Kuhplatz« heißt, hörten sie aus der -Ferne eine liebliche Musik. Hier blieb Huß stehen, während der Tiroler -bergauf in der Richtung weiter ging, woher die Wunderklänge drangen. -Endlich kam er gegen Mitternacht am Grauensteine an und sah auf einmal -vor sich das verzauberte Schloß, strahlend im wundervollen Lichtglanze, -wie er sein Lebtag noch keinen gesehen. Furcht und Freude kämpften bei -diesem Anblicke in seinem Herzen; aber jemehr er sich dem Schlosse, -dem Ziele seiner Wünsche, näherte, desto größere Schweißtropfen traten -auf seine Stirn. Schon stand er beim offenen Portale, da kehrte er, -von Angst und Grauen überwältigt, wieder um; in demselben Augenblicke -jedoch donnerte und krachte es und im Nu waren die Lichter samt dem -Schlosse, das noch immer seiner Erlösung harrt, verschwunden. - - -106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten. - -(Mündlich.) - -Fünfzehn Minuten von Platten liegt ein Wald, der Leidenswald genannt; -in diesem soll vor vielen Jahren ein Mann nach seinem Tode seines -gottlosen Lebenswandels wegen verbannt gewesen sein. Wenn man früher -durch diesen Wald ging, hörte man ein leises Glockengeläute; dasselbe -ist aber verstummt, seit man in dem nahen Platten des Nachts 12 Uhr -eine Glocke läutet. Die Leute glauben nun, daß damit auch der Verbannte -im Leidenswalde erlöst worden sei. - - -107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und Zschorlau. - -(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.) - -Als vor Jahrhunderten im Erzgebirge die Pest wütete, berührte sie -auch den kleinen Ort Neidhardsthal. Die Leichen wurden auf einem -Platze zwischen Neidhardsthal und Zschorlau begraben und ein Weg, -welcher beide Dörfer verbindet, heißt noch heute der Leichenweg. Auf -demselben sieht man zu Zeiten in der Mitternachtsstunde Gestalten -ängstlich hin und her laufen, oder man erblickt auch eine Frau mit -feurigen Augen. Der Begräbnisplatz ist jetzt eine Wiese voller Hügel -und Löcher; er wird »das Gottesäckerle« genannt. Auch dort will man in -der Mitternachtsstunde Gewimmer gehört haben. Alte Personen erzählen -wieder, daß auf diesem Platze die Heiden begraben worden seien, welche -einst auf dem nahen Steinberge wohnten. Auf dem Gipfel desselben sieht -man noch jetzt ein Gemäuer und einen ebenen Rasenplatz. Dort sollen sie -zu ihren Göttern gebetet haben. Das Gemäuer wird von den Bewohnern der -Umgegend »Kirchel« genannt. - - -108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße. - -(Mitgeteilt von Heinr. Weißflog aus Raschau.) - -Zwischen Mitweide bei Schwarzenberg und dem nördlich davon gelegenen -Dorfe Schwarzbach befindet sich eine alte, nach dem Städtchen -Scheibenberg führende Marktstraße, die Ämmlerstraße genannt. Dieselbe -soll ihren Namen von einem früheren Bergherrn Ämmler haben, auf dessen -Rat sie angelegt wurde. Von dieser Straße nun wird gar Schauriges -erzählt. So soll daselbst des Nachts 12 Uhr, wenn alles recht ruhig -ist, ein Leichenzug zu sehen sein, und den ihn begleitenden Gesang -hört man über sich in der Luft. Dieser Gesang soll überaus lieblich -klingen, so daß schon manche wie bezaubert stehen geblieben sind und -gelauscht haben. Wer aber darauf hört, dem wird es verderblich, denn er -findet seinen Weg nicht mehr. Erst wenn man irgend ein Kleidungsstück -umwendet, so soll man sich wieder zurecht finden. - -Auf der Ämmlerstraße soll auch in stürmischen Nächten das wilde Heer zu -sehen sein. Neben dem »Hussa!« der vorüberjagenden Reiter hört man dann -aber auch eine schöne, himmlische Musik. - - -109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde. - -(Nach der poet. Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K. S., -No. 238.) - -In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dorf Dittersdorf ist auch -das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, welches früher nur ein einziges -Vorwerk war, zu dem der ohnweit davon im Grunde gelegene Eisenhammer, -jetzt die Herrenmühle, gehörte. Beide Grundstücke waren vor langen -Jahren im Besitz eines gewissen Pessel, der ein zwar reicher, aber -ebenso habsüchtiger Mann war, dem alle Mittel recht waren, wenn sie nur -zur Vergrößerung seines Mammons dienten. Einst ging derselbe in der -Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt war, zur Kommunion -und sah, wie der Lauensteiner Schösser ein funkelnagelneues Goldstück -als Opferpfennig auf den Altar legte. Da gab ihm der Teufel den bösen -Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen; er wartete also, -bis alle übrigen Kommunikanten an den Altar getreten waren, und als -er nun als der letzte hinzutrat, um die Hostie zu empfangen, stahl -er mit gewandter Hand das Goldstück vom Altare herab. Der Geistliche -hatte jedoch den Frevel bemerkt, und als nun Pessel auf der anderen -Seite des Altars den Kelch empfangen sollte, zog jener ihn zurück, -verkündete öffentlich seine Schandthat und verfluchte ihn. Pessel -wankte nach Hause, allein der Schreck und die Reue warfen ihn aufs -Krankenbett, von dem er nicht wieder aufstand. Als nun aber einige Tage -darauf in früher Morgenstunde ihn seine Hammerknechte nach Liebenau zu -Grabe trugen, überraschte sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein -plötzliches Donnerwetter; sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese -hin und flüchteten in die im Grunde gelegene Mühle. Als nach einem -furchtbaren Donnerschlage das Gewitter sich verzogen hatte und sie aus -der Mühle heraustraten, um den Leichenkondukt wieder fortzusetzen, war -der Sarg spurlos verschwunden und man glaubte, daß der Teufel denselben -samt dem Inhalte entführt habe. Seit dieser Zeit aber erblickt man -jede Mitternacht den Schatten des alten Pessel, der nach der Mühle zu -umherirrt und mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und sie -bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam aber auch -die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte mehr dort mahlen -lassen und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe, woher es kam, daß sie -bald von ihren Bewohnern verlassen ward und als Ruine für ewige Zeiten -von dieser schauerlichen Geschichte Kunde giebt. - - -110. Die Erlösung. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 99.) - -Auf einer Wiese am Abhange des Plattenberges bei Platten sah man vor -längst entschwundenen Jahren öfters einen Mann umherwandeln, der -auf der Achsel einen Grenzstein trug und schrie: »Wohin soll ich ihn -setzen?« Das war ein gespenstischer Mann, der zu Lebzeiten, um seinen -Besitz zu vergrößern, den Rainstein auf der Wiese zum Nachteile seines -Nachbarn verrückte und deshalb zur Strafe für diese ungerechte Handlung -so lange herumirren mußte, bis ihn jemand erlösen würde. Als an einem -Abende einen Bürger aus Platten der Weg über diese Wiese führte, stand -plötzlich der verwünschte Mann mit seinem Steine vor ihm und rief in -kläglichem Tone: »Wohin soll ich ihn setzen?« Gefaßt erwiderte der -Angesprochene: »Trag ihn hin, woher Du ihn genommen hast!« Diesen -Worten folgte ein Blitz und Donnerschlag und der Mann mit dem Steine -war verschwunden; man hat ihn auch seitdem nie wiedergesehen. - - -111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 31.) - -Vor hundert und mehr Jahren lebte zu Joachimsthal ein ehrsamer -Fleischhauer, der in einem Schlick'schen Hause wohnte. Eines -Abends befahl er seinem Gesellen, des anderen Tages in aller Frühe -zu Dorfe zu gehen, weil er dringend Schlachtvieh benötigte. -- -Der Fleischerbursche, welcher seinem Herrn mit größter Treue und -Pünktlichkeit diente, hatte auf seinem Nachtlager keine Ruhe und -Rast und machte sich, da der Mondschein so freundlich zum Wandern -einlud, schon um die elfte Stunde auf den Weg. Dieser führte an dem -auf dem steilen Schloßberge gelegenen Schlosse Freudenstein vorüber, -dessen wiederhergestellte Türme noch heute auf der Westseite der -Stadt Joachimsthal stolz in die Luft ragen. -- In dem Augenblicke, -als der Bursche daselbst seine Schritte vorbei lenken wollte, geriet -er in einen tiefen grubenähnlichen Gang, den er vorher nie bemerkt -hatte, und stand plötzlich in einem prachtvoll erleuchteten Saale, in -welchem viele vermummte Ritter waren. Dieselben unterhielten sich mit -Kegelspiel, wobei sie mit silbernen Kugeln schoben, schritten aber -sofort auf den Fremdling, der wie Espenlaub zitterte, mit freundlichem -Gruße zu und luden ihn zum Spiele ein. Jedoch erst auf wiederholtes -Drängen nahm der erschrockene Fleischerbursche eine Kugel, die aus -purem Silber war, in die Hand, schob und -- traf alle neun, was die -Ritter über die Maßen sehr erfreute. Beim zweiten Ausschub traf er -gleichfalls alle neun Kegel. Wie er nun über abermalige Aufforderung -zum dritten Male sein Glück versuchen wollte, schlug gerade die Uhr auf -dem nahen Stadtturme zwölf, und alles war verschwunden. Der Geselle -aber befand sich, ohne einen Gang zu sehen, auf demselben Platze, wo -er früher seinen Weg fortsetzen wollte; er glaubte geträumt zu haben, -allein die Silberkugel, die er noch in der Rechten hielt, belehrte -ihn, daß alles Wirklichkeit gewesen. -- Voll Entsetzen und Grausen -eilte er beflügelten Schrittes nach Hause und erzählte seinem Herrn das -seltsame, unheimliche Erlebnis. Da ihm derselbe jedoch keinen Glauben -beimessen wollte, zeigte er als Wahrzeichen seiner Aussage die silberne -Kegelkugel, durch welche beide, Meister und Geselle, reiche Leute -wurden. - - Derartige Sagen von kegelschiebenden Geistern oder dämonischen - Wesen finden sich noch an zahlreichen Orten. Ein Ziegenhirt setzt - auf dem Kyffhäuser Kegel auf, nach denen 12 ernste Ritter schieben. - Er war während dessen 20 Jahre aus seinem Dorfe abwesend und - niemand wollte ihn daselbst anfangs kennen. Auch ein Sängerchor aus - Kelbra sah auf dem Kyffhäuser eine Gesellschaft, welche sich am - Neujahrsmorgen daselbst mit Kegelschieben vergnügte. Der einem von - ihnen geschenkte Kegelkönig verwandelte sich unten am Berge in Gold. - (O. Richter, deutscher Sagenschatz, I. No. 5 und 10.) Im Hausberge im - Mannsfeld'schen schieben verzauberte Herren Kegel. (Größler, Sagen - der Grafschaft Mannsfeld No. 60.) Mit goldenen Kegeln und Kugeln - spielen stattliche Herren in der Dämmerung oder des Nachts in den - Ruinen der Neu-Habsburg in Luzern und auf einem langen waldigen - Hügel zwischen Sargans und Wallenstad. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. - 43 und 44.) Eine Kugel, mit welcher auf dem Löbauer Berge Zwerge - Kegel geschoben hatten, verwandelte sich in Gold; auf dem Oderwitzer - Spitzberge dagegen waren es Riesen, die mit 6 goldenen Kugeln nach - 9 goldenen Kegeln schoben. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 29 und 91.) - In den Gewölben der Ruine Schauenforst soll ein goldenes Kegelspiel - vergraben sein. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 230.) - - Schönherr hat vermutet, daß alle diese Sagen von kegelschiebenden - Geistern Nachklänge von dem heidnischen Himmel, dem Asgard, - sind, in welchem die Götter friedlich mit goldenen Tafeln und - Würfeln spielten, »und wenn nach der Götternacht die goldene Zeit - wiederkehrt, werden sie wieder mit goldenen Tafeln werfen auf dem - Idafelde.« (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 76.) Nach - Anderen soll das Kegelspiel die fallenden und aufstehenden Kämpfer - bei den allabendlichen Spielen der Einherien in Walhalla bedeuten, - nach Nork aber stelle die goldenen Kugeln Gestirne vor. In der - Annaberger Kirche soll sich ein Gemälde befinden, auf welchem - kegelschiebende Engel abgebildet sind. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. - 91.) - - Wenn nach der Sage im Kyffhäuser der deutsche Kaiser Friedrich mit - seinen Knappen Kegel spielt und in der Johannisnacht ein Hirte, der - dazu kam, einen silbernen Kegel oder nach andern Überlieferungen - eine Kugel erhielt, welche zu Gold wurde, so erinnert dies an den - gütigen Wuotan, der alle Wünsche erfüllen konnte. Auf ihn weist auch - unsere Sage hin. In der deutschen Mythe ist das Kegelspiel jedoch - auch ein Sinnbild des Donners. In der Mark Brandenburg sagt man beim - Rollen des Donners: »Der liebe Gott kegelt.« Obschon nun Donar die - eigentliche Gewittergottheit ist, so herrscht doch auch Wuotan oder - Odhin im Gewittersturme. - - -112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863, S. 104.) - -Ein Abt des Klosters Ossegg war der im Munde des Volkes noch -fortlebende Hieronymus Bösneker. Unter den vielen Gerüchten, die von -ihm verbreitet sind, ist folgendes das erheblichste. In einer Nacht, -als der Nachtwächter der Abtei die Klosterhöfe durchwandelte, klopfte -es an den Thoren und herein kam der erst verstorbene Abt Hieronymus. -Da sich diese Erscheinung wiederholte, meldete er es am gehörigen -Orte, wo man ihm seine Furcht zu benehmen suchte und zugleich dem -Nachtwächter die Weisung gab, sollte ihm dies Gesicht noch einmal -erscheinen, so möchte er sogleich zu dem Nachfolger im Vorsteheramte -eilen. Beruhigt betrat der Hüter wieder seinen Posten. Um Mitternacht -pochte es abermals am Thore gegen Herrlich. Das Thor öffnete sich -und herein zogen vier schwarze Rosse schnaubend eine Kalesche, worin -sich der Verstorbene befand. Auf das Rufen des Nachtwächters kam der -damalige fromme und gottesfürchtige Prälat Cajetan im Ornate, ganz wie -er beim Altare erscheint, herbei. Der Mann trat ab und es entspann sich -zwischen dem furchtbaren Gaste und ihm ein Gespräch in lateinischer -Sprache. Alsbald führte der fromme Cajetan seine Begleiter durch die -Thür im Sommersalon, der schon vorbereitet war, hinaus in den Garten, -und man sah durch die Lindenallee nach Herrlich wieder die greuliche -Gestalt dahinfahren. Diese Allee wurde von dem Wiedererschienenen -angelegt. Bald nachher entstand ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug -in eine Linde dieser Allee und die Krone kam in die Erde, die Wurzel -aber oben zu stehen und seit dieser Zeit war nichts mehr zu sehen und -zu hören. Der Enkel jenes Nachtwächters Woitzendörfer ist ein Mann von -70 Jahren und lebt als Lehrer in Rathschitz. - - In Zittau jagt ein gespenstischer Ratsherr des Nachts um 12 Uhr in - einem schwarzen, von dergleichen Rossen gezogenen Wagen durch die - Straßen der Stadt. Ähnliches erzählt man von Görlitz, Köln, Bremen - und a. O. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 154 und 155.) Der gespenstische - Baron Hußmann von Tachau fährt in einem feurigen Wagen, der von vier - schwarzen Pferden gezogen wird. (Grohmann a. a. O. S. 101.) Der Wagen - ist der Höllenwagen oder die Höllenkutsche. Die Todesgöttin Hel - führte die Seelen der Verstorbenen auf einem schwarzen Wagen, der ein - Gegenbild vom Wagen Wuotans ist, in die Unterwelt. - - Wie in unserer Sage der Geist eines Verstorbenen in einem Wagen - wieder auf der Erde erschien, so läßt der Volksglaube in manchen - Gegenden die Toten auch in einem Wagen abholen. In Komotau heißt es - mit Beziehung auf diese Vorstellung in einem Volksliede: - - »Auf der Brücke steht ein goldner Wagen, - Wird mich und dich in Himmel tragen.« - - -113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.) - -Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe unter -Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche die armen -Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte, dasselbe -aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu und Kleie war und -in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich beklagten und über das -ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz: »Ei, meine Gottesgaber -Säue könnens schon fressen!« Als sie aber gestorben war, ist sie oft -wiedergekommen und hat den Mann geplagt. So oft der Müller seine Säue -fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische Sau mit zugelaufen und -hat samt den andern aus dem Troge gefressen. - - -114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla. - -(Mündlich.) - -Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen Zeiten -des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten -demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt stehen bleiben; -nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich führte, konnte -ungehindert seines Weges ziehen. - - -115. Der Kirchenbau in Pritschapel. - -(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.) - -Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt sich ein -nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen Gipfel -noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im Juli -1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von ihr -gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche -gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein -Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber der -Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine, -Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf dem Gipfel -des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf, wie das -zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate und führte -die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In der Nacht darauf -tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute nach dortiger Sitte -aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen über den Himmel -dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig großes, sehr schönes -weißes Maultier gesehen haben, das die Baumaterialien den Berg wieder -hinauftrug. Man sah dies als einen Wink Gottes an, und die Kirche wurde -auf dem Gipfel des Berges erbaut. - - Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877, - S. 77 meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den - Tempelbauversuchen nach der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu - denken. Das weiße Maultier erinnert vielmehr an das weiße Roß Odhins - oder des slavischen Gottes Swantowit, oder an die weissagenden Rosse, - welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven besessen - haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom - weißen Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom - Schafberge, auf welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen - wollte, hinab ins Thal trug, so daß nun hier die Anlage der Stadt - erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 189.) - - -116. Der große Bergsturz zu Altenberg. - -(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430--32. -Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.) - -Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu Altenberg -der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon dadurch der -größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden ist, so ist es -doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so abgegangen, daß -nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und tiefer einging, sowie -vier Zechen und ein Schacht verfielen und des Bergschmieds Wohnhaus -versank. Die meisten Bergleute sind glücklich gerettet worden, obschon -sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne Speise in der Tiefe ausharren -mußten. Nur ein alter Bergmann von 79 Jahren, mit Namen David Eichler -(oder Siemon Sohr), ist nicht zu finden gewesen, auf welchem die -meiste Schuld hernach sitzen geblieben, weil er nämlich aller Warnung -ungeachtet, alle Bergvesten, d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze -der Decken stehen läßt, nach und nach weggehauen habe. Derselbe soll -auch sonst ein gottloser Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne -Gebet und in Teufels Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden -Klagereime sind aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld -gewesen; sie lauten also: - - »Ich George Frölich der Alte, - ich wolt übern Bergwerck halte, - es wolt aber gar nicht seyn. - sondern die Gottlosen fuhren hinein, - und rissen die Berg-Vesten ein, - das ist bewust der ganzen Gemein.« - -Das Unglück aber ist nicht ohne Warnung von oben geschehen, denn -man hat einige Zeit vorher, wenn die Bergleute früh zwischen 4 und -5 Uhr im Zechenhause ihr Gebet vor dem Einfahren abgewartet hatten, -wahrgenommen, daß ein weißes Pferd im vollen Lauf von oben bis zum Ende -der Binge sprang und alsbald verschwand. Man hat dies auch für eine -Warnung angesehen, weil zuvor viele vor dem gemeinschaftlichen Gebet -eingefahren, den das Gebet versäumenden Bergleuten zwei Groschen von -ihrem Lohn für arme Leute abgezogen, wovon dann das sogenannte Aufrufen -gekommen ist. Im Jahre 1729 hat man, als man das damals Eingestürzte -wieder aufzuarbeiten suchte, was jedoch nicht gelungen ist, eine alte -Bergmütze von Filz gefunden, die man für die Fahrmütze jenes Eichler -gehalten hat. - - -117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und Komotau. - -(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 14.) - -Die Straße zwischen Udwitz und Komotau durchschneidet eine Gegend, -in der bei Nacht Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben und den -Vorübergehenden oder Fahrenden allerlei Schabernack spielen. So -spukte während einer längeren Zeit daselbst ein schwarzer Hund, der -gleichsam auf der Lauer lag und der, sobald sich ein Bauer mit seinem -Fuhrwerke näherte, auf dessen Wagen sprang. Der Bauer konnte sich -anstrengen und machen, was er wollte, er mochte dem Hund zurufen oder -ihm Peitschenhiebe versetzen, um sich desselben zu entledigen, alles -umsonst, der schwarze unheimliche Gast blieb liegen, bis der Bauer die -sogenannte St. Josephsstatue passiert hatte; dann war sein Begleiter -verschwunden. - -Einmal mußte ein Bauer um die Mitternachtsstunde mit seinem Wagen -den Weg passieren. Da gewahrte er plötzlich den schwarzen Hund, der, -als er näher kam, mit einem Sprunge auf dem Wagen war. Der Bauer -wurde leichenblaß; er bebte und zitterte an allen Gliedern, nahm die -Peitsche, schlug nach dem Hunde und fing an entsetzlich zu schimpfen; -allein das unheimliche Tier rührte sich nicht. Da der Bauer einsah, -daß er im Bösen nichts ausrichte, fing er an zu beten und zu seiner -Überraschung wurde der Hund auf einmal halb weiß, blieb aber immer noch -liegen. Jetzt wußte sich der schlichte Bauer keinen Rat mehr; er rief -nun mit lauter Stimme: »Lieber Herrgott, laß mich doch nur wissen, was -dieses Höllentier von mir will!« Sobald er diese Worte gesprochen, -wurde der Hund ganz weiß und verschwand, und eine Stimme rief dem -Bäuerlein zu: »Tausend Dank! Du hast meine arme Seele erlöst und mich -von meinem Leid befreit!« - -Im Jahre 1867 ging am heiligen Weihnachtsabende ein mutiges Bürschchen, -das bei einem Görkauer Meister in der Lehre stand, heim zu seinen -Angehörigen nach Komotau. Furchtlos schritt der Jüngling vorwärts. -Ein kalter Frost wehte ihn an, lautlose Stille herrschte ringsum, nur -unterbrochen von dem Knirschen des Schnees. Schon hatte er Udwitz -hinter sich; da, kaum noch 100 Schritte von der St. Josephsstatue -entfernt, erblickt er den schwarzen Hund, dessen feurige Augen wohl -auch dem Beherztesten Schrecken eingejagt hätten. Halbtot schleppte -sich der arme Junge weiter, kein Auge von dem unheimlichen Begleiter -wegwendend. Da griff er plötzlich in die Tasche, zog sein Messer heraus -und stach auf die Bestie los. Zwar schwang der Arm das Messer, ein -Schwefelgestank verbreitete sich, aber -- ruhig schritt das Tier wieder -neben dem Wanderer einher. Kalter Angstschweiß bedeckte die Stirn des -armen Knaben; schon glaubte er, sein letztes Stündlein sei gekommen. Da -faltete er die Hände und fing an zu beten. Kaum hatte er ein Vaterunser -geendet, so war auch das Untier verschwunden. Bleich und verstört kam -der Ärmste bei den Seinen an. Längere Zeit hindurch mußte er das Bett -hüten. - - In den frühesten Zeiten hat der Hund wohl allen Ariern als ein - den Göttern geheiligtes und darum mit der Gabe der Weissagung - ausgestattetes Tier gegolten. Später wurde er Hüter der Unterwelt - und galt dann als Tod- und Unglücksverkündiger. Der eine von den - beiden »Wege bewachenden« Hunden, welche nach der indischen Sage - dem Todesgotte Yama beigesellt sind, ist der schwarze Sarameya, der - die Sterbenden heimsucht. Auch die griechische Mythe weiß von einem - Höllenhunde und geistersichtigen Hunden wie die germanische Sage. - Nach letzterer wittern es auch die Hunde der Sterblichen, wenn die - Nornen und Walkyren ausgesandt werden, oder wenn die Pestseuche - naht. Odhin und seine Walkyren werden von einem Hunde begleitet. - Gespenster erscheinen als Hunde, so z. B. der holländische Nachtgeist - Lodder, welcher seinem Namen nach dem Bruder Odhins und Mitschöpfer - der Menschen, Lothur, entspricht. (Rochholz, deutscher Glaube und - Brauch I., S. 101.) - - -118. Der feurige Hund bei Graslitz. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 236.) - -Auf dem Schönauer Berge bei Graslitz soll in der Nacht ein Hund herum -gehen, mit einer brennenden, feurigen Zunge. Derselbe soll den Leuten, -besonders Mädchen auf den Rücken springen und sich dann eine Strecke -forttragen lassen. - - -119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün. - -(Mündlich.) - -Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün und Pöhla -sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit glühenden Augen -und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen. - - Das Erscheinen weißer Tiere gilt als Tod verkündend. Wahrscheinlich - hat sich diese Prophezeihung ursprünglich auch mit dem Erscheinen - der beiden weißen Pudel, so wie eines weißen Widders und Schafes - in den beiden folgenden Sagen verknüpft. Die Bewohner der Glarner - Alpen sprechen, wenn ein Gemsenjäger in der Wildnis umkommt, er - habe eine weiße Gemse gesehen, und ebenso verkündet auch nach einem - Volksglauben in der Lausitz und in Böhmen ein weißer Schmetterling - den Tod. Vielleicht hängt damit auch die weiße Trauerkleidung der - Slaven zusammen. Rochholz (deutscher Glaube und Brauch I., S. - 138.) vermutet, daß eine Zeit bestanden haben müsse, in welcher - das Kennzeichen von Trauer und Freude durchgehend die weiße Tracht - gewesen sei, da letztere ursprünglich »ein feierliches ins Leben - treten und ein unergründliches Geheimnis des Wiederverschwindens« - bezeichnete. - - -120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen bei Schneeberg. - -(Mündlich.) - -Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen. -Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner von Aue mit Panduren -gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf ihm zuweilen des Nachts ein -weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen. - - -121. Gespenstisches Schaf bei Wildenfels. - -(Mündlich.) - -Bei dem nahe am Weinberge gelegenen Gottesacker zu Wildenfels soll -sich zu nächtlicher Stunde früher ein weißes Schaf haben sehen lassen, -welches die Vorübergehenden erschreckte. - - -122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema. - -(Mitgeteilt vom Lehrer G. Günther aus Lößnitz.) - -In der Nähe der bei Niederschlema über die Mulde führenden Eisenbrücke -stand vor Jahrhunderten und noch ehe Schneeberg gegründet wurde, ein -Eisenhammer. Auch wurde das Eisenerz, welches damals am Schneeberge -gegraben ward, über die alte Brücke nach Lößnitz gefahren, um es -daselbst auf der Ratswage wiegen zu lassen. Die Brücke war mit einem -Dache versehen und deshalb sehr dunkel, und weil außerdem auf beiden -Seiten der Mulde bis an das Ufer finstere Waldungen waren, wurden an -dieser damals schauerlichen Stelle viele Greuelthaten verübt. Unter -andern wurde daselbst auch ein Mann erschlagen, welcher einen schwarzen -Pudel mit sich führte. Dieser Pudel ist dann noch nach langen Jahren -bei der Brücke gesehen worden, seinen Herrn suchend, und darauf ist er -jedesmal plötzlich wieder verschwunden. - - -123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau. - -(Mitgeteilt durch Sem. Paul Mothes aus Bockau.) - -Auf dem Hemberge bei dem Bergflecken Bockau ist ein bestimmter Kreis, -in welchem ein schwarzer Hund haust. Wer sich in diesen Kreis verirrt, -der sieht den Hund und trägt jedesmal eine Krankheit davon. - - -124. Der schwarze Hund in Grünthal. - -(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.) - -Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern in -Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst ein -großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere -auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden -Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe -Landesgrenze verfolge. - - -125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe. - -(Mitgeteilt von Ernst Michael in Niederhaßlau.) - -An der Straße von Bockwa nach Niederhaßlau, auf der sogenannten »Köppe« -oberhalb des neuen Bockwaer Friedhofes, soll sich öfters um Mitternacht -ein schwarzer gespenstischer Hund sehen lassen, der entweder neben den -ihm Begegnenden ein Stückchen hinläuft und dann plötzlich verschwindet, -oder auch sich diesen eine Weile in den Weg stellt und sie im -Weitergehen hindert. Den oder jenen soll er zuweilen auch genötigt -haben den Straßendamm hinabzuspringen, wohin er darauf selbst gefolgt -ist, um in den nahen Muldengebüschen, von woher er zumeist gekommen -war, sich zu verlaufen. -- Von den letzteren ist bekannt, daß sich -darin etliche Personen erhängt, ebenso, daß in dem daneben rauschenden -Muldenwehre mehrere Lebensüberdrüssige ihren Tod gesucht und gefunden -haben. - - -126. Der Walkpudel. - -(Mündlich.) - -Auf dem Walksteige zwischen Dippoldiswalde und Ulberndorf läßt sich -zuweilen ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen, den die -Umwohnenden Walk- oder auch Waldpudel nennen. - - -127. Der Hüttenmops. - -(Mündlich.) - -An dem Huthause bei Ober-Karsdorf oder beim Stollen an der Naundorfer -Brücke sind schon viele von einem gespenstischen Hunde, welcher der -Hüttenmops heißt, erschreckt worden. Der Hüttenmops erscheint auch in -Olbernhau, Oberneuschönberg, Rothenthal, Grünthal und Umgegend. Er -heißt dort meist »Hüttenmatz« oder »Hüttenmutz«, und die ihn gesehen -haben, beschreiben ihn als einen großen, schwarzen Pudel mit feurigen -Augen, der des Nachts umherstreicht, ja zuweilen sogar auf Bäumen -angetroffen wird. Gesagt wird weiter, daß der Hüttenmops ein böser -Geist sei. Einst ist er einem ruhig dahinschreitenden Fleischer auf -den Rücken gesprungen, und trotz allen Schüttelns, Betens und Fluchens -konnte ihn der Mann nicht wieder herunterbringen, bis er vor seiner -Thür angelangt war, wo das Gespenst mit einem höhnischen Schrei -verschwand. Der Fleischer aber starb nach drei Tagen. - -Auch auf der Straße zwischen Freiberg und Erbisdorf ließ sich früher -der Hüttenmops in Gestalt eines riesenhaften Pudels mit feurigen Augen -sehen. Man hielt ihn für einen verwandelten Bergbeamten, der ohne Rast -von Grube zu Grube wandern mußte. (E. H. Müller, Beschreibung der -Bergstadt Brand, S. 4.) - - Gespenstische Hunde sind meist Tod oder Unheil verkündend, auch wenn - ihnen die Sage nicht ausdrücklich die prophetische Gabe beilegt. Wenn - des Nachts vor seinem Hause ein Hund heult, so sagt man in Schleswig: - die Hel ist bei den Hunden, d. h. Hunde wittern die umziehende Pest. - Letztere aber wird mit einem Feuer verglichen, das als blaue Flamme - erscheint. Damit hängt nun jedenfalls wieder der Glaube zusammen, - daß der Hund eine Feuersbrunst anzeigt. (Rochholz, Deutscher Glaube - und Brauch, I. S. 159.) Im Erzgebirge sagt man: Heult ein Hund mit - erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt er den Kopf dabei, so - stirbt jemand. - - Sich den Menschen aufhockende gespenstische schwarze Hunde kennt auch - die slavische Sage. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 330.) - - -128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 471.) - -An der Frankenberger Straße, die nach Chemnitz führt, steht in einem -Dorfe ein schöner neugebauter Gasthof, in dem kein Besitzer lange -bleibt, denn da läßt sich am Tage und des Nachts ein Hase sehen, der -überall neben dem Hausherrn herläuft, allerdings ohne ihm etwas zu -thun, für alle anderen aber unsichtbar ist. - - -129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach. - -(Nach Liberius Veridicus, Unmaßgebliche Gedanken von den Dittersbacher -Vögeln. Frankenberg 1707, bei Gräße a. a. O., No. 588.) - -Im Monat Oktober des Jahres 1706 entstand des Nachts eine große -Feuersbrunst in dem bei Frankenberg gelegenen Dorfe Dittersbach. Bei -derselben versammelten sich wilde Enten, wilde Gänse, Quäker, Kiebitze, -Sperber, Eulen, Lerchen, Rotkehlchen u. s. w. und gegen Morgen kamen -Raben und Krähen dazu und machten ein gräßliches Geschrei. Die Vögel -flogen um das Feuer herum, viele verbrannten, viele aber wurden -gefangen. Weil man sich aber den Grund dieser Vögelversammlung nicht -denken konnte, ist vom Gerichtsamte am 6. November eine Registratur -hierüber aufgenommen und an die sächsische Regierung eingeschickt -worden. - - -130. Das Schindergründel bei Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 49.) - -In der Joachimsthaler Gegend hauste früher ein gewisser Schinderhans, -von welchem man manches drollige Märchen erzählt; dem Volksglauben nach -soll er mit dem Teufel im Bunde gewesen sein. - -Ein anderer Räuber hieß Schwabenkunert; dieser verstand die Kunst, -verschiedene Gestalten anzunehmen. - -Beide wurden nach Verübung vieler Unthaten am Galgenberge gehängt; -als dort vor einiger Zeit Steine gebrochen wurden, fand man noch ihre -Skelette. Als man diese herausnahm, reichten sich die zwei Galgenvögel -die Hände. - -Auch geschah einst im Schindergründel ein Mord; als ein Fuhrmann später -über diese Stelle fuhr, bemerkte er zu seinem Entsetzen rückwärts am -Wagen einen großen schwarzen Hund; er hieb ihn mit der Peitsche, aber -siehe da, der Hund wurde viermal größer, und erst als der Fuhrmann aus -dem Schindergründel kam, verschwand der Hund, der Fuhrmann aber starb -nach einer kurzen Zeit. -- Auch war das Schindergründel berüchtigt als -Aufenthaltsort vieler Diebe und Räuber. - - -131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal. - -(Mündlich.) - -Als vor einigen Jahrhunderten viel falsches Geld von Österreich nach -Sachsen geschafft wurde, kamen auch mit solchem Gelde einige Fuhrleute -in die Nähe von Blauenthal, da wo sich am linken Ufer der Bockau die -sogenannte Steinwand erhebt. Es kam ein schweres Gewitter und die -Fuhrleute suchten deshalb Schutz unter einem überhängenden Felsen. -Da das Unwetter lange anhielt, so vertrieben sie sich die Zeit mit -Kartenspiel. Plötzlich fuhr ein Blitz nieder, ein schwerer Donnerschlag -folgte und die Felsenhöhle mit den darin sitzenden Männern war im -Nu verschwunden. Die stehengebliebenen Wagen wurden nach Eibenstock -gebracht. An gewissen Tagen lassen sich nun in der Nähe der Steinwand -Spukgespenster sehen. So kam einst wiederholt des Nachts ein weißer -Hase. Ein Arbeiter des Hammerwerks schlug nach ihm und rühmte sich -dann, er habe ihm eins ausgewischt. Aber in der folgenden Nacht fand -man den Mann tot. - - -132. Die Puppe von Brand. - -(E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, 1858, S. 119 etc.) - -An die ältere Geschichte des Gasthofes zum Erbgericht in Brand knüpft -sich folgende Sage: - -In früheren Zeiten war eine wohlhabende Witwe im Besitze dieses -Erbgerichts. Dieselbe übertrug den ganzen Reichtum ihrer Liebe auf -ihre siebenjährige Tochter, und an einem Weihnachtsfeste wollte sie -derselben eine seltene Freude bereiten und schenkte ihr eine Puppe, die -mit der Tochter von fast gleicher Größe war. Als aber das Töchterchen -die Puppe erblickte, zeigte es mehr Furcht als Freude, und auch an dem -folgenden Tage mochte das Kind die Puppe nicht sonderlich anschauen, -vielmehr wurde es krank und starb noch in den 12 Nächten an dem bösen -Scharlachfieber. Als einen Ersatz ihres geliebten Töchterchens nahm nun -die Witwe die Puppe zur Hand, kleidete sie an mit den Gewändern der -Verstorbenen, ließ sie neben sich auf einem besonderen Stuhle sitzen, -setzte ihr Speisen und Getränke vor und sprach mit ihr wie mit einem -Kinde. Eine Magd mußte die Puppe aus- und anziehen und regelmäßig -ins Bett bringen. Ja die Frau ging allen Ernstes mit dem Plane um, -einen Hauslehrer für ihren Liebling zu berufen, als der Tod ihrem -wunderlichen Treiben ein Ende machte. Seltsame Gerüchte verbreiteten -sich über ihr Dahinscheiden; feierlich wurde sie zur Erde bestattet und -mit Grauen gedachte man der Puppe, die still in ihrer Lade lag. - -Allein nach dem Begräbnisse der Hausmutter hatte dieselbe keine Ruhe -mehr; in nächtlicher Weile stand sie auf, suchte ihre Kleider, die der -neue Besitzer an sich genommen, und lief im ganzen Hause umher, so daß -jeder Einwohner sich in der Nacht nicht getraute, über die ängstlich -verschlossene Kammer zu schreiten. Selbst an Sonn- und Festtagen, wenn -sich das junge Volk durch Spiel und Tanz ein Vergnügen bereitete, -trippelte sie hinter den kräftigen Bergburschen und den rotwangigen -Mädchen her, so daß man anfangs floh, später aber, an die Erscheinung -gewöhnt, sich nicht sonderlich mehr stören ließ. Der Wirt aber nahm -sich ernstlich vor, dem Spuk ein Ende zu machen. In St. Michaelis -wohnte nämlich in einem einsamen halbverfallenen Häuslein eine alte -triefäugige Frau, von der man behauptete, es sei nicht ganz richtig mit -ihr, auch habe man in ihrer Stube einst ein Geschöpf, einer Fledermaus -ähnlich, bemerkt. Sie wurde nur die Haldenhexe genannt. An diese Person -wandte sich der Wirt in seiner peinlichen Lage, und sie versprach -unter seltsamen Geberden die Puppe in der Lade. Allein die Geschichte -scheint nicht geholfen zu haben, vielmehr rumorte die Puppe mehr als -je, und es schien ihr gar nicht in der zugenagelten Lade zu gefallen. -Kurze Zeit darauf kam auch das letzte Stündlein der Hexe und sie starb -eines rätselhaften Todes. In seiner Not wandte sich nun der geplagte -Erbgerichtsbesitzer an den Ortsgeistlichen in Erbisdorf. Der Pastor -erschien, las einige lateinische Gebete vor, beschwor die Gestalt -und schloß mit den Worten ~apage satanas~! Darauf entfernte sich der -Geistliche. Unterwegs aber hörte er ein leises Husten und als er sich -umdrehte, tanzte die Puppe spottend hinter ihm her, so daß er voll -Grausen eilends nach Hause lief und Thür und Thor fest zuschloß. Und so -blieb denn die Puppe ungebannt im Hause. Lange Zeit wohl mochte sich -dieselbe ruhig verhalten haben, bis sie dann endlich wieder mit ihrem -Spuke auftrat. Ihrem Treiben sollte aber nunmehr ein baldiges Ende -bereitet werden. An einem sonnenhellen Nachmittage wurde die Lade mit -allem Zubehör auf einen Schubkarren geladen und von einem Tagelöhner -dem dunklen Spitalwalde zugefahren. Je näher er demselben kam, desto -schwerer wurde die Lade, so daß ihm der Schweiß von der Stirne rann. -Unter einer Birke machte er ein Loch, einige Fuß tief; doch war ihm bei -dieser Arbeit nicht ganz wohl, denn der Himmel umzog sich mit dunklen -Wolken, Blitze leuchteten durch des Waldes Düster und in der Ferne -rollte der Donner. In aller Eile setzte er die Lade in das gegrabene -Loch, schaufelte Erde darauf, bedeckte es mit Rasen und begab sich -nun eiligst auf den Rückweg. Je näher er an Brand kam, desto eiliger -hörte er hinter sich trippeln und trappeln und als er sich auf einen -Augenblick umsah, erblickte er zu seinem Entsetzen die begrabene Puppe -mit hellleuchtenden Augen. Außer sich vor Schreck kam er halbtot nach -Hause, aß und trank nicht und legte sich zu Bette. Das hitzige Fieber -übermannte ihn und schon nach drei Tagen war er eine Leiche. - -Seit jener Zeit hat man von der gespenstischen Puppe nicht mehr viel -vernommen. Als jedoch das Erbgericht neu aufgebaut wurde, wollen einige -Bauleute dieselbe gesehen haben, wie sie auf den halbvollendeten Mauern -herumgesprungen sei, und man sagt, daß sie heimlich samt der Lade -wieder aus dem Spitalwalde hereingeschafft worden wäre. - - -133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock. - -(Mündlich.) - -Im Dönitzgrunde bei Eibenstock, in welchem noch die Überreste früherer -Zinnseifen zu sehen sind, zeigt man auch eine alte Binge. Von -derselben wird erzählt, daß einst zwei Reiter über dieselbe setzen -wollten, daß sie aber dabei mit ihren Pferden hinabstürzten. Wer nun -in der Johannisnacht an diese Binge kommt und aufmerksam horcht, der -vernimmt in der Tiefe nicht nur das Klirren von zusammenschlagenden -Hufeisen, sondern auch das leise Ticken einer Uhr. - - -134. Die geheimnisvollen Ambosschläge im Keller eines Hauses zu -Eibenstock. - -(Mündlich.) - -In Eibenstock zeigt man ein Haus, welches früher einem Schmied gehörte, -dessen Frau mit dem Teufel ein Bündnis geschlossen hatte. Als die Frau -gestorben war, verkaufte der Mann das Haus und zog fort; doch ließ -er verschiedene Gegenstände in dem weitläufigen und in viele Gänge -auslaufenden Keller zurück. Da geschah es, nachdem das Haus wieder -bewohnt war, daß eines Abends eine Frau hinab in den Keller ging, in -welchem sich ein Brunnen befindet, um daselbst noch Wasser zu holen. Da -hörte sie heftige, wie auf einen Ambos ausgeführte Schläge, von denen -sie jedoch nicht sagen konnte, woher sie rührten. Dies wiederholte sich -noch zweimal nach einander. Darauf ist aber der Frau der Mut plötzlich -gesunken und sie ist eilends davongegangen. Solche Ambosschläge sind -übrigens noch mehrmals in der Nacht in jenem Keller gehört worden. - - -135. Die Klage in Kohlenschächten bei Bockwa. - -(Gräße, Sagenschatz etc. No. 585.) - -Hinter Bockwa, seitwärts von Hohndorf nach Reinsdorf zu, gab es vor -einigen dreißig Jahren noch einige verfallene Kohlenschächte; in einen -derselben soll einmal ein Offizier beim Spazierengehen hineingestürzt -und sein Leichnam erst nach langer Zeit wiedergefunden worden sein. -Wenn man in die Nähe dieses Ortes kam, so hörte man fortwährend Winseln -aus jenen Schächten, ohne heraus zu bekommen, woher dasselbe kam. - - -136. Das gefährliche Feld bei Zwickau. - -(Gräße, Sagenschatz etc. 2. Aufl., No. 611.) - -Vor dem Schneeberger Thore an dem Wege nach Oberhohndorf liegt ein -Feld, auf welchem sich ein Kreuzweg befindet, den die Wege von -Schedewitz, Reinsdorf und Oberhohndorf bilden; über diesen geht des -Mittags zwischen 12 bis 1 Uhr niemand, auch soll denselben kein -Fuhrwerk passieren. Vor einigen Jahren fand man daselbst um diese Zeit -einen umgeworfenen Wagen, aber ohne Pferde und menschliche Begleiter, -und hat sich zu demselben auch nachmals kein Besitzer gefunden. - - - - -III. - -Dämonensagen. - - -Auch die Sagen von den Dämonen, d. h. mit göttlichen und natürlichen -Eigenschaften ausgestatteten Wesen, welche wir sonst im Mythus mit den -Gottheiten selbst verkehren sehen, wurzeln in dem alten Götterglauben. -Wo die mit übermenschlichen Eigenschaften und daher mit der Kraft, -den Menschen zu helfen oder zu schaden, begabten, dabei ein eigenes, -abgeschlossenes Reich bildenden Dämonen in den Überlieferungen des -Volkes nicht mehr gefürchtet, sondern geneckt und verspottet werden, -da zeigt sich bereits der Einfluß des Christentums, dessen Verkündiger -und Hüter bestrebt waren, die alten heidnischen Gottheiten in ihrer -Ohnmacht und ihrem Nichts darzustellen. - -Die Dämonenwelt zerfällt in Zwerge, Vegetationsgeister, Wassergeister -oder Nixe, Riesen und Tierdämonen; wenn wir aber diese Dämonenwelt an -uns vorüberziehen lassen, empfangen wir nicht bloß die Überlieferungen -des germanischen, sondern zugleich auch solche des slavischen -Götterkreises. In den Volkssagen der Wenden, Czechen und anderer -sprachverwandter Nationen leben gleiche mit menschlichen und göttlichen -Eigenschaften ausgestattete Wesen fort; sie sind demselben Quell -entsprungen, aus welchem alle dem indogermanischen Sprachstamme -angehörigen Völker schöpften, und das böhmische Volk erzählt vom -Ursprunge dieser Dämonen: »Als Gott die übermütigen Engel aus dem -Himmel verstieß, wurden aus ihnen die bösen Geister, welche den -Menschen bei Tag und Nacht beunruhigen, ihn necken und schädigen. -Die in die Hölle stürzten und in die Löcher und Abgründe, das sind -die Teufel und die Todmädchen. Aus denen aber, die auf die Erde -fielen, wurden die Kobolde, Schrätlein, die Zwerge, Daumlinge, die -Alpe, die Mittags- und Abendgespenster und die Irrlichter. Die in die -Wälder fielen, wurden zu Waldgeistern, als da sind: die Hemänner, die -wilden Männer, die Waldmänner und die wilden Weiber und Waldfrauen. -Jene endlich, die ins Wasser fielen, wurden zu Wassergeistern, zu -Wassermännern, zu Meerjungfern und Meerfrauen.« (Grohmann, Sagenbuch -aus Böhmen und Mähren, I. S. 108.) - -Die +Zwerge+, welche die Volkssage nicht bloß in Böhmen, sondern auch -in Tirol und der Schweiz als gefallene, obschon nicht ganz verdorbene, -sondern nur verführte Engel ansieht, die aber nach einer Überlieferung -aus Schwaben einst über die Menschen herrschten und von diesen -göttlich verehrt wurden, sind vorzugsweise die Phantasiegebilde der -Gebirgsbewohner. Sie gleichen vielfach den gnomenartigen ~Yakschas~ -der indischen Sagenwelt, welche in den Gebirgen die Schätze des -Metallgottes ~Kuveras~ hüten, und wie nach dem Glauben der alten -Griechen die Pygmäen wie Ameisen in der Erde wohnten, so halten sich -auch die Zwerge des deutschen Sagenkreises, dem sie hauptsächlich -angehören, vorzugsweise in Höhlen und Klüften auf, während die Wenden -der Lausitz die Wohnungen ihrer Zwerge, der Ludki, in die heidnischen -Grabhügel verlegen, deren Urnen nach dem Volksglauben Hausgeräte des -Zwergvolkes sind. - -Von allen Wesen wurden die Zwerge nach der Edda zuerst geschaffen, -sie schmiedeten gleich den Göttern Erze und lebten in dem Körper -des aus Reif oder gefrorenem Tau entsprungenen Riesen Ymir, der die -Welt bedeutet. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 282.) Unter einem Könige -zu einem Volke vereinigt, lebten sie friedlich mit den Menschen, für -welche sie arbeiteten und die sie häufig für kleine Dienste reichlich -belohnten. Besonders thaten sie frommen und armen Leuten Gutes. -Gewisse übermenschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die Kenntnis -von geheimen Heilkräften, z. B. denen der Bärwurz und des Baldrian -gegen die Pest, ihr Auftreten als Hüter unermeßlicher Schätze, aber -auch nach Jakob Grimm die Liebe zu den Tönen, knüpft ihr Geschlecht an -höhere Wesen, vorzüglich an Halbgötter und Göttinnen. (Deutsche Myth., -S. 264.) Während sie auf der einen Seite dadurch, daß sie den Menschen -beistehen, ihnen Glück bringen und sie belohnen, sich denselben nähern, -scheinen sie, um mich der Worte Jacob Grimms (a. a. O. S. 259.) zu -bedienen, doch überhaupt von ihnen zurückzuweichen, und »so machen -sie den Eindruck eines unterdrückten, bedrängten Volksstammes, der im -Begriffe steht, die alte Heimat den neuen mächtigeren Ankömmlingen zu -überlassen«. Übereinstimmend damit bemerkt auch Preusker in seinen -Blicken in die vaterländische Vorzeit (I. S. 54.), daß die Zwergsagen -der Lausitz, des Vogtlandes, Harzes und Thüringens auf zerstreute -slavische Ansiedler hinweisen, die später von den vordringenden -Deutschen verdrängt und unterdrückt wurden, so daß sie sich verbergen -und ihre Wohnsitze verlassen mußten. Ja nach einer Lausitzer Sage, die -Veckenstedt (Wendische Sagen, S. 157.) mitteilt, stammen die Wenden -von den Ludkis ab. Unsere erzgebirgischen Sagen erzählen, wie die -Zwerge durch Lauch, den man in die Milch that, durch Aufrichtung der -Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks«, sowie dadurch vertrieben -wurden, daß man die Knödel im Topfe und die Brote im Backofen zählte. -Sie werden aber wiederkommen, »wenn die Hämmer würden abgehen.« Von -Schmiedeberg zogen sie über die Eger. Ähnlichen Überlieferungen -begegnen wir anderwärts. In der Lausitz konnten sie das Kümmelbrot -und Glockengeläute nicht vertragen und sie ließen sich von einem -Bauer aus Hainewalde über die böhmische Grenze fahren. Bei Langenberg -fuhren sie in einer mondhellen Nacht über die Elster, und die Zwerge, -welche ehemals in den Hüttener Bergen, besonders in dem Kindelberge -und im Pläterberge bei Wittensee wohnten, kamen in der Nacht an die -Hohner Fähre und ließen sich übersetzen. (Müllenhof, Schleswig-Holst. -Volkssagen, No. 329.) Auch die Wichtel- oder Heinzelmännchen des -Spatenberges fuhren über einen Fluß. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, -S. 107.) - -Überall spricht sich dabei der Groll über menschliche Treulosigkeit und -Unduldsamkeit, ursprünglich wohl über den Abfall von den heidnischen -alten Göttern aus. Wenn aber in anderen Gegenden der Glockenton -die Zwerge vertrieb und letztere demnach in der Sage der Kirche -unfreundlich gegenüber treten, so bauten sie wieder nach einer dazu -fremdartig erscheinenden Überlieferung im Erzgebirge die Steiner -Pfarrkirche, indem sie des Nachts das Baumaterial von unten, wo man die -Kirche zu errichten beabsichtigte, auf den Berg trugen. Sie übernehmen -hier eine Arbeit, welche nach anderen Sagen einem weißen Pferde oder -einem anderen gespenstischen Wesen zugeschrieben wird. - -In den Volksüberlieferungen werden die Zwerge, deren Frauen nach einer -unserer Sagen die Klagemütter, in der Lausitz jedoch die Busch- oder -Holzweibel sind (Preusker a. a. O., S. 52.), in mehrere Gattungen -mit verschiedenen Namen geschieden, welche jedoch nicht immer streng -von einander zu trennen sind. Vielfach gehen die eigentlichen, bunte -Röcklein oder spitze rote Hüte tragenden und Höhlen und Schluchten -des Gebirges bewohnenden Zwerge in +Berggeister+ über. Letztere, -als ursprünglich gutmütige und in Gestalt sehr verschieden, meist -als Bergleute, Mönche, jedoch auch in einer erzgebirgischen Sage in -Roßgestalt auftretende Wesen, nähern sich wieder, indem sie zuweilen -boshaft werden, den Kobolden. - -Der Berggeist kommt nur beim Bergwerke vor, und die Sagen von ihm -sind gewiß so alt wie der Bergbau selbst. Mit Recht weist daher -Wrubel (Sammlung bergmännischer Sagen, S. 5.) darauf hin, daß man -unsern Berggeist wohl vom Rübezahl des Riesengebirges, welcher besser -»Gebirgsgeist« zu nennen sei, unterscheiden müsse. Wenn wir auch in -den Sagen vom Berggeiste einen Überrest des heidnischen Götterglaubens -haben, so mochten doch die stetigen Gefahren, denen der Bergmann -bei seinen Berufsgeschäften ausgesetzt ist, das von verschiedenen -abergläubischen Meinungen beeinflußte Gemüt mit Bangen vor einer -unterirdischen Macht erfüllen, welche allmählich festere Form annahm -und zu einem Beherrscher des unterirdischen Reiches wurde. (Wrubel a. -a. O., S. 8.) - -Die Berggeister waren die Hüter von edlen Erzgängen, und vielleicht -sind die sagenhaften Überlieferungen von den rätselhaften Fremden, -welche das Erzgebirge, den Thüringerwald, das Vogtland, Fichtelgebirge -und andere Landschaften nach Gold durchsuchten, und die als Venetier -oder Wahlen von dem Volke mit überirdischen Kräften ausgestattet -wurden, die das Innere der Berge kannten und mancher Zauberkünste -kundig waren, zum Teil auf die Schätze hütenden Berggeister -zurückzuführen. - -Venetier, die nach der Volkssage in verschiedenen Gestalten auftraten, -wuschen auch die Goldkörner aus den Brunnen und Flüssen, und so -gehört wohl auch die Sage von dem Hutmanne in Wiesenthal, welcher -einstmals auf dem Fichtelberge an einem Brunnen, dessen Boden von eitel -Goldflammen leuchtete, einen in einem Buche lesenden Mönch antraf, -ebenfalls hierher. - -Ein anderes Geschlecht der Zwerge sind die +Hausgeister+ und +Kobolde+, -welche eine mehr heitere und neckische, zuweilen selbst boshafte Natur -besitzen. Sie halten sich vorzugsweise in den Wohnungen der Menschen, -aber auch in Bergwerken auf, und nur ganz vereinzelt erscheinen sie -im Freien. Wie die Zwerge und die später besprochenen Moosweibchen -sind auch die Kobolde unselige Geister. Daher hat ein Knabe in Lauter, -welchem ein solcher Kobold keine Ruhe ließ, fleißig gebetet und gesagt: -»Laß mich doch in Ruhe; wenn Du nicht beten willst und auch nicht beten -kannst, so gehe Deiner Wege.« Andere Hausgeister sind befriedigt, wenn -man ihnen ein wenig Milch aufstellt, und wäre es auch nur in einem -Katzenschüsselchen, so daß sie daher Katzenveit, Heinzelmann, Katermann -u. s. w. heißen. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 18.) -Der erzgebirgische Katzenveit, dessen Jacob Grimm nur kurz und zwar -als eines »Waldgeistes« im Fichtelgebirge gedenkt, erinnert in mancher -Beziehung wieder an den Rübezahl des Riesengebirges. - -Ein Hausgeist, wie das vogtländische »Schreckgökerle«, vor dem sich die -Kinder fürchten, ist das »Schreckagerl«, welches wie andere Kobolde -bei der Arbeit hilft; nur muß man ihm dafür zu essen geben. Dieses -hilfreiche Beistehen bei der häuslichen Arbeit, das Füttern des Viehes, -das Fegen der Küche und dergl. mehr gehört so recht zum Wesen der -Kobolde. Unser Bahnbrecher in der Kenntnis der germanischen Götterlehre -sagt in seiner deutschen Mythologie (S. 284.), daß es ihm scheine, -man habe früher aus Buchsbaumholz kleine Hausgeister geschnitzt und -dieselben in dem Zimmer aufgestellt; der Ernst habe sich in Scherz -umgewandelt und die christliche Ansicht habe die Beibehaltung des alten -Brauches geduldet. In gleicher Weise mag aber auch aus dem ursprünglich -dienstfertigen Kobolde, welcher das Gesinde weckte und nach dem -Rechten im Hause sah, mit der Zeit ein Polter- und Plagegeist geworden -sein, der dann mehr teuflisch und gespenstisch auftrat. So sank, wie -Jakob Grimm sich ausdrückt, der getreue Hausfreund des Heidentums zum -Schreckbild und Gespött der Kinder herab, ein Los, das er mit Göttern -und Göttinnen teilt. (Deutsche Myth., S. 293.) - -Als Kindergespenst tritt überall im Erzgebirge das »Jüdel« oder -»Hütchen« auf, welches den letzten Namen vielleicht von dem roten -Hute der Zwerge hat. Das Jüdel spielt während ihres Schlafes mit den -Kindern; es spielt auch des Nachts mit den Kühen. Will man das Jüdel -als Hausgeist unterhalten, so muß man demselben Spielsachen geben. -Wie unter den Kobolden der Katzenveit vom Kohlberge bei Zwickau und -die Männchen des Koboldsteins bei Kloster Maria Sorg, so waren auch -der +Kaspar+ des Greifensteins und der Geist +Mützchen+ bei Freiberg -keine eigentlichen Hausgeister; bei letzterem ist durch die Nebelkappe -deutlich seine Zwergnatur gekennzeichnet. - -Zahlreich melden uns endlich Sagen von koboldartigen Wesen, welche -in den Zechen den Bergknappen entgegentraten. Sollen doch die beiden -Metalle Kobalt und Nickel, nach denen gegenwärtig vorzugsweise die -Gruben des Schneeberg-Neustädtler Reviers abgebaut werden, von zwei -neckischen Geistern ihre Namen erhalten haben. Von dem Kobalt, -dessen Name zwar auch von dem böhmischen ~Kow~, das Erz, ~kowalty~, -erzhaltig, abgeleitet wird, sagt ein alter Bergprediger: »Ihr Leute -heißt es Kobalt und die Deutschen nennen den schwarzen Teufel Kobel, -der Menschen und Vieh durch Zauberei Schaden thut. Es haben nun aber -der Teufel und seine Hallraunen oder Drutten dem Kobalt, oder der -Kobalt den Zauberinnen den Namen gegeben, so ist Kobalt ein giftig und -schädlich Metall.« (Merkel, Erdbeschr. v. Kursachsen I. S. 176.) - -Mit den Kobolden teilweise verwandt sind die +Irrlichter+, welche man -sich als lebende Wesen vorstellt. Sie führen Menschen irre, hocken -sich ihnen auf oder bestrafen sie auch, wie die erzgebirgische Sage -von der unheimlichen Fackel erzählt. Irrlichter können aber auch -in feuriger Gestalt umherschweifende Seelen sein, welche nicht der -himmlischen Seligkeit teilhaftig wurden, und dann nähern sie sich den -zum Gespensterspuk gehörenden feurigen Männern. - -Aus der Klasse der +Vegetationsgeister+ begegnen wir im Erzgebirge, -als einem ursprünglichen Waldgebirge, hauptsächlich den +Walddämonen+ -unter den Namen von Waldgeistern, Waldteufeln, Moosmännchen, wilden -Weibern und Holzweibchen. Wie die Nixe fügen sie sich nicht in die -Civilisation, und obschon sie zuweilen freundlich mit den Menschen -verkehren und dieselben für geleistete Dienste belohnen, so ist -ihnen doch der Humor, welcher die Zwerge auszeichnet, fremd, und -Schwermut oder große Wildheit charakterisiert sie. Zuweilen treten -die Holzweibchen als Schicksalsverkündiger oder Wetterpropheten auf. -Der wilde Jäger oder der Teufel verfolgt sie auch im Erzgebirge und -ein Baumstamm mit eingehauenen Kreuzen gewährt ihnen gegen denselben -Schutz, wenn sie sich auf ihm niederlassen. Die vogtländische Sage, -welche von ihnen das meiste weiß (Jul. Schmidt, Topographie der Pflege -Reichenfels und Witzschel, Sagen aus Thüringen), erzählt, daß sie vor -dem wilden Jäger Ruhe finden, wenn sie sich auf einen Stamm setzen, in -welchem während der Zeit, da man den Schall des niederfallenden Baumes -hört, drei Kreuze in einem Zwickel gehauen wurden. Im Sagenschatz des -K. Sachsen (zu No. 550.) bemerkt hierzu Gräße, daß viele glauben, die -Holzweibchen seien aus den heidnischen Sorbenfrauen entstanden, die vor -dem Christentume in die Wälder geflohen, wenn sie dieselben aber wieder -verlassen hätten, von den Christen verfolgt bei Stämmen, auf denen drei -Kreuze eingehauen gewesen, Schutz gesucht und gefunden hätten. Dagegen -zählt Jakob Grimm die Holzweibchen, die nach ihm einen Übergang zu den -Zwergen bilden, zu dem heidnischen Gespensterspuk, der sich aus den -Vorstellungen von halbgöttlichen Wesen, mit denen das Heidentum den -Wald bevölkert dachte, entwickelte. (Deutsche Myth., S. 243 und 520.) -Und Nork greift in den Sitten und Gebräuchen der Deutschen (S. 63.) -sogar auf die Gnomengestalten der indischen Sagen zurück, mit denen er -unsere ähnlichen Sagenstoffe wie Ausläufer aus einer gemeinschaftlichen -Wurzel in Verbindung setzt. -- Unsere Sage nennt die Holzweibel auch -Buschweibchen und faßt sie teilweise als den Moosweibchen gleiche Wesen -auf. Die Moosweibchen waren immer zwerghaft und über und über mit Moos -bewachsen; nach der thüringischen Sage wohnten sie an dunklen Orten und -in Höhlen unter der Erde. (Richter, Sagen des Thüringer Landes, IV. S. -43.) Wie in Thüringen die Moosweibchen, so kamen auch im Erzgebirge -die Buschweibchen zuweilen in die Wohnungen der Menschen und begehrten -daselbst Essen. Sie beschenkten mit Spänen und Laub, welche Dinge sich -später in Gold verwandelten. Bei uns wurden sie wie die eigentlichen -Zwerge vertrieben, als man das Brot im Backofen zählte. - -Neben den Sagen vom Erscheinen der Holzweibchen im Erzgebirge, -von denen ein Teil allerdings nur noch in älteren schriftlichen -Überlieferungen vorhanden ist, leben im Volke noch Redensarten, welche -sich auf den Glauben an das frühere Erscheinen dieser dämonischen -Gestalten beziehen. So sagt man in der Gegend von Schneeberg: »Das -Holzweibel hat aufgehängt«, wenn man früh an den Büschen Spinnweben -ausgespannt sieht, die auf beständiges schönes Wetter gedeutet werden. -Steigen weiße Nebel aus den Waldungen auf, so sagt der Gebirger: »Das -Holzweibel heizt ein, es wird ander Wetter!« (Lindner, Wanderungen -durch das sächsische Obererzgebirge, I. S. 4.) Bei Brunnersdorf -warnte man noch vor wenigen Jahren die Beeren suchenden Kinder vor -dem Buschweibchen und ermahnte sie, im Walde der Sicherheit wegen -beisammen zu bleiben; bei Kupferberg sagt man von eilig Dahinlaufenden: -»Der läuft wie der Teufel, wenn er dem Holzweibel nachläuft«, und in -der Gegend von Platz nennt man kleine vermummte Kinder scherzweise -Buschweibel. (Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung VI. S. 55 und 56.) -Ähnliche Redensarten sind in anderen deutschen Gegenden gebräuchlich. -So sagen z. B. die Bauern in der Zittauer Gegend, wenn daselbst die -Berge dampfen: »Die Holzweibchen kochen Kaffee« (Haupt, Sagenbuch etc. -No. 38.), während die Erdmännchen am Eisengraben backen, wenn gewisse -Nebel auf dem Kaisacker im Frickthale aufsteigen, und die Wölkchen, -welche hoch am Gebirge schweben, in Tirol für die aufgehängte Wäsche -der Holzweibchen gehalten werden, die schönes Wetter verkünden. -(Gartenlaube, 1880, No. 31. und Henne-Am-Rhyn a. a. O., S. 261 und 278.) - -Mir scheint, als ob sich auch der Name »Käthel« in manchen -Volksüberlieferungen auf ein dämonisches Wesen, vielleicht ein Holz- -oder Buschweibchen bezieht. - -Das enge Muldenthal zwischen dem Mehltheuer und der hohen Rieß -unterhalb der Haltestelle Niederschlema heißt im Volksmunde das -»Käthelloch« und man prophezeit auf Grund der in ihm lagernden Nebel -auf eine Änderung des Wetters. Es erinnert dies an Volksmeinungen -in Nordböhmen. Die Frauen in Neuland bei Gabel sagen, wenn der -Rollberg von Wolken umzogen ist, daß das Roll-Kathel koche und in -Sukohrad spricht man in ähnlicher Weise: »Die Geltsch-Käthe kocht.« -(Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 7. Jahrg. S. 95.) - -Während den Holz- und Moosweibchen ein Grad von Gutmütigkeit und -Zuneigung zu den Menschen zukommt, sind die +Waldgeister+ und -+Feldteufel+ schreckhafte Gestalten. Auch der +Hemann+, welcher sich -ebenfalls im Gebirge sehen läßt und Antwort giebt, wenn man ihn im -Walde laut mit »He he, hu hu!« ruft, hat Freude an dem Schaden der -Leute. - -Zu den Vegetations- und insbesondere zu den +Feldgeistern+ ist weiter -das +Mittagsgespenst+ zu zählen. Schon die alten Kirchenschriftsteller -des 6. Jahrhunderts schreiben eine Reihe von Krankheiten dem -Mittagsteufel zu; seinetwegen wurden die Kirchen, welche sonst den -ganzen Tag bis zum Abendläuten offen stehen sollten, während der -Mittagsstunde zugeschlossen. In der Schweiz wandeln bei der vom Volke -keineswegs als gnadenreich gehaltenen Mittagssonne die verwünschten -Schloßjungfern umher, und wie die Pest früher ~morbus meridianus~ hieß, -so ist auch das Mittagsgespenst der Wenden teilweise zugleich die -Pestjungfrau. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 67.) - -Die slavische, zu den Feld- und Waldgeistern gehörende +Marzebilla+ -tritt ebenfalls im Erzgebirge auf. Sie führt die Leute ins Dickicht -und an fruchtbare Stellen, wenn sie beten, überläßt sie aber ihrem -Schicksal, wenn sie fluchen. - -Die +Wehklage+ aber gehört teilweise wie das Klopfen an die Thüre, ohne -daß jemand draußen steht, das Rufen des eigenen Namens, als ob derselbe -aus weiter Ferne hertönte, und viele andere geheimnisvolle Laute, aus -denen das Volk auf Tod oder bevorstehendes Unglück schließt, zu den -Voranzeichen. (Rochholz a. a. O., I. S. 143.) Auf dem Harze ist die -Klagemutter Frau Holle, (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 562.), anderwärts -ist eine »Heulmutter« oder »Frau Hel« die Schattengöttin Hel, welche -an dunkeln Furten sitzt. (Rochholz a. a. O., I. S. 90.) Nach einer -Sage aus der Gegend von Fulda ist die Wehklage dagegen unverkennbar -ein Waldgeist, denn man sagt daselbst, wenn jemand sterben sollte, -so sei eine Waldfrau von der wilden Frauen-Loch hergekommen und habe -sich wehklagend in der Nähe des Sterbehauses gezeigt. (Wolf, Hessische -Sagen, S. 53.) Eine erzgebirgische Sage bezeichnet die Klageweibel -als Frauen verbannter Berggeister und Zwerge. -- Wenn nach der Edda -die Zwerge und Riesen dem Menschen in der Schöpfung vorangingen und -weiter nach alter Überlieferung von beiden Dämonen die Zwerge zuerst -geschaffen wurden, um das wüste Land und Gebirge zu bauen (J. Grimm, -Myth., S. 253.), so fügt noch eine Oberpfälzer Sage hinzu, daß alle -Zwerge, da sich das trockene Land noch nicht abgeschieden hatte, -zunächst im Wasser lebten. Sie waren demnach im Anfange gleich den -+Nixen+. Der männliche Nix, Necker oder Nicker, erinnert nach einer -anderen Überlieferung wieder an den skandinavischen Odhin, dessen -Beiname ~Nikarr~ ihn als den Wellen besänftigenden Meergott bezeichnet. -(J. Grimm a. a. O., S. 276.) Der Nikur soll als schönes apfelgraues -Roß am Meeresstrande erscheinen, und ein großes Pferd mit ungeheuren -Hufen zeigt sich auf dem Wasser, wenn Sturm und Gewitter aufsteigen. -Anklängen an diese Vorstellungen begegnet man im Erzgebirge. Es mag -dabei auf die Sagen vom Grundtümpel bei Wildenau und von dem Sturmwinde -bei Oberscheibe, der in die Teiche fuhr und das Wasser in die Höhe -warf, »als wenn sich zwei Pferde im Wasser mit einander schlügen«, -hingewiesen werden. Vorherrschend schildert die Sage den männlichen Nix -als häßlich, ausnahmsweise wird er als von schöner Gestalt beschrieben. -Er hat struppige grüne Haare und grüne Zähne, Rock und Hosen sind immer -zerrissen und kotig. Auch die slavischen Flußnixen sind grünhaarig -und der finnische Wassergott Ahto hat einen Grasbart. (Rochholz, a. -a. O., II. S. 281.) Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau, welcher ein -Krönlein auf dem Haupte trug, sah blau aus. Grün und blau aber sind -dämonische Farben, und besonders weist letztere Farbe auf Wuotan -hin, dessen Leibfarbe ebenfalls blau ist. Haupt bemerkt in seinem -Sagenbuche der Lausitz (No. 44.), daß, obschon der skandinavische -Odhin im Gegensatze zu dem deutschen Luft- und Sturmgotte Wuotan auch -Nix ist, bei den Slaven vielleicht der Luftgott zu einem Wassergotte -wurde. Hier berühren sich jedenfalls germanische und slavische -Überlieferungen. Die Freude aller Wassergeister ist Tanz, Gesang und -Musik. Auch die erzgebirgische Nixensage erzählt von zu Tanze gehenden -Wasserjungfrauen, sowie vom »thörichten See« bei Satzung, in welchem -ein Nix seine Wohnung hatte, daß man daselbst mittags großen Tumult -und Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört habe, als -ob eine lustige Bauernhochzeit in dem See abgehalten würde. In dem -Sagenbuche der Lausitz hat Karl Haupt mehrere unter der slavischen -Bevölkerung lebende Sagen mitgeteilt und er bemerkt dabei, daß der -musikalische Nix der Wenden ebenso bezeichnend für die slavische -Anschauung sei, wie die Querxe oder Zwerge und der wilde Jäger, die -Berg- und Luftbewohner, für die Anschauung der Deutschen. - -Das was Jacob Grimm (deutsche Myth., S. 280.) im Allgemeinen bei -den Wassergeistern hervorhebt, nämlich ein Zug von Grausamkeit und -Blutdurst und die Ausübung blutiger Rache, welche in den Sagen -von diesen Geistern so vielfach wiederkehren, dabei aber auch ein -Beispiel für die Aufrechterhaltung der männlichen Ehre, welche dem Nix -charakteristisch ist, finden wir in der Sage von dem obengenannten -thörichten See vereinigt. Hier belohnt auch der Nix einen Holzhacker -für den geleisteten Dienst, indem er ihm einen Beutel schenkt, der nie -leer werden sollte, so oft er auch hineingreifen würde. Die Belohnung -für geleistete Dienste, scheinbar unbedeutend und doch so reich, ist -eine Handlung, welche uns an ähnliche Handlungen in den Zwergsagen -erinnert; das Wesen der Kobolde und Poltergeister aber nehmen die Nixe -an, wenn sie ohne Veranlassung, wie dies bei Elterlein geschah, ruhige -Arbeiter und Spaziergänger erschrecken. - -Der Nix der Zschopau fordert jedes Jahr sein Opfer. Es ist dies eine -Überlieferung, welche auch der Lausitz nicht fehlt und die sich in -gleicher Weise bei der Saale, Elster, Donau, Oder u. s. w. wiederholt. -In die Bode bei Quedlinburg warf man früher in bestimmter Frist -einen schwarzen Hahn; geschah dies nicht, so forderte der Fluß ein -Menschenleben. Wenn auch nicht bei allen Überlieferungen von den -jährlich ein Menschenleben fordernden Flüssen die Nixe ausdrücklich -genannt werden, so ist doch immer dabei an heidnische Menschenopfer, -welche den Wassergeistern gebracht wurden, zu denken. (Haupt a. a. O., -No. 45.) Als man die Opfer nicht mehr freiwillig brachte, holte sich -diese der Flußgeist selbst. - -Schließlich mag noch auf die in unserem Sagenkreise etwas fremdartig -erscheinende Seebergjungfer, welche zuweilen an den Hoderwiesteich -bei Seestadtl kam, um daselbst zu baden, hingewiesen werden. Sie -erschien halb als Fisch und zur Hälfte als Mensch und erinnert durch -diese Gestalt an die keltische Brunnennymphe Melusina, deren Namen -wir aber in einer Sage aus dem böhmischen Teile des Erzgebirgs -einer Luftgottheit beigelegt finden. Jac. Grimm ist geneigt, alle -Vorstellungen von geschwänzten Nixen als echt deutsche anzuzweifeln. -(Deutsche Myth., S. 277.) -- Der vielleicht bis zur europäischen -Völkerwiege zurückreichende Glaube an Wasserdämonen hat bei den -auseinandergehenden Völkerstämmen mancherlei Gestalt angenommen. -Verwandt mit unsern deutschen und slavischen Nixen und den keltischen -Brunnennymphen sind die indischen ~Apsaras~, d. h. die aus dem -Wasser Entsprossenen. -- Zur Dämonenwelt gehören auch die +Riesen+, -welche nach der germanischen Mythe erst nach den Zwergen erschaffen -wurden, um die Ungeheuer und Würmer zu erschlagen. Abgesehen von den -chronikalischen Überlieferungen von Riesenknochen, welche da und dort -gefunden wurden, fehlen im Erzgebirge eigentliche Sagen von Riesen und -ebenso ist es jedenfalls auch bemerkenswert, daß sich bei uns nicht, -wie dies in anderen Gebirgen der Fall ist, Riesensagen mit gewaltigen -Felsmassen verknüpfen, welche nicht selten mauerartig aufgetürmt, die -bewaldeten Höhen krönen, oder die durch ihre absonderliche Form -- ich -erinnere dabei an die granitischen »Hefenklöse« bei Johanngeorgenstadt -und den Rockenstein bei Schönheiderhammer -- die Aufmerksamkeit der -Bewohner gewiß schon in früherer Zeit erregten. Die so häufig im oberen -Erzgebirge auftretenden Blockwerke hat das Volk nüchtern betrachtet, -während es z. B. im Vogtlande in ihnen die Hinterlassenschaft von -Riesen erblickt, und spitze Felskegel haben seine Phantasie nicht -wie in der Lausitz erregt, wo ein solches bei Heidersdorf anstehendes -Naturgebilde als Keule eines Riesen gedeutet wird. (Eisel, Sagenbuch -des Vogtl., No. 22--25. Haupt, a. a. O., No. 90--93.) - -Die kindlichen Naturmenschen konnten sich entfernte Erscheinungen, -welche sie am Himmel oder im Luftkreise beobachteten, nur durch -Vergleichung mit näheren bekannten erklären. So war ihnen der Blitz -eine feurige Schlange, im Heulen des Sturmes hörten sie die Stimmen -bekannter Tiere und die Wolken erschienen ihnen als Kühe oder Ziegen, -welche statt der Milch Regen spendeten. Noch jetzt begegnen wir dieser -Vorstellung in einem schwedischen Volksrätsel, dessen Lösung die Wolke -ist: »Eine schwarzrandige Kuh ging über eine pfeilerlose Brücke, kein -Mensch in diesem Lande die Kuh aufhalten kann.« (Manhardt, a. a. O., S. -89.) Jedoch sah man die Tiere der Erde im Himmel größer und gewaltiger -wieder, und man fing an, diese himmlischen Wesen zu fürchten oder -fühlte sich veranlaßt, ihnen für ihre Segensspenden zu danken. Als -sich dann der Glaube an menschenähnliche, im Himmel wohnende Götter -entwickelte, trat eine Verschmelzung derselben mit jenen himmlischen -Tieren ein, indem man meinte, daß sich Götter selbst in solche Tiere -verwandeln könnten, oder letztere ihnen als ihre Begleiter nahe -standen. Später hefteten sich diese Überlieferungen an irdische Tiere -und an Menschen, so daß z. B. aus dem die Blitzschlange bändigenden -Sturmgotte Wuotan ein Mann wurde, welcher eine wunderbare Macht auf -wirkliche Schlangen auszuüben imstande war. In dieser Weise haben wir -die Sagen von +dämonischen Tieren+ aufzufassen. (Grohmann, Sagenbuch -von Böhmen und Mähren, I. S. 216.) - -Ein wendischer Aberglaube berichtet, daß jeder Kobold die Gestalt eines -Kalbes annehmen könne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 88.) In unseren -Sagen ist das gespenstische Kalb Anzeichen eines Krieges oder es -springt des Nachts jemandem, der dann sterben muß, auf den Rücken und -läßt sich forttragen. Zu Ypern wurde ein reicher Mann, der ein goldenes -Kalb anbetete, nach seinem Tode verwünscht, die Gestalt eines Kalbes -anzunehmen, das jedem, dem es begegnet, auf den Rücken springt. (Nork, -Sitten und Gebräuche d. Deutschen, S. 281.) - -Das bereits genannte Mittagsgespenst nimmt auch zuweilen Tiergestalt -an; so erscheint es im Jura unter dem Namen »Stollnwurm« als Drache. -Als +Bock+ sonnt es sich des Mittags am Charfreitage auf der Ruine -Hagberg. In diesen Vorstellungskreis gehört vielleicht auch der Bock, -welcher sich zuweilen des Mittags (aber auch des Nachts) um 12 Uhr -am Bocksloche, einem alten Stollen in Oberschlema sehen läßt (s. -Ortssagen.) Als +Lamm+ erscheint das Mittagsgespenst am Tobelhötzli -in der Aargauer Gemeinde, und hierher gehören wohl auch unsere Sagen -vom weißen Schafe, das Menschen erschreckt, und vom weißen Widder mit -goldenen Hörnern. - -Aus der Auffassung des Blitzes als +Schlange+ sind zahlreiche -mythologische Vorstellungen hervorgegangen. Wie der Blitz die -Gewitterwolke gleichsam spaltet, so daß dann die goldene Sonne wieder -aufleuchtet, so sollen die himmlischen Schlangen einen kostbaren -Edelstein verfertigen. Diese Vorstellung wurde später auf die irdischen -Schlangen übertragen. (Mannhardt, a. a. O., S. 103.) Weit verbreitet -sind die Sagen von dem Schlangenkönige, welcher auf seinem Kopfe eine -goldene Krone trägt. Es drängt sich hier auch die Vermutung auf, daß -die gelben Flecke hinter den Augen der Ringelnatter bei der Häutung -zu dem Glauben von einer goldenen Krone Veranlassung gegeben haben. -Wie der Schlangenkönig von Lübbenau in der Niederlausitz seine Krone -auf ein feines weißes, großes Tuch niederlegte, so erzählt auch die -erzgebirgische Sage gleiches von unserem Otternkönige oder unserer -Schlangenkönigin. Karl Haupt (Sagenbuch d. Lausitz, No. 84.) bemerkt -dabei, daß die weiße Farbe, welche das Tuch haben muß, auf die -Repräsentanten der Finsternis einen zwingenden und siegreichen Zauber -ausüben muß, so daß sie nun ihre Schätze opfern. Nach einem anderen -Volksglauben aber, welchen Mannhardt (a. a. O., S. 103) anführt, legt -der Schlangenkönig seine Krone auf ein +rotes+ Tuch nieder. - - -137. Die Zwerge des hohen Steins. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 133.) - -Der hohe Stein zwischen Graslitz und Markneukirchen war der Aufenthalt -der Zwerge, welche von hier aus die umliegenden Häuser besuchten, den -Leuten bei ihren Arbeiten halfen und ihnen manche Wohlthat erwiesen. -Als aber die Knödel in den Topf und die Brote in den Backofen gezählt -wurden, verschwanden sie nach und nach aus der Gegend. - -Beim Baue der Steiner Pfarrkirche zeichneten sich dieselben besonders -aus. Dieselbe sollte nämlich am Fuße des Berges, auf dessen Abhange -sie sich gegenwärtig erhebt, zu stehen kommen, und viel Material hatte -man bereits dorthin gebracht. Allein die Zwerge trugen des Nachts -zu wiederholten Malen das Baumaterial auf die Anhöhe, bis man sich -endlich entschließen mußte, dort das Gotteshaus aufzurichten. Der Bau -schritt ungemein rasch vorwärts. Was die Maurer und Werkleute am Tage -begonnen hatten, wurde von dem arbeitsamen Zwergenvolke während der -Nachtstunden zur vollsten Zufriedenheit des Baumeisters hergestellt, so -daß in kurzer Zeit der eherne Mund der Glocken die Gläubigen zum Hause -des Herrn rufen konnte. Zum Andenken setzte man drei in Stein gehauene -Bilder von Zwergen außen an die südliche Wand der Kirche, wo sie heute -noch zu sehen sind. - - -138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge. - -(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 57.) - -Häufig haben sich die Zwerge auf dem Pürsteiner Burberge, sowie auf -dem Leskauer Schloßberge aufgehalten. Ihr Hauptsitz war jedoch auf dem -Schwarzberge und viele Höhlen führten in die Tiefe des Berges zu den -Versammlungssälen. Diese merkwürdigen Höhlen, glatt ausgemeißelt und -schön gewölbt, sind noch gegenwärtig im Volksmunde unter dem Namen »die -Zwerglöcher« allgemein bekannt, und eines dieser Zwerglöcher enthält in -einer etwas geräumigeren Weitung einen Brunnen, dessen Wasser in der -ganzen Gegend gerühmt wird. Der Ort, wo die meisten Zwerghöhlen münden, -wird die »Lihtmerskirch« genannt, und man sagt, es sei vor geraumer -Zeit eine Kirche dort gewesen. - -Die Zwerglein, die ehemals in diesen Höhlen gewohnt haben, -beschäftigten sich hier häufig mit Kuchenbacken. Auch haben sie -daselbst einmal ein Menschenkind beherbergt und das ging so zu: Eine -Frau aus dem nahen Dorfe Leskau hatte in diese wilde Waldgegend einst -ihr Kind mitgenommen, sie entfernte sich ein wenig von demselben und -konnte es zu ihrem Schrecken nicht wieder auffinden. Alles Rufen und -Suchen war erfolglos und so mußte die verzweifelnde Mutter ohne ihr -Kind heimkehren. Ein langer Zeitraum war vergangen, als die Frau -wieder einmal und ganz zufällig in jenen Wald kam. Da trieb sie ein -unerklärliches Gefühl an, in eine der Zwerghöhlen hineinzugehen, -und wen erblickte sie darin? Zu ihrem freudigsten Erstaunen ihr -totgeglaubtes Kind, frisch und gesund und recht groß geworden, und es -aß ein Stück Kuchen; denselben hatte es von den guten Zwergen bekommen, -die seine Pfleger und Behüter geworden waren, seit es damals von der -Mutter weggekommen und aus Neugierde in die Zwerghöhle geschlüpft war. - - Edw. Heger leitet das Wort »~Lithmer~« von ~lih~, der Leichnam, und - ~mere~, die in der Unterwelt herrschenden, den Tod bezeichnenden - Mächte ab, so daß es also eine Stätte bezeichnen soll, welche die - den Unterweltsmächten Verfallenen aufnimmt. Konnte man nicht auch - eine andere Ableitung, nämlich vom mhd. ~lîte~, der Abhang, die - Halde, und ~maere~, berühmt, berüchtigt, versuchen, so daß dann - der Name »Lihtmerskirche« eine Kirche bezeichnet, welche auf einem - berüchtigten, d. h. durch die Zwerge berüchtigten Abhange steht? - - -139. Das Zwergloch im Scheibenberge. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 33. Winter in der Constit. -Zeitung, 1854, No. 282.) - -An der Morgenseite des Scheibenberges befindet sich eine unbedeutende -Höhle, das Zwergloch genannt. Darinnen wohnten sonst viele Zwerge, -deren König Oronomossan hieß. Sie waren nicht über zwei Schuh lang -und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es schien ihr größtes -Vergnügen zu sein, die Leute zu necken; sie thaten aber auch manchem -viel Gutes und halfen vorzüglich frommen und armen Leuten. Einst, -im Winter, ging ein armes Mädchen aus Schlettau in den am Fuße des -Scheibenberges gelegenen Wald, um Holz zu holen. Da begegnete ihr -ein kleines Männchen mit einer goldenen Krone auf dem Haupte, das -war Oronomossan. Er grüßte das Mädchen und rief gar kläglich: »Ach, -Du liebe Maid, nimm mich in Deinen Tragkorb! Ich bin so müd' und es -schneit und ist so kalt und ich weiß keine Herberge! Drum nimm mich mit -zu Dir in Dein Haus!« Das Mädchen kannte den Zwergkönig zwar nicht, -aber da er gar zu flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragkorb -und deckte ihre Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf -schneien möchte. Darauf nahm sie den Korb auf den Rücken und trat den -Rückweg an. Aber das Männchen in dem Korbe war zentnerschwer und sie -mußte alle Kräfte zusammennehmen, daß sie die Last nicht niederdrückte. - -Als sie nach Hause gekommen, setzte sie den Tragkorb keuchend ab und -wollte nach dem Männchen darin sehen und deckte die Schürze ab. Aber -- -wer schildert ihr Staunen? -- das Männchen war fort und statt seiner -lag in dem Tragkorbe ein großer Klumpen gediegenen Silbers! - -Nach einer anderen Sage soll jenes Mädchen eines Schneiders Tochter -aus Schlettau gewesen sein und um das Jahr 1535 gelebt haben. Sie sei -auch nachher noch mehrmals bei dem Zwergkönige im Scheibenberge gewesen -und habe für ihn, seine Frau und Kinder Kleider machen müssen. Dafür -habe sie solche Geschenke erhalten, daß sie zu großem Vermögen gekommen -sei und nachdem sie sich verheiratet, eine der reichsten Familien in -Schlettau begründet habe. Nach dem dreißigjährigen Kriege aber seien -ihre Nachkommen verarmt und zuletzt wieder so herabgekommen, wie zu der -Zeit, wo sie den Zwergkönig zuerst gesehen hatte. - - Das Geschlecht der Zwerge hat seine Wohnungen in den Bergen. - Zwerglöcher kennt man wohl überall in Deutschland. In Schlesien - ist eins auf dem Prudelberge bei Stonsdorf, in der Lausitz giebt - es welche auf dem Dittersberge bei Schönau auf dem Eigen und am - Fuße des Breitenberges bei Zittau (Haupt, Sagenbuch etc. I. No. - 24.), in Böhmen bei Warnsdorf und im Kammerbühl bei Franzensbad - (Grohmann, Sagenbuch etc. S. 180.), im Vogtlande bei Stublach und - bei der Milbitzer Ziegelei (Eisel, Sagenbuch d. Vogtl. No. 26.), im - Mansfeldischen am Kammerbache bei Freiersdorf und in der Steinklippe - zwischen Hermerode und Wippra (Größler, Sagen der Grafsch. Mannsfeld, - No. 153 und 155.), und so erzählt die Sage noch von vielen anderen - Orten, an denen die Zwerge die Zugänge zu ihrem unterirdischen Reiche - hatten. - - -140. Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg. - -(Richter, Umständliche aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragene -Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. Annaberg, 1746, S. 4.) - -Die Sage erzählt, es hätten in der Gegend bei dem Pöhlberge, ehe die -Stadt Annaberg erbauet gewesen, kleine Leutlein, einer Ellen lang, -gewohnet. - - -141. Die Zwerge in Schmiedeberg. - -(Heger und Lienert, Ortskunde d. Dorfes Schmiedeberg i. B. S. 60.) - -In Schmiedeberg wohnten lange Zeit Zwerge. Dieselben erreichten nur -die Größe eines zwei- bis dreijährigen Kindes und trugen einen spitzen -Hut, rot wie ihre Haare, außerdem gefeite Stiefel. Sie hielten sich in -Ställen, Scheuern, Kellern und Stuben auf, waren nicht menschenscheu, -kamen im Gegenteil oft freiwillig unter dem Herde hervor und boten -ihre Dienste an. Nachts um die zwölfte Stunde kamen alle zusammen, -gingen dabei durch verschlossene Thüren und begannen nun emsig das -aufzuarbeiten und zu vollenden, was die Menschen verabsäumten oder -unvollendet ließen. Im Nu war ihre Arbeit zierlich und fein gethan, -dann ging es an's Tanzen. Punkt ein Uhr verschwanden sie wieder. -Neckereien konnten sie nicht vertragen; sie zogen dann fort. Man -vertrieb sie übrigens auch, wenn man Lauch in die Milch that und ihnen -diese vorsetzte. - -Von den Bewohnern Schmiedebergs wurden diese Zwerge nur »Holzweibchen« -genannt. Seit jeher hatten sie im Hause No. 172 ihren ständigen -Aufenthalt und brachten durch nächtlichen Fleiß Glück und Segen in die -Wirtschaft. Endlich aber schien es ihnen hier nicht mehr zu gefallen, -denn sie sagten: »Hier ist nimmer gut wohnen, sie (die Hausfrau) zählt -die Knödeln im Topf und im Backofen das Brot.« So zogen denn die Zwerge -fort, weit fort, über die Eger bei Aubach, wo sie den Fährmann, um ihn -zu entlohnen, gefragt haben sollen, was ihm lieber wäre -- ein roter -Heller oder ein Sturmhut voll Goldstücke. Der Fährmann wählte natürlich -das letztere. Die Leutchen sagten ihm, er habe schlecht gewählt und -werde schließlich noch weniger besitzen als einen roten Heller. Das -traf auch ein, der Fährmann verarmte in kürzester Zeit gänzlich. - - -142. Die Zwerge backen Kuchen. - -(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 58.) - -Von den Bergen aus besuchten die Zwerge häufig die benachbarten -Ansiedelungen der Menschen, um deren Gastfreundschaft in Anspruch zu -nehmen, und man gab ihnen auch gern etwas von Lebensmitteln ab. Sie -suchten aber nicht nur Gastfreundschaft, sondern gewährten auch solche; -ward jedoch ihre Gabe verschmäht, so gerieten sie leicht in Zorn, ja -rächten sich an dem Unwürdigen, was ihnen nicht schwer fiel, da sie mit -geheimen Kräften begabt waren. - -Als einst ein alter Bauer aus Redenitz und dessen Knecht an der -Berglehne zwischen Leskau und Spinnelsdorf ihre Ackerfurchen zogen, -vernahmen sie plötzlich ein sonderbares Gespräch in der Nähe, ohne -daß die Sprechenden zu sehen waren. »Bringt erst die Weißen, dann die -Schwarzen!« »Nein, erst die Schwarzen, dann die Weißen!« so rief es -rätselhaft durcheinander. - -Als die beiden Lauscher aber einen äußerst angenehmen Geruch nach -frischem Kuchen verspürten, da wußten sie auf einmal, was alles zu -bedeuten habe, und der Knecht sagte: »Das sind ja die Zwerglein, die in -ihren nahen Wohnungen eben Kuchen backen, schwarze und weiße (d. h. von -geringerem und feinerem Mehle); sehen kann man freilich nichts, denn -sie haben sich unsichtbar gemacht.« - -»Ja«, -- meinte der Bauer -- »aber diese Kuchen riechen auch gar zu -gut; wer doch einen davon hätte!« - -»Nun, da werde ich halt einen bestellen«, sprach der Knecht im Spaße -und rief dann, so laut er konnte: »He, backt uns doch auch einen Kuchen -mit, aber einen recht guten!« - -Als die Ackerleute nach dem Mittagessen ihre Arbeit wieder beginnen -wollten, da fand jeder von beiden auf seiner Pflugschar einen -wunderschönen, duftenden Kuchen liegen. Der Bauer biß herzhaft in den -Kuchen und ließ sich ihn ausgezeichnet schmecken, der Knecht aber -mißtraute der geheimnisvollen Gabe und verschmähte sie. Klatsch! -- da -hatte der Undankbare auch schon von unsichtbarer Hand eine tüchtige -Ohrfeige erhalten, an die er sich noch lange nachher schmerzlich -erinnerte. - - -143. Die Heilingszwerge. - -(Nach Grimm in der Erzgebirgszeitung, 2. Jahrg., S. 6.) - -An der Eger, zwischen dem Hofe Wildenau und dem Schlosse Aich, ragen -große Felsen empor, die man von Alters her die Heilingsfelsen nennt. -Am Fuße derselben erblickt man eine Höhle, inwendig gewölbt, auswendig -aber nur durch eine kleine Öffnung erkennbar, in die man, den Leib -gebückt, kriechen muß. - -Diese Höhle wurde von kleinen Zwerglein bewohnt, über die zuletzt -ein unbekannter alter Mann, namens Heiling, als Fürst geherrscht -haben soll. Einmal vor Zeiten ging ein Weib, aus dem Dorfe Daschwitz -gebürtig, am Vorabende von Peter Pauli in den Forst und wollte Beeren -suchen; es wurde Nacht, und sie sah neben diesem Felsen ein schönes -Haus stehen. Sie trat hinein, und als sie die Thüre öffnete, saß ein -alter Mann am Tische, der schrieb emsig und eifrig. Die Frau bat um -Herberge und wurde willig angenommen. Außer dem alten Manne war aber -kein lebendes Wesen im ganzen Gemach, allein es rumorte heftig in -allen Ecken; der Frau ward greulich und schauerlich und sie fragte -den Alten: »Wo bin ich denn eigentlich?« Der Alte versetzte, daß er -Heiling heiße, bald aber auch abreisen werde, »denn zwei Drittel -meiner Zwerge sind schon fort und entflohen.« Diese sonderbare Antwort -machte das Weib noch unruhiger, und sie wollte mehr fragen, allein er -gebot ihr Stillschweigen und sagte nebenbei: »Wäret Ihr nicht gerade -in dieser merkwürdigen Stunde gekommen, solltet Ihr nimmer Herberge -gefunden haben.« Die furchtsame Frau kroch demütig in einen Winkel -und schlief sanft ein. Als sie am Morgen mitten unter den Felssteinen -erwachte, glaubte sie geträumt zu haben; denn nirgends war ein Gebäude -zu sehen. Froh und zufrieden, daß ihr in der gefährlichen Gegend -kein Leid widerfahren sei, eilte sie nach ihrem Dorfe zurück; es war -alles so verändert und seltsam. Im Dorfe waren die Häuser neu und -anders aufgebaut, die Leute, die ihr begegneten, kannte sie nicht und -sie wurde auch nicht von ihnen erkannt. Mit Mühe fand sie endlich -die Hütte, wo sie sonst wohnte, und auch die war besser gebaut; nur -dieselbe Eiche beschattete sie noch, welche einst ihr Großvater dahin -gepflanzt hatte. Aber wie sie in die Stube treten wollte, ward sie -von den unbekannten Bewohnern als eine Fremde vor die Thür gewiesen. -Sie lief weinend und klagend im Dorfe umher. Die Leute hielten sie -für wahnwitzig und führten sie vor die Obrigkeit, wo sie verhört und -ihre Sache untersucht wurde. Siehe da, es fand sich in den Gedenk- -und Kirchenbüchern, daß gerade vor hundert Jahren an eben diesem Tage -eine Frau ihres Namens, welche nach dem Forst in die Beeren gegangen, -nicht wieder heimgekehrt sei und auch nicht mehr zu finden gewesen -war. Es war also deutlich erwiesen, daß sie volle hundert Jahre im -Felsen geschlafen hatte und die Zeit über nicht älter geworden war. Sie -verlebte nun ihre übrigen Jahre ruhig und sorgenlos und wurde von der -ganzen Gemeinde anständig gepflegt, zum Lohne für die Zauberei, die sie -hatte erdulden müssen. - - -144. Der Zwergtanz im Kupferhügel. - -(Friedr. Bernau in der Comotovia, 1877, S. 77.) - -Drei Bergleute fuhren einst an, um die Erze aus dem tiefsten Schachte -zu holen. Um jene Zeit waren noch reichhaltige Gruben im Kupferhügel, -vorzüglich auf Kupfer und Eisen, wie es noch die vielen Schachte und -unterirdischen Gänge in demselben beweisen. Fleißig und frohgemut -arbeiteten nun die Bergleute in den Felsen hinein, um ihn zu -zerkleinern und die Erze daraus zu gewinnen. Noch waren sie nicht mit -einer Schicht fertig, als sie plötzlich durch eine liebliche Musik, -die aus dem Innern des Berges zu kommen schien, überrascht wurden. -Alle gerieten in Spannung und Freude. »Wahrhaftig«, sagten sie zu -einander, »eine so schöne Musik haben wir noch nie gehört, selbst am -Prokopitage nicht, wenn wir Schritt für Schritt, angethan mit unserer -festlichen Bergkleidung, die Hacke und die brennende Lampe in der -Hand, hinter unserer Bergmusik zur Kirche ziehen!« Um den Berggeist, -wie sie glaubten, in seiner Unterhaltung nicht zu stören, schickten -sich die Bergleute schon an, an den Tag zu fahren, als sie von der -Seite her, von welcher die Musik kam, eine Menge kleiner Männchen, -kaum größer als eine Menschenhand, auf sich zukommen sahen, die mit -den verschiedenartigsten Musikinstrumenten versehen waren. Hinterdrein -zog ein munterer Schwarm von Zwergen, die unter fröhlichem Hüpfen -endlich in einem großen Felsengewölbe Platz nahmen. Bald kamen auch -einige Zwerge näher zu den Bergleuten, grüßten sie freundlich mit -dem Bergmannsgruße »Glückauf!« und sagten: »Ruhet aus und seid -fröhlich mit uns; was Ihr versäumt, das wollen wir Euch nach dem Tanze -nachholen.« Flink legten die Bergleute ihre Werkzeuge bei Seite, denn -sie waren schon müde von der anstrengenden Arbeit, und folgten gerne -der zutraulichen Einladung. Alles freute sich und war guter Dinge. -Die Zwerge tanzten, und die Bergleute schauten ihnen vergnügt zu, so -daß oft der Berg sich mit den beglückten Bergleuten zu drehen schien. -Endlich erhob sich eines der kleinen Männchen, gab ein Zeichen mit -der Hand und alles stellte sich in einem enggeschlossenen Kreise auf, -in den auch die Bergleute eintreten mußten. Die Musiker befanden sich -in der Mitte und es schien, als ob sie erst jetzt recht ergreifend -spielen wollten, wohlgeordnet und langsam setzte sich der Kreis, dem -ein Vortänzer voranging, in Bewegung; die Bewegung wurde unter dem -seltsamen Hüpfen, Springen und Laufen immer schneller. Bald standen die -Zwerge stille, schienen sich zu bedenken, dann fingen sie plötzlich -wieder an, mit Händen und Füßen zu zappeln, dabei sprangen sie in die -Höhe, der eine über den andern, bis alle in größter Unordnung waren. -Die drei Gäste konnten sich des lauten Lachens nicht erwehren, was die -Zwerge in ihrer Lust auch ungestraft ließen. Endlich setzten sich alle -wieder auf ihre Plätze, nur ein altes, ganz graues Männlein trat zu -den Bergleuten, strich mit seiner flachen Hand über deren Augen, die -also bald erblindet zu sein schienen; dann nahm es die Bergleute bei -der Hand und führte sie eine ziemliche Strecke aufwärts, bis sie in -eine Kammer gelangten, wo sie rasch wieder sehend wurden. Hier ergriff -sie nun das höchste Staunen, denn das ganze Gewölbe war mit goldenen -Platten belegt; Gold- und Silberstangen lagen da aufgeschlichtet, wie -daheim die Späne in der Küche; die Tische beugten sich unter der Last -von Edelsteinen, die ein blendendes Licht verbreiteten. Die Bergleute -standen da wie versteinert. Endlich nach langem Schweigen sprach der -Alte zu ihnen: »Nehmet Euch nun, was Euch nützlich ist; Ihr sollt damit -so lange glücklich sein, als Ihr dabei fleißig und sparsam bleibt; thut -Ihr das nicht, so werdet Ihr trotz des Reichtums noch elend sterben -müssen.« Ein jeder nahm nun so viel, als er in beide Hände bringen -konnte, und bald befanden sie sich wieder unter den kleinen Männchen, -die während der Zeit, als die Bergleute in der Goldkammer waren, für -sie gearbeitet hatten. Mächtige Kupferadern waren aufgeschlossen und -große Haufen Erze herausgearbeitet. Als die Bergleute den Zwergen -danken wollten, war alles verschwunden; nur aus der Ferne hörte man -noch die bezaubernde Musik. Bald begaben sich auch die Bergleute, da -es doch schon Nacht sein mußte, auf die Fahrt, um heimzukehren; um so -größer aber war ihr Erstaunen, als sie die Sonne im Osten aufgehen -sahen und von den Leuten erfuhren, daß schon der fünfte Tag verflossen -war, seitdem sie in die Grube gestiegen. Dennoch glaubte ein jeder von -ihnen nur geträumt zu haben; allein die großen Goldstücke in ihren -Händen überzeugten sie eines anderen. Ein jeder von ihnen kaufte sich -ein Häuschen und lebte glücklich mit seiner Familie. Nur einer wurde -stolz und glaubte nicht mehr arbeiten zu sollen, wofür ihn, wie der -Zwerg gedroht hatte, das Los bitterster Armut traf; die beiden andern -arbeiteten fleißig wie früher und erinnerten sich in ihrem Glück oft -an den alten grauen Zwerg, den Begründer ihres Wohlstandes. Noch heute -zeigt man im Kupferhügel Spuren jenes Gewölbes und heißt dieselben seit -dieser Begebenheit »die Zwergkammer.« - - Die Zwerge sind elbische Wesen, welche für sich ein eigenes Reich - bilden und durch Zufall oder Drang der Umstände bewogen, mit den - Menschen, denen sie helfen oder schaden können, verkehren; sie - sind jedoch meist wohlthätig und hilfreich. Die Liebe zur Musik - verknüpft sie mit höheren Wesen, besonders mit Halbgöttinnen und - Göttinnen. Ja eine Stelle in einem mittelhochdeutschen Gedichte: »~da - sassen fideler und videlten all den albleich~«, spricht ihnen die - Erfindung einer eigenen Weise zu. Neben der Musik liebten die Zwerge - besonders den Tanz. Elbe tanzten des Nachts im Mondschein, und aus - der Erscheinung tanzender Berggeister prophezeite man ein gesegnetes - Jahr. (Grimm, Deutsche Myth., S. 264.) Auch die Ludki, die Zwerge - der wendischen Sage, waren Spielleute und besuchten als solche und - manchmal auch als Tänzer die Feste der Menschen, wobei sie Geschenke - mitbrachten. (Haupt, Sagenbuch etc. I., No. 43.) - - -145. Das graue Männlein bei Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 40.) - -Nahe bei Joachimsthal führt der sogenannte »Apostelsteig« nach -der »Prokops-Kapelle.« Ein greiser Mann aus dem Gewerbestande -erzählte: Mein Vater hat als vierzehnjähriger Junge im Frühjahre bei -Abenddämmerung ein graues Männlein, nicht länger als sein eigener -Bart, plötzlich sich breit vor ihn hinstellen gesehen. Kein Gebet, -aber auch kein Fluch hat das wie im Boden wurzelnde graue Männlein -verscheucht. Vor Verwirrung griff der Vater zuerst nach der Tabaksdose, -dann räusperte er sich, betete und weinte, endlich ist ihm bei allem -Entsetzen das Evangelium Johannes in den Sinn gefahren, und als er -sprach: »Das Wort ist Fleisch geworden«, ist das Männlein verblitzt. - - Das graue Männchen als zwerghaftes Wesen ist der Berggeist; die graue - Farbe ist Erdfarbe. - - -146. Das graue Männel bei Blauenthal. - -(Mündlich.) - -Wenn man auf der Straße von Burkhardsgrün nach Blauenthal geht, so -hat man, ehe die Muldenbrücke erreicht wird, zur linken Hand einen -Waldbezirk, welcher das »graue Männel« heißt. Dieser Name soll von -folgender Begebenheit herrühren. Einst herrschte in Blauenthal und -Umgegend die Pest. Da waren Holzhauer in dem genannten Walde, die -unterhielten sich beim Vesperbrot und klagten über das viele Sterben. -Auf einmal stand ein graues Männel vor ihnen das ihnen vorher unbemerkt -zugehört hatte; dasselbe sagte: - - »Trinkt Bärenwurz und Baldrian, - So kommt ihr alle gut davon!« - - In Nordböhmen soll zur Zeit einer großen Pest ein Engel gerufen haben: - - »Eßt Bibernell und Baldrian, - So geht euch die Pest nicht an.« - - (Grohmann, Aberglauben etc., S. 92.) - - Während einer Pest in Hinterpommern kam eine Taube vom Himmel und - rief: - - »Ist die Krankheit noch so schnell, - So braucht geschwind nur Bibernell.« - - (Die Natur von Ule und Müller, 1866, No. 2.) Dieselbe Sage findet - sich auch im Spessart. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 305.) - - Als nach dem 30jährigen Kriege die Pest im Vogtlande und Erzgebirge - furchtbar wütete, kam von Norden her ein weißer Rabe geflogen, - welcher rief: - - »Freßt nur recht Rapuntika, - Sinsten kimmt kä Mensch derva.« - - (Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 628.) - - -147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf. - -(Mündlich. Köhler, Volksbrauch etc., S. 497.) - -In Bernsdorf bei Werdau war eine Seuche, an der viel Menschen starben. -Des Abends pochte es an die Hausthüre, und so vielmal es gepocht hatte, -so viel Menschen starben am andern Morgen in dem Hause. Es war aber -ein graues Männchen, das von Haus zu Haus ging und klopfte. Dasselbe -Männchen kam auch zu einem Manne und dessen Frau und sagte: »Eure -Nachbarn werden alle sterben und Ihr sollt die Totengräber machen.« Am -anderen Tage waren die Nachbarn tot und der Mann mußte sie mit Hilfe -seiner Frau begraben. Da sich aber beide darüber entsetzten und sich -vor dem Tode fürchteten, kam das Männchen wieder und sprach: - - »Trinkt Baldrian, - So kommt ihr alle davon.« - - In einer Lausitzer Sage wird Baldrian von einem Vogel als Mittel - gegen die Pest empfohlen. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 337.) - - -148. Der graue Zwerg am weißen Stein bei Alberode. - -(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.) - -Bei dem sogenannten weißen Stein, einem einzelnstehenden Felskegel -zwischen der Mulde und Alberode, sitzt zuweilen ein graues Männchen. -Wenn der rechte Mann kommt und zur rechten Stunde und sagt das richtige -Sprüchelchen, der sieht den Zwerg, und dieser zeigt ihm große Schätze, -ganze Backschüsseln voll Gold. - - -149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird -gestört. - -(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 59.) - -Das Verhältnis zwischen den Zwerglein und Menschen blieb nicht immer -ein freundliches. Es kam dahin, daß die kleinen Leute, wenn sie bittend -vorsprachen, häufig von der Thür gewiesen, ja daß sie sogar verfolgt -und an Freiheit und Leben bedroht wurden. - -Einst war ein Zwergweiblein nach Langenau gekommen, man ließ es aber -nicht mehr fort und einige Unbarmherzige sperrten es sogar ein. Es bat -und flehte inständig um seine Freiheit, denn es habe ein ganz kleines -Kindchen zu Hause und müsse es warten und pflegen; aber sein Bitten war -umsonst. - -So saß es über Nacht gefangen und man hörte es in einem fort jammern -und klagen: »Mein Spinnerl spinnt nit, mei Waferl waft nit, mein -jüngstes Bübel greint Tag und Nacht!« - -Als man am Morgen öffnete, war das Weiblein tot. - -Aber diese Unthat ward gerächt. Aus dem Hause, wo sie geschehen, floh -das Glück und der Segen für immer; die Besitzer gingen zugrunde, sie -mochten arbeiten und sich mühen, wie sie wollten. - - -150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 185 und 190.) - -Der gemeine Mann trägt sich mit der Sage, daß vor alten Zeiten, ehe -das Obererzgebirge angebaut worden, auf dem Waldgebirge und in dessen -Felslöchern Zwerge gewohnt hätten, welche aber durch Aufrichtung der -Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks« sollten sein verjagt -worden. Sie wollten aber wiederkommen, wenn die Hämmer würden abgehen. - - S. auch die Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte. -- Das »Klippelwerk« - ist ein Pochwerk, in welchem die Erze durch niederfallende Stampfen - (Klippel) zerstoßen werden. Später verstand man unter Klippelwerk - eine Bauart ärmlicher Häuser, nach welcher Holzscheite zum Aussetzen - der Zwischenräume im Säulenwerke oder auch in Verbindung mit Lehm und - Stroh zur Herstellung der Feueressen verwandt wurden. (Joh. Poeschel, - Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie. 1883, S. 124, Anmerkung.) - - Ich finde bei Meltzer (Beschreibung der löbl. Bergkstadt Schneebergk, - 1684, S. 471.) noch eine dritte Erklärung des Wortes. Darnach wäre - darunter das Spitzenklöppeln zu verstehen, und bei dieser Erklärung - würde die Tautologie »Pochwerk und Klippelwerk« wegfallen. - - -151. Spuk der Berggeister und Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein bei -Zöblitz. - -(Wg. im Glückauf, 2. Jahrg., No. 5.) - -Die Burg Oberlauterstein ist im Hussitenkriege geschleift worden. In -den noch längere Zeit gebliebenen Überresten wohnten Berggeister und -Zwerge, welche sich nicht miteinander vertrugen, sich stets zankten und -des Nachts einen furchtbaren Lärm verursachten, so daß die Wanderer -oft auf den Gedanken kamen, es donnere daselbst. Da kam einst aus -dem Baierlande ein Geisterbanner, ein Feilenhauer von Profession, -in diese Gegend. Es war ein langer, hagerer Mann mit zerlumpten -Kleidern, als Geisterbanner gesucht hier und da, gefürchtet aber von -jung und alt. Der Amtmann im Schlosse Niederlauterstein bat ihn, die -Geister in der Ruine Oberlauterstein zu bannen, denn sie ließen auch -ihn nicht ungeneckt. Der Feilenhauer versprach alles und hielt auch -Wort. In einer finsteren Nacht nahm er seine Beschwörungen vor, pfiff -dreimal ganz laut, und die unruhigen Geister krochen allzumal in den -vorgehaltenen Ranzensack. Diese Geister trug der Mann in der folgenden -Nacht im Ranzen, wie eine Partie junger Katzen, in die entferntere -Ruine des Raubschlosses am Katzenstein, wo sie sich nun unter dunklen -Fichten die Zeit mit Würfel- und Kartenspiel vertrieben. Als jedoch -die Ruinen des Raubschlosses immer mehr zusammenbrachen, hatten die -gebannten Geister nicht alle mehr Platz und zogen aus. Nicht selten -zeigen sie sich jetzt noch in der Nähe des alten Oberlauterstein in -feuriger Gestalt. Die Frauen dieser Geister heißen Klageweibel. Sie -zeigen den nahen Tod der Bewohner an und haben ihren Sitz auf den -sumpfigen Wiesen von Ansprung. Zuweilen erscheinen sie auch in Zöblitz -in Gestalt kleiner Kinder, bittere Thränen vergießend. - - -152. Berggeister in den Schneeberger Gruben. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1019.) - -Außer höchster Not wegen der bösen aufsteigenden Wetter und Schwaden, -welche die zwei edelsten Glieder des menschlichen Leibes, das Gehirn -und Herz ergreifen, sind die Bergleute auch nicht in geringerer Gefahr -wegen der Bergteufel, Mönche und Berggespenster, die in der Finsternis -herrschen und in den Strecken herumfahren wie brüllende Löwen, und -suchen, wie sie Bergleute, wo dieselben nicht mit Gebet und Glauben -widerstehen möchten, verschlingen. Und ob auch wohl die Bergmännlein -einfältige Bergleute nicht so furchtsam machen, sondern doch wohl ein -Zeichen eines guten künftigen Anbruchs, wo sie gesehen werden, sein -sollen, so ist doch ein Teufel so arg wie der andere, und welcher -am freundlichsten sich stellet, der ist wohl am schädlichsten und -verursacht durch Gottes Verhängnis Fälle und Brüche. Es ist bekannt, -wie einst dergleichen Bergteufel in Gestalt eines Mönchs einen Arbeiter -in dem alten reichen St. Georg ergriffen und nicht ohne Beschädigung -seines Leibes in der großen Weite in die Höhe geworfen. - -Im Jahre 1538 ist ein Bergmann in der Höflichen Besserung Fundgrube, -vom Ungeheuer erwürget worden, weshalb Kurfürst Johann Friedrich -darüber in einem besonderen Befehle umständlichen Bericht verlangte. - -Am 26. März des Jahres 1683 ging die Levitenzeche mit 3 Schächten -in Haufen, daß man nichts von der Kaue sahe. Kurz zuvor aber war -ein dicker Mann, mit Silber und Gold geschmückt, aus dem Kämmerlein -heraus in die Kaue zu einem Bergmanne, Israel Ficker, welcher daselbst -Schachtholz zurichtete, gekommen, und hatte ihn mit diesen Worten -gefragt: »Kennst Du mich nicht?« Und da der Bergmann geantwortet: -»Herr, wie soll ich Euch kennen, Ihr werdet wohl einer vom Herzog -aus Holstein (der diese Zeche bauete) sein!« Da hat er ihn heißen -anfahren, und, weil er es nicht thun wollte, dergestalt getäuscht, daß -er darüber des Todes war und am 30sten desselben Monats begraben wurde. - - -153. Der Berggeist in der Grube »Sieben-Schlehen« bei Neustädtel. - -(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.) - -Es war eines Jahres am 24. December, als ein Bergmann in der Grube -»Sieben-Schlehen«, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, getrosten -Mutes einfuhr. Rüstig ging er an seine Arbeit. Da gegen Mitternacht -ließen sich in der Ferne Schritte vernehmen, und der Bergmann glaubte, -einer seiner Gesellen komme, um ihn abzulösen. Doch als das »Sappen« -näher kam, erblickte er einen Mann, der trug an der Brust eine goldig -funkelnde Blende mit einer Kerze darin; seine Kleidung war dunkel bis -auf die weißen Strümpfe; an den Füßen hatte er glänzend schwarze Schuhe -und der Kopf war mit einem Hute, ähnlich den Napoleonshüten, bedeckt. -Sein Gesicht konnte jedoch der Bergmann vor Glanz nicht sehen; nur das -eine sah er, daß ein silberweißer Bart bis auf die Brust hernieder -hing. Die Erscheinung blieb vor ihm stehen und sagte nichts, leuchtete -ihn aber an und kehrte auf demselben Wege wieder zurück. Als der -Bergmann am anderen Morgen von seinem Begegnis erzählte, sagten ihm -seine Gesellen, das sei der Berggeist gewesen. - -In demselben Schachte arbeitete am nächsten Charfreitage ein anderer -Bergmann. Derselbe hörte in seiner Nähe ein unaufhörliches Sägen und -Hämmern, wiewohl er wußte, daß keine Zimmerlinge da waren. Er zeigte -dies beim Ausfahren dem Steiger an, welcher sogleich einfuhr und -die Töne ebenfalls hörte. Darauf ließ derselbe den Ort mit Bretern -verschlagen. Nach wenigen Tagen aber war er tot. - - -154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Anhang, No. 7.) - -Auf dem Donat Spath im Bereiche der Elisabeth-Fundgrube zu Freiberg -sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen »Hans« in Stein -gehauen, wahrscheinlich zum Andenken eines Verunglückten. Das Bergvolk -aber erzählt davon folgende Sage: - -Vor Zeiten arbeitete auf dem Donat auch ein Bergknecht Hans, welcher -so arm war, daß er manchmal hätte verzweifeln mögen. Er weinte oft -stundenlang in der Grube und eines Tages, als er sich keinen Rat mehr -wußte, brach er in laute Klagen aus. Da zerteilte sich der Felsen und -aus dem steinernen Thore trat ein kleines Männchen hervor. Das war -der Berggeist, der sagte: »Armer Hans, ich will Dir helfen, aber Du -mußt mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrot und ein Pfenniglicht geben -und ewiges Schweigen geloben!« Hans, welcher sich bald von seinem -Schrecken erholt hatte, versprach alles mit Freuden. Darauf verschwand -der Berggeist wieder und ließ ihm des Silbers in Menge zurück. Nun war -Hans ein gemachter Mann, der schon ein paar Groschen aufgehen lassen -konnte. Niemand konnte begreifen, woher er das Geld habe, und er nahm -sich wohl in acht, davon zu plaudern. Aber da kam das Stollnbier, -wo das Bergvolk sich der Freude hinzugeben pflegt. Hans war diesmal -vorzüglich auf dem Zeuge und sprach dem Glase wacker zu. Bald war -er berauscht und konnte in der Lust des Herzens das Geheimnis nicht -länger verschweigen. Als aber am andern Tage sein Taumel verflogen war -und die Freunde ihm erzählten, was er geplaudert habe, da erschrak er -und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war, den Knechten, -welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben. Diese warteten lange -vergeblich, er gab kein Zeichen, sie riefen ihn, er antwortete nicht. -Da plötzlich zuckte es rasch am Seile und ein helles Licht erglänzte -in der Teufe. Die Haspelknechte wußten nicht, was das zu bedeuten -habe, drehten aber den Rundbaum mit Eile banger Erwartung, und bald -war der Kübel zu Tage gefördert. Rings um den Rand desselben brannten -Pfenniglichte, und drinnen lag der arme Hans tot, mit blauem Antlitz, -wie ein Erdrosselter, und auf ihm das letzte Pfennigbrot. Der grausame -Berggeist hatte ihn umgebracht. - - -155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter. - -(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.) - -Nahe bei »Sieben-Schlehen« befand sich ein Schacht, in welchem -folgendes geschah: Als der Kunstwärter daselbst das Kunstzeug einölte -und dabei an den Hauptzapfen kam, ließ sich ein Gesicht an der Wand -sehen, welches sprach: »Diesen Zapfen schmiere ich.« Der Kunstwärter -gehorchte und ließ von da an diesen Zapfen unberührt, bis er doch -einmal das Gebot übertrat. Kaum hatte er den Hauptzapfen eingeölt, so -geriet er mit dem rechten Arme in das Kunstzeug, welches ihm den Arm -abriß. Doch empfand er dabei nicht den geringsten Schmerz und die Wunde -blutete auch nicht. Als er den weggerissenen Arm aufhob, erblickte er -das Gesicht an der Wand wieder; dasselbe sah ihn höhnisch an, ohne -etwas zu sprechen. - - -156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in -Neu-Geising. - -(Meißner, Umständliche Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. -239.) - -Gottfried Behr, welcher im Zwitterstock zu Altenberg arbeitete -und einen Brennofen beschickte, erzählte folgendes: Es sei am 31. -August 1713, als er in seinem Hause zu Neu-Geising früh vor 3 Uhr -habe aufstehen wollen, ein Mann, grau von Haaren und Bart, in einer -vollkommen menschlichen Gestalt, in einer langen grauen Kutte vor -sein Bett getreten und hätte gesagt: »Warte immer noch ein Bißchen!« -Und als Behr geantwortet: »Ich muß anfahren«, hätte dieser weiter -gesagt: »Du sollst noch eher droben sein, als der, so mein Volk zählen -läßt. Warte noch ein Bißchen, ich will Dir was sagen. Ich will mit -Dir ins Zechenhaus gehen und Dir was weisen, wie ich mein Volk will -wegnehmen. Du hast unterschiedliche Warnungen gethan und dabei haben -Dich viele verunglimpfet; dieselben haben ihr Teil schon gekriegt. -Und wenn sie Dich itzo werden wieder so verunglimpfen, wenn Du es -sagen wirst, so soll es denen wieder so gehen, wie den ersten. Und Du -sollst eher droben im Zechenhause sein, wie der Geschworene, das merke -Dir zum Wahrzeichen gewiß!« Darauf wäre der Mann verschwunden und er -hätte nicht gesehen wohin. Hierauf sei er aus dem Bette aufgestanden, -hätte sich angezogen, und wie er seinen ordentlichen Weg den Mühlberg -hinan ins Zechenhaus gegangen, habe er daselbst den alten grauen Mann -innen an der Thür stehend wieder angetroffen und gesehen, daß er vom -Ofentopfe an einen Strich mit dem rechten Arme über die Bergleute nach -dem Fenster zu gethan, und ihn an der linken Seite berührt, daß er -solches die ganze Woche lang sehr gefühlet und manche Thräne darüber -vergossen. Nach diesem hätte er wahrgenommen, daß die Leute alle -weggewesen, bis auf zehn Personen, so an dem Ofen traurig gesessen. -Der graue Mann aber hätte dazu gesagt: »Da haben sie die Zwölf, die -mögen sie auszählen.« Darauf sei er wieder verschwunden, und habe er, -nämlich Behr, die Leute, welche fortgewesen, mitten unterm Gebete -wieder um sich gesehen; es sei auch gleich der Herr Geschworene -hineingekommen und habe sich sofort am Tische an seinen Ort gesetzt und -mit den Burschen sein Gebet gethan; weiter aber habe er damals weder -im Zechenhause, noch in der Grube, oder sonst etwas mehr gemerket. -Freitags hernach, den 8. September, habe sich ferner begeben, daß, als -er zu seiner Zeit aufgestanden und ins Zechenhaus sich begeben, auch in -die Stube hineingetreten, dieser alte graue Mann in voriger Gestalt und -Tracht beim vorderen Fenster am Tisch auf seinem Orte gesessen. Nachdem -er nun näher gegangen, den Tisch mit der Hand ergriffen und sich setzen -wollen, sei derselbe aufgestanden und gleich wieder vor seinen Augen -weggekommen, worauf er sich gesetzet und mit den Bergleuten gebetet. Am -11. September, früh 5 Uhr, erschien der graue Mann dem Gottfried Behr -wieder vor dem Bette und sagte, er solle mit ihm wohin gehen, da würde -eine Hochzeit sein, es wären schon drei Tafeln gesetzt. Nachdem aber -seine Frau dazu gekommen und ihn gerufen, wäre der graue Mann wieder -verschwunden. - - -157. Vom Berggeist in Schneeberg. - -(Nach einer mündlichen Mitteilung.) - -In der St. Georgenzeche zu Schneeberg ist früher einem Knappen ein -Berggeist erschienen und hat ihn so gewaltig auf einen Stein gesetzt, -daß er wie angemauert sitzen bleiben mußte. Ebenso erging es einem -Steiger, welcher die Bergleute sehr streng behandelte. Später erschien -der Berggeist wieder und schlug mit der Faust gewaltig an die Felswand. -Die Bergleute, welche daselbst arbeiteten, sahen darauf eine Höhlung, -in welcher viel Silber lag. Hätten sie sogleich eine Hacke oder ein -anderes Gerät in die Höhle geworfen, so würden sie den Schatz gewonnen -haben. So aber unterließen sie es aus Unkenntnis und der Schatz -verschwand; auch der Berggeist ließ sich von dieser Zeit an nicht -wieder sehen. - - -158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch. - -(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, Sammlung bergmännischer -Sagen, 1883, S. 29.) - -In der St. Georgsgrube zu Schneeberg erschien der Berggeist in Gestalt -eines schwarzen Mönches, ergriff einen Bergknappen, der sich in der -Teufe ungebührlich aufgeführt, hob ihn auf, und setzte ihn auf einer -ehedem silberreichen Grube nieder, so hart, daß ihm das Hinterleder -platzte und alle Rippen krachten. - - -159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. - -(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, a. a. O., S. 29.) - -Zu Annaberg war eine Grube, genannt »der Rosenkranz«, darinnen -arbeiteten 12 Knappen. Die schwatzten mit einander possenhaft, wollten -sich gegenseitig mit dem Berggeist fürchten machen und leugneten -ihn als einen lächerlichen Popanz. Da mit einem Male sahen sie eine -Roßgestalt mit langem Halse und mit feurigen Augen an der Stirne und -erschraken zum Tode. Dann ward aus der Roßgestalt die wahre Gestalt des -Bergmönches, die trat ihnen schweigend nahe und hauchte jeden nur an. -Sein Atem aber war wie ein böses Wetter, sie sanken tot nieder von des -Geistes Anhauch, und nur einer kam wieder zu sich, gewann mit Mühe den -Ausgang und sagte, was sich zugetragen. Dann starb auch er. Darauf ist -die silberreiche Grube »der Rosenkranz« zum Erliegen gekommen und nicht -mehr angebaut worden. - - -160. Der gespenstische Bergmann in Aue. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis.~, S. 1146.) - -In den erzgebirgischen Bergstädten sind die Bergteufel in manchen -Gestalten erschienen, bald als Bergmönche inner- und außerhalb der -Gruben, bald mit einem Irrlicht, als einem vermeinten Grubenlicht. So -ließ sich im Jahre 1684 in einer Auischen Wohnung beim Schnorrschen -Hammerwerk ein Geist hören und darauf in Gestalt eines Bergmanns sehen. -Derselbe hüpfte in einer gewissen Gegend unweit der Mulde, und da man -an diesen Ort mit der Rute ging, soll dieselbe auf Silber geschlagen -haben. - - -161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald. - -(Mündlich.) - -Frauen, welche mit Butter durch den Zechengrund bei Zinnwald, wo früher -reiche Bergwerke waren, gingen, sahen oftmals daselbst Bergknappen, -obgleich schon längst kein Bergbau dort im Gange mehr war. - - -162. Gespenstischer Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla. - -(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 75.) - -Am Bache zwischen Rittersgrün und Pöhla ist ein Fels, in dessen Nähe -sich ein Gespenst als Bergmann hören und sehen ließ, oben auf dem Kopfe -mit einem brennenden Grubenlichte. Derselbe erschreckte des Nachts die -Leute und warf sie in den Bach. - - -163. Gespenstischer Bergmann bei Scheibenberg. - -(Chr. Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 76. Wrubel, Sammlung -bergmännischer Sagen, 1883, S. 79.) - -Am Scheibenberge hat sich oft ein Gespenst in Gestalt eines Bergmanns -sehen lassen. Dasselbe ist den Maurern, welche dort Sand gesiebt, -plötzlich auf den Hals gekommen; andere hat es hinter dem Berge an -eine eiserne Thüre geführt, wie zum Eingange eines Schatzes, die man -aber darauf nicht hat wieder finden können. Auch hat daselbst ein -Gespenst in Gestalt einer Jungfrau, oder in der von Wölfen, Füchsen und -Irrwischen manche irre geführt und geäfft. - -Im Jahre 1632 hat Hans Schürf zu Crottendorf eine Tochter von 8 Jahren -im Walde verloren, die man innerhalb 13 Tagen nicht auffinden konnte, -bis sie von einer Köhlerin im Walde angetroffen und heimgebracht wurde. -Da man sie nun fragte, was sie denn gegessen und getrunken, antwortete -sie, ein Männchen habe ihr alle Tage eine Semmel und zu trinken -gebracht. - - -164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre. - -(Gräße, a. a. O. Nr. 499.) - -Einmal ritt ein beherzter Mann ganz allein in der Abenddämmerung nicht -weit von Annaberg auf der gewöhnlichen Heerstraße, da sah er einen -alten Bergmann vor sich hergehen. Als er an ihn herankam, bot er ihm -einen guten Abend, erhielt aber keine Antwort, ebenso wenig auf die -Wiederholung des Grußes, und da er etwas hitzig war, schrie er: »Ei, -so soll Dich Grobian gleich der Teufel --!« und zog ihm eins mit der -Reitgerte über. Aber siehe, auf einmal wußte er nicht mehr, wo er war; -er ritt bis in die Nacht in der Irre herum und erst gegen Mitternacht -hörte er Stimmen. Er rief, es kamen Leute, er fragte, wo er sei, und -erfuhr, er sei in seinem eigenen Heimatorte. Man führte ihn bis an sein -Haus und noch immer kannte er sich nicht; erst als seine alte Mutter -mit einem Lichte vor die Thür trat, wußte er wieder, wo er war. Der -Bergmann hatte ihn geäfft. - - -165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann. - -(K. Fr. Döhnel im Erzgeb. Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 180.) - -Eine geraume Zeit hatte der alte Bergmann Kapuzer redlich und treu -in den unterirdischen Klüften gearbeitet, und wer ihn gesund und von -der verderblichen Bergluft verschont in seinem grauen Kopfe sah, der -mußte ihm gut sein. Freilich hatte er sich auf der Fahrt seines Lebens -durch Kämme[1] und Knauer[2] winden müssen, und manches Wetter und -manche Felsenwand hatten ihn auf seiner Fahrt bedroht. Es schien fast, -als hätte ihn das Schicksal als ein taubes Gestein auf die Halde des -Lebens geworfen; aber nie verlöschte das Grubenlicht der Hoffnung -in seiner Hand, und mit diesem glaubte er noch einen reichhaltigen -Gang zu treffen. Aber eine fürchterliche Teuerung brach herein, und -Berghenne[3], die sonst ihm und seinen Kindern Sonntagskost gewesen -war, mußte er ganz entbehren und oft Tage lang hungern. Die Kleinen -jammerten ihn sehr, und ob er sich schon manches entzog, um nur ihren -Hunger zu stillen, so wollte es doch nicht zulangen. Einstmals fuhr er -zur Frühschicht an und sang mit frohem Mute das schöne Lied: Wer nur -den lieben Gott läßt walten, obschon er seit zwei Tagen wenig gegessen -hatte. Unter den letzten Versen des Liedes begann er seine Arbeit und -verfolgte rasch mit dem Fäustel den am Tage vorher getroffenen Gang. -Da sprang ihm gediegenes Silber ins Auge. Die Stufe, die er abhieb, -war reichlich, und von ihrem Verkaufe konnte er langen Unterhalt -für seine Kinder hoffen. Das Elend der Kinder stand vor ihm, die -Mittel, es zu mildern, auch, und schon streckte er in Erwägung der -wachsenden Not seine Hand nach der Silberstufe. Da schlug ihm etwas -auf die Achsel. Er drehte sich um und sah ein kleines graues Männchen -im Berghabite hinter sich stehen, das mit der einen Hand auf die -Silberstufe zeigte und die andere drohend erhob. Kapuzer schauderte, -warf die Silberstufe hin und das Männchen verschwand. Sogleich fuhr -er aus, um es seinen Vorgesetzten zu melden, daß Gott das Gebet der -Gewerken erhört und Gänge und Klüfte aufgethan hätte. Die Vorgesetzten -umarmten den redlichen Mann, fuhren in den Schacht und sahen den -reichen Fund. Die meisten Gewerken waren bemittelte Leute, sie -wollten den alten Kapuzer mit Ruhe in seinen alten Tagen für seinen -Fund belohnen, aber er schlug es aus, obschon sie ihm doppelten Lohn -boten. »Ich will in meinem Berufe sterben, ist ja das Grab auch nur -ein Schacht, in dem der Silbergang der Ewigkeit glänzt,« rief der -Greis mit Thränen in den Augen; »ich kann noch arbeiten.« Die Bitte -ward ihm gewährt, seine Kinder wurden gekleidet und er durch ein -ansehnliches Geschenk der drückenden Nahrungssorgen für sich und die -Seinen entzogen. Noch sechs Jahre arbeitete er mit gleicher Thätigkeit. -Da rief ihn der Bergfürst von der Schicht. Früh morgens um drei Uhr -wollte er zur Arbeit aufstehen, aber er vermochte es nicht. Um acht -Uhr rief er seinen ältesten Knaben: »Geh' zum Bergmeister,« sprach -er, »und sag' ihm, der alte Kapuzer werde bald Schicht machen, sein -Grubenlicht wolle verlöschen, er solle mich noch einmal besuchen.« Der -redliche Bergmeister kam zu dem Sterbenden und dieser erzählte ihm -die Geschichte von dem Bergmännchen. Der Bergmeister stand gerührt -an seinem Bette. Dann faltete der Kranke die Hände, betete still und -endlich sprach er mit schwacher Stimme: »Es ist vollbracht, Glückauf!« -und verschied. - -Wenn ein redlicher Bergmann aus Armut stehlen will, warnt ihn das -Bergmännchen, und nur die, welche geübte Bösewichter sind, überläßt es -der Stimme ihres Gewissens und der strafenden Hand der Obrigkeit. - - [1] Kämme sind festere Gesteinslagen. - - [2] Knauer, ein festes und rohes Gestein. - - [3] Berghenne ist eine Wassersuppe oder auch Brot und Käse. - - -166. Das gespenstische graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft« -bei Johanngeorgenstadt. - -(Engelschall, Beschreib. d. Bergstadt Joh.-Georgenstadt. 1723, S. 136.) - -In dem Bergwerke zur »Treuen Freundschaft« hat sich am 7. Aug. 1719 -folgendes begeben: Es arbeitete vor Ort Johann Christoph Schlott, und -da man zu Mittag ausgepocht hatte, hörte er gegen den Schacht noch -jemanden husten. Da meinte er, es werde der Steiger vor Ort fahren, -solches in Augenschein zu nehmen. Nachdem sich aber niemand eingestellt -hatte, wollte er ausfahren; aber kaum hatte er sich umgewendet, da nahm -er wahr, wie ihm jemand vom Schachte her mit brennendem Grubenlichte -entgegen kam. Dadurch wurde Schlott in seiner früheren Meinung, daß es -der Steiger sei, wieder bestärkt. Doch als sie endlich beide auf der -Strecke zusammenstießen, nahm er wahr, daß es ein sehr kleiner Mann in -einem braunen Kittel war. Derselbe hing eben, als Schlott vorbei fuhr, -sein Grubenlicht ans Gestein, so daß es auch sofort hängen blieb, -legte die Tasche ab und sprach zu Schlotten. »Ists schon Schicht?« -denn die Bergleute fuhren an diesem Tage wegen der Beerdigung des -Hammerwerksbesitzers eine Stunde früher aus. Bei dieser Anrede überfuhr -Schlotten ein Schauer, er eilte davon und traf keine Arbeiter mehr in -der Grube an. Dies Begegnis erzählte er darauf dem Steiger, welcher -anfangs nicht viel davon wissen wollte; doch mußte Schlott später -den Ort zeigen, woran das Männchen sein Grubenlicht gehangen hatte. -Daselbst nahm man eine kleine Kluft wahr und es wurde an der Stelle ein -Schuß gebohrt, der einen Gang öffnete, von dem man mehrere Quartale -nacheinander eine gute Ausbeute machte. - - -167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel. - -(Mündlich.) - -Ein Bergjunge fuhr einst auf dem Bergschachte Orschel bei Schneeberg -an; da erschien ihm ein Berggeist, welcher ihn töten wollte. Doch ließ -er es bei der Drohung bewenden, wenn ihm der Junge alle Tage eine -Semmel mitbrächte; aber er solle niemandem etwas davon sagen. Eines -Tages brachte der Junge keine Semmel mit und wurde in einem Kübel -erwürgt. Als man ihn fand, lagen um ihn herum viele verschimmelte -Semmeln, mit denen er an das Tageslicht gefördert wurde. - - Diese Sage hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit der vom Berggeiste - am Donat zu Freiberg. Das Geschenk einer Semmel, welches dem - Berggeiste gemacht werden muß, erinnert an das Essen, welches man - nach deutschen Sagen den Kobolden hinsetzen mußte. Wie die Kobolde - sind hier vielleicht auch die Berggeister als Geister der Vorältern - und zwar derjenigen, welche in der Erde ruhen, aufzufassen. Zwergen - und Berggeistern werden an gewissen Orten Speisen und Getränke - hingestellt, wofür sie sich durch Geschenke dankbar bezeugen. (Nork, - Sitten und Gebräuche, S. 241) In Idria stellen die Bergleute den - Wichtlein, die man im Bergwerke öfters klopfen hört, ein Töpflein - Speise an einen besondern Ort. (Grimm, deutsche Sagen, I. No 37.) - - -168. Der Berggeist verlangt für reiche Anbrüche eine Pfennigsemmel. - -(Ed. Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke. 1882, S. 1. etc.) - -Vor langen Jahren lebte in Joachimsthal ein erfahrener, aber armer -Bergmann, namens Christoph Wattmer, der sich und seine zahlreiche -Familie, so gut es eben ging, durch seiner Hände Fleiß redlich -ernährte. War auch oft in seiner Hütte Schmalhans Küchenmeister, so -bewahrte sich doch Wattmer stets einen heiteren, zufriedenen Sinn, um -den ihn seine Kameraden nicht selten beneideten. Einmal hatte er aber -in der Nacht einen bösen Traum, der ihn recht traurig stimmte, da er -ein großes Unglück befürchtete. Deswegen wäre er gern von der kommenden -Morgenschicht weggeblieben, allein er mußte seiner Pflicht folgen. Mit -sorgenschwerem Herzen machte sich also Wattmer beim Tagesanbruch auf -den Weg zum Grubenhause, verrichtete daselbst sein Gebet und mit dem -üblichen »Glück auf!« fuhr er im Namen Gottes in den tiefen Schacht. -Als er vor Ort war, arbeitete er fleißig und unverdrossen, bis er -plötzlich in der Nähe ein Klopfen und Hämmern, ein Ächzen und Stöhnen -vernahm, das ihn nichts Gutes erwarten ließ. Wie er nun in Gedanken -versunken dastand, sah er einen großen, dicken Mann im schmierigen, -erdfahlen Grubenkittel auf sich zuschreiten. Er hatte einen großen -runden Hut auf dem Kopfe, Schlägel und Eisen im breiten Gürtel, in -der rechten Hand aber trug er ein Grubenlicht, das die ganze Strecke -taghell erleuchtete. Je näher die unheimliche Gestalt kam, desto enger -schnürten Furcht und Grausen des Bergmanns Brust zusammen. »Fürchte -Dich nicht,« redete der Berggeist den zitternden Bergmann an, »ich -will Dir kein Leid zufügen, denn Du bist mir gerade willkommen. Sorge -täglich für eine Pfennigsemmel, es soll nicht Dein Schaden sein!« Der -Bergmann that, wie ihm befohlen ward, und brachte dem Berggeiste jede -Schicht eine Pfennigsemmel. Darüber erfreut, sprach der Berggeist eines -Morgens zu Wattmer: »Da Du bisher meinen Wunsch erfüllet hast, will ich -Dich zum reichen Manne machen.« Nach diesen Worten schlug er an die -Wand und sofort öffnete sich eine Strecke voll Silbererzes. »Melde den -Anbruch«, fügte er hinzu, »Deinen Vorgesetzten, doch sage niemandem, -daß ich mit Dir im Verkehre stehe, sonst bist Du unrettbar verloren!« -Der Bergmann versprach Stillschweigen, schied mit dankerfülltem Herzen -von seinem Gönner und fuhr vergnügt zu Tage. Er eilte alsdann zum -Berghauptmann und hinterbrachte ihm die Nachricht von dem reichen -Silberanbruche. Wie ein Lauffeuer ging diese Kunde von Mund zu Mund -und Freude strahlte auf allen Gesichtern. Die gesamte Bergknappschaft -veranstaltete nun zu Ehren des wackern Christoph Wattmer ein glänzendes -Mahl, bei welchem er obenan saß. Als die Teilnehmer des Freudenfestes -im Saale schmausten, zechten und sich lustig machten, bestürmten sie -unablässig Wattmer, er möge ihnen doch endlich über das unerwartete -Auffinden des Anbruches näheren Aufschluß geben. Die Aussage, die -derselbe machte, genügte den neugierigen Kameraden, welche den -Zusammenhang der Sachlage ahnen mochten, noch lange nicht, sie wollten -mehr erfahren. Ihrem Drängen gab endlich der unbesonnene Wattmer nach -und erzählte mit beklommenem Herzen die ganze Begebenheit; dafür aber -sollte er schwer büßen. Als er nämlich am folgenden Tage mit Zittern -und Zagen anfuhr, erwartete ihn schon mit geballter Faust der ergrimmte -Berggeist, der ihm mit donnernder Stimme zurief: »Heißt das, armseliger -Erdenwurm, mir, dem Herrn über alle Gebirge dieser Gegend, Wort -gehalten?« Dann ergriff er Wattmer und schleuderte ihn unbarmherzig in -den Schacht hinunter, wo er zerschmettert tot liegen blieb. - - -169. Der Berggeist von Joachimsthal. - -(Novellistisch in Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 12. -etc.) - -Die Grube St. Barbara zu Joachimsthal hatte einst einen bösartigen -gottlosen Obersteiger, welcher über Kirche und Gebet spottete, unmäßig -trank und spielte, seine Untergebenen drückte und einen schändlichen -Unterschleif machte. Seinem Beispiele folgten die meisten seiner -Untergebenen; nur acht oder zehn Bergleute glaubten treu an Gott und -Vergeltung, hielten in frommer Gemeinschaft zu einander und wurden von -der bösen Rotte ihrer Kameraden spottweise »Moses und die Propheten« -genannt. Zu diesem kleinen Häuflein, welches vergebens der einreißenden -Verwilderung entgegenstrebte und sogar mit einer Anzeige drohte, -gehörte auch Daniel. Derselbe war ein junger Mann voll Geist und -Leben und dabei ausgestattet mit reichen Kenntnissen im praktischen -Bergbau, so daß er bereits von dem verstorbenen Vorgänger des gottlosen -Obersteigers dem Bergamte zur Beförderung vorgeschlagen worden war. -Doch hatte man ihn bald wieder vergessen, so daß die Hoffnung Daniels, -seine Braut Marie, welche die hinterlassene Tochter des verstorbenen -Obersteigers war, heiraten zu können, in weite Ferne rückte. Dazu -kam noch, daß ihn der gottvergessene neue Obersteiger wegen seines -frommen Wesens haßte und bei den übrigen Vorgesetzten verleumdete. Nur -die Trostworte seiner Braut und eines alten Freundes, des eisgrauen -Martin, welcher mit ihm auf derselben Grube anfuhr, trösteten ihn. Als -nun Daniel eines Tages vor Ort arbeitete und es schon stark gegen das -Ende der Schicht gehen mußte, da sein letztes Licht in der Blende fast -ganz heruntergebrannt war, hörte er unter seinen Füßen ein Klopfen und -Hämmern, und er wußte wohl aus den Erzählungen des alten Martin, daß -dies von den Erdgeistern herrühren müsse, da er ja auf der Sohle der -Grube stand und unter ihm keine Häuer arbeiteten. Da suchte er sein -Arbeitszeug zusammen, um wieder auszufahren. Als er aber im Stollen um -eine Ecke bog, trat ihm plötzlich aus einem von den Alten betriebenen -und wieder verlassenen Orte ein kleiner, dicker Mann im Grubenkittel -entgegen. Schlägel und Eisen, die ihm im Gürtel staken, waren ungeheuer -groß und stark. In der rechten Hand hielt er eine Blende, in der aber -kein Licht brannte, sondern ein herrlicher grüner Stein befestigt -war, der einen wunderlieblichen Schein in hellen Strahlen nach allen -Seiten hinwarf. Wie nun Daniel schweigend vorübergehen wollte, ward -er mit Erstaunen gewahr, daß der unbekannte Bergmann mit seinem Leibe -die Breite des Stollens so genau ausfüllte, daß an ein Vorbeischlüpfen -nicht zu denken war. Er trat also einen Schritt zurück, schlug ein -Kreuz vor der Gestalt und sagte: »Wer Du auch seist, gieb einem frommen -Bergmanne Raum, der auf seinem Berufswege wandelt!« Aber der kleine -Kerl lachte und sagte: »Ich fürchte mich vor Deinem Zeichen nicht, -Kamerad, und magst Du daraus abnehmen, daß ich Dir kein Leid zufügen -will. Im Gegenteil, ich will Dir helfen. Du bist ein armer Kerl, hast -manchmal kaum satt Brot und verdienst mehr, als alle die Schurken, die -hier anfahren. Ich bin der, den Ihr den Bergmönch nennt, bin Herr über -alle Gebirge dieser Gegend und kenne alle edlen Flötze und reichen -Gänge. Dich hab ich lieb gewonnen und will Dich zum reichen Manne -machen. Hier nimm!« Damit langte er aus seinem weiten Grubenkleide -eine Menge der herrlichsten Schaustufen von Rotgüldenerz hervor. »Gott -behüte«, sprach Daniel, »daß ich Euer Geschenk annehme, und somit -meinen Landesherrn bestehle. Wißt Ihr wirklich, wo edle Geschicke -brechen, so zeigt es dem Steiger an, und wir bekommen dann alle einen -höheren Lohn. Schimpft mir auch nicht auf meine Kameraden, es sind auch -noch ehrliche Kerls darunter.« »Narr Du,« brummte der Bergkönig, »mit -Deinen ehrlichen Kameraden; und Dein Steiger ist ein Schuft, der die -Grube bestiehlt und dem ich noch einmal den Hals umdrehen will! -- Du -nimmst also mein Geschenk nicht?« »Ich darf nicht, Herr!« entgegnete -Daniel. »Nun, so krieche hinaus, Du blöder Maulwurf!« Mit diesen Worten -faßte ihn der Berggeist bei den Schultern und warf ihn den Stollen vor -bis an den Fahrschacht, ohne daß dem Daniel jedoch ein Glied weh gethan -hätte. Derselbe stieg nun hinauf, und als er so hoch oben war, daß das -Tageslicht in den Schacht fiel, sah er wieder den Berggeist, welcher -bereits oben war und mit dem Neffen des Steigers seine Silberstufen -theilte. Da der Neffe aber immer die größere Hälfte in seinen Kittel -steckte und darauf den übrigen Teil dem Berggeiste zuschob, packte ihn -dieser beim Gürtel, riß ihm die versteckten Stücke heraus, rannte -ihn mit dem Kopfe gegen die Fahrt, wobei er immer schrie: »Heißt das -ehrlich geteilt, Du Galgenstrick? heißt das ehrlich geteilt?« und -schleuderte ihn endlich in den Schacht hinunter. Glücklicherweise -gelang es dem auf der Fahrt feststehenden Daniel, den Neffen des -Steigers aufzufangen und wieder mit heraufzubringen. Er trug ihn zum -Steiger, dem er die ganze Geschichte erzählte. Dieser aber hieß ihn -einen Narren, der wohl betrunken gewesen sei, und gebot ihm nach Hause -zu gehen. -- Am anderen Morgen wurde Daniel vor den Steiger gefordert, -der ihn der Lüge beschuldigte, indem sein Neffe ausgesagt habe, wie -Daniel betrunken in die Grube gekommen sei, Händel angefangen und ihn, -den Neffen, blutrünstig geschlagen habe. Das Märchen vom Bergmönch sei -nur erfunden worden, damit sich Daniel auf diese Weise entschuldige. -Zur Strafe solle derselbe nun 8 Tage lang zur Huntejungenarbeit, -welche die jüngsten Anfänger verrichteten, verurteilt sein. Diese -neue unverschuldete Kränkung empörte Daniels Herz; er beschloß, -seinen Abschied zu fordern und auf einem ausländischen Bergwerke ein -Unterkommen zu suchen. Seine Braut Marie bestärkte ihn in seinem -Entschlusse. Am nächsten Lohntage wollte er seinen Abgang anzeigen. - -Im Bewußtsein seiner Unschuld war er wieder angefahren und begann eben -seine Strafarbeit. Plötzlich stand der Berggeist vor ihm und sprach: -»Siehst Du, Tropf, wie Deine Gutmütigkeit belohnt wird, und was Du für -ehrliche Kameraden hast? So nimm nun ein Stück Silber von mir, damit -Du wenigstens einen Zehrpfennig auf die Reise hast!« »Hebe Dich weg, -Versucher!« antwortete Daniel; »jetzt leide ich unschuldig, deshalb -bin ich heiter und guter Dinge; so ich aber Deinen Reichtum nähme und -mein Gewissen mit ungerechtem Gut belastete, was bliebe mir dann für -ein Trost?« Da entgegnete der Berggeist: »Ich sehe wohl, daß Du ein -ehrlicher, wackrer Bursche bist, und deshalb soll es Dir wohl gehen. -Jetzt merke wohl auf, was ich Dir sage. Wenn Du zu Abend aus der Grube -fährst, so bitte den Steiger, er möchte Dich morgen frei lassen, Du -wolltest Deine Andacht halten. Das darf er Dir nicht abschlagen. Dann -gehe zum Geistlichen, empfange das heilige Sakrament und halte Dich -ruhig. Hüte Dich aber jemand ein Wort zu sagen, es wäre zu Deinem -Schaden. Wenn nun der Steiger die Knappen beruft, so gehe und thue -frischen Muts, was Dir befohlen wird, Du bist auf guten Wegen, Gott -wird Dich schützen und ich werde Dir behülflich sein!« Daniel that, wie -ihm gesagt ward. Er verrichtete am andern Morgen seine Andacht und saß -nun stillbetend in seinem Kämmerlein, wartend, was da kommen sollte. -Einige Stunden nach Mittag hörte er ein Zusammenlaufen und lautes -eilendes Gespräch vor seiner Hütte. Als er hinaustrat, vernahm er, daß -in der Grube ein großes Unglück geschehen sein müsse, denn das Gestänge -stehe still und man höre in der Tiefe ein ungewöhnliches Brausen und -Poltern. Bald rief die Bergglocke die Arbeiter, welche sich nicht auf -der Schicht befanden, beim Steiger zusammen, welcher wetterte und -fluchte. Beim Zählen fehlte bloß der alte Martin, welcher am vorigen -Tage die Erlaubnis erhalten hatte, in sein Geburtsdorf zu gehen. Nun -ordnete der Steiger an, daß einer hinabsteigen müsse, um nachzusehen, -was unten geschehen sei. Dazu veranlaßte er seinen eigenen Neffen, -weil er ihm Gelegenheit verschaffen wollte, sich auszuzeichnen. »Ich -verspreche Dir,« so sagte er zu ihm, »einen Bericht an's Bergamt, der -Dir den Untersteiger einbringen soll!« Der Neffe weigerte sich anfangs, -versuchte es dann, stieg wieder empor und bat schließlich, ihn zu -verschonen, da ihn die Angst umbringe. Da stieß ihn der erzürnte Oheim -in die Grube hinab und warf die schwere Fallthüre zu. -- Unterdeß hatte -sich die Kunde von dem Unglücke in der Grube weiter verbreitet, die -Frauen und Kinder von mehr als zwanzig Bergleuten, die auf der Schicht -arbeiteten, kamen herbei und überhäuften den Steiger mit Vorwürfen; -unter ihnen war auch Marie, welche von tödlicher Angst um Daniel -an den Unglücksplatz getrieben wurde. Da gebot der Steiger, durch -die Vorwürfe erbittert, durch seines Neffen vorsätzlichen Mord noch -mehr verwildert, Daniel solle nun hinab und ihm Kundschaft bringen, -woraus er dann den Bericht abfassen könne. Daniel trat darauf, obwohl -ihn Marie davon zurückzuhalten suchte, die gefährliche Fahrt an. Er -tröstete seine Braut und sagte, sie würden sich gewiß wiedersehen. Der -Steiger aber warf die Fallthür wieder zu, schob den Riegel vor und -sagte lachend: »Der fromme Mann wird wohl pochen, wenn er wieder heraus -will!« Damit ging er nach seinem Hause. Auf Mariens Bitten öffneten die -oben stehenden Bergleute den Schacht wieder und das Mädchen lauschte -hinab. Plötzlich rief sie aus: »Ich sehe ein Licht in der Tiefe!« -und dann wieder: »Gottlob, es ist Daniel!« So war es. Daniel stieg -glücklich hinauf, alle Arme streckten sich nach ihm aus, um ihm zu -helfen. Um seinen Leib hatte er ein Seil geschlagen, und an dem Seile -hing der leblose Körper des vom eigenen Onkel hinabgestürzten Neffen. -Das erste, was Daniel that, war, des Neffen Schläfe zu reiben; man -entzündete Sprengpulver vor dessen Nase, und endlich gelang es den -vereinten Bemühungen, ihn wieder zum Leben zurückzurufen. Als er die -Augen aufschlug, sah er Daniel und stammelte: »Daniel, unschuldiger, -verleumdeter Daniel, zweimal mein Retter, ach, vergieb!« Dieser drückte -ihn an sein Herz. Während dessen war ein höherer Bergbeamter mit dem -Steiger an die Grube gekommen. Der Bergoffizier beugte sich über den -Schacht, starrte hinab und sagte: »Unglaublich! die Wässer steigen -noch immer. Seht nur selbst, Obersteiger!« Dieser eilte herbei, sich -weit über den Abgrund legend. Aber plötzlich fuhr, allen sichtbar, -eine Riesenfaust aus der Tiefe, drehte im Nu des Steigers Angesicht -auf den Nacken, daß man alle Wirbel brechen hörte, hielt das gräßlich -verzerrte, blaue Todenantlitz der Menge entgegen und verschwand mit -seinem Raube unter der Flut. Darauf hörte man ein fürchterliches -Donnern in der Tiefe. Als sich die Umstehenden von ihrem Schreck -etwas erholt hatten, sprach der Bergbeamte sehr ernst: »Gott hat -gerichtet und meinen schwachen Händen dies Amt entnommen! denn auch -ich war gekommen zu richten!« Er erzählte nun, wie die Unredlichkeit -des Steigers dem Bergamte bekannt geworden sei, und wie er vor seiner -Abreise von dem alten Martin, den er als einen frommen Bergmann kenne, -noch mehr vollgiltige Beweise der Schuld erhalten habe. Hier an der -Grube habe er den unredlichen Mann seines Amtes entsetzen und zur -Strafe ziehen wollen. Und als der Bergoffizier nun weiter von Daniel -hörte, wie derselbe in der Grube seinem Tode in den hereinbrechenden -Wassern entgangen sei und wie er den Körper des Neffen vom Steiger -gefunden und auf wunderbare Weise gerettet habe, da erkannten er und -alle Anwesenden die Hand Gottes und die Hülfe des Berggeistes. Daniel -war mit dem Körper des von seinem Onkel Hinabgestürzten von den Fluten -verschlungen worden, und als er wieder zum Bewußtsein kam, fand er sich -mit letzterem in einer geräumigen, trocknen Halle, zu seinen Füßen -stand die angezündete Blende und lag ein Stück Seil. So gelang es ihm, -wieder die Fahrt zu gewinnen und den leblosen Körper mit hinauf zu -ziehen. -- Der Bergoffizier ernannte hierauf Daniel im Auftrage des -Bergamtes zum Untersteiger an der Grube St. Barbara, und ebenso wies er -auch dem alten Martin einen Zuschuß an, der es ihm erlaubte, den Rest -seines Lebens außer der Grube zuzubringen. Darauf schied der Beamte von -ihnen, indem er dem Daniel noch Glück zu seinem neuen Berufe wünschte. - -Nach acht Tagen war Marie Daniels glückliches Weib. Der Berggeist -erschien zwar nicht wieder, aber mehrfach konnten die Glücklichen seine -Nähe spüren. Zwar blieb die ersoffene Grube liegen, jedoch entdeckte -Daniel in demselben Reviere die herrlichsten Anbrüche. Die Grube ward -nach seinem Namen »Daniel-Zeche« genannt, gab überreiche Ausbeute und -baute sich gut aus. Als aber nach einem Jahre Daniel den Beamten und -den alten Martin zu Gevattern bei seinem neugeborenen Söhnlein bat -und ersterer ihm die Ernennung zum Obersteiger mit Gehaltszulage -mitbrachte, da klingelte es auf einmal wie goldene Schellen auf den -zinnernen Tellern, die an der Wand standen, und siehe, es fielen eitel -neue Goldstücke durch die Decke herab, hundert an der Zahl. In der -Mitte war ein Mönch darauf geprägt, und rund herum standen die Worte: -»Beschert Glück zur Daniel-Zeche!« Jetzt erkannte Daniel wohl seinen -alten Freund, den Berggeist, und in der Freude seines Herzens griff er -nach einem Becher Weins und brachte auf den Berggeist die Gesundheit -aus. Da that ihm jedermann Bescheid, die Gläser klirrten und zugleich -ertönte eine starke, liebliche Musik von Harfen und Zithern, Hörnern -und Schalmeien. Als man aber die Thüre öffnete und den Spielleuten zu -trinken geben wollte, da war niemand zu sehen und zu hören. - - -170. Der Berggeist von Abertham. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 84.) - -Am ältesten Ende von Abertham liegen mächtige Halden der ehemaligen -»Kreuzzeche,« welche in der letzten Periode des dortigen Bergbaues -allein zur Förderung sämtlicher Erze und Gesteine der Aberthamer -Grubengänge benutzt wurde. Über 300 Bergknappen waren bloß zur -Förderung angelegt. Als man aber daran ging, in genannter Zeche -mancherlei Fördermaschinen einzusetzen, waren viele Bergleute um ihr -Brot besorgt und trauerten und jammerten. Ihr Klagen rührte sogar -den mächtigen Berggeist, der sich entschloß, die bedrängte Lage -von den armen Bergleuten abzuwenden. Er ließ sich daher mehrmals -an verschiedenen Orten der Kreuzzeche sehen und stieß bei seinem -jeweiligen Erscheinen die warnende Drohung aus: - - »Legst Du mir meine Manneln (Knappen) ab, - So schneid' ich Dir Deine Mittel ab!« - -Da sich jedoch der Bergherr an diese Drohung nicht kehrte, sondern -unablässig darauf sann, immer mehr Maschinen in Anwendung zu bringen, -trat endlich, nachdem des Berggeistes Langmut ein Ende genommen, die -unglückliche Katastrophe ein, welche die gesamte Knappschaft schon -längst befürchtet hatte. Es brach nämlich eines Tages der sogenannte -tiefe Stollen, auch Schlickenstollen genannt, zusammen und ließ sich -nicht mehr bewältigen. Alle angewandten Kunstgriffe, die Entsumpfung -der nach Erz führenden Horizonte zu bewerkstelligen, erwiesen sich -zwecklos; die Mittel waren und blieben abgeschnitten. - - -171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau. - -(Mitgeteilt von P. Mothes aus Bockau.) - -Bei der alten Zeche auf dem Ochsenkopfe haben verschiedene Leute einen -kleinen Jäger mit erdfahlem Gesichte gesehen. Derselbe ladet jeden, der -ihm begegnet, zu einem Spiele ein, und wenn ihm dann der Betreffende -folgt, so führt er ihn auf unbekannte Flecke, von wo aus derselbe sich -nur schwer wieder zurecht findet. - - -172. Der Gevattersmann vom Greifenstein. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 40. Dietrich und Textor, -die romantischen Sagen des Erzgebirges. I. 1822, S. 150. etc. Gießler, -Sächs. Volkssagen. Stolpen (o. J.) S. 107.) - -Vor langer Zeit lebte in Geyer ein armer Häuer, mit Namen Hans Geißler, -der war blutarm und hatte ein schwangeres Weib und viele Kinder und -wußte sich oftmals keinen Bissen Brot zu verdienen. Am größten aber -war seine Not am Sylvesterabende, als die Niederkunft seines Weibes -auf wenig Stunden nahe war und er weder eine warme Stube, noch sonst -eine Erquickung, ja nicht einmal eine Wehmutter für sie hatte. Er eilte -hinaus, eine erfahrene Muhme aus Günsdorf zu holen, verirrte sich aber -bei dem gräßlichen Schneegestöber von dem Wege und kam, durch tiefe -Wehen sich mühsam durcharbeitend, zuletzt an die Felsenschichten des -Greifensteines. Erschrocken wollte er umkehren, als der Berggeist -ihm erschien und mit freundlichem Blick ihn also ansprach: »Eile, -glücklicher Vater! Gott hat Dein Weib mit drei holden Knäblein -gesegnet! Wenn Du nichts dawider hast, will ich Dein Gevatter sein!« -Da verließ Hansen die Furcht und er antwortete: »In Gottes Namen magst -Du mein Gevatter sein, aber wie thue ich Dir die Stunde der Taufweihe -kund?« Wie nun der Berggeist lächelnd sagte, daß er ohnedem kommen -würde zur rechten Zeit, da verließ sich Hans darauf und eilte heim. -Sein Weib hatte ihm drei holde Knäblein geboren. - -Am andern Tage, als alles zur Taufe bereitet war, da ließ auch der -Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er erschien in -Häuerkleidung und übte das fromme Werk mit inniger Andacht; als die -heilige Handlung vorüber war, da schenkte er Hansen einen Schlägel und -ein Eisen und sprach: »Lieber Gevatter, bete und arbeite! Wo Du mit -diesem Gezäh einschlägst, da wirst Du reiche Ausbeute finden, und dann -denke allemal an Gott und Deinen Gevattersmann.« Darauf verschwand er; -seine Worte aber trafen ein. Hans ward ein reicher Mann und soll die -Siebenhöfe bei Geyer gebaut haben. - - -173. Das Geschenk des Holzweibchens. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.) - -Die Holzweibchen sollen kleine zwerghafte Wesen gewesen sein, die sich -in verschiedenen Wäldern des Joachimsthaler Bezirks aufhielten. - -Ein Holzhauer setzte sich einmal zur Mittagszeit auf einen gefällten -Baumstamm und verzehrte sein hartes Brot. Da kam aus dem Gebüsche ein -altes Holzweibchen, füllte den Hut des Mannes bis an den äußersten Rand -mit Holzspänen und verschwand. Alsbald sprang der Holzhauer, welcher -diesem harmlosen Treiben ruhig zugesehen hatte, auf und schüttelte -die Späne aus. Als er abends zu Hause den Hut abnahm, fiel klingend -ein Stück Gold zur Erde, welches die Form eines Spanes hatte. Einer -der Späne, die das Holzweibchen dem Holzhauer geschenkt und die er -weggeschüttet hatte, war im Hute hängen geblieben und zu Gold geworden. - - -174. Die Waldweibchen bei Pobershau. - -(Nach Mitteilung des Sem. Richter.) - -Ungefähr zehn Minuten von Pobershau und nicht weit vom Walde zeigt -man auf der sogenannten Amtsseite das Burkhardtsloch. Hier sollen vor -vielen Jahren Waldweibchen oder wilde Weibchen gelebt haben, welche -sehr gutmütig waren und oft armen Leuten in ihrer Not halfen. Deshalb -werden sie noch heute in der Gegend, so oft man von ihnen erzählt, -»Feen« genannt. - - -175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz. - -(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 56.) - -Auf dem großen Spitzberge bei Preßnitz haben sich ehedem Holzweibel -aufgehalten. Sie sind aber fortgezogen, als die Bewohner der -umliegenden Orte anfingen, die Knödel im Topfe zu zählen. Nur ein -Holzweibel blieb zurück, führte aber gegen die Menschen nichts Gutes -im Schilde, weshalb man ihm aus dem Wege ging. Dem aber, der ein -gutes Sprüchlein konnte oder ein Stückchen geweihte Kreide oder -»Charsamstagskohle« bei sich führte, konnte es nichts anhaben. Ältere -Bewohner von Preßnitz beschrieben es als von winziger Gestalt, mit -einem Körbchen auf dem Rücken und einem Rührlöffel in der Hand. - - -176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel. - -(Edw. Heger a. a. O., S. 83.) - -Ein Gebirgsholzhauer in der Gegend von Pürstein ward während seiner -Waldarbeit häufig von einem Holzweibel besucht und mit Geld beschenkt. -Einmal kam aber das Weibel in eiliger Flucht, denn der Teufel wollte es -holen, und es rief schon von weitem: »Holzhauer, hacke geschwind drei -Kreuze auf den Stock.« Das that denn auch gleich der dankbare Mann, das -Holzweibchen setzte sich flugs auf den Stock und der Teufel mußte mit -leeren Krallen abziehen. - - -177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 78.) - -Vom Holzweibchen werden dann und wann einige alte Sagen herumgetragen, -daß es vom Satan gejagt würde und in solcher Flucht einen Stock, darin -die Holzhacker ein Kreuz gehauen, suche, sich darauf setze und alsdann -erlöset würde. Man hat auch von alten Leuten zu Grum- und Steinbach -erzählen hören, daß vor alten Zeiten ein Holzweibel gekommen, sich -auf den Ofenherd gesetzet und gesponnen und das Gespinst in die Stube -geworfen habe; dem hätten sie müssen zu essen geben. - -So wollte man auch im Februar 1681 auf dem Pfannenstiel, einem -Schönburg'schen hohen Walde, ein Holzweib gesehen haben, welches einen -großen Schnee, schnelle Wasserfluten und hitzigen Sommer angedeutet, -darauf viel Menschen und Vieh hinsterben würden. - - -178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach. - -(Christ. Lehmann a. a. O., S. 187.) - -An der Aschermittwoch des Jahres 1633 hatte Adam Beyer im Walde bei -Steinbach einen Baum gefällt. Indem der Baum im Fallen ist, hauet er -nach der Holzhacker Gebrauch ein Kreuz hinein; sogleich kommt ein -gejagtes Waldweibchen und bleibet an dem mit dem Kreuz bezeichneten -Baume stehen, da es dann sicher geblieben. Unterdessen füllet es dem -Holzhacker seinen Kober mit Spänen, er aber schüttet die Späne wieder -aus, und da ungefähr ein Spänlein hängen geblieben und er nach Hause -kommt, findet er an dessen statt einen ganzen Thaler. Er gehet alsobald -wieder in den Wald, in der Hoffnung, solcher Thaler viel aufzulesen, -aber vergebens. Doch weil dieser Mann damals in kurzer Zeit zu seinen -Mitteln gekommen, hat man vermutet, er müsse etwas gefunden haben. -Von dieser Begebenheit an gehet niemand gern an der Aschermittwoche -daselbst ins Holz, in der Meinung, der Teufel jage das Holzweibchen an -der Aschermittwoche. - - Auch im Thüringerwalde und Fichtelgebirge wohnen Waldweibchen - zuweilen bei den Menschen, sie geben ihnen Geschenke und sind vor - dem wilden Jäger auf Baumstämmen, in welche drei Kreuze eingehauen - wurden, sicher. Dasselbe wird von den Moosweibchen erzählt, welche - Menschen um Brot bitten. Wenn in Pfaffenreut bei Wunsiedel beim Mahl - an dem Rande der Schüssel durch Herausschöpfen Tropfen hängen blieben - und diese die Kinder oder auch Erwachsene mit dem Löffel abstreifen - und verzehren wollten, sagten die Ältern: »Das dürft ihr nicht, - das gehört dem Moosfräula!« Ein Beweis von dem freundschaftlichen - Verkehre, in welchem die Wald- und Moosweibchen mit den Menschen - standen. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 206, 212, 221, 235. - Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 37.) - - Mannhardt erklärt die Holz- und Moosweibchen für Genien der Wälder - und Personifikationen des Blättergrüns; darauf fußt der Glaube, - daß ihr Leben an dasjenige der Waldbäume gebunden ist. Wenn die - Sage erzählt, daß der wilde Jäger (d. h. der Sturmgott Wuotan) die - Waldweibchen jage, so ist dann darunter der Sturm zu verstehen, - welcher die Blätter vor sich her treibt. Damit hat sich aber die - ältere Vorstellung, nach welcher unter den gejagten Frauen Wolken - zu verstehen sind, verändert; die Wolkenfrauen, welche durch Regen - die Pflanzenwelt befeuchten, sind später auf die Erde herabgezogen - und zu Waldgenien geworden. (Mannhardt, die Götter der deutschen und - nordischen Völker, S. 112 und 116.) - - -179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold. - -(Edwart Heger in der Erzgebirgszeitung, VI. S. 84.) - -In der Gegend von Kupferberg erhielten Waldarbeiter von den -Holzweibchen häufig Geschenke; doch mußten sie sich auch manchen -Schabernack gefallen lassen. Oft machten sich die Weibel unsichtbar -und nahmen den Leuten die mitgebrachten Lebensmittel weg. Der -hungrige Waldmann fand dann manchmal statt des Mittagsbrotes höchst -ärgerlicherweise nur eine Menge Hackspäne in seinem Schnappsacke -vor, die er meist achtlos wegwarf. Zuhause angekommen, erstaunte er -freilich, wenn einige hängengebliebene Spänchen und Splitter zu purem -Golde geworden waren. Ähnliches passierte auch einmal zweien armen -Weibern, die oberhalb des Pürsteiner Burberges und unweit des Dorfes -Gesseln in der Waldung dürres Holz sammelten. Sie trafen da ein kleines -Wesen, das ihnen eine Menge Hackspäne zeigte und sie aufforderte, diese -Späne noch mitzunehmen. Die Weiber, obwohl schon ziemlich belastet, -gehorchten und füllten die letzten leeren Plätzchen in ihren Körben mit -den Spänen, auf dem Heimwege aber, als die Bürden sich gar zu schwer -erwiesen, sagten sie: »Was sollen uns eigentlich auch die Späne!« und -warfen sie hinaus. Nur ein paar dieser Späne blieben an den Körben -hängen, und diese wurden zuhause -- o Wunder! -- zu blankem Golde. -Jetzt freilich ärgerte es die Weiber ungemein, daß sie die reiche Gabe -so leichtsinnig weggeworfen hatten, und das ließ in ihnen leider die -Freude über den verbliebenen Rest schönen Goldes sowie das Gefühl der -Dankbarkeit gar nicht recht aufkommen. - - -180. Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald. - -(Mündlich.) - -Ein Mann von Zinnwald trieb etwas Spitzenhandel, der ihn öfters nach -Böhmen führte. Einmal ritt er durch den Seegrund nach Eichwald, da -begegnete ihm ein Waldweibchen. Dasselbe redete ihn an: »Bruder, willst -Du mit mir schnupfen?« dabei that es sonderbarer Weise seine Schürze -auf und die war voller Laub. Als der Spitzenhändler hineingriff, um -sich des Spaßes halber, wie er meinte, eine Hand voll Laub zu nehmen, -blickte er zugleich auf und sahe das Gesicht des Waldweibchens gleich -einem alten Käse. Da erschrak er so sehr, daß er seine Hand schnell -zurückzog und fortritt. Das Weibchen aber rief ihm nach: »Nun muß ich -noch hundert Jahre warten; hättest Du das Laub genommen und wärest -nicht erschrocken, so wäre ich erlöst!« Ein Blatt war ihm jedoch unter -den Ärmel gefahren, und das war, als er es später fand, lauter Gold. - - Das Ansehen des Gesichts vom Waldweibchen gleich einem Käse erinnert - an die Zwerge Tirols und der Schweiz, welche »Kasermandeln« - (Käsemännchen) heißen und goldene Käse oder sich erneuernde - Gemskäslein verschenken. Förstemann hat in Kuhns Zeitschrift für - Sprachforschung I. S. 426 nachgewiesen, daß Quark (= Käse) und Twarg - (vergl. mhd. ~querx~ und ~twere~) im deutschen Norden bis Lievland - beides Zwerg und Käse bedeutet. (Rochholz, Deutscher Glaube und - Brauch, I. S. 12.) In den Lausitzer Sagen heißen die Zwerge Querxe. - Nach einer schottischen Sage haben auch die Elfen, welche sich durch - ihre gewöhnlich grüne Kleidung unsern Holzweibchen nähern, eine - Vorliebe für Käse. Auf dem Gipfel des ~Minchmuir~ in ~Peebleshire~ - befindet sich die Käsequelle, welche den Elfen geweiht war und die - ihren Namen davon erhalten hat, daß die Vorübergehenden gewohnt - waren, ein Stück Käse hineinzuwerfen. (Henne-Am-Rhyn, die deutsche - Volkssage, S. 269.) - - -181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 758.) - -Als Kurfürst Joh. Georg I. im Jahre 1644 um Rabenstein gejagt hatte -und am 18. August an Chemnitz vorbeizog, bekam er die Nachricht, daß -seine Jäger ein wildes Weiblein in der Stallung gefangen hätten, -welches einer Ellen lang, von menschlicher Gestalt, rauher Haut, doch -im Angesicht und an den Fußsohlen glatt war. Endlich habe dasselbe -angefangen zu reden und gesagt: »Ich verkündige und bringe den -Frieden.« Darauf hat der Kurfürst befohlen, dasselbe wieder laufen -zu lassen und gesagt: »Wir erinnern uns, als wir vor 25 Jahren auf -den Lautersteinischen und Crottendörfischen Wäldern gejagt, daß wir -dergleichen Männlein gefangen, welches uns den Krieg verkündiget und -gesagt: »Ich bring euch Krieg.« - - -182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde. - -(Illustrirtes Familien-Journal. VI. No. 157.) - -Da droben im Schönecker Walde lebte vor Jahren ein Holzhauer, ein -braver, stämmiger Bursche, der aber trotz rastloser Thätigkeit kaum -soviel verdienen konnte, um eine alte kranke Mutter und ein paar -kleinere Geschwister zu ernähren. Es ging immer knapp her, und doch -mußte hie und da noch ein Groschen für ein rotes Band oder etwas -dergleichen abfallen, womit der Bursche die Tochter des Nachbars -beschenkte. Die jungen Leute waren einander gut; aber an's Heiraten -durften sie noch lange nicht denken, denn es fehlte ihnen ein eigenes -Hüttchen, und die Wohnungen der Ältern hatten nicht Raum für einen -neuen jungen Hausstand. Da entschloß sich der Bursche schweren Herzens, -ein paar Jahre hinaus in die Welt zu wandern und sich irgendwo zu -vermieten, bis er sich das Nötige verdient haben würde. Als er bald -darauf durch den grünen Wald zog und trübe Bilder der nächsten Zukunft -in seiner Seele auftauchten, da sprang plötzlich vor ihm ein kleines -graues Mütterchen mit einem Körbchen Reisig aus dem Gebüsche, und wie -gehetzt lief es auf ihn zu und bat flehentlich, er möge schnell in -eine niedergebrochene Fichte, die just über den Weg lag, drei Kreuze -schneiden, der wilde Jäger sei ihr auf dem Fuße und der sei ihr Feind -und werde sie töten. Das alles war das Werk eines Augenblicks, und -alsbald hatte der Bursche auch mit seinem Messer die drei Kreuze in -den Baumstamm geschnitten, und war selbst mit dem fremden Weibchen -darunter gekrochen, als auch schon das wilde Heer ankam. An den drei -Kreuzen aber hatte die Macht des wilden Jägers eine Schranke, er -zog fluchend und wetternd zurück und das Holzweibchen war gerettet. -Dasselbe gab seinem Helfer einen grünen Zweig aus seinem Körbchen, -dankte gar geheimnisvoll und -- war verschwunden. Dem Burschen war's -noch ganz wirbelig und drehend im Kopfe von all dem Spuk, aber so viel -war ihm doch klar, daß das graue Mütterchen, wenn es einmal etwas -schenken wollte, sich schon ein wenig mehr hätte angreifen können. -Mißmutig wollte er den Zweig wegwerfen, besann sich aber doch noch -und steckte ihn zum Andenken an das sonderbare Erlebnis auf seine -Mütze. Wie er nun frisch weiter schritt, da ward ihm sein Mützlein -immer schwerer und schwerer, und als er es endlich abnahm, da war -der Zweig gewachsen, und was war's überhaupt für ein Zweig geworden? -Gelbe glitzernde Blätter waren d'ran, und wuchsen immer noch mehr, daß -ihm schier Sehen und Denken und am Ende die Lust, weiter zu wandern, -verging. Er kehrte um, ohne eigentlich zu wissen, warum, und war noch -vor Abend wieder daheim. Was die alte Mutter sich wundern mochte! Der -Tochter des Nachbars aber war's eben recht, denn: Wiederkommen bringt -Freude. - -Der wilde Jäger hatte wohl Ursache, das Holzweibchen zu verfolgen, denn -dasselbe hatte in seinem Garten von dem wunderbaren Goldbaume sich ein -Körbchen der besten Zweige geholt. Davon hatte nun der Bursche einen -bekommen und der trieb immer neue Blätter. Die Blätter schüttelte unser -Holzhauer ab und verkaufte sie in den Städten, wo sie noch heute von -den schönen Damen als Schmuck getragen werden. Nun konnte er seines -Nachbars Kind heiraten, und sie mögen sich wohl auch ein gar hübsches -Haus gebaut haben. Das Goldbäumchen aber ist mit der Zeit eingegangen, -vielleicht hat sichs auch das Holzweibchen wieder geholt, vielleicht -auch der wilde Jäger selber. - - Auch Christ. Lehmann erzählt im Histor. Schauplatze, daß sich die - Holzweibchen in ihrer Gutmütigkeit und um die Menschen glücklich - zu machen, zuweilen an dem zauberhaften Baume im Garten des wilden - Jägers vergreifen, daß sich aber die von ihm abgebrochenen Zweige und - Blätter in Gold verwandeln. Deshalb werden nun die wilden Weibchen - vom Satan, d. h. dem wilden Jäger verfolgt. - - -183. Buschweibchen in der Umgebung des hohen Steines. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.) - -Wie im hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen -menschenfreundliche Zwerge wohnten, so hielten sich in den umliegenden -Wäldern Buschweibchen auf, welche häufig in die Häuser kamen und dort -Essen begehrten, wofür sie manch' seltenen, kostbaren Stein, manch' -heilkräftige Pflanze zurückließen. - -Manche Leute nennen sie auch Moosweibchen, und man schildert sie als -zwerghafte Gestalten, über und über mit Moos bewachsen und Kleider aus -Baumrinde und Flechten tragend. Einst bezeigte sich ein solches Wesen -besonders wohlthätig, wie uns die folgende Sage berichtet. - -Zu wiederholten Malen vernahmen Beerweiber und Schwämmesammlerinnen -aus einem dichten Gestrüppe in der Nähe des hohen Steines heftiges und -anhaltendes Niesen; aber keiner von ihnen fiel ein, »Helf Gott!« zu -rufen. Wenn sie sich dann auf den Heimweg begaben, sahen sie aus dem -Gebüsche ein Moosweibchen treten, das sich unter schweren Seufzern und -traurigen, vorwurfsvollen Blicken entfernte. Einst aber, als das Niesen -denn gar zu laut und häufig erschallte, sagte ein Weib: »Nun so helf -Gott der Person, welche so heftig da drin nieset!« Augenblicklich stand -eine weiße Frau vor ihr und sagte freudig: »Du hast mich erlöst, hier -empfange Deinen Lohn!« Mit diesen Worten überreichte sie dem armen, -erschrockenen Weibe einen schweren Moosknollen und verschwand. Der -überreichte Knollen aber enthielt ein großes Stück Gold, welches das -Weib reich machte. - - Eine ähnliche Sage aus der Grafschaft Mannsfeld erzählt von einem - Görsbacher, welcher am »Wahle«, einem Stück Land, wo jedenfalls - früher ein alter Gerichts- und Opferplatz war, vorüberging und dabei - wiederholt jemanden niesen hörte. Der Görsbacher rief jedesmal »Gott - helf!«, aber kein Dank schallte zurück. Als es nun zum dritten Male - nieste, sagte der späte Wanderer: »Ei, wenn Du mir nicht dankst, - so schweig ich auch.« Da rief es ihm kläglich zu: »Ach, hättest Du - mir doch nur noch einmal »Gott helf!« zugerufen, so wäre ich erlöst - gewesen; nun muß ich wieder 100 Jahre nach Erlösung schmachten!« - (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 221.) - - Ganz ähnlich sind die Sagen vom Spuk am roten Steine bei Oberhof - in Thüringen, (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 7), und - von den verfluchten Jungfern bei Eisenach und am Falkensteine bei - Schmalkalden. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 113 und 153.) - - Die Sitte, beim Niesen dem Betreffenden »Gott helf!« oder dem - Entsprechendes zuzurufen, reicht jedenfalls bis ins graue Altertum - zurück, obschon der Anfang dieses Gebrauchs gewöhnlich in das 6. - Jahrhundert verlegt wird, als eine Beulenpest in Italien auftrat, - welche mit Niesen begann und mit dem Tode endete. Damals soll man - zuerst demjenigen, welcher zu niesen anfing, zugerufen haben: »Nun - helf' Dir Gott!« (Hahn, Geschichte von Gera I. S. 287.) Jedoch - gedenken dieser Sitte schon Aristoteles und Plinius. Aristophanes - bezeichnet das Niesen als eine göttliche Kundgebung, und als eine - solche galt dasselbe auch bei den Indianern Amerikas; denn als die - Spanier in Florida eindrangen, sahen sie, daß, wenn der einheimische - Herrscher nieste, die Anwesenden sich vor ihm beugten und die Arme - flehend nach der Sonne ausstreckten. - - Daß die Buschweibchen und wilden Weiber heilkräftige Kräuter kannten, - wie unsere Sage meldet, erfahren wir auch aus dem Gudrunliede. Wate - von Stürmen verband sich und die im Kampfe Verwundeten und nahm - eine gute Wurzel in seine Hand, denn längst hatte man vernommen, - »heilkundig sei Herr Wate von einem wilden Weibe!« - - -184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann. - -(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 55.) - -Man erzählt in der Gegend von Hohentann und Platz, daß in alten Zeiten, -wenn das Gesinde auf den Feldern und die Hausfrau allein zu Hause -war, daß die Buschweibel öfters in den Häusern erschienen und bei -verschiedenen häuslichen Verrichtungen hülfreich an die Hand gingen -und sogar die Kinder warteten. Diese gute Zeit ging aber vorüber wie -die Buschweibel selbst prophezeiten, denn sie sagten: »Wenn man wird -die Knödel im Topf und das Brot im Ofen zählen, dann ist unsere Zeit -vorbei, dann werden wir nicht mehr da sein!« - - -185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben. - -(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B., S. -14.) - -Der Holzweibchen sind vormals viele in den erzgebirgischen Wäldern -gewesen; sie können aber jetzt nicht mehr daselbst leben, seit das Brot -im Backofen gezählt wird. Früher wurde es nicht gezählt und da konnten -sich die Holzweibel unbemerkt davon holen. - - Mehr noch wie die eigentlichen Zwerge machen die Holzweibchen den - Eindruck von Angehörigen eines unterdrückten und nur geduldeten - Volksstammes. Bemerkenswert ist dabei, daß sie niemals wie die Berge - bewohnenden Zwerge als Volk, sondern nur vereinzelt auftraten. Die - Eigentümlichkeit ist ihnen nicht bloß bei uns, sondern auch in den - Sagen der Lausitz und des Vogtlandes beigelegt. Eine Lausitzer Sage - ermöglicht die Deutung, in den Holzweibchen versprengte Slaven zu - sehen. In dem Dorfe Königshain wird nämlich einem solchen Weibchen, - welches sich den Winter über bei einem Bauer aufgehalten hatte, von - einem anderen, das vorübergeht, »Deuto, Deuto!« zugerufen. Es könnte - dies ein Warn- oder Fluchtruf sein und so viel wie »Deutsche kommen!« - bedeuten. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz I. No. 37.) Unsere Sage deutet - an, daß die Holzweibchen sich heimlich das Brot holten, denn als man - es zählte, konnten sie nicht mehr in der Gegend unbemerkt leben und - zogen deshalb fort. - - Doch weisen wieder andere Züge, welche die Sagen von den Holzweibchen - anführen, auf mythische Wesen hin, wie sich denn überhaupt die - Vorstellungen von unterdrückten Volksstämmen und diejenigen ihrer - Gottheiten im Laufe der Zeit mit einander vermengten. - - -186. Die Holzweibel ziehen fort. - -(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 60.) - -Als die Holzweibel von den Menschen nicht mehr gastlich aufgenommen -wurden, nahmen sie immer heimlich etwas weg: hier ein paar Klöße aus -dem Topfe, dort ein frisch gebackenes Brot, und das war ihnen ein -Leichtes, denn sie konnten sich unsichtbar machen. Doch man merkte -endlich den Diebstahl und nun zählte die geizige Hausfrau allemal ihre -Klöße und Brote, und die Weibel konnten dann nichts davon wegnehmen. -Das war schlimm für die kleinen Leute, und sie beschlossen, die -ungastlichen Stätten der Menschen zu verlassen und weit fortzuziehen. - -Auf der Sosauer Flur wollte die Auswandererschar den rauschenden -Egerfluß übersetzen, und ihr König rief dem Fährmann zu: »He Ferge, Du -sollst Deinen Lohn im voraus wählen: entweder einen roten Kreuzer für -jede Person oder Deinen Hut voll Goldstücke ein für allemal!« - -Da sich die Weibel unsichtbar gemacht hatten, so kannte der Fährmann -ihre Zahl nicht, und er dachte: Du nimmst das Gewisse! Er entschied -sich daher für das Gold. Aber der Zug Leutchen wollte schier kein -Ende nehmen, und Nacht und Tag ohne Unterlaß mußte der Mann die Fähre -lenken. Endlich sagte der König: »Ferge, Du bist jetzt zu Ende; willst -Du aber einmal sehen, was Du mit Deiner Arbeit geleistet hast?« Als -dies der Fährmann bejahte, winkte der König und alsbald wurden die -Weibel sichtbar, die alle kleine Sturmhütlein trugen. Da erstaunte der -Fährmann über die Menge der kleinen Gestalten, die auf den angrenzenden -Feldern des Dorfes Pokatitz am nordöstlichen Fuße des Kaadner Burberges -aufgestellt waren, eng zusammen, so daß alles rings kohlschwarz aussah. -Er merkte nun, wie thöricht seine Wahl gewesen, und daß ihm der -verschmähte rote Kreuzer viel mehr eingebracht hätte. - - -187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg. - -(Mündlich.) - -Auf der mitternächtlichen Seite des Kahleberges sind schon viele irre -gegangen. Das geschah durch Moosmännchen, welche sich hier aufhielten -und an gewissen Tagen besonders die Holzhauer neckten. Ein Holzarbeiter -sah einmal ein solches Männchen; es war klein und sein Gesicht war mit -Moos überzogen. Der Holzhauer konnte es aber nur sehen, wenn er etwas -seitlich blickte; wendete er sich eilig um, damit er es anredete, so -war es verschwunden; er sah es aber immer wieder von der Seite, wenn er -weiter ging. - -Auch die wilde Jagd hat man vielmals am Kahleberge gehört. - - Deutsche Sagen und unter diesen auch solche aus dem böhmischen - Erzgebirge erzählen uns ebenfalls von Moosweibchen, welche vielfach - mit Wald- oder Holzweibchen zusammenfließen. Moosweibchen lebten - z. B. im Harz in der Gegend von Wildemann. Sie werden uns als - freundlich und liebreich geschildert und hatten Gänsefüße. Gleich den - Holzweibchen wurden sie vom wilden Jäger verfolgt. Eine Erinnerung - an die Moosmännchen hat sich im Harze noch darin erhalten, daß bei - Volksfesten verkleidete und über und über in Moos gehüllte Knaben - mit einem kleinen Tannenbaum in der einen und einer Sparbüchse in - der andere Hand umhergehen und milde Gaben erbitten. (Heine, Sagen - etc. aus dem Harze, S. 29.) Eine ähnliche dunkle Erinnerung an diese - mythischen Wesen findet sich auch im Vogtlande, wo man an einzelnen - Orten, wie in Reichenbach, zu Weihnachten kleine Moosmännchen auf den - Tisch stellt. - - -188. Waldgeist bei Pfannenstiel. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.) - -Hinter Grünhain liegt ein Wald, der Pfannenstiel genannt, auf welchem -nicht allein viel Menschen erschlagen worden sind, sondern es hat auch -daselbst ein Waldgeist viel Leute geneckt und erschreckt, daß sie -davon starben. Dergleichen ist einem Schneeberger mit Namen Mehlhorn -begegnet, den es in den Rumpelsbach geworfen, nachdem er dieses -Gespenst auf dem Rücken den Berg hinan getragen hatte. - - -189. Ein Feldteufel zu Grumbach. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 76.) - -Im Jahre 1654 hielt der Richter zu Grumbach einen Dorfknaben von -13 Jahren zu seinen Schafen. Von diesen führte ihn ein Feldteufel -zweimal weg; das eine Mal warf er ihn nach dem Kitzwalde ins dürre -Fichtengras, das andere Mal sahe das Gespenst seinem verstorbenen Vater -ähnlich, bald mit, bald ohne Kopf, und es trug ihn in der Höhe über -drei Äcker weg und warf ihn dann in einen Morast, so daß der Knabe -krank wurde und nicht mehr hüten wollte. - - -190. Der Getreideschneider. - -(Spieß, Aberglaube, Sitten etc. des sächs. Obererzgebirges. -Programmarbeit. Dresden 1862, S. 14; z. T. mündlich.) - -Am Johannesabende in der sechsten Stunde kommt der sogenannte -Getreideschneider, der über die Ecke eines Stückes Getreide -durchschneidet, von welchem er dann, wenn der Bauer drischt, den vollen -Nutzen hat. Um diesem vorzubeugen, nimmt der Bauer Liebstöckelöl (Öl -aus ~Levisticum officinale~) und macht, nachdem er den Finger in das -Öl getaucht, ebenfalls in der sechsten Abendstunde des Johannestages, -drei Kreuze an jede Ecke des Feldes auf die Erde. Ist aber der -Getreideschneider bereits dagewesen, so hängt der Bauer, bevor er -das Getreide einfährt, ein Büschel Reisigspitzen (frischgrünende -Tannenzweige) über dem Scheunenthor auf, drischt sobald als möglich und -macht dabei mit dem Reisigbüschel den Anfang. Dann ist der Bann gelöst -und der Getreideschneider zieht keinen Nutzen. - -In Thierfeld geht die Sage, daß in der Mittagsstunde des Walpurgistages -die Vogelbeerbäume und Feldfrüchte von dem Getreideschneider -beschnitten würden, ohne daß man ihn sieht. - - Auch in Thüringen hat man ein ähnliche Mittel, um den - Getreideschneider, den man daselbst, sowie im Vogtlande, - Bilmschnitter nennt, zu erkennen. Man belegt die Tenne mit sieben - Reisigbündeln und bearbeitet dieselben mit dem Dreschflegel; die - Person nun, welche während dieses Dreschens an das Scheunenthor - tritt, wird für den Bilmschnitter gehalten. (B. Sigismund in - »Aus der Heimat«, 1862, No. 13.) -- In Süddeutschland heißt der - Bilmschnitter »Bilwitzschneider«, und dieser Name erinnert an den - slavischen Pilwitz oder Plon, den Gott des Reichtums und zugleich - des Todes. Auch die »Pilweisen« der schlesischen und Lausitzer - Sagen sind Kobolde oder von Kobolden besessene Menschen, die andern - Schaden zufügen. In einer Sage von den Pilweisen zu Lauban tritt ein - schwarzer Bock auf; da derselbe auf den Teufel hinweist, so verbindet - sich mit den weiblichen Pilweisen (und mit dem Bilmschnitter?) der - Begriff der Hexen. -- Da die Sagen von gespenstischen Tieren im - Kornfelde mit denen vom Bilmschnitter in einer gewissen Verbindung - stehen, so erklären sich dadurch vielleicht auch die im Erzgebirge - vorkommenden Bezeichnungen »Stoppelhahn« (jetzt allerdings nur in - der Bedeutung eines Festes am letzten Erntetage gebraucht) und - »Panzelhahn«. Der letztere Ausdruck erinnert an die oben angeführte - Sitte des Reisigbüscheldreschens; denn wenn beim Dreschen des - Getreides der letzte Schlag fällt, so ruft man demjenigen, welcher - diesen Schlag gethan hat, zu: »Du hast den Panzelhahn geschlagen!« - - -191. Der Hemann im Erzgebirge. - -(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. -80.) - -Während der Hemann im nördlichen Böhmerwalde einen schwarzen Mantel -trägt und ein Hut zum Teil sein bärtiges Gesicht beschattet, erscheint -derselbe im Erzgebirge, in der Gegend von Preßnitz, Sonnenberg, Weipert -u. s. w. ganz in Grau gekleidet. Den Tag über hält er sich verborgen, -kommt aber bei einbrechender Dunkelheit aus seinem Verstecke hervor, um -seine nächtliche Wanderung zu beginnen, auf welcher er Ungläubige und -Frevler erschreckt und nicht selten mit dem Tode bestraft. - - -192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen. - -(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864, -S. 15.) - -In Bäringen neckt und ängstigt der Hemann die Menschen. Doch giebt -es dort auch noch andere Waldgeister, die gar nicht einmal sichtbar -werden, sondern dem nächtlichen Wanderer nur einen »Traf« geben, ihn -»muschen« oder ihm einen Tappen anhängen und ihn so erschrecken, daß er -krank wird oder einen Ausschlag im Gesichte erhält. - - Sollte unser Hemann mit dem schwäbischen »Hojemann«, d. h. - Waldmännlein, oder dem »Hoymann« in der Oberpfalz identisch - sein? Beide Namen werden von »hojen« d. h. hegen, den Waldhüten, - abgeleitet. (Leipziger Illustr. Zeitung, No. 1738.) - - -193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 118.) - -Seitwärts von den Dörfern Krima und Neudorf dehnt sich der Tenichwald -bis nach Sonnenberg aus. Wenn man des Nachts durch diesen Wald geht und -mit lauter Stimme ruft: He, he! Hu, hu! so erhält man aus der Ferne -Antwort. Hierauf hockt sich etwas auf den Rücken des Wanderers und -zwingt ihn, es bis ins nächste Dorf zu tragen, wo es verschwindet. So -ging es einmal einem Heger, der mußte die Last bis Krima tragen. Dort -war es ihm, als ob etwas hinabspringe, aber er konnte nichts sehen, so -rasch war es verschwunden. - - -194. Das Hemännchen bei Graslitz. - -(Grohmann, Sagen etc., S. 118.) - -In Graslitz ist das Hemännchen ein neckender Waldgeist, der seine -Freude hat an dem Schaden der Leute. Mehrere Holzhauer fuhren einst -mit ihren Karren in den Wald, um Bäume zu fällen. Als sie den ersten -Baum zu Falle brachten, hörten sie ein heiseres Lachen hinter sich -und sahen, daß ihre Karren genau an die Stelle geschoben waren, wohin -der Baum fallen mußte. Einen Augenblick später waren alle Karren -zersplittert. -- Einige Weiber suchten Heidelbeeren. Nachdem sie ihre -Krüge gefüllt hatten, stellten sie dieselben auf den Boden und gingen -ein wenig bei Seite. Als sie aber zurückkehrten und ihre Krüge aufheben -wollten, blieb der Boden derselben auf der Erde. Zugleich erscholl -hinter ihnen ein wildes Gelächter und als sie sich umschauten, sahen -sie zwar nichts, erhielten aber eine tüchtige Ohrfeige. - - -195. Der Hemann des Rammelsberges. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 97.) - -Einst lebte zu Platten ein Mann, der hieß Pänkert. Er führte ein -lasterhaftes Leben und soll sogar mit dem Teufel im Bunde gestanden -sein. Nach seinem Tode entstand in dem Hause, das er bewohnt hatte, -ein solcher Tumult, daß darin niemand mehr bleiben konnte. Deswegen -kam auf Geheiß der Verwandten ein Schwarzkünstler aus Sachsen, der -den polternden Geist auf einen grünen Platz zum sogenannten großen -Rainstein bannte, wo er ihn verwünschte, ewig in den Wäldern des -Rammelsberges umherzuirren. Seit dieser Zeit treibt dort der gebannte -Pänkert als Hemann sein Unwesen. Er erschreckt die durch den Wald -gehenden Leute, welche auf sein He-He-Rufen Antwort geben, durch seine -löschpapierfarbige, eisgraue Gestalt und drückt sie, wenn sie nicht die -Kraft besitzen, über den nächsten Graben zu springen. Über das Wasser -wagt sich, wie man sagt, der Hemann nicht. - -Einstmals ging ein Weib in den Wald, um ihrem Manne, der Holz fällte, -das Mittagessen zu bringen. Auf einmal hörte sie ein lautes He! He! He! -Sie dachte, ihr Mann wolle sie ein wenig necken, deshalb gab sie gar -herzhaft zur Antwort. Daher! daher! Aber kaum war das Wort verhallt, da -stand vor ihr ein baumlanger, eisgrauer Mann mit wütenden Geberden. Vor -Furcht und Schrecken eilte das Weib einem Bache zu, den sie mit knapper -Not übersetzte, sonst wäre sie unrettbar in die Hände des Hemannes -gefallen, welcher ihr dicht auf den Fersen gefolgt war. - - -196. Das Heideweibchen. - -(Mündlich.) - -Zwischen Scheibenberg und Crottendorf liegt eine sumpfige Gegend, -welche die Heide genannt wird; daselbst geht zu bestimmten Zeiten das -Heideweibchen um. - - -197. Die Marzebilla. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 114.) - -In der Gegend von Preßnitz befindet sich ein Berg, namens -»Bartelwulfenberg«. Hier soll vor Jahren ein Schloß gestanden haben. -Der Besitzer desselben hatte eine Tochter, die in ein Nonnenkloster -ging. Hier hatte sie eine Liebschaft mit einem Ritter und kam zu Falle. -Sie entfloh und starb im Elend. Seit dieser Zeit läßt sie sich nun im -Kaiserwalde bei Preßnitz öfter sehen und ist allgemein bekannt unter -dem Namen Marzebilla. Sie trägt an ihrer linken Hand einen Handschuh -von Blech. Einmal soll ein Bauer aus Neudorf in den Wald gefahren sein, -um Holz zu holen. Da blieb plötzlich sein Gespann stehen und konnte -nicht weiter. Er sah sich um und erblickte auf dem hinteren Ende des -Wagens ein altes Weib, das er an dem Blechhandschuh gleich als die -Marzebilla erkannte. Sie bat ihn, sie mitfahren zu lassen. Allein -der Bauer sagte, sie sei zu schwer und als sie nicht heruntersteigen -wollte, schlug er sie so, daß sie herabfiel. Als aber der Bauer nach -Hause kam, legte er sich in's Bett und starb nach acht Tagen. Der -Leichnam aber war verschwunden. Erst nach einigen Jahren fand man beim -Fällen alter Bäume ein Gerippe im Walde, das man an einem Amulet als -das des Bauern erkannte. - -Einige Schnitter mähten das Gras am Rande des Kaiserwaldes. Um Mittag, -als im Dorfe geläutet wurde, erschien die Marzebilla und forderte die -Arbeiter auf zu beten. Diese waren zu faul dazu. Als sie aber nachher -zur Quelle gingen, um zu trinken, fanden sie Blut statt des Wassers. -Einer von den Schnittern wollte sich besser überzeugen und stieß mit -dem Stock in den Schlamm. Da erschien die Marzebilla, gehüllt in einen -feinen Nebel, sprach eine Formel und die Schnitter verwandelten sich in -Aschenhäufchen. - -Wenn Leute in den Wald gehen, um Beeren zu suchen, so erscheint ihnen -oft die Marzebilla und führt sie in undurchdringliches Dickicht. -Fluchen dann die Leute, so überläßt sie die Marzebilla ihrem -Schicksale, beten sie aber, so führt sie dieselben an fruchtbare -Stellen, von wo sie den Heimweg leicht treffen. - - -198. Der Wechselbalg. - -(Spieß, Aberglaube, Sitten, etc. d. s. Erzgeb. Dresden, S. 36.) - -Ein unter sechs Wochen altes Kind soll nicht »über den Wechsel getragen -werden« (d. h. wohl, bald auf dem rechten, bald auf dem linken Arme), -sonst holt es der Wechselbalg. - - Hier erscheint der Wechselbalg als der auswechselnde Dämon. In der - Lausitzer Sage ist dagegen der Wechselbalg ein geistesschwaches, - mißgestaltetes Kind, welches von einer aus dem Gebirge oder Walde - kommenden alten Frau gegen das wohlgebildete, unter sechs Wochen alte - Kind umgetauscht wird, wenn keine Person in dessen Nähe ist. (Haupt, - Sagenbuch d. L. No. 71.) Ebenso tauschten nach einer schlesischen - Sage die Feenixweibel ein auf dem Felde allein gelassenes kleines - Kind gegen das ihrige um, welches verbuttet blieb und ebenfalls - Wechselbalg genannt wurde. (Mitteilungen des mähr.-schles. - Sudeten-Gebirgsvereins, 2. Jahrg. No. 7.) - - -199. Das Mittagsgespenst. - -(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B., S. -13.) - -In Bäringen sagt man: Das Mittagsgespenst hockt den Wöchnerinnen auf, -die zu Mittag von 11 bis 12 Uhr auf die Gasse treten oder in den Keller -oder auf den Boden gehen, und »muscht« sie. - - Das Lausitzer Mittagsgespenst, die Mittagsfrau (~Pripolniza~), welche - zur Mittagszeit zwischen 12 und 2 Uhr als großes weibliches Wesen - auf den Feldern zu erscheinen pflegt, ist streng genommen von der - slavischen Todesgöttin oder Pestfrau (~Smertniza~) zu unterscheiden. - (S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.) Die Smertniza wandelt - ebenfalls als weiße Frau umher und macht sich durch Pochen in - dem Hause bemerklich, in welchem innerhalb dreier Tagen jemand - sterben soll. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 74. Schäfer, Deutsche - Städtewahrzeichen, S. 91.) - - -200. Der Alp. - -(Mündlich.) - -Der Alp ist ein dämonisches Wesen, welches schlafende Menschen drückt, -so daß sie keinen Laut von sich geben können. Man nennt dieses Drücken -Alpdrücken. - -Ein Mädchen erzählte, der Alp käme durchs Schlüsselloch zu ihr, aber -sie könne dann nicht um Hülfe rufen; daher bat sie ihre Schwester, -dieselbe solle sie nur des Nachts bei ihrem Namen rufen, dann würde -der Alp durchs Schlüsselloch wieder fortgehen. In Zwickau erzählt -man, daß der Alp fortgehe, wenn man ihn für den andern Morgen zum -Kaffee einlade. (Nach Spieß.) Auch glaubt man, daß der Alp Tiere tot -drücke. Wenn man nämlich junge Gänse in einen Schweinstall steckt und -sie sterben, so spricht man, der Alp habe sie erdrückt. Sterben die -Kuhhasen (Kaninchen) und sie sehen dann breitgedrückt aus, so legt man -einen Besen in den Stall; dann verliert der Alp die Macht. - - Wie in Zwickau wird auch von den Lausitzer Wenden der Alp mit den - Worten »~Pschindz justje ksnje danju~« (Komm morgen zum Frühstück) - zum Frühstück eingeladen, und es stellt sich dann der Alp gewiß am - Morgen dazu ein. Es ist nur schlimm, daß der Alp am Sprechen hindert. - (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 68.) - - Der Alp ist gleichbedeutend mit Elb. Elbe, welche in lichte und - schwarze Elbe zerfallen, sind höhere Wesen, denen die Lust innewohnt, - die Menschen zu necken, die aber auch teuflische Eigenheiten - besitzen. (Grimm, Myth. S. 252.) - - In Sagen anderer Gegenden fällt der Alp mit dem Trut, d. h. einem - nächtlichen Gespenste zusammen, welches die Menschen ebenfalls im - Schlafe ängstigt und drückt. In Kärnthen sagt man: - - »Tsch nachts (bei der Nacht) hat mi d'r Trut - Gar beasla (bös) g'druckt.« - - (Leipz. Zeitung, Wissensch. Beilage. 1884, No. 11.) - - -201. Die Melusina. - -(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. Prag -und Leipzig, 1864, S. 3.) - -In Bäringen heißt der Sturmwind »Melusina's Klagen um ihre Kinder«, -und wahr muß dies sein, sonst würde man nicht am heiligen Abende, an -welchem man neunerlei essen soll, das Tischtuch mit dem Überreste in -eine Staude ausschütteln, damit die Melusina, die man wohl hie und da -auch heilige Melusina nennt, etwas zu essen habe. - - Die Melusina tritt nach allen Überlieferungen unverkennbar als - Luftgeist auf. So sagt man z. B. noch anderwärts in Böhmen, wenn - der Wind recht pfeift und heult, das sei die Melusina, welche mit - ihren Kindern durch die Luft fliege und jammere. Im Jungbunzlauer - Kreise denkt man sich dieselbe angethan mit einem schwarzen Mantel - und in der Hand ein Sieb haltend, aus welchem Schloßen und Hagel - herausfliegen. Bemerkenswert ist schließlich, daß die Czechen für - »sterben« die Redensart haben: »mit der Melusina Salz lecken.« - (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche etc., S. 3 und 234.) - - In den Niederlanden sagt man von dem Wirbelwinde, er sei die - »fahrende Frau« oder »fahrende Mutter«, und nach einem Glauben in - Westflandern hält die von ihren Ältern verwünschte Königstochter - Alvina im heulenden Sturmwinde ihre Umfahrt und weint. - - Wenn man im Anfange den Wind mit einem heulenden und gefräßigen Tiere - verglichen hat, das alles, was in seinen Weg tritt, vernichtet, so - lag dann der allmähliche Übergang dieser Vorstellung in diejenige - von einem Geiste, der hungrig im Winde dahinfährt, nahe. In manchen - Gegenden Baierns findet sich der Gebrauch, bei heftigem Sturme einen - Mehlsack zum Fenster hinaus für den Wind und sein Kind auszuschütten, - wobei man spricht: »Nimm das, lieber Wind, koch' ein Mus für Dein - Kind!« In diesem Gebrauche zeigt sich eine große Übereinstimmung mit - demjenigen in Bäringen, wo die Speisereste aus dem Tischtuche für die - im Sturmwinde klagende Melusina ausgeschüttet werden. Der Gebrauch, - dem Wind Mehl zu streuen, scheint auch in den deutschen Alpen - vorhanden zu sein; wenigstens findet sich bei Rosegger (die Schriften - des Waldschulmeisters, 3. Aufl. S. 170) folgende Stelle: »Sie (die - Waldleute in den Winkeln) streuen Mehl in den Wind, um dräuende - Stürme zu sättigen -- so wie die Alten den Göttern haben geopfert.« - In anderen Gegenden nehmen die Landleute, wenn der Wind 12 Tage vor - Weihnachten am ärgsten tobt, Apfel und Nüsse und werfen sie in den - Ofen, indem sie sagen, daß sie das der »Windsbraut« zum Essen geben. - (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 55.) - - Wie aber ist zu erklären, daß der Sturm Melusinas Klage um ihre - Kinder genannt wird? Als nach der Erzählung Gustav Schwabs (Deutsche - Volksbücher, 3. B.) die Brunnennymphe Melusina von ihrem Gemahle - Raimund Abschied genommen und sich, halb zur greulichen Schlange - verwandelt, zum Fenster hinausgeschwungen hatte, hörte man dreimal - um das Schloß lautes Rauschen und ein Klaggeschrei; zur Nachtzeit - aber sah die Amme der beiden kleinen Söhne Melusinas, wie letztere in - gespenstischer Gestalt wiederkehrte und die Kinder aus der Wiege nahm - und säugte, so daß dieselben zusehends gediehen. - - -202. Vom thörichten See bei Satzung. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. 1699, S. 205. etc.) - -Der thörichte See, eine halbe Meile über Satzung an einem wilden, -mit jungen Kiefern bewachsenen rauhen Orte, ist ins Gevierte 30 -Schritte breit und lang, der Pfuhl ist mit rotem Moos bewachsen, und -das Wasser gehet einer Elle hoch darüber ohne Abfluß. Der See soll -unergründlich sein, und niemand machet sich gern allein an den Ort, -weil die Leute, welche sich im 30jährigen Kriege dorthin geflüchtet, -daselbst viel Anfechtung gehabt haben. Es ist umher auf eine halbe -Meile lang nichts als eitel sumpfiges Land, daß auch kein rechter Baum -darauf wachsen kann, es verwimmert und verbuttet alles. Insonderheit -erzählen die Umherwohnenden, daß sich bisweilen viel ungeheure Dinge -und Gespenster da sehen lassen. Als einstmals Veit Vogel, ein Mann von -Satzung, in selbiger Gegend Vogel gestellet, habe er von 9 Uhr an bis -12 Uhr mittags einen großen Tumult und Alarm von Jauchzen, Schreien, -Geigen und Pfeifen gehört, daß es nicht anders geschienen, als würde -eine volkreiche Bauernhochzeit oder ein lustiger Schmaus in dem See -gehalten; dergleichen Freudentöne haben auch andere zu anderer Zeit -gehört. - -Ein Mann von Sebastiansberg, Georg Kastmann genannt, hat in derselben -Gegend Feuerholz gemacht; zu diesem kam ein schöner Reiter auf einem -großen Pferde mit einer langen Spießrute in der Hand, welcher den -Holzhauer grüßte und fragte, ob er den thörichten See wüßte. Da -der Holzhacker mit Ja antwortete, hat ihm der Reiter ein Trinkgeld -versprochen, wenn er mit ihm ginge und den Ort zeige. Da sie nun beide -hinzu kamen, ist der Reiter vom Pferde gesprungen und hat gesagt. »Ich -bin ein Wassermann, und ist mir mein Weib von einem andern Wassermanne -entführt worden; die habe ich in der weiten Welt in vielen Wassern -und Seen gesucht und doch nicht gefunden, und soll sie nun an einem -so garstigen und wilden Ort finden. Halt mir mein Pferd fest, daß es -mir nicht nachspringt, ich will hinein und mein Weib heraus holen.« -Darauf hat er mit seiner langen Rute in das Wasser geschlagen, daß -es sich zerteilet, dann ist er hineingegangen. Sobald er aber darin -gewesen ist, hat sich ein so großes jämmerliches Geschrei und Wehklagen -erhoben, daß der Holzhacker nicht wußte, wo er vor Angst bleiben -sollte, weil sonderlich das Pferd sehr wild und ungebärdig wurde und -immer ins Wasser springen wollte. Mittlerweile ist unter diesem Tumult -das Wasser ganz rot geworden und da hat der Reiter sein Weib heraus -gebracht und gesagt, er habe sich nunmehr an seinem Feinde gerächt und -den Räuber, der ihm sein Weib entführt, erwürget. Damit hat er sich -samt seinem Weibe aufs Pferd geschwungen und ist davon geritten; doch -hat er zuvor dem Holzhacker ein Beutelein, darin ein Kreuzer gewesen, -zum Trinkgeld verehret, mit dem Versprechen, so oft er würde in diesen -Beutel greifen, sollte er soviel, als jetzt darin wäre, finden. -Der Ausgang hat es auch bestätigt, so daß der arme Mann viel Geld -zusammengebracht, weil er oft in den Beutel gefühlet. Da er aber den -Beutel zu frei und sicher gebrauchte, ist er ihm entwendet worden; doch -hat der Räuber keinen Genuß davon gehabt. - - -203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau. - -(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße a. a. O., No. 578.) - -Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte eine -wunderschöne Tochter. Dieselbe hatte sich aus der großen Anzahl -ihrer Anbeter einen der hübschesten jungen Burschen angesucht. Nun -war sie aber heitern und muntern Sinnes, und daher kamen oft aus dem -benachbarten Dorfe die jungen Mädchen und Burschen bei ihrem Vater -zusammen und vertrieben sich die Zeit mit heiteren Scherzen und -Spielen. Da begab es sich einst, am Andreasabend, daß das junge Volk -auch wieder beisammen war und im Scherz darauf kam, die Zukunft zu -befragen. Man schaffte Blei herbei und ein jeder versuchte sein Glück -mit Gießen. Als nun die Reihe auch an die schöne Fischerstochter kam, -da spritzte auf einmal beim Guß helles Feuer aus dem Wasser, das -Blei zerfuhr und nahm sich auf dem Wasser wie Blutstropfen aus. Das -Mädchen schrie laut auf und alle schwiegen bestürzt ob des traurigen -Anzeichens. Endlich schlug ihr Bräutigam vor, das Schicksal noch einmal -zu befragen, nämlich nach dem Pöhlwasser zu gehen und dort Reiser zu -suchen. Zwar wollte das Mädchen nicht mit fort, allein durch Zureden -ließ sie sich endlich bewegen mit zu gehen; alle ihre Begleiter brachen -sich ihre Zweige, als aber die Fischerstochter nach einem derselben -langen wollte, glitt sie aus und ein Nix zog sie hinab in die Fluten. -Der Nix sah am ganzen Leibe blau aus und trug auf dem Haupte ein -Krönlein. Verzweiflung erfaßte den Bräutigam und den betagten Vater. -Letzteren entrückte der Tod bald seinen irdischen Leiden, der Bräutigam -aber irrte jede Nacht am Ufer der Pöhl in halbem Wahnsinn herum und -behauptete, er sähe seine Braut in blauer Nixentracht aus der Flut -auftauchen, sie breite die Arme nach ihm aus und rufe ihm zu, in einem -Jahre werde sie wieder mit ihm vereinigt sein. So verging ein Jahr; der -sonst so blühende Jüngling war fast zum Schatten zusammengeschwunden, -und als die Andreasnacht kam, da war er an seinem gewöhnlichen Orte. -Allein dieses Mal sahe er seine Braut nicht mehr aus den Fluten winken, -als Leiche lag sie im Sande, und als der andere Morgen kam, da fand man -ihn neben ihr tot liegen und begrub beide in einem Grabe. Seit jenem -Tage aber sieht man dort unzählige Irrlichter auf- und abfliegen, die -manchen schon verführt haben; wo aber der Nix das Mädchen hinabzog, -da ist das Wasser grundlos geworden, ohne Unterlaß wirbeln die Wellen -dort im Kreise und wehe dem Schwimmer, Kahn oder Floß, die sich dahin -verirren, der Strudel zieht sie ohne Erbarmen in den Grundtümpel (so -nennt man jene Stelle) hinab. - - -204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.) - -Im Jahre 1613 wollte ein Bürger zu Gottesgab einen alten Teich, der -lange als Sumpf wüste gelegen, wieder herrichten lassen. Als nun zwei -Bergleute den Sumpf abführten und zu Grund arbeiten wollten, fuhr ein -Wasserteufel im Sumpf auf, wütete und tobte und trieb die Bergleute mit -Wasser und Schmutz fort, so daß sie ausreißen mußten. - - Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem - Teiche bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein - »Prusten und Schnaufen, als wären Pferde hineingefallen und dem - Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 189.) S. auch No. - 227. - - -205. Die Wassernixe am Hans-Heiling-Felsen. - -(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.) - -Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der Eger eine -Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt. Über dies -Steingebilde meldet die Sage folgendes: - -Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg -Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer, der -auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar -der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen ein -verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum sei dies -gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen Schönfeld. -Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit sich. Im Schlosse -angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der Markgräfin Johanna und -sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim Erscheinen auf dem Schlosse -eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute, als ich eben zur Frone hierher -ging, dies Kindlein gefunden und biete es Euch als Gabe dar. Möchtet -Ihr doch, gnädige Herrin, an dem armen, hülfsbedürftigen Waislein -Barmherzigkeit üben und sein besser pflegen als die eigene Mutter!« Die -Worte des biederen Mannes erweichten der Markgräfin Herz. Sie nahm sich -des Knäbleins an, das auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans, -nach seinem Finder aber den Zunamen Heiling erhielt. - -Hans Heiling wuchs unter dem liebreichen Schutze der Markgräfin zum -blühenden Jüngling heran, der an den Wissenschaften, in die ihn der -Burgkaplan einweihte, mehr Gefallen fand, als an den Ritterspielen. Er -liebte die Einsamkeit, durchstreifte Wald und Flur und beschädigte sich -unablässig mit dem Gedanken, den Urgrund aller Wahrheit zu erforschen. - -Als er einmal am Ufer der rauschenden Eger saß und gedankenvoll nach -dem Wasserspiegel schaute, tauchte aus demselben eine holde Nixe -empor, die mit lieblicher, wunderbarer Stimme dem Überraschten zurief: -»Ich kenne, wißbegieriger Jüngling, Deines Herzens tiefen Kummer, -die schwarze Kunst ist Dein Begehr. Diese will ich Dir lehren, doch -nur unter der Bedingung, daß Du Dich nie vermählst.« Hans Heiling, -bezaubert durch die vielversprechenden Worte, strahlte vor Freude, daß -er nach langem, erfolglosen Forschen endlich sein so heiß ersehntes -Ziel erreichen könne, und schloß mit der Wassernixe unbesonnen den -Bund. Die Nixe hielt Wort und Hans Heiling wähnte sich der Glücklichste -unter der Sonne zu sein, als er des Wissens Drang erfüllt sah. Seit -der Begegnung mit der Nixe war manches Jahr verflossen. Da faßte Hans -Heiling mit Hintenansetzen seines gegebenen Versprechens den Entschluß, -sich zu vermählen; denn er hoffte, selbst auf seine Kunst vertrauend, -die Macht des geheimnisvollen Wasserweibes zu hemmen. Unbesorgt -veranstaltete er also die Hochzeit. Der Tag der Trauung war erschienen -und die Hochzeitsgäste hatten sich in den Räumen des Schlosses -versammelt. Schon stand der Brautzug vor dem Traualtare, eben wollte -das glückliche Paar das Jawort aussprechen -- da stieg plötzlich mit -furchtbaren Blicken die erzürnte Nixe aus den tobenden Wellen der Eger, -ließ unter Blitz und Donner das Schloß verschwinden und verwandelte -durch ihren Fluch die ganze Hochzeitsgesellschaft in Stein: das -Brautpaar, den Mönch, die Gäste und die Musikanten. - - Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die - Sage vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese - erst hervorgerufen worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg - Krudum, südlich von Elbogen gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels - und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag, von mythischer Bedeutung. - Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im Archive zu - Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts - herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein - Elpogen gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven - die lethaditzer giebt 2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine - »heilige Wiese« genannt; der Zusatz »Hans« kommt zu dieser Zeit noch - nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise »Am Heiling« die - allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigen Elbogener - Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem - dreißigjährigen Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des - Aberges. - - -206. Der Wassermann flickt. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 162.) - -Bei Seestadtl am Fuße des Erzgebirges liegt an der Straße ein großer -Teich, welcher durch einen breiten, mit Gebüsch bewachsenen Damm -eingeschlossen ist und der »Steinteich« genannt wird. Bei diesem Teiche -soll sich ein Wassermann öfter am Ufer sehen lassen. Gewöhnlich flickt -er dann seine Kleider. Nach dem Glauben der Landleute steigt er immer -nur während des Mittagsläutens an's Ufer, setzt sich am Fuße des Dammes -hart am Wasser nieder und flickt. Wer ihn verspottet, der wird von ihm -in's Wasser hinabgezogen; bloß demjenigen, welcher des Morgens vor dem -Ausgehen gebackene Semmelschnitte verzehrt, kann er nichts anhaben. Hat -einer den Wassermann beleidigt und keine Schnitten gegessen, so nutzt -ihm selbst das Hersagen des Spruches nicht mehr: - - »Wassermann plump, - Zieh mich nich in Tump, - Zieh mich nich zu tief nei', - Daß ich nich stecken blei'.« - -Der Wassermann ist immer schlecht gekleidet. Sein alter zerdrückter Hut -ist voll großer Löcher, durch welche oft Büschel struppiger, grüner -Haare herausragen. Sein Gesicht ist mit einem starken Barte bewachsen, -und wenn er seinen Mund öffnet, erblickt man seine großen grünen Zähne. -Sein Rock sowie seine Hosen sind immer zerrissen und kotig, und er -flickt daran, so oft er ans Ufer steigt. Hat er jemandem nachgestellt -und ihn unter's Wasser gezogen, so läßt er sich lange nicht sehen. - -Eines Morgens trug ein Bauernmädchen Gemüse hinauf nach Eisenberg, -und nahm, um zuzustrecken, ihre Richtung über den Damm. Sie war -fast hinüber, als sie unten am Damme einen alten Mann sitzen sah, -der an einem zerrissenen Rocke flickte und ihr zunickte. Das -Bauernmädchen, welches eben nicht an den Wassermann dachte, gab ihm -einen Schimpfnamen, worauf sich der Wassermann erhob und seinen Mund -öffnete. Die Bäuerin erschrak und lief, so schnell es ihre schwere Last -erlaubte, über den Damm hin; der Wassermann hinter ihr drein. Trotz -ihres Schreiens sprang er auf den Korb, den sie auf dem Rücken trug -und faßte sie beim Halse. Vor Todesschrecken rief sie: »Jesus Marie!« -und sogleich war der Wassermann verschwunden. Das Mädchen kam halbtot -im Schlosse an und wurde noch dazu ausgelacht, als sie vom Wassermann -erzählte. Nach 3 Tagen starb sie und alle Leute waren fest überzeugt, -daß daran nur die Berührung des Wassermanns schuld gewesen sei. - - Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu - diesem Abschnitte wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische - Farbe ist. Eine erzgebirgische Sage erzählt von einer grünen Frau - am Kahleberge bei Altenberg. Dämonisch wird die verzauberte, ein - Schlüsselbund tragende und Schätze hütende Jungfrau des Hausberges in - der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet (Größler, - a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei ihren - Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb - auch der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881, - No. 5.) - - Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der - Niederlausitz ihre Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei - Buckow bittet Vorübergehende um einige Lappen und Flecken. Ein Nix in - einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine Schuhe aus. (Veckenstedt, - Wendische Sagen, S. 187--198.) - - -207. Der Nix fordert sein Opfer. - -(M. Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit, -1862, S. 39.) - -In der obern Zschopau lebt ein Nix, welcher jedes Jahr sein Opfer -fordert. - - S. die Einleitung zu diesem Abschnitte. - - -208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen. - -(Alfr. Moschkau, Gesch. des Benedictiner Klosters St. Walpurgis im -Zellwalde, 1874, S. 8. ~Saxonia~ I., S. 172.) - -In dem genannten, ungemein lieblich im Zellwalde gelegenen Teiche -sollen Nixe ihren Wohnsitz haben. - - -209. Die Nixenwannen und Nixensteufe des Chemnitzflusses. - -(~Dr.~ Theile in »Über Berg und Thal«, 7. Jahrg., No. 5.) - -Im Chemnitzthale hat das nagende und mit Sand und Geröllen schleifende -Wasser in den Blöcken des Cordieritgneißes zahlreiche Strudellöcher -gebildet, welche man daselbst »Nixenwannen« nennt. Einen Teil der -Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke von ungefähr -300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im Frühjahr und Herbst, am -wildesten ist und so heftig schäumt und brüllt, daß man an ihren Ufern -sein eigenes Wort nicht hört, bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten -in dieser Strecke befindet sich im Flusse ein großer, vollständig -durchlöcherter Steinblock, der zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen -worden ist. Diese Höhle galt beim Volke als der Ausgang eines -unterirdischen Nixenschlosses und man erzählte sich, daß man, besonders -in mondhellen Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das -Thal habe ziehen sehen. - -Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz ein -mächtiger Fels, im Volke die »Ullrichsburg« genannt, der ehedem ein -Raubschloß getragen haben soll. - -Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches jetzt den -Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde des Volks -»Zietsch« hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch Steg führte. -Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach Dunkelwerden wagte -sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen Pfad, welcher der Chemnitz -entlang lief. Dabei mußte man die obengenannte unheimliche Nixensteufe -passieren. - - -210. Der Nix im Rabenauer Grunde. - -(Ludw. Lamer im Glückauf 1882, S. 105.) - -Etwa halbwegs im Rabenauer Grunde, da wo die rote Weißeritz, nachdem -sie schäumend zwischen großen Steinen sich durchgewunden, einen Bogen -macht und sich vertieft, also daß man trotz klaren Wassers nicht auf -den Grund sehen kann, ist der Nixentump, in welchem der alte Nix haust. - -Wenn die Lübauer Bauern mit ihren schwerbeladenen Wagen den steilen -Feldweg am Anfange der nahegelegenen Planwiese hinauffuhren und die -Gespanne trotz allen Antreibens die schweren Gefährte nicht den Berg -hinaufzubringen vermochten, dann kam wohl der alte Nix mit seinen zwei -Schimmeln, legte sich vor den Wagen und nun gings unter fröhlichem -Hohrufen und Peitschenknall den Berg hinauf, als wären es bloß leere -Geschirre; waren die Gefährte oben angelangt, so daß nur noch ebene -Straße vor ihnen lag, dann verschwand plötzlich der alte Nix mit seinen -Schimmeln, ohne Lohn oder Dank abzuwarten. - -Auf der Planwiese pflegten auch die zwei Töchter des alten Nix die -schneeweiße Wäsche zum Bleichen ausbreiten; war aber das Wetter dazu im -Grunde nicht günstig, oder störte sie sonst öfteres Begängnis oder des -Holzhauers Axtschlag, dann bleichten sie auf der Wiese, da wo rote und -weiße Weißeritz ihre Wasser mischen. - -Manchmal verlangte es die beiden Töchter des Nix auch nach menschlicher -Gesellschaft; dann kamen sie wohl nach Lübau, wenn in der Schenke die -Fiedeln zum fröhlichen Tanze aufspielten, und tanzten da mit den jungen -Burschen, so daß sie nichts von den Bauerndirnen unterschied, wie ein -handbreiter nasser Streifen am Saume des Gewandes. Sie ließen sich dann -auch wohl von ihren Tänzern manchmal bis an den Nixentump geleiten, -entschwanden aber, dort angekommen, plötzlich ihren Augen; nie hat man -gehört, daß sie einem Burschen den Zugang zum Nixentump eröffneten. - - -211. Die Seebergsjungfer. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 143.) - -Geht man von Eisenberg auf dem Fußwege nach der Hütt' und nach dem Orte -Kunersdorf, so kommt man aus dem Walde auf die Heide, die sich von -Eisenberg bis gegen Kunersdorf und vom alten Seeberg bis hinab an die -Straße ausbreitet. Der untere Teil besteht aus schönem Wiesengrunde, -den man nur die »Haderwies« nennt. Über dem Eisenberger Walde liegt -ein kleiner, stark mit Schilf bewachsener Teich, der »Haderwiesteich« -genannt. Gegenüber demselben, einige hundert Schritte aufwärts, quillt -aus steinigem Boden ein Bächlein. Diese Quelle hält sehr gutes Wasser, -welches immer rein und kühl ist, und heißt das »Quakbrünn'l«. - -Vor Zeiten kam oft die Seebergsjungfer herab, um sich in dem Teiche zu -baden. Die Hütbuben, welche das Vieh auf der Haderwiese weideten, sahen -sie oft dahin kommen. Sie war halb Fisch und halb Mensch. Einstmals war -nur ein Junge auf der Wiese. Da stand auf einmal die Seebergsjungfer -vor ihm und fragte, ob er sie wohl erlösen möchte, sie wolle ihm so -viel Geld geben, daß er die Haderwiese kaufen könnte. Der Junge war -damit zufrieden. Hierauf sagte sie ihm, er solle sich jetzt vom Teiche -entfernen und nicht eher kommen, als bis sie ihm winken würde. Wenn er -ohne Erlaubnis komme, so werde es ihm nicht gut gehen. Der Hütjunge -lief eiligst weg, und während er nach seinem Vieh sah, badete sich -die Seebergsjungfer in dem Teiche. Als sie fertig war, winkte sie -dem Hütjungen. Der kam und schimpfte und warf mit Steinen nach ihr. -Weinend kehrte sie nach dem Seeberge zurück und in der folgenden Nacht -hörte man sie bis hinab nach Barthelsdorf weinen und jammern. Lange -Zeit kam sie nicht mehr, um zu baden. - -Auch erschien sie den Leuten oft in Gestalt eines alten Weibes. - -Eines Tages ging ein Weib von Eisenberg in den »Busch«, um Holz -einzuführen. Als sie am Seeberge ankam, ihre Huck niedersetzte und -Holzstücke aufklaubte, sah sie ein altes Weib, welches ihrer Arbeit mit -Aufmerksamkeit zusah. »Wohin geht Ihr?« fragte das Eisenberger Weib. -»In's Gebarg'sche!« (übers Gebirge) antwortete die Alte und verschwand -vor den Augen des Holzweibes. Diese hatte aber gesehen, daß sie hinter -sich einen Fetzen von ihrem Kleide nachschleppte; es war also die -Seebergsjungfrau gewesen. - - Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe, - halb Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte. - Noch mag darauf hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache - zwischen Schleusingen und Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen - Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. - 19.) - - -212. Der Kobold zu Lauter. - -(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 949.) - -Im Jahre 1695, kurz vor Weihnachten, ereignete sich zu Lauter in einer -Schenke bei einem Fleischhacker in der Kammer, wo er mit seinen Kindern -geschlafen, von ungefähr 9 bis 11 Uhr abends, und von 1 bis 3 Uhr nach -Mitternacht, bei der Kinder Bette ein Kratzen, welches sie in der Ruhe -merklich störte. Anfänglich hielt er's für eine große Ratte und hat -fleißig aufgestellt, aber nichts gefangen. Mit der Zeit hat's auch -angefangen so laut zu pochen, daß man's im Keller hat hören können, -und hat den Kindern keine Ruhe gelassen. Ein Knabe von zwölf Jahren -hat fleißig gebetet und zu ihm gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn du -nicht mit beten willst, auch nicht beten kannst, so gehe deiner Wege!« -und ist dabei unerschrocken gewesen. Im Januar 1696 hat ein Kind von -ohngefähr ein Band in den Händen mit ins Bette genommen, welches das -Ungetüm dem zulaufenden Volk, durch ein Astloch der Decke herab ins -Haus steckend, gezeigt und damit gespielt; wenn es jemand hat ergreifen -wollen, ist's entwischt und bald zu einem andern Loch auf solche Weise -herunter gehangen worden. Gedachter Fleischhacker hat dabei sein Geld -aus einem verschlossenen Kasten vermisset und ist dazu gekommen, daß -es eine ganze Bürde Wäsche bis an die Kammerthür gebracht, welche -er noch rettete. Der Schulmeistersubstitut des Ortes unterstand sich -das Ungeheuer zu fragen, da es denn viel geredet, in einem Tone, wie -ein zarter Knabe oder eine Weibsperson, es ist auch zornig auf ihn -geworden, daß es ihn hinein in die Kammer gefordert, wohin er sich -jedoch nicht getraute, sondern ist in der Thür stehen geblieben. -Hernach haben auch andere ihren Fürwitz gebüßt und allerlei gefragt: -unter andern, ob es von einer gewissen Person dahin gebannet wäre, da -es denn mit Ja geantwortet. Als am 19. Januar die Wirtin eines Kindes -genesen, und am 20. darauf das Taufmahl gegeben wurde, wobei sich auch -nebst den Gevattern der Pfarrer und andere Leute befunden, ist weiter -nicht das geringste gehöret worden. - - Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf - hingewiesen worden, daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen, - welche nicht beten können. Als der Bauer dem Kobolde in Schmalzerode - vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut Christi,« setzte der Kobold - an und sprach: »das Blut -- das Blut --« dann sprang er verdrießlich - auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke, - zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht - wieder gekommen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.) - - In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen - Zügen. So nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den - Schornstein, als er einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und - Getränke brachte; er war dabei wie helles, loderndes Feuer anzusehen. - Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau Kobolde zum Verkaufe; wer - einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen mit dem eigenen - Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte. - (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum - Verkaufe ausgetragenen Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von - Hausgöttern (S. die Einleitung); Kobolde waren wie letztere klein, - denn der Kobold (vom wälschen ~cob~, der Daumen) ist ein Däumling. - - -213. Der Poltergeist zu Grüna. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.) - -Auf dem adeligen Vorwerk Grüna bei Scharfenstein hat ein Poltergeist -im Stall an Menschen und Vieh großen Mutwillen geübt, daß fast kein -Gesinde mehr bleiben konnte. Endlich sind Leute in einer Kammer, da es -sich am meisten hat spüren lassen, mit bloßem Gewehr geordnet worden, -welche alle Winkel durchhauen mußten, da sich endlich eine alte Haube -oder Mütze soll gefunden haben, und hat damit die Gaukelei ein Ende -gehabt. - - -214. Der Kobold zu Thalheim. - -(Lehmann a. a. O., S. 952.) - -Bei dem Oberförster zu Thalheim war ein Kobold im Hause, welcher den -Leuten große Last und Schalkheit anthat, daß sie nicht mehr bleiben -konnten. Endlich brannte das Haus weg; etliche meinten, das böse Ding -hätte es angezündet, andere, der Hausherr hätte es selber lassen -anzünden, um das Ungetüm los zu werden. Da sie aber ihre Sachen -ausgeräumt hatten und auf einem Wagen davon fahren, lässet es sich -unter denselben mit vernehmlicher Stimme hören: »Wären wir nicht so -gerannt, so wären wir wohl mit verbrannt.« - - Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als - Geister der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit - zu letzterer und allem was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische - Natur ist ein späterer Zusatz. - - Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.), - daß man eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu - entgehen. Als man aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den - Neubau einfuhr, sprang der Kobold als Katze zusammengebuckelt vom - Wagen in die offene Scheune. - - -215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.) - -In eines Geistlichen, des ~M.~ Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg hat -sich im August und September des Jahres 1691 folgendes begeben: - -Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- und Zumachen -der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats, Rufen, Lachen, -Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken einer Magd viel seltsame -Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein dunkelgrauer fortrauschender -Schatten erschienen und hat sich einst mit einem nackenden Arm -erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man Licht brennen, -es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen es auch -auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe hat sichs hören -lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine Kugel hat es die Treppe -herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider hat es hervorgetragen und -seltsam aufgehängt. Den Schlafenden wollte es die Betten nehmen, bei -Tage hat es etliche Betten verschleppt und brennendes Licht auf den -Boden getragen. Einem wachenden beherzten Bürger überfiel etwas in -der Nacht, seinen Gedanken nach wie ein zottiger brauner Bär. Es sah -bisweilen zum Stallfenster heraus wie ein altes Angesicht mit einer -schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin eine starke Ohrfeige, daß -man die roten Striemen noch des andern Tages sehen konnte. Es steckte -die Ofengabel, Ofenkrücke, einen langen Borstwisch mit allerlei -Lumpen behangen zur Hausthür hinaus auf die Gasse. Ferner zog es den -großen Wassertrog ab und versteckte die Zapfen, setzte ein brennendes -Licht auf die Hausbank und schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen -Schalkheiten verübte es sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so -lachte es. Es versteckte die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab -in den Hof. Der Hausgenossin Betten trug es auf den Gang hervor, aber -man sahe keinen Träger. Es steckte allerlei Sachen zusammen in den -Ofentopf. Ein Studiosus sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn -mit einem Steinchen und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit -kalten Händen die Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete -Wäsche. Den 26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle, -worauf die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht -wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle -Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen Stunden -gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der Kirche Fürbitte -angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr spüren lassen. - - Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der - Aberglaube viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk - in dem Hause des Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem - Manne mit Namen Anton Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich - in eine zottige Decke gehüllt und in dieser Verkleidung entweder - als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei Monate lang - geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine - derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst - in dem Urteile des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698, - wodurch der Inquisit zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften - Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft gedacht wurde. Der Geistliche, - der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang mit der Frage in ihn, - ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und als er sich - erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man - ihm seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche - mit heiligem Schauer und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche - er noch zu leben hätte, nicht zu zu solchen Teufeleien, sondern - zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt zum Erzgeb. - Volksfreunde, 1884, No. 32.) - - -216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.) - -Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg führenden -Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höhe eine -bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter -Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen Teil des -Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein sein -Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche Aussicht -gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin wandert die -Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage um ein Uhr -morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben die Kobolde tanzen; doch die -Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt man die Sonne, bevor sie -sich ruhig über den Horizont hebt, vorerst dreimal emporhüpfen. - - Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil - daselbst Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter - von Hansgirg.) Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche - doch vorzugsweise Hausgeister sind, auf einem Berge tanzen; jedoch - mag daran erinnert werden, daß Kobolde auch zuweilen als Waldgeister - auftreten. - - -217. Der Kaspar des Greifensteins. - -(M. Spieß, Aberglauben etc., des sächs. Obererzgebirges. -Programmarbeit. 1862, S. 39. Gießler, Sächs. Volkssagen, S. 116.) - -Auf dem Greifensteine bei Geyer läßt sich der Kaspar sehen. Er -erscheint in weißen Hosen, rotem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und -Bonaparthut. Man erzählt: Eines Tages, nachmittags 4 Uhr, als die -Arbeiter eines Steinbruchs, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt, -ihr Brot verzehrten, ruft aus Unmut einer von den Arbeitern gegen die -Höhe des Felsens: »Komm, Kaspar, iß mit!« In demselben Augenblicke -kommt ein großer Stein vom Felsen herab und fällt gerade neben dem -Arbeiter hin. - - -218. Geist Mützchen. - -(Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 554.) - -Nicht weit von Freiberg ist ein Gehölz, das heißt der heimische Busch, -und in demselben hauste vordem ein Kobold, den die Leute Mützchen -nannten und damit an den bekannten Kobold Hütchen erinnerten. Geist -Mützchen gehörte zu jenen gespenstischen Hockelmännchen, die sich den -Reisenden und solchen Leuten, die im Walde Geschäfte hatten, aufhockten -und sich weite Strecken tragen ließen, bis die Leute ganz abgemattet -waren und fast odemlos umsanken. Wenn sie ihn nun fast nicht mehr -tragen konnten, hüpfte er von ihrem Rücken plötzlich weg, schnellte -auf einen Baum und schlug ein schmetterndes Gelächter auf. Dies arge -Possenspiel trieb Geist Mützchen absonderlich im Jahre 1573 und sind -viele Personen durch sein Aufhockeln krank geworden. Einst fand eine -Butterhökerin einen prächtigen Käse im heimischen Busche. Des Fundes -froh und überrechnend, was sie dafür lösen werde, legte sie ihn in -ihren Tragkorb; da wurde der Korb so schwer, daß sie endlich von der -Last niedergezogen ward und in die Knie sank und den Korb abwarf. Da -rollte ein Mühlstein aus dem Korbe und in die Büsche, und aus den -Büschen schaute Mützchen mit gellendem Gelächter, daher man auch von -einem hell und grell Lachenden sagt: »Der lacht wie ein Kobold.« Den -Namen aber hatte Mützchen von seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar -machte, und wenn er sie abthat, so sah man ihn, und dann setzte er -sie oft plötzlich wieder auf und war im Nu verschwunden. Davon ist -das Sprichwort entstanden, wenn jemand etwas sucht und es an einem -Orte gesehen zu haben glaubt und es doch nicht finden kann, daß man -sagt: »Ja, da sitzt er und hat Mützchen auf!« -- nämlich der Zwerglein -unsichtbar machendes Nebelkäppchen. - - Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im - Besitze der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe - gewesen sei. Er hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche - den eigentlichen Zwergen fehlt. Letztere leben mit den Menschen auf - freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich als Volk auf; - Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild - des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen - Sagen tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer, - Thüringsche Sagen, S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat - von dem spitzen roten Hute seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth., - S. 290.) - - -219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau. - -(Ein gründlicher Bericht vom Schnackischen Katzen-Veite. Als einem -wercklichen und würcklichen Abentheure beym Kohlenberge im Voigtlande -etc. An den Tag gegeben von Steffen Läufepeltzen, aus Ritt mier ins -Dorff. o. O. u. J. (1651.) Daraus bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, -No. 616.) - -Um den Kohlberg bei Zwickau soll sich ein Gespenst sehen lassen, -welches seiner lustigen Streiche wegen viele Ähnlichkeit mit dem -Rübezahl hat und der Katzenveit heißt. Jener Berg hat seinen Namen -von den Steinkohlen, die er enthält und soll seit dem Jahre 1479, wo -einmal ein Jäger einen Fuchs gehetzt und nachdem er solchen verfolgt, -sein Gewehr von ohngefähr in eine Grube losgebrannt, innerlich -brennen. Wer jener Katzenveit ursprünglich gewesen, darüber sind -vielerlei Vermutungen aufgestellt worden. Unter anderem sagt man, er -sei einst ein sehr ungetreuer Schösser oder Statthalter der Hessen, -also ein Katten-Vogt gewesen, habe aber so viele Gelder und Einnahmen -unterschlagen, daß er nach seinem Tode nicht habe ruhen können, sondern -immer spukend umgegangen sei, bis er von einem Hexenmeister und -Teufelsbanner in diese Wildnis verbannt worden; weil er sich nun nicht -unter diesem Berge wolle bergen lassen, sondern sich über die schwere -Last beschwere, so bewege er den Berg und speie aus Bosheit und Gift -Feuer von unten in die Höhe. Am meisten läßt er sich zur Zeit des St. -Veitstags spüren, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt. Von -ihm werden nun verschiedene lustige Streiche erzählt. - -So zog einst in einem vogtländischen Städtchen ein fremder Hausierer -mit Brillen und einer Menge Kurzwaaren herum und betrog die Leute durch -seine geschickte Redegabe um ihr Geld und hing ihnen dafür seinen -unnützen Kram auf. Das verdroß den Katzenveit, der gerade dort herum -strich, gewaltig, er kaufte ihm also ein hölzernes Pfeifchen für 15 -Pfennige ab, obgleich jener 18 gefordert hatte, und versprach ihm noch -mehr Waren abzunehmen, wenn er mit sich handeln ließe, betastete dann -jedes einzelne Stück und steckte es wieder an seinen Ort, worauf er, -angeblich um Geld zu holen, sich entfernte. Sobald er aber weg war, da -hatte sich der ganze Kram des Hausierers in Seile, Stricke, Stränge, -Sackbänder, Peitschenschnüre und Bindfaden verwandelt und an seinem -Halse befand sich ein natürlicher Diebsstrang, an dem ein kleiner -hölzerner Galgen baumelte. Da stand nun Matz Flederwisch ganz bestürzt -da und wunderte sich, daß er auf einmal aus einem Materialisten ein -Seiler geworden. - -Einst hatte ein geiziger Bauer seinen ganzen Sinn auf die Bienen -gestellt und wo er nur einen Schwarm vermutete, derselbe mochte nun -von den Seinigen abgezogen oder anders woher gekommen sein, da hat er -seinen Korb angeschlagen. Das hat den Katzenveit schwer verdrossen. Er -hat sich also in Gestalt eines Bienenschwarms an einen Baum gehängt -und ist von dem geizigen Bauer schnell in den Bienenkorb geschlagen -worden. Als derselbe nun nachsehen will, wie sich der Schwarm im -Gefäße geberde, da wird er gewahr, daß die vermeinten Bienen schon -darin gearbeitet, Zellen und Honig gesetzt haben. Darüber hat er sich -erst sehr verwundert, aber als er näher zuschaut, findet er, daß der -vermeintliche Honig stinkender Kot sei, welchen ihm eine im Stocke -sitzende Eule mit den Flügeln ins Gesicht schleuderte, dann herausfuhr -und auch seine übrigen Bienenstöcke, 200 an der Zahl, mit entführte; -der Bauer aber, der ihr nacheilte und sie aufhalten wollte, brach vor -lauter Eifer beide Beine. - -Ein anderesmal kam ein fremder Botaniker auf den Kohlenberg und dachte -dort kostbare Pflanzen zum Goldmachen zu finden; zu dem gesellte -sich der Katzenveit als Kräutermann gekleidet und nannte ihm das -reife Silberblatt, Pfennigkraut, Tausendgüldenkraut, Goldblümchen, -Frauenmütze etc. als lauter Kräuter, die Gold brächten. Der Thor grub -nun alle diese Kräuter aus, weil er meinte, Gold unter ihnen zu finden, -allein er fand nichts, und als er mit seinem Funde schnell nach Hause -eilte, brach er unterwegs den Arm, ja er erschlug zu Hause in der -Hitze seine Frau, die ihn ausgelacht hatte, und grämte sich dann teils -deswegen, teils weil er aus den Wurzeln nicht reich geworden war, zu -Tode. - -Einst ist er nach Tripstrille als Kammerjäger gekommen und hat -vorgegeben, er könne Ratten und Mäuse vertreiben. Dafür hat man ihm -eine Partie schöner Thaler versprochen, allein als er das Ungeziefer -weggebannt, ihm solche nicht ausgezahlt. Da ist er nach Art des -Rattenfängers von Hameln wiedergekommen und hat alle Katzen der Bürger, -deren 666 gewesen sein sollen, aus der Stadt geführt, und seit dieser -Zeit sollen dort keine Katzen mehr fortkommen. - -Einmal hat ein Saufbruder vor Pfingsten Maien beim Kohlberge geholt -und in seine Behausung gebracht, in Willens, eine grüne Lust dabei zu -genießen und seine Biergötzen damit zu beehren; das hat den Katzenveit, -der der rechte Waldmeister und Baumherr ist, schwer geärgert. Wie -nun solcher Birkenschmuck hin und wieder in der Stube ausgebreitet -und damit gleichsam eine Laubhütte gemacht worden war, da wird das -Bierfaß hereingeschleppt, in die Mitte gestellt und der Saufbartel und -seine Freunde setzen sich auf Schemeln rund herum und gießen so einen -Becher nach dem andern in die Gurgel hinab und bringen sich einen -Toast nach dem andern zu. Auf einmal fängt aus dem Laube ein Kuckuck -zu schreien an, was ihnen anfänglich gar närrisch vorkommt, darauf -fängt ein Storch an zu klappern und endlich singt die Nachtigall ihr -Runda Runda Dinellula. Da erschrecken sie bald ein wenig und wissen -nicht, wie ihnen geschieht, denn bald werden sie gezupft und sehen doch -nicht, woher es kommt, bald schwingen und schütteln sich die Maien und -schlagen auf die Tagediebe los, daß sie Zeter und Mordio schreien und -aus der Stube hinweglaufen. Gleichwohl hoffen sie, der Spuk werde sich -bald wieder verlieren, damit sie zu ihrem Gelage zurückkehren können. -Sie gucken darüber zum Fenster hinein, siehe da waren aus allen Maien -junge Mägdlein geworden, welche schöne Gläser in den Händen hatten. Da -sprangen alle eilig wieder in die Stube, faßten sie an und sprangen mit -ihnen um das Bierfaß herum. Wie sie sich aber ein wenig umschauen, da -haben die Damen Teufelsklauen an Händen und Füßen, ein großes rundes -Auge mitten im Kopfe und an diesem Ziegenhörner. Ei, wie teuer wurde -ihnen jetzt das Lachen, wie gern wären die Hengste jetzt hinaus und -davon gewesen! Aber sie mußten ausharren und bei etlichen Stunden also -herumhüpfen, daß ihnen der Angstschweiß an allen Orten ausbrach und sie -endlich für tot niedersanken. Zwar haben sie sich bald wieder erholt, -aber ihre lose Pfingstlust war ihnen für immer vergangen. - -Oft zog der Katzenveit als fahrender Schüler im Lande herum und foppte -die Wirte. So kam er einst als armer Student zu einer Wirtin und legte -sich ohne Weiteres in ein schönes Gastbett. Sie aber trieb ihn heraus, -er aber stahl ihr das Bett und verkaufte es. Ein anderesmal sah er, -daß eine Schankwirtin gebratene Tauben am Spieße stecken hatte; als -sie nun aus der Küche abgerufen ward, huschte er hinein, nahm sie mit -sich und aß sie ungescheut in der Stube am Tische auf. Wie nun die -Frau das sah und ihr Eigentum vermißte, fragte sie ihn, wie er zu den -Tauben komme, und er antwortete. »Wie kommt der Tag zum Winde (sintemal -es gerade sehr stürmte)?« Damit nahm er die andere gestohlene Taube -beim Kopfe und fraß sie auch auf. Endlich kam er einst in ein Dorf, -wo ein geiziger Pfarrer wohnte, der niemandem etwas gab, sondern alle -Ansprechenden entweder selbst, in einem dicken Bauernpelz vermummt, -oder durch seine Leute oder mittelst seines Kettenhundes forttrieb. -Bei diesem trug er sich so an, als gehe er auf Freiersfüßen und -wolle seine Tochter ehelichen. Da nahm man ihn mit Freuden auf, der -Vater ließ etliche Tauben zurichten und braten und die Mutter lief -etliche Male vom Feuer weg und ließ die Küche leer stehen. Nun zog -er schnell mitgebrachte junge, abgerupfte Raben aus dem Ränzel, lief -zum Herde, spießte sie an und so wurden sie zusammen fertig. Als sie -aber aufgetischt wurden, da partierte er letztere auf den Teller des -Pfarrers und seiner Frau, und kehrte es also, daß die rechten Tauben -auf den seinigen kamen, dann aber machte er sich, nachdem sein Appetit -gestillt war, aus dem Staube. - -Einst fragte man ihn, warum jetzt alles so teuer sei, und er -antwortete, es gebe jetzt mehr Tribulierer und Flegel als sonst, -besonders junge Drescher, die Prokuratoren hießen und sich für ihre -Dienste allemal zuvor bezahlt machten, also, daß wenig in den Scheunen -blieb. Das hörte zufällig ein Advokat, der dabei stand und sprach: -»Ganz recht mein Knecht!« und indem er ihn bei der Hand faßte, sagte -er: »Ich greife nach dem Flegel und marschiere auf die Tenne in -Willens, den Rest vollends auszuklopfen und darauf zu schlagen, bis ich -das Stroh aufreibe.« Aber jener nicht faul, packte den Rabulisten bei -der Kartause, fuhr ihm erstlich über's Maul, warf ihn dann zu Boden und -sprach. »Halt, Geselle, ich muß dich ein wenig zudreschen!« und indem -schlug er mit allen beiden Klöppeln auf die ungegerbte Garbe los, daß -das Schrot und Korn haufenweise (denn der Geizhals hatte eben einen -Haufen Geldes bei sich) aus dem Strohjunker heraussprang, also daß der -neue Drescher nicht allein eine große Ernte an ihm hielt und seine -Säckel anfüllte, sondern auch die Zuschauer eine gute Nachlese halten -konnten, weil der Katzenveit ihn wund geschlagen. So hatte der Patient -keinen Beweis, seinen Beleidiger zu verklagen, und damit zu wuchern, -sondern er mußte die Stöße hinnehmen, als hätte ihn ein Hund gebissen. - - Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte auf die - Ähnlichkeit des erzgebirgischen Katzenveit mit dem Rübezahl des - Riesengebirges hingewiesen worden. Unter den derben Neckereien des - ersteren erinnert z. B. die mit dem kotigen Bienenkorbe an eine Sage - von Rübezahl; derselbe verkaufte nämlich Bienenkörbe, welche mit - Menschenkot bestrichen waren. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. - Jahrg. 1. und 2. H., S. 11.) Beiden Sagengestalten ist die Fähigkeit, - verschiedene Gestalten anzunehmen, sowie Gegenstände zu verwandeln, - gemeinsam. - - -220. Ein Stückchen vom Pumphut. - -(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.) - -In der Beiermühle bei Siebenlehn sprach einmal der gespenstige -Mühlknappe an, der seines eigentümlich geformten Hütchens wegen -»Pumphut« genannt wurde. Die Leute waren eben beschäftigt, ein neues -Wasserrad einzusetzen, sahen den Fremden gar nicht an und fertigten ihn -kurz ab. Kaum war Pumphut weiter gegangen, so fand sich, daß die Zapfen -am Rade zu kurz waren. Die Zeugarbeiter, die ihr Werk so sorgfältig -wie immer ausgeführt hatten, zerbrachen sich den Kopf, bis einer auf -den Gedanken kam, der Fremde möge wohl Pumphut gewesen sein und ihnen -einen Schabernack angethan haben. Sofort eilten sie ihm nach und bald -sahen sie ihn gemächlich an der Mulde weiter wandeln, aber so sehr -sie auch rannten, sie konnten ihn nicht einholen, auch hörte er lange -nicht auf ihr Rufen. Endlich blieb er stehen, erwartete sie und kehrte -nach vielen Bitten mit um nach der Mühle. Dort klopfte er mit seinem -Hütchen rechts und links an das Rad und nun paßte alles vortrefflich. -Da ihm nun alle Ehre erwiesen ward, bannte er noch die Sperlinge, die -dem Müller immer viel Schaden gethan hatten. Seitdem soll sich kein -Sperling mehr dort wohlbefinden. - - In Gräßes Sagenschatz von Sachsen (No. 672) ist eine im Wesentlichen - mit der unsrigen übereinstimmende Sage vom Pumphut mit der - Burkhardtsmühle im Vogtlande verknüpft; eine andere Sage, die Gräves - Laus. Sagen entlehnt ist und auch von Karl Haupt mitgeteilt wird, - verlegt die Begebenheit nach Volkersdorf (Sagenschatz No. 841.) - Ebenso teilt Veckenstedt in seinen Wendischen Sagen und Märchen S. - 86 etc. drei Überlieferungen mit, nach denen Pumphut Mühlwellen - verkürzte. Mehr noch als durch seine übernatürlichen Künste, wie - das Fahren in papiernen Kähnen über Flüsse, z. B. die Mulde, das - Zerschneiden eines Mühlsteins in Bautzen, das Auffangen von Kugeln - in seinem Hute u. a. m., erscheint uns Pumphut durch sein Ende und - eine Begebenheit in seiner ersten Kindheit als ein dämonisches - Wesen. Da er noch als Kind in der Wiege lag, verschwand er plötzlich - und an seiner Stelle fand sich eine Schlange; wie ihn nun seine - Eltern vergeblich überall gesucht hatten und wieder in die Wiege - blickten, lag er auf einmal frisch und gesund in derselben. Hier - tritt die dämonische Schlange an die Stelle des ebenfalls dämonischen - Wechselbalgs. Pumphut wurde endlich nach seinem Wanderleben, auf - dem er hauptsächlich Mühlen aufsuchte, von einer Schlange, welcher - ein Kopf nach dem andern aus dem Halse wuchs, bis es an die Hundert - waren, lebendig verzehrt. - - Eine wendische Sage bezeichnet ihn als großen Nix, der aber nicht - gern im Wasser lebte. (Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 220 und - Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen, S. 86 etc.) - - -221. Das Jüdel. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz, etc. S. 930. Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen No. 561.) - -Man kennt im ganzen Erzgebirge ein Kindergespenst, das sogenannte Jüdel -(richtiger »Gütel«, von gut) oder Hebreerchen und erzählt, daß, wenn -die kleinen Wochenkinder während des Schlafs die Augen halb aufthun, -die Augäpfel in die Höhe wenden, als wollten sie etwas sehen, dabei -zu lächeln scheinen und dann wieder fortschlafen, manchmal auch zu -weinen anfangen, daß das Jüdel mit ihnen spiele. Damit nun aber die -Kinder nicht ferner von demselben beunruhigt werden, so kauft man -ein kleines, neues Töpfchen samt einem Quirlchen, und zwar so teuer, -als man es bietet, ohne zu handeln; da hinein wird von dem Bade des -Kindes gegossen und es dann auf den Ofen gestellt und man sagt, das -Jüdel spiele damit und plätschere das Wasser so lange heraus, bis -nichts mehr im Töpfchen sei. Andere blasen Eier aus den Schalen in des -Kindes Brei und der Mutter Suppe und hängen solche hohle Eierschalen -samt etlichen Kartenblättern und anderen leichten Sachen mehr mit -Zwirn an die Wiege des Kindes, daß es frei schwebe. Wenn nun die Thür -aufgemacht wird, oder es geht und bewegt sich jemand in der Stube, -also daß die am Faden schwebenden Sachen sich in der Luft bewegen, -so sagen die Weiber, man solle nur acht geben, wie das Jüdel mit den -Sachen an der Wiege spiele. Wenn zuweilen die Kinder rote Flecke haben, -da sagt man, das Jüdel habe sie verbrannt; dann soll man das Ofenloch -mit einem Speckschwärtlein schmieren. Das Jüdel spielt aber auch des -Nachts mit den Kühen, dann werden sie unruhig und brummen, macht man -aber Licht an, so sieht man nichts. Ebenso geht es in die Pferdeställe -und fängt an die Pferde des Nachts zu striegeln, dann werden dieselben -wild, beißen und schlagen um sich, ohne daß sie sich des Gespenstes, -welches auf ihnen hockt, entledigen können. Um das Jüdel als Hausgeist -zu unterhalten, muß man ihm Bogen und Pfeile und Spielsachen in den -Keller und die Scheune legen, damit es damit spiele und Glück in's Haus -bringe. Wenn aber die Wöchnerin vor demselben ganz sicher sein soll, so -muß ein Strohhalm aus ihrem Bette an jede Thür gelegt werden, dann kann -weder das Jüdel noch ein anderes Gespenst herein. - -Man will auch das nächtliche Fallen, welches einen Tod anzeigen soll, -mit dem Jüdel in Verbindung bringen. - -In Scheibenberg diente vor Jahren eine alte Magd, welche bei solchem -nächtlichen Fallen sagte. »Gütchen, ich geb' dir mein Hütchen, willst -du den Mann, ich gebe dir den Hahn; willst du die Frau, nimm hin -die Sau; willst du mich, nimm die Zieg'; willst du unsere Kinder -lassen leben, so will ich dir alle Hühner geben!« Es ist in Elterlein -geschehen, daß man bei solchem gespenstischen Fallen eine Henne oder -Ziege dem Ungetüme gegeben, auch solche Stücke des Morgens tot gefunden -hat. - - Das erzgebirgische »Jüdel« ist das »Gütel« (Heugütel) der vogtl. - Sage, oder das »Hütchen« in den deutschen Sagen der Brüder Grimm - (I. No. 75.) Es ist ein guter, hülfreicher Hausgeist, dessen Name - jedenfalls auf »gut« zurückweist. Es mag hierbei auch an das - in Oberungarn gebräuchliche »Gödchen« für Patenkind und an das - oberösterreichische »Göd« ein Taufkind, hingewiesen werden. Göthe - spricht im Faust von den »frommen« Gütchen. In mancher Beziehung hat - es Ähnlichkeit mit den Kobolden, welche in Gestalt kleiner Kinder - erschienen. - - -222. Das Schrackagerl. - -(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864, -S. 16 und 234.) - -Das Schrackagerl ist im Erzgebirge ein Hausgeist; es sitzt im Stalle -auf der Raufe und sieht aus wie ein kleines Kind. Wo es ist, gedeiht -alles, das Vieh, das Geflügel; nur darf man nicht fluchen, sonst -verwirrt es den Pferden die Mähnen, bindet die Kühe los und treibt sie -durcheinander. Das Schrackagerl hilft den Mägden arbeiten, so daß alles -rein im Hause ist; nur muß ihm die Magd von ihrem Essen immer einen -Teil aufheben und hinlegen. - -In Heinrichsgrün heißt das Schrackagerl auch Strackagerl; es verwirrt -den Kindern die Haare. Wenn die Kinder des Morgens mit verwirrten und -verfilzten Haaren aufstehen, sagt man: Da ist auch das Strackagerl -darüber gewesen. - - Das Schrackagerl von Heinrichsgrün ähnelt dem Schreckgökerle der - vogtländischen Sage, vor dem sich die Kinder fürchten und mit dem - deshalb letzteren gedroht wird. (Köhler, Volksbrauch etc. S. 477.) - - -223. Die Wehklage. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784. Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 568.) - -Im Erzgebirge giebt es ein Gespenst, die sogenannte Klagefrau oder -Klagemutter; diese geht vor das Haus, wo ein Kranker liegt und fängt -an jämmerlich zu heulen. Will man nun wissen, ob derselbe stirbt -oder nicht, so wirft man vor die Thüre von oben ein Tuch herab, das -demselben gehört; nimmt die Klagefrau, die nun zu heulen aufhört, -dasselbe mit fort, so stirbt der Kranke, läßt sie es aber liegen, so -findet das Gegenteil statt. - -Im Jahre 1626, da ein großes Sterben war, wohnte Nikolaus Köhler, -ein Schuster in Oberwiesenthal, am Markt. Da er sich abends zur Ruhe -gelegt, höret er ein jämmerlich Geheule auf dem Markt, so daß er nicht -schlafen kann. Er siehet hinaus und wird gewahr, daß es um den Holzstoß -eines gegenüber wohnenden Nachbars so winselt und jammert. In dem Hause -desselben aber lagen zwei Sterbende, wie er des folgenden Morgens -allererst erfahren. Er spricht: »Ja heule, daß Dir was anders in Rachen -fahre!« und legt sich wieder nieder. Gleich kommt das Heulgespenst vor -die Kammer und heulet noch gräßlicher. Er fähret ins Bett hinein mit -Furcht und Grausen, und das Weib verweist ihm seine Verwegenheit, warum -er bei elenden Sterbezeiten so frech hinaus geschrien; sie fangen an -mit einander zu beten. Das Heulding fähret hinauf auf den Oberboden, -und von dannen zum Fenster in das Quergäßchen herunter, und heulet -wieder aufs neue vor des Büttels Thür, und des Morgens erfuhr er, -daß auch darinnen ein Patient am Tode läge. Der Schuhmacher aber hat -noch über 30 Jahre gelebt und ist erst anno 1664 an der ungarischen -Soldatenkrankheit gestorben. - - -224. Die Winselmutter bei Grünhain. - -(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz des K. -Sachsen, No. 530.) - -In der Nähe von Grünhain fließt der sogenannte Oswaldsbach. An -demselben soll um die Mitternachtsstunde ein gespenstischer Schatten -auf- und niederhuschen, der beständig Klagetöne ausstößt. Das Volk -nennt denselben die Winselmutter und erzählt sich, einst habe ein -Jüngling, dem seine Geliebte die Treue gebrochen, in dem genannten, -an vielen Stellen sehr tiefen und reißenden Bache seinem Leben ein -Ende gemacht; seine ihn liebende Mutter habe ihn darauf sieben Tage -lang aufs sorgfältigste gesucht, aber doch seinen Leichnam nicht -wiederfinden können, und so sei sie zuletzt selbst an Erschöpfung und -gebrochenem Herzen gestorben. Weil sie dabei gegen Gottes weise Fügung -gemurrt, so sei es nun ihr Los, ewig den Körper ihres ertrunkenen -Sohnes unter steten Klagen und Wimmern suchen zu müssen. - - Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch - dem Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man - sich jedoch das Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als - Kalb oder Schaf mit feurigen Augen vor, oder es wird als unförmliches - Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch etc., S. 478.) - - -225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg. - -(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 421. Moritz Spieß, Aberglauben etc. -des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39.) - -Am Schottenberge unter Annaberg giebts alte Bergkessel und Bingen, an -denen der Fußsteig vorbei geht. Daselbst sind etlichemal bei Nacht, -sonderlich zur Winterszeit, Reisende von Irrlichtern bethört und in -Löcher und tiefen Schnee geführt worden, so daß man sie auf ihr -jämmerliches Schreien und Rufen mit Laternen aufgesucht und gerettet -hat. - -Im Jahre 1683 ging ein Witwer mit seiner Braut beim Scheibenberger -Gottesacker vorbei und sagte: »Da drinnen liegt mein voriges liebes -Weib.« In dem Wort blendet sie ein Licht und umgiebt sie ein -Feuerschein zweimal, so daß sie mit Schrecken davon gelaufen sind. - -Auch bei der Grube »Dorothea« auf Geiersdorfer Gebiet und bei der -Grube »Stern« auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein -Lichtlein sehen. - - -226. Die Staatslaterne bei Geyer. - -(Andrä, Chron. Nachrichten von Annaberg. 1837, S. 77. Gräße, -Sagenschatz d. K. S., No. 491. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, 1847, -Seite 253.) - -Nordöstlich von Geyer gegen den Greifenstein hin zeigt sich an -Herbstabenden eine merkwürdige Lufterscheinung oder ein rötlich -leuchtendes, beinahe 7 Ellen hohes Irrlicht, das, sobald es sich zu -bewegen anfängt, immer kleiner wird, bis es endlich gar verschwindet, -in der dortigen Gegend aber die Staatslaterne von Geyer genannt wird. - - Sagen von Irrlichtern sind ungemein zahlreich; dabei erscheinen - die Irrlichter entweder als selbständige Flammen, oder sie fließen - mit der Vorstellung von feurigen Männern zusammen. Eine Laterne - wandelt des Nachts zwischen dem Pfaffenholze und Martinsrieth bei - Sangerhausen, dergleichen im Loh, einem Hölzchen bei Buttstädt; - beide Laternen werden von einer Hand gehalten, ohne daß man sonst - jemanden sieht. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 267 und 303.) - Im Vogtlande will man dagegen bemerkt haben, daß jedes Irrlicht den - Kopf zu einer dunkeln, gewöhnlich nicht sichtbaren Gestalt bilde. - Hier nähert es sich dem feurigen Manne. Als wirklicher feuriger - Mann, also offenbar als Kobold, erscheint es auf einer sumpfigen - Strecke bei Loitzsch. An einem andern Orte tanzen die Nixe mit - Irrlichtern. (Eifel, Sagen aus dem Vogtlande No. 449, 159 und 60.) - In dem Volksglauben gelten die Irrlichter vielfach als die Seelen - ungetauft verstorbener Kinder; die beiden Irrlichter in Holzzelle - im Mansfeldischen sind dagegen die Seelen eines Mönchs und einer - Nonne (Größler a. a. O. No. 49.) Das Licht ist ein Symbol für den - Geist des Verstorbenen, darum erscheinen die Seelen als Lichter. - Haupt weist dabei (Sagenbuch etc. No. 57.) auf den Gebrauch in der - Lausitz hin, daß man zwei Lichter anzündet, wenn Brautleute bei - Tische sitzen; wessen Licht zuerst verlischt, der stirbt zuerst. - Eine ähnliche Bedeutung haben auch die Lichter, welche man im - Erzgebirge wie anderwärts am Andreasabende oder zu Sylvester in - Nußschalen auf einem Becken mit Wasser schwimmen läßt, um daraus - die Zukunft der betreffenden Personen zu erfahren. In dem Märchen - vom Gevatter Tod (Br. Grimm, Kinder- und Hausmärchen, 1. B. No. - 44) zeigt letzterer seinem Paten in einer unterirdischen Höhle die - Lebenslichter der Menschen, und vielleicht ist auch auf die gleiche - Vorstellung der Gebrauch zurückzuführen, daß man in katholischen - Ländern bei Begräbnissen dem Sarge brennende Lichter voranträgt, oder - am Vorabende des Allerseelenfestes Wachslichtchen anzündet. - - -227. Die unheimliche Fackel. - -(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.) - -Man hat bei Schmiedeberg dann und wann Irrlichter gesehen, die man -unheimliche Fackeln nannte. Die Leute hüteten sich, mit denselben -Bekanntschaft zu machen und wichen ihnen aus, wo sie konnten. - -Einst soll im Bogenhaus, in der Nähe des »letzten Pfennigs«, ein -Mann durchs geöffnete Fenster eine unheimliche Fackel bemerkt und -ihr vorwitzig zugerufen haben: »Komm her auf Courage!« In diesem -Augenblicke erhielt er von unsichtbarer Hand eine tüchtige Ohrfeige; -die Fackel aber war verschwunden. - - Eine tüchtige Ohrfeige erhielt auch vom Irrlichte jener Schulmeister, - welcher demselben bei der sogenannten Lerch am Saalwalde im - reußischen Oberlande mit den Worten entgegentrat: »Was bist Du für - ein Licht?« Neben der Ohrfeige erhielt er noch die Antwort: »Kümm're - Dich um Dich, ich bin ein Licht für mich!« (Eisel, Sagenbuch des - Vogtl., S. 163.) - - -228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz., S. 207 und 208.) - -Zu Wildenau ist im Pöhlwasser ein unheimlicher Ort, der Grundtümpel -genannt, da sich das Wasser einer Stuben groß in die Runde dreht, -und sich öfters darin allerlei Spukgestalten sehen lassen, als -Weiber, Männer und Pferde. Man hat auch in selbiger Gegend bis nach -Schwarzenberg und Sachsenfeld viel Irrwische und feurige Drachen ziehen -und spielen sehen. Wenn die Leute aus Raschau nach Wildenau gingen, -oder von Schwarzenberg herüber gehen wollten, hat es sie oft die ganze -Nacht irre und gar nahe an den besagten Tümpel geführt, so daß sie beim -Anbruche des Tages an dem Wasser gesessen haben. - -Teilweise ist ihnen ein Fischer mit Hamen begegnet, der sie bis an die -Dorfhäuser täuschte, so daß sie 10 bis 12 Wochen darnach krank gelegen -haben. Im Jahre 1624 wollte Andreas Illings Vater am Wildenauer Berge -mit seinem Pferde arbeiten; da kam ein fremdes weißes Pferd mit allem -Geschirr gelaufen und spannete sich selbst an. Nachdem es aber eine -Weile hurtig gegangen, ahnte der Ackermann nichts gutes und wollte -ausspannen und Mittag machen. Damit aber riß sich das wilde Pferd -mit Haken und dem andern Pferde los und lief nach dem Tümpel zu; der -Ackermann hing sich an sein Pferd, schrie und gab gute und böse Worte, -bis sich das Gespenst verlor und ihn mit seinem Pferde in großer -Bestürzung zurückließ. - - -229. Dämonische Gestalten an einem Teiche bei Scheibenberg. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.) - -Eine starke Viertelstunde unter Scheibenberg, am Elterleiner Wege, -läuft der tiefe Stollen in einen Teich aus. Daselbst hat es die Leute -oft bei Tag und Nacht erschreckt und den Weg bald in Gestalt eines -großen, ungeheuren Mannes, bald eines Wolfes vertreten, oder sonst mit -Tumult und Gerassel bethört. - - -230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.) - -Im Juli des Jahres 1644 waren die Oberscheibener oben bei ihren Teichen -im Heumachen. Da kommt am Sonnabende vor dem zehnten Trinitatissonntage -ein mächtiger Sturmwind mit Sausen und Pfeifen, fährt in die Teiche -und wirft das Wasser hoch in die Höhe, als wenn sich zwei Pferde im -Wasser mit einander schlugen. Darüber erschraken die Leute, liefen an -die Heuschöber, die bösen Geister aber fuhren aus den Teichen in die -Heuschöber, spielten damit in der Luft, fuhren über die Äcker hinaus -und nahmen, wo sie gegen Crottendorf zu antrafen, alle Wipfel von den -Bäumen mit. - - -231. Der Drache. - -(Mündlich. Spieß, Aberglaube etc. Progr., S. 30. Lehmann, a. a. O., S. -207.) - -Auf einer sumpfigen Wiese unterhalb Neustadt bei Falkenstein, nach -Dorfstadt zu, ist öfters der Drache gesehen worden. -- Vielfach -verbreitet ist der Glaube, daß der Teufel denen, welche mit ihm ein -Bündnis geschlossen haben, in der Gestalt eines Drachen Geld und andere -Gegenstände zuträgt, welche er anderswo geraubt hat. Der Drache fährt -bei solchen Leuten zur Feueresse herein, und man muß ihm dann eine -Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen; er verzehrt den Brei -und legt statt dessen Geld in die Schüssel. Bei Marienberg sagt man, -daß ein solches Geldstück, welches der Drache gebracht hat, stets -wiederkommt, wenn es auch ausgegeben worden ist. Thut es dagegen der -Empfänger in ein Glas, das er mit einem Deckel verwahrt hat, auf den er -einen Kreis mit Kreide beschreibt und innerhalb desselben die Kreide -liegen läßt, so muß es bleiben. - -Feurige Drachen hat man zugleich mit Irrlichtern auch in der Gegend von -Schwarzenberg ziehen und spielen sehen. - - Der Glaube, daß man dem Drachen eine Schüssel Hirsebrei auf den - Oberboden setzen müsse, steht jedenfalls mit dem auch im Erzgebirge - vorhandenen Gebrauche in Verbindung, am Neujahrstage Hirse zu essen, - damit man das ganze Jahr über Geld habe. Auch nach einer slavischen - Sage mußte der Drache, welcher einem Bauer Geld brachte, mit Hirse - gefüttert werden. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 166.) - - -232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg. - -(Mündlich.) - -Drei Bürger in Schneeberg kamen einmal des Nachts in der zwölften -Stunde aus dem Wirtshause. Als sie an den Frauenmarkt gelangten, -trennten sich zwei von ihnen und der dritte ging allein über den -genannten Markt. Auf einmal sprang ihm daselbst ein Kalb auf den Rücken -und legte die beiden Vorderbeine fest auf seine Schultern; so mußte -es der Mann bis an sein Haus tragen. Dort verschwand es, als die Frau -ihrem Manne die Thür aufmachte. Die Frau verwunderte sich, daß ihr Mann -so bleich und erschrocken aussah und fragte ihn nach der Ursache; doch -er wollte ihr unter 9 Tagen nichts erzählen. Da drang seine Frau noch -mehr in ihn, bis er ihr endlich das Begebnis erzählte und ihr zugleich -die Spuren auf seinen Achseln zeigte, welche das gespenstische Kalb mit -seinen Pfoten darauf zurückgelassen hatte. Das war sein Unglück, denn -man soll von derartigen Erlebnissen, wenn sie nicht dem Betreffenden -Verderben bringen sollen, unter 9 Tagen nichts erzählen. Der Mann starb -auch noch innerhalb dieser Zeit. - - Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch - nach einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der - Lausitz ein Kalb ohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis - in sein Dorf tragen. (Veckenstedt, a. a. O., S. 411.) - - -233. Ein gespenstisches Kalb zu Mildenau. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 673.) - -Ein Vorbote war es, daß vor dem deutschen Kriege, da der Feind -einfallen sollte, sich zu Mildenau im Herbst des Nachts ein gräßliches -Geblöke und Geschrei erhob; es lief etwas im Dorfe durchs Wasser auf -und nieder in Gestalt eines Kalbes und brüllete so abscheulich, daß -die Leute alle bestürzt wurden. Den folgenden Sommer ist der Feind -eingefallen und hat geplündert und verheert. - - -234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock. - -(Mündlich.) - -Zwischen der Stadt Eibenstock und dem dortigen Bahnhofe liegt in einem -flachen Wiesengrunde der »Mielahr« oder Windischteich. Darin soll ein -wunderbarer Fisch mit einem goldenen Reifen leben, und um den Fisch -zu fangen, hat man vor einer Reihe von Jahren den Teich ausgepumpt, -aber den Fisch doch nicht gefunden. Von dem Fische erzählt man, daß -denselben einst eine Prinzessin in den Teich gesetzt habe. - - Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der - Oberlausitz, daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die - goldenen Halsbänder der Fische erinnern an die Halsringe mythischer - Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.) Als mächtiger Karpfen mit - einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder bei Breslau auch - Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2. - H., S. 13.) - - Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf. - Seine dämonische Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster - bei Stublach; derselbe ist ein Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des - Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache in Schwaben verläßt - das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der Zwerg ~Andwari~, - welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach - der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt - a. a. O., S. 420.) Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich - Fischlein, deren Schuppen gediegen Gold und deren Augen kostbare - Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert. (Pröhle, Deutsche Sagen, - S. 225.) - - -235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin. - -(Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 3. Jahrg., S. 114. Grohmann, -Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. 1864, S. 79.) - -Die Beerensammler im Erzgebirge erzählen von einem Otternkönige, -welcher ein goldenes Krönlein trägt und über das ganze Natterngezücht -herrscht. Derselbe hat die Gewohnheit, in einer Quelle zu baden und -zu trinken; weiß man die Stelle und breitet daselbst ein weißes Tuch -aus, neben das man eine Schüssel mit Semmel und Milch gestellt hat, so -legt dann der Otternkönig sein Krönlein während der Mahlzeit auf jenes -Tuch. Wer sich desselben schnell bemächtigt, dem bringt es Reichtum und -Glück; wird er aber von den durch das Pfeifen des Königs gerufenen und -von allen Seiten herbeieilenden Nattern erreicht, so ist er unrettbar -verloren. - -In Schönlinde erzählt man: Wenn man mit Schlangen und Nattern in guter -Freundschaft leben will, muß man sich vor allem die Schlangenkönigin -zur Freundin machen. Dies geschieht, wenn man an einem heißen Tage zum -Waldrande geht, ein weißes Tüchlein ausbreitet und ein Schüsselchen -Milch mit Weißbrot darauf stellt. Jeden Tag muß man das thun, bis die -Schlangenkönigin endlich ihr Krönlein auf dem Tuche liegen läßt. Wer -dies Krönlein hat, ist vor Schlangen und Nattern sicher. - - S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der - Schlangenkönigin, welche goldene Kronen tragen, finden sich - allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, daß die eine goldene Krone - tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube kommt und - dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige - behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein. - (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 49.) - - -236. Die Riesenrippe zu Nossen. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in der -~Saxonia~ I., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella, -S. 8.) - -In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster Altzelle -stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen -Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für die Rippe eines -Meerwunders oder Elephanten, von anderen für die eines Riesenfräuleins -von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen seien, ausgegeben -wird. Diesen Gegenstand hat man auch der Rarität wegen in das Siegel -der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen. Erzählt wird von dem genannten -Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa einen auf dem Felde arbeitenden -Bauer mit Pflug und Pferden in ihre Schürze nahm und ihrem Vater -hineintrug. Auch soll sie öfter nach Haslau »in die Haselnüsse« -gegangen sein. -- Die Rippe kam Anfang des 17. Jahrhunderts in die -Königl. Kunstkammer nach Dresden, 1657 aber wieder zurück nach Nossen. -Nach einer andern Meinung wäre diese Rippe identisch mit der in Gold -gefaßten Rippe der heiligen Katharina, welche zu den Reliquien des -Klosters Altzella gehörte. - - -237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.) - -Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und den -Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung -ausgegraben. ~Anno~ 1652, als der Amtmann zu Wolkenstein, Johann -Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von Marmor und -Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ, haben die Maurer -riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen die Arme und Beine -eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen gemeiner Mannspersonen. - - Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen - Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als - etwas fraglich, wenn man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu - sein scheint, die Knochen großer urweltlicher Tiere für menschliche - Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus Darwin, S. 208 - und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die Natur - 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in - denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche - das Volk für die Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben - wurden in der Nähe der Orte gefunden, in deren Kirchen sie sich jetzt - befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus bis in die früheren - Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine von - Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu - schützen suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. -- Es könnte - noch eine Deutung versucht werden. Die Germanen veranstalteten zu - Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, Pferde weissagten und - die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten Rosse - auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei - unsern deutschen Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes - Tier war. Damit hängt auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach - welchem unter jeder Kirche, welche gebaut wird, ein lebendes Pferd - eingegraben werden müsse. Sollte man auch bei uns dem Glauben an - eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener Pferde, - so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben? - - -238. Große Menschengebeine in Preßnitz. - -(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.) - -Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer -herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß -niedergerissen und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil -ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst, -bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben. - - - - -IV. - -Teufelssagen. - - -Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später den -Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen -Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten -sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen -wirklich existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und -teuflische Gewalten seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten -und die Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und -Dämonen sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus -der griechischen Sprache entlehnte Name ~Diabolos~ ging in die -lateinische und später auch als ~Diufal~, ~Tiuvel~, ~Tüvel~ u. s. w. -in die deutsche, sowie als ~djabel~ in die slavische Sprache über; in -letzterer wurde er später durch das Wort ~czert~, welches den Begriff -eines schwarzen Wesens in sich schließt, ersetzt. - -Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen mußten, -ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9. Jahrhunderts, -welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung kamen und worin -es heißt: »~Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole~«, oder: -»~Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.~« - -Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat, -wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben. -Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit ihm ein Bündnis -eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse irdische Vorteile zu -erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel mit Leib und Seele -ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan, sich ihm mit seinem Blute -verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem Blute Verschreibens weist -Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 55.) darauf hin, daß nach -dem früheren Volksglauben nicht nur alle verstorbenen Menschen, sondern -auch die entthronten Götter und der Teufel, als ein gestürzter Engel, -an Blutmangel leiden, und daß deshalb besonders der letztere geizig auf -ein Tröpflein Bluts desjenigen Menschen besteht, der sich zu ihm in -ein Schutzverhältnis begeben will. -- Wenn der Teufel einem Menschen -dienstbar geworden ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen -Volksglauben als Drache. -- Zahlreich sind die späteren Sagen, nach -denen er sich in seiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so -daß er von menschlicher List überflügelt wird. Dies geschieht z. B., -wenn er junge Mädchen, wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen -will.[4] Ein gläubiges Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn; -gottlosen Säufern und Fluchern aber dreht er die Hälse um; hier hat -er Macht über den Menschen. Obschon der Teufel ein natürlicher Feind -der Menschen und unter diesen besonders der Müller ist, vielleicht -weil diese das ernährende Mehl liefern, so baut er auch wieder unter -gewissen Bedingungen Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde -er von einem Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle, -von welcher nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist, -zerschmetterte. Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb -Auerhammer; doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen -zu sein. -- Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über -dieselben werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen. - -Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und -»Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen -Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei -Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach und -Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld. Denselben -Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins in Schöneck. - - [4] In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre - die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, - Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.) - - -239. Eines Schmied's Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. - -(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1148--1153.) - -Im Jahre 1559 hat sich zu Platten, der Schneebergischen Kolonie, wo -damals noch alles evangelisch gewesen, ein Teufelsspiel geäußert, -da der Satan eines Schmieds Tochter, mit Namen Anna, leibhaftig -besessen und sie grausam gequälet, bis er wieder ausgetrieben worden. -Bemeldete Schmieds Tochter hat sonst ein gutes Zeugnis gehabt, wie sie -christlich, keusch und züchtig gelebt, zur Kirche gegangen, das heilige -Sakrament oft gebraucht und die Evangelien mehrenteils auswendig -gelernt; aber doch wäre sie zu Fastnacht aus Verhängnis Gottes vom -bösen Geiste besessen und darauf krank niedergeworfen worden. Zu -Ostern habe man die leibliche Besitzung des Teufels verstanden, nachdem -der Satan aus der Jungfrau leibhaftig zu reden angefangen und in der -Stube in der Gestalt eines Kuckucks, Rabens und einer Hummel sich -sehen und mit solcher Vogelstimme sich hören lassen und je länger je -mehr von Tag zu Tag wunderliche Dinge geredet, sonderlich bei dem -großen Zulauf des Volkes von Einheimischen und Fremden. Und wenn der -Name Jesus genannt worden, habe er sich in der Jungfrau Augen gesetzt -und ihr dieselben wie große Henneneier aus dem Kopfe herausgetrieben, -daneben die Zunge einer Spanne lang wie eine zusammengeflochtene Wiede -zum Mund herausgestreckt und ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet. -Wenn sie einmal Ruhe gehabt und gefragt worden, wie es ihr ginge, habe -sie kurz geantwortet, es dünke sie, als wenn sie stets auf einem Wasser -läge und ertrinken solle, aber es kämen noch allewege fromme Leute und -hülfen ihr davon. Einstmals habe der Teufel bekannt, daß die Jungfrau -ihn zu Fastnachten in einem Trunk Bier unter einer Fliege Gestalt -getrunken, nachdem er ihr zwei Jahre nachgegangen wäre. Ein frommer -Mann, mit Namen Elias Hirsch, ist alle Nacht bei der Jungfrau gewesen, -hat ihr vorgebetet und sie getröstet. Einstens habe der böse Geist zu -ihm gesprochen: »Elias, thue einen Reihen oder Tanz mit mir, tanz vor -oder tanz nach!« Und da Elias geantwortet: »Du Schelm, Du gehörest -nicht unter die Menschen, mit ihnen zu tanzen, tanze in das höllische -Feuer!« so habe er wieder geantwortet: »So gehe hinweg, Du wirst einen -feinen Tanz sehen.« Und indem er angefangen zu pfeifen, wäre eine -Katze zur Stube herein, und ein Hund unter dem Tische hervorgelaufen, -und diese hätten miteinander einen langen Tanz gethan, bis die Katze -wieder zur Stubenthüre hinaus, und der Hund sich auch wieder verlaufen. -Dergleichen seltsame Possen hätte der Teufel noch mehr angerichtet. -Endlich aber ist er aus der Jungfrau durch der Priester und vieler -frommen Christen Gebet und Seufzen getrieben worden und wie ein -Fliegenschwarm zum Fenster hinausgefahren, nachdem er vorher von der -Jungfrau ein Glied, dann einen Nagel vom Finger und zuletzt nur ein -Haar begehret, gleichwohl aber nichts erhalten. Dabei hat er gesagt: -»Alle, die nicht gern zur Kirche gehen wollen, selbst daheim lesen, zum -Sakramente nicht gehen, im Fressen, Saufen und Wucher liegen, sind alle -mein mit Leib und Seele. Und sofern diese Buße thun wollen, so will -ich ausfahren.« Zu dem mit anwesenden Geistlichen von Schlackenwerthe -sagte er noch: »Und Du Pfaff von Schlackenwerthe, vermahne die Deinen -zur Buße, dahin fahre ich!« Welches denn dieser Pfarrer seiner Gemeinde -öffentlich auf der Kanzel auch angesagt mit Vermahnung zur Buße. - - Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder - einer Hummel sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm - zum Fenster hinaus. - - Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein - Teufelstier ist und als Teufel selbst auftritt, beweisen die - Redensarten: »Das weiß der Kuckuck! Des Kuckucks werden! Der Kuckuck - hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung nur bei - den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches - (Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin - dienstbar und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden; - die Seelen der Verwünschten und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt - an. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 156. Grohmann, - Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 65.) - - Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns - ebenfalls eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder - und Schwester zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel - in einem Keller an; der kam in einer Hummel-Gestalt und flog jedem - in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte, dem ward viel - Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine - andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel - erschienen ist. (Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub) - heißt Fliegengott. Märchen erzählen von teuflischen Geistern, die - als Fliegen in einem Glase verschlossen sind. Der dem Bösen sich - hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt sich in eine - Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.) - - Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze - sind hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze, - gilt bald als Hexentier, bald als Hexe selbst oder ein verwünschter, - böser Geist. Der anfänglich den Göttern geweihte Hund aber, dem auch - die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde Bote und Hüter der - Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.) - - -240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an. - -(T. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II., S. 692.) - -Im Jahre 1645 ist ein Soldat von der schwedischen Besatzung zu Chemnitz -nach Zwickau gekommen, hat aber bald darauf seine Frau und Kinder -wieder böslich verlassen und ist wieder zu den Schweden gelaufen. Als -nun dessen Weib in höchster Armut lebte und sich sehr bekümmerte, wie -sie sich und ihre Kinder nähren solle, ist der Teufel etlichemale zu -ihr gekommen, hat ihr ein Säcklein mit Geld vorgehalten und gesagt, -wenn sie sich ihm ergeben wolle, werde er ihr dieses geben, und so -dies verzehrt, noch mehr bringen. Die Frau hat sich aber des allezeit -durch's Gebet erwehrt und es endlich so weit gebracht, daß er sie ganz -in Frieden gelassen. - - -241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg. - -(Moller, ~Theatr. Freiberg.~ S. 425 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 284.) - -Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin zu Freiberg eines Kindes -genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und der -Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich -krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über -sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da -an hat sie immer abscheuliche Convulsionen und Gesichte gehabt, ist -ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme -erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal -aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem und -ihres Nachbars Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie um drei Uhr -des Morgens auf dem Ofen, ein andermal vor dem Fenster auf einem Stein -gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart zweier Zeugen im Bette -mit dem ganzen Leibe, Händen und Füßen aufgehoben worden, und ohne -daß sie irgendwo angestoßen, hat sie so frei geschwebt, also daß man -geglaubt, sie wolle zum Fenster hinaussehen etc.; in der Kirche ist -der Teufel wie eine Katze oder Hund ihr um die Beine gekrochen, dann -hat sie aber zum öftern einen weißen hellen Glanz gesehen, der sie -getröstet und in die Zukunft hat sehen lassen, worauf sie vielerlei -wunderbare Sachen, unter andern die Drangsale Freibergs im 30jährigen -Kriege, prophezeit hat. Endlich, nachdem weder Beschwörungen noch -Zureden und Ermahnungen der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen, -sondern ihr Zustand an die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt -drei ganze Jahre verschlossenen Leibes gewesen, ist sie den 10. Oktober -1620 selig verstorben. - - -242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 363.) - -Im Kloster Zelle befand sich im Jahre 1630 eine Magd, welche dem -abergläubischen Brauche nach in der heiligen Christnacht hinterrücks -durch die Stubenthüre hinausgriff. Sie ist aber durch göttliches -Verhängnis von einem höllischen Gespenst gar hinausgezogen und sehr -übel traktiert worden, also daß sie ihr Lebtage hat hinsiechen müssen. - - -243. Der Teufel erscheint zu Freiberg einem Bergmanne. - -(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 203.) - -Zu Anfang der Reformation lag zu Freiberg ein ehrlicher Bergmann, -namens Benedix Reisiger, sehr krank darnieder. Zu diesem ist der Teufel -mit einem langen Papier, fast einer Kuhhaut gleich, gekommen und hat -gesagt, er wäre als Notar abgefertigt, alle Sünden, die er begangen, -aufzuzeichnen. Dabei hat er sich beim Bette niedergesetzt, Feder und -Tinte zur Hand genommen und den Bergmann ernstlich vermahnt, ihm die -Sünden aufzuzählen. Wiewohl nun der Bergmann etwas darüber erschrocken, -so hat er doch wieder Mut gefaßt, sich des Herrn Christi getröstet -und geantwortet: »Ich bin ein armer Sünder, das bekenne ich; willst -Du meine Sünden ja aufschreiben, und bist Du deswegen hergekommen, -so schreib oben an: Des Weibes Samen Jesus Christus hat der Schlange -den Kopf zertreten.« Wie solches der Teufel gehöret, ist er alsbald -mit Papier und Tinte verschwunden, daß nichts als ein übler und -abscheulicher Gestank von ihm übrig geblieben. Der Bergmann aber ist -im festen Glauben an das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig -verstorben. - - -244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense~. II., S. 393.) - -Es geschahe im Jahre 1609, daß ein Bergmann, welcher sonst seines -stillen und eingezogenen Wandels wegen gutes Lob gehabt, in der -Fastnachtszeche von einem andern zu Üppigkeit und etlichen leichten -Reden über Gott und göttliche Dinge verleitet wurde. Unter andern -meinte er, daß er schon gute Gesellen genug in der Hölle antreffen -würde, für den Fall er einmal dahin käme. Diesem Bergmanne nun ist -eines Abends auf dem Heimwege der Teufel in schrecklicher Gestalt -erschienen, hat ihm gedroht und gesagt, daß, wenn er erst rechte Macht -über ihn habe, wolle er ihn an den Ort führen, wo er seine guten -Gesellen fände. Der Teufel ist auch eine Zeit lang neben ihm in die -Grube und aus derselben wieder herausgefahren, so daß der Bergmann -nirgends Ruhe fand. Endlich suchte er Trost bei seinem Beichtvater, -nahm das heilige Abendmahl, mied böse Gesellschaften und begann wieder -ein gottesfürchtiges Leben. Darauf hat sich der Teufel nicht wieder bei -ihm sehen lassen. - - -245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1267.) - -An der böhmischen Grenze soll sich zugetragen haben, daß einst sechs -berufene Säufer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntage bis zum Morgen -bestialisch gesoffen und dem Gemälde des Teufels an der Wand etliche -Mal zugetrunken haben. Da einer von ihnen wegen empfundenen Schreckens -zeitlich davon gegangen, sind die andern fünf des Morgens um sechs Uhr -mit schlotternden und gebrochenen Hälsen tot gefunden worden. So haben -sie zum Schrecken anderer bis an den dritten Tag gelegen. - - Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine - Oberlausitzer Sage von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar - sehr miteinander geflucht hatten, so daß ihnen der böse Geist die - Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der Diebeshenker - dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ - man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt, - Sagenbuch der Lausitz, No. 126.) - - -246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.) - -Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes -Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren -prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis -liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der -Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen -war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel keineswegs -zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner Mißbilligung -der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die Kirche des neuen -Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die Treppen herauf -schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch eine Kanzel zu -bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete er seine Arbeit. -Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder zu vergrößern, vermauerte -er die Kanzel, damit niemand sie betreten und benutzen könnte. Der -Tag begann zu dämmern, als er mit seiner Arbeit zustande gekommen -war, und er ging, um seinen Heimweg anzutreten. Zuvor aber trabte er -in das Schiff der Kirche, beschaute sich sein Werk und befand es für -gut. Dann entfernte er sich eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder -zu beten kamen, erstaunten sie nicht wenig über die neue Kanzel und -stiegen die Treppe aufwärts, um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie -war vermauert. Voll Entsetzen fanden sie aber auch die Spur eines -eingedrückten Pferdehufes. Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses -Werkes und zugleich seinen bösen Willen. -- Noch jetzt sieht man die -Kanzel unbeschädigt und kennt sie in der ganzen Gegend unter dem Namen -der Teufelskanzel. - - -247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz. - -(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.) - -Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage, daß -einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen -getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach -einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe, -die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage darauf -sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe ihn gefragt, -ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom Müller -bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte und nie -wiedergekehrt wäre. - - Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In - der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol - als Ungetüm, das einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen - Sagenhelden Dietrich und Artus erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn, - die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär vertreibt Gespenster - und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. Ein - Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem - Dämonenüberwinder Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter - schläft, geheiligt. Nach einer Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei - Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein lästiger Wassernix von einem - Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei Buchholz fragt er - später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht wieder - zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. -- - In einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große - Katze. (Haupt, Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische - Sagen, S. 195.) - - -248. Die Teufelsmühle am Wilischberge. - -(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.) - -Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des -Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse -des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben -soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine -Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel -erbaut hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur -auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszug -vorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der Mühle -zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und das Klappern -der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei einer gewöhnlichen -Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was er konnte, davon. - - Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel - geholfen; dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf - diesem dem Teufel verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub - oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, Sagenbuch etc. No. 98 und 109). - Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange der Teufelsmühle - am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort ganz - anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin. - -- Es giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen, - welche mit Hülfe des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem - zwischen 12 und 1 Uhr nachts die Mühle allein zur Verfügung stehen. - (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.) - - -249. Der Käthelstein bei Annaberg. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.) - -Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, Namens -Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er zur Winterszeit -von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner Wohnung mitten durch -den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann aus dem Dickicht vor -ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten mit in sein Haus zu -gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil er sich nicht getraue -im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis den Weg weiter zu -finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme noch das Aussehen -des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm und gewährte ihm also -seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben einander bis ins Dorf, -als sie aber an das Haus Günzers gekommen waren und ihnen die Tochter -desselben, Katharina, die Thür geöffnet hatte, stieß diese bei dem -Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares Wehegeschrei aus, ließ -vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in der Hand trug, und als -der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet und seine in Ohnmacht -gefallene Tochter wieder zum Leben gebracht hatte, sah er erst, daß -jener verschwunden war. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als -seine Tochter zu fragen, warum sie so erschrocken sei, allein diese -antwortete, es sei der Teufel gewesen, der sie als Braut heimführen -wolle; sie habe nämlich vergangene Nacht geträumt, sie liege im Walde -und es komme ein Mann, ganz so wie der eben verschwundene Fremde, -auf sie zu und nenne sie seine Braut, küsse sie und lasse dann bei -seinem Weggehen sich durch seine Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den -Teufel erkennen. Der alte Günzer war eben daran, sie zu trösten, da -erblickte er auf dem Tische ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben -stand: In 9 Wochen werde ich um Mitternacht an's Fenster pochen und -meine Braut heimführen! Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in -Erfüllung gegangen war. -- Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen -in Angst und Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen -auch zum Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der -Böse nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als -die Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war, -da pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut -heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand an und -der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit den Worten: -»Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder Eure Hütte steht in -Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage unter Angst und Sorgen; wieder -kam die gefürchtete Mitternachtsstunde heran und mit dem zwölften -Schlage klopfte es an das Fenster und rief: »Heraus die Braut, sonst -brennt das Haus!« Aber der alte Günzer schloß seine besinnungslose -Tochter in seine Arme und sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg -von uns, Satanas!« Da brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in -Flammen! Nochmals 9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so -wird Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er -zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der größten -Mühe retteten beide ihr Leben. -- Sie flohen nun zuerst zu Verwandten, -allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere Hütte am Rande -des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden Schwefelpfuhl -geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; schon kam wieder die -neunte Woche heran, da übermannte einst am hellen Mittag Käthchen -der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit seinem Gefolge schaue -zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine höllische Residenz -entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei aus dem Schlafe -auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und ein Engel, umstrahlt -von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch in der Hand tragend, -winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe Dir Frieden!« Er führte -sie nun mitten durch den Wald auf einem ihr gänzlich unbekannten Wege, -bis sie an einen Felsen kamen, der öffnete sich, als der Engel ihn mit -dem Kreuze berührte, und nun schritten sie durch eine Felsenspalte, -bis sie an ein hohes Thor kamen, was wie Silber glänzte; vor diesem -saßen sieben Greise mit spitzen Mützen und langen Bärten. Als sie aber -das Crucifix erblickten, da neigten sie sich tief und der Engel und -die Jungfrau traten in einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen -verziert war und durch deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag -auf kostbarem Lager unter einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne -Frau, umstrahlt von einem Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben -Zwerge betend auf den Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie -ihn, was ihn herführe, dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr -des unglücklichen Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die -Fürstin der Berge -- denn das war sie -- einem der Zwerge, ihr eine -Urne von Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus -ein Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses -Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben -können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus der -Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. Damit nahm -der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie denselben Weg -wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er den Felsen wieder mit -Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er Abschied von ihr und sprach, -sie solle ruhig sein, denn sie stehe in Gottes Schutz. Als Käthchen -nach Hause kam, fand sie ihren Vater daheim und erzählte ihm, was ihr -begegnet war, zeigte ihm auch das Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer -Erzählung. Da erwiderte ihr derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches -widerfahren, denn er habe im Schachte beim Graben ein goldenes -Jesuskreuz gefunden. Als sie es näher betrachteten, um vielleicht -ein Merkmal zu finden, an welchem sie den rechten Besitzer erkennen -könnten, sahen sie den Namen des Steigers darauf geschnitten, mit den -Worten: »Dem Gläubigen hilf Jesus Christus.« - -So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und die früher -so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und kaum war -der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und brüllte: -»Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen selbst das -Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen und unter -furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber rief er: »Käthchen, -Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil an Dir, aber jetzt ist -die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu folgen; komm heraus, daß -ich Dich packen kann!« Allein auch hier mußte er weichen, denn Günzer -hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz entgegen. Aber diesmal verschwand -er nicht so ruhig, wie die frühern Male. Ein furchtbares Gewitter -begann sich zu entladen, ein Orkan warf die stärksten Bäume nieder -und erschütterte das Häuschen in seinen Grundfesten, der zum Strom -angeschwollene Waldbach drohte dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug -es Eins, so war alles wieder still und der Mond leuchtete silberhell -durch die finstern Wolken. - -So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und nach -zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, der ihr -schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber verlieh -demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur Ruhe setzte -und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben gedachte. -Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, innerhalb -dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen. - -Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches Los -er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich geführt -hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am Felsen bestatten, -wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun ging sie jeden Tag -hin, um dort für das Seelenheil des geliebten Verstorbenen zu beten. -Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine Greisin war. Einst -aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres Vaters zu beten, und kehrte -nicht zurück, und als ihr Mann und ihre Kinder hinausgingen, um sie zu -suchen, da fanden sie nur ihre Leiche; aus dem Felsen trat aber ein -Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte auf die Stirne, nahm ihr das -Demantkreuz ab und schwang sich damit zum Himmel auf. Der tiefbetrübte -Gatte aber rief einige seiner Kameraden herbei und brach ihr ein Grab -in den Felsen ein, und als Raum genug vorhanden war, um den Sarg -hineinzusetzen, und die Leidtragen eben damit beschäftigt waren, -denselben an seinen Ort zu stellen, da schwebten zwei Engel herab, -hoben ihn von der Bahre, stellten ihn in den Felsen und schlossen -denselben wieder mit einem großen Quadersteine so geschickt, daß -niemand mehr sehen konnte, wo die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit -aber nennt man jenen Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den -Käthelstein. - - -250. Hans Heilings-Felsen. - -(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1. -B., No. 329.) - -An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen empor, -die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es heißt, vor -alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling, im Lande -gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden Freitag in -sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar geblieben -sei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh, wo er ein -Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt haben, -die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert worden -war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen Gästen Hochzeit hielt, -erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich unter ihnen und rief -laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit, wenn Du mir diese -vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du mein!« und verwandelte -alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und Bräutigam stehen da, -wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten Händen. Hans Heiling -stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die ihn zischend verschlang und -kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch jetzt zeigt man die Steinbilder, -die Liebenden, den Brautvater und die Gäste, auch die Stelle, wo -Heiling hinabstürzte. - - -251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale. - -(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.) - -Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger Stunde -in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte, wenn er -nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel sein. Da -erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel auf. Dem -kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel liebte und -trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht, doch der Graf -verlor fortwährend und hatte schon alle seine Knechte und Mägde und -zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es dem Teufel nach Isa, -der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte aber seine Tochter -über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit geopfert; denn sie -war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige Stern, zu dem er mit -aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre Schönheit und sittliche -Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert, doch nur dem edlen -Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit jungfräulicher Schüchternheit -erwidert. Der Graf wollte seine geliebte Tochter Isa nicht auf den -Wurf setzen. Doch der Teufel bot ihm die Freiheit für sich und seine -Knechte und Mägde und noch so viel Geld, als er mit seinem gewaltigen -Streitrosse wiege, wenn er gewönne. Der Graf zögerte trotz der -Versprechung und wollte den verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der -Teufel drängte, denn in kurzer Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber -und seine Macht zu Ende. Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus -seinem Humpen, ergriff die beiden Würfel und warf -- jubelnd sprang -er auf -- er hatte 12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den -Teufel auf, mehr zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte -die Würfel und mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den -eichenen Tisch und zeigten -- 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn -sein Schwert heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen. -Doch dieser hauchte seinen schwefeligen Odem aus -- und kraftlos sank -der Graf auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du -meinen Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah -mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen. -Da schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den -Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von -Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben. -Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem Vorschlage -wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso verhaßt, wie -seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern. Der -Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde zu Ende -ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen. Dieser gelobte, Isa -dem Kloster zu übergeben. In einer blauen Wolke verschwand der Satan. -Der Graf aber gedachte den Teufel zu betrügen und seine Isa dem Kloster -wieder zu entführen. -- Die schweren Thore des Klosters Grünhain -schlossen sich hinter der jammernden Isa. Weder die tröstenden Worte -der Oberin, noch die freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern -vermochten die arme Isa zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram -zerstörte das blühende Leben. -- Nach einigen Monaten stand an der -westlichen Klostermauer allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt, -die stets mit dem frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im -Kloster ein einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten -Nacht nach der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne -den baumreichen Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten -über die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen Walde -zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester Barbara (das -war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle -- sie war verschwunden. --- Alle Räume des Klosters wurden durchforscht, jedoch vergeblich. Da -entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden in die umliegenden -Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen großen Vorsprung nach dem -dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen. Als am 3. Tage die Sonne sich -neigen wollte, standen die Flüchtigen auf einer hohen Felswand, an -deren Fuß das Schwarzwasser rauschte. Da verkündete Hundegebell die -Nähe der Verfolger und zwischen den uralten Fichtenstämmen zeigten -sich die Klosterknechte. Schon sind die Hunde heran, die Fliehenden -hören den Zuruf der Klosterknechte -- da ertönt ein markdurchdringender -Schrei -- der jähe Sprung in die schauerliche Tiefe erfolgt. -- Hunde -und Häscher finden weder in den Wellen noch im Walde eine Spur der -Flüchtigen. Der Felsen bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird -heute noch der Nonnenfelsen genannt. - - Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in - mehreren Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No. - 103), wird jedoch dabei der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen, - da sein Gegner ein Auge mehr hatte; eins war nämlich beim Werfen - herausgesprungen und lag neben dem Würfel. - - -252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg. - -(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.) - -Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man die -Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war vor mehr -als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar, welches zu -den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und in seinen Anfängen -vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs zurückreichte. Wie -aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum Opfer fällt, so waren -auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon vor Jahrhunderten kam -sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen, und die Ausbeute der -Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch nun der Turmhof zum -Erliegen gekommen, darüber giebt folgende Sage Aufschluß. - -Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich; er -verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte -er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden, -nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb -gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der -Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem -Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war -bekannt und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid, -Habsucht, Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er -absonderlich zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an -ihm und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch -erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen -habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen Veit, -einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit bravem, -rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstande angehörte -und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein rauher und harter -Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer Liebe zugethan. - -Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und zwar -ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß. Alle -Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen, denn -sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit heimlich -verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung als -Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit machen, falls -ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts dagegen hätten. -Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde seiner Tochter, wie -die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch die Thränen und Bitten -der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische Tüchtigkeit und -untadelhafte Aufführung endlich beseitigt. - -Anders war es bei dem alten Kunststeiger. Derselbe grollte mit dem -Obersteiger fort und trachtete darnach, demselben Schaden zuzufügen. -Dazu sollte ihm das unlängst geschlossene Bündnis mit dem Teufel -helfen. Für die Dienste, welche ihm letzterer zu gewähren versprochen -hatte, sollte ihm der Kunststeiger Heinrich alljährlich die Seele -eines Menschen liefern, und zwar sollte es jederzeit derjenige sein, -welcher am letzten Tage des Jahres der letzte beim Ausfahren aus der -Grube Turmhof wäre. -- Wieder war der letzte Tag des Jahres erschienen, -an welchem nach dem Vertrage der Plan des bösen Kunststeigers zur -Ausführung kommen mußte. Die Schichtzeit war abgelaufen, die Zeit zum -Ausfahren gekommen. Die sämtliche Mannschaft befand sich auf der Fahrt; -der Obersteiger war vom Kunststeiger durch irgend einen Vorwand in der -Grube zurückgehalten worden. Jetzt kamen sie zum Schachte; da bestieg -der Kunststeiger schnell die Fahrt und gab vor, dem Obersteiger beim -Hinausfahren das Öffnen des Schachtdeckels ersparen zu wollen. So -gelangte der Obersteiger als der letzte zum Ausfahren. - -Der Himmel aber fügte es, daß der Kunststeiger dennoch eine falsche -Rechnung gemacht hatte. Sein eigener Sohn Veit war, unbemerkt von ihm, -noch in der Grube zurückgeblieben. So wurde dieser nun derjenige, der -zuletzt zum Ausfahren kam; -- aber er hat das Tageslicht nicht mehr -gesehen und keines Menschen Auge erblickte den Unglücklichen jemals -wieder. Der Teufel lauerte seinem Opfer auf und stürzte es rücklings in -die grausige Tiefe. Als der Kunststeiger seinen Feind, den Obersteiger -Gebhardt, rüstig und ohne Fährlichkeit Sprosse um Sprosse hinter sich -nachfahren sah, mochte er sich wohl wundern, daß der Satan sich nicht -des letzteren bemächtigte. Mit Unwillen und Staunen bemerkte er, daß -sein Widersacher unbeschädigt nach ihm die Schachtkaue betrat. Als -er aber mit düster forschendem Blicke die Mannschaft überschaute, -und unter ihr seinen Sohn Veit vermißte, da fiel es ihm wie Schuppen -von den Augen; der Teufel hatte ihn um das liebste, für welches sein -verknöchertes Herz noch Gefühl gehegt, betrogen. Bewußtlos sank er -zusammen. - -Die Abwesenheit Veits war bald bemerkt worden; man wunderte sich über -sein Außenbleiben. Da erhob sich der endlich zum Bewußtsein gekommene -Kunststeiger mit irrem Blicke. Hastig schrie er: »Ich will sehen, wo -mein Sohn geblieben ist!« Dann fuhr er zurück in die Grube. »Niemand -folge mir, dem sein Leben lieb ist!« herrschte er den Knappen zu, die -sich erbötig zeigten, den bekümmerten Vater zu begleiten. - -Die Berghäuer gehorchten und lauschten nur hinab in die Tiefe. - -Da erscholl es drunten wie von mächtigen Axthieben und man vernahm -bald darauf ein entsetzliches Geprassel. Erschrocken flohen die Leute, -denn sie befürchteten des Schachtes baldigen Einbruch und hatten sich -nicht getäuscht. Der Kunststeiger zerhieb mit furchtbaren Axtschlägen -die Kunstgestänge und zerstörte die Gerinne, in welchen das starke -Aufschlagwasser zum Umtriebe des Kunstrades über den Schacht geleitet -war, so daß die ganze Wassermasse sich in die Tiefbaue ergoß und bald -die ganze Grube ersoff. In den wild hereinstürzenden Gewässern hat der -Kunststeiger seinen Tod gefunden. Der Teufel verpaßte seine Zeit nicht: -er hatte ihn drunten geholt. - -Des Obersteigers Tochter Johanna verfiel infolge jenes trübseligen -Ereignisses in ein hitziges Fieber, an welchem sie lange in -Lebensgefahr darniederlag. Die Jugend half ihr die Krankheit -überwinden, aber sie war und blieb für immer tiefsinnig. So trat sie -in das in der Sächsstadt zu Freiberg gelegene Jungfrauenkloster zur -heiligen Maria Magdalena ein. Erst später verließ sie es wieder, als -dasselbe bei der Reformation gänzlich aufgelöst wurde, und kehrte -in die Welt zurück. Die Grube Turmhof kam nach jenem unglücklichen -Ereignisse zum Erliegen, denn wo der Teufel gehaust hat, kann kein -Segen aufkommen. - - -253. Der versteinerte Kammerwagen. - -(Fr. Bernau: Comotovia 1877, S. 80.) - -In einem friedlichen Thale bei Neudeck lebte ein Bauersmann still -und zufrieden mit seiner Familie; nur seine älteste Tochter, bereits -zur blühenden Jungfrau herangewachsen, machte ihm manche Sorge. Sie -unterhielt nämlich ein Liebesverhältnis mit einem armen Burschen aus -der Umgebung des Dorfes, der als Bergknappe im Schoße der Erde sein -Brot verdiente. Schon lange wurde von den Liebenden eine Verbindung -angestrebt, allein der Vater versagte die Einwilligung, so sehr auch -das Mädchen darum bat. Da beschloß der Knappe, sich noch auf einige -Jahre in eine andere Gegend zu wenden, dort fleißig zu arbeiten und -nach seiner Rückkehr wieder um die Hand der Geliebten anzuhalten. Diese -gelobte ihm beim Abschiede ewige Treue, und dadurch getröstet zog er -von dannen. - -Anfangs schien der Schmerz des Mädchens über die Entfernung des -Geliebten sehr groß; doch nach und nach mäßigte sich die Sehnsucht, und -Zeit und Arbeit brachten es dahin, daß sie den Geliebten allmählich -vergaß. Da gelang es denn einem andern Dorfburschen ohne Mühe, sich -ihre Gegenliebe zu erwerben, und da er reich war, erhielt er auch -die Einwilligung des Vaters. Es wurden Vorbereitungen zur Hochzeit -getroffen, und der Tag der Trauung war nicht mehr fern. Da kehrte -plötzlich der Bergknappe zurück. Er hatte sich in der Fremde manches -erspart und hoffte nun, bald im Besitze des geliebten Mädchens zu -sein. Abends, als es schon im Thale zu dämmern begann, ging er an das -Haus seiner Geliebten und hoffte sie zu sehen; er sah sie auch -- aber -in den Armen eines andern. Wie ein Blitzstrahl durchfuhr es seine -Glieder, er wollte vorwärts, doch sein Fuß war wie angewurzelt; einen -Fluch zwischen den Zähnen murmelnd, stürzte er hinweg. Von diesem Tage -an war er fahrlässiger in seinen Arbeiten und siechte vor Gram immer -mehr dahin. Oft sah man ihn spät abends seine Hütte verlassen und -einem Platze zuwandern, welchen selten ein Mensch betrat, da, wie es -hieß, die bösen Geister dort ihr Wesen trieben. Hier schloß er nun ein -Bündnis mit dem Bösen, um die treulose Geliebte und ihren Bräutigam zu -verderben. Acht Tage vor der Hochzeit begab er sich in die Wohnung der -Braut. Obschon von seiner Ankunft unterrichtet, erschrak sie doch sehr -über sein verstörtes Aussehen; er dagegen gab sich den Anschein, als -wüßte er nichts von ihrer Treulosigkeit. Vor Schreck war sie keines -Wortes mächtig; da er hieraus nur zu deutlich ersah, daß sie wirklich -treulos an ihm gehandelt, kündigte er ihr mit kurzen Worten seine Rache -an; er werde mit Hülfe des Teufels alles das, was sie vom Hause aus mit -bekäme, verderben, weil es ihr Reichtum war, der ihren Vater von der -Einwilligung zur Verbindung mit einem armen Burschen abgehalten hatte. -Und auch sie selbst werde den Folgen seiner Rache erliegen zur Strafe -für ihre Treulosigkeit. Und so geschah es. Die Hochzeit wurde gehalten -und das Ehepaar begab sich in die neue Heimat; der hochbepackte -Kammerwagen folgte. Eben passierten sie eine Höhe, von welcher sie die -Hütte des Bergknappen erblicken konnten. Da erbebte von einem dumpfen -Donner der Boden, der Kammerwagen ward umgestürzt, die Betten und alle -sonstigen Geräte lagen am Boden und wurden in demselben Momente zu -Stein. Die vor den Wagen gespannten Tiere wurden scheu und stürzten -wie wütend den Berg hinab, den Kammerwagen gänzlich zertrümmernd. Die -Braut aber warf der Schreck aufs Krankenlager, und dies, sowie die Reue -über die begangene Treulosigkeit, brachten ihr einen schnellen Tod. -Dieses war nach der Sage die Rache des Bergknappen; er selbst war nach -diesem Vorfalle aus der Gegend verschwunden und nie hat man ihn wieder -gesehen. Aufgehäufte Steinmassen bezeichnen noch heute die Stelle -seiner Rache. - - -254. Wie der Teufel Schellerhau verlor. - -(Mündlich.) - -Man hat eine Redensart, womit man die Bewohner des langgestreckten, aus -zerstreut liegenden Häusern bestehenden Dorfes Schellerhau neckt: »Euch -Schellerhauer hat der Teufel im Sack verloren!« Dies rührt davon her: -Der Teufel fuhr einmal durch die Luft und hatte ganz Schellerhau in -einem Sacke. Der Sack jedoch hatte ein Loch, so daß ein Haus nach dem -andern herab zur Erde fiel. Wie nun der Teufel merkte, daß der Sack so -leicht geworden war, weil er fast ganz Schellerhau verloren hatte, da -warf er ihn im Ärger hin und rief: »Zum Schinder!« Da wurde dort, wo -der Sack ganz am Ende des Dorfes nieder gefallen war, die »Schinderei«, -wie man allgemein die Abdeckerei nannte; und in diese »Schinderei« -mußte jedes gefallene Stück Vieh abgeliefert werden. - - Wie hier die Häuser von Schellerhau, so verlor der Teufel auf den - Fluren der Kolonie Fichtenthal bei Heide-Gersdorf aus seinem Sacke - die vielen Steine, welche daselbst noch liegen und die er sich zum - Baue eines Hauses vom Riesengebirge geholt hatte. (Haupt, Sagenbuch - d. Lausitz, No. 112.) - - Ebenso erzählt eine lausitzisch-wendische Sage, daß der Teufel einmal - auf dem Wege war, um ~Kneschki~, d. i. kleine Herren oder Junker - auszusäen. Als er von der Bautzner Gegend aus über Wittichenau, - Hoyerswerda und Senftenberg kam, um in der Niederlausitz seine Saat - fortzusetzen, verlor er bei dem Dorfe Skado bei Senftenberg einen - solchen Kneschk. Ärgerlich sagte er: »~to je skoda~!« (das ist - schade!), weil er den Junker für die Niederlausitz hatte aufsparen - wollen. Davon hat denn jenes Dorf seinen Namen erhalten. (Preusker, - Blicke in die vaterländische Vorzeit, I., S. 180.). Auch das Dorf - Langenschade in Thüringen verdankt seinen Namen einem gleichen - Ausrufe des Teufels. Der Teufel flog hoch durch die Luft und trug - in seiner Schürze eine Menge Häuser mit sich davon. Ohne daß er es - merkte, fiel eines nach dem andern aus der Schürze. Als er es endlich - gewahr wurde, rief er ärgerlich aus: »Das ist schade!« So entstand - der Ort Langenschade. (Richter, Deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. - 23.) - - Die letzten beiden Sagen zeigen besonders darin eine große - Ähnlichkeit mit der unsrigen, als der ärgerliche Ausruf des Teufels - einem Dorfe, bei uns aber dem letzten Hause von Schellerhau seinen - Namen verschaffte. - - - - -V. - -Zaubersagen. - - -Neben dem Götterkultus bestanden bei den alten Deutschen auch Übungen -in der Zauberei, d. h. in dem Vermögen, höhere geheime Kräfte auf -andere, und zwar anfänglich gut oder böse, später jedoch nur schädlich -wirken zu lassen. Durch die christlichen Priester wurden diese -heidnischen gottesdienstlichen Gebräuche für sündhaftes Blendwerk -erklärt und mit dem Teufel in Verbindung gesetzt, so daß sich die -Vorstellung von einem unmittelbaren Zusammenhange des bösen Feindes mit -dem Wesen der Zauberei ausbildete. (J. Grimm, Deutsche Myth., S. 580.) - -Im Zusammenhange mit dem Zaubern steht auch das Beschwören, d. h. ein -Zaubern durch Segensformeln, sowie das die Zukunft enthüllende Wahr- -und Weissagen; letzteres geschah einst bei germanischen Völkern durch -das Auflesen der auf ein Tuch geworfenen Runen. Besonders wurde die -Kraft der Weissagung den mit einem reizbaren Nervensystem begabten -und mehr von der Außenwelt abgezogenen Frauen, welche deshalb bei -den alten Deutschen Priesterinnen und Wahrsagerinnen zugleich waren, -zugeschrieben; sie waren auch die Wisserinnen mancher Geheimnisse, -und sie kannten die heilende Kraft der Kräuter, so daß sich daraus -später der Glaube des Mittelalters an Hexen und Hexerei entwickelte. -Wie das Christentum den Begriff zaubernder Frauen bereits bei dem -Heidentume vorfand und nun vielfach veränderte, so läßt sich bis in die -Gegenwart in dem ganzen Hexenwesen noch ein offenbarer Zusammenhang mit -den Opfern, den vielfach mit religiösen Veranstaltungen verbundenen -Volksversammlungen und der Geisterwelt der alten Deutschen nachweisen. -(J. Grimm, a. a. O., S. 587.) Es mag nur daran erinnert werden, daß -die Hexen nach den Volksüberlieferungen am Walpurgis- oder Hexenabende -fast immer nach Orten durch die Luft fahren, welche ehemalige Gerichts- -oder Opferplätze sind. Ob übrigens die »Drutenau«, mit welchem Namen -man schon seit Jahrhunderten das Thal von Auerhammer bezeichnet, -ein solcher Platz war, mag dahin gestellt bleiben; die Drut, welche -teilweise die Frau Holle oder Perchtha vertritt und mit der man in -der Schweiz lärmende Kinder beschwichtigt, gilt häufig auch als Hexe. -Eine solche erkennt man nach dem Glauben der Erzgebirger an den -Platt- oder Drudenfüßen, an den roten Haaren, den roten, triefenden -Augen und großen, buschigen, über der Nase zusammengewachsenen -Augenbrauen. (Spieß, Aberglauben etc., S. 29.) Das Behexen richtet sich -hauptsächlich auf das Vieh und Getreide der Nachbarn; in unsern Sagen -wird dadurch gute Milch in blutige verwandelt. Außerdem schreibt der -Volksmund noch das Beschreien, wobei jemand wegen irgend einer guten -Eigenschaft gelobt wird, damit dann das Gegenteil davon eintrete, der -Hexerei zu. Als Schutz gegen Zauberei und Hexerei gelten Kreuzeszeichen -an der Thüre, das Durchkriechen unter sogenannten Schleifbrämen, das -Versprechen und anderes mehr. - -Nach dem Volksglauben stehen nicht bloß die Hexen, sondern überhaupt -alle Zauberer in einem Bunde mit dem Teufel. Die ersten Überlieferungen -von solchen Bündnissen des Teufels mit Männern finden sich bereits im -10. Jahrhunderte, während die erste sichere Erwähnung eines Bundes -des Teufels mit Hexen in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Italien -vorkommt. Jacob Grimm vermutet dabei, daß die Veranlassung zu dem -Glauben an Teufels- und insbesondere Hexenbündnisse in der Verfolgung -der Ketzereien, welche in der Mitte des 13. Jahrhunderts von Italien -und Frankreich nach Deutschland kam, zu suchen sei. Man legte den -Zusammenkünften der Ketzer abgöttische Ausschweifungen zur Last und die -Kirche eiferte gegen die neuen Irrlehren und Überreste des Heidentums, -welche sich jenen da und dort zugesellten. (Deutsche Mythologie, S. -600.) - -In unsern Sagen wird der Teufel zur Dienstleistung citiert, oder er -wird durch Beschwörungen in Fliegen- oder Hummelgestalt aus Personen -ausgetrieben. Durch gewisse Zauberformeln, welche in geheimnisvollen -Büchern stehen, werden die höllischen Geister in verschiedenen -Gestalten, hauptsächlich als schwarze Vögel, herbeigerufen. Mit Hülfe -des Teufels verbreitet sich die Pest, und Speisen werden so fest -gemacht, daß man nichts davon abschneiden kann. Durch teuflische Künste -festgemachte Personen können auf gewöhnliche Weise nicht verwundet -werden; dies gelingt erst durch einen abgeschossenen Dukaten oder -silbernen Knopf, oder durch einen Degen, welchen man zuvor unter dem -Schuh durch die frische Erde oder durch ein Brot gezogen, oder dessen -Spitze man wenigstens vorher in die Erde gestoßen hat. - -Die musicierenden und tanzenden +Katzen+ erscheinen offenbar als -Hexentiere. Katzen werden aber auch als Wesen gedacht, von deren -Lebensdauer der Bestand der Familie abhängt. (Rochholz, a. a. O. I., S. -160); zuweilen verkündigen sie etwas Erfreuliches. Bei uns sagt man, -daß eine über den Weg laufende Katze, besonders eine schwarze, Unglück -bedeutet. Wenn eine Katze sich putzt oder einen krummen Rücken macht, -so kommt Besuch. -- Wie als Kühe und Ziegen hat man sich die Wolken -auch als Katzen gedacht, und man meinte weiter, daß die in den Wolken -waltenden Weiber die Gestalten von Katzen annehmen könnten; daher -nennt man die durch Luft und Wolken ziehenden Hexen auch Wetter- und -Donnerkatzen. (Mannhardt, a. a. O., S. 90.) -- Katzen zogen den Wagen -der Freya. - - -255. Der Schwarzkünstler zu Geyer. - -(Lothar, Volkssagen und Märchen. 1820. S. 69. Darnach Gräße, Sagenbuch -d. K. S., No. 450.) - -Vor vielen Jahren ward zu Geyer ein Totengräber gefangen genommen -und in einen Turm gesetzt, so daß er mit den Füßen die Erde nicht -hat berühren können. Man glaubte nämlich früher, daß Zauberer und -Hexen, wenn sie die Erde nicht mehr berühren könnten, unschädlich -würden, und sperrte sie daher oft in eiserne Käfige ein. Der genannte -Totengräber hatte seine Frau ermordet, ihren Mund mit schwarzen Beeren -angestrichen, als sei sie an der Pest gestorben, alsdann ihr den Kopf -abgeschnitten, das Herz aus der Brust genommen, verbrannt, solches auf -die Straße ausgestreut und wer darüber gegangen, ist gestorben. Seines -Kindes Kopf hat er an die Feuermauer gehängt; so viele Tropfen Blutes -von ihm gefallen, so viele Menschen sind gestorben. Dann hat er die -sterbenden Leute aufs Gesicht gelegt und ihr Sterben hat kein Ende -genommen. Drei Ruten hat dieser Mann ausgesteckt, eine nach Annaberg, -die andere nach Schweinitz, die dritte nach Alterle (Elterlein?). -Zuletzt hat er erzählt, wie viel Glück er mit seiner Kunst in großen -Städten gemacht habe. Er meinte, wenn er nur die Erde oder einen -Kreuzweg oder eine Dachtraufe erreichen könnte, so wollte er sich schon -die Freiheit verschaffen. - - Blutstropfen sind Symbole für die Seele. Drei frische, auf die Hand - fallende Blutstropfen zeigen einer Mutter den Tod ihres gemordeten - Kindes an. (Grimm, Deutsche Sagen, No. 353.) - - Jacob Grimm bemerkt (Deutsche Myth., S. 607), daß früher der Glaube - verbreitet gewesen sei, eine Hexe könne sich verwandeln, sobald sie - die Erde berühre. Eine Frau in Zittau, welche als Hexe galt, wurde, - damit sie die Erde nicht berühre, im Stockhause frei aufgehängt. - Ähnliches geschah 1678 in Bautzen mit einem Räuber und Mörder, der - den Teufel hatte. (Pescheck, Gesch. v. Zittau, II. S. 746.) - - -256. Pestzauberei. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 987.) - -Im Jahre 1680 wurde zu Geyer der Totengräber wegen Zauberei auf -dem Gottesacker gefänglich eingezogen. Denn man hatte ihn auf den -Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen sehen. Als -darauf allerhand Beweismittel gesucht wurden, ihn seiner Bosheit zu -überführen, so fand man unter anderen, daß er sein eigen Weib wieder -ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten und zu Pulver -gebrannt und dieses Pulver auf die Gasse gestreuet hatte. Er erhielt -dafür den Staupenschlag und wurde des Landes verwiesen. - -Im Jahre 1614 hatte ein Totengräber zu Wolkenstein einer Pestleiche -den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an einer Schnur -in des Teufels Namen aufgehängt, darein Hefen, Bier und Blut von -Verstorbenen, sowie Milch aus der Pestleichen Brüsten gegossen -und darnach eingeheizt. So viel Tropfen nun aus dem schwitzenden -Hirnschädel gefallen, so viel Pestleichen hat er denselben Tag gehabt. -Dieser Pestzauberer hatte auch zweierlei Pulver, ein gutes wider die -Pest, und ein ansteckendes, so er aus einer Pestdrüse gemacht. Wegen -solcher schrecklichen Unthaten ist er verbrannt worden. - -Im Jahre 1623 hauste die Pest in Gottesgab, welches Städtchen halb -ausstarb. Der Totengräber kam in den Verdacht, daß er diese Seuche -mit bösen Mitteln verursacht habe. Hans Leonhardt, ein verwegener -Mühlknecht, welcher kürzlich erst aus dem Kriege gekommen war, wagte -sich hinein in des Totengräbers Häuslein und fand einen Totenkopf über -dem Ofen hängen, darüber er sich erboste, und er hieb den Totengräber -samt dem Weibe krumm und lahm, holte Feuer und brannte das Spital gar -weg, daraus zwar die tötlich Gehauenen gekrochen, aber dennoch an ihren -Wunden gestorben sind. - -Im Jahre 1633 hatte eine gewisse Pittelia samt ihrer Tochter zu -Abertham die Pest durch Zaubermittel vermehren helfen. Bei der Marter -bekannte sie, daß sie eine Bürste neben einer Leiche ins Grab geworfen -habe; man müsse dieselbe wieder herausnehmen, wo nicht, müsse ganz -Abertham aussterben, da schon 26 Personen gestorben waren. Es hat sich -mit der Bürste auch also befunden, und wurde diese Pestzauberin am -18. November genannten Jahres in Joachimsthal an einem Pfahle mit dem -Strange erwürgt, ihre Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide Körper -verbrannt, der Sohn aber des Landes verwiesen. - - -257. Die Zauberelse zu Zwickau. - -(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygn.~ II., S. 374. Gräße, a. a. O., No. 550.) - -Im Jahre 1557 den 22. Mai ist zu Zwickau die alte Zauberelse gefänglich -eingezogen worden. Die hatte den Leuten Tränke gesotten, den Mägden -Kinder abgetrieben, auch vielen Menschen in ihren Gliedmaßen, Armen, -Beinen, Fingern, Brüsten und in die Fersen »gefärtigt«, auch viele -andere Zauberei mehr getrieben. Sie hatte auch einem Maler zu Glauchau -Gift beigebracht, daß er gestorben. So hatte sie auch leiblich mit dem -bösen Feind gebuhlt und eine lange Zeit mit ihm zugehalten, der ihr -auch Geld gebracht, bisweilen 2 und 3, bisweilen auch 4 Thaler, mehr -aber nie. Da man sie gefragt, wie er aussehe, hat sie geantwortet, er -wäre ein alter grauer, häßlicher Teufel. Dieser böse Geist ist auf der -Gasse oftmals mit ihr gegangen, doch, sprach sie, es hat ihn niemand -als sie sehen können. Als sie gefangen gesessen, ist er oftmals zu ihr -vor's Gefängnis und an das vergitterte Fenster gekommen und hat sie -gefragt, was sie mache, ob sie heraus wolle, er wolle ihr helfen. Sie -hat aber geantwortet, sie wolle gern hinaus, aber sie habe noch ihre -Seele zu bedenken. Auf diese Rede ist er davon geschieden, sie aber hat -gesessen bis zum 18. Juni, da hat sie wegen vielfälliger Zauberei ihre -Strafe empfangen und ist am Galgen verbrannt worden. - - Jacob Grimm weist (Deutsche Myth., S. 599) darauf hin, daß, nachdem - die heidnischen Vorstellungen von einer Verbindung der Helden mit - Schwanenfrauen und Elbinnen verdrängt worden seien, der Glaube an - einen geschlechtlichen Verkehr des Teufels mit Hexen, durch welchen - das geschlossene Bündnis besiegelt und dem Teufel freie Macht über - die Zauberinnen verliehen ward, Platz greifen konnte. - - -258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Krähen. - -(Mitgeteilt vom Sem. Osw. Hübner aus Bernsbach.) - -Eine alte Frau in Bernsbach, die selbst schon Großmutter war, erzählte, -daß ihr Großvater einst einen alten Freund, der Gasthofsbesitzer in -einem andern Orte war, besucht habe. Da gerade Heuernte gewesen, sei -der Wirt mit allen seinen Leuten auf die Wiese gegangen, so daß nur -sein alter Freund in dem Gasthofe zurückblieb. Dieser erhielt den -Auftrag, Bier zu verschänken, wenn Gäste kämen. Als er nun allein -gewesen, hätte er ein Buch aus einem Schranke genommen und sich mit -Lesen darin vertieft. Auf einmal wäre eine Krähe an das Fenster -gekommen, und bald darauf wären noch mehrere gefolgt, welche sich -sämtlich vor der Hausthüre niedergelassen hätten. Auf einmal wäre -aber der Wirt atemlos in das Haus gestürzt gekommen, hätte dem sonst -sehr lieben Freunde eine Ohrfeige gegeben, das Buch weggenommen und -die Worte gesprochen: »Wäre ich nicht gekommen, so wärest Du in einer -Viertelstunde tot gewesen, denn die Krähen hätten Dich umgebracht!« - -Daran ist bloß das Lesen in dem geheimnisvollen Buche schuld gewesen. - - Die Raben, an deren Stelle bei uns im Glauben des Volkes auch die - Krähen und Dohlen getreten sind, gelten als Teufelsvögel, deren - Erscheinen gewöhnlich Unglück und insbesondere einen Todesfall - verkündet. Nach einem slavischen Aberglauben sind überhaupt Vögel - die Seelen Verstorbener; Raben und Krähen gelten als die Seelen - Verdammter. Nach Aargauer Sagen entschweben die Seelen der Erlösten - in Gestalt von Tauben, die von Verwünschten und Erhängten dagegen - verwandeln sich in Raben. (Rochholz, a. a. O. I., S. 156.) Auf - dem Kirchhofe zu Scherpenheuvel wurden die Nahewohnenden nach dem - Begräbnisse eines Mannes, der ein schlechte Leben geführt hatte, - durch das Geschrei eines Raben in ihrer nächtlichen Ruhe gestört. - (Nork, a. a. O., S. 275.) - - Wie unter dem Einflusse der christlichen Bekehrer die alten - heidnischen Gottheiten zu dämonischen und teuflischen Gestalten - wurden, so auch die ihnen einst geheiligten Tiere. Auf den Schultern - Odhins saßen zwei Raben, »Hugin und Munin«, d. h. Gedanke und - Erinnerung, welche jeden Tag durch die Welt flogen und dann dem - Gotte Nachrichten ins Ohr raunten. In Erinnerung an diese einst dem - Gotte beigegebenen Vögel erzählt die Sage, daß der Kaiser Friedrich - Barbarossa, auf dessen Gestalt, ebenso wie auf die anderer beliebter - Helden, Odhin übertragen wurde, im Kyffhäuser einen Hirten frug, ob - noch die Raben um den Berg flögen. Nach einer lausitzischen Sage - dagegen wurde der wilde Jäger, d. i. Odhin, in einen Nachtraben - verwandelt. - - -259. Die unheimlichen Gäste in Werda. - -(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 537.) - -In dem Dorfe Werda bei Falkenstein lebte ein junger Mann, der saß an -einem Sonntagabende im Winter ganz allein zu Hause und hatte ein Buch -aus einem alten Schranke zur Hand genommen, um darin zu lesen. In dem -Buche aber waren verschiedene Zeichen und Figuren, die er sich nicht -sogleich ausdeuten konnte. Deshalb zog er die Lampe näher an sich -heran, um besser sehen zu können. Als er nun so eine Weile im Lesen -und Ausdeuten vertieft ist, blickt er zufällig in die Höhe, fährt aber -wieder erschrocken zurück, denn zu dem kleinen Schiebefenster herein -sieht ein rabenschwarzer Mann mit grinsendem Gesichte. Der Bursche -fragt nach dem Begehr, erhält aber keine Antwort. Nachdem er sich vom -Schreck etwas erholt hatte, las er ruhig weiter und war bemüht, die -Figuren ordentlich zu deuten. Er sah sich wieder um und wurde zu seinem -Schrecken gewahr, daß zu jedem Fenster ein schwarzer unheimlicher Gast -hereinsah. Dabei war er auf seinem Sitze wie festgebannt und konnte -fast kein Glied mehr regen. Jetzt wollte er das Buch zumachen, denn -es flimmerte und tanzte ihm alles vor den Augen. Aber wie von einer -unsichtbaren Macht gefesselt, konnte er seinen Blick nicht von dem -Buche abwenden und er fing wieder an zu lesen. Plötzlich aber entstand -im Hause ein groß Getöse und Gepolter, die Thüre flog auf und ein -langer schwarzer Mann kam herein und blieb in der Mitte der Stube -stehen. Der Lesende fragte zum zweiten Male, was sein Begehr sei, -erhielt aber wieder keine Antwort. Dabei mußte er in dem Buche immer -weiter lesen, und es dauerte gar nicht lange, so ging das Gepolter -von neuem los und eine zweite schwarze Gestalt trat in die Stube und -stellte sich neben die erste hin. Ohne von seinem Buche aufzusehen, las -der Bursche fort. Jetzt aber that es einen Schlag, daß das ganze Haus -in seinen Grundfesten erschüttert wurde, Fenster und Thüren sprangen -auf, ein blitzähnlicher Schein fuhr durch die Stube und eine dritte -Gestalt, länger als die beiden ersten und wild von Aussehen, trat nun -in Begleitung von allerhand Tieren, als Raben, Eulen und Elstern, in -die Stube und stellte sich nun zwischen die beiden ersten hinein. Jetzt -wurde es unserm Geisterbeschwörer himmelangst und er rief aus vollem -Halse nach Hülfe. Es dauerte aber lange, ehe die gewünschte Hülfe kam. -Endlich kam der Bruder des Burschen mit noch einigen Nachbarssöhnen -nach Hause, und diese sahen nun, was vorgefallen war. Der Sohn des -Wirtes, der auch mit hinzugekommen war, lief sogleich zum Pastor, -welcher auch erschien, aber dessen Kraft zu schwach war, die Geister -wieder zu bannen. Er gab den guten Rat, es solle doch gleich einer nach -Theuma zum Pater reiten, der könne Hülfe schaffen. Ohne sich lange zu -besinnen, ritt der Sohn des Wirtes nach Theuma und erzählte daselbst -dem Pater, was vorgefallen war. Der Pater ließ sich auch bewegen -mitzukommen. Da er ankam, war bereits das halbe Dorf vor dem Hause -versammelt, und sogleich begann er seine Beschwörungen. Es dauerte auch -nicht lange, so entfernten sich die ungebetenen Gäste, nur der letzte -hielt noch stand und wollte nicht weichen. Als aber der Theumaische -Pater ein großes Buch hervorzog, entfloh er unter fürchterlichem -Gebraus durch den Schornstein und ließ einen Schwefelgeruch zurück. Das -Buch aber, welches der Bursche gebraucht hatte, nahm der Pater mit und -ermahnte noch den jungen Mann, solche Sachen fernerhin zu lassen und -nichts zu unternehmen, was er nicht verstehe. - - Das Buch, in welchem der Bursche las, ist Faust's Höllenzwang, von - dem uns der Volksmund erzählt. Ähnlich wie dem jungen Manne in - Werda erging es den Buben eines Wunderdoktors in Schumburg, die in - Abwesenheit ihres Vaters dies geheimnisvolle Buch aus einem Schranke - nahmen und darin lasen, worauf eine Menge von teuflischen Vögeln - ins Zimmer kam. (Grohmann, Sagen aus Böhmen und Mähren I., S. 315.) - Ein alter Mann in Eichelborn in Thüringen hatte große Kenntnisse in - geheimen Künsten. Einst las er abends in einem großen Buche, während - ein Knabe bei ihm in der Stube war. Da wurde er hinausgerufen. - Der Knabe las trotz des Verbotes in dem Buche, und da kamen viele - Raben, welche von außen an das Fenster pochten. Auf das ängstliche - Geschrei des Knaben kam der Alte zurück, gab dem Ungehorsamen eine - derbe Ohrfeige und las in dem Buche schnell einige Worte; siehe, - sofort verschwanden die Raben nieder. (O. Richter, Deutscher - Sagenschatz, 4. Heft, No. 3.) Dieselbe Sage findet sich auch bei - den Lausitzer Wenden. Als ein Bauer, welcher am Schloßberge zu Burg - in der Nieder-Lausitz wohnte und der im Besitze eines »Charakters« - war, einmal auf dem Felde arbeitete, suchte daheim sein Sohn das - Zauberbuch hervor. Beim Lesen desselben kamen ebenfalls Hasen, - Krähen und andere Vögel zu Thür und Fenster herein. Der Vater, von - Unruhe und Angst getrieben, lief eilig nach Hause und sahe, was der - Sohn angerichtet hatte. Da nahm er das Buch zur Hand und las alle - Stellen, welche der Sohn gelesen hatte, rückwärts; da verschwanden - die Ungetüme wieder. (Veckenstedt, Wendische Sagen, 1880, S. 273.) - - -260. Die Hexen zu Schellenberg. - -(v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, I. S. 371. Darnach bei Gräße a. a. -O., No. 552.) - -Im Jahre 1529 sind zu Schellenberg im alten Schloß, welches an der -Stelle der vom Kurfürst August erbauten Augustusburg stand, die beiden -Hexen, die alte und junge Rodin, weil sie mehrmals zu Schönerstedt auf -dem Hexensabbath gewesen, Diebsdaumen verkauft, untreue Männer durch -Zaubermittel zu ihren Frauen zurückführen gelehrt, Hexensalben gesotten -und Abwesende citiert, gefoltert und dann wahrscheinlich hingerichtet -worden. - - -261. Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 908.) - -Im Jahre 1080 war Böhmen voller Zauberer, Hexen, Wahrsager und -Beschwörer, wider welche Herzog Ulrich inquirierte und 107 in einem -Jahre hinrichten ließ. Die andern zerstreuten sich in Mähren und unser -Gebirge. Um Klostergrab und Ossegg behexten sie die Leute, daß sie -erkrankten, besonders die Schwangern. - - Im böhmischen Erzgebirge stellt man sich die Hexe in Gestalt eines - hämischen, boshaften, alten Weibes vor, das im Bunde mit dem Teufel - steht, auf Ofengabeln, Schürhaken oder Besen durch den Schlott - fährt und durch die Luft reitet, den Brand ins Getreide legt, die - Kühe verhext, daß sie keine oder rote Milch geben, die Kinder in - der Wiege mit Wechselbälgen vertauscht und ähnlichen Unfug treibt. - Ihre Macht über den Menschen und über alles, was ihm lieb ist, soll - in der Walpurgisnacht am stärksten sein. (Joseph Fritsch in der - Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg., S. 101.) - - -262. Das Hexenloch bei Joachimsthal. - -(Nach Wenisch, a. a. O., S. 40.) - -Nicht weit von der Johanneskapelle bei Joachimsthal zeigte man auf -einem Feldraine das gegenwärtig durch einen Steinhaufen verdeckte -»Hexenloch«. Die Sage erzählt von demselben, daß sich hier Hexen -aufhalten. In der Walpurgisnacht führen sie ihre Tänze auf, essen -und trinken und spielen um die Seelen von Selbstmördern Karten. Zum -Schutze gegen ihr Eindringen in die Wohnungen werden von vielen Leuten -am Walpurgisabende mit geweihter Kreide oder Kohle drei Kreuze an die -Thüren gemacht. - - -263. Mittel gegen Zauberei. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 900.) - -Zwei junge Eheleute in Pöhl waren von einer rachgierigen Dorfhexe so -verzaubert, daß sie einander spinnefeind wurden und eines das andere -ein ganzes Jahr lang nicht ansehen konnte. Endlich krochen sie beide -durch sogenannte Schleifbrämen, das sind Brom- oder Kratzbeerzweige, -welche einen Bogen geworfen und wieder in die Erde gewurzelt. Damit ist -ihnen geholfen worden. - - -264. Eine Hexe wird erkannt. - -(Lehmann, a. a. O., S. 908.) - -Zu Arnsfeld bei Wolkenstein wurde eines Mannes Vieh bezaubert, daß es -Blut gab. Da die Magd melken wollte, merkte sie das lose Stück, nahm -ein Seihtuch, stach's voller Nadeln und kochte es im Ofen. Darauf kam -der Nachbarin Mann gelaufen und begehrte Citronenschalen. Dieselben -wurden ihm abgeschlagen, denn der Magd war es verboten worden, das -geringste zu geben. Da kam der Mann wieder und bot etliche Hühnchen zum -Verkaufe an; aber auch jetzt wurde er abgewiesen. Er kam zum dritten -Male und verlangte nur eine Birne vom Baume im Garten; doch erlangte er -nichts. Endlich kam er und bekannte, daß seine Frau brennende höllische -Schmerzen habe und bat, so sie etwas gebraucht, es weg zu thun. Damit -wurde es offenbar und mußte der Mann mit Weib und Kind davonlaufen. - - H. Heine erzählt in seinen Sagen, Märchen und Bildern aus dem Harze - (No. 79), daß einst eine Hexe, welche Milch verzaubert hatte, - jämmerlich verbrüht und zerstochen wurde, als der Wirt, gegen den die - Zauberei gerichtet war, die Milch kochte und dann mit einer Gabel in - der kochenden Milch herum fuhr. - - -265. Die Hexen am Walpurgisabende. - -(Spieß, Aberglaube etc. im Erzgeb., Progr., S. 13; z. T. mündlich.) - -Am Walpurgisabende, dem Abende vor dem 1. Mai, zünden überall im -Erzgebirge Knaben auf hochgelegenen Punkten Besen an und springen damit -herum; es wird geschossen, geschrieen, mit Peitschen geknallt und -mit Bretern zusammengeschlagen, um ein rechtes Getöse hervorzurufen. -Dies geschieht, um den Hexentanz darzustellen, oder, wie allgemeiner -behauptet wird, um die zum Blocksberg ziehenden Hexen zu vertreiben. Am -Walpurgisabende ziehen auch die Hexen ein, und man muß daher Besen oder -landwirtschaftliche Geräte vor die Stallthüre legen, um sie abzuhalten. -In Neustädtel erzählt man: Als Karl der Große die alten Sachsen vom -Brocken oder Blocksberg jagen wollte, kamen die Hexen und allerhand -Gespenster mit glühenden Besen und auf Ziegenböcken geritten, um ihn zu -vertreiben. - - Walpurgis, welche in der Mitte des 8. Jahrhunderts lebte und eine - Tochter des Königs Richard von England war, wurde später heilig - gesprochen und als Beschützerin gegen den Bosheitszauber verehrt. - Die angezündeten Feuer sind die Opferflammen für die Frühlingsgöttin - Ostara; das Umherspringen ist ein Rest der alten religiösen Tänze; - die Hexen, welche in der Walpurgisnacht eine so große Rolle spielen, - sind die weisen Frauen, welche Kräuter kochten und, mit dem - Priesteramt bekleidet, als »Alrunen« in dem germanischen Götterkultus - auftreten. Sie versammeln sich in der ersten Mainacht auf dem Hörsel- - und Inselberge in Thüringen, auf dem Stoffelsteine bei Bamberg und - an vielen anderen Orten, besonders aber auf dem Blocksberge im Harz. - In Schweden war ihr Sammelplatz die kleine Felseninsel Blakulla, - zwischen Oeland und Smaland gelegen; dorthin reisten sie aber am - grünen Donnerstage. Die Böcke, mit denen nach unserer Sage die Hexen - nach dem Blocksberge ziehen, sind die Opfertiere. - - Vor dem Eintreten der Hexen schützen drei Kreuze an der Stallthüre - oder die Buchstaben ~C. M. B.~ (Kaspar, Melchior, Balthasar, nach - der Legende die Namen der heiligen drei Könige); oder man legt einen - alten Besen oder ein Stück frischen Rasen vor die Thürschwellen. - - Es mag schließlich noch darauf hingewiesen werden, daß der Glaube an - Hexen in den indischen ~Çâkinî~, ~Dâkinî~ und ~Yeginî~, welche kraft - mythischer Zaubersprüche des Nachts durch die Lüfte reiten und ihre - Tänze abhalten, eine Parallele findet. Es ist demnach die Vorstellung - von weiblichen Unholden bereits der indogermanischen Urzeit eigen, - und so mag vielleicht unserm Worte »Hexe« die Wurzel, ~çak~, mächtig - sein, zu Grunde liegen. (Fr. Hirsch, Gesch. der Deutsch. Litteratur, - I., S. 6.) - - -266. Der wunderliche Katzentanz. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 507.) - -Am 1. Mai des Jahres 1726 ist ein gewisser zuverlässiger Mann im -Erzgebirge von einem Orte zum andern gereist und am Abend bei düsterer -Witterung bei einem Walde vorbeipassiert, da denn er sowie sein -Begleiter, den er bei sich hatte, ein dem Anschein nach in einem -Hause scheinendes Licht bemerkt, welchem beide in der Hoffnung, eine -Herberge zu finden, zugelaufen. Nachdem sie aber näher und näher -gekommen, hören sie eine zum Tanz gehende Musik, und der eine von -ihnen geht aus Neugierde ans Fenster und wird durch selbiges gewahr, -daß eine große Anzahl Katzen darin zu finden, davon etliche musicieren -und die andern darnach tanzen. Sein Begleiter beschließt nun, in das -Haus hineinzugehen, wird aber von dem andern davon abgehalten, und -jetzt nimmt einer von ihnen wahr, daß seine große Hauskatze ebenfalls -dabei anzutreffen. Aus Entsetzen gehen beide fort und kommen in -spätester Nacht nach Hause. Als nun des andern Tags zu Mittag sich -die große Hauskatze bei der Mahlzeit in der Stube einfindet, spricht -ihr Hausherr, sie anschauend: »Nun, Du machtest Dich gestern Abend -auch sehr lustig!« Da springt ihm alsbald der alte Kater auf den Hals -und kratzt ihn in den Kopf und das Gesicht, hätte ihn auch sicherlich -getötet, wofern nicht das Hausgesinde herzugelaufen und mit Schlägen -und Schreien diesen verteufelten Feind abgetrieben. - - Diese Sage hat viel Ähnlichkeit mit der vom sogenannten Katzenberge - zwischen Leipzig und Merseburg. Um die Mitte des 16. Jahrh. ist - nämlich ein Bischof von Merseburg, namens Michael, ein großer - Katzenfreund gewesen und hat eine große schwarze Katze besessen. - Dieser Bischof ist einst nach Leipzig gereist und hat auf dem oben - genannten Hügel, der nachher davon seinen Namen bekam, eine ganze - Katzengesellschaft angetroffen. Er rief derselben im Scherze zu: - »Ihr Katzen, seid ihr alle beisammen?« Da hat eine geantwortet: »Es - mangelt keine, ausgenommen Bischof Michael seine Katze.« Bei seiner - Rückkehr erzählte er seiner Katze die wunderliche Begebenheit und - fragte zugleich, warum sie den andern Katzen nicht Gesellschaft - geleistet? Alsbald fuhr die Katze zum Fenster hinaus und ist nicht - mehr gesehen worden. - - Katzen sind Hexentiere, sie bilden entweder das Gespann der Hexen, - oder diese nehmen die Gestalt jener Tiere an. - - Auf der Brüßlerstraße zu Dendermonde liegt ein Haus, worin sich - ehedem eine Brauerei befand. Hier diente Hans Zimmermann als Knecht. - Da er sein Handwerk sehr gut verstand, so konnte er nicht begreifen, - warum das erste, zweite und dritte Gebräu mißlang. Nun hatte er aber - bemerkt, daß jedesmal, wenn er am Brauen war, eine Katze rund um den - Kessel lief. Als er sein viertes Gebräu begann, und die Katze wieder - miauend um den Kessel strich, redete er sie in der Überzeugung an, - daß sie eine Hexe sei; er bekam zwar nur ein Miau zur Antwort, worauf - sie weglief, aber bald mit einem Dutzend Katzen wieder zurückkam; die - faßten sich Pfote an Pfote und begannen einen Tanz um den Kessel, - wobei sie unaufhörlich sangen: »Hansken Temmermann vroeg aen my: - Katze, van wear kom drgy?« (Hänschen Zimmermann mich frug: Kätzchen, - woher kommst denn Du?) Da wurde Hans böse, füllte einen Eimer mit - dem kochenden Bier und goß das über die Katzen hin. »Miau! Miau!« - schrien alle und verschwanden, das Gebräu aber glückte. Am andern - Morgen jedoch sah man im Rochusgäßchen sechs Frauen mit verbrannten - Gesichtern tot auf der Straße liegen. Da blieb kein Zweifel mehr, wer - die Katzen gewesen waren. (Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, - S. 556.) Eine ähnliche Sage erzählt Leibing (Sagen und Märchen des - bergischen Landes, No. 64). Nach ihm verwundete ein Brauknecht zwei - Katzen, die eine am Ohr und die andere büßte eine Pfote ein; am - andern Tage hatte die Frau des Braumeisters ein zerschmettertes Ohr - und eine andere Frau in der Nachbarschaft hatte ein Stück eines Fußes - eingebüßt. Auch Jacob Grimm weist in seiner Deutschen Mythologie (S. - 623) darauf hin, daß viel von verwundeten Katzen erzählt wird, die - man hernach an verbundenen Weibern wieder erkannte. - - Ebenso fehlen auch die gleichen Überlieferungen der slavischen Sage - nicht. Zu einem Bauer in Saspow in der Nieder-Lausitz kam oft eine - graue Katze in den Stall und das Vieh wurde krank. Als diese Katze - mit einer Düngergabel in den Hals gestochen wurde, sprang sie weg. - Am andern Tage hatte eine Frau im Dorfe mehrere Löcher im Halse; - diese war die Hexe. -- Ähnliches geschah in der Mühle bei Leipa im - Spreewalde, wo viele Katzen des Nachts einen fürchterlichen Spuk - trieben, bis endlich der zu Hülfe herbeigezogene Scharfrichter mit - dem Messer eine Katze in die Pfote schnitt. Am andern Tage hatte die - Frau des Amtmanns im nächsten Dorfe eine kranke Hand und es hieß, sie - habe sich geschnitten. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 281 und 292.) - - -267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern. - -(Moller, ~Theatrum Freiberg. Chron.~ II., S. 254. Wilisch, -Kirchen-Hist. v. Freyberg etc. II., S. 378.) - -Im Jahre 1552 hat in den Dörfern um Freiberg die Pest grassiert, -sonderlich starb viel Volk zu Hermsdorf, Claußnitz und Dittersbach. Das -Volk glaubte dabei, daß die toten Körper in den Gräbern anfingen zu -essen und einer den andern nachholete. Etliche, die auf den Gräbern -gestanden, erzählten, daß sie gehört, wie die Toten unter der Erde -schmatzten. Deswegen hat man den Verstorbenen die Köpfe mit einem -Grabscheite abgestoßen oder sie ganz verbrannt und dabei gemeint, so -das Unheil und Sterben abzuwenden. Es hat aber nichts geholfen, denn -die Pest hat als Strafe Gottes noch heftiger überhand genommen, so daß -einzelne Dörfer fast ausstarben. - - Das Schmatzen der Toten in den Gräbern ist nur eine besondere - Form des besonders im Aberglauben slawischer Völker herrschenden - Vampyrismus. Der Vampyr wird meist als die Seele eines Verstorbenen - gedacht, welcher im Grabe keine Ruhe findet, letzteres verläßt und - sich auf schlafende Menschen, besonders Blutsverwandte legt und ihnen - auf körperlich kaum wahrnehmbare Weise das Blut aussaugt. Nach der - Lausitzer Sage wird ein solcher Vampyr gebannt, wenn ein Priester - den Leichnam ausgraben läßt, ihm den Kopf abschneidet, das Herz mit - einem Pfahl durchsticht, selbiges sodann verbrennt und die Asche auf - das Grab streut. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 69.) Der Pfahl mußte - bei den Slaven von Eichenholz oder vom Weißdorn sein. (Grohmann, - Aberglauben und Gebräuche in Böhmen, S. 191.) - - Nach Görres ist der Vampyrismus, welcher sich bereits bei den alten - Griechen vorfand, nur eine besondere Form des Alpdrückens. (Nork, - Sitten und Gebräuche etc., S. 686.) Er beruht auf dem Glauben, daß - der Verstorbene des Blutes entbehrt und darum sein Grab verläßt, um - einem noch Lebenden Blut auszusaugen. (Rochholz, Deutscher Glaube und - Brauch I., S. 55.) - - -268. Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne. - -(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 221. Br. Grimm, Deutsche -Sagen I., No. 231.) - -Als ein Bürger zu Freiberg, namens Lorenz Richter und seines Handwerks -ein Leinweber, welcher auf der Weingasse gewohnet, seinem Sohne von 14 -Jahren etwas zu thun befohlen und derselbe nicht gehorcht, sondern in -der Stube an derselben Stelle stehen geblieben, hat ihn der zornige -Vater verwünscht und gesagt: »Ei stehe, daß Du nimmermehr könntest -fortgehen!« Auf diese Verwünschung des Vaters ist der Knabe stehen -geblieben, und er hat drei ganze Jahre an derselben Stelle gestanden, -so daß er tiefe Gruben in die Dielen getreten, und man ihm des Nachts, -wenn er schlafen wollte, ein Pult untersetzte, damit er den Kopf und -die Arme darauf legen konnte, um ein wenig zu ruhen. Weil er aber nahe -an der Stubenthüre beim Ofen den eintretenden Leuten im Anlaufe war, -haben ihn die Geistlichen der Stadt durch ihr Gebet von diesem Orte -aufgehoben und gegenüber in den andern Winkel der Stube glücklich und -ohne Schaden gebracht. An diesem Orte hat er ferner bis ins vierte -Jahr gestanden und die Dielen noch tiefer durchgetreten, als zuvor. -Damit ihn die Aus- und Eingehenden nicht so sehen könnten, hat man -ihn auf seine Bitten durch einen Umhang verdeckt; er hat wegen steter -Traurigkeit nicht viel gesprochen. Endlich hat Gott die Strafe etwas -gemildert, indem er das letzte halbe Jahr sitzen, sich auch ins -Bette, das man neben ihn gestellt, legen konnte. Er hat ganz elende -ausgesehen, ist blaß von Angesicht, hagern Leibes und auch sehr mäßig -im Essen und Trinken gewesen. Nach sieben Jahren wurde er den 11. -September 1552 durch den Tod erlöst. Die Fußtapfen sahe man noch lange -an den betreffenden Plätzen, und als sie der Vater nach dem Tode seines -Sohnes aussetzen lassen wollte, weil er sich derselben wegen seines -Fluches schämte, hat ihm der Rat solches verboten. - - -269. Speisen werden festgemacht. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 869 und 870.) - -Ein Bergmann in Seifen hatte ein Doctor Faustsches Kunststück, indem er -zur Lust in Gesellschaft über dem Essen alle Speisen stahlfest machte, -daß kein Mensch, ehe er wollte, einen Bissen abschneiden konnte. -Desgleichen war zu Elterlein ein Schlosser, Zacharias Vogel, der eine -gute Zeit im Kriege gedient hatte; dieser konnte nicht nur sich selbst, -sondern auch andere Menschen und alles Vieh, wie auch Käse, Butter, -Brot und andere Speisen fest machen. - - -270. Festgemachte werden überwunden. - -(Lehmann, a. a. O., S. 873 und 874.) - -Im Jahre 1632, den 3. Januar, wurde Jochim Escher erschossen, auf -welchen sein Feind erstlich eine bleierne Kugel losbrannte; weil diese -aber nicht einging, riß er eilend einen Dukaten aus der Tasche, biß ihn -zusammen, brauchte ihn anstatt der Kugel und schoß den Escher Knall und -Fall vom Pferde. - -Im Jahre 1677 schlugen sich zwei freche Kerle auf Böhmisch-Wiesenthal. -Der eine war stahlfeste und konnte gar nicht verwundet werden. Da sein -Gegenpart dieses merkte, sagte er: »Halt, ich will dir besser kommen!« -Zieht hiermit den Degen unter dem Schuh durch die frische Erde und -verwundet ihn dann dreimal nacheinander. Andere haben Magnet in die -Kugeln gegossen, oder den Degen durch ein Brot gezogen, oder mit Kugeln -von Wißmut geschossen, oder die Degenspitze nur in die Erde gestochen -und damit die Festgemachten überwältigt. - - -271. Festgemachte werden von ihrem Wesen und ihrer geheimnisvollen -Kraft befreit. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 873 u. 874.) - -Im Jahre 1652 lebte zu Satzung ein ehemaliger Soldat, +Michael Vogel+, -welcher der Festigkeit wegen ein Amulet am Halse trug und nun beim -Trunk immer Zank und Schlägerei anfing. Als er aus dem Kriege nach -Hause kam, warf er das Amulet weg, aber es kam aus Feuer und Wasser -wieder. Endlich wurde sein Beichtvater auf das Amulet aufmerksam -und nahm es an sich. Michael Vogel sagte, er müsse es mit gewissen -Ceremonien abnehmen, doch der Priester versicherte, der Teufel habe -über ihn keine Gewalt, er wolle es schon wegschaffen. Damit ging er -zu einem Schmied und warf es ins Feuer. Da fuhr's zur Esse hinaus mit -Ungestüm und platzte wie ein Doppelhaken. Darauf wurde der Kerl ganz -anders, friedlich und sittsam. - -Ähnliches begab sich 1639 in Grünhain. Ein junger Fleischer hatte -sich bei den damals auf Scharfenstein liegenden Schweden fest machen -lassen; davon wurde er so blutdürstig und unbändig, daß er beim Trunk -keines Menschen Freund war. Als er sich aber verheiratete und in die -Zunft aufnehmen ließ, trachtete die Freundschaft darauf, wie er die -Festigkeit los werden möchte. Man brauchte allerlei Mittel, aber -vergebens, bis endlich einer die Teufelei aus dem Leibe purgierte und -eine Hummel von ihm kam. - - Sowohl die römische als auch germanische Götterlehre erzählt uns von - Göttern, welche unverwundbar waren. Cygnus, der Sohn Neptuns, konnte - von keinem Pfeil verwundet werden und ebenso wurde Baldr durch die - Gunst seiner Mutter Frigg gegen alle Waffen geschützt. Nur das Holz - des Strauches Mistiltein (~Loranthus europacus~) tötete ihn, da Frigg - von demselben keinen Eid gefordert hatte. Wie Götter wurden auch - Helden unverwundbar. Siegfried badete sich im Drachenblute, das seine - Haut fest gegen Waffen machte; nur wo das Lindenblatt zwischen seinen - Schultern gelegen, war er verwundbar. Im Mittelalter hielt man die - sogenannte Waffensalbe, die Gemskugel, die Wurzel ~Doronicum~, das - Nothemde u. s. w. für Mittel, um sich waffenfest zu machen. (Nork, - Sitten und Gebräuche d. D. S. 707). Auch die Lausitzer Sage erzählt - von Hieb- und Stichfesten. Das Garn zu einem Nothemde, welches auch - hier als Zaubermittel dient, muß von einem Mädchen unter 7 Jahren - gesponnen, die Nähte müssen mit Kreuzstichen gemacht und schließlich - müssen noch drei Messen darüber gelesen werden. (Haupt a. a. O. I. N. - 240.) - - -272. Der Räuber Hartenkopf bei Zelle ist kugelfest. - -(Gräße, Sagenbuch d. K. S., No. 362.) - -Im Zellwalde bei Kloster Zelle und zwar besonders in dem alten -Gemäuer, welches gemeine Leute für den Stadel eines alten -Nonnenklosters ansehen, hatte sich ein Fleischer, namens Hartenkopf aus -Siebenlehn, festgesetzt und beschlossen, hinfüro von Raub und Mord zu -leben, weswegen die Leute den Fußweg, der von Siebenlehn nach Roßwein -führt, nicht mehr sicher wandeln konnten, noch wollten. Weil sich nun -dieser Schnapphahn nicht nur am Leibe festgemacht, sondern auch mit -Geschütz und Gewehr versehen, also daß allen denen, so ihm zu nahe -kommen würden, der Tod drohte, konnten die aufgebotenen Landgerichte -und Amtsunterthanen, weil jeder für seine Haut fürchtete, wenig -schaffen, bis endlich eine von Roßwein aus kommandierte kurfürstlich -sächsische Korporalschaft vom Leibregiment zu Roß dieses Raubnest -ersprengte, und weil die bleiernen Kugeln an dem Räuber nirgends haften -wollten, haben sie endlich noch mit einem eingeladenen silbernen Knopfe -den Zauber gelöst und den Leib zugleich mit gefällt. - - Die durch Hülfe des Teufels erworbene Kugelfestigkeit besteht - nicht gegen einen geerbten silbernen Knopf. Von einem solchen - wurde der Stadtkommandant Bruse von Greifswalde, auf welchen mehr - als zwanzig schwedische Kugeln erfolglos abgeschossen worden - waren, getötet. (Temme, Pommer'sche Sagen, No. 244.) Ebenso - erzählt eine Sage, wie der Reitknecht König Augusts des Starken - den seinen Herrn verfolgenden Husaren durch einen silbernen Knopf - niederschoß. (Johannes-Album, Chemnitz 1857. 2. T. S. 181.) An die - Stelle des silbernen Knopfes treten auch silberne Kugeln. Nach - einem rumänischen Volksliede konnten den Freischarenführer Pintye - nur drei silberne Kugeln, drei Maß Frühjahrsroggen und drei Nägel - von einem Frühlingsfohlen verwunden. (Jahrbuch des Ungarischen - Karpathen-Vereins XII., S. 87.) - - -273. Der Holzmüller von Neudorf. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 317.) - -In der sogenannten Holzmühle zu Neudorf bei Sebastiansberg lebte einst -ein Müller, der war so reich, daß er den Fußboden seiner Stube mit -lauter harten Thalern gepflastert und darüber erst die Dielen gelegt -hatte. Er verstand aber auch die schwarze Kunst. Als er einmal ganz -allein in der Mühle war, drangen plötzlich zwölf Räuber in die Stube -und forderten sein Geld. Der Müller hieß sie niedersetzen und that, -als ob er das Geld holte. Bald aber merkten die Räuber, daß sie nicht -aufstehen konnten. Nun baten sie den Müller, er möge sie loslassen; -der erbarmte sich, schnitt aber jedem mit seinem Messer ein Zeichen -ins geschwärzte Gesicht und entließ sie. Als er nun am nächsten -Sonntage seine Verwandten besuchte, fand er in ihren Gesichtern -das eingeschnittene Zeichen. Oft schon hatte man versucht ihn zu -erschießen, er war aber kugelfest. Endlich hat ihn ein Jäger auf dem -Wege nach Krümau mit einer gläsernen Kugel erschossen; auf der Stelle, -wo dies geschehen, steht heute noch ein Kreuz. - - -274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II., S. 19.) - -Im Jahre 1260 hat sich zu Freiberg ein Schüler (einige halten dafür, -daß es ein Priester gewesen sei) in eine Jungfrau heftig verliebt, und -um dieselbe zu gewinnen, hat er Rat und Hülfe bei einem Schwarzkünstler -gesucht. Derselbe führte ihn in der Sachsenstadt in ein abgesondertes -Gemach, stellte ihn in einen Kreis und begann seine gewöhnlichen -Beschwörungen. Der Teufel ließ sich nicht lange bitten und erschien -plötzlich in der Gestalt der begehrten Jungfrau. Da stand der Jüngling -heftig auf und bot ihr aus dem Kreise die Hand. Doch zu seinem höchsten -Unglück und Verderben riß ihn der Teufel zu sich und warf ihn gegen die -Wand, so daß er auf der Stelle tot blieb. Aber auch der Schwarzkünstler -erhielt seine Strafe. Der Teufel nahm den zerschmetterten Körper des -Schülers und warf damit mit solcher Gewalt nach ihm, daß er daran -»versterret die ganze Nacht winselnd gelegen und auch früh noch also -gefunden wurde.« Er wurde darnach zu gebührender Strafe gezogen. - - -275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben. - -(Moller, a. a. O. II., S. 201. Wilisch, Kirchen-Historie von Freyberg -etc. II., S. 327. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Prosaischer -Anhang, No. 5.) - -Am Montage nach Palmarum 1536 hat ein Pfaffe aus Mulda in einem -Weinhause zu Frauenstein allerlei Üppigkeit getrieben, ist auch des -Nachts daselbst ganz voll und toll liegen geblieben, morgens aber mit -umgedrehtem Halse tot gefunden worden. Man hat ihn für einen Zauberer -gehalten, von dem gemeldet wird, daß er in Wirtshäusern böhmische und -andere Groschen nach Belieben aus den Wänden herausgegraben und sonst -allerlei Gaukelspiel zur Verwunderung gemeiner Leute getrieben habe. -Er ließ z. B. auch den Wein zu Feuer werden und wußte es im Spiele zu -machen, daß er allein alles gewann. - - -276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 314. Wenisch, Sagen aus dem -Joachimsthaler Bezirke, S. 102.) - -Ein Hirte, der bei Permesgrün die Herde weidete, fand einmal unter -einem Steine, der am Fuße einer uralten Eiche lag, ein altes Buch, auf -welchem die Worte standen: Wende den Inhalt wohl an, und Du wirst der -Menschheit nützen. Das that der Hirte, und bald war er in der ganzen -Gegend als Wunderdoktor bekannt und gesucht. Da erkrankte der Sohn -des Herzogs so schwer, daß der Vater in der Verzweiflung dem Retter -seine Tochter zur Frau versprach. Der Wunderdoktor ging an den Hof -des Herzogs und versprach die Heilung. Der Herzog wiederholte sein -Versprechen, drohte aber ihn umzubringen, wenn der Versuch mißlänge. - -Der Wunderdoktor machte sich an die Kur, und bald war der Prinz -gerettet. Als aber der Wunderdoktor seinen Lohn verlangte, verweigerte -ihm der Herzog die Tochter. Darüber ärgerte sich der Doktor, daß er -sichtbar hinsiechte. Da las er in seinem Buche und befahl hierauf -seinem Diener, ihn zu zerstückeln, die Stücke in eine Kiste zu legen -und diese unter jener alten Eiche zu begraben; nach einem Jahre sollte -er die Kiste wieder öffnen, aber nicht früher. Dann werde er wieder -frisch und gesund auferstehen. - -Der Diener that, wie ihm sein Herr geheißen hatte, aber er konnte die -Zeit nicht erwarten und öffnete schon nach dreiviertel Jahren die -Kiste, um nachzusehen, wie es mit seinem Herrn stünde. Da war die -Wunderkraft vernichtet, und der Herr blieb tot. - - Wir haben am Schlusse dieser Sage eine Variante des alten Glaubens, - daß der alternde Mensch oder der Verstorbene durch Zauberkünste - wieder nach einem gewissen Zeitraume verjüngt aufersteht, wenn man - seinen Körper in Stücke zerhaut. Der junge Graf ~de Villano~ hatte zu - Salamanca in der Schule des Teufels auch gelernt, wie man alte Leute - wieder verjüngt. Nachdem er selbst zu Jahren gekommen, wollte er zu - seinem eigenen Vorteile von diesem Geheimmittel Gebrauch machen. Er - ließ sich, als es mit ihm zu Ende ging, von einigen gekauften Mohren - schnell in Stücke zerhauen, die Stücke in eine Glasflasche füllen und - diese in den Pferdemist setzen. Auf der Folter jedoch gestanden die - Mohren, leider zu früh, was sie gethan hatten, und als man nachgrub, - fand man das Glas und darin ein bereits ganz wohlgestaltetes Kind. - (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I., S. 121.) Nach Mannhardts - Mythen (S. 66.) wurden der polnische Räuber Twardowsky und der - ungarische Eisenlaci zerhauen und mit gekochten Heilkräutern - begossen; nach sieben Monaten gewannen ihre Leichname wieder Kinder- - oder Jünglingsgestalt. Auch der Arzt und Wunderdoktor Theophrast - befahl vor seinem nahen Tode dem Diener, daß er seine Leiche in - kleine Stücke zerschnitten in eine eherne Truhe lege und mit einem - gewissen Pulver bestreuen solle. Nach 9 Monaten solle er die Truhe - wieder öffnen. Der Diener öffnete sie aber bereits nach 7 Monaten - und fand ein noch nicht völlig entwickeltes Kind, das sich krümmte - und vom Zutritte der kalten Luft starb. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. - 672.) - - -277. ~Dr.~ Faust's Höllenzwang. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 128.) - -~Dr.~ Faust's Höllenzwang nennt die Sage ein Buch, in welchem die Kunst -gelehrt wird, Geister zu citieren, ja selbst den Teufel sich dienstbar -zu machen. Dieses Buch haben schon viele Freunde der schwarzen Kunst -vergeblich gesucht, indem sie den Dornstrauch nicht wissen, unter dem -es hinter dem Chemnitzer Schlosse, am Wege nach dem Küchwald, vergraben -sein soll. - - -278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen. - -(Köhler, Volksbrauch etc., S. 552, Mitteilungen des Nordböhm. -Excursions-Clubs, 7. Jahrg., S. 132.) - -In dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Lauterholz bei Lauterhof -und Stangengrün soll man keine Sperlinge finden. Man hat sie schon in -Nestern dorthin verpflanzen wollen, aber sie sind nicht geblieben. -Dasselbe erzählt man von Karlsfeld, wohin man Sperlinge aus Eibenstock -brachte, ohne daß sie geblieben sind. Es wird erzählt, daß diese Vögel -von Zigeunern weggebracht worden seien. - -Als in früheren Zeiten zur Thomasmühle bei Falkenau noch ausgedehnte -Felder gehörten, wurden dieselben sehr von Sperlingen besucht, welche -an den Saaten bedeutenden Schaden anrichteten. Da kam eines Tages -eine alte Zigeunerin, welche den Müller um ein Almosen anflehte. Der -Müller bot ihr eine gute Belohnung an, wenn sie die lästigen Gäste -vertreiben könnte. Da sprach sie über die Sperlinge einen Spruch und -von jener Zeit an waren auf den Feldern der Thomasmühle und auch -in dem benachbarten Hillemühl keine Sperlinge mehr zu sehen. Erst, -nachdem 1867 die Bahn gebaut wurde, haben sich etliche in Hillemühl -angesiedelt. Die Thomasmühle aber fliehen sie noch heute. - -In Fürstenwalde bat ein Soldat in einem Hause um etwas zu essen. Der -geizige Hauswirt aber erwiderte: »Da geben wir's lieber den Spatzen, -als euch.« Der erzürnte Soldat antwortete: »Ihr werdet den Spatzen -nicht mehr viel geben.« Er hat darauf die Sperlinge verwünscht und seit -dieser Zeit sind sie in Fürstenwalde nicht mehr zu finden. - - Daß die Sperlinge von Zigeunern, welche von den Bewohnern freundlich - aufgenommen wurden, verbannt worden sind, erzählt die Sage auch von - dem Dorfe Sora bei Bautzen. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 246.) In - Böhmen giebt es noch verschiedene Orte, an denen sich keine Sperlinge - aufhalten, weil sie daselbst verbannt wurden. Nach einem dortigen - Volksglauben kann man sie von den Feldern verscheuchen, wenn man - einen Span von dem Holze, woraus ein Tischler einen Sarg angefertigt - hat, in's Getreide steckt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche in - Böhmen und Mähren, S. 73.) Aus dem Erzgebirge ist mir noch Neudörfel - bei Schneeberg bekannt, von dem ebenfalls erzählt wird, daß daselbst - keine Sperlinge nisten; die Sage meldet jedoch nichts davon, daß hier - die Sperlinge durch Zigeuner weggebannt worden seien. Alle Orte ohne - Sperlinge liegen oder lagen fast ganz von Wald umschlossen, so daß - in ihrer Nähe Raubvögel einen sichern Schutz finden; ebenso tritt in - der Nähe kleiner Walddörfer der Ackerbau zurück und es fehlen demnach - daselbst Körnerfrüchte und Insekten, denen unsere Vögel nachgehen; - ist es doch nachgewiesen, daß die Sperlinge überall dem Ackerbau - gefolgt sind. - - Von Interesse erscheint es, aus den mitgeteilten Sagen zu erfahren, - daß das Volk das Fehlen der Sperlinge für eine Wohlthat ansieht; nur - in der letzten Sage wird dasselbe als eine Strafe dargestellt. Sollte - damit auch zugleich ausgesprochen werden, daß in Fürstenwalde der - Ackerbau zurückgegangen sei? - - -279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen. - -(Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 619.) - -Südwestlich von Zwickau liegt das Dorf Planitz, welches der Familie von -Arnim gehört. Ein früherer Herr von Arnim konnte das Feuer segnen. Wenn -irgendwo viele Meilen in der Runde eine Feuersbrunst war, holte man -ihn oder er eilte selbst hin, ritt um das brennende Haus herum, sprach -seinen Segen und augenblicklich verlöschte die Brunst. - - -280. Wie das Feuer gebannt wird. - -(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.) - -Vor hundert Jahren lebte in der Umgegend von Nossen ein -Rittergutsbesitzer, der konnte das Feuer bannen. War irgendwo ein -Brand ausgebrochen, so kam er eilends angeritten, jagte dreimal unter -geheimnisvollem Murmeln um das Feuer herum, dann schnell wieder fort -und über ein fließendes Wasser, worauf das Feuer erlosch. Wäre er nicht -über ein Wasser geritten, so würde das Feuer ihn verbrannt haben. - -Zur Zeit, als die Leute ihr Brot noch selbst einteigten, pflegte man -in der Nossener Gegend bei ausgebrochenem Feuer den Backtrog vor's -Haus zu tragen und nach dem Feuer gerichtet an das Haus anzulehnen. -Dann wendete sich der Wind vom Hause ab. Auch schaffte man beim Retten -niemals zuerst die Betten aus dem Hause, sondern irgend etwas anderes, -da sonst die Kräfte gelähmt wurden. - - - - -VI. - -Sagen von Schätzen. - - -Ein Volksglaube, welchen Veckenstedt in den »Wendischen Sagen, Märchen -und abergläubischen Gebräuchen« (Graz, 1880) an die Spitze seiner -Schatzsagen stellt, erzählt uns, daß da, wo des Nachts um 12 Uhr -kleine Flämmchen auf der Erde herumflackern, Geld brenne; man müsse -dann ein Geldstück oder ein Messer hineinwerfen, um den Schatz zu -erlangen; derselbe werde jedoch von wilden Hunden oder anderen Tieren -bewacht. In dieser kurzen Sage ist der wesentlichste Inhalt aller Sagen -niedergelegt, welche uns erzählen, wo sich jene mythischen Schätze -finden, die Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage etc., S. 48) als -niedergegangene Sterne des Himmels oder als Morgen- und Abendröte -deutet, und die wieder von anderen, z. B. von Nork in seinen »Sitten -und Gebräuchen der Deutschen« zu den Münzen in Beziehung gebracht -werden, welche von den heidnischen Germanen und Slaven ihren Toten -mit ins Grab gegeben wurden. Es wird uns aber auch in jener kurzen -lausitzischen Sage mitgeteilt, wie diese Schätze zu heben sind und -welche Mächte dieselben gegen das Eindringen der Sterblichen bewachen. -Derselbe Sagenstoff wiederholt sich in mannigfachen Abänderungen an -zahlreichen Örtlichkeiten. Auch im Erzgebirge zeigen blaue Flämmchen -oder Lichter Schätze an, bei deren Heben kein Wort gesprochen werden -darf. Nach Jacob Grimm (Deutsche Myth., S. 544) wird auch ein auf -bloßem Leibe getragenes Kleidungsstück (nach einer unserer Sagen kann -dies z. B. ein Halstuch sein) auf den Schatz geworfen, um alle Gefahr -von sich abzuwehren. - -Zahlreich sind ferner im Erzgebirge wie anderwärts die Sagen, nach -denen unermeßliche Schätze in weiten Gewölben in Braupfannen oder -Laden liegen. Die Pforten zu diesen Höhlen öffnen sich nur an -bestimmten Tagen zu gewissen Stunden, und wenn die Glücklichen in -die Schatzkammern eintreten, so finden sie die Schätze entweder von -Hunden oder grauen Männchen, Kobolden oder Schattenmännchen bewacht. -Bei den Schätzen ist gewöhnlich eine weiße Jungfrau, teilweise mit -einem Schlüsselbunde. Nicht selten sind es auch Wunderblumen, welche -die Pforten zu den Geldgewölben öffnen, und die von denen, welchen -es beschieden war einzutreten, vergessen werden. (S. Wundersagen.) -Frauen, welche mit einem Kinde eintreten, lassen in der Hast, womit -sie die Schätze zusammenraffen, ihr Kind zurück; sie finden dasselbe -im nächsten Jahre an gleichem Tage wohlbehalten mit einem Apfel in den -Händen in der Schatzkammer wieder. - -In diesen Überlieferungen erkennen wir den Mythus, in welchem der -Kreislauf des Jahres erscheint. Das Kind mit dem Apfel in der Hand -bedeutet die Fruchtbarkeit des Jahres; die Erdgöttin (Freija) hat -das Kind zu sich genommen und läßt es erst nach Ablauf eines Jahres -wiederfinden. (S. Ludwig Zapf in der Leipziger Illustr. Zeitung, No. -1890.) - -Unsere Sagen erzählen uns auch, wie sich die Schätze als Halme an -den Bäumen sommern und dann wieder, wenn sie fortgetragen wurden, -in goldene Ketten verwandelten; sie melden uns von Ziegelsteinen, -Leinwandfleckchen, Kohlen, Hobel- und Sägespänen, Baumrinde und -Kartoffeln, die zu Gold wurden. - -Wenn auch manche Überlieferungen, wie der Gebrauch der dem Donar -geweihten Hasel als Wünschelrute und die rote, blaue und zuweilen gelbe -oder weiße Farbe der Wunderblumen, welche dem Blitze als gleichfarbig -erscheinen, in Beziehung zur Gewittergottheit gebracht werden können, -deren Blitz dem Golde gleich aus der finstern Wolke, dem himmlischen -Berge, hervorleuchtet, so meine ich doch, daß auch viele Schatzsagen -auf den heidnischen Gebrauch, den Toten Geld mit ins Grab zu geben, -zurückzuführen und daß zahlreiche Plätze, besonders Berge und Orte, an -denen einst Schlösser und Burgen standen, und an denen die Sage des -Volkes Schätze verheißt, zugleich ehemalige Begräbnisplätze sind. In -heidnischen Begräbnisfeldern wurden neben Münzen und Schmucksachen auch -Kohlen vom Leichenbrand gefunden, und so mochte sich der Glaube bilden, -daß überall da, wo in der Erde an den von Geschlecht zu Geschlecht in -nebelhafter Erinnerung als ehemals geheiligt gehaltenen Orten Kohlen -angetroffen wurden, auch Schätze vergraben lägen; ja die Kohlen selbst -wurden später als durch Zauber umgewandelte Schätze betrachtet. (Nork -a. a. O., S. 709.) - -Die Toten aber finden nach einem Volksglauben im Grabe keine Ruhe, -so lange sie das mitgenommene Geld nicht wieder an einen Sterblichen -abgegeben haben. Ich verweise dabei auf die Sage vom Jünglinge zu -Weißbach, welcher im Grab0e keine Ruhe fand, bis man den mitgenommenen -Pfennig wiedergeholt hatte. Was hier der Volksmund vom geringen Pfennig -erzählt, das wiederholt er in ähnlichen Überlieferungen vom Gold und -reichen Geschmeide. Überall kehrt in den Schatzsagen die Erscheinung -von Wesen wieder, welche keine Ruhe finden, bis das Gold und Silber -gehoben ist; außerdem aber zeigen sie dem Sterblichen meist auch die -Mittel, deren sich derselbe bedienen muß, um in das Innere der Erde zu -gelangen, wo die unermeßlichen Reichtümer liegen und gleichzeitig der -Hüter seiner endlichen Erlösung aus dem Zauberbanne harrt. - - -281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal. - -(Mündlich.) - -An der Plänerleite zwischen Blauenthal und Zimmersacher liegt -ein zerklüfteter Granitfelsen, welchen man wegen seiner Form die -Steinwand nennt. Weiter oben nach dem Zimmersacher zu aber quillt -der »Goldbrunnen«, aus welchem man einst Gold gewaschen hat. In der -Steinwand jedoch öffnete sich einst an einem Karfreitage, als in -Eibenstock die »lateinische Litanei« gesungen wurde, eine Höhle, und -wenn jemand durch das Thor derselben hineingegangen wäre, hätte er -daselbst große Schätze gefunden. - - -282. Der Schatzkeller am Bärenstein. - -(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. -Annaberg, 1746, S. 8.) - -Es ist die alte Richterin zu Königswalde nebst noch zweien ihrer -Nachbarn am Bärenstein im Mai Gras und Kräuter zu holen gegangen, und -als sie an den Berg gekommen sind, so hat sichs am Berge aufgethan -wie ein großes Scheunenthor, daß sie hinein gesehen hat, wie in eitel -Silber und Gold, und als sie die andern zwei gerufen, daß sie es auch -sehen sollten, so ist es wieder verschwunden. - - -283. Der Schatzkeller im Scheibenberge. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 187.) - -Im Jahre 1605 bekam ~M.~ Laurentius Schwabe, Pfarrer in Scheibenberg, -etliche Gäste von Annaberg. Seine Ehefrau führte einige ältere -Freundinnen über und um den Scheibenberg, ihnen dessen Gegend zu -zeigen. Dabei trafen sie aber ein Loch, in welches drei Stufen führten -und darin lag ein glänzender Klumpen, wie glühendes Gold. Darüber -erschraken sie und gingen eilends nach der Stadt. Als sie jedoch den -Pfarrer nebst den übrigen Gästen nach dem Orte führen wollten, konnten -sie das Loch nicht wieder finden. - -Im Jahre 1648 starb Hans Haß, ein alter ehrlicher Bürger zu -Scheibenberg, welcher auf dem Siechbette von seiner Armut am Anfange -seines Ehestandes folgendes erzählte: Als Wolf Köhler seine Tochter -Elisabeth weggab, wären wir junge Eheleute gerne mit zu Ehren gezogen, -aber wir hatten kein Geschenke. Wir gingen am Berge grasen und wurden -eines Lochs gewahr, das mit einer eichenen Thür verschlossen, und -gingen etliche Stufen hinein. Da wir Wunders halber hinein sehen, liegt -ein Fuchs auf einer Stufen. Wir erschraken darüber, gleichwohl weil -sich der Fuchs nicht rührete, gaben wir ihm einen Stoß und befunden, -daß er tot war. Ich verkaufte den abgestreiften Balg, wir gingen auf -die Hochzeit und waren lustig. Aber nach selbiger Zeit habe ich das -Loch nicht wieder finden können, wie fleißig ich auch gesucht habe. - - -284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183. Gießler, Sächs. -Volkssagen, Stolpen (o. J.) S. 104.) - -Unter einem großen Felsen des Greifensteins, wo der Vermutung nach -ein altes Schloß gestanden hat, ist ein offenes Loch zu sehen, in das -ein Mann bequem kriechen kann. Von diesem Loch aber wird erzählt, -daß einst eine Magd aus dem Vorwerke Hayde, die, wenn sie daselbst -grasete, öfters mit Namen gerufen wurde, im Beisein einer andern Magd -auf abermaliges Rufen hineingegangen wäre, mit dem Verlaß, wenn sie -schreien würde, daß ihr die andere zu Hülfe kommen sollte. Es hätte -aber die hineingehende Magd einen großen Kasten mit Gold und Geld und -einen schwarzen Hund dabei liegend angetroffen, und auf Befehl einer -Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber inzwischen der Eingang -ganz enge geworden sei, daß sie auf die andere Magd um Hülfe geschrien, -wäre der Hund auf sie losgesprungen und hätte alles Eingefaßete wieder -aus dem Grastuche gescharret, darauf sie voller Schrecken von der -andern herausgezogen worden, und des dritten Tages darauf wäre sie -gestorben. - -Besser (indem er wenigstens nicht mit dem Leben büßen mußte) erging es -einst einem alten Manne aus Geyer, einem gewissen Christoph Hackebeil, -der von seinem Heimatsorte nach der am Fuße des Greifensteins liegenden -Gifthütte ging, durch sonderbaren Zufall auf den Greifenstein -geriet, dort in dem obengedachten Loche entschlief und die ganze -Nacht und den halben folgenden Tag daselbst zubringen mußte. Es ließ -ihn schlechterdings nicht fort, und für die Angst und Versäumnis -seiner Zeit hat derselbe nicht einmal einen klingenden Lohn von den -Berggeistern erhalten. - - Der Hund, welcher den Schatz bewacht, ist der Hund der Unterwelt, - welcher bei der Göttin Hel wacht. Ursprünglich ist derselbe das - Tier Odhins, einer von den Wölfen der Walstatt. Odhin aber ist als - Verleiher jedes Gutes auch zugleich der Herr der Schätze. - - -285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich. - -(I. Mündlich. II. Moritz Spieß, Aberglaube, Sitten und Gebräuche des -sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 40.) - -I. Eines Tages gingen zwei Mädchen durch den Wald, in welchem der -Greifenstein liegt; sie hatten Streu gesammelt und trugen dieselbe -in ihren Tragkörben nach Hause. Als sie nun auf einem schmalen Wege -die Höhe abwärts stiegen, sahen sie an den Zweigen der Fichten zu -beiden Seiten Strohhalme hängen. Darüber wunderten sie sich, denn sie -meinten, daß hier doch kein Weg für Wagen sei; es sah nämlich aus, -als ob von einem mit Stroh beladenen Wagen durch die zum Teil über -den Weg hängenden Zweige einzelne Halme losgerissen worden seien, -wie man solches ja häufig an den mit Bäumen besetzten Landstraßen -sieht. Wie die Mädchen aber nach Hause gekommen waren und ihre Streu -ausschütteten, fanden sie darunter eitel goldene Ketten. Der Schatz des -Greifensteins hatte sich in der Gestalt von Strohhalmen an diesem Tage -gesommert und so waren einzelne Halme in die Körbe gefallen, wo sie -sich in die goldenen Ketten verwandelt hatten. - -II. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte Förster Töpel -eines Tages bei dem Greifensteine vorbei ritt, hingen so viel Gras- -und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum hindurchreiten -konnte. Dabei blieben einige Halme auf seinem Hute liegen. Als er -daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine goldene Kette. Es -soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein. - - Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage, S. 49 und 52) deutet die - Schätze der Sage als Sinnbilder der Sterne; sie bewegen sich und - versinken wie letztere. Daß Schätze an gewissen Tagen aufsteigen, - um sich zu sonnen, erzählen noch mehrere Volkssagen. Als einst - Steinbrecher auf dem Schlatter Rehberge bei Bingen von ferne einen - schimmernden Haufen liegen sahen, sagten sie: »Heute ist der erste - März, da sonnen sich die Schätze.« Thönerne Scherben, welche dann - einer von ihnen an jener Stelle fand, verwandelten sich zu Hause in - zerbrochene Silbermünzen. Nach einer andern Sage steigen Schätze - an Märzfreitagen aus dem Boden, um sich zu sonnen; dabei wird ihre - Ankunft vielfach durch eine blaue Flamme verkündet. Die Schätze - werden auch von Geistern unter der Erde fortgerückt. (Nork a. a. O., - S. 709.) - - -286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130 und 132.) - -Auf dem Hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen ist -eine Schatzkammer, deren Eingang sich in der Nähe des sogenannten -Franzosensteins, eines prismatisch zubehauenen Granitblocks mit der -Jahreszahl 1808, befindet. Die Pforten zu der Schatzkammer sollen sich -alljährlich am Karfreitage, während in der Kirche die Passion gesungen -wird, öffnen. - -Ein armes Weib aus dem naheliegenden Orte Stein nahm ihr einjähriges -Kind, welches sie niemandem der Obhut anvertrauen konnte, und begab -sich an einem Karfreitage mit demselben in den Wald am Hohen Stein, -um »Holz zu klauben.« Schon hatte sie davon eine ziemliche Menge -beisammen, als sie plötzlich in einem Felsen eine weite Öffnung -bemerkte, welche von ihr früher niemals gesehen worden war. Verwundert -darüber nahm sie ihr Kind, welches unterdessen auf weichem Moose -gesessen, auf den Arm und faßte den Entschluß, das seltsame Thor -näher zu betrachten. Hinzugetreten und in die gähnende Höhlung -hineinblickend, sah sie zu ihrem Erstaunen in derselben Haufen -rotwangige Äpfel, eine große Menge gleißendes Geld und funkelnde -Edelsteine, ferner auf einem Tische ein Bund altertümlicher Schlüssel. -Nachdem das Weib schnell seinen Korb herbeigeholt und das Kind zu den -Äpfeln gesetzt hatte, mit dem Bedeuten, es möge davon essen, fing sie -an, von den reichen Schätzen in ihren Korb zu raffen, bis dieser nichts -mehr tragen konnte. Im Begriffe hinauszugehen, um ihre schwere Last -draußen abzusetzen und hierauf ihr Kind zu holen, hörte sie eine Stimme -rufen: »Vergiß das Beste nicht!« Doch sie konnte den Sinn dieser Worte -nicht deuten und begab sich ins Freie. Kaum war dieses geschehen, so -schloß sich hinter ihr der Felsen geräuschlos und so sehr auch das -Weib jammerte und weinte, um ihr verlornes Kind bat und flehte, der -Eingang war und blieb verschwunden. Todmüde und tiefbetrübt wankte sie -endlich ihrer armseligen Hütte zu, laut und heftig ihre Habsucht und -Geldgier verwünschend. Es verging ein Jahr und die hartgeprüfte Mutter -lenkte, das nicht angetastete Geld im Korbe tragend, am Karfreitage zu -derselben Stunde wie vor zwölf Monaten ihre Schritte dem hohen Steine -zu. Und siehe da! der Eingang zur Schatzkammer stand offen, und als -sie klopfenden Herzens und froher Hoffnung näher getreten war, sah -sie zu ihrer unaussprechlichen Freude ihr totgeglaubtes Kind frisch -und gesund, sowie kräftig herangewachsen auf derselben Stelle, auf -welche sie es im Vorjahre gesetzt hatte. Schnell schüttete sie das -Geld wieder an seinen Ort, nahm das Kind und machte sich eilig davon, -obwohl sie neuerdings rufen hörte: »Vergiß das Beste nicht!« Auf dem -Heimwege fragte sie ihr Kind, wer es gepflegt habe. »Eine weiße, -freundliche Frau,« antwortete dieses, »gab mir zu essen und zu trinken, -kleidete und bewachte mich.« -- Hätte das Weib den Schlüsselbund -mitgenommen, so würde sich ihr der Felsen jederzeit geöffnet und seine -Schätze dargeboten haben. Das war das Beste, welches die Stimme meinte. - -Die genannte weiße Frau ließ sich früher, meist zur Mittagszeit, häufig -in der Nähe des Hohen Steines sehen, den Bund mit altertümlichen -Schlüsseln in der Rechten tragend. Sie that niemandem ein Leid, im -Gegenteil, manchen würde sie reich gemacht haben, wenn er nicht -unwissend und leichtsinnig die dargebotenen Geschenke von sich gewiesen -hätte. - -Ein Waltersgrüner Knecht machte sich in später Nachtstunde auf den -Weg, um einer dringenden Angelegenheit halber nach Stein zu gelangen. -Bei der untern Mühle verließ er den Fahrweg und schlug einen schmalen -Fußpfad ein, der am Abhange des Hohen Steines dahinführt, und auf dem -er, wie er glaubte, in kürzerer Zeit an den Ort seiner Bestimmung -gelangen konnte. Allein die große Dunkelheit der Nacht und das arge -Wetter waren Ursache, daß er vom rechten Steige abkam und lange Zeit -in der Irre herumging. Endlich sah er zu seiner Freude ein Licht -schimmern, und er verdoppelte seine Schritte in der Meinung, zu -einem gastlichen Hause gelangen zu können. Wie groß war aber sein -Erstaunen, als er statt der Flur eines solchen einen breiten Gang -betrat, an dessen Ende von der Decke eine strahlende Lampe herabhing, -die ungeheuere Schätze von Gold und Edelsteinen aller Art beleuchtete. -Nachdem der Knecht eine starke Anwandlung von Furcht bekämpft hatte, -da er außer den köstlichen Reichtümern noch eine weiße Frau bemerkte, -welche jene zu hüten schien, trat er näher und betrachtete mit -lebhaftem Verlangen das gleißende Gold und die funkelnden Juwelen. -Die weiße Frau schien seine Gedanken zu erraten, denn sie erhob ihren -rechten schneeigen Arm, deutete mit dem Zeigefinger auf die Schätze -und sprach: »Nimm davon, soviel dein Herz begehrt; aber vergiß das -Beste nicht!« Das letztere glaubte er unter den Edelsteinen zu finden -und raffte mit gierigen Händen in seine Taschen, so viel diese fassen -konnten. Noch zweimal trafen jene Worte sein Ohr; allein er achtete -nicht darauf und verließ frohen Sinnes über den gewonnenen Reichtum den -hohen und breiten Gang. Kaum war er im Freien, als sich der Eingang -zu demselben donnernd schloß und eine dumpfe Stimme sprach: »Thor, -das Beste war der Schlüssel, den Du unbeachtet liegen ließest, und -der Dir jederzeit den Eingang zu meinen Schätzen geöffnet hätte.« -Von der Steiner Pfarrkirche aber trug die Luft die zwölf Schläge der -Mitternachtsstunde an sein Ohr, und da sich die dunkeln Wolken zerteilt -hatten und die Sterne herniederlugten auf die stille Erde, bemerkte der -erstaunte Knecht, daß er sich am Hohen Steine befand. - -Manche alte Leute nennen die weiße Jungfrau mit dem Schlüsselbunde das -»Schwedenweibl« und erzählen, daß dieses die verwünschte Tochter eines -gefürchteten schwedischen Feldherrn sei, welcher lange Zeit auf dem -hohen Steine hauste und von hier aus die ganze umliegende Gegend arg -heimsuchte. - -Die Schweden stehen überhaupt bei den Bewohnern der um den Hohen -Stein liegenden Dörfer im schlimmen Andenken. Wenn der Vater in den -Feierstunden sein Büblein auf den Knieen schaukelt, spricht er dabei: - - »Reiter, sa, sa! - Der Schwed' ist gekommen, - Hat alles mitg'nommen, - Hat d' Fenster 'neing'schlag'n, - Hat 's Blei davon trag'n, - Hat Kugeln d'raus 'gossen, - Hat 's Bubel erschossen.« - - -287. Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine. - -(H. Arnold im Chemnitzer Tageblatte 1882, No. 11, 2. Beilage.) - -Gar nicht weit vom Hohen Steine, unweit des Dorfes Landwüst, steht eine -Säule, welche die Stundensäule genannt wird. Unter dieser befindet -sich, wie alte Leute erzählen, ein riesiger großer, eiserner Kasten, -welcher mit Goldstücken angefüllt ist, die aber von einem Geiste -bewacht werden. Derselbe sitzt auf der Truhe und wird nur dann weichen, -wenn das rechte Zauberwort gesprochen wird. Wenn man den Schatz heben -will, so muß man dieses Zauberwort kennen, darf aber weder auf dem Wege -bis zur Säule, noch während des Grabens und auf dem Rückwege ein Wort -außer dem Zauberworte sprechen. Ebenso darf man sich nicht umsehen, -denn wer dies thut, dem wird das Genick gebrochen. - -Mit dem Schatze aber hat es eine eigentümliche Bewandtnis. - -Vor alter Zeit, als noch die Heerstraße von Adorf über Remtengrün, -Schönlinde und Landwüst nach Eger hinführte, kam einmal in der Nacht -ein Reiter in das Dorf Landwüst gesprengt und begehrte einen Bauer -als Führer. Sein Mantel pauschte ganz gewaltig, denn er hatte einen -großen Sack mit lauter blanken Goldstücken, welche er durch Raub und -Plünderung während des damals herrschenden Schwedenkriegs an sich -gebracht hatte, darunter verborgen. - -Es fand sich ein Bauer, der ihm den Weg zeigen wollte, und beide -verließen das Dorf bei dichter Finsternis. Als sie an den Ort gekommen -waren, wo die Säule stand, verbarg der Reiter sein Gold in einem Kasten -und befahl dem Bauer, denselben in die Erde zu vergraben. Er sagte -aber, daß Pulver und Blei darin verschlossen wären. Der Mann grub aus -Leibeskräften, versenkte die Truhe und deckte sie wieder sorgfältig -mit Schutt zu. Für seine Mühe erhielt er zehn Dukaten. Kaum war aber -der Bauer einige Schritte von der Säule entfernt, so kam der Reiter -ihm nach und erstach ihn, damit das Geheimnis mit dem Kasten niemandem -bekannt würde. Der Offizier -- denn ein solcher war der Reitersmann, --- wurde im nahen Walde von seinen Kameraden, mit welchen er das Geld -teilen sollte, erwartet. Weil er aber mit leerem Beutel kam, hängten -ihn diese an den ersten besten Baum und ritten davon. - -Am nächsten Tage fand eine Schar schwedischer Reiter, welche den Wald -und andere zu Verstecken geeignete Plätze nach Spionen und Vagabunden -durchsuchte, nicht allein den gehenkten Schwedenoffizier, sondern auch -den ermordeten Bauer. Weil dieser aber zehn Dukaten in der Tasche -hatte, die er vordem nicht besessen haben konnte, so sagten die -Leute, er sei ein Schatzgräber gewesen, habe auch einen Griff in den -Goldbehälter gethan, sei aber, da er jedenfalls während der Arbeit -gesprochen oder sich umgesehen habe, von einem Geiste getötet worden. - - -288. Der Schatz im Heinrichstein bei Platten. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 93. etc.) - -Von Platten aus führt die Straße nach dem Orte Breitenbach. In mehreren -Windungen zieht sie sich durch ein schönes, anmutendes Thal, das ein -klares Gebirgswässerlein, der Breitenbach, durcheilt, in dessen Wellen -die lustige Forelle ihr Wesen treibt, während in den kräftigen Fichten- -und Tannenwaldungen, womit die Thalwände bewachsen sind, zur Zeit -des Lenzes die Vögel ihre fröhlichen Weisen erschallen lassen. Beim -oberen Farbwerk gewahrt man zur Rechten einen 915 Meter hohen Felsen, -den Heinrichfelsen, welcher eine prachtvolle Fernsicht gewährt. Seine -Spitze trägt ein aus rohem Holz zusammengefügtes Kreuz, das wie eine -schützende Wacht herabblickt in das stille, freundliche Thal. In der -Umgebung des Heinrichsteines wachsen viele große und schmackhafte -Heidelbeeren, was auch in früherer, längst vergangener Zeit der Fall -gewesen ist. - -Einst kamen an einem herrlichen Sommertage in die Nähe dieses Felsens -zwei junge Mädchen aus Platten, um dort Beeren zu klauben. Unter -heiteren Gesprächen wurden sie des Pflückens gar nicht müde, bis sie -ihre Körbchen gehäuft voll hatten. Nun machten sie sich beide auf den -Heimweg und verwunderten sich sehr, als sie am Fuße des Berges eine -offene Thür erblickten, welche in einen weiten Gang führte. Die Mädchen -gingen beherzt hinein und fanden daselbst eine eiserne Truhe, an der -ein großer, altertümlicher Schlüssel steckte. Voll Hast öffneten sie -mittelst desselben die Lade und sahen, daß diese mit Gold und Silber -gefüllt war. Schier geblendet von den gleißenden Schätzen, schauten -die Mädchen mit verblüfftem Antlitze eins das andere an und wußten gar -nicht, was sie mit dem edlen Metalle anfangen sollten. Einfältig, wie -sie waren, verschlossen sie, ohne etwas von den Schätzen anzurühren, -die Truhe, nahmen den Schlüssel zu sich und liefen über Stock und -Stein nach Hause, um ihren Eltern von dem reichen Funde Mitteilung zu -machen. Außer sich vor Freude, eilten darauf die Väter der Mädchen -zum Heinrichstein, aber der Eingang in den Felsen war nirgends mehr -zu finden; auch die Mädchen suchten ihn vergebens, so sehr sie ihre -Augen anstrengten. Noch lange soll der Schlüssel zur Schatztruhe auf -dem Rathause in Platten aufbewahrt worden sein, doch ist er allda -gegenwärtig nicht mehr vorhanden. - -Vor vielen, vielen Jahren ging am Karfreitag ein armes Weib, ihr -Kindlein auf dem Arme tragend, in den Wald am Heinrichstein, um Reiser -zu sammeln. Über ihre mißlichen Verhältnisse nachdenkend, weinte sie -bitterlich und meinte, ein Teil der im Felsen verborgenen Schätze -genügte, mit einem Schlage ihrer Armut ein Ende zu machen. Da bemerkte -sie auf einem Felsblocke des Heinrichsteines allerlei bunte Blumen. -Sie schritt mit ihrem Kinde darauf zu, um für dieses einige Blümlein -zum Spielen zu pflücken. Während das Weib sich dieser Beschäftigung -hingab, gelangte sie plötzlich zu einer in den Felsen führenden Pforte, -die sie früher niemals gesehen hatte. Höchlich überrascht, nahm sie -ihr Kind, das sie auf einem grünen Platze niedergesetzt hatte, auf -den Arm und trat näher zu der offenen Thüre, deren Schwelle sie ohne -Bedenken überschritt. In dem Felsengewölbe standen Säcke, die mit Gold- -und Silbererzen bis oben angefüllt waren, und ein Tisch. Auf letzteren -setzte das nun sich glücklich fühlende Weib das Kind und begann von den -funkelnden Schätzen gierig in ihre Schürze zu raffen. Kaum hatte sie -diese voll, da erschien ein Zwerg, der sie zum schleunigen Fortgehen -aufforderte. Erschrocken lief sie dem Ausgange zu und vergaß in der -Angst ihres Kindes, dessen sie sich erst im Freien erinnerte. Wohl -kehrte das bestürzte Weib ungesäumt und rasch zur Öffnung zurück, -allein unter Krachen hatte sich der Felsen geschlossen. Wie sehr auch -die trostlose Mutter weinte und um den Verlust ihres Kindes jammerte, -der Eingang war und blieb unsichtbar. Fast verzweifelnd und die in -ihrer Schürze befindlichen Schätze verwünschend, mußte sie endlich -nach Hause wanken. In ihrem unbeschreiblichen Schmerze wandte sie sich -an den Geistlichen in Platten, der sie nicht nur tröstete, sondern -ihr auch den Rat erteilte, im nächsten Jahre zu gleicher Stunde -wieder zum Heinrichstein zu gehen. Lange, sehr lange dauerte diesmal -der schwergeprüften, sorgenvollen Mutter das Jahr, bis endlich der -heißersehnte Karfreitag erschien. Da ging sie, fest auf den Heiland -vertrauend, der an diesem Tage für die Menschen den Kreuzestod litt, -wieder zum Felsen. Und siehe da! Die Thür stand wie vor Jahresfrist -offen. Mit unaussprechlicher Freude stürzte das Weib in das Gewölbe und -erblickte auf dem Tische ihr mittlerweile herangewachsenes Kind frisch -und gesund, einen schönen Apfel in den Händchen haltend. Seelenfroh -nahm sie dasselbe, drückte es an ihr Herz und eilte, so schnell sie -die Füße tragen konnten, aus dem Felsen. Die daselbst aufgespeicherten -blendenden Schätze übten diesmal keine Zauberkraft auf die Mutter aus, -der ihr gefundenes Kind mehr galt als alle Reichtümer der Erde. - -Ein andermal erblickte ein armer, tugendhafter Mann aus Platten, -der einstmals in dem Walde beim Heinrichstein Holz sammelte, ganz -unerwartet vor sich ein Licht, das sich am Boden fortbewegte. Er ging -ihm nach und gewahrte eine große, offene Truhe aus Eisen, in welcher -Gold- und Silbermünzen aller Art angehäuft waren. Da er mit den Händen -die Lade nicht fortzuschaffen im stande war, zog er den Schlüssel ab, -deckte, damit niemand anders den Schatz finde, denselben mit Reisig -zu und eilte beflügelten Schrittes heim, um einen Schiebkarren zu -holen. Als der Mann an Ort und Stelle zurückgekehrt war, fand er -zwar das Reisig, aber zu seiner Bestürzung war die Geldtruhe spurlos -verschwunden. Hätte er, statt die Lade mit Reisig zu bedecken, ein -Halstuch auf den Schatz geworfen, so wäre dieser gebannt gewesen. - -Schon mancher, der den Schatz heben wollte, wurde von der wilden -Jagd arg bestraft, welche um den Heinrichstein ihr Unwesen treibt. -Der Vorwitzige verfiel in eine schwere Krankheit oder starb sogar -an den Folgen des Schreckens. Die wilde Jagd sollen Reiter sein, -welche in der Luft dahin brausen. Viele Holzleute wollen in der Nähe -des Heinrichsteines Hundegebell, Hörnerblasen, lautet Halloh und -Peitschenknallen vernommen haben, was von der wilden Jagd herrührt. - - Ähnlich wie vom Hohen- und Heinrichsteine erzählen uns Sagen aus - anderen Gegenden Deutschlands von Frauen, welche beim Betreten des - Schatzgewölbes ihr Kind niedersetzten und dasselbe nach einem Jahre - im Innern des Berges mit einem Apfel in der Hand wiederfanden. Wie in - unsern beiden Sagen geschah dies auch auf dem Löbauer Berge an einem - Karfreitage (Haupt, Sagenbuch d. L. ~I. N.~ 249), auf dem Waldsteine - im Fichtelgebirge jedoch am Johannestage (Zapf, Sagenkreis d. F. S. - 16). Das übereinstimmende Anführen eines Apfels, welchen das Kind - in der Hand hielt, ist gewiß nicht ohne Bedeutung. Vielleicht liegt - darin eine Beziehung zu den verjüngenden Äpfeln, welche Idhuna, - die Göttin der Jugend, besaß. Diese selbst wurde im Frühlinge aus - der Gewalt der Frostriesen den Göttern zurückgebracht. Neben der - »Quelle der Jugend«, die ihren Namen von der aus dem Tode erweckenden - Eigenschaft ihres Wassers erhalten hatte, wuchsen Apfelbäume, von - denen nach einem altfranzösischen Romane der Held Hüon von Bordeaux - Wunder wirkende Früchte mitbrachte. (Nork, Sitten und Gebräuche d. - Deutschen, S. 198.) - - -289. Der Schatz des Seeberges. - -(Fr. Bernau, Comotovia. 1877, S. 76.) - -In der Nähe des erzgebirgischen Schlosses Eisenberg erhebt sich der -sogenannte Seeberg, der seinen Namen von dem großen See führt, welcher -einst seinen felsigen Fuß umspülte. An diesen Berg knüpft sich die -Sage, daß er eine ganze Braupfanne voll Gold in seinem Innern berge. -Aber es giebt nur ein Mittel, in denselben und zu dem Schatze zu -gelangen, und dies ist folgendes: Wenn der Priester am Palmsonntage -die Passionsgeschichte liest, öffnet sich eine geheime Thüre, durch -welche man zu dem Golde gelangen kann, was jedoch bis Mittag 12 Uhr -geschehen muß, da mit dem zwölften Glockenschlage die Thüre wieder bis -auf Jahresfrist verschwindet. - -Im Jahre 1855, so erzählte ein Bauer aus jener Gegend, machte sich an -dem besagten Tage ein Schneider mit noch zwei Gefährten auf den Weg -nach dem Seeberge. Am Fuße desselben angelangt, eilte der Schneider -voraus und bald hatte er seine schwerfälligeren Begleiter im Rücken. -Er klomm von Felsen zu Felsen, durch Gesträuch und Gebüsch zum Gipfel -hinan und gelangte bald auf einen grünen, baumfreien Platz, wo er seine -Gefährten erwarten wollte. Allein er wurde fast starr vor Schrecken, -als er in einer kolossalen Felsenwand plötzlich eine große geöffnete -Thür erblickte, welche in einen langen, dunklen Gang führte. Als er -seine Sinne wieder gesammelt hatte, konnte er deutlich Stöhnen, Bitten -und Flehen um Befreiung aus dem Innern des Berges vernehmen; er -besann sich nicht lange, merkte sich die umstehenden Bäume wohl und -lief in aller Eile zurück, um seine Kameraden zu holen. Diese waren -jedoch noch weit zurück, und als er sie endlich erreicht, hörte er -auch schon den zwölften Glockenschlag und zugleich einen furchtbaren -Donnerschlag vom Berge her, daß alle drei dem Herannahen ihres letzten -Stündleins schaudernd entgegensahen. Da aber der Himmel sonst ganz -heiter war, auch die Natur vollkommen ruhig sich zeigte, ließen sich -die beiden andern endlich bewegen, mit dem Schneider an die bezeichnete -Stelle zurückzukehren. Dort angekommen, fanden sie jedoch statt der -erwarteten Thüre nur die hochragende starre Felsenwand, die sie von -früher her wohl kannten; von einer zu den Schätzen führenden Öffnung -war keine Spur zu sehen. Dieser tragische Anblick versetzte nun den -armen Schneider in ein abermaliges Erstarren, indem er das schon sicher -gewähnte Glück mit einem Schlage vernichtet sah. - -Ob seit jener Zeit wieder irgend ein schatzsüchtiges Menschenkind den -Versuch gemacht hat, dem Seeberge seine Schätze abzugewinnen, hat man -nicht erfahren. - - -290. Die Teufelswand bei Blauenthal. - -(Erzgebirgischer Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 322 etc.) - -Die granitene Teufels- oder Steinwand liegt zwischen Eibenstock und -Blauenthal am linken Ufer der Bockau, ohngefähr 1000 Schritte von -dem Punkte, wo sich dieses Wasser in die Mulde ergießt. In dieser -Teufelswand befindet sich eine Höhle, von welcher die Sage folgendes -erzählt: Als die Menschen in allerhand Laster verfielen, verlor sich -auch der allgemeine Wohlstand und drückende Armut folgte. Um aber das -Elend zu vollenden, hatten sich zehn reiche Bösewichter vereinigt, alle -gute und gangbare Münzen, deren es damals bei weitem nicht so viel gab, -als heut zu Tage, an sich zu bringen, damit in fremde Länder zu ziehen, -sie daselbst mit jüdischem Gewinne gegen schlechte umzutauschen, diese -ins Land zurück zu schaffen und nach und nach unter die Leute zu -bringen. Dies gelang ihnen auch und zwar noch besser, als sie gehofft -hatten. - -Einst fuhren sie auch mit einem Wagen Geld den böhmischen Wald hinan -und gedachten noch vor Einbruch der Nacht eine Herberge zu erreichen. -Da zogen von Norden herauf finstere, schwere Gewitterwolken; der -Sturm sauste durch die hohen Fichten und riß so manchen Stamm mit -seinen Wurzeln aus dem Boden. Die Reisenden konnten unmöglich weiter -kommen und suchten deshalb ein nahes Obdach. Bald kam einer von ihnen -mit der Botschaft zurück, daß er unfern der Straße auf einer Anhöhe -ein unbewohntes Schloß gefunden habe, in welchem sie wenigstens das -Gewitter abwarten könnten. Sie ließen ihre Knechte bei dem Wagen und -begaben sich an den bezeichneten Ort. Die Burg mochte schon lange von -niemandem bewohnt gewesen sein, denn nur noch ein einziges Zimmer -schützte unsere Reisenden vor dem herabstürzenden Regen. Sie setzten -sich an eine halbvermorschte Tafel und nahmen die nötige Speise zu -sich. Plötzlich tobte der Sturm noch schrecklicher, heftiger ergoß -sich der Regen, dreifach durchkreuzten sich die Blitze und dreimal -krachte der Donner. Im Nu stürzten die Mauern der Burg zusammen und ein -gespaltener Felsen stieg aus ihren Trümmern empor. - -Unten am Wege aber lagen die von den Donnerschlägen betäubten Knechte -unter dem Wagen, und sie erholten sich erst, als der Mond wieder die -Wolken zerteilte. Mit Schrecken sahen sie nun, daß das Geld vom Wagen -verschwunden war. Eben mochte die Mitternachtsstunde geschlagen haben, -als eine lichte Gestalt sich dem Wagen näherte und durch langsames -Winken den zitternden Knechten befahl, zu folgen. Sie thaten es und -kamen an einen hohen Felsen. Von selbst sprang eine steinerne Thür auf, -und sie traten in ein Gewölbe, wo ihre Herren an einer Tafel saßen und -Geld zählten. Keiner sah sich um. Da sagte die Gestalt zu den Knechten -folgende Worte: »Gehet hin und erzählt, was Ihr gesehen habt. So lange -sind diese zehn Unholde verdammt, Geld zu zählen, bis einst ein Mann -geboren werden wird, der zehn Armen ohne Eigennutz Wohlthaten erzeigt. -Diesem sei es vergönnt, wenn er mit dem Kraute, welches Lunaria heißt, -den Felsen berührt, dieses Gewölbe zu öffnen und alles vorhandene Geld -mit sich zu nehmen.« Die Gestalt verschwand, und die Knechte lagen -wieder unter ihrem Wagen. - -Zu Zeiten soll ein großes Getöse in der Teufelswand gehört werden, -welches sich seit einigen Jahren sehr vermehrt haben soll. - - -291. Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge. - -(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 16.) - -Der Purberg bei dem Dorfe Tschernowitz bei Komotau trug vor langer -Zeit auf seinem altehrwürdigen Haupte ein prachtvolles Schloß, von -welchem nur noch einige Trümmer übrig geblieben sind. Vor seiner -Zerstörung schon waren aber die Schätze, welche es in seinem Innern -barg, verschwunden; Geister haben sie hinweggeräumt und bewachen sie -in den unterirdischen Räumen des Berges Tag und Nacht. Wenn man sich in -der Nacht dem Berge nähert, so bemerkt man über gewissen Stellen blaue -Flämmchen, die aber bald wieder verschwinden. - -Einstmals hüteten zwei Knaben Vieh auf dem Berge und, ohne sich um -dasselbe viel zu kümmern, setzten sie sich nieder und spielten, nachdem -sie sich vorher der Stiefeln entledigt hatten. Bald aber kamen sie -miteinander in Streit. Der eine Knabe nahm jetzt den Stiefel von -seinem Kameraden und warf ihn aus Bosheit in den Schloßbrunnen. Was -war jetzt zu thun? Den Stiefel wollte und mußte der Beschädigte haben. -Es blieb ihm nichts anderes übrig, als in den Brunnen zu steigen und -den Stiefel zu holen. Gedacht, gethan. Er hatte aber noch nicht den -Wasserspiegel erreicht, als er zu seiner Rechten einen Gang gewahrte, -in dessen Wölbung ein alter, stämmiger, weißbärtiger Mann stand; der -Knabe erschrak, faßte sich aber sogleich und klagte dem Greise seine -Not. Dieser gab dem Knaben den Stiefel aus Mitleid zurück; der Knabe -dankte, kletterte zurück und kam glücklich wieder oben an. Aber welches -Entsetzen! der Stiefel war schwer wie Blei! Er sah hinein und bemerkte -einen großen Goldklumpen. Sobald der andere Knabe dieses sah, erwachte -in ihm der Neid und die Habgier, und um sich ebenfalls einen solchen -Schatz zu holen, stieg er auch in den Brunnen hinab, kam aber nie mehr -zum Vorschein. - -Ein armer Mann, dessen Weib schwer krank darnieder lag und der überdies -noch drei unmündige Kinder zu versorgen hatte, beschäftigte sich, um -nur das tägliche Brot zu verdienen, mit dem Sammeln von Hadern und -Papierabfällen, um sie dann zu verkaufen. Einmal, am Karfreitage, ging -er an sein armseliges Tagewerk, hatte aber zu seinem großen Leide -nichts von seinen gesammelten Effekten verkauft. Betrübt darüber, mit -Thränen in den Augen, kam er an dem Purberge vorüber und dachte darüber -nach, wovon er mit seinem Weibe und seinen hungrigen Kindern heute -und morgen leben werde. Wie er so in Gedanken weiter geht, sieht er -plötzlich einen alten Mann, der ihn fragt, worüber er so betrübt sei. -Der Hadersammler erzählte ihm ganz aufrichtig seinen Kummer und sprach -ihn zuletzt um ein Almosen an. Der alte Mann aber antwortete: »Geld -habe ich zwar keines, aber gehe nur nach Hause, dort wird Dir schon -geholfen werden.« Der arme Mann glaubte seinen Worten, und zu Hause -angelangt, schüttete er seinen Korb mit dem Papier und den Hadern aus -und entdeckte zu seinem größten Erstaunen am Boden des Korbes einen -großen Goldklumpen. Von nun an war er ein wohlhabender Mann. - - -292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.) - -Ein Weib, welches mit einer Gefährtin am Hohen Steine Holz sammelte, -sah plötzlich, als sie sich aus ihrer gebückten Stellung aufrichtete, -einen großen Haufen Gold vor sich, über dem ein zuckendes Flämmchen -schwebte. Überrascht und erstaunt betrachtete sie mit gierigen Blicken -das gleißende Metall und rief laut ihrer entfernten Gefährtin zu: -»Komm' doch schnell hierher und hilf mir den großen Schatz in meinen -Korb raffen, welcher hier liegt!« Kaum waren diese Worte ihrem Munde -entflohen, als unter zischendem Geräusche der Schatz verschwand, -und die Gerufene, welche eiligen Laufes herbeigekommen war, schalt -jetzt ihre Genossin tüchtig aus, weil sie so unbedachtsam den Schatz -beschrieen und ihn so zum Verschwinden gebracht habe. - - -293. Der Schatz in der Loh bei Schönau. - -(Mitgeteilt vom Lehrer H. Schlegel aus Wildenfels.) - -In der sogenannten »Loh,« einem stellenweise sumpfigen, nach dem nahen -Dorfe Schönau bei Wildenfels zu gelegenen Distrikte, soll in früher -Zeit ein Raubschloß gestanden haben. Man sah an diesem Orte auch -häufig des Nachts um die zwölfte Stunde ein kleines Licht, und als -man daselbst nachgrub, fand man einen großen Schatz, welcher in einer -kupfernen Pfanne lag. - - -294. Der Schatz auf der Geyersburg. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 196.) - -Oberhalb des Ortes Hohenstein bei der Haltestelle -Mariaschein-Calvarienberg der Dux-Bodenbacher Bahn erheben sich auf dem -456 ~m~ hohen Bergsattel des Erzgebirgs die wildromantischen Ruinen der -Geyersburg. In dem daselbst befindlichen unterirdischen Gange, welcher -erst auf dem Teplitzer Schloßberge ausmünden soll, liegen ungeheuere -Kostbarkeiten aufgespeichert, die man nur am Karfreitage innerhalb der -Dauer der Frühmesse heben kann, vorausgesetzt, daß man dabei auch mit -der erforderlichen Vorsicht zu Werke geht. Verstreicht dieser günstige -Zeitpunkt, so schließt sich mit einem furchtbaren Schlage die Öffnung -zu dem Raume, welcher, bewacht von neidischen Kobolden, die Schätze -birgt, und der Suchende ist unrettbar verloren. So sollen vor einiger -Zeit zwei Bergknappen es gewagt haben, in den Stollen einzudringen; -dem einen war das Glück insofern günstig, als er, wenn auch ohne die -gehofften Schätze, jedoch wenigstens mit heiler Haut davon kam, während -der zweite infolge seiner Verspätung aus dem unheimlichen Raume nicht -mehr zurückkehrte. - - -295. Die Schätze bei der Prokopikirche in Graupen. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 192.) - -Die Sage weiß von großen Schätzen zu erzählen, welche neben und -unter der Prokopikirche in Graupen verborgen liegen. Sie sollen in -Kriegszeiten eingegraben worden sein. Vor Jahren pflügte auf dem nahen -Felde ein Landmann; plötzlich sah er einen elegant gekleideten jungen -Mann vor sich stehen, der bald ein Gespräch mit ihm anknüpfte und sich -eingehend um seine Verhältnisse erkundigte. Der Mann klagte über die -schweren Zeiten, über harte Arbeit und schmalen Verdienst. »Ei was,« -rief der rätselhafte Fremde aus, »da ist Euch bald geholfen; geht -nur auf den Friedhof der Prokopikirche, dort werdet Ihr knapp an der -Friedhofmauer auf einem Grabhügel ein weißes Tuch erblicken. An dieser -Stelle müßt Ihr so lange graben, bis Geld zum Vorschein kommt. Finden -müßt Ihr es sicher; die Tiere dürft Ihr aber unter keiner Bedingung -auf den Friedhof führen.« Darauf verschwand der Jüngling. Der Bauer -zog noch einige Furchen, bis die Turmuhr die zwölfte Mittagsstunde -ankündigte. Er wollte aber seine Ochsen nicht allein lassen und -dachte bei sich: Der Jüngling ist ja nicht da und weiß nichts davon, -wenn ich sie mitnehme, zudem postiere ich sie ja ohnehin nur am -Eingange. Gesagt, gethan; er betrat den Friedhof und bald war auch das -bezeichnete Grab gefunden. Nun gings rasch an die Arbeit und, o Wunder! -mit einem Male blenden gleißende Goldstücke, die eine große, geöffnete -Kiste füllen, seine Augen. Er will darnach greifen, da tritt ein -nebelhaftes, graues Männchen dazwischen, schlägt mit Gewalt den Deckel -wieder zu und deutet mit wilder Geberde dem Manne an, er möge sich mit -seinem Gespanne gleich von hier entfernen und den heiligen Ort nicht -fürder entweihen. Kaum war er mit den Tieren draußen, so schlossen sich -auch die beiden Thorflügel mit solcher Wucht, daß ihm der Schlag durch -Mark und Bein ging. Das schlaue Bäuerlein ließ sich indeß durch diesen -fruchtlosen Versuch nicht abschrecken, ging später wieder auf den -Friedhof und grub aus Leibeskräften an jener Stelle; aber die Kiste mit -den Goldstücken hat er nicht wieder gesehen. - - -296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau. - -(Mitgeteilt von Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.) - -In der großen Mühle, welche früher zum Rabenauer Schlosse gehörte und -durch einen unterirdischen Gang mit demselben verbunden gewesen sein -soll, war von Raubrittern ein großer Schatz verbannt, der nur von -einem ganz unbescholtenen Mädchen von zwanzig Jahren gehoben werden -konnte. Dieser Schatz wurde von zwei kleinen Schattenmännchen bewacht, -welche von vielen Leuten gesehen worden sind. Diese Männchen besuchten -das Mühlengebiet öfter und sobald sie dasselbe betraten, blieben alle -Werke stehen und waren nicht eher wieder in Gang zu bringen, bis die -Schattenmännchen wieder fort waren. Sie nahmen ihren Rückweg jedesmal -durch die zum Wasserbett führende Thür, gingen über letzteres weg und -verschwanden bei dem daneben befindlichen Keller. Bis zu Anfang dieses -Jahrhunderts wurden dieselben gesehen, und genau nach hundert Jahren -sollen sie wieder erscheinen, wenn der Schatz inzwischen nicht gehoben -wird. - -Ein Mädchen, welches sich vorgenommen hatte, den Schatz zu heben, -wurde von ihren Angehörigen gewaltsam daran verhindert, die Mühle -zu betreten, um sie vor Unheil zu bewahren; sie gebärdete sich wie -wahnsinnig, so daß man sie anbinden und anschließen mußte; darauf -verfiel sie in eine hitzige Krankheit und starb bald. - -Ende vorigen Jahrhunderts soll ein Besitzer der Mühle, dessen Name -vormals auch genannt wurde, mit Hülfe eines Geistesbeschwörers den -vergrabenen Schatz auch zum Teile gehoben haben; dafür wurde er aber -von den Geistern so geplagt und verfolgt, daß er die Mühle verkaufte -und sich bei Dresden von dem Schatze ein großes, schönes Grundstück -erwarb. - -Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts ließen sich Geister in der Mühle -sehen, welche den damaligen Besitzer überall so arg verfolgten und in -Furcht setzten, daß er zuletzt in Wahnsinn verfiel. - - -297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau. - -(Mitgetheilt von Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.) - -Vor 50 bis 60 Jahren standen von dem Rabenauer Schlosse noch mehrere -Mauern und Gewölbe und auch ein Altan. Da erzählten alte Leute, frühere -Raubritter hätten in dem Schlosse einen Schatz vergraben, welcher von -einer großen, schwarzen Henne mit feurigen Augen versetzt oder verbannt -sein sollte; diesen Schatz konnte nur derjenige finden, welcher eine -gleiche Henne mit zur Stelle brachte. Die versetzte Henne ließ sich -von Zeit zu Zeit sehen und scharrte und kratzte grade auf der Stelle -des Schloßhofes, wo der verbannte Schatz lag, verschwand aber jedesmal, -wenn sich ihr ein Mensch näherte. Schon in früherer Zeit hat man -fleißig Schatzgräberei im Schlosse unternommen und sogar bis Ende der -dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts allen Ernstes Schätze gesucht, aber -stets ohne Erfolg. - - Hühner sind mythische Tiere. Sagen erzählen von Hühnern, welche - goldene Eier legen; auch nehmen nach einem böhmischen Aberglauben - Kobolde die Gestalt schwarzer Hühner an. Sollte die schwarze Henne - unserer Sage ein solcher Schatz hütender Kobold, und die Henne, - welche der Schatzgräber mitzubringen hat, ein Opfer sein, welches - den unterirdische Mächten darzubringen ist? -- Auf dem Burgberge bei - Mulda, wo ebenfalls nach der Sage ein Schatz vergraben liegt, läßt - sich ein Huhn sehen, welches jedoch ein verzauberter Burgherr sein - soll. - - -298. Das Aberthamer »Fels'l.« - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.) - -Nördlich von Abertham, dort, wo fruchtbarer Ackerboden und ein ziemlich -ausgedehntes Torfmoor sich scheiden, erhebt sich eine eigentümliche -Felspartie, im Volksmunde »das Fels'l« genannt. Der Sage zufolge -sind diese Felsen eine Burgruine, in deren Innerem große Schätze an -Gold- und Silbermünzen, Edelsteinen und Perlen verzaubert liegen. Der -Zutritt zu denselben soll sich während der Christmette und der Passion -am Karfreitage öffnen. Aber schon mancher, der die vermeintlichen -Schätze an genannten Tagen heben wollte, holte sich durch das lange -und vergebliche Zuwarten bei stürmischem Wetter nicht unbedeutende -Krankheiten. Bis in die dreißiger Jahre machten Personen, deren Söhne -heute noch leben, den Versuch, der Schätze habhaft zu werden. - - -299. Der Tümpelstein bei Klösterle. - -(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 79.) - -Der Tümpelstein ist ein großer, unterhalb Klösterle in den Egerfluß -vorspringender Felsen. Sein Inneres enthält der Sage nach ungeheuere -Schätze, die von verwunschenen Rittern bewacht werden; nur am -Karfreitage während des Gottesdienstes ist der sonst unsichtbare -Eingang offen, und die angehäuften Schätze sind sodann den -Menschenkindern zugänglich. - -Eine Mutter mit ihrem Kinde ging gerade am Karfreitage an dem Felsen -vorbei und erblickte in der offenen Höhlung geschäftige Männchen, die -ein Festmahl vorrichteten und ihr winkten, einzutreten und von den -Schätzen zu nehmen. Die Frau trat schüchtern ein, setzte das Kind auf -den Boden nieder und begann eifrig ihre Schürze mit Goldbarren und -Edelsteinen zu füllen, als sich, da der Gottesdienst in der Kirche -schon zu Ende war, das Felsenthor mit großem Getöse wieder schloß. Die -Frau mußte nun ein ganzes Jahr im Felsen zubringen, während welcher -Zeit das Kind kräftig und stark wurde. Am nächstfolgenden Karfreitag -konnte die Frau frisch, gesund und mit Schätzen beladen nach Hause -ziehen; von ihr erfuhr man auch, daß die Wächter, sobald der Eingang -sich geschlossen, zu Stein verwandelt wurden. - -Einst pflügte am Karfreitage ein Bauersmann in der Nähe des -Felsens, erblickte ihn offen und sah darin allerlei Gestalten, die -Vorbereitungen zu einer Hochzeit machten. Im Vorbeigehen rief er -hinein: »Backet mir auch einen Kuchen mit!« Er ackerte dann rüstig -bis zum Mittag fort, dann spannte er aus, gab den Ochsen zu fressen -und nahm auch selbst sein mitgebrachtes Mittagsmahl ein. Schon hatte -er eine Weile still gesessen, als ein winziges Männlein erschien und -die bestellten Kuchen auf den Pflug legte. Der Bauer, eine Vergiftung -fürchtend, hatte nicht den Mut, die Kuchen selbst zu verzehren; er -zerbröckelte sie und fütterte seine Ochsen damit. Als er damit fertig -war, erschien jenes Männlein wieder, drohte ihm mit dem Finger und -sagte: »Weil du unsere Kuchen verschmähst, die du selber bestellt hast, -so soll für diesen Undank deine Wirtschaft kein Glück und keinen Segen -mehr haben.« Und diese Prophezeiung ging wirklich in Erfüllung, den -Bauer traf Unglück über Unglück, er mußte endlich das Haus mit den -Feldern verkaufen und wurde ein armer Mann. - - -300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein bei Zöblitz. - -(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.) - -Unweit der Stadt Zöblitz an den Ufern der Pockau liegen die Ruinen der -alten Burgen Ober- und Niederlauterstein. Die Burg Oberlauterstein, -¼ Stunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer auf einer -felsigen Bergecke, wurde schon im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben -von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das -Schloß Niederlauterstein, nur einige Minuten unterhalb davon am linken -Pockauufer, erhielt sich über 200 Jahre länger. Vieles erzählt man -sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf, -deren einer 1530 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise -sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher -Greis von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn, -in Tücher gewickelt, zu einem der Fenster herablassen, allein die in -der Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche -Alte wurde an den Felsen zerschmettert. Nachdem im Jahre 1559 Kurfürst -August das Schloß von Kaspar von Berbisdorf gekauft und zum Sitz eines -Amtes bestimmt hatte, wurde es im März 1639, als am Gründonners- und -Karfreitage Banners Schaaren die ganze Umgegend verwüsteten, von drei -schwedischen Reitern in Brand gesteckt und nun von seinen Bewohnern -verlassen. So weit die Geschichte. - -In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses -Niederlauterstein sollen 3 Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und -breit, mit lauter gemünztem Golde gefüllt. In einem andern Kessel -liegen Edelsteine, Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene -Krone aus den Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten -ist ein Mönchlein aus Prag gekommen in schwarzen Kleidern, klein von -Person und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber -im Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor -Erstaunen. Die Gewölbe schlossen sich, und von ihren Kleinodien, sowie -von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt. - -Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des Abends -nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah sie auf -der Höhe eine kleine Kapelle, deren Thüre offen stand. Neugierig stieg -sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf die Erde, -ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor dem Altare -gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, als sie tragen -konnte; freudenvoll eilte sie damit nach Hause, ihr Kind und die Beeren -vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben, gedachte sie ihres armen -Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine ankam, war die Kapelle -verschwunden, aber auch ihr Kind. Jammernd und klagend ging nun das -arme Weib täglich zur Ruine; sie verwünschte das Gold und wollte es gar -nicht wieder ansehen; das Liebste fehlte ihr ja -- ihr unschuldiges -Kind. So trieb sie es Jahre lang. Als sie nach drei Jahren an demselben -Tage abermals mit verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte, -siehe, da zeigte sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und -traf vor dem Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie -es an ihr mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu -denken, nach Hause. Als sie den Berg hinunter ging und sich umschaute, -war die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier -eine Grafschaft, gründete ein Kloster und that von ihren Schätzen den -Armen viel Gutes. - - -301. Die Schätze von Oberlauterstein bei Zöblitz. - -(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.) - -Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht 300 Jahren in der -Nähe des Oberlautersteins. Es war Abend geworden, und eben wollte er -nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer ein Mann in -alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine große Höhle, -in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der bestürzte -Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der alte Ritter -winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen ordinären -Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann darnach. Sogleich geschah -ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden, und -der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der Hand haltend. -Er ging nach Hause; aber da ihm der Ziegelstein zu schwer wurde und er -sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und zu Hause auslachen -lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. »Nun, Mann, wie siehst Du -nur aus?« fragte ihn zu Hause mürrisch und spottend die Frau; »Du -glänzt ja, als wenn Du vergoldet wärst am Ärmel.« Der Mann sah nach und -erblickte den reinsten Goldstaub an den Händen und seinen Kleidern. Nun -erzählte er seine Geschichte am Schloßfelsen. Am andern Morgen suchte -er bei guter Zeit nach dem weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern. -Allein umsonst; den edlen Stein hat niemand wieder gesehen. - -Am Sylvestertage nachts 12 Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz das -neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage der -hohe Fels des Oberlautersteins und ein Zuschauer kann vom Thale -aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackern -Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich -die Höhle wieder und die Braupfanne sinkt in die Tiefe. - - Die Sage von Ziegelsteinen, welche sich in Gold verwandeln, lebt auch - im Fichtelgebirge. Ist sie von dort her in unser Gebirge verpflanzt - worden? In Gestalt von Ziegelsteinen erscheinen nämlich die Schätze - des Waldsteins. Wer den Fund als unscheinbar oder lästig von sich - schleudert, erkennt an den goldglänzenden Spuren, die Kleid und - Hand zeigen, mit Reue, daß er sein Glück weggeworfen. (L. Zapf, der - Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 20.) - - -302. Der Silbermann bei Pürstein. - -(Erzgebirgszeitung 1880, S. 67.) - -In der Gegend des Pürsteins befindet sich Silbererz in der Gestalt -eines Mannes, dessen Körper im Buchwald ruht, dessen Füße nach -Joachimsthal und dessen einer Arm nach Sachsen hinausragt, während der -andere Arm im Tannelberge liegt. - -Auf Grund dieser Sage bildete sich 1870 eine Gesellschaft mit 128 -Anteilen, die den alten Silberberg beim Friedhof wieder aufmachte. -Die dabei aufgefundenen alten Gänge sind verfallen, sollen sich aber -ununterbrochen bis gegen Joachimsthal ziehen, so daß der Sage nach ein -Arbeiter von hier den andern von dort rufen konnte. - - -303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 130; z. T. mündlich.) - -Ein ehemaliger Besitzer des Schlosses Rabenstein (die Sage bezeichnet -ihn als einen Herrn von Carlowitz), der sehr mißgestaltet gewesen, -soll in dem Schlosse an einem unbekannten Orte eine Pfanne voll Gold -vergraben haben mit dem Bannspruche, daß ein Besitzer des Schlosses aus -seiner Familie, welcher eben so bucklig wie er sei, den Schatz finden -und heben sollte. - -Erzählt wird noch, daß von dem Schlosse zu Rabenstein vor Zeiten ein -unterirdischer Gang nach Schloß Chemnitz geführt habe. - - -304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau. - -(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 19. 20. -Ziehnert, Sachsens Volkssagen. 4. Aufl., Pros. Anhang, No. 4; z. T. -mündlich.) - -Mitten auf der Rainung der beiden Dörfer Reichenau und Hermsdorf im -Amte Frauenstein, am Kreuzwald, hart an der Straße nach Böhmen, steht -ein kleiner Stein mit der Bezeichnung »Kapelle«; hier stand noch bis -1876 ein Teil des Mauerwerks der Kapelle zum heiligen Kreuz oder der -sogenannten wüsten Kirche, welches in dem genannten Jahre abgetragen -und als Straßenbaumaterial verwandt wurde. Von der Erbauung und -Zerstörung dieser Kapelle weiß man wenig; wohl aber erzählt die Sage, -daß unter derselben eine ganze Braupfanne voll Gold stehe und zwölf -Fässer alten Weins vergraben seien. Viele haben schon danach gegraben; -daß aber von den Schatzgräbern allen auch nur einer etwas gefunden -hätte, davon will niemand etwas wissen. Auch soll sich daselbst des -Nachts zwischen 11 und 12 Uhr zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen -lassen, und man erzählt, daß um diese Zeit einmal an dem Orte einem -früheren Pfarrer von Hermsdorf etwas passiert sei, was derselbe aber -anderen nicht mitgeteilt habe. - - -305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg. - -(Mündlich.) - -Im Orte Rechenberg südlich von Frauenstein sieht man nahe der Kirche -auf einem Felsen die Ruinen eines Schlosses, welches vielleicht zur -Bewachung der alten Zollstraße nach Böhmen erbaut wurde und das nach -der Sage durch einen unterirdischen Gang mit dem Schlosse Frauenstein -in Verbindung stand. In der Nähe des Schlosses zeigt man noch die -Überreste von Wällen, und als man am Fuße desselben die Schule baute, -traf man auf alte Gänge, welche anzusehen viele Leute weit her kamen; -doch konnte man nicht tief in die Gänge eindringen. In manchen Nächten -will man oben in der Ruine ein Licht gesehen haben. Erzählt wird, daß -in den Gewölben große Schätze in einer Braupfanne liegen, wer dieselben -heben will, muß seine eigene Tochter zum Opfer bringen; dieselbe muß -aber weißhaarig sein. Doch hat auch einmal ohne solches Opfer ein -Mann einen kleinen Teil des Schatzes gehoben. Als nämlich einst ein -Bierknecht des früheren Rittergutes vom Berge herab fuhr, sah er von -ferne auf der Ruine ein Licht. Er ging hinauf und sahe darauf an dem -Lichte dreihundert Thaler liegen, welche er einsteckte und mitnahm. -Nach vier Wochen war er jedoch tot. - - -306. Der Schatz des Tschinnersteins bei Brandau. - -(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.) - -Geht man von Brandau auf dem Fahrwege über den »Hof« hinaus in den -Wald, so findet man links leicht einen nicht zu großen schräg liegenden -Stein, über den die Kinder oft herabrutschen oder »tschinnern«. Dieser -Stein soll den Eingang in eine reiche Schatzkammer verschließen, und -Sonntagskinder können dort am Ostermontage um 12 Uhr ein Schloß sehen -und den Schatz heben, wenn es ihnen gelingt, schnell die Thür des -Schlosses zu erreichen. Doch schnell müssen sie sein, da das Schloß -gewöhnlich entflieht und den habgierigen Schatzjäger irre führt. - -Einige Frauen rupften in der Nähe des Tschinnersteins Moos und hatten -ihre Körbe auf den Stein gestellt. Als sie dieselben um 12 Uhr holen -wollten, um das Moos nach Hause zu tragen, waren sie verschwunden. -Schreiend entfernten sich die Frauen, bis auf eine, die nach einer -halben Stunde ihren Korb wiederfand, den Boden mit Gold bedeckt. - -Ein Knabe hütete am Tschinnerstein. Da scharrte eine Kuh einen Topf -von Silbergeld heraus, das er seinem Vater gab. Wenn das Geld auch -nicht mehr gangbar war, so wurde dieser doch dadurch reich, indem er es -verkaufte. - - -307. Der Heldenberg bei Seifen. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 78.) - -Auf dem öden und rauhen Kamme des Erzgebirges erhebt sich bei dem -böhmischen Kirchdorfe Seifen der Heldenberg, der vor vielen Jahren mit -einem dichten, fast undurchdringlichen Hochwalde bedeckt war. In diesen -ging einst ein blutarmer Holzhacker, um Holz zu fällen. Als er in die -Mitte des Waldes kam, vernahm er mit einemmale im nahen Gebüsche ein -ungewöhnliches Geräusch. Unverweilt schritt er darauf zu und sah unter -der Erde durch das Moos reines gediegenes Gold hindurchschimmern. Dem -Holzhauer klopfte das Herz voll Freude über den unerwarteten Fund, -der nun für immer seiner bitteren Armut abhelfen sollte. Er lief über -Stock und Stein, durch dick und dünn nach Hause, um sich zum Ausgraben -des edlen Metalles die nötigen Werkzeuge, als Spitzhaue und Schaufel, -zu holen. Als der Überglückliche aber zu derselben Waldesstelle -zurückgekehrt war, fand er weder das Gebüsch, noch schimmerte ihm vom -Boden Gold entgegen; alles war verschwunden. Darob war der Holzhauer -tief betrübt; er mußte nun bis zu seinem Tode sein hartes Los, Holz zu -fällen, ertragen. - -Die Sage erzählt weiter, daß einmal eine ganz schwarze Kuh über diese -reichen Goldlager gehen und sie aufwühlen wird. Dann soll aus dem jetzt -unansehnlichen Orte Seifen eine große blühende Bergstadt entstehen, die -den stolzen Namen Heldenberg erhalten wird. - - -308. Der Schatz des Braunsteins bei Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 46.) - -Ein Hirtenjunge aus der Petermühle weidete einmal in der Nähe des -Braunsteins sein Vieh. Da sah er plötzlich, als er den Berg hinanstieg, -eine offene Thür, die er sonst nie bemerkt hatte. Unwillkürlich trieb -ihn eine innere Stimme an, in das Gewölbe hineinzugehen. Daselbst -erblickte er eine Kiste mit großen Schätzen. Davon nahm er so viel, als -seine Taschen fassen konnten, und ging vergnügt zu seiner Viehherde -zurück. Zu Hause angekommen, versteckte er das Geld in seinem Koffer. -Aber trotz aller Vorsicht hörte die Magd das Klingen der Münzen und -zeigte dies ihrem Herrn, dem alten Mühlpeter, an, der den Jungen wegen -des Geldes zur Rede stellte. Derselbe erzählte nun das wunderbare -Ereignis und versprach seinem Herrn den Eingang zu den unermeßlichen -Schätzen zu zeigen. Als jedoch beide am nächsten Tage zum Braunsteine -kamen, war zu ihrer höchst unliebsamen Überraschung das Felsenthor -unsichtbar. Der Mühlpeter kaufte bald darnach dem Hirtenjungen ein -neues Gewand, gab ihm das größte Goldstück und schickte ihn in die -Fremde. Das übrige Geld behielt er für sich und ward, freilich auf -ungerechte Weise, ein reicher Mann. - -Ein anderer Hirtenjunge, der gleichfalls am Fuße des Braunsteins -hütete, sah eines Tages eine Menge kleiner, buntgefärbter -Leinwandfleckchen auf der Erde liegen. Um den Kindern seines Herrn bei -seiner Heimkehr eine Freude zu bereiten, suchte er die schönsten Flecke -aus und steckte sie in seine Hirtentasche. Um die Mittagsstunde trieb -er seine Viehherde nach Hause. Als er diese im Stalle versorgt hatte, -ging er in die Stube und wollte die mitgebrachten Geschenke verteilen. -Er griff in die Tasche, doch siehe! statt der bunten Flecklein zog er -lauter funkelnde Goldstücke heraus. Darob herrschte unbeschreibliche -Freude im ganzen Hause. Nur der geldgierige Herr gab sich mit dem -erhaltenen Gelde nicht zufrieden, sondern schickte den Jungen eiligst -zurück, damit er alle Leinwandflecke sammle und heimbringe. Als -derselbe fast atemlos zur Fundstelle kam und mit einemmale ein Zwerg -vor ihm stand, stiegen ihm vor Furcht die Haare zu Berge, und kein -Wort kam über seine Zunge. Doch das Männlein, das die Ursache seines -Kommens wußte, sprach zornentbrannt zu dem Jungen: »Du bist zwar -unschuldig, aber Dein habsüchtiger und ungenügsamer Herr hat Dich -hierher geschickt, um den ganzen Schatz zu gewinnen. Dafür soll er hart -gestraft werden, er soll -- verarmen!« Hierauf verschwand der Zwerg. -Vor Angst und Schrecken eilte der arme Hirtenjunge durch dick und dünn -heim, erzählte das eben Geschehene und starb bald darauf. Auch des -Zwergleins Prophezeiung ging buchstäblich in Erfüllung; denn der Herr -des Jungen kam an den Bettelstab. - -So muß gar oft der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden. - - -309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine bei Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 41.) - -Geht der Wanderer von Schlackenwerth durch das enge, anmutige -Weseritzthal nach Joachimsthal, und klettert er, bei der sogenannten -Petermühle (Schöffl-Mühle) angekommen, zur Rechten am reichbewaldeten -Bergabhange empor, so gelangt er zum Braunstein, einem Bergkegel, -welcher vor einigen Jahren mit Wald gekrönt war, jetzt aber nahezu -gänzlich abgeholzt ist. -- Auf dem Braunsteine stand, wie der Volksmund -erzählt, in uralten Zeiten ein Schloß, dessen Nähe jeder Umwohner -scheute. Obgleich es unbewohnt war, sah man doch in stürmischen, -finstern Nächten die Fenster des Schlosses prachtvoll beleuchtet, -und mancher Pilgrim, der dasselbe aus Neugierde betrat, kehrte -nicht mehr zurück. -- Trotz alledem schlug einmal ein herzhafter -Handwerksbursche alle Warnungen in den Wind und lenkte eines Abends, -als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, seine Schritte dem -gefürchteten Schlosse zu, um dort zu übernachten. Ringsumher herrschte -tiefes Schweigen. Er stieg die Treppe empor, schritt durch das hohe -Portal ungehindert fürbaß und gelangte in einen geräumigen, tageshell -erleuchteten Saal, in welchem eine lange Tafel stand. An dieser nahm -er Platz und verfiel allmählich gegen seinen Willen in einen festen -Schlaf. Um die Mitternachtsstunde aber weckte den Handwerksburschen -ein heftiges Klopfen. Er erwachte und erstaunte, daß die Tafel gedeckt -und mit Speisen und Getränken in Fülle beladen war. Da öffnete sich -plötzlich die Thür, und in den Saal trat ein graubärtiger Greis, dem -seine Familie folgte. Nachdem die Angekommenen sich an die Tafel -gesetzt hatten, unterbrach der Alte das Stillschweigen, indem er -sagte: »Willkommen, Fremdling, in meinen Hallen! Hier hast Du Speise -und Trank im Überfluß; iß und trink, was Dir beliebt!« Darnach wollte -er ohne weiteres die Mahlzeit einnehmen, doch der Wandersmann sprang -im Nu von seinem Sitze auf, gab dem Greise einen derben Backenstreich -und rief: »Beten muß man, bevor man ißt!« -- Diesen Worten folgte ein -furchtbarer Donnerschlag, worauf der Alte sagte: »Habe Dank, braver -Geselle, Du hast durch Deine Frömmigkeit mich und die Meinen erlöst! -Vernimm in Kürze meinen Lebenswandel! Mein Vater war ein mächtiger -Ritter, meine Mutter eine gute und fromme Frau. Als einziger Sohn war -ich der Eltern Stolz und wurde mit größter Liebe und Sorgfalt erzogen; -allein ich bereitete denselben für ihre Mühen und Opfer nur unsägliches -Herzeleid. Denn am Gebete fand ich keinen Gefallen, verhöhnte alles, -was dem Menschen heilig und ehrwürdig sein muß, und sank in meiner -Verblendung immer tiefer und tiefer. Zuletzt zog ich als Familienvater -Frau und Kinder mit ins Verderben. Aber Gottes gerechtes Strafgericht -ereilte uns bald. Eins nach dem andern starb und wurde in dieses Schloß -entrückt mit der Bestimmung, hier so lange zu hausen, bis ein frommer -Mensch uns erlösen würde. Viele kamen schon vor Dir, allein da sie -unlauteren Herzens waren, fanden sie insgesamt ihren Tod. Auch Dich -hätte ein gleiches Los getroffen, wenn Du nicht gottesfürchtig gewesen -wärest. Du kannst Dir nicht denken, welche Angst mich befiel, als ich -Dich versuchte. Hättest Du die Probe nicht bestanden, so müßten wir -noch länger in diesen Räumen verwünscht umherwandeln. Jetzt komm' und -folge mir!« Der Handwerksbursche willfahrte dieser Aufforderung und so -führte ihn der Greis abwärts in einen weiten Gang, wo dem Eintretenden -Kessel mit Gold und Silber entgegenblinkten. »Nimm von diesen -Schätzen,« hub der Alte an, »so viel Du tragen kannst; laß jedoch davon -eine Kapelle erbauen, und gieb den Armen und Notleidenden reichliche -Almosen.« Nach diesen Worten verschwand er. -- Der Fremdling that, -wie ihm geheißen, und verließ ungesäumt das Schloß, das schon längst -von der Bergeshöhe in Staub gesunken ist. Er erfüllte aber auch aufs -Gewissenhafteste des Greises Begehren und blieb glücklich sein Leben -lang. - - -310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 296.) - -In der Umgegend von Graslitz erhebt sich der Hausberg, von welchem -viele Sagen erzählt werden. Früher sollen darauf die Überreste einer -Burg gesehen worden sein; sie wurden aber zum Baue einer großen Fabrik -verwendet. - -Einem Weibe träumte einmal, sie solle in den Hausberg gehen, dort würde -ihr ein schwarzes Zicklein mit feurigen Augen begegnen, dem solle sie -folgen. Als sie erwachte, erzählte sie den Traum ihrem Manne; dieser -aber ärgerte sich darüber und verbot ihr zu gehen. Da ihr aber in der -zweiten und dritten Nacht das nämliche träumte, ging sie doch auf den -Berg. Und wirklich, dort kam ihr ein schwarzes Zicklein entgegen, das -hatte feurige Augen und meckerte ihr freundlich zu. Sie folgte dem -Zicklein und kam in eine Höhle, wo das Zicklein verschwand. In der -Höhle aber erblickte sie eine schöne Jungfrau, die winkte ihr zu und -füllte ihr die Schürze mit den Steinen, die neben ihr lagen. Hierauf -entfernte sich das Weib und als sie heimkam, hatte sie goldene Münzen -in der Schürze. Der Berg soll sich regelmäßig am Karfreitage während -der Passion öffnen. Eine Mutter, die zu dieser Zeit eindrang und von -den Schätzen, die darin aufgespeichert sind, nahm, vergaß ihr Kind -darin, fand es aber nach einem Jahre unversehrt wieder, von einer -Jungfrau behütet. - - -311. Der Schatz zu Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 34.) - -Im nördlichen Stadtteile von Joachimsthal, im sogenannten Oberthal, -stand vor Jahren hart an der Gartenmauer, welche sich rückwärts des -Hauses Nr. 106 befindet, ein stark gewachsener Hollunderstrauch. Da -die Wurzeln desselben immer tiefer in die ohnedies sehr schadhafte -Mauer eindrangen, war diese dem Einsturze nahe, deshalb schickten -sich die beiden Nachbarn Anton und Franz an, die Mauer abzutragen. -In der Mitte derselben fanden sie beim Abräumen einen irdenen Topf -mit Kirschkernen, von denen jeder eine kleine Öffnung hatte, als ob -er von einem Käfer angebohrt worden wäre. Einer der Nachbarn nahm -den Topf und schleuderte ihn an einen Stein, so daß die Scherben und -Kirschkerne auf ein Häufchen zusammenfielen. Dies geschah um die -Mittagsstunde, als auf dem nahen Kirchturme die Glocke ertönte. -- Die -beiden Männer begaben sich hierauf nach Hause, um ihr Mahl einzunehmen, -und erzählten ihren Angehörigen von dem Funde im Garten. Diese gingen, -von Neugierde gequält, sogleich an Ort und Stelle, um den merkwürdigen -Fund zu betrachten; allein weder ein Scherben noch ein Kirschkern -war zu finden. Auch die Nachbarn, die mit Eifer an der Abtragung der -Gartenmauer fortarbeiteten, sahen nicht die geringste Spur von dem -früher verschmähten Funde, der ein großer Schatz gewesen sein soll. - -Bald darauf ging Elisabeth, die Wirthschafterin des Besitzers jenes -Hauses, während des Abendläutens nach dem Hintergebäude, wo eine -Fallthür in den Keller führte, und bemerkte darauf ein Häufchen -glühender Kohlen. Bestürzt eilte sie zu ihrem Herrn und fragte ihn, ob -er auf die Kellerthür Asche geschüttet habe, was er mit Entschiedenheit -verneinte. Um sich aber zu überzeugen, liefen beide zur Fallthür, das -Gluthäufchen jedoch war verschwunden. - -Über der Gasse, dem oben bezeichneten Hause gegenüber, befand sich -zwischen zwei Häusern ein überaus schmaler, freier Raum, wo viel Stroh- -und Heugesäme abgelagert war. Daselbst fand ein Mann, der mit der -Säuberung des Platzes beschäftigt war, ein schweres eisernes Kistchen -und stieg mit seinem Funde, um ihn in Sicherheit zu bringen, auf die -Leiter, die er zur leichteren Vollführung seiner Arbeit angelegt hatte. -Als er mitten auf der Leiter stand, hörte er plötzlich seine Frau -ängstlich rufen: »Hans, komm' herauf, das Kind hat's Bein gebrochen!« -Vor Schrecken ließ er das Kistchen fallen und lief in die Stube, in -welcher die Frau das lächelnde Kind in der Wiege schaukelte. Seine -Verwunderung steigerte sich, als er erfuhr, daß seine Frau ihn gar -nicht gerufen habe. Nachdem Hans den Vorfall seinem Weibe erzählt -hatte, eilte er nach dem Orte zurück, um das in seiner Bestürzung -weggeworfene Kistchen zu holen, welches er jedoch trotz allen Suchens -nicht wiederfand. - -Glücklicher war ein anderer Nachbar, der in späteren Jahren vor seinem -Hause ein glühendes Kohlenhäufchen sah. Er nahm eine Schürze und deckte -dasselbe vorsichtig zu. Dann ging er in sein Haus, holte ein Gefäß, -in welches er das Häufchen schüttete, und trug es in den Keller. Des -andern Tages sah er nach und siehe! aus den Kohlen waren lauter blanke -Goldstücke geworden. - - -312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 39.) - -Auf einer felsigen Anhöhe an der Ostseite von Joachimsthal erhebt sich -die weithin sichtbare Johanneskapelle, die mit einem Wohngebäude in -unmittelbarer Verbindung steht. Über die Entstehung dieses Kirchleins -erzählt die Sage folgendes: - -Als der Bau der Hospitalkirche zu Joachimsthal in Angriff genommen -wurde, wohnte im sogenannten »Seidl-Koch-Haus,« dessen Ruinen seit -dem gewaltigen Brande vom 31. März 1873 noch heute zu sehen sind, -der Bergbeamte Vogelhaupt, welcher neben seinem Berufsamte die -Geschäfte eines Spitalrechnungsführers versah. -- Da geschah es, daß -beim Grundgraben dieser Kirche ein Maurer eine eiserne Kiste fand, -die sehr schwer war. Deshalb schaffte sie Vogelhaupt mittels eines -Pferdegespanns auf heimliche Weise zu seiner Wohnung. Dabei zersprengte -sich wegen der allzu großen Last eines der Pferde. In der Kiste lag -ein Schatz nebst einer Urkunde, in welcher es hieß, daß derjenige, -der die Kiste finde, von dem darin enthaltenen Gelde möge ein Kloster -errichten lassen. Vogelhaupt eignete sich wohl die gefundenen Schätze -an, erfüllte jedoch nicht die daran geknüpfte Bedingung. Erst -seine Nachkommenschaft, die von dem reichen Funde genaue Kenntnis -hatte, suchte ihr geängstigtes Gewissen durch den Bau einer Kapelle -einigermaßen zu beruhigen. Und so errichtete denn Johann Jakob -Vogelhaupt mit seiner Gattin Maria Sophie, geb. Makasy, im Jahre 1734 -die Johanneskapelle. Selbige gelangte, da Maria Barbara, die Tochter -des genannten Ehepaares, sich mit Franz Ludwig Pallas vermählte, in den -Besitz der Pallasfamilie. Der spätere Besitzer Franz Pallas, Domdechant -in Prag, vererbte die Kapelle am 4. Juni 1823 seiner Schwester Barbara, -verehelichten Walz, mit der Bedingung, daß an die Kapelle ein Haus -mittels Legates von 15000 fl. Wiener Währung angebaut und dieselbe für -immerwährende Zeiten als Hauskapelle erhalten werde. Diese letztwillige -Verfügung des Domdechanten Pallas ist in den Jahren 1838 und 1839 -erfüllt worden. - -Gegenwärtig gehört die Johanneskapelle dem Bürger Hilarius Seidl, der -sie am 30. November 1867 käuflich an sich brachte. - - -313. Der weiße Fels bei Bäringen. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 171.) - -Im Buchwalde bei Bäringen erhebt sich ein hoher Felsen, der heißt »der -weiße Fels.« Am Karfreitage soll sich der Felsen öffnen und ein uraltes -Bäuerlein herauskommen, welches hier die frische Saat fürs nächste Jahr -beginnt. Am nächsten Karfreitage soll nämlich an dem Orte, wo dasselbe -säet, Gold hervorwachsen. Wer an diesem Tage hier vorübergeht, der kann -es sehen, und wer von dem Golde etwas aufhebt, der kann mit demselben -sein Vermögen bessern. - - -314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau. - -(Nach Ziehnerts poet. Bearb. b. Gräße a. a. O. No. 580.) - -In der Nähe von Glauchau befindet sich der sogenannte Schafteich, der -fast eine halbe Stunde im Umfange hat und beinahe den ganzen ebenen -Raum zwischen dem Scheerberge, der Mulde und der Lungwitz einnimmt. -Nahe bei diesem Teiche befindet sich eine Art Stolln, der weit hinein -in die Erde reicht, und den man gewöhnlich die Räuberhöhle nennt. In -derselben soll es aber nicht geheuer sein. So erzählt man, daß einst -ein armer Hirtenknabe an jener Höhle fast täglich gespielt habe und oft -von brennender Neugierde gequält worden sei, einmal hinein zu kriechen, -um zu wissen, was denn eigentlich darin sei. Nun getraute er sich aber, -so beherzt er sonst auch immer war, doch nicht so recht hinein, weil -er den Rückweg zu verfehlen gedachte. Da sah er einmal eine schwarze, -goldgesprenkelte Henne in den Eingang kriechen und gackern, gerade -als wenn sie legen wolle. In der Hoffnung ihr Nest zu finden, folgte -er ihr einige Schritte, allein bald ward es ihm zu unheimlich und zu -finster und so kehrte er wieder um. Da er nun aber die Henne auch die -nächsten Tage immer wieder an demselben Orte fand, so dachte er darüber -nach, wie ihm wohl die Henne den Weg in das Innere der Höhle zeigen -könne. Er nahm also einen starken Knäuel Garn und band der Henne einen -Faden desselben an das Bein, und diese zog ihn nun ganz langsam, gerade -als ob sie seine Absicht merke, hinter sich in die Höhle. Schon war -aber das Garn fast ganz abgewickelt, da sah er auf einmal vor sich ein -brennendes Licht. Allein wie ward ihm, als er bemerkte, daß dasselbe -aus den Augen eines schwarzen, zottigen großen Hundes mit furchtbarem -Rachen und starken Klauen ausströme! Neben demselben stand aber ein -Männchen in einem grauen Mäntelchen, das hatte einen großen Sack Geld -in der Hand und rief ihm zu, er möge nur näher kommen. Allein der Knabe -wagte es nicht und nur erst, als das Männchen ihm nochmals zurief, -er könne es ohne Gefahr thun, wagte er es. Hierauf reichte ihm der -Graumantel eine Hand voll Thaler und sagte, er könne hierher so oft -kommen, als er wolle, er solle jedesmal eine gleiche Summe bekommen, -nur dürfe er niemandem sagen, woher er das Geld habe, sonst sei er -verloren. Der Knabe fand nun den Rückweg sehr leicht, allein da er -niemandem, auch seinen Eltern nicht, sein Glück mitteilen konnte, so -blieb ihm nichts übrig, als das Geld zu vernaschen. Dies that er auch -nach und nach, und als dasselbe verthan war, begab er sich wieder in -die Höhle und holte sich eine zweite Auflage des vorigen Geschenks. -Weil nun aber der Knabe gar zu oft bei dem Kaufmanne Näschereien kaufte -und stets in blanken Thalern bezahlte, schöpfte derselbe Verdacht, das -Geld sei gestohlen, und teilte seine Wahrnehmung dem Vater des Knaben -mit. Da dieser nun recht gut wußte, daß sein Sohn nicht Pfennige, -geschweige denn Thaler haben könne, so suchte er erst durch Drohungen -heraus zu bringen, woher das Geld sei, und als der Knabe es nicht -gestehen wollte, schlug er ihn so lange aufs Unbarmherzigste, bis -derselbe alles gestand, aber auch hinzusetzte, daß ihm gewiß sein Brot -gebacken sei, weil er das graue Männchen verraten habe. Und so geschah -es auch, denn als der Vater am andern Morgen seinen Sohn, der ihm zu -lange zu schlafen schien, aufwecken wollte, war er tot; der Böse hatte -ihm den Hals umgedreht. - - -315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal. - -(Mündlich.) - -Vom Hammerberge bei Wittichsthal sagte ein Venetianer, als er den -Berg vom Fenster seines Logis aus erblickte, in ihm liege noch ein -Königreich. Er wollte damit ausdrücken, daß in dem Berge ein großer -Schatz liege. - - -316. Der Eimer voll Silber. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 262.) - -Eine Magd, die in Komotau in einem Hause am Graben diente, ging zu -Weihnachten spät des Abends zum Brunnen und schöpfte Wasser. Wie sie -aber den Eimer heraufzog, war er voll Silbergeld. Sie lief eiligst -zum Herrn und meldete das Wunder. Als dieser aber mit ihr wieder zum -Brunnen kam, war der Eimer leer. - - -317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg einen -Schatz. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~. 1716, S. 1146.) - -Ungefähr im Jahre 1679 zeigte sich in dem Knappschaftshause zu -Schneeberg ein Gespenst in eines alten, graubärtigen kleinen Mannes -Gestalt einem Schüler, welcher daselbst seine Wohnung hatte. Es -machte sich nach vielfältiger Erscheinung und Wortwechselung mit ihm -dergestalt bekannt, daß er zuletzt nicht mehr so furchtsam sein konnte, -sondern, um endlich Ruhe zu haben, einen angegebenen Schatz zu graben -sich erkühnte. Obwohl nun der Schüler solchen Schatz, nachdem er des -Tages immer darnach gegraben, endlich in vielen güldenen Ketten und -Silbergeschirr, darauf die alten Schneeberger viel gehalten, erblickte, -so hat er dennoch das betrogene Spiel in Händen gehabt. Denn als es -zum Treffen und Heben gekommen, wie dazu das alte Männlein die Zeit -gesetzet, hat der Schüler im Gewölbe, darin er allein gewesen, zwar -gesehen, wie zwei anwesende Männer den Schatz aus der Erde gehoben und -lauter Pretiosen auf den vorhandenen Tisch ausschütteten, wornach auch -das alte Männlein ihn greifen heißen; aber wie er daneben von einem -andern, der seitwärts auf einem Sessel gesessen, die Anrede gehört, wie -er als ein armer Mensch sich erkühne, einen solchen kostbaren Schatz -zu heben, darüber er, als der Herr der Welt, doch die Macht hätte: -siehe, so ist darauf der Schüler voller Schrecken zurückgekehrt und in -höchster Angst gewesen, bis der Seiger nachmittags 4 Uhr geschlagen. -Denn eben bis auf diese Zeit hatte das alte Männlein die Gelegenheit -zum Schatzheben gesetzt, und eben um diese Zeit hat ein Sturmwind -gewütet und einen Baum im Garten gebrochen, dahin zugleich, wie das -Gespenst bei letzter Erscheinung sagte, der Schatz aus dem Hause -fortgerückt sein sollte. - - -318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 89.) - -Vor etwa siebzig Jahren kamen nach der Bergstadt Platten einige -Zigeuner. Da dieselben wegen der rauhen Jahreszeit nicht im Freien -ihr Lager aufschlagen konnten, gingen sie von Haus zu Haus und baten -flehentlich um Herberge. Allein überall wurden die braunen Söhne -mürrisch und hartherzig abgewiesen, bis sie ein armer, aber ehrlicher -Bergmann, mit Namen Friedrich, in seine windschiefe Hütte aufnahm. -Beseelt von edler Menschenliebe, kochte die Frau des Bergmannes sofort -eine Milchsuppe, welche den hungrigen Gästen vortrefflich mundete. -Nach mehrtägigem Aufenthalte beschlossen die Zigeuner, an's Wandern -gewöhnt, weiter zu ziehen. Zuvor aber wollten sie sich der braven -Bergmannsfamilie dankbar erweisen. Deshalb legte eine Zigeunerin das -Geständnis ab, im Auffinden von Schätzen gut bewandert zu sein, und -hielt alsogleich im Hause Umschau. Sie nahm die Wünschelrute, begab -sich aus dem Stübchen in den Küchenraum und ließ diese schlagen. Die -Rute neigte sich gegen den Ofen, ein Zeichen, daß hier ein Schatz -verborgen liege. Nach mehreren anderen Schwankungen bezeichnete -sie genau den Ort, und den Andreasabend als die Zeit zum Heben des -Schatzes. Mit Segenswünschen schieden die Zigeuner. Der arme Bergmann -jedoch konnte den festgesetzten Tag gar nicht erwarten und schritt -noch vor dem Termine an die Ausführung seiner geheimnisvollen Arbeit. -Zu diesem Zwecke verfertigte er einen großen Kreis aus Papier, den er -mit hunderten von Kreuzen beschrieb und legte ihn auf den Platz, wo -der vermeintliche Schatz sich befinden sollte. Hierauf stellten sich -der Bergmann und ein Nachbar in den Kreis und fingen zu graben an. Es -dauerte nicht lange, da kam eine eiserne Truhe zum Vorschein. In dem -Augenblicke aber, als einer der Schatzgräber mit der Haue auf die Lade -schlug, entstand ein gewaltiger Donnerschlag, und der Kreis zerriß -in tausend Stücke. Sprachlos und totenblaß standen beide Männer da, -und als sie sich von der Betäubung erholt hatten, sahen sie einander -nicht wenig erstaunt an, denn der Schatz war wieder in die Tiefe -zurückgerollt. - - -319. Die Schatzgräber. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 100.) - -Zwischen Platten und Jungenhengst steht am Wege, der in die -letztgenannte Ortschaft führt, ein Bild, welches Jesum, wie er -gegeißelt wird, darstellt und von den Umwohnern »schönster Jesus« -genannt wird. Dort soll ein großer Schatz verborgen liegen. Denselben -wollten vor vielen Jahren zwei Geschwister, Bruder und Schwester, -heben. Nachdem beide sich mit den üblichen Beschwörungsformeln bekannt -gemacht hatten, gaben sie sich das Versprechen, kein Wörtlein während -des Schatzgrabens zu sprechen. In einer Nacht gingen sie nun an Ort und -Stelle und gruben allda, bis sie nach längerer Arbeit auf den Deckel -einer Geldkiste stießen. Allein welcher Schreck! Mit einemmale kommt -ein Soldat gegen das schätzesuchende Geschwisterpaar heran. Nach einer -Weile sprengt auf feuersprühendem Rosse ein Reiter daher, dem mit -Blitzesschnelle sich eine ganze Schwadron Kriegsgefährten anschließt. -Eisiges Grauen überfiel da die Geschwister, welche einander schweigend -anblickten. Als aber eine Totenbahre sichtbar ward, der ein langer -Leichenzug folgte, da rief die Schwester: »Jesus, Maria! Da tragen sie -unsere Mutter!« Wie diese Worte ihrem Munde entflohen waren, stürzte im -Innern der ausgegrabenen Grube ein mächtig sprudelnder Quell hervor. -Immer höher und höher stieg das Wasser und überflutete in wenigen -Augenblicken den Weg. Bald reichte es sogar den Geschwistern bis zur -Brust, so daß sie, über die höchst sonderbaren Erscheinungen entsetzt, -von dannen eilten. Als sie nach Hause kamen, waren sie -- welch ein -Wunder -- ganz trocken. Das Geschwisterpaar verspürte nun keine Lust -mehr, den Schatz zu holen. - - -320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Geld. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 288.) - -Eine Frau fand eines Tages auf dem Hausberge bei Graslitz beim -Beerensuchen ein Bündel Reisig, worin verschiedene Buchstaben zerstreut -herumlagen. Sie nahm einige derselben und dachte sie ihren Kindern zum -Spielzeug zu bringen. Als sie dieselben aber zu Hause aus ihrem Korbe -nehmen wollte, waren es Silberstücke geworden. Nun eilte sie wohl -nach dem Orte zurück, um die übrigen zu holen, allein das Bündel samt -den Buchstaben war verloren. Ein andermal fand eine Frau ein Häufchen -Hobelspäne, die daheim zu Thalerstücken wurden, und wieder ein -andermal trugen Kinder Kohlen und Steinchen heim, die sich zu Hause in -Gold verwandelten. - - Dämonische Wesen besitzen die Wunderkraft, die verschiedensten - Gegenstände in edles Metall zu verwandeln. Auch wo sie in der Sage - bei einer solchen Verwandlung nicht ausdrücklich genannt werden, ist - die letztere doch von ihnen ausgegangen. Im Fichtelgebirge schenkt - eine weiße Jungfrau Laub, das zu Golde wird (Zapf, der Sagenkreis - des Fichtelgebirgs, S. 18), und im Harze verwandeln sich durch den - Zwergkönig des Hübigensteins und die Prinzessin Ilse Tannenzapfen in - Silber oder Gold. (Heine, Sagen, Märchen etc. aus dem Harze, S. 16 - und 94.) - - -321. Kutter verwandeln sich in Geld. - -(Mündlich.) - -Einst ging eine Frau aus Bermsgrün in den Wald und fand daselbst -mehrere wohl geordnete Häufchen von rundlichen, abgesprungenen -Fichtenrindenstücken, die man »Kutter« nennt. Da sagte sie für sich: -»Wer mag nur da gespielt haben?« und nahm solche Kutter von den -Häufchen mit nach Hause, damit ihre Kinder auch damit spielen sollten. -Als sie aber zu Hause ankam und den Korb aufdeckte, um die dahinein -geworfenen Kutter ihren Kindern zu geben, fand sie statt derselben -Geldstücke. Schnell ging sie darauf zurück, um auch die liegen -gelassenen Kutter zu holen, allein sie konnte keine mehr finden. - - -322. Die sonderbaren Sägespäne. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 85.) - -Vor vielen Jahren ging ein Weib aus Abertham in den in der Nähe -liegenden Wald, der damals den Mühlberg bedeckte, um Klaubholz -zu holen. Im Walde angekommen, stellte sie ihren Korb bei einem -Kreuzwege nieder und lief in die Kreuz und Quer herum, um die Reiser -zusammenzutragen. Als sie zu dem Korbe zurückkam, fand sie denselben -mit Sägespänen angefüllt. Da sie jedoch ihrer nicht bedurfte, schüttete -sie in ihrer Einfalt die Späne aus und legte in den Korb das Klaubholz. -Wie war aber das Weib erstaunt, als sie, nach Hause gelangt, den Korb -leerte und darin viele Goldstücke fand! Diese waren auf wunderbare -Weise aus den Sägespänen, welche an dem Korbrande hängen geblieben -waren, entstanden. Mit freudestrahlendem Gesichte eilte das Weib -sogleich in den Wald zurück, um die verschmähten Sägespäne aufzuraffen, -allein ihr Suchen war vergeblich, denn dieselben waren spurlos -verschwunden. - - -323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 98.) - -Unweit von Platten steht an der Straße, die vormals von dieser Stadt -nach Bäringen leitete, eine Johannes-Statue. Eines Abends -- es mochte -9 Uhr sein -- ging der Binder Fladerer aus Platten von Bäringen nach -seinem Wohnorte. Als er bei der erwähnten Statue vorbeischritt, lagen -mitten auf dem Wege frische, erst aus dem Felde genommene Kartoffeln. -Ohne sich lange zu besinnen, griff Fladerer nach denselben und steckte -sie ein. Wie er daheim die Kartoffeln aus den Taschen nehmen wollte, -zog er lauter blanke Goldstücke hervor. - -Nach der Sage soll unter der Johannes-Statue ein Silbergang sein. - - -324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen. - -(Deutsche Sagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1. B. -No. 158.) - -Am Johannistag kamen zwei Hirtenknaben, indem sie den jungen Vögeln -nachstellten, in die Gegend des Heilingsfelsen an der Eger und -erblickten unten an demselben eine kleine Thüre offen stehen. Die -Neugierde trieb sie hinein; in der Ecke standen zwei große Truhen, -eine geöffnet, die andere verschlossen. In der offenen lag ein großer -Haufen Geld, sie griffen hastig danach und füllten ihre Brotsäcklein -voll. Drauf kams ihnen greulich; sie eilten nach der Thür, glücklich -trat der erste durch. Als aber der zweite folgte, knarrten die Angel -fürchterlich, er machte einen jähen großen Sprung nach der Schwelle, -die Thüre fuhr schnell zu und riß ihm noch den hölzernen Absatz seines -linken Schuhes ab. So kam er noch heil davon und sie brachten das Geld -ihren erfreuten Eltern heim. - - -325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges bei Kirchberg. - -(Anton Bär im Glückauf, 2. Jahrg. S. 80.) - -In der Schlacht an der Göltzsch, in welcher die Deutschen die -Herrschaft der Sorbenwenden in den Flußgebieten der Saale, Elster und -Mulde brachen, verlor auch ein adeliger Sorbe das Leben. Seine Burg lag -inmitten seines ansehnlichen Grundbesitzes auf dem Borberge, welcher -sich nahe bei der Stadt Kirchberg erhebt. Bevor er in den Kampf gezogen -war, hatte er seine Schätze dicht neben dem Burgbrunnen, welchen man -noch heute auf dem Borberge zeigt, vergraben, seine Kinder aber, -drei Mädchen von großer Schönheit, hinausgeführt in den heiligen Hain -und sie hier geloben lassen, dem Glauben ihrer Väter treu zu bleiben -und die heiligen Gebräuche ihres Volkes fortzuüben. Als die Deutschen -in die Gegend einrückten, brannten sie die Burg nieder, ließen aber -die drei Schwestern, welche unterdessen ein kleines Gehöfte am Berge -bezogen hatten, ziemlich unbelästigt in ihrer Verborgenheit leben. -Allerdings traf auch sie, was jetzt über alle ihre Stammesgenossen in -der Umgegend erging: sie mußten den Weisungen der deutschen Herrschaft -willigen Gehorsam leisten und die Taufe und den christlichen Glauben -annehmen. Letzterer Anordnung kamen sie indessen nur widerwillig -nach, denn der neue Glaube stand im Widerspruch mit ihrem dem -Vater geleisteten Gelübde und erlaubte ihnen nicht, manchen alten -liebgewordenen Gebrauch weiter zu pflegen; sie fühlten sich darum oft -in ihrem Herzen beschwert und gingen häufig zur Nachtzeit mit anderen -Genossen hinaus zum zerschlagenen Opfersteine und übten allda ihre -heidnischen Gebräuche. - -Lange blieb das Treiben der Schwestern und ihres Anhanges verborgen, -als aber aus dem Walde am Geiersberg heraus ein Kirchlein sich -erhob und die Mönche dort das Seelsorgeramt mit Strenge übten, da -setzten diese auch den Zusammenkünften am Opfersteine ein Ziel, -und forderten die Schwestern, als die Veranstalter derselben, zu -strenger Rechenschaft. »Ihr dient dem Herrscher der Hölle«, eiferten -sie; »wohlan, da ihr unsere Warnungen und Mahnungen nicht beachtet -habt, so sollt ihr auch dem Bösen verfallen sein. Wir sprechen den -Bann über euch aus; freud- und friedlos sollt ihr sein, bis es euch -gelingt, ein Christenkind zu herzen und zu küssen, das man aus dem -Walde herein nach St. Margarethen zur Taufe trägt«. -- In der That -gewann es den Anschein, als waltete über den aus der Gesellschaft -Gestoßenen von Stund an ein freundlicher Stern nicht mehr. Jedermann -vermied den Umgang mit ihnen; sie hatten weder Rast noch Ruhe mehr -und mußten öfters in der Nachtzeit, wenn die wilde Jagd dahin zog, -wie das gehetzte Wild den finstern Wald durchirren. Das waren böse, -harte Zeiten für die Schwestern, traurige Erlebnisse, welche endlich -in ihren Herzen die Reue erkeimen ließen, dem Willen des Vaters gemäß -gehandelt zu haben. Vergebens erwies sich auch das Bemühen, den -wenigen, zufällig in ihre Nähe kommenden Menschen sich freundlich zu -erweisen, vergebens die Bitte bei den Mönchen zu St. Margarethen, den -bösen Zauber zu lösen, welchen ihr Bann über sie gebracht hatte, die -Not blieb und nahm zu, je älter sie wurden. Manches Jahr war bereits -verschwunden und noch immer harrten die Schwestern des Zusammentreffens -mit einem Kinde, das im nahen Kirchlein die Taufe empfangen sollte. -Zwar hatte der Zufall die Gelegenheit hierzu einigemale geboten, aber -die Scheu vor ihnen war so groß, daß man bei ihrem Erscheinen stets -zur Seite wich und schon aus der Ferne den Versuch einer Annäherung -zu hindern suchte. Da gewahrte einst in einer Nacht die jüngste der -Schwestern in der Gegend, wo, umgeben vom dichten Wald, eines Köhlers -Hütte stand, noch helles Licht; von dem Wahrgenommenen unterrichtet, -schlichen alle drei, begleitet von ihren zwei treuen Knechten, bis -zur Hütte und bemerkten, daß des Köhlers Weib ein Kind geboren hatte. -Sogleich stand der Entschluß in ihnen fest, dem Kinde, wenn es zur -Taufe getragen würde, zu nahen und dessen Begleitung um die Erfüllung -ihres Wunsches anzugehen. -- Es währte auch nur kurze Zeit, als spät -an einem Nachmittage der Köhler in Gesellschaft weniger Personen auf -dem schmalen Pfade daher geschritten kam, um seinen Neugebornen nach -St. Margarethen zur Taufe zu bringen. Alsogleich trat die älteste -der Schwestern an ihn heran und sprach: »Lieber, laß mich Dein Kind -sehen und herzen, Du sollst dafür auch diesen schönen glänzenden Stein -haben, sieh' nur, wie er in der Sonne blitzt und funkelt.« Doch der -Angeredete wandte sich ab und entgegnete: »Ich begehre weder Deinen -Stein, noch sollst Du mein Kind sehen; halte mich nicht auf und laß -mich weiter gehen.« Eine Strecke weiter kam die zweite Schwester und -redete: »Lieber, sieh' dieses Goldstück, es soll Dir gehören, sobald -Du mir erlaubst, Dein Kind einen Augenblick auf meinen Armen wiegen zu -dürfen.« »Nein,« rief unwillig der Köhler, »Deines Goldstücks wegen -gebe ich den Kleinen nicht aus meinen Händen; blicke nur empor, welch -schweres Wetter am Himmel dräuet, ich will eilen, weiche zur Seite.« -Abermals einen Steinwurf weiter kam die dritte Schwester dem Taufzuge -entgegen. »Ei, lieber Köhler,« begann sie im muntern Ton, »Freya, die -liebreiche, hat Dir ein Kind beschert, welches Du ohne Zweifel jetzt -zur Taufe trägst; hier nimm diesen Wickel Flachs als Taufgeschenk, -er soll Deinem Kinde Segen bringen, doch erlaube mir, den Kleinen -auf einen Augenblick zu sehen.« Da reichte der Vater dem Mädchen, -weil es gar so herzlich bat, das Kind und dieses drückte rasch einen -warmen Kuß auf dessen Lippen. Noch redeten beide miteinander, als das -Glöcklein von der Kapelle eifrig mahnte, das Gespräch einzustellen. -Über den brausenden Bach auf schwankendem Steg eilte der Köhler -hinauf zur Kapelle, die Jungfrau aber raschen Laufes zu den in banger -Erwartung harrenden Schwestern. Wie fröhlich lenkten diese jetzt ihre -Schritte dem Hofe zu, wie glücklich saßen sie, nachdem der jüngsten die -Ausführung des längst gehegten Vorhabens gelungen war, dort beisammen! -Die That, einst als Erfordernis bestimmt, den auf ihnen lastenden -Zauber zu bannen, war erfüllt und von nun an sollte der Böse keine -Macht mehr über sie haben. - -Die Taufe in der Kapelle hatte längst ihr Ende erreicht, aber das -inzwischen zum Ausbruch gekommene Gewitter hinderte bis zum späten -Abend den Köhler an der Rückkehr zu seiner Hütte. Mit mächtiger Gewalt -tosete diesmal der Donnergott. Mehr als einmal fuhr der blendende -Strahl, wie von der Kapelle aus zu bemerken war, auf den Borberg nieder -und mußte zuletzt auch gezündet haben, denn man sah im strömenden Regen -dort dichten Qualm und Rauch aufsteigen. Dazu ließ sich ein Pfeifen und -Rollen in der Luft vernehmen, als wenn der Fürst der Hölle selbst sein -Wesen triebe. Letzteres war in der That auch der Fall; denn erzürnt -darüber, daß drei durch den Bann ihm verfallene Seelen sich seiner -Herrschaft zu entringen gewußt hatten, fuhr er grimmig und tobend im -Wetter davon. -- Endlich hatte die Natur ihre Ruhe wieder gefunden; -am Himmel leuchteten bereits die Sterne, und in reicher Fülle sandte -der Mond sein silbernes Licht zur Erde, als der Köhler mit seiner -Begleitung den Heimweg antrat. Ohne Aufenthalt kam er auch diesmal -nicht am Borberge vorüber. Mitten auf dem Wege, an derselben Stelle, wo -vor wenig Stunden eine der Schwestern den Anblick seines Kindes erbeten -hatte, hörte er plötzlich seinen Namen rufen. Er blickte empor und -sah zwischen den Bäumen hindurch oben auf einem vorspringenden Felsen -die drei Jungfrauen stehen und hörte zugleich, wie sie ihm zuriefen: -»Lieber Köhler, habe Dank, daß Du dein Kind unserer jüngsten zum Kusse -reichtest; Du hast uns dadurch aus schwerer Not und Drangsal befreit. -Komm nur sonder Scheu herauf zu uns und nimm den Schatz, mit dem wir -Dich belohnen wollen.« Aber dem Angerufenen und seinen Begleitern -liefen bei diesen Worten die Schauer bald kalt, bald heiß über den -Rücken; sie schlugen eiligst ein Kreuz und suchten schnell weiter zu -kommen. - -Gegen den anbrechenden Morgen hin mochte es jedoch den Köhler -gereuen, der Einladung nicht Folge geleistet zu haben. Der Gedanke -an den angebotenen, von ihm aber so leichtfertig verschmähten Schatz -beherrschte seine ganze Seele, und über sein Vorhalten peinigten ihn -umsomehr allerlei Vorwürfe, als ja die Schwestern sich ihm immer -freundlich erwiesen hatten. Mit dem ersten Sonnenstrahl, der seine -Hütte traf, war er darum auch schon auf den Beinen, ging auf den -Berg und forschte nach den drei Jungfrauen. Er kam zu ihrem Hofe, -doch dieser lag still und abgebrannt vor ihm; er stieg hinauf zum -zerklüfteten Gemäuer der Burg, aber auch hier war nichts von den -Gesuchten zu sehen und zu hören. Mißmutig lagerte er sich nunmehr in -das Gras und rief mit fast weinerlicher Stimme und allerlei zärtlichen -Worten nach den Schwestern. Doch auch diese Mühe schien lange des -Erfolges zu entbehren. Endlich gewahrten seine Augen hinter einem -Stein ein kleines graues Männlein mit langem weißen Bart, welches ihm -also zurief: »Thörichter, warum störst Du die kaum begonnene Ruhe der -Schwestern? Warum lohntest Du ihr Vertrauen nicht wieder mit Deinem -Vertrauen? Du hast Dein Glück verscherzt, doch Deines Sohnes werden -sie gedenken, sobald die Sonne achtzehnmal über die Erde gegangen sein -wird. Wisse, die einst Vielgeplagten schlafen von jetzt an bei ihren -Schätzen im Berge; wenn sie erwachen, erscheinen sie wieder an dem -Brunnen; begegnet ihnen dann ein Menschenkind, dem sie wohlwollen, so -beglücken sie es mit großem Gute.« - -An des Köhlers Kinde ist die Verheißung zur Wahrheit geworden; ebenso -sind im Verlauf der Zeiten die Schwestern mehreren nächtlichen -Wanderern glückbringend erschienen. Aber noch sollen die von ihnen -gehüteten Schätze so groß sein, daß sie davon noch vielen Erwählten -zu spenden vermögen. Wer nun davon haben will, der gehe zur Zeit -der Sommer- und Wintersonnenwende, sobald es nächtet, auf den Berg; -vielleicht erscheinen die Schwestern und lassen ihn Gnade finden vor -ihren Augen. - - -326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda. - -(Mündlich.) - -Zwischen den Dörfern Lichtenberg, Burkersdorf bei Frauenstein -und dem als Sommerfrischort in Aufnahme gekommenen Mulda erhebt -sich der Burgberg, auf dessen Gipfel man noch die Überreste eines -Doppel-Steinwalles und einen Brunnen, »Junfernbrunnen« genannt, sieht. -Nach der Volkssage stand ehemals auf diesem Berge ein Schloß, und in -einer weiten Felsenhöhle soll daselbst noch ein großer Schatz in einer -Braupfanne liegen. Zuweilen hat man des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr -von Lichtenberg aus auf dem Berge ein Licht gesehen, und wenn man dann, -wenn sich das Licht zeigt, den Gipfel erklimmt und einen weißhaarigen -Jungen mitbringt, dann ist man fähig, den Schatz zu heben. Jedoch sind -schon viele Personen, welche dies versuchten, von dem Lichte oder einem -Hahne, welcher auf dem Platze des alten Schlosses erscheint, irre -geführt worden. Der Hahn soll ein verzauberter Burgherr sein; derselbe -ist erlöst, wenn es jemandem gelingt, den Schatz zu heben. Der Eintritt -in den Geldkeller, und ebenso der Austritt, muß stillschweigend -geschehen. Einer kam einst hinein und da sah er viel Gold und -Edelsteine, von denen er sich eine große Menge mitnahm. Als er aber -durch das Thor getreten war und in seiner Freude einen Laut ausstieß, -schloß sich plötzlich dicht hinter ihm die Pforte und die Schätze, -welche er soeben noch getragen hatte, waren wie ein Traum verschwunden. - -Es lebte einmal in dem Dorfe Lichtenberg ein Junge, der sehr verwegen -war, und den man deshalb den »Waldteufel« nannte. Derselbe kam einst -mit zwei andern Jungen auf den Berg und kletterte an den Felsen, -welcher nördlich von den Wällen steil abfällt. Hier sahen sie eine -tiefe Felsenkluft und über derselben waren zwei Felszinken. Da hielt -sich der »Waldteufel« an diesen Zinken fest und die beiden andern -Jungen halfen ihm, so daß er sich etwas in der Spalte hinablassen -konnte. Da sah er in der Tiefe einen großen Haufen Knochen, so daß er -sich doch fürchtete, obschon er sonst beherzt war, und schnell wieder -heraufstieg. Von Geld hat er aber nichts gesehen. - -Übrigens sind auf dem Berge und in seiner Nähe schon viele Leute, auch -bei Tage, so bethört worden, daß sie lange Zeit in der Irre gegangen -sind. - -Der oben genannte Brunnen soll immer Wasser gehabt haben, und wenn man -versucht hat, dasselbe auszuschöpfen, so gelang es nicht. - - -327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda. - -(Mündlich.) - -Da, wo sich jetzt die Schäferei von Voigtsdorf bei Sayda befindet, soll -einst ein Schloß gestanden haben, das in einem Kriege, vielleicht im -Hussitenkriege, eingeäschert wurde. Bei dieser Zerstörung wurde ein -Schloßfräulein mit ihren Schätzen verschüttet. Ein Mann hat vor vielen -Jahren wiederholt an dem Platze gegraben, um des Schatzes teilhaftig zu -werden, jedoch nichts finden können. - - -328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz. - -(Richter, Chronica der Stadt Chemnitz I. 1767, S. 54.) - -Der ehemalige Schulrektor in Chemnitz, Paulus Niavis, welcher sich -gegen das Jahr 1494 von da nach Leipzig gewendet, erzählt, daß bei -dem Bürgerwald, das ist der jetzige Zeisigwald, ein kleiner Hügel bei -des Bürgermeister Arnold Felde wäre, da habe unten an dem Fuße des -Hügels eine große ausgebreitete Fichte gestanden, und daselbst wäre -eine Höhle, von außen mit Dornen und Brombeersträuchern verwachsen; -von dieser würde erzählt, daß in ihr ein großer Schatz von Golde -verborgen liege, dieweil die Leute in dem Hussitenkriege ihr Vermögen -darin verstecket. Solcher Schatz aber wäre besessen; es hätten einige -Schatzgräber denselbigen haben wollen, aber nichts ausgerichtet. - - -329. Der Schatz im Taurasteine. - -(Chemnitzer Tageblatt, 1882, No. 89, und nach einer poetischen -Bearbeitung, mitgeteilt vom Lehrer Drescher in Burgstädt.) - -In dem Taurasteine bei Burgstädt soll ein Schatz liegen. Auch -erzählt die Sage von einem unterirdischen Verbindungswege zwischen -dem Taurasteine und dem Rathause in Burgstädt. Einst soll auch auf -dem Taurasteine ein Altar der heidnischen Wenden gestanden haben, -welche sich, von ihren Priestern gerufen, im Hahnbusche versammelten, -wenn sie zum Opfer hinaufzogen. Die Wenden und ihre Priester wurden -vertrieben, aber noch lassen sich auf dem Platze gespenstische Männchen -sehen, welche den verborgenen Schatz hüten. Es geschah einmal, daß ein -Bewohner Burgstädts durch den Wald auf den Stein ging. Von der Hitze -ermattet, legte er sich im Waldesgrün, wo ihn wohlthätige Kühlung -umfing, nieder und fiel bald in einen tiefen Schlaf. Plötzlich rief -ihm eine Stimme zu: »Stehe auf, denn ich führ Dich zu Deinem Glücke!« -Als er die Augen aufschlug, war es Nacht und vor ihm stand ein graues -Männchen. Mit unsichtbarer Macht zog es ihn, dem Männchen zu folgen, -wohin ihn dasselbe führte. Bald standen sie vor einer geöffneten -Pforte, und im Innern der Höhle lagen Haufen von hellleuchtendem Golde. -Da sagte das Männchen: »Jetzt sind wir am rechten Orte. Alles was Du -hier siehst, soll Dein sein und Du bist alle Deine Sorgen los. Nur -eine Kleinigkeit wünsche ich dafür von Dir: Dein Weib gebar Dir einen -Knaben, den sollst Du mir für all dies Gold schenken, daß er mir mit -Leib und Seele gehört.« Da nahm der fromme Burgstädter schnell ein -Kreuz, der Christen heiliges Zeichen, das er bei sich trug, hervor -und hielt es dem Verführer entgegen. Plötzlich stürzten die Felswände -krachend ein und das Gold sank wieder in die Tiefe hinab. Der Arme aber -fiel mit bleichem Gesichte wie leblos zwischen dem Gesteine nieder, -und als er am Morgen erwachte, wurde gar freundlich in der nahen Stadt -das Pfingstfest eingeläutet. Zu Hause angekommen, fand er sein Weib, -welches ihm in der Nacht ein Söhnchen geboren hatte, und als sich die -Kunde von dem Geschehenen in der Stadt verbreitete, da eilte jung und -alt nach dem Taurasteine, ob man noch etwas von dem Golde sehen möchte; -doch jede Spur von der reichen Schatzkammer war verschwunden. - - -330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im Kaiser -Wilhelmsthale bei Nossen. - -(Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ II. S. 107.) - -Im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen zeigt sich in der Nähe der -Pfarrbrücke, besonders an herbstlichen Abenden, ein schwarzer Pudel -mit feurigen Augen, der sich einsamen Wanderern aufzuhocken pflegt. Er -soll eine von 1813 hier längere Zeit lagernden Franzosen vergrabene -Kriegskasse bewachen, die links unter der großen Linde liegt, des -wachsamen Pudels wegen aber noch von niemandem gehoben werden konnte. - - -331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen. - -(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ I. S. 189.) - -Den Burgberg zu Gleisberg krönt ein alter heidnischer Rundwall, in -welchem angeblich im Mittelalter eine Burg stand. In dem Wallkessel, -zu dem einige Stufen führen, soll ein großer Schatz liegen, dessen -Dasein vielseitig bemerkte kleine blaue Flämmchen verkünden. Ein -Nossener hatte sich einst daran gemacht, den Schatz zu heben, als er -aber auf der Stelle, wo der Schatz liegen sollte, eine große Menge -schwarze Kröten mit hellleuchtenden Augen sitzen sah, stand er von -seinem Vorhaben ab. Mehrere Marbacher, die zu gleichem Zwecke auf -dem Burgberge erschienen, wurden durch große schwarze Schlangen mit -feurigen Augen veranlaßt, umzukehren. - - Kröten und Schlangen sind wie der Drache Hüter von Schätzen. In der - Lausitz sagt man, daß, wo eine Kröte sitzt, ein Schatz liege. (Haupt, - Sagenbuch d. L. I. No. 301.) - - -332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen. - -(Alfred Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella (o. J.), S. 11.) - -Auf dem Rodigberge bei Nossen befindet sich ein großer Rundwall, in -welchem angeblich die erste Burg Nossen stand, der aber jedenfalls -ein heidnischer Wall sein dürfte. In diesem Walle giebt es Stellen, -die beim Darauftreten hohl klingen und auf alte verschüttete Gewölbe -jener Burg hindeuten sollen. Der Sage nach liegt darin ein bedeutender -Schatz, der in der Mitternachtsstunde des Christabends gehoben werden -kann. Schon viele Leute haben an erwähnten Stellen blaue Flämmchen -herumhüpfen sehen. - - -333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach. - -(Alfred Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im -Zellwalde, 1874, S. 7. ~Saxonia~ I., S. 172.) - -Eine Stunde von Nossen entfernt und nahe dem Dorfe Marbach liegt die -Stelle, auf welcher in den Jahren 1141 bis 1146 Thammo von Strehla ein -Klösterlein gründete, welches aber endlich einging und dessen Gebäude -abgetragen wurden. Nahe der jetzigen Bahnmeisterwohnung sieht man eine -Vertiefung; diese war einst der Klosterbrunnen. In denselben hatten die -letzten Mönche eine Glocke und vieles Gold- und Silbergeräte geworfen -und den Brunnen dann mit 95 Klaftern Stöcke zugeschüttet. Diese Schätze -harren noch der Ausgrabung. Nach einer Tradition bewacht sie ein Pudel -mit feurigen Augen, der bereits oft nächtliche Wanderer des Zellwaldes, -»die nicht mit Eisen oder Stahl versehen waren«, belästigte. - - Die letzte Bemerkung vom Eisen oder Stahl bezieht sich jedenfalls - auf den bei deutschen und Slaven verbreiteten Glauben, daß man auf - den durch glühende oder erloschene Kohlen oder Flämmchen angezeigten - Schatz eiserne und stählerne Gegenstände, besonders Messer u. - dgl., aber auch Geldstücke, selbst Brot oder ein auf bloßem Leibe - getragenes Kleidungsstück werfen müsse, um beim Heben des Schatzes - alle Gefahr von sich abzuwenden. (Jac. Grimm, Deutsche Mythologie, - 1835, S. 544. Veckenstedt, Wendische Sagen etc., 1880, S. 356.) - - -334. Der Schatz im Kloster Grünhain. - -(Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen o. J. S. 453.) - -In der Klosterkirche zu Grünhain liegt angeblich ein großer Schatz -begraben. Im März des Jahres 1657 hat der Schäfer Eucharius Bömely -zu Grünhain einen Bergmann 6 Tage und Nächte darnach graben lassen, -aber als derselbe in der letzten Mitternacht gehoben werden sollte, so -bewegte der Bergmann mit der Keilhaue eine Wand, ließ sie jedoch der -Schwere wegen wieder gehen, worauf die Wand eine Viertelelle tiefer -sank und mit ihr der vermeinte Schatz. Man ließ sofort einen gewissen -Rutengänger Tippmann kommen, der das Vorhandensein des Schatzes mit der -Rute feststellte, doch brachte man nichts zustande, da der Schatz unter -großem Geräusche immer weiter vorrückte. Es ist ein »großer, reicher -Schatz gewesen, so einst der Abt zu Ebersbach in Franken Siegmund -Siegeln anvertraut, aber wohl sehr flüchtig und schwer zu erlangen und -darum ist es auch mißlungen«, erläutert die Chronik. - - -335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf. - -(Nach Mitteilung des Ratsaktuars Fr. Köhler in Sayda.) - -Ungefähr in der Mitte zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf erhebt sich -in der Flur des letzteren Ortes auf dem höchsten Punkte des dasigen -Geländes ein Gneiskegel, der »Alpstein« genannt. Vor einigen Jahren -ist derselbe zum Teil abgetragen und beim Bau einer Scheune verwendet -worden. Von diesem Alpstein erzählt die Sage, daß sich daselbst zu -Zeiten ein Hund mit feurigen Augen, sowie ein schwarzes Männchen habe -sehen lassen. Wer diesen Erscheinungen folge, der würde nach der Stelle -geführt werden, wo bei dem Steine ein Schatz vergraben liege. Selten -aber wird jemand zur Nachtzeit an dem Steine vorübergegangen sein. - - -336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde. - -(Mündlich.) - -An dem auf der Höhe des rechten Muldenufers mitten im Walde zwischen -Schloß Stein und Niederschlema sich erhebenden weißen Fels soll eine -goldene Kette liegen, welche in gewissen Nächten aus der Tiefe steigt -und sichtbar wird. Einst träumte einem Manne in Lößnitz, daß er an dem -weißen Fels sein Glück machen werde, er solle nur in einer gewissen -Nacht um die Mitternachtsstunde dorthin gehen. Der Mann that es, und da -sahe er an dem genannten Felsen eine goldene Kette liegen, so groß wie -eine Hemmkette. Beherzt ergriff er dieselbe, da sie aber zu schwer war, -so faßte er sie am ersten Gliede und schleppte sie hinter sich fort. -Auf dem Nachhausewege aber sah er neben sich allerlei Spuk und er hörte -auch dicht hinter sich einen greulichen Lärm. Doch ließ er sich dadurch -nicht stören, sah sich auch nicht um, sondern er zog die Kette mit sich -fort bis vor seine Wohnung. Da er aber die Hausthüre öffnen wollte, -wurde der Lärm noch größer und es klang, als ob alle bösen höllischen -Geister dicht an seinen Fersen wären. Jetzt konnte er es nicht mehr -verwinden, ohne einen Blick rückwärts in sein Haus zu treten, da er -sich nun für geborgen hielt. Er sah sich um; plötzlich aber wurde alles -still und die goldene Kette war verschwunden. Nur das erste Glied hielt -er in seiner Hand. Es war jedoch genug, um ihn zum vermögenden Manne zu -machen. - - -337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau. - -(Mündlich.) - -Es war einmal ein Krieg ausgebrochen. Da vergrub einer aus der -berühmten und reichen Familie derer von Römer in dem roten Berge, -welcher sich nahe bei der Stadt Werdau erhebt, eine Braupfanne voll -Geld, um dasselbe vor den Feinden zu verbergen. Als dann jener Römer -starb, hinterließ er den Schatz demjenigen seiner Nachkommen, welcher -nur mit einem Auge auf die Welt kommen würde. Von da an sahe man lange -Zeit hindurch alle Nächte von 11 bis 12 Uhr auf dem genannten Berge ein -Licht, und es wurde gesagt, daß sich dasselbe gerade über der Stelle -befinde, an welcher in der Tiefe der Schatz verborgen worden war. -Ebenso zeigte man eine kleine Höhle als Anfang des Ganges, in welchem -man zu der mit Gold und Silber gefüllten Braupfanne gelangen könne. - -Da nun kein einäugiger Römer geboren wurde, so beschlossen endlich -zwölf Männer, unter denen sich auch der Pfarrer von Werdau befand, -den Schatz zu heben. Ehe sie aber an's Werk gingen, segnete der -Priester sich selbst und die Teilnehmer in der Kirche ein, und sie -nahmen darauf ein aus Wachs geformtes einäugiges Kind mit, welches bei -Kerzenlicht feierlich getauft worden war. Mit brennenden Kerzen zogen -darauf alle in der Mitternachtsstunde nach dem Orte, an welchem der -Schatz verborgen war. Unter Furcht und Zittern waren sie vor der Höhle -angelangt und unter Gebet bereiteten sie sich zum Eintritte vor. Da auf -einmal that sich mit einem furchtbaren Getöse der rote Berg weit auf, -und ein feuriger Hund kam wie ein Löwe brüllend auf sie zu und rief: -»Welchen nehmen wir zuerst?« Eine Stimme aus der Tiefe aber antwortete: -»Den mit dem roten Tuche!« Wie die Männer diese schreckhaften Worte -hörten, flohen sie entsetzt und freuten sich, als sie aus dem Bereiche -des Ungetüms gekommen waren, ihres glücklich geretteten Lebens. Sie -erzählten zwar, daß sie noch im Innern des Berges die große, mit Geld -gefüllte Braupfanne gesehen hätten, doch da sie bald darauf, einer nach -dem andern, starben, so ist niemandem mehr die Lust angekommen, den -Schatz zu heben. - - -338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein. - -(Nach v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, II., S. 415 bei Gräße, -Sagenschatz, 2. Aufl., Nr. 590.) - -Bei Christoph Müller, Besitzer eines Vorwerkes zu Elterlein, diente -im Jahre 1702 eine gewisse Magdalena Gräßler, 18 Jahre alt. Dieser -erschien 14 Tage vor Johannis ein kleines Männlein mit einem grauen -Kopfe und Bart, in ein altes graues Röckchen gekleidet, und eröffnete -ihr, daß bei dem Backofen ein Kästchen mit Geld, welches eine alte Frau -in Kriegszeiten vergraben, sich befinde und 500 Thaler Geld enthalte. -Der Geist forderte sie auf, ihn zu begleiten, um den Schatz zu heben, -mit der Bemerkung, sie solle von dem Gelde 50 Thaler der Kirche zu -Elterlein, 50 Thaler ihrem Dienstherrn geben, die übrigen 400 Thaler -aber für sich behalten, aber nicht an Hoffart wenden, sondern ihren -alten Vater damit erhalten. Das Mädchen verkroch sich vor Angst in ihr -Bett, der Geist ließ sich aber nicht abschrecken, sondern kam in den -folgenden Nächten immer wieder, auch forderte er sie dringend auf, -den Schatz zu heben, bis sie am Abend vor Johannis ihm versprach, sie -wolle am nächsten Tage zu Mittag, aber nicht in der Gespensterstunde, -nach dem Schatze graben. Sie entdeckte sich nun ihrer Dienstherrin -und am Mittag begannen beide zu graben. Jene überließ jedoch bald -die beschwerliche Arbeit der Gräßler, indem sie sich neben derselben -hinlegte. Nach längerem Graben kam diese mit dem Spaten auf einen -breiten Stein, der bei dem Berühren des Eisens wie Kettengeklirr tönte. -Das Mädchen erhob den Stein, erblickte darunter ein Kästchen von -Eisen, etwa ½ Elle lang und 1½ Elle breit, erhielt aber gleichzeitig -von ihrer Dienstherrin einen Schlag aufs Kreuz, so daß sie sich umsah. -In diesem Augenblicke entstand ein heftiges Gepolter, das Kästchen -aber war verschwunden. In der folgenden Nacht erschien der Geist dem -Mädchen wiederum und sagte: »Du bist heute gestört worden, allein du -kriegst es noch, in sieben Jahren komme ich wieder, es ist niemandem -als dir beschert, bete fleißig!« Mit diesen Worten nahm das Männchen -Abschied, das Mädchen vermietete sich auf ein anderes Vorwerk, aber -Ende Juli 1705 hörte es die Stimme des Geistes, welcher sprach: »Ich -bin vor drei Jahren bei dir gewesen, und weil dein gewesener Herr das -Geld herausgegraben und gefunden hat, so melde ich es dir.« Die Gräßler -verlangte es auch von ihm und zwar auf gütlichem Wege, allein Müller -leugnete alles und gab nichts heraus. - - -339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg. - -(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, -S. 125.) - -Auf dem Plateau des Seeberges oberhalb Eisenberg liegen die Trümmer -einer Burg zerstreut, welche längst von Grün aller Art überwuchert -sind. Der Volksmund weiß nicht anzugeben, ob es eine Grenzveste oder -ein Jagdschloß gewesen, doch wird die Erbauung in das achte bis zehnte -Jahrhundert verlegt. Die Sage erzählt, daß hier ein Burgfräulein die -vergrabenen Schätze bewache, und daß solches auch Holz und Beeren -suchende Leute schon zu verschiedenen Malen gesehen haben wollen; -doch nur einem Menschenkinde reinen Herzens sei es vergönnt, ihr zu -folgen. Ersteigt ein solches während der Passionsstunde den Berg, dann -erscheint das Fräulein demselben auf dreimaligen Ruf und winkt -- -wortlos und ohne Furcht müsse man ihr folgen und könne dann Schätze -ungemessenen Wertes heben -- dann sei auch der Geist erlöst. Doch auf -den ersten Laut verschwinde die Erscheinung mit Weinen und Gebärden des -Leides. - - -340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg. - -(A. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. -124.) - -Auf dem Riesenberge bei Ossegg steht ein Turm, worin ein Schatz -vergraben sein soll, und der Glückliche, der ihn einst heben wird, -muß erst geboren werden. Es werden einst zwei leibliche Geschwister -mit einander eine Ehe eingehen, und dieses Ehepaar wird vom Himmel -mit einem Kinde beschenkt werden. Dieses Kind aber muß in einer Wiege -»eingeschlummert« werden, deren Holz von einer Fichte stammt, die auf -dem Flecke gewachsen ist, unter welchem derjenige ruht, der den Schatz -in dem Turme vergraben hat. Wenn nun dieses Kind erwachsen sein wird, -so ist es berufen, den Schatz zu heben und wird ihn auch finden, ohne -daß es nach demselben sucht. Denn im Traume wird ihm gesagt werden, -daß es den Schatz heben soll, und es wird ihm auch die Stelle genau -bezeichnet werden. Dann erst, wenn der Schatz gehoben ist, wird auch -die arme Seele erlöst sein, welche bei Lebzeiten den Schatz vergraben -hatte. - - -341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau. - -(Nach einer Mitteilung des Seminarist Reinmuth.) - -Eine halbe Stunde von Haslau entfernt liegt ein Wald, den man nach -dem Kiefernbestande das Kiefrig nennt. Hier befindet sich ein -Felsen, auf welchem einst ein Raubschloß gestanden haben soll, -und darnach nennt man den Felsen jetzt auch gewöhnlich kurz das -Raubschloß. Unter dem Felsen aber soll ein großer Schatz liegen. In -dem genannten Dorfe glauben manche Leute, daß verborgene Schätze am -Weihnachts-Heiligenabend gehoben werden können. Daher ging auch vor -wenigen Jahren ein Oberhaßlauer Bergarbeiter zu dieser Zeit hinaus zum -Raubschlosse, um daselbst den Schatz zu heben. Als er die üblichen -Zeichen gemacht hatte und nun im Begriffe war nachzugraben, erblickte -er auf einmal eine Gestalt, welche so zart wie Spinnwebe war. Diese -gespenstische Gestalt sprang plötzlich auf seinen Rücken und klammerte -sich an seinem Halse fest. Wie er dieselbe wieder los geworden, wird -nicht erzählt, wohl aber, daß sich der Mann, als er glücklich nach -Hause gekommen war, krank niederlegte und nicht wieder aufstand, -sondern nach einem Jahre starb. - - - - -VII. - -Wundersagen. - - -Durch Wunder geschieht Übernatürliches, d. h. alles das, was sich über -die Naturgesetze erhebt. Wunder können daher nur Götter oder dämonische -Wesen verrichten; wo sie von Menschen verrichtet werden, da wohnt in -letzteren allemal etwas Dämonisches. - -Wenn uns die Sagen von Wunderblumen erzählen, durch welche sich -Berge mit darin verborgenen Schätzen öffnen, so leben wir auf dem -Gebiete des Übernatürlichen, zugleich aber offenbart sich uns darin -eine tiefe Symbolik. Die ersten gelben, blauen, weißen oder roten -Frühlingsblumen sind die Abbilder des Blitzes, durch welchen Donar im -Frühlinge die Berge des Himmels, d. h. die Wolken erschließt, so daß -darauf die golden glänzende und Segen spendende Sonne sichtbar wird. -Unter gewaltigem Krachen öffnet sich der Berg, unter Donner die Wolke, -und Donar ist es selbst, welcher sie mit seinem Blitze öffnet, er ist -der Hirte, von dessen Hand die Blume abgepflückt ward, die dann den -Zugang zu den Schätzen im Innern des Berges erschloß. (Mannhardt, -Die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 204.) In allen hierher -gehörigen Sagen ertönt die warnende Stimme: »Vergiß das Beste nicht!« -und so ist dieser Zuruf nach Jac. Grimm (Deutsche Myth. S. 545) wohl -die Blume selbst, unser »Vergißmeinnicht«, zu dessen Namen sich später -erst die sentimentale Deutung bildete, oder der »Gamander« und das -»Mausöhrchen«, welche beide ebenfalls vom Volke, das ihre Wunderkraft -berücksichtigte, als »Vergißmeinnicht« bezeichnet wurden. Oder die -Wunderblume ist die gelbe Schlüsselblume, das »Himmelschlüssel«, -worauf eine Sage hinweist, welche Henne-Am-Rhyn (Deutsche Volkssage, -S. 79) uns mitteilt. Darnach saß die Berg-Jungfrau am Steinböckli bei -Unter-Erendingen im Aargau als Hüterin auf einem Häuflein gepflückter -Schlüsselblümchen in der Morgensonne, ein Schlüsselbund, das sich hier, -wie in anderen Sagen, stets auf einen verborgenen Schatz bezieht, an -der Seite. Ein aufgehobenes Schlüsselblümchen verwandelte sich darauf -in der Hand eines Jünglings in ein hellglänzendes Goldstück. -- Wenn -oben auf die Symbolik des Blitzes als Wunderblume hingewiesen wurde, -so ist hier die Schlüsselblume unverkennbar eine solche, da sie sich -in den Händen des Jünglings in ein Goldstück verwandelt; nach einem -deutschen Volksglauben schlägt der Donner Gold ins Haus, und in Tyrol -sagt man von den nach einem Gewitter gefundenen Münzen, daß sie vom -Himmel gefallen seien. - -Wie das Eisenkraut (~Verbena~) als »Wunschkraut«, wenn man dasselbe -beim Aufgehen des Hundssterns sammelte, ehe es von Sonne oder Mond -beschienen war, und ebenso die »Wünschelsamen«, d. h. die Sporen des -Farnkrauts, alle Wünsche erfüllten (Reling und Bohnhorst, Unsere -Pflanzen, S. 62 und 112), so galt auch die Wünschelrute unbeschadet -ihrer Beziehung zu Donar als wunderkräftiger Stab, der dem Menschen -von Odhin, als dem Herrn des Wunsches und Wisser der Orte, wo Gold und -Silber in der Erde liegen, verliehen ward. Nach Jakob Grimm drückt der -Wunsch den Inbegriff von Glück und Heil aus. Die Wünschelrute heißt -darum in David Kellners 1702 zu Nordhausen geschriebenen »~Schola -metallurgica~« oder »wohleingerichteten Bergmanns-Schule« auch -Glücksrute, und hinzugefügt wird dabei, daß man sie noch »Wicker« oder -»Wahrsager« nenne, »sintemal das alte deutsche Wort wicken so viel -ist, als vorher- oder wahrsagen.« Die Wünschelrute ist der Kompaß, -welcher in der Mitternachtsstunde des ersten Maitages den Ort anzeigt, -wo die Wunderblume blüht (Mannhardt a. a. O. S. 206); sie führt nach -den ältesten Überlieferungen zu verborgenen Schätzen, ja noch mehr -als dies: sie stärkte und vergrößerte fort und fort deren Gehalt und -verlieh dem Besitzer übermenschliche Kräfte, und darum sagt auch die -Edda von dem Nibelungenhorte, »dem Schatze, der nichts anderes als nur -Gestein und Gold enthielt,« - - »Es lag der Wunsch darunter: von Gold ein Rütelein; - Wer dessen Kraft erforschte, der möchte Meister sein - Wohl auf der ganzen Erde und über jeden Mann.« - -Hier wird die Wünschelrute golden genannt, und obschon man in der -Blütezeit ihres Gebrauchs vereinzelt auch aus Messingdraht gemachte -Ruten, ja selbst Lichtscheren, wie uns sagenhafte Überlieferungen -melden, mit gutem Erfolge anwandte, so war es doch hauptsächlich der -Haselstrauch und in einigen Fällen noch der Kreuzdorn, wenn der Zweig -in einem Jahre gewachsen und kein Flecken altes Holz daran war, von -welchem sie abgeschnitten wurde. Nach einer Kärntner Sage von der -Erbauung des Schlosses Waisenburg wurde ein Mädchen in einem Traume -belehrt, sie möge mit einem Wachholderzweige einen Schatz suchen; dort, -wo sich das Zweiglein der Erde zuneige, solle sie nachgraben. (Österr. -Touristenzeitung 1885, No. 10.) Der dem Donar geweihte Haselstrauch -ist nach der Sage mit wunderbaren Kräften ausgestattet. Sein Zweig -schützt gegen den Blitz, denn letzterer darf weder den Strauch, noch -denjenigen treffen, welcher unter ihm Schutz sucht; ein Haselstab, mit -einem Hollunderzweige übers Kreuz gebunden, schützt gegen das wütende -Heer; Haselzweige in den Ställen bessern den Viehstand auf; drei -derselben auf dem Boden einer Scheune sichern das Getreide gegen allen -Schaden; Kühe, von den Hirten mit Haseln an die Lenden geschlagen, -geben reichlich Milch; ein am Karfreitage vor Sonnenaufgang im Namen -des dreieinigen Gottes stillschweigend mit drei Schnitten abgelöster -Zweig überträgt die Schläge auf den Abwesenden, und so weiß das Volk -noch manche Kräfte zu nennen, welche dem Strauche verliehen wurden. Im -Schwarzwalde trugen einst die Hochzeitsleute eine Haselrute, und an -einigen Orten Frankreichs umtanzt man noch jetzt die Johannisfeuer mit -einem Haselzweige. - -Für die Wünschelrute mußte vom Strauche eine jährige Zwiesel oder -Gabel, welche so stand, daß Ost- und Westsonne durch dieselbe schien, -im Mondschein geschnitten werden. Man wählte dazu am liebsten die -Johannis-, aber auch Christ- und Karfreitagsnacht, oder die der -heiligen drei Könige, nachdem man die Rute bei Neumond gesucht hatte. -Sie durfte weder mit Hülfe eines Messers oder anderen metallenen -Werkzeugs, sondern mußte mit einem scharfen Feuerstein rasch vom Stamme -gelöst werden, damit der Strauch nicht Zeit habe, die geheimnisvolle -Kraft aus dem Zweige herauszuziehen. Dabei kehrte man sein Angesicht -nach Morgen, neigte sich dreimal vor der Rute und sprach: »Gott segne -dich, du edles Reis! Mit Gott dem Vater such' ich dich, mit Gott dem -Sohne find' ich dich, mit Gott des heiligen Geistes Macht und Kraft -breche ich dich. Ich beschwöre dich Rute und Sommerlatte bei der Kraft -des Allerhöchsten, daß du mir wollest zeigen, was ich dir gebiete, -und solches so gewiß und wahr, so rein und klar wie Maria, die Mutter -Gottes, eine reine Jungfrau war, da sie unsern Herrn Jesum gebar, im -Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen!« -(Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 712.) Beim Gebrauche -faßte man die Rute an den beiden Zwieselenden, so daß sich der Stiel, -in welchem sie zusammenliefen, aufwärts kehrte. Kam man damit über -die in der Erde liegenden Erzgänge, so beugte sie sich gewaltig -nieder, während sie dann, wenn man dem Gange nicht folgte, sondern ihn -überschritt, gerade über sich unbeweglich stand. Etliche Rutenschläger -»gingen mit ihr stillschweigend über das Gebirge, etliche aber fragten -dieselbe entweder laut oder nur in Gedanken auf allerhand Manier -und faßten auch ein gewiß Metall, dergleichen sie gern erkundigen -wollten, daneben in der Hand.« »Es ist aber«, wie die oben genannte -~Schola metallurgica~ (S. 196) schreibt, »diese Wirkung der Rute ein -Wunder der Natur und verborgenen Sache, deren Ursache man nicht wohl -erkundigen kann, ebenfalls wie der Magnet das Eisen, der Agtstein, so -er erhitzet, das Stroh oder Sprey, der Serpentin oder Schlangenstein, -wo er im Felde lieget, die Schlangen an sich ziehet, und dergleichen -natürliche Wunder viele mehr.« - -Nach Jacob Grimm unterschied man von der Wünschelrute mehrere Arten: -als Feuerrute, Brandrute, Springrute, Schlagrute und Beberute, und man -glaubte mit ihr nicht nur verborgene Schätze und Erzadern, sowie taube -Gänge, »alte Gebäude und Gezimmer in der Erde«, sondern auch Salz- -und Kohlenlager und Wasserquellen, ja Mörder und Diebe zu entdecken.« -(Grimm, Deutsche Myth. S. 546.) Der Verfasser der ~Schola metallurgica~ -fügt außerdem (S. 490) hinzu, daß man von ihr fast alles erkundigen -wolle, was in der Welt geschähe, ob nämlich diese oder jene Person -zu Hause sei, oder ob man eine belagerte Festung erobern werde und -dergleichen mehr; doch kann er nicht umhin, dabei hinzuzusetzen, daß -ihm dieses sehr verdächtig vorkomme. Nach einer Überlieferung aus -Johanngeorgenstadt schlägt die Rute auch auf verborgene Rainsteine und -durch sie werden Diebe entdeckt und gestohlene Sachen wieder gefunden. - -In das Bereich der Wundersagen gehören auch die Überlieferungen -von den Venedigern oder Wahlen, jenen rätselhaften Fremden, welche -außer dem Fichtelgebirge, Thüringerwalde, dem Vogtlande und andern -mitteldeutschen Gebirgen auch das Erzgebirge nach Gold durchsuchten -und von dem Volke mit übernatürlichen Kräften ausgestattet wurden. Sie -kannten das Innere der Berge, wuschen die Goldkörner aus dem Sande der -Flüsse und waren mancher Zauberkünste kundig. Vielleicht sind manche -der von ihnen meldenden Sagen auf die Schätze hütenden Berggeister -zurückzuführen, umsomehr, da in den Volkssagen der Oberpfalz die -Venetianer häufig Größe und Aussehen der Bergmännchen besitzen. In -der Bavaria (III. S. 269) deutet E. Fentsch die Wahlen als Wenden und -verweist dabei auf eine Ansicht von Baumers, nach welcher die Vallen -des Plinius ein slavischer Volksstamm waren, welcher beim Vordringen -aus dem Osten Europas bis in die Fichtelgebirgsgegend gelangte und dort -seine alte Kunst, nach Gold und andern Metallen zu graben, ausübte. -(Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 104.) Wir können dann noch -weiter gehen und auch die Venediger des Erzgebirges auf zerstreute -Sorben zurückzuführen, welche, als einem unterdrückten Volksstamme -angehörig, in der Überlieferung nach und nach zu zwerghaften Wesen -zusammenschrumpften. Meldet uns doch auch eine alte Nachricht, »daß -schon dreihundert Jahre vor Aufkunft des Goslarischen Bergbaues unter -Otto I. die böhmischen Wenden unser Obergebirge (Erzgebirge) jenseits, -unsere Wenden aber diesseits (d. h. auf jetzt sächs. Seite) angebaut, -daselbst Eisenstein gegraben, Eisenhämmer und Schmelzhütten angelegt -und von Pirna bis an Hof im Vogtland alle Wälder, Berge und Hügel -durchschürft hätten.« (Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues -im s. Vogtland, S. 2.) - -Neben den Sagen von Wunderblumen, welche den Zugang zu unterirdischen -Schätzen öffnen, von der Wünschelrute und den Gold suchenden Venedigern -sind auch diejenigen für unser Gebirge charakteristisch, welche uns von -Träumen und Prophezeiungen erzählen, durch welche reiche Silbergänge -angezeigt wurden. Es ist ein alter Glaube, daß vermittelst der Träume -durch Schutzgeister der Wille der Götter den einzelnen Menschen als -Rat oder Warnung mitgeteilt wird, und daher hegte man von jeher das -Vertrauen auf Erfüllung dessen, was man geträumt, weil man darin -Winke des Schicksals erblickte. In gleicher Weise wurden auch die -Ahnungen, d. h. das Träumen im wachen Zustande, als Eingebungen der -Götter angesehen, und ebenso achtete man bereits im Heidentume auf -die Erscheinungen der belebten Natur; man erblickte in denselben, -sowie in allen Dingen einen ursächlichen Zusammenhang, so daß man in -den wunderbaren Gestaltungen der Wolken und in anderen auffälligen -Erscheinungen am Himmel und in der Luft die Beschlüsse des von Göttern -über den einzelnen Menschen oder ein ganzes Volk verhängten Schicksals -herauslas. Das sind die Vorzeichen. -- Hierhin gehören auch die -Anzeichen durch mancherlei Geräusch, wie Klopfen an Thür und Wand, das -Klirren von Waffen u. a. mehr, durch welche Töne entweder gewarnt oder -ein Todesfall angezeigt wird. - -Von derartigen Überlieferungen einer wunderbaren direkten Äußerung -der Gottheit in Bezug auf das Geschick der Menschen finden wir eine -ziemliche Mannigfaltigkeit, ebenso von wunderbarer Hülfe durch -heilkräftige Quellen oder von plötzlicher Strafe für Meineid oder -gotteslästerliche Worte. Es wird in dieser Hinsicht schließlich auf die -einzelnen Sagen verwiesen. - - -342. Die Wunderblume auf dem Schlettenberge bei Marienberg. - -(Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. -Programmarbeit, 1862, S. 40. Mündlich.) - -Auf dem Schlettenberge bei Marienberg lassen sich zu gewissen Zeiten -ein paar kleine Lichter sehen. In dem Berge steckt nämlich ein goldenes -Kind und aller 50 Jahre am Johannistage mittags 12 Uhr wächst auf dem -Berge eine schöne Blume. Wer dieselbe nun pflückt, der kann in den Berg -hineingehen. Da sieht er dann den goldenen Jungen in einer goldenen -Pfanne liegen; beide werden von einem großen Pudel bewacht. Wer aber -die Blume hat, darf sie nur dem Pudel hinzeigen, dann kann er die -Pfanne mit dem goldenen Jungen nehmen. Jedoch muß er darauf schnell -fortlaufen; ist er über den Hammergraben gekommen, so kann ihm der Hund -nichts mehr thun. Wenn ihn jedoch der Hund einholt, ehe er über den -Graben gekommen ist, muß er die Pfanne mit dem Kinde wieder hergeben -und der Hund trägt beides wieder in den Berg. - - Der Hund ist der Wächter der Unterwelt. Aber worauf ist das goldene - Kind zurückzuführen? Deutet es auf eine der goldstrahlenden - heidnischen Gottheiten hin? Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, - I., S. 4) bemerkt, daß nach den ältesten Vorstellungen nicht nur der - Himmel, sondern auch die Götter selbst und ihre Lieblingstiere golden - waren. Die Pfanne ist wie der in andern Sagen auftretende Braukessel - möglicherweise eine Hindeutung auf ein Opfergerät. - - Eine Anzahl von Beispielen, nach denen der Schatz eine bestimmte - Gestalt, besonders von Tieren, angenommen hat, führt Grohmann - (Aberglauben und Gebräuche in Böhmen und Mähren, S. 214) an. Hierhin - gehört z. B. auch die Sage von einer goldenen Ente mit goldenen - Eiern, welche im Klosterhofe zu Sittichenbach liegen soll. (Gräßler, - Sagen von Mansfeld, No. 46.) - - -343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter. - -(R. im Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 1882, No. 3.) - -Gegenüber dem Geringsberge zwischen Lauter und Neuwelt erhebt sich -am rechten Ufer des Schwarzwassers der im Ganzen kahle Teufelsstein, -den man von der Haltestelle Lauter bequem in fünf Minuten erreichen -kann. Nach der Meinung einiger ist der Name Teufelsstein verfälscht -und lautet eigentlich »Taufenstein«, weil sich hier in alter Zeit -ein Taufstein oder Taufbecken befunden haben soll. Eine andere Sage -aber bezeichnet den Teufelsstein als ein verwünschtes Schloß, welches -kostbare Schätze in seinem Innern birgt und von Jahr zu Jahr des -Tages seiner Erlösung aus der Hand des »Bösen« und der Hebung seines -reichen Gutes harret, -- doch bis jetzt vergebens. Noch immer liegt -es verzaubert unter mächtigen Felsblöcken. Zwar ist ein Schlüssel, -durch dessen wunderbare Macht die verborgenen Zugänge unwiderstehlich -sich öffnen, vorhanden, doch noch niemandem ist es gelungen, -hineinzudringen. Der Schlüssel ist eine gelbe Blume, welche alljährlich -im Frühjahr aufs neue emporsprießt und ihren Wunderkelch entfaltet. -Ein Schäfer aus Beierfeld, welcher dort vor vielen Jahren seine Herde -weidete, fand sie eines Tages und pflückte sie. Alsbald merkte er, -wie sich in seiner Nähe geheimnisvoll eine Felsenspalte öffnete, -und verwundert schaute er in eine Höhle, aus deren Hintergrunde ihm -zauberischer Goldesschimmer entgegenblickte. Da er jedoch die Mahnung -des am Eingange sitzenden bärtigen Wächters mit grauem Hute, still zu -bleiben, nicht beachtete, sondern einen lauten Ausruf des Erstaunens -ausstieß, so schloß sich ebenso geheimnisvoll und schnell die Öffnung -wieder und hat sich bis heute noch nicht wieder aufgethan. - - -344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 72.) - -In südwestlicher Richtung von Gottesgab erhebt sich der kegelförmige -basaltische, mit Wald bedeckte Spitzberg. Auf demselben stand nach -der Sage in alten Zeiten ein großes, festes Schloß. Dort hauste mit -gleichgesinnten Spießgesellen ein Ritter, der als Räuber und Mörder -sich in der ganzen Gegend furchtbar machte. Einst geschah es, daß ein -greiser Mönch aus dem nahen Kloster zu Mariasorg bei dichtem Nebel sich -auf dem öden Heideplateau verirrte und in die ruchlosen Hände dieser -Räuber fiel. Sie schleppten den Priester auf ihr schwer zugängliches -Raubnest und warfen ihn unbarmherzig ins Burgverließ, wo er eines -qualvollen Hungertodes sterben sollte. -- Als die gottlosen Missethäter -im Saale sich bei lärmendem Becherklang ihrer ausgeführten Verbrechen -in frechen Lästerreden rühmten, sank der dem Tode überlieferte -Mönch auf die Knie und flehte im inbrünstigen Gebete zu Gott, dem -starken Helfer in der Not, daß er die berüchtigte Mörderburg in einen -Schutthaufen verwandle. Plötzlich machte ein furchtbarer Donnerschlag -die Mauern des stolzen Schlosses wanken, sie stürzten zusammen und -begruben die Räuber unter ihren Trümmern; nur der Mönch wurde gerettet. -Die angehäuften Schätze aber versanken in des Berges inneren Schoß. -- -Nach langen Jahren träumte einmal einem armen, frommen Hirtenjungen -drei Nächte hintereinander, daß er dazu erkoren sei, den im Innern -des Spitzberges verborgenen Schatz zu heben. Zwei Tage hatte er schon -seine Kühe auf diesem Berge geweidet, und noch war ihm kein Anzeichen -geschehen. Als er nun am dritten Tage -- es war der Karfreitag -- -wieder seine Herde am Spitzberge hütete, sah er auf einmal auf einem -nahen Felsblocke eine wunderschöne gelbe Blume stehen. Ei, dachte -er, eine so schöne Blume habe ich in unseren Bergen und Thälern noch -nicht gesehen! Ich werde sie pflücken und auf meinen Hut stecken, gewiß -werden alle daheim die Schönheit der Blume bewundern. Gedacht, gethan. -Kaum hatte er aber mit der Blume den Hut geschmückt, als unter einem -fürchterlichen Knall sich der Berg aufthat. Der Hirt sah sofort eine -weitgeöffnete Thür im Felsen, vor der ein kaum spannenhohes Männlein -stand, das ihm zu folgen winkte. Obwohl er durch diese unerwarteten, -wunderbaren Vorgänge für den Augenblick aus der Fassung gekommen war, -nahm er doch allen Mut zusammen und schritt seinem Führer nach. Der -Weg ging erst durch dunkle, dann magisch erleuchtete Gewölbe, deren -Wände diamantartig glitzerten, bis beide endlich in einen überaus -prachtvollen Saal gelangten, der mit den kostbarsten Schätzen aller Art -angefüllt war, und in dessen Mitte sich eine weißgekleidete Jungfrau -befand. Diese betrachtete den erstaunten Hirtenjungen mit freundlichen -Blicken und hub dann lächelnd an: »Hier hast Du die feinsten und -auserlesensten Speisen, genieße von ihnen! Wohin Du blickst, sind -ganze Haufen von Gold, Perlen, Edelsteinen und köstlichen Gewanden -aufgeschichtet. Nimm Dir davon, soviel Dein Herz begehrt; doch vergiß -das Beste nicht!« Der Junge, durch die vernommenen Worte ermutigt, -griff nach den besten Speisen und aß und trank, steckte sich hernach -Hut und Taschen voll Gold und Edelsteine, und schickte sich zum -Rückwege an. »Vergiß doch das Beste nicht!« rief lauter und ängstlicher -zum zweitenmale die Jungfrau mit flehenden Gebärden. Der Hirtenjunge -spähte umher und erblickte zu seiner Verwunderung eine Peitsche, welche -vortrefflich zu seinem Geschäfte zu passen schien. Da dachte er: Du -hast dir schon von allen Schätzen im Überfluß genommen; diese Peitsche -da wird jedenfalls das Beste für dich sein! Mithin griff er ohne -Bedenken nach der Peitsche. Da fing aber die Jungfrau bitterlich zu -weinen und zu wehklagen an; ein plötzlicher Donnerschlag erschütterte -den Saal so, daß der Boden unter den Füßen des Hirten wankte, der im -Nu wieder auf der Oberfläche des Berges stand. Jetzt erst erinnerte -er sich an seine Wunderblume. Mit Hast griff er an den Hut, um sie -herabzunehmen, aber er bemerkte zu seinem größten Leidwesen, daß er -sie unter den Schätzen im Felsensaale zurückgelassen habe. -- Mit den -Worten: »Vergiß doch das Beste nicht!« hatte die Jungfrau die gelbe -Blume, den Schlüssel zum verzauberten Schlosse gemeint. Hätte der Junge -dieselbe nicht vergessen, so würde er nicht nur die Jungfrau von ihrem -Zauber befreit, sondern auch den ganzen Schatz gehoben haben. Seit -dieser Zeit hat niemand die Zauberblume, die alle tausend Jahre einmal -zum Vorschein kommen soll, auf dem Spitzberge gefunden, in dessen -Innerem auch der Schatz noch heute verborgen liegt. Der Hirtenjunge -aber, der ein reicher Mann wurde, wäre zweifellos noch reicher und -glücklicher geworden, wenn er nicht das Beste vergessen hätte. - - Bereits in der Einleitung ist darauf hingewiesen worden, wie unter - dem Hirten Donar und unter der den Zugang zu den goldenen Schätzen - im Innern des Berges öffnenden Blume der Blitz zu verstehen sei. - Die Wolke wird als Berg gedacht; aus ihr leuchtet nach dem Gewitter - wieder die Sonne goldig hervor. Die Sonne ist der Schatz. Die Schafe - oder Kühe, welche der Hirt hütet, sind ebenfalls Wolken; Donar ist - der Wolkenhüter. Die den Schatz hütende weiße Jungfrau ist eine von - den Wolkenfrauen, welche der Erde himmlische Milch, d. h. den Regen - spendeten, aber auch in Bergen wohnten, da man sich, wie bereits - bemerkt wurde, den Berg als Wolke dachte. (Mannhardt a. a. O. S. 204; - Grohmann, Sagen aus Böhmen, I., S. 87.) -- Der gleiche Sagenstoff, - allerdings mit mancherlei Modifikationen, aber immer als Darstellung - von einem Hirten, welcher eine Blume findet, die der Schlüssel zu - einem großen Schatze ist und mit dem Zurufe: »Vergiß das Beste - nicht!«, als die Blume vergessen wurde, tritt uns in Überlieferungen - aus dem Fichtelgebirge (Zapf a. a. O., S. 19 und 25), sowie besonders - zahlreich im Thüringerwalde (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 125, - 138, 173, 180, 276, Gräßler, Sagen aus Mansfeld, No. 20 und 211) und - an noch vielen anderen Orten entgegen. Auch die Lausitz, sowie das - Vogtland und der Harz besitzen Sagen von Wunderblumen, durch welche - man verborgener Schätze teilhaftig werden kann; sie unterscheiden - sich jedoch insofern von den vorigen, als hier nicht der warnende - Zuruf ertönt, das Beste nicht zu vergessen. - - Sagen von Schlössern, welche in die Erde versanken, weil ihre - Insassen Raub und Mord und andere Greuelthaten verübten, erzählt der - Volksmund auch in anderen Gegenden. So bezeichnet das sogenannte - Silberloch bei Seesen im Harze die Stelle, wo gleiches geschah. - Auch hier läßt sich zuweilen eine weißgekleidete Jungfrau mit einem - Schlüsselbunde, welche die Sage als die mildthätige Tochter des - Burgherrn bezeichnet, sehen, um, wie sie es im Leben gethan, auch - ferner den Unglücklichen und Notleidenden beizustehen. (H. Heine, - Sagen aus dem Harze, S. 10.) - - -345. Die Wunderblume des Grauensteins. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 70.) - -Einmal weidete ein vierzehnjähriger Knabe am Fuße des Grauensteins bei -Joachimsthal seine Herde. Da dieselbe ruhig graste, ließ er sich ins -Gras nieder, vertiefte sich in den Inhalt eines Buches und gewahrte -zu spät, daß sich das Vieh auf die Gebirge verstiegen hatte. So mußte -er denn mit bangem Herzen von einem Berge zum andern steigen, bis er -endlich die vollzählige Herde fand, die er auf die Wiese zurücktrieb. -Aber ermüdet vom langen Suchen, versank der junge Hirt in einen -tiefen Schlaf. Als er erwachte, schimmerte ihm eine so feuerrote Lilie -entgegen, wie er noch keine auf allen seinen Wanderungen über Berg und -Thal gesehen hatte. Alsogleich eilte er darauf zu, pflückte sie und -steckte sie auf seinen Hut. - -Und wie wunderbar! Kaum berührte er sein Haupt, so ward es plötzlich -auf demselben lebendig. Voll Bestürzung nahm der Junge den Hut ab; er -sah eine Otter darauf liegen und warf den Hut eiligst zu Boden, wo -statt des zischenden Tieres ein goldener Schlüssel niederfiel, der -aber in dem Augenblicke verschwand, als er ihn aufheben wollte. -- Es -soll dies der Schlüssel zum Schatze in dem verzauberten Grauensteiner -Schlosse gewesen sein, den bis auf den heutigen Tag noch niemand in -Besitz genommen hat. Der Glückliche, dem er bestimmt ist, soll demnach -noch kommen. - - -346. Die Wunderblume bei Blauenthal. - -(Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.) - -Bei dem Orte Unter-Blauenthal findet sich eine jetzt durch Gesträuch -fast völlig verwachsene Felsenschlucht und in dieser soll man einst -ein eisernes Thor, welches eine Höhle verschloß, gesehen haben. Vor -langer Zeit mähte in der Nähe dieser Höhle ein Einwohner des genannten -Ortes Gras, und als er sich in der Mittagstunde unter einen schattigen -Baum setzte, um seine Sense zu dengeln, stand auf einmal ein schwarzer -Ritter vor ihm und zu seinen Füßen sah er aus dem kahlen Erdboden -eine gelbe Blume hervorsprießen. Der Ritter aber sprach zu ihm, er -solle diese Blume abpflücken, sie sei der Schlüssel zu der eisernen -Pforte; damit solle er dieselbe öffnen und sich aus der Höhle so viel -von den Schätzen mitnehmen, als ihm behage; »jedoch«, so setzte er -hinzu, »laß mir die Blume nicht liegen, sonst bist Du verloren.« Der -Mann that, wie ihm der Ritter geheißen hatte. Die Höhle, in welche er -gelangte, war an den Wänden mit funkelnden Edelsteinen besetzt und auf -dem Boden standen viel Kisten, aus denen ihm Gold und Silber entgegen -glänzte. Plötzlich erweiterte sich der Raum zu einem großen Saale und -an einer mit kostbaren Speisen und Getränken besetzten Tafel sah er den -Ritter mit Gefolge wieder; die Speisenden wurden von Zwergen bedient. -Da winkte der Ritter dem Manne, derselbe solle sich mit an die mit -einem Trauerflor behangene Tafel setzen. Ängstlich setzte sich der -Arbeiter nieder, aber bald bekam er wieder Mut. Nachdem er gegessen -und getrunken hatte, steckte er sich auf Geheiß des schwarzen Ritters -so viel von dem Golde und den Edelsteinen ein, als er fortbringen -konnte. Da er wieder vor der Pforte stand, schloß sich dieselbe mit -einem großen Knalle, der Felsen wankte und der Eingang war nicht mehr -zu sehen. Erschrocken wollte der Mann nach seiner Blume greifen; doch -er besaß sie nicht mehr, denn er hatte sie in der Höhle zurückgelassen, -als er die Schätze zusammenraffte. Nach wenigen Tagen starb er; man -fand ihn, das Gesicht nach dem Nacken umgedreht, und das Gold war auch -verschwunden. Der Fels aber, in dem sich der Eingang zu der Höhle -befunden haben soll, heißt heute der Teufelsfels. - - -347. Die Wünschelrute. - -(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt -Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 172--174.) - -Die Wünschelrute, durch welche Klüfte und Gänge ausgegangen werden, -wird abgeschnitten von allerlei Holz, auch zu allen Zeiten, doch so, -daß sie zwei Zacken oder Zwiesel hat, und man selbige in beiden Händen -zwischen den Daumen und geschlossenen Fingern halten kann. Ja man mag -auch eine andere Materie dazu gebrauchen, als Messing, Eisen u. dgl. Es -ist aber der Nutzen der Rute dieser, daß sie die in der Erden liegende -Klüfte und Gänge andeutet, indem, wenn der Rutengeher an dergleichen -Stätte kommt und die Rute aufwärts hält, sie sich gewaltig niederbeuget -und sich zuweilen, wenn sie stark gehalten wird, fast entzwei windet, -während die Rute da, wo man dem Gange nicht folgt, sondern ihn -überschreitet, wieder grade über sich unbeweglich steht. - -Die Rute schlägt aber außer auf Gänge und Klüfte auch auf andere -Dinge. Es entwendete eine Magd ihrer Herrschaft unterschiedliches, -worauf man endlich einen Rutengänger holte, um im Hause die Rute -zu schlagen; dieselbe führte ihn zu der Lade der Magd, in welcher -sich auch die gestohlenen Sachen vorfanden. Ferner wurde einem -Hammerwerksbesitzer allerhand entwendet. Derselbe schrieb an seine -Freundin, den Rutengänger holen zu lassen, damit dieser mit der Rute -forsche, ob nicht die Mägde des Bestohlenen, und welche unter ihnen, -den Diebstahl begangen hätten. Er schickte zu dem Ende deren Namen -mit. Die Freundin legte beide Zettel mit den Namen auf den Tisch, -aber die Rute wollte sich nicht bewegen. Da fiel es der Freundin ein, -ob nicht der Junge des Hammerherrn, dem es dieser zwar gar nicht -zutraute, den Diebstahl begangen habe. Sie schrieb also dessen Namen -mit auf ein Papier, wickelte es zusammen und legte es heimlich mit -auf den Tisch. Da fing die Rute an sich zu winden, und als die Zettel -gesondert worden waren, schlug sie allezeit auf denjenigen, welcher -mit des Jungen Namen beschrieben war. Der Hammerherr nahm darauf den -Jungen vor und die entwendeten Sachen wurden von ihm wieder erlangt. --- In einem Zechenhause bei Johanngeorgenstadt wurden unterschiedliche -Centner Kobalt entwendet, und weil einem frommen und christlichen -Hammerwerksbesitzer, dem die Rute schlug, ein anderer Gewerke zuredete, -zu versuchen, ob nicht die Rute den Dieb und dessen genommenen Weg -anzeige, wollte dieser erst nicht darein willigen, in der Meinung, sie -ziele nur auf Klüfte und Gänge. Er ließ sich aber doch bereden, nahm -eine kleine Stufe Kobalt von dem Haufen weg, wovon ein Teil entwendet -worden war, ging um das Zechenhaus, und als er an den erbrochenen Laden -kam, schlug die Rute, führte ihn über die Wiese einen Berg hinauf -und in einen Busch. Hier erblickte man frische Erde, und als diese -hinweggeschafft worden war, fand sich eine Partie versteckter Kobalt. -Darauf führte die Rute in einen zweiten und dritten Busch, so daß man -wohl die Hälfte des gestohlenen Kobalts wieder bekam. Ja als sich -einige Männer in der folgenden Nacht versteckten und die Diebe den Rest -nachholen wollten, wurde einer davon ergriffen und nach Joachimsthal -abgeliefert. -- Die Rute schlägt auch auf Rainsteine. Einem Rutengänger -wurde sofort der Rainstein im Boden angezeigt, ungeachtet schon -Bäumchen darüber gewachsen waren. -- Vielen Leuten schlägt die Rute -gar nicht. Sie hat aber auch anderen von Kindheit an vortrefflich -geschlagen; aber dieselben sind krank geworden oder gar ausgewachsen, -und ob sie gleich wieder genesen, so hat ihnen doch die Rute keinen Zug -mehr gethan. - - Zu den in der Einleitung zu diesem Abschnitte über die vermeintlichen - Wirkungen der Wünschelrute und deren Gebrauch vorangeschickten - Bemerkungen möge noch folgendes beigefügt sein: - - Man fand in früheren Jahrhunderten Analogien dazu in dem das Wasser - aus einem Felsen schlagenden Stabe des Moses, in der blühenden Rute - Aarons, durch welche dem Moses der zum Priestertum bestimmte Stamm - der Israeliten angezeigt ward, in der Rute der Minerva, welche den - alten Ulysses wieder jung machte, in derjenigen der Zauberin Circe, - durch welche seine Gefährten verwandelt wurden und in dem Wunderstabe - des Merkur, durch den Wachende in Schlaf fielen. - - Als man statt wirklicher Ruten Metalldraht und andere metallene - Gegenstände auf unterirdische Gänge und vergrabene Schätze verwandte, - mochte man zunächst zur Herstellung solcher Instrumente Legierungen - aus verschiedenen Metallen gebraucht haben, bis man später fand, daß - auch gewöhnliches Messing genügte. - - Ein frommer Prediger in Freiberg entdeckte z. B., wie eine alte - Bergpredigt von Meltzer mitteilt, mittelst einer Lichtputze einen - versteckten Groschen. An den beiden Enden der Rute wurde auch in - einem seidenen oder tuchenen Fleckchen sogenannter Erdweihrauch, - d. h. Harz aus Ameisenhaufen eingenäht. Man wollte ferner durch - die Rute erfahren, ob Gold oder Silber und was für ein Erz, ob - Rotgüldig- oder Glanzerz u. s. w. in der Erde liege, wenn man davon - ein Stückchen zugleich mit der Rute in die Hand nähme. (Physikalische - Belustigungen. Berlin, 1751. S. 116 etc.) - - Sicher ist, daß sich der Glaube an die wunderbare Kraft der - Wünschelrute noch bis in die Gegenwart erhalten hat, obschon - der Freiberger Professor Johann Friedrich Wilhelm Charpentier - sich bewogen fand, auf dem Titelkupfer seiner 1778 erschienenen - »Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande« das alte - Vorurteil mit verbundenen Augen und fliehend, den aufgeklärten Genius - aber die Wünschelrute zerbrechend darzustellen. ~Dr.~ Gustav E. Stein - erzählt noch von einem Versuche, welcher anfangs der vierziger Jahre - dieses Jahrhunderts in Freiberg auf Veranlassung eines Markscheiders - angestellt wurde. In scheinbar wissenschaftlicher Weise war dabei - von seiten dieses Markscheiders in einer Abhandlung die Wirkung - einer ganz metallenen oder auch hölzernen, jedoch mit einem dünnen - Metallüberzuge versehenen Rute durch elektrische Ströme erklärt - worden, und es sollten auch zur bessern Leitung dieser Ströme die - Schuhsohlen des Rutengängers mit dünnen Metallplatten belegt sein. - Selbstverständlich blieben die von dem Verfasser der erwähnten - Abhandlung erwarteten Erfolge aus. - - -348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 197 etc. und 250. Schurig, -Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, 1875, S. -36 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 256. ~Documenta~ oder -alte Uhrkunden und Nachrichtigungen, wo hin und wieder im Römischen -Reiche Gold- und Silber-Ertze, Goldkörner etc. zu finden sein sollen. -Abteilung in ~Dr.~ David Kellner, ~Schola metallurgica~. Nordhausen, -1702. Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrgang, 1878, S. 108.) - -Von meißnischen Goldseifen im Ober-Erzgebirge schreibt Mathesius, -daß dieselben den Welschen und Fremden viel besser bekannt, als den -Inwohnern selbst. Das Wasch- und ledig Gold, das in Flüssen und -Forellenbächen wächst, wird oft von Felsen und Gängen abgerissen oder -von Grus und Dammerde ausgewaschen und vom Gebirge erledigt; es ist das -edelste und reinste Gold, dem Kronengolde gleich gehalten und ist ein -Quentlein mit 38 Groschen bezahlt worden. Solche Goldkörner, Flietschen -und »Flämmigen« sind an Farbe und Gestalt nicht einerlei, etliche sind -rot wie rostig Eisen, andere grau, etliche rauh und blaufarbicht, -etliche wie Pech, andere dunkel und durchsichtig wie die Granaten, -etliche mild und mürbe, andere zerspringen im Schlag wie Glas, etliche -sind viereckig, etliche groß wie die Erbsen und Bohnen, andere -lassen sich »flötschen« wie Blei, und diese hält man für die besten. -Solche Goldkörner, die sich flötschen lassen, hat man am Schallerberg -um Lengefeld in Brunnen und Bächen gefunden. Alle Bächlein an der -Zschopau, die vom roten Haus auf den Stolzenhain in das Grenzwasser -am Weinberg (Weipert) fallen, haben gediegene schwarze Goldkörner bei -sich geführet, und die, so sich darauf verstanden, in kurzem reich -gemacht. Im Grenzwasser Pila (Pöhla) hat man ebenfalls gute Goldkörner -gefunden, die sich auch flötschen lassen, desgleichen im Bächlein -Conduppel schwarze Körner, die man auf dem Amboß breit schlagen konnte. -Im Preßnitzer Wasser haben die Alten gut Gold gewaschen, und hinter -dem Spitzberge über Jöhstadt hat der Bach viel und gute Silberkörner -gegeben und heißt noch davon der Silberbach. In allen Bächen zwischen -Wolkenstein und Annaberg, die in die Zschopau fallen, hat man Granaten -gefunden, in Farbe schwarz, braun und rot, als der beste Zusatz zum -Gold, außerdem Amethysten und Körner, dem Eisenstein gleich und so gut -als Rheinisch Gold. In Forellenbächen um Marienberg, Fernrückertswald -und Glashütte haben die Alten gediegene Goldflietschen klein und groß -gewaschen, die sich auch fletschen lassen. Daher auch die Forellen, -die in solchen Goldbächen wachsen, ~Auratae~ genannt, von Gold, nicht -eben ab ~aureolis maculis~, daß sie goldfärbig wären, dieweil sie um -Annaberg und Scheibenberg auch gemeiniglich mit schwarzen Sprenklein -gefunden werden, sondern von goldführenden Bächlein, oder bei sich -führendem Golde, wie andere wollen. Am Schwarzwasser und seinen -Einfällen über und um Platten, Gottesgab und Breitenbrunn, in ihren -Zinn-, Lauter- und Küheseifen von der Goldenen Höhe herein, werden noch -bis jetzt Goldflietschen im Ausmagneten und Reinmachen des Zinnsteins -in Federkielen gesammelt, und bisweilen feine Stüflein gediegenen -Goldes gefunden, welche von Chymisten höher denn ander Gold gehalten -werden. An der Schneeberger Mulde um Schneeberg, Auerbach, Dörrbach, -Fletschmaul u. s. w. werden auch Goldflietschen gefunden, und bei -Eibenstock hat in einer Seifen, der Goldbrunn genannt, ein Mann des -Tages 1½ Pfund Goldkörner waschen können, davon ein Pfund 14 bis 18 fl. -gegolten. - -Dieser Goldreichtum war die Veranlassung, daß sich seit mehreren -Jahrhunderten Ausländer einfanden, welche umher zogen und Gold in -Flüssen und in der Erde aufsuchten, dasselbe mit sich nach Hause -trugen, daselbst gut machten und sich dadurch großes Vermögen erwarben. -Man nannte diese Leute Wahlen oder Venetianer, weil sie größtenteils -aus Venedig her kamen; sie stammten aber auch aus Florenz, Veltlin, -Wallis, Graubündten und aus Walheim bei Mecheln in den Niederlanden. -So haben zu Gablenz im Schönburgischen an einem Orte im Oberdorfe -Venediger alle Jahre Goldkörner »ausgeküttet«, und nach Auffindung der -Bergwerke zu Annaberg sind die Wahlen auch dahin gekommen und haben -das reichhaltige Erz geschmolzen und auf eine bessere Art gut gemacht, -als die dasigen Bergleute konnten. Man kennt von solchen Wahlen u. A. -folgende mit Namen. ~Dr.~ Markus und ~M.~ Hieronymus von Venedig und -Piger, Antonius von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nic. -Schlascau, Adam und George Bauch, Christoph und Hanß, Friedrich und -Barthel ~Fratres~ und Moses Hojung von Venedig, die sich von 1400 bis -1608 im Gebirge aufgehalten haben oder an Flüssen ertappt worden sind. -Übrigens scheinen diese Leute sehr oft von guter Herkunft gewesen -zu sein. Wahlen werden nach der Überlieferung auch als Gründer des -Bergbaus im Vogtlande bezeichnet. - -Die Orte, an denen die Wahlen Gold oder Edelsteine gefunden, haben -sie fleißig angemerkt und in Büchlein, sogenannte Wahlenbüchlein, -eingetragen, wobei sie sich merkwürdigerweise der deutschen und nicht -ihrer Landessprache bedienten. Zur Orientierung schnitten sie in -Bäume oder meißelten sie in Felsen bestimmte Merkzeichen ein. Sie -bedienten sich auch vieler abergläubischer Mittel; so z. B. haben sie -zum Schmelzen, Rösten und zur Verwandlung der Metalle einzelne Kräuter -gebraucht, wie das Mondkraut (~Lunaria~), bei Aufgang der Sonne im -vollen Mond gepflückt, ferner Goldwurzel oder Martigen, Mondraute -und Eisenkraut, auch Taubenkraut genannt. Sie sollen aber auch die -Erze verthan oder verzaubert haben, damit sie niemand als sie finden -könne. Sie sollen deshalb ein Stück Holz von einem Sarge genommen -und an solche Orte, wo Körner, Erz oder sonst Metalle sind, oder in -einen Baum in der Nähe eingeschlagen haben, und niemand habe sie dann -ausfindig machen können, es sei denn, das Holz wäre verfault oder -herausgefallen. Auch sollen sie Totenköpfe in die Brunnen und Erzgruben -geworfen haben, die erst entfernt werden mußten, wenn man etwas finden -wollte; ja zuweilen sollen sie einen bösen Geist dahin gebannt haben. -Gleichwohl gab es auch wieder Mittel, um diesen Zauber aufzuheben; -so wurde folgendes angegeben: »Kreuch dreymal rücklings vorne um das -(verzauberte) Loch, wenn es nicht aufgethan, so ist's auf jener Seite -verthan worden und so hast du es auf dieser Seite noch einmal verthan. -So gehe und kreuch auf jener Seite sechsmal rücklings herum, so thust -du jenes und deines auf, dann wirst du es recht finden, also kannst du -auch alle anderen Sachen, die verthan sind, wieder aufmachen, sie mögen -verzaubert sein, wie sie wollen.« - -Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und deshalb -hat der Aberglaube sie zu Zauberern und Teufelsbannern gestempelt. - -Einige Proben aus obengenannten Wahlenbüchern, soweit sie sich auf das -Erzgebirge beziehen, mögen hier Platz finden. - -»Im Tharandischen Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich an Gold -und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von Höckendorf -geht, darunter liegt ein Bergwerk, ist so reich an Silber, daß vor -viel tausend Thaler daraus genommen worden. Nicht weit davon liegt -der graue Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem Wasser nach -dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein reiches Bergwerk, -darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet, auch bereits das -Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze Keulhaue und unter -dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze gehauen. Weiter hinauf -in dem Walde wird man mehr Zeichen an Bäumen finden, und mitten durch -die Bäume streichet ein sehr mächtiger Kupfergang einer Ellen breit, -und liegt der ganze Mann da, nach dem Wasser der halbe Theil, der Arm -nach Freiberg, und das ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie -die Zeichen vermelden. - -Zu Höckendorf, wo das Silber-Bergwerk ist, welches aber durch Gottes -Strafe wegen Übermuths überschwemmt ist, hat ein Bauer 1660 gediegen -Silber ausgeackert.« - -»Bei Dippolswald ist ein Dorff, das heist Rotenbach, davon eine Meile -bricht guter gelber Kieß, der ist sehr gut.« - -»Henichen (Hainichen) ein Städtlein 2 Meilen von Freyberg, darbey liegt -ein Dorff, heist Machern, alldar ist ein Waschwerck von guten Körnern -und Gold; liegt nicht weit von Ottendorff an der Waldeck, da man durch -den Wald gehet.« - -»Bey der Zella in dem Wald bey Sibeln (Siebenlehn) und Nossen an der -Mulda gelegen, da liegt gut Ertz und ein guter blauer Schiefer.« - -»Bey Frauenstein ist ein Fluß gelegen, 2 Meilen etwa von Soda (Sayda?), -bey einem Gerichte, da findest du zween Wege, einen zur rechten, den -andern zur linken Hand, da gehe den Rasenweg fort, derselbe führt -dich an einen Steig, dem folge nach, so kömmst du an ein Wasser, -die Grimnitz (Gimlitz?) genandt, gehe daran wohl hinauff und zwart -zur rechten Seite desselben, so kömmst du an einen alten Graben, da -vorzeiten eine Mühle gestanden, folge demselben abermahls nach, so -kommest du an einen Fluß, darinnen Forellen sind, der führet Körner, -die sind wie natürlich Gold, und hab ich Hieronymus Weigard Hauß -und Hoff davon erbauet. ~NB.~ Wenn die Körner naß sind, sehen sie -schwärtzlich aus. Gehe von dar weiter die Grimnitz hinabwerts, biß du -zu einem Steige kommest, gehe aber nicht darüber, sondern den Weg, -der da das Holtz herab gehet, so kömmest du wieder an einen Fluß, dem -folge nach, so kommest du an ein Brüchig, wasche dar, so findest du -schwartze Körner, die ich nicht genugsam verloben kan, ihres Nutzens -wegen. Darnach gehe über die Grimnitz zurücke auff eine halbe Meile -Wegs, da wirst du an einen großen Berg kommen, nahe bei einem Dorff, -Liechtenberg genannt, da findest du gegen das Dorff am Berge weiße -Letten, so sehr gut abzutreiben ist.« - -»Bey Marienberg zwischen dem Olbernhause und Katternberg (Olbernhau -und Katharinenberg) bricht ein spißiger Marcasith in einem schwartzen -Schiefer.« - -»Bey Zwickau liegt ein Dorff, heist Rotenbach, daselbst soll ein Bach -seyn, welcher Gold und Silber-Granatenstein führet. - -Item bey einem andern Dorff, so eine Meile von Zwickau lieget, Nahmens -Hartmanns Grüen, findet man auch Körner, die sich fletschen lassen. - -Item zur Neumarck anderthalb Meilweges von Zwickau ist ein gut -Gold-Seiffen, und bricht auch Silber und Antimonium daherum.« - -»Wenn du kommest gegen Dürresbach oder Auerbach, frage nach dem -Fluß-Maul- oder Fletschmaul, darnach Eibenstock, allda frage nach dem -Gold-Brunnen, darinnen sichere und suche, so findest du schwartze -Körner, deren 1 Pfund 14 biß 18 fl. gilt. Diese Gelegenheit ist eine -Meile vom Schneeberg, und kannst du in einem Tage 1 biß 2 Pfund -waschen.« - -»Hinder Otten im Voigtlande auf der Kuttenheide gehe zu oder vor St. -Peters-Capell bei 2. Ackerlänge, gegen dem Großleinwerts, so kömmst du -zu einen hohen Felsen, darbey ist nahe ein alter Glaß-Ofen, und hat -vorzeiten eine Glaßhütte daselbst gestanden, da findest du ein weiß -Wasser gegen dem schwartzen Berge zu, darinn sind gute Goldwasch-Körner -enthalten, bißweilen als Erbsen oder Bohnen groß. - -Willt du allda nicht waschen, so gehe wiederum hinab zum Hirschberge, -da kommest du zu einen abgeschnittenen Baum, von diesem Baum gehe -eine Ackerlänge, so kömmest du zu einer zwieselichten Gabel, daselbst -lege dich nieder auf die Erde, und höre wo Wasser rauschet unter der -Erden, räume das Mooß daselbst hinweg, so auff Holtz, gegen Mitternacht -zu gelegt ist, so wirst du einen Ertzgang antreffen, welcher das -herrlichste Gold führet. - -Von dannen gehe weiter auff dem Rasen fort gegen Mittag vom Holtze an, -da wirst du zu einen Brunnen kommen, in selbigen ist noch das schönste -Gold enthalten. Von diesem Brünnlein gehe dem Wasser, das darauf -entstehet, nach, so kommst du an ein Steingewölb, da warte auff. - -Item Bey der Capellen unter den Fenstern gegen Mittage wirst du eine -Hand in einen Baum geschnitten finden, die weiset dich nach der ziehnen -Gabel, da kömmst du zu einen Brünnlein, woraus die Zwoyt (Zwota) -entspringt; dem Fluß gehe nach zu der ziehnen Gabel, daselbst suche, so -wirst du viel Gold finden. - -Item Wenn du zur Kuttenheide, bey St. Peters Capell, bist, so frage -nach St. Peters-Brunn, und gehe dem Flusse nach, biß er in einen andern -Bach fällt, daran gehe förter und siehe dich um, so findest du ein -Zeichen in einer Tanne und eines in einer Fichten, so nicht weit von -einander stehen, dazwischen suche, da wirst du einen Schacht finden, -der ist verdeckt; mache denselben auff, so findest du einen gelben -Gang, von guten Gold-Ertz, davon das Pfund 10 fl. gilt. - -Item, Auff der Kuttenheide frage nach Weyher, ist eine Meile davon ein -Dorff, daselbst liegt eine Mühle, heist die Geigers-Mühle, am Bach, -ein Armbrust-Schuß weit davon zur linken Hand ist ein Felsen, darinn -bricht ein schöner Gold-Talck und sonst noch ein schwartz Ertz, das ist -Marcasith.« - -»Von Großlitz (Graslitz) aus gehe über eine Wiese am Wasser hinauf und -siehe dich nach einer Buchen um, daran ein Kreutz gehauen ist, von -derselben gehe einer Ackerlänge am Berge hinauff, so wirst du eine sehr -große alte Fichten finden und nahe dabey einen alten Stollen, darinnen -ist ein Gold-Ertz-Gang, dessen Pfund ist vor 14 fl. verkaufft worden. - -Item. Wenn man von Großlitz aus der Holen geht, so kommt man zu einen -Fohrenbach, der fleust Kreutz weiß über den Weg; daran gehe zur rechten -Hand hinauff so lange biß an die Quelle desselben Baches, darauf er -entstehet, die liegt auf einen hohen Berg, und wirft viel Sand aus, den -sichere, so wirst du schwartze Körner finden, die viel Gold halten, -davon das Pfund 15 fl. gilt.« - -»Zu Schöneck frage nach der Helle und gehe von dar um St. Johannis Tag, -bey St. Peters Capelle, der aufgehenden Morgen-Sonne gerad entgegen, -biß zu Mittags 11 Uhr; so kommst du auf eine weite Heide, da eitel -Birken stehen, davon gehe zwei Steinwürffe gegen Mittag zu, so kömmst -du an ein Gemöß bey einem Wässerlein, räume das Gemöß hinweg und grabe -daselbst ein, so wirst du einen großen Reichthum von Gold antreffen. - -Item. Im Holenstein eine halbe Meile von Schöneck ist ein Stollen, -darinnen bricht ein Quartz, so weiß Gold-Ertz hält.« - -»Auffm Schneeberg frage nach dem Schloß Wiesenburg, dabey fleust -ein Wasser hinweg, an diesem gehe aufwerts fort biß du kommst dem -Schafstall gleich, daselbst stehet ein Teich, über diesem Teich suche -in dem Wässerlein, so wirst du viel und gute reichhaltige Gold-Körner -darinn finden, welche dir die Mühe wohl belohnen werden.« - -»Eisenberg ist ein Schloß also genennet, laß dasselbe auff der linken -Hand liegen und gehe gerichts nach demselben wohl hinauff, auff den -Kamp, und gehe gegen der Sonnen-Auffgang, nach Brix zu, auf dem -Kamp, dann gehe auff das Schadehauß, so nahe darbey liegt, wenn du -darhinder kommst, so kehre dich um, und wende den Rücken nach der -Sonnen-Auffgang, siehe von dar wieder auff oder nach den Kamp, so wirst -du einen Rasenweg, auff St. Katharinberg zu, erblicken, dann gehe einen -guten Armbrust-Schuß weit, nach dem Kamp zu, hinein, da wirst du einen -Steinfelß finden, dem stelle dich zur rechten Hand, gegen das schlimme -Thal nach dem Schadeberge zu, und gehe daselbst im Thal nach 2 Hügeln -gerade fort, so wirst du in einer Tannen eine Hand eingeschnitten -finden, von derselben kömmst du zu einem Wasser, das zwischen dem -Schottenberg hinfleust, da kannst du viel Gold waschen.« - -»Wenn man von Brix auff Seida gehet, in dem Wald fleust ein Wasser, -darinn sind gute Körner.« - -»Zwischen Krohenzahl (Cranzahl) und Breßnitz fleuset ein Wasser, -darüber gehet ein Brücklein und nicht weit davon stehet ein großer Baum -mit einem krummen Ast, als ein Arm, da findet man schwartze Körner, die -man auff einen Amboß breit schlagen kann.« - -»Bei Kupferberg liegt ein Dörfflein, heist zum Holitsch an einem Berge -bei dem Halß-Gericht, daselbst findet man je zuweilen auch gediegene -Gold-Körner.« - -»Auff Satzunge gegen Konnetur (Komotau?) nicht weit von einem Wege, da -stehet eine Stein-Tanne, auf welcher Wurtzel ein Zeichen eingeschnitten -ist. Nicht weit davon soll ein Wässerlein fließen, und um die Tanne ist -eine Grube, in welcher ein schöner Goldhaltiger ~Marcasith~ bricht.« - -»Schlackenwerth oder Schlackenwerda. Frage hiervon nach der Eger in die -Nössel; wohl hinden am Steige findest du ein Loch in dem schwartzen -Brand, kreich darein, so wirst du viel Gutes antreffen.« - -»Hawenstein (Hauenstein) liegt eine Meilwegs von Schlackenwalda, von -Hawenstein gehe in das Gründlein unter die Fichten, da der gestümmelte -Baum stehet, allwo der liebe Gott dran hengt, und von dar weiter zu -einen Felsen, etwa einer Ackerlänge vom alten Hammer-Graben, da ist ein -Loch inne, worinnen viel weiß Gold enthalten ist, welches nach der -~Cementation~ dem Arabischen und Ungarischen gleich ist. ~NB~. Lieget -nach dem Fichtelberge zu.« - -»Von dem Hauenstein, da man in den Stollen gehet, fleust ein Wasser -herab in die Eger an den Jungfer-Stein, dasselbe Wasser hat gute -Körner, so viel Gold halten, das ist das reichste Seiffenwerk im ganzen -Böhmerland. Diese Körner sind schwärtzlich und gediegen.« - -»Im Walde bei Hasenstein (Hassenstein) unter einer Tannen, so -gezeichnet ist, stehet ein Gang Spannen breit oder mächtig, welcher -eine große Feste neben sich hat, darinnen ist ein sprenglichter Kieß, -hält 12 Loth.« - -»Item. Von dem Hasenstein frage und gehe nach einem Dorff, heist -Brunnersdorff, gehe von dar ferner oben bey dem Dorff und der Mühlen -hinaus, und frage nach einem Dorff, heist Wernersdorff, so nicht weit -davon ist, alldar gehe auch oben die Straß nach dem Klösterlein, -so kömmst du zu einem Dorff, ehe du in das Städtlein kommst, heist -Zirnabis, und an der Straßen vordem Dorff findet man Amethisten -am Wege und Äckern. Zur rechten Hand nach dem Gebirge, etwa einen -Armbrust-Schuß dem Berg hinan, da ist ein Loch, kreich darein, so -findest du einen Gang voller Amethisten.« - -»Hagensdorff liegt nicht weit von Hasenstein, oder Hasendorff und -Bleißdorff, bey diesem Hagensdorff hat vor Zeiten ein Kloster -gestanden, wie noch zu sehen ist, darzu gehe, so findest du ein -Berglein wie eine Mauer, darunter ist ein Stollen, in welchem man viel -Granaten findet, ja! wenn man suchet, auch auff den Äckern daherum. -Desgleichen auch auff dem Hasenstein im Eichwald, über dem alten -Kloster. Item zum Hauenstein bey der Hauß-Mühlen ist ein schöner -Goldgang.« - -»Item. Bey Zirnisch ist ein Gründlein auff der rechten Hand, das heist -die Schona, ist ein Wasser, darinnen hat ein Hirte geseiffet oder -gewaschen und viel Gold funden, daher er sehr reich worden, und seinen -Hirtenstand verändert; Massen er seine Güther an einem ihme gefälligen -Orthe erkaufft und sich sehr wohl eingesetzt hat.« - -»Item. Von den Caden an der Eger hinauff fleust ein Wässerlein, -welches von Hauenstein in die Eger fleust, darinn findet man in weißen -Quärtzlein gediegen Gold, und ist der reichsten Seiffenwerken eines in -gantz Böhmen-Land. Dergleichen Quärtze und Gold-Körner findet man der -Orthen herum fast viel in den sandigten Flüssen und Wasser.« - -»Item bey Caden im Steinbruch stehet ein Letten eines Fingers breit, -dessen Centner hält 14 Loth Silber.« - -»Item Bey den vierzehn Nothhelffern nach dem Klösterlein über der -Steinern Brücken, jenseits des Spitzberges in der Silberbach, hat ein -Hirte in einem Tage, nebst seiner Huth- und Weide-Verrichtung, ein Loth -Gold gewaschen, an Körnern, die er vor Gold nur angesehen und erkennet -hat, die andern hat er ohnerkandt weggeworffen.« - -»Zur Hohen Tanne am Galgenberg, bey der Silberbach, da die zwey -Flüßlein einen Steinwurff weit herabfließen, findest du einen alten -Stumpff von einer abgehauenen Birken, in welchen ein Bilgrams-Stab -geschnitten ist mit einem Sack. Zwischen dem Stumpff und Bach findest -du eine Hurt, die hebe auff, darunter ist ein Loch in Stein gearbeitet, -in welchem ein Gang einer Ellen breit des herrlichsten Gold-Ertzes ist. -Kanst du die Hurt nicht flugs finden, so rumpele oder stöhre mit den -Füßen oder Stock zu rings umher, biß du es hörest dummeln, allda wirst -du viel Gold finden.« - - * * * * * - -In der Umgegend von Elbogen erzählt man, daß alte Leute noch im vorigen -Jahrhunderte Goldsucher aus Welschland angetroffen hätten, welche -mittelst Wünschelrute und Haue den unterirdischen Schätzen nachspürten. -Besonders geschah dies am sagenreichen Krudimberge. Doch hat man -sie niemals bei ihrer Arbeit, sondern stets vor und nach derselben -gesehen. Bei dem Dorfe Steinmeißl bei Elbogen sahen Waldarbeiter aus -den »Grundhöhlen« durch eine Art Rauchfang Rauch aufsteigen; doch nie -konnten die Leute entdecken, wer das Feuer angemacht. Man meinte, -daß es Venediger gewesen, die hier und im Hans-Heilingsthale Erze -suchten. Der Wald bei dem Hornesbauerhofe war einst für Venediger ein -wichtiger Fundort von Erzen. Besonders sollen sie in einer Höhle an der -Morgenseite der Felsen ihr geheimnisvolles Werk getrieben haben. Es ist -das eine Höhle, welche sich, wie die Sage berichtet, am Karfreitage -öffnet, so daß man in die Felsen hineingehen und Schätze heben kann. -- - -In Platz wird erzählt, daß ein Italiener (Venediger) namens Antonio -Stoll hier auf Silber einschlug und wirklich in zwei Bergwerken Silber -fand, von dem er auch an die Regierung abgeliefert hat. Die Zeit, wann -dies geschah, ist unbekannt. - - In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde - bereits darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold - suchenden Venetianern außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen - Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt ihre Heimat fast durchgängig - nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen und von wo sie in - gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge zu - durchstreifen. - - Im ~Zlatorog~ von Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen - geschildert: - - Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich, - Wenn Venetianer kommen in das Thal. - Er weiß recht wohl, warum die klugen Wälschen - Verlassen ihre schönen Marmorhäuser - Alljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:) - -- -- -- Was --, frag' ich, treiben - Die Venetianer denn bis in den Spätherbst? - Warum denn kriechen sie durch alle Schluchten - Der Berge mit dem Hammer und dem Gürtel? - Warum denn schleichen sie durch alle Bäche - Gleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb? - Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's, - Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen, - Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspüren - So gut wie jene klugen Venetianer. - Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzen - Aus Kieselstein und waschen aus dem Bachsand - Das gelbe Gold und schleppen's in die Heimat. - - -349. Die Goldstampe am Borlasbache. - -(Ludwig Lamer im Glückauf 1882, S. 105.) - -Wenn man vom Weißeritzwehre an der großen Rabenauer Mühle den Fluß -aufwärts geht, gelangt man bald an ein munteres Bächlein, das von -Borlas herabkommt und sich in die Weißeritz ergießt, und abermals -wenige Schritte flußaufwärts steht ein großer Felskegel künstlich -abgetrennt von seinem Mutterfelsen, um der Eisenbahn einen Durchgang zu -schaffen. - -An der Spitze des Kegels kann man bei aufmerksamer Beobachtung den -Rest einer Aushöhlung erkennen, die nicht das Werk der Natur, sondern -fleißiger Hände ist. - -Vor viel hundert Jahren kamen in Zwischenräumen, wenn die Goldkörner in -der nahen Weißeritz reif geworden, Wahlen aus dem fernen Wälschlande, -deren Zunge man nicht verstand und die sich nur notdürftig verständlich -machen konnten, und schafften den Sand aus dem am Fuße des Felsens -befindlichen Weißeritzheger hinauf auf diesen Felsen und stampften ihn -in diesem Loche mit Wasser, bis die Goldkörner sich vom Sande sonderten -und von ihnen ausgelesen werden konnten. - -So hatte sich nach und nach ein Loch gestampft, in dem ein Mann wohl -bis an den Gürtel stehen konnte, und noch jetzt zeugen die einzigen -zwei Seitenwände, die von der Goldstampe übrig geblieben sind, von der -rührigen Arbeit der Wahlen. - -Und auch jetzt noch führt die Weißeritz Goldkörner an dieser Stelle, -sie sehen aber dem Sande gleich aus, denn sie sind noch nicht reif. - - -350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz. - -(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 62.) - -Der ehemals so ergiebige Bergbau auf edle Erze lockte Bergleute -aus weiter Ferne, darunter auch aus dem Venetianischen, sogenannte -Venediger, ins Erzgebirge. Einer derselben kam Sommer für Sommer auf -den Spitzberg bei Preßnitz. Man wußte lange nicht, was er hier wollte -und er selbst sagte niemandem ein Sterbenswörtchen davon. Endlich aber -ward er doch einmal beobachtet, wie er andächtig kniend zum Himmel -betete und sodann aus einer vorüberrieselnden Quelle viele funkelnde -Goldkörner in seinen Spitzhut raffte. Nachher sah man den Venediger nie -wieder, sei es, daß er sein Glück wo anders versuchte, sei es, daß er, -der Schätze schon genug besitzend, für immer in seine Heimat gezogen -war. - - -351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz. - -(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit etc. 1845, S. 324--26.) - -Im Dorfe Fürstenwalde lebte in früherer Zeit ein Häusler, namens Bär, -bei welchem seit vielen Jahren ein schlichter Fremder, angeblich -ein Italiener, alljährlich einkehrte, sich mehrere Wochen daselbst -aufhielt, und die dasige Gegend bloß deshalb besuchte, um in dem -Flußbette der Müglitz Goldkörner und edle Steine zu suchen. Erstere -soll er in der Gegend vom Kratzhammer abwärts bis an das sogenannte -Löwenbrückchen, letztere hingegen außer in der Müglitz auch im -Schlotteritzer Grunde gefunden haben. Seine Bemühungen wurden jedesmal -mit dem besten Erfolge gekrönt, und er lohnte daher seinem Wirte Kost -und Herberge zur völligen Zufriedenheit. Nach mehr als zwanzigmaligem -Wiederkehren eröffnete der Fremde endlich seinem Wirte, daß er nun -nicht mehr nach Sachsen kommen, sondern seine Reisen einstellen werde, -und bat ihn zugleich, ihn einmal in seiner Heimat zu besuchen, wozu er, -der Fremde, die nötigen Anstalten schon treffen wolle. Bär sagte zu. -Nach länger als Jahresfrist erhält nun Bär von seinem frühern Gaste die -Nachricht, daß er kommen solle, daß er nur bis Teplitz zu gehen und -dort auf der Post sich zu melden brauche, indem das Übrige wegen seines -Fortkommens und seiner Beköstigung schon besorgt sei. Halbgezwungen -macht sich also Bär auf den Weg, findet alles so, wie die Nachricht -es ihm gemeldet, und langt wohlbehalten in der ihm beschriebenen -Stadt an. Hier geht nun Bär, die Adresse seines Freundes, welche den -Namen der Gasse und die Nummer des Hauses enthielt, in der Hand, im -schlichten ländlichen Anzuge die Gassen mehrmals auf und ab, ohne -das Ziel seiner Reise gefunden zu haben, da er der dortigen Sprache -nicht kundig ist und mithin auch sich niemandem mitteilen kann. Nach -langem Suchen findet er endlich das mit der ihm angegebenen Nummer -bezeichnete Haus, jedoch weit größer und prächtiger, als er sich das -Haus seines Freundes gedacht. Er tritt aber demohngeachtet in dasselbe -ein, um sich nach dem Namen des Besitzers zu erkundigen, wird aber von -einem prachtvoll gekleideten Bedienten, der ihn für einen gewöhnlichen -Bettler hält und dessen Sprache er nicht versteht, mit Gewalt wieder -zum Hause hinausgebracht. In dieser Bedrängnis ruft ihm eine Stimme aus -dem Hause zu: »Vater Bär, bist Du's?« und gleich darauf erscheint zu -Bärs großer Freude sein Freund, um ihn bei sich einzuführen. Bär, ganz -erstaunt über die große Pracht, welche ihn auf einmal umgiebt, verlebte -mehrere Tage in seliger Trunkenheit. Sein Freund bot alles auf, ihm den -Aufenthalt so viel wie möglich zu verschönern, und als Bär sich endlich -zur Rückreise anschickte, führte ihn sein Freund noch in ein Kabinet, -welches seine Schätze enthielt. Hier bat er ihn, unter mehreren dort -aufgestellten, aus dem reinsten Gold gegossenen Figuren sich als -Andenken eine mitzunehmen, da sie aus den Goldkörnern seien, welche -er in Bärs Heimat gesammelt habe. Bär wählte nach langem Zaudern ein -goldenes Lamm, und langte damit, sowie mit einer kleinen Summe Geldes, -welche ihm sein Freund noch aufgedrungen, glücklich in seiner Heimat -wieder an. Die Kunde von dem goldenen Lamme verbreitete sich bald in -der Umgegend und kam endlich auch vor den Besitzer von Lauenstein, der -am sächsischen Hofe eine Stelle bekleidete. Auf seine Veranlassung -brachte Bär sein goldenes Lamm diesem aufs Schloß Lauenstein, und der -Herr fand solches so kunst- und wertvoll, daß er den Vorschlag that, -dieses Lamm dem Kurfürsten zu zeigen. Auch dieser fand großen Gefallen -an dem goldenen Lamme und suchte Bären endlich dahin zu bestimmen, -daß er dasselbe gegen eine ihm zugesicherte lebenslängliche Rente dem -Fürsten überließ. Das goldne Lamm soll sich noch heute im Königlichen -Kunstkabinet zu Dresden befinden; aber auch Bärs Nachkommen leben heute -noch im Dorfe Fürstenwalde. - - Eine thüringische Sage erzählt, wie einst ein Hirte von einem - Venetianer, welcher ihm die Schätze im großen Wartberge zeigte, - nachdem er die Schlangenkönigin getötet und ihre Krone an sich - genommen hatte, ein Wunschtüchlein und die Einladung erhielt, ihn - einmal in Venedig zu besuchen. Wirklich wünschte sich der Hirte einst - zu dem Venetianer hin und plötzlich schwebte er über den Türmen - Venedigs und fand seinen Bekannten in einem schönen Palaste. Er wurde - gut aufgenommen und beim Abschiede mit einer kleinen Kutsche und 6 - Pferden von gediegenem Golde beschenkt. Dies Geschenk hat der Hirte - und seine Familie lange aufbewahrt; später ist es in die Kunstkammer - zu Gotha gekommen. (Richter, Deutscher Sagenschatz, II. No. 50.) - - Ebenso erzählt eine fichtelgebirgische Sage, daß ein Mann aus - Wilfersdorf einen Goldsucher, den er in seinem Hause beherbergt - hatte, in dessen Heimat Venedig besuchte und dort gut aufgenommen und - reichlich beschenkt wurde. (Zapf, Der Sagenkreis des Fichtelgebirges, - S. 102.) - - -352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg. - -(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 62.) - -Unterhalb des Ortes Schmiedeberg, auf Pleiler Gemeindegebiet, -befindet sich ein großer Schlackenhaufen, welcher das alte Schloß -genannt wird. Zweifellos ist dies eine uralte Ansiedelungstätte des -Schwarzwasserthales, die aus einem großen Eisenschmelzfeuer mit -Hammerwerk bestanden haben mag. Mancherlei Sagen knüpfen sich an -diese öde Schlackenhalde. Unter andern soll hier auch ein Schatz, -ein kupferner Kessel mit Silber gefüllt, vergraben liegen. Oft schon -haben Geldgierige am Palmsonntage oder in den Tagen der Karwoche, doch -immer vergebens, darnach gesucht. Um den Schatz zu heben ist eine gute -Wünschelrute von nöten. - -Einst fischten beim alten Schloß einige Knaben im Schwarzwasser. Einer -derselben, der sich von seinen Kameraden zufällig entfernt hatte, -findet auf einmal eine große, thorähnliche Öffnung im Berge, geht -dreist in die sich mehr und mehr erweiternde Höhle hinein und kann -sich vor Staunen kaum fassen, denn eine solche Pracht haben seine -hellen Augen noch nicht gesehen. Rings krystallene Wände, daran in -Regenbogenfarben glitzernde Edelsteine und funkelnde Erze und in der -Ferne ein wunderbar strahlendes Licht. Von diesem zauberhaft übergossen -aber standen im Hintergrunde große Krystallvasen, gefüllt mit eitel -gediegen Gold und Silber. Lange stand der Knabe, versunken in diesen -herrlichen Anblick. Da plötzlich erinnert er sich seiner Genossen; -auch sie sollen dies alles sehen, denkt er und eilt hinweg, sie zu -verständigen. Allein da die Knaben alle kamen, konnten sie trotz -des eifrigsten Suchens die Wunderhöhle nicht mehr finden. Der Berg -hatte sich geschlossen und zeigte wieder sein gewöhnliches Aussehen. -Alle Jahre aber, am Karfreitag Punkt 3 Uhr soll er, wie man erzählt, -eine Zeit lang geöffnet und samt all seinen Schätzen für jedermann -zugänglich sein. - - -353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge. - -(Joh. Falke, Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden, 1866. S. 84.) - -Vor etwa 60 Jahren ist noch an dem hintern Teile der Kirche zu Geyer -auf der Südseite ein gemaltes Fenster zu sehen gewesen, das einen -buntfarbigen Bauer von ½ Elle Höhe mit zwei Dreschflegeln darstellte. -Dieser Bauer war der Sage nach aus Geyersdorf, das vor Annabergs -Erbauung nach Geyer eingepfarrt gewesen sein soll, und derselbe ließ -den hintern Teil der Kirche auf seine Kosten bauen. Unter diesem -Fenster war ein Gemälde auf Leinwand mit einem Bauer in größerer Figur, -zu dessen Füßen ein Leichenstein. Nach der Sage soll jener Bauer auf -dem Rückwege von Geyer nach Geyersdorf, von der Nacht oder einem -Schneegestöber überrascht, seine Zuflucht auf einem Baume genommen und -dort geträumt haben, unter diesem Baume seien Erzgänge. Er suchte und -fand so reiche Erze, daß er durch den nun begonnenen Bau in kurzem zum -reichen Manne wurde und aus Dankbarkeit diesen Teil der Kirche bauen -ließ. Auf dem Gemälde war er abgebildet, wie er im Begriff stand, mit -einer lang gespitzten Keilhaue einzuschlagen. - - -354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche. - -(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt -Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28.) - -Im Jahre 1713 soll in der Nähe von Johanngeorgenstadt bei einem -Vogelherde, an welcher Stelle man hierauf das Bergwerk »Glockenklang -und Vogelgesang« erschürfte, drei Tage nach einander von früh bis -gegen Mittag Geläute gehört worden sein, was von etlichen Personen -gewissenhaft an Eidesstatt ausgesagt wurde. Wie nun die Gründung der -Stadt Johanngeorgenstadt durch Glockengeläute angezeigt wurde, so -deutete man auch jenes Läuten als ein Anzeichen für die Erweiterung des -Bergbaus in dortiger Gegend. - - -355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärenstein. - -(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. -Annaberg, 1746. S. 6.) - -Anno 1471 hat Peter Rosenkranz, ein Mönch im Kloster Grünhain, dem -Herrn Abt von vielen und mancherlei Sachen gesagt, auch wie ein -Bergwerk am Bärenstein aufkommen würde; dasselbe würde einen langen -Bestand haben und viel Ausbeute geben. Denn es läge ein ganzer Stock -Erz davor hinter dem Stein, hinab gegen das Wasser zu, ein Gang eines -Wagens breit im Streichen, gegen halb Mittag und halb Abend, führte -solch großes Erz, daß er nicht auszusagen wüßte. Und wenn es die Zeit -geben würde, daß es sollte aufkommen und offenbar werden, so würde eine -Zeche an der andern stehen, bis über die Waschleite hinauf, und wer nur -einen Kux davon hätte, da würde er und seine Kinder und Kindeskinder -Nahrung davon haben. Auch würde ein Bergwerk aufkommen zwischen dem -Pöhlberg und Bärenstein, das würde einen guten Bestand haben und viele -Ausbeute geben, und eine schöne Stadt dahin gebauet werden. Aber -dieses Bergwerk wäre nur eine Ader vom Bärenstein. Und es läge auch -auf den Raschauer Gütern viel Eisenstein, welcher auch bald gefunden, -und gar gut Eisen daraus gemacht worden. Aber die Zeit wäre noch -nicht vorhanden, daß der Bärenstein aufkommen sollte, denn es würde -durch einen Aufruhr das Kloster ganz zerstöret werden, und kein Mönch -darinnen sein, ja es würde so zerstöret werden, daß das Erdbeerkräutig -auf denen Mauern und die Bäume über die Mauern hinauswachsen und gar -miteinander an die Fürsten von Sachsen kommen würde. - -Dasselbe prophezeiten später mit denselben Worten drei fahrende -Schüler, die den Abt von Grünhain Johann Gottfried Küttner um Herberge -und Beförderung angesprochen. Auf ihre Rede hat der Abt eine Hirsch- -und Bärenjagd am Bärenstein angestellt und die drei fahrenden Schüler -mit hinüber geschickt. Als man sie an Ort und Stelle fragte, welche -Zeit und Jahr es sollte offenbar werden, sind sie ein wenig von dannen -und unter einen Ulmenbaum getreten, und haben miteinander geredet und -gesagt: Ungefähr 50 Jahre nach dem Bauerkrieg und Aufruhr würde das -Kloster so wüste werden, daß das Erdbeerkräutig auf den Mauern wachsen -würde, und werden die Bergstädte teils zu Grunde gehen, alsdann wird -der Bärenstein angehen und aufgenommen, allein man müßte mit dem -Stollen die Gänge überfahren. - - -356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von Joachimsthal. - -(Nach Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrgang 2. und 3. -Heft.) - -Die Gegend, wo jetzt Mariasorg liegt, war bis zum Anfange des 16. -Jahrhunderts eine mit Wald bedeckte Einöde. Hier wohnte damals in -einer einfachen Klause »um Sanct Albrecht unten am Wolfsberg, wo der -Schwarzgang hinabstreicht,« der fromme Einsiedler Johannes Niavis -(Schneevogel). Seine Andacht verrichtete er in einer kleinen Kapelle, -an deren Stelle sich heute die Mariasorger Kirche befindet. Dieser -Johannes Niavis hat samt der alten Gräfin Kaspar Schlick deutlich von -dem Thal, da jetzt die Stadt Joachimsthal liegt, geweissagt, daß allhie -ein großes Gut liege und eine mächtige Stadt hierher solle erbauet -werden. Es werde zwar das Bergwerk in sehr großen Abfall geraten, aber -doch hernach wieder florieren und in größere Aufnahmen kommen, als es -je gewesen. - -Diese Prophezeiung gab Veranlassung, daß im Jahre 1515 Graf Stephan -Schlick, Graf Alexander von Leisnick, Wolf von Schönberg und Hans -Tommeshirn sich zu der ersten Gewerkschaft vereinigten, die alte -Fundgrube am Schottenberge wieder belegten und so »mit Gewalt das -Bergwerk aufbrachten.« - -Die Kapelle des Einsiedlers Niavis war bei Einbürgerung der -lutherischen Lehre in Joachimsthal zerstört worden, und als man -1691, da das Bergwerk infolge des dreißigjährigen Krieges und der -Gegenreformation in Verfall gekommen war, an dem Platze, wo sie -gestanden hatte, ein Kirchlein erbauen, und den sogenannten schwarzen -Gang entblößen wollte, fand man endlich einen Stein mit einem -eingehauenen Kreuze. Die Stelle, wo er lag, sollte der gesuchte -Platz sein. Hier wurde nun die Mariasorger Kirche gebaut, über deren -Thüre man jenen noch heute daselbst zu sehenden Stein einmauerte. -Die Einweihung erfolgte 1699. Der Ort selbst erhielt nach einem -wunderthätigen Marienbilde, das in der Kirche aufgestellt wurde und -viel Wallfahrer anzog, den Namen Mariasorg. Später wurde an die Kirche -das Kloster mit einer besondern Ordenskirche angebaut und im Jahre 1765 -vollendet. In der darauf bezüglichen, von der Kaiserin Maria Theresia -unter dem 16. November 1752 ausgestellten Urkunde heißt es unter -anderem, daß dies auch geschähe »aus dankmütiger Erkenntlichkeit für -den bisher von Gott verliehenen und ferners zu erbittenden Berg-Segen.« -So war die Prophezeiung des Einsiedlers Johannes Niavis nicht nur die -Veranlassung zur Gründung der Bergstadt Joachimsthal, sondern auch zu -derjenigen der Kirche und des Klosters zu Mariasorg. - - -357. Anfang des Bergwerks St. Briccius am Pöhlberge. - -(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. -Annaberg, 1746, S. 11--13.) - -1. Es soll ein Bergmann des Nachts im Traum eine göttliche Erscheinung -gehabt haben; dem habe geträumt, es komme ein Engel zu ihm, der sagte, -er solle in den Wald zu einem gewissen Baume gehen, den ihm auch der -Engel im Traum bezeichnet, da würde er ein Nest mit goldenen Eiern -finden. Darauf sei der Bergmann, als es Tag geworden, aufgestanden und -habe den ihm im Traume gezeigten Baum gesucht und auch gefunden. Als er -nun vermittelst einer Fahrt auf solchen Baum gestiegen, so habe er das -Nest mit den güldenen Eiern zwar gesucht, aber nichts angetroffen. Da -er wieder herunter gestiegen, sei der im Traum ihm vorher erschienene -Engel alsbald zu ihm gekommen und habe ihm befohlen, er solle bei -diesem Baum einschlagen, so würde er das Nest mit denen güldenen Eiern -antreffen. Als der Bergmann diesem Befehle des Engels gefolgt und zu -schürfen angefangen, so habe er auch wirklich einen reichen Silbergang -entblößet, darauf alsdann der Bergbau allhier angegangen. Es ist diese -Geschichte in der Hauptkirche zu St. Annaberg an dem hintern Teile des -kleinen Altars, welchen die Knappschaft 1521 erbauen ließ, abgebildet. -Auch lieget in der alten Sakristei der Hauptkirche ein großer runder -Stein, auf welchem dieselbe Geschichte ausgehauen steht. - -2. ~Dr.~ Barth, welcher 1584 als Professor in Leipzig starb, erzählt -dagegen: Einem Bergmanne, mit Namen Daniel, habe geträumt, er -sollte in den finstern Wald gehen, da würde das Feuer vom Himmel -fallen, dem sollte er alsbald nachgehen und an dem Orte suchen, so -würde er daselbst in der Erde einen großen Schatz finden, davon er -sich unterhalten und in seiner Armut leben könnte. Sobald es nun -Tag geworden, wäre der Bergmann aufgestanden, hätte Gott im Gebete -angerufen, daß er ihm gnädig sein und den Traum erfüllen wolle. Hernach -wäre er in den Wald gegangen, hätte den ganzen Wald durchsucht, bald -auf die Erde, bald gen Himmel gesehen und nicht ohne große Hoffnung zu -Gott gebetet, um das ihm im Traume versprochene Feuer sehen zu lassen. -Wider Vermuten wäre hernach ein Gewitter am Himmel aufgestiegen, daß -es mit einem starken Donner in den Wald geschlagen. Da wäre dann -der Bergmann geschwind gegangen und hätte alles durchsuchet, um zu -sehen, wo es hingeschlagen. Da er den Ort gefunden, habe er alsbald -die Wünschelrute genommen und sie feste in die Höhe gehalten, die Rute -hätte sich aber in der Hand so sehr gewendet, daß er solche fast nicht -erhalten können, und also gezeiget, daß der Schatz des Silbers hier -an diesem Orte in der Erde verborgen liege. Hierauf habe der Bergmann -nachgegraben und auch wirklich einen reichen Gang entdeckt. Dieser -glückliche Finder wäre hernach zu den Bauersleuten gegangen, hätte -ihnen sein Glück angezeigt, viele von denselben zu Gehülfen in seiner -Arbeit genommen und dieselben seines Schatzes teilhaftig gemacht, -worauf sie dann viele Erze gewonnen und schmelzen lassen. Da sich nun -der Ruf davon allenthalben ausgebreitet, so wären von allen Orten -und Enden viele Fremde hierher gekommen, das neu von Gott bescherte -Glück zu sehen; viele hätten auch hernach unten gegen Abend, wo der -Berg abfällt, noch viele andere reiche Gänge durch die Rutengänger -entdecket, und auf solche Art wäre also zuerst durch die Gnade des -großen Gottes das Bergwerk daselbst entdecket worden. - - -358. Die Entstehung Annabergs. - -(I. Mündlich. II. Ziehnert a. a. O. Anhang No. 21.) - -I. Zur Zeit Friedrich des Weisen lebte im obern Erzgebirge nicht weit -vom Schreckenberge ein alter, schlichter Bergmann mit Namen Daniel -Knapp. Nach alter frommer Sitte beugte er jeden Abend seine Knie vor -dem Muttergottesbilde. Als er dies eines Abends wieder gethan hatte, -legte er sich nieder. Da erschien ihm im Traume die heilige Mutter -Anna und befahl ihm, an der Stelle, welche sie ihm im Traume zeigte, -einzuschlagen. Verwundert über den seltsamen Traum, machte sich der -Bergmann auf und wanderte nach Wittenberg, wo damals der Kurfürst -weilte. Zagend trat Daniel Knapp vor denselben hin und bat ihn, daß -er ihm seinen Traum erzählen dürfe. Der Kurfürst hörte verwundert -dem Bergmanne zu, und als er geendet hatte, folgte er ihm mit seinem -Kanzler und begleitet von Rittern und anderen Herren. Am Fuße des -Schreckenberges, an der Stelle, welche ihm im Traume geoffenbart -worden war, schlug darauf der Bergmann kräftig ein und bald strahlte -dem Kurfürsten und seinen Begleitern heller Silberglanz entgegen. -Darauf ließ der Kurfürst zur Erinnerung an den wunderbaren Fund die -sogenannten Engelsgroschen prägen und wenig Jahre später entwickelte -sich aus den Ansiedelungen, welche in der Nähe des silberreichen -Schreckenberges gegründet wurden, die Stadt Annaberg. Von dem -Bergmanne Knapp aber sollen seit jener Zeit alle Bergleute den Namen -»Knappen« führen. - -II. Als noch dicke Waldung den Pöhlberg und seine Nachbarn deckte, -lebte im Dorfe Frohnau ein Bergmann, Daniel Knappe, fromm und brav, -aber blutarm. Große Teuerung und Hungersnot war im Lande, und Knappe -hatte sieben Kinder und ein krankes Weib in seiner Hütte. Er wußte -seiner Not kein Ende und war nahe daran, zu verzweifeln an der -göttlichen Hülfe. Da erschien ihm einst im Traum ein Engel Gottes und -sprach zu ihm: »Gehe morgen in den Wald am Fuße des Schreckenberges. -Dort ragt eine Tanne hoch über alle Bäume des Waldes hervor. In ihren -Zweigen wirst du ein Nest mit goldenen Eiern finden; dies ist dein, -brauche es wohl!« Als Knappe am Morgen erwachte, erinnerte er sich -des Traumes und ging hinaus in den Wald, das Nest mit den goldenen -Eiern auszunehmen. Bald hatte er die Tanne in der Nähe der Wolfshöhle -gefunden und kletterte rasch in ihren Ästen bis in den höchsten Wipfel -hinauf, fand aber nichts. Traurig, daß ihn der Traum getäuscht habe, -stieg er wieder herab und setzte sich auf die Wurzeln des Baumes -nieder, um auszuruhen. Er sann hin und her, und dabei fiel ihm ein, daß -unter den Zweigen wohl auch die Wurzeln der Tanne zu verstehen sein -könnten. Die Vermutung ward bald zum festen Glauben, und eilig lief er -und holte aus seiner Hütte das Gezäh zum Schürfen. Eifrig begann er den -Schurf, und kaum hatte er die Dammerde durchbrochen, als mächtige, nach -allen Seiten streichende Silbergänge ihm entgegen blickten. Er sank auf -seine Kniee und dankte Gott. - -Bald war die Kunde von dem neuentdeckten Bergreichtum in alle Lande -verbreitet, und Tausende zogen herzu, um sich in der bisher so wilden -Gegend anzusiedeln. Dies veranlaßte den Herzog Georg den Bärtigen, eine -neue Bergstadt zu gründen. Am 21. Sept. 1496 wurde der Grundstein zu -dem ersten Hause gelegt, und die neue Stadt Neustadt am Schreckenberge, -später aber Annaberg genannt. -- Zum Andenken an Daniel Knappe aber -heißen noch heute die Bergleute im allgemeinen die Knappen und ihre -Gemeinschaft die Knappschaft. - - -359. Die Kapelle zu Frohnau. - -(~Jenisii Hist. Annaberg.~ II., S. 2. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen. No. 514.) - -Im Jahre 1502 ist ein gewisser angesehener und würdiger Mann namens -Lorenz Pflock gen Annaberg gekommen; als ihm nun seine Gemahlin in -kurzer Frist auf einem Wagen folgte, kam es ihr, als sie etwas über -das Dorf Frohnau hinaus war, vor, als wenn die Erde in dieser Gegend -erschüttert werde. Nicht lange darauf legte ihr Mann an diesem Orte ein -Bergwerk an, das überreiche Ausbeute gab, und ließ, weil er überzeugt -war, daß durch jenes Gesicht das Vorhandensein einer reichen Silberader -angedeutet worden sei, mitten im Dorfe Frohnau einen kostbaren Altar -nebst Kirche erbauen. - - -360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 5.) - -In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in der Schweiz ein -verarmter Kaufmann, der einmal den höchst sonderbaren Traum hatte, -er werde auf der steinernen Karlsbrücke zu Prag sein Glück finden. -Ohne sich lange zu besinnen, bestieg er sein Rößlein und ritt nach -der Hauptstadt Böhmens, dem hunderttürmigen Prag. Daselbst angelangt, -ging er in froher Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, auf -der Moldaubrücke auf und ab. Durch sein seltsames Benehmen zog der -Schweizer bald die Aufmerksamkeit des auf der Brücke aufgestellten -Wachsoldaten auf sich, welcher ihn endlich fragte, was er hier suche. -»Mir hat geträumt«, erwiderte der Angesprochene, »daß ich auf dieser -Brücke mein Glück finden werde. Nun gehe ich aber hier schon mehrere -Stunden hin und her, ohne nur eine Spur des erhofften Glückes zu -finden.« »Sonderbar«, sagte der Wachposten, »mir träumte auch einmal -von meinem künftigen Glücke, das ich in den westlichen Bergen erst -suchen gehen soll, aber ich lege den Träumen keine Bedeutung bei, denn -Träume sind Schäume!« Kaum hatte dies der Schweizer vernommen, so -eilte er in seine Herberge zurück, ließ sein Pferd satteln und ritt, -seinem Sterne folgend, immer dem Westen zu, um zu dem geistreichen, -durch seine Prophezeiungen bekannten Johannes Niavis (Schneevogel), -dem Einsiedler am Wolfsberge, wo heute das Dorf Mariasorg liegt, zu -gelangen und dann seine Reise nach »Conradisgrün« (Konradsgrün), der -ersten Ansiedelung von Joachimsthal, fortzusetzen. Nach mehrtägigem -Ritt kam er in die Gegend von Lichtenstadt. Wie er immer weiter -trabte, blieb des Rosses Huf an etwas hängen, und das Hufeisen wurde -abgesprengt. Er stieg ab, um nach der Ursache dieses Unfalles zu sehen. -Da bemerkte er, daß ein Zapfen von Silbererz das Hufeisen abgerissen -und freute sich, sein zwischen den Schweizerbergen geträumtes Glück -gefunden zu haben. Der Schweizer kehrte, nachdem sein Pferd in der -nächsten Schmiedewerkstatt wieder beschlagen worden war, in die -Heimat zurück, traf aber bald in Konradsgrün mit einem Zuge Schweizer -Bergleute ein. Diese durchforschten die Gegend und gruben untertags mit -bestem Erfolge nach Silbererzen. So wurde der Kaufmann aus der Schweiz, -der in der That auf der Prager Moldaubrücke sein Glück gefunden hatte, -ein grundreicher Mann, und noch heute führt ein langer Haldenzug, der -damals eine sehr ergiebige Ausbeute gab, den Namen »der Schweizerzug«. - - Eine im Wesentlichen gleiche Sage finden wir in den deutschen Sagen - der Brüder Grimm (2. Aufl., I. B., No. 212). Hier wird aber jemandem - auf der Brücke zu Regensburg die Mitteilung, daß unter einem gewissen - Baume ein großer Kessel mit Geld vergraben sei, was sich auch - bestätigte. - - -361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 7.) - -Vor vielen Jahren lebte in der alten Bergstadt Joachimsthal ein -gottesfürchtiger Gewerke, mit Namen Basler. Er besaß nebst Haus und -Acker eine Grube, welche eine gute Ausbeute an Silber gab und sein -Vermögen beträchtlich vermehrte. Plötzlich aber blieb das blinkende -Silbererz in den harten Felsadern aus, und er traf auf lauter taubes -Gestein. Basler, der ein sehr unternehmender Mann war, stellte jedoch -seinen nunmehr kostspieligen Bau nicht ein, sondern ließ rühriger -denn je mit Fäustel und Bohrer weiter arbeiten, da er in Bälde in -eine silberhaltige Teufe zu kommen hoffte. Schon war aber Schrank und -Beutel leer, Haus und Acker verpfändet, und noch immer leuchtete ihm -kein Hoffnungsschein in der Grube. Seine Lage gestaltete sich vielmehr -von Tag zu Tag trauriger, denn er wurde von seiner Freunde Schwarm nun -gemieden, und einen Bergknappen nach dem andern mußte er aus seinem -Dienste entlassen. Zuletzt war er auf seine Kräfte allein angewiesen; -doch ließ er auch jetzt voll Zuversicht, daß Gott ihm helfen werde, den -Mut nicht sinken und baute unverdrossen und emsig im harten Gestein -fort, -- leider ohne allen Erfolg. Dadurch geriet seine Familie, die -ehemals in guten Verhältnissen gelebt hatte, in die bitterste Not. -Um die Seinigen zu ernähren, sah sich der arme Basler, dem niemand -mehr Geld vorstrecken mochte, sogar genötiget, nicht bloß Hausgeräte, -sondern auch halbwegs entbehrliche Kleidungsstücke zu verkaufen. - -Als eines Tages die Not aufs Höchste gestiegen war, und er sich weder -zu raten noch zu helfen wußte, nahm seine Frau ihr teuerstes Kleinod, -einen feingestickten Schleier, der noch von all ihren Habseligkeiten -übrig geblieben war, in die Hand. Ihn hatte am Hochzeitsfeste die gute -Mutter ihr ins Haar geknüpft und gesegnet, darum war der Schleier -ihr so lieb und wert. Sie betrachtete denselben unter tiefem Seufzen -lange mit thränenfeuchten Blicken; denn zentnerschwer drückte ihr -Herz der schreckliche Gedanke, ihr kostbarstes Pfand mütterlicher -Liebe zu veräußern. Endlich entschloß sie sich, freilich schweren -Herzens, zum Verkaufe des Brautschleiers. Aus dem gelösten Gelde -kaufte Basler, nachdem er für das nötige Brot gesorgt hatte, Unschlitt -ein, um sein Geleucht aufschütten zu können. Er wollte nämlich, um -sein Glück zu versuchen, noch einmal anfahren, dann aber, falls auch -dieser Versuch mißglückte, den Bergbau, der ihn zum Bettler gemacht, -aufgeben. -- Als sich nun Basler zur Fahrt nach der Grube gerüstet -hatte, sprach er, treu seinem gewohnten Spruche: »Bete und arbeite!« -ein herzinniges Bergmannsgebet, fuhr hierauf ein und schritt an's -Tagewerk. »Herr«, sprach er zu sich selbst, Du kennest mein ehrliches -Sinnen und Trachten, sowie meinen und der Meinigen Jammer und Gram; -erbarme Dich unser und segne heute meiner Hände Arbeit, damit ich viel, -recht viel zur Verherrlichung Deines Hauses beitragen kann!« -- Es -gingen nämlich gerade zu derselben Zeit -- es war im Jahr 1536 -- die -Grafen Hieronymus und Laurenz Schlick daran, in Joachimsthal, dem rasch -aufgeblühten und zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Bergorte, -eine neue, stattliche Kirche zu bauen. Wie sehr mochte sich wohl unser -frommer Basler, der früher so reiche Bergherr, gekränkt haben, daß er -jetzt in seiner größten Armut gar nichts zum Baue des Gotteshauses -beisteuern konnte! Er ergriff, gestärkt durch sein unerschütterliches, -festes Gottvertrauen, sein Gezäh und arbeitete mit solcher Kraft, -daß das Gestein weit umhersprang. Da bemerkte er auf einmal, daß das -Unschlitt in seiner Lampe zu Ende ging; er wollte nun sein Geleucht -wieder auffüllen, allein das Unschlitt war verschwunden. Bestürzt und -unmutig, daß ihm auch seine letzte Hoffnung vereitelt sei, suchte er -nach dem Unschlitt und sah eine Maus mit demselben ihrem sicheren -Verstecke zueilen. Über das mutwillige Tierchen erzürnt, erfaßte -Basler seinen Schlägel und warf nach dem Mäuschen. Aber nicht dieses -zerschmetterte sein wuchtiger Wurf, sondern das Felsgestein an der -Öffnung der Wand, in der das Mäuschen verschwunden war. Doch siehe, was -schimmert da unserm Basler entgegen? Ists bloß blendender Schein oder -Wirklichkeit? Er prüft und findet, daß eine Silberader sich vor ihm -geöffnet hat. So wurde mit einemmale Basler auf höchst merkwürdige und -überraschende Weise wieder in den Stand gesetzt, den Bergbau mit vielen -Knappen zu betreiben. Er ward gar bald ein reicher Mann, der aber auch -als solcher seinem früheren einfachen und frommen Lebenswandel treu -blieb. Sein Gelübde erfüllte er treulich. Er spendete für die Kirche zu -Joachimsthal ein silbernes Kreuz und ließ überdies einen Predigtstuhl -verfertigen, dessen Stütze ihn selbst im Bilde in Wams und Bergkappe -darstellte. - -Noch bis zum furchtbaren Brande des 31. März 1873 konnte man diese -interessante Bergmannsfigur in der reichen und geschichtlich -merkwürdigen Dekanatkirche zu Joachimsthal, die an dem genannten Tage -ebenfalls zerstört wurde, unter dem Predigtstuhle sehen. - -Baslers Frau, vom ungewöhnlichen Glücke berauscht, vergaß Tugend und -Frömmigkeit und wurde über alle Maßen stolz und hochmütig. Als ihr -Mann auf der Totenbahre lag und die Bergknappen beim Einsegnen vor dem -Hausthore standen und nach ortsüblicher Weise das Trauerlied mit den -Worten beendigten: - - »Du bist, Herr, stark in Deinem Arm, - Du machst bald reich und machst bald arm«, - -da sprang die Übermütige, prangend im kostbaren Kleide und strahlend im -Diamanten- und Perlenschmucke, zum offenen Fenster und rief voll Zorn -und Hohn hinab: »Frau Basler kann und wird niemals verarmen!« - -Noch in erhöhterem Grade gab sich Frau Basler von jetzt an der -Verschwendung hin; sie lebte in Saus und Braus, so daß ganz unbemerkt -die Silberschätze in ihren Kästen und Truhen gleich einer Seifenblase -zerrannen. Eines Tages stand sie auf der Prager Brücke. Da zog die -Prahlerin einen prächtigen Siegelring vom Finger, warf ihn in die -Moldau und rief: - - »So wahr, als mein Ring nicht kehrt nach Haus, - So wahr schöpf' ich meine Schätze nicht aus!« - -Ein Fisch aber hörte die übermütigen Worte der frevelnden Baslerin und -sah das kostbare, blitzende Ringlein; da dachte er bei sich: »Ohnedies -harrt der Tod mein, es soll auch für Dich der Tod sein!« Bald ließ der -Lachs, der den Ring verschlungen hatte, sich fangen. Und siehe da! Des -andern Tages brachte ein Fischer einen Fisch, in dessen Bauche sich der -Ring befand, der zur Frau Baslerin heimgekehrt war; und wie der Ring -kam zurückgeschwommen, so ist sie hülflos auch verkommen. -- Die Maus -hat Baslern zum Reichtume verholfen, der Fisch der Baslerin zur Armut. - - Einzelne Züge dieser Sage haben große Ähnlichkeit mit solchen in der - folgenden Sage von den Tellerhäusern bei Oberwiesenthal. - - -362. Die Tellerhäuser bei Wiesenthal. - -(Nach Ziehnerts poet. Beh. in Gräße, Sagenschatz etc. No. 502.) - -Um das Jahr 1570 lebte zu Wiesenthal ein blutarmer, aber frommer und -fleißiger Bergmann, namens Teller, der bei einer Grube beschäftigt war, -die auf einmal keine Ausbeute mehr gab und deshalb von ihrem Besitzer, -einem reichen Geizhals, nicht mehr bebaut ward. Ebenso vergebens wie -er von Letzterem seinen rückständigen Lohn zu bekommen gesucht hatte, -sah er sich nach neuer Arbeit um; er hatte eine kranke Frau und drei -Söhne zu Hause, allein er hatte kein Brot für sie und so mußte er nach -und nach alles, was er besaß, verkaufen. So kam der Ostermorgen heran -und das letzte, was noch zu Gelde gemacht werden konnte, war bereits -weggegeben. Siehe, da zog es ihn nach der Kirche, und als er traurig an -den Eingang derselben getreten war, kam es ihm vor, als sehe er sich im -Festtagsgewande, eine Stufe glänzenden Silbers auf der Schulter, an der -Kanzel stehen. Er rieb sich die Augen, wendete sein Gesicht weg, aber -sobald er wieder auf jenen Punkt schaute, stand auch sein Doppelgänger -wieder da. Er verließ endlich die Kirche, und auf dem Wege nach seinem -Hause begegnete ihm ein wohlgekleideter Unbekannter, der ihm, als er -von ihm befragt, warum er so traurig aussehe, seine Not geklagt hatte, -ein großes Geldstück schenkte. Damit kaufte er die notwendigsten -Bedürfnisse und begab sich nach Hause. Hier hatte er aber keine Ruhe, -denn überall sah er das gehabte Gesicht vor sich, und es kam ihm vor, -als ziehe ihn sein Doppelgänger nach jener eben aufgegebenen Grube hin. -Endlich konnte er nicht mehr diesem innern Drängen widerstehen, daher -kaufte er sich von dem noch übrig gebliebenen Gelde von dem Bergmeister -die Erlaubnis, in der auflässigen Grube zu bauen, und fing eifrig an -einzuschlagen. Allein seine zwei Hände brachten wenig vorwärts, der -Tag verfloß und er war auf kein edles Metall gestoßen; schon war der -zweite halb zu Ende und er machte eben Anstalt, sein letztes Stücklein -Brot zum Mittagsmahl zu sich zu nehmen, als aus einem Loche im Gestein -ein Mäuschen herauskroch und ungescheut die heruntergefallenen Brosamen -auflas. Er ließ dasselbe ruhig gewähren, als es aber anfing auch -sein Grubenlicht zu beknabbern, warf er sein Fäustel nach demselben. -Statt daß aber die Maus davon getroffen ward, sprengte er ein starkes -Stück Gestein los, und siehe, hinter demselben lag ein reicher Gang -gediegenen Silbers zu Tage. Kaum wollte er seinen Augen trauen, allein -er konnte nicht zweifeln; er eilte nach Hause, um seine Familie mit -der frohen Kunde zu erfreuen, und so ward er in wenigen Tagen aus -einem armen Häuer ein reicher Bergwerksbesitzer. Allein er vergaß -darum seine früheren Leiden nicht, er blieb bis an seinen Tod einer -der frömmsten und mildthätigsten Männer in der ganzen Gegend. Seinen -drei Söhnen erbaute er von seinem Reichtum drei kleine Güter in einer -wildromantischen Gegend zwischen Wiesenthal und Rittersgrün, die -heute noch die Tellerhäuser genannt werden, sich selbst ließ er ganz -so, wie er sich an jenem Ostermorgen in der Kirche gesehen hatte, im -Sonntagsputze des Häuers in Holz aushauen und dies Bild zum Andenken in -jener Kirche aufstellen, wo es noch zu sehen ist. - - -363. Die neue Grube bei Preßnitz. - -(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 2.) - -Unweit der Bergstadt Preßnitz steht an der Straße, welche von Dörnsdorf -dahin führt, eine Marienstatue. Dieselbe stellt die Mutter Gottes mit -dem Jesuskindlein dar, welches die Erdkugel und das Scepter in seinen -Händchen hält. Neben dem Gnadenbilde stand vor vielen, vielen Jahren -eine unansehnliche, kleine Berghütte mit einer ergiebigen Grube. Im -Volksmunde lebt noch die Sage fort, welche sich an die Statue und -die Berghütte knüpft. Zur Zeit einer großen Teuerung lebte in einer -windschiefen, halbverfallenen Hütte des Erzgebirgs eine arme, brave -Bergmannsfamilie. Schlecht und recht, wie es eben bei einem Bergmanne -möglich ist, hatte der arbeitsame Vater in bessern Tagen sein Weib -und seine vier Kinder im Schweiße seines Angesichts ernährt. Heute -aber saß er gar tiefbekümmert, das Haupt gebeugt, die schwieligen -Hände gefaltet, im Kämmerlein, denn weder ein Bissen Brot noch ein -roter Pfennig war in der Hütte. Als er sein Weib vor Not heiße Thränen -weinen sah, und seine sterbenskranken Kinder vor Hunger schrieen, da -wollte dem Vater vor Gram und Kummer schier das Herz zerspringen. -Nicht länger litt es ihn unter seinem Dache. Viel Schönes hatte er ja -von der Mildthätigkeit der Menschen erzählen hören, warum sollte er -dieselbe nicht auch in seiner hartbedrängten Lage in Anspruch nehmen? -Und er ergriff, den seinigen Trost zusprechend, den Wanderstab, um in -den benachbarten Dörfern wohlthätige Mitmenschen um Gaben für seine -hungernde Familie anzuflehen. Wo er anklopfte, ward ihm zwar aufgethan, -allein überall traten ihm bleiche, darbende Gestalten entgegen, die -selbst bittere Not litten und darüber klagten; denn schwerer als -jeder andere Landesteil war diesmal das blutarme Erzgebirge von der -ausgebrochenen Teuerung heimgesucht. So kam unser Bergmann ganz -hoffnungslos vor Preßnitz an. Der schreckliche Gedanke, daß seine -Familie nun dem Hungertode zum Opfer fallen müsse, brachte ihn zur -Verzweiflung. Ermattet brach der Lebensmüde auf dem Wege zusammen und -wollte, da er gerade einen Strick bei sich hatte, Hand an sich legen, -um so allem Elende mit einemmale zu entgehen. Doch von neuem erwachte -in ihm sein echt christlicher Sinn und verscheuchte das wahnsinnige -Hirngespinst; er nahm seine Zuflucht zur gnadenreichen Gottesmutter, -sank auf die Knie und verrichtete ein kräftiges Gebet, das lindernden -Balsam in sein wundes Herz träufelte, so daß alsbald Friede in -dasselbe einkehrte. Vom Schlaf überwältigt, legte der Hungrige sein -müdes Haupt auf den Rasen und schlief ein. Da klang es um ihn her wie -himmlischer Engelschor, und im strahlenden Lichtglanze erschien Maria, -die Himmelskönigin, mit dem holden Jesuskindlein auf dem Arme. Mit -wundermilden Blicken näherte sie sich dem Bergmann und sprach: »Wach' -auf, öffne die Erde unter deinem Haupte und vertraue fest auf Gott!« - -Der Bergmann erwachte; heiliger Schauer durchrieselte seine Glieder, -da er noch immer die überirdischen Klänge zu vernehmen meinte. Neu -gestärkt sprang er auf, ergriff, um sich zu überzeugen, ob er geträumt -oder gewacht habe, seinen wuchtigen Wanderstab und wühlte an jener -Stelle, wo er geschlafen, die Erde auf. Kaum hatte er diese einige -Zoll aufgeschürft, da sank er plötzlich in die Knie, hob seine Hände -gen Himmel und rief aus: »Gepriesen sei der allmächtige Gott und die -seligste Jungfrau Maria, ich bin gerettet!« Ein Klumpen Gold lag zu -seinen Füßen, der nun aller Not ein Ende machte. Mit beflügelten -Schritten eilte der Bergmann zu den Seinigen heim und verkündigte ihnen -mit freudestrahlendem Gesichte das wunderbare, rettende Ereignis. Wer -beschreibt wohl den Jubel der armen Familie, die auf überaus seltsame -Weise in die Lage kam, sich die lange entbehrten Nahrungsmittel -anzuschaffen und so ihre Gesundheit bald wieder herzustellen? Gottes -reicher Segen aber begleitete auch fernerhin die Unternehmungen des -Bergmanns, der von jetzt an auf eigene Faust den Bergbau an jener -wunderbaren Stelle betrieb und daselbst viel edles Erz zu Tage förderte. - -Zur bleibenden Erinnerung an die glückliche Errettung seiner Familie -ließ der Bergmann aus tiefer Religiosität und Dankbarkeit neben der -kleine Berghütte eine Statue der heiligen Jungfrau Maria errichten und -lebte mit den Seinen noch viele Jahre glücklich und zufrieden. - - -364. Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche in Schneeberg. - -(Mündlich.) - -Es wird erzählt, daß man anfangs beabsichtigt habe, die St. -Wolfgangskirche in Schneeberg auf dem Platze zu erbauen, wo gegenwärtig -die Bürgerschule steht. Als man aber daselbst den Grundstein legte, -verschwand derselbe zweimal nach einander. Da erschien einem Bergmanne -im Traum ein Grubenmännchen, welches ihm die Stelle zeigte, auf welcher -die neue Kirche erbaut werden sollte. Als man daselbst den Grundstein -legte, blieb er liegen. Darauf führte das Männchen den Bergmann in die -Tiefe und zeigte ihm unter dem Platze die reichen Silbererze. - - -365. Der goldne Hirsch auf dem Kuhberge. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Ludwig in Stützengrün.) - -Man erzählt sich, daß auf dem Kuhberge bei Stützengrün, links von dem -Fahrwege, welcher von genanntem Orte auf den Berg führt, in einer -mit Heidekraut überwachsenen grubenartigen Vertiefung ein goldener -Hirsch vergraben liege. Wenn der Hirsch aufgefunden wird, was bestimmt -geschehen soll, wird der Kuhberg zur Stadt werden. Einen Brunnen auf -dem Kuhberge heißt man Goldbrunnen. - - Nach altüberlieferten Vorstellungen, welche besonders in deutschen - Volksmärchen einen Nachklang haben (als z. B. das Marienkind ein - wenig an den Glanz der Dreieinigkeit rührte, wurde ihm der Finger - golden), war nicht nur der Götterhimmel golden, sondern auch der - Leib der Götter selbst und ihrer Lieblingstiere von einem Geblüt - durchronnen, welche reines Gold ist. Golden ist der Hirsch, weil er - der Leben nährenden Sonne angehört. (Rochholz, Deutscher Glaube und - Brauch, I. S. 4--7.) - - -366. Die Eselswiese bei Zwickau. - -(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts bei Gräße a. a. O. No. 610; -z. T. mündlich.) - -Südlich von Zwickau liegt eine Wiese, die man Eselswiese nennt. Diese -Wiese soll einst von einem Zauberer bezaubert worden sein, der auf -ihr einen gefährlichen Fall gethan, so daß, obschon schönes Gras und -Klee darauf wuchs, sie doch von ihrem Besitzer durchaus nicht benutzt -werden konnte, weil die Milch des Viehes, das von demselben fraß, so -blau wie Indigo ward. Nun hatte aber nicht weit von der Wiese ein armer -Holzmacher seine ärmliche Hütte gebaut; derselbe wurde, da er drei -Esel besaß, der Eselsgürge genannt, und er war allgemein wegen seiner -Gutherzigkeit beliebt und gern gesehen. Der zog sich das Gras dieser -Wiese zu Nutze und seine Esel wurden dick und fett davon. - -Einst, bei einem heftigen Gewitter, pochte es des Nachts an seine -Hütte, und als er die Thür öffnete, da trat eine wunderschöne Jungfrau, -die trotz des Unwetters ganz trocken war, weiß verschleiert herein, -rosenfarbene Sandalen an den Füßen und einen goldenen, mit Diamanten -gezierten Kranz auf dem Haupte. Sie setzte sich an seinen Tisch, als -er ihr aber Essen und Trinken, sowie sein armseliges Binsenlager zum -Schlafe anbot, wies sie beides zurück und sagte, sie bedürfe dieser -irdischen Erholung niemals, und auf sein Befragen, wohin sie wolle, -entgegnete sie: »Nach oben, wo ich herkomme«. Der arme Gürge legte -sich hierauf verwundert wieder nieder, als aber der Morgen anbrach, -weckte sie ihn auf, um Abschied zu nehmen, und als er sie ein Stück -Weges begleitete, fragte er sie, ob sie nicht die heilige Jungfrau -selbst sei, sie gleiche gar zu sehr dem Bilde derselben, wie er es -in den Kirchen so oft gesehen. Darauf antwortete sie: »Ja, ich bin -es; Du aber, guter Gürge, sollst den Lohn für Deine Gastfreundschaft -heute Abend erhalten, wenn Deine Esel von der Weide zurückkehren«. -Damit verschwand sie. Als nun die Sonne im Untergehen war, da ging -Gürge voll Neugier seinen Eseln entgegen, allein er konnte nichts an -ihnen wahrnehmen, als daß ihre Mäuler blutig waren. Da es nun auf -der Wiese weder Dornen noch scharfe Gräser gab, solche die Esel auch -bekanntlich wegen ihrer Hartmäulichkeit nicht verwunden können, so -begab er sich an Ort und Stelle und trat plötzlich auf etwas Spitzes. -Er griff darnach und zog einen Goldbarren aus der Erde, ja er fand ohne -viel Mühe eine Menge davon; er holte darauf seine Esel, die sich davon -blutig gefressen, und trieb sie schwerbeladen in sein Hüttchen zurück. -Am andern Morgen aber, wie er seinen Reichtum beschaute, beschloß -er davon eine Kirche zu bauen. Dies soll die Marienkirche sein. Das -Volk aber hält noch heute die hölzerne Statue des Obristwachtmeisters -von Heldreich († 1674), welche sich über der Thür zur sogenannten -Götzenkammer in der erwähnten Kirche befindet, für das Bild des armen -Eselgürge, den man auch zum Stammvater der Herren von Römer gemacht hat. - -Nach einer andern mündlichen Überlieferung soll das gefundene Gold -eine zapfenähnliche Form gehabt haben. Die Menge desselben betrug zehn -Scheffel. - - -367. Des Schlackenmanns oder albernen Mannes Loch. - -(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, 1879, S. 62.) - -Das oben genannte Loch befindet sich unweit des »alten Schlosses«, -eines Schlackenhügels auf Pleiler Gemeindegebiet, und ist ein alter -verfallener Stollen, welcher von einem Irrsinnigen (Albernen) in den -Berg getrieben worden sein soll. Nach einem in der Nähe befindlichen -großen Schlackenhaufen, in welchem er oft herumwühlte, erhielt der -Alberne auch den Namen Schlackenmann. Der Schlackenmann soll Silbererze -gesucht und in Menge gefunden haben. Er verbarg sie aber so gut in -seinem Loche, daß sie bisher niemand aufzufinden vermochte. Da er für -seinen Schatz fürchtete, vermied er ängstlich jeden Umgang mit Menschen -und kroch stets in das Bergloch, sobald jemand sich näherte. Hier -ist er auch einsam verstorben. Sein Name und Andenken aber sind im -Volksmunde noch lebendig. - -Ein ähnlicher verfallener Bergstollen befindet sich auch hinter der -Bogmühle. Er wird das Türkenloch genannt, nach einem Manne türkischer -Abstammung, der hier gleichfalls Bergbau auf edles Erz getrieben -haben soll. Der Türke hatte es jedoch nicht auf den Gewinn abgesehen, -legte auch keinen Schatz an, wie der geizige Schlackenmann, sondern -holte sich von dem Silbererz immer nur nach Maßgabe seiner leiblichen -Bedürfnisse. - - -368. Die Grube »himmlisches Heer« bei Annaberg. - -(Novellistisch von Textor in »Die romantischen Sagen des Erzgebirgs«, -I. 1882, S. 225 etc. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. -523.) - -Einst lebte in der Gegend des heutigen Annabergs ein armer Bergmann, -mit Namen Daniel, der reich mit Kindern, aber nicht mit zeitlichen -Gütern gesegnet war, und sich, weil seine Frau schwer erkrankt war, in -großer Not befand. Denn die Grube am südlichen Abhange des Pöhlberges, -wo er arbeitete, war unergiebig. Wie er nun mit seinem Gevatter, dem -Steiger, lange vergeblich gearbeitet hatte, fiel auf einmal ein Teil -des Gesteins von selbst herab und sie sahen einen mächtigen Gang -reichen Erzes vor sich; eine Stimme aber rief: »Daniel! Ich bin der -Fürst der Berge! Was Du in diesem Schachte gewinnst, ist Dein, ich -schenke es Dir!« Jener aber sprach: »Ich kann nicht annehmen, denn -es gehört den Gewerken«. Als nun der Berggeist ihn noch mehrmals -aufgefordert hatte, das Gefundene zu nehmen und an seine Frau und -Kinder zu denken, er aber sich weigerte, verschwand auf einmal der -ganze Erzgang wieder. Daniel ging traurig nach Hause, als er aber dort -ankam, kam ihm seine Frau völlig gesund entgegen und sagte, es sei ein -fremder Bergmann dagewesen, habe ihr Brot, Fleisch und Wein für ihre -Kinder gebracht, und sie aus einem kleinen Fläschchen trinken lassen, -und seitdem seien alle ihre Schmerzen verschwunden, jener aber habe -gesagt, ihre Not werde bald aufhören, das lasse ihr der Fürst der Berge -sagen. In der Nacht träumte aber der fromme Bergmann, der Berggeist -stehe vor ihm und sage ihm, zum Lohn für seine Redlichkeit wolle er -ihn glücklich machen, er solle früh auf den Schreckenberg gehen, dort -werde er Feuer vom Himmel fallen sehen, und an dieser Stelle solle er -einschlagen. Wie gedacht, so geschehen, er ging in den Wald; plötzlich -fuhr aus heiterem Himmel ein Blitz in eine hohe Fichte, und als jener -die bergmännische Rute an den Wurzeln des Baumes schlagen ließ, da -entdeckte er beim Nachgraben einen reichen Silbergang. Diesen mutete -er und sein Gevatter Steiger und beide wurden schnell reich; die Grube -aber nannte man das himmlische Heer. - - -369. Der Alaunsee bei Komotau. - -(Fr. Hübler in der Comotovia. 4. Jahrg., S. 76 etc.) - -Eine Viertelstunde nordöstlich von Komotau liegt an der Straße und -nächst dem Fußwege, welcher nach dem benachbarten Görkau führt, die -Alaun- oder Schweizerhütte, eine Restauration im Schweizerstile, -welche wegen ihrer reizenden Lage für die Bewohner Komotau's einen -beliebten Ausflugsort bildet. Sie liegt in einem Kessel, welcher -gegen Westen von einem schönen Eichenwäldchen, dem sogenannten -Hüttenbusche, im Nordosten und Süden von Obstgärten eingesäumt ist, -welche den in der Mitte des Kessels liegenden Hütten- oder Alaunsee -einschließen. Auf dem Platze nun, den jetzt die spiegelglatte Fläche -des Sees bedeckt, befand sich vor 300 Jahren ein Alaunbergwerk, von -dessen Dasein noch rote Hügel an seinem Ufer zeugen. Bevor noch die -Gewässer des Sees aus der Tiefe der Erde hervorquollen, befand sich -dort ebenfalls ein Eichenwäldchen, wohin an Sonn- und Feiertagen die -ehrsamen Bürgersleute Komotau's mit Weib und Kind hinauszogen, um sich -zwischen den Bäumen und auf dem Rasen zu erlustigen und besonders an -den milden Frühlingsabenden im Mai dem Gesange der Nachtigallen zu -lauschen, welche sich sonst dort, wie in der Gegend überhaupt, in viel -größerer Anzahl aufgehalten haben sollen, als jetzt. Noch heutzutage -sieht man an dem Ufer des Sees die mitunter mächtigen Baumstrünke -der abgesägten oder umgeschlagenen Eichenstämme wie Klippen aus dem -Wasser hervorstehen, und schon mancher Lustfahrende hat mit ihrer Tücke -Bekanntschaft gemacht, saß auf und konnte nur mit Mühe sein Fahrzeug -wieder flott machen. -- Über die Auffindung des Alaunbergwerkes und den -Ursprung des Sees erzählt nun die Sage folgendes: - -Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte in Komotau ein Mann, der »dürre -Merten« genannt, welcher im Besitze der schwarzen Kunst und als Prophet -in der Stadt eine bedeutende Rolle spielte, und welcher allgemein -wegen seiner Weisheit geehrt, aber auch wegen seiner Prophetengabe und -übernatürlichen Geheimmittel gescheut wurde. Er erreichte ein Alter von -118 Jahren, lebte am Ende seiner Tage im Komotauer Spitale und fand -schließlich einen gewaltsamen Tod durch Mörderhand. Er erließ viele -Prophezeiungen, die lange im Volksmunde blieben und jetzt noch nicht -völlig verwischt sind. Seine größte Prophezeiung bezog sich auf den -30jährigen Krieg und dessen Grund, auf das Erscheinen der Jesuiten in -Komotau, und auf das tragische Ende des Georg Popel von Lobkowitz, des -ehemaligen Herrn von Komotau. Außerdem prophezeite er einst: »Auf einer -Wiese, welche von drei Seiten ein Kessel einschließt, ist ein großer -Schatz verborgen, der durch Jahrhunderte Menschen und Geschlechter -ernähren wird.« - -Viele Leute von Geldgier getrieben, suchten emsig solche Plätze, welche -mit der Prophezeiung übereinstimmten, auf und gruben, mit Schaufel -und Haue bewaffnet, zur Nachtzeit nach dem verborgenen Schatze, -erschreckten sich wohl oft gegenseitig, konnten jedoch nichts auffinden. - -Einmal ging nun ein Fleischhauer aus Komotau, namens Lazarus -Drohmann, der sich und seine alte gebrechliche Mutter durch sein -Handwerk schlecht und recht ernährte, nach Rothenhaus bei Görkau, -um Schlachtvieh einzukaufen. Er verspätete sich daselbst, da er -nichts Passendes hatte finden können, und begab sich bei schon -hereingebrochener Nacht nach Görkau, wo er Speise und Trank zu sich -nahm und dann den Heimweg nach Komotau einschlug, als gerade der -Türmer 11 Uhr blies. Er bemerkte es nicht, wie vom Milleschauer her -schwarze, dichte Gewitterwolken herzogen. Bald brauste der Sturmwind -einher, grelle Blitze beleuchteten auf Augenblicke den Weg und die -ganze Gegend bis zu den Gipfeln des Erzgebirgs, und der Donner kam -prasselnd und krachend im Gefolge. Lazarus beflügelte seine Schritte, -um noch die Stadt vor dem völligen Ausbruch des Unwetters zu erreichen, -aber vergeblich; gerade noch eine Viertelstunde war er von derselben -entfernt und er hatte eben den Eichenwald betreten, dessen Platz jetzt -der See einnimmt, als das Gewitter mit aller Macht entfesselt wurde. -Er suchte vor dem herabströmenden Regen und dem wütenden Sturme hinter -einem dichten Eichengestrüppe notdürftigen Schutz und verfiel bald, von -der Müdigkeit übermannt, trotz Sturm und Wetter in einen festen Schlaf. -Plötzlich, es schlug gerade 12 Uhr auf dem Komotauer Turme, fuhr, -wenige Schritte von ihm entfernt, ein greller Blitz in die Erde und -erleuchtete Gras, Gestrüpp und Bäume tageshell. Der grelle Lichtschein -und der damit verbundene Donnerschlag erweckten ihn gewaltsam und er -fuhr entsetzt in die Höhe. Da sah er, betäubt und staunend, wie der -Blitzstrahl einige Sekunden auf einer Stelle wie festgebannt haften -blieb, dann sich aber teilte, indem ein Teil des Strahles in die Höhe -ging, der andere jedoch in der Erde verschwand. Lazarus war voll -Schreck und Staunen einige Zeit sitzen geblieben. Endlich, nachdem -er sich von seiner Betäubung erholt hatte, sprang er auf und setzte, -da auch das Unwetter bereits weiter gezogen war, den Rückweg fort, -im Herzen Gott dankend, daß ihn der Blitzstrahl nicht getroffen, und -erreichte glücklich seine Hütte. - -Nach acht Tagen wanderte Lazarus abermals Geschäfte halber nach -Rothenhaus. Auch diesmal schlug er den Rückweg bei vorgerückter Nacht -ein. Seinen Weg beleuchtete jedoch der freundliche Mond und wohlgemut -trat er in den Schatten des Eichenwäldchens, wo er vor wenigen Tagen -dem Tode, wie er glaubte, nur durch ein Wunder entronnen war. Wie er so -sinnend auf dem weichen Rasen dahinschritt, stand plötzlich ein Mädchen -in hellstrahlender Schönheit vor ihm. - -Der Mond beschien durch die Zweige der Eichen ihre freundlich -lieblichen Züge, und von ihrem weißen Gewande schien selbst ein heller -Schimmer abzugehen. Sie grüßte ihn und reichte ihm ihre Hand. Er fragte -verwundert: »Woher kommst Du und was willst Du?« »Ich komme weither aus -schönen Landen und gehe dorthin, wo mich meine innere Stimme ruft. Ich -fliehe die Nähe böser Menschen, aber gute suche ich auf und beglücke -sie. Du hast ein gutes Herz, ich will Dich daher glücklich machen, -komm' und folge mir.« Die holde Erscheinung schritt voran, so leicht, -daß sie kaum den Boden zu berühren schien, freudig und beklommen -zugleich folgte ihr Drohmann. Nach einigen hundert Schritten machte sie -halt und zwar merkwürdigerweise auf derselben Stelle, wo er sich vor -acht Tagen vor dem Ungewitter verborgen hatte. Kein Laut, kein Ton war -zu vernehmen, selbst das Heimchen schlief, überall herrschte die Stille -des Grabes. Da ertönten von der Stadt her die ernsten, tiefen Töne -der Mitternachtsstunde und wie auf einen Zauberschlag begann es sich -überall im Wäldchen auf dem Grase, zwischen den mächtigen Baumstämmen -und dem niedrigen Gebüsche zu regen und zu bewegen; kleine Männlein -mit Schurzleder und Kappe angethan, mit Hauen und Schaufeln versehen, -eilten geschäftig herbei und begannen genau an dem Punkte, wo der eine -Blitzstrahl sich in die Erde gesenkt hatte, zu graben, zu schaufeln und -die Erde in winzigen Karren wegzufahren, daß es eine Lust war, ihnen -zuzusehen. Im Umsehen war ein Stollen in die Erde getrieben und schon -kamen daraus Männchen zum Vorschein, welche winzige Fäßlein pustend -und schnaufend heraufrollten, die wiederum von anderen auf Wägelchen -geladen und fortgeschafft wurden. Lazarus sah schweigend und verwundert -dem geschäftigen Treiben der Gnomen zu, da schlug es 1 Uhr und wie mit -einem Schlage war alles verschwunden, die Zwerge, der Stollen, die -Fäßchen und Wägelchen, und Stille herrschte wieder ringsum. Er glaubte -aus einem Traume erwacht zu sein. Wie er sich jedoch umsah, stand noch -neben ihm das schöne Mädchen. Dasselbe sah ihn mit ernster Milde an und -sprach: »Du sahest hier das Bild künftigen Fleißes. Die Erde, worauf -wir stehen, birgt in ihrem Schoße Alaun und Schwefel. Ihr Gewinn gehört -Dir. Gehe morgen wieder hierher, aber allein, und grabe um die zwölfte -Stunde auf dem bestimmten Platze; wenn Du drei Schuh tief gegraben -hast, wirst Du das Gesuchte finden. Dann erst können andere Dir helfen. -Der Schatz, der in der Erde schlummert, ist groß, hebe ihn zu Deinem -und der Mitmenschen Frommen. Wehe aber,« fuhr sie in noch ernsterem -Tone fort, »wenn das Werk gierig und hastig, oder lässig und unachtsam -betrieben wird, dann werden die Erdgeister den Schatz der Mutter Erde -den Lässigen und Unachtsamen entrücken und sein Segen wird dem Lande -für immer verschwunden sein. Lebe wohl!« Damit reichte sie ihm die Hand -und ging schwebenden Ganges zwischen den Eichen dahin und je weiter sie -ging, desto mehr schien es, als ob es ein heller Nebelstreif wäre, der -sich am Waldesrasen dahinzog und der in der Ferne endlich verschwand. --- In der folgenden Nacht verließ Lazarus heimlich seine Hütte, ohne -der alten Mutter etwas von dem Erlebten mitgeteilt zu haben, und mit -Spitzhaue und Schaufel versehen eilte er dem bekannten Wäldchen zu. -Wiederum ballten sich über dem Erzgebirge Gewitterwolken zusammen, -er aber ließ sich dadurch nicht in seinem Vorhaben zurückschrecken, -glaubte er ja sicher und fest an die ihm gewordene Verheißung. Um 12 -Uhr war er am Platze angelangt. Da brach aber auch mit furchtbarer -Gewalt das Gewitter los und unter betäubendem Donner fuhr ein Blitz -herab und senkte sich in geringer Entfernung von ihm in die Erde, -alle Gegenstände ringsum grell beleuchtend. Dort erkannte er auch -die Stelle, an welcher tags vorher die Zwerge gearbeitet, und nun -begab er sich herzhaft ans Werk. Kaum hatte er mehrere Schuh tief -gegraben, so stieß er auch auf das verheißene Alaun- und Schwefelerz. -Frohlockend verließ er den Platz und eilte, da es Tag geworden, nach -Sebastiansberg, um der Bergobrigkeit seinen großen Fund anzuzeigen. Er -erhielt hierauf vom Erbherrn von Komotau, Johann von der Weitmühl, die -Rechte und Privilegien, welche zum Betriebe des Bergwerkes notwendig -waren, und nun begann ein reges Leben im stillen Eichenwäldchen, so wie -er es früher schon erschaut. Er wurde ein reicher Mann und sein altes -Mütterchen erlebte noch frohe Tage. - -Und die armen Bewohner der Stadt, des Landes und Gebirges genossen -mit an dem Segen der Erde, und derselbe schien bei fleißigem und -verständigem Betriebe eher zu- als abzunehmen, denn -- wie der dürre -Merten prophezeit hatte -- »das Alaunerz wuchs unter der Stadt mit -Gewalt.« Aber die ausgesprochene Drohung der weißen Jungfrau sollte -ebenfalls in Erfüllung gehen. So lange das Werk mit Fleiß und Sorgfalt -betrieben wurde, trug es reichlichen Gewinn und war ein Segen für -Stadt und Land. Da kam es jedoch in habsüchtige Hände, es sollte -rasch und viel gefördert werden, die Gänge und Stollen wurden nicht -mit der alten Sorgfalt getrieben und erhalten, weil die Kosten der -Erhaltung gescheut wurden. Da stieß man eines Tages in einem neu -angelegten Stollen auf ungewöhnlich reiche Alaungänge, aber auch beim -Weitergraben auf eine Quelle, deren Wasser lustig hervorsprudelte. -Ein erfahrner alter Bergmann riet dem Bergwerksvorsteher, hier nicht -weiter graben zu lassen, sondern den Stollen zu verbauen; aber sein -Rat wurde verworfen, der prophezeiten Gefahr durch die kleine Quelle -gespottet, winkte ja in dem neuen Stollen reicher Gewinn. Aber siehe, -je weiter man arbeitete, desto mächtiger sprudelte die Quelle hervor, -alle Versuche, sie zu verstopfen, mißlangen, das Wasser füllte den -neuen Stollen, es stieg in die alten und stieg von Stunde zu Stunde -immer höher, so daß die Bergleute eilig die Schächte verlassen mußten -und keiner mehr in die Tiefe hinab fahren konnte. Endlich stieg es im -mächtigen Schwalle bis zum Ausgange und füllte schließlich die Tiefe -des ganzen Kessels und beherrschte als Sieger den ganzen Raum, wo -früher viele zufriedene Menschen thätig gewesen waren. So entstand -der jetzige Hütten- oder Alaunsee aus einer kleinen Quelle, und so -war die Drohung in Erfüllung gegangen. Die Erdgeister hatten den -Schatz wieder hinabgesenkt in die Erde, und die Wassergeister hüten -ihn mit zähem Neide bis an den heutigen Tag. Selbst auf dem Wasser -des Sees scheint noch der alte Fluch zu liegen, denn nichts lebendes -kommt darin vor, kein Fisch schnellt über dem Spiegel nach spielenden -Mücken empor, kein Wasserkäfer rudert darin emsig hin und her, sein -Ufer bedeckt kein rauschendes Schilf, in welchem der Rohrsperling -sein Unwesen treibt oder der Rohrsänger seinen schönen Gesang ertönen -läßt und das Wasserhuhn scheu sich birgt, nur selten lassen sich im -Fluge, von seinem Spiegel gelockt, Wasservögel darauf nieder, um ihn -enttäuscht nach kurzer Rast wieder zu verlassen; es herrscht auf ihm -die Stille und der Friede eines Kirchhofes. Die Quelle, welche den -See geschaffen, sprudelt noch fort. Wenn im Winter der Frost seine -Decke darüber spannt, friert die Stelle am spätesten zu und sie birgt -gebrechliches Eis. Schon manches Opfer der Unvorsichtigkeit hat sie in -ihre Tiefe gezogen. - - Im Komotauer Stadtarchive befindet sich eine Original-Urkunde, nach - welcher der Komotauer Bürger Lazarus Drohmann im Jahre 1558 das - Privilegium, auf Alaun und andere Mineralien bauen zu dürfen, erhielt. - - -370. Der gute Brunn zu Niederzwönitz. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 871--875.) - -Im Jahre 1608 hat sich der gute Brunn auf dem Streitwalde bei -Niederzwönitz offenbaret, weil er viel Leute gesund machte. Eine -Bäuerin aus Kühnheide hat nämlich dieses Brunnens heilsame Kraft durch -einen Traum offenbart bekommen, nachdem sie 14 Jahre lang einen bösen -Schaden an einem Schenkel gehabt und viel daran ausstehen müssen. Sie -hat, als sie nach ihres Traumes Anweisung den Brunnen nicht sogleich -finden konnte, viel alte Leute gefragt, ob nicht bevor in dieser Gegend -ein gewisser Heilbrunnen vorhanden gewesen oder noch anzutreffen sei. -Da habe sie endlich einen hundertjährigen Mann angetroffen und sich -bei demselben weiter erkundigt. Derselbe habe die Bäuerin getröstet -und ihr angezeigt, daß er den Brunnen wüßte; das Wasser desselben habe -schon viele gesund gemacht und es sei deshalb früher an demselben eine -Kapelle zu Ehren der heiligen Anna aufgebaut gewesen. Darauf habe er -das Weib an den Ort geführt, worauf es auch nach des Brunnens Gebrauch -von ihrer Krankheit befreit worden sei. - -Im Jahre 1646 ist dieser Gesundbrunnen, der auch der Brunnen zu den -drei Tannen genannt wurde, aufs neue in Aufnahme gekommen; jedoch soll -derselbe jetzt 12 Lachter höher hinauf seinen Ausfluß gehabt haben. -Einem Mägdlein zu Gablenz, so einen Kern im Auge gehabt, träumte, es -solle sich zu dem Drei Tannen-Brunnen führen und daselbst sich waschen -lassen, so würde es sehend werden. Und da es dem Vater solchen Traum -erzählet und inständig angehalten, er möge es dahin führen, habe es -den alten Brunnen, dahin sie gelanget, nicht für den rechten Brunnen -erkannt, sondern gesagt, es wäre gar ein kleines, frisches Brünnlein. -Und da hierauf der Vater seitwärts abgegangen und den neuen Quell in -einem morastigen Sumpfe gefunden, hätte er dem Kinde die Augen dreimal -mit dem Wasser gewaschen und etwas davon mitgenommen, und da er mit -dem Waschen aus diesem Wasser fortgefahren, in der That erfreulich -empfunden, daß das Mädchen auf dem Auge wieder sehend wurde. Darauf ist -denn ein großer Zulauf der Leute von nahen und fernen Orten entstanden, -so daß an manchem Tage wohl vier-, fünf- und mehr hundert Personen -auf dem Platze sich befunden hätten, welche das Wasser teils kalt -getrunken, teils gewärmet oder Suppen daraus gemachet, teils sich damit -gewaschen oder zum Bad gebraucht hätten. Es hat auch seine Kraft und -Wirkung an vielen kranken Personen gezeigt. - - Die Sage, daß im Jahre 1646 der gute Brunnen aufs neue in Aufnahme - gekommen sei, scheint sich auf eine zweite Quelle, welche man nach - der Angabe Engelhardts (Erdbeschreibung von Kursachsen, 2. B., - S. 219) in dem genannten Jahre fand und Krätzbrunnen nannte, zu - beziehen. Die erste Quelle soll bereits 1498 oder 1501 entdeckt - worden sein und sich so heilsam gezeigt haben, daß man bei ihr die - in der Sage erwähnte Kapelle zu Ehren der heiligen Anna erbaute. - Dieselbe ging jedoch bald wieder ein; doch blieb der Name St. - Annenbrunnen, aus welchem das Volk später »Tannenbrunnen« oder - »Brunnen zu den drei Tannen« machte, weil drei Tannen in seiner - Nähe standen. Rings um den Brunnen baute man Hütten und es wurden - Predigten und Betstunden bei der Quelle gehalten. - - -371. Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 242.) - -In Grumbach wohnte ein feiner, ehrlicher Mann, Daniel Nestler, welcher -große Beschwerung im Leibe hatte; diesem träumte im Jahre 1646 von -einem Gesundquell. Er ging darauf durch Wiesen auf einem gebahnten Wege -an die Stelle, welche nahe am Walde und nicht weit von dem sogenannten -Thumshirn-Brunnen lag. Als er von dem neuen Quell getrunken hatte, -grimmete es ihm erstlich sehr im Leibe, doch wurde er darauf seine -Beschwerung los. Weil dann aus Meißen und Böhmen ein großer Zulauf -wurde und man das Wasser im warmen Bad gebrauchte, hielt man dabei -Betstunden und vermahnte zugleich, das Wasser behutsam zu gebrauchen. - -Der oben genannte Thumshirn-Brunnen hat seinen Namen von einem -Generale, welcher 1548 mit einigen Regimentern auf Befehl des -Kurfürsten Joh. Friedrich nach Böhmen zog und an dem Brunnen sich -lagerte. - - -372. Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht bald verloren. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 243.) - -Das Geschrei vom Bernsbacher Heilbrunnen entstand im Jahre 1684. Denn -als die Kirchleute am 7. Sonntage nach Trinitatis nach Hause gingen, -sahen sie ein Wasser, das mitten im Wege in ungewöhnlicher Weise -emporquoll. Das ungebändige Volk lief zu und brauchte den Brunnen mehr -zum Schaden als zum Nutzen. Denn bei manchen unreinen Leibern blieb er -sitzen und machte große Ungelegenheit, etliche purgierte er heftig, -etliche gar nicht. Einigen machte er die blöden Augen klar, anderen -aber verdunkelte er dieselben. Es verschwand aber die heilsame Kraft -samt dem Brunnen, nachdem dabei viel Unfug getrieben worden war. - - -373. Die Heilquelle bei Hartessenreuth. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 257.) - -In der Nähe des Dorfes Hartessenreuth ist ein Brunnen, dessen Wasser -heilkräftig sein soll. Am Rande dieses Brunnens pflegt zur Adventszeit -in der Nacht ein altes Weib zu sitzen, und wenn jemand in später Nacht -vorbeigeht, so hockt sie sich ihm auf und läßt sich bis zum nächsten -Kreuzwege schleppen. Dort springt sie herab und eilt lachend zum -Brunnen zurück. Vor alten Zeiten soll hier ein Einsiedler seine Hütte -erbaut haben. Jeden Morgen ging er zum Brunnen, wusch sich dort und -verrichtete dann sein Gebet. Darin wurde er aber durch einen höllischen -Lärm gestört und wenn er aufblickte, sah er, daß hinter dem Brunnen -ein altes Weib hockte und ihn störte. Er suchte die Hexe zu bannen, -aber sie rührte sich nicht von der Stelle. Da rief er im Zorne: »So -verfluche ich Dich, ewig bei diesem Brunnen zu sitzen, aber das Wasser -des Brunnens soll heilkräftig werden und Du sollst zusehen, wie die -Menschen, die krank hierher kommen, fröhlich von dannen ziehen!« Seit -dieser Zeit ist der Brunnen heilkräftig geworden, das alte Weib aber -sitzt heute noch an seinem Rande. - - -374. Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 256.) - -In der Nähe von Mariakulm liegt auf einer Anhöhe das Dorf -Hartessenreuth. Am Fuße dieser Anhöhe erstreckt sich eine breite -Wiese und in derselben ist eine Quelle, deren Wasser fortwährend -in sprudelnder Bewegung ist, wodurch ein deutlich hörbares Brausen -entsteht, so daß man glaubt, das Wasser siede. Dort, wo jetzt die -Quelle sprudelt, stand früher ein Gehöfte, das von einem Bauer mit -seinem Weibe und seinen Knechten bewohnt ward. Der Mann und das Gesinde -waren sehr gottesfürchtig, das Weib aber nicht. Sonn- und Feiertage -wurden von ihr nicht geheiligt; sie hatte die Gewohnheit, während -der Messe Garn zu sieden. Der Mann hielt ihr das oft vor, aber sie -antwortete jedesmal mit Schimpfworten. Einst, als sie wieder des -Sonntags anfing Garn zu sieden, wurde der Bauer zornig und sprach: -»Dich soll das Donnerwetter bei lichtem Tage holen!« Darauf ging er -mit seinen Knechten in die Kirche. Sie waren noch nicht lange dort, -als sich ein furchtbares Gewitter erhob; es blitzte und donnerte -schrecklich. Der Bauer dachte dabei an die Worte, die er gesprochen -hatte und es wurde ihm bange. Die Bäuerin daheim aber kümmerte sich -um das Unwetter gar nicht, sondern ging unbesorgt ihrer gewöhnlichen -Beschäftigung nach. Da wurde es plötzlich finster wie die Nacht, ein -Blitz entfuhr den Wolken und schlug in das Gehöfte. Kaum aber hatte -er die Erde berührt, so öffnete sich diese und verschlang das ganze -Gehöfte samt der Bäuerin. Die oben genannte Quelle soll nun der Hafen -sein, worin sie das Wasser kochte und deshalb ist das Wasser darin -fortwährend in siedender Bewegung. - - -375. Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge bei Annaberg. - -(Chronica der Bergstadt St. Annaberg. I. 1746. S. 5.) - -Es wird erzählt, auf dem Pöhlberge solle ein Wunderbrunnen sein, den -aber nicht jedermann finden und sehen könne, der bald da wäre, bald -aber wieder verschwinde, und säße eine Jungfer dabei. - - ~Dr.~ Ewald Dietrich führt in den romantischen Sagen des Erzgebirges - I. Bd. No. 1 die obige Sage unter der Überschrift: »Die Jungfrau - des Bielberges« noch weiter aus. Diese novellistische Bearbeitung - trägt aber ganz unverkennbar das Gepräge des Selbsterfundenen und - Gemachten, so daß Abstand genommen wurde, sie hier, wenn auch nur - in gekürzter Form, wieder zu geben, obschon dies Gräße in seinem - Sagenschatze gethan hat. Siehe auch No. 46. - - -376. Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer Serpentins. - -(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz, 1750, S. 28; Lehmann, -Schauplatz etc., S. 451.) - -Man war ehemals der Meinung, daß der Serpentin ein gutes Gegengift sei, -da man in den Serpentinsteinbrüchen von Zöblitz niemals eine Otter, -Kröte, einen Molch oder dergleichen giftiges Tier gesehen habe. Daher -wurden aus dem Steine Pflaster und Pillen, sowie eine vortreffliche -Tinktur gemacht; das Pflaster gebrauchte man gegen Kopfschmerzen, -Reißen und Gicht, die Pillen gegen Schwachheit des Magens und die -Tinktur gegen Gift und »alle anfälligen Krankheiten.« Ein alter Reim -zählt auf, gegen welche Krankheiten sich der Stein als nützlich -erwiesen habe: - - »Vor Leibes-Grimmen, Colica, - Vor Miltz, Gedarm oder Magen, da - Manches sich überspeiset hat, - Bringt seine Wärme guten Rath, - Wenn er auf'n Bauch geleget wird. - Und wo der Blasen-Stein sich rührt, - Hilft seine Wärme trefflich wohl, - Den man was tiefer legen soll. - An Händ und Füß das Zipperlein - Der warme Stein auch lindert fein. - Denen Kindes-Gebährerinn - Nimmt seine Wärm die Wehen hin. - In Schwindsucht macht er Kranke ruhn, - Wenn Lung und Leber wehe thun. etc.« - - -377. Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg. - -(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 248.) - -Auf dem Gottesacker zu Annaberg stehet eine große, schöne und mit -Ästen stattlich ausgebreitete Linde, unter welcher der Rat und die -Vornehmsten aus der Stadt auf Stühlen zu sitzen pflegen, wenn die -Trinitatispredigt unter freiem Himmel jährlich zu Mittage gehalten wird. - -Man hat die Tradition, daß diese Linde bei folgender Gelegenheit -umgekehrt hierher gesetzt worden sei. Ein Marstaller allhier auf St. -Annaberg habe einen ruchlosen Sohn gehabt, welcher sonderlich an -keine Auferstehung habe glauben wollen, daher ein Priester sich alle -Mühe gegeben, diesen bösen Menschen auf bessere Gedanken zu bringen. -Derselbe sei mit dem ruchlosen jungen Burschen auf den Gottesacker -gegangen und habe ihm daselbst vorgestellt, daß dieses das Feld des -Herrn sei; wie der ausgestreute Same auf dem Felde aufginge und herfür -wachse, so würden auch diese Begrabenen, so zu sagen, als ein Samen, -wieder aus der Erde am jüngsten Tage herfür kommen. Darauf habe dieser -junge Mensch eine noch kleine Linde auf dem Kirchhof erblicket, solche -angesehen und zu dem Priester gesagt, so wenig als diese Linde, wenn -man sie ausreißen und umgekehrt mit den Ästen in die Erde setzen -wollte, ausschlagen würde, so wenig würden diejenigen, welche einmal -tot wären, wiederum lebendig werden und auferstehn. Hierauf habe der -Priester, in göttlichem Eifer entbrannt, geantwortet, er wüßte gewiß, -Gott würde so gnädig sein, und um solche Ruchlosigkeit zu strafen, ein -Zeichen seiner Allmacht sehen lassen, er wolle diese Linde umgekehrt -lassen in die Erde setzen, und würde sie ausschlagen, so sollte er -hiervon seinen bösen Unglauben kennen lernen, welches auch hernach also -geschehen. - - Die der Frigg geheiligte Linde war Liebesbaum, welcher nicht bloß - von Liebenden besucht, sondern auch als äußeres Zeichen der Liebe, - welche über das Grab hinaus dauert, auf den Friedhöfen angepflanzt - wurde. Außerdem galt sie unsern Vorfahren als Dingbaum, unter welchem - Beratungen gehalten und Recht gesprochen wurde. Die Mitglieder des - Annaberger Rats setzten sich zum Zeichen ihrer Würde und Gewalt auch - während der Predigt im Freien unter den Lindenbaum. -- An unsere - Sage erinnert die von der großen Linde auf dem Nikolai-Kirchhof in - Görlitz, insofern auch dieser Baum, verkehrt eingepflanzt und so noch - fortgrünend, einen Glaubenssatz als Wahrheit bestätigte. Als nämlich - zu Ende des 16. Jahrhunderts der in den Verdacht des Calvinismus - gekommene Pfarrer Martin Moller zu Görlitz sterben wollte, sagte er - zu den Seinen: »Wenn ich werde gestorben sein, so pflanzt auf mein - Grab eine junge Linde mit den Zweigen in die Erde. So gewiß diese - Linde wachsen wird, so gewiß habe ich auch Gottes Wort rein und - lauter gelehrt und gepredigt.« Dieser sein letzter Wille geschah und - was er gesagt hatte, traf ein, so daß alles sich hoch verwunderte und - viele gläubig wurden. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, II. No. 125. 2.) - - -378. Der dürre Lindenstab. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 52.) - -Einstmals zog aus einem Städtchen, im Innern Böhmens gelegen, ein armer -braver Jüngling mit Namen Georg, da der Kaiser die Kriegstrommel rühren -ließ, ins Feld, um als treuer Soldat für das bedrohte Vaterland zu -kämpfen. Er nahm von seinem lieben Mütterlein und von Maria, seiner -Verlobten, herzlichen Abschied und gab letzterer das Versprechen, nach -seiner Rückkehr sie als Gattin heimzuführen. Aber Jahr um Jahr verging, -ohne daß seine Angehörigen eine Nachricht von ihm erhielten. Endlich -ward der langwierige Krieg beendigt, und die siegesfreudigen Truppen -kehrten in die Heimat zurück, wo ihnen allenthalben jung und alt -einen festlichen Empfang bereitete. Auch Marie, die unter Hoffen und -Harren sechs kummervolle Jahre verlebt hatte, eilte auf die Landstraße -hinaus, um ihren Bräutigam zu empfangen, allein er kam nicht. Dies gab -ihrer Mutter, welche die Hand ihrer Tochter schon längst dem reichen -Nachbar Paul zugesagt hatte, eine willkommene Veranlassung, in sie zu -dringen, Georg, der entweder im Kampfe gefallen sei oder sich unter -liederlichem Gesindel herumtreibe, zu vergessen und in die glänzende -Partie einzuwilligen. Jedoch Marie blieb standhaft und hielt fest an -Georg. -- Als aber Mutter und Verwandte sie mit wiederholten Bitten und -mit ungestümen Drohungen bestürmten, gab sie dem Verlangen nach und -erbat sich ein Jahr Aufschub; denn sie hoffte mit aller Zuversicht, daß -innerhalb dieser Frist ihr Verlobter heimkehren werde. Doch auch das -siebente Jahr verstrich ohne Georgs Rückkehr, und Marie wurde Pauls -Gattin. - -An einem trüben Septembertage schritt ein junger, kräftiger Wandersmann -auf der Landstraße daher. Es war Georg, der voll Sehnsucht seiner -Heimat zueilte. Derselbe war nach abgeschlossenem Frieden in der Fremde -geblieben, um durch rastlose Arbeit und Sparsamkeit sich einiges -Vermögen zu erwerben. Nachdem ihm sein Plan geglückt war, wollte er -nun seiner alten Mutter, die ihm unter Mühen und Sorgen so viel Gutes -erwiesen, das Alter versüßen und mit Marie einen eigenen Hausstand -gründen. Mit wonnigen Gefühlen erreichte er beim Dunkelwerden sein -heißersehntes Ziel, die ärmliche Hütte seiner Mutter, und schaute durch -die Fensterscheiben ins traute, stille Stübchen, wo sein greises, -gebücktes Mütterchen beim Spinnrocken saß und spann. Er klopfte leise -an die Hausthür, und beim Öffnen derselben fiel ihm seine Mutter mit -thränenden Blicken um den Hals und drückte ihn an ihr Herz. Nach der -Freude der ersten Umarmung erkundigte sich Georg nach seiner Braut. -Da erzählte ihm die Mutter, wie Marie sieben Jahre vergebens auf ihn -gewartet habe, und wie sie, ihn für tot haltend, Pauls Gattin geworden -sei. Wie vom Schlage getroffen stand Georg da, dann faßte er Mut und -sprach mit festem männlichen Ton: »Also für tot hielt mich Marie; -wohlan denn, ich will es sein für sie und die Welt! Morgen in der -Frühe verlasse ich diesen Ort für immer, um mich in die Einsamkeit -zurückzuziehen.« Hierauf ging er zu dem Lindenbaume, welcher vor dem -Hause des Nachbars Paul stand, und schnitt sich einen Stab als treuen -Gefährten auf seiner Pilgerreise, die er trotz der Mutter inständigem -Flehen bei Anbruch des nächsten Tages antrat, um den Einsiedler -Johannes Niavis (Schneevogel), welcher im Erzgebirge ein frommes Leben -führte, aufzusuchen und mit ihm sich zu vereinigen. Georg beeilte sich, -in großen Tagesmärschen seine Reise zu vollführen. Und wirklich kam er -nach mehrtägiger, mühsamer Wanderung seinem Ziele so nahe, daß er bis -zu der einsamen Wohnung des Eremiten, welche um St. Albrecht unter dem -Wolfsberge bei Joachimsthal lag, wo der Schwarzgang hinabstreicht, nur -noch eine Viertelstunde Weges zurückzulegen hatte. Da klang aus der -Ferne das Ave-Maria-Glöcklein. Georg zog sein Hütlein, kniete nieder -und betete. Doch horch; leises Wimmern, klägliches Stöhnen dringt an -sein Ohr! Der Andächtige erhob sich und eilte nach der Stelle hin, -woher die Stimme ertönte. Er fand im Gebüsche einen Israeliten liegen, -der aus vielen Wunden blutete. Ihn hatten Räuber, als er von seinem -Hausierhandel nach Lichtenstadt zurückkehren wollte, überfallen, -mißhandelt und seiner Habseligkeiten beraubt. Von tiefem Mitleid -ergriffen, holte Georg in seinem Hute aus der nahen Quelle Wasser, -um den Todesblassen mit einem frischen Trunke zu stärken und dessen -klaffende Wunden auszuwaschen; allein sein Liebesdienst war erfolglos, -denn in wenigen Minuten hauchte der Israelit seine Seele aus. - -Während der Fremdling, ein wahrer Samariter, bei der Leiche kniete -und mutterseelenallein das Sterbegebet verrichtete, näherten sich dem -Thalorte eilige Schritte. Georg glaubte hülfreiche Unterstützung zu -erlangen, um den Leichnam nach einem andern Orte schaffen zu können, -und war deshalb sehr überrascht, als er von Schergen, die ihn des -verübten Mordes beschuldigten, ergriffen und gebunden wurde. Dann -führten sie den Unschuldigen nach der nahen Bezirksstadt Joachimsthal, -wo sie ihn ins Gefängnis warfen. - -Georg beteuerte beim Verhöre seine Unschuld, allein seine Aussagen -wurden als freche Lügen hingestellt. Eher hätte er von den Säulen, -auf denen die Saaldecke ruhete, Gnade erflehen können, als von den -hartherzigen Richtern, welche ihn der vollbrachten Mordthat schuldig -erklärten und zum Tode durch Henkershand verurteilten. - -Des andern Tages ertönte das Sünderglöcklein. Eine unzählige Volksmenge -hatte sich auf dem Marktplatze versammelt, denn alles wollte den -Mörder, der zum Galgen geführt wurde, sehen. Als die Versammelten aber -einen jungen Mann mit mildem Angesichte erblickten, der einmal gen -Himmel, das andremal auf seinen Lindenstab seine Blicke richtete, -blieb kein Auge thränenleer. -- Auf dem im Osten der Stadt gelegenen -Galgenberge, dem damaligen Richtplatze, angekommen, sprach Georg mit -lauter, weithin vernehmbarer Stimme: »Daß ich schuldlos sterbe, möge -Gott der Barmherzige an meinem dürren Lindenstabe bezeugen!« Nach -diesen Worten hob er ihn in die Höhe und stieß ihn mit aller Kraft in -die Erde. Und siehe! kaum hatte der Henker sein Werk vollbracht, so -sah man an dem Lindenstabe die ersten grünen Keime. Derselbe wurde nun -ausgehoben und zum gottesfürchtigen Einsiedler Schneevogel getragen, -der ihn neben seiner Kapelle in die lockere Erde einsetzte und mit -Sorgfalt hegte und pflegte. Aus dem dürren Stabe aber wuchs im Laufe -der Zeit ein mächtiger Lindenbaum, die Urmutter der stattlichen Linden -heran, die noch heutzutage bei dem Kapuzinerkloster zu Mariasorg stehen. - - -379. Der Galgenbaum bei Blankenhain. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 51.) - -Auf dem Rittergute Blankenhain im Amte Zwickau diente einst ein -ehrlicher und braver Hirtenjunge, namens Liebhold, dem aber die Knechte -und Mägde gehässig waren, weil er, sobald er von denselben etwas -sah, was wider den Willen seiner lieben Herrin, der Edelfrau, war, -ihr solches immer sogleich anzeigte. Als daher einmal der gnädigen -Frau ein goldnes Kettchen weggekommen war, ergriff das gottlose -Gesinde die günstige Gelegenheit, den armen Jungen zu verderben; der -gewissenloseste unter den Knechten ging hin zur Herrin und zeigte -Liebholden als den Dieb an, den er über der That betroffen habe. -Die Edelfrau übergab den Angeklagten den Gerichten, welche ihn nach -vielfachem Verhöre, wie hoch er auch seine Unschuld beteuerte, auf -den falschen Schwur seines Anklägers zum Strange verdammten. Nach -wenigen Tagen wurde das Urteil vollzogen. Unter wimmerndem Geläut der -Sünderglocke führte man den armen Liebhold hinaus vor das Dorf, wo -ein großer Balken mit einem Arme oben als Galgen aufgerichtet war. -Noch einmal, ehe er in den Tod ging, betete er zu Gott, daß er seine -Unschuld rechtfertigen möge und dann, zu den Umstehenden gewendet, rief -er: »Der mich angeklagt hat, der hat einen falschen Eid geschworen. -Denn, so wahr ich unschuldig bin, so wahr wird dieser Balken, welcher -mein Galgen sein soll, nach meinem Tode anfangen zu grünen und Zweige -treiben, und Jahrhunderte hindurch als ein frischer Baum bewundert -werden!« Darauf wendete er sich zum Henker und litt mit frommer -Zuversicht auf das Jenseits den unverdienten schmachvollen Tod. -- -Und als das nächste Frühjahr kam, da gab Gott die Unschuld Liebholds -an den Tag. Der Balken des Galgens wurde grün und trieb Zweige, so wie -es Liebhold vorhergesagt hatte. Die Edelfrau wurde darüber voll Unruhe -und gebot, den meineidigen Knecht zu verhaften. Aber ehe die Häscher -denselben erreichten, hatte er sich im Koberbache ertränkt. Es wurden -später mehrere nahe am Rittergute stehende, hohe Erlen umgeschlagen, -und auf einer derselben fand man ein Dohlennest und darinnen das -gestohlene goldne Kettchen der Edelfrau. -- Der Galgenbaum, jetzt ein -starker und hoher Baum, ist heute noch bei Blankenhain zu sehen. - - Sagen von dürrem Holze, von Pfählen, Stecken und dergleichen, welche - wieder grünen und dadurch die Unschuld eines unschuldig mit dem Tode - Bestraften anzeigen, giebt es auch an andern Orten. So erzählt eine - thüringische Sage, daß ein Bursche aus Lautersdorf, welcher, der - Hexerei angeklagt, zum Richtplatze geführt wurde, beim Anblicke von - Pfählen, die ein Bauer einschlug, um Bäume anzubinden, noch seine - Unschuld mit den Worten beteuerte: »So wahr ich unschuldig bin, wird - Gott ein Wunder thun und einen dieser dürren Pfähle ausschlagen und - zum starken Baume heranwachsen lassen.« So geschah es. Als das Volk - von der Richtstätte zurückkehrte, hatte einer der trocknen Pfähle - grüne Blätter und braune Zweiglein bekommen. Er wuchs zu einer - starken Buche empor. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. - 69.) - - -380. Die drei Linden bei Crimmitschau. - -(Mitgeteilt von G. Fiedler.) - -In der Nähe des Sahnparkes bei Crimmitschau stehen drei große -schattenreiche Linden. Es wird erzählt, daß einst ein Schäfer des -Rittergutes Frankenhausen eines Diebstahls wegen zum Tode verurteilt -wurde, trotzdem er bis zum letzten Augenblicke seine Unschuld -beteuerte. Da bat er sich noch die Gnade aus, auf dem Richtplatze drei -junge Linden verkehrt pflanzen zu dürfen. Würden die auf solche Weise -gepflanzten Bäumchen fortkommen, so möge man dies als Zeichen seiner -Unschuld ansehen, würden sie aber verdorren, so wäre er des Diebstahls -schuldig. Der Schäfer wurde hingerichtet, aber die vor seinem Tode von -ihm mit den Ästen in die Erde gepflanzten Bäume gediehen zum Zeugnisse, -daß er unschuldig gewesen war. - - -381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz. - -(~Curiosa Sax.~ 1733, S. 77. Gräße, Sagenschatz etc. No. 466. Richter, -Chron. von Chemnitz I. 1767, S. 100.) - -Als den 19. April des Jahres 1540 die Barfüßermönche aus der Stadt -Chemnitz vertrieben wurden, nahmen sie ihren Abzug über den Katzberg -(Kassberg), Sauanger und Altchemnitz, nach Böhmen zu; dabei hat -einer derselben, Bruder Barthel genannt, auf dem Sauanger bei der -Nikolaigasse eine Valetpredigt gehalten und darin verschiedene Dinge -prophezeit. So hat er ein unter seinen Zuhörern stehendes Weib also -angeredet: »Du liebes Weib, Du trittst allhier und hörst mir zu, -weißt aber nicht, daß Dir unterdessen Dein einziges Kind im Bade -ertrunken ist?« welches sie auch also tot gefunden. Ingleichen hat er -verkündigt, daß der gute Mühlsteinbruch bei Chemnitz gangbar werden und -daß in den beiden Kirchen zu St. Johannes und Nikolaus auf dem Altare -Heidelbeersträucher wachsen würden. Dies ist auch geschehen, denn es -sind beide Kirchen im Jahre 1547 von den Feinden angegriffen worden, -wie sie denn viel größer und schöner denn jetzt gebaut gewesen. Weiter -hat er dieser Stadt angesagt, daß sie nach ihm eine schöne wohlgebaute -Stadt, volkreich und mit vielem Glück und Gaben Gottes würde begabt -werden, allein wegen ihres Übermuts und anderer Sünden werde sie von -Gott mit Pestilenz, Kriegsnot, Feuerschaden und endlich mit einer -großen Wasserflut gestraft und heimgesucht werden, was auch leider bald -nachher eingetroffen ist. Von Neukirchen im Amte Chemnitz hat dieser -Mönch gesagt, daß sein Erbherr ein großes Schloß daselbst bauen, aber -keiner allhier sterben und begraben werden dürfe, welches auch bis 1709 -also geschehen, als in welchem Jahre der ältere Baron von Taube auf dem -genannten Schlosse gestorben und in Neukirchen begraben worden. Ferner -hat er gesagt, es werde daselbst auch eine steinerne Brücke erbaut -werden, darauf werde eine doppelt verlobte Braut, wenn sie zur Kirche -fahren wolle, versinken, welches auch die Erfahrung wahr gemacht hat. - - -382. Prophezeiung des M. Schütze in Oederan. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 255.) - -Am 22. Januar 1763 legte sich der alte Pastor M. Schütze zu Oederan -ins Grab. Wenige Stunden vor seinem Ende forderte er Feder, Tinte -und Papier, da er nicht mehr sprechen konnte. Die Feder entfiel ihm -ebenfalls. Da blickte er den anwesenden Diakonus Frey wehmütig an und -schrieb mit dem Finger folgende Zeichen aufs Bett: »m -- E -- gef. ---. 7 Jam -- El -- betet!«, das letzte Wort ganz deutlich, die ersten -aber vermochte der Diakonus nur mit Mühe herauszubringen und auf ein -Papier zu schreiben. Erst im Jahre 1770 sollten die Buchstaben, welche -man nicht verstanden, ihre Bedeutung finden; sie hießen: »Machet Euch -gefaßt in 7 Jahren auf Jammer und Elend! betet!« Und es folgten drei -traurige Hungerjahre, hervorgerufen durch Mißwachs. Schon im zweiten -Jahre konnte niemand mehr dem Andern eine Gabe reichen. Die Ernte -faulte schon auf dem Felde. Die Körner wurden auf der Mühle zu Brei -statt zu Mehl und hatten einen üblen Geruch. Viele starben buchstäblich -vor Hunger, so daß vom Obergebirge, wo es am traurigsten aussah, viele -hundert Kinder, welche keine Eltern mehr hatten, in die großen Orte -verteilt werden mußten. - - -383. Eine Prophezeiung der Zigeuner. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 312.) - -In Graslitz sollen auf dem Marktplatze einmal Zigeuner Feuer angemacht -und sich ihre Speisen gekocht haben. Als sie wegzogen, konnte niemand -mehr eine Spur entdecken, wo das Feuer gebrannt hatte. Diese Zigeuner -sollen denn auch der Stadt prophezeit haben, daß, wenn in Graslitz ein -Brand entstünde, doch niemals mehr als zwei Häuser abbrennen würden. -Diese Prophezeiung hat sich denn auch stets bestätigt. - - -384. Die Eiche bei Hartenstein. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 557.) - -In dem beim Schlosse Hartenstein befindlichen Walde befand sich vor -Jahren ein ungeheurer, prächtig belaubter Eichenbaum, von dem man -erzählte, daß sein Bestehen auf geheimnisvolle Weise mit dem Schicksale -des Schönburgischen Hauses verflochten sei. Man sagte, wenn der Baum -umgehauen werde, würden drei Glieder des Schönburgischen Stammes -sterben. - - -385. Eine Sylvestersage. - -(Illustrirtes Familien-Journal. V. No. 116.) - -Es war im vorigen Jahrhunderte an einem Sylvesterabende, da saß in der -Stadt Schöneck ein alter, wackerer Schneider, zugleich Stadtrat und -Gemeindeältester, mit seiner getreuen Ehehälfte im rauchgebräunten -Stübchen und schneiderte noch für den Festtag. Im großen Kachelofen -prasselte ein gemütliches Feuer, und in der Röhre sang der Kaffee -gar lustige Liedlein. Auf einmal erhob sich die Hausmutter, kramte -herum und suchte und suchte, und machte ein gar verdrießlich Gesicht, -vergeblich, sie fand nicht das Kameelgarn zu den Knopflöchern. Die -Niederlage war aber oben auf dem Boden; deshalb mußte der Vater hinauf. -Oben stand er in der schönen Winternacht an der Dachluke, und es wurde -ihm so wunderlich im Herzen und er mußte sein Käppchen abnehmen und -ein stilles Vaterunser beten. Wenn man aber zur Neujahrsnacht unter -einem Balken steht, dessen eines Ende nach Morgen gerichtet ist, und -ein Vaterunser betet, und nicht aus der Linie des Balkens heraustritt, -so kann man »horchen«, d. h. einen Blick in die Zukunft thun, die in -einzelnen Bildern vorüberzieht. Tritt man aber aus dem Kreise heraus, -oder man erzählt jemandem, was man gesehen hat, so solls einem den Hals -umdrehen. Der Alte hatte gar nicht daran gedacht, -- aber auf einmal, -da fängts an zu läuten, als ob eine Leiche wäre, und den Mühlberg -herauf kommt ein langer, langer Leichenzug, immer näher und näher, bis -er endlich vor des alten Schneiders Haus anhält. Es dauert auch nicht -lange, so kommt die Schule und die Geistlichkeit, mit dem Kreuze voran, -stellen sich neben der Bahre auf, singen zwei Lieder und eine Arie, und -dann setzte sich der Zug in Bewegung nach dem Kirchhofe zu. Der Alte -kann die Leichenbegleiter alle erkennen, Vettern, Nachbarn, Gevattern, -ja sogar sich selbst und seine Ehehälfte darunter, sich selbst dicht -hinter dem Sarge und mit weinenden Augen. Da ward's ihm doch ein wenig -bange und er wäre gern fortgegangen; aber es fiel ihm noch zu guter -Zeit das Halsumdrehen ein. Wie er nun so recht trübselig da stand -und träumerisch hinausblickte, sah er aus einem Hause ein Flämmchen -herausfahren, dann aus einem andern, dann wieder eins und wieder eins, -und zuletzt kam fast aus jedem Hause ein Flämmchen gefahren, und das, -wußte er wohl, bedeutet Feuer. Da konnte er sich denn doch nicht mehr -halten, sprang aus dem Kreise, und -- es schlug Eins! Als er indessen -wieder herunterkam, war seine alte Ehehälfte eingeschlafen; er weckte -sie auch nicht erst auf, sondern ließ die Arbeit sein und legte sich -nieder, konnte aber nicht schlafen, war früh verstimmt, ging auch -nicht in die Metten, sondern saß still und traurig daheim. Als er nach -einigen Tagen den Wächter traf, that dieser sehr geheimnisvoll und -beklommen und meinte: »Meister, Meister! 's wird ä schlecht Jahr für -Euch und für uns all'! Der liebe Gott behüt' uns und die Stadt! mehr -darf ich nit sagen: aber wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung -fallet!« Der hatte auch gehorcht, und so noch andere. -- Es dauerte -auch nur wenig Wochen, da starb des alten Schneiders Bruder, der Müller -drunten in der Bockmühle. Es wurde zur Leiche gelauten, den Mühlberg -herauf kam ein langer Zug, der vor des Alten Haus anhielt. Es kam die -Schule und die Geistlichkeit voran, die stellten sich auf, sangen -dieselben zwei Lieder und dieselbe Arie, dieselben Leute gingen hinter -dem Sarge her, der Alte mit entblößtem Haupte und weinenden Auges. Der -alte Wächter aber stand am Kirchhofthore, sah den Alten verständnis- -und geheimnisvoll an, und weinte so heftig, daß die Leute gar nicht -begreifen konnten, wie ihm der Tod des Bockmüllers so zu Herzen gehen -könne. Der hatte aber seinen guten Grund, traurig zu sein, denn er -wußte, was geschehen würde. Es geschah auch. In demselben Jahre noch -ist fast die ganze Stadt abgebrannt und des Alten Haus dazu. Es war nur -gut, daß es gerade Eins schlug, als er aus dem Kreise sprang; sonst -wäre es wohl noch schlimmer für ihn geworden. - - -386. Der Scharfrichter und sein Schwert. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 37.) - -Zur Zeit, da in Joachimsthal das Hochgericht bestand, bewohnte der -Scharfrichter, mit dem niemand verkehren wollte, ein einsames Häuschen -im untersten Stadtteil. Häufig besuchte eine Frau des Henkers Familie. -So oft sie mit ihrem Kinde in die Stube trat, hörte das Weib des -Scharfrichters die in dem Waffenschranke hängenden Schwerter dumpf -aneinander schlagen. Auf diesen merkwürdigen Vorfall machte das -Weib endlich ihren Mann aufmerksam, der darüber nicht die geringste -Verwunderung aussprach. Als der Scharfrichter eines Tages bemerkte, -daß die Frau mit dem Kinde sich seiner Wohnung näherte, öffnete er den -Schrank, worin sich die Schwerter und die übrigen Hinrichtungswerkzeuge -befanden. Kaum hatten die erwarteten Ankömmlinge des Gemaches -Schwelle überschritten, so bewegte sich sofort das größte Schwert im -Schranke, berührte die daneben hängenden Schwerter und verursachte ein -unheimliches Geklirre. »Arme Frau,« sprach bewegt der Scharfrichter, -»meine Freundespflicht befiehlt mir, Euch eine höchst traurige -Mitteilung zu machen. Ihr werdet an Eurem Kinde viel Kummer und Schmerz -erleben, denn es wird durch Henkershand sein Leben enden. Seht, wie -sich dort das Schwert bewegt, dessen Klänge Ihr hört! Dies alles -zeigt mir an, daß Euer Kind einst hingerichtet werden wird durch mein -Schwert.« »Um Gotteswillen! ich beschwöre Euch,« rief laut schluchzend, -händeringend und schreckensbleich die Mutter, »sucht das gräßliche -Los von meinem Kinde abzuwenden!« »Soll Euer Kind dem schmählichen -Tode entgehen«, entgegnete der Henker, »dann muß ich dessen Körper -mit dem Schwerte ein wenig ritzen, auf daß dieses sich mit dem Blute -des bestimmten Opfers färbe.« Sprach's nahm das Schwert und brachte -mit demselben dem Kinde eine leichte Wunde bei. -- Die dankbare Frau -setzte mit dem Kinde ihre Besuche bei der Scharfrichtersfamilie fort, -doch das Schwert blieb fortan ruhig im Waffenschranke hängen. - - -387. Der Traum auf Augustusburg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anh. No. 20.) - -Kurfürst August I., der Erbauer der Augustusburg, hatte auf derselben -ein Schlafgemach, darin zwei Betten standen, das eine für ihn selbst, -das andere für seinen Kanzler, einen Edlen von Pflug. Neben dem -Bette des Kurfürsten aber stand ein Tisch, auf welchem stets eine -aufgeschlagene Bibel lag, weil der fromme Kurfürst jedesmal vor dem -Schlafengehen ein Kapitel aus derselben zu lesen gewohnt war. - -Einst schlief er ruhig in seinem Bette, da hatte er folgenden Traum: -Ein Mönch und eine Nonne traten in das Gemach und schritten zu dem -Tische, auf dem die Bibel lag und das brennende Nachtlicht stand. Der -Mönch nahm die Bibel auf und las darin, legte sie aber bald wieder -verdrießlich weg und wollte das Licht ausblasen. Als ihm aber das trotz -aller Anstrengung nicht gelingen wollte, ward er darüber voll Ärger -und eilte der Thüre zu. Hierauf versuchte auch die Nonne das Licht -auszublasen, und blies es auch aus, jedoch nicht ganz. Denn kaum, daß -sie mit dem Mönche zur Thür hinausgeeilt war, da entzündete sich die -Kerze, an deren Dochte noch einige Fünkchen glommen, plötzlich wieder -und brannte mit schöner, heller Flamme. - -Dieser Traum schien auf den Kurfürsten einen tiefen Eindruck gemacht -zu haben, denn als er früh in der fünften Stunde erwachte, war das -erste Wort, das er nach dem Morgengruße an den Kanzler richtete: -»Ich habe einen seltsamen Traum gehabt in dieser Nacht!« Da nun der -Kanzler antwortete, daß auch er, obgleich er bis nach Mitternacht wach -geblieben, gar seltsame Dinge gesehen habe, so that der Kurfürst den -Vorschlag, daß sie beide ihr Gesicht alsbald aufzeichnen wollten; dies -geschah denn auch, und als sie fertig, teilten sie das Geschriebene -einander mit. Wunderbar genug hatte der Kanzler ganz dasselbe mit -wachen Augen gesehen, was dem Kurfürsten im Traume vorgekommen war, und -noch wunderbarer war es, daß das von ihnen Aufgezeichnete in jedem Wort -und Buchstaben vollkommen übereinstimmte. Der Kanzler wußte nicht, was -er davon denken sollte; der Kurfürst aber sprach: »Es wird dermaleinst -nach meinem Tode auch ein Augustus in diesem Lande regieren, der wird -die evangelische Lehre unterdrücken wollen, aber nicht können, denn -Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehen nun und nimmermehr!« - -Nach andern Nachrichten soll der Kurfürst eine harte Verwünschung -desjenigen unter seinen Nachkommen, der die Lutherlehre anfeinden -würde, in der Bibel aufgezeichnet haben. - -Ob der Mönch und die Nonne jemals wieder in Augustusburg erschienen -sind, davon hat niemand etwas erfahren. Die obige Geschichte aber -erzählen viele Chroniken. - - -388. Die Kurfürstin Margarethe wird durch einen Traum vor den -Prinzenräubern gewarnt. - -(Johann Vulpius, ~Plagium Kauffungense~, d. i. die Chur-Fürstl. Sächß. -Printzen Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg. Anhang zu Daniel -Wilh. Triller, Der sächs. Prinzenraub, 1743. S. 199.) - -Die Nacht zuvor, ehe der Kurfürst Friedrich der Sanftmütige in der -Woche nach Mariä Heimsuchung 1455 von Altenburg aus eine Reise -nach Leipzig unternahm, während welcher die beiden Prinzen Ernst -und Albrecht durch Kunz von Kauffungen entführt wurden, hatte die -Kurfürstin geträumet, es wäre ein grausames wildes Schwein gekommen, -welches in einem angenehmen Garten eingebrochen sei. Dasselbe habe sich -unterstanden, neben den Reben und Gewächsen fürnehmlich die junge, -schön aufwachsende Raute zu verderben und niemand habe ihm Widerstand -gethan, bis endlich noch ein Bär (dessen Bild des errettenden Köhlers -Schmidt Nachkommen auch später ins Wappen erhielten) herzugelaufen, -welcher des wilden Schweines Wüten mit seiner Tatze gesteuert habe. -Deshalb hat auch die Kurfürstin ihren Gemahl gebeten, die Reise -aufzuschieben. Der Kurfürst aber hat darauf geantwortet, Träume wären -Schäume; wer auf Träume achte, greife nach dem Schatten. - - -389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung von den Schweden. - -(Christ. Lehmann, Schauplatz etc. S. 793.) - -Im Jahre 1642 lebte in Elterlein eine sehr andächtige Jungfrau von 24 -Jahren, Margarethe, Christoph Landrocks Tochter, welche sich vor den -schwedischen Einfällen sehr fürchtete und daher herzlich für sich und -die belagerte Stadt Freiberg betete. Am Neujahr 1643 stand sie vom -Schlaf auf, war ganz freudig und sprach: O, nun bekommen die Schweden -die Stadt Freiberg nicht; heute sahe ich im Traume, daß zwar der -Torstensohn die Stadt an einer Kette hatte, aber es kam ein vornehmer -Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten, der hieb die Kette mit -einem Streich entzwei, daß der Torstensohn mit der halben Kette -zurückfiel, darüber seine Soldaten erschraken und ausrissen. Nach 7 -Wochen ging der Traum aus und der Feind mußte abziehen. - - -390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an. - -(~Curiosa Sax.~ 1762. S. 242. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, -No. 228.) - -Im Jahre 1760 ist ein Knabe aus Bräunsdorf nach Neumark bei Freiberg -zu einem Schuhmacher in die Lehre gethan worden. Dieser Lehrjunge wird -von dem Sohne des gedachten Schusters, der seinem Vater im Handwerk -hilft, mit einem Schuhleisten totgeschlagen, und sie schaffen denselben -in aller Stille bei Seite und geben vor, er sei davongelaufen, was -auch geglaubt wird. Aber des Knaben Großmutter, die ebenfalls in -Bräunsdorf wohnte und den Knaben in seiner Lehrzeit öfter als seine -Eltern besuchte und ihm auch oft etwas mitgebracht hatte, erblickte -nach einigen Tagen mehrere Nächte hintereinander den Geist ihres -erschlagenen Enkels, der ihr erzählte, er sei nicht davongelaufen, -sondern vielmehr mit einem Schuhleisten erschlagen und in der Scheune -begraben worden. Diese Begebenheit ist dem Amtmann zu Freiberg gemeldet -und in Folge davon im Januar des Jahres 1762 Vater, Mutter und Sohn -eingezogen worden, bei deren Vernehmung sich alles, wie oben erzählt, -bestätigt hat. - - -391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 781. 782.) - -Den 5. Januar 1630 starb Nikolaus Walde, Pfarrer zu Schwarzenberg; -dem verdorrete das Jahr zuvor sein Birnbaum. Da er's sahe, sagte er: -»Ich habe lange genug vom Sterben gepredigt, jetzt wird der Birnbaum -mein Prediger. Mein Baum verdorret und ich werde auch bald sterben!« -Am Neujahrstage steigt er auf die Kanzel und da er anfangen will -zu singen: Helft mir Gottes Güte preisen u. s. w., überfällt ihn -ein Schlagfluß, daß er nach Hause geführt werden und sich auf sein -Todesbett legen mußte. -- Heinrich Ryhel, Pfarrer in Wiesenthal, hatte -einen Zeilanderstrauch in seinen Pfarrhof gepflanzt, der trefflich -grünte und im Frühjahr, da genannter Pfarrer starb, schon im April -ausgeschlagen war. Sobald der Pfarrer krank wurde, fing der Strauch an -sichtlich zu verdorren; darauf starb der Pfarrer. - - -392. Nächtliches Fallen zeigt einen Todesfall an. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 930.) - -Das Fallen nennt der gemeine Mann das Leichenbret, und glauben manche, -es müsse notwendig darauf ein Todesfall erfolgen, auch könne solcher -Fall vom Menschen ab und auf ein Vieh gewendet werden, wenn man sage: -Falle auf meine Henne, Ziege u. s. w. Im Jahre 1627, ehe der Pfarrer -in Markersbach im September zum Tode krank wurde, lag er abends samt -seiner Ehefrau schon in der Ruhe. Die Magd war noch auf, und da sie -etwas oben im Hause stark fallen hörte, lief sie hinauf, in der -Meinung, der Herr habe ihr gepocht, und fragte, was sie solle? Sie -wurde abgewiesen als eine Träumende, sie sollte zu Bette gehen. Am -neunten Tage darauf war der Pfarrer tot. - -Anno 1653 lebte in Scheibenberg eine Pfarrerswittwe von Thum. Als -dieselbe einst ihren Sohn, welcher verreisete, ein Stück begleitet -hatte und wieder auf dem Heimwege war, thats in ihrem Hause einen -ungemeinen Fall, und zwar zu derselben Stunde, da sie auf dem Rückwege -von einem Fieberfrost überfallen wurde, daran sie auch nach zehn Tagen -starb. - - -393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 785.) - -Im Jahre 1664 brannte von der Stadt Annaberg über die Hälfte ab; dabei -verbrannte auch jämmerlich der Stadtrichter Martin Meyer nebst seiner -Frau. Des Tags zuvor geht er vor dem Gottesacker vorüber, da ruft -ihn eine Stimme, die als seiner verstorbenen Schnur Stimme gelautet, -etliche mal: Herr Vater! Des Nachts geht das erschreckliche Feuer -gegenüber seiner Wohnung auf. - -Im Jahre 1686 wurde ~M.~ Benjamin Heyde, Oberpfarrer in Schneeberg, -frühe, da er predigen sollte, in seinem Bette tot gefunden. Abends -zuvor rief dreimal eine Stimme, welche seines ersten Weibes Stimme -gleich: Herr! Herr! Herr! und darauf erfolgte sein Tod. - - -394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784.) - -Im Jahre 1666 wohnte ein Kopist in Schneeberg, ein junger, starker -Mann, der beim Trinken hurtig von der Faust war. Seinem Weib, Marie -Böhmin, sprang der Ring vom Finger entzwei und fiel auf die Erde. Sie -erschrak darüber und sagte: Was soll mir das sein? Da der Mann des -Abends zu Bier gehen will, hat sie große Angst und erzählt, was ihr -begegnet, er solle zu Haus bleiben, aber er schlugs in ein Gelächter. -Sie begleitet ihn bis zur Hausthür und vermahnt ihn, er soll sich ja in -acht nehmen. Abends bringen sie ihn totkrank nach Haus, und der Schlag -rühret ihn eben dieselbige Nacht, daß er starb. - - -395. Klingen und Singen verkündet einen Sterbefall. - -(Chr. G. Wilisch, Kirchen-Histor. von Freiberg etc. II., S. 401. -Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 195.) - -Am Abende des 4. August 1629, welcher dem Tode der Gemahlin des Moritz -v. Hartitzsch auf Krummenhennersdorf voranging, hörte letzterer mit -dem Pfarrer Benedictus Scheuchler und dem Arzte (?) Däntzki, da sie -miteinander in Kümmernis am Fenster des Schloßerkers standen, draußen -gar nahe ein klares helles Glöcklein klingen, gleich oben über den -Bäumen, anders nicht, als ob man wollte anfangen zu Grabe zu läuten. -Bald darauf hörten sie gar einen lieblichen Laut, als wenn kleine -Kindlein singen. Am Morgen wies sich aus, was hierdurch angedeutet -worden, daß nämlich die kranke Frau seligen Feierabend machen wollte -und ihr Körper zur Ruhe gebracht werden sollte. - - -396. Rumoren zeigt einen Todesfall an. - -(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.) - -In Nossen lebte einmal ein gottesfürchtiger Tischlermeister, bei dem -es manchmal des Abends, wenn die Familie still beschäftigt war, in den -Brettern oder Hobelspähnen rumorte. Dann wußte der Meister, daß am -nächsten Tage ein Sarg bestellt werden würde. - -In ähnlicher Weise pflegten sich beim dortigen Totengräber des Abends -zuweilen die Werkzeuge zu rühren, und dann wurde Tags darauf ein neues -Grab verlangt. - - -397. Der geplagte Polizeidiener. - -(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.) - -Bis gegen Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts befand sich -die Stadtwache zu Nossen in einem am Obermarkte gelegenen, der -brauberechtigten Bürgerschaft gehörigen, jetzt aber abgebrochenen -Brau- und Malzhause, vor dessen Ostseite zwei schöne Linden standen. -Dort wohnte einmal ein Polizeidiener, ein altgedienter Soldat. Wenn -nun in der Stadt ein schwer Kranker nicht »ersterben« konnte, erschien -sein Geist des Nachts dem Polizeidiener und nötigte ihn zum Aufstehen -aus dem Bette. Der mußte sich nun vollständig in Uniform kleiden und -mit umgehängtem Säbel den Geist bis an die Hausthüre begleiten, worauf -dieser verschwand. Der Polizeidiener pflegte manchmal zu sagen: Diese -Nacht ist der oder die bei mir gewesen, und darauf hörte man bald auch -von ihrem Ableben. - -Still und mürrisch, wie er war, mußte er sich oft vom Bürgermeister -ausschelten lassen. Das hörte er in Positur ernsthaft an und sprach -dann, als wenn er schwerhörig sei: »Schön, Herr Bürgermeister, ich -werd's ihm sofort sagen.« Da mußte der Bürgermeister immer lachen und -das gute Einvernehmen war wieder hergestellt. - - -398. Vögel sind Unglücksverkündiger. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 834.) - -Als im Jahre 1639 ein großes Sterben war, hatten die Raben bei Tage ein -greulich Geschrei, bissen sich auch des Nachts bei Mondenschein heftig -auf den Kirchen und Häusern herum, und es war furchtsam anzuhören, -wenn die Eulen in den Gärten so jauchzten. Man merkte auch um selbige -Zeit, daß ein Haufen Elstern mit Schreien und Schnattern alle Gassen -voll gemacht und gleichsam die Post gebracht hatten, wenn räuberische -Parteien kamen. Ehe einem Hausvater sein Weib und Kind in den Wochen -starb, zogen die unter dem Dache nistenden Schwalben samt ihren Jungen -weg. Desgleichen ist in Schneeberg geschehen, daß die Störche, welche -lange Zeit auf eines Bürgers Hause genistet, im Jahre 1688, ehe der -Bürger gestorben, davon gezogen und ausgeblieben sind. Im Jahre 1664 -kamen des Nachts, ehe in Annaberg 400 Häuser in Asche gelegt wurden, -etliche Eulen, setzten sich auf des Bürgermeisters Haus am Markte und -schrien gräßlich. - - -399. Anzeichen von Feuersbrünsten. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 780.) - -Man hat in unterschiedlichen Bergstädten wahrgenommen, daß wenn Gott -mit einer Feuersbrunst strafen wollte, sich zuvor allerhand bedenkliche -Vorboten gezeigt haben. Man hat in der Ratsstube des Nachts ein Licht -brennen sehen, oder es ist ein Wasserkübel auf dem Rathausboden -herunter gefallen, oder es hat auf dem Markt mit den Wasserkübeln -gerasselt und sich in den Bottichen gebadet, oder es sind auch eiserne -Reifen an den Röhrenbottichen geborsten und abgesprungen, oder es haben -sich ungewöhnliche Feuervögel sehen lassen, oder es sind die Kinder -unversehens vorbeigelaufen und haben Feuer gerufen, oder man hat eine -unbekannte Stimme des Nachts zuvor gehört: Lösche, dein Haus brennet! - - -400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 430.) - -Die sonderlich bei Nachtzeiten lichterloh brennende Bergwitterung, -welche in Gestalt eines ausgestreuten Pulvers plötzlich lodert und -verlöscht, und die Ausgänge, Luftlöcher und Klüfte der Metalladern -zeigt, ist in dem Erzgebirge gar gemein, und hat man an den Orten, da -hernach Bergstädte erbaut worden, zuvor viel und starke Bergwitterung -gespüret. Dies ist geschehen im Jahre 1491, da um den Pöhlberg die -Bergwitterungsflammen lichterloh ausgelauscht und die Bergleute -veranlaßt, daß sie hernach die Erzgänge mit der Rute erforschten und -entblößten. Dergleichen hat sich auch um Scheibenberg begeben, da -vorzeiten rauher Wald und Morast gewesen, daß sich des Nachts viel -Witterungen von ferne sehen lassen, so daß die Nachbarn vermuteten, es -müsse daselbst reiches Erz liegen. Daher hat auch Caspar Klinger von -Elterlein im Jahre 1515 zuerst daselbst eingeschlagen und die erste -Fundgrube gemutet. - - -401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1154.) - -Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirg -ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene -Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären, desgleichen hat man -gehöret, als wenn Musketen losgingen und zur Begrüßung geschossen -würde. Dies haben unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken -beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen -Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt. - - -402. Ein Sturm als Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 391.) - -Ein Anzeichen war es, als am 15. Febr. 1625 des Nachts das mit Riegeln, -Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von -einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet -wurde, denn es wurde so getrennt, daß das Hinterteil des mittleren -Riegels samt dem starken Thornagel und eiserner Feder geborsten und das -Vorlegschloß samt dem Kloben, der das Thor mit einer starken eisernen -Kette über dem Thorriegel geschränkt, eine Stube weit davon auf dem -Schloßplatze verschlossen gelegen. Und dieser ungemeine Sturm hat den -damaligen böhmischen Bauernkrieg nach sich gezogen. - - -403. Ungestümes Wetter im Gebirge zeigt Krieg an. - -(Lehmann, a. a. O., S. 420.) - -Man hat beobachtet, wenn Schlachten zur See oder Land vorgegangen, -daß solche mit einer ungemeinen Witterungsungünstigkeit im Gebirge -gleichsam angedeutet worden sind. - - -404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an. - -(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 207.) - -Sonst hat man an dem Schwarz- und anderem Wasser gemerkt, daß sie bei -bevorstehendem Unglück, Feuer- oder Wasserschaden, greulich geheulet. -Im Jahr 1630, den Tag zuvor, ehe die Stadt Annaberg abgebrannt, hat -der Elterleiner große Teich am Geyerschen Wege entsetzlich geheulet, -so daß des Zainschmieds Junge, der mehr Wasser aufschlagen sollte, -vor Schrecken davon gelaufen. Im Jahre 1645 den 10. Juni, am zweiten -Pfingstfeiertage, heulte frühe in Elterlein ein Teich jämmerlich, so -daß eine Jungfrau, welche über den Teichdamm ging, aus Furcht eilends -fortlief. Darauf ist ein Schulknabe, des alten Richters Matthes Rüdels -Sohn, im Teiche ertrunken. - - -405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts. - -(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt -Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28. Lehmann, Hist. Schauplatz. S. -402.) - -Ein Köhler war kurz vor Erbauung von Johanngeorgenstadt auf dem -gegenüberliegenden böhmischen Berge eingeschlummert. Hierauf aber hat -er ein so starkes Geläute auf dem Fastenberge, worauf jetzt die Stadt -steht, vernommen, wie sonst nur in einer Stadt gebräuchlich ist. -Darüber ist er nicht nur aufgewacht, sondern er hat sich auch wachend -nicht zu fassen gewußt. - -Der letzte evangelische Lehrer zu Platten, mit Namen Johann Jahn, hat -einstmals einen Traum gehabt, als wären vom Joachimsthaler Wege Wagen -gerasselt gekommen, deren Deichseln alle auf den Markt zugegangen; -hernach wäre ein großes Wasser und rauschende Flut gekommen und hätte -alles in den Grund hinabgeschwemmt. - -Am Fest Mariä Heimsuchung, als am 2. Juli des Jahres 1648, sahe man -zu Breitenbrunn frühe unter der Predigt gegen den Fastenberg zu, auf -welchem sieben Jahre später die Stadt gegründet wurde, in der Wolke -eine Stadt aufgehen, und vor der Stadt einen Gottesacker liegen, darauf -zwei Totenbahren standen, und in der Mitte ein grüner Baum. - - -406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls. - -(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 1064.) - -In Neustädtel trug sichs bei angehender Reformation zu, daß eines -Morgens unterschiedliche Berg- und andere Leute zusammen kamen und -auch von der Reformation redeten. Wie sie nun teils ungereimte Sachen -vorbrachten und unter anderem auch auf die Lehre vom Abendmahl fielen, -geschahe es, daß der eine Teil das Abendmahl in beiderlei, der andere -aber in einer Gestalt verteidigte. Indem nun ein Bergschmied, welcher -an dem Fenster saß, dergestalt für eine Gestalt stritt und dabei sagte, -daß, wenn dieses der rechte Glaube sei, daß ein Laie das Sakrament in -beiderlei Gestalt empfangen sollte, er in seiner Hand vor dem Fenster -einen Vogel fangen wollte: siehe, so trug es sich, indem er im Reden -mit der Hand zum Fenster hinausgriff, in einem Nu zu, daß sich zwei -Sperlinge mit einander bissen und vor das Fenster fielen, solche aber -von ihm beide ergriffen und in die Stube gebracht wurden, weswegen sich -darauf alle Anwesende, als vor einem Zeichen, entsetzten. - - -407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg. - -(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 922.) - -Als im Jahre 1478 in dem Mühlberge zu Schneeberg reiche Erze -angetroffen wurden, da fuhr Römer, vermutlich jener Sebastian, welcher -vorher Romner geheißen, mit seinem Haufen zu und wollten alles allein -haben. Sie nannten die Zeche Münzer- oder Römerzeche und es galt ein -Kux darauf 1200 bis 1400 Gulden. Da aber die unrechten Besitzer, -darunter außer Römer noch Fürsten, Grafen und Herren waren, den armen -Bergmann mit seiner Gewerkschaft auf der Sattlerzeche, in welcher -Lehn das Erz gebrochen war, ausmaßen und auf die Halde setzten, auch -sogar der Lehenträger Römer falsch beschworen hatte, daß der Gang ihm -gehöre, so war solches ein Greuel vor Gott. Alsbald verschwand das -Erz dieser Zeche und verwandelte sich im Anbruch in Kohlen. Es soll -auch zu derselben Zeit, da Römer draußen auf der Haspelstätte nach den -alten Bergrechten den Schwur leistete, im Berggerichte zu Zwickau, -wo Römer und sein Haufe mit den armen Gewerken um das Erz gestritten -hatte, das Gewölbe aufgerissen sein, und das Glöcklein, womit man die -Diener herein zu rufen pflegte, von selbst geklungen haben. Von dieser -Begebenheit rühren die Worte Herzogs Georg her: »Der Gleeßberg ist ein -tauber Berg, der Mühlberg ein verschworener Berg, sehet mir auf den -Schickenberg.« - - -408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft. - -(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 918.) - -Als Paul Gramman, insgemein der Hosenschneider genannt, im Anfang des -Schneebergs eine Zeche am Wolfsberge, die der grüne Schild geheißen, -fast allein zu eigen gehabt und einen Stollen hineingetrieben, hat -er ein köstliches Erz angetroffen, da er aber einstmals hinter dem -Steiger gestanden und zugesehen, wie derselbe das schönste Glaserz -losgebrochen, ist einer seiner guten Freunde vor den Ort gekommen -und hat ihm nach bergmännischem Gebrauch ein Glückauf gewünscht. Der -Hosenschneider aber hat freventlich und übermütig darauf geantwortet: -»Was bedürfen wir dieses Glückwünschens? Siehe, wir haben ja das Glück -in Händen und vor Augen!« Darauf aber soll sich alsbald das Erz im -Anbruch dermaßen abgeschnitten haben, daß man nicht gewußt, wie es -verschwunden ist. Es ist auch ferner sowohl an diesem Orte, als auch am -ganzen Wolfsberge wenig mehr ausgerichtet worden. - - -409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft. - -(Richter, Chronica von Chemnitz, I. 1767, S. 72.) - -In einem Gange des ehemaligen Benedictiner-Klosters zu Chemnitz befand -sich ein hölzernes Christusbild mit einem krummen oder schiefen -Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles darin -verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von Stund -an aber hatte derselbe ein offenstehendes Maul und ist stumm geworden. - - -410. Der heillose Bäcker in Freiberg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Pros. Anhang, No. 9.) - -Im Jahre 1471 wohnte in Freiberg auf der Burggasse, dem Oberkloster -gegenüber, ein Bäcker, namens Werner Kühn, ein gottloser Mann, der -an Fluchen und Lästern sein Vergnügen fand. Derselbe brachte seine -Mitbürger in großes Unglück. - -Als er eines Morgens (am 24. Juli) seinen Backofen heizte, wollte das -feuchte Holz nicht sogleich brennen, so daß der gottlose Mann wütend -darüber wurde und rief: »Ha, du verfluchtes Feuer, so brenne doch in -aller Teufels Namen!« Das war ein heilloser Fluch und Gott ließ ihn -in Erfüllung gehen. Das Feuer schlug alsbald zum Ofen heraus und in -wenig Augenblicken stand das ganze Haus in Flammen. Nach drei Stunden -lag Freiberg in Trümmer und Asche. Nur die alte Frauenkirche, die -meißnische Gasse und die halbe Sächsstadt blieben stehen. - - -411. Die Görkauer Maskenhochzeit. - -(Nach Franz Herbabny in den Mitteilungen des Nordböhm. -Excursions-Klubs, 1885, S. 117.) - -Am Faschingsdienstage 1588 ging es in der Stadt Görkau überaus -fröhlich zu, und die Schuljugend machte mit Schreien und Peitschen -einen Spektakel, daß die Häuser in den Gassen wackelten. Der -Hochzeitsplampatsch ritt auf einem Grauschimmel und trank wacker -aus den Gläsern, womit man ihm schenkte. Auf dem Kopfe trug er -eine Narrenkappe mit einer klingenden Schelle und überdies zwei -Narrengesichter, von denen das vordere lachte, das hintere weinte. -Bald kamen auch die beiden Herolde hoch zu Roß, bliesen auf ihren -Trompeten, und der vielerwartete Hochzeits-Schlittenzug setzte sich in -Bewegung. Es war nämlich eine Faschingshochzeit. Den Vorreitern und -den Stadtpfeifern folgten die Brautleute mit dem Bilde der heiligen -Jungfrau, darauf der Brautführer und die Kränzeljungfern, neben -ihnen der heilige Nikolaus mit zwei Teufeln an der Kette, und auch -die Salzmäste warf nach allen Seiten Pfeffernüßchen aus. So folgte -Schlitten auf Schlitten, vierzig an der Zahl. Und nun ging es in tollem -Jagen, die Kreuz und die Quere, durch die Stadt, bis der Zug neben der -Kirche ein wenig stockte. Da blies der Hanswurst-Plampatsch auf seiner -Trompete und rief in trunkenem Frevelmute durch das offene Thor zum -Kirchhof hinein: »Auf, auf! Ihr Faulpelze! Heraus aus Euren Nestern! -Heut ist Fasching! In der Stadt giebt es noch Besen genug, die nehmet -zwischen die Beine und reitet mit! Hollah! Vorwärts!« Gelächter der -Umstehenden folgte, und der Trunkenbold stürzte vom Pferde, aber der -Zug fuhr weiter, immer bis nach Komotau, obwohl ein Sturmwind unterwegs -das Brautpaar und die Salzmäste und viele andere in den Schnee geworfen -hatte. In Komotau trank man Glühwein, und die Heiterkeit wuchs, wenn -dies noch möglich war. - -Allein als man zum Thore hinausfuhr, da hatte sich zu den drei -Vorreitern noch ein vierter gesellt, einer aus Komotau, wie man -wähnte. Doch seine Tracht war seltsam. Kohlschwarz vom Kopfe bis -zu den Sporen, schwenkte er ein schwarzes Banner mit dem Bilde des -Sensenmannes. Vielen aber war es recht unheimlich, wenn er rechts und -links die Schlittenreihe auf- und absprengte und gewissermaßen die -Hochzeitsgäste zählte. Als es aber finster wurde, da sprühten sogar -aus seiner Fahnenstange Funken und Flammen und die dampften und rochen -wie Leichenfackeln. So ging es fort bis man wieder in Görkau vor den -Kirchhof kam; da öffnete der Schwarze sein Visir, schlug den Plampatsch -auf die Schulter und rief: »Nun kommt mit mir; wir zwei voran, die -andern kommen nach!« »Jesus, Marie!« schrie der Plampatsch, als er den -fleischlosen Totenschädel erblickte. Jener aber rief mit weithallender -Stimme: »Heute war ich Euer Gast; zur künftigen Fasching seid Ihr alle -meine Gäste!« Sprachs und verschwand in Nacht und Gekrach. Die Fackel -war verloschen. -- - -Auf dem Tanzboden fand sich allmählich die helle Faschingslust wieder -ein. Als man aber am folgenden Tage nach altem Herkommen den Fasching -begraben wollte, da erscholl das Zügenglöcklein, und man erfuhr, daß -der Plampatsch totkrank darniederliege. Drei Tage später lag er auf -dem Kirchhof bei den Toten, die er zur Maskenhochzeit eingeladen -hatte. Ihm folgte zuerst die Braut und eine Kränzeljungfer, dann ein -Vorreiter, der Brautführer und der Bräutigam. Selten verging ein Tag, -an dem die Totenglocke nicht erscholl, und ein Leichenzug folgte -dem anderen. So dauerte es mit geringen Pausen ein volles Jahr, und -nicht weniger als 450 Personen unterlagen der schrecklichen Seuche. -Am Faschingsonntage aber rief der Priester dem unglücklichen Volke -zu: »Ja, Ihr sollt ausziehen, aber nicht in Larven und Maskeraden, -sondern in Sack und Asche, in Buß- und Trauerkleidern!« und so geschah -es. Am Faschingsdienstage, da zog jung und alt, Mann und Weib, hoch -und niedrig, in Trauergewändern und mit schwarzen Schärpen durch -die Stadt zum Friedhofe hin. Und als man den heiligen Boden betrat, -unter dem die Lieben ruhten, welche im letzten Jahre gestorben waren, -da erscholl laute Klage und Wehegeschrei. In der Kirche aber las der -Pfarrer ein Totenamt und vom Chor erklang das »~Dies irae!~« wie an -einem Allerseelentage; doch von Stund an erkrankte niemand mehr, und -wer schon krank war, fand meistens Genesung. Acht Wochen später war -die Seuche beendet, und der Pfarrer konnte am weißen Sonntage die -Pestilenzpredigt halten. Die Erinnerung an jene schreckliche Zeit -aber -- so sagt der Chronist -- lag den Görkauern noch lange in den -Gebeinen, und sie haben durch manches Jahr keine Hochzeitsmaskerade -mehr am Faschingsdienstage gehalten. - - -412. Meineid wird bestraft. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 367.) - -Im Jahre 1627 zankte sich Matthes Becker, Bauer zu Pappendorf, mit -seinem Grenznachbar, Christoph Dehner, um ein geringes Wiesenflecklein, -und als sie nicht konnten verglichen werden, nahm er es auf sein -Gewissen. Darauf hat es ihm der, dem Unrecht geschah, in Gegenwart -des Amtsschössers von Nossen, Matthäus Horn, und hiesiger Gerichten, -mit diesem Glückwunsch cediert und überreicht: »So nimm's hin und laß -Dir's auf der Seele verbrennen!« Von selbiger Zeit an ist gedachter -Becker von Tage zu Tage schwermütiger geworden, endlich am 28. August -nachfolgenden Jahres um Mitternacht aus dem Bette weggelaufen und hat -sich ersäuft, wessen man ihn frühmorgens unter dem blauen Steine im -Striegnitzbache tot angetroffen, nur ein Schlafmützlein und Hemd an -sich habend. - - -413. Der bestrafte Gotteslästerer zu Zwickau. - -(T. Schmidt, ~Chron. Cygn.~ II. S. 437. Misander, ~Deliciae Hist.~, S. -277. Gräße, Sagenschatz etc. No. 608.) - -Im Herbst des Jahres 1594 ist zu Zwickau M. Wolfgang Raabe, eines -Tuchmachers Sohn daselbst verstorben, welcher etliche Jahre rasend -gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber Gott also -wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren zu -Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt, hat -sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen und ist es mit ihm -soweit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerische -Reden, vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner -Sinnen beraubt worden. Nachdem ihn nun seine Eltern nach Hause -bringen lassen, ist's nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat -sich stets ungebärdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat -er sehr gefressen (maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung -auch gebraucht) und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich, als -etliche Knaben mit einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und -sich mit den Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum -Fenster hinaussehend gesagt, sie sollten ihm denselben geben, was sie -auch gethan. Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen -und ist bald darauf gestorben. Er hat auch einen seinesgleichen von -Reichenbach, namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch -große Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem -Crucifix vorgenommen, der ist auch seiner Sinnen beraubt, etliche Jahre -daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also gestorben. - - -414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelssteins bei Lauter. - -(Mitgeteilt von Heinrich Weißflog aus Raschau.) - -Ein Kriegsheer wollte einst Schwarzenberg belagern und hatte sich -deshalb bei dem jetzigen Teufelssteine in der Nähe von Lauter -zusammengezogen. Hier in dem Lager lebte nun alles in Saus und Braus. -Da kam eines Tages ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster daher, der -einen Leuchter zur Reparatur nach Schwarzenberg tragen sollte. Als -ihn sein Weg durch das Lager führte, wurde er von den Kriegsknechten -angehalten und verleitet, mit ihnen zu tanzen und zu spielen. Sein -weniges Geld war bald verspielt, und nun vergaß er sich soweit, daß -er den Leuchter in Geld umsetzte. In diesem Augenblicke kam der Abt -des Klosters, welcher zufällig denselben Weg ging, und als er das -Treiben und Thun seines Ordensbruders sah, suchte er denselben mit -herzlichen Worten von seinem gottlosen Treiben abzuraten. Dafür wurde -er jedoch von dem Mönche und den Kriegsleuten verhöhnt und verspottet. -Da übermannte ihn der Zorn und er rief: »So möge Euch, Ihr Genossen -des Teufels, der allmächtige und strafende Gott, den Ihr jetzt noch -eben verhöhnt habt, zu Steinen werden lassen!« Kaum waren diese -Worte gesprochen, so erfüllte ein donnerähnlicher Schlag die Luft, -und was der Abt in seinem Fluch erbeten, das geschah. Der Mönch und -die Kriegsknechte wurden zu Felsblöcken, welche noch heute auf dem -Teufelssteine zur Warnung für Gotteslästerer emporragen. - - -415. Die Oswaldskirche bei Grünhain. - -(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße, Sagenschatz etc. No. 531.) - -Nicht weit von Waschleithe bei Grünhain, im Thale des Oswaldbaches, -stehen die Trümmer einer Kirche, die Oswaldskirche genannt, welche 1514 -der Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet hat, die aber, weil die -Reformation dort auskam, nicht vollendet wurde und so liegen geblieben -sein soll. Anders erzählt sich das Volk, welches auch die Kirche mit -dem Grünhainer Kloster unterirdisch verbunden sein läßt, die Ursache. -Es soll nämlich um jene Zeit ein reicher Hammerherr, mit Namen Caspar -Klinger, gelebt haben, den aber sein Reichtum so übermütig gemacht -hatte, daß er keinem Gruße, selbst von seiten solcher Personen, die -mit ihm auf gleicher Stufe standen, zu danken sich herabließ. Dem -begegnete einst ein ebenso reicher Bergherr von Elterlein, namens Wolf -Götterer, und rief ihm ein freundliches Glückauf zu; allein Klinger -hielt es abermals unter seiner Würde, dem Grüßenden zu danken, und so -geschah es, daß letzterer ihm darüber einige harte, beleidigende Worte -sagte. So stolz nun der Hammerherr auch war, so rachsüchtig war er und -er beschloß auf der Stelle, seinen Beleidiger für seine freimütige -Rede büßen zu lassen. Er teilte seinem Bruder seinen Plan mit, und -nachdem sie eines Tages ausgekundschaftet, daß der Bergherr allein zu -Hause sein werde, weil alle seine Dienerschaft zu einer Belustigung -sich entfernt hätte, gelang es ihnen, sich in die Wohnung desselben -einzuschleichen, wo sie den Unglücklichen mit Beilhieben ermordeten. -Weit entfernt, ihr Verbrechen, dessen sie sich freuten, zu leugnen, -stellten sie sich selbst dem Gerichte, welches sie zwar zum Schein zum -Tode verurteilte, allein auch kein Bedenken trug, die Todesstrafe in -eine Geldbuße zu verwandeln. Letztere sollte darin bestehen, daß der -reiche Hammerherr zur Sühne jenes Mordes eine Kirche zur Ehre des h. -Oswald zu erbauen und auch die Armen der Stadt reichlich zu bedenken -habe. - -Klinger ließ nun Arbeitsleute, so viele ihrer nur kommen wollten, für -seinen Bau anwerben, Bauholz in seinen Wäldern schlagen und Steine in -seinen Steinbrüchen brechen, zahlte mit vollen Händen und es verging -kein Jahr, da stand die Kirche fertig da. Nun ließ er es auch nicht an -reicher Ausschmückung des Inneren fehlen, Kanzel und Altar waren von -geschicktesten Künstlern gearbeitet und mit der größten Pracht geziert, -eine herrliche Glocke hing auf dem Turme und alles war zur Einweihung -der Kirche in Bereitschaft. Siehe, da zog an demselben Morgen, wo die -Geistlichkeit sich anschickte, das neuerbaute Gotteshaus zu weihen, ein -furchtbares Gewitter über das Thal herein und man zögerte deshalb, -die Prozession zu beginnen, selbst der Glöckner weigerte sich, die -Glocke ertönen zu lassen, bevor nicht das Unwetter vorüber sei. Da -ward Klinger ungeduldig und schwur und vermaß sich hoch und teuer, -nichts sollte ihn abhalten, das einmal angefangene Geschäft zu Ende zu -führen, und wenn niemand anders es thun wolle, so werde er selbst in -die Kirche eilen und das Geläute zum erstenmale in Bewegung setzen. -Zwar versuchten ihn die Priester von diesem Beginnen abzuhalten, aber -umsonst, er stürzte in den Turm und fing an die Glocke zu ziehen. Aber -sonderbar, dieselbe klang wie ein Armesünderglöckchen und lange zuvor, -ehe es ausgelauten hatte, fuhr ein Blitzstrahl aus dunkler Wetterwolke -herab in den Turm, tötete Klinger und zündete die Kirche an. Niemand -wagte zu löschen, denn jeder sah hier das Gericht Gottes, und so war -in kurzem von dem schönen Bau nichts als die Mauer übrig und niemand -wagte es seitdem, die Kirche wieder aufzubauen. Klingers Leichnam ward -zerschmettert im Turme gefunden und am Rande des Waldes eingescharrt. -Die Umwohner aber erzählen sich, um Mitternacht gehe sein Geist ruhelos -dort umher und grüße den zufällig dorthin verirrten und bei seinem -Anblick ängstlich davon fliehenden Wanderer, und sein Herumirren müsse -so lange dauern, bis ihm jemand danke. Seinen Bruder hatte die Strafe -Gottes schon vorher ereilt, denn noch ehe das Gericht sein Urteil -gesprochen, war er vom Pferde gestürzt und hatte den Hals gebrochen. - - In Schumanns Lexicon von Sachsen (12. B. S. 444) wird die Gründung - der Oswaldskirche, welche vom Volke gewöhnlich Duselskirche genannt - wird, dem Grünhainer Amtmann Gregor Kienter und dem Elterleiner - Pfarrer M. Wolf zugeschrieben und als Jahr der Gründung 1515 - angegeben. In Bezug der Sage von dem Hammer- und Bergherrn Kaspar - Klinger wird gesagt, daß derselbe zur Sühne des Mordes 12 silberne - Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und Bogen geben, - Seelbäder stiften und nach Rom wallfahrten mußte. Auch hatte er - von dieser Wallfahrt die Erlaubnis für die Markersbacher Kirche - mitgebracht, Ablaß erteilen zu dürfen (S. 164). - - Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man - 1795 auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die - wahrscheinlich vom Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben - diese Brakteaten Veranlassung zu der Sage von einem großen Schatze - gegeben, welcher unter der Kirche vergraben liegen soll. - - Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt - Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder - »Aswaldbache« d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die - Meinung ausgesprochen wird, die eingewanderten Sachsen hätten den - dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt, welcher Name dann auch auf - den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung für sehr - gewagt und nicht recht glaubwürdig. - - -416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.) - -Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe -des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«, dessen -südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe von -der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird. Zu -letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer Allee -bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze« herumzieht, -und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause »Hut« über die -Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein, welcher eine schöne -Aussicht gewährt, erzählt man folgendes: - -Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein mächtiger -Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten reiche -Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm sein erstgeborener -Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde, denn dieser führte -ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine liederliche Lebensweise. - -Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu geben und nach -der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome der Welt zu -einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte. - -In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte -Gelegenheit dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als -nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines -unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte -Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen -Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er wanderte also -im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge zu und gelangte -nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen Joachimsthal, wo -in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag. Überrascht und entzückt -von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt mit ihren Thälern und -Schluchten, ließ er sich hier nieder und baute mit Hülfe der Einwohner -ein stattliches Schloß, in welchem er in Gesellschaft verdorbener -Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte. Den unaussprechlichen -Schmerz des Vaters über den Verlust des ungeratenen Sohnes hatte indeß -die alles heilende Zeit gemildert. - -Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger Weidmann -war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten, im -Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im dichten Walde -verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem mühevollen -Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit eine Wiese, von -wo er am fernen Bergesrücken ein helles Licht schimmern sah, dem er nun -frohen Mutes mit starken Schritten zueilte. Als er vor dem Schlosse -stand, aus welchem das Licht kam, bat er um Einlaß und ein gastlich -Obdach, und er wurde darauf vor den Schloßherrn geführt, den sein -Vaterauge gleich erkannte. Auch der verlorne Sohn erkannte sofort, -freilich mit Schrecken, in dem Weidmann seinen Vater; aber statt mit -reumütigem Herzen den Tiefgekränkten um Verzeihung zu bitten, gab -er, die wohlverdiente Strafe fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn -gefangen zu nehmen. - -Entsetzt und aufgebracht über dieses unerhört ruchlose Benehmen -sprach der Vater über den ungeratenen Sohn den Fluch aus, welcher -augenblicklich in Erfüllung ging. Die Erde erbebte mit einemmale so -gewaltig, daß die Grundmauern des Schlosses erzitterten; dasselbe -zerfiel in Trümmer und begrub in seinem Schutte alle Insassen. Nur der -Fürst und ein Diener kamen mit dem bloßen Schrecken davon und eilten -nach Konradsgrün, wo das sorgenvolle Jagdgefolge den vermißten Herrn -erwartete, den es bis spät in die Nacht im Hochwalde vergebens gesucht -hatte. Am Grauenstein aber treiben seitdem die bösen Geister ihren Spuk. - -Eine andere Sage erzählt, daß des Grafen Schlick Urgroßmutter zwei -Söhne hatte, die sich allen Lastern ergaben. Sie lästerten Gott, -raubten, plünderten und mordeten. Bald aber erkannten sie ihre tiefe -Verworfenheit und beschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen -und ein bußfertiges, Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Zu ihrem -bleibenden Aufenthalte wollten sie sich ein Schloß erbauen lassen -und fanden zu dessen Anlegung den dazumal im tiefsten Waldesdunkel -gelegenen Grauenstein besonders geeignet. Alsogleich übertrugen sie -den Bau des Schlosses, dessen Steine durchweg von grauer Farbe sein -sollten, zweien Maurern. Nachdem diese das Schloß vollendet hatten, -erhielten sie aber den verheißenen Lohn nicht; deshalb riefen sie auf -dasselbe den Fluch des Himmels herab. Und dieser Fluch der Maurer -erfüllte sich schnell. Ein furchtbares Gewitter, das plötzlich übers -Gebirge dahergezogen kam, entlud sich; ein Blitzstrahl traf das Schloß, -zündete -- und verwandelte es in einen Schutthaufen. - -Nach einer anderen Sage wohnte im Grauensteiner Schlosse ein Vater, der -seiner Tochter einen Bräutigam aufdringen wollte, den sie nicht mochte. -Um sich zu retten, trieb die Tochter dem Vater während des Schlafes -einen Nagel durch den Kopf. In den letzten Atemzügen verwünschte der -Vater das Schloß samt den Inwohnern. - - -417. Der Gottesleugner zu Nossen. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 349.) - -Zu Nossen lebte im Jahre 1592 ein alter Zimmermann und Steinbrecher, -namens Walter Koch, der zeitlebens ein großer Verächter des -Gottesdienstes gewesen, auch binnen 32 Jahren niemals zur Beichte und -zum Abendmahl des Herrn gekommen war. Dieser ward am 21. Juni des -genannten Jahres gleich in der Mittagsstunde von einer alten Kirchmauer -im Kloster Zelle, an der er hatte einbrechen helfen, erschlagen. Als -man nun seinen Körper in einen Backtrog legte, ist selbiger alsbald -zersprungen, darauf ist ein grausamer Wirbelwind entstanden, und als -man ihm zu Grabe läuten wollte, ist der Klöppel in der großen Glocke -ebenfalls zersprungen, weil er eines christlichen Begräbnisse nicht -würdig gewesen. - - -418. Vorboten der Pest. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 962.) - -Im Erzgebirge hat es an Warnungszeichen vor der Pest nicht gemangelt. -Zu Lengefeld ließen sich auf dem Kirchhofe, als in der Stadt 1680 die -Pest eingezogen war, zwei weiße Schwalben sehen, die gegen den Herbst -wieder fortzogen. Zu Marienberg hörte man zehn Wochen vor der Pest ein -Poltern und Fallen bei Nacht in der Kirche, als wenn man Leichen in -die Erde senkte und häufig die Erde auf die Särge nachschüttete; beide -Kerzen verlöschten auf dem Altare, die Glocken wurden so unnatürlich -schwer, daß man sie mit großer Mühe mußte in Schwung bringen, das -Uhrwerk auf dem Rathause lief bei Tag und Nacht unterschiedliche Mal -ganz ab, und einige Bürger haben des Nachts ein hellbrennendes Licht -auf dem Rathause gesehen. - - Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für - sich nicht gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest - angesehen. In Böhmen prophezeit z. B. der Storch in der Gegend, - durch welche er fliegt, die Pest, während er dorthin, wo er sich - niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 64.), - und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden - (Hunde sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei - weinender Menschen, die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch - und Gestank und selbst ungewöhnliches Blühen von Rosen im August und - September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch, I. No. 354.) - - -419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht. - -(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 311.) - -Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde Freiberg von -einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim Hospital hatte eine -Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben 1564 etwas von alten -Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern geworfen worden war. Da -stieg ihm alsobald ein widriger giftiger Dampf entgegen, so daß er sich -legen mußte und nicht allein die Seinigen, sondern auch viele in der -Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche verbreitete sich darauf weiter und -nahm dermaßen überhand, daß von da an bis Weihnachten 1577 Personen -starben. - - Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast - ausgestorben war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine - blaue Wolke und zog in zwei Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf - der Müller Pflöcke hineinschlug und alles im Hause wohlauf blieb. Als - aber der Müller später einmal nachsah, was aus dem Dunste geworden - sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle seine - Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. - 457.) Desgleichen erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in - Gestalt eines blauen Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der - Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein Zauberer aus Böhmen verschloß bei - Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen Orten der Umgegend in - Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer Grube mit - der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt, - Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam - noch 1709 zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an - Kirchen war im Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war - das sogenannte »garstige Ding« (eine weibliche Figur, an welcher ein - Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten Kreuzkirche - in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten Pest. - (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf - hingewiesen werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von - Hunden begleitet sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert - werden. In altkirchlichen Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem - Schutzpatron gegen die Pest, ein Hündlein beigegeben. (Rochholz, - Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) In Außig in Böhmen glaubt - man, daß die Pest als +weißer+ Rauch erscheint, welcher Menschen, - wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc. S. - 184.) - - -420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont. - -(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.) - -Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier wuchs -in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed« (Zeitheide) -bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen -Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser Pflanze, welche in -gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht werden muß, weggetragen -haben. Auch soll sie in der Brauerei des Ortes mit zur Verwendung -gekommen sein. Der balsamische und durchdringende Geruch machte sie -berühmt in der Gegend und wohlthätig für den Ort selbst. Denn in -den Jahren, in welchen die Pest das Land verheerend durchzog und -benachbarte Orte aussterben ließ, soll Großhartmannsdorf durch jene -Pflanze verschont geblieben sein. - - Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, ~Ledum palustre~. - - -421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen. - -(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 345.) - -Innerhalb 10 Jahren, von 1163 bis 1173, da das Freibergische Bergwerk -rege und die Stadt angelegt worden, sind allerhand erschreckliche -Wunder und Erscheinungen am Himmel aufgetreten, nämlich drei Sonnen, -etliche Wundersterne, brennende Fackeln, Blutregen, stürmende Donner -und Blitze. Gleichwohl wars dem Bergwerk nicht nachteilig, so daß man -1171 schrieb: - - FreIberg VnD seinen fIxen PLan - DIe Sterne haben nIChts gethan. - -Im Jahre 1472 erschien ein Komet im Zeichen der Wage, darauf das -Bergwerk zu Schneeberg, welches das vorhergehende Jahr war angegangen, -in hohem Flor gekommen und reichlich geschüttet hat, nach den bekannten -Worten: - - Bergknappen auf! erstaVnet, seht - ZU SChneebergs GLUCk sCheInt der CoMet. - -Im Jahre 1492 erschienen im Januar drei Sonnen am Himmel, und im März -ein Komet; das schadete aber dem Obergebirge nichts, sondern es wurde -das Bergwerk am Schreckenberge bei Annaberg rege, nach den Worten: - - Der Annaberg braCht hoCh AUsbUt - An SIlber ohne Sternen-StreIt, - Unsern GewerCken reCht zUr FreUD. - -In den Jahren 1515 und 1516 brannten zwei Kometen am Himmel; dabei -kamen die Silberzechen am Scheibenberg und in Joachimsthal auf, wie -folgende Verse deuten: - - ACh sIehe an hIe JoChIMsthal, - Ist EVangelIsCh UberaLL. - - -422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch verkündet Unwetter. - -(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 271.) - -Den 13. Aug. 1559 hat man zu Niederbobritzsch bei Freiberg abends -neben dem Monde eine große Menschenhand in den Wolken gesehen, darüber -ein Stern in Größe der Sonne, ohne daß derselbe einen hellen Schein -verbreitete. Die Hand ist im Verlauf einer halben Stunde immer größer -geworden, bis sie eines Tisches Breite erreicht, darauf hat sie sich -umgewandt und zugethan und ist jählings zerfahren, als wenn sie -stückweise herunterfiele. Den Tag darauf erhob sich in der Umgegend -ein starkes Unwetter mit Hagelstücken bis zur Schwere von über 3 -Pfund; dieselben waren teils rund, teils viereckig, mit Zacken, wie -Kreuze, Spangen und Rosen an Gürteln. Besonders arg war das Wetter -in Niederbobritzsch, wo die ganze Zeit der Himmel voll Feuer stand, -von dem auch etliche Klumpen herabfielen, die viel Bäume und Büsche -versengten und großen Schrecken verursachten. - - -423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg. - -(Moller a. a. O. II., S. 277.) - -Den 13. März 1562 hat man zu Freiberg des Nachts am klaren Himmel einen -weißen Kreis gesehn, der sich oft von einander gethan und inwendig ganz -feuerrot erschienen. Dabei haben lange Strahlen rings umher gestanden, -ziemlich dick und breit, doch oben zugespitzt, die haben auf einander -gestoßen. Zwischen den Strahlen aber ist es aufgefahren wie Rauch und -es hat die ganze Nacht hindurch geblitzt und geleuchtet. An etlichen -Orten sind zugleich zwei Regenbogen und darüber ein Kreuz, sowie auch -auf der einen Seite eine gebundene Rute und auf der anderen eine große -Hand mit einer Rute gesehen worden. - - -424. Himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1155.) - -Anno 1543 den 4. Juni hat man in Wiesenthal des Abends um 7 Uhr am -hellen Himmel nachverzeichnete Wunder gesehen. Erstlich einen langen -Mann schwärzlich mit einem schwarzen und breiten Bart, welcher den -Kopf oft schnell hin und wider gewandt, daß man ein zorniges Gemüt hat -merken können. Dem ward ein Kranz gegeben, und da er ihn empfangen, -ist er vergangen. Darnach ist auf einem hohen Fels ein anderer langer -Mann gestanden, welcher einen langen, spitzen Schnabel und vom Haupt -an durch den Rücken die Länge lange Federn gehabt, gleich eines -Straußes, ist aber auch bald verschwunden. Alsdann sind auf einem -ebenen Felde zwei Städte gesehen worden, eine große, mit steinernen -und hohen Gebäuden herrlich gezieret, und eine kleinere, die doch -je länger je deutlicher ist gesehen worden. Desgleichen ein Mann, -der auf einem Pferd gesessen und in der rechten Hand ein Fähnlein -geführet, in der linken aber ein jung Kind gehabt, welcher auch bald -verschwunden. Darnach ist auf einem hohen Berge ein großer Mann gesehen -worden, der einem kleinern mit einem Schwerte das Haupt abgehauen. -Es ist auch einer zwischen zweien Felsen gesehen worden, welcher auf -die Knie gefallen und die Hände aufgehoben über sich zum Himmel, -als bete er. Nach ihm ist ein anderer langer Mann gesehen worden in -einem langen Kleide, der unter den Armen ein junges Lämmlein und auf -der Schulter ein groß Schaf getragen, dem ein stinkender Bock mit -langen Hörnern gefolget. Weiter sind gefolget zwei Jungfrauen, eine -hat die Arme in die Seiten gestützt und sich fröhlich erzeiget, die -andere hat gegeiget. Nach diesen ist ein groß Kameel erschienen, auf -welchem ein Mann aufgericht gestanden, der auf dem Rücken mit langen -Federn geschmückt gewesen, dem ist ein Löwe mit aufgesperrtem Rachen -entgegengegangen, hat mit den vordern Klauen das Kameel angefallen, -darauf ist das Kameel alsobald zusamt dem Mann verblichen. Der Löwe -hat sich den Städten genahet, welchem auf dem Fuße gefolget die zwei -Jungfrauen und der Mann, der das Schäflein getragen mit dem zottigen -Bock, so hernach gezottet. Letztlich sind einige andere Löwen gesehen -worden, die nach der Stadt wärts gegangen, und viel groß Geschütz, -welches auf die Stadt gerichtet gewesen, als wollte man jetzt -abschießen, und sind die Städte bei anderthalb Stunden gesehen worden. - -So viel hat in einer handschriftlichen Chronik Michael Pabst -verzeichnet, der sonst ein guter Astronomus gewesen und alle -Begebenheiten und Ungeheuer am Himmel fleißig aufgezeichnet. - - -425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab. - -(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß 1719, S. 104.) - -Am 28. November des Jahres 1692 hat ein Köhler auf dem Sonnenwirbel -bei Gottesgab ein hellglänzendes Schwert am Himmel gesehen, welches -frühe um 5 Uhr geschehen ist. Solches Schwert hat neben einem Stern -gestanden, und auch selbst wie ein heller Stern geleuchtet; die Spitze -des Schwertes aber hat sich gegen Böhmen und den Egerschen Kreis -gewandt. Es ist nicht anders anzusehen gewesen als ein langer Degen -mit Gefäß, aber ohne Bügel, und hat nach des Köhlers Erachten so hoch -gestanden, als die Sonne auf diesem gebirgischen Horizont in langen -Tagen um 2 Uhr zu stehen pfleget. Nachdem es wieder vergangen und nicht -länger gewähret, ist dem Köhler ein Schauer darüber angekommen, daß er -sich in seinem Kohlkram niederlegen müssen. - - -426. Kreuze fallen vom Himmel. - -(Moller, ~Theatr. Freib.~ II., S. 148.) - -Im Jahre 1504 sind Kreuze von verschiedenen Farben den Leuten vom -Himmel herab auf die Kleider gefallen, und wenn dieselben auch -verschossen gewesen, hat man doch dergleichen Zeichen auf ihnen -gefunden. - - -427. Ein Topf schwitzt zu Oederan Blut aus. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847, S. 226 etc.) - -Am Sonnabende vor dem Pfingstfeste 1707 hatte der Kantor zu Oederan, -Nikol. Haberland, einen frischen Maienbaum in einen Topf mit -Wasser gesetzt, worauf er wahrnahm, daß der Topf eine rote Materie -ausschwitzte. Man war allgemein der Meinung, daß diese rote Materie -Blut sei und deutete die Erscheinung auf kommendes Unglück. Auch als -der Topf leer in die Sonne getragen wurde, blieb er ganz rot, als -ob eine blutende Wunde daran abgewischt worden sei. Auf erstatteten -Bericht wurde er an das Konsistorium nach Dresden gesendet. Was damit -weiter geschehen, ist nicht bekannt geworden. - - -428. Blutzeichen. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 853.) - -Im Jahre 1666, Dienstags nach dem neuen Jahre früh um 8 Uhr, floß das -Röhrwasser zu Wolkenstein in drei Trögen blutig und währte drei Stunden -lang, darauf eine vielfältige große Uneinigkeit in dem gedachten Orte -erfolgte. - -Im Jahre 1639, in der Marterwoche, blutete bei Freiberg ein Crucifix. -Anno 1666 ist zu Sayda ein Teich in Blut verwandelt worden. Am 25. Mai -1672 geschah es zu Planen im Vogtlande, daß in Leonhard Weckerleins, -eines Zeugwirkers Stube an unterschiedlichen Orten Blut aus den Wänden -heraus drang, so häufig, daß man auch Pfützen auf der Erde gesehen. -Es war eine ungeheuerliche Sache, indem aus den Stubendielen, Bank- -und Wirkstuhlbeinen, dürren, abgeschälten Wachholderstecken, welche -zum Wollschlagen gebraucht wurden, ferner aus einer Schreib- und -Schiefertafel Blut geflossen, das man auf Tüchern und Papier auffing -und klumpenweise sammelte. Und dieses Blutschwitzen dauerte an etlichen -Orten der Stube beinahe eine Stunde lang; wischte man's ab, so kam es -wieder, schnitt man aber ein Stück von den oben angeführten dürren -Wachholderstecken ab, so war inwendig kein Blut zu spüren. - - Blutzeichen, insbesondere blutschwitzende Tempelstatuen, galten - schon bei den alten Römern als Gefahren verkündigend; ganz besonders - aber ist das christliche Mittelalter reich an Legenden, nach denen - Heiligenbilder oder andere Gegenstände Blutstropfen ausschwitzten, - was entweder als Beweis einer ihnen innewohnenden wunderthätigen - Kraft oder als Zeichen von bevorstehendem Unglück angesehen wurde. - Eine Menge hierher gehöriger Beispiele führt Rochholz (Deutscher - Glaube und Brauch. I. S. 48 etc.) an. - - -429. Ein längst verstorbenes Kind blutet. - -(Histor. Nachricht von denen Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734, -S. 80.) - -Den 13. Mai des Jahres 1546 wurde in Chemnitz ein Weib, so ihr eigenes -Kind ermordet, enthauptet, und das Kind zu ihr in den Sarg geleget, -welches dann angefangen zu bluten, wiewohl es schon 14 Tage tot gewesen. - - -430. Blutende Geweihe in Schneeberg. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1159.) - -Im Jahre 1564 hat zu Schneeberg in Bastian Fischers Stube ein -angenageltes Hirschgeweihe geblutet und übel gerochen, gleichwie ein -anderes in der nächsten Woche darauf, welches gegen 12 Jahre in der -Stube gewesen, vom Fette getrieft, also daß ein schwarzer Gischt am -Horn zu sehen gewesen ist, weswegen es aufs Rathaus gebracht werden -mußte. Man hat sich darüber allerlei Gedanken machen müssen. - - Ein Hirschgeweih führt das würtembergische Haus in seinem Wappen. Als - Sophie, die Tochter des Schwabenherzogs Christoph, starb, soll ein - solches Geweih an ihrer Zimmerwand geblutet haben. - - Erinnert mag noch daran werden, daß während der Hirsch Eikthyrnir - den Gipfel der Weltesche Yggdrasil benagte, aus seinem Geweihe eine - große Honigfülle durch den Wohnsitz der Asen und zu den Menschen und - bis in die Unterwelt floß. Wer von solcher Honigfülle trank, wurde - hirschtrunken, d. h. selig. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, - I., S. 7.) - - -431. Der wunderbare Schuß zu Schneeberg. - -(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 1020.) - -Am 14. März 1615 ist in Schneeberg in Paul Leibigers Stube Christoph -Büttner, ein Zahnbrecher, auf wunderbare Weise erschossen worden. -Dieser war kurz zuvor am Sonntage ~Oculi~ von der Reise gekommen -und wollte mit Christoph Leibigern um ein Handrohr, das über ein -halbes Jahr an der Wand gespannet gehangen, tauschen. Als er aber -dasselbe spannte und solches kein Feuer gehen wollte, da hat Büttner -zu Leibigern, welcher dazumal das Rohr in der Hand gehabt, gesagt. -»Ei, es muß Feuer geben in Teufels Namen!« Siehe, da ist alsbald das -Rohr losgegangen und der leichtsinnige Büttner erschossen worden, -ungeachtet, wie der damalige Pfarrer dies aufgezeichnet, man weder -Kugel noch Schrot gesehen und gefunden. - - -432. Der krumme Schuß in Zwickau. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 125.) - -Als 1546 Ferdinand, König von Böhmen, und Herzog Moritz von Sachsen -Zwickau belagerten, ist aus der Stadt mit einem Stück (einer Kanone) -durch beide Kirchthüren geschossen worden. Die Kirche liegt in der -Stadt fast zwischen Morgen und Mittag, die Thüren aber gehen gegen -Mittag und Mitternacht. Bei der mittäglichen Thüre liegt ein Berg vor -und die mitternächtliche geht ganz und gar nicht gegen die Stadt. -Darum haben die Alten gemeinet, daß diesen Schuß ein Zauberer gethan -habe, welcher gewußt, daß eben zur selben Zeit sich in der Kirche viel -vornehme Herren aufgehalten, und sind darum auch keine neuen Thüren -gemacht, sondern nur Brettlein vor die Löcher genagelt worden. - - -433. Perlenschoten in Wiesenthal. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 481.) - -Wahrhaftig ist's, was sich mit gewachsenen Perlenschoten zu -Neustadt-Wiesenthal im Jahre 1626 zugetragen. Nach dem großen Sterben -selbiger Zeiten wohnte in gedachtem Bergstädtlein Michael Rohdörfer, -ein Exulant aus Lutitz in Böhmen, welcher mit seinem Weibe und sieben -kleinen Kindern wunderbarer Weise den Religionsfeinden entkommen. -Sein Töchterlein von sieben Jahren hatte vom Schutthaufen eines -ausgegrabenen alten Kellers etliche Kapsamen-Strünklein aufgelesen -und in des Vaters Garten gesteckt. Da nun solche wohl fortgekommen -und gereifet, nimmt sie die Schötchen ab und klopfet sie aus, findet -aber mit Verwunderung weiße Körnchen, die sie, unwissend was es sei, -dem Vater weiset und spricht: »Ja, Vater sehet, was find ich für -Patterlein?« Der Vater kennets, daß es rechte Perlen, suchet und findet -sie in den Schötchen selbst, also, daß je nach zwei Samenkörnchen eine -wahrhafte Perle lag, und sammelten sie dieses Samens und der Perlen -ein Käsnäpfchen voll. Viel Edelleute, die sich damals in Wiesenthal -als Exulanten aufhielten, habens selbst in Augenschein genommen, auch -einige dieser Perlen dem Töchterlein abgeschwatzt und als Rarität -aufgehoben. Eine Gräfin von Hauenstein kam von Annaberg, hielt mit der -Karosse vor des erwähnten Exulanten Thür, breitete ihr Haartuch auf den -Schoß und bat, das Mägdlein sollte ihr einige Samenschötlein aufmachen, -welches auch geschah, und sie fand, daß es wahrhaftige Perlen waren. -Sie versprach darauf, wenn der Vater einwilligen wollte, dieses -glückselige Kind auf- und anzunehmen. Endlich machte die Gräfin etliche -Schoten eigenhändig auf, aber die Perlen zerschmolzen ihr unter den -Fingern, wie es auch zuvor andern Leuten, die sie selbst aufgemacht, -begegnet war. Darauf sagte sie: »Ei, so ists eine sonderbare Gnade -von Gott, derer wir nicht würdig sind.« Ein frommer Edelmann aus -Böhmen, der auch daselbst im Exil lebte, ließ den Vater mit allen -sieben Kindern vor sich kommen, betrachtete und befand das Wunder -augenscheinlich und kleidete die armen Kinder alle neu. - - -434. Brot wird aus weißer Erde gebacken. - -(Moller, ~Theatrum Freib. Chr.~ II, S. 364. Ziehnert, Sachsens -Volkssagen, Anhang, Nr. 12.) - -Im Jahre 1590 fand ein armes Hirtenmädchen, welches bei der -herrschenden großen Dürre viel Hunger leiden mußte, zwei Meilen von -Freiberg einen weißen Gang einer guten Spanne dick. Derselbe sah wie -Mehl aus und sie nahm etwas davon mit nach Hause und buk Brot daraus. -Darauf geschah von anderen armen Leuten ein großer Zulauf; das weiße -Mehl wurde ausgegraben und ebenfalls verbacken. Ein solches Brot -wurde auch nach Freiberg gebracht und auf's Rathaus geliefert; es -schmeckte gar süßlich und roch ein wenig nach Brot. Nach einer andern -Volkssage hackte im Jahre 1590, da große Teurung war, ein frommer Mann -aus Freiberg ohnweit der Stadt in einer Lehmgrube. Er hatte daheim -eine zahlreiche Familie hungrig verlassen und gedachte mit Thränen, -wie unzureichend das Brot sein würde, welches er für die wenigen -Pfennige Tagelohn am Abend würde kaufen können. »Ach Gott!« rief -er, die nassen Augen zum Himmel gewendet, »du kannst Großes thun, o -gieb mir und den Meinen, daß wir nicht verhungern dürfen!« Da fielen -plötzlich große Stücke einer schönen weißen Masse unter den Schlägen -seiner Hacke aus der Lehmwand hervor. Wie erstaunte der gute Mann, -als er sie genauer betrachtete und sah, daß sie beim Angreifen zu -Mehl wurden, welches gutem Brotmehl an Ansehen, Gewicht und Geschmack -ganz gleich war. Nicht länger zweifelte er, daß Gott durch diese -seltene Masse ihm wunderbar helfen wolle, lud ohne Säumen seinen -Schiebkarren voll solcher Mehlklumpen und fuhr damit nach Hause. Ehe -der Abend kam, hatte er eine ziemliche Anzahl Brote daraus gebacken, -welche sehr schmackhaft waren und wie Veilchenwurzel dufteten. Bald -wurde die Mähr von dem wunderbaren Mehle bekannt und noch viele arme -Leute in Freiberg und der Umgebung suchten in den Lehmgruben nach der -belobten weißen Masse, welche sie auch fanden und zu Brot backen und -genießen konnten, nämlich, wenn sie fromm und gut waren. Denn nur wenn -arme rechtschaffene und gottesfürchtige Leute das Mehl als eine Gabe -Gottes ausgruben und mit Danksagung verbrauchten, blieb es gutes und -brauchbare Mehl; wenn es aber Spötter und Gottlose in die Hände nahmen, -ward es zu Sand und zu Stein. - - -435. Gottes-Speise bei Zwickau. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 49. Nach Luthers Tischreden -bei den Br. Grimm, Deutsche Sagen I., Nr. 362.) - -Bei Zwickau auf einem Dorfe schickten einst Eltern ihren Sohn, einen -muntern Knaben, in den Wald, die Ochsen, welche da auf der Weide waren, -heimzutreiben. Aber die Nacht überraschte den Knaben und es erhob sich -ein solch mörderisches Schneewetter, daß er nicht aus dem Walde zu -kommen wußte. Als nun der Knabe am andern Tage immer noch nicht nach -Hause kam, gerieten seine Eltern in große Angst und konnten doch vor -dem großen Schnee nicht in den Wald. Am dritten Tage erst, nachdem -der Schnee zum Teil abgeflossen, gingen sie hinaus, den Knaben zu -suchen und fanden ihn endlich an einem sonnigen Hügel sitzen, wo gar -kein Schnee lag. Freundlich lachte er seine Eltern an, und als sie ihn -fragten, warum er nicht heimgekommen, antwortete er, daß er habe warten -wollen, bis es Abend würde. Er wußte nicht, daß schon mehrere Tage -vergangen waren, und als man ihn ferner fragte, ob er etwas gegessen -hätte, erwiderte er, es sei ein Mann zu ihm gekommen, der ihm Käse und -Brot gegeben habe. - -Also ist dieser Knabe sonder Zweifel durch einen Engel Gottes gespeist -und erhalten worden. - - Nach einer thüringschen Sage bringt eine Jungfrau einem im Walde - verirrten Kinde Speise und Trank. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, - Nr. 113.) - - -436. Körnerregen. - -(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, 1843, S. 297. Moller, ~Theatrum -Freibergense~, 1653, S. 313.) - -Am 7. und 9. Juli 1770 regnete es eine Art Korn, welches dem -natürlichen Korn zum Teil sehr ähnlich aussah, zum Teil waren es runde -Körner wie Wicken. Man fand es auf den Bleichen bei Chemnitz und -meinte nun, es müsse vom Himmel gefallen sein. Das Volk deutete es auf -Pestilenz und Teurung. Als man es steckte, ging es nicht auf; man hat -es getrocknet und gemahlen und es gab etwas Mehl. - -Auch am 17. Juni 1572 hat es bei Freiberg gut natürlich Korn geregnet, -wie auch am 2. Juli desselben Jahres zu Frankenberg. Die Leute haben es -aufgerafft, gemahlen und schön Brot daraus gebacken. - -Sonst soll dergleichen geregnetes Korn mehrenteils taub und unnütz, -bisweilen auch schädlich gewesen, und das Vieh, so davon gefressen, -gestorben sein. - - Dieser Körnerregen bestand jedenfalls aus den kleinen Knollenknospen - des gemeinen Feigwarzenkrautes (~Ficaria ranunculoides~), welche in - den Blattachseln genannter Pflanze sitzen und später abfallen, um im - nächsten Jahre zu keimen. Bei heftigen Regengüssen wurden dieselben - losgerissen und zusammengeschwemmt, so daß sie dann bei massenhaftem - Vorkommen die Aufmerksamkeit des Volkes und den Glauben erregten, sie - seien mit dem Regen zugleich vom Himmel gefallen. - - -437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein. - -(Hauptmann, Uhralter Wolkensteinscher Warmer Badt- und Wasser-Schatz -etc. Leipzig, 1657, S. 63, 85. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. -234.) - -Das Warmbad im Hüttengrunde bei Wolkenstein führte vor der Reformation -nach einer auf der Höhe erbauten Kirche, in welche sieben Dörfer -eingepfarrt waren, den Namen »zu unser lieben Frauen auf dem Sande«. -Man hat in dieser Kirche Messe gehalten, ehe man in's Bad gegangen -ist. Während des Papsttums ist auch dorthin ein solches Wallfahrten -geschehen, daß die Kirche vielmal zu klein und ein großes Gedränge -darum war. Dabei sind gar viele, welche das Bad gebrauchten, gesund -geworden und haben zum Gedächtnis Krücken und Stäbe, deren sie sich bei -ihrer Gebrechlichkeit bedient hatten, bei der Kirche zurückgelassen. Es -kann aber kein Mensch sagen, zu welcher Zeit man dieses Bades sei innen -worden. Man zeigte früher an dem Badehause ein hölzernes Christusbild -mit der Jahreszahl 1385 und folgender Inschrift: - - »Diß Warmbad am Sand zu unser lieben Frawen - Hat Gottes Wunderhand gelegt in diese Awen, - Wodurch dem Leibe Heil werden krancke Hertzen, - Christi Verdienst und Blut lindert die Seelenschmertzen.« - - -438. Die Kapelle des St. Jobs im Wiesenbad. - -(Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg -1782, S. 38. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 66.) - -Im Wiesenbad bei Annaberg, wohin besonders Kranke und Sieche -wallfahrten, hat eine Kapelle gestanden, die dem St. Job gewidmet -gewesen ist und welche vom Fürst Georgen reichlich begabet und vom -Bischof zu Meißen im Jahre 1505 eingeweihet wurde. Letzterer setzte -auch einen Meßpriester dahin, welcher den Badegästen, ehe sie ins -Bad gegangen, eine Messe lesen mußte. Von dieser Kapelle des St. -Jobs ist alsdann das Bad das Jobs- oder Hiobsbad genannt worden. --- Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne -herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in diesem Wasser gewaschen -und heil geworden. - - -439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II, S. 20.) - -Anno 1262 haben die Geißler in großer Zahl das Land Meißen durchlaufen -und sich dieses Jahr in der Stadt Freiberg befunden, dahin damals eine -starke Wallfahrt zur schönen Marie gewesen. Diese Leute sind halb -nackend je zwei und zwei barfuß gegangen, in roten offenen Mänteln, die -man spanisch Armilausen genannt. - -Das Marienbild war von Wachs in menschlicher Größe ganz schön und -zierlich gestaltet und stand in einer besondern Kapelle. Die Leute -kamen von allen Orten heftig gelaufen, als wenn sie bezaubert wären, -und was ein jedes von Männern und Weibern von seiner Arbeit in der Hand -gehabt, wenn ihn die Tollheit angestoßen, das hat er mit sich genommen -und allda gelassen; wie auch viel krumme, lahme und andere preßhafte -Menschen, die sich zu diesem Bilde verlobet, gesund geworden und ohne -Mangel wieder davon gegangen sein sollen. - -Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß unter dem -Schein des Heiligtums ein böses sodomitisches Leben und viel Schande -und Laster getrieben wurde, worauf durch einen fürstlichen Befehl dem -Gelaufe und den Zusammenkünften gesteuert wurde und solche mit Ernst -abgeschafft worden sind. - - -440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Öderan, 1847, S. 87. Gräße, Sagenschatz d. -K. Sachsen, Nr. 559. Kirchengalerie, 8. B., S. 117.) - -Vom Jahre 1439 bis 1443 ward das Meißnerland von einer besondern Pest -heimgesucht. Die davon betroffenen Menschen waren nicht mit Schmerzen -geplagt; von Schlafsucht befallen, war der Pestkranke in wenigen -Tagen tot. Früher wanderte man vor dem Pestengel aus, diesmal half -man sich mit Gelöbnissen. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf -bei Frankenberg ward von Tausenden besucht, und diese wurden dann mit -irgend einem Trostspruche oder der Verhängung einer Buße entlassen. Für -die Öderaner lautete die Sühne und Strafe folgendermaßen: - - »Das Haus der lieben Frawen - Mit Klang druf ufzubawen!« - -Das hieß nun: die Kirche zu Öderan samt deren Glocken herzustellen. Die -Öderaner haben dann auch Glocken auf den Turm besorgt; inwieweit sie -sonst noch dem Verlangen des Marienbildes nachgekommen sind, wird uns -vom Chronisten verschwiegen. - -Außer manchen andern Reliquien, wie einem hölzernen Christusbilde, das -zu manchen Zeiten Thränen vergossen haben soll, zeigt man in der Kirche -zu Ebersdorf noch heute eine Krücke, welche ein durch die Berührung des -Marienbildes geheilter Lahmer getragen habe. Diese Krücke ist mit der -Jahreszahl 1333 gezeichnet, und man liest an ihr die eingeschnittenen -Worte: - - »Kruck, Du bist ein schön Kruck, - Kruck, Du bist mein Ungluck, - Zu meinem Ungluck hab ich ein schön Kruck.« - - -441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 57.) - -Dreiviertel Stunden von der Bergstadt Joachimsthal entfernt liegt die -zerstreute Ortschaft Mariasorg, welche ein Kapuzinerhospiz besitzt, -in dessen Kirche sich am Hochaltare eine Muttergottesstatue befindet, -zu der alljährlich zahlreiche Wallfahrer und Andächtige von fern und -nah wegen der vielen Wunder pilgern, durch welche Gott das Bildnis der -heiligen Jungfrau Maria verherrlichte. An dieses Gnadenbild knüpft sich -folgende Sage: - -Zur Zeit, als ~M.~ Johannes Mathesius, Luthers Schüler und -Tischgenosse, in Joachimsthal als Pfarrherr wirkte, bewohnten »das -vor alters benannte rote Haus im untern Viertel des Türkners« mehrere -Protestanten und ein Mädchen, welches der römisch-katholischen Kirche -treu geblieben war. Von den vielen Heiligenbildern, mit denen es -das Kämmerlein geschmückt hatte, erfreute sich besonders eine alte, -verbräunte Muttergottesstatue einer hohen Verehrung seitens des -Mädchens. Ungestört kniete dieses oft stundenlang vor derselben und -flehte mit gefalteten Händen zur Jungfrau Maria, der gnadenreichen -Himmelskönigin. Allein bald erfuhren die Hausgenossen von der stillen -Andacht, welcher sich das Mädchen hingab, und zwei Brüder, eifrige -Protestanten, faßten den Entschluß, diesen religiösen Übungen für immer -ein Ende zu machen. Der eine der Brüder bemächtigte sich eines Tages -der Statue und wollte sie mit dem Angesichte gegen die Mauer annageln, -wovon das Zeichen noch heute an dem Hinterhaupte des Bildes zu sehen -sein soll, fiel aber zur Strafe für seine Frevelthat von der Leiter und -starb. Der andere warf hierauf das Marienbildnis in den Winkel eines im -Hause befindlichen Hühnerkämmerleins, wo es, durch Schmutz entstellt, -viele Jahre versteckt blieb, bis mit der Vertreibung der Protestanten -der Katholicismus in Joachimsthal wieder feste Wurzeln faßte. - -Damals geschah es, daß David Weidner aus Plan sich daselbst niederließ -und mehrere, von den Protestanten verlassene Bürgerhäuser, darunter -auch das rote Haus, kaufte. Zu seiner Überraschung fand er in letzterem -die Muttergottesstatue in dem Hühnerkämmerlein; er ließ sie als guter -Katholik absäubern und hielt sie lebenslang in Ehren. Weidner starb um -das Jahr 1676 als Stadtrichter und vererbte das Bildnis seiner Tochter -Anna Lucia, verehelichten Mader, die dasselbe als Heiligtum aufbewahrte -und andächtig in ihrem Wohnzimmer verehrte. Als darauf in den neunziger -Jahren des 17. Jahrhunderts die Joachimsthaler Gemeinde an dem -denkwürdigen Orte, wo des Einsiedlers Niavis kleine Kapelle gestanden, -die bei Einführung des Luthertums in hiesiger Gegend zerstört -wurde, eine Kirche erbaute, ließ Anna Lucia Mader daselbst ihre -Muttergottesstatue zur allgemeinen Verehrung aufstellen. Nach diesem -Marienbilde erhielt die Kirche, da die Gegend schon von uraltersher -Sorg hieß, den Namen »Maria-Sorg«, der in der Folge auch auf das Dorf -überging. - -Noch immer ladet die Kirche zu Maria-Sorg zum Beten ein, dagegen fiel -das alte rote Haus dem verhängnisvollen Brande vom 31. März 1873 zum -Opfer. - - -442. Das Marienbild bei Klösterle. - -(Glückauf, 3. Jahrg., Nr. 4, S. 33.) - -Bei Klösterle steht an der Schlackenwerther Straße ein Marienbild in -einer hohlen Linde. Das stand erst auf der andern Seite, auch in einem -Baume. Da schlug das Wetter ein. Der Baum flog in tausend Granatstücke -und das Bild schwebte unversehrt, so daß ihm kein Unthätchen geschehen, -über die Straße zu der andern Linde, und dort hat man es denn auch -aufgestellt. - - Die Linde, der Nationalbaum der Deutschen, galt unsern Vorfahren - als heilig; sie war besonders der Göttin Frigg geweiht, an deren - Stelle später Maria getreten ist, die nun zur Beschützerin der - Linden wurde. Auch das Bild der heiligen Maria von Rosenthal wurde - in einer Linde gefunden. (Haupt, Sagenbuch II, Nr. 287.) Als ein - aus Holz geschnitztes Marienbild von den Rastenburgern von seinem - Platze, einer Linde, welche immer grün blieb, geholt und nach der - Kirche getragen wurde, stand es doch am andern Morgen wieder in der - Linde, weshalb man unter derselben eine Kapelle baute. So entstand - der Wallfahrtsort »Heiligenlinde«. (Reling und Bohnhorst, unsere - Pflanzen, S. 17.) - - -443. Das Marienbild in Mariaschein. - -(Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Aufl., S. 65.) - -Von Teplitz 1½ Stunde entfernt und in der Nähe des Bergstädtchens -Graupen liegt das Jesuitenkloster Mariaschein. Die große Kirche -desselben ist rings von prächtigen Linden umgeben, sowie von -Säulenhallen, in denen Beichtstühle aufgestellt sind; Freskobilder -stellen die wunderbaren Wirkungen des Gnadenbildes dar. Dieses selbst, -ein Marienbild, »die schmerzhafte Mutter Gottes«, wird in der Mitte -des Hochaltars unter Glas in goldener Hülle aufbewahrt; es ist aus -Thon, etwa 12 cm hoch, und soll zur Zeit der Hussitenkriege nach der -Zerstörung des Nonnenklosters zu Schwatz von einer Nonne in einer -Linde an der Stelle der jetzigen Kirche versteckt worden sein, wo -es seine Kraft durch die wunderbare Errettung eines Mädchens von -einer Schlange bewies. Als die Bürger des Städtchens Graupen dasselbe -in feierlichem Zuge in ihre Kirche gebracht hatten, kehrte es auf -wunderbare Weise in die Linde zurück. Deshalb baute man an dieser -Stelle zuerst eine Kapelle, dann die Kirche. Bei Wallfahrten wird das -Bild gezeigt und von den Gläubigen geküßt. - - S. die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. - - -444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 134.) - -Betritt man die Pfarrkirche des am Hohen Steine gelegenen Dorfes -Stein, so fällt einem in der Vorhalle, oberhalb des Weihwasserbeckens, -ein Ölgemälde auf, Diebe darstellend, wie sie eben die wertvollsten -Gegenstände vom Altar der Steiner Pfarrkirche zusammenraffen und -davontragen. Die fromme Sage erzählt weiter: Die Verbrecher flohen -mit dem gestohlenen Kirchengute nach Sachsen zu und in der Nähe des -Hohen Steines entleerten sie die Monstranze und das Ciborium der -consecrierten Hostien. Das geschah im Herbste. Das Jahr darauf, im -Frühlinge, weidete eine Rinderherde in dieser Gegend. Da hörte der -Hirte ein anhaltendes Röhren einiger der ihm anvertrauten Kühe, und -als er nach der Ursache forschte, sah er zu seinem Erstaunen mehrere -Rinder um eine Wachholderstaude stehen, an der noch einige der von -den Dieben hier verschütteten Hostien hingen, während die andern, -ebenfalls unbeschädigt, unter dem Strauche am Boden lagen. Eilig lief -der Hirte, seine Heerde im Stiche lassend nach Hause und verkündete, -was er gesehen. Viele Leute gingen mit ihm und fanden seine anfangs -bezweifelten Aussagen bestätigt, sahen auch zu ihrer Verwunderung -die Rinder, immer noch laut röhrend, um den »Kronawittstrauch« -herumstehen. Geistliche, von einer großen Volksmenge begleitet, welcher -das merkwürdige Ereignis kund geworden, kamen bald an den Ort, unter -Absingung heiliger Lieder faßten sie die Hostien in den Kelch und -übertrugen sie in feierlicher Prozession in die Pfarrkirche, aus der -sie so freventlich entwendet worden waren. - -Auf der Stelle aber, wo das Wunder geschehen, erhob sich bald eine -einfache Kapelle, welche in ihrem Innern außer anderm ein Gemälde -aufweist, welches auf das Auffinden der Hostien Bezug hat und an deren -Stufen das bedrängte Herz Trost und Linderung seiner Leiden findet, -wenn es sich zum Urquell aller Dinge erhebt. - - -445. Die heilige Georgenfahne zu Tharand. - -(Die Ruinen von Tarant. Ein Beitrag zur Kunde der Vorzeit etc. Dresden, -Joh. Sam. Gerlach, 1795, S. 20.) - -Im Jahre 1190 erlitt die Burg Tharand das Unglück, daß sie in Feuer -aufging, wobei sich noch obendrein ein großes Wunder ereignete. Es -flog die daselbst seit einiger Zeit aufbewahrte heilige Georgenfahne, -die im Kriege wider die Ungläubigen viele Wunder gethan hatte, während -des Brandes vor aller Augen zum Fenster unversehrt hinaus, und niemand -wußte anzugeben, wohin sie gekommen war. - - Von dieser heiligen Georgenfahne wird erzählt, daß sich dieselbe - Ludwig der Fromme, Landgraf zu Thüringen, im Kriege gegen die - Sarazenen vortragen ließ. Als er bei Akkon blieb, ward die Fahne erst - auf die Wartburg und später nach Tharand geschafft. (Merkels und - Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 103.) - - -446. Das Wunschfläschchen. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 205.) - -Bevor die Eisenbahnen aufkamen, vermittelten die Reischdorfer Fuhrleute -den Handel zwischen Böhmen und den übrigen Ländern. So fuhr auch einmal -ein Reischdorfer nach Nürnberg. Eines Tages, da ein großer Sturm und -Regen herrschte, geschah es, daß unser Fuhrmann mit seinem Wagen in -einen Abgrund fiel, wo Wagen und Pferde zerschmetterten. Er fluchte und -jammerte, allein alles vergebens. Plötzlich fühlte er, daß ihm jemand -auf die Achseln klopfte. Er schaute sich um und sah einen sonderbar -gekleideten Mann vor sich, der ihn fragte, weshalb er so jammere. Der -Fuhrmann zeigte auf seinen Wagen und erzählte sein Unglück. Da zog der -Fremde ein Fläschchen aus der Tasche, in welchem sich ein Ding hin und -her bewegte, und sagte zum Fuhrmann, er solle ihm dafür zwei Thaler -geben; wenn er das Fläschchen rüttle und sich dabei etwas wünsche, -so werde sein Wunsch augenblicklich in Erfüllung gehen; nur müsse er -das Fläschchen billiger verkaufen, als er es eingehandelt habe. Der -Fuhrmann zahlte voll Freuden das Geld, rüttelte das Fläschchen und -wünschte sich das schönste Haus in Nürnberg. Dort lebte er in Hülle -und Fülle. Eines Tages aber, als er wiederum im Wirtshaus saß und mit -Geld um sich warf, sah er einen schwarz gekleideten Herrn, der ihn ganz -seltsam anblickte. Der Fuhrmann ging auf ihn zu und fragte ihn, warum -er ihn so betrachte. Der Fremde antwortete, daß ihm seine Verschwendung -auffalle. »Ja,« sagte der Reischdörfer, »ich hab' da ein Fläschchen, -damit kann ich mir alles wünschen, was ich will. Um einen Thaler jedoch -will ich's Euch verkaufen.« Der Fremde nahm das Fläschchen, sprach -einen Spruch darüber, so daß es in tausend Stücke zersprang; das darin -befindliche Ding aber ward eine Schlange, die so stank, daß der Bauer -in Ohnmacht fiel. Als er erwachte, befand er sich auf der nämlichen -Stelle, wo sein Gespann zu Grunde gegangen war. Er ging nach Nürnberg, -um zu sehen, was aus seinen Reichtümern geworden sei. Da sah er auf dem -Balkon des Hauses, das ihm gehört hatte, seine eigene Gestalt, die ihm -zuwinkte. Er trat ins Haus, allein alle Leute darin waren ihm fremd -und die Gestalt war verschwunden. So kehrte er ebenso arm nach Hause -zurück, als er ausgezogen war. - - -447. Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau. - -(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 15.) - -Über die Entstehung der Tempiskapelle am obern Wege von Komotau nach -Görkau erzählt die Sage: - -In Rothenhaus war Herr Tempis Kastellan, der seine Arbeitsleute -und Herrschaftsangehörige sehr hart und grausam behandelte. Einmal -kehrte er auf seinem Rosse von Komotau nach Hause zurück. Es war eine -finstere, rabenschwarze Nacht, und dazu hatte er noch etwas zu viel von -geistigen Getränken genossen. Anfangs ging sein Roß ganz gut, dann aber -sauste es im rasenden Galopp dahin. In der Ferne bemerkte Herr Tempis -ein Licht und glaubte schon bei Rothenhaus zu sein. Da auf einmal fing -sein Pferd an zu sinken, und je weiter er ritt, desto tiefer sank es. -Trotz aller seiner und seines Pferdes Anstrengung gelang es nicht, -aus diesem Moraste heranzukommen. Herr Tempis sah schon seine letzte -Stunde gekommen, da eine Rettung hier nicht möglich war. In diesem -qualvollen und entsetzlichen Augenblicke that er das Gelübde, im Falle -er gerettet werde, eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes an dieser -Stelle zu erbauen. Er trieb jetzt sein Pferd noch einmal an. Dieses bot -seine letzten Kräfte auf und siehe, Roß und Reiter waren gerettet. Herr -Tempis erfüllte nun auch gewissenhaft sein Gelübde. - - -448. Sieben versteinerte Jungfrauen. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 274.) - -Bei Komotau gegen das Gebirge hin liegen auf einem Berge mehrere -große Steine, die Katzen ähnlich sind. Das sollen sieben Jungfrauen -sein, welche ein schlechtes Leben führten und deshalb in diese -katzenähnlichen Steine verwandelt worden sind. - - -449. Wie die große Glocke in der Marienkirche zu Zwickau ihre Stimmung -bekommen hat. - -(T. Schmidt, ~Chronica Cygnea~ I., S. 78.) - -Als auf dem Turme der Marienkirche zu Zwickau die große Glocke am 12. -Juli 1512 sprang, weil man von 8 Uhr des Abends bis den andern Morgen -früh um Vier eines schrecklichen Gewitters halber nach damaliger -Gewohnheit geläutet hatte, so fragte der Glockengießer, der sie -umzugießen hatte, als das Metall schon geschmolzen war, und er das -Werk selbst beginnen sollte, die dabei stehenden Ratsherren, was für -einen Ton er der Glocke geben solle? Da nun diese verlangten, er solle -derselben das Chormaß nach der Orgel, also das bloße ~C~ geben, hat er -ein Pulver von Kräutern zugerichtet und in das Metall geworfen, und -davon hat die Glocke den gewünschten Ton bekommen. - - -450. St. Wolfgang zu Freiberg. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 290.) - -Ist einst ein Bischof, namens Wolfgang, aus dem Geschlechte derer von -Schleinitz zu Freiberg gewesen. Wie der nun einmal in vollem Ornate zum -Dienste des Herrn in den Dom geht, da stürzt sich ein Bettler vor seine -Füße nieder, der Gliederreißen oder das böse Wesen zu haben schien. -Mitleidsvoll blickten den Unglücklichen alle Anwesende an, nur der -Bischof machte eine Ausnahme, er sprach zu ihm: »Tobt wirklich eine -Krankheit in Dir, so möge sich Gott Deiner erbarmen und Dich gesund -machen, hast Du sie aber zum Frevel erlogen, um Almosen zu erlangen, -soll sie von jetzt an Deine Strafe sein.« Kaum war aber der gottlose -Heuchler, welcher der ernsten Mahnung des Bischofs nicht ungehorsam -zu sein wagte, vom Boden aufgestanden, als er auch mit jämmerlichem -Geschrei wieder niederfiel und niemand mehr an der Erfüllung des -göttlichen Strafgerichts zweifeln konnte. Da hat das Volk den frommen -Bischof als Heiligen verehrt und die Begleiter haben seitdem den St. -Wolfgang zu ihrem Schutzpatron angenommen. - - -451. Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg. - -(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz etc., -Nr. 511.) - -Am 26. Juli des Jahres 1519 ward die St. Annenkirche in der Stadt -Annaberg durch den Bischof von Meißen, Johann VI., geweiht und bei -dieser Gelegenheit ereignete sich folgende wunderbare Begebenheit, -welche durch ein, wahrscheinlich von Lucas Cranach gemaltes Bild, das -sich am Grabmonumente L. Pflocks, eines reichen Bergherrn, der bei -diesem Vorgange zugegen war, befindet, noch heute im Andenken erhalten -wird. Als nämlich die Prozession, bei der sich auch Herzog Georg -von Sachsen befand, an der Pforte der Kirche angelangt war und der -Bischof sich anschickte, dieselbe einzuweihen, sah er plötzlich einen -zerlumpten Bettler, der sich in epileptischen Zuckungen auf der Erde -herumwälzte, vor sich. Da erhob sich in der Seele des geistlichen Herrn -der Verdacht, die Krankheit dieses Elenden sei nur eine verstellte -und derselbe benutze dieselbe bloß, um bei dem heutigen hohen Feste -das Mitleid der Anwesenden zu erregen. Er hob also die Rechte zur -Benediktion, schlug ein Kreuz über den Bettler und sprach mit laut -erhobener Stimme: »Bist Du wirklich krank, so helfe Dir der Herr, -verstellest Du Dich aber, so strafe er Dich!« Kaum hatte er diese -Worte gesprochen, so geschah es, daß die von dem Bettler vorgegebene -Krankheit zur Wirklichkeit ward, ein fürchterliches Geschrei verkündete -ihr Dasein und mehrere starke Männer waren jetzt kaum im Stande, den -Unseligen in seinen Zuckungen zu bändigen und auf die Seite zu bringen. - - -452. Ein Totenschänder wird entdeckt. - -(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 572.) - -Vor einer Reihe von Jahren lebte in Schöneck ein Pfarrer Merz, welchem -ein Kind von 2 Jahren starb. Nach 14 Tagen rief eine Kinderstimme bei -diesem Pfarrer Merz des Abends nach 10 Uhr beim Schlafstubenfenster: -»Mein Händchen und mein Füßchen!« und dies einigemale. Der letzte Ruf -lautete: »Vater, mein Händchen und mein Füßchen fehlt mir!« Darauf ließ -der Pfarrer Merz sein Kind wieder ausgraben, und wirklich fehlten auch -diese Glieder. Es wurde nachgeforscht und man hatte auf einen Bewohner -der Birkenhäuser bei Schöneck, welcher einen Schatz hatte heben wollen, -Verdacht. Am nächsten Sonntage erblickte der Pfarrer den bezeichneten -Mann in der Kirche; er leitete seine Predigt auf den Vorfall und rief, -indem er auf den Verdächtigen hinzeigte, laut aus: »Du Schalksknecht, -Du Übelthäter, verschaffe die Glieder meines Kindes wieder!« Darauf -soll der Mann wie tot umgefallen sein. - - -453. Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in der -Marienkirche zu Zwickau. - -(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygnea~ I., S. 63.) - -Früher ward in der gewölbten Sakristei in der Marienkirche zu Zwickau -ein in arabisch Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt, -welches der Hauptmann Martin Römer im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt -hatte. Nun war aber in die Einfassung mit Cyrillischen Buchstaben und -in serbischer Sprache eine Inschrift gegraben, welche also lautete: -»Dieses ehrwürdige Crucifix ist auf der Königin ... (der Name war nicht -mehr zu lesen) Befehl gemacht und in die Kirche der h. Dreifaltigkeit -bei der Grube (zu Konstantinopel) gesetzt worden; es sind in -demselben fünf ganze Stücklein vom h. Kreuz und vier Edelsteine, die -hölzernen Stücklein sind für 2000 Gulden gekauft, das Gold aber und -die Edelsteine kosten 1000. Wer ein Stücklein von diesem Holze des -Kreuzes mit Gewalt aus der Kirche der h. Dreifaltigkeit nehmen wird, -der sei verflucht und das h. Kreuz bringe ihn um, wer es etwa an einem -andern Orte antrifft, der schaffe es wieder in die Kirche zur h. -Dreifaltigkeit, wer es nicht thut, den bringe Gott und das h. Kreuz -um.« Trotz dieses Fluches hat aber, als die Türken Konstantinopel -eingenommen, ein Grieche dieses Heiligtum, damit es nicht in unheilige -Hände komme, errettet und hernach M. Römern in Zwickau verkauft, der -auch von dem darauf geschriebenen Fluch nichts zu befürchten gehabt, -weil er es nicht mutwillig entwendet, sondern nur vor denen, die es -ohnedem zerschlagen und beschimpft hätten, bewahrt hat. Nun hat aber -der Herzog von Friedland, insgemein der Wallenstein genannt, am 1. -September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern Graf Maximilian von -Wallenstein und Graf Paul von Lichtenstein abholen und hernach auf -der Post durch genannten Grafen von Wallenstein dem Kaiser anbieten -lassen, als verehre die Stadt Zwickau und die geistliche Behörde -solches demselben freiwillig; allein es war hierbei wenig Willigkeit, -sondern nur Gewalt zu finden, und es hieß vielmehr: willst du nicht, -so mußt du. Nun ist aber der besagte Fluch an allen diesen Personen -ausgegangen. Nachdem dies nämlich hier am 14. September geschehen, hat -der Wallenstein am 6. November die große Schlacht bei Lützen verloren -und seit dieser Zeit kein Glück mehr gehabt, also daß er bald darauf -zu Eger ein blutiges Ende nahm; die beiden Grafen aber sind noch in -demselben Jahre umgekommen und ist keiner von ihnen eines natürlichen -Todes gestorben. - - -454. Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau. - -(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, frühere Schicksale und jetzige -Beschaffenheit. Lauenstein, 1845. S. 297.) - -Eine geschichtliche Merkwürdigkeit besitzt das in einem der rauhesten -Teile des Erzgebirges liegende Dorf Fürstenau in seiner Kirche, welche -eine Filiale von Fürstenwalde und die älteste Kirche der ganzen -Umgegend ist. Denn schon lange vor der Reformation war die Kapelle in -Fürstenau eine Tochter der Hauptkirche zu Graupen; sie führte den Namen -»Zur unbefleckten Empfängnis Mariä« und ward 1424 mit einer Glocke -beehrt. Das am Altar dieser Kirche befindliche Marienbild, von nicht -ganz schlechter Bildhauerarbeit und reicher Vergoldung, stellt den -Besuch Marias bei ihrer Schwester Elisabeth vor. Zu diesem Marienbilde -zog der fromme Glaube eine Menge Wallfahrer, und mehrere dem Kirchlein -verehrte Geschenke, sowie daselbst aufgestellte und bewahrte, von -geheilten Kranken zurückgelassene Gegenstände sollen die gnadenreiche -Wirkung bezeugen. Auch noch jetzt findet alljährlich am Sonntage nach -Mariä Heimsuchung eine Wallfahrt der Katholiken aus dem benachbarten -Böhmen unter Gesang zur Fürstenauer protestantischen Kirche statt. Sie -verrichten dort vor dem Bilde knieend ihre Andacht und ziehen dann -singend wieder über die Grenze zurück. - -Zur Zeit der hussitischen Unruhen (um 1419 bis 1436) wurde das genannte -Marienbild des Nachts von Dieben entwendet; diese aber sollen sich -im Walde verlaufen und sodann, um den Weg aufzusuchen, das Bild -einstweilen in einem Strauche versteckt haben. Kaum sei aber das Bild -aus ihren Händen gewesen, so hätten sie auch den Weg wiedergefunden. -Als nun einer der Diebe wieder zurückgegangen, um das Bild nachzuholen, -sei dasselbe nirgends aufzufinden gewesen, so hätten die Diebe -unverrichteter Sache wieder abziehen müssen. Das Bild aber ist tags -darauf wieder an seinem Platze in der Kirche zu Fürstenau gewesen. -Einer der Diebe soll dies seinem Beichtvater noch auf dem Sterbebette -entdeckt haben. - -Bei einem zweiten Entwendungsversuche sollen die Diebe mit dem -Marienbilde des Nachts in der Gegend von Teplitz von unbekannten -Männern angefallen, das Bild ihnen wieder abgenommen und solches an -den Prior des Klosters Mariaschein abgeliefert worden sein. Der Prior -jedoch habe das Bild seiner Schönheit und reichen Vergoldung halber für -sich behalten, oder solches einer anderen Kirche verehren, nicht aber -nach Fürstenau zurückgeben wollen. Allein dasselbe sei hierauf bei ihm -auf einmal verschwunden und wieder an seinem Platze in der Kirche zu -Fürstenau gewesen. Diese Begebenheit ist auf Befehl des Priors in allen -Kirchen der Umgegend öffentlich bekannt gemacht worden, seitdem aber -sei nie wieder ein Versuch zur Entwendung des Bildes vorgekommen. - - -455. Die Fußtapfe der heiligen Maria. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 306.) - -Zwischen dem Hausberge bei Graslitz und dem Holzhaue ist die Räumer, -ein Thal, das mit großen Granitblöcken besäet ist. Dort liegt auch -ein Stein, auf welchem der Abdruck eines Fußes sichtbar ist. Als die -heilige Jungfrau übers Gebirge ging zu ihrer Base Elisabeth, soll sie -hier gestrauchelt sein und den Fuß in den Stein eingetreten haben. Die -Fußtapfe hat deshalb auch die merkwürdige Eigenschaft, daß jeder Fuß -in dieselbe paßt. -- Nach einer anderen Sage soll hier ein Mädchen -ermordet worden sein und im Todeskampf das Mal in den Stein getreten -haben. - - -456. Maria im Erzgebirge. - -(Nach der metrischen Bearbeitung von Ludw. Bowitsch bei Wenisch, Sagen -aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.) - -Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte Mutter -das kärgliche tägliche Brod erwerben. Da wurde ihm einst von der -reichen Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer Herrin, -der Auftrag erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist ein -reiches Spitzenkleid zu fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre Aufgabe -pünktlich und zur Zufriedenheit ihrer Herrin löste, sollte ihr reicher -Lohn werden; beim Gegenteile erwartete sie dagegen Spott und bitt'rer -Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und Nacht bei ihrer Arbeit, doch -als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich nicht mehr des Schlafes -erwehren und sie wankte todesmüde ans Bett der Mutter hin. Aber -wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch durch ihre Seele; -die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem Scheine und leise trat eine -holde Frau ein, mit einer goldenen Krone auf dem Haupte. Es war die -Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte sich an das Klöppelkissen und -die Klöppeln flogen so zauberhaft, wie es dem Mädchen nie gelungen -war, so daß vor Anbruch des Tages das reichste Spitzenkleid vollendet -da lag. Als das also träumende Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand -bereits die Sonne hoch am Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum -es gezeigt hatte, war das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug -es frohen Mutes hinauf zum Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin -und belohnte die Arbeit so reichlich wie nie zuvor. In dem Kleide -jedoch war Gottes Segen eingewoben, welcher in der Folge nicht nur der -strengen Edelfrau, sondern auch der armen Klöpplerin zu teil wurde. - - -457. Der heilige Petrus in Eisenberg. - -(Nach Vernaleken bei Henne-Am-Rhyn, Die deutsche Volkssage, 1879, S. -424.) - -Bei einem alten Manne, einem Schmied in Eisenberg bei Komotau, kehrte -einst der heilige Petrus ein, blieb über Nacht und gab ihm am Morgen -drei Wünsche frei. Der Schmied wünschte sich: 1. einen Stuhl, von dem -keiner ohne seinen Willen aufstehen könne, 2. einen Kirschbaum, von dem -kein Hinaufgestiegener ohne seinen Willen wieder herab könne, und 3. -daß er bei jedem Spiele gewinne. Das Letztere machte den Schmied zum -reichen Manne. Endlich wollte niemand mehr mit ihm spielen, da kam der -Tod und wollte ihn holen. Der Schmied schlug auch ihm ein Spiel vor -und gewann noch zehn Jahre Leben. Als der Tod wieder erschien, bot er -ihm den Stuhl und der Tod saß und durfte nur um zehn neue Jahre frei -fort. Als auch die um waren, ließ er ihn auf den Baum steigen, dessen -Kirschen ihm in die Augen stachen, und ließ ihn erst wieder herab, als -er verhieß, nie wieder zu kommen. - - -458. Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen. - -(Jos. Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 162.) - -Noch vor wenigen Jahrzehnten zeigte man in einem Felsen oberhalb des -Bergstädtchens Graupen eine Fußspur, welche von dem heiligen Wolfgang -herrühren sollte. Dieser Heilige und spätere Bischof von Regensburg -soll vor Antritt seiner Mission nach Pannonien hier in einer Höhle -gewohnt und dabei die Spur seines Fußes zurückgelassen haben. - - -459. Der Hengstberg bei Hengstererben. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 76.) - -In dem Hengstberge bei Abertham arbeiteten einmal fünf Bergleute, die -wegen ihrer Frömmigkeit und Gottesfurcht weit und breit bekannt waren. -Sie fuhren nie an, ohne den kräftigen Bergmannssegen gesprochen zu -haben: - - In Gottes Namen setzen - Wir unser Erz jetzt ein; - Laß uns von Deinen Schätzen - Auf's neu beschenket sein! - Wir sehn auf Deine Hände, - Wem Du es giebst, dem glückt's, - Vom Anfang bis ans Ende - Herr benedei! so blickt's! - -Die Grube aber, in welcher sie arbeiteten, war ein Bau auf Zinn. -Unverdrossen und mit treuem Sinn verrichteten sie ihre Schicht. Der -Herr segnete auch ihrer Hände Fleiß; denn wo sie mit ihrem Gezähe -einschlugen, arbeiteten sie große Mengen Erzes heraus, und daher kam -es auch, daß die Strecken schon tief in den Berg hineinreichten. -- -Eines Tages versammelten sie sich wie gewöhnlich im Grubenhause. Immer -pflegten sie heitern Angesichts zu sein, heute hingegen war in ihren -Mienen Traurigkeit und Besorgnis zu lesen. »Freunde,« hub der älteste -an, »mir scheint, daß Ihr heute sehr ernsthaft gestimmt seid. Ich bin -es auch und zwar, weil ich einen bösen Traum gehabt, in welchem ich -mich in einer großen Gefahr befand.« -- »Uns ist es auch nicht besser -gegangen,« sprachen die Viere. Da sie aber fromm waren und feste -Zuversicht auf Gott hatten, blieb ihr Gemüt ruhig, sie sangen ohne -Furcht und mit Ergebung den Bergmannssegen und fuhren ein. Als sie vor -Ort gekommen, falteten sie nochmals die Hände und beteten: - - Jesu! Du reicher Schöpfer mein, - Thu kräftig sprechen - Auf allen Zechen - Den Segen Dein. - Bescher mit Freud' - Reiche Ausbeut'! - Wend' allen Schaden, - Thu uns in Gnaden - Behüten fein! - Schicht! Schicht! - -Da ward plötzlich die ganze Strecke sonnenhell erleuchtet, und die -erschrockenen Bergleute wußten nicht, wie ihnen geschah. Sie hörten -aber eine Stimme: »Fürchtet Euch nicht, Ihr frommen Männer! Blicket -auf zu mir, ich bin der Engel des Herrn, der Euer Gebet erhört! Gehet -eilends aus der Grube, denn diese findet heute ihren Untergang!« - -Die Fünf blickten auf und sahen freilich nur auf einen einzigen kurzen -Augenblick das milde Antlitz des Himmelsboten, und als sie ihm danken -wollten, war er verschwunden. Heiliger Schauer durchrieselte ihre -Glieder, lautlos fuhren sie zu Tage, eilten zu den Ihrigen und dankten -Gott für alle Gnaden mit Rührung und Andacht. Da krachte es auf einmal -wie ungeheueres Gewitter vom Hengstenberge her, -- der Bau war und -blieb verschüttet. - - -460. Das Mönchgesicht an der Kirche zu Schlettau. - -(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert in Gräße, Sagenschatz etc. Nr. -525.) - -An der östlichen Außenseite der Kirche zu Schlettau befindet sich -etwa 8 Ellen von der Erde ein Stein in der Mauer, der angeblich, ohne -von Menschenhänden bearbeitet zu sein, einem Mönchgesichte täuschend -ähnlich ist. Das Volk erzählt sich von demselben folgende wunderbare -Geschichte: Um das Jahr 1520 war Johannes Küttner (oder Kottne), ein -Bruder des Grünhainer Abtes Georg Küttner, Pfarrer zu Schlettau. Da -begab es sich, daß einst in stiller Mitternacht, als dieser noch -eifrig in den Kirchenvätern studierte, ein bleicher Schatten vor ihn -hintrat und also sprach: »Fürchte Dich nicht, ich bin der Geist eines -Deiner Vorgänger, der vor nunmehr 100 Jahren, als die Hussiten in der -Nähe waren, ein silbernes Crucifix um Mitternacht in die Kirchmauer -vergrub, wo es noch ist; ich ward am nächsten Morgen von den wilden -Ketzern erschlagen und bin jetzt gekommen, um Dich aufzufordern, das -heilige Kreuz wieder an seinen frühern Ort auf den Altar zu stellen; -Du wirst den Fleck, wo es vermauert ist, leicht erkennen, denn es wird -sich Deinem Auge ein Lichtschein zeigen und da, wo derselbe erglänzt, -schlage ein, und Du wirst es sogleich entdecken!