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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Die moderne Wohnung und ihre Ausstattung - -Author: Joseph August Lux - -Release Date: October 15, 2015 [EBook #50221] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MODERNE WOHNUNG *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by The Internet Archive) - - - - - - ################################################################## - Anmerkungen zur Transkription - -Der vorliegende Text wurde anhand der 1905 erschienenen Buchausgabe -erstellt. Satzzeichen wurden stillschweigend korrigiert. Ausdrucksweise -und Rechtschreibung sind oft stark regional gefärbt (z.B. ‚färbig‘ -für ‚farbig‘, ‚ober‘ für ‚über‘, usw.); in Zweifelsfällen wurde die -hochdeutsche Form verwendet. Die Verwendung von ‚ß‘ bzw. ‚ss‘ ist im -Original nicht konsequent; dies wurde so belassen, wenn im Text keine -vorherrschende Variante festgestellt werden konnte. - -Der Name des Architekten Max Benirschke wurde in den Bildunterschriften -gelegentlich fälschlicherweise ‚Bernischke‘ geschrieben. Dies wurde im -vorliegenden Text korrigiert. - -Inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten (z.B. ‚Parvenü‘ und -‚Parvenu‘). Unwesentliche Abweichungen zwischen den Titeln des -Inhaltsverzeichnisses und der Kapitelüberschriften bleiben unkorrigiert. -Die in der ‚Druckfehler-Berichtigung‘ angegebenen Stellen wurden bereits -in den Text mit aufgenommen. Desweiteren wurden die folgenden Passagen -korrigiert: - - S. 2: ‚eigenlich‘ → ‚eigentlich‘ - S. 3: ‚jahrzehnte lang‘ → ‚jahrzehntelang‘ - S. 20: ‚massvoll‘ → ‚maßvoll‘ - S. 21: ‚Grosstun‘ → ‚Großtun‘ - S. 26: ‚faßt‘ → ‚fasst‘ - S. 27: ‚nocht‘ → ‚noch‘ - S. 31: ‚Kasetten‘ → ‚Kassetten‘ - S. 38: ‚Selbstständigkeit‘ → ‚Selbständigkeit‘ (harmonisiert) - S. 40: ‚von einer‘ → ‚vor einer‘ - S. 67: ‚politierte‘ → ‚polierte‘ - S. 88: ‚achzig‘ → ‚achtzig‘ - S. 101: ‚von einen Ort‘ → ‚von einem Ort‘ - S. 115: ‚Raum und Mitteln‘ → ‚Raum und Mittel‘ - S. 117: ‚aus Maeterlincks mystischen‘ → ‚aus Maeterlincks - mystischem‘ S. 120: ‚aßgelenkt‘ → ‚abgelenkt‘ - S. 124: ‚vernachläßigt‘ → ‚vernachlässigt‘; ‚unter dem Einfluß - gekommen‘ → ‚unter den Einfluß gekommen‘ - S. 127: ‚uud‘ → ‚und‘ - S. 139: ‚Arbeitstitsch‘ → ‚Arbeitstisch‘ - S. 140: ‚austoben‘ → ‚sich austoben‘ - S. 145: ‚Sonnenaufgang und -Untergang‘ → ‚Sonnenaufgang und - -untergang‘ - S. 152: ‚Flaçon‘ → ‚Flacon‘ - S. 164: ‚Körber‘ → ‚Körbe‘ - S. 167: ‚überflüßig‘ → ‚überflüssig‘ - S. 173: ‚der früheren Kapiteln‘ → ‚der früheren Kapitel‘ - -Gesperrt gedruckte Passagen sind mit Unterstrichen umgeben (_gesperrt_). - - ################################################################## - - - - - JOSEPH AUG. LUX - - DIE MODERNE WOHNUNG - UND IHRE AUSSTATTUNG - - - - - JOSEPH AUG. LUX - - DIE MODERNE WOHNUNG - UND IHRE AUSSTATTUNG - - MIT 173 BILDERN UND 8 FARBIGEN - TAFELN NACH WERKEN UND ENTWÜRFEN - VON MODERNEN ARCHITEKTEN - UND IHREN SCHULEN - - 1905 - WIENER VERLAG - WIEN UND LEIPZIG - - - - - DRUCK VON W. SCHLENKER, WIEN, IX., WÄHRINGERSTRASSE 26. - - - - - MEINER FRAU. - - - - -INHALT. - - - Seite - - Tradition und Moderne 1 - - „Schmücke Dein Heim“ 17 - - Die Ästhetik der Miethswohnung 25 - - Wände und Decke, Vorhänge und Teppiche 31 - - Lichtkörper und Heizkörper 39 - - Vorzimmer und Dienerzimmer 44 - - Die Küche 50 - - Ästhetik des Eßtisches 55 - - Das Speisezimmer 64 - - Der Salon 69 - - Wie man Bilder hängt 77 - - Das Porträt im Wohnraum 84 - - Plastik im Zimmer 94 - - Junggesellenheim und Herrenzimmer 100 - - Das Musikzimmer 112 - - Schlafzimmer und Bad 121 - - Das Kinderzimmer 136 - - Das Spielzeug 144 - - Das Mädchenzimmer 151 - - Blumen am Fenster 158 - - Blumenkörbe 163 - - Die Offizierswohnung 165 - - Die Arbeiterwohnung 169 - - - - -Tradition und Moderne. - - -[Illustration: Panneau von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -[Illustration: Möbel um 1820. Schloß Wetzdorf.] - -Ein verblühtes Lächeln von Liebenswürdigkeit und lebensfrohem Behagen -ist an den Dingen der Biedermeierzeit abzulesen. Zu den hellgelben -Kirschholzmöbeln, oder nachgedunkelten Mahagonimöbeln, zu der -unerdenklichen Fülle von Formen, Schränken und Tischen aller Art, -Damenschreibtischen und Nähtischen, stummen Aufwärtern und Kommoden, -zu den großblumigen Möbelbezügen und den hellen Gardinen, den Blumen -am Fenster und den gestickten Glockenzügen, zu all der gefühlsseligen -Geburtstagslyrik, welche den Proben des häuslichen Kunstfleißes -von den Schlummerkissen bis zu des Hausvaters Samtkäppchen oder -Samtpantoffeln, eingewebt war, gehören die Locken an der Schläfe, unter -den bebänderten Florentinerhüten hervorquellend, die weißen duftigen -Tüllkleider oder schwere Seide in abgetönten sentimentalen Farben, -heliotrop, dunkellila, altrosa und schwarz. Schwind’s Frauengestalten -mag man sich dabei gerne vorstellen. Der spätgeborene Enkel blickt -mit einer gewissen affektierten, halb spöttischen, halb gönnerhaften -Überlegenheit, hinter der sich nur allzuoft eine unbefriedigte -Sehnsucht verbirgt, auf jene großelterlichen Tage zurück, in denen -sich das Bürgertum auf seine Art auslebte, und zu jener Einheit der -Lebensäußerungen gelangte, welche die Bezeichnung Stil verdient. -Eine spätere Zeit hat diesen Stil »Biedermeier« getauft. In diesem -Worte verdichtet sich für uns die Vorstellung einer vollkommen -durchgebildeten bodenständigen Kultur, die in ungebrochener Linie von -den gewöhnlichen Tageserscheinungen bis zu den Gipfelpunkten, welche -die Namen Grillparzer, Schubert, Schwind bezeichnen, emporsteigt. Und -ein sonnenhaftes Lächeln umspielt heute alle Lippen, welche dieses -Wort nennen. Man war nicht immer so freundlich gesinnt. Die jüngst -verwichene Zeit, welche dem Kultus der historischen Stile frönte, -hat in das Wort Biedermeier jenes Maß von unsäglicher Verachtung -hineingelegt, welche der Kosmopolit, auch der vermeintliche, für das -Spießbürgertum immer bereit hat. Das Wort war eigentlich nur gemünzt -als Bettelpfennig für alles Lächerliche, Gezierte, Hausbackene, -Philisterhafte, das man, wenn man durchaus will, der Schmachtlockenzeit -anmerken konnte. Aber die Zeiten haben sich gründlich geändert und -der Kosmopolitismus, der in allen Stilepochen lebte und einen wahren -Unrat von Geschmacklosigkeit und Widersinnigkeit aufhäufte, hat -einen gräßlichen Katzenjammer hinterlassen. Wir suchen heute alle -volkstümlichen Kunstlelemente auf, die wurzelhaft sind, sofern sie -nicht in den letzten fünfzig Jahren mit Stumpf und Stil ausgerottet -wurden. Wir knüpfen dort wieder an, um uns durch ihr Vorbild zu -stärken, damit auch wir zu Formen gelangen, in denen unser Volk -und unsere Zeit lebt und die vom gewöhnlichsten Alltag bis zu den -ergreifendsten Äußerungen festlicher Weihe nur eine ungebrochene Linie -aufweist. - -[Illustration: Interieur um 1800. Schloß Wetzdorf.] - -[Illustration: Schreibzimmer der Gräfin Molly Zichy-Ferraris Wien 1830 -nach einem Gemälde von Albert Schindler.] - -[Illustration: Empfangszimmer in einem Wiener Bürgerhause um 1840.] - -[Illustration: Interieur um 1810 aus Schloß Wetzdorf.] - -Und wie es oft erging, was anfänglich Schimpfwort war, ward späterhin -Ehrentitel. Biedermeiers Ehrenrettung kann nicht schlagender -dokumentiert werden, als durch den liebevollen Eifer, der das alte -Gerümpel vom Speicher, wohin es jahrzehntelang verbannt war, wieder -herunterholt und in den schönsten Zimmern aufstellt. Das ist gewiß -ein rührender, herzerfreuender Vorgang, wenn sie wirklich alter -Familienbesitz, wenn sie also echt sind. Zwar werden solche Zimmer, -die vollständig mit altem Hausrat angefüllt sind, den Eindruck eines -Museums machen, aber ein solches Familienmuseum, mit dem sich viele -freundliche Erinnerungen verknüpfen, wird immer ein besonderer Schatz -sein. Weit über den persönlichen Wert hinaus, besitzen sie die -Kraft eines lehrreichen Beispiels, welches für den Ausbau unserer -häuslichen Kultur in großem Sinne vorbildlich ist. Sie sind die -Vorläufer des modernen Möbels. Mit ihrer bezwingenden Einfachheit -und Anspruchslosigkeit waren die Räume geeignet, die Geberden und -Bewegungen jener gemüt- und geistvollen Menschen maßvoll aufzunehmen, -die Stimme des Geistes und Herzens austönen zu lassen, ohne sie durch -den Unrat der Geschmacklosigkeit, durch die Wirrnis von Schnörkel und -Stilbrocken, in denen babylonisch die Sprachen aller Völker und Zeiten -ertönen, zu beschämen und lächerlich zu machen. Aus allen Winkeln -jener Interieurs, zwischen dem ernsten, einfachen Hausrat, hinter den -weißen Gardinen und zwischen den Blumen am Fenster winkt der genius -loci freundlich hervor, und es ist kein Stuhl und kein Schrank, kein -Gegenstand des Gebrauches, der nicht den Geist der Vorfahren trüge, -ihre Taten, ihre Ideale, das Wesen ihrer Persönlichkeit und ihr -Gedächtnis überlieferte. So erscheint uns Späteren das großväterische, -anspruchslose Biedermeierzimmer als das traute Heim von Menschen, -denen die Heimat nicht nur ein Wort oder Begriff war, sondern der -gesetzmäßige künstlerische Ausdruck der Persönlichkeit in den -Gegenständen der Häuslichkeit. Die Interieurs früherer Epochen, die der -Biedermeierzeit vorausgehen, besitzen keine solche Vorbildlichkeit. -Auch nicht das Empire Möbel, in dem die große Historie des barocken -Zeitalters ausklingt. Denn die Voraussetzungen, die jene historischen -Formen geschaffen haben, sind von den heutigen grundverschieden. Hof -und Kirche herrschten auch in Kunst und Kunstgewerbe. Aber es ist für -die Einheit jener Kultur bezeichnend, daß die überladenen Formen, in -welchen das Machtbewußtsein der weltlichen und geistlichen Herrschaft -adäquaten Ausdruck fand, in einem Grade volkstümlich wurden, daß -sie schließlich bis in den einfachsten Haushalt eindrangen, als -Abglanz absolutistischer und sacerdotaler Herrlichkeit. Die Armut der -barocken Originalschöpfungen, die nicht über die Repräsentationsräume -hinausgingen und das persönliche oder private Leben in einem Zustand -der grenzenlosen Verlassenheit beließen, ist noch wenig beachtet. -Dem Parvenu am Ende des Jahrhunderts erging es wie den Kindern mit -dem Märchenkönig: »Wie wohnten doch die Könige schön!« ruft er in -den Prunksälen eines alten Barockschlosses aus, »so möchte ich es -auch haben!