« Damit verschwand der -Geist, der fromme Pfarrer aber eilte in die Kapelle, wo der Sakristan -ihn bereits zur Messe erwartete. Diesem teilte er das Erlebte mit und -hieß ihn am folgenden Mittag mit Hammer und Spitzhaue zur Hand sein, -um das Crucifix aus seinem Verstecke herauszunehmen. Kaum war aber der -Pfarrer wieder weggegangen, da versuchte der Böse das dem Geize an sich -schon zugewendete Herz des Sakristans, er beschloß auf der Stelle den -Versuch zu machen, das Crucifix zu entdecken, den Raub auf die Seite zu -schaffen und dann den Fleck möglichst gut wieder auszubessern, damit -man von dem geschehenen Diebstahl nichts gewahren möge. Nach kurzem -Suchen fand er auch das Lichtlein, und als er an der Stelle, die hohl -klang, einschlug, blinkte ihm auch das Silber entgegen; allein er hatte -bei dem Schlage das eherne Bildnis des Heilandes mit zerschlagen. -Da fuhr auf einmal ein Donnerschlag vom Himmel herab und die -Kirchenglocken fingen von selbst an Sturm zu läuten. Der Pfarrer fuhr -aus dem Schlummer empor, er eilte herab und fand schon eine Menge Volk -um die Kirche versammelt, weil man glaubte, dieselbe stehe in Flammen. -Als die Thüren geöffnet wurden, fand man dieselbe zwar ganz hell, aber -nirgends sah man Feuer, wohl aber lag der Tempelräuber zerschmettert -neben dem herabgestürzten Crucifix am Boden, doch war sein Kopf vom -Rumpf wie abgehauen, und als man nach demselben suchte, fand man ihn an -derselben Stelle in der Mauer, wo das Crucifix eingemauert gewesen war. -Der tiefbetrübte Pfarrer ließ nun das zerschlagene Bild des Heilands -aus seinen Trümmern zusammensuchen, den Körper des Verbrechers aus der -Kirche fortschaffen und befahl, den Kopf desselben nach Morgen zu in -der Mauer zum ewigen Gedächtnis einzumauern. Als aber der Tag anbrach, -da sah man das bleiche Gesicht des Sakristans von selbst zum Stein -geworden aus der Mauer heraussehen, und dort steht es noch, denn es -läßt sich weder übertünchen noch vermauern, ja man erzählt, daß es oft -Thränen vergieße und allemal, wenn dem Städtchen Gefahren drohen, in -gelbem Lichte leuchte. - - -461. Die Totenhand in Buchholz. - -(Nach Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Auflage, Nr. 53 bei Gräße, -Sagenschatz etc., Nr. 521.) - -Als im Jahre 1730 der Totengräber auf dem Kirchhofe zu Buchholz -ein Grab machen wollte, fand er im Sande noch eine ganz unverweste -Totenhand, der aber der Gold- und kleine Finger wie abgehackt waren. -Er zeigte dieselbe dem Pastor Melzer daselbst und dieser schlug -nun im Kirchenbuche nach, wem dieselbe gehört haben möge, da er -sich erinnerte, daß schon am 14. Juni des Jahres 1704 ihm von dem -damaligen Totengräber dieselbe Meldung gemacht worden sei, er aber -demselben den Bescheid gegeben, die Hand wieder einzuscharren, weil -sie wahrscheinlich an einer Wasserkluft gelegen und deshalb nicht -habe verwesen können. Jetzt fand sich's, daß die Hand dem im Jahre -1669 begrabenen Sohne des Stadtrichters von Buchholz, Andreas Müller, -gehörte, der, weil er seine alte Mutter, die er bestohlen und die ihm -den Diebstahl vorgeworfen, gemißhandelt und mit Ermordung bedroht, von -dieser verflucht worden war. Dadurch war denn jene alte Sage bewiesen, -daß dem, der sich an seinen Eltern vergeht, die Hand aus dem Grabe -wächst. - - Auch Temme erzählt in den Sagen der Altmark (Nr. 56.) von einem - ungeratenen Sohne im Dorfe Groß-Redensleben, welcher seinen Vater - schlug, als ihn derselbe wegen seines sündhaften Wandels ermahnte. - Darauf ereilte den Sohn sogleich die Strafe des Himmels; er stürzte - tot nieder. Als man ihn aber begrub, wuchs seine eine Hand aus - dem Grabe heraus und man mußte sie abhauen, da sie sich nicht mit - vergraben ließ. Zur Erinnerung wurde sie in der Kirche aufgehangen - und darüber an einer schwarzen Tafel folgendes geschrieben: - - Sieh, sieh Du böses Kind, - Was man hier merklich find't, - Eine Hand, die nicht verwest, - Weil der, deß sie gewest, - War ein ungeratenes Kind, - Wie man auch jetzt noch find't. - Den Vater schlug der Sohn, - Drum hat er dies zum Lohn, - Daß hier hängt seine Hand; - Hüt' Dich für solche Schand'. - - -462. Der Doppelgänger zu Wiesenthal. - -(Flader, Wiesenthalisches Ehrengedächtniß, 1719, S. 108. Darnach Gräße, -Sagenschatz d. K. S., Nr. 500.) - -Im Jahre 1709 ist ein kurfürstlicher Geleitseinnehmer, mit Namen A. -L., in gewissen Angelegenheiten verreist; da er nun wenigstens zwanzig -Meilen entfernt ist, so sieht sein damaliges Hausmädchen, da sie am -Abend gegen 5 Uhr von ihrer Frau in ihre Schlafkammer geschickt wird, -ihn von ohngefähr in seinem Bette liegen und meint, er sei ohne ihr -Wissen nach Hause zurückgekehrt. Sie fragte also die Frau: »Ist der -Herr nach Hause gekommen?« Diese antwortet aber: »Du wirst ihn ja -sehen.« Daher hat sie sich weiter nicht darum gekümmert. Nachdem nun -die Frau selbst des Nachts gegen 12 Uhr schlafen geht, erblickt diese -ihn ebenfalls in ihrem Bette, da er sich denn gerührt, daß es davon -geknistert und das Bett ein wenig von sich geschlagen. Welches sie -bewegt, daß sie unten um das Bett herumgegangen und ihn angeredet hat: -»Ei, mein Kind, wie bist Du denn hier? Hast Du mich doch erschreckt!« -Da er denn die Beine hinausgeschlagen, aus dem Bette gefahren und unter -das Dach, so sich in der Schlafkammer findet, gekrochen, auch daselbst -plötzlich verschwunden ist. Die Frau hat sich nun zwar ins Bett gelegt, -aber vor großem Schreck die ganze Nacht nicht schlafen können, weil sie -nicht gewußt, wie es zugehe, daß sie ihren Mann, der so viele Meilen -entfernt war, habe sehen können. Sie hat aber fleißig gebetet, der Herr -wolle sie vor Anfechtung bewahren. Als ihr Mann nun wieder nach Hause -gekommen, hat er erzählt, er sei an jenem Tage gerade bei einem Jäger -gewesen, der ihn sehr wohl traktiert und mit Braten, Kuchen und Wein -bestens bewirtet, da habe er immer an seine Frau gedacht und gewünscht, -daß sie solches auch mit genießen möge. - - -463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich. - -(~Curiosa Saxon.~, 1738, S. 269. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, Nr. 229.) - -Als Gott am heiligen Abende vor dem Johannistage des Jahres 1738 -Tuttendorf bei Freiberg mit einem heftigen Donnerwetter heimsuchte -und der Strahl des Bergmanns J. D. Schieffels Wohnhaus im Oberdorfe -entzündete, hat zwar die wütende Feuersglut alles verzehrt, allein alle -im Hause befindliche Personen sind mit dem Leben davon gekommen, und -was das Sonderbarste ist, die schon zu mehreren Malen über ~Dr.~ Joh. -Arndts berühmtes Gebetbuch, Paradiesgärtlein betitelt, in Feuersgefahr -waltende Fürsorge Gottes hat sich auch hier wiederum bethätigt. Denn -da sich unter dem geistlichen Büchervorrat dieser armen Verunglückten -auch gedachtes Buch in der von Chr. Weinmann, Buchhändler zu Erfurt, in -länglich Duodez 1725 besorgten Auflage befunden, so hat man dasselbe am -anderen Tage unter der Asche dergestalt angetroffen, daß, obwohl der -Einband desselben gänzlich zu Kohlen verbrannt, dennoch kein Buchstabe -in dem Buche selbst verletzt war, sondern dasselbe ganz unversehrt -im Feuer geblieben ist. Es ist solches dem Pastor des Ortes von den -Abgebrannten zum ewigen Andenken überlassen worden, bei dem man es noch -lange hat sehen können. - - -464. Das Meteoreisen in Elbogen. - -(I. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 168. II. Die Natur von Müller, -1878, Nr. 45.) - -I. Es war seinerzeit in Elbogen ein Burggraf von Wülfenfels unter -der Oberherrschaft der Rohenburger als berüchtigter, mordlustiger -und raubgieriger Burgherr und wegen seiner grausamen Handlungen -gefürchtet und bekannt. Seine Leibeigenen pflegte er oft ohne -besonderen Anlaß in den Sprudel-Teufelsweiher zu werfen, um sie zu -versteinern. Als er sogar seine eigene Tochter im Burghofe anketten -ließ und im Begriff war, den Todespfeil auf sie zu schleudern, da -grollte plötzlich der Himmel, ein Donnerschlag ertönte und ein Blitz -lähmte seinen Arm. Das Kind war gerettet, denn soeben hielt der -edle Rohburger seinen Einzug in Elbogen. Da ihm Mitteilung von den -Schandthaten des Burgherrn gemacht wurde, befahl er, denselben sofort -festzunehmen und zu züchtigen. Wülfenfels, der dies hörte, verschwand. -Das letztemal sah man ihn mit drohenden Gebärden, seine Armbrust -gegen den Himmel haltend, auf dem Schloßbalkon stehen und hörte ihn -lästern über den Donner und Blitz, die Schuld trugen, daß sein Kind -noch lebte. Vergeblich suchte man nach ihm; doch bald sollte sich das -Ganze aufklären; am Balkon fand man einen großen, zur Eisenschlacke -zusammengeschmolzenen Stein, mit den Resten einer halbverbrannten -Armbrust auf einem Klumpen liegen. Der Markgraf ließ diesen Stein -im Schlosse aufbewahren; die Franzosen aber warfen ihn bei ihren -Kriegszügen im Jahre 1776 in den tiefen Schloßbrunnen, aus dem er -später wieder herausgehoben wurde, um auf das Rathaus gebracht zu -werden. Dieser Stein, von den Naturforschern als Meteor bezeichnet, -war ursprünglich 192 Pfund schwer; ein Teil davon kam in das -Naturalienkabinet nach Wien, ein Teil in jenes nach Prag, und der Rest -im Gewichte von 43 Pfund wird auf dem Rathause zu Elbogen vorgezeigt. - -II. Auf dem Schlosse zu Elbogen lebte vor Jahrhunderten ein böser -Burggraf, welcher seine Unterthanen hart drückte. Einst läutete -derselbe während eines Gewitters eigenhändig auf dem Turme die Glocke, -um damit seine Leute zum Frohndienste zusammenzurufen. Da schlug -plötzlich der Blitz ein und schmolz den Grafen und die Glocke in einen -Guß zusammen. Das ist nun jener Eisenklumpen, von welchem man noch -heute in der Stadt einen Teil zeigt. Man hat die Masse schon oft in -einen Brunnen versenkt, aber immer ist dieselbe von selbst wieder -herausgekommen. Sie soll bald zentnerschwer, bald ganz leicht sein, -letzteres aber nur für Menschen, welche noch nicht gesündigt haben. - - -465. Der Köhler von Klingenthal. - -(Metrisch von Hager, Vogtl. Volkssagen, 1839, II., S. 13. Darnach bei -Gräße a. a. O., Nr. 640.) - -Vom Kirchhofe zu Klingenthal bis an den naheliegenden Wald geht jede -Nacht um die zwölfte Stunde ein gespenstiger Schatten, eine Leuchte in -der Hand. Das Volk erzählt sich hierüber folgende Geschichte: Es soll -einst in Klingenthal ein Köhler gewohnt haben, der jede Nacht von der -Seite seiner getreuen Hausfrau aufstand, um angeblich im Walde nach -seinem Meiler zu sehen. Die wahre Ursache war aber, daß er im Busche zu -einer dort wohnenden Concubine schlich. Einst ging er auch in finsterer -Nacht, die Leuchte in der Hand, den wohlbekannten Weg, da folgte -ihm sein Weib, das er schlafend glaubte, und warf ihm geradezu sein -Vergehen vor. Er wollte es zwar anfangs leugnen, aber bald gab ein Wort -das andere, er ward heftig, schlug seine rechtschaffene Frau nieder -und begab sich zu seinem Kebsweibe. Als er mit diesem im besten Kosen -begriffen war, öffnete sich plötzlich die Thür und sein Weib stürzte -herein und traf die Schuldigen auf offner That. Jetzt halfen keine -Verstellungen mehr, er mißhandelte sie abermals und warf sie zur Thür -hinaus mit der Drohung, sie in den brennenden Meiler zu schleudern, -wenn sie ihm wieder zu nahe komme. Sie aber verfluchte ihn und rief: -»Der Meiler werde Dir selbst zum Grab, mögest Du lebendig verbrennen!« -Des lachte der Köhler; als er aber nach seiner Gewohnheit den Meiler -erklomm, um sich umzuschauen, stürzte dieser plötzlich zusammen und der -Frevler versank in seinen feurigen Schlund. - - -466. Vom flinken Knecht zu Rechenberg. - -(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 289.) - -An der südlichen Grenze des meißnischen Erzgebirges lebte vor alter -Zeit ein wohledler Ritter, mit Namen Kurt von Rechenberg, auf seinem -Stammschlosse Rechenberg an der Mulde, von welchem sich noch jetzt -Ruinen auf einem Felskegel am rechten Thalgehänge inmitten des -freundlichen Fleckens Rechenberg vorfinden. - -Hochbegütert und vom Glanze einer zahlreichen Dienerschaft umgeben, -lebte der fromme Edelmann gar glückliche Tage dahin. Seine Diener hielt -er gleich eigenen Kindern wert, und er wurde darum von allen auch -wieder geliebt wie ein Vater. - -Da geschah es eines Tages, daß ein junger, dürftig gekleideter Bursche -aus fremden Landen zum Ritter kam und ihm seine Dienste anbot. Das -treuherzige Wesen des jungen Mannes, der erzählte, wie viel Elend er -schon habe ertragen müssen, gefiel dem Herrn von Rechenberg und er nahm -ihn in seinen Dienst. - -Georg -- so hieß der junge Bursche -- war munter und flink auf den -Füßen, er flog gleichsam wie ein Pfeil, wenn ihn sein Herr irgendwo -hinsandte, und seiner thätigen, willfährigen und geschickten Hand -glückte alles wunderbar, ja, es schien ordentlich, als wenn ein -besonderer Segen auf seinem Thun ruhte. Ein außerordentliches Ereignis -sollte seine Verdienste um das Haus Rechenberg noch mehr ins Licht -stellen. - -Einst versetzten Flüchtlinge aus der nahen böhmischen Pflege die -Bewohner der Burg Rechenberg in lebhafte Aufregung, denn sie meldeten, -daß einige bekannte böhmische Raubritter mit ihren Mannen sich der -Grenze näherten und mordend und sengend das Land verwüsteten. Darüber -ward Kurt von Rechenberg sehr betrübt und er beschloß nach Rücksprache -mit seinem Vogte einen Kundschafter auszusenden, um zu erfahren, wie -stark die Zahl der Feinde sei. Niemand erschien ihm dazu geeigneter -als sein flinker Diener Georg. Derselbe dankte für den ihn ehrenden -Auftrag und wenige Minuten später jagte er auf flüchtigem Rosse hinaus -zum Burgthore, dem Feinde entgegen. Bereits am andern Morgen kehrte der -Knappe in das Schloß zurück. Zum Erstaunen der Burgbewohner befanden -sich zwei gefüllte Säcke, einer hinten und einer vorn, auf dem Gaule. -Ritter Kurt stand unter dem Thor, und befremdet wegen des seltsamen -Aufzuges fragte er: »Was klirrt denn so um Deinen Sattel?« Georg -antwortete wohlgemut: »Seid getrost, Herr Ritter, alles hat gute Wege. -Das sind Hufeisen, die ich den Pferden abgerissen habe, während die -Feinde schliefen. Vorsichtig und dennoch sonder Hast eilte ich den -Raubgesellen entgegen, immer der Grenze entlang, bis ich sie in der -Nähe des Dorfes Einsiedel erblickte. Es war schon finstere Nacht und -alle hatten sich sorglos dem Schlafe überlassen. Deshalb machte ich -mich unverweilt an die Arbeit und glaube damit unsern Feinden einen -recht üblen guten Morgen geboten zu haben, denn ohne Hufeisen sind die -Spitzbuben nicht imstande, die Gebirgspfade zu bereiten, und noch viel -weniger möchte es gelingen, hier herum so viel Eisen aufzutreiben, als -ihnen fehlen. Damit ihr aber, gestrenger Herr, die Anzahl der Feinde -schätzen möget, bracht' ich die Eisen gleich mit, da die Dunkelheit -der Nacht mich hinderte, die Feinde zu überzählen. Nun ist es wohl -mit uns bestellt, und ruhig können wir uns rüsten, bevor sie sich uns -nahen.« Der Burgherr lächelte zufrieden und sagte: »Du bist, traun, -ein seltsamer, aber vortrefflicher Bursche!« Dann setzte er, zu dem -Vogte gewendet, hinzu: »Entweder war das Begebnis ein Wunder, oder der -Knecht Georg ist verwegen bis zur Tollkühnheit. Nun, wir wollen die -Raubgesellen gehörig empfangen!« - -Die Worte Georgs erfüllten sich; die Feinde nahten erst, nachdem alle -Vorbereitungen zu deren nachdrücklichem Empfange getroffen waren. Sie -wurden über die Grenze zurückgetrieben und dabei zeichnete sich Georg -durch persönliche Tapferkeit aus, so daß er sich noch mehr die Liebe -seines Herrn gewann. - -Später zeigte sich die Treue und Liebe Georgs noch auf eine andere Art. -Sein Herr gab ihm einst ein Schreiben, welches nach dem Rittersitze -Grünau bei Marienberg bestimmt war, mit dem Bemerken, bei der -Bestellung zu eilen, dieweil es Not habe, der Ort, wohin der Brief -solle, fern liege und die Sonne schon tief stehe. Georg versprachs und -rühmte sich, die drei Meilen bis nach dem Orte Grünau mit der Schnelle -eines Vogels zurücklegen zu wollen. Nach Verlauf einer Stunde aber -kam der Ritter von ungefähr in den Stall. Wie erstaunte er da, als er -seinen Knecht, den er weit fort glaubte, in einer Ecke des Stalles, -auf Stroh gebettet, sanft schlafend fand. Da ward der Ritter unwillig -und weckte den Knecht auf, indem seine Augen in aufsteigendem Zorne -funkelten, doch bezwang er sich, denn sein Herz war gut und sein Gemüt -lauter und fromm. Erschrocken vor seines Herrn plötzlicher Umwandlung -fuhr Georg auf und sprach: »Da, lieber Herr, -- o zürnt mir nur nicht! --- da ist ja schon die Antwort!« Unter diesen Worten überreichte er -das Gegenschreiben. »Bei allen Heiligen!« rief der Ritter aus, dessen -Angesicht erbleicht war, »es ist die Wahrheit! Sage, Georg, wie wäre -das wohl möglich? Du müßtest schneller als der Sturm, flüchtiger als -der Raubvogel gewesen sein, um das zu vollbringen. Du warst also -wirklich in Grünau?« Und als Georg diese Frage bejahte, verfinsterten -sich des frommen Rechenbergers Züge; mit stillem Grausen erbrach er -zitternd das Schreiben und taumelte mit Entsetzen zurück, als er -wirklich die ihm wohlbekannte Handschrift des weitentfernten Freundes -in Grünau erblickte. - -Nachdem er die Antwort gelesen hatte, hob er also an: »So ist es -denn wahr, was ich nimmermehr für möglich gehalten hätte! Dies zu -vollbringen, reicht die Menschenkraft nicht aus. Entweder bist Du, -seltsames Wesen, ein Bote Gottes, oder ein Abgesandter der Teufels! -Die Weise Deines Thuns, wie auch Dein Thun selber ist unheimlich und -verschlossen, und Du scheinst mir unmöglich ein Sterblicher zu sein!« -Da verwandelte sich schnell, wie durch Zauberkraft, der rätselhafte -Jüngling vor den Augen des Ritters und eine von Licht umflossene -Engelsgestalt stand da, welche sprach: »Der Herr der Herren, welcher -mich zu Dir gesandt hat, Dir zu dienen, hat mich auch zugleich -befähigt, Dir also thun zu können, wie ich that; sein Auge ruhte -schon lange auf Deinem Haupte, Dir zum Schutze. Durch mich läßt Dir -der Herr verkünden, wie wohl es ihm gefalle, wenn Herrscher gegen -ihre Untergebenen Milde und Geduld üben! Diese hast Du mir erwiesen -und auch den andern Knechten. Der Herr wird Dir dafür lohnen, wenn Du -die Menschen stets wie Deine Brüder liebst!« Darauf verschwand der -Engel wie das Rot eines Sommermorgens, den Ritter aber durchwehte -Gottesfrieden, und es zog ihn in die Burgkapelle, wo er Gott für seine -unendliche Gnade dankte. Er gelobte, seinen Untergebenen stets ein -Vater sein zu wollen und bis an sein Lebensende hat er dieses Gelöbnis -treu gehalten. - - -467. Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde. - -(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, -S. 126.) - -Seitwärts vom Eisenberger Forsthause befindet sich auf einer malerisch -schön gelegenen Waldlichtung eine niemals vollendet gewesene und -teilweise wieder verfallene Kapelle in romanischem Stil. Behauene -Steine und Säulen liegen rings umher, von Gesträuch und Epheu -überwuchert, die Stufen sind mit Moos überkleidet, und im Innern der -Kapelle grünt und blüht es. Die Vögel üben hier nun ungestört ihre -Baukunst, denn die Gebirgsbewohner meiden voll Scheu jenen Unglücksort. -Die Sage giebt nämlich die Kunde, daß ein Graf Lobkowitz, als das -Geschlecht noch nicht gefürstet war, hier einst eine Kapelle für den -heiligen Dorn erbauen wollte, um einen Wallfahrtsort zu gründen; doch -der edle Graf fand beim Bau, den er oft besichtigte, durch einen -herabstürzenden Stein den Tod. Ein Nachkomme, ein Fürst Lobkowitz, -wollte später das begonnene Werk vollenden, doch ihn erschlug eine -riesige Eiche, die man zum Bau fällte. Dieses abermalige Unglück -wurde als Fingerzeig Gottes aufgefaßt, daß der heilige Dorn in der -Schloßkapelle verbleiben solle, und die Kapelle, deren Kuppel sich -schon zu wölben begann, blieb unvollendet. Aus jener Eiche wurde ein -großes Crucifix geschnitzt, das man an der Unglücksstelle mit einer -kleinen Kapelle überbaute. Jetzt aber ist dieses Kreuz, welches einen -nicht unbedeutenden Kunstwert besitzen soll, in der renovierten -Schloßkapelle aufgestellt. - - - - -VIII. - -Völker-, Helden- und Geschlechts-Sagen. - - -Abgesehen von Ortsnamen und andern sprachlichen Resten, sowie von -einzelnen Gebräuchen, sind von den einstigen sorbischen Bewohnern -des Erzgebirges nur wenig Ueberlieferungen uns erhalten worden. Dies -gilt insbesondere auch von den Sagen. Manche mythische Sagen tragen -zwar noch unverkennbar das Gepräge ihres slavischen Ursprungs, aber -nur zwei Sagen dieses Abschnittes, die vom Riesen Einheer und von -Schwanhildis, gedenken auch der Kämpfe der Deutschen mit der slavischen -Nation, über deren Wohnsitze in unserem Gebirge mir ebenfalls nur -zwei dem Sagengebiete angehörige Überlieferungen bekannt geworden -sind. Diese Armut hierher gehöriger Stoffe beruht jedenfalls auf dem -Umstande, daß die Sorben einen doch nur vorübergehenden und teilweise -nur geduldeten Wohnsitz in unserm Gebirge gefunden haben. Ebenso arm -sind die Sagen von bergentrückten Helden und versunkenen Kriegern; -sie besitzen teilweise einen mythischen Grund, teilweise gestalten -sie sich zu bloßen Gespenster- und Spukgeschichten. Die Sagen von den -edlen Geschlechtern endlich, welche aufgenommen wurden, wenn Glieder -der letzteren in unserm Gebirge auf Gütern ansässig waren oder noch -sind, leben nur in den chronikalischen Aufzeichnungen, obschon sie -wenig wirkliche und urkundliche Begebenheiten enthalten. Im Volksmunde -haben sie sich bei uns nicht fortgepflanzt, ja sie sind wohl kaum dem -eigentlichen Volke aus den alten Schriften bekannt geworden, und so -finden wir auch bei uns bestätigt, was die Brüder Grimm in der Vorrede -zum 2. Bande der deutschen Sagen schreiben, daß sich nämlich die Sage -um die seltsame Bildung eines Felsens dauernder, als um den Ruhm selbst -der edelsten Geschlechter sammelt. - - -468. Von den alten Wenden bei Eibenstock. - -(Oesfeld, Historische Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im -Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 50. -- Oettel, Alte und neue Historie der -freien Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 3, 202.) - -Bei Eibenstock sind von den alten Wenden noch verschiedene Spuren -anzutreffen; z. B. an der Mulde gegen Schönheide liegt die Cunitzhöhe -und die daneben am Dorfbache liegenden Wiesen heißen die wendischen. -In derselben Gegend hat auch ein Dorf gestanden und der über der -Mulde angebaute Hammer hat sonst Windischthal geheißen. Ferner die -anstreichende Höhe von der Mulde nach der Stadt zu heißt noch jetzt -der wendische Berg oder wendische Knock, und die auf derselben Höhe -befindlichen drei Freihöfe sollen aus einem zerteilten Rittergut -entstanden und nach der Überlieferung die Wohnung des vornehmsten -wendischen Herrn gewesen sein. Dieselben haben auch mit der -Schwarzenberger Herrschaft keine Verbindung gehabt und bereits mit der -Lehnsfolge nach Dresden gehört, ehe noch Eibenstock mit Schwarzenberg -an das Kurhaus Sachsen verkauft wurde. -- Man ist auch der Meinung, es -wäre mit dem Seifen des Zwitters der Anbau Eibenstocks erfolgt, und die -Wenden hätten schon den ganzen Grund der Wendisch- oder Windischwiesen -bis an die jetzige Stadt ausgeseift. - - -469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt. - -(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 69.) - -Der am Fuße des Erzgebirges, 1½ Stunde südlich von Zwickau liegende Ort -Rottmannsdorf, welchen man zum Unterschiede von Alt-Rottmannsdorf auch -Wendisch-Rottmannsdorf nennt, soll von Wenden bewohnt gewesen sein, die -später vom Landesherrn genötigt wurden, in die Lausitz auszuwandern. - - Der Zusatz »Wendisch« zu dem Namen Rottmannsdorf, welcher sich - auch häufig in andern jetzt deutschen Provinzen und Ländern, wie - in der Altmark und in Thüringen findet, oder welcher wenigstem - früher daselbst gebräuchlich war, weist vielleicht darauf hin, daß - sich in dem Dorfe unter den Bewohnern die slavische Sprache und - slavische Gebräuche und Sitten länger als anderswo erhielten. Im - alten Pleißnerlande behielten die daselbst wohnenden Nachkommen - der ehemaligen sorbischen Bevölkerung lange Zeit ihre Sprache - bei, so daß man sie auch vor Gericht hören mußte. Im Jahre 1327 - ward aber ernstlich anbefohlen, daß weder Parteien noch Advokaten - ihre Klagen und Verantwortungen in wendischer, sondern allein in - deutscher Sprache anbringen sollten. (Gottl. Göpfert, Gesch. d. - Pleißnergrundes, S. 18.) - - -470. Der Riese Einheer. - -(Tob. Schmidt, ~Chronica Cygnea~, II, 1656, S. 5 und 6.) - -Als im Jahre 805 Karl der Jüngere, Karls des Großen Sohn, die -aufrührerischen Böhmen überwunden und ihren Fürsten Lecho erschlagen -hatte, zog er durch den Böhmerwald in die Gegend von Zwickau, um hier, -sowie überhaupt zwischen Saale, Mulde und Elbe die mit den Böhmen -verbündeten Wenden zu strafen. In diesem Kriege hat auch die Fürstin -Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern dem Kaiser getreulich gedient, so -daß Karl der Jüngere die Stadt Zwickau zur Mark wider die Wenden und -Böhmen machte. In derselben Zeit lebte auch ein Riese oder Recke, der -hieß Einheer (sein rechter Name ist aber ~Aenotherus~ gewesen) und war -ein Schwabe, gebürtig aus Thurgau in der Schweiz. Dieser watete durch -alle Wasser, durfte über keine Brücken gehen, zog sein Pferd bei dem -Schwanze nach und sagte allezeit: »Nun Gesell, du mußt auch hernach«. -In den genannten Kriegen des Kaisers half er diesem gegen die Wenden. -Er mähete die Leute wie das Gras nieder, hängte sie an den Spieß, trug -sie über den Achseln wie Hasen oder Füchse, und da er wieder heim kam -und seine guten Gesellen und Nachbarn fragten, was er ausgerichtet -hätte und wie es ihm im Kriege gegangen wäre, sagte er aus Unmut und -Zorn: »Was soll ich von diesen Fröschlein sagen? Ich trug ihrer sieben -oder achte an dem Spieß über der Achsel, weiß nicht, was sie quaken, -ist der Müh nicht wert, daß der Kaiser so viel Volks wider die Kröten -und Würmer zusammengebracht.« Es flohen vor ihm die Feinde und Wenden -und meinten, er wäre der leidige Teufel. - - Die Sage vom Riesen Einheer erzählen auch die Brüder Grimm (Deutsche - Sagen, I, Nr. 18), jedoch ohne Beziehung auf die Gegend von Zwickau. - Es heißt darin noch: Diesen Riesen nennt man Einheer, weil er sich in - Kriegen schier einem Heer vergleicht und also viel ausrichtet. - - -471. Schwanhildis. - -(Tob. Schmidt, ~Chronica Cygnea~, Zwickau, 1656, S. 20 u. 24.) - -Aus dem Geschlechte der ~Cygnus~ ist entsprossen Schwanhildis, der -letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau von der -Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend ihren -Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben noch aus, als -sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels, -eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß und von -welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden. Johann -Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt nämlich, -daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis ~Epitaphium~ -gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum, welchen der Wind -niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum aufräumen sollte, bei dem -Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten vom Adel gebracht worden -sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet und sonderlich die Lehrsprüche, -welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern befohlen. -- Dieselbe hat Karls -des Großen Sohn, dem jüngern Karl, als er in diesen Landen wider die -Sorbenwenden und Böhmen gestritten, getreulich Beistand geleistet, und -ist ihm nicht allein mit ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat -ihm auch mit Speise und Trank großen Vorschub gethan. - - -472. Libussas Tanzplatz. - -(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. -112.) - -Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende -Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu Füßen des -Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes aus, -in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken wir das -schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel zum Himmel -empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten Äste -stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst Libussa, Böhmens -Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche Landschaft zu ihren -Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor Entzücken getanzt haben. - - -473. Die Herren von Einsiedel. - -(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen, -Adelslex. I, 364. Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I, 73. Darnach bei -Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.) - -Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen -Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß und noch -jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe, ist sehr -glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von dem Orte -nicht festgestellt ist. - -Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau und -Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf seinen Namen von -drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach die folgenden -Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von Einsiedel zu erklären -suchen, damit in Verbindung gebracht werden können. - -Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im Wappen. -Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin war kinderlos -und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht an, that auch das -Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken würde, dem Herrn zum Dienste -zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn, welcher Grubo genannt wurde. -Derselbe wurde also geistlich und wohnte lange als Einsiedler in einer -einsamen Gegend Böhmens, wo er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher -aber verließ er seine Zelle, zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde -der Stammvater derer von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280. - -Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad, Meinhard). -Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen Wäldern, aber -er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das noch) beweibt und -gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner Nachkommen, der im -Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich in die Welt zurück. - - -474. Die Herren von Rechenberg. - -(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I, 1332. -Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius, Schles. -Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen, S. -129.) - -In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen -Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen Schlosses, -welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen wurde, jedoch ein -böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren wahrscheinlich -die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270 kommt bereits ein -Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg vor. - -Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz ab, deren -Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist Hans von -Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz 1241 die -Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief Heinrich der -Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser sich an die Spitze -eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von dem Berge vertrieb. -Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan Rechenberg genannt. - -Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde einen -schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern und gelber -Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber einen -nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die von Haugwitz in -Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf mit Hals und Brust, -aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot und weiß abgeteilten -Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber -den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei zum Sprunge aufgerichteten -Vorderbeinen ohne Krone und Federn. - - -475. Die Herren von Sebottendorf. - -(Schumann, Lex. v. Sachsen, 11. B., S. 32. Sinapius, Schles. Curios. I, -S. 865. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 63.) - -Die Herren von Sebottendorf, welche aus Kurland stammen, wo ihre -Vorfahren in der kurischen Nehrung einige kleine Besitzungen hatten, -waren mutmaßlich auch im Erzgebirge seßhaft. Zwischen Lößnitz und -Thierfeld liegt eine wüste Mark Sebottendorf; das gleichnamige Dorf -wurde bereits im 13. Jahrhundert gänzlich verwüstet. Ein Herr von -Sebottendorf wurde einstmals als Gesandter zu kaiserlicher Majestät -geschickt und von diesem wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften und -guten Dienste in den Ritterstand versetzt, mit dem Namen »Seebote« -beehrt und mit einem Wappen begnadigt, welches im Schilde eine -Wasser-Kannelwurzel mit zwei daran hängenden Kannelblättern, auf dem -Helme aber zwei dergleichen Blätter mit zuwachsenden Seerosen enthält. - - -476. Das Geschlecht Callenberg. - -(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 17. B., S. 165. Gauher, -Adelslex. I, S. 232. Angelus, Märk. Chronik, S. 39. Haupt, Sagenbuch -der Lausitz II, Nr. 35, Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 193.) - -Die Stadt Callnberg wurde 1712 nach der ersten Gemahlin des Begründers, -Grafen Otto Wilhelm von Waldenburg, einer geborenen Gräfin von -Callenberg aus Muskau, benannt. - -Anfangs gab man der Stadt, als einer beabsichtigten Erweiterung von -Lichtenstein den Namen »Neustadt«. Nachdem aber des Grafen Otto Wilhelm -erste Gemahlin, Henriette Eleonore geb. Gräfin von Callenberg, von -der man sagt, daß sie von den Fenstern des Schlosses aus mit vieler -Teilnahme »ihre fleißigen Schäfchen« bei dem Neubau betrachtet habe, -1710 gestorben war, ward ihrem Gedächtnis zu Ehren von dem verwitweten -Gemahl die neue Stadt Callenberg (Callnberg) genannt. - -Das Stammschloß der Grafen Callenberg liegt in Westfalen bei Marburg. -Es ward von einem der vier Ritter erbaut, welche Kaiser Karl der -Große nebst einem Grafen von Oettingen im Jahre 804 in jene Gegend -schickte, um dem fortgesetzten Götzendienste der heidnischen Einwohner -zu steuern. Als Heinrich der Vogler die Wenden in der Mark bekriegte, -kamen mehrere Callenberger nach der Stadt Brandenburg und ließen sich -dort nieder. Galle von Callenberg zog 1093 mit gegen die Saracenen. - - Der Grund und Boden, auf welchem Callnberg erbaut wurde, hieß das - »Rennfeld«. Dieser Name wird von einem im Jahre 1136 daselbst - geschehenen Treffen, bei welchem mehr als 50 Zwickauer geblieben - sind, oder davon abgeleitet, daß hier ehemals ritterliche Übungen auf - einer Rennbahn von den Besitzern des Schlosses Lichtenstein gehalten - wurden. - - -477. Die Familie von Berbisdorf. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 2. Band. S. 231.) - -Neben andern Rittergütern, wie Ober- und Nieder-Forchheim, hat die -Familie von Berbisdorf Jahrhunderte hindurch und zwar bis 1767, da -Heinrich von Berbisdorf kinderlos starb, auch das Rittergut Lippersdorf -besessen. Das uralte Geschlecht führt gekrönte Arme mit dem leuchtenden -Stern im Wappen und eine alte Urkunde besagt darüber: »~Anno~ 1140 hat -der Großmeister Weinrich von Kniprode mit Knisdude, Fürstin zu Littaw, -so eine Hewdin (Heidin) gewesen, eine Schlacht vor Khaen in Littaw -gehalten, in welcher Schlacht Andreas von Berbisdorf ein Fendrich -gewesen, und sein Fähnlein, ob ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen -gewesen, im Maule davon bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens -willen er nicht allein zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein -Wappen mit dem abgehawenen gekrönten schwartz und rothen Armen (welches -ohne Zweiffel blut undt leiden oder schmertzen bedeutet) mit den -darüber leuchtenden Stern verbessert, undt zu führen gegeben worden.« - -Das adelige Geschlecht von Berbisdorf stammt aus Preußen, wie -nachstehende alte Nachricht zu erkennen giebt: »Caspar von Berbisdorf -ist wegen Kriegsgefahr außn Land in Preusen mit einem Graffen von -Leisneck (Leisnig) in diese Länder kommen, so geschehn im Jahr unser -Erlößung 1230 und ist bey mehr gedachten Graffen alß sein Hoffmeister -blieben, auch allda ~Anno~ 1270 verstorben. Wer sein Weib gewesen, -hat man nicht in Erfahrung bringen können, hat nach sich einen Sohn -gelassen mit Namen Hanß. Dieser Hanß von Berbisdorff hat etliche -Bergwerk zu Freybergk an sich bracht, undt daraus großen Reichthum -erlanget, die Gütter Wegfahrt, Duttendorff undt den Halß bey Freybergk -erkaufft, auch dem Graffen Leisneck (des vorigen Sohn) 4000 Rheinische -Gülden uff die Herrschafft Lauterstein geliehen, so geschehen ~Ao.~ -1300.« - - -478. Die Herren von Hartitzsch. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 240.) - -Das Rittergut Dorfchemnitz bei Sayda soll durch Heirat an die von -Hartitzsche Familie gekommen sein. Ein Vorfahr dieser Familie, erzählt -man, sei Fischer an der Donau gewesen, habe einen deutschen Kaiser auf -der Flucht mit der größten Lebensgefahr über die hochangeschwollene -Donau gesetzt, da es kein andrer Fischer gewagt habe, und sei nachher -von dem Kaiser dafür, daß er ihn gerettet, in den Adelstand erhoben -worden. Darauf könnten wohl die zwei Fische in dem Hartitzschen Wappen -hindeuten. - -Die Familie hat sich sonst von Harticz, nach dem Rittergute bei -Jonsdorf in Böhmen an der sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr früh -aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wahrscheinlich wegen der reichen -Silberbergwerke bei Freiberg, und hat wichtige Stellen im Rate zu -Freiberg bekleidet. - - -479. Die Herren von Pardubitz. - -(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, 1876, S. 114.) - -Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen unter -Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem Geschlechte wird -folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1158 -Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw von Böhmen mit vielen -böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im Dunkel einer Nacht erstiegen -die Böhmen die Mauern der belagerten Stadt und drangen bis auf den -Markt vor; allein hier kamen ihnen die Mailänder entgegen, es entstand -ein heftiger Kampf und die Übermacht der Bürger drängte die bisherigen -Sieger zurück. Vorher sprengten sie jedoch das Thor und hatten sich so -den Rückzug gesichert. Es gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck -von Pardubitz verweilte am längsten im Thore, noch immer kämpfend, -und als er endlich den Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt -aus dem Türmer zu, er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter -befestigt war. Dies geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel -dergestalt auf Geschecks Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei -Hälften geteilt ward. »Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!« -rief der Ritter und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager, -wo ihm Wladislaw entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum -Ehrenzeichen dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter -und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im roten -Felde zum Wappen. - - -480. Geschlecht von Vitzthum. - -(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik, I. -II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.) - -Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum, in alten -Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den ~Vicedominis~, -welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des Kaisers die -Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert haben. Ihr -Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues Thüringen, und -daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie Vitzthum von -Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht besitzt -seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert und -vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war. - - -481. Die Herren von Wildenfels. - -(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.) - -Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits 1233 -Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die im Jahre 1602 -ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst 1222 urkundlich und -zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft gedacht wird. In ihrem -Wappen führten sie eine Rose im goldenen Felde. - - -482. Die Herren von Ortwinsdorf. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.) - -Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf geschrieben, -und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen Geschlechte, -welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt, seinen Namen. -Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte die Ritter von -Remse als Wildenfelser Afterlehen. -- Vielleicht dankt auch das Dorf -seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in Chemnitz blühenden -Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine, ein Name, welchen im -Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt. Ein Nicol und Matthias Ortwyn -haben 1373 zu der Kirche St. Jacob und besonders dem Altar des heiligen -Leichnams und Blutes Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist. -Nachricht von denen vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. -1734. S. 18). - - -483. Geschlecht von Arnim. - -(Hesekiel, Wappensagen, S. 3. in poetischer Bearbeitung. Gräße, -Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 5.) - -Seit mehr denn tausend Jahren führen die auf Planitz mit Kainsdorf, -Voigtsgrün u. s. w. angesessenen Arnims im roten Felde zwei silberne -Balken als Wappenzeichen. Der Familiensage nach rühren dieselben -davon her, daß einst in einer Schlacht gegen die Friesen der Feldherr -einem Junker von Arnheim befohlen hatte, eine hölzerne Brücke, welche -zwischen ihm und den ihn verfolgenden Friesen liegend, diesen die -Möglichkeit ihn zu verfolgen, gewährte, abzubrechen. Der tapfere Mann -vermochte jedoch nicht, alle Balken derselben ins Wasser zu werfen, -sondern es blieben zwei übrig, über welche die nachsetzenden Friesen -das Wasser zu überschreiten suchten. Allein Arnheim ließ sich nicht -von seinem Platze vertreiben, sondern wußte sich so lange zu halten, -bis Hülfe kam. Zur Belohnung erhielt er von dem Grafen von Holland, -seinem Lehnsherrn, den Ritterschlag und das obengedachte Wappen. Später -nannten sich die Arnheims Arnim. - - -484. Geschlecht von Auerswald. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B., S. 123.) - -Das Dorf Auerswald bei Chemnitz gehörte sonst den Herren von Auerswald, -deren Geschlecht im 15. Jahrhundert in Meißen bekannt geworden ist. Der -erste dieses Geschlechts, so aus Preußen gekommen und Oberster gewesen -ist, hat ein gräfliches Fräulein von Dohna geheiratet und ist vom -Kurfürsten mit dem genannten Dorfe, so er erbauet und nach seinem Namen -genannt, belehnt worden. Bis zu Ende des 16. Jahrhunderts haben die -Herren von Auerswald hier ihren Sitz gehabt und Nachkommen von ihnen -leben noch im Königreiche Preußen. Von 1596 an aber sind die Herren -von Schönberg hier Gerichtsherren gewesen. - - -485. Die Herren von Bünau. - -(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 25.) - -Die Herren von Bünau waren auch im Erzgebirge angesessen; ein Heinrich -von Bünau verkaufte 1596 Bärenwalde mit Lichtenau an den Zwickauer Rat. -(Kirchengalerie, 8. B. S. 24.) - -Die Abkunft dieses uralten meißnischen Geschlechts leiten einige -aus Polen her und sagen, das Geschlecht der von Bunawezky an der -litthauischen Grenze sei mit den Bünaus einerlei Stammes. Andere -sagen, sie seien aus der Schweiz nach Sachsen gekommen; allein die -Hauptmeinung ist, daß sie von den Pedemontanen oder piemontesischen -Fürsten abstammen, welche im Jahre 1232 von dem savoyischen Grafen -Thomas ihrer Erblande beraubt worden wären. Sie hätten nun zuerst in -Sicilien Kaiser Friedrich II. um Beistand gebeten, allein dieser habe -mit seinen eigenen Kriegen genug zu thun gehabt; dann hätten sie sich -an andere deutsche Fürsten um Hülfe gewandt, als diese ihnen aber -auch nicht beizuspringen gewagt, wären sie in Deutschland geblieben -und hätten sich in Böhmen und Meißen ansässig gemacht. Ihr Wappen, -ein Löwenkopf, im Rachen eine Lilie haltend, sei auch das Wappen -jener pedemontanischen Fürstenfamilie. Weil nun aber im Turnierbuche -Feierabends einer Demuth von Bünau, der hinterlassenen Witwe Günthers -von Saalhausen gedacht wird, die auf dem 996 vom Markgraf Ludolph von -Sachsen und Herrn von Braunschweig gehaltenen Turniere zu Braunschweig -den vierten Dank dem Turniervogt Kilian von Wolfskäl, einem Franken -gab, so mußten die Herren von Bünau eher aus Italien als erst im -Jahre 1232 nach Deutschland gekommen sein, wenn sie italienischer -Abkunft wären. Einer aus diesem Geschlechte derer von Bünau soll nun -aber Kurfürst von Trier gewesen sein, und als Kaiser Maximilian II. -(nach anderen sei das viel früher geschehen und zwar unter Kaiser -Konrad III. und jener Heinrich von Bünau sei nicht Kurfürst von Trier, -sondern von Mainz gewesen) zu Frankfurt gekrönt ward, an S. Majestät -folgende drei Bitten gerichtet haben: Erstlich, weil er einer aus dem -Geschlechte der von Bünau sei, welches zwei Helme führe, daß er sein -(rotes) Kurhütlein auf den einen Helm setzen dürfe. Zweitens, daß die -von Bünau unterschiedliche gewisse Namen, als Heinrich, Rudolph und -Günther haben könnten, und drittens, daß er seinen ganzen Schatz, -welchen er in seinem Stifte erübrigt, dem Geschlechte derer von -Bünau zum ewigen Gedächtnisse vermachen dürfe, welche drei Bitten S. -K. Majestät gedachtem Herrn Kurfürsten auch bewilligt habe. Weil nun -seine Verlassenschaft sich auf etliche Tonnen Goldes belaufen, habe -er in seinem Testamente verordnet, daß seine Barschaft zum ewigen -Gedächtnis an acht Stammhäuser verwendet werde, nämlich an je zwei in -Böhmen, Meißen, Thüringen und Vogtland, von deren Einkommen das ganze -Geschlecht zu genießen habe. Peccenstein aber meldet in seinem ~Theatr. -Saxon.~ I. No. 50 von den drei Taufnamen Heinrich, Günther und Rudolph, -daß solches aus einem besonderen Zufall und Betrug eines, so sich -ihres Stammes gerühmt und damit ein ~Falsum~ gebraucht, auch allerhand -Unglück gestiftet, nach deren Vorfahren Rat und Vergleich geschehen -sein sollte, oder daß vor ohngefähr 200 Jahren (er schrieb um das Jahr -1608) das Geschlecht bis auf drei Personen ausgestorben sein sollte, -da dann diese damals unter sich einig geworden wären, diese drei Namen -fort und fort zu gebrauchen. (Nach anderen wäre dies viel später -geschehen, erst nach der Schlacht am weißen Berge, wo gegen 200 Glieder -dieser Familie gefallen waren.) - - -486. Die Ritter von Bärenstein. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B. S. 138.) - -In der Kirche des Städtchens Bärenstein befinden sich die Bildnisse -Kaspar von Bärensteins auf Bärenstein und Bärenburg (1612), Walzig v. -Bernsteins (1492) und Christoph von Bernsteins (1534 oder 1315?). Ein -Albrecht von Bernstein, welcher ebenfalls auf dem Schlosse Bärenstein -wohnte, wird bereits unter dem Jahre 1156 genannt, da er auf seine -Unkosten einem Turniere zu Zürich, welches der Herzog von Baiern und -König von Sardinien anstellten, beiwohnte. Früher schrieben sich die -in Bärenstein sässig gewesenen alten Ritter von »Bernstein«, weil sie -aus der Schweiz, bei Constanz her, abstammen sollen und dieser Name -dort mehr (z. B. Bern) angetroffen wird. Späterhin schrieb man aber, -wahrscheinlich wegen der früher in der Gegend hausenden vielen Bären -und wegen einer gehabten sehr glücklichen Bärenjagd »Bärenstein«. -Viele andere Orte in der Nähe haben davon ihre Namen, als: Bärenklau, -Bärenhecke, Bärenburg, Bärenfels, Bärenklause u. s. w. - -Auch führten die alten Ritter von Bernstein folgendes Wappen: Ein in -silbernem Schilde zum Streit gerüsteter aufrecht stehender schwarzer -Bär; auf dem Schilde ruhet ein mit einer goldenen Krone bedeckter -offener Turnierhelm, aus welchem ein erhabener und zum Streit -geschickter Bär hervorragt; die Helmdecken sind schwarz und silbern. - - -487. Das Geschlecht von Lüttichau. - -(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 98. Nach Hesekiel, -Wappensagen, S. 175.) - -Das Wappen der Herren von Lüttichau sind zwei Sicheln und drei -schwarze Federn. Die Sage erzählt hierüber folgendes: Es soll einst -ein deutscher Kaiser in den Niederlanden gegen die Franzosen im Felde -gestanden haben und in der Nähe von Lüttich mit dem feindlichen -Heere zusammengestoßen sein. Anfangs war dieses im Vorteil, allein -ein adliger Junker aus Meißen, der bei der böhmischen Reiterei des -Kaisers diente und sich durch drei schwarze Federn auf seinem Helme -auszeichnete, deshalb auch den Namen »der schwarze Hahn« erhalten -hatte, hat sich mit seinen Leuten so wütend in die Reihen der Gegner -gestürzt, daß er sie sprengte und die Kaiserlichen die Schlacht -gewannen. Da hat ihm der Kaiser aus Dankbarkeit den Namen Lüttichau, -weil er in Lüttichs Auen den Sieg gewonnen hatte, und als Wappen zwei -Sicheln, weil er die Feinde wie Korn abgemäht, verliehen. - -Die Herren von Lüttichau werden als mehr denn 200jährige Besitzer der -bei Dippoldiswalde gelegenen Rittergüter Ober- und Nieder-Ulbersdorf, -sowie im Besitze von Stadt und Dorf Bärenstein, Hammerbärenklau, Groß- -und Kleinbörnchen und Walthersdorf angeführt. - - -488. Das Wappenschild der Schönburge. - -(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgebirgs, I. S. 35 etc.) - -In seiner Herrlichkeit saß Karl der Große eines Tages auf dem -Herrscherthrone zu Pavia, und alle seine Edlen standen um ihn im -weiten Kreise. »Zeigt mir Eure Wappenschilder,« sprach der hohe -Siegesfürst, »daß ich ihre Kleinode durch neue, auf die späte Nachwelt -forterbende Zeugnisse Eurer Thaten verherrlichen kann!« Da nahten sich -ihm die Großen seiner Reiche und er bestätigte die Kleinode in ihren -Wappenschildern oder fügte denselben neue bei. Jetzt fiel sein Blick -auf einen der jüngsten seiner Edlen. Einfach, ohne Kleinod war das -Silberschild des blonden jugendlichen Helden. »Schönburg!« sprach zu -ihm der große König, »auch Deine Thaten sah ich in dem letzten Kampfe, -auch Deiner Tapferkeit verdanke ich den Sieg; willst Du kein Kleinod in -das Wappenschild?« Da erwiderte der junge ritterliche Held: »Erhabener -Herr und König! Was ich that, war Pflicht, und ich focht bis jetzt -für Dich, ohne für Dich zu bluten. Lasse mir mein Wappenschild, rein -sei es in seiner Silberfarbe, der Unschuld und der Herzensreinheit -wahres Sinnbild für und für!« »Bescheidener Jüngling!« sagte darauf der -Kaiser, »Du sollst es so behalten, bis mit Deinem Blute sich's färbt -zu meiner Ehre. Sei immer, was Du warst, ein Ritter ohne Furcht und -Tadel, einfach und gut, tapfer und bescheiden, und das treue Vorbild -Deines künftigen Stammes! Die Tage des Ruhmes werden kommen!« Und sie -kamen. Noch einmal trat Wittekind, der Herzog der Sachsen, als Feind -gegen Kaiser Karl auf. Eine furchtbare Schlacht entbrannte; Karl -wurde umgangen, die Felsen im Rücken seines Heeres waren vom Feinde -besetzt, Steine hagelten nieder und entwurzelte Baumstämme rollten auf -die Streitenden herab. Da zerschmetterte ein Felsenstück Kaiser Karls -Schild und seine Brust war nun den Waffen der Feinde freigegeben. In -dieser Not erhob sich aus dem Leichenhaufen um ihn der Verwundeten -einer. Blässe deckte das schöne Angesicht und Blut floß aus der treuen -Brust. Er reichte dem Kaiser seinen Schild und sank ermattet wieder -nieder. Die Feinde staunten und meinten ein Wunder zu sehen, denn -sie hatten den gefallenen Helden an des Kaisers Seite erblickt und -zum Tode getroffen fallen sehen. Die Christen wurden mit neuem Mute -erfüllt und erfochten unter Karl einen glänzenden Sieg. Jetzt blickte -der Kaiser aufmerksam auf den Schild, welcher ihn errettete und er -rief: »Das ist Schönburgs Schild! Wo ist er, der ihn trug?« Man suchte -einen Toten und fand einen Schwerverwundeten. Derselbe schlug die Augen -auf, als Karl vor ihm stand und sprach: »Mein Herr und König!« Der -Kaiser aber sprach, nachdem er ihm die blasse Lippe geküßt: »Du hast -vollbracht, was Du gelobt! Dein König bin ich und Dein Freund!« Dann -berührte er mit dem Ring-, Mittel- und Zeigefinger seiner Rechten die -blutende Wunde und strich mit der Wunde reinem Blute zweimal über das -silberfarbene, herzförmige Wappenschild, so daß zwei rote Streifen des -edlen reinen, für Christentum, König und Vaterland vergossenen Blutes -es verherrlichten. »Schönburg! dies sei fortan Dein Zeichen, Dein Blut -das Wappenkleinod Deines Hauses!« - - -489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist. - -(Grünewald, Meißner Chronik I., Anhang S. 87. Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 58.) - -In einem alten handschriftlichen Wappenbuche findet sich folgende -Erklärung über den Ursprung des alten meißnischen und seit -Jahrhunderten auch im Erzgebirge, u. a. z. B. seit 1336 auf -Purschenstein angesessenen Geschlechtes der Schönberge. Es soll ein -Ritter aus dieser Familie einst ins gelobte Land gezogen und auf der -Jagd an einem Flusse, dessen morastige Ufer mit Schilf bedeckt waren, -von einem Löwen überfallen worden sein. Dem hat der tapfere Ritter -so zugesetzt, daß er verwundet und brüllend vor Schmerz sich in den -Schilfwald zurückzog; der Schönberg aber hat nicht abgelassen, sondern -ist ihm gefolgt und hat ihm hier den Todesstoß gegeben. Wie nun der -Löwe verendet und von ihm aus dem Moraste gezogen ward, da fand es -sich, daß er zur Hälfte mit Meerlinsen bedeckt war und grün aussah. Der -Ritter hat nun zum Andenken an diese Begebenheit in sein Wappen einen -kämpfenden Löwen, dessen Unterleib grün, der Oberleib aber rot ist, -aufgenommen. - - -490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen sind. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 612.) - -Ist um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein Eseltreiber zu Zwickau in -der Mühle gewesen, dem hat einer Kuxwerk geschenkt, das erstlich -nicht viel getragen, also daß er es auch fahren lassen wollte, weil -er kein Vermögen hatte, es zu erhalten. Da nun die Bergleute Zubuße -haben wollten, haben sie ihn getröstet und gesagt: Gott der Herr -werde in Bälde einen großen Schatz aufthun, was auch kurz darauf -geschehen ist, also daß der Eseltreiber nicht allein bei diesem Kux -geblieben, sondern auch viele andere dazu gekauft, wodurch er mächtig -reich geworden, daß die Silberkuchen in seinem Hause wie Stücken Blei -nebeneinander gelegen und täglich auf Schleifen die Straße auf Zwickau -geführt wurden, davon dieselbige Straße bis auf den heutigen Tag die -Silberstraße genannt wird. Nun ist aber zu wissen, daß zu Zwickau zu -jener Zeit eine Münze gestanden hat und täglich gemünzt worden ist. -Weil aber das Silber damals zu viel gewesen, hat dieser Römer, so ein -kleines Männlein gewesen, zu sich gesagt: Wohl ist ein reicher Mann -auch wohl ein armer Mann, weil ich mein Silber nicht einmal gemünzt -haben kann! Darum ist er bei sich darüber zu Rat gegangen und hat -drei Lastwagen mit Silberkuchen beladen und beschlossen, dieselben -nach Nürnberg zu führen, wo ein sehr reicher Rat sein sollte. Als er -nun nicht weit von dieser Stadt, sind ihm etliche Kaufleute begegnet, -welche er gar einfältig gefragt, ob sich der Markt auch wohl anlasse. -Aber diese haben ihn verlacht und gesagt: Dieser alte Narr kömmt zu -Markte, da derselbe schon aus ist, er wird den Weg wieder nach Hause -zurückmachen müssen. Er hat das nicht groß gerechnet, sondern hat sein -Vorhaben dem Kämmerer angezeigt und gefragt, ob wohl ein ehrenweiser -und wohlweiser Rat ein Stück Geld für ein Stücklein Silbers, so einen -Zentner schwer, geben wolle. Da haben sie gesagt: Ja wohl, wenn nur das -Silber vorhanden und zwar des recht viel wäre. Darauf hat er gesagt, er -habe ein solches Stücklein, wenn sie es sehen wollten. Da antworteten -sie, er solle sie zufrieden lassen, wo er es denn hernehmen wolle? -Doch endlich auf sein Anhalten ist einer von ihnen mit ihm gegangen, -dem hat er ein Stücklein Silber gewiesen und nach der Probierung, als -jener gesehen, daß es gediegen Silber gewesen, hat er ihm noch ein -Stücklein gezeigt und gesagt, so ihm Geld dafür zugewogen werde, wolle -er es allda lassen. Da hat der Kämmerer gesagt: Ja Herr, wenn es mehr -wäre, so könnte es ein Rat der Stadt Nürnberg wohl thun! Darauf hat -er ihm die drei Wagen mit Silber beladen gezeigt und gesagt, er habe -dessen noch mehr. Darüber ist der Kämmerer sehr erschrocken und hat -nicht gewußt, wie er mit ihm daran sei, hat aber gesagt, er wolle es -den Herrn anzeigen. Nach diesem ist ihm für so viele Zentner Silbers, -als er gehabt, ebensoviel gemünztes Geld zugewogen, er von ihnen zu -Gaste geladen und herrlich traktiert und für einen gnädigen Herrn -tituliert und geehrt worden. Als er nun seine Ware losgeworden, ist er -wiederum mit seinen drei Wagen mit Geld beladen nach Zwickau gekommen. -Darauf hat aber Herzog Albrecht von Sachsen zu ihm geschickt, ob er -ihm auf seiner weiten Reise zum heiligen Grabe mit etlichen tausend -Gulden dienen könne, worauf er denn zurück gemeldet hat, dafern es -seiner fürstlichen Gnade gefällig, so wolle er selbst mit, welches denn -auch geschehen, und hat dieser Römer seinen Fürsten mit 150 Pferden -bis zum heiligen Grabe und dann wieder anheim freigehalten und endlich -quittiert, welche Reise ohne Zweifel eine stattliche Summe Geldes wird -gekostet haben. Darum ist er beim heiligen Grabe zum Ritter geschlagen -und er und die Seinen edel gemacht worden. Zum Zeugnis führen die -Römer, so in Zwickau wohnen, eine Eselspeitsche (nach anderen einen -Pilgerstab) im Wappen. Auch hat dieser Römer ein gewaltiges Haus am -Markte eine Gasse lang nach der Mulde zu, und das Kaufhaus am Markte -nebst dem Kornhause am Schlosse gebaut, das Kaufhaus dem Rate und das -Kornhaus dem Fürsten geschenkt, auch dem Rate noch viele andere Güter -geschenkt und sonst noch etliche tausend Gulden dazu geliehen, also -daß sie nur Söhnen seines Geschlechts, so diese in die Schule gehen -und studieren würden, von den Zinsen erhalten sollten, damit es ihren -Eltern nichts koste, sie möchten studieren, wo sie wollten. - - -491. Die Siebenschläfer. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.) - -Im Schloßberge von Teplitz sollen einige Ritter schon 700 Jahre lang -schlafen und heißen daher die Siebenschläfer. Wenn es einmal den -Deutschen schlecht gehen wird, werden die Ritter hervorkommen und ihnen -helfen. Das Bächlein am Fuße des Berges ist oft gelb gefärbt von dem -Urin der Pferde, die im Innern des Berges stehen, und auf dem Berge -liegen Steine, in denen die Hufe dieser Pferde abgedrückt sind. Früher -soll den Schloßberg eine Mauer umgeben haben; es ist aber davon nichts -mehr übrig, als das Thor, durch welches die Ritter aus- und einritten. -Bei diesem Thore soll in der Nacht von 12--1 Uhr ein großer, starker -Mann ohne Kopf umgehen. - - Wenn statt des befruchtenden Regens, welchen der milde, segnende - Gott Wuotan mit seinen himmlischen Helden zur Erde niedersendete, in - den kalten Wintertagen Schnee niederfiel und Eis die Erde bedeckte, - da glaubte man, daß die Winterdämonen zur Herrschaft gelangt seien. - Wuotan hatte sich mit seinem Gefolge in den Wolkenberg, nach späteren - Anschauungen in das Innere eines wirklichen Berges zurückgezogen, um - hier zu schlafen oder verzaubert auf die Wiederkehr des Frühlings - zu warten. Später wurde Wuotan zu einem der Lieblingshelden unseres - Volks, der in einem Berge schlafend auf die Wiedergeburt des - deutschen Reiches harrt. So schläft nach der Sage Karl der Große - in dem Desenberge bei Warburg, Kaiser Heinrich der Vogelsteller im - Sudemerberge bei Goslar und Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser. Bei - den Slaven ist es Swantewit, welcher mit seinen himmlischen Kriegern - die Stelle des germanischen Wuotan einnimmt, und auf ihn ist die Sage - der Böhmen vom Könige Wenzel und seinen Kriegern im Berge Blanick - zurückzuführen. -- Die Sage von den Siebenschläfern im Schloßberge - zu Teplitz erzählt zwar nichts von einem bestimmten Helden, der an - die Stelle Wuotans getreten ist, doch trägt sie ganz das Gepräge - der obengenannten Überlieferungen. Die im Berge schlafenden Ritter, - welche den deutschen in der Not helfen werden, sind das Gefolge - Wuotans, auf welchen vielleicht die Abdrücke der Hufe in den - Steinen und die gespenstische Erscheinung eines großen Mannes ohne - Kopf hindeuten. Hufeisen, später dem Teufel zugeschrieben, weisen - ursprünglich auf Odhins weißes Roß Sleipnir hin. Als der Gott einst - im wilden Ritte dahin sauste, flog von diesem Rosse eins der Eisen - ab und blieb an einem Felsen bei Wexiö hängen. Der Mann ohne Kopf - erinnert an den wilden Jäger, welcher in den Sagen an Wuotans Stelle - getreten ist. (Mannhardt a. a. O. S. 135.) - - -492. Die Türkenheide. - -(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.) - -In der Nähe des Dorfes Kühnheide breitet sich ein Stück sumpfiges Land -aus, welches in der Gegend unter dem Namen Türkenheide bekannt ist. -Dieses sumpfige Land soll seinen Namen von einem Regimente Türken -haben, welche hier, als sie ins Gebirge dringen wollten, versunken -sind. In der Karwoche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollen -sich dort blaue Flämmchen sehen lassen und türkische Musik und -Pferdegetrappe zu hören sein. - - Es ist auffällig, daß die Sage den Namen Türkenheide von einem - versunkenen Regimente Türken herleitet, da doch Türken niemals in - jene Gegend gekommen sind. Hängt der Name vielleicht mit einer - Begebenheit, welche ~Dr.~ Joh. Pöschel (Eine erzgebirgische - Gelehrtenfamilie, Leipzig 1883, S. 150 etc.) erzählt, zusammen? - Darnach hielten 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von - Preßnitz und Reitzenhain besetzt, die Bauern aber thaten sich - zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten - ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der - Bauern war der Amtsschösser von Grünhain, Friedrich +Türck+. Als nun - von allen Seiten Klagen über die Bauern beim General Gallas, welcher - um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Kuriere - an Friedrich Türcken mit Warnungen und Drohungen und verlangte - Kontribution. Friedrich Türck wollte davon nichts wissen und ließ den - Kaiserlichen entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei - und alle katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe - geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben. Gallas entsandte 2000 - Pferde mit zwanzig Standarten unter dem Obristen Kehreuß gegen die - Bauern ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch Kühnheide. - Von Friedrich Türck wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen - animirt und abgericht, daß sie frisch vorn Feind standen, keine - Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich wenn er darbey - wahr vnd ihnen zusprach.« -- Es drängt sich die Vermutung auf, daß - die Türkenheide bei Kühnheide ihren Namen von jenem Bauernanführer - Friedrich Türck erhalten hat. - - -493. Die Korporallöcher bei Schönau. - -(Chemnitzer Tageblatt, 1882. N. 17. 1. Beil.) - -Auf der Rittergutsflur zu Schönau bei Chemnitz liegen seitwärts der -Bahn die sogenannten Korporallöcher, von denen die Sage geht, es sei -im letzten Schwedenkriege eine ganze Korporalschaft spurlos darin -versunken. Noch sollen sich zeitweilig die Ertrunkenen in verschiedenen -Gestalten daselbst sehen lassen, auch wird erzählt, daß die mit -weißlichem Wasser gefüllten Löcher mit dem Meere in Verbindung stehen. - - - - -IX. - -Ortssagen. - - -Was in diesem letzten Abschnitte unter dem Begriffe der Ortssagen -zusammengefaßt wurde, besteht einerseits aus bloßen chronikalischen -Mitteilungen über Orte oder über Begebenheiten, welche sich an -bestimmte Plätze knüpfen. Diese Erzählungen, und dies gilt besonders -auch von einigen alten Gebräuchen, gehören demnach nicht dem -eigentlichen Sagengebiete an; doch möchte ich sie nach dem Vorgange -Carl Haupts in dessen Sagenbuche der Lausitz nicht unberücksichtigt -lassen, und zwar umsomehr nicht, als sich bei manchen derselben ein -schwacher Schimmer der dichterischen Gestaltungskraft des Volkes -zeigt. Andererseits haben einige dieser Ortssagen wieder etwas vom -mythischen Charakter an sich, so daß sie vielleicht auch in einer -der vorhergehenden Abteilungen, besonders bei den Wundersagen, -hätten untergebracht werden können. Hierhin gehören z. B. manche der -Mitteilungen über die Gründung von Ortschaften und die Entdeckung -reicher Erzgänge. Häufig hat die dichterische Phantasie des Volkes die -Namen von Orten, Bergen und Felsen, sowie von Ortssiegeln und Wappen -erfaßt, und solche Überlieferungen mußten deshalb in diesem Abschnitte, -ebenso wie diejenigen von den Wahrzeichen der Städte, eine Stelle -finden. Letztere können bloße Zeichen der Gewahrsame d. h. Umgrenzung -der Orte, oder Symbole der Bürgerschaft und mißverstandene Wappen -und Bilder sein; oder sie sind auch nur Andenken einer Sache, Sitte, -oder Begebenheit aus früherer Zeit. Verwandt mit solchen Wahrzeichen -sind alle die sprichwörtlichen Redensarten und Scherze, welche sich -auf die Lage oder Eigentümlichkeit eines Ortes oder den Charakter und -die Beschäftigung seiner Bewohner beziehen; manche derselben müssen -auch auf eine bestimmte Begebenheit oder die That eines Einzelnen -zurückgeführt werden. Anhangsweise wurden den sprichwörtlichen -Redensarten auch eigentliche Sprichwörter (und Rätsel) beigefügt, -insofern dieselben der Beschäftigung der Bewohner oder gewissen -Beobachtungen an denselben entsprungen sind. - - -494. Entdeckung der Freiberger Silbererze. - -(Petrus Albinus, Meißnische Bergk-Chronika. Dreßden, 1590. S. 10.) - -Auf eine Zeit ist ein Goslarischer, oder wie etliche bloß setzen, -sonst ein sächsischer Fuhrmann zu Hall durchgefahren und hat Salz ins -Land zu Böhmen führen wollen, weil dasselbe Land auf den heutigen Tag -aller Ding die Fülle, allein kein Salz hat. Dieser Salzführer, als er -fast an die Grenzen des böhmischen Gebirges, gleich um die Gegend, da -jetzo Freiberg stehet, kommen, hat er ohngefähr ein Geschiebe von einem -gediegenen Glanz oder Bleierz in einem Wagengleis gefunden, dasselbe, -weil es schön gleißende und schwer gewesen, auf den Wagen geworfen und -im Wiederkehren mit sich gen Goslar gebracht. Daselbst, nachdem es von -den Bergleuten probiert und im Silber viel reicher als der Goslarische -Glanz und Bleischweif befunden worden, haben sich die Sachsen alsbald -aufgemacht, sind dahin auf Nachrichtung des Fuhrmannes gezogen, da er -das Geschiebe gefunden hatte, haben Gänge ausgerichtet, eingeschlagen -und geschürft, und da es ein gut Ansehen genommen, folgend getrost -Kübel und Seil eingeworfen, in Eil etliche Röschen getrieben, damit sie -die Gebirge etwas verstollet, und das Wasser verschroten, auf daß sie -ohne Hindernis bauen mögen, und haben also in Summa die Sachsen das -Bergwerk im Lande Meißen rechtschaffen rege gemacht. - - -495. Der Anfang der Stadt Freiberg. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense Chronicum~. II. 1653, S. 3.) - -Im Jahre 1169 hat der Bergmeister mit den Bergleuten auf dem Zellerfeld -in Sachsen, verschiedener Unbilligkeiten wegen, die ihnen widerfahren, -einen Aufstand gemacht und hat sich dann mit den Bergleuten nach -Meißen zum neuen Bergwerk, welches bereits in hohen Ruf gekommen war, -begeben. Zwei Jahre darauf aber haben die eingewanderten Sachsen das -Dorf Christiansdorf am jetzigen Münzbach im Baue gebessert und also -zugerichtet, daß es einer neuen Stadt glich, wie auch hernach dieser -Ort die Sachsenstadt genannt wurde. Etliche rechnen deshalb den Anfang -der Stadt Freiberg vom Jahre 1171 an. - - Die Entdeckung der reichen Freiberger Silbergänge erfolgte - wahrscheinlich zwischen 1162 und 1170. Nach Aufzeichnungen des - Klosters Zelle vom Ende des 13. Jahrh. wurde die Stadt Freiberg im - Jahre 1181 gegründet; wahrscheinlich aber fällt die Gründung zwischen - die Jahre 1185 und 1190. Urkundlich wird der Freiberger Bergbau - zuerst 1185 erwähnt. (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und - Kunstdenkmäler des K. Sachsen, III. S. 8.) - - -496. Die Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde. - -(Benseler, Berggeschichten vom Aufkommen des sächs. Silberbergbaues. -Freiberg, o. J. S. 12.) - -Wo das Rathaus in Freiberg steht, soll der erste Silberfund -geschehen sein, und in einem Kreuze, welches in einer Ecke desselben -eingemauert ist, soll man noch heute die erste Art Freiberger Erze -sehen. Gegenüber an der Ecke der Petersstraße, da, wo das Bild des -Bergmannes an dem Hause steht, soll sich die erste Zeche befunden -haben. Die bedeutenderen älteren Gruben waren im alten Loßnitz- oder -Münzbachthale. In Christiansdorf, welches seinen Anfang in der Nähe vom -Vorwerk Langerinne nahm und sich bis an die Loßnitz erstreckte, war -eine sehr alte Grube der Stubenberg, von dem erzählt wird, daß eine -Köchin aus dem Kloster Zelle das erste Grubengebäude hier gebaut habe -und sehr reich davon geworden sei. - - -497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen. - -(Ursprung der Bergwerke in Sachsen. Chemnitz, 1764. S. 110.) - -Es wird erzählt, daß die Bergwerke an der Mulde gegen Nossen lange vor -den Freiberger Silbergruben gangbar gewesen seien. Das Gersdorfische -Bergwerk soll unter diesen das älteste und bei folgender Gelegenheit -aufgekommen sein. Im Jahre 733, am Tage Simonis und Judä, hätte ein -Mönch, der Kappenmönch genannt, einen auf der alten, jetzt gänzlich -verfallenen Wunderburg bei Roßwein gesessenen Räuber, mit Namen Martin -Griechen, besuchet. Darauf habe ihn letzterer nebst seiner Buhlerin, -welche Gertraut geheißen, beim Abschiede ein Stück Weges begleitet, -bei welcher Gelegenheit sie unterwegs reiche Erze entdeckt hätten. -Der Mönch habe infolgedessen seine Kutte für immer abgelegt und der -Räuber von seinem Räuberhandwerk gelassen. Dafür hätten sie ein -Bergwerk angelegt und reichhaltige Erze gefunden und nun an dem Orte -einen Flecken gegründet, den sie nach des ehemaligen Räubers Buhlerin -Gertraut Gersdorf benannt hätten. Das Bergwerk wäre hierauf bis zum -Jahre 887 angebauet worden, von dieser Zeit an aber zwei Jahre lang, -einer sich entsponnenen Räuberei halber, liegen geblieben, mit welchem -Schicksale auch ein anderes Bergwerk, der Goppisch genannt, dessen -Lage man nicht mehr wüßte, heimgesucht worden. Nach einer anderweiten -Niederlage von drei Jahren, wovon die eigentliche Zeit nicht angegeben -werden könnte, hätte man endlich angefangen, zu Erzdorf ein ganz neues -Bergwerk vorzurichten, wozu bei Ermangelung der Bergarbeiter ein jeder -Bauer zwei Leute schicken müssen, und wäre das Bergamt damals auf dem -jetzigen Schafhofe gewesen. - - -498. Entdeckung der Silbererze des Schneeberges. - -(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica etc. Dreßden, 1590. S. 28. Meltzer, -~Hist. Schneeberg.~, S. 33--35.) - -Es hat sich von ungefähr zugetragen, daß ein Bergmann oder Arbeiter, -welcher zu dem in Schlema vor Zeiten befindlichen Hammer gehörte, -nach Eisenstein schürfte. Dabei kam er auch an den Schneeberg, wo er -einen besseren Eisenstein zu finden vermeinte, als er am Wolfsberge, -Hasenberge und anderen Orten gefunden hatte. Als er nun etliche Schürfe -geworfen, wobei es ihm aber nach seinem Sinne nicht gegangen, hat sich -nicht lange darnach an dem Orte, wo später die St. Georgenzeche und die -zugehörenden, als die alte und neue Fundgrube u. s. w. aufkamen, ein -Bürger von Zwickau (die Sage nennt ihn Romner oder Römer), welcher mit -einer Würzlade auf dem Lande umherging und sich dadurch seine Nahrung -suchte, in einem alten Schurf, darin eine schöne Gilb und Bräun alsbald -in der Dammerde gewesen, eingelegt und zwei Arbeiter daselbst gehalten, -denen er alle vier Wochen abgelohnt, und unterdeß alleweg mit seinem -Kram wieder ausgelaufen. Bald nachher ließ er einen Schacht sinken, und -die Arbeiter trafen endlich eine »gänßkötige« Bergart, samt einer Bräun -und Gilben, welche der ersten Bergart im Schurf ähnlich war, wovon sie -ihrem Herrn an dem Lohntage etliche Handsteine nach Zwickau brachten. -Derselbe ließ sie bei einem Goldschmiede probieren und erhielt darauf -die Antwort, wenn er dieses Dinges noch mehr habe, solle er's ihm -bringen, er wolle ihm schöne silberne Becher daraus machen. Dieses soll -ungefähr im Jahr 1470 geschehen sein. Nach dieser Zeit sollen sich -bald mehr Bürger von Zwickau und von anderen Orten, edel und unedel, -zusammengeschlagen, fortgebauet und endlich ein mächtig Erz angetroffen -haben. Im Jahre 1472 hat man allererst den rechten Putzen, wie die -Bergleute reden, angetroffen, worauf das Schneebergische Bergwerk so in -Schwank gekommen, daß seinesgleichen nie gewesen, also daß man damals -das Silber nicht alles vermünzen können, sondern kuchenweise oder in -ganzen »Plicken« hat austeilen müssen. - -Nach einer anderen Erzählung habe sich ein Schustergerätträger mit -Namen Sebastian Romner, welcher von Krembs an der Donau gebürtig, aber -zu Görkau in Böhmen wohnhaft gewesen sei und der seine Nahrung zu -Zwickau gesucht, in der Gegend von Schneeberg verirrt. Dabei sei er an -eine Eisenzeche gekommen und habe den Steiger heraus gerufen, um ihn -nach dem rechten Wege und um einen Trunk Wasser zu bitten. Der Steiger -habe ihm im Verlaufe des Gesprächs geklagt, daß die Gewerken nicht mehr -verlegen wollten, weil man aus dem Eisensteine nichts machen könne; es -sei ein Gang dazu gekommen und derselbe mache das Eisen so flüssig, daß -man kein Stabeisen mehr schmieden könne, weil alles zerfahre. Romner -nahm darauf einige Stücke des Erzes mit nach Görkau und Nürnberg, um -sie untersuchen zu lassen und es fand sich, daß sie reichlich Silber -enthielten. Als er später wieder nach Zwickau zurückkehrte, wurde -er infolge eines Streites vor den Hauptmann geführt. Als der etwas -berauschte Romner vor diesem Worte fallen ließ, daß er in der Nähe -einen Schatz wisse, ließ der Hauptmann nicht nach, bis ihm Romner -versprach, ihn nach diesem Orte zu führen. Und als sie am andern Tage -zu der Eisenzeche gelangten, fand sichs, daß der Hauptmann bei dieser -durch Kuxe beteiligt war. Beide begannen jetzt in Gemeinschaft den -Silberbau, und da der Hauptmann erkundete, daß Romner ehrlichen Stammes -sei, gab er ihm eine Muhme, Anna von Bünau, zur Ehefrau. Romner hielt -sich darauf zu Neumark auf, genoß des Bergsegens und wandelte, indem er -das Geschlecht derer von Römer begründete, seinen Namen in Römer um. - - Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Silbererze des Schneeberges - entdeckt wurden, war die Gegend umher nicht mehr so unwirtlich, wie - angenommen wird. Von Lößnitz führte bereits durch das Schlemathal - über Neustädtel eine Straße nach Böhmen; im genannten Thale pochten - Eisenhämmer und im hohen Forste, sowie in der Gegend der über die - Mulde führenden Eisenbrücke gab es schon Silbergruben. Der erste Fund - auf dem Schneeberge geschah am Ende des Jahres 1470 und bald darauf, - am 6. Febr. 1471 folgte ein neuer reicher Anbruch. - - Als die junge Ansiedelung auf dem Berge 1481 den Stadtbrief empfing, - hatte man daselbst schon Gruben von 200 M. Tiefe. (H. Jacobi, - Schneeberg. Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, S. 3--7). - - Der in der zweiten sagenhaften Erzählung genannte Hauptmann war der - Amtshauptmann von Zwickau, Martin von Römer, dessen Epitaph noch - jetzt in der dortigen Marienkirche vorhanden ist. Derselbe gehörte - mit zu den bedeutendsten Fundgrübnern jener Zeit, unter denen uns - noch Angehörige der adeligen Familien von Starschedel, von Spiegel - und von Schönberg, sowie die Zwickauer Bürger Hans Federangel, - Clemens Schicker, Andreas Gaulnhöfer und Peter Polner genannt werden. - - Martin Römer soll nicht allein durch die Schneeberger Silberausbeute, - sondern auch durch den ihm zufließenden Segen aus anderen Fundgruben - so reich geworden sein, daß er z. B. für den Neubau der Zwickauer - Marienkirche allein 72000 Gulden beitragen konnte. - - Sebastian Romner, dem er die Kenntnis der Schneeberger reichen - Gänge verdankte, soll dann später in Venedig große Geschäfte mit - Silberkuchen, welche er daselbst verkaufte, gemacht haben. - - -499. Entdeckung der Altenberger Zwitter. - -(Meißner, Umständliche Begebenheit von der Bergstadt Altenberg. Dreßden -und Leipzig, 1747, S. 2.) - -Als Anno 1458 in dem ehemaligen Walde, welcher dem Herrn Walzig von -Bärenstein eigentümlich zugestanden, ein Köhler einen Meiler auf einem -mächtigen flachen Gange, welcher jetzt die alte Fundgrube genannt -wird, zugerichtet hatte, traf er im Ausstoßen Zinn an. Denn die am -Tage gelegenen Zwitter, welche der Köhler zu seinem Kohlenbrennen -lange Zeit hindurch zum Unterlegen gebraucht hatte, waren durch die -heftige Hitze nach und nach zermalmt und mürbe gebrannt worden, so daß -endlich »berglauter Zinn« zum Vorschein kam. Auf diese Art ist der -so berufene Zwitterstock zum Altenberge unvermutet fündig geworden. -Nachdem nun hierauf das Gerücht von diesem reichen Zinnbergwerke durchs -Land erschollen, haben sich viele ausländische Bergleute an dem Platze -niedergelassen und die Stadt Altenberg gegründet. - - Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des - 15. Jahrh. auf dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer - Bergordnung neben einem förmlichen Bauplane für die Stadt Altenberg - festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der Weise aber verlieh bereits - 1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit ziemlicher - Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch - Stadtrechte. (Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II. - S. 1.) - - -500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen. - -(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, früheren Schicksale und jetzige -Beschaffenheit. Lauenstein, 1845, S. 272. Erzgebirgszeitung, 5. -Jahrgang, S. 162.) - -Die Königin Judith, Gemahlin des Herzogs Wladislaus I. von Böhmen, -gründete in Teplitz ein Kloster der Benediktinerinnen. Es geschah -dies in einem der Jahre 1153 bis 1173. Im Jahre dieser Gründung aber -war es, so berichtet der böhmische Geschichtsschreiber Hajek, da ging -ein Mann, mit Namen Wnadeck, aus dem Dorfe Cloditze, auf dem Gebirge, -welches fast eine Meile Weges von Teplitz gegen Mitternacht gelegen, -und fand einen langen und lichten, aus der Erde herausgewachsenen Stab. -Er vermeinte, derselbe wäre Silber, brach ihn ab und brachte ihn der -Herzogin Gertrud (Königin Judith) gen Teplitz. Diese aber übergab den -Stab bergverständigen Männern zum Probieren, welche im Feuer befanden, -daß es Zinn war. Hierauf befahl die Herzogin, dem Wnadeck 3 Mark Silber -zu geben, doch sollte derselbe den Ort zeigen, wo er den Stab gefunden -habe. Als dieses geschehen, grub man nach, und wurde eine gar große -Menge Zwitter gefunden, darum die Herzogin und alles böhmische Volk -unserm Herrgott mit Herz und Mund großen Dank sagten. - -Auch erzählt die Sage: Als Libusa das Czechenvolk beherrschte, eine -weise Seherin, die das Glück und Unglück ihres Landes in der Nähe -und in der Zukunft schaute, da geschah es auch (d. h. im Jahre 733), -daß die Herzogin, von der Höhe des Wyschehrad aus, weissagend sich -nach Nordwesten gewendet und dem Volke in blühenden Worten von dem -übermäßigen Zinnreichtum des einstigen Graupens gepredigt habe. - - -501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg. - -(Richter, Chronica der freyen Bergstadt Annaberg. 1746. S. 17.) - -In dem Dorfe Frohnau wohnte ein Bergmann, welchen die alte geschriebene -Stadt-Chronica von Annaberg Caspar Nietzel oder Nitzelt nennt. Dieser -schürfte an dem Schreckenberge und entdeckte daselbst den 27. Oct. -1492 in der Dammerde einen lettigen Gang, welcher im Centner 2 Loth -Silber hielt. Dieser Bergmann nahm den Letten, trug denselben am Abende -Simonis Judä nach Geyer zu einem Schmelzer, welcher Martin Pflugk oder -Pfennig geheißen, und ließ es probieren. Als aber der Schmelzer diesem -Nietzel es nicht glauben wollte, daß er zu Tage aus einen solchen -herrlichen Gang gefunden, so gab er ihm etliche verständige Bergleute -mit, welche die Sache sollten in Augenschein nehmen, und diese, als -sie den Gang wirklich so gefunden, hatten auch dem Nietzel hernach -geraten, daß er solchen Gang von Herrn Johann Fischern, Bergmeistern -zu Freiberg, aufnehmen sollte. Das allerälteste geschriebene Chronikon -aber, welches noch vorhanden ist, sagt, daß Hans Heintze und Martin -Pflugk, der Schmelzer in Geyer, das Lehngeld geleget, und solchen Gang -bei Hans Fischern, Bergmeistern in Freiberg, aufnehmen lassen. Als sich -nun beim Abteufen der Gang veredelt, der Gehalt gebessert, und das -Geschrei ins Oberamt nach Freiberg geschollen, so hat der Bergmeister -daselbst etliche abgeordnet, das neue Gebäude zu befahren und an dem -nahe dabei liegenden Schottenberge einen Stollen zu treiben anfangen -lassen. Dies ist also Anno 1492 geschehen, als in welchem Jahre dieser -wüste und wilde Ort das Glück hatte, daß er bekannt geworden. Von -diesem Jahre an rechnen nun etliche den Anfang der Stadt St. Annaberg. - - -502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg. - -(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~ 1716, S. 32.) - -Als noch der Schneeberg mit Wald bedeckt war, befand sich daselbst eine -Försterei. Hier wurde den Umwohnenden, besonders in den Mühlen gegen -Griesbach, sowie den Hammerleuten in Schlema Holz angewiesen. Dabei -soll ein Pferd, welches man an einen Baum gebunden hatte, gescharrt und -in der Dammerde eine »Gilbe« entblößt haben. Das war der Anfang zum -Fündigwerden des St. Georg, an dessen Zechenhause sich vor Zeiten zur -Erinnerung ein aufgenietetes Hufeisen befand. - - Auch auf dem Rammelsberge im Harz soll nach der Sage ein Bleierzgang - durch das scharrende Pferd eines adeligen Herrn, mit Namen Ramm, - nach welchem später der Rammelsberg benannt wurde, aufgefunden - worden sein. Ist vielleicht die Schneeberger Sage derjenigen vom - Rammelsberge nachgebildet worden? Hingewiesen mag darauf werden, - daß Wuotan der Herr der Schätze ist und daß sein Roß dieselben - hervorstampft, indem es Erzadern ausscharrt. - - -503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges in Schneeberg. - -(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt -Schneebergk. 1684, S. 42. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen. 1883. -S. 22.) - -Der Freudensteiner Gang wurde 1526 von einer Magd entdeckt, als sie auf -dem hinteren Gleeßberge in einem Waldraum auf Neustädter Feldern Gras -holte und dabei einen Silberzahn mit der Sichel abhieb und nach Hause -brachte. Glaublicher wird gesagt, daß das gediegene Silber daselbst -von einer Kuh ausgetreten und vom Hirten gefunden und nachgehends mit -großem Nutzen gehauen worden ist, deswegen hier die Bergleute ein -Rätsel gemacht und einander zu raten aufgegeben haben: Wo das Erz über -den Haspel gewachsen? welches sodann mit dieser Zeche aufgelöst worden. - - -504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal. - -(Wrubel a. a. O., S. 23.) - -In der Gegend von Joachimsthal trafen Bergleute vom Geyer den ersten -Gang an der Wurzel eines Baumes, den der Wind an einem Bache umgeworfen -hatte. - - -505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten. - -(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica. 1590, S. 125.) - -Bei Joachimsthal, nicht weit von Arlsgrün (Arletzgrün) hinter dem -Galgenberge ist ein Zain Goldes mit dem Getreide abgeschnitten worden. - - -506. Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham. - -(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 79.) - -Das Bergwerk St. Lorenz oder Gottesgab bei Abertham ist also -aufgekommen: Nachdem eine Zeitlang an diesem Orte gebaut worden war, -ist im Jahre 1528 ein gar armer, jedoch verständiger und guter Bergmann -gewesen, welcher im dichten Walde fast allein in seinem Hüttlein wohnte -und sich von Viehzucht, obschon nicht alles sein Eigen war, ernährte. -Als dieser einstmals (es soll am 20. Februar gewesen sein) bei seinem -Weiler eine andere Milchgrube, wie solche gebräuchlich waren, graben -wollte, hat er eine reiche Sicherung von gediegen Silber, welche der -Brunnenquell vom Gange geröhret hatte, angetroffen. Darauf ist er mit -großen Freuden zu seinem Herrn gelaufen und hat ihm und anderen solches -anvertraut. Bald ist er auch zum Bergmeister gegangen und hat eine -Fundgrube gemutet, welche er Gottesgabe nannte. Nachdem er geschürft -und gesunken, hat er schöne Bergarten und noch mehr gediegen Silber -gefunden. Später hat man auf dieser Zeche so viel gediegen Silber -gebrochen, wie auf keiner andern seit Mannes Gedenken, ausgenommen St. -Georgen auf dem Schneeberge. - - -507. Der Fronleichnams-Stollen bei Annaberg. - -(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 18.) - -Derselbe hat sich von ohngefähr einem Fischer entblößet; denn als -dieser unter Buchholz fischte und mit dem »Stirreln« an dem Ufer -das Wasser trübe machen wollte, so brach ein Stück vom Ufer ein und -entblößte einen reichen und nutzbaren Gang, darauf hernach viel Erz -gebrochen und viel Silber gewonnen worden. Solches geschah am heiligen -Abende des Fronleichnams-Tages, davon der Stollen also den Namen -bekommen hat. - - -508. Die Entstehung von Schöneck. - -(I. Nach der poet. Bearbeit. Ziehnerts bei Gräße a. a. O., Nr. 633. II. -Nach mündlicher Überlieferung.) - -I. Das Städtchen Schöneck soll seinen Namen folgender Ursache -verdanken: Einst soll der kaiserliche Landvogt Heinrich Reuß (der -Reiche von 1140--1150?) auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt worden -und auf ein Bärenlager gestoßen sein. Die für ihre Jungen besorgte -Bärin sprang auf sein Roß los, dasselbe stürzte von ihrem wütenden -Angriffe zu Boden, und es würde um den Landvogt geschehen gewesen sein, -da sein Schwert beim Sturze zerbrach, wäre nicht ein junger Köhler auf -sein Hülferufen herbeigeeilt und hätte das wütende Tier von hinten -mit seinem Schürbaum erschlagen. Der Vogt erlaubte nun seinem Retter -sich eine Gnade auszubitten, und derselbe gestand ihm, er habe eine -Geliebte, die er aber nicht heiraten könne, weil er zu arm sei; er -bitte nur um einen Platz, wo er sich ein Häuschen bauen könne, und um -Holz dazu. Da lachte der Reuß und sagte ihm, er möge in seinem Lande -sich aussuchen, welchen Platz er wolle, wo er sich ein Haus bauen möge, -Holz möge er aus dem nächsten Walde nehmen und Steine brechen, so -viele er brauche, und so ihn jemand nach seinem Rechte fragen werde, -dem solle er diesen seinen Ring und sein zerbrochenes Schwert, welches -er ihm einhändigte, vorzeigen. Darauf zog der Köhler lange mit seinem -Liebchen im Vogtlande herum und nirgends wollte denselben ein Ort -passend erscheinen; endlich kamen sie auf einen hohen Berg voll Wald -und üppigem Graswuchs, da rief sie: »Das ist ein gar schön Eckchen, -da kann man weit ausschauen, da wollen wir bauen!« Und so geschah es -auch; der Köhler baute sich ein Häuschen und brannte einen Meiler an, -und nach und nach zogen auch andere Leute dahin und bauten sich um das -Häuschen herum an, und so entstand nach und nach ein Flecken, den hieß -man zum Andenken Schöneck. - -II. Emigranten aus Böhmen kamen einst in die Gegend von Schöneck. -Da gefiel es ihnen so wohl, daß sie ausriefen: »Das ist eine schöne -Eck'! hier wollen wir uns anbauen!« Und sie gründeten einen Ort, aus -dem später eine Stadt wurde, und nannten ihn wegen der Schönheit des -Platzes, auf dem er gegründet wurde, Schöneck. - - Nach ~Dr.~ Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger - Zeitung, 1883, Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt - sich erhebenden Friedrichsteines eine jedenfalls zur Zügelung der - Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225 Schöneck hieß, denn um - diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später siedelten - sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen - entstandene Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe - des Kaisers Karl IV., die Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck - nahm also ihren Namen von der weit älteren Burg an. Der Name der - Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen wurde, kein - slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende) - Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit - gebräuchliche Bezeichnung für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich - »schön« auf den für Anlage einer Burg geeigneten Platz und nicht auf - die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher bei Gründung - des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede sein - konnte. - - -509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein. - -(Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I, S. 89. Darnach Gräße, Sagenschatz d. -K. Sachsen, Nr. 243.) - -Da, wo jetzt das Schloß Bärenstein liegt, war vor grauen Jahren eine -rauhe Wildnis, und es hat einmal einer aus dem Geschlechte derer -von Bärenstein mit einem seiner Söhne auf dem Felsen, den jetzt das -genannte Schloß krönt, zwei wilde Bären angetroffen. Nachdem diese zum -Stehen gebracht worden, ist der Sohn vor dem Vater niedergefallen, -willens, den einen abzufangen, allein es ist ihm dies mißlungen, indem -ihm der Bär den Spieß zerbrach und ihn den Felsen hinuntergeworfen -hat. Hierauf hat die ganze Gefahr den Vater bedroht, allein dieser, -über den Fall seines Sohnes, den er tot vermeinte, hart ergrimmt, hat -den Bären heftig zugesetzt, sie mit seinem Spieße durchbohrt und den -Felsen hinabgestürzt, dann ist er aber zu seinem Sohne hingeeilt und -hat diesen wider alles Erwarten noch lebendig gefunden. Von dieser -Geschichte hat der Ort den Namen Bärenstein erhalten und ist derselbe -nachmals auch auf das Schloß übertragen worden. - - -510. Die Stiftung des Klosters Altzelle. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 357. Merkel und Engelhardt, -Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., S. 111.) - -Einst ist der heilige Benno über Land gereist, und da er an einem -öden Orte viele Tauben sitzen sah, prophezeite er, es werde in -Kurzem ein neuer Orden dorthin kommen, durch dessen Gebete viele -könnten selig werden. Darnach hat Otto, ein Markgraf zu Meißen, dem -Cisterzienserorden hier ein Kloster, Zelle genannt, bauen lassen, -herrlich begabt und ihnen eingegeben. Ein wunderthätiges Kreuzbild -in der Mitte der Klosterkirche, sowie eine Menge Reliquien machten -das Kloster bald zu dem berühmtesten und reichsten im Markgraftume -Meißen, und ein alter sächsischer Geschichtsschreiber erzählt von -den Reliquien, es wären ihrer so viel gewesen, daß er zweifele, ob -St. Petrus an der Himmelspforte sie alle namentlich in seinem langen -Thorzettel beisammen haben möge. - - -511. Ursprung von Dippoldiswalde. - -(I. Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, -1863, S. 4. Lessing, Bemerkungen zu der Frage: Ist der Ursprung und -erste Anbau von Dippoldisw. mit histor. Gewißheit nachzuweisen? 1863, -S. 6, 7. II. Nach einer handschriftl. Nachricht, welche sich einem der -Stadtgemeinde Dippoldiswalde gehörigen Manuskripte: »Der Churfürstl. -Sächs. Stadt Dippoldiswalde Statuta und Stadt-Recht etc. Anno 1678« -beigelegt findet.) - -I. Um das Jahr 930 soll in der Dippoldiswalder Heide ein Einsiedler -mit Namen Dippold aus dem Geschlechte derer von Clumme oder Lohmen -gelebt haben, um Gott in dieser Abgeschiedenheit mit Beten und Fasten -zu dienen und die heidnischen Bewohner zum Christentume zu bekehren. -Zu dieser Zeit soll auch die ganze Gegend noch böhmisch gewesen sein. -Nun hatte aber der Herzog Wratislaw von Böhmen zwei Söhne, Wenzel -und Boleslaw, von denen der erstere durch seine bereits christliche -Großmutter Ludomilla ebenfalls zum Christentume erzogen wurde. Darüber -entstand zwischen beiden Brüdern Feindschaft, welche so weit ging, daß -eines Tages Boleslaw seinen Bruder bei der Taufe eines seiner Kinder -meuchlings umbringen ließ. Aber der Brudermörder fand nun keine Ruhe -mehr, und um seine Gewissensbisse zu betäuben, suchte er Zerstreuung in -der Jagd. Dabei kam er auch in die mit dichtem Walde bedeckte Gegend -von Dippoldiswalde, wo er Kunde von dem Einsiedler Dippold erhielt. Er -suchte ihn auf und wurde von seiner Frömmigkeit und seinem Zuspruche -so ergriffen, daß er sich entschloß, Christ zu werden und sich taufen -ließ. Nach empfangener Taufe soll dann Boleslaw nicht weit von Dippolds -Klause, am Weißeritzflusse, an der Seite gegen Morgen, wo jetzt die -Stadtkirche steht, eine Kapelle gebaut und den Ort zu Ehren des -heiligen Mannes ~Sancti Dippoldi Silvam~, d. h. des heiligen Dippolds -Wald, genannt und den Ort mit vielen Freiheiten begnadigt haben. -Dieser Kirche soll Dippold acht Jahre lang als Priester vorgestanden -und viel von den ungläubigen Sorben, welche die angrenzende Landschaft -bewohnten, zu leiden gehabt haben. Nach seinem Tode soll er vom Papste -Johann X. oder Leo VII. heilig gesprochen worden sein, und weil man -angenommen, er thäte nach seinem Tode viel Wunder, soll eine große -Wallfahrt nach dem Orte erfolgt und dadurch Dippoldiswalde in Aufnahme -gekommen sein. - -Noch sieht man in der Heide am Fußwege nach Wendischcarsdorf die -Wohnung Dippolds, den Einsiedlerstein, und man zeigt dabei die Küche, -sowie im Grunde eine Quelle, den Brunnen des Einsiedlers, und auf -der Höhe im Walde zusammengeschichtete Steine, welche einer früheren -Kapelle angehört haben sollen. Ebenso war vor Jahren noch der Eingang -zu einer Höhle zu sehen, welche sich als Gang bis unter die Totenkirche -in Dippoldiswalde fortgesetzt haben soll. - -II. Die Stadt Dippoldiswalde hat daher ihren Ursprung und Anfang -genommen: Es ist einer mit Namen ~Dippoldus~ des Geschlechts der -~Clomen~ gewesen, welcher sich in seinem Alter in die Wildnis begeben -und darinnen etliche Zeit als Einsiedler mit Fasten und Beten Gott -gedienet. Seine Klause war in der Dippoldiswalder Heide nahe am -Dresdner Steige in einem großen Steine zu finden, und dabei befand -sich eine kleine Kapelle, ein Obstgarten und ein Brunnen, was aber -alles, bis auf den Brunnen, zerstört worden ist. Als einst der Herzog -Wenzel von Böhmen, wohin diese Landschaft ehemals gehörte, auf der -Jagd gewesen und den Einsiedler angetroffen, hat er sich mit ihm in -seine Klause begeben, und sich nicht allein über des Mannes Heiligkeit -und Andacht verwundert, sondern er hat auch nicht weit davon ihm eine -Kapelle zu Ehren erbauet, die er nach seinem Namen ~Sancti Dippoldi -Silvam~ genannt. Es ist diese Kapelle an dem Flusse Weißeritz, an der -Seite gegen Morgen, da jetzt die Stadtkirche stehet, erbaut worden. -Der Herzog aber hat diesen Ort mit vielen Freiheiten begnadet und dem -heiligen Manne vermacht. Derselbe hat darauf der Kirche acht Jahre -lang als ein Priester vorgestanden, das Volk treulich belehret, auch -viele von dem Unglauben zum christlichen Glauben gebracht. Wegen -seiner Heiligkeit ist er vom Papste canonisieret und von allem Volke -verehrt worden, und weil man dafür gehalten, er thäte nach seinem Tode -noch viele Wunder, ist eine große Wallfahrt nach dem Platze gehalten -worden. Dabei hat nun die Stadt Dippoldiswalde den Anfang genommen und -viele Jahre lang als ein offener Flecken bestanden. Als derselbe aber -unverhofft von Jahr zu Jahr zugenommen, die Hölzer zum Teil ausgerodet, -das dadurch gewonnene Feld bebauet und gute Silberbergwerke angelegt -worden waren, aber als ein Grenzflecken bei den Kriegszeiten, da die -Herzöge und Regenten in Böhmen und Markgrafen zu Meißen einander oft -bekriegt, großen Schaden hat leiden müssen, so hat man zum Schutze -gegen die eine oder andere feindliche Partei die Stadt zusammengezogen, -ordentliche Gassen und den Markt abgeteilet, und diese mit einer -starken Mauer und hohen Türmen, auch mit einer Zwingermauer und tiefem -Stadtgraben in der Runde umgeben. Solches ist zu der Zeit geschehen, da -der Ort unter die Markgrafen zu Meißen gehörte. - - -512. Ursprung der Stadt Oederan. - -(Staberoh, Chronik der St. Oederan. 1847. S. 15--17.) - -In früherer Zeit wurde die von Freiberg nach Chemnitz führende Straße, -besonders in der Gegend, wo jetzt Oederan liegt, von den Rittern des -Schellenberges und anderen Räubern vielfach beunruhigt. - -Im Jahre 1210 reiste ein Handelsmann aus Uffenheim im Frankenlande, -mit Namen Sebald Ranius, begleitet von seinem Diener nach der Stadt -Julin (Wollin) in Pommern. Als beide von Chemnitz aus glücklich durch -die unsicheren Waldungen bis in die Gegend des Wolfsthales gelangt -waren, wurden sie von den Räubern des Schellenberges überfallen. Nach -heftigem Widerstande blieben sie auf dem Platze in ihrem Blute liegen, -während der Wagen mit den Maultieren von den Räubern mitgenommen wurde. -Einige herbeikommende Mönche vom Orden der schwarzen Brüder, welche -am Ausgange des Wolfsthales, in der Gegend des jetzigen Hospitales -bei Oederan, eine Kapelle erbaut hatten und für die Klöster zu Flöha -und Chemnitz Almosen sammelten, kamen bald darauf an die Stelle und -fanden den Herrn tot, den halbtoten Diener jedoch nahmen sie mit und -verpflegten ihn. Als derselbe nach einigen Monaten geheilt war, reiste -er wieder nach Uffenheim zurück. Im folgenden Jahre kam die Witwe des -erschlagenen Ranius mit dem Diener an den Unglücksort, denn sie trug -das Verlangen, den Platz zu besuchen, wo ihr Eheherr gestorben und -begraben war. Sie beschenkte die schwarzen Brüder reichlich, ließ in -der Kapelle Seelenmessen lesen und verordnete, daß an dem Platze des -Überfalls ein Denkstein errichtet werde. Treulich befolgten dies die -Brüder, fertigten ein Denkmal, und weil der Erschlagene Ranius, dessen -Witwe aber Edda geheißen, so schrieben sie darauf: ~Edda Ranio~, d. h. -Edda dem Ranius. Das Denkmal stand an der Stelle, wo sich jetzt der -Gasthof zu den drei Schwanen befindet. Der Diener baute daneben ein -Gasthaus, um die Pilger mit Speise und Trank zu erquicken. Auch die -schwarzen Brüder benutzten diese Gelegenheit, verließen ihre Wohnung -bei der Kapelle und bauten sich bei dem Denkmale an, an welchem sie -nun ihre Almosen einsammelten. Von der Inschrift des Denkmals aber -wurde diese kleine Ansiedelung »Edda Ranio«, genannt, woraus sich mit -der Zeit der Name »Eddaran« und »Oederan« bildete. Die Ansiedelung -vergrößerte sich, denn es entstand bald darauf eine Schmiede neben -dem Gasthofe und später auch ein Kloster, das bald eine größere -Menge von Ansiedlern herbeizog. Von diesen Ansiedlern lebt der Name -eines einzigen fort, welcher gleich anfangs hier eine Mühle (die -Kirschbaummühle) anlegte, und dessen Name sich bis auf unsere Zeiten -erhalten hat. - - -513. Die Gründung von Mittelsayda. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 234.) - -Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda in -der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen 1419 -und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten abwanderten und -sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem -Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfert'sche und -Zimmermann'sche, deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten. - - -514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis bei Freiberg. - -(E. H. Müller, Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 28.) - -In einem tiefen, fruchtbaren, mit Laubholz bewachsenen Thale bei -Erbisdorf entdeckten einige Mönche aus Zelle ein klares rieselndes -Quellwasser. Einem alten, im blutigen Kriegshandwerke ergrauten Ritter, -welcher des rohen, wilden Lebens müde war, gefiel die abgelegene -friedliche, von Grün umgebene Gegend so sehr, daß er hier sein Schwert -niederlegte, eine Hütte erbaute und ein beschauliches Einsiedlerleben -führte. Viele Menschen aus der Umgegend besuchten bald darauf den -stillen, frommen und zugleich erfahrenen Mann und fragten ihn in -besonders schwierigen Lebensfällen um Rat. Vorzugsweise galt er für -einen guten Arzt und seine Arten von Thee sollen große Heilkuren -bewirkt haben. Das klare Wasser seiner Quelle kam bald in den Ruf, daß -es wunderbare Heilkräfte besitze und wider viele Gebrechen und Übel -gute Dienste leiste. Später baute man, angeblich ums Jahr 1430, eine -kleine Kapelle in der Nähe der Quelle, und der Abt zu Zelle widmete sie -dem Erzengel Michael. An der Kapelle zu St. Michael dienten anfangs -zwei, später nur ein Priester, der daselbst Messe las und Beichte -hörte. Über dem geweihten Altare hing ein uraltes schwarzes, aber -wunderthätiges Heiligenbild, von dem man aber völlig im Unklaren blieb, -ob es den Erzengel Michael oder die Jungfrau Maria vorstellen sollte. - -Die Kapelle, welche später mit dem Heiligenbilde durch einen Brand -vernichtet wurde, war der Anfang des Dorfes St. Michaelis. - - -515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau. - -(Nach der Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 216.) - -Schon zu Zeiten der Kreuzzüge gab es in Niederschönau eine berühmte -Wallfahrtskapelle, die Hundskapelle genannt, welche man aus weiter -Entfernung besuchte. Die jetzige Kirche soll durch einen Ritter von -Mergenheim oder Mergenthal gegründet worden sein. Derselbe hatte sich -das Kreuz angeheftet und war zur Wiedergewinnung des heiligen Landes -fortgezogen. Dabei that er das Gelübde, wenn er glücklich wieder in -die Heimat zurückkehre, wolle er eine Kirche und Pfarrei begründen. -So geschah es auch. Für die Pfarrstelle gab er ein ansehnliches Stück -Land und eine nicht unbedeutende Waldung her; später aber sollen leider -einige Priester ihren Haushälterinnen von dem Pfarrgrundstücke einige -Parzellen zu verschaffen gewußt haben, jedenfalls dieselben, welche -gegenwärtig mit einem sehr geringen Erbzins für den Pfarrer des Ortes -belegt sind. - - -516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite bei Schwarzenberg. - -(Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge. -II. 1777. S. 68. Lindner, Wanderungen durch die interessantesten -Gegenden des Erzgebirges, I. H., Annaberg, 1844. S. 13.) - -In dem Dörfchen Waschleute (Waschleite) hatten sich zu der frommen -Klosterzeit in Grünhain Leute angesiedelt, die das Waschen und -Scheuern im Kloster versahen; man hatte sich nicht die Mühe genommen, -ihrem Ansiedelungsplatze einen Namen zu geben, denn waren sie nötig, -so wußte jedermann, wo die Waschleute zu suchen waren. -- Das -Gerichtssiegel des Ortes führt ein Waschfaß, an welchem zwei weibliche -Personen mit Wäsche beschäftigt sind. - - Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen - von Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar - Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte. - Das Dorf entstand auf einem Teile der Glaßberger Fluren. Das Dorf - Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört wurde, lag am Fuße - des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile des - Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.) - - -517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf bei Annaberg. - -(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746. S. 15.) - -Daß lange vor der Erbauung von Annaberg schon Bergbau in der dortigen -Gegend getrieben worden, erhellet daraus, daß das Dorf Geyersdorf, ¾ -Stunde von der genannten Stadt entfernt, schon vor Gründung derselben -angebaut gewesen und eigentlich Häuersdorf geheißen hat. Viele -Bergleute von Geyer sind hierher gezogen und haben dem Dorfe den Namen -gegeben, indem damals nichts als Häuer und andere Bergleute darinnen -gewohnet. Auch hat an dem Pöhlberge ehemals ein Dorf gelegen, darinnen -vielleicht auch Bergleute mögen gewohnt haben, welche hernach nach -Geyersdorf gezogen sind, und welches Dorf damals, als St. Annaberg -erbauet worden, schon wieder wüste gelegen und von seinen Einwohnern -vielleicht wegen der gefährlichen Gewitter am Pöhlberge verlassen -worden ist. - - ~Dr.~ E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen - Annaberg und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs. - Gesch. 10. B., S. 84.) - - -518. Ursprung des Namens Buchholz. - -(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 17.) - -Buchholz heißt eigentlich Catharinenberg, und weil auch ein Catharinen- -oder Catharberg in Böhmen gelegen, in der Gegend des heutigen Annaberg -und Buchholz aber ein Buchenwäldlein oder sogenanntes Buchholz -vorhanden gewesen, so ist dieser, durch Erregung des Bergwerks -angebaute Ort nach selbiger Zeiten Brauch der heiligen Catharina, als -einer vermeinten Schutzpatronin, geeignet, dann aber zum Unterschied -des Catharinenberg in Böhmen, St. Catharinenberg im Buchholz genannt -worden; doch hat es meistens, nur der Kürze willen, den Namen Buchholz -behalten. - - -519. Ursprung des Namens Grünstädtel. - -(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748, S. 25.) - -Grünstädtel bei Schwarzenberg wird in Schriften »Dorff-Städtlein« -genannt. Von Annaberg aus wurden nach seiner kleinen, der heiligen -Anna geweihten Kirche große Wallfahrten unternommen. »Maßen denn auf -dem Altar noch das Bildnis der St. Anna stehet, die in der einen -Hand ~Salvatorem mundi~ mit der Erdkugel hält, und in der anderen -Hand den heiligen Johannes; unter dem Bildnisse aber stehet in Holz -eingeschnitten: ›O heilige Anna, hilf selb dritt!‹« Das Dorf hatte -einen Jahrmarkt samt Brauen und freien Bierschenken, nebst Fleischbank, -und darum wurde es »Städtel« genannt, bis nachgehends etliche Häuser -nach Pöhla zu angebaut wurden, die man »die Grün« geheißen; so habe -man's endlich zusammengesetzt und es sei »Grünstädtel« daraus geworden. - - Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung - zur Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren - der h. Anna eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge - erbauen lassen, da man von ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die - Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel: »O heilige Anna, hilf - selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung, daß Anna, - Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man nannte - sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen - Geschichte des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert, - daß sich am Kirchthore zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden: - »Hilf St. Anna selb dritt uns allen Amen!« und er verweist dabei auf - eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle in Freiberg, welche - lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!« Sind - diese Inschriften noch vorhanden? - - -520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau. - -(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.) - -Als einst die Sorben immer weiter nach Süden ins Gebirge gedrängt -wurden, kamen sie auch in die Gegend, wo jetzt Zschorlau liegt. In -dem dichten Walde, welcher die Gegend bedeckte, gelangten sie an eine -frische, sprudelnde Quelle, an der sie ihr Mittagsmahl hielten. Das -Thal gefiel ihnen so, daß sie beschlossen, sich hier niederzulassen. -Die Quelle nannten sie eine »Zschorle«, aus welchem Worte nach und nach -Zschorlau geworden ist. Noch heute wird jener Brunnen gezeigt, derselbe -befindet sich im obersten Teile des Dorfes. Früher floß der Quell in -einen Wasserkasten, später wurde ein kleines Häuschen darüber gebaut -und jetzt fördert eine Pumpe das Wasser zu Tage. - - Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl« - genannt. Nach Immisch ist der Name von dem wendischen ~Zorlo~, die - Quelle, abzuleiten. - - -521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels. - -(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.) - -Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt Karlsbad -liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem Wild etwas zu -sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten, hat er alsbald -ein großes Heulen und Geschrei angefangen. Als dies die Jäger vernommen -und gedacht, der Hund hätte etwas angetroffen und gestellet, sind -sie dem Geschrei nachgefolget und haben den Hund in dem heißen Pfuhl -oder Moder gefunden. Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er -mit vielen der Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici -nachmals befunden, daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte, -auch solches an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel -gehabt, probiert, hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen -und bewohnen solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große -Stadt zu bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück -Mauern am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß -Keller allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß -bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur das -wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter Kaiser Karl -seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt das Rathaus -stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu heiß, sondern -etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen Sessel, in Stein -ausgehauen, gezeiget haben. - - Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad - bereits vor Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den - Umwohnenden bekannt waren. Eine alte Karte, welche den Zustand - Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts darstellt, hat auf der - Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort ~Wary~; dieses - böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus. - Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer - Wissenschaft beschäftigenden Mönche der schon frühzeitig in dieser - Gegend entstandenen Klöster auf die Heilkräftigkeit des Wassers - aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale der Ort »Warmbad«, - wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde. Historisch - ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann, - dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt - wurde, und daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter - besucht hatte, am 14. Aug. 1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob - und derselben dabei seinen Namen verlieh. (S. Ausführliches bei Fr. - Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia, 5. Jahrg. 1879.) - - -522. Die Entdeckung der Heilquellen von Teplitz. - -(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. -Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI, 9. und -10. Heft.) - -Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter und -mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen Hirten hatten -eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine verloren, welche -sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen Waldes fanden, wie -sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe wühlten. Das Wasser des -Sumpfes schien seine Wärme von einem unterirdischen Feuer erhalten zu -haben. Eiligst trugen nun die Hirten die Kunde von ihrer wunderbaren -Entdeckung ihrem Herrn zu, und dieser verfügte sich sofort an Ort und -Stelle und ließ daselbst in der Folge eine wohlbefestigte Holzburg -erbauen. - -Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus. Da bewog -Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin, welche den -Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete, ihren Gemahl -Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall bemächtige. -Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg Kolostuj's, -doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand -versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod. - -Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen -Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt -man noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange -des Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus, -welches als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt -Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man -ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum -Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an -dieser Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im -Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel, -worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen -Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken. Eine -lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie. -Sie lautet in deutscher Übersetzung: - - »Unter dem Schirme des allerschaffenden dreieinigen Gottes, - unter dem Schutze Johannes des Täufers, - unter der Regierung des Herzogs Nezamislaus, - als Kolostuj hierorts gebot, - wurde durch dessen Schweine, die in den Wäldern auf der Weide waren - und mit ihren Rüsseln die Thermen aufwühlten, - unser Quell 762 entdeckt. - Zum Andenken daran ward dieser Stein errichtet, - angefertigt von dem Bildhauer Balthasar.« - - Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten - Angabe des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan, - welcher auch als Tag der Entdeckung der Quelle den 29. August, den - Tag Johannes des Täufers, anführt. Josef Schwarz teilt dagegen - (Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim Abtäufen der - Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen - scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten - Römern bekannt war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für - günstige Heilerfolge der Quellennymphe gespendet worden. Auch beim - Abtäufen der Riesenquelle bei Dux fand man Bronzeschmuck aus der - Heidenzeit. - - Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich - Kolostuj's Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa - nannte, es möge Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört - haben, da sich Herzöge nur nach solchen nannten. Ferner erzählt er, - daß einst die Quellen, wie dies auch später im Jahre 1755 bei dem - Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der Anwohner - verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil - sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen. - - Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der - Teplitzer warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte - Balbinus das Jahr 502 n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden - noch die Jahre 507, 616 und 858 angeführt. Das in dem Teplitzer - Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes des Täufers, - welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich - auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29. - August gewesen sei. (Erzgebirgszeitung a. a. O.) -- Es ist nicht - uninteressant, wie die Sage auch von andern warmen Heilquellen - meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden. So wird - z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien - seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von - Schweidnitz und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen - Hirsch aufspürte, welcher, seinem Instinkte folgend, in dem »warmen - Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm. (Vom Fels zum Meere. - Sommerfrische, 1884, S. 500.) - - -523. Die Namen der Stadt Zwickau. - -(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~ oder Beschreibung der sehr alten, -löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.) - -Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen ~Cygna~, sei -also benannt von dem alten Fürsten ~Cygno~, welcher einesteils für -~Herculis~ Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils -auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen -Gottesdienst und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der -Tempel und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. -- Andere -sagen, diese Stadt habe den Namen von ~Cygno~ des ~Harminii~ und -Sachsen-Königs, so den Römer ~Quintilium Varum~ erlegt, Kriegs-Obristen -einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben -und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. -- Etliche leiten diesen -Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen, -dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben -Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn, nach ihrem -Namen ~Cignavia~ oder Schwanenfeld benannt worden, wie auch die Reime -am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also gelautet: - - Schwanhildis gherrscht an diesem Ort, - Nach ihr Schwanfeld genannt ward. - -Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich bis auf -Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den Namen zu -verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. -- Etliche -meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei Schwanen zur -Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen, so hätte er die -Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch andere Meinungen, aber -sie können doch dieser nicht vorgezogen werden. Denn sie sagen, Zwicka -habe des Namens Ursprung von Zwickbärten, welche die Zwickauer vor -Zeiten getragen haben und sonsten nicht jedermann hat tragen dürfen, -darauf sie auch sonderlichen sind privilegiert gewesen. - - Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im - Erzgebirge (Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen - Namens Zwickau als von ~Wiki~, der Markt, möglich hingestellt, so - daß derselbe dann mit ~Wikow~, dem wendischen Namen für Elsterwerda, - gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße. Jedenfalls - entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr - bald zu einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen - nach Böhmen zwischen Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im - Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs zwischen Nord- und - Süddeutschland werden. - - -524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg bei Marienberg. - -(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dresden, 1750, S. 12.) - -Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von einem -Besitzer des Schlosses Lauterstein haben; und zwar, als es belagert -worden, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler war, -mit einem Pferde herab auf die Wiese gesprungen und das Pferd darüber -in der Erde stecken geblieben sein. Hierauf habe er sich auf den Berg, -wo das Dörfchen liegt, retirieret und er sei alsdann dort gefangen -worden. Von diesem ritterlichen Sprung habe darauf erwähntes Dörfchen -den Namen Ritterssprung und nach der Zeit Rittersberg bekommen. - - -525. Gründung und Name der Stadt Werdau. - -(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißnergrundes. Zwickau, -1794, S. 267.) - -Ein Bischof Egidius soll zu der Zeit, als die ganze Gegend noch Wald -gewesen, an diesem Orte gejagt haben. Als er hier etwas ausgeruht und -geschlummert hatte, sei ein Reh zu ihm gekommen, und da er gerufen: -»Wer da!« habe sich das Reh vor ihm niedergeworfen und seine Läufte -auf den Schoß gelegt. Da habe sich denn der Bischof entschlossen, die -Bäume auszurotten, eine Stadt anzulegen und an dem Ort, wo das Reh zu -ihm gekommen, das Rathaus zu bauen, und die Stadt habe daher den Namen -»Werda« bekommen. Sie führt im Siegel einen Bischof mit einem Stabe. - - -526. Der Name der Stadt Frankenberg. - -(Schumann und Schiffner, Lex. von Sachsen, 15. B., S. 809.) - -Den Namen der Stadt Frankenberg findet man in ältern Urkunden -Vrankenberc geschrieben, und man will ihn von den Brüdern Franz und -Anton Franke ableiten, welche das berühmte Silber- und Kupferbergwerk -am Treppen- oder Trappenhauer jenseits des Schlosses Sachsenburg -gründeten oder doch sehr erhoben. Andere aber bringen ihn mit dem Namen -Sachsenburg in Vereinbarung. - - Auf dem Treppenhauer, wo man früher Spuren von Wällen und Gräben sah, - soll nach einer Überlieferung im 13. Jahrhundert die Burgwarte Gozne - gestanden haben. - - -527. Von dem Namen der Stadt Marienberg. - -(Kirchengalerie v. Sachsen, 12. B., S. 207.) - -Das Gebiet der Stadt Marienberg wurde am 29. April 1521 von ~Dr.~ -Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister zu Freiberg, welcher im Jahre -1497 Annaberg hatte messen helfen, abgesteckt. Es soll nun Herzog -Heinrich die neue Stadt deshalb Marienberg genannt haben, weil -sie gleichsam wie eine Tochter aus den Annabergischen Bergwerken -entsprungen wäre, oder weil sich bei neulichen Zeiten der Jungfrau -Maria Eltern, Anna und Joachim, sehr wohl und reich im Bergbau dieser -Gegend zu St. Annaberg und in Joachimsthal bezeiget, habe er solches -zum guten Glücke gethan und gemeint, die Tochter werde nicht minder als -die Eltern sich wohl lösen. - - Es ist bemerkenswert, daß sich in den Städtenamen des Erzgebirges - die ganze heilige Familie, nämlich die Eltern der Maria, Joachim und - Anna, durch Joachimsthal und Annaberg und die Eltern Jesu, Josef - und Maria, durch Josephsstadt und Marienberg vertreten findet. - Aus Josephsstadt entstand durch Zusammenziehung Jöhstadt, das als - Dorf Gißdorf hieß. Joachimsthal soll nach Meltzer, (Bergkläufftige - Beschreibung der löblichen Bergk-Stadt Schneeberg, 1684, S. 26) - anfangs von den Bergleuten blos Thal genannt worden sein, »dahero - auch dieses Geschrey beym Anfang desselbigen Bergkwerks entstunde: Im - Thal, im Thal, mit Mutter mit all!« - - -528. Ursprung und Name von Elterlein. - -(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. -Erzgebirges, 1. H., Annaberg, 1844, S. 57. Grundig, Neue Versuche -nützlicher Sammlungen etc., 1. B., 1750, S. 99. Joh. Poeschel im -Glückauf, Jahrbuch für das Erzgebirge, 1884, S. 168 etc.) - -Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von der Gegend -von Elterlein bis Wiesenthal aus. Reisenden war in der Nähe, wo jetzt -Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet, um welches -sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung gewährten. -Sie hießen die Häuser am Altärlein und gaben Anlaß für die allmählige -Erbauung des Städtchens, welches in seinem Ratssiegel ein Altärlein -mit zwei Kerzen und einem Kelche bis zur Stunde führt. Lange Zeit noch -erhielt sich die Tradition, daß die Reisenden gemeiniglich unterwegs -den Vorsatz gefaßt: »wenn wir zum Altärlein kommen, wollen wir uns -Messe halten lassen; daher sei es gekommen, daß der Ort selbst nach und -nach Altärlein, oder wie man jetzt schreibt, Elterlein sei genennet -worden.« - -Nach Richters »Umständlichen aus zuverlässigen Nachrichten -zusammengetragenen Chronica der im Meißn. Obererzgebirge gelegenen -Königl. Kurfürstl. Sächs. freyen Bergstadt St. Annaberg, II. Theil -(Annaberg 1738) S. 31, soll Elterlein so viel heißen als »das -ältere Lehen«, ~respectu~ Schlettau, welches bereits vormals den -Schönburgischen Herrn zugestanden.« - -Nach anderen soll Elterlein ehedem »Quedlinburg« geheißen haben. - - Bei den Beschwerden und Gefährlichkeiten des Reisens in früheren - Jahrhunderten war es Bedürfnis, daß die Reisenden vor einer Reise - Gott um Schutz anflehten und nach derselben für seinen Schutz - dankten. Diesem Bedürfnisse kam die Kirche dadurch entgegen, daß z. - B. im Jahre 888 auf dem Konzil zu Mainz durch Erzbischof Liutbert - dem Reisenden gestattet worden war, in Ermangelung einer Kapelle - oder Kirche unter freiem Himmel an geweihten tragbaren Altären - Messe halten zu lassen. Ein solcher Altar mochte auch da, wo jetzt - Elterlein steht, durch das Cistercienserkloster Grünhain errichtet - worden sein. Das Recht, derartige Altäre im Freien anzustellen, - gehörte mit zu den besonderen Privilegien der Cistercienserklöster. - (S. Joh. Poeschel a. a. O., S. 169.) - - -529. Ursprung des Namens Hermannsdorf bei Elterlein. - -(Richter, Chronica von Annaberg, II, 1748, S. 31.) - -Es soll in Hermannsdorf ehemals einer von Adel gewohnt haben, Hermann -genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen. Dessen drei -hinterlassene Söhne aber, als Simon, Walther und Konrad, hätten die -drei nahgelegenen Dörfer Sehma, Walthersdorf und Konradsdorf angebaut -und bewohnt. - -Um Hermannsdorf hat auch früher ein großer Buchenwald gestanden, also, -daß die Annaberg'schen Bergleute, die solches Holz oft geholt, die -Hermannsdörfer nur die »Hainbuchner Bauern« geheißen. - - -530. Ursprung des Namens Crandorf. - -(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 33.) - -Einige Alten wollten wissen, daß der Anbau von Crandorf zur Zeit des -Hussitenkrieges im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen habe, da -einige von den Verfolgten aus Böhmen in die damals in dortiger Gegend -ausgebreiteten Wälder geflohen seien. Sie hätten dann mit Holzschlagen -und Kohlenbrennen ihre Nahrung gesucht. Weil nun in den Waldungen -mancher »Kohl-Cram«, d. h. Häuschen für die Köhler, anzutreffen -gewesen, oder weil sich die Ansiedler zu ihren Wohnungen anfangs nur -solche niedrige Hütten gebaut, die einem »Kohl-Cram« nicht unähnlich -geschienen, so hätte man den Ort anfänglich »Cramdorf« genannt, woraus -später »Crandorf« geworden sei. - - -531. Ursprung des Namens Grünhain. - -(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 34.) - -Grünhain soll seinen Namen von dem grünen Hain haben, darin die -Sorbenwenden ihre Götzen aufgerichtet, oder wenigstens haben sich die -Mönche darin verliebt und ihr Kloster darinnen aufgebaut. - - -532. Von dem Namen Hermannsdorf bei Weißbach. - -(Mündlich. Schumann, Lex. von Sachsen, 12. B., S. 548. Sachsens -Kirchengalerie, 8. B., S. 31, 59, 60.) - -Hermannsdorf oder Hermersdorf ist ein Ortsteil von Weißbach. Seinen -Namen soll derselbe von einem gewissen Hermann erhalten haben, dessen -Edelsitz nach der Volkssage im untern Teile des Ortes lag, wo man beim -Kellergraben verschiedene alte Gefäße und in einem Garten tief in der -Erde ein altes Hufeisen gefunden haben will. Man bezeichnet auch noch -heute einen Felsen, welcher sich am Abhange eines kleinen, nördlich -von Hermannsdorf im Walde liegenden Thales erhebt, als »Hermannsgrab.« -Dicht an demselben führt ein Weg vorüber, welcher sich links von dem -von Griesbach nach dem Orte führenden Wege abzweigt, und wenn man in -unmittelbarer Nähe des Felsens auf diesem Wege scharf auftritt, so -klingt es hohl, als ob man sich über einem Gewölbe befinde. Hier soll -der genannte Hermann, welcher auch ein berühmter Heerführer gewesen -sein soll, in einem silbernen Sarge begraben liegen. Manche erzählen, -daß von dem Hermannsgrabe ein unterirdischer Gang bis nach Hermannsdorf -führe. In dem anstoßenden Walde sind schon viele Leute des Nachts durch -Lichter irre geführt worden, oder sie erblickten an dem oben erwähnten -Felsen den Schlangenkönig mit goldener Krone. Früher war es Sitte, daß -die Schützen von Hermannsdorf bei einem ihrer Feste jedes Jahr mit -Musik nach diesem Platze zogen. - -Am Hermannsgrabe sollen auch 1718 die acht Steinplatten mit uralten -Inschriften gefunden worden sein, welche sich seit dem Jahre 1753 im -Schlosse zu Wildenfels befinden. Die eine dieser Platten nennt einen -»Hermin«, und man vermutet (jedoch mit Unrecht), daß dies ein Sohn -Markgraf Eckarts I. gewesen sei, welcher zwischen 1029 und 1032 von den -aufständischen Sorben erschlagen wurde. Auch verlegt die Volkssage in -die Gegend, nämlich auf eine südlich von der Kirche zu Weißbach, dicht -am Kirchhofe liegende kleine Anhöhe, welche früher mit einem Walle -umgeben gewesen sein soll, die Stelle, wo einst die Rammels-, Rommels- -oder Rummelsburg stand. Von dieser aus soll jener Hermann gegen die -Sorben zu Felde gezogen sein. - - Die genannten 8 Steinplatten bestehen bis auf eine, welche eine - Grünschieferplatte ist, aus Thonschiefer. Adelung hat seiner Zeit - die Inschriften für die ältesten Denkmäler obersächsischer Mundart - erklärt. Sie lauten: ~1. Voir glabbe alla in ainen Got Vade Vahan.~ - (Nun folgen die Figuren einer Krone, einer Geißel und eines Kreuzes.) - ~2. Diser hogn ist im tuszend and tr... nati Chrs. 3. Da laitgodsa - hermin was of a man Künglg anita vilil starn Amshabt and üm handa - üm dar alaigt üm dar akogl haer um gumers din was dar bool bor. 4. - Daristain haldi laits tuai. 5. sgrab dar harmit ludott bottai. 6. Dia - Hermandr barrtn sundr sandan boolbor. 7. Das awas ab hagods. 8. Das - Gebat~ (eine Überschrift des nun folgenden, aber nur bruchstückweise - noch vorhandenen Vaterunsers) ~Voder onser du bist im Himel ... dein - Voill gescho ...~ - - Nach Joh. Gottfried Wellers Erklärung besagt die Inschrift Folgendes: - Wir glauben alle an einen Gott, Vater von (wegen) der Dornenkrone, - der Geißel und des Kreuzes (des Leidens Christi). Dieser Hügel ist - im tausend und dritten (13ten oder 30sten) Jahre ~Nat. Christi~. - Da liegt Hermann, welcher war ein königlicher Mann hienieden, viel - (vortrefflich) regierend amtshaft (amtsmäßig) und umhanden (um der - Beschaffenheit oder Gelegenheit wegen). Darum er liegt am Ende des - Eichhügels. Herr, um deines Jammers willen war er wohlgefahren. Der - Stein enthüllt zwei Leute, des Grabs in dessen Mitte sie gelegt - wurden. Die Hermunduren (Kriegsmänner) wurden (sind) wohlgefahren - (selig gestorben) auch ohne Mönchskutten (~santan~ wahrscheinlich von - ~sanctum~, weil hohe Personen sich im Mittelalter zum Beweis ihrer - Frömmigkeit gern in Mönchskutten begraben ließen). Das war ihres - Herrgotts wegen. Das Gebet. Vater unser u. s. w. - - -533. Entstehung des Namens Gottesgab. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 71. Krieglstein in -der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. 3. und 4. Heft.) - -Auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirtbaren und -frostigen Moorplateau des an Naturschönheiten aller Art reichen -Erzgebirges liegt hart an der sächsischen Grenze Gottesgab, die -höchstgelegene Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. -Ursprünglich Wintersgrün genannt, erhielt dieses Städtchen seiner -Silbererze wegen, die hier im 16. Jahrhunderte zu Tage gefördert -wurden, gar bald von frommen und dankbaren Bergleuten den -bedeutungsvollen Namen: Gottes Gabe. - -Der Sage nach verdankt Gottesgab die Entstehung seines Namens dem -Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Als derselbe nämlich eines -Tages mit seinem Gefolge nach Wintersgrün kam, das dazumal zu Sachsen -gehörte, und den blühenden Bergbau in Augenschein nahm, setzte man -ihm einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen -vor. Der fromme Kurfürst aber soll dieses Anerbieten mit den Worten -abgewiesen haben: »Das ist Gottesgabe, und so soll die Stadt hinfüro -genannt werden.« Daher hieß in der Folge die Bergstadt Gottesgab. - -Nach einer andern Sage kam der Kurfürst Johann Friedrich einst mit -seinem Jagdgefolge in die waldreiche Gegend der Hochebene. Da traf -es sich, daß sein edles Roß, mit dem Hufe die Erde stampfend, ein -ansehnliches Stück Silbererz zu Tage förderte. Über solch reichen -Bergsegen erstaunt, rief der Fürst aus: »Das ist eine Gottesgabe!« Und -darnach wurde bald darauf die infolge der daselbst brechenden reichen -Silbererze entstehende Ansiedelung genannt. - - -534. Die Entstehung des Namens Abertham. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 83.) - -An einem kleinen Bache, der roten Wistritz, liegt unweit am Fuße -des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Pleßberges auf einem -rauhen Hochplateau das alte Bergstädtchen Abertham, über dessen -Namensentstehung die Sage folgendes berichtet: Als um das Jahr 1529 -ein Bergmann in der Aberthamer Gegend eine Silberader verfolgte und -bei seiner Arbeit einen Damm schlug, wurde er von einem Fremden, -der gerade vorüberging, gefragt, was er hier mache. Der Angeredete, -welcher sich in seiner Beschäftigung nicht stören ließ, sagte kurz und -schnauzig: »Einen Damm.« Der Fremde ging seines Weges weiter, kam aber -nach kurzer Zeit wieder zu dem Orte, wo er den emsigen Bergmann bei der -nämlichen Arbeit beschäftigt fand. Diesmal werde ich mit der Antwort -glücklicher sein, dachte der Fremde und sprach: »Guter Freund, sagt -mir doch, was für Arbeit Ihr da vollführt?« Allein der Bergmann gab -ärgerlich, weil ihm entweder die Arbeit nicht gelingen wollte, oder er -den Fragesteller, dem er schon einmal Rede gestanden, wieder erkannte, -zur Antwort: »Aber einen Damm!« Aus diesen Worten entstand für die neue -Bergkolonie der Name: »Am Abertham,« der in der Folge als »Abertham« -dem Städtchen verblieb. Manche Leute aus der Umgebung gebrauchen noch -die alte übliche Benennung: »Am Abertham.« - - -535. Ursprung des Namens der Stadt Platten. - -(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 48.) - -Es geben etliche für, die Platten soll ihren Namen haben vom ~Petro -Plateano~, dem hochgelehrten Mann und wohlverdienten weitberühmten -Schulmeister, welcher zu der Zeit, da er der Schul in Joachimsthal -fürgestanden, bisweilen selbst am selben Ort geschurft haben soll, wie -auch auf der Gottesgab. Soll des Morgens frühe mit etlichen großen -Schülern aufgestanden sein, auf dieselben Gebirge hinaus gelaufen, -geschurft und gearbeitet haben, bis zu der Zeit, da er in der Schul -~laboriren~ sollen. - - -536. Ursprung und Namensentstehung von Bärringen. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.) - -Das ganze obere Erzgebirge war vor ungefähr 400 Jahren noch mit einem -dichten Urwald von Fichten, Eichen und Buchen bedeckt, in welchem Eber, -Dachse, Luchse, Elenthiere, Biber, Wölfe und Bären hausten. Auf das -Vorkommen solcher Thiere weisen viele Bezeichnungen von Plätzen hin. So -giebt es beispielsweise in der Umgebung von Platten einen Wolfsberg, -eine Wolfspinge, einen Bärenfang, bei Salmthal am Abhange des Wölflings -ein Bärenloch, bei Mariasorg einen Wolfsberg. Ja die Sage schreibt -einem Bären sogar den Ursprung und Namen des Städtchens Bärringen zu. -Sie lautet: Einst fuhr ein Bergmann von dem Dörfchen Irrgang nach dem -heutigen Bärringen und bemerkte abseits des Weges im Walde, in der -Gegend des sogenannten schwarzen Teiches, einen gewaltigen Bären, der -mit seinen Tatzen die Erde aufwühlte, um sich ein Lager zurecht zu -richten. Der Mann suchte, das grimmige Tier fürchtend, das Weite. Als -er aber später auf demselben Wege nach Irrgang zurückfuhr, war von -dem Bären nichts zu sehen. Deshalb ging er auf den Ort zu, wo der Bär -gescharrt hatte, und erblickte erstaunt einen Schurf (Ring, Kreis), aus -welchem Zinngraupen von ungewöhnlicher Größe hervorblinkten. An dieser -vom Bären entblößten Lagerstätte von Zinnerz wurde im Jahre 1532 der -Bergbau begonnen, dem das Städtchen, das durch Vereinigung der Wörter -»Bär« und »Ring« den Namen Bärringen erhielt, seinen Ursprung verdankt. -Darauf soll auch das Stadtwappen deuten, welches einen Bären vorstellt, -der einen Ring in der Pfote hält. - -Andere erzählen, daß Bärringen in seinen ersten Anfängen nur aus -wenigen zerstreut liegenden, armseligen Hütten bestanden habe, welche -Bergleute bewohnten. Eines Tages sahen mehrere Bergknappen zwei -Bären im erbitterten Kampfe mit einander ringen. Als in der Folge -mit dem Aufschwung des Bergbaues sich die Ansiedler mehrten und die -Niederlassung zu einem zusammenhängenden und ansehnlichen Orte anwuchs, -wurde dieser »Bär-Ringen« genannt, woraus sich im Laufe der Zeit das -Wort Bärringen bildete. - -Nach einer anderen Sage soll ein Bergmann mit einem Bären gerungen -haben. - -Ein jüngerer Bruder des ritterlichen Grafen Stephan Schlick, durch -dessen vortreffliche Fürsorge Joachimsthal zu einer reichen, -dichtbevölkerten Stadt emporblühte, verlor einmal auf einer Jagd im -dunkeln Tannenforst der Bärringer Gegend einen prachtvollen Ring. Alles -Suchen blieb erfolglos. Da bemerkte kurze Zeit darauf ein Bergmann auf -einem alten Gemäuer einen Bären, der den verlorenen Ring des Grafen -Schlick im Rachen hielt. Auch von dieser Begebenheit sucht man durch -Verknüpfung der Wörter »Bär« und »Ring« die Benennung des Städtchens -Bärringen abzuleiten. - - -537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum. - -(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirges, 1822, I, -S. 134 etc. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 41. Gießler, -Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 105.) - -Ein Wandersmann, mit Namen Jahn, irrte bei Nacht in der Gegend des -Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich eine zwerghafte -Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen. Nicht ohne Grausen -folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn der Zwerg, bis sie -endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie eintraten, mächtig -erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die Wände waren von -Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend krystallene Leuchter -mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanz über das ganze -Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern und mit langen -Bärten saßen an einer Tafel und speisten. Der Zwerg lud den erstaunten -Jahn ein, sich zu setzen und am Mahl teilzunehmen. Der Hunger besiegte -die Schüchternheit, -- Jahn setzte sich und aß und trank von dem, was -ihm der Zwerg bot. Noch nie hatte er so köstlich getafelt; er ward -erquickt und allmählich getrosten und frohen Mutes. Die zwölf schienen -sich über ihn zu freuen und geboten dem Zwerge, sein Ränzel zu füllen. -Mit herzlichem Danke schied Jahn von seinen gastfreien Wirten. Der -Zwerg führte ihn aus der Höhle, welche, wie Jahn jetzt bemerkte, im -Greifensteine war, und geleitete ihn auf die Straße, welche nach Böhmen -führte und auf welcher Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann -verschwand er. - -Als nun Jahn sein Ränzel auspackte, um zu sehen, womit ihn die -freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine -ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freuden -gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend -des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen Leuten ohne -Mietzins überließ, und that auch sonst allerlei Gutes an Kranken und -Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte und ein ganzes -Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken Jahnsbach genannt. - - -538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt. - -(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, -1880. S. 8.) - -Zu der Zeit, da auf dem Mückenberge bei Graupen reiches Zinnerz brach, -wurde noch nicht mit genügender bergmännischer Vorsicht gebaut, so daß -infolge dessen ein großer Teil des Berges samt zwei Arbeiterhäuschen -im 14. Jahrhunderte untergingen. Dadurch ist die große Pinge am -Mückentürmchen entstanden. Damals lebten auch die drei Gebrüder Müchle -als Zinngrubenbesitzer in der Gegend, von denen das Dorf Müglitz -(Michlitz) abstammen soll. - - -539. Ursprung des Namens Wolkenstein. - -(Köhler, Histor. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg, -1781, S. 3. O. Mosen, Reisehandbuch für das sächs. Erzgebirge, 1882, S. -65.) - -Wolkenstein soll seinen Namen von der Höhe des Schlosses, indem es -fast die Wolken erreiche, und von dem Steine oder Felsen, auf welchem -es erbaut ist, führen. Nach anderen stammt der Name von seinem -mutmaßlichen Erbauer Bolko von Waldenburg, weshalb es eigentlich -Bolkenstein heißen müßte. - - -540. Ursprung des Namens Eibenstock. - -(Oettel, Alte und neue Historie der Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 1 u. -2.) - -Man will vorgeben, es hätte ehedem an dem Orte, wo jetzt die Kirche -von Eibenstock erbauet ist, eine Eibe gestanden, bei deren Stock die -anfahrenden Bergleute sich versammelt hätten; davon soll der Name der -Stadt herkommen. Auch wurde erzählt, es sei aus dem Stamme der Eibe das -früher in der Kirche stehende Kruzifix, nach anderen aber der Pfeiler -der Kanzel gemacht worden. - - -541. Der Name des Schlosses Pürstein. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1880, S. 67.) - -Der Name des Schlosses Pürstein ist erst seit diesem Jahrhundert -eingeführt. In früheren Zeiten hieß es Birsenstein, Pirssinstein, -Pirschanstein, Pirkenstein. Der Name soll von einem alten Ritter -herstammen, der mit Vorliebe in dieser Gegend »auf die Birsche« ging. - - -542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 41. Kirchengalerie, 12. B., S. 180.) - -Reitzenhain erhielt nach Angabe der Eingebornen auf eigentümliche Art -seinen jetzigen Namen. Da in früheren Zeiten der ganze Verkehr den -Straßenfuhrwerken überlassen war, haben die Fuhrleute jedes an der -Straße gelegene Wirtshaus »Han« genannt. Da nach ihren Berechnungen -dort, wo jetzt Reitzenhain liegt, der dreizehnte »Han« war, so wurde -dieses einzelnstehende Wirtshaus der dreizehnte Han, dann Dreizehnhan, -Reitzenhan und endlich Reitzenhain genannt. Man schätzte dabei den -dreizehnten Han als gleichweit von Leipzig und Prag entfernt. - - -543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand. - -(I. Wilisch, Kirchen-Hist. von Freyberg etc., II. S. 300. II. -Novellistisch in E. H. Müllers Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 6 -etc.) - -I. Das Städtlein Brand soll seinen Namen daher haben, weil anfangs -lauter Wald und Busch allhier gewesen, welchen nach der Zeit eine -unvermutete Feuersbrunst größtenteils verzehret; darauf Gott Bergwerke -in dieser Gegend gezeiget, und so hätte man anfänglich schlechte Zechen -und Hüttenhäuser, da aber der Bergsegen sich reichlich vermehret, -Wohnhäuser zu bauen angefangen, und habe sich das Bergvolk häufig -allhier vermehret. - -II. In dem Walde, welcher einst die Gegend, wo jetzt das Städtchen -liegt, bedeckte, wohnte einst mit seiner Tochter der Köhler Klaus. -Derselbe hatte in seine Hütte einen jungen Mann aus dem Thüringer -Lande aufgenommen, welcher ihm als Gehülfe dienete und sich bald um -die Gunst von seines Herrn Tochter Margaretha bemühte. Da geschah -es eines Tages, daß auch ein junger Bergmann in die Hütte kam, der -im Walde in eine Wolfsgrube gestürzt war und sich dabei so verletzt -hatte, daß er einen vollen Tag bei dem Köhler verleben mußte, um sich -zu erholen. Er stammte aus dem nahen Freiberg, und bald wurde er der -Liebling des Vaters Klaus und der Verlobte von dessen Tochter. Darüber -wurde der fremd zugereiste Gehülfe ergrimmt und in der Nacht nach der -Hochzeit Margarethens mit dem fremden Bergknappen führte er seinen -Racheplan aus. Plötzlich wälzte sich eine Feuerwolke über dem Boden -hin, von allen Seiten kamen die Flammen gezüngelt und ergriffen auch -sehr bald die Hütte des Vaters Klaus, in welcher alle im friedlichen -Schlummer lagen. Nur mit Mühe entgingen die Neuvermählten dem -Tode, ihr Vater aber kam in dem grausigen Flammenmeer, welches den -größten Teil des Waldes verzehrte, um. Das Feuer wütete den ganzen -folgenden Tag und eine Nacht hindurch, bis am nächsten Morgen ein -gewaltiger Gewitterregen den Flammen ein Ziel setzte. Das junge Paar -flüchtete nach Freiberg, wo die Glocken stürmten und von wo aus eine -Rettungsschar den Fliehenden bereits entgegenkam. Erst am vierten -Tage zogen die Flüchtlinge wieder hinaus auf die Brandstätte. Sie -gingen in Freiberg von Haus zu Haus, suchten ihre ebenfalls mit ihnen -aus den übrigen zerstreuten Köhlerhütten geflüchteten Gefährten und -sprachen: »Wir wollen auf den Brand gehen!« Von der Hütte des Vaters -Klaus, sowie von den übrigen Wohnungen war nichts mehr zu sehen, nur -hie und da fanden sich Menschengebeine, welche man sammelte und in -geheiligter Erde, auf dem Kirchhofe in Erbisdorf begrub. Als man dann -an den alten Plätzen wieder Grund zu neuen Wohnungen grub, fand der -Knappe eine Stufe rotgültigen Erzes und er legte die erste neue Grube -auf dem Brande an, welche man später zum Gedächtnisse des göttlichen -Segens den »Segensfürsten« nannte. Der Ruf von dem Silberreichtume -verbreitete sich weiter und bald zogen noch andere Bergleute herbei, -welche sich daselbst anbauten. Später wurden diese Berghütten, Wald- -und Zechenhäuser auf dem Brande unter der Regierung des Herzogs Georg -des Bärtigen im Jahre 1515 zu einer Gemeinde vereinigt und der Ort -erhielt von da an den Namen »Bergstadt Brand.« - - -544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn. - -(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 164.) - -Das an der von Freiberg nach Frauenstein führenden Straße gelegene -Dorf Weißenborn hat seinen Namen von einem unfern der Mulde vorhanden -gewesenen Brunnen, welchem man Heilkräfte zuschrieb und bei welchem -sich bisweilen eine weiße Frau sehen ließ. - - -545. Ursprung des Namens Conradsdorf. - -(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 167.) - -Conradsdorf, das einzige Dorf dieses Namens in Sachsen, liegt eine -Stunde von Freiberg entfernt. Vermutlich hat es seinen Namen von seinem -Erbauer und ersten Besitzer Conrad, obwohl behauptet wird, daß es dem -Kaiser Conrad zu Ehren so genannt worden sei, der es mit besonderen -Freiheiten begnadigte, die bis in die neueren Zeiten sich erhalten -hatten. - - -546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung. - -(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 88.) - -Der frühere Name des Dorfes Ursprung bei Hohenstein-Ernstthal ist -Morspurg gewesen. In der Umgegend findet sich dafür die geläufigere -Benennung Morspring. Nach einer sagenhaften Überlieferung soll der -jetzige, um die Zeit der Reformation an seine Stelle getretene Name -davon herrühren, daß aus dem oberen Gemeindeborne des Dorfes der -Lungwitzbach entspringt, oder daß der Ort zur Zeit der Reformation das -erste evangelische Pfarramt in dieser Gegend bekam. - - -547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand. - -(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 68.) - -Nach einer Sage hat das Dorf Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal -in uralten Zeiten einen anderen Namen gehabt, ist in der heillosen -Zeit des großen Interregnum »verwüstet« und »verbrannt« und erst -in der Folge unter den Hohenstaufen wieder hergestellt und mit -seinem gegenwärtigen Namen belegt worden. Ebenso ist nach einer Sage -Wüstenbrand als Filiale zu Pleise geschlagen worden, als das Dorf -Gecksdorf, von dessen Lage zwischen dem Rabensteiner Walde und den -Meinersdorfer Fluren sich bis auf die neuere Zeit Spuren erhalten -haben, im Hussitenkriege völlig zerstört worden war. - - -548. Der Name des Dorfes Crossen. - -(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 75.) - -Laut Nachrichten aus einem alten Kirchenbuche stammt der Name des -Dorfes Crossen bei Zwickau von dem slavischen Worte ~croszove~, d. h. -zerrissen oder zerstückelt, her. Denn da es von Slaven erbaut worden -und sie, wie sie dem sumpfigen Terrain nach und nach trockenes Land -abgewannen, dasselbe unter sich verteilt haben, so haben die Bewohner -ihre Grundstücke vereinzelt und nicht beisammen. - - Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge) ist nicht geneigt, - den Namen für einen slavischen gelten zu lassen, vielmehr hält er - unser Crossen, sowie alle Orte, welche dieselbe Benennung haben, - für fränkische Ansiedelungen. Er verweist dabei auf die in deren - Nähe liegenden Orte Frankenau (2 Stunden von Crossen bei Mitweida, - 3 Stunden von Crossen bei Zeitz) und Franken (6 Stunden von Crossen - bei Luckau); Crossen bei Zwickau ist von einem Frankenau ungefähr 3 - Stunden entfernt. - - -549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf. - -(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc. -von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet, 1766. Manuskript.) - -Gersdorf soll vor Zeiten ganz anders gelegen und die Kirche oben -im Hofgraben gestanden haben, bis sie durch Kriegsverwüstung ihren -Untergang allda gefunden hat. Das Dorf soll nicht weiter als bis -dahin, wo jetzt Hüllbert wohnt, gegangen sein. Die obere Hammermühle -soll damals in einem dicken Walde gestanden haben und davon umgeben -gewesen sein. Da aber der Bach vorher den Namen »Gersche« geführt haben -soll, so hätte das Dorf, nachdem es weiter abwärts angebaut und auch -die Kirche weiter herunter gesetzt worden wäre, vom Wasser den Namen -Gersdorf bekommen. - - -550. Der Ursprung des Namens Silberstraße. - -(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1102.) - -Edelmann von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe, ein alter und getreuer -Diener der Kurfürsten von Sachsen, brachte einst zu Zwickau bei einem -Landesfürsten folgende Bitte mündlich vor: Dieweil aus Gottes Segen -das reiche Bergwerk zu Schneeberg geoffenbaret und desselben Lob in -aller Welt erschollen wäre, zögen viel Fürsten, Grafen, Herren, Ritter, -Edel- und andere gute, redliche Leute nach demselben, und müßten dabei -meist bei ihm durch, wodurch sein und seines Geschlechtes Namen weithin -bekannt würde. Aber es stünde nicht wohl, wenn man fragete, wer er sei? -und geantwortet würde: Es ist der von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe. -Da nun das Erz und Silber bei ihm nach Zwickau durchgeführt würde, -so bäte er unterthänigst, man wolle ihm seines Gutes und Dörfleins -Namen »die Armen-Ruhe« in der Landtafel auslöschen und dasselbe dafür -die »Silberstraße« nennen zu lassen. Dies würde ihn in ein größer -Ansehen bei den Leuten bringen, da er doch ohne das, wenn nur sein Name -nicht also bekannt werden sollte, wohl mit dem alten Namen zufrieden -gewesen wäre. -- Diese Bitte wurde dem Uttenhoff gewährt, und der -Armen-Ruhe Namen also geändert, daß bis diese Stunde noch das Dorf die -»Silberstraße« und die dabei befindliche Muldenbrücke die Silberstraßer -Brücke heißt. - - -551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda, und -Rechenberg. - -(Mündlich, desgl. bei Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein, -1748, S. 19.) - -Auf der jetzt in Ruinen liegenden Burg Rechenberg hausten einmal -mächtige Ritter. Dieselben hatten in Frauenstein ihre Frauen, in -Purschenstein ihre Burschen, in Pfaffroda wohnte ihr Pfaffe und in -Rechenberg machten sie die Rechnung und teilten den Raub. -- Die -genannten Schlösser sollen auch durch unterirdische Gänge mit einander -verbunden gewesen sein. - - -552. Der Name des Fleckens Bockau. - -(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, -No. 579.) - -Die Bewohner des Bergfleckens Bockau bei Schneeberg ernährten sich -sonst vorzugsweise durch den Anbau von Arzneikräutern und den Handel -damit. Sie zogen damit, sowie mit Pulvern, Tropfen, Pillen und dgl. -mehr auf Jahrmärkte und waren einst wie die Königsseer häufig im -deutschen Vaterlande anzutreffen. Die Sage erzählt, es habe sich -einst in jenem Thale, in welchem jetzt der Flecken Bockau liegt, ein -Bock, das einzige Eigentum eines armen Gärtnersohns, verlaufen. Sein -Herr, der ihn gesucht, habe ihn endlich mitten unter den kostbaren -Arzneikräutern wohlbehalten wieder gefunden, habe sich den Platz genau -gemerkt und sei dann durch das Sammeln und den Verkauf jener Kräuter -sehr bald wohlhabend geworden. Nach und nach hätten sich daselbst -mehrere niedergelassen und den neuen Wohnort zur Erinnerung an seinen -Ursprung Bockau genannt. - - Historisch ist, daß der Kräuter- und Medikamentenhandel der Bockauer - erst gegen das Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts begann. - Die in dem Orte wohnenden Schachtelmacher, und unter diesen zuerst - zwei Brüder Weiß, füllten ihre Schachteln anfänglich mit gedörrten - medicinischen Wurzeln und Kräutern, welche sie an Apotheker und - Laboranten und später auch als Hausmittel an andere Leute verkauften. - (Körner, Nachrichten von Bockau, S. 346--355). - - In der Einleitung zum ersten Abschnitte des Sagenbuchs wurde bereits - darauf hingewiesen, daß der Name des Ortes nicht von dem slavischen - ~bóh~, d. i. Gott, sondern von dem slav. ~buk~, die Buche, und dem - davon gebildeten Adjektivum ~bukowy~ abzuleiten ist. Aus ~bukowy~ - entstand Bockau, was wir demnach mit Buchwald oder Buchholz zu - übersetzen hätten. Dasselbe gilt auch von dem Ortsnamen Bockwa bei - Zwickau. Bockau und Bockwa wurden in früherer Zeit mit u geschrieben. - (Immisch, a. a. O., S. 8.) - - -553. Ursprung des Ortsnamens Remse. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 12 B., S. 87.) - -Der Name des Kirchdorfes Remse zwischen Glauchau und Waldenburg scheint -auf das lateinische ~remissa~, die Erlassung, hinzuweisen. Eine -Sage erzählt, es habe sich in dem früher daselbst befindlichen und -in dem 12. Jahrhundert gestifteten Nonnenkloster ein wunderthätiges -Marienbild befunden, zu dem die Ablaß Suchenden aus der Nähe und Ferne -wallfahrteten. Von einem Erker des jetzt sogenannten roten Stockes aus -habe dann der Probst den Segen erteilt und die Gläubigen mit den Worten -entlassen: »~peccata sunt vobis +remissa+~« (d. h. die Sünden sind euch -vergeben). Daher der Name Remse. - - -554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg. - -(Comotovia, 2. Jahrg. 1876., S. 10.) - -Es wird erzählt, daß im Jahre 1364 der Prager Bürger Johlin Rotlöw -mit Bewilligung Karls IV. seinen besten Bergmeister in die Gegend des -Gebirgs, wo jetzt Sebastiansberg liegt, sandte, um Erze zu suchen. Er -hatte so glücklichen Erfolg, daß sich die Bergleute sogleich die ersten -Häuser bauten. Man nannte nun den neuen Ort Paßberg, weil bereits der -Berg, auf welchem die Stadt steht, und welcher die Grenze bildete und -zum Aufpaß und zur Sicherung der Fuhrleute und Reisenden mit einem -Militärposten besetzt war, den Namen Paßberg führte. Aus Paßberg soll -mit der Zeit der Name Sebastiansberg entstanden sein. Nach einer -anderen Sage soll jedoch Sebastiansberg anfänglich den Namen Neustadtl -geführt haben. - - Richtig ist wohl, daß die Stadt ihren Namen dem Sebastian von - Weitmühl verdankt. Von demselben wurde Sebastiansberg des Bergbaues - wegen, aber keinesfalls vor 1519 gegründet; er erbaute daselbst auch - eine kleine Kirche, die auf Wunsch seiner Unterthanen nach seinem - Namenspatron zu St. Sebastian benannt wurde. Von der Kirche ging der - Name auch auf die ganze Ansiedelung über. - - -555. Der Name der Stadt Sonnenberg. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 71.) - -Die Veranlassung zur Gründung der Stadt Sonnenberg gab der in -dortiger Gegend einst stark betriebene Bergbau auf Silber, Kupfer, -Zinn und Blei. An einem nebligen Morgen, in der zweiten Hälfte des -16. Jahrhunderts, so erzählt die Sage, sandte der Grundherr, der ein -Lobkowitz auf Hassenstein war, einige seiner erfahrenen Bergleute auf -die Höhen mit dem Auftrage, dort, wo die Sonne am ersten durch das -trübe Gewölk brechen würde, einzuschlagen und das Bergglück zu suchen. -An dem Orte nun, wo jetzt Sonnenberg steht, erschien sie ihnen zuerst. -Es wurde gleich mit Schlägel und Eisen Hand an die Arbeit gelegt, und -die Mühe belohnte sich reichlich. Man baute dann einzelne Hütten für -die Bergleute. Mit dem wachsenden Bergglück vermehrten sich beide. Die -Sonne gab diesem Orte den Namen, und aus dem wüsten Waldorte wurde in -kurzem ein Bergflecken. Durch spätere Begnadigung erwuchs er endlich zu -einer Bergstadt. - - -556. Der Name der Stadt Falkenau. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 169.) - -Die Stadt Falkenau soll ihren Namen dadurch erhalten haben, daß ein -Bürger aus Eger einen Falkenhof erbaut und dadurch eine Ansiedelung -hervorgerufen hat, die sich allmählig zu einem Dorfe und schließlich -zu einer Stadt emporhob. Die über dem Röhrbrunnen am Marktplatze in -Falkenau sich erhebende Bildsäule stellt einen Falkner dar, der ein -Hüfthorn am Schulterbande und einen Hund zur Seite hat. Es soll dies -die Statue jenes Falkners sein, der als Gründer der Stadt gilt und -dessen Name im Volksmunde »Wastel« (Sebastian) heißt. - - Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß - auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht - im 12. Jahrhunderte, da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern - auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen mit Leidenschaft hingaben, - eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr dafür, daß zu - obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem - Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt - und es ist daher jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst - 1724 errichtete Falknerstatue nur eine Ausschmückung des Stadtwappens. - - Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in - deutschen, als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung - dieser Benennungen ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem Dorfe - ~Sokolec~ (~Sokol~ = Falke) bei Podiebrad wird erzählt, daß man - daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader Jäger Falken - abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem Namen - eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau. - - -557. Die Entstehung des Namens Neudeck. - -(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 4.) - -In der sehr industriellen, am Rohlauflüßchen gelegenen Stadt Neudeck -zieht der sogenannte Turmbergfels unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er -besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken. Auf diesem -Felsen steht ein uralter Glockenturm, der ehedem zu einer Burg gehört -haben soll, welche von einem Raubritter bewohnt wurde. Diesem Turme -verdankt Neudeck, wie folgende Sage berichtet, seinen Namen. - -Einstmals verirrte sich auf der Jagd ein Jäger im dichten Walde -und wußte nicht, wo ein und aus. Schon viele Stunden hatte er im -Waldesdunkel nach einem rettenden Pfade gespäht, da kam er auf den -Hochtannenberg und stieg dort, um sich in der Gegend zurecht zu -finden, auf eine hohe Tanne. Hocherfreut sah er östlich im Thale ein -Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war. Darauf ging der ermüdete -Waidmann zu und fand daselbst den alten Turm, neben dem ein Häuschen -stand, welches ein Schmied, namens Waldesel, bewohnte. Er trat in die -Schmiedewerkstätte. »Lieber Waldesel«, redete er den alten Meister an, -»dem neugedeckten Turme da verdanke ich den Ausweg aus dem Walde; -deshalb heiße er samt den andern Gebäuden von jetzt an »Neudeckt!« Und -des Jägers Wunsch ging in Erfüllung; denn noch heute trägt der Ort, der -nach und nach zu einer gewerbfleißigen Stadt anwuchs, den Namen Neudeck. - - -558. Die Entstehung des Namens Frühbuß. - -(Mündlich.) - -Frühbuß ist ein altes Bergstädtchen im böhmischen Gebirge, das einst -weiter oben und zwar da lag, wo sich heute der Kranichsee ausbreitet. -In diesem Moore ist es eines Tages versunken. Da haben sich die -Bewohner tiefer angebaut, weil ihnen hier die vielen Zinnerze, welche -aus dem Gebirgsschutte durch die Seifenarbeit gewonnen werden konnten, -reichen Unterhalt versprachen. Die Gewinnung der Erze nahm sie auch so -in Anspruch, daß sie den Bau ihrer Hütten und ihre häuslichen Arbeiten -nur vor der Seifenarbeit vornehmen konnten, um bei dieser selbst keine -Zeit zu versäumen. Solche Früharbeit aber nannte und nennt man noch -jetzt in der Gegend »Frühbuß«, und von ihr erhielt in der Folge die -Ansiedelung ihren Namen. - - Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die - unterirdischen Glocken im Kranichsee« verwiesen. - - Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in - Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln« - = geschäftig da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon - abgeleitete »Hausbussel«, womit ein auf diese Weise thätiger Mensch - bezeichnet wird. - - -559. Über den Namen des Dorfes Sauersack. - -(Mündlich.) - -Oberhalb Karlsfeld nahe am Kranichsee, durch welchen sich die -sächsisch-böhmische Grenze zieht, liegt auf einer Meereshöhe von ca. -900 Mtr. das böhmische Dorf Sauersack. - -~M.~ Christoph Gottlob Grundig macht in den »Neuen Versuchen nützlicher -Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich von -Ober-Sachsen, 2. B., (Schneeberg, 1752,)« bei diesem Orte und seinem -Namen folgende Bemerkungen: »Sauersack, ein fast auf dem höchsten -Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser Seite von -einander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher auf dem -kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem aus Nordwest nach -Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinirten Waldes vom -Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern erhebt, -- -- hat wohl den -Namen mit der That, weil sowohl denen Reisenden die hier vorübergehende -Straße, sonderlich bei üblem Wetter, äußerst sauer werden, als auch -denen armen Einwohnern des Ortes, welche wie die Vögel des Himmels -weder säen, ernten, noch etwas in ihre Scheuern sammeln können, -- -- -nicht weniger ihr mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen -muß.« Und: »Es ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine -lange, schmale und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern -ein »Geseer« (Gesäuer?) zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem -Namen der Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.« - -Eine Sage erzählt nun über die Entstehung des Ortsnamens Sauersack -folgendes: - -In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges, welcher -hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten Ansiedler -anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse -aus dem fruchtbaren Egerthale geholt wurden. Diese Arbeit hatten -hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten. Da geschah es -nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren Sack mit -Nahrungsmitteln (die Volkssage spricht von Kartoffeln) geholt hatte und -bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: »Ei, das ist ein saurer Sack!« -So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung »Sauersack« -genannt, welchen Namen sie bis zum heutigen Tage behalten hat. - - -560. Ursprung des Namens Sorgenthal. - -(Mündlich.) - -Sorgenthal bei Jöhstadt ist ein Ortsteil des böhmischen Dorfes Pleil. -Wo derselbe jetzt liegt, war einst ein finsteres Waldthal, durch -welches früher die Straße von Weipert nach Preßnitz führte. Wenn -nun die Reisenden durch das Waldthal kamen, befiel sie große Sorge, -denn hier lauerten ihnen vielfach Räuber auf, die in dem sogenannten -Blechhammer zwischen Weipert und dem »weißen Hirsch« ihre Herberge -hatten. Sie führten die Gefangenen aus dem Thale mit sich nach -genanntem Blechhammer, wo viele Mordthaten geschehen sind. In dem Thale -aber, wo anfangs nur einige Köhlerhütten standen, wurde nach Lichtung -des Waldes ein Ort gegründet, welcher den Namen Sorgenthal erhielt. - - -561. Name und Ursprung der Stadt Weipert. - -(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und Joseph Pohl, Chemnitz, -1874, S. 10 und 17.) - -Die Stadt Weipert wurde früher auch Weiberg oder Weinberg genannt. -Dieser Name schreibt sich daher: Als die Bergbaulustigen die reichen -Silberanbrüche der »Milde-Hand-Gotteszeche« auffanden, riefen sie -freudig aus: »Das ist ein fruchtbringender Weinberg!« Davon ist dann -der Ort genannt worden. - -Der Ursprung von Weipert ist jedenfalls unmittelbar an der heutigen -Grenzbrücke und wahrscheinlich an der Stelle zu suchen, wo jetzt -die Fabrik des Julius Schmidt steht. Hier am Bache ist die tiefste -Thaleinsenkung, welche der uralte Paß von Preßnitz nach Schlettau zu -überwinden hatte, und hier hatte der Frachtfuhrmann, mochte er kommen, -von welcher Seite er wollte, einen steilen Berg vor sich, so daß er -seinen Tieren Ruhe gönnen mußte. Es entstand daher an dieser Stelle -die erste Niederlassung, die eine Herberge war. Die Sage erzählt, daß -dieses Wirtshaus später eine Räuberhöhle war, in welcher Reisende durch -eine Fallthüre in einen Keller stürzten und dort ermordet und begraben -wurden, bis es endlich durch eine Dienstmagd, die einen jungen Mann -warnte, verraten wurde, worauf Soldaten aus Kaaden das Haus umringten -und samt den Bewohnern niederbrannten. Man hat auch unter späteren -Besitzern des Hauses, das jedenfalls bald wieder aufgebaut wurde, bei -Umbauten Totengebeine im Keller gefunden. - -Als dann im 12. Jahrhunderte mit dem in der Gegend aufblühenden -Eisensteinbergbau auch die ersten Eisenschmelzen in Sorgenthal und -bei Pleil entstanden, bildete sich oberhalb des Passes dort, wo -jetzt der Gasthof zur Stadt Leipzig steht, eine zweite Ansiedelung. -Ein unternehmender Mann mit Namen Weyperth, von dem Erzreichtum der -Gegend angelockt und mit der Erz- und Eisengewinnung vertraut, erbaute -hier das erste Haus und ein Hammerwerk, dem seine Angehörigen und -Arbeitsleute den Namen ihres Werkherrn gaben. - - Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des - Namens Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als - schon im Jahre 1533 der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer - Zeit, zu welcher der Silberbergbau in der Gegend noch nicht begonnen - hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes vorkommt. Vielleicht wurde - auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen Wigbert geweiht - hatte, auf den entstehenden Ort übertragen. - - Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und - Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug - zwischen Preßnitz und Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger - Gebirge, nach Pleil und Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser - und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert und Pleil nach dem weißen - Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über den Pöhlbach und - sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz nach - Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten - ihr Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach - Böhmen holten, führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht, - und solche Fuhrleute waren es nach der Sage auch, welche in einem - Wagengleise daselbst die ersten Silbererze fanden und so die Gründung - Freibergs veranlaßten. - - Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum - Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil - selbst in festem Gestein vorhanden sind. - - Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des - Ortes Kuhberg von einem czechischen Worte ~küweribi~, welches er - mit »ausspannen« verdeutscht, ab. Wenn dies richtig ist, so würde - dieser Name zur Bestätigung von einer uralten Herberge am Pöhl- oder - Grenzbache dienen. - - Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg - gelegene sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h. - Kuhschwanz geheißen haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach - dem Archiv für sächs. Geschichte (12. B., S. 95) erst seit dem Jahre - 1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an dessen Fuße er liegt. - - -562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn. - -(Aus einer handschriftlichen Chronik von Böhmisch-Wiesenthal, -mitgeteilt vom Pfarrer H. Friedlein in Ober-Wiesenthal.) - -Bei dem Städtchen Böhmisch-Wiesenthal liegt der Ort Stolzenhahn, auch -Stolzenhain und Stolzenhann, in alten Kirchenbüchern »der Stoltze Hayn« -genannt. - -In alten Zeiten stand in der Gegend des jetzigen Dorfes im dichten -Walde eine Schmelzhütte. Als eines Morgens zwei Arbeiter vor die Thür -traten, erblickte der eine von ihnen einen schönen Auerhahn, der auf -einem nahen Baume saß. Da rief er aus: »Sieh, welch ein stolzer Hahn!« -und von diesem Ausrufe hat der Ort später seinen Namen bekommen. - - -563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel. - -(Aug. Kießling, Das Mineralbad zu Einsiedel, 1881, S. 8. Sachsens -Kirchengalerie, 8. B., S. 72.) - -Nach einer alten geschriebenen Chronik, welche im Pfarramts-Archive -zu Neuhausen aufbewahrt wird, hat der Ort Einsiedel bei Sayda seinen -Namen von drei Brüdern bekommen, welche sich vor langer, langer Zeit -als Einsiedler dort aufhielten. Auch die zu Einsiedel gehörige -Ortschaft Brüderwiese soll ihren Namen diesen drei Brüdern verdanken. -Man vermutet, daß sich daselbst ihre Einsiedelei befand, denn in der -Kirche zu Seiffen zeigt man eine alte Glocke, welche in der Brüderwiese -aufgefunden worden sein soll und die möglicherweise der Klause der drei -Einsiedler einst angehörte. - -Auch das Dorf Einsiedel bei Chemnitz soll seine Entstehung einem -Einsiedler verdanken, der in frühesten Zeiten dort gehaust hat. - - Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten - Verkehrsstraßen durch unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige - Straßen vielfach unter ihren Schutz. Klosterbrüder bauten sich an - ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit geistlichem - Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen - zu lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher - Einsiedeleien, an denen sich vielleicht auch Kapellen befanden, - später entstanden sind, ebenso wie die Namen von Brunnen oder Anhöhen - u. s. w., haben die Erinnerung an derartige Stationen erhalten. Es - ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden Ortschaften - auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine - der alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und - das jetzige Einsiedel nach Böhmen. (S. auch ~Dr.~ Alfr. Moschkau, - Oybin-Chronik, S. 197.) - - -564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. S., N. 294.) - -In der Nähe der Dörfer Rothenfurth und Halsbrücke bei Freiberg führt -eine Brücke über die Mulde, welche man die Halsbrücke nennt. Die Sage -erzählt, sie habe ihren Namen davon erhalten, daß der Bote, welcher -Kunzens von Kauffungen Begnadigung vom Kurfürsten überbringen sollte, -hier, weil die Brücke von den Fluten der sehr angeschwollenen Mulde -weggerissen worden war, aufgehalten ward, also nicht zu rechter Zeit -eintreffen konnte und so Kunz seinen Hals hergeben mußte. - - -565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jakob. - -(Mitgeteilt vom Lehrer R. Schlegel aus Hartenstein.) - -Als in früheren Zeiten im jetzigen Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und -St. Jakob eine furchtbare Pest wütete, sollen in diesen Dörfern, welche -damals andere Namen hatten, nur drei Männer, Ortmann, Niklas und Jakob, -am Leben geblieben sein, nach deren Namen später die Dörfer benannt -wurden. - - -566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein. - -(Nach der metr. Bearbeitung eines Lichtenbergers.) - -Bei dem Dorfe Lichtenberg erhebt sich der bewaldete und die ganze -Umgegend beherrschende Burgberg. Man erzählt, daß einst auf ihm ein -Schloß stand, welches als gefürchtetes Raubnest weit und breit bekannt -war. Wenn der Herr dieser Burg mit seinen Knappen durch das Land zog, -so bezeichneten Mord und Brand die Stätten, welche er heimsuchte. -Kehrte er dann von seinem blutigen Zuge wieder nach dem Schlosse auf -dem Burgberge zurück, so kreisten in wilder Lust daselbst die Becher -und die geängstigten Bewohner des Thales sahen dann in der Nacht die -Fenster des Schlosses hell erleuchtet. Da sprachen sie zu einander: -»Es wird wieder Licht auf unserm Berge!« Dabei verwünschten sie die -Bösewichter und baten Gott, daß er sie doch von dieser Plage befreien -wolle. Und die Zeit kam endlich auch, daß die Burg zerfiel, und nur -einen alten Steinwall bezeichnet man als deren Reste. An dem Fuße des -Berges konnte man wieder ruhig wohnen, es bauten sich daselbst mehr -und mehr an, und die zerstreuten Ansiedelungen wurden später zu einem -Dorfe vereinigt, dem man zur Erinnerung an das Licht, welches einst -nach jedem Raubzuge der Ritter auf der Spitze des Burgberges zu sehen -gewesen war, den Namen »Lichtenberg« gab. - - -567. Der Ursprung des Namens Dörnthal. - -(Mündlich. Wilisch, Kirchenhist. v. Freiberg etc. II., S. 293. -Kirchengalerie, 12. B., S. 115.) - -Das Dorf Dörnthal bei Sayda hieß früher Dorothenthal nach einer des -heiligen Dorothea gewidmeten Kapelle, welche im 30jährigen Kriege -zerstört worden sein soll. Diese Kapelle soll zum Kloster Ossegg gehört -haben und sind zu derselben viel Wallfahrten geschehen. Man sagt, -daß von ihr noch eine zerschossene Wetterfahne vorhanden sei, welche -sich jetzt auf dem dermalen dem Kramer Keilig in Dörnthal gehörigen -Hause befindet. Auch zeigt man noch die eingefriedigte Stelle, wo jene -Kapelle gestanden haben soll. Von zwei Glocken, die auf der Kapelle -gehangen haben, soll die eine nach Annaberg und die andere nach -Großhartmannsdorf gekommen sein. - - -568. Deutung des Namens Weiters-Wiese. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.) - -Das nur aus wenigen Waldhäusern bestehende Örtchen Weiters-Wiese bei -Karlsfeld soll ehemals »Weidewiese« geheißen haben. Es war an dieser -Stelle mitten im Walde eine nach Auerbach gehörige Wiese vorhanden, auf -welche während des Sommers von den Fleischern genannter Stadt das Vieh -zur Weide getrieben wurde. - - -569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.) - -Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb in -ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr -Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon -entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch -Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg her -jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich zeigten, -so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an -- daher der -Name Schellenberg --, was für die jenseitigen Räuber das Zeichen war, -sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen. Wenn hingegen von -Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen, zündeten jene ein Feuer -an, um dem Schellenberger ein gleiches Zeichen zu geben; daher der -Name; denn der Wächter rief dann: »Licht im Walde!« Länger als 300 -Jahre trieben die Räuber ungestraft dies Wesen; man weiß jedoch nicht, -wer und wann es endigte. - - -570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz. - -(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.) - -Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, man -darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind sei -abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar und -also aus ihrer Hand sei erlöset worden. - - Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber - mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch - einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. - Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg - auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche - im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der alsdann den - Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang - bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des - Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.) - - -571. Der frühere Name von Lichtenstein. - -(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc. -von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.) - -In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein steht, -ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die wenigen -Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein« -bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung mehrerer -Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu einer Stadt -bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen. - - -572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein. - -(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und ~Dr.~ Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No. -3., Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.) - -Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem Pavillon -versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name soll von -einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. Erzählt -wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem Kurfürsten Friedrich -dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen Heinrich Reuß-Plauen, worin -ersterer dessen Burg Frauenstein im Jahre 1438 erstürmen und brechen -ließ, soll ein sie verteidigender Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig, -als Rebell auf dem obengenannten Felsen enthauptet worden sein. Noch -heutigen Tages zeigt man in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch -welche jener burggräfliche Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden -sein soll. Ein gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter -nördlich jetzt in den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen -»Storch« gegeben haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln: -Finke, Storch und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder -deutlicher zu reden, des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind. - - -573. Der Predigtstuhl bei Rabenau. - -(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.) - -Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau in die -nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien, und -es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch jetzt -der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals bis -auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der Höhe, -in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. Nachdem -die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen -Einwohner näher der Kirche wieder an. - - -574. Das Brautbette bei Rabenau. - -(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.) - -Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich in -den Junker Jeschke (~Jesico~) von Dohna. Der harte Vater verwehrte sie -ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch entschlossen raubte -sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und das Beilager gleich -im Walde an der Stelle, die noch heute das Brautbette genannt wird. - -Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und -Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine ganze -Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber aber nicht -bekannt geworden. - - -575. Der Katharinenstein bei Lauenstein. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.) - -Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb. von Ponikau, -Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer Reise nach Mainz -gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen. Im dritten -Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn, der unter der sorgsamen -Pflege der Mutter und einer Amme wohl gedieh. Der Knabe war wenig -über das zweite Jahr alt, als einst an einem schönen Sommertage -Frau Katharina mit der Amme ohnweit des Schlosses auf jenem Hügel -lustwandelte, welcher jetzt der Pavillon heißt. Als der Knabe in den -Armen der Amme entschlummert war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen -pflücken, damit wir ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme -bettete das Kind an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half -sodann der Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich -aus der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf -das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich damit -in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich, -denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften und -Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die beiden Frauen den -Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug die arme Mutter die Hände -vor das Gesicht und sank ohnmächtig nieder; die Amme aber verfolgte -schreiend und händeringend den über ihr fliegenden Räuber. Schon -schwebte derselbe über dem hohen und felsigen Hügel, der im oberen -Teile des unmittelbar vor dem Schlosse liegenden Städtchens Lauenstein -sich erhebt, -- da fiel ein Schuß. Ein Jäger, welcher, aus dem nahen -Forste zurückkommend, die Gefahr sah, hatte den Schuß gethan und gut -getroffen. Der Vogel stürzte tot zur Erde und lebend und wohlbehalten -hing das geraubte Kind an den Klauen des erschossenen Vogels. - -Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens ließ Frau -Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte, einen -Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen. Dieser -Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf dem -Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch der -Katharinenstein. - - -576. Die Kutte bei Elterlein. - -(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No. -35.) - -Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle, wo er seines -Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im Walde nieder, um zu -verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen berührte ihn etwas von -hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut aufschrie. Er untersuchte -den Boden und fand einen starken Zacken gewachsenen Silbers, der drei -Zoll lang aus der Erde hervorstand. Um die Stelle sicher zu bezeichnen, -zog er seine Kutte aus und legte sie darüber. Dann eilte er in vollem -Laufe nach Grünhain zurück und erzählte von seinem Funde voller Freude -dem Abte. Bald darauf ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein -regelmäßiges Berggebäude angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab -und noch jetzt die Kutte heißt. - - -577. Sechs Brüder bei Geyer. - -(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.) - -Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein -die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es einem Trupp -herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen, in der -Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten Walde -schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den -Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger -Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich -tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen und -brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu bringen. -So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, erhob sich -der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt drohten, so -wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen -ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum -waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen -Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf -Österreicher auf die grausamste Weise; den sechsten aber warfen sie in -ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage -jammern hörten. - -Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer -noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die -sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind. - - -578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg. - -(Mündlich.) - -An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr eine halbe -Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe, -welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist. Über den Namen -dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah, daß einst drei Brüder -mit einander in den Wald nach Holz fuhren. Da fanden sie einen zu -Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben alsobald ab und legten -hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe zu holen, ein Bergwerk an, in -welchem sie große Reichtümer gewannen. So entstand zuerst die Grube -»Alte Brüder«, und später, als auch weiter abwärts Silbererze gefunden -wurden, die Zeche »Neue Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung -an jene Brüder die Dreibrüderhöhe genannt. - - -579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen. - -(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.) - -Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der Grenze -des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung, »Reue« -genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen Feldparzellen -einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft worden. Weil nun -der Verkäufer es später bitter bereut hat, die Grundstücke so billig -verkauft zu haben, so hat man der Waldung den Namen »Reue« beigelegt, -welchen sie noch heute führt. - - -580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt. - -(Mündlich.) - -Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb -Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten von Wald -eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der »Bär« genannt. -Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben: In dem -dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen sich die letzten Bären -aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von der gegenüberliegenden -Spitzleite und mußten dabei über die Mulde. Ein kleiner Bär wollte -nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen Schlag, daß er sofort tot -war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem Lager. Von dem getöteten Bären -nun soll der Name des Grundes herrühren. - - -581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein. - -(Mitgeteilt vom Prof. ~Dr.~ Friedrich Polle in Dresden.) - -An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber eine -schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein -heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst ein Jäger -mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß er den Bären -die Felswand hinunter warf. - - -582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen. - -(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, -1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl Müller, die Natur, -1882, No. 24.) - -I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge bei -Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge befindet, -eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und durch den Schein -der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen Glanz verbreitet haben, -daß die Ritter der Festen Geiersburg und Lauenstein, welche in jener -Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei ihrem gegenseitigen -Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen dem jetzt dort -befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« nächst dem -Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme -auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein als einen -Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, woraus -später »Mückenberg« ward, genannt wurde. -- Auf derselben Stelle -am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein steht, -hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine Klause -aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten sich in -einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen in -der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und waren -ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr und -des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den alten Einsiedler -verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des Berges alles -Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk zur Last legten. Sie -erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden ihn und drohten mit -Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und reumütiges Geständnis -über den teuflischen Spuk und das höllische Wetter, woran er nur -allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme Einsiedler fiel vor -Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen Heiligen, man möchte -ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, dann würden ihre Herren -Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. Als dies die Knappen -hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. Da nun der Tag graute, -war in der Natur Stille eingetreten, kein Lüftchen regte sich, die -Lerchen erhoben sich zum Gesange und der alte Einsiedler Wolfgang -führte die beiden Knappen den Hügel empor, wo jetzt die Restauration -Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten gegen Osten und siehe da --- majestätisch ging die Sonne auf, sodaß die Knappen wie versteinert -dastanden. Sodann sprach der Einsiedler mit feierlicher Stimme: »Sehet -ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, der jetzt die Sonne aufgehen läßt, -welche ihre wunderbaren Strahlen auf diesen Zinnturm wirft und immer -den Glanz und Schein verbreitet, vor dem ihr euch fürchtet, der läßt -auch finstere Nächte, große Stürme und Regen werden; darum gehet hin -zu euren Rittern und verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein -mir bekanntes, gewinnreiches Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen -von euch unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!« -Hierauf verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die -Schönheit des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden -Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund nach -der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und gesehen -hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den Rittern der -Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen haben sollen, -daselbst die Zinngraupen zu brechen. - -II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener Räuber, -dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der Nachbarschaft -erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. Mit dem Raube -eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß ihn der schnellste und -gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. Einst hatte der Bösewicht -auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. Das Mütterchen aber, -froh des Besitzes einer Wünschelrute, schwang diese, sobald sie den -Raub entdeckt, und rief im höchsten Ingrimme die Worte aus: »Du sollst -zerstochen sein, bevor du den Gipfel des Berges erreichst!« Diese -Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Ein ungeheurer Mückenschwarm -tauchte auf und zerstach den Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag. -An der Stelle, wo ihn die Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete -man später ein Denkmal, das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter -Ort für die Ausflüge der Badegäste von Teplitz ist. - - Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche - Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher - sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist - z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen - auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten - berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß - als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590. - S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. - Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge - aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. - 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes - Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe - Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde - fortzusetzen. - - -583. Ursprung des Namens Fastenberg. - -(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt -Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 11.) - -Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt steht, -soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge eine -Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem nichts -oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das mag mir wohl -ein rechter Fastenberg sein!« - - -584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Oederan. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.) - -Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten aus der -Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei -der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon liefen, über -Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin -von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet hatte, kam zwei -Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er sogleich von den -Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße -geschleppt, dort lebendig gespießt und ihm sein silberner Helm oben -auf den Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin -schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu -vergreifen wagte, und erst zur Zeit der Reformation verschwand sie -zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde. Von dieser -Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe der weiße Helm genannt. - - -585. Ursprung des Bergnamens »Schweiger.« - -(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.) - -Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange des -Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«. -Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar, -fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten hin -die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll daher -kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner -als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage -zubrachte. - - -586. Ursprung des Namens Silberbach. - -(Mündlich.) - -Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß, welches -erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopf des -Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser fernerhin -der Silberbach genannt wurde. - - -587. Ursprung des Namens Höllengrund im Oederaner Walde. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.) - -Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen -Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei Frankenberg, um -daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Sie -kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen bis an den jetzigen -Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich von den Räubern -des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer hatten sich eine -starke Bedeckung von kampffähigen Männern mitgenommen, denen die Räuber -unterlagen. Ihre Flucht über das Eis der Flöha, welches brach, mißlang -gänzlich und sie suchten deshalb ihre Rettung in dem Walde. Doch auch -hier ereilte sie das Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden -hinausgetrieben und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber -aber führt seit dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod -der Räuber den Namen »Höllengrund.« - - -588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal. - -(Mündlich.) - -Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches sich von -Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte herabkommenden -Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister in dem nahen -Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein solcher aus -Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher die Zuflüsse für -das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen haben. - - -589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.) - -Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam -ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist. -Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg, -wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz -aus Fichtenholz ziert. - -Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am -Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest -feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob -Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn -im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner -dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter -heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig -aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen -wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen -alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den -Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz. - - -590. Der Dreimännerberg. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.) - -Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich erhebenden -Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer bis an die -letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des Eremiten -»Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen Erzgang über -dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die Schächte über dem -Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen Gang so aufzuschließen -im Sinne hatten, aber es blieb bei dem »Glückauf!« Und wenn sie -hineinriefen in die Schächte, durch die Stollen und mit dem Hammer -und Schlegel frugen, der schwarze Gang gab keinen Bescheid mit seinem -tauben Gestein. - - -591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer. - -(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. -Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.) - -Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer erhebt -sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher -Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst -ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen -Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in -Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger -entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken -zurückgeblieben sei. - - Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen - des Felsens hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens, - auf dem möglicherweise früher ein loser, hin und her zu wiegender - Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein identisch mit den - »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind - »solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf - ihren Schwerpunkt gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her - bewegt werden können.« (Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus - Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) -- Noch sei es gestattet, wenn - wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein war, die - Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die - Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen - kann, waren jedenfalls heidnische Opferstätten oder Beratungsorte - und dienten auch als Orakel bei Prüfung der Frauentreue. Dann könnte - unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung der altgermanischen - Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben. Darauf - würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen - zurückzuführen sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der - Deutschen, S. 353). Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen - Jungfernsprung, d. h. die Stelle, von wo einst ein verfolgtes - Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe auf dem genannten Felsen - ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine heidnische - Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die - vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die - Sage vom Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges - Menschen- resp. Jungfernopfer sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S. - 10--13.) - - Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine - vermuten? - - -592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa. - -(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.) - -Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei Eibenstock -ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt. Die -Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer -besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden. - - -593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein. - -(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig, -Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.) - -Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten -Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe -soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl -hervorgequollen sei. - - -594. Der Claußberg in Schneeberg. - -(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, 1716, S. 24.) - -Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg, auf welcher -das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg. Den Ursprung -desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein Edelmann, namens -Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen worden sein soll. - - -595. Der Galgenberg bei Euba. - -(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.) - -Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen -Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg genannt, -von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge und abwärts -bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt. Auf dieser Höhe -befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der jedesmalige -Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten hat. Man hält -sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an welchem im 30jährigen -Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem Feinde gegenübergestanden, -einen gefangenen Spion soll aufgehängt haben. Daher der Name Galgenberg. - - -596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein. - -(~Dr.~ Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn, Das -Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.) - -Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn bei -Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem nahen -und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer Stein« aus -Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch aus freiem -Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner -Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt, und ebensoweit -von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden -»Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner -Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll er davon -erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge, zum -Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines Kelches -in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals dem -katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden Umwohner -oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit der Figur, ein -Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen. Die andere Annahme, -daß der Volksmund den isolierten, im Laufe der Jahrhunderte ziemlich -verwitterten Felsen wegen seiner eigenen Ähnlichkeit mit einem solchen -Gefäße so genannt habe, hat deswegen weniger Wahrscheinlichkeit für -sich, weil eine solche Ähnlichkeit von keiner Phantasie zu entdecken -sein dürfte. - -Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen Namen -von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei Burschen -mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in die Nähe des -Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und sie warfen sich -in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer von ihnen so -unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur Erinnerung -an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte stehenden Fels -»Buttertöpfchen«. - - -597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde. - -(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.) - -In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt rechts -von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in einem -Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein, worauf ein -Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen fließenden -Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen Taufstein -und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten Emigranten sich -in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und Gottesdienst hier -gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten. - - -598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge bei -Annaberg. - -(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.) - -Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum letzten -Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen einige die -Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel« führen. Beide -Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt. - -Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die wilde -Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen. Als er eines -Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die Sehma überschreiten -wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen, vor dem er sich -nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und mit blutigen Streifen im -Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen hatten, erreichte er den -Gipfel des Berges und gelangte nach wenig Schritten zu einem Häuschen, -aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte. Von dem Wirte und dessen Frau -freundlich bewillkommnet, erholte er sich bald bei Speise und Trank -in der wohlerwärmten Stube. Nun hörte er von der redseligen Wirtin, -welcher Gefahr er glücklich entgangen sei, denn in dem nahen Walde -trieben böse Geister ihr Wesen und der Bär sei wahrscheinlich auch ein -solcher gewesen. Nicht weit von ihrem Häuschen befinde sich im Walde -ein Kreis von zackigen Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und -einen großen Schatz bewachen. - -Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student -von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf mit dem -Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich mir«, rief er -aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!« Die -mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der Student stürmte -hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er den Teufel herbei, -und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der Finsternis und -sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit seinem Dolche -über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe entwunden und in die -Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner wieder, da zuckte ein -Blitz und beim Scheine desselben sah er noch deutlicher die schwarze -Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos stürzte er zwischen -den Felsen nieder. - -In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich -auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das Fenster -blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus -zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei ihnen -ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie er die -Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach: »Fürchtet -euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es auch. Es war der -Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von dem Kloster Grünhain von -der Nacht überrascht worden und in der Irre gegangen war, bis er sich -an den Felsen ein Nachtlager gebettet hatte. Da war er durch den Ruf -des Studenten aufgeweckt worden und noch halb im Schlafe war er auf -denselben zugegangen. Als ihn dieser aber mit dem Dolche angefallen, -erzählte er weiter, habe er sich zur Wehr gesetzt und einen grimmigen -Kampf bestanden. Weiter wisse er nichts. Als er am Morgen aus seiner -Ohnmacht erwacht sei, habe er blutend neben seinem Gegner gelegen, den -er nun mit sich geschleppt. Während dieser Erzählung zeigten sich bei -dem Studenten Lebenszeichen und es gelang auch bald, ihn wieder zum -Bewußtsein zurückzubringen. Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte -er sich, diese gewannen ihn lieb, und da er selbst gern an dem Orte -bleiben wollte, nahmen sie ihn an Kindesstatt an und hinterließen ihm -bei ihrem Tode das Haus, welches von nun an nach den vor dem Kampfe -mit dem vermeintlichen Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten -»zum letzten Heller« genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach -jenem Kampfe die Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete -die Schwester des Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines -bescheidenen Wohlstandes. - - -599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt. - -(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.) - -Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge -zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald, dessen Name -nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch -für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat -ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen -waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter Mauern erschienen; ferner -fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das -»rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage -von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß. - - Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit: - - Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich - 1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin - von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich - in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als - dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz) - den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit - ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen - mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie - die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie - tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leib zogen - und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr - ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von - Gleichen und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann - erschlagen, darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und - Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, - da der sechste daheim in der Wiege lag. Conrad von Einsiedel ward - gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder - gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt. Es ward - nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute - der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal, - Nürnberg, 1734, 2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz - verlegt wird, geschah jedoch bei Außig. - - -600. Von den Namen einiger Brunnen. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung, 1. -Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und Sachsenburg, -S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels und Engelhardts -Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.) - -1) Der +Jüdenbrunnen+ bei Kühnheide, dessen in einer alten Berg- und -Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden und Wallonen -der Goldkörner wegen besucht. - -2) Mit dem Wasser des +Löffelbrunnens+ auf Satzunger und Preßnitzer -Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft. - -3) An dem +Traubrunnen+ zu Steinbach hat man in Kriegsläuften die -Eheleute getraut. - -4) Der +kurfürstliche Jagdbrunnen+ liegt eine Meile von Crottendorf -nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I. im Jahre 1613 -oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein noch Bier besser -geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine Jäger einzimmern, -die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum eine Trinkkanne ein, -die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu versichern. - -5) Der +süße Kühl-+ und +Löschbrunnen+ zu Schlettau. Am 23. Febr. -1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den Schweden -zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über den Preßnitzer -Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen. Der linke Flügel -lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen viel Oberste -zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre silbernen und -vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten den Durst auf -das annabergische Bier, und lobten und priesen dabei das gute, gesunde -Wasser viel höher als Bier. - -6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein Brunnen, -dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt +Finkenbrunnen+. -Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen bei einem Labetrunk -dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt. - -7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt, in welcher -die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche die -+Goldbörner+ heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst Johann Georg -I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus getrunken und dazu -gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!« worauf er etliche Dukaten -in die Börner geworfen, die dem anwesenden Förster zu teil geworden, -der von selbiger Zeit an diese Börner seine Goldbörner genannt hätte. - -8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der Kaiserforst -und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche der -+Goldborn+ heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen zum Scherz, -wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die kleinen Kinder aus -dem Goldborne hole und bringe. - - In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf - hinweist, daß Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist - ein Bild der Erzeugung, und daher der Glaube, daß der Storch die - kleinen Kinder aus einem Brunnen holt. Auf dem Queckborn in Dresden - stand früher das Bild eines Storches. - -9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der -+Zigeunerbrunnen+. Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner, -welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie -Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze; -daher der Name desselben. - - -601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen. - -1) »+Grauen Manns Fundgrube+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name soll von -einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen haben will, herrühren. - -2) »+Glockenklang+ und +Vogelgesanger Fdgr.+« bei Johanngeorgenstadt -hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute, welches man auf -des Försters Vogelherd einige Tage vernommen, so deutlich, als geschehe -es in einer nahegelegenen Stadt, wobei man auch zuweilen ein Bobern -oder Lummern in der Erde verspürte. - -3) »+Hohe Tanne+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt daher: Etliche -Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie im Schurf -arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel ein solcher -Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen. - -4) »+Scheller Traum+« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt. Der Name -rührt von einem Traume her, welchen eine Frau gehabt und der den Ort -anzeigte, wo man einschlagen müsse. - - (Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt - Johanngeorgenstadt, 1723, S. 229. 244. 246.) - -5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich ein -alter Stollen, das +Bocksloch+ genannt. In demselben soll sich ein -Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen Zeiten -und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen, um die -Vorübergehenden zu necken. - - (Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, 1716, S. 47.) - -6) Die +fruchtbare Thorheit+, eine frühere Silbergrube bei Schneeberg, -erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den ersten Jahren -des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, daß man -jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer -halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk sogar in -seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, worüber -man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig war, nannte -man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und Engelhardts -Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.) - - -602. Die alte Mordgrube bei Freiberg. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II, S. 61. Wilisch, -Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.) - -Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten -diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu -dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als -die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an -Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern -gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, -zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher -Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, -um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das -gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden -und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, -welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie -nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich -alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig -verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem -kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch -der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen -mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter -bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der -Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des -Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche -zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt -gewesen sein. - - -603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 150.) - -In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals ein -böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben zu sagen -und ihn zu rufen pflegte: ~Bacchale patszem!~ welches in böhmischer -Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun das erste Wort -zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen Jungen ~Bacchale~ zu -rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den Namen des Pacemmüllers -und der Pacemmühle aufbringen können. - - -604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.) - -Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes Torfhaus, -welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst eine -Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende und -Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände mit -einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines Mittags in der -Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech in den offen -gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser Begebenheit soll -sich der Name jener Hütte herschreiben. - - -605. Das Stadtwappen von Geyer. - -(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg, -1740, S. 31 u. 32.) - -Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen Zeiten her drei -Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von der Entstehung -des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das Bergstädtchen -gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch einen Geier, welcher -auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und Hühner vom Hofe zu -Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum Geyer erreget worden, indem -die Schützen dem Geier nachgespüret und darüber schöne Zinngraupen -angetroffen haben. - - -606. Das Wappen der Stadt Kirchberg. - -(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881. Nr. 48.) - -Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im Osten das -Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das obere Thor. Als -Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme oder auch die dreifach -getürmte Kirche im Wappen. - - -607. Das Stadtwappen von Öderan. - -(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch, -Kirchenhist. von Freiberg etc. II, S. 475.) - -Öderan führt im Wappen ein auf zwei Türmen liegendes Wagenrad, um damit -anzudeuten, daß die Entstehung der Stadt im 12. oder 13. Jahrhundert -ein Fuhrmann veranlaßte, welcher auf dem Platze eine Herberge erbaute. -Bald gesellten sich noch andere Anbauer und unter anderen einige Mönche -hinzu, welche vor ihrer Einsiedelei ein großes Kreuz aufpflanzten und -Vorübergehende um Almosen ansprachen. Man nannte sie »Schmerbrüder«, -und es soll zu diesem Namen die Wagenschmiere den Fuhrleuten -Veranlassung gegeben haben, wie alte Erzählungen berichten, nach denen -auch der lang erhaltene Gebrauch des schwarzen Siegels bei dem Rate zu -Öderan darauf zurückzuführen ist. - - -608. Das Stadtsiegel von Frankenberg. - -(Bahn, Hist. Nachrichten v. Frankenberg u. Sachsenburg, 1755, S. 36.) - -Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf dem -Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes Frauenzimmer -vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit offenem Thore -stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes oder Namenssiegel -gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno 1690 gestochen worden, -sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret, der mit einem Mantel -bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes Schlachtschwert -mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über einem offenen -Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten Franken, wenn -sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter in die Erde -gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen haben. - - -609. Das Gerichtssiegel von Rabenau. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.) - -Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben mit -gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen oder Fliegen -fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der Kirchturmspitze -ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein. Damit will -man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich daselbst -aufgehalten haben, ableiten. - - -610. Das Stadtsiegel von Zöblitz. - -(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.) - -Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will man -vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden. - - -611. Das Wappen der Stadt Zwickau. - -(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656, S. 136.) - -Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem Rate ihr -Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz rot, -oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter denen ein -Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur umgekehrt, -daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme aber gegen die -linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf dem Schilde aber -zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen Aufschläge weiß, -und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein. Auf dem andern Helm -aber stehet der Ritter Moritz, welchen der Kaiser der Stadt zum Patron -gegeben. - -Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten Teil -des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen. - - -612. Das Wappen der Stadt Freiberg. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense Chronicum~. Freiberg, 1653, S. 21.) - -Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt einem Thore und -Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im gelben Felde darin soll -Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem eigenen Wappen der Stadt für -geleistete Dienste dazu verliehen haben. - - -613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg. - -(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge, -2. Teil. Halle, 1777, S. 89.) - -Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen Scheibenberg -angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild zum -Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln von -unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget auf -beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern -haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel Greif in -der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen Schlegel -und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren nur dadurch -unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen. - -In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses -Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang des -Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen, -und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da es aber ein -Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und Redlichkeit so -fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die Herrschaft wolle -es schützen, wie der Greif das Gold und Silber. - - -614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.) - -Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne zeigt -ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis über die -Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte aber sind -zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet. -Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der Sage die -Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung der Stadt -Dippoldiswalde war. - - -615. Siegel der Stadt Frauenstein. - -(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. Darnach -Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.) - -Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen steht und -in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. Dies bedeutet, -daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge stand und von -der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde. Der Zweig, welchen -die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich auf die Haselrute des -Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, welche grünte, als sie -letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten Libussas vom Pfluge -weg nach Prag auf den Königsthron holten. - -Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit entblößtem -rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß Frauenstein -zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie springt zwischen -den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in denselben steckt, was -bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem damals noch florierenden -Bergbau bezogen hat. - - -616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau. - -(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.) - -Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes Thal mit drei -hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem beckenartigen Schilde -einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das reichsgräflich von Loß'sche -Wappen am Herrenhause des Rittergutes hat einen Frosch im runden -Mittelschilde und als mittelste Helmzier. Man deutet das angebliche -Wappen von Olbernhau damit, daß sich aus dem abgetrockneten See, für -welchen man die flache Thalsohle, in welchem der Ort liegt, ansieht, -der letzte Frosch entfernt, um nach dem auf der Höhe sich zeigenden -Walde zu flüchten. - - -617. Das Siegel des Dorfes Auerbach. - -(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.) - -Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das Dorf -durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer Mulde -sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher in dem -Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen- als -das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt. - -Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von den vielen -Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von dem Bache, -welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das Siegel führt -deshalb einen Auerhahn am Bache. - - -618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau. - -(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~, Zwickau, 1656, S. 37.) - -Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große Brille in -Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen, daß es ein -geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der zu Zwickau -gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker viel auf -dergleichen Zeichen zu achten pflegten. - - -619. Die Wahrzeichen Freibergs. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~, 1653, S. 29, 37 u. 138. Gräße, -Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.) - -Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem Dache auf -allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu sehen, wovon -die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches -derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein wolle. Etliche -meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers, der -1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht worden. -- Als -Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte männliche Statue -wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl. sächsischen und -Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an der Brücke befand, -sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die Stelle bezeichnet, auf -der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde. - -Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine mit -eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war. - - Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet, - auf welcher Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh. - Vulpius (~Plagium Kauffungense~, als Beigabe zu ~Dr.~ Daniel Wilh. - Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743, S. 229) folgendes: »Als 1702 - der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein fast in kleine - Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen neuen - an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit - des E. E. Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen - schwartz-blaulichten ungepolirten Marmor-Stein darunter, auf welchem - ein alter Silbergroschen gelegen, dessen Schrifft und Gemählde - Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern so mürbe war, - daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man auch diesen, - in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu - finden, auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten, - sonst aber gar nichts gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey - Steine hatten einerlei Große, Länge und Breite. Der Marmorstein wurde - in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster gleich kommen, und wiederum - ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit gepräget, - gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern - Merkmahl, drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf - ~recta~ darauff.« - - Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am - Erker des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein - steinerner Kopff, welcher für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird, - mit einem gräßlichen Gesichte, großen Knebel-Barte und Sturmhaube, - über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf angedeuteten - vierecketen Stein.« - - -620. Wahrzeichen von Crimmitschau. - -(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.) - -Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher mitten auf -dem Markte eingemauert war. - - -621. Die Wahrzeichen von Chemnitz. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.) - -Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein, -welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen -Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der Kopf sollte -anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne eingemauert -oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit einem Hunde -verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf Mauertürme vom -Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach einer andern Sage wäre -es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann gewesen, und die Sache -1415 geschehen. - -Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild des -sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier -mit Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war, -an dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der -Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert. - - -622. Das Wahrzeichen von Tharand. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.) - -Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene und -neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene -Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz Granaten mit -sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der -Ort selbst Granaten hieß. - - -623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth. - -(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.) - -Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein -»Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen, -der allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des -unaussprechlichen Elends und der schrecklichen Not gilt, die der -dreißigjährige Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte. -Es wurde nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit -jenes Krieges das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der -Stein-Laib 6 Zoll im Durchmesser. - -Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«, wurde -vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich -eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen -Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz -Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber -berühmten Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war. - - -624. Die frühere Größe des Städtchens Platz. - -(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.) - -Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem -ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß beim -sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner in -trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen sei. Die -Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300 Häuser (jetzt nur 64!) -gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört worden sei, worauf sich -der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von Platz nach Norden und -Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut habe, und auf diese Weise -sollen die beiden Ortschaften Hohentann, d. i. bei der hohen Tanne, und -Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden sein. - - -625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.) - -Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal -erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers -des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16. -Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort -und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav und -seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter -Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre 1174 flohen, -gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der Stadt heute noch -die Burghäuser heißen und die Befreiung von der Abgabe des sogenannten -Dienerkornes genießen. - - -626. Die wüste Mark Kraxdorf. - -(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F. A. -Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.) - -Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten im Walde aus -Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe -nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Krafftsdorf -gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem westlich im Walde -gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel -gefunden wurden. - -In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West -nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf -dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr -wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten hatten. - - -627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung. - -(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.) - -Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w., welche -jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen -Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden heimgesucht. -Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten, zur Nothdurfft -erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später wurde das Dorf -als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und Georg von Mügeln -verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten Sage die Pest den Ort so -von Menschen entblößt haben, daß von der ganzen Bevölkerung nur zwei -alte Jungfern am Leben blieben, welche sich im Heu verborgen hatten. - - -628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal und -Königswalde. - -(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II, 1656, S. 157. G. Göpfert, -Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.) - -Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und Königswalde, -findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk, welches über -einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches Berglein, weil es beraset -und mit Holz bewachsen, anzusehen ist. Von diesem Gemäuer wird erzählt, -daß es ein Raubschloß gewesen sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und -ausgemauerter Brunnen, welchen die Bauern den bösen Brunnen nennen, -weil sich bisweilen Gespenster daselbst haben sehen lassen. Es sollen -hier nämlich die Geister zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht -haben, umgehen. Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf, -Rappendorf genannt, gelegen haben. (S. No. 642.) - - -629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde. - -(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, 1863, -S. 3. Der Schluß mündlich.) - -Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von Dippoldiswalde -ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen, gestanden habe. Man -sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur ein nach dem Berreuther -Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz und ein in der Nähe -befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt. Auf dem Platze soll -eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen. - - -630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein. - -(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge, 1. -Teil, 1776, S. 111.) - -In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein -einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern noch -in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch in -einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im -Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag -Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und -Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf am -Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein -ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie die Fluren -beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von denen ein Teil -jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz soll auch ein Dorf mit -Namen Kempfersgrün gestanden haben. - - -631. Die wüste Mark Oberopritz. - -(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S. -92.) - -Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des Räderkopfes -zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein die zu -letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll früher -das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im Hussitenkriege -zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und zwar da, wo in -dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz kommendes Bächlein -mündet, die Wüstung Niederopritz. - - -632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz. - -(~Dr.~ Herzog, a. a. O., S. 60 etc.) - -1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen -Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein -gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch -Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon von -Sachsen, 16. B., S. 19.) - -2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer Grundes, -in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und Heinersdorf -liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg Blankenau her, -deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben und Wällen nebst -verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna und Heinersdorf in einem -kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die Sage setzt die Einäscherung der -Burg, von der sich ein Rittergeschlecht von Blankenowe schrieb, in den -Krieg Friedrich des Gebissenen mit den Süddeutschen. (S. auch Schumann -und Schiffner a. a. O., 14. B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., -S. 114.) - -3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen Adels- -oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf, Oneritz -(Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz und -Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen Chemnitz -und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses. - - -633. Wüste Marken bei Augustusburg. - -(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.) - -1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der -von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende große -fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen -verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll. - -2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland -gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine Wüstung -und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich im -Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf -Röthenbach lag. - -3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha -gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor -dem Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen -»Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben -Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere -Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen -zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen, 1. B., Schneeberg, -1750, S. 268.) - - -634. Von früheren Festen bei Schneeberg. - -(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik von -Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges, 1. B., -1795, S. 14.) - -Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden -und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine -Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins -Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher. -Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man früher am -südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten Grunde -sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und ebenso soll -ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das Brünnlasgut -befindet, eine Warte gestanden haben. - - -635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.) - -Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in Pöhla bis an -die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand geheißen, -weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden ist. -Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf und -Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten und -Ackerbeete. - - -636. Die wüste Mark Eibendorf. - -(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.) - -Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen die meisten -Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen -Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen Kriege zerstört worden -sein soll. - - -637. Die wüste Mark Nennigkau. - -(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.) - -Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe -wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher im -Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha mündet. - - -638. Wüstungen bei Bärenstein. - -(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.) - -Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain und -Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen -Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches im -30jährigen Kriege zerstört wurde. - - -639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan. - -(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.) - -Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem -dreißigjährigen Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha -gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle -am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen Kriege das -Dorf Kuhren stand. - -Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache gelegenes -ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes Dorf -war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle stehen jetzt das -Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen Bergwerksgebäuden, -und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr vorhandene Rittergut -Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche Vorwerk stehen -soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem Freiberger Bürger -Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, welcher hülflos im -Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf dieser ein neues Heer -gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze bot. (Siehe Schumann und -Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., S. 761.) - - -640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau. - -(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter -von Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu -Oberlungwitz, St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her -gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766. -Manuskript.) - -I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb der -Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege -verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch -um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein sollen. -Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten und -überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet wurde. -Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz nach Waldenburg -geführt haben, denn er diente später den Bewohnern des an der Stelle -des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und nach wieder entstandenen -Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem ersten Kirchen- und -Leichenwege nach Abtei-Lungwitz. - -II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf liegenden -»Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene Dorf Naundorf, -welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde von 1348 -oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der untere Teil des Ortes blieb -wüste, während der obere Teil unter dem Namen »Hölzel« später wieder -aufgebaut wurde. - -III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober- -und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der -Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich, -in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf -uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts -Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen Bauern -des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo einst -Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den -Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem -auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme -als Decem gehalten haben. - - -641. Die Wüstung Sahnau. - -(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 109.) - -In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen und -Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem Hussitenkriege am -Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher noch zu Anfang dieses -Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war. - - -642 Die Wüstung Rappendorf. - -(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.) - -In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal, -Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal findet sich -die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein Dorf, welches -wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten Herren von Rapp -oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt man hier Spuren einer -alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. Jahrhundert zerstört worden -sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle den »bösen Brunnen«, welcher -mit einem hohen Erddamm umgeben ist. Mehrere Feld- und Waldbesitzer -in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, teils beim Holzfällen und -Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, gezimmertes Holz, eiserne Haspen -und Bänder und dergleichen gefunden. - - -643. Die Wüstung Boberau. - -(Herzog a. a. O., S. 64.) - -An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei Drehfeld -lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages noch das zu -Porschnitz gehörige Boberholz erinnert. - - -644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck. - -(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.) - -Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist vielleicht -ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich, -welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, und -ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu dem Dorfe -Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört wurde und -dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege nach Falkenstein -und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist. - - -645. Die wüste Mark Warnsdorf. - -(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. -174) - -In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine große -Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und -die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem -dreißigjährigen Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese -befindet sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch -einen breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer -Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer -Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von hier -herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese vergraben -gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei. - - -646. Die ehemalige Burg Sohra. - -(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.) - -Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale das -Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach Pretzschendorf -hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich im -Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr hundert Jahren -sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, und eine eiserne -Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Ruinen -abstammen. An die Burg erinnert auch noch der sogenannte Vorwerksring. -In der Gegend, wo die Burg stand, sollen Gespenster umgehen. - - -647. Alt-Elbogen. - -(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.) - -Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der Mitte -zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge zwischen dem -Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der Eger, die zahllosen -Windungen des engen Felsenthales entlang gegen Osten eilt und hier -einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen Hochebene nur -durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen Süden mit einer 40 -Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. Alt-Elbogen besteht aus -der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, etwa 190 Meter langen -Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen Hochburg, die ungefähr 1400 -Quadratmeter enthält und ebenfalls durch einen an der Nordostecke noch -2 Meter hohen Wall umgeben ist. Mauerreste findet man hier nicht. In -der Südostecke stand der Tradition nach eine St. Barbarakapelle, die -bereits im Jahre 1247 urkundlich erwähnt wird. - -Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht -wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen Gewölben große -Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht werden. - - -648. Die Grillenburg. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie -der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte und -Dörfer, 1727, II, S. 287.) - -Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, die -Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als Wohnung für -einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in grauer Vorzeit -eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten nachgewiesen -wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune einen geräumigen, aus -dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl tausendjährig ist. Das -Gewölbe wird in der Mitte von einer starken Säule getragen, um welche -herum mit einem zweispännigen Wagen zu fahren, der Raum reichlich -gestatten würde. - -Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses Grillenburg -gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften Nachricht, -sie lauteten: - - I. - - »Meines lieben Bruders kläglich End, - Der schwere Eingang zum Regiment, - Groß Widerwärtigkeit und Gefahr - Mir schwere Sorg und Müh gebahr. - Zu vertreiben solch Fantasey, - Fieng ich diß neu Gebäu, - Die Grüllen-Burg ichs davon nennt, - In einem Jahr wurds gar vollend. - - II. - - Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen, - Da baut Hertzog August zu Sachsen - In einem Jahr diß Jagd-Haus behend, - Welches er die Grüllen-Burg nennt, - Vor schwerer Sorg und Gedanken, - Die ihm oblagen und bedrangten, - Und richtets an zur Lust und Freud, - Drum wird man hier der Grüllen queit. - - III. - - Ich bin genannt die Grüllenburg, - Darauf geschieht gar mancher Schlurg, - Gedanken und schwere Fantasey, - Legt man auf diesem Hause bey; - Gegen Hasen, Hirsch und Schwein - Vertreibt man hier die Zeit allein. - Wer nun hat Grüllen und Mücken, - Der lasse sie hinter sich zurücken.« - - -649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg. - -(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.) - -Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach ein Dörfchen -Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen verwüstet worden -wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt der Lützenbach und -der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor alters eine Mühle unten -in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle genannt worden ist. Alte -Leute wollen von derselben noch Baustelle und Mühlgraben gesehen haben. - - -650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen. - -(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.) - -Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen zeigt man -eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt wird, daß hier -einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« erbautes -Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen des Niklas -sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das ist auch der -Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren nächste Umgebung von -Schatzgräbern ganz durchwühlt ist. - - -651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein. - -(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II, S. 67. Bahn, Das Amt, Schloß und -Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.) - -Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem jetzigen -Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe Reichenau zu -gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche stehet. -Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen segnete, ist -die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich mit der Kirche auf -dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen Bewohner Frauensteins -wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse gebracht, welche bei -gefallenem Platzregen sehr stark waren und ihre Wohnungen schädigten. -Man sah auf dem alten Stadtplatze im vorigen Jahrhundert noch die -Gassen und Überreste von den alten Baustellen. Von dieser Verlegung -der Stadt kam es auch, daß, was sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt -ward, nicht die Stadtkirche, sondern die Begräbniskirche, als die -Mutterkirche, erhielt. - - -652. Die ehemalige Lage von Preßnitz. - -(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, S. 20.) - -Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits -am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte man -sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten -Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren -Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war -das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden, -weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde und -noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen. - - Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13. - Jahrhunderts zurück, der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem - Jahre 1352 in den eigentlichen Bereich der Geschichte. Jedenfalls - entwickelte sich infolge der Entdeckung von Silbererzen der junge - Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien Bergstadt - erhoben wurde. - - -653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg. - -(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, 1881, Nr. 44. -Mündliche Mitteilungen.) - -Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen Abdachung -des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke in dieser -Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden der alten -Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei Erbauung -von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der Gottesacker -dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das Königliche -Amtsgericht befindet. - -Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden -haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts -hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung -an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen -unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das -Dörfel'sche Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß -man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe. - -Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht des -Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die -einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der Stadt -am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit in -Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage und -errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den Ruinen -des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich die jetzige -Stadt Kirchberg. - - -654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz. - -(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc. -Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.) - -Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, Herr -der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, im Jahre 1476 -von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, legten sie das -Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren Unterthanen -zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich wuchs. - -Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes zu Grünhain, -eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter Grenzstreit -zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen der Pflege -Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen, welcher -zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten ihnen lag. -Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, und -der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: »Keinem von Euch -beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb er plötzlich. Sein -Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder Priester, welcher den -Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung der inzwischen -aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. Dieselben kamen auf -freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen und durch Händedruck -und Bruderkuß wurde die Versöhnung besiegelt. An der Stelle aber, wo -dies geschah, wurde ein Stein errichtet, den der Abt segnete und mit -Weihwasser, geschöpft aus dem in der Nähe befindlichen heilbringenden -»guten Brunnen«, besprengte. Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein -Zwönitz ein frohes Fest gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter -Stadt ein neues Wappenschild: Den buntgefiederten Sittich im blauen -Felde. Der Stein aber wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei -Grünhain und dem von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der -Volksglaube gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver -gerieben und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die -ersprießlichsten Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später -den Namen Streitwald, welchen er noch heute führt. - - -655. Der Peststein bei Rauenstein. - -(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. S. -305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.) - -Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure Jahre, die -Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere im niedern -Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die letztgenannte -Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun lebte aber in -dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des Richters, welcher -mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu Lengefeld verlobt -war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten -der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden Tag neue Opfer -forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater davon befallen -wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo unterdeß die Pest -nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber mehrere gewürzhafte -Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt und damit sich selbst -und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von welchem ihm die -Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer berühmten Apotheke -hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach Reifland zurück, und -als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm er über die Flöha und -gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch nach Lengefeld. Um den -Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar zu spät, allein es gelang -ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater und viele andere mit -seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald verschwand die furchtbare -Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die übrig gebliebenen Bewohner -von Lengefeld, Rauenstein und Reifland feierten ein Wiedersehens- und -Dankfest. Auf der Stelle, wo dies geschah und die Einwohner genannter -Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung ein Stein aufgerichtet und -dieser bewahrt noch heute die Erinnerung an jene traurige Zeit. - - -656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg. - -(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.) - -Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet sich -im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird: - -Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und ward von einem -Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein Chormantel ihm als -Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten auf die Erde. -Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam dem verwogenen Gesellen -ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm lustig genug schien, auch -zu versuchen. Er nahm also einen Mantel um, stieg auf den Turm und -sprang herab. Aber wehe, der Mantel verwickelte sich, und kopfüber -im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne Schieferdecker auf das -Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod fand, setzte man zum Andenken an -diese Begebenheit den roten Stein in das Pflaster. - - -657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, Hist. -Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.) - -In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche an -der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren -früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden -Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre 1428 -ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und -drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern -würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies -thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten -erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab. -An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in -den Fluten der Zschopau. - - -658. Zeichen auf dem Katzensteine. - -(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.) - -Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt sich der -wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze -und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein -Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf findet man -einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere -gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem -Steine gefrühstückt haben. - - Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von - Kursachsen (2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf - dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messer und Gabel - zu sehen gewesen sein. Nach derselben Quelle war der in der Sage - angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., wenigstem will - man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben. - - -659. Die zwei Messer zu Eibenstock. - -(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.) - -Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt Hans Meichsner -zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, G. Unger und Chr. -Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander uneins worden und haben -sich geschlagen. Solches haben sie so lange getrieben, bis Fröhlich -mit einem Messer dem Unger gegen das Herz einen Stich gegeben, -darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat Unger das Messer wieder -herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, doch hat sich dieser -auf die Flucht begeben. Hernach ist über ihn auf dem Markte öffentlich -Halsgericht gehalten, und damit diese schreckliche That den Nachkommen -im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 Messer in einen Stein gehauen, und -solcher an der Ecke der Brotbänke, wo früher der hölzerne Esel stand, -aufgerichtet worden. - - -660. Das Steinkreuz bei Schlettau. - -(Mündlich.) - -An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, steht nahe -vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. Dasselbe -soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege ein -schwedischer Offizier begraben wurde. - - -661. Das Steinkreuz bei Werda. - -(Mündlich.) - -In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber dem -Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus katholischer -Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser Stelle ein vornehmer -Soldat im Kampfe gefallen sei. - - -662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen. - -(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.) - -Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün nach Waldkirchen, -an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, ein Stein mit -eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich ein Schafhirte -von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen worden sein. Der -Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm zukam und als er -deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, wurde er grob; es kam -zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit dem gewaltsamen Tode des -Hirten. - - -663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld. - -(Mündlich.) - -Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden -Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den gegenwärtig -aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach vielleicht 20 -Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen Meter hohen, an den -Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten Steine, dessen Oberfläche -zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt ist. Doch sieht man auf ihm -noch zwei gekreuzte Messer und ein Brotchen eingehauen. Hier sollen -sich einst vor vielen Jahren bei einer Hungersnot zwei Frauen, welche -zusammen in Wolfersgrün ein Brot gekauft hatten, mit ihren Messern -erstochen haben, weil jede von ihnen das Brod ganz haben wollte. - - -664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.) - -An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock und -Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt, steht -ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt im Walde ein alter -Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno 1799 ist an dieser Stelle -ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend, nachts mit seinem Fuhrwerk -auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte des Gasthofes zu Karlsfeld -ermordet worden. Der Fuhrmann ließ sich gegen Abend vom Wirte des -genannten Gasthofes für Silbergeld neue Kupfermünze geben. Dies sahe -der Hausknecht, welcher jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke -hielt. Ihn gelüstete nach denselben, und er ging deshalb, als der -Fuhrmann bereits ein gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete -ihn und nahm ihm die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an -diese That ist der Stein gesetzt worden. - - -665. Der Denkstein in Fürstenwalde. - -(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.) - -Auf Gotthelf Tittels Gute in Fürstenwalde steht ein Denkmal mit der -Bezeichnung ~G. D.~ und einer Schneiderschere, nebst der Jahreszahl -1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre ein aus -Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr aus -der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem -Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren -und in Fürstenwalde beerdigt worden. - - -666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz. - -(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im -Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 10.) - -Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei Kreuze aus -Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes -Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler einer Mordthat -hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten daselbst -Fleischerknechte totgeschlagen hätten. - - -667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz. - -(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.) - -Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche -Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und -vor derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis -eingehauene Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei, -und zwar einer den andern, erstochen haben sollen. - - -668. Die drei Kreuze bei Brand. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.) - -Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen von alters -her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. Bereits im -Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so vermorscht, daß -an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den Jahren 1608 und -1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle der steinernen waren -wieder solche von Holz gekommen. Von diesen Kreuzen aber erzählt der -Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß in welchem, wäre Freiberg -belagert worden und hätte eine hohe Summe Brandschatzung geben sollen, -diese aber nicht sogleich aufbringen können, und deshalb drei Ratsherrn -zu Geißeln gestellt. Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre, -so hätten sie einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der den -Ratsherrn insgeheim kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie -womöglich in der kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt -sei nicht gesonnen, die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch -die Ratsherrn ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager -gekommen, hier aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch -durch das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum -Andenken ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben -müssen, die drei Kreuze errichten lassen. - - -669. Das Hahnenkreuz bei Görkau. - -(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.) - -An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand ein von -Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, worauf -ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. An diesen -knüpft sich folgende Sage: - -Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten Ziska, -nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt Görkau und -das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen katholischen Bewohnern -ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, -als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin -aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten, -als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei vernahmen, -welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber tönte. Sie verfolgten -die Richtung des Krähens und verfehlten glücklich die Stadt, indem sie -weiter östlich gelangten und schließlich nicht mehr zurückkehrten. Zur -Erinnerung an diese wunderbare Errettung aus drohender Gefahr ließen -die Bewohner von Görkau das erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem -Friedhofe aufstellen, von wo es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz -unter großen Feierlichkeiten übertragen wurde. Die kleinen daselbst -stehenden Linden wurden damals von der Görkauer Schuljugend gepflanzt. - - -670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg. - -(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.) - -Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen Wirtshauses -»Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke, in welcher -es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage, als ein -schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende Donner, wie -der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung der Lustbarkeiten. -Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden Zeichen; die Ausbrüche -wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die Musik begann ein munteres -Tanzstück zu spielen und unter Lärmen und Johlen drehten sich die -Paare im Kreise. Diesem frevelhaften Treiben konnte die Strafe des -Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter hatte seine ganze Macht -entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten grell das Halbdunkel und -das betäubende Krachen des Donners vermischte sich mit dem Brausen des -wütenden Sturmes. Den tollen Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein -fürchterlicher Schlag, alle Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde -lang sonnenhell beleuchtet und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein -mächtiger Blitzstrahl hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem -gräßlich gähnenden Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen -darin Anwesenden spurlos versank. -- An der Stelle, wo die Schenke -stand, wurde später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz -errichtet. Dieses ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name -»Beim roten Kreuz« jedoch bis heute geblieben. - - -671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau. - -(Mündlich.) - -Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden Höhe am -rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst soll ein Mann -mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne daß weder er noch -seine Pferde Schaden genommen haben. - - -672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde. - -(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.) - -In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt, ein großer -Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz sieht. Die Sage -erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem heftigen Gewitter -zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig donnerte, spotteten -sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort oben fährt der liebe -Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber hatte er diese Worte gesagt, -so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz. Der Knabe wurde darauf an -dem Orte begraben, und zur Erinnerung an diese Begebenheit meißelte man -ein Kreuz in den großen Stein, der bereits an dem Platze gelegen hatte, -wo dies geschehen war. - - -673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach. - -(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit des -sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern, 1860, S. -3.) - -Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen -Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt man -sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August Bachmann -stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite ein -Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche -zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er nämlich, -heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der Landstraße gegen -Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel hatte aufschlagen -lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen Schar -ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine Gefährten in den -Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt selbst dem -Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende Lichter erblickt -werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind, bezweifeln selbst -die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit des Kaisers Arnulf -geschehen. - - Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7. - - -674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.) - -In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde führt. -Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr stark und -zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo ein Mensch -verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat. - - Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem - Kruzifix, welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat, - herrührt. -- Erwähnt mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den - Platz vermutet, an welchem 892 die Ermordung des Bischofs Arno von - Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv für sächs. Gesch. 2. S. - 175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen zu den - Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen. - - -675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz bei Sayda. - -(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.) - -In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal von -Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei -Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen -gehauen haben, so daß beide gestorben sind. - - -676. Das Marienbild in Maria-Kulm. - -(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.) - -Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten und -unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet -wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber -ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch -wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine -Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord unsicher -gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein Ritter -aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der Kapelle -auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen und dem -Strafgerichte in Eger übergeben wurden. - - -677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe. - -(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.) - -Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck und -Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine hölzerne -Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in der Hand -hält und folgende Umschrift hat: - - »Das Zedels-Bild bin ich genannt - Die löbliche Jägerei bin ich wol bekannt - Sie komen her zu mir - Und suchen auf dem Abschied - Der Wölfe ihr Quartir - Drincke auch gehrne gutes Bir - Anno 1695.« - -An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch gemalt, -aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich ist das Bild -ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo die letzten -Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß das Bild früher -etwas weiter im Walde angebracht war und daß es die Stelle bezeichnete, -wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde. - - -678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark. - -(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.) - -Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll von -dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein. Über die -Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der Künstler -sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus, vorher -diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm, aber er soll -seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen Worte -gemäß niemals jene Strafe verbüßte. - - -679. Die Walfischrippen in Zwota. - -(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.) - -In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren am Wege -zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des Walfisches, -zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben in einem Garten -des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an dem jetzt eingegangenen -Hammerwerke, welches nach der Überlieferung des Volkes das feinste -und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden haben, und es -wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten Fuhrleute nach dem -Hammer kamen, um das weit und breit geschätzte Eisen zu holen. Von -solchen Fuhrleuten sollen die genannten »Walfischrippen« mitgebracht -worden sein. - - -680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus. - -(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im -Zellwalde, 1874, S. 7.) - -Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche zu -Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten -Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt worden sein. - - -681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau -ausgewühlt worden. - -(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt, was -man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300 Jahren ~a~) -wegen der Kirchen, ~b~) wegen des Thurms und ~c~) wegen derer Glocken -gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage derer Kirchen -Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.) - -Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am Grunde an -dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder sagen, es wäre -ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und die Einwohner dieses -Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und des sündigen Wesens so hoch -getrieben, daß Gottes Strafe über sie ergangen und der Ort versunken -wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei Viehhirten ohnweit des ehemaligen -Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet haben, und solche hätten wahrgenommen, -daß eine wilde Sau zwei Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine -gesagt. »Diese Glocke will ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.« -Der andere habe gesprochen: »Das laß ich wohl bleiben; ich will mit -meiner Glocke mir etwas zu gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche -Glocke wieder in die Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten -Männer haben erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren -Vätern und Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten -gefundene Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar -geben sie nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie -gleichsam taktweise ihren Klang hätte. - - »Baum maum Kirchberg, - Kirchberg ist mein Vaterland, - Da mich die wilde Sau umwandt«. - - Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640. - - -682. Die Glocke von Jahnsgrün. - -(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.) - -Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün bei -Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen gelegen -haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche Weise, -untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden worden, als -eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen Boden wühlte. Diese -Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu Bärenwalde hängen. Man hat -über die Begebenheit folgendes Volkslied: - - »Gahnsgri is uner goange, - Gahnsgri is verschwunden - Ä wilde Sau hot ä Glock' ausgegrob'n, - Ä Bettelma hot's gefunden«. - - Auch Sachsen Kirchengalerie (8. B., S. 58.) erzählt, daß man aus - manchen Spuren, z. B. aufgefundenen alten Schlüsseln, schließen will, - daß die Gegend von Jahnsgrün vor der Zeit des Hussitenkriegs stark - bevölkert gewesen sei. Hier ist besonders bemerkenswert, daß die Sage - noch von zahlreichen anderen Glocken erzählt, welche durch Schweine - aufgewühlt wurden. Dahin gehören die große Glocke zu Marienei und - die Kirchenglocke zu Treuen, welche letztere ebenfalls brummt: »En - wille Sau ausgegrob'n, en Bettelmann gefunne«. (Köhler, Volksbrauch - im Vogtlande, S. 605.) Ferner mögen die Lobesdorfer Glocke, in - der viel Silber war, so daß sie sich durch ihren schönen Klang - auszeichnete (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 36.), die - Glocken von See und Spree in der Lausitz (Haupt, a. a. O., S. 403.), - zu Blankensee, welche summt: »Sau fand jenen Sand«, und zu Görzdorf - mit dem unmelodischen Tone: »Sony woillt us« (d. i. Sau wühlt aus), - genannt sein. - - Nork (Sitten u. Gebräuche etc. S. 372.) versucht einen mythischen - Zusammenhang zu finden, indem er meint, die Glocke, welche zuweilen - aus Teichen und Seen aufsteigt, sei wie die Nebelkappe auf dem Wasser - (Odhins Hut) ein Symbol für Stürme; ihr Tönen sei der heranbrausende - Sturm. Er bringt damit die Benennung »Sauzagel« für Wirbelwind in - Verbindung. Die Sau aber ist Finderin der im Dunkeln verborgenen - Gegenstände, sonst ein der Finsternis geweihtes und darum als - Juelschwein dem Lichtgott geopfertes Tier. (Haupt, a. a. O., No. 283 - a.) Ein goldenborstiger Eber, auf welchem Freir und Freia ritten, - erhellte die Nacht taghell. - - -683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.) - -Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein gegen -2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes -Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra und -Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen Fläche -einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos waren, daß -Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an einem dritten -Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes Jahr an -diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen Glocken der -versunkenen Stadt läuten hören. - - S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland. - Da, wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine - Stadt, welche versunken ist; man hört noch die Glocken in der - Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 66.) Auf dem - Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges in Thüringen, - soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken - ließ, weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der - Sage nicht die Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine - wurde einst auf dem Platze eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch, - auch als man sie umgegossen hatte, einen abscheulichen Klang gab. S. - übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. (Richter, Deutscher - Sagenschatz, 3. H., No. 18.) - - -684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün. - -(Mündlich.) - -Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk großer -Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die Überreste -eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die Produkte -der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges angegriffen -wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne übrig blieben. -Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine Stadt gestanden -habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei. - - -685. Die große Glocke in Geyer. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.) - -Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam auf -einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt die Sage, -daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch -eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor ausgewühlt und von den -Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden sei, aber -nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben habe, bis ein Priester -sie zu ihrer heiligen Bestimmung feierlich eingeweiht. - -Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen -Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz von -Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst -Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der -Prinzenraub darauf abgebildet. - - -686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswaldaer Heide. - -(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.) - -Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen -am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der -Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde jedoch -diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen und das -Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf übergeführt. -Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und 16 Schritt breite, -jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem Antonius, an welchen -der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser ausgezeichnete -Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen Barbara erbaut worden -sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese, auf welcher ehemals -die Antoniusklause gestanden haben soll. - - In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in - Rabenau, daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche - genannt, sei eine Wallfahrtskirche gewesen, der historischen - Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr den Namen - »Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine - solche sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war - der Patron der Kaufleute und an der an der alten Grenze von Meißen - und Böhmen gelegenen Kapelle führte jedenfalls in früheren Zeiten - die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden vorüber. Nach einer - anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster Zelle - Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf - befindliche Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die - Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei, - da eine andere Nachricht mitteilt, daß sie im dreißigjährigen Kriege - eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler - des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.) - - -687. Die Kapelle in Unterwiesenthal. - -(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5--7. -Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 147.) - -Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als -ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf -einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen -Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an diesem -Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen aber -stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres Schuppens -ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte es den -»gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte herum aber ist -das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf einer grünen Wiese -gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal, dem erst später -die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet ward, erbaute man an -dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine Kapelle, nach derem -Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die daselbst befindlich -gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie ihnen zu gewisser -Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren von Schönburg, -welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den Gerichten von -Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe zur Erinnerung -an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf beiden Seiten und -auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist. - - -688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz. - -(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.) - -Auf der sogenannten heiligen Wiese im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz -stand einst ein der Jungfrau Maria geweihter Altar mit einem -wundertätigen Marienbilde, das zahlreiche Gläubige an sich lockte. Wenn -dieselben die von den Mönchen des Klosters Grünthal gehaltenen Messen -angehört hatten, besuchten sie die Märkte in Lungwitz, welche unter den -»Linden«, die einst bei der jetzigen alten Post standen, abgehalten -wurden. Der alte Weg, der vom Dorfe zu der heiligen Wiese führte und -den die Wallfahrer ziehen mußten, hieß damals die Vorlage und besteht -teilweise noch heute unter dem Namen »die Vorel« oder »Vurel« in der -Nähe der jetzt Rügerschen Grundstücke in Abtei-Lungwitz. - -Auf dem Turme der Oberlungwitzer Kirche befindet sich noch eine -uralte Glocke, die wahrscheinlich aus irgend einem Kloster stammt und -seiner Zeit an die alte Lungwitzer Kapelle abgegeben worden ist, und -zwar vorzugsweise mit zu dem Behufe, um bei den Wallfahrten nach der -heiligen Wiese gelauten zu werden. Nach einer alten Tradition hat man -stets mit dem Läuten der Glocken auf der Lungwitzer Kirche begonnen, -wenn die Wallfahrtsprozessionen bei dem Marienbilde im Hirschgrunde -angekommen waren, und es hat überhaupt dieses Bild dort an dem Orte -gestanden, von wo aus die Oberlungwitzer Kirche am besten zu übersehen -war, um während des Lesens der Messe u. s. w. die erforderlichen -Zeichen zum Anschlagen oder Lauten der Glocken vom Platze aus hinüber -nach dem Turme geben zu können. - - -689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf. - -(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O., No. 560.) - -Unter den Reliquien der Kirche zu Ebersdorf befindet sich ein -Schiffchen von Holz, welches aus dem 14. Jahrhundert stammt und bei -folgender Gelegenheit dort aufgehängt worden ist. Ein gewisser Junker -Wolf von Lichtenwalde (?) war ins gelobte Land gezogen, um dort gegen -die Sarazenen zu kämpfen; er hatte alle Gefahren und Anstrengungen -des Krieges glücklich überwunden und kehrte jetzt mit Schätzen -beladen nach seinem Vaterlande zurück, wo ihn eine liebende Braut -erwartete. Siehe, da begab es sich, daß das Schiff, auf dem er nach -Venedig segelte, von einem furchtbaren Sturme überfallen ward; keine -Geschicklichkeit des seekundigen Kapitäns, noch die übermenschlichen -Anstrengungen der Mannschaft vermochten dem Andrange der wütenden -Elemente zu widerstehen und jeder sah dem Untergange des Schiffes in -nächster Zeit entgegen. Da sank der sonst so mutige Kreuzfahrer in -wilder Verzweiflung auf die Knie und gelobte der heiligen Jungfrau -zu Ebersdorf, daß, wenn sie ihn aus dieser Todesnot befreien und -glücklich in sein Ahnenschloß zurückkehren lassen werde, er ihr ein -Schiffchen ganz mit gutem Gold gefüllt als Opfer darbringen wolle, und -solle er auch sein ganzes Eigentum dabei aufwenden. Und siehe, fast -augenblicklich legte sich der Sturm, die Wogen glätteten sich und ein -günstiger Wind trieb das Schiff schnell und glücklich in den sichern -Hafen. Der Ritter vergaß aber nach seiner glücklichen Heimkehr sein -Gelübde nicht, er ließ von einem geschickten Künstler ein Schiffchen -anfertigen, füllte es mit Gold an und hing es zum ewigen Andenken in -der Kirche zu Ebersdorf am Altare der hl. Jungfrau auf. Zwar hat die -Lichtenwalder Gutsherrschaft nach der Reformation sowohl dieses Gold -als auch alle andern Kostbarkeiten und Nutzungen der Kirche an sich -genommen, nachdem sie die Verpflichtung eingegangen war, dieselbe in -allen Baulichkeiten zu unterhalten, ja, sollte sie einmal abbrennen, -ohne Zuthun der Gemeinde und des Kirchenärars aus ihren Mitteln wieder -aufzubauen, allein das Schiffchen ist heute noch zu sehen. - - -690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz. - -(Richter, Chron. v. Chemnitz I, 1767, S. 85.) - -Im Jahre 1738 wurde in der Schloßkirche zu Chemnitz eine Geißelsäule -wieder aufgerichtet, welche einige Jahre da gelegen hatte. Dieselbe -befand sich vorher in dem sogenannten Geißelsaale nahe bei der Kirche -und war aus einem Eichenbaume oder einer Linde gearbeitet. Die Sage -erzählte, daß der Baum unten aus der Erde aufgewachsen und durchgeführt -worden sei. Aus diesem ist nun durch die Bildhauerkunst eine Säule -zugerichtet und an derselbigen, ohne Zuthun anderen Holzes, die ganze -Geißelung Christi in Lebensgröße im ganzen ausgehauen worden. Dieses -Kunstwerk haben viele hundert Personen von Fremden und Einheimischen -jährlich zur Sommerzeit beim Spazierengehen ehedem besichtiget. - - -691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 23.) - -Der Hauptaltar in der Annaberger Kirche besteht aus lauter -italienischem und griechischem Marmor und ist von Meister Adolf in -Augsburg verfertigt worden. Man erzählt davon folgende Sage: - -Ulrich Mengemeyer, ein reicher Bürger zu Augsburg, hatte sich mit -Andreas Tuchern, einem böswilligen Ratsherrn, verfeindet, und ward -durch dessen heimtückische Nachstellung bewogen, seine Vaterstadt zu -verlassen. Er wandte sich nach Annaberg, wo er schon seit längerer -Zeit viele Kuxe an sehr gesegneten Fundgruben hatte, und ward Bürger -daselbst, in der Meinung, vor Tuchers Verfolgungen nunmehr sicher zu -sein. Aber er irrte. Am Freitag vor Pfingsten 1514 ward er auf dem -Wege zu seinem Freunde, dem Guardian des Franziskanerklosters, von -zwei Meuchelmördern überfallen und erstochen. Die Mörder flohen zum -Frohnauer Thore hinaus nach dem Schreckenberge hin. Der eine aber, -Wilwald Dyrmann, den sein wüstes Aussehen und das Blut an den Händen -verriet, wurde im Thale von einem Bergmann festgehalten und nach der -Stadt zurückgebracht; der andere, Hansel Unger, ward auch bald nachher -in Pirna eingefangen und in Ketten nach Annaberg geführt. Im Verhöre -sagte Dyrmann aus, Andreas Tucher habe ihn durch seinen Vetter, Philipp -Weisenburgern, einen armen Edelmann im Dienste der Stadt Augsburg, zu -diesem Meuchelmorde für 400 fl. dingen lassen. Deshalb ward sogleich an -den Augsburger Rat geschickt und Weisenburgers und Tuchers Auslieferung -gefordert. Aber Weisenburger nahm die Sache allein auf sich und schrieb -an den Rat zu Annaberg, er habe gute Sache an Mengemeyern gehabt und -allein, ohne Tuchers Geheiß, Dyrmann zu dieser That bewogen; darum -möchten sie dem das Lehen schenken. Zugleich war Weisenburger aus -Augsburg entwichen. Tucher schickte einen Sachwalter nach Annaberg, der -ihn vollends rechtfertigte. Dyrmann und Unger aber wurden am Freitag -nach St. Anna 1511 durch das Rad hingerichtet. So war die Sache mit dem -Rate zu Annaberg beigelegt. Herzog Georg von Sachsen aber ließ es nicht -dabei bewenden, sondern verklagte die Reichsstadt Augsburg beim Kaiser, -und obgleich der Augsburger Rat sich vielfach entschuldigte, so ward -doch auf dem Reichstage dahin entschieden, daß die Stadt Augsburg wegen -verletzten Gottesfriedens der Hauptkirche zu Annaberg einen marmornen -Altar verehren solle. Und dies geschah auch. - -So erzählt die Sage. Geschichtlich glaubwürdige Nachrichten aber sagen, -dieser Altar sei von den Annabergern, welche sich damals des reichsten -Bergsegens erfreuten, mit 2551 fl. bezahlt worden, und Herzog Georg der -Bärtige habe selbst 1000 fl. von seinem Grubenanteil abgegeben. - - -692. Die Domkanzel in Freiberg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 134.) - -Die Sage erzählt, daß in dem Dome in Freiberg ein Meister und sein -Geselle jeder eine Kanzel gebaut habe, die des Gesellen aber besser -geraten sei. Darüber sei der Meister so zornig geworden, daß er den -Gesellen erschlagen habe. Noch jetzt kann kein Geistlicher auf des -Gesellen Kanzel wegen jener Greuelthat predigen. - - -693. Der Donatsturm zu Freiberg. - -(~Curiosa Sax.~, 1736, S. 171. Darnach Gräße, Sagenschatz, No. 286. -Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 275.) - -Auf dem sogenannten Donatsthore in Freiberg befindet sich ein runder -und sehr starker Turm, dessen Mauern 9 Ellen dick sind und den -angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von seinem Solde -abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man um die Stadt Freiberg -herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore nach dem -Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtturm, hinter den sich, -sobald man demselben gleichsteht, der große Donatturm verkriecht, -also daß man an solchem nichts mehr als den Knopf von der oben darauf -stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Turm mehr als einmal -so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtturm. - - -694. Der Marterturm auf Hassenstein. - -(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.) - -Auf der Nordseite der Burg Hassenstein steht, einige hundert -Schritte von dieser malerischen Ruine entfernt, im dichten Walde -ein hoher, geräumiger Turm, von dem umwohnenden Landvolke insgemein -der »Marterturm« genannt. Der Sage nach wurde dieser Turm von einem -der ersten Hassensteiner Burgherren für gefallene Mädchen und ihre -Verführer gebaut. Doch es geschah, daß die Tochter des sittenstrengen -Besitzen die erste schuldige war, und deshalb in den Grund des Turmes -eingemauert, ihr Verführer aber vor dem Turme enthauptet wurde. - - -695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 347.) - -In einem der Zimmer des Schlosses zu Nossen befand sich sonst ein -Gemälde, auf dem ein Mohr vorgestellt war, der in einer Wanne saß. -Den scheuern zwei Bademägde mit Katzenzagel und Sandhadern recht -nachdrücklich, also daß ihnen der Angstschweiß über die Wangen läuft, -können aber doch kein weißes Fleckchen an seiner Haut entdecken, wie -die darunter stehenden Reime bezeugen: - - Wir waschen ihn mit ganzem Fleiß, - Noch will der Mohr nicht werden weiß. - - -696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg. - -An der Straße, welche von Thalheim nach Stollberg führt, steht auf der -Höhe im Walde eine Restauration, »Tabakstanne« genannt, die ihren Namen -von einer alten Tanne hat, in welche Handwerksburschen vor alter Zeit -folgenden Reim schnitten: - - »Sieh' hier, mein lieber Wandersmann, - Ist die Forst- und Tabakstann', - Setz' dich nieder, ruhe aus - Und rauch' dein Pfeifchen Tabak aus.« - -In der Neuzeit ist an die Stelle der alten wurmstichigen Tanne eine -junge gepflanzt worden, an der sich eine Tafel mit folgender Inschrift -befindet: - - »Sieh' hier, mein lieber Wandersmann, - Verjüngt die alte Tabakstann', - Bedenk' dabei die goldne Lehr': - Das Neue prüf', das Alte ehr'.« - - -697. Die Eichen bei Callnberg. - -(Nach Ziehnert bei Gräße a. a. O., No. 475.) - -In Callnberg bei Lichtenstein, wo Kunz von Kauffungen die Gartenleitern -(lederne Leitern mit Holzsprossen) für den Prinzenraub fertigte -- der -Ort gehörte seinem Vetter Dietrich -- stehen noch heute ohngefähr 200 -Schritte vom Rittergute an der Straße von Waldenburg nach Lichtenstein -zwei sehr alte, jedoch nicht schön gewachsene Eichen, von denen man -sagt, daß sie zum Andenken an den Prinzenraub gepflanzt worden sind. -Die Scheune, in welcher jene Leitern angefertigt wurden, ist längst -zerstört, der Platz aber mit einer Gedenktafel bezeichnet, deren -Schrift mit der Zeit unleserlich geworden. Diesem Mangel wurde später -durch folgende Inschrift abgeholfen: - - Hier knüpfte Leitern der Teufelskerl - Kunz Kaufung, zu rauben des Landes Perl. - Hans Schwalbe dazu ihm war bereit, - Gelobt sei Gott in Ewigkeit. - - -698. Die Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz. - -(Hist. Nachricht von den Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz, 1734, S. -24. Gräße, Sagenschatz etc., No. 497, nach ~Curiosa Sax.~ und Ziehnert.) - -Auf dem Pflaster der Schloßkirche zu Chemnitz sieht man einen dunkeln -Fleck, der daher rührt, daß einst ein Mönch, der sich bei einer dort -gehaltenen Himmelfahrtskomödie an der Maschine, die zum Hinaufziehen -in ein oben befindliches Gewölbe oder Herablassen aus diesem diente, -hinaufziehen ließ, im Herabfallen zu Tode stürzte. In derselben -befindet sich auch das Bild des Abtes Hilarius, der dieselbe etliche -Jahre vor der Vertreibung der Mönche hatte reparieren lassen. Dieses -Bild darf aber von niemandem geneckt oder von seinem Orte weggenommen -werden, wenn dem Thäter kein Unglück begegnen soll, wogegen es einst -einer Hausmagd, die es hübsch gesäubert, diesen Dienst mit einem alten -Thaler gelohnt hat. - -Von den aus Stein gehauenen Bildern im alten Portal der Kirche wird -gesagt, daß dieselben ein alchemistisches Geheimnis bedeuten sollen, -und man zeigte auch das Gewölbe, in dem die Mönche Alchemie betrieben. - -Ebenso sah man früher den Eingang zu der Höhle, durch welche die Mönche -unvermerkt aus dem Kloster und absonderlich in das Minoritenkloster -in der Stadt, bei welchem ein ähnlicher Gang unter der Erde gefunden -worden war, hätten kommen können. - - -699. Das zürnende Steinbild in Nossen. - -(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ II, S. 107.) - -Im Keller des Hauses dicht neben dem Gasthofe zum Stern am Markte in -Nossen soll ein altes, aus dem Kloster Altzella stammendes Steinbild -eingemauert sein. Vor ihm haben sich, des zürnenden Blickes wegen, -welches das Bild oft machte, die Dienstboten des Hauses so gefürchtet, -daß es erst ohnlängst verblendet werden mußte. - - -700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, 495.) - -Auf dem alten Schlosse Oberforchheim am Haselbache, an der Straße von -Freiberg nach Annaberg, stand bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts -auf dem Oberboden in einer Kammer ein alter Großvaterstuhl, den hieß -man der Frau Mutter Stuhl und auf diesem lag eine hölzerne Statue, die -aber sehr stark vergoldet war, und ein kleines Männchen vorstellte. -Diese zwei Gegenstände kannte jedermann im Schlosse und im Dorfe, und -alle hatten eine gewisse heilige Scheu vor denselben, denn man sagte, -sie seien die Palladien des Rittergutes, und wenn jemand den Stuhl von -seiner Stelle rücke oder das Männchen angreife und in eine andere Lage -bringen wolle, der werde dafür schwer von demselben gezüchtigt. Da -diente um diese Zeit auf dem Hofe ein Knecht, der sich vor dem Teufel -nicht fürchtete und einst in seiner Vermessenheit sich gegen seine -Mitdiener rühmte, er wolle doch sehen, ob ihm etwas geschehen werde, -wenn er sich an dem Stuhle vergreife. Darauf ging er also hinauf, schob -den Stuhl weg und gab dem alten Männchen einen Backenstreich; allein -die Strafe blieb nicht aus, denn noch in derselben Nacht legte sich -dasselbe im Bette auf ihn als schwerer Alp und drückte ihn bis es Tag -wurde, in der nächsten litt es ihn ebenso wenig und in der dritten -warf es ihn gar aus dem Bette heraus. Nun ward er zwar ängstlich, -rückte auch den Stuhl wieder an seinen alten Platz, allein der Geist -war auf immer seiner alten Wohnung abhold, denn er zog auf und davon. -In den darauf folgenden Tagen brannte das ganze Rittergut ab, und so -viel man sich auch Mühe gab, den Stuhl und das Männchen zu retten, -das einstürzende Dach begrub beide unter seinen Trümmern und als man -dieselben abräumte, war nichts mehr von ihnen übrig. - - -701. Das Schächerhäusel bei Geyer. - -(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. Band, -Schneeberg, 1750, S. 31.) - -An der Landstraße bei Geyer stand ehemals das sogenannte -Schächerhäusel, welches aus einem gemauerten Schwibbogen, so mit -Schindeln gedeckt und vornen mit Staketen verwahret war, bestand; -darin befanden sich drei Kreuzbilder. Dieses Schächerhäusel war wohl -ein Überbleibsel des Papsttums, doch erzählte man, es diene dazu, die -Reisenden vor dem Bergabgrunde, sowie vor Irrwischen und Berggeistern -zu warnen. - - -702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 43.) - -Diese kleine, nahe bei der Stadt Zwönitz gelegene Kirche, in welcher -nur noch bei Begräbnissen und wenigen Festtagen gepredigt wird, soll -ein Hufschmied aus Niederzwönitz zur Strafe getriebener Sodomiterei -haben erbauen müssen. Zum schmachvollen Gedächtnis des Gründers hängen -inwendig über der Thüre an einem Brette fünf vergoldete Hufeisen; fünf, -weil er sein Verbrechen fünf Jahre lang soll getrieben haben. - - Hufeisen kommen oder kamen an und in vielen Kirchen, z. B. an der - Nikolaikirche zu Leipzig, in Nürnberg, Tangermünde etc., und zwar - besonders an den dem heil. Nikolaus geweihten vor und das Volk - verbindet damit verschiedene Sagen. So ist auch ein solches Eisen an - der Domkirche in Wexiö in Schweden aufgehangen; dasselbe soll Odhins - Roß Sleipnir verloren haben, als es beim ersten Geläute der ersten - christlichen Messe einen gewaltigen Schlag gegen einen Felsen führte. - Wo sich Hufeisen an und in den Kirchen finden, deuten sie vielleicht - auf einen einst an demselben Platze gestandenen Tempel Wuotans hin. - Die christlichen Bekehrer gestatteten, daß dieses Heilszeichen (nach - einem noch heute weitverbreiteten Glauben bringt ein gefundenes - Hufeisen Glück) dann an der Kirche aufgehangen wurde, um dem Volke - wenigstem etwas von dem gewohnten Kultus zu lassen. - - In den Nikolaikirchen bezieht sich das Hufeisen auf den heiligen - Nikolaus selbst, der an die Stelle Odhins trat und als geharnischter - Reiter gedacht wurde. In anderen Kirchen zeigte dieses Eisen - vielleicht an, daß sich bei denselben eine Gesellschaft in »Not - und Tod« befand, welche die an der Pest Gestorbenen bestattete und - ihren Stifter, den Bischof Elegius, welchem das Hufeisen heilig - war, als ihren Schutzheiligen betrachtete. (Schäfer, Deutsche - Städtewahrzeichen, 1858, S. 23.) - - -703. Das wandernde Haus in Zinnwald. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Pros. Nachtrag, No. 2.) - -In sächsisch Zinnwald steht (?), ohngefähr fünfzig Schritt von der -Grenze entfernt, ein kleines hölzernes, von einem Bergmanne bewohntes -Häuschen, an dessen hintern Deckbalken in der Stube folgender Vers -eingeschnitten ist: - - Ich bin nun auf Sachsen Boden, Gott Lob, - weil mich mein Wirth, Hans Hirsch, aus Böhmen rüber schob. - - 1721. - -In den Jahren 1716 bis 1728 wurden nämlich die protestantischen -Einwohner Böhmens ihrer Religion wegen hart verfolgt und sogar -gezwungen, entweder zur katholischen Kirche überzutreten oder das Land -zu verlassen. Wenige thaten das erstere, die meisten wanderten nach -Sachsen aus. Unter letzteren war auch ein Bergmann, mit Namen Hans -Hirsch. Er hielt fest an seinem Glauben und besann sich deshalb keinen -Augenblick, was er thun solle; aber sein Häuschen, welches ohnweit -der Grenze stand, hätte er gern mitgenommen. Darum beriet er sich mit -seinen Freunden und Gevattern und endlich hatten sie's erklügelt. Das -Häuschen ward auf Walzen gebracht und bei Nacht und Nebel glücklich -nach Sachsen herüber gepascht auf den Fleck, wo es jetzt noch steht. -Zum Andenken schnitt Hirsch obige Schrift in den Balken ein. - - -704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels mit -benachbarten Schlössern. - -(Mündlich.) - -Es wird erzählt, das Schloß Wildenfels habe in alter Zeit durch -unterirdische Gänge mit Stein, sowie mit Wiesenburg, welches früher ein -Raubschloß gewesen sein soll, in Verbindung gestanden. Ebenso soll ein -Gang von dem Schlosse nach einer Burg geführt haben, deren Ruinen man -noch vor Jahren in der »Loh«, einem sumpfigen Walddistrikte bei Schönau -sah. Auf einen der Gänge ist man vor mehreren Jahren unter einem am -Teichplatze des Städtchens Wildenfels gelegenen Hause gestoßen; man hat -darin aber weiter nichts gefunden, als eine alte Grubenlampe. - - -705. Der Judenborn zu Sayda. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 21; z. T. mündlich.) - -Zum schnellen Anbau Oederans trug das nahe Freiberg mit seinem -Silbersegen sehr vieles bei. Besonders waren es Eisenarbeiter, deren -Arbeit und Erzeugnisse dem Bergbaue daselbst nötig waren, welche -Oederan im Anfange bevölkerten. Für die Oederaner Ansiedler wurde zu -dieser Zeit ein sogenannter Silberjude, der seine Wohnung im jetzigen -Rathause hatte, der Mäkler und Gläubiger. Denn er lieferte die -Silberstangen Freibergs größtenteils in das Oederaner Kloster, wo das -Silber geschlagen und nach Nürnberg und Böhmen verpascht wurde, woraus -man großen Gewinn zog und wobei man sich aber um die Unterstützung der -Bewohner sehr wenig kümmerte. Nun zogen jener Jude und einige Mönche -(es soll im Jahre 1236 gewesen sein) mit einem starken Silbertransport -über Sayda nach Böhmen. Die erbitterten Oederaner schlichen ihnen bis -Sayda nach, vereinigten sich dort mit den Bewohnern und besonders mit -der Besatzung des dortigen Schlosses, überfielen und plünderten die -ungetreuen Haushalter, schlugen den Juden tot und warfen ihn in einen -Brunnen, welcher deshalb der Judenbrunnen genannt wurde. - -Noch zeigt man am Gasthofe zum Bade in Sayda den Judenbrunnen. Nach -einer anderen Überlieferung erinnert derselbe, ebenso wie eine Wiese, -welche der Judenkirchhof genannt wird, an die alte Judenvorstadt, -welche außerhalb der alten Stadtwälle etwas unterhalb des -Judenkirchhofes auf einer Wiese lag, die jetzt noch den Namen »Flecken« -trägt. Als im Jahre 1465 die Stadt abbrannte, wurde die Judenstadt -nicht wieder aufgebaut, weil man den Juden die Schuld an dem Brande -beimaß. - - Man hat den Namen der Stadt und Burg Sayda (urkundl. ~Saydow~, - ~Seydowe~) vom slavischen ~sid~, der Jude, Adj. ~sidowy~ abgeleitet. - Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge, Programmarb., Annaberg, - 1866) stimmt dem jedoch nicht bei, sondern hält die Ableitung vom - slav. ~sad~, die Anpflanzung, der Garten, für richtiger. Er meint, - daß vor den Juden die Slaven eine Ansiedelung gründeten, mit der Zeit - sei aber aus ~sadowy~, d. h. die zur Ansiedelung Gehörigen, ~saidow~, - ~seidow~, ~Sidow~ geworden, welche letztere Form sehr gut wegen der - Ähnlichkeit mit ~Zidow~, Judenstadt, verwechselt werden konnte. - - -706. Der Mühlgrabenstollen bei Schloß Scharfenstein. - -(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgeb. Dresden, 1847, S. 299. Gießler, Sächs. -Volkssagen, Stolpen o. J., S. 591.) - -Vom Fuße des Schloßberges Scharfenstein schiebt sich eine schmale, -niedrige, kaum 10 Meter hohe Felsenrippe weit in das Thal hinein. Durch -dieselbe wird die Zschopau genötigt, eine beinahe wieder zurücklaufende -Krümmung zu machen und das Thal im weitesten Bogen an seinem äußersten -Rande zu umkreisen. Bereits im 16. Jahrhunderte wurde ungefähr in der -Mitte dieser Felsenbank ein 30 Meter langer Stollen durch dieselbe -gebrochen, um das Flußwasser mit recht viel Fall zu der jetzt -Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Im Jahre 1834 wurde derselbe -erweitert, was später noch einmal geschah. - -Die Sage erzählt nun über die Entstehung dieses Stollens folgendes: -Nach dem dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern -Scharfensteins wie anderwärts Räuber und Wildschützen, welche sich -meist aus den entlassenen Söldlingen rekrutierten, umher. Ein Herr von -Einsiedel, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß den Wildschützen -mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu säubern, und -es gelang ihm auch endlich, zwei derselben gefangen zu nehmen. Es gab -damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der That ertappten -Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr zögerte nicht, diese Strafe -auch über die beiden gefangenen Raubschützen verhängen zu lassen. -Dieselben sollten auf einen starken lebenden Hirsch, den man zu diesem -Behufe eingefangen hatte, gebunden und dann ihrem weiteren Schicksale -überlassen werden. Das war einen zehnfachen Tode gleich zu achten, -denn man hatte Beispiele, daß nach Tagen und Wochen die geängstigten -Tiere ihre schreckliche Last, zerfleischt und doch noch lebend mit sich -herumschleppten. Als den beiden Missethätern das Urteil verkündigt -worden war, erkannten sie sofort dessen furchtbare Bedeutung und sie -flehten um Gnade. Den älteren von ihnen durchzuckte ein rettender -Gedanke und er sprach zum Schloßbesitzer: »Gnädiger Herr, wir sind -Bergleute unserem Berufe nach, und in diesem Fache gar wohl erfahren. -Schon früher ist uns der Wunsch nahe gelegt worden, einen Stollen vom -Wasserspiegel der Zschopau aus zu treiben, damit eine Wassermühle im -Dorfe, an der es jetzt so sehr fehlt, angelegt werden könne. Erlaßt -uns nur die furchtbare Strafe des Hirschreitens, und zur Sühne unserer -Thaten machen wir uns anheischig, den besagten Stollen durch den hohen -Felsen in Zeit von drei Tagen und drei Nächten zu treiben und zwar nur -mit Schlägel und Eisen.« Der Schloßherr ging nach kurzer Überlegung -auf den Vorschlag ein, und die beiden Verurteilten begannen sofort -ihr schweres Werk. Es wurden ihnen Leute gestellt, welche die nötige -Handreichung thun mußten, und genau nach Verlauf der ausbedungnen Zeit -war der Stollen fertig. Die Wildschützen freilich waren vor Erschöpfung -dem Tode nahe; halb entseelt lagen sie neben dem Stolleneingange. Doch -erholten sie sich und der Ritter vom Scharfenstein hielt sein Wort und -schenkte ihnen Freiheit und Leben. - -Erzählt wird, daß der berüchtigte Raubschütz Carl Stülpner, Ende des -18. Jahrhunderts, ein Nachkomme des einen der Begnadigten gewesen sein -soll. - - -707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1008.) - -Im Jahre 1493 ist ein Schneeberger, namens Kegler, bestraft worden, -weil er schmählich und leichtfertig von dem schneebergischen Frauenvolk -geredet hatte, daß er alle frommen Weiber auf einem Karren vom -Schneeberg führen wollte. Auf diese Rede hin, und weil er insgemein von -den Frauen nichts gutes gesprochen, ist er gefänglich von den Gerichten -eingezogen und ihm darauf zur Strafe auferlegt worden, daß er die große -Pfütze zwischen dem Schnee- und Claußberge, da, wo jetzt das Rathaus -steht, ausstürzen, und pflastern lassen solle. Trotz seiner Beschwerde -wurde diese Strafe auch vom Herzog Georg bekräftigt. Das Pflaster aber, -zu dem er über hundert Fuder Steine haben mußte, wurde lange Zeit -nachher noch des Keglers Pflaster genannt. - - -708. Die übermütige Rede eines Schneeberges wird bestraft. - -(Mündlich.) - -Unter den reichen Verzierungen in Steinmetzarbeit, womit das früher -Trebra'sche Haus in Schneeberg ausgezeichnet ist, befindet sich auch -als eine Art Wahrzeichen ein Kopf mit einer heraushängenden Zunge. Von -dem Erbauer des Hauses, einem gewissen Bortenreuter, aber wird erzählt, -daß derselbe seinem Vater, als ihm solcher einst Vorstellungen wegen -des übermäßigen, an dem Hause angebrachten Luxus machte, in seinem -Hochmute geantwortet habe, er sei so reich, daß er dies und noch mehr -thun könne, er könne sogar die ganze Zobelgasse mit preußischen Thalern -pflastern. Worauf ihm der Vater antwortete: »Du wirst es noch so weit -bringen, daß Dich einmal in Deiner Armut die Läuse fressen!« Und so, -wie es der Vater prophezeit, ist es endlich auch gekommen. - - -709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen -Fischkessel. - -(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1165.) - -Zu der Kipper- und Wipperzeit, welche 1604 auf der Ostermesse in -Leipzig ihren Anfang nahm und 1623 ihren Höhepunkt erreichte, so daß -ein ganzer Reichsthaler 10 Gulden, ein rheinischer Gulden 13 fl. und -ein Dukaten 17 Gulden gegolten, hat einer von Adel 1500 Gulden dieses -leichten Geldes, nachdem es gefallen, beisammen gehabt, und da er noch -die Unkosten darauf gewendet und das Silber und Kupfer von einander -scheiden lassen, hat er nur so viel gehabt, daß er einen silbernen -Löffel und einen kupfernen Fischkessel daraus hat machen lassen können. - - -710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 912 und 920.) - -Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu -Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht -und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß sie -sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben ließen. -Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab greifen -mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche um Almosen bat. - -Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt -worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe, daß er -aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen. Dasselbe -Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter Zeit mit -seinem Weibe in Rheinwein badete. - -In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau, die -unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern -auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit Malvasier -begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden, sagte sie, -sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde sonst wenig an -ihn gedacht haben. - - -711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft. - -(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 904.) - -Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um 1500 Gulden -verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern für eine solche -Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für den Barchent eine -Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die Nachtigall einen Kux -auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges, welcher anfangs nicht -groß geachtet worden, gegeben. Und da der Kux so herrliche Ausbeute -und zwar an die 1500 Gulden gebracht, hat man die Vogelbirne und die -Ausbeute mit einander verglichen. - - -712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg. - -(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, -1881, S. 71.) - -Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und -Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein -mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme vorstelle, -was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der Teurung 1772 -hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals Trebra'schen Hause -berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen für 25 Thaler verkauft -worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause erzählt man übrigens -noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe, wenn man das Bild an der -Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder aufhörte, sobald die Figur an -ihre alte Stelle gebracht wurde. - - -713. Historia, wie Silberz in Holz gewachsen. - -(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 80.) - -Wie auf der St. Lorenz-Zeche zu Abertham eine Bergfeuchtigkeit aus -einer Strossen gesintert und darunter das Liegende in den Strecken -übersilbert und in den Klunsen des Trag-Tempels oder Kappen und -Strauben »zeenicht Silber« gewachsen, da das Holz nicht viel über 20 -Jahre im Berge gelegen, beschreibt Matthesius in seiner ~Sarepta~ mit -diesen Worten: »Ich will euch eine wunderschöne Berghistorie sagen, -von gediegenem Silber, das in St. Lorenz-Fundgrube auf dem Abertham -innerhalb 20 Jahren in einem Stempel gewachsen und dies laufende 1556 -Jahr aus der Grube gekommen ist. - -Da sich der Steiger auf dem St. Lorenz in der Zeche umsiehet, wird -er in einer Strecke gewahr, daß sich eine weiße »geharschte Art« im -Liegenden, wohl halb Orts hoch angelegt hat, die sahe aus, als wäre das -Gestein überzinnt. Solche sticht er ab und findet »in der Sicherung« -weiß Silber, als wenn es von einem Thalergroschen abgefeilet worden -wäre, und da er's probieren ließ, hielt es bis 17 Mark. Wie er sich -aber umschauet, wann es dahin gesintert sei, wird er seiner gewahr in -der First, daß es getropft sei aus einem schwebenden Feld, das oben -und unten, hinten und vorn verfahren, welches nur seine Bergfeste noch -hatte, kaum drei oder vier Spannen dick, und siehet, daß eine weiße -Guhr oder molkenfarbiges Wasser erstlich auf den Stempel »gesiegen oder -gesiefert«, und aus dem Stempel in das »Bunloch« geronnen, hernach -im Liegenden herabgeflossen und sich allda »geliefert,« angelegt und -»erherscht« hatte. Wie er aber den Stempel ausschlägt, findet er in -»Strauben« und Spalten gediegen und »zänicht« weiß Silber, drein sich -Haken schneiden ließen.« - - -714. Reiche Ausbeute zu Mildenau. - -(Chronica der fr. Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 36.) - -Das Oberdorf von Mildenau hat wegen guter Ausbeute aus den vielen -daselbst befindlichen Bergwerken »Reichenau« geheißen, daher auch noch -hier bekannt, daß die Marktstraße der Oberdörfer nach Annaberg die -Reichenauer Straße genannt wurde. Man soll vor Zeiten mit so großer -Ausbeute begnadigt worden sein, daß die 12 Apostel in Lebensgröße aus -Silber hergestellt wurden, welche darauf nach Grünhain gekommen sein -sollen. - - -715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg. - -(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 144.) - -Von etlichen alten steinernen Häusern zu Schneeberg, als der -Fundgrübner Haus, des Koithen Haus, Dietrich Kadmanns, Wolf Meiners und -Jacob Selings Haus findet man dieses sonderliche, daß dazu solcher Sand -kommen sein soll, der weit mehr als die Häuser wert gewesen, welches -man aber vor der Zeit, ehe man die Siebarbeit und nasse Pochwerke -gehabt, nicht verstanden. - - -716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war. - -(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 917.) - -Am hohen Gebirge auf der Unruher Gang bei Neustädtel ist eine Zeche -gewesen, die Hundsfliegen genannt. Der Schichtmeister hat geheißen -Georg Rücker, und sein Vorstand Brosius Teuschel; der Steiger hat -geheißen Simon Tod, der Häuer mit dem Zunamen Teufel, und der Junge -Leckhänsel. Zur Zeit sind Nürnberger, so da gebauet, herein gekommen, -und da sie alle diese Namen der Amt- und Arbeitsleute auf der Zeche -gehört, hat einer unter ihnen gesagt: »Ei Lieber, es ist kein guter -Name auf der ganzen Zeche, und kein anderer, als Hundsfliegen, Rücker, -Teuschel, Tod, Teufel, Lecker; was soll man da für gute Hoffnung haben? -Ich will hinfort nicht mehr bauen.« - -Es hat auch ein vornehmer Mann auf etlicher Leute Angaben am Gleeßberge -geschürft und einen schönen Gang entblößet und die darauf angelegte -Zeche »auf der fruchtbaren Sara« genannt. Aber auf eine Zeit hat er -seinem Eidam, einem berühmten und hochgelehrten Manne, auch einen Teil -angeboten und geschenkt. Da derselbe aber von ungefähr der Zeche Namen -gehört, hat er gesagt: »Mein lieber Herr Vater, ich komme wieder zurück -mit meinem Kuxbauen, der Name hat eine so gar böse Bedeutung. Sara ist -90 Jahre alt geworden, ehe sie fruchtbar gewesen; sollte ich nun auch -so lange warten, so würde mir die Zeit zu lange und ich nimmer da sein. -Ich will mich hiermit freundlich bedanket haben.« - - -717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt. - -(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1164.) - -Als im Angehen des Schneebergs die köstlichen Erze in großer Menge -zu Zwickau an dem Orte, da der Holzanger ist, geschmolzen und sehr -viel guter Schlacken in die Mulde gestürzt worden, welche dann, wenn -sie angeschwollen, dieselben fortgeführt, hat sichs über demselben -Schmelzen einstmals zugetragen, daß man aus Mangel der Fuhre in bösem -Wetter und Wege eine ganze Woche kein Erz nach Zwickau geführt. Da man -nun drinnen vermeinte, daß man noch länger in der Schmelzhütte kalt -liegen müsse, ist in solchen Gedanken ein Schmelzer nach einem Regen -hinaus auf einen Schlackenhaufen spazieren gegangen, und weil ihm -die Schlacken, als wenn Silberflitzschen darauf lägen, in die Augen -geschimmert, hat er dieselben genommen, durchgesetzt, und so die Tage -über mehr Silber aufs neue, als je zuvor daraus gemacht. Da nun der -Hauptmann oder Verwalter (andere wollen wissen, es sei Römer gewesen), -welcher zu ihm gekommen, gefragt, woher das Silber käme, und er dessen, -was sich begeben, berichtet worden, ist er mit dem Schmelzer auf die -Knie gefallen und hat Gott um Verzeihung gebeten, daß den Gewerken -und Fürsten so übel vorgestanden und die herrlichen Gaben Gottes so -unnütze, jedoch wider sein Wissen, umgebracht, und so viel köstlicher -Schlacken vom Wasser weggeführet worden wären. - - -718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke. - -(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und -Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52. --- Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., 1804, S. 52. W. Clauß, -Führer durch das Weißeritzthal, 2. Aufl., S. 33.) - -Einst gab der Höckendorfer Bergbau, und besonders das aus acht -zusammengeschlagenen Zechen bestehende Berggebäude Edle Krone -ungewöhnlich reiche Ausbeute an Silber, bisweilen auch an Gold, das -man hier und in der nahen Gegend in Stockwerken fand. Mehrere Stellen -alter Grubenrisse sind mit dem Ausdruck: »Das ist der rechte silberne -Mandelmann«, bezeichnet. Die Herren von Theler wurden infolge dieses -Silberreichtums sehr übermütig. Ein Conrad von Theler aber, welcher -wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen aufschlagen und wo -er ritt, Geld ausstreuen ließ, auch das Aufheben eines dieser etwa -verloren gegangenen silbernen Hufeisen von seiten seiner Unterthanen -verbot, damit man wisse, welchen Weges die Theler gezogen, soll am 9. -Sonntag nach Trinitatis, am 25. August 1557, um es in seinem Hochmut -dem Herzog Albrecht in der St. Georgszeche zu Schneeberg gleich zu -thun, der Ritterschaft der Umgegend ein glänzendes Gastmahl in seiner -reichen Silbergrube »Zur Edlen Krone« gegeben haben, in welcher die -Knappen Tische und Bänke aus den edelsten Metallen gehauen und alles -Geschirr der Tafel von gediegenem Gold und Silber gewesen sei. Als -man nun tief unter der Erde in wilder Lust geschwelgt und sogar mit -silbernen Kugeln nach silbernen Kegeln geschoben habe, da sei von -Bärwalde her ein furchtbares Gewitter aufgezogen und habe sich unter -orkanähnlichem Sturme mit Wolkenbrüchen über das Thal der wilden -Weißeritz entladen und der über sieben Ellen hoch anschwellende Fluß -habe sich mit solcher Macht in das offen stehende Stollenmundloch der -Edlen Krone gestürzt, daß der Ritter von Theler mit all' seinen Gästen -und Dienern da unten ertrunken und all' kostbares Geschirr und zur -Prunkschau aufgestelltes Silbererz verschüttet und verschwemmt worden -sei. Seitdem ist der dortige Bergbau nie wieder recht in Gang gekommen; -daß er aber einst schwunghaft betrieben worden, beweisen eine Menge -Stollenmundlöcher, beraste Halden, Überreste eines großen Kunstgrabens -und von Pochwerken, große Schlackenhaufen und dergl. mehr. - - Eine angebliche Urkunde erzählt, es seien von dem Stollenmundloche - aus, vor welchem man die Küche errichtet, die Speisen auf silbernen - Schüsseln in die Grube getragen worden, und die Aufwartung von den - Bergleuten der Edlen Krone und anderer Werke geschehen. Bei dem - Banket habe ein ganzes Chor Musikanten aufgespielt und der Überschuß - der Grube, 35000 Thaler in Silber, sei auf der Gasttafel zur Schau - aufgestellt gewesen. »Als nun die Herren sich wohl bezecht und - besoffen, da sei ein sehr schweres Gewitter von Frauenstein herunter - nach Bärwalde gezogen, welches denn die aufwartenden Bergleute - gesehen und es den Schmaußenden in der Grube vermeldet, auch erinnert - auszufahren, weil man nicht wissen könne, was der große Gott etwa - verhängen möchte, haben darauf einige von den Sauf- und Freßbrüdern - gottloser und frevelndlicher Weise geantwortet: »Sie wären in der - Grube sicher genug, es möchte draußen zugehen, wie es wollte«. Da - denn sogleich im Moment ein schrecklicher Wolkenbruch vor Bärwalde - hernieder gefallen, auch ein rechtes Erdbeben erfolget, und die - Weißeritz in einem Nu so plötzlich angeschwellet, daß das Wasser - das Stollenmundloch gleich erreichet und darinnen hinuntergelaufen, - so viel nur hätte hinein gekonnt. Was nun im Abteufen auf Arbeit - gelegen, ist sogleich umgekommen, die aber oben auf dem Stollen bei - der Fresserei gewesen, sind zu den Tageschachten hinausgefahren, - da sind fast alle beschädigt worden, weil von der grausamen - Erschütterung die Tonnenbretter und ganze Zimmerung in den Schachten - ab- und losgeworden und den Auffahrenden entgegengekommen, und dies - ohne großen Schaden nicht abgegangen. - - So sind denn in wenigen Minuten die sonst im ganzen Lande so sehr - berühmten Bergwerke zu Grunde gegangen. Das Silber, das ganze - Silberservice, die Musik liegt bis zu dieser Stunde samt allen - verunglückten Menschen in der Grube«. - - Auch diese Mitteilungen sind nur Sage, denn die zuverlässigsten - sächsischen Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts - erwähnen nichts von dem Gastmahle. Historisch ist wohl nur die - Vernichtung der Bergwerke durch einen Wolkenbruch am 25. August 1557. - Wahrscheinlich hielten die Ritter von Theler bei den damaligen nur - geringen Hülfsmitteln die Wiederherstellung der ersoffenen Gruben - für unmöglich. Im Jahre 1565 verkaufte Benno von Theler Höckendorf - mit dem Rechte des Bergwerks an den Kurfürsten August für 25000 - meißnische Gulden. Bis in das 17. Jahrhundert müssen einzelne - Zechen noch gangbar gewesen sein; spätere Bergbauversuche wurden - hauptsächlich durch die Kriege im 17. und 18. Jahrhundert vereitelt; - im gegenwärtigen Jahrhundert nahmen die Gesellschaften »Edle Krone« - und »Unverhofft Glück und Gottes Segen Erbstolln« den dortigen - Bergbau wieder in Angriff. (Sachsengrün, 1860, S. 19 und 20.) - - -719. Die Grabmäler der Ritter von Theler. - -(Sachsengrün, 1860, S. 20.) - -In der Kirche von Höckendorf befinden sich unter dem Altare die -Erbbegräbnisse der durch den Silberbergbau so reich gewordenen Ritter -von Theler. Eine arme hülflose Somnambule, welche im Höckendorfer -Pfarrhause längere Zeit Aufnahme gefunden, war in der Nähe des Altars -jedesmal von einer fieberhaften Unruhe ergriffen worden und hatte dann -erklärt, daß sie hier nicht bleiben könne, da unter ihren Füßen Metall -vorhanden sein müsse. Die Sage geht auch, daß die Edlen von Theler in -diesen Grüften in silbernen Särgen ruhen. - - -720. Vom frühern Bergbau in Niklasberg und böhmisch Moldau. - -(Mündlich.) - -Früher waren die Silbergruben in Niklasberg, Klostergrab und Moldau -in starkem Betriebe; erzählt wird, daß sie in den Hussitenkriegen -eingingen. In Niklasberg wurde der Stollen verschüttet und die Hussiten -nahmen die Grubenzeichnungen, welche jetzt in Dresden liegen sollen, -mit. In Moldau zeigt man noch die Orte, wo der Stollen mündete und -die Wäschen waren. Im Stollen soll ein Ort sein, die »Schatzkammer« -genannt, an welchem aus jener Zeit noch viel reiche Silbererze liegen -sollen. Vor Jahren wollte man dieselben nach Freiberg verkaufen, der -Handel zerschlug sich aber, weil man daselbst nicht genug Geld hatte. - - -721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde. - -(v. Trebra, Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil -der Gebürge im Bergamtsrevier Marienberg. Annaberg, 1770, S. 69. -Darnach bei Gräße, Sagen des K. S. 2. Aufl., No. 584.) - -Im Jahre 1728 hatten sogenannte Rutengänger Risse zu Erzgängen in -dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau liegt, -angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, diese Züge -zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen; man fing Röschen (d. -i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man trieb einen -Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, welche -diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich niemand, der -bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen wollte. Nun -war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen Ansprung und Olbernhau, -dem man schon längst schuld gegeben hatte, daß er gegossene Arbeit von -einem Metall verfertige, welches dem Silber gleich komme. Er leugnete -dies aber und wollte niemals zugestehen, daß er das Metall kenne, -welches in seiner Fabrik verfertigt werde. Da führte der Zufall im -Jahre 1735 den Richter von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des -Hufschmieds, wo er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt, -was er schmelze, und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde -am Wege stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, -um zu sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter -gerade wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen, -um den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wundersteine -etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und zu -einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen und -Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte gemacht -wurde, hielt dieses Produkt 128 Lot Silber und 60 Pf. Garkupfer. -Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte dergleichen Speise -ein Lot gegeben. Tages darauf mutete der Richter unverzüglich und -zwar gleich geviert Feld; in wenig Tagen wurde auf 20 Mutungen beim -Bergamt eingelegt, in vier Wochen stieg die Zahl auf 80, und gegen 60 -Lehnträger suchten ihr Glück und fast alle auf geviert Feld. Wenn man -die Rute nach Kupfer und Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger -Weise fast gar nicht in die Höhe zu bringen, man mochte auf dem -Gebirge damit hingehen, wohin man wollte; was war also sicherer, als -daß das ganze Gebirge Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun -nach dem Theesenwalde und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen -zusammenbrachten. Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar -keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah also ein, -daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse graue und -braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht ganz ohne -Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner und Gewerken -verlangten nun ein Probeschmelzen im großen und es fand sich ein -Schmelzer aus Beyerfeld, in dessen Geschicklichkeit die Gewerken ihre -Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute mußten -zurücktreten und den Fremden alles nach seinem Kopfe einrichten lassen. -Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen Bergarten konnten -nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere Einrichtung des Ofens -und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von Katharina-Fundgrube zu -Raschau und von Geyer brachten die Freiberger Hüttenleute das Gemenge -zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr Rohstein davon und dieser auch -nicht reicher, als geschehen sein würde, wenn auch ohne Zusatz von -den Theesenwälder Gebirgsarten die Kathariner und Geyerischen Kiese -für sich allein geschmelzet worden wären. Dabei war auf einige Zeit -das Geschrei vom Theesenwalde zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch -ein Maler aus Bilin einfand, der mit verdoppelter Geschicklichkeit im -Schmelzen diese Theesenwälder Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute -machen wollte. Er verlangte die Erlaubnis zum Anlegen eines Ofens, man -erlaubte es ihm auch, aber alles ohne Erfolg. - -So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis -nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was kaum -glaublich war, oder aber, um das Geheimnis seiner Nahrung zu bewahren, -dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle -Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt hatte, -weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Dies war das -Wahrscheinlichste, denn man hatte ja zuerst reiches Silber in dem -Gesteine entdeckt. - - -722. Wie der zwickauische Kohlenschacht brennend wurde. - -(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 187. G. Geitner, -Wegweiser durch die Treibgärtnerei zu Planitz, S. 14.) - -Bei Zwickau ist ein brennender Berg (jedenfalls die Strecke zwischen -Cainsdorf und Planitz, welche der Bockwaer Kommunwald bedeckt und wo -man heute noch auf eine Menge Brandspuren stößt), daher manch Fuder -Steinkohlen wird zu Markte gebracht. Dieser Berg ist um das Jahr 1479 -mit einem Büchsenschuß angezündet worden, da ein Waidmann einem Fuchse -nachgejagt und so unvorsichtigerweise ein Schuß in die Grube geraten, -wodurch die Steinkohle angezündet worden. Obgleich zu gewisser Zeit -wie im Sommer das Feld daselbst grünet, Laub und Gras trägt, so kommt -dennoch das Feuer bisweilen bis unter den Rasen, zündet Berggebäude an -und versenget Birken und andere Bäumlein. - -Eine andere Sage erzählt von einem Bürger Zwickaus, welcher einen Fuchs -aus dem Bau räuchern wollte und dabei nicht nur die oberen Kohlen, -sondern auch den darüber stehenden Wald anzündete. Noch andere suchen -die Ursache des Brandes in dem Anzünden eines Ameisenhaufens und -endlich in dem Einschlagen des Blitzes in Stollen, wo die Kohlen zu -Tage standen. - - -723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen -Erdfall. - -(Moller, ~Theatrum Freibergense, Chron.~ II., S. 38.) - -Als Kaiser Adolf im Jahre 1296 mit großer Macht nach Meißen kam, zog -er an Zwickau und Chemnitz vorüber nach Freiberg, in der Absicht, sich -dieser Stadt wegen ihrer reichen Bergwerke und ihrer Treue gegen den -Markgrafen Friedrich zu bemächtigen. Dabei begab sichs, daß sich einer -seiner Obersten mit seinem Regimente auf einer hohen Halde lagerte, -um die Stadt zu übersehen und ihre Mauern und die Tiefe der Gräben -zu erkunden. Weil aber die Halde zuvor von Bergleuten durchfahren -worden und voll heimlicher Schächte war, ist der ganze Berg mit großem -Krachen und Prasseln eingegangen und der Oberst ist dabei elendiglich -umgekommen. Dieser Fall hat den Kaiser also furchtsam gemacht, daß er -sich wieder zurückgezogen und sich nicht eher lagern wollte, bis man -alle Gelegenheit um die Stadt fleißig ausgekundschaftet hatte. Als -dann seine Quartiermeister hartes und festes Erdreich antrafen, hat er -sein Lager aufgeschlagen und darauf alles zum Angriff und Sturm auf -die Stadt vorbereiten lassen. -- Der genannte Erdfall soll vor dem -Donatsthor auf dem dürren Schönberge geschehen sein. - - -724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge. - -(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 614--617.) - -Am böhmischen Grenzgebirge liegen zwei alte wüste Schlösser, Himmel- -und Hauenstein genannt; in und um dieselben haben sich lange Zeit -grausame Gewürme und Schlangen, Wiesenbäume groß, sehen lassen, welche -die Fische aus den Bächen, und die in Fallen und Dohnen gefangenen -Vögel gefressen. Einst hat dergleichen Schlange auf den Hauensteiner -Gründen einen Schützen von Joachimsthal vom Vogelherd weggejagt, die -Vögel erbissen und gefressen, und als der Schütz nach ihr geschossen, -hat er an der Spur im langen Waldgras abnehmen können, daß sie eines -Scheitholzes dick und viel Ellen lang gewesen, dafür sich alle Bauern -umher gefürchtet. - -Als die Bergstadt Joachimsthal in Flor stand, ging im Jahre 1530 des -Rats Schütze auf die Wälder, eben da die Himbeeren reif waren, etwas -vom Wild auf Befehl zu schießen. Da wurde er unversehens eines aus den -Himbeersträuchern hervorragenden Kopfes mit erhabenen Ohren gewahr, in -Gestalt eines Fuchses, der die Beeren abfraß. Und weil er meinte, es -wäre ein so vermutztes Reh, gab er Feuer und traf den Wurm an den Kopf, -daß er 3 Ellen lang in die Höhe sprang, sich krümmete und überschlug, -bis ihm der Schütze vollends den Rest gab. Er erschrak über das -häßliche Wildpret, schlang es an eine Winde und schleppte es Wunders -wegen nach Joachimsthal. Die Herren ließen den Balg abziehen und nach -Prag bringen. - - -725. Die Freiberger Bauerhasen. - -(H. Gerlach, Kleine Chronik v. Freiberg, S. 90. -- Geschäftsanzeige der -Bauerhasen-Bäckerei von A. Thümmel in Freiberg.) - -Markgraf Friedrich der Freidige hielt sich gern in seiner getreuen -Bergstadt Freiberg und in der Mitte ihrer Bürger auf. Im Jahre 1292 -gab er daselbst ein großes Gastmahl, zu welchem viele weltliche und -geistliche Herren eingeladen waren. Unter den letzteren befand sich -auch der Abt Bruno aus dem Barfüßler-Kloster. Obschon derselbe oft -gegen Unmäßigkeit predigte und behauptete, je mehr ein Mensch faste, -um so eher komme er ins Himmelreich, so hielt er für seine eigene -Person doch viel auf's Essen und Trinken und trug deshalb einen -gewaltigen Schmerbauch vor sich her. Auch bei diesem Festmahle hatte -er schon weidlich gezecht, als nach Mitternacht der Hofkoch Bauer -einen duftenden Hasenbraten auf die fürstliche Tafel setzte. Schon -wollte sich der Markgraf ein Stück davon auf den Teller legen, da -rief der Abt ihm zu: »Durchlaucht halten zu Gnaden, es ist soeben ein -Fasttag angebrochen, und Ihr wollt Euch doch nicht versündigen?« »Wäre -denn wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluß noch ein Stück -Hasenbraten zu uns nehmen?« fragte der Markgraf, und der Abt erwiderte: -»Gewiß! Ich kenne auf Gottes weitem Erdboden keine größere Sünde. -Auch habe ich mehr als einmal bemerkt, daß es Frevlern, die sogar am -Feiertage Fleisch essen, sehr übel aus dem Halse riecht. Nehmt Euch -ein Beispiel an mir; schon seit einer halben Stunde habe ich keinen -Bissen mehr gegessen.« Alle sahen den geistlichen wohlgenährten Herrn -betroffen an, schwiegen jedoch, und der Koch mußte den schönen Braten -wieder abtragen. Obschon er ihn darauf selbst ohne Gewissensbisse -verzehrte, so ärgerte er sich doch nicht wenig über den gestrengen -Sittenprediger, welchen eine Stunde später sechs Diener in seinen Wagen -tragen mußten. Bei einem späteren Gastmahle auf der Burg Freistein -traf es sich nun, daß abermals ein Fasttag folgte, und jetzt brachte -nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten auf -die Tafel. Da konnte sich nun der Abt nicht enthalten, dem sündhaften -Koch eine derbe Strafpredigt darüber zu halten, daß er den Fasttag -nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel setze. Der -Koch aber sprach behaglich lächelnd: »Nun, das ist ein Hase, den -jeder gute Christ am Fasttage essen darf, ohne sich der Sünde zu -fürchten!« Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf schon den -Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen bemerkt, daß der scheinbar -wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck in der -bekannten Form des Bratens war. Da wollte der Strafprediger selbst -nach dem Gerichte langen; er erhob sich, verlor aber bei seinem -schweren Kopfe das Gleichgewicht und riß dabei alles mit sich von -der Tafel herab. Er war auch nicht vermögend, sich selbst wieder -aus dem Wirrsal zu erheben, so daß auf Befehl des Markgrafen die -Diener hülfreiche Hand anlegen mußten. Das Gebäck erhielt nun den -Namen »Bauerhasen«; alle adeligen Herren wollten in der Fastenzeit -solche Bauerhasen essen, die auch in den Klöstern nicht verschmäht -wurden. Doch wollte man behaupten, auf manchen vornehmen Tafeln -habe man aus Versehen auch an Fasttagen ganz ordentliche Krauthasen -statt der Bauerhasen aufgetragen. Anfangs nannte man das neue Gebäck -auch »Brunohasen«; allein der Abt protestierte lebhaft gegen diese -Bezeichnung und so erhielt es seinen noch jetzt gebräuchlichen Namen zu -Ehren seines Erfinders. - -Die Bauerhasen aus Freiberg fanden gute Aufnahme an allen deutschen -Höfen, wurden sogar kistenweise in fremde Länder gesendet, und auch -noch in unsern Tagen verläßt selten ein Fremder die Stadt Freiberg, -ohne den Seinen einen Bauerhasen mitzubringen. - - -726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck. - -(Marbach, Das in der Freiheit lebende Schöneck I. Schneeberg, 1731 S. -21. Ulrich Schneider in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger -Zeitung 1883. No. 31.) - -Kaiser Karl IV. hatte 1370 der Stadt Schöneck verschiedene Freiheiten, -welche auch Elbogen »von altersher redlich gehabt und gehalten -hat«, verliehen, wofür die Stadt nur verpflichtet war, »fünf Pfund -Schwäbischer Heller in einem neuen hölzernen Becher zu geben,« wenn der -Landesherr in eigener Person dorthin kam, oder wie es in der Urkunde -heißt: »So Wier mit unser selbst Leibe zu ihn kommen, nur einß in dem -Jahre.« Von niemand aber kann man gründlich erfahren, wodurch der -Kaiser bewogen worden war, der Stadt Befreiung von allen sonstigen -Abgaben zu erteilen. Einige sagen, es habe dieser Kaiser, der ein -Liebhaber der Jagd gewesen, sich in dortigen Wäldern einmal mit seinem -Gefolge verirrt und sei hernach von einem Waldmann oder Holzarbeiter -heraus nach Schöneck geführt worden. Nach einer andern Sage ist der -Kaiser Karl, welcher sich oftmals in Karlsbad aufgehalten hat, von -Räubern überfallen und verfolgt worden, so daß er sich mit seinen -Leuten in den Schönecker Wald flüchtete, wo ihm die Bürger von Schöneck -Beistand leisteten und von den Räubern erretteten. Zum Danke dafür -hätten darauf die Schönecker ihre Privilegien erhalten. - - Die Urkunde, laut welcher der Stadt Elbogen bereits vor Schöneck ein - gleicher Freiheitsbrief von Karl IV. erteilt wurde, stammt aus dem - Jahre 1352. - - -727. Das Märktlein Markersbach. - -(Chronica der freien Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 24.) - -Die Kirche in Markersbach ist eine der ältesten im Gebirge. Sie hat -vor Zeiten unter den Abt zu Grünhain gehört, der auch mit seinen -Ordensleuten und anderen öfters dorthin Wallfahrten gehalten. Infolge -dessen hat das Dorf früher besondere Freiheiten besessen und wurde das -»Märktlein Markersbach« genannt. - - -728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg. - -(Mündlich.) - -Ein Wald auf der Höhe zwischen Schneeberg und Aue, gegenüber dem -Gasthofe zum Brünlasberge, heißt der Hoyer. Daselbst sieht man noch -links von der Chaussee, welche von Schneeberg nach Aue führt, einen -Hohlweg, welcher einst Straße war; und an derselben stand in alten -Zeiten mitten im Walde ein Wirtshaus. Der Wirt in demselben war ein -Räuber. Einst kehrte daselbst des Abends ein Fremder ein, der von dem -Klösterlein Zelle kam und vieles Geld bei sich trug. Er wollte in dem -Hause übernachten; aber ein Mädchen offenbarte ihm heimlich, daß er -nicht lebend wieder hinausgehen werde. Da übergab der Fremde dem Wirte -seine Tasche mit dem Gelde und sagte, daß er einem Freunde, der auch -von Zelle her mit noch mehr Geld als er habe, komme, entgegen gehen -müsse, der Wirt solle nur einstweilen sein Geld in Verwahrung nehmen. -Als dies geschehen war, eilte der Reisende schnell nach dem Kloster -und kam bald darauf mit nahmhafter Hülfe zurück. Seine Begleiter -umzingelten das Haus und nahmen den Wirt gefangen. Als sie das Haus -durchsuchten, fanden sie neben vielem Gelde auch Totengerippe zum -Beweise, daß es vordem schon vielen Reisenden ebenso ergangen war, wie -es dem Fremden, wenn ihn das Mädchen nicht gewarnt hätte, hätte ergehen -müssen. Viele mochten in der Herberge eingekehrt, aber nicht wieder -herausgekommen sein. - -Der Wirt aber, welcher ein Räuberhauptmann war, hieß Hoyer, und von -diesem hat nun auch der Wald, wo das Gasthaus einst stand, den Namen -Hoyer erhalten. - - -729. Wittichs Schloß bei Glashütte. - -(I. Schumann, Lex. v. Sachsen, 13. B. S. 204. II. Peccenstein, -~Theatrum Sax.~ I. S. 88.) - -I. Eine Höhle über dem Müglitzthale, eine halbe Stunde von Glashütte, -welche sich oberhalb der Herrenmühle in einem schwer zu erklimmenden -Gneisfelsen befindet, heißt Wittichs Schloß. Nach der Sage war diese -Höhle ehemals durch Befestigung ein noch sicherer Zufluchtsort als -jetzt, und wurde im 15. Jahrhundert von einem Räuber Wittigo oder -Wittich bewohnt, den der Ritter Weichold von Bärenstein auf Lugau bei -Glashütte erschlug. Als Belohnung dafür erbat er sich vom Markgrafen, -der auf Wittichs Einlieferung einen hohen Preis gesetzt hatte, sehr -genügsam nichts weiter, als daß er ein Wild, welches er auf seinem -Gebiete überall gehetzt habe, auch außerdem, und selbst auf der -Dresdner Brücke, die damals als Asyl galt, verfolgen dürfe. - -II. Es waren vor Zeiten viele Raubhäuser an dem böhmischen Gebirge, -und soll insonderheit ein Räuber, namens Wittich, seinen Aufenthalt -in einem starken Felsen gehabt haben, so unter der jetzigen Bergstadt -Glashütte gelegen. Da dieser Räuber mehrere böse Buben zu sich gezogen, -auch ganz Meißen beunruhigt und unsicher gemacht, so hat der Markgraf -auf des Raubritters Wittich Kopf einen hohen Preis setzen lassen. -Obschon nun Wittich dadurch hätte vorsichtig gemacht werden sollen, so -hat er dies dennoch nicht gethan, vielmehr sich noch fürchterlicher -machen wollen, indem er einstmals in der Morgenzeit mit etlichen -seiner Leute sich vor des Ritters Weichold von Bärenstein Wohnung -gegen der Lochow begeben, ein Gespräch mit ihm begehret, und als der -von Bärenstein, keiner Gefahr sich versehend, ihm solches gewährt und -zu ihm vors Haus getreten, thut der Bösewicht mit einer Armbrust auf -ihn drei Schüsse, doch ohne Schaden. Der von Bärenstein rufet in der -Eile seine Leute herbei, folget den Räubern auf dem Fuße nach, welche -er auch über dem Rittersitze Reinhardtsgrimma, damals denen von Karras -zuständig, erreichet. Ob nun gleich Wittich und seine Gesellen der Wehr -wohl kundig, so hat doch der von Bärenstein die Oberhand behalten, -den Räuber erlegt und umgebracht, sein Raubhaus, so auf steilem hohen -Felsen an der Müglitz gelegen, eingenommen und zerbrochen, wiewohl -dieser Ort von ihm bis auf den heutigen Tag noch Wittichs Schloß -genannt wird. Auf der Stelle, wo der Räuber erlegt worden, steht ein -Kreuz. Der Ritter Weichold von Bärenstein aber hat die ihm gebotene -Belohnung großmütig ausgeschlagen und erklärt, daß er diese That bloß, -um dem Vaterlande zu dienen, verrichtet habe. - - -730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale. - -(Mündlich.) - -In dem schönen Pöbelbachthale oberhalb Schmiedeberg liegt die -Putzmühle, so genannt, weil man früher hier das Silbererz, welches -man in der Nähe grub, »geputzt«, d. h. gereinigt haben soll. Oberhalb -dieser Mühle sieht man dann die Überreste einiger Grundmauern und die -Spuren eines Wassergrabens; hier lag die dürre Bretmühle, welche ihren -Namen von dem Umstande führte, daß sie häufig nicht genug Wasser hatte. -Daselbst ist es einst geschehen, daß Räuber einbrachen, welche den -Müller auf einen Klotz banden und mit durchsägen ließen. Seitdem ist -die Mühle liegen geblieben, niemand wollte mehr in derselben wohnen, -und so ist sie dann nach und nach verfallen. - - -731. Der schwarze Teich auf Henneberg und der Teufelsstein bei -Johanngeorgenstadt. - -(Nach einer novellistischen Bearbeitung im Unterhaltungsblatte zum -Erzgebirgischen Volksfreund, 1884, No. 53.) - -Als noch in unseren Gauen und insbesondere auf dem Erzgebirge das -Christen- und Heidentum mit einander im Kampfe lagen, wohnte auf einer -Burg im Egerthale ein böser Ritter. Zwar war derselbe als Christ -getauft worden, jedoch hatte er im Herzen noch nicht dem Heidentume -entsagt, und Raubzüge und blutige Fehden galten ihm für kein Unrecht. -Das Gegenteil von ihm war seine fromme Gemahlin, welche mit Hülfe ihres -Bruders, der als Einsiedler in der Nähe der Burg lebte und oft in -derselben verkehrte, ihre beiden Kinder, einen Sohn und eine Tochter, -christlich erzog. Dem wilden Gemahl aber mißfiel die Frömmigkeit von -Frau und Kindern, und ganz besonders erzürnte er sich über seinen Sohn, -weil derselbe keinen Gefallen an dem wilden Waffenhandwerke fand. Als -er nun einst zu einer Fehde gegen den ihm verhaßten Burgherrn von -Königsberg auszog und seinen Sohn, obschon derselbe des Königsbergers -einzige Tochter innig liebte, zwang, daran teilzunehmen, geschah es, -daß der Sohn beim Ritte von der Burg vom Pferde stürzte und verwundet -ins Schloß zurückgetragen werden mußte. Ingrimmig gab nun der Vater -der Erziehung und dem Einflusse seines Schwagers die Schuld an dem -Unglücke, und er nahm sich vor, mit Härte einzugreifen. Sein Sohn genaß -zwar unter der sorgsamen Pflege von Mutter und Schwester bald wieder, -doch um dessen Ruhe war es für immer geschehen. Ja alle fühlten, daß -der Vater böse Gedanken sowohl gegen den Sohn als auch Schwager im -Herzen hegte und es ward von beiden die Flucht beschlossen. Dieselbe -wurde bald darauf nach dem damals unwegsamen Erzgebirge ausgeführt, als -der Vater wieder zum Kampfe gegen den Königsberger ausgezogen war und -dabei den Sohn nicht mitgenommen hatte. Bei der Rückkehr in seine Burg -kannte der Zorn des Ritters keine Grenzen, und da er ganz richtig in -Frau und Tochter Mitwisserinnen der Flucht seines Sohnes erblickte, so -mußten dieselben von ihm harte Mißhandlungen erdulden. Er veranstaltete -zwar sogleich Streifzüge durch das Gebirge, doch konnte er die -Flüchtigen nicht auffinden. - -Auf dem Kamme des Erzgebirges lag im dichten Walde ein freundlicher -See; die Maisonne am blauen Himmel spiegelte sich in demselben. Aus -dem Dickichte aber trat schüchtern ein Reh mit zwei weißgefleckten -Zicklein, und gegenüber brach aus dem Walde ein weißer Hirsch, welcher -sich in dem klaren Wasser des Sees widerspiegelte. Abseits stand eine -mit grünem Rasen gedeckte Erdhütte, aus der eine bläuliche Rauchwolke -aufstieg. Diese Hütte hatten sich die beiden Flüchtlinge erbaut. Sie -traten eben zur Wanderung gerüstet daraus hervor, denn sie wollten -versuchen, die duldende Mutter und Tochter heimlich von der Burg des -harten Gemahls und Vaters zu entführen und hierher in diese von dem -menschlichen Verkehre abgeschlossene Wildnis in Sicherheit zu bringen. - -Der Vater aber rüstete sich ungefähr zu derselben Zeit zu einem neuen -Fehdezuge gegen den Königsberger. Letzterer aber hatte davon Kunde -erhalten und seine Burg wohl verwahrt, während sein Sohn mit einem -Häuflein Knechte dem Feinde entgegen zog. Trotz der Vorkehrungen -des Königsbergers schien es, als ob der Feind seine Burg gewinnen -werde; unaufhaltsam stürmte derselbe vorwärts, unbekümmert um den -Steinhagel, welcher ihn unausgesetzt empfing. Schon war er an der -Brücke, als dieselbe mit einem furchtbaren Krach zusammenbrach. Als -aber der Feind sich anschicken wollte, den Wallgraben mit Steinen -und Holz zu füllen, um so in die Burg zu gelangen, kam ein blutender -Bote, welcher meldete, daß die eigene Burg von des Königsbergers Sohne -eingenommen worden sei und in Flammen aufgehe. Da zogen sich die -Feinde von der bedrängten Burg zurück. Die Belagerten hatten jedoch -schon Vorbereitungen getroffen, ihnen schnell zu folgen. Es wurde eine -Notbrücke niedergelassen und bald sahen sich die Weichenden von vorn -und hinten angegriffen. Hinter ihnen kamen die Belagerten und vorn -wurden sie von des Königsbergers Sohne mit seinen Mannen bestürmt. Nur -durch rasche Flucht war es dem fehdelustigen und hartherzigen Ritter -möglich, der Gefangenschaft oder dem Tode zu entgehen. Er überschritt -mit den ihm noch übrig gebliebenen Knechten, da er in den Trümmern -seiner Burg Frau und Tochter, welche unterdeß geflohen waren, nicht -fand, den Kamm des Erzgebirgs und baute sich in wilder Gegend eine neue -Burg. Von dieser aus durchzog er nun die Wildnis nach Bären, Wölfen und -Auerochsen. Eines Tages meldete ihm einer seiner Troßbuben, daß er in -einer gewissen Gegend einen weißen Hirsch gesehen habe. Diese Nachricht -reizte den Ritter und er zog alsbald aus, die Spur des seltsamen Tieres -zu suchen. Bald hatte er dieselbe auch gefunden, und als er darauf des -Hirsches ansichtig ward, warf er seinen Jagdspieß nach demselben. Der -zu Tode getroffene Hirsch raffte sich wieder auf und floh blutend in -das Dickicht. Als nun der Ritter mit seinen Knechten durch dasselbe -drang, erreichte er das Ufer eines klaren Sees, an welchem sich eine -Erdhütte erhob. Dort lag auch der verwundete weiße Hirsch, über den -sich eine Jungfrau beugte; neben ihr standen noch drei Personen. Der -Ritter erkannte sie sehr wohl, er eilte hinzu und wurde in seiner -Wut der Mörder der Seinen. Da verhüllte eine dunkle Wolke die Sonne, -gleichsam als solle dieselbe die Unthat nicht sehen. Der klare See -aber wurde zu einem unheimlichen Sumpfe und die Fischlein wurden zu -Molchen. Noch zeigt man bei den Henneberger Häusern südwestlich von -Johanngeorgenstadt die Stelle, wo der See lag. - -Als der Himmel so vernehmlich zu dem Ritter und seinen Knechten -gesprochen hatte, wollte keiner von ihnen den toten weißen Hirsch -mit zur Burg tragen; dem Ritter selbst lag auch nichts daran. In der -folgenden Nacht aber erbebte ringsum die Erde und in der Burg des -vierfachen Mörders ertönte ein furchtbares Krachen. Die Morgensonne -beschien einen gewaltigen Trümmerhaufen, und der Kopf des Ritters -schaut noch heutigen Tages von der einen Felskuppe, welche man den -Teufelsstein heißt und die sich an der Stelle der ehemaligen Burg -erhebt, nach Osten. Der Teufel hatte in der Nacht die Burg zerstört -und zum warnenden Zeichen den Kopf des Gottlosen an dem Felsen -aufgerichtet. - - -732. Das Schloß auf dem hohen Steine. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130.) - -Als gewaltiger Markstein eines der letzten südwestlichen Ausläufer -des metallreichen Erzgebirges erhebt sich der hohe Stein mit seinen -wunderbar gestalteten Felsenmauern und Pfeilern. Vor vielen hundert -Jahren stand an der Stelle, auf welcher sich heute diese mächtigen -Felsen auftürmen, eine große feste Burg, welche mit ihren gewaltigen -Mauern weithin die Gegend überblickte. Ungeheure dichte Wälder -bedeckten die Gegend und nur auf gelichteten Stellen am Fuße des Berges -hatten sich fleißige Menschen angesiedelt und zwangen dem Boden seine -wenigen Erzeugnisse ab. Aus fernen Landen waren sie auf des Ritters Ruf -gekommen und hofften in Genügsamkeit, Ruhe und Frieden hier leben zu -können, aber nur zu bald seufzten sie unter dem harten Joche, welches -der Ritter ihnen auferlegte, unter den schweren Strafen, welche er -über sie verhängte, wenn sie seinen maßlosen Forderungen und grausamen -Befehlen nicht sogleich nachkamen. Je älter er wurde, desto mehr -schien das Mitleid von ihm zu weichen und sein Herz zu versteinern. Da -verwünschte ein Mann, dem der Schnee des Alters seinen Scheitel deckte, -den Wüterich und sein Schloß. Er, samt der Burg, wurde in grauen, -harten Stein verwandelt und viele hundert Jahre wird es währen, bis die -Sonne wieder die Zinnen der Burg mit ihrem Glanze vergolden wird. - -So sieht man nun die gewaltigen Burgtürme und Rauchfänge, sowie den -riesigen Ritter versteinert emporragen, während tief unten im dunkeln -Schoße der Felsen die reichen Schätze des Burgherrn begraben liegen. - -Nach einer andern Sage hat der verwünschte Ritter auf dem hohen -Steine keine Ruhe; oft hört man lautes Getöse und Wiehern von Rossen -aus den gewaltigen Felsen hervorschallen, sieht auch manchmal den -unterirdischen Stall seine Jauche entleeren, und in finstern, -unheimlichen Nächten hört man vom hohen Stein herab in der Richtung -gegen »die drei Rainsteine« (an der Graslitz-Schönbach-Sächsischen -Grenze) die wilde Jagd dahinbrausen, der sich auch der verwünschte -»hohe Stein-Ritter« anschließen muß. - - -733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz. - -(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 12.) - -Der erste Felsen unter Zöblitz, linker Hand unter der Pfarrwiese nach -Lauterstein zu, heißt der Lauterstein, welcher gegen das alte Schloß -Lauterstein liegt und vom roten Wasser aus sehr hoch und jähe ist. Dem -Vorgeben nach soll auf diesem Felsen ein Raubschloß, von welchem man -gegen das dem Katzensteine an der schwarzen Pockau gegenüberliegende -»Raubschloß« Losung geben konnte, gestanden haben. Man bemerkte früher -auf dem Felde noch einige Gräben. Das genannte »Raubschloß« lag am -rechten Pockauufer im Walde, ungefähr eine Stunde von Zöblitz entfernt. -Man fand daselbst viel alte Kriegsgeräte, Pferdezeug, Sporen u. -dergl., ferner Überreste von einer unterirdischen Wasserleitung. Nach -der Volkssage soll das »Raubschloß« durch Kurfürst Joh. Georg I. vom -Katzensteine aus in den Grund geschossen worden sein. Wahrscheinlich -aber wurde es bereits im Hussitenkriege zerstört. - - -734. Das Raubschloß Sommerstein. - -(Chronica der freyen Bergstadt S. Annaberg, II., 1748, S. 32. Grundig, -Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 2. Band, 1750, S. 171.) - -Auf dem Schenkgute über der Pfarre zu Hermannsdorf liegt im Walde ein -Fels, der Sommerstein genannt, worauf in alten Zeiten ein Raubschloß -gestanden haben soll. Die Besatzung desselben lauerte gleich derjenigen -der Schlösser zu Tannenberg und Greifenstein den Kaufleuten auf, -welche von Böhmen kamen oder dorthin zogen. Man sieht noch etwas von -den Mauern nebst einen in Fels gehauenen Backofen und einen wohl -ausgemauerten viereckigen Brunnen, in welchen das Wasser durch einen -langen Graben von Westen her geleitet wurde. Erzählt wird noch, es -solle in diesen Felsen ein großes Loch gehen, darin stände ein großer -Kasten mit Gold. - - -735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine. - -(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183 und 184.) - -Woher der Greifenstein bei Ehrenfriedersdorf den Namen habe, weiß -niemand, außer daß man sagt, es hätte ein Greif daselbst genistet. -Außerdem hat man die Vermutung, es hätte ein Raubschloß da gestanden, -von welchem die Räuber denen auf dem Schellenberge, wo jetzt -Augustusburg steht, Zeichen hätten geben können. Noch hat es das -Ansehen, daß vor alten Zeiten der Platz zwischen zwei hohen Felsen mit -Mauern eingeschlossen gewesen sei. Auch hat man zuweilen Topfscherben, -Nägel, Pfeile, Schlüssel und anderes Eisenwerk, Totengebeine, -Schweinszähne und Fischgräten daselbst gefunden. Auch ist daselbst -ein kleines silbernes Ringlein mit einem Kreuzchen und dem Namen Maria -gefunden worden. - - -736. Die Räuber auf dem Frauenstein. - -(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 301.) - -Es ist geschichtlich erwiesen, daß vor der Zerstörung des Schlosses -Frauenstein im Jahre 1438 der Ritter Dietrich von Vitzthum, welchem die -Burg vom Grafen Heinrich von Plauen zur Bewahrung anvertraut worden -war, mit böhmischen Raubrittern gemeinsame Sache machte. Um nun den -durch die versteckten Nachbarburgen und die damaligen dichten Waldungen -um Frauenstein begünstigten Bedrückungen der Wegelagerer ein Ende zu -machen, entsandte Kurfürst Friedrich der Sanftmütige Abgeordnete mit -einem Herold nach dem Frauenstein, um Vitzthum zu sofortiger Verweisung -des böhmischen Raubgesindels zu veranlassen. - -Die kurfürstlichen Gesandten kamen an dem weit im Lande berüchtigten -Räuberneste an, fanden aber das äußere Burgthor verschlossen und die -Zugbrücke aufgezogen. Der Herold ließ den herkömmlichen Trompetenruf -erschallen und verkündete darauf laut den Befehl des Kurfürsten: -»Dietrich von Vitzthum, Du sollst gehalten sein, dem Durchlauchtigen -Kurfürsten des heiligen römischen Reiches, Friedrich, Herzog zu -Sachsen und Markgraf zu Meißen, zu Befehl zu handeln und alsobald die -böhmischen und anderen Ritter von Dir zu thun, welche das Land berennen -und die Reichsstraßen und sonstigen Wege unsicher machen, die Bürger -berauben und brandschatzen. Also gebietet der Durchlauchtige Lehnsherr, -Du mögest seine Abgeordneten mit Glimpf empfangen und in allen Stücken -seinem Befehlig aus ihrem Munde gehorsamen, bei Acht und Aberacht, die -Dich und alle, so zu Dir halten, Freie und Unfreie, treffen wird, wenn -den Landfriedensbrechern noch ferner Unterstand auf dem Frauenstein -gewährt würde. Künde Dir das zum ersten-, zum andern-, zum drittenmale, -kraft meines Amtes, Dietrich von Vitzthum!« - -Wieder blies der Herold in die Trompete und erwartete, gegen das Thor -vorreitend, eine Antwort. Dieselbe kam auch alsbald, aber in Gestalt -eines starken Armbrustpfeiles, der dicht an den Ohren des Herolds -vorübersauste. Dazu erklang aus der Burg ein höhnische Gelächter. Am -Fenster des Thorwärters erschien der Ritter Dietrich und rief: »Was -schiert mich der Markgraf von Meißen? Der Burggraf von Plauen ist mein -Herr, dem nur stehe ich Rede und sonst keinem!« Unverrichteter Sache -zogen die Gesandten von dannen; vorher aber hefteten sie noch die -Vorladung für Dietrich von Vitzthum zum Achtsprozeß an das Gerichtsbret -des Rathauses zu Frauenstein. - -Der Kurfürst war über die Widersetzlichkeit Vitzthums in hohem Grade -erzürnt und bot alsbald die Bürger der benachbarten Städte zum Zuge -gegen das Schloß Frauenstein auf. Die Freiberger ließen auch nicht -lange auf sich warten und schlossen sich dem kleinen Feldzuge um so -lieber an, als ihnen durch die Räuber auf dem Frauenstein, welche die -wichtige Handelsstraße nach Böhmen beunruhigten, schon beträchtlicher -Schaden zugefügt worden war. Sie erschienen unter Kuno von Schönberg -mit den übrigen kursächsischen Streitgenossen alsbald, und als auf die -übliche Aufforderung zur Übergabe der Burg keine Antwort erfolgte, -wurden die Donnerbüchsen auf die Umfassungsmauern des Schlosses -gerichtet. Die Steinkugeln, deren man noch etliche als Andenken in -dem alten Gemäuer sieht, prasselten gegen die Burg, jedoch auch die -Besatzung schleuderte unzählige Wurfgeschosse gegen die Belagerer. -Es entbrannte ein harter Kampf, der lange unentschieden blieb, bis -plötzlich große Rauchwolken und Flammen aus der Burg emporstiegen. -Jetzt wurde dieselbe auf ein gegebenes Zeichen gleichzeitig von allen -Seiten berannt und in kurzer Zeit wurde sie von Kurfürst Friedrichs -Mannen erstiegen. Innerhalb der Burg entbrannte nun ein Kampf Mann -gegen Mann, wobei auch Kuno von Schönberg und Dietrich von Vitzthum -zusammentrafen. Beide fochten löwenkühn, zuletzt siegte jedoch der -Ritter von Schönberg und stieß den Gegner nieder. Man schleppte den -verwundeten Vitzthum fort, und was noch von der Burgbesatzung lebte, -ergab sich auf Gnade und Ungnade. - -Drei Tage hatte der Verurteilte Zeit, sich zum Abschied vorzubereiten. -In den ersten Tagen des Dezembers 1438 strömten Hunderte aus der -Umgebung Frauensteins nach der Stadt, um den einst gefürchteten -Vitzthum hinrichten zu sehen. Dicht gedrängt stand die harrende Menge -im Schloßhofe, da erklang von der Burgkapelle her das Sterbeglöcklein, -vier Knappen brachten den armen Sünder, der schwer verwundet und kaum -bei Besinnung war, zur Richtstatt und alsbald wurde der Spruch des -Gerichtes mit dem Schwerte an ihm vollzogen. - -Die Burg wurde hierauf insoweit zerstört, daß sie nicht mehr -widerstandsfähig war und den Räubern keinen weiteren Schlupfwinkel zu -bieten vermochte. Dann erst zogen die Kurfürstlichen ab. Der Burggraf -von Plauen ging seiner Besitzung Frauenstein, die er so unwürdig hatte -verwalten lassen, verlustig; das Lehen wurde vom Kurfürsten eingezogen. - -Der Geist des hingerichteten Raubritters soll von Zeit zu Zeit noch -immer in der Schloßruine umgehen und auch in den hinteren, nicht -bewohnten Teilen des neuen Schlosses schon bemerkt worden sein. In der -Nähe des Parkschlößchens läßt sich manchmal etwas »Graues« sehen. - - -737. Schloß Hauenstein. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 103.) - -Malerisch und majestätisch ruht das Schloß Hauenstein auf einem fast -senkrecht abfallenden Basaltfelsen, welcher aus dem wildromantischen, -herrlichen Waldthale sich emporhebt, das menschliche Hand zu einem -lieblichen Garten umgeschaffen. Zu dem Schlosse gehört ein alter, -aus schwarzem Basalt errichteter Rundturm, von altersher der -»Bürgermeister« genannt, weil der Sage nach ein solcher in seinem -Verließe zuerst den Hungertod fand; er diente lange als Gefängnis, und -der in der Gemeinde Damitz gelegene Galgenberg erinnert heutigen Tages -noch an die Zeit, wo die Zwingherren von Hauenstein das Blutgericht -ausübten. - -Beachtung verdient ferner das Perlenzimmer. Wie der Volksmund erzählt, -sollen allhier Nonnen die im Egerflusse gefischten Perlen verwahrt -haben. Nach einer andern Überlieferung hieß besagtes Gemach eigentlich -»Perlhefterstube«, weil sich daselbst zur Zeit der Schlickschen -Herrschaft im 16. Jahrhundert eine Perlhefterei befand. - -An der Felswand in der Vorhalle des Schlosses bemerkte man sonst einen -schwarzen Fleck, angeblich vertrocknetes Blut, welches ein Herr von -Vitzthum dort im dreißigjährigen Kriege kämpfend vergossen haben soll. - - -738. Burg Neustein bei Görkau. - -(Erzgebirgs-Zeitung, Komotau 1880. 