« Und alsbald hat er eine stilgerechte Einrichtung, alles -in billigster, banalster Nachahmung. Das Um und Auf der barocken -Interieurs bestand aus Stühlen und Tischen, aus dem Paradebett und dem -Sofa. Im Übrigen wohnten auch die Fürsten in einem denkbar schlechten -Zustand und entbehrten alle Bequemlichkeit, die heutzutage jedem -gewöhnlichen Sterblichen eine selbstverständliche und unentbehrliche -Sache ist. Wer die prunkenden Barockpaläste durchwandert, die von -den alten Adelsgeschlechtern noch bewohnt werden, findet am Ende der -überladenen Prunksäle, gewöhnlich im Obergeschoß, einige einfache, mit -bürgerlicher Behaglichkeit, meistens im Empire- oder Biedermeierstil -eingerichtete Gemächer. Das ist die eigentliche Wohnung des Fürsten. Es -liegt eine feine Ironie in dieser Erscheinung, daß der Fürst, um der -niederdrückenden Wucht seiner Repräsentationspflichten zu entgehen, -seine Zuflucht zur bürgerlichen Schlichtheit und Bequemlichkeit -nimmt, während der Parvenu des 19. Jahrhunderts all sein Behagen -hingibt für das bischen Talmiglanz einer »stilgerechten« Wohnung. -In der Tat mußte der ganze Reigen historischer Stile in atemloser -Hetze wiederkehren, ehe man wieder zu dem vernünftigen Standpunkte -zurückfand, auf dem bereits unsere Großeltern standen. Die ganze -Barocke hat nicht eine Form übriggelassen, die für die heutige Kultur -brauchbar wäre. Sie bedeutet einen Abschluß. Die Revolution hat sie -samt dem ganzen absolutistischen Königtum hinweggefegt. Ein strammer -militärischer Zug geht durch die nächsten Jahrzehnte. Der kaiserliche -Stil trägt den Bedürfnissen der Zeit Rechnung, aber Empire ist noch -sehr aristokratisch. Mit dem Glanz der Napoleonzeit verschwand auch -der Empire-Stil; aus dem Kosmopolitismus und seinem politischen -Katzenjammer flüchtete man ins alte romantische Land, Uhland, -Eichendorff, Schubert weckten die schwärmerische Liebe zur Natur, und -ein Einschlag des ländlichen Elements, wohl auch schon damals der -Einfluß Englands in Modedingen, führte zu den biederben, quadratischen -und zylindrischen Formen des Biedermeier-Möbels, an dem Reminiszenzen -aus dem Barock- und Empire-Stil als dekorative Details hängen blieben. -Das Bürgertum schafft die Formen, die es braucht. Es will nicht -glänzen, nicht präsentieren, sondern bequem und behaglich leben. Es -erfüllt seine Forderungen mit strenger Sachlichkeit und zugleich mit -einem Erfindungsreichtum, der erstaunlich ist. Unsere Möbeltypen -wurden damals geschaffen. Und es bewahrt meistens eine Feinsinnigkeit, -von der wir uns nicht immer einen richtigen Begriff gebildet haben. Es -ist die Zeit Adalbert Stifters. Er ist der vollgiltige Repräsentant -seiner Zeit. Biedermeier im besten Sinne. Er erschließt uns die -Interieurs seiner Zeit, und die Interieurs seiner Traumwelt, und läßt -uns alles miterleben, was wir beim Betreten eines Altwiener Raumes -heute noch nachzuempfinden vermögen. Alle Räume dieser Art sind schwer -zugänglicher Privatbesitz, nur mehr spärlich in Vollständigkeit -erhalten, meistens als Trödelgut verschleudert, da und dort ein Stück. -Die Museen die im Banne der Kunstgeschichte stehen, hielten sich -zu vornehm, diese Dinge zu sammeln, und auch die Lebensart unserer -Großeltern zu zeigen. - -[Illustration: Fenster von Arch. Georg Winkler.] - -[Illustration: Glasfenster von Prof. Kolo Moser.] - -[Illustration: Tür mit Portière von Architekt Max Benirschke, -Düsseldorf.] - -Nun wird die Frage laut, was wir mit diesen verjährten Dingen, die -so freundlich zu uns sprechen, anfangen sollen. Sie nachahmen? Das -hieße ein altes Laster, das wir beim Haupttor hinaustreiben, durch -ein Hinterpförtchen wieder hineinlassen und den Zirkel der Stilhetze -mit diesem letzten Glied schließen. Wie von allem Vergangenen, -trennt uns auch vom Biedermeier eine tiefe Kluft. Dennoch sind diese -Dinge wertvoll durch das Beispiel, das sie lehren. Sie lehren, wie -die Menschen von damals sichs bequem und gemütlich nach ihrer Art -einrichteten, und solcherart zu Ausdrucksformen gelangten, die -organisch aus dem Leben und seinen Forderungen hervorgegangen waren, -vielleicht hie und da ein bischen unbeholfen und schwerfällig, im -ganzen aber unbekümmert, treuherzig und bieder. Sie lehren, daß wir -es auch so machen müssen. Der Lebende behält Recht. Viele Dinge sind -konstruktiv so vollkommen, daß man sie fast unverändert aufnehmen -könnte, wenn nicht unsere Zeit doch wieder ihre eigene Art hätte, -sich auszuprägen. Was uns von Biedermeier trennt, sechzig, achtzig -Jahre einer technischen, sozialen, wirtschaftlichen, künstlerischen -Entwicklung müssen durchgreifende Veränderung des Lebensbildes -herbeiführen. Schämen wir uns der Gegenwart nicht. Während vor dem -Hause das Automobil, das Fahrrad, die elektrischen Bahnen vorbeirasen, -können wir im Innern des Hauses, wo wir alle technischen Vorteile -auszunützen suchen, vom Telephon bis zu den elektrischen Glühkörpern, -nicht den historischen Biedermeier spielen. Das hieße, da wir uns eben -altdeutsch gefühlt haben, eine Rolle mit der anderen vertauschen. Wohl -aber können wir Biedermeier im modernsten Sinne sein, indem wir uns -treu zu dem bekennen, was unserer Zeit gemäß ist, so wie es unsere -Großväter für ihre Zeit getan haben. Dann wird sich von selbst ein -gewisser verwandtschaftlicher Zug mit den vergangenen Dingen der Heimat -herausstellen, wie denn überhaupt alles Echte, aus wirklichem Bedürfnis -Herausgeborene, trotz großer zeitlicher Trennung verwandter ist, als -man denkt. Denn immer ist der Mensch das Maß der Dinge. Auch die Motive -aus alter Kultur wecken in unserem modernen Gefühl ein Echo. - -[Illustration: Pfeiler von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -[Illustration: Pfeiler v. Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -Nicht von oben her wird heute der Stil diktiert, sondern von unten -her. Die heutigen Produktions-Verhältnisse, die Entwicklung der -Technik, der Industrie haben die neuen sozialen Grundlagen geschaffen, -aus denen die moderne Formensprache hervorgegangen ist. Welche -Umwälzung hat z. B. das neue Beleuchtungswesen auf dem Gebiete der -Metallindustrie hervorgerufen! Die Erfindung der Elektrizität allein -hat zu Beleuchtungskörpern geführt, deren Formen aus keiner Tradition -geholt werden konnten. So geht es auch mit den anderen Gebrauchsdingen. -Das Auswachsen der Städte zu Weltstädten hat zu neuen, bis dahin nie -gekannten Lebensformen geführt. Durch das Zusammendrängen so vieler -Menschen an einem Ort und den dadurch bedingten raschen Austausch und -Verbrauch der Güter, hat das Leben eine außerordentliche künstliche -Steigerung erfahren und den Typus des Stadtmenschen verschärft. Aus -diesen Verhältnissen ist eine spezifisch moderne Aufgabe erstanden, -nämlich die: inmitten des rasselnden Getriebes der Fabriken, des -Straßen- und Geschäftsverkehres den Zustand der Wohnlichkeit -herzustellen, Räume zu schaffen, welche die Urbanität der Sitten und -Lebensgewohnheiten verkörpern, und als friedliche Inseln inmitten -des hastigen Welttreibens das Gefühl der Heimat wachhalten. In der -Tat, die moderne Stadtwohnung ist unser jüngstes Problem. Früher -kannte man es nicht. Denn wie wir oben gesehen haben, waren die -Wohnungen der Bürger zuerst von den Ausstrahlungen des Hofes und des -kirchlichen Hochgefühls bestimmt und später von den wechselnden -allgemeinen Zeitideen des Kosmopolitismus, der Romantik und noch -vor einem Jahrzehnt von der Renaissance-Illusion, vom Kultus der -historischen Stile. Weltstädte im gegenwärtigen Sinne sind ein sehr -junges Erzeugnis. Sie haben die Wohnungsfrage neu geschaffen. Der -Kern dieser Frage ist Benützbarkeit, Zweckmäßigkeit, Bequemlichkeit. -Dazu ist die Ausnützung aller modernen Hilfsmittel, aller technischen -Errungenschaften Bedingung, die zu neuen Lösungen führt. Gerade die -praktischen Forderungen des Lebens geben fruchtbare Anregungen zu neuen -Schönheitsmöglichkeiten, die im Wesen der Dinge liegen. Auf diesem Wege -gelangen wir zu dem lange gesuchten volkstümlichen Stil, welcher der -Ausdruck unserer heutigen allgemeinen Lebensformen ist. - -[Illustration: Portière von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -[Illustration: Schablone für Wandmalerei von Arch. Max Benirschke, -Düsseldorf.] - -Die Forderungen, welche die heutige Zeit an die Zweckkunst stellt, -sind in allen Kulturländern dieselben. Aus den Übereinstimmungen -ergibt sich der Zeitstil, dessen wesentliche Merkmale heute sind: -Zurückgehen auf die konstruktiven Elemente, in denen das eherne -Gesetz der Zweckmäßigkeit wirksam ist, sinnfällige Ausnützung der -Materialwerte, welche hier die zusammenfassende Kraft des Eisens, -dort die Weichheit der Fichte, die zähe Wucht der Eiche etc. sichtbar -macht und aus ihren natürlichen Eigenschaften neue dekorative Werte -zieht. Die unmittelbare Anknüpfung an die Natur, an die funktionellen -Bedürfnisse und Gewohnheiten des Menschen schließt grundsätzlich die -Wiederholung gebrauchter historischer Formen aus und eröffnet ungeahnte -Gestaltungsmöglichkeiten, die eine lebendige organische Beziehung zu -unserem Wesen unterhalten. In diesem engen Anschluß an die natürlichen -Forderungen liegt also das Gemeinsame der heutigen angewandten Kunst, -aber zugleich auch das Differenzierende. Die Lebenserfordernisse, -soweit sie in den Gebrauchsdingen des Alltags, in den Gegenständen der -Häuslichkeit zum Ausdruck kommen, sind allgemeiner Natur, wenngleich -sie überall eine andere Sprache sprechen, einen anderen Dialekt. So -spüren wir bald in der allgemeinen Kultur die persönliche, in den -typischen Formen die Individualität, im Zeitstil den Geist der Heimat, -den genius loci. In England, in Deutschland und bei uns wird nach den -allgemeinen Grundsätzen gearbeitet, allerdings überall mit anderen -Ergebnissen. Daran ist die Ortstümlichkeit schuld, die Heimatkultur, -die als Obertöne im modernen Schaffen leise mitschwingen und die -lokale Färbung erzeugen. Das wird schließlich niemand leugnen: wir alle -haben von England gelernt. Das hatte England dem Kontinent voraus, es -besaß von altersher eine ununterbrochene bürgerliche Tradition und -die großen Neuerer in Kunst und Kunstgewerbe fanden von vorneherein -einen Boden vor, auf dem ein gut Gedeihen war. Denn die altenglische -Sitte, daß jeder Bürger sein Haus allein bewohnt, kommt den Absichten -der modernen Kunst hilfreich entgegen. Das ererbte Gut volkstümlicher -Sitten und Anschauungen einerseits, die immense Vorarbeit einzelner -leuchtender Geister, vor allem Dante Rosetti, John Ruskin und William -Morris, sind die Grundlagen der Künstler, die wir heute am Werke sehen. - -[Illustration: Teppich von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -[Illustration: Läufer von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -Immer mehr richten sich die Blicke auf Wien. Dort ist ein neues -Künstlergeschlecht, das zum größtenteil aus der Wagnerschule -hervorgegangen ist, aufgestanden und hat mit selten gesehener Eintracht -und Geschlossenheit die moderne Raumkunst geschaffen. Künstlerisch und -wahlverwandtschaftlich steht es der Gruppe Mackintosh am nächsten. -Es hat den Vorzug der größten Frische und Natürlichkeit. Bei aller -strengen künstlerischen Konsequenz geht ein liebenswürdiger Wienerzug -durch das ganze Schaffen dieser Künstler, die zur Sezession gehören -oder sich zu ihren Anschauungen bekennen. Sie haben sich bereits das -Ausland erobert. Heute verlangt man schon den »Wiener Stil«. Josef -Olbrich hat ihm eine Insel im Ausland geschaffen. Prof. Josef Hoffmann -ist sicherlich die stärkste und konsequenteste Kraft unter den Neuen. -Prof. Kolo Moser schafft Werke von fast femininer Grazie. Vornehm -und zweckvoll sind Leopold Bauers Schöpfungen. Was die Schulen von -Prof. Hoffmann, K. Moser, A. Roller, Baron Mirbach, A. Böhm auf allen -Gebieten des Kunstgewerbes und der häuslichen Kunst leisten, wird -bahnbrechend wirken. Zahlreiche Schüler sind erfolgreich im Auslande -tätig. Unter diesen verdient Max Benirschke in Düsseldorf besondere -Erwähnung. Die Architekten und Kleinkunst gehen hier Hand in Hand und -erreichen solcherart die bewundernswerte Einheit eines Stils, der -unmittelbar aus dem Leben quillt und für das Leben schafft. Die moderne -Wohnung und ihre Ausstattung wird solcherart, ob sie nun einfachen oder -leichten Verhältnissen entspricht, den Stempel einer vornehmen Kultur -tragen, die Wesenszüge einer geschmackvollen, gebildeten, modernen -Persönlichkeit. - -[Illustration: Diverse Läufer aus Bast von Architekt Hans Vollmer, -ausgef. Prag-Rudniker Korbwarenfabrikation.] - - - - -[Illustration: Läufer aus Bast. Prag-Rudniker Korbwarenfabrikation.] - - - - -Schmücke dein Heim! - - -Wohnräume spiegeln immer den Geist ihrer Bewohner. Gleichviel, ob sie -mit reichen oder geringen Mitteln ausgestattet sind. So werden sie zu -Verrätern, und der überflüssige Aufwand, der sogenannte Luxus, der -vielfach für Geschmack genommen wird, offenbart nur zu oft, was er eben -zu verhüllen strebt: die Geschmacklosigkeit. Das ist eine kapriziöse -Geschichte: Geschmack ist nicht immer für Geld zu haben. Auch nicht -für viel Geld. Die ärmste Hütte kann reicher sein als der prunkende -Palast. Denn Seelenadel kann auch unter dem fadenscheinigen Kleid -und unter dem rauhen Bauernkittel wohnen. Sicherlich wird er auf die -Umgebung ausstrahlen, auf die nächste häusliche Umgebung, und dort im -Stillen wirken. Ganz unauffällig, groben Sinnen nicht wahrnehmbar. -Das »Seelische« ist es, was an den Wohnräumen interessiert, das, was -menschlich an ihnen ist. Nicht wie sie eingerichtet, ob kostbar, -ob ärmlich. Wenn ich in einem weissgetünchten Bauernhaus sorglich -gepflegte Blumen am Fenster sehe, möchte ich am liebsten verweilen. -Wie man bei lieben, guten Menschen verweilt. Die kahlste Stube, darin -Reinlichkeit herrscht und ein paar Topfgewächse stehen oder ein -Blütenzweig im Glas, birgt einen Strahl von Schönheit wie heimliches -Licht. - -[Illustration: Möbelstoffe von Backhausen & Söhne, Wien, nach Entwürfen -von Arch. Fr. Dietl und Max Benirschke.] - -[Illustration: Möbelstoffe von Backhausen & Söhne, Wien, nach Entwürfen -von Prof. Joseph Hoffmann, Max Benirschke und Leopold Bauer.] - -[Illustration: Möbelstoff von Prof. Joseph Hoffmann, ausgeführt von -Backhausen & Söhne, Wien.] - -Allein das Zeugnis, das die Wohnungen für die persönliche Kultur -der Besitzer ablegen, ist nur in seltenen Fällen ein günstiges. -Ich habe die Wohnungen aller Stände gesehen und vor allem des -Mittelstandes, der den Hauptteil der Stadtbevölkerung ausmacht, und -ich habe fast durchwegs nur Variationen eines Themas gefunden, das -nichts Erquickendes bot. Auf die falsche Note des erborgten Luxus, -der den Schein höher stellt als das Sein, ist heute noch das meiste -gestimmt. Auf jeder Schwelle, die ich überschritt, hatte ich die -Empfindung, als schallte mir eine widerliche Reklamestimme entgegen: -»Schmücke Dein Heim!« Den traulichen Blumenflor, der uns die lebendige -Natur, den Frühling in die Stube zaubert, fand ich ersetzt durch -die künstliche Palme, eine erbärmliche Karikatur, die ihre starren -Blätterfinger verzweiflungsvoll nach allen Richtungen ausstreckt in -der offenbaren Absicht, das Makartbouquet traurigen Angedenkens an -Geschmackswidrigkeit zu übertrumpfen. Das beleidigte Auge, das sich -von diesem unwürdigen Anblick weg zum Fenster wendet, begegnet dort -einer neuen Schmach. Wohlfeile, klägliche Imitationen der Glasmalerei -hängen an den Scheiben und wehren dem spärlichen Tageslicht in den -engen, düsteren Gassen den Zutritt in die dämmerigen Stadtwohnungen. -Resigniert lasse ich mich auf die ach, so wohlbekannte Ripsgarnitur -nieder. Doch es könnte auch eine Plüschgarnitur sein oder eine solche -aus Halbseidendamast. Denn ich sehe sie nicht. Sie ist über und über -bedeckt mit Milieux und Schutzdeckerln aller Art, welche die »züchtige -Hausfrau, die Mutter der Kinder« in den langen Jahren des heiligen -Ehestandes gestickt und gehäkelt hat. Als ich mich wieder erhebe, habe -ich die Proben des häuslichen Kunstfleisses auf meinem Rücken hängen. -Die verlegene Miene der Hausfrau steigert meine eigene Verlegenheit, -als ich inne werde, dass die ausgenähten Lappen das Angenehme mit dem -Nützlichen verbinden, und nicht nur das Heim »schmücken«, sondern auch -als cache-misère die Blössen der verschossenen und zerschlissenen -Garnitur sorgsam verhüllen sollen. Ich bücke mich rasch, um die -verstreuten Fetzen aufzulesen, aber da hätte ich beinahe das Unglück -gehabt, von der nahen Konsole das Gelump des unnützen Kleinkrams, jene -»Kunstgegenstände« und Geschenkartikel, die wir aus den Schaufenstern -der Kronenbazare kennen, die niedlichen Schweinchen, Figürchen, -Tellerchen aus Glas und Porzellan, die für wenig Geld viel Geschrei -machen, herabzuwerfen und damit das Odium eines ungefügen Barbaren -auf mich zu lenken. Ich brauche kaum zu sagen, dass mich die erlogene -Eleganz verstimmte, dass mich die Enge drückte und dass die beständige -Gefahr, ein Unglück anzurichten, mein Benehmen unfrei und linkisch -machte. Aber ich fand es nirgends besser. Durchwegs Räume mit mehr oder -weniger Luxus, die unseren Geist und unseren Leib fesseln, die nicht -geeignet sind, unsere Bewegungen und Geberden maßvoll aufzunehmen, die, -angefüllt mit dem Unrat der Geschmacklosigkeit und einer babylonischen -Wirrnis von Stilbrocken und Schnörkeln, den Sinn für Einfachheit, -Wahrhaftigkeit und Echtheit ertöten. Ich nehme keinen Becher zur -Hand, ohne den Leib eines Mönchleins oder Gnomen zu umschliessen, -jeder Zigarrenabschneider wird mit dem Kopf Bismarck’s oder Moltke’s -maskiert, jedes Gefäss ist überladen mit Blattwerk und Guirlanden, -die Wände sind angefüllt mit schlechten Bildern, Fächern, japanischen -Schirmen und Photographien. - -[Illustration: Bordüre von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -Die freundlichen Hausgötter der Gastlichkeit und Geselligkeit pflegen -nicht in Räumen zu wohnen, wo die Persönlichkeit sich im Widerspruch -zur häuslichen Umgebung befindet und wo selbst die Inwohner Fremdlinge -sind. Fremdlinge im eigenen Heim. An einem Herde ist nicht gut -rasten, wo unaufhörliche Dissonanzen herrschen. Die Talmi-Eleganz -unserer bürgerlichen Wohnungen, die unter der Devise »Schmücke dein -Heim!« stehen, all die billige Effekthascherei, all der anscheinende -Komfort, der keiner ist, weil er nur des Scheines wegen da ist, und -nur Plage macht, ohne für etwas gut und nützlich zu sein, mit einem -Wort: das Großtun, das ist die unaufhörliche Dissonanz. Wer mit feiner -Witterung begabt ist, spürt das schon an der Türschwelle. Und all -die Nichtigkeiten, die nur da sind, um über den wahren Zustand zu -täuschen, werden zu den schreiendsten Anklägern. Kann man wirklich -von dem »Geist« oder »Charakter« solcher Wohnräume auf das Wesen der -Menschen zurückschliessen und den einzelnen verantwortlich machen? Man -bedenke: ein Zahnarzt glaubt es sich schuldig, einen Empfangssalon à -la Louis XV. zu besitzen. Die Sache muss möglichst billig sein, darum -ist auch das Schlechteste gut genug. Aber immerhin, man sieht doch, -dass man auch wer ist! Vor einem ernsten Urteil wird der Zahnarzt kaum -als geschmackvoller oder auch nur als gebildeter Mann bestehen. Aber -seine Entschuldigung ist, dass es den Leuten gefällt, und die Masse -gibt Richtung. Im Grossen wie im Kleinen. Sie macht die Mode. Und sei -diese noch so absurd, ihrer suggestiven Kraft wird sich der Einzelne, -der Durchschnittliche, kaum entziehen. Man spricht vom Zeitstil und von -Kulturströmung, die eine Epoche charakterisiert. Der Einzelne folgt -dann seinem Herdeninstinkt. So mag man, wenn man nachsichtig sein will, -den ganzen Skandal von Lüge und Täuschung, von schäbiger Eleganz und -erlogener Vornehmheit, der in Geschmackdingen seit gut dreissig Jahren -herrscht, jener unpersönlichen Abstraktion, die man Zeitgeist nennt, -zuschreiben. - -[Illustration: Flächenmuster von Architekt Max Benirschke, Düsseldorf.] - -Aber schließlich müssen es doch wieder die Einzelnen sein, die eine -Wendung anbahnen. Im richtigen Verstande müsste der marktschreierische -Imperativ »Schmücke dein Heim«! einen Widerwillen erzeugen, der zum -tüchtigen Kehraus führt. Die Schmucklosigkeit wäre zunächst der grösste -Schmuck, die Befreiung von dem angepriesenen putzmachenden Tand. Man -brauchte nur damit zu beginnen, statt der künstlichen Pflanzen lebende, -echte ins Zimmer zu bringen, um Freude an ihrer Echtheit und ihrem -Gedeihen zu gewinnen, und eine Revolution ist eingeleitet. Zuerst -würden die schweren, verdunkelnden Stoffgardinen fallen, um wieder -Licht und Luft in die dumpfen Räume einzulassen. Wir müssten den echten -Blumen, so wir sie erhalten wollen, dieses Opfer bringen, und es -wäre eine gerechte Wiedervergeltung, denn gerade diese verdüsternden -Stoffgardinen waren es, die zur Zeit, als der Makartsche Atelierstil -Mode wurde, unsere Blumen verdrängt haben. So nun aber das clair-obscur -jener romantischen Rembrandt-Stimmung vor der Tageshelle gewichen ist, -entpuppt sich die Lächerlichkeit des Stimmung machenden Krimskrams an -den Gesimsen, all der Krüge, die keinem Gebrauch dienen, die weder -Wasser noch Wein fassen, der Vasen, die keine Blumen aufnehmen können, -der Teller, die zu keiner Mahlzeit verwendet werden können, und die -sich als dürftiger Gschnas vor dem hellen Tage schämen, als nicht -minder die dunkel gehaltenen Wände, die so beliebt sind, weil man den -Schmutz darauf nicht sieht. Im Schmutze leben, das macht nichts, nur -sehen darf man ihn nicht! - -[Illustration: Glasluster für elektr. Licht von Arch. Leopold Bauer.] - -[Illustration: Beleuchtungskörper von Architekt Max Benirschke.] - -Nun aber wird der ob seiner Nichtigkeit entlarvte Prunk unerträglich, -und es beginnt ein lustiger Umsturz, vor dem nichts niet- und -nagelfest ist. Vom Hundertsten käme man ins Tausendste. Vom Fenster -zu den Wänden und den Bildern, und von diesen zu den Möbeln, bis ins -Kleinste herab. Es ist fast unabweislich, in allen Einzelheiten des -Wohnraumes die neue Wohnungsästhetik zu erhärten. Der Ausgangspunkt -dieser neuen Ästhetik aber ist, dass wir allen sogenannten Luxus aus -unseren Häusern fortschaffen und zur Aufrichtigkeit und Einfachheit -zurückkehren, wenn wir wollen, dass die Kunst wieder im Hause beginne. -Epochen mit hochentwickelter volkstümlicher Kultur haben gezeigt, daß -die Kunst immer vom Hause ausgeht und von hier aus auch das äußere -Leben ergreift. Darum muß unsere Sorge darauf gerichtet sein, daß wir -nicht die goldene Regel verletzen, die uns William Morris gegeben: -»_Behalten Sie nichts in ihrem Heim, wovon Sie nicht wissen, daß es -nützlich ist, wovon Sie nicht glauben, daß es schön ist!_« - -[Illustration: Die obere Partie einer Sitzecke mit elektrischen -Beleuchtungskörpern von Arch. Max Benirschke.] - - - - -Die Ästhetik der Mietswohnung. - - -[Illustration: Elektr. Beleuchtungskörper v. Professor Joseph Hoffmann.] - -[Illustration: Ofen von Arch. Georg Winkler.] - -[Illustration: Kamin von Architekt Max Benirschke.] - -[Illustration: Kaminwand von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -Daß die Hausarchitektur im Zeichen des Umschwunges steht, wird niemand -mehr leugnen. Die Architektur, die schwerfälligste aller Künste, folgt -dem neuen Zug freilich zuletzt, denn sie hat nicht nur das größte -Trägheitsmoment, das Schwergewicht der Gewohnheit, sondern auch die -Gewissenlosigkeit des Bauspekulantentums und die Gleichgiltigkeit des -Publikums zu überwinden. Das leichtbewegliche Kunstgewerbe, das heute -führend vorangeht, konnte viel schneller das Feld erobern, und man -kann sagen, daß die Schwenkung, die auch im Hausbau zu spüren ist, -vom Kunstgewerbe veranlaßt, ja fast erzwungen worden ist. Denn das -Kunstgewerbe verlangt einen festen Stützpunkt, eine Führung, einen -Halt, und diesen kann nur die Architektur geben. Im Einzelwohnhaus -ist da und dort dieser ursächliche Zusammenhang von Architektur -und Handwerk, von Raum und Möbel, zwar schon hergestellt oder doch -angebahnt, aber im Miethaus der Stadt, also in der Stadtwohnung, -deren ästhetische Durchbildung doch eine der nächstliegenden Aufgaben -ist, sind wir nicht immer so glücklich daran. Wie notwendig es ist, -dass Kunstgewerbe und Hausbau Hand in Hand gehen, und wie eines -ohne das andere nicht bestehen kann, will ich an einem typischen -Fall nachweisen, der auf hunderte von Beispielen paßt, die sich in -der Stadt von Tag zu Tag mehren. Jemand war des im Mittelstande -eingebürgerten Atelierstils, des Markartbouquets, der künstlichen -Palme und der verpöbelten Renaissancemöbel überdrüssig, er entfernte -die Stoffgardinen, um wieder Luft und Licht in den dämmerigen Raum -zu lassen, Zimmerpflanzen ziehen zu können und Freundlichkeit zu -verbreiten. Aber die braunen Möbel vertragen die Helligkeit nicht, -ihre Häßlichkeit und Unzweckmäßigkeit, die Erbärmlichkeit des ganzen -unechten Luxus wurde mit einem Male unerträglich und sie wurden -ersetzt durch jene gefälligen neuen Möbel, deren Wesen Einfachheit -und Natürlichkeit ist, und die in dem sogenannten Biedermeiermöbel -unserer Groß- und Urgroßeltern vorgebildet waren, die also gewiß nichts -Fremdartiges, sondern etwas durchaus Heimatliches, Bodenständiges, -Trautes waren. Aber es nützt nicht, daß man den neuen Wein in die alten -Schläuche füllte. Das Mißverhältnis zwischen Raum und Möbel trat dann -erst grell zutage. Die Möbel waren gewiß zwecklich formal gebildet, -aber die Zimmer! Das Raumausmaß war groß genug und dennoch konnte man -nichts unterbringen. An ein geschmackvolles Stellen der Möbel war nicht -zu denken. Daran waren die Türen und Fenster schuld. Denn es gehört -schon einmal zu dem eingebürgerten Begriff von einer Stadtwohnung, -daß ein Zimmer zwei Fenster haben muß. Die Fensterwand geht natürlich -fast verloren, denn links und rechts bleibt kein nennenswertes Stück -Wand, und es erübrigt nur noch der Pfeiler, der einen dunklen Schatten -mitten ins Zimmer wirft. Die Beleuchtung wird dadurch noch schlechter, -daß die Fenster das Hauptlicht nicht von oben her geben, sondern von -den untern Flügeln, so daß nur der Fußboden vor dem Fenster die -Helle empfängt, was für das Auge das denkbar ungünstigste ist. Die -einfachste und natürlichste Lösung wäre nun die, ein einziges etwas -breiteres in der Mitte anzubringen, wobei nicht nur eine ausgezeichnete -Belichtung erzielt werden kann, sondern auch links und rechts tiefe -Ecken gewonnen werden, die es gestatten, gewisse Möbelstücke, das Sofa -zum Beispiel, quer anzuordnen, oder die Nische so auszubauen, daß das -Gefühl der Geschlossenheit und Geborgenheit erhöht wird. Viel ist auf -diese Weise gewonnen, aber noch lange nicht alles. Denn da sind noch -die Türen, die unseligen großen Flügeltüren, deren manches Zimmer drei -besitzt, und die von jeder Wand ein erhebliches Stück wegnehmen. Man -behalf sich früher mit einer Draperie, um sie wenigstens dekorativ -zu gestalten, was im Wohnraum einen nichts weniger als sympatischen -theatralischen Eindruck macht. Aber immer noch besser als die nackten, -überflüssig hohen und breiten Palasttüren mit dem widersinnigen braunen -Anstrich und der ebenso widersinnigen künstlichen Maserung. Daß der -Raum auch geräumig werde, günstige Raumverhältnisse besitze, hängt -also nicht allein vom Fenster, sondern auch von der Lage und Größe -der Türen ab. Das sind die zwei Angelpunkte, um die sich die neue und -vernünftige Raumgestaltung dreht. Noch ist dadurch fast gar nicht der -Grundriß tangirt, noch ist fast keine Forderung an den Erfindungsgeist -der Architektur gestellt, sondern erst ganz einfach eine gewisse -Empfindungsfeinheit verlangt, ein Mitgefühl für die Menschen, die in -den Räumen wohnen, und darinnen die Möglichkeit finden sollen, ihr -Leben behaglich zu gestalten. Es ist ja wahr, die meisten Menschen -verlangten die bisherigen Wohnungen gar nicht besser, sie haben nicht -das Bedürfnis, ihre Umgebung künstlerisch gestaltet zu sehen, aber -das hindert nicht, daß der Architekt, wofern er ein Künstler ist, den -früher oder später ja doch eintretenden künstlerischen Bedürfnissen -vorarbeiten und dergestalt die Prämissen einer höheren Kultur schaffen -soll. Für diese Kulturarbeit ist der Architekt einer der wichtigsten -Faktoren, und man kann sagen, ohne ihn kann nichts geschehen. Aber die -Empfindungsfeinheit, die von dem künstlerischen Architekten (der andere -kommt nicht in Betracht) verlangt werden muß, wird bei dieser Tat -nicht stehen bleiben. Er wird die bürgerlichen Menschen nicht allein -von dem überflüssigen und daher schädlichen und geschmackverderbenden -Luxus, der sich in den billigen albernen Ziraten oberhalb der Tür -und in den rein äußerlichen nur auf die Außenerscheinung berechneten -Zutaten an den Fenstern äußert, befreien, sondern er wird auch sein -Auge auf die Wände, den Boden und die Decke, endlich auf den Anstrich -der Holzteile richten, er wird die Teile nicht der Obsorge des -Zimmermalers und Anstreichers überlassen, die in Geschmacksdingen -auf dem tiefsten Niveau stehen; er wird vielmehr auch hier seinen -Einfluß geltend machen und damit das niedere Handwerk wieder heben. -Denn alle Handwerkskünste sind Bestandteile der Architektur. Es hat -sich gezeigt, daß die braunen Tür- und Fensterteile, die rote, grüne -oder sonst irgendwie schmutzigfarbene Ausmalung mit den so hässlichen -Dessins jedes anständige Möbel umbringen. Nun ist die Farbenempfindung -bei der großstädtischen Menschheit ein verlorenes Gut. Jeder Bauer im -Gebirge ist uns darin überlegen. Weil aber jede ästhetische Frage im -Kern eine praktische ist, so läßt sich dieser Sache vielleicht von der -hygienischen Seite beikommen. Warum sind die dunklen Schmutzfarben -unserer Wände so beliebt? Es ist schon gesagt worden. Weil man den -Schmutz darauf nicht sieht. Überdies ist das wiederholte Neuausmalen -oder Tapezieren für den kleinen Mann zu kostspielig. Einer solchen -kulturwidrigen Vornehmtuerei auf Kosten der Reinheit und Hygiene soll -in unseren Häusern nicht Vorschub geleistet werden. Man fragt sich oft, -warum unsere Wohnungen nichts Weißes enthalten. Warum hat man Wände -und Decke nicht im einfachen Weiß, mit einem schönen Fries, so daß man -sie um billiges Geld jährlich einmal frisch tünchen kann? Die Leute -vor 80 Jahren, die noch eine feine Kultur besaßen, haben Fenster und -Türen weiß gestrichen. Sie hatten auch weiße Gardinen und Topfpflanzen. -Die Bauern in vielen deutschen Gegenden haben das noch. Und wie -traut sind solche Räume! diesen Sinn für Reinlichkeit und Helligkeit -muß man wiederbeleben, sonst ist nicht vorwärts zu kommen. Altwien -besaß hübsche im Bogen ausgebauchte Fenster, die mit Geschick wieder -verwertet werden können. Dabei ist Bedacht zu nehmen, daß im Fenster -Blumen gezogen werden können, denn die allmählig wiedererwachende -Blumenfreude ist ein wichtiger Kulturfaktor und ein erfreuliches -Symptom der Rückkehr zur Natürlichkeit und Echtheit. Der Architekt -muß alle diese halbbewußten Regungen mit feinen Sinnen erfassen und -verwerten. Es gehört viel Liebe und Geduld und Menschenfreundlichkeit -dazu, aber ohne diese Eigenschaften ist in der Kunst nichts zu machen. -Nur das Mitgefühl, das Mitleben kann Formen schaffen, die nichts -Äußerliches sind, wie die Stuckherrlichkeit moderner Zinskasernen, -sondern etwas, das von innen nach außen gewachsen ist, und unsere -bisherigen Hundelöcher wieder in menschenwürdige Wohnungen umwandelt. -Auf diesem Wege dürften sich auch die notwendigen Grundrißänderungen -ergeben. Die Badezimmer, die heute schon bei kleineren Wohnungen zu -finden sind, sollten als Annex des Schlafraumes ausgestaltet werden. -Denn es ist widersinnig und gesundheitsgefährlich, aus dem Baderaum -durch das gewöhnlich sehr kalte Vorzimmer in den Schlafraum und -umgekehrt gehen zu müssen. Diese und noch viele Änderungen können -geschehen, ohne daß die Ertragsfähigkeit des Hauses nur im mindesten -herabgesetzt wird. Daß wir trotzdem das moderne Mietshaus noch nicht -haben, ist vielmehr eine Folge der herrschenden Teilnahmslosigkeit der -Bauherrn und des Publikums, das noch nicht gelernt hat, Bedürfnisse zu -haben. Die Mitarbeiterschaft von dieser Seite her ist freilich nicht zu -entbehren. - -[Illustration: Heizkörper-Verkleidung von Professor Joseph Hoffmann.] - -[Illustration: Fries und elektr. Beleuchtungskörper von A. -Sumestberger.] - - - - -[Illustration: Wandfries von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - - - - -Wände und Decke, Vorhänge und Teppiche. - - -[Illustration: Decke mit Schnürlarbeit von Mizzi Ebers (Kunstschule für -Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm).] - -[Illustration: Decke mit Schnürlarbeit von Paula Roth (Kunstschule für -Frauen und Mädchen Wien, Prof. A. Böhm).] - -[Illustration: Perlenstickerei auf Leinen von Minka Podhayska -(Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm).] - -[Illustration: Perlenstickerei auf Tüll mit Applikation von Minka -Podhayska (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm).] - -Zu den schweren geschnitzten Kassetten-Decken altdeutscher Stuben -passte dunkles Getäfel der Wände und die Ledertapete. Wo man sie heute -noch im Bürgerhause vorfindet, ist sie nicht dem modernen Gefühl, -sondern einer posthumen Butzenscheibenromantik, die noch immer nicht -ausgestorben ist, entsprungen. Wie es noch Wotansenkel im schwarzen -Salonrock gibt, die wie die alten Deutschen »immer noch eins trinken«, -so gibt es eine große Kategorie, die in ihrer Gefühlsweise bei Hans -Sachs stecken geblieben ist und Räume liebt, »wo selbst das liebe -Himmelslicht trüb durch gemalte Scheiben bricht«. Die Sache gehört -ins Museum, wo man sie billig bewundern mag. Im Alltag und im grellen -Licht der Gegenwart sind solche abgestorbenen Lebensformen immer von -Übel. Abgesehen davon, daß in Mietswohnungen eine solche pompöse -Sache nur auf den Schein berechnet sein kann und eine Lüge ist, -weil in solchen Wohnungen, wo wir eigentlich immer auf dem Sprung -stehen, nichts von Ewigkeitsdauer geschafft werden kann, außer was -sich leicht fortschaffen, auf einem Möbelwagen verpacken und in einer -neuen Wohnung ebenso leicht und gefällig wieder aufstellen läßt. Auf -ein gewisses Nomadentum ist unser Leben in Mietswohnungen gestellt. -Aus ökonomischen, sozialen und hygienischen Gründen ergibt sich die -neue Ästhetik, die für unsere Wohnung glatten und weißen Verputz an -Wänden und Decke verlangt, die je nach Geschmack mit schablonirter -Malerei oder Tapete bedeckt wurden. Damit war aber zugleich ein freier -Spielraum für die gefährlichsten Ausschweifungen der künstlerischen -Phantasie unserer Tapezierer- und Zimmermalerjünglinge gegeben. -»Vernunft ward Unsinn, Wohltat Plage.