1. Jahrg. S. 47.) - -Es mochte um das 11. oder 12. Jahrhundert sein, als auf der Burg -Neustein ein verwegener und berüchtigter Raubritter hauste. Derselbe -hegte aus irgend einem Grunde einen unversöhnlichen Haß gegen den -Grafen zu Rothenhaus. Da geschah es eines Tages, daß er demselben -seinen erstgebornen Sohn in zartem Kindesalter samt der Wärterin -raubte, und, um die Eltern irre zu führen, streute er die mit Blut -getränkten Kleider des Kindes im Walde in der Nähe des Schlosses -Rothenhaus aus, so daß der Graf glauben mußte, ein wildes Tier habe -seinen Sohn zerrissen. Den Knaben aber ließ er als seinen eigenen Sohn -erziehen und flößte ihm dabei tiefen Haß gegen das Grafengeschlecht in -Rothenhaus ein. - -Bei einem Überfalle venetianischer Kaufleute geriet der Raubritter von -Neustein mit dem Grafen von Rothenhaus, welcher zufällig an der Spitze -seiner Leute an den Ort der Unthat kam und die Bedrängten verteidigte, -in Kampf und wurde dabei zum Tode verwundet. Nur mit Mühe entkam er auf -seine Burg, wo er auf dem Sterbelager sich von seinem angeblichen Sohne -einen Eid leisten ließ, daß derselbe an dem Grafen Rache nehmen wolle. -Darauf starb er. Nach einiger Zeit gelang es dem nunmehrigen Herrn des -Neusteins, die Tochter des Grafen von Rothenhaus zu rauben und durch -einen geheimen unterirdischen Gang auf seine Burg zu führen, wo er sie -gefangen hielt. Als er sie nun sogar zur Gemahlin begehrte, weigerte -sich die Jungfrau standhaft, denn ihr Herz gehörte bereits einem andern. - -Auf Schloß Rothenhaus war man durch das Verschwinden der Tochter des -Hauses in nicht geringe Bestürzung geraten, denn man vermutete mit -Recht einen frechen Raub. Der Graf entbot noch in derselben Nacht seine -Mannen zu sich und zog mit ihnen am frühen Morgen gegen die Burgen -Neosablitz und Wodehrad, die im Thale des Assigbaches lagen und deren -damalige Herren sich nicht des besten Rufes erfreuten. Doch in keinem -der beiden Schlösser war die Geraubte zu finden. Von dem Vorhandensein -des Felsennestes Neustein aber wußte man nichts, denn dasselbe lag tief -im Walde versteckt. - -Unterdeß hatte die gefangene Grafentochter einen Plan zu ihrer Rettung -entworfen. Sie heuchelte dem Herrn von Neustein, sie sähe ein, daß ihr -Sträuben vergeblich sei, und so habe sie sich entschlossen, die Seine -zu werden; der Ritter möge ihr nur einige Tage Zeit lassen und ihr -gestatten, daß sie eine Kirche besuche, damit sie Gott um Trost und -Beistand anflehe. Nur ungern willigte der Ritter ein. So zog sie denn -mit ihrer treuen Dienerin, die man ebenfalls in Rothenhaus geraubt -hatte, und bewacht von einer Schar wilder Gesellen, nach Komotau, wo -sich die nächste Kirche befand. Als sie daselbst dem Pfarrer beichtete, -erkannte sie derselbe und er forderte sie auf, ihm ihren Aufenthaltsort -anzugeben. Sie sogleich zu befreien, erschien ihm unmöglich, da die -Kirche von den Bewaffneten umstellt worden war und die Leute im Orte -noch schliefen, denn es war zu sehr früher Stunde. Die Jungfrau konnte -dem Priester jedoch ihren Aufenthaltsort nicht angeben, da man sie mit -verbundenen Augen aus dem Raubschlosse nach der Kirche gebracht hatte. -Ratlos lief der Priester in die Sakristei und kam ebenso ratlos wieder -zurück. Da bemerkte er plötzlich ein altes Weib, das unvermerkt mit -in die Kirche gekommen war. Er fragte die Alte, was sie wohl in ihrem -Korbe habe. »Ein Säckchen mit Linsen«, entgegnete diese. »Weib,« rief -der Pfarrer, »Ihr seid mir von Gott gesandt; überlaßt mir die Linsen, -sie sollen Euch gut bezahlt werden!« Das Weib war einverstanden, -und der Priester händigte die Linsen seinem Beichtkinde ein mit der -Weisung, auf dem Heimwege von Zeit zu Zeit heimlich einige Linsen -fallen zu lassen; er werde dann dafür sorgen, daß ihr Aufenthaltsort -entdeckt werde. Dann entließ er das Fräulein, welches nun mit seinen -bewaffneten Begleitern wieder zu Pferde stieg und den Rückweg antrat. -Der Geistliche aber gab einem zuverlässigen Manne den Auftrag, dem Zuge -sofort unvermerkt zu folgen, hie und da am Boden zerstreute Linsen -würden ihm im Walde den Weg zeigen. So wurde das Raubschloß entdeckt. -Dem Grafen von Rothenhaus aber brachte man sofort die Nachricht -hiervon, und noch an demselben Abende stand er mit seinen Mannen -vor der Feste des Raubritters und verlangte die Auslieferung seiner -Tochter. Diese erfolgte aber nicht; man rüstete sich vielmehr in der -Burg zur Verteidigung. Nun umschlossen die von Rothenhaus die Burg und -trafen Anstalten zum Sturme auf dieselbe. Am frühen Morgen des nächsten -Tages begann man auch sofort den Angriff, und trotz der verzweifelten -Gegenwehr der Belagerten hatten die Angreifer bald vom Bergrücken her -den Wall und Graben überschritten und begannen die Mauern zu ersteigen. -Da versuchte der jugendliche Ritter vom Neustein ein letztes Mittel, -die Feinde vom weitern Vordringen abzuhalten. Er schleppte das geraubte -Fräulein auf den Wartturm und drohte dasselbe in die Tiefe zu stürzen. -Da trat aber die alte Wärterin heran, welche allein im Schlosse seine -wahre Abkunft kannte, und teilte ihm mit, daß er eben im Begriffe -stehe, seine Schwester zu ermorden. Jetzt erfaßte Verzweigung den -Ritter; er bestieg sein Pferd, ritt auf die Burgmauer, gab dem Tiere -die Sporen und stürzte mit ihm in die gewaltige Tiefe. Die Felsenburg -wurde nun vollends eingenommen und zerstört. Groß war aber die Trauer -zu Rothenhaus, als man erfuhr, wer der gewesen, der die Tochter des -Grafen geraubt hatte. Der Leichnam des Ritters wurde feierlich in der -Familiengruft der Rothenhauser beigesetzt. - - -739. Das alte Schloß Mulda. - -(Mündlich.) - -Oberhalb des Ortes Mulda bei Freiberg zeigt man am linken Muldenufer -in der sogenannten »Grüne« einen Platz, auf welchem einst ein altes -Schloß stand. Von den Ruinen ist seit einer Reihe von Jahren nichts -mehr zu sehen, da man die Steine bei einem Wegebau verwendete. Die -Sage erzählt nun, daß nach dem Schlosse eine kupferne Wasserleitung -von dem Brunnen auf dem Burgberge geführt habe und daß dasselbe -von einem gewissen Hegewald niedergerissen worden sei. Die Steine -verwendete derselbe zum Aufbau des jetzigen Rittergutes. Als das Schloß -niedergerissen wurde, fand dieser Hegewald (er hieß mit dem Vornamen -Zacharias, wurde 1670 geboren und starb 1731), wie der Volksmund -erzählt, in dem Gemäuer einen großen Schatz, den er in einem Sacke auf -der Schulter nach dem neuerbauten Rittergute trug. Die Last war aber -so schwer, daß sie ihn auf dem Wege erdrückte. Früher soll auch in dem -Rittergute ein Bild zu sehen gewesen sein, welches diese Begebenheit -darstellte. - - -740. Tauben verraten das Schloß Schönfels. - -(Köhler, Volksbrauch etc. S. 623.) - -Das Schloß Schönfels bei Zwickau soll einst rings von einem großen -Walde umgeben gewesen sein, so daß man es nicht sehen und schwer -auffinden konnte. Einst wollte es der Feind erstürmen und suchte es -lange; und hätten nicht Tauben, die man im Schlosse hielt und welche ab -und zu flogen, die Richtung verraten, so hätte man noch lange suchen -können. - - -741. Schön-Guta von Hassenstein. - -(Nach Ed. Heger in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 143 etc.) - -Eine halbe Stunde vor dem Bergstädtchen Platz liegen die von einem -dreifachen Walle umgebenen Ruinen des Schlosses Hassenstein. Nach -einer Sage wurde dasselbe in der Mitte des 11. Jahrhunderts von einem -Reichsritter Emerich erbaut, welcher mit dem Grund und Boden von dem -Kaiser Heinrich III. für geleistete Kriegsdienste und besonders für -seinen Beistand in der Heerfahrt gegen den Böhmenherzog Achilles -Bratislav belehnt worden war. Sieben Jahre dauerte der Bau, und als er -beendigt war und der Ritter einzog in sein stattliches Bergschloß, da -nahm er sich vor, als Gebieter Gerechtigkeit, aber auch die vollste -sittliche Strenge walten zu lassen. Um seine Anschauungen von Recht und -Sittlichkeit zum Ausdruck zu bringen, that er ein Gelübde sonderbar und -folgenschwer. Er gelobte, diejenige Bewohnerin des Schlosses, welche -ihre Ehre verlieren würde -- und sollte es auch seine eigene Tochter -sein -- lebendig einmauern zu lassen. Noch sieht man in der geborstenen -Mauer des Hassenstein eine Nische, welche der Ritter Emerich für -diese furchtbare Bestimmung herstellen ließ, um seinem Gelöbnis den -weiblichen Schloßbewohnern gegenüber den rechten Nachdruck zu geben. - -So vergingen Jahre. Der Ritter jagte in den ungeheuren Wäldern den -starken Eber oder den flüchtigen Edelhirsch, während seine Gemahlin -die Erziehung ihrer Kinder, dreier Knaben, welche des Vaters Stolz -und Freude waren, überwachte. Als die Söhne wehrhaft geworden waren, -lernten sie auf den Nachbarburgen feine Sitte, und nachdem sie den -Schwertschlag zu Gottes und Mariens Ehre erhalten hatten, dienten -sie als Ritter an den Höfen im deutschen Reiche. Die Burgfrau hatte -ihrem Gemahl später auch ein Töchterchen geschenkt, dessen Geburt -der Mutter leider das Leben kostete. Auf ihrem Sterbelager hatte sie -ihr Kind der Obhut des alten Schloßkaplans übergeben, welcher ihr -versprach, dasselbe in Frömmigkeit zu erziehen und Vaterstelle an ihm -zu vertreten. Denn der Ritter war zu häufig in Fehden verwickelt und -oft lange von der Burg abwesend, als daß er sich der Erziehung seiner -Tochter, welche bei der Taufe den Namen Guta empfing, mit rechter -Aufmerksamkeit hätte widmen können. - -Der Schloßkaplan, ein sanftmütiger Priester, verwendete nun seine ganze -Sorgfalt auf die Erziehung der kleinen Guta, und besonders war es die -wunderbare Welt der Märchen und der Kreis der Sagenlieder und Legenden, -welche auf die empfängliche Schülerin den größten Eindruck ausübten. So -wuchs das Mädchen zur blühenden Jungfrau heran und fast schien es, als -ob dieselbe ihren sanften Lehrer mehr liebe, als den strengen Vater. -Derselbe dachte endlich daran, wie er seine Tochter versorgen und sich -damit zugleich eines Nachfolgers im Besitze der Burg versichern könne. -Alle seine Söhne, seine natürlichen Stützen und Erben hatten ihn ja -verlassen, sie weilten, Abenteuer suchend, in weiten, unbekannten -Fernen und nie hatte er eine Nachricht von ihnen erhalten. Die Wahl -eines passenden Eidams erschien ihm nicht leicht, doch hoffte er sie -am besten am Hoflager zu Regensburg treffen zu können, wohin Kaiser -Heinrich IV., seines kaiserlichen Gönners Sohn, die Fürsten, Ritter und -Edlen entboten hatte, damit des Reiches Wohl und der Römerzug beraten -werde. Ritter Emerich begab sich also nach Regensburg. - -Während der Abwesenheit des Burgherrn beschloß der greise Kaplan, -seiner Pflegetochter, welche bisher kaum über die Schwelle des äußern -Burgthores hinausgekommen war, ein größere Maß von Freiheit zu -gewähren. Er führte sie daher hinaus in die Wälder und auf die Fluren -und besuchte mit ihr die Ansiedelungen im Burgbanne. Oft ruhten sie auf -einer Waldwiese unter einer riesigen Eiche und lauschten am Morgen dem -Gesange der Waldvöglein. Als sie einmal wieder so saßen, trat plötzlich -aus dem dichten Gebüsch ein schöner ritterlicher Jüngling. Guta war -anfangs recht erschrocken, doch konnte man dem Fremdlinge, welcher die -edelsten Sitten zeigte, nicht gram sein. Es war ein fahrender Ritter -aus dem Meißnerlande, welcher in der Gegend Gastfreundschaft gesucht -und gefunden hatte und den der Zufall auf einer seiner Wanderungen -dem Priester und Guta entgegenführte. Nach mehreren Tagen traf der -Ritter mit ihnen an derselben Stelle wieder zusammen, und dann noch -öfter und öfter. Der Priester war kein strenger Wächter, und so kam -es, daß die Herzen der jungen Leute sich fanden und der Ritter die -Jungfrau um Erlaubnis bat, ihr sein Leben weihen zu dürfen. Nach der -Rückkehr ihres Vaters wollte er um ihre Hand anhalten, denn Guta war -es unbekannt geblieben, aus welchem Grunde ihr Vater nach Regensburg -abgereist war. Bald kam aber von dorther die Botschaft an den Kaplan, -daß der Burgherr bald zurückkehren und den für seine Tochter erkorenen -Bräutigam sogleich mitbringen werde. Als dies Guta hörte, stürzte sie -fassungslos ihrem Erzieher zu Füßen und entdeckte ihm ihr Geheimnis. -Dieser erschrak heftig, denn er kannte die unbeugsame Strenge Emerichs -und dachte an das offene Grab in der Schloßmauer. Freilich fühlte -er sich selbst auch nicht von Schuld frei, und nach reiflicher -Überlegung glaubte er ein Mittel gefunden zu haben, um der ersten -Heftigkeit des heimkehrenden Burgherrn zu begegnen. Zu Seelau im St. -Magdalenenkloster, von dem heute kein Stein mehr auf dem andern ist, -da hat Schön-Guta Aufnahme gefunden; und auch der meißnische Ritter -ward in die Verbannung geschickt, er ging zu den Benediktinern nach -Klösterle. So blieb nur der greise Priester zurück und derselbe wollte -dem Ausbruche des Zornes standhalten. - -Als der Schloßherr kam, gestand der Kaplan alles. In wildem Grimme -vergriff sich der Ritter an ihm, würgte den schwachen Priester und -stieß ihn über die steile Treppe hinab, so daß der Arme die Steinvließe -drunten mit seinem Blute färbte und seine Seele aushauchte. Nun erst -kam der Ritter zur Besinnung und dachte besonders an die Verfolgung, -welche die mächtige Geistlichkeit gegen ihn einleiten würde, wenn sie -Kenntnis von diesem Morde erhielte. Deshalb suchte er eilig die Spuren -des Verbrechens zu beseitigen. Er erinnerte sich der Mauernische, die -er einst für eine ehrenvergessene Schloßbewohnerin hatte herrichten -lassen. Wie fürchterlich hatte nun das Geschick entschieden! Seine -eigene Tochter war zum Opfer geworden, sie hätte er nach jenem -Gelübde lebendig hier begraben müssen. Da ließ Emerich den Leichnam -des ermordeten Priesters an jener Stelle bergen. Doch damit konnte -er die Erinnerung an das Geschehene nicht begraben; eine Stimme frug -ihn fort und fort: Hast Du auch recht gethan? Sein Trotz wollte diese -Frage wohl bejahen; doch er konnte damit die Stimme des Gewissens nicht -betäuben, er ergab sich dem Trunke, um so Vergessenheit zu finden. Da -geschah es eines Abends, daß er sich ruhelos umhertrieb; sein Schritt -war unsicher, er wankte und stürzte über die jähen Stufen hinab, so daß -seine Glieder an eben demselben Steine zerschellten, auf welchem der -Schloßkaplan seine Seele ausgehaucht hatte. Die Knechte und Reisigen -bereiteten dann das Begräbnis ihres toten Herrn, und außerhalb der -Burg, mitten im grünen Hag, wo es am kühlsten war und die Vögel am -schönsten sangen, dort wölbten sie den Hügel des Ritters, und dann -zerstreuten sie sich, denn sie wollten nicht mehr bleiben an der Stätte -mit dem fluchbeladenen Steine. Und sprachen sie in der Folge von der -Burg, so versäumten sie nicht, den Ort des Übels zu kennzeichnen: »Haß -dem Stein!« Aus dieser Redensart aber entstand im Laufe der Zeit der -Name »Hassenstein.« - -Und die schöne Guta? Die Leute erzählten oft, daß im Kloster eine Nonne -sei, die man immer weinen sehe, das Gesicht gegen die kalten Eisenstäbe -des Fensters gedrückt. Und der Ritter aus den meißnischen Landen? -Der blieb auch im Kloster, denn er hätte keine Freude mehr gefunden -draußen ohne Guta. Aber die Söhne Ritter Emerichs? Die hatten das Kreuz -genommen und waren mit Peter dem Einsiedler ins heilige Land gezogen -und man hat nie mehr von ihnen gehört. - -Das erledigte Hassenstein erwarben später die Herren von Schönburg, -welche auch in der Nachbarschaft, bei Klösterle, eine Feste besaßen, -deren Ruine von den Anwohnern heutzutage »Schömmerich« genannt wird. - - -742. Die heldenmütige Herrin des Schloß Hartenberg. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 26.) - -Zur Zeit der Hussitenkriege lebte auf dem Schlosse Hartenberg, umgeben -von nur wenigen Getreuen und unter der Obhut einer alten Dienerin -Zdenka von Hartenberg, eine schöne achtzehnjährige Jungfrau. Seit einer -Reihe von Jahren mutterlose Waise, entriß ihr auch das Schwert eines -wütenden Taboriten vor kurzem den Vater, und ihr nächster Anverwandter, -Jodok von Pichlberg, ein eifriger Utraquist, den sie um männlichen -Schutz und Beistand anflehte, wollte oder konnte solchen nicht leisten, -sondern riet ihr, der neuen Lehre beizutreten und so aller Gefahren -überhoben zu sein. Das mochte Zdenka nicht. Getreu den frommen Lehren -ihrer verklärten Mutter hing sie mit kindlichem Glauben und Vertrauen -der katholischen Kirche an und setzte, da ihr kein Freund mehr auf der -Welt blieb, das feste Vertrauen auf Gott, den mächtigen Beschützer der -Bedrängten und Verlassenen. Daneben vergaß sie auch nicht, an das Ehr- -und Pflichtgefühl ihrer Unterthanen zu appellieren, versah die Burg mit -Lebensmitteln, ließ die Mauern, Streittürme und Basteien ausbessern -und einen größern Vorrat des schon damals im Gebrauche stehenden -Schießpulvers herbeischaffen, um die einzigen Waffen der Burg, zwei -Doppelhaken, in Verwendung nehmen zu können, kurz, ordnete alles mit -männlicher Umsicht und Entschlossenheit an, was zur Verteidigung ihres -väterlichen Erbes dienen konnte. - -Die Vorsicht war nur zu wohl gerechtfertigt. In einer finstern -Nacht rötete sich der Himmel von mächtigen Feuersäulen, die aus -den benachbarten, von den Hussiten in Brand gesteckten Dörfern -emporstiegen, und ein beträchtlicher Taboritenschwarm, angelockt -von dem reichen ungeplünderten Gute und der ihrer Meinung nach sehr -schwach oder gar nicht verteidigten Burg, stand bald vor den Thoren -Hartenbergs, mit rauhen, grimmigen Worten Einlaß begehrend und mit -drohenden Mienen zur Übergabe auffordernd. Da beides verweigert wurde, -schrien hunderte von Stimmen nach Sturm, Pfeilen und Pechkränzen und -vermengten ihre Rufe mit tausend Verwünschungen und Flüchen. - -Zdenka ließ die Feuerschlünde donnern, ein Steinregen fiel auf die -Schädel der Stürmenden, heißes Pech troff auf sie herab, und viele -der blutdürstigen Taboriten, welche versuchten, die Burg in Brand -zu stecken, den Thorgraben mit Steinblöcken zu füllen, die Mauern -zu ersteigen, sanken zerschmettert zu Boden. -- Die grause Nacht -verging und der neue Morgen sah neue Stürme, neue angestrengte -Versuche, die Burg zu Falle zu bringen. Umsonst; das tapfere Häuflein -der Eingeschlossenen, angespornt durch Wort und That ihrer edlen -Gebieterin, sowie die starken Mauern, die tiefen Gräben und die -treffliche Lage der Burg spotteten aller Versuche der Hussiten, so -daß diese beschlossen, die Belagerten durch die Macht des Hungers zur -Übergabe zu zwingen. Die Lage Zdenkas und ihrer Getreuen wurde nun mit -jedem Tage furchtbarer; Mutlosigkeit riß ein, die Lebensmittel nahmen -immer mehr ab, die bleiche Krankheit mit der hohläugigen Not erschienen -in der Burg als unwillkommene Gäste, kein Ersatz war zu erwarten; -denn das verzagte Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite -ausgesteckte Notfahne herbeirufen sollte, hatte die schwer heimgesuchte -Gegend verlassen. -- Als die Not aufs höchste gestiegen war, begab -sich die bemitleidenswerte Jungfrau in die Burgkapelle, weilte dort -auf den Knien liegend lange, bange Stunden und faßte daselbst, -gestärkt durch ein inbrünstiges Gebet, einen bewunderungswürdigen, -heroischen Entschluß, der, als sie wieder unter ihre Leute getreten -war, ihren Augen einen eigenen Glanz, ihren Zügen eine stille Ruhe und -Resignation, ihrem ganzen Wesen eine heilige Weihe gab. Ein Knecht -mußte die letzte Nahrung, ein Rehviertel, vor den Turm werfen, ein -anderer ins Horn stoßen und den Anführer der erbitterten Belagerer -herbeizurufen. Dieser erschien, und Zdenka rief hinab: »Unter gewissen -Bedingungen will ich die Burg übergeben, obwohl, wie Ihr an dem -Wildpret sehen könnt, keine Not mich dazu zwingt. Erstlich werdet Ihr -meine Getreuen mit Hab und Gut frei und ungehindert abziehen lassen.« -»Nur Euch nicht, holde Frau«, unterbrach sie der Rohe, »sonst mag -das ganze Gesindel das Weite suchen.« »Ich bleibe in der Burg meiner -Väter, so lange ich lebe!« rief Zdenka leuchtenden Blicks und fuhr -hierauf fort: »Dann werdet Ihr Euch nicht eher dem Thore nähern, bis -meine Leute den Platz gänzlich verlassen und die Stätte jenes Vorwerks -erreicht haben. Zuletzt beschwöret mir, falls Ihr ein Christ seid, -die genaue Befolgung des Versprechens.« »Ich schwöre«, tönte es von -den Lippen des Kelchners, »aber glaubt nur nicht«, setzte er bei, -»daß Ihr mir entwischen könntet.« -- Zdenka ordnete nun den Abzug -ihrer Diener an, dankte ihnen für alle bewiesene Treue und gehorsam -geleisteten Dienste, verteilte ihre Kleinodien und Kostbarkeiten unter -sie und tröstete die in Thränen Aufgelösten damit, daß ihr der wilde -Hussitenführer wohl freundlich entgegenkommen werde. - -Die Fallbrücke rasselte herab, sechzehn bleiche und abgezehrte Männer -mit der alten, weinenden Wärterin schwankten heraus, und nicht lange -darnach stürzten die nach Beute lechzenden Taboriten mit ihrem Anführer -an der Spitze, welcher die Jungfrau suchte, in die Burg. Allein wie vom -Blitze gerührt blieb die wilde Rotte am Eingange einer Halle stehen -und starrte mit stummen Entsetzen auf das ihr sich darbietende Bild. -Dort in der Mitte des Gemaches stand Zdenka, bräutlich geschmückt, -Entschlossenheit in Mienen und Gebärden, Hoheit und Würde in Haltung -und Stellung zeigend. In ihrer Rechten loderte, Unheil und Verwüstung -drohend, eine Fackel mit blutigrotem Scheine, und mit dem Zeigefinger -ihrer Linken deutete sie auf ein vor ihr stehendes Pulverfaß. -- -Todesschauer schien die Kelchner gelähmt zu haben, und dieser wollte -auch dann nicht von ihnen weichen, als ein brausendes Getöse sich -gegen die Burg hinanwälzte, und endlich ein Haufen sich gesammelten, -bewaffneten Landvolkes, entrüstet über die unmenschliche Verheerung -ihrer Heimat, angefeuert durch die Not der verlassenen Jungfrau, -zum Entsatze herbeieilte und die blutdürstigen Räuber mit leichter -Mühe überwältigte. Zdenka stand noch immer, wie ein Engel des Todes, -drohend vor der Pulvertonne. Erst als sie sich gerettet sah, fiel -sie, inbrünstig dem Himmel für ihre Rettung dankend, auf ihre Knie. -Die ruhmwürdige Jungfrau hätte eher die Burg in die Luft gesprengt, -als sich den Taboriten ergeben, da sie voraussah, daß Entehrung und -grausame Behandlung ihrer warte. - - -743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe. - -(Joh. Böhm in der Erzgebirgszeitung 1882, S. 29.) - -Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des siebenjährigen -Krieges, als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein -bei Bleistadt Vater und Sohn vor dem Kienfeuer sitzend in einem -lauten Gespräche begriffen waren. Dieses war besonders für letzteren -hochinteressant, denn oft ließ der fünfzehnjährige Michel seine -Hände, welche sich mit Kieferspäneschnitzen beschäftigten, sinken und -hörte lange Zeit mit gespanntester Aufmerksamkeit auf das, was sein -Vater, ein alter, verdienter Soldat, von seinen Feldzügen gegen den -hartnäckigsten Feind Maria Theresias mit großem Eifer und dramatischer -Lebendigkeit zu erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund -gesprächiger denn je, denn eine österreichische Truppenabteilung, bei -deren Anblick sich des Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten, -war seit wenigen Stunden an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte -sich für die Nacht eine kurze Strecke davon. Immer und immer wieder -wurde Michel zu bewundernden Ausrufen hingerissen, und es wäre ihm am -liebsten gewesen, wenn er gleich als Soldat mit Säbel und Gewehr hätte -Bekanntschaft machen können. - -»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete -den Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert in -die Stube warf, »heraus mit euch, oder das Feuer wird schnelle Beine -machen!« - -Auf seinem Stelzfuße hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat einem -Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von ihm zu -erfahren wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen, -wie stark sie sei und wo dieselbe liege. Der Veteran erwiderte, daß -er dieses alles nicht wisse, und weder Versprechungen, noch harte -Drohungen und arge Mißhandlungen, welche Michel zum Widerstande -bewogen, konnten den braven Mann veranlassen, zum Verräter zu werden, -so daß die Preußen diesen entschlossenen Leuten gegenüber einen andern -Weg einschlugen, um zum Ziele zu gelangen. - -Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel gezwungen -wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib einen Strick, dessen -Ende der Befehlshaber selber in die Hand nahm, wobei er drohend und -nachdrücklich sagte: »Du, Bursche, gehst links zwei Schritte neben -mir und wirst weder husten, noch scharf auftreten. Zwei Mann mit -gezogenen Säbeln gehen vier Schritte voraus, ebenso viele hinten und -an den Seiten, die Mannschaft folgt, sechs Schritte entfernt, nach. -Du führst uns den nächsten Weg zu dem Lager der Österreicher und wenn -irgend ein Wort meiner Befehle übertreten wird, so werden dich meine -Leute augenblicklich niederstoßen.« Der arme, bedauernswerte Michel -leistete anfangs mit stürmischem Herzpochen, was man von ihm verlangte; -allmählich wurde er aber ruhiger, dachte nach und machte endlich den -Versuch die verhaßten Preußen irre zu führen, um die Soldaten seiner -Kaiserin zu retten. Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald -gemerkt; denn dieser zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins -Ohr: »Wenn wir in einer halben Stunde die Österreicher nicht haben, -stirbst du eines martervollen Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg -mehr und entschlossen bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade -auf das Lager der kaiserlichen Truppen führte. Die schwarze Nacht, die -unheimliche Stille, das raubtierartige Gebahren seiner schlagfertigen -Begleiter hatten etwas Fürchterliches, was im Vereine mit den heute -von seinem Vater erzählten Kriegsthaten seine Thatkraft zeitigte und -den kühn gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich entdeckten -die Vordermänner eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf geben -wollte, lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe -sein, weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum -Stillstande gab. Diesen Moment benützte der Bursche, sprang wie ein -Luchs auf den Befehlshaber und ihn am Halse fest umschlingend, schrie -er aus allen Leibeskräften: »Auf! auf! die Preußen! Holla, die Feinde!« -Der Heldenmütige blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß -seinen Mund auf ewig verstummte, dessen Rufe die kaiserliche Mannschaft -rettete und ihr über die durch den unverhofften Verrat betäubten -Preußen einen leichten Sieg verschaffte. - - -744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein. - -(Brandner, Lauenstein. 1845. S. 24 und 25.) - -Das Schloß Lauenstein, welches früher Löwenstein hieß, hatte wie andere -Burgwarten einen markgräflichen Hauptmann. Durch die Räubereien dieser -Hauptleute aber erhielt Lauenstein später den Ruf eines Raubschlosses. -Einer dieser Hauptleute, mit Namen Gecko oder Jecko, war wegen seiner -räuberischen Streifzüge, die er zuweilen bis an die Elbe ausdehnte, -besonders gefürchtet. Bei einer solchen Gelegenheit bekam er die -Gemahlin des Burggrafen Otto von Dohna und deren Tochter Edda in -seine Gewalt, und er ließ beide, da Otto das schwere Lösegeld nicht -aufbringen konnte, in schmählicher Gefangenschaft schmachten. Erst, -nachdem Otto die Burg Lauenstein hart bedrängte, erhielten sie ihre -Freiheit wieder. Aber Ottos Gemahlin genoß die Freude des Wiedersehens -nur auf Augenblicke, denn als ihr Gemahl herbeieilte, um sie zu -empfangen, erlag sie, durch lange, harte Gefangenschaft, durch Harm und -Kummer geschwächt, der Wonne herzlicher Bewillkommnung. Sie starb in -den Armen ihres Gemahls. - -Der Hauptmann Gecko aber fand später ein elendes Ende, das man, wie die -alte Nachricht hinzufügt, für ein hartes Strafgericht Gottes halten -mußte. - -Als Geckos kleiner Sohn an dem Rande des Zwinggrabens spielte, stürzte -er, nach Blumen langend, in denselben hinab. Gecko, dies gewahrend, -eilte behende herbei, um zu helfen, glitt indeß aus, stürzte hinab, -blieb aber an einem Pfahle hängen und spießte sich denselben in -der Hüfte zwischen Wamms und Brustschild durch den Leib, woran er -elendiglich seinen Tod fand. Der Knabe aber ist ohne Fehl wieder -herausgekommen. - - -745. Der treue Haberberger von Freiberg. - -(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 43.) - -Als Markgraf Friedrich der Freidige, vom Kaiser Adolf besiegt, elend -im Lande umherzog, kam er, von einem einzigen Diener begleitet und -unerkannt in eine Schmelzhütte, in welcher ein Freiberger Bürger, -namens Haberberger, einen starken Blick Silber abtrieb. Als er nun -gefragt, wem so viel Silber zustände und darüber berichtet worden war, -hat er den Haberberger allein vor die Hütte geführt, sich zu erkennen -gegeben und ihn um das Silber angesprochen. Haberberger hat ihm dies -nicht allein willig zugestellt, sondern ihm auch versprochen, daß er -ihm nach wenig Tagen, wenn er es geschmolzen, noch mehreres geben -wolle. Markgraf Friedrich nahm es mit Dank an, und da ihm in der Folge -noch mehrere reiche Bürger heimlich von ihren Ausbeuten zuschickten, -warb er neues Kriegsvolk an, mit dem es ihm gelang, in seinem Lande -wieder festen Fuß zu fassen. Er konnte sich um so mehr darin behaupten, -als bald darauf der Kaiser abgesetzt wurde und in einer Schlacht -mit seinem Gegenkaiser sein Leben einbüßte. Haberberger aber wurde -reichlich beschenkt und erhielt mancherlei Freiheiten. - - -746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem Freidigen das -Leben. - -(Moller a. a. O. II. S. 47.) - -Im Jahre 1305 ist der Kaiser Albrecht nach Altenburg gekommen und hat -Markgraf Friedrich den Freidigen zu sich entbieten lassen, ihn auch -freundlich aufgenommen und zu seiner Tafel gezogen, allein heimlich hat -er einen Meuchelmörder bestellt gehabt, der plötzlich ins Tafelzimmer -hineinsprang und einen Stoß auf den Markgrafen führte. Als dieses seine -Diener sahen, ist der eine, so ein Bürger von Freiberg gewesen, ihm in -den Stoß gefallen, dabei aber tötlich verletzt worden, die andern aber -haben zu ihrer Wehr gegriffen und teils den Thäter in Stücke gehauen, -teils ihren Herrn aus der Gefahr vom Schlosse hinweg und am folgenden -Tage in fremden Kleidern aus der Stadt gebracht, worauf er sich nach -Pegau gerettet hat. - - -747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe. - -(Nach Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I. S. 91 in Gräße, Sagenschatz d. K. -S. No. 244.) - -Der König von Ungarn Matthias ist den deutschen niemals sonderlich hold -gewesen, also daß er sich mehrmals öffentlich hat vernehmen lassen, er -wolle den Türken einen Paß durch sein Land vergünstigen, Deutschland -zu überfallen. Gleichwohl hat er immer deutsches Volk an seinem Hofe -gehabt und in seinen Kriegen gebraucht, und so ist denn auch ein Ritter -von Bärenstein in seine Dienste gekommen. Nun trug es sich zu, daß -der König einmal auf dem Schlosse zu Ofen spazieren ging, und wie er -dabei an die Löwengrube kommt, so forderte er den von Bärenstein zu -sich, befiehlt, dem Löwen Fleisch zuwerfen und redet darnach den von -Bärenstein an, er solle doch, da er so kühn sei, den Löwen vom Fleische -wegjagen. Wiewohl nun der Ritter leicht abnehmen konnte, wie solches -gemeint sei und was ihm für Gefahr bevorstehe, wenn er es unternehmen -wolle, so hat er doch, um allen Unglimpf zu verhüten und abzuwenden, -sein Leben nicht zu sparen gedacht, seinen Mantel um den linken Arm -gewickelt, das Schwert in die rechte Hand genommen und ist also in die -Grube auf den Löwen zugegangen. Wie dieser ihn ansichtig worden und -sein unerschrockenes Gemüt gemerkt, hat er seiner nicht erwarten wollen -(wie es denn die Natur dieses Tieres sein soll, daß es denen weicht, so -es an Kühnheit übertreffen), und also hat der Ritter von Bärenstein das -Fleisch genommen und dem König überbracht, nicht ohne dessen sowie des -ganzen Hofes große Verwunderung. Ob nun wohl der König sich darauf ganz -gnädig gegen ihn bezeigt, hat jener doch bald Abschied genommen und -sich aus seinen Diensten begeben. - - -748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847. S. 83.) - -Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über Olbernhau und Sayda -durch das Gebirge herunter nach Oederan zog, galt es besonders dem -Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus der Gefangenschaft -entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg wohnte. Täglich -wurde jetzt dieses Schloß 3 Wochen lang von den Hussiten gestürmt. -Da rettete den geängstigten Schönberg sein Knappe durch einen -unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor dem Schlosse öffnete. -Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine, auf dem ein Kreuz -eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit gehaltenes Roß trug den -Ritter in der dunkeln Nacht durch den Forst auf die nahe Straße nach -Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen Hussiten nach und hart vor -Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten beinahe eingeholt. -Der Turmwächter auf dem Meißner Thore gewahrte in der Morgendämmerung -diese Menschenjagd. Er öffnete dem nahenden Ritter, welcher ihm sein -weißes Tuch entgegenschwang, einen Thorflügel, den er vor den mit -heransprengenden Hussiten schnell wieder zuschlug. Innerhalb des Thores -aber verließen den Ritter die Kräfte; auf der Meißner Gasse stürzte er -mit dem Pferde und wurde tot in das nächste Haus getragen. Auch diese -Stelle ward mit einem Steine, den man später an die Stadtmauer gelehnt -hat, zum traurigen Andenken bezeichnet. - - -749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Oederan. - -(Staberoh, Chron. der Stadt Oederan. 1847. S. 36.) - -Im Bruderkriege wurde die Kirche zu Oederan von Herzog Wilhelms wilden, -meist böhmischen Kriegern völlig ausgeraubt. Vom völligen Feuerruin -wurde sie nur dadurch gerettet, daß, als die Räuber mit den Pechkränzen -schon nach dem Gotteshause liefen, ein adeliges Fräulein, Hertha von -der Planitz, in die Kirche eilte, das Marienbild vom Altare nahm und -dieses dem Feldhauptmann Cuno von Witzleben, der zu Pferde vor der -Kirchthüre hielt, mit den Worten zeigte: »Halt ein, du Gottloser! Diese -Heilige wohnt in dieser Kirche, und wird dich bei ihrem Sohn verklagen. -Ich trage sie zurück in ihr Heiligtum und werde mich selbst mit ihr -verbrennen lassen!« Der Feldhauptmann ließ zwar die Pechkränze wieder -wegtragen, doch nun die Thüre der Kirche erbrechen und diese ausrauben; -jedoch befahl er, jenes heldenmütige Edelfräulein mit ihrem Marienbilde -zu verschonen. Dies geschah 1447. - - -750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« im Zellwalde bei -Nossen. - -(Alfr. Moschkau, Geschichte des Benediktinerklosters St. Walpurgis im -Zellwalde. 1874. S. 8. ~Saxonia~ I. S. 172.) - -Das im Jahre 1540 als Wallfahrtskirche eingegangene Mönchsklösterlein -»alte Zelle« im Zellwalde soll nach der Sage ein +Nonnen+kloster -gewesen und erst im dreißigjährigen Kriege eingegangen sein. Als Banner -Freiberg vergeblich belagert hatte und seinen Zug gegen den Zellwald -nahm, soll ihm die Aebtissin einen Boten entgegengesandt und für die -Schonung des Klosters versprochen haben, ihm den Weg von Freiberg bis -hierher mit Silbergulden zu belegen. Banner aber habe geantwortet, er -wolle sich das Geld schon selber holen. Endlich sei er gekommen, habe -das Kloster ausgeplündert und die Gebäude dann niedergebrannt. - -Eine Sage erzählt noch, daß dieses Nonnenkloster mit dem Mönchskloster -Altzelle bei Nossen durch einen unterirdischen Gang verbunden gewesen -sei. (Merkel und Engelhard, Erdbeschreibung von Kursachsen, 2. B. S. -117.) - - -751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel. - -(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~. S. 672.) - -In ganz Deutschland ist in keiner Zeche jemals mehr gediegen Silber -gehauen worden, als in St. Georgen zu Schneeberg. Von dem Herzog -Albrecht, dem teuren und hochberühmten Helden, wird gemeldet, daß er -auf diesem St. Georg (1477) angefahren und darin auf einer verschrämten -großen, gediegenen Silberstufe, woraus später 400 Centner Silber -gewonnen wurden, wie auf einem Tische mit etlichen seiner Räte Tafel -gehalten, auch unter andern diese nachdenklichen Worte gesagt habe: -»Unser Kaiser Friedrich ist zwar gewaltig und reich, ich weiß aber -doch, daß er jetzo keinen solchen stattlichen Tisch hat.« - -In der Bergamtsstube auf dem Rathause zu Schneeberg wurde lange nachher -noch der Sattel aufbewahrt, auf welchem Herzog Albrecht in den St. -Georg und später auch Kurfürst Johann Friedrich auf dem Fürsten-Vertrag -eingefahren war. - - -752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma. - -(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge. Dresden, 1847. S. 205.) - -Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen der tiefere -Teil des angrenzenden Ortes Rothensehma führt. Im engsten Sinne ist der -Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle und vielen Vorrechten, -auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart. Nach einer Volkssage soll -hier (und nicht am Fürstenberge bei Grünhain) des Prinzen Albert -Errettung aus den Händen Kunzens von Kauffungen 1455 geschehen sein. -Noch zeigt man im Westen, diesseits eines alten Marmorbruchs, den -Fürstenbrunnen, und im Süden die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige -Köhler Schmidt, der Triller genannt, sich aufhielt, welcher später -die Erlaubnis erhielt, hier an der böhmischen Straße den Kretscham -(Gasthof) anzulegen. - - -753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf. - -(Nach Berkenmeyer, ~Cur. Antiquarius~ S. 652 und W. Schäfer, Der -Prinzenraub, S. 50; bei Gräße a. a. O. No. 528.) - -Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber, -dem Ritter Kunz von Kauffungen, durch Gottes Hülfe glücklich entronnen -waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche -bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden -jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des -Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen. -Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben: - - Kuntz Kauffung der viel wilde Mann, - Im Meißnerland ist kommen an, - Wohl auf das Schloß zu Altenborg, - Sehr frech und kühn ohne alle Sorg, - Dem Fürsten allda seine Kind, - Entführt hat listig und geschwind, - Der Kleider noch sie hängen seht, - Ein jeder der fürüber geht, - Die dazumahl bald nach der That, - Der Vater hergehänget hat. - - Die gegenwärtig in der Pfarre von Ebersdorf aufbewahrten Kleider der - Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen. - - -754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen. - -(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ II. S. 71.) - -Die Steinbrücke, die sich unterhalb des Schlosses Nossen über die Mulde -wölbt, steht auf der Stelle einer uralten Furt. Noch Anfang vorigen -Jahrhunderts mußte man, um von Meißen her in die Stadt zu gelangen, -diese Furt passieren und es gehörte zu deren eifrigsten Frequentanten -längere Zeit August der Starke, den die Liebe oft auf das nahe -Rittergut Keseberg trieb. Da traf es sich denn einmal, als sein Sehnen -groß und er dem Ziele so nahe war, daß er ratlos mit seinem Gefolge an -der Mulde rasten mußte, weil der Strom geschwollen und es kein Vorwärts -gab. Um nicht wieder in solche fatale Lage zu geraten, ordnete August -der Starke sofort den Bau der heutigen Muldenbrücke an. - - -755. Kunigunde Mathesius von Oederan. - -(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 123 etc.) - -Im Jahre 1572 befand sich Kurfürst August mit seiner Gemahlin Anna -auf der Augustusburg. Nach wenigen Tagen schon stellten sich bei der -Kurfürstin Zeichen ein, welche eine schnelle Abreise bedingten. Sie -wünschte sogleich fort und nach Freiberg geschafft zu werden, wohin -ihre Frauen, das Nötige zu ordnen, sämtlich vorauseilten. Es war -spät am Abend und eine finstere Herbstnacht, als August und Anna -ganz allein diesen nachfolgten. Der kürzere Fürstenweg sollte sie -schnell nach Freiberg führen. Allein am Tannichtholze war die Kraft -der Kurfürstin am Ende. Der Kutscher wußte jedoch Bescheid und lenkte -auf sanftem Feldwege sogleich nach Oederan ein. Hier lag alles nach -tags vorher gefeiertem »Mariä Geburtsfeste« in tiefem Schlafe. Der -schwerfällige Wagen bewegte sich langsam bis nach dem Obermarkte -herauf, wo an der Ecke eines Hauses, des jetzt Oehme'schen, No. 108, -noch ein Lichtlein durchs Fenster leuchtete. Dahin wünschte Anna so -heimlich als möglich gebracht zu werden. Der Hauswirt Jakob Mathesius, -seines Gewerbes ein Schlosser, war mit seiner Tochter Kunigunde eben -von einem Kindtaufsschmause heimgekehrt und letztere vor dem Spiegel -beschäftigt, ihren orientalischen Patenschmuck abzulegen, als ein -leises aber freundliches Rufen sie vor die Thüre lockte. Zwei Worte -reichten hin ihr zu sagen, wem und wie sie hier zu helfen habe, mit -gewandtem Anstande führte sie die Landesmutter in ihr Schlafzimmer, -rief die erfahrene Hausfrau herbei, ordnete die nötige Hausarznei und -schwatzte die sich erholende Anna in den ihr so nötigen Schlaf, bei der -das kluge Jüngferchen wie bei einer Mutter sorgliche Wache hielt, indeß -der Landesvater in der Wohnstube sich von dem verblüfften Vater die -Wahrheit sagen ließ. - -Eine zweistündige Ruhe der gestärkten Fürstin ermutigte diese zu dem -Wunsche, sogleich weiter zu reisen und den Gemahl herbeizurufen. Von -der Gemahlin unterrichtet, was und wie viel sie dem Mädchen danke, -fühlte der Kurfürst sich diesem verpflichtet und hielt der Bescheidenen -die volle Börse hin. Mit edlem Stolz aber trat Kunigunde, den Reichtum -abweisend, zurück und sagte: »Mir genügt an der ehrenvollen Gnade und -dem Heil, das unserm Hause wiederfahren ist, und an der Aussicht«, -dabei auf die Kurfürstin deutend, »für diese Gesegnete des Herrn bald -vielleicht knieend diesen meinen Dank zu bringen!« »Sie hat Recht!« -rief, sich erhebend, die Kurfürstin, drängte den Gemahl mit seinem -Golde zurück und schloß das edle Mädchen in ihre Arme, den zweideutigen -Sinn ihrer Worte recht gut fassend. »An der Wiege meines Kindes wirst -Du diesen Dank gen Himmel senden, und dahin mich sogleich begleiten!« -Schneller als ihr Entschluß, dieser hohen Gnade und dem gütigen Wunsche -zu folgen, waren die Reisekleider der entzückten Kunigunde herbeigeholt -und nach wenigen Minuten fuhr sie mit ihren erlauchten Gästen zum -Freiberger Thore hinaus, hinab nach Dresden, wo nach 4 Wochen die -Überglückliche denselben orientalischen Patenschmuck am Taufpult der -neugeborenen Prinzessin trug, welchen sie einst getragen hatte, als -ihre hohe Gevatterin vor die älterliche Wohnung geführt wurde. - -Die Kurfürstin verheiratete später diese Kunigunde mit einem Freiherrn -von Voppelius. - - -756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr. - -(Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, bearbeitet von Engelhardt, 2. B., -S. 105.) - -Als Kaiser Maximilian II. im Jahre 1648, da er noch Erzherzog war, -den Kurfürsten August von Sachsen besuchte, ward von letzterem in -dem großen Tharander oder Grillenburger Walde eine glänzende Jagd -veranstaltet. Auf dieser Jagd kam der Erzherzog in eine zweifache -Lebensgefahr. Denn ehe er sichs versah, gerieth er mit seinem -unbändigen Rosse an einen steilen Felsenhang, wo nur noch ein Schritt -zwischen Leben und Tod war, und als er dann, glücklich der Gefahr -entgangen, wieder umkehrte, um den Jagdtroß zu erreichen, verirrte er -sich beim Sinken des Tages im Waldesdickicht, und er mußte endlich froh -sein, daß er die Strohhütte eines Waldhirten erreichte, in welcher er -übernachten wollte. Den Hirten aber verblendeten die reichen Kleider -des erlauchten Gastes, so daß er den Vorsatz faßte, diesen während -seines Schlafes zu ermorden. Doch Maximilians Wachsamkeit und Mut -vereitelten diesen Plan. Unterdeß war auch der Jagdtroß, welcher den -Fürsten suchte, herbeigekommen, und als die Jäger erfuhren, in welcher -Gefahr Maximilian geschwebt hatte, schleppten sie den Hirten mit fort. -Derselbe wurde sehr bald hingerichtet, seine Waldhütte aber wurde -verbrannt. - - -757. Die Sühne des Ritters Conrad von Theler. - -(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und -Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52.) - -Über das Geschlecht der Edlen von Theler, sowie über deren reiche -Silberzechen im Thale der wilden Weißeritz sind gar manche Sagen dem -Anscheine nach seit Jahrhunderten im Munde des Volkes, und vorzugsweise -die Sage vom Ritter Conrad von Theler, welcher seinen Hauspfaffen am -Sonntage Oculi 1332 in der Sakristei der Burgkirche erstochen haben -soll, weil dieser ihn von der Kanzel herab verflucht und von dem -reichen Bergwerkssegen immer zu viel für die Kirche verlangt habe. -Nach jener verbrecherischen That sei Conrad nach Jerusalem gezogen, um -dort am heiligen Grabe Buße zu thun, und habe, als er am 5. Juli 1334 -zurückgekehrt sei, von Höckendorf an sieben Bet- oder Marter-Säulen -setzen lassen, von welchen gegenwärtig noch drei vorhanden sind, -deren erste nahe am neuen Höckendorfer Kirchhofe steht. Auch habe -derselbe den wertvollen Altarschrank bauen lassen, der gegenwärtig -noch die dortige Kirche schmückt, und dessen reiche Vergoldung aus dem -Goldbergwerke gewonnen sei, welches Conrad in der Höckendorfer Heide -besessen. - - Die Höckendorfer Kirchennachrichten vom Jahre 1846 bringen hierüber - Conrads von Theler eigene Worte, welche einer Urkunde entnommen - sein sollen. Sie heißen: »Was ich mitgebracht hatte, das wollte - der Pfaff hineinschlucken, welches mir aber nicht anstund; weil - nun das Verfluchen auf der Cancel auf mich losging und er mich so - sehr verfluchte, sagte ich zu ihm: was habt ihr mich und mein Haus - zu verfluchen, da Christus ja auch für mich gestorben und wieder - auferwecket von den Toden, zu sitzen zu der rechten Hand Gottes und - vertritt uns. - - Es war der Sonntag, an welchem das Evangelium: Jesus trieb die Teufel - aus: Luc. am II. (am Sonntage Oculi) gepredigt wurde, Anno 1332, - als ich den Pfaffen erstach und sogleich nach Jerusalem reiste, wo - ich die heilige Stätte abmas, und als ich wieder nach Hause kam, - ließ ich vom Dorfe Cunnersdorf an steinerne Capellen setzen, welche - soviel auseinanderstanden, als unser Heiland mit dem schweren Kreuze - gegangen ist, ehe er ausruhete, in jeder Capell stehen die sieben - Buchstaben ~christus~, welches Alles in unserem Herrn Jesu zu einem - Gelübde gethan habe. Ich Cunrad Theler habe auch den 5. Juny 1334 - den hohen Altar zu Höckendorf zu bauen angefangen, welcher den 6. - October 1337 fertig worden ist, das Schnitzwerk ist aus Wien kommen - und kostet 5000 Thaler und das Gold mit Vorhängen 24000 Thaler, und - den 3. November ist selbiger durch einen Cardinal aus Rom geweihet - worden.« - - Diese Urkunde ist jedenfalls unecht, denn sowohl Moller in seiner - Freiberger Chronik als auch König in seinem Adelslexikon, welche - beide die Thelersche Reise nach Jerusalem mitteilen, erzählen nichts - von einem Priestermorde, als der Veranlassung zu jener Wallfahrt. - Vielmehr heißt es in dem angeführten Adelslexicon von Conrad Theler, - daß derselbe gottesfürchtig, andächtig, im Glauben beständig und - gegen die Kirche ehrerbietig gewesen sei. (Sachsengrün, 1860, S. 21.) - - -758. Der treue Rat von Freiberg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Pros. Anhang, No. 8.) - -Die Söhne Friedrichs des Streitbaren, Kurfürst Friedrich und Herzog -Wilhelm, hatten über ihre Länder einen Teilungsvertrag geschlossen, -nach welchem die Stadt Freiberg beiden zugleich angehörte. Als nun -zwischen den beiden Brüdern der Krieg ausbrach, welcher gegen sechs -Jahre währte, da war die arme Stadt oft in Kümmernis, denn zwei Herren, -die sich befehden, durch Treuschwur zugleich unterthan zu sein, das ist -gar ein schlimmes Ding. - -Im Jahre 1446 kam Kurfürst Friedrich, vielleicht nur, um die Treue der -Bürger zu erproben, mit starker Heeresmacht nach Freiberg, hielt auf -dem Markte Lager mit seiner Ritterschaft und ließ durch einen Herold -ausrufen, »daß der Rat und die Bürgschaft bei Verlust Gutes und Lebens -ihm allein huldigen, seinen Bruder verschwören und wider denselben ihm -zu Hülfe thun sollten.« -- Da gingen die Herren des Rates zusammen -und hielten voller Ängsten einen Rat, was zu beginnen sei und konnten -nichts Erfreuliches ersinnen, denn entweder sie mußten den Treuschwur -am Herzog Wilhelm brechen, oder die Stadt war der Zerstörung durch den -Zorn des Kurfürsten Friedrich gewärtig. Also waren sie in großen Nöten, -wählten aber dennoch das beste Teil. -- Als der Herold zum dritten -Male rief, gingen sie barhäuptig, je zwei und zwei, vom Rathause auf -den Markt, jeder seinen Sterbekittel am Arme tragend, und traten vor -den Kurfürsten, um den seine Ritter einen Kreis geschlossen hatten. -Nikol Weller von Molsdorf, der Bürgermeister, aber nahm das Wort und -sprach: »Wir und die ganze Stadt sind so bereitwillig als schuldig, -Euch, unserm gnädigsten Herrn, untertänigst zu gehorsamen, und ist uns -gegenwärtige Trennung unserer beiden Fürsten ein herzliches Leidwesen; -aber weil wir dem Herzog Wilhelm, Eurem Bruder, mit gleichen Pflichten -verhaftet und solcher von ihm noch nicht entlassen sind, also auch -mit gutem Gewissen keinem Teil Schaden zufügen können, so bitten -wir um Gotteswillen, Ihr wollet uns doch dabei lassen und zu keinem -Widrigen zwingen. Wenn es nicht gegen den Bruder ginge, so wollten wir -gern Leib, Ehre und Gut für Euch zusetzen; aber dafern Ihr, was Gott -verhüte, in uns dringen wollt, so gedenken wir lieber zu sterben, als -uns in solche Seelengefahr zu stürzen, und ich will gern der Erste sein -und mir meinen alten, grauen Kopf abhauen lassen!« Durch diese Rede -erweicht, warf der Kurfürst sein Roß herum, ritt zu Wellern, klopfte -ihm auf die Achsel und sagte freundlich: »Nicht Kopf weg, Alter! nicht -Kopf weg! wir bedürfen solcher ehrlicher Leute noch länger, die ihr Eid -und Pflicht also in acht nehmen!« -- Hierauf lobte er die Treue der -Stadt und ermahnte die Ratsherren und Bürger, darinnen zu verharren und -furchtlos zu sein, denn er stehe gern ab von seinem harten Begehren. - - -759. Erfindung des Spitzenklöppelns. - -(Aug. Diezmann im Album fürs Erzgebirge, Leipzig, 1847, S. 133.) - -Ziemlich allgemein setzt man die Erfindung des Spitzenklöppelns durch -Barbara Uttman in das Jahr 1561, ohne einen haltbaren Grund dafür -angeben zu können; wahrscheinlich war in jener Zeit die neue Kunst -schon so weit vervollkommnet und erleichtert, daß sie von da an -allgemeinen Eingang fand. Dies muß der Fall gewesen sein, denn als 1568 -eine bösartige Krankheit in Annaberg herrschte, sollen allein in dieser -Stadt gegen 800 Spitzenklöpplerinnen gestorben sein. - -Barbara Uttmann war die Tochter des Fundgrübners Hans Heinrich von -Elterlein und wurde im Jahre 1514 geboren. Schon frühzeitig zeichnete -sie sich durch eine seltene Geschicklichkeit in allen weiblichen -Arbeiten und namentlich in der Verfertigung von Spitzen mit der Nadel -aus. Die Sage erzählt nun: - -Ein junger Mann aus der damals berühmten Familie Uttman, welche durch -den Bergbau große Schätze erlangt hatte, sah Barbara, verliebte sich -in sie und wurde, als er ihr die Gefühle seines Herzens entdeckte, -durch das Geständnis der Gegenliebe beglückt. Die Eltern der jungen -Liebenden hatten gegen die Verbindung derselben nichts einzuwenden -und die Zeit der Vermählung wurde festgesetzt. Die Männer trugen zu -jener Zeit breite gestickte Hemdkragen und Barbara wünschte ihren -Bräutigam am Hochzeitsfeste mit einem selbstgefertigten Spitzenkragen -zu überraschen. Sie sann und grübelte deshalb noch eifriger als sonst -über die neue Art der Spitzenbereitung, mit der sie sich schon lange -beschäftigt hatte; sie versuchte wohl tausenderlei, steckte Nadeln -fest, schlang um dieselben die Faden und endlich brachte sie auf diese -Weise glücklich ein Gewebe zu Stande, dem sie mit der Nadel die letzte -Vollendung gab. So soll die erste geklöppelte Spitze entstanden sein, -welche der Bräutigam der Erfinderin, Christoph Uttman, an seinem -Hochzeitstage als Halskragen trug. - -Eine andere Sage erzählt, daß Barbara in der Kunst des Spitzenklöppelns -von einer Magd unterrichtet wurde, die aus Brabant entflohen war und in -dem Hause des Herrn von Elterlein eine Zuflucht gefunden hatte. - - -760. Christoph Schürer. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 45.) - -Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich sich -verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber, wie -man den Kobalt nannte, sich erhob, da kam Christoph Schürer, eines -Apothekers Sohn aus Westphalen und landesflüchtig seines evangelischen -Glaubens wegen, nach Schneeberg, wo er, als ein in der Chemie -wohlerfahrener junger Mann, bald eine Anstellung bei den Hütten fand. -Schon wenige Tage nach seiner Ankunft gewann er die Liebe Anna's, der -Tochter des Hüttenmeisters Rau, und bald auch durch sein einnehmendes -Betragen das Jawort ihres Vaters, so daß die Hochzeit auf das nächste -Bergfest bestimmt wurde. Ehe aber das Bergfest kam, wären beinahe -die Hoffnungen Schürers vernichtet worden. Bei seinen chemischen -Forschungen war er nämlich auf den Gedanken geraten, den viel -verrufenen Kobalt zu etwas Nützlichem umzugestalten. Er machte demnach -im geheimen in einer Schmelzhütte in Oberschlema vielfache Versuche -und trieb es damit oft die ganze Nacht hindurch so eifrig, daß er bald -in den Verdacht der Alchimisterei und Schwarzkünstlerei gerieth. Als -daher aus Platten in Böhmen, wo er sich bei seinem frühern Aufenthalte -daselbst durch seinen Glauben Feinde und durch seine Kenntnisse Neider -gemacht hatte, mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb -und Glaspartierer gewesen sei, und man seine Auslieferung forderte, -gebot der Bergmeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der -Schmelzhütte mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Frohn, -ihn festzunehmen, fand aber die äußere Thür verschlossen, was er -dem Bergmeister meldete. Diesen sowie den Hüttenmeister Rau und -einige Geschworene trieb jetzt die Neugier mitzugehen. Die Thür ward -aufgesprengt und mit freudefunkelnden Augen trat der Gesuchte den -Eintretenden entgegen. Aber wie staunte er, als der Frohn ihn griff und -ihm die Handschellen anzwang! Wie erschrak er, als ihn die Bergherren -mit Vorwürfen überhäuften und ihn einen Zauberer, Dieb und Partierer -schalten. Da rief er, schnell sich fassend, mit fester Stimme: »Männer -prüfen, ehe sie entscheiden! Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug hier -mit schwarzer Kunst, so tretet her! Seht, dies wollt ich gewinnen, -und, Gott sei Dank, endlich ists gelungen! Ich meine, es soll dem -Lande von großem Nutzen sein!« Mit diesen Worten reichte er ihnen eine -Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehls hin. Die Bergherrn staunten -und begehrten zu wissen, wie und woraus er solche schöne blaue Farbe -bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig und reinigte sich -so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler sei. Auch machte es -dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe versprach, alles zu -thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen der Böhmen zu erweisen. -Dies gelang auch dem wackeren Manne bald, und Schürer erhielt nun -seine Freiheit wieder und kam durch die Erfindung der schönen blauen -Farbe, die man anfangs nur blaues Wunder, später aber Schmalte nannte, -zu großen Ehren, und als das Bergfest gekommen war, wurde er des -Hüttenmeisters glücklicher Eidam. - - -761. ~Dr.~ Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit Gutem. - -(Meißner, Umständl. Nachrichten von Altenberg, S. 19. Darnach Gräße, -Sagenschatz, No. 232.) - -Im Jahre 1522 haben eine Menge Leute zu Altenberg ein hölzernes Bild, -das wie Luther angezogen war, gemacht, dasselbe vor ein aus fingierten -Richtern und Schöppen gebildetes Gericht geführt, es wegen Ketzerei -verklagt und verurteilt, und dann mit großem Geschrei und Lärm auf -den Geisingberg geführt und am Sonntag Lätare an einem aus 25 Fudern -Holz bestehenden Feuer verbrannt, nachdem vorher ein gewisser Bergmann -darüber den Stab gebrochen und das Urteil gesprochen hatte. Zwanzig -Jahre nachher kommen zwei Bürger aus Altenberg zu ~Dr.~ M. Luther gen -Wittenberg und bringen ihm einen schönen Handstein von rotgüldenem -Erze, worauf sie derselbe zu Tische bittet. Da sagte der Eine, sein -Kamerad habe sich einst schwer an ihm versündigt, indem er sein Bild -wie Johann Huß zum Feuer verdammt, später habe er aber die Wahrheit -seiner Lehre erkannt, und bitte nun, da ihm solches von Herzen leid -sei, demütig um Gnade und Verzeihung seines thörichten Unverstandes. -Dem Luther gefällt die Rede und er sagt, weil solches Feuer ihm und -seiner Lehre nichts geschadet, solle es ihm im Namen des Herrn vergeben -und vergessen sein. Wie nun dieser Handel ein gut und ehrliches -Gelächter gab, spricht der Absolvierte: »O Herr Doktor, ich danke -Ew. Ehrwürden, aber ich hab noch eine große Schuld auf mir, bitte, -Ihr wollet mich auch davon absolvieren, denn ich armer Bergmann habe -mich bei der Zeche verpufft und bin an die 500 Gulden schuldig.« Da -sagt der Luther: »Ihr Bergleute, wenn Ihr am ärmsten seid, blüht Euer -Glück, denn da haltet Ihr an und sehet selber zu Euern Zechen, und Not -lehret Euch beten, zur Kirche gehen und nüchtern und mäßig sein, darum -wisset Ihr selber nicht, wie reich Ihr seid. Ziehet heim und arbeitet -treulich und handelt redlich und glaubt und hofft an den Allmächtigen, -den rechten Erzschaffer im Namen seines Sohnes, der Silber und Gold ins -Fisches Mund sprach (Matth. 17) und läßt immer Erz wachsen und giebts -zu rechter Zeit denen, die in ihren Zechen anhalten und bei ihm im -Gebet aushalten. Der reiche Gott wird mit Euch sein, auf seinen reichen -Segen und milde Hand absolviere ich Euch von aller Eurer Schuld.« Ehe -dieser Bergmann wieder zu Hause kommt, erhält er Botschaft unterwegs, -man habe in seiner Zeche auf dem seligen Asar gut Erz angetroffen; da -löst er Geld und giebt Ausbeute und zahlt alles ab und behält noch -Überlauf. - - -762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba. - -(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 242.) - -Als die Hussiten im Jahre 1429 durch das Land Meißen zogen und alles -mit Mord und Brand verwüsteten, kamen sie auch in das sächsische -Hochland und zwar in die Nähe des in einem der tiefsten und schönsten -Thäler Sachsens liegenden Städtchens Gottleuba. Schon brachten -Flüchtige aus Liebstadt die Nachricht, daß das feindliche Heer im -Anzuge sei, und um in die benachbarten Berge zu flüchten, schien die -Zeit zu kurz, wenn es nicht möglich werde, dasselbe eine Zeitlang zu -beschäftigen. Da rief der Bürgermeister rasch die ratlosen Bürger auf -dem Markte zusammen, und forderte sie auf, freiwillig zurückzubleiben -und sich den Hussiten entgegen zu werfen, auf daß Greise, Weiber und -Kinder indeß Zeit zum Entrinnen gewinnen könnten. Obwohl sich aber -fast alle Männer bereit erklärten, so wählte der tapfere Mann doch nur -dreizehn Unverheiratete aus und zog mit ihnen, nachdem sie von den -Ihrigen auf Nimmerwiedersehen Abschied genommen, den Feinden entgegen. -Sie besetzten eine steile Bergspitze, bei welcher dieselben vorüber -mußten, wenn sie zur Stadt wollten, und als ihnen die Hussiten einen -Gesandten entgegenschickten, der sie zur Übergabe auffordern sollte, -wiesen sie ihn mutig zurück. Nun rückten jene mit ihren ganzen Massen -heran, um sie von ihrem Posten zu vertreiben, allein sie widerstanden -männiglich, und erst nach Verlauf von drei Stunden, als keiner der -Vierzehn mehr am Leben war, ward der Paß frei und die Feinde drangen -über die Leichen der tapfern Bürger ins Thal herab; allein sie fanden -niemanden mehr im Städtchen, denn jener Aufenthalt hatte alle gerettet. -Die waldige Höhe aber, wo jene so wacker gestritten, heißt noch jetzt -die vierzehn Nothelfer, obwohl manche diesen Namen von einer einst -dort gestandenen Kapelle (die 12 Apostel, die Jungfrau Maria, Johannes -der Täufer oder Joseph führen in katholischen Ländern den Namen der -14 Nothelfer) herleiten wollen, die übrigens recht gut zum Andenken -an jene Begebenheit erst erbaut sein könnte, um so mehr, als jene 14 -hier begraben sein sollen. Eine andere, südlich von der Stadt gelegene -Anhöhe, welche jenen Bürgern als Ausguck gedient haben soll, heißt von -derselben Begebenheit noch jetzt die »schnelle Gucke«. - - Als die 14 Nothelfer galten anderwärts auch Jesus, die 12 Apostel - und irgend ein Heiliger, welchen der Bischof bezeichnete. Diesen 14 - Nothelfern war z. B. ein uraltes Wallfahrtskirchlein auf der kahlen - Höhe bei Reichstädt geweiht; der Heilige war daselbst St. Nikolaus. - (Monatsbeilage zur Weißeritzzeitung, 1884, No. 5.) - - -763. Harras der kühne Springer. - -(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen. No. 327. Sachsens Kirchengalerie 8. -B. S. 118.) - -Zwischen Frankenberg und Lichtenwalde an der Zschopau befindet sich -ein hoher Fels, der Haustein genannt. Am 28. Mai des Jahres 1499 ist -der Ritter von Harras, Besitzer von Lichtenwalde -- seine Familie -besaß dasselbe bis 1561 -- in einer Fehde von seinen Feinden in -der Nähe desselben überfallen und so verfolgt worden, daß ihm kein -anderer Weg zur Rettung übrig blieb, als mit seinem Rosse von der -Spitze des hohen Felsens, der den Namen Haustein trägt, in den unten -vorbeiströmenden Zschopaufluß zu springen. Dieser kühne Sprung von -einer Höhe von mehr als 100 Ellen ist ihm auch geglückt, und da er -eine Tiefe von 10 Ellen Wasser im Flusse getroffen, hat derselbe -weder ihm, noch dem Rosse Schaden gebracht, sondern beide haben das -gegenüberliegende Ufer glücklich erreicht und später im Schlosse zu -Lichtenwalde Schutz gefunden. Der Ritter aber hat nach der Kapelle zu -Ebersdorf und dem dort befindlichen Gnadenbilde eine Wallfahrt gemacht -und zum Andenken daselbst ein großes silbernes Hufeisen hinterlassen, -welches in der Kapelle aufgehangen, aber um 1529 gegen ein eisernes -vertauscht worden ist. Dieses Hufeisen befindet sich an einem Balken -in der Nähe des am mittleren Thore der Kirche zu Ebersdorf errichteten -steinernen Standbildes eines Ritters Dietrich von Harras, der als der -kühne Springer bezeichnet wird. Im Mai des Jahres 1801 ist am Rande -der Zschopau, dem Haustein gegenüber, bei einer sehr alten Eiche ein -Denkstein mit der Inschrift auf den beiden Hauptseiten: »Dem tapfern -Springer, Ritter von Harras,« errichtet worden, auf dessen Nebenseiten -ein Sporn und ein Hufeisen abgebildet wurden. - - Bei den Brüdern Grimm (Deutsche Sagen, I. No. 332), welche Theodor - Körners Nachlaß benutzten, lautet die Sage ganz einfach: Bei - Lichtenwalde im sächsischen Erzgebirge zeigt man an dem Zschopauthal - eine Stelle, genannt der Harrassprung, wo vor Zeiten ein Ritter, von - seinen Feinden verfolgt, die steile Felsenwand hinunter geritten sein - soll. Das Roß wurde zerschmettert, aber der Held entkam glücklich auf - das jenseitige Ufer. - - -764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf. - -(K. W. Clauß, Führer auf der Fahrt durch das Weißeritzthal. 1883. 2. -Aufl. S. 12.) - -Kurz vor der Haltestelle Seifersdorf zwischen Hainsberg und -Dippoldiswalde befindet sich auf dem jenseitigen Weißeritzufer der -Trompeterfelsen, an welchen sich eine Art Harrassage knüpft. Ein -sächsischer Trompeter wird von Oelsa her von Feinden hart verfolgt und -steht plötzlich auf einer Waldblöße vor dem Abgrunde. Den Tod vor und -hinter sich sehend, sprengt er über den Abhang in die Weißeritz. Sein -Pferd zerschellt, er aber kommt mit dem Leben davon, steigt auf die -dem Felsen gegenüber liegende Höhe und bläst dort ein »Nun danket alle -Gott.« Die erbitterten Verfolger sandten ihm Schüsse nach und eine -Kugel streckte ihn nieder. - -Andere erzählen, die Kugel sei ihm zwischen Hand und Mund durch die -Trompete gefahren, dieselbe unbrauchbar machend. Die Trompete sei in -das alte Messing gewandert, das Loch aber noch in einem Altertumsmuseum -zu sehen. - - -765. Der Kärrner zu Stollberg. - -(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O. No. 575.) - -In der letzten Zeit vor dem 30jährigen Kriege lebte zu Stollberg eine -Witwe mit ihrer Tochter in einem kleinen Häuschen am Ende der Stadt; -das Häuschen war ihr von ihrem verstorbenen Ehemanne als einziges -Erbe hinterlassen worden. Dem Hause gegenüber wohnte ein junger Mann, -der seinen Unterhalt damit fand, auf den Dörfern mit verschiedenen -Waren herumzuziehen, die er auf einem kleinen Wagen, welchen sein -Hund zog, mit sich führte. Nun war der junge Mann längst der Tochter -der Witwe gut gewesen und auch diese hatte ihn immer gern gesehen; -da traf es sich, daß er gerade am heiligen Christabende mit ihr von -seiner Liebe sprach und sie fragte, ob sie sein Weib werden wolle. -Das Mädchen sagte freudig ja, und beide teilten der alten Mutter die -frohe Neuigkeit mit und feierten so recht in Herzenslust den heiligen -Abend. Allein plötzlich sprang der Kärrner auf und erklärte, er könne -nicht länger bleiben, er müsse noch in das benachbarte, 1½ Stunde -von der Stadt gelegene Wittendorf, das später durch den Krieg zur -wüsten Mark ward, um dorthin bestellte Waren zu schaffen. Zwar bat -ihn seine Braut, nur diesen Abend zu bleiben, es sei ihr so ängstlich -zu Mute; allein der Kärrner lachte sie aus und meinte, es sei ja -Mondenschein, er habe den Weg schon so viele male bei schlechterem -Wetter und im Finstern gemacht, er werde ihn also auch heute nicht -verfehlen. Er ließ sich nicht halten, sein Mädchen aber setzte sich -traurig an den Spinnrocken und versuchte sich die Zeit mit Spinnen zu -vertreiben. Aber in ihrer Herzensangst kamen ihr häßliche Bilder vor, -die Spindel und das Garn schienen ihr blutig zu sein, und es war ihr, -als spinne sie ihr Leichenhemde. Sie nahm also das Gesangbuch und die -Bibel zur Hand, allein alles half nichts, es wollte keine Ruhe in ihr -ängstlich schlagendes Herz einziehen. Endlich hörte sie die Glocke zur -Frühmette läuten und sie eilte hinaus, um zu sehen, ob ihr Bräutigam -zurückgekehrt sei; allein weder jetzt noch nach dem Schlusse der Mette -ließ er sich sehen. Endlich hatte sie keine Ruhe mehr, sie bat einen -ihr freundlich gesinnten Nachbar sie nach Wittendorf zu begleiten, um -dort zu hören, ob ihrem Geliebten etwas zugestoßen sei. Als sie aber -dort ankamen, hörten sie, derselbe sei zwar dagewesen, aber schon -seit Mitternacht wieder fortgefahren, und sie konnten also nicht mehr -zweifeln, daß ihm ein Unglück begegnet sei. Auf dem Rückwege verfolgten -sie nun die Spur, welche der Kärrner mit seinem Wagen hinterlassen -hatte, und dieselbe führte sie auch deutlich nach einer morastigen, -aber grundlosen Stelle eines den Stollbergern unter dem Namen des -Walkteiches bekannten Weihers, wo sie auf einmal aufhörte. Jetzt konnte -die Arme nicht mehr an dem Schicksale ihres Bräutigams zweifeln, sie -kehrte trostlos in das Städtchen zurück und sprach im halben Wahnsinn -zu ihrer alten Mutter, in drei Monaten werde sie ihr Bräutigam zur -Trauung abholen, bis dahin müsse sie sich ihr Hochzeitskleid spinnen. -So spann sie denn emsig bis zum Osterfeste, und als die Mitternacht -des Vorabends gekommen war, da dünkte es ihr, es poche jemand dreimal -ans Fenster. Sie öffnete es und es schien ihr Bräutigam draußen zu -stehen, zwar mit totenbleichem, aber himmlischfreundlichem Gesichte; -er lud einen Myrthenkranz und Cypressenranken von seinem Wagen ab und -verschwand. Kaum hatte sie ihrer bekümmerten Mutter von der Erscheinung -erzählt, als sie auch schwer erkrankte, und es waren nicht 24 Stunden -verronnen, da war das Mädchen entschlafen. Seit dieser Zeit sagt man -aber, daß sich der Geist des Kärrners mit seinem Wagen und Hunde in -den Gassen von Stollberg allnächtlich sehen lasse, und wo er vor einem -Hause anhält und Kränze abladet, da wird jemand aus demselben drei Tage -nachher begraben, und wenn jemand in der Stadt auf den Tod liegt, da -sagt man: Dort hat der Kärrner abgeladen. Das Sumpfloch aber, worin er -sein Grab fand, heißt noch heute das Kärrnerloch. - - Aus den Akten über den Kärrner von Stollberg ergiebt sich folgendes: - Er hieß Martin Schmidt aus Crottendorf und ertrank am 24. Dezember - 1591 abends 6 Uhr im Ratsteiche, d. i. Walkteiche, zu Stollberg. - Am 25. abends 4 Uhr ist er aufgefunden, durch den Scharfrichter - herausgezogen, aufgehoben und »hinterm Städtlein an der Zwickschen - Straße auf dem Scheidewege, am Viehweg nach Würschnitz zu« begraben - worden. Solches ist vom Stollberger Schösser Lorenz Stuihler - dem Beamten in Schwarzenberg, Seibold Werner, gemeldet und bei - demselben, wahrscheinlich weil man in Zweifel war, ob der Mann - ertrunken oder sich ertränkt hatte, angefragt worden, wie man - sich dabei zu verhalten habe, da so ein Fall ihm weder bei seinen - jetzigen, noch in seinen früheren Ämtern vorgekommen sei. Dieser - hat darauf angeraten, sich darüber beim Amte Chemnitz, wo sich - zweifelsohne solche Fälle schon zugetragen, im Vertrauen zu befragen. - (Stollberger Anzeiger, 1882, No. 39.) - - -766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf. - -(Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirgs, I. 1822. -S. 167 etc. Gräße, Sagenschatz etc. No. 478.) - -Einst lebte in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf ein junger Bergmann, -namens Oswald Barthel, des alten Bergmanns Michael Barthel Sohn, -der von seinen Vorgesetzten so geschätzt war, daß ihm der reiche -Obersteiger Baumwald seine einzige Tochter Anna verlobte. Nun sollte -er im tiefen Stolln »Gutes Glück« im Sauberge anfahren, um einen -Durchschlag zu machen, welches wegen des entgegenstehenden Wassers -unter die gefährlichsten Arbeiten des Bergbaues gehört. Er und -diejenigen seiner Kameraden, welche die Reihe hierzu traf, traten -nun, nachdem sie zuvor mit ihrem Steiger gebeichtet und das heilige -Abendmahl genommen, am Tage St. Katharinä im Jahre 1508 die Fahrt -mit einem herzlichen Glückauf! an. Als sie an dem gefährlichen -Punkte angekommen waren, ward die Arbeit sofort in rolliger, sehr -gebrechlicher Bergart betrieben und das Einstürzen der Firste durch -Zimmerung verhütet. Die Last war groß, die auf dieser Zimmerung ruhte, -und als der Steiger, etwas zurückstehend, eben eine Anordnung treffen -wollte, hörte er ein heftiges Krachen in der Firsten-Zimmerung und -im nächsten Augenblick ein gleiches. »Brüder, rettet Euch!« rief er -schnell, »es macht einen Bruch!« Diesem Rufe folgten alle in der -größten Eile, nur Oswald, der jüngste und rascheste von allen blieb -auf eine bis jetzt unbegreiflich gebliebene Weise zurück und wurde -verschüttet. Zwar gab man sich die unsäglichste Mühe, den armen Oswald -zu retten, und immer neue Arbeiter lösten die bereits ermatteten ab, -aber vergebens, es brach immer mehr nach und der Unglückliche ward -nicht wieder gefunden. Als nun aber die Braut des armen Bergmanns die -furchtbare Kunde vernahm, sank sie zuerst in eine tiefe Ohnmacht, -aus der sie nur wieder erwachte, um in eine tödliche Krankheit zu -verfallen. Zwar besiegte ihre Jugendkraft dieselbe und sie ward dem -Leben erhalten, allein als sie nach ihrer Genesung zum ersten male -wieder das Gotteshaus betrat, da brachte sie am Altar der hochheiligen -Mutter des Herrn das Gelübde, ihrem Oswald treu zu bleiben und ihr -Leben lang Jungfrau zu bleiben; dann hing sie ihren Brautkranz mit -eigner Hand unter den Totenkränzen in der Kirche auf und lebte in -tiefster Stille, den Segen der Armen verdienend. -- So gingen denn seit -jenem Unglückstage viele Jahre dahin und zuletzt waren nur noch die -jungfräuliche Braut, sowie drei Bergleute, Balthasar Thomas Kendler, -Andreas Reiter der ältere, beide in Ehrenfriedersdorf, sowie Simon -Löser, in Drehbach wohnhaft, von allen denen übrig, die damals das -unglückliche Ereignis mit angesehen hatten. Da fügte es sich, daß in -Brünlers Fdgr. am Sauberge ein Stolln bewältigt wurde, und als man -in die siebente Lachter im rolligen Gebirge fortgerückt war, stieß -man auf einen in der Erde liegenden menschlichen Körper, der noch in -seinen unverwesten Kleidern dalag. Mit vieler Mühe machte man ihn von -seiner drängenden Umgebung frei und schaffte ihn nach dem Tageschachte, -da brach dieser harte Leichnam mitten auseinander und man konnte -ihn also nur in zwei Stücken heraufwinden. Diese Begebenheit wurde -sogleich dem damaligen Bergmeister Valentin Feige gemeldet, welcher -den Geschwornen Thomas Langer rufen und die obengenannten Greise an -Bergamtsstelle bescheiden ließ. Diese Männer sagten nun aus, daß sie -sich noch wohl erinnerten, wie einst in der Zeit ihrer Jugend, vor 60 -Jahren, ein junger Bergmann, namens Oswald Barthel, in der Gegend, wo -der Leichnam jetzt gefunden worden, so verfallen sei, daß ihn niemand -habe retten können. Und als man nun den Leichnam brachte, erkannten -sie ihn als den Verschütteten. Dieses Wiederfinden geschah am 20. -Sept. 1568, so daß der Verschüttete 60 Jahre 9 Wochen und 3 Tage in -der Erde gelegen hatte, als man ihn wiederfand, worauf er am 26. -desselbigen Monats mit einem feierlichen Leichenbegängnis wieder zur -Erde bestattet wurde, welche ihn schon so lange umschlossen gehabt -hatte. Es war ein Begräbnis, wie Ehrenfriedersdorf noch keins gesehen -hatte. Der Leichenzug bestand aus Tausenden, die herbeigekommen waren, -um dem so wunderbar Wiedergefundenen das letzte Geleite zu geben. Als -die Leiche eingesenkt werden sollte, eilte auch die treugebliebene -Braut herbei und sprach den Wunsch aus, ihrem Bräutigam bald folgen -zu können, und nach wenigen Tagen ward ihre Hoffnung auch erfüllt. -In der Gedächtnispredigt, welche der damalige Ortspfarrer ~M.~ Georg -Raute hielt, sagte derselbe am Eingange, es sei eine wundersame -Mär, daß er, der Pfarrer, der schon im 31. Jahre stehe, heute einer -Leiche die Gedächtnispredigt halte, welche schon 30 Jahre vor seiner -Geburt gestorben sei. Als Oswald verschüttet ward, herrschte in -Ehrenfriedersdorf noch das Papsttum, als er begraben ward, hatte -dasselbe schon längst der Reformation weichen müssen. Noch heute heißt -aber die Hauptzusammenkunft der Bergknappschaft zu Ehrenfriedersdorf, -die zugleich eine Begräbnis-Brüderschaft ist, und welche am Montag nach -Ostern abgehalten wird, zum Andenken an obige Begebenheit die lange -Schicht. - -Nach einer andern Überlieferung, welche Dietrich erzählt, lebte -von den einstigen Kameraden Oswalds, als man seine Leiche wieder -auffand, nur noch einer, der alte Balthasar. Oswald aber wurde von der -Verwesung noch unversehrt, in seinem Grubenkittel, lederner Bergkappe, -desgleichen mit seinem Gezäh (Werkzeug), seiner Unschlitttasche -und dem Zscherper wiedergefunden, ohne daß er beim Heraufwinden in -zwei Stücke zerbrach. Als das Leichenbegängnis beendet war, wankte -Oswalds Braut Anna, geleitet von dem Bergmeister und dem Pfarrer in -ihre Wohnung zurück. Hier bat sie, daß man ihr den Brautkranz aus -der Kirche wieder gebe, und ihre Bitte ward gewährt. Am nächsten -Sonntagsmorgen genoß sie in der Kirche öffentlich das Abendmahl des -Herrn, die längst vertrocknete Myrthenkrone im Silberhaar; dem alten -Balthasar aber mußte man die heilige Spende zum Krankenlager bringen, -denn ein Schlagfluß hatte ihn darniedergeworfen und seine Auflösung -war nahe. An diesem Sonntage noch ging mit der Himmelssonne auch der -treuen Anna Lebenssonne unter, und um Mitternacht folgte ihr Balthasar -nach. Es wurden diese beiden an einem Tage begraben. Oswald und Anna -ruhen in einem Grabe, des treuen Freundes Balthasars Grab aber war -nahe an Oswalds Seite, und tausende von Thränen weihten ihre stillen -Ruhestätten. - - -767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei -Reichstädt. - -(Mitgeteilt durch Ludw. Lamer in der Monatsbeilage zur -Weißeritz-Zeitung 1886. No. 5 etc.) - -Ganz in der Nähe des Dorfes Reichstädt, 1½ Stunde von Dippoldiswalde -gelegen, stand ehedem auf einer Anhöhe, die »Kahle Höhe« genannt, -ganz einsam und verlassen ein uraltes Kirchlein, den »vierzehn -Nothelfern« geweiht. Nach einer Urkunde vom Jahre 1320 war dasselbe -eine überaus berühmte Wallfahrtskapelle, und zu ihr strömten jährlich -viele Tausende, um ihre Anliegen und Gebete den vierzehn Nothelfern, -nämlich Jesu, den zwölf Aposteln und dem heilgen Nikolaus vorzutragen. -Durch die vielen, der Kirche gespendeten Geschenke wurde dieselbe -sehr reich; als aber nach Beginn der Reformation die zahlreichen -Wallfahrer ausblieben und im niedern Teile des Dorfes Reichstädt eine -Kirche gebaut und daselbst der lutherische Gottesdienst eingeführt -worden war, verschwand plötzlich auch der letzte Meßpriester der -Kapelle und mit ihm das ganze aufgehäufte Vermögen derselben nebst -den Heiligenbildern und Kirchengeräten. So verfiel nach und nach -das Kirchlein und während des dreißigjährigen Krieges wurden auch -Bänke, Betstühle und alles Holzwerk herausgerissen und verbrannt. In -der Zeit nun, da das kleine Gotteshaus mit leerem Boden und leeren -Wänden dastand, geschah folgendes: Bei dem reichen Bauer Wolf zu -Oberreichstädt diente in den 1640er Jahren die Tochter einer armen -Witwe aus Sadisdorf, namens Hanna. Durch ihren Fleiß, ihre Treue und -Bescheidenheit machte sich dieselbe bei ihrer Herrschaft bald beliebt; -noch mehr aber gefiel Hanna dem einzigen Sohne ihres Dienstherrn, -einem mit ihr gleichaltrigen, blühenden Burschen mit Namen Christian. -Allgemach zog die Liebe zu dem Mädchen in sein Herz, doch verriet er -davon nichts, denn sein Vater war starrsinnig und unbeugsam und dabei -dem Gelde so wohlgeneigt, daß er nie die Verbindung seines einzigen -Sohnes mit einem armen Mädchen zugegeben hätte. Das wußte der Sohn aus -manchen Äußerungen des Vaters. Ja eines Tages sagte ihm derselbe, daß -er für ihn die Tochter eines reichen Bauern zur Frau bestimmt habe, -die ihm sogleich 2000 Thaler als Heiratsgut mitbringen werde. Doch -Christian weigerte sich, dieses Mädchen heimzuführen, da dasselbe -träge, zänkisch und roh sei. Erzürnt drohte ihm darauf der Vater, daß -er nie seine Einwilligung zu einer andern Verbindung geben werde, es -sei denn, daß ihm die Braut ebenfalls 2000 Thaler Mitgift zuführe. -Da Hanna diese Worte ebenfalls, von beiden unbemerkt, gehört hatte, -war ihr Herz traurig, denn auch sie liebte Christian heimlich von -ganzem Herzen. Sie nahm sich alsobald vor, das Haus, in welchem sie so -glücklich gewesen war, zu verlassen. Aber als Christian ihren Kummer -sah und in sie drang, ihm zu sagen, was ihr fehle, weinte sie heftig -und beide gestanden sich ihre gegenseitige Liebe. Da sagte Christian, -daß er sich vor der Drohung seines Vaters nicht fürchte und er bat -Hanna, noch zu bleiben, da ja Gott alles noch zum Besten lenken werde. - -Bald darauf wurde der Vater Wolf bedenklich krank und auf seinem Lager -ließ er sein Testament mit der ausdrücklichen Bestimmung anfertigen, -daß sein Sohn Christian nach seinem Ableben nur dann als Erbe der -Besitzung zu betrachten sei, wenn derselbe eine Frau mit 2000 Thalern -Mitgift eheliche; sei dies jedoch in vier Jahren nach des Testators -Ableben nicht erfolgt, so trete der älteste Sohn seines Bruders als -rechtmäßiger Erbe ein. Der Vater hatte also sein früher ausgesprochenes -Wort nicht vergessen. - -Hannas Mutter zu Sadisdorf war während der Zeit ebenfalls erkrankt. -An einem rauhen Sonntage des Herbstes 1644 ging daher Hanna nach -Hause, um nach ihrer Mutter zu sehen. Die Stunden vergingen schnell, -und als es Mitternacht schlug, machte sie sich wieder auf den Rückweg. -Sie mußte dabei an der Kirche zu den vierzehn Nothelfern vorüber. Da -vernahmen ihre Ohren plötzlich schwere Tritte hinter sich, und als -sie sich umblickte, gewahrte sie zwei schwedische Soldaten, welche -ihr eilig folgten. Sie lief so schnell, als sie nur konnte, und als -sie an dem Kirchlein anlangte, waren die Verfolger dicht hinter ihr. -In ihrer Todesangst riß sie an der Thüre des Kirchleins und dieselbe -gab glücklich nach, da sie wunderbarer Weise nicht verschlossen war. -Schnell schlüpfte sie hinein und schlug mit kräftigem Stoße die Thüre -wieder ins Schloß zurück. Es war die höchste Zeit gewesen. Draußen -tobten die Soldaten und versuchten die Thüre zu sprengen, Hanna aber -sah sich vergeblich in der leeren Kirche um, um irgend ein Versteck zu -finden. Nur hinter dem Gemäuer, wo sonst der Altar gestanden hatte, -bemerkte sie ein geräumiges Loch, das sie zwar nicht völlig, aber -doch teilweise aufnehmen konnte. Emsig arbeitete sie, durch Auswerfen -des Schuttes das Versteck zu erweitern. Hierbei wurden ihre Gedanken -plötzlich auf einen ganz besonderen Gegenstand gerichtet, und sie -vergaß wenigstem auf Augenblicke die Gefahr, in der sie sich befand. -Zwischen ihren Fingern fühlte sie nämlich unerwartet ein Geldstück -von der Größe eines Dukatens; ob es wirklich ein solcher sei, konnte -sie freilich wegen der Finsternis, die sie umgab, nicht bestimmen, -doch unterschied sie mit den Fingern recht deutlich ein Gepräge. Mit -Eifer suchte sie nun weiter und fand dann nach und nach eine solche -Menge, daß sie das Gewicht derselben in ihrer Schürze fühlte. Waren -es wirklich Dukaten, so hatte ihr Gott geholfen und sie war ihres -Kummers und ihrer Sorgen enthoben. Draußen vor der Kirche war es -unterdeß auch still geworden, und nachdem Hanna noch lange gelauscht -und annehmen konnte, daß sich ihre Verfolger wieder entfernt hatten, -versuchte sie die Thüre zu öffnen. Mit der größten Anstrengung gelang -ihr dies endlich und sie trat hinaus. Die Soldaten waren nirgends -mehr zu sehen, und glücklich gelangte das Mädchen in das Haus ihres -Dienstherrn, wo sie sich erschöpft niederlegte. Am Morgen, so bald -es dämmerte, sah sie sich die Geldstücke an, und richtig, es waren -lauter Dukaten, deren sie zusammen 820 Stück zählte. Da sie dieselben -alsobald dem aus seiner Kammer tretenden Christian zeigte und ihm -erzählte, wie sie zu diesem Schatze gekommen sei, der ja mehr betrug -als 2000 Thaler, staunte derselbe zunächst, dann aber brach er in laute -Freudenrufe aus. Jetzt war das Hindernis, welches ihrer Vereinigung -entgegenstand, plötzlich und auf so wunderbare Weise gehoben. In ihren -besten Gewändern betraten beide bald darauf das Gemach des Vaters -Wolf, der noch an das Bett gefesselt war. Hier bat Christian um seinen -Segen zur ehelichen Verbindung mit Hanna, die nun mehr als 2000 Thaler -Mitgift besäße. Dabei legte das Mädchen die Dukaten in einem Tuche auf -das Bett. Erst wußte der Vater nicht, was er dazu sagen sollte, als -aber Hanna den nötigen Aufschluß gegeben hatte, ging eine merkliche -Veränderung in seinem Innern vor. Nach langem Sinnen erfaßte er endlich -die Hände des jungen Paares, segnete es und sagte: »Ich war hart gegen -euch, aber Gott wußte ein Mittel, durch welches meine Härte und mein -Starrsinn gebrochen worden ist.« Auch die Mutter trat nun tief bewegt -hinzu und segnete das Paar; sie hatte ja oft gewünscht, daß Hanna ihre -Schwiegertochter werden möchte. Der Sohn übernahm das Gut des Vaters -und bald wurde eine fröhliche Hochzeit gefeiert. Damit zog wieder -Friede und Glück in der Familie ein. Noch heute soll das Wolfsche -Geschlecht in mehreren Zweigen in Reichstädt fortleben. - - -768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser. - -(Nach der metr. Bearbeitung im Glückauf, 1. Jahrg. S. 60.) - -Im Schwarzwasserthale lag einst eine Zeche, »Trau auf Gott« genannt. -Als der Besitzer derselben seinen Knappen versprach, daß derjenige -von ihnen, welcher zuerst eine reiche Silberader finden und dieselbe -anhauen werde, die Hälfte der Ausbeute erhalten solle, da regten -sich mit verdoppeltem Eifer die Hände der fleißigen Knappen. Aber -manche Schicht wurde verfahren und es zeigte sich doch immer nur -taubes Gestein, so daß endlich Unmut an der Stelle der Hoffnung in -den Herzen platzgriff. Ein Knappe war es endlich nur noch, welcher -in der Grube fortarbeitete; er gönnte sich kaum die nötige Ruhe, so -daß er auch in den Nachtstunden seine Schicht verfuhr. Da geschah -es einmal um Mitternacht, als er bekümmerten Herzens ein Gebet zum -Himmel sendete, daß ihm der Berggeist im hellen Lichte erschien und -einen reichen Gang zeigte, aus dem bald das reichste Erz brach. Froh -eilte mit Tagesanbruch der Knappe zu seinem Herrn und verkündigte ihm -das große Glück. Beide stiegen in den Schacht hinab, wo ihnen das -Silbererz entgegenleuchtete. Als aber der Knappe den Herrn an sein -Versprechen erinnerte und dabei auf die Not der Seinen hinwies, die -jetzt gehoben sei, stand der Eigner schweigend und überdachte, wie viel -Reichtum er verschenken müsse, wenn er sein Versprechen halten wollte. -Die Habsucht verhärtete sein Herz und er beschloß, den unbequemen -Mahner heimlich aus dem Wege zu schaffen. Aus der Grube tönte jähes -Angstgeschrei hinauf, dann war es still. Der Knappe fuhr nicht mehr -hinauf zum Tageslichte und sein Weib und seine Kinder mußten, da ihnen -der Ernährer so plötzlich genommen war, betteln gehen. Die Grube »Trau -auf Gott« aber blieb von Stund an verlassen, denn der Berggeist nahm -wieder, was er so reichlich geboten hatte. Der Grubenherr fand die -verdiente Strafe, denn er verfiel den höllischen Mächten. Sein von Reue -gequältes Herz jedoch wuchs zum riesengroßen Steine, der heute noch als -»steinernes Herz« in den Fluten des Schwarzwassers liegt. - - »Eidbruch und die Sucht nach Erz - Räumt dem Bösen Wohnung ein, - Macht das Menschenherz zu Stein.« - - -769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat. - -(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane. S. 63.) - -Eine gedruckte Nachricht von 1788 erzählt: Da das Städtlein Meerane -dreierlei Gerichte hatte, so kam es, daß zu Anfange des 18. -Jahrhunderts dieser Ort in einem fast bösen Geschrei war, weil sich -fremd liederlich Gesindel da aufgehalten, so bei Visitationen leicht -aus einem Gerichte oder Amtssprengel ins andere entwischen können; -daher entstund in dieser Gegend ein Sprichwort, daß, wenn man einen -schimpfen wollte, man ihn einen Meeraner genannt. Nachher ist dieses -Geschrei durch gute Ordnung der Obrigkeit und redliche Einwohner völlig -unterdrückt worden. Es geschah, daß der dortige Pastor ~M.~ Sigismund -Stolze einstmals auf die Leipziger Messe reiste. Als er mit dem Wagen -unter's Thor zu Leipzig kam, wurde er gefragt, woher er käme und wer er -wäre. Als er es beantwortet: der Pastor von Meerane! mußte er wieder -umkehren, weil man von Meerane niemanden einlassen durfte. Der gute -Mann kehrte mit der Kutsche wieder um und fuhr unter einem andern Namen -zu einem andern Thore hinein. Bei seiner Heimkunft brachte er dies -mit Thränen auf der Kanzel vor, ließ auch nicht eher nach, bis seine -berüchtigte Gemeinde ein besseres Leben zu führen anfing. - - -770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins. - -(Merkels u. Engelhardts Erdbeschreibung v. Kursachsen, 3. B. S. 140. -143. Joh. Gottlieb Kern v. Schneckensteine. Prag 1776. S. 5.) - -Eine Stunde von Tannebergsthal über Auerbach liegt im Walde der -Topasfelsen Schneckenstein, der diesen Namen von den vielen -Schnecken, welche an seinem hier und da feuchten Fuße sich aufzuhalten -pflegten, erhalten haben soll. Es wird erzählt, daß er erst durch -einen Tuchmacher aus Auerbach, namens Kraut, seit 1727 allgemein -bekannt und seitdem auch fleißig benutzt worden sei. Jener Kraut, -welcher ein eigener seltsamer Mensch und ein etwas lockerer Mann, der -nicht im besten Rufe stand, genannt wird, soll durch Holzhauer oder -Kohlenbrenner auf den harten und schimmernden Stein aufmerksam geworden -sein, und er soll darauf heimlich Topase, die er schleifen ließ, und -die er für hohe Preise unter dem Namen von Schneckensteinen oder -Königskronen ins Ausland schaffte, gebrochen haben. Als er merkte, daß -man seinem Schleichhandel auf die Spur kam, machte er seine Entdeckung -dem Kurfürsten August III. bekannt, der den Felsen dem Herrn von -Trützschler, welchem Grund und Boden gehörte, abkaufte und später einer -Gewerkschaft überließ. - - -771. Das Paradies zu Zwickau. - -(Nach Ziehnerts poetischer Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 607.) - -In Zwickau, am rechten Ufer der Mulde, an der Straße, die von der Stadt -nach Chemnitz führt, befindet sich noch heute ein Gasthof, zum Paradies -genannt, der ehedem aber das Ochsenhaus oder der Ratsweinkeller hieß -und seinen jetzigen Namen von seiner schönen Lage erhalten haben -soll. Nach einer Sage rührt derselbe aber von folgender, freilich -unverbürgter Begebenheit her: Als Luther einst zu Zwickau war und seine -Predigten einen solchen Eindruck auf das Volk machten, das dasselbe -das Kloster oder den Grünhainer Hof stürmte, lockten die erbitterten -Mönche Luthern eines Abends zu einem angeblichen Kranken in eine -entlegene Straße, um ihn zu ermorden. Sie sendeten nämlich ein Weib -in Luthers Haus, welches daselbst weinend aussagte, ihr Mann sei zum -Tode krank und verlange vor seinem Ende noch einmal den frommen Herrn -zu sehen. Auf solche Bitten ging Luther mit ihr und sie führte ihn -durchs Tränkthor. Plötzlich öffnete sich ein Haus, das Weib entsprang -und aus dem Hause stürzte voller Wut der Mönche Troß. Jedoch gelang -es dem großen Reformator, sich ihren Händen zu entreißen und in ein -offenstehendes Haus zu flüchten, dessen Thor er eilig durch den -vorgeschobenen Riegel verschloß. Da zogen sich die Mönche still zurück; -Luther aber sprach mit freudigem Blicke zum Wirte des Hauses, der -ihn nach dem Grunde seiner Flucht fragte: »Die Kuttenträger lechzten -lange nach meinem Blute; aber Gott sei Dank, der mich dieses Haus in -meiner Bedrängnis finden ließ, dasselbe ist mir zum wahren Paradiese -geworden!« Der Wirt gab ihm darauf zwei Knechte mit, die ihn sicher -nach seiner Wohnung geleiteten. Das Haus, in welchem Luther damals -Schutz fand, wird aber noch heute das Paradies genannt. - - -772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick. - -(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 33.) - -Als man im Jahre 1769 auf der Ostseite der durch den Brand von 1873 -zerstörten schönen Joachimsthaler Decanatkirche eine neue Sakristei -baute, an deren Stelle heutzutage der prachtvolle Hochaltar steht, -entdeckte man in einer Tiefe von ungefähr fünf Ellen ein altes Gewölbe. -In demselben befand sich ein Doppelsarg, in welchem »ein in purpurrotem -Sammt gekleideter, verwester großer Körper ohne Kopf« ruhte. - -An diesen Fund knüpft sich die Sage, daß dies der Leichnam des Grafen -Joachim Andreas Schlick, Oberstlandrichters von Böhmen, gewesen sei, -der am 21. Juni 1621 wegen Teilnahme am böhmischen Aufstande am -Altstädter Ringe zu Prag das Blutgerüst besteigen mußte und enthauptet -wurde. Der Kopf des Hingerichteten ward am »Bruckthor« aufgestellt, -während dessen Rumpf sechs verkappte Personen entfernten. - - -773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor. - -(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. II. 1748. S. 29.) - -Die Wälder um Bernsbach sind einst unbedachtsamer Weise der Gemeinde -verloren gegangen. Denn dem Verlaut nach soll zu Joh. Georgs I. Zeiten -eine Revision gekommen sein, und da die Bernsbacher gleichfalls gefragt -worden, ob sie Grundstücke hätten, so noch nicht zinsbar, sollen sie -geantwortet haben, es wäre Refier und wilder Wald genug, was ihnen -der Quark sollte, sie könnten das Holz so nicht tilgen. Worauf die -Kommission gefragt, ob sie es denn nicht haben wollten? Darauf sie -gesagt, das Holz wüchse ihnen so in die Fenster hinein; wenn es der -Kurfürst besser zu gebrauchen wüßte, möchte er es hinnehmen, sie wüßten -damit nichts anzufangen. Darauf hätten sie sich ordentlich losgesagt, -und ist dies Holz also hernach eingezogen worden, und hat jetzt dieses -ganze Dorf nicht eine Hand breit an Refieren und Holz. - - -774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins erhält. - -(Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II. 1656. S. 131.) - -Im Jahre 1267 ward vom Papste Urban IV. das Fronleichnamsfest -angeordnet, wobei die Geistlichkeit die Fluren der betreffenden -Gemeinden zu umgehen hatte. Weil aber die Pfaffen in Zwickau nicht -alle Felder und Fluren an diesem Tage umgehen konnten, haben sie ein -gewisses Teil auf dem Berge, der Stadt gegen Morgen gelegen, den -Pfaffen zu Reinsdorf zu umziehen übergeben. Und daher ists gekommen, -daß die Besitzer dieser Felder dem Pfarrherrn zu Reinsdorf noch -jährlich ein gewisses an Getreide zinsen müssen. - - -775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratsstand gezogen wurde. - -(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II. 1656. S. 181.) - -Im Jahre 1403 ist in Zwickau ein so großes Feuer ausgebrochen, daß -die ganze Stadt ausgebrannt, also daß man auf dem Markt zu allen vier -Thoren hat hinaussehen können. Dieses Feuer ist bei einem Kürschner in -der Scheergasse ausgekommen, und sind dem Rat damals die wichtigsten -Urkunden mit verbrannt. Es ist dann die gemeine Sage gegangen, daß von -der Zeit an kein Kürschner mehr zum Ratstand gezogen worden sei. - - -776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde. - -(Mündlich.) - -Dresden war einmal von der Pest heimgesucht, so daß alle Umwohnenden -die Stadt mieden und die Märkte unbesucht blieben. Eine Ausnahme davon -aber machten, wie erzählt wird, die Schachtelmacher von Seiffen und die -Töpfer von Dippoldiswalde. Dieselben besuchten auch während der Zeit, -da die Krankheit viele Einwohner hinwegraffte, die Märkte der Stadt -und boten ihre Waren feil. Daher erhielten insbesondere die Töpfer von -Dippoldiswalde das Recht, auch fernerhin frei und ungehindert diese -Märkte besuchen zu dürfen. Später wurde ihnen solches Privilegium von -den Kurfürsten wiederholt und unter anderem auch von August dem Starken -bestätigt, jedoch mit dem Zusatze, daß jeder Meister nur einen Korb -Waren mitbringen und nur »einen Sonnenschein lang« (d. h. nur einen Tag -lang) verkaufen dürfe. - - -777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat. - -(Mitgeteilt vom Lehrer Krauß aus Schneeberg.) - -Das Dorf Griesbach bei Schneeberg hat wohl eine kleine Kirche, aber -keinen eigenen Pfarrer; das Pfarramt zu Griesbach ist nämlich dem -Diakonus von Schneeberg übertragen. Vom Volke wird nun erzählt, daß -einst auch genanntes Dorf seinen eigenen Pfarrer gehabt habe. Der -letzte derselben soll eines Tages mit mehreren Gliedern seiner Gemeinde -nach dem nahen Lindenau gegangen sein und dort sich in dem Biere etwas -gütlich gethan haben. Auf dem Heimwege entstand ein Streit, der immer -hitziger wurde und damit endete, daß der allein als Partei auf einer -Seite stehende Pfarrer erschlagen wurde. Dies geschah in dem Walde -zwischen Griesbach und Lindenau. Der Körper des Erschlagenen aber wurde -in dem Walde verborgen und noch heute soll sich die Gestalt dieses -Pfarrers zu manchen Zeiten daselbst sehen lassen. Die Griesbacher -Gemeinde hat aber seitdem keinen eigenen Pfarrer mehr erhalten. - - Nach der Kirchengalerie von Sachsen (8. B. S. 132.) ist die - Griesbacher Kirche, ehe das dortige Pfarramt von Schneeberg aus - verwaltet wurde, stets ein Filial von Neustädtel gewesen; sie hatte - also niemals einen eigenen Pfarrer. Zu Beschützern hatte sie St. - Georg und St. Martin. Am Tage des heilg. Georg stand die Bildsäule - desselben zu Pferde vor der Kirchthüre und bei derselben wurden - Almosen für Arme gesammelt. Am St. Märtens-Tage aber saß der heil. - Martin hoch zu Roß vor dem Kirchthore, und die leichtgläubigen - Bauernweiber brachten ihm, als einem besonderen Schutzpatrone des - Viehes, ansehnliche Opfer an Geld und andern Dingen. (Kirchengalerie - a. a. O.) Der heilige Martin trat bei der Gründung von Martinskirchen - durch die deutschen Heidenapostel als Schimmelreiter an die Stelle - Wuotans. - - -778. Wie das Schnorrsche Chor in der St. Wolfgangs-Kirche zu Schneeberg -eine Thür von außen erhielt. - -(Kirchengalerie Sachsens, 8. B. S. 165.) - -Nahe an der äußern Thüre zur Sakristei der Schneeberger St. -Wolfgangskirche führt auch eine schwarze eiserne Thüre nach dem Chor -der Schnorrschen Familie. Durch diese Thüre sind früher oft Diebe in -die Kirche eingebrochen, und so oft dies geschah, wurde die Thüre -fester und fester gemacht; jetzt hält man sie für unüberwindlich. - -Über ihre Entstehung wird folgendes erzählt: - -Der reiche Veit Schnorr von Carlsfeld, welcher um das Ende des -vorigen Jahrhunderts in Schneeberg lebte, wollte nicht gern durch die -ganze Kirche wandern und dann im Angesichte aller Kirchleute die -damals nur von innen auf sein Chor führende Thüre aufschließen. Aber -obschon er oft um die Erlaubnis bat, eine Thür von außen auf seine -Kosten durchbrechen zu lassen, wurde ihm dies von dem Rate doch nicht -gestattet. Da wurde er endlich still und man hielt die Angelegenheit -für erledigt. Unter dem Vorwande, die Herren vom Rate, welche ihm -wegen seiner dringlichen Gesuche doch am Ende etwas böse gesinnt sein -könnten, wieder mit sich auszusöhnen, lud er sie alle zu sich nach -Carlsfeld zu einem dreitägigen Feste ein. Wer geladen war und kommen -konnte, fand sich ein. Man aß und trank nach Herzenslust und voller -Dank gegen den gastfreien Schnorr zog man endlich ab. Wer ihm irgend -einen Dienst für die Zukunft anbieten konnte, that dies; alles, wenn -es sonst nur ginge, sollte für ihn geschehen, nur freilich mit dem -Eingange, das wisse er, ging es nicht. Schnorr entschuldigte nochmals -seine Zudringlichkeit, und versöhnten Herzens gingen sie auseinander. -Da erfuhr man es am andern Tage, der Herr Wirt habe sich während des -gegebenen Festes Maurer bestellt und diese hätten eine Thüre in drei -Tagen durchgebrochen und fertig gemacht. Was konnte man thun? Die Thüre -blieb bis auf den heutigen Tag. - - -779. Der erste Klöppel in Annaberg. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 24.) - -Als man im Jahre 1512 den Galgen vor der Stadt Annaberg aufbaute, kam -einer, namens Klingensporn, gewandert und betrachtete den Galgen und -sagte im Vorübergehen zu dem Baumeister, den die Chronik den dicken -Michel nennt, lachend: »Ei, ihr baut da eine schöne Glocke! Nun, ich -will gerne sehen, wer der erste Klöppel darin sein wird!« Nicht lange -darauf fing man einen Dieb, und wer war's? Klingensporn. Er ward zum -Strange verurteilt und hing nach wenig Tagen als der erste Klöppel in -der großen steinernen Glocke vor der Stadt. Seinen Tod aber haben die -Alten angesehen für ein göttliches Warnungszeichen, daß man über ernste -Dinge nicht mutwillig scherzen solle. - - -780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg. - -(Ziehnert a. a. O. Anhang No. 25.) - -Am 27. April 1604 brach in Annaberg eine Feuersbrunst aus, welche, vom -Sturme rasch verbreitet, die Stadt bis auf sieben Häuser verzehrte. -Nun wohnte aber am Markte in dem Hause, welches jetzt das Museum heißt, -ein Geschwisterpaar, Johann und Benigna Biener. Der Bruder krankte -seit längerer Zeit am gräßlichsten Wahnsinn, so daß er mit Ketten an -die Wand gefesselt werden mußte. Als nun der Markt bereits in vollen -Flammen stand, da suchte Benigna in Todesangst nach dem Schlüssel, -um ihrem Bruder die Ketten abzunehmen und ihn fortzuführen, aber der -Schlüssel war nicht zu finden; sie suchte die Ketten zu zerschlagen, -aber das Eisen trotzte der schwachen Mädchenhand. Schon schlug die Lohe -zu den Fenstern und der Thüre herein, die treue Benigna ließ nicht -von ihrem Bruder. Die Decke brach nieder und unter dem nachstürzenden -Schutt und Gebälke lagen die beiden Geschwister begraben. Am dritten -Tage darauf zog man ihre verschrumpften und halbverbrannten Leichen -unter den Trümmern hervor. Sie hielten sich noch fest umarmt, wie der -schreckliche Tod sie übereilt hatte. War vielleicht dem Wahnsinnigen -durch die Todesangst ein lichter Augenblick gekommen? - -Am 13. Mai wurden die beiden Leichen in der ebenfalls ausgebrannten -Annenkirche unter großem Zulauf beerdigt. Ihr gemeinsames Grab zeigt -man noch jetzt. - - -781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz. - -(Richter, Chron. v. Chemnitz I., 1767, S. 169.) - -Der Ort, wo die Kirche zu St. Jacob in Chemnitz stehet, soll ehedem -sehr sumpfig und morastig gewesen sein, daher die Kirche auf der einen -Seite, gleichwie auch der Turm, auf eingerammelten Pfählen steht. Der -Baumeister, welcher zuerst diese Kirche erbaut, soll, nachdem er mit -dem ganzen Bau fertig gewesen, sich von oben herabgestürzt und also den -Bau mit seinem Blute versiegelt haben. - -Auch wird erzählt, daß der Kaiser Otto I., unter welchem die -anfängliche, viel kleinere Kirche erbaut wurde, den ersten Grundstein, -nebst einer Münze mit dem Bildnisse St. Jacobs darunter, legte. Er -schenkte auch der Kirche das Bildnis der heiligen Maria; dasselbe soll -viel Zeichen und Wunder gethan haben, weshalb nicht weniger Zulauf -von Wallfahrern dahin gewesen, als nach Aachen oder St. Compostell in -Spanien. - - -782. Die Zipperleinkur in Annaberg. - -(Ziehnert a. a. O. Anhang. No. 27.) - -Schriftlich und mündlich hat sich folgende seltsame Geschichte in -Annaberg erhalten. Im Jahre 1572 nämlich ließ ein Ratsherr, welcher -schon seit vielen Jahren mit dem heftigsten Zipperlein beladen war, -sein Haus pflastern und stand dabei und sahe zu. Der Pflasterer war -gerade bemüht, das Pflaster mit dem Rammel eben und fest zu schlagen. -Im Gespräche aber mit dem Ratsherrn hatte er auf seinen Rammel nicht -wohl acht und traf damit heftig den Fuß des Ratsherrn. Dieser schrie -zwar laut vor Schmerz, ward aber bald gar froh darüber, denn das -Zipperlein war aus seinem Fuße verschwunden und ist auch bis an seinen -Tod nicht wiedergekehrt. - -In Zwickau ward auch einem vom Zipperlein geholfen dadurch, daß ein -geladenes Gewehr, welches der Kranke auf dem Schoße liegen hatte, -unversehens los ging. - - -783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein. - -(Mündlich, z. T. Einige Nachrichten zur Elterleiner Geschichte vom -Pfarrer Christoph Schreiter. Manuskr.) - -Auf dem Pfarrhof zu Elterlein zeigt man eine Stelle, welche nach jedem -Regen rot wird. Hier soll im Jahre 1518 der Bergmeister Hans Hünerkopf -den frevelnden und grobscherzenden Kaplan Moritz von Annaberg erstochen -haben, »weil er seiner Henne (d. h. des Bergmeisters Frau) nachgegangen -war.« - - Die oben genannte Thatsache findet sich auch in Meyers Geschichte des - Annen-Tempels zu Annaberg, S. 128 und bei Chr. Friedr. Haupt, die - gelehrten Elterleiner, 1739. - - Die Hünerkopfe werden »uralt adelige Bergherren« genannt, welche »ein - ihrem Namen gleiches Wappen« führten. Nach der Familie soll noch ein - Feld bei Elterlein seinen Namen haben. In der Elterleiner Kirche - aber fand man eine Messingtafel mit dem Hünerkopfschen Wappen und - folgender Inschrift: »~Anno~ 1533 ist verschieden der Erbare Hans - Hünerkopf von Adorf, allhier begraben, dem Gott gnädig sey.« Dieser - Hans Hünerkopf war bereit um das Jahr 1516 der Herren von Schönburg - geschworener Bergmeister an dem damaligen Bergamte Elterlein. - - Der nach jedem Regen sichtbare braunrote Fleck auf dem Pfarrhofe zu - Elterlein rührt von einer zur Familie der ~Chroococcaceen~ gehörige - Alge her. - - -784. Die Bäuerin in Frohnau. - -(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 28.) - -In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, als das Berggebäude -»himmlisches Heer« bei Kunnersdorf noch 1400 Flgr. vierteljährliche -Ausbeute für den Kux gab, baute auch eine Bäuerin in Frohnau als -Gewerkin an jenem Gebäude mit und ward dadurch in kurzer Zeit sehr -reich, wußte aber nicht im Glücke mäßig zu sein und trieb allerlei -Unfug der Verschwendung. So z. B. badete sie sich täglich in dem -teuersten Weine, den sie aufzutreiben wußte, und um nun denselben nicht -umkommen zu lassen, so gab sie ihn, mit Semmelbrocken vermischt, den -Armen als Kaltschale zu trinken. Diese wußten nicht, was die Bäuerin -erst mit dem Weine gemacht hatte, aßen mit vieler Lust und dankten -der reichen Geberin viel tausend Mal für die köstliche Erquickung. -Aber als sie die Badegeschichte erfuhren, da ekelte sie und warfen der -übermütigen Bäuerin die Fenster ein und sangen Spottlieder auf sie, -so daß sie sich nicht mehr öffentlich sehen lassen durfte. Übrigens -muß sie auch noch andere recht unziemliche Dinge verübt haben, denn -der Klerus war darüber so erzürnt, daß er Gott öffentlich bat, den -Bergsegen zu vermindern. - -Ein Andenken an diese Bäuerin ist das Berggebäude »die Bäuerin« am -Schottenberge, welches sie aufgenommen haben soll. - - -785. Die beiden Brüder zu Frohnau. - -(Hering, Gesch. d. Sächs. Hochlandes. 1828. II. S. 42.) - -Im Dorfe Frohnau bei Annaberg befanden sich im Jahre 1544 zwei Brüder, -die zusammen ein Gut hatten, eines Sonntags im Wirtshause und hatten -etwas zu viel getrunken. Nur um sie zu necken, raunt ihnen einer zu, -es habe sich ein Dieb in ihr Feld geschlichen und raube dort die -Früchte. Sie springen hastig auf, ergreifen ihre Schwerter und nahmen -die Abrede, daß der eine von dieser, der andere von jener Seite das -Feld durchsuchen solle, damit der Dieb nicht entwische. So schleichen -sie denn heran und als einer den andern im Dunkel erblickt, stürzen sie -in der Meinung, daß es der Dieb sei, auf einander los und einer erhält -eine tödliche Wunde. Bei seinem Hülfsgeschrei erkennt ihn der Sieger -als seinen Bruder, man eilt herbei und als der schwer Getroffene noch -in derselben Nacht an seinen Wunden stirbt, ergreift der unglückliche -Brudermörder die Flucht, und erhielt nur unter der Bedingung Verzeihung -von dem Herzoge Moritz, daß er seinen Anteil an dem Gute an die Frau -und Kinder des Erschlagenen abtrat. Der Fleck aber, wo jener Mord -geschah, wird noch jetzt gezeigt. - - -786. Das Mönchskalb zu Freiberg. - -(Moller, ~Theatr. Freibg.~ I. S. 213. II. S. 179. Gräße, Sagenschatz d. -K. Sachsen, No. 279.) - -Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe in einer -geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte, das -sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb hat einen runden -ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte wie ein Pfaffe, -samt zwei großen Warzen wie kleine Hörner; mit dem Untermaule ist es -einem Menschen, mit dem obern und der Nase einem Kalbe gleich, sonst -aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat die Zunge lang aus dem Munde -herausgestreckt; die Haut am Halse und Rücken herunter hat wie eine -gewundene Mönchskutte ausgesehen, an den Seiten aber vorn und an den -Beinen ist es voller Ritze und Schnitte gewesen, als wenn die Kutte -zerhauen oder zerschnitten wäre. Solches Ungeheuer ist von ~Dr.~ M. -Luther in seinen Schriften, wo es auch abgebildet wird, neben der -Beschreibung des Papstesels, den man 1496 zu Rom gefangen, gedeutet -worden, Melanchthon aber meinte, daß durch dieses Kalb die Verderbnis -der lutherischen Lehre in fleischliche und verderbliche Meinungen, wie -sie zu selbiger Zeit im Schwunge gewesen, angezeigt worden, inmaßen -auch bald hierauf ein Schwein zu Halle in den Osterfeiertagen ein -Ferklein geworfen, welches einem Pfaffen in Gestalt des damaligen -Habits ganz ähnlich gesehen. Es hat aber gedachtes Mönchskalb die -Autorität der Geistlichen, so dem Papste zugethan gewesen, sehr -verringert, also daß auch die Bergleute ein besonderes schimpfliches -Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen und Pfaffen zu Spott und -Hohn lange Zeit allhier gesungen mit Bezug darauf, daß der Fleischer -mit Vorbedacht und Willen das Fleisch von der Kuh, in welcher man das -besagte Mönchskalb gefunden, niemandem als den Canonicis, Mönchen und -andern Geistlichen gelassen und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben. - - -787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab. - -(Mitgeteilt von H. Weißflog aus Raschau.) - -An der Waldstraße, welche von Mitweida nach Gottesgab führt, stand -hart an der sächsischen Grenze eine starke Tanne; man sagt, daß sieben -Mann dieselbe kaum hätten umspannen können. Jetzt sieht man von -derselben nur einen Stumpf, da der morsche Baum abgebrannt und dadurch -vernichtet worden ist. Diese Tanne hieß die »Abschiedstanne«, und -man erzählt, daß einst an ihr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen -und der Schwedenkönig Gustav Adolf von einander Abschied genommen -hätten. Ebenso knüpfte sich an den Baum folgende Sage: Ein Graf von -Schwarzenberg kehrte unverhofft von einer Fehde zurück und traf in -seinem Schlosse bei seiner Gemahlin einen für treu gehaltenen Freund -als Buhlen an. Darüber ergrimmte er dermaßen, daß er beide binden -ließ und mit sich tief in den Forst führte. Hier gebot er ihnen, von -einander und von dem Leben Abschied zu nehmen; nachdem sie dies gethan -hatten, fielen sie von seiner Hand. Dies aber soll an jener Tanne -geschehen sein, welche davon den Namen Abschiedstanne erhielt. - - -788. Die Fichte auf dem Gottesacker in Annaberg. - -(Nach G. Andrä, Chron. Nachr. von Annaberg. 1837. S. 67. Bei Gräße, -Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 504.) - -Zu Frohnau bei Annaberg lebte einst ein ganz armer Mann, namens Georgi, -der in den kümmerlichsten Umständen starb. Da nun sein einziger Sohn -wegen seiner Armut die Begräbniskosten für denselben nicht aufbringen -konnte, man also deshalb mit der Beerdigung anstand nahm, steckte -er seinen Vater in einen Leinwandsack, legte denselben auf einen -Schubkarren und beerdigte ihn auf dem hintern oder neuen Gottesacker -in Annaberg mit den Worten: »Komm, alter Vater, komm! laß dich von mir -begraben, dieweil die Menschen dich nicht hier begraben wollen.« Kurze -Zeit nachher soll nun aus dessen Grab eine Fichte hervorgewachsen sein, -die man heute noch sehen kann, und eine im Beinhaus ausgehängte Tafel -vom Jahre 1737 deutet noch jetzt auf diese Begebenheit hin. - - -789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau. - -(Alb. Schiffner im Archiv für sächs. Gesch., 2. B. S. 169.) - -Nächst dem Glauchauer Schlosse stehen an einem sehr anmutigen -Spazierwege im sogenannten Gründel drei Eichen nahe beisammen. Diese -sollen, wie erzählt wird, ein Gesamteigentum des Hauses Schönburg in -der Maße bilden, daß ohne Einwilligung aller majorennen Glieder des -Hauses keine derselben geschlagen werden darf. - - -790. Woher der Name Preißelbeere stammt. - -(Lindner, Wanderungen durch die interess. Gegenden des sächs. -Erzgebirgs. I. Heft. Annaberg, 1844. S. 43.) - -Ober- und Unterjugel bei Johanngeorgenstadt sind älter als genannte -Stadt, welche 1654 gegründet wurde; denn schon 1571 erhielt Sebastian -Preisler die Konzession zur Erbauung einer Glashütte und 8 Häusern; -ebenso hatte Gabriel Löbel die Vergünstigung zur Anlegung eines -Blaufarbenwerks erhalten. Dies waren die Anfänge von Ober- und -Unterjugel. Im Volke aber hat sich die Sage erhalten, daß die jetzt -allgemein bekannten Preißelbeeren ihren Namen von jenem Preisler -empfingen, weil dieser sie erst in den Handel gebracht und genießbar zu -machen gelehrt habe. - - Der Name »Preißelbeere« führt uns auf die Wurzelbrossen, mhd. - ~brozzen~, d. h. brechen, hervorbrechen, hervorsprießen. Er würde - also mit »sprießende Beere« oder »Sprießeln«, welche letztere - Bezeichnung in der That für das Kraut gebraucht wird, zu deuten sein. - Die Pflanze macht in den Waldungen, deren Boden sie mit frischem Grün - bedeckt, den Eindruck des sprießenden. - - (Graßmann, deutsche Pflanzennamen, S. 152.) - - -791. Was der Name Wismut bedeutet. - -(Engelschall, Beschr. v. Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. -1723. S. 188.) - -Es halten etliche dafür, weil Wismut seine Blüte und mancherlei Farben -hat, und siehet weiß, braun, rot, gesprenglich durcheinander aus, so -habens die alten Bergleute Wismut genannt, das blühe wie eine schöne -Wiese, darauf allerlei farbige Blumen stehen. Albinus schreibt in -seiner meißnischen Bergchronik, daß die Bergleute der Meinung seien, -Silber bilde sich aus Wismut, wie man bei Halden gefunden, auf die man -Wismut gestürzt und in denen man dann nach Jahren Silber gefunden habe. -Sie nennen es auch des Silbererzes Mutter oder des Silbers Dach, da -dasselbe öfters darunter liegt. Auch sprechen die Bergleute, sie kommen -zu frühe, wenn sie Wismut finden, und bekennen, wenn diese Bergart -länger im Bergfeuer gestanden hätte, so wäre gut Silber daraus geworden. - - Der Name Wismut soll jedoch nach Koch aus dem Arabischen: ~wiss - majaht~, d. h. die Leichtigkeit des Storax oder was so leicht wie - Storax schmilzt, abstammen. (Leunis, Synopsis d. Min. und Geogn., - bearbeitet von Senft, I. S. 294.) - - -792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt. - -(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt -Schneebergk. 1684. S. 163.) - -Andreas Funk, welcher 30 Jahre auf dem Schneeberge das Münzmeisteramt -bedienet, hat auf kurfürstlichen Befehl der Armut zu gute die ersten -schneebergischen Groschen gemünzet. Denn weil man zuvor lauter -Güldengroschen (d. i. Thaler) und »Oerter« gepräget, so ist ein solcher -Lärm unter dem Volke gewesen, daß, wenn der Schichtmeister gelohnet, -man lieber 22 Groschen kleine Münze für einen Thaler, als einen ganzen -Güldengroschen genommen hat. Dabei ist noch zu gedenken, daß, weil der -gemeine Mann solche Schneeberger Groschen nicht recht ausgesprochen, -sondern nur Schneeber oder Schnieber genannt hat, von einigen Leuten, -sonderlich um Zwickau, der Groschen ein Schnieber genannt wurde. - - -793. Redensarten. - - -~a.~ Zwickau gehörte zum Vogtlande. - -(Herzog, Chronik von Zwickau. I. 1839, S. 69.) - -Es wird behauptet, daß Zwickau oder doch ein Teil seines Weichbildes -ehedem zum Vogtlande gehört habe. Man hat nämlich ein altes Sprichwort: -»Daß die Zwickauer im Meißnerlande sterben und im Vogtlande begraben -werden,« und noch heutzutage hört man die Redensart: »Er wird ins -Vogtland getragen,« d. i. er wird begraben. - - Obschon Zwickau nahe an der Grenze des Vogtlandes lag, so hat es doch - nie zu diesem selbst gehört. Es stand zwar als Reichsstadt ehedem - unter den Reichsrichtern des Pleißnerlandes zu Altenburg, welche fast - immer aus dem Geschlechte der Vögte genommen wurden, und später als - markgräflich meißnische Stadt hatte Zwickau seine eigenen Untervögte, - welche im Namen der Landesherren die Gerichtsbarkeit ausübten. Dies - währte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Rat die Gerichte - über die Stadt erlangte. - - -~b.~ Der Kas is och dornoch. - -(Mündlich.) - -»Der Käse ist auch darnach,« d. h. der Gegenstand ist das Geld wert. -Dies ist eine Redensart in Eibenstock, welche sich von folgender -Begebenheit herschreibt: Der Besitzer des früheren Hammerwerkes -Wolfsgrün, das nach Eibenstock eingepfarrt ist, schickte, wenn er mit -den Seinigen bei dem dortigen Pfarrer zu kommunizieren gedachte, -diesem durch einen seiner Arbeiter mit der Meldung zugleich auch einen -Dukaten. Das war Herkommen. Herkommen war aber auch, daß der Arbeiter -im Pfarrhause Bier, Brot, Butter und einen Käse vorgesetzt erhielt. -Eines Tages, als der Bote seine Herrschaft wieder zur Kommunion -anmeldete und den Dukaten abgeliefert hatte, war die Frau Pfarrerin -nicht zu Hause. Der Pfarrer war in Verlegenheit; Bier, Brot und Butter -konnte er schaffen, aber keinen Käse. Doch da besann er sich, daß er -einen damals noch seltenen und teueren Limburger Käse hatte. Diesen -holte er und setzte ihn dem Arbeiter vor. Der Arbeiter aß zum Schrecken -des Pfarrers mehr davon, als er erwartet hatte, weshalb letzterer ihn -fragte, ob ihm der Käse schmecke. Auf die Bejahung sah sich der Pfarrer -zu der Bemerkung veranlaßt, daß der Käse auch teuer sei. Darauf folgte -die trockene Entgegnung: »Der Kas ist och dornoch.« Der Arbeiter aß -weiter. Endlich sprach der Pfarrer: »Ja, mein Lieber, ich muß nur noch -bemerken, daß diese Art von Käse auch schädlich werden kann, wenn man -zuviel davon ißt.« »Wenn das ist,« sprach der Bote, indem er das übrige -Stück Käse einpackte, »da muß ich das Übrige meiner Frau mit nach Hause -nehmen.« - -Die Geschichte wurde ruchbar. Der Pfarrer ist jedenfalls sehr -ausgelacht worden, und es hat sich bis zur Stunde die oben angeführte -Redensart in Eibenstock erhalten. - - -~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß -nicht wie? - -Eine sprichwörtliche Redensart in der Schwarzenberger Gegend lautet: -»=Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß -nicht wie?=« Diese Redensart bezieht sich darauf, daß nicht mehr -arbeitsfähige Hammerschmiede bettelnd von einem Hammerwerke zum andern -zogen und daß deshalb selten einer in der Heimat starb. (Merkels -Erdbeschreibung von Kursachsen. I. 1804, S. 161.) - - -~d.~ Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die -schwedischen Truppen. - -»=Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die -schwedischen Truppen=,« sagte ein schwedischer Quartiermeister, -der 1712 im Hammerwerke Erla den großen Stabhammer im Niederfallen -aufhalten wollte, dafür aber mit gelähmter Hand bezahlt ward. Der -Quartiermeister hieß Schulze und stand beim Kavallerieregiment des -Obersten Rosenstern. Die erzählte Begebenheit soll sich übrigens am -27. Juni 1707 zugetragen haben und die angeführten Worte wurden beim -Rückmarsche der Schweden auf der Schiffbrücke zu Pirna gesprochen. -(Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., S. 103.) - - -~e.~ Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine. - -Von den Venetianern geht eine Rede, daß sie gesagt haben: In Meißen -(dem meißnischen Erzgebirge) und dem Vogtlande wirft man einen Stein -nach der Kuh, da doch der Stein mehr als die Kuh selber wert ist. -(Meltzer, Beschreibung der Bergstadt Schneeberg, 1684. S. 54.) - - -~f.~ Fägel schweiget seine Gäste. - -Ein Fleischer zu Schneeberg, mit Namen Fägel, welcher auf der -Badergasse wohnte, hatte seinen beiden Gästen, die in Streit geraten -waren, Frieden geboten und deswegen auch zu dem Richter geschickt. -Weil dieser sich aber etwas verzogen hatte und die Gäste sich nicht -steuren lassen wollten, hat er sie beide erstochen, darauf die Flucht -genommen und dem Richter Hans Kempfen, der ihm begegnet, auf Befragen -geantwortet: »Ei, Herr Richter, es ist unnötig, daß Ihr Euch bemühet -und hinunter gehet, ich habe sie allbereit gestillet, sie haben sich -wohl müssen bedeuten lassen.« Daher ist, als der Richter hinunter -gegangen und die jämmerliche That befunden, Fägel aber unterdeß des -Landes entlaufen war, von ihm das Sprichwort entstanden: »Er hat sie -geschweiget oder gestillet, wie Fägel seine Gäste.« (Meltzer, a. a. O., -S. 1099.) - - -~g.~ »Toffel, das gilt dir auch mit.« - -Diese sprichwörtliche Rede, welche lange in Schneeberg im Gange war, -ist durch ein Wort des Pastors Christoph Schindler entstanden. Derselbe -gebrauchte es, wenn er Amtes halber etwas strafte und dabei sich selbst -nicht heuchelte, falls er diesen Fehler an sich selbst gefunden hatte. -Man wandte die Worte in der Folge an, wenn man sich selbst eines -Fehlers schuldig fand. (Meltzer, a. a. O., S. 1100.) - - -~h.~ »Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.« - -Dies pflegt von einem ausgelassenen Menschen gesagt zu werden. Die -Redensart kann davon herkommen: Eine uralte Art der Beschimpfung ist -es gewesen, wenn Diebe, die Feld- und Gartenfrüchte gestohlen, in das -sogenannte Narrenhäusel gesteckt worden sind, wie solche sonderlich in -den teuren Jahren 1771 und 1772 fast in allen gebirgischen Städten sind -errichtet worden. Ein solches Haus stand noch im letzten Viertel des -vorigen Jahrhunderts auf dem Markte zu Lößnitz; es sah wie ein Käfig -aus und konnte herumgedreht werden. Personen, die da hineingesteckt -wurden, hatten von den Gassenkindern, welche das Haus bald gedreht, -bald mit Steinen und Kot den Gefangenen geworfen, allerlei Schmach zu -erleiden. (Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im -Erzgebirge, insonderheit der Hochgräflich Schönburg. freyen Bergstadt -Lößnitz etc. 1776, S. 11.) - - Auch in Leipzig gab es zwei solche Narrenhäuschen, das eine war bei - den sogenannten Brotbänken am Naschmarkte und das andere an der - Thomaskirche. Das erstere diente für Skandalmacher, Verläumder und - losmäulige Frauen, während letzteres unter geistlicher Jurisdiktion - stand und für diejenigen bestimmt war, welche als Flucher und - Gotteslästerer bezichtigt waren. In Oschatz ist noch jetzt (?) im - Winkel nächst den Stufen, die durch den vom Ratsarchive gebildeten - Schwibbogen vom Markte zum Stadtkirchhofe führen, das von Eisengitter - nach Art eines Käfigs gebildete Narrenhäuschen vorhanden. (Schäfer, - Deutsche Städtewahrzeichen, 1. B., S. 54.) - - -~i.~ Die Schlimmen von Öderan. - -(Staberoh, Chronik von Öderan. 1847, S. 197--201.) - -Im Jahre 1645 begann zwischen Öderan und dem Ritter Nikolaus von -Schönberg auf Börnichen der Streit wegen des Hirtenfeldes. Letzterer -verlangte das Grundstück, welches bereits seit Jahren von der Stadt -bebaut worden war, zurück, unter dem Vorgeben, daß es zu den Fluren von -Börnichen gehöre. In das Dunkel über diese Angelegenheit war kein Licht -zu bringen, da die Urkunden in dem Kriege verbrannt, die alten Leute -aber, welche Auskunft hätten geben können, an der Pest gestorben oder -geflüchtet waren. Nachdem der Prozeß beinahe 4 Jahre geschwebt hatte, -ging der Schafmeister vom Rittergute Börnichen, Caspar Witte, nach -Böhmen, um für seinen Herrn 100 Stück Schafe zu kaufen, welche damals -zu Tausenden für das ruinierte Böhmen aus Ungarn herauskamen. Der -Schafmeister kam mit seinen Schöpsen glücklich bis auf die Eppendorfer -Fluren, wo ihn eine Abteilung schwedischer Reiter anhielt und um 10 -Schafe gegen Bezahlung bat. Doch der Schafmeister, rauh und trotzig -wie sein Herr, und wohl wissend, daß die Schweden den Waffenstillstand -achten mußten, verweigerte sie ihnen und trieb weiter. Allein die -Schweden nahmen ihm nun die ganze Herde, schlugen ihn überdies und -trieben die Schafe nach Öderan hinein, wo sie 50 Stück verkauften. Der -geschlagene Schafmeister kam nun mit seinem Anhange nach der Stadt und -verlangte seine Schafe zurück. Da er sie nicht erhielt, so brach er -wenige Tage darauf des Nachts in Öderan ein und stahl die letzten noch -übrig gebliebenen 20 Stück. Er wurde aber noch auf Öderaner Gebiet -ertappt und nun als Schafdieb in Öderan gefangen gesetzt. Es war jetzt -für ihn wenig Gnade zu hoffen, da der Kurfürst, ergrimmt über die -überhand genommenen Räubereien, befohlen hatte, jeden Diebstahl mit -dem Strange zu bestrafen. Der Prozeß wegen des streitigen Hirtenfeldes -wurde unterdeß fortgeführt, bis gegen 1650 das Endurteil kam, welches -lautete, »daß diejenige der streitenden Parteien das fragliche -Hirtenfeld bei Öderan auf ewige Zeiten in Besitz haben sollte, welche -zuerst ein Galgengericht darauf erbauen und solches auch zugleich mit -einem Verbrecher bestätigen würde.« In einer und derselben Stunde wurde -dieser Spruch in Öderan und Börnichen bekannt gemacht. Der Ritter von -Schönberg sandte sogleich nach Meißen, einen Verbrecher dort abzuholen, -wo solche Räuber und Mörder, die der Krieg erzeugt hatte, zu Dutzenden -gefangen saßen und für Geld zu haben waren. Zugleich wurde ein Galgen -zusammengezimmert und des Abends der Hof verschlossen, um ersteren am -Morgen an Ort und Stelle aufzubauen. - -In Öderan dagegen gab es weder Holz noch Zimmermann, ja kaum Axt -und Säge. Teurung und Pest hatten die Bewohner bis auf 18 Bürger -vermindert, welche an selbigem Tage eben erst aus dem Niederlande -mit einigen Säcken Korn zur Aussaat sowie zur Speise heimgekehrt -waren, denn die Not war in diesem Jahre noch schrecklich. Man lief -ratlos zu einander und beriet, wo ein Galgengerüst herzunehmen sei, -um das Feld zu behaupten. Am frühen Morgen des zweiten Tages, als -eben der Ritter von Schönberg seinen Galgen nach dem Hirtenfelde -abfahren lassen wollte, sah er mit Entsetzen durchs Fenster auf diesem -Felde einen Galgen stehen und an demselben schon seinen Schafmeister -aufgehenkt, dessen Urteil der Rechtsbeistand der Öderaner, mit Namen -Matthesius, zugleich mit aus Dresden besorgt und in die Stadt gesendet -hatte. »Seht, seht die Schlimmen von Öderan!« rief da der Ritter -seinen Leuten zu, und befahl den Galgen wieder abzuladen. Daher die -Redensart: »Die Schlimmen von Öderan!« Wie aber waren die Öderaner zu -dem Galgen gekommen? Zwölf der Bürger hatten die Galgensäule auf dem -Gahlenzer Berge aus dem alten Hochgericht ausgegraben, herübergetragen, -aufgerichtet und den Schafdieb aufgehenkt. Der Ritter von Schönberg -aber schloß noch an diesem Tage mit den Öderanern Frieden. - - -~k.~ »Je, daß dich der Bär herze!« - -(~Curiosa Saxon.~ S. 47. Darnach Gräße, Sagenschatz, Nr. 494.) - -Im Jahre 1631 hat eine Jungfer nicht weit von Hundshübel das Vieh von -Waldhäusern auf die Weide getrieben, da sie sich dann hingesetzt und -nach erzgebirgischer Art, um sich die Zeit zu vertreiben, geklöppelt. -Ehe sie sich's nun versieht, kommt ein großer Bär hinter sie -geschlichen, daß sie ganz ungemein erschrickt und nicht weiß, was sie -machen soll. Der Bär thut ihr aber nichts, sondern beriecht sie und -tatschet sie mit seinen Tatzen ganz sauber an, gleich als wüßte er, was -für einen Respekt er dem Frauenzimmer schuldig sei. Da nun der zottige -Bär sich ganz höflich gegen sie aufführt und sie herzen zu wollen -Anstalt macht, entschließt sich das Mädchen kurz und läuft unter das -Vieh. Dieses drängt sich zusammen und geht auf den Bären los, bis das -Mädchen schreit und ihre Eltern nebst andern Waldleuten zu Hülfe ruft. -Da nimmt der Bär reißaus, das Sprichwort aber ist nachgehends beständig -geblieben und von jedermann, um eine Verwunderung auszudrücken, -gebraucht worden: Je, daß dich der Bär herze! - - -~l.~ Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten. - -Es ist eine gemeine Rede, daß man sagt: Wenn einer vom Himmel in ein -gut Ort Landes fallen sollte, möchte er in die meißnischen Bergstädte -sich wünschen. (Meltzer a. a. O. S. 866.) Eine Abänderung lautet: Wenn -einer vom Himmel fiele, so könne er nicht besser, als auf Marienberg -fallen. - - -~m.~ Redensarten Herzog Georgs. - -Herzog Georg pflegte von seinen Städten zu sagen: »Leipzig die beste, -Chemnitz die feste, Freiberg die größte und Annaberg die liebste.« -(Richter, Chron. d. St. Chemnitz I. S. 18.) Ebenso rührt von demselben -Fürsten der Ausspruch über drei Berge in der Nähe Schneebergs her: -»Der Gleßberg ist ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworner Berg, -sehet mir auf den Schickenberg!« (Meltzer a. a. O. S. 922.) Außer dem -angeführten Spruche von Freiberg lautet ein anderer: »Meißen wird -ertrinken, Freiberg wird versinken, Dresden wird man zusammenkehren mit -Besen.« (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. Heft, S. 281.) - - -~n.~ Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt? - -Die Einwohner von Gottesgab werden in der Umgegend nur »die Wölfe« -genannt, weil sie unter sich selbst diesen Titel als zärtliche Anrede -gebrauchen. Sie sagen z. B. »Guten Tag, Wolf!« Häufiger noch werden in -der Anrede die Bezeichnungen »Wehrwolf« oder »Wolfskind« gebraucht. -(Mündlich aus Wiesenthal.) - - ~Dr.~ E. Göpfert (Glückauf V. Nr. 8) führt auch das im Gebirge häufig - gebrauchte Kose- oder Scheltwort »Werchl« auf das althochdeutsche - ~warc~, d. i. der Wolf, zurück. - - -~o.~ Anhang: Sprichwörter, sprichwörtliche Redensarten u. Rätsel. - - 1. Erz führt wieder zu Erz. - - 2. Kies macht den Bergmann ungewiß. - - 3. Die vielerlei Herrschaften, das böhmische Bier und die - sichtlichen Zwitter verderben den Zinnwald. - - 4. Das Bergwerk will seine Zeit und Leute haben. - - 5. Zank ist des Bergwerks Untergang. - - 6. Wenig Zubuß, viel Ausbeut', - Machet fröhliche Bergleut'. (Altes schneebergisches Lemma.) - - 7. Wenn wir spüren Kies, treffen wir Erz gewiß. (Merkels Erdbeschr. - von Kursachsen. 1. B. 1804, S. 132.) - - 8. Wer Ausbeut will genießen, - Laß' sich die Zubuß' nicht verdrießen. (Daselbst.) - - 9. Bergwerk will stets ein Freies (Freiheiten) han, - Soll es anders von statten gahn. (Daselbst.) - - 10. Wenn Gott nicht geit, hilft kein Arbeit. (C. Lehmann, Chronik - d. fr. Bergstadt Schneeberg. 1. B. 1837, S. 26.) - - 11. Das Bergwerk will haben Verstand - Und eine getreue Hand. (Daselbst.) - - 12. Bergwerks Glück und Pracht - Steigt und fällt über Nacht. (Daselbst.) - - 13. Der erste Finder, der erste Muter. - - 14. Es war kein Bergwerk ja so gut, - Es führt zuvor ein eisern Hut. Oder: - Das Silber hat einen eisernen Hut. (Dieses alte Sprichwort - bezieht sich auf die Wahrnehmung, daß man stellenweise - Eisenerze aufarbeiten mußte, ehe man an die reichen Silbererze - kam. S. H. Jacobi in der wissenschaftlichen Beilage zur - Leipziger Zeitung 1886, Nr. 2.) - - 15. Edle schöne Guhren - Führen zu Erzspuren. - - 16. Kurze Gänge, kurz Erz. - - 17. Von Schlettau sagt man: »Wenn die Bauern auf dem Felde - sind, ist kein Bürger zu Hause.« Die Einwohner beschäftigen - sich nämlich neben Posamenten-, Spitzen- und Bandgewebearbeiten - viel mit Landwirtschaft. (Lindner, Wanderungen durch das sächs. - Obererzgebirge I. S. 56.) - - 18. Zschopauer Strümpfe und Kirchberger Tuch, - Wenn man's heem bringt, so hat's ä Luch (d. h. Loch.) (Mündl.) - - 19. Du bist so alt wie Buchholz. (Dies bezieht sich auf die Gründung - von Buchholz durch Bergleute aus Geyer und Ehrenfriedersdorf - vor 1496, dem Gründungsjahre von Annaberg. (M. v. Süßmilch, - Leipzg. Zeitung 1885, Nr. 101.) - - 20. Es wird in dem Lande Meißen eher an Holz und Kohlen - zum Bergwerk und Schmelzen mangeln, als an Erz und Metallen. - (Nach des Petrus Albinus Meißnischen Bergchronik (1590), worin - bemerkt wird, daß der bekannte Joachimsthaler Pfarrer Matthesius - diese Worte von gelehrten und weisen Leuten gehört habe. Als - altes bergmännisches Sprichwort auch in Merkels Erdbeschr. von - Kursachsen I. S. 140 angeführt.) - - 21. Man sagt, in Freiberg seien »Himmel, Hölle und Teufelskapelle« - beisammen, d. h. die Nicolaikirche, die Schankwirtschaft zur - Hölle und das Theater, sämtlich am Buttermarkt gelegen. - (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. H. S. 280.) - - 22. Wenn im Erzgebirge recht bedeutender Schneefall eintritt, so - sagt man: »Es schneit Brot!« Man will damit aussprechen, daß - dann die armen Leute durch Schneeausschaufeln auf den - fiskalischen und kommunlichen Straßen Verdienst erhalten. - - 23. Warum werden in Dönschten (ein Dorf bei Altenberg) die - Eierkuchen nur auf einer Seite gebacken? Antw.: Weil nur auf - einer Seite Häuser stehen. (Fr. Polle, Führer durch das - Weißeritzthal. 1883. S. 73.) - - 24. Zwischen Gey'r un Thum - Do liegt e gàle Blum'; - Un wàr die gàle Blum will hohm, - Dàr muß Gey'r un Thum zerschlong. - - (Alfr. Müller, Volkslieder aus dem Erzgebirge, S. 189.) - - 25. Das Rätsel von der Mulde. - - Der Joachimsthaler Pfarrer Matthesius, Luthers Freund und - Tischgenosse, machte aus dem Worte ~M V L D~ folgendes Rätsel: - - »Rat' was ist das? drei Wasser-Strom[5] - Die ha'n Ein' Syllb', Ein'n deutschen Nam', - Ein's theuern Doctors[6] Namen zwar, - Ein's frommen Weibes Sterbejahr.[7] - Allen in vier Buchstaben steht: - »Gnad dir Gott« sprech', wer hiefür geht!« - - (Gräße, Sagenschatz etc., No. 308.) - - [5] Die Zschopau, Freiberger und Zwickauer Mulde. - - [6] ~D. M. L.~ Doctor Martin Luther. - - [7] ~M. D. L. V.~ (1555) starb die Witwe Kurfürsts Moritz. - - -794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem -jetzigen Platze erbaut wurde. - -(Nach einer Mitteilung des Pfarrers Friedlein in Oberwiesenthal.) - -Von jeher hatten das Städtchen Böhmisch-Wiesenthal und das Dorf -Stolzenhan gemeinschaftlich eine Kirche, welche früher an der Stelle -stand, wo sich jetzt der Gottesacker beider Orte befindet. Als die -Kirche sehr baufällig geworden war, wollte man eine neue bauen, -jedoch konnte man sich nicht darüber einigen, wohin dieselbe gebaut -werden sollte. Die Stolzenhaner wollten sie nach Stolzenhan und die -Wiesenthaler nach Wiesenthal haben. Endlich kam man überein, die -Kirche auf dem Grund und Boden derjenigen Gemeinde zu erbauen, wohin -der Turmknopf, dessen Niedersturz man baldigst erwarten konnte, fallen -würde. Der Knopf fiel auch endlich, und zwar auf Stolzenhaner Gebiet. -Ein Einwohner von Wiesenthal aber, welcher zufällig auf seinem Acker -in der Nähe arbeitete, zog die Turmspitze mit dem Knopfe eiligst -hinüber auf die Wiesenthaler Seite. Somit wurde die neue Kirche in -Böhmisch-Wiesenthal und nicht in Stolzenhan gebaut. - - -795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner. - -(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.) - -Die Hauptmannsgrüner wollten einmal eine Wiese nach einem andern -Platze ziehen und schlugen einen Pfahl ein, daran befestigten sie ein -Ortscheit und spannten Ochsen vor. Als nun der Wind die Schmielen -bewegte, hielten sie dafür, daß die Wiese fortrücke. Und als die Ochsen -noch mehr angetrieben wurden, rissen die Stränge und die Ochsen liefen -bis nach Stenn. In Stenn ist das Ortscheit liegen geblieben und es soll -noch heut dort liegen. - -Ein andermal konnten die Hauptmannsgrüner das Zapfenloch eines Teiches, -dessen Wasser abgelassen werden sollte, nicht auffinden. Da sagte der -Richter: »Nun müssen wir'n aussaufen.« Er legte sich zuerst hin und -nach ihm die Bauern, und sie fingen an zu trinken. - - -796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten. - -(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.) - -Von den Ebelsbrunnern wird erzählt, daß sie einst den aufgegangenen -Mond dicht am Berge stehen sahen; da holten sie Stangen, um ihn -herunter zu schlagen, und es entstand in Folge dessen das Spottlied: - - »In Abelsbrunn - Sein se hameldumm, - Nehm' se lange Stang', - Woll'n den Manden fang'!« - - Th. Schäfer, (Sächs. Volksfreund 1880, 1. Dez.) erzählt auch von - den Eibenstockern, daß sie einst auf den Auersberg gezogen seien, - um den Vollmond mit einer Stange herunter zu holen. Eine ähnliche - Sage findet man im Fichtelgebirge. Auch den Zellern wurde von den - Münchbergern nachgesagt, daß sie mittels langer Stangen den Mond vom - Himmel »herunter zu stieren« suchten. Dabei weist Zapf (Sagenkreis - des Fichtelgebirges, S. 185) darauf hin, daß zu dieser Sage uralte - Vorbilder vorliegen, indem schon der griechische Arzt Hippokrates - (geb. 460 v. Chr.) von Menschen spricht, welche durch magische Künste - und Opfer den Mond herabziehen. Die Medea wurde in dieser Kunst - von der Göttin Hekate unterrichtet, und ebenso waren ihrer auch - insbesondere die Thessalerinnen mächtig. - - -797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg. - -(Rankewitz, Kurze Beschreibung des Schlosses Augustusburg. 1836. S. 5.) - -Einige sagen, daß das Schloß Augustusburg so viele Fenster gehabt habe, -als das Jahr Tage, so viel Feueressen, als es Wochen, und so viel -Wetterfahnen, als es Monate enthält. - -(In ähnlicher Weise sagt man auch von dem Schlosse Rothenhaus i. B., -daß es gerade so viel Fenster habe, als Tage im Jahre.) - - -798. Sprüche von der Stadt Freiberg. - -(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen. No. 289.) - -Die Stadt Freiberg ist nicht bloß durch ihren reichen Bergsegen, -sondern auch durch ihre Schönheit von alter Zeit her berühmt gewesen; -davon sagt ein altes Sprichwort: »Wenn Leipzig mein wäre, wollte ich es -in Freiberg verzehren.« - -Obgleich das Freiberger Bier keinen besondern Namen hatte, wie es -im 16. und 17. Jahrhundert Mode war, so gab es doch zu einem andern -Sprichworte Gelegenheit. Dieses hieß: »Es kitzelt einem in der Nase, -wie das Freiberger Bier.« - -Ein anderes Sprüchlein, welches sich zugleich mit auf zwei andere -Städte Sachsens bezieht und deren Untergang prophezeit, lautet: - - »Meißen wird ertrinken, - Freiberg wird versinken, - Dresen - Wird man zusammenkehren mit Besen.« - - -799. Todaustreiben. - -(Gottl. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes. 1794. S. 309. Joseph -Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg. S. 99 etc.) - -In Königswalde bei Werdau erhielt sich bis 1630 folgendes: - -Am Sonntag Lätare ward jährlich ein Strohbild verfertigt, welches in -dem einen Jahre einen Mann, im andern ein Weib darstellte. Diesem -Bild ward von den ledigen Personen beiderlei Geschlechts mit Hülfe -einer Leichenfrau als eine Leiche angezogen, mit grünen Blättern -und Wintergrünkränzen geziert, das Haar ward aus Flachs verfertigt, -und das ganze Bild an eine Stange angemacht. Nach Endigung des -Nachmittaggottesdienstes ward es durchs ganze Dorf getragen, und eine -Menge Volks, groß und klein, folgte mit Gesang nach. Endlich ward -es auf eine Wiese gebracht, mit Ungestüm zerrissen und in den Bach -geworfen. Die Wiese, wohin in Königswalde dieses Bild gebracht ward, -heißt noch heut' die Todenwiese; sie liegt neben der heiligen Wiese -nach Langenhessen zu. Man nennt diese Ceremonie den Tod austreiben, und -der Sonntag Lätare hieß der Todensonntag. - -An einigen Orten des böhmischen Erzgebirges wird noch gegenwärtig -am Sonntage Lätare das Todaustreiben unter der Bezeichnung des -Todaustragens (»Tudaustrog'n«) gefeiert. Von fünf Knaben zieht sich -einer als Tod (Winter) an, ein anderer als König, der dritte als dessen -Tochter (Lenz) und die übrigen als Diener (Sommer und Herbst.) Der -König, wohl den Herrn der Jahreszeiten personifizierend, trägt eine -goldpapierne Krone und einen Rocken als Szepter. Die Königstochter ist -ihrer Würde angemessen aufgeputzt, verschmäht es indessen nicht, Geld -und andere Geschenke entgegen zu nehmen. Die Diener tragen Degen, der -weißgekleidete Tod ein Bund Späne. Alle aber, mit Ausnahme des Winters, -sind mit bunten Bändern geschmückt; deshalb heißt dieser Gebrauch auch -der »Bändertod«. Die Gesellschaft zieht von Haus zu Haus und führt ein -kurzes dramatische Spiel auf, dessen Inhalt folgender ist: Die Diener, -in der Folge auch der Tod, halten um die Hand der Königstochter an. -Letzterer büßt seine Vermessenheit mit dem Leben, indem ihn der König -niedersticht. Die beiden übrigen Brautwerber stehen zitternd da, weil -sie eine gleiche Strafe befürchten. Der König überwindet indessen -seinen Zorn bald und lächelnd legt er die Hand des Sommers in die -seiner Tochter, welche er auffordert, daß sie sich von dem anderen -Freier durch Darreichung der von ihr gesammelten Gaben loskaufe. - -An andern Orten tritt diese Sitte in nachfolgender Gestalt auf: Mehrere -Knaben gehen mit einer langen Stange, an die oben ein Querholz -befestigt ist, von Haus zu Haus und sammeln alte Kleider, die dem -den Tod darstellenden Holzgerippe angethan werden. Nach Vollendung -dieser Toilette ist der Teil der Vorbereitung vorüber und nun geht der -eigentliche Umzug vor sich, indem man den Tod durch das Dorf trägt und -dabei singt: - - »Tud aus! Tud aus! - Hätt'n m'r 'n Tud nich ausgetrog'n, - Hätt ar uns im Bett erschlog'n. - Tud aus! Tud aus!« - -Zuletzt wird der Popanz ins Wasser geworfen. Dies ist das Signal -für die Knaben, eilends die Flucht zu ergreifen. Wer am meisten -zurückbleibt, heißt der »Tud'nvota« und wird als solcher das Jahr über -geneckt. - -Das Todaustragen ist ein Privilegium der Mädchen. Knaben bringen ihnen -aus dem Walde ein kleines Fichtenbäumchen. Die Mädchen schmücken erst -dieses und dann sich selbst aufs beste und schönste. Darnach tragen sie -das Bäumchen von Haus zu Haus und singen in jedem ein Liedchen, wofür -sie Kuchen, Kaffee und Geld erhalten. Letzteres wird zu Kerzen für die -Kirche oder Kapelle verwendet. - - Das Todaustreiben fand sich früher an vielen Orten Sachsens, - besonders der Lausitz und des Vogtlands, ferner in Böhmen, Schlesien - u. s. w. Meist wurde dabei von den jungen Burschen ein Strohmann, - welcher den Winter, in der späteren christlichen Zeit aber den Tod - vorstellte, angeputzt, unter Gesang durch das Dorf getragen und - endlich ins Wasser geworfen oder verbrannt. Mit grünen Zweigen - geschmückt kehrte die Jugend wieder heim. Im Vogtlande sang man dabei - das Lied: - - »Wir alle, wir alle kommen 'raus, - Und tragen heute den Tod 'naus, - Komm' Frühling wieder mit uns in das Dorf, - Willkommen lieber Frühling!« - - In Deutsch-Böhmen sang man: - - »Nun treiben wir den Tod aus, - Den alten Weibern in das Haus, - Den Reichen in den Kasten, - Heute ist Mitfasten!« - - Das Todaustreiben war ein Nachklang des alten Frühlingsfestes, von - dem wir auch Andeutungen bei den alten Griechen und Römern, ja selbst - in Persien und Indien finden, und das jedenfalls die indoeuropäischen - Völkerstämme aus ihren Ursitzen in Asien mitbrachten. Bei den - heidnischen Germanen wurde es vielleicht zu einem Feste der Ostara, - der Göttin des aufgehenden Lichtes, oder der mütterlichen Erdgöttin - Nerthus oder auch Odhins, bei den Slaven zu einem Feste der Ziva, der - Göttin des Lichts und der Fruchtbarkeit. - - Es ist sicher, daß die in verschiedenen Gegenden gefeierten Maifeste, - bei denen eine Maikönigin oder ein Maikönig einzog, oder ein Maigraf - aus dem Walde in die Stadt eingeholt wurde, oder bei denen man den - in Tannenrinde und Laub gehüllten Pfingstbutz zu Roß ins Dorf führte - (s. Mannhardt, die Götter der deutsch. und nord. Völker, S. 144 - etc.), mit dem Todaustreiben gleiche Bedeutung hatten. Wegen der in - unsern Gegenden zu zeitigen Feier des Frühlingsfestes im März, da - häufig noch Eis und Schnee die Fluren deckte, wurde dieselbe vielfach - auf den sonnigen Mai verlegt und jetzt nun nicht mehr der Winter - verjagt, sondern der vor der Thür harrende Frühling eingeholt und - begrüßt. (S. über die Frühlingsfeier bei den Germanen und Slaven: - Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, I. S. 142--152.) - - -800. Der Totenteich bei Tharand. - -(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 101. Gräße, -Sagenschatz etc. No. 268.) - -Wenn man durch Tharand hinauf am Amthause vorbei nach dem Kalkofen -und dann weiter im Thale fortgeht, so kommt man in den sogenannten -Ebergrund und zur Ebermühle, bei welcher der von dem Mühlbache -gebildete Totenteich liegt, der seinen Namen davon hat, daß früher -bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts die Sitte herrschte, wenn -die Bewohner der umliegenden Dörfer den Tod austrieben, den diesen -vorstellenden Strohmann hier hineinzuwerfen. Man behauptet, bei hellem -Sonnenschein in der Tiefe noch heute das steinerne Bild desselben -liegen zu sehen. - - -801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute. - -(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 757.) - -Im Erzgebirge trägt man sich mit einer alten Tradition, daß wilde -Waldleute bisweilen an die Waldhäuser gekommen seien. Solcher wilden -gebirgischen Satyren erinnerten sich vor Alters die Einwohner und -Bergleute bei ihrem »Quaß« und Fastnachtsspiel, bei welchem sie -jährlich zwei wilde Männer verkleidet, den einen in Reisig und Moos, -den andern in Stroh gehüllt, auf den Gassen umhergeführt, endlich aber -auf dem Markt herumgejagt und endlich zum Schein niedergeschossen und -gestochen haben. Die verkleideten Personen riefen dabei durch ihr -Taumeln und ihre seltsamen Gebärden Gelächter hervor und spritzten -dabei aus angefüllten Blasen Blut unter die umstehenden Leute, ehe sie -als Tote niederfielen. Dann faßten sie die Jäger, legten sie auf Breter -und trugen sie ins Wirtshaus. Die Bergleute gingen daneben her und -bliesen durch ihre Pechpfeifen und Grubenleder auf, als hätten sie ein -stattliches Wildpret gefangen. Dergleichen Aufzüge hielt man vor dem -dreißigjährigen Kriege; aber darnach sind sie abgekommen. - - Auch dieses Fastnachtsspiel war jedenfalls ein Überrest der alten - Frühlingsfeste; seine Bedeutung ist aber hier sehr verwischt worden. - Der in Reisig und Moos gehüllte Mann sollte den Frühling, der - Strohmann dagegen den Winter darstellen. Ursprünglich haben beide - wohl miteinander gekämpft, bis der Frühling den Winter besiegte. Daß - solche Kämpfe zwischen den persönlich dargestellten Jahreszeiten - Winter und Frühling (Sommer) wirklich, z. B. in Schweden und - Gothland, dargestellt worden sind, dafür bringt Jac. Grimm in seiner - deutschen Mythologie mehrere Beispiele; auf S. 440 heißt es daselbst: - Ein vermummter Sommer und Winter, jener im Epheu oder Singrün, dieser - in Stroh oder Moos gekleidet, traten auf und kämpften so lange - miteinander, bis der Sommer siegte. Dann wird dem zu Boden geworfenen - Winter seine Hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlicher Kranz - oder Zweig umhergetragen. - - -802. Der Streittag der Freiberger Bergleute. - -(Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 271.) - -In Freiberg kehrt alljährlich am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli, -ein besonderer Bergfeiertag wieder, an welchem vormittags im Dome eine -große Kirchenparade der Bergleute und eine Bergpredigt abgehalten -wird. Bei Gelegenheit im Jahre 1737 angestellter Erörterungen ergab -sich, daß die Freiberger Bergleute bis dahin den Maria-Magdalena-Tag -angeblich seit länger als 200 Jahren am sogenannten Hungerborne -gefeiert hätten, woselbst sogar zu Zeiten gepredigt worden sein -sollte. Dieser Brunnen, welcher wegen seines guten und reichlichen -Trinkwassers besonders von den benachbarten Huthäusern stark benutzt -wurde, lag etwa eine Viertelstunde nordwestlich von dem Huthause -»Beschert Glück« im Ratswalde und ist erst im Jahre 1790 infolge der -von »Beschert Glück« betriebenen Grubenbaue weggefallen. Eine Meinung -der damaligen Bergleute schreibt den Ursprung seines Namens einer -Frau Maria Magdalena Hunger zu; die Veranlassung zum Festtage, dessen -althergebrachte Feier sich die Bergleute 1737, als solche auf den -nächsten Sonntag verlegt werden sollte, »erstritten« haben, soll sich -aber daher schreiben, daß die Kurfürstin Magdalena Sybilla, Witwe des -Kurfürsten Johann Georgs II, als sie ihren Namenstag am Hungerborne -feierte, den Bergleuten für alle Zeiten ihren Namenstag daselbst zu -feiern angeordnet habe. Gewiß ist, daß die Bergleute bis zum Jahre 1737 -die Umgebung des Hungerbornes als einen gewohnten Versammlungsplatz -betrachteten und als solchen benutzten; ja noch in unserm Jahrhunderte -fand daselbst zu gewissen Zeiten im Jahre, besonders Pfingsten, -ein großer Zusammenfluß von Personen aus der Umgegend statt. Man -unterhielt sich dabei mit Musik und Spielen. - - Die Feier des »Streittags« fand sich wahrscheinlich in allen - sächsischen Bergrevieren vor. Meltzer schreibt in seiner - »bergkläuffigen Beschreibung der Bergk-Stadt Schneeberg«, (1684. S. - 3), daß die Bergleute daselbst diese Feier »mit dem Schwerte errungen - hätten«, und er vermutet, daß solches bei dem Aufstande der Bergleute - im Jahre 1496 geschehen sei. Herzog Heinrich der Fromme ließ den - Maria-Magdalena-Tag bei Einführung der Reformation 1539 ausdrücklich - als bergmännischen Feiertag fortbestehen, und derselbe wird auch noch - gegenwärtig in Schneeberg durch Bergaufzug, Gottesdienst und eine - Ergötzlichkeit der Bergleute gefeiert. - - -803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz. - -(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, S. 158.) - -Am 18. Februar 1613 führten die Tuchknappen zur Feier des Faschings -auf dem Markte zu Chemnitz den Schwerttanz auf. Dieser Schwerttanz ist -noch heutzutage unter den Salzknappen Halleins und Hallstadts üblich, -und er wurde von neun Tänzern, zwei Pfeifern, einem Trommler und zwei -Hanswürsten aufgeführt, welche mit dem Spruche auftraten: - - Wir treten herein ganz edel und fest, - Und grüßen alle anwesenden Zuschauer aufs Best'; - Grüßten wir einen und den Andern nicht, - So möchtens meinen, wir wären die echten Schwerttänzer nicht; - Die rechten Schwerttänzer sind wir genannt, - Wir tragen das Schwert in unserer Hand. - Spielmann, mach' auf den rechten Schwerttanz! - -Nun begann der Tanz, indem jeder die Spitze des Schwertes von seinem -Nebenmann faßte, mit einem Rondo; alsdann Springen über Schwerter. -Darauf legte man die Schwerter nieder, tanzte herum, hob sie wieder auf -und bildete eine Schnecke, die sich wieder auseinander winden mußte, -ohne daß ein Tänzer die Schwertspitze seines Nachbars losließ. Dann -trat ein Hanswurst in den Kreis und kniete nieder. Die Tänzer hielten -ihre Schwerter auf ihn, der Vortänzer schwang sich auf diese Schwerter -und sprach folgenden Spruch: - - Da bin ich heraufgestiegen, - Wär' besser, ich wär' unten blieben; - Der Fasching ist ein verthunlicher Mann, - Hat all sein Hab und Gut verthan; - Er hat verthan sein Hab und Gut, - Bis auf einen alten zerrissenen Hut. - Er reist das Land wohl auf und nieder, - Was er bekommt, versäuft er wieder; - So spring' ich aus dem grünen Kranz, - Spielmann, mach' auf den lustigen Schwerttanz. - -Nun ward wiederum ein Rondo getanzt, aber schneller als das erste; die -Tänzer traten einer nach dem andern ab, bis Vor- und Nachtänzer allein -waren, die sich noch ein paar Mal herumdrehten, mit den übrigen die -Schwerter zusammenschlugen und so unter dem Jubelruf der Zuschauer -schlossen. - - -804. Strafe für zänkische Weiber. - -(Oesfeld, Histor. Beschreibung von Lößnitz (1776) S. 10. Göpfert, -Geschichte des Pleißengrundes (1794), S. 180.) - -Auf der rechten Seite ohnweit der Hauptthüre des Rathauses in Lößnitz -befanden sich zwei steinerne halbe Zentnergewichte, welche oben einen -eisernen, sehr weiten Angriff hatten und auf der einen Seite glatt, -übrigens aber rund und an einem Ring aufgehangen waren. Auf dem einen -Steingewichte sah man ein Frauenbild mit einem Bund Schlüssel, welches -sie über dem Kopfe hielt, als ob sie damit werfen wollte, und der -Umschrift. »Du leugst wie eine Hure.« Auf dem anderen Gewichte war auch -ein Frauenbild mit einem »Waschbleu« und den Worten: »Du bist eine -Hure«, zu sehen, und die gemeine Sage war, daß in alten Zeiten diese -Gewichte von zänkischen Weibern, welche sich geschlagen, öffentlich -hätten herumgetragen werden müssen. - -Eine ähnliche Strafe gab es in Crimmitschau. Wenn daselbst -Weibspersonen einander geschimpft hatten, so mußten sie an der -Rathausthüre einander gegenüber stehen und ward jeder eine Art von -bleiernem Gewichte an den Hals gehängt. - - In Bautzen war es im Mittelalter bis gegen Ende des 17. Jahrh. - eine gewöhnliche Strafe für zänkische Weiber, daß sie sogenannte - Schandsteine, welche die Form von runden Flaschen hatten, an einer - eisernen Kette um den Hals durch die Stadt tragen mußten. Man nannte - diese Strafe das Flaschentragen oder das trinken aus des Büttels - Flasche. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 89.) Auch in Leipzig - gab es für solche Weiber, welche sich auf dem Markte schlugen, - rauften oder einander schmähten, Schandsteine, die der Rat 1624 neu - anfertigen ließ. An manchen Orten wurden auch diejenigen Personen - damit geschmückt, welche nächtlichen Straßenlärm machten. Da und - dort hatten diese Steine Brotform, und daher schreibt sich wohl - auch die Redensart: Ein schwerer Bissen Brod. In Lübeck hatten sie - die Form von Schüsseln, und nach dem Dortmunder und Halberstädter - Statut von 1348 sollten sie das Gewicht eines Zentners haben. Waren - die »losmäuligen« Frauen wohlhabend, so konnten sie sich von dieser - schmachvollen Strafe durch einen Sack voll Hafer, der mit einem - roten Bande zugebunden sein mußte, loskaufen. (Schäfer, deutsche - Städtewahrzeichen, I. S. 54.) - - -805. Strafe für liederliche Weibspersonen. - -(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.) - -Es war sonst in Crimmitschau die Gewohnheit, welche auch an andern -Orten, z. B. in Schmölln, eingeführt war, daß liederliche Weibspersonen -sich auf den niedern Stadtturm begeben mußten, allwo oben auswendig -ein großer Korb befindlich war. In diesen mußten sie sich setzen, -worauf sie dann jählings in den unten am Thore befindlichen Teich -herabgelassen wurden. - - -806. Wie das Lehen gereicht wurde. - -(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.) - -Wenn sonst jemandem in Crimmitschau das Lehen gereicht wurde, so -beobachtete man die Zeremonie, daß dem Empfänger vom Gerichtsdirektor -oder Amtmann ein runder Hut dargereicht wurde, woran der Empfänger -greifen mußte, und wenn mehrere etwas in sämtliche Lehn empfingen, so -mußten ebenfalls alle diesen Hut berühren. - - -807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung. - -(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.) - -Eine Gewohnheit, welche in Crimmitschau ausgeübt wurde, war, -daß die Witwen, welche sich zum zweiten Male verheirateten, der -Gerichtsherrschaft ein Bett abgeben mußten. - -Hidda, Friedrichs und Dedaus, Grafen zu Eilenburg Schwester, -verordnete, daß jede Witwe, welche sich wieder verheiratete, dem -Amtmann (~praefecto arcis~) zwei Schreckenberger in einem Beutel ohne -Naht geben sollte. - - -808. Das Bärenprivilegium für Lößnitz. - -(C. Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. 1. B. Schneeberg -1837. S. 8.) - -In der ältesten bekannten, aus dem Jahre 1284 stammenden Urkunde von -Lößnitz erhielt die Stadt das Privilegium, daß sich in seinen Mauern -kein Mönch oder Priester häuslich ankaufen sollte, sowie kein Edelmann. -Letzteres soll der Sage nach davon kommen, daß ein Edelmann, mit Namen -von Hagenest, im Jahre 1283 einen Bären gehabt, der sich von der Kette -losgerissen und eines Bürgers Kind erwürgt. Darauf hätten die Bürger -den Bären samt dem Edelmann erschlagen. Daher das Privilegium, welches -deshalb auch das Bärenprivilegium hieß. - - - - -Anhang. - - -809. Der Wegzug der Zwerge. - -(A. Stropnitzky in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, -1885, S. 120.) - -Am rechten Ufer der Eger liegt bei dem Dorfe Sosau eine -Bauernwirtschaft, deren Besitzer schon seit Menschengedenken den -Dienst von Fährleuten versehen haben. Eines Tages kam nun zu dem Bauer -ein kleines Männchen und sagte, er wäre der Zwergkönig und wolle mit -seinem Volke aus der Gegend auswandern, da die Leute schon das Brot -in den Ofen und die Knödel in den Topf gegeben hätten. Der Fuhrmann -möge sich für seine Arbeit eine Mütze voll Gold oder für jeden Zwerg -einen Pfennig wählen. Der Bauer wählte das Erstere. Am nächsten Morgen -kamen die Zwerge, aber alle unsichtbar; nur durch den Lärm, den sie -verursachten, wurde es dem Bauersmanne klar, daß er sein Werk beginnen -könne. Er band also den Kahn los, und tief sank dieser in das Wasser, -so schwer war er beladen. Doch sah der Fährmann niemanden. Bereits den -ganzen Tag hatte er schon gearbeitet, und noch immer war kein Ende. Als -er nun von neuem leer herübergekommen war, trat der Zwergkönig zu ihm -heran, lobte ihn und gab ihm den bedungenen Lohn. Zugleich sagte er, -daß er noch einmal hinüberfahren müsse. Der Fährmann war in den Kahn -gestiegen und der Zwergkönig folgte ihm. Als sie nun in der Mitte der -Eger waren, fragte der Zwergkönig, ob der Fuhrmann nicht sehen wolle, -wie viel Zwerge er hinüber gefahren habe. Und als der Fährmann diesen -Wunsch äußerte, so schlug der Zwergkönig mit seinem Stabe in die Lüfte, -und nun sah der Fährmann die ganze Straße und die benachbarten Felder -mit Zwergen erfüllt. Doch nur einen Augenblick währte es, und alles war -wieder vorbei. Seitdem sind die Zwerge aus der Gegend verschwunden. - - In No. 186 bezieht sich diese Sage auf den Wegzug der Holzweibchen. - - -810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe. - -(Nach der Mitteilung von H. Weißflog.) - -An der Grenze der Dörfer Unterscheibe und Markersbach, unterhalb -des sogenannten Vogtelgutes, läßt sich in stürmischen Nächten ein -schneeweißer Hund mit rotleuchtenden Augen sehen, dessen Klagegeheul -schauerlich durch die Nacht tönt. Er thut jedoch niemandem etwas zu -Leide. Es soll dies der Hund eines Schäfers sein, der seinem Herrn sehr -treu ergeben war. Der Schäfer hat sich einst in jener Gegend erhängt, -und der Hund soll nun seinen Herrn suchen. - - -811. Der Schmiedmönch von Thierfeld. - -(Mitgeteilt vom Seminarist Emil Müller.) - -Alte Leute in Thierfeld bei Hartenstein erzählen von einem Geiste, dem -sogenannten Schmiedmönch, welcher früher in der Schmiede des Ortes sein -Wesen getrieben haben soll. Den Kindern ist er zu einem Schreckgespenst -geworden, denn wenn dieselben nicht folgen wollen, so droht man ihnen -mit dem Schmiedmönch, welcher jetzt neben der Schmiede unter den -Wurzeln eines Strauches wohnen soll. - - -812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche zu -Schneeberg zugemauert wurde. - -(Nach einer Mitteilung des Archidiakonus Blanckmeister in Schneeberg.) - -Ursprünglich hatte die St. Wolfgangskirche in Schneeberg drei -Haupteingänge, von denen aber derjenige, welcher sich der -Superintendentur gegenüber an der Turmseite befand, später zugemauert -wurde. Als Veranlassung dazu wird folgendes erzählt: Ein früherer -Pfarrer hat sich alle hundert Jahre des Nachts sehen lassen, und -das letzte Mal soll er dem Pfarrer W. erschienen sein. Um nun das -Wiedererscheinen des Gespenstes für alle Zeiten zu verhindern, -vermauerte man nicht nur den oben bezeichneten Kircheneingang, sondern -auch die gegenüberliegende Hausthüre der Oberpfarrerwohnung, welche -sich auf der schmalen Seite des Hauses befand, und verlegte sie nach -der Breitseite, wo sie sich noch heute befindet. Trotzdem glaubt man -noch jetzt, daß es auf dem Kirchplatze nicht richtig sei, und man -bringt z. B. das vor einer Reihe von Jahren auf dem Platze geschehene -Unglück, wobei ein Arbeiter durch einen Erdfall ums Leben kam, damit in -Zusammenhang, indem viele meinen, daß der umgehende Geist sein Opfer -gefordert habe. - - -813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst. - -(Johann Vulpius, ~Plagium Kauffungense~, das ist: Der Chur-Fürstl. -Sächß. Printzen durch Conrad (Curt, Cuntz) von Kauffungen, geschehene -Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg, wie sich solche ~Anno~ 1455 -zugetragen. Ohne Jahrzahl.) - -Nachdem Kunz von Kauffungen mit seinen Genossen in der Nacht vom 7. -zum 8. Juli 1455 die beiden Prinzen Ernst und Albert aus dem Schlosse -Altenburg geraubt hatte, setzte er den erst genannten Prinzen auf -ein gut gesattelt Roß und führte ihn bei finsterer Nacht nach dem -Lande Böhmen zu, erstlich durch die Leine, so ein Wald oder Holz -bei Altenburg gelegen, ferner durch die Rabensteiner Wälder bis -ohnfern Elterlein um die Gegend des Klosters Grünhain, dahin er bei -aufgehendem Mondschein gegen Morgen gekommen, vermeinend, nun mit -seinem hohen Gefangenen leicht vollends nach Böhmen zu gelangen. Die -andern haben den Prinzen Ernst auch auf ein Roß gesetzt und zwischen -sich einen andern Weg davon geführt, willens ihn durch das Vogt- und -Frankenland durch einen andern Strich in ihre Gewahrsam zu bringen; -denn sie hatten sich dessen zuvor mit einander verglichen, diesen Raub -durch unterschiedliche Wege wegzubringen, und obschon ein Teil mit -seinem Prinzen ergriffen würde, so sollte doch der andere Teil seinen -gefangenen Herrn nicht eher von sich geben, es wäre ihnen denn allen -das Leben und Straffreiheit zugesagt. - -Unterdessen ist auf dem Schlosse zu Altenburg ein groß Wehklagen, -bei den Hofleuten aber ein großer Schrecken entstanden. Man hat es -durch einen Eilboten gen Leipzig dem Kurfürsten zu wissen gethan, -dem anfänglich diese That fast unglaublich vorgekommen. So haben die -Hofleute auch nicht gesäumt, sondern von Stund an in alle Gegenden -geschicket, sind auch zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag -in allen Städten und Dörfern angehen zu lassen, dadurch das ganze -Land rege geworden, sintemal immer eines dem andern auf frischem Fuße -gefolget, auch den Nachbarn zu wissen gethan, und alle Straßen beleget. -Im Städtlein Geyer ist von den heftigen Glockenschlägen über diesem -Sturme die Glocke zersprungen. Solchen Sturmschlag und Nacheilen hat -Kunz von Kauffungen wohl gehöret, weil er aber bei Mittagszeit den -Wald erreichet, verhoffte er leichtlich davon zu kommen. Da er nun -nicht über eine halbe Meile bis zur böhmischen Grenze gehabt, hat es -Gott sonderlich geschickt, daß den jungen Herrn, Herzog Albrechten -(Albert) sehr gehungert und gedürstet, welches er Kunzen mit den Worten -beklagt: Wo er nicht zu essen und zu trinken bekäme, würde er Krankheit -halber nicht weiter kommen können, sondern müsse liegen bleiben. -Solches besorget Kunz selbst, sintemal er ihn von Mitternacht bis nun -fast gegen Mittagszeit auf einem schnell trabenden Rosse geführet. -Deswegen behielt er einen Reiter bei sich und stieg vom Pferde ab, in -Mangel anderer Speise dem Herzoge im Walde Erdbeeren abzupflücken; -seine andern Reiter, derer fünf gewesen, hieß er ein wenig auf den -Halt voranreiten, er aber spazierte im Walde mit dem Prinzen ein -wenig abseits, Erdbeeren zu suchen. In diesem Walde arbeiteten aber -unterschiedliche Köhler. Von denen war ein Junge, namens Urban Schmidt, -gen Geyer geschickt worden, einen Kober voll Brot, Salz und andere -nötige Dinge zu holen. Dieser Junge hatte das Anschlagen der Glocken -gehört, dazu vernommen, wie die große Glocke von gemeldetem Stürmen -geborsten und die Rede gegangen, es hätte der Feind zu Altenburg einen -Einfall gethan, das Schloß erstiegen und einen großen Raub weggeführet. -Weil man nun dazumal von keinem Krieg noch Feinde wußte, der Junge auch -nicht mehr erzählen konnte, so gerieten die Wäldler oder Köhler in -große Verwunderung und Bestürzung. - -Dazwischen begab sichs, indem Kunz von Kauffungen mit dem Prinzen -und seinem Reiter über dem Erdbeersuchen etwas tiefer vom Wege ab -im Walde spazierten, und am Fürstenberge, der von dieser Geschichte -den Namen bekommen, Beeren pflückten, daß durch sonderbare Schickung -Gottes ein Köhler, mit Namen Georg Schmidt, welcher in der Gegend -ohnweit Grünhain und dem Dorfe Raschau Kohlen bereitet, im Walde sich -umzusehen daher kommet und seinen Hund bei sich hatte. Dieser Hund wird -fremder Leute innen, schlug also bellend an und führete seinen Herrn, -den genannten Köhler, welcher einen dichten Schürbaum zum Waldgewehre -in der Hand hatte, an den Ort. Dieser Köhler siehet, daß Kunz ein -Panzerhemd anhatte, auch ein Pferd an der Hand führte, dazu, daß der -bei ihm befindliche Knabe schön, zart und adliger Gebärden; lässet -sich daher bedünken, es möge nicht recht zugehen, und fraget trotzig, -wie der Wäldler Art ist, von wannen er mit dem Knaben komme und wo -er hinaus wolle? Darauf ihm Kunz antwortete: Es sei ein böser Bube, -der seinem Herrn entlaufen, dem müsse er ihn wieder bringen. Wie sie -aber miteinander ein wenig fortgehen, fällt Kunz von Kauffungen in dem -Gestrüppe, Gebüsche oder Hecken, darinnen er mit seinen langen Sporen -hängen blieb, und konnte wegen der schweren Rüstung, und daß er das Roß -an der Hand nicht wollte fahren lassen, nicht wohl wieder aufkommen. -Da er nun also lieget, spricht Prinz Albrecht heimlich zum Köhler: Ich -bin ein Fürst von Sachsen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl -vergelten. Darauf Jan Schweinitz, Kunzens Reisiger, sein Schwert über -den Prinzen gezogen, daß nicht viel gefehlet, er hätte ihn umgebracht. -Sobald der Köhler solches vernommen, auch des Reiters Ernst gesehen, -erinnert er sich der oben gemeldeten Zeitung, die der Junge von Geyer -mitgebracht, glaubet des Prinzen Rede, spricht dem Reiter ernstlich zu, -solche Gewalt bleiben zu lassen, hetzet seinen Hund an, welcher sich -sehr laut machet, Schweinitzen anfällt und stattlich zurückhält; er -aber hat mit seinem Schürbaume auf Kunzen, welcher wegen seiner Rüstung -nicht flugs hat aufkommen können, so wohl als auf den Reiter tapfer -zugeschlagen, hätte auch vielleicht Kunzen totgeschmissen, wenn nicht -der Prinz treulich gewehret und für ihn gebeten. Da nun der Köhler sich -mit Mund und Händen sehr gereget, der Hund auch trefflich gebellt, -läuft des Köhlers Weib aus dem Kohlenkrame auch herzu und siehet, was -für ein Streit da ist. Als sie ihren Mann auf Kunzen schlagen siehet, -denket sie, es seien Räuber da und giebt alsbald das gewöhnliche -Waldzeichen, so die Köhler im Gebrauche hatten, daß sie mit einem -großen Messer oder Zschörper auf eine Holzaxt schlagen. Hierauf liefen -alsbald andere Köhler mit Äxten und Schürbäumen zu, nahmen Kunzen und -seinen Reiter gefangen, den Prinzen führeten sie in einen Kohlkram, -gaben ihm schwarz Brot zu essen und Wasser zu trinken, zeigeten es auch -unverzüglich der Obrigkeit, nämlich dem Abte des Klosters Grünhain -an, welcher alsbald Befehl gab, die vorangeschickten fünf Reiter -auch aufzusuchen, und also geschahe es, daß noch diesen Tag, welcher -war Kilianitag, Kunz von Kauffungen mit sechs seiner Gesellen in -gefängliche Haft gebracht wurde. Diese Gefangenen überantwortete der -Abt noch denselben Tag dem Oberamtmann von Schönburg auf Glauchau und -Hartenstein nach Zwickau, welcher sie festsetzen und die übrigen ferner -verfolgen ließ. - -Die übrigen Prinzenräuber, Wilhelm von Mosen, Wilhelm von Schönfels -und andere, welche den Prinzen Ernst mit sich führten, hatten versucht -beim Pfarrherrn zu Hartenstein einzusprechen, allein der Pfarrherr war -nicht daheim und sie konnten deshalb keine andere Zuflucht finden, -als daß sie sich in dem Walde nahe bei der Mulde, über dem Schlosse -Stein, in eine entlegene Höhle oder Steinkluft versteckten. Denn sie -höreten den Sturmschlag und konnten aus dem Getümmel die Verfolgung -wohl ermessen. Zu dem brach das Geschrei, daß Kunz und etliche seiner -Reiter gefangen und der junge Prinz Albrecht erlöset wäre, geschwinde -aus, welches sie meisterlich erkundeten, auch besorgeten, es möchte -ihnen gleichfalls nicht anders gehen; denn die Pferde waren ihnen -bereits abgejagt und guter Rat teuer. In solcher Gefahr vergaßen sie -des gemachten Vergleichs und waren entschlossen, sich mit dem Prinzen -auf kurfürstliche Gnade zu ergeben. Deswegen schickten sie einen -vertrauten Boten zum Oberamtmann nach Zwickau, dem sie schrieben, -sie bereueten ihre That und hätten den Prinzen unversehrt bei sich; -wenn ihnen von dem Kurfürsten Sicherung ihres Lebens, ihrer Ehre und -ihres Gutes zugesagt werde, so wollten sie den Prinzen ausliefern, wo -nicht, so würden sie denselben zuerst und dann sich selbst töten. Der -Oberamtmann Friedrich von Schönburg sicherte ihnen dies darauf bei -seinen »adeligen Ehren und Treuen« zu, und so lieferten sie den Prinzen -am 11. Juli an denselben ab, der ihn dann seinen Eltern nach Chemnitz -überbrachte. - - In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere - des Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist - es sehr unwahrscheinlich, daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei - Grünhain und in unmittelbarer Nähe der damaligen Grenze von Böhmen - noch eine Rast hielt, während ringsum die Sturmglocken ertönten. Die - Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine zufällige, sondern vielmehr - ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber, daß sich dabei - der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich - damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb. - Die Altzeller Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen - von ungefähr »ein arm Mann« (der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen - sei und dem Abte zu Grünhain, was er gesehen, gemeldet habe; er habe - auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz gefangen worden. - Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung des - Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß - ihm und darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich - ein Scheffel Korn ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit - dem sogenannten Trillergute in Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler - Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine Nachkommen den Namen - »Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt, d. h. - geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten - und daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von - Kauffungen, Mitteilungen des Freiberger Altertumvereins, 13. H.) - - -814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.) - -Nach »~Loci theologici historii~, oder Theologisches Exempel-Buch« von -Kaspar Titius (Leipzig 1684), S. 133 lautet diese Sage: - -Auf St. Annaberg in Meißen in einer Erzgruben zum Rosenberg genannt, -ist ein Teufel gewesen, welcher in einer Kluft mit seinem Anblasen -oder Anhauchen zwölf Bergknappen umgebracht, darum man auch dieselbige -Grube oder Schacht, wiewohl sie ganz reich an Silber gewesen, hat -müssen wüste liegen lassen. Den Odem aber oder Hauch, damit er die -Leute anblies, ließ er aus aufgesperrtem Rachen heraus gehen: denn -wie man daraus saget, er in eines Pferdes Gestalt mit langem Hals und -greulichen Augen ist gesehen worden. - - -815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. (Zu Nr. -239.) - -Nach »~Loci theologici historii~ oder Theologisches Exempel-Buch -(Leipzig 1684)« S. 137 lautet diese Sage: - -~Anno Christi~ 1559 ist dies schreckliche Ding geschehen, auf der -Platten, zwei Meilen Weges von Joachimsthal. Daselbst hat ein -Schmied eine Tochter gehabt, die fromm, züchtig und gottesfürchtig -gewesen, fleißig zur Kirche gegangen, hat auch das hochwürdige -Sakrament oft empfangen. Diese ist durch Verhängnis Gottes vom Teufel -besessen, ohngefähr in Fastnachten, und hat sie der böse Feind oft -niedergeworfen, als hätte sie die fallende Sucht. Die Eltern haben -hierüber bei Wahrsagern Rat gesucht, daß der Teufel nachmals hat zu -Schutz seiner Gewalt angezogen. Nach Ostern hat der Teufel begonnen, -leibhaftig aus der Jungfrau zu reden, hat sich in der Stube sehen -lassen, wie ein Kuckuck, Rabe, Hummel und dergleichen, auch also, wie -solche Vögel pflegen, geschrieen. Hat grausame, wunderliche Dinge aus -ihr geredet, daß nicht genugsam davon zu schreiben, und ist ein großer -Zulauf vom Volke, auch von vielen Fremden worden, diese wunderliche -Dinge zu hören. Und haben sich viele fromme Christen unterstanden, mit -ihm zu reden, denen er allen Antwort genug gegeben. - -Aber die Jungfrau ist stets geduldig gewesen, hat oft selber mit zu -Gott gebetet, und wenn sie um Erlösung im Namen Jesu Christi gerufen, -hat sich bald der böse Geist wieder funden, ihr in den Augen gesessen -und dieselben aus dem Kopfe herausgetrieben, so groß wie ein Hühnerei, -die Zunge wie eine zusammengeflochtene Weide, einer Spannen lang zum -Munde herausgesteckt, auch ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet, -also jämmerlich, daß es nicht genugsam zu beschreiben. Wenn sie -Ruhe gehabt, und man sie gefragt, wie es ihr gehe, hat sie allewege -geantwortet, es dünke sie, wie sie auf einem Wasser liege und müsse -ertrinken, so kämen doch allewege viel fromme Leute, die ihr davon -hülfen. - -Es sind alle Priester, so des Orts umher gewesen, dahin kommen und -haben mit ihr Gespräch gehalten, denen der Teufel über die Maßen -höhnische Antwort aus der Jungfrau gegeben, und wenn man von Christo -Jesu ihn gefragt, ist er allewege auf eine höhnische Fabel gekommen, -daß es nicht gut, so spöttlich zu schreiben. Da er auch befraget, wie -er in sie gekommen, hat er gesagt: Sie habe es in einem Trunk Bier -einges..., zu Fastnacht in einer Fliegen Gestalt, denn er sei ihr zwei -Jahr nachgegangen, und da die Eltern zur Wahrsagerin gelaufen, habe er -desto besser Platz bekommen. - -Dieser böse Geist ist endlich von der besessenen Jungfrau durch -fleißiges Gebet der Christen abgetrieben worden, da er wie ein Schwarm -Fliegen ausgefahren. - - -816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu Nr. 247.) - -(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.) - -Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht in einem -romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen Katzenmühle -führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand schon diese -Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist. Bei derselben -befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich hauste, -daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte, sondern -dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später Nacht und im -schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei Bären, welcher -sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich um Nachtquartier -bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse. Mitleidig erklärte -der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine Person gerne Quartier -geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht unterzubringen, weil -er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und in einem andern hause -ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin bleiben könne. Gedrungen von -der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer, daß er ihm den Stall, wo -das Gespenst sei, nur einräumen solle, seine Bären möchten sehen, wie -sie mit dem Gespenst fertig würden. Nach mancher Einwendung gewährte -der Müller dem Fremden seine Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall -zog und sie ihrer Maulkörbe entledigte. Um Mitternacht erhob sich -ein schrecklicher Lärm in dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen -anhielt; dann wurde es endlich still. - -Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach dem Stalle -eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf mit ihnen -seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den Wald, um sich -etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei kam, rief ihn -eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen noch in seinem -Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme seines bösen -Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie werden auch -immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen Geistes -entledigt. - - -817. Der Geldkeller auf dem Greifenstein. (Zu Nr. 284.) - -(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.) - -Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinauf auf den -Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt an -die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten -nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen -vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte, eilte -sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie plötzlich -am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten sich in ihrem -weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte den Eingang. Eine -freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle, die sie erinnerte, ihre -Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen Mut und furchtlos -bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und mehr verengte sich mit -jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend entfloh sie mit schnellen -Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am Ausgange war, ergriff der -Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das geängstigte Weib starb am -folgenden Tage. - - -818. Gottes Speise bei Zwickau. (Zu Nr. 435.) - -Diese Sage befindet sich auch in »~Loci theologici historii~, oder -Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durch ~M. Casparum -Titium~, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen -erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit -einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde, als -er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er: Ist -doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal -Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert -dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide brachte -mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer wollte hier -sagen, daß es nicht ein Engel gewesen? - - -819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann. -(Zu Nr. 537.) - -(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.) - -Es zog einst aus den Ebenen von Sachsen ein Wandersmann ins Gebirge, -von da hinab zu steigen in die gesegneten Auen von Böhmen. Unkundig -des Gebirges verlor er den Heerweg und betrat, unwissend wohin er -geraten möchte, einen stark befahrenen Kohlenweg, der nach einer -Meilerstätte des Freiwalds führte. Die Nacht war im Anzuge und die -Angst des Wanderers groß. Im blassen Scheine des Mondes durchzog er -den Wald, durchspähete sorgsam jede Rodung und horchte leise atmend -auf das Bellen der Hunde, welches die Abendluft aus der Ferne herüber -trug. Den Tönen nach zog er, als plötzlich eine kleine Geistergestalt -ihm entgegen trat und ihn aufforderte, ihr zu folgen. Ihr Weg ging nun -über Stock und Stein und fand endlich an den Felsen des Greifensteins -sein Ziel. Kaum waren sie durch eine daselbst befindliche Höhle -eingetreten, als sich auf einmal ein ungeheures Gewölbe dem staunenden -Wandrer öffnete. Seine Wände schienen von Silber, seine Tische von Gold -zu sein. Aus tausend goldenen, mit Edelsteinen besetzten Leuchtern, -in denen die Strahlen der Lichter sich unzähligemal brachen, strömte -ein überirdischer Glanz über das ganze Gewölbe. Eine lange, köstlich -besetzte Tafel zog sich in demselben herab und war mit ehrwürdigen -Männern umgeben, die sich an den aufgetragenen Speisen sättigten. Ein -Diener lud ihn ein, sich zu setzen und ein anderer brachte ihm schon, -indem jener noch sprach, Speisen von der langen Tafel. Da endlich der -Wanderer davon genoß, ward er zusehends erquickt und fröhlich und gutes -Muts. Die ehrwürdigen Berggeister aber freuten sich sichtbar über ihn -und befahlen den Dienern, ihm den Reisesack zu füllen, den er bei sich -hatte. Mit herzlichem Danke schied er darauf von seinen Wirten. Als er -aber im Scheine des Mondes und nach einer ungeduldig durchwachten Nacht -bei den ersten Strahlen der Morgensonne seinen Sack aufthat, blitzten -ihm die Goldgeschirre und Edelsteine entgegen, deren Glanz ihn schon im -Gewölbe in Erstaunen gesetzt hatte. Zum Überfluß hatten ihn die gütigen -Berggeister hart an die Straße gebracht, auf welcher er fröhlich gen -Böhmen zog. Später siedelte er sich ohnweit des Freiwaldes an und lebte -in einem ruhigen Genusse seines Reichtums bis in ein spätes Alter. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Ansonsten - wurde die Originalschreibweise beibehalten. - - Korrekturen und Anmerkungen: - - S. X: Alberoda → Alberode - 78. Der Laternenmann in {Alberode}. - - S. XIX: Schönburg → Schönberg - Woher das Wappen der Herren von {Schönberg} entstanden ist - - S. 71: Nixenhügel → Nixentump - {Nixentump}, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist - - S. 331: der → den - Die Quelle, welche {den} See geschaffen - - S. 334: Anstand → Abstand - so daß {Abstand} genommen wurde - - S. 503: innen → ihnen - denen der Abtei Grünhain mitten {ihnen} lag - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Sagenbuch des Erzgebirges, by -Johann August Ernst Köhler - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES *** - -***** This file should be named 53292-0.txt or 53292-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/2/9/53292/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Sagenbuch des Erzgebirges - -Author: Johann August Ernst Köhler - -Release Date: October 16, 2016 [EBook #53292] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - - - - - -</pre> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_i">[i]</a></span></p> - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.</p> - -<p>Im Original gesperrter Text ist hier <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.</p> - -<p>Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am <a href="#tnextra">Ende -des Buches</a>.</p> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h1>Sagenbuch<br /> -<span class="smaller">des Erzgebirges</span></h1> - -<p class="center smaller">von</p> - -<p class="h2"><em class="antiqua">Dr.</em> Joh. Aug. Ernst Köhler,</p> - -<p class="center smaller">erstem Oberlehrer am Königlichen Seminare in Schneeberg, Vorsitzendem -im Gesamtvorstande des Erzgebirgsvereins, Ehrenmitgliede der oberlaus. -Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz sowie des vogtländ. altertumsforschenden -Vereins in Hohenleuben, Mitgliede des Altertumsvereins zu -Freiberg, Ehren- und korrespondierendem Mitgliede mehrerer naturwissenschaftlichen -Gesellschaften u. s. w.</p> - -<p class="center p2">Schneeberg und Schwarzenberg.<br /> -Verlag und Druck von Carl Moritz Gärtner.<br /> -1886. -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_iii">[iii]</a></span></p> - -<h2 id="Vorwort">Vorwort.</h2> -</div> - -<p class="drop">In einer Zeit, da sich die Teilnahme weiterer Kreise dem Erzgebirge, -seiner Natur und dem auf demselben pulsierenden Volksleben -zugewandt hat, verdienten gleich den Sitten und Gebräuchen und den -schlichten Volksliedern auch die Sagen gesammelt und zu einem Ganzen -vereinigt zu werden. Besitzen doch andere deutsche Gebirge schon längst -ihre Sagensammlungen. Zwar haben bereits in den Jahren 1822 und -1824 Dietrich und Textor zwei Bändchen erzgebirgischer Sagen herausgegeben; -niemand aber, der diese 22 Nummern starke Sammlung kennt, -wird behaupten wollen, daß uns in derselben ein wirkliches Sagenbuch -des Gebirgs geschenkt wurde. Einem solchen haben in anerkennenswerter -Weise Gräße und Ziehnert durch ihre sächsischen, Grohmann, -Bernau, Wenisch und andere durch ihre böhmischen Sagen vorgearbeitet, -und ebenso bieten Chroniken und die periodische Litteratur viel -zerstreutes Material, das mit den immer spärlicher werdenden mündlichen -Überlieferungen zu einem erzgebirgischen Sagenbuche vereinigt -werden mußte.</p> - -<p>Das Erzgebirge ist ein völlig abgeschlossenes Ganzes, dessen südliche -Grenze von den Teplitzer und Komotauer Kohlenmulden und dem Egerthale -bis Mariakulm gebildet wird. Dabei haben wir das sogenannte -»Elstergebirge«, welches geologisch jedoch keine Selbständigkeit beanspruchen -kann, sondern als nordöstlicher Ausläufer des Fichtelgebirgs -zu betrachten ist und dasselbe unmerklich mit dem Erzgebirge verbindet, -von letzterem abgetrennt. Der quellenreiche Abhang des Schönecker -Schieferplateaus mit seinen tief eingeschnittenen Thälern und steilen Abhängen -trägt jedoch so unverkennbar den erzgebirgischen Charakter an sich, -daß wir dasselbe auch in unser Sagengebiet mit eingeschlossen haben. -In Böhmen würde der gegen Schönbach gekehrte Abfall und der Leibitschkamm -mit den Mariakulmer Bergen die westliche Grenze bilden. -Von dem Schönecker Plateau ist dieselbe dann weiter über Falkenstein -und Auerbach ins Göltzschthal und von dort an der Westgrenze der -Kirchberger Granitinsel über Irfers- und Hauptmannsgrün bis in die -Gegend von Neumark und an der Pleiße abwärts nach Frankenhausen -bei Crimmitschau zu ziehen. Da das erzgebirgische Becken in -vorliegender Sagensammlung ebenfalls berücksichtigt worden ist, so verläuft<span class="pagenum"><a id="Seite_iv">[iv]</a></span> -die Nordgrenze des Gebiets nordöstlich von Crimmitschau über -Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Oberrabenstein, etwas nördlich an -Chemnitz vorüber nach Frankenberg, Hainichen und Siebenlehn nach -Nossen. Die Ostgrenze zieht sich von Nossen über Tharand, den Wilisch -nach Gottleuba und von da bis nahe an die Tyssaer Wände, westlich -vom hohen Schneeberge fort. Obschon diese östliche Grenze gewöhnlich -von Nossen aus über Grillenburg nach Dorfhain und Seifersdorf südlich -von Tharand und Rabenau gezogen wird, so glaubte der Verfasser -doch beide letztgenannten Orte mit einschließen zu müssen, da der bis -an die Weißeritz sich fortsetzende Tharander Wald nur als ein letzter -Ausläufer des Erzgebirges anzusehen ist.</p> - -<p>Im Jahre 805 zog ein Teil des Heeres bei dem Feldzuge, welchen -König Karl, Kaiser Karls des Großen Sohn unternahm, über -»Fergunna«, d. h. das Waldgebirge, worunter jedenfalls das Erzgebirge -als ein Glied des Ptolemäischen Sudetengebirges, verstanden werden -muß. Unser vaterländisches Gebirge war zu jener Zeit noch unbewohnt -und dunkler Nadelwald bedeckte dasselbe. Im 10. und 11. Jahrhunderte -tritt daher der Name »Miriquidi«, d. h. Schwarzwald, für dasselbe -auf, welcher jedoch auch den Colditzer Wald, nicht aber das östliche -Erzgebirge umfaßte. In den darauf folgenden Jahrhunderten -finden wir des Erzgebirges nicht besonders gedacht, denn der Anbau -schritt auf demselben nur sehr sparsam fort. Gegen Ende des 15. -Jahrhunderts aber begegnet man neben den Bezeichnungen »böhmisches -Gebirge« und »böhmischer Wald« vereinzelt bei Petrus Albinus auch -dem Namen »Erzgebirge«, womit jedoch nicht das ganze Gebirge, sondern -nur die Gegenden bezeichnet wurden, in denen Bergbau getrieben -ward. Selbst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die -letztere Bezeichnung noch nicht recht eingebürgert, obschon wir jetzt bereits -dem Ausdrucke »erzgebirgischer Kreis« begegnen.</p> - -<p>Aus dem »Waldgebirge« war im Laufe der Jahrhunderte ein -»Erzgebirge« geworden; ehe aber dieser Name allgemeinen Eingang -in der geographischen Litteratur gefunden hatte, waren schon längst -die ersten Gruben zur Erzgewinnung im Betriebe. Wenn auch die -slavischen Bewohner an dem Fuße des Gebirges in den Sudpanien -Daleminzi und Chutizi, welche letztere sich selbst in die Thäler des alten -Miriquidi hinaufzog, vorherrschend Ackerbau trieben, so haben sie doch -als nicht ungeschickte Metallbearbeiter jedenfalls auch Erze gesucht. -Der älteste erzgebirgische Bergbau bezog sich vielleicht nur auf die Gewinnung -von Zinn-, Kupfer- und Eisenerzen, und erst später trat der -Silberbergbau hinzu. Letzterer veranlaßte die Gründung Freibergs in -der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Damals kamen unter ihrem<span class="pagenum"><a id="Seite_v">[v]</a></span> -Vogte Hermann von Gowische Harzer Bergleute, und fortgesetzt hat dann -der Zuzug in unser Gebirge, auch aus der bayrischen Oberpfalz, dem -Fichtelgebirge und Bezirke von Eger fortgedauert. Schon um das Jahr -1000 hatten Einwanderungen Deutscher in die oben genannten slavischen -Gaue stattgefunden und es wurden damals Orte, wie Sachsenfeld, -Sachsengrün, Frankenstein, Frankenberg, Frankenhausen u. s. w. -gegründet, welche in ihren Namen noch die Erinnerung an diese ersten -deutschen Ansiedler erhalten haben. Ebenso weist die Übereinstimmung -von Ortsnamen in der Eibenstocker Gegend mit solchen im egerschen -Bezirke und in Bayern oder im Harze auf frühere Einwanderungen -hin. Vermutlich wurde z. B. auch gegen das Ende des 15. Jahrhunderts -das Dorf Bermsgrün von Blechschmieden aus dem Fichtelgebirge, -welche das damals entstandene Hammerwerk Erla hinzog, angelegt; -soll doch vor ungefähr 40 bis 50 Jahren der dortige Dialekt noch -manche Ähnlichkeit mit dem im bayrischen Fichtelgebirge gesprochenen -gehabt haben, ebenso wie der Chronist von Bockau, <em class="antiqua">M.</em> Georg Körner, -in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf eine Verwandtschaft der -Mundart in der Eibenstocker Gegend mit derjenigen bei Eger hinweist. -Durch die Gründung der Bergstädte seit Ende des 14. (1395 Geyer), -hauptsächlich jedoch im 15. (Altenberg, Schneeberg, Annaberg) und -vielleicht auch im 16. Jahrhunderte (Hohenstein, Marienberg) wurden -viele Familien von auswärts zur Niederlassung in unserm Gebirge -veranlaßt; einzelne derselben gründeten selbst neue Orte, wie Blauenthal, -welches seinen Namen der Nürnberger Familie Blaue verdankt, -deren Glieder durch die Zwitterzechen in die dortige Gegend gezogen wurden.</p> - -<p>Bei Beachtung dieser allmählichen Besiedelung des Erzgebirges -darf man sich nicht wundern, wenn unsere Volkssagen vielfach an solche -des Fichtelgebirges und Harzes oder Thüringens erinnern, da es sehr -wahrscheinlich ist, daß Berg- und Hüttenleute dieselben aus ihrer alten -Heimat mitbrachten und mit Plätzen ihrer neuen Heimat verknüpften, -wie ja auch Berge, Bäche und neugegründete Orte mit Namen belegt -wurden, welche das Andenken an die heimatlichen Fluren erhalten sollten.</p> - -<p>Das Gesagte gilt in erster Linie von den Spuk- und Gespenster- -sowie Dämonen- und Schatzsagen. Auffällig könnte dabei erscheinen, -daß die Sagen von der während der Weihnachtszeit umherziehenden Frau -Holle oder Perchtha, welche im Vogtlande und Thüringen, im nördlichen -Franken über die Rhön hinaus, in der Wetterau bis zum Westerwalde -und im Egerlande heimisch sind, im Erzgebirge gänzlich fehlen. -Mutmaßlich sind dieselben aber hier wieder verloren gegangen, da für -ihr einstmaliges Vorhandensein manche abergläubischen Meinungen und -Gebräuche sprechen. <em class="antiqua">Dr.</em> M. Spieß teilt z. B. mit, daß man nach<span class="pagenum"><a id="Seite_vi">[vi]</a></span> -dem Volksglauben im sächs. Obererzgebirge während der Zwölfnächte -nicht klöppeln dürfe, weil die Klöpplerinnen ihre Spitzen beschmutzen -würden, daß man die Reste von Speisen in der Christnacht auf dem -Tische stehen, oder wenigstens das in ein Tischtuch eingeschlagene Brot -daselbst liegen lasse, und daß man die Tenne in der Scheune sorgfältig -reinige, weil die Abgeschiedenen (die Götter) um Mitternacht -dort tanzen sollen u. s. w. (Sitten und Gebräuche des sächs. Obererzgebirges, -1862. S. 7–9.)</p> - -<p>Neben den jedenfalls aus andern deutschen Landschaften in unser -Gebirge eingewanderten Sagen entstanden in demselben auch neue und -ihm eigenartige. Schlummert doch die Phantasie nirgends und zu -keiner Zeit, und so läßt sich die Sagenbildung selbst bis in die Gegenwart -verfolgen. Ein Beispiel möge dies beweisen. Als vor einigen -Jahren die seit Jahrhunderten verlassen gewesenen Baue des St. Georg -zu Schneeberg wieder aufgeschlossen wurden, fand man in den Erd- -und Gesteinsmassen neben zahlreichen Werkzeugen auch ein kleines gußeisernes -Männchen. Dasselbe stellt eine harlekinartige Figur vor, welche -vielleicht ein Musikinstrument in den Händen hielt und wahrscheinlich -von einem der Trinkgefäße abbrach, die 1477 auf den bekannten -Silbertisch Herzog Albrechts gestellt wurden. Als man bald nachher -im St. Georg auch reiche Silbererze fand, da erzählten die Bergleute, -das Männchen habe so gelegen, daß es mit seinem ausgestreckten linken -Arme dorthin gezeigt habe, wo man diese Erze suchen müsse. -Der den Bau leitende Beamte habe dieses Zeichen wohl verstanden. -Wenn man nun weiß, daß der betreffende Beamte die kleine Figur -gar nicht gefunden hatte, sondern daß man ihm dieselbe erst einige -Tage später übergab, so wird man zugestehen müssen, daß hier die -dichtende Phantasie der Bergknappen etwas schuf, was sich vielleicht -nach Jahrzehnten den älteren Volkssagen von wunderbaren Anzeichen -auf verborgene Schätze ebenbürtig an die Seite stellen dürfte.</p> - -<p>Wie hier die Phantasie sich einer historischen Thatsache bemächtigt -hat, so thut sie dies auch in anderen Fällen, sie dichtet zu eigentümlich -klingenden Namen wunderbare Sagen und so werden einzelne -Felsen, Höhlen, Berge und die Reste alter Schlösser durch den poetischen -Sinn der Bewohner gleichsam verschönt.</p> - -<p>Jeder Erzgebirger, der seine Heimat lieb hat, sollte sich daher -auch ihrer Sagen freuen und diejenigen, welche noch aus der Kinderzeit -in seine alten Tage hinüberklingen, treu bewahren.</p> - -<p>Die vorliegende Sagensammlung will ihm dabei zu Hülfe kommen -und ihn mit dem Schatze dessen, was unser Volk gedichtet hat, bekannt -machen, halb Vergessenes wieder auffrischen und ihm zeigen, daß in<span class="pagenum"><a id="Seite_vii">[vii]</a></span> -manchem, worüber er vielleicht gelächelt und was er nur als der kindlichen -Einfalt zusagend angesehen hat, oft ein tiefer Sinn ruht.</p> - -<p>In den Volkssagen, wie</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»in des Volkes Kindermund, in Lied und Spruch der Alten,<br /></span> -<span class="i0">da rauscht manch frischer Weisheitsquell wie aus Granites Spalten.«<br /></span> -</div></div> - -<p>Es gab eine Zeit, und sie ist vielleicht nicht völlig vorüber, da -glaubte man die einfachen Stoffe, wie solche im Munde des Volkes -lebten und noch leben, durch Zuthaten ausschmücken zu müssen. In -diesen Fehler sind z. B. die bereits genannten Sammler Dietrich und -Textor verfallen, in deren Erzählungen es vielfach schwierig ist, den -eigentlichen Kern aus der novellistischen Umhüllung herauszuschälen; -auch die in metrischer Form wiedergegebenen Sagen Ziehnerts haben -gerade dadurch ihren Duft verloren. Der Herausgeber der vorliegenden -Sammlung vermied aber möglichst jede der ursprünglichen Überlieferung -fremde Ausschmückung, selbst auf die Gefahr hin, daß er damit -dem verbildeten Geschmacke manches Lesers keinen Gefallen erwies. -Er beherzigte vielmehr die Worte, welche die Brüder Grimm ihren -»Deutschen Sagen« voranschicken und die kurz und bündig aussprechen, -was von einer Sagensammlung verlangt wird. Sie lauten: »Das -erste, was wir bei Sammlung von Sagen nicht aus den Augen gelassen -haben, ist <em class="gesperrt">Treue</em> und <em class="gesperrt">Wahrheit</em>. Die ungenügsamen Gebildeten -haben nicht bloß die wirkliche Geschichte, sondern auch das -gleich unverletzliche Gut der Sage mit Unwahrheiten zu vermengen, -zu überfüllen und überbieten getrachtet. Wir haben arme Sagen -nicht reich machen mögen, weder aus einer Zusammenfügung mehrerer -kleinen, wobei zur Not der Stoff geblieben, Zuschnitt und -Färbung aber verloren gegangen wäre, noch gar durch unerlaubte, -fremde Zuthaten, die mit nichts zu beschönigen sind.« Schlicht und -einfach erzählt das Volk und in gleicher Form müssen auch seine -Sagen der möglichen Vergessenheit entrissen werden. Daß mich bei -der vorliegenden Sammlung einzelne meiner Schüler unterstützten, -welche in dem Elternhause manche Sage hörten, die mir vielleicht entgangen -wäre, habe ich mit Dank anzuerkennen, und ebenso gebührt -allen andern, welche mir in gleicher Weise behülflich waren, mein verbindlichster -Dank, auch wenn ihre Namen, die mir nach der Aufzeichnung -der mündlichen Mitteilungen nicht mehr in der Erinnerung -geblieben waren, hie und da fehlen sollten.</p> - -<p>Das Sagenbuch des Erzgebirge berücksichtigt, wie sich ja schon -aus der vorangeschickten Umgrenzung des Gebietes ergiebt, neben dem -sächsischen auch den böhmischen Teil des Gebirgs. War doch das -Volksleben in den früheren Jahrhunderten, denen wohl die meisten<span class="pagenum"><a id="Seite_viii">[viii]</a></span> -Sagenstoffe entstammen, auf beiden Seiten ein im wesentlichen gleiches -und haben ja auch die politischen Grenzen mehrfach sich verändert, so -daß Bezirke, die früher zu Böhmen gehörten, jetzt sächsisch sind, und -umgekehrt. Ich stellte mich hier auf denselben Standpunkt wie andere -Sagensammler, die allgemein thüringsche oder lausitzsche Sagen -u. s. w. veröffentlichten.</p> - -<p>Den einzelnen Abteilungen des Sagenbuches sind einleitende Worte -vorausgeschickt und vielen einzelnen Sagen Bemerkungen beigefügt -worden, in denen für diejenigen, welche sich mit spezieller Sagenforschung -nicht befaßt haben, einerseits auf die mythologische Bedeutung -vieler Sagen oder auf verwandte Überlieferungen in andern deutschen -Gebieten hingewiesen, in denen aber auch auf einzelne historische -Thatsachen aufmerksam gemacht wird, um die betreffenden -Sagen als das hinzunehmen, was sie sind: Erzeugnisse der Phantasie -und Poesie, welche sich nur an historische und zum Teil wieder vergessene -Ereignisse anlehnen. Der Fachgelehrte bedarf selbstverständlich -der Anmerkungen nicht.</p> - -<p>Da es schwer ist, in allen Fällen die Sage von der wirklichen -Geschichte zu trennen, so sind auch einzelne Stoffe aufgenommen worden, -welche als bloße chronikalische Nachrichten aufgefaßt werden können, -obschon ihnen ein, wenn auch nur schwacher Schimmer des dichtenden -Volksgeistes anhaftet. Dies gilt besonders von den sogenannten Ortssagen, -von denen einige vielleicht auch einen Platz in einem andern Abschnitte -hätten finden können. So dürfte z. B. <a href="#sec329">No. 329</a>, welche Sage -freilich, was hier gleich bemerkt sein mag, durch ein Versehen mit eingereiht -wurde, da dieselbe streng genommen nicht mehr in das am -Eingange abgegrenzte Gebiet gehört, unter den Göttersagen an keinem -unrechten Platze sein. Über solche Einzelheiten und ebenso über die -Gruppierung der Sagenstoffe können ja die Meinungen aneinander -gehen.</p> - -<p>Möge nun das Buch recht viele Freunde finden und möge es, -wie bereits ein Rezensent aussprach, dazu beitragen, »daß die Freude -an Herkommen und Vergangenheit uns wieder wie unsern Altvorderen -zu eigen werde, damit wir selbst wieder mit unserer Scholle verwachsen -und in unserer Heimat heimisch werden, wie es von jeher deutsche -Art und Sitte war.«</p> - -<p class="center"> -<b>Schneeberg</b>, den 16. Juni 1886.</p> -<p class="right"> -<em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_ix">[ix]</a></span></p> - -<h2 id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis.</h2> -</div> - -<table summary="Inhalt"> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap1">I.</a> Göttersagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec1">1.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec2">2.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Slavengott Ladon.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec3">3.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Crottendorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec4">4.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Crodensee in Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec5">5.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Götze Crodo bei Meerane.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec6">6.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Herdabild bei Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec7">7.</a></td> - <td class="tdtoc">Der heilige Hain bei Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec8">8.</a></td> - <td class="tdtoc">Der heilige Hain in Weißbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec9">9.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec10">10.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Taufstein bei Ober-Crinitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap2">II.</a> Sagen von Spukgeistern und Gespenstern.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec11">11.</a></td> - <td class="tdtoc">Das wütende Heer bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec12">12.</a></td> - <td class="tdtoc">Das wütende Heer bei Weißbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec13">13.</a></td> - <td class="tdtoc">Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec14">14.</a></td> - <td class="tdtoc">Die wilde Jagd bei Komotau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec15">15.</a></td> - <td class="tdtoc">Der wilde Jäger bei Karlsfeld.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec16">16.</a></td> - <td class="tdtoc">Der wilde Jäger bei Schönlinde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec17">17.</a></td> - <td class="tdtoc">Der wilde Jäger bei Neustadt b. Falkenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec18">18.</a></td> - <td class="tdtoc">Der graue Jäger auf dem Tossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec19">19.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Waldschütz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec20">20.</a></td> - <td class="tdtoc">Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec21">21.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Jäger ohne Kopf im Hofbusche bei Schlettau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec22">22.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec23">23.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec24">24.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Reiter bei Waschleite.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec25">25.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec26">26.</a></td> - <td class="tdtoc">Der kopflose Reiter bei Bernsbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec27">27.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec28">28.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Panzerreiter zu Stollberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec29">29.</a></td> - <td class="tdtoc">Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec30">30.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geisterschloß bei Bockau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec31">31.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Spuk an der Straße bei Albernau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec32">32.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec33">33.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau zu Neustädtel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec34">34.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau zu Venusberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec35">35.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec36">36.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec37">37.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau am Brautstock bei Altenberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_x">[x]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec38">38.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau auf Schloß Scharfenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec39">39.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau in Unterchodau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec40">40.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau in Premlowitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec41">41.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau des Hohen Steins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec42">42.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec43">43.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec44">44.</a></td> - <td class="tdtoc">Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec45">45.</a></td> - <td class="tdtoc">Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner Walde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec46">46.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec47">47.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Jungfrau des Lautersteins bei Zöblitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec48">48.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec49">49.</a></td> - <td class="tdtoc">Verwünschte Schloßfräulein hängen Wäsche auf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec50">50.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Jungfrau auf dem Braunsteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec51">51.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schön-Jungferngrund bei Oberwiesenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec52">52.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Jungfrau des Pürsteins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec53">53.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Fräulein des Schlosses Rabenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec54">54.</a></td> - <td class="tdtoc">Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec55">55.</a></td> - <td class="tdtoc">Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec56">56.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Jungfrau des Grauensteins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec57">57.</a></td> - <td class="tdtoc">Die eifersüchtige tote Frau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec58">58.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec59">59.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Verstorbene verhilft ihrer Tochter zu ihrem Rechte.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec60">60.</a></td> - <td class="tdtoc">Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec61">61.</a></td> - <td class="tdtoc">Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec62">62.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec63">63.</a></td> - <td class="tdtoc">Gespenstische Frauen in Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec64">64.</a></td> - <td class="tdtoc">Die alte Frau in der Isenburg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec65">65.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Fegeweib vom Katzensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec66">66.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec67">67.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec68">68.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Katzenhans und seine Genossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec69">69.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Rachhals in Aue.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec70">70.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Hammergespenst.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec71">71.</a></td> - <td class="tdtoc">Der unheimliche Hansmichel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec72">72.</a></td> - <td class="tdtoc">Der rote Hohensteiner.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec73">73.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Freier auf Hartenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec74">74.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Mönch bei Grünhain.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec75">75.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzelle.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec76">76.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Mönch in Komotau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec77">77.</a></td> - <td class="tdtoc">Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec78">78.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Laternenmann in <span id="corr-x">Alberode</span>.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec79">79.</a></td> - <td class="tdtoc">Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec80">80.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec81">81.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Mordgespenst bei Stützengrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec82">82.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec83">83.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Feuermann von Komotau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec84">84.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Mann mit dem Lichte bei Pobershau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec85">85.</a></td> - <td class="tdtoc">Der schwarze Mann zu Königswalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec86">86.</a></td> - <td class="tdtoc">Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xi">[xi]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec87">87.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schamprich zu Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec88">88.</a></td> - <td class="tdtoc">Der schwarze Mann des Jüdensteins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec89">89.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec90">90.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec91">91.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Einsiedler im Thale der roten Weißeritz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec92">92.</a></td> - <td class="tdtoc">Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec93">93.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec94">94.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec95">95.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Gespenst in einer Halde in Pobershau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec96">96.</a></td> - <td class="tdtoc">Die sieben Ruten bei Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec97">97.</a></td> - <td class="tdtoc">Der böse Seidelmann in den Sechsruten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec98">98.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Baslerfels bei Platten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec99">99.</a></td> - <td class="tdtoc">Der böse Graf von Wildenfels.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec100">100.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hirse zählende Verbannte.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec101">101.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt um.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec102">102.</a></td> - <td class="tdtoc">Der alte Turm in Tannenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec103">103.</a></td> - <td class="tdtoc">Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec104">104.</a></td> - <td class="tdtoc">Spuk auf dem Braunsteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec105">105.</a></td> - <td class="tdtoc">Spuk auf dem Grauensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec106">106.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec107">107.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und Zschorlau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec108">108.</a></td> - <td class="tdtoc">Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße bei Scheibenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec109">109.</a></td> - <td class="tdtoc">Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec110">110.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Erlösung.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec111">111.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec112">112.</a></td> - <td class="tdtoc">Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec113">113.</a></td> - <td class="tdtoc">Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec114">114.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec115">115.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Kirchenbau zu Pritschapel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec116">116.</a></td> - <td class="tdtoc">Der große Bergsturz zu Altenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec117">117.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und Komotau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec118">118.</a></td> - <td class="tdtoc">Der feurige Hund bei Graslitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec119">119.</a></td> - <td class="tdtoc">Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec120">120.</a></td> - <td class="tdtoc">Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec121">121.</a></td> - <td class="tdtoc">Das gespenstische Schaf bei Wildenfels.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec122">122.</a></td> - <td class="tdtoc">Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec123">123.</a></td> - <td class="tdtoc">Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec124">124.</a></td> - <td class="tdtoc">Der schwarze Hund in Grünthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec125">125.</a></td> - <td class="tdtoc">Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec126">126.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Walkpudel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec127">127.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hüttenmops.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec128">128.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Hase bei Frankenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec129">129.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec130">130.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schindergründel bei Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec131">131.</a></td> - <td class="tdtoc">Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec132">132.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Puppe von Brand.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec133">133.</a></td> - <td class="tdtoc">Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec134">134.</a></td> - <td class="tdtoc">Die geheimnisvollen Hammerschläge in einem Keller zu Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec135">135.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Klage in den Kohlenschächten bei Bockwa. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xii">[xii]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec136">136.</a></td> - <td class="tdtoc">Das gefährliche Feld bei Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap3">III.</a> Dämonensagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec137">137.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zwerge des Hohen Steins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec138">138.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec139">139.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Zwergloch im Scheibenberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec140">140.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec141">141.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zwerge in Schmiedeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec142">142.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zwerge backen Kuchen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec143">143.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Heilingszwerge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec144">144.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Zwergtanz im Kupferhügel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec145">145.</a></td> - <td class="tdtoc">Das graue Männlein bei Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec146">146.</a></td> - <td class="tdtoc">Das graue Männlein bei Blauenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec147">147.</a></td> - <td class="tdtoc">Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec148">148.</a></td> - <td class="tdtoc">Der graue Zwerg am weißen Steine bei Alberoda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec149">149.</a></td> - <td class="tdtoc">Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird gestört.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec150">150.</a></td> - <td class="tdtoc">Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec151">151.</a></td> - <td class="tdtoc">Spuk der Berggeister u. Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein bei Zöblitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec152">152.</a></td> - <td class="tdtoc">Berggeister in den Schneeberger Gruben.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec153">153.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist in der Grube Sieben-Schlehen bei Neustädtel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec154">154.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist am Donat zu Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec155">155.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec156">156.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in Neu-Geising.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec157">157.</a></td> - <td class="tdtoc">Vom Berggeist in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec158">158.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec159">159.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec160">160.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Bergmann in Aue.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec161">161.</a></td> - <td class="tdtoc">Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec162">162.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec163">163.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Bergmann bei Scheibenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec164">164.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein gespenstischer Bergmann führt irre.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec165">165.</a></td> - <td class="tdtoc">Das graue Männchen warnt einen Bergmann.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec166">166.</a></td> - <td class="tdtoc">Das graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft« bei Johanngeorgenstadt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec167">167.</a></td> - <td class="tdtoc">Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec168">168.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist verlangt für reiche Ausbeute eine Pfennigsemmel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec169">169.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist von Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec170">170.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist von Abertham.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec171">171.</a></td> - <td class="tdtoc">Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec172">172.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Gevattersmann vom Greifensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec173">173.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geschenk des Holzweibchens.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec174">174.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Waldweibchen bei Pobershau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec175">175.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec176">176.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec177">177.</a></td> - <td class="tdtoc">Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec178">178.</a></td> - <td class="tdtoc">Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec179">179.</a></td> - <td class="tdtoc">Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec180">180.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xiii">[xiii]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec181">181.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec182">182.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Holzweibchen im Schönecker Walde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec183">183.</a></td> - <td class="tdtoc">Buschweibchen in der Umgebung des Hohen Steins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec184">184.</a></td> - <td class="tdtoc">Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec185">185.</a></td> - <td class="tdtoc">Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec186">186.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Holzweibel ziehen fort.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec187">187.</a></td> - <td class="tdtoc">Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec188">188.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Waldgeist bei Pfannenstiel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec189">189.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Feldteufel zu Grumbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec190">190.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Getreideschneider.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec191">191.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hemann im Erzgebirge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec192">192.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec193">193.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec194">194.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Hemännchen bei Graslitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec195">195.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hemann des Rammelsberges.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec196">196.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Heideweibchen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec197">197.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Marzebilla.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec198">198.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Wechselbalg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec199">199.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Mittagsgespenst.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec200">200.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Alp.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec201">201.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Melusina.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec202">202.</a></td> - <td class="tdtoc">Vom thörichten See bei Satzung.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec203">203.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec204">204.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec205">205.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wassernixe am Hans-Heilings-Felsen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec206">206.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Wassermann flickt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec207">207.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Nix fordert sein Opfer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec208">208.</a></td> - <td class="tdtoc">Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec209">209.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Nixenwanne und die Nixentaufe des Chemnitzflusses.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec210">210.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Nix im Rabenauer Grunde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec211">211.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Seebergsjungfer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec212">212.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Kobold zu Lauter.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec213">213.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Poltergeist zu Grüna.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec214">214.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Kobold zu Thalheim.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec215">215.</a></td> - <td class="tdtoc">Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec216">216.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Koboldstein bei Pfaffengrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec217">217.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Kaspar des Greifensteins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec218">218.</a></td> - <td class="tdtoc">Geist Mützchen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec219">219.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec220">220.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Stückchen vom Pumphut.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec221">221.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Jüdel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec222">222.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schrackagerl.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec223">223.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wehklage.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec224">224.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Winselmutter bei Grünhain.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec225">225.</a></td> - <td class="tdtoc">Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec226">226.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Staatslaterne bei Geyer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec227">227.</a></td> - <td class="tdtoc">Die unheimliche Fackel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec228">228.</a></td> - <td class="tdtoc">Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec229">229.</a></td> - <td class="tdtoc">Dämonische Gestalten in einem Teiche bei Scheibenberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xiv">[xiv]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec230">230.</a></td> - <td class="tdtoc">Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec231">231.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Drache.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec232">232.</a></td> - <td class="tdtoc">Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec233">233.</a></td> - <td class="tdtoc">Das gespenstische Kalb zu Mildenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec234">234.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec235">235.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec236">236.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Riesenrippe zu Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec237">237.</a></td> - <td class="tdtoc">In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec238">238.</a></td> - <td class="tdtoc">Große Menschengebeine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap4">IV.</a> Teufelssagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec239">239.</a></td> - <td class="tdtoc">Eines Schmiedes Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec240">240.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec241">241.</a></td> - <td class="tdtoc">Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec242">242.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec243">243.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Teufel erscheint in Freiberg einem Bergmanne.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec244">244.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Teufel ängstigt einen Bergmann.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec245">245.</a></td> - <td class="tdtoc">Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec246">246.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec247">247.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec248">248.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Teufelsmühle am Wilischberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec249">249.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Käthelstein bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec250">250.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hans-Heilings-Felsen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec251">251.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec252">252.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec253">253.</a></td> - <td class="tdtoc">Der versteinerte Kammerwagen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec254">254.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie der Teufel Schellerhau verlor.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap5">V.</a> Zaubersagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec255">255.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schwarzkünstler zu Geyer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec256">256.</a></td> - <td class="tdtoc">Pestzauberei.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec257">257.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zauberelse zu Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec258">258.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Zauberbuch und die gespenstischen Raben.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec259">259.</a></td> - <td class="tdtoc">Die unheimlichen Gäste in Werda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec260">260.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Hexen zu Schellenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec261">261.</a></td> - <td class="tdtoc">Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec262">262.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Hexenloch bei Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec263">263.</a></td> - <td class="tdtoc">Mittel gegen Zauberei.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec264">264.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Hexe wird erkannt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec265">265.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Hexen am Walpurgisabende.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec266">266.</a></td> - <td class="tdtoc">Der wunderliche Katzentanz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec267">267.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec268">268.</a></td> - <td class="tdtoc">Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec269">269.</a></td> - <td class="tdtoc">Speisen werden festgemacht.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec270">270.</a></td> - <td class="tdtoc">Festgemachte werden überwunden.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec271">271.</a></td> - <td class="tdtoc">Festgemachte werden von ihrem Wesen u. ihrer geheimnisvollen Kraft befreit.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec272">272.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Räuber Hartenknopf bei Zelle ist kugelfest.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec273">273.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Holzmüller von Neudorf. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xv">[xv]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec274">274.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec275">275.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec276">276.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Wunderdoktor zu Permesgrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec277">277.</a></td> - <td class="tdtoc"><em class="antiqua">Dr.</em> Fausts Höllenzwang.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec278">278.</a></td> - <td class="tdtoc">Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec279">279.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec280">280.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie das Feuer gebannt wird.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap6">VI.</a> Schatzsagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec281">281.</a></td> - <td class="tdtoc">Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec282">282.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Schatzkammer am Bärensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec283">283.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatzkeller im Scheibenberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec284">284.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Geldkeller auf dem Greifensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec285">285.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec286">286.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec287">287.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec288">288.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Heinrichsteine bei Platten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec289">289.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz des Seeberges.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec290">290.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Teufelswand bei Blauenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec291">291.</a></td> - <td class="tdtoc">Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec292">292.</a></td> - <td class="tdtoc">Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec293">293.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz in der Loh bei Schönau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec294">294.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz auf der Geyersburg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec295">295.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Schätze bei der Prokopikapelle in Graupen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec296">296.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec297">297.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec298">298.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Aberthamer »Fels'l.«</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec299">299.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Tümpelstein bei Klösterle.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec300">300.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Schätze der Burg Niederlauterstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec301">301.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Schätze von Oberlauterstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec302">302.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Silbermann bei Pürstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec303">303.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Schlosse Rabenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec304">304.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec305">305.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz in der Ruine Rechenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec306">306.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz des Tschinnersteines bei Brandau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec307">307.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Heldenberg bei Seifen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec308">308.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz des Braunsteines bei Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec309">309.</a></td> - <td class="tdtoc">Der erlöste Herr auf dem Braunsteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec310">310.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec311">311.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz zu Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec312">312.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec313">313.</a></td> - <td class="tdtoc">Der weiße Fels bei Bäringen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec314">314.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec315">315.</a></td> - <td class="tdtoc">Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec316">316.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Eimer voll Silber.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec317">317.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg einen Schatz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec318">318.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec319">319.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Schatzgräber. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xvi">[xvi]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec320">320.</a></td> - <td class="tdtoc">Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Gold.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec321">321.</a></td> - <td class="tdtoc">Kutter verwandeln sich in Geld.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec322">322.</a></td> - <td class="tdtoc">Die sonderbaren Sägespäne.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec323">323.</a></td> - <td class="tdtoc">In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec324">324.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec325">325.</a></td> - <td class="tdtoc">Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec326">326.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec327">327.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec328">328.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec329">329.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Taurasteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec330">330.</a></td> - <td class="tdtoc">Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im Kaiser-Wilhelmsthale bei Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec331">331.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec332">332.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec333">333.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec334">334.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Kloster Grünhain.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec335">335.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec336">336.</a></td> - <td class="tdtoc">Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec337">337.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im roten Berge bei Werdau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec338">338.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec339">339.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec340">340.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec341">341.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap7">VII.</a> Wundersagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec342">342.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wunderblume auf dem Schlettenberge bei Marienberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec343">343.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec344">344.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec345">345.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wunderblume des Grauensteins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec346">346.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wunderblume bei Blauenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec347">347.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wünschelrute.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec348">348.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec349">349.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Goldstampfe am Borlasbache.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec350">350.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec351">351.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec352">352.</a></td> - <td class="tdtoc">Das alte Schloß bei Schmiedeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec353">353.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec354">354.</a></td> - <td class="tdtoc">Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec355">355.</a></td> - <td class="tdtoc">Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec356">356.</a></td> - <td class="tdtoc">Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec357">357.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Anfang des Bergwerkes St. Briccius am Pöhlberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec358">358.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entstehung Annabergs.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec359">359.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Kapelle zu Frohnau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec360">360.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schweizerzug bei Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec361">361.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec362">362.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Tellerhäuser bei Oberwiesenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec363">363.</a></td> - <td class="tdtoc">Die neue Grube bei Preßnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec364">364.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xvii">[xvii]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec365">365.</a></td> - <td class="tdtoc">Der goldene Hirsch auf dem Kuhberge bei Stützengrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec366">366.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Eselswiese bei Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec367">367.</a></td> - <td class="tdtoc">Des Schlackenmannes oder albernen Mannes Loch.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec368">368.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Grube »Himmlisches Heer« bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec369">369.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Alaunsee bei Komotau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec370">370.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gute Brunn zu Nieder-Zwönitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec371">371.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec372">372.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht verloren.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec373">373.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Heilquelle bei Hartessenreuth.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec374">374.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec375">375.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec376">376.</a></td> - <td class="tdtoc">Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer Serpentins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec377">377.</a></td> - <td class="tdtoc">Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec378">378.</a></td> - <td class="tdtoc">Der dürre Lindenstab.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec379">379.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Galgenbaum bei Blankenhain.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec380">380.</a></td> - <td class="tdtoc">Die drei Linden bei Crimmitschau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec381">381.</a></td> - <td class="tdtoc">Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec382">382.</a></td> - <td class="tdtoc">Prophezeiung des <em class="antiqua">M.</em> Schütze zu Öderan.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec383">383.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Prophezeiung der Zigeuner.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec384">384.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Eiche bei Hartenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec385">385.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Sylvestersage.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec386">386.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Scharfrichter und sein Schwert.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec387">387.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Traum auf Augustusburg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec388">388.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Kurfürstin Margaretha wird durch einen Traum vor den Prinzenräubern gewarnt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec389">389.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung durch die Schweden.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec390">390.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Geist zeigt eine Mordthat an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec391">391.</a></td> - <td class="tdtoc">Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec392">392.</a></td> - <td class="tdtoc">Nächtliches Fallen zeigt den Tod an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec393">393.</a></td> - <td class="tdtoc">Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec394">394.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec395">395.</a></td> - <td class="tdtoc">Singen und Klingen verkündet einen Sterbefall.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec396">396.</a></td> - <td class="tdtoc">Rumoren zeigt einen Todesfall an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec397">397.</a></td> - <td class="tdtoc">Der geplagte Polizeidiener.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec398">398.</a></td> - <td class="tdtoc">Vögel sind Unglücksverkündiger.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec399">399.</a></td> - <td class="tdtoc">Anzeichen von Feuersbrünsten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec400">400.</a></td> - <td class="tdtoc">Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec401">401.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec402">402.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Sturm ist Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec403">403.</a></td> - <td class="tdtoc">Ungestümes Wetter zeigt Krieg an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec404">404.</a></td> - <td class="tdtoc">Heulendes Wasser zeigt Unglück an.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec405">405.</a></td> - <td class="tdtoc">Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec406">406.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec407">407.</a></td> - <td class="tdtoc">Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec408">408.</a></td> - <td class="tdtoc">Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec409">409.</a></td> - <td class="tdtoc">In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec410">410.</a></td> - <td class="tdtoc">Der heillose Bäcker in Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec411">411.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Görkauer Maskenhochzeit.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec412">412.</a></td> - <td class="tdtoc">Meineid wird bestraft. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xviii">[xviii]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec413">413.</a></td> - <td class="tdtoc">Der bestrafte Gotteslästerer in Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec414">414.</a></td> - <td class="tdtoc">Mönch und Kriegsknechte des Teufelsteins bei Lauter.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec415">415.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Oswaldskirche bei Grünhain.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec416">416.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec417">417.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Gottesleugner zu Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec418">418.</a></td> - <td class="tdtoc">Vorboten der Pest.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec419">419.</a></td> - <td class="tdtoc">Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec420">420.</a></td> - <td class="tdtoc">Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec421">421.</a></td> - <td class="tdtoc">Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec422">422.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec423">423.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec424">424.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec425">425.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec426">426.</a></td> - <td class="tdtoc">Kreuze fallen vom Himmel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec427">427.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Topf schwitzt zu Öderan Blut aus.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec428">428.</a></td> - <td class="tdtoc">Blutzeichen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec429">429.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein längst verstorbenes Kind blutet.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec430">430.</a></td> - <td class="tdtoc">Blutende Geweihe in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec431">431.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein wunderbarer Schuß in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec432">432.</a></td> - <td class="tdtoc">Der krumme Schuß in Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec433">433.</a></td> - <td class="tdtoc">Perlenschoten in Wiesenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec434">434.</a></td> - <td class="tdtoc">Brot wird aus weißer Erde gebacken.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec435">435.</a></td> - <td class="tdtoc">Gottes-Speise bei Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec436">436.</a></td> - <td class="tdtoc">Körnerregen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec437">437.</a></td> - <td class="tdtoc">Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec438">438.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Kapelle des St. Jobs in Wiesenbad.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec439">439.</a></td> - <td class="tdtoc">Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec440">440.</a></td> - <td class="tdtoc">Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec441">441.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec442">442.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Marienbild bei Klösterle.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec443">443.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Marienbild in Mariaschein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec444">444.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec445">445.</a></td> - <td class="tdtoc">Die heilige Georgenfahne zu Tharand.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec446">446.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Wunschfläschchen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec447">447.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec448">448.</a></td> - <td class="tdtoc">Sieben versteinerte Jungfrauen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec449">449.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie die große Glocke auf der Marienkirche zu Zwickau ihre Stimmung bekommen hat.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec450">450.</a></td> - <td class="tdtoc">St. Wolfgang zu Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec451">451.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec452">452.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Totenschänder wird entdeckt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec453">453.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in der Marienkirche zu Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec454">454.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec455">455.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Fußtapfen der heiligen Maria.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec456">456.</a></td> - <td class="tdtoc">Die heilige Maria im Erzgebirge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec457">457.</a></td> - <td class="tdtoc">Der heilige Petrus in Eisenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec458">458.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec459">459.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hengstberg bei Hengstererben. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xix">[xix]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec460">460.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec461">461.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Totenhand in Buchholz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec462">462.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Doppelgänger zu Wiesenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec463">463.</a></td> - <td class="tdtoc">Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec464">464.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Meteoreisen in Elbogen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec465">465.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Köhler von Klingenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec466">466.</a></td> - <td class="tdtoc">Vom flinken Knechte zu Rechenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec467">467.</a></td> - <td class="tdtoc">Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap8">VIII.</a> Völker-, Helden- und Geschlechtssagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec468">468.</a></td> - <td class="tdtoc">Von den alten Wenden bei Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec469">469.</a></td> - <td class="tdtoc">Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec470">470.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Riese Einheer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec471">471.</a></td> - <td class="tdtoc">Schwanhildis.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec472">472.</a></td> - <td class="tdtoc">Libussas Tanzplatz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec473">473.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Einsiedel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec474">474.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Rechenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec475">475.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Sebottendorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec476">476.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geschlecht Callenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec477">477.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Familie von Berbisdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec478">478.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Hartitzsch.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec479">479.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Pardubitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec480">480.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Vitzthum.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec481">481.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Wildenfels.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec482">482.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Ortwinsdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec483">483.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Arnim.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec484">484.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Auerswald.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec485">485.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Herren von Bünau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec486">486.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Ritter von Bärenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec487">487.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geschlecht von Lüttichau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec488">488.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Wappenschild der Schönburge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec489">489.</a></td> - <td class="tdtoc">Woher das Wappen der Herren von <span id="corr-xix">Schönberg</span> entstanden ist.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec490">490.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen sind.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec491">491.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Siebenschläfer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec492">492.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Türkenheide.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec493">493.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Korporallöcher bei Schönau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#kap9">IX.</a> Ortssagen.</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdtoc">Vorbemerkungen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec494">494.</a></td> - <td class="tdtoc">Entdeckung der Freiberger Silbererze.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec495">495.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Anfang der Stadt Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec496">496.</a></td> - <td class="tdtoc">Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec497">497.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung der Bergwerke bei Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec498">498.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entdeckung der Silbererze des Schneebergs.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec499">499.</a></td> - <td class="tdtoc">Entdeckung der Altenberger Zwitter.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec500">500.</a></td> - <td class="tdtoc">Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec501">501.</a></td> - <td class="tdtoc">Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec502">502.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xx">[xx]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec503">503.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges zu Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec504">504.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec505">505.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec506">506.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec507">507.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Fronleichnamsstollen bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec508">508.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entstehung von Schöneck.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec509">509.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec510">510.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Stiftung des Klosters Altzella.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec511">511.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung von Dippoldiswalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec512">512.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung der Stadt Öderan.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec513">513.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Gründung von Mittelsayda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec514">514.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Gründung des Dorfes St. Michaelis.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec515">515.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec516">516.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ursprung des Dorfes Waschleite.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec517">517.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Dorfes Geyersdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec518">518.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Buchholz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec519">519.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Grünstädtel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec520">520.</a></td> - <td class="tdtoc">Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec521">521.</a></td> - <td class="tdtoc">Entdeckung des Karlsbader Sprudels.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec522">522.</a></td> - <td class="tdtoc">Entdeckung der Heilquellen in Teplitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec523">523.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Namen der Stadt Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec524">524.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Dorfnamens Rittersberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec525">525.</a></td> - <td class="tdtoc">Gründung und Name der Stadt Werdau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec526">526.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name der Stadt Frankenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec527">527.</a></td> - <td class="tdtoc">Von dem Namen der Stadt Marienberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec528">528.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung und Name von Elterlein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec529">529.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Hermannsdorf (bei Elterlein).</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec530">530.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Crandorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec531">531.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Grünhain.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec532">532.</a></td> - <td class="tdtoc">Von dem Namen Hermannsdorf (bei Weißbach).</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec533">533.</a></td> - <td class="tdtoc">Entstehung des Namens Gottesgab.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec534">534.</a></td> - <td class="tdtoc">Entstehung des Namens Abertham.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec535">535.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens der Stadt Platten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec536">536.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung und Namensentstehung von Bäringen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec537">537.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec538">538.</a></td> - <td class="tdtoc">Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec539">539.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Wolkenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec540">540.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec541">541.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name des Schlosses Pürstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec542">542.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec543">543.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec544">544.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec545">545.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Conradsdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec546">546.</a></td> - <td class="tdtoc">Von dem Namen des Dorfes Ursprung.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec547">547.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name des Dorfes Wüstenbrand.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec548">548.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name des Dorfes Crossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec549">549.</a></td> - <td class="tdtoc">Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec550">550.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ursprung des Ortsnamens Silberstraße.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec551">551.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda u. Rechenberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xxi">[xxi]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec552">552.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name des Fleckens Bockau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec553">553.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Ortsnamens Remse.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec554">554.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec555">555.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name der Stadt Sonnenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec556">556.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name der Stadt Falkenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec557">557.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entstehung des Namens Neudeck.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec558">558.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entstehung des Namens Frühbuß.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec559">559.</a></td> - <td class="tdtoc">Über den Namen des Dorfes Sauersack.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec560">560.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Sorgenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec561">561.</a></td> - <td class="tdtoc">Name und Ursprung der Stadt Weipert.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec562">562.</a></td> - <td class="tdtoc">Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec563">563.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec564">564.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec565">565.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jacob.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec566">566.</a></td> - <td class="tdtoc">Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec567">567.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Dörnthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec568">568.</a></td> - <td class="tdtoc">Deutung des Namens Weiters-Wiese.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec569">569.</a></td> - <td class="tdtoc">Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec570">570.</a></td> - <td class="tdtoc">Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec571">571.</a></td> - <td class="tdtoc">Der frühere Name von Lichtenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec572">572.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec573">573.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Predigtstuhl bei Rabenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec574">574.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Brautbett bei Rabenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec575">575.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Katharinenstein bei Lauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec576">576.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Kutte bei Elterlein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec577">577.</a></td> - <td class="tdtoc">Sechs Brüder bei Geyer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec578">578.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec579">579.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec580">580.</a></td> - <td class="tdtoc">Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec581">581.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec582">582.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec583">583.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Fastenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec584">584.</a></td> - <td class="tdtoc">Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Öderan.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec585">585.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Bergnamens »Schweizer«.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec586">586.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Silberbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec587">587.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Höllengrund im Öderaner Walde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec588">588.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec589">589.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Spitzberg bei Pfaffengrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec590">590.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Dreimännerberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec591">591.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec592">592.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec593">593.</a></td> - <td class="tdtoc">Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec594">594.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Claußberg in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec595">595.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Galgenberg bei Euba.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec596">596.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec597">597.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec598">598.</a></td> - <td class="tdtoc">Der letzte Heller und die Teufelskanzel am Schottenberge bei Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec599">599.</a></td> - <td class="tdtoc">Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec600">600.</a></td> - <td class="tdtoc">Von den Namen einiger Brunnen. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xxii">[xxii]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec601">601.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung der Namen verschiedener Zechen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec602">602.</a></td> - <td class="tdtoc">Die alte Mordgrube bei Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec603">603.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung des Namens Pacemmühle bei Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec604">604.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec605">605.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Stadtwappen von Geyer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec606">606.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Wappen der Stadt Kirchberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec607">607.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Stadtwappen von Öderan.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec608">608.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Stadtsiegel von Frankenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec609">609.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Gerichtssiegel von Rabenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec610">610.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Stadtsiegel von Zöblitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec611">611.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Wappen der Stadt Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec612">612.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Wappen der Stadt Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec613">613.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Denkbild zum Stadtwappen von Scheibenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec614">614.</a></td> - <td class="tdtoc">Siegel der Stadt Dippoldiswalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec615">615.</a></td> - <td class="tdtoc">Siegel der Stadt Frauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec616">616.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Gemeindesiegel von Olbernhau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec617">617.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Siegel des Dorfes Auerbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec618">618.</a></td> - <td class="tdtoc">Wahrzeichen der Stadt Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec619">619.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wahrzeichen Freibergs.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec620">620.</a></td> - <td class="tdtoc">Wahrzeichen von Crimmitschau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec621">621.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Wahrzeichen von Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec622">622.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Wahrzeichen von Tharand.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec623">623.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec624">624.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüstung Kraxdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec625">625.</a></td> - <td class="tdtoc">Breitenau wird entvölkert und Wüstung.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec626">626.</a></td> - <td class="tdtoc">Die frühere Größe des Städtchens Platz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec627">627.</a></td> - <td class="tdtoc">Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec628">628.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal u. Königswalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec629">629.</a></td> - <td class="tdtoc">Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec630">630.</a></td> - <td class="tdtoc">Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec631">631.</a></td> - <td class="tdtoc">Die wüste Mark Oberopritz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec632">632.</a></td> - <td class="tdtoc">Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec633">633.</a></td> - <td class="tdtoc">Wüste Marken bei Augustusburg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec634">634.</a></td> - <td class="tdtoc">Von früheren Vesten bei Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec635">635.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec636">636.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüste Mark Eibendorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec637">637.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüste Mark Nennigkau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec638">638.</a></td> - <td class="tdtoc">Wüstungen bei Bärenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec639">639.</a></td> - <td class="tdtoc">Wüstungen bei Freiberg und Öderan.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec640">640.</a></td> - <td class="tdtoc">Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec641">641.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüstung Sahnau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec642">642.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüstung Rappendorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec643">643.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüstung Boberau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec644">644.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec645">645.</a></td> - <td class="tdtoc">Die wüste Mark Warnsdorf bei Grillenburg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec646">646.</a></td> - <td class="tdtoc">Die ehemalige Burg Sohra.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec647">647.</a></td> - <td class="tdtoc">Alt-Elbogen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec648">648.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Grillenburg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec649">649.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Wüstung Lützen bei Frankenberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xxiii">[xxiii]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec650">650.</a></td> - <td class="tdtoc">Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec651">651.</a></td> - <td class="tdtoc">Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec652">652.</a></td> - <td class="tdtoc">Die ehemalige Lage von Preßnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec653">653.</a></td> - <td class="tdtoc">Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec654">654.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec655">655.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Peststein bei Rauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec656">656.</a></td> - <td class="tdtoc">Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec657">657.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec658">658.</a></td> - <td class="tdtoc">Zeichen auf dem Katzensteine bei Marienberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec659">659.</a></td> - <td class="tdtoc">Die zwei Messer zu Eibenstock.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec660">660.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Steinkreuz bei Schlettau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec661">661.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Steinkreuz in Werda bei Falkenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec662">662.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec663">663.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec664">664.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Stein an der alten Frühbußer Straße.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec665">665.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Denkstein in Fürstenwalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec666">666.</a></td> - <td class="tdtoc">Drei Steinkreuze bei Lößnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec667">667.</a></td> - <td class="tdtoc">Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec668">668.</a></td> - <td class="tdtoc">Die drei Kreuze bei Brand.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec669">669.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Hahnenkreuz bei Görkau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec670">670.</a></td> - <td class="tdtoc">Beim roten Kreuze in Schmiedeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec671">671.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec672">672.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec673">673.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec674">674.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec675">675.</a></td> - <td class="tdtoc">Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec676">676.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Marienbild in Maria-Kulm.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec677">677.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec678">678.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec679">679.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Walfischrippen in Zwota.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec680">680.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec681">681.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau ausgewühlt worden.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec682">682.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Glocke von Jahnsgrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec683">683.</a></td> - <td class="tdtoc">Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec684">684.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec685">685.</a></td> - <td class="tdtoc">Die große Glocke in Geyer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec686">686.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Barbarakapelle in der Dippoldiswalder Heide.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec687">687.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Kapelle in Unterwiesenthal.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec688">688.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec689">689.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec690">690.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec691">691.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec692">692.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Domkanzel in Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec693">693.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Donatsturm zu Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec694">694.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Marterturm auf Hassenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec695">695.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Mohr im Schlosse zu Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec696">696.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec697">697.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Eichen zu Callnberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xxiv">[xxiv]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec698">698.</a></td> - <td class="tdtoc">Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec699">699.</a></td> - <td class="tdtoc">Das zürnende Steinbild zu Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec700">700.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec701">701.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schächerhäusel bei Geyer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec702">702.</a></td> - <td class="tdtoc">Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec703">703.</a></td> - <td class="tdtoc">Das wandernde Haus in Zinnwald.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec704">704.</a></td> - <td class="tdtoc">Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels mit benachbarten Schlössern.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec705">705.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Judenborn zu Sayda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec706">706.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Mühlengrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec707">707.</a></td> - <td class="tdtoc">Des Keglers Pflaster in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec708">708.</a></td> - <td class="tdtoc">Die übermütige Rede eines Schneebergers wird bestraft.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec709">709.</a></td> - <td class="tdtoc">1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec710">710.</a></td> - <td class="tdtoc">Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec711">711.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec712">712.</a></td> - <td class="tdtoc">Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec713">713.</a></td> - <td class="tdtoc">Historia, wie Silbererz im Holz gewachsen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec714">714.</a></td> - <td class="tdtoc">Reiche Ausbeute zu Mildenau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec715">715.</a></td> - <td class="tdtoc">Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec716">716.</a></td> - <td class="tdtoc">Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec717">717.</a></td> - <td class="tdtoc">Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec718">718.</a></td> - <td class="tdtoc">Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec719">719.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Grabmäler der Ritter von Theler.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec720">720.</a></td> - <td class="tdtoc">Vom früheren Bergbau in Niklasberg und Böhmisch-Moldau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec721">721.</a></td> - <td class="tdtoc">Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec722">722.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie der Zwickauische Kohlenberg brennend wurde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec723">723.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen Erdfall.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec724">724.</a></td> - <td class="tdtoc">Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec725">725.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Freiberger Bauernhasen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec726">726.</a></td> - <td class="tdtoc">Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec727">727.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Märktlein Markersbach.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec728">728.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec729">729.</a></td> - <td class="tdtoc">Wittichs Schloß bei Glashütte.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec730">730.</a></td> - <td class="tdtoc">Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec731">731.</a></td> - <td class="tdtoc">Der schwarze Teich auf Henneberg u. der Teufelsstein bei Johanngeorgenstadt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec732">732.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Schloß auf dem Hohen Steine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec733">733.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec734">734.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Raubschloß Sommerstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec735">735.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Raubschloß auf dem Greifensteine.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec736">736.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Räuber auf Schloß Frauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec737">737.</a></td> - <td class="tdtoc">Schloß Hauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec738">738.</a></td> - <td class="tdtoc">Burg Neustein bei Görkau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec739">739.</a></td> - <td class="tdtoc">Das alte Schloß Mulda.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec740">740.</a></td> - <td class="tdtoc">Tauben verraten das Schloß Schönfels.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec741">741.</a></td> - <td class="tdtoc">Schön-Guta von Hassenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec742">742.</a></td> - <td class="tdtoc">Die heldenmütige Herrin des Schlosses Hartenberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec743">743.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec744">744.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec745">745.</a></td> - <td class="tdtoc">Der treue Haberberger von Freiberg. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xxv">[xxv]</a></span></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec746">746.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem Freidigen das Leben.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec747">747.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec748">748.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec749">749.</a></td> - <td class="tdtoc">Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Öderan.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec750">750.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« bei Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec751">751.</a></td> - <td class="tdtoc">Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec752">752.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec753">753.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec754">754.</a></td> - <td class="tdtoc">Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec755">755.</a></td> - <td class="tdtoc">Kunigunde Mathesius von Öderan.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec756">756.</a></td> - <td class="tdtoc">Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec757">757.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Söhne des Ritters Conrad von Theler.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec758">758.</a></td> - <td class="tdtoc">Der treue Rat von Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec759">759.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Erfindung des Spitzenklöppelns.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec760">760.</a></td> - <td class="tdtoc">Cristoph Schürer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec761">761.</a></td> - <td class="tdtoc"><em class="antiqua">Dr.</em> Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit Gutem.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec762">762.</a></td> - <td class="tdtoc">Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec763">763.</a></td> - <td class="tdtoc">Harras der kühne Springer.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec764">764.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec765">765.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Kärrner zu Stollberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec766">766.</a></td> - <td class="tdtoc">Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec767">767.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei Reichstädt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec768">768.</a></td> - <td class="tdtoc">Das steinerne Herz im Schwarzwasser.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec769">769.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec770">770.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec771">771.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Paradies zu Zwickau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec772">772.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec773">773.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec774">774.</a></td> - <td class="tdtoc">Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins erhielt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec775">775.</a></td> - <td class="tdtoc">Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratstand gezogen wurde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec776">776.</a></td> - <td class="tdtoc">Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec777">777.</a></td> - <td class="tdtoc">Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec778">778.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie das Schnorr'sche Chor in der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg eine Thür von außen erhielt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec779">779.</a></td> - <td class="tdtoc">Der erste Klöppel in Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec780">780.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec781">781.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec782">782.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Zipperleinkur in Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec783">783.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec784">784.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Bäuerin in Frohnau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec785">785.</a></td> - <td class="tdtoc">Die beiden Brüder zu Frohnau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec786">786.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Mönchskalb zu Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec787">787.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec788">788.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Fichte auf dem Gottesacker zu Annaberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec789">789.</a></td> - <td class="tdtoc">Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec790">790.</a></td> - <td class="tdtoc">Woher der Name Preiselbeere stammt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec791">791.</a></td> - <td class="tdtoc">Was der Name Wismut bedeutet.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec792">792.</a></td> - <td class="tdtoc">Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec793">793.</a></td> - <td class="tdtoc">Redensarten. -<span class="pagenum"><a id="Seite_xxvi">[xxvi]</a></span></td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">a.</em> Zwickau gehört zum Vogtlande.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">b.</em> Der Kas is och darnoch.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">c.</em> Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß nicht wie?</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">d.</em> Man kann die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die schwedischen Truppen.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">e.</em> Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">f.</em> Fägel schweiget seine Gäste.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">g.</em> Toffel, das gilt dir auch mit.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">h.</em> Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">i.</em> Die Schlimmen von Öderan.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">k.</em> Je, daß dich der Bär herze.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">l.</em> Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">m.</em> Redensarten Herzog Georgs.</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">n.</em> Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?</td> -</tr> -<tr><td></td> -<td class="tdtoc2"><em class="antiqua">o.</em> Anhang. Sprichwörter und Rätsel.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec794">794.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem jetzigen Platze erbaut wurde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec795">795.</a></td> - <td class="tdtoc">Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec796">796.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec797">797.</a></td> - <td class="tdtoc">Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec798">798.</a></td> - <td class="tdtoc">Sprüche von der Stadt Freiberg.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec799">799.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Todaustreiben.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec800">800.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Totenteich bei Tharand.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec801">801.</a></td> - <td class="tdtoc">Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec802">802.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Streittag der Freiberger Bergleute.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec803">803.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec804">804.</a></td> - <td class="tdtoc">Strafe für zänkische Weiber.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec805">805.</a></td> - <td class="tdtoc">Strafe für liederliche Weibspersonen.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec806">806.</a></td> - <td class="tdtoc">Wie das Lehen gereicht wurde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec807">807.</a></td> - <td class="tdtoc">Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec808">808.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Bärenprivileg für Lößnitz.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdkap" colspan="2"><a href="#appendix">Anhang.</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec809">809.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Wegzug der Zwerge.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec810">810.</a></td> - <td class="tdtoc">Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec811">811.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Schmiedmönch von Thierfeld.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec812">812.</a></td> - <td class="tdtoc">Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche zu Schneeberg zugemauert wurde.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec813">813.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec814">814.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec815">815.</a></td> - <td class="tdtoc">Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. (Zu No. 239.)</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec816">816.</a></td> - <td class="tdtoc">Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu No. 247.)</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec817">817.</a></td> - <td class="tdtoc">Der Geldkeller auf dem Greifensteine. (Zu No. 284.)</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec818">818.</a></td> - <td class="tdtoc">Gottesspeise bei Zwickau. (Zu No. 435.)</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdsec"><a href="#sec819">819.</a></td> - <td class="tdtoc">Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann. (Zu No. 537.)</td> -</tr> -</table> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_1">[1]</a></span></p> - -<h2 id="kap1">I.<br /> -Göttersagen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_3">[3]</a></span></p> -<p class="drop">Von den Höhen des Erzgebirge dehnte sich nordwärts bis in die -Gegenden von Chemnitz, Mittweida, Freiberg und Tharand der -Miriquidi d. h. Schwarzwald aus, ein Stück des alten Germanien, -welches Tacitus als ein Land voll grauser Waldungen oder abscheulicher -Sümpfe bezeichnet. Auf den dichtbewaldeten Höhen und in den -düsteren Thälern des Miriquidi wurde in jener Zeit die tiefe Stille -nur von dem Geheul des Sturmes, dem Rauschen der Gewässer, dem -Geprassel der zusammenstürzenden Riesenstämme, auf deren vermodernden -Leibern wieder eine junge Vegetation emporwucherte, und dem Geschrei -der Vögel und des zahlreichen Wildes unterbrochen; der Mensch -hielt sich noch von dem unwirtlichen Gebirge fern, da er an seinem Fuße -im Nord und Süd Raum genug für seine einsamen Wohnungen fand. -Von der nördlichen Grenze an, ausgebreitet zwischen Saale und Elbe, -waren die Hermunduren, im jetzigen Böhmen die Markomannen und -in den südwestlich gelegenen Gauen, im nordöstlichen Baiern und im -Vogtlande, die Varisker seßhaft. Da, wahrscheinlich schon am Anfange, -besonders aber im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts unserer -Zeitrechnung, begann die Erschütterung, das Drängen und Vorrücken -der Völker. Die slavischen Stämme rückten von Osten her vor. Zwischen -454 und 495 drangen die Czechen in Böhmen ein und ungefähr -zu gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend die -Milczener, Lusitzer, Lutitzier, Obotriten und Sorben bis in die später -sächsischen, mecklen- und brandenburgischen Länder. Von diesen rückten -die Sorben oder Serben, deren Name sie ganz besonders als ackerbautreibendes -Volk bezeichnet, in das spätere Meißnische, und da 531 -von den Franken und Sachsen das mächtige Reich der Thüringer -vernichtet wurde, westwärts bis zur Saale vor. Die Sorben waren -demnach die unmittelbar nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi, -und sie gründeten sehr bald in den fruchtbaren Niederungen und -Thälern Orte und bebaueten das Land. Aber noch wurde dieses -Volk von der Ansiedelung auf den rauhen unwirtlichen Waldhöhen -abgeschreckt, bis endlich nach den langen Vernichtungskämpfen der -mächtigen deutschen Kaiser im 9. Jahrhunderte, denen die Erbauung -der Burg Meißen (928 oder 929) folgte, und ganz besonders als unter -Otto I. die Grafen Hermann Billung und Gero glücklich die letzte -Erhebung an der niedern Elbe und in den Lausitzen niedergeschlagen, die<span class="pagenum"><a id="Seite_4">[4]</a></span> -Macht der Slaven völlig gebrochen war. Der Tributpflichtigkeit zu entgehen, -festhaltend an dem Glauben ihrer Väter, erfüllt mit tiefem -Haß gegen die christliche Geistlichkeit, welche von ihren Einkünften an -Getreide und Vieh, Leinwand, Honig und Wachs den zehnten Teil -forderte, zogen sich nun nach den für ihr Volk unglücklichen Kämpfen -zahlreiche sorbische Familien in das unfreundliche und von wilden Tieren -bevölkerte, aber ihnen doch Freiheit und Sicherheit gegen ihre Besieger -verheißende Erzgebirge zurück, und so wurden bereits gegen Ende des -10. Jahrhunderts von diesen slavischen Einwanderern daselbst einzelne -feste Niederlassungen gegründet. Immer höher stiegen sie, vorzugsweise -wohl in den Thälern und so dem Laufe der Gewässer entgegen, -auf der nordwestlichen Senkung des Gebirges bis ungefähr zur Linie -Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda auf. Erst vom 12. Jahrhundert an, -da das Gebirge durch die Entdeckung reicher Silbererze zum Erzgebirge -wurde, drangen auch die Deutschen zahlreicher vor, gründeten Städte -und Dörfer, und das germanische Element verschlang sehr bald die -slavischen Reste, wo sich dieselben bis dahin noch in einiger Selbständigkeit -erhalten hatten. Wohl erhielt sich noch, wenigstem am -Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache, denn im Jahre 1327 -wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer Gerichten und in -Meißen sogar erst 1424 verboten (Rich. Andree, Wendische Wanderstudien, -S. 143.); jedoch auch in den höher gelegenen slavischen Ansiedelungen -wird die Muttersprache nach Berührung mit den später -vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele slavische -Worte, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind, von den -Deutschen festgehalten wurden.</p> - -<p>Wenn wir nun vom Erzgebirge übereinstimmend mit dem Vogtlande -und der Lausitz wissen, daß sich germanische und slavische Bewohner -in die Kultur des Bodens teilten, daß demnach von beiden -Volksstämmen mythische Sagen in das Gebirge verpflanzt und im Laufe -der Jahrhunderte von den nachfolgenden Generationen, wenn auch -vielfach umgewandelt, festgehalten wurden, so mögen doch die verhältnismäßig -spät und nur sporadisch gegründeten Niederlassungen eine Ursache -davon sein, daß wir solche Sagen, denen eine naturreligiöse -Bedeutung innewohnt, in unserm Gebirge sparsamer, als in den vorhingenannten -Provinzen mit dem Volksleben verwachsen finden. Besonders -sparsam sind die eigentlichen Göttersagen, welche uns heidnische -Gottheiten mit ihren Namen vorführen, oder welche früher geheiligte -Plätze durch die ihnen innewohnende Poesie gleichsam erklären. Wo -uns einige deutsche Göttergestalten entgegentreten, da sind dieselben -jedenfalls durch spätere Einwanderer in unser Gebirge verpflanzt und<span class="pagenum"><a id="Seite_5">[5]</a></span> -möglicher Weise infolge zufälliger Ähnlichkeiten der neuen Niederlassungen -mit Orten der verlassenen Heimat auf erstere übertragen worden. -Dies gilt zunächst von den Ueberlieferungen, welche im Erzgebirge einen -Götzen Crodo verehrt sein lassen. In Bothes 1492 erschienener »Kroneka -der Sachsen« tritt zuerst die Nachricht auf, daß man bei Goslar auf -der Harzburg das Bild eines alten Götzen, mit Namen Crodo, der als -Krankenhelfer galt, verehrt habe, jedoch wurde später nachgewiesen, daß -diese Nachricht eine erfundene ist, daß es also einen Sachsengott, der diesen -Namen führte, nicht gegeben hat. Immer aber ist hierbei erwähnenswert, -daß eine unserer Volkssagen einen Platz, an welchem der »Krankenhelfer« -verehrt wurde, in die Nähe von Meerane verlegt, von wo -aus früher bis zum Anfange dieses Jahrhunderts die sogenannten -»fahrenden Ärzte« ihre jährlichen, oft sehr weiten Reisen unternahmen.</p> - -<p>Bergleute deutscher Abkunft aus dem Harze waren ja, wenn -wir von dem einige Jahrhunderte früheren Eisenbergbau und den -hüttenmännischen Arbeiten der Slaven auf der südlichen und nördlichen -Abdachung des Gebirges absehen (K. Schurig, Beiträge zur Geschichte -des Bergbaues im sächs. Vogtlande, Plauen 1875, S. 2), die ersten, -welche im Erzgebirge Bergwerke auf edle Erze anlegten und z. B. -1171 nach Mollers Chronik von Freiberg die Gründung dieser Stadt -veranlaßten. Liegt es da nicht nahe anzunehmen, daß durch solche -Bergleute und andere deutsche Einwanderer aus Baiern und der Oberpfalz -auch germanische Göttersagen neben anderen Überlieferungen in -die neue Heimat verpflanzt wurden, in welche ja von ihnen, wie M. -Körner in seinen Bockauischen Nachrichten (1758, S. 278 und 279) -nachweist, auch die Benennungen von Bergen und Ortschaften, sowie -von kleinen Gewässern aus der alten Heimat übertragen wurden?</p> - -<p>Weiter verweist die Sage vom Herdabilde bei Zwickau ganz -deutlich auf die Ueberlieferung von der mütterlichen Gottheit der Erde -Nerthus (Herda, altnord. Jördh), welche, nachdem sie in ihrem von -Kühen gezogenen Wagen im Lande umhergeführt worden war und -frohe Tage und Frieden gebracht hatte, in dem heiligen See auf Rügen -gebadet wurde. (Grimm, deutsche Myth. 1835, S. 155. Mannhardt, -die Götter der deutschen und nord. Völker, 1860, S. 316.)</p> - -<p>Anders ist es mit zwei slavischen Göttern, welche im erzgebirgischen -Sagenkreise auftreten, dem Triglav und Ladon. Triglav oder -Triglas, ein Hauptgott oder vielmehr eine Göttertrias der Wenden, -welche in Stettin einen der vornehmsten Tempel hatte, wurde als eine -Person mit 3 Köpfen dargestellt. Bei den Wenden auf Rügen waren -in ihr die drei Gottheiten Swantowit, Radegast und Prowe vereinigt, -und daß auch die Slaven an der Mittelelbe, Mulde und Saale eine<span class="pagenum"><a id="Seite_6">[6]</a></span> -göttliche Trias gehabt haben mögen, ist deshalb anzunehmen, weil die slavischen -Völkerschaften in den Hauptlehren ihrer Religion größtenteils -übereinstimmten. (Liebusch, Skythika, 1833, S. 198 und 205.) Unterstützt -wird diese Annahme durch folgende Mitteilung des Albinus (Meißnische -Land- und Bergchronik, S. 184 und 149): »Man hat im Lande -zu Meisen auch, wie ich berichtet bin, an etlichen Orten alte Bilder in -Stein gehauen mit dreyen Angesichten gefunden. Vnd ist sonderlich zu -Grimma auff der Brücken eines dergleichen zu sehen gewesen, daran drey -Angesicht vnter einem Hütlein. Dannen her denn zu achten, daß die Sorben -diesen Abgott (den Triglas), wie ihre Nachbarn auch geehret«.</p> - -<p>Ladon wird in unserer Sage ein Kriegsgott genannt. Nach Liebusch -(Skythika, S. 155) war Ladon ursprünglich der Mondgott und hieß -wahrscheinlich als Mondgöttin Lada; dieselbe war in ihrer Funktion der -russischen Led und der polnischen Leda ähnlich, weshalb man sie mit -dem Mars verglich; als Mondgöttin war sie zugleich Todesgöttin im -Kriegskampfe. – Noch mag erwähnt werden, daß sich auch nach Vernaleken -eine Erinnerung an den Perun, die slavische Gewittergottheit, in Eisenberg -auf dem böhmischen Abfalle des Erzgebirges erhalten hat.</p> - -<p>Ebenso sparsam wie die Überlieferungen von heidnischen Göttern -sind diejenigen von Opferplätzen. Der Volksmund nennt bei uns nur -wenige Haine, welche wir als einst geheiligte Orte ansehen könnten; -aber weiter liegt die Vermutung sehr nahe, daß der Taufstein bei -Oberkrinitz, welcher mit seinen Vertiefungen den zahlreichen Opfersteinen -im Fichtelgebirge und der Lausitz ungemein ähnlich ist, ebenfalls -in der heidnischen Vorzeit zu gottesdienstlichen Handlungen bestimmt -war. Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Kalina Ritter von Jäthenstein war auch der -Berg, welcher heute die Ruinen der Burg Hassenstein bei Sonnenberg -trägt, einst ein heidnischer Opferplatz, da innerhalb des Schloßhofes -daselbst Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste nicht selten gefunden -wurden. (Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg., 1. Heft, S. 19.) Endlich mögen -noch aus der Gegend des Bergstädtchens Graupen der Rosen- und -Geiersberg als alte Kultusstätten genannt werden. Wenn nun auch -Albinus in seiner Meißnischen Bergchronik (S. 98) bei dem Jahre -932 schreibt: »Die Sorben sind endlich durch die christliche Religion so -weit gebracht, das sie sich ihrer barbarischen gewohnheit des stehlens -und raubens geschemet«, so teilt doch wieder Christian Knauth in -seiner Sorbenwendischen Kirchengeschichte (S. 145) mit, daß der Bischof -Bruno II. von Meißen den St. Petridom in Bautzen an Stelle einer -älteren Kirche im Jahre 1213 ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet -habe, um die Sorben der Lausitz und Meißens zum Christentume zu -bekehren; denn dieselben »steckten annoch in großer geistlicher Finsternis,<span class="pagenum"><a id="Seite_7">[7]</a></span> -führten wohl den christlichen Namen, hatten aber keine oder wenige -Erkenntnis vom Christentum; hingegen waren sie mit heidnischen -Irrtümern behaftet, lebten heidnisch, und einige mochten auch wohl -hin und wieder im Verborgenen, in Wäldern und Heiden, ihre heidnischen -Greuel treiben.«</p> - -<p>Diese Stelle wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die im -Erzgebirge zerstreut lebenden Sorben angewendet werden können; denn -es ist wohl anzunehmen, daß dieselben bei ihrer Abgeschiedenheit in -dem einst fast undurchdringlichen Miriquidi noch längere Zeit ihre -Gottheiten verehrten. Obschon die zuerst von M. Körner ausgesprochene -Meinung, daß in dem Thale, in welchem sich jetzt das Dorf Bockau -hinzieht, einst ein slavischer Gott verehrt worden sei, der den Namen -des Ortes veranlaßte, hinfällig geworden ist, da man Bockau nicht als -»Gottesdorf« oder »Gotteshain,« sondern als »Buchholz« oder »Buchwald« -zu deuten hat, so weist doch dafür nach Immisch (Die slavischen -Ortsnamen im Erzgebirge, 1866) der Name des Dorfes Klaffenbach -bei Chemnitz, obschon er wie ein deutsches Wort klingt, in seiner Ableitung -von den slavischen Worten <em class="antiqua">hlowa</em> (oberlaus. wendisch), <em class="antiqua">glawa</em> -(niederlaus. wendisch), <em class="antiqua">hlawa</em> (czechisch) = Haupt, Kopf und <em class="antiqua">bòh</em> = Gott, -also in seiner Deutung als »Hauptgott,« auf einen Platz hin, an -welchem ein slavischer Gott verehrt wurde. Die Geschichte erzählt auch, -daß im Jahre 892 der Bischof Arno von Würzburg auf der Klaffenbacher -Höhe, als er den daselbst zum Götzendienste zahlreich versammelten -Heiden das Christentum predigte und die Messe las, von letzteren ermordet -wurde (Immisch a. a. O.).</p> - -<p>Endlich ist noch auf zwei Plätze hinzuweisen, welche offenbar zu -gottesdienstlichen Handlungen bestimmt waren; dabei mag es jedoch -dahin gestellt sein, ob hier slavischen Gottheiten geopfert wurde, oder -ob die Plätze vielleicht schon einer früheren germanischen Bevölkerung -zu Kultuszwecken gedient haben. Es sind zwei Steinkreise, von denen -der eine, auf dem Borberge bei Kirchberg, nur noch zu einem kleinen -Teile an der Westseite eines Granitplateaus vorhanden ist, während -der größere Teil im Jahre 1848 abgetragen wurde. Der andere Überrest -aus dem grauen Altertume ist ein Doppelsteinkreis auf dem -Burgberge zwischen Mulda und Lichtenberg. Beide Kreise lehnen sich -hier an einen steil abfallenden Porphyrfelsen, der in der Mitte zu -einer felsigen Kuppe aufragt, an, und wie auf dem Borberge liegt -innerhalb der Steinwälle ein in das Gestein gearbeiteter Brunnen, in -welchem nach der Volkssage das Wasser niemals verschwinden soll. -Dieser Brunnen heißt an beiden Örtlichkeiten »Jungfernbrunnen.« Es -gleichen beide Steinkreise, die einzigen, welche zur Zeit in dem Erzgebirge<span class="pagenum"><a id="Seite_8">[8]</a></span> -bekannt geworden sind, denen in der Lausitz und in Böhmen, so daß -wohl die Annahme, nach welcher wir es an diesen Orten mit einst den -Göttern geweihten Plätzen zu thun haben, eine berechtigte ist. Wünschenswert -wären Nachgrabungen nach etwaiger Asche oder Kohlenresten.</p> - -<h3 id="sec1">1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. Zwickau, 1656. S. 79 u. 360.)</p> - -<p>In der Hauptkirche zu Zwickau ist des Triglas oder Triglaff -Kopf zweimal und außer der Kirche an einem Pfeiler noch einmal zu -finden, das eine Mal mit drei Bärten und die andern zweimal ohne -Bart. An einem Kopfe sind drei Gesichter mit Augen, Nasen und -Mäulern. Andere halten diese Bildnisse aber nicht für Köpfe des -Götzen, sondern meinen, daß man damit das Geheimnis der heiligen -Dreifaltigkeit in einem göttlichen Wesen habe andeuten wollen.</p> - -<h3 id="sec2">2. Der Slavengott Ladon.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 199.)</p> - -<p>Der Schloßberg zu Teplitz trug einst eine starke Feste mit -doppelten Ringmauern, sowie sieben Türmen, welche jene zierten. Bereits -im achten Jahrhundert aber soll auf dem Berge ein Tempel des -slavischen Kriegsgottes Ladon gestanden haben.</p> - -<h3 id="sec3">3. Ursprung des Namens Crottendorf.</h3> - -<p class="source">(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, Dresden 1847, S. 204. Ziehnert, -Sachsens Volkssagen, Annaberg 1838–39. III. S. 201. Segnitz, -Sagen, Legenden etc., Meißen 1839–54. II. S. 73.)</p> - -<p>Der Name des Dorfes Crottendorf würde richtiger »Crodendorf« -zu schreiben sein, da der Ort seinen Namen dem Götzen <em class="gesperrt">Crodo</em> verdankt, -welcher am östlichen hohen Gebirge, auf den Klippen der Wolfs- -und Liebensteine, lange nach Einführung des Christentums noch verehrt -worden ist. Denn als man im Orte eine Kirche bauen wollte, -suchte dies der Heidengott in Gestalt des Teufels zu verhindern. Er -riß das am Tage aufgeführte Mauerwerk in der Nacht wieder ein und -das Bauholz schleppte er weit bis an das andere Ende des Dorfs. -Da ging einst ein frommer Priester zu derselben Zeit vorüber, als die -Bauleute eben beschäftigt waren, den angerichteten Schaden wieder gut -zu machen. Derselbe segnete das sämtliche Holz und Baumaterial und -nun mußte der Götze dasselbe in Ruhe lassen, so daß der Bau bald -vollendet werden konnte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_9">[9]</a></span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In der Einleitung ist bereits auf die unhistorische Gottheit Crodo hingewiesen -worden. Von späteren Schriftstellern wurde dieselbe als ein Mann mit entblößtem -Haupte, barfuß auf einer Säule stehend und mit einem leinenen Schurze -umgürtet, in der linken Hand ein Rad, in der rechten einen Wassereimer haltend, -dargestellt. Anders bildet Großer in seinen Merkwürdigkeiten der Ober- und Niederlausitz -den Gott ab. Hier erscheint er als ein bekleideter Mann ohne Kopfbedeckung; -in der einen Hand trägt er einen Korb mit Früchten (?), in der andern erhobenen -ein Rad; er steht auf einem Fische, welcher auf einer Säule liegt.</p></div> - -<h3 id="sec4">4. Der Crodensee in Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Oettel, Hist. von Eibenstock. 1748, S. 5. Oesfeld, Historische Beschreibung -einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge. 2. Teil 1777, Seite 51.)</p> - -<p>Man hat behaupten wollen, daß die Harzländer, welche nach den -Wenden in die Gegend von Eibenstock gekommen, noch Heiden gewesen -wären und den Abgott Crodo verehrt hätten, davon auch der Croden- oder -Crottensee, der obere Stadtteil von Eibenstock seinen Namen haben soll.</p> - -<h3 id="sec5">5. Der Götze Crodo bei Meerane.</h3> - -<p class="source">(H. Leopold, Chronik von Meerane, S. 9.)</p> - -<p>Das Volk bezeichnet den Thalgrund bei Meerane, in welchem -die Dörfer Götzenthal, Crotenleide und Hainichen und Köthel liegen, -als einen Ort, wo der Götze Crodo verehrt wurde. Bei Crotenleide -wurden auch einige Altertümer, nämlich zwei steinerne Hämmer und -unter uralten Eichen ein Opfertisch, der jetzt im Wechselburger Parke -steht, ausgegraben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Als der obengenannte Opfertisch wird jene achtseitige, auf vier steinernen -Unterlagen ruhende Porphyrplatte, welche im Wechselburger Parke der Eulenkluft -gegenüber aufgestellt ist, bezeichnet. (S. C. Ehrhardt, Ausflüge in das Sächs. Erzgebirge -1885, S. 40.)</p></div> - -<h3 id="sec6">6. Das Herdabild bei Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Voigtlande. 1867, S. 447.)</p> - -<p>Nach der Sage soll das Bild der Herda von Rügen in die Zwickauer -Gegend gebracht worden sein. In dem Schwanenteiche wusch -man den Wagen der Göttin, und es soll sich ihr Dienst daselbst -noch lange erhalten haben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wie berichtet wird, befand sich auf einer Insel im Meer ein heiliger Hain -und in demselben stand ein mit Decken verhüllter Wagen, in welchem die Erdgöttin -Nerthus (Herda), von Priestern geleitet, von Zeit zu Zeit ihren Umzug hielt. Wenn -der von Kühen gezogene Wagen mit der Göttin durch das Land fuhr, hörte aller -Krieg auf und im Frieden freuten sich die Sterblichen. War die Göttin wieder nach<span class="pagenum"><a id="Seite_10">[10]</a></span> -dem heiligen Hain zurückgekehrt, dann wurde ihr Wagen und sie selbst in einem -See von Sklaven gewaschen, die dann das Wasser des Sees begrub.</p></div> - -<h3 id="sec7">7. Der heilige Hain bei Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Heinr. Gerlach, Kleine Chronik von Freiberg, S. 85.)</p> - -<p>Auf der Höhe unweit des »schwarzen Teichs«, zwischen den Seitenthälern -der Mulde, welche von der Münz- und Waltersbach gebildet -werden, soll in jener Zeit, da die Sorben in der Gegend von Freiberg -noch seßhaft waren, ein heiliger Hain gestanden haben, in welchem ein -Götzenbild aufgestellt war. Man hat in der neuesten Zeit sowohl am -Gehänge des Münzbachthales, als auch in der untern Waltersbach zu -Großschirma Streitäxte gefunden.</p> - -<h3 id="sec8">8. Der heilige Hain in Weißbach bei Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Auf der flachen Höhe südlich von der Kirche zu Weißbach, wo man -vor mehr als hundert Jahren noch die spärlichen Überreste eines Walles sah, -soll ehemals die Rommels- oder Rummelsburg gestanden haben. Andere -aber erzählen wieder, daß daselbst ein heiliger Hain der Sorben stand.</p> - -<h3 id="sec9">9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.</h3> - -<p class="source">(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 25.)</p> - -<p>Wie die alten Heiden ihre Haine, Hahne oder Hagen und Gehege -gehabt und darinnen ihren Götzendienst verrichtet, so findet man -auch bei Frauenstein davon eine sattsame Spur vor dem Hainthor, -das zwischen dem Schloß- und Freibergischen Thor stehet. Allem Ansehen -nach hat ihr Götze auf dem Platze gestanden, wo jetzt die drei -Linden stehen, welche zum Andenken an den Abgott und zerstörten Hain -gepflanzt worden sind. Und weil die Heiden bei ihrem Götzendienst -sich zu waschen und zu baden pflegten, so ist nicht weit davon der -Hainteich angelegt. Jetzo nennen es die Frauensteiner das Hahnthor -und den Hahnteich.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Haine waren bei den germanischen Völkern Orte, an denen sie ihren Göttern -opferten und Volksversammlungen und Gericht abhielten; es waren heilige Plätze, -und vielfach wurden an solchen Stellen später christliche Kirchen errichtet. Zu solchen -heiligen Hainen gehörte jedenfalls auch das »Götzenbüschchen« bei Oelsa bei Dippoldiswalde. -Ob alle Plätze, welche heute noch den Namen Hain (oder Hahn) führen, -früher zu gottesdienstlichen Zwecken geheiligt waren, darf wohl als sehr fraglich -gelten. Von Grünhain meldet allerdings die Sage, daß der nahe Spiegelwald in -der Sorbenzeit zur Gottesverehrung gedient habe (Schumann, Lex. v. Sachsen, 16 B.<span class="pagenum"><a id="Seite_11">[11]</a></span> -S. 567); vielleicht bezieht sich diese Angabe besser auf einen heiligen Hain, der sich -an dem Platze befand, wo jetzt das genannte Städtchen steht.</p> - -<p>Am rechten Ufer des Brückenbaches bei Jöhstadt nennt man eine Waldung -»die alten Haine« oder »die alte Henne«. Im Nassauer Revier giebt es einen -»breiten Hain« und »Hainwiesen«, und in die obere Freiberger Mulde ergießt sich -das jedenfalls von dem breiten Haine und den Hainwiesen kommende Hainwässerlein -(Bahn, Frauenstein, S. 25). Ein »hoher Hahn« oder Hain liegt in der Gegend -der Morgenleite bei Schwarzenberg. Durch den »großen und kleinen Hain« bei -Sachsenburg führen der Kirchsteig von Neudörfchen nach Seyfersbach und die Straße -von Mittweida nach Dresden; eine Waldung bei Geyer heißt der »Hahnrück« (ursprünglich -Hainrücken). Bei Oberlungwitz existierte früher ein »oberes und unteres -Hahnholz«; ersteres befand sich an der Stelle des jetzigen Gottesackers zu Ernstthal -(Gumprecht, Lindenblätter von Oberlungwitz. 1863, S. 15.). Ein »Hainholz« ist -noch heute westlich vom Hüttengrunde bei Hohenstein auf den Karten namhaft gemacht. -Außerdem giebt es Ortschaften, deren Namen die Silbe »Hain« enthalten, -wie Stolzenhain, Altenhain u. a. Vom letzteren Orte vermutet Bahn in seinen -historischen Nachrichten von Frankenberg (S. 12.), daß daselbst von altersher ein -starker Verkehr gewesen sei und ein heidnischer Götzenhain gestanden haben müsse, -welcher von ihm an der Stelle gesucht wird, wo das Vorwerk steht.</p> - -<p>Wenn Jacob Grimm (deutsche Mythologie, S. 45.) geneigt ist, die fast überall -in Deutschland erscheinende örtliche Benennung »heiliger Wälder« auf das Heidentum -zurückzuführen, so gilt dies vielleicht auch von den Namen »heilige Wiese« -und »heiliger Born«. Eine heilige Wiese und ein heiliger Born liegen am untern Teile -des Dorfes Königswalde bei Werdau. (Göpfert, Gesch. des Pleißengrundes, S. 308.)</p></div> - -<h3 id="sec10">10. Der Taufstein bei Oberkrinitz.</h3> - -<p class="source">(P. Wetzel im »Glückauf,« 1881, No. 7.)</p> - -<p>Auf einer unbedeutenden Anhöhe beim Dorfe Oberkrinitz, die früher -einen schönen Buchenbestand trug, liegt ein unregelmäßig gestalteter -Granitblock, welcher auf der Oberfläche eine große und fünf kleinere -künstliche Vertiefungen zeigt. Von den letzteren gruppieren sich vier um -die große in der Mitte befindliche Vertiefung, welche die Form eines -Beckens hat, während die fünfte sich an der Rückseite des Steines befindet. -Nach dem Becken öffnen sich drei kleinere sitzähnliche Aushöhlungen, -und in eine von diesen mündet wieder ein noch kleinerer -Sitz. Die Sitze sind so groß, daß Kinder bis zu 10 Jahren bequem -darin Platz nehmen können, während der auf der Rückseite des Steines -befindliche Sitz einen etwas größern Umfang hat. Man nennt diesen -großen Granitblock in der Gegend allgemein den »Taufstein« und erzählt -sich von ihm folgendes: Als vor langer, langer Zeit das Christentum -sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte -die Verehrung des wahren Gottes nur im Geheimen geschehen, da sonst -die heidnischen Priester den Christen ein sicheres Verderben bereitet hätten; -besonders aber mußte die Taufe geheim gehalten werden. Deshalb<span class="pagenum"><a id="Seite_12">[12]</a></span> -suchten die wenigen Christen einsame, tief im Walde versteckte Orte -auf, wo sie ungesehen und unbemerkt die heilige Taufe vollziehen -konnten. Zu diesem Behufe wählten sich nun die Glaubensgenossen -große, auf bewaldeten Anhöhen liegende Steine aus und arbeiteten in -dieselben ein Becken zur Aufnahme des Wassers, drei Sitze für die -drei Taufpaten und einen für den Täufling hinein. Der Taufstein -bei Oberkrinitz soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und -niemand hat das Becken vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter -Mann erzählte, er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit -seinen Freunden das Wasser gänzlich ausgeschöpft, doch als sie am -nächsten Morgen nachgesehen, sei eine größere Menge Wassers in dem -Becken zu finden gewesen als vorher, obgleich es die ganze Nacht nicht -geregnet hatte. Schon oft hätten die Steinmetzen sich an den Stein -gemacht, um ihn zu zerschlagen und zu verarbeiten, aber der »Uhâmel« -(Unheimel?), mit dem in der Gegend auch die Mütter ihren Kindern -drohen, um sie zur Ruhe zu bringen, habe sie stets auf den Arm geschlagen, -so daß sie von der Arbeit hätten abstehen müssen. Der -Taufstein werde deshalb jetzt von ihnen in Ruhe gelassen. Noch wird -erzählt, daß in dem Wasserbecken Geld liege.</p> - -<p>Nach einer von Karl Morgenroth novellistisch bearbeiteten Sage -(Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgegend 1869, No. 12 und 14) -drangen einst die siegreichen Deutschen in ein verlassenes sorbisches -Dorf ein, in welchem sie nur den heidnischen Oberpriester, einen silberhaarigen -Greis, antrafen. Derselbe rief bei ihrem Eindringen den -Zorn der Götter auf die verhaßten Deutschen herab und empfing dafür -alsbald den tötlichen Schwertstreich. Sein Enkel aber, welcher in -der Hütte vergeblich auf ihn harrte, wurde von einem Deutschen an -Sohnes statt angenommen, um zunächst getauft zu werden und in der -Taufe statt seines Heidennamens Scop den christlichen Namen Johannes -zu erhalten. Der junge Sorbe Johannes wurde später Priester und -als solcher zog es ihn vorzugsweise zu seinen Stammesgenossen hin, -denen er das Evangelium predigte. Auf seinen Wanderungen durch -den Miriquidi forschte er nach den ehemaligen Bewohnern seines Heimatortes, -ohne sie zu finden. Dabei wurde er selbst alt, und als er nun, -ein Greis geworden, eines Tages an den Platz kam, wo der Taufstein -liegt, lehnte er sein Haupt ermüdet an den Stein, welcher damals -von einer alten Eiche beschattet wurde. Bald schlief er ein, und im -Traume verkündete ihm Gott, daß er in der Nähe der Gesuchten sei, -und alle zum Christentume bekehren würde. Als nun der Morgen anbrach, -baute sich Johannes eine Hütte neben dem Steine und stellte in -derselben ein einfaches Kreuz auf. Eines Tages trat aus dem Walde,<span class="pagenum"><a id="Seite_13">[13]</a></span> -welcher seine Wohnung umschloß, ein junger Sorbe, der zwar in seinem -Schrecken, hier jemanden anzutreffen, schnell umkehren wollte, aber durch -die Freundlichkeit, mit welcher Johannes in seiner eigenen Sprache zu -ihm redete, bewogen ward, zu bleiben. Es war der Sohn eines sorbischen -Priesters, den Feinde des letzteren verfolgt hatten. Als sie aber gesehen, -daß der Flüchtling durch den Sumpf und auf den Hügel, auf -welchem sich noch heute der Taufstein befindet, eilte, da ließen sie ab, -denn dieser Platz war als Sitz böser Geister gefürchtet. Von seinem -Schützlinge, welcher Tage und Wochen lang bei Johannes blieb, erfuhr -nun letzterer, daß in der Nähe eine slavische Ansiedelung und ein -Götterhain sei und daß sich der junge Sorbe ebenfalls Scop nannte. -Es stellte sich heraus, daß beide mit einander verwandt waren. Zuletzt -sprach der junge Scop das dringende Verlangen aus, ebenfalls -Christ zu werden und die Taufe von Johannes zu empfangen. Der -Tag, an welchem die heilige Handlung geschehen sollte, war da, aber -das Wasser fehlte, denn reines Wasser sollte es sein, und der umgebende -Sumpf bot nur übelriechendes dar. Die Eiche, unter welcher der Stein -lag, war noch vom vortägigen Regen naß und ein scharfer Wind ließ -das Regenwasser auf den Stein fallen, der oben eine Vertiefung hatte, -also ein Naturbecken war; somit war auch Taufwasser vorhanden. -Freudig bewegt sagte der Täufling: »Hier ist Wasser, taufe mich!« -und Johannes that es im Glauben, daß dies nicht der letzte seines Ortes -sei, den er taufe. So geschah es auch. Johannes begleitete seinen Schützling -bis zur Hütte des heidnischen Priesters und war später oft ein Gast -daselbst. Endlich wurde der alte Priester Scop selbst den Lehren des -Christentums zugänglich, so daß er sich an demselben Orte taufen ließ, -an welchem sein Sohn die Taufe empfangen hatte. Da nun die übrigen -Sorben der Ansiedelung sahen, daß kein Opferrauch mehr aus dem -Götterhaine aufstieg, verwunderten sie sich und forschten nach der Ursache. -Nachdem sie dieselbe erfahren, wurden sie anfangs mit Zorn -und Angst, später aber, als sie vernahmen, wie glücklich ihr früherer -Priester und dessen Sohn geworden waren, mit Sehnsucht nach dem -neuen Glauben erfüllt. So zog denn eines Tages eine große Menge -Sorben hinaus nach dem Steine und empfing dort die Taufe. Die -alten Widersacher des früheren Priesters Scop aber waren zurückgeblieben -und zündeten unterdeß die Hütten der jungen Christen an. Johannes -wehrte ihnen, dafür Rache zu nehmen; sie ließen vielmehr die -Heiden, welche sich 2 Stunden abwärts im Thale ansiedelten und den -neuen Ort wie den alten nannten, ruhig abziehen. Da geschah es jedoch -ein Jahr später, daß Blitze auf Blitze niederfuhren und das -Heidendorf in Asche legten. Die christlichen Stammesgenossen im obern<span class="pagenum"><a id="Seite_14">[14]</a></span> -Dorfe kamen helfend herbei und von dieser Liebe, welche Böses mit -Gutem vergalt, wurden die Heiden erwärmt und ebenfalls für das -Christentum gewonnen. Auch sie wurden an dem Taufsteine in den -Christenbund aufgenommen. Aus den beiden sorbischen Ansiedelungen -erwuchsen aber die Dörfer Ober- und Niederkrinitz.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Obschon unsere Sagen bestimmt von einem Taufsteine sprechen und die -in ihm vorhandene größere Vertiefung als Taufbecken bezeichnen, so glaube ich doch, -daß der Krinitzer Granitblock ein alter Opferstein ist und habe ich deshalb die sich mit -ihm verknüpfenden Sagen dem ersten Abschnitte des Sagenbuchs angereiht. Bestimmend -ist für mich seine offenbare Ähnlichkeit mit Blöcken im Fichtelgebirge, in Schlesien und -andern Landesteilen, welche von den meisten Archäologen für Opfersteine angesehen, aber -von dem Volke nicht immer als solche, sondern auch als Richter- und Teufelssitze, -Teufels- und Hexenschüsseln u. s. w. bezeichnet werden. In den Schüsseln sammelten -die Priester das Blut der geschlachteten Tiere und zum Opfer bestimmten Kriegsgefangenen, -um dann vielleicht ihre Hände hinein zu tauchen und das umstehende Volk -damit zu besprengen. Obschon <em class="antiqua">Dr.</em> H. Gruner (Opfersteine Deutschlands, Leipzig, -1881) die schüssel- und muldenartigen Vertiefungen als durch Einwirkung von -Frost und Atmosphärilien, Gletscherthätigkeit oder Wasserstrahlen entstanden erklärt, -würde doch ihre spätere Benutzung zu Opferzwecken damit nicht ausgeschlossen sein; -schreibt doch <em class="antiqua">Dr.</em> Gruner (S. 7) selbst: »Daß viele Steine zu solchem Zwecke gedient -haben, soll nicht bestritten werden.« Unsere zweite Sage vom Krinitzer Taufsteine -faßt übrigens die Hauptvertiefung ebenfalls als ein Naturbecken auf.</p> - -<p>Ganz unwahrscheinlich klingt in der zuerst mitgeteilten Sage die Deutung -der übrigen Vertiefungen als Sitze für den Täufling und die Taufpaten. Die Täuflinge -stiegen in der ersten christlichen Zeit wohl durchgängig ins Wasser und wurden -untergetaucht, später, vom 8. Jahrhundert an, trat das Begießen und Besprengen an -die Stelle des Untertauchens, obschon sich in der lateinischen Kirche das letztere teilweise -noch bis ins 13. Jahrhundert erhalten hat. (Hauff, Bibl. Real- und Verbal-Concordanz, -II. S. 748.) Es wäre dabei allerdings immer möglich, daß man am -Krinitzer Taufsteine aus dem mittelsten Becken das Wasser geschöpft und damit den -Täufling besprengt habe. Daraus aber, daß eine der Vertiefungen als Sitz für den -Täufling bezeichnet wird, ergiebt sich, daß der Taufstein bei Erwachsenen benutzt -wurde. Wozu dienten dann aber die andern Sitze, da ja wohl bei der Taufe von Erwachsenen -keine Paten nötig waren? Es kann nämlich angenommen werden, daß -die Wahl von Paten zugleich mit der Kindertaufe gegen Ende des zweiten Jahrhunderts -in der christlichen Kirche Gebrauch wurde.</p> - -<p>Mir erscheint es darum wahrscheinlicher, in unserm Taufsteine einen heidnischen, -entweder germanischen oder slavischen Opferstein zu erblicken, und zwar auch -in Berücksichtigung der Sage von dem dämonischen »Uhâmel,« welcher ihn gegen -Steinmetzen schützen soll. Von spukhaften Gestalten, welche alte Opfersteine schützen, -erzählen auch andere Sagen. So befindet sich bei Mukwar auf einem Hügel ein -Stein, von dem man sagt, daß auf demselben einst geopfert worden ist. Als denselben -einst ein Arbeiter zerschlagen wollte, sah er auf ihm eine Gestalt in langem, -weißem Gewande sitzen. Vor Schrecken lief er davon und seit der Zeit hat niemand -mehr Hand an den Stein zu legen gewagt. (Veckenstedt, Wendische Sagen und -Märchen. Graz, 1880, S. 431.)</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_15">[15]</a></span></p> - -<h2 id="kap2">II.<br /> -Spukgeister- und Gespenstersagen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_17">[17]</a></span></p> - -<p class="drop">Spukgeister und Gespenster sind nach Otto Henne-Am-Rhyn (die -deutsche Volkssage) die Schatten der Götter; Götter werden zu Gespenstern, -d. h. zu geisterhaftem täuschenden Trug (Jacob Grimm, deutsche -Myth. 1835, S. 512), zu Phantomen, welche Menschen verlocken. Aber -ebenso werden auch Menschen, deren Seelen nach der Sage häufig zur -Strafe für begangenes Unrecht nicht der Seligkeit teilhaftig wurden, zu Gespenstern, -und sie müssen nun zwischen Himmel und Erde schweben oder auch -wohl zu den Stätten wiederkehren, an denen sie einst auf Erden wandelten.</p> - -<p>Daß die alten heidnischen Götter zu gespenstischen Wesen wurden, -erklärt sich aus der Zähigkeit, mit welcher unsere Vorfahren noch lange -die Erinnerung an jene Göttergestalten bewahrten, obschon diese Erinnerung -nach und nach in soweit verblaßte, als die ursprünglichen -Züge sich verwischten und die Begriffe finsterer und abschreckender Gewalten -an ihre Stelle traten. (Grimm a. a. O., S. 515.)</p> - -<p>Als Beweis hierfür ist an erster Stelle <em class="gesperrt">Wuotan</em> (Wodan) oder -<em class="gesperrt">Odhin</em>, der Herr des Himmels, und somit der Sterne, Wolken und -Stürme zu nennen. Begleitet von den Walkyren, den Schlachtjungfrauen, -und den in der Schlacht gefallenen Helden, ritt er auf seinem -weißen Rosse Sleipnir dahin. Kampf gegen Menschen und Tiere ist -die Tugend der Helden und darum ziehen letztere auch durch die Wälder, -um zu jagen, und vor ihnen flüchtet das gehetzte Wild; als -Geister ziehen sie jetzt durch die Lüfte. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, -S. 2.)</p> - -<p>Wuotans Zug ist in der Volkssage zum wilden Heer, der Gott -selbst aber zum wilden Jäger geworden. Begründet wird diese Annahme -in erster Linie durch skandinavische Sagen und Redensarten; -so glaubt z. B. der schwedische Bauer im Sturmesgeheul des Gottes -Jagd mit Rossen und Wagen zu vernehmen, und in Schonen nennt -man ein nächtliches Geräusch »Odens Jagd«. Ähnlich sagt man in -Mecklenburg und Pommern, daß »Wode jage«, und in Schwaben -wird das wilde Heer zum »Wuetes«- oder »Wuotes«-, in Mittel- und -Süddeutschland aber zum »wütenden Heere«. Und wenn nach einer -unserer Sagen der wilde Jäger bei Schönlinde mit »hölzernen Hunden,« -d. h. jedenfalls »Holzhunden« oder Wölfen jagt, so verweisen auch -letztere auf Odhins Wölfe Geri und Freki, die er nach dem nordgermanischen<span class="pagenum"><a id="Seite_18">[18]</a></span> -Mythus täglich füttert. So reicht die Sage vom wilden -Jäger und der wilden Jagd bis in das germanische Heidentum zurück. -Sie verknüpft sich jedoch nicht nur mit dem Sturmgott Wuotan, sondern -auch mit anderen Göttern, selbst Göttinnen und Helden. In -Schwaben wurde noch im 16. Jahrhundert an die Spitze der wilden -Jagd ein Gespenst mit Namen Berchtold, die männliche Gestaltung -der Berahta gesetzt, und so mochten auch heidnische Göttinnen, besonders -die genannte Berahta und Holda, welche einst feierlich durch das -Land zogen, später nach dem Volksglauben auch das wilde Heer zu -bestimmten Zeiten anführen. Wenn Frau Holda an der Spitze ihres -Geisterheeres dahinzog, versah Eckhart mit dem weißen Stabe das -Amt eines Herolds. Neben Eckhart war nach dem Volksglauben auch -Dietrich von Bern ein zweiter Held des gespenstischen Zuges, (Grimm, -a. a. O., S. 522–524), wenigstens heißt im Bereiche des Erzgebirges -(bei Schönlinde) der wilde Jäger noch »Banditterch,« ebenso wie er -in einer oberlausitzischen Sage (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 138) -»Pan«, d. h. Herr »Dietrich« heißt, der einst ein Raubritter war, -welcher wegen seiner Frevel zum wilden Jäger wurde. Der Übertragung -der Sagen von Wuotan als wilden Jäger auf die historische -Person Dietrichs von Bern wird auch von W. Mannhardt (die Götter -der deutschen und nordischen Völker, S. 119) gedacht. Der Gotenkönig -Theodorich, welcher in der Sage als Dietrich von Bern fortlebt, soll, – -so ging schon im 12. Jahrhundert die Rede, – lebend auf einem Rosse -ins Totenreich geritten sein. In Westfalen und Niedersachsen wird -dagegen der wilde Jäger auf die historische Person eines braunschweigischen -Oberjägermeisters namens Hackelbärend oder Hackelberg bezogen, -der zur Strafe für sein eifriges Jagen als wilder Jäger spuken -soll. Hackelbärend, d. h. Mantelträger, ist jedoch, wie Jacob Grimm -vermutet, ein Beiname des Wuotan, denn des Gottes Schultern umhüllte -ein weiter schwarzer Mantel, wenn er auf seinem Rosse dahinbrauste. -(Grimm a. a. O., S. 517. Mannhardt, die Götter der deutschen -und nordischen Völker, S. 108.)</p> - -<p>Nach einer erzgebirgischen Sage (aus Karlsfeld) besteht das Gefolge -des wilden Jägers aus den Seelen von Jägern, welche im Leben -Übles gethan haben; ähnlich spricht auch der Volksmund in Böhmen -(Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen und Mähren I., S. 74), daß -dem wilden Jäger die Seelen der Verdammten in Gestalt von glühenden -Hühnern folgen, und eine norwegische Sage erzählt, daß diejenigen -Seelen, welche nicht so viel Gutes thun, daß sie den Himmel, und -nicht so viel Böses, daß sie die Hölle verdienen, wie Trunkenbolde -und Spötter zur Strafe bis ans Ende der Welt umreiten sollen.<span class="pagenum"><a id="Seite_19">[19]</a></span> -(Grimm, a. a. O., S. 525.) Neben denen, die ihre Christenpflicht -vergessen haben, sollen auch die ungetauft gestorbenen Kinder und die -eines gewaltsamen Todes Umgekommenen zum Gefolge des wilden -Jägers gehören, da diese nach einem engherzigen christlichen Dogma -vom Himmel verschmäht, dem heidnischen Gotte zufallen. (Henne-Am -Rhyn, a. a. O., S. 530.) Wie bei uns im Erzgebirge hörte -man auch in der Lausitz beim Durchziehen der wilden Jagd das Anschlagen -wie von »Dachshunden« (Haupt a. a. O., N. 39.), und diejenigen, -welche den wilden Jäger anriefen, erhielten bei uns wie in -der Lausitz und im Harz ein Stück übelriechendes Aas. (Haupt a. a. -O., No. 144. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 43, 44, 50. Gillwald, -der Harz in Geschichte und Sage, S. 21.) So hören wir dieselben -Sagenklänge in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes; -überall ist das Schattenbild des germanischen Gottes in seinen -wesentlichen Eigenschaften gleich; denn er zieht wiederholt dieselbe -Straße, führt die Wanderer in der Nachtzeit irre und ist erzürnt, -wenn man sein Huh, Huh! oder das Gekläff seiner Hunde nachahmt. -Daher gilt auch heute das Gebot, sich bei seinem Nahen nieder auf -die Erde zu werfen und ihn nicht anzurufen, wie dies auch eine durch -den Kult gebotene Forderung an unsere heidnischen Vorfahren war, wenn -Gott Wuotan im Sturme durch die Wipfel der Bäume brauste.</p> - -<p>Wie die Sagen vom wilden Jäger, dem ähnlich in unserm Gebirge -der Katzen- und Bachreiter, sowie der unheimliche Hans Michel -erscheinen, sind auch diejenigen vom Reiter ohne Kopf, der bei uns -ein Schrecken der Holzdiebe ist, auf Wuotan zurückzuführen. Ein -Reiter ohne Kopf zieht durch die Waldungen des Saallandes, und -wenn er junge Leute, welche um Mitternacht auf einem Kreuzwege -horchten, vertrieb und verfolgte und diese dann glücklich vor ihm -die Hausthüre verschlossen hatten, so geschah ein schwerer Schlag an -die Thüre und am anderen Morgen war der tiefe Eindruck eines -Hufeisens zu sehen. (L. Zapf, a. a. O., S. 4.) Das Hufeisen weist -uns auf Odhins oder Wuotans Roß hin. – Fremdartig ists in einer -unserer Sagen, daß der Reiter ohne Kopf auf schwarzem Rosse sitzt, -da sowohl dem wilden Jäger als auch Wuotan übereinstimmend sonst -nur ein weißer oder grauer Schimmel zugewiesen wird; doch trägt -der Reiter einen schwarzen Mantel und um ihn flattert eine Krähe -und verkündet den Tod. Einen schwarzen Mantel trägt auch der wilde -Jäger, welcher am Roßberge in der Schweiz wohnt (Henne-Am -Rhyn, a. a. O., S. 521), und zu Wuotan als wildem Jäger gesellen -sich die Totenvögel Eule und Rabe (Mannhardt a. a. O., S. 108); -letzterer aber wird in dem Volksglauben vielfach auch durch die Krähe<span class="pagenum"><a id="Seite_20">[20]</a></span> -vertreten. – Kopflos tritt meist der wilde Jäger auf, wenn ihn der -Glaube als Geist eines ruhelos umhergehenden Herrn, der das Volk -durch seine Härte quälte, auffaßt. H. Heine (Sagen, Märchen und -Bilder aus dem Harze, 1878, S. 55.) bemerkt, daß bei Meißen der -wilde Jäger ein Mann im grauen Rocke, mit hohen Sporenstiefeln, -einem Jagdhorne und <em class="gesperrt">ohne Kopf</em> sei, der auf einem Grauschimmel -reite, und auf der Insel Möen jagt im Grünewalde Wuotan mit einer -Meute Hunde hoch zu Roß, einen Spieß in der rechten Hand und <em class="gesperrt">das -Haupt unter dem</em> linken Arme tragend. (Mannhardt a. a. O., -S. 153.) – Die Göttin der Unterwelt war nach dem Glauben der -Germanen <em class="gesperrt">Hel</em>, nach demjenigen der slavischen Bevölkerung Böhmens -die <em class="gesperrt">Morana</em>; wenn eine von ihnen erschien, zeigte sie einen Todesfall -an. Ursprünglich war die Hel wahrscheinlich die Mutter alles -Lebens, zu der auch alles Leben wieder zurückkehrte. Daher wurde -sie auf Grund dieser Doppelseite ihres Wesens, in ihrer Eigenschaft -als Gebieterin über Leben und Tod, halb menschenfarbig, halb schwarz -vorgestellt, und beide Farben tragen auch noch vielfach nach den Überlieferungen -der Sage die <em class="gesperrt">verwünschten Jungfrauen</em> und Frauen, -welche ihre Schattenbilder sind und die teils freundlich, teils feindlich -in das Leben der Menschen eingreifen. (Henne-Am-Rhyn, a. a. -O., S. 549.) Die weiße Frau zu Neuhaus erscheint bei fröhlichen -Gelegenheiten im langen weißen Talar, bei Todesfällen aber in schwarzen -Handschuhen. Einen Todesfall verkündet auch die weiße Frau zu -Venusberg. – Ihre Doppelnatur kennzeichnet sich bei den weißen -Frauen noch dadurch, daß sie nach der Volksüberlieferung bald als -blühende schöne Jungfrauen, bald wieder als häßliche alte Weiber erscheinen. -Ich rechne dazu die Erscheinung am weißen Fels bei Hartenstein, -welche in ihrer Wandelbarkeit an die schöne Jungfrau am -Fuße des Nußhardt im Fichtelgebirge erinnert, und die nur dann erlöst -werden kann, wenn sie von jemandem zu der Zeit, da sie als -häßliches Weib wiederkommt, auf die Stirne geküßt wird. Man sieht -sie zuweilen mit einem Rechen an der Sonne Flachsknoten ausbreiten, -und dadurch erinnert sie an die <em class="gesperrt">Hulda</em> oder Frau <em class="gesperrt">Holle</em>, die freundliche -Göttin, welche den Flachsbau beschirmte und die fleißigen Spinnerinnen -belohnte, die faulen aber bestrafte. Zur Weihnachtszeit hielt -sie ihre Umzüge, aber sie fuhr auch nach anderen Überlieferungen, -ihrer ursprünglichen Natur entgegen, auf einem Wagen mit dem wilden -Heere schreckhaft durch die Lüfte, und Hexen bildeten dann ihre -Gesellschaft. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 554.) Ihre abgeschwächten -Abbilder sind vielleicht die zwei Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins, -die in feuriger Kutsche mit dergleichen Pferden umherfahren und<span class="pagenum"><a id="Seite_21">[21]</a></span> -dann im Röthelsteine verschwinden; beide erscheinen zuweilen in schwarzen -Kleidern. – Hexenähnlich erscheint uns auch das Fegeweib des -Katzensteins, das mit einem Besen die durch die Luft fliegenden Kugeln -wegfegt, bis es endlich durch einen frommen Spruch machtlos wird.</p> - -<p>Die Überlieferungen von diesen ursprünglich göttlichen Wesen, -welche zum Zeichen ihrer Göttlichkeit gewöhnlich weiß gekleidet erscheinen, -fließen vielfach zusammen. So erscheint die Frau Holle in Norwegen -und Schweden als die Berg- und Waldfrau <em class="gesperrt">Hull</em> oder <em class="gesperrt">Huldra</em>; -sie liebt Musik und Gesang wie das über die Mulde bei Zelle schwebende -Fräulein, welchem musicierende Bergleute ein Ständchen bringen, -oder wie die Lieder singende Jungfrau des Braunsteins und das Schloßfräulein -im Schönjungferngrunde bei Oberwiesenthal, welches die Laute -spielt. Auch die Huldra wird bald jung und schön, bald alt und -finster gedacht, und wenn sie grau gekleidet und alt an der Spitze -ihrer Herde im Walde angetroffen wird, hat sie einen Melkeimer in -der Hand. Ich bin geneigt, die Jungfrau auf dem Ziegenschachter -Wege bei Breitenbach für identisch mit ihr zu halten, obschon sie durch -die Sage zu einer wegen schlechten Maßes der verkauften Milch verwünschten -Jungfrau wird, die nun ruhelos umher wandeln muß; sie -trägt in der Hand ein Milchseidel und einen grünen Kranz auf dem -Kopfe.</p> - -<p>Wie die <em class="gesperrt">Hulda</em> und die mit ihr verwandte <em class="gesperrt">Berahta</em> beschenken -auch die weißen Frauen einzelne Menschenkinder mit scheinbar -wertlosen Dingen, welche sich später in Gold verwandeln. Ich verweise -aus unserm Sagenkreise in dieser Beziehung auf die weiße Frau -des hohen Steins bei Graslitz, von welcher ein armer Hirte eine -wunderthätige Rute und Laub empfing, das sich in Goldstücke verwandelte; -ähnliches wird auch von einem Hirten erzählt, den die -Jungfrau des Lautersteins beschenkte, und als die beiden musicierenden -Bergleute der Jungfrau bei Klösterlein Zelle ein Ständchen brachten, -erhielt jeder von ihnen ein Blumensträußchen, deren eines sich in Gold -verwandelte, weil es nicht weggeworfen wurde.</p> - -<p>Die den Melkeimer in einer Hand tragende Huldra gehört als Bergfrau -offenbar zu den weißen Frauen, welche nach dem Glauben unserer -heidnischen Vorfahren ihren Sitz in den Wolken hatten und von da der -Erde himmlische Milch, den Regen, spendeten. Wenn man ihre Wohnungen -nach einem anderen Glauben auch auf die Berge verlegte, so -erklärt sich dies daraus, daß die Wolken von den Naturvölkern auch -als Berge angesehen wurden. Die weißen Jungfrauen hängen als -Wolkenfrauen häufig Wäsche auf oder bleichen Linnen. Dies thun -die Fräulein im Schönjungferngrunde am Fichtelberge und die Jungfrau<span class="pagenum"><a id="Seite_22">[22]</a></span> -des Grauensteins; als der letzteren einmal die ausbreitete Wäsche -geraubt wurde, verwandelte sich dieselbe in zischende Ottern. Bemerkenswert -ist übrigens, daß die Grauensteiner Jungfrau keinen Kopf -hat, und sie erinnert dadurch an eine der zahlreichen weißen Frauen -des Vogtlandes, welche zuweilen aus den unterirdischen Gemächern der -Teufelskanzel bei Ranis hervortritt und an der Stelle des Kopfes zwei -goldene Hörner trägt. (Rob. Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, -No. 235.) Die Jungfrauen auf dem Hausberge bei Graslitz hängen -Wäsche auf, die sich beim Näherkommen in Spinngewebe verwandelt. -Anderwärts im Gebirge scheint man die aufgehängte und plötzlich wieder -verschwindende Wäsche den Holzweibeln zugeschrieben zu haben. -(S. Dämonensagen.)</p> - -<p>Da die Wolke in der Vorstellung unserer Vorfahren sowie der -Slaven auch als Brunnen galt, so wohnen weiße Jungfrauen nicht -bloß auf Bergen, sondern auch in Brunnen. Die Sage erzählt von -einem Wunderbrunnen auf dem Fichtelberge, an dem man zu Zeiten -eine Jungfrau gesehen hat. Durch diese Brunnenjungfrauen werden wir -auch wieder auf die mütterliche Gottheit der Erde Nerthus und auf -Frau Holle hingewiesen, welche den Aufenthalt in Brunnen liebten; -in der Mittagsstunde sah man sie als weiße Frauen daselbst baden -und dann wieder verschwinden. (Jac. Grimm, deutsche Mythologie, -S. 166.) Derartigen Überlieferungen begegnet man in den meisten -Gauen unseres deutschen Vaterlandes; so badet auch oft eine weiße -Frau in dem Heribertsborn, welcher auf dem Höhenzuge Grünscheid -bei Solingen entspringt. (Leibing, Sagen und Märchen des Bergischen -Landes, No. 54.) Ebenso sind derartige Sagenklänge auch in Böhmen -heimisch; dort wird die gütige Jungfrau Lida, welche in Brunnen -wohnt und nur in mondhellen Nächten hervorkommt, auf Lada, die slavische -Göttin des Frühlings und der Liebe zurückgeführt. (Grohmann, -Sagenbuch von Böhmen, S. 33.)</p> - -<p>Die auf und in den Bergen, besonders solchen, welche ehemals -Burgen trugen, wohnenden weißen Jungfrauen, denen die Sage gewöhnlich -ein Schlüsselbund beilegt, und von denen sie erzählt, daß sie -unermeßliche Schätze hüten (s. die Schatzsagen), sind ebenfalls göttliche -Wesen. Grohmann (a. a. O., S. 34) meint, daß unter ihnen in -Böhmen die Tochter des Donnergottes Perun, die jungfräuliche Göttin -Devana zu verstehen sei, welche Hanus als Göttin des Lichtes deutet. -Während des Winters, wenn das Licht durch trübe Wolken verdeckt -wird, ist dieselbe in die Wolkenberge verbannt, und sie wartet auf den -Frühling, welcher sie wieder befreien soll. So warten auch die in das -Innere der Berge verbannten Jungfrauen, und vielfach ist es eine Blume,<span class="pagenum"><a id="Seite_23">[23]</a></span> -welche den Zugang zu ihrem Gefängnisse öffnet. Nach Schönwerth -aber ist die Schätze hütende Jungfrau in den rein deutschen Bezirken -die verhüllte Erdenmutter, die bereits genannte Hel, oder auch die -Nerthus oder Freya; letztere, als Gemahlin Wuotans und Wolkenfrau, -nähert sich in vielen Zügen der slavischen Devana, soweit sie -aber neben der Herrschaft über Winde, Wolken und Blitze auch Macht -über den Sonnenschein besaß und so auch der Erde Segen spendete, verschmolz -sie wieder mit der Erdgöttin. (Mannhardt a. a. O., S. 271.) -Aller Germanen Mutter und somit die gemeinsame Ahnfrau aller auf -den Burgen herrschenden adeligen Geschlechter ist die Erde. Diese -göttlichem Geschlechte angehörende Ahnfrau erscheint nun nach der -Volkssage noch heute an denjenigen Plätzen, wo ihre Kinder wohnten, -welche das Christentum für sich gewann. Durch dasselbe will auch sie -erlöst werden, und sie bietet daher ihre Schätze, um dafür Ruhe zu -erlangen und wieder mit den Ihrigen vereint zu werden. (Zapf, -Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 22.)</p> - -<p>Einen mythischen Hintergrund haben die Sagen von gespenstischen -<em class="gesperrt">Hunden</em>, <em class="gesperrt">Hähnen</em> und <em class="gesperrt">Hasen</em>. Erstere erscheinen gewöhnlich schwarz, -vereinzelt aber auch feurig, und erschrecken die einsamen Wanderer. -Vielleicht sind sie in einigen unserer Sagen auf die Hunde der Schicksal -verkündenden Nornen zurückzuführen, und damit sind sie auch Verkündiger -des Todes oder Krankheit bringend, wie der schwarze Pudel, -welcher sich zuweilen auf dem Hemberge bei Bockau sehen läßt. Wo -der Hund in Gesellschaft einer Jungfrau im Innern des Berges -Schätze hütet, ist derselbe Sarmr, der Hund der Unterwelt.</p> - -<p>Daß auch der Hahn mythisch ist, erzählt uns die nordische Götterlehre, -nach welcher der Hahn Fialan kräht, ehe das Weltende herannaht; -durch Hähne werden Hexen und böse Geister verscheucht und -ein schwarzer Hahn ist nach dem Volksglauben dem Teufel geweiht. -Ebenso tritt auch der Hahn in den Schatzsagen auf. So führt z. B. -ein solcher diejenigen irre, welche auf dem Burgberge bei Lichtenberg -den daselbst liegenden Schatz heben wollen. In böhmischen Sagen vertreten -goldene Hähne die Stelle von Schätzen, und Hühner legen auch -nach anderen Überlieferungen goldene Eier. – Endlich sprechen für -die mythische Bedeutung des <em class="gesperrt">Hasens</em> viele abergläubische Meinungen; -so ist z. B. im Vogtlande ein Hase, welchen man beim ersten Ausgange -zuerst erblickt, Unglück verkündend. Er ist ein Göttertier, denn -die Göttin Hulda ließ sich bei ihrer nächtlichen Wanderung, welche sie -als Mond ausführte, von Hasen Lichter voraustragen. Als einst ein -Arbeiter in Blauenthal nach einem an der nahen Steinwand, wo sich<span class="pagenum"><a id="Seite_24">[24]</a></span> -auch andere Spukgespenster sehen lassen, wiederholt nächtlich erscheinenden -weißen Hasen schlug, war er in der nächsten Nacht tot.</p> - -<p>Unter den erzgebirgischen Spukgeschichten giebt es viele, nach -denen die Seelen verstorbener Menschen, welche der himmlischen Ruhe -nicht teilhaftig geworden sind, auf Erden umherwandeln. »Sie gehen -um«, wie der Volksmund sagt, denn sie bleiben als schattenhafte -Wesen in der Nähe des Ortes, welcher ihnen einst in ihrem irdischen -Leibe als Wohnplatz angewiesen war. Nicht immer ist dies, wie bei -dem Rachhals zu Aue, nach dem Volksglauben eine Strafe für begangenes -Unrecht, oft sind diese Gespenster warnende Geister, ja sie -haben sich vereinzelt selbst zu gutmütigen Hausgeistern umgewandelt. -Andererseits aber werden auch solche Gespenster zu Quälgeistern, die -sich gleich böswilligen Kobolden dem Wanderer aufhocken, oder ihre -Angehörigen in anderer Weise ängstigen; dies thun z. B. das Gespenst, -welches als feuriger Hund bei Graslitz erscheint, und die gespenstischen -Frauen, welche ihre Ehemänner beunruhigen. Der »<em class="gesperrt">schwarze Mann</em>«, -mit welchem Namen sich häufig die Kinder gegenseitig schrecken, ist ein -Schattengeist, der zuweilen nur erscheint, um zu drohen, ohne jemandem -sonst weiter ein Leid zuzufügen. Teilweise, wie in Schneeberg, -meldet die Sage bloß, daß er sich sehen läßt, sie teilt aber über die -Bedeutung und Ursache seines Erscheinens nichts weiter mit. An -anderen Orten, wie in Königswalde, ist er ein bösartiges Wesen, welches -ein eben getauftes Kind holen will; er erinnert so an den Vernichtungsgott -Surtr. Ursprünglich aber ist der schwarze Mann wohl -auf den Schutzgeist zurückzuführen, welchen jeder Mensch zu eigen hatte. -(Rochholz, deutscher Glaube und Brauch, I. S. 104.)</p> - -<p>Die Sagen von den umherwandelnden Geistern Verstorbener werden -durch altheidnischen Glauben begründet. Nach demselben tritt mit dem -Tode keine Vernichtung ein, ja der Krieger ist nach solchem Glauben -imstande, auch im Grabe einen ins Land fallenden Feind zurückzuschrecken. -Der deutsche Häuptling Iwar befiehlt sterbend, daß man -ihn an derjenigen Landesgrenze begrabe, an welcher am meisten feindliche -Einfälle zu befürchten seien. (Rochholz a. a. O., S. 117.) Nach -der Darstellung der Edda behalten die Helden ihren Körper; kämpfen -sie doch in Walhalla mit vollkommenem Leibe, den keine Wunden töten; -aber die Bösen,</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»die Männer, die Meineid und Mord verübt<br /></span> -<span class="i0">Und zur Untreu' verleitet des andern Geliebte,«<br /></span> -</div></div> - -<p class="noind">kommen in einen Saal, »fern von der Sonnen, das Thor gegen Norden -am Leichenstrand. Da saugt und frißt an entseelten Leichen der -wölfische Neidhagen«. (Edda, die Kunde der Wala 13.) Wenn also<span class="pagenum"><a id="Seite_25">[25]</a></span> -nach diesem altheidnischen Glauben der Leib der Bösen vernichtet -und in den Urstoff aufgelöst wird, so müssen ihre Seelen ruhelos auf -der Erde umherwandeln, bis ihre Strafzeit vorüber ist und sie einen -anderen Leib finden.</p> - -<p>So ist also der Gespensterglaube ein Überrest heidnischer Vorstellungen, -welche in die Gegenwart hineinragen, deren Ursprung jedoch -dem Volke nicht bekannt, deren tiefere Bedeutung vergessen -worden ist.</p> - -<h3 id="sec11">11. Das wütende Heer bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 77.)</p> - -<p>Insonderheit hatte der höllische Jäger vor und in dem 30jährigen -Kriege auf den hohen Wäldern sein Affenspiel, indem es, vornehmlich, -wenn etwa eine feindliche Armee einbrechen sollte, wie ein starkes Jägergeschrei -»Hu! hu! hu!« erschallte. Man hieß es insgemein das wütende -Heer, und war ein böser Vorbote. Anno 1626 ritt Junker Rudolf -von Schmertzing, Erbsaß auf dem Hammergute Förstel, halbtrunken von -Annaberg ganz allein, und vermeinte den geraden Weg über Schlettau -auf die Scheibenbergischen Mühlen durch die Unter-Scheibner Räume -zu nehmen. Es verführte ihn aber eine Jagd mit Jägergeschrei und -Hundegebell, welchem er nachritt, und fiel mit seinem Pferde in einen -Morast, darin das Pferd halbversunken stecken blieb. Er arbeitete -sich endlich heraus, lief nach den benachbarten Vorwerken, kleidete sich um -und ließ Leute auftreiben, welche das Pferd mit Stangen und Seilen -aus dem Morast zogen.</p> - -<p>Einst reiste auch ein alter Priester von Wiesenthal sehr frühe -durch den Wald nach Annaberg. Da erhob sich mitten im Walde ein -ungemeines Jägergetöne, um welche Zeit doch kein Arbeiter und Jäger -in dem Walde zu finden war. Sein Fuhrmann besann sich bald darauf -und sagte: »Herr, es ist das wütende Heer; wir wollen in Gottes -Namen fahren, es kann uns nicht schaden.«</p> - -<h3 id="sec12">12. Das wütende Heer bei Weißbach.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>An dem von der Straße in Weißbach nach Kirchberg abführenden -Hohlwege soll sich oftmals das wütende Heer haben hören lassen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_26">[26]</a></span></p> - -<h3 id="sec13">13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.</h3> - -<p class="source">(I. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 499. II. Mündlich.)</p> - -<p>I. Eines Tages sind zwei Brüder, Spitzenhändler, auf der Straße -von Stangengrün nach Hirschfeld geritten, da haben sie plötzlich am -hellerlichten Tage auf freiem Felde das laute Hohoschreien des wilden -Jägers gehört, aber ihn selbst nicht gesehen; nur unter ihren Pferden, -die sich furchtbar gebäumt, sind eine Menge kleiner Dachshunde herumgelaufen, -ohne daß sie jedoch einen derselben hätten von den Pferden -treten sehen, und plötzlich ist alles wieder verschwunden gewesen.</p> - -<p>II. Zwischen Hirschfeld und Stangengrün liegt der Teufelswald. -In demselben hat man mehrmals die wilde Jagd gesehen und gehört. -Dies widerfuhr unter anderen einem Tischler, welcher einst des Nachts -um 12 Uhr mit einem Karren durch den Wald fuhr. Da hörte er -Pfeifen und Gebell, und darauf sah er auch den wilden Jäger als -schwarze Gestalt zu Fuße an sich vorübergehen; derselbe führte zwei -Hunde bei sich.</p> - -<h3 id="sec14">14. Die wilde Jagd bei Komotau.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. -1. B. 1864. S. 5.)</p> - -<p>Eine alte Frau aus Komotau erzählte: Geht man an Adam und -Eva früh zur heiligen Beichte und Kommunion und fastet dann den -ganzen Tag, selbst abends, und geht dann um Mitternacht auf einen -Kreuzweg, so sieht man die wilde Jagd vorüberziehen, und der letzte -aus derselben giebt einem einen Thaler, der, so oft man ihn auch -wechselt, immer wieder zurückkehrt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wenn Grohmann (Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, -Vorrede S. 7) bemerkt, daß den Slaven der Glaube an den wilden Jäger fehlt, -so bezieht sich dies wohl nur auf die Czechen. Veckenstedt teilt eine größere Anzahl -wendischer Sagen vom Nachtjäger mit. Auch nach dem Glauben der Niederlausitzer -Wenden erscheint der Nachtjäger wie bei uns auf Kreuzwegen; ebenso ist er selbst -sowie sein Pferd ohne Kopf. (Wendische Sagen und Märchen, Graz 1880, S. 35 etc.)</p></div> - -<h3 id="sec15">15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p> - -<p>Bei Karlsfeld ist der wilde Jäger mit seinem Heere öfters gesehen -und gehört worden. Sein Gefolge besteht aus den Seelen von -Jägern, die in ihrem Leben Böses gethan haben und nicht zur Ruhe -kommen können.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_27">[27]</a></span></p> - -<h3 id="sec16">16. Der wilde Jäger bei Schönlinde.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagenbuch von Böhmen und Mähren, I. S. 78.)</p> - -<p>Auch bei Schönlinde läßt sich zuweilen der wilde Jäger sehen; -man nennt ihn dort Banditterch (Berndietrich). Er soll daselbst in den -Schweinsgründen und in Budersdorf mit hölzernen Hunden herumjagen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die hölzernen Hunde sind ebenfalls gleichbedeutend mit Holzhunden, wie man -in Norddeutschland die Wölfe heißt; der wilde Jäger jagt also nach dieser Sage -mit Wölfen. Die Wölfe aber, welche schon in der Edda Hunde genannt werden, -sind Lieblingstiere Wuotans.</p></div> - -<h3 id="sec17">17. Der wilde Jäger bei Neustadt.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. im Vogtlande, S. 509.)</p> - -<p>Noch im vorigen Jahrhunderte hatte der wilde Jäger sein Revier -in der Gegend von Neustadt bei Falkenstein. Da zog er des Nachts -in der Luft mit seinen Hunden oft über Neustadt hinweg und ließ sein -»Hoho!« hören. Einmal sah ein dortiger Bauer zum Fenster hinaus, -als der wilde Jäger in der Luft hinzog, und er äffte das »Hoho!« nach. -Am nächsten Morgen fand der Bauer auf seinem Fensterstocke draußen -einen toten, übelriechenden Hasen. Er verscharrte ihn in seinen -Düngerhaufen, aber am nächsten Morgen lag er doch wieder auf demselben -Fensterstocke. Er verscharrte ihn zum zweiten und dritten Male, -aber der Hase lag am nächsten Morgen immer wieder auf dem alten -Platze. Auf den Rat anderer Leute vergrub ihn der Bauer endlich -unter gewissen Förmlichkeiten auf einem Kreuzwege, und der ihm vom -wilden Jäger zugedachte Braten kam nimmer wieder.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wir finden im Erzgebirge für die Züge des wilden Jägers oder Wuotans -sowohl die Bezeichnung »wilde Jagd«, als auch »wütendes Heer.« Unser Gebirge -bildet die Grenzscheide zwischen Nord- und Süddeutschland, und daher vermengen -sich hier beide Namen, von denen der eine (wilde Jagd) vorzugsweise Nord-, der -andere (wütendes Heer) aber Süddeutschland angehört. Wuotan ist übrigens in seinem -Namen, welcher den »stürmisch Schreitenden« bedeutet, mit dem Worte »Wut« verwandt.</p> - -<p>Die Sagen von dem wilden Jäger lassen uns Umschreibungen von Naturvorgängen -erkennen. Der Sturmgott Wuotan ist der Sturm selbst; sein Roß, Hut -und wallender Mantel sind die Wolken, Wolken sind ursprünglich vielleicht auch die -von ihm gejagten Frauen. (S. die Sagen von den Holzweibchen.)</p> - -<p>Der Hase ist ein gespenstisches oder teuflisches Tier; in der Lausitz glaubt man, -daß die Hexen zuweilen in der Gestalt von Hasen durch das Dorf laufen. Der -Hase war den Asen geweiht. Das Hinwerfen eines Hasen durch den wilden Jäger -hat also eine mythische Bedeutung, ebenso wenn anderwärts ähnliche Sagen erzählen, -daß der wilde Jäger dem Rufenden ein Pferdeviertel zugeworfen habe. In letztgenannter<span class="pagenum"><a id="Seite_28">[28]</a></span> -Überlieferung findet sich vielleicht eine Erinnerung an die alten heidnischen -Opfermahlzeiten, bei denen das Pferdefleisch nicht fehlte.</p></div> - -<h3 id="sec18">18. Der graue Jäger auf dem Tossen.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer R. Bachmann aus Markneukirchen.)</p> - -<p>Auf dem Tossen, einem kahlen Landrücken bei Schönbach in -Böhmen, jagt allnächtlich der graue Jäger mit seinem Hunde. Als -einst eine Frau aus der sogenannten Hetaschen von Markneukirchen -aus heimkehrte, gesellte sich zu ihr der graue Jäger und begleitete sie -bis nach Hause. Die Frau erzählte dies ihrem Manne. Am andern -Morgen lag ein Stück Hirschfleisch auf dem äußern Fensterbrette. Der -Mann stieß es hinab, und drei Tage darauf war er eine Leiche. Seitdem -hat man den grauen Jäger nie wieder gesehen oder jagen gehört.</p> - -<h3 id="sec19">19. Der Waldschütz.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen. S. 115.)</p> - -<p>In Rodau, einem Dorfe bei Graslitz, erzählt man sich viel von -dem Waldschützen. Es soll dies ein Mann sein, der in dem nahegelegenen -Walde zu mitternächtlicher Stunde umgeht. Er schlägt dabei -mit großer Kraft und Gewalt an die Bäume und verursacht dadurch -einen großen Lärm. Zugleich setzt er dem Wilde nach, scheucht es auf -und treibt es so lange herum, bis ihn die Geisterstunde zurückruft. -Dabei hört man, wie er die Hunde hetzt. Deshalb nennen ihn die -Leute den Waldschützen. Er geht immer tiefer in den Wald und verliert -sich endlich im Forste.</p> - -<p>Dieser Waldschütz hat endlich auch die Gewohnheit, die Leute in -diesem tiefen Walde irre zu führen. Eines Tages ging ein Holzhauer -aus dem Walde nach Hause. Er war noch nicht lange gegangen, als -es stockfinster wurde und er furchtbare Axtschläge in seiner Nähe -vernahm. Der Holzhauer ging herzhaft auf den Lärm los, weil er -glaubte, daß es Holzdiebe seien. Wie er aber auf den Platz kam, wo -die Schläge erschallten, sah er einen fremden Mann in Jägertracht, -der an die Bäume klopfte. Der Holzhauer fragte: »Wer bist Du?« -»Ich bin der Waldschütz!« sagte der Mann und klopfte weiter. Der -Holzhauer folgte dem Mann nach. Um Mitternacht waren sie schon -tief in den Wald geraten, da fühlte der Holzhauer plötzlich einen Axtschlag, -daß er halbtot zu Boden stürzte. Am anderen Morgen, als er aufwachte, -standen einige Leute bei ihm, die ihn gefunden hatten. – In -der Hochgart geschah es, daß dieser Geist sich am Tage sehen ließ;<span class="pagenum"><a id="Seite_29">[29]</a></span> -dann ist er böswillig und läßt niemanden ungeschoren. Ein armer -Mann sah ihn und rief ihn dreimal beim Namen: »Waldschütz, Waldschütz, -Waldschütz!« Da drehte sich derselbe um und sprach: »Für dein -Necken sollst du hier in einen Baumstumpf verwandelt so lange stehen, -bis dich der Zufall erlöst.« Augenblicklich ward der Mann zu einem -Baumstumpf und wurzelte im Boden. Seine Erlösung aber blieb nicht -lange aus. Eines Tages waren Köhler in der Nähe; einer derselben -sah den Stock dastehen und dachte, er sei gut, das Mittagsessen darauf -einzunehmen. Er legte daher sein Brot darauf, schnitt es mit -dem Messer durch, so zwar, daß er auch noch in den Stock schnitt, und -hackte auch seine Hacke darin ein. In demselben Augenblicke schrie es -heftig auf, der Baumstumpf verschwand und der verzauberte Mann -stand erlöst vor den Augen der Köhler.</p> - -<h3 id="sec20">20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B. S. 177.)</p> - -<p>In der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte der Ort Klingenberg -einem Herrn Reichbrod von Schrenkendorf, der ein großer Jagdfreund -gewesen zu sein scheint, indem eine nach Colmnitz hin gelegene Waldwiese, -genannt »Reichbrods Wiese«, heute noch von den Landleuten -ungern zur Nachtzeit passiert wird, weil daselbst Reichbrod einen Jagdlärm -treibt, als ob wilde Schweine gehetzt würden.</p> - -<h3 id="sec21">21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusch bei Schlettau.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 29.)</p> - -<p>In dem Hofbusche bei Schlettau, durch den der Weg nach Unter-Herrmannsdorf -führt, läßt sich bei Nacht oft ein gespenstischer Jäger -ohne Kopf sehen. Er soll vor alter Zeit die Armen, welche sich das -dürre Reißholz sammelten, oft unbarmherzig mißhandelt haben und zur -Strafe nach seinem Tode nun umgehen müssen. Rechtliche Leute läßt -er ungeneckt, aber die Holzdiebe hat er schon oft in Todesangst gejagt -und bisweilen festgebannt, so daß sie Stunden lang an einer Stelle -stehen bleiben mußten.</p> - -<h3 id="sec22">22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.</h3> - -<p class="source">(Nach der poetischen Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz -des K. S. No. 572.)</p> - -<p>Auf dem Ziegenberge bei Zwönitz soll sich ein Reiter ohne Kopf -sehen lassen, von dem sich das Volk folgendes erzählt:</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_30">[30]</a></span></p> - -<p>Einst (im 17. Jahrhundert) soll ein Müller in Zwönitz eine sehr -schöne Tochter gehabt haben, die mit dem Förster von Grünhain heimlich -versprochen war; derselbe war übrigens mit den übrigen Gliedern -ihrer Familie so gut wie gar nicht bekannt. Nun hatte aber der Müller -auch einen Sohn, von dem er sich losgesagt hatte, weil derselbe ohne -seine Erlaubnis die Tochter des Scharfrichters geehelicht und damit nach -den Ansichten jener Zeit seine Familie beschimpft hatte. Gleichwohl -kamen die Geschwister an diesem und jenem Orte mit einander zusammen, -und als nun eines Tages die schöne Müllerstochter in die Schenke -wo sie ihren Liebhaber zu treffen dachte, zum Tanz gegangen war, traf -sie ihren Bruder mit seiner Frau und konnte es ihm natürlich nicht -abschlagen, ein Tänzchen mit ihm zu machen. Während dem war aber -der Förster angelangt und gleich vom Pferde aus, wie er war, auf -den Tanzsaal geeilt; als er nun seine Braut in den Armen eines ihm -Fremden erblickte und sah, wie sie freundlich mit ihm scherzte, ergriff -ihn rasende Eifersucht. Er lockte sie also unter Schmeichelworten auf den -Ziegenberg, indem er vorgab, er habe bei dem schnellen Ritte etwas -im Walde verloren und sie solle ihm suchen helfen. Das Mädchen -ging auch, nichts Böses ahnend, mit; als sie aber an eine recht wilde, -verwachsene Stelle des Berges kamen, warf er ihr ihre Untreue vor -und erstach sie, ohne nur ihre Verteidigung anhören zu wollen. Leider -hatte er nur zu sicher getroffen, die Unglückliche gab in wenigen Minuten -ihren Geist auf, indem sie nur noch so viel Zeit hatte, ihrem Mörder -zuzurufen, ihr vermeintlicher Verführer sei ihr Bruder gewesen, den er -noch nicht gekannt habe. In wilder Verzweiflung warf sich der Förster -über die Sterbende, allein er vermochte sie nicht wieder ins Leben zurückzurufen. -Er eilte also auf den Tanzsaal und schrie ihrem Bruder -zu, er habe seine Schwester gemordet, er wolle sich selbst dem Gerichte -übergeben. So geschah es auch. Da er den Tod suchte, dauerte die -Untersuchung nicht lange, schon nach drei Monden fiel sein schuldiges -Haupt zu Grünhain auf dem Schafott; auf dem Flecke aber wo die -blutige That geschehen, ward ein Rosenstrauch gepflanzt, dessen weiße -Rosen des Nachts wie mit Blut besprengt aussehen und der seine -Blätter traurig zur Erde zu senken scheint. Um Mitternacht aber kommt, -wenn böse Zeiten bevorstehen, ein Reiter, den Kopf unter dem Arme, -vom Grünhainer Hochgericht nach dem Rosenstock geritten, verweilt -kurze Zeit daselbst und kehrt dann wieder zurück.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der letzte Teil der Sage erinnert an die poetische Vorstellung, daß die entweichende -Seele eine aufblühende Blume ist, durch welche sie auch symbolisch dargestellt -wird. Die weiße Rose, welche des Nachts wie mit Blut besprengt dasteht, ist -die Seele des ermordeten Mädchens. Die Seelen Verstorbener wachsen als Blumen<span class="pagenum"><a id="Seite_31">[31]</a></span> -aus dem Grabe. Erhob sich doch auch auf den Gräbern Tristans und Isoldes eine -Rebe und ein Rosenstock.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»– Doch eine Rose, einen Reben<br /></span> -<span class="i0">sah man sich aus den Gräbern heben<br /></span> -<span class="i0">und innig sich verschlingen.«<br /></span> -</div></div></div> - -<h3 id="sec23">23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz etc. No. 267.)</p> - -<p>Auf der von Hainsberg nach Tharand führenden Chaussee soll -sich an gewissen Tagen um Mitternacht ein Spukgeist sehen lassen; -er reitet auf einem Pferde ohne Kopf und trägt den seinigen zuweilen -selbst unter dem Arme, er jagt bis Tharand und kehrt dann wieder -zurück.</p> - -<h3 id="sec24">24. Gespenstische Reiter bei Waschleite.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 75.)</p> - -<p>Eine halbe Meile von Grünhain gegen Waschleite ist einem -Gerber von Elterlein, der des Nachts von Schwarzenberg heimfuhr, -eine ganze Rotte Reiter ohne Köpfe und in mancherlei Gestalt entgegengekommen, -denen mußte er ausweichen, worauf er infolge des -gehabten Schrecks krank wurde. Daselbst hat man auch zuweilen die -schönste Geistermusik gehört.</p> - -<h3 id="sec25">25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers R. Schlegel aus Wildenfels.)</p> - -<p>Die Holzhauer erzählen, daß sich an dem sogenannten neuen Teiche -im Wildenfelser Walde ein Reiter ohne Kopf sehen lasse, welcher dann -im Wasser verschwinde.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Unselige Geister erscheinen häufig hauptlos, wie uns die Sagen aus zahlreichen -Orten erzählen. Ohne Kopf sieht man z. B. den Reiter im Wiesenthale bei Königerode. -Auch der wilde Jäger im Zellgrunde zeigt sich ohne Kopf. (Größler, Sagen aus der -Grafschaft Mannsfeld, No. 54 und 162.) In einem bei Weimar gelegenen Hölzchen -läßt sich des Nachts ein Reiter sehen, welcher seinen Kopf wie einen Hut unter dem -Arme trägt; er führt die Leute irre. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 297.) -Bemerkenswert ist dabei, daß solche unselige Geister vielfach auf halben oder dreibeinigen -Rossen reiten und mit einer Meute dreibeiniger Hunde den Zug des wilden -Jägers begleiten. Es ist dies eine Erinnerung an die Todes- und Pestgöttin Hal, -welche auf einem dreibeinigen Pferde erscheint.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_32">[32]</a></span></p> - -<h3 id="sec26">26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Seminarist Osw. Hübner aus Bernsbach.)</p> - -<p>Auf der Straße von Bernsbach nach Beierfeld, im sogenannten -Kirchgraben, soll öfters ein Reiter ohne Kopf gesehen worden sein.</p> - -<h3 id="sec27">27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p> - -<p>In der Mitte des Weges zwischen Lößnitz und Schloß Stein ist -ein Waldort, genannt »die hohle Linde.« Zur Zeit steht an der Stelle -neben einer Vertiefung eine junge Linde; ehemals befand sich eine umfangreiche -hohle Linde daselbst. Früher stieg aus derselben um Mitternacht -ein Reiter ohne Kopf, der den Wald durchirrte und die Leute -schreckte. Noch jetzt soll derselbe zuweilen aus der kleinen Senke daselbst -aufsteigen.</p> - -<h3 id="sec28">28. Der Panzerreiter zu Stollberg.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 574; z. T. mündlich.)</p> - -<p>In der Gegend von Stollberg soll bei Nacht ein Reiter ohne Kopf, -in einen langen schwarzen Mantel gehüllt, auf einem schwarzen kopflosen -Rosse herumreiten. Vor ihm her flattert eine grau und schwarz -gefleckte Krähe, welche sich auch bisweilen auf einer großen Linde in -der Oberstadt sehen ließ und durch ihr nächtliches Krächzen jedem, der -es hörte, den Tod binnen drei Tagen verkündigte. Nach anderen sollen -vor dem Reiter drei Raben fliegen; auf welchem Hause sich dieselben -niederlassen, daraus soll jemand in demselben Jahre sterben. Den -Reiter nennt man den Panzerreiter.</p> - -<h3 id="sec29">29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 95.)</p> - -<p>Einst gingen einige Leute von Lichtenstadt nach Karlsbad; als -sie den Berg hinuntergingen, war es gerade 11 Uhr in der Nacht. -Da sahen sie unten viele hunderte von feurigen Männern und Pferden -ohne Köpfe sich herumtummeln. Um 12 Uhr war alles wieder verschwunden.</p> - -<h3 id="sec30">30. Das Geisterschloß bei Bockau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Seminarist Paul Mothes aus Bockau.)</p> - -<p>Ungefähr 20 Minuten von dem durch seinen früher lebhaft betriebenen -Arzneihandel bekannten Bergflecken Bockau befindet sich ein<span class="pagenum"><a id="Seite_33">[33]</a></span> -Sumpf, von den Bewohnern einfach »die Pfütze« genannt. Dabei erhebt -sich ein Felsen, auf dem in gewissen Nächten zwischen 11 und 12 -Uhr ein großes Schloß mit unzählig erleuchteten Fenstern zu sehen ist. -Jeder aber, welcher auf das Schloß zugeht, wird in der Irre umher -geführt. An demselben Platze hat sich auch zuweilen ein Reiter ohne -Kopf sehen lassen.