« Das Ungeheuerlichste, -Wahnwitzigste ward Mode, wenn es unter der Flagge einer falschen -»Sezession« segelte. Auch diese Modekrankheit mußte überstanden werden -und schließlich setzte sich die Arbeit ernster und tüchtig vorwärts -strebender Künstler beim Publikum durch. Große Firmen der Tapeten-, -Teppich- und Textilbranche suchen die Entwürfe solcher Künstler -zu erwerben und Geschmackvolles in den Handel zu bringen. Heute -spürt man im großen Publikum schon ein erfreuliches Bestreben nach -vornehmer Einfachheit, das nur des Entgegenkommens künstlerischer und -industrieller Kreise bedarf, um zu einer allgemeinen Niveauerhöhung -des Geschmacks zu führen. Man zieht es vor, die Wände und Decke -entweder einfach zu weißen oder färbig zu streichen und einen hübschen -Fries aufzusetzen oder mit entsprechender Tapete zu bekleiden. Bei -der Wahl der Farbe wird Bedacht genommen, daß zur Farbe der Möbel -die Wände und Decke einen komplementären Gegensatz bilden, der die -Möbelstücke hervorhebt und mit diesen, was die farbige Erscheinung -betrifft, ein harmonisches Ganzes darstellt. Dem Dessin von Tapeten -oder schablonierten Wänden steht man mit Recht mißtrauisch gegenüber, -weil es sehr viel Takt erfordert, das Rechte zu finden, das diskret -genug ist, als Hintergrund von Möbel und Bildern nicht unruhig und -anspruchsvoll zu wirken und die Harmonie zu stören. Im allgemeinen gilt -auch für die gemusterten Wandflächen die Regel, daß sie in Farbe und -Zeichnung als bloße Fläche und Untergrund, der für sich allein keine -Geltung beanspruchen darf, zu wirken hat. Daß man die hellen Farben -vorzieht, ist in dem modernen hygienischen Bedürfnisse begründet, das -nach Licht und Luft heischt, die in der Stadt kostbare Güter sind. Aus -diesem Grunde hat man die Stoffgardinen durch Vorhänge aus leichtem -dünnen Zeug ersetzt, indischer Seide oder Leinen mit Aufnäharbeit, -daran sich der Kunstfleiß der Hausfrau zeigen mag. Für Aufnäharbeit -geben die Leistungen moderner Künstler und Kunstschulen glänzende -Vorbilder. Man wählt natürlich auch für diese leichten Vorhänge helle -Farben, entweder weißes Leinen, oder, wenn es sich um durchsichtige -Gaze oder indische Seide handelt, auch orange Farbe, die einen goldenen -Schein ins Zimmer legt. Die Vorhänge hängen in geraden, schlichten -Linien herab, sind seitlich zu ziehen und laufen in Ringen offen an -einer Messingstange. - -[Illustration: Decke mit Kreuzstich von Elisabeth Toffler (Kunstschule -für Frauen u. Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm).] - -[Illustration: Decke mit Bändchenarbeit von Paula Roth (Kunstschule für -Frauen u. Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm).] - -Auch der Teppich ist auf diese anheimelnde einfach vornehme -Gesamtwirkung gestimmt. Es ist aber durchaus nicht »stilwidrig«, in -einem solchen Raum einen echten Perserteppich aufzubreiten. Überhaupt -was ist Stil? Wenn irgend ein antikisierender in Holz geschnitzter -Fries, bald auf Schränken und Betten aufgetragen und auseinandergezerrt -und dann wieder auf Nachtkästchen schmal zusammengedrängt wird, so -nennt man das im Möbelhändlerverstande »stilgerecht«. Wenn aber jemand -in seiner Wohnung heterogene Dinge zusammenträgt, die ihrer Entstehung -nach, räumlich und zeitlich, sehr getrennt sein mögen, aber durchaus -echt sind, so ergibt sich vermöge dieser Echtheit eine gewisse Einheit -und diese Einheit kann man füglich Stil, vielleicht den einzig wahren -und naturgemäßen Stil nennen. Darum beleidigt es unser Empfinden -nicht, wenn wir in der neuen Wohnungs-Ausstattung einen echten Perser -und an den Wänden gar echte Gobelins vorfinden. Die orientalischen -Teppiche haben schöne geometrische Muster und die liegen uns ästhetisch -wahrhaft näher, als alle plumpen Pflanzenstilisierungen, die man in -der wohlfeilen Teppichfabrikation antrifft. Überdies hat die Moderne -auch passende Teppiche geschaffen, die in ruhigen Farben gehalten sind, -eine strenge geometrische Zeichnung oder irgend eine phantasievolle -Linienführung aufweisen und die Stimmung solcher Räume harmonisch -abschließen, Teppiche von Kolo Moser, Josef Hoffmann, Josef Olbrich, -Leopold Bauer, Peter Behrens, Max Benirschke u. v. a. - -[Illustration: Vitrage mit Stilstich von Paula Roth (Kunstschule für -Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm).] - -Die weiblichen Handarbeiten, die in diesem Zusammenhange erwähnt werden -müssen, bedürfen gleichfalls einer künstlerischen Reform. Hier sollte -eigentlich der Ausgangspunkt der häuslichen Kunstpflege sein. Leider -hat auf diesem Gebiete die Schablone jede Regung von Selbständigkeit -und Geschmack erstickt. Die Arbeit ist zu einer ermüdenden, tötlich -langweiligen Übung, zum bloßen mechanischen Ausnähen von allerlei -Lappen herabgesunken und rechtfertigt die Verachtung, mit der die -radikal Gesinnten die geistlose Beschäftigung ablehnen. Trotzdem sind -sie nicht zu entbehren. Sie werden wieder ein Segen sein, wenn die rein -mechanische Handarbeit zur künstlerischen Arbeit geadelt ist, was der -Fall sein wird, wenn die »handarbeitenden« Frauen die Muster, die sie -ausführen, selbst entwerfen auf Grund klarer Kenntnis der Technik, des -Materials und des Zweckes. - - - - -[Illustration: Leinentischläufer mit Knoten und Stilstich von Paula -Roth (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm).] - - - - -Lichtkörper und Heizkörper. - - -[Illustration: Wartezimmer von Arch. Hans Stubner.] - -Die moderne Lichtquelle, Elektrizität, hat zu Beleuchtungskörpern -geführt, deren Form keinem Vorbild entlehnt werden konnte, sondern -aus der Natur der Sache geschöpft werden mußte. Hier kann man die -lehrreiche Wahrnehmung machen, daß solchen rein sachlichen Lösungen -ein großer dekorativer Reiz innewohnt. Glühlampen an Leitungsdrähten -in wohlgemessenen Abständen von der Decke herabhängend, können durch -ihre Anordnung allein höchst erfreulich wirken. Hier bedarf es keines -weiteren Ornaments. Würde ein solches hinzutreten, so dürfte es leicht -störend empfunden werden. Die Tatsache, daß aus rein sachlichen -Lösungen die glücklichsten dekorativen Wirkungen abzuleiten sind, ließe -sich an allen bisher üblichen Beleuchtungskörpern demonstrieren, an -denen wir leider gewohnt sind, ein Übermaß der unsinnigsten Ornamente -zu sehen. Eine sachlich gelöste Petroleumlampe, die durch zweckmäßige -Form allein edel wirkt, gehört, wenn sie wirklich vorkommt, zu den -größten Seltenheiten. Für den Künstler ist hier noch immer ein Feld -offen. Für Gasbeleuchtung sind moderne Beleuchtungskörper geschaffen -worden, aus Metall und Opalscentglas, die formal zu den Schönsten -gehören, das wir in diesem Genre besitzen. Dagegen kommt es vor, -daß den Kerzenweibchen oder ehemaligen Kerzenlustern elektrische -Glühlampen aufgesetzt werden, die auf imitierten Kerzenschäften -stehen und solcherart den Anschein einer wirklichen Kerzenbeleuchtung -erwecken. Es können immer Fälle vorkommen, bei Festessen z. B., -wo man sich lieber der edelsten Lichtquelle, der Kerze selbst -bedient, die wie kein anderes Beleuchtungsmaterial geeignet ist, -Festweihe und feierlichen Glanz zu verbreiten. Dann aber sollen es -wirkliche Kerzen sein. Aufrichtigkeit und ehrliches Bekennen, also -hier Materialbekennen, sind Grundlage jedes gesunden Geschmacks. An -elektrischen Tischglocken, Tastern, Lichtträgern und Leuchtern hat -die neue Zeit viel geschaffen. Aber auch hier ist vor einer gewissen -Überkunst zu warnen. Rein sachliche und geschmackvolle Lösungen sind -selten. Es muß dahin gestellt bleiben, ob es ein glücklicher Gedanke -ist, mit dem Zweckbegriff eine figurale Darstellung zu verbinden, die -mit der Sache eigentlich nichts zu tun hat. Wir sehen Leuchter in -Gestalt von Lichtträgerinnen, weibliche Gestalten, die Kerzen tragen, -bald schwer belastet, bald mit geschlossenen Augen hinschreitend, -als Symbol der Nacht, dann emporschwebend wie die züngelnde Flamme -oder hingekauert, den Kerzenschaft wie eine Säule umklammernd. Der -Plastiker lebt sich nur aus, wenn er an den Gebrauchsgegenständen, die -er formt, seine figuralen Ideen verkörpern kann. Unzählige Symbole -leitet seine Phantasie aus dem Lichtmotiv ab und umrankt es mit dem -üppigen Gespinnst seiner Formerfindung. Diesen Dingen gegenüber, die -ja zum Teil auch wirkliche Schönheit offenbaren, ist der Standpunkt -fernzuhalten, daß ein sehr gebildeter und disziplinirter Geschmack -die streng sachlichen Formen an allen Gebrauchsdingen vorzieht, damit -die eigentlichen Kunstwerke, die sich im Raum befinden, zu jener -unbestrittenen Geltung kommen können, die ihnen zukommt. - -[Illustration: Warteraum von Arch. Alois Hollmann.] - -[Illustration: Halle von Arch. Alois Hollmann.] - -[Illustration: Vorzimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -In Bezug auf die Heizkörper ist ähnliches zu sagen. Frühere Zeitalter, -die u. zw. Renaissance vor allem, hat Öfen gehabt, an denen die Freude -am Ornament wahre Orgien feierte. Jeder Kachel trug ein anderes -Ornament, eine andere figurale Darstellung, eine andere Farbengebung. -Das ganze war ein Wunderbau wie der babylonische Turm. Im Zeitalter -des Barock, Rokoko und Empire begegnet man weiß glasirten Öfen in -geschwungenen Linien, oder Obeliskenformen, die ein Postament für -plastische Gruppen vorstellten. Später kam die Hafnerkunst gänzlich -auf den Hund. Heute kann man dem Ofen und der Holz- und Kohlenheizung -nicht mehr das Wort reden. Eine neue Beheizungsart stellt sich vor: die -Zentralheizung durch erwärmtes Wasser oder Luft und die Gasheizung. -Gaskamine wendet man in Wohnungen sehr vorteilhaft an; man kann -sich des von der gerippten, blinkenden Metallfläche wiederstrahlten -Feuerscheins erfreuen, ein Hochgenuß für romantische Gemüter, die -nach der anheimelnden Poesie der »Fireside« der offenen Kamine, -eine unbezähmbare Sehnsucht empfinden. Sie können am Gaskamin ihrer -Sehnsucht fröhnen, ohne die Schattenseiten der begehrten Dinge zu -empfinden. Denn diese Einrichtungen sind technisch vorzüglich. Aber sie -sind vom ästhetischen Standpunkt aus unerträglich. Sie sind gewöhnlich -mit den heillosesten Stilschnörkeln verbrämt. Da hilft nur Eines: Man -gibt ihm eine hölzerne Umhüllung, weiß oder sonstwie lackiert, mit -einem Gesimse für kleine Kunstwerke versehen und mit Sitzgelegenheiten -rechts und links. Wir haben damit in unserer Stadtwohnung die -gemütlichste und traulichste Einrichtung gewonnen, wie man sie sonst -nur in einem englischen Hause zu finden gewohnt ist. - -[Illustration: Vorzimmer von Arch. Karl Sumetsberger.] - - - - -Vorzimmer und Dienerzimmer. - - -[Illustration: Kleiderablage von Architekt Max Benirschke.] - -[Illustration: Kleiderschrank v. Arch. G. Winkler.] - -[Illustration: Vorraum mit Sitzgelegenheit in der Fensterecke von Arch. -Max Benirschke.] - -Der erste Schritt, den wir in eine Wohnung tun, belehrt uns gewöhnlich, -wessen Geistes dieses Heim ist. Der Vorraum, den wir zuerst betreten, -ist schon für alle anderen Räume bezeichnend. Die Persönlichkeit -färbt überall ab. Ein Haus, dessen Neben- und Nutzräume nicht in -Ordnung sind, wird auch nicht ein einziges Gemach besitzen, das volles -Behagen gewährt. Umgekehrt wird sich ein ordnender und liebenswürdiger -Hausgeist auch bis auf die äußerste Schwelle bemerkbar machen. -Praktisch betrachtet, hat ein Vorzimmer zwei Aufgaben zu erfüllen. Es -dient als Warteraum für den Besuch, der sich melden läßt, um nicht -unvermittelt in die Gemächer zu treten. Der angemeldete Besuch benützt -den Augenblick, Hut und Überkleider abzulegen und mit einem prüfenden -Blick in den Spiegel sich über die Ordnungsmäßigkeit seiner Toilette -zu versichern. Demnach ergeben sich als unerläßliche Möbelstücke: eine -Kleiderablage für Röcke, Hüte, Stöcke und Schirme, ein Wandspiegel, -der gewöhnlich damit in Verbindung steht, einige Sitzgelegenheiten, -am besten einfache Stühle und ein Tischchen mit Lade. Die Hausfrau -erkennt eine weitere Aufgabe des Vorzimmers darin, daß sie es zur -Aufnahme ihrer eigenen Kleiderschränke einrichtet. Denn bei den -heutigen beschränkten Raumverhältnissen in Mietshäusern und den neuen -Raumgestaltungsprinzipien sucht man derartige große Wandschränke aus -den Wohnzimmern zu bannen und ins Vorzimmer zu verlegen. So mag man -denn an allen Wänden gleichförmige Schränke finden, die aus einem -Stück, jedoch in viele Teile zerlegbar, bestehen können. Man wird aber -gut tun, die ganze Wandhöhe bis zum Plafond schrankartig abzubauen -und die oberen Fächer, die Separattüren ober der Kopfhöhe haben, -zur Aufnahme von allerlei Schachteln und sonstigen Effekten, wenig -benützten Kleidern u. s. w. zu verwenden, denn in einem Haushalt -werden leicht alle Fächer und Schränke zu wenig, um zu beherbergen, -was sich im Laufe der Zeit ansammelt. Es kann aber auch, um nicht eine -Wand für die Kleiderablage mit Spiegelteil opfern zu müssen, eine -solche Kleiderablage und der Spiegel vorne an einem oder mehreren der -Schränke angebracht, der Spiegel in eine der Schranktüren eingelassen, -die Kleiderhaken neben den Schranktüren befestigt und solcherart alle -vier Wände mit Schränken abgebaut werden. Selbstverständlich wird man -weiches Holz zu diesem Zweck verwenden und in einer Farbe, am besten -weiß, lackieren oder streichen. Als Bodenbelag findet man vielfach -Matten, die mit einfachem Muster von Künstlern entworfen, durch die -Prag-Rudniker Korbwarenfabrikation stark in den Handel gebracht werden -und sich vortrefflich bewähren. Ein solcherart ausgestatteter Vorraum -besitzt alle Vornehmheit und Anspruchslosigkeit, deren er bedarf, -wenn er den Besucher auf die gastlichen Haupträume vorbereiten will. -Unterordnung in den Hauptgedanken der Wohnungsausstattung ist hier -Gesetz. Im Vorraum pflegt man gute Bilder und sonstige Kunstwerke nicht -unterzubringen; schlechte soll man aus Geschmacksgründen noch weniger -hinstellen, weil der Raum keine Trödelkammer sein soll und da leicht -eine geringschätzige Meinung von den Inwohnern erwecken kann. Aber -es ist keineswegs Grundsatz, daß aus den Vorräumen Kunstwerke, wie -Bilder und Plastik, verbannt sein sollen, im Gegenteil, wenn das Haus -weitläufig genug ist, und das Vorzimmer, wie es heute geschieht, mehr -den Charakter einer »Hall« empfängt, fänden sie auch hier ausgezeichnet -Platz und trügen von dem Geist und der Vorliebe der Bewohner -freundliche Spuren über die Schwelle ihrer inneren Wohnräume hinaus und -dem Besucher einladend entgegen. Wir mögen uns da nur einmal Goethe’s -Beispiel vor Augen führen und sein Haus in Weimar rekonstruieren, wie -es anfangs des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Ohne glänzend zu sein, -war alles höchst edel und einfach; auch deuteten verschiedene an der -Treppe stehende Abgüsse antiker Statuen auf Goethe’s besondere Neigung -zur bildenden Kunst und dem griechischen Altertum. Der Vorraum in der -I. Etage trug die Zeichen »Salve« als freundliches Willkommen und -einer der zwei Vorräume, wo man zu warten genötigt war, war durch ein -rotes Kanapee und Stühle von gleicher Farbe überaus heiter möbliert; -zur Seite stand ein Flügel und an den Wänden sah man Handzeichnungen -verschiedener Art und Größe. - -[Illustration: Vorraum mit Treppe von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Dienstbotenzimmer von Architekt Prof. Josef Hoffmann.] - -So bei Goethe. Freilich zwischen dem Alt-Weimarer Hause Sr. Exzellenz -und einer modernen Stadtwohnung, ist ein Unterschied. - -[Illustration: Küche von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Zu jenen Räumen, für die man im Allgemeinen auch das Schlechteste -für gut genug hält, gehören die Dienerzimmer. Es ist ein trauriges -Zeichen schlechter sozialer Begriffe und unzureichender menschlicher -Einsicht, wenn man in einem Hause die Dienstleute, denen man doch -Treue und Anhänglichkeit zum Gesetz macht, schlecht versorgt findet. -Im Dienstverhältnis gibt es nach beiden Seiten hin Pflichten und -Rechte und kein Teil, weder Dienstgeber noch Dienstnehmer, dürfte -dem anderen etwas schuldig bleiben. Für menschenwürdige Zustände im -Hinblick auf das Dienstpersonal zu sorgen, ist auch eine der ersten -Pflichten der Hausfrau, wenn sie nicht Recht behalten sollte, daß sie -wirklich »bezahlte Feinde« im Hause habe. Guter Geschmack heißt hier -wie überall Reinlichkeit und Zweckdienlichkeit. Massiv eiserne Betten -(Hohlräume sind immer Aufenthalt unausrottbarer Ungeziefer), einfache -Möbel aus weichem Holz in irgend einer Farbe gestrichen, Tisch, Stuhl, -Schrank und Waschgelegenheit möblieren den Raum vollständig und können -ihn zugleich recht wohnlich machen. Wenn für das persönliche Wohl der -Dienstleute in mustergiltiger Weise gesorgt ist, ist das immer eine -Ehre für die Hausfrau. - - - - -Die Küche. - - -[Illustration: Küche von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -In einem Lobliede an die Küche meint Gilles Corrozet (1534), daß es -eine schöne Sache sei um ein geschmücktes Haus, um eine behagliche -Stube, um den wohlbestellten Speicher und Keller, daß aber ein Haus -trotzdem nichts Erquickliches böte, wenn man nicht auch eine gute -Küche sehe, die gute Küche, wo die freundlichen Götter Diana, Ceres -und Bachus ihre gesegneten Gaben niederlegen, wo der freundliche, -Zufriedenheit und Wohlbehagen spendende Hausgeist im Winkel am -Herde tront und leibliche Stärkung und Mehrung der Daseinsfreude -verheißungsvoll winken. - -Der gute Corrozet ist ein praktischer Idealist; wer auf guten Tisch -hält, (und wer tut das nicht) muß vor allem auf gute Küche halten, -und darum gibt er seinen Zeitgenossen eine umständliche, in zierliche -Reime geflochtene Darstellung einer ganzen Kücheneinrichtung, in der er -auch nicht »die Lichtschneutzen« vergißt und daraus man leicht ersehen -kann, welche hervorragende Wichtigkeit die Küche im damaligen Haushalt -besaß. Sie ist die Urzelle des Hauses, aus der die anderen Räume erst -nach und nach hervorgegangen sind. Noch im XVIII. Jahrhundert vollzog -sich auf den seigneuralen Gütern Frankreichs das Leben vorzugsweise -in der Küche, während die übrigen Gemächer des Hauses als bloße -Repräsentationsräume nur gelegentlich benützt wurden. - -[Illustration: Küche von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Sicherlich ist die Küche der am frühesten und am vollkommensten -ausgebildete Teil des Hauses gewesen. Über deren Einrichtung läßt uns -auch die »Nürnberger Haushälterin« nicht im Zweifel, die im Jahre 1716 -über das deutsche Bürgerhaus schrieb: »Von einer wohlgebauten Küche -wird vornehmlich gefordert, daß sie nicht allzuweit von der Esstube -entfernt seye, damit nicht im Winter das Essen, wenn es weit getragen -werden muß, kalt auf den Tisch gebracht werde.« Man darf sich hierbei -wohl nicht eine Stadtwohnung mit gedrängten Räumen vorstellen, sondern -ein weitläufiges altdeutsches Bürgerhaus, wo möglicherweise die Küche, -wie in den heutigen Landhäusern und Villen, im Untergeschoß gelegen -war. Daher die Mahnung der »Nürnberger Haushalterin«, die zu ihrer Zeit -die vortreffliche Einrichtung von Speiseaufzügen nicht gekannt haben -dürfte. - -[Illustration: Porzellanservice von Frl. Jutta Sicka.] - -[Illustration: Porzellanservice von Frl. Jutta Sicka.] - -Gegenüber den alten Küchen, so vollkommen sie auch mit Gerätschaften -versehen sein mochten, haben die heutigen, von modernen Architekten -eingerichteten Küchen entschieden bedeutende Vorzüge aufzuweisen. Das -Gebot der Zweckmäßigkeit und sanitäre Rücksichten erfordern, daß die -Küchen hell seien, in modernen Landhäusern legt man daher die Fenster -breit und ziemlich hoch an, selbst wenn dies nicht durch die tiefe -Lage des Raumes im Souterrain erforderlich sein sollte, damit die -Wandflächen für die Kücheneinrichtung gut ausgenützt werden können. -Unter diesen Fenstern befinden sich in der Regel die Schränke mit -möglichst viel Laden und Stellagen, die mit Glastüren verschlossen -sind. In der Mitte der Wand, unterhalb der Fenster finden wir häufig -den Anrichtetisch, in seinen Unterteilen als Schrank ausgenützt -und von einem Gesims mit verschließbaren Fächern gekrönt. Auf der -gegenüberliegenden Seite steht der Herd. Im Gegensatz zur Küche von -einst, die man erst dann für schön erachtete, wenn das blitzblanke -Messing- und Kupfergeschirr, die bunten Töpfe aus Steingut und -Porzellan, die Zinn- und Blechgefäße an Wänden und offenen Stellagen -zum Entzücken der Hausfrau prangend ausgestellt waren, liebt man es -heute, jegliches Küchenrequisit in den Schränken abzuschließen und -hat damit vollkommen recht. Denn so kann das Geschirr von Staub und -Fliegenunrat frei gehalten werden und man erspart ein Übermaß von -Reinigungsarbeit. Nur das Kupfergeschirr läßt man frei hängen. Eine -solche Küche sieht aber auch appetitlich genug aus, namentlich, wenn -die Wände weiß verkachelt sind, wie das neuestens oft der Fall ist. -Bis zu einer gewissen Höhe wenigstens sollen die Wände verkachelt -sein, soweit eben spritzendes Wasser reicht. An Stelle der Kacheln -werden auch dünne Marmorplatten verwendet und zwar nur weiße, weil es -aus begreiflichen Gründen Grundsatz ist, daß weiß vorherrsche. Darum -werden sämtliche Holzgegenstände, also die ganze Kücheneinrichtung weiß -lackiert, wobei man den Vorteil hat, durch einfaches Abwaschen jeden -Schmutz leicht zu entfernen. Daß man auf weiß jede Unreinlichkeit -sofort sieht, ist nur ein Vorzug, denn sie soll nirgends und am -allerwenigsten in der Küche geduldet werden. Will man durchaus ein -Ornament, so soll es nur ein Flachornament sein, aufschablonirt und -sparsam angewendet. Jede Schnitzerei ist zu verpönen, sie wirkt nur als -Staubfänger. Im Übrigen hat man Bedacht auf gradlinige einfache Formen -ohne Gesimse, und auf einfache ungeteilte Holzflächen, die durch bloßes -Abwischen rein gehalten werden können. Die Küchenmöbel sollen mit ihrer -Fläche bis auf den Fußboden herabgehen und auf diesem ohne Füße fest -aufstehen, damit sich unterhalb der Schränke keine unkontrollierbaren -Schmutzwinkel bilden können. Dagegen tut man gut, die Stuhl- und -Tischflächen, die oft gerieben werden müssen, überhaupt nicht zu -streichen, sondern bloß fein gehobelt im ursprünglichen Holzton stehen -zu lassen, und so einzurichten, daß sie abnehmbar sind. Auf diese Art -können sie am besten gewaschen und gerieben werden, wovon das Holz bald -ein blühweißes Aussehen bekommt. In Bezug auf den Fußboden hat man auch -zu bedenken, daß in Küchen immer Wasser verschüttet wird, und daß er -mit Wasser abgeschwemmt und solcherart leicht gereinigt werden soll. -Darum wird man den Steinboden dem bisherigen Brettelboden vorziehen. -Der Steinboden aber bedeutet einen Angriff auf die Gesundheit der -Köchinnen, die ohnehin meistens gichtisch sind. Da bietet denn das -Xylolith einen Ausweg. Xylolith ist ein Kunststein, der auf Holz -aufgetragen wird, nicht so hart wie Naturstein ist, aber sonst alle -seine Vorzüge aufweist und noch mehr. Er ist nämlich schon in allen -Farben zu haben und man kann ihn nach seinem persönlichen Geschmack -wählen. Zu dem blinkenden Weiß der Wände passt sehr gut ein roter oder -blauer Xylolithboden. - -[Illustration: Theeservice aus Silber von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Die Französin des XVIII. Jahrhunderts mußte ihr Paradebett haben, -die deutsche Frau ihre Prunkküche. Das kennzeichnet zur Genüge den -Unterschied zweier Nationen. Heute existiert beides nicht mehr. Vieles -wird heute fertig ins Haus gebracht, was einst im Hause erzeugt werden -mußte. Selbst der Kohlenherd ist in Gefahr verdrängt zu werden. Gas und -Elektrizität, Centralversorgung, spielen eine immer größere Rolle. - -Wenn auch die Küche heute nicht so umfangreich ist, wie die -altdeutschen Küchen waren, so bildet sie doch noch immer eine Macht -im Hause, von der das Glück im Heimwesen zum großen Teil abhängt. -An ihr sieht man, was die Hausfrau ist oder was sie nicht ist. Es -gibt Köchinnen, die einen Dienstort verlassen, wenn ihre Werkstätte, -die Küche, nicht der Würde und Bedeutung des Raumes entsprechend -ausgerüstet ist. Die schlechtesten Köchinnen sind das sicherlich nicht. - - - - -[Illustration: Vasen von Prof. Moser, ausgeführt von Bakalowits Söhne, -Wien.] - - - - -Ästhetik des Eßtisches. - - -[Illustration: Tafelaufsatz und Blumengefäße von Baronesse Falcke, -ausgeführt von Bakalowits Söhne, Wien.] - -Es war eine geistreiche Dame, die bei einem Diner, das sie für eine -große Gesellschaft veranstaltete, folgendermaßen verfuhr: Nach dem -Grundsatze, den die Römer schon kannten, daß eine Tischgesellschaft -nicht weniger als die Zahl der Grazien und nicht mehr als die Zahl -der Musen betragen sollte, verteilte sie die zahlreichen Gäste an -ebensoviele Tische als nötig waren, um die gesegnete Zahl herzustellen. -Und sie stimmte jeden Tisch auf eine andere Farbe. Sie hatte sich mit -den Damen ins Einvernehmen gesetzt, und sie mußten ihre Toilette der -Farbe ihres Tisches anpassen. Selbst die Tischtücher mußten Farbe -bekennen, und man sah die ganze Skala des Regenbogens vertreten, -ja sogar ein schwarzes Tischtuch war vorhanden. Die Blumen wurden -dementsprechend gewählt und verteilt. Die geistreiche Dame hatte von -ihrer meisterhaften Anordnung eine außerordentliche Wirkung erwartet -und die Wirkung war außerordentlich. Sie war nämlich außerordentlich -geschmacklos. Sie war so geschmacklos, daß man wirklich sehr -geistreich sein muß, um dergleichen einmal begehen zu dürfen. Sie -hat es sicherlich nicht wieder getan. Die feine Lehre war daraus zu -ziehen, daß für das Gedeck nur eine Farbe existiert, die den Glanz -der Frische und der Appetitlichkeit gewährt, das festliche Weiß, als -der richtige Grundton, davon sich das Silber, Krystall, Porzellan und -die freudigen Farben der Blumen schön und erquicklich abheben und -zugleich ein Schmaus für das Auge sind. Die ästhetische Befriedigung -ist ein wesentlicher Bestandteil der Tafelfreude. Nebst dem feinen -weißen Linnen, das manche Frauen, wie namentlich in früherer Zeit, -hüten wie Silber, ist es die Blume, welche dem gedeckten Tisch den -Adel künstlerischer Schönheit verleiht. Wie bei allen Dingen, kommt -es auch hiebei nicht auf die Kostbarkeit oder Seltenheit der Blumen -an, sondern auf die Art, wie sie verwendet werden. Gerade unsere -einfachen heimischen Blumen, mit schlichter Treuherzigkeit Bauernblumen -genannt, können, klug gebraucht, zu den feinsten Wirkungen gebracht -werden, und man erinnere sich nur daran, was Lichtwark über den -Löwenzahn als Tischblume sagt. Der vielverachtete Löwenzahn, der den -ganzen Tisch auf Gelb stimmt, könnte eine unvergleichliche Tischblume -abgeben. Mit gelben Blumen näht die Hausfrau gerne ihren Tischläufer -aus, und eine unbewußte Anerkennung liegt darin, daß Gelb auf weißem -Tischzeug besonders schön steht. Aber gerade hier ist viel Takt in -der Anwendung erforderlich. Streublumen sind sehr beliebt, aber sie -sehen alsbald welk aus, verursachen häßliche Flecken und eine krause -Unordnung am Tisch, die ihr freundliches Aussehen von früher bald ins -Gegenteil verwandelt. Ein Künstler hatte den glücklichen Einfall, die -Schnittblumen in kleinen würfelartigen Glasgefäßen, die in regelmäßigen -Abständen eine Reihe in der Mitte des Tisches bildeten, aufzustellen, -und er hat damit das Rechte getroffen. Heute bekommt man zu diesem -Zwecke kleine Glasgefäße mit dreieckiger Basis, die man in beliebiger -Weise zu Gruppen mit hoch- und kurzstengeligen Blumen vereinigen kann. -Hohe Blumen- und Fruchtaufsätze, welche die einander gegenübersitzenden -Personen den Blicken entziehen, haben sich als unzweckmäßig und -geschmacklos überlebt. - -[Illustration: Speisezimmer von der Vereinigung „Wiener Kunst im -Hause“.] - -[Illustration: SPEISEZIMMER - -MÖBEL AUS BLAUGRAUER EICHE -- WAND IST RAUHER PUTZ MIT EINGESETZTEN -KACHELN - -Entwurf von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.] - -[Illustration: Speisezimmer von Arch. Alois Hollmann.] - -Die Reform des Tafelgedeckes beginnt schon bei der Serviette. Sie hat -heute noch eine Form, die ihre Gebrauchsart längst überlebt hat. Kein -Mensch von Lebensart wird sie heute noch mit einem Zipfel unter dem -Kinn in den Kragen stecken. Man legt sie heute einfach über den Schoß. -Die zweckentsprechende Form sollte demnach jene sein, welche etwa das -Handtuch besitzt: ein längliches Rechteck. Daß die Serviette weich und -lind sei, wird zwar in der Theorie immer verlangt, aber die Praxis -kennt nur damastene Servietten, die anfangs bocksteif sind und nach -längerem Gebrauch abhaaren. Die Zeiten sind wirklich vorüber, wo Linnen -dem Silber gleichgestellt war. - -[Illustration: Zimmerecke von Arch. Franz Exler.] - -Über das Glas wäre manches zu sagen. Gewöhnlich sitzt das Glas wie ein -Blumenkelch auf hohem dünnen Stengel, was zwar anmutig anzusehen, aber -in sehr hohem Maße unpraktisch ist. Erstens wird die Standfestigkeit -gering, bei leiser Berührung fällt das Glas um, und zweitens ist der -Stengel beim Reinigen allzuleicht abzudrehen. Aber auch dickes Glas -ist nicht zu empfehlen, weil nicht gut daraus zu trinken ist. Zwischen -Lippe und Flüssigkeit soll sich so wenig Glaswand befinden als immerhin -möglich. Aus dieser Voraussetzung ergibt sich die organische Form -des Trinkglases von selbst; es müßte einen starken, feststehenden, -starkwandigen Fuß und Stengel haben und müßte gegen den Rand ganz dünn -verlaufen, um als angenehmes Glas empfunden zu werden. Handsam soll das -Glas sein und mundgerecht. So einfach die Lösung scheint, ich habe ein -solides Glas noch nicht gefunden. - -Dem Glase steht das Porzellan zunächst. Ich weiß, daß die meisten Leute -buntbemaltes Geschirr lieben. Es macht zwar nicht viel aus, ob das -Geschirr bemalt ist oder einfach weiß, nur ist zu bedenken, daß die -Bemalung häufig Schäden des Porzellans verdecken muß. Reliefartiger -Dekor am Tellerrand ist im höchsten Grade unzweckmäßig, aber alles -Unzweckmäßige ist am häufigsten anzutreffen. Ganz weißes Geschirr ohne -bunte Streifen ist sehr vornehm in der Wirkung, aber merkwürdigerweise -selten im Gebrauche zu finden. - -[Illustration: Speisezimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -[Illustration: Buffet von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Und nun das Silber. Es ist ja heute noch der Stolz jedes wohlhabenden -Hauses, der wohlgehütete Schatz, den man nur zu besonderen Festtagen -oder zu Ehren eines Gastes zu verwenden wagt. Die Silberlöffel -im Alltag zu gebrauchen, würde der Mehrzahl der Hausfrauen als -beispiellose Verschwendung erscheinen. Ich weiß wirklich nicht aus -welchem Grunde. Gerade für den Alltagsgebrauch ist echtes Edelmetall -wie Silber allein zu verwenden, weil es widerstandsfähiger und -sauberer zu halten ist als billiges Zeug, das oftmals erneuert werden -muß, immer übel aussieht und zuguterletzt viel höher zu stehen kommt -als Silber. Der wahrhaft ökonomische Sinn wird sich immer nur des -letzteren bedienen. Gewöhnlich aber ist für die Hausfrau das Silberzeug -bloß Gegenstand des platonischen Genusses, ohne weiteren Daseinszweck, -als »still im eigenen Glanz zu ruhen«, und als Brautgeschenke -gefühlsame Erinnerungen der Hausfrau zu bewahren. Den Kranz so frommer -Tugenden aber wollen unsere ungeweihten Hände nicht zerreißen. Sprechen -wir lieber von der Form, die das Silberzeug erhalten hat. Die Liebe -der Künstler hat sich ja dem Silber in besonderem Maße zugewendet, und -gerade in den letzten Jahren ist viel an dem Tafelbesteck probiert -worden. Bei der heutigen Art, Messer und Gabel leicht zu halten, hat -das Besteck auch jene Leichtigkeit und Zierlichkeit erhalten, die man -ihm wünschen mag. Jedermann hat sich schon über die Gabel geärgert, die -absolut keine Sauce fassen will. Als aber Oberbaurat Otto Wagner sein -Reformbesteck ausstellte, gab es dennoch eine kleine Erschütterung. -Man ist die alte Form schon so gewöhnt, daß die wenigsten Menschen -einsehen wollen, daß es da noch etwas zu reformieren gibt. Da gab aber -eines Tages ein einarmiger General den Anstoß zu einer Revolution. Der -wollte eine Gabel, mit der er nicht nur spießen, sondern auch schöpfen -und nötigenfalls auch schneiden konnte. Die Gabel wurde gefertigt; sie -besaß eine flache löffelartige Form mit drei kurzen Zinken, so daß man -damit bequem spießen und zugleich Sauce fassen konnte. - -[Illustration: Standuhr von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Diese Gabel ist sicherlich der reformierteste Teil des Reformbesteckes. -Sie dürfte allgemeine Annahme finden, denn auch von der hygienischen -Seite her ist ihr Angenehmes wegen ihrer leichten Reinbarkeit -nachzusagen. - -In den Ansprüchen, die wir in ästhetischer Hinsicht an den Eßtisch -stellen, prägt sich ein guter Teil unserer Erziehung und unserer -persönlichen Kultur aus. Die Mahlzeiten sind Feste des Leibes, die -bei Homer, der von seinen Helden getreulich berichtet, wann sie -die Hände zum lecker bereiteten Mahle erhoben, eine Art fröhlicher -Gottesdienst werden. Der Adel der Form kommt später hinzu. Es genügt -dem Kulturmenschen nicht, daß das Mahl lecker bereitet sei. Die -schöne Form ist nicht zu entbehren. Sie ist das halbe Essen. Die -ästhetische Forderung wird geradezu zur körperlichen. Eine gewisse -absolute Schönheit des Eßtisches hat sich herausgebildet, die sich mit -Einfachheit wohl verträgt und die nur eine Verschiebung hinsichtlich -der Kostbarkeit verträgt. Diese ist aber sicherlich zu entbehren. -Eine Sehnsucht nach Schönheit geht durch unser Zeitalter. Wenn nichts -fruchtet, will man wenigstens »in Schönheit sterben«. Das ist gewiß -sehr edel, aber anmutsreicher ist: »in Schönheit leben«. Und dazu -gehört: »in Schönheit essen«. - - - - -Das Speisezimmer. - - -[Illustration: Standuhr v. Arch. Max Benirschke.] - -Vor Jahren sah es freilich noch anders aus. Wie es in den meisten -Wohnungen heute noch aussieht. Altdeutsch war es, oder was man darunter -versteht. Der Plüschdekorationsdivan trug die ach so bekannten -Dekorationsteller. Die altdeutsche Kredenz war geschnitzt, zwar sehr -roh und albern, aber im großen und ganzen trug das Möbel eine Façade -wie ein italienischer Palazzo. Säulen waren