</p> - -<h3 id="sec31">31. Der Spuk an der Straße bei Albernau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)</p> - -<p>Da, wo von der Chaussee zwischen Schneeberg und Bockau der -Communikationsweg nach Albernau abgeht, steht eine steinerne Säule. -Von diesem Platze wird verschiedenes erzählt. Einige wollen daselbst -in gewissen Nächten zur Mitternachtsstunde einen Reiter ohne Kopf gesehen -haben, der mit wildem Geheule vorüberjagte; andere erzählen, -daß sich dort des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr ein Licht hin und -her bewege, wobei zugleich deutlich Gewinsel zu hören sei.</p> - -<h3 id="sec32">32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.</h3> - -<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen, S. 618.)</p> - -<p>Schon von vielen Personen wurde auf der Chaussee vom Gasthofe -zu Bärenburg aufwärts nach Altenberg, da wo die Straße der -Steigung halber die großen Krümmungen macht, eine Erscheinung ohne -Kopf beobachtet. Bei der letzten »Drehe« pflegt die Gestalt, welche -sonst immer in gleicher Höhe mit dem Wanderer auf der andern Seite -der Straße fortschreitet, zu verschwinden. Die oft einsam fahrenden -Postillone der Nachtpost wollten in früherer Zeit den Spuk neben den -Pferden hergehend gesehen haben.</p> - -<h3 id="sec33">33. Die weiße Frau zu Neustädtel.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. S. 943.)</p> - -<p>In Neustädtel bei Schneeberg erzählt man von einer gespenstischen -weißen Frau, welche eine Sechswöchnerin gewesen und endlich verbannet -worden. Auf deren Grab ist immer ein Grüblein, einer Backschüssel -groß, geblieben, ob man es gleich zufüllete.</p> - -<h3 id="sec34">34. Die weiße Frau zu Venusberg.</h3> - -<p class="source">(Lehmann a. a. O. S. 942.)</p> - -<p>Auf dem herrschaftlichen Hofe zu Venusberg bei Thum kennt -man eine weiße Frau von langen Jahren her, ohne daß jemand wissen<span class="pagenum"><a id="Seite_34">[34]</a></span> -will, wer sie gewesen. So oft bei der Herrschaft oder ihrer Familie -und nächsten Anverwandten ein Todesfall sich ereignen soll, lässet sie -sich eine gute Zeit zuvor von vielen öffentlich sehen, und zwar, wenn -ein Todesfall im Hause geschehen soll, gehet sie aus selbigem heraus, -die Treppen hinunter, über den Hof hinab bis zu demjenigen Thor, -durch welches die Leiche hinausgetragen werden soll. Ist aber der -Todesfall außerhalb des Hauses unter den nächsten Anverwandten zu -vermuten, so läßt sie sich nur bald hier, bald dort, auch wohl zu den -Fenstern herab sehen. Es ist aber niemandem dadurch ein Leid oder -eine Krankheit widerfahren, weil sie ohne Beleidigung ihr Wesen treibt.</p> - -<h3 id="sec35">35. Die weiße Frau in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>In der Kosaken- und Webergasse zu Schneeberg hat sich des -Nachts mehrere Male eine weiße Frau sehen lassen.</p> - -<h3 id="sec36">36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p> - -<p>Auf dem Wege von Wildenthal nach Karlsfeld ist öfters des -Nachts bei Mondenschein eine Frauengestalt in weißem Gewande erschienen. -Dieselbe ging stets vor dem Wanderer her, ließ sich aber -von demselben nicht erreichen, so sehr er auch seine Schritte beschleunigte.</p> - -<h3 id="sec37">37. Die weiße Frau am Brautstock in Altenberg.</h3> - -<p class="source">(Bürgermeister Schönherr im Freiberger Anzeiger 1883, No. 181. -1. Beilage.)</p> - -<p>Der Weg durch die sogenannte lange Gasse in Altenberg, welche -nach Zinnwald führt, wird vielfach begangen; man findet darin eine -einfache unbearbeitete Porphyrsäule, der Brautstock genannt. Eingearbeitet -sind die Jahreszahlen 1716 und 1820. Der Sage nach soll -von Zeit zu Zeit und in gewissen Nächten eine weiß gekleidete junge -Frau zu erblicken sein, welche am Steine seufzt, betet und dann zu -versinken scheint. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts soll unter -seltsamen Umständen an dieser Stelle eine Vermählung stattgefunden -haben. Ein in einem Duell verwundeter Offizier ließ sich hier die -Geliebte antrauen und gab darauf sein Leben Gott zurück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_35">[35]</a></span></p><div class="blockquot"> - -<p>In Wirklichkeit dürfte der genannte Brautstock nichts anderes als ein großer -Rainstein sein, der bei der großen Verrainung vom Jahre 1716 zwischen der kurfürstlichen -Waldung und derjenigen der Zwitterstocksgewerkschaft zu Altenberg gesetzt wurde. -Der Stein trägt zunächst das Waldzeichen letzterer Gewerkschaft, das Jupiterzeichen -aus den Kalendern, welches einem lateinischen »<em class="antiqua">Z</em>« ähnelt, sodann die Jahreszahlen -»1716« und »1820«, die Rainungsziffer 53, nach Süden abermals das Jupiterzeichen -und nach Westen ein lateinisches »<em class="antiqua">A</em>« (Altenberger Staatsforstzeichen). Eine -Innschrift führt der Brautstock nicht und doch ist derselbe schon seit Jahren unter -diesem Namen als Grenzrainungsmarke in verschiedenen Karten und Fluraufrissen -geführt worden.</p> - -<p>Der vorigen Sage von der weißen Frau am Brautstocke liegt eine wirkliche Begebenheit -zu Grunde. Auf einer kleinen sumpfigen Waldwiese südlich von Peterswalde -fand zu Anfange des vorigen Jahrhunderts ein Duell auf Kugeln statt, bei welchem -der Garde-Capitän von Siemensky tödlich verwundet wurde. Seine Braut war in -einem Wagen mit einem Arzte gefolgt und als der letztere äußerte, der Verwundete -könne vielleicht noch gerettet werden, wenn es gelänge, die Kugel durch einen sachverständigen -Beistand zu entfernen, wurde der Garde-Capitän in dem Wagen auf -einer vierstündigen Fahrt über Schönwalde und Voitsdorf bis nahe vor Altenberg -gebracht. Hier aber auf der steinigen Landstraße fühlte der Verwundete sein Ende -herannahen und begehrte, daß ihn ein Geistlicher mit seiner Braut trauen sollte, um -letztere in den ungeschmälerten Besitz seiner Güter zu setzen und ihre Ehre vor der -Welt zu retten. Eilig wurde aus Altenberg der Pastor Johann George Bretschneider -geholt und dieser vollzog unter freiem Himmel die Trauung. Darauf starb von -Siemensky. Seine angetraut Gattin starb bei der Geburt eines Knaben, welcher -von einem Herrn von Nostitz erzogen wurde und später das Erbe seines im Duell -getöteten Vaters antrat.</p> - -<p>Forstleute haben später durch den einfachen »Brautstock« die Stelle bezeichnet, -wo jene tragische Begebenheit der Vermählung im Angesichte des Todes sich -ereignete.</p> - -<p>(S. Näheres bei Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen ohne Jahreszahl. -S. 607 etc.)</p></div> - -<h3 id="sec38">38. Die weiße Frau auf Scharfenstein.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 15.)</p> - -<p>Auf dem Schlosse Scharfenstein zwischen Zschopau und Wolkenstein -geht seit Jahrhunderten eine weiße Frau um. Des Nachts mit -dem zwölften Glockenschlage wird sie rege und wandelt, in lange, weiße, -nebeldünne Gewänder gehüllt, durch alle Gemächer des Schlosses, -bleibt bisweilen stehen und seufzt und ist überhaupt traurig. Oft hat -man gewagt, sie anzureden, aber nie hat sie Antwort gegeben, sondern -ist immer sogleich entflohen. Sie muß eine schwere Sünde begangen -haben; welche aber, weiß niemand.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_36">[36]</a></span></p> - -<h3 id="sec39">39. Die weiße Frau in Unterchodau.</h3> - -<p class="source">(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg. -Komotau 1878. S. 84.)</p> - -<p>Zu Unterchodau bei Elbogen stand früher an der Stelle der -Porzellanfabrik ein einfaches, einstöckiges Schlößchen, an das später -eine Glashütte angebaut wurde. Erst später entstand hier eine Porzellanfabrik. -In diesem Schlößchen nun wohnte die Witwe eines -ehemaligen Littmitzer Brauers, welche Wohnung ihr von der Stadt -Elbogen mildherzig verliehen wurde, nachdem sie mit ihrem Manne -gänzlich von Vermögen gekommen war. Sie ging nun einst bei ihrem -Schwager vorbei, der gegenüber der Schule wohnte; derselbe rief sie -ins Haus und gab ihr ein Krüglein Bier. Da blickt sie gegen das -Schlößchen und sieht plötzlich im Erkerfenster eine weiße Frau stehen. -Ach Gott! rief sie, ich habe meine ganze Wäsche auf dem Boden, -man will sie mir gewiß stehlen! Sie läuft nach Hause, ihre Kinder -weinen, sie nimmt das jüngste auf den Arm und eilt die Treppe -hinauf. Auf dem Boden angelangt, bleibt sie jedoch ganz starr stehen, – -sie sieht die weiße Frau mit verschränkten Armen und auf dem Dachboden -einen Haufen Gold, auf welchem Pergamentrollen lagen. Statt -von dem Golde zu nehmen, lief sie zum Schwager mit der Bitte, ihr -das Gold wegtragen zu helfen; bei der Rückkehr jedoch war alles verschwunden. -Auch als schon die Glashütte stand, hielt sich kein Arbeiter -abends gerne in der Werkstätte auf und selbst jetzt noch hält -man es dort nicht für geheuer.</p> - -<h3 id="sec40">40. Die weiße Frau in Premlowitz.</h3> - -<p class="source">(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg. -Komotau 1878. S. 84.)</p> - -<p>Bei dem Hofe Premlowitz bei Karlsbad geht eine weiße Frau -um. Vor fünfzig Jahren noch will man sie täglich von 11 bis 12 -Uhr mittags mit verschränkten Armen auf dem Hofgang gesehen haben.</p> - -<p>Einmal sah die weiße Frau ein Knecht, der auf dem Felde -ackerte. Er rief sie mit den Worten an: Du könntest mir auch ausspannen -helfen! erhielt aber plötzlich einen solchen Schlag ins Gesicht, -daß ihm der Backen anschwoll und er mehrere Wochen das Bett hüten -mußte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_37">[37]</a></span></p> - -<h3 id="sec41">41. Die weiße Frau des hohen Steins bei Graslitz.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg. S. 131.)</p> - -<p>Es weidete einmal ein Junge aus Waltersdorf, einem Dorfe -am Südostfuße des hohen Steines, seine Herde, als um die Mittagszeit -herum eine weiße Frau erschien und ihn fragte, was er denn in -seinem Zwerchsacke trage. »Mein Brot,« antwortete furchtsam der -Hirt. »Gieb mir etwas davon,« bat die Frau, und während der Angesprochene -ihrem Wunsche willfahrte, sagte er, daß er ihr nur -wenig bieten könne, indem seine Bäuerin ein geiziges Weib sei, die -ihrem Gesinde die Brocken in die Schüssel zähle. Da überreichte ihm -die weiße Frau eine kleine Rute mit dem Bedeuten, das geizige Weib -damit zu berühren, wenn sie im Begriffe stehe, ihm sein Brot mit auf -die Hutweide zu geben. Außerdem streifte sie mit der Hand das Laub -von dem Aste eines Baumes und sprach: »Nimm auch diese Blätter -und hebe dieselben wohl auf; sie sind der Lohn für das mir gereichte -Brot.« Nach diesen Worten entschwand die Frau den Blicken des -Hirten, der das erhaltene Geschenk in seinen Taschen barg. Als er -aber am Abend seine Herde nach Hause trieb, wurde ihm das Tragen -der Blätter unbequem, und einfältig, wie er war, warf er sie von sich. -Wie reute ihn aber sein Thun, als er zu Hause angelangt, in seiner -Tasche drei funkelnde Goldstücke fand, welche durch Verwandlung dreier -von den geschenkten Blättern, die in seiner Tasche kleben geblieben, -entstanden waren. Wohl lief er schnell zurück, um das so leichtsinnig -weggeworfene Geschenk der gütigen Frau wieder aufzunehmen; allein -sein Suchen war und blieb vergeblich. Die Blätter blieben verschwunden. -Als ihm am andern Morgen die Bäuerin sein Brot schnitt, -berührte sie der junge Hirte, ungesehen von ihr, mit der erhaltenen -Rute und war erstaunt, das geizige Weib alsbald sprechen zu hören: -»Dem Hirten muß ich heute ein großes Stück Brot samt einer Butterflade -und mehrere Kuchen mit auf die Weide geben; er verdients.« -Und es geschah. So oft der Hirt die Bäuerin mit seiner wunderthätigen -Rute berührte, erhielt er eine reichliche und gute Zehrung. – -Einst aber unterzog die Magd des Hauses den Stall einer durchgreifenden -gründlichen Reinigung, und bei dieser Gelegenheit warf sie des -Hüters Rute, der sie im Stalle oben unter einen Balken gesteckt hatte, -mit hinaus. Weinend beklagte dieser nach seiner Nachhausekunft seinen -unersetzlichen Verlust; aber das half ihm nichts. Die Bäuerin schnitt -fortan das trockene Brot fast noch kleiner als vordem und bitter bereute -es der Betroffene, das wohlthätige Geschenk der weißen Frau -nicht sorgsamer aufbewahrt zu haben. Diese erschien dem jungen Hirten<span class="pagenum"><a id="Seite_38">[38]</a></span> -zwar noch einige Male, aber nur in der Ferne. Ihre Gesichtszüge -waren finster auf ihn gerichtet und drohend erhob sie manchmal den -Zeigefinger ihrer Rechten gegen den Unachtsamen, vielleicht dadurch -ihre Unzufriedenheit mit ihm zu erkennen gebend.</p> - -<h3 id="sec42">42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.</h3> - -<p class="source">(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. S. 173.)</p> - -<p>Wenn man von Brandau, das mit dem zugehörigen Orte böhm. -Grünthal den am weitesten vorgeschobenen Zipfel des Brüxer Bezirks ausfüllt, -nach Kallich wandert, so muß man durch das wegen seiner Naturschönheiten -berühmte und deshalb von Touristen sehr besuchte Teltschthal, -in dem der Grenzbach Natschung zahlreiche Brettmühlen und auch das -jetzt allmählich verfallende Eisenwerk Gabrielenhütte treibt. Am Eingange -in dieses Thal befindet sich zur rechten Hand, unmittelbar über -dem zu Brandau gehörigen Wirtshause zu »Beneschau,« vielleicht 8 -Minuten vom eigentlichen Dorfe entfernt, in dem der Gemeinde Brandau -gehörigen Walde ein Felsen, der schon steil gegen die Straße, noch -mehr aber gegen das Natschungthal abfällt. Hier auf diesem Felsen -will man noch Mauerüberreste sehen und man nennt den Platz das -Raubschloß. Die Sage erzählt davon folgendes:</p> - -<p>Auf dem Raubschlosse stand früher eine Burg, die einem mächtigen -Ritter gehörte, der gar oft viele Wochen von ihr sich entfernte, aber -immer reich mit fremden Schätzen beladen zu ihr zurückkehrte. Als er -einst wieder auf Raub auszog, überfielen seine Feinde die Burg, nahmen -die Besatzung gefangen und legten sich in den Hinterhalt, um auch den -nur von wenigen Reisigen umgebenen Ritter zu fangen. Als dieser -zurückkehrte, erkannte er sogleich die ihm drohende Gefahr und sprengte, -um der Gefangenschaft zu entgehen, mit seinem Pferde den steilen Berg -hinab in das Thal, wo er zerschmettert anlangte. Die Burg wurde -dem Erdboden gleich gemacht.</p> - -<p>Seit jener Zeit treibt dort ein graues Männchen sein Wesen, -das einst einem Försterburschen eine Thür zeigte, durch die er in ein -großes Zimmer im Berge trat. Das Männchen erlaubte ihm auch, -von dem vielen hier aufgespeicherten Gelde täglich eine bestimmte -Summe zu holen. Als der Bursche aber noch einen seiner Kameraden -mitbrachte, damit auch dieser die Schatzkammer kennen lerne, blieb er -in der Höhle eingeschlossen.</p> - -<p>Wenn am Pfingstmontage nach dem Gottesdienste die Lichter -in der Kirche ausgelöscht werden, öffnet sich die Thür, und eine weiße<span class="pagenum"><a id="Seite_39">[39]</a></span> -Frau kommt heraus, die aber schon wieder nach einer halben Stunde -hinter derselben verschwindet. Benutzt man diese halbe Stunde, so -kann man die verborgenen Schätze aus der Höhle holen.</p> - -<p>Ein Knabe aus dem sächsischen Grenzorte Rothenthal spielte eben -auf der Violine, als die weiße Frau aus dem Felsen trat und ihn -aufforderte, ihr etwas vorzuspielen. Furchtlos überschritt er den Grenzbach -und spielte der Frau seine schönsten Melodien vor, in der Meinung, -von ihr reich belohnt zu werden. Als die halbe Stunde verflossen -war, nahm ihn aber die Frau nicht, wie er vermutet hatte, mit in den -Berg, sondern füllte nur seinen Geigenkasten mit Laub.</p> - -<p>Ärgerlich warf er dasselbe heraus und lief heim. Dort sah er -noch einmal in den Kasten und fand drei Thaler darin. Eilends kehrte -er zurück, fand aber weder die Frau, noch das weggeworfene Laub.</p> - -<p>Ein andermal saß ein Mann am Ufer der Natschung und fischte. -Da öffnete sich wieder die Thür im Raubschloß, und drei weiße Frauen -traten heraus, gingen zum Bache und wuschen ihre Hände. Als sie -den Mann sahen, riefen sie ihm zu, er möge drei Säcke holen, was -sich dieser nicht zweimal sagen ließ. Obwohl die Frauen die Säcke nur -mit Laub füllten, trug sie der Mann doch eine weite Strecke. Als sie -ihm aber zu schwer wurden, schüttete er das Laub aus. Doch blieben -in jedem Sacke einige Blätter, die er später als reines Gold erkannte. -So oft er auch später die Stelle wieder aufsuchte, wo ihm das Glück -so gelächelt hatte, die Frauen sah er nie wieder.</p> - -<p>Am Palmsonntage ging eine Frau mit ihrem kleinen Kinde in -derselben Gegend spazieren und kam zu einer Thür, die sie noch nie -gesehen hatte. Neugierig versuchte sie die Thür zu öffnen, was ihr -auch gelang. Sie trat in ein einfaches Zimmer, in dessen Mitte ein -Tisch mit Geld stand. Während sie das Kind auf den Tisch setzte, -raffte sie schnell das Geld zusammen und trug es hinaus. Hier sah -sie aber nur Laub in ihrer Schürze und fand, als sie ihr Kind wieder -holen wollte, die Thür verschlossen. Ein Priester, den sie in ihrer -Verzweiflung um Rat fragte, schalt sie ihrer Habsucht wegen und sagte -ihr, daß sie in einem Jahre genau um dieselbe Stunde wieder bei der -Thür warten müsse, bis sich diese öffne. Sie that dies und fand auch -wirklich ihr Kind, mit roten Äpfeln spielend, die sich im Freien in -Goldklumpen verwandelten.</p> - -<h3 id="sec43">43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 948.)</p> - -<p>Am 15. September des Jahres 1695, Sonntags spät, ritt Christoph -Kaiser, Müller zu Blumenau, nach Hause, und als er hinter die Pfarrwohnung<span class="pagenum"><a id="Seite_40">[40]</a></span> -zu Olbernhau kam, wo ihn sein Weg nach Hause führte, -gingen drei Männer geschwind und ohne Gruß vorüber, worüber er sich -verwunderte, weil er sie für Blumenauer ansah. Als er ein wenig -fortreitet, kommen ihm auf dem Wege vier verschleierte Weiber entgegen, -welche eine Totenbahre mit einem Sarge und Leichentuch tragen. Darüber -erschrickt er und weiß nicht, wo er ist; bald dünkt ihm, er reite -durch ein großes Wasser, bald scheint es ihm, als müsse er einen hohen -Berg hinan reiten, bis es ein wenig licht wird und er sich bekennet, -daß er auf dem rechten Wege sei. Als er zu des Richters Teich, der -nahe bei dem Gerichte ist, kommt, sieht er abermals fünf bis sechs -Paar verschleierte Weiber daher kommen, die über den Steig, darüber -er auch gewollt, gehen, daß er nicht weiß, was er thun soll. Er lässet -aber dem Pferde seinen Gang; dasselbe ist des Weges wohl gewohnt, -will jedoch über den Steig nicht gehen, sondern lenket sich mit Schnauben -neben demselben durch ein Bächlein, und bringet so seinen Reiter -gesund nach Hause, wie wohl es sehr geschwitzet. Des andern Tages -hat es der Müller ausgesagt und hat ihm nichts geschadet.</p> - -<h3 id="sec44">44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.</h3> - -<p class="source">(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane, S. 252.)</p> - -<p>In alter Zeit lebte auf dem Schlosse zu Meerane ein Herzog, -der von seiner Gemahlin keine Kinder bekam. Daher nahmen sie ein -junges Mädchen, eine Gräfin, an Kindesstatt an. Als diese 17 Jahr -alt war, starb des Herzogs Gattin. Sie ward bald vergessen und -kurze Zeit darauf von dem Herzoge jenes Mädchen zur zweiten Gemahlin -erwählt, welche ihm in der Folge zwei Kinder gebar, einen -Knaben und ein Mädchen. Auch der Vater starb, als jener acht, dieses -zwei Jahre alt war, und die junge Witwe ließ sich bald darauf den -Zutritt eines fremden, ihr nicht ganz ebenbürtigen Mannes gefallen. -Als er nun während der Zeit seiner Bewerbungen einmal wieder abreiste, -hatte er die Worte fallen lassen: es sei alles gut, wenn nur -vier Augen nicht wären. Das verblendete Weib und die dabei unnatürliche -Mutter deutete obige Worte so, daß ihr Liebhaber sie gern heiraten -würde, wenn nur ihre zwei Kinder nicht wären. Und sofort war auch -ihr Entschluß gefaßt. Die Wartefrau mußte mit den beiden Kindern -in den nahen Wald, das Gottesholz, gehen und ein gedungener Bösewicht -alle drei ermorden. Die Wartefrau fiel als erstes Opfer. Als -der Knabe sie in ihrem Blute hinsinken sah, fiel er dem Mörder um -den Hals und versprach, er wolle ihm fünf Rittergüter von seinen acht -geben, wenn er ihn nur leben ließe. Doch auch ihm senkte der Schändliche<span class="pagenum"><a id="Seite_41">[41]</a></span> -den Dolch in die Brust. Das Mädchen hielt ihm zur Abwehr, -wie zur Beschwichtigung, in jeder Hand eine Puppe entgegen, die sie -mitgenommen hatte. Auch dies Kind wurde nicht geschont. Die Mutter -ließ hierauf die drei Leichen heimlich in die Burg bringen, und nach -dem sie ausgesprengt, alle drei seien schnell einer bösartigen Krankheit -erlegen, in der Burgkirche beisetzen. Ihrem Liebhaber schrieb -sie, das Hindernis ihres Ehebundes sei beseitigt und er solle nun kommen. -Und er kam – aber mit strafendem Blicke und dem Bedeuten, -daß er sie nur habe prüfen wollen, ob bei ihr sinnliche Liebe über -Kindesliebe siegen könne, und daß nun ein Ehebündnis mit ihm unmöglich -sei. Jetzt überfiel die Unglückliche die entsetzlichste Reue und -da sie meinte, daß ihre so große Schuld nur durch die schwerste Buße -zu sühnen sei, ließ sie sich beide Knie mit Polstern umkleiden und trat -nun in Begleitung ihrer Kammerfrau und in leichtem Gewande ihre -Bußreise zu dem Papste nach Rom immer auf den Knien rutschend an. -Auf der Hälfte des Weges starb ihre Begleiterin, sie selbst mußte allein -weiter reisen. Als sie endlich an dem ihr bezeichneten Kloster in Rom -angekommen war, war es nachts 12 Uhr; sie vermochte es nicht mehr, -sich aufzurichten und an der Schelle zu ziehen, sank vor Erschöpfung -nieder und wurde früh morgens vor der noch ungeöffneten Pforte -des Klosters von Vorübergehenden tot aufgefunden. Ihre Seele fand -daher keine Ruhe, sondern schweift seitdem als weiße Frau in dem -Rotengarten oder Raubgarten, dem jetzigen Pfarrgarten von Meerane, -umher.</p> - -<p>In einem alten Buche über Meerane soll die Ermordung der -beiden Kinder abgebildet sein mit den Unterschriften:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Mein lieber H., laß mich leben,<br /></span> -<span class="i0">Ich will Dir Neudeck und Nossen (?) geben,<br /></span> -<span class="i0">Pleißenburg, die neue,<br /></span> -<span class="i0">Es wird Dich nicht gereue.« Und:<br /></span> -<span class="i0">»Mein lieber H., laß mich leben,<br /></span> -<span class="i0">Ich will Dir meine Puppen geben.«<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>Fast ganz übereinstimmend mit unser Sage ist die von der Gräfin von Orlamünde. -(Richter, deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 51.)</p></div> - -<h3 id="sec45">45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner -Walde.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers G. Günther aus Lößnitz.)</p> - -<p>Auf dem zwischen Schloß Stein und Nieder-Schlema auf der Höhe -des rechten Muldenufers emporragenden weißen Fels und in dessen<span class="pagenum"><a id="Seite_42">[42]</a></span> -Umgebung hat sich vorzeiten eine Frauengestalt sehen lassen. Anfangs -erschien dieselbe als weiß gekleidete Jungfrau, später aber als altes -Mütterchen. In dieser Gestalt ist sie noch vor einigen Jahren von -Holzlesern gesehen worden.</p> - -<h3 id="sec46">46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Br. Grimm, deutsche Sagen, I. No. 11.)</p> - -<p>Bei Annaberg liegt vor der Stadt ein hoher Berg, der Pöhl- -oder Pielberg genannt, darauf soll vor Zeiten eine schöne Jungfrau -verbannt und verwünscht sein, die sich noch öfters um Mittag, weshalb -sich dann niemand darf sehen lassen, in köstlicher Gestalt, mit prächtigen -gelben, hinter sich geschlagenen Haaren zeigte.</p> - -<h3 id="sec47">47. Die Jungfrau des Lauterstein bei Zöblitz.</h3> - -<p class="source">(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 5.)</p> - -<p>Einst hütete ein junger Hirte aus Lauterbach seine magere Herde -bei der Ruine Lauterstein und legte sich auf den weichen warmen Rasen, -um sich zu sonnen. Schon wollte er zu Mittag eintreiben, als er ein -Geräusch hinter sich hörte. Er sieht sich um und erblickt eine Jungfrau, -groß und stark, in einer Kleidung, wie sie niemand mehr trug; dieselbe -war beschäftigt, Laub zusammen zu rechen. Freundlich kommt sie auf -den Hirten zu, steckt ihm alle Taschen voll Laub und verschwindet, als -er sich nach ihr umsieht. Voll Verwunderung und innerem Grauen -treibt der Knabe seine Herde eilig nach Hause. Hier erzählt er bei -Tische von der Erscheinung, greift in die Tasche nach dem Laube und -zeigt es vor. Welch Wunder! Die Blätter hatten sich in eitel Gold -verwandelt. Noch an demselben Tage gingen seine Leute in die Gegend -der Ruine, um Laub zu rechen. Sie brachten ganze Säcke davon nach -Hause, aber es war und blieb Laub. Der Hirtenknabe kaufte später -das Lehngericht in Lauterbach; aber die goldspendende Jungfrau hat -er nie wieder gesehen.</p> - -<h3 id="sec48">48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 519.)</p> - -<p>An den Breiten- und Röthelstein bei Beerheide knüpft man folgende -Sage: Im grauen Altertume sollen von Ellefeld bei Falkenstein aus -zwei alte Jungfrauen hierher verbannt worden sein, die noch jetzt ihr -Wesen in dieser Gegend treiben. Denn bald fahren dieselben in feuriger<span class="pagenum"><a id="Seite_43">[43]</a></span> -Kutsche mit dergleichen Rossen bespannt vom Breitenstein über den -Göhlenbach zum Röthelstein, der dann seine Thore öffnet und sie aufnimmt; -bald gehen dieselben in schwarzen Kleidern um den Röthelstein -spazieren. Zuweilen findet man dort die schönsten Silber- und Kupfermünzen, -die, wenn man sie aufgehoben und in die Tasche gebracht hat, -aus derselben wieder verschwinden. – Auch wird erzählt, daß am Morgen -des ersten Osterfeiertags die Jungfrauen des Röthelsteins tanzen.</p> - -<h3 id="sec49">49. Verwunschene Schloßfräulein hängen Wäsche auf.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 88.)</p> - -<p>Vor Jahren ging ein Mann im Graslitzer Amtshofe herum. -Da bemerkte er auf dem Hausberge mehrere verwunschene Schloßfräulein, -die eben Wäsche aufhingen. Um sich zu überzeugen, daß er sich -nicht täusche, ging er auf den Berg, der Stelle zu, wo das Linnen -aufgehängt war. Allein je weiter er ging, desto weiter schien sich das -Linnen zu entfernen. Endlich stand es stille. Als er aber darauf losging, -verschwanden die Jungfrauen und auch das Linnen und statt des -letzteren sah er eine Masse von Spinnweben, die ihn so dicht umhüllten, -daß er sich nur mit Not herausfitzen konnte.</p> - -<h3 id="sec50">50. Die Jungfrau auf dem Braunstein.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 44.)</p> - -<p>Droben am Braunstein zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal -hat ein verwunschenes Schloß gestanden, das ist mit einer verwunschenen -Jungfrau und vielen Schätzen versunken. Holt sie einmal ein recht -frommer Mann, dann wird er mit ihr auch die Schätze heimführen.</p> - -<p>Der Petermüller unten hat es mit seinen eigenen Ohren zu Ostern -jedesmal in der Passionszeit gehört, wie da die Jungfrau im Berge -drinnen geweint, und bald darauf hörte er auch einen solchen Engelgesang, -wie ihn die Leute niemals vernahmen. Die Jungfrau hat noch -niemand zu holen versucht.</p> - -<p>An einem heißen Augusttage des Jahres 1848 schritt um die -elfte Vormittagsstunde ein Mann aus Joachimsthal heiteren Sinnes -an der »Petermühle« vorbei. Seine Verwunderung war nicht gering, -als er bemerkte, daß die Müllerin, seine Verwandte, auf der unterhalb -der Mühle gelegenen Wiese Heu wendete, da doch Sonntag war. Überzeugung -kann nicht schaden, dachte sich unser Joachimsthaler und ging -in die Mühle, um dort nach der Ursache zu fragen, daß die Frau des<span class="pagenum"><a id="Seite_44">[44]</a></span> -Hauses heute am Sonntage, am Tage des Herrn, Heu mache. Doch -welche Überraschung! Seine Verwandte stand gerade beim Ofen und -bereitete das Mittagsmahl. Man eilte schnurstracks auf die Wiese, -allein die Heumacherin, welche die Braunsteiner Jungfrau gewesen sein -soll, war verschwunden. Derselbe Mann erzählte, daß sein Vater, als er -Schafe hütete, die Braunsteiner Jungfrau habe herrliche Lieder singen hören.</p> - -<p>Drei Männern aus Mariasorg träumte einmal, sie sollten auf den -Braunstein gehen, dort würden sie ungeheure Schätze finden, welche -von einer verwunschenen Jungfrau bewacht würden. Als die Männer -früh zusammen kamen, erzählten sie sich gegenseitig den seltsamen Traum -und entschlossen sich, in der folgenden Nacht zwischen elf und zwölf -Uhr auf den Braunstein zu gehen. Dort angelangt, fanden sie den -Berg offen, gingen furchtlos hinein und erblickten wirklich eine große -Pfanne mit Gold- und Silbermünzen und eine schöne Jungfrau, welche -die Männer freundlich begrüßte und zu ihnen mit wohltönender Stimme -sprach: »Diese Schätze gehören Euch; doch müßt Ihr die Pfanne samt -dem Inhalte auf einmal forttragen.« Als aber einer der Männer, -der die Ausführung dieser Forderung für unmöglich hielt, seine Meinung -unverhohlen zum Ausdrucke brachte, verspürten alle drei gleichzeitig eine -so derbe Ohrfeige, daß sie besinnungslos zu Boden sanken. Als die -Männer wieder zum Bewußtsein erwacht waren, machten sie große -Augen, weil sie sich, in ihrer Hoffnung getäuscht, auf der Oberfläche -des Berges befanden.</p> - -<h3 id="sec51">51. Der Schön-Jungfern-Grund bei Ober-Wiesenthal.</h3> - -<p class="source">(I. F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg. No. 3. II. Ziehnert a. a. O. -Anhang, No. 32.)</p> - -<p>I. Wer von Neudorf nach Oberwiesenthal wandert und die Richtung -durch den Wald nach dem Fichtelberge einschlägt, kommt nach -seinem Austritt aus dem Walde zuerst bei dem roten Vorwerke, sodann -auf der andern Seite bei dem weißen Vorwerke vorbei und hierauf -an den Schön-Jungfern-Grund, einen tiefen, von der Höhe des -Fichtelberges beginnenden und sich nach Osten ziehenden Einschnitt. In -diesem Grunde liegt oft der Schnee in den Wintern viele Meter tief -und zeigt noch schmutzigweiße Reste im Spätfrühling, wenn längst -schon Feld, Wiese und Wald sich grün geschmückt haben. Die Sonne -kann ihm nicht gut beikommen und das herabrieselnde Gewässer kann -nur den tiefliegenden fortbringen. So erklärt es der gewöhnliche -Verstand. Die Sage weiß es anders und zwar so: Vor langen Zeiten -stand hier ein schönes Schloß und darin wohnten noch schönere Burgfräulein.<span class="pagenum"><a id="Seite_45">[45]</a></span> -Darauf kamen böse Raubritter, zerstörten das Schloß und -ermordeten die schönen Jungfrauen. Sie leben aber doch noch, wohnen -im Innern des Berges und bleichen im Frühlinge ihre Leibwäsche.</p> - -<p>II. Der Jungferngrund soll seinen Namen von zwei Jungfern -haben, welche sich oftmals im Neumond sehen lassen. Es sind Schwestern; -die eine spielt auf der Laute und die andere windet einen Kranz. -Wer sie eigentlich sind, weiß niemand.</p> - -<p>Den Wiesenthalern dient der Jungferngrund auch als Wetterprophet. -Denn wenn der Himmel über demselben hell ist, so wird – ob -es auch sonst allenthalben trübe aussieht – zuverlässig schönes Wetter; -wenn aber der Jungferngrund voll Nebel ist, so sagt man: Die Jungfern -trocknen ihre Wäsche! und dann folgt kalte und nasse Witterung.</p> - -<h3 id="sec52">52. Die Burgfrau des Pürsteins.</h3> - -<p class="source">(Karl Jentscher in der Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg. S. 66.)</p> - -<p>Die Sage berichtet, daß einst in dem Bache am Schlosse Pürstein -ein Knabe fischte, was die Aufmerksamkeit der Burgfrau erweckte. -Sie saß nämlich oben auf dem Söller und winkte ihrem Gemahl, -welcher in den Krieg zog, ihre letzten Scheidegrüße zu. Heftig erzürnt -über den Knaben, der es wagte in diesem Bache Fische zu fangen, ließ -sie ihn sofort gefangen nehmen und vorführen. Der Vater des Knaben, -der Brücknerhäusel-Besitzer gewesen sein soll, warf sich zu Füßen -der Burgfrau und bat um Gnade, allein vergebens; ja man fesselte -jetzt beide und warf sie in das tiefste Burgverließ. Ein Knecht öffnete -des andern Tages den Kerker, um dem Vater die Freiheit, aber auch -den Befehl zu bringen, daß er sofort diesen Ort und die umliegende -Gegend zu verlassen habe, sein Eigentum sei unter die Schergen -verteilt und sein Weib ausgejagt worden. »Und mein Kind?« rief der -Alte. Der Knecht deutete auf den Mühlberg, wo soeben das Haupt -des Kindes unter dem Beile fiel und über die Höhe des Berges hinabrollte. -Der arme Vater, auf das tiefste getroffen, wankte langsam -den Burgweg hinab und nie kehrte er wieder. Seitdem wurde der -Gipfel des Mühlberges »Kopfleiten« genannt und zum Andenken ein -Kreuz dort errichtet, welches noch bis in die dreißiger Jahre dort stand. -Wenn der Allerseelensonntag seine trüben Nebel über die Gegend -wirft, dann wandelt der Knabe als eine lichte Gestalt traurig dahin, -und aus den Felsen des Hinterwaldes ertönt ein Jammergeschrei. Die -Burgfrau aber, von Gewissensbissen getrieben, hatte keine Ruhe mehr -gefunden, weshalb auch ihr Gemahl das Schloß verließ und es seinen<span class="pagenum"><a id="Seite_46">[46]</a></span> -nahen Vettern übergab. Ihr Schatten zog noch lange und oft auf dem -Wege dahin, welchen das unglückliche Opfer zur Richtstätte genommen -hatte. Viele wollte die alte Burgfrau zu den Schätzen des Schlosses -locken, um durch diese von ihrem Schicksale erlöst zu werden, oft hatte -sie sich den Dorfbewohnern in später Nachtstunde gezeigt, ein Becken -mit Geld und Gold auf den Schultern tragend, – doch jeder wich -scheu zurück und dachte an den armen Brücknersohn. Nur einem Manne -gelang es, wie die Sage weiter erzählt, sich in einer Nacht reich zu -machen. Ihm träumte, er solle dreimal auf die Brücke von Rodisfort -gehen und zwar immer zur bestimmten Zeit; während er das dritte -Mal zur Stelle war und harrend sann, kam die Burgfrau als ein -altes, häßliches Weib hinkend auf ihn zu und deutete mit erhobener -Krücke gegen Pürstein mit den Worten: »Gehe dahin gegen Pürstein -auf das alte Schloß! Wenn dann der Mond am höchsten steht, so -glänzt dir in der alten, schwarzen Mauer ein weißer Stein entgegen, -diesen hebe hinweg, und was du suchtest, das wird dir mehr als zuviel!« -Und er hob um Mitternacht diesen verhängnisvollen Stein hinweg, -und fand so viel Gold, daß er nicht stark genug war, alles fortzubringen. -– Seit dieser Zeit hat niemand mehr die alte Frau gesehen, -und während früher in den alten Mauern nachts oft Getöse -hörbar war, herrscht dort jetzt Grabesstille.</p> - -<h3 id="sec53">53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)</p> - -<p>Von Zeit zu Zeit ließ sich auf dem Schloßhofe zu Rabenau ein -Fräulein sehen, welches des Nachts ruhelos auf demselben mit einem -hellen, weitleuchtenden Lichte umherwandelte und auf Erlösung von -dem Banne wartete. Welcher Art diese Erlösung sein sollte und -warum das Fräulein umging, hat man nicht erfahren können.</p> - -<h3 id="sec54">54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.</h3> - -<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs I. 1822. -S. 123 etc.)</p> - -<p>Am Hofe des Böhmenherzogs Wratislaw lebte im 11.Jahrhunderte -ein Ritter Otto von Greifen, welcher sich, des Hoflebens müde, -mit seiner Gemahlin in das damals unwegsame Erzgebirge zurückzog -und im jetzigen Freiwalde eine Burg erbaute. Von dieser Burg, Greifenburg -genannt, will man jetzt noch Überreste auf dem Greifensteine -bei Ehrenfriedersdorf sehen. Seine Gemahlin schenkte ihm einen Sohn,<span class="pagenum"><a id="Seite_47">[47]</a></span> -und als derselbe fünf Jahre alt war, brachte der Ritter ein zweijähriges -Mädchen mit, welches er im Walde schlafend angetroffen -hatte. Das Mädchen erblühte nach und nach zur herrlichen Jungfrau -und so geschah es, daß sie von dem Junker Werner, dem Sohne -Ottos von Greifen, mit welchem sie auf der Burg erzogen worden -war, herzlich geliebt wurde. Werners Eltern ahnten nichts von diesem -Verhältnisse; doch eine Entdeckung konnte nicht ausbleiben, da die -Frucht der heimlich gehaltenen Liebe heranreifte. Unglücklicherweise -aber geschah die Entdeckung zu einer Zeit, wo Werner angezogen war, -einem alten Freunde seines Vaters, dem Ritter Bruno von Scharfenstein, -gegen den räuberischen Rekko von Rauenstein, welcher vor -achtzehn Jahren Brunos schwangere Gemahlin geraubt hatte, und seitdem -mit jenem in Fehde lebte, in einem Kampfe beizustehen. Als Ritter -Otto von Greifen von dem heimlichen Verhältnisse seines Sohnes zu -seiner Pflegeschwester hörte, zieh' er dieselbe in seinem Stolze der Verführung -und ließ sie in das Verließ seiner Burg hinabstoßen. Hier -genaß das verlassene Mädchen eines Kindes und in einer sie befallenden -Geistesstörung schleuderte sie dasselbe an die Mauer des Gefängnisses. -Plötzlich aber stieg aus dem Boden eine Geistergestalt auf -und sprach: »Heil mir, wehe dir! Seit langen Jahren bin ich wegen -einer gleichen That zum ruhelosen Umherwandeln verurteilt worden. -Jetzt bin ich durch dich erlöst und du wirst meine Stelle so lange -einnehmen, bis einst ein keusches Weib, das niemals einen unreinen -Gedanken in seiner Seele gehabt hat, in stiller Mitternacht deinen -Namen dreimal ohne Furcht rufen wird!« Die Gestalt verschwand, -und das gefangene Mädchen sank zu Boden, um in fürchterlicher -Raserei wieder zu erwachen, wobei sie sich endlich den Kopf wie den -ihres Kindes an der Gefängnißmauer zerschmetterte. Ihr Geist aber -erschien in der Nacht dem hartherzigen Pflegevater und verkündete seinem -Hause Verderben. Reuig eilte er in den Kerker, wo er den Leichnam -seiner unglücklichen und verstoßenen Pflegetochter neben dem ihres -Kindes fand. Da ließ er beiden ein ehrendes Begräbnis bereiten; -doch eben, als dies geschah, kehrte sein Sohn wieder zurück. Derselbe -war voller Freude, denn durch ihn war der räuberische Rekko von -Rauenstein gefallen, und in der Todesstunde hatte derselbe bekannt, daß -Brunos von Scharfenstein geraubte Gemahlin eines Töchterchens sehr -schwer genesen und an den Folgen der Entbindung gestorben sei. Das -Kind aber habe er bei einem Köhler des großen Schellenberger Waldes -zwei Jahre lang erziehen lassen und dann, als es ihm lästig geworden -sei, weiter für dasselbe zu sorgen, im Freiwalde, ohnweit Ottos Burg -aussetzen lassen. Dieses Kind war also kein anderes, als Werners<span class="pagenum"><a id="Seite_48">[48]</a></span> -unglückliche Pflegeschwester; sie war ihm durch ihre Geburt ebenbürtig -und daher war er hoffend, daß seine Eltern in eine Verbindung mit -ihr willigen würden, zurückgekehrt. Als er nun alles erfuhr, was sich -während seiner Abwesenheit zugetragen hatte, sank er in tiefe Ohnmacht. -Als er wieder erwachte, hatte stiller Wahnsinn seine Seele umnachtet; -er endete sein Leben in einem Kloster der Ritter vom Hospital zu -Prag. Otto von Greifen und seine Gemahlin erlagen bald dem Übermaße -ihres Grams. Die Greifenburg fiel als erledigtes Lehen an -Herzog Wratislav, wurde aber später, da die folgenden Besitzer zum -Räuberhandwerk griffen, auf Befehl Wipprechts von Groitzsch zerstört. -Sie ist nie wieder aufgebaut worden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Historisch ist, daß auf dem Greifensteine eine Burg »Gryfenstein« gestanden -hat; sie wird als ein markgräflich meißnisches Lehen der Dynasten von Waldenburg -urkundlich im Jahre 1372 angeführt. (Herzog, Archiv für sächs. Gesch. II. S. 76.)</p></div> - -<h3 id="sec55">55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 101.)</p> - -<p>In der zur Gemeinde Breitenbach gehörigen Ortschaft Ziegenschacht -lebte vor langer Zeit eine Jungfrau, welche ihres Geizes und ihrer -Ungerechtigkeit wegen gefürchtet war. Seit ihrer Verlobung kannte -ihre Habsucht keine Grenzen. Um ihr Heiratsgut, woran ohnedies -schon die Thränen der Armut hingen, zu vergrößern, bediente sie sich -sogar beim Verkaufe der Milch eines so schlechten Maßes, daß sich -darüber allgemeine Klagen erhoben. Als die hartherzige Jungfrau -dieselben jedoch nicht berücksichtigte, wurde sie von einer Milchkäuferin -verwünscht. Von dieser Stunde an wandelt die Jungfrau auf dem -Ziegenschachter Wege noch bis heute herum. In der Hand trägt sie -ein Milchseidel und auf dem Kopfe einen grünen Kranz. Doch sehen -die verwünschte Jungfrau, die bloß zu gewissen Zeiten erscheint, nur -wenige Menschen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auf die mögliche Verwandtschaft der Ziegenschachter Jungfrau mit der Huldra -wurde bereits in der Einleitung hingewiesen. Eine thüringische Sage ist übrigens -der unsrigen sehr ähnlich. Eine Krämerin, welche ihre Käufer durch falsches Gewicht -und Maß betrog, wandelt ebenfalls als Gespenst in der Nähe von Mehlis -bei dem Reißigersteine umher und ruft dabei: »Drei Viertel für ein Pfund! Drei -Quärtchen für eine Kanne!« (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 10.) -Daß aber gerade der Betrug beim Milchverkauf mit dem gespenstischen Umherwandeln -der Betrüger bestraft wird, ist eine in der Volkssage erhaltene Erinnerung an -den hohen, alle übrigen Besitztümer überragenden Wert der Milch und Milch gebenden -Tiere aus dem frühesten Zeitalter der indoeuropäischen Völker.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_49">[49]</a></span></p> - -<h3 id="sec56">56. Die Jungfrau des Grauensteins bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 64 etc.)</p> - -<p>Sehr viel wird von der Grauensteiner Jungfrau erzählt, welche -keinen Kopf hat und sich zuweilen blicken läßt. Einst ging ein Weib -von Joachimsthal nach Holz, da bemerkte sie einen schönen rasigen -Platz, auf dem sich Wäsche ausbreitet fand. Darauf zugehend, um -es näher anzuschauen, bemerkte sie, daß die Wäsche immer reiner und -schöner ward. In ihrem Innern regte sich der Wunsch, ein Stück -Wäsche zu nehmen, was sie auch that. Plötzlich hörte sie hinter sich -ein Geschrei; als sie aber, sich umsehend, niemanden bemerkte, nahm -sie noch ein Stück Wäsche und ging ihren Weg, auf ein abermaliges -Rufen nicht achtend. Sie erreichte eben einen Kreuzweg, als die unbekannte -Stimme zum dritten Male sich hören ließ: »Wenn kein Kreuzweg -gekommen wäre, wärest Du des Todes!« Hätte sie alle Wäsche -gestohlen, so wäre die Grauensteiner Jungfrau erlöst worden.</p> - -<p>Es geht noch die Sage, daß das Weib an derselben Stelle, wo -es ein Stück Linnen erbeutete, um Mitternacht eine wundersam blaue -Flamme als Wahrzeichen eines verborgenen Schatzes emporschlagen -sah. Als sie, um den Geist zu bannen und den Schatz zu heben, -ihren Rosenkranz in den blauen Flammenschein geworfen hatte, siehe -da! des Morgens lagen an dieser Stelle zwei funkelnde Silbersiebzehner.</p> - -<p>Eines Tages ging ein altes, gebücktes Mütterchen in den Wald, -um dürre Reiser zu sammeln. Als die Alte in der Nähe des Grauensteines -das aufgeschichtete Reisigbündel zusammengebunden hatte und -es auf den Rücken nehmen wollte, tönte ihr von dort bezaubernder -Gesang entgegen. Das Mütterchen lauschte eine Weile, faßte sich -dann ein Herz und schritt dem Grauensteine zu. Doch welch eine Überraschung! -Es erblickte daselbst ein prächtiges Schloß, vor dem eine -schöne, weißgekleidete Jungfrau Wäsche bleichte. Kaum wurde die -Jungfrau des Weibes ansichtig, so zog sie sich stillschweigend und langsam -hinter die Mauern des Schlosses zurück. Als aber das herzhafte -Mütterlein nach einem Stück Wäsche griff und mit dem gestohlenen -Gut davontrippelte, verschwand unter Blitz und Donner das Zauberschloß, -an dessen Stelle wieder die Halde war. – Wie die Sage -weiter erzählt, soll das Weib, das auf diesen weggenommenen Linnen -ein paar Jahre gelegen hat, darauf schmählich verkommen sein.</p> - -<p>Der Bergschmied Bernhard ging eines Tages nach der Schönerzzeche, -um dort sein Gezähe in Ordnung zu bringen, all die Fäusteln -und Stopfer, Stecher und Bohrer, Hacken und Sägen, mit denen der -Bergmann hantiert. In der Mondscheinnacht kam er zwischen elf<span class="pagenum"><a id="Seite_50">[50]</a></span> -und zwölf Uhr am Grauensteine an. Potztausend! Auf der blanken -Wiese, wo weitum keine Einschichte liegt, rings Wäsche um Wäsche, -die ganze Wiese ist von Linnen vollauf überspannt. Bernhard nahm -sich sein klopfendes Herz in die Hand, und eine innere Stimme sagte -ihm: Ei! für wen liegt so herrliche Wäsche ausgespannt? die Geister -haben genug daran, unsereins wäre reich fürs ganze Leben! Greif zu, -Bernhard! Nimm, so viel du schleppen kannst! Und er griff zu, faßte -die Wäsche mit beiden Händen, schlug sie über den Rücken, wand sie -um den Leib und lief hastig; doch horch! Hollah! hinterher welch ein -Gepolter, welch ein Getümmel, welch ein Gekrach! Ist der Grauenstein -geborsten? Schnell, wie er sie zusammenraffte, warf er die Wäsche -wieder von sich. – Da hat er die Poltergeister versöhnt; denn mit -einemmale ist es stille geworden ringsum, und die Wäsche war verschwunden, -als er sich umsah, und er lief voll Entsetzen nach der -Schönerzzeche.</p> - -<p>Einem Weibe aus Joachimsthal träumte in einigen aufeinander -folgenden Nächten, sie solle auf ihre unweit des Grauensteins gelegene -Wiese gehen, dann könne sie reich werden. Als sie sich endlich in einer -mondhellen Nacht auf den Weg machte und zwischen 11 und 12 Uhr -auf der Wiese anlangte, sah sie zu ihrer Verwunderung auf derselben -ringsum Kinderwäsche ausbreitet. Find' ich auch kein Geld, -dachte sie, so lasse ich doch auch dieses Zeug nicht liegen. Sie nahm -also die Wäsche in ihre Schürze und trat die Heimkehr an. Doch -siehe! Kaum näherte sich das Weib einem Graben, da rührte es sich -mit einemmale in der Schürze und als sie dieselbe öffnete, erblickte -sie darin lauter zischende Ottern. Vor Furcht und Ekel warf sie alle -in den Graben und lief bestürzt nach Hause; nur zwei Schlangen erreichten -den jenseitigen Rand. Als das Weib des anderen Tages zu -dieser Stelle kam, fand sie zwei Häufchen Gold.</p> - -<h3 id="sec57">57. Die eifersüchtige tote Frau.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 943.)</p> - -<p>Im Jahre 1666 im September hat sich in einer Bergstadt folgendes -begeben. Eine Frau war in der Fastenzeit gedachten Jahres -Todes verblichen. Da nun der Witwer zur andern Heirat schreiten -wollte, kam immer ein Gespenst in der Gestalt der verstorbenen Frau -und ängstigte ihn, daß er keine Ruhe haben konnte. Daher gebot er -seinem Gesinde, sie sollten in der Stube schlafen und ihr Bette vor -seine Schlafkammer schieben. Am Donnerstage zuvor spricht das Gesinde: -Herr, wenn ihr doch zuvor, ehe ihr wieder Bräutigam seid, eurer<span class="pagenum"><a id="Seite_51">[51]</a></span> -vorigen Frau einen Leichenstein legen ließet, vielleicht bliebe sie außen. -Er bestellte am Freitage die Maurer und läßt ihn legen und sagt: -Nun habe ich meine Alte fein eingeschwert, sie wird nicht wiederkommen, -der Teufel müßte sie denn heraus führen. Er nimmt die -Maurer mit sich nach Hause, ißt und trinkt mit ihnen, bestellt einen -Boten, der morgens frühe soll weglaufen, gehet zu Bette, und das -Gesinde liegt vor der Kammerthür. Zur Mitternacht kommt ein Gespenst -in die Stube, sucht erst in den Registern und blättert darin, -darnach rauschet es über das Gesindebette weg, kam in die Kammer -und würgte den Mann. Früh kam der bestellte Bote und wartete zwei -Stunden; das Gesinde hieß ihn anpochen, rufen und gar hinausgehen, -da findet er ihn tot. Und dieser Mann hat sich nach dem Tode gleichfalls -sehen lassen.</p> - -<h3 id="sec58">58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe -gebracht.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 946.)</p> - -<p>In Joachimsthal hat sichs begeben, daß ein Gespenst in Gestalt -einer daselbst verstorbenen Frau immer in ihres hinterlassenen Mannes -Haus kam und ihn bei Tag und Nacht beunruhigte. Der Witwer -klagte seine Not dem Pfarrer und bat, ob er nicht gegen Mittag zu -ihm kommen und wider den Geist beistehen möchte. Der Pfarrer kam -endlich auf des Mannes inständiges Bitten, und da erschien die gespenstische -Frau gleich am Mittage in ihrem Todeshabit, wie sie im -Sarg war beschicket worden. Der Pfarrer redete den Geist getrost an -und fragte ihn, was er hier im Hause zu schaffen habe. Das Gespenst -sagte: Ich habe eine Kette verborgen, die liegt da und da vergraben; -ebenso fürchte ich auch, mein Mann möchte eine Person in -der Nachbarschaft heiraten, mit der ich nicht kann zufrieden sein, darum -kann ich auch im Grabe nicht ruhen. Der Pfarrer aber verwies dem -Teufel seine Bosheit und trieb ihn mit Gottes Wort so weit, daß er -keine Ausflucht mehr hatte, sondern es verschwand die gespenstische Gestalt -allmählich und ließ endlich an der Stelle, da sie gestanden, eine -Hand voll Asche übrig. Sie ist auch von der Zeit an nicht wieder gesehen -worden.</p> - -<h3 id="sec59">59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Schwester zu ihrem Rechte.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 947.)</p> - -<p>Im Jahre 1694 hat sich im September in einem Bergstädtchen -zugetragen, daß eines Fleischhackers Frau vier Wochen nach ihrem Begräbnis<span class="pagenum"><a id="Seite_52">[52]</a></span> -wieder kam. Sie hatte sonst den Nachruf eines frommen und -eingezogenen Lebens und man sagte von ihr, daß sie sich zu ihren Lebzeiten -unterschiedlichemal über das böse Leben beklagt habe, so ihr -zweiter Mann mit Fluchen und Streit nebst den Kindern treibe, und -daß sie es nicht vertragen könne, sie müsse viel leiden, daß es kein -Wunder wäre, sie ließe sich lebendig begraben. Als sie kurz darauf -starb, hinterließ sie auch eine arme Schwester, welche bei dem Witwer -allerhand Erbstücke suchte, aber nichts erhalten konnte. Ungeachtet nun -diese Erbforderung gerichtlich beigelegt worden war, wollte sich doch die -blutarme Schwester nicht so abweisen lassen und vergoß viel Thränen. -Der Witwer lag nebst seinem Sohne krank in der Unterstube. Da -kommt ein Gespenst zu Mitternacht in Gestalt der Verstorbenen und -setzt sich vor sein Bette. Er erschrickt und fängt an zu beten: Gott, -der Vater steh' uns bei! zu dreien malen, aber die gespenstische Frau -will nicht weichen, der Kranke kann nicht fort und schwitzet gar sehr. -Es schlägt 12 Uhr, da meint er, nun werde sie fortgehen, aber sie -bleibet sitzen bis nach 2 Uhr. Da fängt er an: Alle guten Geister -loben Gott den Herrn. Sie antwortet, zwei Schritte zurücktretend: -Ich auch. Der Kranke fragt: Was wollet ihr hier? Gehet hin, wo -ihr hingehöret. Sie antwortet: Ihr sollt meiner Schwester Magdalena -nicht alles nehmen. Und damit fuhr der Geist zum vordern Fenster -hinaus. Eine Hausgenossin wohnte in der Oberstube, die auf der Bank -liegend eben dieses Gespenst gesehen, welches sie angegriffen und begehrt, -man solle ihre Schwester nicht kränken; damit warf's ein Biermaß -nach ihr und blieb außen.</p> - -<h3 id="sec60">60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>In der früheren, jetzt nicht mehr vorhandenen Kirche zu Wildenfels -befanden sich die Begräbnisse der verstorbenen Glieder der erlauchten -gräflichen Familie der Herrschaft. Alte Leute erzählen noch jetzt, -einst habe eine verstorbene Gräfin daselbst nicht Ruhe finden können, -sondern sei oft in der Kirche umhergewandelt und habe die Orgel -gespielt. Als sich endlich der Pfarrer des Ortes entschloß, sie zur -Ruhe zu bringen, habe er den Kantor vor der Kirchthüre mit der -Weisung stehen bleiben lassen, während seiner, des Pfarrers Abwesenheit -in der Kirche, ein Gebet zu verlesen. Als der Kantor aus Neugierde durch -ein Schlüsselloch sah, soll eine Stimme gerufen haben: »Es guckt!« -Nach Beendigung der Beschwörung trat der Pfarrer aus der Kirche<span class="pagenum"><a id="Seite_53">[53]</a></span> -und verkündete dem Kantor, daß sie beide in dem Jahre sterben müßten. -Solches soll dann auch geschehen sein.</p> - -<h3 id="sec61">61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.</h3> - -<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen, S. 618.)</p> - -<p>Auf der Straße zwischen Altenberg und Zaunhaus, in der Nähe -des Kahlenberges gesellt sich nach der Sage manchmal eine schweigsame, -dunkelgrün und nach längst vergessener Mode gekleidete Frau zu dem -Wanderer, geht neben ihm her, ohne ihm Rede zu stehen, biegt auch -wohl auf einen sonst nicht sehr betretenen Waldweg ein und verschwindet -daselbst. Dieselbe zeigte sich zumeist nach Eintritt der Abenddämmerung, -seltener des Nachts, ist aber auch schon im Morgengrauen bemerkt -worden. Ein Mann erzählte, daß er in seiner Jugend, als er am -frühesten Morgen der verbotenen Lust des Vogelstellens in der Nähe -von »Paradies-Fundgrube« am Kahlenberge nachgehen wollte, einer -lustwandelnden Dame begegnete, die er höflich begrüßte und anredete, -da er selbige für die alte Schwester des damaligen Bergmeisters hielt. -Der junge Mann erhielt keine Antwort; die Frau ging an ihm vorbei, -in einen Waldweg hinein und verschwand dort vor seinen Augen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Diese Sage könnte vielleicht besser unter den Dämonensagen stehen, da die grüngekleidete -Frau an Holzweibchen erinnert, welche im Vogtlande grün erscheinen. -Ebenso erzählen Tyroler Sagen von den grüngekleideten Norgen oder Wildmänneln, -die zu den Pflanzendämonen gehören und mit denen auch die grünen, in Menschengröße -erscheinenden Männchen der Burgundischen und Schweizer Sage, welche die -Leute im Walde irre führen, verwandt sind.</p> - -<p>Grün ist auch die Farbe des Teufels. Auf dem Blocksberge erschien der -Teufel grün und ebenso waren auch die Hexen bei ihren Tänzen in Grün gekleidet. -(Österreich. Touristenzeitung, I. No. 5.)</p></div> - -<h3 id="sec62">62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.</h3> - -<p class="source">(Nach einer Mitteilung von L. Fischer aus Aue.)</p> - -<p>Vor langer Zeit war auf dem Rittergute Klösterlein bei Aue -ein Fräulein gestorben, welches nach seinem Tode des Nachts auf der -Mulde dahin schweben sollte. Da geschah es, daß zwei Bergleute einst -eines Sonntags in einer schönen Sommernacht von Schlema nach Zelle -gingen, um daselbst Musik zu machen. Ihr Weg führte sie über die -sogenannte Ochsenwiese und den Klostersteg. Als sie an die Ochsenwiese -kamen, setzten sie sich nieder, um ein wenig auszuruhen; dabei -kamen sie auf den Gedanken, dem Fräulein ein Morgenständchen zu -bringen, und als sie eine Weile geblasen hatten, näherte sich ihnen<span class="pagenum"><a id="Seite_54">[54]</a></span> -das in einen Schleier gehüllte Fräulein und warf jedem ein -Sträußchen in den Schoß. Der eine von ihnen steckte dasselbe in -eine Tasche seines Kittels, der andere aber warf es weg. Als -am nächsten Morgen derjenige, welcher sein Sträußchen eingesteckt -hatte, den Kittel wieder anziehen wollte, kam ihm derselbe so schwer -vor, und da er in die Tasche griff, um nachzusehen, zog er sein -Sträußchen heraus, welches sich in pures Gold verwandelt hatte. Voll -Freude teilte er dies seinem Kameraden mit. Da nun derselbe eilends -nach der Ochsenwiese lief, um das andere Sträußchen zu suchen, konnte -er es nirgends finden und er mußte unverrichteter Sache wieder nach -Hause zurückkehren.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Ähnlich ist die Sage von den Musikanten aus Kleingölitz, welche des Nachts -am alten Schlosse vorbeigehen und dem alten Grafen, welcher in der Burg umgeht, -ein Ständchen bringen. Jeder von ihnen erhält ein grünes Buchenreis, welches -jedoch nur einer behält; am andern Morgen sieht er, daß es vom reinsten Golde ist. -(Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 193.)</p></div> - -<h3 id="sec63">63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um -eine gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem -weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man -von ihr beschenkt. – Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine Begräbnishalle, -in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein -auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis -es mit dieser Frau hat, kann niemand sagen.</p> - -<h3 id="sec64">64. Die alte Frau in der Isenburg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach -diente vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals -noch besser erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem -Mädchen kam eines Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte, -es solle mit ihr gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen -das zerfallene Gemäuer der Burg und hier in ein bis dahin verborgen -gewesenes Zimmer, dessen Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte -sie, das Mädchen solle ihr das Zimmer kehren. Als solches -geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2 Groschen. Dies wiederholte -sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen das Wohnzimmer<span class="pagenum"><a id="Seite_55">[55]</a></span> -der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da geschah es, -daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging. In -der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt -hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt, -deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke. -Als nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes -Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen -war. Von dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg -nie wieder erschienen.</p> - -<h3 id="sec65">65. Das Fegeweib vom Katzenstein.</h3> - -<p class="source">(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27. -Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.)</p> - -<p>In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter -auf einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau -bei Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch -seine Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung -ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten -also vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus -Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen, -sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn -auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem -Teufel im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit -demselben die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich -traf keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse. -Schon wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan -eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er -wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so -geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte die -Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und -nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die -Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse -Ritter ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch -heute aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige -Amme die Trümmerhaufen fegen sehen.</p> - -<h3 id="sec66">66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.</h3> - -<p class="source">(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach -bei Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.)</p> - -<p>Im Jahre 1675 im Monat Oktober hat sich auf der Superintendentur -zu Glauchau ein Gespenst sehen lassen, welches einen weißen<span class="pagenum"><a id="Seite_56">[56]</a></span> -Trauerhabit anhatte und sich für eine von Adel ausgab, so bei dem zu -Glauchau früher befindlichen Nonnenkloster die Stelle einer Äbtissin -vertreten habe. Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später -nur die weiße Frau genannt hat, einer hier dienenden Nähterin aus -Leipzig, namens Marie Sabine Demantin erschienen, ist vor das Bett, -in welchem sie mit der Kindermagd lag, getreten, hat geächzt und geseufzt, -dann hat es die silbernen Eßlöffel, welche in einem Körbchen -gelegen, gezählt und, da ihrer nur elf gewesen, gesagt: »Ei, des Herrn -Löffel fehlt!« was auch der Fall gewesen. Hierauf hat es des -Superintendenten langen Mantel und die mit Pelz gefütterte Schaube -seiner Frau, welche an der Wand gehangen, heruntergenommen, den -Mantel und die Schaube oben darauf umgenommen und ist so in der -Stube herumspaziert, als aber das Kindermädchen darüber gelacht -und gesagt: »Was macht denn der Narr!« ist es ihr schlecht bekommen, -denn sie hat augenblicklich im Munde und Gesicht heiße Blasen bekommen -und deshalb 14 Tage das Bett hüten müssen. So oft aber, -als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen Glanz und Schimmer -um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der Erde erkennen -konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A. -Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet -worden waren, in dieselbe niedergelegt, um das Gespenst abzulauern, -es ist aber nicht von ihnen wahrgenommen worden, sondern -hat sich nur durch Geräusch kundgegeben, hat auch mit einem schweren -Steine in die Kammer geworfen, daß darüber alles erschüttert worden -ist; darauf ist es in den Stall gegangen, und hat daselbst einer alten -Ziege den Hals umgedreht, auch in dem Hühnerhause gegenüber eine -Henne erdrückt. Seit dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu -der Nähterin gekommen und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr -Bett gestellt, auch öfters bitterlich geweint, da denn die herabfallenden -Thränen wie weiße Milch ausgesehen, welche das Gespenst mit einem -schönen weißen Schnupftuch abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent -dem Mädchen verboten, sich mit dem Gespenste in ein Gespräch -einzulassen, hat sie es doch nicht lassen können, sondern gefragt, -was es denn wolle, worauf es mit einer ganz ungewöhnlichen Stimme -geantwortet, sie solle mit ihm gehen und einen Schatz heben, der gehöre -zwar dem Superintendenten, allein sie solle davon allen im Hause -soviel bringen, daß sie alle genug hätten.</p> - -<p>Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt, -endlich ist die Nähterin mitgegangen, und wie sie durch des Superintendenten -Studierstube gehen und zwei angezündete Unschlittlichter in -den Händen haben, thut sich auf einmal die Thüre auf den Saal<span class="pagenum"><a id="Seite_57">[57]</a></span> -hinaus von selbst auf, worauf ihr ein ziemlicher Haufe von schwarzgekleideten -Mönchen entgegenkommt, unter welchen ein sehr langer war, -der sich nach ihr hinneigte und beide Lichter ausblies, daher sie seufzte: -Ach Jesus! Aber diese Worte zogen einen solchen Tumult nach sich, -daß es schien, es wolle alles zu Grund und Boden gehen. Hierauf -ist sie vor Schreck davon gelaufen, hat sich aber verirrt und ist in -das Schlafgemach des Superintendenten gekommen, der von dem Lärm -aufgewacht war und gemeint hatte, es sei ein großer Stein in seine -Studierstube geworfen worden. Als er aber die Nähterin erblickt, hat -er ihr zugerufen zu beten, und selbst angefangen zu singen; das Mädchen -aber hat gesehen, wie die ganze Kammer nach und nach durch das -Absingen der geistlichen Lieder von den schwarzen Mönchen, mit denen -sie angefüllt war, leer ward. In der nächsten Nacht ist das Gespenst -zu der Nähterin, die mittlerweile krank geworden war, wiedergekommen -und hat gesagt, sie hätte sich nicht fürchten sollen, denn die schwarzen -Männer würden ihr nichts gethan haben, der Schatz stehe schon außen -und bestehe aus Kirchenkleinodien, welche vor etlichen 100 Jahren dorthin -gebracht worden seien, sie möge nur nachsuchen lassen, so würden -sich gewiß Vorzeichen finden. Als man nun nachgesucht, haben sich -verschiedene Gefäße von Zinn und etliche Lampen von Thon gefunden, -welche noch so neu und weiß waren, als wenn sie erst gestern hineingelegt -worden wären. Unter der Grundmauer hat man auch ein mit -Ziegelsteinen ausgemauertes Behältnis und am Ende desselben starke -Pfosten von Eichenholz und nach denselben schöne Schiefertafeln gefunden, -mit welchen das Behältnis oder die Kästen zu den Kleinodien -bedeckt gewesen waren, die letzteren sind aber nicht mehr zu sehen gewesen, -sondern waren, wie man meinte, verrückt worden. Aber über -den Ziegeln hat ein großer Ziegelstein, ein Quadrat, gelegen, auf -welchem ein Crucifix ganz kenntlich geprägt gewesen ist. Während dem -hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der Mauer -über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn -Bergleute da arbeiten und etwas bewältigen wollten, allein als man -zum Fenster hinabgesehen, hat man nicht das Geringste wahrgenommen. -Während des Grabens hat man auch etliche Totenknochen gefunden, -welche vermutlich Reliquien von diesem und jenem Heiligen gewesen, -so zu diesem Schatz gelegt worden, daß er sich nicht verrücken möchte. -Es hat auch das Gespenst bei dem Ausfüllen des gemachten Loches -nicht wenig Widerwillen, zum Teil auch Spötterei sehen lassen, denn -nachdem man lange Bratspieße genommen und an dem Orte, wo die -Ziegelsteine herausgegangen waren, herabwärts in den Erdboden gefühlt, -ob sich etwa die Kästen gesenkt, hat es bei der Nacht auch einen<span class="pagenum"><a id="Seite_58">[58]</a></span> -Bratspieß mitgebracht und hin und wieder in der Kammer mit solchem -gegen den Boden gefühlt. Da man nun wirklich anfing, den Berg -wieder einzufüllen, hat es nicht allein mit Ziegeln und Steinen um -sich geworfen, daß die Arbeitenden davon liefen, sondern es hat auch -in der folgenden Nacht die Betten des Frauenvolks mit Schutt und -Erde bestreut, daß darüber etlichen, zumal den Mägden, der Mund -mit Erde angefüllt ward, den sie im Schlafen offen gehalten.</p> - -<p>Als nun die Nähterin nicht wieder mit dem Gespenst allein -gehen wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, das 3jährige Söhnlein des -Superintendenten mitzunehmen, von welchem die weiße Frau gesagt, -sie habe sich gefreut, als es geboren worden, denn es werde sie erlösen. -Wirklich hatte man bemerkt, daß seit der Geburt dieses Kindes -sich das Gespenst sehen ließ; es kam auch mit einem großen Bund -Schlüssel in die Kammer, wo die Schwester des Superintendenten -schlief, und sagte: Nun ist der geboren, der mich erlösen wird! Als -später die Kindermagd einmal das Knäblein mit sich ins Bett genommen, -ist das Gespenst darauf losgegangen und hat es aus dem Bett reißen -wollen mit den Worten: »Harre, harre, Du bist mein!« Darüber ist -die Magd aufgewacht, hat aber das Kind so fest an seinem Hemdchen -gehalten, daß dasselbe entzweiriß, das Gespenst aber hat das Kind fahren -lassen und ist auf die Magd gefallen und hat solche dermaßen gedrückt, -daß sie kaum mehr Atem holen können. Von dieser Zeit an hat sich das -Gespenst aber auch in der eigenen Schlafkammer des Superintendenten, -wo dessen Söhnlein in einem Gitterbettlein schlief, eingefunden, hat -dasselbe öfter beunruhigt, die Flügel in dem Bettchen aufgemacht und -es gereizt, es solle aufstehen und mitgehen, sie wolle ihm schöne gelbe -Pfennige geben, es hat auch dergleichen Goldstücke mitgebracht und -dem Kinde gezeigt. Während dem ist aber die Nähterin einmal -über das andere von dem Gespenste genötigt worden, sie möge doch -nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen werde, es solle -weder ihr noch dem Kinde ein Leid geschehen, und sie werde soviel -finden, daß sie für ihre Lebtage daran genug haben werde. Daher -hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf das -Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studierstube gegangen -und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus -seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht -hat, welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem -sich aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der -Wachsstock, den das Gespenst nebst einem langen Briefe mit Mönchsschrift -beschrieben, in der rechten Hand gehabt, sehr helle, wie wenn -des Morgens die Sonne aufgeht, geleuchtet, ist das Knäblein gleich<span class="pagenum"><a id="Seite_59">[59]</a></span> -darüber aufgewacht und hat dem Gespenst eine Ohrfeige nach der anderen -gegeben, daß sie es endlich vom Arme herabgelassen und mit der linken -Hand fortgeführt, weil es nicht weiter hat mitgehen wollen. Da dann der -ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer -Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben, -und haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit -Geigen, Posaunen und Trompeten aufs Lieblichste musiciert, wie solches -alle im Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind samt der -Nähterin an die Treppe kommt, sieht es daselbst einen großen schwarzen -Hund sitzen, der eine feurige Zunge aus seinem Rachen reckt, ist -aber davon noch mehr erschrocken, und fängt an zu schreien: Ach, -Hund beißt! Hund beißt! worauf es sich aus den Händen des Gespenstes -gerissen und wieder in die Studierstube gelaufen ist. Da nun -die Nähterin solches gesehen, entfällt ihr der Mut auch, sie kehrt ebenfalls -um, allein es ist ihr wie das erste Mal nicht wohl bekommen, -sondern die bösen Geister haben sie bei den Haarzöpfen ergriffen, zurückgezogen -und etliche Mal wider den Boden gestoßen, wobei es ihr -vorgekommen ist, als wenn neben ihrem Kopfe lauter Pistolen losgeschossen -würden. Indem sie nun noch mit großer Mühe in die Studierstube -gekommen und niedergesunken, nicht wissend, wo sie sei noch -wie ihr geschehen, da hat sich das Knäblein umgewandt, sie bei der -Hand genommen, und vollends in seines Vaters Schlafkammer geführt, -wohin die Frauenzimmer aus der anderen Kammer gelaufen kamen -und sie hier zu erquicken suchten. Der Superintendent hat nun die -ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde des Morgens -und Abends seine Andacht gehalten, die Nähterin aber, weil sie -zum zweiten Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie jedoch -fort gewesen, so hat das Gespenst sich die folgende Nacht darauf in -der Kammer, wo die Nähterin sonst gelegen, mit vernehmlicher Stimme -hören lassen: »Wo Ihr mir die Marie Sabine nicht wieder herschafft, -so will ich auf den dritten Abend so turnieren, daß Ihr nicht sollt -darinnen bleiben können.« Worauf der Herr des Hauses, der solches -gehört, geantwortet: »Der Teufel ist ein Lügner, er wird's auch diesmal -bleiben!« Und wirklich ist es in der darauf folgenden Nacht -ganz still geblieben und hat sich seit der Zeit nichts wieder von dem -Spuk hören lassen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_60">[60]</a></span></p> - -<h3 id="sec67">67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.</h3> - -<p class="source">(Nach Iccander, Sächs. Kernchronik, bei Gräße, Sagenschatz des K. S., -No. 453.)</p> - -<p>In Olbernhau starb im Jahre 1719 eine hochschwangere Frau -und ward gewöhnlicher Weise begraben. Da kommt einige Tage darauf -ein Student auf den Kirchhof und liest dort die Inschriften -der Grabsteine. Plötzlich sieht er auf einem Grabe eine weinende -Frauensperson stehen, die auf sein Befragen, warum sie das thue, -antwortet: »Ach, daß Gott erbarm, ein Kind und keine Windeln!« -Da hat der Student aus Mitleid sein Halstuch abgebunden und es -ihr zugeworfen, worauf sie sogleich verschwunden war. Nun hat den -Studenten eine große Angst befallen, es möge diese Person kein lebendes -Wesen, sondern ein Gespenst gewesen sein, er ist also sogleich -zum Ortsgeistlichen und in's Amt gegangen und hat die Sache angezeigt, -worauf die Obrigkeit jenes Grab öffnen ließ und man fand, -daß jene Frau im Grabe ein Kind geboren hatte, welches tot zu ihren -Füßen in das Halstuch des Studenten, welches dieser, durch seinen -darin gestickten Namen als sein recognosciert hat, eingewickelt lag.</p> - -<h3 id="sec68">68. Der Katzenhans und seine Genossen.</h3> - -<p class="source">(F. A. Türke im Glückauf, Jahrg. 2, No. 3.)</p> - -<p>Zwischen den Feldern von Neudorf und Crottendorf liegt ein -schmaler Streifen Staatswaldung, die Braunelle genannt, in welchem -die Sage den Katzenhans des Nachts sein Wesen treiben läßt. Sein -weithin tönendes »hollerndes« Geschrei schreckt den Einsamen und -treibt ihn auf Irrwege. Zuweilen begiebt er sich auch durch die Luft -über Crottendorf hinweg nach einer sumpfigen Gegend zwischen diesem -Orte und Scheibenberg, um allda sein Wesen zu treiben. Die Sage -berichtet aber nicht mehr, wer jener Katzenhans gewesen sei und woher -es komme, daß er gerade dort sein Wesen treibe. Sein Parteigänger -ist der Glasmeister mit sehr großen Glasaugen, der in der oberen -Braunelle, da, wo die Straße von Neudorf nach Crottendorf den -Wald durchschneidet, den Wanderer in der Nacht schreckt und irre führt. -Ob sein Herkommen auf die ehemalige Glashütte in Ober-Crottendorf -zurückzuführen ist, weiß aber niemand zu sagen. – Ist nun der Fußgänger -des Nachts glücklich durch Ober-Crottendorf und ein gutes -Stück auf der Straße nach Scheibenberg weiter gekommen, so begleitet -ihn eine gespenstische Laterne eine gute Strecke.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_61">[61]</a></span></p> - -<p>In Neudorf berichtet die Sage von einem zweiten Kameraden -des Katzenhans, dem Bachreiter, der zuweilen des Nachts den Sehmabach -auf- und abwärts durchreitet und durch sein Erscheinen Unglück -verkündet, wenigstens macht er darauf aufmerksam, daß in der Nähe -des Ortes, wo die Hufeisen seines Rosses Funken schlagen, bald ein -Feuer entstehen werde.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Von einem Bach- oder Schimmelreiter erzählt auch die schwäbische Sage. -Derselbe reitet die Wald- und Wiesenthäler entlang, folgt dem Laufe des Wassers -oder setzt durch dasselbe des Abends hindurch. Die ihn Begegnenden führt er irre. -Sein Roß hat er sich aus dem Meere geholt, vor Sonnenaufgang stieg der herrliche -Schimmel daraus hervor, ließ sich vom Reiter an den Ohren fassen und ihn -aufsitzen, trug ihn ohne Sattel und Zaum, wohin er wollte. In den Fahrten dieses -geisterhaften Reiters lassen sich Nebelbilder erkennen. (Mannhardt, die Götter der -deutschen und nord. Völker, S. 54.)</p></div> - -<h3 id="sec69">69. Der Rachhals zu Aue.</h3> - -<p class="source">(Nach einer Mitteilung von C. Vieweg aus Aue.)</p> - -<p>In früheren Zeiten lebte in Aue ein Förster mit Namen Rachhals. -Derselbe war rauh in seinem Wesen und flößte allgemeine -Furcht ein, so daß man seiner Person so viel wie möglich aus dem -Wege ging. Nach seinem Tode ging die Sage, Rachhals sei in eine -finstere Kammer seines Hauses, durch welche eine Esse führte, verbannt -worden und spuke darin um Mitternacht. Die Kammer hatte nur -ein kleines Fenster nach dem Hofe, und es wurde erzählt, sobald dieses -Fenster geöffnet werden würde, sollte Rachhals erlöst sein, gleichzeitig -aber würde auch das Haus abbrennen. Das Haus stand in der -Nähe des jetzigen Gasthofs zum Engel. Als daselbst im Jahre 1859 -Feuer ausbrach, wurde auch das ehemals Rachhals'sche Haus ein -Raub der Flammen.</p> - -<h3 id="sec70">70. Das Hammergespenst.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 944 und 945.)</p> - -<p>Im Jahre 1670 den 30. September hat sich in einem Bergorte -zugetragen, daß ein Mann seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung -über Feld ins nächste Dorf schickte. Als der Knabe wieder zurückgeht, -begegnet ihm sein gewesener Pate, ein Hammerherr, der schon vor -zwei Jahren gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn hatte im Sarg -angezogen gesehen, der sieht ihn an und spricht: »Siehe Pat, bist Du -es? Steht mein Hammer noch? Ist er noch nicht weggebrannt?« Der<span class="pagenum"><a id="Seite_62">[62]</a></span> -Knabe erschrickt, schüttelt den Kopf und eilet nach Hause. Die Erscheinung -aber ist bald vorn, bald hinter ihm, brummt etwas, was er -nicht verstehen konnte und verändert sich dreimal in den Kleidern. -Da der Knabe über das Dorf heraus kommt, fängt es an: »Ach, wie -müde bin ich, ach, wenn mich jemand trüge! Pat, gehe in meinen -Hammer, an dem Orte wirst Du Geld finden, Dir ist's beschert.« Und -damit däuchte es dem Knaben, er sähe Geld vor sich liegen und schimmern. -Als er seinem Städtlein nahe kam, und zuvor durch ein -Gebüsch gehen mußte, da fing sich erst ein Alarm an, das ganze Büschlein -war voll schwarzer Männer, die den Hammermeister umringten. -Bald verwandelten sie sich in große rote Hirsche, daß der Knabe nicht -wußte, wo aus oder ein; bald sah er einen Mann kommen, der hatte -eine Rute in der Hand und drohte damit den Gespenstern und den -Hirschen. Der Knabe lief aus Furcht und Zittern fort, die Hirsche -verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn noch eines Stück -Weges, und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm, lehnte sich's -noch einmal über den Knaben hinüber, und sahe ihn scharf unter die -Augen, ging davon einen anderen Weg, bei sich murmelnd. Der -Knabe kam heim, klagte es den Eltern und lag acht Tage krank.</p> - -<p>Im Jahre 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher ein -guter Kirchen- und Schulfreund, ein weltkluger, bergerfahrener Mann, -ein geübter Sänger und Musikus, ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen -und Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen ist. Dennoch -hat der Teufel nach seinem Tode einen gefährlichen Lärm angerichtet. -Er ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer, -da er gewohnet, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer -Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stall, seine Tochter -über dem Nähen, daß sie acht Wochen krank gelegen, vexierte die Arbeiter, -daß niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Ruhe -und Friede bei ihm; aber da nach dieser Zeit ein Bauer ungefähr -über eine unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißet und sie -heimfahren und nun das letzte Brett abreißen will, drückte ihn der gespenstische -Mann, daß er sterben mußte. Von da fing er sein Mordspiel -wieder an und drückte erstlich Caspar Bibera, einen Kohlenmesser, -auf dem Hofe tot. Die Nacht vor dem Christfest des Jahres 1659 -schlägt er stark an's Thor, der Wächter meint, es sei eine nötige Post -und macht auf; da präsentiert er sich in einem schwarzsamtnen Pelz -und mit einem spanischen Rohr, drückt dem Wächter alle Glieder entzwei -und begehet andere Thaten mehr, daß sich die Nachbarn vor -diesem gespenstischen Gaste sehr gefürchtet haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_63">[63]</a></span></p> - -<h3 id="sec71">71. Der unheimliche Hansmichel.</h3> - -<p class="source">(E. Heger und J. Lienert, Ortskunde des Dorfes Schmiedeberg i. B. -1879. S. 60.)</p> - -<p>Zuweilen kann man in und bei Schmiedeberg einen Umzug, ähnlich -der wilden Jagd, beobachten. Von Norden, über die Schmiedstättheide, -kommt nämlich hoch in den Lüften der unheimliche Hansmichel -dahergebraust. In einem mit Ziegenböcken bespannten Wagen -stürmt er beim Glaserbergel über den Ort und verschwindet im Walde. -Während seiner rasenden Fahrt läßt er den Ruf »Hoho! Hoho!« erschallen, -bethört dadurch die Wanderer in der Waldung und leitet sie -auf falsche Wege. Früher hauste der unheimliche Hansmichel auch -mit besonderer Vorliebe am sogenannten Hammerwege. Nach der -Sage soll er Herr des ehemaligen Weiperter Spindlerhofes gewesen -und irgend einer großen Ungerechtigkeit wegen zu dieser ruhelosen Luftfahrt -verurteilt worden sein. Sonst bösartig hat sich der unheimliche -Hansmichel nie gezeigt.</p> - -<h3 id="sec72">72. Der rote Hohensteiner.</h3> - -<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)</p> - -<p>Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg hervorragender -steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen -Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau -und Altenburg genießt. »Denkmal der Freundschaft« kann man auf -seiner Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige -Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten -und zwar alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit -langem roten Bart, in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner. -Angesprochen hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber, -denn er läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen, -ertönen. Der rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm -nur von einem furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht -mutig anspricht.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der rote Hohensteiner erscheint hier als eine teuflische Gestalt. Der Teufel -hieß auch der Rote, und mit Hinweis darauf sagte man: »Rote Lütli, Tüfelshüttli« -und »Rotbart, Teufelsart!« »Wenn du numme rot wurdist« heißt: »Daß Dich -der Teufel holte!« Der einen roten Bart tragende Gewittergott Donar wurde -zum Teufel. (Rochholz, deutscher Brauch und Glaube. II. S. 224.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_64">[64]</a></span></p> - -<h3 id="sec73">73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 514.)</p> - -<p>Auf dem Schlosse Hartenstein, dem Stammschlosse der Schönburge, -fand sich einst jeden Tag ein Schattenritter ein. Man nannte -ihn Vollmer den Geisterkönig. Er hatte, man weiß nicht wie, die -Liebe der schönen Kunigunde von Schönburg, als sie noch Kind war, -gewonnen, und dieselbe hatte erklärt, ihn und keinen anderen wolle sie -ehelichen. So ritt er denn jeden Tag auf unsichtbarem Rosse in's Burgthor -ein, zog ersteres, ohne daß jemand es sah, – nur hören konnte man -seinen Tritt, – in den Stall und stieg dann selbst unsichtbar, und nur am -Schall seines Trittes kenntlich, die Schloßtreppe hinan. Dort kam -ihm seine Braut entgegen, der reichte er seine Hand, – das war der -einzige fühlbare Teil seines Körpers, weich und glatt aber eiskalt – -und nun sprachen und koseten sie zusammen wie zwei Liebende es thun. -Dann schritten sie in den Speisesaal, wo ihrer schon der Bruder des -Fräuleins harrte, und alle drei setzten sich zu Tische und aßen und tranken -nach Herzenslust; die dem Schattenritter vorgelegten Speisen und der -Wein in seinem Becher verschwanden, und doch sah niemand, wo es -hinkam. Man hörte nur des Schattenbräutigams Stimme, und der -Graf, dem früher vor seinem geisterhaften Schwager gegraut, faßte -immer mehr Neigung zu ihm, denn er hatte an ihm einen steten treuen -Berater und Warner bei bevorstehendem Unglück. Wenn das Mahl -vorüber war, verließ der Graf die beiden Brautleute, und so saßen -sie bis kurz vor ein Uhr; dann nahm der gespenstische Gast eilig Abschied, -so trieb er es viele Jahre; da äußerte einmal das Fräulein, -wie sie sich nach einem Kusse von seinem Munde sehne, und siehe, ihr -geisterhafter Bräutigam antwortete: »Lebe wohl auf ewig; weil ich an -Deine rein geistige Liebe glaubte, verließ ich mein himmlisches Reich, -um bei Dir zu sein; jetzt wo Du an irdische Liebe denkst, ist mein -Bleiben nicht mehr hier, Du siehst mich nie wieder!« Damit verschwand -er und nie hat das Fräulein wieder seine Nähe empfunden.</p> - -<h3 id="sec74">74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)</p> - -<p>Fünfzig Jahre nach der Verwüstung des Grünhainer Klosters -hat sich am Elterleiner Wege, wo, wie die Schlackenhaufen ausweisen, -des Abts Hammer gestanden, ein Gespenst in Mönchsgestalt sehen -lassen, welches die Vorübergehenden, sonderlich Trunkene und Jauchzende, -übel bezahlte, und einst einen Bergmann von Elterlein, der das<span class="pagenum"><a id="Seite_65">[65]</a></span> -Gespenst in seiner Trunkenheit herausforderte, mit den Beinen den -Berg hinunter geschleppt, in den Bach geworfen und am Kopfe arg -verwundet. Einen Richter, der trunken in der Nacht von Grünhain -heimgeritten, hat's mit dem Pferde gestürzt, daß er den Arm brach, -und ist der Richter mit großer Lebensgefahr nach Hause gekommen.</p> - -<h3 id="sec75">75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzella.</h3> - -<p class="source">(Alfr. Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II., S. 91.)</p> - -<p>Wie in alten Burgen Ritter und Ritterfräulein, so hausen in -alten Klöstern auch oft gespenstische Mönche. Während man aber diese -Wesen meist in den Mitternachtsstunden belauscht haben will, erzählt -man sich, daß im Klostergarten zu Altzella in der Mittagsstunde ein -Cisterziensermönch mit langem weißen Barte promeniere und oft gesehen -wurde. Er soll zumeist, das Haupt sinnend auf die Hand gestützt, -in den Abteiruinen sitzen, sich aber, sobald man ihm zu nahen -versucht, sich in einer weißen Rauchwolke verflüchtigen.</p> - -<h3 id="sec76">76. Der Mönch von Komotau.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.)</p> - -<p>Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt -man in einen Hof, der das »Mönchshöfel« heißt. An der einen Wand -desselben bemerkt man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen -Haupt und Hände getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft -der Stadt eine Gefahr droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf -unter dem Arme trägt. Er geht vom Rathause bis zur Kaserne, einem -ehemaligen Jesuitenkloster, wo er verschwindet. Viele Leute wollen -ihn schon gesehen, namentlich soll er im Jahre 1832 sich gezeigt -haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen ist die ganze Stadt abgebrannt.</p> - -<h3 id="sec77">77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 250.)</p> - -<p>Abraham Munsch, ein alter frommer Hutmann in Wiesenthal, -erzählte, daß er einstmals oben auf dem Fichtelberge einen überaus -schönen Brunnen angetroffen, dessen Grund und Boden von eitel Goldflammen -geleuchtet habe. Da er sich niedergesetzt, um den schönen -Quell zu betrachten und wieder aufgesehen, sei ein schönes buntes Vöglein -auf einer Seiten, auf der anderen aber ein Mönch mit einem<span class="pagenum"><a id="Seite_66">[66]</a></span> -offenen Buche gesessen, darüber er erschrocken und davon gelaufen. -Er habe aber seit dieser Zeit den Brunnen nicht wieder antreffen -können.</p> - -<h3 id="sec78">78. Der Laternenmann in Alberode.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p> - -<p>An unbestimmten Tagen, besonders wenn der Mond nicht scheint, -entsteigt dem Keller des alten Rittergutes Alberode nachts 12 Uhr -ein Mönch mit einer großen, hellleuchtenden Laterne, vom Volke der -Laternenmann genannt. Derselbe geht unbeirrt langsamen Schrittes -auf dem Marktsteige nach dem Klosterholze und verschwindet in einem -Keller des Rittergutes Klösterlein. Er thut niemandem ein Leid.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In Sagen anderer Gegenden nähert sich der Laternenmann dem feurigen -Manne ohne Kopf; ohne Kopf geht z. B. der Mann mit der Laterne bei Hackpfiffel -in der Grafschaft Mannsfeld umher. (Größler a. a. O. No. 195.) Wir finden -überhaupt, daß in den Sagen von Laternen tragenden und feurigen Männern, sowie -von Irrlichtern mancherlei Berührungspunkte vorhanden sind. In Kärnten z. B. -heißt das Irrlicht »Lichtmandl« d. h. Lichtmännchen; es wird also hier ganz als -persönliches Wesen gedacht und entspricht unserm feurigen Manne. Das »Lichtmandl« -hat flammende Hände, mit denen es einen Mann züchtigte, als es derselbe anrief, -ihm Feuer in seine Pfeife zu geben. (Österr. Touristenzeitung 1884, No. 21.)</p></div> - -<h3 id="sec79">79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 469.)</p> - -<p>In der Stadt Chemnitz bei dem sogenannten Kloster in der Vorwerksstube -war früher ein Mönchskopf zu sehen, auf dem, so oft man -die Stube reparierte, allemal ein Groschen Geld liegend gefunden ward. -Dieser Kopf war aber sehr empfindlich, wenn jemand mit ihm Kurzweil -treiben wollte. So ist einmal ein Steinmetzgeselle nach Chemnitz -gekommen, und weil er vieles von diesem Kopf gehört, hat er ihn -sehen wollen. Als er nun dessen altes, zorniges Gesicht genau betrachtet, -hat er es nachzumachen und überall auszuspotten sich eitel -Mühe gegeben. So ist es geschehen, daß er mit einer Gesellschaft von -Kameraden einmal nach Hause ging, da kam ihm ein Bedürfnis an -und als unterdessen seine Reisegefährten weiter gingen, ist er, wie er -später aussagte, von einem Mönch in einen mit Eis bedeckten Teich – -es war gerade Winterszeit – geworfen worden, und hat ihn derselbe -dermaßen geängstigt, daß, als seine Kameraden, die wieder umkehrten, -ihn suchten, sie ihn winselnd und fast vor Schrecken stumm antrafen,<span class="pagenum"><a id="Seite_67">[67]</a></span> -für tot herauszogen und so nach Hause brachten. Sein Mund war -ihm dergestalt der Quere gezogen, daß er über ein halb Jahr zubrachte, -ehe er wieder gesund ward, auch in der Kirche für ihn gebetet ward.</p> - -<h3 id="sec80">80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 74.)</p> - -<p>Im Jahre 1632 ließ der Stadtschreiber zu Scheibenberg, Theophilus -Groschupf, einen Raum an der Erbisleite zu Acker machen. -Da nun ein Arbeiter, Georg Feuereisen, mittags hinunter an einen -Brunnen ging, um Trinkwasser zu holen, fand er dabei einen häßlichen -unbekannten Mann liegen, der ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern -auf dem Rückwege ihm auf den Hals fiel und ihn braun und -blau drückte, so daß er infolge dessen acht Wochen krank lag.</p> - -<h3 id="sec81">81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann a. a. O. S. 76.)</p> - -<p>Zur Herbstzeit des Jahres 1654 kommt der Kirchvater von -Stützengrün aus dem Walde, ist gar schwermütig und klagt auch, es -habe ihn ein Gespenst erschreckt. Als er im Februar des nächsten -Jahres wieder hinausgeht, höret er eine Stimme: »Erwürge Dich, oder -ich thue es! Greif lieber selber zu!« Damit zieht der bestürzte Mann -sein Messer heraus und schneidet sich den Bauch auf, daß die Gedärme -in den Schnee fallen. Weil er aber vor Schmerzen heftig schreiet, -finden ihn etliche Köhler in seinem Blute liegen und führen ihn noch -lebend heim. Nachdem er gebeichtet und das Abendmahl genommen -hatte, auch getröstet worden war, ist er bald darauf verschieden.</p> - -<h3 id="sec82">82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und -Königswalde.</h3> - -<p class="source">(Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche im sächs. Obererzgebirge. -Programmarbeit. 1862. S. 39.)</p> - -<p>Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, -liegt die sogenannte Reicheltwiese, welche, da sie sumpfigen Untergrund -hat, sehr weich und »papprich« ist. In derselben soll ein Fuhrmann, -der Salz geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. -Abends 9 Uhr soll derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder erscheinen, -mit seiner Peitsche knallen und dabei »Hüoh!« rufen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_68">[68]</a></span></p> - -<h3 id="sec83">83. Der Feuermann von Komotau.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen. 1. B. 1864, -S. 21.)</p> - -<p>In Komotau läßt sich zu manchen Zeiten ein feuriger Mann -sehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. So oft er erscheint, -bricht in derselben Gasse, wo man ihn sieht, Feuer aus.</p> - -<h3 id="sec84">84. Die Gestalt mit dem Lichte bei Pobershau.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Sem. Richter in Schneeberg.)</p> - -<p>Den Weg von Mittel-Pobershau nach Zöblitz über den sogenannten -»Berg« des Nachts zu gehen, ist gewiß jedem Einheimischen -unangenehm, da schon mancher von einer Gestalt, die dort mit einem -Lichte herumläuft, geäfft worden ist.</p> - -<h3 id="sec85">85. Der schwarze Mann zu Königswalde.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.)</p> - -<p>Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler, -und sein Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher -Ehe lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott -mit einer jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat -sich in der Nacht darauf ein langer schwarzer Mann, der aus der -Stubenkammer hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der -Frau eingefunden und hat sie angeredet: »Gieb mir Dein Kind!« -Als sie sich aber dessen geweigert, ist er wieder hinausgegangen und -hat das Schloß hinter sich zugeschlagen, daß es geschmettert. Nach 14 -Tagen kam etwas an den Laden, daß sie auch den Schatten am -Fenster sehen konnte, und weil sie es für einen Hund gehalten, hat sie -auf dasselbe gerufen: »Gehst Du garstiges Aas!« Worauf es den -Fensterladen gewaltig zugeschlagen und weiter nichts unternommen. -Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus dem Bettchen gezogen, worauf -sie es quer über dem Badewännchen auf dem Gesichte liegend wieder -gefunden, welches darauf eine Nacht um die andere wiederholt worden. -An einem Sonnabend im August hat die Mutter zu Nacht das Kind -kurz vorher gestillet und wieder hinaus in das Wännchen gelegt. Da -träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen Arm gebrochen, worüber -er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich besonnen, es sei ja sein -Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer habe, ist er bald wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_69">[69]</a></span> -eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette vom Leibe gezogen, worüber -er auffuhr und nach dem Kinde schrie, welches sie leider aus dem -Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend tot fanden. Als nach -dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit im Kohlenhau -gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner Wiederkunft -dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen 11 und -12 Uhr etwas an dem untern Bettbret angegeben, damit geknacket, -ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und -da sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt: -»Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!« Womit es weggekommen, -und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören, -und der Hund hatte es gemerkt und sehr gewinselt.</p> - -<h3 id="sec86">86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Auf dem Gottesacker in Schneeberg ist früher am Tage ein -schwarzes Männchen gesehen worden, welches ein Buch in der Hand -hatte. Eines Tages erblickte es auch der Totengräber; derselbe erschrak -darüber so sehr, daß er bald darauf starb.</p> - -<h3 id="sec87">87. Der Schamprich zu Nossen.</h3> - -<p class="source">(Jugenderinnerung eines geborenen Nosseners.)</p> - -<p>Auf dem Fußwege, der an der Südseite des Schloßberges von -der Unterstadt (dem früher sogenannten »Loch«) nach der Oberstadt -führt, trieb noch vor fünfzig Jahren ein Spukgeist, der Schamprich, -sein Wesen. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfange des -Weges nach einigen Schritten »aufzuhucken« und sich den Berg hinauf -bis zum Stumpfe einer großen Eiche tragen zu lassen, wobei die Last -immer schwerer wurde. Mit dem Neubau der Dresdner Straße, bei -der auch der obere Teil des Weges in Wegfall kam, ist er verschwunden. -Der Eichenstumpf befand sich gegenüber dem dicken runden Eckturme, -in welchem Lips Tullian einige Zeit verwahrt worden sein soll, -links am Wege.</p> - -<p>In früherer Zeit mußte der Stadtnachtwächter am nördlichen -Schloßgraben entlang gehen und von der äußersten Bergecke aus, an -der sogenannten Dechanei, die Stunde abtuten. Da hat er einmal -in einer Winternacht von unsichtbarer Hand eine Ohrfeige bekommen, -daß ihm die Pelzmütze den Berg hinabrollte. Er schrieb den Schabernack -dem Schamprich zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_70">[70]</a></span></p> - -<h3 id="sec88">88. Der schwarze Mann des Jüdensteins.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Seminarist Förster aus Bärenwalde.)</p> - -<p>Zwischen Bärenwalde und Giegengrün erhebt sich ein Granitfels, -der Jüden- oder Giegenstein genannt. Es sollen einst in der Umgebung -desselben Soldaten einen Lagerplatz gehabt und die umwohnenden -Bewohner hart ausgeplündert haben. Dabei hat einer von den -Soldaten einem armen Manne, welcher nichts geben konnte, das Hüttlein -angezündet. Da verwünschte ihn der Arme und zur Strafe muß -nun die Seele des Soldaten in der Gestalt eines schwarzen Mannes -an dem Jüdensteine, wo auch reiche Schätze vergraben sein sollen, ruhelos -umherwandeln. Viele Leute wollen diesen schwarzen Mann schon -gesehen haben.</p> - -<p>Ein Mann aus Bärenwalde sagte einmal, er fürchte sich nicht, -denn es gebe keinen schwarzen Mann; er sei schon oft des Nachts an -dem Steine vorbeigegangen, ohne etwas gesehen zu haben. Da geschah -es, daß er einst wieder an dem Jüdensteine vorbeifuhr. Plötzlich -setzte sich ein schwarzer Mann zu ihm auf den Wagen, der immer -schwerer und schwerer wurde; zuletzt konnten die Pferde den Wagen -nicht mehr weiter ziehen. Der Bärenwalder glaubte, der Mann wolle -ihn nur erschrecken, deshalb drehte er sich um und gab ihm eine Ohrfeige. -Aber ebenso schnell bekam er eine solche von unsichtbarer Hand -wieder. Er mußte den Wagen stehen lassen, ging nach Hause und starb -nach neun Tagen.</p> - -<h3 id="sec89">89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Als in Weißbach bei Schneeberg ein Jüngling gestorben war, -zog man ihm seine schwarzen Kleider an; in der Westentasche aber befand -sich noch ein Pfennig. Da kam der Verstorbene zweimal des -Nachts um 12 Uhr wieder nach Hause. In der zweiten Nacht soll der -Pfarrer anwesend gewesen sein, der hat ihn gefragt, was er wolle. -Darauf sagte die Erscheinung, sie fände im Grabe nicht eher Ruhe, -bis man den mitgenommenen Pfennig wieder geholt hätte.</p> - -<h3 id="sec90">90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.</h3> - -<p class="source">(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtnis, 1719, S. 97.)</p> - -<p>Anno 1655 ging ein Fleischhauer aus Wiesenthal sehr frühe bei -Mondenschein und wollte nach Elterlein. Als er aber eine halbe Meile<span class="pagenum"><a id="Seite_71">[71]</a></span> -zurückgeleget und auf einen Platz kommt, tritt ihm ein grausames Gespenst -mit feuriger Zunge und Augen entgegen, in Gestalt eines verrufen -gewesenen Gebirgers, der manchem auf dem böhmischen Wald das -Licht ausgelöschet. Dies Gespenst verlegt ihm den Weg mit seiner Kette -um den Leib, daran eitel Totenköpfe hingen. Der Fleischhauer erschrickt, -betet und kehrt eilends zurück nach Haus. Das Ungetüm aber begleitet -ihn bis in seine Stube, stellet sich daselbst vor ihn und sieht -ihn an, bis die Wirtin aufgestanden ist und ein Licht angezündet hat. -Da ist das Gespenst wieder verschwunden.</p> - -<h3 id="sec91">91. Der Einsiedel im Thale der roten Weißeritz.</h3> - -<p class="source">(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 91. Gräße, -Sagenschatz etc. No. 264.)</p> - -<p>Ganz in der Nähe des Städtchens Tharand befindet sich das -Thal der roten Weißeritz. Hier gestatten schroffe Felsriffe und wild -aufbrausende Fluten im Frühjahr kaum einen schmalen Pfad am linken -Gehänge hin. Eine felsige Landzunge, der sogenannte Einsiedel, wo -einmal ein Einsiedler seine Klause gehabt haben soll, ist in der Umgegend -als ein Ort, wo es spukt, berüchtigt. Man erzählt sich von -grauen Männchen, die da herumgehen, und von Geistern, die einen -dort verborgen liegenden Schatz bewachen sollen, den nur eine ganz -reine Jungfrau heben kann. Ein Mann aus dem nahegelegenen Sommsdorf -sah vor Jahren, wie ein kleiner, höhnisch lachender Zwerg eine -alte Frau vom Berge herabzerrte, die dann zerkratzt und halb besinnungslos -in ihrer Heimat ankam. – In demselben Thale, bei der -langen Brücke am Felsen hin, befindet sich auch der <span id="corr071">Nixentump</span>, der -sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist.</p> - -<h3 id="sec92">92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.</h3> - -<p class="source">(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf. Marienberg, S. 36.)</p> - -<p>Der älteste Flügel der herrschaftlichen Gebäude in Großhartmannsdorf -bei Freiberg, welcher eine Anzahl finsterer Gewölbe enthält, -soll der Schauplatz mancher gespenstischen Erscheinungen sein. -Einmal soll des Nachts zur Zeit, da kein Mensch das Herrenhaus bewohnte, -eine Gestalt mit Licht durch alle Zimmer gegangen sein; einmal -wieder eine lange weibliche Gestalt in alter Tracht und mit einem -großen Schlüsselbunde zum öftern im Hofraume des Nachts umhergewandelt,<span class="pagenum"><a id="Seite_72">[72]</a></span> -und noch ein anderes Mal ein Lärmen und Poltern wahrgenommen -worden sein.</p> - -<h3 id="sec93">93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.</h3> - -<p class="source">(Leopold, Chron. und Beschr. d. St. Meerane, S. 101.)</p> - -<p>Von dem Tannicht, einem feuchten Thale bei Meerane, sagte -man früher, daß es daselbst einem aufhocke, d. h., daß ein Geist sich -da manchem schon mit bleierner Schwere auf die Schultern gesetzt habe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="antiqua">Dr.</em> Leopold, der Verfasser der Chronik von Meerane, führt den Ursprung -dieser Sage auf den Umstand zurück, daß Leute, die stark schwitzend von der Höhe -des Crimmitschauer Weges in den Tannicht hinabstiegen, sich verkühlten und von -Blutandrang nach Kopf und Brust befallen wurden.</p></div> - -<h3 id="sec94">94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.</h3> - -<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. -Leipzig, 1723, S. 135.)</p> - -<p>Im Jahre 1719 fährt Abraham Friedrich einem Schmiede in -Johanngeorgenstadt Kohlen ein. Da er nun Nachmittag um 1 Uhr -wieder an die Meilerstätte kommt und den Schmiedegesellen, welcher -ihm beim Aufladen helfen soll, nicht findet, im Gebüsch sich aber etwas -bewegen sieht, so meint er, es sei der Gehülfe und ruft ihm daher -zu, er solle sich herpacken und mit aufladen. Hierauf erschallt eine -Stimme: »Jetzt gleich.« Es kommt auch wirklich jemand und hilft -ihm etliche Kübel Kohlen auf den Karren laden, also daß Friedrich -nicht anders meint, er habe seinen Gesellen. Nachdem sich aber der -Kohlenstaub ein wenig legt, sieht er an dessen Unterleib eine seltsame -Gestalt, er stößt ihn daher von sich und spricht, er solle sich packen, -seine Hülfe begehre er nicht. Indem nun Friedrich weiter aufladet, -kehrt der andere das Löschfäßlein um und belegt es mit lauter neuem -kurfürstlichen Gelde. Dabei begehrt er, weil Friedrich ein armer Mann -sei, solle er's nehmen, und so oft er etwas brauche, möge er wieder -an diese Stätte kommen, da er ihm ein mehreres geben wolle. Darüber -wurde Friedrich unwillig und stieß das Faß mit dem Gelde um, -so daß letzteres über den ganzen Platz verstreut wurde. Der andere -aber raffte es im Hui wieder in seinen Beutel und hielt es von neuem -vor. Friedrich jedoch kehrte sich nicht daran und fuhr fort. Er mußte -aber seinen Gefährten noch ein gut Stück Weges bei sich haben. Derselbe -hielt ihm immer den Beutel vor, schüttelte mit dem Gelde und<span class="pagenum"><a id="Seite_73">[73]</a></span> -wollte es ihm aufdringen, bis endlich Friedrich aus Ungeduld ihn -garstig gescholten und mit der Peitsche darnach geschlagen. Da ging -der andere seitwärts ins Holz und hinterließ einen solchen Dampf und -Gestank, daß Friedrich zu ersticken meinte und auch in der Folge -krank wurde.</p> - -<h3 id="sec95">95. Das Gespenst in einer Halde bei Pobershau.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Seminarist Richter in Schneeberg.)</p> - -<p>In Pobershau bei Zöblitz sieht man neben der alten Schule -eine große Steinhalde. Hier soll ein Gespenst sein Wesen treiben, -denn schon oft hat man daselbst Stöhnen, Rufen und Gepolter gehört, -und es wird überhaupt viel darüber gemunkelt. Nach der allgemeinen -Sage soll dies Gespenst der Geist eines früheren Grundbesitzers sein, -welcher als sehr hartherzig verschrien war.</p> - -<h3 id="sec96">96. Die sieben Ruten bei Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Ein Teil des Schloßwaldes bei Chemnitz trägt den Namen »Die -sieben Ruten.« Jeder, der diesen Teil betritt, soll keinen Ausweg finden -können. Der Sage nach soll hier einst einer besonderen Krankheit -wegen ein Mann begraben worden sein, der jedem, welcher dies Gebiet -betritt, den Ausweg verstellt.</p> - -<h3 id="sec97">97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten bei Glößa.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 18.)</p> - -<p>Zwischen den Dörfern Auerswalde und Glößa bei Chemnitz liegt -ein Wald, die sogenannten Sechsruten. In diesem spukt der Schatten -eines bösen Beamten, welchen die Volkssage den bösen Seidelmann nennt. -Er hat bei seinen Lebzeiten die ihm Untergebenen übel behandelt und -viele Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten verübt, wofür er zur Strafe -im Grabe keine Ruhe findet. Sein spukender Geist führt die Wanderer -irre und neckt und erschreckt sie durch gellendes Rufen. Niemand -in der Umgegend weiß, was zu Seidelmanns Erlösung vonnöten ist.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Ein Walddistrikt zwischen Roßleben und Ziegelrode heißt »der Sechse«. Auch -hier spukte einst in einem Zauberkreise ein dorthin verbannter Geist, der sogar -Prügel austeilte. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 260.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_74">[74]</a></span></p> - -<h3 id="sec98">98. Der Baslerfels bei Platten.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 91.)</p> - -<p>Unterhalb der letzten Häuser von Platten, welche an der nach -Breitenbach führenden Straße liegen, erhebt sich jenseits des Baches -ein ziemlich hoher, mit dunklen Fichten bewachsener Felsen, der allgemein -»der Baslerfels« genannt wird. An der Stelle, wo dieser Fels -emporragt, soll vor so und so viel Jahren ein stattliches Schloß gestanden -haben, das der reiche Basler bewohnte. Er verdiente in der -That diesen Beinamen, denn er war der reichste Bergwerksbesitzer in -der ganzen Umgegend. Allein Reichtum erzeugt nicht selten Hochmut, -und Hochmut führt leicht zum Fall. Auch Basler, pochend auf seine -Gold- und Silberschätze, lebte in verschwenderischer Pracht und Herrlichkeit, -bedrückte über die Maßen die Armen und ließ in frevlem -Übermute seinen Pferden sogar silberne Hufeisen aufschlagen. Und -als er in seiner Verstocktheit noch größere Frevelthaten verübte, ereilte -ihn die Strafe des Himmels. Basler wurde samt der Burg zum -warnenden Zeichen für alle Zeiten in harten Stein verwandelt. Seit -dieser Zeit ist es beim Baslerfels nicht richtig.</p> - -<p>Drei Bergleute, von denen einer taub war, gingen einmal nach -beendigter Schicht nach Hause. Als sie bei der unteren Mühle anlangten, -da, wo sich im Felsen ein Stollen befindet, vernahm der taube -Bergmann deutlich das Getrabe von Pferden und das Gerassel einer -Kutsche und machte seine Kameraden darauf aufmerksam. Dieselben -sahen fürwahr aus dem Stollen eine vierspännige Kutsche herauskommen, -doch hörten sie diese weder rasseln noch die Pferde traben.</p> - -<p>Andere Leute wollen zu einer bestimmten Zeit bei der sogenannten -Kühbrücke, die sich am Fuße des Baslerfelsens befindet, ein weißes -Schaf gesehen haben, das manchen bis zu dem bereits oben genannten -Stollen geführt haben soll.</p> - -<p>Neben der Kühbrücke liegt heute noch ein großer Stein, auf -welchem einst ein Mann, der eine schwere Bürde trug, ausruhte. -Während seiner Rast schimpfte er gewaltig auf den Baslerwald, weil -er sich darin verirrt hatte. Wie er vom Steine wieder aufstehen wollte, -konnte er trotz aller Kraftanstrengung sich nicht in die Höhe erheben. -Erst dann, als der Mann sein Fluchen bereute, kam er von der -Stelle.</p> - -<p>Auch führt es Holzleute, die in das Bereich des Baslerfelsens -kommen, irre, so daß sie erst nach längerem Hin- und Herlaufen wieder -den rechten Weg gewinnen.</p> - -<p>Überdies soll sich im Baslerfelsen ein Hemann aufhalten, der<span class="pagenum"><a id="Seite_75">[75]</a></span> -Personen, welche sein ihm zugeteiltes Gebiet betreten, so lange herumtreibt, -bis sie tot zu Boden stürzen.</p> - -<h3 id="sec99">99. Der böse Graf von Wildenfels.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt durch Lehrer Günther aus Lößnitz.)</p> - -<p>Ein böser Graf von Wildenfels ist einst in ein Pfund Hirse verbannt -worden. Er muß so lange darin bleiben, bis der Haufen, von -dem jedes Jahr nur ein einziges Körnchen abfällt, verschwunden ist. -Dieser Graf ist nämlich bei seinen Lebzeiten sehr unbarmherzig und -geizig gewesen. Während einer großen Teuerung war ihm das Getreide -noch nicht teuer genug, daher verkaufte er seine Vorräte nicht. -Da kam ihm aber der Wurm hinein, der das ganze Getreide durchwühlte. -Auch jetzt gönnte es der Graf niemandem, sondern ließ es -fuderweise in die Mulde schütten. Zur Strafe wurde er nach seinem -Tode in den Hirse verbannt.</p> - -<h3 id="sec100">100. Der Hirse zählende Verbannte.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p> - -<p>In dem Oberförstergebäude zu Karlsfeld wohnte in früheren -Zeiten ein reicher Mann, der sehr geizig war. Nach seinem Tode -mußte er, an einem bestimmten Erkerfenster des Hauses sitzend, zur -Strafe für seinen Geiz ein Viertel Hirse zählen. Ob er damit fertig -geworden und somit erlöst ist, weiß die Sage nicht zu melden.</p> - -<h3 id="sec101">101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt -um.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 476.)</p> - -<p>In der Nähe des Dorfes Wildbach bei Schneeberg liegen auf -einem Vorberge des Muldenthales die Überreste der Isenburg, welche -vielleicht eine Art Vorfestung von Schloß Stein war, mit welchem sie -durch einen unterirdischen, unter der Mulde hinführenden Gang verbunden -gewesen sein soll. Hier hauste nach der Sage im 14. Jahrhundert -ein Raubritter, Konrad von Kauffungen, der solche Schandthaten -verübte, daß ihm der Teufel den Hals brach und sein Geist verdammt -ist, bis auf den heutigen Tag die Umgegend in Zwerggestalt zu -schrecken.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_76">[76]</a></span></p> - -<h3 id="sec102">102. Der alte Turm in Tanneberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 38.)</p> - -<p>Nahe bei den Rittergutsgebäuden des Dorfes Tanneberg bei -Geyer steht ein uralter viereckiger Turm. Seine starken Mauern sind -noch jetzt an dreißig Ellen hoch und von einem Wassergraben umgeben. -Viel erzählt man von ihm, aber wenig zusammenhängendes.</p> - -<p>In uralter Zeit soll einmal ein Graf, der Besitzer dieser Gegend, -eine große Jagd abgehalten und sich dabei verirrt haben und mit seinem -Rosse in einen Sumpf gesunken sein. Dem Tode nahe, wäre er noch -von den Jägern mit Mühe gerettet worden und hätte zum Andenken -den Turm erbaut.</p> - -<p>Jetzt noch soll in dem Turme der Geist eines der späteren Besitzer -spuken, aber warum? weiß niemand. Auch wollen alte Holzhauer -und Bergleute den Baum wissen, wo die Seele dieses unglücklichen -Spukers eingespündet sein soll. Es wäre sonst ein eiserner Reif -um den Baum gelegt gewesen, um die Seele recht festzuhalten, aber -die Holzdiebe hätten zuletzt auch den Reif gestohlen.</p> - -<h3 id="sec103">103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p> - -<p>Die sogenannte hintere Aue, ein Thal von Dreihansen bis -Niederlößnitz, war einst mit Wald bewachsen, und in diesem wohnten -viele Geister. Der Wald wurde nach und nach gerodet, das Thal urbar -gemacht und die Geister vertrieben. Dieselben kommen aber noch -in den warmen Sommernächten auf ihre alten Spielplätze und führen -ihre munteren Tänze das Thal entlang aus.</p> - -<h3 id="sec104">104. Spuk auf dem Braunsteine.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)</p> - -<p>Ein altes Weib aus Joachimsthal begab sich einst in den Wald -am Braunstein, um Beeren zu sammeln. Am Fuße des Berges bemerkte -sie einen großen steinernen Wassertrog. Verwundert darüber -blieb sie stehen und sprach halblaut zu sich: So alt ich bin, hab ich -weder den Wassertrog gesehen, noch etwas von ihm gehört. In Gedanken -vertieft, stieg das Weib weiter bergauf und erblickte auf einmal -auf einem sonnigen Platze drei mit reifen Erdbeeren gefüllte -Töpfe. Bist du doch nicht allein hier, dachte sie bei sich und ging<span class="pagenum"><a id="Seite_77">[77]</a></span> -an den Töpfen vorbei, ohne eine Erdbeere anzurühren. Kaum hatte -sich jedoch das Weib einige Schritte entfernt, da vernahm sie hinter sich -ein lautes Jammern und Schluchzen. Rasch drehte sie sich um. Als -sie aber nichts mehr von den Töpfen mit den Beeren sah, überkam sie -ein solches Grauen, daß sie im Sturmschritt über den Abhang des -Braunsteins hinunterlief, um in kürzester Zeit aus dem Walde zu kommen. -Daheim erzählte das Weib, was ihr begegnet war, verfiel in eine -längere Krankheit, lebte aber noch viele Jahre.</p> - -<h3 id="sec105">105. Spuk auf dem Grauensteine bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 63 etc.)</p> - -<p>Nach einer Überlieferung soll der Grauenstein ein verwünschtes, -durch Zaubersprüche unsichtbar gewordenes Schloß sein. Einst veranstalteten -die nächsten Umwohner eine Prozession, um die am Grauenstein -polternden Geister und Gespenster zu bannen und zur Ruhe zu -bringen. Auf einmal hörte man Musik und Gesang in den Lüften, -ja noch mehr, ein ganzer Schwarm von Geistern kam auf die Herannahenden -zu. Erschreckt ergriffen die Leute die Flucht, und der Grauenstein -ward umsomehr gefürchtet.</p> - -<p>Einem armen Bergmanne träumte drei Nächte hinter einander, -er solle um 12 Uhr des Nachts auf den Grauenstein gehen, er könne -das Schloß erlösen. Er machte sich auf den Weg, und als er sich demselben -näherte, hörte er lärmende Musik. Er sah zwei Reiter dahersprengen, -die zwischen sich ein leeres schmuckes Pferd führten und dem Erschreckten -winkten. Da sank sein Mut, er kehrte den Reitern den Rücken, -und mit Krachen und Zischen war alles verschwunden.</p> - -<p>Andere Bergleute wollen zur Abendzeit Musik vernommen haben, -die sich vom Grauensteine gegen die Schwedenschanze gleichsam fortbewegte -und dort in die Töne des pfeifenden Windes sich auflöste; ja -einer erzählte sogar, er habe einmal zwischen elf und zwölf Uhr des -Nachts die erleuchteten Fenster des verwünschten Schlosses gesehen und -sie gezählt, als er zu dieser Zeit Holz holte.</p> - -<p>In dem Thalgrunde, wo jetzt bei Joachimsthal die große k. k. -Cigarrenfabrik steht, wohnte vor etwa siebzig Jahren ein Mann, mit -Namen Huß. Als derselbe eines Abends bei mattem Lampenscheine -in seinem Stübchen saß, klopfte es plötzlich an sein Fenster. Er öffnete -dieses mit der Frage, wer so spät da sei? »Mach' auf Kamerad!« -war die Antwort des Klopfenden. Huß hieß ihn in die Stube treten -und erkannte in dem Ankömmling seinen alten Kriegsgenossen aus<span class="pagenum"><a id="Seite_78">[78]</a></span> -Tirol. »Sage mir doch, mein Lieber,« sprach Huß, »was Dich in so -später Nacht zu mir führt?« »Mir hat geträumt«, antwortete -der Tiroler, »daß ich nach der Bergstadt St. Joachimsthal gehen und -das unweit davon gelegene verwünschte Grauensteiner Schloß von -seinem Zauber befreien soll. Du bist in der Gegend bekannt und wirst -mir gewiß den Weg zum Grauenstein zeigen.« »Diesen Freundschaftsdienst -kann ich Dir, Waghals, schon erweisen; wir gehen um elf Uhr -hinauf,« entgegnete der treuherzige Huß seinem ehemaligen Waffengefährten. -– Nachdem beide den freien Platz erreicht hatten, der im -Volksmunde »Kuhplatz« heißt, hörten sie aus der Ferne eine liebliche -Musik. Hier blieb Huß stehen, während der Tiroler bergauf in der -Richtung weiter ging, woher die Wunderklänge drangen. Endlich kam -er gegen Mitternacht am Grauensteine an und sah auf einmal vor -sich das verzauberte Schloß, strahlend im wundervollen Lichtglanze, -wie er sein Lebtag noch keinen gesehen. Furcht und Freude kämpften -bei diesem Anblicke in seinem Herzen; aber jemehr er sich dem Schlosse, -dem Ziele seiner Wünsche, näherte, desto größere Schweißtropfen -traten auf seine Stirn. Schon stand er beim offenen Portale, da -kehrte er, von Angst und Grauen überwältigt, wieder um; in demselben -Augenblicke jedoch donnerte und krachte es und im Nu waren die -Lichter samt dem Schlosse, das noch immer seiner Erlösung harrt, -verschwunden.</p> - -<h3 id="sec106">106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Fünfzehn Minuten von Platten liegt ein Wald, der Leidenswald -genannt; in diesem soll vor vielen Jahren ein Mann nach seinem -Tode seines gottlosen Lebenswandels wegen verbannt gewesen sein. -Wenn man früher durch diesen Wald ging, hörte man ein leises -Glockengeläute; dasselbe ist aber verstummt, seit man in dem nahen -Platten des Nachts 12 Uhr eine Glocke läutet. Die Leute glauben -nun, daß damit auch der Verbannte im Leidenswalde erlöst worden sei.</p> - -<h3 id="sec107">107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und -Zschorlau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)</p> - -<p>Als vor Jahrhunderten im Erzgebirge die Pest wütete, berührte -sie auch den kleinen Ort Neidhardsthal. Die Leichen wurden auf einem<span class="pagenum"><a id="Seite_79">[79]</a></span> -Platze zwischen Neidhardsthal und Zschorlau begraben und ein Weg, -welcher beide Dörfer verbindet, heißt noch heute der Leichenweg. Auf -demselben sieht man zu Zeiten in der Mitternachtsstunde Gestalten -ängstlich hin und her laufen, oder man erblickt auch eine Frau mit -feurigen Augen. Der Begräbnisplatz ist jetzt eine Wiese voller Hügel -und Löcher; er wird »das Gottesäckerle« genannt. Auch dort will -man in der Mitternachtsstunde Gewimmer gehört haben. Alte Personen -erzählen wieder, daß auf diesem Platze die Heiden begraben -worden seien, welche einst auf dem nahen Steinberge wohnten. Auf -dem Gipfel desselben sieht man noch jetzt ein Gemäuer und einen -ebenen Rasenplatz. Dort sollen sie zu ihren Göttern gebetet haben. -Das Gemäuer wird von den Bewohnern der Umgegend »Kirchel« -genannt.</p> - -<h3 id="sec108">108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von Heinr. Weißflog aus Raschau.)</p> - -<p>Zwischen Mitweide bei Schwarzenberg und dem nördlich davon -gelegenen Dorfe Schwarzbach befindet sich eine alte, nach dem Städtchen -Scheibenberg führende Marktstraße, die Ämmlerstraße genannt. -Dieselbe soll ihren Namen von einem früheren Bergherrn Ämmler -haben, auf dessen Rat sie angelegt wurde. Von dieser Straße nun -wird gar Schauriges erzählt. So soll daselbst des Nachts 12 Uhr, -wenn alles recht ruhig ist, ein Leichenzug zu sehen sein, und den ihn -begleitenden Gesang hört man über sich in der Luft. Dieser Gesang -soll überaus lieblich klingen, so daß schon manche wie bezaubert -stehen geblieben sind und gelauscht haben. Wer aber darauf hört, -dem wird es verderblich, denn er findet seinen Weg nicht mehr. -Erst wenn man irgend ein Kleidungsstück umwendet, so soll man sich -wieder zurecht finden.</p> - -<p>Auf der Ämmlerstraße soll auch in stürmischen Nächten das -wilde Heer zu sehen sein. Neben dem »Hussa!« der vorüberjagenden -Reiter hört man dann aber auch eine schöne, himmlische Musik.</p> - -<h3 id="sec109">109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.</h3> - -<p class="source">(Nach der poet. Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K. -S., No. 238.)</p> - -<p>In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dorf Dittersdorf ist -auch das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, welches früher nur ein einziges<span class="pagenum"><a id="Seite_80">[80]</a></span> -Vorwerk war, zu dem der ohnweit davon im Grunde gelegene -Eisenhammer, jetzt die Herrenmühle, gehörte. Beide Grundstücke waren -vor langen Jahren im Besitz eines gewissen Pessel, der ein zwar reicher, -aber ebenso habsüchtiger Mann war, dem alle Mittel recht waren, wenn -sie nur zur Vergrößerung seines Mammons dienten. Einst ging derselbe -in der Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt -war, zur Kommunion und sah, wie der Lauensteiner Schösser ein funkelnagelneues -Goldstück als Opferpfennig auf den Altar legte. Da -gab ihm der Teufel den bösen Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen; -er wartete also, bis alle übrigen Kommunikanten an den -Altar getreten waren, und als er nun als der letzte hinzutrat, um -die Hostie zu empfangen, stahl er mit gewandter Hand das Goldstück -vom Altare herab. Der Geistliche hatte jedoch den Frevel bemerkt, -und als nun Pessel auf der anderen Seite des Altars den Kelch empfangen -sollte, zog jener ihn zurück, verkündete öffentlich seine Schandthat -und verfluchte ihn. Pessel wankte nach Hause, allein der Schreck -und die Reue warfen ihn aufs Krankenbett, von dem er nicht wieder -aufstand. Als nun aber einige Tage darauf in früher Morgenstunde -ihn seine Hammerknechte nach Liebenau zu Grabe trugen, überraschte -sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein plötzliches Donnerwetter; -sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese hin und flüchteten in die -im Grunde gelegene Mühle. Als nach einem furchtbaren Donnerschlage -das Gewitter sich verzogen hatte und sie aus der Mühle heraustraten, -um den Leichenkondukt wieder fortzusetzen, war der Sarg -spurlos verschwunden und man glaubte, daß der Teufel denselben -samt dem Inhalte entführt habe. Seit dieser Zeit aber erblickt man -jede Mitternacht den Schatten des alten Pessel, der nach der Mühle -zu umherirrt und mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und -sie bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam -aber auch die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte -mehr dort mahlen lassen und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe, -woher es kam, daß sie bald von ihren Bewohnern verlassen ward -und als Ruine für ewige Zeiten von dieser schauerlichen Geschichte -Kunde giebt.</p> - -<h3 id="sec110">110. Die Erlösung.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 99.)</p> - -<p>Auf einer Wiese am Abhange des Plattenberges bei Platten sah -man vor längst entschwundenen Jahren öfters einen Mann umherwandeln,<span class="pagenum"><a id="Seite_81">[81]</a></span> -der auf der Achsel einen Grenzstein trug und schrie: »Wohin -soll ich ihn setzen?« Das war ein gespenstischer Mann, der zu Lebzeiten, -um seinen Besitz zu vergrößern, den Rainstein auf der Wiese -zum Nachteile seines Nachbarn verrückte und deshalb zur Strafe für -diese ungerechte Handlung so lange herumirren mußte, bis ihn jemand -erlösen würde. Als an einem Abende einen Bürger aus Platten der -Weg über diese Wiese führte, stand plötzlich der verwünschte Mann -mit seinem Steine vor ihm und rief in kläglichem Tone: »Wohin soll -ich ihn setzen?« Gefaßt erwiderte der Angesprochene: »Trag ihn hin, -woher Du ihn genommen hast!« Diesen Worten folgte ein Blitz und -Donnerschlag und der Mann mit dem Steine war verschwunden; man -hat ihn auch seitdem nie wiedergesehen.</p> - -<h3 id="sec111">111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 31.)</p> - -<p>Vor hundert und mehr Jahren lebte zu Joachimsthal ein ehrsamer -Fleischhauer, der in einem Schlick'schen Hause wohnte. Eines -Abends befahl er seinem Gesellen, des anderen Tages in aller Frühe -zu Dorfe zu gehen, weil er dringend Schlachtvieh benötigte. – Der -Fleischerbursche, welcher seinem Herrn mit größter Treue und Pünktlichkeit -diente, hatte auf seinem Nachtlager keine Ruhe und Rast und -machte sich, da der Mondschein so freundlich zum Wandern einlud, -schon um die elfte Stunde auf den Weg. Dieser führte an dem auf -dem steilen Schloßberge gelegenen Schlosse Freudenstein vorüber, dessen -wiederhergestellte Türme noch heute auf der Westseite der Stadt -Joachimsthal stolz in die Luft ragen. – In dem Augenblicke, als -der Bursche daselbst seine Schritte vorbei lenken wollte, geriet er in -einen tiefen grubenähnlichen Gang, den er vorher nie bemerkt hatte, -und stand plötzlich in einem prachtvoll erleuchteten Saale, in welchem -viele vermummte Ritter waren. Dieselben unterhielten sich mit Kegelspiel, -wobei sie mit silbernen Kugeln schoben, schritten aber sofort auf -den Fremdling, der wie Espenlaub zitterte, mit freundlichem Gruße -zu und luden ihn zum Spiele ein. Jedoch erst auf wiederholtes Drängen -nahm der erschrockene Fleischerbursche eine Kugel, die aus purem -Silber war, in die Hand, schob und – traf alle neun, was die Ritter -über die Maßen sehr erfreute. Beim zweiten Ausschub traf er -gleichfalls alle neun Kegel. Wie er nun über abermalige Aufforderung -zum dritten Male sein Glück versuchen wollte, schlug gerade -die Uhr auf dem nahen Stadtturme zwölf, und alles war verschwunden.<span class="pagenum"><a id="Seite_82">[82]</a></span> -Der Geselle aber befand sich, ohne einen Gang zu sehen, auf -demselben Platze, wo er früher seinen Weg fortsetzen wollte; er -glaubte geträumt zu haben, allein die Silberkugel, die er noch in der -Rechten hielt, belehrte ihn, daß alles Wirklichkeit gewesen. – Voll -Entsetzen und Grausen eilte er beflügelten Schrittes nach Hause und -erzählte seinem Herrn das seltsame, unheimliche Erlebnis. Da ihm -derselbe jedoch keinen Glauben beimessen wollte, zeigte er als Wahrzeichen -seiner Aussage die silberne Kegelkugel, durch welche beide, -Meister und Geselle, reiche Leute wurden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Derartige Sagen von kegelschiebenden Geistern oder dämonischen Wesen finden -sich noch an zahlreichen Orten. Ein Ziegenhirt setzt auf dem Kyffhäuser Kegel auf, -nach denen 12 ernste Ritter schieben. Er war während dessen 20 Jahre aus seinem -Dorfe abwesend und niemand wollte ihn daselbst anfangs kennen. Auch ein Sängerchor -aus Kelbra sah auf dem Kyffhäuser eine Gesellschaft, welche sich am Neujahrsmorgen -daselbst mit Kegelschieben vergnügte. Der einem von ihnen geschenkte Kegelkönig -verwandelte sich unten am Berge in Gold. (O. Richter, deutscher Sagenschatz, -I. No. 5 und 10.) Im Hausberge im Mannsfeld'schen schieben verzauberte Herren -Kegel. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld No. 60.) Mit goldenen Kegeln -und Kugeln spielen stattliche Herren in der Dämmerung oder des Nachts in den -Ruinen der Neu-Habsburg in Luzern und auf einem langen waldigen Hügel zwischen -Sargans und Wallenstad. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 43 und 44.) Eine Kugel, -mit welcher auf dem Löbauer Berge Zwerge Kegel geschoben hatten, verwandelte sich -in Gold; auf dem Oderwitzer Spitzberge dagegen waren es Riesen, die mit 6 goldenen -Kugeln nach 9 goldenen Kegeln schoben. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 29 und 91.) -In den Gewölben der Ruine Schauenforst soll ein goldenes Kegelspiel vergraben -sein. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 230.)</p> - -<p>Schönherr hat vermutet, daß alle diese Sagen von kegelschiebenden Geistern -Nachklänge von dem heidnischen Himmel, dem Asgard, sind, in welchem die Götter -friedlich mit goldenen Tafeln und Würfeln spielten, »und wenn nach der Götternacht -die goldene Zeit wiederkehrt, werden sie wieder mit goldenen Tafeln werfen auf dem -Idafelde.« (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 76.) Nach Anderen -soll das Kegelspiel die fallenden und aufstehenden Kämpfer bei den allabendlichen -Spielen der Einherien in Walhalla bedeuten, nach Nork aber stelle die goldenen -Kugeln Gestirne vor. In der Annaberger Kirche soll sich ein Gemälde befinden, -auf welchem kegelschiebende Engel abgebildet sind. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 91.)</p> - -<p>Wenn nach der Sage im Kyffhäuser der deutsche Kaiser Friedrich mit seinen -Knappen Kegel spielt und in der Johannisnacht ein Hirte, der dazu kam, einen -silbernen Kegel oder nach andern Überlieferungen eine Kugel erhielt, welche zu Gold -wurde, so erinnert dies an den gütigen Wuotan, der alle Wünsche erfüllen konnte. -Auf ihn weist auch unsere Sage hin. In der deutschen Mythe ist das Kegelspiel -jedoch auch ein Sinnbild des Donners. In der Mark Brandenburg sagt man beim -Rollen des Donners: »Der liebe Gott kegelt.« Obschon nun Donar die eigentliche -Gewittergottheit ist, so herrscht doch auch Wuotan oder Odhin im Gewittersturme.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_83">[83]</a></span></p> - -<h3 id="sec112">112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863, S. 104.)</p> - -<p>Ein Abt des Klosters Ossegg war der im Munde des Volkes noch -fortlebende Hieronymus Bösneker. Unter den vielen Gerüchten, die -von ihm verbreitet sind, ist folgendes das erheblichste. In einer Nacht, -als der Nachtwächter der Abtei die Klosterhöfe durchwandelte, klopfte -es an den Thoren und herein kam der erst verstorbene Abt Hieronymus. -Da sich diese Erscheinung wiederholte, meldete er es am gehörigen -Orte, wo man ihm seine Furcht zu benehmen suchte und zugleich -dem Nachtwächter die Weisung gab, sollte ihm dies Gesicht noch -einmal erscheinen, so möchte er sogleich zu dem Nachfolger im Vorsteheramte -eilen. Beruhigt betrat der Hüter wieder seinen Posten. -Um Mitternacht pochte es abermals am Thore gegen Herrlich. Das -Thor öffnete sich und herein zogen vier schwarze Rosse schnaubend eine -Kalesche, worin sich der Verstorbene befand. Auf das Rufen des -Nachtwächters kam der damalige fromme und gottesfürchtige Prälat -Cajetan im Ornate, ganz wie er beim Altare erscheint, herbei. Der -Mann trat ab und es entspann sich zwischen dem furchtbaren Gaste -und ihm ein Gespräch in lateinischer Sprache. Alsbald führte der -fromme Cajetan seine Begleiter durch die Thür im Sommersalon, der -schon vorbereitet war, hinaus in den Garten, und man sah durch die -Lindenallee nach Herrlich wieder die greuliche Gestalt dahinfahren. -Diese Allee wurde von dem Wiedererschienenen angelegt. Bald nachher -entstand ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug in eine Linde dieser -Allee und die Krone kam in die Erde, die Wurzel aber oben zu -stehen und seit dieser Zeit war nichts mehr zu sehen und zu hören. -Der Enkel jenes Nachtwächters Woitzendörfer ist ein Mann von 70 -Jahren und lebt als Lehrer in Rathschitz.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In Zittau jagt ein gespenstischer Ratsherr des Nachts um 12 Uhr in einem -schwarzen, von dergleichen Rossen gezogenen Wagen durch die Straßen der Stadt. -Ähnliches erzählt man von Görlitz, Köln, Bremen und a. O. (Haupt, Sagenbuch -d. L. No. 154 und 155.) Der gespenstische Baron Hußmann von Tachau fährt in -einem feurigen Wagen, der von vier schwarzen Pferden gezogen wird. (Grohmann -a. a. O. S. 101.) Der Wagen ist der Höllenwagen oder die Höllenkutsche. Die -Todesgöttin Hel führte die Seelen der Verstorbenen auf einem schwarzen Wagen, -der ein Gegenbild vom Wagen Wuotans ist, in die Unterwelt.</p> - -<p>Wie in unserer Sage der Geist eines Verstorbenen in einem Wagen wieder -auf der Erde erschien, so läßt der Volksglaube in manchen Gegenden die Toten auch<span class="pagenum"><a id="Seite_84">[84]</a></span> -in einem Wagen abholen. In Komotau heißt es mit Beziehung auf diese Vorstellung -in einem Volksliede:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Auf der Brücke steht ein goldner Wagen,<br /></span> -<span class="i0">Wird mich und dich in Himmel tragen.«<br /></span> -</div></div></div> - -<h3 id="sec113">113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.)</p> - -<p>Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe -unter Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche -die armen Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte, -dasselbe aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu -und Kleie war und in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich -beklagten und über das ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz: -»Ei, meine Gottesgaber Säue könnens schon fressen!« Als sie aber -gestorben war, ist sie oft wiedergekommen und hat den Mann geplagt. -So oft der Müller seine Säue fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische -Sau mit zugelaufen und hat samt den andern aus dem -Troge gefressen.</p> - -<h3 id="sec114">114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen -Zeiten des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten -demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt -stehen bleiben; nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich -führte, konnte ungehindert seines Weges ziehen.</p> - -<h3 id="sec115">115. Der Kirchenbau in Pritschapel.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)</p> - -<p>Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt -sich ein nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen -Gipfel noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im -Juli 1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von -ihr gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche -gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein -Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber<span class="pagenum"><a id="Seite_85">[85]</a></span> -der Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine, -Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf -dem Gipfel des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf, -wie das zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate -und führte die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In -der Nacht darauf tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute -nach dortiger Sitte aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen -über den Himmel dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig -großes, sehr schönes weißes Maultier gesehen haben, das die -Baumaterialien den Berg wieder hinauftrug. Man sah dies als einen -Wink Gottes an, und die Kirche wurde auf dem Gipfel des Berges -erbaut.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877, S. 77 -meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den Tempelbauversuchen nach -der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu denken. Das weiße Maultier erinnert -vielmehr an das weiße Roß Odhins oder des slavischen Gottes Swantowit, oder -an die weissagenden Rosse, welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven -besessen haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom weißen -Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom Schafberge, auf -welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen wollte, hinab ins Thal trug, -so daß nun hier die Anlage der Stadt erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. -No. 189.)</p></div> - -<h3 id="sec116">116. Der große Bergsturz zu Altenberg.</h3> - -<p class="source">(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430–32. -Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.)</p> - -<p>Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu -Altenberg der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon -dadurch der größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden -ist, so ist es doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so -abgegangen, daß nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und -tiefer einging, sowie vier Zechen und ein Schacht verfielen und des -Bergschmieds Wohnhaus versank. Die meisten Bergleute sind glücklich -gerettet worden, obschon sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne -Speise in der Tiefe ausharren mußten. Nur ein alter Bergmann von -79 Jahren, mit Namen David Eichler (oder Siemon Sohr), ist nicht -zu finden gewesen, auf welchem die meiste Schuld hernach sitzen geblieben, -weil er nämlich aller Warnung ungeachtet, alle Bergvesten, -d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze der Decken stehen läßt, nach<span class="pagenum"><a id="Seite_86">[86]</a></span> -und nach weggehauen habe. Derselbe soll auch sonst ein gottloser -Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne Gebet und in Teufels -Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden Klagereime sind -aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld gewesen; -sie lauten also:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Ich George Frölich der Alte,<br /></span> -<span class="i0">ich wolt übern Bergwerck halte,<br /></span> -<span class="i0">es wolt aber gar nicht seyn.<br /></span> -<span class="i0">sondern die Gottlosen fuhren hinein,<br /></span> -<span class="i0">und rissen die Berg-Vesten ein,<br /></span> -<span class="i0">das ist bewust der ganzen Gemein.«<br /></span> -</div></div> - -<p>Das Unglück aber ist nicht ohne Warnung von oben geschehen, -denn man hat einige Zeit vorher, wenn die Bergleute früh zwischen -4 und 5 Uhr im Zechenhause ihr Gebet vor dem Einfahren abgewartet -hatten, wahrgenommen, daß ein weißes Pferd im vollen Lauf von -oben bis zum Ende der Binge sprang und alsbald verschwand. Man -hat dies auch für eine Warnung angesehen, weil zuvor viele vor dem -gemeinschaftlichen Gebet eingefahren, den das Gebet versäumenden -Bergleuten zwei Groschen von ihrem Lohn für arme Leute abgezogen, -wovon dann das sogenannte Aufrufen gekommen ist. Im Jahre 1729 -hat man, als man das damals Eingestürzte wieder aufzuarbeiten suchte, -was jedoch nicht gelungen ist, eine alte Bergmütze von Filz gefunden, -die man für die Fahrmütze jenes Eichler gehalten hat.</p> - -<h3 id="sec117">117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz -und Komotau.</h3> - -<p class="source">(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 14.)</p> - -<p>Die Straße zwischen Udwitz und Komotau durchschneidet eine -Gegend, in der bei Nacht Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben -und den Vorübergehenden oder Fahrenden allerlei Schabernack spielen. -So spukte während einer längeren Zeit daselbst ein schwarzer Hund, -der gleichsam auf der Lauer lag und der, sobald sich ein Bauer mit -seinem Fuhrwerke näherte, auf dessen Wagen sprang. Der Bauer -konnte sich anstrengen und machen, was er wollte, er mochte dem Hund -zurufen oder ihm Peitschenhiebe versetzen, um sich desselben zu entledigen, -alles umsonst, der schwarze unheimliche Gast blieb liegen, bis -der Bauer die sogenannte St. Josephsstatue passiert hatte; dann war -sein Begleiter verschwunden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_87">[87]</a></span></p> - -<p>Einmal mußte ein Bauer um die Mitternachtsstunde mit seinem -Wagen den Weg passieren. Da gewahrte er plötzlich den schwarzen -Hund, der, als er näher kam, mit einem Sprunge auf dem Wagen -war. Der Bauer wurde leichenblaß; er bebte und zitterte an allen -Gliedern, nahm die Peitsche, schlug nach dem Hunde und fing an entsetzlich -zu schimpfen; allein das unheimliche Tier rührte sich nicht. Da -der Bauer einsah, daß er im Bösen nichts ausrichte, fing er an zu -beten und zu seiner Überraschung wurde der Hund auf einmal halb -weiß, blieb aber immer noch liegen. Jetzt wußte sich der schlichte -Bauer keinen Rat mehr; er rief nun mit lauter Stimme: »Lieber -Herrgott, laß mich doch nur wissen, was dieses Höllentier von mir -will!« Sobald er diese Worte gesprochen, wurde der Hund ganz weiß -und verschwand, und eine Stimme rief dem Bäuerlein zu: »Tausend -Dank! Du hast meine arme Seele erlöst und mich von meinem Leid -befreit!«</p> - -<p>Im Jahre 1867 ging am heiligen Weihnachtsabende ein mutiges -Bürschchen, das bei einem Görkauer Meister in der Lehre stand, heim -zu seinen Angehörigen nach Komotau. Furchtlos schritt der Jüngling -vorwärts. Ein kalter Frost wehte ihn an, lautlose Stille herrschte -ringsum, nur unterbrochen von dem Knirschen des Schnees. Schon -hatte er Udwitz hinter sich; da, kaum noch 100 Schritte von der St. -Josephsstatue entfernt, erblickt er den schwarzen Hund, dessen feurige -Augen wohl auch dem Beherztesten Schrecken eingejagt hätten. Halbtot -schleppte sich der arme Junge weiter, kein Auge von dem unheimlichen -Begleiter wegwendend. Da griff er plötzlich in die Tasche, zog -sein Messer heraus und stach auf die Bestie los. Zwar schwang der -Arm das Messer, ein Schwefelgestank verbreitete sich, aber – ruhig -schritt das Tier wieder neben dem Wanderer einher. Kalter Angstschweiß -bedeckte die Stirn des armen Knaben; schon glaubte er, sein -letztes Stündlein sei gekommen. Da faltete er die Hände und fing -an zu beten. Kaum hatte er ein Vaterunser geendet, so war auch -das Untier verschwunden. Bleich und verstört kam der Ärmste bei -den Seinen an. Längere Zeit hindurch mußte er das Bett hüten.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In den frühesten Zeiten hat der Hund wohl allen Ariern als ein den Göttern -geheiligtes und darum mit der Gabe der Weissagung ausgestattetes Tier gegolten. -Später wurde er Hüter der Unterwelt und galt dann als Tod- und Unglücksverkündiger. -Der eine von den beiden »Wege bewachenden« Hunden, welche nach der -indischen Sage dem Todesgotte Yama beigesellt sind, ist der schwarze Sarameya, -der die Sterbenden heimsucht. Auch die griechische Mythe weiß von einem Höllenhunde -und geistersichtigen Hunden wie die germanische Sage. Nach letzterer wittern -es auch die Hunde der Sterblichen, wenn die Nornen und Walkyren ausgesandt<span class="pagenum"><a id="Seite_88">[88]</a></span> -werden, oder wenn die Pestseuche naht. Odhin und seine Walkyren werden von -einem Hunde begleitet. Gespenster erscheinen als Hunde, so z. B. der holländische -Nachtgeist Lodder, welcher seinem Namen nach dem Bruder Odhins und Mitschöpfer -der Menschen, Lothur, entspricht. (Rochholz, deutscher Glaube und Brauch I., S. 101.)</p></div> - -<h3 id="sec118">118. Der feurige Hund bei Graslitz.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 236.)</p> - -<p>Auf dem Schönauer Berge bei Graslitz soll in der Nacht ein -Hund herum gehen, mit einer brennenden, feurigen Zunge. Derselbe -soll den Leuten, besonders Mädchen auf den Rücken springen und sich -dann eine Strecke forttragen lassen.</p> - -<h3 id="sec119">119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün -und Pöhla sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit -glühenden Augen und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Erscheinen weißer Tiere gilt als Tod verkündend. Wahrscheinlich hat -sich diese Prophezeihung ursprünglich auch mit dem Erscheinen der beiden weißen -Pudel, so wie eines weißen Widders und Schafes in den beiden folgenden Sagen -verknüpft. Die Bewohner der Glarner Alpen sprechen, wenn ein Gemsenjäger in -der Wildnis umkommt, er habe eine weiße Gemse gesehen, und ebenso verkündet -auch nach einem Volksglauben in der Lausitz und in Böhmen ein weißer Schmetterling -den Tod. Vielleicht hängt damit auch die weiße Trauerkleidung der Slaven -zusammen. Rochholz (deutscher Glaube und Brauch I., S. 138.) vermutet, daß -eine Zeit bestanden haben müsse, in welcher das Kennzeichen von Trauer und Freude -durchgehend die weiße Tracht gewesen sei, da letztere ursprünglich »ein feierliches -ins Leben treten und ein unergründliches Geheimnis des Wiederverschwindens« bezeichnete.</p></div> - -<h3 id="sec120">120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen bei Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen. -Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner -von Aue mit Panduren gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf -ihm zuweilen des Nachts ein weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_89">[89]</a></span></p> - -<h3 id="sec121">121. Gespenstisches Schaf bei Wildenfels.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Bei dem nahe am Weinberge gelegenen Gottesacker zu Wildenfels -soll sich zu nächtlicher Stunde früher ein weißes Schaf haben -sehen lassen, welches die Vorübergehenden erschreckte.</p> - -<h3 id="sec122">122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer G. Günther aus Lößnitz.)</p> - -<p>In der Nähe der bei Niederschlema über die Mulde führenden -Eisenbrücke stand vor Jahrhunderten und noch ehe Schneeberg -gegründet wurde, ein Eisenhammer. Auch wurde das Eisenerz, welches -damals am Schneeberge gegraben ward, über die alte Brücke nach Lößnitz -gefahren, um es daselbst auf der Ratswage wiegen zu lassen. -Die Brücke war mit einem Dache versehen und deshalb sehr dunkel, -und weil außerdem auf beiden Seiten der Mulde bis an das Ufer -finstere Waldungen waren, wurden an dieser damals schauerlichen -Stelle viele Greuelthaten verübt. Unter andern wurde daselbst auch -ein Mann erschlagen, welcher einen schwarzen Pudel mit sich führte. -Dieser Pudel ist dann noch nach langen Jahren bei der Brücke gesehen -worden, seinen Herrn suchend, und darauf ist er jedesmal plötzlich -wieder verschwunden.</p> - -<h3 id="sec123">123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt durch Sem. Paul Mothes aus Bockau.)</p> - -<p>Auf dem Hemberge bei dem Bergflecken Bockau ist ein bestimmter -Kreis, in welchem ein schwarzer Hund haust. Wer sich in diesen Kreis -verirrt, der sieht den Hund und trägt jedesmal eine Krankheit davon.</p> - -<h3 id="sec124">124. Der schwarze Hund in Grünthal.</h3> - -<p class="source">(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)</p> - -<p>Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern -in Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst -ein großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere -auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden -Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe Landesgrenze -verfolge.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_90">[90]</a></span></p> - -<h3 id="sec125">125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von Ernst Michael in Niederhaßlau.)</p> - -<p>An der Straße von Bockwa nach Niederhaßlau, auf der sogenannten -»Köppe« oberhalb des neuen Bockwaer Friedhofes, soll sich -öfters um Mitternacht ein schwarzer gespenstischer Hund sehen lassen, -der entweder neben den ihm Begegnenden ein Stückchen hinläuft und -dann plötzlich verschwindet, oder auch sich diesen eine Weile in den -Weg stellt und sie im Weitergehen hindert. Den oder jenen soll er -zuweilen auch genötigt haben den Straßendamm hinabzuspringen, -wohin er darauf selbst gefolgt ist, um in den nahen Muldengebüschen, -von woher er zumeist gekommen war, sich zu verlaufen. – Von den -letzteren ist bekannt, daß sich darin etliche Personen erhängt, ebenso, -daß in dem daneben rauschenden Muldenwehre mehrere Lebensüberdrüssige -ihren Tod gesucht und gefunden haben.</p> - -<h3 id="sec126">126. Der Walkpudel.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Auf dem Walksteige zwischen Dippoldiswalde und Ulberndorf -läßt sich zuweilen ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen, den -die Umwohnenden Walk- oder auch Waldpudel nennen.</p> - -<h3 id="sec127">127. Der Hüttenmops.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>An dem Huthause bei Ober-Karsdorf oder beim Stollen an der -Naundorfer Brücke sind schon viele von einem gespenstischen Hunde, -welcher der Hüttenmops heißt, erschreckt worden. Der Hüttenmops -erscheint auch in Olbernhau, Oberneuschönberg, Rothenthal, Grünthal -und Umgegend. Er heißt dort meist »Hüttenmatz« oder »Hüttenmutz«, -und die ihn gesehen haben, beschreiben ihn als einen großen, schwarzen -Pudel mit feurigen Augen, der des Nachts umherstreicht, ja zuweilen -sogar auf Bäumen angetroffen wird. Gesagt wird weiter, daß der -Hüttenmops ein böser Geist sei. Einst ist er einem ruhig dahinschreitenden -Fleischer auf den Rücken gesprungen, und trotz allen -Schüttelns, Betens und Fluchens konnte ihn der Mann nicht wieder -herunterbringen, bis er vor seiner Thür angelangt war, wo das Gespenst -mit einem höhnischen Schrei verschwand. Der Fleischer aber -starb nach drei Tagen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_91">[91]</a></span></p> - -<p>Auch auf der Straße zwischen Freiberg und Erbisdorf ließ sich -früher der Hüttenmops in Gestalt eines riesenhaften Pudels mit feurigen -Augen sehen. Man hielt ihn für einen verwandelten Bergbeamten, -der ohne Rast von Grube zu Grube wandern mußte. (E. H. -Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, S. 4.)</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Gespenstische Hunde sind meist Tod oder Unheil verkündend, auch wenn ihnen -die Sage nicht ausdrücklich die prophetische Gabe beilegt. Wenn des Nachts vor -seinem Hause ein Hund heult, so sagt man in Schleswig: die Hel ist bei den Hunden, -d. h. Hunde wittern die umziehende Pest. Letztere aber wird mit einem Feuer -verglichen, das als blaue Flamme erscheint. Damit hängt nun jedenfalls wieder -der Glaube zusammen, daß der Hund eine Feuersbrunst anzeigt. (Rochholz, Deutscher -Glaube und Brauch, I. S. 159.) Im Erzgebirge sagt man: Heult ein Hund -mit erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt er den Kopf dabei, so stirbt jemand.</p> - -<p>Sich den Menschen aufhockende gespenstische schwarze Hunde kennt auch die -slavische Sage. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 330.)</p></div> - -<h3 id="sec128">128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 471.)</p> - -<p>An der Frankenberger Straße, die nach Chemnitz führt, steht in -einem Dorfe ein schöner neugebauter Gasthof, in dem kein Besitzer -lange bleibt, denn da läßt sich am Tage und des Nachts ein Hase -sehen, der überall neben dem Hausherrn herläuft, allerdings ohne ihm -etwas zu thun, für alle anderen aber unsichtbar ist.</p> - -<h3 id="sec129">129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.</h3> - -<p class="source">(Nach Liberius Veridicus, Unmaßgebliche Gedanken von den Dittersbacher -Vögeln. Frankenberg 1707, bei Gräße a. a. O., No. 588.)</p> - -<p>Im Monat Oktober des Jahres 1706 entstand des Nachts eine -große Feuersbrunst in dem bei Frankenberg gelegenen Dorfe Dittersbach. -Bei derselben versammelten sich wilde Enten, wilde Gänse, -Quäker, Kiebitze, Sperber, Eulen, Lerchen, Rotkehlchen u. s. w. und -gegen Morgen kamen Raben und Krähen dazu und machten ein gräßliches -Geschrei. Die Vögel flogen um das Feuer herum, viele verbrannten, -viele aber wurden gefangen. Weil man sich aber den Grund -dieser Vögelversammlung nicht denken konnte, ist vom Gerichtsamte -am 6. November eine Registratur hierüber aufgenommen und an die -sächsische Regierung eingeschickt worden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_92">[92]</a></span></p> - -<h3 id="sec130">130. Das Schindergründel bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 49.)</p> - -<p>In der Joachimsthaler Gegend hauste früher ein gewisser Schinderhans, -von welchem man manches drollige Märchen erzählt; dem -Volksglauben nach soll er mit dem Teufel im Bunde gewesen sein.</p> - -<p>Ein anderer Räuber hieß Schwabenkunert; dieser verstand die -Kunst, verschiedene Gestalten anzunehmen.</p> - -<p>Beide wurden nach Verübung vieler Unthaten am Galgenberge -gehängt; als dort vor einiger Zeit Steine gebrochen wurden, fand -man noch ihre Skelette. Als man diese herausnahm, reichten sich die -zwei Galgenvögel die Hände.</p> - -<p>Auch geschah einst im Schindergründel ein Mord; als ein Fuhrmann -später über diese Stelle fuhr, bemerkte er zu seinem Entsetzen -rückwärts am Wagen einen großen schwarzen Hund; er hieb ihn mit -der Peitsche, aber siehe da, der Hund wurde viermal größer, und erst -als der Fuhrmann aus dem Schindergründel kam, verschwand der -Hund, der Fuhrmann aber starb nach einer kurzen Zeit. – Auch war -das Schindergründel berüchtigt als Aufenthaltsort vieler Diebe und -Räuber.</p> - -<h3 id="sec131">131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Als vor einigen Jahrhunderten viel falsches Geld von Österreich -nach Sachsen geschafft wurde, kamen auch mit solchem Gelde einige -Fuhrleute in die Nähe von Blauenthal, da wo sich am linken Ufer -der Bockau die sogenannte Steinwand erhebt. Es kam ein schweres -Gewitter und die Fuhrleute suchten deshalb Schutz unter einem überhängenden -Felsen. Da das Unwetter lange anhielt, so vertrieben sie -sich die Zeit mit Kartenspiel. Plötzlich fuhr ein Blitz nieder, ein -schwerer Donnerschlag folgte und die Felsenhöhle mit den darin sitzenden -Männern war im Nu verschwunden. Die stehengebliebenen Wagen -wurden nach Eibenstock gebracht. An gewissen Tagen lassen sich nun -in der Nähe der Steinwand Spukgespenster sehen. So kam einst wiederholt -des Nachts ein weißer Hase. Ein Arbeiter des Hammerwerks -schlug nach ihm und rühmte sich dann, er habe ihm eins ausgewischt. -Aber in der folgenden Nacht fand man den Mann tot.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_93">[93]</a></span></p> - -<h3 id="sec132">132. Die Puppe von Brand.</h3> - -<p class="source">(E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, 1858, S. 119 etc.)</p> - -<p>An die ältere Geschichte des Gasthofes zum Erbgericht in Brand -knüpft sich folgende Sage:</p> - -<p>In früheren Zeiten war eine wohlhabende Witwe im Besitze dieses -Erbgerichts. Dieselbe übertrug den ganzen Reichtum ihrer Liebe -auf ihre siebenjährige Tochter, und an einem Weihnachtsfeste wollte sie -derselben eine seltene Freude bereiten und schenkte ihr eine Puppe, die -mit der Tochter von fast gleicher Größe war. Als aber das Töchterchen -die Puppe erblickte, zeigte es mehr Furcht als Freude, und auch -an dem folgenden Tage mochte das Kind die Puppe nicht sonderlich -anschauen, vielmehr wurde es krank und starb noch in den 12 Nächten -an dem bösen Scharlachfieber. Als einen Ersatz ihres geliebten Töchterchens -nahm nun die Witwe die Puppe zur Hand, kleidete sie an -mit den Gewändern der Verstorbenen, ließ sie neben sich auf einem -besonderen Stuhle sitzen, setzte ihr Speisen und Getränke vor und -sprach mit ihr wie mit einem Kinde. Eine Magd mußte die Puppe -aus- und anziehen und regelmäßig ins Bett bringen. Ja die Frau -ging allen Ernstes mit dem Plane um, einen Hauslehrer für ihren -Liebling zu berufen, als der Tod ihrem wunderlichen Treiben ein Ende -machte. Seltsame Gerüchte verbreiteten sich über ihr Dahinscheiden; -feierlich wurde sie zur Erde bestattet und mit Grauen gedachte man -der Puppe, die still in ihrer Lade lag.</p> - -<p>Allein nach dem Begräbnisse der Hausmutter hatte dieselbe keine -Ruhe mehr; in nächtlicher Weile stand sie auf, suchte ihre Kleider, -die der neue Besitzer an sich genommen, und lief im ganzen Hause -umher, so daß jeder Einwohner sich in der Nacht nicht getraute, über -die ängstlich verschlossene Kammer zu schreiten. Selbst an Sonn- und -Festtagen, wenn sich das junge Volk durch Spiel und Tanz ein Vergnügen -bereitete, trippelte sie hinter den kräftigen Bergburschen und -den rotwangigen Mädchen her, so daß man anfangs floh, später aber, -an die Erscheinung gewöhnt, sich nicht sonderlich mehr stören ließ. -Der Wirt aber nahm sich ernstlich vor, dem Spuk ein Ende zu machen. -In St. Michaelis wohnte nämlich in einem einsamen halbverfallenen -Häuslein eine alte triefäugige Frau, von der man behauptete, es sei -nicht ganz richtig mit ihr, auch habe man in ihrer Stube einst ein -Geschöpf, einer Fledermaus ähnlich, bemerkt. Sie wurde nur die Haldenhexe -genannt. An diese Person wandte sich der Wirt in seiner -peinlichen Lage, und sie versprach unter seltsamen Geberden die Puppe -in der Lade. Allein die Geschichte scheint nicht geholfen zu haben,<span class="pagenum"><a id="Seite_94">[94]</a></span> -vielmehr rumorte die Puppe mehr als je, und es schien ihr gar nicht -in der zugenagelten Lade zu gefallen. Kurze Zeit darauf kam auch das -letzte Stündlein der Hexe und sie starb eines rätselhaften Todes. In -seiner Not wandte sich nun der geplagte Erbgerichtsbesitzer an den -Ortsgeistlichen in Erbisdorf. Der Pastor erschien, las einige lateinische -Gebete vor, beschwor die Gestalt und schloß mit den Worten <em class="antiqua">apage -satanas</em>! Darauf entfernte sich der Geistliche. Unterwegs aber hörte -er ein leises Husten und als er sich umdrehte, tanzte die Puppe -spottend hinter ihm her, so daß er voll Grausen eilends nach Hause lief und -Thür und Thor fest zuschloß. Und so blieb denn die Puppe ungebannt -im Hause. Lange Zeit wohl mochte sich dieselbe ruhig verhalten -haben, bis sie dann endlich wieder mit ihrem Spuke auftrat. Ihrem -Treiben sollte aber nunmehr ein baldiges Ende bereitet werden. An -einem sonnenhellen Nachmittage wurde die Lade mit allem Zubehör -auf einen Schubkarren geladen und von einem Tagelöhner dem dunklen -Spitalwalde zugefahren. Je näher er demselben kam, desto schwerer -wurde die Lade, so daß ihm der Schweiß von der Stirne rann. -Unter einer Birke machte er ein Loch, einige Fuß tief; doch war ihm -bei dieser Arbeit nicht ganz wohl, denn der Himmel umzog sich mit -dunklen Wolken, Blitze leuchteten durch des Waldes Düster und in -der Ferne rollte der Donner. In aller Eile setzte er die Lade in das -gegrabene Loch, schaufelte Erde darauf, bedeckte es mit Rasen und begab -sich nun eiligst auf den Rückweg. Je näher er an Brand kam, -desto eiliger hörte er hinter sich trippeln und trappeln und als er sich -auf einen Augenblick umsah, erblickte er zu seinem Entsetzen die begrabene -Puppe mit hellleuchtenden Augen. Außer sich vor Schreck -kam er halbtot nach Hause, aß und trank nicht und legte sich zu Bette. -Das hitzige Fieber übermannte ihn und schon nach drei Tagen war -er eine Leiche.</p> - -<p>Seit jener Zeit hat man von der gespenstischen Puppe nicht mehr -viel vernommen. Als jedoch das Erbgericht neu aufgebaut wurde, -wollen einige Bauleute dieselbe gesehen haben, wie sie auf den halbvollendeten -Mauern herumgesprungen sei, und man sagt, daß sie -heimlich samt der Lade wieder aus dem Spitalwalde hereingeschafft -worden wäre.</p> - -<h3 id="sec133">133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Im Dönitzgrunde bei Eibenstock, in welchem noch die Überreste -früherer Zinnseifen zu sehen sind, zeigt man auch eine alte Binge.<span class="pagenum"><a id="Seite_95">[95]</a></span> -Von derselben wird erzählt, daß einst zwei Reiter über dieselbe -setzen wollten, daß sie aber dabei mit ihren Pferden hinabstürzten. -Wer nun in der Johannisnacht an diese Binge kommt und aufmerksam -horcht, der vernimmt in der Tiefe nicht nur das Klirren -von zusammenschlagenden Hufeisen, sondern auch das leise Ticken -einer Uhr.</p> - -<h3 id="sec134">134. Die geheimnisvollen Ambosschläge im Keller eines Hauses -zu Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>In Eibenstock zeigt man ein Haus, welches früher einem Schmied -gehörte, dessen Frau mit dem Teufel ein Bündnis geschlossen hatte. -Als die Frau gestorben war, verkaufte der Mann das Haus und zog -fort; doch ließ er verschiedene Gegenstände in dem weitläufigen und in -viele Gänge auslaufenden Keller zurück. Da geschah es, nachdem das -Haus wieder bewohnt war, daß eines Abends eine Frau hinab in den -Keller ging, in welchem sich ein Brunnen befindet, um daselbst noch -Wasser zu holen. Da hörte sie heftige, wie auf einen Ambos ausgeführte -Schläge, von denen sie jedoch nicht sagen konnte, woher sie -rührten. Dies wiederholte sich noch zweimal nach einander. Darauf -ist aber der Frau der Mut plötzlich gesunken und sie ist eilends davongegangen. -Solche Ambosschläge sind übrigens noch mehrmals in der -Nacht in jenem Keller gehört worden.</p> - -<h3 id="sec135">135. Die Klage in Kohlenschächten bei Bockwa.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz etc. No. 585.)</p> - -<p>Hinter Bockwa, seitwärts von Hohndorf nach Reinsdorf zu, gab -es vor einigen dreißig Jahren noch einige verfallene Kohlenschächte; -in einen derselben soll einmal ein Offizier beim Spazierengehen hineingestürzt -und sein Leichnam erst nach langer Zeit wiedergefunden -worden sein. Wenn man in die Nähe dieses Ortes kam, so hörte -man fortwährend Winseln aus jenen Schächten, ohne heraus zu -bekommen, woher dasselbe kam.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_96">[96]</a></span></p> - -<h3 id="sec136">136. Das gefährliche Feld bei Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz etc. 2. Aufl., No. 611.)</p> - -<p>Vor dem Schneeberger Thore an dem Wege nach Oberhohndorf -liegt ein Feld, auf welchem sich ein Kreuzweg befindet, den die Wege -von Schedewitz, Reinsdorf und Oberhohndorf bilden; über diesen geht -des Mittags zwischen 12 bis 1 Uhr niemand, auch soll denselben kein -Fuhrwerk passieren. Vor einigen Jahren fand man daselbst um diese -Zeit einen umgeworfenen Wagen, aber ohne Pferde und menschliche -Begleiter, und hat sich zu demselben auch nachmals kein Besitzer gefunden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_97">[97]</a></span></p> - -<h2 id="kap3">III.<br /> -Dämonensagen.</h2> -</div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_99">[99]</a></span></p> - -<p class="drop">Auch die Sagen von den Dämonen, d. h. mit göttlichen und natürlichen -Eigenschaften ausgestatteten Wesen, welche wir sonst im Mythus -mit den Gottheiten selbst verkehren sehen, wurzeln in dem alten Götterglauben. -Wo die mit übermenschlichen Eigenschaften und daher mit -der Kraft, den Menschen zu helfen oder zu schaden, begabten, dabei ein -eigenes, abgeschlossenes Reich bildenden Dämonen in den Überlieferungen -des Volkes nicht mehr gefürchtet, sondern geneckt und verspottet -werden, da zeigt sich bereits der Einfluß des Christentums, dessen -Verkündiger und Hüter bestrebt waren, die alten heidnischen Gottheiten -in ihrer Ohnmacht und ihrem Nichts darzustellen.</p> - -<p>Die Dämonenwelt zerfällt in Zwerge, Vegetationsgeister, Wassergeister -oder Nixe, Riesen und Tierdämonen; wenn wir aber diese -Dämonenwelt an uns vorüberziehen lassen, empfangen wir nicht bloß -die Überlieferungen des germanischen, sondern zugleich auch solche des -slavischen Götterkreises. In den Volkssagen der Wenden, Czechen und -anderer sprachverwandter Nationen leben gleiche mit menschlichen und -göttlichen Eigenschaften ausgestattete Wesen fort; sie sind demselben -Quell entsprungen, aus welchem alle dem indogermanischen Sprachstamme -angehörigen Völker schöpften, und das böhmische Volk erzählt -vom Ursprunge dieser Dämonen: »Als Gott die übermütigen Engel -aus dem Himmel verstieß, wurden aus ihnen die bösen Geister, welche -den Menschen bei Tag und Nacht beunruhigen, ihn necken und schädigen. -Die in die Hölle stürzten und in die Löcher und Abgründe, -das sind die Teufel und die Todmädchen. Aus denen aber, die auf -die Erde fielen, wurden die Kobolde, Schrätlein, die Zwerge, Daumlinge, -die Alpe, die Mittags- und Abendgespenster und die Irrlichter. -Die in die Wälder fielen, wurden zu Waldgeistern, als da sind: die -Hemänner, die wilden Männer, die Waldmänner und die wilden -Weiber und Waldfrauen. Jene endlich, die ins Wasser fielen, wurden -zu Wassergeistern, zu Wassermännern, zu Meerjungfern und Meerfrauen.« -(Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen und Mähren, I. S. 108.)</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Zwerge</em>, welche die Volkssage nicht bloß in Böhmen, sondern -auch in Tirol und der Schweiz als gefallene, obschon nicht ganz -verdorbene, sondern nur verführte Engel ansieht, die aber nach einer Überlieferung<span class="pagenum"><a id="Seite_100">[100]</a></span> -aus Schwaben einst über die Menschen herrschten und von diesen -göttlich verehrt wurden, sind vorzugsweise die Phantasiegebilde der Gebirgsbewohner. -Sie gleichen vielfach den gnomenartigen <em class="antiqua">Yakschas</em> der -indischen Sagenwelt, welche in den Gebirgen die Schätze des Metallgottes -<em class="antiqua">Kuveras</em> hüten, und wie nach dem Glauben der alten Griechen die Pygmäen -wie Ameisen in der Erde wohnten, so halten sich auch die Zwerge -des deutschen Sagenkreises, dem sie hauptsächlich angehören, vorzugsweise -in Höhlen und Klüften auf, während die Wenden der Lausitz die Wohnungen -ihrer Zwerge, der Ludki, in die heidnischen Grabhügel verlegen, -deren Urnen nach dem Volksglauben Hausgeräte des Zwergvolkes sind.</p> - -<p>Von allen Wesen wurden die Zwerge nach der Edda zuerst geschaffen, -sie schmiedeten gleich den Göttern Erze und lebten in dem -Körper des aus Reif oder gefrorenem Tau entsprungenen Riesen Ymir, -der die Welt bedeutet. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 282.) Unter -einem Könige zu einem Volke vereinigt, lebten sie friedlich mit den -Menschen, für welche sie arbeiteten und die sie häufig für kleine Dienste -reichlich belohnten. Besonders thaten sie frommen und armen Leuten -Gutes. Gewisse übermenschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die -Kenntnis von geheimen Heilkräften, z. B. denen der Bärwurz und des -Baldrian gegen die Pest, ihr Auftreten als Hüter unermeßlicher Schätze, -aber auch nach Jakob Grimm die Liebe zu den Tönen, knüpft ihr -Geschlecht an höhere Wesen, vorzüglich an Halbgötter und Göttinnen. -(Deutsche Myth., S. 264.) Während sie auf der einen Seite dadurch, -daß sie den Menschen beistehen, ihnen Glück bringen und sie belohnen, -sich denselben nähern, scheinen sie, um mich der Worte Jacob Grimms -(a. a. O. S. 259.) zu bedienen, doch überhaupt von ihnen zurückzuweichen, -und »so machen sie den Eindruck eines unterdrückten, bedrängten -Volksstammes, der im Begriffe steht, die alte Heimat den -neuen mächtigeren Ankömmlingen zu überlassen«. Übereinstimmend -damit bemerkt auch Preusker in seinen Blicken in die vaterländische -Vorzeit (I. S. 54.), daß die Zwergsagen der Lausitz, des Vogtlandes, -Harzes und Thüringens auf zerstreute slavische Ansiedler hinweisen, -die später von den vordringenden Deutschen verdrängt und unterdrückt -wurden, so daß sie sich verbergen und ihre Wohnsitze verlassen mußten. -Ja nach einer Lausitzer Sage, die Veckenstedt (Wendische Sagen, S. -157.) mitteilt, stammen die Wenden von den Ludkis ab. Unsere erzgebirgischen -Sagen erzählen, wie die Zwerge durch Lauch, den man in -die Milch that, durch Aufrichtung der Pochwerke, Eisenhämmer und des -»Klippelwerks«, sowie dadurch vertrieben wurden, daß man die Knödel -im Topfe und die Brote im Backofen zählte. Sie werden aber wiederkommen, -»wenn die Hämmer würden abgehen.« Von Schmiedeberg<span class="pagenum"><a id="Seite_101">[101]</a></span> -zogen sie über die Eger. Ähnlichen Überlieferungen begegnen wir anderwärts. -In der Lausitz konnten sie das Kümmelbrot und Glockengeläute -nicht vertragen und sie ließen sich von einem Bauer aus Hainewalde -über die böhmische Grenze fahren. Bei Langenberg fuhren sie -in einer mondhellen Nacht über die Elster, und die Zwerge, welche ehemals -in den Hüttener Bergen, besonders in dem Kindelberge und im -Pläterberge bei Wittensee wohnten, kamen in der Nacht an die Hohner -Fähre und ließen sich übersetzen. (Müllenhof, Schleswig-Holst. Volkssagen, -No. 329.) Auch die Wichtel- oder Heinzelmännchen des Spatenberges -fuhren über einen Fluß. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, S. 107.)</p> - -<p>Überall spricht sich dabei der Groll über menschliche Treulosigkeit -und Unduldsamkeit, ursprünglich wohl über den Abfall von den heidnischen -alten Göttern aus. Wenn aber in anderen Gegenden der Glockenton -die Zwerge vertrieb und letztere demnach in der Sage der Kirche unfreundlich -gegenüber treten, so bauten sie wieder nach einer dazu fremdartig -erscheinenden Überlieferung im Erzgebirge die Steiner Pfarrkirche, indem -sie des Nachts das Baumaterial von unten, wo man die Kirche -zu errichten beabsichtigte, auf den Berg trugen. Sie übernehmen hier -eine Arbeit, welche nach anderen Sagen einem weißen Pferde oder einem -anderen gespenstischen Wesen zugeschrieben wird.</p> - -<p>In den Volksüberlieferungen werden die Zwerge, deren Frauen -nach einer unserer Sagen die Klagemütter, in der Lausitz jedoch die -Busch- oder Holzweibel sind (Preusker a. a. O., S. 52.), in mehrere -Gattungen mit verschiedenen Namen geschieden, welche jedoch nicht -immer streng von einander zu trennen sind. Vielfach gehen die eigentlichen, -bunte Röcklein oder spitze rote Hüte tragenden und Höhlen und -Schluchten des Gebirges bewohnenden Zwerge in <em class="gesperrt">Berggeister</em> über. -Letztere, als ursprünglich gutmütige und in Gestalt sehr verschieden, -meist als Bergleute, Mönche, jedoch auch in einer erzgebirgischen Sage -in Roßgestalt auftretende Wesen, nähern sich wieder, indem sie zuweilen -boshaft werden, den Kobolden.</p> - -<p>Der Berggeist kommt nur beim Bergwerke vor, und die Sagen -von ihm sind gewiß so alt wie der Bergbau selbst. Mit Recht weist daher -Wrubel (Sammlung bergmännischer Sagen, S. 5.) darauf hin, -daß man unsern Berggeist wohl vom Rübezahl des Riesengebirges, -welcher besser »Gebirgsgeist« zu nennen sei, unterscheiden müsse. Wenn -wir auch in den Sagen vom Berggeiste einen Überrest des heidnischen -Götterglaubens haben, so mochten doch die stetigen Gefahren, denen -der Bergmann bei seinen Berufsgeschäften ausgesetzt ist, das von verschiedenen -abergläubischen Meinungen beeinflußte Gemüt mit Bangen -vor einer unterirdischen Macht erfüllen, welche allmählich festere Form<span class="pagenum"><a id="Seite_102">[102]</a></span> -annahm und zu einem Beherrscher des unterirdischen Reiches wurde. -(Wrubel a. a. O., S. 8.)</p> - -<p>Die Berggeister waren die Hüter von edlen Erzgängen, und -vielleicht sind die sagenhaften Überlieferungen von den rätselhaften -Fremden, welche das Erzgebirge, den Thüringerwald, das Vogtland, -Fichtelgebirge und andere Landschaften nach Gold durchsuchten, und -die als Venetier oder Wahlen von dem Volke mit überirdischen -Kräften ausgestattet wurden, die das Innere der Berge kannten und -mancher Zauberkünste kundig waren, zum Teil auf die Schätze hütenden -Berggeister zurückzuführen.</p> - -<p>Venetier, die nach der Volkssage in verschiedenen Gestalten auftraten, -wuschen auch die Goldkörner aus den Brunnen und Flüssen, -und so gehört wohl auch die Sage von dem Hutmanne in Wiesenthal, -welcher einstmals auf dem Fichtelberge an einem Brunnen, dessen Boden -von eitel Goldflammen leuchtete, einen in einem Buche lesenden Mönch -antraf, ebenfalls hierher.</p> - -<p>Ein anderes Geschlecht der Zwerge sind die <em class="gesperrt">Hausgeister</em> und -<em class="gesperrt">Kobolde</em>, welche eine mehr heitere und neckische, zuweilen selbst boshafte -Natur besitzen. Sie halten sich vorzugsweise in den Wohnungen -der Menschen, aber auch in Bergwerken auf, und nur ganz vereinzelt -erscheinen sie im Freien. Wie die Zwerge und die später besprochenen -Moosweibchen sind auch die Kobolde unselige Geister. Daher hat ein -Knabe in Lauter, welchem ein solcher Kobold keine Ruhe ließ, fleißig -gebetet und gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn Du nicht beten -willst und auch nicht beten kannst, so gehe Deiner Wege.« Andere -Hausgeister sind befriedigt, wenn man ihnen ein wenig Milch aufstellt, -und wäre es auch nur in einem Katzenschüsselchen, so daß sie daher -Katzenveit, Heinzelmann, Katermann u. s. w. heißen. (Rochholz, Deutscher -Glaube und Brauch, I. S. 18.) Der erzgebirgische Katzenveit, -dessen Jacob Grimm nur kurz und zwar als eines »Waldgeistes« im -Fichtelgebirge gedenkt, erinnert in mancher Beziehung wieder an den -Rübezahl des Riesengebirges.</p> - -<p>Ein Hausgeist, wie das vogtländische »Schreckgökerle«, vor dem -sich die Kinder fürchten, ist das »Schreckagerl«, welches wie andere -Kobolde bei der Arbeit hilft; nur muß man ihm dafür zu essen geben. -Dieses hilfreiche Beistehen bei der häuslichen Arbeit, das Füttern des -Viehes, das Fegen der Küche und dergl. mehr gehört so recht zum Wesen -der Kobolde. Unser Bahnbrecher in der Kenntnis der germanischen -Götterlehre sagt in seiner deutschen Mythologie (S. 284.), daß es ihm -scheine, man habe früher aus Buchsbaumholz kleine Hausgeister geschnitzt -und dieselben in dem Zimmer aufgestellt; der Ernst habe sich in Scherz<span class="pagenum"><a id="Seite_103">[103]</a></span> -umgewandelt und die christliche Ansicht habe die Beibehaltung des alten -Brauches geduldet. In gleicher Weise mag aber auch aus dem ursprünglich -dienstfertigen Kobolde, welcher das Gesinde weckte und nach -dem Rechten im Hause sah, mit der Zeit ein Polter- und Plagegeist -geworden sein, der dann mehr teuflisch und gespenstisch auftrat. So -sank, wie Jakob Grimm sich ausdrückt, der getreue Hausfreund des -Heidentums zum Schreckbild und Gespött der Kinder herab, ein Los, -das er mit Göttern und Göttinnen teilt. (Deutsche Myth., S. 293.)</p> - -<p>Als Kindergespenst tritt überall im Erzgebirge das »Jüdel« oder -»Hütchen« auf, welches den letzten Namen vielleicht von dem roten -Hute der Zwerge hat. Das Jüdel spielt während ihres Schlafes mit -den Kindern; es spielt auch des Nachts mit den Kühen. Will man -das Jüdel als Hausgeist unterhalten, so muß man demselben Spielsachen -geben. Wie unter den Kobolden der Katzenveit vom Kohlberge -bei Zwickau und die Männchen des Koboldsteins bei Kloster Maria -Sorg, so waren auch der <em class="gesperrt">Kaspar</em> des Greifensteins und der Geist -<em class="gesperrt">Mützchen</em> bei Freiberg keine eigentlichen Hausgeister; bei letzterem -ist durch die Nebelkappe deutlich seine Zwergnatur gekennzeichnet.</p> - -<p>Zahlreich melden uns endlich Sagen von koboldartigen Wesen, -welche in den Zechen den Bergknappen entgegentraten. Sollen doch -die beiden Metalle Kobalt und Nickel, nach denen gegenwärtig vorzugsweise -die Gruben des Schneeberg-Neustädtler Reviers abgebaut -werden, von zwei neckischen Geistern ihre Namen erhalten haben. Von -dem Kobalt, dessen Name zwar auch von dem böhmischen <em class="antiqua">Kow</em>, das -Erz, <em class="antiqua">kowalty</em>, erzhaltig, abgeleitet wird, sagt ein alter Bergprediger: -»Ihr Leute heißt es Kobalt und die Deutschen nennen den schwarzen -Teufel Kobel, der Menschen und Vieh durch Zauberei Schaden thut. -Es haben nun aber der Teufel und seine Hallraunen oder Drutten -dem Kobalt, oder der Kobalt den Zauberinnen den Namen gegeben, so ist -Kobalt ein giftig und schädlich Metall.« (Merkel, Erdbeschr. v. Kursachsen -I. S. 176.)</p> - -<p>Mit den Kobolden teilweise verwandt sind die <em class="gesperrt">Irrlichter</em>, -welche man sich als lebende Wesen vorstellt. Sie führen Menschen -irre, hocken sich ihnen auf oder bestrafen sie auch, wie die erzgebirgische -Sage von der unheimlichen Fackel erzählt. Irrlichter können aber auch -in feuriger Gestalt umherschweifende Seelen sein, welche nicht der -himmlischen Seligkeit teilhaftig wurden, und dann nähern sie sich den -zum Gespensterspuk gehörenden feurigen Männern.</p> - -<p>Aus der Klasse der <em class="gesperrt">Vegetationsgeister</em> begegnen wir im -Erzgebirge, als einem ursprünglichen Waldgebirge, hauptsächlich den -<em class="gesperrt">Walddämonen</em> unter den Namen von Waldgeistern, Waldteufeln,<span class="pagenum"><a id="Seite_104">[104]</a></span> -Moosmännchen, wilden Weibern und Holzweibchen. Wie die Nixe -fügen sie sich nicht in die Civilisation, und obschon sie zuweilen freundlich -mit den Menschen verkehren und dieselben für geleistete Dienste -belohnen, so ist ihnen doch der Humor, welcher die Zwerge auszeichnet, -fremd, und Schwermut oder große Wildheit charakterisiert sie. Zuweilen -treten die Holzweibchen als Schicksalsverkündiger oder Wetterpropheten -auf. Der wilde Jäger oder der Teufel verfolgt sie auch -im Erzgebirge und ein Baumstamm mit eingehauenen Kreuzen gewährt -ihnen gegen denselben Schutz, wenn sie sich auf ihm niederlassen. Die -vogtländische Sage, welche von ihnen das meiste weiß (Jul. Schmidt, -Topographie der Pflege Reichenfels und Witzschel, Sagen aus Thüringen), -erzählt, daß sie vor dem wilden Jäger Ruhe finden, wenn sie -sich auf einen Stamm setzen, in welchem während der Zeit, da man -den Schall des niederfallenden Baumes hört, drei Kreuze in einem -Zwickel gehauen wurden. Im Sagenschatz des K. Sachsen (zu No. -550.) bemerkt hierzu Gräße, daß viele glauben, die Holzweibchen seien -aus den heidnischen Sorbenfrauen entstanden, die vor dem Christentume -in die Wälder geflohen, wenn sie dieselben aber wieder verlassen -hätten, von den Christen verfolgt bei Stämmen, auf denen drei Kreuze -eingehauen gewesen, Schutz gesucht und gefunden hätten. Dagegen -zählt Jakob Grimm die Holzweibchen, die nach ihm einen Übergang -zu den Zwergen bilden, zu dem heidnischen Gespensterspuk, der sich -aus den Vorstellungen von halbgöttlichen Wesen, mit denen das Heidentum -den Wald bevölkert dachte, entwickelte. (Deutsche Myth., S. -243 und 520.) Und Nork greift in den Sitten und Gebräuchen der -Deutschen (S. 63.) sogar auf die Gnomengestalten der indischen Sagen -zurück, mit denen er unsere ähnlichen Sagenstoffe wie Ausläufer aus -einer gemeinschaftlichen Wurzel in Verbindung setzt. – Unsere Sage -nennt die Holzweibel auch Buschweibchen und faßt sie teilweise als -den Moosweibchen gleiche Wesen auf. Die Moosweibchen waren -immer zwerghaft und über und über mit Moos bewachsen; nach der -thüringischen Sage wohnten sie an dunklen Orten und in Höhlen unter -der Erde. (Richter, Sagen des Thüringer Landes, IV. S. 43.) -Wie in Thüringen die Moosweibchen, so kamen auch im Erzgebirge -die Buschweibchen zuweilen in die Wohnungen der Menschen und begehrten -daselbst Essen. Sie beschenkten mit Spänen und Laub, welche -Dinge sich später in Gold verwandelten. Bei uns wurden sie wie die -eigentlichen Zwerge vertrieben, als man das Brot im Backofen zählte.</p> - -<p>Neben den Sagen vom Erscheinen der Holzweibchen im Erzgebirge, -von denen ein Teil allerdings nur noch in älteren schriftlichen -Überlieferungen vorhanden ist, leben im Volke noch Redensarten, welche<span class="pagenum"><a id="Seite_105">[105]</a></span> -sich auf den Glauben an das frühere Erscheinen dieser dämonischen -Gestalten beziehen. So sagt man in der Gegend von Schneeberg: »Das -Holzweibel hat aufgehängt«, wenn man früh an den Büschen Spinnweben -ausgespannt sieht, die auf beständiges schönes Wetter gedeutet -werden. Steigen weiße Nebel aus den Waldungen auf, so sagt der -Gebirger: »Das Holzweibel heizt ein, es wird ander Wetter!« (Lindner, -Wanderungen durch das sächsische Obererzgebirge, I. S. 4.) Bei -Brunnersdorf warnte man noch vor wenigen Jahren die Beeren suchenden -Kinder vor dem Buschweibchen und ermahnte sie, im Walde der -Sicherheit wegen beisammen zu bleiben; bei Kupferberg sagt man von -eilig Dahinlaufenden: »Der läuft wie der Teufel, wenn er dem Holzweibel -nachläuft«, und in der Gegend von Platz nennt man kleine -vermummte Kinder scherzweise Buschweibel. (Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung -VI. S. 55 und 56.) Ähnliche Redensarten sind in -anderen deutschen Gegenden gebräuchlich. So sagen z. B. die Bauern -in der Zittauer Gegend, wenn daselbst die Berge dampfen: »Die Holzweibchen -kochen Kaffee« (Haupt, Sagenbuch etc. No. 38.), während die -Erdmännchen am Eisengraben backen, wenn gewisse Nebel auf dem -Kaisacker im Frickthale aufsteigen, und die Wölkchen, welche hoch am -Gebirge schweben, in Tirol für die aufgehängte Wäsche der Holzweibchen -gehalten werden, die schönes Wetter verkünden. (Gartenlaube, -1880, No. 31. und Henne-Am-Rhyn a. a. O., S. 261 und 278.)</p> - -<p>Mir scheint, als ob sich auch der Name »Käthel« in manchen -Volksüberlieferungen auf ein dämonisches Wesen, vielleicht ein Holz- -oder Buschweibchen bezieht.</p> - -<p>Das enge Muldenthal zwischen dem Mehltheuer und der hohen -Rieß unterhalb der Haltestelle Niederschlema heißt im Volksmunde das -»Käthelloch« und man prophezeit auf Grund der in ihm lagernden -Nebel auf eine Änderung des Wetters. Es erinnert dies an Volksmeinungen -in Nordböhmen. Die Frauen in Neuland bei Gabel sagen, -wenn der Rollberg von Wolken umzogen ist, daß das Roll-Kathel -koche und in Sukohrad spricht man in ähnlicher Weise: »Die Geltsch-Käthe -kocht.« (Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 7. -Jahrg. S. 95.)</p> - -<p>Während den Holz- und Moosweibchen ein Grad von Gutmütigkeit -und Zuneigung zu den Menschen zukommt, sind die <em class="gesperrt">Waldgeister</em> -und <em class="gesperrt">Feldteufel</em> schreckhafte Gestalten. Auch der <em class="gesperrt">Hemann</em>, welcher -sich ebenfalls im Gebirge sehen läßt und Antwort giebt, wenn man -ihn im Walde laut mit »He he, hu hu!« ruft, hat Freude an dem -Schaden der Leute.</p> - -<p>Zu den Vegetations- und insbesondere zu den <em class="gesperrt">Feldgeistern</em> ist<span class="pagenum"><a id="Seite_106">[106]</a></span> -weiter das <em class="gesperrt">Mittagsgespenst</em> zu zählen. Schon die alten Kirchenschriftsteller -des 6. Jahrhunderts schreiben eine Reihe von Krankheiten -dem Mittagsteufel zu; seinetwegen wurden die Kirchen, welche sonst den -ganzen Tag bis zum Abendläuten offen stehen sollten, während der -Mittagsstunde zugeschlossen. In der Schweiz wandeln bei der vom -Volke keineswegs als gnadenreich gehaltenen Mittagssonne die verwünschten -Schloßjungfern umher, und wie die Pest früher <em class="antiqua">morbus meridianus</em> -hieß, so ist auch das Mittagsgespenst der Wenden teilweise zugleich -die Pestjungfrau. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, -I. S. 67.)</p> - -<p>Die slavische, zu den Feld- und Waldgeistern gehörende <em class="gesperrt">Marzebilla</em> -tritt ebenfalls im Erzgebirge auf. Sie führt die Leute ins -Dickicht und an fruchtbare Stellen, wenn sie beten, überläßt sie aber -ihrem Schicksal, wenn sie fluchen.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Wehklage</em> aber gehört teilweise wie das Klopfen an die -Thüre, ohne daß jemand draußen steht, das Rufen des eigenen Namens, -als ob derselbe aus weiter Ferne hertönte, und viele andere geheimnisvolle -Laute, aus denen das Volk auf Tod oder bevorstehendes Unglück -schließt, zu den Voranzeichen. (Rochholz a. a. O., I. S. 143.) -Auf dem Harze ist die Klagemutter Frau Holle, (Henne-Am-Rhyn, a. -a. O., S. 562.), anderwärts ist eine »Heulmutter« oder »Frau Hel« -die Schattengöttin Hel, welche an dunkeln Furten sitzt. (Rochholz a. -a. O., I. S. 90.) Nach einer Sage aus der Gegend von Fulda ist -die Wehklage dagegen unverkennbar ein Waldgeist, denn man sagt daselbst, -wenn jemand sterben sollte, so sei eine Waldfrau von der wilden -Frauen-Loch hergekommen und habe sich wehklagend in der Nähe des -Sterbehauses gezeigt. (Wolf, Hessische Sagen, S. 53.) Eine erzgebirgische -Sage bezeichnet die Klageweibel als Frauen verbannter -Berggeister und Zwerge. – Wenn nach der Edda die Zwerge und -Riesen dem Menschen in der Schöpfung vorangingen und weiter nach -alter Überlieferung von beiden Dämonen die Zwerge zuerst geschaffen -wurden, um das wüste Land und Gebirge zu bauen (J. Grimm, -Myth., S. 253.), so fügt noch eine Oberpfälzer Sage hinzu, daß alle -Zwerge, da sich das trockene Land noch nicht abgeschieden hatte, zunächst -im Wasser lebten. Sie waren demnach im Anfange gleich den <em class="gesperrt">Nixen</em>. -Der männliche Nix, Necker oder Nicker, erinnert nach einer anderen -Überlieferung wieder an den skandinavischen Odhin, dessen Beiname -<em class="antiqua">Nikarr</em> ihn als den Wellen besänftigenden Meergott bezeichnet. (J. -Grimm a. a. O., S. 276.) Der Nikur soll als schönes apfelgraues -Roß am Meeresstrande erscheinen, und ein großes Pferd mit ungeheuren -Hufen zeigt sich auf dem Wasser, wenn Sturm und Gewitter<span class="pagenum"><a id="Seite_107">[107]</a></span> -aufsteigen. Anklängen an diese Vorstellungen begegnet man im Erzgebirge. -Es mag dabei auf die Sagen vom Grundtümpel bei Wildenau -und von dem Sturmwinde bei Oberscheibe, der in die Teiche -fuhr und das Wasser in die Höhe warf, »als wenn sich zwei Pferde -im Wasser mit einander schlügen«, hingewiesen werden. Vorherrschend -schildert die Sage den männlichen Nix als häßlich, ausnahmsweise -wird er als von schöner Gestalt beschrieben. Er hat struppige grüne -Haare und grüne Zähne, Rock und Hosen sind immer zerrissen und -kotig. Auch die slavischen Flußnixen sind grünhaarig und der finnische -Wassergott Ahto hat einen Grasbart. (Rochholz, a. a. O., II. S. 281.) -Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau, welcher ein Krönlein auf -dem Haupte trug, sah blau aus. Grün und blau aber sind dämonische -Farben, und besonders weist letztere Farbe auf Wuotan hin, dessen -Leibfarbe ebenfalls blau ist. Haupt bemerkt in seinem Sagenbuche der -Lausitz (No. 44.), daß, obschon der skandinavische Odhin im Gegensatze -zu dem deutschen Luft- und Sturmgotte Wuotan auch Nix ist, bei den -Slaven vielleicht der Luftgott zu einem Wassergotte wurde. Hier berühren -sich jedenfalls germanische und slavische Überlieferungen. Die -Freude aller Wassergeister ist Tanz, Gesang und Musik. Auch die -erzgebirgische Nixensage erzählt von zu Tanze gehenden Wasserjungfrauen, -sowie vom »thörichten See« bei Satzung, in welchem ein Nix seine -Wohnung hatte, daß man daselbst mittags großen Tumult und -Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört habe, als -ob eine lustige Bauernhochzeit in dem See abgehalten würde. In dem -Sagenbuche der Lausitz hat Karl Haupt mehrere unter der slavischen -Bevölkerung lebende Sagen mitgeteilt und er bemerkt dabei, daß der -musikalische Nix der Wenden ebenso bezeichnend für die slavische Anschauung -sei, wie die Querxe oder Zwerge und der wilde Jäger, die -Berg- und Luftbewohner, für die Anschauung der Deutschen.</p> - -<p>Das was Jacob Grimm (deutsche Myth., S. 280.) im Allgemeinen -bei den Wassergeistern hervorhebt, nämlich ein Zug von Grausamkeit -und Blutdurst und die Ausübung blutiger Rache, welche in -den Sagen von diesen Geistern so vielfach wiederkehren, dabei aber -auch ein Beispiel für die Aufrechterhaltung der männlichen Ehre, welche -dem Nix charakteristisch ist, finden wir in der Sage von dem obengenannten -thörichten See vereinigt. Hier belohnt auch der Nix einen -Holzhacker für den geleisteten Dienst, indem er ihm einen Beutel schenkt, -der nie leer werden sollte, so oft er auch hineingreifen würde. Die -Belohnung für geleistete Dienste, scheinbar unbedeutend und doch so -reich, ist eine Handlung, welche uns an ähnliche Handlungen in den -Zwergsagen erinnert; das Wesen der Kobolde und Poltergeister aber<span class="pagenum"><a id="Seite_108">[108]</a></span> -nehmen die Nixe an, wenn sie ohne Veranlassung, wie dies bei Elterlein -geschah, ruhige Arbeiter und Spaziergänger erschrecken.</p> - -<p>Der Nix der Zschopau fordert jedes Jahr sein Opfer. Es ist -dies eine Überlieferung, welche auch der Lausitz nicht fehlt und die sich -in gleicher Weise bei der Saale, Elster, Donau, Oder u. s. w. wiederholt. -In die Bode bei Quedlinburg warf man früher in bestimmter -Frist einen schwarzen Hahn; geschah dies nicht, so forderte der Fluß -ein Menschenleben. Wenn auch nicht bei allen Überlieferungen von -den jährlich ein Menschenleben fordernden Flüssen die Nixe ausdrücklich -genannt werden, so ist doch immer dabei an heidnische Menschenopfer, -welche den Wassergeistern gebracht wurden, zu denken. (Haupt -a. a. O., No. 45.) Als man die Opfer nicht mehr freiwillig brachte, -holte sich diese der Flußgeist selbst.</p> - -<p>Schließlich mag noch auf die in unserem Sagenkreise etwas -fremdartig erscheinende Seebergjungfer, welche zuweilen an den Hoderwiesteich -bei Seestadtl kam, um daselbst zu baden, hingewiesen werden. -Sie erschien halb als Fisch und zur Hälfte als Mensch und erinnert -durch diese Gestalt an die keltische Brunnennymphe Melusina, deren -Namen wir aber in einer Sage aus dem böhmischen Teile des -Erzgebirgs einer Luftgottheit beigelegt finden. Jac. Grimm ist geneigt, -alle Vorstellungen von geschwänzten Nixen als echt deutsche anzuzweifeln. -(Deutsche Myth., S. 277.) – Der vielleicht bis zur europäischen -Völkerwiege zurückreichende Glaube an Wasserdämonen hat -bei den auseinandergehenden Völkerstämmen mancherlei Gestalt angenommen. -Verwandt mit unsern deutschen und slavischen Nixen und -den keltischen Brunnennymphen sind die indischen <em class="antiqua">Apsaras</em>, d. h. die -aus dem Wasser Entsprossenen. – Zur Dämonenwelt gehören auch die -<em class="gesperrt">Riesen</em>, welche nach der germanischen Mythe erst nach den Zwergen -erschaffen wurden, um die Ungeheuer und Würmer zu erschlagen. Abgesehen -von den chronikalischen Überlieferungen von Riesenknochen, -welche da und dort gefunden wurden, fehlen im Erzgebirge eigentliche -Sagen von Riesen und ebenso ist es jedenfalls auch bemerkenswert, -daß sich bei uns nicht, wie dies in anderen Gebirgen der Fall ist, -Riesensagen mit gewaltigen Felsmassen verknüpfen, welche nicht selten -mauerartig aufgetürmt, die bewaldeten Höhen krönen, oder die durch -ihre absonderliche Form – ich erinnere dabei an die granitischen -»Hefenklöse« bei Johanngeorgenstadt und den Rockenstein bei Schönheiderhammer -– die Aufmerksamkeit der Bewohner gewiß schon in -früherer Zeit erregten. Die so häufig im oberen Erzgebirge auftretenden -Blockwerke hat das Volk nüchtern betrachtet, während es z. B. -im Vogtlande in ihnen die Hinterlassenschaft von Riesen erblickt, und<span class="pagenum"><a id="Seite_109">[109]</a></span> -spitze Felskegel haben seine Phantasie nicht wie in der Lausitz erregt, -wo ein solches bei Heidersdorf anstehendes Naturgebilde als Keule -eines Riesen gedeutet wird. (Eisel, Sagenbuch des Vogtl., No. 22–25. -Haupt, a. a. O., No. 90–93.)</p> - -<p>Die kindlichen Naturmenschen konnten sich entfernte Erscheinungen, -welche sie am Himmel oder im Luftkreise beobachteten, nur durch -Vergleichung mit näheren bekannten erklären. So war ihnen der Blitz -eine feurige Schlange, im Heulen des Sturmes hörten sie die Stimmen -bekannter Tiere und die Wolken erschienen ihnen als Kühe oder -Ziegen, welche statt der Milch Regen spendeten. Noch jetzt begegnen -wir dieser Vorstellung in einem schwedischen Volksrätsel, dessen Lösung -die Wolke ist: »Eine schwarzrandige Kuh ging über eine pfeilerlose -Brücke, kein Mensch in diesem Lande die Kuh aufhalten kann.« (Manhardt, -a. a. O., S. 89.) Jedoch sah man die Tiere der Erde im -Himmel größer und gewaltiger wieder, und man fing an, diese himmlischen -Wesen zu fürchten oder fühlte sich veranlaßt, ihnen für ihre -Segensspenden zu danken. Als sich dann der Glaube an menschenähnliche, -im Himmel wohnende Götter entwickelte, trat eine Verschmelzung -derselben mit jenen himmlischen Tieren ein, indem man -meinte, daß sich Götter selbst in solche Tiere verwandeln könnten, oder -letztere ihnen als ihre Begleiter nahe standen. Später hefteten sich -diese Überlieferungen an irdische Tiere und an Menschen, so daß -z. B. aus dem die Blitzschlange bändigenden Sturmgotte Wuotan ein -Mann wurde, welcher eine wunderbare Macht auf wirkliche Schlangen -auszuüben imstande war. In dieser Weise haben wir die Sagen von -<em class="gesperrt">dämonischen Tieren</em> aufzufassen. (Grohmann, Sagenbuch von -Böhmen und Mähren, I. S. 216.)</p> - -<p>Ein wendischer Aberglaube berichtet, daß jeder Kobold die Gestalt -eines Kalbes annehmen könne. (Haupt, Sagenbuch d. L., -No. 88.) In unseren Sagen ist das gespenstische Kalb Anzeichen eines -Krieges oder es springt des Nachts jemandem, der dann sterben muß, -auf den Rücken und läßt sich forttragen. Zu Ypern wurde ein reicher -Mann, der ein goldenes Kalb anbetete, nach seinem Tode verwünscht, -die Gestalt eines Kalbes anzunehmen, das jedem, dem es begegnet, auf -den Rücken springt. (Nork, Sitten und Gebräuche d. Deutschen, S. 281.)</p> - -<p>Das bereits genannte Mittagsgespenst nimmt auch zuweilen Tiergestalt -an; so erscheint es im Jura unter dem Namen »Stollnwurm« -als Drache. Als <em class="gesperrt">Bock</em> sonnt es sich des Mittags am Charfreitage -auf der Ruine Hagberg. In diesen Vorstellungskreis gehört vielleicht -auch der Bock, welcher sich zuweilen des Mittags (aber auch des -Nachts) um 12 Uhr am Bocksloche, einem alten Stollen in Oberschlema<span class="pagenum"><a id="Seite_110">[110]</a></span> -sehen läßt (s. Ortssagen.) Als <em class="gesperrt">Lamm</em> erscheint das Mittagsgespenst -am Tobelhötzli in der Aargauer Gemeinde, und hierher gehören -wohl auch unsere Sagen vom weißen Schafe, das Menschen erschreckt, -und vom weißen Widder mit goldenen Hörnern.</p> - -<p>Aus der Auffassung des Blitzes als <em class="gesperrt">Schlange</em> sind zahlreiche -mythologische Vorstellungen hervorgegangen. Wie der Blitz die Gewitterwolke -gleichsam spaltet, so daß dann die goldene Sonne wieder aufleuchtet, -so sollen die himmlischen Schlangen einen kostbaren Edelstein -verfertigen. Diese Vorstellung wurde später auf die irdischen Schlangen -übertragen. (Mannhardt, a. a. O., S. 103.) Weit verbreitet sind -die Sagen von dem Schlangenkönige, welcher auf seinem Kopfe eine -goldene Krone trägt. Es drängt sich hier auch die Vermutung auf, -daß die gelben Flecke hinter den Augen der Ringelnatter bei der Häutung -zu dem Glauben von einer goldenen Krone Veranlassung gegeben haben. -Wie der Schlangenkönig von Lübbenau in der Niederlausitz seine Krone -auf ein feines weißes, großes Tuch niederlegte, so erzählt auch die erzgebirgische -Sage gleiches von unserem Otternkönige oder unserer Schlangenkönigin. -Karl Haupt (Sagenbuch d. Lausitz, No. 84.) bemerkt dabei, -daß die weiße Farbe, welche das Tuch haben muß, auf die Repräsentanten -der Finsternis einen zwingenden und siegreichen Zauber ausüben -muß, so daß sie nun ihre Schätze opfern. Nach einem anderen Volksglauben -aber, welchen Mannhardt (a. a. O., S. 103) anführt, legt der -Schlangenkönig seine Krone auf ein <em class="gesperrt">rotes</em> Tuch nieder.</p> - -<h3 id="sec137">137. Die Zwerge des hohen Steins.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 133.)</p> - -<p>Der hohe Stein zwischen Graslitz und Markneukirchen war der -Aufenthalt der Zwerge, welche von hier aus die umliegenden Häuser -besuchten, den Leuten bei ihren Arbeiten halfen und ihnen manche -Wohlthat erwiesen. Als aber die Knödel in den Topf und die Brote -in den Backofen gezählt wurden, verschwanden sie nach und nach aus -der Gegend.</p> - -<p>Beim Baue der Steiner Pfarrkirche zeichneten sich dieselben besonders -aus. Dieselbe sollte nämlich am Fuße des Berges, auf dessen -Abhange sie sich gegenwärtig erhebt, zu stehen kommen, und viel Material -hatte man bereits dorthin gebracht. Allein die Zwerge trugen -des Nachts zu wiederholten Malen das Baumaterial auf die Anhöhe, -bis man sich endlich entschließen mußte, dort das Gotteshaus aufzurichten. -Der Bau schritt ungemein rasch vorwärts. Was die Maurer<span class="pagenum"><a id="Seite_111">[111]</a></span> -und Werkleute am Tage begonnen hatten, wurde von dem arbeitsamen -Zwergenvolke während der Nachtstunden zur vollsten Zufriedenheit -des Baumeisters hergestellt, so daß in kurzer Zeit der -eherne Mund der Glocken die Gläubigen zum Hause des Herrn rufen -konnte. Zum Andenken setzte man drei in Stein gehauene Bilder von -Zwergen außen an die südliche Wand der Kirche, wo sie heute noch -zu sehen sind.</p> - -<h3 id="sec138">138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.</h3> - -<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 57.)</p> - -<p>Häufig haben sich die Zwerge auf dem Pürsteiner Burberge, sowie -auf dem Leskauer Schloßberge aufgehalten. Ihr Hauptsitz war -jedoch auf dem Schwarzberge und viele Höhlen führten in die Tiefe -des Berges zu den Versammlungssälen. Diese merkwürdigen Höhlen, -glatt ausgemeißelt und schön gewölbt, sind noch gegenwärtig im Volksmunde -unter dem Namen »die Zwerglöcher« allgemein bekannt, und -eines dieser Zwerglöcher enthält in einer etwas geräumigeren Weitung -einen Brunnen, dessen Wasser in der ganzen Gegend gerühmt wird. -Der Ort, wo die meisten Zwerghöhlen münden, wird die »Lihtmerskirch« -genannt, und man sagt, es sei vor geraumer Zeit eine Kirche -dort gewesen.</p> - -<p>Die Zwerglein, die ehemals in diesen Höhlen gewohnt haben, -beschäftigten sich hier häufig mit Kuchenbacken. Auch haben sie daselbst -einmal ein Menschenkind beherbergt und das ging so zu: Eine Frau -aus dem nahen Dorfe Leskau hatte in diese wilde Waldgegend einst -ihr Kind mitgenommen, sie entfernte sich ein wenig von demselben und -konnte es zu ihrem Schrecken nicht wieder auffinden. Alles Rufen und -Suchen war erfolglos und so mußte die verzweifelnde Mutter ohne -ihr Kind heimkehren. Ein langer Zeitraum war vergangen, als die -Frau wieder einmal und ganz zufällig in jenen Wald kam. Da trieb -sie ein unerklärliches Gefühl an, in eine der Zwerghöhlen hineinzugehen, -und wen erblickte sie darin? Zu ihrem freudigsten Erstaunen -ihr totgeglaubtes Kind, frisch und gesund und recht groß geworden, -und es aß ein Stück Kuchen; denselben hatte es von den guten Zwergen -bekommen, die seine Pfleger und Behüter geworden waren, seit es -damals von der Mutter weggekommen und aus Neugierde in die Zwerghöhle -geschlüpft war.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Edw. Heger leitet das Wort »<em class="antiqua">Lithmer</em>« von <em class="antiqua">lih</em>, der Leichnam, und <em class="antiqua">mere</em>, -die in der Unterwelt herrschenden, den Tod bezeichnenden Mächte ab, so daß es<span class="pagenum"><a id="Seite_112">[112]</a></span> -also eine Stätte bezeichnen soll, welche die den Unterweltsmächten Verfallenen aufnimmt. -Konnte man nicht auch eine andere Ableitung, nämlich vom mhd. <em class="antiqua">lîte</em>, -der Abhang, die Halde, und <em class="antiqua">maere</em>, berühmt, berüchtigt, versuchen, so daß dann -der Name »Lihtmerskirche« eine Kirche bezeichnet, welche auf einem berüchtigten, -d. h. durch die Zwerge berüchtigten Abhange steht?</p></div> - -<h3 id="sec139">139. Das Zwergloch im Scheibenberge.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 33. Winter in der -Constit. Zeitung, 1854, No. 282.)</p> - -<p>An der Morgenseite des Scheibenberges befindet sich eine unbedeutende -Höhle, das Zwergloch genannt. Darinnen wohnten sonst -viele Zwerge, deren König Oronomossan hieß. Sie waren nicht über -zwei Schuh lang und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es -schien ihr größtes Vergnügen zu sein, die Leute zu necken; sie thaten -aber auch manchem viel Gutes und halfen vorzüglich frommen und -armen Leuten. Einst, im Winter, ging ein armes Mädchen aus -Schlettau in den am Fuße des Scheibenberges gelegenen Wald, um -Holz zu holen. Da begegnete ihr ein kleines Männchen mit einer -goldenen Krone auf dem Haupte, das war Oronomossan. Er grüßte -das Mädchen und rief gar kläglich: »Ach, Du liebe Maid, nimm mich -in Deinen Tragkorb! Ich bin so müd' und es schneit und ist so kalt -und ich weiß keine Herberge! Drum nimm mich mit zu Dir in -Dein Haus!« Das Mädchen kannte den Zwergkönig zwar nicht, aber -da er gar zu flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragkorb und -deckte ihre Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf schneien -möchte. Darauf nahm sie den Korb auf den Rücken und trat den -Rückweg an. Aber das Männchen in dem Korbe war zentnerschwer -und sie mußte alle Kräfte zusammennehmen, daß sie die Last nicht -niederdrückte.</p> - -<p>Als sie nach Hause gekommen, setzte sie den Tragkorb keuchend -ab und wollte nach dem Männchen darin sehen und deckte die Schürze -ab. Aber – wer schildert ihr Staunen? – das Männchen war fort -und statt seiner lag in dem Tragkorbe ein großer Klumpen gediegenen -Silbers!</p> - -<p>Nach einer anderen Sage soll jenes Mädchen eines Schneiders -Tochter aus Schlettau gewesen sein und um das Jahr 1535 gelebt -haben. Sie sei auch nachher noch mehrmals bei dem Zwergkönige im -Scheibenberge gewesen und habe für ihn, seine Frau und Kinder Kleider -machen müssen. Dafür habe sie solche Geschenke erhalten, daß -sie zu großem Vermögen gekommen sei und nachdem sie sich verheiratet,<span class="pagenum"><a id="Seite_113">[113]</a></span> -eine der reichsten Familien in Schlettau begründet habe. Nach dem -dreißigjährigen Kriege aber seien ihre Nachkommen verarmt und zuletzt -wieder so herabgekommen, wie zu der Zeit, wo sie den Zwergkönig -zuerst gesehen hatte.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Geschlecht der Zwerge hat seine Wohnungen in den Bergen. Zwerglöcher -kennt man wohl überall in Deutschland. In Schlesien ist eins auf dem -Prudelberge bei Stonsdorf, in der Lausitz giebt es welche auf dem Dittersberge bei -Schönau auf dem Eigen und am Fuße des Breitenberges bei Zittau (Haupt, Sagenbuch -etc. I. No. 24.), in Böhmen bei Warnsdorf und im Kammerbühl bei Franzensbad -(Grohmann, Sagenbuch etc. S. 180.), im Vogtlande bei Stublach und bei -der Milbitzer Ziegelei (Eisel, Sagenbuch d. Vogtl. No. 26.), im Mansfeldischen am -Kammerbache bei Freiersdorf und in der Steinklippe zwischen Hermerode und Wippra -(Größler, Sagen der Grafsch. Mannsfeld, No. 153 und 155.), und so erzählt die -Sage noch von vielen anderen Orten, an denen die Zwerge die Zugänge zu ihrem -unterirdischen Reiche hatten.</p></div> - -<h3 id="sec140">140. Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Richter, Umständliche aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragene -Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. Annaberg, 1746, S. 4.)</p> - -<p>Die Sage erzählt, es hätten in der Gegend bei dem Pöhlberge, -ehe die Stadt Annaberg erbauet gewesen, kleine Leutlein, einer Ellen -lang, gewohnet.</p> - -<h3 id="sec141">141. Die Zwerge in Schmiedeberg.</h3> - -<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde d. Dorfes Schmiedeberg i. B. S. 60.)</p> - -<p>In Schmiedeberg wohnten lange Zeit Zwerge. Dieselben erreichten -nur die Größe eines zwei- bis dreijährigen Kindes und trugen -einen spitzen Hut, rot wie ihre Haare, außerdem gefeite Stiefel. Sie -hielten sich in Ställen, Scheuern, Kellern und Stuben auf, waren -nicht menschenscheu, kamen im Gegenteil oft freiwillig unter dem -Herde hervor und boten ihre Dienste an. Nachts um die zwölfte -Stunde kamen alle zusammen, gingen dabei durch verschlossene Thüren -und begannen nun emsig das aufzuarbeiten und zu vollenden, was die -Menschen verabsäumten oder unvollendet ließen. Im Nu war ihre -Arbeit zierlich und fein gethan, dann ging es an's Tanzen. Punkt -ein Uhr verschwanden sie wieder. Neckereien konnten sie nicht vertragen; -sie zogen dann fort. Man vertrieb sie übrigens auch, wenn man Lauch -in die Milch that und ihnen diese vorsetzte.</p> - -<p>Von den Bewohnern Schmiedebergs wurden diese Zwerge nur -»Holzweibchen« genannt. Seit jeher hatten sie im Hause No. 172<span class="pagenum"><a id="Seite_114">[114]</a></span> -ihren ständigen Aufenthalt und brachten durch nächtlichen Fleiß Glück -und Segen in die Wirtschaft. Endlich aber schien es ihnen hier nicht -mehr zu gefallen, denn sie sagten: »Hier ist nimmer gut wohnen, sie -(die Hausfrau) zählt die Knödeln im Topf und im Backofen das Brot.« -So zogen denn die Zwerge fort, weit fort, über die Eger bei Aubach, -wo sie den Fährmann, um ihn zu entlohnen, gefragt haben sollen, -was ihm lieber wäre – ein roter Heller oder ein Sturmhut voll -Goldstücke. Der Fährmann wählte natürlich das letztere. Die Leutchen -sagten ihm, er habe schlecht gewählt und werde schließlich noch -weniger besitzen als einen roten Heller. Das traf auch ein, der Fährmann -verarmte in kürzester Zeit gänzlich.</p> - -<h3 id="sec142">142. Die Zwerge backen Kuchen.</h3> - -<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 58.)</p> - -<p>Von den Bergen aus besuchten die Zwerge häufig die benachbarten -Ansiedelungen der Menschen, um deren Gastfreundschaft in Anspruch -zu nehmen, und man gab ihnen auch gern etwas von Lebensmitteln -ab. Sie suchten aber nicht nur Gastfreundschaft, sondern -gewährten auch solche; ward jedoch ihre Gabe verschmäht, so gerieten -sie leicht in Zorn, ja rächten sich an dem Unwürdigen, was ihnen -nicht schwer fiel, da sie mit geheimen Kräften begabt waren.</p> - -<p>Als einst ein alter Bauer aus Redenitz und dessen Knecht an der -Berglehne zwischen Leskau und Spinnelsdorf ihre Ackerfurchen zogen, -vernahmen sie plötzlich ein sonderbares Gespräch in der Nähe, ohne daß -die Sprechenden zu sehen waren. »Bringt erst die Weißen, dann die -Schwarzen!« »Nein, erst die Schwarzen, dann die Weißen!« so rief -es rätselhaft durcheinander.</p> - -<p>Als die beiden Lauscher aber einen äußerst angenehmen Geruch -nach frischem Kuchen verspürten, da wußten sie auf einmal, was alles -zu bedeuten habe, und der Knecht sagte: »Das sind ja die Zwerglein, -die in ihren nahen Wohnungen eben Kuchen backen, schwarze und -weiße (d. h. von geringerem und feinerem Mehle); sehen kann man -freilich nichts, denn sie haben sich unsichtbar gemacht.«</p> - -<p>»Ja«, – meinte der Bauer – »aber diese Kuchen riechen auch -gar zu gut; wer doch einen davon hätte!«</p> - -<p>»Nun, da werde ich halt einen bestellen«, sprach der Knecht im -Spaße und rief dann, so laut er konnte: »He, backt uns doch auch -einen Kuchen mit, aber einen recht guten!«</p> - -<p>Als die Ackerleute nach dem Mittagessen ihre Arbeit wieder beginnen -wollten, da fand jeder von beiden auf seiner Pflugschar einen<span class="pagenum"><a id="Seite_115">[115]</a></span> -wunderschönen, duftenden Kuchen liegen. Der Bauer biß herzhaft in -den Kuchen und ließ sich ihn ausgezeichnet schmecken, der Knecht aber -mißtraute der geheimnisvollen Gabe und verschmähte sie. Klatsch! – -da hatte der Undankbare auch schon von unsichtbarer Hand eine tüchtige -Ohrfeige erhalten, an die er sich noch lange nachher schmerzlich -erinnerte.</p> - -<h3 id="sec143">143. Die Heilingszwerge.</h3> - -<p class="source">(Nach Grimm in der Erzgebirgszeitung, 2. Jahrg., S. 6.)</p> - -<p>An der Eger, zwischen dem Hofe Wildenau und dem Schlosse -Aich, ragen große Felsen empor, die man von Alters her die Heilingsfelsen -nennt. Am Fuße derselben erblickt man eine Höhle, inwendig -gewölbt, auswendig aber nur durch eine kleine Öffnung erkennbar, in -die man, den Leib gebückt, kriechen muß.</p> - -<p>Diese Höhle wurde von kleinen Zwerglein bewohnt, über die -zuletzt ein unbekannter alter Mann, namens Heiling, als Fürst geherrscht -haben soll. Einmal vor Zeiten ging ein Weib, aus dem -Dorfe Daschwitz gebürtig, am Vorabende von Peter Pauli in den -Forst und wollte Beeren suchen; es wurde Nacht, und sie sah neben -diesem Felsen ein schönes Haus stehen. Sie trat hinein, und als sie -die Thüre öffnete, saß ein alter Mann am Tische, der schrieb emsig -und eifrig. Die Frau bat um Herberge und wurde willig angenommen. -Außer dem alten Manne war aber kein lebendes Wesen im ganzen -Gemach, allein es rumorte heftig in allen Ecken; der Frau ward -greulich und schauerlich und sie fragte den Alten: »Wo bin ich denn -eigentlich?« Der Alte versetzte, daß er Heiling heiße, bald aber auch -abreisen werde, »denn zwei Drittel meiner Zwerge sind schon fort und -entflohen.« Diese sonderbare Antwort machte das Weib noch unruhiger, -und sie wollte mehr fragen, allein er gebot ihr Stillschweigen -und sagte nebenbei: »Wäret Ihr nicht gerade in dieser merkwürdigen -Stunde gekommen, solltet Ihr nimmer Herberge gefunden haben.« -Die furchtsame Frau kroch demütig in einen Winkel und schlief sanft -ein. Als sie am Morgen mitten unter den Felssteinen erwachte, -glaubte sie geträumt zu haben; denn nirgends war ein Gebäude zu -sehen. Froh und zufrieden, daß ihr in der gefährlichen Gegend kein -Leid widerfahren sei, eilte sie nach ihrem Dorfe zurück; es war alles -so verändert und seltsam. Im Dorfe waren die Häuser neu und anders -aufgebaut, die Leute, die ihr begegneten, kannte sie nicht und sie -wurde auch nicht von ihnen erkannt. Mit Mühe fand sie endlich die -Hütte, wo sie sonst wohnte, und auch die war besser gebaut; nur dieselbe<span class="pagenum"><a id="Seite_116">[116]</a></span> -Eiche beschattete sie noch, welche einst ihr Großvater dahin gepflanzt -hatte. Aber wie sie in die Stube treten wollte, ward sie von -den unbekannten Bewohnern als eine Fremde vor die Thür gewiesen. -Sie lief weinend und klagend im Dorfe umher. Die Leute hielten sie -für wahnwitzig und führten sie vor die Obrigkeit, wo sie verhört und -ihre Sache untersucht wurde. Siehe da, es fand sich in den Gedenk- -und Kirchenbüchern, daß gerade vor hundert Jahren an eben diesem -Tage eine Frau ihres Namens, welche nach dem Forst in die Beeren -gegangen, nicht wieder heimgekehrt sei und auch nicht mehr zu finden -gewesen war. Es war also deutlich erwiesen, daß sie volle hundert -Jahre im Felsen geschlafen hatte und die Zeit über nicht älter geworden -war. Sie verlebte nun ihre übrigen Jahre ruhig und sorgenlos -und wurde von der ganzen Gemeinde anständig gepflegt, zum Lohne -für die Zauberei, die sie hatte erdulden müssen.</p> - -<h3 id="sec144">144. Der Zwergtanz im Kupferhügel.</h3> - -<p class="source">(Friedr. Bernau in der Comotovia, 1877, S. 77.)</p> - -<p>Drei Bergleute fuhren einst an, um die Erze aus dem tiefsten -Schachte zu holen. Um jene Zeit waren noch reichhaltige Gruben im -Kupferhügel, vorzüglich auf Kupfer und Eisen, wie es noch die vielen -Schachte und unterirdischen Gänge in demselben beweisen. Fleißig -und frohgemut arbeiteten nun die Bergleute in den Felsen hinein, um -ihn zu zerkleinern und die Erze daraus zu gewinnen. Noch waren -sie nicht mit einer Schicht fertig, als sie plötzlich durch eine liebliche -Musik, die aus dem Innern des Berges zu kommen schien, überrascht -wurden. Alle gerieten in Spannung und Freude. »Wahrhaftig«, -sagten sie zu einander, »eine so schöne Musik haben wir noch nie -gehört, selbst am Prokopitage nicht, wenn wir Schritt für Schritt, -angethan mit unserer festlichen Bergkleidung, die Hacke und die brennende -Lampe in der Hand, hinter unserer Bergmusik zur Kirche ziehen!« -Um den Berggeist, wie sie glaubten, in seiner Unterhaltung nicht zu -stören, schickten sich die Bergleute schon an, an den Tag zu fahren, -als sie von der Seite her, von welcher die Musik kam, eine Menge -kleiner Männchen, kaum größer als eine Menschenhand, auf sich zukommen -sahen, die mit den verschiedenartigsten Musikinstrumenten -versehen waren. Hinterdrein zog ein munterer Schwarm von Zwergen, -die unter fröhlichem Hüpfen endlich in einem großen Felsengewölbe -Platz nahmen. Bald kamen auch einige Zwerge näher zu den Bergleuten,<span class="pagenum"><a id="Seite_117">[117]</a></span> -grüßten sie freundlich mit dem Bergmannsgruße »Glückauf!« -und sagten: »Ruhet aus und seid fröhlich mit uns; was Ihr versäumt, -das wollen wir Euch nach dem Tanze nachholen.« Flink legten die -Bergleute ihre Werkzeuge bei Seite, denn sie waren schon müde von -der anstrengenden Arbeit, und folgten gerne der zutraulichen Einladung. -Alles freute sich und war guter Dinge. Die Zwerge tanzten, und -die Bergleute schauten ihnen vergnügt zu, so daß oft der Berg sich mit -den beglückten Bergleuten zu drehen schien. Endlich erhob sich eines -der kleinen Männchen, gab ein Zeichen mit der Hand und alles stellte -sich in einem enggeschlossenen Kreise auf, in den auch die Bergleute -eintreten mußten. Die Musiker befanden sich in der Mitte und es -schien, als ob sie erst jetzt recht ergreifend spielen wollten, wohlgeordnet -und langsam setzte sich der Kreis, dem ein Vortänzer voranging, in -Bewegung; die Bewegung wurde unter dem seltsamen Hüpfen, Springen -und Laufen immer schneller. Bald standen die Zwerge stille, -schienen sich zu bedenken, dann fingen sie plötzlich wieder an, mit -Händen und Füßen zu zappeln, dabei sprangen sie in die Höhe, der -eine über den andern, bis alle in größter Unordnung waren. Die -drei Gäste konnten sich des lauten Lachens nicht erwehren, was die -Zwerge in ihrer Lust auch ungestraft ließen. Endlich setzten sich alle -wieder auf ihre Plätze, nur ein altes, ganz graues Männlein trat zu -den Bergleuten, strich mit seiner flachen Hand über deren Augen, die -also bald erblindet zu sein schienen; dann nahm es die Bergleute bei -der Hand und führte sie eine ziemliche Strecke aufwärts, bis sie in -eine Kammer gelangten, wo sie rasch wieder sehend wurden. Hier -ergriff sie nun das höchste Staunen, denn das ganze Gewölbe war -mit goldenen Platten belegt; Gold- und Silberstangen lagen da aufgeschlichtet, -wie daheim die Späne in der Küche; die Tische beugten -sich unter der Last von Edelsteinen, die ein blendendes Licht verbreiteten. -Die Bergleute standen da wie versteinert. Endlich nach -langem Schweigen sprach der Alte zu ihnen: »Nehmet Euch nun, -was Euch nützlich ist; Ihr sollt damit so lange glücklich sein, als -Ihr dabei fleißig und sparsam bleibt; thut Ihr das nicht, so -werdet Ihr trotz des Reichtums noch elend sterben müssen.« Ein -jeder nahm nun so viel, als er in beide Hände bringen konnte, -und bald befanden sie sich wieder unter den kleinen Männchen, die -während der Zeit, als die Bergleute in der Goldkammer waren, -für sie gearbeitet hatten. Mächtige Kupferadern waren aufgeschlossen -und große Haufen Erze herausgearbeitet. Als die Bergleute den -Zwergen danken wollten, war alles verschwunden; nur aus der -Ferne hörte man noch die bezaubernde Musik. Bald begaben sich auch<span class="pagenum"><a id="Seite_118">[118]</a></span> -die Bergleute, da es doch schon Nacht sein mußte, auf die Fahrt, -um heimzukehren; um so größer aber war ihr Erstaunen, als sie die -Sonne im Osten aufgehen sahen und von den Leuten erfuhren, daß -schon der fünfte Tag verflossen war, seitdem sie in die Grube gestiegen. -Dennoch glaubte ein jeder von ihnen nur geträumt zu haben; allein -die großen Goldstücke in ihren Händen überzeugten sie eines anderen. -Ein jeder von ihnen kaufte sich ein Häuschen und lebte glücklich mit -seiner Familie. Nur einer wurde stolz und glaubte nicht mehr arbeiten -zu sollen, wofür ihn, wie der Zwerg gedroht hatte, das Los bitterster -Armut traf; die beiden andern arbeiteten fleißig wie früher und -erinnerten sich in ihrem Glück oft an den alten grauen Zwerg, den -Begründer ihres Wohlstandes. Noch heute zeigt man im Kupferhügel -Spuren jenes Gewölbes und heißt dieselben seit dieser Begebenheit »die -Zwergkammer.«</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Zwerge sind elbische Wesen, welche für sich ein eigenes Reich bilden und -durch Zufall oder Drang der Umstände bewogen, mit den Menschen, denen sie helfen -oder schaden können, verkehren; sie sind jedoch meist wohlthätig und hilfreich. Die -Liebe zur Musik verknüpft sie mit höheren Wesen, besonders mit Halbgöttinnen und -Göttinnen. Ja eine Stelle in einem mittelhochdeutschen Gedichte: »<em class="antiqua">da sassen -fideler und videlten all den albleich</em>«, spricht ihnen die Erfindung einer eigenen -Weise zu. Neben der Musik liebten die Zwerge besonders den Tanz. Elbe tanzten -des Nachts im Mondschein, und aus der Erscheinung tanzender Berggeister prophezeite -man ein gesegnetes Jahr. (Grimm, Deutsche Myth., S. 264.) Auch die Ludki, -die Zwerge der wendischen Sage, waren Spielleute und besuchten als solche und -manchmal auch als Tänzer die Feste der Menschen, wobei sie Geschenke mitbrachten. -(Haupt, Sagenbuch etc. I., No. 43.)</p></div> - -<h3 id="sec145">145. Das graue Männlein bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 40.)</p> - -<p>Nahe bei Joachimsthal führt der sogenannte »Apostelsteig« nach -der »Prokops-Kapelle.« Ein greiser Mann aus dem Gewerbestande -erzählte: Mein Vater hat als vierzehnjähriger Junge im Frühjahre -bei Abenddämmerung ein graues Männlein, nicht länger als sein -eigener Bart, plötzlich sich breit vor ihn hinstellen gesehen. Kein -Gebet, aber auch kein Fluch hat das wie im Boden wurzelnde graue -Männlein verscheucht. Vor Verwirrung griff der Vater zuerst nach -der Tabaksdose, dann räusperte er sich, betete und weinte, endlich ist -ihm bei allem Entsetzen das Evangelium Johannes in den Sinn gefahren, -und als er sprach: »Das Wort ist Fleisch geworden«, ist das -Männlein verblitzt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_119">[119]</a></span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das graue Männchen als zwerghaftes Wesen ist der Berggeist; die graue -Farbe ist Erdfarbe.</p></div> - -<h3 id="sec146">146. Das graue Männel bei Blauenthal.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Wenn man auf der Straße von Burkhardsgrün nach Blauenthal -geht, so hat man, ehe die Muldenbrücke erreicht wird, zur linken -Hand einen Waldbezirk, welcher das »graue Männel« heißt. Dieser -Name soll von folgender Begebenheit herrühren. Einst herrschte in -Blauenthal und Umgegend die Pest. Da waren Holzhauer in dem -genannten Walde, die unterhielten sich beim Vesperbrot und klagten -über das viele Sterben. Auf einmal stand ein graues Männel vor ihnen -das ihnen vorher unbemerkt zugehört hatte; dasselbe sagte:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Trinkt Bärenwurz und Baldrian,<br /></span> -<span class="i0">So kommt ihr alle gut davon!«<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>In Nordböhmen soll zur Zeit einer großen Pest ein Engel gerufen haben:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Eßt Bibernell und Baldrian,<br /></span> -<span class="i0">So geht euch die Pest nicht an.«<br /></span> -</div></div> - -<p class="noind">(Grohmann, Aberglauben etc., S. 92.)</p> - -<p>Während einer Pest in Hinterpommern kam eine Taube vom Himmel -und rief:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Ist die Krankheit noch so schnell,<br /></span> -<span class="i0">So braucht geschwind nur Bibernell.«<br /></span> -</div></div> - -<p class="noind">(Die Natur von Ule und Müller, 1866, No. 2.) Dieselbe Sage findet sich auch im -Spessart. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 305.)</p> - -<p>Als nach dem 30jährigen Kriege die Pest im Vogtlande und Erzgebirge -furchtbar wütete, kam von Norden her ein weißer Rabe geflogen, welcher rief:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Freßt nur recht Rapuntika,<br /></span> -<span class="i0">Sinsten kimmt kä Mensch derva.«<br /></span> -</div></div> - -<p class="noind">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 628.)</p></div> - -<h3 id="sec147">147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.</h3> - -<p class="source">(Mündlich. Köhler, Volksbrauch etc., S. 497.)</p> - -<p>In Bernsdorf bei Werdau war eine Seuche, an der viel Menschen -starben. Des Abends pochte es an die Hausthüre, und so vielmal -es gepocht hatte, so viel Menschen starben am andern Morgen -in dem Hause. Es war aber ein graues Männchen, das von Haus -zu Haus ging und klopfte. Dasselbe Männchen kam auch zu einem -Manne und dessen Frau und sagte: »Eure Nachbarn werden alle sterben -und Ihr sollt die Totengräber machen.« Am anderen Tage waren<span class="pagenum"><a id="Seite_120">[120]</a></span> -die Nachbarn tot und der Mann mußte sie mit Hilfe seiner Frau begraben. -Da sich aber beide darüber entsetzten und sich vor dem Tode -fürchteten, kam das Männchen wieder und sprach:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Trinkt Baldrian,<br /></span> -<span class="i0">So kommt ihr alle davon.«<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>In einer Lausitzer Sage wird Baldrian von einem Vogel als Mittel gegen -die Pest empfohlen. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 337.)</p></div> - -<h3 id="sec148">148. Der graue Zwerg am weißen Stein bei Alberode.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)</p> - -<p>Bei dem sogenannten weißen Stein, einem einzelnstehenden Felskegel -zwischen der Mulde und Alberode, sitzt zuweilen ein graues -Männchen. Wenn der rechte Mann kommt und zur rechten Stunde -und sagt das richtige Sprüchelchen, der sieht den Zwerg, und dieser -zeigt ihm große Schätze, ganze Backschüsseln voll Gold.</p> - -<h3 id="sec149">149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen -wird gestört.</h3> - -<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 59.)</p> - -<p>Das Verhältnis zwischen den Zwerglein und Menschen blieb -nicht immer ein freundliches. Es kam dahin, daß die kleinen Leute, -wenn sie bittend vorsprachen, häufig von der Thür gewiesen, ja daß -sie sogar verfolgt und an Freiheit und Leben bedroht wurden.</p> - -<p>Einst war ein Zwergweiblein nach Langenau gekommen, man -ließ es aber nicht mehr fort und einige Unbarmherzige sperrten es sogar -ein. Es bat und flehte inständig um seine Freiheit, denn es habe -ein ganz kleines Kindchen zu Hause und müsse es warten und pflegen; -aber sein Bitten war umsonst.</p> - -<p>So saß es über Nacht gefangen und man hörte es in einem fort -jammern und klagen: »Mein Spinnerl spinnt nit, mei Waferl waft -nit, mein jüngstes Bübel greint Tag und Nacht!«</p> - -<p>Als man am Morgen öffnete, war das Weiblein tot.</p> - -<p>Aber diese Unthat ward gerächt. Aus dem Hause, wo sie geschehen, -floh das Glück und der Segen für immer; die Besitzer gingen -zugrunde, sie mochten arbeiten und sich mühen, wie sie wollten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_121">[121]</a></span></p> - -<h3 id="sec150">150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben -wurden.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 185 und 190.)</p> - -<p>Der gemeine Mann trägt sich mit der Sage, daß vor alten -Zeiten, ehe das Obererzgebirge angebaut worden, auf dem Waldgebirge -und in dessen Felslöchern Zwerge gewohnt hätten, welche aber -durch Aufrichtung der Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks« -sollten sein verjagt worden. Sie wollten aber wiederkommen, wenn -die Hämmer würden abgehen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>S. auch die Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte. – Das »Klippelwerk« ist -ein Pochwerk, in welchem die Erze durch niederfallende Stampfen (Klippel) zerstoßen -werden. Später verstand man unter Klippelwerk eine Bauart ärmlicher Häuser, -nach welcher Holzscheite zum Aussetzen der Zwischenräume im Säulenwerke oder -auch in Verbindung mit Lehm und Stroh zur Herstellung der Feueressen verwandt -wurden. (Joh. Poeschel, Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie. 1883, S. 124, Anmerkung.)</p> - -<p>Ich finde bei Meltzer (Beschreibung der löbl. Bergkstadt Schneebergk, 1684, -S. 471.) noch eine dritte Erklärung des Wortes. Darnach wäre darunter das -Spitzenklöppeln zu verstehen, und bei dieser Erklärung würde die Tautologie »Pochwerk -und Klippelwerk« wegfallen.</p></div> - -<h3 id="sec151">151. Spuk der Berggeister und Zwerge auf der Ruine -Oberlauterstein bei Zöblitz.</h3> - -<p class="source">(Wg. im Glückauf, 2. Jahrg., No. 5.)</p> - -<p>Die Burg Oberlauterstein ist im Hussitenkriege geschleift worden. -In den noch längere Zeit gebliebenen Überresten wohnten Berggeister -und Zwerge, welche sich nicht miteinander vertrugen, sich stets zankten -und des Nachts einen furchtbaren Lärm verursachten, so daß die Wanderer -oft auf den Gedanken kamen, es donnere daselbst. Da kam -einst aus dem Baierlande ein Geisterbanner, ein Feilenhauer von -Profession, in diese Gegend. Es war ein langer, hagerer Mann mit -zerlumpten Kleidern, als Geisterbanner gesucht hier und da, gefürchtet -aber von jung und alt. Der Amtmann im Schlosse Niederlauterstein -bat ihn, die Geister in der Ruine Oberlauterstein zu bannen, denn -sie ließen auch ihn nicht ungeneckt. Der Feilenhauer versprach alles -und hielt auch Wort. In einer finsteren Nacht nahm er seine Beschwörungen -vor, pfiff dreimal ganz laut, und die unruhigen Geister -krochen allzumal in den vorgehaltenen Ranzensack. Diese Geister trug -der Mann in der folgenden Nacht im Ranzen, wie eine Partie junger -Katzen, in die entferntere Ruine des Raubschlosses am Katzenstein, wo<span class="pagenum"><a id="Seite_122">[122]</a></span> -sie sich nun unter dunklen Fichten die Zeit mit Würfel- und Kartenspiel -vertrieben. Als jedoch die Ruinen des Raubschlosses immer -mehr zusammenbrachen, hatten die gebannten Geister nicht alle mehr -Platz und zogen aus. Nicht selten zeigen sie sich jetzt noch in der -Nähe des alten Oberlauterstein in feuriger Gestalt. Die Frauen dieser -Geister heißen Klageweibel. Sie zeigen den nahen Tod der Bewohner -an und haben ihren Sitz auf den sumpfigen Wiesen von Ansprung. -Zuweilen erscheinen sie auch in Zöblitz in Gestalt kleiner Kinder, bittere -Thränen vergießend.</p> - -<h3 id="sec152">152. Berggeister in den Schneeberger Gruben.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1019.)</p> - -<p>Außer höchster Not wegen der bösen aufsteigenden Wetter und -Schwaden, welche die zwei edelsten Glieder des menschlichen Leibes, -das Gehirn und Herz ergreifen, sind die Bergleute auch nicht in geringerer -Gefahr wegen der Bergteufel, Mönche und Berggespenster, -die in der Finsternis herrschen und in den Strecken herumfahren wie -brüllende Löwen, und suchen, wie sie Bergleute, wo dieselben nicht -mit Gebet und Glauben widerstehen möchten, verschlingen. Und ob -auch wohl die Bergmännlein einfältige Bergleute nicht so furchtsam -machen, sondern doch wohl ein Zeichen eines guten künftigen Anbruchs, -wo sie gesehen werden, sein sollen, so ist doch ein Teufel so arg wie -der andere, und welcher am freundlichsten sich stellet, der ist wohl am -schädlichsten und verursacht durch Gottes Verhängnis Fälle und Brüche. -Es ist bekannt, wie einst dergleichen Bergteufel in Gestalt eines Mönchs -einen Arbeiter in dem alten reichen St. Georg ergriffen und nicht -ohne Beschädigung seines Leibes in der großen Weite in die Höhe -geworfen.</p> - -<p>Im Jahre 1538 ist ein Bergmann in der Höflichen Besserung -Fundgrube, vom Ungeheuer erwürget worden, weshalb Kurfürst Johann -Friedrich darüber in einem besonderen Befehle umständlichen Bericht -verlangte.</p> - -<p>Am 26. März des Jahres 1683 ging die Levitenzeche mit 3 -Schächten in Haufen, daß man nichts von der Kaue sahe. Kurz -zuvor aber war ein dicker Mann, mit Silber und Gold geschmückt, -aus dem Kämmerlein heraus in die Kaue zu einem Bergmanne, Israel -Ficker, welcher daselbst Schachtholz zurichtete, gekommen, und -hatte ihn mit diesen Worten gefragt: »Kennst Du mich nicht?« Und -da der Bergmann geantwortet: »Herr, wie soll ich Euch kennen, Ihr -werdet wohl einer vom Herzog aus Holstein (der diese Zeche bauete)<span class="pagenum"><a id="Seite_123">[123]</a></span> -sein!« Da hat er ihn heißen anfahren, und, weil er es nicht thun -wollte, dergestalt getäuscht, daß er darüber des Todes war und am -30sten desselben Monats begraben wurde.</p> - -<h3 id="sec153">153. Der Berggeist in der Grube »Sieben-Schlehen« bei -Neustädtel.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)</p> - -<p>Es war eines Jahres am 24. December, als ein Bergmann in -der Grube »Sieben-Schlehen«, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, -getrosten Mutes einfuhr. Rüstig ging er an seine Arbeit. Da gegen -Mitternacht ließen sich in der Ferne Schritte vernehmen, und der -Bergmann glaubte, einer seiner Gesellen komme, um ihn abzulösen. -Doch als das »Sappen« näher kam, erblickte er einen Mann, der -trug an der Brust eine goldig funkelnde Blende mit einer Kerze darin; -seine Kleidung war dunkel bis auf die weißen Strümpfe; an den -Füßen hatte er glänzend schwarze Schuhe und der Kopf war mit einem -Hute, ähnlich den Napoleonshüten, bedeckt. Sein Gesicht konnte jedoch -der Bergmann vor Glanz nicht sehen; nur das eine sah er, daß ein silberweißer -Bart bis auf die Brust hernieder hing. Die Erscheinung blieb vor -ihm stehen und sagte nichts, leuchtete ihn aber an und kehrte auf demselben -Wege wieder zurück. Als der Bergmann am anderen Morgen -von seinem Begegnis erzählte, sagten ihm seine Gesellen, das sei der -Berggeist gewesen.</p> - -<p>In demselben Schachte arbeitete am nächsten Charfreitage ein -anderer Bergmann. Derselbe hörte in seiner Nähe ein unaufhörliches -Sägen und Hämmern, wiewohl er wußte, daß keine Zimmerlinge da -waren. Er zeigte dies beim Ausfahren dem Steiger an, welcher sogleich -einfuhr und die Töne ebenfalls hörte. Darauf ließ derselbe -den Ort mit Bretern verschlagen. Nach wenigen Tagen aber war er tot.</p> - -<h3 id="sec154">154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Anhang, No. 7.)</p> - -<p>Auf dem Donat Spath im Bereiche der Elisabeth-Fundgrube zu -Freiberg sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen -»Hans« in Stein gehauen, wahrscheinlich zum Andenken eines Verunglückten. -Das Bergvolk aber erzählt davon folgende Sage:</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_124">[124]</a></span></p> - -<p>Vor Zeiten arbeitete auf dem Donat auch ein Bergknecht Hans, -welcher so arm war, daß er manchmal hätte verzweifeln mögen. Er -weinte oft stundenlang in der Grube und eines Tages, als er sich -keinen Rat mehr wußte, brach er in laute Klagen aus. Da zerteilte -sich der Felsen und aus dem steinernen Thore trat ein kleines Männchen -hervor. Das war der Berggeist, der sagte: »Armer Hans, ich -will Dir helfen, aber Du mußt mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrot -und ein Pfenniglicht geben und ewiges Schweigen geloben!« -Hans, welcher sich bald von seinem Schrecken erholt hatte, versprach -alles mit Freuden. Darauf verschwand der Berggeist wieder und ließ -ihm des Silbers in Menge zurück. Nun war Hans ein gemachter -Mann, der schon ein paar Groschen aufgehen lassen konnte. Niemand -konnte begreifen, woher er das Geld habe, und er nahm sich wohl -in acht, davon zu plaudern. Aber da kam das Stollnbier, wo das -Bergvolk sich der Freude hinzugeben pflegt. Hans war diesmal vorzüglich -auf dem Zeuge und sprach dem Glase wacker zu. Bald war -er berauscht und konnte in der Lust des Herzens das Geheimnis nicht -länger verschweigen. Als aber am andern Tage sein Taumel verflogen -war und die Freunde ihm erzählten, was er geplaudert habe, da erschrak -er und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war, -den Knechten, welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben. Diese -warteten lange vergeblich, er gab kein Zeichen, sie riefen ihn, er antwortete -nicht. Da plötzlich zuckte es rasch am Seile und ein helles -Licht erglänzte in der Teufe. Die Haspelknechte wußten nicht, was -das zu bedeuten habe, drehten aber den Rundbaum mit Eile banger -Erwartung, und bald war der Kübel zu Tage gefördert. Rings um -den Rand desselben brannten Pfenniglichte, und drinnen lag der arme -Hans tot, mit blauem Antlitz, wie ein Erdrosselter, und auf ihm -das letzte Pfennigbrot. Der grausame Berggeist hatte ihn umgebracht.</p> - -<h3 id="sec155">155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)</p> - -<p>Nahe bei »Sieben-Schlehen« befand sich ein Schacht, in welchem -folgendes geschah: Als der Kunstwärter daselbst das Kunstzeug -einölte und dabei an den Hauptzapfen kam, ließ sich ein Gesicht an -der Wand sehen, welches sprach: »Diesen Zapfen schmiere ich.« Der -Kunstwärter gehorchte und ließ von da an diesen Zapfen unberührt, bis -er doch einmal das Gebot übertrat. Kaum hatte er den Hauptzapfen<span class="pagenum"><a id="Seite_125">[125]</a></span> -eingeölt, so geriet er mit dem rechten Arme in das Kunstzeug, welches -ihm den Arm abriß. Doch empfand er dabei nicht den geringsten -Schmerz und die Wunde blutete auch nicht. Als er den weggerissenen -Arm aufhob, erblickte er das Gesicht an der Wand wieder; -dasselbe sah ihn höhnisch an, ohne etwas zu sprechen.</p> - -<h3 id="sec156">156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne -in Neu-Geising.</h3> - -<p class="source">(Meißner, Umständliche Nachricht von der Bergstadt Altenberg, -1747, S. 239.)</p> - -<p>Gottfried Behr, welcher im Zwitterstock zu Altenberg arbeitete -und einen Brennofen beschickte, erzählte folgendes: Es sei am 31. August -1713, als er in seinem Hause zu Neu-Geising früh vor 3 Uhr habe -aufstehen wollen, ein Mann, grau von Haaren und Bart, in einer -vollkommen menschlichen Gestalt, in einer langen grauen Kutte vor -sein Bett getreten und hätte gesagt: »Warte immer noch ein -Bißchen!« Und als Behr geantwortet: »Ich muß anfahren«, hätte -dieser weiter gesagt: »Du sollst noch eher droben sein, als der, so -mein Volk zählen läßt. Warte noch ein Bißchen, ich will Dir was -sagen. Ich will mit Dir ins Zechenhaus gehen und Dir was weisen, -wie ich mein Volk will wegnehmen. Du hast unterschiedliche Warnungen -gethan und dabei haben Dich viele verunglimpfet; dieselben haben -ihr Teil schon gekriegt. Und wenn sie Dich itzo werden wieder so -verunglimpfen, wenn Du es sagen wirst, so soll es denen wieder so -gehen, wie den ersten. Und Du sollst eher droben im Zechenhause -sein, wie der Geschworene, das merke Dir zum Wahrzeichen gewiß!« -Darauf wäre der Mann verschwunden und er hätte nicht gesehen wohin. -Hierauf sei er aus dem Bette aufgestanden, hätte sich angezogen, und -wie er seinen ordentlichen Weg den Mühlberg hinan ins Zechenhaus -gegangen, habe er daselbst den alten grauen Mann innen an -der Thür stehend wieder angetroffen und gesehen, daß er vom Ofentopfe -an einen Strich mit dem rechten Arme über die Bergleute nach -dem Fenster zu gethan, und ihn an der linken Seite berührt, daß -er solches die ganze Woche lang sehr gefühlet und manche Thräne -darüber vergossen. Nach diesem hätte er wahrgenommen, daß die -Leute alle weggewesen, bis auf zehn Personen, so an dem Ofen traurig -gesessen. Der graue Mann aber hätte dazu gesagt: »Da haben -sie die Zwölf, die mögen sie auszählen.« Darauf sei er wieder verschwunden, -und habe er, nämlich Behr, die Leute, welche fortgewesen,<span class="pagenum"><a id="Seite_126">[126]</a></span> -mitten unterm Gebete wieder um sich gesehen; es sei auch gleich der -Herr Geschworene hineingekommen und habe sich sofort am Tische an -seinen Ort gesetzt und mit den Burschen sein Gebet gethan; weiter -aber habe er damals weder im Zechenhause, noch in der Grube, oder -sonst etwas mehr gemerket. Freitags hernach, den 8. September, -habe sich ferner begeben, daß, als er zu seiner Zeit aufgestanden und -ins Zechenhaus sich begeben, auch in die Stube hineingetreten, dieser alte -graue Mann in voriger Gestalt und Tracht beim vorderen Fenster am -Tisch auf seinem Orte gesessen. Nachdem er nun näher gegangen, den -Tisch mit der Hand ergriffen und sich setzen wollen, sei derselbe aufgestanden -und gleich wieder vor seinen Augen weggekommen, worauf -er sich gesetzet und mit den Bergleuten gebetet. Am 11. September, -früh 5 Uhr, erschien der graue Mann dem Gottfried Behr wieder vor -dem Bette und sagte, er solle mit ihm wohin gehen, da würde eine -Hochzeit sein, es wären schon drei Tafeln gesetzt. Nachdem aber seine -Frau dazu gekommen und ihn gerufen, wäre der graue Mann wieder -verschwunden.</p> - -<h3 id="sec157">157. Vom Berggeist in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Nach einer mündlichen Mitteilung.)</p> - -<p>In der St. Georgenzeche zu Schneeberg ist früher einem Knappen -ein Berggeist erschienen und hat ihn so gewaltig auf einen Stein -gesetzt, daß er wie angemauert sitzen bleiben mußte. Ebenso erging -es einem Steiger, welcher die Bergleute sehr streng behandelte. Später -erschien der Berggeist wieder und schlug mit der Faust gewaltig -an die Felswand. Die Bergleute, welche daselbst arbeiteten, sahen -darauf eine Höhlung, in welcher viel Silber lag. Hätten sie sogleich -eine Hacke oder ein anderes Gerät in die Höhle geworfen, so würden -sie den Schatz gewonnen haben. So aber unterließen sie es aus Unkenntnis -und der Schatz verschwand; auch der Berggeist ließ sich von -dieser Zeit an nicht wieder sehen.</p> - -<h3 id="sec158">158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.</h3> - -<p class="source">(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, Sammlung bergmännischer -Sagen, 1883, S. 29.)</p> - -<p>In der St. Georgsgrube zu Schneeberg erschien der Berggeist -in Gestalt eines schwarzen Mönches, ergriff einen Bergknappen, der -sich in der Teufe ungebührlich aufgeführt, hob ihn auf, und setzte ihn<span class="pagenum"><a id="Seite_127">[127]</a></span> -auf einer ehedem silberreichen Grube nieder, so hart, daß ihm das -Hinterleder platzte und alle Rippen krachten.</p> - -<h3 id="sec159">159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.</h3> - -<p class="source">(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, a. a. O., S. 29.)</p> - -<p>Zu Annaberg war eine Grube, genannt »der Rosenkranz«, darinnen -arbeiteten 12 Knappen. Die schwatzten mit einander possenhaft, -wollten sich gegenseitig mit dem Berggeist fürchten machen und leugneten -ihn als einen lächerlichen Popanz. Da mit einem Male sahen sie -eine Roßgestalt mit langem Halse und mit feurigen Augen an der -Stirne und erschraken zum Tode. Dann ward aus der Roßgestalt -die wahre Gestalt des Bergmönches, die trat ihnen schweigend nahe -und hauchte jeden nur an. Sein Atem aber war wie ein böses Wetter, -sie sanken tot nieder von des Geistes Anhauch, und nur einer kam -wieder zu sich, gewann mit Mühe den Ausgang und sagte, was sich -zugetragen. Dann starb auch er. Darauf ist die silberreiche Grube -»der Rosenkranz« zum Erliegen gekommen und nicht mehr angebaut -worden.</p> - -<h3 id="sec160">160. Der gespenstische Bergmann in Aue.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis.</em>, S. 1146.)</p> - -<p>In den erzgebirgischen Bergstädten sind die Bergteufel in manchen -Gestalten erschienen, bald als Bergmönche inner- und außerhalb -der Gruben, bald mit einem Irrlicht, als einem vermeinten Grubenlicht. -So ließ sich im Jahre 1684 in einer Auischen Wohnung beim -Schnorrschen Hammerwerk ein Geist hören und darauf in Gestalt eines -Bergmanns sehen. Derselbe hüpfte in einer gewissen Gegend unweit -der Mulde, und da man an diesen Ort mit der Rute ging, soll dieselbe -auf Silber geschlagen haben.</p> - -<h3 id="sec161">161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Frauen, welche mit Butter durch den Zechengrund bei Zinnwald, -wo früher reiche Bergwerke waren, gingen, sahen oftmals daselbst -Bergknappen, obgleich schon längst kein Bergbau dort im Gange mehr -war.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_128">[128]</a></span></p> - -<h3 id="sec162">162. Gespenstischer Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 75.)</p> - -<p>Am Bache zwischen Rittersgrün und Pöhla ist ein Fels, in dessen -Nähe sich ein Gespenst als Bergmann hören und sehen ließ, oben auf -dem Kopfe mit einem brennenden Grubenlichte. Derselbe erschreckte des -Nachts die Leute und warf sie in den Bach.</p> - -<h3 id="sec163">163. Gespenstischer Bergmann bei Scheibenberg.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 76. Wrubel, Sammlung -bergmännischer Sagen, 1883, S. 79.)</p> - -<p>Am Scheibenberge hat sich oft ein Gespenst in Gestalt eines Bergmanns -sehen lassen. Dasselbe ist den Maurern, welche dort Sand gesiebt, -plötzlich auf den Hals gekommen; andere hat es hinter dem Berge -an eine eiserne Thüre geführt, wie zum Eingange eines Schatzes, die -man aber darauf nicht hat wieder finden können. Auch hat daselbst -ein Gespenst in Gestalt einer Jungfrau, oder in der von Wölfen, -Füchsen und Irrwischen manche irre geführt und geäfft.</p> - -<p>Im Jahre 1632 hat Hans Schürf zu Crottendorf eine Tochter -von 8 Jahren im Walde verloren, die man innerhalb 13 Tagen nicht -auffinden konnte, bis sie von einer Köhlerin im Walde angetroffen -und heimgebracht wurde. Da man sie nun fragte, was sie denn gegessen -und getrunken, antwortete sie, ein Männchen habe ihr alle Tage -eine Semmel und zu trinken gebracht.</p> - -<h3 id="sec164">164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre.</h3> - -<p class="source">(Gräße, a. a. O. Nr. 499.)</p> - -<p>Einmal ritt ein beherzter Mann ganz allein in der Abenddämmerung -nicht weit von Annaberg auf der gewöhnlichen Heerstraße, -da sah er einen alten Bergmann vor sich hergehen. Als er an ihn -herankam, bot er ihm einen guten Abend, erhielt aber keine Antwort, -ebenso wenig auf die Wiederholung des Grußes, und da er etwas -hitzig war, schrie er: »Ei, so soll Dich Grobian gleich der Teufel –!« -und zog ihm eins mit der Reitgerte über. Aber siehe, auf einmal -wußte er nicht mehr, wo er war; er ritt bis in die Nacht in der Irre -herum und erst gegen Mitternacht hörte er Stimmen. Er rief, es kamen -Leute, er fragte, wo er sei, und erfuhr, er sei in seinem eigenen -Heimatorte. Man führte ihn bis an sein Haus und noch immer kannte<span class="pagenum"><a id="Seite_129">[129]</a></span> -er sich nicht; erst als seine alte Mutter mit einem Lichte vor die Thür -trat, wußte er wieder, wo er war. Der Bergmann hatte ihn geäfft.</p> - -<h3 id="sec165">165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann.</h3> - -<p class="source">(K. Fr. Döhnel im Erzgeb. Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 180.)</p> - -<p>Eine geraume Zeit hatte der alte Bergmann Kapuzer redlich und -treu in den unterirdischen Klüften gearbeitet, und wer ihn gesund und -von der verderblichen Bergluft verschont in seinem grauen Kopfe sah, -der mußte ihm gut sein. Freilich hatte er sich auf der Fahrt seines -Lebens durch Kämme<a id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> und Knauer<a id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> winden müssen, und manches -Wetter und manche Felsenwand hatten ihn auf seiner Fahrt bedroht. -Es schien fast, als hätte ihn das Schicksal als ein taubes Gestein auf -die Halde des Lebens geworfen; aber nie verlöschte das Grubenlicht -der Hoffnung in seiner Hand, und mit diesem glaubte er noch einen -reichhaltigen Gang zu treffen. Aber eine fürchterliche Teuerung brach -herein, und Berghenne<a id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>, die sonst ihm und seinen Kindern Sonntagskost -gewesen war, mußte er ganz entbehren und oft Tage lang -hungern. Die Kleinen jammerten ihn sehr, und ob er sich schon manches -entzog, um nur ihren Hunger zu stillen, so wollte es doch nicht -zulangen. Einstmals fuhr er zur Frühschicht an und sang mit frohem -Mute das schöne Lied: Wer nur den lieben Gott läßt walten, obschon -er seit zwei Tagen wenig gegessen hatte. Unter den letzten Versen -des Liedes begann er seine Arbeit und verfolgte rasch mit dem Fäustel -den am Tage vorher getroffenen Gang. Da sprang ihm gediegenes -Silber ins Auge. Die Stufe, die er abhieb, war reichlich, und von -ihrem Verkaufe konnte er langen Unterhalt für seine Kinder hoffen. -Das Elend der Kinder stand vor ihm, die Mittel, es zu mildern, auch, -und schon streckte er in Erwägung der wachsenden Not seine Hand nach -der Silberstufe. Da schlug ihm etwas auf die Achsel. Er drehte sich -um und sah ein kleines graues Männchen im Berghabite hinter sich -stehen, das mit der einen Hand auf die Silberstufe zeigte und die -andere drohend erhob. Kapuzer schauderte, warf die Silberstufe hin -und das Männchen verschwand. Sogleich fuhr er aus, um es seinen -Vorgesetzten zu melden, daß Gott das Gebet der Gewerken erhört und -Gänge und Klüfte aufgethan hätte. Die Vorgesetzten umarmten den<span class="pagenum"><a id="Seite_130">[130]</a></span> -redlichen Mann, fuhren in den Schacht und sahen den reichen Fund. -Die meisten Gewerken waren bemittelte Leute, sie wollten den alten -Kapuzer mit Ruhe in seinen alten Tagen für seinen Fund belohnen, -aber er schlug es aus, obschon sie ihm doppelten Lohn boten. »Ich -will in meinem Berufe sterben, ist ja das Grab auch nur ein Schacht, -in dem der Silbergang der Ewigkeit glänzt,« rief der Greis mit Thränen -in den Augen; »ich kann noch arbeiten.« Die Bitte ward ihm -gewährt, seine Kinder wurden gekleidet und er durch ein ansehnliches -Geschenk der drückenden Nahrungssorgen für sich und die Seinen entzogen. -Noch sechs Jahre arbeitete er mit gleicher Thätigkeit. Da rief -ihn der Bergfürst von der Schicht. Früh morgens um drei Uhr -wollte er zur Arbeit aufstehen, aber er vermochte es nicht. Um acht -Uhr rief er seinen ältesten Knaben: »Geh' zum Bergmeister,« sprach er, -»und sag' ihm, der alte Kapuzer werde bald Schicht machen, sein -Grubenlicht wolle verlöschen, er solle mich noch einmal besuchen.« Der -redliche Bergmeister kam zu dem Sterbenden und dieser erzählte ihm -die Geschichte von dem Bergmännchen. Der Bergmeister stand gerührt -an seinem Bette. Dann faltete der Kranke die Hände, betete still -und endlich sprach er mit schwacher Stimme: »Es ist vollbracht, Glückauf!« -und verschied.</p> - -<p>Wenn ein redlicher Bergmann aus Armut stehlen will, warnt ihn -das Bergmännchen, und nur die, welche geübte Bösewichter sind, überläßt -es der Stimme ihres Gewissens und der strafenden Hand der -Obrigkeit.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Kämme sind festere Gesteinslagen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Knauer, ein festes und rohes Gestein.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3_3"></a><a href="#FNAnker_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Berghenne ist eine Wassersuppe oder auch Brot und Käse.</p></div> -</div> - -<h3 id="sec166">166. Das gespenstische graue Männchen in der Grube »Treue -Freundschaft« bei Johanngeorgenstadt.</h3> - -<p class="source">(Engelschall, Beschreib. d. Bergstadt Joh.-Georgenstadt. 1723, S. 136.)</p> - -<p>In dem Bergwerke zur »Treuen Freundschaft« hat sich am -7. Aug. 1719 folgendes begeben: Es arbeitete vor Ort Johann -Christoph Schlott, und da man zu Mittag ausgepocht hatte, hörte er -gegen den Schacht noch jemanden husten. Da meinte er, es werde der -Steiger vor Ort fahren, solches in Augenschein zu nehmen. Nachdem -sich aber niemand eingestellt hatte, wollte er ausfahren; aber kaum -hatte er sich umgewendet, da nahm er wahr, wie ihm jemand vom -Schachte her mit brennendem Grubenlichte entgegen kam. Dadurch -wurde Schlott in seiner früheren Meinung, daß es der Steiger sei, -wieder bestärkt. Doch als sie endlich beide auf der Strecke zusammenstießen, -nahm er wahr, daß es ein sehr kleiner Mann in einem braunen -Kittel war. Derselbe hing eben, als Schlott vorbei fuhr, sein Grubenlicht<span class="pagenum"><a id="Seite_131">[131]</a></span> -ans Gestein, so daß es auch sofort hängen blieb, legte die Tasche -ab und sprach zu Schlotten. »Ists schon Schicht?« denn die Bergleute -fuhren an diesem Tage wegen der Beerdigung des Hammerwerksbesitzers -eine Stunde früher aus. Bei dieser Anrede überfuhr Schlotten -ein Schauer, er eilte davon und traf keine Arbeiter mehr in der Grube -an. Dies Begegnis erzählte er darauf dem Steiger, welcher anfangs -nicht viel davon wissen wollte; doch mußte Schlott später den Ort -zeigen, woran das Männchen sein Grubenlicht gehangen hatte. Daselbst -nahm man eine kleine Kluft wahr und es wurde an der Stelle ein -Schuß gebohrt, der einen Gang öffnete, von dem man mehrere Quartale -nacheinander eine gute Ausbeute machte.</p> - -<h3 id="sec167">167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Ein Bergjunge fuhr einst auf dem Bergschachte Orschel bei -Schneeberg an; da erschien ihm ein Berggeist, welcher ihn töten wollte. -Doch ließ er es bei der Drohung bewenden, wenn ihm der Junge -alle Tage eine Semmel mitbrächte; aber er solle niemandem etwas -davon sagen. Eines Tages brachte der Junge keine Semmel mit und -wurde in einem Kübel erwürgt. Als man ihn fand, lagen um ihn -herum viele verschimmelte Semmeln, mit denen er an das Tageslicht -gefördert wurde.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Diese Sage hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit der vom Berggeiste am -Donat zu Freiberg. Das Geschenk einer Semmel, welches dem Berggeiste gemacht -werden muß, erinnert an das Essen, welches man nach deutschen Sagen den Kobolden -hinsetzen mußte. Wie die Kobolde sind hier vielleicht auch die Berggeister -als Geister der Vorältern und zwar derjenigen, welche in der Erde ruhen, aufzufassen. -Zwergen und Berggeistern werden an gewissen Orten Speisen und Getränke -hingestellt, wofür sie sich durch Geschenke dankbar bezeugen. (Nork, Sitten und Gebräuche, -S. 241) In Idria stellen die Bergleute den Wichtlein, die man im Bergwerke -öfters klopfen hört, ein Töpflein Speise an einen besondern Ort. (Grimm, -deutsche Sagen, I. No 37.)</p></div> - -<h3 id="sec168">168. Der Berggeist verlangt für reiche Anbrüche eine Pfennigsemmel.</h3> - -<p class="source">(Ed. Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke. 1882, S. 1. etc.)</p> - -<p>Vor langen Jahren lebte in Joachimsthal ein erfahrener, aber -armer Bergmann, namens Christoph Wattmer, der sich und seine zahlreiche -Familie, so gut es eben ging, durch seiner Hände Fleiß redlich<span class="pagenum"><a id="Seite_132">[132]</a></span> -ernährte. War auch oft in seiner Hütte Schmalhans Küchenmeister, -so bewahrte sich doch Wattmer stets einen heiteren, zufriedenen Sinn, -um den ihn seine Kameraden nicht selten beneideten. Einmal hatte -er aber in der Nacht einen bösen Traum, der ihn recht traurig stimmte, -da er ein großes Unglück befürchtete. Deswegen wäre er gern von -der kommenden Morgenschicht weggeblieben, allein er mußte seiner -Pflicht folgen. Mit sorgenschwerem Herzen machte sich also Wattmer -beim Tagesanbruch auf den Weg zum Grubenhause, verrichtete daselbst -sein Gebet und mit dem üblichen »Glück auf!« fuhr er im Namen -Gottes in den tiefen Schacht. Als er vor Ort war, arbeitete er fleißig -und unverdrossen, bis er plötzlich in der Nähe ein Klopfen und -Hämmern, ein Ächzen und Stöhnen vernahm, das ihn nichts Gutes -erwarten ließ. Wie er nun in Gedanken versunken dastand, sah er -einen großen, dicken Mann im schmierigen, erdfahlen Grubenkittel auf -sich zuschreiten. Er hatte einen großen runden Hut auf dem Kopfe, -Schlägel und Eisen im breiten Gürtel, in der rechten Hand aber trug -er ein Grubenlicht, das die ganze Strecke taghell erleuchtete. Je näher -die unheimliche Gestalt kam, desto enger schnürten Furcht und Grausen -des Bergmanns Brust zusammen. »Fürchte Dich nicht,« redete der -Berggeist den zitternden Bergmann an, »ich will Dir kein Leid zufügen, -denn Du bist mir gerade willkommen. Sorge täglich für eine Pfennigsemmel, -es soll nicht Dein Schaden sein!« Der Bergmann that, wie -ihm befohlen ward, und brachte dem Berggeiste jede Schicht eine -Pfennigsemmel. Darüber erfreut, sprach der Berggeist eines Morgens -zu Wattmer: »Da Du bisher meinen Wunsch erfüllet hast, will ich -Dich zum reichen Manne machen.« Nach diesen Worten schlug er an -die Wand und sofort öffnete sich eine Strecke voll Silbererzes. »Melde -den Anbruch«, fügte er hinzu, »Deinen Vorgesetzten, doch sage niemandem, -daß ich mit Dir im Verkehre stehe, sonst bist Du unrettbar -verloren!« Der Bergmann versprach Stillschweigen, schied mit dankerfülltem -Herzen von seinem Gönner und fuhr vergnügt zu Tage. Er -eilte alsdann zum Berghauptmann und hinterbrachte ihm die Nachricht -von dem reichen Silberanbruche. Wie ein Lauffeuer ging diese -Kunde von Mund zu Mund und Freude strahlte auf allen Gesichtern. -Die gesamte Bergknappschaft veranstaltete nun zu Ehren des wackern -Christoph Wattmer ein glänzendes Mahl, bei welchem er obenan saß. -Als die Teilnehmer des Freudenfestes im Saale schmausten, zechten -und sich lustig machten, bestürmten sie unablässig Wattmer, er möge -ihnen doch endlich über das unerwartete Auffinden des Anbruches -näheren Aufschluß geben. Die Aussage, die derselbe machte, genügte -den neugierigen Kameraden, welche den Zusammenhang der Sachlage<span class="pagenum"><a id="Seite_133">[133]</a></span> -ahnen mochten, noch lange nicht, sie wollten mehr erfahren. Ihrem -Drängen gab endlich der unbesonnene Wattmer nach und erzählte mit -beklommenem Herzen die ganze Begebenheit; dafür aber sollte er schwer -büßen. Als er nämlich am folgenden Tage mit Zittern und Zagen -anfuhr, erwartete ihn schon mit geballter Faust der ergrimmte Berggeist, -der ihm mit donnernder Stimme zurief: »Heißt das, armseliger -Erdenwurm, mir, dem Herrn über alle Gebirge dieser Gegend, Wort -gehalten?« Dann ergriff er Wattmer und schleuderte ihn unbarmherzig -in den Schacht hinunter, wo er zerschmettert tot liegen blieb.</p> - -<h3 id="sec169">169. Der Berggeist von Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Novellistisch in Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, -S. 12. etc.)</p> - -<p>Die Grube St. Barbara zu Joachimsthal hatte einst einen bösartigen -gottlosen Obersteiger, welcher über Kirche und Gebet spottete, -unmäßig trank und spielte, seine Untergebenen drückte und einen schändlichen -Unterschleif machte. Seinem Beispiele folgten die meisten seiner -Untergebenen; nur acht oder zehn Bergleute glaubten treu an Gott -und Vergeltung, hielten in frommer Gemeinschaft zu einander und -wurden von der bösen Rotte ihrer Kameraden spottweise »Moses und -die Propheten« genannt. Zu diesem kleinen Häuflein, welches vergebens -der einreißenden Verwilderung entgegenstrebte und sogar mit -einer Anzeige drohte, gehörte auch Daniel. Derselbe war ein junger -Mann voll Geist und Leben und dabei ausgestattet mit reichen Kenntnissen -im praktischen Bergbau, so daß er bereits von dem verstorbenen -Vorgänger des gottlosen Obersteigers dem Bergamte zur Beförderung -vorgeschlagen worden war. Doch hatte man ihn bald wieder vergessen, -so daß die Hoffnung Daniels, seine Braut Marie, welche die hinterlassene -Tochter des verstorbenen Obersteigers war, heiraten zu können, in -weite Ferne rückte. Dazu kam noch, daß ihn der gottvergessene neue -Obersteiger wegen seines frommen Wesens haßte und bei den übrigen -Vorgesetzten verleumdete. Nur die Trostworte seiner Braut und eines -alten Freundes, des eisgrauen Martin, welcher mit ihm auf derselben -Grube anfuhr, trösteten ihn. Als nun Daniel eines Tages vor Ort -arbeitete und es schon stark gegen das Ende der Schicht gehen mußte, -da sein letztes Licht in der Blende fast ganz heruntergebrannt war, -hörte er unter seinen Füßen ein Klopfen und Hämmern, und er wußte -wohl aus den Erzählungen des alten Martin, daß dies von den Erdgeistern -herrühren müsse, da er ja auf der Sohle der Grube stand<span class="pagenum"><a id="Seite_134">[134]</a></span> -und unter ihm keine Häuer arbeiteten. Da suchte er sein Arbeitszeug -zusammen, um wieder auszufahren. Als er aber im Stollen um eine -Ecke bog, trat ihm plötzlich aus einem von den Alten betriebenen und -wieder verlassenen Orte ein kleiner, dicker Mann im Grubenkittel entgegen. -Schlägel und Eisen, die ihm im Gürtel staken, waren ungeheuer -groß und stark. In der rechten Hand hielt er eine Blende, in der -aber kein Licht brannte, sondern ein herrlicher grüner Stein befestigt -war, der einen wunderlieblichen Schein in hellen Strahlen nach allen -Seiten hinwarf. Wie nun Daniel schweigend vorübergehen wollte, -ward er mit Erstaunen gewahr, daß der unbekannte Bergmann mit -seinem Leibe die Breite des Stollens so genau ausfüllte, daß an ein -Vorbeischlüpfen nicht zu denken war. Er trat also einen Schritt zurück, -schlug ein Kreuz vor der Gestalt und sagte: »Wer Du auch -seist, gieb einem frommen Bergmanne Raum, der auf seinem Berufswege -wandelt!« Aber der kleine Kerl lachte und sagte: »Ich fürchte -mich vor Deinem Zeichen nicht, Kamerad, und magst Du daraus abnehmen, -daß ich Dir kein Leid zufügen will. Im Gegenteil, ich will -Dir helfen. Du bist ein armer Kerl, hast manchmal kaum satt Brot -und verdienst mehr, als alle die Schurken, die hier anfahren. Ich bin -der, den Ihr den Bergmönch nennt, bin Herr über alle Gebirge dieser -Gegend und kenne alle edlen Flötze und reichen Gänge. Dich hab ich -lieb gewonnen und will Dich zum reichen Manne machen. Hier nimm!« -Damit langte er aus seinem weiten Grubenkleide eine Menge der -herrlichsten Schaustufen von Rotgüldenerz hervor. »Gott behüte«, -sprach Daniel, »daß ich Euer Geschenk annehme, und somit meinen -Landesherrn bestehle. Wißt Ihr wirklich, wo edle Geschicke brechen, -so zeigt es dem Steiger an, und wir bekommen dann alle einen höheren -Lohn. Schimpft mir auch nicht auf meine Kameraden, es sind auch noch -ehrliche Kerls darunter.« »Narr Du,« brummte der Bergkönig, »mit -Deinen ehrlichen Kameraden; und Dein Steiger ist ein Schuft, der -die Grube bestiehlt und dem ich noch einmal den Hals umdrehen will! – -Du nimmst also mein Geschenk nicht?« »Ich darf nicht, Herr!« entgegnete -Daniel. »Nun, so krieche hinaus, Du blöder Maulwurf!« -Mit diesen Worten faßte ihn der Berggeist bei den Schultern und -warf ihn den Stollen vor bis an den Fahrschacht, ohne daß dem -Daniel jedoch ein Glied weh gethan hätte. Derselbe stieg nun hinauf, -und als er so hoch oben war, daß das Tageslicht in den Schacht fiel, -sah er wieder den Berggeist, welcher bereits oben war und mit dem -Neffen des Steigers seine Silberstufen theilte. Da der Neffe aber -immer die größere Hälfte in seinen Kittel steckte und darauf den -übrigen Teil dem Berggeiste zuschob, packte ihn dieser beim Gürtel,<span class="pagenum"><a id="Seite_135">[135]</a></span> -riß ihm die versteckten Stücke heraus, rannte ihn mit dem Kopfe gegen -die Fahrt, wobei er immer schrie: »Heißt das ehrlich geteilt, Du -Galgenstrick? heißt das ehrlich geteilt?« und schleuderte ihn endlich in -den Schacht hinunter. Glücklicherweise gelang es dem auf der Fahrt feststehenden -Daniel, den Neffen des Steigers aufzufangen und wieder -mit heraufzubringen. Er trug ihn zum Steiger, dem er die ganze -Geschichte erzählte. Dieser aber hieß ihn einen Narren, der wohl betrunken -gewesen sei, und gebot ihm nach Hause zu gehen. – Am anderen -Morgen wurde Daniel vor den Steiger gefordert, der ihn der -Lüge beschuldigte, indem sein Neffe ausgesagt habe, wie Daniel betrunken -in die Grube gekommen sei, Händel angefangen und ihn, den -Neffen, blutrünstig geschlagen habe. Das Märchen vom Bergmönch sei -nur erfunden worden, damit sich Daniel auf diese Weise entschuldige. -Zur Strafe solle derselbe nun 8 Tage lang zur Huntejungenarbeit, welche -die jüngsten Anfänger verrichteten, verurteilt sein. Diese neue unverschuldete -Kränkung empörte Daniels Herz; er beschloß, seinen Abschied zu -fordern und auf einem ausländischen Bergwerke ein Unterkommen zu -suchen. Seine Braut Marie bestärkte ihn in seinem Entschlusse. Am -nächsten Lohntage wollte er seinen Abgang anzeigen.</p> - -<p>Im Bewußtsein seiner Unschuld war er wieder angefahren und -begann eben seine Strafarbeit. Plötzlich stand der Berggeist vor ihm -und sprach: »Siehst Du, Tropf, wie Deine Gutmütigkeit belohnt -wird, und was Du für ehrliche Kameraden hast? So nimm nun ein -Stück Silber von mir, damit Du wenigstens einen Zehrpfennig auf -die Reise hast!« »Hebe Dich weg, Versucher!« antwortete Daniel; -»jetzt leide ich unschuldig, deshalb bin ich heiter und guter Dinge; -so ich aber Deinen Reichtum nähme und mein Gewissen mit ungerechtem -Gut belastete, was bliebe mir dann für ein Trost?« Da entgegnete -der Berggeist: »Ich sehe wohl, daß Du ein ehrlicher, wackrer Bursche -bist, und deshalb soll es Dir wohl gehen. Jetzt merke wohl -auf, was ich Dir sage. Wenn Du zu Abend aus der Grube fährst, -so bitte den Steiger, er möchte Dich morgen frei lassen, Du wolltest -Deine Andacht halten. Das darf er Dir nicht abschlagen. Dann -gehe zum Geistlichen, empfange das heilige Sakrament und halte Dich -ruhig. Hüte Dich aber jemand ein Wort zu sagen, es wäre zu Deinem -Schaden. Wenn nun der Steiger die Knappen beruft, so gehe und -thue frischen Muts, was Dir befohlen wird, Du bist auf guten Wegen, -Gott wird Dich schützen und ich werde Dir behülflich sein!« Daniel -that, wie ihm gesagt ward. Er verrichtete am andern Morgen seine -Andacht und saß nun stillbetend in seinem Kämmerlein, wartend, was -da kommen sollte. Einige Stunden nach Mittag hörte er ein Zusammenlaufen<span class="pagenum"><a id="Seite_136">[136]</a></span> -und lautes eilendes Gespräch vor seiner Hütte. Als er -hinaustrat, vernahm er, daß in der Grube ein großes Unglück geschehen -sein müsse, denn das Gestänge stehe still und man höre in der -Tiefe ein ungewöhnliches Brausen und Poltern. Bald rief die Bergglocke -die Arbeiter, welche sich nicht auf der Schicht befanden, beim -Steiger zusammen, welcher wetterte und fluchte. Beim Zählen fehlte -bloß der alte Martin, welcher am vorigen Tage die Erlaubnis erhalten -hatte, in sein Geburtsdorf zu gehen. Nun ordnete der Steiger an, -daß einer hinabsteigen müsse, um nachzusehen, was unten geschehen sei. -Dazu veranlaßte er seinen eigenen Neffen, weil er ihm Gelegenheit -verschaffen wollte, sich auszuzeichnen. »Ich verspreche Dir,« so sagte -er zu ihm, »einen Bericht an's Bergamt, der Dir den Untersteiger -einbringen soll!« Der Neffe weigerte sich anfangs, versuchte es dann, -stieg wieder empor und bat schließlich, ihn zu verschonen, da ihn die -Angst umbringe. Da stieß ihn der erzürnte Oheim in die Grube hinab -und warf die schwere Fallthüre zu. – Unterdeß hatte sich die Kunde -von dem Unglücke in der Grube weiter verbreitet, die Frauen und -Kinder von mehr als zwanzig Bergleuten, die auf der Schicht arbeiteten, -kamen herbei und überhäuften den Steiger mit Vorwürfen; -unter ihnen war auch Marie, welche von tödlicher Angst um Daniel -an den Unglücksplatz getrieben wurde. Da gebot der Steiger, durch -die Vorwürfe erbittert, durch seines Neffen vorsätzlichen Mord noch -mehr verwildert, Daniel solle nun hinab und ihm Kundschaft bringen, -woraus er dann den Bericht abfassen könne. Daniel trat darauf, obwohl -ihn Marie davon zurückzuhalten suchte, die gefährliche Fahrt an. -Er tröstete seine Braut und sagte, sie würden sich gewiß wiedersehen. -Der Steiger aber warf die Fallthür wieder zu, schob den Riegel vor -und sagte lachend: »Der fromme Mann wird wohl pochen, wenn er -wieder heraus will!« Damit ging er nach seinem Hause. Auf -Mariens Bitten öffneten die oben stehenden Bergleute den Schacht -wieder und das Mädchen lauschte hinab. Plötzlich rief sie aus: »Ich sehe -ein Licht in der Tiefe!« und dann wieder: »Gottlob, es ist Daniel!« -So war es. Daniel stieg glücklich hinauf, alle Arme streckten sich nach -ihm aus, um ihm zu helfen. Um seinen Leib hatte er ein Seil geschlagen, -und an dem Seile hing der leblose Körper des vom eigenen -Onkel hinabgestürzten Neffen. Das erste, was Daniel that, war, des -Neffen Schläfe zu reiben; man entzündete Sprengpulver vor dessen -Nase, und endlich gelang es den vereinten Bemühungen, ihn wieder -zum Leben zurückzurufen. Als er die Augen aufschlug, sah er Daniel -und stammelte: »Daniel, unschuldiger, verleumdeter Daniel, zweimal -mein Retter, ach, vergieb!« Dieser drückte ihn an sein Herz. Während<span class="pagenum"><a id="Seite_137">[137]</a></span> -dessen war ein höherer Bergbeamter mit dem Steiger an die Grube -gekommen. Der Bergoffizier beugte sich über den Schacht, starrte -hinab und sagte: »Unglaublich! die Wässer steigen noch immer. Seht -nur selbst, Obersteiger!« Dieser eilte herbei, sich weit über den Abgrund -legend. Aber plötzlich fuhr, allen sichtbar, eine Riesenfaust aus der -Tiefe, drehte im Nu des Steigers Angesicht auf den Nacken, daß man -alle Wirbel brechen hörte, hielt das gräßlich verzerrte, blaue Todenantlitz -der Menge entgegen und verschwand mit seinem Raube unter -der Flut. Darauf hörte man ein fürchterliches Donnern in der Tiefe. -Als sich die Umstehenden von ihrem Schreck etwas erholt hatten, sprach -der Bergbeamte sehr ernst: »Gott hat gerichtet und meinen schwachen -Händen dies Amt entnommen! denn auch ich war gekommen zu richten!« -Er erzählte nun, wie die Unredlichkeit des Steigers dem Bergamte -bekannt geworden sei, und wie er vor seiner Abreise von dem alten -Martin, den er als einen frommen Bergmann kenne, noch mehr vollgiltige -Beweise der Schuld erhalten habe. Hier an der Grube habe -er den unredlichen Mann seines Amtes entsetzen und zur Strafe ziehen -wollen. Und als der Bergoffizier nun weiter von Daniel hörte, wie derselbe -in der Grube seinem Tode in den hereinbrechenden Wassern entgangen -sei und wie er den Körper des Neffen vom Steiger gefunden und auf wunderbare -Weise gerettet habe, da erkannten er und alle Anwesenden die Hand -Gottes und die Hülfe des Berggeistes. Daniel war mit dem Körper des von -seinem Onkel Hinabgestürzten von den Fluten verschlungen worden, -und als er wieder zum Bewußtsein kam, fand er sich mit letzterem in -einer geräumigen, trocknen Halle, zu seinen Füßen stand die angezündete -Blende und lag ein Stück Seil. So gelang es ihm, wieder die -Fahrt zu gewinnen und den leblosen Körper mit hinauf zu ziehen. – -Der Bergoffizier ernannte hierauf Daniel im Auftrage des Bergamtes -zum Untersteiger an der Grube St. Barbara, und ebenso wies er -auch dem alten Martin einen Zuschuß an, der es ihm erlaubte, den -Rest seines Lebens außer der Grube zuzubringen. Darauf schied der -Beamte von ihnen, indem er dem Daniel noch Glück zu seinem neuen -Berufe wünschte.</p> - -<p>Nach acht Tagen war Marie Daniels glückliches Weib. Der -Berggeist erschien zwar nicht wieder, aber mehrfach konnten die Glücklichen -seine Nähe spüren. Zwar blieb die ersoffene Grube liegen, jedoch -entdeckte Daniel in demselben Reviere die herrlichsten Anbrüche. -Die Grube ward nach seinem Namen »Daniel-Zeche« genannt, gab -überreiche Ausbeute und baute sich gut aus. Als aber nach einem -Jahre Daniel den Beamten und den alten Martin zu Gevattern bei -seinem neugeborenen Söhnlein bat und ersterer ihm die Ernennung<span class="pagenum"><a id="Seite_138">[138]</a></span> -zum Obersteiger mit Gehaltszulage mitbrachte, da klingelte es auf -einmal wie goldene Schellen auf den zinnernen Tellern, die an der -Wand standen, und siehe, es fielen eitel neue Goldstücke durch die -Decke herab, hundert an der Zahl. In der Mitte war ein Mönch -darauf geprägt, und rund herum standen die Worte: »Beschert Glück -zur Daniel-Zeche!« Jetzt erkannte Daniel wohl seinen alten Freund, -den Berggeist, und in der Freude seines Herzens griff er nach einem -Becher Weins und brachte auf den Berggeist die Gesundheit aus. -Da that ihm jedermann Bescheid, die Gläser klirrten und zugleich ertönte -eine starke, liebliche Musik von Harfen und Zithern, Hörnern -und Schalmeien. Als man aber die Thüre öffnete und den Spielleuten -zu trinken geben wollte, da war niemand zu sehen und zu hören.</p> - -<h3 id="sec170">170. Der Berggeist von Abertham.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 84.)</p> - -<p>Am ältesten Ende von Abertham liegen mächtige Halden der -ehemaligen »Kreuzzeche,« welche in der letzten Periode des dortigen -Bergbaues allein zur Förderung sämtlicher Erze und Gesteine der -Aberthamer Grubengänge benutzt wurde. Über 300 Bergknappen waren -bloß zur Förderung angelegt. Als man aber daran ging, in genannter -Zeche mancherlei Fördermaschinen einzusetzen, waren viele Bergleute -um ihr Brot besorgt und trauerten und jammerten. Ihr Klagen rührte -sogar den mächtigen Berggeist, der sich entschloß, die bedrängte Lage -von den armen Bergleuten abzuwenden. Er ließ sich daher mehrmals -an verschiedenen Orten der Kreuzzeche sehen und stieß bei seinem jeweiligen -Erscheinen die warnende Drohung aus:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Legst Du mir meine Manneln (Knappen) ab,<br /></span> -<span class="i0">So schneid' ich Dir Deine Mittel ab!«<br /></span> -</div></div> - -<p>Da sich jedoch der Bergherr an diese Drohung nicht kehrte, sondern -unablässig darauf sann, immer mehr Maschinen in Anwendung -zu bringen, trat endlich, nachdem des Berggeistes Langmut ein Ende -genommen, die unglückliche Katastrophe ein, welche die gesamte -Knappschaft schon längst befürchtet hatte. Es brach nämlich eines Tages -der sogenannte tiefe Stollen, auch Schlickenstollen genannt, zusammen -und ließ sich nicht mehr bewältigen. Alle angewandten Kunstgriffe, -die Entsumpfung der nach Erz führenden Horizonte zu bewerkstelligen, -erwiesen sich zwecklos; die Mittel waren und blieben abgeschnitten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_139">[139]</a></span></p> - -<h3 id="sec171">171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von P. Mothes aus Bockau.)</p> - -<p>Bei der alten Zeche auf dem Ochsenkopfe haben verschiedene Leute -einen kleinen Jäger mit erdfahlem Gesichte gesehen. Derselbe ladet -jeden, der ihm begegnet, zu einem Spiele ein, und wenn ihm dann der -Betreffende folgt, so führt er ihn auf unbekannte Flecke, von wo aus -derselbe sich nur schwer wieder zurecht findet.</p> - -<h3 id="sec172">172. Der Gevattersmann vom Greifenstein.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 40. Dietrich und Textor, -die romantischen Sagen des Erzgebirges. I. 1822, S. 150. etc. -Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen (o. J.) S. 107.)</p> - -<p>Vor langer Zeit lebte in Geyer ein armer Häuer, mit Namen -Hans Geißler, der war blutarm und hatte ein schwangeres Weib und -viele Kinder und wußte sich oftmals keinen Bissen Brot zu verdienen. -Am größten aber war seine Not am Sylvesterabende, als die Niederkunft -seines Weibes auf wenig Stunden nahe war und er weder eine -warme Stube, noch sonst eine Erquickung, ja nicht einmal eine Wehmutter -für sie hatte. Er eilte hinaus, eine erfahrene Muhme aus -Günsdorf zu holen, verirrte sich aber bei dem gräßlichen Schneegestöber -von dem Wege und kam, durch tiefe Wehen sich mühsam durcharbeitend, -zuletzt an die Felsenschichten des Greifensteines. Erschrocken -wollte er umkehren, als der Berggeist ihm erschien und mit freundlichem -Blick ihn also ansprach: »Eile, glücklicher Vater! Gott hat -Dein Weib mit drei holden Knäblein gesegnet! Wenn Du nichts dawider -hast, will ich Dein Gevatter sein!« Da verließ Hansen die Furcht und -er antwortete: »In Gottes Namen magst Du mein Gevatter sein, aber -wie thue ich Dir die Stunde der Taufweihe kund?« Wie nun der -Berggeist lächelnd sagte, daß er ohnedem kommen würde zur rechten -Zeit, da verließ sich Hans darauf und eilte heim. Sein Weib hatte -ihm drei holde Knäblein geboren.</p> - -<p>Am andern Tage, als alles zur Taufe bereitet war, da ließ -auch der Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er -erschien in Häuerkleidung und übte das fromme Werk mit inniger -Andacht; als die heilige Handlung vorüber war, da schenkte er Hansen -einen Schlägel und ein Eisen und sprach: »Lieber Gevatter, bete und -arbeite! Wo Du mit diesem Gezäh einschlägst, da wirst Du reiche -Ausbeute finden, und dann denke allemal an Gott und Deinen Gevattersmann.«<span class="pagenum"><a id="Seite_140">[140]</a></span> -Darauf verschwand er; seine Worte aber trafen ein. -Hans ward ein reicher Mann und soll die Siebenhöfe bei Geyer gebaut -haben.</p> - -<h3 id="sec173">173. Das Geschenk des Holzweibchens.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)</p> - -<p>Die Holzweibchen sollen kleine zwerghafte Wesen gewesen sein, -die sich in verschiedenen Wäldern des Joachimsthaler Bezirks aufhielten.</p> - -<p>Ein Holzhauer setzte sich einmal zur Mittagszeit auf einen gefällten -Baumstamm und verzehrte sein hartes Brot. Da kam aus -dem Gebüsche ein altes Holzweibchen, füllte den Hut des Mannes bis -an den äußersten Rand mit Holzspänen und verschwand. Alsbald -sprang der Holzhauer, welcher diesem harmlosen Treiben ruhig zugesehen -hatte, auf und schüttelte die Späne aus. Als er abends zu -Hause den Hut abnahm, fiel klingend ein Stück Gold zur Erde, welches die -Form eines Spanes hatte. Einer der Späne, die das Holzweibchen -dem Holzhauer geschenkt und die er weggeschüttet hatte, war im Hute -hängen geblieben und zu Gold geworden.</p> - -<h3 id="sec174">174. Die Waldweibchen bei Pobershau.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Sem. Richter.)</p> - -<p>Ungefähr zehn Minuten von Pobershau und nicht weit vom -Walde zeigt man auf der sogenannten Amtsseite das Burkhardtsloch. -Hier sollen vor vielen Jahren Waldweibchen oder wilde Weibchen gelebt -haben, welche sehr gutmütig waren und oft armen Leuten in -ihrer Not halfen. Deshalb werden sie noch heute in der Gegend, so -oft man von ihnen erzählt, »Feen« genannt.</p> - -<h3 id="sec175">175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</h3> - -<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 56.)</p> - -<p>Auf dem großen Spitzberge bei Preßnitz haben sich ehedem Holzweibel -aufgehalten. Sie sind aber fortgezogen, als die Bewohner der -umliegenden Orte anfingen, die Knödel im Topfe zu zählen. Nur ein -Holzweibel blieb zurück, führte aber gegen die Menschen nichts Gutes -im Schilde, weshalb man ihm aus dem Wege ging. Dem aber, der -ein gutes Sprüchlein konnte oder ein Stückchen geweihte Kreide oder -»Charsamstagskohle« bei sich führte, konnte es nichts anhaben.<span class="pagenum"><a id="Seite_141">[141]</a></span> -Ältere Bewohner von Preßnitz beschrieben es als von winziger Gestalt, -mit einem Körbchen auf dem Rücken und einem Rührlöffel in -der Hand.</p> - -<h3 id="sec176">176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.</h3> - -<p class="source">(Edw. Heger a. a. O., S. 83.)</p> - -<p>Ein Gebirgsholzhauer in der Gegend von Pürstein ward während -seiner Waldarbeit häufig von einem Holzweibel besucht und mit -Geld beschenkt. Einmal kam aber das Weibel in eiliger Flucht, denn -der Teufel wollte es holen, und es rief schon von weitem: »Holzhauer, -hacke geschwind drei Kreuze auf den Stock.« Das that denn auch gleich der -dankbare Mann, das Holzweibchen setzte sich flugs auf den Stock und -der Teufel mußte mit leeren Krallen abziehen.</p> - -<h3 id="sec177">177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 78.)</p> - -<p>Vom Holzweibchen werden dann und wann einige alte Sagen -herumgetragen, daß es vom Satan gejagt würde und in solcher Flucht -einen Stock, darin die Holzhacker ein Kreuz gehauen, suche, sich darauf -setze und alsdann erlöset würde. Man hat auch von alten Leuten -zu Grum- und Steinbach erzählen hören, daß vor alten Zeiten ein -Holzweibel gekommen, sich auf den Ofenherd gesetzet und gesponnen und -das Gespinst in die Stube geworfen habe; dem hätten sie müssen zu -essen geben.</p> - -<p>So wollte man auch im Februar 1681 auf dem Pfannenstiel, -einem Schönburg'schen hohen Walde, ein Holzweib gesehen haben, -welches einen großen Schnee, schnelle Wasserfluten und hitzigen Sommer -angedeutet, darauf viel Menschen und Vieh hinsterben würden.</p> - -<h3 id="sec178">178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann a. a. O., S. 187.)</p> - -<p>An der Aschermittwoch des Jahres 1633 hatte Adam Beyer im -Walde bei Steinbach einen Baum gefällt. Indem der Baum im -Fallen ist, hauet er nach der Holzhacker Gebrauch ein Kreuz hinein; -sogleich kommt ein gejagtes Waldweibchen und bleibet an dem mit dem -Kreuz bezeichneten Baume stehen, da es dann sicher geblieben. Unterdessen -füllet es dem Holzhacker seinen Kober mit Spänen, er aber<span class="pagenum"><a id="Seite_142">[142]</a></span> -schüttet die Späne wieder aus, und da ungefähr ein Spänlein hängen -geblieben und er nach Hause kommt, findet er an dessen statt einen -ganzen Thaler. Er gehet alsobald wieder in den Wald, in der Hoffnung, -solcher Thaler viel aufzulesen, aber vergebens. Doch weil dieser -Mann damals in kurzer Zeit zu seinen Mitteln gekommen, hat -man vermutet, er müsse etwas gefunden haben. Von dieser Begebenheit -an gehet niemand gern an der Aschermittwoche daselbst ins Holz, -in der Meinung, der Teufel jage das Holzweibchen an der Aschermittwoche.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch im Thüringerwalde und Fichtelgebirge wohnen Waldweibchen zuweilen bei -den Menschen, sie geben ihnen Geschenke und sind vor dem wilden Jäger auf Baumstämmen, -in welche drei Kreuze eingehauen wurden, sicher. Dasselbe wird von den -Moosweibchen erzählt, welche Menschen um Brot bitten. Wenn in Pfaffenreut bei -Wunsiedel beim Mahl an dem Rande der Schüssel durch Herausschöpfen Tropfen -hängen blieben und diese die Kinder oder auch Erwachsene mit dem Löffel abstreifen -und verzehren wollten, sagten die Ältern: »Das dürft ihr nicht, das gehört dem -Moosfräula!« Ein Beweis von dem freundschaftlichen Verkehre, in welchem die -Wald- und Moosweibchen mit den Menschen standen. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, -No. 206, 212, 221, 235. Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 37.)</p> - -<p>Mannhardt erklärt die Holz- und Moosweibchen für Genien der Wälder und -Personifikationen des Blättergrüns; darauf fußt der Glaube, daß ihr Leben an dasjenige -der Waldbäume gebunden ist. Wenn die Sage erzählt, daß der wilde Jäger -(d. h. der Sturmgott Wuotan) die Waldweibchen jage, so ist dann darunter der Sturm -zu verstehen, welcher die Blätter vor sich her treibt. Damit hat sich aber die ältere -Vorstellung, nach welcher unter den gejagten Frauen Wolken zu verstehen sind, verändert; -die Wolkenfrauen, welche durch Regen die Pflanzenwelt befeuchten, sind -später auf die Erde herabgezogen und zu Waldgenien geworden. (Mannhardt, die -Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 112 und 116.)</p></div> - -<h3 id="sec179">179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.</h3> - -<p class="source">(Edwart Heger in der Erzgebirgszeitung, VI. S. 84.)</p> - -<p>In der Gegend von Kupferberg erhielten Waldarbeiter von den -Holzweibchen häufig Geschenke; doch mußten sie sich auch manchen -Schabernack gefallen lassen. Oft machten sich die Weibel unsichtbar -und nahmen den Leuten die mitgebrachten Lebensmittel weg. Der -hungrige Waldmann fand dann manchmal statt des Mittagsbrotes -höchst ärgerlicherweise nur eine Menge Hackspäne in seinem Schnappsacke -vor, die er meist achtlos wegwarf. Zuhause angekommen, erstaunte -er freilich, wenn einige hängengebliebene Spänchen und Splitter zu -purem Golde geworden waren. Ähnliches passierte auch einmal zweien -armen Weibern, die oberhalb des Pürsteiner Burberges und unweit<span class="pagenum"><a id="Seite_143">[143]</a></span> -des Dorfes Gesseln in der Waldung dürres Holz sammelten. Sie -trafen da ein kleines Wesen, das ihnen eine Menge Hackspäne zeigte -und sie aufforderte, diese Späne noch mitzunehmen. Die Weiber, obwohl -schon ziemlich belastet, gehorchten und füllten die letzten leeren -Plätzchen in ihren Körben mit den Spänen, auf dem Heimwege aber, -als die Bürden sich gar zu schwer erwiesen, sagten sie: »Was sollen -uns eigentlich auch die Späne!« und warfen sie hinaus. Nur ein -paar dieser Späne blieben an den Körben hängen, und diese wurden -zuhause – o Wunder! – zu blankem Golde. Jetzt freilich ärgerte -es die Weiber ungemein, daß sie die reiche Gabe so leichtsinnig weggeworfen -hatten, und das ließ in ihnen leider die Freude über den -verbliebenen Rest schönen Goldes sowie das Gefühl der Dankbarkeit -gar nicht recht aufkommen.</p> - -<h3 id="sec180">180. Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Ein Mann von Zinnwald trieb etwas Spitzenhandel, der ihn -öfters nach Böhmen führte. Einmal ritt er durch den Seegrund nach -Eichwald, da begegnete ihm ein Waldweibchen. Dasselbe redete ihn -an: »Bruder, willst Du mit mir schnupfen?« dabei that es sonderbarer -Weise seine Schürze auf und die war voller Laub. Als der -Spitzenhändler hineingriff, um sich des Spaßes halber, wie er meinte, -eine Hand voll Laub zu nehmen, blickte er zugleich auf und sahe das -Gesicht des Waldweibchens gleich einem alten Käse. Da erschrak er -so sehr, daß er seine Hand schnell zurückzog und fortritt. Das Weibchen -aber rief ihm nach: »Nun muß ich noch hundert Jahre warten; -hättest Du das Laub genommen und wärest nicht erschrocken, so wäre -ich erlöst!« Ein Blatt war ihm jedoch unter den Ärmel gefahren, -und das war, als er es später fand, lauter Gold.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Ansehen des Gesichts vom Waldweibchen gleich einem Käse erinnert an -die Zwerge Tirols und der Schweiz, welche »Kasermandeln« (Käsemännchen) heißen -und goldene Käse oder sich erneuernde Gemskäslein verschenken. Förstemann hat -in Kuhns Zeitschrift für Sprachforschung I. S. 426 nachgewiesen, daß Quark -(= Käse) und Twarg (vergl. mhd. <em class="antiqua">querx</em> und <em class="antiqua">twere</em>) im deutschen Norden bis Lievland -beides Zwerg und Käse bedeutet. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, -I. S. 12.) In den Lausitzer Sagen heißen die Zwerge Querxe. Nach einer schottischen -Sage haben auch die Elfen, welche sich durch ihre gewöhnlich grüne Kleidung -unsern Holzweibchen nähern, eine Vorliebe für Käse. Auf dem Gipfel des <em class="antiqua">Minchmuir</em> -in <em class="antiqua">Peebleshire</em> befindet sich die Käsequelle, welche den Elfen geweiht war -und die ihren Namen davon erhalten hat, daß die Vorübergehenden gewohnt<span class="pagenum"><a id="Seite_144">[144]</a></span> -waren, ein Stück Käse hineinzuwerfen. (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage, -S. 269.)</p></div> - -<h3 id="sec181">181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 758.)</p> - -<p>Als Kurfürst Joh. Georg I. im Jahre 1644 um Rabenstein gejagt -hatte und am 18. August an Chemnitz vorbeizog, bekam er die -Nachricht, daß seine Jäger ein wildes Weiblein in der Stallung -gefangen hätten, welches einer Ellen lang, von menschlicher Gestalt, -rauher Haut, doch im Angesicht und an den Fußsohlen glatt war. -Endlich habe dasselbe angefangen zu reden und gesagt: »Ich verkündige -und bringe den Frieden.« Darauf hat der Kurfürst befohlen, dasselbe -wieder laufen zu lassen und gesagt: »Wir erinnern uns, als wir vor -25 Jahren auf den Lautersteinischen und Crottendörfischen Wäldern -gejagt, daß wir dergleichen Männlein gefangen, welches uns den Krieg -verkündiget und gesagt: »Ich bring euch Krieg.«</p> - -<h3 id="sec182">182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde.</h3> - -<p class="source">(Illustrirtes Familien-Journal. VI. No. 157.)</p> - -<p>Da droben im Schönecker Walde lebte vor Jahren ein Holzhauer, -ein braver, stämmiger Bursche, der aber trotz rastloser Thätigkeit kaum -soviel verdienen konnte, um eine alte kranke Mutter und ein paar -kleinere Geschwister zu ernähren. Es ging immer knapp her, und -doch mußte hie und da noch ein Groschen für ein rotes Band oder -etwas dergleichen abfallen, womit der Bursche die Tochter des Nachbars -beschenkte. Die jungen Leute waren einander gut; aber an's -Heiraten durften sie noch lange nicht denken, denn es fehlte ihnen ein -eigenes Hüttchen, und die Wohnungen der Ältern hatten nicht Raum -für einen neuen jungen Hausstand. Da entschloß sich der Bursche -schweren Herzens, ein paar Jahre hinaus in die Welt zu wandern -und sich irgendwo zu vermieten, bis er sich das Nötige verdient -haben würde. Als er bald darauf durch den grünen Wald zog und -trübe Bilder der nächsten Zukunft in seiner Seele auftauchten, da -sprang plötzlich vor ihm ein kleines graues Mütterchen mit einem -Körbchen Reisig aus dem Gebüsche, und wie gehetzt lief es auf ihn -zu und bat flehentlich, er möge schnell in eine niedergebrochene Fichte, -die just über den Weg lag, drei Kreuze schneiden, der wilde Jäger -sei ihr auf dem Fuße und der sei ihr Feind und werde sie töten. -Das alles war das Werk eines Augenblicks, und alsbald hatte der<span class="pagenum"><a id="Seite_145">[145]</a></span> -Bursche auch mit seinem Messer die drei Kreuze in den Baumstamm -geschnitten, und war selbst mit dem fremden Weibchen darunter gekrochen, -als auch schon das wilde Heer ankam. An den drei Kreuzen -aber hatte die Macht des wilden Jägers eine Schranke, er zog fluchend -und wetternd zurück und das Holzweibchen war gerettet. Dasselbe gab -seinem Helfer einen grünen Zweig aus seinem Körbchen, dankte gar -geheimnisvoll und – war verschwunden. Dem Burschen war's noch -ganz wirbelig und drehend im Kopfe von all dem Spuk, aber so viel -war ihm doch klar, daß das graue Mütterchen, wenn es einmal etwas -schenken wollte, sich schon ein wenig mehr hätte angreifen können. -Mißmutig wollte er den Zweig wegwerfen, besann sich aber doch noch -und steckte ihn zum Andenken an das sonderbare Erlebnis auf seine -Mütze. Wie er nun frisch weiter schritt, da ward ihm sein Mützlein -immer schwerer und schwerer, und als er es endlich abnahm, da war -der Zweig gewachsen, und was war's überhaupt für ein Zweig geworden? -Gelbe glitzernde Blätter waren d'ran, und wuchsen immer noch -mehr, daß ihm schier Sehen und Denken und am Ende die Lust, weiter -zu wandern, verging. Er kehrte um, ohne eigentlich zu wissen, warum, -und war noch vor Abend wieder daheim. Was die alte Mutter sich -wundern mochte! Der Tochter des Nachbars aber war's eben recht, -denn: Wiederkommen bringt Freude.</p> - -<p>Der wilde Jäger hatte wohl Ursache, das Holzweibchen zu verfolgen, -denn dasselbe hatte in seinem Garten von dem wunderbaren -Goldbaume sich ein Körbchen der besten Zweige geholt. Davon hatte -nun der Bursche einen bekommen und der trieb immer neue Blätter. -Die Blätter schüttelte unser Holzhauer ab und verkaufte sie in den -Städten, wo sie noch heute von den schönen Damen als Schmuck getragen -werden. Nun konnte er seines Nachbars Kind heiraten, -und sie mögen sich wohl auch ein gar hübsches Haus gebaut haben. -Das Goldbäumchen aber ist mit der Zeit eingegangen, vielleicht hat -sichs auch das Holzweibchen wieder geholt, vielleicht auch der wilde -Jäger selber.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch Christ. Lehmann erzählt im Histor. Schauplatze, daß sich die Holzweibchen -in ihrer Gutmütigkeit und um die Menschen glücklich zu machen, zuweilen -an dem zauberhaften Baume im Garten des wilden Jägers vergreifen, daß sich -aber die von ihm abgebrochenen Zweige und Blätter in Gold verwandeln. -Deshalb werden nun die wilden Weibchen vom Satan, d. h. dem wilden Jäger -verfolgt.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_146">[146]</a></span></p> - -<h3 id="sec183">183. Buschweibchen in der Umgebung des hohen Steines.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)</p> - -<p>Wie im hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen -menschenfreundliche Zwerge wohnten, so hielten sich in den umliegenden -Wäldern Buschweibchen auf, welche häufig in die Häuser kamen -und dort Essen begehrten, wofür sie manch' seltenen, kostbaren Stein, -manch' heilkräftige Pflanze zurückließen.</p> - -<p>Manche Leute nennen sie auch Moosweibchen, und man schildert -sie als zwerghafte Gestalten, über und über mit Moos bewachsen -und Kleider aus Baumrinde und Flechten tragend. Einst bezeigte -sich ein solches Wesen besonders wohlthätig, wie uns die folgende -Sage berichtet.</p> - -<p>Zu wiederholten Malen vernahmen Beerweiber und Schwämmesammlerinnen -aus einem dichten Gestrüppe in der Nähe des hohen -Steines heftiges und anhaltendes Niesen; aber keiner von ihnen fiel -ein, »Helf Gott!« zu rufen. Wenn sie sich dann auf den Heimweg -begaben, sahen sie aus dem Gebüsche ein Moosweibchen treten, das -sich unter schweren Seufzern und traurigen, vorwurfsvollen Blicken entfernte. -Einst aber, als das Niesen denn gar zu laut und häufig erschallte, -sagte ein Weib: »Nun so helf Gott der Person, welche so heftig da -drin nieset!« Augenblicklich stand eine weiße Frau vor ihr und sagte -freudig: »Du hast mich erlöst, hier empfange Deinen Lohn!« Mit -diesen Worten überreichte sie dem armen, erschrockenen Weibe einen -schweren Moosknollen und verschwand. Der überreichte Knollen aber -enthielt ein großes Stück Gold, welches das Weib reich machte.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Eine ähnliche Sage aus der Grafschaft Mannsfeld erzählt von einem Görsbacher, -welcher am »Wahle«, einem Stück Land, wo jedenfalls früher ein alter Gerichts- -und Opferplatz war, vorüberging und dabei wiederholt jemanden niesen hörte. -Der Görsbacher rief jedesmal »Gott helf!«, aber kein Dank schallte zurück. Als -es nun zum dritten Male nieste, sagte der späte Wanderer: »Ei, wenn Du mir -nicht dankst, so schweig ich auch.« Da rief es ihm kläglich zu: »Ach, hättest Du mir -doch nur noch einmal »Gott helf!« zugerufen, so wäre ich erlöst gewesen; nun muß -ich wieder 100 Jahre nach Erlösung schmachten!« (Größler, Sagen der Grafschaft -Mannsfeld, No. 221.)</p> - -<p>Ganz ähnlich sind die Sagen vom Spuk am roten Steine bei Oberhof in -Thüringen, (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 7), und von den verfluchten -Jungfern bei Eisenach und am Falkensteine bei Schmalkalden. (Witzschel, Sagen -aus Thüringen, No. 113 und 153.)</p> - -<p>Die Sitte, beim Niesen dem Betreffenden »Gott helf!« oder dem Entsprechendes -zuzurufen, reicht jedenfalls bis ins graue Altertum zurück, obschon der Anfang -dieses Gebrauchs gewöhnlich in das 6. Jahrhundert verlegt wird, als eine Beulenpest<span class="pagenum"><a id="Seite_147">[147]</a></span> -in Italien auftrat, welche mit Niesen begann und mit dem Tode endete. Damals -soll man zuerst demjenigen, welcher zu niesen anfing, zugerufen haben: »Nun -helf' Dir Gott!« (Hahn, Geschichte von Gera I. S. 287.) Jedoch gedenken dieser -Sitte schon Aristoteles und Plinius. Aristophanes bezeichnet das Niesen als eine -göttliche Kundgebung, und als eine solche galt dasselbe auch bei den Indianern -Amerikas; denn als die Spanier in Florida eindrangen, sahen sie, daß, wenn der -einheimische Herrscher nieste, die Anwesenden sich vor ihm beugten und die Arme -flehend nach der Sonne ausstreckten.</p> - -<p>Daß die Buschweibchen und wilden Weiber heilkräftige Kräuter kannten, wie -unsere Sage meldet, erfahren wir auch aus dem Gudrunliede. Wate von Stürmen -verband sich und die im Kampfe Verwundeten und nahm eine gute Wurzel in seine -Hand, denn längst hatte man vernommen, »heilkundig sei Herr Wate von einem -wilden Weibe!«</p></div> - -<h3 id="sec184">184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.</h3> - -<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 55.)</p> - -<p>Man erzählt in der Gegend von Hohentann und Platz, daß in -alten Zeiten, wenn das Gesinde auf den Feldern und die Hausfrau -allein zu Hause war, daß die Buschweibel öfters in den Häusern erschienen -und bei verschiedenen häuslichen Verrichtungen hülfreich an -die Hand gingen und sogar die Kinder warteten. Diese gute Zeit -ging aber vorüber wie die Buschweibel selbst prophezeiten, denn sie -sagten: »Wenn man wird die Knödel im Topf und das Brot im -Ofen zählen, dann ist unsere Zeit vorbei, dann werden wir nicht -mehr da sein!«</p> - -<h3 id="sec185">185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. -1. B., S. 14.)</p> - -<p>Der Holzweibchen sind vormals viele in den erzgebirgischen Wäldern -gewesen; sie können aber jetzt nicht mehr daselbst leben, seit das -Brot im Backofen gezählt wird. Früher wurde es nicht gezählt und da -konnten sich die Holzweibel unbemerkt davon holen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Mehr noch wie die eigentlichen Zwerge machen die Holzweibchen den Eindruck -von Angehörigen eines unterdrückten und nur geduldeten Volksstammes. Bemerkenswert -ist dabei, daß sie niemals wie die Berge bewohnenden Zwerge als Volk, sondern -nur vereinzelt auftraten. Die Eigentümlichkeit ist ihnen nicht bloß bei uns, -sondern auch in den Sagen der Lausitz und des Vogtlandes beigelegt. Eine Lausitzer -Sage ermöglicht die Deutung, in den Holzweibchen versprengte Slaven zu sehen. -In dem Dorfe Königshain wird nämlich einem solchen Weibchen, welches sich den -Winter über bei einem Bauer aufgehalten hatte, von einem anderen, das vorübergeht,<span class="pagenum"><a id="Seite_148">[148]</a></span> -»Deuto, Deuto!« zugerufen. Es könnte dies ein Warn- oder Fluchtruf sein -und so viel wie »Deutsche kommen!« bedeuten. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz I. -No. 37.) Unsere Sage deutet an, daß die Holzweibchen sich heimlich das Brot -holten, denn als man es zählte, konnten sie nicht mehr in der Gegend unbemerkt -leben und zogen deshalb fort.</p> - -<p>Doch weisen wieder andere Züge, welche die Sagen von den Holzweibchen -anführen, auf mythische Wesen hin, wie sich denn überhaupt die Vorstellungen von -unterdrückten Volksstämmen und diejenigen ihrer Gottheiten im Laufe der Zeit mit -einander vermengten.</p></div> - -<h3 id="sec186">186. Die Holzweibel ziehen fort.</h3> - -<p class="source">(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 60.)</p> - -<p>Als die Holzweibel von den Menschen nicht mehr gastlich aufgenommen -wurden, nahmen sie immer heimlich etwas weg: hier ein -paar Klöße aus dem Topfe, dort ein frisch gebackenes Brot, und das -war ihnen ein Leichtes, denn sie konnten sich unsichtbar machen. Doch -man merkte endlich den Diebstahl und nun zählte die geizige Hausfrau -allemal ihre Klöße und Brote, und die Weibel konnten dann nichts -davon wegnehmen. Das war schlimm für die kleinen Leute, und sie -beschlossen, die ungastlichen Stätten der Menschen zu verlassen und -weit fortzuziehen.</p> - -<p>Auf der Sosauer Flur wollte die Auswandererschar den rauschenden -Egerfluß übersetzen, und ihr König rief dem Fährmann zu: -»He Ferge, Du sollst Deinen Lohn im voraus wählen: entweder einen -roten Kreuzer für jede Person oder Deinen Hut voll Goldstücke ein -für allemal!«</p> - -<p>Da sich die Weibel unsichtbar gemacht hatten, so kannte der -Fährmann ihre Zahl nicht, und er dachte: Du nimmst das Gewisse! -Er entschied sich daher für das Gold. Aber der Zug Leutchen wollte -schier kein Ende nehmen, und Nacht und Tag ohne Unterlaß mußte -der Mann die Fähre lenken. Endlich sagte der König: »Ferge, Du -bist jetzt zu Ende; willst Du aber einmal sehen, was Du mit Deiner -Arbeit geleistet hast?« Als dies der Fährmann bejahte, winkte der -König und alsbald wurden die Weibel sichtbar, die alle kleine Sturmhütlein -trugen. Da erstaunte der Fährmann über die Menge der -kleinen Gestalten, die auf den angrenzenden Feldern des Dorfes Pokatitz -am nordöstlichen Fuße des Kaadner Burberges aufgestellt waren, eng -zusammen, so daß alles rings kohlschwarz aussah. Er merkte nun, -wie thöricht seine Wahl gewesen, und daß ihm der verschmähte rote -Kreuzer viel mehr eingebracht hätte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_149">[149]</a></span></p> - -<h3 id="sec187">187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Auf der mitternächtlichen Seite des Kahleberges sind schon viele -irre gegangen. Das geschah durch Moosmännchen, welche sich hier -aufhielten und an gewissen Tagen besonders die Holzhauer neckten. -Ein Holzarbeiter sah einmal ein solches Männchen; es war klein und -sein Gesicht war mit Moos überzogen. Der Holzhauer konnte es aber nur -sehen, wenn er etwas seitlich blickte; wendete er sich eilig um, damit -er es anredete, so war es verschwunden; er sah es aber immer wieder -von der Seite, wenn er weiter ging.</p> - -<p>Auch die wilde Jagd hat man vielmals am Kahleberge gehört.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Deutsche Sagen und unter diesen auch solche aus dem böhmischen Erzgebirge -erzählen uns ebenfalls von Moosweibchen, welche vielfach mit Wald- oder Holzweibchen -zusammenfließen. Moosweibchen lebten z. B. im Harz in der Gegend von Wildemann. -Sie werden uns als freundlich und liebreich geschildert und hatten Gänsefüße. -Gleich den Holzweibchen wurden sie vom wilden Jäger verfolgt. Eine Erinnerung -an die Moosmännchen hat sich im Harze noch darin erhalten, daß bei -Volksfesten verkleidete und über und über in Moos gehüllte Knaben mit einem -kleinen Tannenbaum in der einen und einer Sparbüchse in der andere Hand umhergehen -und milde Gaben erbitten. (Heine, Sagen etc. aus dem Harze, S. 29.) -Eine ähnliche dunkle Erinnerung an diese mythischen Wesen findet sich auch im Vogtlande, -wo man an einzelnen Orten, wie in Reichenbach, zu Weihnachten kleine -Moosmännchen auf den Tisch stellt.</p></div> - -<h3 id="sec188">188. Waldgeist bei Pfannenstiel.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)</p> - -<p>Hinter Grünhain liegt ein Wald, der Pfannenstiel genannt, auf -welchem nicht allein viel Menschen erschlagen worden sind, sondern -es hat auch daselbst ein Waldgeist viel Leute geneckt und erschreckt, -daß sie davon starben. Dergleichen ist einem Schneeberger mit Namen -Mehlhorn begegnet, den es in den Rumpelsbach geworfen, nachdem -er dieses Gespenst auf dem Rücken den Berg hinan getragen hatte.</p> - -<h3 id="sec189">189. Ein Feldteufel zu Grumbach.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 76.)</p> - -<p>Im Jahre 1654 hielt der Richter zu Grumbach einen Dorfknaben -von 13 Jahren zu seinen Schafen. Von diesen führte ihn -ein Feldteufel zweimal weg; das eine Mal warf er ihn nach dem Kitzwalde<span class="pagenum"><a id="Seite_150">[150]</a></span> -ins dürre Fichtengras, das andere Mal sahe das Gespenst seinem -verstorbenen Vater ähnlich, bald mit, bald ohne Kopf, und es trug -ihn in der Höhe über drei Äcker weg und warf ihn dann in einen -Morast, so daß der Knabe krank wurde und nicht mehr hüten wollte.</p> - -<h3 id="sec190">190. Der Getreideschneider.</h3> - -<p class="source">(Spieß, Aberglaube, Sitten etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. -Dresden 1862, S. 14; z. T. mündlich.)</p> - -<p>Am Johannesabende in der sechsten Stunde kommt der sogenannte -Getreideschneider, der über die Ecke eines Stückes Getreide durchschneidet, -von welchem er dann, wenn der Bauer drischt, den vollen Nutzen hat. -Um diesem vorzubeugen, nimmt der Bauer Liebstöckelöl (Öl aus -<em class="antiqua">Levisticum officinale</em>) und macht, nachdem er den Finger in das -Öl getaucht, ebenfalls in der sechsten Abendstunde des Johannestages, -drei Kreuze an jede Ecke des Feldes auf die Erde. Ist aber der Getreideschneider -bereits dagewesen, so hängt der Bauer, bevor er das -Getreide einfährt, ein Büschel Reisigspitzen (frischgrünende Tannenzweige) -über dem Scheunenthor auf, drischt sobald als möglich und -macht dabei mit dem Reisigbüschel den Anfang. Dann ist der Bann -gelöst und der Getreideschneider zieht keinen Nutzen.</p> - -<p>In Thierfeld geht die Sage, daß in der Mittagsstunde des Walpurgistages -die Vogelbeerbäume und Feldfrüchte von dem Getreideschneider -beschnitten würden, ohne daß man ihn sieht.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch in Thüringen hat man ein ähnliche Mittel, um den Getreideschneider, -den man daselbst, sowie im Vogtlande, Bilmschnitter nennt, zu erkennen. Man belegt -die Tenne mit sieben Reisigbündeln und bearbeitet dieselben mit dem Dreschflegel; -die Person nun, welche während dieses Dreschens an das Scheunenthor tritt, -wird für den Bilmschnitter gehalten. (B. Sigismund in »Aus der Heimat«, 1862, -No. 13.) – In Süddeutschland heißt der Bilmschnitter »Bilwitzschneider«, und -dieser Name erinnert an den slavischen Pilwitz oder Plon, den Gott des Reichtums -und zugleich des Todes. Auch die »Pilweisen« der schlesischen und Lausitzer Sagen -sind Kobolde oder von Kobolden besessene Menschen, die andern Schaden zufügen. -In einer Sage von den Pilweisen zu Lauban tritt ein schwarzer Bock auf; da derselbe -auf den Teufel hinweist, so verbindet sich mit den weiblichen Pilweisen (und mit -dem Bilmschnitter?) der Begriff der Hexen. – Da die Sagen von gespenstischen Tieren -im Kornfelde mit denen vom Bilmschnitter in einer gewissen Verbindung stehen, so erklären -sich dadurch vielleicht auch die im Erzgebirge vorkommenden Bezeichnungen -»Stoppelhahn« (jetzt allerdings nur in der Bedeutung eines Festes am letzten Erntetage -gebraucht) und »Panzelhahn«. Der letztere Ausdruck erinnert an die oben angeführte -Sitte des Reisigbüscheldreschens; denn wenn beim Dreschen des Getreides -der letzte Schlag fällt, so ruft man demjenigen, welcher diesen Schlag gethan hat, -zu: »Du hast den Panzelhahn geschlagen!«</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_151">[151]</a></span></p> - -<h3 id="sec191">191. Der Hemann im Erzgebirge.</h3> - -<p class="source">(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 80.)</p> - -<p>Während der Hemann im nördlichen Böhmerwalde einen schwarzen -Mantel trägt und ein Hut zum Teil sein bärtiges Gesicht beschattet, -erscheint derselbe im Erzgebirge, in der Gegend von Preßnitz, Sonnenberg, -Weipert u. s. w. ganz in Grau gekleidet. Den Tag über hält -er sich verborgen, kommt aber bei einbrechender Dunkelheit aus seinem -Verstecke hervor, um seine nächtliche Wanderung zu beginnen, auf -welcher er Ungläubige und Frevler erschreckt und nicht selten mit -dem Tode bestraft.</p> - -<h3 id="sec192">192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. -1. B. 1864, S. 15.)</p> - -<p>In Bäringen neckt und ängstigt der Hemann die Menschen. -Doch giebt es dort auch noch andere Waldgeister, die gar nicht einmal -sichtbar werden, sondern dem nächtlichen Wanderer nur einen »Traf« -geben, ihn »muschen« oder ihm einen Tappen anhängen und ihn so -erschrecken, daß er krank wird oder einen Ausschlag im Gesichte erhält.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Sollte unser Hemann mit dem schwäbischen »Hojemann«, d. h. Waldmännlein, -oder dem »Hoymann« in der Oberpfalz identisch sein? Beide Namen werden von -»hojen« d. h. hegen, den Waldhüten, abgeleitet. (Leipziger Illustr. Zeitung, No. 1738.)</p></div> - -<h3 id="sec193">193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 118.)</p> - -<p>Seitwärts von den Dörfern Krima und Neudorf dehnt sich der -Tenichwald bis nach Sonnenberg aus. Wenn man des Nachts durch -diesen Wald geht und mit lauter Stimme ruft: He, he! Hu, hu! -so erhält man aus der Ferne Antwort. Hierauf hockt sich etwas auf -den Rücken des Wanderers und zwingt ihn, es bis ins nächste Dorf -zu tragen, wo es verschwindet. So ging es einmal einem Heger, der -mußte die Last bis Krima tragen. Dort war es ihm, als ob etwas -hinabspringe, aber er konnte nichts sehen, so rasch war es verschwunden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_152">[152]</a></span></p> - -<h3 id="sec194">194. Das Hemännchen bei Graslitz.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen etc., S. 118.)</p> - -<p>In Graslitz ist das Hemännchen ein neckender Waldgeist, der -seine Freude hat an dem Schaden der Leute. Mehrere Holzhauer -fuhren einst mit ihren Karren in den Wald, um Bäume zu fällen. -Als sie den ersten Baum zu Falle brachten, hörten sie ein heiseres -Lachen hinter sich und sahen, daß ihre Karren genau an die Stelle -geschoben waren, wohin der Baum fallen mußte. Einen Augenblick -später waren alle Karren zersplittert. – Einige Weiber suchten Heidelbeeren. -Nachdem sie ihre Krüge gefüllt hatten, stellten sie dieselben -auf den Boden und gingen ein wenig bei Seite. Als sie aber zurückkehrten -und ihre Krüge aufheben wollten, blieb der Boden derselben -auf der Erde. Zugleich erscholl hinter ihnen ein wildes Gelächter und -als sie sich umschauten, sahen sie zwar nichts, erhielten aber eine -tüchtige Ohrfeige.</p> - -<h3 id="sec195">195. Der Hemann des Rammelsberges.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 97.)</p> - -<p>Einst lebte zu Platten ein Mann, der hieß Pänkert. Er führte -ein lasterhaftes Leben und soll sogar mit dem Teufel im Bunde gestanden -sein. Nach seinem Tode entstand in dem Hause, das er bewohnt -hatte, ein solcher Tumult, daß darin niemand mehr bleiben -konnte. Deswegen kam auf Geheiß der Verwandten ein Schwarzkünstler -aus Sachsen, der den polternden Geist auf einen grünen Platz zum -sogenannten großen Rainstein bannte, wo er ihn verwünschte, ewig in -den Wäldern des Rammelsberges umherzuirren. Seit dieser Zeit treibt -dort der gebannte Pänkert als Hemann sein Unwesen. Er erschreckt -die durch den Wald gehenden Leute, welche auf sein He-He-Rufen -Antwort geben, durch seine löschpapierfarbige, eisgraue Gestalt und -drückt sie, wenn sie nicht die Kraft besitzen, über den nächsten Graben -zu springen. Über das Wasser wagt sich, wie man sagt, der Hemann -nicht.</p> - -<p>Einstmals ging ein Weib in den Wald, um ihrem Manne, der -Holz fällte, das Mittagessen zu bringen. Auf einmal hörte sie ein -lautes He! He! He! Sie dachte, ihr Mann wolle sie ein wenig -necken, deshalb gab sie gar herzhaft zur Antwort. Daher! daher! Aber -kaum war das Wort verhallt, da stand vor ihr ein baumlanger, eisgrauer -Mann mit wütenden Geberden. Vor Furcht und Schrecken eilte -das Weib einem Bache zu, den sie mit knapper Not übersetzte, sonst<span class="pagenum"><a id="Seite_153">[153]</a></span> -wäre sie unrettbar in die Hände des Hemannes gefallen, welcher ihr -dicht auf den Fersen gefolgt war.</p> - -<h3 id="sec196">196. Das Heideweibchen.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Zwischen Scheibenberg und Crottendorf liegt eine sumpfige Gegend, -welche die Heide genannt wird; daselbst geht zu bestimmten Zeiten das -Heideweibchen um.</p> - -<h3 id="sec197">197. Die Marzebilla.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 114.)</p> - -<p>In der Gegend von Preßnitz befindet sich ein Berg, namens -»Bartelwulfenberg«. Hier soll vor Jahren ein Schloß gestanden haben. -Der Besitzer desselben hatte eine Tochter, die in ein Nonnenkloster ging. -Hier hatte sie eine Liebschaft mit einem Ritter und kam zu Falle. Sie -entfloh und starb im Elend. Seit dieser Zeit läßt sie sich nun im -Kaiserwalde bei Preßnitz öfter sehen und ist allgemein bekannt unter -dem Namen Marzebilla. Sie trägt an ihrer linken Hand einen Handschuh -von Blech. Einmal soll ein Bauer aus Neudorf in den Wald -gefahren sein, um Holz zu holen. Da blieb plötzlich sein Gespann -stehen und konnte nicht weiter. Er sah sich um und erblickte auf dem -hinteren Ende des Wagens ein altes Weib, das er an dem Blechhandschuh -gleich als die Marzebilla erkannte. Sie bat ihn, sie mitfahren -zu lassen. Allein der Bauer sagte, sie sei zu schwer und als -sie nicht heruntersteigen wollte, schlug er sie so, daß sie herabfiel. Als -aber der Bauer nach Hause kam, legte er sich in's Bett und starb nach acht -Tagen. Der Leichnam aber war verschwunden. Erst nach einigen -Jahren fand man beim Fällen alter Bäume ein Gerippe im Walde, -das man an einem Amulet als das des Bauern erkannte.</p> - -<p>Einige Schnitter mähten das Gras am Rande des Kaiserwaldes. -Um Mittag, als im Dorfe geläutet wurde, erschien die Marzebilla und -forderte die Arbeiter auf zu beten. Diese waren zu faul dazu. Als -sie aber nachher zur Quelle gingen, um zu trinken, fanden sie Blut -statt des Wassers. Einer von den Schnittern wollte sich besser überzeugen -und stieß mit dem Stock in den Schlamm. Da erschien die -Marzebilla, gehüllt in einen feinen Nebel, sprach eine Formel und die -Schnitter verwandelten sich in Aschenhäufchen.</p> - -<p>Wenn Leute in den Wald gehen, um Beeren zu suchen, so erscheint -ihnen oft die Marzebilla und führt sie in undurchdringliches -Dickicht. Fluchen dann die Leute, so überläßt sie die Marzebilla<span class="pagenum"><a id="Seite_154">[154]</a></span> -ihrem Schicksale, beten sie aber, so führt sie dieselben an fruchtbare -Stellen, von wo sie den Heimweg leicht treffen.</p> - -<h3 id="sec198">198. Der Wechselbalg.</h3> - -<p class="source">(Spieß, Aberglaube, Sitten, etc. d. s. Erzgeb. Dresden, S. 36.)</p> - -<p>Ein unter sechs Wochen altes Kind soll nicht »über den Wechsel -getragen werden« (d. h. wohl, bald auf dem rechten, bald auf dem -linken Arme), sonst holt es der Wechselbalg.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Hier erscheint der Wechselbalg als der auswechselnde Dämon. In der Lausitzer -Sage ist dagegen der Wechselbalg ein geistesschwaches, mißgestaltetes Kind, welches -von einer aus dem Gebirge oder Walde kommenden alten Frau gegen das wohlgebildete, -unter sechs Wochen alte Kind umgetauscht wird, wenn keine Person in dessen -Nähe ist. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 71.) Ebenso tauschten nach einer schlesischen -Sage die Feenixweibel ein auf dem Felde allein gelassenes kleines Kind gegen -das ihrige um, welches verbuttet blieb und ebenfalls Wechselbalg genannt wurde. -(Mitteilungen des mähr.-schles. Sudeten-Gebirgsvereins, 2. Jahrg. No. 7.)</p></div> - -<h3 id="sec199">199. Das Mittagsgespenst.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. -1. B., S. 13.)</p> - -<p>In Bäringen sagt man: Das Mittagsgespenst hockt den Wöchnerinnen -auf, die zu Mittag von 11 bis 12 Uhr auf die Gasse treten -oder in den Keller oder auf den Boden gehen, und »muscht« sie.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Lausitzer Mittagsgespenst, die Mittagsfrau (<em class="antiqua">Pripolniza</em>), welche zur Mittagszeit -zwischen 12 und 2 Uhr als großes weibliches Wesen auf den Feldern zu -erscheinen pflegt, ist streng genommen von der slavischen Todesgöttin oder Pestfrau -(<em class="antiqua">Smertniza</em>) zu unterscheiden. (S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.) Die Smertniza -wandelt ebenfalls als weiße Frau umher und macht sich durch Pochen in dem -Hause bemerklich, in welchem innerhalb dreier Tagen jemand sterben soll. (Haupt, -Sagenbuch d. L. I., No. 74. Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 91.)</p></div> - -<h3 id="sec200">200. Der Alp.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Der Alp ist ein dämonisches Wesen, welches schlafende Menschen -drückt, so daß sie keinen Laut von sich geben können. Man nennt -dieses Drücken Alpdrücken.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_155">[155]</a></span></p> - -<p>Ein Mädchen erzählte, der Alp käme durchs Schlüsselloch zu ihr, -aber sie könne dann nicht um Hülfe rufen; daher bat sie ihre Schwester, -dieselbe solle sie nur des Nachts bei ihrem Namen rufen, dann würde -der Alp durchs Schlüsselloch wieder fortgehen. In Zwickau erzählt -man, daß der Alp fortgehe, wenn man ihn für den andern Morgen -zum Kaffee einlade. (Nach Spieß.) Auch glaubt man, daß der Alp -Tiere tot drücke. Wenn man nämlich junge Gänse in einen Schweinstall -steckt und sie sterben, so spricht man, der Alp habe sie erdrückt. -Sterben die Kuhhasen (Kaninchen) und sie sehen dann breitgedrückt -aus, so legt man einen Besen in den Stall; dann verliert der Alp -die Macht.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wie in Zwickau wird auch von den Lausitzer Wenden der Alp mit den Worten -»<em class="antiqua">Pschindz justje ksnje danju</em>« (Komm morgen zum Frühstück) zum Frühstück eingeladen, -und es stellt sich dann der Alp gewiß am Morgen dazu ein. Es ist nur -schlimm, daß der Alp am Sprechen hindert. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, -No. 68.)</p> - -<p>Der Alp ist gleichbedeutend mit Elb. Elbe, welche in lichte und schwarze -Elbe zerfallen, sind höhere Wesen, denen die Lust innewohnt, die Menschen zu necken, -die aber auch teuflische Eigenheiten besitzen. (Grimm, Myth. S. 252.)</p> - -<p>In Sagen anderer Gegenden fällt der Alp mit dem Trut, d. h. einem nächtlichen -Gespenste zusammen, welches die Menschen ebenfalls im Schlafe ängstigt und drückt. -In Kärnthen sagt man:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Tsch nachts (bei der Nacht) hat mi d'r Trut<br /></span> -<span class="i0">Gar beasla (bös) g'druckt.«<br /></span> -</div></div> - -<p class="noind">(Leipz. Zeitung, Wissensch. Beilage. 1884, No. 11.)</p></div> - -<h3 id="sec201">201. Die Melusina.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, -1. B. Prag und Leipzig, 1864, S. 3.)</p> - -<p>In Bäringen heißt der Sturmwind »Melusina's Klagen um ihre -Kinder«, und wahr muß dies sein, sonst würde man nicht am heiligen -Abende, an welchem man neunerlei essen soll, das Tischtuch mit dem -Überreste in eine Staude ausschütteln, damit die Melusina, die man -wohl hie und da auch heilige Melusina nennt, etwas zu essen habe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Melusina tritt nach allen Überlieferungen unverkennbar als Luftgeist auf. -So sagt man z. B. noch anderwärts in Böhmen, wenn der Wind recht pfeift und -heult, das sei die Melusina, welche mit ihren Kindern durch die Luft fliege und -jammere. Im Jungbunzlauer Kreise denkt man sich dieselbe angethan mit einem -schwarzen Mantel und in der Hand ein Sieb haltend, aus welchem Schloßen und -Hagel herausfliegen. Bemerkenswert ist schließlich, daß die Czechen für »sterben«<span class="pagenum"><a id="Seite_156">[156]</a></span> -die Redensart haben: »mit der Melusina Salz lecken.« (Grohmann, Aberglauben -und Gebräuche etc., S. 3 und 234.)</p> - -<p>In den Niederlanden sagt man von dem Wirbelwinde, er sei die »fahrende -Frau« oder »fahrende Mutter«, und nach einem Glauben in Westflandern hält die -von ihren Ältern verwünschte Königstochter Alvina im heulenden Sturmwinde ihre -Umfahrt und weint.</p> - -<p>Wenn man im Anfange den Wind mit einem heulenden und gefräßigen -Tiere verglichen hat, das alles, was in seinen Weg tritt, vernichtet, so lag dann -der allmähliche Übergang dieser Vorstellung in diejenige von einem Geiste, der hungrig -im Winde dahinfährt, nahe. In manchen Gegenden Baierns findet sich der -Gebrauch, bei heftigem Sturme einen Mehlsack zum Fenster hinaus für den Wind -und sein Kind auszuschütten, wobei man spricht: »Nimm das, lieber Wind, koch' -ein Mus für Dein Kind!« In diesem Gebrauche zeigt sich eine große Übereinstimmung -mit demjenigen in Bäringen, wo die Speisereste aus dem Tischtuche für die -im Sturmwinde klagende Melusina ausgeschüttet werden. Der Gebrauch, dem Wind -Mehl zu streuen, scheint auch in den deutschen Alpen vorhanden zu sein; wenigstens -findet sich bei Rosegger (die Schriften des Waldschulmeisters, 3. Aufl. S. 170) -folgende Stelle: »Sie (die Waldleute in den Winkeln) streuen Mehl in den Wind, -um dräuende Stürme zu sättigen – so wie die Alten den Göttern haben geopfert.« -In anderen Gegenden nehmen die Landleute, wenn der Wind 12 Tage vor Weihnachten -am ärgsten tobt, Apfel und Nüsse und werfen sie in den Ofen, indem sie -sagen, daß sie das der »Windsbraut« zum Essen geben. (Henne-Am-Rhyn, a. a. -O., S. 55.)</p> - -<p>Wie aber ist zu erklären, daß der Sturm Melusinas Klage um ihre Kinder -genannt wird? Als nach der Erzählung Gustav Schwabs (Deutsche Volksbücher, -3. B.) die Brunnennymphe Melusina von ihrem Gemahle Raimund Abschied genommen -und sich, halb zur greulichen Schlange verwandelt, zum Fenster hinausgeschwungen -hatte, hörte man dreimal um das Schloß lautes Rauschen und ein -Klaggeschrei; zur Nachtzeit aber sah die Amme der beiden kleinen Söhne Melusinas, -wie letztere in gespenstischer Gestalt wiederkehrte und die Kinder aus der Wiege nahm -und säugte, so daß dieselben zusehends gediehen.</p></div> - -<h3 id="sec202">202. Vom thörichten See bei Satzung.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. 1699, S. 205. etc.)</p> - -<p>Der thörichte See, eine halbe Meile über Satzung an einem -wilden, mit jungen Kiefern bewachsenen rauhen Orte, ist ins Gevierte -30 Schritte breit und lang, der Pfuhl ist mit rotem Moos bewachsen, -und das Wasser gehet einer Elle hoch darüber ohne Abfluß. Der See -soll unergründlich sein, und niemand machet sich gern allein an den -Ort, weil die Leute, welche sich im 30jährigen Kriege dorthin geflüchtet, -daselbst viel Anfechtung gehabt haben. Es ist umher auf eine -halbe Meile lang nichts als eitel sumpfiges Land, daß auch kein rechter -Baum darauf wachsen kann, es verwimmert und verbuttet alles. Insonderheit -erzählen die Umherwohnenden, daß sich bisweilen viel ungeheure<span class="pagenum"><a id="Seite_157">[157]</a></span> -Dinge und Gespenster da sehen lassen. Als einstmals Veit -Vogel, ein Mann von Satzung, in selbiger Gegend Vogel gestellet, -habe er von 9 Uhr an bis 12 Uhr mittags einen großen Tumult -und Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört, -daß es nicht anders geschienen, als würde eine volkreiche Bauernhochzeit -oder ein lustiger Schmaus in dem See gehalten; dergleichen -Freudentöne haben auch andere zu anderer Zeit gehört.</p> - -<p>Ein Mann von Sebastiansberg, Georg Kastmann genannt, hat -in derselben Gegend Feuerholz gemacht; zu diesem kam ein schöner -Reiter auf einem großen Pferde mit einer langen Spießrute in der -Hand, welcher den Holzhauer grüßte und fragte, ob er den thörichten -See wüßte. Da der Holzhacker mit Ja antwortete, hat ihm der -Reiter ein Trinkgeld versprochen, wenn er mit ihm ginge und den -Ort zeige. Da sie nun beide hinzu kamen, ist der Reiter vom Pferde -gesprungen und hat gesagt. »Ich bin ein Wassermann, und ist mir -mein Weib von einem andern Wassermanne entführt worden; die habe -ich in der weiten Welt in vielen Wassern und Seen gesucht und doch -nicht gefunden, und soll sie nun an einem so garstigen und wilden -Ort finden. Halt mir mein Pferd fest, daß es mir nicht nachspringt, -ich will hinein und mein Weib heraus holen.« Darauf hat er mit -seiner langen Rute in das Wasser geschlagen, daß es sich zerteilet, -dann ist er hineingegangen. Sobald er aber darin gewesen ist, hat -sich ein so großes jämmerliches Geschrei und Wehklagen erhoben, daß -der Holzhacker nicht wußte, wo er vor Angst bleiben sollte, weil sonderlich -das Pferd sehr wild und ungebärdig wurde und immer ins -Wasser springen wollte. Mittlerweile ist unter diesem Tumult das -Wasser ganz rot geworden und da hat der Reiter sein Weib heraus -gebracht und gesagt, er habe sich nunmehr an seinem Feinde gerächt -und den Räuber, der ihm sein Weib entführt, erwürget. Damit hat -er sich samt seinem Weibe aufs Pferd geschwungen und ist davon geritten; -doch hat er zuvor dem Holzhacker ein Beutelein, darin ein -Kreuzer gewesen, zum Trinkgeld verehret, mit dem Versprechen, so -oft er würde in diesen Beutel greifen, sollte er soviel, als jetzt darin -wäre, finden. Der Ausgang hat es auch bestätigt, so daß der -arme Mann viel Geld zusammengebracht, weil er oft in den Beutel -gefühlet. Da er aber den Beutel zu frei und sicher gebrauchte, ist er -ihm entwendet worden; doch hat der Räuber keinen Genuß davon gehabt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_158">[158]</a></span></p> - -<h3 id="sec203">203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße a. a. O., No. 578.)</p> - -<p>Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte -eine wunderschöne Tochter. Dieselbe hatte sich aus der großen Anzahl -ihrer Anbeter einen der hübschesten jungen Burschen angesucht. -Nun war sie aber heitern und muntern Sinnes, und daher kamen oft -aus dem benachbarten Dorfe die jungen Mädchen und Burschen bei -ihrem Vater zusammen und vertrieben sich die Zeit mit heiteren -Scherzen und Spielen. Da begab es sich einst, am Andreasabend, -daß das junge Volk auch wieder beisammen war und im Scherz darauf -kam, die Zukunft zu befragen. Man schaffte Blei herbei und -ein jeder versuchte sein Glück mit Gießen. Als nun die Reihe auch an -die schöne Fischerstochter kam, da spritzte auf einmal beim Guß helles -Feuer aus dem Wasser, das Blei zerfuhr und nahm sich auf dem -Wasser wie Blutstropfen aus. Das Mädchen schrie laut auf und alle -schwiegen bestürzt ob des traurigen Anzeichens. Endlich schlug ihr -Bräutigam vor, das Schicksal noch einmal zu befragen, nämlich nach -dem Pöhlwasser zu gehen und dort Reiser zu suchen. Zwar wollte -das Mädchen nicht mit fort, allein durch Zureden ließ sie sich endlich -bewegen mit zu gehen; alle ihre Begleiter brachen sich ihre Zweige, -als aber die Fischerstochter nach einem derselben langen wollte, glitt -sie aus und ein Nix zog sie hinab in die Fluten. Der Nix sah am -ganzen Leibe blau aus und trug auf dem Haupte ein Krönlein. Verzweiflung -erfaßte den Bräutigam und den betagten Vater. Letzteren entrückte -der Tod bald seinen irdischen Leiden, der Bräutigam aber irrte -jede Nacht am Ufer der Pöhl in halbem Wahnsinn herum und behauptete, -er sähe seine Braut in blauer Nixentracht aus der Flut auftauchen, -sie breite die Arme nach ihm aus und rufe ihm zu, in einem -Jahre werde sie wieder mit ihm vereinigt sein. So verging ein -Jahr; der sonst so blühende Jüngling war fast zum Schatten zusammengeschwunden, -und als die Andreasnacht kam, da war er an seinem gewöhnlichen -Orte. Allein dieses Mal sahe er seine Braut nicht mehr -aus den Fluten winken, als Leiche lag sie im Sande, und als der -andere Morgen kam, da fand man ihn neben ihr tot liegen und begrub -beide in einem Grabe. Seit jenem Tage aber sieht man dort unzählige -Irrlichter auf- und abfliegen, die manchen schon verführt haben; -wo aber der Nix das Mädchen hinabzog, da ist das Wasser grundlos -geworden, ohne Unterlaß wirbeln die Wellen dort im Kreise und wehe -dem Schwimmer, Kahn oder Floß, die sich dahin verirren, der Strudel<span class="pagenum"><a id="Seite_159">[159]</a></span> -zieht sie ohne Erbarmen in den Grundtümpel (so nennt man jene -Stelle) hinab.</p> - -<h3 id="sec204">204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)</p> - -<p>Im Jahre 1613 wollte ein Bürger zu Gottesgab einen alten -Teich, der lange als Sumpf wüste gelegen, wieder herrichten lassen. -Als nun zwei Bergleute den Sumpf abführten und zu Grund arbeiten -wollten, fuhr ein Wasserteufel im Sumpf auf, wütete und tobte -und trieb die Bergleute mit Wasser und Schmutz fort, so daß sie ausreißen -mußten.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem Teiche -bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein »Prusten und Schnaufen, als -wären Pferde hineingefallen und dem Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische -Sagen, S. 189.) S. auch No. 227.</p></div> - -<h3 id="sec205">205. Die Wassernixe am Hans-Heiling-Felsen.</h3> - -<p class="source">(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.)</p> - -<p>Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der -Eger eine Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt. -Über dies Steingebilde meldet die Sage folgendes:</p> - -<p>Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg -Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer, -der auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar -der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen -ein verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum -sei dies gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen -Schönfeld. Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit -sich. Im Schlosse angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der -Markgräfin Johanna und sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim -Erscheinen auf dem Schlosse eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute, -als ich eben zur Frone hierher ging, dies Kindlein gefunden und biete -es Euch als Gabe dar. Möchtet Ihr doch, gnädige Herrin, an dem -armen, hülfsbedürftigen Waislein Barmherzigkeit üben und sein besser -pflegen als die eigene Mutter!« Die Worte des biederen Mannes erweichten -der Markgräfin Herz. Sie nahm sich des Knäbleins an, das -auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans, nach seinem Finder -aber den Zunamen Heiling erhielt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_160">[160]</a></span></p> - -<p>Hans Heiling wuchs unter dem liebreichen Schutze der Markgräfin -zum blühenden Jüngling heran, der an den Wissenschaften, in -die ihn der Burgkaplan einweihte, mehr Gefallen fand, als an den -Ritterspielen. Er liebte die Einsamkeit, durchstreifte Wald und Flur -und beschädigte sich unablässig mit dem Gedanken, den Urgrund aller -Wahrheit zu erforschen.</p> - -<p>Als er einmal am Ufer der rauschenden Eger saß und gedankenvoll -nach dem Wasserspiegel schaute, tauchte aus demselben eine holde -Nixe empor, die mit lieblicher, wunderbarer Stimme dem Überraschten -zurief: »Ich kenne, wißbegieriger Jüngling, Deines Herzens tiefen -Kummer, die schwarze Kunst ist Dein Begehr. Diese will ich Dir -lehren, doch nur unter der Bedingung, daß Du Dich nie vermählst.« -Hans Heiling, bezaubert durch die vielversprechenden Worte, strahlte -vor Freude, daß er nach langem, erfolglosen Forschen endlich sein so -heiß ersehntes Ziel erreichen könne, und schloß mit der Wassernixe -unbesonnen den Bund. Die Nixe hielt Wort und Hans Heiling wähnte -sich der Glücklichste unter der Sonne zu sein, als er des Wissens -Drang erfüllt sah. Seit der Begegnung mit der Nixe war manches -Jahr verflossen. Da faßte Hans Heiling mit Hintenansetzen seines -gegebenen Versprechens den Entschluß, sich zu vermählen; denn er hoffte, -selbst auf seine Kunst vertrauend, die Macht des geheimnisvollen Wasserweibes -zu hemmen. Unbesorgt veranstaltete er also die Hochzeit. Der -Tag der Trauung war erschienen und die Hochzeitsgäste hatten sich -in den Räumen des Schlosses versammelt. Schon stand der Brautzug -vor dem Traualtare, eben wollte das glückliche Paar das Jawort -aussprechen – da stieg plötzlich mit furchtbaren Blicken die erzürnte -Nixe aus den tobenden Wellen der Eger, ließ unter Blitz und Donner -das Schloß verschwinden und verwandelte durch ihren Fluch die ganze -Hochzeitsgesellschaft in Stein: das Brautpaar, den Mönch, die Gäste -und die Musikanten.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die Sage -vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese erst hervorgerufen -worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg Krudum, südlich von Elbogen -gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag, -von mythischer Bedeutung. Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im -Archive zu Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts -herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein Elpogen -gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven die lethaditzer giebt -2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine »heilige Wiese« genannt; der Zusatz -»Hans« kommt zu dieser Zeit noch nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise -»Am Heiling« die allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigen<span class="pagenum"><a id="Seite_161">[161]</a></span> -Elbogener Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem dreißigjährigen -Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des Aberges.</p></div> - -<h3 id="sec206">206. Der Wassermann flickt.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 162.)</p> - -<p>Bei Seestadtl am Fuße des Erzgebirges liegt an der Straße ein -großer Teich, welcher durch einen breiten, mit Gebüsch bewachsenen -Damm eingeschlossen ist und der »Steinteich« genannt wird. Bei diesem -Teiche soll sich ein Wassermann öfter am Ufer sehen lassen. Gewöhnlich flickt -er dann seine Kleider. Nach dem Glauben der Landleute steigt er -immer nur während des Mittagsläutens an's Ufer, setzt sich am Fuße -des Dammes hart am Wasser nieder und flickt. Wer ihn verspottet, -der wird von ihm in's Wasser hinabgezogen; bloß demjenigen, welcher -des Morgens vor dem Ausgehen gebackene Semmelschnitte verzehrt, -kann er nichts anhaben. Hat einer den Wassermann beleidigt und -keine Schnitten gegessen, so nutzt ihm selbst das Hersagen des Spruches -nicht mehr:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Wassermann plump,<br /></span> -<span class="i0">Zieh mich nich in Tump,<br /></span> -<span class="i0">Zieh mich nich zu tief nei',<br /></span> -<span class="i0">Daß ich nich stecken blei'.«<br /></span> -</div></div> - -<p>Der Wassermann ist immer schlecht gekleidet. Sein alter zerdrückter -Hut ist voll großer Löcher, durch welche oft Büschel struppiger, -grüner Haare herausragen. Sein Gesicht ist mit einem starken Barte -bewachsen, und wenn er seinen Mund öffnet, erblickt man seine großen -grünen Zähne. Sein Rock sowie seine Hosen sind immer zerrissen und -kotig, und er flickt daran, so oft er ans Ufer steigt. Hat er jemandem -nachgestellt und ihn unter's Wasser gezogen, so läßt er sich lange -nicht sehen.</p> - -<p>Eines Morgens trug ein Bauernmädchen Gemüse hinauf nach -Eisenberg, und nahm, um zuzustrecken, ihre Richtung über den Damm. -Sie war fast hinüber, als sie unten am Damme einen alten Mann -sitzen sah, der an einem zerrissenen Rocke flickte und ihr zunickte. Das -Bauernmädchen, welches eben nicht an den Wassermann dachte, gab -ihm einen Schimpfnamen, worauf sich der Wassermann erhob und -seinen Mund öffnete. Die Bäuerin erschrak und lief, so schnell es -ihre schwere Last erlaubte, über den Damm hin; der Wassermann -hinter ihr drein. Trotz ihres Schreiens sprang er auf den Korb, den -sie auf dem Rücken trug und faßte sie beim Halse. Vor Todesschrecken<span class="pagenum"><a id="Seite_162">[162]</a></span> -rief sie: »Jesus Marie!« und sogleich war der Wassermann verschwunden. -Das Mädchen kam halbtot im Schlosse an und wurde noch dazu -ausgelacht, als sie vom Wassermann erzählte. Nach 3 Tagen starb -sie und alle Leute waren fest überzeugt, daß daran nur die Berührung -des Wassermanns schuld gewesen sei.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte -wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische Farbe ist. Eine erzgebirgische -Sage erzählt von einer grünen Frau am Kahleberge bei Altenberg. -Dämonisch wird die verzauberte, ein Schlüsselbund tragende und Schätze hütende -Jungfrau des Hausberges in der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet -(Größler, a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei -ihren Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb auch -der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881, No. 5.)</p> - -<p>Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der Niederlausitz ihre -Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei Buckow bittet Vorübergehende um -einige Lappen und Flecken. Ein Nix in einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine -Schuhe aus. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 187–198.)</p></div> - -<h3 id="sec207">207. Der Nix fordert sein Opfer.</h3> - -<p class="source">(M. Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit, -1862, S. 39.)</p> - -<p>In der obern Zschopau lebt ein Nix, welcher jedes Jahr sein -Opfer fordert.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.</p></div> - -<h3 id="sec208">208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.</h3> - -<p class="source">(Alfr. Moschkau, Gesch. des Benedictiner Klosters St. Walpurgis -im Zellwalde, 1874, S. 8. <em class="antiqua">Saxonia</em> I., S. 172.)</p> - -<p>In dem genannten, ungemein lieblich im Zellwalde gelegenen -Teiche sollen Nixe ihren Wohnsitz haben.</p> - -<h3 id="sec209">209. Die Nixenwannen und Nixensteufe des Chemnitzflusses.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Theile in »Über Berg und Thal«, 7. Jahrg., No. 5.)</p> - -<p>Im Chemnitzthale hat das nagende und mit Sand und Geröllen -schleifende Wasser in den Blöcken des Cordieritgneißes zahlreiche Strudellöcher<span class="pagenum"><a id="Seite_163">[163]</a></span> -gebildet, welche man daselbst »Nixenwannen« nennt. Einen -Teil der Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke -von ungefähr 300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im -Frühjahr und Herbst, am wildesten ist und so heftig schäumt und -brüllt, daß man an ihren Ufern sein eigenes Wort nicht hört, -bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten in dieser Strecke befindet -sich im Flusse ein großer, vollständig durchlöcherter Steinblock, der -zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen worden ist. Diese Höhle -galt beim Volke als der Ausgang eines unterirdischen Nixenschlosses -und man erzählte sich, daß man, besonders in mondhellen -Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das Thal habe -ziehen sehen.</p> - -<p>Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz -ein mächtiger Fels, im Volke die »Ullrichsburg« genannt, der ehedem -ein Raubschloß getragen haben soll.</p> - -<p>Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches -jetzt den Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde -des Volks »Zietsch« hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch -Steg führte. Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach -Dunkelwerden wagte sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen -Pfad, welcher der Chemnitz entlang lief. Dabei mußte man die obengenannte -unheimliche Nixensteufe passieren.</p> - -<h3 id="sec210">210. Der Nix im Rabenauer Grunde.</h3> - -<p class="source">(Ludw. Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)</p> - -<p>Etwa halbwegs im Rabenauer Grunde, da wo die rote Weißeritz, -nachdem sie schäumend zwischen großen Steinen sich durchgewunden, einen -Bogen macht und sich vertieft, also daß man trotz klaren Wassers -nicht auf den Grund sehen kann, ist der Nixentump, in welchem der -alte Nix haust.</p> - -<p>Wenn die Lübauer Bauern mit ihren schwerbeladenen Wagen den -steilen Feldweg am Anfange der nahegelegenen Planwiese hinauffuhren -und die Gespanne trotz allen Antreibens die schweren Gefährte nicht den -Berg hinaufzubringen vermochten, dann kam wohl der alte Nix mit seinen -zwei Schimmeln, legte sich vor den Wagen und nun gings unter fröhlichem -Hohrufen und Peitschenknall den Berg hinauf, als wären es -bloß leere Geschirre; waren die Gefährte oben angelangt, so daß nur -noch ebene Straße vor ihnen lag, dann verschwand plötzlich der alte -Nix mit seinen Schimmeln, ohne Lohn oder Dank abzuwarten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_164">[164]</a></span></p> - -<p>Auf der Planwiese pflegten auch die zwei Töchter des alten Nix -die schneeweiße Wäsche zum Bleichen ausbreiten; war aber das Wetter -dazu im Grunde nicht günstig, oder störte sie sonst öfteres Begängnis -oder des Holzhauers Axtschlag, dann bleichten sie auf der Wiese, da -wo rote und weiße Weißeritz ihre Wasser mischen.</p> - -<p>Manchmal verlangte es die beiden Töchter des Nix auch nach -menschlicher Gesellschaft; dann kamen sie wohl nach Lübau, wenn in der -Schenke die Fiedeln zum fröhlichen Tanze aufspielten, und tanzten da -mit den jungen Burschen, so daß sie nichts von den Bauerndirnen -unterschied, wie ein handbreiter nasser Streifen am Saume des Gewandes. -Sie ließen sich dann auch wohl von ihren Tänzern manchmal -bis an den Nixentump geleiten, entschwanden aber, dort angekommen, -plötzlich ihren Augen; nie hat man gehört, daß sie einem Burschen -den Zugang zum Nixentump eröffneten.</p> - -<h3 id="sec211">211. Die Seebergsjungfer.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 143.)</p> - -<p>Geht man von Eisenberg auf dem Fußwege nach der Hütt' und -nach dem Orte Kunersdorf, so kommt man aus dem Walde auf die -Heide, die sich von Eisenberg bis gegen Kunersdorf und vom alten -Seeberg bis hinab an die Straße ausbreitet. Der untere Teil besteht -aus schönem Wiesengrunde, den man nur die »Haderwies« nennt. -Über dem Eisenberger Walde liegt ein kleiner, stark mit Schilf bewachsener -Teich, der »Haderwiesteich« genannt. Gegenüber demselben, einige -hundert Schritte aufwärts, quillt aus steinigem Boden ein Bächlein. -Diese Quelle hält sehr gutes Wasser, welches immer rein und kühl ist, -und heißt das »Quakbrünn'l«.</p> - -<p>Vor Zeiten kam oft die Seebergsjungfer herab, um sich in dem -Teiche zu baden. Die Hütbuben, welche das Vieh auf der Haderwiese -weideten, sahen sie oft dahin kommen. Sie war halb Fisch und halb -Mensch. Einstmals war nur ein Junge auf der Wiese. Da stand auf -einmal die Seebergsjungfer vor ihm und fragte, ob er sie wohl erlösen -möchte, sie wolle ihm so viel Geld geben, daß er die Haderwiese -kaufen könnte. Der Junge war damit zufrieden. Hierauf sagte sie -ihm, er solle sich jetzt vom Teiche entfernen und nicht eher kommen, -als bis sie ihm winken würde. Wenn er ohne Erlaubnis komme, so -werde es ihm nicht gut gehen. Der Hütjunge lief eiligst weg, und -während er nach seinem Vieh sah, badete sich die Seebergsjungfer in dem -Teiche. Als sie fertig war, winkte sie dem Hütjungen. Der kam und<span class="pagenum"><a id="Seite_165">[165]</a></span> -schimpfte und warf mit Steinen nach ihr. Weinend kehrte sie nach -dem Seeberge zurück und in der folgenden Nacht hörte man sie bis -hinab nach Barthelsdorf weinen und jammern. Lange Zeit kam sie -nicht mehr, um zu baden.</p> - -<p>Auch erschien sie den Leuten oft in Gestalt eines alten Weibes.</p> - -<p>Eines Tages ging ein Weib von Eisenberg in den »Busch«, um -Holz einzuführen. Als sie am Seeberge ankam, ihre Huck niedersetzte -und Holzstücke aufklaubte, sah sie ein altes Weib, welches ihrer Arbeit -mit Aufmerksamkeit zusah. »Wohin geht Ihr?« fragte das Eisenberger -Weib. »In's Gebarg'sche!« (übers Gebirge) antwortete die Alte und -verschwand vor den Augen des Holzweibes. Diese hatte aber gesehen, -daß sie hinter sich einen Fetzen von ihrem Kleide nachschleppte; es war -also die Seebergsjungfrau gewesen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe, halb -Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte. Noch mag darauf -hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache zwischen Schleusingen und -Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher -Sagenschatz, 3. H., No. 19.)</p></div> - -<h3 id="sec212">212. Der Kobold zu Lauter.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 949.)</p> - -<p>Im Jahre 1695, kurz vor Weihnachten, ereignete sich zu Lauter -in einer Schenke bei einem Fleischhacker in der Kammer, wo er mit -seinen Kindern geschlafen, von ungefähr 9 bis 11 Uhr abends, und -von 1 bis 3 Uhr nach Mitternacht, bei der Kinder Bette ein Kratzen, -welches sie in der Ruhe merklich störte. Anfänglich hielt er's für eine -große Ratte und hat fleißig aufgestellt, aber nichts gefangen. Mit der -Zeit hat's auch angefangen so laut zu pochen, daß man's im Keller -hat hören können, und hat den Kindern keine Ruhe gelassen. Ein Knabe -von zwölf Jahren hat fleißig gebetet und zu ihm gesagt: »Laß mich -doch in Ruhe; wenn du nicht mit beten willst, auch nicht beten kannst, -so gehe deiner Wege!« und ist dabei unerschrocken gewesen. Im Januar -1696 hat ein Kind von ohngefähr ein Band in den Händen mit ins -Bette genommen, welches das Ungetüm dem zulaufenden Volk, durch -ein Astloch der Decke herab ins Haus steckend, gezeigt und damit gespielt; -wenn es jemand hat ergreifen wollen, ist's entwischt und bald -zu einem andern Loch auf solche Weise herunter gehangen worden. Gedachter -Fleischhacker hat dabei sein Geld aus einem verschlossenen Kasten -vermisset und ist dazu gekommen, daß es eine ganze Bürde Wäsche<span class="pagenum"><a id="Seite_166">[166]</a></span> -bis an die Kammerthür gebracht, welche er noch rettete. Der Schulmeistersubstitut -des Ortes unterstand sich das Ungeheuer zu fragen, da -es denn viel geredet, in einem Tone, wie ein zarter Knabe oder eine -Weibsperson, es ist auch zornig auf ihn geworden, daß es ihn hinein -in die Kammer gefordert, wohin er sich jedoch nicht getraute, sondern -ist in der Thür stehen geblieben. Hernach haben auch andere ihren -Fürwitz gebüßt und allerlei gefragt: unter andern, ob es von einer gewissen -Person dahin gebannet wäre, da es denn mit Ja geantwortet. -Als am 19. Januar die Wirtin eines Kindes genesen, und am 20. -darauf das Taufmahl gegeben wurde, wobei sich auch nebst den Gevattern -der Pfarrer und andere Leute befunden, ist weiter nicht das -geringste gehöret worden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf hingewiesen worden, -daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen, welche nicht beten können. Als der -Bauer dem Kobolde in Schmalzerode vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut -Christi,« setzte der Kobold an und sprach: »das Blut – das Blut –« dann sprang er -verdrießlich auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke, -zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht wieder gekommen. -(Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.)</p> - -<p>In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen Zügen. So -nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den Schornstein, als er -einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und Getränke brachte; er war dabei -wie helles, loderndes Feuer anzusehen. Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau -Kobolde zum Verkaufe; wer einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen -mit dem eigenen Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte. (Größler, -Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum Verkaufe ausgetragenen -Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von Hausgöttern (S. die Einleitung); -Kobolde waren wie letztere klein, denn der Kobold (vom wälschen <em class="antiqua">cob</em>, der Daumen) -ist ein Däumling.</p></div> - -<h3 id="sec213">213. Der Poltergeist zu Grüna.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)</p> - -<p>Auf dem adeligen Vorwerk Grüna bei Scharfenstein hat ein Poltergeist -im Stall an Menschen und Vieh großen Mutwillen geübt, daß -fast kein Gesinde mehr bleiben konnte. Endlich sind Leute in einer -Kammer, da es sich am meisten hat spüren lassen, mit bloßem Gewehr -geordnet worden, welche alle Winkel durchhauen mußten, da sich endlich -eine alte Haube oder Mütze soll gefunden haben, und hat damit -die Gaukelei ein Ende gehabt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_167">[167]</a></span></p> - -<h3 id="sec214">214. Der Kobold zu Thalheim.</h3> - -<p class="source">(Lehmann a. a. O., S. 952.)</p> - -<p>Bei dem Oberförster zu Thalheim war ein Kobold im Hause, -welcher den Leuten große Last und Schalkheit anthat, daß sie nicht -mehr bleiben konnten. Endlich brannte das Haus weg; etliche meinten, -das böse Ding hätte es angezündet, andere, der Hausherr hätte es -selber lassen anzünden, um das Ungetüm los zu werden. Da sie aber -ihre Sachen ausgeräumt hatten und auf einem Wagen davon fahren, -lässet es sich unter denselben mit vernehmlicher Stimme hören: »Wären -wir nicht so gerannt, so wären wir wohl mit verbrannt.«</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als Geister -der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit zu letzterer und allem -was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische Natur ist ein späterer Zusatz.</p> - -<p>Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.), daß man -eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu entgehen. Als man -aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den Neubau einfuhr, sprang der -Kobold als Katze zusammengebuckelt vom Wagen in die offene Scheune.</p></div> - -<h3 id="sec215">215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)</p> - -<p>In eines Geistlichen, des <em class="antiqua">M.</em> Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg -hat sich im August und September des Jahres 1691 folgendes -begeben:</p> - -<p>Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- -und Zumachen der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats, -Rufen, Lachen, Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken -einer Magd viel seltsame Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein -dunkelgrauer fortrauschender Schatten erschienen und hat sich einst mit -einem nackenden Arm erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man -Licht brennen, es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen -es auch auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe -hat sichs hören lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine -Kugel hat es die Treppe herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider -hat es hervorgetragen und seltsam aufgehängt. Den Schlafenden -wollte es die Betten nehmen, bei Tage hat es etliche Betten verschleppt -und brennendes Licht auf den Boden getragen. Einem wachenden -beherzten Bürger überfiel etwas in der Nacht, seinen Gedanken nach -wie ein zottiger brauner Bär. Es sah bisweilen zum Stallfenster heraus<span class="pagenum"><a id="Seite_168">[168]</a></span> -wie ein altes Angesicht mit einer schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin -eine starke Ohrfeige, daß man die roten Striemen noch des -andern Tages sehen konnte. Es steckte die Ofengabel, Ofenkrücke, einen -langen Borstwisch mit allerlei Lumpen behangen zur Hausthür hinaus -auf die Gasse. Ferner zog es den großen Wassertrog ab und versteckte -die Zapfen, setzte ein brennendes Licht auf die Hausbank und -schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen Schalkheiten verübte es -sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so lachte es. Es versteckte -die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab in den Hof. Der Hausgenossin -Betten trug es auf den Gang hervor, aber man sahe keinen Träger. -Es steckte allerlei Sachen zusammen in den Ofentopf. Ein Studiosus -sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn mit einem Steinchen -und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit kalten Händen die -Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete Wäsche. Den -26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle, worauf -die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht -wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle -Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen -Stunden gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der -Kirche Fürbitte angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr -spüren lassen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der Aberglaube -viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk in dem Hause des -Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem Manne mit Namen Anton -Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich in eine zottige Decke gehüllt und in -dieser Verkleidung entweder als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei -Monate lang geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine -derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst in dem Urteile -des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698, wodurch der Inquisit -zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft -gedacht wurde. Der Geistliche, der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang -mit der Frage in ihn, ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und -als er sich erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man ihm -seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche mit heiligem Schauer -und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche er noch zu leben hätte, nicht zu -zu solchen Teufeleien, sondern zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt -zum Erzgeb. Volksfreunde, 1884, No. 32.)</p></div> - -<h3 id="sec216">216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.)</p> - -<p>Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg -führenden Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höhe<span class="pagenum"><a id="Seite_169">[169]</a></span> -eine bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter -Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen -Teil des Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein -sein Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche -Aussicht gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin -wandert die Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage -um ein Uhr morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben -die Kobolde tanzen; doch die Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt -man die Sonne, bevor sie sich ruhig über den Horizont hebt, -vorerst dreimal emporhüpfen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil daselbst -Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter von Hansgirg.) -Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche doch vorzugsweise Hausgeister -sind, auf einem Berge tanzen; jedoch mag daran erinnert werden, daß Kobolde -auch zuweilen als Waldgeister auftreten.</p></div> - -<h3 id="sec217">217. Der Kaspar des Greifensteins.</h3> - -<p class="source">(M. Spieß, Aberglauben etc., des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. -1862, S. 39. Gießler, Sächs. Volkssagen, S. 116.)</p> - -<p>Auf dem Greifensteine bei Geyer läßt sich der Kaspar sehen. -Er erscheint in weißen Hosen, rotem Fräckel, großen Kanonenstiefeln -und Bonaparthut. Man erzählt: Eines Tages, nachmittags 4 Uhr, -als die Arbeiter eines Steinbruchs, welcher dem Greifenstein sehr nahe -liegt, ihr Brot verzehrten, ruft aus Unmut einer von den Arbeitern -gegen die Höhe des Felsens: »Komm, Kaspar, iß mit!« In demselben -Augenblicke kommt ein großer Stein vom Felsen herab und fällt -gerade neben dem Arbeiter hin.</p> - -<h3 id="sec218">218. Geist Mützchen.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 554.)</p> - -<p>Nicht weit von Freiberg ist ein Gehölz, das heißt der heimische -Busch, und in demselben hauste vordem ein Kobold, den die Leute -Mützchen nannten und damit an den bekannten Kobold Hütchen erinnerten. -Geist Mützchen gehörte zu jenen gespenstischen Hockelmännchen, -die sich den Reisenden und solchen Leuten, die im Walde Geschäfte -hatten, aufhockten und sich weite Strecken tragen ließen, bis die Leute<span class="pagenum"><a id="Seite_170">[170]</a></span> -ganz abgemattet waren und fast odemlos umsanken. Wenn sie ihn -nun fast nicht mehr tragen konnten, hüpfte er von ihrem Rücken plötzlich -weg, schnellte auf einen Baum und schlug ein schmetterndes Gelächter -auf. Dies arge Possenspiel trieb Geist Mützchen absonderlich -im Jahre 1573 und sind viele Personen durch sein Aufhockeln krank -geworden. Einst fand eine Butterhökerin einen prächtigen Käse im -heimischen Busche. Des Fundes froh und überrechnend, was sie dafür -lösen werde, legte sie ihn in ihren Tragkorb; da wurde der Korb so -schwer, daß sie endlich von der Last niedergezogen ward und in die -Knie sank und den Korb abwarf. Da rollte ein Mühlstein aus dem -Korbe und in die Büsche, und aus den Büschen schaute Mützchen mit -gellendem Gelächter, daher man auch von einem hell und grell Lachenden -sagt: »Der lacht wie ein Kobold.« Den Namen aber hatte Mützchen -von seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar machte, und wenn er sie -abthat, so sah man ihn, und dann setzte er sie oft plötzlich wieder auf -und war im Nu verschwunden. Davon ist das Sprichwort entstanden, -wenn jemand etwas sucht und es an einem Orte gesehen zu haben glaubt -und es doch nicht finden kann, daß man sagt: »Ja, da sitzt er und -hat Mützchen auf!« – nämlich der Zwerglein unsichtbar machendes -Nebelkäppchen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im Besitze -der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe gewesen sei. Er -hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche den eigentlichen Zwergen fehlt. -Letztere leben mit den Menschen auf freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich -als Volk auf; Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild -des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen Sagen -tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer, Thüringsche Sagen, -S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat von dem spitzen roten Hute -seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth., S. 290.)</p></div> - -<h3 id="sec219">219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Ein gründlicher Bericht vom Schnackischen Katzen-Veite. Als einem -wercklichen und würcklichen Abentheure beym Kohlenberge im Voigtlande -etc. An den Tag gegeben von Steffen Läufepeltzen, aus Ritt mier -ins Dorff. o. O. u. J. (1651.) Daraus bei Gräße, Sagenschatz d. -K. Sachsen, No. 616.)</p> - -<p>Um den Kohlberg bei Zwickau soll sich ein Gespenst sehen lassen, -welches seiner lustigen Streiche wegen viele Ähnlichkeit mit dem Rübezahl -hat und der Katzenveit heißt. Jener Berg hat seinen Namen von<span class="pagenum"><a id="Seite_171">[171]</a></span> -den Steinkohlen, die er enthält und soll seit dem Jahre 1479, wo -einmal ein Jäger einen Fuchs gehetzt und nachdem er solchen verfolgt, -sein Gewehr von ohngefähr in eine Grube losgebrannt, innerlich brennen. -Wer jener Katzenveit ursprünglich gewesen, darüber sind vielerlei -Vermutungen aufgestellt worden. Unter anderem sagt man, er sei -einst ein sehr ungetreuer Schösser oder Statthalter der Hessen, also -ein Katten-Vogt gewesen, habe aber so viele Gelder und Einnahmen -unterschlagen, daß er nach seinem Tode nicht habe ruhen können, sondern -immer spukend umgegangen sei, bis er von einem Hexenmeister und -Teufelsbanner in diese Wildnis verbannt worden; weil er sich nun nicht -unter diesem Berge wolle bergen lassen, sondern sich über die schwere -Last beschwere, so bewege er den Berg und speie aus Bosheit und -Gift Feuer von unten in die Höhe. Am meisten läßt er sich zur Zeit -des St. Veitstags spüren, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses -tritt. Von ihm werden nun verschiedene lustige Streiche erzählt.</p> - -<p>So zog einst in einem vogtländischen Städtchen ein fremder -Hausierer mit Brillen und einer Menge Kurzwaaren herum und betrog -die Leute durch seine geschickte Redegabe um ihr Geld und hing ihnen dafür -seinen unnützen Kram auf. Das verdroß den Katzenveit, der gerade -dort herum strich, gewaltig, er kaufte ihm also ein hölzernes Pfeifchen -für 15 Pfennige ab, obgleich jener 18 gefordert hatte, und versprach -ihm noch mehr Waren abzunehmen, wenn er mit sich handeln ließe, -betastete dann jedes einzelne Stück und steckte es wieder an seinen Ort, -worauf er, angeblich um Geld zu holen, sich entfernte. Sobald er -aber weg war, da hatte sich der ganze Kram des Hausierers in Seile, -Stricke, Stränge, Sackbänder, Peitschenschnüre und Bindfaden verwandelt -und an seinem Halse befand sich ein natürlicher Diebsstrang, -an dem ein kleiner hölzerner Galgen baumelte. Da stand nun Matz -Flederwisch ganz bestürzt da und wunderte sich, daß er auf einmal aus -einem Materialisten ein Seiler geworden.</p> - -<p>Einst hatte ein geiziger Bauer seinen ganzen Sinn auf die Bienen -gestellt und wo er nur einen Schwarm vermutete, derselbe mochte nun -von den Seinigen abgezogen oder anders woher gekommen sein, da -hat er seinen Korb angeschlagen. Das hat den Katzenveit schwer verdrossen. -Er hat sich also in Gestalt eines Bienenschwarms an einen -Baum gehängt und ist von dem geizigen Bauer schnell in den Bienenkorb -geschlagen worden. Als derselbe nun nachsehen will, wie sich der -Schwarm im Gefäße geberde, da wird er gewahr, daß die vermeinten -Bienen schon darin gearbeitet, Zellen und Honig gesetzt haben. Darüber -hat er sich erst sehr verwundert, aber als er näher zuschaut, findet er, -daß der vermeintliche Honig stinkender Kot sei, welchen ihm eine im<span class="pagenum"><a id="Seite_172">[172]</a></span> -Stocke sitzende Eule mit den Flügeln ins Gesicht schleuderte, dann herausfuhr -und auch seine übrigen Bienenstöcke, 200 an der Zahl, mit -entführte; der Bauer aber, der ihr nacheilte und sie aufhalten wollte, -brach vor lauter Eifer beide Beine.</p> - -<p>Ein anderesmal kam ein fremder Botaniker auf den Kohlenberg -und dachte dort kostbare Pflanzen zum Goldmachen zu finden; zu dem -gesellte sich der Katzenveit als Kräutermann gekleidet und nannte ihm -das reife Silberblatt, Pfennigkraut, Tausendgüldenkraut, Goldblümchen, -Frauenmütze etc. als lauter Kräuter, die Gold brächten. Der -Thor grub nun alle diese Kräuter aus, weil er meinte, Gold unter -ihnen zu finden, allein er fand nichts, und als er mit seinem Funde -schnell nach Hause eilte, brach er unterwegs den Arm, ja er erschlug -zu Hause in der Hitze seine Frau, die ihn ausgelacht hatte, und grämte -sich dann teils deswegen, teils weil er aus den Wurzeln nicht reich -geworden war, zu Tode.</p> - -<p>Einst ist er nach Tripstrille als Kammerjäger gekommen und hat -vorgegeben, er könne Ratten und Mäuse vertreiben. Dafür hat man -ihm eine Partie schöner Thaler versprochen, allein als er das Ungeziefer -weggebannt, ihm solche nicht ausgezahlt. Da ist er nach Art -des Rattenfängers von Hameln wiedergekommen und hat alle Katzen -der Bürger, deren 666 gewesen sein sollen, aus der Stadt geführt, -und seit dieser Zeit sollen dort keine Katzen mehr fortkommen.</p> - -<p>Einmal hat ein Saufbruder vor Pfingsten Maien beim Kohlberge -geholt und in seine Behausung gebracht, in Willens, eine grüne Lust -dabei zu genießen und seine Biergötzen damit zu beehren; das hat den -Katzenveit, der der rechte Waldmeister und Baumherr ist, schwer geärgert. -Wie nun solcher Birkenschmuck hin und wieder in der Stube ausgebreitet -und damit gleichsam eine Laubhütte gemacht worden war, da -wird das Bierfaß hereingeschleppt, in die Mitte gestellt und der Saufbartel -und seine Freunde setzen sich auf Schemeln rund herum und -gießen so einen Becher nach dem andern in die Gurgel hinab und -bringen sich einen Toast nach dem andern zu. Auf einmal fängt aus -dem Laube ein Kuckuck zu schreien an, was ihnen anfänglich gar -närrisch vorkommt, darauf fängt ein Storch an zu klappern und endlich -singt die Nachtigall ihr Runda Runda Dinellula. Da erschrecken -sie bald ein wenig und wissen nicht, wie ihnen geschieht, denn bald -werden sie gezupft und sehen doch nicht, woher es kommt, bald schwingen -und schütteln sich die Maien und schlagen auf die Tagediebe los, daß -sie Zeter und Mordio schreien und aus der Stube hinweglaufen. Gleichwohl -hoffen sie, der Spuk werde sich bald wieder verlieren, damit sie -zu ihrem Gelage zurückkehren können. Sie gucken darüber zum Fenster<span class="pagenum"><a id="Seite_173">[173]</a></span> -hinein, siehe da waren aus allen Maien junge Mägdlein geworden, -welche schöne Gläser in den Händen hatten. Da sprangen alle eilig -wieder in die Stube, faßten sie an und sprangen mit ihnen um das -Bierfaß herum. Wie sie sich aber ein wenig umschauen, da haben die -Damen Teufelsklauen an Händen und Füßen, ein großes rundes Auge -mitten im Kopfe und an diesem Ziegenhörner. Ei, wie teuer wurde -ihnen jetzt das Lachen, wie gern wären die Hengste jetzt hinaus und -davon gewesen! Aber sie mußten ausharren und bei etlichen Stunden -also herumhüpfen, daß ihnen der Angstschweiß an allen Orten ausbrach -und sie endlich für tot niedersanken. Zwar haben sie sich bald -wieder erholt, aber ihre lose Pfingstlust war ihnen für immer vergangen.</p> - -<p>Oft zog der Katzenveit als fahrender Schüler im Lande herum -und foppte die Wirte. So kam er einst als armer Student zu einer -Wirtin und legte sich ohne Weiteres in ein schönes Gastbett. Sie aber -trieb ihn heraus, er aber stahl ihr das Bett und verkaufte es. Ein -anderesmal sah er, daß eine Schankwirtin gebratene Tauben am Spieße -stecken hatte; als sie nun aus der Küche abgerufen ward, huschte er -hinein, nahm sie mit sich und aß sie ungescheut in der Stube am Tische -auf. Wie nun die Frau das sah und ihr Eigentum vermißte, fragte -sie ihn, wie er zu den Tauben komme, und er antwortete. »Wie kommt -der Tag zum Winde (sintemal es gerade sehr stürmte)?« Damit nahm -er die andere gestohlene Taube beim Kopfe und fraß sie auch auf. -Endlich kam er einst in ein Dorf, wo ein geiziger Pfarrer wohnte, -der niemandem etwas gab, sondern alle Ansprechenden entweder selbst, -in einem dicken Bauernpelz vermummt, oder durch seine Leute oder -mittelst seines Kettenhundes forttrieb. Bei diesem trug er sich so an, -als gehe er auf Freiersfüßen und wolle seine Tochter ehelichen. Da -nahm man ihn mit Freuden auf, der Vater ließ etliche Tauben zurichten -und braten und die Mutter lief etliche Male vom Feuer weg -und ließ die Küche leer stehen. Nun zog er schnell mitgebrachte junge, -abgerupfte Raben aus dem Ränzel, lief zum Herde, spießte sie an -und so wurden sie zusammen fertig. Als sie aber aufgetischt wurden, -da partierte er letztere auf den Teller des Pfarrers und seiner Frau, -und kehrte es also, daß die rechten Tauben auf den seinigen kamen, -dann aber machte er sich, nachdem sein Appetit gestillt war, aus dem -Staube.</p> - -<p>Einst fragte man ihn, warum jetzt alles so teuer sei, und er -antwortete, es gebe jetzt mehr Tribulierer und Flegel als sonst, besonders -junge Drescher, die Prokuratoren hießen und sich für ihre Dienste -allemal zuvor bezahlt machten, also, daß wenig in den Scheunen blieb.<span class="pagenum"><a id="Seite_174">[174]</a></span> -Das hörte zufällig ein Advokat, der dabei stand und sprach: »Ganz -recht mein Knecht!« und indem er ihn bei der Hand faßte, sagte er: -»Ich greife nach dem Flegel und marschiere auf die Tenne in Willens, -den Rest vollends auszuklopfen und darauf zu schlagen, bis ich das -Stroh aufreibe.« Aber jener nicht faul, packte den Rabulisten bei der -Kartause, fuhr ihm erstlich über's Maul, warf ihn dann zu Boden und -sprach. »Halt, Geselle, ich muß dich ein wenig zudreschen!« und indem schlug -er mit allen beiden Klöppeln auf die ungegerbte Garbe los, daß das Schrot -und Korn haufenweise (denn der Geizhals hatte eben einen Haufen -Geldes bei sich) aus dem Strohjunker heraussprang, also daß der -neue Drescher nicht allein eine große Ernte an ihm hielt und seine -Säckel anfüllte, sondern auch die Zuschauer eine gute Nachlese halten -konnten, weil der Katzenveit ihn wund geschlagen. So hatte der -Patient keinen Beweis, seinen Beleidiger zu verklagen, und damit zu -wuchern, sondern er mußte die Stöße hinnehmen, als hätte ihn ein -Hund gebissen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte auf die Ähnlichkeit des -erzgebirgischen Katzenveit mit dem Rübezahl des Riesengebirges hingewiesen worden. -Unter den derben Neckereien des ersteren erinnert z. B. die mit dem kotigen Bienenkorbe -an eine Sage von Rübezahl; derselbe verkaufte nämlich Bienenkörbe, welche -mit Menschenkot bestrichen waren. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. -1. und 2. H., S. 11.) Beiden Sagengestalten ist die Fähigkeit, verschiedene Gestalten -anzunehmen, sowie Gegenstände zu verwandeln, gemeinsam.</p></div> - -<h3 id="sec220">220. Ein Stückchen vom Pumphut.</h3> - -<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)</p> - -<p>In der Beiermühle bei Siebenlehn sprach einmal der gespenstige -Mühlknappe an, der seines eigentümlich geformten Hütchens wegen -»Pumphut« genannt wurde. Die Leute waren eben beschäftigt, ein -neues Wasserrad einzusetzen, sahen den Fremden gar nicht an und -fertigten ihn kurz ab. Kaum war Pumphut weiter gegangen, so fand -sich, daß die Zapfen am Rade zu kurz waren. Die Zeugarbeiter, -die ihr Werk so sorgfältig wie immer ausgeführt hatten, zerbrachen -sich den Kopf, bis einer auf den Gedanken kam, der Fremde möge -wohl Pumphut gewesen sein und ihnen einen Schabernack angethan -haben. Sofort eilten sie ihm nach und bald sahen sie ihn gemächlich -an der Mulde weiter wandeln, aber so sehr sie auch rannten, sie konnten -ihn nicht einholen, auch hörte er lange nicht auf ihr Rufen. Endlich -blieb er stehen, erwartete sie und kehrte nach vielen Bitten mit um<span class="pagenum"><a id="Seite_175">[175]</a></span> -nach der Mühle. Dort klopfte er mit seinem Hütchen rechts und links -an das Rad und nun paßte alles vortrefflich. Da ihm nun alle Ehre -erwiesen ward, bannte er noch die Sperlinge, die dem Müller immer -viel Schaden gethan hatten. Seitdem soll sich kein Sperling mehr -dort wohlbefinden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In Gräßes Sagenschatz von Sachsen (No. 672) ist eine im Wesentlichen mit -der unsrigen übereinstimmende Sage vom Pumphut mit der Burkhardtsmühle im -Vogtlande verknüpft; eine andere Sage, die Gräves Laus. Sagen entlehnt ist und -auch von Karl Haupt mitgeteilt wird, verlegt die Begebenheit nach Volkersdorf (Sagenschatz -No. 841.) Ebenso teilt Veckenstedt in seinen Wendischen Sagen und Märchen -S. 86 etc. drei Überlieferungen mit, nach denen Pumphut Mühlwellen verkürzte. -Mehr noch als durch seine übernatürlichen Künste, wie das Fahren in -papiernen Kähnen über Flüsse, z. B. die Mulde, das Zerschneiden eines Mühlsteins -in Bautzen, das Auffangen von Kugeln in seinem Hute u. a. m., erscheint -uns Pumphut durch sein Ende und eine Begebenheit in seiner ersten -Kindheit als ein dämonisches Wesen. Da er noch als Kind in der Wiege lag, verschwand -er plötzlich und an seiner Stelle fand sich eine Schlange; wie ihn nun seine Eltern -vergeblich überall gesucht hatten und wieder in die Wiege blickten, lag er auf einmal -frisch und gesund in derselben. Hier tritt die dämonische Schlange an die Stelle -des ebenfalls dämonischen Wechselbalgs. Pumphut wurde endlich nach seinem Wanderleben, -auf dem er hauptsächlich Mühlen aufsuchte, von einer Schlange, welcher -ein Kopf nach dem andern aus dem Halse wuchs, bis es an die Hundert waren, -lebendig verzehrt.</p> - -<p>Eine wendische Sage bezeichnet ihn als großen Nix, der aber nicht gern im -Wasser lebte. (Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 220 und Veckenstedt, Wendische -Sagen und Märchen, S. 86 etc.)</p></div> - -<h3 id="sec221">221. Das Jüdel.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, etc. S. 930. Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen No. 561.)</p> - -<p>Man kennt im ganzen Erzgebirge ein Kindergespenst, das sogenannte -Jüdel (richtiger »Gütel«, von gut) oder Hebreerchen und erzählt, -daß, wenn die kleinen Wochenkinder während des Schlafs die -Augen halb aufthun, die Augäpfel in die Höhe wenden, als wollten -sie etwas sehen, dabei zu lächeln scheinen und dann wieder fortschlafen, -manchmal auch zu weinen anfangen, daß das Jüdel mit ihnen spiele. -Damit nun aber die Kinder nicht ferner von demselben beunruhigt -werden, so kauft man ein kleines, neues Töpfchen samt einem Quirlchen, -und zwar so teuer, als man es bietet, ohne zu handeln; da hinein -wird von dem Bade des Kindes gegossen und es dann auf den Ofen -gestellt und man sagt, das Jüdel spiele damit und plätschere das Wasser<span class="pagenum"><a id="Seite_176">[176]</a></span> -so lange heraus, bis nichts mehr im Töpfchen sei. Andere blasen -Eier aus den Schalen in des Kindes Brei und der Mutter Suppe -und hängen solche hohle Eierschalen samt etlichen Kartenblättern und -anderen leichten Sachen mehr mit Zwirn an die Wiege des Kindes, -daß es frei schwebe. Wenn nun die Thür aufgemacht wird, oder es -geht und bewegt sich jemand in der Stube, also daß die am Faden -schwebenden Sachen sich in der Luft bewegen, so sagen die Weiber, -man solle nur acht geben, wie das Jüdel mit den Sachen an der -Wiege spiele. Wenn zuweilen die Kinder rote Flecke haben, da sagt -man, das Jüdel habe sie verbrannt; dann soll man das Ofenloch mit -einem Speckschwärtlein schmieren. Das Jüdel spielt aber auch des -Nachts mit den Kühen, dann werden sie unruhig und brummen, macht -man aber Licht an, so sieht man nichts. Ebenso geht es in die Pferdeställe -und fängt an die Pferde des Nachts zu striegeln, dann werden -dieselben wild, beißen und schlagen um sich, ohne daß sie sich des Gespenstes, -welches auf ihnen hockt, entledigen können. Um das Jüdel -als Hausgeist zu unterhalten, muß man ihm Bogen und Pfeile und -Spielsachen in den Keller und die Scheune legen, damit es damit -spiele und Glück in's Haus bringe. Wenn aber die Wöchnerin vor -demselben ganz sicher sein soll, so muß ein Strohhalm aus ihrem Bette -an jede Thür gelegt werden, dann kann weder das Jüdel noch ein -anderes Gespenst herein.</p> - -<p>Man will auch das nächtliche Fallen, welches einen Tod anzeigen -soll, mit dem Jüdel in Verbindung bringen.</p> - -<p>In Scheibenberg diente vor Jahren eine alte Magd, welche bei -solchem nächtlichen Fallen sagte. »Gütchen, ich geb' dir mein Hütchen, willst -du den Mann, ich gebe dir den Hahn; willst du die Frau, nimm hin die Sau; -willst du mich, nimm die Zieg'; willst du unsere Kinder lassen leben, -so will ich dir alle Hühner geben!« Es ist in Elterlein geschehen, daß -man bei solchem gespenstischen Fallen eine Henne oder Ziege dem Ungetüme -gegeben, auch solche Stücke des Morgens tot gefunden hat.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das erzgebirgische »Jüdel« ist das »Gütel« (Heugütel) der vogtl. Sage, oder -das »Hütchen« in den deutschen Sagen der Brüder Grimm (I. No. 75.) Es ist -ein guter, hülfreicher Hausgeist, dessen Name jedenfalls auf »gut« zurückweist. Es -mag hierbei auch an das in Oberungarn gebräuchliche »Gödchen« für Patenkind und -an das oberösterreichische »Göd« ein Taufkind, hingewiesen werden. Göthe spricht -im Faust von den »frommen« Gütchen. In mancher Beziehung hat es Ähnlichkeit -mit den Kobolden, welche in Gestalt kleiner Kinder erschienen.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_177">[177]</a></span></p> - -<h3 id="sec222">222. Das Schrackagerl.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. -1. B. 1864, S. 16 und 234.)</p> - -<p>Das Schrackagerl ist im Erzgebirge ein Hausgeist; es sitzt im -Stalle auf der Raufe und sieht aus wie ein kleines Kind. Wo es ist, -gedeiht alles, das Vieh, das Geflügel; nur darf man nicht fluchen, -sonst verwirrt es den Pferden die Mähnen, bindet die Kühe los und -treibt sie durcheinander. Das Schrackagerl hilft den Mägden arbeiten, -so daß alles rein im Hause ist; nur muß ihm die Magd von ihrem -Essen immer einen Teil aufheben und hinlegen.</p> - -<p>In Heinrichsgrün heißt das Schrackagerl auch Strackagerl; es -verwirrt den Kindern die Haare. Wenn die Kinder des Morgens mit -verwirrten und verfilzten Haaren aufstehen, sagt man: Da ist auch das -Strackagerl darüber gewesen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Schrackagerl von Heinrichsgrün ähnelt dem Schreckgökerle der vogtländischen -Sage, vor dem sich die Kinder fürchten und mit dem deshalb letzteren gedroht -wird. (Köhler, Volksbrauch etc. S. 477.)</p></div> - -<h3 id="sec223">223. Die Wehklage.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784. Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 568.)</p> - -<p>Im Erzgebirge giebt es ein Gespenst, die sogenannte Klagefrau -oder Klagemutter; diese geht vor das Haus, wo ein Kranker liegt und -fängt an jämmerlich zu heulen. Will man nun wissen, ob derselbe -stirbt oder nicht, so wirft man vor die Thüre von oben ein Tuch herab, -das demselben gehört; nimmt die Klagefrau, die nun zu heulen aufhört, -dasselbe mit fort, so stirbt der Kranke, läßt sie es aber liegen, so -findet das Gegenteil statt.</p> - -<p>Im Jahre 1626, da ein großes Sterben war, wohnte Nikolaus -Köhler, ein Schuster in Oberwiesenthal, am Markt. Da er sich abends -zur Ruhe gelegt, höret er ein jämmerlich Geheule auf dem Markt, -so daß er nicht schlafen kann. Er siehet hinaus und wird gewahr, daß -es um den Holzstoß eines gegenüber wohnenden Nachbars so winselt -und jammert. In dem Hause desselben aber lagen zwei Sterbende, -wie er des folgenden Morgens allererst erfahren. Er spricht: »Ja heule, -daß Dir was anders in Rachen fahre!« und legt sich wieder nieder. -Gleich kommt das Heulgespenst vor die Kammer und heulet noch gräßlicher.<span class="pagenum"><a id="Seite_178">[178]</a></span> -Er fähret ins Bett hinein mit Furcht und Grausen, und das -Weib verweist ihm seine Verwegenheit, warum er bei elenden Sterbezeiten -so frech hinaus geschrien; sie fangen an mit einander zu beten. -Das Heulding fähret hinauf auf den Oberboden, und von dannen zum -Fenster in das Quergäßchen herunter, und heulet wieder aufs neue vor -des Büttels Thür, und des Morgens erfuhr er, daß auch darinnen -ein Patient am Tode läge. Der Schuhmacher aber hat noch über 30 -Jahre gelebt und ist erst anno 1664 an der ungarischen Soldatenkrankheit -gestorben.</p> - -<h3 id="sec224">224. Die Winselmutter bei Grünhain.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz des K. -Sachsen, No. 530.)</p> - -<p>In der Nähe von Grünhain fließt der sogenannte Oswaldsbach. -An demselben soll um die Mitternachtsstunde ein gespenstischer Schatten -auf- und niederhuschen, der beständig Klagetöne ausstößt. Das Volk -nennt denselben die Winselmutter und erzählt sich, einst habe ein Jüngling, -dem seine Geliebte die Treue gebrochen, in dem genannten, an -vielen Stellen sehr tiefen und reißenden Bache seinem Leben ein Ende -gemacht; seine ihn liebende Mutter habe ihn darauf sieben Tage lang -aufs sorgfältigste gesucht, aber doch seinen Leichnam nicht wiederfinden -können, und so sei sie zuletzt selbst an Erschöpfung und gebrochenem -Herzen gestorben. Weil sie dabei gegen Gottes weise Fügung gemurrt, -so sei es nun ihr Los, ewig den Körper ihres ertrunkenen -Sohnes unter steten Klagen und Wimmern suchen zu müssen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch dem -Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man sich jedoch das -Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als Kalb oder Schaf mit feurigen -Augen vor, oder es wird als unförmliches Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch -etc., S. 478.)</p></div> - -<h3 id="sec225">225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 421. Moritz Spieß, Aberglauben -etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39.)</p> - -<p>Am Schottenberge unter Annaberg giebts alte Bergkessel und -Bingen, an denen der Fußsteig vorbei geht. Daselbst sind etlichemal -bei Nacht, sonderlich zur Winterszeit, Reisende von Irrlichtern bethört -und in Löcher und tiefen Schnee geführt worden, so daß man sie auf<span class="pagenum"><a id="Seite_179">[179]</a></span> -ihr jämmerliches Schreien und Rufen mit Laternen aufgesucht und gerettet -hat.</p> - -<p>Im Jahre 1683 ging ein Witwer mit seiner Braut beim Scheibenberger -Gottesacker vorbei und sagte: »Da drinnen liegt mein voriges -liebes Weib.« In dem Wort blendet sie ein Licht und umgiebt -sie ein Feuerschein zweimal, so daß sie mit Schrecken davon gelaufen -sind.</p> - -<p>Auch bei der Grube »Dorothea« auf Geiersdorfer Gebiet und -bei der Grube »Stern« auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen -Zeiten ein Lichtlein sehen.</p> - -<h3 id="sec226">226. Die Staatslaterne bei Geyer.</h3> - -<p class="source">(Andrä, Chron. Nachrichten von Annaberg. 1837, S. 77. Gräße, -Sagenschatz d. K. S., No. 491. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, 1847, -Seite 253.)</p> - -<p>Nordöstlich von Geyer gegen den Greifenstein hin zeigt sich an Herbstabenden -eine merkwürdige Lufterscheinung oder ein rötlich leuchtendes, -beinahe 7 Ellen hohes Irrlicht, das, sobald es sich zu bewegen anfängt, -immer kleiner wird, bis es endlich gar verschwindet, in der -dortigen Gegend aber die Staatslaterne von Geyer genannt wird.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Sagen von Irrlichtern sind ungemein zahlreich; dabei erscheinen die Irrlichter -entweder als selbständige Flammen, oder sie fließen mit der Vorstellung von feurigen -Männern zusammen. Eine Laterne wandelt des Nachts zwischen dem Pfaffenholze und -Martinsrieth bei Sangerhausen, dergleichen im Loh, einem Hölzchen bei Buttstädt; -beide Laternen werden von einer Hand gehalten, ohne daß man sonst jemanden sieht. -(Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 267 und 303.) Im Vogtlande will man -dagegen bemerkt haben, daß jedes Irrlicht den Kopf zu einer dunkeln, gewöhnlich -nicht sichtbaren Gestalt bilde. Hier nähert es sich dem feurigen Manne. Als wirklicher -feuriger Mann, also offenbar als Kobold, erscheint es auf einer sumpfigen -Strecke bei Loitzsch. An einem andern Orte tanzen die Nixe mit Irrlichtern. (Eifel, -Sagen aus dem Vogtlande No. 449, 159 und 60.) In dem Volksglauben gelten die -Irrlichter vielfach als die Seelen ungetauft verstorbener Kinder; die beiden Irrlichter -in Holzzelle im Mansfeldischen sind dagegen die Seelen eines Mönchs und einer -Nonne (Größler a. a. O. No. 49.) Das Licht ist ein Symbol für den Geist des -Verstorbenen, darum erscheinen die Seelen als Lichter. Haupt weist dabei (Sagenbuch -etc. No. 57.) auf den Gebrauch in der Lausitz hin, daß man zwei Lichter anzündet, -wenn Brautleute bei Tische sitzen; wessen Licht zuerst verlischt, der stirbt zuerst. -Eine ähnliche Bedeutung haben auch die Lichter, welche man im Erzgebirge wie -anderwärts am Andreasabende oder zu Sylvester in Nußschalen auf einem Becken -mit Wasser schwimmen läßt, um daraus die Zukunft der betreffenden Personen zu -erfahren. In dem Märchen vom Gevatter Tod (Br. Grimm, Kinder- und Hausmärchen,<span class="pagenum"><a id="Seite_180">[180]</a></span> -1. B. No. 44) zeigt letzterer seinem Paten in einer unterirdischen Höhle -die Lebenslichter der Menschen, und vielleicht ist auch auf die gleiche Vorstellung der -Gebrauch zurückzuführen, daß man in katholischen Ländern bei Begräbnissen dem -Sarge brennende Lichter voranträgt, oder am Vorabende des Allerseelenfestes Wachslichtchen -anzündet.</p></div> - -<h3 id="sec227">227. Die unheimliche Fackel.</h3> - -<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)</p> - -<p>Man hat bei Schmiedeberg dann und wann Irrlichter gesehen, -die man unheimliche Fackeln nannte. Die Leute hüteten sich, mit denselben -Bekanntschaft zu machen und wichen ihnen aus, wo sie konnten.</p> - -<p>Einst soll im Bogenhaus, in der Nähe des »letzten Pfennigs«, -ein Mann durchs geöffnete Fenster eine unheimliche Fackel bemerkt und -ihr vorwitzig zugerufen haben: »Komm her auf Courage!« In diesem -Augenblicke erhielt er von unsichtbarer Hand eine tüchtige Ohrfeige; -die Fackel aber war verschwunden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Eine tüchtige Ohrfeige erhielt auch vom Irrlichte jener Schulmeister, welcher -demselben bei der sogenannten Lerch am Saalwalde im reußischen Oberlande mit -den Worten entgegentrat: »Was bist Du für ein Licht?« Neben der Ohrfeige erhielt -er noch die Antwort: »Kümm're Dich um Dich, ich bin ein Licht für mich!« -(Eisel, Sagenbuch des Vogtl., S. 163.)</p></div> - -<h3 id="sec228">228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz., S. 207 und 208.)</p> - -<p>Zu Wildenau ist im Pöhlwasser ein unheimlicher Ort, der Grundtümpel -genannt, da sich das Wasser einer Stuben groß in die Runde -dreht, und sich öfters darin allerlei Spukgestalten sehen lassen, als Weiber, -Männer und Pferde. Man hat auch in selbiger Gegend bis nach -Schwarzenberg und Sachsenfeld viel Irrwische und feurige Drachen ziehen -und spielen sehen. Wenn die Leute aus Raschau nach Wildenau -gingen, oder von Schwarzenberg herüber gehen wollten, hat es sie oft -die ganze Nacht irre und gar nahe an den besagten Tümpel geführt, -so daß sie beim Anbruche des Tages an dem Wasser gesessen haben.</p> - -<p>Teilweise ist ihnen ein Fischer mit Hamen begegnet, der sie bis -an die Dorfhäuser täuschte, so daß sie 10 bis 12 Wochen darnach -krank gelegen haben. Im Jahre 1624 wollte Andreas Illings Vater -am Wildenauer Berge mit seinem Pferde arbeiten; da kam ein fremdes -weißes Pferd mit allem Geschirr gelaufen und spannete sich selbst an.<span class="pagenum"><a id="Seite_181">[181]</a></span> -Nachdem es aber eine Weile hurtig gegangen, ahnte der Ackermann -nichts gutes und wollte ausspannen und Mittag machen. Damit aber -riß sich das wilde Pferd mit Haken und dem andern Pferde los und -lief nach dem Tümpel zu; der Ackermann hing sich an sein Pferd, -schrie und gab gute und böse Worte, bis sich das Gespenst verlor und -ihn mit seinem Pferde in großer Bestürzung zurückließ.</p> - -<h3 id="sec229">229. Dämonische Gestalten an einem Teiche bei Scheibenberg.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)</p> - -<p>Eine starke Viertelstunde unter Scheibenberg, am Elterleiner -Wege, läuft der tiefe Stollen in einen Teich aus. Daselbst hat es -die Leute oft bei Tag und Nacht erschreckt und den Weg bald in Gestalt -eines großen, ungeheuren Mannes, bald eines Wolfes vertreten, oder -sonst mit Tumult und Gerassel bethört.</p> - -<h3 id="sec230">230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)</p> - -<p>Im Juli des Jahres 1644 waren die Oberscheibener oben bei -ihren Teichen im Heumachen. Da kommt am Sonnabende vor dem -zehnten Trinitatissonntage ein mächtiger Sturmwind mit Sausen und -Pfeifen, fährt in die Teiche und wirft das Wasser hoch in die Höhe, -als wenn sich zwei Pferde im Wasser mit einander schlugen. Darüber -erschraken die Leute, liefen an die Heuschöber, die bösen Geister aber -fuhren aus den Teichen in die Heuschöber, spielten damit in der Luft, -fuhren über die Äcker hinaus und nahmen, wo sie gegen Crottendorf -zu antrafen, alle Wipfel von den Bäumen mit.</p> - -<h3 id="sec231">231. Der Drache.</h3> - -<p class="source">(Mündlich. Spieß, Aberglaube etc. Progr., S. 30. Lehmann, a. a. O., -S. 207.)</p> - -<p>Auf einer sumpfigen Wiese unterhalb Neustadt bei Falkenstein, -nach Dorfstadt zu, ist öfters der Drache gesehen worden. – Vielfach -verbreitet ist der Glaube, daß der Teufel denen, welche mit ihm ein -Bündnis geschlossen haben, in der Gestalt eines Drachen Geld und -andere Gegenstände zuträgt, welche er anderswo geraubt hat. Der Drache -fährt bei solchen Leuten zur Feueresse herein, und man muß ihm dann<span class="pagenum"><a id="Seite_182">[182]</a></span> -eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen; er verzehrt den Brei -und legt statt dessen Geld in die Schüssel. Bei Marienberg sagt man, -daß ein solches Geldstück, welches der Drache gebracht hat, stets wiederkommt, -wenn es auch ausgegeben worden ist. Thut es dagegen der -Empfänger in ein Glas, das er mit einem Deckel verwahrt hat, auf -den er einen Kreis mit Kreide beschreibt und innerhalb desselben die -Kreide liegen läßt, so muß es bleiben.</p> - -<p>Feurige Drachen hat man zugleich mit Irrlichtern auch in der -Gegend von Schwarzenberg ziehen und spielen sehen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Glaube, daß man dem Drachen eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden -setzen müsse, steht jedenfalls mit dem auch im Erzgebirge vorhandenen Gebrauche -in Verbindung, am Neujahrstage Hirse zu essen, damit man das -ganze Jahr über Geld habe. Auch nach einer slavischen Sage mußte der -Drache, welcher einem Bauer Geld brachte, mit Hirse gefüttert werden. -(Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 166.)</p></div> - -<h3 id="sec232">232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Drei Bürger in Schneeberg kamen einmal des Nachts in der -zwölften Stunde aus dem Wirtshause. Als sie an den Frauenmarkt -gelangten, trennten sich zwei von ihnen und der dritte ging allein über -den genannten Markt. Auf einmal sprang ihm daselbst ein Kalb auf -den Rücken und legte die beiden Vorderbeine fest auf seine Schultern; -so mußte es der Mann bis an sein Haus tragen. Dort verschwand -es, als die Frau ihrem Manne die Thür aufmachte. Die Frau verwunderte -sich, daß ihr Mann so bleich und erschrocken aussah und fragte -ihn nach der Ursache; doch er wollte ihr unter 9 Tagen nichts erzählen. -Da drang seine Frau noch mehr in ihn, bis er ihr endlich das Begebnis -erzählte und ihr zugleich die Spuren auf seinen Achseln zeigte, welche -das gespenstische Kalb mit seinen Pfoten darauf zurückgelassen hatte. -Das war sein Unglück, denn man soll von derartigen Erlebnissen, -wenn sie nicht dem Betreffenden Verderben bringen sollen, unter -9 Tagen nichts erzählen. Der Mann starb auch noch innerhalb -dieser Zeit.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch nach -einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der Lausitz ein Kalb<span class="pagenum"><a id="Seite_183">[183]</a></span> -ohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis in sein Dorf tragen. -(Veckenstedt, a. a. O., S. 411.)</p></div> - -<h3 id="sec233">233. Ein gespenstisches Kalb zu Mildenau.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 673.)</p> - -<p>Ein Vorbote war es, daß vor dem deutschen Kriege, da der Feind -einfallen sollte, sich zu Mildenau im Herbst des Nachts ein gräßliches -Geblöke und Geschrei erhob; es lief etwas im Dorfe durchs Wasser -auf und nieder in Gestalt eines Kalbes und brüllete so abscheulich, -daß die Leute alle bestürzt wurden. Den folgenden Sommer ist der -Feind eingefallen und hat geplündert und verheert.</p> - -<h3 id="sec234">234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Zwischen der Stadt Eibenstock und dem dortigen Bahnhofe liegt -in einem flachen Wiesengrunde der »Mielahr« oder Windischteich. -Darin soll ein wunderbarer Fisch mit einem goldenen Reifen leben, -und um den Fisch zu fangen, hat man vor einer Reihe von Jahren -den Teich ausgepumpt, aber den Fisch doch nicht gefunden. Von dem -Fische erzählt man, daß denselben einst eine Prinzessin in den Teich -gesetzt habe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der Oberlausitz, -daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die goldenen Halsbänder der -Fische erinnern an die Halsringe mythischer Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.) -Als mächtiger Karpfen mit einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder -bei Breslau auch Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. -1. und 2. H., S. 13.)</p> - -<p>Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf. Seine dämonische -Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster bei Stublach; derselbe ist ein -Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache -in Schwaben verläßt das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der Zwerg -<em class="antiqua">Andwari</em>, welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach -der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt a. a. O., S. 420.) -Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich Fischlein, deren Schuppen gediegen -Gold und deren Augen kostbare Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert. -(Pröhle, Deutsche Sagen, S. 225.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_184">[184]</a></span></p> - -<h3 id="sec235">235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.</h3> - -<p class="source">(Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 3. Jahrg., S. 114. Grohmann, -Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. -1864, S. 79.)</p> - -<p>Die Beerensammler im Erzgebirge erzählen von einem Otternkönige, -welcher ein goldenes Krönlein trägt und über das ganze Natterngezücht -herrscht. Derselbe hat die Gewohnheit, in einer Quelle zu baden -und zu trinken; weiß man die Stelle und breitet daselbst ein weißes -Tuch aus, neben das man eine Schüssel mit Semmel und Milch gestellt -hat, so legt dann der Otternkönig sein Krönlein während der Mahlzeit -auf jenes Tuch. Wer sich desselben schnell bemächtigt, dem bringt -es Reichtum und Glück; wird er aber von den durch das Pfeifen des -Königs gerufenen und von allen Seiten herbeieilenden Nattern erreicht, -so ist er unrettbar verloren.</p> - -<p>In Schönlinde erzählt man: Wenn man mit Schlangen und -Nattern in guter Freundschaft leben will, muß man sich vor allem -die Schlangenkönigin zur Freundin machen. Dies geschieht, wenn man an -einem heißen Tage zum Waldrande geht, ein weißes Tüchlein ausbreitet -und ein Schüsselchen Milch mit Weißbrot darauf stellt. Jeden Tag -muß man das thun, bis die Schlangenkönigin endlich ihr Krönlein auf -dem Tuche liegen läßt. Wer dies Krönlein hat, ist vor Schlangen -und Nattern sicher.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der Schlangenkönigin, -welche goldene Kronen tragen, finden sich allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, -daß die eine goldene Krone tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube -kommt und dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige -behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein. (Zapf, Sagenkreis -des Fichtelgebirges, S. 49.)</p></div> - -<h3 id="sec236">236. Die Riesenrippe zu Nossen.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in -der <em class="antiqua">Saxonia</em> I., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und -Altzella, S. 8.)</p> - -<p>In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster -Altzelle stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen -Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für -die Rippe eines Meerwunders oder Elephanten, von anderen für die<span class="pagenum"><a id="Seite_185">[185]</a></span> -eines Riesenfräuleins von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen -seien, ausgegeben wird. Diesen Gegenstand hat man auch der -Rarität wegen in das Siegel der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen. -Erzählt wird von dem genannten Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa -einen auf dem Felde arbeitenden Bauer mit Pflug und Pferden in -ihre Schürze nahm und ihrem Vater hineintrug. Auch soll sie öfter -nach Haslau »in die Haselnüsse« gegangen sein. – Die Rippe kam -Anfang des 17. Jahrhunderts in die Königl. Kunstkammer nach Dresden, -1657 aber wieder zurück nach Nossen. Nach einer andern Meinung -wäre diese Rippe identisch mit der in Gold gefaßten Rippe der heiligen -Katharina, welche zu den Reliquien des Klosters Altzella gehörte.</p> - -<h3 id="sec237">237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.)</p> - -<p>Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und -den Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung -ausgegraben. <em class="antiqua">Anno</em> 1652, als der Amtmann zu Wolkenstein, -Johann Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von -Marmor und Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ, -haben die Maurer riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen -die Arme und Beine eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen -gemeiner Mannspersonen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen -Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als etwas fraglich, wenn -man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu sein scheint, die Knochen großer urweltlicher -Tiere für menschliche Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus -Darwin, S. 208 und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die -Natur 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in -denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche das Volk für die -Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben wurden in der Nähe der Orte gefunden, -in deren Kirchen sie sich jetzt befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus -bis in die früheren Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine -von Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu schützen -suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. – Es könnte noch eine Deutung versucht -werden. Die Germanen veranstalteten zu Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, -Pferde weissagten und die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten -Rosse auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei unsern deutschen -Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes Tier war. Damit hängt -auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach welchem unter jeder Kirche, welche -gebaut wird, ein lebendes Pferd eingegraben werden müsse. Sollte man auch bei<span class="pagenum"><a id="Seite_186">[186]</a></span> -uns dem Glauben an eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener -Pferde, so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?</p></div> - -<h3 id="sec238">238. Große Menschengebeine in Preßnitz.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)</p> - -<p>Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer -herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß niedergerissen -und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil -ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst, -bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_187">[187]</a></span></p> - -<h2 id="kap4">IV.<br /> -Teufelssagen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_189">[189]</a></span></p> - -<p class="drop">Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später -den Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen -Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten -sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen wirklich -existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und teuflische Gewalten -seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten und die -Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und Dämonen -sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus der -griechischen Sprache entlehnte Name <em class="antiqua">Diabolos</em> ging in die lateinische -und später auch als <em class="antiqua">Diufal</em>, <em class="antiqua">Tiuvel</em>, <em class="antiqua">Tüvel</em> u. s. w. in die deutsche, -sowie als <em class="antiqua">djabel</em> in die slavische Sprache über; in letzterer wurde -er später durch das Wort <em class="antiqua">czert</em>, welches den Begriff eines schwarzen -Wesens in sich schließt, ersetzt.</p> - -<p>Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen -mußten, ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9. -Jahrhunderts, welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung -kamen und worin es heißt: »<em class="antiqua">Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole</em>«, -oder: »<em class="antiqua">Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.</em>«</p> - -<p>Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat, -wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben. -Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit -ihm ein Bündnis eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse -irdische Vorteile zu erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel -mit Leib und Seele ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan, -sich ihm mit seinem Blute verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem -Blute Verschreibens weist Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., -S. 55.) darauf hin, daß nach dem früheren Volksglauben nicht nur -alle verstorbenen Menschen, sondern auch die entthronten Götter und -der Teufel, als ein gestürzter Engel, an Blutmangel leiden, und daß -deshalb besonders der letztere geizig auf ein Tröpflein Bluts desjenigen -Menschen besteht, der sich zu ihm in ein Schutzverhältnis begeben -will. – Wenn der Teufel einem Menschen dienstbar geworden -ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen Volksglauben als -Drache. – Zahlreich sind die späteren Sagen, nach denen er sich in<span class="pagenum"><a id="Seite_190">[190]</a></span> -seiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so daß er von menschlicher -List überflügelt wird. Dies geschieht z. B., wenn er junge Mädchen, -wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen will.<a id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a> Ein gläubiges -Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn; gottlosen Säufern und Fluchern -aber dreht er die Hälse um; hier hat er Macht über den Menschen. -Obschon der Teufel ein natürlicher Feind der Menschen und unter -diesen besonders der Müller ist, vielleicht weil diese das ernährende -Mehl liefern, so baut er auch wieder unter gewissen Bedingungen -Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde er von einem -Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle, von welcher -nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist, zerschmetterte. -Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb Auerhammer; -doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen zu -sein. – Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über dieselben -werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen.</p> - -<p>Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und -»Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen -Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei -Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach -und Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld. -Denselben Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins -in Schöneck.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4_4"></a><a href="#FNAnker_4_4"><span class="label">[4]</span></a> In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre die -Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, Aberglauben und -Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)</p></div> -</div> - -<h3 id="sec239">239. Eines Schmied's Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 1148–1153.)</p> - -<p>Im Jahre 1559 hat sich zu Platten, der Schneebergischen Kolonie, -wo damals noch alles evangelisch gewesen, ein Teufelsspiel geäußert, -da der Satan eines Schmieds Tochter, mit Namen Anna, leibhaftig -besessen und sie grausam gequälet, bis er wieder ausgetrieben worden. -Bemeldete Schmieds Tochter hat sonst ein gutes Zeugnis gehabt, wie -sie christlich, keusch und züchtig gelebt, zur Kirche gegangen, das heilige -Sakrament oft gebraucht und die Evangelien mehrenteils auswendig -gelernt; aber doch wäre sie zu Fastnacht aus Verhängnis Gottes vom -bösen Geiste besessen und darauf krank niedergeworfen worden. Zu<span class="pagenum"><a id="Seite_191">[191]</a></span> -Ostern habe man die leibliche Besitzung des Teufels verstanden, nachdem -der Satan aus der Jungfrau leibhaftig zu reden angefangen und -in der Stube in der Gestalt eines Kuckucks, Rabens und einer Hummel -sich sehen und mit solcher Vogelstimme sich hören lassen und je länger -je mehr von Tag zu Tag wunderliche Dinge geredet, sonderlich bei -dem großen Zulauf des Volkes von Einheimischen und Fremden. Und -wenn der Name Jesus genannt worden, habe er sich in der Jungfrau -Augen gesetzt und ihr dieselben wie große Henneneier aus dem Kopfe -herausgetrieben, daneben die Zunge einer Spanne lang wie eine zusammengeflochtene -Wiede zum Mund herausgestreckt und ihr das Angesicht -auf den Rücken gewendet. Wenn sie einmal Ruhe gehabt und -gefragt worden, wie es ihr ginge, habe sie kurz geantwortet, es dünke -sie, als wenn sie stets auf einem Wasser läge und ertrinken solle, -aber es kämen noch allewege fromme Leute und hülfen ihr davon. -Einstmals habe der Teufel bekannt, daß die Jungfrau ihn zu Fastnachten -in einem Trunk Bier unter einer Fliege Gestalt getrunken, -nachdem er ihr zwei Jahre nachgegangen wäre. Ein frommer Mann, -mit Namen Elias Hirsch, ist alle Nacht bei der Jungfrau gewesen, hat -ihr vorgebetet und sie getröstet. Einstens habe der böse Geist zu ihm -gesprochen: »Elias, thue einen Reihen oder Tanz mit mir, tanz vor -oder tanz nach!« Und da Elias geantwortet: »Du Schelm, Du gehörest -nicht unter die Menschen, mit ihnen zu tanzen, tanze in das -höllische Feuer!« so habe er wieder geantwortet: »So gehe hinweg, -Du wirst einen feinen Tanz sehen.« Und indem er angefangen zu -pfeifen, wäre eine Katze zur Stube herein, und ein Hund unter dem -Tische hervorgelaufen, und diese hätten miteinander einen langen Tanz -gethan, bis die Katze wieder zur Stubenthüre hinaus, und der Hund -sich auch wieder verlaufen. Dergleichen seltsame Possen hätte der -Teufel noch mehr angerichtet. Endlich aber ist er aus der Jungfrau -durch der Priester und vieler frommen Christen Gebet und Seufzen -getrieben worden und wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinausgefahren, -nachdem er vorher von der Jungfrau ein Glied, dann einen -Nagel vom Finger und zuletzt nur ein Haar begehret, gleichwohl aber -nichts erhalten. Dabei hat er gesagt: »Alle, die nicht gern zur Kirche -gehen wollen, selbst daheim lesen, zum Sakramente nicht gehen, im -Fressen, Saufen und Wucher liegen, sind alle mein mit Leib und -Seele. Und sofern diese Buße thun wollen, so will ich ausfahren.« -Zu dem mit anwesenden Geistlichen von Schlackenwerthe sagte er noch: -»Und Du Pfaff von Schlackenwerthe, vermahne die Deinen zur Buße, -dahin fahre ich!« Welches denn dieser Pfarrer seiner Gemeinde -öffentlich auf der Kanzel auch angesagt mit Vermahnung zur Buße.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_192">[192]</a></span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder einer Hummel -sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinaus.</p> - -<p>Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein Teufelstier ist -und als Teufel selbst auftritt, beweisen die Redensarten: »Das weiß der Kuckuck! -Des Kuckucks werden! Der Kuckuck hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung -nur bei den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches -(Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin dienstbar -und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden; die Seelen der Verwünschten -und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt an. (Rochholz, Deutscher Glaube -und Brauch, I. S. 156. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen -und Mähren, S. 65.)</p> - -<p>Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns ebenfalls -eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder und Schwester -zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel in einem Keller an; der kam in einer -Hummel-Gestalt und flog jedem in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte, -dem ward viel Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine -andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel erschienen ist. -(Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub) heißt Fliegengott. Märchen -erzählen von teuflischen Geistern, die als Fliegen in einem Glase verschlossen -sind. Der dem Bösen sich hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt -sich in eine Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.)</p> - -<p>Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze sind -hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze, gilt bald als Hexentier, -bald als Hexe selbst oder ein verwünschter, böser Geist. Der anfänglich den -Göttern geweihte Hund aber, dem auch die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde -Bote und Hüter der Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.)</p></div> - -<h3 id="sec240">240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.</h3> - -<p class="source">(T. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygnea</em>. II., S. 692.)</p> - -<p>Im Jahre 1645 ist ein Soldat von der schwedischen Besatzung -zu Chemnitz nach Zwickau gekommen, hat aber bald darauf seine -Frau und Kinder wieder böslich verlassen und ist wieder zu den -Schweden gelaufen. Als nun dessen Weib in höchster Armut lebte -und sich sehr bekümmerte, wie sie sich und ihre Kinder nähren solle, -ist der Teufel etlichemale zu ihr gekommen, hat ihr ein Säcklein mit -Geld vorgehalten und gesagt, wenn sie sich ihm ergeben wolle, werde -er ihr dieses geben, und so dies verzehrt, noch mehr bringen. Die -Frau hat sich aber des allezeit durch's Gebet erwehrt und es endlich -so weit gebracht, daß er sie ganz in Frieden gelassen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_193">[193]</a></span></p> - -<h3 id="sec241">241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatr. Freiberg.</em> S. 425 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 284.)</p> - -<p>Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin zu Freiberg eines -Kindes genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und -der Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich -krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über -sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da -an hat sie immer abscheuliche Convulsionen und Gesichte gehabt, ist -ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme -erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal -aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem -und ihres Nachbars Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie -um drei Uhr des Morgens auf dem Ofen, ein andermal vor dem -Fenster auf einem Stein gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart -zweier Zeugen im Bette mit dem ganzen Leibe, Händen und -Füßen aufgehoben worden, und ohne daß sie irgendwo angestoßen, -hat sie so frei geschwebt, also daß man geglaubt, sie wolle zum Fenster -hinaussehen etc.; in der Kirche ist der Teufel wie eine Katze oder Hund -ihr um die Beine gekrochen, dann hat sie aber zum öftern einen -weißen hellen Glanz gesehen, der sie getröstet und in die Zukunft hat -sehen lassen, worauf sie vielerlei wunderbare Sachen, unter andern -die Drangsale Freibergs im 30jährigen Kriege, prophezeit hat. Endlich, -nachdem weder Beschwörungen noch Zureden und Ermahnungen -der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen, sondern ihr Zustand an -die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt drei ganze Jahre verschlossenen -Leibes gewesen, ist sie den 10. Oktober 1620 selig verstorben.</p> - -<h3 id="sec242">242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 363.)</p> - -<p>Im Kloster Zelle befand sich im Jahre 1630 eine Magd, -welche dem abergläubischen Brauche nach in der heiligen Christnacht -hinterrücks durch die Stubenthüre hinausgriff. Sie ist aber durch -göttliches Verhängnis von einem höllischen Gespenst gar hinausgezogen -und sehr übel traktiert worden, also daß sie ihr Lebtage hat hinsiechen -müssen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_194">[194]</a></span></p> - -<h3 id="sec243">243. Der Teufel erscheint zu Freiberg einem Bergmanne.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II., S. 203.)</p> - -<p>Zu Anfang der Reformation lag zu Freiberg ein ehrlicher Bergmann, -namens Benedix Reisiger, sehr krank darnieder. Zu diesem ist -der Teufel mit einem langen Papier, fast einer Kuhhaut gleich, gekommen -und hat gesagt, er wäre als Notar abgefertigt, alle Sünden, -die er begangen, aufzuzeichnen. Dabei hat er sich beim Bette niedergesetzt, -Feder und Tinte zur Hand genommen und den Bergmann ernstlich -vermahnt, ihm die Sünden aufzuzählen. Wiewohl nun der Bergmann -etwas darüber erschrocken, so hat er doch wieder Mut gefaßt, -sich des Herrn Christi getröstet und geantwortet: »Ich bin ein armer -Sünder, das bekenne ich; willst Du meine Sünden ja aufschreiben, -und bist Du deswegen hergekommen, so schreib oben an: Des Weibes -Samen Jesus Christus hat der Schlange den Kopf zertreten.« Wie -solches der Teufel gehöret, ist er alsbald mit Papier und Tinte verschwunden, -daß nichts als ein übler und abscheulicher Gestank von -ihm übrig geblieben. Der Bergmann aber ist im festen Glauben an -das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig verstorben.</p> - -<h3 id="sec244">244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense</em>. II., S. 393.)</p> - -<p>Es geschahe im Jahre 1609, daß ein Bergmann, welcher sonst -seines stillen und eingezogenen Wandels wegen gutes Lob gehabt, in -der Fastnachtszeche von einem andern zu Üppigkeit und etlichen leichten -Reden über Gott und göttliche Dinge verleitet wurde. Unter andern -meinte er, daß er schon gute Gesellen genug in der Hölle antreffen -würde, für den Fall er einmal dahin käme. Diesem Bergmanne nun -ist eines Abends auf dem Heimwege der Teufel in schrecklicher Gestalt -erschienen, hat ihm gedroht und gesagt, daß, wenn er erst rechte -Macht über ihn habe, wolle er ihn an den Ort führen, wo er seine -guten Gesellen fände. Der Teufel ist auch eine Zeit lang neben ihm -in die Grube und aus derselben wieder herausgefahren, so daß der -Bergmann nirgends Ruhe fand. Endlich suchte er Trost bei seinem -Beichtvater, nahm das heilige Abendmahl, mied böse Gesellschaften und -begann wieder ein gottesfürchtiges Leben. Darauf hat sich der Teufel -nicht wieder bei ihm sehen lassen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_195">[195]</a></span></p> - -<h3 id="sec245">245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1267.)</p> - -<p>An der böhmischen Grenze soll sich zugetragen haben, daß einst -sechs berufene Säufer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntage -bis zum Morgen bestialisch gesoffen und dem Gemälde des Teufels -an der Wand etliche Mal zugetrunken haben. Da einer von ihnen -wegen empfundenen Schreckens zeitlich davon gegangen, sind die -andern fünf des Morgens um sechs Uhr mit schlotternden und gebrochenen -Hälsen tot gefunden worden. So haben sie zum Schrecken -anderer bis an den dritten Tag gelegen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine Oberlausitzer Sage -von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar sehr miteinander geflucht hatten, -so daß ihnen der böse Geist die Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der -Diebeshenker dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ -man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt, Sagenbuch -der Lausitz, No. 126.)</p></div> - -<h3 id="sec246">246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.)</p> - -<p>Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes -Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren -prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis -liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der -Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen -war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel -keineswegs zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner -Mißbilligung der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die -Kirche des neuen Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die -Treppen herauf schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch -eine Kanzel zu bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete -er seine Arbeit. Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder -zu vergrößern, vermauerte er die Kanzel, damit niemand sie betreten -und benutzen könnte. Der Tag begann zu dämmern, als er mit -seiner Arbeit zustande gekommen war, und er ging, um seinen Heimweg -anzutreten. Zuvor aber trabte er in das Schiff der Kirche, beschaute -sich sein Werk und befand es für gut. Dann entfernte er sich -eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder zu beten kamen, erstaunten -sie nicht wenig über die neue Kanzel und stiegen die Treppe aufwärts, -um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie war vermauert. Voll<span class="pagenum"><a id="Seite_196">[196]</a></span> -Entsetzen fanden sie aber auch die Spur eines eingedrückten Pferdehufes. -Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses Werkes und zugleich seinen -bösen Willen. – Noch jetzt sieht man die Kanzel unbeschädigt und kennt -sie in der ganzen Gegend unter dem Namen der Teufelskanzel.</p> - -<h3 id="sec247">247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.</h3> - -<p class="source">(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.)</p> - -<p>Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage, -daß einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen -getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach -einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe, -die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage -darauf sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe -ihn gefragt, ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom -Müller bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte -und nie wiedergekehrt wäre.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In -der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol als Ungetüm, das -einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen Sagenhelden Dietrich und Artus -erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär -vertreibt Gespenster und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. -Ein Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem Dämonenüberwinder -Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter schläft, geheiligt. Nach einer -Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein -lästiger Wassernix von einem Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei -Buchholz fragt er später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht -wieder zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. – In -einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große Katze. (Haupt, -Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 195.)</p></div> - -<h3 id="sec248">248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.</h3> - -<p class="source">(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.)</p> - -<p>Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des -Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse -des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben -soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine -Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel erbaut -hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur -auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszug<span class="pagenum"><a id="Seite_197">[197]</a></span> -vorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der -Mühle zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und -das Klappern der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei -einer gewöhnlichen Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was -er konnte, davon.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel geholfen; -dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf diesem dem Teufel -verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, -Sagenbuch etc. No. 98 und 109). Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange -der Teufelsmühle am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort -ganz anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin. – Es -giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen, welche mit Hülfe -des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem zwischen 12 und 1 Uhr nachts die -Mühle allein zur Verfügung stehen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)</p></div> - -<h3 id="sec249">249. Der Käthelstein bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.)</p> - -<p>Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, -Namens Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er -zur Winterszeit von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner -Wohnung mitten durch den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann -aus dem Dickicht vor ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten -mit in sein Haus zu gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil -er sich nicht getraue im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis -den Weg weiter zu finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme -noch das Aussehen des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm -und gewährte ihm also seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben -einander bis ins Dorf, als sie aber an das Haus Günzers gekommen -waren und ihnen die Tochter desselben, Katharina, die Thür geöffnet -hatte, stieß diese bei dem Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares -Wehegeschrei aus, ließ vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in -der Hand trug, und als der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet -und seine in Ohnmacht gefallene Tochter wieder zum Leben -gebracht hatte, sah er erst, daß jener verschwunden war. Er hatte -nun nichts Eiligeres zu thun, als seine Tochter zu fragen, warum -sie so erschrocken sei, allein diese antwortete, es sei der Teufel gewesen, -der sie als Braut heimführen wolle; sie habe nämlich vergangene -Nacht geträumt, sie liege im Walde und es komme ein Mann, ganz -so wie der eben verschwundene Fremde, auf sie zu und nenne sie seine<span class="pagenum"><a id="Seite_198">[198]</a></span> -Braut, küsse sie und lasse dann bei seinem Weggehen sich durch seine -Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den Teufel erkennen. Der alte -Günzer war eben daran, sie zu trösten, da erblickte er auf dem Tische -ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben stand: In 9 Wochen werde -ich um Mitternacht an's Fenster pochen und meine Braut heimführen! -Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in Erfüllung gegangen -war. – Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen in Angst und -Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen auch zum -Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der Böse -nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als die -Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war, da -pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut -heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand -an und der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit -den Worten: »Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder -Eure Hütte steht in Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage -unter Angst und Sorgen; wieder kam die gefürchtete Mitternachtsstunde -heran und mit dem zwölften Schlage klopfte es an das Fenster -und rief: »Heraus die Braut, sonst brennt das Haus!« Aber der -alte Günzer schloß seine besinnungslose Tochter in seine Arme und -sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg von uns, Satanas!« Da -brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in Flammen! Nochmals -9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so wird -Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er -zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der -größten Mühe retteten beide ihr Leben. – Sie flohen nun zuerst zu -Verwandten, allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere -Hütte am Rande des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden -Schwefelpfuhl geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; -schon kam wieder die neunte Woche heran, da übermannte einst am -hellen Mittag Käthchen der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit -seinem Gefolge schaue zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine -höllische Residenz entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei -aus dem Schlafe auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und -ein Engel, umstrahlt von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch -in der Hand tragend, winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe -Dir Frieden!« Er führte sie nun mitten durch den Wald auf einem -ihr gänzlich unbekannten Wege, bis sie an einen Felsen kamen, der -öffnete sich, als der Engel ihn mit dem Kreuze berührte, und nun -schritten sie durch eine Felsenspalte, bis sie an ein hohes Thor kamen, -was wie Silber glänzte; vor diesem saßen sieben Greise mit spitzen<span class="pagenum"><a id="Seite_199">[199]</a></span> -Mützen und langen Bärten. Als sie aber das Crucifix erblickten, da -neigten sie sich tief und der Engel und die Jungfrau traten in -einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen verziert war und durch -deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag auf kostbarem Lager unter -einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne Frau, umstrahlt von einem -Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben Zwerge betend auf den -Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie ihn, was ihn herführe, -dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr des unglücklichen -Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die Fürstin der -Berge – denn das war sie – einem der Zwerge, ihr eine Urne von -Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus ein -Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses -Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben -können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus -der Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. -Damit nahm der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie -denselben Weg wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er -den Felsen wieder mit Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er -Abschied von ihr und sprach, sie solle ruhig sein, denn sie stehe in -Gottes Schutz. Als Käthchen nach Hause kam, fand sie ihren Vater -daheim und erzählte ihm, was ihr begegnet war, zeigte ihm auch das -Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer Erzählung. Da erwiderte ihr -derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches widerfahren, denn er habe -im Schachte beim Graben ein goldenes Jesuskreuz gefunden. Als sie -es näher betrachteten, um vielleicht ein Merkmal zu finden, an welchem -sie den rechten Besitzer erkennen könnten, sahen sie den Namen des -Steigers darauf geschnitten, mit den Worten: »Dem Gläubigen hilf -Jesus Christus.«</p> - -<p>So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und -die früher so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und -kaum war der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und -brüllte: »Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen -selbst das Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen -und unter furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber -rief er: »Käthchen, Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil -an Dir, aber jetzt ist die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu -folgen; komm heraus, daß ich Dich packen kann!« Allein auch hier -mußte er weichen, denn Günzer hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz -entgegen. Aber diesmal verschwand er nicht so ruhig, wie die frühern -Male. Ein furchtbares Gewitter begann sich zu entladen, ein Orkan -warf die stärksten Bäume nieder und erschütterte das Häuschen in<span class="pagenum"><a id="Seite_200">[200]</a></span> -seinen Grundfesten, der zum Strom angeschwollene Waldbach drohte -dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug es Eins, so war alles wieder -still und der Mond leuchtete silberhell durch die finstern Wolken.</p> - -<p>So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und -nach zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, -der ihr schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber -verlieh demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur -Ruhe setzte und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben -gedachte. Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, -innerhalb dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen.</p> - -<p>Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches -Los er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich -geführt hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am -Felsen bestatten, wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun -ging sie jeden Tag hin, um dort für das Seelenheil des geliebten -Verstorbenen zu beten. Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine -Greisin war. Einst aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres -Vaters zu beten, und kehrte nicht zurück, und als ihr Mann und ihre -Kinder hinausgingen, um sie zu suchen, da fanden sie nur ihre Leiche; -aus dem Felsen trat aber ein Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte -auf die Stirne, nahm ihr das Demantkreuz ab und schwang sich damit -zum Himmel auf. Der tiefbetrübte Gatte aber rief einige seiner -Kameraden herbei und brach ihr ein Grab in den Felsen ein, und als -Raum genug vorhanden war, um den Sarg hineinzusetzen, und die -Leidtragen eben damit beschäftigt waren, denselben an seinen Ort zu -stellen, da schwebten zwei Engel herab, hoben ihn von der Bahre, -stellten ihn in den Felsen und schlossen denselben wieder mit einem -großen Quadersteine so geschickt, daß niemand mehr sehen konnte, wo -die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit aber nennt man jenen -Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den Käthelstein.</p> - -<h3 id="sec250">250. Hans Heilings-Felsen.</h3> - -<p class="source">(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. -2. Aufl. 1. B., No. 329.)</p> - -<p>An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen -empor, die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es -heißt, vor alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling, -im Lande gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden -Freitag in sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar geblieben<span class="pagenum"><a id="Seite_201">[201]</a></span> -sei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh, -wo er ein Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt -haben, die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert -worden war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen -Gästen Hochzeit hielt, erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich -unter ihnen und rief laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit, -wenn Du mir diese vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du -mein!« und verwandelte alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und -Bräutigam stehen da, wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten -Händen. Hans Heiling stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die -ihn zischend verschlang und kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch -jetzt zeigt man die Steinbilder, die Liebenden, den Brautvater und -die Gäste, auch die Stelle, wo Heiling hinabstürzte.</p> - -<h3 id="sec251">251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.)</p> - -<p>Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger -Stunde in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte, -wenn er nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel -sein. Da erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel -auf. Dem kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel -liebte und trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht, -doch der Graf verlor fortwährend und hatte schon alle seine -Knechte und Mägde und zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es -dem Teufel nach Isa, der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte -aber seine Tochter über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit -geopfert; denn sie war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige -Stern, zu dem er mit aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre -Schönheit und sittliche Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert, -doch nur dem edlen Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit -jungfräulicher Schüchternheit erwidert. Der Graf wollte seine geliebte -Tochter Isa nicht auf den Wurf setzen. Doch der Teufel bot -ihm die Freiheit für sich und seine Knechte und Mägde und noch so -viel Geld, als er mit seinem gewaltigen Streitrosse wiege, wenn er -gewönne. Der Graf zögerte trotz der Versprechung und wollte den -verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der Teufel drängte, denn in kurzer -Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber und seine Macht zu Ende. -Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus seinem Humpen, ergriff -die beiden Würfel und warf – jubelnd sprang er auf – er hatte<span class="pagenum"><a id="Seite_202">[202]</a></span> -12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den Teufel auf, mehr -zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte die Würfel und -mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den eichenen Tisch -und zeigten – 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn sein Schwert -heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen. Doch dieser -hauchte seinen schwefeligen Odem aus – und kraftlos sank der Graf -auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du meinen -Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah -mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen. Da -schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den -Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von -Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben. -Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem -Vorschlage wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso -verhaßt, wie seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern. -Der Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde -zu Ende ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen. -Dieser gelobte, Isa dem Kloster zu übergeben. In einer blauen -Wolke verschwand der Satan. Der Graf aber gedachte den Teufel -zu betrügen und seine Isa dem Kloster wieder zu entführen. – Die -schweren Thore des Klosters Grünhain schlossen sich hinter der jammernden -Isa. Weder die tröstenden Worte der Oberin, noch die -freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern vermochten die arme Isa -zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram zerstörte das blühende -Leben. – Nach einigen Monaten stand an der westlichen Klostermauer -allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt, die stets mit dem -frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im Kloster ein -einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten Nacht nach -der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne den baumreichen -Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten über -die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen -Walde zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester -Barbara (das war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle – -sie war verschwunden. – Alle Räume des Klosters wurden durchforscht, -jedoch vergeblich. Da entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden -in die umliegenden Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen -großen Vorsprung nach dem dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen. -Als am 3. Tage die Sonne sich neigen wollte, standen die Flüchtigen -auf einer hohen Felswand, an deren Fuß das Schwarzwasser rauschte. -Da verkündete Hundegebell die Nähe der Verfolger und zwischen den -uralten Fichtenstämmen zeigten sich die Klosterknechte. Schon sind die<span class="pagenum"><a id="Seite_203">[203]</a></span> -Hunde heran, die Fliehenden hören den Zuruf der Klosterknechte – -da ertönt ein markdurchdringender Schrei – der jähe Sprung in die -schauerliche Tiefe erfolgt. – Hunde und Häscher finden weder in den -Wellen noch im Walde eine Spur der Flüchtigen. Der Felsen -bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird heute noch der Nonnenfelsen -genannt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in mehreren -Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No. 103), wird jedoch dabei -der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen, da sein Gegner ein Auge mehr -hatte; eins war nämlich beim Werfen herausgesprungen und lag neben dem Würfel.</p></div> - -<h3 id="sec252">252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.)</p> - -<p>Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man -die Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war -vor mehr als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar, -welches zu den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und -in seinen Anfängen vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs -zurückreichte. Wie aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum -Opfer fällt, so waren auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon -vor Jahrhunderten kam sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen, -und die Ausbeute der Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch -nun der Turmhof zum Erliegen gekommen, darüber giebt folgende -Sage Aufschluß.</p> - -<p>Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich; -er verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte -er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden, -nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb -gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der -Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem -Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war bekannt -und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid, Habsucht, -Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er absonderlich -zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an ihm -und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch -erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen -habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen -Veit, einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit -bravem, rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstande<span class="pagenum"><a id="Seite_204">[204]</a></span> -angehörte und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein -rauher und harter Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer -Liebe zugethan.</p> - -<p>Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und -zwar ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß. -Alle Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen, -denn sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit -heimlich verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung -als Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit -machen, falls ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts -dagegen hätten. Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde -seiner Tochter, wie die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch -die Thränen und Bitten der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische -Tüchtigkeit und untadelhafte Aufführung endlich beseitigt.</p> - -<p>Anders war es bei dem alten Kunststeiger. Derselbe grollte mit -dem Obersteiger fort und trachtete darnach, demselben Schaden zuzufügen. -Dazu sollte ihm das unlängst geschlossene Bündnis mit dem -Teufel helfen. Für die Dienste, welche ihm letzterer zu gewähren versprochen -hatte, sollte ihm der Kunststeiger Heinrich alljährlich die Seele -eines Menschen liefern, und zwar sollte es jederzeit derjenige sein, -welcher am letzten Tage des Jahres der letzte beim Ausfahren aus der -Grube Turmhof wäre. – Wieder war der letzte Tag des Jahres erschienen, -an welchem nach dem Vertrage der Plan des bösen Kunststeigers -zur Ausführung kommen mußte. Die Schichtzeit war abgelaufen, die -Zeit zum Ausfahren gekommen. Die sämtliche Mannschaft befand sich -auf der Fahrt; der Obersteiger war vom Kunststeiger durch irgend -einen Vorwand in der Grube zurückgehalten worden. Jetzt kamen sie -zum Schachte; da bestieg der Kunststeiger schnell die Fahrt und gab vor, -dem Obersteiger beim Hinausfahren das Öffnen des Schachtdeckels ersparen -zu wollen. So gelangte der Obersteiger als der letzte zum Ausfahren.</p> - -<p>Der Himmel aber fügte es, daß der Kunststeiger dennoch eine -falsche Rechnung gemacht hatte. Sein eigener Sohn Veit war, unbemerkt -von ihm, noch in der Grube zurückgeblieben. So wurde dieser -nun derjenige, der zuletzt zum Ausfahren kam; – aber er hat das -Tageslicht nicht mehr gesehen und keines Menschen Auge erblickte den -Unglücklichen jemals wieder. Der Teufel lauerte seinem Opfer auf und -stürzte es rücklings in die grausige Tiefe. Als der Kunststeiger seinen -Feind, den Obersteiger Gebhardt, rüstig und ohne Fährlichkeit Sprosse -um Sprosse hinter sich nachfahren sah, mochte er sich wohl wundern, -daß der Satan sich nicht des letzteren bemächtigte. Mit Unwillen und -Staunen bemerkte er, daß sein Widersacher unbeschädigt nach ihm die<span class="pagenum"><a id="Seite_205">[205]</a></span> -Schachtkaue betrat. Als er aber mit düster forschendem Blicke die -Mannschaft überschaute, und unter ihr seinen Sohn Veit vermißte, da -fiel es ihm wie Schuppen von den Augen; der Teufel hatte ihn um -das liebste, für welches sein verknöchertes Herz noch Gefühl gehegt, -betrogen. Bewußtlos sank er zusammen.</p> - -<p>Die Abwesenheit Veits war bald bemerkt worden; man wunderte -sich über sein Außenbleiben. Da erhob sich der endlich zum Bewußtsein -gekommene Kunststeiger mit irrem Blicke. Hastig schrie er: »Ich -will sehen, wo mein Sohn geblieben ist!« Dann fuhr er zurück in die -Grube. »Niemand folge mir, dem sein Leben lieb ist!« herrschte er -den Knappen zu, die sich erbötig zeigten, den bekümmerten Vater zu -begleiten.</p> - -<p>Die Berghäuer gehorchten und lauschten nur hinab in die Tiefe.</p> - -<p>Da erscholl es drunten wie von mächtigen Axthieben und man -vernahm bald darauf ein entsetzliches Geprassel. Erschrocken flohen die -Leute, denn sie befürchteten des Schachtes baldigen Einbruch und hatten -sich nicht getäuscht. Der Kunststeiger zerhieb mit furchtbaren Axtschlägen -die Kunstgestänge und zerstörte die Gerinne, in welchen das -starke Aufschlagwasser zum Umtriebe des Kunstrades über den Schacht -geleitet war, so daß die ganze Wassermasse sich in die Tiefbaue ergoß -und bald die ganze Grube ersoff. In den wild hereinstürzenden Gewässern -hat der Kunststeiger seinen Tod gefunden. Der Teufel verpaßte -seine Zeit nicht: er hatte ihn drunten geholt.</p> - -<p>Des Obersteigers Tochter Johanna verfiel infolge jenes trübseligen -Ereignisses in ein hitziges Fieber, an welchem sie lange in -Lebensgefahr darniederlag. Die Jugend half ihr die Krankheit überwinden, -aber sie war und blieb für immer tiefsinnig. So trat sie -in das in der Sächsstadt zu Freiberg gelegene Jungfrauenkloster zur -heiligen Maria Magdalena ein. Erst später verließ sie es wieder, -als dasselbe bei der Reformation gänzlich aufgelöst wurde, und kehrte -in die Welt zurück. Die Grube Turmhof kam nach jenem unglücklichen -Ereignisse zum Erliegen, denn wo der Teufel gehaust hat, kann -kein Segen aufkommen.</p> - -<h3 id="sec253">253. Der versteinerte Kammerwagen.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau: Comotovia 1877, S. 80.)</p> - -<p>In einem friedlichen Thale bei Neudeck lebte ein Bauersmann -still und zufrieden mit seiner Familie; nur seine älteste Tochter, bereits -zur blühenden Jungfrau herangewachsen, machte ihm manche Sorge.<span class="pagenum"><a id="Seite_206">[206]</a></span> -Sie unterhielt nämlich ein Liebesverhältnis mit einem armen Burschen -aus der Umgebung des Dorfes, der als Bergknappe im Schoße der -Erde sein Brot verdiente. Schon lange wurde von den Liebenden -eine Verbindung angestrebt, allein der Vater versagte die Einwilligung, -so sehr auch das Mädchen darum bat. Da beschloß der Knappe, sich -noch auf einige Jahre in eine andere Gegend zu wenden, dort fleißig -zu arbeiten und nach seiner Rückkehr wieder um die Hand der Geliebten -anzuhalten. Diese gelobte ihm beim Abschiede ewige Treue, und -dadurch getröstet zog er von dannen.</p> - -<p>Anfangs schien der Schmerz des Mädchens über die Entfernung -des Geliebten sehr groß; doch nach und nach mäßigte sich die Sehnsucht, -und Zeit und Arbeit brachten es dahin, daß sie den Geliebten -allmählich vergaß. Da gelang es denn einem andern Dorfburschen -ohne Mühe, sich ihre Gegenliebe zu erwerben, und da er reich war, -erhielt er auch die Einwilligung des Vaters. Es wurden Vorbereitungen -zur Hochzeit getroffen, und der Tag der Trauung war nicht -mehr fern. Da kehrte plötzlich der Bergknappe zurück. Er hatte sich -in der Fremde manches erspart und hoffte nun, bald im Besitze des -geliebten Mädchens zu sein. Abends, als es schon im Thale zu dämmern -begann, ging er an das Haus seiner Geliebten und hoffte sie zu -sehen; er sah sie auch – aber in den Armen eines andern. Wie ein -Blitzstrahl durchfuhr es seine Glieder, er wollte vorwärts, doch sein -Fuß war wie angewurzelt; einen Fluch zwischen den Zähnen murmelnd, -stürzte er hinweg. Von diesem Tage an war er fahrlässiger in seinen -Arbeiten und siechte vor Gram immer mehr dahin. Oft sah man -ihn spät abends seine Hütte verlassen und einem Platze zuwandern, -welchen selten ein Mensch betrat, da, wie es hieß, die bösen Geister -dort ihr Wesen trieben. Hier schloß er nun ein Bündnis mit dem -Bösen, um die treulose Geliebte und ihren Bräutigam zu verderben. -Acht Tage vor der Hochzeit begab er sich in die Wohnung der Braut. -Obschon von seiner Ankunft unterrichtet, erschrak sie doch sehr über -sein verstörtes Aussehen; er dagegen gab sich den Anschein, als wüßte -er nichts von ihrer Treulosigkeit. Vor Schreck war sie keines Wortes -mächtig; da er hieraus nur zu deutlich ersah, daß sie wirklich treulos -an ihm gehandelt, kündigte er ihr mit kurzen Worten seine Rache -an; er werde mit Hülfe des Teufels alles das, was sie vom Hause -aus mit bekäme, verderben, weil es ihr Reichtum war, der ihren -Vater von der Einwilligung zur Verbindung mit einem armen Burschen -abgehalten hatte. Und auch sie selbst werde den Folgen seiner Rache -erliegen zur Strafe für ihre Treulosigkeit. Und so geschah es. Die -Hochzeit wurde gehalten und das Ehepaar begab sich in die neue<span class="pagenum"><a id="Seite_207">[207]</a></span> -Heimat; der hochbepackte Kammerwagen folgte. Eben passierten sie -eine Höhe, von welcher sie die Hütte des Bergknappen erblicken konnten. -Da erbebte von einem dumpfen Donner der Boden, der Kammerwagen -ward umgestürzt, die Betten und alle sonstigen Geräte lagen am -Boden und wurden in demselben Momente zu Stein. Die vor den -Wagen gespannten Tiere wurden scheu und stürzten wie wütend den -Berg hinab, den Kammerwagen gänzlich zertrümmernd. Die Braut -aber warf der Schreck aufs Krankenlager, und dies, sowie die Reue -über die begangene Treulosigkeit, brachten ihr einen schnellen Tod. -Dieses war nach der Sage die Rache des Bergknappen; er selbst war -nach diesem Vorfalle aus der Gegend verschwunden und nie hat man -ihn wieder gesehen. Aufgehäufte Steinmassen bezeichnen noch heute -die Stelle seiner Rache.</p> - -<h3 id="sec254">254. Wie der Teufel Schellerhau verlor.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Man hat eine Redensart, womit man die Bewohner des langgestreckten, -aus zerstreut liegenden Häusern bestehenden Dorfes Schellerhau -neckt: »Euch Schellerhauer hat der Teufel im Sack verloren!« -Dies rührt davon her: Der Teufel fuhr einmal durch die Luft und -hatte ganz Schellerhau in einem Sacke. Der Sack jedoch hatte ein -Loch, so daß ein Haus nach dem andern herab zur Erde fiel. Wie -nun der Teufel merkte, daß der Sack so leicht geworden war, weil -er fast ganz Schellerhau verloren hatte, da warf er ihn im Ärger -hin und rief: »Zum Schinder!« Da wurde dort, wo der Sack ganz -am Ende des Dorfes nieder gefallen war, die »Schinderei«, wie man -allgemein die Abdeckerei nannte; und in diese »Schinderei« mußte -jedes gefallene Stück Vieh abgeliefert werden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wie hier die Häuser von Schellerhau, so verlor der Teufel auf den Fluren -der Kolonie Fichtenthal bei Heide-Gersdorf aus seinem Sacke die vielen Steine, welche -daselbst noch liegen und die er sich zum Baue eines Hauses vom Riesengebirge -geholt hatte. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, No. 112.)</p> - -<p>Ebenso erzählt eine lausitzisch-wendische Sage, daß der Teufel einmal auf dem -Wege war, um <em class="antiqua">Kneschki</em>, d. i. kleine Herren oder Junker auszusäen. Als er von -der Bautzner Gegend aus über Wittichenau, Hoyerswerda und Senftenberg kam, -um in der Niederlausitz seine Saat fortzusetzen, verlor er bei dem Dorfe Skado bei -Senftenberg einen solchen Kneschk. Ärgerlich sagte er: »<em class="antiqua">to je skoda</em>!« (das ist -schade!), weil er den Junker für die Niederlausitz hatte aufsparen wollen. Davon -hat denn jenes Dorf seinen Namen erhalten. (Preusker, Blicke in die vaterländische<span class="pagenum"><a id="Seite_208">[208]</a></span> -Vorzeit, I., S. 180.). Auch das Dorf Langenschade in Thüringen verdankt seinen -Namen einem gleichen Ausrufe des Teufels. Der Teufel flog hoch durch die Luft -und trug in seiner Schürze eine Menge Häuser mit sich davon. Ohne daß -er es merkte, fiel eines nach dem andern aus der Schürze. Als er es endlich gewahr -wurde, rief er ärgerlich aus: »Das ist schade!« So entstand der Ort Langenschade. -(Richter, Deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 23.)</p> - -<p>Die letzten beiden Sagen zeigen besonders darin eine große Ähnlichkeit mit -der unsrigen, als der ärgerliche Ausruf des Teufels einem Dorfe, bei uns aber -dem letzten Hause von Schellerhau seinen Namen verschaffte.</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_209">[209]</a></span></p> - -<h2 id="kap5">V.<br /> -Zaubersagen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_211">[211]</a></span></p> - -<p class="drop">Neben dem Götterkultus bestanden bei den alten Deutschen auch -Übungen in der Zauberei, d. h. in dem Vermögen, höhere geheime -Kräfte auf andere, und zwar anfänglich gut oder böse, später jedoch -nur schädlich wirken zu lassen. Durch die christlichen Priester wurden -diese heidnischen gottesdienstlichen Gebräuche für sündhaftes Blendwerk -erklärt und mit dem Teufel in Verbindung gesetzt, so daß sich die -Vorstellung von einem unmittelbaren Zusammenhange des bösen Feindes -mit dem Wesen der Zauberei ausbildete. (J. Grimm, Deutsche Myth., -S. 580.)</p> - -<p>Im Zusammenhange mit dem Zaubern steht auch das Beschwören, -d. h. ein Zaubern durch Segensformeln, sowie das die Zukunft enthüllende -Wahr- und Weissagen; letzteres geschah einst bei germanischen -Völkern durch das Auflesen der auf ein Tuch geworfenen Runen. Besonders -wurde die Kraft der Weissagung den mit einem reizbaren Nervensystem -begabten und mehr von der Außenwelt abgezogenen Frauen, -welche deshalb bei den alten Deutschen Priesterinnen und Wahrsagerinnen -zugleich waren, zugeschrieben; sie waren auch die Wisserinnen -mancher Geheimnisse, und sie kannten die heilende Kraft der Kräuter, -so daß sich daraus später der Glaube des Mittelalters an Hexen und -Hexerei entwickelte. Wie das Christentum den Begriff zaubernder -Frauen bereits bei dem Heidentume vorfand und nun vielfach veränderte, -so läßt sich bis in die Gegenwart in dem ganzen Hexenwesen -noch ein offenbarer Zusammenhang mit den Opfern, den vielfach mit -religiösen Veranstaltungen verbundenen Volksversammlungen und der -Geisterwelt der alten Deutschen nachweisen. (J. Grimm, a. a. O., -S. 587.) Es mag nur daran erinnert werden, daß die Hexen nach -den Volksüberlieferungen am Walpurgis- oder Hexenabende fast immer -nach Orten durch die Luft fahren, welche ehemalige Gerichts- oder -Opferplätze sind. Ob übrigens die »Drutenau«, mit welchem Namen -man schon seit Jahrhunderten das Thal von Auerhammer bezeichnet, -ein solcher Platz war, mag dahin gestellt bleiben; die Drut, welche -teilweise die Frau Holle oder Perchtha vertritt und mit der man in -der Schweiz lärmende Kinder beschwichtigt, gilt häufig auch als Hexe. -Eine solche erkennt man nach dem Glauben der Erzgebirger an den<span class="pagenum"><a id="Seite_212">[212]</a></span> -Platt- oder Drudenfüßen, an den roten Haaren, den roten, triefenden -Augen und großen, buschigen, über der Nase zusammengewachsenen -Augenbrauen. (Spieß, Aberglauben etc., S. 29.) Das Behexen richtet -sich hauptsächlich auf das Vieh und Getreide der Nachbarn; in unsern -Sagen wird dadurch gute Milch in blutige verwandelt. Außerdem -schreibt der Volksmund noch das Beschreien, wobei jemand wegen irgend -einer guten Eigenschaft gelobt wird, damit dann das Gegenteil davon -eintrete, der Hexerei zu. Als Schutz gegen Zauberei und Hexerei gelten -Kreuzeszeichen an der Thüre, das Durchkriechen unter sogenannten -Schleifbrämen, das Versprechen und anderes mehr.</p> - -<p>Nach dem Volksglauben stehen nicht bloß die Hexen, sondern überhaupt -alle Zauberer in einem Bunde mit dem Teufel. Die ersten -Überlieferungen von solchen Bündnissen des Teufels mit Männern -finden sich bereits im 10. Jahrhunderte, während die erste sichere Erwähnung -eines Bundes des Teufels mit Hexen in der Mitte des 14. -Jahrhunderts in Italien vorkommt. Jacob Grimm vermutet dabei, -daß die Veranlassung zu dem Glauben an Teufels- und insbesondere -Hexenbündnisse in der Verfolgung der Ketzereien, welche in der Mitte -des 13. Jahrhunderts von Italien und Frankreich nach Deutschland -kam, zu suchen sei. Man legte den Zusammenkünften der Ketzer abgöttische -Ausschweifungen zur Last und die Kirche eiferte gegen die -neuen Irrlehren und Überreste des Heidentums, welche sich jenen da -und dort zugesellten. (Deutsche Mythologie, S. 600.)</p> - -<p>In unsern Sagen wird der Teufel zur Dienstleistung citiert, oder -er wird durch Beschwörungen in Fliegen- oder Hummelgestalt aus -Personen ausgetrieben. Durch gewisse Zauberformeln, welche in geheimnisvollen -Büchern stehen, werden die höllischen Geister in verschiedenen -Gestalten, hauptsächlich als schwarze Vögel, herbeigerufen. Mit -Hülfe des Teufels verbreitet sich die Pest, und Speisen werden so fest -gemacht, daß man nichts davon abschneiden kann. Durch teuflische -Künste festgemachte Personen können auf gewöhnliche Weise nicht -verwundet werden; dies gelingt erst durch einen abgeschossenen -Dukaten oder silbernen Knopf, oder durch einen Degen, welchen man -zuvor unter dem Schuh durch die frische Erde oder durch ein Brot -gezogen, oder dessen Spitze man wenigstens vorher in die Erde -gestoßen hat.</p> - -<p>Die musicierenden und tanzenden <em class="gesperrt">Katzen</em> erscheinen offenbar -als Hexentiere. Katzen werden aber auch als Wesen gedacht, von -deren Lebensdauer der Bestand der Familie abhängt. (Rochholz, a. a. -O. I., S. 160); zuweilen verkündigen sie etwas Erfreuliches. Bei -uns sagt man, daß eine über den Weg laufende Katze, besonders eine<span class="pagenum"><a id="Seite_213">[213]</a></span> -schwarze, Unglück bedeutet. Wenn eine Katze sich putzt oder einen -krummen Rücken macht, so kommt Besuch. – Wie als Kühe und -Ziegen hat man sich die Wolken auch als Katzen gedacht, und man -meinte weiter, daß die in den Wolken waltenden Weiber die Gestalten -von Katzen annehmen könnten; daher nennt man die durch Luft und -Wolken ziehenden Hexen auch Wetter- und Donnerkatzen. (Mannhardt, -a. a. O., S. 90.) – Katzen zogen den Wagen der Freya.</p> - -<h3 id="sec255">255. Der Schwarzkünstler zu Geyer.</h3> - -<p class="source">(Lothar, Volkssagen und Märchen. 1820. S. 69. Darnach Gräße, -Sagenbuch d. K. S., No. 450.)</p> - -<p>Vor vielen Jahren ward zu Geyer ein Totengräber gefangen -genommen und in einen Turm gesetzt, so daß er mit den Füßen die -Erde nicht hat berühren können. Man glaubte nämlich früher, daß -Zauberer und Hexen, wenn sie die Erde nicht mehr berühren könnten, -unschädlich würden, und sperrte sie daher oft in eiserne Käfige ein. -Der genannte Totengräber hatte seine Frau ermordet, ihren Mund mit -schwarzen Beeren angestrichen, als sei sie an der Pest gestorben, alsdann -ihr den Kopf abgeschnitten, das Herz aus der Brust genommen, -verbrannt, solches auf die Straße ausgestreut und wer darüber gegangen, -ist gestorben. Seines Kindes Kopf hat er an die Feuermauer gehängt; -so viele Tropfen Blutes von ihm gefallen, so viele Menschen sind gestorben. -Dann hat er die sterbenden Leute aufs Gesicht gelegt und -ihr Sterben hat kein Ende genommen. Drei Ruten hat dieser Mann -ausgesteckt, eine nach Annaberg, die andere nach Schweinitz, die dritte -nach Alterle (Elterlein?). Zuletzt hat er erzählt, wie viel Glück er -mit seiner Kunst in großen Städten gemacht habe. Er meinte, wenn -er nur die Erde oder einen Kreuzweg oder eine Dachtraufe erreichen -könnte, so wollte er sich schon die Freiheit verschaffen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Blutstropfen sind Symbole für die Seele. Drei frische, auf die Hand fallende -Blutstropfen zeigen einer Mutter den Tod ihres gemordeten Kindes an. (Grimm, -Deutsche Sagen, No. 353.)</p> - -<p>Jacob Grimm bemerkt (Deutsche Myth., S. 607), daß früher der Glaube verbreitet -gewesen sei, eine Hexe könne sich verwandeln, sobald sie die Erde berühre. -Eine Frau in Zittau, welche als Hexe galt, wurde, damit sie die Erde nicht berühre, -im Stockhause frei aufgehängt. Ähnliches geschah 1678 in Bautzen mit einem Räuber -und Mörder, der den Teufel hatte. (Pescheck, Gesch. v. Zittau, II. S. 746.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_214">[214]</a></span></p> - -<h3 id="sec256">256. Pestzauberei.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 987.)</p> - -<p>Im Jahre 1680 wurde zu Geyer der Totengräber wegen Zauberei -auf dem Gottesacker gefänglich eingezogen. Denn man hatte -ihn auf den Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen -sehen. Als darauf allerhand Beweismittel gesucht wurden, ihn seiner -Bosheit zu überführen, so fand man unter anderen, daß er sein eigen -Weib wieder ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten -und zu Pulver gebrannt und dieses Pulver auf die Gasse gestreuet -hatte. Er erhielt dafür den Staupenschlag und wurde des Landes -verwiesen.</p> - -<p>Im Jahre 1614 hatte ein Totengräber zu Wolkenstein einer -Pestleiche den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an -einer Schnur in des Teufels Namen aufgehängt, darein Hefen, Bier -und Blut von Verstorbenen, sowie Milch aus der Pestleichen Brüsten -gegossen und darnach eingeheizt. So viel Tropfen nun aus dem -schwitzenden Hirnschädel gefallen, so viel Pestleichen hat er denselben -Tag gehabt. Dieser Pestzauberer hatte auch zweierlei Pulver, ein -gutes wider die Pest, und ein ansteckendes, so er aus einer Pestdrüse -gemacht. Wegen solcher schrecklichen Unthaten ist er verbrannt worden.</p> - -<p>Im Jahre 1623 hauste die Pest in Gottesgab, welches Städtchen -halb ausstarb. Der Totengräber kam in den Verdacht, daß er -diese Seuche mit bösen Mitteln verursacht habe. Hans Leonhardt, ein -verwegener Mühlknecht, welcher kürzlich erst aus dem Kriege gekommen -war, wagte sich hinein in des Totengräbers Häuslein und fand einen -Totenkopf über dem Ofen hängen, darüber er sich erboste, und er -hieb den Totengräber samt dem Weibe krumm und lahm, holte Feuer -und brannte das Spital gar weg, daraus zwar die tötlich Gehauenen -gekrochen, aber dennoch an ihren Wunden gestorben sind.</p> - -<p>Im Jahre 1633 hatte eine gewisse Pittelia samt ihrer Tochter -zu Abertham die Pest durch Zaubermittel vermehren helfen. Bei der -Marter bekannte sie, daß sie eine Bürste neben einer Leiche ins Grab -geworfen habe; man müsse dieselbe wieder herausnehmen, wo nicht, -müsse ganz Abertham aussterben, da schon 26 Personen gestorben -waren. Es hat sich mit der Bürste auch also befunden, und wurde -diese Pestzauberin am 18. November genannten Jahres in Joachimsthal -an einem Pfahle mit dem Strange erwürgt, ihre Tochter von -13 Jahren enthauptet, beide Körper verbrannt, der Sohn aber des -Landes verwiesen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_215">[215]</a></span></p> - -<h3 id="sec257">257. Die Zauberelse zu Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygn.</em> II., S. 374. Gräße, a. a. O., -No. 550.)</p> - -<p>Im Jahre 1557 den 22. Mai ist zu Zwickau die alte Zauberelse -gefänglich eingezogen worden. Die hatte den Leuten Tränke gesotten, -den Mägden Kinder abgetrieben, auch vielen Menschen in ihren -Gliedmaßen, Armen, Beinen, Fingern, Brüsten und in die Fersen -»gefärtigt«, auch viele andere Zauberei mehr getrieben. Sie hatte -auch einem Maler zu Glauchau Gift beigebracht, daß er gestorben. -So hatte sie auch leiblich mit dem bösen Feind gebuhlt und eine lange -Zeit mit ihm zugehalten, der ihr auch Geld gebracht, bisweilen 2 -und 3, bisweilen auch 4 Thaler, mehr aber nie. Da man sie gefragt, -wie er aussehe, hat sie geantwortet, er wäre ein alter grauer, häßlicher -Teufel. Dieser böse Geist ist auf der Gasse oftmals mit ihr gegangen, -doch, sprach sie, es hat ihn niemand als sie sehen können. Als sie -gefangen gesessen, ist er oftmals zu ihr vor's Gefängnis und an das -vergitterte Fenster gekommen und hat sie gefragt, was sie mache, ob -sie heraus wolle, er wolle ihr helfen. Sie hat aber geantwortet, sie -wolle gern hinaus, aber sie habe noch ihre Seele zu bedenken. Auf -diese Rede ist er davon geschieden, sie aber hat gesessen bis zum 18. -Juni, da hat sie wegen vielfälliger Zauberei ihre Strafe empfangen -und ist am Galgen verbrannt worden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Jacob Grimm weist (Deutsche Myth., S. 599) darauf hin, daß, nachdem die -heidnischen Vorstellungen von einer Verbindung der Helden mit Schwanenfrauen und -Elbinnen verdrängt worden seien, der Glaube an einen geschlechtlichen Verkehr des -Teufels mit Hexen, durch welchen das geschlossene Bündnis besiegelt und dem Teufel -freie Macht über die Zauberinnen verliehen ward, Platz greifen konnte.</p></div> - -<h3 id="sec258">258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Krähen.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Sem. Osw. Hübner aus Bernsbach.)</p> - -<p>Eine alte Frau in Bernsbach, die selbst schon Großmutter war, -erzählte, daß ihr Großvater einst einen alten Freund, der Gasthofsbesitzer -in einem andern Orte war, besucht habe. Da gerade Heuernte -gewesen, sei der Wirt mit allen seinen Leuten auf die Wiese gegangen, -so daß nur sein alter Freund in dem Gasthofe zurückblieb. Dieser -erhielt den Auftrag, Bier zu verschänken, wenn Gäste kämen. Als er -nun allein gewesen, hätte er ein Buch aus einem Schranke genommen -und sich mit Lesen darin vertieft. Auf einmal wäre eine Krähe an<span class="pagenum"><a id="Seite_216">[216]</a></span> -das Fenster gekommen, und bald darauf wären noch mehrere gefolgt, -welche sich sämtlich vor der Hausthüre niedergelassen hätten. Auf einmal -wäre aber der Wirt atemlos in das Haus gestürzt gekommen, -hätte dem sonst sehr lieben Freunde eine Ohrfeige gegeben, das Buch -weggenommen und die Worte gesprochen: »Wäre ich nicht gekommen, -so wärest Du in einer Viertelstunde tot gewesen, denn die Krähen -hätten Dich umgebracht!«</p> - -<p>Daran ist bloß das Lesen in dem geheimnisvollen Buche schuld -gewesen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Raben, an deren Stelle bei uns im Glauben des Volkes auch die Krähen -und Dohlen getreten sind, gelten als Teufelsvögel, deren Erscheinen gewöhnlich Unglück -und insbesondere einen Todesfall verkündet. Nach einem slavischen Aberglauben -sind überhaupt Vögel die Seelen Verstorbener; Raben und Krähen gelten als die -Seelen Verdammter. Nach Aargauer Sagen entschweben die Seelen der Erlösten -in Gestalt von Tauben, die von Verwünschten und Erhängten dagegen verwandeln -sich in Raben. (Rochholz, a. a. O. I., S. 156.) Auf dem Kirchhofe zu Scherpenheuvel -wurden die Nahewohnenden nach dem Begräbnisse eines Mannes, der ein -schlechte Leben geführt hatte, durch das Geschrei eines Raben in ihrer nächtlichen -Ruhe gestört. (Nork, a. a. O., S. 275.)</p> - -<p>Wie unter dem Einflusse der christlichen Bekehrer die alten heidnischen Gottheiten -zu dämonischen und teuflischen Gestalten wurden, so auch die ihnen einst geheiligten -Tiere. Auf den Schultern Odhins saßen zwei Raben, »Hugin und -Munin«, d. h. Gedanke und Erinnerung, welche jeden Tag durch die Welt flogen -und dann dem Gotte Nachrichten ins Ohr raunten. In Erinnerung an diese einst -dem Gotte beigegebenen Vögel erzählt die Sage, daß der Kaiser Friedrich Barbarossa, -auf dessen Gestalt, ebenso wie auf die anderer beliebter Helden, Odhin übertragen -wurde, im Kyffhäuser einen Hirten frug, ob noch die Raben um den Berg flögen. -Nach einer lausitzischen Sage dagegen wurde der wilde Jäger, d. i. Odhin, in einen -Nachtraben verwandelt.</p></div> - -<h3 id="sec259">259. Die unheimlichen Gäste in Werda.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 537.)</p> - -<p>In dem Dorfe Werda bei Falkenstein lebte ein junger Mann, -der saß an einem Sonntagabende im Winter ganz allein zu Hause -und hatte ein Buch aus einem alten Schranke zur Hand genommen, -um darin zu lesen. In dem Buche aber waren verschiedene Zeichen -und Figuren, die er sich nicht sogleich ausdeuten konnte. Deshalb zog -er die Lampe näher an sich heran, um besser sehen zu können. Als -er nun so eine Weile im Lesen und Ausdeuten vertieft ist, blickt er -zufällig in die Höhe, fährt aber wieder erschrocken zurück, denn zu dem -kleinen Schiebefenster herein sieht ein rabenschwarzer Mann mit grinsendem<span class="pagenum"><a id="Seite_217">[217]</a></span> -Gesichte. Der Bursche fragt nach dem Begehr, erhält aber -keine Antwort. Nachdem er sich vom Schreck etwas erholt hatte, las -er ruhig weiter und war bemüht, die Figuren ordentlich zu deuten. -Er sah sich wieder um und wurde zu seinem Schrecken gewahr, daß -zu jedem Fenster ein schwarzer unheimlicher Gast hereinsah. Dabei -war er auf seinem Sitze wie festgebannt und konnte fast kein Glied -mehr regen. Jetzt wollte er das Buch zumachen, denn es flimmerte -und tanzte ihm alles vor den Augen. Aber wie von einer unsichtbaren -Macht gefesselt, konnte er seinen Blick nicht von dem Buche abwenden -und er fing wieder an zu lesen. Plötzlich aber entstand im Hause -ein groß Getöse und Gepolter, die Thüre flog auf und ein langer -schwarzer Mann kam herein und blieb in der Mitte der Stube stehen. -Der Lesende fragte zum zweiten Male, was sein Begehr sei, erhielt -aber wieder keine Antwort. Dabei mußte er in dem Buche immer -weiter lesen, und es dauerte gar nicht lange, so ging das Gepolter -von neuem los und eine zweite schwarze Gestalt trat in die Stube -und stellte sich neben die erste hin. Ohne von seinem Buche aufzusehen, -las der Bursche fort. Jetzt aber that es einen Schlag, daß -das ganze Haus in seinen Grundfesten erschüttert wurde, Fenster und -Thüren sprangen auf, ein blitzähnlicher Schein fuhr durch die Stube -und eine dritte Gestalt, länger als die beiden ersten und wild von -Aussehen, trat nun in Begleitung von allerhand Tieren, als Raben, -Eulen und Elstern, in die Stube und stellte sich nun zwischen die beiden -ersten hinein. Jetzt wurde es unserm Geisterbeschwörer himmelangst -und er rief aus vollem Halse nach Hülfe. Es dauerte aber lange, -ehe die gewünschte Hülfe kam. Endlich kam der Bruder des Burschen -mit noch einigen Nachbarssöhnen nach Hause, und diese sahen nun, -was vorgefallen war. Der Sohn des Wirtes, der auch mit hinzugekommen -war, lief sogleich zum Pastor, welcher auch erschien, aber -dessen Kraft zu schwach war, die Geister wieder zu bannen. Er -gab den guten Rat, es solle doch gleich einer nach Theuma zum -Pater reiten, der könne Hülfe schaffen. Ohne sich lange zu besinnen, -ritt der Sohn des Wirtes nach Theuma und erzählte daselbst dem -Pater, was vorgefallen war. Der Pater ließ sich auch bewegen mitzukommen. -Da er ankam, war bereits das halbe Dorf vor dem Hause -versammelt, und sogleich begann er seine Beschwörungen. Es dauerte -auch nicht lange, so entfernten sich die ungebetenen Gäste, nur der -letzte hielt noch stand und wollte nicht weichen. Als aber der Theumaische -Pater ein großes Buch hervorzog, entfloh er unter fürchterlichem -Gebraus durch den Schornstein und ließ einen Schwefelgeruch -zurück. Das Buch aber, welches der Bursche gebraucht hatte, nahm<span class="pagenum"><a id="Seite_218">[218]</a></span> -der Pater mit und ermahnte noch den jungen Mann, solche Sachen -fernerhin zu lassen und nichts zu unternehmen, was er nicht verstehe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Buch, in welchem der Bursche las, ist Faust's Höllenzwang, von dem -uns der Volksmund erzählt. Ähnlich wie dem jungen Manne in Werda erging es -den Buben eines Wunderdoktors in Schumburg, die in Abwesenheit ihres Vaters dies -geheimnisvolle Buch aus einem Schranke nahmen und darin lasen, worauf eine -Menge von teuflischen Vögeln ins Zimmer kam. (Grohmann, Sagen aus Böhmen -und Mähren I., S. 315.) Ein alter Mann in Eichelborn in Thüringen hatte große -Kenntnisse in geheimen Künsten. Einst las er abends in einem großen Buche, während -ein Knabe bei ihm in der Stube war. Da wurde er hinausgerufen. Der -Knabe las trotz des Verbotes in dem Buche, und da kamen viele Raben, welche -von außen an das Fenster pochten. Auf das ängstliche Geschrei des Knaben kam -der Alte zurück, gab dem Ungehorsamen eine derbe Ohrfeige und las in dem Buche -schnell einige Worte; siehe, sofort verschwanden die Raben nieder. (O. Richter, -Deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 3.) Dieselbe Sage findet sich auch bei den -Lausitzer Wenden. Als ein Bauer, welcher am Schloßberge zu Burg in der Nieder-Lausitz -wohnte und der im Besitze eines »Charakters« war, einmal auf dem Felde -arbeitete, suchte daheim sein Sohn das Zauberbuch hervor. Beim Lesen desselben -kamen ebenfalls Hasen, Krähen und andere Vögel zu Thür und Fenster herein. -Der Vater, von Unruhe und Angst getrieben, lief eilig nach Hause und sahe, was -der Sohn angerichtet hatte. Da nahm er das Buch zur Hand und las alle Stellen, -welche der Sohn gelesen hatte, rückwärts; da verschwanden die Ungetüme wieder. -(Veckenstedt, Wendische Sagen, 1880, S. 273.)</p></div> - -<h3 id="sec260">260. Die Hexen zu Schellenberg.</h3> - -<p class="source">(v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, I. S. 371. Darnach bei Gräße -a. a. O., No. 552.)</p> - -<p>Im Jahre 1529 sind zu Schellenberg im alten Schloß, welches -an der Stelle der vom Kurfürst August erbauten Augustusburg stand, -die beiden Hexen, die alte und junge Rodin, weil sie mehrmals zu -Schönerstedt auf dem Hexensabbath gewesen, Diebsdaumen verkauft, -untreue Männer durch Zaubermittel zu ihren Frauen zurückführen -gelehrt, Hexensalben gesotten und Abwesende citiert, gefoltert und dann -wahrscheinlich hingerichtet worden.</p> - -<h3 id="sec261">261. Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 908.)</p> - -<p>Im Jahre 1080 war Böhmen voller Zauberer, Hexen, Wahrsager -und Beschwörer, wider welche Herzog Ulrich inquirierte und 107 in -einem Jahre hinrichten ließ. Die andern zerstreuten sich in Mähren<span class="pagenum"><a id="Seite_219">[219]</a></span> -und unser Gebirge. Um Klostergrab und Ossegg behexten sie die Leute, -daß sie erkrankten, besonders die Schwangern.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Im böhmischen Erzgebirge stellt man sich die Hexe in Gestalt eines hämischen, -boshaften, alten Weibes vor, das im Bunde mit dem Teufel steht, auf Ofengabeln, -Schürhaken oder Besen durch den Schlott fährt und durch die Luft reitet, den Brand -ins Getreide legt, die Kühe verhext, daß sie keine oder rote Milch geben, die Kinder -in der Wiege mit Wechselbälgen vertauscht und ähnlichen Unfug treibt. Ihre Macht -über den Menschen und über alles, was ihm lieb ist, soll in der Walpurgisnacht -am stärksten sein. (Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg., S. 101.)</p></div> - -<h3 id="sec262">262. Das Hexenloch bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Nach Wenisch, a. a. O., S. 40.)</p> - -<p>Nicht weit von der Johanneskapelle bei Joachimsthal zeigte man -auf einem Feldraine das gegenwärtig durch einen Steinhaufen verdeckte -»Hexenloch«. Die Sage erzählt von demselben, daß sich hier Hexen -aufhalten. In der Walpurgisnacht führen sie ihre Tänze auf, essen -und trinken und spielen um die Seelen von Selbstmördern Karten. Zum -Schutze gegen ihr Eindringen in die Wohnungen werden von vielen Leuten -am Walpurgisabende mit geweihter Kreide oder Kohle drei Kreuze -an die Thüren gemacht.</p> - -<h3 id="sec263">263. Mittel gegen Zauberei.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 900.)</p> - -<p>Zwei junge Eheleute in Pöhl waren von einer rachgierigen Dorfhexe -so verzaubert, daß sie einander spinnefeind wurden und eines das -andere ein ganzes Jahr lang nicht ansehen konnte. Endlich krochen sie -beide durch sogenannte Schleifbrämen, das sind Brom- oder Kratzbeerzweige, -welche einen Bogen geworfen und wieder in die Erde gewurzelt. -Damit ist ihnen geholfen worden.</p> - -<h3 id="sec264">264. Eine Hexe wird erkannt.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, a. a. O., S. 908.)</p> - -<p>Zu Arnsfeld bei Wolkenstein wurde eines Mannes Vieh bezaubert, -daß es Blut gab. Da die Magd melken wollte, merkte sie das -lose Stück, nahm ein Seihtuch, stach's voller Nadeln und kochte es -im Ofen. Darauf kam der Nachbarin Mann gelaufen und begehrte -Citronenschalen. Dieselben wurden ihm abgeschlagen, denn der Magd<span class="pagenum"><a id="Seite_220">[220]</a></span> -war es verboten worden, das geringste zu geben. Da kam der Mann -wieder und bot etliche Hühnchen zum Verkaufe an; aber auch jetzt wurde -er abgewiesen. Er kam zum dritten Male und verlangte nur eine Birne -vom Baume im Garten; doch erlangte er nichts. Endlich kam er und -bekannte, daß seine Frau brennende höllische Schmerzen habe und bat, -so sie etwas gebraucht, es weg zu thun. Damit wurde es offenbar -und mußte der Mann mit Weib und Kind davonlaufen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>H. Heine erzählt in seinen Sagen, Märchen und Bildern aus dem Harze -(No. 79), daß einst eine Hexe, welche Milch verzaubert hatte, jämmerlich verbrüht -und zerstochen wurde, als der Wirt, gegen den die Zauberei gerichtet war, die -Milch kochte und dann mit einer Gabel in der kochenden Milch herum fuhr.</p></div> - -<h3 id="sec265">265. Die Hexen am Walpurgisabende.</h3> - -<p class="source">(Spieß, Aberglaube etc. im Erzgeb., Progr., S. 13; z. T. mündlich.)</p> - -<p>Am Walpurgisabende, dem Abende vor dem 1. Mai, zünden überall -im Erzgebirge Knaben auf hochgelegenen Punkten Besen an und springen -damit herum; es wird geschossen, geschrieen, mit Peitschen geknallt und -mit Bretern zusammengeschlagen, um ein rechtes Getöse hervorzurufen. -Dies geschieht, um den Hexentanz darzustellen, oder, wie allgemeiner -behauptet wird, um die zum Blocksberg ziehenden Hexen zu vertreiben. -Am Walpurgisabende ziehen auch die Hexen ein, und man muß daher -Besen oder landwirtschaftliche Geräte vor die Stallthüre legen, um -sie abzuhalten. In Neustädtel erzählt man: Als Karl der Große die -alten Sachsen vom Brocken oder Blocksberg jagen wollte, kamen die -Hexen und allerhand Gespenster mit glühenden Besen und auf Ziegenböcken -geritten, um ihn zu vertreiben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Walpurgis, welche in der Mitte des 8. Jahrhunderts lebte und eine Tochter des -Königs Richard von England war, wurde später heilig gesprochen und als Beschützerin -gegen den Bosheitszauber verehrt. Die angezündeten Feuer sind die Opferflammen -für die Frühlingsgöttin Ostara; das Umherspringen ist ein Rest der alten religiösen -Tänze; die Hexen, welche in der Walpurgisnacht eine so große Rolle spielen, sind -die weisen Frauen, welche Kräuter kochten und, mit dem Priesteramt bekleidet, als -»Alrunen« in dem germanischen Götterkultus auftreten. Sie versammeln sich in der -ersten Mainacht auf dem Hörsel- und Inselberge in Thüringen, auf dem Stoffelsteine -bei Bamberg und an vielen anderen Orten, besonders aber auf dem Blocksberge im -Harz. In Schweden war ihr Sammelplatz die kleine Felseninsel Blakulla, zwischen -Oeland und Smaland gelegen; dorthin reisten sie aber am grünen Donnerstage. -Die Böcke, mit denen nach unserer Sage die Hexen nach dem Blocksberge ziehen, -sind die Opfertiere.</p> -<span class="pagenum"><a id="Seite_221">[221]</a></span> -<p>Vor dem Eintreten der Hexen schützen drei Kreuze an der Stallthüre oder -die Buchstaben <em class="antiqua">C. M. B.</em> (Kaspar, Melchior, Balthasar, nach der Legende die Namen -der heiligen drei Könige); oder man legt einen alten Besen oder ein Stück frischen -Rasen vor die Thürschwellen.</p> - -<p>Es mag schließlich noch darauf hingewiesen werden, daß der Glaube an Hexen -in den indischen <em class="antiqua">Çâkinî</em>, <em class="antiqua">Dâkinî</em> und <em class="antiqua">Yeginî</em>, welche kraft mythischer Zaubersprüche -des Nachts durch die Lüfte reiten und ihre Tänze abhalten, eine Parallele findet. -Es ist demnach die Vorstellung von weiblichen Unholden bereits der indogermanischen -Urzeit eigen, und so mag vielleicht unserm Worte »Hexe« die Wurzel, <em class="antiqua">çak</em>, mächtig -sein, zu Grunde liegen. (Fr. Hirsch, Gesch. der Deutsch. Litteratur, I., S. 6.)</p></div> - -<h3 id="sec266">266. Der wunderliche Katzentanz.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 507.)</p> - -<p>Am 1. Mai des Jahres 1726 ist ein gewisser zuverlässiger Mann -im Erzgebirge von einem Orte zum andern gereist und am Abend bei -düsterer Witterung bei einem Walde vorbeipassiert, da denn er sowie -sein Begleiter, den er bei sich hatte, ein dem Anschein nach in einem -Hause scheinendes Licht bemerkt, welchem beide in der Hoffnung, eine -Herberge zu finden, zugelaufen. Nachdem sie aber näher und näher -gekommen, hören sie eine zum Tanz gehende Musik, und der eine von -ihnen geht aus Neugierde ans Fenster und wird durch selbiges gewahr, -daß eine große Anzahl Katzen darin zu finden, davon etliche musicieren -und die andern darnach tanzen. Sein Begleiter beschließt nun, in -das Haus hineinzugehen, wird aber von dem andern davon abgehalten, -und jetzt nimmt einer von ihnen wahr, daß seine große Hauskatze ebenfalls -dabei anzutreffen. Aus Entsetzen gehen beide fort und kommen -in spätester Nacht nach Hause. Als nun des andern Tags zu Mittag -sich die große Hauskatze bei der Mahlzeit in der Stube einfindet, -spricht ihr Hausherr, sie anschauend: »Nun, Du machtest Dich gestern -Abend auch sehr lustig!« Da springt ihm alsbald der alte Kater auf -den Hals und kratzt ihn in den Kopf und das Gesicht, hätte ihn auch -sicherlich getötet, wofern nicht das Hausgesinde herzugelaufen und mit -Schlägen und Schreien diesen verteufelten Feind abgetrieben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Diese Sage hat viel Ähnlichkeit mit der vom sogenannten Katzenberge zwischen -Leipzig und Merseburg. Um die Mitte des 16. Jahrh. ist nämlich ein Bischof von -Merseburg, namens Michael, ein großer Katzenfreund gewesen und hat eine große -schwarze Katze besessen. Dieser Bischof ist einst nach Leipzig gereist und hat auf -dem oben genannten Hügel, der nachher davon seinen Namen bekam, eine ganze -Katzengesellschaft angetroffen. Er rief derselben im Scherze zu: »Ihr Katzen, seid -ihr alle beisammen?« Da hat eine geantwortet: »Es mangelt keine, ausgenommen -Bischof Michael seine Katze.« Bei seiner Rückkehr erzählte er seiner Katze die wunderliche<span class="pagenum"><a id="Seite_222">[222]</a></span> -Begebenheit und fragte zugleich, warum sie den andern Katzen nicht Gesellschaft -geleistet? Alsbald fuhr die Katze zum Fenster hinaus und ist nicht mehr gesehen -worden.</p> - -<p>Katzen sind Hexentiere, sie bilden entweder das Gespann der Hexen, oder -diese nehmen die Gestalt jener Tiere an.</p> - -<p>Auf der Brüßlerstraße zu Dendermonde liegt ein Haus, worin sich ehedem -eine Brauerei befand. Hier diente Hans Zimmermann als Knecht. Da er sein -Handwerk sehr gut verstand, so konnte er nicht begreifen, warum das erste, zweite -und dritte Gebräu mißlang. Nun hatte er aber bemerkt, daß jedesmal, wenn er -am Brauen war, eine Katze rund um den Kessel lief. Als er sein viertes Gebräu -begann, und die Katze wieder miauend um den Kessel strich, redete er sie in der -Überzeugung an, daß sie eine Hexe sei; er bekam zwar nur ein Miau zur Antwort, -worauf sie weglief, aber bald mit einem Dutzend Katzen wieder zurückkam; -die faßten sich Pfote an Pfote und begannen einen Tanz um den Kessel, wobei sie -unaufhörlich sangen: »Hansken Temmermann vroeg aen my: Katze, van wear kom -drgy?« (Hänschen Zimmermann mich frug: Kätzchen, woher kommst denn Du?) -Da wurde Hans böse, füllte einen Eimer mit dem kochenden Bier und goß das -über die Katzen hin. »Miau! Miau!« schrien alle und verschwanden, das Gebräu -aber glückte. Am andern Morgen jedoch sah man im Rochusgäßchen sechs Frauen -mit verbrannten Gesichtern tot auf der Straße liegen. Da blieb kein Zweifel mehr, -wer die Katzen gewesen waren. (Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, -S. 556.) Eine ähnliche Sage erzählt Leibing (Sagen und Märchen des bergischen -Landes, No. 64). Nach ihm verwundete ein Brauknecht zwei Katzen, die eine am -Ohr und die andere büßte eine Pfote ein; am andern Tage hatte die Frau des -Braumeisters ein zerschmettertes Ohr und eine andere Frau in der Nachbarschaft -hatte ein Stück eines Fußes eingebüßt. Auch Jacob Grimm weist in seiner Deutschen -Mythologie (S. 623) darauf hin, daß viel von verwundeten Katzen erzählt wird, die -man hernach an verbundenen Weibern wieder erkannte.</p> - -<p>Ebenso fehlen auch die gleichen Überlieferungen der slavischen Sage nicht. Zu -einem Bauer in Saspow in der Nieder-Lausitz kam oft eine graue Katze in den Stall -und das Vieh wurde krank. Als diese Katze mit einer Düngergabel in den Hals gestochen -wurde, sprang sie weg. Am andern Tage hatte eine Frau im Dorfe mehrere -Löcher im Halse; diese war die Hexe. – Ähnliches geschah in der Mühle bei Leipa -im Spreewalde, wo viele Katzen des Nachts einen fürchterlichen Spuk trieben, bis -endlich der zu Hülfe herbeigezogene Scharfrichter mit dem Messer eine Katze in die -Pfote schnitt. Am andern Tage hatte die Frau des Amtmanns im nächsten Dorfe -eine kranke Hand und es hieß, sie habe sich geschnitten. (Veckenstedt, Wendische Sagen, -S. 281 und 292.)</p></div> - -<h3 id="sec267">267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freiberg. Chron.</em> II., S. 254. Wilisch, Kirchen-Hist. -v. Freyberg etc. II., S. 378.)</p> - -<p>Im Jahre 1552 hat in den Dörfern um Freiberg die Pest -grassiert, sonderlich starb viel Volk zu Hermsdorf, Claußnitz und -Dittersbach. Das Volk glaubte dabei, daß die toten Körper in den -Gräbern anfingen zu essen und einer den andern nachholete. Etliche,<span class="pagenum"><a id="Seite_223">[223]</a></span> -die auf den Gräbern gestanden, erzählten, daß sie gehört, wie die -Toten unter der Erde schmatzten. Deswegen hat man den Verstorbenen -die Köpfe mit einem Grabscheite abgestoßen oder sie ganz verbrannt -und dabei gemeint, so das Unheil und Sterben abzuwenden. Es hat -aber nichts geholfen, denn die Pest hat als Strafe Gottes noch heftiger -überhand genommen, so daß einzelne Dörfer fast ausstarben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Schmatzen der Toten in den Gräbern ist nur eine besondere Form des besonders -im Aberglauben slawischer Völker herrschenden Vampyrismus. Der Vampyr wird -meist als die Seele eines Verstorbenen gedacht, welcher im Grabe keine Ruhe findet, -letzteres verläßt und sich auf schlafende Menschen, besonders Blutsverwandte legt und -ihnen auf körperlich kaum wahrnehmbare Weise das Blut aussaugt. Nach der Lausitzer -Sage wird ein solcher Vampyr gebannt, wenn ein Priester den Leichnam ausgraben -läßt, ihm den Kopf abschneidet, das Herz mit einem Pfahl durchsticht, selbiges -sodann verbrennt und die Asche auf das Grab streut. (Haupt, Sagenbuch d. L., -No. 69.) Der Pfahl mußte bei den Slaven von Eichenholz oder vom Weißdorn -sein. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche in Böhmen, S. 191.)</p> - -<p>Nach Görres ist der Vampyrismus, welcher sich bereits bei den alten Griechen -vorfand, nur eine besondere Form des Alpdrückens. (Nork, Sitten und Gebräuche -etc., S. 686.) Er beruht auf dem Glauben, daß der Verstorbene des Blutes entbehrt -und darum sein Grab verläßt, um einem noch Lebenden Blut auszusaugen. (Rochholz, -Deutscher Glaube und Brauch I., S. 55.)</p></div> - -<h3 id="sec268">268. Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II., S. 221. Br. Grimm, -Deutsche Sagen I., No. 231.)</p> - -<p>Als ein Bürger zu Freiberg, namens Lorenz Richter und seines -Handwerks ein Leinweber, welcher auf der Weingasse gewohnet, seinem -Sohne von 14 Jahren etwas zu thun befohlen und derselbe nicht gehorcht, -sondern in der Stube an derselben Stelle stehen geblieben, hat -ihn der zornige Vater verwünscht und gesagt: »Ei stehe, daß Du -nimmermehr könntest fortgehen!« Auf diese Verwünschung des Vaters -ist der Knabe stehen geblieben, und er hat drei ganze Jahre an derselben -Stelle gestanden, so daß er tiefe Gruben in die Dielen getreten, -und man ihm des Nachts, wenn er schlafen wollte, ein Pult untersetzte, -damit er den Kopf und die Arme darauf legen konnte, um ein -wenig zu ruhen. Weil er aber nahe an der Stubenthüre beim Ofen -den eintretenden Leuten im Anlaufe war, haben ihn die Geistlichen der -Stadt durch ihr Gebet von diesem Orte aufgehoben und gegenüber in -den andern Winkel der Stube glücklich und ohne Schaden gebracht. -An diesem Orte hat er ferner bis ins vierte Jahr gestanden und die<span class="pagenum"><a id="Seite_224">[224]</a></span> -Dielen noch tiefer durchgetreten, als zuvor. Damit ihn die Aus- und -Eingehenden nicht so sehen könnten, hat man ihn auf seine Bitten durch -einen Umhang verdeckt; er hat wegen steter Traurigkeit nicht viel gesprochen. -Endlich hat Gott die Strafe etwas gemildert, indem er das -letzte halbe Jahr sitzen, sich auch ins Bette, das man neben ihn gestellt, -legen konnte. Er hat ganz elende ausgesehen, ist blaß von Angesicht, -hagern Leibes und auch sehr mäßig im Essen und Trinken gewesen. -Nach sieben Jahren wurde er den 11. September 1552 durch den Tod -erlöst. Die Fußtapfen sahe man noch lange an den betreffenden Plätzen, -und als sie der Vater nach dem Tode seines Sohnes aussetzen lassen -wollte, weil er sich derselben wegen seines Fluches schämte, hat ihm -der Rat solches verboten.</p> - -<h3 id="sec269">269. Speisen werden festgemacht.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 869 und 870.)</p> - -<p>Ein Bergmann in Seifen hatte ein Doctor Faustsches Kunststück, -indem er zur Lust in Gesellschaft über dem Essen alle Speisen stahlfest -machte, daß kein Mensch, ehe er wollte, einen Bissen abschneiden -konnte. Desgleichen war zu Elterlein ein Schlosser, Zacharias Vogel, -der eine gute Zeit im Kriege gedient hatte; dieser konnte nicht nur -sich selbst, sondern auch andere Menschen und alles Vieh, wie auch -Käse, Butter, Brot und andere Speisen fest machen.</p> - -<h3 id="sec270">270. Festgemachte werden überwunden.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, a. a. O., S. 873 und 874.)</p> - -<p>Im Jahre 1632, den 3. Januar, wurde Jochim Escher erschossen, -auf welchen sein Feind erstlich eine bleierne Kugel losbrannte; weil -diese aber nicht einging, riß er eilend einen Dukaten aus der Tasche, -biß ihn zusammen, brauchte ihn anstatt der Kugel und schoß den Escher -Knall und Fall vom Pferde.</p> - -<p>Im Jahre 1677 schlugen sich zwei freche Kerle auf Böhmisch-Wiesenthal. -Der eine war stahlfeste und konnte gar nicht verwundet werden. -Da sein Gegenpart dieses merkte, sagte er: »Halt, ich will dir besser -kommen!« Zieht hiermit den Degen unter dem Schuh durch die frische -Erde und verwundet ihn dann dreimal nacheinander. Andere haben Magnet -in die Kugeln gegossen, oder den Degen durch ein Brot gezogen, oder -mit Kugeln von Wißmut geschossen, oder die Degenspitze nur in die -Erde gestochen und damit die Festgemachten überwältigt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_225">[225]</a></span></p> - -<h3 id="sec271">271. Festgemachte werden von ihrem Wesen und ihrer geheimnisvollen -Kraft befreit.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 873 u. 874.)</p> - -<p>Im Jahre 1652 lebte zu Satzung ein ehemaliger Soldat, <em class="gesperrt">Michael -Vogel</em>, welcher der Festigkeit wegen ein Amulet am Halse trug und -nun beim Trunk immer Zank und Schlägerei anfing. Als er aus dem -Kriege nach Hause kam, warf er das Amulet weg, aber es kam aus -Feuer und Wasser wieder. Endlich wurde sein Beichtvater auf das -Amulet aufmerksam und nahm es an sich. Michael Vogel sagte, er -müsse es mit gewissen Ceremonien abnehmen, doch der Priester versicherte, -der Teufel habe über ihn keine Gewalt, er wolle es schon -wegschaffen. Damit ging er zu einem Schmied und warf es ins Feuer. -Da fuhr's zur Esse hinaus mit Ungestüm und platzte wie ein Doppelhaken. -Darauf wurde der Kerl ganz anders, friedlich und sittsam.</p> - -<p>Ähnliches begab sich 1639 in Grünhain. Ein junger Fleischer -hatte sich bei den damals auf Scharfenstein liegenden Schweden fest -machen lassen; davon wurde er so blutdürstig und unbändig, daß er -beim Trunk keines Menschen Freund war. Als er sich aber verheiratete -und in die Zunft aufnehmen ließ, trachtete die Freundschaft darauf, -wie er die Festigkeit los werden möchte. Man brauchte allerlei -Mittel, aber vergebens, bis endlich einer die Teufelei aus dem Leibe -purgierte und eine Hummel von ihm kam.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Sowohl die römische als auch germanische Götterlehre erzählt uns von Göttern, -welche unverwundbar waren. Cygnus, der Sohn Neptuns, konnte von keinem Pfeil -verwundet werden und ebenso wurde Baldr durch die Gunst seiner Mutter Frigg -gegen alle Waffen geschützt. Nur das Holz des Strauches Mistiltein (<em class="antiqua">Loranthus -europacus</em>) tötete ihn, da Frigg von demselben keinen Eid gefordert hatte. Wie -Götter wurden auch Helden unverwundbar. Siegfried badete sich im Drachenblute, -das seine Haut fest gegen Waffen machte; nur wo das Lindenblatt zwischen seinen -Schultern gelegen, war er verwundbar. Im Mittelalter hielt man die sogenannte -Waffensalbe, die Gemskugel, die Wurzel <em class="antiqua">Doronicum</em>, das Nothemde u. s. w. für -Mittel, um sich waffenfest zu machen. (Nork, Sitten und Gebräuche d. D. S. 707). -Auch die Lausitzer Sage erzählt von Hieb- und Stichfesten. Das Garn zu einem -Nothemde, welches auch hier als Zaubermittel dient, muß von einem Mädchen unter -7 Jahren gesponnen, die Nähte müssen mit Kreuzstichen gemacht und schließlich müssen -noch drei Messen darüber gelesen werden. (Haupt a. a. O. I. N. 240.)</p></div> - -<h3 id="sec272">272. Der Räuber Hartenkopf bei Zelle ist kugelfest.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenbuch d. K. S., No. 362.)</p> - -<p>Im Zellwalde bei Kloster Zelle und zwar besonders in dem alten<span class="pagenum"><a id="Seite_226">[226]</a></span> -Gemäuer, welches gemeine Leute für den Stadel eines alten Nonnenklosters -ansehen, hatte sich ein Fleischer, namens Hartenkopf aus Siebenlehn, -festgesetzt und beschlossen, hinfüro von Raub und Mord zu leben, -weswegen die Leute den Fußweg, der von Siebenlehn nach Roßwein -führt, nicht mehr sicher wandeln konnten, noch wollten. Weil sich nun -dieser Schnapphahn nicht nur am Leibe festgemacht, sondern auch mit Geschütz -und Gewehr versehen, also daß allen denen, so ihm zu nahe -kommen würden, der Tod drohte, konnten die aufgebotenen Landgerichte -und Amtsunterthanen, weil jeder für seine Haut fürchtete, wenig -schaffen, bis endlich eine von Roßwein aus kommandierte kurfürstlich -sächsische Korporalschaft vom Leibregiment zu Roß dieses Raubnest ersprengte, -und weil die bleiernen Kugeln an dem Räuber nirgends haften -wollten, haben sie endlich noch mit einem eingeladenen silbernen -Knopfe den Zauber gelöst und den Leib zugleich mit gefällt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die durch Hülfe des Teufels erworbene Kugelfestigkeit besteht nicht gegen einen -geerbten silbernen Knopf. Von einem solchen wurde der Stadtkommandant Bruse von -Greifswalde, auf welchen mehr als zwanzig schwedische Kugeln erfolglos abgeschossen worden -waren, getötet. (Temme, Pommer'sche Sagen, No. 244.) Ebenso erzählt eine -Sage, wie der Reitknecht König Augusts des Starken den seinen Herrn verfolgenden -Husaren durch einen silbernen Knopf niederschoß. (Johannes-Album, Chemnitz 1857. -2. T. S. 181.) An die Stelle des silbernen Knopfes treten auch silberne Kugeln. -Nach einem rumänischen Volksliede konnten den Freischarenführer Pintye nur drei -silberne Kugeln, drei Maß Frühjahrsroggen und drei Nägel von einem Frühlingsfohlen -verwunden. (Jahrbuch des Ungarischen Karpathen-Vereins XII., S. 87.)</p></div> - -<h3 id="sec273">273. Der Holzmüller von Neudorf.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 317.)</p> - -<p>In der sogenannten Holzmühle zu Neudorf bei Sebastiansberg -lebte einst ein Müller, der war so reich, daß er den Fußboden seiner -Stube mit lauter harten Thalern gepflastert und darüber erst die Dielen -gelegt hatte. Er verstand aber auch die schwarze Kunst. Als er einmal -ganz allein in der Mühle war, drangen plötzlich zwölf Räuber in -die Stube und forderten sein Geld. Der Müller hieß sie niedersetzen -und that, als ob er das Geld holte. Bald aber merkten die Räuber, -daß sie nicht aufstehen konnten. Nun baten sie den Müller, er möge -sie loslassen; der erbarmte sich, schnitt aber jedem mit seinem Messer -ein Zeichen ins geschwärzte Gesicht und entließ sie. Als er nun am -nächsten Sonntage seine Verwandten besuchte, fand er in ihren Gesichtern -das eingeschnittene Zeichen. Oft schon hatte man versucht ihn zu erschießen,<span class="pagenum"><a id="Seite_227">[227]</a></span> -er war aber kugelfest. Endlich hat ihn ein Jäger auf dem -Wege nach Krümau mit einer gläsernen Kugel erschossen; auf der Stelle, -wo dies geschehen, steht heute noch ein Kreuz.</p> - -<h3 id="sec274">274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel -umgebracht.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em> II., S. 19.)</p> - -<p>Im Jahre 1260 hat sich zu Freiberg ein Schüler (einige halten -dafür, daß es ein Priester gewesen sei) in eine Jungfrau heftig verliebt, -und um dieselbe zu gewinnen, hat er Rat und Hülfe bei einem -Schwarzkünstler gesucht. Derselbe führte ihn in der Sachsenstadt in ein -abgesondertes Gemach, stellte ihn in einen Kreis und begann seine gewöhnlichen -Beschwörungen. Der Teufel ließ sich nicht lange bitten -und erschien plötzlich in der Gestalt der begehrten Jungfrau. Da stand -der Jüngling heftig auf und bot ihr aus dem Kreise die Hand. Doch -zu seinem höchsten Unglück und Verderben riß ihn der Teufel zu sich -und warf ihn gegen die Wand, so daß er auf der Stelle tot blieb. -Aber auch der Schwarzkünstler erhielt seine Strafe. Der Teufel nahm -den zerschmetterten Körper des Schülers und warf damit mit solcher -Gewalt nach ihm, daß er daran »versterret die ganze Nacht winselnd -gelegen und auch früh noch also gefunden wurde.« Er wurde darnach -zu gebührender Strafe gezogen.</p> - -<h3 id="sec275">275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.</h3> - -<p class="source">(Moller, a. a. O. II., S. 201. Wilisch, Kirchen-Historie von Freyberg etc. -II., S. 327. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Prosaischer -Anhang, No. 5.)</p> - -<p>Am Montage nach Palmarum 1536 hat ein Pfaffe aus Mulda -in einem Weinhause zu Frauenstein allerlei Üppigkeit getrieben, ist auch -des Nachts daselbst ganz voll und toll liegen geblieben, morgens aber -mit umgedrehtem Halse tot gefunden worden. Man hat ihn für einen -Zauberer gehalten, von dem gemeldet wird, daß er in Wirtshäusern -böhmische und andere Groschen nach Belieben aus den Wänden herausgegraben -und sonst allerlei Gaukelspiel zur Verwunderung gemeiner -Leute getrieben habe. Er ließ z. B. auch den Wein zu Feuer werden -und wußte es im Spiele zu machen, daß er allein alles gewann.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_228">[228]</a></span></p> - -<h3 id="sec276">276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 314. Wenisch, Sagen aus dem -Joachimsthaler Bezirke, S. 102.)</p> - -<p>Ein Hirte, der bei Permesgrün die Herde weidete, fand einmal -unter einem Steine, der am Fuße einer uralten Eiche lag, ein altes -Buch, auf welchem die Worte standen: Wende den Inhalt wohl an, -und Du wirst der Menschheit nützen. Das that der Hirte, und bald -war er in der ganzen Gegend als Wunderdoktor bekannt und gesucht. -Da erkrankte der Sohn des Herzogs so schwer, daß der Vater in der -Verzweiflung dem Retter seine Tochter zur Frau versprach. Der Wunderdoktor -ging an den Hof des Herzogs und versprach die Heilung. Der -Herzog wiederholte sein Versprechen, drohte aber ihn umzubringen, -wenn der Versuch mißlänge.</p> - -<p>Der Wunderdoktor machte sich an die Kur, und bald war der -Prinz gerettet. Als aber der Wunderdoktor seinen Lohn verlangte, -verweigerte ihm der Herzog die Tochter. Darüber ärgerte sich der -Doktor, daß er sichtbar hinsiechte. Da las er in seinem Buche und -befahl hierauf seinem Diener, ihn zu zerstückeln, die Stücke in eine -Kiste zu legen und diese unter jener alten Eiche zu begraben; nach -einem Jahre sollte er die Kiste wieder öffnen, aber nicht früher. Dann -werde er wieder frisch und gesund auferstehen.</p> - -<p>Der Diener that, wie ihm sein Herr geheißen hatte, aber er konnte -die Zeit nicht erwarten und öffnete schon nach dreiviertel Jahren die -Kiste, um nachzusehen, wie es mit seinem Herrn stünde. Da war die -Wunderkraft vernichtet, und der Herr blieb tot.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wir haben am Schlusse dieser Sage eine Variante des alten Glaubens, daß -der alternde Mensch oder der Verstorbene durch Zauberkünste wieder nach einem -gewissen Zeitraume verjüngt aufersteht, wenn man seinen Körper in Stücke zerhaut. -Der junge Graf <em class="antiqua">de Villano</em> hatte zu Salamanca in der Schule des Teufels auch -gelernt, wie man alte Leute wieder verjüngt. Nachdem er selbst zu Jahren gekommen, -wollte er zu seinem eigenen Vorteile von diesem Geheimmittel Gebrauch machen. Er -ließ sich, als es mit ihm zu Ende ging, von einigen gekauften Mohren schnell in Stücke -zerhauen, die Stücke in eine Glasflasche füllen und diese in den Pferdemist setzen. -Auf der Folter jedoch gestanden die Mohren, leider zu früh, was sie gethan hatten, -und als man nachgrub, fand man das Glas und darin ein bereits ganz wohlgestaltetes -Kind. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I., S. 121.) Nach Mannhardts -Mythen (S. 66.) wurden der polnische Räuber Twardowsky und der ungarische -Eisenlaci zerhauen und mit gekochten Heilkräutern begossen; nach sieben -Monaten gewannen ihre Leichname wieder Kinder- oder Jünglingsgestalt. Auch der -Arzt und Wunderdoktor Theophrast befahl vor seinem nahen Tode dem Diener, daß -er seine Leiche in kleine Stücke zerschnitten in eine eherne Truhe lege und mit -einem gewissen Pulver bestreuen solle. Nach 9 Monaten solle er die Truhe wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_229">[229]</a></span> -öffnen. Der Diener öffnete sie aber bereits nach 7 Monaten und fand ein noch nicht -völlig entwickeltes Kind, das sich krümmte und vom Zutritte der kalten Luft starb. -(Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 672.)</p></div> - -<h3 id="sec277">277. <em class="antiqua">Dr.</em> Faust's Höllenzwang.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 128.)</p> - -<p><em class="antiqua">Dr.</em> Faust's Höllenzwang nennt die Sage ein Buch, in welchem -die Kunst gelehrt wird, Geister zu citieren, ja selbst den Teufel sich -dienstbar zu machen. Dieses Buch haben schon viele Freunde der -schwarzen Kunst vergeblich gesucht, indem sie den Dornstrauch nicht wissen, -unter dem es hinter dem Chemnitzer Schlosse, am Wege nach dem -Küchwald, vergraben sein soll.</p> - -<h3 id="sec278">278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc., S. 552, Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, -7. Jahrg., S. 132.)</p> - -<p>In dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Lauterholz bei -Lauterhof und Stangengrün soll man keine Sperlinge finden. Man -hat sie schon in Nestern dorthin verpflanzen wollen, aber sie sind nicht -geblieben. Dasselbe erzählt man von Karlsfeld, wohin man Sperlinge -aus Eibenstock brachte, ohne daß sie geblieben sind. Es wird -erzählt, daß diese Vögel von Zigeunern weggebracht worden seien.</p> - -<p>Als in früheren Zeiten zur Thomasmühle bei Falkenau noch -ausgedehnte Felder gehörten, wurden dieselben sehr von Sperlingen -besucht, welche an den Saaten bedeutenden Schaden anrichteten. Da -kam eines Tages eine alte Zigeunerin, welche den Müller um ein -Almosen anflehte. Der Müller bot ihr eine gute Belohnung an, wenn -sie die lästigen Gäste vertreiben könnte. Da sprach sie über die Sperlinge -einen Spruch und von jener Zeit an waren auf den Feldern der -Thomasmühle und auch in dem benachbarten Hillemühl keine Sperlinge -mehr zu sehen. Erst, nachdem 1867 die Bahn gebaut wurde, haben -sich etliche in Hillemühl angesiedelt. Die Thomasmühle aber fliehen -sie noch heute.</p> - -<p>In Fürstenwalde bat ein Soldat in einem Hause um etwas zu -essen. Der geizige Hauswirt aber erwiderte: »Da geben wir's lieber -den Spatzen, als euch.« Der erzürnte Soldat antwortete: »Ihr werdet -den Spatzen nicht mehr viel geben.« Er hat darauf die Sperlinge -verwünscht und seit dieser Zeit sind sie in Fürstenwalde nicht mehr zu -finden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Daß die Sperlinge von Zigeunern, welche von den Bewohnern freundlich -aufgenommen wurden, verbannt worden sind, erzählt die Sage auch von dem Dorfe<span class="pagenum"><a id="Seite_230">[230]</a></span> -Sora bei Bautzen. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 246.) In Böhmen giebt es -noch verschiedene Orte, an denen sich keine Sperlinge aufhalten, weil sie daselbst -verbannt wurden. Nach einem dortigen Volksglauben kann man sie von den Feldern -verscheuchen, wenn man einen Span von dem Holze, woraus ein Tischler einen -Sarg angefertigt hat, in's Getreide steckt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche -in Böhmen und Mähren, S. 73.) Aus dem Erzgebirge ist mir noch Neudörfel bei -Schneeberg bekannt, von dem ebenfalls erzählt wird, daß daselbst keine Sperlinge -nisten; die Sage meldet jedoch nichts davon, daß hier die Sperlinge durch Zigeuner -weggebannt worden seien. Alle Orte ohne Sperlinge liegen oder lagen fast ganz -von Wald umschlossen, so daß in ihrer Nähe Raubvögel einen sichern Schutz finden; -ebenso tritt in der Nähe kleiner Walddörfer der Ackerbau zurück und es fehlen demnach -daselbst Körnerfrüchte und Insekten, denen unsere Vögel nachgehen; ist es doch -nachgewiesen, daß die Sperlinge überall dem Ackerbau gefolgt sind.</p> - -<p>Von Interesse erscheint es, aus den mitgeteilten Sagen zu erfahren, daß -das Volk das Fehlen der Sperlinge für eine Wohlthat ansieht; nur in der letzten -Sage wird dasselbe als eine Strafe dargestellt. Sollte damit auch zugleich ausgesprochen -werden, daß in Fürstenwalde der Ackerbau zurückgegangen sei?</p></div> - -<h3 id="sec279">279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 619.)</p> - -<p>Südwestlich von Zwickau liegt das Dorf Planitz, welches der -Familie von Arnim gehört. Ein früherer Herr von Arnim konnte -das Feuer segnen. Wenn irgendwo viele Meilen in der Runde eine -Feuersbrunst war, holte man ihn oder er eilte selbst hin, ritt um das -brennende Haus herum, sprach seinen Segen und augenblicklich verlöschte -die Brunst.</p> - -<h3 id="sec280">280. Wie das Feuer gebannt wird.</h3> - -<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)</p> - -<p>Vor hundert Jahren lebte in der Umgegend von Nossen ein -Rittergutsbesitzer, der konnte das Feuer bannen. War irgendwo ein -Brand ausgebrochen, so kam er eilends angeritten, jagte dreimal unter -geheimnisvollem Murmeln um das Feuer herum, dann schnell wieder -fort und über ein fließendes Wasser, worauf das Feuer erlosch. Wäre -er nicht über ein Wasser geritten, so würde das Feuer ihn verbrannt -haben.</p> - -<p>Zur Zeit, als die Leute ihr Brot noch selbst einteigten, pflegte -man in der Nossener Gegend bei ausgebrochenem Feuer den Backtrog -vor's Haus zu tragen und nach dem Feuer gerichtet an das Haus -anzulehnen. Dann wendete sich der Wind vom Hause ab. Auch schaffte -man beim Retten niemals zuerst die Betten aus dem Hause, sondern -irgend etwas anderes, da sonst die Kräfte gelähmt wurden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_231">[231]</a></span></p> - -<h2 id="kap6">VI.<br /> -Sagen von Schätzen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_233">[233]</a></span></p> - -<p class="drop">Ein Volksglaube, welchen Veckenstedt in den »Wendischen Sagen, -Märchen und abergläubischen Gebräuchen« (Graz, 1880) an die -Spitze seiner Schatzsagen stellt, erzählt uns, daß da, wo des Nachts -um 12 Uhr kleine Flämmchen auf der Erde herumflackern, Geld -brenne; man müsse dann ein Geldstück oder ein Messer hineinwerfen, -um den Schatz zu erlangen; derselbe werde jedoch von wilden Hunden -oder anderen Tieren bewacht. In dieser kurzen Sage ist der wesentlichste -Inhalt aller Sagen niedergelegt, welche uns erzählen, wo sich -jene mythischen Schätze finden, die Henne-Am-Rhyn (Die deutsche -Volkssage etc., S. 48) als niedergegangene Sterne des Himmels oder -als Morgen- und Abendröte deutet, und die wieder von anderen, z. B. -von Nork in seinen »Sitten und Gebräuchen der Deutschen« zu den -Münzen in Beziehung gebracht werden, welche von den heidnischen -Germanen und Slaven ihren Toten mit ins Grab gegeben wurden. -Es wird uns aber auch in jener kurzen lausitzischen Sage mitgeteilt, -wie diese Schätze zu heben sind und welche Mächte dieselben gegen das -Eindringen der Sterblichen bewachen. Derselbe Sagenstoff wiederholt -sich in mannigfachen Abänderungen an zahlreichen Örtlichkeiten. Auch -im Erzgebirge zeigen blaue Flämmchen oder Lichter Schätze an, bei -deren Heben kein Wort gesprochen werden darf. Nach Jacob Grimm -(Deutsche Myth., S. 544) wird auch ein auf bloßem Leibe getragenes -Kleidungsstück (nach einer unserer Sagen kann dies z. B. ein Halstuch -sein) auf den Schatz geworfen, um alle Gefahr von sich abzuwehren.</p> - -<p>Zahlreich sind ferner im Erzgebirge wie anderwärts die Sagen, -nach denen unermeßliche Schätze in weiten Gewölben in Braupfannen -oder Laden liegen. Die Pforten zu diesen Höhlen öffnen sich nur an -bestimmten Tagen zu gewissen Stunden, und wenn die Glücklichen in -die Schatzkammern eintreten, so finden sie die Schätze entweder von -Hunden oder grauen Männchen, Kobolden oder Schattenmännchen bewacht. -Bei den Schätzen ist gewöhnlich eine weiße Jungfrau, teilweise -mit einem Schlüsselbunde. Nicht selten sind es auch Wunderblumen, -welche die Pforten zu den Geldgewölben öffnen, und die von<span class="pagenum"><a id="Seite_234">[234]</a></span> -denen, welchen es beschieden war einzutreten, vergessen werden. (S. -Wundersagen.) Frauen, welche mit einem Kinde eintreten, lassen in -der Hast, womit sie die Schätze zusammenraffen, ihr Kind zurück; sie -finden dasselbe im nächsten Jahre an gleichem Tage wohlbehalten mit -einem Apfel in den Händen in der Schatzkammer wieder.</p> - -<p>In diesen Überlieferungen erkennen wir den Mythus, in welchem -der Kreislauf des Jahres erscheint. Das Kind mit dem Apfel in der -Hand bedeutet die Fruchtbarkeit des Jahres; die Erdgöttin (Freija) -hat das Kind zu sich genommen und läßt es erst nach Ablauf eines -Jahres wiederfinden. (S. Ludwig Zapf in der Leipziger Illustr. Zeitung, -No. 1890.)</p> - -<p>Unsere Sagen erzählen uns auch, wie sich die Schätze als Halme -an den Bäumen sommern und dann wieder, wenn sie fortgetragen -wurden, in goldene Ketten verwandelten; sie melden uns von Ziegelsteinen, -Leinwandfleckchen, Kohlen, Hobel- und Sägespänen, Baumrinde -und Kartoffeln, die zu Gold wurden.</p> - -<p>Wenn auch manche Überlieferungen, wie der Gebrauch der dem -Donar geweihten Hasel als Wünschelrute und die rote, blaue und zuweilen -gelbe oder weiße Farbe der Wunderblumen, welche dem Blitze -als gleichfarbig erscheinen, in Beziehung zur Gewittergottheit gebracht -werden können, deren Blitz dem Golde gleich aus der finstern Wolke, -dem himmlischen Berge, hervorleuchtet, so meine ich doch, daß auch -viele Schatzsagen auf den heidnischen Gebrauch, den Toten Geld mit -ins Grab zu geben, zurückzuführen und daß zahlreiche Plätze, besonders -Berge und Orte, an denen einst Schlösser und Burgen standen, -und an denen die Sage des Volkes Schätze verheißt, zugleich ehemalige -Begräbnisplätze sind. In heidnischen Begräbnisfeldern wurden neben -Münzen und Schmucksachen auch Kohlen vom Leichenbrand gefunden, -und so mochte sich der Glaube bilden, daß überall da, wo in der -Erde an den von Geschlecht zu Geschlecht in nebelhafter Erinnerung -als ehemals geheiligt gehaltenen Orten Kohlen angetroffen wurden, -auch Schätze vergraben lägen; ja die Kohlen selbst wurden später als -durch Zauber umgewandelte Schätze betrachtet. (Nork a. a. O., S. 709.)</p> - -<p>Die Toten aber finden nach einem Volksglauben im Grabe keine -Ruhe, so lange sie das mitgenommene Geld nicht wieder an einen -Sterblichen abgegeben haben. Ich verweise dabei auf die Sage vom -Jünglinge zu Weißbach, welcher im Grab0e keine Ruhe fand, bis man -den mitgenommenen Pfennig wiedergeholt hatte. Was hier der Volksmund -vom geringen Pfennig erzählt, das wiederholt er in ähnlichen -Überlieferungen vom Gold und reichen Geschmeide. Überall kehrt in -den Schatzsagen die Erscheinung von Wesen wieder, welche keine Ruhe<span class="pagenum"><a id="Seite_235">[235]</a></span> -finden, bis das Gold und Silber gehoben ist; außerdem aber zeigen -sie dem Sterblichen meist auch die Mittel, deren sich derselbe bedienen muß, -um in das Innere der Erde zu gelangen, wo die unermeßlichen Reichtümer -liegen und gleichzeitig der Hüter seiner endlichen Erlösung aus -dem Zauberbanne harrt.</p> - -<h3 id="sec281">281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>An der Plänerleite zwischen Blauenthal und Zimmersacher liegt -ein zerklüfteter Granitfelsen, welchen man wegen seiner Form die -Steinwand nennt. Weiter oben nach dem Zimmersacher zu aber quillt -der »Goldbrunnen«, aus welchem man einst Gold gewaschen hat. In -der Steinwand jedoch öffnete sich einst an einem Karfreitage, als in -Eibenstock die »lateinische Litanei« gesungen wurde, eine Höhle, und -wenn jemand durch das Thor derselben hineingegangen wäre, hätte -er daselbst große Schätze gefunden.</p> - -<h3 id="sec282">282. Der Schatzkeller am Bärenstein.</h3> - -<p class="source">(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. -Annaberg, 1746, S. 8.)</p> - -<p>Es ist die alte Richterin zu Königswalde nebst noch zweien ihrer -Nachbarn am Bärenstein im Mai Gras und Kräuter zu holen gegangen, -und als sie an den Berg gekommen sind, so hat sichs am -Berge aufgethan wie ein großes Scheunenthor, daß sie hinein gesehen -hat, wie in eitel Silber und Gold, und als sie die andern zwei gerufen, -daß sie es auch sehen sollten, so ist es wieder verschwunden.</p> - -<h3 id="sec283">283. Der Schatzkeller im Scheibenberge.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 187.)</p> - -<p>Im Jahre 1605 bekam <em class="antiqua">M.</em> Laurentius Schwabe, Pfarrer in -Scheibenberg, etliche Gäste von Annaberg. Seine Ehefrau führte -einige ältere Freundinnen über und um den Scheibenberg, ihnen dessen -Gegend zu zeigen. Dabei trafen sie aber ein Loch, in welches drei -Stufen führten und darin lag ein glänzender Klumpen, wie glühendes -Gold. Darüber erschraken sie und gingen eilends nach der Stadt. -Als sie jedoch den Pfarrer nebst den übrigen Gästen nach dem Orte -führen wollten, konnten sie das Loch nicht wieder finden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_236">[236]</a></span></p> - -<p>Im Jahre 1648 starb Hans Haß, ein alter ehrlicher Bürger zu -Scheibenberg, welcher auf dem Siechbette von seiner Armut am Anfange -seines Ehestandes folgendes erzählte: Als Wolf Köhler seine -Tochter Elisabeth weggab, wären wir junge Eheleute gerne mit zu -Ehren gezogen, aber wir hatten kein Geschenke. Wir gingen am Berge -grasen und wurden eines Lochs gewahr, das mit einer eichenen Thür -verschlossen, und gingen etliche Stufen hinein. Da wir Wunders halber -hinein sehen, liegt ein Fuchs auf einer Stufen. Wir erschraken darüber, -gleichwohl weil sich der Fuchs nicht rührete, gaben wir ihm einen -Stoß und befunden, daß er tot war. Ich verkaufte den abgestreiften -Balg, wir gingen auf die Hochzeit und waren lustig. Aber nach selbiger -Zeit habe ich das Loch nicht wieder finden können, wie fleißig ich auch -gesucht habe.</p> - -<h3 id="sec284">284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183. Gießler, Sächs. -Volkssagen, Stolpen (o. J.) S. 104.)</p> - -<p>Unter einem großen Felsen des Greifensteins, wo der Vermutung -nach ein altes Schloß gestanden hat, ist ein offenes Loch zu sehen, in -das ein Mann bequem kriechen kann. Von diesem Loch aber wird erzählt, -daß einst eine Magd aus dem Vorwerke Hayde, die, wenn sie -daselbst grasete, öfters mit Namen gerufen wurde, im Beisein einer -andern Magd auf abermaliges Rufen hineingegangen wäre, mit dem -Verlaß, wenn sie schreien würde, daß ihr die andere zu Hülfe kommen -sollte. Es hätte aber die hineingehende Magd einen großen Kasten mit -Gold und Geld und einen schwarzen Hund dabei liegend angetroffen, -und auf Befehl einer Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber -inzwischen der Eingang ganz enge geworden sei, daß sie auf die andere -Magd um Hülfe geschrien, wäre der Hund auf sie losgesprungen und -hätte alles Eingefaßete wieder aus dem Grastuche gescharret, darauf -sie voller Schrecken von der andern herausgezogen worden, und des -dritten Tages darauf wäre sie gestorben.</p> - -<p>Besser (indem er wenigstens nicht mit dem Leben büßen mußte) -erging es einst einem alten Manne aus Geyer, einem gewissen Christoph -Hackebeil, der von seinem Heimatsorte nach der am Fuße des -Greifensteins liegenden Gifthütte ging, durch sonderbaren Zufall auf -den Greifenstein geriet, dort in dem obengedachten Loche entschlief und -die ganze Nacht und den halben folgenden Tag daselbst zubringen mußte. -Es ließ ihn schlechterdings nicht fort, und für die Angst und Versäumnis<span class="pagenum"><a id="Seite_237">[237]</a></span> -seiner Zeit hat derselbe nicht einmal einen klingenden Lohn -von den Berggeistern erhalten.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Hund, welcher den Schatz bewacht, ist der Hund der Unterwelt, welcher -bei der Göttin Hel wacht. Ursprünglich ist derselbe das Tier Odhins, einer von den -Wölfen der Walstatt. Odhin aber ist als Verleiher jedes Gutes auch zugleich der -Herr der Schätze.</p></div> - -<h3 id="sec285">285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.</h3> - -<p class="source">(I. Mündlich. II. Moritz Spieß, Aberglaube, Sitten und Gebräuche -des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 40.)</p> - -<p>I. Eines Tages gingen zwei Mädchen durch den Wald, in welchem -der Greifenstein liegt; sie hatten Streu gesammelt und trugen -dieselbe in ihren Tragkörben nach Hause. Als sie nun auf einem -schmalen Wege die Höhe abwärts stiegen, sahen sie an den Zweigen -der Fichten zu beiden Seiten Strohhalme hängen. Darüber wunderten -sie sich, denn sie meinten, daß hier doch kein Weg für Wagen sei; -es sah nämlich aus, als ob von einem mit Stroh beladenen Wagen -durch die zum Teil über den Weg hängenden Zweige einzelne Halme -losgerissen worden seien, wie man solches ja häufig an den mit Bäumen -besetzten Landstraßen sieht. Wie die Mädchen aber nach Hause -gekommen waren und ihre Streu ausschütteten, fanden sie darunter -eitel goldene Ketten. Der Schatz des Greifensteins hatte sich in der -Gestalt von Strohhalmen an diesem Tage gesommert und so waren -einzelne Halme in die Körbe gefallen, wo sie sich in die goldenen -Ketten verwandelt hatten.</p> - -<p>II. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte Förster Töpel -eines Tages bei dem Greifensteine vorbei ritt, hingen so viel Gras- -und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum hindurchreiten -konnte. Dabei blieben einige Halme auf seinem Hute liegen. -Als er daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine goldene -Kette. Es soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage, S. 49 und 52) deutet die Schätze -der Sage als Sinnbilder der Sterne; sie bewegen sich und versinken wie letztere. -Daß Schätze an gewissen Tagen aufsteigen, um sich zu sonnen, erzählen noch mehrere -Volkssagen. Als einst Steinbrecher auf dem Schlatter Rehberge bei Bingen von -ferne einen schimmernden Haufen liegen sahen, sagten sie: »Heute ist der erste März, -da sonnen sich die Schätze.« Thönerne Scherben, welche dann einer von ihnen an jener -Stelle fand, verwandelten sich zu Hause in zerbrochene Silbermünzen. Nach einer -andern Sage steigen Schätze an Märzfreitagen aus dem Boden, um sich zu sonnen; -dabei wird ihre Ankunft vielfach durch eine blaue Flamme verkündet. Die Schätze -werden auch von Geistern unter der Erde fortgerückt. (Nork a. a. O., S. 709.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_238">[238]</a></span></p> - -<h3 id="sec286">286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130 und 132.)</p> - -<p>Auf dem Hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen ist -eine Schatzkammer, deren Eingang sich in der Nähe des sogenannten -Franzosensteins, eines prismatisch zubehauenen Granitblocks mit der -Jahreszahl 1808, befindet. Die Pforten zu der Schatzkammer sollen -sich alljährlich am Karfreitage, während in der Kirche die Passion gesungen -wird, öffnen.</p> - -<p>Ein armes Weib aus dem naheliegenden Orte Stein nahm ihr -einjähriges Kind, welches sie niemandem der Obhut anvertrauen konnte, -und begab sich an einem Karfreitage mit demselben in den Wald -am Hohen Stein, um »Holz zu klauben.« Schon hatte sie davon -eine ziemliche Menge beisammen, als sie plötzlich in einem Felsen -eine weite Öffnung bemerkte, welche von ihr früher niemals gesehen -worden war. Verwundert darüber nahm sie ihr Kind, welches unterdessen -auf weichem Moose gesessen, auf den Arm und faßte den Entschluß, -das seltsame Thor näher zu betrachten. Hinzugetreten und in -die gähnende Höhlung hineinblickend, sah sie zu ihrem Erstaunen in -derselben Haufen rotwangige Äpfel, eine große Menge gleißendes Geld -und funkelnde Edelsteine, ferner auf einem Tische ein Bund altertümlicher -Schlüssel. Nachdem das Weib schnell seinen Korb herbeigeholt -und das Kind zu den Äpfeln gesetzt hatte, mit dem Bedeuten, es möge -davon essen, fing sie an, von den reichen Schätzen in ihren Korb zu -raffen, bis dieser nichts mehr tragen konnte. Im Begriffe hinauszugehen, -um ihre schwere Last draußen abzusetzen und hierauf ihr Kind -zu holen, hörte sie eine Stimme rufen: »Vergiß das Beste nicht!« Doch -sie konnte den Sinn dieser Worte nicht deuten und begab sich ins Freie. -Kaum war dieses geschehen, so schloß sich hinter ihr der Felsen geräuschlos -und so sehr auch das Weib jammerte und weinte, um ihr -verlornes Kind bat und flehte, der Eingang war und blieb verschwunden. -Todmüde und tiefbetrübt wankte sie endlich ihrer armseligen -Hütte zu, laut und heftig ihre Habsucht und Geldgier verwünschend. -Es verging ein Jahr und die hartgeprüfte Mutter lenkte, das nicht -angetastete Geld im Korbe tragend, am Karfreitage zu derselben -Stunde wie vor zwölf Monaten ihre Schritte dem hohen Steine zu. -Und siehe da! der Eingang zur Schatzkammer stand offen, und als sie -klopfenden Herzens und froher Hoffnung näher getreten war, sah sie -zu ihrer unaussprechlichen Freude ihr totgeglaubtes Kind frisch und -gesund, sowie kräftig herangewachsen auf derselben Stelle, auf welche -sie es im Vorjahre gesetzt hatte. Schnell schüttete sie das Geld wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_239">[239]</a></span> -an seinen Ort, nahm das Kind und machte sich eilig davon, obwohl -sie neuerdings rufen hörte: »Vergiß das Beste nicht!« Auf dem Heimwege -fragte sie ihr Kind, wer es gepflegt habe. »Eine weiße, freundliche -Frau,« antwortete dieses, »gab mir zu essen und zu trinken, kleidete -und bewachte mich.« – Hätte das Weib den Schlüsselbund mitgenommen, -so würde sich ihr der Felsen jederzeit geöffnet und seine -Schätze dargeboten haben. Das war das Beste, welches die Stimme -meinte.</p> - -<p>Die genannte weiße Frau ließ sich früher, meist zur Mittagszeit, -häufig in der Nähe des Hohen Steines sehen, den Bund mit altertümlichen -Schlüsseln in der Rechten tragend. Sie that niemandem ein Leid, -im Gegenteil, manchen würde sie reich gemacht haben, wenn er nicht -unwissend und leichtsinnig die dargebotenen Geschenke von sich gewiesen -hätte.</p> - -<p>Ein Waltersgrüner Knecht machte sich in später Nachtstunde auf -den Weg, um einer dringenden Angelegenheit halber nach Stein zu gelangen. -Bei der untern Mühle verließ er den Fahrweg und schlug -einen schmalen Fußpfad ein, der am Abhange des Hohen Steines dahinführt, -und auf dem er, wie er glaubte, in kürzerer Zeit an den -Ort seiner Bestimmung gelangen konnte. Allein die große Dunkelheit -der Nacht und das arge Wetter waren Ursache, daß er vom rechten -Steige abkam und lange Zeit in der Irre herumging. Endlich sah er -zu seiner Freude ein Licht schimmern, und er verdoppelte seine Schritte -in der Meinung, zu einem gastlichen Hause gelangen zu können. Wie -groß war aber sein Erstaunen, als er statt der Flur eines solchen -einen breiten Gang betrat, an dessen Ende von der Decke eine strahlende -Lampe herabhing, die ungeheuere Schätze von Gold und Edelsteinen -aller Art beleuchtete. Nachdem der Knecht eine starke Anwandlung von -Furcht bekämpft hatte, da er außer den köstlichen Reichtümern noch eine -weiße Frau bemerkte, welche jene zu hüten schien, trat er näher und -betrachtete mit lebhaftem Verlangen das gleißende Gold und die funkelnden -Juwelen. Die weiße Frau schien seine Gedanken zu erraten, denn -sie erhob ihren rechten schneeigen Arm, deutete mit dem Zeigefinger -auf die Schätze und sprach: »Nimm davon, soviel dein Herz begehrt; -aber vergiß das Beste nicht!« Das letztere glaubte er unter den Edelsteinen -zu finden und raffte mit gierigen Händen in seine Taschen, so -viel diese fassen konnten. Noch zweimal trafen jene Worte sein Ohr; -allein er achtete nicht darauf und verließ frohen Sinnes über den gewonnenen -Reichtum den hohen und breiten Gang. Kaum war er im -Freien, als sich der Eingang zu demselben donnernd schloß und eine -dumpfe Stimme sprach: »Thor, das Beste war der Schlüssel, den Du<span class="pagenum"><a id="Seite_240">[240]</a></span> -unbeachtet liegen ließest, und der Dir jederzeit den Eingang zu meinen -Schätzen geöffnet hätte.« Von der Steiner Pfarrkirche aber trug die -Luft die zwölf Schläge der Mitternachtsstunde an sein Ohr, und da -sich die dunkeln Wolken zerteilt hatten und die Sterne herniederlugten -auf die stille Erde, bemerkte der erstaunte Knecht, daß er sich am Hohen -Steine befand.</p> - -<p>Manche alte Leute nennen die weiße Jungfrau mit dem Schlüsselbunde -das »Schwedenweibl« und erzählen, daß dieses die verwünschte -Tochter eines gefürchteten schwedischen Feldherrn sei, welcher lange Zeit -auf dem hohen Steine hauste und von hier aus die ganze umliegende -Gegend arg heimsuchte.</p> - -<p>Die Schweden stehen überhaupt bei den Bewohnern der um den -Hohen Stein liegenden Dörfer im schlimmen Andenken. Wenn der -Vater in den Feierstunden sein Büblein auf den Knieen schaukelt, spricht -er dabei:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Reiter, sa, sa!<br /></span> -<span class="i0">Der Schwed' ist gekommen,<br /></span> -<span class="i0">Hat alles mitg'nommen,<br /></span> -<span class="i0">Hat d' Fenster 'neing'schlag'n,<br /></span> -<span class="i0">Hat 's Blei davon trag'n,<br /></span> -<span class="i0">Hat Kugeln d'raus 'gossen,<br /></span> -<span class="i0">Hat 's Bubel erschossen.«<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec287">287. Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine.</h3> - -<p class="source">(H. Arnold im Chemnitzer Tageblatte 1882, No. 11, 2. Beilage.)</p> - -<p>Gar nicht weit vom Hohen Steine, unweit des Dorfes Landwüst, -steht eine Säule, welche die Stundensäule genannt wird. Unter dieser -befindet sich, wie alte Leute erzählen, ein riesiger großer, eiserner Kasten, -welcher mit Goldstücken angefüllt ist, die aber von einem Geiste bewacht -werden. Derselbe sitzt auf der Truhe und wird nur dann weichen, -wenn das rechte Zauberwort gesprochen wird. Wenn man den Schatz -heben will, so muß man dieses Zauberwort kennen, darf aber weder -auf dem Wege bis zur Säule, noch während des Grabens und auf -dem Rückwege ein Wort außer dem Zauberworte sprechen. Ebenso -darf man sich nicht umsehen, denn wer dies thut, dem wird das Genick -gebrochen.</p> - -<p>Mit dem Schatze aber hat es eine eigentümliche Bewandtnis.</p> - -<p>Vor alter Zeit, als noch die Heerstraße von Adorf über Remtengrün, -Schönlinde und Landwüst nach Eger hinführte, kam einmal in<span class="pagenum"><a id="Seite_241">[241]</a></span> -der Nacht ein Reiter in das Dorf Landwüst gesprengt und begehrte -einen Bauer als Führer. Sein Mantel pauschte ganz gewaltig, denn -er hatte einen großen Sack mit lauter blanken Goldstücken, welche er -durch Raub und Plünderung während des damals herrschenden Schwedenkriegs -an sich gebracht hatte, darunter verborgen.</p> - -<p>Es fand sich ein Bauer, der ihm den Weg zeigen wollte, und -beide verließen das Dorf bei dichter Finsternis. Als sie an den Ort -gekommen waren, wo die Säule stand, verbarg der Reiter sein Gold -in einem Kasten und befahl dem Bauer, denselben in die Erde zu vergraben. -Er sagte aber, daß Pulver und Blei darin verschlossen wären. -Der Mann grub aus Leibeskräften, versenkte die Truhe und deckte sie -wieder sorgfältig mit Schutt zu. Für seine Mühe erhielt er zehn -Dukaten. Kaum war aber der Bauer einige Schritte von der Säule -entfernt, so kam der Reiter ihm nach und erstach ihn, damit das Geheimnis -mit dem Kasten niemandem bekannt würde. Der Offizier – -denn ein solcher war der Reitersmann, – wurde im nahen Walde von -seinen Kameraden, mit welchen er das Geld teilen sollte, erwartet. -Weil er aber mit leerem Beutel kam, hängten ihn diese an den ersten -besten Baum und ritten davon.</p> - -<p>Am nächsten Tage fand eine Schar schwedischer Reiter, welche -den Wald und andere zu Verstecken geeignete Plätze nach Spionen -und Vagabunden durchsuchte, nicht allein den gehenkten Schwedenoffizier, -sondern auch den ermordeten Bauer. Weil dieser aber zehn Dukaten -in der Tasche hatte, die er vordem nicht besessen haben konnte, so -sagten die Leute, er sei ein Schatzgräber gewesen, habe auch einen -Griff in den Goldbehälter gethan, sei aber, da er jedenfalls während -der Arbeit gesprochen oder sich umgesehen habe, von einem Geiste getötet -worden.</p> - -<h3 id="sec288">288. Der Schatz im Heinrichstein bei Platten.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 93. etc.)</p> - -<p>Von Platten aus führt die Straße nach dem Orte Breitenbach. -In mehreren Windungen zieht sie sich durch ein schönes, anmutendes -Thal, das ein klares Gebirgswässerlein, der Breitenbach, durcheilt, -in dessen Wellen die lustige Forelle ihr Wesen treibt, während in den -kräftigen Fichten- und Tannenwaldungen, womit die Thalwände bewachsen -sind, zur Zeit des Lenzes die Vögel ihre fröhlichen Weisen -erschallen lassen. Beim oberen Farbwerk gewahrt man zur Rechten -einen 915 Meter hohen Felsen, den Heinrichfelsen, welcher eine prachtvolle -Fernsicht gewährt. Seine Spitze trägt ein aus rohem Holz zusammengefügtes<span class="pagenum"><a id="Seite_242">[242]</a></span> -Kreuz, das wie eine schützende Wacht herabblickt in -das stille, freundliche Thal. In der Umgebung des Heinrichsteines -wachsen viele große und schmackhafte Heidelbeeren, was auch in früherer, -längst vergangener Zeit der Fall gewesen ist.</p> - -<p>Einst kamen an einem herrlichen Sommertage in die Nähe dieses -Felsens zwei junge Mädchen aus Platten, um dort Beeren zu klauben. -Unter heiteren Gesprächen wurden sie des Pflückens gar nicht müde, -bis sie ihre Körbchen gehäuft voll hatten. Nun machten sie sich beide -auf den Heimweg und verwunderten sich sehr, als sie am Fuße des -Berges eine offene Thür erblickten, welche in einen weiten Gang -führte. Die Mädchen gingen beherzt hinein und fanden daselbst eine -eiserne Truhe, an der ein großer, altertümlicher Schlüssel steckte. Voll -Hast öffneten sie mittelst desselben die Lade und sahen, daß diese mit -Gold und Silber gefüllt war. Schier geblendet von den gleißenden -Schätzen, schauten die Mädchen mit verblüfftem Antlitze eins das andere -an und wußten gar nicht, was sie mit dem edlen Metalle anfangen -sollten. Einfältig, wie sie waren, verschlossen sie, ohne etwas von -den Schätzen anzurühren, die Truhe, nahmen den Schlüssel zu sich und -liefen über Stock und Stein nach Hause, um ihren Eltern von dem -reichen Funde Mitteilung zu machen. Außer sich vor Freude, eilten -darauf die Väter der Mädchen zum Heinrichstein, aber der Eingang -in den Felsen war nirgends mehr zu finden; auch die Mädchen suchten -ihn vergebens, so sehr sie ihre Augen anstrengten. Noch lange soll -der Schlüssel zur Schatztruhe auf dem Rathause in Platten aufbewahrt -worden sein, doch ist er allda gegenwärtig nicht mehr vorhanden.</p> - -<p>Vor vielen, vielen Jahren ging am Karfreitag ein armes Weib, -ihr Kindlein auf dem Arme tragend, in den Wald am Heinrichstein, -um Reiser zu sammeln. Über ihre mißlichen Verhältnisse nachdenkend, -weinte sie bitterlich und meinte, ein Teil der im Felsen verborgenen -Schätze genügte, mit einem Schlage ihrer Armut ein Ende zu machen. -Da bemerkte sie auf einem Felsblocke des Heinrichsteines allerlei bunte -Blumen. Sie schritt mit ihrem Kinde darauf zu, um für dieses einige -Blümlein zum Spielen zu pflücken. Während das Weib sich dieser -Beschäftigung hingab, gelangte sie plötzlich zu einer in den Felsen führenden -Pforte, die sie früher niemals gesehen hatte. Höchlich überrascht, -nahm sie ihr Kind, das sie auf einem grünen Platze niedergesetzt hatte, -auf den Arm und trat näher zu der offenen Thüre, deren Schwelle sie -ohne Bedenken überschritt. In dem Felsengewölbe standen Säcke, die -mit Gold- und Silbererzen bis oben angefüllt waren, und ein Tisch. -Auf letzteren setzte das nun sich glücklich fühlende Weib das Kind und -begann von den funkelnden Schätzen gierig in ihre Schürze zu raffen.<span class="pagenum"><a id="Seite_243">[243]</a></span> -Kaum hatte sie diese voll, da erschien ein Zwerg, der sie zum schleunigen -Fortgehen aufforderte. Erschrocken lief sie dem Ausgange zu und vergaß -in der Angst ihres Kindes, dessen sie sich erst im Freien erinnerte. -Wohl kehrte das bestürzte Weib ungesäumt und rasch zur Öffnung zurück, -allein unter Krachen hatte sich der Felsen geschlossen. Wie sehr -auch die trostlose Mutter weinte und um den Verlust ihres Kindes -jammerte, der Eingang war und blieb unsichtbar. Fast verzweifelnd -und die in ihrer Schürze befindlichen Schätze verwünschend, mußte sie -endlich nach Hause wanken. In ihrem unbeschreiblichen Schmerze wandte -sie sich an den Geistlichen in Platten, der sie nicht nur tröstete, sondern -ihr auch den Rat erteilte, im nächsten Jahre zu gleicher Stunde wieder -zum Heinrichstein zu gehen. Lange, sehr lange dauerte diesmal der -schwergeprüften, sorgenvollen Mutter das Jahr, bis endlich der heißersehnte -Karfreitag erschien. Da ging sie, fest auf den Heiland vertrauend, -der an diesem Tage für die Menschen den Kreuzestod litt, -wieder zum Felsen. Und siehe da! Die Thür stand wie vor Jahresfrist -offen. Mit unaussprechlicher Freude stürzte das Weib in das -Gewölbe und erblickte auf dem Tische ihr mittlerweile herangewachsenes -Kind frisch und gesund, einen schönen Apfel in den Händchen haltend. -Seelenfroh nahm sie dasselbe, drückte es an ihr Herz und eilte, so schnell -sie die Füße tragen konnten, aus dem Felsen. Die daselbst aufgespeicherten -blendenden Schätze übten diesmal keine Zauberkraft auf die Mutter -aus, der ihr gefundenes Kind mehr galt als alle Reichtümer der Erde.</p> - -<p>Ein andermal erblickte ein armer, tugendhafter Mann aus Platten, -der einstmals in dem Walde beim Heinrichstein Holz sammelte, ganz -unerwartet vor sich ein Licht, das sich am Boden fortbewegte. Er -ging ihm nach und gewahrte eine große, offene Truhe aus Eisen, in -welcher Gold- und Silbermünzen aller Art angehäuft waren. Da er -mit den Händen die Lade nicht fortzuschaffen im stande war, zog er -den Schlüssel ab, deckte, damit niemand anders den Schatz finde, denselben -mit Reisig zu und eilte beflügelten Schrittes heim, um einen -Schiebkarren zu holen. Als der Mann an Ort und Stelle zurückgekehrt -war, fand er zwar das Reisig, aber zu seiner Bestürzung war -die Geldtruhe spurlos verschwunden. Hätte er, statt die Lade mit Reisig -zu bedecken, ein Halstuch auf den Schatz geworfen, so wäre dieser gebannt -gewesen.</p> - -<p>Schon mancher, der den Schatz heben wollte, wurde von der wilden -Jagd arg bestraft, welche um den Heinrichstein ihr Unwesen treibt. -Der Vorwitzige verfiel in eine schwere Krankheit oder starb sogar an -den Folgen des Schreckens. Die wilde Jagd sollen Reiter sein, welche -in der Luft dahin brausen. Viele Holzleute wollen in der Nähe des<span class="pagenum"><a id="Seite_244">[244]</a></span> -Heinrichsteines Hundegebell, Hörnerblasen, lautet Halloh und Peitschenknallen -vernommen haben, was von der wilden Jagd herrührt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Ähnlich wie vom Hohen- und Heinrichsteine erzählen uns Sagen aus anderen -Gegenden Deutschlands von Frauen, welche beim Betreten des Schatzgewölbes ihr -Kind niedersetzten und dasselbe nach einem Jahre im Innern des Berges mit einem -Apfel in der Hand wiederfanden. Wie in unsern beiden Sagen geschah dies auch -auf dem Löbauer Berge an einem Karfreitage (Haupt, Sagenbuch d. L. <em class="antiqua">I. N.</em> 249), -auf dem Waldsteine im Fichtelgebirge jedoch am Johannestage (Zapf, Sagenkreis -d. F. S. 16). Das übereinstimmende Anführen eines Apfels, welchen das Kind in -der Hand hielt, ist gewiß nicht ohne Bedeutung. Vielleicht liegt darin eine Beziehung -zu den verjüngenden Äpfeln, welche Idhuna, die Göttin der Jugend, besaß. Diese -selbst wurde im Frühlinge aus der Gewalt der Frostriesen den Göttern zurückgebracht. -Neben der »Quelle der Jugend«, die ihren Namen von der aus dem Tode erweckenden -Eigenschaft ihres Wassers erhalten hatte, wuchsen Apfelbäume, von denen nach -einem altfranzösischen Romane der Held Hüon von Bordeaux Wunder wirkende Früchte -mitbrachte. (Nork, Sitten und Gebräuche d. Deutschen, S. 198.)</p></div> - -<h3 id="sec289">289. Der Schatz des Seeberges.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau, Comotovia. 1877, S. 76.)</p> - -<p>In der Nähe des erzgebirgischen Schlosses Eisenberg erhebt sich -der sogenannte Seeberg, der seinen Namen von dem großen See führt, -welcher einst seinen felsigen Fuß umspülte. An diesen Berg knüpft -sich die Sage, daß er eine ganze Braupfanne voll Gold in seinem -Innern berge. Aber es giebt nur ein Mittel, in denselben und zu -dem Schatze zu gelangen, und dies ist folgendes: Wenn der Priester -am Palmsonntage die Passionsgeschichte liest, öffnet sich eine geheime -Thüre, durch welche man zu dem Golde gelangen kann, was jedoch -bis Mittag 12 Uhr geschehen muß, da mit dem zwölften Glockenschlage -die Thüre wieder bis auf Jahresfrist verschwindet.</p> - -<p>Im Jahre 1855, so erzählte ein Bauer aus jener Gegend, machte -sich an dem besagten Tage ein Schneider mit noch zwei Gefährten auf -den Weg nach dem Seeberge. Am Fuße desselben angelangt, eilte -der Schneider voraus und bald hatte er seine schwerfälligeren Begleiter -im Rücken. Er klomm von Felsen zu Felsen, durch Gesträuch und -Gebüsch zum Gipfel hinan und gelangte bald auf einen grünen, baumfreien -Platz, wo er seine Gefährten erwarten wollte. Allein er wurde -fast starr vor Schrecken, als er in einer kolossalen Felsenwand plötzlich -eine große geöffnete Thür erblickte, welche in einen langen, dunklen -Gang führte. Als er seine Sinne wieder gesammelt hatte, konnte er -deutlich Stöhnen, Bitten und Flehen um Befreiung aus dem Innern<span class="pagenum"><a id="Seite_245">[245]</a></span> -des Berges vernehmen; er besann sich nicht lange, merkte sich die umstehenden -Bäume wohl und lief in aller Eile zurück, um seine Kameraden -zu holen. Diese waren jedoch noch weit zurück, und als er sie endlich -erreicht, hörte er auch schon den zwölften Glockenschlag und zugleich -einen furchtbaren Donnerschlag vom Berge her, daß alle drei dem -Herannahen ihres letzten Stündleins schaudernd entgegensahen. Da -aber der Himmel sonst ganz heiter war, auch die Natur vollkommen -ruhig sich zeigte, ließen sich die beiden andern endlich bewegen, mit -dem Schneider an die bezeichnete Stelle zurückzukehren. Dort angekommen, -fanden sie jedoch statt der erwarteten Thüre nur die hochragende -starre Felsenwand, die sie von früher her wohl kannten; von -einer zu den Schätzen führenden Öffnung war keine Spur zu sehen. Dieser -tragische Anblick versetzte nun den armen Schneider in ein abermaliges -Erstarren, indem er das schon sicher gewähnte Glück mit einem Schlage -vernichtet sah.</p> - -<p>Ob seit jener Zeit wieder irgend ein schatzsüchtiges Menschenkind -den Versuch gemacht hat, dem Seeberge seine Schätze abzugewinnen, -hat man nicht erfahren.</p> - -<h3 id="sec290">290. Die Teufelswand bei Blauenthal.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgischer Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 322 etc.)</p> - -<p>Die granitene Teufels- oder Steinwand liegt zwischen Eibenstock -und Blauenthal am linken Ufer der Bockau, ohngefähr 1000 Schritte -von dem Punkte, wo sich dieses Wasser in die Mulde ergießt. In -dieser Teufelswand befindet sich eine Höhle, von welcher die Sage -folgendes erzählt: Als die Menschen in allerhand Laster verfielen, -verlor sich auch der allgemeine Wohlstand und drückende Armut folgte. -Um aber das Elend zu vollenden, hatten sich zehn reiche Bösewichter -vereinigt, alle gute und gangbare Münzen, deren es damals bei weitem -nicht so viel gab, als heut zu Tage, an sich zu bringen, damit in -fremde Länder zu ziehen, sie daselbst mit jüdischem Gewinne gegen -schlechte umzutauschen, diese ins Land zurück zu schaffen und nach und -nach unter die Leute zu bringen. Dies gelang ihnen auch und zwar -noch besser, als sie gehofft hatten.</p> - -<p>Einst fuhren sie auch mit einem Wagen Geld den böhmischen -Wald hinan und gedachten noch vor Einbruch der Nacht eine Herberge -zu erreichen. Da zogen von Norden herauf finstere, schwere Gewitterwolken; -der Sturm sauste durch die hohen Fichten und riß so manchen -Stamm mit seinen Wurzeln aus dem Boden. Die Reisenden konnten -unmöglich weiter kommen und suchten deshalb ein nahes Obdach. Bald<span class="pagenum"><a id="Seite_246">[246]</a></span> -kam einer von ihnen mit der Botschaft zurück, daß er unfern der -Straße auf einer Anhöhe ein unbewohntes Schloß gefunden habe, in -welchem sie wenigstens das Gewitter abwarten könnten. Sie ließen -ihre Knechte bei dem Wagen und begaben sich an den bezeichneten Ort. -Die Burg mochte schon lange von niemandem bewohnt gewesen sein, -denn nur noch ein einziges Zimmer schützte unsere Reisenden vor dem -herabstürzenden Regen. Sie setzten sich an eine halbvermorschte Tafel -und nahmen die nötige Speise zu sich. Plötzlich tobte der Sturm noch -schrecklicher, heftiger ergoß sich der Regen, dreifach durchkreuzten sich -die Blitze und dreimal krachte der Donner. Im Nu stürzten die -Mauern der Burg zusammen und ein gespaltener Felsen stieg aus ihren -Trümmern empor.</p> - -<p>Unten am Wege aber lagen die von den Donnerschlägen betäubten -Knechte unter dem Wagen, und sie erholten sich erst, als der Mond -wieder die Wolken zerteilte. Mit Schrecken sahen sie nun, daß das -Geld vom Wagen verschwunden war. Eben mochte die Mitternachtsstunde -geschlagen haben, als eine lichte Gestalt sich dem Wagen näherte -und durch langsames Winken den zitternden Knechten befahl, zu folgen. -Sie thaten es und kamen an einen hohen Felsen. Von selbst sprang -eine steinerne Thür auf, und sie traten in ein Gewölbe, wo ihre -Herren an einer Tafel saßen und Geld zählten. Keiner sah sich um. -Da sagte die Gestalt zu den Knechten folgende Worte: »Gehet hin -und erzählt, was Ihr gesehen habt. So lange sind diese zehn Unholde -verdammt, Geld zu zählen, bis einst ein Mann geboren werden wird, -der zehn Armen ohne Eigennutz Wohlthaten erzeigt. Diesem sei es -vergönnt, wenn er mit dem Kraute, welches Lunaria heißt, den Felsen -berührt, dieses Gewölbe zu öffnen und alles vorhandene Geld mit sich -zu nehmen.« Die Gestalt verschwand, und die Knechte lagen wieder -unter ihrem Wagen.</p> - -<p>Zu Zeiten soll ein großes Getöse in der Teufelswand gehört werden, -welches sich seit einigen Jahren sehr vermehrt haben soll.</p> - -<h3 id="sec291">291. Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge.</h3> - -<p class="source">(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 16.)</p> - -<p>Der Purberg bei dem Dorfe Tschernowitz bei Komotau trug vor -langer Zeit auf seinem altehrwürdigen Haupte ein prachtvolles Schloß, -von welchem nur noch einige Trümmer übrig geblieben sind. Vor -seiner Zerstörung schon waren aber die Schätze, welche es in seinem -Innern barg, verschwunden; Geister haben sie hinweggeräumt und bewachen<span class="pagenum"><a id="Seite_247">[247]</a></span> -sie in den unterirdischen Räumen des Berges Tag und Nacht. -Wenn man sich in der Nacht dem Berge nähert, so bemerkt man über -gewissen Stellen blaue Flämmchen, die aber bald wieder verschwinden.</p> - -<p>Einstmals hüteten zwei Knaben Vieh auf dem Berge und, ohne -sich um dasselbe viel zu kümmern, setzten sie sich nieder und spielten, -nachdem sie sich vorher der Stiefeln entledigt hatten. Bald aber kamen -sie miteinander in Streit. Der eine Knabe nahm jetzt den Stiefel -von seinem Kameraden und warf ihn aus Bosheit in den Schloßbrunnen. -Was war jetzt zu thun? Den Stiefel wollte und mußte der -Beschädigte haben. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als in den -Brunnen zu steigen und den Stiefel zu holen. Gedacht, gethan. Er -hatte aber noch nicht den Wasserspiegel erreicht, als er zu seiner Rechten -einen Gang gewahrte, in dessen Wölbung ein alter, stämmiger, -weißbärtiger Mann stand; der Knabe erschrak, faßte sich aber sogleich -und klagte dem Greise seine Not. Dieser gab dem Knaben den Stiefel -aus Mitleid zurück; der Knabe dankte, kletterte zurück und kam glücklich -wieder oben an. Aber welches Entsetzen! der Stiefel war schwer -wie Blei! Er sah hinein und bemerkte einen großen Goldklumpen. -Sobald der andere Knabe dieses sah, erwachte in ihm der Neid und -die Habgier, und um sich ebenfalls einen solchen Schatz zu holen, stieg -er auch in den Brunnen hinab, kam aber nie mehr zum Vorschein.</p> - -<p>Ein armer Mann, dessen Weib schwer krank darnieder lag und -der überdies noch drei unmündige Kinder zu versorgen hatte, beschäftigte -sich, um nur das tägliche Brot zu verdienen, mit dem -Sammeln von Hadern und Papierabfällen, um sie dann zu verkaufen. -Einmal, am Karfreitage, ging er an sein armseliges Tagewerk, hatte -aber zu seinem großen Leide nichts von seinen gesammelten Effekten -verkauft. Betrübt darüber, mit Thränen in den Augen, kam er an -dem Purberge vorüber und dachte darüber nach, wovon er mit seinem -Weibe und seinen hungrigen Kindern heute und morgen leben werde. Wie -er so in Gedanken weiter geht, sieht er plötzlich einen alten Mann, der -ihn fragt, worüber er so betrübt sei. Der Hadersammler erzählte ihm ganz -aufrichtig seinen Kummer und sprach ihn zuletzt um ein Almosen an. -Der alte Mann aber antwortete: »Geld habe ich zwar keines, aber -gehe nur nach Hause, dort wird Dir schon geholfen werden.« Der arme -Mann glaubte seinen Worten, und zu Hause angelangt, schüttete er -seinen Korb mit dem Papier und den Hadern aus und entdeckte zu -seinem größten Erstaunen am Boden des Korbes einen großen Goldklumpen. -Von nun an war er ein wohlhabender Mann.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_248">[248]</a></span></p> - -<h3 id="sec292">292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)</p> - -<p>Ein Weib, welches mit einer Gefährtin am Hohen Steine Holz -sammelte, sah plötzlich, als sie sich aus ihrer gebückten Stellung aufrichtete, -einen großen Haufen Gold vor sich, über dem ein zuckendes -Flämmchen schwebte. Überrascht und erstaunt betrachtete sie mit gierigen -Blicken das gleißende Metall und rief laut ihrer entfernten Gefährtin -zu: »Komm' doch schnell hierher und hilf mir den großen Schatz in -meinen Korb raffen, welcher hier liegt!« Kaum waren diese Worte -ihrem Munde entflohen, als unter zischendem Geräusche der Schatz verschwand, -und die Gerufene, welche eiligen Laufes herbeigekommen war, -schalt jetzt ihre Genossin tüchtig aus, weil sie so unbedachtsam den Schatz -beschrieen und ihn so zum Verschwinden gebracht habe.</p> - -<h3 id="sec293">293. Der Schatz in der Loh bei Schönau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer H. Schlegel aus Wildenfels.)</p> - -<p>In der sogenannten »Loh,« einem stellenweise sumpfigen, nach -dem nahen Dorfe Schönau bei Wildenfels zu gelegenen Distrikte, soll in -früher Zeit ein Raubschloß gestanden haben. Man sah an diesem Orte -auch häufig des Nachts um die zwölfte Stunde ein kleines Licht, und -als man daselbst nachgrub, fand man einen großen Schatz, welcher in -einer kupfernen Pfanne lag.</p> - -<h3 id="sec294">294. Der Schatz auf der Geyersburg.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 196.)</p> - -<p>Oberhalb des Ortes Hohenstein bei der Haltestelle Mariaschein-Calvarienberg -der Dux-Bodenbacher Bahn erheben sich auf dem 456 <em class="antiqua">m</em> -hohen Bergsattel des Erzgebirgs die wildromantischen Ruinen der Geyersburg. -In dem daselbst befindlichen unterirdischen Gange, welcher erst -auf dem Teplitzer Schloßberge ausmünden soll, liegen ungeheuere Kostbarkeiten -aufgespeichert, die man nur am Karfreitage innerhalb der -Dauer der Frühmesse heben kann, vorausgesetzt, daß man dabei auch -mit der erforderlichen Vorsicht zu Werke geht. Verstreicht dieser günstige -Zeitpunkt, so schließt sich mit einem furchtbaren Schlage die Öffnung -zu dem Raume, welcher, bewacht von neidischen Kobolden, die Schätze -birgt, und der Suchende ist unrettbar verloren. So sollen vor einiger -Zeit zwei Bergknappen es gewagt haben, in den Stollen einzudringen;<span class="pagenum"><a id="Seite_249">[249]</a></span> -dem einen war das Glück insofern günstig, als er, wenn auch ohne die -gehofften Schätze, jedoch wenigstens mit heiler Haut davon kam, während -der zweite infolge seiner Verspätung aus dem unheimlichen Raume -nicht mehr zurückkehrte.</p> - -<h3 id="sec295">295. Die Schätze bei der Prokopikirche in Graupen.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 192.)</p> - -<p>Die Sage weiß von großen Schätzen zu erzählen, welche neben -und unter der Prokopikirche in Graupen verborgen liegen. Sie sollen -in Kriegszeiten eingegraben worden sein. Vor Jahren pflügte auf dem -nahen Felde ein Landmann; plötzlich sah er einen elegant gekleideten -jungen Mann vor sich stehen, der bald ein Gespräch mit ihm anknüpfte -und sich eingehend um seine Verhältnisse erkundigte. Der Mann klagte -über die schweren Zeiten, über harte Arbeit und schmalen Verdienst. -»Ei was,« rief der rätselhafte Fremde aus, »da ist Euch bald geholfen; -geht nur auf den Friedhof der Prokopikirche, dort werdet Ihr knapp -an der Friedhofmauer auf einem Grabhügel ein weißes Tuch erblicken. -An dieser Stelle müßt Ihr so lange graben, bis Geld zum Vorschein -kommt. Finden müßt Ihr es sicher; die Tiere dürft Ihr aber unter -keiner Bedingung auf den Friedhof führen.« Darauf verschwand der -Jüngling. Der Bauer zog noch einige Furchen, bis die Turmuhr die -zwölfte Mittagsstunde ankündigte. Er wollte aber seine Ochsen nicht -allein lassen und dachte bei sich: Der Jüngling ist ja nicht da und -weiß nichts davon, wenn ich sie mitnehme, zudem postiere ich sie ja -ohnehin nur am Eingange. Gesagt, gethan; er betrat den Friedhof -und bald war auch das bezeichnete Grab gefunden. Nun gings rasch -an die Arbeit und, o Wunder! mit einem Male blenden gleißende -Goldstücke, die eine große, geöffnete Kiste füllen, seine Augen. Er will -darnach greifen, da tritt ein nebelhaftes, graues Männchen dazwischen, -schlägt mit Gewalt den Deckel wieder zu und deutet mit wilder Geberde -dem Manne an, er möge sich mit seinem Gespanne gleich von hier -entfernen und den heiligen Ort nicht fürder entweihen. Kaum war -er mit den Tieren draußen, so schlossen sich auch die beiden Thorflügel -mit solcher Wucht, daß ihm der Schlag durch Mark und Bein ging. -Das schlaue Bäuerlein ließ sich indeß durch diesen fruchtlosen Versuch -nicht abschrecken, ging später wieder auf den Friedhof und grub aus -Leibeskräften an jener Stelle; aber die Kiste mit den Goldstücken hat -er nicht wieder gesehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_250">[250]</a></span></p> - -<h3 id="sec296">296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)</p> - -<p>In der großen Mühle, welche früher zum Rabenauer Schlosse -gehörte und durch einen unterirdischen Gang mit demselben verbunden -gewesen sein soll, war von Raubrittern ein großer Schatz verbannt, -der nur von einem ganz unbescholtenen Mädchen von zwanzig Jahren -gehoben werden konnte. Dieser Schatz wurde von zwei kleinen Schattenmännchen -bewacht, welche von vielen Leuten gesehen worden sind. Diese -Männchen besuchten das Mühlengebiet öfter und sobald sie dasselbe betraten, -blieben alle Werke stehen und waren nicht eher wieder in Gang -zu bringen, bis die Schattenmännchen wieder fort waren. Sie nahmen -ihren Rückweg jedesmal durch die zum Wasserbett führende Thür, gingen -über letzteres weg und verschwanden bei dem daneben befindlichen Keller. -Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts wurden dieselben gesehen, und genau -nach hundert Jahren sollen sie wieder erscheinen, wenn der Schatz -inzwischen nicht gehoben wird.</p> - -<p>Ein Mädchen, welches sich vorgenommen hatte, den Schatz zu -heben, wurde von ihren Angehörigen gewaltsam daran verhindert, die -Mühle zu betreten, um sie vor Unheil zu bewahren; sie gebärdete -sich wie wahnsinnig, so daß man sie anbinden und anschließen mußte; -darauf verfiel sie in eine hitzige Krankheit und starb bald.</p> - -<p>Ende vorigen Jahrhunderts soll ein Besitzer der Mühle, dessen -Name vormals auch genannt wurde, mit Hülfe eines Geistesbeschwörers -den vergrabenen Schatz auch zum Teile gehoben haben; dafür wurde -er aber von den Geistern so geplagt und verfolgt, daß er die Mühle -verkaufte und sich bei Dresden von dem Schatze ein großes, schönes -Grundstück erwarb.</p> - -<p>Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts ließen sich Geister in der -Mühle sehen, welche den damaligen Besitzer überall so arg verfolgten -und in Furcht setzten, daß er zuletzt in Wahnsinn verfiel.</p> - -<h3 id="sec297">297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.</h3> - -<p class="source">(Mitgetheilt von Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)</p> - -<p>Vor 50 bis 60 Jahren standen von dem Rabenauer Schlosse -noch mehrere Mauern und Gewölbe und auch ein Altan. Da erzählten -alte Leute, frühere Raubritter hätten in dem Schlosse einen Schatz -vergraben, welcher von einer großen, schwarzen Henne mit feurigen Augen -versetzt oder verbannt sein sollte; diesen Schatz konnte nur derjenige -finden, welcher eine gleiche Henne mit zur Stelle brachte. Die versetzte<span class="pagenum"><a id="Seite_251">[251]</a></span> -Henne ließ sich von Zeit zu Zeit sehen und scharrte und kratzte grade -auf der Stelle des Schloßhofes, wo der verbannte Schatz lag, -verschwand aber jedesmal, wenn sich ihr ein Mensch näherte. Schon -in früherer Zeit hat man fleißig Schatzgräberei im Schlosse unternommen -und sogar bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts allen Ernstes -Schätze gesucht, aber stets ohne Erfolg.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Hühner sind mythische Tiere. Sagen erzählen von Hühnern, welche goldene -Eier legen; auch nehmen nach einem böhmischen Aberglauben Kobolde die Gestalt -schwarzer Hühner an. Sollte die schwarze Henne unserer Sage ein solcher Schatz -hütender Kobold, und die Henne, welche der Schatzgräber mitzubringen hat, ein -Opfer sein, welches den unterirdische Mächten darzubringen ist? – Auf dem Burgberge -bei Mulda, wo ebenfalls nach der Sage ein Schatz vergraben liegt, läßt sich -ein Huhn sehen, welches jedoch ein verzauberter Burgherr sein soll.</p></div> - -<h3 id="sec298">298. Das Aberthamer »Fels'l.«</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)</p> - -<p>Nördlich von Abertham, dort, wo fruchtbarer Ackerboden und ein -ziemlich ausgedehntes Torfmoor sich scheiden, erhebt sich eine eigentümliche -Felspartie, im Volksmunde »das Fels'l« genannt. Der -Sage zufolge sind diese Felsen eine Burgruine, in deren Innerem -große Schätze an Gold- und Silbermünzen, Edelsteinen und Perlen -verzaubert liegen. Der Zutritt zu denselben soll sich während der -Christmette und der Passion am Karfreitage öffnen. Aber schon -mancher, der die vermeintlichen Schätze an genannten Tagen heben -wollte, holte sich durch das lange und vergebliche Zuwarten bei stürmischem -Wetter nicht unbedeutende Krankheiten. Bis in die dreißiger -Jahre machten Personen, deren Söhne heute noch leben, den Versuch, -der Schätze habhaft zu werden.</p> - -<h3 id="sec299">299. Der Tümpelstein bei Klösterle.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 79.)</p> - -<p>Der Tümpelstein ist ein großer, unterhalb Klösterle in den Egerfluß -vorspringender Felsen. Sein Inneres enthält der Sage nach ungeheuere -Schätze, die von verwunschenen Rittern bewacht werden; nur -am Karfreitage während des Gottesdienstes ist der sonst unsichtbare -Eingang offen, und die angehäuften Schätze sind sodann den Menschenkindern -zugänglich.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_252">[252]</a></span></p> - -<p>Eine Mutter mit ihrem Kinde ging gerade am Karfreitage an -dem Felsen vorbei und erblickte in der offenen Höhlung geschäftige -Männchen, die ein Festmahl vorrichteten und ihr winkten, einzutreten -und von den Schätzen zu nehmen. Die Frau trat schüchtern ein, setzte -das Kind auf den Boden nieder und begann eifrig ihre Schürze mit -Goldbarren und Edelsteinen zu füllen, als sich, da der Gottesdienst in -der Kirche schon zu Ende war, das Felsenthor mit großem Getöse -wieder schloß. Die Frau mußte nun ein ganzes Jahr im Felsen zubringen, -während welcher Zeit das Kind kräftig und stark wurde. Am -nächstfolgenden Karfreitag konnte die Frau frisch, gesund und mit -Schätzen beladen nach Hause ziehen; von ihr erfuhr man auch, daß -die Wächter, sobald der Eingang sich geschlossen, zu Stein verwandelt -wurden.</p> - -<p>Einst pflügte am Karfreitage ein Bauersmann in der Nähe des -Felsens, erblickte ihn offen und sah darin allerlei Gestalten, die Vorbereitungen -zu einer Hochzeit machten. Im Vorbeigehen rief er hinein: -»Backet mir auch einen Kuchen mit!« Er ackerte dann rüstig bis zum -Mittag fort, dann spannte er aus, gab den Ochsen zu fressen und nahm -auch selbst sein mitgebrachtes Mittagsmahl ein. Schon hatte er eine -Weile still gesessen, als ein winziges Männlein erschien und die bestellten -Kuchen auf den Pflug legte. Der Bauer, eine Vergiftung fürchtend, -hatte nicht den Mut, die Kuchen selbst zu verzehren; er zerbröckelte -sie und fütterte seine Ochsen damit. Als er damit fertig war, erschien -jenes Männlein wieder, drohte ihm mit dem Finger und sagte: »Weil -du unsere Kuchen verschmähst, die du selber bestellt hast, so soll für -diesen Undank deine Wirtschaft kein Glück und keinen Segen mehr -haben.« Und diese Prophezeiung ging wirklich in Erfüllung, den Bauer -traf Unglück über Unglück, er mußte endlich das Haus mit den Feldern -verkaufen und wurde ein armer Mann.</p> - -<h3 id="sec300">300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein bei Zöblitz.</h3> - -<p class="source">(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)</p> - -<p>Unweit der Stadt Zöblitz an den Ufern der Pockau liegen die -Ruinen der alten Burgen Ober- und Niederlauterstein. Die Burg -Oberlauterstein, ¼ Stunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer -auf einer felsigen Bergecke, wurde schon im Jahre 1430 von den -Hussiten, die eben von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke -herkamen, geschleift. Das Schloß Niederlauterstein, nur einige Minuten -unterhalb davon am linken Pockauufer, erhielt sich über 200 Jahre -länger. Vieles erzählt man sich von den früheren Besitzern desselben,<span class="pagenum"><a id="Seite_253">[253]</a></span> -den Herren von Berbisdorf, deren einer 1530 bei einem Brande des -Schlosses auf schreckliche Weise sein Leben verlor. Es war Georg von -Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis von 90 Jahren. Um ihn vom -Flammentode zu retten, wollte man ihn, in Tücher gewickelt, zu einem -der Fenster herablassen, allein die in der Eile nicht festgeknüpften -Knoten lösten sich und der unglückliche Alte wurde an den Felsen zerschmettert. -Nachdem im Jahre 1559 Kurfürst August das Schloß von -Kaspar von Berbisdorf gekauft und zum Sitz eines Amtes bestimmt -hatte, wurde es im März 1639, als am Gründonners- und Karfreitage -Banners Schaaren die ganze Umgegend verwüsteten, von drei -schwedischen Reitern in Brand gesteckt und nun von seinen Bewohnern -verlassen. So weit die Geschichte.</p> - -<p>In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses Niederlauterstein -sollen 3 Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und breit, mit lauter -gemünztem Golde gefüllt. In einem andern Kessel liegen Edelsteine, -Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene Krone aus den -Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten ist ein Mönchlein -aus Prag gekommen in schwarzen Kleidern, klein von Person -und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber im -Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor Erstaunen. -Die Gewölbe schlossen sich, und von ihren Kleinodien, sowie -von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.</p> - -<p>Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des -Abends nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah -sie auf der Höhe eine kleine Kapelle, deren Thüre offen stand. Neugierig -stieg sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf -die Erde, ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor -dem Altare gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, -als sie tragen konnte; freudenvoll eilte sie damit nach Hause, ihr -Kind und die Beeren vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben, -gedachte sie ihres armen Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine -ankam, war die Kapelle verschwunden, aber auch ihr Kind. Jammernd -und klagend ging nun das arme Weib täglich zur Ruine; sie -verwünschte das Gold und wollte es gar nicht wieder ansehen; das -Liebste fehlte ihr ja – ihr unschuldiges Kind. So trieb sie es Jahre -lang. Als sie nach drei Jahren an demselben Tage abermals mit -verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte, siehe, da zeigte -sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und traf vor dem -Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie es an ihr -mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu denken, -nach Hause. Als sie den Berg hinunter ging und sich umschaute, war<span class="pagenum"><a id="Seite_254">[254]</a></span> -die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier -eine Grafschaft, gründete ein Kloster und that von ihren Schätzen -den Armen viel Gutes.</p> - -<h3 id="sec301">301. Die Schätze von Oberlauterstein bei Zöblitz.</h3> - -<p class="source">(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)</p> - -<p>Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht 300 Jahren in -der Nähe des Oberlautersteins. Es war Abend geworden, und eben -wollte er nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer -ein Mann in alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine -große Höhle, in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der -bestürzte Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der -alte Ritter winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen -ordinären Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann darnach. Sogleich -geschah ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden, -und der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der -Hand haltend. Er ging nach Hause; aber da ihm der Ziegelstein zu -schwer wurde und er sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und -zu Hause auslachen lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. »Nun, -Mann, wie siehst Du nur aus?« fragte ihn zu Hause mürrisch und -spottend die Frau; »Du glänzt ja, als wenn Du vergoldet wärst am -Ärmel.« Der Mann sah nach und erblickte den reinsten Goldstaub an -den Händen und seinen Kleidern. Nun erzählte er seine Geschichte am -Schloßfelsen. Am andern Morgen suchte er bei guter Zeit nach dem -weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern. Allein umsonst; den -edlen Stein hat niemand wieder gesehen.</p> - -<p>Am Sylvestertage nachts 12 Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz -das neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage -der hohe Fels des Oberlautersteins und ein Zuschauer kann vom Thale -aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackern -Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich -die Höhle wieder und die Braupfanne sinkt in die Tiefe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Sage von Ziegelsteinen, welche sich in Gold verwandeln, lebt auch im -Fichtelgebirge. Ist sie von dort her in unser Gebirge verpflanzt worden? In Gestalt -von Ziegelsteinen erscheinen nämlich die Schätze des Waldsteins. Wer den -Fund als unscheinbar oder lästig von sich schleudert, erkennt an den goldglänzenden -Spuren, die Kleid und Hand zeigen, mit Reue, daß er sein Glück weggeworfen. -(L. Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 20.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_255">[255]</a></span></p> - -<h3 id="sec302">302. Der Silbermann bei Pürstein.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgszeitung 1880, S. 67.)</p> - -<p>In der Gegend des Pürsteins befindet sich Silbererz in der Gestalt -eines Mannes, dessen Körper im Buchwald ruht, dessen Füße nach -Joachimsthal und dessen einer Arm nach Sachsen hinausragt, während -der andere Arm im Tannelberge liegt.</p> - -<p>Auf Grund dieser Sage bildete sich 1870 eine Gesellschaft mit -128 Anteilen, die den alten Silberberg beim Friedhof wieder aufmachte. -Die dabei aufgefundenen alten Gänge sind verfallen, sollen -sich aber ununterbrochen bis gegen Joachimsthal ziehen, so daß der -Sage nach ein Arbeiter von hier den andern von dort rufen konnte.</p> - -<h3 id="sec303">303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 130; z. T. mündlich.)</p> - -<p>Ein ehemaliger Besitzer des Schlosses Rabenstein (die Sage bezeichnet -ihn als einen Herrn von Carlowitz), der sehr mißgestaltet gewesen, -soll in dem Schlosse an einem unbekannten Orte eine Pfanne -voll Gold vergraben haben mit dem Bannspruche, daß ein Besitzer des -Schlosses aus seiner Familie, welcher eben so bucklig wie er sei, den -Schatz finden und heben sollte.</p> - -<p>Erzählt wird noch, daß von dem Schlosse zu Rabenstein vor -Zeiten ein unterirdischer Gang nach Schloß Chemnitz geführt habe.</p> - -<h3 id="sec304">304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.</h3> - -<p class="source">(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 19. 20. -Ziehnert, Sachsens Volkssagen. 4. Aufl., Pros. Anhang, No. 4; -z. T. mündlich.)</p> - -<p>Mitten auf der Rainung der beiden Dörfer Reichenau und -Hermsdorf im Amte Frauenstein, am Kreuzwald, hart an der Straße -nach Böhmen, steht ein kleiner Stein mit der Bezeichnung »Kapelle«; -hier stand noch bis 1876 ein Teil des Mauerwerks der Kapelle zum -heiligen Kreuz oder der sogenannten wüsten Kirche, welches in dem -genannten Jahre abgetragen und als Straßenbaumaterial verwandt -wurde. Von der Erbauung und Zerstörung dieser Kapelle weiß man -wenig; wohl aber erzählt die Sage, daß unter derselben eine ganze -Braupfanne voll Gold stehe und zwölf Fässer alten Weins vergraben -seien. Viele haben schon danach gegraben; daß aber von den Schatzgräbern<span class="pagenum"><a id="Seite_256">[256]</a></span> -allen auch nur einer etwas gefunden hätte, davon will niemand -etwas wissen. Auch soll sich daselbst des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr -zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen lassen, und man erzählt, daß -um diese Zeit einmal an dem Orte einem früheren Pfarrer von Hermsdorf -etwas passiert sei, was derselbe aber anderen nicht mitgeteilt -habe.</p> - -<h3 id="sec305">305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Im Orte Rechenberg südlich von Frauenstein sieht man nahe der -Kirche auf einem Felsen die Ruinen eines Schlosses, welches vielleicht -zur Bewachung der alten Zollstraße nach Böhmen erbaut wurde und -das nach der Sage durch einen unterirdischen Gang mit dem Schlosse -Frauenstein in Verbindung stand. In der Nähe des Schlosses zeigt -man noch die Überreste von Wällen, und als man am Fuße desselben -die Schule baute, traf man auf alte Gänge, welche anzusehen viele -Leute weit her kamen; doch konnte man nicht tief in die Gänge eindringen. -In manchen Nächten will man oben in der Ruine ein Licht -gesehen haben. Erzählt wird, daß in den Gewölben große Schätze in -einer Braupfanne liegen, wer dieselben heben will, muß seine eigene -Tochter zum Opfer bringen; dieselbe muß aber weißhaarig sein. Doch -hat auch einmal ohne solches Opfer ein Mann einen kleinen Teil des -Schatzes gehoben. Als nämlich einst ein Bierknecht des früheren Rittergutes -vom Berge herab fuhr, sah er von ferne auf der Ruine ein -Licht. Er ging hinauf und sahe darauf an dem Lichte dreihundert -Thaler liegen, welche er einsteckte und mitnahm. Nach vier Wochen -war er jedoch tot.</p> - -<h3 id="sec306">306. Der Schatz des Tschinnersteins bei Brandau.</h3> - -<p class="source">(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)</p> - -<p>Geht man von Brandau auf dem Fahrwege über den »Hof« hinaus -in den Wald, so findet man links leicht einen nicht zu großen -schräg liegenden Stein, über den die Kinder oft herabrutschen oder -»tschinnern«. Dieser Stein soll den Eingang in eine reiche Schatzkammer -verschließen, und Sonntagskinder können dort am Ostermontage um 12 -Uhr ein Schloß sehen und den Schatz heben, wenn es ihnen gelingt, -schnell die Thür des Schlosses zu erreichen. Doch schnell müssen sie -sein, da das Schloß gewöhnlich entflieht und den habgierigen Schatzjäger -irre führt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_257">[257]</a></span></p> - -<p>Einige Frauen rupften in der Nähe des Tschinnersteins Moos -und hatten ihre Körbe auf den Stein gestellt. Als sie dieselben um 12 -Uhr holen wollten, um das Moos nach Hause zu tragen, waren sie -verschwunden. Schreiend entfernten sich die Frauen, bis auf eine, die -nach einer halben Stunde ihren Korb wiederfand, den Boden mit Gold -bedeckt.</p> - -<p>Ein Knabe hütete am Tschinnerstein. Da scharrte eine Kuh einen -Topf von Silbergeld heraus, das er seinem Vater gab. Wenn das -Geld auch nicht mehr gangbar war, so wurde dieser doch dadurch reich, -indem er es verkaufte.</p> - -<h3 id="sec307">307. Der Heldenberg bei Seifen.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 78.)</p> - -<p>Auf dem öden und rauhen Kamme des Erzgebirges erhebt sich -bei dem böhmischen Kirchdorfe Seifen der Heldenberg, der vor vielen -Jahren mit einem dichten, fast undurchdringlichen Hochwalde bedeckt -war. In diesen ging einst ein blutarmer Holzhacker, um Holz zu -fällen. Als er in die Mitte des Waldes kam, vernahm er mit einemmale -im nahen Gebüsche ein ungewöhnliches Geräusch. Unverweilt -schritt er darauf zu und sah unter der Erde durch das Moos reines -gediegenes Gold hindurchschimmern. Dem Holzhauer klopfte das Herz -voll Freude über den unerwarteten Fund, der nun für immer seiner -bitteren Armut abhelfen sollte. Er lief über Stock und Stein, durch -dick und dünn nach Hause, um sich zum Ausgraben des edlen Metalles -die nötigen Werkzeuge, als Spitzhaue und Schaufel, zu holen. Als -der Überglückliche aber zu derselben Waldesstelle zurückgekehrt war, -fand er weder das Gebüsch, noch schimmerte ihm vom Boden Gold -entgegen; alles war verschwunden. Darob war der Holzhauer tief betrübt; -er mußte nun bis zu seinem Tode sein hartes Los, Holz zu -fällen, ertragen.</p> - -<p>Die Sage erzählt weiter, daß einmal eine ganz schwarze Kuh über -diese reichen Goldlager gehen und sie aufwühlen wird. Dann soll aus -dem jetzt unansehnlichen Orte Seifen eine große blühende Bergstadt entstehen, -die den stolzen Namen Heldenberg erhalten wird.</p> - -<h3 id="sec308">308. Der Schatz des Braunsteins bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 46.)</p> - -<p>Ein Hirtenjunge aus der Petermühle weidete einmal in der<span class="pagenum"><a id="Seite_258">[258]</a></span> -Nähe des Braunsteins sein Vieh. Da sah er plötzlich, als er den Berg -hinanstieg, eine offene Thür, die er sonst nie bemerkt hatte. Unwillkürlich -trieb ihn eine innere Stimme an, in das Gewölbe hineinzugehen. -Daselbst erblickte er eine Kiste mit großen Schätzen. Davon -nahm er so viel, als seine Taschen fassen konnten, und ging vergnügt -zu seiner Viehherde zurück. Zu Hause angekommen, versteckte er das -Geld in seinem Koffer. Aber trotz aller Vorsicht hörte die Magd das -Klingen der Münzen und zeigte dies ihrem Herrn, dem alten Mühlpeter, -an, der den Jungen wegen des Geldes zur Rede stellte. Derselbe -erzählte nun das wunderbare Ereignis und versprach seinem -Herrn den Eingang zu den unermeßlichen Schätzen zu zeigen. Als -jedoch beide am nächsten Tage zum Braunsteine kamen, war zu ihrer -höchst unliebsamen Überraschung das Felsenthor unsichtbar. Der Mühlpeter -kaufte bald darnach dem Hirtenjungen ein neues Gewand, gab -ihm das größte Goldstück und schickte ihn in die Fremde. Das übrige -Geld behielt er für sich und ward, freilich auf ungerechte Weise, ein -reicher Mann.</p> - -<p>Ein anderer Hirtenjunge, der gleichfalls am Fuße des Braunsteins -hütete, sah eines Tages eine Menge kleiner, buntgefärbter Leinwandfleckchen -auf der Erde liegen. Um den Kindern seines Herrn bei -seiner Heimkehr eine Freude zu bereiten, suchte er die schönsten Flecke -aus und steckte sie in seine Hirtentasche. Um die Mittagsstunde trieb -er seine Viehherde nach Hause. Als er diese im Stalle versorgt hatte, -ging er in die Stube und wollte die mitgebrachten Geschenke verteilen. -Er griff in die Tasche, doch siehe! statt der bunten Flecklein zog er -lauter funkelnde Goldstücke heraus. Darob herrschte unbeschreibliche -Freude im ganzen Hause. Nur der geldgierige Herr gab sich mit dem -erhaltenen Gelde nicht zufrieden, sondern schickte den Jungen eiligst -zurück, damit er alle Leinwandflecke sammle und heimbringe. Als derselbe -fast atemlos zur Fundstelle kam und mit einemmale ein Zwerg -vor ihm stand, stiegen ihm vor Furcht die Haare zu Berge, und kein -Wort kam über seine Zunge. Doch das Männlein, das die Ursache -seines Kommens wußte, sprach zornentbrannt zu dem Jungen: »Du -bist zwar unschuldig, aber Dein habsüchtiger und ungenügsamer Herr -hat Dich hierher geschickt, um den ganzen Schatz zu gewinnen. Dafür -soll er hart gestraft werden, er soll – verarmen!« Hierauf verschwand -der Zwerg. Vor Angst und Schrecken eilte der arme Hirtenjunge durch -dick und dünn heim, erzählte das eben Geschehene und starb bald darauf. -Auch des Zwergleins Prophezeiung ging buchstäblich in Erfüllung; -denn der Herr des Jungen kam an den Bettelstab.</p> - -<p>So muß gar oft der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_259">[259]</a></span></p> - -<h3 id="sec309">309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 41.)</p> - -<p>Geht der Wanderer von Schlackenwerth durch das enge, anmutige -Weseritzthal nach Joachimsthal, und klettert er, bei der sogenannten Petermühle -(Schöffl-Mühle) angekommen, zur Rechten am reichbewaldeten -Bergabhange empor, so gelangt er zum Braunstein, einem Bergkegel, -welcher vor einigen Jahren mit Wald gekrönt war, jetzt aber nahezu -gänzlich abgeholzt ist. – Auf dem Braunsteine stand, wie der Volksmund -erzählt, in uralten Zeiten ein Schloß, dessen Nähe jeder Umwohner -scheute. Obgleich es unbewohnt war, sah man doch in stürmischen, -finstern Nächten die Fenster des Schlosses prachtvoll beleuchtet, -und mancher Pilgrim, der dasselbe aus Neugierde betrat, kehrte nicht -mehr zurück. – Trotz alledem schlug einmal ein herzhafter Handwerksbursche -alle Warnungen in den Wind und lenkte eines Abends, als -die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, seine Schritte dem -gefürchteten Schlosse zu, um dort zu übernachten. Ringsumher herrschte -tiefes Schweigen. Er stieg die Treppe empor, schritt durch das hohe -Portal ungehindert fürbaß und gelangte in einen geräumigen, tageshell -erleuchteten Saal, in welchem eine lange Tafel stand. An dieser nahm -er Platz und verfiel allmählich gegen seinen Willen in einen festen Schlaf. -Um die Mitternachtsstunde aber weckte den Handwerksburschen ein heftiges -Klopfen. Er erwachte und erstaunte, daß die Tafel gedeckt und -mit Speisen und Getränken in Fülle beladen war. Da öffnete sich -plötzlich die Thür, und in den Saal trat ein graubärtiger Greis, dem -seine Familie folgte. Nachdem die Angekommenen sich an die Tafel -gesetzt hatten, unterbrach der Alte das Stillschweigen, indem er sagte: -»Willkommen, Fremdling, in meinen Hallen! Hier hast Du Speise und -Trank im Überfluß; iß und trink, was Dir beliebt!« Darnach wollte -er ohne weiteres die Mahlzeit einnehmen, doch der Wandersmann sprang -im Nu von seinem Sitze auf, gab dem Greise einen derben Backenstreich -und rief: »Beten muß man, bevor man ißt!« – Diesen Worten -folgte ein furchtbarer Donnerschlag, worauf der Alte sagte: »Habe -Dank, braver Geselle, Du hast durch Deine Frömmigkeit mich und die -Meinen erlöst! Vernimm in Kürze meinen Lebenswandel! Mein Vater -war ein mächtiger Ritter, meine Mutter eine gute und fromme Frau. -Als einziger Sohn war ich der Eltern Stolz und wurde mit größter -Liebe und Sorgfalt erzogen; allein ich bereitete denselben für ihre -Mühen und Opfer nur unsägliches Herzeleid. Denn am Gebete fand -ich keinen Gefallen, verhöhnte alles, was dem Menschen heilig und -ehrwürdig sein muß, und sank in meiner Verblendung immer tiefer<span class="pagenum"><a id="Seite_260">[260]</a></span> -und tiefer. Zuletzt zog ich als Familienvater Frau und Kinder mit -ins Verderben. Aber Gottes gerechtes Strafgericht ereilte uns bald. -Eins nach dem andern starb und wurde in dieses Schloß entrückt mit -der Bestimmung, hier so lange zu hausen, bis ein frommer Mensch uns -erlösen würde. Viele kamen schon vor Dir, allein da sie unlauteren -Herzens waren, fanden sie insgesamt ihren Tod. Auch Dich hätte -ein gleiches Los getroffen, wenn Du nicht gottesfürchtig gewesen wärest. -Du kannst Dir nicht denken, welche Angst mich befiel, als ich Dich -versuchte. Hättest Du die Probe nicht bestanden, so müßten wir noch -länger in diesen Räumen verwünscht umherwandeln. Jetzt komm' und -folge mir!« Der Handwerksbursche willfahrte dieser Aufforderung und -so führte ihn der Greis abwärts in einen weiten Gang, wo dem Eintretenden -Kessel mit Gold und Silber entgegenblinkten. »Nimm von -diesen Schätzen,« hub der Alte an, »so viel Du tragen kannst; laß -jedoch davon eine Kapelle erbauen, und gieb den Armen und Notleidenden -reichliche Almosen.« Nach diesen Worten verschwand er. – Der -Fremdling that, wie ihm geheißen, und verließ ungesäumt das Schloß, -das schon längst von der Bergeshöhe in Staub gesunken ist. Er erfüllte -aber auch aufs Gewissenhafteste des Greises Begehren und blieb -glücklich sein Leben lang.</p> - -<h3 id="sec310">310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 296.)</p> - -<p>In der Umgegend von Graslitz erhebt sich der Hausberg, von -welchem viele Sagen erzählt werden. Früher sollen darauf die Überreste -einer Burg gesehen worden sein; sie wurden aber zum Baue einer -großen Fabrik verwendet.</p> - -<p>Einem Weibe träumte einmal, sie solle in den Hausberg gehen, -dort würde ihr ein schwarzes Zicklein mit feurigen Augen begegnen, -dem solle sie folgen. Als sie erwachte, erzählte sie den Traum ihrem -Manne; dieser aber ärgerte sich darüber und verbot ihr zu gehen. Da -ihr aber in der zweiten und dritten Nacht das nämliche träumte, ging -sie doch auf den Berg. Und wirklich, dort kam ihr ein schwarzes Zicklein -entgegen, das hatte feurige Augen und meckerte ihr freundlich zu. -Sie folgte dem Zicklein und kam in eine Höhle, wo das Zicklein verschwand. -In der Höhle aber erblickte sie eine schöne Jungfrau, die -winkte ihr zu und füllte ihr die Schürze mit den Steinen, die neben -ihr lagen. Hierauf entfernte sich das Weib und als sie heimkam, hatte -sie goldene Münzen in der Schürze. Der Berg soll sich regelmäßig<span class="pagenum"><a id="Seite_261">[261]</a></span> -am Karfreitage während der Passion öffnen. Eine Mutter, die zu -dieser Zeit eindrang und von den Schätzen, die darin aufgespeichert -sind, nahm, vergaß ihr Kind darin, fand es aber nach einem Jahre -unversehrt wieder, von einer Jungfrau behütet.</p> - -<h3 id="sec311">311. Der Schatz zu Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 34.)</p> - -<p>Im nördlichen Stadtteile von Joachimsthal, im sogenannten -Oberthal, stand vor Jahren hart an der Gartenmauer, welche sich rückwärts -des Hauses Nr. 106 befindet, ein stark gewachsener Hollunderstrauch. -Da die Wurzeln desselben immer tiefer in die ohnedies sehr schadhafte -Mauer eindrangen, war diese dem Einsturze nahe, deshalb schickten -sich die beiden Nachbarn Anton und Franz an, die Mauer abzutragen. -In der Mitte derselben fanden sie beim Abräumen einen irdenen Topf -mit Kirschkernen, von denen jeder eine kleine Öffnung hatte, als ob -er von einem Käfer angebohrt worden wäre. Einer der Nachbarn -nahm den Topf und schleuderte ihn an einen Stein, so daß die Scherben -und Kirschkerne auf ein Häufchen zusammenfielen. Dies geschah um -die Mittagsstunde, als auf dem nahen Kirchturme die Glocke ertönte. – -Die beiden Männer begaben sich hierauf nach Hause, um ihr Mahl -einzunehmen, und erzählten ihren Angehörigen von dem Funde im -Garten. Diese gingen, von Neugierde gequält, sogleich an Ort und -Stelle, um den merkwürdigen Fund zu betrachten; allein weder ein -Scherben noch ein Kirschkern war zu finden. Auch die Nachbarn, die -mit Eifer an der Abtragung der Gartenmauer fortarbeiteten, sahen -nicht die geringste Spur von dem früher verschmähten Funde, der ein -großer Schatz gewesen sein soll.</p> - -<p>Bald darauf ging Elisabeth, die Wirthschafterin des Besitzers -jenes Hauses, während des Abendläutens nach dem Hintergebäude, -wo eine Fallthür in den Keller führte, und bemerkte darauf ein Häufchen -glühender Kohlen. Bestürzt eilte sie zu ihrem Herrn und fragte -ihn, ob er auf die Kellerthür Asche geschüttet habe, was er mit Entschiedenheit -verneinte. Um sich aber zu überzeugen, liefen beide zur -Fallthür, das Gluthäufchen jedoch war verschwunden.</p> - -<p>Über der Gasse, dem oben bezeichneten Hause gegenüber, befand -sich zwischen zwei Häusern ein überaus schmaler, freier Raum, wo viel -Stroh- und Heugesäme abgelagert war. Daselbst fand ein Mann, der -mit der Säuberung des Platzes beschäftigt war, ein schweres eisernes -Kistchen und stieg mit seinem Funde, um ihn in Sicherheit zu bringen,<span class="pagenum"><a id="Seite_262">[262]</a></span> -auf die Leiter, die er zur leichteren Vollführung seiner Arbeit angelegt -hatte. Als er mitten auf der Leiter stand, hörte er plötzlich seine -Frau ängstlich rufen: »Hans, komm' herauf, das Kind hat's Bein gebrochen!« -Vor Schrecken ließ er das Kistchen fallen und lief in die -Stube, in welcher die Frau das lächelnde Kind in der Wiege schaukelte. -Seine Verwunderung steigerte sich, als er erfuhr, daß seine Frau ihn -gar nicht gerufen habe. Nachdem Hans den Vorfall seinem Weibe erzählt -hatte, eilte er nach dem Orte zurück, um das in seiner Bestürzung -weggeworfene Kistchen zu holen, welches er jedoch trotz allen -Suchens nicht wiederfand.</p> - -<p>Glücklicher war ein anderer Nachbar, der in späteren Jahren vor -seinem Hause ein glühendes Kohlenhäufchen sah. Er nahm eine Schürze -und deckte dasselbe vorsichtig zu. Dann ging er in sein Haus, holte -ein Gefäß, in welches er das Häufchen schüttete, und trug es in den -Keller. Des andern Tages sah er nach und siehe! aus den Kohlen -waren lauter blanke Goldstücke geworden.</p> - -<h3 id="sec312">312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 39.)</p> - -<p>Auf einer felsigen Anhöhe an der Ostseite von Joachimsthal erhebt -sich die weithin sichtbare Johanneskapelle, die mit einem Wohngebäude -in unmittelbarer Verbindung steht. Über die Entstehung dieses -Kirchleins erzählt die Sage folgendes:</p> - -<p>Als der Bau der Hospitalkirche zu Joachimsthal in Angriff genommen -wurde, wohnte im sogenannten »Seidl-Koch-Haus,« dessen -Ruinen seit dem gewaltigen Brande vom 31. März 1873 noch heute -zu sehen sind, der Bergbeamte Vogelhaupt, welcher neben seinem Berufsamte -die Geschäfte eines Spitalrechnungsführers versah. – Da -geschah es, daß beim Grundgraben dieser Kirche ein Maurer eine eiserne -Kiste fand, die sehr schwer war. Deshalb schaffte sie Vogelhaupt -mittels eines Pferdegespanns auf heimliche Weise zu seiner Wohnung. -Dabei zersprengte sich wegen der allzu großen Last eines der Pferde. -In der Kiste lag ein Schatz nebst einer Urkunde, in welcher es hieß, -daß derjenige, der die Kiste finde, von dem darin enthaltenen Gelde -möge ein Kloster errichten lassen. Vogelhaupt eignete sich wohl die -gefundenen Schätze an, erfüllte jedoch nicht die daran geknüpfte Bedingung. -Erst seine Nachkommenschaft, die von dem reichen Funde -genaue Kenntnis hatte, suchte ihr geängstigtes Gewissen durch den Bau -einer Kapelle einigermaßen zu beruhigen. Und so errichtete denn Johann<span class="pagenum"><a id="Seite_263">[263]</a></span> -Jakob Vogelhaupt mit seiner Gattin Maria Sophie, geb. Makasy, -im Jahre 1734 die Johanneskapelle. Selbige gelangte, da Maria -Barbara, die Tochter des genannten Ehepaares, sich mit Franz Ludwig -Pallas vermählte, in den Besitz der Pallasfamilie. Der spätere Besitzer -Franz Pallas, Domdechant in Prag, vererbte die Kapelle am 4. -Juni 1823 seiner Schwester Barbara, verehelichten Walz, mit der Bedingung, -daß an die Kapelle ein Haus mittels Legates von 15000 fl. -Wiener Währung angebaut und dieselbe für immerwährende Zeiten -als Hauskapelle erhalten werde. Diese letztwillige Verfügung des -Domdechanten Pallas ist in den Jahren 1838 und 1839 erfüllt worden.</p> - -<p>Gegenwärtig gehört die Johanneskapelle dem Bürger Hilarius -Seidl, der sie am 30. November 1867 käuflich an sich brachte.</p> - -<h3 id="sec313">313. Der weiße Fels bei Bäringen.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 171.)</p> - -<p>Im Buchwalde bei Bäringen erhebt sich ein hoher Felsen, der -heißt »der weiße Fels.« Am Karfreitage soll sich der Felsen öffnen -und ein uraltes Bäuerlein herauskommen, welches hier die frische -Saat fürs nächste Jahr beginnt. Am nächsten Karfreitage soll nämlich -an dem Orte, wo dasselbe säet, Gold hervorwachsen. Wer an diesem -Tage hier vorübergeht, der kann es sehen, und wer von dem Golde etwas -aufhebt, der kann mit demselben sein Vermögen bessern.</p> - -<h3 id="sec314">314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearb. b. Gräße a. a. O. No. 580.)</p> - -<p>In der Nähe von Glauchau befindet sich der sogenannte Schafteich, -der fast eine halbe Stunde im Umfange hat und beinahe den -ganzen ebenen Raum zwischen dem Scheerberge, der Mulde und der -Lungwitz einnimmt. Nahe bei diesem Teiche befindet sich eine Art -Stolln, der weit hinein in die Erde reicht, und den man gewöhnlich -die Räuberhöhle nennt. In derselben soll es aber nicht geheuer sein. -So erzählt man, daß einst ein armer Hirtenknabe an jener Höhle fast -täglich gespielt habe und oft von brennender Neugierde gequält worden -sei, einmal hinein zu kriechen, um zu wissen, was denn eigentlich darin -sei. Nun getraute er sich aber, so beherzt er sonst auch immer -war, doch nicht so recht hinein, weil er den Rückweg zu verfehlen gedachte. -Da sah er einmal eine schwarze, goldgesprenkelte Henne in -den Eingang kriechen und gackern, gerade als wenn sie legen wolle.<span class="pagenum"><a id="Seite_264">[264]</a></span> -In der Hoffnung ihr Nest zu finden, folgte er ihr einige Schritte, -allein bald ward es ihm zu unheimlich und zu finster und so kehrte er -wieder um. Da er nun aber die Henne auch die nächsten Tage immer -wieder an demselben Orte fand, so dachte er darüber nach, wie ihm -wohl die Henne den Weg in das Innere der Höhle zeigen könne. Er -nahm also einen starken Knäuel Garn und band der Henne einen -Faden desselben an das Bein, und diese zog ihn nun ganz langsam, gerade -als ob sie seine Absicht merke, hinter sich in die Höhle. Schon war -aber das Garn fast ganz abgewickelt, da sah er auf einmal vor sich -ein brennendes Licht. Allein wie ward ihm, als er bemerkte, daß -dasselbe aus den Augen eines schwarzen, zottigen großen Hundes mit -furchtbarem Rachen und starken Klauen ausströme! Neben demselben -stand aber ein Männchen in einem grauen Mäntelchen, das hatte einen -großen Sack Geld in der Hand und rief ihm zu, er möge nur näher -kommen. Allein der Knabe wagte es nicht und nur erst, als das -Männchen ihm nochmals zurief, er könne es ohne Gefahr thun, wagte -er es. Hierauf reichte ihm der Graumantel eine Hand voll Thaler -und sagte, er könne hierher so oft kommen, als er wolle, er solle -jedesmal eine gleiche Summe bekommen, nur dürfe er niemandem -sagen, woher er das Geld habe, sonst sei er verloren. Der Knabe -fand nun den Rückweg sehr leicht, allein da er niemandem, auch seinen -Eltern nicht, sein Glück mitteilen konnte, so blieb ihm nichts übrig, als -das Geld zu vernaschen. Dies that er auch nach und nach, und als -dasselbe verthan war, begab er sich wieder in die Höhle und holte sich -eine zweite Auflage des vorigen Geschenks. Weil nun aber der Knabe -gar zu oft bei dem Kaufmanne Näschereien kaufte und stets in blanken -Thalern bezahlte, schöpfte derselbe Verdacht, das Geld sei gestohlen, -und teilte seine Wahrnehmung dem Vater des Knaben mit. Da dieser -nun recht gut wußte, daß sein Sohn nicht Pfennige, geschweige denn -Thaler haben könne, so suchte er erst durch Drohungen heraus zu -bringen, woher das Geld sei, und als der Knabe es nicht gestehen -wollte, schlug er ihn so lange aufs Unbarmherzigste, bis derselbe alles -gestand, aber auch hinzusetzte, daß ihm gewiß sein Brot gebacken sei, -weil er das graue Männchen verraten habe. Und so geschah es auch, -denn als der Vater am andern Morgen seinen Sohn, der ihm zu lange -zu schlafen schien, aufwecken wollte, war er tot; der Böse hatte ihm -den Hals umgedreht.</p> - -<h3 id="sec315">315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Vom Hammerberge bei Wittichsthal sagte ein Venetianer, als<span class="pagenum"><a id="Seite_265">[265]</a></span> -er den Berg vom Fenster seines Logis aus erblickte, in ihm liege noch -ein Königreich. Er wollte damit ausdrücken, daß in dem Berge ein -großer Schatz liege.</p> - -<h3 id="sec316">316. Der Eimer voll Silber.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 262.)</p> - -<p>Eine Magd, die in Komotau in einem Hause am Graben diente, -ging zu Weihnachten spät des Abends zum Brunnen und schöpfte -Wasser. Wie sie aber den Eimer heraufzog, war er voll Silbergeld. -Sie lief eiligst zum Herrn und meldete das Wunder. Als dieser aber -mit ihr wieder zum Brunnen kam, war der Eimer leer.</p> - -<h3 id="sec317">317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg -einen Schatz.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>. 1716, S. 1146.)</p> - -<p>Ungefähr im Jahre 1679 zeigte sich in dem Knappschaftshause -zu Schneeberg ein Gespenst in eines alten, graubärtigen kleinen Mannes -Gestalt einem Schüler, welcher daselbst seine Wohnung hatte. Es machte -sich nach vielfältiger Erscheinung und Wortwechselung mit ihm dergestalt -bekannt, daß er zuletzt nicht mehr so furchtsam sein konnte, sondern, -um endlich Ruhe zu haben, einen angegebenen Schatz zu graben -sich erkühnte. Obwohl nun der Schüler solchen Schatz, nachdem er -des Tages immer darnach gegraben, endlich in vielen güldenen Ketten -und Silbergeschirr, darauf die alten Schneeberger viel gehalten, erblickte, -so hat er dennoch das betrogene Spiel in Händen gehabt. Denn als -es zum Treffen und Heben gekommen, wie dazu das alte Männlein -die Zeit gesetzet, hat der Schüler im Gewölbe, darin er allein gewesen, -zwar gesehen, wie zwei anwesende Männer den Schatz aus der Erde -gehoben und lauter Pretiosen auf den vorhandenen Tisch ausschütteten, -wornach auch das alte Männlein ihn greifen heißen; aber wie er daneben -von einem andern, der seitwärts auf einem Sessel gesessen, die -Anrede gehört, wie er als ein armer Mensch sich erkühne, einen solchen -kostbaren Schatz zu heben, darüber er, als der Herr der Welt, doch -die Macht hätte: siehe, so ist darauf der Schüler voller Schrecken zurückgekehrt -und in höchster Angst gewesen, bis der Seiger nachmittags 4 -Uhr geschlagen. Denn eben bis auf diese Zeit hatte das alte Männlein -die Gelegenheit zum Schatzheben gesetzt, und eben um diese Zeit -hat ein Sturmwind gewütet und einen Baum im Garten gebrochen,<span class="pagenum"><a id="Seite_266">[266]</a></span> -dahin zugleich, wie das Gespenst bei letzter Erscheinung sagte, der -Schatz aus dem Hause fortgerückt sein sollte.</p> - -<h3 id="sec318">318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 89.)</p> - -<p>Vor etwa siebzig Jahren kamen nach der Bergstadt Platten einige -Zigeuner. Da dieselben wegen der rauhen Jahreszeit nicht im Freien -ihr Lager aufschlagen konnten, gingen sie von Haus zu Haus und baten -flehentlich um Herberge. Allein überall wurden die braunen Söhne -mürrisch und hartherzig abgewiesen, bis sie ein armer, aber ehrlicher -Bergmann, mit Namen Friedrich, in seine windschiefe Hütte aufnahm. -Beseelt von edler Menschenliebe, kochte die Frau des Bergmannes sofort -eine Milchsuppe, welche den hungrigen Gästen vortrefflich mundete. Nach -mehrtägigem Aufenthalte beschlossen die Zigeuner, an's Wandern gewöhnt, -weiter zu ziehen. Zuvor aber wollten sie sich der braven Bergmannsfamilie -dankbar erweisen. Deshalb legte eine Zigeunerin das Geständnis -ab, im Auffinden von Schätzen gut bewandert zu sein, und hielt alsogleich -im Hause Umschau. Sie nahm die Wünschelrute, begab sich -aus dem Stübchen in den Küchenraum und ließ diese schlagen. Die -Rute neigte sich gegen den Ofen, ein Zeichen, daß hier ein Schatz verborgen -liege. Nach mehreren anderen Schwankungen bezeichnete sie genau -den Ort, und den Andreasabend als die Zeit zum Heben des Schatzes. -Mit Segenswünschen schieden die Zigeuner. Der arme Bergmann -jedoch konnte den festgesetzten Tag gar nicht erwarten und schritt noch -vor dem Termine an die Ausführung seiner geheimnisvollen Arbeit. -Zu diesem Zwecke verfertigte er einen großen Kreis aus Papier, den er -mit hunderten von Kreuzen beschrieb und legte ihn auf den Platz, -wo der vermeintliche Schatz sich befinden sollte. Hierauf stellten sich -der Bergmann und ein Nachbar in den Kreis und fingen zu graben -an. Es dauerte nicht lange, da kam eine eiserne Truhe zum Vorschein. -In dem Augenblicke aber, als einer der Schatzgräber mit der Haue -auf die Lade schlug, entstand ein gewaltiger Donnerschlag, und der -Kreis zerriß in tausend Stücke. Sprachlos und totenblaß standen -beide Männer da, und als sie sich von der Betäubung erholt hatten, -sahen sie einander nicht wenig erstaunt an, denn der Schatz war wieder -in die Tiefe zurückgerollt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_267">[267]</a></span></p> - -<h3 id="sec319">319. Die Schatzgräber.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 100.)</p> - -<p>Zwischen Platten und Jungenhengst steht am Wege, der in die -letztgenannte Ortschaft führt, ein Bild, welches Jesum, wie er gegeißelt -wird, darstellt und von den Umwohnern »schönster Jesus« genannt wird. -Dort soll ein großer Schatz verborgen liegen. Denselben wollten vor -vielen Jahren zwei Geschwister, Bruder und Schwester, heben. Nachdem -beide sich mit den üblichen Beschwörungsformeln bekannt gemacht -hatten, gaben sie sich das Versprechen, kein Wörtlein während des -Schatzgrabens zu sprechen. In einer Nacht gingen sie nun an Ort -und Stelle und gruben allda, bis sie nach längerer Arbeit auf den -Deckel einer Geldkiste stießen. Allein welcher Schreck! Mit einemmale -kommt ein Soldat gegen das schätzesuchende Geschwisterpaar heran. Nach -einer Weile sprengt auf feuersprühendem Rosse ein Reiter daher, dem -mit Blitzesschnelle sich eine ganze Schwadron Kriegsgefährten anschließt. -Eisiges Grauen überfiel da die Geschwister, welche einander schweigend -anblickten. Als aber eine Totenbahre sichtbar ward, der ein langer -Leichenzug folgte, da rief die Schwester: »Jesus, Maria! Da tragen -sie unsere Mutter!« Wie diese Worte ihrem Munde entflohen waren, -stürzte im Innern der ausgegrabenen Grube ein mächtig sprudelnder -Quell hervor. Immer höher und höher stieg das Wasser und überflutete -in wenigen Augenblicken den Weg. Bald reichte es sogar den Geschwistern -bis zur Brust, so daß sie, über die höchst sonderbaren Erscheinungen -entsetzt, von dannen eilten. Als sie nach Hause kamen, -waren sie – welch ein Wunder – ganz trocken. Das Geschwisterpaar -verspürte nun keine Lust mehr, den Schatz zu holen.</p> - -<h3 id="sec320">320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Geld.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 288.)</p> - -<p>Eine Frau fand eines Tages auf dem Hausberge bei Graslitz -beim Beerensuchen ein Bündel Reisig, worin verschiedene Buchstaben -zerstreut herumlagen. Sie nahm einige derselben und dachte sie ihren -Kindern zum Spielzeug zu bringen. Als sie dieselben aber zu Hause -aus ihrem Korbe nehmen wollte, waren es Silberstücke geworden. -Nun eilte sie wohl nach dem Orte zurück, um die übrigen zu holen, -allein das Bündel samt den Buchstaben war verloren. Ein andermal -fand eine Frau ein Häufchen Hobelspäne, die daheim zu Thalerstücken<span class="pagenum"><a id="Seite_268">[268]</a></span> -wurden, und wieder ein andermal trugen Kinder Kohlen und Steinchen -heim, die sich zu Hause in Gold verwandelten.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Dämonische Wesen besitzen die Wunderkraft, die verschiedensten Gegenstände -in edles Metall zu verwandeln. Auch wo sie in der Sage bei einer solchen Verwandlung -nicht ausdrücklich genannt werden, ist die letztere doch von ihnen ausgegangen. -Im Fichtelgebirge schenkt eine weiße Jungfrau Laub, das zu Golde wird -(Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 18), und im Harze verwandeln sich -durch den Zwergkönig des Hübigensteins und die Prinzessin Ilse Tannenzapfen in -Silber oder Gold. (Heine, Sagen, Märchen etc. aus dem Harze, S. 16 und 94.)</p></div> - -<h3 id="sec321">321. Kutter verwandeln sich in Geld.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Einst ging eine Frau aus Bermsgrün in den Wald und fand -daselbst mehrere wohl geordnete Häufchen von rundlichen, abgesprungenen -Fichtenrindenstücken, die man »Kutter« nennt. Da sagte sie für -sich: »Wer mag nur da gespielt haben?« und nahm solche Kutter von -den Häufchen mit nach Hause, damit ihre Kinder auch damit spielen -sollten. Als sie aber zu Hause ankam und den Korb aufdeckte, um -die dahinein geworfenen Kutter ihren Kindern zu geben, fand sie statt -derselben Geldstücke. Schnell ging sie darauf zurück, um auch die liegen -gelassenen Kutter zu holen, allein sie konnte keine mehr finden.</p> - -<h3 id="sec322">322. Die sonderbaren Sägespäne.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 85.)</p> - -<p>Vor vielen Jahren ging ein Weib aus Abertham in den in der -Nähe liegenden Wald, der damals den Mühlberg bedeckte, um Klaubholz -zu holen. Im Walde angekommen, stellte sie ihren Korb bei einem -Kreuzwege nieder und lief in die Kreuz und Quer herum, um die -Reiser zusammenzutragen. Als sie zu dem Korbe zurückkam, fand -sie denselben mit Sägespänen angefüllt. Da sie jedoch ihrer nicht bedurfte, -schüttete sie in ihrer Einfalt die Späne aus und legte in den -Korb das Klaubholz. Wie war aber das Weib erstaunt, als sie, nach -Hause gelangt, den Korb leerte und darin viele Goldstücke fand! -Diese waren auf wunderbare Weise aus den Sägespänen, welche an -dem Korbrande hängen geblieben waren, entstanden. Mit freudestrahlendem -Gesichte eilte das Weib sogleich in den Wald zurück, um die verschmähten -Sägespäne aufzuraffen, allein ihr Suchen war vergeblich, -denn dieselben waren spurlos verschwunden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_269">[269]</a></span></p> - -<h3 id="sec323">323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 98.)</p> - -<p>Unweit von Platten steht an der Straße, die vormals von dieser -Stadt nach Bäringen leitete, eine Johannes-Statue. Eines Abends -– es mochte 9 Uhr sein – ging der Binder Fladerer aus Platten -von Bäringen nach seinem Wohnorte. Als er bei der erwähnten Statue -vorbeischritt, lagen mitten auf dem Wege frische, erst aus dem Felde -genommene Kartoffeln. Ohne sich lange zu besinnen, griff Fladerer -nach denselben und steckte sie ein. Wie er daheim die Kartoffeln aus -den Taschen nehmen wollte, zog er lauter blanke Goldstücke hervor.</p> - -<p>Nach der Sage soll unter der Johannes-Statue ein Silbergang sein.</p> - -<h3 id="sec324">324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.</h3> - -<p class="source">(Deutsche Sagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. -1. B. No. 158.)</p> - -<p>Am Johannistag kamen zwei Hirtenknaben, indem sie den jungen -Vögeln nachstellten, in die Gegend des Heilingsfelsen an der Eger und -erblickten unten an demselben eine kleine Thüre offen stehen. Die Neugierde -trieb sie hinein; in der Ecke standen zwei große Truhen, eine -geöffnet, die andere verschlossen. In der offenen lag ein großer Haufen -Geld, sie griffen hastig danach und füllten ihre Brotsäcklein voll. Drauf -kams ihnen greulich; sie eilten nach der Thür, glücklich trat der erste -durch. Als aber der zweite folgte, knarrten die Angel fürchterlich, -er machte einen jähen großen Sprung nach der Schwelle, die Thüre -fuhr schnell zu und riß ihm noch den hölzernen Absatz seines linken -Schuhes ab. So kam er noch heil davon und sie brachten das Geld -ihren erfreuten Eltern heim.</p> - -<h3 id="sec325">325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges -bei Kirchberg.</h3> - -<p class="source">(Anton Bär im Glückauf, 2. Jahrg. S. 80.)</p> - -<p>In der Schlacht an der Göltzsch, in welcher die Deutschen die -Herrschaft der Sorbenwenden in den Flußgebieten der Saale, Elster -und Mulde brachen, verlor auch ein adeliger Sorbe das Leben. Seine -Burg lag inmitten seines ansehnlichen Grundbesitzes auf dem Borberge, -welcher sich nahe bei der Stadt Kirchberg erhebt. Bevor er in den -Kampf gezogen war, hatte er seine Schätze dicht neben dem Burgbrunnen, -welchen man noch heute auf dem Borberge zeigt, vergraben, seine<span class="pagenum"><a id="Seite_270">[270]</a></span> -Kinder aber, drei Mädchen von großer Schönheit, hinausgeführt in -den heiligen Hain und sie hier geloben lassen, dem Glauben ihrer -Väter treu zu bleiben und die heiligen Gebräuche ihres Volkes fortzuüben. -Als die Deutschen in die Gegend einrückten, brannten sie die Burg -nieder, ließen aber die drei Schwestern, welche unterdessen ein kleines -Gehöfte am Berge bezogen hatten, ziemlich unbelästigt in ihrer Verborgenheit -leben. Allerdings traf auch sie, was jetzt über alle ihre -Stammesgenossen in der Umgegend erging: sie mußten den Weisungen -der deutschen Herrschaft willigen Gehorsam leisten und die Taufe und -den christlichen Glauben annehmen. Letzterer Anordnung kamen sie -indessen nur widerwillig nach, denn der neue Glaube stand im Widerspruch -mit ihrem dem Vater geleisteten Gelübde und erlaubte ihnen -nicht, manchen alten liebgewordenen Gebrauch weiter zu pflegen; sie -fühlten sich darum oft in ihrem Herzen beschwert und gingen häufig -zur Nachtzeit mit anderen Genossen hinaus zum zerschlagenen Opfersteine -und übten allda ihre heidnischen Gebräuche.</p> - -<p>Lange blieb das Treiben der Schwestern und ihres Anhanges -verborgen, als aber aus dem Walde am Geiersberg heraus ein Kirchlein -sich erhob und die Mönche dort das Seelsorgeramt mit Strenge -übten, da setzten diese auch den Zusammenkünften am Opfersteine ein -Ziel, und forderten die Schwestern, als die Veranstalter derselben, zu -strenger Rechenschaft. »Ihr dient dem Herrscher der Hölle«, eiferten -sie; »wohlan, da ihr unsere Warnungen und Mahnungen nicht beachtet -habt, so sollt ihr auch dem Bösen verfallen sein. Wir sprechen den -Bann über euch aus; freud- und friedlos sollt ihr sein, bis es euch -gelingt, ein Christenkind zu herzen und zu küssen, das man aus dem -Walde herein nach St. Margarethen zur Taufe trägt«. – In der -That gewann es den Anschein, als waltete über den aus der Gesellschaft -Gestoßenen von Stund an ein freundlicher Stern nicht mehr. -Jedermann vermied den Umgang mit ihnen; sie hatten weder Rast -noch Ruhe mehr und mußten öfters in der Nachtzeit, wenn die wilde -Jagd dahin zog, wie das gehetzte Wild den finstern Wald durchirren. -Das waren böse, harte Zeiten für die Schwestern, traurige Erlebnisse, -welche endlich in ihren Herzen die Reue erkeimen ließen, dem Willen -des Vaters gemäß gehandelt zu haben. Vergebens erwies sich auch -das Bemühen, den wenigen, zufällig in ihre Nähe kommenden Menschen -sich freundlich zu erweisen, vergebens die Bitte bei den Mönchen -zu St. Margarethen, den bösen Zauber zu lösen, welchen ihr Bann -über sie gebracht hatte, die Not blieb und nahm zu, je älter sie -wurden. Manches Jahr war bereits verschwunden und noch immer -harrten die Schwestern des Zusammentreffens mit einem Kinde, das im<span class="pagenum"><a id="Seite_271">[271]</a></span> -nahen Kirchlein die Taufe empfangen sollte. Zwar hatte der Zufall die -Gelegenheit hierzu einigemale geboten, aber die Scheu vor ihnen war so -groß, daß man bei ihrem Erscheinen stets zur Seite wich und schon -aus der Ferne den Versuch einer Annäherung zu hindern suchte. Da -gewahrte einst in einer Nacht die jüngste der Schwestern in der Gegend, -wo, umgeben vom dichten Wald, eines Köhlers Hütte stand, noch helles -Licht; von dem Wahrgenommenen unterrichtet, schlichen alle drei, begleitet -von ihren zwei treuen Knechten, bis zur Hütte und bemerkten, -daß des Köhlers Weib ein Kind geboren hatte. Sogleich stand der -Entschluß in ihnen fest, dem Kinde, wenn es zur Taufe getragen -würde, zu nahen und dessen Begleitung um die Erfüllung ihres Wunsches -anzugehen. – Es währte auch nur kurze Zeit, als spät an einem -Nachmittage der Köhler in Gesellschaft weniger Personen auf dem -schmalen Pfade daher geschritten kam, um seinen Neugebornen nach -St. Margarethen zur Taufe zu bringen. Alsogleich trat die älteste der -Schwestern an ihn heran und sprach: »Lieber, laß mich Dein Kind -sehen und herzen, Du sollst dafür auch diesen schönen glänzenden Stein -haben, sieh' nur, wie er in der Sonne blitzt und funkelt.« Doch der -Angeredete wandte sich ab und entgegnete: »Ich begehre weder Deinen -Stein, noch sollst Du mein Kind sehen; halte mich nicht auf und laß -mich weiter gehen.« Eine Strecke weiter kam die zweite Schwester und -redete: »Lieber, sieh' dieses Goldstück, es soll Dir gehören, sobald Du -mir erlaubst, Dein Kind einen Augenblick auf meinen Armen wiegen -zu dürfen.« »Nein,« rief unwillig der Köhler, »Deines Goldstücks wegen -gebe ich den Kleinen nicht aus meinen Händen; blicke nur empor, welch -schweres Wetter am Himmel dräuet, ich will eilen, weiche zur Seite.« -Abermals einen Steinwurf weiter kam die dritte Schwester dem Taufzuge -entgegen. »Ei, lieber Köhler,« begann sie im muntern Ton, -»Freya, die liebreiche, hat Dir ein Kind beschert, welches Du ohne -Zweifel jetzt zur Taufe trägst; hier nimm diesen Wickel Flachs als -Taufgeschenk, er soll Deinem Kinde Segen bringen, doch erlaube -mir, den Kleinen auf einen Augenblick zu sehen.« Da reichte der Vater -dem Mädchen, weil es gar so herzlich bat, das Kind und dieses drückte -rasch einen warmen Kuß auf dessen Lippen. Noch redeten beide miteinander, -als das Glöcklein von der Kapelle eifrig mahnte, das Gespräch -einzustellen. Über den brausenden Bach auf schwankendem Steg -eilte der Köhler hinauf zur Kapelle, die Jungfrau aber raschen Laufes -zu den in banger Erwartung harrenden Schwestern. Wie fröhlich -lenkten diese jetzt ihre Schritte dem Hofe zu, wie glücklich saßen sie, -nachdem der jüngsten die Ausführung des längst gehegten Vorhabens -gelungen war, dort beisammen! Die That, einst als Erfordernis bestimmt,<span class="pagenum"><a id="Seite_272">[272]</a></span> -den auf ihnen lastenden Zauber zu bannen, war erfüllt und -von nun an sollte der Böse keine Macht mehr über sie haben.</p> - -<p>Die Taufe in der Kapelle hatte längst ihr Ende erreicht, aber -das inzwischen zum Ausbruch gekommene Gewitter hinderte bis zum -späten Abend den Köhler an der Rückkehr zu seiner Hütte. Mit mächtiger -Gewalt tosete diesmal der Donnergott. Mehr als einmal fuhr -der blendende Strahl, wie von der Kapelle aus zu bemerken war, auf -den Borberg nieder und mußte zuletzt auch gezündet haben, denn man -sah im strömenden Regen dort dichten Qualm und Rauch aufsteigen. -Dazu ließ sich ein Pfeifen und Rollen in der Luft vernehmen, als -wenn der Fürst der Hölle selbst sein Wesen triebe. Letzteres war in -der That auch der Fall; denn erzürnt darüber, daß drei durch den -Bann ihm verfallene Seelen sich seiner Herrschaft zu entringen gewußt -hatten, fuhr er grimmig und tobend im Wetter davon. – Endlich -hatte die Natur ihre Ruhe wieder gefunden; am Himmel leuchteten -bereits die Sterne, und in reicher Fülle sandte der Mond sein silbernes -Licht zur Erde, als der Köhler mit seiner Begleitung den Heimweg -antrat. Ohne Aufenthalt kam er auch diesmal nicht am Borberge -vorüber. Mitten auf dem Wege, an derselben Stelle, wo vor wenig -Stunden eine der Schwestern den Anblick seines Kindes erbeten hatte, -hörte er plötzlich seinen Namen rufen. Er blickte empor und sah zwischen -den Bäumen hindurch oben auf einem vorspringenden Felsen die -drei Jungfrauen stehen und hörte zugleich, wie sie ihm zuriefen: -»Lieber Köhler, habe Dank, daß Du dein Kind unserer jüngsten zum -Kusse reichtest; Du hast uns dadurch aus schwerer Not und Drangsal befreit. -Komm nur sonder Scheu herauf zu uns und nimm den Schatz, -mit dem wir Dich belohnen wollen.« Aber dem Angerufenen und -seinen Begleitern liefen bei diesen Worten die Schauer bald kalt, bald -heiß über den Rücken; sie schlugen eiligst ein Kreuz und suchten schnell -weiter zu kommen.</p> - -<p>Gegen den anbrechenden Morgen hin mochte es jedoch den Köhler -gereuen, der Einladung nicht Folge geleistet zu haben. Der Gedanke -an den angebotenen, von ihm aber so leichtfertig verschmähten Schatz -beherrschte seine ganze Seele, und über sein Vorhalten peinigten ihn -umsomehr allerlei Vorwürfe, als ja die Schwestern sich ihm immer -freundlich erwiesen hatten. Mit dem ersten Sonnenstrahl, der seine -Hütte traf, war er darum auch schon auf den Beinen, ging auf den -Berg und forschte nach den drei Jungfrauen. Er kam zu ihrem Hofe, -doch dieser lag still und abgebrannt vor ihm; er stieg hinauf zum -zerklüfteten Gemäuer der Burg, aber auch hier war nichts von den -Gesuchten zu sehen und zu hören. Mißmutig lagerte er sich nunmehr<span class="pagenum"><a id="Seite_273">[273]</a></span> -in das Gras und rief mit fast weinerlicher Stimme und allerlei zärtlichen -Worten nach den Schwestern. Doch auch diese Mühe schien lange -des Erfolges zu entbehren. Endlich gewahrten seine Augen hinter einem -Stein ein kleines graues Männlein mit langem weißen Bart, welches -ihm also zurief: »Thörichter, warum störst Du die kaum begonnene -Ruhe der Schwestern? Warum lohntest Du ihr Vertrauen nicht wieder -mit Deinem Vertrauen? Du hast Dein Glück verscherzt, doch Deines -Sohnes werden sie gedenken, sobald die Sonne achtzehnmal über die -Erde gegangen sein wird. Wisse, die einst Vielgeplagten schlafen von -jetzt an bei ihren Schätzen im Berge; wenn sie erwachen, erscheinen -sie wieder an dem Brunnen; begegnet ihnen dann ein Menschenkind, -dem sie wohlwollen, so beglücken sie es mit großem Gute.«</p> - -<p>An des Köhlers Kinde ist die Verheißung zur Wahrheit geworden; -ebenso sind im Verlauf der Zeiten die Schwestern mehreren nächtlichen -Wanderern glückbringend erschienen. Aber noch sollen die von ihnen -gehüteten Schätze so groß sein, daß sie davon noch vielen Erwählten -zu spenden vermögen. Wer nun davon haben will, der gehe zur Zeit -der Sommer- und Wintersonnenwende, sobald es nächtet, auf den -Berg; vielleicht erscheinen die Schwestern und lassen ihn Gnade finden -vor ihren Augen.</p> - -<h3 id="sec326">326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Zwischen den Dörfern Lichtenberg, Burkersdorf bei Frauenstein und -dem als Sommerfrischort in Aufnahme gekommenen Mulda erhebt sich -der Burgberg, auf dessen Gipfel man noch die Überreste eines Doppel-Steinwalles -und einen Brunnen, »Junfernbrunnen« genannt, sieht. -Nach der Volkssage stand ehemals auf diesem Berge ein Schloß, und -in einer weiten Felsenhöhle soll daselbst noch ein großer Schatz in einer -Braupfanne liegen. Zuweilen hat man des Nachts zwischen 11 und -12 Uhr von Lichtenberg aus auf dem Berge ein Licht gesehen, und -wenn man dann, wenn sich das Licht zeigt, den Gipfel erklimmt und -einen weißhaarigen Jungen mitbringt, dann ist man fähig, den Schatz -zu heben. Jedoch sind schon viele Personen, welche dies versuchten, -von dem Lichte oder einem Hahne, welcher auf dem Platze des alten -Schlosses erscheint, irre geführt worden. Der Hahn soll ein verzauberter -Burgherr sein; derselbe ist erlöst, wenn es jemandem gelingt, den -Schatz zu heben. Der Eintritt in den Geldkeller, und ebenso der -Austritt, muß stillschweigend geschehen. Einer kam einst hinein und -da sah er viel Gold und Edelsteine, von denen er sich eine große<span class="pagenum"><a id="Seite_274">[274]</a></span> -Menge mitnahm. Als er aber durch das Thor getreten war und in -seiner Freude einen Laut ausstieß, schloß sich plötzlich dicht hinter ihm -die Pforte und die Schätze, welche er soeben noch getragen hatte, -waren wie ein Traum verschwunden.</p> - -<p>Es lebte einmal in dem Dorfe Lichtenberg ein Junge, der sehr -verwegen war, und den man deshalb den »Waldteufel« nannte. Derselbe -kam einst mit zwei andern Jungen auf den Berg und kletterte -an den Felsen, welcher nördlich von den Wällen steil abfällt. Hier -sahen sie eine tiefe Felsenkluft und über derselben waren zwei Felszinken. -Da hielt sich der »Waldteufel« an diesen Zinken fest und die -beiden andern Jungen halfen ihm, so daß er sich etwas in der Spalte -hinablassen konnte. Da sah er in der Tiefe einen großen Haufen -Knochen, so daß er sich doch fürchtete, obschon er sonst beherzt war, -und schnell wieder heraufstieg. Von Geld hat er aber nichts gesehen.</p> - -<p>Übrigens sind auf dem Berge und in seiner Nähe schon viele Leute, -auch bei Tage, so bethört worden, daß sie lange Zeit in der Irre gegangen -sind.</p> - -<p>Der oben genannte Brunnen soll immer Wasser gehabt haben, -und wenn man versucht hat, dasselbe auszuschöpfen, so gelang es nicht.</p> - -<h3 id="sec327">327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Da, wo sich jetzt die Schäferei von Voigtsdorf bei Sayda befindet, -soll einst ein Schloß gestanden haben, das in einem Kriege, -vielleicht im Hussitenkriege, eingeäschert wurde. Bei dieser Zerstörung -wurde ein Schloßfräulein mit ihren Schätzen verschüttet. Ein Mann -hat vor vielen Jahren wiederholt an dem Platze gegraben, um des -Schatzes teilhaftig zu werden, jedoch nichts finden können.</p> - -<h3 id="sec328">328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der Stadt Chemnitz I. 1767, S. 54.)</p> - -<p>Der ehemalige Schulrektor in Chemnitz, Paulus Niavis, welcher -sich gegen das Jahr 1494 von da nach Leipzig gewendet, erzählt, daß -bei dem Bürgerwald, das ist der jetzige Zeisigwald, ein kleiner Hügel -bei des Bürgermeister Arnold Felde wäre, da habe unten an dem -Fuße des Hügels eine große ausgebreitete Fichte gestanden, und daselbst -wäre eine Höhle, von außen mit Dornen und Brombeersträuchern -verwachsen; von dieser würde erzählt, daß in ihr ein großer Schatz<span class="pagenum"><a id="Seite_275">[275]</a></span> -von Golde verborgen liege, dieweil die Leute in dem Hussitenkriege ihr -Vermögen darin verstecket. Solcher Schatz aber wäre besessen; es -hätten einige Schatzgräber denselbigen haben wollen, aber nichts ausgerichtet.</p> - -<h3 id="sec329">329. Der Schatz im Taurasteine.</h3> - -<p class="source">(Chemnitzer Tageblatt, 1882, No. 89, und nach einer poetischen Bearbeitung, -mitgeteilt vom Lehrer Drescher in Burgstädt.)</p> - -<p>In dem Taurasteine bei Burgstädt soll ein Schatz liegen. Auch -erzählt die Sage von einem unterirdischen Verbindungswege zwischen -dem Taurasteine und dem Rathause in Burgstädt. Einst soll auch auf -dem Taurasteine ein Altar der heidnischen Wenden gestanden haben, -welche sich, von ihren Priestern gerufen, im Hahnbusche versammelten, -wenn sie zum Opfer hinaufzogen. Die Wenden und ihre Priester -wurden vertrieben, aber noch lassen sich auf dem Platze gespenstische -Männchen sehen, welche den verborgenen Schatz hüten. Es geschah -einmal, daß ein Bewohner Burgstädts durch den Wald auf den Stein -ging. Von der Hitze ermattet, legte er sich im Waldesgrün, wo ihn -wohlthätige Kühlung umfing, nieder und fiel bald in einen tiefen Schlaf. -Plötzlich rief ihm eine Stimme zu: »Stehe auf, denn ich führ Dich -zu Deinem Glücke!« Als er die Augen aufschlug, war es Nacht und -vor ihm stand ein graues Männchen. Mit unsichtbarer Macht zog es -ihn, dem Männchen zu folgen, wohin ihn dasselbe führte. Bald standen -sie vor einer geöffneten Pforte, und im Innern der Höhle lagen -Haufen von hellleuchtendem Golde. Da sagte das Männchen: »Jetzt -sind wir am rechten Orte. Alles was Du hier siehst, soll Dein sein -und Du bist alle Deine Sorgen los. Nur eine Kleinigkeit wünsche -ich dafür von Dir: Dein Weib gebar Dir einen Knaben, den sollst -Du mir für all dies Gold schenken, daß er mir mit Leib und Seele -gehört.« Da nahm der fromme Burgstädter schnell ein Kreuz, der -Christen heiliges Zeichen, das er bei sich trug, hervor und hielt es -dem Verführer entgegen. Plötzlich stürzten die Felswände krachend ein -und das Gold sank wieder in die Tiefe hinab. Der Arme aber fiel -mit bleichem Gesichte wie leblos zwischen dem Gesteine nieder, und als -er am Morgen erwachte, wurde gar freundlich in der nahen Stadt das -Pfingstfest eingeläutet. Zu Hause angekommen, fand er sein Weib, -welches ihm in der Nacht ein Söhnchen geboren hatte, und als sich -die Kunde von dem Geschehenen in der Stadt verbreitete, da eilte jung -und alt nach dem Taurasteine, ob man noch etwas von dem Golde sehen -möchte; doch jede Spur von der reichen Schatzkammer war verschwunden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_276">[276]</a></span></p> - -<h3 id="sec330">330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im -Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen.</h3> - -<p class="source">(Alfr. Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II. S. 107.)</p> - -<p>Im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen zeigt sich in der Nähe der -Pfarrbrücke, besonders an herbstlichen Abenden, ein schwarzer Pudel -mit feurigen Augen, der sich einsamen Wanderern aufzuhocken pflegt. -Er soll eine von 1813 hier längere Zeit lagernden Franzosen vergrabene -Kriegskasse bewachen, die links unter der großen Linde liegt, -des wachsamen Pudels wegen aber noch von niemandem gehoben werden -konnte.</p> - -<h3 id="sec331">331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.</h3> - -<p class="source">(Alfred Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> I. S. 189.)</p> - -<p>Den Burgberg zu Gleisberg krönt ein alter heidnischer Rundwall, -in welchem angeblich im Mittelalter eine Burg stand. In dem -Wallkessel, zu dem einige Stufen führen, soll ein großer Schatz liegen, -dessen Dasein vielseitig bemerkte kleine blaue Flämmchen verkünden. -Ein Nossener hatte sich einst daran gemacht, den Schatz zu heben, als -er aber auf der Stelle, wo der Schatz liegen sollte, eine große Menge -schwarze Kröten mit hellleuchtenden Augen sitzen sah, stand er von -seinem Vorhaben ab. Mehrere Marbacher, die zu gleichem Zwecke auf -dem Burgberge erschienen, wurden durch große schwarze Schlangen -mit feurigen Augen veranlaßt, umzukehren.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Kröten und Schlangen sind wie der Drache Hüter von Schätzen. In der -Lausitz sagt man, daß, wo eine Kröte sitzt, ein Schatz liege. (Haupt, Sagenbuch -d. L. I. No. 301.)</p></div> - -<h3 id="sec332">332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.</h3> - -<p class="source">(Alfred Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella (o. J.), S. 11.)</p> - -<p>Auf dem Rodigberge bei Nossen befindet sich ein großer Rundwall, -in welchem angeblich die erste Burg Nossen stand, der aber -jedenfalls ein heidnischer Wall sein dürfte. In diesem Walle giebt es -Stellen, die beim Darauftreten hohl klingen und auf alte verschüttete -Gewölbe jener Burg hindeuten sollen. Der Sage nach liegt darin ein -bedeutender Schatz, der in der Mitternachtsstunde des Christabends -gehoben werden kann. Schon viele Leute haben an erwähnten Stellen -blaue Flämmchen herumhüpfen sehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_277">[277]</a></span></p> - -<h3 id="sec333">333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.</h3> - -<p class="source">(Alfred Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im -Zellwalde, 1874, S. 7. <em class="antiqua">Saxonia</em> I., S. 172.)</p> - -<p>Eine Stunde von Nossen entfernt und nahe dem Dorfe Marbach -liegt die Stelle, auf welcher in den Jahren 1141 bis 1146 Thammo -von Strehla ein Klösterlein gründete, welches aber endlich einging -und dessen Gebäude abgetragen wurden. Nahe der jetzigen Bahnmeisterwohnung -sieht man eine Vertiefung; diese war einst der Klosterbrunnen. -In denselben hatten die letzten Mönche eine Glocke und -vieles Gold- und Silbergeräte geworfen und den Brunnen dann mit -95 Klaftern Stöcke zugeschüttet. Diese Schätze harren noch der Ausgrabung. -Nach einer Tradition bewacht sie ein Pudel mit feurigen -Augen, der bereits oft nächtliche Wanderer des Zellwaldes, »die nicht -mit Eisen oder Stahl versehen waren«, belästigte.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die letzte Bemerkung vom Eisen oder Stahl bezieht sich jedenfalls auf den -bei deutschen und Slaven verbreiteten Glauben, daß man auf den durch glühende -oder erloschene Kohlen oder Flämmchen angezeigten Schatz eiserne und stählerne Gegenstände, -besonders Messer u. dgl., aber auch Geldstücke, selbst Brot oder ein auf -bloßem Leibe getragenes Kleidungsstück werfen müsse, um beim Heben des Schatzes -alle Gefahr von sich abzuwenden. (Jac. Grimm, Deutsche Mythologie, 1835, S. 544. -Veckenstedt, Wendische Sagen etc., 1880, S. 356.)</p></div> - -<h3 id="sec334">334. Der Schatz im Kloster Grünhain.</h3> - -<p class="source">(Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen o. J. S. 453.)</p> - -<p>In der Klosterkirche zu Grünhain liegt angeblich ein großer -Schatz begraben. Im März des Jahres 1657 hat der Schäfer Eucharius -Bömely zu Grünhain einen Bergmann 6 Tage und Nächte -darnach graben lassen, aber als derselbe in der letzten Mitternacht gehoben -werden sollte, so bewegte der Bergmann mit der Keilhaue eine -Wand, ließ sie jedoch der Schwere wegen wieder gehen, worauf die -Wand eine Viertelelle tiefer sank und mit ihr der vermeinte Schatz. -Man ließ sofort einen gewissen Rutengänger Tippmann kommen, der -das Vorhandensein des Schatzes mit der Rute feststellte, doch brachte -man nichts zustande, da der Schatz unter großem Geräusche immer -weiter vorrückte. Es ist ein »großer, reicher Schatz gewesen, so einst -der Abt zu Ebersbach in Franken Siegmund Siegeln anvertraut, aber -wohl sehr flüchtig und schwer zu erlangen und darum ist es auch mißlungen«, -erläutert die Chronik.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_278">[278]</a></span></p> - -<h3 id="sec335">335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Ratsaktuars Fr. Köhler in Sayda.)</p> - -<p>Ungefähr in der Mitte zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf erhebt -sich in der Flur des letzteren Ortes auf dem höchsten Punkte des -dasigen Geländes ein Gneiskegel, der »Alpstein« genannt. Vor einigen -Jahren ist derselbe zum Teil abgetragen und beim Bau einer Scheune -verwendet worden. Von diesem Alpstein erzählt die Sage, daß sich -daselbst zu Zeiten ein Hund mit feurigen Augen, sowie ein schwarzes -Männchen habe sehen lassen. Wer diesen Erscheinungen folge, der -würde nach der Stelle geführt werden, wo bei dem Steine ein Schatz -vergraben liege. Selten aber wird jemand zur Nachtzeit an dem -Steine vorübergegangen sein.</p> - -<h3 id="sec336">336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>An dem auf der Höhe des rechten Muldenufers mitten im Walde -zwischen Schloß Stein und Niederschlema sich erhebenden weißen Fels -soll eine goldene Kette liegen, welche in gewissen Nächten aus der -Tiefe steigt und sichtbar wird. Einst träumte einem Manne in Lößnitz, -daß er an dem weißen Fels sein Glück machen werde, er solle -nur in einer gewissen Nacht um die Mitternachtsstunde dorthin gehen. -Der Mann that es, und da sahe er an dem genannten Felsen eine -goldene Kette liegen, so groß wie eine Hemmkette. Beherzt ergriff er -dieselbe, da sie aber zu schwer war, so faßte er sie am ersten Gliede -und schleppte sie hinter sich fort. Auf dem Nachhausewege aber sah -er neben sich allerlei Spuk und er hörte auch dicht hinter sich einen -greulichen Lärm. Doch ließ er sich dadurch nicht stören, sah sich auch -nicht um, sondern er zog die Kette mit sich fort bis vor seine Wohnung. -Da er aber die Hausthüre öffnen wollte, wurde der Lärm noch -größer und es klang, als ob alle bösen höllischen Geister dicht an seinen -Fersen wären. Jetzt konnte er es nicht mehr verwinden, ohne -einen Blick rückwärts in sein Haus zu treten, da er sich nun für geborgen -hielt. Er sah sich um; plötzlich aber wurde alles still und die -goldene Kette war verschwunden. Nur das erste Glied hielt er in -seiner Hand. Es war jedoch genug, um ihn zum vermögenden Manne -zu machen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_279">[279]</a></span></p> - -<h3 id="sec337">337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Es war einmal ein Krieg ausgebrochen. Da vergrub einer aus -der berühmten und reichen Familie derer von Römer in dem roten -Berge, welcher sich nahe bei der Stadt Werdau erhebt, eine Braupfanne -voll Geld, um dasselbe vor den Feinden zu verbergen. Als -dann jener Römer starb, hinterließ er den Schatz demjenigen seiner -Nachkommen, welcher nur mit einem Auge auf die Welt kommen -würde. Von da an sahe man lange Zeit hindurch alle Nächte von -11 bis 12 Uhr auf dem genannten Berge ein Licht, und es wurde -gesagt, daß sich dasselbe gerade über der Stelle befinde, an welcher -in der Tiefe der Schatz verborgen worden war. Ebenso zeigte man -eine kleine Höhle als Anfang des Ganges, in welchem man zu der mit -Gold und Silber gefüllten Braupfanne gelangen könne.</p> - -<p>Da nun kein einäugiger Römer geboren wurde, so beschlossen -endlich zwölf Männer, unter denen sich auch der Pfarrer von Werdau -befand, den Schatz zu heben. Ehe sie aber an's Werk gingen, segnete -der Priester sich selbst und die Teilnehmer in der Kirche ein, und sie -nahmen darauf ein aus Wachs geformtes einäugiges Kind mit, welches -bei Kerzenlicht feierlich getauft worden war. Mit brennenden -Kerzen zogen darauf alle in der Mitternachtsstunde nach dem Orte, an -welchem der Schatz verborgen war. Unter Furcht und Zittern waren -sie vor der Höhle angelangt und unter Gebet bereiteten sie sich zum -Eintritte vor. Da auf einmal that sich mit einem furchtbaren Getöse -der rote Berg weit auf, und ein feuriger Hund kam wie ein Löwe -brüllend auf sie zu und rief: »Welchen nehmen wir zuerst?« Eine -Stimme aus der Tiefe aber antwortete: »Den mit dem roten Tuche!« -Wie die Männer diese schreckhaften Worte hörten, flohen sie entsetzt -und freuten sich, als sie aus dem Bereiche des Ungetüms gekommen -waren, ihres glücklich geretteten Lebens. Sie erzählten zwar, daß sie -noch im Innern des Berges die große, mit Geld gefüllte Braupfanne -gesehen hätten, doch da sie bald darauf, einer nach dem andern, starben, -so ist niemandem mehr die Lust angekommen, den Schatz zu heben.</p> - -<h3 id="sec338">338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.</h3> - -<p class="source">(Nach v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, II., S. 415 bei Gräße, -Sagenschatz, 2. Aufl., Nr. 590.)</p> - -<p>Bei Christoph Müller, Besitzer eines Vorwerkes zu Elterlein, -diente im Jahre 1702 eine gewisse Magdalena Gräßler, 18 Jahre alt.<span class="pagenum"><a id="Seite_280">[280]</a></span> -Dieser erschien 14 Tage vor Johannis ein kleines Männlein mit -einem grauen Kopfe und Bart, in ein altes graues Röckchen gekleidet, -und eröffnete ihr, daß bei dem Backofen ein Kästchen mit Geld, welches -eine alte Frau in Kriegszeiten vergraben, sich befinde und 500 -Thaler Geld enthalte. Der Geist forderte sie auf, ihn zu begleiten, -um den Schatz zu heben, mit der Bemerkung, sie solle von dem Gelde -50 Thaler der Kirche zu Elterlein, 50 Thaler ihrem Dienstherrn geben, -die übrigen 400 Thaler aber für sich behalten, aber nicht an -Hoffart wenden, sondern ihren alten Vater damit erhalten. Das -Mädchen verkroch sich vor Angst in ihr Bett, der Geist ließ sich aber -nicht abschrecken, sondern kam in den folgenden Nächten immer wieder, -auch forderte er sie dringend auf, den Schatz zu heben, bis sie am -Abend vor Johannis ihm versprach, sie wolle am nächsten Tage zu -Mittag, aber nicht in der Gespensterstunde, nach dem Schatze graben. -Sie entdeckte sich nun ihrer Dienstherrin und am Mittag begannen -beide zu graben. Jene überließ jedoch bald die beschwerliche Arbeit -der Gräßler, indem sie sich neben derselben hinlegte. Nach längerem -Graben kam diese mit dem Spaten auf einen breiten Stein, der bei -dem Berühren des Eisens wie Kettengeklirr tönte. Das Mädchen erhob -den Stein, erblickte darunter ein Kästchen von Eisen, etwa ½ -Elle lang und 1½ Elle breit, erhielt aber gleichzeitig von ihrer Dienstherrin -einen Schlag aufs Kreuz, so daß sie sich umsah. In diesem -Augenblicke entstand ein heftiges Gepolter, das Kästchen aber war verschwunden. -In der folgenden Nacht erschien der Geist dem Mädchen -wiederum und sagte: »Du bist heute gestört worden, allein du kriegst -es noch, in sieben Jahren komme ich wieder, es ist niemandem als dir -beschert, bete fleißig!« Mit diesen Worten nahm das Männchen Abschied, -das Mädchen vermietete sich auf ein anderes Vorwerk, aber -Ende Juli 1705 hörte es die Stimme des Geistes, welcher sprach: -»Ich bin vor drei Jahren bei dir gewesen, und weil dein gewesener -Herr das Geld herausgegraben und gefunden hat, so melde ich es -dir.« Die Gräßler verlangte es auch von ihm und zwar auf gütlichem -Wege, allein Müller leugnete alles und gab nichts heraus.</p> - -<h3 id="sec339">339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.</h3> - -<p class="source">(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, -1885, S. 125.)</p> - -<p>Auf dem Plateau des Seeberges oberhalb Eisenberg liegen die -Trümmer einer Burg zerstreut, welche längst von Grün aller Art überwuchert<span class="pagenum"><a id="Seite_281">[281]</a></span> -sind. Der Volksmund weiß nicht anzugeben, ob es eine Grenzveste -oder ein Jagdschloß gewesen, doch wird die Erbauung in das -achte bis zehnte Jahrhundert verlegt. Die Sage erzählt, daß hier ein -Burgfräulein die vergrabenen Schätze bewache, und daß solches auch -Holz und Beeren suchende Leute schon zu verschiedenen Malen gesehen -haben wollen; doch nur einem Menschenkinde reinen Herzens sei es -vergönnt, ihr zu folgen. Ersteigt ein solches während der Passionsstunde -den Berg, dann erscheint das Fräulein demselben auf dreimaligen -Ruf und winkt – wortlos und ohne Furcht müsse man ihr folgen -und könne dann Schätze ungemessenen Wertes heben – dann sei auch -der Geist erlöst. Doch auf den ersten Laut verschwinde die Erscheinung -mit Weinen und Gebärden des Leides.</p> - -<h3 id="sec340">340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.</h3> - -<p class="source">(A. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, -1885, S. 124.)</p> - -<p>Auf dem Riesenberge bei Ossegg steht ein Turm, worin ein -Schatz vergraben sein soll, und der Glückliche, der ihn einst heben -wird, muß erst geboren werden. Es werden einst zwei leibliche Geschwister -mit einander eine Ehe eingehen, und dieses Ehepaar wird vom -Himmel mit einem Kinde beschenkt werden. Dieses Kind aber muß -in einer Wiege »eingeschlummert« werden, deren Holz von einer Fichte -stammt, die auf dem Flecke gewachsen ist, unter welchem derjenige -ruht, der den Schatz in dem Turme vergraben hat. Wenn nun dieses -Kind erwachsen sein wird, so ist es berufen, den Schatz zu heben und -wird ihn auch finden, ohne daß es nach demselben sucht. Denn im -Traume wird ihm gesagt werden, daß es den Schatz heben soll, und -es wird ihm auch die Stelle genau bezeichnet werden. Dann erst, -wenn der Schatz gehoben ist, wird auch die arme Seele erlöst sein, -welche bei Lebzeiten den Schatz vergraben hatte.</p> - -<h3 id="sec341">341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.</h3> - -<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Seminarist Reinmuth.)</p> - -<p>Eine halbe Stunde von Haslau entfernt liegt ein Wald, den -man nach dem Kiefernbestande das Kiefrig nennt. Hier befindet sich -ein Felsen, auf welchem einst ein Raubschloß gestanden haben soll, -und darnach nennt man den Felsen jetzt auch gewöhnlich kurz das -Raubschloß. Unter dem Felsen aber soll ein großer Schatz liegen. In<span class="pagenum"><a id="Seite_282">[282]</a></span> -dem genannten Dorfe glauben manche Leute, daß verborgene Schätze -am Weihnachts-Heiligenabend gehoben werden können. Daher ging -auch vor wenigen Jahren ein Oberhaßlauer Bergarbeiter zu dieser Zeit -hinaus zum Raubschlosse, um daselbst den Schatz zu heben. Als er -die üblichen Zeichen gemacht hatte und nun im Begriffe war nachzugraben, -erblickte er auf einmal eine Gestalt, welche so zart wie Spinnwebe -war. Diese gespenstische Gestalt sprang plötzlich auf seinen Rücken -und klammerte sich an seinem Halse fest. Wie er dieselbe wieder los -geworden, wird nicht erzählt, wohl aber, daß sich der Mann, als er -glücklich nach Hause gekommen war, krank niederlegte und nicht wieder -aufstand, sondern nach einem Jahre starb.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_283">[283]</a></span></p> - -<h2 id="kap7">VII.<br /> -Wundersagen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_285">[285]</a></span></p> - -<p class="drop">Durch Wunder geschieht Übernatürliches, d. h. alles das, was sich -über die Naturgesetze erhebt. Wunder können daher nur Götter oder -dämonische Wesen verrichten; wo sie von Menschen verrichtet werden, -da wohnt in letzteren allemal etwas Dämonisches.</p> - -<p>Wenn uns die Sagen von Wunderblumen erzählen, durch welche -sich Berge mit darin verborgenen Schätzen öffnen, so leben wir auf -dem Gebiete des Übernatürlichen, zugleich aber offenbart sich uns darin -eine tiefe Symbolik. Die ersten gelben, blauen, weißen oder roten -Frühlingsblumen sind die Abbilder des Blitzes, durch welchen Donar -im Frühlinge die Berge des Himmels, d. h. die Wolken erschließt, so -daß darauf die golden glänzende und Segen spendende Sonne sichtbar -wird. Unter gewaltigem Krachen öffnet sich der Berg, unter Donner -die Wolke, und Donar ist es selbst, welcher sie mit seinem Blitze -öffnet, er ist der Hirte, von dessen Hand die Blume abgepflückt ward, -die dann den Zugang zu den Schätzen im Innern des Berges erschloß. -(Mannhardt, Die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 204.) In -allen hierher gehörigen Sagen ertönt die warnende Stimme: »Vergiß -das Beste nicht!« und so ist dieser Zuruf nach Jac. Grimm (Deutsche -Myth. S. 545) wohl die Blume selbst, unser »Vergißmeinnicht«, zu -dessen Namen sich später erst die sentimentale Deutung bildete, oder -der »Gamander« und das »Mausöhrchen«, welche beide ebenfalls vom -Volke, das ihre Wunderkraft berücksichtigte, als »Vergißmeinnicht« bezeichnet -wurden. Oder die Wunderblume ist die gelbe Schlüsselblume, -das »Himmelschlüssel«, worauf eine Sage hinweist, welche Henne-Am-Rhyn -(Deutsche Volkssage, S. 79) uns mitteilt. Darnach saß die -Berg-Jungfrau am Steinböckli bei Unter-Erendingen im Aargau als -Hüterin auf einem Häuflein gepflückter Schlüsselblümchen in der Morgensonne, -ein Schlüsselbund, das sich hier, wie in anderen Sagen, -stets auf einen verborgenen Schatz bezieht, an der Seite. Ein aufgehobenes -Schlüsselblümchen verwandelte sich darauf in der Hand eines -Jünglings in ein hellglänzendes Goldstück. – Wenn oben auf die -Symbolik des Blitzes als Wunderblume hingewiesen wurde, so ist hier -die Schlüsselblume unverkennbar eine solche, da sie sich in den Händen<span class="pagenum"><a id="Seite_286">[286]</a></span> -des Jünglings in ein Goldstück verwandelt; nach einem deutschen Volksglauben -schlägt der Donner Gold ins Haus, und in Tyrol sagt man -von den nach einem Gewitter gefundenen Münzen, daß sie vom Himmel -gefallen seien.</p> - -<p>Wie das Eisenkraut (<em class="antiqua">Verbena</em>) als »Wunschkraut«, wenn man -dasselbe beim Aufgehen des Hundssterns sammelte, ehe es von Sonne -oder Mond beschienen war, und ebenso die »Wünschelsamen«, d. h. -die Sporen des Farnkrauts, alle Wünsche erfüllten (Reling und Bohnhorst, -Unsere Pflanzen, S. 62 und 112), so galt auch die Wünschelrute -unbeschadet ihrer Beziehung zu Donar als wunderkräftiger Stab, -der dem Menschen von Odhin, als dem Herrn des Wunsches und Wisser -der Orte, wo Gold und Silber in der Erde liegen, verliehen ward. -Nach Jakob Grimm drückt der Wunsch den Inbegriff von Glück und -Heil aus. Die Wünschelrute heißt darum in David Kellners 1702 zu -Nordhausen geschriebenen »<em class="antiqua">Schola metallurgica</em>« oder »wohleingerichteten -Bergmanns-Schule« auch Glücksrute, und hinzugefügt wird dabei, -daß man sie noch »Wicker« oder »Wahrsager« nenne, »sintemal das -alte deutsche Wort wicken so viel ist, als vorher- oder wahrsagen.« -Die Wünschelrute ist der Kompaß, welcher in der Mitternachtsstunde -des ersten Maitages den Ort anzeigt, wo die Wunderblume blüht -(Mannhardt a. a. O. S. 206); sie führt nach den ältesten Überlieferungen -zu verborgenen Schätzen, ja noch mehr als dies: sie stärkte und -vergrößerte fort und fort deren Gehalt und verlieh dem Besitzer übermenschliche -Kräfte, und darum sagt auch die Edda von dem Nibelungenhorte, -»dem Schatze, der nichts anderes als nur Gestein und Gold -enthielt,«</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Es lag der Wunsch darunter: von Gold ein Rütelein;<br /></span> -<span class="i0">Wer dessen Kraft erforschte, der möchte Meister sein<br /></span> -<span class="i0">Wohl auf der ganzen Erde und über jeden Mann.«<br /></span> -</div></div> - -<p class="noind">Hier wird die Wünschelrute golden genannt, und obschon man in der -Blütezeit ihres Gebrauchs vereinzelt auch aus Messingdraht gemachte -Ruten, ja selbst Lichtscheren, wie uns sagenhafte Überlieferungen -melden, mit gutem Erfolge anwandte, so war es doch hauptsächlich -der Haselstrauch und in einigen Fällen noch der Kreuzdorn, wenn der -Zweig in einem Jahre gewachsen und kein Flecken altes Holz daran -war, von welchem sie abgeschnitten wurde. Nach einer Kärntner Sage -von der Erbauung des Schlosses Waisenburg wurde ein Mädchen in -einem Traume belehrt, sie möge mit einem Wachholderzweige einen -Schatz suchen; dort, wo sich das Zweiglein der Erde zuneige, solle sie -nachgraben. (Österr. Touristenzeitung 1885, No. 10.) Der dem Donar -geweihte Haselstrauch ist nach der Sage mit wunderbaren Kräften ausgestattet.<span class="pagenum"><a id="Seite_287">[287]</a></span> -Sein Zweig schützt gegen den Blitz, denn letzterer darf weder -den Strauch, noch denjenigen treffen, welcher unter ihm Schutz sucht; -ein Haselstab, mit einem Hollunderzweige übers Kreuz gebunden, schützt -gegen das wütende Heer; Haselzweige in den Ställen bessern den Viehstand -auf; drei derselben auf dem Boden einer Scheune sichern das -Getreide gegen allen Schaden; Kühe, von den Hirten mit Haseln an -die Lenden geschlagen, geben reichlich Milch; ein am Karfreitage vor -Sonnenaufgang im Namen des dreieinigen Gottes stillschweigend mit -drei Schnitten abgelöster Zweig überträgt die Schläge auf den Abwesenden, -und so weiß das Volk noch manche Kräfte zu nennen, welche -dem Strauche verliehen wurden. Im Schwarzwalde trugen einst die -Hochzeitsleute eine Haselrute, und an einigen Orten Frankreichs umtanzt -man noch jetzt die Johannisfeuer mit einem Haselzweige.</p> - -<p>Für die Wünschelrute mußte vom Strauche eine jährige Zwiesel -oder Gabel, welche so stand, daß Ost- und Westsonne durch dieselbe -schien, im Mondschein geschnitten werden. Man wählte dazu am liebsten -die Johannis-, aber auch Christ- und Karfreitagsnacht, oder die -der heiligen drei Könige, nachdem man die Rute bei Neumond gesucht -hatte. Sie durfte weder mit Hülfe eines Messers oder anderen metallenen -Werkzeugs, sondern mußte mit einem scharfen Feuerstein rasch vom -Stamme gelöst werden, damit der Strauch nicht Zeit habe, die geheimnisvolle -Kraft aus dem Zweige herauszuziehen. Dabei kehrte man -sein Angesicht nach Morgen, neigte sich dreimal vor der Rute und -sprach: »Gott segne dich, du edles Reis! Mit Gott dem Vater such' -ich dich, mit Gott dem Sohne find' ich dich, mit Gott des heiligen -Geistes Macht und Kraft breche ich dich. Ich beschwöre dich Rute und -Sommerlatte bei der Kraft des Allerhöchsten, daß du mir wollest zeigen, -was ich dir gebiete, und solches so gewiß und wahr, so rein und klar -wie Maria, die Mutter Gottes, eine reine Jungfrau war, da sie -unsern Herrn Jesum gebar, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes -und des heiligen Geistes. Amen!« (Nork, Sitten und Gebräuche der -Deutschen, S. 712.) Beim Gebrauche faßte man die Rute an den -beiden Zwieselenden, so daß sich der Stiel, in welchem sie zusammenliefen, -aufwärts kehrte. Kam man damit über die in der Erde liegenden -Erzgänge, so beugte sie sich gewaltig nieder, während sie dann, -wenn man dem Gange nicht folgte, sondern ihn überschritt, gerade -über sich unbeweglich stand. Etliche Rutenschläger »gingen mit ihr stillschweigend -über das Gebirge, etliche aber fragten dieselbe entweder -laut oder nur in Gedanken auf allerhand Manier und faßten auch ein -gewiß Metall, dergleichen sie gern erkundigen wollten, daneben in der -Hand.« »Es ist aber«, wie die oben genannte <em class="antiqua">Schola metallurgica</em><span class="pagenum"><a id="Seite_288">[288]</a></span> -(S. 196) schreibt, »diese Wirkung der Rute ein Wunder der Natur -und verborgenen Sache, deren Ursache man nicht wohl erkundigen kann, -ebenfalls wie der Magnet das Eisen, der Agtstein, so er erhitzet, das -Stroh oder Sprey, der Serpentin oder Schlangenstein, wo er im -Felde lieget, die Schlangen an sich ziehet, und dergleichen natürliche -Wunder viele mehr.«</p> - -<p>Nach Jacob Grimm unterschied man von der Wünschelrute -mehrere Arten: als Feuerrute, Brandrute, Springrute, Schlagrute -und Beberute, und man glaubte mit ihr nicht nur verborgene Schätze -und Erzadern, sowie taube Gänge, »alte Gebäude und Gezimmer in -der Erde«, sondern auch Salz- und Kohlenlager und Wasserquellen, -ja Mörder und Diebe zu entdecken.« (Grimm, Deutsche Myth. S. 546.) -Der Verfasser der <em class="antiqua">Schola metallurgica</em> fügt außerdem (S. 490) hinzu, -daß man von ihr fast alles erkundigen wolle, was in der Welt geschähe, -ob nämlich diese oder jene Person zu Hause sei, oder ob man -eine belagerte Festung erobern werde und dergleichen mehr; doch kann -er nicht umhin, dabei hinzuzusetzen, daß ihm dieses sehr verdächtig -vorkomme. Nach einer Überlieferung aus Johanngeorgenstadt schlägt -die Rute auch auf verborgene Rainsteine und durch sie werden Diebe -entdeckt und gestohlene Sachen wieder gefunden.</p> - -<p>In das Bereich der Wundersagen gehören auch die Überlieferungen -von den Venedigern oder Wahlen, jenen rätselhaften Fremden, -welche außer dem Fichtelgebirge, Thüringerwalde, dem Vogtlande und -andern mitteldeutschen Gebirgen auch das Erzgebirge nach Gold durchsuchten -und von dem Volke mit übernatürlichen Kräften ausgestattet -wurden. Sie kannten das Innere der Berge, wuschen die Goldkörner -aus dem Sande der Flüsse und waren mancher Zauberkünste kundig. -Vielleicht sind manche der von ihnen meldenden Sagen auf die Schätze -hütenden Berggeister zurückzuführen, umsomehr, da in den Volkssagen -der Oberpfalz die Venetianer häufig Größe und Aussehen der Bergmännchen -besitzen. In der Bavaria (III. S. 269) deutet E. Fentsch -die Wahlen als Wenden und verweist dabei auf eine Ansicht von -Baumers, nach welcher die Vallen des Plinius ein slavischer Volksstamm -waren, welcher beim Vordringen aus dem Osten Europas bis -in die Fichtelgebirgsgegend gelangte und dort seine alte Kunst, nach -Gold und andern Metallen zu graben, ausübte. (Zapf, Sagenkreis -des Fichtelgebirgs, S. 104.) Wir können dann noch weiter gehen und -auch die Venediger des Erzgebirges auf zerstreute Sorben zurückzuführen, -welche, als einem unterdrückten Volksstamme angehörig, in der Überlieferung -nach und nach zu zwerghaften Wesen zusammenschrumpften. -Meldet uns doch auch eine alte Nachricht, »daß schon dreihundert Jahre<span class="pagenum"><a id="Seite_289">[289]</a></span> -vor Aufkunft des Goslarischen Bergbaues unter Otto I. die böhmischen -Wenden unser Obergebirge (Erzgebirge) jenseits, unsere Wenden -aber diesseits (d. h. auf jetzt sächs. Seite) angebaut, daselbst Eisenstein -gegraben, Eisenhämmer und Schmelzhütten angelegt und von Pirna -bis an Hof im Vogtland alle Wälder, Berge und Hügel durchschürft -hätten.« (Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im s. Vogtland, -S. 2.)</p> - -<p>Neben den Sagen von Wunderblumen, welche den Zugang zu -unterirdischen Schätzen öffnen, von der Wünschelrute und den Gold -suchenden Venedigern sind auch diejenigen für unser Gebirge charakteristisch, -welche uns von Träumen und Prophezeiungen erzählen, durch welche -reiche Silbergänge angezeigt wurden. Es ist ein alter Glaube, daß -vermittelst der Träume durch Schutzgeister der Wille der Götter den -einzelnen Menschen als Rat oder Warnung mitgeteilt wird, und daher -hegte man von jeher das Vertrauen auf Erfüllung dessen, was man -geträumt, weil man darin Winke des Schicksals erblickte. In gleicher -Weise wurden auch die Ahnungen, d. h. das Träumen im wachen Zustande, -als Eingebungen der Götter angesehen, und ebenso achtete man -bereits im Heidentume auf die Erscheinungen der belebten Natur; man -erblickte in denselben, sowie in allen Dingen einen ursächlichen Zusammenhang, -so daß man in den wunderbaren Gestaltungen der Wolken -und in anderen auffälligen Erscheinungen am Himmel und in der Luft -die Beschlüsse des von Göttern über den einzelnen Menschen oder ein -ganzes Volk verhängten Schicksals herauslas. Das sind die Vorzeichen. -– Hierhin gehören auch die Anzeichen durch mancherlei Geräusch, wie -Klopfen an Thür und Wand, das Klirren von Waffen u. a. mehr, -durch welche Töne entweder gewarnt oder ein Todesfall angezeigt -wird.</p> - -<p>Von derartigen Überlieferungen einer wunderbaren direkten Äußerung -der Gottheit in Bezug auf das Geschick der Menschen finden wir -eine ziemliche Mannigfaltigkeit, ebenso von wunderbarer Hülfe -durch heilkräftige Quellen oder von plötzlicher Strafe für Meineid oder -gotteslästerliche Worte. Es wird in dieser Hinsicht schließlich auf die -einzelnen Sagen verwiesen.</p> - -<h3 id="sec342">342. Die Wunderblume auf dem Schlettenberge -bei Marienberg.</h3> - -<p class="source">(Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit, -1862, S. 40. Mündlich.)</p> - -<p>Auf dem Schlettenberge bei Marienberg lassen sich zu gewissen<span class="pagenum"><a id="Seite_290">[290]</a></span> -Zeiten ein paar kleine Lichter sehen. In dem Berge steckt nämlich ein -goldenes Kind und aller 50 Jahre am Johannistage mittags 12 Uhr -wächst auf dem Berge eine schöne Blume. Wer dieselbe nun pflückt, -der kann in den Berg hineingehen. Da sieht er dann den goldenen -Jungen in einer goldenen Pfanne liegen; beide werden von einem -großen Pudel bewacht. Wer aber die Blume hat, darf sie nur dem -Pudel hinzeigen, dann kann er die Pfanne mit dem goldenen Jungen -nehmen. Jedoch muß er darauf schnell fortlaufen; ist er über den -Hammergraben gekommen, so kann ihm der Hund nichts mehr thun. -Wenn ihn jedoch der Hund einholt, ehe er über den Graben gekommen -ist, muß er die Pfanne mit dem Kinde wieder hergeben und der Hund -trägt beides wieder in den Berg.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Hund ist der Wächter der Unterwelt. Aber worauf ist das goldene Kind -zurückzuführen? Deutet es auf eine der goldstrahlenden heidnischen Gottheiten hin? -Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 4) bemerkt, daß nach den ältesten -Vorstellungen nicht nur der Himmel, sondern auch die Götter selbst und ihre Lieblingstiere -golden waren. Die Pfanne ist wie der in andern Sagen auftretende Braukessel -möglicherweise eine Hindeutung auf ein Opfergerät.</p> - -<p>Eine Anzahl von Beispielen, nach denen der Schatz eine bestimmte Gestalt, -besonders von Tieren, angenommen hat, führt Grohmann (Aberglauben und Gebräuche -in Böhmen und Mähren, S. 214) an. Hierhin gehört z. B. auch die Sage -von einer goldenen Ente mit goldenen Eiern, welche im Klosterhofe zu Sittichenbach -liegen soll. (Gräßler, Sagen von Mansfeld, No. 46.)</p></div> - -<h3 id="sec343">343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.</h3> - -<p class="source">(R. im Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 1882, No. 3.)</p> - -<p>Gegenüber dem Geringsberge zwischen Lauter und Neuwelt erhebt -sich am rechten Ufer des Schwarzwassers der im Ganzen kahle -Teufelsstein, den man von der Haltestelle Lauter bequem in fünf Minuten -erreichen kann. Nach der Meinung einiger ist der Name Teufelsstein -verfälscht und lautet eigentlich »Taufenstein«, weil sich hier -in alter Zeit ein Taufstein oder Taufbecken befunden haben soll. Eine -andere Sage aber bezeichnet den Teufelsstein als ein verwünschtes -Schloß, welches kostbare Schätze in seinem Innern birgt und von Jahr -zu Jahr des Tages seiner Erlösung aus der Hand des »Bösen« und -der Hebung seines reichen Gutes harret, – doch bis jetzt vergebens. -Noch immer liegt es verzaubert unter mächtigen Felsblöcken. Zwar -ist ein Schlüssel, durch dessen wunderbare Macht die verborgenen Zugänge -unwiderstehlich sich öffnen, vorhanden, doch noch niemandem ist<span class="pagenum"><a id="Seite_291">[291]</a></span> -es gelungen, hineinzudringen. Der Schlüssel ist eine gelbe Blume, -welche alljährlich im Frühjahr aufs neue emporsprießt und ihren -Wunderkelch entfaltet. Ein Schäfer aus Beierfeld, welcher dort vor -vielen Jahren seine Herde weidete, fand sie eines Tages und pflückte -sie. Alsbald merkte er, wie sich in seiner Nähe geheimnisvoll eine -Felsenspalte öffnete, und verwundert schaute er in eine Höhle, aus -deren Hintergrunde ihm zauberischer Goldesschimmer entgegenblickte. -Da er jedoch die Mahnung des am Eingange sitzenden bärtigen Wächters -mit grauem Hute, still zu bleiben, nicht beachtete, sondern einen -lauten Ausruf des Erstaunens ausstieß, so schloß sich ebenso geheimnisvoll -und schnell die Öffnung wieder und hat sich bis heute noch -nicht wieder aufgethan.</p> - -<h3 id="sec344">344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 72.)</p> - -<p>In südwestlicher Richtung von Gottesgab erhebt sich der kegelförmige -basaltische, mit Wald bedeckte Spitzberg. Auf demselben stand -nach der Sage in alten Zeiten ein großes, festes Schloß. Dort hauste -mit gleichgesinnten Spießgesellen ein Ritter, der als Räuber und Mörder -sich in der ganzen Gegend furchtbar machte. Einst geschah es, daß -ein greiser Mönch aus dem nahen Kloster zu Mariasorg bei dichtem -Nebel sich auf dem öden Heideplateau verirrte und in die ruchlosen -Hände dieser Räuber fiel. Sie schleppten den Priester auf ihr schwer -zugängliches Raubnest und warfen ihn unbarmherzig ins Burgverließ, -wo er eines qualvollen Hungertodes sterben sollte. – Als die gottlosen -Missethäter im Saale sich bei lärmendem Becherklang ihrer ausgeführten -Verbrechen in frechen Lästerreden rühmten, sank der dem -Tode überlieferte Mönch auf die Knie und flehte im inbrünstigen Gebete -zu Gott, dem starken Helfer in der Not, daß er die berüchtigte -Mörderburg in einen Schutthaufen verwandle. Plötzlich machte ein -furchtbarer Donnerschlag die Mauern des stolzen Schlosses wanken, sie -stürzten zusammen und begruben die Räuber unter ihren Trümmern; -nur der Mönch wurde gerettet. Die angehäuften Schätze aber versanken -in des Berges inneren Schoß. – Nach langen Jahren träumte -einmal einem armen, frommen Hirtenjungen drei Nächte hintereinander, -daß er dazu erkoren sei, den im Innern des Spitzberges verborgenen -Schatz zu heben. Zwei Tage hatte er schon seine Kühe auf -diesem Berge geweidet, und noch war ihm kein Anzeichen geschehen. -Als er nun am dritten Tage – es war der Karfreitag – wieder -seine Herde am Spitzberge hütete, sah er auf einmal auf einem nahen<span class="pagenum"><a id="Seite_292">[292]</a></span> -Felsblocke eine wunderschöne gelbe Blume stehen. Ei, dachte er, eine -so schöne Blume habe ich in unseren Bergen und Thälern noch nicht -gesehen! Ich werde sie pflücken und auf meinen Hut stecken, gewiß -werden alle daheim die Schönheit der Blume bewundern. Gedacht, -gethan. Kaum hatte er aber mit der Blume den Hut geschmückt, als -unter einem fürchterlichen Knall sich der Berg aufthat. Der Hirt sah -sofort eine weitgeöffnete Thür im Felsen, vor der ein kaum spannenhohes -Männlein stand, das ihm zu folgen winkte. Obwohl er durch -diese unerwarteten, wunderbaren Vorgänge für den Augenblick aus -der Fassung gekommen war, nahm er doch allen Mut zusammen und -schritt seinem Führer nach. Der Weg ging erst durch dunkle, dann -magisch erleuchtete Gewölbe, deren Wände diamantartig glitzerten, bis -beide endlich in einen überaus prachtvollen Saal gelangten, der mit -den kostbarsten Schätzen aller Art angefüllt war, und in dessen Mitte -sich eine weißgekleidete Jungfrau befand. Diese betrachtete den erstaunten -Hirtenjungen mit freundlichen Blicken und hub dann lächelnd -an: »Hier hast Du die feinsten und auserlesensten Speisen, genieße -von ihnen! Wohin Du blickst, sind ganze Haufen von Gold, Perlen, -Edelsteinen und köstlichen Gewanden aufgeschichtet. Nimm Dir davon, -soviel Dein Herz begehrt; doch vergiß das Beste nicht!« Der Junge, -durch die vernommenen Worte ermutigt, griff nach den besten Speisen -und aß und trank, steckte sich hernach Hut und Taschen voll Gold -und Edelsteine, und schickte sich zum Rückwege an. »Vergiß doch das -Beste nicht!« rief lauter und ängstlicher zum zweitenmale die Jungfrau -mit flehenden Gebärden. Der Hirtenjunge spähte umher und erblickte -zu seiner Verwunderung eine Peitsche, welche vortrefflich zu -seinem Geschäfte zu passen schien. Da dachte er: Du hast dir schon -von allen Schätzen im Überfluß genommen; diese Peitsche da wird -jedenfalls das Beste für dich sein! Mithin griff er ohne Bedenken -nach der Peitsche. Da fing aber die Jungfrau bitterlich zu weinen -und zu wehklagen an; ein plötzlicher Donnerschlag erschütterte den -Saal so, daß der Boden unter den Füßen des Hirten wankte, der im -Nu wieder auf der Oberfläche des Berges stand. Jetzt erst erinnerte -er sich an seine Wunderblume. Mit Hast griff er an den Hut, um -sie herabzunehmen, aber er bemerkte zu seinem größten Leidwesen, daß -er sie unter den Schätzen im Felsensaale zurückgelassen habe. – Mit -den Worten: »Vergiß doch das Beste nicht!« hatte die Jungfrau die -gelbe Blume, den Schlüssel zum verzauberten Schlosse gemeint. -Hätte der Junge dieselbe nicht vergessen, so würde er nicht nur die -Jungfrau von ihrem Zauber befreit, sondern auch den ganzen Schatz -gehoben haben. Seit dieser Zeit hat niemand die Zauberblume, die<span class="pagenum"><a id="Seite_293">[293]</a></span> -alle tausend Jahre einmal zum Vorschein kommen soll, auf dem Spitzberge -gefunden, in dessen Innerem auch der Schatz noch heute verborgen -liegt. Der Hirtenjunge aber, der ein reicher Mann wurde, -wäre zweifellos noch reicher und glücklicher geworden, wenn er nicht -das Beste vergessen hätte.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Bereits in der Einleitung ist darauf hingewiesen worden, wie unter dem -Hirten Donar und unter der den Zugang zu den goldenen Schätzen im Innern des -Berges öffnenden Blume der Blitz zu verstehen sei. Die Wolke wird als Berg gedacht; -aus ihr leuchtet nach dem Gewitter wieder die Sonne goldig hervor. Die -Sonne ist der Schatz. Die Schafe oder Kühe, welche der Hirt hütet, sind ebenfalls -Wolken; Donar ist der Wolkenhüter. Die den Schatz hütende weiße Jungfrau ist -eine von den Wolkenfrauen, welche der Erde himmlische Milch, d. h. den Regen -spendeten, aber auch in Bergen wohnten, da man sich, wie bereits bemerkt wurde, -den Berg als Wolke dachte. (Mannhardt a. a. O. S. 204; Grohmann, Sagen aus -Böhmen, I., S. 87.) – Der gleiche Sagenstoff, allerdings mit mancherlei Modifikationen, -aber immer als Darstellung von einem Hirten, welcher eine Blume findet, -die der Schlüssel zu einem großen Schatze ist und mit dem Zurufe: »Vergiß -das Beste nicht!«, als die Blume vergessen wurde, tritt uns in Überlieferungen aus -dem Fichtelgebirge (Zapf a. a. O., S. 19 und 25), sowie besonders zahlreich im -Thüringerwalde (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 125, 138, 173, 180, 276, -Gräßler, Sagen aus Mansfeld, No. 20 und 211) und an noch vielen anderen Orten -entgegen. Auch die Lausitz, sowie das Vogtland und der Harz besitzen Sagen von -Wunderblumen, durch welche man verborgener Schätze teilhaftig werden kann; sie -unterscheiden sich jedoch insofern von den vorigen, als hier nicht der warnende Zuruf -ertönt, das Beste nicht zu vergessen.</p> - -<p>Sagen von Schlössern, welche in die Erde versanken, weil ihre Insassen -Raub und Mord und andere Greuelthaten verübten, erzählt der Volksmund auch in -anderen Gegenden. So bezeichnet das sogenannte Silberloch bei Seesen im Harze -die Stelle, wo gleiches geschah. Auch hier läßt sich zuweilen eine weißgekleidete -Jungfrau mit einem Schlüsselbunde, welche die Sage als die mildthätige Tochter -des Burgherrn bezeichnet, sehen, um, wie sie es im Leben gethan, auch ferner den -Unglücklichen und Notleidenden beizustehen. (H. Heine, Sagen aus dem Harze, S. 10.)</p></div> - -<h3 id="sec345">345. Die Wunderblume des Grauensteins.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 70.)</p> - -<p>Einmal weidete ein vierzehnjähriger Knabe am Fuße des Grauensteins -bei Joachimsthal seine Herde. Da dieselbe ruhig graste, ließ -er sich ins Gras nieder, vertiefte sich in den Inhalt eines Buches und -gewahrte zu spät, daß sich das Vieh auf die Gebirge verstiegen hatte. -So mußte er denn mit bangem Herzen von einem Berge zum andern -steigen, bis er endlich die vollzählige Herde fand, die er auf die Wiese -zurücktrieb. Aber ermüdet vom langen Suchen, versank der junge<span class="pagenum"><a id="Seite_294">[294]</a></span> -Hirt in einen tiefen Schlaf. Als er erwachte, schimmerte ihm eine -so feuerrote Lilie entgegen, wie er noch keine auf allen seinen Wanderungen -über Berg und Thal gesehen hatte. Alsogleich eilte er darauf -zu, pflückte sie und steckte sie auf seinen Hut.</p> - -<p>Und wie wunderbar! Kaum berührte er sein Haupt, so ward -es plötzlich auf demselben lebendig. Voll Bestürzung nahm der Junge -den Hut ab; er sah eine Otter darauf liegen und warf den Hut eiligst -zu Boden, wo statt des zischenden Tieres ein goldener Schlüssel niederfiel, -der aber in dem Augenblicke verschwand, als er ihn aufheben -wollte. – Es soll dies der Schlüssel zum Schatze in dem verzauberten -Grauensteiner Schlosse gewesen sein, den bis auf den heutigen Tag -noch niemand in Besitz genommen hat. Der Glückliche, dem er bestimmt -ist, soll demnach noch kommen.</p> - -<h3 id="sec346">346. Die Wunderblume bei Blauenthal.</h3> - -<p class="source">(Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)</p> - -<p>Bei dem Orte Unter-Blauenthal findet sich eine jetzt durch Gesträuch -fast völlig verwachsene Felsenschlucht und in dieser soll man -einst ein eisernes Thor, welches eine Höhle verschloß, gesehen haben. -Vor langer Zeit mähte in der Nähe dieser Höhle ein Einwohner des -genannten Ortes Gras, und als er sich in der Mittagstunde unter -einen schattigen Baum setzte, um seine Sense zu dengeln, stand auf -einmal ein schwarzer Ritter vor ihm und zu seinen Füßen sah er aus -dem kahlen Erdboden eine gelbe Blume hervorsprießen. Der Ritter -aber sprach zu ihm, er solle diese Blume abpflücken, sie sei der -Schlüssel zu der eisernen Pforte; damit solle er dieselbe öffnen und -sich aus der Höhle so viel von den Schätzen mitnehmen, als ihm behage; -»jedoch«, so setzte er hinzu, »laß mir die Blume nicht liegen, -sonst bist Du verloren.« Der Mann that, wie ihm der Ritter geheißen -hatte. Die Höhle, in welche er gelangte, war an den Wänden -mit funkelnden Edelsteinen besetzt und auf dem Boden standen viel -Kisten, aus denen ihm Gold und Silber entgegen glänzte. Plötzlich -erweiterte sich der Raum zu einem großen Saale und an einer mit -kostbaren Speisen und Getränken besetzten Tafel sah er den Ritter mit -Gefolge wieder; die Speisenden wurden von Zwergen bedient. Da -winkte der Ritter dem Manne, derselbe solle sich mit an die mit -einem Trauerflor behangene Tafel setzen. Ängstlich setzte sich der Arbeiter -nieder, aber bald bekam er wieder Mut. Nachdem er gegessen -und getrunken hatte, steckte er sich auf Geheiß des schwarzen Ritters<span class="pagenum"><a id="Seite_295">[295]</a></span> -so viel von dem Golde und den Edelsteinen ein, als er fortbringen -konnte. Da er wieder vor der Pforte stand, schloß sich dieselbe mit -einem großen Knalle, der Felsen wankte und der Eingang war nicht -mehr zu sehen. Erschrocken wollte der Mann nach seiner Blume greifen; -doch er besaß sie nicht mehr, denn er hatte sie in der Höhle zurückgelassen, -als er die Schätze zusammenraffte. Nach wenigen Tagen -starb er; man fand ihn, das Gesicht nach dem Nacken umgedreht, und -das Gold war auch verschwunden. Der Fels aber, in dem sich der -Eingang zu der Höhle befunden haben soll, heißt heute der Teufelsfels.</p> - -<h3 id="sec347">347. Die Wünschelrute.</h3> - -<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. -Leipzig, 1723, S. 172–174.)</p> - -<p>Die Wünschelrute, durch welche Klüfte und Gänge ausgegangen -werden, wird abgeschnitten von allerlei Holz, auch zu allen Zeiten, -doch so, daß sie zwei Zacken oder Zwiesel hat, und man selbige in -beiden Händen zwischen den Daumen und geschlossenen Fingern halten -kann. Ja man mag auch eine andere Materie dazu gebrauchen, als -Messing, Eisen u. dgl. Es ist aber der Nutzen der Rute dieser, daß -sie die in der Erden liegende Klüfte und Gänge andeutet, indem, wenn -der Rutengeher an dergleichen Stätte kommt und die Rute aufwärts -hält, sie sich gewaltig niederbeuget und sich zuweilen, wenn sie stark -gehalten wird, fast entzwei windet, während die Rute da, wo man -dem Gange nicht folgt, sondern ihn überschreitet, wieder grade über -sich unbeweglich steht.</p> - -<p>Die Rute schlägt aber außer auf Gänge und Klüfte auch auf -andere Dinge. Es entwendete eine Magd ihrer Herrschaft unterschiedliches, -worauf man endlich einen Rutengänger holte, um im Hause -die Rute zu schlagen; dieselbe führte ihn zu der Lade der Magd, in -welcher sich auch die gestohlenen Sachen vorfanden. Ferner wurde -einem Hammerwerksbesitzer allerhand entwendet. Derselbe schrieb an -seine Freundin, den Rutengänger holen zu lassen, damit dieser mit -der Rute forsche, ob nicht die Mägde des Bestohlenen, und welche -unter ihnen, den Diebstahl begangen hätten. Er schickte zu dem Ende -deren Namen mit. Die Freundin legte beide Zettel mit den Namen -auf den Tisch, aber die Rute wollte sich nicht bewegen. Da fiel es -der Freundin ein, ob nicht der Junge des Hammerherrn, dem es dieser -zwar gar nicht zutraute, den Diebstahl begangen habe. Sie schrieb -also dessen Namen mit auf ein Papier, wickelte es zusammen und legte<span class="pagenum"><a id="Seite_296">[296]</a></span> -es heimlich mit auf den Tisch. Da fing die Rute an sich zu winden, -und als die Zettel gesondert worden waren, schlug sie allezeit auf -denjenigen, welcher mit des Jungen Namen beschrieben war. Der -Hammerherr nahm darauf den Jungen vor und die entwendeten Sachen -wurden von ihm wieder erlangt. – In einem Zechenhause bei -Johanngeorgenstadt wurden unterschiedliche Centner Kobalt entwendet, -und weil einem frommen und christlichen Hammerwerksbesitzer, dem -die Rute schlug, ein anderer Gewerke zuredete, zu versuchen, ob nicht -die Rute den Dieb und dessen genommenen Weg anzeige, wollte dieser -erst nicht darein willigen, in der Meinung, sie ziele nur auf Klüfte -und Gänge. Er ließ sich aber doch bereden, nahm eine kleine Stufe -Kobalt von dem Haufen weg, wovon ein Teil entwendet worden war, -ging um das Zechenhaus, und als er an den erbrochenen Laden kam, -schlug die Rute, führte ihn über die Wiese einen Berg hinauf und -in einen Busch. Hier erblickte man frische Erde, und als diese hinweggeschafft -worden war, fand sich eine Partie versteckter Kobalt. -Darauf führte die Rute in einen zweiten und dritten Busch, so daß -man wohl die Hälfte des gestohlenen Kobalts wieder bekam. Ja als -sich einige Männer in der folgenden Nacht versteckten und die Diebe -den Rest nachholen wollten, wurde einer davon ergriffen und nach -Joachimsthal abgeliefert. – Die Rute schlägt auch auf Rainsteine. -Einem Rutengänger wurde sofort der Rainstein im Boden angezeigt, -ungeachtet schon Bäumchen darüber gewachsen waren. – Vielen Leuten -schlägt die Rute gar nicht. Sie hat aber auch anderen von Kindheit -an vortrefflich geschlagen; aber dieselben sind krank geworden oder gar -ausgewachsen, und ob sie gleich wieder genesen, so hat ihnen doch die -Rute keinen Zug mehr gethan.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Zu den in der Einleitung zu diesem Abschnitte über die vermeintlichen Wirkungen -der Wünschelrute und deren Gebrauch vorangeschickten Bemerkungen möge -noch folgendes beigefügt sein:</p> - -<p>Man fand in früheren Jahrhunderten Analogien dazu in dem das Wasser -aus einem Felsen schlagenden Stabe des Moses, in der blühenden Rute Aarons, durch -welche dem Moses der zum Priestertum bestimmte Stamm der Israeliten angezeigt -ward, in der Rute der Minerva, welche den alten Ulysses wieder jung machte, in -derjenigen der Zauberin Circe, durch welche seine Gefährten verwandelt wurden und -in dem Wunderstabe des Merkur, durch den Wachende in Schlaf fielen.</p> - -<p>Als man statt wirklicher Ruten Metalldraht und andere metallene Gegenstände -auf unterirdische Gänge und vergrabene Schätze verwandte, mochte man zunächst -zur Herstellung solcher Instrumente Legierungen aus verschiedenen Metallen -gebraucht haben, bis man später fand, daß auch gewöhnliches Messing genügte.</p> - -<p>Ein frommer Prediger in Freiberg entdeckte z. B., wie eine alte Bergpredigt -von Meltzer mitteilt, mittelst einer Lichtputze einen versteckten Groschen. An den<span class="pagenum"><a id="Seite_297">[297]</a></span> -beiden Enden der Rute wurde auch in einem seidenen oder tuchenen Fleckchen sogenannter -Erdweihrauch, d. h. Harz aus Ameisenhaufen eingenäht. Man wollte ferner -durch die Rute erfahren, ob Gold oder Silber und was für ein Erz, ob Rotgüldig- -oder Glanzerz u. s. w. in der Erde liege, wenn man davon ein Stückchen zugleich -mit der Rute in die Hand nähme. (Physikalische Belustigungen. Berlin, 1751. -S. 116 etc.)</p> - -<p>Sicher ist, daß sich der Glaube an die wunderbare Kraft der Wünschelrute -noch bis in die Gegenwart erhalten hat, obschon der Freiberger Professor Johann -Friedrich Wilhelm Charpentier sich bewogen fand, auf dem Titelkupfer seiner 1778 -erschienenen »Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande« das alte Vorurteil -mit verbundenen Augen und fliehend, den aufgeklärten Genius aber die -Wünschelrute zerbrechend darzustellen. <em class="antiqua">Dr.</em> Gustav E. Stein erzählt noch von einem -Versuche, welcher anfangs der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts in Freiberg auf -Veranlassung eines Markscheiders angestellt wurde. In scheinbar wissenschaftlicher -Weise war dabei von seiten dieses Markscheiders in einer Abhandlung -die Wirkung einer ganz metallenen oder auch hölzernen, jedoch mit einem -dünnen Metallüberzuge versehenen Rute durch elektrische Ströme erklärt worden, und -es sollten auch zur bessern Leitung dieser Ströme die Schuhsohlen des Rutengängers -mit dünnen Metallplatten belegt sein. Selbstverständlich blieben die von dem Verfasser -der erwähnten Abhandlung erwarteten Erfolge aus.</p></div> - -<h3 id="sec348">348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 197 etc. und 250. Schurig, Beiträge -zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, 1875, S. 36 -etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 256. <em class="antiqua">Documenta</em> oder -alte Uhrkunden und Nachrichtigungen, wo hin und wieder im Römischen -Reiche Gold- und Silber-Ertze, Goldkörner etc. zu finden sein -sollen. Abteilung in <em class="antiqua">Dr.</em> David Kellner, <em class="antiqua">Schola metallurgica</em>. Nordhausen, -1702. Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrgang, 1878, -S. 108.)</p> - -<p>Von meißnischen Goldseifen im Ober-Erzgebirge schreibt Mathesius, -daß dieselben den Welschen und Fremden viel besser bekannt, -als den Inwohnern selbst. Das Wasch- und ledig Gold, das in -Flüssen und Forellenbächen wächst, wird oft von Felsen und Gängen -abgerissen oder von Grus und Dammerde ausgewaschen und vom Gebirge -erledigt; es ist das edelste und reinste Gold, dem Kronengolde -gleich gehalten und ist ein Quentlein mit 38 Groschen bezahlt worden. -Solche Goldkörner, Flietschen und »Flämmigen« sind an Farbe und -Gestalt nicht einerlei, etliche sind rot wie rostig Eisen, andere grau, -etliche rauh und blaufarbicht, etliche wie Pech, andere dunkel und -durchsichtig wie die Granaten, etliche mild und mürbe, andere zerspringen -im Schlag wie Glas, etliche sind viereckig, etliche groß wie<span class="pagenum"><a id="Seite_298">[298]</a></span> -die Erbsen und Bohnen, andere lassen sich »flötschen« wie Blei, und -diese hält man für die besten. Solche Goldkörner, die sich flötschen -lassen, hat man am Schallerberg um Lengefeld in Brunnen und Bächen -gefunden. Alle Bächlein an der Zschopau, die vom roten Haus -auf den Stolzenhain in das Grenzwasser am Weinberg (Weipert) -fallen, haben gediegene schwarze Goldkörner bei sich geführet, und die, -so sich darauf verstanden, in kurzem reich gemacht. Im Grenzwasser -Pila (Pöhla) hat man ebenfalls gute Goldkörner gefunden, die sich -auch flötschen lassen, desgleichen im Bächlein Conduppel schwarze Körner, -die man auf dem Amboß breit schlagen konnte. Im Preßnitzer -Wasser haben die Alten gut Gold gewaschen, und hinter dem Spitzberge -über Jöhstadt hat der Bach viel und gute Silberkörner gegeben -und heißt noch davon der Silberbach. In allen Bächen zwischen -Wolkenstein und Annaberg, die in die Zschopau fallen, hat man Granaten -gefunden, in Farbe schwarz, braun und rot, als der beste Zusatz -zum Gold, außerdem Amethysten und Körner, dem Eisenstein gleich -und so gut als Rheinisch Gold. In Forellenbächen um Marienberg, -Fernrückertswald und Glashütte haben die Alten gediegene Goldflietschen -klein und groß gewaschen, die sich auch fletschen lassen. Daher -auch die Forellen, die in solchen Goldbächen wachsen, <em class="antiqua">Auratae</em> genannt, -von Gold, nicht eben ab <em class="antiqua">aureolis maculis</em>, daß sie goldfärbig -wären, dieweil sie um Annaberg und Scheibenberg auch gemeiniglich -mit schwarzen Sprenklein gefunden werden, sondern von goldführenden -Bächlein, oder bei sich führendem Golde, wie andere wollen. Am -Schwarzwasser und seinen Einfällen über und um Platten, Gottesgab -und Breitenbrunn, in ihren Zinn-, Lauter- und Küheseifen von der -Goldenen Höhe herein, werden noch bis jetzt Goldflietschen im Ausmagneten -und Reinmachen des Zinnsteins in Federkielen gesammelt, -und bisweilen feine Stüflein gediegenen Goldes gefunden, welche von -Chymisten höher denn ander Gold gehalten werden. An der Schneeberger -Mulde um Schneeberg, Auerbach, Dörrbach, Fletschmaul u. s. w. -werden auch Goldflietschen gefunden, und bei Eibenstock hat in einer -Seifen, der Goldbrunn genannt, ein Mann des Tages 1½ Pfund -Goldkörner waschen können, davon ein Pfund 14 bis 18 fl. gegolten.</p> - -<p>Dieser Goldreichtum war die Veranlassung, daß sich seit mehreren -Jahrhunderten Ausländer einfanden, welche umher zogen und -Gold in Flüssen und in der Erde aufsuchten, dasselbe mit sich nach -Hause trugen, daselbst gut machten und sich dadurch großes Vermögen -erwarben. Man nannte diese Leute Wahlen oder Venetianer, weil sie -größtenteils aus Venedig her kamen; sie stammten aber auch aus -Florenz, Veltlin, Wallis, Graubündten und aus Walheim bei Mecheln<span class="pagenum"><a id="Seite_299">[299]</a></span> -in den Niederlanden. So haben zu Gablenz im Schönburgischen an -einem Orte im Oberdorfe Venediger alle Jahre Goldkörner »ausgeküttet«, -und nach Auffindung der Bergwerke zu Annaberg sind die -Wahlen auch dahin gekommen und haben das reichhaltige Erz geschmolzen -und auf eine bessere Art gut gemacht, als die dasigen Bergleute -konnten. Man kennt von solchen Wahlen u. A. folgende mit -Namen. <em class="antiqua">Dr.</em> Markus und <em class="antiqua">M.</em> Hieronymus von Venedig und Piger, -Antonius von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nic. Schlascau, -Adam und George Bauch, Christoph und Hanß, Friedrich und -Barthel <em class="antiqua">Fratres</em> und Moses Hojung von Venedig, die sich von 1400 -bis 1608 im Gebirge aufgehalten haben oder an Flüssen ertappt worden -sind. Übrigens scheinen diese Leute sehr oft von guter Herkunft -gewesen zu sein. Wahlen werden nach der Überlieferung auch als -Gründer des Bergbaus im Vogtlande bezeichnet.</p> - -<p>Die Orte, an denen die Wahlen Gold oder Edelsteine gefunden, -haben sie fleißig angemerkt und in Büchlein, sogenannte Wahlenbüchlein, -eingetragen, wobei sie sich merkwürdigerweise der deutschen und -nicht ihrer Landessprache bedienten. Zur Orientierung schnitten sie in -Bäume oder meißelten sie in Felsen bestimmte Merkzeichen ein. Sie -bedienten sich auch vieler abergläubischer Mittel; so z. B. haben sie -zum Schmelzen, Rösten und zur Verwandlung der Metalle einzelne -Kräuter gebraucht, wie das Mondkraut (<em class="antiqua">Lunaria</em>), bei Aufgang der -Sonne im vollen Mond gepflückt, ferner Goldwurzel oder Martigen, -Mondraute und Eisenkraut, auch Taubenkraut genannt. Sie sollen -aber auch die Erze verthan oder verzaubert haben, damit sie niemand -als sie finden könne. Sie sollen deshalb ein Stück Holz von einem -Sarge genommen und an solche Orte, wo Körner, Erz oder sonst Metalle -sind, oder in einen Baum in der Nähe eingeschlagen haben, und -niemand habe sie dann ausfindig machen können, es sei denn, das -Holz wäre verfault oder herausgefallen. Auch sollen sie Totenköpfe -in die Brunnen und Erzgruben geworfen haben, die erst entfernt werden -mußten, wenn man etwas finden wollte; ja zuweilen sollen sie -einen bösen Geist dahin gebannt haben. Gleichwohl gab es auch wieder -Mittel, um diesen Zauber aufzuheben; so wurde folgendes angegeben: -»Kreuch dreymal rücklings vorne um das (verzauberte) Loch, -wenn es nicht aufgethan, so ist's auf jener Seite verthan worden und -so hast du es auf dieser Seite noch einmal verthan. So gehe und -kreuch auf jener Seite sechsmal rücklings herum, so thust du jenes -und deines auf, dann wirst du es recht finden, also kannst du auch -alle anderen Sachen, die verthan sind, wieder aufmachen, sie mögen -verzaubert sein, wie sie wollen.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_300">[300]</a></span></p> - -<p>Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und -deshalb hat der Aberglaube sie zu Zauberern und Teufelsbannern gestempelt.</p> - -<p>Einige Proben aus obengenannten Wahlenbüchern, soweit sie sich -auf das Erzgebirge beziehen, mögen hier Platz finden.</p> - -<p>»Im Tharandischen Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich -an Gold und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von -Höckendorf geht, darunter liegt ein Bergwerk, ist so reich an Silber, -daß vor viel tausend Thaler daraus genommen worden. Nicht weit -davon liegt der graue Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem -Wasser nach dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein -reiches Bergwerk, darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet, -auch bereits das Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze -Keulhaue und unter dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze -gehauen. Weiter hinauf in dem Walde wird man mehr Zeichen an -Bäumen finden, und mitten durch die Bäume streichet ein sehr mächtiger -Kupfergang einer Ellen breit, und liegt der ganze Mann da, -nach dem Wasser der halbe Theil, der Arm nach Freiberg, und das -ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie die Zeichen vermelden.</p> - -<p>Zu Höckendorf, wo das Silber-Bergwerk ist, welches aber durch -Gottes Strafe wegen Übermuths überschwemmt ist, hat ein Bauer -1660 gediegen Silber ausgeackert.«</p> - -<p>»Bei Dippolswald ist ein Dorff, das heist Rotenbach, davon -eine Meile bricht guter gelber Kieß, der ist sehr gut.«</p> - -<p>»Henichen (Hainichen) ein Städtlein 2 Meilen von Freyberg, -darbey liegt ein Dorff, heist Machern, alldar ist ein Waschwerck von -guten Körnern und Gold; liegt nicht weit von Ottendorff an der -Waldeck, da man durch den Wald gehet.«</p> - -<p>»Bey der Zella in dem Wald bey Sibeln (Siebenlehn) und Nossen -an der Mulda gelegen, da liegt gut Ertz und ein guter blauer Schiefer.«</p> - -<p>»Bey Frauenstein ist ein Fluß gelegen, 2 Meilen etwa von -Soda (Sayda?), bey einem Gerichte, da findest du zween Wege, einen -zur rechten, den andern zur linken Hand, da gehe den Rasenweg fort, -derselbe führt dich an einen Steig, dem folge nach, so kömmst du an -ein Wasser, die Grimnitz (Gimlitz?) genandt, gehe daran wohl hinauff -und zwart zur rechten Seite desselben, so kömmst du an einen alten -Graben, da vorzeiten eine Mühle gestanden, folge demselben abermahls -nach, so kommest du an einen Fluß, darinnen Forellen sind, -der führet Körner, die sind wie natürlich Gold, und hab ich Hieronymus -Weigard Hauß und Hoff davon erbauet. <em class="antiqua">NB.</em> Wenn die Körner<span class="pagenum"><a id="Seite_301">[301]</a></span> -naß sind, sehen sie schwärtzlich aus. Gehe von dar weiter die Grimnitz -hinabwerts, biß du zu einem Steige kommest, gehe aber nicht -darüber, sondern den Weg, der da das Holtz herab gehet, so kömmest -du wieder an einen Fluß, dem folge nach, so kommest du an ein Brüchig, -wasche dar, so findest du schwartze Körner, die ich nicht genugsam verloben -kan, ihres Nutzens wegen. Darnach gehe über die Grimnitz -zurücke auff eine halbe Meile Wegs, da wirst du an einen großen -Berg kommen, nahe bei einem Dorff, Liechtenberg genannt, da -findest du gegen das Dorff am Berge weiße Letten, so sehr gut abzutreiben -ist.«</p> - -<p>»Bey Marienberg zwischen dem Olbernhause und Katternberg -(Olbernhau und Katharinenberg) bricht ein spißiger Marcasith in einem -schwartzen Schiefer.«</p> - -<p>»Bey Zwickau liegt ein Dorff, heist Rotenbach, daselbst soll ein -Bach seyn, welcher Gold und Silber-Granatenstein führet.</p> - -<p>Item bey einem andern Dorff, so eine Meile von Zwickau lieget, -Nahmens Hartmanns Grüen, findet man auch Körner, die sich -fletschen lassen.</p> - -<p>Item zur Neumarck anderthalb Meilweges von Zwickau ist ein -gut Gold-Seiffen, und bricht auch Silber und Antimonium daherum.«</p> - -<p>»Wenn du kommest gegen Dürresbach oder Auerbach, frage nach -dem Fluß-Maul- oder Fletschmaul, darnach Eibenstock, allda frage nach -dem Gold-Brunnen, darinnen sichere und suche, so findest du schwartze -Körner, deren 1 Pfund 14 biß 18 fl. gilt. Diese Gelegenheit ist -eine Meile vom Schneeberg, und kannst du in einem Tage 1 biß 2 -Pfund waschen.«</p> - -<p>»Hinder Otten im Voigtlande auf der Kuttenheide gehe zu oder -vor St. Peters-Capell bei 2. Ackerlänge, gegen dem Großleinwerts, -so kömmst du zu einen hohen Felsen, darbey ist nahe ein alter Glaß-Ofen, -und hat vorzeiten eine Glaßhütte daselbst gestanden, da findest -du ein weiß Wasser gegen dem schwartzen Berge zu, darinn sind gute -Goldwasch-Körner enthalten, bißweilen als Erbsen oder Bohnen groß.</p> - -<p>Willt du allda nicht waschen, so gehe wiederum hinab zum Hirschberge, -da kommest du zu einen abgeschnittenen Baum, von diesem -Baum gehe eine Ackerlänge, so kömmest du zu einer zwieselichten Gabel, -daselbst lege dich nieder auf die Erde, und höre wo Wasser rauschet -unter der Erden, räume das Mooß daselbst hinweg, so auff Holtz, -gegen Mitternacht zu gelegt ist, so wirst du einen Ertzgang antreffen, -welcher das herrlichste Gold führet.</p> - -<p>Von dannen gehe weiter auff dem Rasen fort gegen Mittag vom -Holtze an, da wirst du zu einen Brunnen kommen, in selbigen ist<span class="pagenum"><a id="Seite_302">[302]</a></span> -noch das schönste Gold enthalten. Von diesem Brünnlein gehe dem -Wasser, das darauf entstehet, nach, so kommst du an ein Steingewölb, -da warte auff.</p> - -<p>Item Bey der Capellen unter den Fenstern gegen Mittage wirst -du eine Hand in einen Baum geschnitten finden, die weiset dich nach -der ziehnen Gabel, da kömmst du zu einen Brünnlein, woraus die -Zwoyt (Zwota) entspringt; dem Fluß gehe nach zu der ziehnen Gabel, -daselbst suche, so wirst du viel Gold finden.</p> - -<p>Item Wenn du zur Kuttenheide, bey St. Peters Capell, bist, so -frage nach St. Peters-Brunn, und gehe dem Flusse nach, biß er in -einen andern Bach fällt, daran gehe förter und siehe dich um, so -findest du ein Zeichen in einer Tanne und eines in einer Fichten, so -nicht weit von einander stehen, dazwischen suche, da wirst du einen -Schacht finden, der ist verdeckt; mache denselben auff, so findest du -einen gelben Gang, von guten Gold-Ertz, davon das Pfund 10 fl. gilt.</p> - -<p>Item, Auff der Kuttenheide frage nach Weyher, ist eine Meile -davon ein Dorff, daselbst liegt eine Mühle, heist die Geigers-Mühle, -am Bach, ein Armbrust-Schuß weit davon zur linken Hand ist ein -Felsen, darinn bricht ein schöner Gold-Talck und sonst noch ein schwartz -Ertz, das ist Marcasith.«</p> - -<p>»Von Großlitz (Graslitz) aus gehe über eine Wiese am Wasser hinauf -und siehe dich nach einer Buchen um, daran ein Kreutz gehauen ist, von -derselben gehe einer Ackerlänge am Berge hinauff, so wirst du eine -sehr große alte Fichten finden und nahe dabey einen alten Stollen, -darinnen ist ein Gold-Ertz-Gang, dessen Pfund ist vor 14 fl. verkaufft -worden.</p> - -<p>Item. Wenn man von Großlitz aus der Holen geht, so kommt -man zu einen Fohrenbach, der fleust Kreutz weiß über den Weg; daran -gehe zur rechten Hand hinauff so lange biß an die Quelle desselben -Baches, darauf er entstehet, die liegt auf einen hohen Berg, und -wirft viel Sand aus, den sichere, so wirst du schwartze Körner finden, -die viel Gold halten, davon das Pfund 15 fl. gilt.«</p> - -<p>»Zu Schöneck frage nach der Helle und gehe von dar um St. -Johannis Tag, bey St. Peters Capelle, der aufgehenden Morgen-Sonne -gerad entgegen, biß zu Mittags 11 Uhr; so kommst du auf -eine weite Heide, da eitel Birken stehen, davon gehe zwei Steinwürffe -gegen Mittag zu, so kömmst du an ein Gemöß bey einem Wässerlein, -räume das Gemöß hinweg und grabe daselbst ein, so wirst du einen -großen Reichthum von Gold antreffen.</p> - -<p>Item. Im Holenstein eine halbe Meile von Schöneck ist ein -Stollen, darinnen bricht ein Quartz, so weiß Gold-Ertz hält.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_303">[303]</a></span></p> - -<p>»Auffm Schneeberg frage nach dem Schloß Wiesenburg, dabey -fleust ein Wasser hinweg, an diesem gehe aufwerts fort biß du kommst -dem Schafstall gleich, daselbst stehet ein Teich, über diesem Teich suche -in dem Wässerlein, so wirst du viel und gute reichhaltige Gold-Körner -darinn finden, welche dir die Mühe wohl belohnen werden.«</p> - -<p>»Eisenberg ist ein Schloß also genennet, laß dasselbe auff der -linken Hand liegen und gehe gerichts nach demselben wohl hinauff, -auff den Kamp, und gehe gegen der Sonnen-Auffgang, nach Brix -zu, auf dem Kamp, dann gehe auff das Schadehauß, so nahe darbey -liegt, wenn du darhinder kommst, so kehre dich um, und wende den -Rücken nach der Sonnen-Auffgang, siehe von dar wieder auff oder nach -den Kamp, so wirst du einen Rasenweg, auff St. Katharinberg zu, -erblicken, dann gehe einen guten Armbrust-Schuß weit, nach dem Kamp -zu, hinein, da wirst du einen Steinfelß finden, dem stelle dich zur -rechten Hand, gegen das schlimme Thal nach dem Schadeberge zu, -und gehe daselbst im Thal nach 2 Hügeln gerade fort, so wirst du -in einer Tannen eine Hand eingeschnitten finden, von derselben kömmst -du zu einem Wasser, das zwischen dem Schottenberg hinfleust, da -kannst du viel Gold waschen.«</p> - -<p>»Wenn man von Brix auff Seida gehet, in dem Wald fleust -ein Wasser, darinn sind gute Körner.«</p> - -<p>»Zwischen Krohenzahl (Cranzahl) und Breßnitz fleuset ein Wasser, -darüber gehet ein Brücklein und nicht weit davon stehet ein großer -Baum mit einem krummen Ast, als ein Arm, da findet man schwartze -Körner, die man auff einen Amboß breit schlagen kann.«</p> - -<p>»Bei Kupferberg liegt ein Dörfflein, heist zum Holitsch an einem -Berge bei dem Halß-Gericht, daselbst findet man je zuweilen auch gediegene -Gold-Körner.«</p> - -<p>»Auff Satzunge gegen Konnetur (Komotau?) nicht weit von einem -Wege, da stehet eine Stein-Tanne, auf welcher Wurtzel ein Zeichen -eingeschnitten ist. Nicht weit davon soll ein Wässerlein fließen, und -um die Tanne ist eine Grube, in welcher ein schöner Goldhaltiger -<em class="antiqua">Marcasith</em> bricht.«</p> - -<p>»Schlackenwerth oder Schlackenwerda. Frage hiervon nach der -Eger in die Nössel; wohl hinden am Steige findest du ein Loch in -dem schwartzen Brand, kreich darein, so wirst du viel Gutes antreffen.«</p> - -<p>»Hawenstein (Hauenstein) liegt eine Meilwegs von Schlackenwalda, -von Hawenstein gehe in das Gründlein unter die Fichten, da der gestümmelte -Baum stehet, allwo der liebe Gott dran hengt, und von -dar weiter zu einen Felsen, etwa einer Ackerlänge vom alten Hammer-Graben, -da ist ein Loch inne, worinnen viel weiß Gold enthalten ist,<span class="pagenum"><a id="Seite_304">[304]</a></span> -welches nach der <em class="antiqua">Cementation</em> dem Arabischen und Ungarischen gleich -ist. <em class="antiqua">NB</em>. Lieget nach dem Fichtelberge zu.«</p> - -<p>»Von dem Hauenstein, da man in den Stollen gehet, fleust ein -Wasser herab in die Eger an den Jungfer-Stein, dasselbe Wasser hat -gute Körner, so viel Gold halten, das ist das reichste Seiffenwerk im -ganzen Böhmerland. Diese Körner sind schwärtzlich und gediegen.«</p> - -<p>»Im Walde bei Hasenstein (Hassenstein) unter einer Tannen, so -gezeichnet ist, stehet ein Gang Spannen breit oder mächtig, welcher -eine große Feste neben sich hat, darinnen ist ein sprenglichter Kieß, -hält 12 Loth.«</p> - -<p>»Item. Von dem Hasenstein frage und gehe nach einem Dorff, -heist Brunnersdorff, gehe von dar ferner oben bey dem Dorff und der -Mühlen hinaus, und frage nach einem Dorff, heist Wernersdorff, so -nicht weit davon ist, alldar gehe auch oben die Straß nach dem Klösterlein, -so kömmst du zu einem Dorff, ehe du in das Städtlein kommst, -heist Zirnabis, und an der Straßen vordem Dorff findet man Amethisten -am Wege und Äckern. Zur rechten Hand nach dem Gebirge, -etwa einen Armbrust-Schuß dem Berg hinan, da ist ein Loch, kreich -darein, so findest du einen Gang voller Amethisten.«</p> - -<p>»Hagensdorff liegt nicht weit von Hasenstein, oder Hasendorff -und Bleißdorff, bey diesem Hagensdorff hat vor Zeiten ein Kloster -gestanden, wie noch zu sehen ist, darzu gehe, so findest du ein Berglein -wie eine Mauer, darunter ist ein Stollen, in welchem man viel -Granaten findet, ja! wenn man suchet, auch auff den Äckern daherum. -Desgleichen auch auff dem Hasenstein im Eichwald, über dem alten -Kloster. Item zum Hauenstein bey der Hauß-Mühlen ist ein schöner -Goldgang.«</p> - -<p>»Item. Bey Zirnisch ist ein Gründlein auff der rechten Hand, -das heist die Schona, ist ein Wasser, darinnen hat ein Hirte geseiffet -oder gewaschen und viel Gold funden, daher er sehr reich worden, und -seinen Hirtenstand verändert; Massen er seine Güther an einem ihme -gefälligen Orthe erkaufft und sich sehr wohl eingesetzt hat.«</p> - -<p>»Item. Von den Caden an der Eger hinauff fleust ein Wässerlein, -welches von Hauenstein in die Eger fleust, darinn findet man in -weißen Quärtzlein gediegen Gold, und ist der reichsten Seiffenwerken -eines in gantz Böhmen-Land. Dergleichen Quärtze und Gold-Körner findet -man der Orthen herum fast viel in den sandigten Flüssen und Wasser.«</p> - -<p>»Item bey Caden im Steinbruch stehet ein Letten eines Fingers -breit, dessen Centner hält 14 Loth Silber.«</p> - -<p>»Item Bey den vierzehn Nothhelffern nach dem Klösterlein über -der Steinern Brücken, jenseits des Spitzberges in der Silberbach, hat<span class="pagenum"><a id="Seite_305">[305]</a></span> -ein Hirte in einem Tage, nebst seiner Huth- und Weide-Verrichtung, -ein Loth Gold gewaschen, an Körnern, die er vor Gold nur angesehen -und erkennet hat, die andern hat er ohnerkandt weggeworffen.«</p> - -<p>»Zur Hohen Tanne am Galgenberg, bey der Silberbach, da die -zwey Flüßlein einen Steinwurff weit herabfließen, findest du einen -alten Stumpff von einer abgehauenen Birken, in welchen ein Bilgrams-Stab -geschnitten ist mit einem Sack. Zwischen dem Stumpff und Bach -findest du eine Hurt, die hebe auff, darunter ist ein Loch in Stein -gearbeitet, in welchem ein Gang einer Ellen breit des herrlichsten -Gold-Ertzes ist. Kanst du die Hurt nicht flugs finden, so rumpele -oder stöhre mit den Füßen oder Stock zu rings umher, biß du es -hörest dummeln, allda wirst du viel Gold finden.«</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>In der Umgegend von Elbogen erzählt man, daß alte Leute noch -im vorigen Jahrhunderte Goldsucher aus Welschland angetroffen hätten, -welche mittelst Wünschelrute und Haue den unterirdischen Schätzen nachspürten. -Besonders geschah dies am sagenreichen Krudimberge. Doch -hat man sie niemals bei ihrer Arbeit, sondern stets vor und nach derselben -gesehen. Bei dem Dorfe Steinmeißl bei Elbogen sahen Waldarbeiter -aus den »Grundhöhlen« durch eine Art Rauchfang Rauch -aufsteigen; doch nie konnten die Leute entdecken, wer das Feuer angemacht. -Man meinte, daß es Venediger gewesen, die hier und im -Hans-Heilingsthale Erze suchten. Der Wald bei dem Hornesbauerhofe -war einst für Venediger ein wichtiger Fundort von Erzen. Besonders -sollen sie in einer Höhle an der Morgenseite der Felsen ihr -geheimnisvolles Werk getrieben haben. Es ist das eine Höhle, welche -sich, wie die Sage berichtet, am Karfreitage öffnet, so daß man in -die Felsen hineingehen und Schätze heben kann. –</p> - -<p>In Platz wird erzählt, daß ein Italiener (Venediger) namens -Antonio Stoll hier auf Silber einschlug und wirklich in zwei Bergwerken -Silber fand, von dem er auch an die Regierung abgeliefert -hat. Die Zeit, wann dies geschah, ist unbekannt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde bereits -darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold suchenden Venetianern -außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt -ihre Heimat fast durchgängig nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen -und von wo sie in gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge -zu durchstreifen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_306">[306]</a></span></p> - -<p>Im <em class="antiqua">Zlatorog</em> von Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen -geschildert:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,<br /></span> -<span class="i0">Wenn Venetianer kommen in das Thal.<br /></span> -<span class="i0">Er weiß recht wohl, warum die klugen Wälschen<br /></span> -<span class="i0">Verlassen ihre schönen Marmorhäuser<br /></span> -<span class="i0">Alljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)<br /></span> -<span class="i0">– – – Was –, frag' ich, treiben<br /></span> -<span class="i0">Die Venetianer denn bis in den Spätherbst?<br /></span> -<span class="i0">Warum denn kriechen sie durch alle Schluchten<br /></span> -<span class="i0">Der Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?<br /></span> -<span class="i0">Warum denn schleichen sie durch alle Bäche<br /></span> -<span class="i0">Gleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?<br /></span> -<span class="i0">Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,<br /></span> -<span class="i0">Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,<br /></span> -<span class="i0">Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspüren<br /></span> -<span class="i0">So gut wie jene klugen Venetianer.<br /></span> -<span class="i0">Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzen<br /></span> -<span class="i0">Aus Kieselstein und waschen aus dem Bachsand<br /></span> -<span class="i0">Das gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.<br /></span> -</div></div></div> - -<h3 id="sec349">349. Die Goldstampe am Borlasbache.</h3> - -<p class="source">(Ludwig Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)</p> - -<p>Wenn man vom Weißeritzwehre an der großen Rabenauer Mühle -den Fluß aufwärts geht, gelangt man bald an ein munteres Bächlein, -das von Borlas herabkommt und sich in die Weißeritz ergießt, und -abermals wenige Schritte flußaufwärts steht ein großer Felskegel künstlich -abgetrennt von seinem Mutterfelsen, um der Eisenbahn einen -Durchgang zu schaffen.</p> - -<p>An der Spitze des Kegels kann man bei aufmerksamer Beobachtung -den Rest einer Aushöhlung erkennen, die nicht das Werk der -Natur, sondern fleißiger Hände ist.</p> - -<p>Vor viel hundert Jahren kamen in Zwischenräumen, wenn die -Goldkörner in der nahen Weißeritz reif geworden, Wahlen aus dem -fernen Wälschlande, deren Zunge man nicht verstand und die sich nur -notdürftig verständlich machen konnten, und schafften den Sand aus -dem am Fuße des Felsens befindlichen Weißeritzheger hinauf auf diesen -Felsen und stampften ihn in diesem Loche mit Wasser, bis die Goldkörner -sich vom Sande sonderten und von ihnen ausgelesen werden -konnten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_307">[307]</a></span></p> - -<p>So hatte sich nach und nach ein Loch gestampft, in dem ein Mann -wohl bis an den Gürtel stehen konnte, und noch jetzt zeugen die einzigen -zwei Seitenwände, die von der Goldstampe übrig geblieben sind, von -der rührigen Arbeit der Wahlen.</p> - -<p>Und auch jetzt noch führt die Weißeritz Goldkörner an dieser -Stelle, sie sehen aber dem Sande gleich aus, denn sie sind noch nicht reif.</p> - -<h3 id="sec350">350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.</h3> - -<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 62.)</p> - -<p>Der ehemals so ergiebige Bergbau auf edle Erze lockte Bergleute -aus weiter Ferne, darunter auch aus dem Venetianischen, sogenannte -Venediger, ins Erzgebirge. Einer derselben kam Sommer für -Sommer auf den Spitzberg bei Preßnitz. Man wußte lange nicht, -was er hier wollte und er selbst sagte niemandem ein Sterbenswörtchen -davon. Endlich aber ward er doch einmal beobachtet, wie er andächtig -kniend zum Himmel betete und sodann aus einer vorüberrieselnden -Quelle viele funkelnde Goldkörner in seinen Spitzhut raffte. -Nachher sah man den Venediger nie wieder, sei es, daß er sein Glück -wo anders versuchte, sei es, daß er, der Schätze schon genug besitzend, -für immer in seine Heimat gezogen war.</p> - -<h3 id="sec351">351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.</h3> - -<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit etc. 1845, S. 324–26.)</p> - -<p>Im Dorfe Fürstenwalde lebte in früherer Zeit ein Häusler, -namens Bär, bei welchem seit vielen Jahren ein schlichter Fremder, -angeblich ein Italiener, alljährlich einkehrte, sich mehrere Wochen daselbst -aufhielt, und die dasige Gegend bloß deshalb besuchte, um in -dem Flußbette der Müglitz Goldkörner und edle Steine zu suchen. -Erstere soll er in der Gegend vom Kratzhammer abwärts bis an das -sogenannte Löwenbrückchen, letztere hingegen außer in der Müglitz auch -im Schlotteritzer Grunde gefunden haben. Seine Bemühungen wurden -jedesmal mit dem besten Erfolge gekrönt, und er lohnte daher seinem -Wirte Kost und Herberge zur völligen Zufriedenheit. Nach mehr als -zwanzigmaligem Wiederkehren eröffnete der Fremde endlich seinem -Wirte, daß er nun nicht mehr nach Sachsen kommen, sondern seine -Reisen einstellen werde, und bat ihn zugleich, ihn einmal in seiner -Heimat zu besuchen, wozu er, der Fremde, die nötigen Anstalten schon<span class="pagenum"><a id="Seite_308">[308]</a></span> -treffen wolle. Bär sagte zu. Nach länger als Jahresfrist erhält nun -Bär von seinem frühern Gaste die Nachricht, daß er kommen solle, -daß er nur bis Teplitz zu gehen und dort auf der Post sich zu melden -brauche, indem das Übrige wegen seines Fortkommens und seiner Beköstigung -schon besorgt sei. Halbgezwungen macht sich also Bär auf -den Weg, findet alles so, wie die Nachricht es ihm gemeldet, und -langt wohlbehalten in der ihm beschriebenen Stadt an. Hier geht nun -Bär, die Adresse seines Freundes, welche den Namen der Gasse und -die Nummer des Hauses enthielt, in der Hand, im schlichten ländlichen -Anzuge die Gassen mehrmals auf und ab, ohne das Ziel seiner Reise -gefunden zu haben, da er der dortigen Sprache nicht kundig ist und -mithin auch sich niemandem mitteilen kann. Nach langem Suchen -findet er endlich das mit der ihm angegebenen Nummer bezeichnete -Haus, jedoch weit größer und prächtiger, als er sich das Haus seines -Freundes gedacht. Er tritt aber demohngeachtet in dasselbe ein, -um sich nach dem Namen des Besitzers zu erkundigen, wird aber von -einem prachtvoll gekleideten Bedienten, der ihn für einen gewöhnlichen -Bettler hält und dessen Sprache er nicht versteht, mit Gewalt wieder -zum Hause hinausgebracht. In dieser Bedrängnis ruft ihm eine -Stimme aus dem Hause zu: »Vater Bär, bist Du's?« und gleich darauf -erscheint zu Bärs großer Freude sein Freund, um ihn bei sich -einzuführen. Bär, ganz erstaunt über die große Pracht, welche ihn -auf einmal umgiebt, verlebte mehrere Tage in seliger Trunkenheit. -Sein Freund bot alles auf, ihm den Aufenthalt so viel wie möglich -zu verschönern, und als Bär sich endlich zur Rückreise anschickte, führte -ihn sein Freund noch in ein Kabinet, welches seine Schätze enthielt. -Hier bat er ihn, unter mehreren dort aufgestellten, aus dem reinsten -Gold gegossenen Figuren sich als Andenken eine mitzunehmen, da sie -aus den Goldkörnern seien, welche er in Bärs Heimat gesammelt habe. -Bär wählte nach langem Zaudern ein goldenes Lamm, und langte -damit, sowie mit einer kleinen Summe Geldes, welche ihm sein Freund -noch aufgedrungen, glücklich in seiner Heimat wieder an. Die Kunde -von dem goldenen Lamme verbreitete sich bald in der Umgegend und -kam endlich auch vor den Besitzer von Lauenstein, der am sächsischen -Hofe eine Stelle bekleidete. Auf seine Veranlassung brachte Bär sein -goldenes Lamm diesem aufs Schloß Lauenstein, und der Herr fand -solches so kunst- und wertvoll, daß er den Vorschlag that, dieses Lamm -dem Kurfürsten zu zeigen. Auch dieser fand großen Gefallen an dem -goldenen Lamme und suchte Bären endlich dahin zu bestimmen, daß -er dasselbe gegen eine ihm zugesicherte lebenslängliche Rente dem Fürsten -überließ. Das goldne Lamm soll sich noch heute im Königlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_309">[309]</a></span> -Kunstkabinet zu Dresden befinden; aber auch Bärs Nachkommen leben -heute noch im Dorfe Fürstenwalde.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Eine thüringische Sage erzählt, wie einst ein Hirte von einem Venetianer, -welcher ihm die Schätze im großen Wartberge zeigte, nachdem er die Schlangenkönigin -getötet und ihre Krone an sich genommen hatte, ein Wunschtüchlein und die -Einladung erhielt, ihn einmal in Venedig zu besuchen. Wirklich wünschte sich der -Hirte einst zu dem Venetianer hin und plötzlich schwebte er über den Türmen Venedigs -und fand seinen Bekannten in einem schönen Palaste. Er wurde gut aufgenommen -und beim Abschiede mit einer kleinen Kutsche und 6 Pferden von gediegenem -Golde beschenkt. Dies Geschenk hat der Hirte und seine Familie lange aufbewahrt; -später ist es in die Kunstkammer zu Gotha gekommen. (Richter, Deutscher -Sagenschatz, II. No. 50.)</p> - -<p>Ebenso erzählt eine fichtelgebirgische Sage, daß ein Mann aus Wilfersdorf -einen Goldsucher, den er in seinem Hause beherbergt hatte, in dessen Heimat Venedig -besuchte und dort gut aufgenommen und reichlich beschenkt wurde. (Zapf, Der Sagenkreis -des Fichtelgebirges, S. 102.)</p></div> - -<h3 id="sec352">352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg.</h3> - -<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 62.)</p> - -<p>Unterhalb des Ortes Schmiedeberg, auf Pleiler Gemeindegebiet, -befindet sich ein großer Schlackenhaufen, welcher das alte Schloß genannt -wird. Zweifellos ist dies eine uralte Ansiedelungstätte des -Schwarzwasserthales, die aus einem großen Eisenschmelzfeuer mit -Hammerwerk bestanden haben mag. Mancherlei Sagen knüpfen sich -an diese öde Schlackenhalde. Unter andern soll hier auch ein Schatz, -ein kupferner Kessel mit Silber gefüllt, vergraben liegen. Oft schon -haben Geldgierige am Palmsonntage oder in den Tagen der Karwoche, -doch immer vergebens, darnach gesucht. Um den Schatz zu heben ist -eine gute Wünschelrute von nöten.</p> - -<p>Einst fischten beim alten Schloß einige Knaben im Schwarzwasser. -Einer derselben, der sich von seinen Kameraden zufällig entfernt hatte, -findet auf einmal eine große, thorähnliche Öffnung im Berge, geht -dreist in die sich mehr und mehr erweiternde Höhle hinein und kann -sich vor Staunen kaum fassen, denn eine solche Pracht haben seine -hellen Augen noch nicht gesehen. Rings krystallene Wände, daran -in Regenbogenfarben glitzernde Edelsteine und funkelnde Erze und in -der Ferne ein wunderbar strahlendes Licht. Von diesem zauberhaft -übergossen aber standen im Hintergrunde große Krystallvasen, gefüllt -mit eitel gediegen Gold und Silber. Lange stand der Knabe, versunken -in diesen herrlichen Anblick. Da plötzlich erinnert er sich seiner<span class="pagenum"><a id="Seite_310">[310]</a></span> -Genossen; auch sie sollen dies alles sehen, denkt er und eilt hinweg, -sie zu verständigen. Allein da die Knaben alle kamen, konnten sie -trotz des eifrigsten Suchens die Wunderhöhle nicht mehr finden. Der -Berg hatte sich geschlossen und zeigte wieder sein gewöhnliches Aussehen. -Alle Jahre aber, am Karfreitag Punkt 3 Uhr soll er, wie man -erzählt, eine Zeit lang geöffnet und samt all seinen Schätzen für -jedermann zugänglich sein.</p> - -<h3 id="sec353">353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.</h3> - -<p class="source">(Joh. Falke, Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden, 1866. S. 84.)</p> - -<p>Vor etwa 60 Jahren ist noch an dem hintern Teile der Kirche -zu Geyer auf der Südseite ein gemaltes Fenster zu sehen gewesen, -das einen buntfarbigen Bauer von ½ Elle Höhe mit zwei Dreschflegeln -darstellte. Dieser Bauer war der Sage nach aus Geyersdorf, -das vor Annabergs Erbauung nach Geyer eingepfarrt gewesen sein soll, -und derselbe ließ den hintern Teil der Kirche auf seine Kosten bauen. -Unter diesem Fenster war ein Gemälde auf Leinwand mit einem Bauer -in größerer Figur, zu dessen Füßen ein Leichenstein. Nach der Sage -soll jener Bauer auf dem Rückwege von Geyer nach Geyersdorf, von -der Nacht oder einem Schneegestöber überrascht, seine Zuflucht auf -einem Baume genommen und dort geträumt haben, unter diesem Baume -seien Erzgänge. Er suchte und fand so reiche Erze, daß er durch den -nun begonnenen Bau in kurzem zum reichen Manne wurde und aus -Dankbarkeit diesen Teil der Kirche bauen ließ. Auf dem Gemälde -war er abgebildet, wie er im Begriff stand, mit einer lang gespitzten -Keilhaue einzuschlagen.</p> - -<h3 id="sec354">354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.</h3> - -<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. -Leipzig, 1723, S. 28.)</p> - -<p>Im Jahre 1713 soll in der Nähe von Johanngeorgenstadt bei -einem Vogelherde, an welcher Stelle man hierauf das Bergwerk -»Glockenklang und Vogelgesang« erschürfte, drei Tage nach einander -von früh bis gegen Mittag Geläute gehört worden sein, was von etlichen -Personen gewissenhaft an Eidesstatt ausgesagt wurde. Wie nun -die Gründung der Stadt Johanngeorgenstadt durch Glockengeläute angezeigt -wurde, so deutete man auch jenes Läuten als ein Anzeichen für -die Erweiterung des Bergbaus in dortiger Gegend.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_311">[311]</a></span></p> - -<h3 id="sec355">355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und -Bärenstein.</h3> - -<p class="source">(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. -Annaberg, 1746. S. 6.)</p> - -<p>Anno 1471 hat Peter Rosenkranz, ein Mönch im Kloster Grünhain, -dem Herrn Abt von vielen und mancherlei Sachen gesagt, auch -wie ein Bergwerk am Bärenstein aufkommen würde; dasselbe würde -einen langen Bestand haben und viel Ausbeute geben. Denn es läge -ein ganzer Stock Erz davor hinter dem Stein, hinab gegen das Wasser -zu, ein Gang eines Wagens breit im Streichen, gegen halb Mittag -und halb Abend, führte solch großes Erz, daß er nicht auszusagen -wüßte. Und wenn es die Zeit geben würde, daß es sollte aufkommen -und offenbar werden, so würde eine Zeche an der andern stehen, bis -über die Waschleite hinauf, und wer nur einen Kux davon hätte, da -würde er und seine Kinder und Kindeskinder Nahrung davon haben. -Auch würde ein Bergwerk aufkommen zwischen dem Pöhlberg und -Bärenstein, das würde einen guten Bestand haben und viele Ausbeute -geben, und eine schöne Stadt dahin gebauet werden. Aber dieses Bergwerk -wäre nur eine Ader vom Bärenstein. Und es läge auch auf den -Raschauer Gütern viel Eisenstein, welcher auch bald gefunden, und gar -gut Eisen daraus gemacht worden. Aber die Zeit wäre noch nicht -vorhanden, daß der Bärenstein aufkommen sollte, denn es würde durch -einen Aufruhr das Kloster ganz zerstöret werden, und kein Mönch -darinnen sein, ja es würde so zerstöret werden, daß das Erdbeerkräutig -auf denen Mauern und die Bäume über die Mauern hinauswachsen -und gar miteinander an die Fürsten von Sachsen kommen würde.</p> - -<p>Dasselbe prophezeiten später mit denselben Worten drei fahrende -Schüler, die den Abt von Grünhain Johann Gottfried Küttner um -Herberge und Beförderung angesprochen. Auf ihre Rede hat der Abt -eine Hirsch- und Bärenjagd am Bärenstein angestellt und die drei -fahrenden Schüler mit hinüber geschickt. Als man sie an Ort und -Stelle fragte, welche Zeit und Jahr es sollte offenbar werden, sind -sie ein wenig von dannen und unter einen Ulmenbaum getreten, und -haben miteinander geredet und gesagt: Ungefähr 50 Jahre nach dem -Bauerkrieg und Aufruhr würde das Kloster so wüste werden, daß das -Erdbeerkräutig auf den Mauern wachsen würde, und werden die Bergstädte -teils zu Grunde gehen, alsdann wird der Bärenstein angehen -und aufgenommen, allein man müßte mit dem Stollen die Gänge -überfahren.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_312">[312]</a></span></p> - -<h3 id="sec356">356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von -Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Nach Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrgang 2. und -3. Heft.)</p> - -<p>Die Gegend, wo jetzt Mariasorg liegt, war bis zum Anfange -des 16. Jahrhunderts eine mit Wald bedeckte Einöde. Hier wohnte -damals in einer einfachen Klause »um Sanct Albrecht unten am Wolfsberg, -wo der Schwarzgang hinabstreicht,« der fromme Einsiedler Johannes -Niavis (Schneevogel). Seine Andacht verrichtete er in einer -kleinen Kapelle, an deren Stelle sich heute die Mariasorger Kirche befindet. -Dieser Johannes Niavis hat samt der alten Gräfin Kaspar -Schlick deutlich von dem Thal, da jetzt die Stadt Joachimsthal liegt, -geweissagt, daß allhie ein großes Gut liege und eine mächtige Stadt -hierher solle erbauet werden. Es werde zwar das Bergwerk in sehr -großen Abfall geraten, aber doch hernach wieder florieren und in -größere Aufnahmen kommen, als es je gewesen.</p> - -<p>Diese Prophezeiung gab Veranlassung, daß im Jahre 1515 -Graf Stephan Schlick, Graf Alexander von Leisnick, Wolf von Schönberg -und Hans Tommeshirn sich zu der ersten Gewerkschaft vereinigten, -die alte Fundgrube am Schottenberge wieder belegten und so »mit -Gewalt das Bergwerk aufbrachten.«</p> - -<p>Die Kapelle des Einsiedlers Niavis war bei Einbürgerung der -lutherischen Lehre in Joachimsthal zerstört worden, und als man 1691, -da das Bergwerk infolge des dreißigjährigen Krieges und der Gegenreformation -in Verfall gekommen war, an dem Platze, wo sie gestanden -hatte, ein Kirchlein erbauen, und den sogenannten schwarzen -Gang entblößen wollte, fand man endlich einen Stein mit einem eingehauenen -Kreuze. Die Stelle, wo er lag, sollte der gesuchte Platz -sein. Hier wurde nun die Mariasorger Kirche gebaut, über deren -Thüre man jenen noch heute daselbst zu sehenden Stein einmauerte. -Die Einweihung erfolgte 1699. Der Ort selbst erhielt nach einem -wunderthätigen Marienbilde, das in der Kirche aufgestellt wurde und -viel Wallfahrer anzog, den Namen Mariasorg. Später wurde an die -Kirche das Kloster mit einer besondern Ordenskirche angebaut und im -Jahre 1765 vollendet. In der darauf bezüglichen, von der Kaiserin -Maria Theresia unter dem 16. November 1752 ausgestellten Urkunde -heißt es unter anderem, daß dies auch geschähe »aus dankmütiger -Erkenntlichkeit für den bisher von Gott verliehenen und ferners zu -erbittenden Berg-Segen.« So war die Prophezeiung des Einsiedlers -Johannes Niavis nicht nur die Veranlassung zur Gründung der Bergstadt<span class="pagenum"><a id="Seite_313">[313]</a></span> -Joachimsthal, sondern auch zu derjenigen der Kirche und des Klosters -zu Mariasorg.</p> - -<h3 id="sec357">357. Anfang des Bergwerks St. Briccius am Pöhlberge.</h3> - -<p class="source">(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. -Annaberg, 1746, S. 11–13.)</p> - -<p>1. Es soll ein Bergmann des Nachts im Traum eine göttliche -Erscheinung gehabt haben; dem habe geträumt, es komme ein Engel -zu ihm, der sagte, er solle in den Wald zu einem gewissen Baume -gehen, den ihm auch der Engel im Traum bezeichnet, da würde er -ein Nest mit goldenen Eiern finden. Darauf sei der Bergmann, als -es Tag geworden, aufgestanden und habe den ihm im Traume gezeigten -Baum gesucht und auch gefunden. Als er nun vermittelst einer -Fahrt auf solchen Baum gestiegen, so habe er das Nest mit den güldenen -Eiern zwar gesucht, aber nichts angetroffen. Da er wieder -herunter gestiegen, sei der im Traum ihm vorher erschienene Engel -alsbald zu ihm gekommen und habe ihm befohlen, er solle bei diesem -Baum einschlagen, so würde er das Nest mit denen güldenen Eiern -antreffen. Als der Bergmann diesem Befehle des Engels gefolgt und -zu schürfen angefangen, so habe er auch wirklich einen reichen Silbergang -entblößet, darauf alsdann der Bergbau allhier angegangen. Es -ist diese Geschichte in der Hauptkirche zu St. Annaberg an dem hintern -Teile des kleinen Altars, welchen die Knappschaft 1521 erbauen -ließ, abgebildet. Auch lieget in der alten Sakristei der Hauptkirche -ein großer runder Stein, auf welchem dieselbe Geschichte ausgehauen -steht.</p> - -<p>2. <em class="antiqua">Dr.</em> Barth, welcher 1584 als Professor in Leipzig starb, erzählt -dagegen: Einem Bergmanne, mit Namen Daniel, habe geträumt, -er sollte in den finstern Wald gehen, da würde das Feuer vom Himmel -fallen, dem sollte er alsbald nachgehen und an dem Orte suchen, -so würde er daselbst in der Erde einen großen Schatz finden, davon -er sich unterhalten und in seiner Armut leben könnte. Sobald es nun -Tag geworden, wäre der Bergmann aufgestanden, hätte Gott im Gebete -angerufen, daß er ihm gnädig sein und den Traum erfüllen wolle. -Hernach wäre er in den Wald gegangen, hätte den ganzen Wald -durchsucht, bald auf die Erde, bald gen Himmel gesehen und nicht ohne -große Hoffnung zu Gott gebetet, um das ihm im Traume versprochene -Feuer sehen zu lassen. Wider Vermuten wäre hernach ein Gewitter -am Himmel aufgestiegen, daß es mit einem starken Donner in den -Wald geschlagen. Da wäre dann der Bergmann geschwind gegangen<span class="pagenum"><a id="Seite_314">[314]</a></span> -und hätte alles durchsuchet, um zu sehen, wo es hingeschlagen. Da -er den Ort gefunden, habe er alsbald die Wünschelrute genommen -und sie feste in die Höhe gehalten, die Rute hätte sich aber in der -Hand so sehr gewendet, daß er solche fast nicht erhalten können, und -also gezeiget, daß der Schatz des Silbers hier an diesem Orte in -der Erde verborgen liege. Hierauf habe der Bergmann nachgegraben -und auch wirklich einen reichen Gang entdeckt. Dieser glückliche Finder -wäre hernach zu den Bauersleuten gegangen, hätte ihnen sein Glück -angezeigt, viele von denselben zu Gehülfen in seiner Arbeit genommen -und dieselben seines Schatzes teilhaftig gemacht, worauf sie dann viele -Erze gewonnen und schmelzen lassen. Da sich nun der Ruf davon -allenthalben ausgebreitet, so wären von allen Orten und Enden viele -Fremde hierher gekommen, das neu von Gott bescherte Glück zu sehen; -viele hätten auch hernach unten gegen Abend, wo der Berg abfällt, -noch viele andere reiche Gänge durch die Rutengänger entdecket, und -auf solche Art wäre also zuerst durch die Gnade des großen Gottes -das Bergwerk daselbst entdecket worden.</p> - -<h3 id="sec358">358. Die Entstehung Annabergs.</h3> - -<p class="source">(I. Mündlich. II. Ziehnert a. a. O. Anhang No. 21.)</p> - -<p>I. Zur Zeit Friedrich des Weisen lebte im obern Erzgebirge -nicht weit vom Schreckenberge ein alter, schlichter Bergmann mit Namen -Daniel Knapp. Nach alter frommer Sitte beugte er jeden Abend -seine Knie vor dem Muttergottesbilde. Als er dies eines Abends -wieder gethan hatte, legte er sich nieder. Da erschien ihm im Traume -die heilige Mutter Anna und befahl ihm, an der Stelle, welche sie -ihm im Traume zeigte, einzuschlagen. Verwundert über den seltsamen -Traum, machte sich der Bergmann auf und wanderte nach Wittenberg, -wo damals der Kurfürst weilte. Zagend trat Daniel Knapp vor denselben -hin und bat ihn, daß er ihm seinen Traum erzählen dürfe. -Der Kurfürst hörte verwundert dem Bergmanne zu, und als er geendet -hatte, folgte er ihm mit seinem Kanzler und begleitet von Rittern -und anderen Herren. Am Fuße des Schreckenberges, an der -Stelle, welche ihm im Traume geoffenbart worden war, schlug darauf -der Bergmann kräftig ein und bald strahlte dem Kurfürsten und seinen -Begleitern heller Silberglanz entgegen. Darauf ließ der Kurfürst -zur Erinnerung an den wunderbaren Fund die sogenannten Engelsgroschen -prägen und wenig Jahre später entwickelte sich aus den Ansiedelungen, -welche in der Nähe des silberreichen Schreckenberges gegründet<span class="pagenum"><a id="Seite_315">[315]</a></span> -wurden, die Stadt Annaberg. Von dem Bergmanne Knapp -aber sollen seit jener Zeit alle Bergleute den Namen »Knappen« -führen.</p> - -<p>II. Als noch dicke Waldung den Pöhlberg und seine Nachbarn -deckte, lebte im Dorfe Frohnau ein Bergmann, Daniel Knappe, fromm -und brav, aber blutarm. Große Teuerung und Hungersnot war im -Lande, und Knappe hatte sieben Kinder und ein krankes Weib in seiner -Hütte. Er wußte seiner Not kein Ende und war nahe daran, zu -verzweifeln an der göttlichen Hülfe. Da erschien ihm einst im Traum -ein Engel Gottes und sprach zu ihm: »Gehe morgen in den Wald -am Fuße des Schreckenberges. Dort ragt eine Tanne hoch über alle -Bäume des Waldes hervor. In ihren Zweigen wirst du ein Nest mit -goldenen Eiern finden; dies ist dein, brauche es wohl!« Als Knappe -am Morgen erwachte, erinnerte er sich des Traumes und ging hinaus -in den Wald, das Nest mit den goldenen Eiern auszunehmen. Bald -hatte er die Tanne in der Nähe der Wolfshöhle gefunden und kletterte -rasch in ihren Ästen bis in den höchsten Wipfel hinauf, fand aber -nichts. Traurig, daß ihn der Traum getäuscht habe, stieg er wieder -herab und setzte sich auf die Wurzeln des Baumes nieder, um auszuruhen. -Er sann hin und her, und dabei fiel ihm ein, daß unter den -Zweigen wohl auch die Wurzeln der Tanne zu verstehen sein könnten. -Die Vermutung ward bald zum festen Glauben, und eilig lief er und -holte aus seiner Hütte das Gezäh zum Schürfen. Eifrig begann er -den Schurf, und kaum hatte er die Dammerde durchbrochen, als -mächtige, nach allen Seiten streichende Silbergänge ihm entgegen blickten. -Er sank auf seine Kniee und dankte Gott.</p> - -<p>Bald war die Kunde von dem neuentdeckten Bergreichtum in alle -Lande verbreitet, und Tausende zogen herzu, um sich in der bisher -so wilden Gegend anzusiedeln. Dies veranlaßte den Herzog Georg -den Bärtigen, eine neue Bergstadt zu gründen. Am 21. Sept. 1496 -wurde der Grundstein zu dem ersten Hause gelegt, und die neue Stadt -Neustadt am Schreckenberge, später aber Annaberg genannt. – Zum -Andenken an Daniel Knappe aber heißen noch heute die Bergleute im -allgemeinen die Knappen und ihre Gemeinschaft die Knappschaft.</p> - -<h3 id="sec359">359. Die Kapelle zu Frohnau.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Jenisii Hist. Annaberg.</em> II., S. 2. Darnach Gräße, Sagenschatz -d. K. Sachsen. No. 514.)</p> - -<p>Im Jahre 1502 ist ein gewisser angesehener und würdiger Mann -namens Lorenz Pflock gen Annaberg gekommen; als ihm nun seine<span class="pagenum"><a id="Seite_316">[316]</a></span> -Gemahlin in kurzer Frist auf einem Wagen folgte, kam es ihr, als -sie etwas über das Dorf Frohnau hinaus war, vor, als wenn die -Erde in dieser Gegend erschüttert werde. Nicht lange darauf legte -ihr Mann an diesem Orte ein Bergwerk an, das überreiche Ausbeute -gab, und ließ, weil er überzeugt war, daß durch jenes Gesicht das -Vorhandensein einer reichen Silberader angedeutet worden sei, mitten -im Dorfe Frohnau einen kostbaren Altar nebst Kirche erbauen.</p> - -<h3 id="sec360">360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 5.)</p> - -<p>In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in der Schweiz -ein verarmter Kaufmann, der einmal den höchst sonderbaren Traum -hatte, er werde auf der steinernen Karlsbrücke zu Prag sein Glück -finden. Ohne sich lange zu besinnen, bestieg er sein Rößlein und ritt -nach der Hauptstadt Böhmens, dem hunderttürmigen Prag. Daselbst -angelangt, ging er in froher Erwartung der Dinge, die da kommen -sollten, auf der Moldaubrücke auf und ab. Durch sein seltsames Benehmen -zog der Schweizer bald die Aufmerksamkeit des auf der Brücke -aufgestellten Wachsoldaten auf sich, welcher ihn endlich fragte, was er -hier suche. »Mir hat geträumt«, erwiderte der Angesprochene, »daß -ich auf dieser Brücke mein Glück finden werde. Nun gehe ich aber -hier schon mehrere Stunden hin und her, ohne nur eine Spur des -erhofften Glückes zu finden.« »Sonderbar«, sagte der Wachposten, -»mir träumte auch einmal von meinem künftigen Glücke, das ich in -den westlichen Bergen erst suchen gehen soll, aber ich lege den Träumen -keine Bedeutung bei, denn Träume sind Schäume!« Kaum hatte -dies der Schweizer vernommen, so eilte er in seine Herberge zurück, -ließ sein Pferd satteln und ritt, seinem Sterne folgend, immer dem -Westen zu, um zu dem geistreichen, durch seine Prophezeiungen bekannten -Johannes Niavis (Schneevogel), dem Einsiedler am Wolfsberge, -wo heute das Dorf Mariasorg liegt, zu gelangen und dann -seine Reise nach »Conradisgrün« (Konradsgrün), der ersten Ansiedelung -von Joachimsthal, fortzusetzen. Nach mehrtägigem Ritt kam er -in die Gegend von Lichtenstadt. Wie er immer weiter trabte, blieb -des Rosses Huf an etwas hängen, und das Hufeisen wurde abgesprengt. -Er stieg ab, um nach der Ursache dieses Unfalles zu sehen. -Da bemerkte er, daß ein Zapfen von Silbererz das Hufeisen abgerissen -und freute sich, sein zwischen den Schweizerbergen geträumtes Glück -gefunden zu haben. Der Schweizer kehrte, nachdem sein Pferd in der<span class="pagenum"><a id="Seite_317">[317]</a></span> -nächsten Schmiedewerkstatt wieder beschlagen worden war, in die Heimat -zurück, traf aber bald in Konradsgrün mit einem Zuge Schweizer -Bergleute ein. Diese durchforschten die Gegend und gruben untertags -mit bestem Erfolge nach Silbererzen. So wurde der Kaufmann aus -der Schweiz, der in der That auf der Prager Moldaubrücke sein Glück -gefunden hatte, ein grundreicher Mann, und noch heute führt ein -langer Haldenzug, der damals eine sehr ergiebige Ausbeute gab, den -Namen »der Schweizerzug«.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Eine im Wesentlichen gleiche Sage finden wir in den deutschen Sagen der -Brüder Grimm (2. Aufl., I. B., No. 212). Hier wird aber jemandem auf der -Brücke zu Regensburg die Mitteilung, daß unter einem gewissen Baume ein großer -Kessel mit Geld vergraben sei, was sich auch bestätigte.</p></div> - -<h3 id="sec361">361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 7.)</p> - -<p>Vor vielen Jahren lebte in der alten Bergstadt Joachimsthal -ein gottesfürchtiger Gewerke, mit Namen Basler. Er besaß nebst -Haus und Acker eine Grube, welche eine gute Ausbeute an Silber -gab und sein Vermögen beträchtlich vermehrte. Plötzlich aber blieb -das blinkende Silbererz in den harten Felsadern aus, und er traf auf -lauter taubes Gestein. Basler, der ein sehr unternehmender Mann -war, stellte jedoch seinen nunmehr kostspieligen Bau nicht ein, sondern -ließ rühriger denn je mit Fäustel und Bohrer weiter arbeiten, da er -in Bälde in eine silberhaltige Teufe zu kommen hoffte. Schon war -aber Schrank und Beutel leer, Haus und Acker verpfändet, und noch -immer leuchtete ihm kein Hoffnungsschein in der Grube. Seine Lage -gestaltete sich vielmehr von Tag zu Tag trauriger, denn er wurde -von seiner Freunde Schwarm nun gemieden, und einen Bergknappen -nach dem andern mußte er aus seinem Dienste entlassen. Zuletzt war -er auf seine Kräfte allein angewiesen; doch ließ er auch jetzt voll Zuversicht, -daß Gott ihm helfen werde, den Mut nicht sinken und baute -unverdrossen und emsig im harten Gestein fort, – leider ohne allen -Erfolg. Dadurch geriet seine Familie, die ehemals in guten Verhältnissen -gelebt hatte, in die bitterste Not. Um die Seinigen zu ernähren, -sah sich der arme Basler, dem niemand mehr Geld vorstrecken -mochte, sogar genötiget, nicht bloß Hausgeräte, sondern auch halbwegs -entbehrliche Kleidungsstücke zu verkaufen.</p> - -<p>Als eines Tages die Not aufs Höchste gestiegen war, und er sich -weder zu raten noch zu helfen wußte, nahm seine Frau ihr teuerstes<span class="pagenum"><a id="Seite_318">[318]</a></span> -Kleinod, einen feingestickten Schleier, der noch von all ihren Habseligkeiten -übrig geblieben war, in die Hand. Ihn hatte am Hochzeitsfeste -die gute Mutter ihr ins Haar geknüpft und gesegnet, darum war der -Schleier ihr so lieb und wert. Sie betrachtete denselben unter tiefem -Seufzen lange mit thränenfeuchten Blicken; denn zentnerschwer drückte -ihr Herz der schreckliche Gedanke, ihr kostbarstes Pfand mütterlicher -Liebe zu veräußern. Endlich entschloß sie sich, freilich schweren Herzens, -zum Verkaufe des Brautschleiers. Aus dem gelösten Gelde kaufte -Basler, nachdem er für das nötige Brot gesorgt hatte, Unschlitt ein, -um sein Geleucht aufschütten zu können. Er wollte nämlich, um sein -Glück zu versuchen, noch einmal anfahren, dann aber, falls auch dieser -Versuch mißglückte, den Bergbau, der ihn zum Bettler gemacht, -aufgeben. – Als sich nun Basler zur Fahrt nach der Grube gerüstet -hatte, sprach er, treu seinem gewohnten Spruche: »Bete und arbeite!« -ein herzinniges Bergmannsgebet, fuhr hierauf ein und schritt an's -Tagewerk. »Herr«, sprach er zu sich selbst, Du kennest mein ehrliches -Sinnen und Trachten, sowie meinen und der Meinigen Jammer und -Gram; erbarme Dich unser und segne heute meiner Hände Arbeit, damit -ich viel, recht viel zur Verherrlichung Deines Hauses beitragen -kann!« – Es gingen nämlich gerade zu derselben Zeit – es war im -Jahr 1536 – die Grafen Hieronymus und Laurenz Schlick daran, -in Joachimsthal, dem rasch aufgeblühten und zu den schönsten Hoffnungen -berechtigenden Bergorte, eine neue, stattliche Kirche zu bauen. -Wie sehr mochte sich wohl unser frommer Basler, der früher so reiche -Bergherr, gekränkt haben, daß er jetzt in seiner größten Armut gar -nichts zum Baue des Gotteshauses beisteuern konnte! Er ergriff, gestärkt -durch sein unerschütterliches, festes Gottvertrauen, sein Gezäh -und arbeitete mit solcher Kraft, daß das Gestein weit umhersprang. -Da bemerkte er auf einmal, daß das Unschlitt in seiner Lampe zu -Ende ging; er wollte nun sein Geleucht wieder auffüllen, allein das -Unschlitt war verschwunden. Bestürzt und unmutig, daß ihm auch -seine letzte Hoffnung vereitelt sei, suchte er nach dem Unschlitt und sah -eine Maus mit demselben ihrem sicheren Verstecke zueilen. Über das -mutwillige Tierchen erzürnt, erfaßte Basler seinen Schlägel und warf -nach dem Mäuschen. Aber nicht dieses zerschmetterte sein wuchtiger -Wurf, sondern das Felsgestein an der Öffnung der Wand, in der das -Mäuschen verschwunden war. Doch siehe, was schimmert da unserm -Basler entgegen? Ists bloß blendender Schein oder Wirklichkeit? Er -prüft und findet, daß eine Silberader sich vor ihm geöffnet hat. So -wurde mit einemmale Basler auf höchst merkwürdige und überraschende -Weise wieder in den Stand gesetzt, den Bergbau mit vielen Knappen<span class="pagenum"><a id="Seite_319">[319]</a></span> -zu betreiben. Er ward gar bald ein reicher Mann, der aber auch als -solcher seinem früheren einfachen und frommen Lebenswandel treu blieb. -Sein Gelübde erfüllte er treulich. Er spendete für die Kirche zu Joachimsthal -ein silbernes Kreuz und ließ überdies einen Predigtstuhl -verfertigen, dessen Stütze ihn selbst im Bilde in Wams und Bergkappe -darstellte.</p> - -<p>Noch bis zum furchtbaren Brande des 31. März 1873 konnte -man diese interessante Bergmannsfigur in der reichen und geschichtlich -merkwürdigen Dekanatkirche zu Joachimsthal, die an dem genannten -Tage ebenfalls zerstört wurde, unter dem Predigtstuhle sehen.</p> - -<p>Baslers Frau, vom ungewöhnlichen Glücke berauscht, vergaß -Tugend und Frömmigkeit und wurde über alle Maßen stolz und hochmütig. -Als ihr Mann auf der Totenbahre lag und die Bergknappen -beim Einsegnen vor dem Hausthore standen und nach ortsüblicher -Weise das Trauerlied mit den Worten beendigten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Du bist, Herr, stark in Deinem Arm,<br /></span> -<span class="i0">Du machst bald reich und machst bald arm«,<br /></span> -</div></div> - -<p class="noind">da sprang die Übermütige, prangend im kostbaren Kleide und strahlend -im Diamanten- und Perlenschmucke, zum offenen Fenster und rief voll -Zorn und Hohn hinab: »Frau Basler kann und wird niemals verarmen!«</p> - -<p>Noch in erhöhterem Grade gab sich Frau Basler von jetzt an der -Verschwendung hin; sie lebte in Saus und Braus, so daß ganz unbemerkt -die Silberschätze in ihren Kästen und Truhen gleich einer Seifenblase -zerrannen. Eines Tages stand sie auf der Prager Brücke. Da -zog die Prahlerin einen prächtigen Siegelring vom Finger, warf ihn -in die Moldau und rief:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»So wahr, als mein Ring nicht kehrt nach Haus,<br /></span> -<span class="i0">So wahr schöpf' ich meine Schätze nicht aus!«<br /></span> -</div></div> - -<p>Ein Fisch aber hörte die übermütigen Worte der frevelnden Baslerin -und sah das kostbare, blitzende Ringlein; da dachte er bei sich: -»Ohnedies harrt der Tod mein, es soll auch für Dich der Tod sein!« -Bald ließ der Lachs, der den Ring verschlungen hatte, sich fangen. -Und siehe da! Des andern Tages brachte ein Fischer einen Fisch, in -dessen Bauche sich der Ring befand, der zur Frau Baslerin heimgekehrt -war; und wie der Ring kam zurückgeschwommen, so ist sie hülflos -auch verkommen. – Die Maus hat Baslern zum Reichtume verholfen, -der Fisch der Baslerin zur Armut.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Einzelne Züge dieser Sage haben große Ähnlichkeit mit solchen in der folgenden -Sage von den Tellerhäusern bei Oberwiesenthal.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_320">[320]</a></span></p> - -<h3 id="sec362">362. Die Tellerhäuser bei Wiesenthal.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Beh. in Gräße, Sagenschatz etc. No. 502.)</p> - -<p>Um das Jahr 1570 lebte zu Wiesenthal ein blutarmer, aber -frommer und fleißiger Bergmann, namens Teller, der bei einer Grube -beschäftigt war, die auf einmal keine Ausbeute mehr gab und deshalb -von ihrem Besitzer, einem reichen Geizhals, nicht mehr bebaut ward. -Ebenso vergebens wie er von Letzterem seinen rückständigen Lohn zu -bekommen gesucht hatte, sah er sich nach neuer Arbeit um; er hatte -eine kranke Frau und drei Söhne zu Hause, allein er hatte kein Brot -für sie und so mußte er nach und nach alles, was er besaß, verkaufen. -So kam der Ostermorgen heran und das letzte, was noch zu Gelde -gemacht werden konnte, war bereits weggegeben. Siehe, da zog es -ihn nach der Kirche, und als er traurig an den Eingang derselben getreten -war, kam es ihm vor, als sehe er sich im Festtagsgewande, eine -Stufe glänzenden Silbers auf der Schulter, an der Kanzel stehen. -Er rieb sich die Augen, wendete sein Gesicht weg, aber sobald er wieder -auf jenen Punkt schaute, stand auch sein Doppelgänger wieder da. -Er verließ endlich die Kirche, und auf dem Wege nach seinem Hause -begegnete ihm ein wohlgekleideter Unbekannter, der ihm, als er von -ihm befragt, warum er so traurig aussehe, seine Not geklagt hatte, -ein großes Geldstück schenkte. Damit kaufte er die notwendigsten Bedürfnisse -und begab sich nach Hause. Hier hatte er aber keine Ruhe, -denn überall sah er das gehabte Gesicht vor sich, und es kam ihm vor, -als ziehe ihn sein Doppelgänger nach jener eben aufgegebenen Grube -hin. Endlich konnte er nicht mehr diesem innern Drängen widerstehen, -daher kaufte er sich von dem noch übrig gebliebenen Gelde von -dem Bergmeister die Erlaubnis, in der auflässigen Grube zu bauen, -und fing eifrig an einzuschlagen. Allein seine zwei Hände brachten -wenig vorwärts, der Tag verfloß und er war auf kein edles Metall -gestoßen; schon war der zweite halb zu Ende und er machte eben Anstalt, -sein letztes Stücklein Brot zum Mittagsmahl zu sich zu nehmen, -als aus einem Loche im Gestein ein Mäuschen herauskroch und ungescheut -die heruntergefallenen Brosamen auflas. Er ließ dasselbe ruhig -gewähren, als es aber anfing auch sein Grubenlicht zu beknabbern, -warf er sein Fäustel nach demselben. Statt daß aber die Maus davon -getroffen ward, sprengte er ein starkes Stück Gestein los, und siehe, hinter -demselben lag ein reicher Gang gediegenen Silbers zu Tage. Kaum -wollte er seinen Augen trauen, allein er konnte nicht zweifeln; er eilte -nach Hause, um seine Familie mit der frohen Kunde zu erfreuen, und so -ward er in wenigen Tagen aus einem armen Häuer ein reicher Bergwerksbesitzer.<span class="pagenum"><a id="Seite_321">[321]</a></span> -Allein er vergaß darum seine früheren Leiden nicht, er blieb bis -an seinen Tod einer der frömmsten und mildthätigsten Männer in der -ganzen Gegend. Seinen drei Söhnen erbaute er von seinem Reichtum -drei kleine Güter in einer wildromantischen Gegend zwischen Wiesenthal -und Rittersgrün, die heute noch die Tellerhäuser genannt werden, -sich selbst ließ er ganz so, wie er sich an jenem Ostermorgen in der -Kirche gesehen hatte, im Sonntagsputze des Häuers in Holz aushauen -und dies Bild zum Andenken in jener Kirche aufstellen, wo es noch -zu sehen ist.</p> - -<h3 id="sec363">363. Die neue Grube bei Preßnitz.</h3> - -<p class="source">(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 2.)</p> - -<p>Unweit der Bergstadt Preßnitz steht an der Straße, welche von -Dörnsdorf dahin führt, eine Marienstatue. Dieselbe stellt die Mutter -Gottes mit dem Jesuskindlein dar, welches die Erdkugel und das -Scepter in seinen Händchen hält. Neben dem Gnadenbilde stand vor -vielen, vielen Jahren eine unansehnliche, kleine Berghütte mit einer -ergiebigen Grube. Im Volksmunde lebt noch die Sage fort, welche -sich an die Statue und die Berghütte knüpft. Zur Zeit einer großen -Teuerung lebte in einer windschiefen, halbverfallenen Hütte des Erzgebirgs -eine arme, brave Bergmannsfamilie. Schlecht und recht, wie -es eben bei einem Bergmanne möglich ist, hatte der arbeitsame Vater -in bessern Tagen sein Weib und seine vier Kinder im Schweiße seines -Angesichts ernährt. Heute aber saß er gar tiefbekümmert, das Haupt -gebeugt, die schwieligen Hände gefaltet, im Kämmerlein, denn weder -ein Bissen Brot noch ein roter Pfennig war in der Hütte. Als er -sein Weib vor Not heiße Thränen weinen sah, und seine sterbenskranken -Kinder vor Hunger schrieen, da wollte dem Vater vor Gram -und Kummer schier das Herz zerspringen. Nicht länger litt es ihn -unter seinem Dache. Viel Schönes hatte er ja von der Mildthätigkeit -der Menschen erzählen hören, warum sollte er dieselbe nicht auch in -seiner hartbedrängten Lage in Anspruch nehmen? Und er ergriff, den -seinigen Trost zusprechend, den Wanderstab, um in den benachbarten -Dörfern wohlthätige Mitmenschen um Gaben für seine hungernde Familie -anzuflehen. Wo er anklopfte, ward ihm zwar aufgethan, allein -überall traten ihm bleiche, darbende Gestalten entgegen, die selbst -bittere Not litten und darüber klagten; denn schwerer als jeder andere -Landesteil war diesmal das blutarme Erzgebirge von der ausgebrochenen -Teuerung heimgesucht. So kam unser Bergmann ganz hoffnungslos -vor Preßnitz an. Der schreckliche Gedanke, daß seine Familie<span class="pagenum"><a id="Seite_322">[322]</a></span> -nun dem Hungertode zum Opfer fallen müsse, brachte ihn zur Verzweiflung. -Ermattet brach der Lebensmüde auf dem Wege zusammen -und wollte, da er gerade einen Strick bei sich hatte, Hand an sich legen, -um so allem Elende mit einemmale zu entgehen. Doch von neuem erwachte -in ihm sein echt christlicher Sinn und verscheuchte das wahnsinnige -Hirngespinst; er nahm seine Zuflucht zur gnadenreichen Gottesmutter, -sank auf die Knie und verrichtete ein kräftiges Gebet, das -lindernden Balsam in sein wundes Herz träufelte, so daß alsbald -Friede in dasselbe einkehrte. Vom Schlaf überwältigt, legte der Hungrige -sein müdes Haupt auf den Rasen und schlief ein. Da klang es -um ihn her wie himmlischer Engelschor, und im strahlenden Lichtglanze -erschien Maria, die Himmelskönigin, mit dem holden Jesuskindlein auf -dem Arme. Mit wundermilden Blicken näherte sie sich dem Bergmann -und sprach: »Wach' auf, öffne die Erde unter deinem Haupte und vertraue -fest auf Gott!«</p> - -<p>Der Bergmann erwachte; heiliger Schauer durchrieselte seine -Glieder, da er noch immer die überirdischen Klänge zu vernehmen -meinte. Neu gestärkt sprang er auf, ergriff, um sich zu überzeugen, -ob er geträumt oder gewacht habe, seinen wuchtigen Wanderstab und -wühlte an jener Stelle, wo er geschlafen, die Erde auf. Kaum -hatte er diese einige Zoll aufgeschürft, da sank er plötzlich in die Knie, -hob seine Hände gen Himmel und rief aus: »Gepriesen sei der allmächtige -Gott und die seligste Jungfrau Maria, ich bin gerettet!« -Ein Klumpen Gold lag zu seinen Füßen, der nun aller Not ein Ende -machte. Mit beflügelten Schritten eilte der Bergmann zu den Seinigen -heim und verkündigte ihnen mit freudestrahlendem Gesichte das wunderbare, -rettende Ereignis. Wer beschreibt wohl den Jubel der armen -Familie, die auf überaus seltsame Weise in die Lage kam, sich die -lange entbehrten Nahrungsmittel anzuschaffen und so ihre Gesundheit -bald wieder herzustellen? Gottes reicher Segen aber begleitete auch -fernerhin die Unternehmungen des Bergmanns, der von jetzt an auf -eigene Faust den Bergbau an jener wunderbaren Stelle betrieb und -daselbst viel edles Erz zu Tage förderte.</p> - -<p>Zur bleibenden Erinnerung an die glückliche Errettung seiner -Familie ließ der Bergmann aus tiefer Religiosität und Dankbarkeit -neben der kleine Berghütte eine Statue der heiligen Jungfrau Maria -errichten und lebte mit den Seinen noch viele Jahre glücklich und zufrieden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_323">[323]</a></span></p> - -<h3 id="sec364">364. Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Es wird erzählt, daß man anfangs beabsichtigt habe, die St. -Wolfgangskirche in Schneeberg auf dem Platze zu erbauen, wo gegenwärtig -die Bürgerschule steht. Als man aber daselbst den Grundstein -legte, verschwand derselbe zweimal nach einander. Da erschien einem -Bergmanne im Traum ein Grubenmännchen, welches ihm die Stelle -zeigte, auf welcher die neue Kirche erbaut werden sollte. Als man daselbst -den Grundstein legte, blieb er liegen. Darauf führte das Männchen -den Bergmann in die Tiefe und zeigte ihm unter dem Platze die reichen -Silbererze.</p> - -<h3 id="sec365">365. Der goldne Hirsch auf dem Kuhberge.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Ludwig in Stützengrün.)</p> - -<p>Man erzählt sich, daß auf dem Kuhberge bei Stützengrün, links -von dem Fahrwege, welcher von genanntem Orte auf den Berg führt, -in einer mit Heidekraut überwachsenen grubenartigen Vertiefung ein -goldener Hirsch vergraben liege. Wenn der Hirsch aufgefunden wird, -was bestimmt geschehen soll, wird der Kuhberg zur Stadt werden. -Einen Brunnen auf dem Kuhberge heißt man Goldbrunnen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Nach altüberlieferten Vorstellungen, welche besonders in deutschen Volksmärchen -einen Nachklang haben (als z. B. das Marienkind ein wenig an den Glanz -der Dreieinigkeit rührte, wurde ihm der Finger golden), war nicht nur der Götterhimmel -golden, sondern auch der Leib der Götter selbst und ihrer Lieblingstiere von -einem Geblüt durchronnen, welche reines Gold ist. Golden ist der Hirsch, weil er -der Leben nährenden Sonne angehört. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, -I. S. 4–7.)</p></div> - -<h3 id="sec366">366. Die Eselswiese bei Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts bei Gräße a. a. O. No. 610; -z. T. mündlich.)</p> - -<p>Südlich von Zwickau liegt eine Wiese, die man Eselswiese nennt. -Diese Wiese soll einst von einem Zauberer bezaubert worden sein, der -auf ihr einen gefährlichen Fall gethan, so daß, obschon schönes Gras -und Klee darauf wuchs, sie doch von ihrem Besitzer durchaus nicht -benutzt werden konnte, weil die Milch des Viehes, das von demselben -fraß, so blau wie Indigo ward. Nun hatte aber nicht weit von der -Wiese ein armer Holzmacher seine ärmliche Hütte gebaut; derselbe<span class="pagenum"><a id="Seite_324">[324]</a></span> -wurde, da er drei Esel besaß, der Eselsgürge genannt, und er war -allgemein wegen seiner Gutherzigkeit beliebt und gern gesehen. Der -zog sich das Gras dieser Wiese zu Nutze und seine Esel wurden dick -und fett davon.</p> - -<p>Einst, bei einem heftigen Gewitter, pochte es des Nachts an seine -Hütte, und als er die Thür öffnete, da trat eine wunderschöne Jungfrau, -die trotz des Unwetters ganz trocken war, weiß verschleiert herein, -rosenfarbene Sandalen an den Füßen und einen goldenen, mit -Diamanten gezierten Kranz auf dem Haupte. Sie setzte sich an seinen -Tisch, als er ihr aber Essen und Trinken, sowie sein armseliges Binsenlager -zum Schlafe anbot, wies sie beides zurück und sagte, sie bedürfe -dieser irdischen Erholung niemals, und auf sein Befragen, wohin -sie wolle, entgegnete sie: »Nach oben, wo ich herkomme«. Der -arme Gürge legte sich hierauf verwundert wieder nieder, als aber der -Morgen anbrach, weckte sie ihn auf, um Abschied zu nehmen, und als -er sie ein Stück Weges begleitete, fragte er sie, ob sie nicht die heilige -Jungfrau selbst sei, sie gleiche gar zu sehr dem Bilde derselben, -wie er es in den Kirchen so oft gesehen. Darauf antwortete sie: »Ja, -ich bin es; Du aber, guter Gürge, sollst den Lohn für Deine Gastfreundschaft -heute Abend erhalten, wenn Deine Esel von der Weide -zurückkehren«. Damit verschwand sie. Als nun die Sonne im Untergehen -war, da ging Gürge voll Neugier seinen Eseln entgegen, allein -er konnte nichts an ihnen wahrnehmen, als daß ihre Mäuler blutig -waren. Da es nun auf der Wiese weder Dornen noch scharfe Gräser -gab, solche die Esel auch bekanntlich wegen ihrer Hartmäulichkeit nicht -verwunden können, so begab er sich an Ort und Stelle und trat plötzlich -auf etwas Spitzes. Er griff darnach und zog einen Goldbarren -aus der Erde, ja er fand ohne viel Mühe eine Menge davon; er -holte darauf seine Esel, die sich davon blutig gefressen, und trieb sie -schwerbeladen in sein Hüttchen zurück. Am andern Morgen aber, wie -er seinen Reichtum beschaute, beschloß er davon eine Kirche zu bauen. -Dies soll die Marienkirche sein. Das Volk aber hält noch heute die -hölzerne Statue des Obristwachtmeisters von Heldreich († 1674), welche -sich über der Thür zur sogenannten Götzenkammer in der erwähnten -Kirche befindet, für das Bild des armen Eselgürge, den man auch -zum Stammvater der Herren von Römer gemacht hat.</p> - -<p>Nach einer andern mündlichen Überlieferung soll das gefundene -Gold eine zapfenähnliche Form gehabt haben. Die Menge desselben -betrug zehn Scheffel.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_325">[325]</a></span></p> - -<h3 id="sec367">367. Des Schlackenmanns oder albernen Mannes Loch.</h3> - -<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, 1879, S. 62.)</p> - -<p>Das oben genannte Loch befindet sich unweit des »alten Schlosses«, -eines Schlackenhügels auf Pleiler Gemeindegebiet, und ist ein -alter verfallener Stollen, welcher von einem Irrsinnigen (Albernen) -in den Berg getrieben worden sein soll. Nach einem in der Nähe befindlichen -großen Schlackenhaufen, in welchem er oft herumwühlte, -erhielt der Alberne auch den Namen Schlackenmann. Der Schlackenmann -soll Silbererze gesucht und in Menge gefunden haben. Er verbarg -sie aber so gut in seinem Loche, daß sie bisher niemand aufzufinden -vermochte. Da er für seinen Schatz fürchtete, vermied er -ängstlich jeden Umgang mit Menschen und kroch stets in das Bergloch, -sobald jemand sich näherte. Hier ist er auch einsam verstorben. Sein -Name und Andenken aber sind im Volksmunde noch lebendig.</p> - -<p>Ein ähnlicher verfallener Bergstollen befindet sich auch hinter der -Bogmühle. Er wird das Türkenloch genannt, nach einem Manne -türkischer Abstammung, der hier gleichfalls Bergbau auf edles Erz -getrieben haben soll. Der Türke hatte es jedoch nicht auf den Gewinn -abgesehen, legte auch keinen Schatz an, wie der geizige Schlackenmann, -sondern holte sich von dem Silbererz immer nur nach Maßgabe seiner -leiblichen Bedürfnisse.</p> - -<h3 id="sec368">368. Die Grube »himmlisches Heer« bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Novellistisch von Textor in »Die romantischen Sagen des Erzgebirgs«, -I. 1882, S. 225 etc. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 523.)</p> - -<p>Einst lebte in der Gegend des heutigen Annabergs ein armer -Bergmann, mit Namen Daniel, der reich mit Kindern, aber nicht mit zeitlichen -Gütern gesegnet war, und sich, weil seine Frau schwer erkrankt -war, in großer Not befand. Denn die Grube am südlichen Abhange -des Pöhlberges, wo er arbeitete, war unergiebig. Wie er nun mit -seinem Gevatter, dem Steiger, lange vergeblich gearbeitet hatte, fiel -auf einmal ein Teil des Gesteins von selbst herab und sie sahen einen -mächtigen Gang reichen Erzes vor sich; eine Stimme aber rief: »Daniel! -Ich bin der Fürst der Berge! Was Du in diesem Schachte gewinnst, -ist Dein, ich schenke es Dir!« Jener aber sprach: »Ich kann nicht annehmen, -denn es gehört den Gewerken«. Als nun der Berggeist ihn -noch mehrmals aufgefordert hatte, das Gefundene zu nehmen und an -seine Frau und Kinder zu denken, er aber sich weigerte, verschwand<span class="pagenum"><a id="Seite_326">[326]</a></span> -auf einmal der ganze Erzgang wieder. Daniel ging traurig nach Hause, -als er aber dort ankam, kam ihm seine Frau völlig gesund entgegen -und sagte, es sei ein fremder Bergmann dagewesen, habe ihr Brot, -Fleisch und Wein für ihre Kinder gebracht, und sie aus einem kleinen -Fläschchen trinken lassen, und seitdem seien alle ihre Schmerzen verschwunden, -jener aber habe gesagt, ihre Not werde bald aufhören, das -lasse ihr der Fürst der Berge sagen. In der Nacht träumte aber der -fromme Bergmann, der Berggeist stehe vor ihm und sage ihm, zum -Lohn für seine Redlichkeit wolle er ihn glücklich machen, er solle früh -auf den Schreckenberg gehen, dort werde er Feuer vom Himmel fallen -sehen, und an dieser Stelle solle er einschlagen. Wie gedacht, so geschehen, -er ging in den Wald; plötzlich fuhr aus heiterem Himmel ein -Blitz in eine hohe Fichte, und als jener die bergmännische Rute an -den Wurzeln des Baumes schlagen ließ, da entdeckte er beim Nachgraben -einen reichen Silbergang. Diesen mutete er und sein Gevatter -Steiger und beide wurden schnell reich; die Grube aber nannte man -das himmlische Heer.</p> - -<h3 id="sec369">369. Der Alaunsee bei Komotau.</h3> - -<p class="source">(Fr. Hübler in der Comotovia. 4. Jahrg., S. 76 etc.)</p> - -<p>Eine Viertelstunde nordöstlich von Komotau liegt an der Straße -und nächst dem Fußwege, welcher nach dem benachbarten Görkau führt, -die Alaun- oder Schweizerhütte, eine Restauration im Schweizerstile, -welche wegen ihrer reizenden Lage für die Bewohner Komotau's einen -beliebten Ausflugsort bildet. Sie liegt in einem Kessel, welcher gegen -Westen von einem schönen Eichenwäldchen, dem sogenannten Hüttenbusche, -im Nordosten und Süden von Obstgärten eingesäumt ist, welche -den in der Mitte des Kessels liegenden Hütten- oder Alaunsee einschließen. -Auf dem Platze nun, den jetzt die spiegelglatte Fläche des -Sees bedeckt, befand sich vor 300 Jahren ein Alaunbergwerk, von -dessen Dasein noch rote Hügel an seinem Ufer zeugen. Bevor noch -die Gewässer des Sees aus der Tiefe der Erde hervorquollen, befand -sich dort ebenfalls ein Eichenwäldchen, wohin an Sonn- und Feiertagen -die ehrsamen Bürgersleute Komotau's mit Weib und Kind hinauszogen, -um sich zwischen den Bäumen und auf dem Rasen zu erlustigen -und besonders an den milden Frühlingsabenden im Mai dem -Gesange der Nachtigallen zu lauschen, welche sich sonst dort, wie in -der Gegend überhaupt, in viel größerer Anzahl aufgehalten haben -sollen, als jetzt. Noch heutzutage sieht man an dem Ufer des Sees -die mitunter mächtigen Baumstrünke der abgesägten oder umgeschlagenen<span class="pagenum"><a id="Seite_327">[327]</a></span> -Eichenstämme wie Klippen aus dem Wasser hervorstehen, und schon -mancher Lustfahrende hat mit ihrer Tücke Bekanntschaft gemacht, saß -auf und konnte nur mit Mühe sein Fahrzeug wieder flott machen. – -Über die Auffindung des Alaunbergwerkes und den Ursprung des Sees -erzählt nun die Sage folgendes:</p> - -<p>Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte in Komotau ein Mann, -der »dürre Merten« genannt, welcher im Besitze der schwarzen Kunst -und als Prophet in der Stadt eine bedeutende Rolle spielte, und welcher -allgemein wegen seiner Weisheit geehrt, aber auch wegen seiner -Prophetengabe und übernatürlichen Geheimmittel gescheut wurde. Er -erreichte ein Alter von 118 Jahren, lebte am Ende seiner Tage im -Komotauer Spitale und fand schließlich einen gewaltsamen Tod durch -Mörderhand. Er erließ viele Prophezeiungen, die lange im Volksmunde -blieben und jetzt noch nicht völlig verwischt sind. Seine größte -Prophezeiung bezog sich auf den 30jährigen Krieg und dessen Grund, -auf das Erscheinen der Jesuiten in Komotau, und auf das tragische -Ende des Georg Popel von Lobkowitz, des ehemaligen Herrn von -Komotau. Außerdem prophezeite er einst: »Auf einer Wiese, welche -von drei Seiten ein Kessel einschließt, ist ein großer Schatz verborgen, -der durch Jahrhunderte Menschen und Geschlechter ernähren wird.«</p> - -<p>Viele Leute von Geldgier getrieben, suchten emsig solche Plätze, -welche mit der Prophezeiung übereinstimmten, auf und gruben, mit -Schaufel und Haue bewaffnet, zur Nachtzeit nach dem verborgenen -Schatze, erschreckten sich wohl oft gegenseitig, konnten jedoch nichts auffinden.</p> - -<p>Einmal ging nun ein Fleischhauer aus Komotau, namens Lazarus -Drohmann, der sich und seine alte gebrechliche Mutter durch sein Handwerk -schlecht und recht ernährte, nach Rothenhaus bei Görkau, um -Schlachtvieh einzukaufen. Er verspätete sich daselbst, da er nichts -Passendes hatte finden können, und begab sich bei schon hereingebrochener -Nacht nach Görkau, wo er Speise und Trank zu sich nahm und -dann den Heimweg nach Komotau einschlug, als gerade der Türmer -11 Uhr blies. Er bemerkte es nicht, wie vom Milleschauer her schwarze, -dichte Gewitterwolken herzogen. Bald brauste der Sturmwind einher, -grelle Blitze beleuchteten auf Augenblicke den Weg und die ganze Gegend -bis zu den Gipfeln des Erzgebirgs, und der Donner kam prasselnd -und krachend im Gefolge. Lazarus beflügelte seine Schritte, um noch -die Stadt vor dem völligen Ausbruch des Unwetters zu erreichen, aber -vergeblich; gerade noch eine Viertelstunde war er von derselben entfernt -und er hatte eben den Eichenwald betreten, dessen Platz jetzt der See -einnimmt, als das Gewitter mit aller Macht entfesselt wurde. Er<span class="pagenum"><a id="Seite_328">[328]</a></span> -suchte vor dem herabströmenden Regen und dem wütenden Sturme -hinter einem dichten Eichengestrüppe notdürftigen Schutz und verfiel -bald, von der Müdigkeit übermannt, trotz Sturm und Wetter in einen -festen Schlaf. Plötzlich, es schlug gerade 12 Uhr auf dem Komotauer -Turme, fuhr, wenige Schritte von ihm entfernt, ein greller Blitz in die -Erde und erleuchtete Gras, Gestrüpp und Bäume tageshell. Der grelle -Lichtschein und der damit verbundene Donnerschlag erweckten ihn gewaltsam -und er fuhr entsetzt in die Höhe. Da sah er, betäubt und -staunend, wie der Blitzstrahl einige Sekunden auf einer Stelle wie -festgebannt haften blieb, dann sich aber teilte, indem ein Teil des -Strahles in die Höhe ging, der andere jedoch in der Erde verschwand. -Lazarus war voll Schreck und Staunen einige Zeit sitzen geblieben. -Endlich, nachdem er sich von seiner Betäubung erholt hatte, sprang -er auf und setzte, da auch das Unwetter bereits weiter gezogen war, -den Rückweg fort, im Herzen Gott dankend, daß ihn der Blitzstrahl -nicht getroffen, und erreichte glücklich seine Hütte.</p> - -<p>Nach acht Tagen wanderte Lazarus abermals Geschäfte halber -nach Rothenhaus. Auch diesmal schlug er den Rückweg bei vorgerückter -Nacht ein. Seinen Weg beleuchtete jedoch der freundliche Mond und -wohlgemut trat er in den Schatten des Eichenwäldchens, wo er vor -wenigen Tagen dem Tode, wie er glaubte, nur durch ein Wunder entronnen -war. Wie er so sinnend auf dem weichen Rasen dahinschritt, -stand plötzlich ein Mädchen in hellstrahlender Schönheit vor ihm.</p> - -<p>Der Mond beschien durch die Zweige der Eichen ihre freundlich -lieblichen Züge, und von ihrem weißen Gewande schien selbst ein heller -Schimmer abzugehen. Sie grüßte ihn und reichte ihm ihre Hand. -Er fragte verwundert: »Woher kommst Du und was willst Du?« »Ich -komme weither aus schönen Landen und gehe dorthin, wo mich meine -innere Stimme ruft. Ich fliehe die Nähe böser Menschen, aber gute -suche ich auf und beglücke sie. Du hast ein gutes Herz, ich will Dich -daher glücklich machen, komm' und folge mir.« Die holde Erscheinung -schritt voran, so leicht, daß sie kaum den Boden zu berühren schien, -freudig und beklommen zugleich folgte ihr Drohmann. Nach einigen -hundert Schritten machte sie halt und zwar merkwürdigerweise auf derselben -Stelle, wo er sich vor acht Tagen vor dem Ungewitter verborgen -hatte. Kein Laut, kein Ton war zu vernehmen, selbst das Heimchen -schlief, überall herrschte die Stille des Grabes. Da ertönten von der -Stadt her die ernsten, tiefen Töne der Mitternachtsstunde und wie -auf einen Zauberschlag begann es sich überall im Wäldchen auf dem -Grase, zwischen den mächtigen Baumstämmen und dem niedrigen Gebüsche -zu regen und zu bewegen; kleine Männlein mit Schurzleder und<span class="pagenum"><a id="Seite_329">[329]</a></span> -Kappe angethan, mit Hauen und Schaufeln versehen, eilten geschäftig -herbei und begannen genau an dem Punkte, wo der eine Blitzstrahl -sich in die Erde gesenkt hatte, zu graben, zu schaufeln und die Erde -in winzigen Karren wegzufahren, daß es eine Lust war, ihnen zuzusehen. -Im Umsehen war ein Stollen in die Erde getrieben und schon -kamen daraus Männchen zum Vorschein, welche winzige Fäßlein pustend -und schnaufend heraufrollten, die wiederum von anderen auf Wägelchen -geladen und fortgeschafft wurden. Lazarus sah schweigend und verwundert -dem geschäftigen Treiben der Gnomen zu, da schlug es 1 -Uhr und wie mit einem Schlage war alles verschwunden, die Zwerge, -der Stollen, die Fäßchen und Wägelchen, und Stille herrschte wieder -ringsum. Er glaubte aus einem Traume erwacht zu sein. Wie -er sich jedoch umsah, stand noch neben ihm das schöne Mädchen. Dasselbe -sah ihn mit ernster Milde an und sprach: »Du sahest hier das -Bild künftigen Fleißes. Die Erde, worauf wir stehen, birgt in ihrem -Schoße Alaun und Schwefel. Ihr Gewinn gehört Dir. Gehe morgen -wieder hierher, aber allein, und grabe um die zwölfte Stunde auf dem -bestimmten Platze; wenn Du drei Schuh tief gegraben hast, wirst Du -das Gesuchte finden. Dann erst können andere Dir helfen. Der Schatz, -der in der Erde schlummert, ist groß, hebe ihn zu Deinem und der Mitmenschen -Frommen. Wehe aber,« fuhr sie in noch ernsterem Tone -fort, »wenn das Werk gierig und hastig, oder lässig und unachtsam -betrieben wird, dann werden die Erdgeister den Schatz der Mutter -Erde den Lässigen und Unachtsamen entrücken und sein Segen wird dem -Lande für immer verschwunden sein. Lebe wohl!« Damit reichte sie -ihm die Hand und ging schwebenden Ganges zwischen den Eichen dahin -und je weiter sie ging, desto mehr schien es, als ob es ein heller -Nebelstreif wäre, der sich am Waldesrasen dahinzog und der in der -Ferne endlich verschwand. – In der folgenden Nacht verließ Lazarus -heimlich seine Hütte, ohne der alten Mutter etwas von dem Erlebten -mitgeteilt zu haben, und mit Spitzhaue und Schaufel versehen eilte -er dem bekannten Wäldchen zu. Wiederum ballten sich über dem Erzgebirge -Gewitterwolken zusammen, er aber ließ sich dadurch nicht in -seinem Vorhaben zurückschrecken, glaubte er ja sicher und fest an die -ihm gewordene Verheißung. Um 12 Uhr war er am Platze angelangt. -Da brach aber auch mit furchtbarer Gewalt das Gewitter los und -unter betäubendem Donner fuhr ein Blitz herab und senkte sich in geringer -Entfernung von ihm in die Erde, alle Gegenstände ringsum -grell beleuchtend. Dort erkannte er auch die Stelle, an welcher tags -vorher die Zwerge gearbeitet, und nun begab er sich herzhaft ans -Werk. Kaum hatte er mehrere Schuh tief gegraben, so stieß er auch<span class="pagenum"><a id="Seite_330">[330]</a></span> -auf das verheißene Alaun- und Schwefelerz. Frohlockend verließ er -den Platz und eilte, da es Tag geworden, nach Sebastiansberg, um -der Bergobrigkeit seinen großen Fund anzuzeigen. Er erhielt hierauf -vom Erbherrn von Komotau, Johann von der Weitmühl, die Rechte -und Privilegien, welche zum Betriebe des Bergwerkes notwendig waren, -und nun begann ein reges Leben im stillen Eichenwäldchen, so wie er -es früher schon erschaut. Er wurde ein reicher Mann und sein altes -Mütterchen erlebte noch frohe Tage.</p> - -<p>Und die armen Bewohner der Stadt, des Landes und Gebirges -genossen mit an dem Segen der Erde, und derselbe schien bei fleißigem -und verständigem Betriebe eher zu- als abzunehmen, denn – wie der -dürre Merten prophezeit hatte – »das Alaunerz wuchs unter der Stadt -mit Gewalt.« Aber die ausgesprochene Drohung der weißen Jungfrau -sollte ebenfalls in Erfüllung gehen. So lange das Werk mit Fleiß -und Sorgfalt betrieben wurde, trug es reichlichen Gewinn und war -ein Segen für Stadt und Land. Da kam es jedoch in habsüchtige -Hände, es sollte rasch und viel gefördert werden, die Gänge und -Stollen wurden nicht mit der alten Sorgfalt getrieben und erhalten, -weil die Kosten der Erhaltung gescheut wurden. Da stieß man eines -Tages in einem neu angelegten Stollen auf ungewöhnlich reiche Alaungänge, -aber auch beim Weitergraben auf eine Quelle, deren Wasser -lustig hervorsprudelte. Ein erfahrner alter Bergmann riet dem Bergwerksvorsteher, -hier nicht weiter graben zu lassen, sondern den Stollen -zu verbauen; aber sein Rat wurde verworfen, der prophezeiten Gefahr -durch die kleine Quelle gespottet, winkte ja in dem neuen Stollen reicher -Gewinn. Aber siehe, je weiter man arbeitete, desto mächtiger -sprudelte die Quelle hervor, alle Versuche, sie zu verstopfen, mißlangen, -das Wasser füllte den neuen Stollen, es stieg in die alten -und stieg von Stunde zu Stunde immer höher, so daß die Bergleute -eilig die Schächte verlassen mußten und keiner mehr in die Tiefe hinab -fahren konnte. Endlich stieg es im mächtigen Schwalle bis zum Ausgange -und füllte schließlich die Tiefe des ganzen Kessels und beherrschte -als Sieger den ganzen Raum, wo früher viele zufriedene Menschen -thätig gewesen waren. So entstand der jetzige Hütten- oder Alaunsee -aus einer kleinen Quelle, und so war die Drohung in Erfüllung gegangen. -Die Erdgeister hatten den Schatz wieder hinabgesenkt in die -Erde, und die Wassergeister hüten ihn mit zähem Neide bis an den -heutigen Tag. Selbst auf dem Wasser des Sees scheint noch der alte -Fluch zu liegen, denn nichts lebendes kommt darin vor, kein Fisch -schnellt über dem Spiegel nach spielenden Mücken empor, kein Wasserkäfer -rudert darin emsig hin und her, sein Ufer bedeckt kein rauschendes<span class="pagenum"><a id="Seite_331">[331]</a></span> -Schilf, in welchem der Rohrsperling sein Unwesen treibt oder der -Rohrsänger seinen schönen Gesang ertönen läßt und das Wasserhuhn -scheu sich birgt, nur selten lassen sich im Fluge, von seinem Spiegel -gelockt, Wasservögel darauf nieder, um ihn enttäuscht nach kurzer Rast -wieder zu verlassen; es herrscht auf ihm die Stille und der Friede -eines Kirchhofes. Die Quelle, welche <span id="corr331">den</span> See geschaffen, sprudelt -noch fort. Wenn im Winter der Frost seine Decke darüber spannt, -friert die Stelle am spätesten zu und sie birgt gebrechliches Eis. Schon -manches Opfer der Unvorsichtigkeit hat sie in ihre Tiefe gezogen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Im Komotauer Stadtarchive befindet sich eine Original-Urkunde, nach welcher -der Komotauer Bürger Lazarus Drohmann im Jahre 1558 das Privilegium, auf -Alaun und andere Mineralien bauen zu dürfen, erhielt.</p></div> - -<h3 id="sec370">370. Der gute Brunn zu Niederzwönitz.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 871–875.)</p> - -<p>Im Jahre 1608 hat sich der gute Brunn auf dem Streitwalde -bei Niederzwönitz offenbaret, weil er viel Leute gesund machte. Eine -Bäuerin aus Kühnheide hat nämlich dieses Brunnens heilsame Kraft -durch einen Traum offenbart bekommen, nachdem sie 14 Jahre lang -einen bösen Schaden an einem Schenkel gehabt und viel daran ausstehen -müssen. Sie hat, als sie nach ihres Traumes Anweisung den -Brunnen nicht sogleich finden konnte, viel alte Leute gefragt, ob nicht -bevor in dieser Gegend ein gewisser Heilbrunnen vorhanden gewesen -oder noch anzutreffen sei. Da habe sie endlich einen hundertjährigen -Mann angetroffen und sich bei demselben weiter erkundigt. Derselbe -habe die Bäuerin getröstet und ihr angezeigt, daß er den Brunnen -wüßte; das Wasser desselben habe schon viele gesund gemacht und es -sei deshalb früher an demselben eine Kapelle zu Ehren der heiligen -Anna aufgebaut gewesen. Darauf habe er das Weib an den Ort geführt, -worauf es auch nach des Brunnens Gebrauch von ihrer Krankheit -befreit worden sei.</p> - -<p>Im Jahre 1646 ist dieser Gesundbrunnen, der auch der Brunnen -zu den drei Tannen genannt wurde, aufs neue in Aufnahme gekommen; -jedoch soll derselbe jetzt 12 Lachter höher hinauf seinen Ausfluß -gehabt haben. Einem Mägdlein zu Gablenz, so einen Kern im Auge -gehabt, träumte, es solle sich zu dem Drei Tannen-Brunnen führen -und daselbst sich waschen lassen, so würde es sehend werden. Und da -es dem Vater solchen Traum erzählet und inständig angehalten, er -möge es dahin führen, habe es den alten Brunnen, dahin sie gelanget,<span class="pagenum"><a id="Seite_332">[332]</a></span> -nicht für den rechten Brunnen erkannt, sondern gesagt, es wäre gar -ein kleines, frisches Brünnlein. Und da hierauf der Vater seitwärts -abgegangen und den neuen Quell in einem morastigen Sumpfe gefunden, -hätte er dem Kinde die Augen dreimal mit dem Wasser gewaschen und -etwas davon mitgenommen, und da er mit dem Waschen aus diesem -Wasser fortgefahren, in der That erfreulich empfunden, daß das -Mädchen auf dem Auge wieder sehend wurde. Darauf ist denn ein -großer Zulauf der Leute von nahen und fernen Orten entstanden, so -daß an manchem Tage wohl vier-, fünf- und mehr hundert Personen -auf dem Platze sich befunden hätten, welche das Wasser teils kalt getrunken, -teils gewärmet oder Suppen daraus gemachet, teils sich damit -gewaschen oder zum Bad gebraucht hätten. Es hat auch seine -Kraft und Wirkung an vielen kranken Personen gezeigt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Sage, daß im Jahre 1646 der gute Brunnen aufs neue in Aufnahme -gekommen sei, scheint sich auf eine zweite Quelle, welche man nach der Angabe -Engelhardts (Erdbeschreibung von Kursachsen, 2. B., S. 219) in dem genannten -Jahre fand und Krätzbrunnen nannte, zu beziehen. Die erste Quelle soll bereits -1498 oder 1501 entdeckt worden sein und sich so heilsam gezeigt haben, daß man -bei ihr die in der Sage erwähnte Kapelle zu Ehren der heiligen Anna erbaute. -Dieselbe ging jedoch bald wieder ein; doch blieb der Name St. Annenbrunnen, aus -welchem das Volk später »Tannenbrunnen« oder »Brunnen zu den drei Tannen« -machte, weil drei Tannen in seiner Nähe standen. Rings um den Brunnen baute -man Hütten und es wurden Predigten und Betstunden bei der Quelle gehalten.</p></div> - -<h3 id="sec371">371. Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 242.)</p> - -<p>In Grumbach wohnte ein feiner, ehrlicher Mann, Daniel Nestler, -welcher große Beschwerung im Leibe hatte; diesem träumte im Jahre -1646 von einem Gesundquell. Er ging darauf durch Wiesen auf einem -gebahnten Wege an die Stelle, welche nahe am Walde und nicht -weit von dem sogenannten Thumshirn-Brunnen lag. Als er von dem -neuen Quell getrunken hatte, grimmete es ihm erstlich sehr im Leibe, -doch wurde er darauf seine Beschwerung los. Weil dann aus Meißen -und Böhmen ein großer Zulauf wurde und man das Wasser im warmen -Bad gebrauchte, hielt man dabei Betstunden und vermahnte zugleich, -das Wasser behutsam zu gebrauchen.</p> - -<p>Der oben genannte Thumshirn-Brunnen hat seinen Namen von -einem Generale, welcher 1548 mit einigen Regimentern auf Befehl<span class="pagenum"><a id="Seite_333">[333]</a></span> -des Kurfürsten Joh. Friedrich nach Böhmen zog und an dem Brunnen -sich lagerte.</p> - -<h3 id="sec372">372. Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht bald verloren.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 243.)</p> - -<p>Das Geschrei vom Bernsbacher Heilbrunnen entstand im Jahre -1684. Denn als die Kirchleute am 7. Sonntage nach Trinitatis nach -Hause gingen, sahen sie ein Wasser, das mitten im Wege in ungewöhnlicher -Weise emporquoll. Das ungebändige Volk lief zu und brauchte -den Brunnen mehr zum Schaden als zum Nutzen. Denn bei manchen -unreinen Leibern blieb er sitzen und machte große Ungelegenheit, etliche -purgierte er heftig, etliche gar nicht. Einigen machte er die blöden -Augen klar, anderen aber verdunkelte er dieselben. Es verschwand -aber die heilsame Kraft samt dem Brunnen, nachdem dabei viel Unfug -getrieben worden war.</p> - -<h3 id="sec373">373. Die Heilquelle bei Hartessenreuth.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 257.)</p> - -<p>In der Nähe des Dorfes Hartessenreuth ist ein Brunnen, dessen -Wasser heilkräftig sein soll. Am Rande dieses Brunnens pflegt zur -Adventszeit in der Nacht ein altes Weib zu sitzen, und wenn jemand -in später Nacht vorbeigeht, so hockt sie sich ihm auf und läßt sich bis -zum nächsten Kreuzwege schleppen. Dort springt sie herab und eilt -lachend zum Brunnen zurück. Vor alten Zeiten soll hier ein Einsiedler -seine Hütte erbaut haben. Jeden Morgen ging er zum Brunnen, -wusch sich dort und verrichtete dann sein Gebet. Darin wurde er aber -durch einen höllischen Lärm gestört und wenn er aufblickte, sah er, daß -hinter dem Brunnen ein altes Weib hockte und ihn störte. Er suchte -die Hexe zu bannen, aber sie rührte sich nicht von der Stelle. Da -rief er im Zorne: »So verfluche ich Dich, ewig bei diesem Brunnen -zu sitzen, aber das Wasser des Brunnens soll heilkräftig werden und -Du sollst zusehen, wie die Menschen, die krank hierher kommen, fröhlich -von dannen ziehen!« Seit dieser Zeit ist der Brunnen heilkräftig -geworden, das alte Weib aber sitzt heute noch an seinem Rande.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_334">[334]</a></span></p> - -<h3 id="sec374">374. Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 256.)</p> - -<p>In der Nähe von Mariakulm liegt auf einer Anhöhe das Dorf -Hartessenreuth. Am Fuße dieser Anhöhe erstreckt sich eine breite Wiese -und in derselben ist eine Quelle, deren Wasser fortwährend in sprudelnder -Bewegung ist, wodurch ein deutlich hörbares Brausen entsteht, -so daß man glaubt, das Wasser siede. Dort, wo jetzt die Quelle -sprudelt, stand früher ein Gehöfte, das von einem Bauer mit seinem -Weibe und seinen Knechten bewohnt ward. Der Mann und das Gesinde -waren sehr gottesfürchtig, das Weib aber nicht. Sonn- und -Feiertage wurden von ihr nicht geheiligt; sie hatte die Gewohnheit, -während der Messe Garn zu sieden. Der Mann hielt ihr das oft -vor, aber sie antwortete jedesmal mit Schimpfworten. Einst, als sie -wieder des Sonntags anfing Garn zu sieden, wurde der Bauer zornig -und sprach: »Dich soll das Donnerwetter bei lichtem Tage holen!« -Darauf ging er mit seinen Knechten in die Kirche. Sie waren noch -nicht lange dort, als sich ein furchtbares Gewitter erhob; es blitzte -und donnerte schrecklich. Der Bauer dachte dabei an die Worte, die -er gesprochen hatte und es wurde ihm bange. Die Bäuerin daheim -aber kümmerte sich um das Unwetter gar nicht, sondern ging unbesorgt -ihrer gewöhnlichen Beschäftigung nach. Da wurde es plötzlich finster -wie die Nacht, ein Blitz entfuhr den Wolken und schlug in das Gehöfte. -Kaum aber hatte er die Erde berührt, so öffnete sich diese und -verschlang das ganze Gehöfte samt der Bäuerin. Die oben genannte -Quelle soll nun der Hafen sein, worin sie das Wasser kochte und deshalb -ist das Wasser darin fortwährend in siedender Bewegung.</p> - -<h3 id="sec375">375. Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Chronica der Bergstadt St. Annaberg. I. 1746. S. 5.)</p> - -<p>Es wird erzählt, auf dem Pöhlberge solle ein Wunderbrunnen -sein, den aber nicht jedermann finden und sehen könne, der bald da -wäre, bald aber wieder verschwinde, und säße eine Jungfer dabei.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="antiqua">Dr.</em> Ewald Dietrich führt in den romantischen Sagen des Erzgebirges I. Bd. -No. 1 die obige Sage unter der Überschrift: »Die Jungfrau des Bielberges« noch -weiter aus. Diese novellistische Bearbeitung trägt aber ganz unverkennbar das Gepräge -des Selbsterfundenen und Gemachten, so daß <span id="corr334">Abstand</span> genommen wurde, sie -hier, wenn auch nur in gekürzter Form, wieder zu geben, obschon dies Gräße in -seinem Sagenschatze gethan hat. Siehe auch No. 46.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_335">[335]</a></span></p> - -<h3 id="sec376">376. Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer -Serpentins.</h3> - -<p class="source">(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz, 1750, S. 28; Lehmann, -Schauplatz etc., S. 451.)</p> - -<p>Man war ehemals der Meinung, daß der Serpentin ein gutes -Gegengift sei, da man in den Serpentinsteinbrüchen von Zöblitz niemals -eine Otter, Kröte, einen Molch oder dergleichen giftiges Tier -gesehen habe. Daher wurden aus dem Steine Pflaster und Pillen, -sowie eine vortreffliche Tinktur gemacht; das Pflaster gebrauchte man -gegen Kopfschmerzen, Reißen und Gicht, die Pillen gegen Schwachheit -des Magens und die Tinktur gegen Gift und »alle anfälligen Krankheiten.« -Ein alter Reim zählt auf, gegen welche Krankheiten sich der -Stein als nützlich erwiesen habe:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Vor Leibes-Grimmen, Colica,<br /></span> -<span class="i0">Vor Miltz, Gedarm oder Magen, da<br /></span> -<span class="i0">Manches sich überspeiset hat,<br /></span> -<span class="i0">Bringt seine Wärme guten Rath,<br /></span> -<span class="i0">Wenn er auf'n Bauch geleget wird.<br /></span> -<span class="i0">Und wo der Blasen-Stein sich rührt,<br /></span> -<span class="i0">Hilft seine Wärme trefflich wohl,<br /></span> -<span class="i0">Den man was tiefer legen soll.<br /></span> -<span class="i0">An Händ und Füß das Zipperlein<br /></span> -<span class="i0">Der warme Stein auch lindert fein.<br /></span> -<span class="i0">Denen Kindes-Gebährerinn<br /></span> -<span class="i0">Nimmt seine Wärm die Wehen hin.<br /></span> -<span class="i0">In Schwindsucht macht er Kranke ruhn,<br /></span> -<span class="i0">Wenn Lung und Leber wehe thun. etc.«<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec377">377. Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 248.)</p> - -<p>Auf dem Gottesacker zu Annaberg stehet eine große, schöne und -mit Ästen stattlich ausgebreitete Linde, unter welcher der Rat und die -Vornehmsten aus der Stadt auf Stühlen zu sitzen pflegen, wenn die -Trinitatispredigt unter freiem Himmel jährlich zu Mittage gehalten -wird.</p> - -<p>Man hat die Tradition, daß diese Linde bei folgender Gelegenheit -umgekehrt hierher gesetzt worden sei. Ein Marstaller allhier auf -St. Annaberg habe einen ruchlosen Sohn gehabt, welcher sonderlich<span class="pagenum"><a id="Seite_336">[336]</a></span> -an keine Auferstehung habe glauben wollen, daher ein Priester sich -alle Mühe gegeben, diesen bösen Menschen auf bessere Gedanken zu -bringen. Derselbe sei mit dem ruchlosen jungen Burschen auf den -Gottesacker gegangen und habe ihm daselbst vorgestellt, daß dieses das -Feld des Herrn sei; wie der ausgestreute Same auf dem Felde aufginge -und herfür wachse, so würden auch diese Begrabenen, so zu -sagen, als ein Samen, wieder aus der Erde am jüngsten Tage herfür -kommen. Darauf habe dieser junge Mensch eine noch kleine Linde -auf dem Kirchhof erblicket, solche angesehen und zu dem Priester gesagt, -so wenig als diese Linde, wenn man sie ausreißen und umgekehrt mit -den Ästen in die Erde setzen wollte, ausschlagen würde, so wenig -würden diejenigen, welche einmal tot wären, wiederum lebendig werden -und auferstehn. Hierauf habe der Priester, in göttlichem Eifer entbrannt, -geantwortet, er wüßte gewiß, Gott würde so gnädig sein, und um -solche Ruchlosigkeit zu strafen, ein Zeichen seiner Allmacht sehen lassen, -er wolle diese Linde umgekehrt lassen in die Erde setzen, und würde -sie ausschlagen, so sollte er hiervon seinen bösen Unglauben kennen -lernen, welches auch hernach also geschehen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die der Frigg geheiligte Linde war Liebesbaum, welcher nicht bloß von -Liebenden besucht, sondern auch als äußeres Zeichen der Liebe, welche über das Grab -hinaus dauert, auf den Friedhöfen angepflanzt wurde. Außerdem galt sie unsern -Vorfahren als Dingbaum, unter welchem Beratungen gehalten und Recht gesprochen -wurde. Die Mitglieder des Annaberger Rats setzten sich zum Zeichen ihrer Würde -und Gewalt auch während der Predigt im Freien unter den Lindenbaum. – An -unsere Sage erinnert die von der großen Linde auf dem Nikolai-Kirchhof in Görlitz, -insofern auch dieser Baum, verkehrt eingepflanzt und so noch fortgrünend, einen -Glaubenssatz als Wahrheit bestätigte. Als nämlich zu Ende des 16. Jahrhunderts -der in den Verdacht des Calvinismus gekommene Pfarrer Martin Moller zu Görlitz -sterben wollte, sagte er zu den Seinen: »Wenn ich werde gestorben sein, so pflanzt -auf mein Grab eine junge Linde mit den Zweigen in die Erde. So gewiß diese -Linde wachsen wird, so gewiß habe ich auch Gottes Wort rein und lauter gelehrt -und gepredigt.« Dieser sein letzter Wille geschah und was er gesagt hatte, traf ein, -so daß alles sich hoch verwunderte und viele gläubig wurden. (Haupt, Sagenbuch -der Lausitz, II. No. 125. 2.)</p></div> - -<h3 id="sec378">378. Der dürre Lindenstab.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 52.)</p> - -<p>Einstmals zog aus einem Städtchen, im Innern Böhmens gelegen, -ein armer braver Jüngling mit Namen Georg, da der Kaiser die -Kriegstrommel rühren ließ, ins Feld, um als treuer Soldat für das -bedrohte Vaterland zu kämpfen. Er nahm von seinem lieben Mütterlein<span class="pagenum"><a id="Seite_337">[337]</a></span> -und von Maria, seiner Verlobten, herzlichen Abschied und gab -letzterer das Versprechen, nach seiner Rückkehr sie als Gattin heimzuführen. -Aber Jahr um Jahr verging, ohne daß seine Angehörigen -eine Nachricht von ihm erhielten. Endlich ward der langwierige Krieg -beendigt, und die siegesfreudigen Truppen kehrten in die Heimat zurück, -wo ihnen allenthalben jung und alt einen festlichen Empfang bereitete. -Auch Marie, die unter Hoffen und Harren sechs kummervolle Jahre -verlebt hatte, eilte auf die Landstraße hinaus, um ihren Bräutigam -zu empfangen, allein er kam nicht. Dies gab ihrer Mutter, welche -die Hand ihrer Tochter schon längst dem reichen Nachbar Paul zugesagt -hatte, eine willkommene Veranlassung, in sie zu dringen, Georg, -der entweder im Kampfe gefallen sei oder sich unter liederlichem Gesindel -herumtreibe, zu vergessen und in die glänzende Partie einzuwilligen. -Jedoch Marie blieb standhaft und hielt fest an Georg. – -Als aber Mutter und Verwandte sie mit wiederholten Bitten und mit -ungestümen Drohungen bestürmten, gab sie dem Verlangen nach und -erbat sich ein Jahr Aufschub; denn sie hoffte mit aller Zuversicht, daß -innerhalb dieser Frist ihr Verlobter heimkehren werde. Doch auch das -siebente Jahr verstrich ohne Georgs Rückkehr, und Marie wurde Pauls -Gattin.</p> - -<p>An einem trüben Septembertage schritt ein junger, kräftiger -Wandersmann auf der Landstraße daher. Es war Georg, der voll -Sehnsucht seiner Heimat zueilte. Derselbe war nach abgeschlossenem -Frieden in der Fremde geblieben, um durch rastlose Arbeit und Sparsamkeit -sich einiges Vermögen zu erwerben. Nachdem ihm sein Plan -geglückt war, wollte er nun seiner alten Mutter, die ihm unter Mühen -und Sorgen so viel Gutes erwiesen, das Alter versüßen und mit Marie -einen eigenen Hausstand gründen. Mit wonnigen Gefühlen erreichte -er beim Dunkelwerden sein heißersehntes Ziel, die ärmliche Hütte -seiner Mutter, und schaute durch die Fensterscheiben ins traute, stille -Stübchen, wo sein greises, gebücktes Mütterchen beim Spinnrocken -saß und spann. Er klopfte leise an die Hausthür, und beim Öffnen -derselben fiel ihm seine Mutter mit thränenden Blicken um den Hals -und drückte ihn an ihr Herz. Nach der Freude der ersten Umarmung -erkundigte sich Georg nach seiner Braut. Da erzählte ihm die Mutter, -wie Marie sieben Jahre vergebens auf ihn gewartet habe, und wie -sie, ihn für tot haltend, Pauls Gattin geworden sei. Wie vom -Schlage getroffen stand Georg da, dann faßte er Mut und sprach mit -festem männlichen Ton: »Also für tot hielt mich Marie; wohlan denn, -ich will es sein für sie und die Welt! Morgen in der Frühe verlasse -ich diesen Ort für immer, um mich in die Einsamkeit zurückzuziehen.«<span class="pagenum"><a id="Seite_338">[338]</a></span> -Hierauf ging er zu dem Lindenbaume, welcher vor dem Hause des -Nachbars Paul stand, und schnitt sich einen Stab als treuen Gefährten -auf seiner Pilgerreise, die er trotz der Mutter inständigem Flehen -bei Anbruch des nächsten Tages antrat, um den Einsiedler Johannes -Niavis (Schneevogel), welcher im Erzgebirge ein frommes Leben führte, -aufzusuchen und mit ihm sich zu vereinigen. Georg beeilte sich, in -großen Tagesmärschen seine Reise zu vollführen. Und wirklich kam -er nach mehrtägiger, mühsamer Wanderung seinem Ziele so nahe, daß -er bis zu der einsamen Wohnung des Eremiten, welche um St. Albrecht -unter dem Wolfsberge bei Joachimsthal lag, wo der Schwarzgang -hinabstreicht, nur noch eine Viertelstunde Weges zurückzulegen hatte. -Da klang aus der Ferne das Ave-Maria-Glöcklein. Georg zog sein -Hütlein, kniete nieder und betete. Doch horch; leises Wimmern, klägliches -Stöhnen dringt an sein Ohr! Der Andächtige erhob sich und -eilte nach der Stelle hin, woher die Stimme ertönte. Er fand im -Gebüsche einen Israeliten liegen, der aus vielen Wunden blutete. -Ihn hatten Räuber, als er von seinem Hausierhandel nach Lichtenstadt -zurückkehren wollte, überfallen, mißhandelt und seiner Habseligkeiten -beraubt. Von tiefem Mitleid ergriffen, holte Georg in seinem Hute -aus der nahen Quelle Wasser, um den Todesblassen mit einem frischen -Trunke zu stärken und dessen klaffende Wunden auszuwaschen; allein -sein Liebesdienst war erfolglos, denn in wenigen Minuten hauchte der -Israelit seine Seele aus.</p> - -<p>Während der Fremdling, ein wahrer Samariter, bei der Leiche -kniete und mutterseelenallein das Sterbegebet verrichtete, näherten sich -dem Thalorte eilige Schritte. Georg glaubte hülfreiche Unterstützung -zu erlangen, um den Leichnam nach einem andern Orte schaffen zu -können, und war deshalb sehr überrascht, als er von Schergen, die -ihn des verübten Mordes beschuldigten, ergriffen und gebunden wurde. -Dann führten sie den Unschuldigen nach der nahen Bezirksstadt Joachimsthal, -wo sie ihn ins Gefängnis warfen.</p> - -<p>Georg beteuerte beim Verhöre seine Unschuld, allein seine Aussagen -wurden als freche Lügen hingestellt. Eher hätte er von den -Säulen, auf denen die Saaldecke ruhete, Gnade erflehen können, als -von den hartherzigen Richtern, welche ihn der vollbrachten Mordthat -schuldig erklärten und zum Tode durch Henkershand verurteilten.</p> - -<p>Des andern Tages ertönte das Sünderglöcklein. Eine unzählige -Volksmenge hatte sich auf dem Marktplatze versammelt, denn alles -wollte den Mörder, der zum Galgen geführt wurde, sehen. Als die -Versammelten aber einen jungen Mann mit mildem Angesichte erblickten, -der einmal gen Himmel, das andremal auf seinen Lindenstab<span class="pagenum"><a id="Seite_339">[339]</a></span> -seine Blicke richtete, blieb kein Auge thränenleer. – Auf dem im -Osten der Stadt gelegenen Galgenberge, dem damaligen Richtplatze, -angekommen, sprach Georg mit lauter, weithin vernehmbarer Stimme: -»Daß ich schuldlos sterbe, möge Gott der Barmherzige an meinem -dürren Lindenstabe bezeugen!« Nach diesen Worten hob er ihn in die -Höhe und stieß ihn mit aller Kraft in die Erde. Und siehe! kaum -hatte der Henker sein Werk vollbracht, so sah man an dem Lindenstabe -die ersten grünen Keime. Derselbe wurde nun ausgehoben und zum -gottesfürchtigen Einsiedler Schneevogel getragen, der ihn neben seiner -Kapelle in die lockere Erde einsetzte und mit Sorgfalt hegte und pflegte. -Aus dem dürren Stabe aber wuchs im Laufe der Zeit ein mächtiger -Lindenbaum, die Urmutter der stattlichen Linden heran, die noch heutzutage -bei dem Kapuzinerkloster zu Mariasorg stehen.</p> - -<h3 id="sec379">379. Der Galgenbaum bei Blankenhain.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 51.)</p> - -<p>Auf dem Rittergute Blankenhain im Amte Zwickau diente einst -ein ehrlicher und braver Hirtenjunge, namens Liebhold, dem aber die -Knechte und Mägde gehässig waren, weil er, sobald er von denselben -etwas sah, was wider den Willen seiner lieben Herrin, der Edelfrau, -war, ihr solches immer sogleich anzeigte. Als daher einmal der gnädigen -Frau ein goldnes Kettchen weggekommen war, ergriff das gottlose -Gesinde die günstige Gelegenheit, den armen Jungen zu verderben; der -gewissenloseste unter den Knechten ging hin zur Herrin und zeigte Liebholden -als den Dieb an, den er über der That betroffen habe. Die -Edelfrau übergab den Angeklagten den Gerichten, welche ihn nach vielfachem -Verhöre, wie hoch er auch seine Unschuld beteuerte, auf den -falschen Schwur seines Anklägers zum Strange verdammten. Nach -wenigen Tagen wurde das Urteil vollzogen. Unter wimmerndem Geläut -der Sünderglocke führte man den armen Liebhold hinaus vor das -Dorf, wo ein großer Balken mit einem Arme oben als Galgen aufgerichtet -war. Noch einmal, ehe er in den Tod ging, betete er zu -Gott, daß er seine Unschuld rechtfertigen möge und dann, zu den Umstehenden -gewendet, rief er: »Der mich angeklagt hat, der hat einen -falschen Eid geschworen. Denn, so wahr ich unschuldig bin, so wahr -wird dieser Balken, welcher mein Galgen sein soll, nach meinem Tode -anfangen zu grünen und Zweige treiben, und Jahrhunderte hindurch -als ein frischer Baum bewundert werden!« Darauf wendete er sich -zum Henker und litt mit frommer Zuversicht auf das Jenseits den unverdienten<span class="pagenum"><a id="Seite_340">[340]</a></span> -schmachvollen Tod. – Und als das nächste Frühjahr kam, da -gab Gott die Unschuld Liebholds an den Tag. Der Balken des Galgens -wurde grün und trieb Zweige, so wie es Liebhold vorhergesagt -hatte. Die Edelfrau wurde darüber voll Unruhe und gebot, den -meineidigen Knecht zu verhaften. Aber ehe die Häscher denselben erreichten, -hatte er sich im Koberbache ertränkt. Es wurden später mehrere -nahe am Rittergute stehende, hohe Erlen umgeschlagen, und auf einer -derselben fand man ein Dohlennest und darinnen das gestohlene goldne -Kettchen der Edelfrau. – Der Galgenbaum, jetzt ein starker und -hoher Baum, ist heute noch bei Blankenhain zu sehen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Sagen von dürrem Holze, von Pfählen, Stecken und dergleichen, welche wieder -grünen und dadurch die Unschuld eines unschuldig mit dem Tode Bestraften anzeigen, -giebt es auch an andern Orten. So erzählt eine thüringische Sage, daß -ein Bursche aus Lautersdorf, welcher, der Hexerei angeklagt, zum Richtplatze geführt -wurde, beim Anblicke von Pfählen, die ein Bauer einschlug, um Bäume anzubinden, -noch seine Unschuld mit den Worten beteuerte: »So wahr ich unschuldig bin, wird -Gott ein Wunder thun und einen dieser dürren Pfähle ausschlagen und zum starken -Baume heranwachsen lassen.« So geschah es. Als das Volk von der Richtstätte -zurückkehrte, hatte einer der trocknen Pfähle grüne Blätter und braune Zweiglein bekommen. -Er wuchs zu einer starken Buche empor. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, -3. H. No. 69.)</p></div> - -<h3 id="sec380">380. Die drei Linden bei Crimmitschau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von G. Fiedler.)</p> - -<p>In der Nähe des Sahnparkes bei Crimmitschau stehen drei große -schattenreiche Linden. Es wird erzählt, daß einst ein Schäfer des -Rittergutes Frankenhausen eines Diebstahls wegen zum Tode verurteilt -wurde, trotzdem er bis zum letzten Augenblicke seine Unschuld beteuerte. -Da bat er sich noch die Gnade aus, auf dem Richtplatze -drei junge Linden verkehrt pflanzen zu dürfen. Würden die auf solche -Weise gepflanzten Bäumchen fortkommen, so möge man dies als Zeichen -seiner Unschuld ansehen, würden sie aber verdorren, so wäre er -des Diebstahls schuldig. Der Schäfer wurde hingerichtet, aber die vor -seinem Tode von ihm mit den Ästen in die Erde gepflanzten Bäume -gediehen zum Zeugnisse, daß er unschuldig gewesen war.</p> - -<h3 id="sec381">381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Sax.</em> 1733, S. 77. Gräße, Sagenschatz etc. No. 466. Richter, -Chron. von Chemnitz I. 1767, S. 100.)</p> - -<p>Als den 19. April des Jahres 1540 die Barfüßermönche aus<span class="pagenum"><a id="Seite_341">[341]</a></span> -der Stadt Chemnitz vertrieben wurden, nahmen sie ihren Abzug über -den Katzberg (Kassberg), Sauanger und Altchemnitz, nach Böhmen zu; -dabei hat einer derselben, Bruder Barthel genannt, auf dem Sauanger -bei der Nikolaigasse eine Valetpredigt gehalten und darin verschiedene -Dinge prophezeit. So hat er ein unter seinen Zuhörern stehendes Weib -also angeredet: »Du liebes Weib, Du trittst allhier und hörst mir zu, -weißt aber nicht, daß Dir unterdessen Dein einziges Kind im Bade ertrunken -ist?« welches sie auch also tot gefunden. Ingleichen hat er -verkündigt, daß der gute Mühlsteinbruch bei Chemnitz gangbar werden -und daß in den beiden Kirchen zu St. Johannes und Nikolaus auf -dem Altare Heidelbeersträucher wachsen würden. Dies ist auch geschehen, -denn es sind beide Kirchen im Jahre 1547 von den Feinden -angegriffen worden, wie sie denn viel größer und schöner denn jetzt -gebaut gewesen. Weiter hat er dieser Stadt angesagt, daß sie nach -ihm eine schöne wohlgebaute Stadt, volkreich und mit vielem Glück -und Gaben Gottes würde begabt werden, allein wegen ihres Übermuts -und anderer Sünden werde sie von Gott mit Pestilenz, Kriegsnot, -Feuerschaden und endlich mit einer großen Wasserflut gestraft und -heimgesucht werden, was auch leider bald nachher eingetroffen ist. Von -Neukirchen im Amte Chemnitz hat dieser Mönch gesagt, daß sein Erbherr -ein großes Schloß daselbst bauen, aber keiner allhier sterben und -begraben werden dürfe, welches auch bis 1709 also geschehen, als in -welchem Jahre der ältere Baron von Taube auf dem genannten Schlosse -gestorben und in Neukirchen begraben worden. Ferner hat er gesagt, -es werde daselbst auch eine steinerne Brücke erbaut werden, darauf -werde eine doppelt verlobte Braut, wenn sie zur Kirche fahren wolle, -versinken, welches auch die Erfahrung wahr gemacht hat.</p> - -<h3 id="sec382">382. Prophezeiung des M. Schütze in Oederan.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 255.)</p> - -<p>Am 22. Januar 1763 legte sich der alte Pastor M. Schütze zu -Oederan ins Grab. Wenige Stunden vor seinem Ende forderte er -Feder, Tinte und Papier, da er nicht mehr sprechen konnte. Die Feder -entfiel ihm ebenfalls. Da blickte er den anwesenden Diakonus Frey -wehmütig an und schrieb mit dem Finger folgende Zeichen aufs Bett: -»m – E – gef. –. 7 Jam – El – betet!«, das letzte Wort ganz -deutlich, die ersten aber vermochte der Diakonus nur mit Mühe herauszubringen -und auf ein Papier zu schreiben. Erst im Jahre 1770 -sollten die Buchstaben, welche man nicht verstanden, ihre Bedeutung -finden; sie hießen: »Machet Euch gefaßt in 7 Jahren auf Jammer<span class="pagenum"><a id="Seite_342">[342]</a></span> -und Elend! betet!« Und es folgten drei traurige Hungerjahre, hervorgerufen -durch Mißwachs. Schon im zweiten Jahre konnte niemand -mehr dem Andern eine Gabe reichen. Die Ernte faulte schon auf dem -Felde. Die Körner wurden auf der Mühle zu Brei statt zu Mehl und -hatten einen üblen Geruch. Viele starben buchstäblich vor Hunger, so -daß vom Obergebirge, wo es am traurigsten aussah, viele hundert -Kinder, welche keine Eltern mehr hatten, in die großen Orte verteilt -werden mußten.</p> - -<h3 id="sec383">383. Eine Prophezeiung der Zigeuner.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 312.)</p> - -<p>In Graslitz sollen auf dem Marktplatze einmal Zigeuner Feuer -angemacht und sich ihre Speisen gekocht haben. Als sie wegzogen, konnte -niemand mehr eine Spur entdecken, wo das Feuer gebrannt hatte. -Diese Zigeuner sollen denn auch der Stadt prophezeit haben, daß, wenn -in Graslitz ein Brand entstünde, doch niemals mehr als zwei Häuser -abbrennen würden. Diese Prophezeiung hat sich denn auch stets bestätigt.</p> - -<h3 id="sec384">384. Die Eiche bei Hartenstein.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 557.)</p> - -<p>In dem beim Schlosse Hartenstein befindlichen Walde befand sich -vor Jahren ein ungeheurer, prächtig belaubter Eichenbaum, von dem -man erzählte, daß sein Bestehen auf geheimnisvolle Weise mit dem -Schicksale des Schönburgischen Hauses verflochten sei. Man sagte, -wenn der Baum umgehauen werde, würden drei Glieder des Schönburgischen -Stammes sterben.</p> - -<h3 id="sec385">385. Eine Sylvestersage.</h3> - -<p class="source">(Illustrirtes Familien-Journal. V. No. 116.)</p> - -<p>Es war im vorigen Jahrhunderte an einem Sylvesterabende, da -saß in der Stadt Schöneck ein alter, wackerer Schneider, zugleich Stadtrat -und Gemeindeältester, mit seiner getreuen Ehehälfte im rauchgebräunten -Stübchen und schneiderte noch für den Festtag. Im großen -Kachelofen prasselte ein gemütliches Feuer, und in der Röhre sang -der Kaffee gar lustige Liedlein. Auf einmal erhob sich die Hausmutter, -kramte herum und suchte und suchte, und machte ein gar verdrießlich -Gesicht, vergeblich, sie fand nicht das Kameelgarn zu den Knopflöchern.<span class="pagenum"><a id="Seite_343">[343]</a></span> -Die Niederlage war aber oben auf dem Boden; deshalb mußte der -Vater hinauf. Oben stand er in der schönen Winternacht an der Dachluke, -und es wurde ihm so wunderlich im Herzen und er mußte sein -Käppchen abnehmen und ein stilles Vaterunser beten. Wenn man aber -zur Neujahrsnacht unter einem Balken steht, dessen eines Ende nach -Morgen gerichtet ist, und ein Vaterunser betet, und nicht aus der -Linie des Balkens heraustritt, so kann man »horchen«, d. h. einen -Blick in die Zukunft thun, die in einzelnen Bildern vorüberzieht. Tritt -man aber aus dem Kreise heraus, oder man erzählt jemandem, was -man gesehen hat, so solls einem den Hals umdrehen. Der Alte hatte -gar nicht daran gedacht, – aber auf einmal, da fängts an zu läuten, -als ob eine Leiche wäre, und den Mühlberg herauf kommt ein langer, -langer Leichenzug, immer näher und näher, bis er endlich vor des -alten Schneiders Haus anhält. Es dauert auch nicht lange, so kommt -die Schule und die Geistlichkeit, mit dem Kreuze voran, stellen sich -neben der Bahre auf, singen zwei Lieder und eine Arie, und dann -setzte sich der Zug in Bewegung nach dem Kirchhofe zu. Der Alte -kann die Leichenbegleiter alle erkennen, Vettern, Nachbarn, Gevattern, -ja sogar sich selbst und seine Ehehälfte darunter, sich selbst dicht hinter -dem Sarge und mit weinenden Augen. Da ward's ihm doch ein -wenig bange und er wäre gern fortgegangen; aber es fiel ihm noch -zu guter Zeit das Halsumdrehen ein. Wie er nun so recht trübselig -da stand und träumerisch hinausblickte, sah er aus einem Hause ein -Flämmchen herausfahren, dann aus einem andern, dann wieder eins -und wieder eins, und zuletzt kam fast aus jedem Hause ein Flämmchen -gefahren, und das, wußte er wohl, bedeutet Feuer. Da konnte er -sich denn doch nicht mehr halten, sprang aus dem Kreise, und – es -schlug Eins! Als er indessen wieder herunterkam, war seine alte Ehehälfte -eingeschlafen; er weckte sie auch nicht erst auf, sondern ließ die -Arbeit sein und legte sich nieder, konnte aber nicht schlafen, war früh -verstimmt, ging auch nicht in die Metten, sondern saß still und traurig -daheim. Als er nach einigen Tagen den Wächter traf, that dieser -sehr geheimnisvoll und beklommen und meinte: »Meister, Meister! 's -wird ä schlecht Jahr für Euch und für uns all'! Der liebe Gott behüt' -uns und die Stadt! mehr darf ich nit sagen: aber wachet und betet, -daß ihr nicht in Anfechtung fallet!« Der hatte auch gehorcht, und so -noch andere. – Es dauerte auch nur wenig Wochen, da starb des -alten Schneiders Bruder, der Müller drunten in der Bockmühle. Es -wurde zur Leiche gelauten, den Mühlberg herauf kam ein langer Zug, -der vor des Alten Haus anhielt. Es kam die Schule und die Geistlichkeit -voran, die stellten sich auf, sangen dieselben zwei Lieder und<span class="pagenum"><a id="Seite_344">[344]</a></span> -dieselbe Arie, dieselben Leute gingen hinter dem Sarge her, der Alte -mit entblößtem Haupte und weinenden Auges. Der alte Wächter aber -stand am Kirchhofthore, sah den Alten verständnis- und geheimnisvoll -an, und weinte so heftig, daß die Leute gar nicht begreifen konnten, -wie ihm der Tod des Bockmüllers so zu Herzen gehen könne. Der -hatte aber seinen guten Grund, traurig zu sein, denn er wußte, was -geschehen würde. Es geschah auch. In demselben Jahre noch ist fast -die ganze Stadt abgebrannt und des Alten Haus dazu. Es war nur -gut, daß es gerade Eins schlug, als er aus dem Kreise sprang; sonst -wäre es wohl noch schlimmer für ihn geworden.</p> - -<h3 id="sec386">386. Der Scharfrichter und sein Schwert.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 37.)</p> - -<p>Zur Zeit, da in Joachimsthal das Hochgericht bestand, bewohnte -der Scharfrichter, mit dem niemand verkehren wollte, ein einsames -Häuschen im untersten Stadtteil. Häufig besuchte eine Frau des Henkers -Familie. So oft sie mit ihrem Kinde in die Stube trat, hörte das -Weib des Scharfrichters die in dem Waffenschranke hängenden Schwerter -dumpf aneinander schlagen. Auf diesen merkwürdigen Vorfall machte -das Weib endlich ihren Mann aufmerksam, der darüber nicht die geringste -Verwunderung aussprach. Als der Scharfrichter eines Tages -bemerkte, daß die Frau mit dem Kinde sich seiner Wohnung näherte, -öffnete er den Schrank, worin sich die Schwerter und die übrigen Hinrichtungswerkzeuge -befanden. Kaum hatten die erwarteten Ankömmlinge -des Gemaches Schwelle überschritten, so bewegte sich sofort das größte -Schwert im Schranke, berührte die daneben hängenden Schwerter und -verursachte ein unheimliches Geklirre. »Arme Frau,« sprach bewegt -der Scharfrichter, »meine Freundespflicht befiehlt mir, Euch eine höchst -traurige Mitteilung zu machen. Ihr werdet an Eurem Kinde viel -Kummer und Schmerz erleben, denn es wird durch Henkershand sein -Leben enden. Seht, wie sich dort das Schwert bewegt, dessen Klänge -Ihr hört! Dies alles zeigt mir an, daß Euer Kind einst hingerichtet -werden wird durch mein Schwert.« »Um Gotteswillen! ich beschwöre -Euch,« rief laut schluchzend, händeringend und schreckensbleich die -Mutter, »sucht das gräßliche Los von meinem Kinde abzuwenden!« -»Soll Euer Kind dem schmählichen Tode entgehen«, entgegnete der -Henker, »dann muß ich dessen Körper mit dem Schwerte ein wenig -ritzen, auf daß dieses sich mit dem Blute des bestimmten Opfers färbe.« -Sprach's nahm das Schwert und brachte mit demselben dem Kinde<span class="pagenum"><a id="Seite_345">[345]</a></span> -eine leichte Wunde bei. – Die dankbare Frau setzte mit dem Kinde -ihre Besuche bei der Scharfrichtersfamilie fort, doch das Schwert blieb -fortan ruhig im Waffenschranke hängen.</p> - -<h3 id="sec387">387. Der Traum auf Augustusburg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anh. No. 20.)</p> - -<p>Kurfürst August I., der Erbauer der Augustusburg, hatte auf -derselben ein Schlafgemach, darin zwei Betten standen, das eine für ihn -selbst, das andere für seinen Kanzler, einen Edlen von Pflug. Neben -dem Bette des Kurfürsten aber stand ein Tisch, auf welchem stets eine -aufgeschlagene Bibel lag, weil der fromme Kurfürst jedesmal vor dem -Schlafengehen ein Kapitel aus derselben zu lesen gewohnt war.</p> - -<p>Einst schlief er ruhig in seinem Bette, da hatte er folgenden -Traum: Ein Mönch und eine Nonne traten in das Gemach und schritten -zu dem Tische, auf dem die Bibel lag und das brennende Nachtlicht -stand. Der Mönch nahm die Bibel auf und las darin, legte sie -aber bald wieder verdrießlich weg und wollte das Licht ausblasen. -Als ihm aber das trotz aller Anstrengung nicht gelingen wollte, ward -er darüber voll Ärger und eilte der Thüre zu. Hierauf versuchte auch -die Nonne das Licht auszublasen, und blies es auch aus, jedoch nicht -ganz. Denn kaum, daß sie mit dem Mönche zur Thür hinausgeeilt -war, da entzündete sich die Kerze, an deren Dochte noch einige Fünkchen -glommen, plötzlich wieder und brannte mit schöner, heller Flamme.</p> - -<p>Dieser Traum schien auf den Kurfürsten einen tiefen Eindruck -gemacht zu haben, denn als er früh in der fünften Stunde erwachte, -war das erste Wort, das er nach dem Morgengruße an den Kanzler -richtete: »Ich habe einen seltsamen Traum gehabt in dieser Nacht!« -Da nun der Kanzler antwortete, daß auch er, obgleich er bis nach -Mitternacht wach geblieben, gar seltsame Dinge gesehen habe, so that -der Kurfürst den Vorschlag, daß sie beide ihr Gesicht alsbald aufzeichnen -wollten; dies geschah denn auch, und als sie fertig, teilten sie -das Geschriebene einander mit. Wunderbar genug hatte der Kanzler -ganz dasselbe mit wachen Augen gesehen, was dem Kurfürsten im -Traume vorgekommen war, und noch wunderbarer war es, daß das -von ihnen Aufgezeichnete in jedem Wort und Buchstaben vollkommen -übereinstimmte. Der Kanzler wußte nicht, was er davon denken sollte; -der Kurfürst aber sprach: »Es wird dermaleinst nach meinem Tode -auch ein Augustus in diesem Lande regieren, der wird die evangelische -Lehre unterdrücken wollen, aber nicht können, denn Gottes Wort und -Luthers Lehr' vergehen nun und nimmermehr!«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_346">[346]</a></span></p> - -<p>Nach andern Nachrichten soll der Kurfürst eine harte Verwünschung -desjenigen unter seinen Nachkommen, der die Lutherlehre anfeinden -würde, in der Bibel aufgezeichnet haben.</p> - -<p>Ob der Mönch und die Nonne jemals wieder in Augustusburg -erschienen sind, davon hat niemand etwas erfahren. Die obige Geschichte -aber erzählen viele Chroniken.</p> - -<h3 id="sec388">388. Die Kurfürstin Margarethe wird durch einen Traum vor -den Prinzenräubern gewarnt.</h3> - -<p class="source">(Johann Vulpius, <em class="antiqua">Plagium Kauffungense</em>, d. i. die Chur-Fürstl. -Sächß. Printzen Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg. -Anhang zu Daniel Wilh. Triller, Der sächs. Prinzenraub, 1743. S. 199.)</p> - -<p>Die Nacht zuvor, ehe der Kurfürst Friedrich der Sanftmütige in -der Woche nach Mariä Heimsuchung 1455 von Altenburg aus eine -Reise nach Leipzig unternahm, während welcher die beiden Prinzen -Ernst und Albrecht durch Kunz von Kauffungen entführt wurden, -hatte die Kurfürstin geträumet, es wäre ein grausames wildes Schwein -gekommen, welches in einem angenehmen Garten eingebrochen sei. -Dasselbe habe sich unterstanden, neben den Reben und Gewächsen -fürnehmlich die junge, schön aufwachsende Raute zu verderben und -niemand habe ihm Widerstand gethan, bis endlich noch ein Bär -(dessen Bild des errettenden Köhlers Schmidt Nachkommen auch -später ins Wappen erhielten) herzugelaufen, welcher des wilden -Schweines Wüten mit seiner Tatze gesteuert habe. Deshalb hat auch -die Kurfürstin ihren Gemahl gebeten, die Reise aufzuschieben. Der -Kurfürst aber hat darauf geantwortet, Träume wären Schäume; wer -auf Träume achte, greife nach dem Schatten.</p> - -<h3 id="sec389">389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung von den Schweden.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Schauplatz etc. S. 793.)</p> - -<p>Im Jahre 1642 lebte in Elterlein eine sehr andächtige Jungfrau -von 24 Jahren, Margarethe, Christoph Landrocks Tochter, welche -sich vor den schwedischen Einfällen sehr fürchtete und daher herzlich für -sich und die belagerte Stadt Freiberg betete. Am Neujahr 1643 -stand sie vom Schlaf auf, war ganz freudig und sprach: O, nun bekommen -die Schweden die Stadt Freiberg nicht; heute sahe ich im -Traume, daß zwar der Torstensohn die Stadt an einer Kette hatte, -aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten,<span class="pagenum"><a id="Seite_347">[347]</a></span> -der hieb die Kette mit einem Streich entzwei, daß der Torstensohn -mit der halben Kette zurückfiel, darüber seine Soldaten erschraken und -ausrissen. Nach 7 Wochen ging der Traum aus und der Feind -mußte abziehen.</p> - -<h3 id="sec390">390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Sax.</em> 1762. S. 242. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 228.)</p> - -<p>Im Jahre 1760 ist ein Knabe aus Bräunsdorf nach Neumark -bei Freiberg zu einem Schuhmacher in die Lehre gethan worden. -Dieser Lehrjunge wird von dem Sohne des gedachten Schusters, der -seinem Vater im Handwerk hilft, mit einem Schuhleisten totgeschlagen, -und sie schaffen denselben in aller Stille bei Seite und geben vor, -er sei davongelaufen, was auch geglaubt wird. Aber des Knaben -Großmutter, die ebenfalls in Bräunsdorf wohnte und den Knaben in -seiner Lehrzeit öfter als seine Eltern besuchte und ihm auch oft etwas -mitgebracht hatte, erblickte nach einigen Tagen mehrere Nächte hintereinander -den Geist ihres erschlagenen Enkels, der ihr erzählte, er sei -nicht davongelaufen, sondern vielmehr mit einem Schuhleisten erschlagen -und in der Scheune begraben worden. Diese Begebenheit ist dem -Amtmann zu Freiberg gemeldet und in Folge davon im Januar des -Jahres 1762 Vater, Mutter und Sohn eingezogen worden, bei deren -Vernehmung sich alles, wie oben erzählt, bestätigt hat.</p> - -<h3 id="sec391">391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 781. 782.)</p> - -<p>Den 5. Januar 1630 starb Nikolaus Walde, Pfarrer zu -Schwarzenberg; dem verdorrete das Jahr zuvor sein Birnbaum. Da -er's sahe, sagte er: »Ich habe lange genug vom Sterben gepredigt, -jetzt wird der Birnbaum mein Prediger. Mein Baum verdorret und -ich werde auch bald sterben!« Am Neujahrstage steigt er auf die -Kanzel und da er anfangen will zu singen: Helft mir Gottes Güte -preisen u. s. w., überfällt ihn ein Schlagfluß, daß er nach Hause geführt -werden und sich auf sein Todesbett legen mußte. – Heinrich -Ryhel, Pfarrer in Wiesenthal, hatte einen Zeilanderstrauch in seinen -Pfarrhof gepflanzt, der trefflich grünte und im Frühjahr, da genannter -Pfarrer starb, schon im April ausgeschlagen war. Sobald der -Pfarrer krank wurde, fing der Strauch an sichtlich zu verdorren; -darauf starb der Pfarrer.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_348">[348]</a></span></p> - -<h3 id="sec392">392. Nächtliches Fallen zeigt einen Todesfall an.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 930.)</p> - -<p>Das Fallen nennt der gemeine Mann das Leichenbret, und -glauben manche, es müsse notwendig darauf ein Todesfall erfolgen, -auch könne solcher Fall vom Menschen ab und auf ein Vieh gewendet -werden, wenn man sage: Falle auf meine Henne, Ziege u. s. w. Im -Jahre 1627, ehe der Pfarrer in Markersbach im September zum -Tode krank wurde, lag er abends samt seiner Ehefrau schon in der -Ruhe. Die Magd war noch auf, und da sie etwas oben im Hause -stark fallen hörte, lief sie hinauf, in der Meinung, der Herr habe -ihr gepocht, und fragte, was sie solle? Sie wurde abgewiesen als -eine Träumende, sie sollte zu Bette gehen. Am neunten Tage darauf -war der Pfarrer tot.</p> - -<p>Anno 1653 lebte in Scheibenberg eine Pfarrerswittwe von -Thum. Als dieselbe einst ihren Sohn, welcher verreisete, ein Stück -begleitet hatte und wieder auf dem Heimwege war, thats in ihrem -Hause einen ungemeinen Fall, und zwar zu derselben Stunde, da sie -auf dem Rückwege von einem Fieberfrost überfallen wurde, daran sie -auch nach zehn Tagen starb.</p> - -<h3 id="sec393">393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 785.)</p> - -<p>Im Jahre 1664 brannte von der Stadt Annaberg über die -Hälfte ab; dabei verbrannte auch jämmerlich der Stadtrichter Martin -Meyer nebst seiner Frau. Des Tags zuvor geht er vor dem Gottesacker -vorüber, da ruft ihn eine Stimme, die als seiner verstorbenen -Schnur Stimme gelautet, etliche mal: Herr Vater! Des Nachts geht -das erschreckliche Feuer gegenüber seiner Wohnung auf.</p> - -<p>Im Jahre 1686 wurde <em class="antiqua">M.</em> Benjamin Heyde, Oberpfarrer in -Schneeberg, frühe, da er predigen sollte, in seinem Bette tot gefunden. -Abends zuvor rief dreimal eine Stimme, welche seines ersten Weibes -Stimme gleich: Herr! Herr! Herr! und darauf erfolgte sein Tod.</p> - -<h3 id="sec394">394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784.)</p> - -<p>Im Jahre 1666 wohnte ein Kopist in Schneeberg, ein junger, -starker Mann, der beim Trinken hurtig von der Faust war. Seinem -Weib, Marie Böhmin, sprang der Ring vom Finger entzwei und fiel<span class="pagenum"><a id="Seite_349">[349]</a></span> -auf die Erde. Sie erschrak darüber und sagte: Was soll mir das -sein? Da der Mann des Abends zu Bier gehen will, hat sie große -Angst und erzählt, was ihr begegnet, er solle zu Haus bleiben, aber -er schlugs in ein Gelächter. Sie begleitet ihn bis zur Hausthür und -vermahnt ihn, er soll sich ja in acht nehmen. Abends bringen sie -ihn totkrank nach Haus, und der Schlag rühret ihn eben dieselbige -Nacht, daß er starb.</p> - -<h3 id="sec395">395. Klingen und Singen verkündet einen Sterbefall.</h3> - -<p class="source">(Chr. G. Wilisch, Kirchen-Histor. von Freiberg etc. II., S. 401. -Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 195.)</p> - -<p>Am Abende des 4. August 1629, welcher dem Tode der Gemahlin -des Moritz v. Hartitzsch auf Krummenhennersdorf voranging, hörte -letzterer mit dem Pfarrer Benedictus Scheuchler und dem Arzte (?) -Däntzki, da sie miteinander in Kümmernis am Fenster des Schloßerkers -standen, draußen gar nahe ein klares helles Glöcklein klingen, gleich -oben über den Bäumen, anders nicht, als ob man wollte anfangen -zu Grabe zu läuten. Bald darauf hörten sie gar einen lieblichen Laut, -als wenn kleine Kindlein singen. Am Morgen wies sich aus, was -hierdurch angedeutet worden, daß nämlich die kranke Frau seligen -Feierabend machen wollte und ihr Körper zur Ruhe gebracht werden sollte.</p> - -<h3 id="sec396">396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.</h3> - -<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)</p> - -<p>In Nossen lebte einmal ein gottesfürchtiger Tischlermeister, bei -dem es manchmal des Abends, wenn die Familie still beschäftigt war, -in den Brettern oder Hobelspähnen rumorte. Dann wußte der -Meister, daß am nächsten Tage ein Sarg bestellt werden würde.</p> - -<p>In ähnlicher Weise pflegten sich beim dortigen Totengräber des -Abends zuweilen die Werkzeuge zu rühren, und dann wurde Tags -darauf ein neues Grab verlangt.</p> - -<h3 id="sec397">397. Der geplagte Polizeidiener.</h3> - -<p class="source">(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)</p> - -<p>Bis gegen Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts befand -sich die Stadtwache zu Nossen in einem am Obermarkte gelegenen, -der brauberechtigten Bürgerschaft gehörigen, jetzt aber abgebrochenen<span class="pagenum"><a id="Seite_350">[350]</a></span> -Brau- und Malzhause, vor dessen Ostseite zwei schöne Linden standen. -Dort wohnte einmal ein Polizeidiener, ein altgedienter Soldat. Wenn -nun in der Stadt ein schwer Kranker nicht »ersterben« konnte, erschien -sein Geist des Nachts dem Polizeidiener und nötigte ihn zum Aufstehen -aus dem Bette. Der mußte sich nun vollständig in Uniform kleiden -und mit umgehängtem Säbel den Geist bis an die Hausthüre begleiten, -worauf dieser verschwand. Der Polizeidiener pflegte manchmal zu sagen: -Diese Nacht ist der oder die bei mir gewesen, und darauf hörte man -bald auch von ihrem Ableben.</p> - -<p>Still und mürrisch, wie er war, mußte er sich oft vom Bürgermeister -ausschelten lassen. Das hörte er in Positur ernsthaft an und -sprach dann, als wenn er schwerhörig sei: »Schön, Herr Bürgermeister, -ich werd's ihm sofort sagen.« Da mußte der Bürgermeister immer -lachen und das gute Einvernehmen war wieder hergestellt.</p> - -<h3 id="sec398">398. Vögel sind Unglücksverkündiger.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 834.)</p> - -<p>Als im Jahre 1639 ein großes Sterben war, hatten die Raben -bei Tage ein greulich Geschrei, bissen sich auch des Nachts bei Mondenschein -heftig auf den Kirchen und Häusern herum, und es war furchtsam -anzuhören, wenn die Eulen in den Gärten so jauchzten. Man -merkte auch um selbige Zeit, daß ein Haufen Elstern mit Schreien -und Schnattern alle Gassen voll gemacht und gleichsam die Post gebracht -hatten, wenn räuberische Parteien kamen. Ehe einem Hausvater sein -Weib und Kind in den Wochen starb, zogen die unter dem Dache -nistenden Schwalben samt ihren Jungen weg. Desgleichen ist in Schneeberg -geschehen, daß die Störche, welche lange Zeit auf eines Bürgers -Hause genistet, im Jahre 1688, ehe der Bürger gestorben, davon gezogen -und ausgeblieben sind. Im Jahre 1664 kamen des Nachts, -ehe in Annaberg 400 Häuser in Asche gelegt wurden, etliche Eulen, -setzten sich auf des Bürgermeisters Haus am Markte und schrien gräßlich.</p> - -<h3 id="sec399">399. Anzeichen von Feuersbrünsten.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 780.)</p> - -<p>Man hat in unterschiedlichen Bergstädten wahrgenommen, daß -wenn Gott mit einer Feuersbrunst strafen wollte, sich zuvor allerhand -bedenkliche Vorboten gezeigt haben. Man hat in der Ratsstube des -Nachts ein Licht brennen sehen, oder es ist ein Wasserkübel auf dem<span class="pagenum"><a id="Seite_351">[351]</a></span> -Rathausboden herunter gefallen, oder es hat auf dem Markt mit den -Wasserkübeln gerasselt und sich in den Bottichen gebadet, oder es sind -auch eiserne Reifen an den Röhrenbottichen geborsten und abgesprungen, -oder es haben sich ungewöhnliche Feuervögel sehen lassen, oder es -sind die Kinder unversehens vorbeigelaufen und haben Feuer gerufen, -oder man hat eine unbekannte Stimme des Nachts zuvor gehört: -Lösche, dein Haus brennet!</p> - -<h3 id="sec400">400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 430.)</p> - -<p>Die sonderlich bei Nachtzeiten lichterloh brennende Bergwitterung, -welche in Gestalt eines ausgestreuten Pulvers plötzlich lodert und verlöscht, -und die Ausgänge, Luftlöcher und Klüfte der Metalladern zeigt, -ist in dem Erzgebirge gar gemein, und hat man an den Orten, da -hernach Bergstädte erbaut worden, zuvor viel und starke Bergwitterung -gespüret. Dies ist geschehen im Jahre 1491, da um den Pöhlberg -die Bergwitterungsflammen lichterloh ausgelauscht und die Bergleute -veranlaßt, daß sie hernach die Erzgänge mit der Rute erforschten und -entblößten. Dergleichen hat sich auch um Scheibenberg begeben, da -vorzeiten rauher Wald und Morast gewesen, daß sich des Nachts viel -Witterungen von ferne sehen lassen, so daß die Nachbarn vermuteten, -es müsse daselbst reiches Erz liegen. Daher hat auch Caspar Klinger -von Elterlein im Jahre 1515 zuerst daselbst eingeschlagen und die -erste Fundgrube gemutet.</p> - -<h3 id="sec401">401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1154.)</p> - -<p>Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man -überall im Gebirg ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen, -als wenn unterschiedene Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären, -desgleichen hat man gehöret, als wenn Musketen losgingen und zur -Begrüßung geschossen würde. Dies haben unzählige Personen mit -Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung -in erfolgten feindlichen Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.</p> - -<h3 id="sec402">402. Ein Sturm als Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 391.)</p> - -<p>Ein Anzeichen war es, als am 15. Febr. 1625 des Nachts das -mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in<span class="pagenum"><a id="Seite_352">[352]</a></span> -Joachimsthal von einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen -und geöffnet wurde, denn es wurde so getrennt, daß das Hinterteil -des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und eiserner -Feder geborsten und das Vorlegschloß samt dem Kloben, der das -Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel geschränkt, -eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen gelegen. Und -dieser ungemeine Sturm hat den damaligen böhmischen Bauernkrieg -nach sich gezogen.</p> - -<h3 id="sec403">403. Ungestümes Wetter im Gebirge zeigt Krieg an.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, a. a. O., S. 420.)</p> - -<p>Man hat beobachtet, wenn Schlachten zur See oder Land vorgegangen, -daß solche mit einer ungemeinen Witterungsungünstigkeit im -Gebirge gleichsam angedeutet worden sind.</p> - -<h3 id="sec404">404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 207.)</p> - -<p>Sonst hat man an dem Schwarz- und anderem Wasser gemerkt, -daß sie bei bevorstehendem Unglück, Feuer- oder Wasserschaden, greulich -geheulet. Im Jahr 1630, den Tag zuvor, ehe die Stadt Annaberg -abgebrannt, hat der Elterleiner große Teich am Geyerschen -Wege entsetzlich geheulet, so daß des Zainschmieds Junge, der mehr -Wasser aufschlagen sollte, vor Schrecken davon gelaufen. Im Jahre -1645 den 10. Juni, am zweiten Pfingstfeiertage, heulte frühe in -Elterlein ein Teich jämmerlich, so daß eine Jungfrau, welche über -den Teichdamm ging, aus Furcht eilends fortlief. Darauf ist ein -Schulknabe, des alten Richters Matthes Rüdels Sohn, im Teiche -ertrunken.</p> - -<h3 id="sec405">405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.</h3> - -<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. -Leipzig, 1723, S. 28. Lehmann, Hist. Schauplatz. S. 402.)</p> - -<p>Ein Köhler war kurz vor Erbauung von Johanngeorgenstadt -auf dem gegenüberliegenden böhmischen Berge eingeschlummert. Hierauf -aber hat er ein so starkes Geläute auf dem Fastenberge, worauf -jetzt die Stadt steht, vernommen, wie sonst nur in einer Stadt gebräuchlich<span class="pagenum"><a id="Seite_353">[353]</a></span> -ist. Darüber ist er nicht nur aufgewacht, sondern er hat -sich auch wachend nicht zu fassen gewußt.</p> - -<p>Der letzte evangelische Lehrer zu Platten, mit Namen Johann -Jahn, hat einstmals einen Traum gehabt, als wären vom Joachimsthaler -Wege Wagen gerasselt gekommen, deren Deichseln alle auf den -Markt zugegangen; hernach wäre ein großes Wasser und rauschende -Flut gekommen und hätte alles in den Grund hinabgeschwemmt.</p> - -<p>Am Fest Mariä Heimsuchung, als am 2. Juli des Jahres 1648, -sahe man zu Breitenbrunn frühe unter der Predigt gegen den Fastenberg -zu, auf welchem sieben Jahre später die Stadt gegründet wurde, -in der Wolke eine Stadt aufgehen, und vor der Stadt einen Gottesacker -liegen, darauf zwei Totenbahren standen, und in der Mitte ein -grüner Baum.</p> - -<h3 id="sec406">406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 1064.)</p> - -<p>In Neustädtel trug sichs bei angehender Reformation zu, daß -eines Morgens unterschiedliche Berg- und andere Leute zusammen -kamen und auch von der Reformation redeten. Wie sie nun teils ungereimte -Sachen vorbrachten und unter anderem auch auf die Lehre -vom Abendmahl fielen, geschahe es, daß der eine Teil das Abendmahl -in beiderlei, der andere aber in einer Gestalt verteidigte. Indem -nun ein Bergschmied, welcher an dem Fenster saß, dergestalt für -eine Gestalt stritt und dabei sagte, daß, wenn dieses der rechte Glaube -sei, daß ein Laie das Sakrament in beiderlei Gestalt empfangen sollte, -er in seiner Hand vor dem Fenster einen Vogel fangen wollte: siehe, -so trug es sich, indem er im Reden mit der Hand zum Fenster hinausgriff, -in einem Nu zu, daß sich zwei Sperlinge mit einander bissen -und vor das Fenster fielen, solche aber von ihm beide ergriffen und -in die Stube gebracht wurden, weswegen sich darauf alle Anwesende, -als vor einem Zeichen, entsetzten.</p> - -<h3 id="sec407">407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 922.)</p> - -<p>Als im Jahre 1478 in dem Mühlberge zu Schneeberg reiche -Erze angetroffen wurden, da fuhr Römer, vermutlich jener Sebastian, -welcher vorher Romner geheißen, mit seinem Haufen zu und wollten -alles allein haben. Sie nannten die Zeche Münzer- oder Römerzeche -und es galt ein Kux darauf 1200 bis 1400 Gulden. Da aber die<span class="pagenum"><a id="Seite_354">[354]</a></span> -unrechten Besitzer, darunter außer Römer noch Fürsten, Grafen und -Herren waren, den armen Bergmann mit seiner Gewerkschaft auf der -Sattlerzeche, in welcher Lehn das Erz gebrochen war, ausmaßen und -auf die Halde setzten, auch sogar der Lehenträger Römer falsch beschworen -hatte, daß der Gang ihm gehöre, so war solches ein Greuel -vor Gott. Alsbald verschwand das Erz dieser Zeche und verwandelte -sich im Anbruch in Kohlen. Es soll auch zu derselben Zeit, da -Römer draußen auf der Haspelstätte nach den alten Bergrechten den -Schwur leistete, im Berggerichte zu Zwickau, wo Römer und sein -Haufe mit den armen Gewerken um das Erz gestritten hatte, das -Gewölbe aufgerissen sein, und das Glöcklein, womit man die Diener -herein zu rufen pflegte, von selbst geklungen haben. Von dieser Begebenheit -rühren die Worte Herzogs Georg her: »Der Gleeßberg ist -ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworener Berg, sehet mir -auf den Schickenberg.«</p> - -<h3 id="sec408">408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 918.)</p> - -<p>Als Paul Gramman, insgemein der Hosenschneider genannt, im -Anfang des Schneebergs eine Zeche am Wolfsberge, die der grüne -Schild geheißen, fast allein zu eigen gehabt und einen Stollen hineingetrieben, -hat er ein köstliches Erz angetroffen, da er aber einstmals -hinter dem Steiger gestanden und zugesehen, wie derselbe das schönste -Glaserz losgebrochen, ist einer seiner guten Freunde vor den Ort gekommen -und hat ihm nach bergmännischem Gebrauch ein Glückauf -gewünscht. Der Hosenschneider aber hat freventlich und übermütig darauf -geantwortet: »Was bedürfen wir dieses Glückwünschens? Siehe, -wir haben ja das Glück in Händen und vor Augen!« Darauf aber -soll sich alsbald das Erz im Anbruch dermaßen abgeschnitten haben, -daß man nicht gewußt, wie es verschwunden ist. Es ist auch ferner -sowohl an diesem Orte, als auch am ganzen Wolfsberge wenig mehr -ausgerichtet worden.</p> - -<h3 id="sec409">409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica von Chemnitz, I. 1767, S. 72.)</p> - -<p>In einem Gange des ehemaligen Benedictiner-Klosters zu Chemnitz -befand sich ein hölzernes Christusbild mit einem krummen oder -schiefen Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und -alles darin verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben.<span class="pagenum"><a id="Seite_355">[355]</a></span> -Von Stund an aber hatte derselbe ein offenstehendes Maul und ist -stumm geworden.</p> - -<h3 id="sec410">410. Der heillose Bäcker in Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Pros. Anhang, No. 9.)</p> - -<p>Im Jahre 1471 wohnte in Freiberg auf der Burggasse, dem -Oberkloster gegenüber, ein Bäcker, namens Werner Kühn, ein gottloser -Mann, der an Fluchen und Lästern sein Vergnügen fand. Derselbe -brachte seine Mitbürger in großes Unglück.</p> - -<p>Als er eines Morgens (am 24. Juli) seinen Backofen heizte, -wollte das feuchte Holz nicht sogleich brennen, so daß der gottlose -Mann wütend darüber wurde und rief: »Ha, du verfluchtes Feuer, -so brenne doch in aller Teufels Namen!« Das war ein heilloser -Fluch und Gott ließ ihn in Erfüllung gehen. Das Feuer schlug alsbald -zum Ofen heraus und in wenig Augenblicken stand das ganze -Haus in Flammen. Nach drei Stunden lag Freiberg in Trümmer -und Asche. Nur die alte Frauenkirche, die meißnische Gasse und die -halbe Sächsstadt blieben stehen.</p> - -<h3 id="sec411">411. Die Görkauer Maskenhochzeit.</h3> - -<p class="source">(Nach Franz Herbabny in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Klubs, -1885, S. 117.)</p> - -<p>Am Faschingsdienstage 1588 ging es in der Stadt Görkau überaus -fröhlich zu, und die Schuljugend machte mit Schreien und Peitschen -einen Spektakel, daß die Häuser in den Gassen wackelten. Der Hochzeitsplampatsch -ritt auf einem Grauschimmel und trank wacker aus -den Gläsern, womit man ihm schenkte. Auf dem Kopfe trug er eine -Narrenkappe mit einer klingenden Schelle und überdies zwei Narrengesichter, -von denen das vordere lachte, das hintere weinte. Bald -kamen auch die beiden Herolde hoch zu Roß, bliesen auf ihren Trompeten, -und der vielerwartete Hochzeits-Schlittenzug setzte sich in Bewegung. -Es war nämlich eine Faschingshochzeit. Den Vorreitern -und den Stadtpfeifern folgten die Brautleute mit dem Bilde der heiligen -Jungfrau, darauf der Brautführer und die Kränzeljungfern, neben -ihnen der heilige Nikolaus mit zwei Teufeln an der Kette, und auch -die Salzmäste warf nach allen Seiten Pfeffernüßchen aus. So folgte -Schlitten auf Schlitten, vierzig an der Zahl. Und nun ging es in -tollem Jagen, die Kreuz und die Quere, durch die Stadt, bis der -Zug neben der Kirche ein wenig stockte. Da blies der Hanswurst-Plampatsch<span class="pagenum"><a id="Seite_356">[356]</a></span> -auf seiner Trompete und rief in trunkenem Frevelmute -durch das offene Thor zum Kirchhof hinein: »Auf, auf! Ihr Faulpelze! -Heraus aus Euren Nestern! Heut ist Fasching! In der Stadt -giebt es noch Besen genug, die nehmet zwischen die Beine und reitet -mit! Hollah! Vorwärts!« Gelächter der Umstehenden folgte, und der -Trunkenbold stürzte vom Pferde, aber der Zug fuhr weiter, immer -bis nach Komotau, obwohl ein Sturmwind unterwegs das Brautpaar -und die Salzmäste und viele andere in den Schnee geworfen -hatte. In Komotau trank man Glühwein, und die Heiterkeit wuchs, -wenn dies noch möglich war.</p> - -<p>Allein als man zum Thore hinausfuhr, da hatte sich zu den -drei Vorreitern noch ein vierter gesellt, einer aus Komotau, wie man -wähnte. Doch seine Tracht war seltsam. Kohlschwarz vom Kopfe bis -zu den Sporen, schwenkte er ein schwarzes Banner mit dem Bilde -des Sensenmannes. Vielen aber war es recht unheimlich, wenn er -rechts und links die Schlittenreihe auf- und absprengte und gewissermaßen -die Hochzeitsgäste zählte. Als es aber finster wurde, da -sprühten sogar aus seiner Fahnenstange Funken und Flammen und -die dampften und rochen wie Leichenfackeln. So ging es fort bis -man wieder in Görkau vor den Kirchhof kam; da öffnete der Schwarze -sein Visir, schlug den Plampatsch auf die Schulter und rief: »Nun -kommt mit mir; wir zwei voran, die andern kommen nach!« »Jesus, -Marie!« schrie der Plampatsch, als er den fleischlosen Totenschädel -erblickte. Jener aber rief mit weithallender Stimme: »Heute war ich -Euer Gast; zur künftigen Fasching seid Ihr alle meine Gäste!« Sprachs -und verschwand in Nacht und Gekrach. Die Fackel war verloschen. –</p> - -<p>Auf dem Tanzboden fand sich allmählich die helle Faschingslust -wieder ein. Als man aber am folgenden Tage nach altem Herkommen -den Fasching begraben wollte, da erscholl das Zügenglöcklein, und -man erfuhr, daß der Plampatsch totkrank darniederliege. Drei Tage -später lag er auf dem Kirchhof bei den Toten, die er zur Maskenhochzeit -eingeladen hatte. Ihm folgte zuerst die Braut und eine -Kränzeljungfer, dann ein Vorreiter, der Brautführer und der Bräutigam. -Selten verging ein Tag, an dem die Totenglocke nicht erscholl, -und ein Leichenzug folgte dem anderen. So dauerte es mit geringen -Pausen ein volles Jahr, und nicht weniger als 450 Personen unterlagen -der schrecklichen Seuche. Am Faschingsonntage aber rief der -Priester dem unglücklichen Volke zu: »Ja, Ihr sollt ausziehen, aber -nicht in Larven und Maskeraden, sondern in Sack und Asche, in Buß- -und Trauerkleidern!« und so geschah es. Am Faschingsdienstage, da -zog jung und alt, Mann und Weib, hoch und niedrig, in Trauergewändern<span class="pagenum"><a id="Seite_357">[357]</a></span> -und mit schwarzen Schärpen durch die Stadt zum Friedhofe -hin. Und als man den heiligen Boden betrat, unter dem die -Lieben ruhten, welche im letzten Jahre gestorben waren, da erscholl -laute Klage und Wehegeschrei. In der Kirche aber las der Pfarrer -ein Totenamt und vom Chor erklang das »<em class="antiqua">Dies irae!</em>« wie an einem -Allerseelentage; doch von Stund an erkrankte niemand mehr, und wer -schon krank war, fand meistens Genesung. Acht Wochen später war -die Seuche beendet, und der Pfarrer konnte am weißen Sonntage -die Pestilenzpredigt halten. Die Erinnerung an jene schreckliche Zeit -aber – so sagt der Chronist – lag den Görkauern noch lange in -den Gebeinen, und sie haben durch manches Jahr keine Hochzeitsmaskerade -mehr am Faschingsdienstage gehalten.</p> - -<h3 id="sec412">412. Meineid wird bestraft.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 367.)</p> - -<p>Im Jahre 1627 zankte sich Matthes Becker, Bauer zu Pappendorf, -mit seinem Grenznachbar, Christoph Dehner, um ein geringes -Wiesenflecklein, und als sie nicht konnten verglichen werden, nahm er -es auf sein Gewissen. Darauf hat es ihm der, dem Unrecht geschah, -in Gegenwart des Amtsschössers von Nossen, Matthäus Horn, und -hiesiger Gerichten, mit diesem Glückwunsch cediert und überreicht: -»So nimm's hin und laß Dir's auf der Seele verbrennen!« Von selbiger -Zeit an ist gedachter Becker von Tage zu Tage schwermütiger geworden, -endlich am 28. August nachfolgenden Jahres um Mitternacht aus dem -Bette weggelaufen und hat sich ersäuft, wessen man ihn frühmorgens -unter dem blauen Steine im Striegnitzbache tot angetroffen, nur ein -Schlafmützlein und Hemd an sich habend.</p> - -<h3 id="sec413">413. Der bestrafte Gotteslästerer zu Zwickau.</h3> - -<p class="source">(T. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygn.</em> II. S. 437. Misander, <em class="antiqua">Deliciae Hist.</em>, -S. 277. Gräße, Sagenschatz etc. No. 608.)</p> - -<p>Im Herbst des Jahres 1594 ist zu Zwickau M. Wolfgang Raabe, -eines Tuchmachers Sohn daselbst verstorben, welcher etliche Jahre -rasend gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber -Gott also wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren -zu Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt, -hat sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen und ist es mit ihm -soweit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerische Reden,<span class="pagenum"><a id="Seite_358">[358]</a></span> -vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner Sinnen -beraubt worden. Nachdem ihn nun seine Eltern nach Hause bringen -lassen, ist's nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat sich stets -ungebärdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat er sehr gefressen -(maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung auch gebraucht) -und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich, als etliche Knaben mit -einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und sich mit den -Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum Fenster -hinaussehend gesagt, sie sollten ihm denselben geben, was sie auch gethan. -Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen und -ist bald darauf gestorben. Er hat auch einen seinesgleichen von Reichenbach, -namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch große -Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem -Crucifix vorgenommen, der ist auch seiner Sinnen beraubt, etliche -Jahre daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also -gestorben.</p> - -<h3 id="sec414">414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelssteins bei Lauter.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von Heinrich Weißflog aus Raschau.)</p> - -<p>Ein Kriegsheer wollte einst Schwarzenberg belagern und hatte -sich deshalb bei dem jetzigen Teufelssteine in der Nähe von Lauter -zusammengezogen. Hier in dem Lager lebte nun alles in Saus und -Braus. Da kam eines Tages ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster -daher, der einen Leuchter zur Reparatur nach Schwarzenberg tragen -sollte. Als ihn sein Weg durch das Lager führte, wurde er von den -Kriegsknechten angehalten und verleitet, mit ihnen zu tanzen und zu -spielen. Sein weniges Geld war bald verspielt, und nun vergaß er -sich soweit, daß er den Leuchter in Geld umsetzte. In diesem Augenblicke -kam der Abt des Klosters, welcher zufällig denselben Weg ging, -und als er das Treiben und Thun seines Ordensbruders sah, suchte -er denselben mit herzlichen Worten von seinem gottlosen Treiben abzuraten. -Dafür wurde er jedoch von dem Mönche und den Kriegsleuten -verhöhnt und verspottet. Da übermannte ihn der Zorn und er -rief: »So möge Euch, Ihr Genossen des Teufels, der allmächtige und -strafende Gott, den Ihr jetzt noch eben verhöhnt habt, zu Steinen -werden lassen!« Kaum waren diese Worte gesprochen, so erfüllte ein -donnerähnlicher Schlag die Luft, und was der Abt in seinem Fluch -erbeten, das geschah. Der Mönch und die Kriegsknechte wurden zu -Felsblöcken, welche noch heute auf dem Teufelssteine zur Warnung -für Gotteslästerer emporragen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_359">[359]</a></span></p> - -<h3 id="sec415">415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße, Sagenschatz etc. No. 531.)</p> - -<p>Nicht weit von Waschleithe bei Grünhain, im Thale des Oswaldbaches, -stehen die Trümmer einer Kirche, die Oswaldskirche genannt, -welche 1514 der Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet hat, die -aber, weil die Reformation dort auskam, nicht vollendet wurde und so -liegen geblieben sein soll. Anders erzählt sich das Volk, welches auch -die Kirche mit dem Grünhainer Kloster unterirdisch verbunden sein -läßt, die Ursache. Es soll nämlich um jene Zeit ein reicher Hammerherr, -mit Namen Caspar Klinger, gelebt haben, den aber sein Reichtum -so übermütig gemacht hatte, daß er keinem Gruße, selbst von -seiten solcher Personen, die mit ihm auf gleicher Stufe standen, zu -danken sich herabließ. Dem begegnete einst ein ebenso reicher Bergherr -von Elterlein, namens Wolf Götterer, und rief ihm ein freundliches -Glückauf zu; allein Klinger hielt es abermals unter seiner -Würde, dem Grüßenden zu danken, und so geschah es, daß letzterer -ihm darüber einige harte, beleidigende Worte sagte. So stolz nun -der Hammerherr auch war, so rachsüchtig war er und er beschloß auf -der Stelle, seinen Beleidiger für seine freimütige Rede büßen zu lassen. -Er teilte seinem Bruder seinen Plan mit, und nachdem sie eines -Tages ausgekundschaftet, daß der Bergherr allein zu Hause sein werde, -weil alle seine Dienerschaft zu einer Belustigung sich entfernt hätte, -gelang es ihnen, sich in die Wohnung desselben einzuschleichen, wo sie -den Unglücklichen mit Beilhieben ermordeten. Weit entfernt, ihr -Verbrechen, dessen sie sich freuten, zu leugnen, stellten sie sich selbst -dem Gerichte, welches sie zwar zum Schein zum Tode verurteilte, -allein auch kein Bedenken trug, die Todesstrafe in eine Geldbuße zu -verwandeln. Letztere sollte darin bestehen, daß der reiche Hammerherr -zur Sühne jenes Mordes eine Kirche zur Ehre des h. Oswald zu -erbauen und auch die Armen der Stadt reichlich zu bedenken habe.</p> - -<p>Klinger ließ nun Arbeitsleute, so viele ihrer nur kommen wollten, -für seinen Bau anwerben, Bauholz in seinen Wäldern schlagen -und Steine in seinen Steinbrüchen brechen, zahlte mit vollen Händen -und es verging kein Jahr, da stand die Kirche fertig da. Nun ließ -er es auch nicht an reicher Ausschmückung des Inneren fehlen, Kanzel -und Altar waren von geschicktesten Künstlern gearbeitet und mit der -größten Pracht geziert, eine herrliche Glocke hing auf dem Turme -und alles war zur Einweihung der Kirche in Bereitschaft. Siehe, da -zog an demselben Morgen, wo die Geistlichkeit sich anschickte, das -neuerbaute Gotteshaus zu weihen, ein furchtbares Gewitter über das<span class="pagenum"><a id="Seite_360">[360]</a></span> -Thal herein und man zögerte deshalb, die Prozession zu beginnen, -selbst der Glöckner weigerte sich, die Glocke ertönen zu lassen, bevor -nicht das Unwetter vorüber sei. Da ward Klinger ungeduldig und -schwur und vermaß sich hoch und teuer, nichts sollte ihn abhalten, -das einmal angefangene Geschäft zu Ende zu führen, und wenn niemand -anders es thun wolle, so werde er selbst in die Kirche eilen und -das Geläute zum erstenmale in Bewegung setzen. Zwar versuchten -ihn die Priester von diesem Beginnen abzuhalten, aber umsonst, er -stürzte in den Turm und fing an die Glocke zu ziehen. Aber sonderbar, -dieselbe klang wie ein Armesünderglöckchen und lange zuvor, ehe -es ausgelauten hatte, fuhr ein Blitzstrahl aus dunkler Wetterwolke -herab in den Turm, tötete Klinger und zündete die Kirche an. Niemand -wagte zu löschen, denn jeder sah hier das Gericht Gottes, und -so war in kurzem von dem schönen Bau nichts als die Mauer übrig -und niemand wagte es seitdem, die Kirche wieder aufzubauen. Klingers -Leichnam ward zerschmettert im Turme gefunden und am Rande -des Waldes eingescharrt. Die Umwohner aber erzählen sich, um -Mitternacht gehe sein Geist ruhelos dort umher und grüße den zufällig -dorthin verirrten und bei seinem Anblick ängstlich davon fliehenden -Wanderer, und sein Herumirren müsse so lange dauern, bis ihm -jemand danke. Seinen Bruder hatte die Strafe Gottes schon vorher -ereilt, denn noch ehe das Gericht sein Urteil gesprochen, war er vom -Pferde gestürzt und hatte den Hals gebrochen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In Schumanns Lexicon von Sachsen (12. B. S. 444) wird die Gründung -der Oswaldskirche, welche vom Volke gewöhnlich Duselskirche genannt wird, dem -Grünhainer Amtmann Gregor Kienter und dem Elterleiner Pfarrer M. Wolf zugeschrieben -und als Jahr der Gründung 1515 angegeben. In Bezug der Sage von -dem Hammer- und Bergherrn Kaspar Klinger wird gesagt, daß derselbe zur Sühne -des Mordes 12 silberne Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und -Bogen geben, Seelbäder stiften und nach Rom wallfahrten mußte. Auch hatte er -von dieser Wallfahrt die Erlaubnis für die Markersbacher Kirche mitgebracht, Ablaß -erteilen zu dürfen (S. 164).</p> - -<p>Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man 1795 -auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die wahrscheinlich vom -Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben diese Brakteaten Veranlassung zu -der Sage von einem großen Schatze gegeben, welcher unter der Kirche vergraben -liegen soll.</p> - -<p>Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt -Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder »Aswaldbache« -d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die Meinung ausgesprochen wird, -die eingewanderten Sachsen hätten den dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt, -welcher Name dann auch auf den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung -für sehr gewagt und nicht recht glaubwürdig.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_361">[361]</a></span></p> - -<h3 id="sec416">416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.)</p> - -<p>Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe -des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«, -dessen südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe -von der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird. -Zu letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer -Allee bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze« -herumzieht, und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause -»Hut« über die Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein, -welcher eine schöne Aussicht gewährt, erzählt man folgendes:</p> - -<p>Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein -mächtiger Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten -reiche Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm -sein erstgeborener Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde, -denn dieser führte ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine -liederliche Lebensweise.</p> - -<p>Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu -geben und nach der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome -der Welt zu einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte.</p> - -<p>In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte Gelegenheit -dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als -nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines -unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte -Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen -Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er -wanderte also im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge -zu und gelangte nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen -Joachimsthal, wo in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag. -Überrascht und entzückt von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt -mit ihren Thälern und Schluchten, ließ er sich hier nieder und -baute mit Hülfe der Einwohner ein stattliches Schloß, in welchem er -in Gesellschaft verdorbener Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte. -Den unaussprechlichen Schmerz des Vaters über den Verlust -des ungeratenen Sohnes hatte indeß die alles heilende Zeit gemildert.</p> - -<p>Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger -Weidmann war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten, -im Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im -dichten Walde verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem -mühevollen Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit<span class="pagenum"><a id="Seite_362">[362]</a></span> -eine Wiese, von wo er am fernen Bergesrücken ein helles -Licht schimmern sah, dem er nun frohen Mutes mit starken Schritten -zueilte. Als er vor dem Schlosse stand, aus welchem das Licht kam, -bat er um Einlaß und ein gastlich Obdach, und er wurde darauf vor -den Schloßherrn geführt, den sein Vaterauge gleich erkannte. Auch -der verlorne Sohn erkannte sofort, freilich mit Schrecken, in dem -Weidmann seinen Vater; aber statt mit reumütigem Herzen den Tiefgekränkten -um Verzeihung zu bitten, gab er, die wohlverdiente Strafe -fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn gefangen zu nehmen.</p> - -<p>Entsetzt und aufgebracht über dieses unerhört ruchlose Benehmen -sprach der Vater über den ungeratenen Sohn den Fluch aus, welcher -augenblicklich in Erfüllung ging. Die Erde erbebte mit einemmale -so gewaltig, daß die Grundmauern des Schlosses erzitterten; -dasselbe zerfiel in Trümmer und begrub in seinem Schutte alle Insassen. -Nur der Fürst und ein Diener kamen mit dem bloßen Schrecken -davon und eilten nach Konradsgrün, wo das sorgenvolle Jagdgefolge -den vermißten Herrn erwartete, den es bis spät in die Nacht im Hochwalde -vergebens gesucht hatte. Am Grauenstein aber treiben seitdem -die bösen Geister ihren Spuk.</p> - -<p>Eine andere Sage erzählt, daß des Grafen Schlick Urgroßmutter -zwei Söhne hatte, die sich allen Lastern ergaben. Sie lästerten Gott, -raubten, plünderten und mordeten. Bald aber erkannten sie ihre -tiefe Verworfenheit und beschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen -und ein bußfertiges, Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Zu ihrem -bleibenden Aufenthalte wollten sie sich ein Schloß erbauen lassen und -fanden zu dessen Anlegung den dazumal im tiefsten Waldesdunkel gelegenen -Grauenstein besonders geeignet. Alsogleich übertrugen sie den -Bau des Schlosses, dessen Steine durchweg von grauer Farbe sein -sollten, zweien Maurern. Nachdem diese das Schloß vollendet hatten, -erhielten sie aber den verheißenen Lohn nicht; deshalb riefen sie auf -dasselbe den Fluch des Himmels herab. Und dieser Fluch der Maurer -erfüllte sich schnell. Ein furchtbares Gewitter, das plötzlich übers -Gebirge dahergezogen kam, entlud sich; ein Blitzstrahl traf das -Schloß, zündete – und verwandelte es in einen Schutthaufen.</p> - -<p>Nach einer anderen Sage wohnte im Grauensteiner Schlosse ein -Vater, der seiner Tochter einen Bräutigam aufdringen wollte, den sie -nicht mochte. Um sich zu retten, trieb die Tochter dem Vater während -des Schlafes einen Nagel durch den Kopf. In den letzten Atemzügen -verwünschte der Vater das Schloß samt den Inwohnern.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_363">[363]</a></span></p> - -<h3 id="sec417">417. Der Gottesleugner zu Nossen.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 349.)</p> - -<p>Zu Nossen lebte im Jahre 1592 ein alter Zimmermann und -Steinbrecher, namens Walter Koch, der zeitlebens ein großer Verächter -des Gottesdienstes gewesen, auch binnen 32 Jahren niemals -zur Beichte und zum Abendmahl des Herrn gekommen war. Dieser ward -am 21. Juni des genannten Jahres gleich in der Mittagsstunde von -einer alten Kirchmauer im Kloster Zelle, an der er hatte einbrechen -helfen, erschlagen. Als man nun seinen Körper in einen Backtrog -legte, ist selbiger alsbald zersprungen, darauf ist ein grausamer -Wirbelwind entstanden, und als man ihm zu Grabe läuten wollte, -ist der Klöppel in der großen Glocke ebenfalls zersprungen, weil er -eines christlichen Begräbnisse nicht würdig gewesen.</p> - -<h3 id="sec418">418. Vorboten der Pest.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 962.)</p> - -<p>Im Erzgebirge hat es an Warnungszeichen vor der Pest nicht -gemangelt. Zu Lengefeld ließen sich auf dem Kirchhofe, als in der -Stadt 1680 die Pest eingezogen war, zwei weiße Schwalben sehen, -die gegen den Herbst wieder fortzogen. Zu Marienberg hörte man -zehn Wochen vor der Pest ein Poltern und Fallen bei Nacht in der -Kirche, als wenn man Leichen in die Erde senkte und häufig die Erde -auf die Särge nachschüttete; beide Kerzen verlöschten auf dem Altare, -die Glocken wurden so unnatürlich schwer, daß man sie mit großer -Mühe mußte in Schwung bringen, das Uhrwerk auf dem Rathause -lief bei Tag und Nacht unterschiedliche Mal ganz ab, und einige Bürger -haben des Nachts ein hellbrennendes Licht auf dem Rathause gesehen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für sich nicht -gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest angesehen. In Böhmen -prophezeit z. B. der Storch in der Gegend, durch welche er fliegt, die Pest, während -er dorthin, wo er sich niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S. -64.), und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden (Hunde -sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei weinender Menschen, -die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch und Gestank und selbst ungewöhnliches -Blühen von Rosen im August und September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch, -I. No. 354.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_364">[364]</a></span></p> - -<h3 id="sec419">419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II. S. 311.)</p> - -<p>Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde -Freiberg von einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim -Hospital hatte eine Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben -1564 etwas von alten Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern -geworfen worden war. Da stieg ihm alsobald ein widriger giftiger -Dampf entgegen, so daß er sich legen mußte und nicht allein die Seinigen, -sondern auch viele in der Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche -verbreitete sich darauf weiter und nahm dermaßen überhand, daß von -da an bis Weihnachten 1577 Personen starben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast ausgestorben -war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine blaue Wolke und zog in zwei -Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf der Müller Pflöcke hineinschlug und alles -im Hause wohlauf blieb. Als aber der Müller später einmal nachsah, was aus -dem Dunste geworden sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle -seine Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 457.) Desgleichen -erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in Gestalt eines blauen -Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein -Zauberer aus Böhmen verschloß bei Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen -Orten der Umgegend in Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer -Grube mit der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt, -Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam noch 1709 -zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an Kirchen war im -Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war das sogenannte »garstige Ding« -(eine weibliche Figur, an welcher ein Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten -Kreuzkirche in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten -Pest. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf hingewiesen -werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von Hunden begleitet -sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert werden. In altkirchlichen -Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem Schutzpatron gegen die Pest, -ein Hündlein beigegeben. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) -In Außig in Böhmen glaubt man, daß die Pest als <em class="gesperrt">weißer</em> Rauch erscheint, welcher -Menschen, wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc. -S. 184.)</p></div> - -<h3 id="sec420">420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest -verschont.</h3> - -<p class="source">(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.)</p> - -<p>Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier -wuchs in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed« -(Zeitheide) bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen<span class="pagenum"><a id="Seite_365">[365]</a></span> -Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser -Pflanze, welche in gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht -werden muß, weggetragen haben. Auch soll sie in der Brauerei des -Ortes mit zur Verwendung gekommen sein. Der balsamische und -durchdringende Geruch machte sie berühmt in der Gegend und wohlthätig -für den Ort selbst. Denn in den Jahren, in welchen die Pest -das Land verheerend durchzog und benachbarte Orte aussterben ließ, -soll Großhartmannsdorf durch jene Pflanze verschont geblieben sein.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, <em class="antiqua">Ledum palustre</em>.</p></div> - -<h3 id="sec421">421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 345.)</p> - -<p>Innerhalb 10 Jahren, von 1163 bis 1173, da das Freibergische -Bergwerk rege und die Stadt angelegt worden, sind allerhand erschreckliche -Wunder und Erscheinungen am Himmel aufgetreten, nämlich -drei Sonnen, etliche Wundersterne, brennende Fackeln, Blutregen, -stürmende Donner und Blitze. Gleichwohl wars dem Bergwerk nicht -nachteilig, so daß man 1171 schrieb:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">FreIberg VnD seinen fIxen PLan<br /></span> -<span class="i0">DIe Sterne haben nIChts gethan.<br /></span> -</div></div> - -<p>Im Jahre 1472 erschien ein Komet im Zeichen der Wage, darauf -das Bergwerk zu Schneeberg, welches das vorhergehende Jahr -war angegangen, in hohem Flor gekommen und reichlich geschüttet hat, -nach den bekannten Worten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Bergknappen auf! erstaVnet, seht<br /></span> -<span class="i0">ZU SChneebergs GLUCk sCheInt der CoMet.<br /></span> -</div></div> - -<p>Im Jahre 1492 erschienen im Januar drei Sonnen am Himmel, -und im März ein Komet; das schadete aber dem Obergebirge nichts, -sondern es wurde das Bergwerk am Schreckenberge bei Annaberg rege, -nach den Worten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Annaberg braCht hoCh AUsbUt<br /></span> -<span class="i0">An SIlber ohne Sternen-StreIt,<br /></span> -<span class="i0">Unsern GewerCken reCht zUr FreUD.<br /></span> -</div></div> - -<p>In den Jahren 1515 und 1516 brannten zwei Kometen am -Himmel; dabei kamen die Silberzechen am Scheibenberg und in Joachimsthal -auf, wie folgende Verse deuten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">ACh sIehe an hIe JoChIMsthal,<br /></span> -<span class="i0">Ist EVangelIsCh UberaLL.<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_366">[366]</a></span></p> - -<h3 id="sec422">422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch verkündet Unwetter.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II., S. 271.)</p> - -<p>Den 13. Aug. 1559 hat man zu Niederbobritzsch bei Freiberg -abends neben dem Monde eine große Menschenhand in den Wolken -gesehen, darüber ein Stern in Größe der Sonne, ohne daß derselbe -einen hellen Schein verbreitete. Die Hand ist im Verlauf einer halben -Stunde immer größer geworden, bis sie eines Tisches Breite erreicht, -darauf hat sie sich umgewandt und zugethan und ist jählings zerfahren, -als wenn sie stückweise herunterfiele. Den Tag darauf erhob sich in -der Umgegend ein starkes Unwetter mit Hagelstücken bis zur Schwere -von über 3 Pfund; dieselben waren teils rund, teils viereckig, mit -Zacken, wie Kreuze, Spangen und Rosen an Gürteln. Besonders -arg war das Wetter in Niederbobritzsch, wo die ganze Zeit der -Himmel voll Feuer stand, von dem auch etliche Klumpen herabfielen, -die viel Bäume und Büsche versengten und großen Schrecken verursachten.</p> - -<h3 id="sec423">423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Moller a. a. O. II., S. 277.)</p> - -<p>Den 13. März 1562 hat man zu Freiberg des Nachts am -klaren Himmel einen weißen Kreis gesehn, der sich oft von einander -gethan und inwendig ganz feuerrot erschienen. Dabei haben lange -Strahlen rings umher gestanden, ziemlich dick und breit, doch oben -zugespitzt, die haben auf einander gestoßen. Zwischen den Strahlen -aber ist es aufgefahren wie Rauch und es hat die ganze Nacht hindurch -geblitzt und geleuchtet. An etlichen Orten sind zugleich zwei -Regenbogen und darüber ein Kreuz, sowie auch auf der einen Seite -eine gebundene Rute und auf der anderen eine große Hand mit einer -Rute gesehen worden.</p> - -<h3 id="sec424">424. Himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1155.)</p> - -<p>Anno 1543 den 4. Juni hat man in Wiesenthal des Abends um -7 Uhr am hellen Himmel nachverzeichnete Wunder gesehen. Erstlich -einen langen Mann schwärzlich mit einem schwarzen und breiten Bart, -welcher den Kopf oft schnell hin und wider gewandt, daß man ein -zorniges Gemüt hat merken können. Dem ward ein Kranz gegeben, -und da er ihn empfangen, ist er vergangen. Darnach ist auf einem -hohen Fels ein anderer langer Mann gestanden, welcher einen langen,<span class="pagenum"><a id="Seite_367">[367]</a></span> -spitzen Schnabel und vom Haupt an durch den Rücken die Länge lange -Federn gehabt, gleich eines Straußes, ist aber auch bald verschwunden. -Alsdann sind auf einem ebenen Felde zwei Städte gesehen worden, -eine große, mit steinernen und hohen Gebäuden herrlich gezieret, und -eine kleinere, die doch je länger je deutlicher ist gesehen worden. -Desgleichen ein Mann, der auf einem Pferd gesessen und in der -rechten Hand ein Fähnlein geführet, in der linken aber ein jung Kind -gehabt, welcher auch bald verschwunden. Darnach ist auf einem -hohen Berge ein großer Mann gesehen worden, der einem kleinern -mit einem Schwerte das Haupt abgehauen. Es ist auch einer zwischen -zweien Felsen gesehen worden, welcher auf die Knie gefallen und die -Hände aufgehoben über sich zum Himmel, als bete er. Nach ihm ist -ein anderer langer Mann gesehen worden in einem langen Kleide, der -unter den Armen ein junges Lämmlein und auf der Schulter ein -groß Schaf getragen, dem ein stinkender Bock mit langen Hörnern -gefolget. Weiter sind gefolget zwei Jungfrauen, eine hat die Arme -in die Seiten gestützt und sich fröhlich erzeiget, die andere hat gegeiget. -Nach diesen ist ein groß Kameel erschienen, auf welchem ein Mann -aufgericht gestanden, der auf dem Rücken mit langen Federn geschmückt -gewesen, dem ist ein Löwe mit aufgesperrtem Rachen entgegengegangen, -hat mit den vordern Klauen das Kameel angefallen, darauf ist das -Kameel alsobald zusamt dem Mann verblichen. Der Löwe hat sich -den Städten genahet, welchem auf dem Fuße gefolget die zwei Jungfrauen -und der Mann, der das Schäflein getragen mit dem zottigen -Bock, so hernach gezottet. Letztlich sind einige andere Löwen gesehen -worden, die nach der Stadt wärts gegangen, und viel groß Geschütz, -welches auf die Stadt gerichtet gewesen, als wollte man jetzt abschießen, -und sind die Städte bei anderthalb Stunden gesehen worden.</p> - -<p>So viel hat in einer handschriftlichen Chronik Michael Pabst -verzeichnet, der sonst ein guter Astronomus gewesen und alle Begebenheiten -und Ungeheuer am Himmel fleißig aufgezeichnet.</p> - -<h3 id="sec425">425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.</h3> - -<p class="source">(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß 1719, S. 104.)</p> - -<p>Am 28. November des Jahres 1692 hat ein Köhler auf dem -Sonnenwirbel bei Gottesgab ein hellglänzendes Schwert am Himmel -gesehen, welches frühe um 5 Uhr geschehen ist. Solches Schwert -hat neben einem Stern gestanden, und auch selbst wie ein heller Stern -geleuchtet; die Spitze des Schwertes aber hat sich gegen Böhmen und<span class="pagenum"><a id="Seite_368">[368]</a></span> -den Egerschen Kreis gewandt. Es ist nicht anders anzusehen gewesen -als ein langer Degen mit Gefäß, aber ohne Bügel, und hat nach des -Köhlers Erachten so hoch gestanden, als die Sonne auf diesem gebirgischen -Horizont in langen Tagen um 2 Uhr zu stehen pfleget. Nachdem -es wieder vergangen und nicht länger gewähret, ist dem Köhler -ein Schauer darüber angekommen, daß er sich in seinem Kohlkram -niederlegen müssen.</p> - -<h3 id="sec426">426. Kreuze fallen vom Himmel.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatr. Freib.</em> II., S. 148.)</p> - -<p>Im Jahre 1504 sind Kreuze von verschiedenen Farben den Leuten -vom Himmel herab auf die Kleider gefallen, und wenn dieselben auch -verschossen gewesen, hat man doch dergleichen Zeichen auf ihnen gefunden.</p> - -<h3 id="sec427">427. Ein Topf schwitzt zu Oederan Blut aus.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847, S. 226 etc.)</p> - -<p>Am Sonnabende vor dem Pfingstfeste 1707 hatte der Kantor -zu Oederan, Nikol. Haberland, einen frischen Maienbaum in einen -Topf mit Wasser gesetzt, worauf er wahrnahm, daß der Topf eine -rote Materie ausschwitzte. Man war allgemein der Meinung, daß -diese rote Materie Blut sei und deutete die Erscheinung auf kommendes -Unglück. Auch als der Topf leer in die Sonne getragen wurde, -blieb er ganz rot, als ob eine blutende Wunde daran abgewischt -worden sei. Auf erstatteten Bericht wurde er an das Konsistorium -nach Dresden gesendet. Was damit weiter geschehen, ist nicht bekannt -geworden.</p> - -<h3 id="sec428">428. Blutzeichen.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 853.)</p> - -<p>Im Jahre 1666, Dienstags nach dem neuen Jahre früh um -8 Uhr, floß das Röhrwasser zu Wolkenstein in drei Trögen blutig und -währte drei Stunden lang, darauf eine vielfältige große Uneinigkeit -in dem gedachten Orte erfolgte.</p> - -<p>Im Jahre 1639, in der Marterwoche, blutete bei Freiberg ein -Crucifix. Anno 1666 ist zu Sayda ein Teich in Blut verwandelt -worden. Am 25. Mai 1672 geschah es zu Planen im Vogtlande, -daß in Leonhard Weckerleins, eines Zeugwirkers Stube an unterschiedlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_369">[369]</a></span> -Orten Blut aus den Wänden heraus drang, so häufig, -daß man auch Pfützen auf der Erde gesehen. Es war eine ungeheuerliche -Sache, indem aus den Stubendielen, Bank- und Wirkstuhlbeinen, -dürren, abgeschälten Wachholderstecken, welche zum Wollschlagen -gebraucht wurden, ferner aus einer Schreib- und Schiefertafel Blut geflossen, -das man auf Tüchern und Papier auffing und klumpenweise -sammelte. Und dieses Blutschwitzen dauerte an etlichen Orten der -Stube beinahe eine Stunde lang; wischte man's ab, so kam es wieder, -schnitt man aber ein Stück von den oben angeführten dürren Wachholderstecken -ab, so war inwendig kein Blut zu spüren.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Blutzeichen, insbesondere blutschwitzende Tempelstatuen, galten schon bei den -alten Römern als Gefahren verkündigend; ganz besonders aber ist das christliche -Mittelalter reich an Legenden, nach denen Heiligenbilder oder andere Gegenstände -Blutstropfen ausschwitzten, was entweder als Beweis einer ihnen innewohnenden -wunderthätigen Kraft oder als Zeichen von bevorstehendem Unglück angesehen wurde. -Eine Menge hierher gehöriger Beispiele führt Rochholz (Deutscher Glaube und -Brauch. I. S. 48 etc.) an.</p></div> - -<h3 id="sec429">429. Ein längst verstorbenes Kind blutet.</h3> - -<p class="source">(Histor. Nachricht von denen Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. -1734, S. 80.)</p> - -<p>Den 13. Mai des Jahres 1546 wurde in Chemnitz ein Weib, -so ihr eigenes Kind ermordet, enthauptet, und das Kind zu ihr in -den Sarg geleget, welches dann angefangen zu bluten, wiewohl es -schon 14 Tage tot gewesen.</p> - -<h3 id="sec430">430. Blutende Geweihe in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1159.)</p> - -<p>Im Jahre 1564 hat zu Schneeberg in Bastian Fischers Stube -ein angenageltes Hirschgeweihe geblutet und übel gerochen, gleichwie -ein anderes in der nächsten Woche darauf, welches gegen 12 Jahre -in der Stube gewesen, vom Fette getrieft, also daß ein schwarzer -Gischt am Horn zu sehen gewesen ist, weswegen es aufs Rathaus gebracht -werden mußte. Man hat sich darüber allerlei Gedanken machen -müssen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Ein Hirschgeweih führt das würtembergische Haus in seinem Wappen. Als -Sophie, die Tochter des Schwabenherzogs Christoph, starb, soll ein solches Geweih -an ihrer Zimmerwand geblutet haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_370">[370]</a></span></p> - -<p>Erinnert mag noch daran werden, daß während der Hirsch Eikthyrnir den -Gipfel der Weltesche Yggdrasil benagte, aus seinem Geweihe eine große Honigfülle -durch den Wohnsitz der Asen und zu den Menschen und bis in die Unterwelt -floß. Wer von solcher Honigfülle trank, wurde hirschtrunken, d. h. selig. (Rochholz, -Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 7.)</p></div> - -<h3 id="sec431">431. Der wunderbare Schuß zu Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 1020.)</p> - -<p>Am 14. März 1615 ist in Schneeberg in Paul Leibigers Stube -Christoph Büttner, ein Zahnbrecher, auf wunderbare Weise erschossen -worden. Dieser war kurz zuvor am Sonntage <em class="antiqua">Oculi</em> von der Reise -gekommen und wollte mit Christoph Leibigern um ein Handrohr, das -über ein halbes Jahr an der Wand gespannet gehangen, tauschen. -Als er aber dasselbe spannte und solches kein Feuer gehen wollte, da -hat Büttner zu Leibigern, welcher dazumal das Rohr in der Hand -gehabt, gesagt. »Ei, es muß Feuer geben in Teufels Namen!« Siehe, -da ist alsbald das Rohr losgegangen und der leichtsinnige Büttner -erschossen worden, ungeachtet, wie der damalige Pfarrer dies aufgezeichnet, -man weder Kugel noch Schrot gesehen und gefunden.</p> - -<h3 id="sec432">432. Der krumme Schuß in Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 125.)</p> - -<p>Als 1546 Ferdinand, König von Böhmen, und Herzog Moritz -von Sachsen Zwickau belagerten, ist aus der Stadt mit einem Stück -(einer Kanone) durch beide Kirchthüren geschossen worden. Die Kirche -liegt in der Stadt fast zwischen Morgen und Mittag, die Thüren aber -gehen gegen Mittag und Mitternacht. Bei der mittäglichen Thüre -liegt ein Berg vor und die mitternächtliche geht ganz und gar nicht gegen -die Stadt. Darum haben die Alten gemeinet, daß diesen Schuß ein -Zauberer gethan habe, welcher gewußt, daß eben zur selben Zeit sich -in der Kirche viel vornehme Herren aufgehalten, und sind darum auch -keine neuen Thüren gemacht, sondern nur Brettlein vor die Löcher -genagelt worden.</p> - -<h3 id="sec433">433. Perlenschoten in Wiesenthal.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 481.)</p> - -<p>Wahrhaftig ist's, was sich mit gewachsenen Perlenschoten zu -Neustadt-Wiesenthal im Jahre 1626 zugetragen. Nach dem großen<span class="pagenum"><a id="Seite_371">[371]</a></span> -Sterben selbiger Zeiten wohnte in gedachtem Bergstädtlein Michael -Rohdörfer, ein Exulant aus Lutitz in Böhmen, welcher mit seinem -Weibe und sieben kleinen Kindern wunderbarer Weise den Religionsfeinden -entkommen. Sein Töchterlein von sieben Jahren hatte vom -Schutthaufen eines ausgegrabenen alten Kellers etliche Kapsamen-Strünklein -aufgelesen und in des Vaters Garten gesteckt. Da nun solche -wohl fortgekommen und gereifet, nimmt sie die Schötchen ab und klopfet -sie aus, findet aber mit Verwunderung weiße Körnchen, die sie, unwissend -was es sei, dem Vater weiset und spricht: »Ja, Vater sehet, -was find ich für Patterlein?« Der Vater kennets, daß es rechte Perlen, -suchet und findet sie in den Schötchen selbst, also, daß je nach zwei -Samenkörnchen eine wahrhafte Perle lag, und sammelten sie dieses -Samens und der Perlen ein Käsnäpfchen voll. Viel Edelleute, die -sich damals in Wiesenthal als Exulanten aufhielten, habens selbst in -Augenschein genommen, auch einige dieser Perlen dem Töchterlein abgeschwatzt -und als Rarität aufgehoben. Eine Gräfin von Hauenstein -kam von Annaberg, hielt mit der Karosse vor des erwähnten Exulanten -Thür, breitete ihr Haartuch auf den Schoß und bat, das Mägdlein -sollte ihr einige Samenschötlein aufmachen, welches auch geschah, und -sie fand, daß es wahrhaftige Perlen waren. Sie versprach darauf, -wenn der Vater einwilligen wollte, dieses glückselige Kind auf- und -anzunehmen. Endlich machte die Gräfin etliche Schoten eigenhändig -auf, aber die Perlen zerschmolzen ihr unter den Fingern, wie es auch -zuvor andern Leuten, die sie selbst aufgemacht, begegnet war. Darauf -sagte sie: »Ei, so ists eine sonderbare Gnade von Gott, derer wir -nicht würdig sind.« Ein frommer Edelmann aus Böhmen, der auch -daselbst im Exil lebte, ließ den Vater mit allen sieben Kindern vor -sich kommen, betrachtete und befand das Wunder augenscheinlich und -kleidete die armen Kinder alle neu.</p> - -<h3 id="sec434">434. Brot wird aus weißer Erde gebacken.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chr.</em> II, S. 364. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, -Anhang, Nr. 12.)</p> - -<p>Im Jahre 1590 fand ein armes Hirtenmädchen, welches bei der -herrschenden großen Dürre viel Hunger leiden mußte, zwei Meilen von -Freiberg einen weißen Gang einer guten Spanne dick. Derselbe sah -wie Mehl aus und sie nahm etwas davon mit nach Hause und buk -Brot daraus. Darauf geschah von anderen armen Leuten ein großer -Zulauf; das weiße Mehl wurde ausgegraben und ebenfalls verbacken.<span class="pagenum"><a id="Seite_372">[372]</a></span> -Ein solches Brot wurde auch nach Freiberg gebracht und auf's Rathaus -geliefert; es schmeckte gar süßlich und roch ein wenig nach Brot. -Nach einer andern Volkssage hackte im Jahre 1590, da große Teurung -war, ein frommer Mann aus Freiberg ohnweit der Stadt in einer -Lehmgrube. Er hatte daheim eine zahlreiche Familie hungrig verlassen -und gedachte mit Thränen, wie unzureichend das Brot sein würde, -welches er für die wenigen Pfennige Tagelohn am Abend würde kaufen -können. »Ach Gott!« rief er, die nassen Augen zum Himmel gewendet, -»du kannst Großes thun, o gieb mir und den Meinen, daß wir nicht -verhungern dürfen!« Da fielen plötzlich große Stücke einer schönen -weißen Masse unter den Schlägen seiner Hacke aus der Lehmwand -hervor. Wie erstaunte der gute Mann, als er sie genauer betrachtete -und sah, daß sie beim Angreifen zu Mehl wurden, welches gutem Brotmehl -an Ansehen, Gewicht und Geschmack ganz gleich war. Nicht -länger zweifelte er, daß Gott durch diese seltene Masse ihm wunderbar -helfen wolle, lud ohne Säumen seinen Schiebkarren voll solcher Mehlklumpen -und fuhr damit nach Hause. Ehe der Abend kam, hatte er -eine ziemliche Anzahl Brote daraus gebacken, welche sehr schmackhaft -waren und wie Veilchenwurzel dufteten. Bald wurde die Mähr von -dem wunderbaren Mehle bekannt und noch viele arme Leute in Freiberg -und der Umgebung suchten in den Lehmgruben nach der belobten -weißen Masse, welche sie auch fanden und zu Brot backen und genießen -konnten, nämlich, wenn sie fromm und gut waren. Denn nur wenn -arme rechtschaffene und gottesfürchtige Leute das Mehl als eine Gabe -Gottes ausgruben und mit Danksagung verbrauchten, blieb es gutes -und brauchbare Mehl; wenn es aber Spötter und Gottlose in die -Hände nahmen, ward es zu Sand und zu Stein.</p> - -<h3 id="sec435">435. Gottes-Speise bei Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 49. Nach Luthers Tischreden -bei den Br. Grimm, Deutsche Sagen I., Nr. 362.)</p> - -<p>Bei Zwickau auf einem Dorfe schickten einst Eltern ihren Sohn, -einen muntern Knaben, in den Wald, die Ochsen, welche da auf der -Weide waren, heimzutreiben. Aber die Nacht überraschte den Knaben -und es erhob sich ein solch mörderisches Schneewetter, daß er nicht aus -dem Walde zu kommen wußte. Als nun der Knabe am andern Tage -immer noch nicht nach Hause kam, gerieten seine Eltern in große Angst -und konnten doch vor dem großen Schnee nicht in den Wald. Am -dritten Tage erst, nachdem der Schnee zum Teil abgeflossen, gingen sie<span class="pagenum"><a id="Seite_373">[373]</a></span> -hinaus, den Knaben zu suchen und fanden ihn endlich an einem sonnigen -Hügel sitzen, wo gar kein Schnee lag. Freundlich lachte er seine Eltern -an, und als sie ihn fragten, warum er nicht heimgekommen, antwortete -er, daß er habe warten wollen, bis es Abend würde. Er wußte nicht, -daß schon mehrere Tage vergangen waren, und als man ihn ferner -fragte, ob er etwas gegessen hätte, erwiderte er, es sei ein Mann zu -ihm gekommen, der ihm Käse und Brot gegeben habe.</p> - -<p>Also ist dieser Knabe sonder Zweifel durch einen Engel Gottes -gespeist und erhalten worden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Nach einer thüringschen Sage bringt eine Jungfrau einem im Walde verirrten -Kinde Speise und Trank. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, Nr. 113.)</p></div> - -<h3 id="sec436">436. Körnerregen.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, 1843, S. 297. Moller, -<em class="antiqua">Theatrum Freibergense</em>, 1653, S. 313.)</p> - -<p>Am 7. und 9. Juli 1770 regnete es eine Art Korn, welches dem -natürlichen Korn zum Teil sehr ähnlich aussah, zum Teil waren es -runde Körner wie Wicken. Man fand es auf den Bleichen bei Chemnitz -und meinte nun, es müsse vom Himmel gefallen sein. Das Volk -deutete es auf Pestilenz und Teurung. Als man es steckte, ging es -nicht auf; man hat es getrocknet und gemahlen und es gab etwas Mehl.</p> - -<p>Auch am 17. Juni 1572 hat es bei Freiberg gut natürlich Korn -geregnet, wie auch am 2. Juli desselben Jahres zu Frankenberg. Die -Leute haben es aufgerafft, gemahlen und schön Brot daraus gebacken.</p> - -<p>Sonst soll dergleichen geregnetes Korn mehrenteils taub und unnütz, -bisweilen auch schädlich gewesen, und das Vieh, so davon gefressen, -gestorben sein.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Dieser Körnerregen bestand jedenfalls aus den kleinen Knollenknospen des gemeinen -Feigwarzenkrautes (<em class="antiqua">Ficaria ranunculoides</em>), welche in den Blattachseln genannter -Pflanze sitzen und später abfallen, um im nächsten Jahre zu keimen. Bei -heftigen Regengüssen wurden dieselben losgerissen und zusammengeschwemmt, so daß -sie dann bei massenhaftem Vorkommen die Aufmerksamkeit des Volkes und den Glauben -erregten, sie seien mit dem Regen zugleich vom Himmel gefallen.</p></div> - -<h3 id="sec437">437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.</h3> - -<p class="source">(Hauptmann, Uhralter Wolkensteinscher Warmer Badt- und Wasser-Schatz -etc. Leipzig, 1657, S. 63, 85. Kirchengalerie von Sachsen, -12. B., S. 234.)</p> - -<p>Das Warmbad im Hüttengrunde bei Wolkenstein führte vor der -Reformation nach einer auf der Höhe erbauten Kirche, in welche sieben<span class="pagenum"><a id="Seite_374">[374]</a></span> -Dörfer eingepfarrt waren, den Namen »zu unser lieben Frauen auf -dem Sande«. Man hat in dieser Kirche Messe gehalten, ehe man in's -Bad gegangen ist. Während des Papsttums ist auch dorthin ein solches -Wallfahrten geschehen, daß die Kirche vielmal zu klein und ein großes -Gedränge darum war. Dabei sind gar viele, welche das Bad gebrauchten, -gesund geworden und haben zum Gedächtnis Krücken und -Stäbe, deren sie sich bei ihrer Gebrechlichkeit bedient hatten, bei der -Kirche zurückgelassen. Es kann aber kein Mensch sagen, zu welcher Zeit -man dieses Bades sei innen worden. Man zeigte früher an dem Badehause -ein hölzernes Christusbild mit der Jahreszahl 1385 und folgender -Inschrift:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Diß Warmbad am Sand zu unser lieben Frawen<br /></span> -<span class="i0">Hat Gottes Wunderhand gelegt in diese Awen,<br /></span> -<span class="i0">Wodurch dem Leibe Heil werden krancke Hertzen,<br /></span> -<span class="i0">Christi Verdienst und Blut lindert die Seelenschmertzen.«<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec438">438. Die Kapelle des St. Jobs im Wiesenbad.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg -1782, S. 38. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 66.)</p> - -<p>Im Wiesenbad bei Annaberg, wohin besonders Kranke und Sieche -wallfahrten, hat eine Kapelle gestanden, die dem St. Job gewidmet gewesen -ist und welche vom Fürst Georgen reichlich begabet und vom -Bischof zu Meißen im Jahre 1505 eingeweihet wurde. Letzterer setzte -auch einen Meßpriester dahin, welcher den Badegästen, ehe sie ins Bad -gegangen, eine Messe lesen mußte. Von dieser Kapelle des St. Jobs -ist alsdann das Bad das Jobs- oder Hiobsbad genannt worden. – -Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne -herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in diesem Wasser gewaschen -und heil geworden.</p> - -<h3 id="sec439">439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em> II, S. 20.)</p> - -<p>Anno 1262 haben die Geißler in großer Zahl das Land Meißen -durchlaufen und sich dieses Jahr in der Stadt Freiberg befunden, dahin -damals eine starke Wallfahrt zur schönen Marie gewesen. Diese Leute -sind halb nackend je zwei und zwei barfuß gegangen, in roten offenen -Mänteln, die man spanisch Armilausen genannt.</p> - -<p>Das Marienbild war von Wachs in menschlicher Größe ganz<span class="pagenum"><a id="Seite_375">[375]</a></span> -schön und zierlich gestaltet und stand in einer besondern Kapelle. Die -Leute kamen von allen Orten heftig gelaufen, als wenn sie bezaubert -wären, und was ein jedes von Männern und Weibern von seiner Arbeit -in der Hand gehabt, wenn ihn die Tollheit angestoßen, das hat er -mit sich genommen und allda gelassen; wie auch viel krumme, lahme -und andere preßhafte Menschen, die sich zu diesem Bilde verlobet, gesund -geworden und ohne Mangel wieder davon gegangen sein sollen.</p> - -<p>Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß -unter dem Schein des Heiligtums ein böses sodomitisches Leben und -viel Schande und Laster getrieben wurde, worauf durch einen fürstlichen -Befehl dem Gelaufe und den Zusammenkünften gesteuert wurde -und solche mit Ernst abgeschafft worden sind.</p> - -<h3 id="sec440">440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Öderan, 1847, S. 87. Gräße, Sagenschatz -d. K. Sachsen, Nr. 559. Kirchengalerie, 8. B., S. 117.)</p> - -<p>Vom Jahre 1439 bis 1443 ward das Meißnerland von einer -besondern Pest heimgesucht. Die davon betroffenen Menschen waren -nicht mit Schmerzen geplagt; von Schlafsucht befallen, war der Pestkranke -in wenigen Tagen tot. Früher wanderte man vor dem Pestengel -aus, diesmal half man sich mit Gelöbnissen. Das wunderthätige -Marienbild in Ebersdorf bei Frankenberg ward von Tausenden besucht, -und diese wurden dann mit irgend einem Trostspruche oder der Verhängung -einer Buße entlassen. Für die Öderaner lautete die Sühne -und Strafe folgendermaßen:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Das Haus der lieben Frawen<br /></span> -<span class="i0">Mit Klang druf ufzubawen!«<br /></span> -</div></div> - -<p>Das hieß nun: die Kirche zu Öderan samt deren Glocken herzustellen. -Die Öderaner haben dann auch Glocken auf den Turm besorgt; -inwieweit sie sonst noch dem Verlangen des Marienbildes nachgekommen -sind, wird uns vom Chronisten verschwiegen.</p> - -<p>Außer manchen andern Reliquien, wie einem hölzernen Christusbilde, -das zu manchen Zeiten Thränen vergossen haben soll, zeigt man -in der Kirche zu Ebersdorf noch heute eine Krücke, welche ein durch die -Berührung des Marienbildes geheilter Lahmer getragen habe. Diese -Krücke ist mit der Jahreszahl 1333 gezeichnet, und man liest an ihr -die eingeschnittenen Worte:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Kruck, Du bist ein schön Kruck,<br /></span> -<span class="i0">Kruck, Du bist mein Ungluck,<br /></span> -<span class="i0">Zu meinem Ungluck hab ich ein schön Kruck.«<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_376">[376]</a></span></p> - -<h3 id="sec441">441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 57.)</p> - -<p>Dreiviertel Stunden von der Bergstadt Joachimsthal entfernt -liegt die zerstreute Ortschaft Mariasorg, welche ein Kapuzinerhospiz besitzt, -in dessen Kirche sich am Hochaltare eine Muttergottesstatue befindet, -zu der alljährlich zahlreiche Wallfahrer und Andächtige von fern -und nah wegen der vielen Wunder pilgern, durch welche Gott das -Bildnis der heiligen Jungfrau Maria verherrlichte. An dieses Gnadenbild -knüpft sich folgende Sage:</p> - -<p>Zur Zeit, als <em class="antiqua">M.</em> Johannes Mathesius, Luthers Schüler und -Tischgenosse, in Joachimsthal als Pfarrherr wirkte, bewohnten »das vor -alters benannte rote Haus im untern Viertel des Türkners« mehrere -Protestanten und ein Mädchen, welches der römisch-katholischen Kirche -treu geblieben war. Von den vielen Heiligenbildern, mit denen es das -Kämmerlein geschmückt hatte, erfreute sich besonders eine alte, verbräunte -Muttergottesstatue einer hohen Verehrung seitens des Mädchens. Ungestört -kniete dieses oft stundenlang vor derselben und flehte mit gefalteten -Händen zur Jungfrau Maria, der gnadenreichen Himmelskönigin. -Allein bald erfuhren die Hausgenossen von der stillen Andacht, -welcher sich das Mädchen hingab, und zwei Brüder, eifrige Protestanten, -faßten den Entschluß, diesen religiösen Übungen für immer ein Ende -zu machen. Der eine der Brüder bemächtigte sich eines Tages der -Statue und wollte sie mit dem Angesichte gegen die Mauer annageln, -wovon das Zeichen noch heute an dem Hinterhaupte des Bildes zu -sehen sein soll, fiel aber zur Strafe für seine Frevelthat von der Leiter -und starb. Der andere warf hierauf das Marienbildnis in den Winkel -eines im Hause befindlichen Hühnerkämmerleins, wo es, durch Schmutz -entstellt, viele Jahre versteckt blieb, bis mit der Vertreibung der Protestanten -der Katholicismus in Joachimsthal wieder feste Wurzeln faßte.</p> - -<p>Damals geschah es, daß David Weidner aus Plan sich daselbst -niederließ und mehrere, von den Protestanten verlassene Bürgerhäuser, -darunter auch das rote Haus, kaufte. Zu seiner Überraschung fand er -in letzterem die Muttergottesstatue in dem Hühnerkämmerlein; er ließ -sie als guter Katholik absäubern und hielt sie lebenslang in Ehren. -Weidner starb um das Jahr 1676 als Stadtrichter und vererbte das -Bildnis seiner Tochter Anna Lucia, verehelichten Mader, die dasselbe -als Heiligtum aufbewahrte und andächtig in ihrem Wohnzimmer verehrte. -Als darauf in den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts die -Joachimsthaler Gemeinde an dem denkwürdigen Orte, wo des Einsiedlers -Niavis kleine Kapelle gestanden, die bei Einführung des Luthertums<span class="pagenum"><a id="Seite_377">[377]</a></span> -in hiesiger Gegend zerstört wurde, eine Kirche erbaute, ließ Anna -Lucia Mader daselbst ihre Muttergottesstatue zur allgemeinen Verehrung -aufstellen. Nach diesem Marienbilde erhielt die Kirche, da die -Gegend schon von uraltersher Sorg hieß, den Namen »Maria-Sorg«, -der in der Folge auch auf das Dorf überging.</p> - -<p>Noch immer ladet die Kirche zu Maria-Sorg zum Beten ein, dagegen -fiel das alte rote Haus dem verhängnisvollen Brande vom 31. -März 1873 zum Opfer.</p> - -<h3 id="sec442">442. Das Marienbild bei Klösterle.</h3> - -<p class="source">(Glückauf, 3. Jahrg., Nr. 4, S. 33.)</p> - -<p>Bei Klösterle steht an der Schlackenwerther Straße ein Marienbild -in einer hohlen Linde. Das stand erst auf der andern Seite, auch -in einem Baume. Da schlug das Wetter ein. Der Baum flog in -tausend Granatstücke und das Bild schwebte unversehrt, so daß ihm -kein Unthätchen geschehen, über die Straße zu der andern Linde, und -dort hat man es denn auch aufgestellt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Linde, der Nationalbaum der Deutschen, galt unsern Vorfahren als heilig; -sie war besonders der Göttin Frigg geweiht, an deren Stelle später Maria getreten -ist, die nun zur Beschützerin der Linden wurde. Auch das Bild der heiligen Maria -von Rosenthal wurde in einer Linde gefunden. (Haupt, Sagenbuch II, Nr. 287.) -Als ein aus Holz geschnitztes Marienbild von den Rastenburgern von seinem Platze, -einer Linde, welche immer grün blieb, geholt und nach der Kirche getragen wurde, -stand es doch am andern Morgen wieder in der Linde, weshalb man unter derselben -eine Kapelle baute. So entstand der Wallfahrtsort »Heiligenlinde«. (Reling und -Bohnhorst, unsere Pflanzen, S. 17.)</p></div> - -<h3 id="sec443">443. Das Marienbild in Mariaschein.</h3> - -<p class="source">(Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Aufl., S. 65.)</p> - -<p>Von Teplitz 1½ Stunde entfernt und in der Nähe des Bergstädtchens -Graupen liegt das Jesuitenkloster Mariaschein. Die große -Kirche desselben ist rings von prächtigen Linden umgeben, sowie von -Säulenhallen, in denen Beichtstühle aufgestellt sind; Freskobilder stellen -die wunderbaren Wirkungen des Gnadenbildes dar. Dieses selbst, ein -Marienbild, »die schmerzhafte Mutter Gottes«, wird in der Mitte des -Hochaltars unter Glas in goldener Hülle aufbewahrt; es ist aus Thon, -etwa 12 cm hoch, und soll zur Zeit der Hussitenkriege nach der Zerstörung -des Nonnenklosters zu Schwatz von einer Nonne in einer Linde<span class="pagenum"><a id="Seite_378">[378]</a></span> -an der Stelle der jetzigen Kirche versteckt worden sein, wo es seine -Kraft durch die wunderbare Errettung eines Mädchens von einer -Schlange bewies. Als die Bürger des Städtchens Graupen dasselbe -in feierlichem Zuge in ihre Kirche gebracht hatten, kehrte es auf wunderbare -Weise in die Linde zurück. Deshalb baute man an dieser Stelle -zuerst eine Kapelle, dann die Kirche. Bei Wallfahrten wird das Bild -gezeigt und von den Gläubigen geküßt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>S. die Bemerkung zur vorhergehenden Sage.</p></div> - -<h3 id="sec444">444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 134.)</p> - -<p>Betritt man die Pfarrkirche des am Hohen Steine gelegenen -Dorfes Stein, so fällt einem in der Vorhalle, oberhalb des Weihwasserbeckens, -ein Ölgemälde auf, Diebe darstellend, wie sie eben die -wertvollsten Gegenstände vom Altar der Steiner Pfarrkirche zusammenraffen -und davontragen. Die fromme Sage erzählt weiter: Die Verbrecher -flohen mit dem gestohlenen Kirchengute nach Sachsen zu und in -der Nähe des Hohen Steines entleerten sie die Monstranze und das -Ciborium der consecrierten Hostien. Das geschah im Herbste. Das -Jahr darauf, im Frühlinge, weidete eine Rinderherde in dieser Gegend. -Da hörte der Hirte ein anhaltendes Röhren einiger der -ihm anvertrauten Kühe, und als er nach der Ursache forschte, sah er -zu seinem Erstaunen mehrere Rinder um eine Wachholderstaude stehen, -an der noch einige der von den Dieben hier verschütteten Hostien hingen, -während die andern, ebenfalls unbeschädigt, unter dem Strauche am -Boden lagen. Eilig lief der Hirte, seine Heerde im Stiche lassend -nach Hause und verkündete, was er gesehen. Viele Leute gingen mit -ihm und fanden seine anfangs bezweifelten Aussagen bestätigt, sahen -auch zu ihrer Verwunderung die Rinder, immer noch laut röhrend, um -den »Kronawittstrauch« herumstehen. Geistliche, von einer großen -Volksmenge begleitet, welcher das merkwürdige Ereignis kund geworden, -kamen bald an den Ort, unter Absingung heiliger Lieder faßten sie die -Hostien in den Kelch und übertrugen sie in feierlicher Prozession in die -Pfarrkirche, aus der sie so freventlich entwendet worden waren.</p> - -<p>Auf der Stelle aber, wo das Wunder geschehen, erhob sich bald -eine einfache Kapelle, welche in ihrem Innern außer anderm ein Gemälde -aufweist, welches auf das Auffinden der Hostien Bezug hat und<span class="pagenum"><a id="Seite_379">[379]</a></span> -an deren Stufen das bedrängte Herz Trost und Linderung seiner Leiden -findet, wenn es sich zum Urquell aller Dinge erhebt.</p> - -<h3 id="sec445">445. Die heilige Georgenfahne zu Tharand.</h3> - -<p class="source">(Die Ruinen von Tarant. Ein Beitrag zur Kunde der Vorzeit etc. -Dresden, Joh. Sam. Gerlach, 1795, S. 20.)</p> - -<p>Im Jahre 1190 erlitt die Burg Tharand das Unglück, daß sie -in Feuer aufging, wobei sich noch obendrein ein großes Wunder ereignete. -Es flog die daselbst seit einiger Zeit aufbewahrte heilige Georgenfahne, -die im Kriege wider die Ungläubigen viele Wunder gethan -hatte, während des Brandes vor aller Augen zum Fenster unversehrt -hinaus, und niemand wußte anzugeben, wohin sie gekommen war.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Von dieser heiligen Georgenfahne wird erzählt, daß sich dieselbe Ludwig der -Fromme, Landgraf zu Thüringen, im Kriege gegen die Sarazenen vortragen ließ. -Als er bei Akkon blieb, ward die Fahne erst auf die Wartburg und später nach Tharand -geschafft. (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 103.)</p></div> - -<h3 id="sec446">446. Das Wunschfläschchen.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 205.)</p> - -<p>Bevor die Eisenbahnen aufkamen, vermittelten die Reischdorfer -Fuhrleute den Handel zwischen Böhmen und den übrigen Ländern. So -fuhr auch einmal ein Reischdorfer nach Nürnberg. Eines Tages, da -ein großer Sturm und Regen herrschte, geschah es, daß unser Fuhrmann -mit seinem Wagen in einen Abgrund fiel, wo Wagen und Pferde -zerschmetterten. Er fluchte und jammerte, allein alles vergebens. -Plötzlich fühlte er, daß ihm jemand auf die Achseln klopfte. Er schaute -sich um und sah einen sonderbar gekleideten Mann vor sich, der ihn -fragte, weshalb er so jammere. Der Fuhrmann zeigte auf seinen -Wagen und erzählte sein Unglück. Da zog der Fremde ein Fläschchen -aus der Tasche, in welchem sich ein Ding hin und her bewegte, und -sagte zum Fuhrmann, er solle ihm dafür zwei Thaler geben; wenn er -das Fläschchen rüttle und sich dabei etwas wünsche, so werde sein -Wunsch augenblicklich in Erfüllung gehen; nur müsse er das Fläschchen -billiger verkaufen, als er es eingehandelt habe. Der Fuhrmann zahlte -voll Freuden das Geld, rüttelte das Fläschchen und wünschte sich das -schönste Haus in Nürnberg. Dort lebte er in Hülle und Fülle. Eines -Tages aber, als er wiederum im Wirtshaus saß und mit Geld um -sich warf, sah er einen schwarz gekleideten Herrn, der ihn ganz seltsam<span class="pagenum"><a id="Seite_380">[380]</a></span> -anblickte. Der Fuhrmann ging auf ihn zu und fragte ihn, warum er -ihn so betrachte. Der Fremde antwortete, daß ihm seine Verschwendung -auffalle. »Ja,« sagte der Reischdörfer, »ich hab' da ein Fläschchen, damit -kann ich mir alles wünschen, was ich will. Um einen Thaler jedoch -will ich's Euch verkaufen.« Der Fremde nahm das Fläschchen, -sprach einen Spruch darüber, so daß es in tausend Stücke zersprang; -das darin befindliche Ding aber ward eine Schlange, die so stank, daß -der Bauer in Ohnmacht fiel. Als er erwachte, befand er sich auf der -nämlichen Stelle, wo sein Gespann zu Grunde gegangen war. Er ging -nach Nürnberg, um zu sehen, was aus seinen Reichtümern geworden -sei. Da sah er auf dem Balkon des Hauses, das ihm gehört hatte, -seine eigene Gestalt, die ihm zuwinkte. Er trat ins Haus, allein alle -Leute darin waren ihm fremd und die Gestalt war verschwunden. So -kehrte er ebenso arm nach Hause zurück, als er ausgezogen war.</p> - -<h3 id="sec447">447. Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau.</h3> - -<p class="source">(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 15.)</p> - -<p>Über die Entstehung der Tempiskapelle am obern Wege von Komotau -nach Görkau erzählt die Sage:</p> - -<p>In Rothenhaus war Herr Tempis Kastellan, der seine Arbeitsleute -und Herrschaftsangehörige sehr hart und grausam behandelte. -Einmal kehrte er auf seinem Rosse von Komotau nach Hause zurück. -Es war eine finstere, rabenschwarze Nacht, und dazu hatte er noch etwas -zu viel von geistigen Getränken genossen. Anfangs ging sein Roß ganz -gut, dann aber sauste es im rasenden Galopp dahin. In der Ferne -bemerkte Herr Tempis ein Licht und glaubte schon bei Rothenhaus -zu sein. Da auf einmal fing sein Pferd an zu sinken, und je weiter -er ritt, desto tiefer sank es. Trotz aller seiner und seines Pferdes Anstrengung -gelang es nicht, aus diesem Moraste heranzukommen. Herr -Tempis sah schon seine letzte Stunde gekommen, da eine Rettung hier -nicht möglich war. In diesem qualvollen und entsetzlichen Augenblicke -that er das Gelübde, im Falle er gerettet werde, eine Kapelle zu Ehren -der Mutter Gottes an dieser Stelle zu erbauen. Er trieb jetzt -sein Pferd noch einmal an. Dieses bot seine letzten Kräfte auf und -siehe, Roß und Reiter waren gerettet. Herr Tempis erfüllte nun auch -gewissenhaft sein Gelübde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_381">[381]</a></span></p> - -<h3 id="sec448">448. Sieben versteinerte Jungfrauen.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 274.)</p> - -<p>Bei Komotau gegen das Gebirge hin liegen auf einem Berge -mehrere große Steine, die Katzen ähnlich sind. Das sollen sieben -Jungfrauen sein, welche ein schlechtes Leben führten und deshalb in -diese katzenähnlichen Steine verwandelt worden sind.</p> - -<h3 id="sec449">449. Wie die große Glocke in der Marienkirche zu Zwickau ihre -Stimmung bekommen hat.</h3> - -<p class="source">(T. Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em> I., S. 78.)</p> - -<p>Als auf dem Turme der Marienkirche zu Zwickau die große -Glocke am 12. Juli 1512 sprang, weil man von 8 Uhr des Abends -bis den andern Morgen früh um Vier eines schrecklichen Gewitters -halber nach damaliger Gewohnheit geläutet hatte, so fragte der Glockengießer, -der sie umzugießen hatte, als das Metall schon geschmolzen war, -und er das Werk selbst beginnen sollte, die dabei stehenden Ratsherren, -was für einen Ton er der Glocke geben solle? Da nun diese verlangten, -er solle derselben das Chormaß nach der Orgel, also das bloße -<em class="antiqua">C</em> geben, hat er ein Pulver von Kräutern zugerichtet und in das Metall -geworfen, und davon hat die Glocke den gewünschten Ton bekommen.</p> - -<h3 id="sec450">450. St. Wolfgang zu Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 290.)</p> - -<p>Ist einst ein Bischof, namens Wolfgang, aus dem Geschlechte -derer von Schleinitz zu Freiberg gewesen. Wie der nun einmal in -vollem Ornate zum Dienste des Herrn in den Dom geht, da stürzt -sich ein Bettler vor seine Füße nieder, der Gliederreißen oder das -böse Wesen zu haben schien. Mitleidsvoll blickten den Unglücklichen -alle Anwesende an, nur der Bischof machte eine Ausnahme, er sprach -zu ihm: »Tobt wirklich eine Krankheit in Dir, so möge sich Gott -Deiner erbarmen und Dich gesund machen, hast Du sie aber zum -Frevel erlogen, um Almosen zu erlangen, soll sie von jetzt an Deine -Strafe sein.« Kaum war aber der gottlose Heuchler, welcher der -ernsten Mahnung des Bischofs nicht ungehorsam zu sein wagte, vom -Boden aufgestanden, als er auch mit jämmerlichem Geschrei wieder -niederfiel und niemand mehr an der Erfüllung des göttlichen Strafgerichts -zweifeln konnte. Da hat das Volk den frommen Bischof als<span class="pagenum"><a id="Seite_382">[382]</a></span> -Heiligen verehrt und die Begleiter haben seitdem den St. Wolfgang -zu ihrem Schutzpatron angenommen.</p> - -<h3 id="sec451">451. Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz etc., -Nr. 511.)</p> - -<p>Am 26. Juli des Jahres 1519 ward die St. Annenkirche in der -Stadt Annaberg durch den Bischof von Meißen, Johann VI., geweiht -und bei dieser Gelegenheit ereignete sich folgende wunderbare Begebenheit, -welche durch ein, wahrscheinlich von Lucas Cranach gemaltes Bild, -das sich am Grabmonumente L. Pflocks, eines reichen Bergherrn, der -bei diesem Vorgange zugegen war, befindet, noch heute im Andenken -erhalten wird. Als nämlich die Prozession, bei der sich auch Herzog -Georg von Sachsen befand, an der Pforte der Kirche angelangt war -und der Bischof sich anschickte, dieselbe einzuweihen, sah er plötzlich -einen zerlumpten Bettler, der sich in epileptischen Zuckungen auf der -Erde herumwälzte, vor sich. Da erhob sich in der Seele des geistlichen -Herrn der Verdacht, die Krankheit dieses Elenden sei nur eine verstellte -und derselbe benutze dieselbe bloß, um bei dem heutigen hohen Feste -das Mitleid der Anwesenden zu erregen. Er hob also die Rechte zur -Benediktion, schlug ein Kreuz über den Bettler und sprach mit laut -erhobener Stimme: »Bist Du wirklich krank, so helfe Dir der Herr, -verstellest Du Dich aber, so strafe er Dich!« Kaum hatte er diese -Worte gesprochen, so geschah es, daß die von dem Bettler vorgegebene -Krankheit zur Wirklichkeit ward, ein fürchterliches Geschrei verkündete -ihr Dasein und mehrere starke Männer waren jetzt kaum im Stande, -den Unseligen in seinen Zuckungen zu bändigen und auf die Seite zu -bringen.</p> - -<h3 id="sec452">452. Ein Totenschänder wird entdeckt.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 572.)</p> - -<p>Vor einer Reihe von Jahren lebte in Schöneck ein Pfarrer Merz, -welchem ein Kind von 2 Jahren starb. Nach 14 Tagen rief eine -Kinderstimme bei diesem Pfarrer Merz des Abends nach 10 Uhr beim -Schlafstubenfenster: »Mein Händchen und mein Füßchen!« und dies -einigemale. Der letzte Ruf lautete: »Vater, mein Händchen und mein -Füßchen fehlt mir!« Darauf ließ der Pfarrer Merz sein Kind wieder -ausgraben, und wirklich fehlten auch diese Glieder. Es wurde nachgeforscht<span class="pagenum"><a id="Seite_383">[383]</a></span> -und man hatte auf einen Bewohner der Birkenhäuser bei -Schöneck, welcher einen Schatz hatte heben wollen, Verdacht. Am nächsten -Sonntage erblickte der Pfarrer den bezeichneten Mann in der -Kirche; er leitete seine Predigt auf den Vorfall und rief, indem er -auf den Verdächtigen hinzeigte, laut aus: »Du Schalksknecht, Du -Übelthäter, verschaffe die Glieder meines Kindes wieder!« Darauf soll -der Mann wie tot umgefallen sein.</p> - -<h3 id="sec453">453. Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in -der Marienkirche zu Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygnea</em> I., S. 63.)</p> - -<p>Früher ward in der gewölbten Sakristei in der Marienkirche zu -Zwickau ein in arabisch Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi -verwahrt, welches der Hauptmann Martin Römer im Jahre 1479 der -Kapelle geschenkt hatte. Nun war aber in die Einfassung mit Cyrillischen -Buchstaben und in serbischer Sprache eine Inschrift gegraben, -welche also lautete: »Dieses ehrwürdige Crucifix ist auf der Königin -… (der Name war nicht mehr zu lesen) Befehl gemacht und in die -Kirche der h. Dreifaltigkeit bei der Grube (zu Konstantinopel) gesetzt -worden; es sind in demselben fünf ganze Stücklein vom h. Kreuz und -vier Edelsteine, die hölzernen Stücklein sind für 2000 Gulden gekauft, -das Gold aber und die Edelsteine kosten 1000. Wer ein Stücklein -von diesem Holze des Kreuzes mit Gewalt aus der Kirche der h. Dreifaltigkeit -nehmen wird, der sei verflucht und das h. Kreuz bringe ihn -um, wer es etwa an einem andern Orte antrifft, der schaffe es wieder -in die Kirche zur h. Dreifaltigkeit, wer es nicht thut, den bringe Gott -und das h. Kreuz um.« Trotz dieses Fluches hat aber, als die Türken -Konstantinopel eingenommen, ein Grieche dieses Heiligtum, damit es -nicht in unheilige Hände komme, errettet und hernach M. Römern in -Zwickau verkauft, der auch von dem darauf geschriebenen Fluch nichts -zu befürchten gehabt, weil er es nicht mutwillig entwendet, sondern nur -vor denen, die es ohnedem zerschlagen und beschimpft hätten, bewahrt -hat. Nun hat aber der Herzog von Friedland, insgemein der Wallenstein -genannt, am 1. September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern -Graf Maximilian von Wallenstein und Graf Paul von Lichtenstein -abholen und hernach auf der Post durch genannten Grafen von -Wallenstein dem Kaiser anbieten lassen, als verehre die Stadt Zwickau -und die geistliche Behörde solches demselben freiwillig; allein es war -hierbei wenig Willigkeit, sondern nur Gewalt zu finden, und es hieß<span class="pagenum"><a id="Seite_384">[384]</a></span> -vielmehr: willst du nicht, so mußt du. Nun ist aber der besagte -Fluch an allen diesen Personen ausgegangen. Nachdem dies nämlich -hier am 14. September geschehen, hat der Wallenstein am 6. November -die große Schlacht bei Lützen verloren und seit dieser Zeit kein Glück -mehr gehabt, also daß er bald darauf zu Eger ein blutiges Ende -nahm; die beiden Grafen aber sind noch in demselben Jahre umgekommen -und ist keiner von ihnen eines natürlichen Todes gestorben.</p> - -<h3 id="sec454">454. Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau.</h3> - -<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, frühere Schicksale und jetzige -Beschaffenheit. Lauenstein, 1845. S. 297.)</p> - -<p>Eine geschichtliche Merkwürdigkeit besitzt das in einem der -rauhesten Teile des Erzgebirges liegende Dorf Fürstenau in seiner -Kirche, welche eine Filiale von Fürstenwalde und die älteste Kirche -der ganzen Umgegend ist. Denn schon lange vor der Reformation -war die Kapelle in Fürstenau eine Tochter der Hauptkirche zu Graupen; -sie führte den Namen »Zur unbefleckten Empfängnis Mariä« und -ward 1424 mit einer Glocke beehrt. Das am Altar dieser Kirche befindliche -Marienbild, von nicht ganz schlechter Bildhauerarbeit und -reicher Vergoldung, stellt den Besuch Marias bei ihrer Schwester -Elisabeth vor. Zu diesem Marienbilde zog der fromme Glaube -eine Menge Wallfahrer, und mehrere dem Kirchlein verehrte Geschenke, -sowie daselbst aufgestellte und bewahrte, von geheilten Kranken -zurückgelassene Gegenstände sollen die gnadenreiche Wirkung bezeugen. -Auch noch jetzt findet alljährlich am Sonntage nach Mariä Heimsuchung -eine Wallfahrt der Katholiken aus dem benachbarten Böhmen -unter Gesang zur Fürstenauer protestantischen Kirche statt. Sie verrichten -dort vor dem Bilde knieend ihre Andacht und ziehen dann singend -wieder über die Grenze zurück.</p> - -<p>Zur Zeit der hussitischen Unruhen (um 1419 bis 1436) wurde -das genannte Marienbild des Nachts von Dieben entwendet; diese -aber sollen sich im Walde verlaufen und sodann, um den Weg aufzusuchen, -das Bild einstweilen in einem Strauche versteckt haben. -Kaum sei aber das Bild aus ihren Händen gewesen, so hätten sie -auch den Weg wiedergefunden. Als nun einer der Diebe wieder zurückgegangen, -um das Bild nachzuholen, sei dasselbe nirgends aufzufinden -gewesen, so hätten die Diebe unverrichteter Sache wieder abziehen -müssen. Das Bild aber ist tags darauf wieder an seinem Platze -in der Kirche zu Fürstenau gewesen. Einer der Diebe soll dies seinem -Beichtvater noch auf dem Sterbebette entdeckt haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_385">[385]</a></span></p> - -<p>Bei einem zweiten Entwendungsversuche sollen die Diebe mit -dem Marienbilde des Nachts in der Gegend von Teplitz von unbekannten -Männern angefallen, das Bild ihnen wieder abgenommen -und solches an den Prior des Klosters Mariaschein abgeliefert worden -sein. Der Prior jedoch habe das Bild seiner Schönheit und reichen -Vergoldung halber für sich behalten, oder solches einer anderen -Kirche verehren, nicht aber nach Fürstenau zurückgeben wollen. Allein -dasselbe sei hierauf bei ihm auf einmal verschwunden und wieder an -seinem Platze in der Kirche zu Fürstenau gewesen. Diese Begebenheit -ist auf Befehl des Priors in allen Kirchen der Umgegend öffentlich -bekannt gemacht worden, seitdem aber sei nie wieder ein Versuch zur -Entwendung des Bildes vorgekommen.</p> - -<h3 id="sec455">455. Die Fußtapfe der heiligen Maria.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 306.)</p> - -<p>Zwischen dem Hausberge bei Graslitz und dem Holzhaue ist die -Räumer, ein Thal, das mit großen Granitblöcken besäet ist. Dort -liegt auch ein Stein, auf welchem der Abdruck eines Fußes sichtbar -ist. Als die heilige Jungfrau übers Gebirge ging zu ihrer Base -Elisabeth, soll sie hier gestrauchelt sein und den Fuß in den Stein -eingetreten haben. Die Fußtapfe hat deshalb auch die merkwürdige -Eigenschaft, daß jeder Fuß in dieselbe paßt. – Nach einer anderen -Sage soll hier ein Mädchen ermordet worden sein und im Todeskampf -das Mal in den Stein getreten haben.</p> - -<h3 id="sec456">456. Maria im Erzgebirge.</h3> - -<p class="source">(Nach der metrischen Bearbeitung von Ludw. Bowitsch bei Wenisch, -Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)</p> - -<p>Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte -Mutter das kärgliche tägliche Brod erwerben. Da wurde ihm einst -von der reichen Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer -Herrin, der Auftrag erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist -ein reiches Spitzenkleid zu fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre -Aufgabe pünktlich und zur Zufriedenheit ihrer Herrin löste, sollte ihr -reicher Lohn werden; beim Gegenteile erwartete sie dagegen Spott -und bitt'rer Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und Nacht bei -ihrer Arbeit, doch als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich nicht -mehr des Schlafes erwehren und sie wankte todesmüde ans Bett der<span class="pagenum"><a id="Seite_386">[386]</a></span> -Mutter hin. Aber wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch -durch ihre Seele; die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem -Scheine und leise trat eine holde Frau ein, mit einer goldenen Krone -auf dem Haupte. Es war die Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte -sich an das Klöppelkissen und die Klöppeln flogen so zauberhaft, wie -es dem Mädchen nie gelungen war, so daß vor Anbruch des Tages -das reichste Spitzenkleid vollendet da lag. Als das also träumende -Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand bereits die Sonne hoch am -Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum es gezeigt hatte, war -das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug es frohen Mutes hinauf -zum Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin und belohnte die -Arbeit so reichlich wie nie zuvor. In dem Kleide jedoch war Gottes -Segen eingewoben, welcher in der Folge nicht nur der strengen Edelfrau, -sondern auch der armen Klöpplerin zu teil wurde.</p> - -<h3 id="sec457">457. Der heilige Petrus in Eisenberg.</h3> - -<p class="source">(Nach Vernaleken bei Henne-Am-Rhyn, Die deutsche Volkssage, 1879, -S. 424.)</p> - -<p>Bei einem alten Manne, einem Schmied in Eisenberg bei Komotau, -kehrte einst der heilige Petrus ein, blieb über Nacht und gab -ihm am Morgen drei Wünsche frei. Der Schmied wünschte sich: 1. -einen Stuhl, von dem keiner ohne seinen Willen aufstehen könne, 2. -einen Kirschbaum, von dem kein Hinaufgestiegener ohne seinen Willen -wieder herab könne, und 3. daß er bei jedem Spiele gewinne. Das -Letztere machte den Schmied zum reichen Manne. Endlich wollte niemand -mehr mit ihm spielen, da kam der Tod und wollte ihn holen. -Der Schmied schlug auch ihm ein Spiel vor und gewann noch zehn -Jahre Leben. Als der Tod wieder erschien, bot er ihm den Stuhl -und der Tod saß und durfte nur um zehn neue Jahre frei fort. Als -auch die um waren, ließ er ihn auf den Baum steigen, dessen Kirschen -ihm in die Augen stachen, und ließ ihn erst wieder herab, als er verhieß, -nie wieder zu kommen.</p> - -<h3 id="sec458">458. Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen.</h3> - -<p class="source">(Jos. Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 162.)</p> - -<p>Noch vor wenigen Jahrzehnten zeigte man in einem Felsen oberhalb -des Bergstädtchens Graupen eine Fußspur, welche von dem heiligen -Wolfgang herrühren sollte. Dieser Heilige und spätere Bischof -von Regensburg soll vor Antritt seiner Mission nach Pannonien hier<span class="pagenum"><a id="Seite_387">[387]</a></span> -in einer Höhle gewohnt und dabei die Spur seines Fußes zurückgelassen -haben.</p> - -<h3 id="sec459">459. Der Hengstberg bei Hengstererben.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 76.)</p> - -<p>In dem Hengstberge bei Abertham arbeiteten einmal fünf Bergleute, -die wegen ihrer Frömmigkeit und Gottesfurcht weit und breit -bekannt waren. Sie fuhren nie an, ohne den kräftigen Bergmannssegen -gesprochen zu haben:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">In Gottes Namen setzen<br /></span> -<span class="i0">Wir unser Erz jetzt ein;<br /></span> -<span class="i0">Laß uns von Deinen Schätzen<br /></span> -<span class="i0">Auf's neu beschenket sein!<br /></span> -<span class="i0">Wir sehn auf Deine Hände,<br /></span> -<span class="i0">Wem Du es giebst, dem glückt's,<br /></span> -<span class="i0">Vom Anfang bis ans Ende<br /></span> -<span class="i0">Herr benedei! so blickt's!<br /></span> -</div></div> - -<p>Die Grube aber, in welcher sie arbeiteten, war ein Bau auf -Zinn. Unverdrossen und mit treuem Sinn verrichteten sie ihre Schicht. -Der Herr segnete auch ihrer Hände Fleiß; denn wo sie mit ihrem Gezähe -einschlugen, arbeiteten sie große Mengen Erzes heraus, und daher -kam es auch, daß die Strecken schon tief in den Berg hineinreichten. – -Eines Tages versammelten sie sich wie gewöhnlich im Grubenhause. -Immer pflegten sie heitern Angesichts zu sein, heute hingegen war in -ihren Mienen Traurigkeit und Besorgnis zu lesen. »Freunde,« hub -der älteste an, »mir scheint, daß Ihr heute sehr ernsthaft gestimmt seid. -Ich bin es auch und zwar, weil ich einen bösen Traum gehabt, in -welchem ich mich in einer großen Gefahr befand.« – »Uns ist es auch -nicht besser gegangen,« sprachen die Viere. Da sie aber fromm waren -und feste Zuversicht auf Gott hatten, blieb ihr Gemüt ruhig, sie sangen -ohne Furcht und mit Ergebung den Bergmannssegen und fuhren ein. -Als sie vor Ort gekommen, falteten sie nochmals die Hände und -beteten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Jesu! Du reicher Schöpfer mein,<br /></span> -<span class="i0">Thu kräftig sprechen<br /></span> -<span class="i0">Auf allen Zechen<br /></span> -<span class="i0">Den Segen Dein.<br /></span> -<span class="i0">Bescher mit Freud'<br /></span> -<span class="i0">Reiche Ausbeut'!<br /></span> -<span class="i0">Wend' allen Schaden,<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_388">[388]</a></span> -<span class="i0">Thu uns in Gnaden<br /></span> -<span class="i0">Behüten fein!<br /></span> -<span class="i0">Schicht! Schicht!<br /></span> -</div></div> - -<p>Da ward plötzlich die ganze Strecke sonnenhell erleuchtet, und die -erschrockenen Bergleute wußten nicht, wie ihnen geschah. Sie hörten -aber eine Stimme: »Fürchtet Euch nicht, Ihr frommen Männer! -Blicket auf zu mir, ich bin der Engel des Herrn, der Euer Gebet erhört! -Gehet eilends aus der Grube, denn diese findet heute ihren -Untergang!«</p> - -<p>Die Fünf blickten auf und sahen freilich nur auf einen einzigen -kurzen Augenblick das milde Antlitz des Himmelsboten, und als sie -ihm danken wollten, war er verschwunden. Heiliger Schauer durchrieselte -ihre Glieder, lautlos fuhren sie zu Tage, eilten zu den Ihrigen -und dankten Gott für alle Gnaden mit Rührung und Andacht. Da -krachte es auf einmal wie ungeheueres Gewitter vom Hengstenberge -her, – der Bau war und blieb verschüttet.</p> - -<h3 id="sec460">460. Das Mönchgesicht an der Kirche zu Schlettau.</h3> - -<p class="source">(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert in Gräße, Sagenschatz etc. -Nr. 525.)</p> - -<p>An der östlichen Außenseite der Kirche zu Schlettau befindet sich -etwa 8 Ellen von der Erde ein Stein in der Mauer, der angeblich, -ohne von Menschenhänden bearbeitet zu sein, einem Mönchgesichte täuschend -ähnlich ist. Das Volk erzählt sich von demselben folgende wunderbare -Geschichte: Um das Jahr 1520 war Johannes Küttner (oder -Kottne), ein Bruder des Grünhainer Abtes Georg Küttner, Pfarrer -zu Schlettau. Da begab es sich, daß einst in stiller Mitternacht, als -dieser noch eifrig in den Kirchenvätern studierte, ein bleicher Schatten -vor ihn hintrat und also sprach: »Fürchte Dich nicht, ich bin der Geist -eines Deiner Vorgänger, der vor nunmehr 100 Jahren, als die Hussiten -in der Nähe waren, ein silbernes Crucifix um Mitternacht in die Kirchmauer -vergrub, wo es noch ist; ich ward am nächsten Morgen von den -wilden Ketzern erschlagen und bin jetzt gekommen, um Dich aufzufordern, -das heilige Kreuz wieder an seinen frühern Ort auf den Altar zu -stellen; Du wirst den Fleck, wo es vermauert ist, leicht erkennen, denn -es wird sich Deinem Auge ein Lichtschein zeigen und da, wo derselbe -erglänzt, schlage ein, und Du wirst es sogleich entdecken!« Damit verschwand -der Geist, der fromme Pfarrer aber eilte in die Kapelle, wo -der Sakristan ihn bereits zur Messe erwartete. Diesem teilte er das -Erlebte mit und hieß ihn am folgenden Mittag mit Hammer und<span class="pagenum"><a id="Seite_389">[389]</a></span> -Spitzhaue zur Hand sein, um das Crucifix aus seinem Verstecke herauszunehmen. -Kaum war aber der Pfarrer wieder weggegangen, da versuchte -der Böse das dem Geize an sich schon zugewendete Herz des -Sakristans, er beschloß auf der Stelle den Versuch zu machen, das -Crucifix zu entdecken, den Raub auf die Seite zu schaffen und dann -den Fleck möglichst gut wieder auszubessern, damit man von dem geschehenen -Diebstahl nichts gewahren möge. Nach kurzem Suchen fand -er auch das Lichtlein, und als er an der Stelle, die hohl klang, einschlug, -blinkte ihm auch das Silber entgegen; allein er hatte bei dem -Schlage das eherne Bildnis des Heilandes mit zerschlagen. Da fuhr -auf einmal ein Donnerschlag vom Himmel herab und die Kirchenglocken -fingen von selbst an Sturm zu läuten. Der Pfarrer fuhr aus dem -Schlummer empor, er eilte herab und fand schon eine Menge Volk -um die Kirche versammelt, weil man glaubte, dieselbe stehe in Flammen. -Als die Thüren geöffnet wurden, fand man dieselbe zwar ganz hell, -aber nirgends sah man Feuer, wohl aber lag der Tempelräuber zerschmettert -neben dem herabgestürzten Crucifix am Boden, doch war sein -Kopf vom Rumpf wie abgehauen, und als man nach demselben suchte, -fand man ihn an derselben Stelle in der Mauer, wo das Crucifix -eingemauert gewesen war. Der tiefbetrübte Pfarrer ließ nun das zerschlagene -Bild des Heilands aus seinen Trümmern zusammensuchen, -den Körper des Verbrechers aus der Kirche fortschaffen und befahl, den -Kopf desselben nach Morgen zu in der Mauer zum ewigen Gedächtnis -einzumauern. Als aber der Tag anbrach, da sah man das bleiche Gesicht -des Sakristans von selbst zum Stein geworden aus der Mauer -heraussehen, und dort steht es noch, denn es läßt sich weder übertünchen -noch vermauern, ja man erzählt, daß es oft Thränen vergieße -und allemal, wenn dem Städtchen Gefahren drohen, in gelbem Lichte -leuchte.</p> - -<h3 id="sec461">461. Die Totenhand in Buchholz.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Auflage, Nr. 53 bei Gräße, -Sagenschatz etc., Nr. 521.)</p> - -<p>Als im Jahre 1730 der Totengräber auf dem Kirchhofe zu Buchholz -ein Grab machen wollte, fand er im Sande noch eine ganz unverweste -Totenhand, der aber der Gold- und kleine Finger wie abgehackt -waren. Er zeigte dieselbe dem Pastor Melzer daselbst und dieser -schlug nun im Kirchenbuche nach, wem dieselbe gehört haben möge, da -er sich erinnerte, daß schon am 14. Juni des Jahres 1704 ihm von<span class="pagenum"><a id="Seite_390">[390]</a></span> -dem damaligen Totengräber dieselbe Meldung gemacht worden sei, er -aber demselben den Bescheid gegeben, die Hand wieder einzuscharren, -weil sie wahrscheinlich an einer Wasserkluft gelegen und deshalb nicht -habe verwesen können. Jetzt fand sich's, daß die Hand dem im Jahre -1669 begrabenen Sohne des Stadtrichters von Buchholz, Andreas -Müller, gehörte, der, weil er seine alte Mutter, die er bestohlen und -die ihm den Diebstahl vorgeworfen, gemißhandelt und mit Ermordung -bedroht, von dieser verflucht worden war. Dadurch war denn jene alte -Sage bewiesen, daß dem, der sich an seinen Eltern vergeht, die Hand -aus dem Grabe wächst.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch Temme erzählt in den Sagen der Altmark (Nr. 56.) von einem ungeratenen -Sohne im Dorfe Groß-Redensleben, welcher seinen Vater schlug, als ihn -derselbe wegen seines sündhaften Wandels ermahnte. Darauf ereilte den Sohn sogleich -die Strafe des Himmels; er stürzte tot nieder. Als man ihn aber begrub, -wuchs seine eine Hand aus dem Grabe heraus und man mußte sie abhauen, da sie -sich nicht mit vergraben ließ. Zur Erinnerung wurde sie in der Kirche aufgehangen -und darüber an einer schwarzen Tafel folgendes geschrieben:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Sieh, sieh Du böses Kind,<br /></span> -<span class="i0">Was man hier merklich find't,<br /></span> -<span class="i0">Eine Hand, die nicht verwest,<br /></span> -<span class="i0">Weil der, deß sie gewest,<br /></span> -<span class="i0">War ein ungeratenes Kind,<br /></span> -<span class="i0">Wie man auch jetzt noch find't.<br /></span> -<span class="i0">Den Vater schlug der Sohn,<br /></span> -<span class="i0">Drum hat er dies zum Lohn,<br /></span> -<span class="i0">Daß hier hängt seine Hand;<br /></span> -<span class="i0">Hüt' Dich für solche Schand'.<br /></span> -</div></div></div> - -<h3 id="sec462">462. Der Doppelgänger zu Wiesenthal.</h3> - -<p class="source">(Flader, Wiesenthalisches Ehrengedächtniß, 1719, S. 108. Darnach -Gräße, Sagenschatz d. K. S., Nr. 500.)</p> - -<p>Im Jahre 1709 ist ein kurfürstlicher Geleitseinnehmer, mit Namen -A. L., in gewissen Angelegenheiten verreist; da er nun wenigstens -zwanzig Meilen entfernt ist, so sieht sein damaliges Hausmädchen, da -sie am Abend gegen 5 Uhr von ihrer Frau in ihre Schlafkammer geschickt -wird, ihn von ohngefähr in seinem Bette liegen und meint, er -sei ohne ihr Wissen nach Hause zurückgekehrt. Sie fragte also die -Frau: »Ist der Herr nach Hause gekommen?« Diese antwortet aber: -»Du wirst ihn ja sehen.« Daher hat sie sich weiter nicht darum gekümmert. -Nachdem nun die Frau selbst des Nachts gegen 12 Uhr -schlafen geht, erblickt diese ihn ebenfalls in ihrem Bette, da er sich<span class="pagenum"><a id="Seite_391">[391]</a></span> -denn gerührt, daß es davon geknistert und das Bett ein wenig von sich -geschlagen. Welches sie bewegt, daß sie unten um das Bett herumgegangen -und ihn angeredet hat: »Ei, mein Kind, wie bist Du denn -hier? Hast Du mich doch erschreckt!« Da er denn die Beine hinausgeschlagen, -aus dem Bette gefahren und unter das Dach, so sich in der -Schlafkammer findet, gekrochen, auch daselbst plötzlich verschwunden ist. -Die Frau hat sich nun zwar ins Bett gelegt, aber vor großem Schreck -die ganze Nacht nicht schlafen können, weil sie nicht gewußt, wie es -zugehe, daß sie ihren Mann, der so viele Meilen entfernt war, habe -sehen können. Sie hat aber fleißig gebetet, der Herr wolle sie vor Anfechtung -bewahren. Als ihr Mann nun wieder nach Hause gekommen, -hat er erzählt, er sei an jenem Tage gerade bei einem Jäger gewesen, -der ihn sehr wohl traktiert und mit Braten, Kuchen und Wein bestens -bewirtet, da habe er immer an seine Frau gedacht und gewünscht, daß -sie solches auch mit genießen möge.</p> - -<h3 id="sec463">463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Saxon.</em>, 1738, S. 269. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, Nr. 229.)</p> - -<p>Als Gott am heiligen Abende vor dem Johannistage des Jahres -1738 Tuttendorf bei Freiberg mit einem heftigen Donnerwetter heimsuchte -und der Strahl des Bergmanns J. D. Schieffels Wohnhaus -im Oberdorfe entzündete, hat zwar die wütende Feuersglut alles verzehrt, -allein alle im Hause befindliche Personen sind mit dem Leben -davon gekommen, und was das Sonderbarste ist, die schon zu mehreren -Malen über <em class="antiqua">Dr.</em> Joh. Arndts berühmtes Gebetbuch, Paradiesgärtlein -betitelt, in Feuersgefahr waltende Fürsorge Gottes hat sich auch hier -wiederum bethätigt. Denn da sich unter dem geistlichen Büchervorrat -dieser armen Verunglückten auch gedachtes Buch in der von Chr. Weinmann, -Buchhändler zu Erfurt, in länglich Duodez 1725 besorgten Auflage -befunden, so hat man dasselbe am anderen Tage unter der Asche -dergestalt angetroffen, daß, obwohl der Einband desselben gänzlich zu -Kohlen verbrannt, dennoch kein Buchstabe in dem Buche selbst verletzt -war, sondern dasselbe ganz unversehrt im Feuer geblieben ist. Es ist -solches dem Pastor des Ortes von den Abgebrannten zum ewigen Andenken -überlassen worden, bei dem man es noch lange hat sehen können.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_392">[392]</a></span></p> - -<h3 id="sec464">464. Das Meteoreisen in Elbogen.</h3> - -<p class="source">(I. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 168. II. Die Natur von Müller, -1878, Nr. 45.)</p> - -<p>I. Es war seinerzeit in Elbogen ein Burggraf von Wülfenfels -unter der Oberherrschaft der Rohenburger als berüchtigter, mordlustiger -und raubgieriger Burgherr und wegen seiner grausamen Handlungen -gefürchtet und bekannt. Seine Leibeigenen pflegte er oft ohne besonderen -Anlaß in den Sprudel-Teufelsweiher zu werfen, um sie zu versteinern. -Als er sogar seine eigene Tochter im Burghofe anketten ließ -und im Begriff war, den Todespfeil auf sie zu schleudern, da grollte -plötzlich der Himmel, ein Donnerschlag ertönte und ein Blitz lähmte -seinen Arm. Das Kind war gerettet, denn soeben hielt der edle Rohburger -seinen Einzug in Elbogen. Da ihm Mitteilung von den -Schandthaten des Burgherrn gemacht wurde, befahl er, denselben sofort -festzunehmen und zu züchtigen. Wülfenfels, der dies hörte, verschwand. -Das letztemal sah man ihn mit drohenden Gebärden, seine Armbrust -gegen den Himmel haltend, auf dem Schloßbalkon stehen und hörte -ihn lästern über den Donner und Blitz, die Schuld trugen, daß sein -Kind noch lebte. Vergeblich suchte man nach ihm; doch bald sollte sich -das Ganze aufklären; am Balkon fand man einen großen, zur Eisenschlacke -zusammengeschmolzenen Stein, mit den Resten einer halbverbrannten -Armbrust auf einem Klumpen liegen. Der Markgraf ließ -diesen Stein im Schlosse aufbewahren; die Franzosen aber warfen ihn -bei ihren Kriegszügen im Jahre 1776 in den tiefen Schloßbrunnen, -aus dem er später wieder herausgehoben wurde, um auf das Rathaus -gebracht zu werden. Dieser Stein, von den Naturforschern als Meteor -bezeichnet, war ursprünglich 192 Pfund schwer; ein Teil davon kam -in das Naturalienkabinet nach Wien, ein Teil in jenes nach Prag, -und der Rest im Gewichte von 43 Pfund wird auf dem Rathause zu -Elbogen vorgezeigt.</p> - -<p>II. Auf dem Schlosse zu Elbogen lebte vor Jahrhunderten ein -böser Burggraf, welcher seine Unterthanen hart drückte. Einst läutete -derselbe während eines Gewitters eigenhändig auf dem Turme die -Glocke, um damit seine Leute zum Frohndienste zusammenzurufen. Da -schlug plötzlich der Blitz ein und schmolz den Grafen und die Glocke -in einen Guß zusammen. Das ist nun jener Eisenklumpen, von welchem -man noch heute in der Stadt einen Teil zeigt. Man hat die -Masse schon oft in einen Brunnen versenkt, aber immer ist dieselbe -von selbst wieder herausgekommen. Sie soll bald zentnerschwer, bald -ganz leicht sein, letzteres aber nur für Menschen, welche noch nicht gesündigt -haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_393">[393]</a></span></p> - -<h3 id="sec465">465. Der Köhler von Klingenthal.</h3> - -<p class="source">(Metrisch von Hager, Vogtl. Volkssagen, 1839, II., S. 13. Darnach -bei Gräße a. a. O., Nr. 640.)</p> - -<p>Vom Kirchhofe zu Klingenthal bis an den naheliegenden Wald -geht jede Nacht um die zwölfte Stunde ein gespenstiger Schatten, eine -Leuchte in der Hand. Das Volk erzählt sich hierüber folgende Geschichte: -Es soll einst in Klingenthal ein Köhler gewohnt haben, der -jede Nacht von der Seite seiner getreuen Hausfrau aufstand, um angeblich -im Walde nach seinem Meiler zu sehen. Die wahre Ursache -war aber, daß er im Busche zu einer dort wohnenden Concubine -schlich. Einst ging er auch in finsterer Nacht, die Leuchte in der Hand, -den wohlbekannten Weg, da folgte ihm sein Weib, das er schlafend -glaubte, und warf ihm geradezu sein Vergehen vor. Er wollte es -zwar anfangs leugnen, aber bald gab ein Wort das andere, er ward -heftig, schlug seine rechtschaffene Frau nieder und begab sich zu seinem -Kebsweibe. Als er mit diesem im besten Kosen begriffen war, öffnete -sich plötzlich die Thür und sein Weib stürzte herein und traf die -Schuldigen auf offner That. Jetzt halfen keine Verstellungen mehr, er -mißhandelte sie abermals und warf sie zur Thür hinaus mit der -Drohung, sie in den brennenden Meiler zu schleudern, wenn sie ihm -wieder zu nahe komme. Sie aber verfluchte ihn und rief: »Der Meiler -werde Dir selbst zum Grab, mögest Du lebendig verbrennen!« Des -lachte der Köhler; als er aber nach seiner Gewohnheit den Meiler erklomm, -um sich umzuschauen, stürzte dieser plötzlich zusammen und der -Frevler versank in seinen feurigen Schlund.</p> - -<h3 id="sec466">466. Vom flinken Knecht zu Rechenberg.</h3> - -<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 289.)</p> - -<p>An der südlichen Grenze des meißnischen Erzgebirges lebte vor -alter Zeit ein wohledler Ritter, mit Namen Kurt von Rechenberg, auf -seinem Stammschlosse Rechenberg an der Mulde, von welchem sich noch -jetzt Ruinen auf einem Felskegel am rechten Thalgehänge inmitten des -freundlichen Fleckens Rechenberg vorfinden.</p> - -<p>Hochbegütert und vom Glanze einer zahlreichen Dienerschaft umgeben, -lebte der fromme Edelmann gar glückliche Tage dahin. Seine -Diener hielt er gleich eigenen Kindern wert, und er wurde darum von -allen auch wieder geliebt wie ein Vater.</p> - -<p>Da geschah es eines Tages, daß ein junger, dürftig gekleideter -Bursche aus fremden Landen zum Ritter kam und ihm seine Dienste<span class="pagenum"><a id="Seite_394">[394]</a></span> -anbot. Das treuherzige Wesen des jungen Mannes, der erzählte, wie -viel Elend er schon habe ertragen müssen, gefiel dem Herrn von Rechenberg -und er nahm ihn in seinen Dienst.</p> - -<p>Georg – so hieß der junge Bursche – war munter und flink -auf den Füßen, er flog gleichsam wie ein Pfeil, wenn ihn sein Herr -irgendwo hinsandte, und seiner thätigen, willfährigen und geschickten -Hand glückte alles wunderbar, ja, es schien ordentlich, als wenn ein -besonderer Segen auf seinem Thun ruhte. Ein außerordentliches Ereignis -sollte seine Verdienste um das Haus Rechenberg noch mehr ins -Licht stellen.</p> - -<p>Einst versetzten Flüchtlinge aus der nahen böhmischen Pflege die -Bewohner der Burg Rechenberg in lebhafte Aufregung, denn sie meldeten, -daß einige bekannte böhmische Raubritter mit ihren Mannen sich -der Grenze näherten und mordend und sengend das Land verwüsteten. -Darüber ward Kurt von Rechenberg sehr betrübt und er beschloß nach -Rücksprache mit seinem Vogte einen Kundschafter auszusenden, um zu -erfahren, wie stark die Zahl der Feinde sei. Niemand erschien ihm -dazu geeigneter als sein flinker Diener Georg. Derselbe dankte für -den ihn ehrenden Auftrag und wenige Minuten später jagte er auf -flüchtigem Rosse hinaus zum Burgthore, dem Feinde entgegen. Bereits -am andern Morgen kehrte der Knappe in das Schloß zurück. Zum -Erstaunen der Burgbewohner befanden sich zwei gefüllte Säcke, einer -hinten und einer vorn, auf dem Gaule. Ritter Kurt stand unter dem -Thor, und befremdet wegen des seltsamen Aufzuges fragte er: »Was -klirrt denn so um Deinen Sattel?« Georg antwortete wohlgemut: -»Seid getrost, Herr Ritter, alles hat gute Wege. Das sind Hufeisen, -die ich den Pferden abgerissen habe, während die Feinde schliefen. -Vorsichtig und dennoch sonder Hast eilte ich den Raubgesellen entgegen, -immer der Grenze entlang, bis ich sie in der Nähe des Dorfes Einsiedel -erblickte. Es war schon finstere Nacht und alle hatten sich sorglos -dem Schlafe überlassen. Deshalb machte ich mich unverweilt an -die Arbeit und glaube damit unsern Feinden einen recht üblen guten -Morgen geboten zu haben, denn ohne Hufeisen sind die Spitzbuben -nicht imstande, die Gebirgspfade zu bereiten, und noch viel weniger -möchte es gelingen, hier herum so viel Eisen aufzutreiben, als ihnen -fehlen. Damit ihr aber, gestrenger Herr, die Anzahl der Feinde -schätzen möget, bracht' ich die Eisen gleich mit, da die Dunkelheit der -Nacht mich hinderte, die Feinde zu überzählen. Nun ist es wohl mit -uns bestellt, und ruhig können wir uns rüsten, bevor sie sich uns nahen.« -Der Burgherr lächelte zufrieden und sagte: »Du bist, traun, ein seltsamer, -aber vortrefflicher Bursche!« Dann setzte er, zu dem Vogte<span class="pagenum"><a id="Seite_395">[395]</a></span> -gewendet, hinzu: »Entweder war das Begebnis ein Wunder, oder der -Knecht Georg ist verwegen bis zur Tollkühnheit. Nun, wir wollen die -Raubgesellen gehörig empfangen!«</p> - -<p>Die Worte Georgs erfüllten sich; die Feinde nahten erst, nachdem -alle Vorbereitungen zu deren nachdrücklichem Empfange getroffen -waren. Sie wurden über die Grenze zurückgetrieben und dabei zeichnete -sich Georg durch persönliche Tapferkeit aus, so daß er sich noch mehr -die Liebe seines Herrn gewann.</p> - -<p>Später zeigte sich die Treue und Liebe Georgs noch auf eine -andere Art. Sein Herr gab ihm einst ein Schreiben, welches nach dem -Rittersitze Grünau bei Marienberg bestimmt war, mit dem Bemerken, -bei der Bestellung zu eilen, dieweil es Not habe, der Ort, wohin der -Brief solle, fern liege und die Sonne schon tief stehe. Georg versprachs -und rühmte sich, die drei Meilen bis nach dem Orte Grünau mit der -Schnelle eines Vogels zurücklegen zu wollen. Nach Verlauf einer -Stunde aber kam der Ritter von ungefähr in den Stall. Wie erstaunte -er da, als er seinen Knecht, den er weit fort glaubte, in einer Ecke -des Stalles, auf Stroh gebettet, sanft schlafend fand. Da ward der -Ritter unwillig und weckte den Knecht auf, indem seine Augen in aufsteigendem -Zorne funkelten, doch bezwang er sich, denn sein Herz war -gut und sein Gemüt lauter und fromm. Erschrocken vor seines Herrn -plötzlicher Umwandlung fuhr Georg auf und sprach: »Da, lieber Herr, -– o zürnt mir nur nicht! – da ist ja schon die Antwort!« Unter -diesen Worten überreichte er das Gegenschreiben. »Bei allen Heiligen!« -rief der Ritter aus, dessen Angesicht erbleicht war, »es ist die Wahrheit! -Sage, Georg, wie wäre das wohl möglich? Du müßtest schneller -als der Sturm, flüchtiger als der Raubvogel gewesen sein, um das -zu vollbringen. Du warst also wirklich in Grünau?« Und als Georg -diese Frage bejahte, verfinsterten sich des frommen Rechenbergers Züge; -mit stillem Grausen erbrach er zitternd das Schreiben und taumelte -mit Entsetzen zurück, als er wirklich die ihm wohlbekannte Handschrift -des weitentfernten Freundes in Grünau erblickte.</p> - -<p>Nachdem er die Antwort gelesen hatte, hob er also an: »So ist -es denn wahr, was ich nimmermehr für möglich gehalten hätte! Dies -zu vollbringen, reicht die Menschenkraft nicht aus. Entweder bist Du, -seltsames Wesen, ein Bote Gottes, oder ein Abgesandter der Teufels! -Die Weise Deines Thuns, wie auch Dein Thun selber ist unheimlich -und verschlossen, und Du scheinst mir unmöglich ein Sterblicher zu -sein!« Da verwandelte sich schnell, wie durch Zauberkraft, der rätselhafte -Jüngling vor den Augen des Ritters und eine von Licht umflossene -Engelsgestalt stand da, welche sprach: »Der Herr der Herren,<span class="pagenum"><a id="Seite_396">[396]</a></span> -welcher mich zu Dir gesandt hat, Dir zu dienen, hat mich auch zugleich -befähigt, Dir also thun zu können, wie ich that; sein Auge ruhte schon -lange auf Deinem Haupte, Dir zum Schutze. Durch mich läßt Dir der -Herr verkünden, wie wohl es ihm gefalle, wenn Herrscher gegen ihre -Untergebenen Milde und Geduld üben! Diese hast Du mir erwiesen -und auch den andern Knechten. Der Herr wird Dir dafür lohnen, -wenn Du die Menschen stets wie Deine Brüder liebst!« Darauf verschwand -der Engel wie das Rot eines Sommermorgens, den Ritter -aber durchwehte Gottesfrieden, und es zog ihn in die Burgkapelle, wo -er Gott für seine unendliche Gnade dankte. Er gelobte, seinen Untergebenen -stets ein Vater sein zu wollen und bis an sein Lebensende hat -er dieses Gelöbnis treu gehalten.</p> - -<h3 id="sec467">467. Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde.</h3> - -<p class="source">(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, -1885, S. 126.)</p> - -<p>Seitwärts vom Eisenberger Forsthause befindet sich auf einer -malerisch schön gelegenen Waldlichtung eine niemals vollendet gewesene -und teilweise wieder verfallene Kapelle in romanischem Stil. Behauene -Steine und Säulen liegen rings umher, von Gesträuch und Epheu -überwuchert, die Stufen sind mit Moos überkleidet, und im Innern -der Kapelle grünt und blüht es. Die Vögel üben hier nun ungestört -ihre Baukunst, denn die Gebirgsbewohner meiden voll Scheu jenen -Unglücksort. Die Sage giebt nämlich die Kunde, daß ein Graf Lobkowitz, -als das Geschlecht noch nicht gefürstet war, hier einst eine Kapelle -für den heiligen Dorn erbauen wollte, um einen Wallfahrtsort zu -gründen; doch der edle Graf fand beim Bau, den er oft besichtigte, -durch einen herabstürzenden Stein den Tod. Ein Nachkomme, ein Fürst -Lobkowitz, wollte später das begonnene Werk vollenden, doch ihn erschlug -eine riesige Eiche, die man zum Bau fällte. Dieses abermalige -Unglück wurde als Fingerzeig Gottes aufgefaßt, daß der heilige Dorn -in der Schloßkapelle verbleiben solle, und die Kapelle, deren Kuppel -sich schon zu wölben begann, blieb unvollendet. Aus jener Eiche -wurde ein großes Crucifix geschnitzt, das man an der Unglücksstelle -mit einer kleinen Kapelle überbaute. Jetzt aber ist dieses Kreuz, welches -einen nicht unbedeutenden Kunstwert besitzen soll, in der renovierten -Schloßkapelle aufgestellt.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_397">[397]</a></span></p> - -<h2 id="kap8">VIII.<br /> -Völker-, Helden- und Geschlechts-Sagen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_399">[399]</a></span></p> - -<p class="drop">Abgesehen von Ortsnamen und andern sprachlichen Resten, sowie von -einzelnen Gebräuchen, sind von den einstigen sorbischen Bewohnern des -Erzgebirges nur wenig Ueberlieferungen uns erhalten worden. Dies -gilt insbesondere auch von den Sagen. Manche mythische Sagen tragen -zwar noch unverkennbar das Gepräge ihres slavischen Ursprungs, aber -nur zwei Sagen dieses Abschnittes, die vom Riesen Einheer und von -Schwanhildis, gedenken auch der Kämpfe der Deutschen mit der slavischen -Nation, über deren Wohnsitze in unserem Gebirge mir ebenfalls -nur zwei dem Sagengebiete angehörige Überlieferungen bekannt geworden -sind. Diese Armut hierher gehöriger Stoffe beruht jedenfalls -auf dem Umstande, daß die Sorben einen doch nur vorübergehenden -und teilweise nur geduldeten Wohnsitz in unserm Gebirge gefunden -haben. Ebenso arm sind die Sagen von bergentrückten Helden und -versunkenen Kriegern; sie besitzen teilweise einen mythischen Grund, teilweise -gestalten sie sich zu bloßen Gespenster- und Spukgeschichten. Die -Sagen von den edlen Geschlechtern endlich, welche aufgenommen wurden, -wenn Glieder der letzteren in unserm Gebirge auf Gütern ansässig -waren oder noch sind, leben nur in den chronikalischen Aufzeichnungen, -obschon sie wenig wirkliche und urkundliche Begebenheiten enthalten. -Im Volksmunde haben sie sich bei uns nicht fortgepflanzt, ja sie sind -wohl kaum dem eigentlichen Volke aus den alten Schriften bekannt -geworden, und so finden wir auch bei uns bestätigt, was die Brüder -Grimm in der Vorrede zum 2. Bande der deutschen Sagen schreiben, -daß sich nämlich die Sage um die seltsame Bildung eines Felsens -dauernder, als um den Ruhm selbst der edelsten Geschlechter sammelt.</p> - -<h3 id="sec468">468. Von den alten Wenden bei Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Oesfeld, Historische Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, -2. Teil, 1777, S. 50. – Oettel, Alte und neue Historie der -freien Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 3, 202.)</p> - -<p>Bei Eibenstock sind von den alten Wenden noch verschiedene Spuren -anzutreffen; z. B. an der Mulde gegen Schönheide liegt die Cunitzhöhe<span class="pagenum"><a id="Seite_400">[400]</a></span> -und die daneben am Dorfbache liegenden Wiesen heißen die wendischen. -In derselben Gegend hat auch ein Dorf gestanden und der über der -Mulde angebaute Hammer hat sonst Windischthal geheißen. Ferner -die anstreichende Höhe von der Mulde nach der Stadt zu heißt noch -jetzt der wendische Berg oder wendische Knock, und die auf derselben -Höhe befindlichen drei Freihöfe sollen aus einem zerteilten Rittergut -entstanden und nach der Überlieferung die Wohnung des vornehmsten -wendischen Herrn gewesen sein. Dieselben haben auch mit der Schwarzenberger -Herrschaft keine Verbindung gehabt und bereits mit der Lehnsfolge -nach Dresden gehört, ehe noch Eibenstock mit Schwarzenberg an -das Kurhaus Sachsen verkauft wurde. – Man ist auch der Meinung, -es wäre mit dem Seifen des Zwitters der Anbau Eibenstocks erfolgt, -und die Wenden hätten schon den ganzen Grund der Wendisch- oder -Windischwiesen bis an die jetzige Stadt ausgeseift.</p> - -<h3 id="sec469">469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 69.)</p> - -<p>Der am Fuße des Erzgebirges, 1½ Stunde südlich von Zwickau -liegende Ort Rottmannsdorf, welchen man zum Unterschiede von Alt-Rottmannsdorf -auch Wendisch-Rottmannsdorf nennt, soll von Wenden -bewohnt gewesen sein, die später vom Landesherrn genötigt wurden, in -die Lausitz auszuwandern.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Zusatz »Wendisch« zu dem Namen Rottmannsdorf, welcher sich auch -häufig in andern jetzt deutschen Provinzen und Ländern, wie in der Altmark und in -Thüringen findet, oder welcher wenigstem früher daselbst gebräuchlich war, weist vielleicht -darauf hin, daß sich in dem Dorfe unter den Bewohnern die slavische Sprache -und slavische Gebräuche und Sitten länger als anderswo erhielten. Im alten Pleißnerlande -behielten die daselbst wohnenden Nachkommen der ehemaligen sorbischen Bevölkerung -lange Zeit ihre Sprache bei, so daß man sie auch vor Gericht hören mußte. -Im Jahre 1327 ward aber ernstlich anbefohlen, daß weder Parteien noch Advokaten -ihre Klagen und Verantwortungen in wendischer, sondern allein in deutscher Sprache -anbringen sollten. (Gottl. Göpfert, Gesch. d. Pleißnergrundes, S. 18.)</p></div> - -<h3 id="sec470">470. Der Riese Einheer.</h3> - -<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>, II, 1656, S. 5 und 6.)</p> - -<p>Als im Jahre 805 Karl der Jüngere, Karls des Großen Sohn, -die aufrührerischen Böhmen überwunden und ihren Fürsten Lecho erschlagen -hatte, zog er durch den Böhmerwald in die Gegend von -Zwickau, um hier, sowie überhaupt zwischen Saale, Mulde und Elbe<span class="pagenum"><a id="Seite_401">[401]</a></span> -die mit den Böhmen verbündeten Wenden zu strafen. In diesem Kriege -hat auch die Fürstin Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern dem Kaiser -getreulich gedient, so daß Karl der Jüngere die Stadt Zwickau zur -Mark wider die Wenden und Böhmen machte. In derselben Zeit lebte -auch ein Riese oder Recke, der hieß Einheer (sein rechter Name ist aber -<em class="antiqua">Aenotherus</em> gewesen) und war ein Schwabe, gebürtig aus Thurgau -in der Schweiz. Dieser watete durch alle Wasser, durfte über keine -Brücken gehen, zog sein Pferd bei dem Schwanze nach und sagte allezeit: -»Nun Gesell, du mußt auch hernach«. In den genannten Kriegen -des Kaisers half er diesem gegen die Wenden. Er mähete die Leute -wie das Gras nieder, hängte sie an den Spieß, trug sie über den Achseln -wie Hasen oder Füchse, und da er wieder heim kam und seine -guten Gesellen und Nachbarn fragten, was er ausgerichtet hätte und -wie es ihm im Kriege gegangen wäre, sagte er aus Unmut und Zorn: -»Was soll ich von diesen Fröschlein sagen? Ich trug ihrer sieben oder -achte an dem Spieß über der Achsel, weiß nicht, was sie quaken, ist -der Müh nicht wert, daß der Kaiser so viel Volks wider die Kröten -und Würmer zusammengebracht.« Es flohen vor ihm die Feinde und -Wenden und meinten, er wäre der leidige Teufel.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Sage vom Riesen Einheer erzählen auch die Brüder Grimm (Deutsche -Sagen, I, Nr. 18), jedoch ohne Beziehung auf die Gegend von Zwickau. Es heißt -darin noch: Diesen Riesen nennt man Einheer, weil er sich in Kriegen schier einem -Heer vergleicht und also viel ausrichtet.</p></div> - -<h3 id="sec471">471. Schwanhildis.</h3> - -<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>, Zwickau, 1656, S. 20 u. 24.)</p> - -<p>Aus dem Geschlechte der <em class="antiqua">Cygnus</em> ist entsprossen Schwanhildis, -der letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau -von der Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend -ihren Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben -noch aus, als sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels, -eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß -und von welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden. -Johann Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt -nämlich, daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis -<em class="antiqua">Epitaphium</em> gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum, -welchen der Wind niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum -aufräumen sollte, bei dem Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten -vom Adel gebracht worden sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet<span class="pagenum"><a id="Seite_402">[402]</a></span> -und sonderlich die Lehrsprüche, welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern -befohlen. – Dieselbe hat Karls des Großen Sohn, dem jüngern -Karl, als er in diesen Landen wider die Sorbenwenden und Böhmen -gestritten, getreulich Beistand geleistet, und ist ihm nicht allein mit -ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat ihm auch mit Speise -und Trank großen Vorschub gethan.</p> - -<h3 id="sec472">472. Libussas Tanzplatz.</h3> - -<p class="source">(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, -S. 112.)</p> - -<p>Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende -Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu -Füßen des Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes -aus, in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken -wir das schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel -zum Himmel empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten -Äste stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst -Libussa, Böhmens Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche -Landschaft zu ihren Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor -Entzücken getanzt haben.</p> - -<h3 id="sec473">473. Die Herren von Einsiedel.</h3> - -<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen, -Adelslex. I, 364. Peccenstein, <em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I, 73. Darnach bei -Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.)</p> - -<p>Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen -Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß -und noch jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe, -ist sehr glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von -dem Orte nicht festgestellt ist.</p> - -<p>Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau -und Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf -seinen Namen von drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach -die folgenden Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von -Einsiedel zu erklären suchen, damit in Verbindung gebracht werden -können.</p> - -<p>Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im -Wappen. Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin<span class="pagenum"><a id="Seite_403">[403]</a></span> -war kinderlos und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht -an, that auch das Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken -würde, dem Herrn zum Dienste zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn, -welcher Grubo genannt wurde. Derselbe wurde also geistlich und -wohnte lange als Einsiedler in einer einsamen Gegend Böhmens, wo -er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher aber verließ er seine Zelle, -zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde der Stammvater derer -von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280.</p> - -<p>Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad, -Meinhard). Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen -Wäldern, aber er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das -noch) beweibt und gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner -Nachkommen, der im Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich -in die Welt zurück.</p> - -<h3 id="sec474">474. Die Herren von Rechenberg.</h3> - -<p class="source">(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I, -1332. Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius, -Schles. Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen, -S. 129.)</p> - -<p>In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen -Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen -Schlosses, welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen -wurde, jedoch ein böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren -wahrscheinlich die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270 -kommt bereits ein Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg -vor.</p> - -<p>Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz -ab, deren Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist -Hans von Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz -1241 die Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief -Heinrich der Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser -sich an die Spitze eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von -dem Berge vertrieb. Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan -Rechenberg genannt.</p> - -<p>Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde -einen schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern -und gelber Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg -aber einen nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die<span class="pagenum"><a id="Seite_404">[404]</a></span> -von Haugwitz in Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf -mit Hals und Brust, aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot -und weiß abgeteilten Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und -die von Rechenberg aber den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei -zum Sprunge aufgerichteten Vorderbeinen ohne Krone und Federn.</p> - -<h3 id="sec475">475. Die Herren von Sebottendorf.</h3> - -<p class="source">(Schumann, Lex. v. Sachsen, 11. B., S. 32. Sinapius, Schles. Curios. -I, S. 865. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 63.)</p> - -<p>Die Herren von Sebottendorf, welche aus Kurland stammen, wo -ihre Vorfahren in der kurischen Nehrung einige kleine Besitzungen -hatten, waren mutmaßlich auch im Erzgebirge seßhaft. Zwischen Lößnitz -und Thierfeld liegt eine wüste Mark Sebottendorf; das gleichnamige -Dorf wurde bereits im 13. Jahrhundert gänzlich verwüstet. -Ein Herr von Sebottendorf wurde einstmals als Gesandter zu kaiserlicher -Majestät geschickt und von diesem wegen seiner vortrefflichen -Eigenschaften und guten Dienste in den Ritterstand versetzt, mit dem -Namen »Seebote« beehrt und mit einem Wappen begnadigt, welches -im Schilde eine Wasser-Kannelwurzel mit zwei daran hängenden Kannelblättern, -auf dem Helme aber zwei dergleichen Blätter mit zuwachsenden -Seerosen enthält.</p> - -<h3 id="sec476">476. Das Geschlecht Callenberg.</h3> - -<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 17. B., S. 165. Gauher, -Adelslex. I, S. 232. Angelus, Märk. Chronik, S. 39. Haupt, -Sagenbuch der Lausitz II, Nr. 35, Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., -S. 193.)</p> - -<p>Die Stadt Callnberg wurde 1712 nach der ersten Gemahlin des -Begründers, Grafen Otto Wilhelm von Waldenburg, einer geborenen -Gräfin von Callenberg aus Muskau, benannt.</p> - -<p>Anfangs gab man der Stadt, als einer beabsichtigten Erweiterung -von Lichtenstein den Namen »Neustadt«. Nachdem aber des Grafen -Otto Wilhelm erste Gemahlin, Henriette Eleonore geb. Gräfin von -Callenberg, von der man sagt, daß sie von den Fenstern des Schlosses -aus mit vieler Teilnahme »ihre fleißigen Schäfchen« bei dem Neubau -betrachtet habe, 1710 gestorben war, ward ihrem Gedächtnis zu Ehren -von dem verwitweten Gemahl die neue Stadt Callenberg (Callnberg) -genannt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_405">[405]</a></span></p> - -<p>Das Stammschloß der Grafen Callenberg liegt in Westfalen bei -Marburg. Es ward von einem der vier Ritter erbaut, welche Kaiser -Karl der Große nebst einem Grafen von Oettingen im Jahre 804 in -jene Gegend schickte, um dem fortgesetzten Götzendienste der heidnischen -Einwohner zu steuern. Als Heinrich der Vogler die Wenden in der -Mark bekriegte, kamen mehrere Callenberger nach der Stadt Brandenburg -und ließen sich dort nieder. Galle von Callenberg zog 1093 mit -gegen die Saracenen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Grund und Boden, auf welchem Callnberg erbaut wurde, hieß das »Rennfeld«. -Dieser Name wird von einem im Jahre 1136 daselbst geschehenen Treffen, -bei welchem mehr als 50 Zwickauer geblieben sind, oder davon abgeleitet, daß hier -ehemals ritterliche Übungen auf einer Rennbahn von den Besitzern des Schlosses -Lichtenstein gehalten wurden.</p></div> - -<h3 id="sec477">477. Die Familie von Berbisdorf.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. Band. S. 231.)</p> - -<p>Neben andern Rittergütern, wie Ober- und Nieder-Forchheim, -hat die Familie von Berbisdorf Jahrhunderte hindurch und zwar bis -1767, da Heinrich von Berbisdorf kinderlos starb, auch das Rittergut -Lippersdorf besessen. Das uralte Geschlecht führt gekrönte Arme -mit dem leuchtenden Stern im Wappen und eine alte Urkunde besagt -darüber: »<em class="antiqua">Anno</em> 1140 hat der Großmeister Weinrich von Kniprode -mit Knisdude, Fürstin zu Littaw, so eine Hewdin (Heidin) gewesen, -eine Schlacht vor Khaen in Littaw gehalten, in welcher Schlacht Andreas -von Berbisdorf ein Fendrich gewesen, und sein Fähnlein, ob -ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen gewesen, im Maule davon -bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens willen er nicht allein -zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein Wappen mit dem abgehawenen -gekrönten schwartz und rothen Armen (welches ohne Zweiffel -blut undt leiden oder schmertzen bedeutet) mit den darüber leuchtenden -Stern verbessert, undt zu führen gegeben worden.«</p> - -<p>Das adelige Geschlecht von Berbisdorf stammt aus Preußen, wie -nachstehende alte Nachricht zu erkennen giebt: »Caspar von Berbisdorf -ist wegen Kriegsgefahr außn Land in Preusen mit einem Graffen von -Leisneck (Leisnig) in diese Länder kommen, so geschehn im Jahr unser -Erlößung 1230 und ist bey mehr gedachten Graffen alß sein Hoffmeister -blieben, auch allda <em class="antiqua">Anno</em> 1270 verstorben. Wer sein Weib gewesen, -hat man nicht in Erfahrung bringen können, hat nach sich einen Sohn -gelassen mit Namen Hanß. Dieser Hanß von Berbisdorff hat etliche<span class="pagenum"><a id="Seite_406">[406]</a></span> -Bergwerk zu Freybergk an sich bracht, undt daraus großen Reichthum -erlanget, die Gütter Wegfahrt, Duttendorff undt den Halß bey -Freybergk erkaufft, auch dem Graffen Leisneck (des vorigen Sohn) -4000 Rheinische Gülden uff die Herrschafft Lauterstein geliehen, so -geschehen <em class="antiqua">Ao.</em> 1300.«</p> - -<h3 id="sec478">478. Die Herren von Hartitzsch.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 240.)</p> - -<p>Das Rittergut Dorfchemnitz bei Sayda soll durch Heirat an die -von Hartitzsche Familie gekommen sein. Ein Vorfahr dieser Familie, -erzählt man, sei Fischer an der Donau gewesen, habe einen deutschen -Kaiser auf der Flucht mit der größten Lebensgefahr über die hochangeschwollene -Donau gesetzt, da es kein andrer Fischer gewagt habe, -und sei nachher von dem Kaiser dafür, daß er ihn gerettet, in den -Adelstand erhoben worden. Darauf könnten wohl die zwei Fische in -dem Hartitzschen Wappen hindeuten.</p> - -<p>Die Familie hat sich sonst von Harticz, nach dem Rittergute bei -Jonsdorf in Böhmen an der sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr -früh aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wahrscheinlich wegen der -reichen Silberbergwerke bei Freiberg, und hat wichtige Stellen im -Rate zu Freiberg bekleidet.</p> - -<h3 id="sec479">479. Die Herren von Pardubitz.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, 1876, S. 114.)</p> - -<p>Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen -unter Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem -Geschlechte wird folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa -im Jahre 1158 Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw -von Böhmen mit vielen böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im -Dunkel einer Nacht erstiegen die Böhmen die Mauern der belagerten -Stadt und drangen bis auf den Markt vor; allein hier kamen ihnen -die Mailänder entgegen, es entstand ein heftiger Kampf und die Übermacht -der Bürger drängte die bisherigen Sieger zurück. Vorher sprengten -sie jedoch das Thor und hatten sich so den Rückzug gesichert. Es -gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck von Pardubitz verweilte -am längsten im Thore, noch immer kämpfend, und als er endlich den -Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt aus dem Türmer zu, -er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter befestigt war. Dies<span class="pagenum"><a id="Seite_407">[407]</a></span> -geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel dergestalt auf Geschecks -Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei Hälften geteilt ward. -»Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!« rief der Ritter -und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager, wo ihm Wladislaw -entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum Ehrenzeichen -dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter -und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im -roten Felde zum Wappen.</p> - -<h3 id="sec480">480. Geschlecht von Vitzthum.</h3> - -<p class="source">(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik, -I. II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.)</p> - -<p>Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum, -in alten Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den <em class="antiqua">Vicedominis</em>, -welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des -Kaisers die Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert -haben. Ihr Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues -Thüringen, und daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie -Vitzthum von Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht -besitzt seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert -und vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war.</p> - -<h3 id="sec481">481. Die Herren von Wildenfels.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.)</p> - -<p>Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits -1233 Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die -im Jahre 1602 ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst -1222 urkundlich und zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft -gedacht wird. In ihrem Wappen führten sie eine Rose im goldenen -Felde.</p> - -<h3 id="sec482">482. Die Herren von Ortwinsdorf.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.)</p> - -<p>Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf -geschrieben, und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen -Geschlechte, welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt, -seinen Namen. Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte<span class="pagenum"><a id="Seite_408">[408]</a></span> -die Ritter von Remse als Wildenfelser Afterlehen. – Vielleicht dankt -auch das Dorf seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in -Chemnitz blühenden Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine, -ein Name, welchen im Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt. -Ein Nicol und Matthias Ortwyn haben 1373 zu der Kirche St. -Jacob und besonders dem Altar des heiligen Leichnams und Blutes -Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist. Nachricht von denen -vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734. S. 18).</p> - -<h3 id="sec483">483. Geschlecht von Arnim.</h3> - -<p class="source">(Hesekiel, Wappensagen, S. 3. in poetischer Bearbeitung. Gräße, -Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 5.)</p> - -<p>Seit mehr denn tausend Jahren führen die auf Planitz mit -Kainsdorf, Voigtsgrün u. s. w. angesessenen Arnims im roten Felde -zwei silberne Balken als Wappenzeichen. Der Familiensage nach -rühren dieselben davon her, daß einst in einer Schlacht gegen die -Friesen der Feldherr einem Junker von Arnheim befohlen hatte, eine -hölzerne Brücke, welche zwischen ihm und den ihn verfolgenden Friesen -liegend, diesen die Möglichkeit ihn zu verfolgen, gewährte, abzubrechen. -Der tapfere Mann vermochte jedoch nicht, alle Balken derselben ins -Wasser zu werfen, sondern es blieben zwei übrig, über welche die -nachsetzenden Friesen das Wasser zu überschreiten suchten. Allein Arnheim -ließ sich nicht von seinem Platze vertreiben, sondern wußte sich -so lange zu halten, bis Hülfe kam. Zur Belohnung erhielt er von -dem Grafen von Holland, seinem Lehnsherrn, den Ritterschlag und -das obengedachte Wappen. Später nannten sich die Arnheims Arnim.</p> - -<h3 id="sec484">484. Geschlecht von Auerswald.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B., S. 123.)</p> - -<p>Das Dorf Auerswald bei Chemnitz gehörte sonst den Herren -von Auerswald, deren Geschlecht im 15. Jahrhundert in Meißen bekannt -geworden ist. Der erste dieses Geschlechts, so aus Preußen -gekommen und Oberster gewesen ist, hat ein gräfliches Fräulein von -Dohna geheiratet und ist vom Kurfürsten mit dem genannten Dorfe, -so er erbauet und nach seinem Namen genannt, belehnt worden. Bis -zu Ende des 16. Jahrhunderts haben die Herren von Auerswald hier -ihren Sitz gehabt und Nachkommen von ihnen leben noch im Königreiche<span class="pagenum"><a id="Seite_409">[409]</a></span> -Preußen. Von 1596 an aber sind die Herren von Schönberg -hier Gerichtsherren gewesen.</p> - -<h3 id="sec485">485. Die Herren von Bünau.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 25.)</p> - -<p>Die Herren von Bünau waren auch im Erzgebirge angesessen; -ein Heinrich von Bünau verkaufte 1596 Bärenwalde mit Lichtenau -an den Zwickauer Rat. (Kirchengalerie, 8. B. S. 24.)</p> - -<p>Die Abkunft dieses uralten meißnischen Geschlechts leiten einige -aus Polen her und sagen, das Geschlecht der von Bunawezky an der -litthauischen Grenze sei mit den Bünaus einerlei Stammes. Andere -sagen, sie seien aus der Schweiz nach Sachsen gekommen; allein die -Hauptmeinung ist, daß sie von den Pedemontanen oder piemontesischen -Fürsten abstammen, welche im Jahre 1232 von dem savoyischen Grafen -Thomas ihrer Erblande beraubt worden wären. Sie hätten nun zuerst -in Sicilien Kaiser Friedrich II. um Beistand gebeten, allein dieser -habe mit seinen eigenen Kriegen genug zu thun gehabt; dann hätten -sie sich an andere deutsche Fürsten um Hülfe gewandt, als diese ihnen -aber auch nicht beizuspringen gewagt, wären sie in Deutschland geblieben -und hätten sich in Böhmen und Meißen ansässig gemacht. -Ihr Wappen, ein Löwenkopf, im Rachen eine Lilie haltend, sei auch -das Wappen jener pedemontanischen Fürstenfamilie. Weil nun aber im -Turnierbuche Feierabends einer Demuth von Bünau, der hinterlassenen -Witwe Günthers von Saalhausen gedacht wird, die auf dem 996 vom -Markgraf Ludolph von Sachsen und Herrn von Braunschweig gehaltenen -Turniere zu Braunschweig den vierten Dank dem Turniervogt -Kilian von Wolfskäl, einem Franken gab, so mußten die Herren von -Bünau eher aus Italien als erst im Jahre 1232 nach Deutschland -gekommen sein, wenn sie italienischer Abkunft wären. Einer aus -diesem Geschlechte derer von Bünau soll nun aber Kurfürst von Trier -gewesen sein, und als Kaiser Maximilian II. (nach anderen sei das -viel früher geschehen und zwar unter Kaiser Konrad III. und jener -Heinrich von Bünau sei nicht Kurfürst von Trier, sondern von Mainz -gewesen) zu Frankfurt gekrönt ward, an S. Majestät folgende drei -Bitten gerichtet haben: Erstlich, weil er einer aus dem Geschlechte -der von Bünau sei, welches zwei Helme führe, daß er sein (rotes) -Kurhütlein auf den einen Helm setzen dürfe. Zweitens, daß die von -Bünau unterschiedliche gewisse Namen, als Heinrich, Rudolph und -Günther haben könnten, und drittens, daß er seinen ganzen Schatz, -welchen er in seinem Stifte erübrigt, dem Geschlechte derer von<span class="pagenum"><a id="Seite_410">[410]</a></span> -Bünau zum ewigen Gedächtnisse vermachen dürfe, welche drei Bitten -S. K. Majestät gedachtem Herrn Kurfürsten auch bewilligt habe. -Weil nun seine Verlassenschaft sich auf etliche Tonnen Goldes belaufen, -habe er in seinem Testamente verordnet, daß seine Barschaft zum -ewigen Gedächtnis an acht Stammhäuser verwendet werde, nämlich -an je zwei in Böhmen, Meißen, Thüringen und Vogtland, von -deren Einkommen das ganze Geschlecht zu genießen habe. Peccenstein -aber meldet in seinem <em class="antiqua">Theatr. Saxon.</em> I. No. 50 von den drei Taufnamen -Heinrich, Günther und Rudolph, daß solches aus einem besonderen -Zufall und Betrug eines, so sich ihres Stammes gerühmt -und damit ein <em class="antiqua">Falsum</em> gebraucht, auch allerhand Unglück gestiftet, nach -deren Vorfahren Rat und Vergleich geschehen sein sollte, oder daß -vor ohngefähr 200 Jahren (er schrieb um das Jahr 1608) das Geschlecht -bis auf drei Personen ausgestorben sein sollte, da dann diese -damals unter sich einig geworden wären, diese drei Namen fort und -fort zu gebrauchen. (Nach anderen wäre dies viel später geschehen, -erst nach der Schlacht am weißen Berge, wo gegen 200 Glieder dieser -Familie gefallen waren.)</p> - -<h3 id="sec486">486. Die Ritter von Bärenstein.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B. S. 138.)</p> - -<p>In der Kirche des Städtchens Bärenstein befinden sich die Bildnisse -Kaspar von Bärensteins auf Bärenstein und Bärenburg (1612), -Walzig v. Bernsteins (1492) und Christoph von Bernsteins (1534 -oder 1315?). Ein Albrecht von Bernstein, welcher ebenfalls auf dem -Schlosse Bärenstein wohnte, wird bereits unter dem Jahre 1156 genannt, -da er auf seine Unkosten einem Turniere zu Zürich, welches -der Herzog von Baiern und König von Sardinien anstellten, beiwohnte. -Früher schrieben sich die in Bärenstein sässig gewesenen alten Ritter -von »Bernstein«, weil sie aus der Schweiz, bei Constanz her, abstammen -sollen und dieser Name dort mehr (z. B. Bern) angetroffen -wird. Späterhin schrieb man aber, wahrscheinlich wegen der früher -in der Gegend hausenden vielen Bären und wegen einer gehabten sehr -glücklichen Bärenjagd »Bärenstein«. Viele andere Orte in der Nähe -haben davon ihre Namen, als: Bärenklau, Bärenhecke, Bärenburg, -Bärenfels, Bärenklause u. s. w.</p> - -<p>Auch führten die alten Ritter von Bernstein folgendes Wappen: -Ein in silbernem Schilde zum Streit gerüsteter aufrecht stehender schwarzer -Bär; auf dem Schilde ruhet ein mit einer goldenen Krone bedeckter -offener Turnierhelm, aus welchem ein erhabener und zum Streit geschickter -Bär hervorragt; die Helmdecken sind schwarz und silbern.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_411">[411]</a></span></p> - -<h3 id="sec487">487. Das Geschlecht von Lüttichau.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 98. Nach -Hesekiel, Wappensagen, S. 175.)</p> - -<p>Das Wappen der Herren von Lüttichau sind zwei Sicheln und -drei schwarze Federn. Die Sage erzählt hierüber folgendes: Es soll -einst ein deutscher Kaiser in den Niederlanden gegen die Franzosen im -Felde gestanden haben und in der Nähe von Lüttich mit dem feindlichen -Heere zusammengestoßen sein. Anfangs war dieses im Vorteil, -allein ein adliger Junker aus Meißen, der bei der böhmischen -Reiterei des Kaisers diente und sich durch drei schwarze Federn auf -seinem Helme auszeichnete, deshalb auch den Namen »der schwarze -Hahn« erhalten hatte, hat sich mit seinen Leuten so wütend in die -Reihen der Gegner gestürzt, daß er sie sprengte und die Kaiserlichen -die Schlacht gewannen. Da hat ihm der Kaiser aus Dankbarkeit den -Namen Lüttichau, weil er in Lüttichs Auen den Sieg gewonnen hatte, -und als Wappen zwei Sicheln, weil er die Feinde wie Korn abgemäht, -verliehen.</p> - -<p>Die Herren von Lüttichau werden als mehr denn 200jährige -Besitzer der bei Dippoldiswalde gelegenen Rittergüter Ober- und -Nieder-Ulbersdorf, sowie im Besitze von Stadt und Dorf Bärenstein, -Hammerbärenklau, Groß- und Kleinbörnchen und Walthersdorf angeführt.</p> - -<h3 id="sec488">488. Das Wappenschild der Schönburge.</h3> - -<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgebirgs, I. S. 35 etc.)</p> - -<p>In seiner Herrlichkeit saß Karl der Große eines Tages auf -dem Herrscherthrone zu Pavia, und alle seine Edlen standen um ihn -im weiten Kreise. »Zeigt mir Eure Wappenschilder,« sprach der -hohe Siegesfürst, »daß ich ihre Kleinode durch neue, auf die späte -Nachwelt forterbende Zeugnisse Eurer Thaten verherrlichen kann!« -Da nahten sich ihm die Großen seiner Reiche und er bestätigte die -Kleinode in ihren Wappenschildern oder fügte denselben neue bei. -Jetzt fiel sein Blick auf einen der jüngsten seiner Edlen. Einfach, -ohne Kleinod war das Silberschild des blonden jugendlichen Helden. -»Schönburg!« sprach zu ihm der große König, »auch Deine Thaten -sah ich in dem letzten Kampfe, auch Deiner Tapferkeit verdanke ich -den Sieg; willst Du kein Kleinod in das Wappenschild?« Da -erwiderte der junge ritterliche Held: »Erhabener Herr und König! -Was ich that, war Pflicht, und ich focht bis jetzt für Dich, ohne<span class="pagenum"><a id="Seite_412">[412]</a></span> -für Dich zu bluten. Lasse mir mein Wappenschild, rein sei es -in seiner Silberfarbe, der Unschuld und der Herzensreinheit wahres -Sinnbild für und für!« »Bescheidener Jüngling!« sagte darauf der -Kaiser, »Du sollst es so behalten, bis mit Deinem Blute sich's färbt -zu meiner Ehre. Sei immer, was Du warst, ein Ritter ohne Furcht -und Tadel, einfach und gut, tapfer und bescheiden, und das treue -Vorbild Deines künftigen Stammes! Die Tage des Ruhmes werden -kommen!« Und sie kamen. Noch einmal trat Wittekind, der Herzog -der Sachsen, als Feind gegen Kaiser Karl auf. Eine furchtbare -Schlacht entbrannte; Karl wurde umgangen, die Felsen im Rücken -seines Heeres waren vom Feinde besetzt, Steine hagelten nieder und -entwurzelte Baumstämme rollten auf die Streitenden herab. Da zerschmetterte -ein Felsenstück Kaiser Karls Schild und seine Brust war -nun den Waffen der Feinde freigegeben. In dieser Not erhob sich -aus dem Leichenhaufen um ihn der Verwundeten einer. Blässe deckte -das schöne Angesicht und Blut floß aus der treuen Brust. Er reichte -dem Kaiser seinen Schild und sank ermattet wieder nieder. Die -Feinde staunten und meinten ein Wunder zu sehen, denn sie hatten -den gefallenen Helden an des Kaisers Seite erblickt und zum Tode -getroffen fallen sehen. Die Christen wurden mit neuem Mute erfüllt -und erfochten unter Karl einen glänzenden Sieg. Jetzt blickte -der Kaiser aufmerksam auf den Schild, welcher ihn errettete und er -rief: »Das ist Schönburgs Schild! Wo ist er, der ihn trug?« Man -suchte einen Toten und fand einen Schwerverwundeten. Derselbe -schlug die Augen auf, als Karl vor ihm stand und sprach: »Mein -Herr und König!« Der Kaiser aber sprach, nachdem er ihm die blasse -Lippe geküßt: »Du hast vollbracht, was Du gelobt! Dein König bin -ich und Dein Freund!« Dann berührte er mit dem Ring-, Mittel- -und Zeigefinger seiner Rechten die blutende Wunde und strich mit der -Wunde reinem Blute zweimal über das silberfarbene, herzförmige -Wappenschild, so daß zwei rote Streifen des edlen reinen, für Christentum, -König und Vaterland vergossenen Blutes es verherrlichten. -»Schönburg! dies sei fortan Dein Zeichen, Dein Blut das Wappenkleinod -Deines Hauses!«</p> - -<h3 id="sec489">489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist.</h3> - -<p class="source">(Grünewald, Meißner Chronik I., Anhang S. 87. Gräße, Sagenschatz -d. K. Sachsen, No. 58.)</p> - -<p>In einem alten handschriftlichen Wappenbuche findet sich folgende -Erklärung über den Ursprung des alten meißnischen und seit Jahrhunderten<span class="pagenum"><a id="Seite_413">[413]</a></span> -auch im Erzgebirge, u. a. z. B. seit 1336 auf Purschenstein -angesessenen Geschlechtes der Schönberge. Es soll ein Ritter aus -dieser Familie einst ins gelobte Land gezogen und auf der Jagd an -einem Flusse, dessen morastige Ufer mit Schilf bedeckt waren, von -einem Löwen überfallen worden sein. Dem hat der tapfere Ritter so -zugesetzt, daß er verwundet und brüllend vor Schmerz sich in den -Schilfwald zurückzog; der Schönberg aber hat nicht abgelassen, sondern -ist ihm gefolgt und hat ihm hier den Todesstoß gegeben. Wie -nun der Löwe verendet und von ihm aus dem Moraste gezogen ward, -da fand es sich, daß er zur Hälfte mit Meerlinsen bedeckt war und -grün aussah. Der Ritter hat nun zum Andenken an diese Begebenheit -in sein Wappen einen kämpfenden Löwen, dessen Unterleib grün, -der Oberleib aber rot ist, aufgenommen.</p> - -<h3 id="sec490">490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen -gekommen sind.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 612.)</p> - -<p>Ist um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein Eseltreiber zu Zwickau -in der Mühle gewesen, dem hat einer Kuxwerk geschenkt, das erstlich -nicht viel getragen, also daß er es auch fahren lassen wollte, weil er -kein Vermögen hatte, es zu erhalten. Da nun die Bergleute Zubuße -haben wollten, haben sie ihn getröstet und gesagt: Gott der Herr werde -in Bälde einen großen Schatz aufthun, was auch kurz darauf geschehen -ist, also daß der Eseltreiber nicht allein bei diesem Kux geblieben, sondern -auch viele andere dazu gekauft, wodurch er mächtig reich geworden, -daß die Silberkuchen in seinem Hause wie Stücken Blei nebeneinander -gelegen und täglich auf Schleifen die Straße auf Zwickau geführt wurden, -davon dieselbige Straße bis auf den heutigen Tag die Silberstraße -genannt wird. Nun ist aber zu wissen, daß zu Zwickau zu jener Zeit -eine Münze gestanden hat und täglich gemünzt worden ist. Weil aber -das Silber damals zu viel gewesen, hat dieser Römer, so ein kleines -Männlein gewesen, zu sich gesagt: Wohl ist ein reicher Mann auch wohl -ein armer Mann, weil ich mein Silber nicht einmal gemünzt haben -kann! Darum ist er bei sich darüber zu Rat gegangen und hat drei -Lastwagen mit Silberkuchen beladen und beschlossen, dieselben nach -Nürnberg zu führen, wo ein sehr reicher Rat sein sollte. Als er nun -nicht weit von dieser Stadt, sind ihm etliche Kaufleute begegnet, welche -er gar einfältig gefragt, ob sich der Markt auch wohl anlasse. Aber -diese haben ihn verlacht und gesagt: Dieser alte Narr kömmt zu Markte, -da derselbe schon aus ist, er wird den Weg wieder nach Hause zurückmachen<span class="pagenum"><a id="Seite_414">[414]</a></span> -müssen. Er hat das nicht groß gerechnet, sondern hat sein Vorhaben -dem Kämmerer angezeigt und gefragt, ob wohl ein ehrenweiser -und wohlweiser Rat ein Stück Geld für ein Stücklein Silbers, so einen -Zentner schwer, geben wolle. Da haben sie gesagt: Ja wohl, wenn nur -das Silber vorhanden und zwar des recht viel wäre. Darauf hat er -gesagt, er habe ein solches Stücklein, wenn sie es sehen wollten. Da -antworteten sie, er solle sie zufrieden lassen, wo er es denn hernehmen -wolle? Doch endlich auf sein Anhalten ist einer von ihnen mit ihm -gegangen, dem hat er ein Stücklein Silber gewiesen und nach der -Probierung, als jener gesehen, daß es gediegen Silber gewesen, hat er -ihm noch ein Stücklein gezeigt und gesagt, so ihm Geld dafür zugewogen -werde, wolle er es allda lassen. Da hat der Kämmerer gesagt: -Ja Herr, wenn es mehr wäre, so könnte es ein Rat der Stadt Nürnberg -wohl thun! Darauf hat er ihm die drei Wagen mit Silber beladen -gezeigt und gesagt, er habe dessen noch mehr. Darüber ist der -Kämmerer sehr erschrocken und hat nicht gewußt, wie er mit ihm daran -sei, hat aber gesagt, er wolle es den Herrn anzeigen. Nach diesem ist -ihm für so viele Zentner Silbers, als er gehabt, ebensoviel gemünztes -Geld zugewogen, er von ihnen zu Gaste geladen und herrlich traktiert -und für einen gnädigen Herrn tituliert und geehrt worden. Als er nun -seine Ware losgeworden, ist er wiederum mit seinen drei Wagen mit -Geld beladen nach Zwickau gekommen. Darauf hat aber Herzog Albrecht -von Sachsen zu ihm geschickt, ob er ihm auf seiner weiten Reise zum -heiligen Grabe mit etlichen tausend Gulden dienen könne, worauf er -denn zurück gemeldet hat, dafern es seiner fürstlichen Gnade gefällig, -so wolle er selbst mit, welches denn auch geschehen, und hat dieser Römer -seinen Fürsten mit 150 Pferden bis zum heiligen Grabe und dann -wieder anheim freigehalten und endlich quittiert, welche Reise ohne -Zweifel eine stattliche Summe Geldes wird gekostet haben. Darum ist -er beim heiligen Grabe zum Ritter geschlagen und er und die Seinen -edel gemacht worden. Zum Zeugnis führen die Römer, so in Zwickau -wohnen, eine Eselspeitsche (nach anderen einen Pilgerstab) im Wappen. -Auch hat dieser Römer ein gewaltiges Haus am Markte eine Gasse lang -nach der Mulde zu, und das Kaufhaus am Markte nebst dem Kornhause -am Schlosse gebaut, das Kaufhaus dem Rate und das Kornhaus dem -Fürsten geschenkt, auch dem Rate noch viele andere Güter geschenkt und -sonst noch etliche tausend Gulden dazu geliehen, also daß sie nur -Söhnen seines Geschlechts, so diese in die Schule gehen und studieren -würden, von den Zinsen erhalten sollten, damit es ihren Eltern nichts -koste, sie möchten studieren, wo sie wollten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_415">[415]</a></span></p> - -<h3 id="sec491">491. Die Siebenschläfer.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)</p> - -<p>Im Schloßberge von Teplitz sollen einige Ritter schon 700 Jahre -lang schlafen und heißen daher die Siebenschläfer. Wenn es einmal -den Deutschen schlecht gehen wird, werden die Ritter hervorkommen -und ihnen helfen. Das Bächlein am Fuße des Berges ist oft gelb -gefärbt von dem Urin der Pferde, die im Innern des Berges stehen, -und auf dem Berge liegen Steine, in denen die Hufe dieser Pferde -abgedrückt sind. Früher soll den Schloßberg eine Mauer umgeben -haben; es ist aber davon nichts mehr übrig, als das Thor, durch -welches die Ritter aus- und einritten. Bei diesem Thore soll in der -Nacht von 12–1 Uhr ein großer, starker Mann ohne Kopf umgehen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wenn statt des befruchtenden Regens, welchen der milde, segnende Gott Wuotan -mit seinen himmlischen Helden zur Erde niedersendete, in den kalten Wintertagen -Schnee niederfiel und Eis die Erde bedeckte, da glaubte man, daß die Winterdämonen -zur Herrschaft gelangt seien. Wuotan hatte sich mit seinem Gefolge in den Wolkenberg, -nach späteren Anschauungen in das Innere eines wirklichen Berges zurückgezogen, -um hier zu schlafen oder verzaubert auf die Wiederkehr des Frühlings zu warten. -Später wurde Wuotan zu einem der Lieblingshelden unseres Volks, der in einem -Berge schlafend auf die Wiedergeburt des deutschen Reiches harrt. So schläft nach -der Sage Karl der Große in dem Desenberge bei Warburg, Kaiser Heinrich der -Vogelsteller im Sudemerberge bei Goslar und Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser. Bei -den Slaven ist es Swantewit, welcher mit seinen himmlischen Kriegern die Stelle -des germanischen Wuotan einnimmt, und auf ihn ist die Sage der Böhmen vom -Könige Wenzel und seinen Kriegern im Berge Blanick zurückzuführen. – Die Sage -von den Siebenschläfern im Schloßberge zu Teplitz erzählt zwar nichts von einem -bestimmten Helden, der an die Stelle Wuotans getreten ist, doch trägt sie ganz das -Gepräge der obengenannten Überlieferungen. Die im Berge schlafenden Ritter, welche -den deutschen in der Not helfen werden, sind das Gefolge Wuotans, auf welchen -vielleicht die Abdrücke der Hufe in den Steinen und die gespenstische Erscheinung -eines großen Mannes ohne Kopf hindeuten. Hufeisen, später dem Teufel zugeschrieben, -weisen ursprünglich auf Odhins weißes Roß Sleipnir hin. Als der Gott einst im -wilden Ritte dahin sauste, flog von diesem Rosse eins der Eisen ab und blieb an -einem Felsen bei Wexiö hängen. Der Mann ohne Kopf erinnert an den wilden -Jäger, welcher in den Sagen an Wuotans Stelle getreten ist. (Mannhardt a. a. O. -S. 135.)</p></div> - -<h3 id="sec492">492. Die Türkenheide.</h3> - -<p class="source">(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)</p> - -<p>In der Nähe des Dorfes Kühnheide breitet sich ein Stück -sumpfiges Land aus, welches in der Gegend unter dem Namen Türkenheide -bekannt ist. Dieses sumpfige Land soll seinen Namen von<span class="pagenum"><a id="Seite_416">[416]</a></span> -einem Regimente Türken haben, welche hier, als sie ins Gebirge -dringen wollten, versunken sind. In der Karwoche in der Nacht -von Donnerstag auf Freitag sollen sich dort blaue Flämmchen sehen -lassen und türkische Musik und Pferdegetrappe zu hören sein.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Es ist auffällig, daß die Sage den Namen Türkenheide von einem versunkenen -Regimente Türken herleitet, da doch Türken niemals in jene Gegend gekommen -sind. Hängt der Name vielleicht mit einer Begebenheit, welche <em class="antiqua">Dr.</em> Joh. Pöschel -(Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie, Leipzig 1883, S. 150 etc.) erzählt, zusammen? -Darnach hielten 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von Preßnitz und -Reitzenhain besetzt, die Bauern aber thaten sich zusammen, vertrieben die Kaiserlichen -aus den Schanzen und lauerten ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge -zogen. Der Anführer der Bauern war der Amtsschösser von Grünhain, Friedrich -<em class="gesperrt">Türck</em>. Als nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim General -Gallas, welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Kuriere an -Friedrich Türcken mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kontribution. -Friedrich Türck wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen entbieten, -er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle katholischen Steine aus dem -Kloster Grünhain auf die Köpfe geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben. -Gallas entsandte 2000 Pferde mit zwanzig Standarten unter dem Obristen Kehreuß -gegen die Bauern ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch Kühnheide. -Von Friedrich Türck wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen animirt und -abgericht, daß sie frisch vorn Feind standen, keine Gefahr scheuten und sich trefflich -wehrten, sonderlich wenn er darbey wahr vnd ihnen zusprach.« – Es drängt sich -die Vermutung auf, daß die Türkenheide bei Kühnheide ihren Namen von jenem -Bauernanführer Friedrich Türck erhalten hat.</p></div> - -<h3 id="sec493">493. Die Korporallöcher bei Schönau.</h3> - -<p class="source">(Chemnitzer Tageblatt, 1882. N. 17. 1. Beil.)</p> - -<p>Auf der Rittergutsflur zu Schönau bei Chemnitz liegen seitwärts -der Bahn die sogenannten Korporallöcher, von denen die Sage geht, -es sei im letzten Schwedenkriege eine ganze Korporalschaft spurlos darin -versunken. Noch sollen sich zeitweilig die Ertrunkenen in verschiedenen -Gestalten daselbst sehen lassen, auch wird erzählt, daß die mit weißlichem -Wasser gefüllten Löcher mit dem Meere in Verbindung stehen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_417">[417]</a></span></p> - -<h2 id="kap9">IX.<br /> -Ortssagen.</h2> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_419">[419]</a></span></p> - -<p class="drop">Was in diesem letzten Abschnitte unter dem Begriffe der Ortssagen -zusammengefaßt wurde, besteht einerseits aus bloßen chronikalischen -Mitteilungen über Orte oder über Begebenheiten, welche sich an bestimmte -Plätze knüpfen. Diese Erzählungen, und dies gilt besonders -auch von einigen alten Gebräuchen, gehören demnach nicht dem eigentlichen -Sagengebiete an; doch möchte ich sie nach dem Vorgange Carl -Haupts in dessen Sagenbuche der Lausitz nicht unberücksichtigt lassen, -und zwar umsomehr nicht, als sich bei manchen derselben ein schwacher -Schimmer der dichterischen Gestaltungskraft des Volkes zeigt. Andererseits -haben einige dieser Ortssagen wieder etwas vom mythischen -Charakter an sich, so daß sie vielleicht auch in einer der vorhergehenden -Abteilungen, besonders bei den Wundersagen, hätten untergebracht -werden können. Hierhin gehören z. B. manche der Mitteilungen über -die Gründung von Ortschaften und die Entdeckung reicher Erzgänge. -Häufig hat die dichterische Phantasie des Volkes die Namen von -Orten, Bergen und Felsen, sowie von Ortssiegeln und Wappen erfaßt, -und solche Überlieferungen mußten deshalb in diesem Abschnitte, -ebenso wie diejenigen von den Wahrzeichen der Städte, eine Stelle -finden. Letztere können bloße Zeichen der Gewahrsame d. h. Umgrenzung -der Orte, oder Symbole der Bürgerschaft und mißverstandene Wappen -und Bilder sein; oder sie sind auch nur Andenken einer Sache, Sitte, -oder Begebenheit aus früherer Zeit. Verwandt mit solchen Wahrzeichen -sind alle die sprichwörtlichen Redensarten und Scherze, welche -sich auf die Lage oder Eigentümlichkeit eines Ortes oder den Charakter -und die Beschäftigung seiner Bewohner beziehen; manche derselben -müssen auch auf eine bestimmte Begebenheit oder die That eines Einzelnen -zurückgeführt werden. Anhangsweise wurden den sprichwörtlichen -Redensarten auch eigentliche Sprichwörter (und Rätsel) beigefügt, -insofern dieselben der Beschäftigung der Bewohner oder gewissen -Beobachtungen an denselben entsprungen sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_420">[420]</a></span></p> - -<h3 id="sec494">494. Entdeckung der Freiberger Silbererze.</h3> - -<p class="source">(Petrus Albinus, Meißnische Bergk-Chronika. Dreßden, 1590. S. 10.)</p> - -<p>Auf eine Zeit ist ein Goslarischer, oder wie etliche bloß setzen, -sonst ein sächsischer Fuhrmann zu Hall durchgefahren und hat Salz -ins Land zu Böhmen führen wollen, weil dasselbe Land auf den -heutigen Tag aller Ding die Fülle, allein kein Salz hat. Dieser -Salzführer, als er fast an die Grenzen des böhmischen Gebirges, gleich -um die Gegend, da jetzo Freiberg stehet, kommen, hat er ohngefähr -ein Geschiebe von einem gediegenen Glanz oder Bleierz in einem -Wagengleis gefunden, dasselbe, weil es schön gleißende und schwer -gewesen, auf den Wagen geworfen und im Wiederkehren mit sich gen -Goslar gebracht. Daselbst, nachdem es von den Bergleuten probiert und -im Silber viel reicher als der Goslarische Glanz und Bleischweif befunden -worden, haben sich die Sachsen alsbald aufgemacht, sind dahin -auf Nachrichtung des Fuhrmannes gezogen, da er das Geschiebe -gefunden hatte, haben Gänge ausgerichtet, eingeschlagen und geschürft, -und da es ein gut Ansehen genommen, folgend getrost Kübel und -Seil eingeworfen, in Eil etliche Röschen getrieben, damit sie die Gebirge -etwas verstollet, und das Wasser verschroten, auf daß sie ohne -Hindernis bauen mögen, und haben also in Summa die Sachsen -das Bergwerk im Lande Meißen rechtschaffen rege gemacht.</p> - -<h3 id="sec495">495. Der Anfang der Stadt Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chronicum</em>. II. 1653, S. 3.)</p> - -<p>Im Jahre 1169 hat der Bergmeister mit den Bergleuten auf -dem Zellerfeld in Sachsen, verschiedener Unbilligkeiten wegen, die -ihnen widerfahren, einen Aufstand gemacht und hat sich dann mit -den Bergleuten nach Meißen zum neuen Bergwerk, welches bereits in -hohen Ruf gekommen war, begeben. Zwei Jahre darauf aber haben -die eingewanderten Sachsen das Dorf Christiansdorf am jetzigen -Münzbach im Baue gebessert und also zugerichtet, daß es einer neuen -Stadt glich, wie auch hernach dieser Ort die Sachsenstadt genannt -wurde. Etliche rechnen deshalb den Anfang der Stadt Freiberg vom -Jahre 1171 an.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Entdeckung der reichen Freiberger Silbergänge erfolgte wahrscheinlich -zwischen 1162 und 1170. Nach Aufzeichnungen des Klosters Zelle vom Ende des -13. Jahrh. wurde die Stadt Freiberg im Jahre 1181 gegründet; wahrscheinlich -aber fällt die Gründung zwischen die Jahre 1185 und 1190. Urkundlich wird der<span class="pagenum"><a id="Seite_421">[421]</a></span> -Freiberger Bergbau zuerst 1185 erwähnt. (Beschreibende Darstellung der älteren -Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, III. S. 8.)</p></div> - -<h3 id="sec496">496. Die Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk -fündig wurde.</h3> - -<p class="source">(Benseler, Berggeschichten vom Aufkommen des sächs. Silberbergbaues. -Freiberg, o. J. S. 12.)</p> - -<p>Wo das Rathaus in Freiberg steht, soll der erste Silberfund geschehen -sein, und in einem Kreuze, welches in einer Ecke desselben -eingemauert ist, soll man noch heute die erste Art Freiberger Erze -sehen. Gegenüber an der Ecke der Petersstraße, da, wo das Bild -des Bergmannes an dem Hause steht, soll sich die erste Zeche befunden -haben. Die bedeutenderen älteren Gruben waren im alten Loßnitz- -oder Münzbachthale. In Christiansdorf, welches seinen Anfang in der -Nähe vom Vorwerk Langerinne nahm und sich bis an die Loßnitz -erstreckte, war eine sehr alte Grube der Stubenberg, von dem erzählt -wird, daß eine Köchin aus dem Kloster Zelle das erste Grubengebäude -hier gebaut habe und sehr reich davon geworden sei.</p> - -<h3 id="sec497">497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen.</h3> - -<p class="source">(Ursprung der Bergwerke in Sachsen. Chemnitz, 1764. S. 110.)</p> - -<p>Es wird erzählt, daß die Bergwerke an der Mulde gegen Nossen -lange vor den Freiberger Silbergruben gangbar gewesen seien. Das -Gersdorfische Bergwerk soll unter diesen das älteste und bei folgender -Gelegenheit aufgekommen sein. Im Jahre 733, am Tage Simonis -und Judä, hätte ein Mönch, der Kappenmönch genannt, einen auf -der alten, jetzt gänzlich verfallenen Wunderburg bei Roßwein gesessenen -Räuber, mit Namen Martin Griechen, besuchet. Darauf habe ihn -letzterer nebst seiner Buhlerin, welche Gertraut geheißen, beim Abschiede -ein Stück Weges begleitet, bei welcher Gelegenheit sie unterwegs reiche -Erze entdeckt hätten. Der Mönch habe infolgedessen seine Kutte für -immer abgelegt und der Räuber von seinem Räuberhandwerk gelassen. -Dafür hätten sie ein Bergwerk angelegt und reichhaltige Erze gefunden -und nun an dem Orte einen Flecken gegründet, den sie nach des -ehemaligen Räubers Buhlerin Gertraut Gersdorf benannt hätten. Das -Bergwerk wäre hierauf bis zum Jahre 887 angebauet worden, von -dieser Zeit an aber zwei Jahre lang, einer sich entsponnenen Räuberei -halber, liegen geblieben, mit welchem Schicksale auch ein anderes<span class="pagenum"><a id="Seite_422">[422]</a></span> -Bergwerk, der Goppisch genannt, dessen Lage man nicht mehr wüßte, -heimgesucht worden. Nach einer anderweiten Niederlage von drei -Jahren, wovon die eigentliche Zeit nicht angegeben werden könnte, -hätte man endlich angefangen, zu Erzdorf ein ganz neues Bergwerk -vorzurichten, wozu bei Ermangelung der Bergarbeiter ein jeder Bauer -zwei Leute schicken müssen, und wäre das Bergamt damals auf dem -jetzigen Schafhofe gewesen.</p> - -<h3 id="sec498">498. Entdeckung der Silbererze des Schneeberges.</h3> - -<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica etc. Dreßden, 1590. S. 28. -Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 33–35.)</p> - -<p>Es hat sich von ungefähr zugetragen, daß ein Bergmann oder -Arbeiter, welcher zu dem in Schlema vor Zeiten befindlichen Hammer -gehörte, nach Eisenstein schürfte. Dabei kam er auch an den Schneeberg, -wo er einen besseren Eisenstein zu finden vermeinte, als er am -Wolfsberge, Hasenberge und anderen Orten gefunden hatte. Als er -nun etliche Schürfe geworfen, wobei es ihm aber nach seinem Sinne -nicht gegangen, hat sich nicht lange darnach an dem Orte, wo später -die St. Georgenzeche und die zugehörenden, als die alte und neue -Fundgrube u. s. w. aufkamen, ein Bürger von Zwickau (die Sage -nennt ihn Romner oder Römer), welcher mit einer Würzlade auf dem -Lande umherging und sich dadurch seine Nahrung suchte, in einem -alten Schurf, darin eine schöne Gilb und Bräun alsbald in der -Dammerde gewesen, eingelegt und zwei Arbeiter daselbst gehalten, -denen er alle vier Wochen abgelohnt, und unterdeß alleweg mit seinem -Kram wieder ausgelaufen. Bald nachher ließ er einen Schacht sinken, -und die Arbeiter trafen endlich eine »gänßkötige« Bergart, samt einer -Bräun und Gilben, welche der ersten Bergart im Schurf ähnlich war, -wovon sie ihrem Herrn an dem Lohntage etliche Handsteine nach -Zwickau brachten. Derselbe ließ sie bei einem Goldschmiede probieren -und erhielt darauf die Antwort, wenn er dieses Dinges noch mehr -habe, solle er's ihm bringen, er wolle ihm schöne silberne Becher -daraus machen. Dieses soll ungefähr im Jahr 1470 geschehen sein. -Nach dieser Zeit sollen sich bald mehr Bürger von Zwickau und von -anderen Orten, edel und unedel, zusammengeschlagen, fortgebauet und -endlich ein mächtig Erz angetroffen haben. Im Jahre 1472 hat man -allererst den rechten Putzen, wie die Bergleute reden, angetroffen, -worauf das Schneebergische Bergwerk so in Schwank gekommen, daß -seinesgleichen nie gewesen, also daß man damals das Silber nicht<span class="pagenum"><a id="Seite_423">[423]</a></span> -alles vermünzen können, sondern kuchenweise oder in ganzen »Plicken« -hat austeilen müssen.</p> - -<p>Nach einer anderen Erzählung habe sich ein Schustergerätträger -mit Namen Sebastian Romner, welcher von Krembs an der Donau -gebürtig, aber zu Görkau in Böhmen wohnhaft gewesen sei und der -seine Nahrung zu Zwickau gesucht, in der Gegend von Schneeberg -verirrt. Dabei sei er an eine Eisenzeche gekommen und habe den -Steiger heraus gerufen, um ihn nach dem rechten Wege und um einen -Trunk Wasser zu bitten. Der Steiger habe ihm im Verlaufe des -Gesprächs geklagt, daß die Gewerken nicht mehr verlegen wollten, -weil man aus dem Eisensteine nichts machen könne; es sei ein Gang -dazu gekommen und derselbe mache das Eisen so flüssig, daß man -kein Stabeisen mehr schmieden könne, weil alles zerfahre. Romner -nahm darauf einige Stücke des Erzes mit nach Görkau und Nürnberg, -um sie untersuchen zu lassen und es fand sich, daß sie reichlich Silber -enthielten. Als er später wieder nach Zwickau zurückkehrte, wurde er -infolge eines Streites vor den Hauptmann geführt. Als der etwas -berauschte Romner vor diesem Worte fallen ließ, daß er in der -Nähe einen Schatz wisse, ließ der Hauptmann nicht nach, bis ihm -Romner versprach, ihn nach diesem Orte zu führen. Und als sie am -andern Tage zu der Eisenzeche gelangten, fand sichs, daß der Hauptmann -bei dieser durch Kuxe beteiligt war. Beide begannen jetzt in -Gemeinschaft den Silberbau, und da der Hauptmann erkundete, daß -Romner ehrlichen Stammes sei, gab er ihm eine Muhme, Anna von -Bünau, zur Ehefrau. Romner hielt sich darauf zu Neumark auf, -genoß des Bergsegens und wandelte, indem er das Geschlecht derer von -Römer begründete, seinen Namen in Römer um.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Silbererze des Schneeberges entdeckt -wurden, war die Gegend umher nicht mehr so unwirtlich, wie angenommen -wird. Von Lößnitz führte bereits durch das Schlemathal über Neustädtel eine -Straße nach Böhmen; im genannten Thale pochten Eisenhämmer und im hohen -Forste, sowie in der Gegend der über die Mulde führenden Eisenbrücke gab es -schon Silbergruben. Der erste Fund auf dem Schneeberge geschah am Ende des -Jahres 1470 und bald darauf, am 6. Febr. 1471 folgte ein neuer reicher Anbruch.</p> - -<p>Als die junge Ansiedelung auf dem Berge 1481 den Stadtbrief empfing, -hatte man daselbst schon Gruben von 200 M. Tiefe. (H. Jacobi, Schneeberg. Ein -Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, S. 3–7).</p> - -<p>Der in der zweiten sagenhaften Erzählung genannte Hauptmann war der -Amtshauptmann von Zwickau, Martin von Römer, dessen Epitaph noch jetzt in der -dortigen Marienkirche vorhanden ist. Derselbe gehörte mit zu den bedeutendsten -Fundgrübnern jener Zeit, unter denen uns noch Angehörige der adeligen Familien -von Starschedel, von Spiegel und von Schönberg, sowie die Zwickauer Bürger<span class="pagenum"><a id="Seite_424">[424]</a></span> -Hans Federangel, Clemens Schicker, Andreas Gaulnhöfer und Peter Polner genannt -werden.</p> - -<p>Martin Römer soll nicht allein durch die Schneeberger Silberausbeute, sondern -auch durch den ihm zufließenden Segen aus anderen Fundgruben so reich geworden -sein, daß er z. B. für den Neubau der Zwickauer Marienkirche allein -72000 Gulden beitragen konnte.</p> - -<p>Sebastian Romner, dem er die Kenntnis der Schneeberger reichen Gänge -verdankte, soll dann später in Venedig große Geschäfte mit Silberkuchen, welche er -daselbst verkaufte, gemacht haben.</p></div> - -<h3 id="sec499">499. Entdeckung der Altenberger Zwitter.</h3> - -<p class="source">(Meißner, Umständliche Begebenheit von der Bergstadt Altenberg. -Dreßden und Leipzig, 1747, S. 2.)</p> - -<p>Als Anno 1458 in dem ehemaligen Walde, welcher dem Herrn -Walzig von Bärenstein eigentümlich zugestanden, ein Köhler einen -Meiler auf einem mächtigen flachen Gange, welcher jetzt die alte Fundgrube -genannt wird, zugerichtet hatte, traf er im Ausstoßen Zinn an. -Denn die am Tage gelegenen Zwitter, welche der Köhler zu seinem -Kohlenbrennen lange Zeit hindurch zum Unterlegen gebraucht hatte, -waren durch die heftige Hitze nach und nach zermalmt und mürbe gebrannt -worden, so daß endlich »berglauter Zinn« zum Vorschein kam. -Auf diese Art ist der so berufene Zwitterstock zum Altenberge unvermutet -fündig geworden. Nachdem nun hierauf das Gerücht von diesem -reichen Zinnbergwerke durchs Land erschollen, haben sich viele ausländische -Bergleute an dem Platze niedergelassen und die Stadt Altenberg -gegründet.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des 15. Jahrh. auf -dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer Bergordnung neben einem förmlichen -Bauplane für die Stadt Altenberg festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der -Weise aber verlieh bereits 1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit -ziemlicher Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch Stadtrechte. -(Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II. S. 1.)</p></div> - -<h3 id="sec500">500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg -und Graupen.</h3> - -<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, früheren Schicksale und jetzige -Beschaffenheit. Lauenstein, 1845, S. 272. Erzgebirgszeitung, -5. Jahrgang, S. 162.)</p> - -<p>Die Königin Judith, Gemahlin des Herzogs Wladislaus I. von -Böhmen, gründete in Teplitz ein Kloster der Benediktinerinnen. Es<span class="pagenum"><a id="Seite_425">[425]</a></span> -geschah dies in einem der Jahre 1153 bis 1173. Im Jahre dieser -Gründung aber war es, so berichtet der böhmische Geschichtsschreiber -Hajek, da ging ein Mann, mit Namen Wnadeck, aus dem Dorfe -Cloditze, auf dem Gebirge, welches fast eine Meile Weges von Teplitz -gegen Mitternacht gelegen, und fand einen langen und lichten, aus der -Erde herausgewachsenen Stab. Er vermeinte, derselbe wäre Silber, -brach ihn ab und brachte ihn der Herzogin Gertrud (Königin Judith) -gen Teplitz. Diese aber übergab den Stab bergverständigen Männern -zum Probieren, welche im Feuer befanden, daß es Zinn war. Hierauf -befahl die Herzogin, dem Wnadeck 3 Mark Silber zu geben, -doch sollte derselbe den Ort zeigen, wo er den Stab gefunden habe. -Als dieses geschehen, grub man nach, und wurde eine gar große -Menge Zwitter gefunden, darum die Herzogin und alles böhmische -Volk unserm Herrgott mit Herz und Mund großen Dank sagten.</p> - -<p>Auch erzählt die Sage: Als Libusa das Czechenvolk beherrschte, -eine weise Seherin, die das Glück und Unglück ihres Landes in der -Nähe und in der Zukunft schaute, da geschah es auch (d. h. im Jahre -733), daß die Herzogin, von der Höhe des Wyschehrad aus, weissagend -sich nach Nordwesten gewendet und dem Volke in blühenden Worten -von dem übermäßigen Zinnreichtum des einstigen Graupens gepredigt -habe.</p> - -<h3 id="sec501">501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt Annaberg. 1746. -S. 17.)</p> - -<p>In dem Dorfe Frohnau wohnte ein Bergmann, welchen die alte -geschriebene Stadt-Chronica von Annaberg Caspar Nietzel oder Nitzelt -nennt. Dieser schürfte an dem Schreckenberge und entdeckte daselbst -den 27. Oct. 1492 in der Dammerde einen lettigen Gang, welcher -im Centner 2 Loth Silber hielt. Dieser Bergmann nahm den Letten, -trug denselben am Abende Simonis Judä nach Geyer zu einem -Schmelzer, welcher Martin Pflugk oder Pfennig geheißen, und ließ -es probieren. Als aber der Schmelzer diesem Nietzel es nicht glauben -wollte, daß er zu Tage aus einen solchen herrlichen Gang gefunden, -so gab er ihm etliche verständige Bergleute mit, welche die Sache -sollten in Augenschein nehmen, und diese, als sie den Gang wirklich -so gefunden, hatten auch dem Nietzel hernach geraten, daß er solchen -Gang von Herrn Johann Fischern, Bergmeistern zu Freiberg, aufnehmen -sollte. Das allerälteste geschriebene Chronikon aber, welches -noch vorhanden ist, sagt, daß Hans Heintze und Martin Pflugk, der<span class="pagenum"><a id="Seite_426">[426]</a></span> -Schmelzer in Geyer, das Lehngeld geleget, und solchen Gang bei -Hans Fischern, Bergmeistern in Freiberg, aufnehmen lassen. Als sich -nun beim Abteufen der Gang veredelt, der Gehalt gebessert, und das -Geschrei ins Oberamt nach Freiberg geschollen, so hat der Bergmeister -daselbst etliche abgeordnet, das neue Gebäude zu befahren und an -dem nahe dabei liegenden Schottenberge einen Stollen zu treiben anfangen -lassen. Dies ist also Anno 1492 geschehen, als in welchem -Jahre dieser wüste und wilde Ort das Glück hatte, daß er bekannt -geworden. Von diesem Jahre an rechnen nun etliche den Anfang der -Stadt St. Annaberg.</p> - -<h3 id="sec502">502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em> 1716, S. 32.)</p> - -<p>Als noch der Schneeberg mit Wald bedeckt war, befand sich daselbst -eine Försterei. Hier wurde den Umwohnenden, besonders in den -Mühlen gegen Griesbach, sowie den Hammerleuten in Schlema Holz -angewiesen. Dabei soll ein Pferd, welches man an einen Baum gebunden -hatte, gescharrt und in der Dammerde eine »Gilbe« entblößt -haben. Das war der Anfang zum Fündigwerden des St. Georg, an -dessen Zechenhause sich vor Zeiten zur Erinnerung ein aufgenietetes -Hufeisen befand.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch auf dem Rammelsberge im Harz soll nach der Sage ein Bleierzgang -durch das scharrende Pferd eines adeligen Herrn, mit Namen Ramm, nach welchem -später der Rammelsberg benannt wurde, aufgefunden worden sein. Ist vielleicht die -Schneeberger Sage derjenigen vom Rammelsberge nachgebildet worden? Hingewiesen -mag darauf werden, daß Wuotan der Herr der Schätze ist und daß sein Roß dieselben -hervorstampft, indem es Erzadern ausscharrt.</p></div> - -<h3 id="sec503">503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt Schneebergk. -1684, S. 42. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen. -1883. S. 22.)</p> - -<p>Der Freudensteiner Gang wurde 1526 von einer Magd entdeckt, -als sie auf dem hinteren Gleeßberge in einem Waldraum auf Neustädter -Feldern Gras holte und dabei einen Silberzahn mit der Sichel -abhieb und nach Hause brachte. Glaublicher wird gesagt, daß das -gediegene Silber daselbst von einer Kuh ausgetreten und vom Hirten -gefunden und nachgehends mit großem Nutzen gehauen worden ist,<span class="pagenum"><a id="Seite_427">[427]</a></span> -deswegen hier die Bergleute ein Rätsel gemacht und einander zu -raten aufgegeben haben: Wo das Erz über den Haspel gewachsen? -welches sodann mit dieser Zeche aufgelöst worden.</p> - -<h3 id="sec504">504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.</h3> - -<p class="source">(Wrubel a. a. O., S. 23.)</p> - -<p>In der Gegend von Joachimsthal trafen Bergleute vom Geyer -den ersten Gang an der Wurzel eines Baumes, den der Wind an -einem Bache umgeworfen hatte.</p> - -<h3 id="sec505">505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.</h3> - -<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica. 1590, S. 125.)</p> - -<p>Bei Joachimsthal, nicht weit von Arlsgrün (Arletzgrün) hinter -dem Galgenberge ist ein Zain Goldes mit dem Getreide abgeschnitten -worden.</p> - -<h3 id="sec506">506. Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.</h3> - -<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 79.)</p> - -<p>Das Bergwerk St. Lorenz oder Gottesgab bei Abertham ist also -aufgekommen: Nachdem eine Zeitlang an diesem Orte gebaut worden -war, ist im Jahre 1528 ein gar armer, jedoch verständiger und guter -Bergmann gewesen, welcher im dichten Walde fast allein in seinem -Hüttlein wohnte und sich von Viehzucht, obschon nicht alles sein Eigen -war, ernährte. Als dieser einstmals (es soll am 20. Februar gewesen -sein) bei seinem Weiler eine andere Milchgrube, wie solche gebräuchlich -waren, graben wollte, hat er eine reiche Sicherung von gediegen Silber, -welche der Brunnenquell vom Gange geröhret hatte, angetroffen. Darauf -ist er mit großen Freuden zu seinem Herrn gelaufen und hat ihm -und anderen solches anvertraut. Bald ist er auch zum Bergmeister -gegangen und hat eine Fundgrube gemutet, welche er Gottesgabe nannte. -Nachdem er geschürft und gesunken, hat er schöne Bergarten und noch -mehr gediegen Silber gefunden. Später hat man auf dieser Zeche so -viel gediegen Silber gebrochen, wie auf keiner andern seit Mannes -Gedenken, ausgenommen St. Georgen auf dem Schneeberge.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_428">[428]</a></span></p> - -<h3 id="sec507">507. Der Fronleichnams-Stollen bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 18.)</p> - -<p>Derselbe hat sich von ohngefähr einem Fischer entblößet; denn als -dieser unter Buchholz fischte und mit dem »Stirreln« an dem Ufer das -Wasser trübe machen wollte, so brach ein Stück vom Ufer ein und entblößte -einen reichen und nutzbaren Gang, darauf hernach viel Erz gebrochen -und viel Silber gewonnen worden. Solches geschah am heiligen -Abende des Fronleichnams-Tages, davon der Stollen also den -Namen bekommen hat.</p> - -<h3 id="sec508">508. Die Entstehung von Schöneck.</h3> - -<p class="source">(I. Nach der poet. Bearbeit. Ziehnerts bei Gräße a. a. O., Nr. 633. -II. Nach mündlicher Überlieferung.)</p> - -<p>I. Das Städtchen Schöneck soll seinen Namen folgender Ursache -verdanken: Einst soll der kaiserliche Landvogt Heinrich Reuß (der Reiche -von 1140–1150?) auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt worden -und auf ein Bärenlager gestoßen sein. Die für ihre Jungen besorgte -Bärin sprang auf sein Roß los, dasselbe stürzte von ihrem wütenden -Angriffe zu Boden, und es würde um den Landvogt geschehen gewesen -sein, da sein Schwert beim Sturze zerbrach, wäre nicht ein junger -Köhler auf sein Hülferufen herbeigeeilt und hätte das wütende Tier von -hinten mit seinem Schürbaum erschlagen. Der Vogt erlaubte nun -seinem Retter sich eine Gnade auszubitten, und derselbe gestand ihm, er -habe eine Geliebte, die er aber nicht heiraten könne, weil er zu arm -sei; er bitte nur um einen Platz, wo er sich ein Häuschen bauen könne, -und um Holz dazu. Da lachte der Reuß und sagte ihm, er möge in -seinem Lande sich aussuchen, welchen Platz er wolle, wo er sich ein -Haus bauen möge, Holz möge er aus dem nächsten Walde nehmen und -Steine brechen, so viele er brauche, und so ihn jemand nach seinem -Rechte fragen werde, dem solle er diesen seinen Ring und sein zerbrochenes -Schwert, welches er ihm einhändigte, vorzeigen. Darauf zog der -Köhler lange mit seinem Liebchen im Vogtlande herum und nirgends -wollte denselben ein Ort passend erscheinen; endlich kamen sie auf einen -hohen Berg voll Wald und üppigem Graswuchs, da rief sie: »Das ist -ein gar schön Eckchen, da kann man weit ausschauen, da wollen wir -bauen!« Und so geschah es auch; der Köhler baute sich ein Häuschen -und brannte einen Meiler an, und nach und nach zogen auch andere -Leute dahin und bauten sich um das Häuschen herum an, und so entstand<span class="pagenum"><a id="Seite_429">[429]</a></span> -nach und nach ein Flecken, den hieß man zum Andenken -Schöneck.</p> - -<p>II. Emigranten aus Böhmen kamen einst in die Gegend von -Schöneck. Da gefiel es ihnen so wohl, daß sie ausriefen: »Das ist eine -schöne Eck'! hier wollen wir uns anbauen!« Und sie gründeten einen -Ort, aus dem später eine Stadt wurde, und nannten ihn wegen der -Schönheit des Platzes, auf dem er gegründet wurde, Schöneck.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 1883, -Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt sich erhebenden Friedrichsteines -eine jedenfalls zur Zügelung der Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225 -Schöneck hieß, denn um diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später -siedelten sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen entstandene -Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe des Kaisers Karl IV., die -Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck nahm also ihren Namen von der weit -älteren Burg an. Der Name der Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen -wurde, kein slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende) -Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit gebräuchliche Bezeichnung -für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich »schön« auf den für Anlage einer Burg -geeigneten Platz und nicht auf die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher -bei Gründung des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede -sein konnte.</p></div> - -<h3 id="sec509">509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.</h3> - -<p class="source">(Peccenstein, <em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I, S. 89. Darnach Gräße, Sagenschatz -d. K. Sachsen, Nr. 243.)</p> - -<p>Da, wo jetzt das Schloß Bärenstein liegt, war vor grauen Jahren -eine rauhe Wildnis, und es hat einmal einer aus dem Geschlechte derer -von Bärenstein mit einem seiner Söhne auf dem Felsen, den jetzt das -genannte Schloß krönt, zwei wilde Bären angetroffen. Nachdem diese -zum Stehen gebracht worden, ist der Sohn vor dem Vater niedergefallen, -willens, den einen abzufangen, allein es ist ihm dies mißlungen, -indem ihm der Bär den Spieß zerbrach und ihn den Felsen hinuntergeworfen -hat. Hierauf hat die ganze Gefahr den Vater bedroht, allein -dieser, über den Fall seines Sohnes, den er tot vermeinte, hart ergrimmt, -hat den Bären heftig zugesetzt, sie mit seinem Spieße durchbohrt -und den Felsen hinabgestürzt, dann ist er aber zu seinem Sohne -hingeeilt und hat diesen wider alles Erwarten noch lebendig gefunden. -Von dieser Geschichte hat der Ort den Namen Bärenstein erhalten und -ist derselbe nachmals auch auf das Schloß übertragen worden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_430">[430]</a></span></p> - -<h3 id="sec510">510. Die Stiftung des Klosters Altzelle.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 357. Merkel und Engelhardt, -Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., S. 111.)</p> - -<p>Einst ist der heilige Benno über Land gereist, und da er an einem -öden Orte viele Tauben sitzen sah, prophezeite er, es werde in Kurzem -ein neuer Orden dorthin kommen, durch dessen Gebete viele könnten -selig werden. Darnach hat Otto, ein Markgraf zu Meißen, dem Cisterzienserorden -hier ein Kloster, Zelle genannt, bauen lassen, herrlich begabt -und ihnen eingegeben. Ein wunderthätiges Kreuzbild in der Mitte -der Klosterkirche, sowie eine Menge Reliquien machten das Kloster bald -zu dem berühmtesten und reichsten im Markgraftume Meißen, und ein -alter sächsischer Geschichtsschreiber erzählt von den Reliquien, es wären -ihrer so viel gewesen, daß er zweifele, ob St. Petrus an der Himmelspforte -sie alle namentlich in seinem langen Thorzettel beisammen haben -möge.</p> - -<h3 id="sec511">511. Ursprung von Dippoldiswalde.</h3> - -<p class="source">(I. Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, -1863, S. 4. Lessing, Bemerkungen zu der Frage: Ist der Ursprung -und erste Anbau von Dippoldisw. mit histor. Gewißheit nachzuweisen? -1863, S. 6, 7. II. Nach einer handschriftl. Nachricht, welche sich einem -der Stadtgemeinde Dippoldiswalde gehörigen Manuskripte: »Der -Churfürstl. Sächs. Stadt Dippoldiswalde Statuta und Stadt-Recht etc. -Anno 1678« beigelegt findet.)</p> - -<p>I. Um das Jahr 930 soll in der Dippoldiswalder Heide ein Einsiedler -mit Namen Dippold aus dem Geschlechte derer von Clumme -oder Lohmen gelebt haben, um Gott in dieser Abgeschiedenheit mit Beten -und Fasten zu dienen und die heidnischen Bewohner zum Christentume -zu bekehren. Zu dieser Zeit soll auch die ganze Gegend noch -böhmisch gewesen sein. Nun hatte aber der Herzog Wratislaw von -Böhmen zwei Söhne, Wenzel und Boleslaw, von denen der erstere -durch seine bereits christliche Großmutter Ludomilla ebenfalls zum -Christentume erzogen wurde. Darüber entstand zwischen beiden Brüdern -Feindschaft, welche so weit ging, daß eines Tages Boleslaw seinen -Bruder bei der Taufe eines seiner Kinder meuchlings umbringen ließ. -Aber der Brudermörder fand nun keine Ruhe mehr, und um seine Gewissensbisse -zu betäuben, suchte er Zerstreuung in der Jagd. Dabei -kam er auch in die mit dichtem Walde bedeckte Gegend von Dippoldiswalde, -wo er Kunde von dem Einsiedler Dippold erhielt. Er suchte<span class="pagenum"><a id="Seite_431">[431]</a></span> -ihn auf und wurde von seiner Frömmigkeit und seinem Zuspruche so -ergriffen, daß er sich entschloß, Christ zu werden und sich taufen ließ. -Nach empfangener Taufe soll dann Boleslaw nicht weit von Dippolds -Klause, am Weißeritzflusse, an der Seite gegen Morgen, wo jetzt die -Stadtkirche steht, eine Kapelle gebaut und den Ort zu Ehren des heiligen -Mannes <em class="antiqua">Sancti Dippoldi Silvam</em>, d. h. des heiligen Dippolds -Wald, genannt und den Ort mit vielen Freiheiten begnadigt haben. -Dieser Kirche soll Dippold acht Jahre lang als Priester vorgestanden -und viel von den ungläubigen Sorben, welche die angrenzende Landschaft -bewohnten, zu leiden gehabt haben. Nach seinem Tode soll er -vom Papste Johann X. oder Leo VII. heilig gesprochen worden sein, -und weil man angenommen, er thäte nach seinem Tode viel Wunder, -soll eine große Wallfahrt nach dem Orte erfolgt und dadurch Dippoldiswalde -in Aufnahme gekommen sein.</p> - -<p>Noch sieht man in der Heide am Fußwege nach Wendischcarsdorf -die Wohnung Dippolds, den Einsiedlerstein, und man zeigt dabei -die Küche, sowie im Grunde eine Quelle, den Brunnen des Einsiedlers, -und auf der Höhe im Walde zusammengeschichtete Steine, -welche einer früheren Kapelle angehört haben sollen. Ebenso war vor -Jahren noch der Eingang zu einer Höhle zu sehen, welche sich als -Gang bis unter die Totenkirche in Dippoldiswalde fortgesetzt haben soll.</p> - -<p>II. Die Stadt Dippoldiswalde hat daher ihren Ursprung und -Anfang genommen: Es ist einer mit Namen <em class="antiqua">Dippoldus</em> des Geschlechts -der <em class="antiqua">Clomen</em> gewesen, welcher sich in seinem Alter in die Wildnis begeben -und darinnen etliche Zeit als Einsiedler mit Fasten und Beten -Gott gedienet. Seine Klause war in der Dippoldiswalder Heide nahe -am Dresdner Steige in einem großen Steine zu finden, und dabei -befand sich eine kleine Kapelle, ein Obstgarten und ein Brunnen, was -aber alles, bis auf den Brunnen, zerstört worden ist. Als einst der -Herzog Wenzel von Böhmen, wohin diese Landschaft ehemals gehörte, -auf der Jagd gewesen und den Einsiedler angetroffen, hat er sich mit -ihm in seine Klause begeben, und sich nicht allein über des Mannes -Heiligkeit und Andacht verwundert, sondern er hat auch nicht weit -davon ihm eine Kapelle zu Ehren erbauet, die er nach seinem Namen -<em class="antiqua">Sancti Dippoldi Silvam</em> genannt. Es ist diese Kapelle an dem Flusse -Weißeritz, an der Seite gegen Morgen, da jetzt die Stadtkirche stehet, -erbaut worden. Der Herzog aber hat diesen Ort mit vielen Freiheiten -begnadet und dem heiligen Manne vermacht. Derselbe hat darauf der -Kirche acht Jahre lang als ein Priester vorgestanden, das Volk treulich -belehret, auch viele von dem Unglauben zum christlichen Glauben gebracht. -Wegen seiner Heiligkeit ist er vom Papste canonisieret und<span class="pagenum"><a id="Seite_432">[432]</a></span> -von allem Volke verehrt worden, und weil man dafür gehalten, er -thäte nach seinem Tode noch viele Wunder, ist eine große Wallfahrt -nach dem Platze gehalten worden. Dabei hat nun die Stadt Dippoldiswalde -den Anfang genommen und viele Jahre lang als ein offener -Flecken bestanden. Als derselbe aber unverhofft von Jahr zu Jahr -zugenommen, die Hölzer zum Teil ausgerodet, das dadurch gewonnene -Feld bebauet und gute Silberbergwerke angelegt worden waren, aber -als ein Grenzflecken bei den Kriegszeiten, da die Herzöge und Regenten -in Böhmen und Markgrafen zu Meißen einander oft bekriegt, großen -Schaden hat leiden müssen, so hat man zum Schutze gegen die -eine oder andere feindliche Partei die Stadt zusammengezogen, ordentliche -Gassen und den Markt abgeteilet, und diese mit einer starken -Mauer und hohen Türmen, auch mit einer Zwingermauer und tiefem -Stadtgraben in der Runde umgeben. Solches ist zu der Zeit geschehen, -da der Ort unter die Markgrafen zu Meißen gehörte.</p> - -<h3 id="sec512">512. Ursprung der Stadt Oederan.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der St. Oederan. 1847. S. 15–17.)</p> - -<p>In früherer Zeit wurde die von Freiberg nach Chemnitz führende -Straße, besonders in der Gegend, wo jetzt Oederan liegt, von den -Rittern des Schellenberges und anderen Räubern vielfach beunruhigt.</p> - -<p>Im Jahre 1210 reiste ein Handelsmann aus Uffenheim im -Frankenlande, mit Namen Sebald Ranius, begleitet von seinem -Diener nach der Stadt Julin (Wollin) in Pommern. Als beide von -Chemnitz aus glücklich durch die unsicheren Waldungen bis in die -Gegend des Wolfsthales gelangt waren, wurden sie von den Räubern -des Schellenberges überfallen. Nach heftigem Widerstande blieben sie -auf dem Platze in ihrem Blute liegen, während der Wagen mit den -Maultieren von den Räubern mitgenommen wurde. Einige herbeikommende -Mönche vom Orden der schwarzen Brüder, welche am Ausgange -des Wolfsthales, in der Gegend des jetzigen Hospitales bei -Oederan, eine Kapelle erbaut hatten und für die Klöster zu Flöha -und Chemnitz Almosen sammelten, kamen bald darauf an die Stelle -und fanden den Herrn tot, den halbtoten Diener jedoch nahmen sie -mit und verpflegten ihn. Als derselbe nach einigen Monaten geheilt -war, reiste er wieder nach Uffenheim zurück. Im folgenden Jahre -kam die Witwe des erschlagenen Ranius mit dem Diener an den -Unglücksort, denn sie trug das Verlangen, den Platz zu besuchen, wo -ihr Eheherr gestorben und begraben war. Sie beschenkte die schwarzen<span class="pagenum"><a id="Seite_433">[433]</a></span> -Brüder reichlich, ließ in der Kapelle Seelenmessen lesen und verordnete, -daß an dem Platze des Überfalls ein Denkstein errichtet werde. Treulich -befolgten dies die Brüder, fertigten ein Denkmal, und weil der -Erschlagene Ranius, dessen Witwe aber Edda geheißen, so schrieben -sie darauf: <em class="antiqua">Edda Ranio</em>, d. h. Edda dem Ranius. Das Denkmal -stand an der Stelle, wo sich jetzt der Gasthof zu den drei Schwanen -befindet. Der Diener baute daneben ein Gasthaus, um die Pilger -mit Speise und Trank zu erquicken. Auch die schwarzen Brüder benutzten -diese Gelegenheit, verließen ihre Wohnung bei der Kapelle und -bauten sich bei dem Denkmale an, an welchem sie nun ihre Almosen -einsammelten. Von der Inschrift des Denkmals aber wurde diese -kleine Ansiedelung »Edda Ranio«, genannt, woraus sich mit der Zeit -der Name »Eddaran« und »Oederan« bildete. Die Ansiedelung vergrößerte -sich, denn es entstand bald darauf eine Schmiede neben dem -Gasthofe und später auch ein Kloster, das bald eine größere Menge -von Ansiedlern herbeizog. Von diesen Ansiedlern lebt der Name -eines einzigen fort, welcher gleich anfangs hier eine Mühle (die -Kirschbaummühle) anlegte, und dessen Name sich bis auf unsere Zeiten -erhalten hat.</p> - -<h3 id="sec513">513. Die Gründung von Mittelsayda.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 234.)</p> - -<p>Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda -in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius -zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten -abwanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. -Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, -die Seyfert'sche und Zimmermann'sche, deren Vorfahren zu -den Ausgewanderten gehörten.</p> - -<h3 id="sec514">514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis bei Freiberg.</h3> - -<p class="source">(E. H. Müller, Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 28.)</p> - -<p>In einem tiefen, fruchtbaren, mit Laubholz bewachsenen Thale -bei Erbisdorf entdeckten einige Mönche aus Zelle ein klares rieselndes -Quellwasser. Einem alten, im blutigen Kriegshandwerke ergrauten -Ritter, welcher des rohen, wilden Lebens müde war, gefiel die abgelegene -friedliche, von Grün umgebene Gegend so sehr, daß er hier sein Schwert -niederlegte, eine Hütte erbaute und ein beschauliches Einsiedlerleben<span class="pagenum"><a id="Seite_434">[434]</a></span> -führte. Viele Menschen aus der Umgegend besuchten bald darauf den -stillen, frommen und zugleich erfahrenen Mann und fragten ihn in -besonders schwierigen Lebensfällen um Rat. Vorzugsweise galt er -für einen guten Arzt und seine Arten von Thee sollen große Heilkuren -bewirkt haben. Das klare Wasser seiner Quelle kam bald in den -Ruf, daß es wunderbare Heilkräfte besitze und wider viele Gebrechen -und Übel gute Dienste leiste. Später baute man, angeblich ums Jahr -1430, eine kleine Kapelle in der Nähe der Quelle, und der Abt zu -Zelle widmete sie dem Erzengel Michael. An der Kapelle zu St. -Michael dienten anfangs zwei, später nur ein Priester, der daselbst -Messe las und Beichte hörte. Über dem geweihten Altare hing ein -uraltes schwarzes, aber wunderthätiges Heiligenbild, von dem man -aber völlig im Unklaren blieb, ob es den Erzengel Michael oder die -Jungfrau Maria vorstellen sollte.</p> - -<p>Die Kapelle, welche später mit dem Heiligenbilde durch einen -Brand vernichtet wurde, war der Anfang des Dorfes St. Michaelis.</p> - -<h3 id="sec515">515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.</h3> - -<p class="source">(Nach der Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 216.)</p> - -<p>Schon zu Zeiten der Kreuzzüge gab es in Niederschönau eine -berühmte Wallfahrtskapelle, die Hundskapelle genannt, welche man -aus weiter Entfernung besuchte. Die jetzige Kirche soll durch einen -Ritter von Mergenheim oder Mergenthal gegründet worden sein. -Derselbe hatte sich das Kreuz angeheftet und war zur Wiedergewinnung -des heiligen Landes fortgezogen. Dabei that er das Gelübde, wenn -er glücklich wieder in die Heimat zurückkehre, wolle er eine Kirche und -Pfarrei begründen. So geschah es auch. Für die Pfarrstelle gab er -ein ansehnliches Stück Land und eine nicht unbedeutende Waldung her; -später aber sollen leider einige Priester ihren Haushälterinnen von -dem Pfarrgrundstücke einige Parzellen zu verschaffen gewußt haben, -jedenfalls dieselben, welche gegenwärtig mit einem sehr geringen Erbzins -für den Pfarrer des Ortes belegt sind.</p> - -<h3 id="sec516">516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite bei Schwarzenberg.</h3> - -<p class="source">(Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge. -II. 1777. S. 68. Lindner, Wanderungen durch die interessantesten -Gegenden des Erzgebirges, I. H., Annaberg, 1844. S. 13.)</p> - -<p>In dem Dörfchen Waschleute (Waschleite) hatten sich zu der -frommen Klosterzeit in Grünhain Leute angesiedelt, die das Waschen<span class="pagenum"><a id="Seite_435">[435]</a></span> -und Scheuern im Kloster versahen; man hatte sich nicht die Mühe genommen, -ihrem Ansiedelungsplatze einen Namen zu geben, denn waren -sie nötig, so wußte jedermann, wo die Waschleute zu suchen waren. – -Das Gerichtssiegel des Ortes führt ein Waschfaß, an welchem zwei -weibliche Personen mit Wäsche beschäftigt sind.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen von -Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst -einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte. Das Dorf entstand auf einem Teile -der Glaßberger Fluren. Das Dorf Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört -wurde, lag am Fuße des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile -des Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.)</p></div> - -<h3 id="sec517">517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746. S. 15.)</p> - -<p>Daß lange vor der Erbauung von Annaberg schon Bergbau in -der dortigen Gegend getrieben worden, erhellet daraus, daß das Dorf -Geyersdorf, ¾ Stunde von der genannten Stadt entfernt, schon vor -Gründung derselben angebaut gewesen und eigentlich Häuersdorf geheißen -hat. Viele Bergleute von Geyer sind hierher gezogen und -haben dem Dorfe den Namen gegeben, indem damals nichts als Häuer -und andere Bergleute darinnen gewohnet. Auch hat an dem Pöhlberge -ehemals ein Dorf gelegen, darinnen vielleicht auch Bergleute -mögen gewohnt haben, welche hernach nach Geyersdorf gezogen sind, -und welches Dorf damals, als St. Annaberg erbauet worden, schon -wieder wüste gelegen und von seinen Einwohnern vielleicht wegen der -gefährlichen Gewitter am Pöhlberge verlassen worden ist.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="antiqua">Dr.</em> E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen Annaberg -und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs. Gesch. 10. B., S. 84.)</p></div> - -<h3 id="sec518">518. Ursprung des Namens Buchholz.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 17.)</p> - -<p>Buchholz heißt eigentlich Catharinenberg, und weil auch ein -Catharinen- oder Catharberg in Böhmen gelegen, in der Gegend des -heutigen Annaberg und Buchholz aber ein Buchenwäldlein oder sogenanntes -Buchholz vorhanden gewesen, so ist dieser, durch Erregung -des Bergwerks angebaute Ort nach selbiger Zeiten Brauch der heiligen<span class="pagenum"><a id="Seite_436">[436]</a></span> -Catharina, als einer vermeinten Schutzpatronin, geeignet, dann aber -zum Unterschied des Catharinenberg in Böhmen, St. Catharinenberg -im Buchholz genannt worden; doch hat es meistens, nur der Kürze -willen, den Namen Buchholz behalten.</p> - -<h3 id="sec519">519. Ursprung des Namens Grünstädtel.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748, S. 25.)</p> - -<p>Grünstädtel bei Schwarzenberg wird in Schriften »Dorff-Städtlein« -genannt. Von Annaberg aus wurden nach seiner kleinen, der -heiligen Anna geweihten Kirche große Wallfahrten unternommen. -»Maßen denn auf dem Altar noch das Bildnis der St. Anna stehet, -die in der einen Hand <em class="antiqua">Salvatorem mundi</em> mit der Erdkugel hält, und -in der anderen Hand den heiligen Johannes; unter dem Bildnisse -aber stehet in Holz eingeschnitten: ›O heilige Anna, hilf selb dritt!‹« -Das Dorf hatte einen Jahrmarkt samt Brauen und freien Bierschenken, -nebst Fleischbank, und darum wurde es »Städtel« genannt, bis nachgehends -etliche Häuser nach Pöhla zu angebaut wurden, die man »die -Grün« geheißen; so habe man's endlich zusammengesetzt und es sei -»Grünstädtel« daraus geworden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung zur -Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren der h. Anna -eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge erbauen lassen, da man von -ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel: -»O heilige Anna, hilf selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung, -daß Anna, Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man -nannte sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen Geschichte -des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert, daß sich am Kirchthore -zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden: »Hilf St. Anna selb dritt uns allen -Amen!« und er verweist dabei auf eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle -in Freiberg, welche lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!« -Sind diese Inschriften noch vorhanden?</p></div> - -<h3 id="sec520">520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.</h3> - -<p class="source">(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)</p> - -<p>Als einst die Sorben immer weiter nach Süden ins Gebirge -gedrängt wurden, kamen sie auch in die Gegend, wo jetzt Zschorlau -liegt. In dem dichten Walde, welcher die Gegend bedeckte, gelangten -sie an eine frische, sprudelnde Quelle, an der sie ihr Mittagsmahl<span class="pagenum"><a id="Seite_437">[437]</a></span> -hielten. Das Thal gefiel ihnen so, daß sie beschlossen, sich hier niederzulassen. -Die Quelle nannten sie eine »Zschorle«, aus welchem Worte -nach und nach Zschorlau geworden ist. Noch heute wird jener Brunnen -gezeigt, derselbe befindet sich im obersten Teile des Dorfes. Früher -floß der Quell in einen Wasserkasten, später wurde ein kleines Häuschen -darüber gebaut und jetzt fördert eine Pumpe das Wasser zu Tage.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl« genannt. -Nach Immisch ist der Name von dem wendischen <em class="antiqua">Zorlo</em>, die Quelle, abzuleiten.</p></div> - -<h3 id="sec521">521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels.</h3> - -<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.)</p> - -<p>Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt -Karlsbad liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem -Wild etwas zu sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten, -hat er alsbald ein großes Heulen und Geschrei angefangen. -Als dies die Jäger vernommen und gedacht, der Hund hätte -etwas angetroffen und gestellet, sind sie dem Geschrei nachgefolget -und haben den Hund in dem heißen Pfuhl oder Moder gefunden. -Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er mit vielen der -Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici nachmals befunden, -daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte, auch solches -an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel gehabt, probiert, -hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen und bewohnen -solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große Stadt zu -bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück Mauern -am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß Keller -allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß -bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur -das wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter -Kaiser Karl seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt -das Rathaus stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu -heiß, sondern etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen -Sessel, in Stein ausgehauen, gezeiget haben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad bereits vor -Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den Umwohnenden bekannt -waren. Eine alte Karte, welche den Zustand Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts -darstellt, hat auf der Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort -<em class="antiqua">Wary</em>; dieses böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus.<span class="pagenum"><a id="Seite_438">[438]</a></span> -Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer Wissenschaft beschäftigenden -Mönche der schon frühzeitig in dieser Gegend entstandenen Klöster auf -die Heilkräftigkeit des Wassers aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale -der Ort »Warmbad«, wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde. -Historisch ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann, -dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt wurde, und -daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter besucht hatte, am 14. Aug. -1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob und derselben dabei seinen Namen verlieh. -(S. Ausführliches bei Fr. Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia, -5. Jahrg. 1879.)</p></div> - -<h3 id="sec522">522. Die Entdeckung der Heilquellen von Teplitz.</h3> - -<p class="source">(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, -3. Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI, -9. und 10. Heft.)</p> - -<p>Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter -und mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen -Hirten hatten eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine -verloren, welche sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen -Waldes fanden, wie sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe -wühlten. Das Wasser des Sumpfes schien seine Wärme von einem -unterirdischen Feuer erhalten zu haben. Eiligst trugen nun die Hirten -die Kunde von ihrer wunderbaren Entdeckung ihrem Herrn zu, und -dieser verfügte sich sofort an Ort und Stelle und ließ daselbst in der -Folge eine wohlbefestigte Holzburg erbauen.</p> - -<p>Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus. -Da bewog Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin, -welche den Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete, -ihren Gemahl Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall -bemächtige. Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg -Kolostuj's, doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand -versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod.</p> - -<p>Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen -Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt man -noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange des -Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus, welches -als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt -Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man -ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum -Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an dieser -Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im<span class="pagenum"><a id="Seite_439">[439]</a></span> -Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel, -worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen -Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken. -Eine lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie. -Sie lautet in deutscher Übersetzung:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Unter dem Schirme des allerschaffenden dreieinigen Gottes,<br /></span> -<span class="i0">unter dem Schutze Johannes des Täufers,<br /></span> -<span class="i0">unter der Regierung des Herzogs Nezamislaus,<br /></span> -<span class="i0">als Kolostuj hierorts gebot,<br /></span> -<span class="i0">wurde durch dessen Schweine, die in den Wäldern auf der Weide waren<br /></span> -<span class="i0">und mit ihren Rüsseln die Thermen aufwühlten,<br /></span> -<span class="i0">unser Quell 762 entdeckt.<br /></span> -<span class="i0">Zum Andenken daran ward dieser Stein errichtet, angefertigt von dem Bildhauer Balthasar.«<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten Angabe -des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan, welcher auch als Tag der -Entdeckung der Quelle den 29. August, den Tag Johannes des Täufers, anführt. -Josef Schwarz teilt dagegen (Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim -Abtäufen der Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen -scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten Römern bekannt -war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für günstige Heilerfolge der -Quellennymphe gespendet worden. Auch beim Abtäufen der Riesenquelle bei Dux -fand man Bronzeschmuck aus der Heidenzeit.</p> - -<p>Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich Kolostuj's -Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa nannte, es möge -Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört haben, da sich Herzöge nur nach -solchen nannten. Ferner erzählt er, daß einst die Quellen, wie dies auch später im -Jahre 1755 bei dem Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der -Anwohner verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil -sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen.</p> - -<p>Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der Teplitzer -warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte Balbinus das Jahr 502 -n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden noch die Jahre 507, 616 und 858 -angeführt. Das in dem Teplitzer Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes -des Täufers, welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich -auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29. August gewesen sei. -(Erzgebirgszeitung a. a. O.) – Es ist nicht uninteressant, wie die Sage auch von -andern warmen Heilquellen meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden. -So wird z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien -seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von Schweidnitz -und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen Hirsch aufspürte, welcher, -seinem Instinkte folgend, in dem »warmen Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm. -(Vom Fels zum Meere. Sommerfrische, 1884, S. 500.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_440">[440]</a></span></p> - -<h3 id="sec523">523. Die Namen der Stadt Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em> oder Beschreibung der sehr alten, -löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.)</p> - -<p>Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen <em class="antiqua">Cygna</em>, -sei also benannt von dem alten Fürsten <em class="antiqua">Cygno</em>, welcher einesteils für -<em class="antiqua">Herculis</em> Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils -auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen Gottesdienst -und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der Tempel -und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. – Andere sagen, -diese Stadt habe den Namen von <em class="antiqua">Cygno</em> des <em class="antiqua">Harminii</em> und Sachsen-Königs, -so den Römer <em class="antiqua">Quintilium Varum</em> erlegt, Kriegs-Obristen -einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben -und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. – Etliche leiten diesen -Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen, -dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben -Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn, -nach ihrem Namen <em class="antiqua">Cignavia</em> oder Schwanenfeld benannt worden, wie -auch die Reime am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also -gelautet:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Schwanhildis gherrscht an diesem Ort,<br /></span> -<span class="i0">Nach ihr Schwanfeld genannt ward.<br /></span> -</div></div> - -<p>Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich -bis auf Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den -Namen zu verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. – -Etliche meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei -Schwanen zur Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen, -so hätte er die Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch -andere Meinungen, aber sie können doch dieser nicht vorgezogen werden. -Denn sie sagen, Zwicka habe des Namens Ursprung von Zwickbärten, -welche die Zwickauer vor Zeiten getragen haben und sonsten -nicht jedermann hat tragen dürfen, darauf sie auch sonderlichen sind -privilegiert gewesen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im Erzgebirge -(Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen Namens Zwickau als von -<em class="antiqua">Wiki</em>, der Markt, möglich hingestellt, so daß derselbe dann mit <em class="antiqua">Wikow</em>, dem wendischen -Namen für Elsterwerda, gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße. -Jedenfalls entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr bald zu -einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen nach Böhmen zwischen -Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs -zwischen Nord- und Süddeutschland werden.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_441">[441]</a></span></p> - -<h3 id="sec524">524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg bei Marienberg.</h3> - -<p class="source">(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dresden, 1750, S. 12.)</p> - -<p>Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von -einem Besitzer des Schlosses Lauterstein haben; und zwar, als es belagert -worden, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler -war, mit einem Pferde herab auf die Wiese gesprungen und das Pferd -darüber in der Erde stecken geblieben sein. Hierauf habe er sich auf -den Berg, wo das Dörfchen liegt, retirieret und er sei alsdann dort -gefangen worden. Von diesem ritterlichen Sprung habe darauf erwähntes -Dörfchen den Namen Ritterssprung und nach der Zeit Rittersberg -bekommen.</p> - -<h3 id="sec525">525. Gründung und Name der Stadt Werdau.</h3> - -<p class="source">(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißnergrundes. Zwickau, -1794, S. 267.)</p> - -<p>Ein Bischof Egidius soll zu der Zeit, als die ganze Gegend noch -Wald gewesen, an diesem Orte gejagt haben. Als er hier etwas ausgeruht -und geschlummert hatte, sei ein Reh zu ihm gekommen, und da -er gerufen: »Wer da!« habe sich das Reh vor ihm niedergeworfen -und seine Läufte auf den Schoß gelegt. Da habe sich denn der -Bischof entschlossen, die Bäume auszurotten, eine Stadt anzulegen und -an dem Ort, wo das Reh zu ihm gekommen, das Rathaus zu bauen, -und die Stadt habe daher den Namen »Werda« bekommen. Sie führt -im Siegel einen Bischof mit einem Stabe.</p> - -<h3 id="sec526">526. Der Name der Stadt Frankenberg.</h3> - -<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lex. von Sachsen, 15. B., S. 809.)</p> - -<p>Den Namen der Stadt Frankenberg findet man in ältern Urkunden -Vrankenberc geschrieben, und man will ihn von den Brüdern -Franz und Anton Franke ableiten, welche das berühmte Silber- und -Kupferbergwerk am Treppen- oder Trappenhauer jenseits des Schlosses -Sachsenburg gründeten oder doch sehr erhoben. Andere aber bringen -ihn mit dem Namen Sachsenburg in Vereinbarung.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auf dem Treppenhauer, wo man früher Spuren von Wällen und Gräben -sah, soll nach einer Überlieferung im 13. Jahrhundert die Burgwarte Gozne gestanden -haben.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_442">[442]</a></span></p> - -<h3 id="sec527">527. Von dem Namen der Stadt Marienberg.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie v. Sachsen, 12. B., S. 207.)</p> - -<p>Das Gebiet der Stadt Marienberg wurde am 29. April 1521 -von <em class="antiqua">Dr.</em> Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister zu Freiberg, welcher -im Jahre 1497 Annaberg hatte messen helfen, abgesteckt. Es soll nun -Herzog Heinrich die neue Stadt deshalb Marienberg genannt haben, -weil sie gleichsam wie eine Tochter aus den Annabergischen Bergwerken -entsprungen wäre, oder weil sich bei neulichen Zeiten der Jungfrau -Maria Eltern, Anna und Joachim, sehr wohl und reich im Bergbau -dieser Gegend zu St. Annaberg und in Joachimsthal bezeiget, habe er -solches zum guten Glücke gethan und gemeint, die Tochter werde nicht -minder als die Eltern sich wohl lösen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Es ist bemerkenswert, daß sich in den Städtenamen des Erzgebirges die ganze -heilige Familie, nämlich die Eltern der Maria, Joachim und Anna, durch Joachimsthal -und Annaberg und die Eltern Jesu, Josef und Maria, durch Josephsstadt und -Marienberg vertreten findet. Aus Josephsstadt entstand durch Zusammenziehung Jöhstadt, -das als Dorf Gißdorf hieß. Joachimsthal soll nach Meltzer, (Bergkläufftige -Beschreibung der löblichen Bergk-Stadt Schneeberg, 1684, S. 26) anfangs von den -Bergleuten blos Thal genannt worden sein, »dahero auch dieses Geschrey beym Anfang -desselbigen Bergkwerks entstunde: Im Thal, im Thal, mit Mutter mit all!«</p></div> - -<h3 id="sec528">528. Ursprung und Name von Elterlein.</h3> - -<p class="source">(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. -Erzgebirges, 1. H., Annaberg, 1844, S. 57. Grundig, Neue Versuche -nützlicher Sammlungen etc., 1. B., 1750, S. 99. Joh. Poeschel im -Glückauf, Jahrbuch für das Erzgebirge, 1884, S. 168 etc.)</p> - -<p>Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von der -Gegend von Elterlein bis Wiesenthal aus. Reisenden war in der -Nähe, wo jetzt Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet, -um welches sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung -gewährten. Sie hießen die Häuser am Altärlein und gaben Anlaß -für die allmählige Erbauung des Städtchens, welches in seinem -Ratssiegel ein Altärlein mit zwei Kerzen und einem Kelche bis zur -Stunde führt. Lange Zeit noch erhielt sich die Tradition, daß die -Reisenden gemeiniglich unterwegs den Vorsatz gefaßt: »wenn wir zum -Altärlein kommen, wollen wir uns Messe halten lassen; daher sei es -gekommen, daß der Ort selbst nach und nach Altärlein, oder wie -man jetzt schreibt, Elterlein sei genennet worden.«</p> - -<p>Nach Richters »Umständlichen aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragenen -Chronica der im Meißn. Obererzgebirge gelegenen<span class="pagenum"><a id="Seite_443">[443]</a></span> -Königl. Kurfürstl. Sächs. freyen Bergstadt St. Annaberg, II. Theil -(Annaberg 1738) S. 31, soll Elterlein so viel heißen als »das ältere -Lehen«, <em class="antiqua">respectu</em> Schlettau, welches bereits vormals den Schönburgischen -Herrn zugestanden.«</p> - -<p>Nach anderen soll Elterlein ehedem »Quedlinburg« geheißen haben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Bei den Beschwerden und Gefährlichkeiten des Reisens in früheren Jahrhunderten -war es Bedürfnis, daß die Reisenden vor einer Reise Gott um Schutz anflehten -und nach derselben für seinen Schutz dankten. Diesem Bedürfnisse kam die -Kirche dadurch entgegen, daß z. B. im Jahre 888 auf dem Konzil zu Mainz durch -Erzbischof Liutbert dem Reisenden gestattet worden war, in Ermangelung einer Kapelle -oder Kirche unter freiem Himmel an geweihten tragbaren Altären Messe halten -zu lassen. Ein solcher Altar mochte auch da, wo jetzt Elterlein steht, durch das Cistercienserkloster -Grünhain errichtet worden sein. Das Recht, derartige Altäre im -Freien anzustellen, gehörte mit zu den besonderen Privilegien der Cistercienserklöster. -(S. Joh. Poeschel a. a. O., S. 169.)</p></div> - -<h3 id="sec529">529. Ursprung des Namens Hermannsdorf bei Elterlein.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica von Annaberg, II, 1748, S. 31.)</p> - -<p>Es soll in Hermannsdorf ehemals einer von Adel gewohnt haben, -Hermann genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen. -Dessen drei hinterlassene Söhne aber, als Simon, Walther und Konrad, -hätten die drei nahgelegenen Dörfer Sehma, Walthersdorf und -Konradsdorf angebaut und bewohnt.</p> - -<p>Um Hermannsdorf hat auch früher ein großer Buchenwald gestanden, -also, daß die Annaberg'schen Bergleute, die solches Holz oft -geholt, die Hermannsdörfer nur die »Hainbuchner Bauern« geheißen.</p> - -<h3 id="sec530">530. Ursprung des Namens Crandorf.</h3> - -<p class="source">(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 33.)</p> - -<p>Einige Alten wollten wissen, daß der Anbau von Crandorf zur -Zeit des Hussitenkrieges im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen -habe, da einige von den Verfolgten aus Böhmen in die damals in -dortiger Gegend ausgebreiteten Wälder geflohen seien. Sie hätten dann -mit Holzschlagen und Kohlenbrennen ihre Nahrung gesucht. Weil nun -in den Waldungen mancher »Kohl-Cram«, d. h. Häuschen für die -Köhler, anzutreffen gewesen, oder weil sich die Ansiedler zu ihren Wohnungen -anfangs nur solche niedrige Hütten gebaut, die einem »Kohl-Cram«<span class="pagenum"><a id="Seite_444">[444]</a></span> -nicht unähnlich geschienen, so hätte man den Ort anfänglich -»Cramdorf« genannt, woraus später »Crandorf« geworden sei.</p> - -<h3 id="sec531">531. Ursprung des Namens Grünhain.</h3> - -<p class="source">(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 34.)</p> - -<p>Grünhain soll seinen Namen von dem grünen Hain haben, darin -die Sorbenwenden ihre Götzen aufgerichtet, oder wenigstens haben sich -die Mönche darin verliebt und ihr Kloster darinnen aufgebaut.</p> - -<h3 id="sec532">532. Von dem Namen Hermannsdorf bei Weißbach.</h3> - -<p class="source">(Mündlich. Schumann, Lex. von Sachsen, 12. B., S. 548. Sachsens -Kirchengalerie, 8. B., S. 31, 59, 60.)</p> - -<p>Hermannsdorf oder Hermersdorf ist ein Ortsteil von Weißbach. -Seinen Namen soll derselbe von einem gewissen Hermann erhalten haben, -dessen Edelsitz nach der Volkssage im untern Teile des Ortes lag, wo -man beim Kellergraben verschiedene alte Gefäße und in einem Garten -tief in der Erde ein altes Hufeisen gefunden haben will. Man bezeichnet -auch noch heute einen Felsen, welcher sich am Abhange eines -kleinen, nördlich von Hermannsdorf im Walde liegenden Thales erhebt, -als »Hermannsgrab.« Dicht an demselben führt ein Weg vorüber, -welcher sich links von dem von Griesbach nach dem Orte führenden -Wege abzweigt, und wenn man in unmittelbarer Nähe des Felsens auf -diesem Wege scharf auftritt, so klingt es hohl, als ob man sich über -einem Gewölbe befinde. Hier soll der genannte Hermann, welcher auch -ein berühmter Heerführer gewesen sein soll, in einem silbernen Sarge -begraben liegen. Manche erzählen, daß von dem Hermannsgrabe ein -unterirdischer Gang bis nach Hermannsdorf führe. In dem anstoßenden -Walde sind schon viele Leute des Nachts durch Lichter irre geführt -worden, oder sie erblickten an dem oben erwähnten Felsen den Schlangenkönig -mit goldener Krone. Früher war es Sitte, daß die Schützen -von Hermannsdorf bei einem ihrer Feste jedes Jahr mit Musik nach -diesem Platze zogen.</p> - -<p>Am Hermannsgrabe sollen auch 1718 die acht Steinplatten mit -uralten Inschriften gefunden worden sein, welche sich seit dem Jahre -1753 im Schlosse zu Wildenfels befinden. Die eine dieser Platten -nennt einen »Hermin«, und man vermutet (jedoch mit Unrecht), daß -dies ein Sohn Markgraf Eckarts I. gewesen sei, welcher zwischen 1029 -und 1032 von den aufständischen Sorben erschlagen wurde. Auch verlegt<span class="pagenum"><a id="Seite_445">[445]</a></span> -die Volkssage in die Gegend, nämlich auf eine südlich von der Kirche -zu Weißbach, dicht am Kirchhofe liegende kleine Anhöhe, welche früher -mit einem Walle umgeben gewesen sein soll, die Stelle, wo einst die -Rammels-, Rommels- oder Rummelsburg stand. Von dieser aus soll -jener Hermann gegen die Sorben zu Felde gezogen sein.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die genannten 8 Steinplatten bestehen bis auf eine, welche eine Grünschieferplatte -ist, aus Thonschiefer. Adelung hat seiner Zeit die Inschriften für die ältesten -Denkmäler obersächsischer Mundart erklärt. Sie lauten: <em class="antiqua">1. Voir glabbe alla in ainen -Got Vade Vahan.</em> (Nun folgen die Figuren einer Krone, einer Geißel und eines -Kreuzes.) <em class="antiqua">2. Diser hogn ist im tuszend and tr… nati Chrs. 3. Da laitgodsa -hermin was of a man Künglg anita vilil starn Amshabt and üm handa -üm dar alaigt üm dar akogl haer um gumers din was dar bool bor. 4. Daristain -haldi laits tuai. 5. sgrab dar harmit ludott bottai. 6. Dia Hermandr barrtn -sundr sandan boolbor. 7. Das awas ab hagods. 8. Das Gebat</em> (eine Überschrift -des nun folgenden, aber nur bruchstückweise noch vorhandenen Vaterunsers) <em class="antiqua">Voder -onser du bist im Himel … dein Voill gescho …</em></p> - -<p>Nach Joh. Gottfried Wellers Erklärung besagt die Inschrift Folgendes: Wir -glauben alle an einen Gott, Vater von (wegen) der Dornenkrone, der Geißel und -des Kreuzes (des Leidens Christi). Dieser Hügel ist im tausend und dritten (13ten -oder 30sten) Jahre <em class="antiqua">Nat. Christi</em>. Da liegt Hermann, welcher war ein königlicher -Mann hienieden, viel (vortrefflich) regierend amtshaft (amtsmäßig) und umhanden -(um der Beschaffenheit oder Gelegenheit wegen). Darum er liegt am Ende des Eichhügels. -Herr, um deines Jammers willen war er wohlgefahren. Der Stein enthüllt -zwei Leute, des Grabs in dessen Mitte sie gelegt wurden. Die Hermunduren (Kriegsmänner) -wurden (sind) wohlgefahren (selig gestorben) auch ohne Mönchskutten (<em class="antiqua">santan</em> -wahrscheinlich von <em class="antiqua">sanctum</em>, weil hohe Personen sich im Mittelalter zum Beweis -ihrer Frömmigkeit gern in Mönchskutten begraben ließen). Das war ihres Herrgotts -wegen. Das Gebet. Vater unser u. s. w.</p></div> - -<h3 id="sec533">533. Entstehung des Namens Gottesgab.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 71. Krieglstein -in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. 3. und 4. Heft.)</p> - -<p>Auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirtbaren und -frostigen Moorplateau des an Naturschönheiten aller Art reichen Erzgebirges -liegt hart an der sächsischen Grenze Gottesgab, die höchstgelegene -Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Ursprünglich Wintersgrün -genannt, erhielt dieses Städtchen seiner Silbererze wegen, die -hier im 16. Jahrhunderte zu Tage gefördert wurden, gar bald von -frommen und dankbaren Bergleuten den bedeutungsvollen Namen: Gottes -Gabe.</p> - -<p>Der Sage nach verdankt Gottesgab die Entstehung seines Namens<span class="pagenum"><a id="Seite_446">[446]</a></span> -dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Als derselbe nämlich -eines Tages mit seinem Gefolge nach Wintersgrün kam, das dazumal -zu Sachsen gehörte, und den blühenden Bergbau in Augenschein nahm, -setzte man ihm einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen -vor. Der fromme Kurfürst aber soll dieses Anerbieten mit den -Worten abgewiesen haben: »Das ist Gottesgabe, und so soll die Stadt -hinfüro genannt werden.« Daher hieß in der Folge die Bergstadt -Gottesgab.</p> - -<p>Nach einer andern Sage kam der Kurfürst Johann Friedrich einst -mit seinem Jagdgefolge in die waldreiche Gegend der Hochebene. Da -traf es sich, daß sein edles Roß, mit dem Hufe die Erde stampfend, -ein ansehnliches Stück Silbererz zu Tage förderte. Über solch reichen -Bergsegen erstaunt, rief der Fürst aus: »Das ist eine Gottesgabe!« -Und darnach wurde bald darauf die infolge der daselbst brechenden -reichen Silbererze entstehende Ansiedelung genannt.</p> - -<h3 id="sec534">534. Die Entstehung des Namens Abertham.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 83.)</p> - -<p>An einem kleinen Bache, der roten Wistritz, liegt unweit am -Fuße des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Pleßberges auf einem -rauhen Hochplateau das alte Bergstädtchen Abertham, über dessen -Namensentstehung die Sage folgendes berichtet: Als um das Jahr -1529 ein Bergmann in der Aberthamer Gegend eine Silberader verfolgte -und bei seiner Arbeit einen Damm schlug, wurde er von einem -Fremden, der gerade vorüberging, gefragt, was er hier mache. Der -Angeredete, welcher sich in seiner Beschäftigung nicht stören ließ, sagte -kurz und schnauzig: »Einen Damm.« Der Fremde ging seines Weges -weiter, kam aber nach kurzer Zeit wieder zu dem Orte, wo er den -emsigen Bergmann bei der nämlichen Arbeit beschäftigt fand. Diesmal -werde ich mit der Antwort glücklicher sein, dachte der Fremde -und sprach: »Guter Freund, sagt mir doch, was für Arbeit Ihr da -vollführt?« Allein der Bergmann gab ärgerlich, weil ihm entweder -die Arbeit nicht gelingen wollte, oder er den Fragesteller, dem er schon -einmal Rede gestanden, wieder erkannte, zur Antwort: »Aber einen -Damm!« Aus diesen Worten entstand für die neue Bergkolonie der -Name: »Am Abertham,« der in der Folge als »Abertham« dem -Städtchen verblieb. Manche Leute aus der Umgebung gebrauchen -noch die alte übliche Benennung: »Am Abertham.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_447">[447]</a></span></p> - -<h3 id="sec535">535. Ursprung des Namens der Stadt Platten.</h3> - -<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 48.)</p> - -<p>Es geben etliche für, die Platten soll ihren Namen haben vom -<em class="antiqua">Petro Plateano</em>, dem hochgelehrten Mann und wohlverdienten weitberühmten -Schulmeister, welcher zu der Zeit, da er der Schul in -Joachimsthal fürgestanden, bisweilen selbst am selben Ort geschurft -haben soll, wie auch auf der Gottesgab. Soll des Morgens frühe -mit etlichen großen Schülern aufgestanden sein, auf dieselben Gebirge -hinaus gelaufen, geschurft und gearbeitet haben, bis zu der Zeit, da -er in der Schul <em class="antiqua">laboriren</em> sollen.</p> - -<h3 id="sec536">536. Ursprung und Namensentstehung von Bärringen.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)</p> - -<p>Das ganze obere Erzgebirge war vor ungefähr 400 Jahren noch -mit einem dichten Urwald von Fichten, Eichen und Buchen bedeckt, in -welchem Eber, Dachse, Luchse, Elenthiere, Biber, Wölfe und Bären -hausten. Auf das Vorkommen solcher Thiere weisen viele Bezeichnungen -von Plätzen hin. So giebt es beispielsweise in der Umgebung von -Platten einen Wolfsberg, eine Wolfspinge, einen Bärenfang, bei -Salmthal am Abhange des Wölflings ein Bärenloch, bei Mariasorg -einen Wolfsberg. Ja die Sage schreibt einem Bären sogar den Ursprung -und Namen des Städtchens Bärringen zu. Sie lautet: Einst -fuhr ein Bergmann von dem Dörfchen Irrgang nach dem heutigen -Bärringen und bemerkte abseits des Weges im Walde, in der Gegend -des sogenannten schwarzen Teiches, einen gewaltigen Bären, der mit -seinen Tatzen die Erde aufwühlte, um sich ein Lager zurecht zu richten. -Der Mann suchte, das grimmige Tier fürchtend, das Weite. Als -er aber später auf demselben Wege nach Irrgang zurückfuhr, war von -dem Bären nichts zu sehen. Deshalb ging er auf den Ort zu, wo -der Bär gescharrt hatte, und erblickte erstaunt einen Schurf (Ring, -Kreis), aus welchem Zinngraupen von ungewöhnlicher Größe hervorblinkten. -An dieser vom Bären entblößten Lagerstätte von Zinnerz -wurde im Jahre 1532 der Bergbau begonnen, dem das Städtchen, -das durch Vereinigung der Wörter »Bär« und »Ring« den Namen -Bärringen erhielt, seinen Ursprung verdankt. Darauf soll auch das -Stadtwappen deuten, welches einen Bären vorstellt, der einen Ring in -der Pfote hält.</p> - -<p>Andere erzählen, daß Bärringen in seinen ersten Anfängen nur -aus wenigen zerstreut liegenden, armseligen Hütten bestanden habe,<span class="pagenum"><a id="Seite_448">[448]</a></span> -welche Bergleute bewohnten. Eines Tages sahen mehrere Bergknappen -zwei Bären im erbitterten Kampfe mit einander ringen. Als in der -Folge mit dem Aufschwung des Bergbaues sich die Ansiedler mehrten -und die Niederlassung zu einem zusammenhängenden und ansehnlichen -Orte anwuchs, wurde dieser »Bär-Ringen« genannt, woraus sich im -Laufe der Zeit das Wort Bärringen bildete.</p> - -<p>Nach einer anderen Sage soll ein Bergmann mit einem Bären -gerungen haben.</p> - -<p>Ein jüngerer Bruder des ritterlichen Grafen Stephan Schlick, -durch dessen vortreffliche Fürsorge Joachimsthal zu einer reichen, dichtbevölkerten -Stadt emporblühte, verlor einmal auf einer Jagd im -dunkeln Tannenforst der Bärringer Gegend einen prachtvollen Ring. -Alles Suchen blieb erfolglos. Da bemerkte kurze Zeit darauf ein -Bergmann auf einem alten Gemäuer einen Bären, der den verlorenen -Ring des Grafen Schlick im Rachen hielt. Auch von dieser Begebenheit -sucht man durch Verknüpfung der Wörter »Bär« und »Ring« -die Benennung des Städtchens Bärringen abzuleiten.</p> - -<h3 id="sec537">537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.</h3> - -<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirges, 1822, -I, S. 134 etc. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 41. -Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 105.)</p> - -<p>Ein Wandersmann, mit Namen Jahn, irrte bei Nacht in der -Gegend des Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich -eine zwerghafte Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen. -Nicht ohne Grausen folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn -der Zwerg, bis sie endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie -eintraten, mächtig erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die -Wände waren von Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend -krystallene Leuchter mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden -Glanz über das ganze Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern -und mit langen Bärten saßen an einer Tafel und speisten. -Der Zwerg lud den erstaunten Jahn ein, sich zu setzen und am Mahl -teilzunehmen. Der Hunger besiegte die Schüchternheit, – Jahn setzte -sich und aß und trank von dem, was ihm der Zwerg bot. Noch nie -hatte er so köstlich getafelt; er ward erquickt und allmählich getrosten und -frohen Mutes. Die zwölf schienen sich über ihn zu freuen und geboten -dem Zwerge, sein Ränzel zu füllen. Mit herzlichem Danke schied Jahn -von seinen gastfreien Wirten. Der Zwerg führte ihn aus der Höhle,<span class="pagenum"><a id="Seite_449">[449]</a></span> -welche, wie Jahn jetzt bemerkte, im Greifensteine war, und geleitete -ihn auf die Straße, welche nach Böhmen führte und auf welcher -Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann verschwand er.</p> - -<p>Als nun Jahn sein Ränzel auspackte, um zu sehen, womit ihn -die freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine -ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller -Freuden gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in -der Gegend des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen -Leuten ohne Mietzins überließ, und that auch sonst allerlei Gutes -an Kranken und Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte -und ein ganzes Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum -Andenken Jahnsbach genannt.</p> - -<h3 id="sec538">538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.</h3> - -<p class="source">(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, -1880. S. 8.)</p> - -<p>Zu der Zeit, da auf dem Mückenberge bei Graupen reiches -Zinnerz brach, wurde noch nicht mit genügender bergmännischer Vorsicht -gebaut, so daß infolge dessen ein großer Teil des Berges samt -zwei Arbeiterhäuschen im 14. Jahrhunderte untergingen. Dadurch ist -die große Pinge am Mückentürmchen entstanden. Damals lebten auch -die drei Gebrüder Müchle als Zinngrubenbesitzer in der Gegend, von -denen das Dorf Müglitz (Michlitz) abstammen soll.</p> - -<h3 id="sec539">539. Ursprung des Namens Wolkenstein.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Histor. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg, -1781, S. 3. O. Mosen, Reisehandbuch für das sächs. Erzgebirge, -1882, S. 65.)</p> - -<p>Wolkenstein soll seinen Namen von der Höhe des Schlosses, indem -es fast die Wolken erreiche, und von dem Steine oder Felsen, -auf welchem es erbaut ist, führen. Nach anderen stammt der Name -von seinem mutmaßlichen Erbauer Bolko von Waldenburg, weshalb -es eigentlich Bolkenstein heißen müßte.</p> - -<h3 id="sec540">540. Ursprung des Namens Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Oettel, Alte und neue Historie der Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 1 u. 2.)</p> - -<p>Man will vorgeben, es hätte ehedem an dem Orte, wo jetzt die -Kirche von Eibenstock erbauet ist, eine Eibe gestanden, bei deren Stock<span class="pagenum"><a id="Seite_450">[450]</a></span> -die anfahrenden Bergleute sich versammelt hätten; davon soll der -Name der Stadt herkommen. Auch wurde erzählt, es sei aus dem -Stamme der Eibe das früher in der Kirche stehende Kruzifix, nach -anderen aber der Pfeiler der Kanzel gemacht worden.</p> - -<h3 id="sec541">541. Der Name des Schlosses Pürstein.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1880, S. 67.)</p> - -<p>Der Name des Schlosses Pürstein ist erst seit diesem Jahrhundert -eingeführt. In früheren Zeiten hieß es Birsenstein, Pirssinstein, -Pirschanstein, Pirkenstein. Der Name soll von einem alten Ritter -herstammen, der mit Vorliebe in dieser Gegend »auf die Birsche« ging.</p> - -<h3 id="sec542">542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 41. Kirchengalerie, 12. B., S. 180.)</p> - -<p>Reitzenhain erhielt nach Angabe der Eingebornen auf eigentümliche -Art seinen jetzigen Namen. Da in früheren Zeiten der ganze -Verkehr den Straßenfuhrwerken überlassen war, haben die Fuhrleute -jedes an der Straße gelegene Wirtshaus »Han« genannt. Da nach -ihren Berechnungen dort, wo jetzt Reitzenhain liegt, der dreizehnte -»Han« war, so wurde dieses einzelnstehende Wirtshaus der dreizehnte -Han, dann Dreizehnhan, Reitzenhan und endlich Reitzenhain genannt. -Man schätzte dabei den dreizehnten Han als gleichweit von Leipzig -und Prag entfernt.</p> - -<h3 id="sec543">543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.</h3> - -<p class="source">(I. Wilisch, Kirchen-Hist. von Freyberg etc., II. S. 300. II. Novellistisch -in E. H. Müllers Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 6 etc.)</p> - -<p>I. Das Städtlein Brand soll seinen Namen daher haben, weil -anfangs lauter Wald und Busch allhier gewesen, welchen nach der -Zeit eine unvermutete Feuersbrunst größtenteils verzehret; darauf Gott -Bergwerke in dieser Gegend gezeiget, und so hätte man anfänglich -schlechte Zechen und Hüttenhäuser, da aber der Bergsegen sich reichlich -vermehret, Wohnhäuser zu bauen angefangen, und habe sich das -Bergvolk häufig allhier vermehret.</p> - -<p>II. In dem Walde, welcher einst die Gegend, wo jetzt das -Städtchen liegt, bedeckte, wohnte einst mit seiner Tochter der Köhler<span class="pagenum"><a id="Seite_451">[451]</a></span> -Klaus. Derselbe hatte in seine Hütte einen jungen Mann aus dem -Thüringer Lande aufgenommen, welcher ihm als Gehülfe dienete und -sich bald um die Gunst von seines Herrn Tochter Margaretha bemühte. -Da geschah es eines Tages, daß auch ein junger Bergmann -in die Hütte kam, der im Walde in eine Wolfsgrube gestürzt war -und sich dabei so verletzt hatte, daß er einen vollen Tag bei dem -Köhler verleben mußte, um sich zu erholen. Er stammte aus dem -nahen Freiberg, und bald wurde er der Liebling des Vaters Klaus -und der Verlobte von dessen Tochter. Darüber wurde der fremd zugereiste -Gehülfe ergrimmt und in der Nacht nach der Hochzeit Margarethens -mit dem fremden Bergknappen führte er seinen Racheplan -aus. Plötzlich wälzte sich eine Feuerwolke über dem Boden hin, von -allen Seiten kamen die Flammen gezüngelt und ergriffen auch sehr -bald die Hütte des Vaters Klaus, in welcher alle im friedlichen -Schlummer lagen. Nur mit Mühe entgingen die Neuvermählten dem -Tode, ihr Vater aber kam in dem grausigen Flammenmeer, welches -den größten Teil des Waldes verzehrte, um. Das Feuer wütete den -ganzen folgenden Tag und eine Nacht hindurch, bis am nächsten -Morgen ein gewaltiger Gewitterregen den Flammen ein Ziel setzte. -Das junge Paar flüchtete nach Freiberg, wo die Glocken stürmten und -von wo aus eine Rettungsschar den Fliehenden bereits entgegenkam. -Erst am vierten Tage zogen die Flüchtlinge wieder hinaus auf die -Brandstätte. Sie gingen in Freiberg von Haus zu Haus, suchten -ihre ebenfalls mit ihnen aus den übrigen zerstreuten Köhlerhütten geflüchteten -Gefährten und sprachen: »Wir wollen auf den Brand gehen!« -Von der Hütte des Vaters Klaus, sowie von den übrigen Wohnungen -war nichts mehr zu sehen, nur hie und da fanden sich Menschengebeine, -welche man sammelte und in geheiligter Erde, auf dem Kirchhofe -in Erbisdorf begrub. Als man dann an den alten Plätzen -wieder Grund zu neuen Wohnungen grub, fand der Knappe eine -Stufe rotgültigen Erzes und er legte die erste neue Grube auf dem -Brande an, welche man später zum Gedächtnisse des göttlichen Segens -den »Segensfürsten« nannte. Der Ruf von dem Silberreichtume verbreitete -sich weiter und bald zogen noch andere Bergleute herbei, welche -sich daselbst anbauten. Später wurden diese Berghütten, Wald- und -Zechenhäuser auf dem Brande unter der Regierung des Herzogs Georg -des Bärtigen im Jahre 1515 zu einer Gemeinde vereinigt und der -Ort erhielt von da an den Namen »Bergstadt Brand.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_452">[452]</a></span></p> - -<h3 id="sec544">544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 164.)</p> - -<p>Das an der von Freiberg nach Frauenstein führenden Straße -gelegene Dorf Weißenborn hat seinen Namen von einem unfern der -Mulde vorhanden gewesenen Brunnen, welchem man Heilkräfte zuschrieb -und bei welchem sich bisweilen eine weiße Frau sehen ließ.</p> - -<h3 id="sec545">545. Ursprung des Namens Conradsdorf.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 167.)</p> - -<p>Conradsdorf, das einzige Dorf dieses Namens in Sachsen, liegt -eine Stunde von Freiberg entfernt. Vermutlich hat es seinen Namen -von seinem Erbauer und ersten Besitzer Conrad, obwohl behauptet -wird, daß es dem Kaiser Conrad zu Ehren so genannt worden sei, -der es mit besonderen Freiheiten begnadigte, die bis in die neueren -Zeiten sich erhalten hatten.</p> - -<h3 id="sec546">546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 88.)</p> - -<p>Der frühere Name des Dorfes Ursprung bei Hohenstein-Ernstthal -ist Morspurg gewesen. In der Umgegend findet sich dafür die -geläufigere Benennung Morspring. Nach einer sagenhaften Überlieferung -soll der jetzige, um die Zeit der Reformation an seine Stelle -getretene Name davon herrühren, daß aus dem oberen Gemeindeborne -des Dorfes der Lungwitzbach entspringt, oder daß der Ort zur Zeit -der Reformation das erste evangelische Pfarramt in dieser Gegend -bekam.</p> - -<h3 id="sec547">547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 68.)</p> - -<p>Nach einer Sage hat das Dorf Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal -in uralten Zeiten einen anderen Namen gehabt, ist in der -heillosen Zeit des großen Interregnum »verwüstet« und »verbrannt« -und erst in der Folge unter den Hohenstaufen wieder hergestellt und -mit seinem gegenwärtigen Namen belegt worden. Ebenso ist nach einer -Sage Wüstenbrand als Filiale zu Pleise geschlagen worden, als das -Dorf Gecksdorf, von dessen Lage zwischen dem Rabensteiner Walde<span class="pagenum"><a id="Seite_453">[453]</a></span> -und den Meinersdorfer Fluren sich bis auf die neuere Zeit Spuren -erhalten haben, im Hussitenkriege völlig zerstört worden war.</p> - -<h3 id="sec548">548. Der Name des Dorfes Crossen.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 75.)</p> - -<p>Laut Nachrichten aus einem alten Kirchenbuche stammt der Name -des Dorfes Crossen bei Zwickau von dem slavischen Worte <em class="antiqua">croszove</em>, d. h. -zerrissen oder zerstückelt, her. Denn da es von Slaven erbaut worden -und sie, wie sie dem sumpfigen Terrain nach und nach trockenes Land -abgewannen, dasselbe unter sich verteilt haben, so haben die Bewohner -ihre Grundstücke vereinzelt und nicht beisammen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge) ist nicht geneigt, den Namen -für einen slavischen gelten zu lassen, vielmehr hält er unser Crossen, sowie alle -Orte, welche dieselbe Benennung haben, für fränkische Ansiedelungen. Er verweist -dabei auf die in deren Nähe liegenden Orte Frankenau (2 Stunden von Crossen bei -Mitweida, 3 Stunden von Crossen bei Zeitz) und Franken (6 Stunden von Crossen -bei Luckau); Crossen bei Zwickau ist von einem Frankenau ungefähr 3 Stunden -entfernt.</p></div> - -<h3 id="sec549">549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.</h3> - -<p class="source">(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt -etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet, 1766. Manuskript.)</p> - -<p>Gersdorf soll vor Zeiten ganz anders gelegen und die Kirche -oben im Hofgraben gestanden haben, bis sie durch Kriegsverwüstung -ihren Untergang allda gefunden hat. Das Dorf soll nicht weiter als -bis dahin, wo jetzt Hüllbert wohnt, gegangen sein. Die obere Hammermühle -soll damals in einem dicken Walde gestanden haben und davon -umgeben gewesen sein. Da aber der Bach vorher den Namen »Gersche« -geführt haben soll, so hätte das Dorf, nachdem es weiter abwärts -angebaut und auch die Kirche weiter herunter gesetzt worden wäre, -vom Wasser den Namen Gersdorf bekommen.</p> - -<h3 id="sec550">550. Der Ursprung des Namens Silberstraße.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 1102.)</p> - -<p>Edelmann von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe, ein alter und -getreuer Diener der Kurfürsten von Sachsen, brachte einst zu Zwickau -bei einem Landesfürsten folgende Bitte mündlich vor: Dieweil aus<span class="pagenum"><a id="Seite_454">[454]</a></span> -Gottes Segen das reiche Bergwerk zu Schneeberg geoffenbaret und -desselben Lob in aller Welt erschollen wäre, zögen viel Fürsten, Grafen, -Herren, Ritter, Edel- und andere gute, redliche Leute nach demselben, -und müßten dabei meist bei ihm durch, wodurch sein und seines Geschlechtes -Namen weithin bekannt würde. Aber es stünde nicht wohl, -wenn man fragete, wer er sei? und geantwortet würde: Es ist der -von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe. Da nun das Erz und Silber -bei ihm nach Zwickau durchgeführt würde, so bäte er unterthänigst, -man wolle ihm seines Gutes und Dörfleins Namen »die Armen-Ruhe« -in der Landtafel auslöschen und dasselbe dafür die »Silberstraße« -nennen zu lassen. Dies würde ihn in ein größer Ansehen bei den -Leuten bringen, da er doch ohne das, wenn nur sein Name nicht -also bekannt werden sollte, wohl mit dem alten Namen zufrieden gewesen -wäre. – Diese Bitte wurde dem Uttenhoff gewährt, und der -Armen-Ruhe Namen also geändert, daß bis diese Stunde noch das -Dorf die »Silberstraße« und die dabei befindliche Muldenbrücke die -Silberstraßer Brücke heißt.</p> - -<h3 id="sec551">551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda, -und Rechenberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich, desgl. bei Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen -Frauenstein, 1748, S. 19.)</p> - -<p>Auf der jetzt in Ruinen liegenden Burg Rechenberg hausten einmal -mächtige Ritter. Dieselben hatten in Frauenstein ihre Frauen, -in Purschenstein ihre Burschen, in Pfaffroda wohnte ihr Pfaffe und -in Rechenberg machten sie die Rechnung und teilten den Raub. – -Die genannten Schlösser sollen auch durch unterirdische Gänge mit -einander verbunden gewesen sein.</p> - -<h3 id="sec552">552. Der Name des Fleckens Bockau.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenbuch des K. -Sachsen, No. 579.)</p> - -<p>Die Bewohner des Bergfleckens Bockau bei Schneeberg ernährten -sich sonst vorzugsweise durch den Anbau von Arzneikräutern und den -Handel damit. Sie zogen damit, sowie mit Pulvern, Tropfen, -Pillen und dgl. mehr auf Jahrmärkte und waren einst wie die Königsseer -häufig im deutschen Vaterlande anzutreffen. Die Sage erzählt, -es habe sich einst in jenem Thale, in welchem jetzt der Flecken Bockau<span class="pagenum"><a id="Seite_455">[455]</a></span> -liegt, ein Bock, das einzige Eigentum eines armen Gärtnersohns, verlaufen. -Sein Herr, der ihn gesucht, habe ihn endlich mitten unter -den kostbaren Arzneikräutern wohlbehalten wieder gefunden, habe sich -den Platz genau gemerkt und sei dann durch das Sammeln und den -Verkauf jener Kräuter sehr bald wohlhabend geworden. Nach und -nach hätten sich daselbst mehrere niedergelassen und den neuen Wohnort -zur Erinnerung an seinen Ursprung Bockau genannt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Historisch ist, daß der Kräuter- und Medikamentenhandel der Bockauer erst -gegen das Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts begann. Die in dem -Orte wohnenden Schachtelmacher, und unter diesen zuerst zwei Brüder Weiß, füllten -ihre Schachteln anfänglich mit gedörrten medicinischen Wurzeln und Kräutern, welche -sie an Apotheker und Laboranten und später auch als Hausmittel an andere Leute -verkauften. (Körner, Nachrichten von Bockau, S. 346–355).</p> - -<p>In der Einleitung zum ersten Abschnitte des Sagenbuchs wurde bereits darauf -hingewiesen, daß der Name des Ortes nicht von dem slavischen <em class="antiqua">bóh</em>, d. i. Gott, -sondern von dem slav. <em class="antiqua">buk</em>, die Buche, und dem davon gebildeten Adjektivum -<em class="antiqua">bukowy</em> abzuleiten ist. Aus <em class="antiqua">bukowy</em> entstand Bockau, was wir demnach mit Buchwald -oder Buchholz zu übersetzen hätten. Dasselbe gilt auch von dem Ortsnamen -Bockwa bei Zwickau. Bockau und Bockwa wurden in früherer Zeit mit u geschrieben. -(Immisch, a. a. O., S. 8.)</p></div> - -<h3 id="sec553">553. Ursprung des Ortsnamens Remse.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 12 B., S. 87.)</p> - -<p>Der Name des Kirchdorfes Remse zwischen Glauchau und Waldenburg -scheint auf das lateinische <em class="antiqua">remissa</em>, die Erlassung, hinzuweisen. -Eine Sage erzählt, es habe sich in dem früher daselbst befindlichen -und in dem 12. Jahrhundert gestifteten Nonnenkloster ein wunderthätiges -Marienbild befunden, zu dem die Ablaß Suchenden aus der -Nähe und Ferne wallfahrteten. Von einem Erker des jetzt sogenannten -roten Stockes aus habe dann der Probst den Segen erteilt und -die Gläubigen mit den Worten entlassen: »<em class="antiqua">peccata sunt vobis <em class="gesperrt">remissa</em></em>« -(d. h. die Sünden sind euch vergeben). Daher der Name -Remse.</p> - -<h3 id="sec554">554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.</h3> - -<p class="source">(Comotovia, 2. Jahrg. 1876., S. 10.)</p> - -<p>Es wird erzählt, daß im Jahre 1364 der Prager Bürger Johlin -Rotlöw mit Bewilligung Karls IV. seinen besten Bergmeister in -die Gegend des Gebirgs, wo jetzt Sebastiansberg liegt, sandte, um<span class="pagenum"><a id="Seite_456">[456]</a></span> -Erze zu suchen. Er hatte so glücklichen Erfolg, daß sich die Bergleute -sogleich die ersten Häuser bauten. Man nannte nun den neuen Ort -Paßberg, weil bereits der Berg, auf welchem die Stadt steht, und -welcher die Grenze bildete und zum Aufpaß und zur Sicherung der -Fuhrleute und Reisenden mit einem Militärposten besetzt war, den -Namen Paßberg führte. Aus Paßberg soll mit der Zeit der Name -Sebastiansberg entstanden sein. Nach einer anderen Sage soll jedoch -Sebastiansberg anfänglich den Namen Neustadtl geführt haben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Richtig ist wohl, daß die Stadt ihren Namen dem Sebastian von Weitmühl -verdankt. Von demselben wurde Sebastiansberg des Bergbaues wegen, aber keinesfalls -vor 1519 gegründet; er erbaute daselbst auch eine kleine Kirche, die auf Wunsch -seiner Unterthanen nach seinem Namenspatron zu St. Sebastian benannt wurde. -Von der Kirche ging der Name auch auf die ganze Ansiedelung über.</p></div> - -<h3 id="sec555">555. Der Name der Stadt Sonnenberg.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 71.)</p> - -<p>Die Veranlassung zur Gründung der Stadt Sonnenberg gab -der in dortiger Gegend einst stark betriebene Bergbau auf Silber, -Kupfer, Zinn und Blei. An einem nebligen Morgen, in der zweiten -Hälfte des 16. Jahrhunderts, so erzählt die Sage, sandte der Grundherr, -der ein Lobkowitz auf Hassenstein war, einige seiner erfahrenen -Bergleute auf die Höhen mit dem Auftrage, dort, wo die -Sonne am ersten durch das trübe Gewölk brechen würde, einzuschlagen -und das Bergglück zu suchen. An dem Orte nun, wo jetzt Sonnenberg -steht, erschien sie ihnen zuerst. Es wurde gleich mit Schlägel -und Eisen Hand an die Arbeit gelegt, und die Mühe belohnte sich -reichlich. Man baute dann einzelne Hütten für die Bergleute. Mit -dem wachsenden Bergglück vermehrten sich beide. Die Sonne gab -diesem Orte den Namen, und aus dem wüsten Waldorte wurde in -kurzem ein Bergflecken. Durch spätere Begnadigung erwuchs er endlich -zu einer Bergstadt.</p> - -<h3 id="sec556">556. Der Name der Stadt Falkenau.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 169.)</p> - -<p>Die Stadt Falkenau soll ihren Namen dadurch erhalten haben, -daß ein Bürger aus Eger einen Falkenhof erbaut und dadurch eine -Ansiedelung hervorgerufen hat, die sich allmählig zu einem Dorfe und<span class="pagenum"><a id="Seite_457">[457]</a></span> -schließlich zu einer Stadt emporhob. Die über dem Röhrbrunnen am -Marktplatze in Falkenau sich erhebende Bildsäule stellt einen Falkner -dar, der ein Hüfthorn am Schulterbande und einen Hund zur Seite -hat. Es soll dies die Statue jenes Falkners sein, der als Gründer -der Stadt gilt und dessen Name im Volksmunde »Wastel« (Sebastian) -heißt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß -auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht im 12. Jahrhunderte, -da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen -mit Leidenschaft hingaben, eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr -dafür, daß zu obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem -Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt und es ist daher -jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst 1724 errichtete Falknerstatue nur -eine Ausschmückung des Stadtwappens.</p> - -<p>Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in deutschen, -als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung dieser Benennungen -ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem Dorfe <em class="antiqua">Sokolec</em> (<em class="antiqua">Sokol</em> = Falke) -bei Podiebrad wird erzählt, daß man daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader -Jäger Falken abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem -Namen eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau.</p></div> - -<h3 id="sec557">557. Die Entstehung des Namens Neudeck.</h3> - -<p class="source">(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 4.)</p> - -<p>In der sehr industriellen, am Rohlauflüßchen gelegenen Stadt -Neudeck zieht der sogenannte Turmbergfels unsere Aufmerksamkeit auf -sich. Er besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken. -Auf diesem Felsen steht ein uralter Glockenturm, der ehedem zu einer -Burg gehört haben soll, welche von einem Raubritter bewohnt wurde. -Diesem Turme verdankt Neudeck, wie folgende Sage berichtet, -seinen Namen.</p> - -<p>Einstmals verirrte sich auf der Jagd ein Jäger im dichten -Walde und wußte nicht, wo ein und aus. Schon viele Stunden -hatte er im Waldesdunkel nach einem rettenden Pfade gespäht, da -kam er auf den Hochtannenberg und stieg dort, um sich in der Gegend -zurecht zu finden, auf eine hohe Tanne. Hocherfreut sah er östlich im -Thale ein Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war. Darauf ging -der ermüdete Waidmann zu und fand daselbst den alten Turm, neben -dem ein Häuschen stand, welches ein Schmied, namens Waldesel, bewohnte. -Er trat in die Schmiedewerkstätte. »Lieber Waldesel«, redete -er den alten Meister an, »dem neugedeckten Turme da verdanke ich<span class="pagenum"><a id="Seite_458">[458]</a></span> -den Ausweg aus dem Walde; deshalb heiße er samt den andern -Gebäuden von jetzt an »Neudeckt!« Und des Jägers Wunsch ging -in Erfüllung; denn noch heute trägt der Ort, der nach und nach zu -einer gewerbfleißigen Stadt anwuchs, den Namen Neudeck.</p> - -<h3 id="sec558">558. Die Entstehung des Namens Frühbuß.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Frühbuß ist ein altes Bergstädtchen im böhmischen Gebirge, das -einst weiter oben und zwar da lag, wo sich heute der Kranichsee ausbreitet. -In diesem Moore ist es eines Tages versunken. Da haben -sich die Bewohner tiefer angebaut, weil ihnen hier die vielen Zinnerze, -welche aus dem Gebirgsschutte durch die Seifenarbeit gewonnen -werden konnten, reichen Unterhalt versprachen. Die Gewinnung der -Erze nahm sie auch so in Anspruch, daß sie den Bau ihrer Hütten -und ihre häuslichen Arbeiten nur vor der Seifenarbeit vornehmen -konnten, um bei dieser selbst keine Zeit zu versäumen. Solche Früharbeit -aber nannte und nennt man noch jetzt in der Gegend »Frühbuß«, -und von ihr erhielt in der Folge die Ansiedelung ihren Namen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die unterirdischen Glocken -im Kranichsee« verwiesen.</p> - -<p>Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in -Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln« = geschäftig -da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon abgeleitete »Hausbussel«, womit -ein auf diese Weise thätiger Mensch bezeichnet wird.</p></div> - -<h3 id="sec559">559. Über den Namen des Dorfes Sauersack.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Oberhalb Karlsfeld nahe am Kranichsee, durch welchen sich die -sächsisch-böhmische Grenze zieht, liegt auf einer Meereshöhe von ca. -900 Mtr. das böhmische Dorf Sauersack.</p> - -<p><em class="antiqua">M.</em> Christoph Gottlob Grundig macht in den »Neuen Versuchen -nützlicher Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich -von Ober-Sachsen, 2. B., (Schneeberg, 1752,)« bei diesem Orte und -seinem Namen folgende Bemerkungen: »Sauersack, ein fast auf dem -höchsten Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser -Seite von einander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher -auf dem kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem aus<span class="pagenum"><a id="Seite_459">[459]</a></span> -Nordwest nach Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinirten -Waldes vom Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern -erhebt, – – hat wohl den Namen mit der That, weil sowohl -denen Reisenden die hier vorübergehende Straße, sonderlich bei üblem -Wetter, äußerst sauer werden, als auch denen armen Einwohnern des -Ortes, welche wie die Vögel des Himmels weder säen, ernten, noch -etwas in ihre Scheuern sammeln können, – – nicht weniger ihr -mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen muß.« Und: »Es -ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine lange, schmale -und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern ein »Geseer« -(Gesäuer?) zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem Namen der -Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.«</p> - -<p>Eine Sage erzählt nun über die Entstehung des Ortsnamens -Sauersack folgendes:</p> - -<p>In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges, -welcher hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten -Ansiedler anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse -aus dem fruchtbaren Egerthale geholt wurden. Diese -Arbeit hatten hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten. -Da geschah es nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren -Sack mit Nahrungsmitteln (die Volkssage spricht von Kartoffeln) -geholt hatte und bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: »Ei, das ist -ein saurer Sack!« So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung -»Sauersack« genannt, welchen Namen sie bis zum heutigen -Tage behalten hat.</p> - -<h3 id="sec560">560. Ursprung des Namens Sorgenthal.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Sorgenthal bei Jöhstadt ist ein Ortsteil des böhmischen Dorfes -Pleil. Wo derselbe jetzt liegt, war einst ein finsteres Waldthal, -durch welches früher die Straße von Weipert nach Preßnitz führte. -Wenn nun die Reisenden durch das Waldthal kamen, befiel sie große -Sorge, denn hier lauerten ihnen vielfach Räuber auf, die in dem -sogenannten Blechhammer zwischen Weipert und dem »weißen Hirsch« -ihre Herberge hatten. Sie führten die Gefangenen aus dem Thale -mit sich nach genanntem Blechhammer, wo viele Mordthaten geschehen -sind. In dem Thale aber, wo anfangs nur einige Köhlerhütten -standen, wurde nach Lichtung des Waldes ein Ort gegründet, welcher -den Namen Sorgenthal erhielt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_460">[460]</a></span></p> - -<h3 id="sec561">561. Name und Ursprung der Stadt Weipert.</h3> - -<p class="source">(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und Joseph Pohl, -Chemnitz, 1874, S. 10 und 17.)</p> - -<p>Die Stadt Weipert wurde früher auch Weiberg oder Weinberg -genannt. Dieser Name schreibt sich daher: Als die Bergbaulustigen -die reichen Silberanbrüche der »Milde-Hand-Gotteszeche« auffanden, -riefen sie freudig aus: »Das ist ein fruchtbringender Weinberg!« -Davon ist dann der Ort genannt worden.</p> - -<p>Der Ursprung von Weipert ist jedenfalls unmittelbar an der -heutigen Grenzbrücke und wahrscheinlich an der Stelle zu suchen, wo -jetzt die Fabrik des Julius Schmidt steht. Hier am Bache ist die -tiefste Thaleinsenkung, welche der uralte Paß von Preßnitz nach -Schlettau zu überwinden hatte, und hier hatte der Frachtfuhrmann, -mochte er kommen, von welcher Seite er wollte, einen steilen Berg -vor sich, so daß er seinen Tieren Ruhe gönnen mußte. Es entstand -daher an dieser Stelle die erste Niederlassung, die eine Herberge war. -Die Sage erzählt, daß dieses Wirtshaus später eine Räuberhöhle -war, in welcher Reisende durch eine Fallthüre in einen Keller stürzten -und dort ermordet und begraben wurden, bis es endlich durch eine -Dienstmagd, die einen jungen Mann warnte, verraten wurde, worauf -Soldaten aus Kaaden das Haus umringten und samt den Bewohnern -niederbrannten. Man hat auch unter späteren Besitzern des Hauses, -das jedenfalls bald wieder aufgebaut wurde, bei Umbauten Totengebeine -im Keller gefunden.</p> - -<p>Als dann im 12. Jahrhunderte mit dem in der Gegend aufblühenden -Eisensteinbergbau auch die ersten Eisenschmelzen in Sorgenthal -und bei Pleil entstanden, bildete sich oberhalb des Passes dort, -wo jetzt der Gasthof zur Stadt Leipzig steht, eine zweite Ansiedelung. -Ein unternehmender Mann mit Namen Weyperth, von dem Erzreichtum -der Gegend angelockt und mit der Erz- und Eisengewinnung vertraut, -erbaute hier das erste Haus und ein Hammerwerk, dem seine -Angehörigen und Arbeitsleute den Namen ihres Werkherrn gaben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des Namens -Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als schon im Jahre 1533 -der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer Zeit, zu welcher der Silberbergbau -in der Gegend noch nicht begonnen hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes -vorkommt. Vielleicht wurde auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen -Wigbert geweiht hatte, auf den entstehenden Ort übertragen.</p> - -<p>Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und -Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug zwischen Preßnitz<span class="pagenum"><a id="Seite_461">[461]</a></span> -und Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger Gebirge, nach Pleil und -Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert -und Pleil nach dem weißen Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über -den Pöhlbach und sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz -nach Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten ihr -Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach Böhmen holten, -führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht, und solche Fuhrleute waren -es nach der Sage auch, welche in einem Wagengleise daselbst die ersten Silbererze -fanden und so die Gründung Freibergs veranlaßten.</p> - -<p>Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum -Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil selbst in -festem Gestein vorhanden sind.</p> - -<p>Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des Ortes -Kuhberg von einem czechischen Worte <em class="antiqua">küweribi</em>, welches er mit »ausspannen« verdeutscht, -ab. Wenn dies richtig ist, so würde dieser Name zur Bestätigung von -einer uralten Herberge am Pöhl- oder Grenzbache dienen.</p> - -<p>Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg gelegene -sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h. Kuhschwanz geheißen -haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach dem Archiv für sächs. Geschichte -(12. B., S. 95) erst seit dem Jahre 1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an -dessen Fuße er liegt.</p></div> - -<h3 id="sec562">562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.</h3> - -<p class="source">(Aus einer handschriftlichen Chronik von Böhmisch-Wiesenthal, mitgeteilt -vom Pfarrer H. Friedlein in Ober-Wiesenthal.)</p> - -<p>Bei dem Städtchen Böhmisch-Wiesenthal liegt der Ort Stolzenhahn, -auch Stolzenhain und Stolzenhann, in alten Kirchenbüchern -»der Stoltze Hayn« genannt.</p> - -<p>In alten Zeiten stand in der Gegend des jetzigen Dorfes im -dichten Walde eine Schmelzhütte. Als eines Morgens zwei Arbeiter -vor die Thür traten, erblickte der eine von ihnen einen schönen Auerhahn, -der auf einem nahen Baume saß. Da rief er aus: »Sieh, -welch ein stolzer Hahn!« und von diesem Ausrufe hat der Ort später -seinen Namen bekommen.</p> - -<h3 id="sec563">563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.</h3> - -<p class="source">(Aug. Kießling, Das Mineralbad zu Einsiedel, 1881, S. 8. Sachsens -Kirchengalerie, 8. B., S. 72.)</p> - -<p>Nach einer alten geschriebenen Chronik, welche im Pfarramts-Archive -zu Neuhausen aufbewahrt wird, hat der Ort Einsiedel bei -Sayda seinen Namen von drei Brüdern bekommen, welche sich vor -langer, langer Zeit als Einsiedler dort aufhielten. Auch die zu Einsiedel<span class="pagenum"><a id="Seite_462">[462]</a></span> -gehörige Ortschaft Brüderwiese soll ihren Namen diesen drei -Brüdern verdanken. Man vermutet, daß sich daselbst ihre Einsiedelei -befand, denn in der Kirche zu Seiffen zeigt man eine alte Glocke, -welche in der Brüderwiese aufgefunden worden sein soll und die möglicherweise -der Klause der drei Einsiedler einst angehörte.</p> - -<p>Auch das Dorf Einsiedel bei Chemnitz soll seine Entstehung -einem Einsiedler verdanken, der in frühesten Zeiten dort gehaust hat.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten Verkehrsstraßen durch -unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige Straßen vielfach unter ihren Schutz. -Klosterbrüder bauten sich an ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit -geistlichem Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen zu -lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher Einsiedeleien, an -denen sich vielleicht auch Kapellen befanden, später entstanden sind, ebenso wie die -Namen von Brunnen oder Anhöhen u. s. w., haben die Erinnerung an derartige -Stationen erhalten. Es ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden -Ortschaften auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine der -alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und das jetzige Einsiedel -nach Böhmen. (S. auch <em class="antiqua">Dr.</em> Alfr. Moschkau, Oybin-Chronik, S. 197.)</p></div> - -<h3 id="sec564">564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. S., N. 294.)</p> - -<p>In der Nähe der Dörfer Rothenfurth und Halsbrücke bei Freiberg -führt eine Brücke über die Mulde, welche man die Halsbrücke -nennt. Die Sage erzählt, sie habe ihren Namen davon erhalten, daß -der Bote, welcher Kunzens von Kauffungen Begnadigung vom Kurfürsten -überbringen sollte, hier, weil die Brücke von den Fluten der -sehr angeschwollenen Mulde weggerissen worden war, aufgehalten ward, -also nicht zu rechter Zeit eintreffen konnte und so Kunz seinen Hals -hergeben mußte.</p> - -<h3 id="sec565">565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas -und St. Jakob.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer R. Schlegel aus Hartenstein.)</p> - -<p>Als in früheren Zeiten im jetzigen Ortmannsdorf, Mülsen St. -Niklas und St. Jakob eine furchtbare Pest wütete, sollen in diesen -Dörfern, welche damals andere Namen hatten, nur drei Männer, -Ortmann, Niklas und Jakob, am Leben geblieben sein, nach deren -Namen später die Dörfer benannt wurden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_463">[463]</a></span></p> - -<h3 id="sec566">566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.</h3> - -<p class="source">(Nach der metr. Bearbeitung eines Lichtenbergers.)</p> - -<p>Bei dem Dorfe Lichtenberg erhebt sich der bewaldete und die -ganze Umgegend beherrschende Burgberg. Man erzählt, daß einst auf -ihm ein Schloß stand, welches als gefürchtetes Raubnest weit und -breit bekannt war. Wenn der Herr dieser Burg mit seinen Knappen durch -das Land zog, so bezeichneten Mord und Brand die Stätten, welche -er heimsuchte. Kehrte er dann von seinem blutigen Zuge wieder nach -dem Schlosse auf dem Burgberge zurück, so kreisten in wilder Lust -daselbst die Becher und die geängstigten Bewohner des Thales sahen -dann in der Nacht die Fenster des Schlosses hell erleuchtet. Da sprachen -sie zu einander: »Es wird wieder Licht auf unserm Berge!« Dabei -verwünschten sie die Bösewichter und baten Gott, daß er sie doch -von dieser Plage befreien wolle. Und die Zeit kam endlich auch, daß -die Burg zerfiel, und nur einen alten Steinwall bezeichnet man als -deren Reste. An dem Fuße des Berges konnte man wieder ruhig -wohnen, es bauten sich daselbst mehr und mehr an, und die zerstreuten -Ansiedelungen wurden später zu einem Dorfe vereinigt, dem -man zur Erinnerung an das Licht, welches einst nach jedem Raubzuge -der Ritter auf der Spitze des Burgberges zu sehen gewesen war, -den Namen »Lichtenberg« gab.</p> - -<h3 id="sec567">567. Der Ursprung des Namens Dörnthal.</h3> - -<p class="source">(Mündlich. Wilisch, Kirchenhist. v. Freiberg etc. II., S. 293. -Kirchengalerie, 12. B., S. 115.)</p> - -<p>Das Dorf Dörnthal bei Sayda hieß früher Dorothenthal nach -einer des heiligen Dorothea gewidmeten Kapelle, welche im 30jährigen -Kriege zerstört worden sein soll. Diese Kapelle soll zum Kloster Ossegg -gehört haben und sind zu derselben viel Wallfahrten geschehen. Man -sagt, daß von ihr noch eine zerschossene Wetterfahne vorhanden sei, -welche sich jetzt auf dem dermalen dem Kramer Keilig in Dörnthal -gehörigen Hause befindet. Auch zeigt man noch die eingefriedigte Stelle, -wo jene Kapelle gestanden haben soll. Von zwei Glocken, die auf der -Kapelle gehangen haben, soll die eine nach Annaberg und die andere -nach Großhartmannsdorf gekommen sein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_464">[464]</a></span></p> - -<h3 id="sec568">568. Deutung des Namens Weiters-Wiese.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p> - -<p>Das nur aus wenigen Waldhäusern bestehende Örtchen Weiters-Wiese -bei Karlsfeld soll ehemals »Weidewiese« geheißen haben. Es -war an dieser Stelle mitten im Walde eine nach Auerbach gehörige -Wiese vorhanden, auf welche während des Sommers von den Fleischern -genannter Stadt das Vieh zur Weide getrieben wurde.</p> - -<h3 id="sec569">569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.)</p> - -<p>Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb -in ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr -Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon -entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch -Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg -her jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich -zeigten, so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an – -daher der Name Schellenberg –, was für die jenseitigen Räuber das -Zeichen war, sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen. -Wenn hingegen von Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen, -zündeten jene ein Feuer an, um dem Schellenberger ein gleiches -Zeichen zu geben; daher der Name; denn der Wächter rief dann: -»Licht im Walde!« Länger als 300 Jahre trieben die Räuber ungestraft -dies Wesen; man weiß jedoch nicht, wer und wann es endigte.</p> - -<h3 id="sec570">570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.</h3> - -<p class="source">(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)</p> - -<p>Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, -man darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind -sei abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar -und also aus ihrer Hand sei erlöset worden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber mit der -vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch einen Nebel verdeckt und so -von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. Es sei nämlich der Feind einst früh -aufgebrochen und habe seinen Weg auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber -habe die Stadt, welche im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der<span class="pagenum"><a id="Seite_465">[465]</a></span> -alsdann den Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang -bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen -Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)</p></div> - -<h3 id="sec571">571. Der frühere Name von Lichtenstein.</h3> - -<p class="source">(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt -etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)</p> - -<p>In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein -steht, ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die -wenigen Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein« -bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung -mehrerer Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu -einer Stadt bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.</p> - -<h3 id="sec572">572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.</h3> - -<p class="source">(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und <em class="antiqua">Dr.</em> Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No. 3., -Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)</p> - -<p>Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem -Pavillon versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name -soll von einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. -Erzählt wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem -Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen -Heinrich Reuß-Plauen, worin ersterer dessen Burg Frauenstein im -Jahre 1438 erstürmen und brechen ließ, soll ein sie verteidigender -Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig, als Rebell auf dem obengenannten -Felsen enthauptet worden sein. Noch heutigen Tages zeigt man -in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch welche jener burggräfliche -Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden sein soll. Ein -gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter nördlich jetzt in -den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen »Storch« gegeben -haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln: Finke, Storch -und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder deutlicher zu reden, -des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.</p> - -<h3 id="sec573">573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)</p> - -<p>Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau -in die nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien,<span class="pagenum"><a id="Seite_466">[466]</a></span> -und es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch -jetzt der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals -bis auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der -Höhe, in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. -Nachdem die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen -Einwohner näher der Kirche wieder an.</p> - -<h3 id="sec574">574. Das Brautbette bei Rabenau.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)</p> - -<p>Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich -in den Junker Jeschke (<em class="antiqua">Jesico</em>) von Dohna. Der harte Vater verwehrte -sie ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch -entschlossen raubte sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und -das Beilager gleich im Walde an der Stelle, die noch heute das -Brautbette genannt wird.</p> - -<p>Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und -Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine -ganze Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber -aber nicht bekannt geworden.</p> - -<h3 id="sec575">575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.)</p> - -<p>Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb. -von Ponikau, Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer -Reise nach Mainz gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen. -Im dritten Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn, -der unter der sorgsamen Pflege der Mutter und einer Amme wohl -gedieh. Der Knabe war wenig über das zweite Jahr alt, als einst -an einem schönen Sommertage Frau Katharina mit der Amme ohnweit -des Schlosses auf jenem Hügel lustwandelte, welcher jetzt der -Pavillon heißt. Als der Knabe in den Armen der Amme entschlummert -war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen pflücken, damit wir -ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme bettete das Kind -an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half sodann der -Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich aus -der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf -das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich -damit in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich,<span class="pagenum"><a id="Seite_467">[467]</a></span> -denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften -und Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die -beiden Frauen den Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug -die arme Mutter die Hände vor das Gesicht und sank ohnmächtig -nieder; die Amme aber verfolgte schreiend und händeringend den über -ihr fliegenden Räuber. Schon schwebte derselbe über dem hohen und -felsigen Hügel, der im oberen Teile des unmittelbar vor dem Schlosse -liegenden Städtchens Lauenstein sich erhebt, – da fiel ein Schuß. -Ein Jäger, welcher, aus dem nahen Forste zurückkommend, die Gefahr -sah, hatte den Schuß gethan und gut getroffen. Der Vogel stürzte -tot zur Erde und lebend und wohlbehalten hing das geraubte Kind -an den Klauen des erschossenen Vogels.</p> - -<p>Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens -ließ Frau Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte, -einen Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen. -Dieser Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf -dem Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch -der Katharinenstein.</p> - -<h3 id="sec576">576. Die Kutte bei Elterlein.</h3> - -<p class="source">(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 35.)</p> - -<p>Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle, -wo er seines Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im -Walde nieder, um zu verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen -berührte ihn etwas von hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut -aufschrie. Er untersuchte den Boden und fand einen starken Zacken -gewachsenen Silbers, der drei Zoll lang aus der Erde hervorstand. -Um die Stelle sicher zu bezeichnen, zog er seine Kutte aus und legte -sie darüber. Dann eilte er in vollem Laufe nach Grünhain zurück -und erzählte von seinem Funde voller Freude dem Abte. Bald darauf -ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein regelmäßiges Berggebäude -angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab und noch jetzt -die Kutte heißt.</p> - -<h3 id="sec577">577. Sechs Brüder bei Geyer.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.)</p> - -<p>Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein -die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es -einem Trupp herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen,<span class="pagenum"><a id="Seite_468">[468]</a></span> -in der Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten -Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun -mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern -heftiger Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie -sämtlich tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen -und brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu -bringen. So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, -erhob sich der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt -drohten, so wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von -ihnen, die Gefangenen ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein -trauriges. Denn kaum waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, -so fielen die mordlustigen Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer -Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die grausamste Weise; -den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem ihn die -Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten.</p> - -<p>Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen -bei Geyer noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann, -ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.</p> - -<h3 id="sec578">578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr -eine halbe Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe, -welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist. -Über den Namen dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah, -daß einst drei Brüder mit einander in den Wald nach Holz fuhren. -Da fanden sie einen zu Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben -alsobald ab und legten hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe -zu holen, ein Bergwerk an, in welchem sie große Reichtümer gewannen. -So entstand zuerst die Grube »Alte Brüder«, und später, -als auch weiter abwärts Silbererze gefunden wurden, die Zeche »Neue -Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung an jene Brüder -die Dreibrüderhöhe genannt.</p> - -<h3 id="sec579">579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.</h3> - -<p class="source">(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.)</p> - -<p>Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der -Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung,<span class="pagenum"><a id="Seite_469">[469]</a></span> -»Reue« genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen -Feldparzellen einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft -worden. Weil nun der Verkäufer es später bitter bereut hat, die -Grundstücke so billig verkauft zu haben, so hat man der Waldung -den Namen »Reue« beigelegt, welchen sie noch heute führt.</p> - -<h3 id="sec580">580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal -stammt.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb -Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten -von Wald eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der -»Bär« genannt. Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben: -In dem dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen -sich die letzten Bären aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von -der gegenüberliegenden Spitzleite und mußten dabei über die Mulde. -Ein kleiner Bär wollte nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen -Schlag, daß er sofort tot war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem -Lager. Von dem getöteten Bären nun soll der Name des Grundes -herrühren.</p> - -<h3 id="sec581">581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Friedrich Polle in Dresden.)</p> - -<p>An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber -eine schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein -heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst -ein Jäger mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß -er den Bären die Felswand hinunter warf.</p> - -<h3 id="sec582">582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.</h3> - -<p class="source">(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, -1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl -Müller, die Natur, 1882, No. 24.)</p> - -<p>I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge -bei Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge -befindet, eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und<span class="pagenum"><a id="Seite_470">[470]</a></span> -durch den Schein der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen -Glanz verbreitet haben, daß die Ritter der Festen Geiersburg und -Lauenstein, welche in jener Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei -ihrem gegenseitigen Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen -dem jetzt dort befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« -nächst dem Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme -auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein -als einen Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, -woraus später »Mückenberg« ward, genannt wurde. – Auf derselben -Stelle am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein -steht, hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine -Klause aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten -sich in einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen -in der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und -waren ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr -und des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den -alten Einsiedler verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des -Berges alles Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk -zur Last legten. Sie erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden -ihn und drohten mit Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und -reumütiges Geständnis über den teuflischen Spuk und das höllische -Wetter, woran er nur allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme -Einsiedler fiel vor Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen -Heiligen, man möchte ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, -dann würden ihre Herren Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. -Als dies die Knappen hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. -Da nun der Tag graute, war in der Natur Stille eingetreten, kein -Lüftchen regte sich, die Lerchen erhoben sich zum Gesange und der -alte Einsiedler Wolfgang führte die beiden Knappen den Hügel empor, -wo jetzt die Restauration Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten -gegen Osten und siehe da – majestätisch ging die Sonne auf, sodaß -die Knappen wie versteinert dastanden. Sodann sprach der Einsiedler -mit feierlicher Stimme: »Sehet ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, -der jetzt die Sonne aufgehen läßt, welche ihre wunderbaren Strahlen -auf diesen Zinnturm wirft und immer den Glanz und Schein verbreitet, -vor dem ihr euch fürchtet, der läßt auch finstere Nächte, große -Stürme und Regen werden; darum gehet hin zu euren Rittern und -verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein mir bekanntes, gewinnreiches -Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen von euch -unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!« Hierauf -verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die Schönheit<span class="pagenum"><a id="Seite_471">[471]</a></span> -des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden -Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund -nach der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und -gesehen hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den -Rittern der Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen -haben sollen, daselbst die Zinngraupen zu brechen.</p> - -<p>II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener -Räuber, dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der -Nachbarschaft erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. -Mit dem Raube eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß -ihn der schnellste und gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. -Einst hatte der Bösewicht auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. -Das Mütterchen aber, froh des Besitzes einer Wünschelrute, -schwang diese, sobald sie den Raub entdeckt, und rief im höchsten -Ingrimme die Worte aus: »Du sollst zerstochen sein, bevor du den -Gipfel des Berges erreichst!« Diese Verwünschung ging sofort in Erfüllung. -Ein ungeheurer Mückenschwarm tauchte auf und zerstach den -Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag. An der Stelle, wo ihn die -Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete man später ein Denkmal, -das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter Ort für die Ausflüge -der Badegäste von Teplitz ist.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche Naturerscheinungen -zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher sich an der -Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist z. B. eine Erinnerung an -den großen Reichtum genannten Erzes, dessen auch Albinus mit den Worten gedenkt: -Der Mückenberg ist vor Zeiten berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup -allda so groß als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590. -S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. Ungeheure -Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge aufgetreten; so schreibt -Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte -zu Scheibenberg ein großes Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern -eine halbe Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde -fortzusetzen.</p></div> - -<h3 id="sec583">583. Ursprung des Namens Fastenberg.</h3> - -<p class="source">(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. -Leipzig, 1723, S. 11.)</p> - -<p>Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt -steht, soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge<span class="pagenum"><a id="Seite_472">[472]</a></span> -eine Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem -nichts oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das -mag mir wohl ein rechter Fastenberg sein!«</p> - -<h3 id="sec584">584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Oederan.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.)</p> - -<p>Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten -aus der Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten -zog dabei der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon -liefen, über Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem -Gefolge, Bodowin von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet -hatte, kam zwei Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da -wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild -an der Nossener Straße geschleppt, dort lebendig gespießt und -ihm sein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an dem der -Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, -an der sich niemand zu vergreifen wagte, und erst zur Zeit der -Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten -Heiligenbilde. Von dieser Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe -der weiße Helm genannt.</p> - -<h3 id="sec585">585. Ursprung des Bergnamens »Schweiger.«</h3> - -<p class="source">(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.)</p> - -<p>Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange -des Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«. -Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar, -fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten -hin die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll -daher kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner -als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage -zubrachte.</p> - -<h3 id="sec586">586. Ursprung des Namens Silberbach.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß, -welches erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopf<span class="pagenum"><a id="Seite_473">[473]</a></span> -des Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser -fernerhin der Silberbach genannt wurde.</p> - -<h3 id="sec587">587. Ursprung des Namens Höllengrund im Oederaner Walde.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)</p> - -<p>Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen -Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei -Frankenberg, um daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke -darzubringen. Sie kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen -bis an den jetzigen Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich -von den Räubern des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer -hatten sich eine starke Bedeckung von kampffähigen Männern -mitgenommen, denen die Räuber unterlagen. Ihre Flucht über das -Eis der Flöha, welches brach, mißlang gänzlich und sie suchten deshalb -ihre Rettung in dem Walde. Doch auch hier ereilte sie das -Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden hinausgetrieben -und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber aber führt seit -dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod der Räuber -den Namen »Höllengrund.«</p> - -<h3 id="sec588">588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches -sich von Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte -herabkommenden Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister -in dem nahen Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein -solcher aus Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher -die Zuflüsse für das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen -haben.</p> - -<h3 id="sec589">589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)</p> - -<p>Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der -gleichsam ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener -Vorposten ist. Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den -Namen Spitzberg, wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine -äußerste Spitze ein Kreuz aus Fichtenholz ziert.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_474">[474]</a></span></p> - -<p>Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals -am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest -feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob -Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem -Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner -dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein -Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen -Posaunen gehörig aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die -Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die -Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille -auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten -ein neues Kreuz.</p> - -<h3 id="sec590">590. Der Dreimännerberg.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)</p> - -<p>Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich -erhebenden Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer -bis an die letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des -Eremiten »Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen -Erzgang über dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die -Schächte über dem Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen -Gang so aufzuschließen im Sinne hatten, aber es blieb bei dem -»Glückauf!« Und wenn sie hineinriefen in die Schächte, durch die -Stollen und mit dem Hammer und Schlegel frugen, der schwarze -Gang gab keinen Bescheid mit seinem tauben Gestein.</p> - -<h3 id="sec591">591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.</h3> - -<p class="source">(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. -Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.)</p> - -<p>Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer -erhebt sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher -Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst -ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen -Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in -Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger -entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken -zurückgeblieben sei.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen des Felsens -hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens, auf dem möglicherweise früher<span class="pagenum"><a id="Seite_475">[475]</a></span> -ein loser, hin und her zu wiegender Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein -identisch mit den »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind -»solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf ihren Schwerpunkt -gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her bewegt werden können.« -(Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) – -Noch sei es gestattet, wenn wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein -war, die Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die -Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen kann, waren jedenfalls -heidnische Opferstätten oder Beratungsorte und dienten auch als Orakel bei -Prüfung der Frauentreue. Dann könnte unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung -der altgermanischen Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben. -Darauf würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen zurückzuführen -sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 353). -Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen Jungfernsprung, d. h. die -Stelle, von wo einst ein verfolgtes Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe -auf dem genannten Felsen ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine -heidnische Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die -vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die Sage vom -Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges Menschen- resp. Jungfernopfer -sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S. 10–13.)</p> - -<p>Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine vermuten?</p></div> - -<h3 id="sec592">592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.</h3> - -<p class="source">(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.)</p> - -<p>Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei -Eibenstock ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt. -Die Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer -besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden.</p> - -<h3 id="sec593">593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.</h3> - -<p class="source">(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig, -Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.)</p> - -<p>Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten -Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe -soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl -hervorgequollen sei.</p> - -<h3 id="sec594">594. Der Claußberg in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, 1716, S. 24.)</p> - -<p>Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg, -auf welcher das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg.<span class="pagenum"><a id="Seite_476">[476]</a></span> -Den Ursprung desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein -Edelmann, namens Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen -worden sein soll.</p> - -<h3 id="sec595">595. Der Galgenberg bei Euba.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.)</p> - -<p>Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen -Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg -genannt, von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge -und abwärts bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt. -Auf dieser Höhe befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der -jedesmalige Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten -hat. Man hält sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an -welchem im 30jährigen Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem -Feinde gegenübergestanden, einen gefangenen Spion soll aufgehängt -haben. Daher der Name Galgenberg.</p> - -<h3 id="sec596">596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn, -Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.)</p> - -<p>Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn -bei Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem -nahen und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer -Stein« aus Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch -aus freiem Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner -Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt, -und ebensoweit von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden -»Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner -Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll -er davon erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge, -zum Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines -Kelches in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals -dem katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden -Umwohner oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit -der Figur, ein Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen. -Die andere Annahme, daß der Volksmund den isolierten, im Laufe -der Jahrhunderte ziemlich verwitterten Felsen wegen seiner eigenen -Ähnlichkeit mit einem solchen Gefäße so genannt habe, hat deswegen<span class="pagenum"><a id="Seite_477">[477]</a></span> -weniger Wahrscheinlichkeit für sich, weil eine solche Ähnlichkeit von -keiner Phantasie zu entdecken sein dürfte.</p> - -<p>Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen -Namen von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei -Burschen mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in -die Nähe des Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und -sie warfen sich in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer -von ihnen so unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur -Erinnerung an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte -stehenden Fels »Buttertöpfchen«.</p> - -<h3 id="sec597">597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.</h3> - -<p class="source">(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.)</p> - -<p>In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt -rechts von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in -einem Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein, -worauf ein Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen -fließenden Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen -Taufstein und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten -Emigranten sich in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und -Gottesdienst hier gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten.</p> - -<h3 id="sec598">598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge -bei Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.)</p> - -<p>Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum -letzten Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen -einige die Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel« -führen. Beide Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt.</p> - -<p>Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die -wilde Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen. -Als er eines Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die -Sehma überschreiten wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen, -vor dem er sich nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und -mit blutigen Streifen im Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen -hatten, erreichte er den Gipfel des Berges und gelangte nach wenig<span class="pagenum"><a id="Seite_478">[478]</a></span> -Schritten zu einem Häuschen, aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte. -Von dem Wirte und dessen Frau freundlich bewillkommnet, erholte er -sich bald bei Speise und Trank in der wohlerwärmten Stube. Nun -hörte er von der redseligen Wirtin, welcher Gefahr er glücklich entgangen -sei, denn in dem nahen Walde trieben böse Geister ihr Wesen -und der Bär sei wahrscheinlich auch ein solcher gewesen. Nicht weit -von ihrem Häuschen befinde sich im Walde ein Kreis von zackigen -Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und einen großen Schatz -bewachen.</p> - -<p>Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student -von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf -mit dem Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich -mir«, rief er aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!« -Die mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der -Student stürmte hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er -den Teufel herbei, und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der -Finsternis und sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit -seinem Dolche über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe -entwunden und in die Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner -wieder, da zuckte ein Blitz und beim Scheine desselben sah er noch -deutlicher die schwarze Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos -stürzte er zwischen den Felsen nieder.</p> - -<p>In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich -auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das -Fenster blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus -zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei -ihnen ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie -er die Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach: -»Fürchtet euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es -auch. Es war der Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von -dem Kloster Grünhain von der Nacht überrascht worden und in der -Irre gegangen war, bis er sich an den Felsen ein Nachtlager gebettet -hatte. Da war er durch den Ruf des Studenten aufgeweckt worden -und noch halb im Schlafe war er auf denselben zugegangen. Als ihn -dieser aber mit dem Dolche angefallen, erzählte er weiter, habe er sich -zur Wehr gesetzt und einen grimmigen Kampf bestanden. Weiter wisse -er nichts. Als er am Morgen aus seiner Ohnmacht erwacht sei, habe -er blutend neben seinem Gegner gelegen, den er nun mit sich geschleppt. -Während dieser Erzählung zeigten sich bei dem Studenten Lebenszeichen -und es gelang auch bald, ihn wieder zum Bewußtsein zurückzubringen. -Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte er sich, diese gewannen ihn<span class="pagenum"><a id="Seite_479">[479]</a></span> -lieb, und da er selbst gern an dem Orte bleiben wollte, nahmen sie ihn -an Kindesstatt an und hinterließen ihm bei ihrem Tode das Haus, -welches von nun an nach den vor dem Kampfe mit dem vermeintlichen -Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten »zum letzten Heller« -genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach jenem Kampfe die -Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete die Schwester des -Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines bescheidenen Wohlstandes.</p> - -<h3 id="sec599">599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.</h3> - -<p class="source">(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.)</p> - -<p>Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes -Gebirge zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald, -dessen Name nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, -doch für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen -wird. Man hat ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit -Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter -Mauern erschienen; ferner fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, -Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen -Landstraße wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in -jener Schlacht darin floß.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit:</p> - -<p>Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich 1426, um die -entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, inzwischen -ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer -sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz) -den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren -Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten umschlossen, -führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl -nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden -vom Leib zogen und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr -ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen -und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter -noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz -und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag. -Conrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren -vor Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt. -Es ward nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute -der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal, Nürnberg, 1734, -2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz verlegt wird, geschah jedoch -bei Außig.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_480">[480]</a></span></p> - -<h3 id="sec600">600. Von den Namen einiger Brunnen.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung, -1. Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und -Sachsenburg, S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels -und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.)</p> - -<p>1) Der <em class="gesperrt">Jüdenbrunnen</em> bei Kühnheide, dessen in einer alten -Berg- und Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden -und Wallonen der Goldkörner wegen besucht.</p> - -<p>2) Mit dem Wasser des <em class="gesperrt">Löffelbrunnens</em> auf Satzunger und -Preßnitzer Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft.</p> - -<p>3) An dem <em class="gesperrt">Traubrunnen</em> zu Steinbach hat man in Kriegsläuften -die Eheleute getraut.</p> - -<p>4) Der <em class="gesperrt">kurfürstliche Jagdbrunnen</em> liegt eine Meile von -Crottendorf nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I. -im Jahre 1613 oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein -noch Bier besser geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine -Jäger einzimmern, die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum -eine Trinkkanne ein, die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu -versichern.</p> - -<p>5) Der <em class="gesperrt">süße Kühl-</em> und <em class="gesperrt">Löschbrunnen</em> zu Schlettau. Am -23. Febr. 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den -Schweden zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über -den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen. -Der linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da -standen viel Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, -zogen ihre silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, -löschten den Durst auf das annabergische Bier, und lobten und priesen -dabei das gute, gesunde Wasser viel höher als Bier.</p> - -<p>6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein -Brunnen, dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt <em class="gesperrt">Finkenbrunnen</em>. -Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen -bei einem Labetrunk dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt.</p> - -<p>7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt, -in welcher die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche -die <em class="gesperrt">Goldbörner</em> heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst -Johann Georg I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus -getrunken und dazu gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!«<span class="pagenum"><a id="Seite_481">[481]</a></span> -worauf er etliche Dukaten in die Börner geworfen, die dem anwesenden -Förster zu teil geworden, der von selbiger Zeit an diese Börner -seine Goldbörner genannt hätte.</p> - -<p>8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der -Kaiserforst und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche -der <em class="gesperrt">Goldborn</em> heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen -zum Scherz, wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die -kleinen Kinder aus dem Goldborne hole und bringe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf hinweist, daß -Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist ein Bild der Erzeugung, -und daher der Glaube, daß der Storch die kleinen Kinder aus einem Brunnen holt. -Auf dem Queckborn in Dresden stand früher das Bild eines Storches.</p></div> - -<p>9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der <em class="gesperrt">Zigeunerbrunnen</em>. -Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner, -welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie -Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze; -daher der Name desselben.</p> - -<h3 id="sec601">601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.</h3> - -<p>1) »<em class="gesperrt">Grauen Manns Fundgrube</em>« bei Johanngeorgenstadt. -Der Name soll von einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen -haben will, herrühren.</p> - -<p>2) »<em class="gesperrt">Glockenklang</em> und <em class="gesperrt">Vogelgesanger Fdgr.</em>« bei Johanngeorgenstadt -hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute, -welches man auf des Försters Vogelherd einige Tage vernommen, -so deutlich, als geschehe es in einer nahegelegenen Stadt, wobei -man auch zuweilen ein Bobern oder Lummern in der Erde verspürte.</p> - -<p>3) »<em class="gesperrt">Hohe Tanne</em>« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt -daher: Etliche Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie -im Schurf arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel -ein solcher Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen.</p> - -<p>4) »<em class="gesperrt">Scheller Traum</em>« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt. -Der Name rührt von einem Traume her, welchen eine Frau -gehabt und der den Ort anzeigte, wo man einschlagen müsse.</p> - -<p class="source"> -(Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt, -1723, S. 229. 244. 246.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_482">[482]</a></span></p> - -<p>5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich -ein alter Stollen, das <em class="gesperrt">Bocksloch</em> genannt. In demselben soll sich -ein Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen -Zeiten und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen, -um die Vorübergehenden zu necken.</p> - -<p class="source"> -(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, 1716, S. 47.)</p> - -<p>6) Die <em class="gesperrt">fruchtbare Thorheit</em>, eine frühere Silbergrube bei -Schneeberg, erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den -ersten Jahren des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, -daß man jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer -halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk -sogar in seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, -worüber man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig -war, nannte man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und -Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)</p> - -<h3 id="sec602">602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em> II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie -von Freiberg etc., II, S. 301.)</p> - -<p>Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten -diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund -zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als -die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche -an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern -gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen -Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten -wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen -Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche -Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und -Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, -welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder, -um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald -die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen -haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem -kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch -der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen -mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht -weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide<span class="pagenum"><a id="Seite_483">[483]</a></span> -der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was -man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. -In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich -dargestellt gewesen sein.</p> - -<h3 id="sec603">603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 150.)</p> - -<p>In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals -ein böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben -zu sagen und ihn zu rufen pflegte: <em class="antiqua">Bacchale patszem!</em> welches in -böhmischer Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun -das erste Wort zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen -Jungen <em class="antiqua">Bacchale</em> zu rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den -Namen des Pacemmüllers und der Pacemmühle aufbringen können.</p> - -<h3 id="sec604">604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p> - -<p>Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes -Torfhaus, welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst -eine Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende -und Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände -mit einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines -Mittags in der Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech -in den offen gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser -Begebenheit soll sich der Name jener Hütte herschreiben.</p> - -<h3 id="sec605">605. Das Stadtwappen von Geyer.</h3> - -<p class="source">(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg, -1740, S. 31 u. 32.)</p> - -<p>Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen -Zeiten her drei Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von -der Entstehung des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das -Bergstädtchen gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch -einen Geier, welcher auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und -Hühner vom Hofe zu Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum -Geyer erreget worden, indem die Schützen dem Geier nachgespüret und -darüber schöne Zinngraupen angetroffen haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_484">[484]</a></span></p> - -<h3 id="sec606">606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.</h3> - -<p class="source">(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881. -Nr. 48.)</p> - -<p>Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im -Osten das Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das -obere Thor. Als Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme -oder auch die dreifach getürmte Kirche im Wappen.</p> - -<h3 id="sec607">607. Das Stadtwappen von Öderan.</h3> - -<p class="source">(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch, Kirchenhist. -von Freiberg etc. II, S. 475.)</p> - -<p>Öderan führt im Wappen ein auf zwei Türmen liegendes Wagenrad, -um damit anzudeuten, daß die Entstehung der Stadt im 12. oder -13. Jahrhundert ein Fuhrmann veranlaßte, welcher auf dem Platze -eine Herberge erbaute. Bald gesellten sich noch andere Anbauer und -unter anderen einige Mönche hinzu, welche vor ihrer Einsiedelei ein -großes Kreuz aufpflanzten und Vorübergehende um Almosen ansprachen. -Man nannte sie »Schmerbrüder«, und es soll zu diesem Namen die -Wagenschmiere den Fuhrleuten Veranlassung gegeben haben, wie alte -Erzählungen berichten, nach denen auch der lang erhaltene Gebrauch -des schwarzen Siegels bei dem Rate zu Öderan darauf zurückzuführen -ist.</p> - -<h3 id="sec608">608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.</h3> - -<p class="source">(Bahn, Hist. Nachrichten v. Frankenberg u. Sachsenburg, 1755, S. 36.)</p> - -<p>Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf -dem Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes -Frauenzimmer vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit -offenem Thore stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes -oder Namenssiegel gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno -1690 gestochen worden, sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret, -der mit einem Mantel bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes -Schlachtschwert mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über -einem offenen Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten -Franken, wenn sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter -in die Erde gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen -haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_485">[485]</a></span></p> - -<h3 id="sec609">609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.)</p> - -<p>Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben -mit gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen -oder Fliegen fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der -Kirchturmspitze ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein. -Damit will man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich -daselbst aufgehalten haben, ableiten.</p> - -<h3 id="sec610">610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.</h3> - -<p class="source">(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.)</p> - -<p>Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will -man vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden.</p> - -<h3 id="sec611">611. Das Wappen der Stadt Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. Zwickau, 1656, S. 136.)</p> - -<p>Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem -Rate ihr Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz -rot, oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter -denen ein Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur -umgekehrt, daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme -aber gegen die linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf -dem Schilde aber zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen -Aufschläge weiß, und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein. -Auf dem andern Helm aber stehet der Ritter Moritz, welchen der -Kaiser der Stadt zum Patron gegeben.</p> - -<p>Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten -Teil des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen.</p> - -<h3 id="sec612">612. Das Wappen der Stadt Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chronicum</em>. Freiberg, 1653, S. 21.)</p> - -<p>Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt -einem Thore und Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im -gelben Felde darin soll Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem -eigenen Wappen der Stadt für geleistete Dienste dazu verliehen haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_486">[486]</a></span></p> - -<h3 id="sec613">613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg.</h3> - -<p class="source">(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge, -2. Teil. Halle, 1777, S. 89.)</p> - -<p>Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen -Scheibenberg angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild -zum Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln -von unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget -auf beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern -haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel -Greif in der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen -Schlegel und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren -nur dadurch unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.</p> - -<p>In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses -Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang -des Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen, -und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da -es aber ein Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und -Redlichkeit so fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die -Herrschaft wolle es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.</p> - -<h3 id="sec614">614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)</p> - -<p>Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne -zeigt ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis -über die Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte -aber sind zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet. -Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der -Sage die Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung -der Stadt Dippoldiswalde war.</p> - -<h3 id="sec615">615. Siegel der Stadt Frauenstein.</h3> - -<p class="source">(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. -Darnach Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)</p> - -<p>Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen -steht und in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. -Dies bedeutet, daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge -stand und von der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde.<span class="pagenum"><a id="Seite_487">[487]</a></span> -Der Zweig, welchen die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich -auf die Haselrute des Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, -welche grünte, als sie letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten -Libussas vom Pfluge weg nach Prag auf den Königsthron holten.</p> - -<p>Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit -entblößtem rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß -Frauenstein zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie -springt zwischen den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in -denselben steckt, was bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem -damals noch florierenden Bergbau bezogen hat.</p> - -<h3 id="sec616">616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.</h3> - -<p class="source">(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.)</p> - -<p>Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes -Thal mit drei hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem -beckenartigen Schilde einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das -reichsgräflich von Loß'sche Wappen am Herrenhause des Rittergutes -hat einen Frosch im runden Mittelschilde und als mittelste Helmzier. -Man deutet das angebliche Wappen von Olbernhau damit, daß sich -aus dem abgetrockneten See, für welchen man die flache Thalsohle, -in welchem der Ort liegt, ansieht, der letzte Frosch entfernt, um nach -dem auf der Höhe sich zeigenden Walde zu flüchten.</p> - -<h3 id="sec617">617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.)</p> - -<p>Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das -Dorf durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer -Mulde sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher -in dem Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen- -als das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt.</p> - -<p>Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von -den vielen Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von -dem Bache, welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das -Siegel führt deshalb einen Auerhahn am Bache.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_488">[488]</a></span></p> - -<h3 id="sec618">618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>, Zwickau, 1656, S. 37.)</p> - -<p>Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große -Brille in Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen, -daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der -zu Zwickau gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker -viel auf dergleichen Zeichen zu achten pflegten.</p> - -<h3 id="sec619">619. Die Wahrzeichen Freibergs.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense Chron.</em>, 1653, S. 29, 37 u. 138. -Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.)</p> - -<p>Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem -Dache auf allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu -sehen, wovon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen -wäre, welches derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein -wolle. Etliche meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers, -der 1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht -worden. – Als Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte -männliche Statue wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl. -sächsischen und Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an -der Brücke befand, sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die -Stelle bezeichnet, auf der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde.</p> - -<p>Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine -mit eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet, auf welcher -Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh. Vulpius (<em class="antiqua">Plagium Kauffungense</em>, -als Beigabe zu <em class="antiqua">Dr.</em> Daniel Wilh. Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743, -S. 229) folgendes: »Als 1702 der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein -fast in kleine Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen -neuen an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit des E. E. -Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen schwartz-blaulichten ungepolirten -Marmor-Stein darunter, auf welchem ein alter Silbergroschen gelegen, -dessen Schrifft und Gemählde Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern -so mürbe war, daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man -auch diesen, in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu finden, -auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten, sonst aber gar nichts -gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey Steine hatten einerlei Große, Länge -und Breite. Der Marmorstein wurde in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster -gleich kommen, und wiederum ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit<span class="pagenum"><a id="Seite_489">[489]</a></span> -gepräget, gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern Merkmahl, -drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf <em class="antiqua">recta</em> darauff.«</p> - -<p>Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am Erker -des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein steinerner Kopff, welcher -für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird, mit einem gräßlichen Gesichte, großen -Knebel-Barte und Sturmhaube, über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf -angedeuteten vierecketen Stein.«</p></div> - -<h3 id="sec620">620. Wahrzeichen von Crimmitschau.</h3> - -<p class="source">(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.)</p> - -<p>Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher -mitten auf dem Markte eingemauert war.</p> - -<h3 id="sec621">621. Die Wahrzeichen von Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)</p> - -<p>Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein, -welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen -Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der -Kopf sollte anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne -eingemauert oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit -einem Hunde verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf -Mauertürme vom Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach -einer andern Sage wäre es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann -gewesen, und die Sache 1415 geschehen.</p> - -<p>Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild -des sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier mit -Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war, an -dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der -Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.</p> - -<h3 id="sec622">622. Das Wahrzeichen von Tharand.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)</p> - -<p>Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene -und neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene -Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz -Granaten mit sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts -der Ort selbst Granaten hieß.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_490">[490]</a></span></p> - -<h3 id="sec623">623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)</p> - -<p>Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein -»Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen, der -allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des unaussprechlichen -Elends und der schrecklichen Not gilt, die der dreißigjährige -Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte. Es wurde -nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit jenes Krieges -das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der Stein-Laib -6 Zoll im Durchmesser.</p> - -<p>Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«, -wurde vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich -eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen -Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz -Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber berühmten -Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war.</p> - -<h3 id="sec624">624. Die frühere Größe des Städtchens Platz.</h3> - -<p class="source">(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.)</p> - -<p>Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem -ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß -beim sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner -in trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen -sei. Die Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300 -Häuser (jetzt nur 64!) gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört -worden sei, worauf sich der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von -Platz nach Norden und Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut -habe, und auf diese Weise sollen die beiden Ortschaften Hohentann, -d. i. bei der hohen Tanne, und Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden -sein.</p> - -<h3 id="sec625">625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.)</p> - -<p>Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal -erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers -des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16. -Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort<span class="pagenum"><a id="Seite_491">[491]</a></span> -und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav -und seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter -Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre -1174 flohen, gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der -Stadt heute noch die Burghäuser heißen und die Befreiung von der -Abgabe des sogenannten Dienerkornes genießen.</p> - -<h3 id="sec626">626. Die wüste Mark Kraxdorf.</h3> - -<p class="source">(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F. -A. Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.)</p> - -<p>Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten -im Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll -in seiner Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf -oder Krafftsdorf gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem -westlich im Walde gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser -und Schlüssel gefunden wurden.</p> - -<p>In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche -von West nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von -Teichdämmen auf dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die -ihre Schwärze sehr wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten -hatten.</p> - -<h3 id="sec627">627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.</h3> - -<p class="source">(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.)</p> - -<p>Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w., -welche jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen -Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden -heimgesucht. Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten, -zur Nothdurfft erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später -wurde das Dorf als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und -Georg von Mügeln verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten -Sage die Pest den Ort so von Menschen entblößt haben, daß von der -ganzen Bevölkerung nur zwei alte Jungfern am Leben blieben, welche -sich im Heu verborgen hatten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_492">[492]</a></span></p> - -<h3 id="sec628">628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal -und Königswalde.</h3> - -<p class="source">(Tobias Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. II, 1656, S. 157. G. Göpfert, -Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.)</p> - -<p>Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und -Königswalde, findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk, -welches über einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches -Berglein, weil es beraset und mit Holz bewachsen, anzusehen ist. -Von diesem Gemäuer wird erzählt, daß es ein Raubschloß gewesen -sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und ausgemauerter Brunnen, welchen -die Bauern den bösen Brunnen nennen, weil sich bisweilen Gespenster -daselbst haben sehen lassen. Es sollen hier nämlich die Geister -zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht haben, umgehen. -Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf, Rappendorf -genannt, gelegen haben. (S. No. 642.)</p> - -<h3 id="sec629">629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.</h3> - -<p class="source">(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, -1863, S. 3. Der Schluß mündlich.)</p> - -<p>Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von -Dippoldiswalde ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen, -gestanden habe. Man sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur -ein nach dem Berreuther Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz -und ein in der Nähe befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt. -Auf dem Platze soll eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen.</p> - -<h3 id="sec630">630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.</h3> - -<p class="source">(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge, -1. Teil, 1776, S. 111.)</p> - -<p>In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein -einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern -noch in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch -in einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im -Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag -Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und -Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf -am Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein<span class="pagenum"><a id="Seite_493">[493]</a></span> -ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie -die Fluren beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von -denen ein Teil jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz -soll auch ein Dorf mit Namen Kempfersgrün gestanden haben.</p> - -<h3 id="sec631">631. Die wüste Mark Oberopritz.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S. 92.)</p> - -<p>Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des -Räderkopfes zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein -die zu letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll -früher das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im -Hussitenkriege zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und -zwar da, wo in dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz -kommendes Bächlein mündet, die Wüstung Niederopritz.</p> - -<h3 id="sec632">632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, a. a. O., S. 60 etc.)</p> - -<p>1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen -Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein -gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch -Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon -von Sachsen, 16. B., S. 19.)</p> - -<p>2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer -Grundes, in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und -Heinersdorf liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg -Blankenau her, deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben -und Wällen nebst verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna -und Heinersdorf in einem kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die -Sage setzt die Einäscherung der Burg, von der sich ein Rittergeschlecht -von Blankenowe schrieb, in den Krieg Friedrich des Gebissenen mit -den Süddeutschen. (S. auch Schumann und Schiffner a. a. O., 14. -B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 114.)</p> - -<p>3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen -Adels- oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf, -Oneritz (Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz -und Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen -Chemnitz und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_494">[494]</a></span></p> - -<h3 id="sec633">633. Wüste Marken bei Augustusburg.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.)</p> - -<p>1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich -der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende -große fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen -verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll.</p> - -<p>2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland -gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine -Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich -im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt -gewesene Dorf Röthenbach lag.</p> - -<p>3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha -gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor dem -Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen -»Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben -Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und -andere Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher -Sammlungen zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen, -1. B., Schneeberg, 1750, S. 268.)</p> - -<h3 id="sec634">634. Von früheren Festen bei Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik -von Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges, -1. B., 1795, S. 14.)</p> - -<p>Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden -und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine -Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins -Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher. -Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man -früher am südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten -Grunde sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und -ebenso soll ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das -Brünnlasgut befindet, eine Warte gestanden haben.</p> - -<h3 id="sec635">635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.)</p> - -<p>Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in -Pöhla bis an die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand<span class="pagenum"><a id="Seite_495">[495]</a></span> -geheißen, weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden -ist. Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf -und Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten -und Ackerbeete.</p> - -<h3 id="sec636">636. Die wüste Mark Eibendorf.</h3> - -<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.)</p> - -<p>Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen -die meisten Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein -Dorf mit Namen Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen -Kriege zerstört worden sein soll.</p> - -<h3 id="sec637">637. Die wüste Mark Nennigkau.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.)</p> - -<p>Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe -wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher -im Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha -mündet.</p> - -<h3 id="sec638">638. Wüstungen bei Bärenstein.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.)</p> - -<p>Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain -und Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen -Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches -im 30jährigen Kriege zerstört wurde.</p> - -<h3 id="sec639">639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.)</p> - -<p>Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem dreißigjährigen -Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden -haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine -Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen -Kriege das Dorf Kuhren stand.</p> - -<p>Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache -gelegenes ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes -Dorf war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle<span class="pagenum"><a id="Seite_496">[496]</a></span> -stehen jetzt das Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen -Bergwerksgebäuden, und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr -vorhandene Rittergut Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche -Vorwerk stehen soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem -Freiberger Bürger Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, -welcher hülflos im Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf -dieser ein neues Heer gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze -bot. (Siehe Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., -S. 761.)</p> - -<h3 id="sec640">640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter von -Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, -St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her -gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766. -Manuskript.)</p> - -<p>I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb -der Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege -verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch -um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein -sollen. Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten -und überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet -wurde. Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz -nach Waldenburg geführt haben, denn er diente später den Bewohnern -des an der Stelle des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und -nach wieder entstandenen Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem -ersten Kirchen- und Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.</p> - -<p>II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf -liegenden »Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene -Dorf Naundorf, welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde -von 1348 oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der -untere Teil des Ortes blieb wüste, während der obere Teil unter dem -Namen »Hölzel« später wieder aufgebaut wurde.</p> - -<p>III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober- -und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der -Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich, -in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf -uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts -Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen -Bauern des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo<span class="pagenum"><a id="Seite_497">[497]</a></span> -einst Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den -Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem -auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme -als Decem gehalten haben.</p> - -<h3 id="sec641">641. Die Wüstung Sahnau.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 109.)</p> - -<p>In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen -und Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem -Hussitenkriege am Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher -noch zu Anfang dieses Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.</p> - -<h3 id="sec642">642 Die Wüstung Rappendorf.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Dr.</em> Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)</p> - -<p>In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal, -Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal -findet sich die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein -Dorf, welches wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten -Herren von Rapp oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt -man hier Spuren einer alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. -Jahrhundert zerstört worden sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle -den »bösen Brunnen«, welcher mit einem hohen Erddamm umgeben ist. -Mehrere Feld- und Waldbesitzer in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, -teils beim Holzfällen und Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, -gezimmertes Holz, eiserne Haspen und Bänder und dergleichen -gefunden.</p> - -<h3 id="sec643">643. Die Wüstung Boberau.</h3> - -<p class="source">(Herzog a. a. O., S. 64.)</p> - -<p>An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei -Drehfeld lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages -noch das zu Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_498">[498]</a></span></p> - -<h3 id="sec644">644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.</h3> - -<p class="source">(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)</p> - -<p>Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist -vielleicht ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich, -welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, -und ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu -dem Dorfe Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört -wurde und dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege -nach Falkenstein und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.</p> - -<h3 id="sec645">645. Die wüste Mark Warnsdorf.</h3> - -<p class="source">(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., -S. 174)</p> - -<p>In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine -große Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und -die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem dreißigjährigen -Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese befindet -sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch einen -breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer -Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer -Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von -hier herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese -vergraben gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.</p> - -<h3 id="sec646">646. Die ehemalige Burg Sohra.</h3> - -<p class="source">(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)</p> - -<p>Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale -das Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach -Pretzschendorf hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich -im Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr -hundert Jahren sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, -und eine eiserne Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll -von jenen Ruinen abstammen. An die Burg erinnert auch noch der -sogenannte Vorwerksring. In der Gegend, wo die Burg stand, sollen -Gespenster umgehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_499">[499]</a></span></p> - -<h3 id="sec647">647. Alt-Elbogen.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)</p> - -<p>Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der -Mitte zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge -zwischen dem Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der -Eger, die zahllosen Windungen des engen Felsenthales entlang gegen -Osten eilt und hier einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen -Hochebene nur durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen -Süden mit einer 40 Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. -Alt-Elbogen besteht aus der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, -etwa 190 Meter langen Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen -Hochburg, die ungefähr 1400 Quadratmeter enthält und ebenfalls durch -einen an der Nordostecke noch 2 Meter hohen Wall umgeben ist. -Mauerreste findet man hier nicht. In der Südostecke stand der Tradition -nach eine St. Barbarakapelle, die bereits im Jahre 1247 urkundlich -erwähnt wird.</p> - -<p>Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht -wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen -Gewölben große Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht -werden.</p> - -<h3 id="sec648">648. Die Grillenburg.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie -der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte -und Dörfer, 1727, II, S. 287.)</p> - -<p>Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, -die Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als -Wohnung für einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in -grauer Vorzeit eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten -nachgewiesen wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune -einen geräumigen, aus dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl -tausendjährig ist. Das Gewölbe wird in der Mitte von einer starken -Säule getragen, um welche herum mit einem zweispännigen Wagen zu -fahren, der Raum reichlich gestatten würde.</p> - -<p>Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses -Grillenburg gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften -Nachricht, sie lauteten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i8">I.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">»Meines lieben Bruders kläglich End,<br /></span> -<span class="i0">Der schwere Eingang zum Regiment,<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_500">[500]</a></span> -<span class="i0">Groß Widerwärtigkeit und Gefahr<br /></span> -<span class="i0">Mir schwere Sorg und Müh gebahr.<br /></span> -<span class="i0">Zu vertreiben solch Fantasey,<br /></span> -<span class="i0">Fieng ich diß neu Gebäu,<br /></span> -<span class="i0">Die Grüllen-Burg ichs davon nennt,<br /></span> -<span class="i0">In einem Jahr wurds gar vollend.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i8">II.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen,<br /></span> -<span class="i0">Da baut Hertzog August zu Sachsen<br /></span> -<span class="i0">In einem Jahr diß Jagd-Haus behend,<br /></span> -<span class="i0">Welches er die Grüllen-Burg nennt,<br /></span> -<span class="i0">Vor schwerer Sorg und Gedanken,<br /></span> -<span class="i0">Die ihm oblagen und bedrangten,<br /></span> -<span class="i0">Und richtets an zur Lust und Freud,<br /></span> -<span class="i0">Drum wird man hier der Grüllen queit.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i8">III.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich bin genannt die Grüllenburg,<br /></span> -<span class="i0">Darauf geschieht gar mancher Schlurg,<br /></span> -<span class="i0">Gedanken und schwere Fantasey,<br /></span> -<span class="i0">Legt man auf diesem Hause bey;<br /></span> -<span class="i0">Gegen Hasen, Hirsch und Schwein<br /></span> -<span class="i0">Vertreibt man hier die Zeit allein.<br /></span> -<span class="i0">Wer nun hat Grüllen und Mücken,<br /></span> -<span class="i0">Der lasse sie hinter sich zurücken.«<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec649">649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.</h3> - -<p class="source">(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)</p> - -<p>Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach -ein Dörfchen Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen -verwüstet worden wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt -der Lützenbach und der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor -alters eine Mühle unten in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle -genannt worden ist. Alte Leute wollen von derselben noch Baustelle -und Mühlgraben gesehen haben.</p> - -<h3 id="sec650">650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)</p> - -<p>Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen -zeigt man eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt<span class="pagenum"><a id="Seite_501">[501]</a></span> -wird, daß hier einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« -erbautes Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen -des Niklas sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das -ist auch der Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren -nächste Umgebung von Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.</p> - -<h3 id="sec651">651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II, S. 67. Bahn, Das Amt, -Schloß und Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)</p> - -<p>Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem -jetzigen Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe -Reichenau zu gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche -stehet. Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen -segnete, ist die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich -mit der Kirche auf dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen -Bewohner Frauensteins wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse -gebracht, welche bei gefallenem Platzregen sehr stark waren und -ihre Wohnungen schädigten. Man sah auf dem alten Stadtplatze im -vorigen Jahrhundert noch die Gassen und Überreste von den alten -Baustellen. Von dieser Verlegung der Stadt kam es auch, daß, was -sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt ward, nicht die Stadtkirche, sondern -die Begräbniskirche, als die Mutterkirche, erhielt.</p> - -<h3 id="sec652">652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.</h3> - -<p class="source">(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, -S. 20.)</p> - -<p>Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits -am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte -man sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten -Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren -Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war -das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden, -weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde -und noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, -der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem Jahre 1352 in den eigentlichen -Bereich der Geschichte. Jedenfalls entwickelte sich infolge der Entdeckung von -Silbererzen der junge Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien -Bergstadt erhoben wurde.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_502">[502]</a></span></p> - -<h3 id="sec653">653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.</h3> - -<p class="source">(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, -1881, Nr. 44. Mündliche Mitteilungen.)</p> - -<p>Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen -Abdachung des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke -in dieser Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden -der alten Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei -Erbauung von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der -Gottesacker dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das -Königliche Amtsgericht befindet.</p> - -<p>Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden -haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts -hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung -an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen -unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das Dörfel'sche -Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß -man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.</p> - -<p>Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht -des Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die -einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der -Stadt am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit -in Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage -und errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den -Ruinen des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich -die jetzige Stadt Kirchberg.</p> - -<h3 id="sec654">654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.</h3> - -<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc. -Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)</p> - -<p>Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, -Herr der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, -im Jahre 1476 von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, -legten sie das Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren -Unterthanen zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich -wuchs.</p> - -<p>Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes -zu Grünhain, eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter -Grenzstreit zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen -der Pflege Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen,<span class="pagenum"><a id="Seite_503">[503]</a></span> -welcher zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten -<span id="corr503">ihnen</span> lag. Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, -und der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: -»Keinem von Euch beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb -er plötzlich. Sein Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder -Priester, welcher den Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung -der inzwischen aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. -Dieselben kamen auf freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen -und durch Händedruck und Bruderkuß wurde die Versöhnung -besiegelt. An der Stelle aber, wo dies geschah, wurde ein Stein errichtet, -den der Abt segnete und mit Weihwasser, geschöpft aus dem in -der Nähe befindlichen heilbringenden »guten Brunnen«, besprengte. -Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein Zwönitz ein frohes Fest -gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter Stadt ein neues Wappenschild: -Den buntgefiederten Sittich im blauen Felde. Der Stein aber -wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei Grünhain und dem -von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der Volksglaube -gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver gerieben -und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die ersprießlichsten -Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später den Namen -Streitwald, welchen er noch heute führt.</p> - -<h3 id="sec655">655. Der Peststein bei Rauenstein.</h3> - -<p class="source">(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. -S. 305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)</p> - -<p>Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure -Jahre, die Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere -im niedern Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die -letztgenannte Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun -lebte aber in dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des -Richters, welcher mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu -Lengefeld verlobt war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr -aus den Fluten der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden -Tag neue Opfer forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater -davon befallen wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo -unterdeß die Pest nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber -mehrere gewürzhafte Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt -und damit sich selbst und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von -welchem ihm die Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer<span class="pagenum"><a id="Seite_504">[504]</a></span> -berühmten Apotheke hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach -Reifland zurück, und als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm -er über die Flöha und gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch -nach Lengefeld. Um den Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar -zu spät, allein es gelang ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater -und viele andere mit seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald -verschwand die furchtbare Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die -übrig gebliebenen Bewohner von Lengefeld, Rauenstein und Reifland -feierten ein Wiedersehens- und Dankfest. Auf der Stelle, wo dies -geschah und die Einwohner genannter Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung -ein Stein aufgerichtet und dieser bewahrt noch heute die -Erinnerung an jene traurige Zeit.</p> - -<h3 id="sec656">656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)</p> - -<p>Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet -sich im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:</p> - -<p>Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und -ward von einem Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein -Chormantel ihm als Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten -auf die Erde. Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam -dem verwogenen Gesellen ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm -lustig genug schien, auch zu versuchen. Er nahm also einen Mantel -um, stieg auf den Turm und sprang herab. Aber wehe, der Mantel -verwickelte sich, und kopfüber im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne -Schieferdecker auf das Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod -fand, setzte man zum Andenken an diese Begebenheit den roten Stein -in das Pflaster.</p> - -<h3 id="sec657">657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, -Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)</p> - -<p>In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche -an der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren -früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden -Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre -1428 ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein -und drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben -ändern würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei,<span class="pagenum"><a id="Seite_505">[505]</a></span> -ehe er dies thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn -die Hussiten erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und -stießen ihn hinab. An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank -sein Leichnam in den Fluten der Zschopau.</p> - -<h3 id="sec658">658. Zeichen auf dem Katzensteine.</h3> - -<p class="source">(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)</p> - -<p>Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt -sich der wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche -Absätze und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam -als ein Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf -findet man einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte -Charaktere gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu -Sachsen auf diesem Steine gefrühstückt haben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von Kursachsen -(2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf dem Steine auch verwitterte -Figuren von Tellern, Messer und Gabel zu sehen gewesen sein. Nach derselben -Quelle war der in der Sage angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., -wenigstem will man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.</p></div> - -<h3 id="sec659">659. Die zwei Messer zu Eibenstock.</h3> - -<p class="source">(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)</p> - -<p>Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt -Hans Meichsner zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, -G. Unger und Chr. Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander -uneins worden und haben sich geschlagen. Solches haben sie so lange -getrieben, bis Fröhlich mit einem Messer dem Unger gegen das Herz -einen Stich gegeben, darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat -Unger das Messer wieder herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, -doch hat sich dieser auf die Flucht begeben. Hernach ist über -ihn auf dem Markte öffentlich Halsgericht gehalten, und damit diese -schreckliche That den Nachkommen im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 -Messer in einen Stein gehauen, und solcher an der Ecke der Brotbänke, -wo früher der hölzerne Esel stand, aufgerichtet worden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_506">[506]</a></span></p> - -<h3 id="sec660">660. Das Steinkreuz bei Schlettau.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, -steht nahe vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. -Dasselbe soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege -ein schwedischer Offizier begraben wurde.</p> - -<h3 id="sec661">661. Das Steinkreuz bei Werda.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber -dem Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus -katholischer Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser -Stelle ein vornehmer Soldat im Kampfe gefallen sei.</p> - -<h3 id="sec662">662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)</p> - -<p>Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün -nach Waldkirchen, an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, -ein Stein mit eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich -ein Schafhirte von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen -worden sein. Der Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm -zukam und als er deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, -wurde er grob; es kam zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit -dem gewaltsamen Tode des Hirten.</p> - -<h3 id="sec663">663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden -Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den -gegenwärtig aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach -vielleicht 20 Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen -Meter hohen, an den Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten -Steine, dessen Oberfläche zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt -ist. Doch sieht man auf ihm noch zwei gekreuzte Messer und ein -Brotchen eingehauen. Hier sollen sich einst vor vielen Jahren bei<span class="pagenum"><a id="Seite_507">[507]</a></span> -einer Hungersnot zwei Frauen, welche zusammen in Wolfersgrün ein -Brot gekauft hatten, mit ihren Messern erstochen haben, weil jede von -ihnen das Brod ganz haben wollte.</p> - -<h3 id="sec664">664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)</p> - -<p>An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock -und Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt, -steht ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt -im Walde ein alter Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno -1799 ist an dieser Stelle ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend, -nachts mit seinem Fuhrwerk auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte -des Gasthofes zu Karlsfeld ermordet worden. Der Fuhrmann -ließ sich gegen Abend vom Wirte des genannten Gasthofes für Silbergeld -neue Kupfermünze geben. Dies sahe der Hausknecht, welcher -jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke hielt. Ihn gelüstete -nach denselben, und er ging deshalb, als der Fuhrmann bereits ein -gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete ihn und nahm ihm -die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an diese That ist -der Stein gesetzt worden.</p> - -<h3 id="sec665">665. Der Denkstein in Fürstenwalde.</h3> - -<p class="source">(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.)</p> - -<p>Auf Gotthelf Tittels Gute in Fürstenwalde steht ein Denkmal -mit der Bezeichnung <em class="antiqua">G. D.</em> und einer Schneiderschere, nebst der -Jahreszahl 1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre -ein aus Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr -aus der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem -Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren -und in Fürstenwalde beerdigt worden.</p> - -<h3 id="sec666">666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.</h3> - -<p class="source">(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, -2. Teil, 1777, S. 10.)</p> - -<p>Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei -Kreuze aus Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes<span class="pagenum"><a id="Seite_508">[508]</a></span> -Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler -einer Mordthat hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten -daselbst Fleischerknechte totgeschlagen hätten.</p> - -<h3 id="sec667">667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.)</p> - -<p>Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche -Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und vor -derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis eingehauene -Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei, -und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.</p> - -<h3 id="sec668">668. Die drei Kreuze bei Brand.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)</p> - -<p>Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen -von alters her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. -Bereits im Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so -vermorscht, daß an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den -Jahren 1608 und 1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle -der steinernen waren wieder solche von Holz gekommen. Von diesen -Kreuzen aber erzählt der Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß -in welchem, wäre Freiberg belagert worden und hätte eine hohe -Summe Brandschatzung geben sollen, diese aber nicht sogleich aufbringen -können, und deshalb drei Ratsherrn zu Geißeln gestellt. -Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre, so hätten sie einen -Boten in das feindliche Lager geschickt, der den Ratsherrn insgeheim -kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie womöglich in der -kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt sei nicht gesonnen, -die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch die Ratsherrn -ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager gekommen, hier -aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch durch -das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum Andenken -ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben müssen, -die drei Kreuze errichten lassen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_509">[509]</a></span></p> - -<h3 id="sec669">669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)</p> - -<p>An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand -ein von Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, -worauf ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. -An diesen knüpft sich folgende Sage:</p> - -<p>Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten -Ziska, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt -Görkau und das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen -katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. -Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen äußerst dichten Nebel -auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und sich erst dann wieder -in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei -vernahmen, welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber -tönte. Sie verfolgten die Richtung des Krähens und verfehlten -glücklich die Stadt, indem sie weiter östlich gelangten und schließlich -nicht mehr zurückkehrten. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung -aus drohender Gefahr ließen die Bewohner von Görkau das -erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen, von wo -es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz unter großen Feierlichkeiten -übertragen wurde. Die kleinen daselbst stehenden Linden wurden damals -von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.</p> - -<h3 id="sec670">670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg.</h3> - -<p class="source">(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.)</p> - -<p>Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen -Wirtshauses »Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke, -in welcher es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage, -als ein schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende -Donner, wie der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung -der Lustbarkeiten. Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden -Zeichen; die Ausbrüche wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die -Musik begann ein munteres Tanzstück zu spielen und unter Lärmen -und Johlen drehten sich die Paare im Kreise. Diesem frevelhaften -Treiben konnte die Strafe des Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter -hatte seine ganze Macht entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten -grell das Halbdunkel und das betäubende Krachen des Donners -vermischte sich mit dem Brausen des wütenden Sturmes. Den tollen<span class="pagenum"><a id="Seite_510">[510]</a></span> -Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein fürchterlicher Schlag, alle -Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde lang sonnenhell beleuchtet -und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein mächtiger Blitzstrahl -hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem gräßlich gähnenden -Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen darin Anwesenden -spurlos versank. – An der Stelle, wo die Schenke stand, wurde -später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz errichtet. Dieses -ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name »Beim roten -Kreuz« jedoch bis heute geblieben.</p> - -<h3 id="sec671">671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden -Höhe am rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst -soll ein Mann mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne -daß weder er noch seine Pferde Schaden genommen haben.</p> - -<h3 id="sec672">672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.)</p> - -<p>In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt, -ein großer Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz -sieht. Die Sage erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem -heftigen Gewitter zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig -donnerte, spotteten sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort -oben fährt der liebe Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber -hatte er diese Worte gesagt, so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz. -Der Knabe wurde darauf an dem Orte begraben, und zur Erinnerung -an diese Begebenheit meißelte man ein Kreuz in den großen Stein, -der bereits an dem Platze gelegen hatte, wo dies geschehen war.</p> - -<h3 id="sec673">673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.</h3> - -<p class="source">(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit -des sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern, -1860, S. 3.)</p> - -<p>Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen -Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt<span class="pagenum"><a id="Seite_511">[511]</a></span> -man sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August -Bachmann stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite -ein Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche -zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er -nämlich, heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der -Landstraße gegen Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel -hatte aufschlagen lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen -Schar ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine -Gefährten in den Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt -selbst dem Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende -Lichter erblickt werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind, -bezweifeln selbst die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit -des Kaisers Arnulf geschehen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7.</p></div> - -<h3 id="sec674">674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.)</p> - -<p>In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde -führt. Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr -stark und zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo -ein Mensch verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem Kruzifix, -welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat, herrührt. – Erwähnt -mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den Platz vermutet, an welchem 892 -die Ermordung des Bischofs Arno von Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv -für sächs. Gesch. 2. S. 175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen -zu den Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen.</p></div> - -<h3 id="sec675">675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz bei Sayda.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.)</p> - -<p>In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal -von Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei -Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen -gehauen haben, so daß beide gestorben sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_512">[512]</a></span></p> - -<h3 id="sec676">676. Das Marienbild in Maria-Kulm.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.)</p> - -<p>Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten -und unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet -wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber -ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch -wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine -Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord -unsicher gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein -Ritter aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der -Kapelle auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen -und dem Strafgerichte in Eger übergeben wurden.</p> - -<h3 id="sec677">677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.)</p> - -<p>Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck -und Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine -hölzerne Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in -der Hand hält und folgende Umschrift hat:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Das Zedels-Bild bin ich genannt<br /></span> -<span class="i0">Die löbliche Jägerei bin ich wol bekannt<br /></span> -<span class="i0">Sie komen her zu mir<br /></span> -<span class="i0">Und suchen auf dem Abschied<br /></span> -<span class="i0">Der Wölfe ihr Quartir<br /></span> -<span class="i0">Drincke auch gehrne gutes Bir<br /></span> -<span class="i8">Anno 1695.«<br /></span> -</div></div> - -<p>An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch -gemalt, aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich -ist das Bild ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo -die letzten Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß -das Bild früher etwas weiter im Walde angebracht war und daß es -die Stelle bezeichnete, wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde.</p> - -<h3 id="sec678">678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.)</p> - -<p>Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll -von dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein.<span class="pagenum"><a id="Seite_513">[513]</a></span> -Über die Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der -Künstler sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus, -vorher diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm, -aber er soll seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen -Worte gemäß niemals jene Strafe verbüßte.</p> - -<h3 id="sec679">679. Die Walfischrippen in Zwota.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.)</p> - -<p>In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren -am Wege zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des -Walfisches, zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben -in einem Garten des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an -dem jetzt eingegangenen Hammerwerke, welches nach der Überlieferung -des Volkes das feinste und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden -haben, und es wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten -Fuhrleute nach dem Hammer kamen, um das weit und breit -geschätzte Eisen zu holen. Von solchen Fuhrleuten sollen die genannten -»Walfischrippen« mitgebracht worden sein.</p> - -<h3 id="sec680">680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei -Glocken aus.</h3> - -<p class="source">(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im -Zellwalde, 1874, S. 7.)</p> - -<p>Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche -zu Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten -Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt -worden sein.</p> - -<h3 id="sec681">681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden -Sau ausgewühlt worden.</h3> - -<p class="source">(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt, -was man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300 -Jahren <em class="antiqua">a</em>) wegen der Kirchen, <em class="antiqua">b</em>) wegen des Thurms und <em class="antiqua">c</em>) wegen -derer Glocken gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage -derer Kirchen Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)</p> - -<p>Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am -Grunde an dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_514">[514]</a></span> -sagen, es wäre ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und -die Einwohner dieses Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und -des sündigen Wesens so hoch getrieben, daß Gottes Strafe über sie -ergangen und der Ort versunken wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei -Viehhirten ohnweit des ehemaligen Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet -haben, und solche hätten wahrgenommen, daß eine wilde Sau zwei -Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine gesagt. »Diese Glocke will -ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.« Der andere habe gesprochen: -»Das laß ich wohl bleiben; ich will mit meiner Glocke mir etwas zu -gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche Glocke wieder in die -Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten Männer haben -erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren Vätern und -Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten gefundene -Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar geben sie -nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie gleichsam -taktweise ihren Klang hätte.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Baum maum Kirchberg,<br /></span> -<span class="i0">Kirchberg ist mein Vaterland,<br /></span> -<span class="i0">Da mich die wilde Sau umwandt«.<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640.</p></div> - -<h3 id="sec682">682. Die Glocke von Jahnsgrün.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.)</p> - -<p>Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün -bei Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen -gelegen haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche -Weise, untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden -worden, als eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen -Boden wühlte. Diese Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu -Bärenwalde hängen. Man hat über die Begebenheit folgendes -Volkslied:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Gahnsgri is uner goange,<br /></span> -<span class="i0">Gahnsgri is verschwunden<br /></span> -<span class="i0">Ä wilde Sau hot ä Glock' ausgegrob'n,<br /></span> -<span class="i0">Ä Bettelma hot's gefunden«.<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch Sachsen Kirchengalerie (8. B., S. 58.) erzählt, daß man aus manchen -Spuren, z. B. aufgefundenen alten Schlüsseln, schließen will, daß die Gegend von<span class="pagenum"><a id="Seite_515">[515]</a></span> -Jahnsgrün vor der Zeit des Hussitenkriegs stark bevölkert gewesen sei. Hier ist besonders -bemerkenswert, daß die Sage noch von zahlreichen anderen Glocken erzählt, -welche durch Schweine aufgewühlt wurden. Dahin gehören die große Glocke zu -Marienei und die Kirchenglocke zu Treuen, welche letztere ebenfalls brummt: »En -wille Sau ausgegrob'n, en Bettelmann gefunne«. (Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, -S. 605.) Ferner mögen die Lobesdorfer Glocke, in der viel Silber war, so -daß sie sich durch ihren schönen Klang auszeichnete (Größler, Sagen der Grafschaft -Mansfeld, No. 36.), die Glocken von See und Spree in der Lausitz (Haupt, a. a. -O., S. 403.), zu Blankensee, welche summt: »Sau fand jenen Sand«, und zu Görzdorf -mit dem unmelodischen Tone: »Sony woillt us« (d. i. Sau wühlt aus), genannt -sein.</p> - -<p>Nork (Sitten u. Gebräuche etc. S. 372.) versucht einen mythischen Zusammenhang -zu finden, indem er meint, die Glocke, welche zuweilen aus Teichen und -Seen aufsteigt, sei wie die Nebelkappe auf dem Wasser (Odhins Hut) ein Symbol -für Stürme; ihr Tönen sei der heranbrausende Sturm. Er bringt damit die Benennung -»Sauzagel« für Wirbelwind in Verbindung. Die Sau aber ist Finderin -der im Dunkeln verborgenen Gegenstände, sonst ein der Finsternis geweihtes und -darum als Juelschwein dem Lichtgott geopfertes Tier. (Haupt, a. a. O., No. 283 a.) -Ein goldenborstiger Eber, auf welchem Freir und Freia ritten, erhellte die Nacht taghell.</p></div> - -<h3 id="sec683">683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)</p> - -<p>Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein -gegen 2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes -Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra -und Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen -Fläche einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos -waren, daß Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an -einem dritten Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes -Jahr an diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen -Glocken der versunkenen Stadt läuten hören.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland. Da, -wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine Stadt, welche versunken -ist; man hört noch die Glocken in der Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, -No. 66.) Auf dem Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges -in Thüringen, soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken ließ, -weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der Sage nicht die -Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine wurde einst auf dem Platze -eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch, auch als man sie umgegossen hatte, einen -abscheulichen Klang gab. S. übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. -(Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 18.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_516">[516]</a></span></p> - -<h3 id="sec684">684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk -großer Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die -Überreste eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die -Produkte der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges -angegriffen wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne -übrig blieben. Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine -Stadt gestanden habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei.</p> - -<h3 id="sec685">685. Die große Glocke in Geyer.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.)</p> - -<p>Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam -auf einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt -die Sage, daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die -Stadt liegt, durch eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor -ausgewühlt und von den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, -aufgehängt worden sei, aber nicht eher einen reinen und vollen Klang -gegeben habe, bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung -feierlich eingeweiht.</p> - -<p>Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen -Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz -von Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst -Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der -Prinzenraub darauf abgebildet.</p> - -<h3 id="sec686">686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswaldaer Heide.</h3> - -<p class="source">(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.)</p> - -<p>Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen -am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der -Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde -jedoch diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen -und das Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf -übergeführt. Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und -16 Schritt breite, jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem -Antonius, an welchen der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser -ausgezeichnete Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen<span class="pagenum"><a id="Seite_517">[517]</a></span> -Barbara erbaut worden sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese, -auf welcher ehemals die Antoniusklause gestanden haben soll.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in Rabenau, -daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche genannt, sei eine Wallfahrtskirche -gewesen, der historischen Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr -den Namen »Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine solche -sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war der Patron der Kaufleute -und an der an der alten Grenze von Meißen und Böhmen gelegenen Kapelle -führte jedenfalls in früheren Zeiten die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden -vorüber. Nach einer anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster -Zelle Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf befindliche -Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die Kapelle durch den -Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei, da eine andere Nachricht mitteilt, -daß sie im dreißigjährigen Kriege eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren -Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.)</p></div> - -<h3 id="sec687">687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.</h3> - -<p class="source">(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5–7. Kirchengalerie -von Sachsen, 12. B., S. 147.)</p> - -<p>Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als -ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf -einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen -Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an -diesem Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen -aber stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres -Schuppens ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte -es den »gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte -herum aber ist das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf -einer grünen Wiese gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal, -dem erst später die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet -ward, erbaute man an dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine -Kapelle, nach derem Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die -daselbst befindlich gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie -ihnen zu gewisser Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren -von Schönburg, welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den -Gerichten von Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe -zur Erinnerung an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf -beiden Seiten und auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_518">[518]</a></span></p> - -<h3 id="sec688">688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.</h3> - -<p class="source">(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.)</p> - -<p>Auf der sogenannten heiligen Wiese im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz -stand einst ein der Jungfrau Maria geweihter Altar mit -einem wundertätigen Marienbilde, das zahlreiche Gläubige an sich -lockte. Wenn dieselben die von den Mönchen des Klosters Grünthal -gehaltenen Messen angehört hatten, besuchten sie die Märkte in Lungwitz, -welche unter den »Linden«, die einst bei der jetzigen alten Post -standen, abgehalten wurden. Der alte Weg, der vom Dorfe zu der -heiligen Wiese führte und den die Wallfahrer ziehen mußten, hieß damals -die Vorlage und besteht teilweise noch heute unter dem Namen -»die Vorel« oder »Vurel« in der Nähe der jetzt Rügerschen Grundstücke -in Abtei-Lungwitz.</p> - -<p>Auf dem Turme der Oberlungwitzer Kirche befindet sich noch eine -uralte Glocke, die wahrscheinlich aus irgend einem Kloster stammt und -seiner Zeit an die alte Lungwitzer Kapelle abgegeben worden ist, und -zwar vorzugsweise mit zu dem Behufe, um bei den Wallfahrten nach -der heiligen Wiese gelauten zu werden. Nach einer alten Tradition -hat man stets mit dem Läuten der Glocken auf der Lungwitzer Kirche -begonnen, wenn die Wallfahrtsprozessionen bei dem Marienbilde im -Hirschgrunde angekommen waren, und es hat überhaupt dieses Bild dort -an dem Orte gestanden, von wo aus die Oberlungwitzer Kirche am -besten zu übersehen war, um während des Lesens der Messe u. s. w. -die erforderlichen Zeichen zum Anschlagen oder Lauten der Glocken vom -Platze aus hinüber nach dem Turme geben zu können.</p> - -<h3 id="sec689">689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O., No. 560.)</p> - -<p>Unter den Reliquien der Kirche zu Ebersdorf befindet sich ein -Schiffchen von Holz, welches aus dem 14. Jahrhundert stammt und -bei folgender Gelegenheit dort aufgehängt worden ist. Ein gewisser -Junker Wolf von Lichtenwalde (?) war ins gelobte Land gezogen, um -dort gegen die Sarazenen zu kämpfen; er hatte alle Gefahren und -Anstrengungen des Krieges glücklich überwunden und kehrte jetzt mit -Schätzen beladen nach seinem Vaterlande zurück, wo ihn eine liebende -Braut erwartete. Siehe, da begab es sich, daß das Schiff, auf dem -er nach Venedig segelte, von einem furchtbaren Sturme überfallen ward; -keine Geschicklichkeit des seekundigen Kapitäns, noch die übermenschlichen -Anstrengungen der Mannschaft vermochten dem Andrange der wütenden<span class="pagenum"><a id="Seite_519">[519]</a></span> -Elemente zu widerstehen und jeder sah dem Untergange des Schiffes in -nächster Zeit entgegen. Da sank der sonst so mutige Kreuzfahrer in -wilder Verzweiflung auf die Knie und gelobte der heiligen Jungfrau -zu Ebersdorf, daß, wenn sie ihn aus dieser Todesnot befreien und -glücklich in sein Ahnenschloß zurückkehren lassen werde, er ihr ein Schiffchen -ganz mit gutem Gold gefüllt als Opfer darbringen wolle, und -solle er auch sein ganzes Eigentum dabei aufwenden. Und siehe, fast -augenblicklich legte sich der Sturm, die Wogen glätteten sich und ein -günstiger Wind trieb das Schiff schnell und glücklich in den sichern -Hafen. Der Ritter vergaß aber nach seiner glücklichen Heimkehr sein -Gelübde nicht, er ließ von einem geschickten Künstler ein Schiffchen anfertigen, -füllte es mit Gold an und hing es zum ewigen Andenken in -der Kirche zu Ebersdorf am Altare der hl. Jungfrau auf. Zwar hat -die Lichtenwalder Gutsherrschaft nach der Reformation sowohl dieses -Gold als auch alle andern Kostbarkeiten und Nutzungen der Kirche an -sich genommen, nachdem sie die Verpflichtung eingegangen war, dieselbe -in allen Baulichkeiten zu unterhalten, ja, sollte sie einmal abbrennen, -ohne Zuthun der Gemeinde und des Kirchenärars aus ihren Mitteln -wieder aufzubauen, allein das Schiffchen ist heute noch zu sehen.</p> - -<h3 id="sec690">690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chron. v. Chemnitz I, 1767, S. 85.)</p> - -<p>Im Jahre 1738 wurde in der Schloßkirche zu Chemnitz eine -Geißelsäule wieder aufgerichtet, welche einige Jahre da gelegen hatte. -Dieselbe befand sich vorher in dem sogenannten Geißelsaale nahe bei -der Kirche und war aus einem Eichenbaume oder einer Linde gearbeitet. -Die Sage erzählte, daß der Baum unten aus der Erde aufgewachsen -und durchgeführt worden sei. Aus diesem ist nun durch die Bildhauerkunst -eine Säule zugerichtet und an derselbigen, ohne Zuthun anderen -Holzes, die ganze Geißelung Christi in Lebensgröße im ganzen ausgehauen -worden. Dieses Kunstwerk haben viele hundert Personen von -Fremden und Einheimischen jährlich zur Sommerzeit beim Spazierengehen -ehedem besichtiget.</p> - -<h3 id="sec691">691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 23.)</p> - -<p>Der Hauptaltar in der Annaberger Kirche besteht aus lauter -italienischem und griechischem Marmor und ist von Meister Adolf in -Augsburg verfertigt worden. Man erzählt davon folgende Sage:</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_520">[520]</a></span></p> - -<p>Ulrich Mengemeyer, ein reicher Bürger zu Augsburg, hatte sich -mit Andreas Tuchern, einem böswilligen Ratsherrn, verfeindet, und -ward durch dessen heimtückische Nachstellung bewogen, seine Vaterstadt -zu verlassen. Er wandte sich nach Annaberg, wo er schon seit längerer -Zeit viele Kuxe an sehr gesegneten Fundgruben hatte, und ward Bürger -daselbst, in der Meinung, vor Tuchers Verfolgungen nunmehr sicher -zu sein. Aber er irrte. Am Freitag vor Pfingsten 1514 ward er auf -dem Wege zu seinem Freunde, dem Guardian des Franziskanerklosters, -von zwei Meuchelmördern überfallen und erstochen. Die Mörder flohen -zum Frohnauer Thore hinaus nach dem Schreckenberge hin. Der eine -aber, Wilwald Dyrmann, den sein wüstes Aussehen und das Blut an -den Händen verriet, wurde im Thale von einem Bergmann festgehalten -und nach der Stadt zurückgebracht; der andere, Hansel Unger, ward -auch bald nachher in Pirna eingefangen und in Ketten nach Annaberg -geführt. Im Verhöre sagte Dyrmann aus, Andreas Tucher habe ihn -durch seinen Vetter, Philipp Weisenburgern, einen armen Edelmann -im Dienste der Stadt Augsburg, zu diesem Meuchelmorde für 400 fl. -dingen lassen. Deshalb ward sogleich an den Augsburger Rat geschickt -und Weisenburgers und Tuchers Auslieferung gefordert. Aber Weisenburger -nahm die Sache allein auf sich und schrieb an den Rat zu -Annaberg, er habe gute Sache an Mengemeyern gehabt und allein, -ohne Tuchers Geheiß, Dyrmann zu dieser That bewogen; darum -möchten sie dem das Lehen schenken. Zugleich war Weisenburger aus -Augsburg entwichen. Tucher schickte einen Sachwalter nach Annaberg, -der ihn vollends rechtfertigte. Dyrmann und Unger aber wurden -am Freitag nach St. Anna 1511 durch das Rad hingerichtet. So war -die Sache mit dem Rate zu Annaberg beigelegt. Herzog Georg von -Sachsen aber ließ es nicht dabei bewenden, sondern verklagte die Reichsstadt -Augsburg beim Kaiser, und obgleich der Augsburger Rat sich -vielfach entschuldigte, so ward doch auf dem Reichstage dahin entschieden, -daß die Stadt Augsburg wegen verletzten Gottesfriedens der Hauptkirche -zu Annaberg einen marmornen Altar verehren solle. Und dies -geschah auch.</p> - -<p>So erzählt die Sage. Geschichtlich glaubwürdige Nachrichten aber -sagen, dieser Altar sei von den Annabergern, welche sich damals des -reichsten Bergsegens erfreuten, mit 2551 fl. bezahlt worden, und Herzog -Georg der Bärtige habe selbst 1000 fl. von seinem Grubenanteil abgegeben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_521">[521]</a></span></p> - -<h3 id="sec692">692. Die Domkanzel in Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 134.)</p> - -<p>Die Sage erzählt, daß in dem Dome in Freiberg ein Meister -und sein Geselle jeder eine Kanzel gebaut habe, die des Gesellen aber -besser geraten sei. Darüber sei der Meister so zornig geworden, daß -er den Gesellen erschlagen habe. Noch jetzt kann kein Geistlicher auf -des Gesellen Kanzel wegen jener Greuelthat predigen.</p> - -<h3 id="sec693">693. Der Donatsturm zu Freiberg.</h3> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Sax.</em>, 1736, S. 171. Darnach Gräße, Sagenschatz, No. 286. -Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 275.)</p> - -<p>Auf dem sogenannten Donatsthore in Freiberg befindet sich ein -runder und sehr starker Turm, dessen Mauern 9 Ellen dick sind und -den angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von seinem -Solde abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man um die Stadt -Freiberg herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore -nach dem Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtturm, hinter -den sich, sobald man demselben gleichsteht, der große Donatturm verkriecht, -also daß man an solchem nichts mehr als den Knopf von der -oben darauf stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Turm -mehr als einmal so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtturm.</p> - -<h3 id="sec694">694. Der Marterturm auf Hassenstein.</h3> - -<p class="source">(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)</p> - -<p>Auf der Nordseite der Burg Hassenstein steht, einige hundert -Schritte von dieser malerischen Ruine entfernt, im dichten Walde ein -hoher, geräumiger Turm, von dem umwohnenden Landvolke insgemein -der »Marterturm« genannt. Der Sage nach wurde dieser Turm von -einem der ersten Hassensteiner Burgherren für gefallene Mädchen und -ihre Verführer gebaut. Doch es geschah, daß die Tochter des sittenstrengen -Besitzen die erste schuldige war, und deshalb in den Grund -des Turmes eingemauert, ihr Verführer aber vor dem Turme enthauptet -wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_522">[522]</a></span></p> - -<h3 id="sec695">695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 347.)</p> - -<p>In einem der Zimmer des Schlosses zu Nossen befand sich sonst -ein Gemälde, auf dem ein Mohr vorgestellt war, der in einer Wanne -saß. Den scheuern zwei Bademägde mit Katzenzagel und Sandhadern -recht nachdrücklich, also daß ihnen der Angstschweiß über die Wangen -läuft, können aber doch kein weißes Fleckchen an seiner Haut entdecken, -wie die darunter stehenden Reime bezeugen:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wir waschen ihn mit ganzem Fleiß,<br /></span> -<span class="i0">Noch will der Mohr nicht werden weiß.<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec696">696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.</h3> - -<p class="source">An der Straße, welche von Thalheim nach Stollberg führt, steht -auf der Höhe im Walde eine Restauration, »Tabakstanne« genannt, -die ihren Namen von einer alten Tanne hat, in welche Handwerksburschen -vor alter Zeit folgenden Reim schnitten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Sieh' hier, mein lieber Wandersmann,<br /></span> -<span class="i0">Ist die Forst- und Tabakstann',<br /></span> -<span class="i0">Setz' dich nieder, ruhe aus<br /></span> -<span class="i0">Und rauch' dein Pfeifchen Tabak aus.«<br /></span> -</div></div> - -<p>In der Neuzeit ist an die Stelle der alten wurmstichigen Tanne -eine junge gepflanzt worden, an der sich eine Tafel mit folgender Inschrift -befindet:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Sieh' hier, mein lieber Wandersmann,<br /></span> -<span class="i0">Verjüngt die alte Tabakstann',<br /></span> -<span class="i0">Bedenk' dabei die goldne Lehr':<br /></span> -<span class="i0">Das Neue prüf', das Alte ehr'.«<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec697">697. Die Eichen bei Callnberg.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnert bei Gräße a. a. O., No. 475.)</p> - -<p>In Callnberg bei Lichtenstein, wo Kunz von Kauffungen die -Gartenleitern (lederne Leitern mit Holzsprossen) für den Prinzenraub -fertigte – der Ort gehörte seinem Vetter Dietrich – stehen noch heute -ohngefähr 200 Schritte vom Rittergute an der Straße von Waldenburg -nach Lichtenstein zwei sehr alte, jedoch nicht schön gewachsene -Eichen, von denen man sagt, daß sie zum Andenken an den Prinzenraub -gepflanzt worden sind. Die Scheune, in welcher jene Leitern angefertigt<span class="pagenum"><a id="Seite_523">[523]</a></span> -wurden, ist längst zerstört, der Platz aber mit einer Gedenktafel -bezeichnet, deren Schrift mit der Zeit unleserlich geworden. Diesem -Mangel wurde später durch folgende Inschrift abgeholfen:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Hier knüpfte Leitern der Teufelskerl<br /></span> -<span class="i0">Kunz Kaufung, zu rauben des Landes Perl.<br /></span> -<span class="i0">Hans Schwalbe dazu ihm war bereit,<br /></span> -<span class="i0">Gelobt sei Gott in Ewigkeit.<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec698">698. Die Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Hist. Nachricht von den Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz, 1734, -S. 24. Gräße, Sagenschatz etc., No. 497, nach <em class="antiqua">Curiosa Sax.</em> und -Ziehnert.)</p> - -<p>Auf dem Pflaster der Schloßkirche zu Chemnitz sieht man einen -dunkeln Fleck, der daher rührt, daß einst ein Mönch, der sich bei einer -dort gehaltenen Himmelfahrtskomödie an der Maschine, die zum Hinaufziehen -in ein oben befindliches Gewölbe oder Herablassen aus diesem -diente, hinaufziehen ließ, im Herabfallen zu Tode stürzte. In derselben -befindet sich auch das Bild des Abtes Hilarius, der dieselbe etliche -Jahre vor der Vertreibung der Mönche hatte reparieren lassen. Dieses -Bild darf aber von niemandem geneckt oder von seinem Orte weggenommen -werden, wenn dem Thäter kein Unglück begegnen soll, wogegen -es einst einer Hausmagd, die es hübsch gesäubert, diesen Dienst mit -einem alten Thaler gelohnt hat.</p> - -<p>Von den aus Stein gehauenen Bildern im alten Portal der Kirche -wird gesagt, daß dieselben ein alchemistisches Geheimnis bedeuten sollen, -und man zeigte auch das Gewölbe, in dem die Mönche Alchemie betrieben.</p> - -<p>Ebenso sah man früher den Eingang zu der Höhle, durch welche -die Mönche unvermerkt aus dem Kloster und absonderlich in das Minoritenkloster -in der Stadt, bei welchem ein ähnlicher Gang unter der -Erde gefunden worden war, hätten kommen können.</p> - -<h3 id="sec699">699. Das zürnende Steinbild in Nossen.</h3> - -<p class="source">(Alfred Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II, S. 107.)</p> - -<p>Im Keller des Hauses dicht neben dem Gasthofe zum Stern am -Markte in Nossen soll ein altes, aus dem Kloster Altzella stammendes -Steinbild eingemauert sein. Vor ihm haben sich, des zürnenden Blickes<span class="pagenum"><a id="Seite_524">[524]</a></span> -wegen, welches das Bild oft machte, die Dienstboten des Hauses so -gefürchtet, daß es erst ohnlängst verblendet werden mußte.</p> - -<h3 id="sec700">700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, 495.)</p> - -<p>Auf dem alten Schlosse Oberforchheim am Haselbache, an der -Straße von Freiberg nach Annaberg, stand bis in die Mitte des vorigen -Jahrhunderts auf dem Oberboden in einer Kammer ein alter Großvaterstuhl, -den hieß man der Frau Mutter Stuhl und auf diesem lag -eine hölzerne Statue, die aber sehr stark vergoldet war, und ein kleines -Männchen vorstellte. Diese zwei Gegenstände kannte jedermann im -Schlosse und im Dorfe, und alle hatten eine gewisse heilige Scheu -vor denselben, denn man sagte, sie seien die Palladien des Rittergutes, -und wenn jemand den Stuhl von seiner Stelle rücke oder das Männchen -angreife und in eine andere Lage bringen wolle, der werde dafür -schwer von demselben gezüchtigt. Da diente um diese Zeit auf dem -Hofe ein Knecht, der sich vor dem Teufel nicht fürchtete und einst in -seiner Vermessenheit sich gegen seine Mitdiener rühmte, er wolle doch -sehen, ob ihm etwas geschehen werde, wenn er sich an dem Stuhle -vergreife. Darauf ging er also hinauf, schob den Stuhl weg und -gab dem alten Männchen einen Backenstreich; allein die Strafe blieb -nicht aus, denn noch in derselben Nacht legte sich dasselbe im Bette -auf ihn als schwerer Alp und drückte ihn bis es Tag wurde, in der -nächsten litt es ihn ebenso wenig und in der dritten warf es ihn gar -aus dem Bette heraus. Nun ward er zwar ängstlich, rückte auch den -Stuhl wieder an seinen alten Platz, allein der Geist war auf immer -seiner alten Wohnung abhold, denn er zog auf und davon. In den -darauf folgenden Tagen brannte das ganze Rittergut ab, und so viel -man sich auch Mühe gab, den Stuhl und das Männchen zu retten, -das einstürzende Dach begrub beide unter seinen Trümmern und als -man dieselben abräumte, war nichts mehr von ihnen übrig.</p> - -<h3 id="sec701">701. Das Schächerhäusel bei Geyer.</h3> - -<p class="source">(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. Band, Schneeberg, -1750, S. 31.)</p> - -<p>An der Landstraße bei Geyer stand ehemals das sogenannte -Schächerhäusel, welches aus einem gemauerten Schwibbogen, so mit<span class="pagenum"><a id="Seite_525">[525]</a></span> -Schindeln gedeckt und vornen mit Staketen verwahret war, bestand; -darin befanden sich drei Kreuzbilder. Dieses Schächerhäusel war wohl -ein Überbleibsel des Papsttums, doch erzählte man, es diene dazu, -die Reisenden vor dem Bergabgrunde, sowie vor Irrwischen und Berggeistern -zu warnen.</p> - -<h3 id="sec702">702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 43.)</p> - -<p>Diese kleine, nahe bei der Stadt Zwönitz gelegene Kirche, -in welcher nur noch bei Begräbnissen und wenigen Festtagen gepredigt -wird, soll ein Hufschmied aus Niederzwönitz zur Strafe getriebener -Sodomiterei haben erbauen müssen. Zum schmachvollen Gedächtnis -des Gründers hängen inwendig über der Thüre an einem Brette fünf -vergoldete Hufeisen; fünf, weil er sein Verbrechen fünf Jahre lang -soll getrieben haben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Hufeisen kommen oder kamen an und in vielen Kirchen, z. B. an der Nikolaikirche -zu Leipzig, in Nürnberg, Tangermünde etc., und zwar besonders an den -dem heil. Nikolaus geweihten vor und das Volk verbindet damit verschiedene Sagen. -So ist auch ein solches Eisen an der Domkirche in Wexiö in Schweden aufgehangen; -dasselbe soll Odhins Roß Sleipnir verloren haben, als es beim ersten Geläute der -ersten christlichen Messe einen gewaltigen Schlag gegen einen Felsen führte. Wo sich -Hufeisen an und in den Kirchen finden, deuten sie vielleicht auf einen einst an demselben -Platze gestandenen Tempel Wuotans hin. Die christlichen Bekehrer gestatteten, -daß dieses Heilszeichen (nach einem noch heute weitverbreiteten Glauben bringt ein -gefundenes Hufeisen Glück) dann an der Kirche aufgehangen wurde, um dem Volke -wenigstem etwas von dem gewohnten Kultus zu lassen.</p> - -<p>In den Nikolaikirchen bezieht sich das Hufeisen auf den heiligen Nikolaus -selbst, der an die Stelle Odhins trat und als geharnischter Reiter gedacht wurde. -In anderen Kirchen zeigte dieses Eisen vielleicht an, daß sich bei denselben eine Gesellschaft -in »Not und Tod« befand, welche die an der Pest Gestorbenen bestattete -und ihren Stifter, den Bischof Elegius, welchem das Hufeisen heilig war, als ihren -Schutzheiligen betrachtete. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1858, S. 23.)</p></div> - -<h3 id="sec703">703. Das wandernde Haus in Zinnwald.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Pros. Nachtrag, No. 2.)</p> - -<p>In sächsisch Zinnwald steht (?), ohngefähr fünfzig Schritt von -der Grenze entfernt, ein kleines hölzernes, von einem Bergmanne bewohntes -Häuschen, an dessen hintern Deckbalken in der Stube folgender -Vers eingeschnitten ist:</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_526">[526]</a></span></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich bin nun auf Sachsen Boden, Gott Lob,<br /></span> -<span class="i0">weil mich mein Wirth, Hans Hirsch, aus Böhmen rüber schob.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i8">1721.<br /></span> -</div></div> - -<p>In den Jahren 1716 bis 1728 wurden nämlich die protestantischen -Einwohner Böhmens ihrer Religion wegen hart verfolgt und -sogar gezwungen, entweder zur katholischen Kirche überzutreten oder -das Land zu verlassen. Wenige thaten das erstere, die meisten -wanderten nach Sachsen aus. Unter letzteren war auch ein Bergmann, -mit Namen Hans Hirsch. Er hielt fest an seinem Glauben und besann -sich deshalb keinen Augenblick, was er thun solle; aber sein Häuschen, -welches ohnweit der Grenze stand, hätte er gern mitgenommen. Darum -beriet er sich mit seinen Freunden und Gevattern und endlich -hatten sie's erklügelt. Das Häuschen ward auf Walzen gebracht und -bei Nacht und Nebel glücklich nach Sachsen herüber gepascht auf den -Fleck, wo es jetzt noch steht. Zum Andenken schnitt Hirsch obige -Schrift in den Balken ein.</p> - -<h3 id="sec704">704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels -mit benachbarten Schlössern.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Es wird erzählt, das Schloß Wildenfels habe in alter Zeit durch -unterirdische Gänge mit Stein, sowie mit Wiesenburg, welches früher -ein Raubschloß gewesen sein soll, in Verbindung gestanden. Ebenso -soll ein Gang von dem Schlosse nach einer Burg geführt haben, deren -Ruinen man noch vor Jahren in der »Loh«, einem sumpfigen Walddistrikte -bei Schönau sah. Auf einen der Gänge ist man vor mehreren -Jahren unter einem am Teichplatze des Städtchens Wildenfels gelegenen -Hause gestoßen; man hat darin aber weiter nichts gefunden, als eine -alte Grubenlampe.</p> - -<h3 id="sec705">705. Der Judenborn zu Sayda.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 21; z. T. mündlich.)</p> - -<p>Zum schnellen Anbau Oederans trug das nahe Freiberg mit -seinem Silbersegen sehr vieles bei. Besonders waren es Eisenarbeiter, -deren Arbeit und Erzeugnisse dem Bergbaue daselbst nötig waren, welche -Oederan im Anfange bevölkerten. Für die Oederaner Ansiedler wurde -zu dieser Zeit ein sogenannter Silberjude, der seine Wohnung im -jetzigen Rathause hatte, der Mäkler und Gläubiger. Denn er lieferte -die Silberstangen Freibergs größtenteils in das Oederaner Kloster,<span class="pagenum"><a id="Seite_527">[527]</a></span> -wo das Silber geschlagen und nach Nürnberg und Böhmen verpascht -wurde, woraus man großen Gewinn zog und wobei man sich aber um die -Unterstützung der Bewohner sehr wenig kümmerte. Nun zogen jener -Jude und einige Mönche (es soll im Jahre 1236 gewesen sein) mit -einem starken Silbertransport über Sayda nach Böhmen. Die erbitterten -Oederaner schlichen ihnen bis Sayda nach, vereinigten sich -dort mit den Bewohnern und besonders mit der Besatzung des dortigen -Schlosses, überfielen und plünderten die ungetreuen Haushalter, schlugen -den Juden tot und warfen ihn in einen Brunnen, welcher deshalb der -Judenbrunnen genannt wurde.</p> - -<p>Noch zeigt man am Gasthofe zum Bade in Sayda den Judenbrunnen. -Nach einer anderen Überlieferung erinnert derselbe, ebenso -wie eine Wiese, welche der Judenkirchhof genannt wird, an die alte -Judenvorstadt, welche außerhalb der alten Stadtwälle etwas unterhalb -des Judenkirchhofes auf einer Wiese lag, die jetzt noch den Namen -»Flecken« trägt. Als im Jahre 1465 die Stadt abbrannte, wurde -die Judenstadt nicht wieder aufgebaut, weil man den Juden die Schuld -an dem Brande beimaß.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Man hat den Namen der Stadt und Burg Sayda (urkundl. <em class="antiqua">Saydow</em>, <em class="antiqua">Seydowe</em>) -vom slavischen <em class="antiqua">sid</em>, der Jude, Adj. <em class="antiqua">sidowy</em> abgeleitet. Immisch (die slav. -Ortsnamen im Erzgebirge, Programmarb., Annaberg, 1866) stimmt dem jedoch -nicht bei, sondern hält die Ableitung vom slav. <em class="antiqua">sad</em>, die Anpflanzung, der Garten, -für richtiger. Er meint, daß vor den Juden die Slaven eine Ansiedelung gründeten, -mit der Zeit sei aber aus <em class="antiqua">sadowy</em>, d. h. die zur Ansiedelung Gehörigen, <em class="antiqua">saidow</em>, -<em class="antiqua">seidow</em>, <em class="antiqua">Sidow</em> geworden, welche letztere Form sehr gut wegen der Ähnlichkeit mit -<em class="antiqua">Zidow</em>, Judenstadt, verwechselt werden konnte.</p></div> - -<h3 id="sec706">706. Der Mühlgrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.</h3> - -<p class="source">(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgeb. Dresden, 1847, S. 299. Gießler, -Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 591.)</p> - -<p>Vom Fuße des Schloßberges Scharfenstein schiebt sich eine -schmale, niedrige, kaum 10 Meter hohe Felsenrippe weit in das Thal -hinein. Durch dieselbe wird die Zschopau genötigt, eine beinahe wieder -zurücklaufende Krümmung zu machen und das Thal im weitesten Bogen -an seinem äußersten Rande zu umkreisen. Bereits im 16. Jahrhunderte -wurde ungefähr in der Mitte dieser Felsenbank ein 30 Meter -langer Stollen durch dieselbe gebrochen, um das Flußwasser mit recht -viel Fall zu der jetzt Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Im -Jahre 1834 wurde derselbe erweitert, was später noch einmal geschah.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_528">[528]</a></span></p> - -<p>Die Sage erzählt nun über die Entstehung dieses Stollens folgendes: -Nach dem dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern -Scharfensteins wie anderwärts Räuber und Wildschützen, welche sich -meist aus den entlassenen Söldlingen rekrutierten, umher. Ein Herr -von Einsiedel, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß den Wildschützen -mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu -säubern, und es gelang ihm auch endlich, zwei derselben gefangen zu -nehmen. Es gab damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der -That ertappten Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr zögerte -nicht, diese Strafe auch über die beiden gefangenen Raubschützen verhängen -zu lassen. Dieselben sollten auf einen starken lebenden Hirsch, -den man zu diesem Behufe eingefangen hatte, gebunden und dann -ihrem weiteren Schicksale überlassen werden. Das war einen zehnfachen -Tode gleich zu achten, denn man hatte Beispiele, daß nach -Tagen und Wochen die geängstigten Tiere ihre schreckliche Last, zerfleischt -und doch noch lebend mit sich herumschleppten. Als den beiden -Missethätern das Urteil verkündigt worden war, erkannten sie sofort -dessen furchtbare Bedeutung und sie flehten um Gnade. Den älteren -von ihnen durchzuckte ein rettender Gedanke und er sprach zum Schloßbesitzer: -»Gnädiger Herr, wir sind Bergleute unserem Berufe nach, -und in diesem Fache gar wohl erfahren. Schon früher ist uns der -Wunsch nahe gelegt worden, einen Stollen vom Wasserspiegel der -Zschopau aus zu treiben, damit eine Wassermühle im Dorfe, an der -es jetzt so sehr fehlt, angelegt werden könne. Erlaßt uns nur die -furchtbare Strafe des Hirschreitens, und zur Sühne unserer Thaten -machen wir uns anheischig, den besagten Stollen durch den hohen -Felsen in Zeit von drei Tagen und drei Nächten zu treiben und zwar -nur mit Schlägel und Eisen.« Der Schloßherr ging nach kurzer -Überlegung auf den Vorschlag ein, und die beiden Verurteilten begannen -sofort ihr schweres Werk. Es wurden ihnen Leute gestellt, -welche die nötige Handreichung thun mußten, und genau nach Verlauf -der ausbedungnen Zeit war der Stollen fertig. Die Wildschützen freilich -waren vor Erschöpfung dem Tode nahe; halb entseelt lagen sie neben -dem Stolleneingange. Doch erholten sie sich und der Ritter vom -Scharfenstein hielt sein Wort und schenkte ihnen Freiheit und Leben.</p> - -<p>Erzählt wird, daß der berüchtigte Raubschütz Carl Stülpner, -Ende des 18. Jahrhunderts, ein Nachkomme des einen der Begnadigten -gewesen sein soll.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_529">[529]</a></span></p> - -<h3 id="sec707">707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1008.)</p> - -<p>Im Jahre 1493 ist ein Schneeberger, namens Kegler, bestraft -worden, weil er schmählich und leichtfertig von dem schneebergischen -Frauenvolk geredet hatte, daß er alle frommen Weiber auf einem -Karren vom Schneeberg führen wollte. Auf diese Rede hin, und weil -er insgemein von den Frauen nichts gutes gesprochen, ist er gefänglich -von den Gerichten eingezogen und ihm darauf zur Strafe auferlegt -worden, daß er die große Pfütze zwischen dem Schnee- und Claußberge, -da, wo jetzt das Rathaus steht, ausstürzen, und pflastern lassen -solle. Trotz seiner Beschwerde wurde diese Strafe auch vom Herzog -Georg bekräftigt. Das Pflaster aber, zu dem er über hundert Fuder -Steine haben mußte, wurde lange Zeit nachher noch des Keglers -Pflaster genannt.</p> - -<h3 id="sec708">708. Die übermütige Rede eines Schneeberges wird bestraft.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Unter den reichen Verzierungen in Steinmetzarbeit, womit das -früher Trebra'sche Haus in Schneeberg ausgezeichnet ist, befindet -sich auch als eine Art Wahrzeichen ein Kopf mit einer heraushängenden -Zunge. Von dem Erbauer des Hauses, einem gewissen Bortenreuter, -aber wird erzählt, daß derselbe seinem Vater, als ihm solcher -einst Vorstellungen wegen des übermäßigen, an dem Hause angebrachten -Luxus machte, in seinem Hochmute geantwortet habe, er sei so reich, -daß er dies und noch mehr thun könne, er könne sogar die ganze -Zobelgasse mit preußischen Thalern pflastern. Worauf ihm der Vater -antwortete: »Du wirst es noch so weit bringen, daß Dich einmal in -Deiner Armut die Läuse fressen!« Und so, wie es der Vater prophezeit, -ist es endlich auch gekommen.</p> - -<h3 id="sec709">709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen -Fischkessel.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 1165.)</p> - -<p>Zu der Kipper- und Wipperzeit, welche 1604 auf der Ostermesse -in Leipzig ihren Anfang nahm und 1623 ihren Höhepunkt erreichte, -so daß ein ganzer Reichsthaler 10 Gulden, ein rheinischer Gulden<span class="pagenum"><a id="Seite_530">[530]</a></span> -13 fl. und ein Dukaten 17 Gulden gegolten, hat einer von Adel -1500 Gulden dieses leichten Geldes, nachdem es gefallen, beisammen -gehabt, und da er noch die Unkosten darauf gewendet und das Silber -und Kupfer von einander scheiden lassen, hat er nur so viel gehabt, -daß er einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel daraus -hat machen lassen können.</p> - -<h3 id="sec710">710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung -bestraft.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 912 und 920.)</p> - -<p>Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu -Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht -und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß -sie sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben -ließen. Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab -greifen mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche -um Almosen bat.</p> - -<p>Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt -worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe, -daß er aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen. -Dasselbe Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter -Zeit mit seinem Weibe in Rheinwein badete.</p> - -<p>In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau, -die unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern -auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit -Malvasier begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden, -sagte sie, sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde -sonst wenig an ihn gedacht haben.</p> - -<h3 id="sec711">711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 904.)</p> - -<p>Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um -1500 Gulden verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern -für eine solche Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für -den Barchent eine Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die -Nachtigall einen Kux auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges, -welcher anfangs nicht groß geachtet worden, gegeben. Und da der<span class="pagenum"><a id="Seite_531">[531]</a></span> -Kux so herrliche Ausbeute und zwar an die 1500 Gulden gebracht, -hat man die Vogelbirne und die Ausbeute mit einander verglichen.</p> - -<h3 id="sec712">712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, -1881, S. 71.)</p> - -<p>Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und -Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein -mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme -vorstelle, was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der -Teurung 1772 hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals -Trebra'schen Hause berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen -für 25 Thaler verkauft worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause -erzählt man übrigens noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe, -wenn man das Bild an der Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder -aufhörte, sobald die Figur an ihre alte Stelle gebracht wurde.</p> - -<h3 id="sec713">713. Historia, wie Silberz in Holz gewachsen.</h3> - -<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 80.)</p> - -<p>Wie auf der St. Lorenz-Zeche zu Abertham eine Bergfeuchtigkeit -aus einer Strossen gesintert und darunter das Liegende in den -Strecken übersilbert und in den Klunsen des Trag-Tempels oder Kappen -und Strauben »zeenicht Silber« gewachsen, da das Holz nicht viel -über 20 Jahre im Berge gelegen, beschreibt Matthesius in seiner -<em class="antiqua">Sarepta</em> mit diesen Worten: »Ich will euch eine wunderschöne Berghistorie -sagen, von gediegenem Silber, das in St. Lorenz-Fundgrube -auf dem Abertham innerhalb 20 Jahren in einem Stempel gewachsen -und dies laufende 1556 Jahr aus der Grube gekommen ist.</p> - -<p>Da sich der Steiger auf dem St. Lorenz in der Zeche umsiehet, -wird er in einer Strecke gewahr, daß sich eine weiße »geharschte Art« -im Liegenden, wohl halb Orts hoch angelegt hat, die sahe aus, als -wäre das Gestein überzinnt. Solche sticht er ab und findet »in der -Sicherung« weiß Silber, als wenn es von einem Thalergroschen abgefeilet -worden wäre, und da er's probieren ließ, hielt es bis 17 Mark. -Wie er sich aber umschauet, wann es dahin gesintert sei, wird er -seiner gewahr in der First, daß es getropft sei aus einem schwebenden -Feld, das oben und unten, hinten und vorn verfahren, welches -nur seine Bergfeste noch hatte, kaum drei oder vier Spannen<span class="pagenum"><a id="Seite_532">[532]</a></span> -dick, und siehet, daß eine weiße Guhr oder molkenfarbiges Wasser -erstlich auf den Stempel »gesiegen oder gesiefert«, und aus dem -Stempel in das »Bunloch« geronnen, hernach im Liegenden herabgeflossen -und sich allda »geliefert,« angelegt und »erherscht« hatte. Wie -er aber den Stempel ausschlägt, findet er in »Strauben« und Spalten -gediegen und »zänicht« weiß Silber, drein sich Haken schneiden ließen.«</p> - -<h3 id="sec714">714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.</h3> - -<p class="source">(Chronica der fr. Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 36.)</p> - -<p>Das Oberdorf von Mildenau hat wegen guter Ausbeute aus -den vielen daselbst befindlichen Bergwerken »Reichenau« geheißen, daher -auch noch hier bekannt, daß die Marktstraße der Oberdörfer nach -Annaberg die Reichenauer Straße genannt wurde. Man soll vor -Zeiten mit so großer Ausbeute begnadigt worden sein, daß die 12 -Apostel in Lebensgröße aus Silber hergestellt wurden, welche darauf -nach Grünhain gekommen sein sollen.</p> - -<h3 id="sec715">715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>, S. 144.)</p> - -<p>Von etlichen alten steinernen Häusern zu Schneeberg, als der -Fundgrübner Haus, des Koithen Haus, Dietrich Kadmanns, Wolf -Meiners und Jacob Selings Haus findet man dieses sonderliche, daß -dazu solcher Sand kommen sein soll, der weit mehr als die Häuser -wert gewesen, welches man aber vor der Zeit, ehe man die Siebarbeit -und nasse Pochwerke gehabt, nicht verstanden.</p> - -<h3 id="sec716">716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneeberg.</em>, S. 917.)</p> - -<p>Am hohen Gebirge auf der Unruher Gang bei Neustädtel ist -eine Zeche gewesen, die Hundsfliegen genannt. Der Schichtmeister hat -geheißen Georg Rücker, und sein Vorstand Brosius Teuschel; der Steiger -hat geheißen Simon Tod, der Häuer mit dem Zunamen Teufel, und -der Junge Leckhänsel. Zur Zeit sind Nürnberger, so da gebauet, -herein gekommen, und da sie alle diese Namen der Amt- und Arbeitsleute -auf der Zeche gehört, hat einer unter ihnen gesagt: »Ei Lieber, -es ist kein guter Name auf der ganzen Zeche, und kein anderer, als<span class="pagenum"><a id="Seite_533">[533]</a></span> -Hundsfliegen, Rücker, Teuschel, Tod, Teufel, Lecker; was soll man -da für gute Hoffnung haben? Ich will hinfort nicht mehr bauen.«</p> - -<p>Es hat auch ein vornehmer Mann auf etlicher Leute Angaben -am Gleeßberge geschürft und einen schönen Gang entblößet und die -darauf angelegte Zeche »auf der fruchtbaren Sara« genannt. Aber -auf eine Zeit hat er seinem Eidam, einem berühmten und hochgelehrten -Manne, auch einen Teil angeboten und geschenkt. Da derselbe -aber von ungefähr der Zeche Namen gehört, hat er gesagt: »Mein -lieber Herr Vater, ich komme wieder zurück mit meinem Kuxbauen, -der Name hat eine so gar böse Bedeutung. Sara ist 90 Jahre alt -geworden, ehe sie fruchtbar gewesen; sollte ich nun auch so lange -warten, so würde mir die Zeit zu lange und ich nimmer da sein. -Ich will mich hiermit freundlich bedanket haben.«</p> - -<h3 id="sec717">717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Hist. Schneebergensis</em>, S. 1164.)</p> - -<p>Als im Angehen des Schneebergs die köstlichen Erze in großer -Menge zu Zwickau an dem Orte, da der Holzanger ist, geschmolzen -und sehr viel guter Schlacken in die Mulde gestürzt worden, welche -dann, wenn sie angeschwollen, dieselben fortgeführt, hat sichs über -demselben Schmelzen einstmals zugetragen, daß man aus Mangel der -Fuhre in bösem Wetter und Wege eine ganze Woche kein Erz nach -Zwickau geführt. Da man nun drinnen vermeinte, daß man noch -länger in der Schmelzhütte kalt liegen müsse, ist in solchen Gedanken -ein Schmelzer nach einem Regen hinaus auf einen Schlackenhaufen -spazieren gegangen, und weil ihm die Schlacken, als wenn Silberflitzschen -darauf lägen, in die Augen geschimmert, hat er dieselben -genommen, durchgesetzt, und so die Tage über mehr Silber aufs neue, -als je zuvor daraus gemacht. Da nun der Hauptmann oder Verwalter -(andere wollen wissen, es sei Römer gewesen), welcher zu ihm gekommen, -gefragt, woher das Silber käme, und er dessen, was sich -begeben, berichtet worden, ist er mit dem Schmelzer auf die Knie gefallen -und hat Gott um Verzeihung gebeten, daß den Gewerken und -Fürsten so übel vorgestanden und die herrlichen Gaben Gottes so -unnütze, jedoch wider sein Wissen, umgebracht, und so viel köstlicher -Schlacken vom Wasser weggeführet worden wären.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_534">[534]</a></span></p> - -<h3 id="sec718">718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.</h3> - -<p class="source">(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung -und Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, -1863, S. 52. – Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., 1804, -S. 52. W. Clauß, Führer durch das Weißeritzthal, 2. Aufl., S. 33.)</p> - -<p>Einst gab der Höckendorfer Bergbau, und besonders das aus -acht zusammengeschlagenen Zechen bestehende Berggebäude Edle Krone -ungewöhnlich reiche Ausbeute an Silber, bisweilen auch an Gold, das -man hier und in der nahen Gegend in Stockwerken fand. Mehrere -Stellen alter Grubenrisse sind mit dem Ausdruck: »Das ist der rechte -silberne Mandelmann«, bezeichnet. Die Herren von Theler wurden -infolge dieses Silberreichtums sehr übermütig. Ein Conrad von -Theler aber, welcher wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen -aufschlagen und wo er ritt, Geld ausstreuen ließ, auch das Aufheben -eines dieser etwa verloren gegangenen silbernen Hufeisen von -seiten seiner Unterthanen verbot, damit man wisse, welchen Weges die -Theler gezogen, soll am 9. Sonntag nach Trinitatis, am 25. August -1557, um es in seinem Hochmut dem Herzog Albrecht in der St. Georgszeche -zu Schneeberg gleich zu thun, der Ritterschaft der Umgegend -ein glänzendes Gastmahl in seiner reichen Silbergrube »Zur Edlen -Krone« gegeben haben, in welcher die Knappen Tische und Bänke aus -den edelsten Metallen gehauen und alles Geschirr der Tafel von gediegenem -Gold und Silber gewesen sei. Als man nun tief unter der -Erde in wilder Lust geschwelgt und sogar mit silbernen Kugeln nach -silbernen Kegeln geschoben habe, da sei von Bärwalde her ein furchtbares -Gewitter aufgezogen und habe sich unter orkanähnlichem Sturme -mit Wolkenbrüchen über das Thal der wilden Weißeritz entladen und -der über sieben Ellen hoch anschwellende Fluß habe sich mit solcher -Macht in das offen stehende Stollenmundloch der Edlen Krone gestürzt, -daß der Ritter von Theler mit all' seinen Gästen und Dienern da unten -ertrunken und all' kostbares Geschirr und zur Prunkschau aufgestelltes -Silbererz verschüttet und verschwemmt worden sei. Seitdem ist der -dortige Bergbau nie wieder recht in Gang gekommen; daß er aber -einst schwunghaft betrieben worden, beweisen eine Menge Stollenmundlöcher, -beraste Halden, Überreste eines großen Kunstgrabens und -von Pochwerken, große Schlackenhaufen und dergl. mehr.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Eine angebliche Urkunde erzählt, es seien von dem Stollenmundloche aus, -vor welchem man die Küche errichtet, die Speisen auf silbernen Schüsseln in die -Grube getragen worden, und die Aufwartung von den Bergleuten der Edlen Krone<span class="pagenum"><a id="Seite_535">[535]</a></span> -und anderer Werke geschehen. Bei dem Banket habe ein ganzes Chor Musikanten -aufgespielt und der Überschuß der Grube, 35000 Thaler in Silber, sei auf der Gasttafel -zur Schau aufgestellt gewesen. »Als nun die Herren sich wohl bezecht und -besoffen, da sei ein sehr schweres Gewitter von Frauenstein herunter nach Bärwalde -gezogen, welches denn die aufwartenden Bergleute gesehen und es den Schmaußenden -in der Grube vermeldet, auch erinnert auszufahren, weil man nicht wissen -könne, was der große Gott etwa verhängen möchte, haben darauf einige von den -Sauf- und Freßbrüdern gottloser und frevelndlicher Weise geantwortet: »Sie wären -in der Grube sicher genug, es möchte draußen zugehen, wie es wollte«. Da denn -sogleich im Moment ein schrecklicher Wolkenbruch vor Bärwalde hernieder gefallen, -auch ein rechtes Erdbeben erfolget, und die Weißeritz in einem Nu so plötzlich angeschwellet, -daß das Wasser das Stollenmundloch gleich erreichet und darinnen -hinuntergelaufen, so viel nur hätte hinein gekonnt. Was nun im Abteufen auf -Arbeit gelegen, ist sogleich umgekommen, die aber oben auf dem Stollen bei der -Fresserei gewesen, sind zu den Tageschachten hinausgefahren, da sind fast alle beschädigt -worden, weil von der grausamen Erschütterung die Tonnenbretter und ganze -Zimmerung in den Schachten ab- und losgeworden und den Auffahrenden entgegengekommen, -und dies ohne großen Schaden nicht abgegangen.</p> - -<p>So sind denn in wenigen Minuten die sonst im ganzen Lande so sehr berühmten -Bergwerke zu Grunde gegangen. Das Silber, das ganze Silberservice, -die Musik liegt bis zu dieser Stunde samt allen verunglückten Menschen in der -Grube«.</p> - -<p>Auch diese Mitteilungen sind nur Sage, denn die zuverlässigsten sächsischen -Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts erwähnen nichts von dem Gastmahle. -Historisch ist wohl nur die Vernichtung der Bergwerke durch einen Wolkenbruch -am 25. August 1557. Wahrscheinlich hielten die Ritter von Theler bei den damaligen -nur geringen Hülfsmitteln die Wiederherstellung der ersoffenen Gruben für -unmöglich. Im Jahre 1565 verkaufte Benno von Theler Höckendorf mit dem Rechte -des Bergwerks an den Kurfürsten August für 25000 meißnische Gulden. Bis in das -17. Jahrhundert müssen einzelne Zechen noch gangbar gewesen sein; spätere Bergbauversuche -wurden hauptsächlich durch die Kriege im 17. und 18. Jahrhundert vereitelt; -im gegenwärtigen Jahrhundert nahmen die Gesellschaften »Edle Krone« und -»Unverhofft Glück und Gottes Segen Erbstolln« den dortigen Bergbau wieder in -Angriff. (Sachsengrün, 1860, S. 19 und 20.)</p></div> - -<h3 id="sec719">719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.</h3> - -<p class="source">(Sachsengrün, 1860, S. 20.)</p> - -<p>In der Kirche von Höckendorf befinden sich unter dem Altare -die Erbbegräbnisse der durch den Silberbergbau so reich gewordenen -Ritter von Theler. Eine arme hülflose Somnambule, welche im -Höckendorfer Pfarrhause längere Zeit Aufnahme gefunden, war in der -Nähe des Altars jedesmal von einer fieberhaften Unruhe ergriffen -worden und hatte dann erklärt, daß sie hier nicht bleiben könne, da -unter ihren Füßen Metall vorhanden sein müsse. Die Sage geht<span class="pagenum"><a id="Seite_536">[536]</a></span> -auch, daß die Edlen von Theler in diesen Grüften in silbernen -Särgen ruhen.</p> - -<h3 id="sec720">720. Vom frühern Bergbau in Niklasberg und böhmisch Moldau.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Früher waren die Silbergruben in Niklasberg, Klostergrab und -Moldau in starkem Betriebe; erzählt wird, daß sie in den Hussitenkriegen -eingingen. In Niklasberg wurde der Stollen verschüttet und -die Hussiten nahmen die Grubenzeichnungen, welche jetzt in Dresden -liegen sollen, mit. In Moldau zeigt man noch die Orte, wo der -Stollen mündete und die Wäschen waren. Im Stollen soll ein Ort -sein, die »Schatzkammer« genannt, an welchem aus jener Zeit noch -viel reiche Silbererze liegen sollen. Vor Jahren wollte man dieselben -nach Freiberg verkaufen, der Handel zerschlug sich aber, weil man -daselbst nicht genug Geld hatte.</p> - -<h3 id="sec721">721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.</h3> - -<p class="source">(v. Trebra, Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil -der Gebürge im Bergamtsrevier Marienberg. Annaberg, 1770, S. 69. -Darnach bei Gräße, Sagen des K. S. 2. Aufl., No. 584.)</p> - -<p>Im Jahre 1728 hatten sogenannte Rutengänger Risse zu Erzgängen -in dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau -liegt, angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, -diese Züge zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen; man fing -Röschen (d. i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man -trieb einen Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, -welche diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich -niemand, der bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen -wollte. Nun war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen -Ansprung und Olbernhau, dem man schon längst schuld gegeben -hatte, daß er gegossene Arbeit von einem Metall verfertige, welches -dem Silber gleich komme. Er leugnete dies aber und wollte niemals -zugestehen, daß er das Metall kenne, welches in seiner Fabrik verfertigt -werde. Da führte der Zufall im Jahre 1735 den Richter -von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des Hufschmieds, wo -er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt, was er schmelze, -und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde am Wege -stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, um zu<span class="pagenum"><a id="Seite_537">[537]</a></span> -sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter gerade -wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen, um -den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wundersteine -etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und -zu einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen -und Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte -gemacht wurde, hielt dieses Produkt 128 Lot Silber und 60 -Pf. Garkupfer. Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte -dergleichen Speise ein Lot gegeben. Tages darauf mutete der -Richter unverzüglich und zwar gleich geviert Feld; in wenig Tagen -wurde auf 20 Mutungen beim Bergamt eingelegt, in vier Wochen -stieg die Zahl auf 80, und gegen 60 Lehnträger suchten ihr Glück und -fast alle auf geviert Feld. Wenn man die Rute nach Kupfer und -Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger Weise fast gar nicht in die -Höhe zu bringen, man mochte auf dem Gebirge damit hingehen, wohin -man wollte; was war also sicherer, als daß das ganze Gebirge -Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun nach dem Theesenwalde -und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen zusammenbrachten. -Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar -keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah -also ein, daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse -graue und braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht -ganz ohne Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner -und Gewerken verlangten nun ein Probeschmelzen im großen und es -fand sich ein Schmelzer aus Beyerfeld, in dessen Geschicklichkeit die -Gewerken ihre Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute -mußten zurücktreten und den Fremden alles nach seinem Kopfe -einrichten lassen. Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen -Bergarten konnten nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere -Einrichtung des Ofens und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von -Katharina-Fundgrube zu Raschau und von Geyer brachten die Freiberger -Hüttenleute das Gemenge zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr -Rohstein davon und dieser auch nicht reicher, als geschehen sein würde, -wenn auch ohne Zusatz von den Theesenwälder Gebirgsarten die -Kathariner und Geyerischen Kiese für sich allein geschmelzet worden -wären. Dabei war auf einige Zeit das Geschrei vom Theesenwalde -zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch ein Maler aus Bilin einfand, -der mit verdoppelter Geschicklichkeit im Schmelzen diese Theesenwälder -Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute machen wollte. Er verlangte -die Erlaubnis zum Anlegen eines Ofens, man erlaubte es ihm -auch, aber alles ohne Erfolg.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_538">[538]</a></span></p> - -<p>So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis -nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was -kaum glaublich war, oder aber, um das Geheimnis seiner Nahrung zu -bewahren, dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle -Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt -hatte, weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. -Dies war das Wahrscheinlichste, denn man hatte ja zuerst reiches -Silber in dem Gesteine entdeckt.</p> - -<h3 id="sec722">722. Wie der zwickauische Kohlenschacht brennend wurde.</h3> - -<p class="source">(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 187. G. Geitner, -Wegweiser durch die Treibgärtnerei zu Planitz, S. 14.)</p> - -<p>Bei Zwickau ist ein brennender Berg (jedenfalls die Strecke -zwischen Cainsdorf und Planitz, welche der Bockwaer Kommunwald -bedeckt und wo man heute noch auf eine Menge Brandspuren stößt), -daher manch Fuder Steinkohlen wird zu Markte gebracht. Dieser -Berg ist um das Jahr 1479 mit einem Büchsenschuß angezündet worden, -da ein Waidmann einem Fuchse nachgejagt und so unvorsichtigerweise -ein Schuß in die Grube geraten, wodurch die Steinkohle angezündet -worden. Obgleich zu gewisser Zeit wie im Sommer das Feld -daselbst grünet, Laub und Gras trägt, so kommt dennoch das Feuer -bisweilen bis unter den Rasen, zündet Berggebäude an und versenget -Birken und andere Bäumlein.</p> - -<p>Eine andere Sage erzählt von einem Bürger Zwickaus, welcher -einen Fuchs aus dem Bau räuchern wollte und dabei nicht nur die -oberen Kohlen, sondern auch den darüber stehenden Wald anzündete. -Noch andere suchen die Ursache des Brandes in dem Anzünden eines -Ameisenhaufens und endlich in dem Einschlagen des Blitzes in Stollen, -wo die Kohlen zu Tage standen.</p> - -<h3 id="sec723">723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen -Erdfall.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freibergense, Chron.</em> II., S. 38.)</p> - -<p>Als Kaiser Adolf im Jahre 1296 mit großer Macht nach Meißen -kam, zog er an Zwickau und Chemnitz vorüber nach Freiberg, in der -Absicht, sich dieser Stadt wegen ihrer reichen Bergwerke und ihrer -Treue gegen den Markgrafen Friedrich zu bemächtigen. Dabei begab -sichs, daß sich einer seiner Obersten mit seinem Regimente auf einer<span class="pagenum"><a id="Seite_539">[539]</a></span> -hohen Halde lagerte, um die Stadt zu übersehen und ihre Mauern -und die Tiefe der Gräben zu erkunden. Weil aber die Halde zuvor -von Bergleuten durchfahren worden und voll heimlicher Schächte -war, ist der ganze Berg mit großem Krachen und Prasseln eingegangen -und der Oberst ist dabei elendiglich umgekommen. Dieser Fall hat -den Kaiser also furchtsam gemacht, daß er sich wieder zurückgezogen -und sich nicht eher lagern wollte, bis man alle Gelegenheit um die -Stadt fleißig ausgekundschaftet hatte. Als dann seine Quartiermeister -hartes und festes Erdreich antrafen, hat er sein Lager aufgeschlagen -und darauf alles zum Angriff und Sturm auf die Stadt vorbereiten -lassen. – Der genannte Erdfall soll vor dem Donatsthor auf dem -dürren Schönberge geschehen sein.</p> - -<h3 id="sec724">724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 614–617.)</p> - -<p>Am böhmischen Grenzgebirge liegen zwei alte wüste Schlösser, -Himmel- und Hauenstein genannt; in und um dieselben haben sich -lange Zeit grausame Gewürme und Schlangen, Wiesenbäume groß, -sehen lassen, welche die Fische aus den Bächen, und die in Fallen und -Dohnen gefangenen Vögel gefressen. Einst hat dergleichen Schlange -auf den Hauensteiner Gründen einen Schützen von Joachimsthal vom -Vogelherd weggejagt, die Vögel erbissen und gefressen, und als der -Schütz nach ihr geschossen, hat er an der Spur im langen Waldgras -abnehmen können, daß sie eines Scheitholzes dick und viel Ellen lang -gewesen, dafür sich alle Bauern umher gefürchtet.</p> - -<p>Als die Bergstadt Joachimsthal in Flor stand, ging im Jahre -1530 des Rats Schütze auf die Wälder, eben da die Himbeeren reif -waren, etwas vom Wild auf Befehl zu schießen. Da wurde er unversehens -eines aus den Himbeersträuchern hervorragenden Kopfes mit -erhabenen Ohren gewahr, in Gestalt eines Fuchses, der die Beeren -abfraß. Und weil er meinte, es wäre ein so vermutztes Reh, gab -er Feuer und traf den Wurm an den Kopf, daß er 3 Ellen lang in -die Höhe sprang, sich krümmete und überschlug, bis ihm der Schütze -vollends den Rest gab. Er erschrak über das häßliche Wildpret, schlang -es an eine Winde und schleppte es Wunders wegen nach Joachimsthal. -Die Herren ließen den Balg abziehen und nach Prag bringen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_540">[540]</a></span></p> - -<h3 id="sec725">725. Die Freiberger Bauerhasen.</h3> - -<p class="source">(H. Gerlach, Kleine Chronik v. Freiberg, S. 90. – Geschäftsanzeige -der Bauerhasen-Bäckerei von A. Thümmel in Freiberg.)</p> - -<p>Markgraf Friedrich der Freidige hielt sich gern in seiner getreuen -Bergstadt Freiberg und in der Mitte ihrer Bürger auf. Im Jahre -1292 gab er daselbst ein großes Gastmahl, zu welchem viele weltliche -und geistliche Herren eingeladen waren. Unter den letzteren befand sich -auch der Abt Bruno aus dem Barfüßler-Kloster. Obschon derselbe oft -gegen Unmäßigkeit predigte und behauptete, je mehr ein Mensch faste, -um so eher komme er ins Himmelreich, so hielt er für seine eigene -Person doch viel auf's Essen und Trinken und trug deshalb einen gewaltigen -Schmerbauch vor sich her. Auch bei diesem Festmahle hatte -er schon weidlich gezecht, als nach Mitternacht der Hofkoch Bauer einen -duftenden Hasenbraten auf die fürstliche Tafel setzte. Schon wollte -sich der Markgraf ein Stück davon auf den Teller legen, da rief der -Abt ihm zu: »Durchlaucht halten zu Gnaden, es ist soeben ein Fasttag -angebrochen, und Ihr wollt Euch doch nicht versündigen?« »Wäre denn -wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluß noch ein Stück -Hasenbraten zu uns nehmen?« fragte der Markgraf, und der Abt erwiderte: -»Gewiß! Ich kenne auf Gottes weitem Erdboden keine größere -Sünde. Auch habe ich mehr als einmal bemerkt, daß es Frevlern, die -sogar am Feiertage Fleisch essen, sehr übel aus dem Halse riecht. -Nehmt Euch ein Beispiel an mir; schon seit einer halben Stunde habe -ich keinen Bissen mehr gegessen.« Alle sahen den geistlichen wohlgenährten -Herrn betroffen an, schwiegen jedoch, und der Koch mußte den -schönen Braten wieder abtragen. Obschon er ihn darauf selbst ohne -Gewissensbisse verzehrte, so ärgerte er sich doch nicht wenig über den -gestrengen Sittenprediger, welchen eine Stunde später sechs Diener in -seinen Wagen tragen mußten. Bei einem späteren Gastmahle auf der -Burg Freistein traf es sich nun, daß abermals ein Fasttag folgte, und -jetzt brachte nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten -auf die Tafel. Da konnte sich nun der Abt nicht enthalten, -dem sündhaften Koch eine derbe Strafpredigt darüber zu halten, daß -er den Fasttag nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel -setze. Der Koch aber sprach behaglich lächelnd: »Nun, das ist ein Hase, -den jeder gute Christ am Fasttage essen darf, ohne sich der Sünde zu -fürchten!« Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf schon den -Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen bemerkt, daß der scheinbar -wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck in -der bekannten Form des Bratens war. Da wollte der Strafprediger<span class="pagenum"><a id="Seite_541">[541]</a></span> -selbst nach dem Gerichte langen; er erhob sich, verlor aber bei seinem -schweren Kopfe das Gleichgewicht und riß dabei alles mit sich von -der Tafel herab. Er war auch nicht vermögend, sich selbst wieder -aus dem Wirrsal zu erheben, so daß auf Befehl des Markgrafen die -Diener hülfreiche Hand anlegen mußten. Das Gebäck erhielt nun den -Namen »Bauerhasen«; alle adeligen Herren wollten in der Fastenzeit -solche Bauerhasen essen, die auch in den Klöstern nicht verschmäht -wurden. Doch wollte man behaupten, auf manchen vornehmen Tafeln -habe man aus Versehen auch an Fasttagen ganz ordentliche Krauthasen -statt der Bauerhasen aufgetragen. Anfangs nannte man das neue Gebäck -auch »Brunohasen«; allein der Abt protestierte lebhaft gegen diese -Bezeichnung und so erhielt es seinen noch jetzt gebräuchlichen Namen -zu Ehren seines Erfinders.</p> - -<p>Die Bauerhasen aus Freiberg fanden gute Aufnahme an allen -deutschen Höfen, wurden sogar kistenweise in fremde Länder gesendet, -und auch noch in unsern Tagen verläßt selten ein Fremder die Stadt -Freiberg, ohne den Seinen einen Bauerhasen mitzubringen.</p> - -<h3 id="sec726">726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.</h3> - -<p class="source">(Marbach, Das in der Freiheit lebende Schöneck I. Schneeberg, 1731 -S. 21. Ulrich Schneider in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger -Zeitung 1883. No. 31.)</p> - -<p>Kaiser Karl IV. hatte 1370 der Stadt Schöneck verschiedene -Freiheiten, welche auch Elbogen »von altersher redlich gehabt und gehalten -hat«, verliehen, wofür die Stadt nur verpflichtet war, »fünf -Pfund Schwäbischer Heller in einem neuen hölzernen Becher zu geben,« -wenn der Landesherr in eigener Person dorthin kam, oder wie es in -der Urkunde heißt: »So Wier mit unser selbst Leibe zu ihn kommen, -nur einß in dem Jahre.« Von niemand aber kann man gründlich erfahren, -wodurch der Kaiser bewogen worden war, der Stadt Befreiung -von allen sonstigen Abgaben zu erteilen. Einige sagen, es habe dieser -Kaiser, der ein Liebhaber der Jagd gewesen, sich in dortigen Wäldern -einmal mit seinem Gefolge verirrt und sei hernach von einem Waldmann -oder Holzarbeiter heraus nach Schöneck geführt worden. Nach -einer andern Sage ist der Kaiser Karl, welcher sich oftmals in Karlsbad -aufgehalten hat, von Räubern überfallen und verfolgt worden, -so daß er sich mit seinen Leuten in den Schönecker Wald flüchtete, wo -ihm die Bürger von Schöneck Beistand leisteten und von den Räubern<span class="pagenum"><a id="Seite_542">[542]</a></span> -erretteten. Zum Danke dafür hätten darauf die Schönecker ihre Privilegien -erhalten.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Urkunde, laut welcher der Stadt Elbogen bereits vor Schöneck ein gleicher -Freiheitsbrief von Karl IV. erteilt wurde, stammt aus dem Jahre 1352.</p></div> - -<h3 id="sec727">727. Das Märktlein Markersbach.</h3> - -<p class="source">(Chronica der freien Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 24.)</p> - -<p>Die Kirche in Markersbach ist eine der ältesten im Gebirge. Sie -hat vor Zeiten unter den Abt zu Grünhain gehört, der auch mit seinen -Ordensleuten und anderen öfters dorthin Wallfahrten gehalten. Infolge -dessen hat das Dorf früher besondere Freiheiten besessen und -wurde das »Märktlein Markersbach« genannt.</p> - -<h3 id="sec728">728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Ein Wald auf der Höhe zwischen Schneeberg und Aue, gegenüber dem -Gasthofe zum Brünlasberge, heißt der Hoyer. Daselbst sieht man noch -links von der Chaussee, welche von Schneeberg nach Aue führt, einen -Hohlweg, welcher einst Straße war; und an derselben stand in alten Zeiten -mitten im Walde ein Wirtshaus. Der Wirt in demselben war ein Räuber. -Einst kehrte daselbst des Abends ein Fremder ein, der von dem Klösterlein -Zelle kam und vieles Geld bei sich trug. Er wollte in dem Hause -übernachten; aber ein Mädchen offenbarte ihm heimlich, daß er nicht -lebend wieder hinausgehen werde. Da übergab der Fremde dem Wirte -seine Tasche mit dem Gelde und sagte, daß er einem Freunde, der auch -von Zelle her mit noch mehr Geld als er habe, komme, entgegen gehen -müsse, der Wirt solle nur einstweilen sein Geld in Verwahrung nehmen. -Als dies geschehen war, eilte der Reisende schnell nach dem Kloster und -kam bald darauf mit nahmhafter Hülfe zurück. Seine Begleiter umzingelten -das Haus und nahmen den Wirt gefangen. Als sie das Haus -durchsuchten, fanden sie neben vielem Gelde auch Totengerippe zum -Beweise, daß es vordem schon vielen Reisenden ebenso ergangen war, -wie es dem Fremden, wenn ihn das Mädchen nicht gewarnt hätte, hätte -ergehen müssen. Viele mochten in der Herberge eingekehrt, aber nicht -wieder herausgekommen sein.</p> - -<p>Der Wirt aber, welcher ein Räuberhauptmann war, hieß Hoyer,<span class="pagenum"><a id="Seite_543">[543]</a></span> -und von diesem hat nun auch der Wald, wo das Gasthaus einst stand, -den Namen Hoyer erhalten.</p> - -<h3 id="sec729">729. Wittichs Schloß bei Glashütte.</h3> - -<p class="source">(I. Schumann, Lex. v. Sachsen, 13. B. S. 204. II. Peccenstein, -<em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I. S. 88.)</p> - -<p>I. Eine Höhle über dem Müglitzthale, eine halbe Stunde von -Glashütte, welche sich oberhalb der Herrenmühle in einem schwer zu -erklimmenden Gneisfelsen befindet, heißt Wittichs Schloß. Nach der -Sage war diese Höhle ehemals durch Befestigung ein noch sicherer Zufluchtsort -als jetzt, und wurde im 15. Jahrhundert von einem Räuber -Wittigo oder Wittich bewohnt, den der Ritter Weichold von Bärenstein -auf Lugau bei Glashütte erschlug. Als Belohnung dafür erbat er sich -vom Markgrafen, der auf Wittichs Einlieferung einen hohen Preis -gesetzt hatte, sehr genügsam nichts weiter, als daß er ein Wild, welches -er auf seinem Gebiete überall gehetzt habe, auch außerdem, und selbst -auf der Dresdner Brücke, die damals als Asyl galt, verfolgen dürfe.</p> - -<p>II. Es waren vor Zeiten viele Raubhäuser an dem böhmischen -Gebirge, und soll insonderheit ein Räuber, namens Wittich, seinen -Aufenthalt in einem starken Felsen gehabt haben, so unter der jetzigen -Bergstadt Glashütte gelegen. Da dieser Räuber mehrere böse Buben -zu sich gezogen, auch ganz Meißen beunruhigt und unsicher gemacht, -so hat der Markgraf auf des Raubritters Wittich Kopf einen hohen -Preis setzen lassen. Obschon nun Wittich dadurch hätte vorsichtig gemacht -werden sollen, so hat er dies dennoch nicht gethan, vielmehr -sich noch fürchterlicher machen wollen, indem er einstmals in der Morgenzeit -mit etlichen seiner Leute sich vor des Ritters Weichold von -Bärenstein Wohnung gegen der Lochow begeben, ein Gespräch mit ihm -begehret, und als der von Bärenstein, keiner Gefahr sich versehend, -ihm solches gewährt und zu ihm vors Haus getreten, thut der Bösewicht -mit einer Armbrust auf ihn drei Schüsse, doch ohne Schaden. -Der von Bärenstein rufet in der Eile seine Leute herbei, folget den -Räubern auf dem Fuße nach, welche er auch über dem Rittersitze Reinhardtsgrimma, -damals denen von Karras zuständig, erreichet. Ob nun -gleich Wittich und seine Gesellen der Wehr wohl kundig, so hat doch der -von Bärenstein die Oberhand behalten, den Räuber erlegt und umgebracht, -sein Raubhaus, so auf steilem hohen Felsen an der Müglitz -gelegen, eingenommen und zerbrochen, wiewohl dieser Ort von ihm -bis auf den heutigen Tag noch Wittichs Schloß genannt wird. Auf der<span class="pagenum"><a id="Seite_544">[544]</a></span> -Stelle, wo der Räuber erlegt worden, steht ein Kreuz. Der Ritter -Weichold von Bärenstein aber hat die ihm gebotene Belohnung großmütig -ausgeschlagen und erklärt, daß er diese That bloß, um dem -Vaterlande zu dienen, verrichtet habe.</p> - -<h3 id="sec730">730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>In dem schönen Pöbelbachthale oberhalb Schmiedeberg liegt die -Putzmühle, so genannt, weil man früher hier das Silbererz, welches -man in der Nähe grub, »geputzt«, d. h. gereinigt haben soll. Oberhalb -dieser Mühle sieht man dann die Überreste einiger Grundmauern -und die Spuren eines Wassergrabens; hier lag die dürre Bretmühle, -welche ihren Namen von dem Umstande führte, daß sie häufig nicht -genug Wasser hatte. Daselbst ist es einst geschehen, daß Räuber einbrachen, -welche den Müller auf einen Klotz banden und mit durchsägen -ließen. Seitdem ist die Mühle liegen geblieben, niemand wollte -mehr in derselben wohnen, und so ist sie dann nach und nach verfallen.</p> - -<h3 id="sec731">731. Der schwarze Teich auf Henneberg und der Teufelsstein bei -Johanngeorgenstadt.</h3> - -<p class="source">(Nach einer novellistischen Bearbeitung im Unterhaltungsblatte zum -Erzgebirgischen Volksfreund, 1884, No. 53.)</p> - -<p>Als noch in unseren Gauen und insbesondere auf dem Erzgebirge -das Christen- und Heidentum mit einander im Kampfe lagen, -wohnte auf einer Burg im Egerthale ein böser Ritter. Zwar war -derselbe als Christ getauft worden, jedoch hatte er im Herzen noch -nicht dem Heidentume entsagt, und Raubzüge und blutige Fehden -galten ihm für kein Unrecht. Das Gegenteil von ihm war seine -fromme Gemahlin, welche mit Hülfe ihres Bruders, der als Einsiedler -in der Nähe der Burg lebte und oft in derselben verkehrte, ihre beiden -Kinder, einen Sohn und eine Tochter, christlich erzog. Dem wilden -Gemahl aber mißfiel die Frömmigkeit von Frau und Kindern, und -ganz besonders erzürnte er sich über seinen Sohn, weil derselbe keinen -Gefallen an dem wilden Waffenhandwerke fand. Als er nun einst zu -einer Fehde gegen den ihm verhaßten Burgherrn von Königsberg auszog -und seinen Sohn, obschon derselbe des Königsbergers einzige Tochter -innig liebte, zwang, daran teilzunehmen, geschah es, daß der Sohn -beim Ritte von der Burg vom Pferde stürzte und verwundet ins<span class="pagenum"><a id="Seite_545">[545]</a></span> -Schloß zurückgetragen werden mußte. Ingrimmig gab nun der Vater -der Erziehung und dem Einflusse seines Schwagers die Schuld an dem -Unglücke, und er nahm sich vor, mit Härte einzugreifen. Sein Sohn -genaß zwar unter der sorgsamen Pflege von Mutter und Schwester -bald wieder, doch um dessen Ruhe war es für immer geschehen. Ja -alle fühlten, daß der Vater böse Gedanken sowohl gegen den Sohn -als auch Schwager im Herzen hegte und es ward von beiden die Flucht -beschlossen. Dieselbe wurde bald darauf nach dem damals unwegsamen -Erzgebirge ausgeführt, als der Vater wieder zum Kampfe gegen den -Königsberger ausgezogen war und dabei den Sohn nicht mitgenommen -hatte. Bei der Rückkehr in seine Burg kannte der Zorn des Ritters -keine Grenzen, und da er ganz richtig in Frau und Tochter Mitwisserinnen -der Flucht seines Sohnes erblickte, so mußten dieselben -von ihm harte Mißhandlungen erdulden. Er veranstaltete zwar sogleich -Streifzüge durch das Gebirge, doch konnte er die Flüchtigen -nicht auffinden.</p> - -<p>Auf dem Kamme des Erzgebirges lag im dichten Walde ein -freundlicher See; die Maisonne am blauen Himmel spiegelte sich in -demselben. Aus dem Dickichte aber trat schüchtern ein Reh mit zwei -weißgefleckten Zicklein, und gegenüber brach aus dem Walde ein -weißer Hirsch, welcher sich in dem klaren Wasser des Sees widerspiegelte. -Abseits stand eine mit grünem Rasen gedeckte Erdhütte, -aus der eine bläuliche Rauchwolke aufstieg. Diese Hütte hatten sich -die beiden Flüchtlinge erbaut. Sie traten eben zur Wanderung gerüstet -daraus hervor, denn sie wollten versuchen, die duldende Mutter -und Tochter heimlich von der Burg des harten Gemahls und Vaters -zu entführen und hierher in diese von dem menschlichen Verkehre abgeschlossene -Wildnis in Sicherheit zu bringen.</p> - -<p>Der Vater aber rüstete sich ungefähr zu derselben Zeit zu einem -neuen Fehdezuge gegen den Königsberger. Letzterer aber hatte davon -Kunde erhalten und seine Burg wohl verwahrt, während sein Sohn -mit einem Häuflein Knechte dem Feinde entgegen zog. Trotz der Vorkehrungen -des Königsbergers schien es, als ob der Feind seine Burg -gewinnen werde; unaufhaltsam stürmte derselbe vorwärts, unbekümmert -um den Steinhagel, welcher ihn unausgesetzt empfing. Schon war er -an der Brücke, als dieselbe mit einem furchtbaren Krach zusammenbrach. -Als aber der Feind sich anschicken wollte, den Wallgraben mit Steinen -und Holz zu füllen, um so in die Burg zu gelangen, kam ein blutender -Bote, welcher meldete, daß die eigene Burg von des Königsbergers -Sohne eingenommen worden sei und in Flammen aufgehe. Da zogen -sich die Feinde von der bedrängten Burg zurück. Die Belagerten<span class="pagenum"><a id="Seite_546">[546]</a></span> -hatten jedoch schon Vorbereitungen getroffen, ihnen schnell zu folgen. -Es wurde eine Notbrücke niedergelassen und bald sahen sich die Weichenden -von vorn und hinten angegriffen. Hinter ihnen kamen die Belagerten -und vorn wurden sie von des Königsbergers Sohne mit -seinen Mannen bestürmt. Nur durch rasche Flucht war es dem fehdelustigen -und hartherzigen Ritter möglich, der Gefangenschaft oder dem -Tode zu entgehen. Er überschritt mit den ihm noch übrig gebliebenen -Knechten, da er in den Trümmern seiner Burg Frau und Tochter, -welche unterdeß geflohen waren, nicht fand, den Kamm des Erzgebirgs -und baute sich in wilder Gegend eine neue Burg. Von dieser -aus durchzog er nun die Wildnis nach Bären, Wölfen und Auerochsen. -Eines Tages meldete ihm einer seiner Troßbuben, daß er in -einer gewissen Gegend einen weißen Hirsch gesehen habe. Diese Nachricht -reizte den Ritter und er zog alsbald aus, die Spur des seltsamen -Tieres zu suchen. Bald hatte er dieselbe auch gefunden, und -als er darauf des Hirsches ansichtig ward, warf er seinen Jagdspieß -nach demselben. Der zu Tode getroffene Hirsch raffte sich wieder -auf und floh blutend in das Dickicht. Als nun der Ritter mit seinen -Knechten durch dasselbe drang, erreichte er das Ufer eines klaren -Sees, an welchem sich eine Erdhütte erhob. Dort lag auch der verwundete -weiße Hirsch, über den sich eine Jungfrau beugte; neben ihr -standen noch drei Personen. Der Ritter erkannte sie sehr wohl, er -eilte hinzu und wurde in seiner Wut der Mörder der Seinen. Da -verhüllte eine dunkle Wolke die Sonne, gleichsam als solle dieselbe -die Unthat nicht sehen. Der klare See aber wurde zu einem unheimlichen -Sumpfe und die Fischlein wurden zu Molchen. Noch zeigt man -bei den Henneberger Häusern südwestlich von Johanngeorgenstadt die -Stelle, wo der See lag.</p> - -<p>Als der Himmel so vernehmlich zu dem Ritter und seinen Knechten -gesprochen hatte, wollte keiner von ihnen den toten weißen Hirsch -mit zur Burg tragen; dem Ritter selbst lag auch nichts daran. In -der folgenden Nacht aber erbebte ringsum die Erde und in der Burg -des vierfachen Mörders ertönte ein furchtbares Krachen. Die Morgensonne -beschien einen gewaltigen Trümmerhaufen, und der Kopf des -Ritters schaut noch heutigen Tages von der einen Felskuppe, welche -man den Teufelsstein heißt und die sich an der Stelle der ehemaligen -Burg erhebt, nach Osten. Der Teufel hatte in der Nacht die Burg -zerstört und zum warnenden Zeichen den Kopf des Gottlosen an dem -Felsen aufgerichtet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_547">[547]</a></span></p> - -<h3 id="sec732">732. Das Schloß auf dem hohen Steine.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130.)</p> - -<p>Als gewaltiger Markstein eines der letzten südwestlichen Ausläufer -des metallreichen Erzgebirges erhebt sich der hohe Stein mit -seinen wunderbar gestalteten Felsenmauern und Pfeilern. Vor vielen -hundert Jahren stand an der Stelle, auf welcher sich heute diese -mächtigen Felsen auftürmen, eine große feste Burg, welche mit ihren -gewaltigen Mauern weithin die Gegend überblickte. Ungeheure dichte -Wälder bedeckten die Gegend und nur auf gelichteten Stellen am -Fuße des Berges hatten sich fleißige Menschen angesiedelt und zwangen -dem Boden seine wenigen Erzeugnisse ab. Aus fernen Landen waren -sie auf des Ritters Ruf gekommen und hofften in Genügsamkeit, Ruhe -und Frieden hier leben zu können, aber nur zu bald seufzten sie unter -dem harten Joche, welches der Ritter ihnen auferlegte, unter den -schweren Strafen, welche er über sie verhängte, wenn sie seinen maßlosen -Forderungen und grausamen Befehlen nicht sogleich nachkamen. -Je älter er wurde, desto mehr schien das Mitleid von ihm zu weichen -und sein Herz zu versteinern. Da verwünschte ein Mann, dem der -Schnee des Alters seinen Scheitel deckte, den Wüterich und sein Schloß. -Er, samt der Burg, wurde in grauen, harten Stein verwandelt und -viele hundert Jahre wird es währen, bis die Sonne wieder die Zinnen -der Burg mit ihrem Glanze vergolden wird.</p> - -<p>So sieht man nun die gewaltigen Burgtürme und Rauchfänge, -sowie den riesigen Ritter versteinert emporragen, während tief unten -im dunkeln Schoße der Felsen die reichen Schätze des Burgherrn begraben -liegen.</p> - -<p>Nach einer andern Sage hat der verwünschte Ritter auf dem -hohen Steine keine Ruhe; oft hört man lautes Getöse und Wiehern -von Rossen aus den gewaltigen Felsen hervorschallen, sieht auch manchmal -den unterirdischen Stall seine Jauche entleeren, und in finstern, -unheimlichen Nächten hört man vom hohen Stein herab in der Richtung -gegen »die drei Rainsteine« (an der Graslitz-Schönbach-Sächsischen -Grenze) die wilde Jagd dahinbrausen, der sich auch der verwünschte -»hohe Stein-Ritter« anschließen muß.</p> - -<h3 id="sec733">733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.</h3> - -<p class="source">(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 12.)</p> - -<p>Der erste Felsen unter Zöblitz, linker Hand unter der Pfarrwiese -nach Lauterstein zu, heißt der Lauterstein, welcher gegen das<span class="pagenum"><a id="Seite_548">[548]</a></span> -alte Schloß Lauterstein liegt und vom roten Wasser aus sehr hoch -und jähe ist. Dem Vorgeben nach soll auf diesem Felsen ein Raubschloß, -von welchem man gegen das dem Katzensteine an der schwarzen -Pockau gegenüberliegende »Raubschloß« Losung geben konnte, gestanden -haben. Man bemerkte früher auf dem Felde noch einige Gräben. -Das genannte »Raubschloß« lag am rechten Pockauufer im Walde, -ungefähr eine Stunde von Zöblitz entfernt. Man fand daselbst viel -alte Kriegsgeräte, Pferdezeug, Sporen u. dergl., ferner Überreste von -einer unterirdischen Wasserleitung. Nach der Volkssage soll das -»Raubschloß« durch Kurfürst Joh. Georg I. vom Katzensteine aus in -den Grund geschossen worden sein. Wahrscheinlich aber wurde es bereits -im Hussitenkriege zerstört.</p> - -<h3 id="sec734">734. Das Raubschloß Sommerstein.</h3> - -<p class="source">(Chronica der freyen Bergstadt S. Annaberg, II., 1748, S. 32. Grundig, -Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 2. Band, 1750, S. 171.)</p> - -<p>Auf dem Schenkgute über der Pfarre zu Hermannsdorf liegt im -Walde ein Fels, der Sommerstein genannt, worauf in alten Zeiten -ein Raubschloß gestanden haben soll. Die Besatzung desselben lauerte -gleich derjenigen der Schlösser zu Tannenberg und Greifenstein den -Kaufleuten auf, welche von Böhmen kamen oder dorthin zogen. Man -sieht noch etwas von den Mauern nebst einen in Fels gehauenen Backofen -und einen wohl ausgemauerten viereckigen Brunnen, in welchen -das Wasser durch einen langen Graben von Westen her geleitet wurde. -Erzählt wird noch, es solle in diesen Felsen ein großes Loch gehen, -darin stände ein großer Kasten mit Gold.</p> - -<h3 id="sec735">735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.</h3> - -<p class="source">(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183 und 184.)</p> - -<p>Woher der Greifenstein bei Ehrenfriedersdorf den Namen habe, -weiß niemand, außer daß man sagt, es hätte ein Greif daselbst genistet. -Außerdem hat man die Vermutung, es hätte ein Raubschloß -da gestanden, von welchem die Räuber denen auf dem Schellenberge, -wo jetzt Augustusburg steht, Zeichen hätten geben können. Noch hat -es das Ansehen, daß vor alten Zeiten der Platz zwischen zwei hohen -Felsen mit Mauern eingeschlossen gewesen sei. Auch hat man zuweilen -Topfscherben, Nägel, Pfeile, Schlüssel und anderes Eisenwerk, Totengebeine, -Schweinszähne und Fischgräten daselbst gefunden. Auch ist<span class="pagenum"><a id="Seite_549">[549]</a></span> -daselbst ein kleines silbernes Ringlein mit einem Kreuzchen und dem -Namen Maria gefunden worden.</p> - -<h3 id="sec736">736. Die Räuber auf dem Frauenstein.</h3> - -<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 301.)</p> - -<p>Es ist geschichtlich erwiesen, daß vor der Zerstörung des Schlosses -Frauenstein im Jahre 1438 der Ritter Dietrich von Vitzthum, welchem -die Burg vom Grafen Heinrich von Plauen zur Bewahrung anvertraut -worden war, mit böhmischen Raubrittern gemeinsame Sache -machte. Um nun den durch die versteckten Nachbarburgen und die damaligen -dichten Waldungen um Frauenstein begünstigten Bedrückungen -der Wegelagerer ein Ende zu machen, entsandte Kurfürst Friedrich -der Sanftmütige Abgeordnete mit einem Herold nach dem Frauenstein, -um Vitzthum zu sofortiger Verweisung des böhmischen Raubgesindels -zu veranlassen.</p> - -<p>Die kurfürstlichen Gesandten kamen an dem weit im Lande berüchtigten -Räuberneste an, fanden aber das äußere Burgthor verschlossen -und die Zugbrücke aufgezogen. Der Herold ließ den herkömmlichen -Trompetenruf erschallen und verkündete darauf laut den -Befehl des Kurfürsten: »Dietrich von Vitzthum, Du sollst gehalten -sein, dem Durchlauchtigen Kurfürsten des heiligen römischen Reiches, -Friedrich, Herzog zu Sachsen und Markgraf zu Meißen, zu Befehl -zu handeln und alsobald die böhmischen und anderen Ritter von Dir -zu thun, welche das Land berennen und die Reichsstraßen und sonstigen -Wege unsicher machen, die Bürger berauben und brandschatzen. Also -gebietet der Durchlauchtige Lehnsherr, Du mögest seine Abgeordneten -mit Glimpf empfangen und in allen Stücken seinem Befehlig aus -ihrem Munde gehorsamen, bei Acht und Aberacht, die Dich und alle, -so zu Dir halten, Freie und Unfreie, treffen wird, wenn den Landfriedensbrechern -noch ferner Unterstand auf dem Frauenstein gewährt -würde. Künde Dir das zum ersten-, zum andern-, zum drittenmale, -kraft meines Amtes, Dietrich von Vitzthum!«</p> - -<p>Wieder blies der Herold in die Trompete und erwartete, -gegen das Thor vorreitend, eine Antwort. Dieselbe kam auch alsbald, -aber in Gestalt eines starken Armbrustpfeiles, der dicht an -den Ohren des Herolds vorübersauste. Dazu erklang aus der Burg -ein höhnische Gelächter. Am Fenster des Thorwärters erschien -der Ritter Dietrich und rief: »Was schiert mich der Markgraf von -Meißen? Der Burggraf von Plauen ist mein Herr, dem nur -stehe ich Rede und sonst keinem!« Unverrichteter Sache zogen die<span class="pagenum"><a id="Seite_550">[550]</a></span> -Gesandten von dannen; vorher aber hefteten sie noch die Vorladung -für Dietrich von Vitzthum zum Achtsprozeß an das Gerichtsbret des -Rathauses zu Frauenstein.</p> - -<p>Der Kurfürst war über die Widersetzlichkeit Vitzthums in hohem -Grade erzürnt und bot alsbald die Bürger der benachbarten Städte -zum Zuge gegen das Schloß Frauenstein auf. Die Freiberger ließen -auch nicht lange auf sich warten und schlossen sich dem kleinen Feldzuge -um so lieber an, als ihnen durch die Räuber auf dem Frauenstein, -welche die wichtige Handelsstraße nach Böhmen beunruhigten, -schon beträchtlicher Schaden zugefügt worden war. Sie erschienen -unter Kuno von Schönberg mit den übrigen kursächsischen Streitgenossen -alsbald, und als auf die übliche Aufforderung zur Übergabe -der Burg keine Antwort erfolgte, wurden die Donnerbüchsen auf die -Umfassungsmauern des Schlosses gerichtet. Die Steinkugeln, deren -man noch etliche als Andenken in dem alten Gemäuer sieht, prasselten -gegen die Burg, jedoch auch die Besatzung schleuderte unzählige Wurfgeschosse -gegen die Belagerer. Es entbrannte ein harter Kampf, der -lange unentschieden blieb, bis plötzlich große Rauchwolken und Flammen -aus der Burg emporstiegen. Jetzt wurde dieselbe auf ein gegebenes -Zeichen gleichzeitig von allen Seiten berannt und in kurzer Zeit wurde -sie von Kurfürst Friedrichs Mannen erstiegen. Innerhalb der Burg -entbrannte nun ein Kampf Mann gegen Mann, wobei auch Kuno -von Schönberg und Dietrich von Vitzthum zusammentrafen. Beide -fochten löwenkühn, zuletzt siegte jedoch der Ritter von Schönberg und -stieß den Gegner nieder. Man schleppte den verwundeten Vitzthum fort, -und was noch von der Burgbesatzung lebte, ergab sich auf Gnade und -Ungnade.</p> - -<p>Drei Tage hatte der Verurteilte Zeit, sich zum Abschied vorzubereiten. -In den ersten Tagen des Dezembers 1438 strömten Hunderte -aus der Umgebung Frauensteins nach der Stadt, um den einst -gefürchteten Vitzthum hinrichten zu sehen. Dicht gedrängt stand die -harrende Menge im Schloßhofe, da erklang von der Burgkapelle her das -Sterbeglöcklein, vier Knappen brachten den armen Sünder, der schwer -verwundet und kaum bei Besinnung war, zur Richtstatt und alsbald wurde -der Spruch des Gerichtes mit dem Schwerte an ihm vollzogen.</p> - -<p>Die Burg wurde hierauf insoweit zerstört, daß sie nicht mehr -widerstandsfähig war und den Räubern keinen weiteren Schlupfwinkel -zu bieten vermochte. Dann erst zogen die Kurfürstlichen ab. Der -Burggraf von Plauen ging seiner Besitzung Frauenstein, die er so unwürdig -hatte verwalten lassen, verlustig; das Lehen wurde vom Kurfürsten -eingezogen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_551">[551]</a></span></p> - -<p>Der Geist des hingerichteten Raubritters soll von Zeit zu Zeit noch -immer in der Schloßruine umgehen und auch in den hinteren, nicht -bewohnten Teilen des neuen Schlosses schon bemerkt worden sein. In -der Nähe des Parkschlößchens läßt sich manchmal etwas »Graues« sehen.</p> - -<h3 id="sec737">737. Schloß Hauenstein.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 103.)</p> - -<p>Malerisch und majestätisch ruht das Schloß Hauenstein auf einem -fast senkrecht abfallenden Basaltfelsen, welcher aus dem wildromantischen, -herrlichen Waldthale sich emporhebt, das menschliche Hand zu -einem lieblichen Garten umgeschaffen. Zu dem Schlosse gehört ein alter, -aus schwarzem Basalt errichteter Rundturm, von altersher der »Bürgermeister« -genannt, weil der Sage nach ein solcher in seinem Verließe -zuerst den Hungertod fand; er diente lange als Gefängnis, und der -in der Gemeinde Damitz gelegene Galgenberg erinnert heutigen Tages -noch an die Zeit, wo die Zwingherren von Hauenstein das Blutgericht -ausübten.</p> - -<p>Beachtung verdient ferner das Perlenzimmer. Wie der Volksmund -erzählt, sollen allhier Nonnen die im Egerflusse gefischten -Perlen verwahrt haben. Nach einer andern Überlieferung hieß besagtes -Gemach eigentlich »Perlhefterstube«, weil sich daselbst zur Zeit -der Schlickschen Herrschaft im 16. Jahrhundert eine Perlhefterei befand.</p> - -<p>An der Felswand in der Vorhalle des Schlosses bemerkte man -sonst einen schwarzen Fleck, angeblich vertrocknetes Blut, welches ein -Herr von Vitzthum dort im dreißigjährigen Kriege kämpfend vergossen -haben soll.</p> - -<h3 id="sec738">738. Burg Neustein bei Görkau.</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgs-Zeitung, Komotau 1880. 1. Jahrg. S. 47.)</p> - -<p>Es mochte um das 11. oder 12. Jahrhundert sein, als auf der -Burg Neustein ein verwegener und berüchtigter Raubritter hauste. Derselbe -hegte aus irgend einem Grunde einen unversöhnlichen Haß gegen -den Grafen zu Rothenhaus. Da geschah es eines Tages, daß er demselben -seinen erstgebornen Sohn in zartem Kindesalter samt der Wärterin -raubte, und, um die Eltern irre zu führen, streute er die mit -Blut getränkten Kleider des Kindes im Walde in der Nähe des Schlosses -Rothenhaus aus, so daß der Graf glauben mußte, ein wildes Tier<span class="pagenum"><a id="Seite_552">[552]</a></span> -habe seinen Sohn zerrissen. Den Knaben aber ließ er als seinen eigenen -Sohn erziehen und flößte ihm dabei tiefen Haß gegen das Grafengeschlecht -in Rothenhaus ein.</p> - -<p>Bei einem Überfalle venetianischer Kaufleute geriet der Raubritter -von Neustein mit dem Grafen von Rothenhaus, welcher zufällig -an der Spitze seiner Leute an den Ort der Unthat kam und die Bedrängten -verteidigte, in Kampf und wurde dabei zum Tode verwundet. -Nur mit Mühe entkam er auf seine Burg, wo er auf dem Sterbelager -sich von seinem angeblichen Sohne einen Eid leisten ließ, daß derselbe -an dem Grafen Rache nehmen wolle. Darauf starb er. Nach einiger -Zeit gelang es dem nunmehrigen Herrn des Neusteins, die Tochter -des Grafen von Rothenhaus zu rauben und durch einen geheimen unterirdischen -Gang auf seine Burg zu führen, wo er sie gefangen hielt. -Als er sie nun sogar zur Gemahlin begehrte, weigerte sich die Jungfrau -standhaft, denn ihr Herz gehörte bereits einem andern.</p> - -<p>Auf Schloß Rothenhaus war man durch das Verschwinden der -Tochter des Hauses in nicht geringe Bestürzung geraten, denn man -vermutete mit Recht einen frechen Raub. Der Graf entbot noch in -derselben Nacht seine Mannen zu sich und zog mit ihnen am frühen -Morgen gegen die Burgen Neosablitz und Wodehrad, die im Thale -des Assigbaches lagen und deren damalige Herren sich nicht des besten -Rufes erfreuten. Doch in keinem der beiden Schlösser war die Geraubte -zu finden. Von dem Vorhandensein des Felsennestes Neustein -aber wußte man nichts, denn dasselbe lag tief im Walde versteckt.</p> - -<p>Unterdeß hatte die gefangene Grafentochter einen Plan zu ihrer -Rettung entworfen. Sie heuchelte dem Herrn von Neustein, sie sähe -ein, daß ihr Sträuben vergeblich sei, und so habe sie sich entschlossen, -die Seine zu werden; der Ritter möge ihr nur einige Tage Zeit lassen -und ihr gestatten, daß sie eine Kirche besuche, damit sie Gott um Trost -und Beistand anflehe. Nur ungern willigte der Ritter ein. So zog -sie denn mit ihrer treuen Dienerin, die man ebenfalls in Rothenhaus -geraubt hatte, und bewacht von einer Schar wilder Gesellen, nach -Komotau, wo sich die nächste Kirche befand. Als sie daselbst dem -Pfarrer beichtete, erkannte sie derselbe und er forderte sie auf, ihm -ihren Aufenthaltsort anzugeben. Sie sogleich zu befreien, erschien ihm -unmöglich, da die Kirche von den Bewaffneten umstellt worden war -und die Leute im Orte noch schliefen, denn es war zu sehr früher -Stunde. Die Jungfrau konnte dem Priester jedoch ihren Aufenthaltsort -nicht angeben, da man sie mit verbundenen Augen aus dem Raubschlosse -nach der Kirche gebracht hatte. Ratlos lief der Priester in die -Sakristei und kam ebenso ratlos wieder zurück. Da bemerkte er plötzlich<span class="pagenum"><a id="Seite_553">[553]</a></span> -ein altes Weib, das unvermerkt mit in die Kirche gekommen war. -Er fragte die Alte, was sie wohl in ihrem Korbe habe. »Ein Säckchen -mit Linsen«, entgegnete diese. »Weib,« rief der Pfarrer, »Ihr seid -mir von Gott gesandt; überlaßt mir die Linsen, sie sollen Euch gut -bezahlt werden!« Das Weib war einverstanden, und der Priester händigte -die Linsen seinem Beichtkinde ein mit der Weisung, auf dem Heimwege -von Zeit zu Zeit heimlich einige Linsen fallen zu lassen; er werde dann -dafür sorgen, daß ihr Aufenthaltsort entdeckt werde. Dann entließ er -das Fräulein, welches nun mit seinen bewaffneten Begleitern wieder -zu Pferde stieg und den Rückweg antrat. Der Geistliche aber gab einem -zuverlässigen Manne den Auftrag, dem Zuge sofort unvermerkt zu folgen, -hie und da am Boden zerstreute Linsen würden ihm im Walde den -Weg zeigen. So wurde das Raubschloß entdeckt. Dem Grafen von -Rothenhaus aber brachte man sofort die Nachricht hiervon, und noch -an demselben Abende stand er mit seinen Mannen vor der Feste des -Raubritters und verlangte die Auslieferung seiner Tochter. Diese erfolgte -aber nicht; man rüstete sich vielmehr in der Burg zur Verteidigung. -Nun umschlossen die von Rothenhaus die Burg und trafen Anstalten -zum Sturme auf dieselbe. Am frühen Morgen des nächsten -Tages begann man auch sofort den Angriff, und trotz der verzweifelten -Gegenwehr der Belagerten hatten die Angreifer bald vom Bergrücken -her den Wall und Graben überschritten und begannen die Mauern zu -ersteigen. Da versuchte der jugendliche Ritter vom Neustein ein letztes -Mittel, die Feinde vom weitern Vordringen abzuhalten. Er schleppte -das geraubte Fräulein auf den Wartturm und drohte dasselbe in die -Tiefe zu stürzen. Da trat aber die alte Wärterin heran, welche allein -im Schlosse seine wahre Abkunft kannte, und teilte ihm mit, daß er -eben im Begriffe stehe, seine Schwester zu ermorden. Jetzt erfaßte -Verzweigung den Ritter; er bestieg sein Pferd, ritt auf die Burgmauer, -gab dem Tiere die Sporen und stürzte mit ihm in die gewaltige Tiefe. -Die Felsenburg wurde nun vollends eingenommen und zerstört. Groß -war aber die Trauer zu Rothenhaus, als man erfuhr, wer der gewesen, -der die Tochter des Grafen geraubt hatte. Der Leichnam des -Ritters wurde feierlich in der Familiengruft der Rothenhauser beigesetzt.</p> - -<h3 id="sec739">739. Das alte Schloß Mulda.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Oberhalb des Ortes Mulda bei Freiberg zeigt man am linken -Muldenufer in der sogenannten »Grüne« einen Platz, auf welchem<span class="pagenum"><a id="Seite_554">[554]</a></span> -einst ein altes Schloß stand. Von den Ruinen ist seit einer Reihe -von Jahren nichts mehr zu sehen, da man die Steine bei einem Wegebau -verwendete. Die Sage erzählt nun, daß nach dem Schlosse eine -kupferne Wasserleitung von dem Brunnen auf dem Burgberge geführt -habe und daß dasselbe von einem gewissen Hegewald niedergerissen -worden sei. Die Steine verwendete derselbe zum Aufbau des jetzigen -Rittergutes. Als das Schloß niedergerissen wurde, fand dieser Hegewald -(er hieß mit dem Vornamen Zacharias, wurde 1670 geboren -und starb 1731), wie der Volksmund erzählt, in dem Gemäuer einen -großen Schatz, den er in einem Sacke auf der Schulter nach dem -neuerbauten Rittergute trug. Die Last war aber so schwer, daß sie -ihn auf dem Wege erdrückte. Früher soll auch in dem Rittergute ein -Bild zu sehen gewesen sein, welches diese Begebenheit darstellte.</p> - -<h3 id="sec740">740. Tauben verraten das Schloß Schönfels.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. S. 623.)</p> - -<p>Das Schloß Schönfels bei Zwickau soll einst rings von einem -großen Walde umgeben gewesen sein, so daß man es nicht sehen und -schwer auffinden konnte. Einst wollte es der Feind erstürmen und -suchte es lange; und hätten nicht Tauben, die man im Schlosse hielt -und welche ab und zu flogen, die Richtung verraten, so hätte man -noch lange suchen können.</p> - -<h3 id="sec741">741. Schön-Guta von Hassenstein.</h3> - -<p class="source">(Nach Ed. Heger in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 143 etc.)</p> - -<p>Eine halbe Stunde vor dem Bergstädtchen Platz liegen die von -einem dreifachen Walle umgebenen Ruinen des Schlosses Hassenstein. -Nach einer Sage wurde dasselbe in der Mitte des 11. Jahrhunderts -von einem Reichsritter Emerich erbaut, welcher mit dem Grund und -Boden von dem Kaiser Heinrich III. für geleistete Kriegsdienste und -besonders für seinen Beistand in der Heerfahrt gegen den Böhmenherzog -Achilles Bratislav belehnt worden war. Sieben Jahre dauerte der -Bau, und als er beendigt war und der Ritter einzog in sein stattliches -Bergschloß, da nahm er sich vor, als Gebieter Gerechtigkeit, -aber auch die vollste sittliche Strenge walten zu lassen. Um seine Anschauungen -von Recht und Sittlichkeit zum Ausdruck zu bringen, that -er ein Gelübde sonderbar und folgenschwer. Er gelobte, diejenige Bewohnerin -des Schlosses, welche ihre Ehre verlieren würde – und<span class="pagenum"><a id="Seite_555">[555]</a></span> -sollte es auch seine eigene Tochter sein – lebendig einmauern zu lassen. -Noch sieht man in der geborstenen Mauer des Hassenstein eine Nische, -welche der Ritter Emerich für diese furchtbare Bestimmung herstellen -ließ, um seinem Gelöbnis den weiblichen Schloßbewohnern gegenüber -den rechten Nachdruck zu geben.</p> - -<p>So vergingen Jahre. Der Ritter jagte in den ungeheuren Wäldern -den starken Eber oder den flüchtigen Edelhirsch, während seine -Gemahlin die Erziehung ihrer Kinder, dreier Knaben, welche des Vaters -Stolz und Freude waren, überwachte. Als die Söhne wehrhaft geworden -waren, lernten sie auf den Nachbarburgen feine Sitte, und -nachdem sie den Schwertschlag zu Gottes und Mariens Ehre erhalten -hatten, dienten sie als Ritter an den Höfen im deutschen Reiche. Die -Burgfrau hatte ihrem Gemahl später auch ein Töchterchen geschenkt, -dessen Geburt der Mutter leider das Leben kostete. Auf ihrem Sterbelager -hatte sie ihr Kind der Obhut des alten Schloßkaplans übergeben, -welcher ihr versprach, dasselbe in Frömmigkeit zu erziehen und -Vaterstelle an ihm zu vertreten. Denn der Ritter war zu häufig in -Fehden verwickelt und oft lange von der Burg abwesend, als daß er -sich der Erziehung seiner Tochter, welche bei der Taufe den Namen -Guta empfing, mit rechter Aufmerksamkeit hätte widmen können.</p> - -<p>Der Schloßkaplan, ein sanftmütiger Priester, verwendete nun -seine ganze Sorgfalt auf die Erziehung der kleinen Guta, und besonders -war es die wunderbare Welt der Märchen und der Kreis der -Sagenlieder und Legenden, welche auf die empfängliche Schülerin den -größten Eindruck ausübten. So wuchs das Mädchen zur blühenden -Jungfrau heran und fast schien es, als ob dieselbe ihren sanften Lehrer -mehr liebe, als den strengen Vater. Derselbe dachte endlich daran, -wie er seine Tochter versorgen und sich damit zugleich eines Nachfolgers -im Besitze der Burg versichern könne. Alle seine Söhne, seine natürlichen -Stützen und Erben hatten ihn ja verlassen, sie weilten, Abenteuer -suchend, in weiten, unbekannten Fernen und nie hatte er eine Nachricht -von ihnen erhalten. Die Wahl eines passenden Eidams erschien ihm -nicht leicht, doch hoffte er sie am besten am Hoflager zu Regensburg -treffen zu können, wohin Kaiser Heinrich IV., seines kaiserlichen -Gönners Sohn, die Fürsten, Ritter und Edlen entboten hatte, damit -des Reiches Wohl und der Römerzug beraten werde. Ritter Emerich -begab sich also nach Regensburg.</p> - -<p>Während der Abwesenheit des Burgherrn beschloß der greise -Kaplan, seiner Pflegetochter, welche bisher kaum über die Schwelle -des äußern Burgthores hinausgekommen war, ein größere Maß von -Freiheit zu gewähren. Er führte sie daher hinaus in die Wälder und<span class="pagenum"><a id="Seite_556">[556]</a></span> -auf die Fluren und besuchte mit ihr die Ansiedelungen im Burgbanne. -Oft ruhten sie auf einer Waldwiese unter einer riesigen Eiche und -lauschten am Morgen dem Gesange der Waldvöglein. Als sie einmal -wieder so saßen, trat plötzlich aus dem dichten Gebüsch ein schöner -ritterlicher Jüngling. Guta war anfangs recht erschrocken, doch konnte -man dem Fremdlinge, welcher die edelsten Sitten zeigte, nicht gram -sein. Es war ein fahrender Ritter aus dem Meißnerlande, welcher -in der Gegend Gastfreundschaft gesucht und gefunden hatte und den -der Zufall auf einer seiner Wanderungen dem Priester und Guta entgegenführte. -Nach mehreren Tagen traf der Ritter mit ihnen an derselben -Stelle wieder zusammen, und dann noch öfter und öfter. Der -Priester war kein strenger Wächter, und so kam es, daß die Herzen -der jungen Leute sich fanden und der Ritter die Jungfrau um Erlaubnis -bat, ihr sein Leben weihen zu dürfen. Nach der Rückkehr ihres -Vaters wollte er um ihre Hand anhalten, denn Guta war es unbekannt -geblieben, aus welchem Grunde ihr Vater nach Regensburg abgereist -war. Bald kam aber von dorther die Botschaft an den Kaplan, -daß der Burgherr bald zurückkehren und den für seine Tochter erkorenen -Bräutigam sogleich mitbringen werde. Als dies Guta hörte, -stürzte sie fassungslos ihrem Erzieher zu Füßen und entdeckte ihm ihr -Geheimnis. Dieser erschrak heftig, denn er kannte die unbeugsame -Strenge Emerichs und dachte an das offene Grab in der Schloßmauer. -Freilich fühlte er sich selbst auch nicht von Schuld frei, und nach -reiflicher Überlegung glaubte er ein Mittel gefunden zu haben, um -der ersten Heftigkeit des heimkehrenden Burgherrn zu begegnen. Zu -Seelau im St. Magdalenenkloster, von dem heute kein Stein mehr -auf dem andern ist, da hat Schön-Guta Aufnahme gefunden; und -auch der meißnische Ritter ward in die Verbannung geschickt, er ging -zu den Benediktinern nach Klösterle. So blieb nur der greise Priester -zurück und derselbe wollte dem Ausbruche des Zornes standhalten.</p> - -<p>Als der Schloßherr kam, gestand der Kaplan alles. In wildem -Grimme vergriff sich der Ritter an ihm, würgte den schwachen Priester -und stieß ihn über die steile Treppe hinab, so daß der Arme die -Steinvließe drunten mit seinem Blute färbte und seine Seele aushauchte. -Nun erst kam der Ritter zur Besinnung und dachte besonders -an die Verfolgung, welche die mächtige Geistlichkeit gegen ihn einleiten -würde, wenn sie Kenntnis von diesem Morde erhielte. Deshalb suchte -er eilig die Spuren des Verbrechens zu beseitigen. Er erinnerte sich -der Mauernische, die er einst für eine ehrenvergessene Schloßbewohnerin -hatte herrichten lassen. Wie fürchterlich hatte nun das Geschick entschieden! -Seine eigene Tochter war zum Opfer geworden, sie hätte er<span class="pagenum"><a id="Seite_557">[557]</a></span> -nach jenem Gelübde lebendig hier begraben müssen. Da ließ Emerich -den Leichnam des ermordeten Priesters an jener Stelle bergen. Doch -damit konnte er die Erinnerung an das Geschehene nicht begraben; -eine Stimme frug ihn fort und fort: Hast Du auch recht gethan? -Sein Trotz wollte diese Frage wohl bejahen; doch er konnte damit die -Stimme des Gewissens nicht betäuben, er ergab sich dem Trunke, um -so Vergessenheit zu finden. Da geschah es eines Abends, daß er sich -ruhelos umhertrieb; sein Schritt war unsicher, er wankte und stürzte -über die jähen Stufen hinab, so daß seine Glieder an eben demselben -Steine zerschellten, auf welchem der Schloßkaplan seine Seele ausgehaucht -hatte. Die Knechte und Reisigen bereiteten dann das Begräbnis -ihres toten Herrn, und außerhalb der Burg, mitten im grünen -Hag, wo es am kühlsten war und die Vögel am schönsten sangen, dort -wölbten sie den Hügel des Ritters, und dann zerstreuten sie sich, -denn sie wollten nicht mehr bleiben an der Stätte mit dem fluchbeladenen -Steine. Und sprachen sie in der Folge von der Burg, so versäumten -sie nicht, den Ort des Übels zu kennzeichnen: »Haß dem -Stein!« Aus dieser Redensart aber entstand im Laufe der Zeit der -Name »Hassenstein.«</p> - -<p>Und die schöne Guta? Die Leute erzählten oft, daß im Kloster -eine Nonne sei, die man immer weinen sehe, das Gesicht gegen die -kalten Eisenstäbe des Fensters gedrückt. Und der Ritter aus den -meißnischen Landen? Der blieb auch im Kloster, denn er hätte keine -Freude mehr gefunden draußen ohne Guta. Aber die Söhne Ritter -Emerichs? Die hatten das Kreuz genommen und waren mit Peter dem -Einsiedler ins heilige Land gezogen und man hat nie mehr von ihnen -gehört.</p> - -<p>Das erledigte Hassenstein erwarben später die Herren von Schönburg, -welche auch in der Nachbarschaft, bei Klösterle, eine Feste besaßen, -deren Ruine von den Anwohnern heutzutage »Schömmerich« -genannt wird.</p> - -<h3 id="sec742">742. Die heldenmütige Herrin des Schloß Hartenberg.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 26.)</p> - -<p>Zur Zeit der Hussitenkriege lebte auf dem Schlosse Hartenberg, -umgeben von nur wenigen Getreuen und unter der Obhut einer alten -Dienerin Zdenka von Hartenberg, eine schöne achtzehnjährige Jungfrau. -Seit einer Reihe von Jahren mutterlose Waise, entriß ihr auch das -Schwert eines wütenden Taboriten vor kurzem den Vater, und ihr -nächster Anverwandter, Jodok von Pichlberg, ein eifriger Utraquist,<span class="pagenum"><a id="Seite_558">[558]</a></span> -den sie um männlichen Schutz und Beistand anflehte, wollte oder konnte -solchen nicht leisten, sondern riet ihr, der neuen Lehre beizutreten und -so aller Gefahren überhoben zu sein. Das mochte Zdenka nicht. Getreu -den frommen Lehren ihrer verklärten Mutter hing sie mit kindlichem -Glauben und Vertrauen der katholischen Kirche an und setzte, -da ihr kein Freund mehr auf der Welt blieb, das feste Vertrauen auf -Gott, den mächtigen Beschützer der Bedrängten und Verlassenen. Daneben -vergaß sie auch nicht, an das Ehr- und Pflichtgefühl ihrer Unterthanen -zu appellieren, versah die Burg mit Lebensmitteln, ließ die -Mauern, Streittürme und Basteien ausbessern und einen größern Vorrat -des schon damals im Gebrauche stehenden Schießpulvers herbeischaffen, -um die einzigen Waffen der Burg, zwei Doppelhaken, in Verwendung -nehmen zu können, kurz, ordnete alles mit männlicher Umsicht -und Entschlossenheit an, was zur Verteidigung ihres väterlichen Erbes -dienen konnte.</p> - -<p>Die Vorsicht war nur zu wohl gerechtfertigt. In einer finstern -Nacht rötete sich der Himmel von mächtigen Feuersäulen, die aus den -benachbarten, von den Hussiten in Brand gesteckten Dörfern emporstiegen, -und ein beträchtlicher Taboritenschwarm, angelockt von dem -reichen ungeplünderten Gute und der ihrer Meinung nach sehr schwach -oder gar nicht verteidigten Burg, stand bald vor den Thoren Hartenbergs, -mit rauhen, grimmigen Worten Einlaß begehrend und mit -drohenden Mienen zur Übergabe auffordernd. Da beides verweigert -wurde, schrien hunderte von Stimmen nach Sturm, Pfeilen und Pechkränzen -und vermengten ihre Rufe mit tausend Verwünschungen und -Flüchen.</p> - -<p>Zdenka ließ die Feuerschlünde donnern, ein Steinregen fiel auf -die Schädel der Stürmenden, heißes Pech troff auf sie herab, und viele -der blutdürstigen Taboriten, welche versuchten, die Burg in Brand zu -stecken, den Thorgraben mit Steinblöcken zu füllen, die Mauern zu -ersteigen, sanken zerschmettert zu Boden. – Die grause Nacht verging -und der neue Morgen sah neue Stürme, neue angestrengte Versuche, -die Burg zu Falle zu bringen. Umsonst; das tapfere Häuflein der -Eingeschlossenen, angespornt durch Wort und That ihrer edlen Gebieterin, -sowie die starken Mauern, die tiefen Gräben und die treffliche Lage -der Burg spotteten aller Versuche der Hussiten, so daß diese beschlossen, -die Belagerten durch die Macht des Hungers zur Übergabe zu zwingen. -Die Lage Zdenkas und ihrer Getreuen wurde nun mit jedem Tage -furchtbarer; Mutlosigkeit riß ein, die Lebensmittel nahmen immer mehr -ab, die bleiche Krankheit mit der hohläugigen Not erschienen in der -Burg als unwillkommene Gäste, kein Ersatz war zu erwarten; denn<span class="pagenum"><a id="Seite_559">[559]</a></span> -das verzagte Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite ausgesteckte -Notfahne herbeirufen sollte, hatte die schwer heimgesuchte Gegend verlassen. -– Als die Not aufs höchste gestiegen war, begab sich die bemitleidenswerte -Jungfrau in die Burgkapelle, weilte dort auf den -Knien liegend lange, bange Stunden und faßte daselbst, gestärkt durch -ein inbrünstiges Gebet, einen bewunderungswürdigen, heroischen Entschluß, -der, als sie wieder unter ihre Leute getreten war, ihren Augen -einen eigenen Glanz, ihren Zügen eine stille Ruhe und Resignation, -ihrem ganzen Wesen eine heilige Weihe gab. Ein Knecht mußte -die letzte Nahrung, ein Rehviertel, vor den Turm werfen, ein anderer -ins Horn stoßen und den Anführer der erbitterten Belagerer herbeizurufen. -Dieser erschien, und Zdenka rief hinab: »Unter gewissen Bedingungen -will ich die Burg übergeben, obwohl, wie Ihr an dem Wildpret -sehen könnt, keine Not mich dazu zwingt. Erstlich werdet Ihr meine -Getreuen mit Hab und Gut frei und ungehindert abziehen lassen.« »Nur -Euch nicht, holde Frau«, unterbrach sie der Rohe, »sonst mag das ganze -Gesindel das Weite suchen.« »Ich bleibe in der Burg meiner Väter, -so lange ich lebe!« rief Zdenka leuchtenden Blicks und fuhr hierauf fort: -»Dann werdet Ihr Euch nicht eher dem Thore nähern, bis meine Leute -den Platz gänzlich verlassen und die Stätte jenes Vorwerks erreicht -haben. Zuletzt beschwöret mir, falls Ihr ein Christ seid, die genaue -Befolgung des Versprechens.« »Ich schwöre«, tönte es von den Lippen -des Kelchners, »aber glaubt nur nicht«, setzte er bei, »daß Ihr mir entwischen -könntet.« – Zdenka ordnete nun den Abzug ihrer Diener an, -dankte ihnen für alle bewiesene Treue und gehorsam geleisteten Dienste, -verteilte ihre Kleinodien und Kostbarkeiten unter sie und tröstete die -in Thränen Aufgelösten damit, daß ihr der wilde Hussitenführer wohl -freundlich entgegenkommen werde.</p> - -<p>Die Fallbrücke rasselte herab, sechzehn bleiche und abgezehrte -Männer mit der alten, weinenden Wärterin schwankten heraus, und -nicht lange darnach stürzten die nach Beute lechzenden Taboriten mit -ihrem Anführer an der Spitze, welcher die Jungfrau suchte, in die -Burg. Allein wie vom Blitze gerührt blieb die wilde Rotte am Eingange -einer Halle stehen und starrte mit stummen Entsetzen auf das -ihr sich darbietende Bild. Dort in der Mitte des Gemaches stand -Zdenka, bräutlich geschmückt, Entschlossenheit in Mienen und Gebärden, -Hoheit und Würde in Haltung und Stellung zeigend. In ihrer Rechten -loderte, Unheil und Verwüstung drohend, eine Fackel mit blutigrotem -Scheine, und mit dem Zeigefinger ihrer Linken deutete sie auf ein vor -ihr stehendes Pulverfaß. – Todesschauer schien die Kelchner gelähmt -zu haben, und dieser wollte auch dann nicht von ihnen weichen, als<span class="pagenum"><a id="Seite_560">[560]</a></span> -ein brausendes Getöse sich gegen die Burg hinanwälzte, und endlich -ein Haufen sich gesammelten, bewaffneten Landvolkes, entrüstet über -die unmenschliche Verheerung ihrer Heimat, angefeuert durch die Not -der verlassenen Jungfrau, zum Entsatze herbeieilte und die blutdürstigen -Räuber mit leichter Mühe überwältigte. Zdenka stand noch immer, -wie ein Engel des Todes, drohend vor der Pulvertonne. Erst als sie -sich gerettet sah, fiel sie, inbrünstig dem Himmel für ihre Rettung -dankend, auf ihre Knie. Die ruhmwürdige Jungfrau hätte eher die -Burg in die Luft gesprengt, als sich den Taboriten ergeben, da sie -voraussah, daß Entehrung und grausame Behandlung ihrer warte.</p> - -<h3 id="sec743">743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.</h3> - -<p class="source">(Joh. Böhm in der Erzgebirgszeitung 1882, S. 29.)</p> - -<p>Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des siebenjährigen -Krieges, als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein bei Bleistadt -Vater und Sohn vor dem Kienfeuer sitzend in einem lauten Gespräche -begriffen waren. Dieses war besonders für letzteren hochinteressant, -denn oft ließ der fünfzehnjährige Michel seine Hände, welche sich mit -Kieferspäneschnitzen beschäftigten, sinken und hörte lange Zeit mit gespanntester -Aufmerksamkeit auf das, was sein Vater, ein alter, verdienter -Soldat, von seinen Feldzügen gegen den hartnäckigsten Feind -Maria Theresias mit großem Eifer und dramatischer Lebendigkeit zu -erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund gesprächiger denn je, -denn eine österreichische Truppenabteilung, bei deren Anblick sich des -Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten, war seit wenigen -Stunden an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte sich für die Nacht -eine kurze Strecke davon. Immer und immer wieder wurde Michel -zu bewundernden Ausrufen hingerissen, und es wäre ihm am liebsten -gewesen, wenn er gleich als Soldat mit Säbel und Gewehr hätte Bekanntschaft -machen können.</p> - -<p>»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete -den Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert -in die Stube warf, »heraus mit euch, oder das Feuer wird schnelle -Beine machen!«</p> - -<p>Auf seinem Stelzfuße hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat -einem Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von -ihm zu erfahren wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen, -wie stark sie sei und wo dieselbe liege. Der Veteran erwiderte, -daß er dieses alles nicht wisse, und weder Versprechungen, noch harte<span class="pagenum"><a id="Seite_561">[561]</a></span> -Drohungen und arge Mißhandlungen, welche Michel zum Widerstande -bewogen, konnten den braven Mann veranlassen, zum Verräter zu -werden, so daß die Preußen diesen entschlossenen Leuten gegenüber -einen andern Weg einschlugen, um zum Ziele zu gelangen.</p> - -<p>Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel -gezwungen wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib -einen Strick, dessen Ende der Befehlshaber selber in die Hand -nahm, wobei er drohend und nachdrücklich sagte: »Du, Bursche, gehst -links zwei Schritte neben mir und wirst weder husten, noch scharf auftreten. -Zwei Mann mit gezogenen Säbeln gehen vier Schritte voraus, -ebenso viele hinten und an den Seiten, die Mannschaft folgt, sechs -Schritte entfernt, nach. Du führst uns den nächsten Weg zu dem -Lager der Österreicher und wenn irgend ein Wort meiner Befehle übertreten -wird, so werden dich meine Leute augenblicklich niederstoßen.« -Der arme, bedauernswerte Michel leistete anfangs mit stürmischem -Herzpochen, was man von ihm verlangte; allmählich wurde er aber -ruhiger, dachte nach und machte endlich den Versuch die verhaßten -Preußen irre zu führen, um die Soldaten seiner Kaiserin zu retten. -Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald gemerkt; denn dieser -zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins Ohr: »Wenn wir in -einer halben Stunde die Österreicher nicht haben, stirbst du eines martervollen -Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg mehr und entschlossen -bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade auf das Lager -der kaiserlichen Truppen führte. Die schwarze Nacht, die unheimliche -Stille, das raubtierartige Gebahren seiner schlagfertigen Begleiter -hatten etwas Fürchterliches, was im Vereine mit den heute von seinem -Vater erzählten Kriegsthaten seine Thatkraft zeitigte und den kühn -gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich entdeckten die Vordermänner -eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf geben wollte, -lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe sein, -weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum Stillstande -gab. Diesen Moment benützte der Bursche, sprang wie ein Luchs -auf den Befehlshaber und ihn am Halse fest umschlingend, schrie er -aus allen Leibeskräften: »Auf! auf! die Preußen! Holla, die Feinde!« -Der Heldenmütige blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß -seinen Mund auf ewig verstummte, dessen Rufe die kaiserliche -Mannschaft rettete und ihr über die durch den unverhofften Verrat -betäubten Preußen einen leichten Sieg verschaffte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_562">[562]</a></span></p> - -<h3 id="sec744">744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.</h3> - -<p class="source">(Brandner, Lauenstein. 1845. S. 24 und 25.)</p> - -<p>Das Schloß Lauenstein, welches früher Löwenstein hieß, hatte -wie andere Burgwarten einen markgräflichen Hauptmann. Durch die -Räubereien dieser Hauptleute aber erhielt Lauenstein später den Ruf -eines Raubschlosses. Einer dieser Hauptleute, mit Namen Gecko oder -Jecko, war wegen seiner räuberischen Streifzüge, die er zuweilen bis -an die Elbe ausdehnte, besonders gefürchtet. Bei einer solchen Gelegenheit -bekam er die Gemahlin des Burggrafen Otto von Dohna -und deren Tochter Edda in seine Gewalt, und er ließ beide, da Otto -das schwere Lösegeld nicht aufbringen konnte, in schmählicher Gefangenschaft -schmachten. Erst, nachdem Otto die Burg Lauenstein hart bedrängte, -erhielten sie ihre Freiheit wieder. Aber Ottos Gemahlin genoß -die Freude des Wiedersehens nur auf Augenblicke, denn als ihr -Gemahl herbeieilte, um sie zu empfangen, erlag sie, durch lange, harte -Gefangenschaft, durch Harm und Kummer geschwächt, der Wonne herzlicher -Bewillkommnung. Sie starb in den Armen ihres Gemahls.</p> - -<p>Der Hauptmann Gecko aber fand später ein elendes Ende, das -man, wie die alte Nachricht hinzufügt, für ein hartes Strafgericht Gottes -halten mußte.</p> - -<p>Als Geckos kleiner Sohn an dem Rande des Zwinggrabens spielte, -stürzte er, nach Blumen langend, in denselben hinab. Gecko, dies gewahrend, -eilte behende herbei, um zu helfen, glitt indeß aus, stürzte -hinab, blieb aber an einem Pfahle hängen und spießte sich denselben -in der Hüfte zwischen Wamms und Brustschild durch den Leib, woran -er elendiglich seinen Tod fand. Der Knabe aber ist ohne Fehl wieder -herausgekommen.</p> - -<h3 id="sec745">745. Der treue Haberberger von Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatrum Freib. Chron.</em> II. S. 43.)</p> - -<p>Als Markgraf Friedrich der Freidige, vom Kaiser Adolf besiegt, -elend im Lande umherzog, kam er, von einem einzigen Diener begleitet -und unerkannt in eine Schmelzhütte, in welcher ein Freiberger Bürger, -namens Haberberger, einen starken Blick Silber abtrieb. Als er nun -gefragt, wem so viel Silber zustände und darüber berichtet worden -war, hat er den Haberberger allein vor die Hütte geführt, sich zu erkennen -gegeben und ihn um das Silber angesprochen. Haberberger -hat ihm dies nicht allein willig zugestellt, sondern ihm auch versprochen, -daß er ihm nach wenig Tagen, wenn er es geschmolzen, noch mehreres<span class="pagenum"><a id="Seite_563">[563]</a></span> -geben wolle. Markgraf Friedrich nahm es mit Dank an, und da ihm -in der Folge noch mehrere reiche Bürger heimlich von ihren Ausbeuten -zuschickten, warb er neues Kriegsvolk an, mit dem es ihm gelang, in -seinem Lande wieder festen Fuß zu fassen. Er konnte sich um so mehr -darin behaupten, als bald darauf der Kaiser abgesetzt wurde und in -einer Schlacht mit seinem Gegenkaiser sein Leben einbüßte. Haberberger -aber wurde reichlich beschenkt und erhielt mancherlei Freiheiten.</p> - -<h3 id="sec746">746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem -Freidigen das Leben.</h3> - -<p class="source">(Moller a. a. O. II. S. 47.)</p> - -<p>Im Jahre 1305 ist der Kaiser Albrecht nach Altenburg gekommen -und hat Markgraf Friedrich den Freidigen zu sich entbieten lassen, ihn -auch freundlich aufgenommen und zu seiner Tafel gezogen, allein heimlich -hat er einen Meuchelmörder bestellt gehabt, der plötzlich ins Tafelzimmer -hineinsprang und einen Stoß auf den Markgrafen führte. Als -dieses seine Diener sahen, ist der eine, so ein Bürger von Freiberg -gewesen, ihm in den Stoß gefallen, dabei aber tötlich verletzt worden, -die andern aber haben zu ihrer Wehr gegriffen und teils den Thäter -in Stücke gehauen, teils ihren Herrn aus der Gefahr vom Schlosse -hinweg und am folgenden Tage in fremden Kleidern aus der Stadt -gebracht, worauf er sich nach Pegau gerettet hat.</p> - -<h3 id="sec747">747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.</h3> - -<p class="source">(Nach Peccenstein, <em class="antiqua">Theatrum Sax.</em> I. S. 91 in Gräße, Sagenschatz -d. K. S. No. 244.)</p> - -<p>Der König von Ungarn Matthias ist den deutschen niemals sonderlich -hold gewesen, also daß er sich mehrmals öffentlich hat vernehmen -lassen, er wolle den Türken einen Paß durch sein Land vergünstigen, -Deutschland zu überfallen. Gleichwohl hat er immer deutsches Volk -an seinem Hofe gehabt und in seinen Kriegen gebraucht, und so ist -denn auch ein Ritter von Bärenstein in seine Dienste gekommen. Nun -trug es sich zu, daß der König einmal auf dem Schlosse zu Ofen spazieren -ging, und wie er dabei an die Löwengrube kommt, so forderte er -den von Bärenstein zu sich, befiehlt, dem Löwen Fleisch zuwerfen -und redet darnach den von Bärenstein an, er solle doch, da er so kühn -sei, den Löwen vom Fleische wegjagen. Wiewohl nun der Ritter leicht -abnehmen konnte, wie solches gemeint sei und was ihm für Gefahr<span class="pagenum"><a id="Seite_564">[564]</a></span> -bevorstehe, wenn er es unternehmen wolle, so hat er doch, um allen -Unglimpf zu verhüten und abzuwenden, sein Leben nicht zu sparen gedacht, -seinen Mantel um den linken Arm gewickelt, das Schwert in -die rechte Hand genommen und ist also in die Grube auf den Löwen -zugegangen. Wie dieser ihn ansichtig worden und sein unerschrockenes -Gemüt gemerkt, hat er seiner nicht erwarten wollen (wie es denn die -Natur dieses Tieres sein soll, daß es denen weicht, so es an Kühnheit -übertreffen), und also hat der Ritter von Bärenstein das Fleisch -genommen und dem König überbracht, nicht ohne dessen sowie des -ganzen Hofes große Verwunderung. Ob nun wohl der König sich -darauf ganz gnädig gegen ihn bezeigt, hat jener doch bald Abschied genommen -und sich aus seinen Diensten begeben.</p> - -<h3 id="sec748">748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847. S. 83.)</p> - -<p>Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über Olbernhau -und Sayda durch das Gebirge herunter nach Oederan zog, galt -es besonders dem Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus -der Gefangenschaft entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg -wohnte. Täglich wurde jetzt dieses Schloß 3 Wochen lang von -den Hussiten gestürmt. Da rettete den geängstigten Schönberg sein -Knappe durch einen unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor -dem Schlosse öffnete. Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine, -auf dem ein Kreuz eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit -gehaltenes Roß trug den Ritter in der dunkeln Nacht durch den Forst -auf die nahe Straße nach Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen -Hussiten nach und hart vor Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten -beinahe eingeholt. Der Turmwächter auf dem Meißner Thore -gewahrte in der Morgendämmerung diese Menschenjagd. Er öffnete -dem nahenden Ritter, welcher ihm sein weißes Tuch entgegenschwang, -einen Thorflügel, den er vor den mit heransprengenden Hussiten schnell -wieder zuschlug. Innerhalb des Thores aber verließen den Ritter die -Kräfte; auf der Meißner Gasse stürzte er mit dem Pferde und wurde -tot in das nächste Haus getragen. Auch diese Stelle ward mit -einem Steine, den man später an die Stadtmauer gelehnt hat, zum -traurigen Andenken bezeichnet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_565">[565]</a></span></p> - -<h3 id="sec749">749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Oederan.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chron. der Stadt Oederan. 1847. S. 36.)</p> - -<p>Im Bruderkriege wurde die Kirche zu Oederan von Herzog Wilhelms -wilden, meist böhmischen Kriegern völlig ausgeraubt. Vom -völligen Feuerruin wurde sie nur dadurch gerettet, daß, als die Räuber -mit den Pechkränzen schon nach dem Gotteshause liefen, ein adeliges -Fräulein, Hertha von der Planitz, in die Kirche eilte, das Marienbild -vom Altare nahm und dieses dem Feldhauptmann Cuno von -Witzleben, der zu Pferde vor der Kirchthüre hielt, mit den Worten -zeigte: »Halt ein, du Gottloser! Diese Heilige wohnt in dieser Kirche, -und wird dich bei ihrem Sohn verklagen. Ich trage sie zurück in ihr -Heiligtum und werde mich selbst mit ihr verbrennen lassen!« Der Feldhauptmann -ließ zwar die Pechkränze wieder wegtragen, doch nun die -Thüre der Kirche erbrechen und diese ausrauben; jedoch befahl er, -jenes heldenmütige Edelfräulein mit ihrem Marienbilde zu verschonen. -Dies geschah 1447.</p> - -<h3 id="sec750">750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« im Zellwalde -bei Nossen.</h3> - -<p class="source">(Alfr. Moschkau, Geschichte des Benediktinerklosters St. Walpurgis im -Zellwalde. 1874. S. 8. <em class="antiqua">Saxonia</em> I. S. 172.)</p> - -<p>Das im Jahre 1540 als Wallfahrtskirche eingegangene Mönchsklösterlein -»alte Zelle« im Zellwalde soll nach der Sage ein <em class="gesperrt">Nonnen</em>kloster -gewesen und erst im dreißigjährigen Kriege eingegangen sein. -Als Banner Freiberg vergeblich belagert hatte und seinen Zug gegen -den Zellwald nahm, soll ihm die Aebtissin einen Boten entgegengesandt -und für die Schonung des Klosters versprochen haben, ihm den Weg -von Freiberg bis hierher mit Silbergulden zu belegen. Banner aber -habe geantwortet, er wolle sich das Geld schon selber holen. Endlich -sei er gekommen, habe das Kloster ausgeplündert und die Gebäude -dann niedergebrannt.</p> - -<p>Eine Sage erzählt noch, daß dieses Nonnenkloster mit dem Mönchskloster -Altzelle bei Nossen durch einen unterirdischen Gang verbunden -gewesen sei. (Merkel und Engelhard, Erdbeschreibung von Kursachsen, -2. B. S. 117.)</p> - -<h3 id="sec751">751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, <em class="antiqua">Historia Schneebergensis</em>. S. 672.)</p> - -<p>In ganz Deutschland ist in keiner Zeche jemals mehr gediegen<span class="pagenum"><a id="Seite_566">[566]</a></span> -Silber gehauen worden, als in St. Georgen zu Schneeberg. Von -dem Herzog Albrecht, dem teuren und hochberühmten Helden, wird gemeldet, -daß er auf diesem St. Georg (1477) angefahren und darin -auf einer verschrämten großen, gediegenen Silberstufe, woraus später -400 Centner Silber gewonnen wurden, wie auf einem Tische mit etlichen -seiner Räte Tafel gehalten, auch unter andern diese nachdenklichen -Worte gesagt habe: »Unser Kaiser Friedrich ist zwar gewaltig -und reich, ich weiß aber doch, daß er jetzo keinen solchen stattlichen -Tisch hat.«</p> - -<p>In der Bergamtsstube auf dem Rathause zu Schneeberg wurde -lange nachher noch der Sattel aufbewahrt, auf welchem Herzog Albrecht -in den St. Georg und später auch Kurfürst Johann Friedrich auf dem -Fürsten-Vertrag eingefahren war.</p> - -<h3 id="sec752">752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der -Sehma.</h3> - -<p class="source">(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge. Dresden, 1847. S. 205.)</p> - -<p>Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen -der tiefere Teil des angrenzenden Ortes Rothensehma führt. Im engsten -Sinne ist der Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle -und vielen Vorrechten, auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart. -Nach einer Volkssage soll hier (und nicht am Fürstenberge bei -Grünhain) des Prinzen Albert Errettung aus den Händen Kunzens -von Kauffungen 1455 geschehen sein. Noch zeigt man im Westen, diesseits -eines alten Marmorbruchs, den Fürstenbrunnen, und im Süden -die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige Köhler Schmidt, der Triller -genannt, sich aufhielt, welcher später die Erlaubnis erhielt, hier an -der böhmischen Straße den Kretscham (Gasthof) anzulegen.</p> - -<h3 id="sec753">753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.</h3> - -<p class="source">(Nach Berkenmeyer, <em class="antiqua">Cur. Antiquarius</em> S. 652 und W. Schäfer, Der -Prinzenraub, S. 50; bei Gräße a. a. O. No. 528.)</p> - -<p>Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem -Räuber, dem Ritter Kunz von Kauffungen, durch Gottes Hülfe glücklich -entronnen waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der -Ebersdorfer Kirche bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die -Kleider der beiden jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt,<span class="pagenum"><a id="Seite_567">[567]</a></span> -wie auch des Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und -Kappe aufhängen. Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Kuntz Kauffung der viel wilde Mann,<br /></span> -<span class="i0">Im Meißnerland ist kommen an,<br /></span> -<span class="i0">Wohl auf das Schloß zu Altenborg,<br /></span> -<span class="i0">Sehr frech und kühn ohne alle Sorg,<br /></span> -<span class="i0">Dem Fürsten allda seine Kind,<br /></span> -<span class="i0">Entführt hat listig und geschwind,<br /></span> -<span class="i0">Der Kleider noch sie hängen seht,<br /></span> -<span class="i0">Ein jeder der fürüber geht,<br /></span> -<span class="i0">Die dazumahl bald nach der That,<br /></span> -<span class="i0">Der Vater hergehänget hat.<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die gegenwärtig in der Pfarre von Ebersdorf aufbewahrten Kleider der Prinzen -Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.</p></div> - -<h3 id="sec754">754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.</h3> - -<p class="source">(Alfred Moschkau in der <em class="antiqua">Saxonia</em> II. S. 71.)</p> - -<p>Die Steinbrücke, die sich unterhalb des Schlosses Nossen über -die Mulde wölbt, steht auf der Stelle einer uralten Furt. Noch Anfang -vorigen Jahrhunderts mußte man, um von Meißen her in die -Stadt zu gelangen, diese Furt passieren und es gehörte zu deren eifrigsten -Frequentanten längere Zeit August der Starke, den die Liebe oft -auf das nahe Rittergut Keseberg trieb. Da traf es sich denn einmal, -als sein Sehnen groß und er dem Ziele so nahe war, daß er ratlos -mit seinem Gefolge an der Mulde rasten mußte, weil der Strom geschwollen -und es kein Vorwärts gab. Um nicht wieder in solche fatale -Lage zu geraten, ordnete August der Starke sofort den Bau der heutigen -Muldenbrücke an.</p> - -<h3 id="sec755">755. Kunigunde Mathesius von Oederan.</h3> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 123 etc.)</p> - -<p>Im Jahre 1572 befand sich Kurfürst August mit seiner Gemahlin -Anna auf der Augustusburg. Nach wenigen Tagen schon stellten sich -bei der Kurfürstin Zeichen ein, welche eine schnelle Abreise bedingten. -Sie wünschte sogleich fort und nach Freiberg geschafft zu werden, wohin -ihre Frauen, das Nötige zu ordnen, sämtlich vorauseilten. Es<span class="pagenum"><a id="Seite_568">[568]</a></span> -war spät am Abend und eine finstere Herbstnacht, als August und -Anna ganz allein diesen nachfolgten. Der kürzere Fürstenweg sollte -sie schnell nach Freiberg führen. Allein am Tannichtholze war die -Kraft der Kurfürstin am Ende. Der Kutscher wußte jedoch Bescheid -und lenkte auf sanftem Feldwege sogleich nach Oederan ein. Hier lag -alles nach tags vorher gefeiertem »Mariä Geburtsfeste« in tiefem -Schlafe. Der schwerfällige Wagen bewegte sich langsam bis nach dem -Obermarkte herauf, wo an der Ecke eines Hauses, des jetzt Oehme'schen, -No. 108, noch ein Lichtlein durchs Fenster leuchtete. Dahin wünschte -Anna so heimlich als möglich gebracht zu werden. Der Hauswirt -Jakob Mathesius, seines Gewerbes ein Schlosser, war mit seiner Tochter -Kunigunde eben von einem Kindtaufsschmause heimgekehrt und letztere -vor dem Spiegel beschäftigt, ihren orientalischen Patenschmuck abzulegen, -als ein leises aber freundliches Rufen sie vor die Thüre lockte. -Zwei Worte reichten hin ihr zu sagen, wem und wie sie hier zu helfen -habe, mit gewandtem Anstande führte sie die Landesmutter in ihr -Schlafzimmer, rief die erfahrene Hausfrau herbei, ordnete die nötige -Hausarznei und schwatzte die sich erholende Anna in den ihr so -nötigen Schlaf, bei der das kluge Jüngferchen wie bei einer Mutter -sorgliche Wache hielt, indeß der Landesvater in der Wohnstube sich -von dem verblüfften Vater die Wahrheit sagen ließ.</p> - -<p>Eine zweistündige Ruhe der gestärkten Fürstin ermutigte diese -zu dem Wunsche, sogleich weiter zu reisen und den Gemahl herbeizurufen. -Von der Gemahlin unterrichtet, was und wie viel sie dem -Mädchen danke, fühlte der Kurfürst sich diesem verpflichtet und hielt -der Bescheidenen die volle Börse hin. Mit edlem Stolz aber trat -Kunigunde, den Reichtum abweisend, zurück und sagte: »Mir genügt -an der ehrenvollen Gnade und dem Heil, das unserm Hause wiederfahren -ist, und an der Aussicht«, dabei auf die Kurfürstin deutend, -»für diese Gesegnete des Herrn bald vielleicht knieend diesen meinen -Dank zu bringen!« »Sie hat Recht!« rief, sich erhebend, die Kurfürstin, -drängte den Gemahl mit seinem Golde zurück und schloß das -edle Mädchen in ihre Arme, den zweideutigen Sinn ihrer Worte recht -gut fassend. »An der Wiege meines Kindes wirst Du diesen Dank -gen Himmel senden, und dahin mich sogleich begleiten!« Schneller als -ihr Entschluß, dieser hohen Gnade und dem gütigen Wunsche zu folgen, -waren die Reisekleider der entzückten Kunigunde herbeigeholt und nach -wenigen Minuten fuhr sie mit ihren erlauchten Gästen zum Freiberger -Thore hinaus, hinab nach Dresden, wo nach 4 Wochen die Überglückliche -denselben orientalischen Patenschmuck am Taufpult der neugeborenen -Prinzessin trug, welchen sie einst getragen hatte, als ihre -hohe Gevatterin vor die älterliche Wohnung geführt wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_569">[569]</a></span></p> - -<p>Die Kurfürstin verheiratete später diese Kunigunde mit einem -Freiherrn von Voppelius.</p> - -<h3 id="sec756">756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.</h3> - -<p class="source">(Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, bearbeitet von Engelhardt, 2. B., -S. 105.)</p> - -<p>Als Kaiser Maximilian II. im Jahre 1648, da er noch Erzherzog -war, den Kurfürsten August von Sachsen besuchte, ward von -letzterem in dem großen Tharander oder Grillenburger Walde eine -glänzende Jagd veranstaltet. Auf dieser Jagd kam der Erzherzog in -eine zweifache Lebensgefahr. Denn ehe er sichs versah, gerieth er mit -seinem unbändigen Rosse an einen steilen Felsenhang, wo nur noch ein -Schritt zwischen Leben und Tod war, und als er dann, glücklich der -Gefahr entgangen, wieder umkehrte, um den Jagdtroß zu erreichen, -verirrte er sich beim Sinken des Tages im Waldesdickicht, und er -mußte endlich froh sein, daß er die Strohhütte eines Waldhirten erreichte, -in welcher er übernachten wollte. Den Hirten aber verblendeten -die reichen Kleider des erlauchten Gastes, so daß er den Vorsatz -faßte, diesen während seines Schlafes zu ermorden. Doch Maximilians -Wachsamkeit und Mut vereitelten diesen Plan. Unterdeß -war auch der Jagdtroß, welcher den Fürsten suchte, herbeigekommen, -und als die Jäger erfuhren, in welcher Gefahr Maximilian geschwebt -hatte, schleppten sie den Hirten mit fort. Derselbe wurde sehr bald -hingerichtet, seine Waldhütte aber wurde verbrannt.</p> - -<h3 id="sec757">757. Die Sühne des Ritters Conrad von Theler.</h3> - -<p class="source">(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung -und Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, -1863, S. 52.)</p> - -<p>Über das Geschlecht der Edlen von Theler, sowie über deren -reiche Silberzechen im Thale der wilden Weißeritz sind gar manche -Sagen dem Anscheine nach seit Jahrhunderten im Munde des Volkes, -und vorzugsweise die Sage vom Ritter Conrad von Theler, welcher -seinen Hauspfaffen am Sonntage Oculi 1332 in der Sakristei der -Burgkirche erstochen haben soll, weil dieser ihn von der Kanzel herab -verflucht und von dem reichen Bergwerkssegen immer zu viel für die -Kirche verlangt habe. Nach jener verbrecherischen That sei Conrad -nach Jerusalem gezogen, um dort am heiligen Grabe Buße zu thun,<span class="pagenum"><a id="Seite_570">[570]</a></span> -und habe, als er am 5. Juli 1334 zurückgekehrt sei, von Höckendorf -an sieben Bet- oder Marter-Säulen setzen lassen, von welchen gegenwärtig -noch drei vorhanden sind, deren erste nahe am neuen Höckendorfer -Kirchhofe steht. Auch habe derselbe den wertvollen Altarschrank bauen -lassen, der gegenwärtig noch die dortige Kirche schmückt, und dessen -reiche Vergoldung aus dem Goldbergwerke gewonnen sei, welches -Conrad in der Höckendorfer Heide besessen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Höckendorfer Kirchennachrichten vom Jahre 1846 bringen hierüber Conrads -von Theler eigene Worte, welche einer Urkunde entnommen sein sollen. Sie -heißen: »Was ich mitgebracht hatte, das wollte der Pfaff hineinschlucken, welches -mir aber nicht anstund; weil nun das Verfluchen auf der Cancel auf mich losging -und er mich so sehr verfluchte, sagte ich zu ihm: was habt ihr mich und mein Haus -zu verfluchen, da Christus ja auch für mich gestorben und wieder auferwecket von -den Toden, zu sitzen zu der rechten Hand Gottes und vertritt uns.</p> - -<p>Es war der Sonntag, an welchem das Evangelium: Jesus trieb die Teufel -aus: Luc. am II. (am Sonntage Oculi) gepredigt wurde, Anno 1332, als ich den -Pfaffen erstach und sogleich nach Jerusalem reiste, wo ich die heilige Stätte abmas, -und als ich wieder nach Hause kam, ließ ich vom Dorfe Cunnersdorf an steinerne -Capellen setzen, welche soviel auseinanderstanden, als unser Heiland mit dem schweren -Kreuze gegangen ist, ehe er ausruhete, in jeder Capell stehen die sieben Buchstaben -<em class="antiqua">christus</em>, welches Alles in unserem Herrn Jesu zu einem Gelübde gethan habe. Ich -Cunrad Theler habe auch den 5. Juny 1334 den hohen Altar zu Höckendorf zu bauen -angefangen, welcher den 6. October 1337 fertig worden ist, das Schnitzwerk ist aus -Wien kommen und kostet 5000 Thaler und das Gold mit Vorhängen 24000 Thaler, -und den 3. November ist selbiger durch einen Cardinal aus Rom geweihet worden.«</p> - -<p>Diese Urkunde ist jedenfalls unecht, denn sowohl Moller in seiner Freiberger -Chronik als auch König in seinem Adelslexikon, welche beide die Thelersche Reise -nach Jerusalem mitteilen, erzählen nichts von einem Priestermorde, als der Veranlassung -zu jener Wallfahrt. Vielmehr heißt es in dem angeführten Adelslexicon von -Conrad Theler, daß derselbe gottesfürchtig, andächtig, im Glauben beständig und -gegen die Kirche ehrerbietig gewesen sei. (Sachsengrün, 1860, S. 21.)</p></div> - -<h3 id="sec758">758. Der treue Rat von Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Pros. Anhang, No. 8.)</p> - -<p>Die Söhne Friedrichs des Streitbaren, Kurfürst Friedrich und -Herzog Wilhelm, hatten über ihre Länder einen Teilungsvertrag geschlossen, -nach welchem die Stadt Freiberg beiden zugleich angehörte. -Als nun zwischen den beiden Brüdern der Krieg ausbrach, welcher -gegen sechs Jahre währte, da war die arme Stadt oft in Kümmernis, -denn zwei Herren, die sich befehden, durch Treuschwur zugleich unterthan -zu sein, das ist gar ein schlimmes Ding.</p> - -<p>Im Jahre 1446 kam Kurfürst Friedrich, vielleicht nur, um die<span class="pagenum"><a id="Seite_571">[571]</a></span> -Treue der Bürger zu erproben, mit starker Heeresmacht nach Freiberg, -hielt auf dem Markte Lager mit seiner Ritterschaft und ließ durch -einen Herold ausrufen, »daß der Rat und die Bürgschaft bei Verlust -Gutes und Lebens ihm allein huldigen, seinen Bruder verschwören -und wider denselben ihm zu Hülfe thun sollten.« – Da gingen die -Herren des Rates zusammen und hielten voller Ängsten einen Rat, -was zu beginnen sei und konnten nichts Erfreuliches ersinnen, denn -entweder sie mußten den Treuschwur am Herzog Wilhelm brechen, -oder die Stadt war der Zerstörung durch den Zorn des Kurfürsten -Friedrich gewärtig. Also waren sie in großen Nöten, wählten aber -dennoch das beste Teil. – Als der Herold zum dritten Male rief, -gingen sie barhäuptig, je zwei und zwei, vom Rathause auf den Markt, -jeder seinen Sterbekittel am Arme tragend, und traten vor den Kurfürsten, -um den seine Ritter einen Kreis geschlossen hatten. Nikol -Weller von Molsdorf, der Bürgermeister, aber nahm das Wort und -sprach: »Wir und die ganze Stadt sind so bereitwillig als schuldig, -Euch, unserm gnädigsten Herrn, untertänigst zu gehorsamen, und ist -uns gegenwärtige Trennung unserer beiden Fürsten ein herzliches Leidwesen; -aber weil wir dem Herzog Wilhelm, Eurem Bruder, mit -gleichen Pflichten verhaftet und solcher von ihm noch nicht entlassen -sind, also auch mit gutem Gewissen keinem Teil Schaden zufügen -können, so bitten wir um Gotteswillen, Ihr wollet uns doch dabei -lassen und zu keinem Widrigen zwingen. Wenn es nicht gegen den -Bruder ginge, so wollten wir gern Leib, Ehre und Gut für Euch zusetzen; -aber dafern Ihr, was Gott verhüte, in uns dringen wollt, -so gedenken wir lieber zu sterben, als uns in solche Seelengefahr zu -stürzen, und ich will gern der Erste sein und mir meinen alten, grauen -Kopf abhauen lassen!« Durch diese Rede erweicht, warf der Kurfürst -sein Roß herum, ritt zu Wellern, klopfte ihm auf die Achsel und sagte -freundlich: »Nicht Kopf weg, Alter! nicht Kopf weg! wir bedürfen -solcher ehrlicher Leute noch länger, die ihr Eid und Pflicht also in -acht nehmen!« – Hierauf lobte er die Treue der Stadt und ermahnte -die Ratsherren und Bürger, darinnen zu verharren und furchtlos zu -sein, denn er stehe gern ab von seinem harten Begehren.</p> - -<h3 id="sec759">759. Erfindung des Spitzenklöppelns.</h3> - -<p class="source">(Aug. Diezmann im Album fürs Erzgebirge, Leipzig, 1847, S. 133.)</p> - -<p>Ziemlich allgemein setzt man die Erfindung des Spitzenklöppelns -durch Barbara Uttman in das Jahr 1561, ohne einen haltbaren Grund<span class="pagenum"><a id="Seite_572">[572]</a></span> -dafür angeben zu können; wahrscheinlich war in jener Zeit die neue -Kunst schon so weit vervollkommnet und erleichtert, daß sie von da -an allgemeinen Eingang fand. Dies muß der Fall gewesen sein, denn -als 1568 eine bösartige Krankheit in Annaberg herrschte, sollen allein -in dieser Stadt gegen 800 Spitzenklöpplerinnen gestorben sein.</p> - -<p>Barbara Uttmann war die Tochter des Fundgrübners Hans -Heinrich von Elterlein und wurde im Jahre 1514 geboren. Schon -frühzeitig zeichnete sie sich durch eine seltene Geschicklichkeit in allen weiblichen -Arbeiten und namentlich in der Verfertigung von Spitzen mit -der Nadel aus. Die Sage erzählt nun:</p> - -<p>Ein junger Mann aus der damals berühmten Familie Uttman, -welche durch den Bergbau große Schätze erlangt hatte, sah Barbara, -verliebte sich in sie und wurde, als er ihr die Gefühle seines Herzens -entdeckte, durch das Geständnis der Gegenliebe beglückt. Die Eltern -der jungen Liebenden hatten gegen die Verbindung derselben nichts einzuwenden -und die Zeit der Vermählung wurde festgesetzt. Die Männer -trugen zu jener Zeit breite gestickte Hemdkragen und Barbara wünschte -ihren Bräutigam am Hochzeitsfeste mit einem selbstgefertigten Spitzenkragen -zu überraschen. Sie sann und grübelte deshalb noch eifriger -als sonst über die neue Art der Spitzenbereitung, mit der sie sich schon -lange beschäftigt hatte; sie versuchte wohl tausenderlei, steckte Nadeln -fest, schlang um dieselben die Faden und endlich brachte sie auf diese -Weise glücklich ein Gewebe zu Stande, dem sie mit der Nadel die -letzte Vollendung gab. So soll die erste geklöppelte Spitze entstanden -sein, welche der Bräutigam der Erfinderin, Christoph Uttman, an -seinem Hochzeitstage als Halskragen trug.</p> - -<p>Eine andere Sage erzählt, daß Barbara in der Kunst des Spitzenklöppelns -von einer Magd unterrichtet wurde, die aus Brabant entflohen -war und in dem Hause des Herrn von Elterlein eine Zuflucht -gefunden hatte.</p> - -<h3 id="sec760">760. Christoph Schürer.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 45.)</p> - -<p>Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich -sich verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber, -wie man den Kobalt nannte, sich erhob, da kam Christoph -Schürer, eines Apothekers Sohn aus Westphalen und landesflüchtig -seines evangelischen Glaubens wegen, nach Schneeberg, wo er, als ein -in der Chemie wohlerfahrener junger Mann, bald eine Anstellung bei -den Hütten fand. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft gewann er<span class="pagenum"><a id="Seite_573">[573]</a></span> -die Liebe Anna's, der Tochter des Hüttenmeisters Rau, und bald -auch durch sein einnehmendes Betragen das Jawort ihres Vaters, so -daß die Hochzeit auf das nächste Bergfest bestimmt wurde. Ehe aber -das Bergfest kam, wären beinahe die Hoffnungen Schürers vernichtet -worden. Bei seinen chemischen Forschungen war er nämlich auf den -Gedanken geraten, den viel verrufenen Kobalt zu etwas Nützlichem -umzugestalten. Er machte demnach im geheimen in einer Schmelzhütte -in Oberschlema vielfache Versuche und trieb es damit oft die -ganze Nacht hindurch so eifrig, daß er bald in den Verdacht der Alchimisterei -und Schwarzkünstlerei gerieth. Als daher aus Platten in -Böhmen, wo er sich bei seinem frühern Aufenthalte daselbst durch -seinen Glauben Feinde und durch seine Kenntnisse Neider gemacht -hatte, mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb und -Glaspartierer gewesen sei, und man seine Auslieferung forderte, gebot -der Bergmeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der -Schmelzhütte mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Frohn, ihn -festzunehmen, fand aber die äußere Thür verschlossen, was er dem -Bergmeister meldete. Diesen sowie den Hüttenmeister Rau und einige -Geschworene trieb jetzt die Neugier mitzugehen. Die Thür ward aufgesprengt -und mit freudefunkelnden Augen trat der Gesuchte den Eintretenden -entgegen. Aber wie staunte er, als der Frohn ihn griff und -ihm die Handschellen anzwang! Wie erschrak er, als ihn die Bergherren -mit Vorwürfen überhäuften und ihn einen Zauberer, Dieb und -Partierer schalten. Da rief er, schnell sich fassend, mit fester Stimme: -»Männer prüfen, ehe sie entscheiden! Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug -hier mit schwarzer Kunst, so tretet her! Seht, dies wollt ich gewinnen, -und, Gott sei Dank, endlich ists gelungen! Ich meine, es soll -dem Lande von großem Nutzen sein!« Mit diesen Worten reichte er -ihnen eine Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehls hin. Die Bergherrn -staunten und begehrten zu wissen, wie und woraus er solche -schöne blaue Farbe bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig -und reinigte sich so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler -sei. Auch machte es dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe -versprach, alles zu thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen -der Böhmen zu erweisen. Dies gelang auch dem wackeren Manne -bald, und Schürer erhielt nun seine Freiheit wieder und kam durch -die Erfindung der schönen blauen Farbe, die man anfangs nur blaues -Wunder, später aber Schmalte nannte, zu großen Ehren, und als das -Bergfest gekommen war, wurde er des Hüttenmeisters glücklicher Eidam.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_574">[574]</a></span></p> - -<h3 id="sec761">761. <em class="antiqua">Dr.</em> Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses -mit Gutem.</h3> - -<p class="source">(Meißner, Umständl. Nachrichten von Altenberg, S. 19. Darnach -Gräße, Sagenschatz, No. 232.)</p> - -<p>Im Jahre 1522 haben eine Menge Leute zu Altenberg ein -hölzernes Bild, das wie Luther angezogen war, gemacht, dasselbe vor -ein aus fingierten Richtern und Schöppen gebildetes Gericht geführt, -es wegen Ketzerei verklagt und verurteilt, und dann mit großem Geschrei -und Lärm auf den Geisingberg geführt und am Sonntag Lätare -an einem aus 25 Fudern Holz bestehenden Feuer verbrannt, nachdem -vorher ein gewisser Bergmann darüber den Stab gebrochen und das -Urteil gesprochen hatte. Zwanzig Jahre nachher kommen zwei Bürger -aus Altenberg zu <em class="antiqua">Dr.</em> M. Luther gen Wittenberg und bringen ihm -einen schönen Handstein von rotgüldenem Erze, worauf sie derselbe zu -Tische bittet. Da sagte der Eine, sein Kamerad habe sich einst schwer -an ihm versündigt, indem er sein Bild wie Johann Huß zum Feuer -verdammt, später habe er aber die Wahrheit seiner Lehre erkannt, und -bitte nun, da ihm solches von Herzen leid sei, demütig um Gnade -und Verzeihung seines thörichten Unverstandes. Dem Luther gefällt -die Rede und er sagt, weil solches Feuer ihm und seiner Lehre nichts -geschadet, solle es ihm im Namen des Herrn vergeben und vergessen -sein. Wie nun dieser Handel ein gut und ehrliches Gelächter gab, -spricht der Absolvierte: »O Herr Doktor, ich danke Ew. Ehrwürden, -aber ich hab noch eine große Schuld auf mir, bitte, Ihr wollet mich -auch davon absolvieren, denn ich armer Bergmann habe mich bei der -Zeche verpufft und bin an die 500 Gulden schuldig.« Da sagt der -Luther: »Ihr Bergleute, wenn Ihr am ärmsten seid, blüht Euer Glück, -denn da haltet Ihr an und sehet selber zu Euern Zechen, und Not -lehret Euch beten, zur Kirche gehen und nüchtern und mäßig sein, -darum wisset Ihr selber nicht, wie reich Ihr seid. Ziehet heim und -arbeitet treulich und handelt redlich und glaubt und hofft an den Allmächtigen, -den rechten Erzschaffer im Namen seines Sohnes, der Silber -und Gold ins Fisches Mund sprach (Matth. 17) und läßt immer Erz -wachsen und giebts zu rechter Zeit denen, die in ihren Zechen anhalten -und bei ihm im Gebet aushalten. Der reiche Gott wird mit Euch -sein, auf seinen reichen Segen und milde Hand absolviere ich Euch von -aller Eurer Schuld.« Ehe dieser Bergmann wieder zu Hause kommt, -erhält er Botschaft unterwegs, man habe in seiner Zeche auf dem seligen -Asar gut Erz angetroffen; da löst er Geld und giebt Ausbeute -und zahlt alles ab und behält noch Überlauf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_575">[575]</a></span></p> - -<h3 id="sec762">762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.</h3> - -<p class="source">(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. -K. Sachsen, No. 242.)</p> - -<p>Als die Hussiten im Jahre 1429 durch das Land Meißen zogen -und alles mit Mord und Brand verwüsteten, kamen sie auch in das -sächsische Hochland und zwar in die Nähe des in einem der tiefsten und -schönsten Thäler Sachsens liegenden Städtchens Gottleuba. Schon -brachten Flüchtige aus Liebstadt die Nachricht, daß das feindliche Heer -im Anzuge sei, und um in die benachbarten Berge zu flüchten, schien -die Zeit zu kurz, wenn es nicht möglich werde, dasselbe eine Zeitlang -zu beschäftigen. Da rief der Bürgermeister rasch die ratlosen Bürger -auf dem Markte zusammen, und forderte sie auf, freiwillig zurückzubleiben -und sich den Hussiten entgegen zu werfen, auf daß Greise, -Weiber und Kinder indeß Zeit zum Entrinnen gewinnen könnten. Obwohl -sich aber fast alle Männer bereit erklärten, so wählte der tapfere -Mann doch nur dreizehn Unverheiratete aus und zog mit ihnen, nachdem -sie von den Ihrigen auf Nimmerwiedersehen Abschied genommen, -den Feinden entgegen. Sie besetzten eine steile Bergspitze, bei welcher -dieselben vorüber mußten, wenn sie zur Stadt wollten, und als ihnen -die Hussiten einen Gesandten entgegenschickten, der sie zur Übergabe -auffordern sollte, wiesen sie ihn mutig zurück. Nun rückten jene mit -ihren ganzen Massen heran, um sie von ihrem Posten zu vertreiben, -allein sie widerstanden männiglich, und erst nach Verlauf von drei -Stunden, als keiner der Vierzehn mehr am Leben war, ward der Paß -frei und die Feinde drangen über die Leichen der tapfern Bürger ins -Thal herab; allein sie fanden niemanden mehr im Städtchen, denn -jener Aufenthalt hatte alle gerettet. Die waldige Höhe aber, wo jene -so wacker gestritten, heißt noch jetzt die vierzehn Nothelfer, obwohl -manche diesen Namen von einer einst dort gestandenen Kapelle (die 12 -Apostel, die Jungfrau Maria, Johannes der Täufer oder Joseph führen -in katholischen Ländern den Namen der 14 Nothelfer) herleiten wollen, -die übrigens recht gut zum Andenken an jene Begebenheit erst erbaut -sein könnte, um so mehr, als jene 14 hier begraben sein sollen. Eine -andere, südlich von der Stadt gelegene Anhöhe, welche jenen Bürgern -als Ausguck gedient haben soll, heißt von derselben Begebenheit noch -jetzt die »schnelle Gucke«.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Als die 14 Nothelfer galten anderwärts auch Jesus, die 12 Apostel und irgend -ein Heiliger, welchen der Bischof bezeichnete. Diesen 14 Nothelfern war z. B. ein uraltes -Wallfahrtskirchlein auf der kahlen Höhe bei Reichstädt geweiht; der Heilige -war daselbst St. Nikolaus. (Monatsbeilage zur Weißeritzzeitung, 1884, No. 5.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_576">[576]</a></span></p> - -<h3 id="sec763">763. Harras der kühne Springer.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen. No. 327. Sachsens Kirchengalerie -8. B. S. 118.)</p> - -<p>Zwischen Frankenberg und Lichtenwalde an der Zschopau befindet -sich ein hoher Fels, der Haustein genannt. Am 28. Mai des Jahres -1499 ist der Ritter von Harras, Besitzer von Lichtenwalde – seine -Familie besaß dasselbe bis 1561 – in einer Fehde von seinen Feinden -in der Nähe desselben überfallen und so verfolgt worden, daß ihm kein -anderer Weg zur Rettung übrig blieb, als mit seinem Rosse von der -Spitze des hohen Felsens, der den Namen Haustein trägt, in den unten -vorbeiströmenden Zschopaufluß zu springen. Dieser kühne Sprung von -einer Höhe von mehr als 100 Ellen ist ihm auch geglückt, und da er -eine Tiefe von 10 Ellen Wasser im Flusse getroffen, hat derselbe weder -ihm, noch dem Rosse Schaden gebracht, sondern beide haben das gegenüberliegende -Ufer glücklich erreicht und später im Schlosse zu Lichtenwalde -Schutz gefunden. Der Ritter aber hat nach der Kapelle zu Ebersdorf -und dem dort befindlichen Gnadenbilde eine Wallfahrt gemacht -und zum Andenken daselbst ein großes silbernes Hufeisen hinterlassen, -welches in der Kapelle aufgehangen, aber um 1529 gegen ein eisernes -vertauscht worden ist. Dieses Hufeisen befindet sich an einem Balken -in der Nähe des am mittleren Thore der Kirche zu Ebersdorf errichteten -steinernen Standbildes eines Ritters Dietrich von Harras, der als der -kühne Springer bezeichnet wird. Im Mai des Jahres 1801 ist am -Rande der Zschopau, dem Haustein gegenüber, bei einer sehr alten Eiche -ein Denkstein mit der Inschrift auf den beiden Hauptseiten: »Dem -tapfern Springer, Ritter von Harras,« errichtet worden, auf dessen -Nebenseiten ein Sporn und ein Hufeisen abgebildet wurden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Bei den Brüdern Grimm (Deutsche Sagen, I. No. 332), welche Theodor Körners -Nachlaß benutzten, lautet die Sage ganz einfach: Bei Lichtenwalde im sächsischen Erzgebirge -zeigt man an dem Zschopauthal eine Stelle, genannt der Harrassprung, wo -vor Zeiten ein Ritter, von seinen Feinden verfolgt, die steile Felsenwand hinunter -geritten sein soll. Das Roß wurde zerschmettert, aber der Held entkam glücklich auf -das jenseitige Ufer.</p></div> - -<h3 id="sec764">764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.</h3> - -<p class="source">(K. W. Clauß, Führer auf der Fahrt durch das Weißeritzthal. 1883. -2. Aufl. S. 12.)</p> - -<p>Kurz vor der Haltestelle Seifersdorf zwischen Hainsberg und -Dippoldiswalde befindet sich auf dem jenseitigen Weißeritzufer der<span class="pagenum"><a id="Seite_577">[577]</a></span> -Trompeterfelsen, an welchen sich eine Art Harrassage knüpft. Ein -sächsischer Trompeter wird von Oelsa her von Feinden hart verfolgt -und steht plötzlich auf einer Waldblöße vor dem Abgrunde. Den Tod -vor und hinter sich sehend, sprengt er über den Abhang in die Weißeritz. -Sein Pferd zerschellt, er aber kommt mit dem Leben davon, steigt -auf die dem Felsen gegenüber liegende Höhe und bläst dort ein »Nun -danket alle Gott.« Die erbitterten Verfolger sandten ihm Schüsse nach -und eine Kugel streckte ihn nieder.</p> - -<p>Andere erzählen, die Kugel sei ihm zwischen Hand und Mund -durch die Trompete gefahren, dieselbe unbrauchbar machend. Die -Trompete sei in das alte Messing gewandert, das Loch aber noch in -einem Altertumsmuseum zu sehen.</p> - -<h3 id="sec765">765. Der Kärrner zu Stollberg.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O. No. 575.)</p> - -<p>In der letzten Zeit vor dem 30jährigen Kriege lebte zu Stollberg -eine Witwe mit ihrer Tochter in einem kleinen Häuschen am -Ende der Stadt; das Häuschen war ihr von ihrem verstorbenen Ehemanne -als einziges Erbe hinterlassen worden. Dem Hause gegenüber -wohnte ein junger Mann, der seinen Unterhalt damit fand, auf den -Dörfern mit verschiedenen Waren herumzuziehen, die er auf einem -kleinen Wagen, welchen sein Hund zog, mit sich führte. Nun war der -junge Mann längst der Tochter der Witwe gut gewesen und auch diese -hatte ihn immer gern gesehen; da traf es sich, daß er gerade am -heiligen Christabende mit ihr von seiner Liebe sprach und sie fragte, -ob sie sein Weib werden wolle. Das Mädchen sagte freudig ja, und -beide teilten der alten Mutter die frohe Neuigkeit mit und feierten so -recht in Herzenslust den heiligen Abend. Allein plötzlich sprang der -Kärrner auf und erklärte, er könne nicht länger bleiben, er müsse -noch in das benachbarte, 1½ Stunde von der Stadt gelegene Wittendorf, -das später durch den Krieg zur wüsten Mark ward, um dorthin -bestellte Waren zu schaffen. Zwar bat ihn seine Braut, nur diesen -Abend zu bleiben, es sei ihr so ängstlich zu Mute; allein der Kärrner -lachte sie aus und meinte, es sei ja Mondenschein, er habe den Weg -schon so viele male bei schlechterem Wetter und im Finstern gemacht, -er werde ihn also auch heute nicht verfehlen. Er ließ sich nicht halten, -sein Mädchen aber setzte sich traurig an den Spinnrocken und versuchte -sich die Zeit mit Spinnen zu vertreiben. Aber in ihrer Herzensangst -kamen ihr häßliche Bilder vor, die Spindel und das Garn schienen<span class="pagenum"><a id="Seite_578">[578]</a></span> -ihr blutig zu sein, und es war ihr, als spinne sie ihr Leichenhemde. -Sie nahm also das Gesangbuch und die Bibel zur Hand, allein alles -half nichts, es wollte keine Ruhe in ihr ängstlich schlagendes Herz einziehen. -Endlich hörte sie die Glocke zur Frühmette läuten und sie eilte -hinaus, um zu sehen, ob ihr Bräutigam zurückgekehrt sei; allein weder -jetzt noch nach dem Schlusse der Mette ließ er sich sehen. Endlich -hatte sie keine Ruhe mehr, sie bat einen ihr freundlich gesinnten Nachbar -sie nach Wittendorf zu begleiten, um dort zu hören, ob ihrem -Geliebten etwas zugestoßen sei. Als sie aber dort ankamen, hörten -sie, derselbe sei zwar dagewesen, aber schon seit Mitternacht wieder -fortgefahren, und sie konnten also nicht mehr zweifeln, daß ihm ein -Unglück begegnet sei. Auf dem Rückwege verfolgten sie nun die Spur, -welche der Kärrner mit seinem Wagen hinterlassen hatte, und dieselbe -führte sie auch deutlich nach einer morastigen, aber grundlosen Stelle -eines den Stollbergern unter dem Namen des Walkteiches bekannten -Weihers, wo sie auf einmal aufhörte. Jetzt konnte die Arme nicht -mehr an dem Schicksale ihres Bräutigams zweifeln, sie kehrte trostlos -in das Städtchen zurück und sprach im halben Wahnsinn zu ihrer alten -Mutter, in drei Monaten werde sie ihr Bräutigam zur Trauung abholen, -bis dahin müsse sie sich ihr Hochzeitskleid spinnen. So spann -sie denn emsig bis zum Osterfeste, und als die Mitternacht des Vorabends -gekommen war, da dünkte es ihr, es poche jemand dreimal -ans Fenster. Sie öffnete es und es schien ihr Bräutigam draußen -zu stehen, zwar mit totenbleichem, aber himmlischfreundlichem Gesichte; -er lud einen Myrthenkranz und Cypressenranken von seinem Wagen ab -und verschwand. Kaum hatte sie ihrer bekümmerten Mutter von der -Erscheinung erzählt, als sie auch schwer erkrankte, und es waren nicht -24 Stunden verronnen, da war das Mädchen entschlafen. Seit dieser -Zeit sagt man aber, daß sich der Geist des Kärrners mit seinem Wagen -und Hunde in den Gassen von Stollberg allnächtlich sehen lasse, und -wo er vor einem Hause anhält und Kränze abladet, da wird jemand -aus demselben drei Tage nachher begraben, und wenn jemand in der -Stadt auf den Tod liegt, da sagt man: Dort hat der Kärrner abgeladen. -Das Sumpfloch aber, worin er sein Grab fand, heißt noch -heute das Kärrnerloch.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Aus den Akten über den Kärrner von Stollberg ergiebt sich folgendes: Er -hieß Martin Schmidt aus Crottendorf und ertrank am 24. Dezember 1591 abends 6 -Uhr im Ratsteiche, d. i. Walkteiche, zu Stollberg. Am 25. abends 4 Uhr ist er aufgefunden, -durch den Scharfrichter herausgezogen, aufgehoben und »hinterm Städtlein -an der Zwickschen Straße auf dem Scheidewege, am Viehweg nach Würschnitz zu« -begraben worden. Solches ist vom Stollberger Schösser Lorenz Stuihler dem Beamten<span class="pagenum"><a id="Seite_579">[579]</a></span> -in Schwarzenberg, Seibold Werner, gemeldet und bei demselben, wahrscheinlich -weil man in Zweifel war, ob der Mann ertrunken oder sich ertränkt hatte, angefragt -worden, wie man sich dabei zu verhalten habe, da so ein Fall ihm weder -bei seinen jetzigen, noch in seinen früheren Ämtern vorgekommen sei. Dieser hat -darauf angeraten, sich darüber beim Amte Chemnitz, wo sich zweifelsohne solche Fälle -schon zugetragen, im Vertrauen zu befragen. (Stollberger Anzeiger, 1882, No. 39.)</p></div> - -<h3 id="sec766">766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.</h3> - -<p class="source">(Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirgs, I. 1822. -S. 167 etc. Gräße, Sagenschatz etc. No. 478.)</p> - -<p>Einst lebte in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf ein junger Bergmann, -namens Oswald Barthel, des alten Bergmanns Michael Barthel -Sohn, der von seinen Vorgesetzten so geschätzt war, daß ihm der reiche -Obersteiger Baumwald seine einzige Tochter Anna verlobte. Nun sollte -er im tiefen Stolln »Gutes Glück« im Sauberge anfahren, um einen -Durchschlag zu machen, welches wegen des entgegenstehenden Wassers -unter die gefährlichsten Arbeiten des Bergbaues gehört. Er und diejenigen -seiner Kameraden, welche die Reihe hierzu traf, traten nun, -nachdem sie zuvor mit ihrem Steiger gebeichtet und das heilige Abendmahl -genommen, am Tage St. Katharinä im Jahre 1508 die Fahrt -mit einem herzlichen Glückauf! an. Als sie an dem gefährlichen Punkte -angekommen waren, ward die Arbeit sofort in rolliger, sehr gebrechlicher -Bergart betrieben und das Einstürzen der Firste durch Zimmerung -verhütet. Die Last war groß, die auf dieser Zimmerung ruhte, und -als der Steiger, etwas zurückstehend, eben eine Anordnung treffen wollte, -hörte er ein heftiges Krachen in der Firsten-Zimmerung und im nächsten -Augenblick ein gleiches. »Brüder, rettet Euch!« rief er schnell, -»es macht einen Bruch!« Diesem Rufe folgten alle in der größten -Eile, nur Oswald, der jüngste und rascheste von allen blieb auf eine -bis jetzt unbegreiflich gebliebene Weise zurück und wurde verschüttet. -Zwar gab man sich die unsäglichste Mühe, den armen Oswald zu -retten, und immer neue Arbeiter lösten die bereits ermatteten ab, aber -vergebens, es brach immer mehr nach und der Unglückliche ward nicht -wieder gefunden. Als nun aber die Braut des armen Bergmanns die -furchtbare Kunde vernahm, sank sie zuerst in eine tiefe Ohnmacht, aus -der sie nur wieder erwachte, um in eine tödliche Krankheit zu verfallen. -Zwar besiegte ihre Jugendkraft dieselbe und sie ward dem Leben erhalten, -allein als sie nach ihrer Genesung zum ersten male wieder das -Gotteshaus betrat, da brachte sie am Altar der hochheiligen Mutter -des Herrn das Gelübde, ihrem Oswald treu zu bleiben und ihr Leben<span class="pagenum"><a id="Seite_580">[580]</a></span> -lang Jungfrau zu bleiben; dann hing sie ihren Brautkranz mit eigner -Hand unter den Totenkränzen in der Kirche auf und lebte in tiefster -Stille, den Segen der Armen verdienend. – So gingen denn seit jenem -Unglückstage viele Jahre dahin und zuletzt waren nur noch die jungfräuliche -Braut, sowie drei Bergleute, Balthasar Thomas Kendler, -Andreas Reiter der ältere, beide in Ehrenfriedersdorf, sowie Simon -Löser, in Drehbach wohnhaft, von allen denen übrig, die damals das -unglückliche Ereignis mit angesehen hatten. Da fügte es sich, daß in -Brünlers Fdgr. am Sauberge ein Stolln bewältigt wurde, und als man in -die siebente Lachter im rolligen Gebirge fortgerückt war, stieß man auf -einen in der Erde liegenden menschlichen Körper, der noch in seinen -unverwesten Kleidern dalag. Mit vieler Mühe machte man ihn von -seiner drängenden Umgebung frei und schaffte ihn nach dem Tageschachte, -da brach dieser harte Leichnam mitten auseinander und man konnte -ihn also nur in zwei Stücken heraufwinden. Diese Begebenheit wurde -sogleich dem damaligen Bergmeister Valentin Feige gemeldet, welcher -den Geschwornen Thomas Langer rufen und die obengenannten Greise -an Bergamtsstelle bescheiden ließ. Diese Männer sagten nun aus, daß -sie sich noch wohl erinnerten, wie einst in der Zeit ihrer Jugend, vor -60 Jahren, ein junger Bergmann, namens Oswald Barthel, in der -Gegend, wo der Leichnam jetzt gefunden worden, so verfallen sei, daß -ihn niemand habe retten können. Und als man nun den Leichnam brachte, -erkannten sie ihn als den Verschütteten. Dieses Wiederfinden geschah -am 20. Sept. 1568, so daß der Verschüttete 60 Jahre 9 Wochen und -3 Tage in der Erde gelegen hatte, als man ihn wiederfand, worauf -er am 26. desselbigen Monats mit einem feierlichen Leichenbegängnis -wieder zur Erde bestattet wurde, welche ihn schon so lange umschlossen -gehabt hatte. Es war ein Begräbnis, wie Ehrenfriedersdorf noch keins -gesehen hatte. Der Leichenzug bestand aus Tausenden, die herbeigekommen -waren, um dem so wunderbar Wiedergefundenen das letzte Geleite -zu geben. Als die Leiche eingesenkt werden sollte, eilte auch die -treugebliebene Braut herbei und sprach den Wunsch aus, ihrem Bräutigam -bald folgen zu können, und nach wenigen Tagen ward ihre Hoffnung -auch erfüllt. In der Gedächtnispredigt, welche der damalige -Ortspfarrer <em class="antiqua">M.</em> Georg Raute hielt, sagte derselbe am Eingange, es -sei eine wundersame Mär, daß er, der Pfarrer, der schon im 31. Jahre -stehe, heute einer Leiche die Gedächtnispredigt halte, welche schon 30 -Jahre vor seiner Geburt gestorben sei. Als Oswald verschüttet ward, -herrschte in Ehrenfriedersdorf noch das Papsttum, als er begraben ward, -hatte dasselbe schon längst der Reformation weichen müssen. Noch heute -heißt aber die Hauptzusammenkunft der Bergknappschaft zu Ehrenfriedersdorf,<span class="pagenum"><a id="Seite_581">[581]</a></span> -die zugleich eine Begräbnis-Brüderschaft ist, und welche am -Montag nach Ostern abgehalten wird, zum Andenken an obige Begebenheit -die lange Schicht.</p> - -<p>Nach einer andern Überlieferung, welche Dietrich erzählt, lebte -von den einstigen Kameraden Oswalds, als man seine Leiche wieder -auffand, nur noch einer, der alte Balthasar. Oswald aber wurde von -der Verwesung noch unversehrt, in seinem Grubenkittel, lederner Bergkappe, -desgleichen mit seinem Gezäh (Werkzeug), seiner Unschlitttasche -und dem Zscherper wiedergefunden, ohne daß er beim Heraufwinden -in zwei Stücke zerbrach. Als das Leichenbegängnis beendet war, wankte -Oswalds Braut Anna, geleitet von dem Bergmeister und dem Pfarrer -in ihre Wohnung zurück. Hier bat sie, daß man ihr den Brautkranz -aus der Kirche wieder gebe, und ihre Bitte ward gewährt. Am nächsten -Sonntagsmorgen genoß sie in der Kirche öffentlich das Abendmahl -des Herrn, die längst vertrocknete Myrthenkrone im Silberhaar; dem -alten Balthasar aber mußte man die heilige Spende zum Krankenlager -bringen, denn ein Schlagfluß hatte ihn darniedergeworfen und seine -Auflösung war nahe. An diesem Sonntage noch ging mit der Himmelssonne -auch der treuen Anna Lebenssonne unter, und um Mitternacht -folgte ihr Balthasar nach. Es wurden diese beiden an einem Tage -begraben. Oswald und Anna ruhen in einem Grabe, des treuen Freundes -Balthasars Grab aber war nahe an Oswalds Seite, und tausende -von Thränen weihten ihre stillen Ruhestätten.</p> - -<h3 id="sec767">767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern -bei Reichstädt.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt durch Ludw. Lamer in der Monatsbeilage zur Weißeritz-Zeitung -1886. No. 5 etc.)</p> - -<p>Ganz in der Nähe des Dorfes Reichstädt, 1½ Stunde von -Dippoldiswalde gelegen, stand ehedem auf einer Anhöhe, die »Kahle -Höhe« genannt, ganz einsam und verlassen ein uraltes Kirchlein, den -»vierzehn Nothelfern« geweiht. Nach einer Urkunde vom Jahre 1320 -war dasselbe eine überaus berühmte Wallfahrtskapelle, und zu ihr strömten -jährlich viele Tausende, um ihre Anliegen und Gebete den vierzehn -Nothelfern, nämlich Jesu, den zwölf Aposteln und dem heilgen Nikolaus -vorzutragen. Durch die vielen, der Kirche gespendeten Geschenke -wurde dieselbe sehr reich; als aber nach Beginn der Reformation die -zahlreichen Wallfahrer ausblieben und im niedern Teile des Dorfes -Reichstädt eine Kirche gebaut und daselbst der lutherische Gottesdienst<span class="pagenum"><a id="Seite_582">[582]</a></span> -eingeführt worden war, verschwand plötzlich auch der letzte Meßpriester der -Kapelle und mit ihm das ganze aufgehäufte Vermögen derselben nebst -den Heiligenbildern und Kirchengeräten. So verfiel nach und nach das -Kirchlein und während des dreißigjährigen Krieges wurden auch Bänke, -Betstühle und alles Holzwerk herausgerissen und verbrannt. In der -Zeit nun, da das kleine Gotteshaus mit leerem Boden und leeren -Wänden dastand, geschah folgendes: Bei dem reichen Bauer Wolf zu -Oberreichstädt diente in den 1640er Jahren die Tochter einer armen -Witwe aus Sadisdorf, namens Hanna. Durch ihren Fleiß, ihre -Treue und Bescheidenheit machte sich dieselbe bei ihrer Herrschaft bald -beliebt; noch mehr aber gefiel Hanna dem einzigen Sohne ihres Dienstherrn, -einem mit ihr gleichaltrigen, blühenden Burschen mit Namen -Christian. Allgemach zog die Liebe zu dem Mädchen in sein Herz, doch -verriet er davon nichts, denn sein Vater war starrsinnig und unbeugsam -und dabei dem Gelde so wohlgeneigt, daß er nie die Verbindung -seines einzigen Sohnes mit einem armen Mädchen zugegeben hätte. -Das wußte der Sohn aus manchen Äußerungen des Vaters. Ja eines -Tages sagte ihm derselbe, daß er für ihn die Tochter eines reichen -Bauern zur Frau bestimmt habe, die ihm sogleich 2000 Thaler als -Heiratsgut mitbringen werde. Doch Christian weigerte sich, dieses -Mädchen heimzuführen, da dasselbe träge, zänkisch und roh sei. Erzürnt -drohte ihm darauf der Vater, daß er nie seine Einwilligung zu einer -andern Verbindung geben werde, es sei denn, daß ihm die Braut ebenfalls -2000 Thaler Mitgift zuführe. Da Hanna diese Worte ebenfalls, -von beiden unbemerkt, gehört hatte, war ihr Herz traurig, denn auch -sie liebte Christian heimlich von ganzem Herzen. Sie nahm sich alsobald -vor, das Haus, in welchem sie so glücklich gewesen war, zu verlassen. -Aber als Christian ihren Kummer sah und in sie drang, ihm -zu sagen, was ihr fehle, weinte sie heftig und beide gestanden sich ihre -gegenseitige Liebe. Da sagte Christian, daß er sich vor der Drohung -seines Vaters nicht fürchte und er bat Hanna, noch zu bleiben, da ja -Gott alles noch zum Besten lenken werde.</p> - -<p>Bald darauf wurde der Vater Wolf bedenklich krank und auf -seinem Lager ließ er sein Testament mit der ausdrücklichen Bestimmung -anfertigen, daß sein Sohn Christian nach seinem Ableben nur dann -als Erbe der Besitzung zu betrachten sei, wenn derselbe eine Frau mit -2000 Thalern Mitgift eheliche; sei dies jedoch in vier Jahren nach -des Testators Ableben nicht erfolgt, so trete der älteste Sohn seines -Bruders als rechtmäßiger Erbe ein. Der Vater hatte also sein früher -ausgesprochenes Wort nicht vergessen.</p> - -<p>Hannas Mutter zu Sadisdorf war während der Zeit ebenfalls<span class="pagenum"><a id="Seite_583">[583]</a></span> -erkrankt. An einem rauhen Sonntage des Herbstes 1644 ging daher -Hanna nach Hause, um nach ihrer Mutter zu sehen. Die Stunden vergingen -schnell, und als es Mitternacht schlug, machte sie sich wieder auf den -Rückweg. Sie mußte dabei an der Kirche zu den vierzehn Nothelfern -vorüber. Da vernahmen ihre Ohren plötzlich schwere Tritte hinter sich, -und als sie sich umblickte, gewahrte sie zwei schwedische Soldaten, -welche ihr eilig folgten. Sie lief so schnell, als sie nur konnte, und -als sie an dem Kirchlein anlangte, waren die Verfolger dicht hinter -ihr. In ihrer Todesangst riß sie an der Thüre des Kirchleins und dieselbe -gab glücklich nach, da sie wunderbarer Weise nicht verschlossen war. -Schnell schlüpfte sie hinein und schlug mit kräftigem Stoße die Thüre -wieder ins Schloß zurück. Es war die höchste Zeit gewesen. Draußen -tobten die Soldaten und versuchten die Thüre zu sprengen, Hanna -aber sah sich vergeblich in der leeren Kirche um, um irgend ein Versteck zu -finden. Nur hinter dem Gemäuer, wo sonst der Altar gestanden hatte, -bemerkte sie ein geräumiges Loch, das sie zwar nicht völlig, aber doch -teilweise aufnehmen konnte. Emsig arbeitete sie, durch Auswerfen des -Schuttes das Versteck zu erweitern. Hierbei wurden ihre Gedanken -plötzlich auf einen ganz besonderen Gegenstand gerichtet, und sie vergaß -wenigstem auf Augenblicke die Gefahr, in der sie sich befand. Zwischen -ihren Fingern fühlte sie nämlich unerwartet ein Geldstück von der -Größe eines Dukatens; ob es wirklich ein solcher sei, konnte sie freilich -wegen der Finsternis, die sie umgab, nicht bestimmen, doch unterschied -sie mit den Fingern recht deutlich ein Gepräge. Mit Eifer suchte sie -nun weiter und fand dann nach und nach eine solche Menge, daß sie -das Gewicht derselben in ihrer Schürze fühlte. Waren es wirklich -Dukaten, so hatte ihr Gott geholfen und sie war ihres Kummers und -ihrer Sorgen enthoben. Draußen vor der Kirche war es unterdeß auch -still geworden, und nachdem Hanna noch lange gelauscht und annehmen -konnte, daß sich ihre Verfolger wieder entfernt hatten, versuchte sie die -Thüre zu öffnen. Mit der größten Anstrengung gelang ihr dies endlich -und sie trat hinaus. Die Soldaten waren nirgends mehr zu sehen, und -glücklich gelangte das Mädchen in das Haus ihres Dienstherrn, wo sie -sich erschöpft niederlegte. Am Morgen, so bald es dämmerte, sah sie -sich die Geldstücke an, und richtig, es waren lauter Dukaten, deren sie -zusammen 820 Stück zählte. Da sie dieselben alsobald dem aus seiner Kammer -tretenden Christian zeigte und ihm erzählte, wie sie zu diesem -Schatze gekommen sei, der ja mehr betrug als 2000 Thaler, staunte -derselbe zunächst, dann aber brach er in laute Freudenrufe aus. Jetzt -war das Hindernis, welches ihrer Vereinigung entgegenstand, plötzlich -und auf so wunderbare Weise gehoben. In ihren besten Gewändern<span class="pagenum"><a id="Seite_584">[584]</a></span> -betraten beide bald darauf das Gemach des Vaters Wolf, der noch -an das Bett gefesselt war. Hier bat Christian um seinen Segen zur -ehelichen Verbindung mit Hanna, die nun mehr als 2000 Thaler -Mitgift besäße. Dabei legte das Mädchen die Dukaten in einem Tuche -auf das Bett. Erst wußte der Vater nicht, was er dazu sagen sollte, -als aber Hanna den nötigen Aufschluß gegeben hatte, ging eine merkliche -Veränderung in seinem Innern vor. Nach langem Sinnen erfaßte -er endlich die Hände des jungen Paares, segnete es und sagte: -»Ich war hart gegen euch, aber Gott wußte ein Mittel, durch welches -meine Härte und mein Starrsinn gebrochen worden ist.« Auch die -Mutter trat nun tief bewegt hinzu und segnete das Paar; sie hatte -ja oft gewünscht, daß Hanna ihre Schwiegertochter werden möchte. Der -Sohn übernahm das Gut des Vaters und bald wurde eine fröhliche -Hochzeit gefeiert. Damit zog wieder Friede und Glück in der Familie -ein. Noch heute soll das Wolfsche Geschlecht in mehreren Zweigen in -Reichstädt fortleben.</p> - -<h3 id="sec768">768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser.</h3> - -<p class="source">(Nach der metr. Bearbeitung im Glückauf, 1. Jahrg. S. 60.)</p> - -<p>Im Schwarzwasserthale lag einst eine Zeche, »Trau auf Gott« -genannt. Als der Besitzer derselben seinen Knappen versprach, daß derjenige -von ihnen, welcher zuerst eine reiche Silberader finden und dieselbe -anhauen werde, die Hälfte der Ausbeute erhalten solle, da regten -sich mit verdoppeltem Eifer die Hände der fleißigen Knappen. Aber -manche Schicht wurde verfahren und es zeigte sich doch immer nur -taubes Gestein, so daß endlich Unmut an der Stelle der Hoffnung in -den Herzen platzgriff. Ein Knappe war es endlich nur noch, welcher -in der Grube fortarbeitete; er gönnte sich kaum die nötige Ruhe, so -daß er auch in den Nachtstunden seine Schicht verfuhr. Da geschah -es einmal um Mitternacht, als er bekümmerten Herzens ein Gebet zum -Himmel sendete, daß ihm der Berggeist im hellen Lichte erschien und -einen reichen Gang zeigte, aus dem bald das reichste Erz brach. Froh -eilte mit Tagesanbruch der Knappe zu seinem Herrn und verkündigte -ihm das große Glück. Beide stiegen in den Schacht hinab, wo ihnen -das Silbererz entgegenleuchtete. Als aber der Knappe den Herrn an -sein Versprechen erinnerte und dabei auf die Not der Seinen hinwies, -die jetzt gehoben sei, stand der Eigner schweigend und überdachte, wie -viel Reichtum er verschenken müsse, wenn er sein Versprechen halten -wollte. Die Habsucht verhärtete sein Herz und er beschloß, den unbequemen -Mahner heimlich aus dem Wege zu schaffen. Aus der Grube<span class="pagenum"><a id="Seite_585">[585]</a></span> -tönte jähes Angstgeschrei hinauf, dann war es still. Der Knappe fuhr -nicht mehr hinauf zum Tageslichte und sein Weib und seine Kinder -mußten, da ihnen der Ernährer so plötzlich genommen war, betteln -gehen. Die Grube »Trau auf Gott« aber blieb von Stund an verlassen, -denn der Berggeist nahm wieder, was er so reichlich geboten -hatte. Der Grubenherr fand die verdiente Strafe, denn er verfiel den -höllischen Mächten. Sein von Reue gequältes Herz jedoch wuchs zum -riesengroßen Steine, der heute noch als »steinernes Herz« in den Fluten -des Schwarzwassers liegt.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Eidbruch und die Sucht nach Erz<br /></span> -<span class="i0">Räumt dem Bösen Wohnung ein,<br /></span> -<span class="i0">Macht das Menschenherz zu Stein.«<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec769">769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.</h3> - -<p class="source">(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane. S. 63.)</p> - -<p>Eine gedruckte Nachricht von 1788 erzählt: Da das Städtlein -Meerane dreierlei Gerichte hatte, so kam es, daß zu Anfange des 18. -Jahrhunderts dieser Ort in einem fast bösen Geschrei war, weil sich -fremd liederlich Gesindel da aufgehalten, so bei Visitationen leicht aus -einem Gerichte oder Amtssprengel ins andere entwischen können; daher -entstund in dieser Gegend ein Sprichwort, daß, wenn man einen schimpfen -wollte, man ihn einen Meeraner genannt. Nachher ist dieses Geschrei -durch gute Ordnung der Obrigkeit und redliche Einwohner völlig unterdrückt -worden. Es geschah, daß der dortige Pastor <em class="antiqua">M.</em> Sigismund -Stolze einstmals auf die Leipziger Messe reiste. Als er mit dem Wagen -unter's Thor zu Leipzig kam, wurde er gefragt, woher er käme -und wer er wäre. Als er es beantwortet: der Pastor von Meerane! -mußte er wieder umkehren, weil man von Meerane niemanden einlassen -durfte. Der gute Mann kehrte mit der Kutsche wieder um und fuhr -unter einem andern Namen zu einem andern Thore hinein. Bei seiner -Heimkunft brachte er dies mit Thränen auf der Kanzel vor, ließ auch -nicht eher nach, bis seine berüchtigte Gemeinde ein besseres Leben zu -führen anfing.</p> - -<h3 id="sec770">770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.</h3> - -<p class="source">(Merkels u. Engelhardts Erdbeschreibung v. Kursachsen, 3. B. S. 140. -143. Joh. Gottlieb Kern v. Schneckensteine. Prag 1776. S. 5.)</p> - -<p>Eine Stunde von Tannebergsthal über Auerbach liegt im Walde -der Topasfelsen Schneckenstein, der diesen Namen von den vielen<span class="pagenum"><a id="Seite_586">[586]</a></span> -Schnecken, welche an seinem hier und da feuchten Fuße sich aufzuhalten -pflegten, erhalten haben soll. Es wird erzählt, daß er erst durch einen -Tuchmacher aus Auerbach, namens Kraut, seit 1727 allgemein bekannt -und seitdem auch fleißig benutzt worden sei. Jener Kraut, welcher ein -eigener seltsamer Mensch und ein etwas lockerer Mann, der nicht im -besten Rufe stand, genannt wird, soll durch Holzhauer oder Kohlenbrenner -auf den harten und schimmernden Stein aufmerksam geworden sein, -und er soll darauf heimlich Topase, die er schleifen ließ, und die er -für hohe Preise unter dem Namen von Schneckensteinen oder Königskronen -ins Ausland schaffte, gebrochen haben. Als er merkte, daß -man seinem Schleichhandel auf die Spur kam, machte er seine Entdeckung -dem Kurfürsten August III. bekannt, der den Felsen dem Herrn -von Trützschler, welchem Grund und Boden gehörte, abkaufte und -später einer Gewerkschaft überließ.</p> - -<h3 id="sec771">771. Das Paradies zu Zwickau.</h3> - -<p class="source">(Nach Ziehnerts poetischer Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz d. K. -Sachsen, No. 607.)</p> - -<p>In Zwickau, am rechten Ufer der Mulde, an der Straße, die -von der Stadt nach Chemnitz führt, befindet sich noch heute ein Gasthof, -zum Paradies genannt, der ehedem aber das Ochsenhaus oder -der Ratsweinkeller hieß und seinen jetzigen Namen von seiner schönen -Lage erhalten haben soll. Nach einer Sage rührt derselbe aber von -folgender, freilich unverbürgter Begebenheit her: Als Luther einst zu -Zwickau war und seine Predigten einen solchen Eindruck auf das Volk -machten, das dasselbe das Kloster oder den Grünhainer Hof stürmte, -lockten die erbitterten Mönche Luthern eines Abends zu einem angeblichen -Kranken in eine entlegene Straße, um ihn zu ermorden. Sie -sendeten nämlich ein Weib in Luthers Haus, welches daselbst weinend -aussagte, ihr Mann sei zum Tode krank und verlange vor seinem -Ende noch einmal den frommen Herrn zu sehen. Auf solche Bitten -ging Luther mit ihr und sie führte ihn durchs Tränkthor. Plötzlich -öffnete sich ein Haus, das Weib entsprang und aus dem Hause stürzte -voller Wut der Mönche Troß. Jedoch gelang es dem großen Reformator, -sich ihren Händen zu entreißen und in ein offenstehendes Haus -zu flüchten, dessen Thor er eilig durch den vorgeschobenen Riegel verschloß. -Da zogen sich die Mönche still zurück; Luther aber sprach mit -freudigem Blicke zum Wirte des Hauses, der ihn nach dem Grunde -seiner Flucht fragte: »Die Kuttenträger lechzten lange nach meinem<span class="pagenum"><a id="Seite_587">[587]</a></span> -Blute; aber Gott sei Dank, der mich dieses Haus in meiner Bedrängnis -finden ließ, dasselbe ist mir zum wahren Paradiese geworden!« -Der Wirt gab ihm darauf zwei Knechte mit, die ihn sicher nach seiner -Wohnung geleiteten. Das Haus, in welchem Luther damals Schutz -fand, wird aber noch heute das Paradies genannt.</p> - -<h3 id="sec772">772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.</h3> - -<p class="source">(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 33.)</p> - -<p>Als man im Jahre 1769 auf der Ostseite der durch den Brand -von 1873 zerstörten schönen Joachimsthaler Decanatkirche eine neue -Sakristei baute, an deren Stelle heutzutage der prachtvolle Hochaltar -steht, entdeckte man in einer Tiefe von ungefähr fünf Ellen ein altes -Gewölbe. In demselben befand sich ein Doppelsarg, in welchem »ein -in purpurrotem Sammt gekleideter, verwester großer Körper ohne -Kopf« ruhte.</p> - -<p>An diesen Fund knüpft sich die Sage, daß dies der Leichnam -des Grafen Joachim Andreas Schlick, Oberstlandrichters von Böhmen, -gewesen sei, der am 21. Juni 1621 wegen Teilnahme am böhmischen -Aufstande am Altstädter Ringe zu Prag das Blutgerüst besteigen mußte -und enthauptet wurde. Der Kopf des Hingerichteten ward am »Bruckthor« -aufgestellt, während dessen Rumpf sechs verkappte Personen entfernten.</p> - -<h3 id="sec773">773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. II. 1748. -S. 29.)</p> - -<p>Die Wälder um Bernsbach sind einst unbedachtsamer Weise der -Gemeinde verloren gegangen. Denn dem Verlaut nach soll zu Joh. -Georgs I. Zeiten eine Revision gekommen sein, und da die Bernsbacher -gleichfalls gefragt worden, ob sie Grundstücke hätten, so noch nicht zinsbar, -sollen sie geantwortet haben, es wäre Refier und wilder Wald genug, was -ihnen der Quark sollte, sie könnten das Holz so nicht tilgen. Worauf -die Kommission gefragt, ob sie es denn nicht haben wollten? Darauf -sie gesagt, das Holz wüchse ihnen so in die Fenster hinein; wenn es -der Kurfürst besser zu gebrauchen wüßte, möchte er es hinnehmen, sie -wüßten damit nichts anzufangen. Darauf hätten sie sich ordentlich losgesagt, -und ist dies Holz also hernach eingezogen worden, und hat jetzt -dieses ganze Dorf nicht eine Hand breit an Refieren und Holz.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_588">[588]</a></span></p> - -<h3 id="sec774">774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins -erhält.</h3> - -<p class="source">(Schmidt, <em class="antiqua">Chronica Cygnea</em>. II. 1656. S. 131.)</p> - -<p>Im Jahre 1267 ward vom Papste Urban IV. das Fronleichnamsfest -angeordnet, wobei die Geistlichkeit die Fluren der betreffenden -Gemeinden zu umgehen hatte. Weil aber die Pfaffen in Zwickau nicht -alle Felder und Fluren an diesem Tage umgehen konnten, haben sie -ein gewisses Teil auf dem Berge, der Stadt gegen Morgen gelegen, -den Pfaffen zu Reinsdorf zu umziehen übergeben. Und daher ists -gekommen, daß die Besitzer dieser Felder dem Pfarrherrn zu Reinsdorf -noch jährlich ein gewisses an Getreide zinsen müssen.</p> - -<h3 id="sec775">775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratsstand gezogen -wurde.</h3> - -<p class="source">(Tob. Schmidt, <em class="antiqua">Chron. Cygnea</em>. II. 1656. S. 181.)</p> - -<p>Im Jahre 1403 ist in Zwickau ein so großes Feuer ausgebrochen, -daß die ganze Stadt ausgebrannt, also daß man auf dem Markt zu -allen vier Thoren hat hinaussehen können. Dieses Feuer ist bei einem -Kürschner in der Scheergasse ausgekommen, und sind dem Rat -damals die wichtigsten Urkunden mit verbrannt. Es ist dann die gemeine -Sage gegangen, daß von der Zeit an kein Kürschner mehr zum -Ratstand gezogen worden sei.</p> - -<h3 id="sec776">776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.</h3> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>Dresden war einmal von der Pest heimgesucht, so daß alle Umwohnenden -die Stadt mieden und die Märkte unbesucht blieben. Eine -Ausnahme davon aber machten, wie erzählt wird, die Schachtelmacher von -Seiffen und die Töpfer von Dippoldiswalde. Dieselben besuchten auch -während der Zeit, da die Krankheit viele Einwohner hinwegraffte, die -Märkte der Stadt und boten ihre Waren feil. Daher erhielten insbesondere -die Töpfer von Dippoldiswalde das Recht, auch fernerhin -frei und ungehindert diese Märkte besuchen zu dürfen. Später wurde -ihnen solches Privilegium von den Kurfürsten wiederholt und unter -anderem auch von August dem Starken bestätigt, jedoch mit dem Zusatze, -daß jeder Meister nur einen Korb Waren mitbringen und nur »einen -Sonnenschein lang« (d. h. nur einen Tag lang) verkaufen dürfe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_589">[589]</a></span></p> - -<h3 id="sec777">777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer -hat.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Lehrer Krauß aus Schneeberg.)</p> - -<p>Das Dorf Griesbach bei Schneeberg hat wohl eine kleine Kirche, -aber keinen eigenen Pfarrer; das Pfarramt zu Griesbach ist nämlich -dem Diakonus von Schneeberg übertragen. Vom Volke wird nun erzählt, -daß einst auch genanntes Dorf seinen eigenen Pfarrer gehabt -habe. Der letzte derselben soll eines Tages mit mehreren Gliedern -seiner Gemeinde nach dem nahen Lindenau gegangen sein und dort sich -in dem Biere etwas gütlich gethan haben. Auf dem Heimwege entstand -ein Streit, der immer hitziger wurde und damit endete, daß der -allein als Partei auf einer Seite stehende Pfarrer erschlagen wurde. -Dies geschah in dem Walde zwischen Griesbach und Lindenau. Der -Körper des Erschlagenen aber wurde in dem Walde verborgen und -noch heute soll sich die Gestalt dieses Pfarrers zu manchen Zeiten daselbst -sehen lassen. Die Griesbacher Gemeinde hat aber seitdem keinen -eigenen Pfarrer mehr erhalten.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Nach der Kirchengalerie von Sachsen (8. B. S. 132.) ist die Griesbacher Kirche, -ehe das dortige Pfarramt von Schneeberg aus verwaltet wurde, stets ein Filial von -Neustädtel gewesen; sie hatte also niemals einen eigenen Pfarrer. Zu Beschützern -hatte sie St. Georg und St. Martin. Am Tage des heilg. Georg stand die Bildsäule -desselben zu Pferde vor der Kirchthüre und bei derselben wurden Almosen für -Arme gesammelt. Am St. Märtens-Tage aber saß der heil. Martin hoch zu Roß -vor dem Kirchthore, und die leichtgläubigen Bauernweiber brachten ihm, als einem -besonderen Schutzpatrone des Viehes, ansehnliche Opfer an Geld und andern Dingen. -(Kirchengalerie a. a. O.) Der heilige Martin trat bei der Gründung von Martinskirchen -durch die deutschen Heidenapostel als Schimmelreiter an die Stelle Wuotans.</p></div> - -<h3 id="sec778">778. Wie das Schnorrsche Chor in der St. Wolfgangs-Kirche -zu Schneeberg eine Thür von außen erhielt.</h3> - -<p class="source">(Kirchengalerie Sachsens, 8. B. S. 165.)</p> - -<p>Nahe an der äußern Thüre zur Sakristei der Schneeberger St. -Wolfgangskirche führt auch eine schwarze eiserne Thüre nach dem Chor -der Schnorrschen Familie. Durch diese Thüre sind früher oft Diebe -in die Kirche eingebrochen, und so oft dies geschah, wurde die Thüre -fester und fester gemacht; jetzt hält man sie für unüberwindlich.</p> - -<p>Über ihre Entstehung wird folgendes erzählt:</p> - -<p>Der reiche Veit Schnorr von Carlsfeld, welcher um das Ende des -vorigen Jahrhunderts in Schneeberg lebte, wollte nicht gern durch die ganze<span class="pagenum"><a id="Seite_590">[590]</a></span> -Kirche wandern und dann im Angesichte aller Kirchleute die damals -nur von innen auf sein Chor führende Thüre aufschließen. Aber obschon -er oft um die Erlaubnis bat, eine Thür von außen auf seine -Kosten durchbrechen zu lassen, wurde ihm dies von dem Rate doch -nicht gestattet. Da wurde er endlich still und man hielt die Angelegenheit -für erledigt. Unter dem Vorwande, die Herren vom Rate, welche -ihm wegen seiner dringlichen Gesuche doch am Ende etwas böse gesinnt -sein könnten, wieder mit sich auszusöhnen, lud er sie alle zu sich nach -Carlsfeld zu einem dreitägigen Feste ein. Wer geladen war und kommen -konnte, fand sich ein. Man aß und trank nach Herzenslust und voller -Dank gegen den gastfreien Schnorr zog man endlich ab. Wer ihm irgend -einen Dienst für die Zukunft anbieten konnte, that dies; alles, -wenn es sonst nur ginge, sollte für ihn geschehen, nur freilich mit dem -Eingange, das wisse er, ging es nicht. Schnorr entschuldigte nochmals -seine Zudringlichkeit, und versöhnten Herzens gingen sie auseinander. -Da erfuhr man es am andern Tage, der Herr Wirt habe sich während -des gegebenen Festes Maurer bestellt und diese hätten eine Thüre -in drei Tagen durchgebrochen und fertig gemacht. Was konnte man -thun? Die Thüre blieb bis auf den heutigen Tag.</p> - -<h3 id="sec779">779. Der erste Klöppel in Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 24.)</p> - -<p>Als man im Jahre 1512 den Galgen vor der Stadt Annaberg -aufbaute, kam einer, namens Klingensporn, gewandert und betrachtete -den Galgen und sagte im Vorübergehen zu dem Baumeister, den die -Chronik den dicken Michel nennt, lachend: »Ei, ihr baut da eine schöne -Glocke! Nun, ich will gerne sehen, wer der erste Klöppel darin sein -wird!« Nicht lange darauf fing man einen Dieb, und wer war's? -Klingensporn. Er ward zum Strange verurteilt und hing nach wenig -Tagen als der erste Klöppel in der großen steinernen Glocke vor der -Stadt. Seinen Tod aber haben die Alten angesehen für ein göttliches -Warnungszeichen, daß man über ernste Dinge nicht mutwillig scherzen -solle.</p> - -<h3 id="sec780">780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert a. a. O. Anhang No. 25.)</p> - -<p>Am 27. April 1604 brach in Annaberg eine Feuersbrunst aus, -welche, vom Sturme rasch verbreitet, die Stadt bis auf sieben Häuser<span class="pagenum"><a id="Seite_591">[591]</a></span> -verzehrte. Nun wohnte aber am Markte in dem Hause, welches -jetzt das Museum heißt, ein Geschwisterpaar, Johann und Benigna -Biener. Der Bruder krankte seit längerer Zeit am gräßlichsten Wahnsinn, -so daß er mit Ketten an die Wand gefesselt werden mußte. Als -nun der Markt bereits in vollen Flammen stand, da suchte Benigna -in Todesangst nach dem Schlüssel, um ihrem Bruder die Ketten abzunehmen -und ihn fortzuführen, aber der Schlüssel war nicht zu finden; -sie suchte die Ketten zu zerschlagen, aber das Eisen trotzte der schwachen -Mädchenhand. Schon schlug die Lohe zu den Fenstern und der -Thüre herein, die treue Benigna ließ nicht von ihrem Bruder. Die -Decke brach nieder und unter dem nachstürzenden Schutt und Gebälke -lagen die beiden Geschwister begraben. Am dritten Tage darauf zog -man ihre verschrumpften und halbverbrannten Leichen unter den Trümmern -hervor. Sie hielten sich noch fest umarmt, wie der schreckliche -Tod sie übereilt hatte. War vielleicht dem Wahnsinnigen durch die -Todesangst ein lichter Augenblick gekommen?</p> - -<p>Am 13. Mai wurden die beiden Leichen in der ebenfalls ausgebrannten -Annenkirche unter großem Zulauf beerdigt. Ihr gemeinsames -Grab zeigt man noch jetzt.</p> - -<h3 id="sec781">781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob -in Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Richter, Chron. v. Chemnitz I., 1767, S. 169.)</p> - -<p>Der Ort, wo die Kirche zu St. Jacob in Chemnitz stehet, soll -ehedem sehr sumpfig und morastig gewesen sein, daher die Kirche auf -der einen Seite, gleichwie auch der Turm, auf eingerammelten Pfählen -steht. Der Baumeister, welcher zuerst diese Kirche erbaut, soll, -nachdem er mit dem ganzen Bau fertig gewesen, sich von oben herabgestürzt -und also den Bau mit seinem Blute versiegelt haben.</p> - -<p>Auch wird erzählt, daß der Kaiser Otto I., unter welchem die -anfängliche, viel kleinere Kirche erbaut wurde, den ersten Grundstein, -nebst einer Münze mit dem Bildnisse St. Jacobs darunter, legte. Er -schenkte auch der Kirche das Bildnis der heiligen Maria; dasselbe soll -viel Zeichen und Wunder gethan haben, weshalb nicht weniger Zulauf -von Wallfahrern dahin gewesen, als nach Aachen oder St. Compostell -in Spanien.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_592">[592]</a></span></p> - -<h3 id="sec782">782. Die Zipperleinkur in Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert a. a. O. Anhang. No. 27.)</p> - -<p>Schriftlich und mündlich hat sich folgende seltsame Geschichte in -Annaberg erhalten. Im Jahre 1572 nämlich ließ ein Ratsherr, welcher -schon seit vielen Jahren mit dem heftigsten Zipperlein beladen -war, sein Haus pflastern und stand dabei und sahe zu. Der Pflasterer -war gerade bemüht, das Pflaster mit dem Rammel eben und fest zu -schlagen. Im Gespräche aber mit dem Ratsherrn hatte er auf seinen -Rammel nicht wohl acht und traf damit heftig den Fuß des Ratsherrn. -Dieser schrie zwar laut vor Schmerz, ward aber bald gar froh -darüber, denn das Zipperlein war aus seinem Fuße verschwunden und -ist auch bis an seinen Tod nicht wiedergekehrt.</p> - -<p>In Zwickau ward auch einem vom Zipperlein geholfen dadurch, -daß ein geladenes Gewehr, welches der Kranke auf dem Schoße liegen -hatte, unversehens los ging.</p> - -<h3 id="sec783">783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.</h3> - -<p class="source">(Mündlich, z. T. Einige Nachrichten zur Elterleiner Geschichte vom -Pfarrer Christoph Schreiter. Manuskr.)</p> - -<p>Auf dem Pfarrhof zu Elterlein zeigt man eine Stelle, welche -nach jedem Regen rot wird. Hier soll im Jahre 1518 der Bergmeister -Hans Hünerkopf den frevelnden und grobscherzenden Kaplan Moritz -von Annaberg erstochen haben, »weil er seiner Henne (d. h. des Bergmeisters -Frau) nachgegangen war.«</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die oben genannte Thatsache findet sich auch in Meyers Geschichte des Annen-Tempels -zu Annaberg, S. 128 und bei Chr. Friedr. Haupt, die gelehrten Elterleiner, -1739.</p> - -<p>Die Hünerkopfe werden »uralt adelige Bergherren« genannt, welche »ein -ihrem Namen gleiches Wappen« führten. Nach der Familie soll noch ein Feld bei -Elterlein seinen Namen haben. In der Elterleiner Kirche aber fand man eine Messingtafel -mit dem Hünerkopfschen Wappen und folgender Inschrift: »<em class="antiqua">Anno</em> 1533 ist -verschieden der Erbare Hans Hünerkopf von Adorf, allhier begraben, dem Gott -gnädig sey.« Dieser Hans Hünerkopf war bereit um das Jahr 1516 der Herren -von Schönburg geschworener Bergmeister an dem damaligen Bergamte Elterlein.</p> - -<p>Der nach jedem Regen sichtbare braunrote Fleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein -rührt von einer zur Familie der <em class="antiqua">Chroococcaceen</em> gehörige Alge her.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_593">[593]</a></span></p> - -<h3 id="sec784">784. Die Bäuerin in Frohnau.</h3> - -<p class="source">(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 28.)</p> - -<p>In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, als das Berggebäude -»himmlisches Heer« bei Kunnersdorf noch 1400 Flgr. vierteljährliche -Ausbeute für den Kux gab, baute auch eine Bäuerin in -Frohnau als Gewerkin an jenem Gebäude mit und ward dadurch in -kurzer Zeit sehr reich, wußte aber nicht im Glücke mäßig zu sein -und trieb allerlei Unfug der Verschwendung. So z. B. badete sie -sich täglich in dem teuersten Weine, den sie aufzutreiben wußte, und -um nun denselben nicht umkommen zu lassen, so gab sie ihn, mit -Semmelbrocken vermischt, den Armen als Kaltschale zu trinken. Diese -wußten nicht, was die Bäuerin erst mit dem Weine gemacht hatte, -aßen mit vieler Lust und dankten der reichen Geberin viel tausend -Mal für die köstliche Erquickung. Aber als sie die Badegeschichte -erfuhren, da ekelte sie und warfen der übermütigen Bäuerin die Fenster -ein und sangen Spottlieder auf sie, so daß sie sich nicht mehr -öffentlich sehen lassen durfte. Übrigens muß sie auch noch andere recht -unziemliche Dinge verübt haben, denn der Klerus war darüber so erzürnt, -daß er Gott öffentlich bat, den Bergsegen zu vermindern.</p> - -<p>Ein Andenken an diese Bäuerin ist das Berggebäude »die Bäuerin« -am Schottenberge, welches sie aufgenommen haben soll.</p> - -<h3 id="sec785">785. Die beiden Brüder zu Frohnau.</h3> - -<p class="source">(Hering, Gesch. d. Sächs. Hochlandes. 1828. II. S. 42.)</p> - -<p>Im Dorfe Frohnau bei Annaberg befanden sich im Jahre 1544 -zwei Brüder, die zusammen ein Gut hatten, eines Sonntags im Wirtshause -und hatten etwas zu viel getrunken. Nur um sie zu necken, -raunt ihnen einer zu, es habe sich ein Dieb in ihr Feld geschlichen -und raube dort die Früchte. Sie springen hastig auf, ergreifen ihre -Schwerter und nahmen die Abrede, daß der eine von dieser, der andere von -jener Seite das Feld durchsuchen solle, damit der Dieb nicht entwische. -So schleichen sie denn heran und als einer den andern im -Dunkel erblickt, stürzen sie in der Meinung, daß es der Dieb sei, auf -einander los und einer erhält eine tödliche Wunde. Bei seinem Hülfsgeschrei -erkennt ihn der Sieger als seinen Bruder, man eilt herbei -und als der schwer Getroffene noch in derselben Nacht an seinen Wunden -stirbt, ergreift der unglückliche Brudermörder die Flucht, und erhielt -nur unter der Bedingung Verzeihung von dem Herzoge Moritz, -daß er seinen Anteil an dem Gute an die Frau und Kinder des Erschlagenen -abtrat. Der Fleck aber, wo jener Mord geschah, wird noch -jetzt gezeigt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_594">[594]</a></span></p> - -<h3 id="sec786">786. Das Mönchskalb zu Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Moller, <em class="antiqua">Theatr. Freibg.</em> I. S. 213. II. S. 179. Gräße, Sagenschatz -d. K. Sachsen, No. 279.)</p> - -<p>Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe -in einer geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte, -das sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb -hat einen runden ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte -wie ein Pfaffe, samt zwei großen Warzen wie kleine Hörner; mit -dem Untermaule ist es einem Menschen, mit dem obern und der Nase -einem Kalbe gleich, sonst aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat -die Zunge lang aus dem Munde herausgestreckt; die Haut am Halse -und Rücken herunter hat wie eine gewundene Mönchskutte ausgesehen, -an den Seiten aber vorn und an den Beinen ist es voller Ritze und -Schnitte gewesen, als wenn die Kutte zerhauen oder zerschnitten wäre. -Solches Ungeheuer ist von <em class="antiqua">Dr.</em> M. Luther in seinen Schriften, wo es -auch abgebildet wird, neben der Beschreibung des Papstesels, den man -1496 zu Rom gefangen, gedeutet worden, Melanchthon aber meinte, -daß durch dieses Kalb die Verderbnis der lutherischen Lehre in fleischliche -und verderbliche Meinungen, wie sie zu selbiger Zeit im Schwunge -gewesen, angezeigt worden, inmaßen auch bald hierauf ein Schwein -zu Halle in den Osterfeiertagen ein Ferklein geworfen, welches einem -Pfaffen in Gestalt des damaligen Habits ganz ähnlich gesehen. Es -hat aber gedachtes Mönchskalb die Autorität der Geistlichen, so dem -Papste zugethan gewesen, sehr verringert, also daß auch die Bergleute -ein besonderes schimpfliches Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen -und Pfaffen zu Spott und Hohn lange Zeit allhier gesungen mit -Bezug darauf, daß der Fleischer mit Vorbedacht und Willen das Fleisch -von der Kuh, in welcher man das besagte Mönchskalb gefunden, -niemandem als den Canonicis, Mönchen und andern Geistlichen gelassen -und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben.</p> - -<h3 id="sec787">787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt von H. Weißflog aus Raschau.)</p> - -<p>An der Waldstraße, welche von Mitweida nach Gottesgab führt, -stand hart an der sächsischen Grenze eine starke Tanne; man sagt, daß sieben -Mann dieselbe kaum hätten umspannen können. Jetzt sieht man von -derselben nur einen Stumpf, da der morsche Baum abgebrannt und dadurch -vernichtet worden ist. Diese Tanne hieß die »Abschiedstanne«, und<span class="pagenum"><a id="Seite_595">[595]</a></span> -man erzählt, daß einst an ihr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen -und der Schwedenkönig Gustav Adolf von einander Abschied genommen -hätten. Ebenso knüpfte sich an den Baum folgende Sage: -Ein Graf von Schwarzenberg kehrte unverhofft von einer Fehde zurück -und traf in seinem Schlosse bei seiner Gemahlin einen für treu gehaltenen -Freund als Buhlen an. Darüber ergrimmte er dermaßen, daß -er beide binden ließ und mit sich tief in den Forst führte. Hier gebot -er ihnen, von einander und von dem Leben Abschied zu nehmen; -nachdem sie dies gethan hatten, fielen sie von seiner Hand. Dies aber -soll an jener Tanne geschehen sein, welche davon den Namen Abschiedstanne -erhielt.</p> - -<h3 id="sec788">788. Die Fichte auf dem Gottesacker in Annaberg.</h3> - -<p class="source">(Nach G. Andrä, Chron. Nachr. von Annaberg. 1837. S. 67. Bei -Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 504.)</p> - -<p>Zu Frohnau bei Annaberg lebte einst ein ganz armer Mann, -namens Georgi, der in den kümmerlichsten Umständen starb. Da nun -sein einziger Sohn wegen seiner Armut die Begräbniskosten für denselben -nicht aufbringen konnte, man also deshalb mit der Beerdigung -anstand nahm, steckte er seinen Vater in einen Leinwandsack, legte -denselben auf einen Schubkarren und beerdigte ihn auf dem hintern -oder neuen Gottesacker in Annaberg mit den Worten: »Komm, alter -Vater, komm! laß dich von mir begraben, dieweil die Menschen dich -nicht hier begraben wollen.« Kurze Zeit nachher soll nun aus dessen -Grab eine Fichte hervorgewachsen sein, die man heute noch sehen kann, -und eine im Beinhaus ausgehängte Tafel vom Jahre 1737 deutet -noch jetzt auf diese Begebenheit hin.</p> - -<h3 id="sec789">789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.</h3> - -<p class="source">(Alb. Schiffner im Archiv für sächs. Gesch., 2. B. S. 169.)</p> - -<p>Nächst dem Glauchauer Schlosse stehen an einem sehr anmutigen -Spazierwege im sogenannten Gründel drei Eichen nahe beisammen. -Diese sollen, wie erzählt wird, ein Gesamteigentum des Hauses Schönburg -in der Maße bilden, daß ohne Einwilligung aller majorennen -Glieder des Hauses keine derselben geschlagen werden darf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_596">[596]</a></span></p> - -<h3 id="sec790">790. Woher der Name Preißelbeere stammt.</h3> - -<p class="source">(Lindner, Wanderungen durch die interess. Gegenden des sächs. Erzgebirgs. -I. Heft. Annaberg, 1844. S. 43.)</p> - -<p>Ober- und Unterjugel bei Johanngeorgenstadt sind älter als genannte -Stadt, welche 1654 gegründet wurde; denn schon 1571 erhielt -Sebastian Preisler die Konzession zur Erbauung einer Glashütte und -8 Häusern; ebenso hatte Gabriel Löbel die Vergünstigung zur Anlegung -eines Blaufarbenwerks erhalten. Dies waren die Anfänge von Ober- -und Unterjugel. Im Volke aber hat sich die Sage erhalten, daß die -jetzt allgemein bekannten Preißelbeeren ihren Namen von jenem Preisler -empfingen, weil dieser sie erst in den Handel gebracht und genießbar -zu machen gelehrt habe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Name »Preißelbeere« führt uns auf die Wurzelbrossen, mhd. <em class="antiqua">brozzen</em>, -d. h. brechen, hervorbrechen, hervorsprießen. Er würde also mit »sprießende Beere« -oder »Sprießeln«, welche letztere Bezeichnung in der That für das Kraut gebraucht -wird, zu deuten sein. Die Pflanze macht in den Waldungen, deren Boden sie mit -frischem Grün bedeckt, den Eindruck des sprießenden.</p> - -<p>(Graßmann, deutsche Pflanzennamen, S. 152.)</p></div> - -<h3 id="sec791">791. Was der Name Wismut bedeutet.</h3> - -<p class="source">(Engelschall, Beschr. v. Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. -1723. S. 188.)</p> - -<p>Es halten etliche dafür, weil Wismut seine Blüte und mancherlei -Farben hat, und siehet weiß, braun, rot, gesprenglich durcheinander aus, -so habens die alten Bergleute Wismut genannt, das blühe wie eine schöne -Wiese, darauf allerlei farbige Blumen stehen. Albinus schreibt in seiner -meißnischen Bergchronik, daß die Bergleute der Meinung seien, Silber -bilde sich aus Wismut, wie man bei Halden gefunden, auf die man -Wismut gestürzt und in denen man dann nach Jahren Silber gefunden -habe. Sie nennen es auch des Silbererzes Mutter oder des Silbers -Dach, da dasselbe öfters darunter liegt. Auch sprechen die Bergleute, -sie kommen zu frühe, wenn sie Wismut finden, und bekennen, wenn -diese Bergart länger im Bergfeuer gestanden hätte, so wäre gut Silber -daraus geworden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Der Name Wismut soll jedoch nach Koch aus dem Arabischen: <em class="antiqua">wiss majaht</em>, -d. h. die Leichtigkeit des Storax oder was so leicht wie Storax schmilzt, abstammen. -(Leunis, Synopsis d. Min. und Geogn., bearbeitet von Senft, I. S. 294.)</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_597">[597]</a></span></p> - -<h3 id="sec792">792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen -stammt.</h3> - -<p class="source">(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt Schneebergk. -1684. S. 163.)</p> - -<p>Andreas Funk, welcher 30 Jahre auf dem Schneeberge das -Münzmeisteramt bedienet, hat auf kurfürstlichen Befehl der Armut zu -gute die ersten schneebergischen Groschen gemünzet. Denn weil man -zuvor lauter Güldengroschen (d. i. Thaler) und »Oerter« gepräget, so ist -ein solcher Lärm unter dem Volke gewesen, daß, wenn der Schichtmeister -gelohnet, man lieber 22 Groschen kleine Münze für einen Thaler, als -einen ganzen Güldengroschen genommen hat. Dabei ist noch zu gedenken, -daß, weil der gemeine Mann solche Schneeberger Groschen nicht recht -ausgesprochen, sondern nur Schneeber oder Schnieber genannt hat, von -einigen Leuten, sonderlich um Zwickau, der Groschen ein Schnieber -genannt wurde.</p> - -<h3 id="sec793">793. Redensarten.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Zwickau gehörte zum Vogtlande.</h4> - -<p class="source">(Herzog, Chronik von Zwickau. I. 1839, S. 69.)</p> - -<p>Es wird behauptet, daß Zwickau oder doch ein Teil seines Weichbildes -ehedem zum Vogtlande gehört habe. Man hat nämlich ein altes -Sprichwort: »Daß die Zwickauer im Meißnerlande sterben und im Vogtlande -begraben werden,« und noch heutzutage hört man die Redensart: -»Er wird ins Vogtland getragen,« d. i. er wird begraben.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Obschon Zwickau nahe an der Grenze des Vogtlandes lag, so hat es doch nie -zu diesem selbst gehört. Es stand zwar als Reichsstadt ehedem unter den Reichsrichtern -des Pleißnerlandes zu Altenburg, welche fast immer aus dem Geschlechte der Vögte -genommen wurden, und später als markgräflich meißnische Stadt hatte Zwickau seine -eigenen Untervögte, welche im Namen der Landesherren die Gerichtsbarkeit ausübten. -Dies währte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Rat die Gerichte über -die Stadt erlangte.</p></div> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Der Kas is och dornoch.</h4> - -<p class="source">(Mündlich.)</p> - -<p>»Der Käse ist auch darnach,« d. h. der Gegenstand ist das Geld -wert. Dies ist eine Redensart in Eibenstock, welche sich von folgender -Begebenheit herschreibt: Der Besitzer des früheren Hammerwerkes Wolfsgrün, -das nach Eibenstock eingepfarrt ist, schickte, wenn er mit den<span class="pagenum"><a id="Seite_598">[598]</a></span> -Seinigen bei dem dortigen Pfarrer zu kommunizieren gedachte, diesem -durch einen seiner Arbeiter mit der Meldung zugleich auch einen Dukaten. -Das war Herkommen. Herkommen war aber auch, daß der Arbeiter -im Pfarrhause Bier, Brot, Butter und einen Käse vorgesetzt erhielt. -Eines Tages, als der Bote seine Herrschaft wieder zur Kommunion -anmeldete und den Dukaten abgeliefert hatte, war die Frau Pfarrerin -nicht zu Hause. Der Pfarrer war in Verlegenheit; Bier, Brot und -Butter konnte er schaffen, aber keinen Käse. Doch da besann er sich, -daß er einen damals noch seltenen und teueren Limburger Käse hatte. -Diesen holte er und setzte ihn dem Arbeiter vor. Der Arbeiter aß zum -Schrecken des Pfarrers mehr davon, als er erwartet hatte, weshalb -letzterer ihn fragte, ob ihm der Käse schmecke. Auf die Bejahung sah -sich der Pfarrer zu der Bemerkung veranlaßt, daß der Käse auch teuer -sei. Darauf folgte die trockene Entgegnung: »Der Kas ist och dornoch.« -Der Arbeiter aß weiter. Endlich sprach der Pfarrer: »Ja, mein Lieber, -ich muß nur noch bemerken, daß diese Art von Käse auch schädlich -werden kann, wenn man zuviel davon ißt.« »Wenn das ist,« sprach -der Bote, indem er das übrige Stück Käse einpackte, »da muß ich -das Übrige meiner Frau mit nach Hause nehmen.«</p> - -<p>Die Geschichte wurde ruchbar. Der Pfarrer ist jedenfalls sehr -ausgelacht worden, und es hat sich bis zur Stunde die oben angeführte -Redensart in Eibenstock erhalten.</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der -Welt, man weiß nicht wie?</h4> - -<p>Eine sprichwörtliche Redensart in der Schwarzenberger Gegend -lautet: »<b>Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der -Welt, man weiß nicht wie?</b>« Diese Redensart bezieht sich darauf, -daß nicht mehr arbeitsfähige Hammerschmiede bettelnd von einem Hammerwerke -zum andern zogen und daß deshalb selten einer in der Heimat -starb. (Merkels Erdbeschreibung von Kursachsen. I. 1804, S. 161.)</p> - -<h4><em class="antiqua">d.</em> Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, -als die schwedischen Truppen.</h4> - -<p>»<b>Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, -als die schwedischen Truppen</b>,« sagte ein schwedischer Quartiermeister, -der 1712 im Hammerwerke Erla den großen Stabhammer im Niederfallen -aufhalten wollte, dafür aber mit gelähmter Hand bezahlt ward. Der -Quartiermeister hieß Schulze und stand beim Kavallerieregiment des -Obersten Rosenstern. Die erzählte Begebenheit soll sich übrigens am -27. Juni 1707 zugetragen haben und die angeführten Worte wurden -beim Rückmarsche der Schweden auf der Schiffbrücke zu Pirna gesprochen. -(Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., S. 103.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_599">[599]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">e.</em> Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.</h4> - -<p>Von den Venetianern geht eine Rede, daß sie gesagt haben: In -Meißen (dem meißnischen Erzgebirge) und dem Vogtlande wirft man -einen Stein nach der Kuh, da doch der Stein mehr als die Kuh selber -wert ist. (Meltzer, Beschreibung der Bergstadt Schneeberg, 1684. S. 54.)</p> - -<h4><em class="antiqua">f.</em> Fägel schweiget seine Gäste.</h4> - -<p>Ein Fleischer zu Schneeberg, mit Namen Fägel, welcher auf der -Badergasse wohnte, hatte seinen beiden Gästen, die in Streit geraten -waren, Frieden geboten und deswegen auch zu dem Richter geschickt. Weil -dieser sich aber etwas verzogen hatte und die Gäste sich nicht steuren -lassen wollten, hat er sie beide erstochen, darauf die Flucht genommen -und dem Richter Hans Kempfen, der ihm begegnet, auf Befragen geantwortet: -»Ei, Herr Richter, es ist unnötig, daß Ihr Euch bemühet -und hinunter gehet, ich habe sie allbereit gestillet, sie haben sich wohl -müssen bedeuten lassen.« Daher ist, als der Richter hinunter gegangen -und die jämmerliche That befunden, Fägel aber unterdeß des Landes -entlaufen war, von ihm das Sprichwort entstanden: »Er hat sie geschweiget -oder gestillet, wie Fägel seine Gäste.« (Meltzer, a. a. O., -S. 1099.)</p> - -<h4><em class="antiqua">g.</em> »Toffel, das gilt dir auch mit.«</h4> - -<p>Diese sprichwörtliche Rede, welche lange in Schneeberg im Gange -war, ist durch ein Wort des Pastors Christoph Schindler entstanden. -Derselbe gebrauchte es, wenn er Amtes halber etwas strafte und dabei -sich selbst nicht heuchelte, falls er diesen Fehler an sich selbst gefunden -hatte. Man wandte die Worte in der Folge an, wenn man sich selbst -eines Fehlers schuldig fand. (Meltzer, a. a. O., S. 1100.)</p> - -<h4><em class="antiqua">h.</em> »Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.«</h4> - -<p>Dies pflegt von einem ausgelassenen Menschen gesagt zu werden. -Die Redensart kann davon herkommen: Eine uralte Art der Beschimpfung -ist es gewesen, wenn Diebe, die Feld- und Gartenfrüchte -gestohlen, in das sogenannte Narrenhäusel gesteckt worden sind, wie -solche sonderlich in den teuren Jahren 1771 und 1772 fast in allen -gebirgischen Städten sind errichtet worden. Ein solches Haus stand -noch im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf dem Markte zu -Lößnitz; es sah wie ein Käfig aus und konnte herumgedreht werden. -Personen, die da hineingesteckt wurden, hatten von den Gassenkindern,<span class="pagenum"><a id="Seite_600">[600]</a></span> -welche das Haus bald gedreht, bald mit Steinen und Kot den Gefangenen -geworfen, allerlei Schmach zu erleiden. (Oesfeld, Hist. Beschreibung -einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, insonderheit -der Hochgräflich Schönburg. freyen Bergstadt Lößnitz etc. 1776, S. 11.)</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch in Leipzig gab es zwei solche Narrenhäuschen, das eine war bei den -sogenannten Brotbänken am Naschmarkte und das andere an der Thomaskirche. Das -erstere diente für Skandalmacher, Verläumder und losmäulige Frauen, während letzteres -unter geistlicher Jurisdiktion stand und für diejenigen bestimmt war, welche als -Flucher und Gotteslästerer bezichtigt waren. In Oschatz ist noch jetzt (?) im Winkel -nächst den Stufen, die durch den vom Ratsarchive gebildeten Schwibbogen vom -Markte zum Stadtkirchhofe führen, das von Eisengitter nach Art eines Käfigs gebildete -Narrenhäuschen vorhanden. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1. B., S. 54.)</p></div> - -<h4><em class="antiqua">i.</em> Die Schlimmen von Öderan.</h4> - -<p class="source">(Staberoh, Chronik von Öderan. 1847, S. 197–201.)</p> - -<p>Im Jahre 1645 begann zwischen Öderan und dem Ritter Nikolaus -von Schönberg auf Börnichen der Streit wegen des Hirtenfeldes. -Letzterer verlangte das Grundstück, welches bereits seit Jahren von der -Stadt bebaut worden war, zurück, unter dem Vorgeben, daß es zu den -Fluren von Börnichen gehöre. In das Dunkel über diese Angelegenheit -war kein Licht zu bringen, da die Urkunden in dem Kriege verbrannt, -die alten Leute aber, welche Auskunft hätten geben können, -an der Pest gestorben oder geflüchtet waren. Nachdem der Prozeß -beinahe 4 Jahre geschwebt hatte, ging der Schafmeister vom Rittergute -Börnichen, Caspar Witte, nach Böhmen, um für seinen Herrn 100 -Stück Schafe zu kaufen, welche damals zu Tausenden für das ruinierte -Böhmen aus Ungarn herauskamen. Der Schafmeister kam mit seinen -Schöpsen glücklich bis auf die Eppendorfer Fluren, wo ihn eine Abteilung -schwedischer Reiter anhielt und um 10 Schafe gegen Bezahlung -bat. Doch der Schafmeister, rauh und trotzig wie sein Herr, und wohl -wissend, daß die Schweden den Waffenstillstand achten mußten, verweigerte -sie ihnen und trieb weiter. Allein die Schweden nahmen ihm -nun die ganze Herde, schlugen ihn überdies und trieben die Schafe nach -Öderan hinein, wo sie 50 Stück verkauften. Der geschlagene Schafmeister -kam nun mit seinem Anhange nach der Stadt und verlangte -seine Schafe zurück. Da er sie nicht erhielt, so brach er wenige Tage -darauf des Nachts in Öderan ein und stahl die letzten noch übrig gebliebenen -20 Stück. Er wurde aber noch auf Öderaner Gebiet ertappt -und nun als Schafdieb in Öderan gefangen gesetzt. Es war jetzt für ihn -wenig Gnade zu hoffen, da der Kurfürst, ergrimmt über die überhand<span class="pagenum"><a id="Seite_601">[601]</a></span> -genommenen Räubereien, befohlen hatte, jeden Diebstahl mit dem -Strange zu bestrafen. Der Prozeß wegen des streitigen Hirtenfeldes -wurde unterdeß fortgeführt, bis gegen 1650 das Endurteil kam, welches -lautete, »daß diejenige der streitenden Parteien das fragliche Hirtenfeld -bei Öderan auf ewige Zeiten in Besitz haben sollte, welche zuerst -ein Galgengericht darauf erbauen und solches auch zugleich mit einem -Verbrecher bestätigen würde.« In einer und derselben Stunde wurde -dieser Spruch in Öderan und Börnichen bekannt gemacht. Der Ritter -von Schönberg sandte sogleich nach Meißen, einen Verbrecher dort abzuholen, -wo solche Räuber und Mörder, die der Krieg erzeugt hatte, -zu Dutzenden gefangen saßen und für Geld zu haben waren. Zugleich -wurde ein Galgen zusammengezimmert und des Abends der Hof verschlossen, -um ersteren am Morgen an Ort und Stelle aufzubauen.</p> - -<p>In Öderan dagegen gab es weder Holz noch Zimmermann, ja -kaum Axt und Säge. Teurung und Pest hatten die Bewohner bis -auf 18 Bürger vermindert, welche an selbigem Tage eben erst aus -dem Niederlande mit einigen Säcken Korn zur Aussaat sowie zur -Speise heimgekehrt waren, denn die Not war in diesem Jahre noch -schrecklich. Man lief ratlos zu einander und beriet, wo ein Galgengerüst -herzunehmen sei, um das Feld zu behaupten. Am frühen -Morgen des zweiten Tages, als eben der Ritter von Schönberg seinen -Galgen nach dem Hirtenfelde abfahren lassen wollte, sah er mit Entsetzen -durchs Fenster auf diesem Felde einen Galgen stehen und an -demselben schon seinen Schafmeister aufgehenkt, dessen Urteil der Rechtsbeistand -der Öderaner, mit Namen Matthesius, zugleich mit aus Dresden -besorgt und in die Stadt gesendet hatte. »Seht, seht die Schlimmen -von Öderan!« rief da der Ritter seinen Leuten zu, und befahl -den Galgen wieder abzuladen. Daher die Redensart: »Die Schlimmen -von Öderan!« Wie aber waren die Öderaner zu dem Galgen gekommen? -Zwölf der Bürger hatten die Galgensäule auf dem Gahlenzer -Berge aus dem alten Hochgericht ausgegraben, herübergetragen, -aufgerichtet und den Schafdieb aufgehenkt. Der Ritter von Schönberg -aber schloß noch an diesem Tage mit den Öderanern Frieden.</p> - -<h4><em class="antiqua">k.</em> »Je, daß dich der Bär herze!«</h4> - -<p class="source">(<em class="antiqua">Curiosa Saxon.</em> S. 47. Darnach Gräße, Sagenschatz, Nr. 494.)</p> - -<p>Im Jahre 1631 hat eine Jungfer nicht weit von Hundshübel das -Vieh von Waldhäusern auf die Weide getrieben, da sie sich dann hingesetzt -und nach erzgebirgischer Art, um sich die Zeit zu vertreiben, geklöppelt. -Ehe sie sich's nun versieht, kommt ein großer Bär hinter<span class="pagenum"><a id="Seite_602">[602]</a></span> -sie geschlichen, daß sie ganz ungemein erschrickt und nicht weiß, was -sie machen soll. Der Bär thut ihr aber nichts, sondern beriecht sie und -tatschet sie mit seinen Tatzen ganz sauber an, gleich als wüßte er, was -für einen Respekt er dem Frauenzimmer schuldig sei. Da nun der -zottige Bär sich ganz höflich gegen sie aufführt und sie herzen zu wollen -Anstalt macht, entschließt sich das Mädchen kurz und läuft unter das -Vieh. Dieses drängt sich zusammen und geht auf den Bären los, bis -das Mädchen schreit und ihre Eltern nebst andern Waldleuten zu Hülfe -ruft. Da nimmt der Bär reißaus, das Sprichwort aber ist nachgehends -beständig geblieben und von jedermann, um eine Verwunderung auszudrücken, -gebraucht worden: Je, daß dich der Bär herze!</p> - -<h4><em class="antiqua">l.</em> Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.</h4> - -<p>Es ist eine gemeine Rede, daß man sagt: Wenn einer vom Himmel -in ein gut Ort Landes fallen sollte, möchte er in die meißnischen -Bergstädte sich wünschen. (Meltzer a. a. O. S. 866.) Eine Abänderung -lautet: Wenn einer vom Himmel fiele, so könne er nicht besser, als -auf Marienberg fallen.</p> - -<h4><em class="antiqua">m.</em> Redensarten Herzog Georgs.</h4> - -<p>Herzog Georg pflegte von seinen Städten zu sagen: »Leipzig die -beste, Chemnitz die feste, Freiberg die größte und Annaberg die liebste.« -(Richter, Chron. d. St. Chemnitz I. S. 18.) Ebenso rührt von demselben -Fürsten der Ausspruch über drei Berge in der Nähe Schneebergs -her: »Der Gleßberg ist ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworner -Berg, sehet mir auf den Schickenberg!« (Meltzer a. a. O. S. 922.) -Außer dem angeführten Spruche von Freiberg lautet ein anderer: -»Meißen wird ertrinken, Freiberg wird versinken, Dresden wird man -zusammenkehren mit Besen.« (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, -3. Heft, S. 281.)</p> - -<h4><em class="antiqua">n.</em> Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?</h4> - -<p>Die Einwohner von Gottesgab werden in der Umgegend nur »die -Wölfe« genannt, weil sie unter sich selbst diesen Titel als zärtliche Anrede -gebrauchen. Sie sagen z. B. »Guten Tag, Wolf!« Häufiger noch -werden in der Anrede die Bezeichnungen »Wehrwolf« oder »Wolfskind« -gebraucht. (Mündlich aus Wiesenthal.)</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="antiqua">Dr.</em> E. Göpfert (Glückauf V. Nr. 8) führt auch das im Gebirge häufig gebrauchte -Kose- oder Scheltwort »Werchl« auf das althochdeutsche <em class="antiqua">warc</em>, d. i. der -Wolf, zurück.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_603">[603]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">o.</em> Anhang: Sprichwörter, sprichwörtliche Redensarten u. Rätsel.</h4> - -<ol> -<li>Erz führt wieder zu Erz.</li> -<li>Kies macht den Bergmann ungewiß.</li> -<li>Die vielerlei Herrschaften, das böhmische Bier und die sichtlichen<br /> -Zwitter verderben den Zinnwald.</li> -<li>Das Bergwerk will seine Zeit und Leute haben.</li> -<li>Zank ist des Bergwerks Untergang.</li> -<li>Wenig Zubuß, viel Ausbeut',<br /> -Machet fröhliche Bergleut'. (Altes schneebergisches Lemma.)</li> -<li>Wenn wir spüren Kies,<br /> -treffen wir Erz gewiß. (Merkels Erdbeschr. -von Kursachsen. 1. B. 1804, S. 132.)</li> -<li>Wer Ausbeut will genießen,<br /> -Laß' sich die Zubuß' nicht verdrießen. (Daselbst.)</li> -<li>Bergwerk will stets ein Freies (Freiheiten) han,<br /> -Soll es anders von statten gahn. (Daselbst.)</li> -<li>Wenn Gott nicht geit, hilft kein Arbeit. (C. Lehmann, Chronik -d. fr. Bergstadt Schneeberg. 1. B. 1837, S. 26.)</li> -<li>Das Bergwerk will haben Verstand<br /> -Und eine getreue Hand. (Daselbst.)</li> -<li>Bergwerks Glück und Pracht<br /> -Steigt und fällt über Nacht. (Daselbst.)</li> -<li>Der erste Finder, der erste Muter.</li> -<li>Es war kein Bergwerk ja so gut,<br /> -Es führt zuvor ein eisern Hut.<br /> -Oder: Das Silber hat einen eisernen Hut. (Dieses alte Sprichwort -bezieht sich auf die Wahrnehmung, daß man stellenweise Eisenerze aufarbeiten -mußte, ehe man an die reichen Silbererze kam. S. H. Jacobi -in der wissenschaftlichen Beilage zur Leipziger Zeitung 1886, Nr. 2.)</li> -<li>Edle schöne Guhren<br /> -Führen zu Erzspuren.</li> -<li>Kurze Gänge, kurz Erz.</li> -<li>Von Schlettau sagt man: »Wenn die Bauern auf dem Felde -sind, ist kein Bürger zu Hause.« Die Einwohner beschäftigen sich nämlich -neben Posamenten-, Spitzen- und Bandgewebearbeiten viel mit Landwirtschaft. -(Lindner, Wanderungen durch das sächs. Obererzgebirge I. -S. 56.)</li> -<li>Zschopauer Strümpfe und Kirchberger Tuch,<br /> -Wenn man's heem bringt, so hat's ä Luch (d. h. Loch.) (Mündl.)</li> -<li>Du bist so alt wie Buchholz. (Dies bezieht sich auf die Gründung -<span class="pagenum"><a id="Seite_604">[604]</a></span>von Buchholz durch Bergleute aus Geyer und Ehrenfriedersdorf -vor 1496, dem Gründungsjahre von Annaberg. (M. v. Süßmilch, -Leipzg. Zeitung 1885, Nr. 101.)</li> -<li>Es wird in dem Lande Meißen eher an Holz und Kohlen -zum Bergwerk und Schmelzen mangeln, als an Erz und Metallen. -(Nach des Petrus Albinus Meißnischen Bergchronik (1590), worin bemerkt -wird, daß der bekannte Joachimsthaler Pfarrer Matthesius diese -Worte von gelehrten und weisen Leuten gehört habe. Als altes bergmännisches -Sprichwort auch in Merkels Erdbeschr. von Kursachsen I. S. -140 angeführt.)</li> -<li>Man sagt, in Freiberg seien »Himmel, Hölle und Teufelskapelle« -beisammen, d. h. die Nicolaikirche, die Schankwirtschaft zur Hölle und -das Theater, sämtlich am Buttermarkt gelegen. (Mitteilungen des Freiberger -Altertumsvereins, 3. H. S. 280.)</li> -<li>Wenn im Erzgebirge recht bedeutender Schneefall eintritt, so -sagt man: »Es schneit Brot!« Man will damit aussprechen, daß dann -die armen Leute durch Schneeausschaufeln auf den fiskalischen und -kommunlichen Straßen Verdienst erhalten.</li> -<li>Warum werden in Dönschten (ein Dorf bei Altenberg) die Eierkuchen -nur auf einer Seite gebacken? Antw.: Weil nur auf einer Seite -Häuser stehen. (Fr. Polle, Führer durch das Weißeritzthal. 1883. S. 73.)</li> -<li>Zwischen Gey'r un Thum<br /> -Do liegt e gàle Blum';<br /> -Un wàr die gàle Blum will hohm,<br /> -Dàr muß Gey'r un Thum zerschlong.<br /> -<br /> -(Alfr. Müller, Volkslieder aus dem Erzgebirge, S. 189.)</li> -<li>Das Rätsel von der Mulde.<br /> -Der Joachimsthaler Pfarrer Matthesius, Luthers Freund und -Tischgenosse, machte aus dem Worte <em class="antiqua">M V L D</em> folgendes Rätsel:<br /> -<br /> -<span class="i2">»Rat' was ist das? drei Wasser-Strom<a id="FNAnker_5_5"></a><a href="#Fussnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a><br /></span> -<span class="i2">Die ha'n Ein' Syllb', Ein'n deutschen Nam',<br /></span> -<span class="i2">Ein's theuern Doctors<a id="FNAnker_6_6"></a><a href="#Fussnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a> Namen zwar,<br /></span> -<span class="i2">Ein's frommen Weibes Sterbejahr.<a id="FNAnker_7_7"></a><a href="#Fussnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a><br /></span> -<span class="i2">Allen in vier Buchstaben steht:<br /></span> -<span class="i2">»Gnad dir Gott« sprech', wer hiefür geht!«<br /></span> -<br /> -(Gräße, Sagenschatz etc., No. 308.)</li> -</ol> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5_5"></a><a href="#FNAnker_5_5"><span class="label">[5]</span></a> Die Zschopau, Freiberger und Zwickauer Mulde.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_6_6"></a><a href="#FNAnker_6_6"><span class="label">[6]</span></a> <em class="antiqua">D. M. L.</em> Doctor Martin Luther.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_7_7"></a><a href="#FNAnker_7_7"><span class="label">[7]</span></a> <em class="antiqua">M. D. L. V.</em> (1555) starb die Witwe Kurfürsts Moritz.</p> -</div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_605">[605]</a></span></p></div> - -<h3 id="sec794">794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf -ihrem jetzigen Platze erbaut wurde.</h3> - -<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Pfarrers Friedlein in Oberwiesenthal.)</p> - -<p>Von jeher hatten das Städtchen Böhmisch-Wiesenthal und das -Dorf Stolzenhan gemeinschaftlich eine Kirche, welche früher an der -Stelle stand, wo sich jetzt der Gottesacker beider Orte befindet. Als -die Kirche sehr baufällig geworden war, wollte man eine neue bauen, -jedoch konnte man sich nicht darüber einigen, wohin dieselbe gebaut -werden sollte. Die Stolzenhaner wollten sie nach Stolzenhan und die -Wiesenthaler nach Wiesenthal haben. Endlich kam man überein, die -Kirche auf dem Grund und Boden derjenigen Gemeinde zu erbauen, -wohin der Turmknopf, dessen Niedersturz man baldigst erwarten konnte, -fallen würde. Der Knopf fiel auch endlich, und zwar auf Stolzenhaner -Gebiet. Ein Einwohner von Wiesenthal aber, welcher zufällig auf -seinem Acker in der Nähe arbeitete, zog die Turmspitze mit dem -Knopfe eiligst hinüber auf die Wiesenthaler Seite. Somit wurde die -neue Kirche in Böhmisch-Wiesenthal und nicht in Stolzenhan gebaut.</p> - -<h3 id="sec795">795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)</p> - -<p>Die Hauptmannsgrüner wollten einmal eine Wiese nach einem -andern Platze ziehen und schlugen einen Pfahl ein, daran befestigten -sie ein Ortscheit und spannten Ochsen vor. Als nun der Wind die Schmielen -bewegte, hielten sie dafür, daß die Wiese fortrücke. Und als die -Ochsen noch mehr angetrieben wurden, rissen die Stränge und die -Ochsen liefen bis nach Stenn. In Stenn ist das Ortscheit liegen geblieben -und es soll noch heut dort liegen.</p> - -<p>Ein andermal konnten die Hauptmannsgrüner das Zapfenloch -eines Teiches, dessen Wasser abgelassen werden sollte, nicht auffinden. -Da sagte der Richter: »Nun müssen wir'n aussaufen.« Er legte sich -zuerst hin und nach ihm die Bauern, und sie fingen an zu trinken.</p> - -<h3 id="sec796">796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.</h3> - -<p class="source">(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)</p> - -<p>Von den Ebelsbrunnern wird erzählt, daß sie einst den aufgegangenen -Mond dicht am Berge stehen sahen; da holten sie Stangen, -um ihn herunter zu schlagen, und es entstand in Folge dessen das Spottlied:</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_606">[606]</a></span></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»In Abelsbrunn<br /></span> -<span class="i0">Sein se hameldumm,<br /></span> -<span class="i0">Nehm' se lange Stang',<br /></span> -<span class="i0">Woll'n den Manden fang'!«<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>Th. Schäfer, (Sächs. Volksfreund 1880, 1. Dez.) erzählt auch von den Eibenstockern, -daß sie einst auf den Auersberg gezogen seien, um den Vollmond mit -einer Stange herunter zu holen. Eine ähnliche Sage findet man im Fichtelgebirge. -Auch den Zellern wurde von den Münchbergern nachgesagt, daß sie mittels langer -Stangen den Mond vom Himmel »herunter zu stieren« suchten. Dabei weist Zapf -(Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 185) darauf hin, daß zu dieser Sage uralte Vorbilder -vorliegen, indem schon der griechische Arzt Hippokrates (geb. 460 v. Chr.) von -Menschen spricht, welche durch magische Künste und Opfer den Mond herabziehen. -Die Medea wurde in dieser Kunst von der Göttin Hekate unterrichtet, und ebenso waren -ihrer auch insbesondere die Thessalerinnen mächtig.</p></div> - -<h3 id="sec797">797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.</h3> - -<p class="source">(Rankewitz, Kurze Beschreibung des Schlosses Augustusburg. 1836. S. 5.)</p> - -<p>Einige sagen, daß das Schloß Augustusburg so viele Fenster gehabt -habe, als das Jahr Tage, so viel Feueressen, als es Wochen, -und so viel Wetterfahnen, als es Monate enthält.</p> - -<p>(In ähnlicher Weise sagt man auch von dem Schlosse Rothenhaus -i. B., daß es gerade so viel Fenster habe, als Tage im Jahre.)</p> - -<h3 id="sec798">798. Sprüche von der Stadt Freiberg.</h3> - -<p class="source">(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen. No. 289.)</p> - -<p>Die Stadt Freiberg ist nicht bloß durch ihren reichen Bergsegen, -sondern auch durch ihre Schönheit von alter Zeit her berühmt gewesen; -davon sagt ein altes Sprichwort: »Wenn Leipzig mein wäre, wollte -ich es in Freiberg verzehren.«</p> - -<p>Obgleich das Freiberger Bier keinen besondern Namen hatte, -wie es im 16. und 17. Jahrhundert Mode war, so gab es doch zu -einem andern Sprichworte Gelegenheit. Dieses hieß: »Es kitzelt einem -in der Nase, wie das Freiberger Bier.«</p> - -<p>Ein anderes Sprüchlein, welches sich zugleich mit auf zwei andere -Städte Sachsens bezieht und deren Untergang prophezeit, lautet:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Meißen wird ertrinken,<br /></span> -<span class="i0">Freiberg wird versinken,<br /></span> -<span class="i0">Dresen<br /></span> -<span class="i0">Wird man zusammenkehren mit Besen.«<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_607">[607]</a></span></p> - -<h3 id="sec799">799. Todaustreiben.</h3> - -<p class="source">(Gottl. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes. 1794. S. 309. Joseph -Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg. S. 99 etc.)</p> - -<p>In Königswalde bei Werdau erhielt sich bis 1630 folgendes:</p> - -<p>Am Sonntag Lätare ward jährlich ein Strohbild verfertigt, welches -in dem einen Jahre einen Mann, im andern ein Weib darstellte. -Diesem Bild ward von den ledigen Personen beiderlei Geschlechts mit -Hülfe einer Leichenfrau als eine Leiche angezogen, mit grünen Blättern -und Wintergrünkränzen geziert, das Haar ward aus Flachs verfertigt, -und das ganze Bild an eine Stange angemacht. Nach Endigung des -Nachmittaggottesdienstes ward es durchs ganze Dorf getragen, und -eine Menge Volks, groß und klein, folgte mit Gesang nach. Endlich -ward es auf eine Wiese gebracht, mit Ungestüm zerrissen und in den -Bach geworfen. Die Wiese, wohin in Königswalde dieses Bild gebracht -ward, heißt noch heut' die Todenwiese; sie liegt neben der heiligen -Wiese nach Langenhessen zu. Man nennt diese Ceremonie den -Tod austreiben, und der Sonntag Lätare hieß der Todensonntag.</p> - -<p>An einigen Orten des böhmischen Erzgebirges wird noch gegenwärtig -am Sonntage Lätare das Todaustreiben unter der Bezeichnung -des Todaustragens (»Tudaustrog'n«) gefeiert. Von fünf Knaben zieht -sich einer als Tod (Winter) an, ein anderer als König, der dritte als -dessen Tochter (Lenz) und die übrigen als Diener (Sommer und Herbst.) -Der König, wohl den Herrn der Jahreszeiten personifizierend, trägt -eine goldpapierne Krone und einen Rocken als Szepter. Die Königstochter -ist ihrer Würde angemessen aufgeputzt, verschmäht es indessen -nicht, Geld und andere Geschenke entgegen zu nehmen. Die Diener -tragen Degen, der weißgekleidete Tod ein Bund Späne. Alle aber, -mit Ausnahme des Winters, sind mit bunten Bändern geschmückt; -deshalb heißt dieser Gebrauch auch der »Bändertod«. Die Gesellschaft -zieht von Haus zu Haus und führt ein kurzes dramatische Spiel auf, -dessen Inhalt folgender ist: Die Diener, in der Folge auch der Tod, -halten um die Hand der Königstochter an. Letzterer büßt seine Vermessenheit -mit dem Leben, indem ihn der König niedersticht. Die beiden -übrigen Brautwerber stehen zitternd da, weil sie eine gleiche Strafe -befürchten. Der König überwindet indessen seinen Zorn bald und lächelnd -legt er die Hand des Sommers in die seiner Tochter, welche -er auffordert, daß sie sich von dem anderen Freier durch Darreichung -der von ihr gesammelten Gaben loskaufe.</p> - -<p>An andern Orten tritt diese Sitte in nachfolgender Gestalt auf: Mehrere -Knaben gehen mit einer langen Stange, an die oben ein Querholz<span class="pagenum"><a id="Seite_608">[608]</a></span> -befestigt ist, von Haus zu Haus und sammeln alte Kleider, die -dem den Tod darstellenden Holzgerippe angethan werden. Nach Vollendung -dieser Toilette ist der Teil der Vorbereitung vorüber und nun -geht der eigentliche Umzug vor sich, indem man den Tod durch das -Dorf trägt und dabei singt:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Tud aus! Tud aus!<br /></span> -<span class="i0">Hätt'n m'r 'n Tud nich ausgetrog'n,<br /></span> -<span class="i0">Hätt ar uns im Bett erschlog'n.<br /></span> -<span class="i0">Tud aus! Tud aus!«<br /></span> -</div></div> - -<p>Zuletzt wird der Popanz ins Wasser geworfen. Dies ist das -Signal für die Knaben, eilends die Flucht zu ergreifen. Wer am -meisten zurückbleibt, heißt der »Tud'nvota« und wird als solcher das -Jahr über geneckt.</p> - -<p>Das Todaustragen ist ein Privilegium der Mädchen. Knaben -bringen ihnen aus dem Walde ein kleines Fichtenbäumchen. Die -Mädchen schmücken erst dieses und dann sich selbst aufs beste und schönste. -Darnach tragen sie das Bäumchen von Haus zu Haus und singen -in jedem ein Liedchen, wofür sie Kuchen, Kaffee und Geld erhalten. -Letzteres wird zu Kerzen für die Kirche oder Kapelle verwendet.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das Todaustreiben fand sich früher an vielen Orten Sachsens, besonders der -Lausitz und des Vogtlands, ferner in Böhmen, Schlesien u. s. w. Meist wurde dabei -von den jungen Burschen ein Strohmann, welcher den Winter, in der späteren -christlichen Zeit aber den Tod vorstellte, angeputzt, unter Gesang durch das Dorf -getragen und endlich ins Wasser geworfen oder verbrannt. Mit grünen Zweigen geschmückt -kehrte die Jugend wieder heim. Im Vogtlande sang man dabei das Lied:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Wir alle, wir alle kommen 'raus,<br /></span> -<span class="i0">Und tragen heute den Tod 'naus,<br /></span> -<span class="i0">Komm' Frühling wieder mit uns in das Dorf,<br /></span> -<span class="i0">Willkommen lieber Frühling!«<br /></span> -</div></div> - -<p>In Deutsch-Böhmen sang man:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Nun treiben wir den Tod aus,<br /></span> -<span class="i0">Den alten Weibern in das Haus,<br /></span> -<span class="i0">Den Reichen in den Kasten,<br /></span> -<span class="i0">Heute ist Mitfasten!«<br /></span> -</div></div> - -<p>Das Todaustreiben war ein Nachklang des alten Frühlingsfestes, von dem -wir auch Andeutungen bei den alten Griechen und Römern, ja selbst in Persien und -Indien finden, und das jedenfalls die indoeuropäischen Völkerstämme aus ihren Ursitzen -in Asien mitbrachten. Bei den heidnischen Germanen wurde es vielleicht zu -einem Feste der Ostara, der Göttin des aufgehenden Lichtes, oder der mütterlichen -Erdgöttin Nerthus oder auch Odhins, bei den Slaven zu einem Feste der Ziva, -der Göttin des Lichts und der Fruchtbarkeit.</p> - -<p>Es ist sicher, daß die in verschiedenen Gegenden gefeierten Maifeste, bei denen -eine Maikönigin oder ein Maikönig einzog, oder ein Maigraf aus dem Walde<span class="pagenum"><a id="Seite_609">[609]</a></span> -in die Stadt eingeholt wurde, oder bei denen man den in Tannenrinde und Laub -gehüllten Pfingstbutz zu Roß ins Dorf führte (s. Mannhardt, die Götter der -deutsch. und nord. Völker, S. 144 etc.), mit dem Todaustreiben gleiche Bedeutung -hatten. Wegen der in unsern Gegenden zu zeitigen Feier des Frühlingsfestes im -März, da häufig noch Eis und Schnee die Fluren deckte, wurde dieselbe vielfach auf -den sonnigen Mai verlegt und jetzt nun nicht mehr der Winter verjagt, sondern der -vor der Thür harrende Frühling eingeholt und begrüßt. (S. über die Frühlingsfeier -bei den Germanen und Slaven: Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, I. -S. 142–152.)</p></div> - -<h3 id="sec800">800. Der Totenteich bei Tharand.</h3> - -<p class="source">(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 101. -Gräße, Sagenschatz etc. No. 268.)</p> - -<p>Wenn man durch Tharand hinauf am Amthause vorbei nach dem -Kalkofen und dann weiter im Thale fortgeht, so kommt man in den -sogenannten Ebergrund und zur Ebermühle, bei welcher der von dem -Mühlbache gebildete Totenteich liegt, der seinen Namen davon hat, -daß früher bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts die Sitte -herrschte, wenn die Bewohner der umliegenden Dörfer den Tod austrieben, -den diesen vorstellenden Strohmann hier hineinzuwerfen. Man -behauptet, bei hellem Sonnenschein in der Tiefe noch heute das -steinerne Bild desselben liegen zu sehen.</p> - -<h3 id="sec801">801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.</h3> - -<p class="source">(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 757.)</p> - -<p>Im Erzgebirge trägt man sich mit einer alten Tradition, daß -wilde Waldleute bisweilen an die Waldhäuser gekommen seien. Solcher -wilden gebirgischen Satyren erinnerten sich vor Alters die Einwohner -und Bergleute bei ihrem »Quaß« und Fastnachtsspiel, bei -welchem sie jährlich zwei wilde Männer verkleidet, den einen in Reisig -und Moos, den andern in Stroh gehüllt, auf den Gassen umhergeführt, -endlich aber auf dem Markt herumgejagt und endlich zum Schein niedergeschossen -und gestochen haben. Die verkleideten Personen riefen dabei -durch ihr Taumeln und ihre seltsamen Gebärden Gelächter hervor und -spritzten dabei aus angefüllten Blasen Blut unter die umstehenden Leute, -ehe sie als Tote niederfielen. Dann faßten sie die Jäger, legten sie -auf Breter und trugen sie ins Wirtshaus. Die Bergleute gingen daneben -her und bliesen durch ihre Pechpfeifen und Grubenleder auf, als -hätten sie ein stattliches Wildpret gefangen. Dergleichen Aufzüge hielt<span class="pagenum"><a id="Seite_610">[610]</a></span> -man vor dem dreißigjährigen Kriege; aber darnach sind sie abgekommen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Auch dieses Fastnachtsspiel war jedenfalls ein Überrest der alten Frühlingsfeste; -seine Bedeutung ist aber hier sehr verwischt worden. Der in Reisig und Moos gehüllte -Mann sollte den Frühling, der Strohmann dagegen den Winter darstellen. -Ursprünglich haben beide wohl miteinander gekämpft, bis der Frühling den Winter -besiegte. Daß solche Kämpfe zwischen den persönlich dargestellten Jahreszeiten Winter -und Frühling (Sommer) wirklich, z. B. in Schweden und Gothland, dargestellt -worden sind, dafür bringt Jac. Grimm in seiner deutschen Mythologie mehrere -Beispiele; auf S. 440 heißt es daselbst: Ein vermummter Sommer und Winter, -jener im Epheu oder Singrün, dieser in Stroh oder Moos gekleidet, traten auf und -kämpften so lange miteinander, bis der Sommer siegte. Dann wird dem zu Boden -geworfenen Winter seine Hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlicher Kranz oder -Zweig umhergetragen.</p></div> - -<h3 id="sec802">802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.</h3> - -<p class="source">(Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 271.)</p> - -<p>In Freiberg kehrt alljährlich am Tage Maria Magdalena, den -22. Juli, ein besonderer Bergfeiertag wieder, an welchem vormittags -im Dome eine große Kirchenparade der Bergleute und eine Bergpredigt -abgehalten wird. Bei Gelegenheit im Jahre 1737 angestellter Erörterungen -ergab sich, daß die Freiberger Bergleute bis dahin den Maria-Magdalena-Tag -angeblich seit länger als 200 Jahren am sogenannten -Hungerborne gefeiert hätten, woselbst sogar zu Zeiten gepredigt worden -sein sollte. Dieser Brunnen, welcher wegen seines guten und reichlichen -Trinkwassers besonders von den benachbarten Huthäusern stark benutzt -wurde, lag etwa eine Viertelstunde nordwestlich von dem Huthause -»Beschert Glück« im Ratswalde und ist erst im Jahre 1790 infolge -der von »Beschert Glück« betriebenen Grubenbaue weggefallen. Eine -Meinung der damaligen Bergleute schreibt den Ursprung seines Namens -einer Frau Maria Magdalena Hunger zu; die Veranlassung zum Festtage, -dessen althergebrachte Feier sich die Bergleute 1737, als solche -auf den nächsten Sonntag verlegt werden sollte, »erstritten« haben, -soll sich aber daher schreiben, daß die Kurfürstin Magdalena Sybilla, -Witwe des Kurfürsten Johann Georgs II, als sie ihren Namenstag -am Hungerborne feierte, den Bergleuten für alle Zeiten ihren Namenstag -daselbst zu feiern angeordnet habe. Gewiß ist, daß die Bergleute bis -zum Jahre 1737 die Umgebung des Hungerbornes als einen gewohnten -Versammlungsplatz betrachteten und als solchen benutzten; ja noch -in unserm Jahrhunderte fand daselbst zu gewissen Zeiten im -Jahre, besonders Pfingsten, ein großer Zusammenfluß von Personen<span class="pagenum"><a id="Seite_611">[611]</a></span> -aus der Umgegend statt. Man unterhielt sich dabei mit Musik -und Spielen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Feier des »Streittags« fand sich wahrscheinlich in allen sächsischen Bergrevieren -vor. Meltzer schreibt in seiner »bergkläuffigen Beschreibung der Bergk-Stadt -Schneeberg«, (1684. S. 3), daß die Bergleute daselbst diese Feier »mit dem -Schwerte errungen hätten«, und er vermutet, daß solches bei dem Aufstande der Bergleute -im Jahre 1496 geschehen sei. Herzog Heinrich der Fromme ließ den Maria-Magdalena-Tag -bei Einführung der Reformation 1539 ausdrücklich als bergmännischen -Feiertag fortbestehen, und derselbe wird auch noch gegenwärtig in Schneeberg durch -Bergaufzug, Gottesdienst und eine Ergötzlichkeit der Bergleute gefeiert.</p></div> - -<h3 id="sec803">803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.</h3> - -<p class="source">(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, S. 158.)</p> - -<p>Am 18. Februar 1613 führten die Tuchknappen zur Feier des -Faschings auf dem Markte zu Chemnitz den Schwerttanz auf. Dieser -Schwerttanz ist noch heutzutage unter den Salzknappen Halleins und -Hallstadts üblich, und er wurde von neun Tänzern, zwei Pfeifern, einem -Trommler und zwei Hanswürsten aufgeführt, welche mit dem -Spruche auftraten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wir treten herein ganz edel und fest,<br /></span> -<span class="i0">Und grüßen alle anwesenden Zuschauer aufs Best';<br /></span> -<span class="i0">Grüßten wir einen und den Andern nicht,<br /></span> -<span class="i0">So möchtens meinen, wir wären die echten Schwerttänzer nicht;<br /></span> -<span class="i0">Die rechten Schwerttänzer sind wir genannt,<br /></span> -<span class="i0">Wir tragen das Schwert in unserer Hand.<br /></span> -<span class="i0">Spielmann, mach' auf den rechten Schwerttanz!<br /></span> -</div></div> - -<p>Nun begann der Tanz, indem jeder die Spitze des Schwertes -von seinem Nebenmann faßte, mit einem Rondo; alsdann Springen -über Schwerter. Darauf legte man die Schwerter nieder, tanzte herum, -hob sie wieder auf und bildete eine Schnecke, die sich wieder -auseinander winden mußte, ohne daß ein Tänzer die Schwertspitze -seines Nachbars losließ. Dann trat ein Hanswurst in den Kreis und -kniete nieder. Die Tänzer hielten ihre Schwerter auf ihn, der Vortänzer -schwang sich auf diese Schwerter und sprach folgenden Spruch:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Da bin ich heraufgestiegen,<br /></span> -<span class="i0">Wär' besser, ich wär' unten blieben;<br /></span> -<span class="i0">Der Fasching ist ein verthunlicher Mann,<br /></span> -<span class="i0">Hat all sein Hab und Gut verthan;<br /></span> -<span class="i0">Er hat verthan sein Hab und Gut,<br /></span> -<span class="i0">Bis auf einen alten zerrissenen Hut.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_612">[612]</a></span> -<span class="i0">Er reist das Land wohl auf und nieder,<br /></span> -<span class="i0">Was er bekommt, versäuft er wieder;<br /></span> -<span class="i0">So spring' ich aus dem grünen Kranz,<br /></span> -<span class="i0">Spielmann, mach' auf den lustigen Schwerttanz.<br /></span> -</div></div> - -<p>Nun ward wiederum ein Rondo getanzt, aber schneller als das -erste; die Tänzer traten einer nach dem andern ab, bis Vor- und -Nachtänzer allein waren, die sich noch ein paar Mal herumdrehten, -mit den übrigen die Schwerter zusammenschlugen und so unter dem -Jubelruf der Zuschauer schlossen.</p> - -<h3 id="sec804">804. Strafe für zänkische Weiber.</h3> - -<p class="source">(Oesfeld, Histor. Beschreibung von Lößnitz (1776) S. 10. -Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes (1794), S. 180.)</p> - -<p>Auf der rechten Seite ohnweit der Hauptthüre des Rathauses in Lößnitz -befanden sich zwei steinerne halbe Zentnergewichte, welche oben einen -eisernen, sehr weiten Angriff hatten und auf der einen Seite glatt, -übrigens aber rund und an einem Ring aufgehangen waren. Auf dem -einen Steingewichte sah man ein Frauenbild mit einem Bund Schlüssel, -welches sie über dem Kopfe hielt, als ob sie damit werfen wollte, und -der Umschrift. »Du leugst wie eine Hure.« Auf dem anderen Gewichte -war auch ein Frauenbild mit einem »Waschbleu« und den Worten: -»Du bist eine Hure«, zu sehen, und die gemeine Sage war, daß in -alten Zeiten diese Gewichte von zänkischen Weibern, welche sich geschlagen, -öffentlich hätten herumgetragen werden müssen.</p> - -<p>Eine ähnliche Strafe gab es in Crimmitschau. Wenn daselbst -Weibspersonen einander geschimpft hatten, so mußten sie an der Rathausthüre -einander gegenüber stehen und ward jeder eine Art von -bleiernem Gewichte an den Hals gehängt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In Bautzen war es im Mittelalter bis gegen Ende des 17. Jahrh. eine gewöhnliche -Strafe für zänkische Weiber, daß sie sogenannte Schandsteine, welche die -Form von runden Flaschen hatten, an einer eisernen Kette um den Hals durch die Stadt -tragen mußten. Man nannte diese Strafe das Flaschentragen oder das trinken aus -des Büttels Flasche. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 89.) Auch in Leipzig gab -es für solche Weiber, welche sich auf dem Markte schlugen, rauften oder einander -schmähten, Schandsteine, die der Rat 1624 neu anfertigen ließ. An manchen Orten -wurden auch diejenigen Personen damit geschmückt, welche nächtlichen Straßenlärm -machten. Da und dort hatten diese Steine Brotform, und daher schreibt sich wohl -auch die Redensart: Ein schwerer Bissen Brod. In Lübeck hatten sie die Form von -Schüsseln, und nach dem Dortmunder und Halberstädter Statut von 1348 sollten -sie das Gewicht eines Zentners haben. Waren die »losmäuligen« Frauen wohlhabend,<span class="pagenum"><a id="Seite_613">[613]</a></span> -so konnten sie sich von dieser schmachvollen Strafe durch einen Sack voll Hafer, der mit -einem roten Bande zugebunden sein mußte, loskaufen. (Schäfer, deutsche Städtewahrzeichen, -I. S. 54.)</p></div> - -<h3 id="sec805">805. Strafe für liederliche Weibspersonen.</h3> - -<p class="source">(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)</p> - -<p>Es war sonst in Crimmitschau die Gewohnheit, welche auch an -andern Orten, z. B. in Schmölln, eingeführt war, daß liederliche -Weibspersonen sich auf den niedern Stadtturm begeben mußten, allwo -oben auswendig ein großer Korb befindlich war. In diesen mußten -sie sich setzen, worauf sie dann jählings in den unten am Thore befindlichen -Teich herabgelassen wurden.</p> - -<h3 id="sec806">806. Wie das Lehen gereicht wurde.</h3> - -<p class="source">(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)</p> - -<p>Wenn sonst jemandem in Crimmitschau das Lehen gereicht wurde, -so beobachtete man die Zeremonie, daß dem Empfänger vom Gerichtsdirektor -oder Amtmann ein runder Hut dargereicht wurde, woran der -Empfänger greifen mußte, und wenn mehrere etwas in sämtliche Lehn -empfingen, so mußten ebenfalls alle diesen Hut berühren.</p> - -<h3 id="sec807">807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.</h3> - -<p class="source">(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)</p> - -<p>Eine Gewohnheit, welche in Crimmitschau ausgeübt wurde, war, -daß die Witwen, welche sich zum zweiten Male verheirateten, der -Gerichtsherrschaft ein Bett abgeben mußten.</p> - -<p>Hidda, Friedrichs und Dedaus, Grafen zu Eilenburg Schwester, -verordnete, daß jede Witwe, welche sich wieder verheiratete, dem -Amtmann (<em class="antiqua">praefecto arcis</em>) zwei Schreckenberger in einem Beutel ohne -Naht geben sollte.</p> - -<h3 id="sec808">808. Das Bärenprivilegium für Lößnitz.</h3> - -<p class="source">(C. Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. 1. B. Schneeberg -1837. S. 8.)</p> - -<p>In der ältesten bekannten, aus dem Jahre 1284 stammenden Urkunde -von Lößnitz erhielt die Stadt das Privilegium, daß sich in seinen<span class="pagenum"><a id="Seite_614">[614]</a></span> -Mauern kein Mönch oder Priester häuslich ankaufen sollte, sowie -kein Edelmann. Letzteres soll der Sage nach davon kommen, daß ein -Edelmann, mit Namen von Hagenest, im Jahre 1283 einen Bären -gehabt, der sich von der Kette losgerissen und eines Bürgers Kind -erwürgt. Darauf hätten die Bürger den Bären samt dem Edelmann -erschlagen. Daher das Privilegium, welches deshalb auch das Bärenprivilegium -hieß.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_615">[615]</a></span></p> - -<h2 id="appendix">Anhang.</h2> -</div> - -<h3 id="sec809">809. Der Wegzug der Zwerge.</h3> - -<p class="source">(A. Stropnitzky in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, -1885, S. 120.)</p> - -<p>Am rechten Ufer der Eger liegt bei dem Dorfe Sosau eine -Bauernwirtschaft, deren Besitzer schon seit Menschengedenken den Dienst -von Fährleuten versehen haben. Eines Tages kam nun zu dem Bauer -ein kleines Männchen und sagte, er wäre der Zwergkönig und wolle -mit seinem Volke aus der Gegend auswandern, da die Leute schon das -Brot in den Ofen und die Knödel in den Topf gegeben hätten. Der -Fuhrmann möge sich für seine Arbeit eine Mütze voll Gold oder für -jeden Zwerg einen Pfennig wählen. Der Bauer wählte das Erstere. -Am nächsten Morgen kamen die Zwerge, aber alle unsichtbar; nur -durch den Lärm, den sie verursachten, wurde es dem Bauersmanne -klar, daß er sein Werk beginnen könne. Er band also den Kahn los, -und tief sank dieser in das Wasser, so schwer war er beladen. Doch -sah der Fährmann niemanden. Bereits den ganzen Tag hatte er schon -gearbeitet, und noch immer war kein Ende. Als er nun von neuem -leer herübergekommen war, trat der Zwergkönig zu ihm heran, lobte -ihn und gab ihm den bedungenen Lohn. Zugleich sagte er, daß er -noch einmal hinüberfahren müsse. Der Fährmann war in den Kahn -gestiegen und der Zwergkönig folgte ihm. Als sie nun in der Mitte -der Eger waren, fragte der Zwergkönig, ob der Fuhrmann nicht sehen -wolle, wie viel Zwerge er hinüber gefahren habe. Und als der -Fährmann diesen Wunsch äußerte, so schlug der Zwergkönig mit seinem -Stabe in die Lüfte, und nun sah der Fährmann die ganze Straße und -die benachbarten Felder mit Zwergen erfüllt. Doch nur einen Augenblick -währte es, und alles war wieder vorbei. Seitdem sind die Zwerge -aus der Gegend verschwunden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In No. 186 bezieht sich diese Sage auf den Wegzug der Holzweibchen.</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_616">[616]</a></span></p> - -<h3 id="sec810">810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.</h3> - -<p class="source">(Nach der Mitteilung von H. Weißflog.)</p> - -<p>An der Grenze der Dörfer Unterscheibe und Markersbach, unterhalb -des sogenannten Vogtelgutes, läßt sich in stürmischen Nächten -ein schneeweißer Hund mit rotleuchtenden Augen sehen, dessen Klagegeheul -schauerlich durch die Nacht tönt. Er thut jedoch niemandem -etwas zu Leide. Es soll dies der Hund eines Schäfers sein, der seinem -Herrn sehr treu ergeben war. Der Schäfer hat sich einst in jener -Gegend erhängt, und der Hund soll nun seinen Herrn suchen.</p> - -<h3 id="sec811">811. Der Schmiedmönch von Thierfeld.</h3> - -<p class="source">(Mitgeteilt vom Seminarist Emil Müller.)</p> - -<p>Alte Leute in Thierfeld bei Hartenstein erzählen von einem Geiste, -dem sogenannten Schmiedmönch, welcher früher in der Schmiede des -Ortes sein Wesen getrieben haben soll. Den Kindern ist er zu einem -Schreckgespenst geworden, denn wenn dieselben nicht folgen wollen, so -droht man ihnen mit dem Schmiedmönch, welcher jetzt neben der -Schmiede unter den Wurzeln eines Strauches wohnen soll.</p> - -<h3 id="sec812">812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche -zu Schneeberg zugemauert wurde.</h3> - -<p class="source">(Nach einer Mitteilung des Archidiakonus Blanckmeister in Schneeberg.)</p> - -<p>Ursprünglich hatte die St. Wolfgangskirche in Schneeberg drei -Haupteingänge, von denen aber derjenige, welcher sich der Superintendentur -gegenüber an der Turmseite befand, später zugemauert wurde. -Als Veranlassung dazu wird folgendes erzählt: Ein früherer Pfarrer -hat sich alle hundert Jahre des Nachts sehen lassen, und das letzte -Mal soll er dem Pfarrer W. erschienen sein. Um nun das Wiedererscheinen -des Gespenstes für alle Zeiten zu verhindern, vermauerte man -nicht nur den oben bezeichneten Kircheneingang, sondern auch die gegenüberliegende -Hausthüre der Oberpfarrerwohnung, welche sich auf der -schmalen Seite des Hauses befand, und verlegte sie nach der Breitseite, -wo sie sich noch heute befindet. Trotzdem glaubt man noch jetzt, daß -es auf dem Kirchplatze nicht richtig sei, und man bringt z. B. das -vor einer Reihe von Jahren auf dem Platze geschehene Unglück, wobei -ein Arbeiter durch einen Erdfall ums Leben kam, damit in Zusammenhang, -indem viele meinen, daß der umgehende Geist sein Opfer gefordert -habe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_617">[617]</a></span></p> - -<h3 id="sec813">813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.</h3> - -<p class="source">(Johann Vulpius, <em class="antiqua">Plagium Kauffungense</em>, das ist: Der Chur-Fürstl. -Sächß. Printzen durch Conrad (Curt, Cuntz) von Kauffungen, geschehene -Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg, wie sich solche <em class="antiqua">Anno</em> -1455 zugetragen. Ohne Jahrzahl.)</p> - -<p>Nachdem Kunz von Kauffungen mit seinen Genossen in der Nacht -vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Prinzen Ernst und Albert aus -dem Schlosse Altenburg geraubt hatte, setzte er den erst genannten -Prinzen auf ein gut gesattelt Roß und führte ihn bei finsterer Nacht -nach dem Lande Böhmen zu, erstlich durch die Leine, so ein Wald -oder Holz bei Altenburg gelegen, ferner durch die Rabensteiner Wälder -bis ohnfern Elterlein um die Gegend des Klosters Grünhain, dahin -er bei aufgehendem Mondschein gegen Morgen gekommen, vermeinend, -nun mit seinem hohen Gefangenen leicht vollends nach Böhmen -zu gelangen. Die andern haben den Prinzen Ernst auch auf ein -Roß gesetzt und zwischen sich einen andern Weg davon geführt, willens -ihn durch das Vogt- und Frankenland durch einen andern Strich in -ihre Gewahrsam zu bringen; denn sie hatten sich dessen zuvor mit -einander verglichen, diesen Raub durch unterschiedliche Wege wegzubringen, -und obschon ein Teil mit seinem Prinzen ergriffen würde, so sollte -doch der andere Teil seinen gefangenen Herrn nicht eher von sich -geben, es wäre ihnen denn allen das Leben und Straffreiheit zugesagt.</p> - -<p>Unterdessen ist auf dem Schlosse zu Altenburg ein groß Wehklagen, -bei den Hofleuten aber ein großer Schrecken entstanden. Man -hat es durch einen Eilboten gen Leipzig dem Kurfürsten zu wissen gethan, -dem anfänglich diese That fast unglaublich vorgekommen. So -haben die Hofleute auch nicht gesäumt, sondern von Stund an in alle -Gegenden geschicket, sind auch zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag -in allen Städten und Dörfern angehen zu lassen, dadurch das -ganze Land rege geworden, sintemal immer eines dem andern auf -frischem Fuße gefolget, auch den Nachbarn zu wissen gethan, und alle -Straßen beleget. Im Städtlein Geyer ist von den heftigen Glockenschlägen -über diesem Sturme die Glocke zersprungen. Solchen Sturmschlag -und Nacheilen hat Kunz von Kauffungen wohl gehöret, weil er -aber bei Mittagszeit den Wald erreichet, verhoffte er leichtlich davon -zu kommen. Da er nun nicht über eine halbe Meile bis zur böhmischen -Grenze gehabt, hat es Gott sonderlich geschickt, daß den jungen -Herrn, Herzog Albrechten (Albert) sehr gehungert und gedürstet, welches -er Kunzen mit den Worten beklagt: Wo er nicht zu essen und zu -trinken bekäme, würde er Krankheit halber nicht weiter kommen können,<span class="pagenum"><a id="Seite_618">[618]</a></span> -sondern müsse liegen bleiben. Solches besorget Kunz selbst, sintemal er -ihn von Mitternacht bis nun fast gegen Mittagszeit auf einem schnell -trabenden Rosse geführet. Deswegen behielt er einen Reiter bei sich -und stieg vom Pferde ab, in Mangel anderer Speise dem Herzoge im -Walde Erdbeeren abzupflücken; seine andern Reiter, derer fünf gewesen, -hieß er ein wenig auf den Halt voranreiten, er aber spazierte im -Walde mit dem Prinzen ein wenig abseits, Erdbeeren zu suchen. In -diesem Walde arbeiteten aber unterschiedliche Köhler. Von denen war -ein Junge, namens Urban Schmidt, gen Geyer geschickt worden, einen -Kober voll Brot, Salz und andere nötige Dinge zu holen. Dieser -Junge hatte das Anschlagen der Glocken gehört, dazu vernommen, wie -die große Glocke von gemeldetem Stürmen geborsten und die Rede gegangen, -es hätte der Feind zu Altenburg einen Einfall gethan, das -Schloß erstiegen und einen großen Raub weggeführet. Weil man nun -dazumal von keinem Krieg noch Feinde wußte, der Junge auch nicht -mehr erzählen konnte, so gerieten die Wäldler oder Köhler in große -Verwunderung und Bestürzung.</p> - -<p>Dazwischen begab sichs, indem Kunz von Kauffungen mit dem -Prinzen und seinem Reiter über dem Erdbeersuchen etwas tiefer vom -Wege ab im Walde spazierten, und am Fürstenberge, der von dieser -Geschichte den Namen bekommen, Beeren pflückten, daß durch sonderbare -Schickung Gottes ein Köhler, mit Namen Georg Schmidt, welcher -in der Gegend ohnweit Grünhain und dem Dorfe Raschau Kohlen bereitet, -im Walde sich umzusehen daher kommet und seinen Hund bei sich -hatte. Dieser Hund wird fremder Leute innen, schlug also bellend an -und führete seinen Herrn, den genannten Köhler, welcher einen dichten -Schürbaum zum Waldgewehre in der Hand hatte, an den Ort. Dieser -Köhler siehet, daß Kunz ein Panzerhemd anhatte, auch ein Pferd -an der Hand führte, dazu, daß der bei ihm befindliche Knabe schön, -zart und adliger Gebärden; lässet sich daher bedünken, es möge nicht -recht zugehen, und fraget trotzig, wie der Wäldler Art ist, von wannen -er mit dem Knaben komme und wo er hinaus wolle? Darauf ihm Kunz -antwortete: Es sei ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen, dem -müsse er ihn wieder bringen. Wie sie aber miteinander ein wenig -fortgehen, fällt Kunz von Kauffungen in dem Gestrüppe, Gebüsche -oder Hecken, darinnen er mit seinen langen Sporen hängen blieb, und -konnte wegen der schweren Rüstung, und daß er das Roß an der -Hand nicht wollte fahren lassen, nicht wohl wieder aufkommen. Da er -nun also lieget, spricht Prinz Albrecht heimlich zum Köhler: Ich bin -ein Fürst von Sachsen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl -vergelten. Darauf Jan Schweinitz, Kunzens Reisiger, sein Schwert<span class="pagenum"><a id="Seite_619">[619]</a></span> -über den Prinzen gezogen, daß nicht viel gefehlet, er hätte ihn umgebracht. -Sobald der Köhler solches vernommen, auch des Reiters Ernst -gesehen, erinnert er sich der oben gemeldeten Zeitung, die der Junge -von Geyer mitgebracht, glaubet des Prinzen Rede, spricht dem Reiter -ernstlich zu, solche Gewalt bleiben zu lassen, hetzet seinen Hund an, -welcher sich sehr laut machet, Schweinitzen anfällt und stattlich zurückhält; -er aber hat mit seinem Schürbaume auf Kunzen, welcher wegen -seiner Rüstung nicht flugs hat aufkommen können, so wohl als auf -den Reiter tapfer zugeschlagen, hätte auch vielleicht Kunzen totgeschmissen, -wenn nicht der Prinz treulich gewehret und für ihn gebeten. Da nun -der Köhler sich mit Mund und Händen sehr gereget, der Hund auch -trefflich gebellt, läuft des Köhlers Weib aus dem Kohlenkrame auch -herzu und siehet, was für ein Streit da ist. Als sie ihren Mann -auf Kunzen schlagen siehet, denket sie, es seien Räuber da und giebt -alsbald das gewöhnliche Waldzeichen, so die Köhler im Gebrauche -hatten, daß sie mit einem großen Messer oder Zschörper auf eine -Holzaxt schlagen. Hierauf liefen alsbald andere Köhler mit Äxten und -Schürbäumen zu, nahmen Kunzen und seinen Reiter gefangen, den -Prinzen führeten sie in einen Kohlkram, gaben ihm schwarz Brot zu -essen und Wasser zu trinken, zeigeten es auch unverzüglich der Obrigkeit, -nämlich dem Abte des Klosters Grünhain an, welcher alsbald -Befehl gab, die vorangeschickten fünf Reiter auch aufzusuchen, und also -geschahe es, daß noch diesen Tag, welcher war Kilianitag, Kunz von -Kauffungen mit sechs seiner Gesellen in gefängliche Haft gebracht wurde. -Diese Gefangenen überantwortete der Abt noch denselben Tag dem -Oberamtmann von Schönburg auf Glauchau und Hartenstein nach -Zwickau, welcher sie festsetzen und die übrigen ferner verfolgen ließ.</p> - -<p>Die übrigen Prinzenräuber, Wilhelm von Mosen, Wilhelm von -Schönfels und andere, welche den Prinzen Ernst mit sich führten, -hatten versucht beim Pfarrherrn zu Hartenstein einzusprechen, allein -der Pfarrherr war nicht daheim und sie konnten deshalb keine andere Zuflucht -finden, als daß sie sich in dem Walde nahe bei der Mulde, über -dem Schlosse Stein, in eine entlegene Höhle oder Steinkluft versteckten. -Denn sie höreten den Sturmschlag und konnten aus dem Getümmel -die Verfolgung wohl ermessen. Zu dem brach das Geschrei, daß Kunz -und etliche seiner Reiter gefangen und der junge Prinz Albrecht erlöset -wäre, geschwinde aus, welches sie meisterlich erkundeten, auch besorgeten, -es möchte ihnen gleichfalls nicht anders gehen; denn die Pferde -waren ihnen bereits abgejagt und guter Rat teuer. In solcher Gefahr -vergaßen sie des gemachten Vergleichs und waren entschlossen, sich mit -dem Prinzen auf kurfürstliche Gnade zu ergeben. Deswegen schickten<span class="pagenum"><a id="Seite_620">[620]</a></span> -sie einen vertrauten Boten zum Oberamtmann nach Zwickau, dem sie -schrieben, sie bereueten ihre That und hätten den Prinzen unversehrt -bei sich; wenn ihnen von dem Kurfürsten Sicherung ihres Lebens, -ihrer Ehre und ihres Gutes zugesagt werde, so wollten sie den Prinzen -ausliefern, wo nicht, so würden sie denselben zuerst und dann sich selbst -töten. Der Oberamtmann Friedrich von Schönburg sicherte ihnen dies -darauf bei seinen »adeligen Ehren und Treuen« zu, und so lieferten -sie den Prinzen am 11. Juli an denselben ab, der ihn dann seinen -Eltern nach Chemnitz überbrachte.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere des -Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist es sehr unwahrscheinlich, -daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei Grünhain und in unmittelbarer -Nähe der damaligen Grenze von Böhmen noch eine Rast hielt, während ringsum -die Sturmglocken ertönten. Die Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine -zufällige, sondern vielmehr ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber, -daß sich dabei der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich -damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb. Die Altzeller -Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen von ungefähr »ein arm Mann« -(der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen sei und dem Abte zu Grünhain, was er -gesehen, gemeldet habe; er habe auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz -gefangen worden. Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung -des Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß ihm und -darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich ein Scheffel Korn -ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit dem sogenannten Trillergute in -Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine -Nachkommen den Namen »Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt, -d. h. geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten und -daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von Kauffungen, Mitteilungen -des Freiberger Altertumvereins, 13. H.)</p></div> - -<h3 id="sec814">814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)</h3> - -<p class="source">Nach »<em class="antiqua">Loci theologici historii</em>, oder Theologisches Exempel-Buch« -von Kaspar Titius (Leipzig 1684), S. 133 lautet diese Sage:</p> - -<p>Auf St. Annaberg in Meißen in einer Erzgruben zum Rosenberg -genannt, ist ein Teufel gewesen, welcher in einer Kluft mit seinem -Anblasen oder Anhauchen zwölf Bergknappen umgebracht, darum -man auch dieselbige Grube oder Schacht, wiewohl sie ganz reich an -Silber gewesen, hat müssen wüste liegen lassen. Den Odem aber oder -Hauch, damit er die Leute anblies, ließ er aus aufgesperrtem Rachen -heraus gehen: denn wie man daraus saget, er in eines Pferdes Gestalt -mit langem Hals und greulichen Augen ist gesehen worden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_621">[621]</a></span></p> - -<h3 id="sec815">815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. -(Zu Nr. 239.)</h3> - -<p class="source">Nach »<em class="antiqua">Loci theologici historii</em> oder Theologisches Exempel-Buch (Leipzig -1684)« S. 137 lautet diese Sage:</p> - -<p><em class="antiqua">Anno Christi</em> 1559 ist dies schreckliche Ding geschehen, auf der -Platten, zwei Meilen Weges von Joachimsthal. Daselbst hat ein -Schmied eine Tochter gehabt, die fromm, züchtig und gottesfürchtig gewesen, -fleißig zur Kirche gegangen, hat auch das hochwürdige Sakrament -oft empfangen. Diese ist durch Verhängnis Gottes vom Teufel besessen, -ohngefähr in Fastnachten, und hat sie der böse Feind oft niedergeworfen, -als hätte sie die fallende Sucht. Die Eltern haben hierüber bei Wahrsagern -Rat gesucht, daß der Teufel nachmals hat zu Schutz seiner Gewalt -angezogen. Nach Ostern hat der Teufel begonnen, leibhaftig aus -der Jungfrau zu reden, hat sich in der Stube sehen lassen, wie ein -Kuckuck, Rabe, Hummel und dergleichen, auch also, wie solche Vögel -pflegen, geschrieen. Hat grausame, wunderliche Dinge aus ihr geredet, -daß nicht genugsam davon zu schreiben, und ist ein großer Zulauf vom -Volke, auch von vielen Fremden worden, diese wunderliche Dinge zu -hören. Und haben sich viele fromme Christen unterstanden, mit ihm -zu reden, denen er allen Antwort genug gegeben.</p> - -<p>Aber die Jungfrau ist stets geduldig gewesen, hat oft selber -mit zu Gott gebetet, und wenn sie um Erlösung im Namen Jesu Christi -gerufen, hat sich bald der böse Geist wieder funden, ihr in den Augen -gesessen und dieselben aus dem Kopfe herausgetrieben, so groß wie ein -Hühnerei, die Zunge wie eine zusammengeflochtene Weide, einer Spannen -lang zum Munde herausgesteckt, auch ihr das Angesicht auf den Rücken -gewendet, also jämmerlich, daß es nicht genugsam zu beschreiben. Wenn -sie Ruhe gehabt, und man sie gefragt, wie es ihr gehe, hat sie allewege -geantwortet, es dünke sie, wie sie auf einem Wasser liege und -müsse ertrinken, so kämen doch allewege viel fromme Leute, die ihr -davon hülfen.</p> - -<p>Es sind alle Priester, so des Orts umher gewesen, dahin -kommen und haben mit ihr Gespräch gehalten, denen der Teufel über -die Maßen höhnische Antwort aus der Jungfrau gegeben, und wenn -man von Christo Jesu ihn gefragt, ist er allewege auf eine höhnische -Fabel gekommen, daß es nicht gut, so spöttlich zu schreiben. Da er -auch befraget, wie er in sie gekommen, hat er gesagt: Sie habe es in -einem Trunk Bier einges…, zu Fastnacht in einer Fliegen Gestalt, -denn er sei ihr zwei Jahr nachgegangen, und da die Eltern zur Wahrsagerin -gelaufen, habe er desto besser Platz bekommen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_622">[622]</a></span></p> - -<p>Dieser böse Geist ist endlich von der besessenen Jungfrau durch -fleißiges Gebet der Christen abgetrieben worden, da er wie ein Schwarm -Fliegen ausgefahren.</p> - -<h3 id="sec816">816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu Nr. 247.)</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.)</p> - -<p>Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht -in einem romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen -Katzenmühle führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand -schon diese Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist. -Bei derselben befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich -hauste, daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte, -sondern dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später -Nacht und im schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei -Bären, welcher sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich -um Nachtquartier bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse. -Mitleidig erklärte der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine -Person gerne Quartier geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht -unterzubringen, weil er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und -in einem andern hause ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin -bleiben könne. Gedrungen von der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer, -daß er ihm den Stall, wo das Gespenst sei, nur einräumen -solle, seine Bären möchten sehen, wie sie mit dem Gespenst fertig würden. -Nach mancher Einwendung gewährte der Müller dem Fremden seine -Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall zog und sie ihrer Maulkörbe -entledigte. Um Mitternacht erhob sich ein schrecklicher Lärm in -dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen anhielt; dann wurde -es endlich still.</p> - -<p>Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach -dem Stalle eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf -mit ihnen seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den -Wald, um sich etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei -kam, rief ihn eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen -noch in seinem Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme -seines bösen Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie -werden auch immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen -Geistes entledigt.</p> - -<h3 id="sec817">817. Der Geldkeller auf dem Greifenstein. (Zu Nr. 284.)</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)</p> - -<p>Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinauf<span class="pagenum"><a id="Seite_623">[623]</a></span> -auf den Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt -an die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten -nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen -vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte, -eilte sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie -plötzlich am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten -sich in ihrem weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte -den Eingang. Eine freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle, -die sie erinnerte, ihre Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen -Mut und furchtlos bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und -mehr verengte sich mit jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend -entfloh sie mit schnellen Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am -Ausgange war, ergriff der Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das -geängstigte Weib starb am folgenden Tage.</p> - -<h3 id="sec818">818. Gottes Speise bei Zwickau. (Zu Nr. 435.)</h3> - -<p class="source">Diese Sage befindet sich auch in »<em class="antiqua">Loci theologici historii</em>, oder -Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durch <em class="antiqua">M. Casparum -Titium</em>, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen -erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit -einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde, -als er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er: -Ist doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal -Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert -dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide -brachte mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer -wollte hier sagen, daß es nicht ein Engel gewesen?</p> - -<h3 id="sec819">819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann. -(Zu Nr. 537.)</h3> - -<p class="source">(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)</p> - -<p>Es zog einst aus den Ebenen von Sachsen ein Wandersmann ins -Gebirge, von da hinab zu steigen in die gesegneten Auen von Böhmen. -Unkundig des Gebirges verlor er den Heerweg und betrat, unwissend -wohin er geraten möchte, einen stark befahrenen Kohlenweg, der nach -einer Meilerstätte des Freiwalds führte. Die Nacht war im Anzuge -und die Angst des Wanderers groß. Im blassen Scheine des Mondes -durchzog er den Wald, durchspähete sorgsam jede Rodung und horchte -leise atmend auf das Bellen der Hunde, welches die Abendluft aus<span class="pagenum"><a id="Seite_624">[624]</a></span> -der Ferne herüber trug. Den Tönen nach zog er, als plötzlich eine -kleine Geistergestalt ihm entgegen trat und ihn aufforderte, ihr zu folgen. -Ihr Weg ging nun über Stock und Stein und fand endlich an den -Felsen des Greifensteins sein Ziel. Kaum waren sie durch eine daselbst -befindliche Höhle eingetreten, als sich auf einmal ein ungeheures Gewölbe -dem staunenden Wandrer öffnete. Seine Wände schienen von -Silber, seine Tische von Gold zu sein. Aus tausend goldenen, mit -Edelsteinen besetzten Leuchtern, in denen die Strahlen der Lichter sich -unzähligemal brachen, strömte ein überirdischer Glanz über das ganze -Gewölbe. Eine lange, köstlich besetzte Tafel zog sich in demselben herab -und war mit ehrwürdigen Männern umgeben, die sich an den aufgetragenen -Speisen sättigten. Ein Diener lud ihn ein, sich zu setzen und -ein anderer brachte ihm schon, indem jener noch sprach, Speisen von der -langen Tafel. Da endlich der Wanderer davon genoß, ward er zusehends -erquickt und fröhlich und gutes Muts. Die ehrwürdigen Berggeister -aber freuten sich sichtbar über ihn und befahlen den Dienern, ihm den -Reisesack zu füllen, den er bei sich hatte. Mit herzlichem Danke schied -er darauf von seinen Wirten. Als er aber im Scheine des Mondes -und nach einer ungeduldig durchwachten Nacht bei den ersten Strahlen -der Morgensonne seinen Sack aufthat, blitzten ihm die Goldgeschirre -und Edelsteine entgegen, deren Glanz ihn schon im Gewölbe in Erstaunen -gesetzt hatte. Zum Überfluß hatten ihn die gütigen Berggeister -hart an die Straße gebracht, auf welcher er fröhlich gen Böhmen zog. -Später siedelte er sich ohnweit des Freiwaldes an und lebte in einem -ruhigen Genusse seines Reichtums bis in ein spätes Alter.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Ansonsten wurde -die Originalschreibweise beibehalten.</p> - -<p>Korrekturen und Anmerkungen:</p> - -<div class="corr"> -<p> -S. X: Alberoda → Alberode<br /> -78. Der Laternenmann in <a href="#corr-x">Alberode</a>.</p> -<p> -S. XIX: Schönburg → Schönberg<br /> -Woher das Wappen der Herren von <a href="#corr-xix">Schönberg</a> entstanden ist</p> -<p> -S. 71: Nixenhügel → Nixentump<br /> -<a href="#corr071">Nixentump</a>, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist</p> -<p> -S. 331: der → den<br /> -Die Quelle, welche <a href="#corr331">den</a> See geschaffen</p> -<p> -S. 334: Anstand → Abstand<br /> -so daß <a href="#corr334">Abstand</a> genommen wurde</p> -<p> -S. 503: innen → ihnen<br /> -denen der Abtei Grünhain mitten <a href="#corr503">ihnen</a> lag</p> -</div></div> - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Sagenbuch des Erzgebirges, by -Johann August Ernst Köhler - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SAGENBUCH DES ERZGEBIRGES *** - -***** This file should be named 53292-h.htm or 53292-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/2/9/53292/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. 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