an jedem Türchen, aber sie -hatten nichts zu stützen. Sie waren angeklebt und bewegten sich mit der -Tür auf und zu. Ich erzähle das nur, um auf den Widersinn einer solchen -Ornamentik, die man an jedem derartigen Möbel finden kann, gebührend -aufmerksam zu machen. Die anderen Einrichtungsstücke paßten dazu -- -insofern waren sie wirklich »stilgerecht«. Der massive Speisetisch -hatte unten eine kreuzweise Verspreizung, so daß man nie recht wußte, -wie man die eigenen Beine unter dem Tische unterbringen soll. Es war -zu wenig Platz, und sie auf die Verspreizung zu stellen, litt die -Hausfrau nicht. Die üblichen Speisezimmersesseln standen herum, mit -Sitzflächen aus Holz, das figurale Ornamente eingepreßt hatte, so daß -man sich nicht niedersetzen konnte, ohne sich einer schönen Marke -mitten ins Gesicht zu setzen -- herrlich! Natürlich war auch ein -Pfeilerspiegel da mit Trumeau, dunkle Vorhänge, um alles in allem die -beziehungsreiche, wurstrot- und sauerkrautfarbene Gesamtstimmung zu -erzeugen, die seit einer Generation in Speisezimmern so beliebt ist. - -[Illustration: Schrank und Wandmalerei von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Buffet von Arch. Max Benirschke.] - -Schlägt man die Tageszeitungen auf, so findet man spaltenlange -Annoncen, darin solche Intérieurs angepriesen werden. Man mag daraus -ersehen, daß sie noch immer ein Publikum finden, das diese Mühe und -Kosten verlohnt. - -[Illustration: Schrank von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: AUSGEFÜHRT IN WEIS, BLAU UND SCHWARZ GEBEIZT -- UND -POLIERTEM AHORNHOLZ - -Standuhr von Architekt Max Benirschke.] - -Beim Stuhl begann die Revolution. Man verlangte, daß er Bequemlichkeit -gewähre, und bestimmte die Sitzhöhe nach dem körperlichen Maß. -Eigentlich hat man das auch in Goethes Zeiten getan und vielleicht -schon zu Moses Zeiten, aber man hat seit der Zeit, da man fremde -Stile kopierte, darauf vergessen. Die Querleisten zwischen den Beinen -wurden als lästig empfunden und blieben weg. Dann kam die Lehne in -Betracht. Hiebei ist die Atmung zu berücksichtigen. Geht die Lehne im -Bogen, so muß sie unter den Schultern abschließen, sonst verursacht sie -Atembeklemmungen. Geht sie höher, so schließe sie besser gerade ab. -Doch soll sie möglichst niedrig sein, sonst bildet sie ein Hindernis -beim Servieren. Von der Stuhlform hängt der Tisch ab. Die richtige -Höhe ist bei Speisetischen sehr wichtig. Ausziehtische sind natürlich -bevorzugt, wenn sie auf guten Rollen laufen. Die Zarge darf nicht -so weit herabreichen, daß sie das Knie des Sitzenden beengt. Die -Querstangen sind absolut zu vermeiden. Man hat neuestens den Tischfuß -mit gehämmertem Messing umkleidet, darauf man unbekümmert die Füße -stellen kann. Buffet, Teetisch, Serviertisch ergänzen das Mobilar. -Das Ornament besteht höchstens in eingelegten Linien, im flachen -Dekor. Glatte polierte Formen, die anmutige Reflexlichter erzeugen, -den Glanz des Silberzeugs, die Weiße des Porzellans widerspiegeln, -sind durchaus beliebt. Die Tafelaufsätze sind niedrig, einfach und -zweckvoll. Den Hauptschmuck bilden die Blumen, auf der Tafel und am -Fenster. Dort hängen keine Stoffgardinen mehr, die Rembrandtstimmung -ist dahin, alles ist auf Luft und Licht und Farbe gestimmt, auf helle, -freundliche Farben. Durchsichtige Gardinen, seitlich aufzuziehen, -hängen in geraden Falten herab. Die Wände sind natürlich auch hell, -keine Tapeten, keine Dessinierung. Perlgrau zum Beispiel. Das Möbelwerk -gebeizt oder lackiert. Mahagoni ist schön und teuer. Rot gebeiztes -Holz tut es auch. Stühle und Tisch in diesem Ton, dagegen die Buffets, -die Kaminverkleidung, der Blumenständer etc. weiß lackiert. Das gibt -einen schönen Akkord. Unter Kaminverkleidung verstehe ich die Umhüllung -des Gaskamins, mit Fächern zur Aufnahme von allerlei Kleinkunst. Für -den Bodenbelag findet man heute schon gutes und billiges Zeug in -geeigneten Farben, entweder einfärbig oder gestreift oder sonst mit -einem ruhigen Linienornament. Wo elektrisches Licht ist, hat man den -Vorzug einer gleichmäßig verteilten Deckenbeleuchtung. Auch bei den -Beleuchtungskörpern lasse man es nur auf reine Zwecklichkeit ankommen -und verschmähe allen ornamentalen und figuralen Kram, der sich in -dieser Form immer wieder anpreist. Erst wenn man von jedem Ornament -absieht, wird man zu ruhigen, einheitlichen Wirkungen und zu einer -stillen und vornehmen Schönheit gelangen. Wenn man einmal so weit sein -wird, die Farbe zu würdigen, die ungebrochenen einfachen Farben, nicht -die schmutzig aussehenden, dann wird man im Raum glückliche Ergebnisse -erzielen, die man nur andeuten kann. - -[Illustration: Standuhr v. Arch. Max Benirschke.] - - - - -Der Salon. - - -[Illustration: Buffet von Arch. Franz Exler.] - -Die Hausfrau, der stets die Sorge um ein standesgemäßes Heim am Herzen -liegt, steht dieser Frage häufig ratlos gegenüber. Bei den anderen -Räumen gibt es keine solchen Schwierigkeiten, deren Einrichtung ergab -sich notgedrungen, aus dem Bedürfnisse heraus. Aber beim Salon -- -das ist etwas anderes. Hier spricht das Bedürfnis nicht so laut; man -wohnt nicht darin; man hat ihn gewöhnlich nicht für sich, sondern -für die anderen. Also um darin zu repräsentieren. Es gehört zu den -Herkömmlichkeiten, daß selbst jede kleinere Wohnung ihren »Salon« hat. -Dazu wählt man fast immer das beste und größte Zimmer, die anderen -Räume werden ins Hintertreffen gerückt. Ich halte zwar die Gemächer, -die meinem persönlichen Dasein dienen, für weitaus wichtiger, aber das -gehört nicht hieher. Im Salon kann man zeigen, daß man auch »wer« ist, -und das erklärt alles. Also wendet sich die ratlose Hausfrau an ihr -Hausblättchen, von dem sie gewöhnlich auch die Kochrezepte bezieht: -»Bitte, wie richte ich meinen Salon ein?« und erhält alsogleich -probaten Rat in der herkömmlichen Form: »Man nimmt ein paar Stühle -verschiedener Form und Größe, mit beliebigem Seidenstoff gepolstert, -kleine Tischchen, ein Sopha, Fauteuils etc.« Die Durchschnittssalons -der bürgerlichen Wohnungen schmecken alle nach diesem Rezept. -Der Möbelhändler liefert den bric-à -brac, den billigen Tand, die -Gipsstatuen und all den Kram, der für wenig Geld viel Geschrei machen -soll. - -[Illustration: Buffet von Arch. Hans Stubner.] - -Dieselbe Öde und Langeweile, den Mangel jeder persönlichen Regung -findet man von Haus zu Haus. Was auch die praktischen Ratgeber -und Möbelhändler sagen mögen, _so richtet man einen Salon nicht -ein_. Wozu haben wir überhaupt einen Salon? Welche Aufgabe soll -er in dem Organismus unseres Hauses erfüllen? Soviel steht fest: In -der Form, wie wir ihn meistens finden, bildet er einen toten Raum. -Sollte der »Salon« nicht derart zu gestalten sein, daß er auch von dem -Leben erfüllt werde, das die anderen Räume beherrscht, daß er nicht -bloß einer unzulänglichen Repräsentanz diene, sondern wirklich der -Bedeutung gleichkomme, die man ihm auf Kosten der Bequemlichkeit in der -bürgerlichen Wohnung einräumt? Die Sache ist der Untersuchung wert. - -[Illustration: Speisezimmer von Arch. R. Bräuer.] - -Schon das Fremdwort »Salon« besagt, daß wir es mit einem Raume zu -tun haben, der aus einer fremden Kultur stammt. Die italienische -Renaissance veratmet in dem Wort. »Salone«, »großer Saal«, so hieß der -große Empfangsraum im italienischen Palazzo. Was wir heute unter dieser -Bezeichnung in unseren Durchschnittswohnungen finden, ist freilich eine -Farce auf den ursprünglichen Geist eines solchen Raumes. Soll der Salon -für unsere Verhältnisse wieder Sinn und Zweck bekommen, dann müssen wir -ihn seines anscheinend repräsentativen Charakters, der für die große -Mehrzahl ohnehin bedeutungslos ist, entkleiden, und ihm das Gepräge -eines persönlich intimen Raumes geben. Nach einer gesunden Auffassung -von der Sache hat aber der bürgerliche Salon die Aufgabe, alle Dinge -aufzunehmen, welche die Persönlichkeit, ihre Neigungen und ihre Ideale -charakterisieren. Jegliches Ding darin müßte von der Persönlichkeit -etwas auszusagen haben. Für die gebildete Hausfrau oder den gebildeten -Hausherrn wird der Salon recht eigentlich Bibliothek oder Arbeitszimmer -sein, wo die Lieblingsbücher stehen und die Studien gepflegt werden, -wo an den Wänden in geeigneten, zum Auswechseln gerichteten Rahmen -die Kunstblätter hängen, die Sammlungen aufgestellt sind und aus -allen Dingen die geistigen Wesenszüge der Bewohner sprechen. Hier, -wo man von allen Gegenständen seiner Neigungen umgeben ist, wird man -am angenehmsten plaudern, und die Langeweile, dieser tötliche Feind -aller Lebensfreude, wird solchen Räumen sicherlich fernbleiben. Die -Unterhaltung, die von diesen Gegenständen her Nahrung empfängt, wird -leicht und fesselnd sein, weil sie solcherart die Eigenart der -Bewohner auf unauffällige und sympathische Weise offenbart, und eine -anziehende Neuheit darin besitzt, daß sie sich nicht um die Schwächen -des abwesenden lieben Nächsten zu drehen braucht. - -[Illustration: Buffet von Arch. Georg Winkler.] - -Wo diese Auffassung platzgreift, stellen sich die neuen Grundsätze -für die zweckmäßige Einrichtung ungerufen ein. Die gute Hausfrau, die -bereits gemerkt hat, um was es sich handelt, weiß nun mit einemmal, -was sie für ihren Salon braucht. Sie wird Wände und Plafond in -einfachen ruhigen Farben halten, vielleicht einfärbig bloß mit einem -herumlaufenden Fries, oder sie wird, wenn sie Stofftapeten haben -will, zu einem modernen Muster greifen. In Stofftapeten ist auch mehr -Farbenfreude und Lebhaftigkeit der Zeichnung statthaft. Sie wird die -Möbel so einfach, aber auch so gediegen herstellen lassen als möglich, -vielleicht aus Mahagoni oder rotgebeiztem Holz, mit dem sich auch -weiße Lackmöbel gut verbinden lassen. Die Möglichkeiten sind nicht -auszudenken, der gute Geschmack wird mit allen Mitteln das richtige -treffen. Die Anordnung der Möbel wird selbstverständlich von der -bisherigen Aufstellung sehr verschieden sein müssen. Man wird in einem -solchen intimen Raum Wert darauf legen, eine gemütliche Plauderecke -zu besitzen, ein cozy-corner, das eine Ecke des Zimmers füllt, eine -halbkreisförmige gepolsterte Sitzgelegenheit enthält, und ein Tischchen -davor, wo man behaglich sitzen kann, den ganzen Raum beherrscht und -sich dennoch abgeschlossen und geborgen fühlt. Das Fenster, das bei der -Art unserer Zimmer leider so wenig Raum an der Wandseite läßt, wird -einfach zur unteren Hälfte verkleidet, wenn es sich nicht anders tun -läßt. Von diesem Platze aus ergibt sich die geschmackvolle Aufstellung -der anderen Möbelstücke, die immer nur nach Maßgabe des persönlichen -Bedürfnisses vorhanden sein werden, ganz leicht. - -[Illustration: Speisezimmer von Arch. Karl Witzmann.] - -[Illustration: Speisezimmer von Arch. Max Benirschke.] - -Man glaube indessen nicht, daß die Sache so brandneu ist, daß man es -nicht wagen dürfe, sie aufzunehmen. Bei den Künstlern gehört es zur -Überlieferung, die ganz selbstverständlich ist, daß sie ihre Gäste im -Arbeitsraum, also in der Werkstatt, im Atelier empfangen. Das Atelier -ist zugleich ihr Salon. Darum unterhält man sich bei den Künstlern am -besten, weil man von ihrem geistigen Wesen ganz umgeben ist, von allen -Dingen, die diese Geistigkeit sichtbar machen. Auf diese Art kann es -jedermann halten. Nicht jeder ist Künstler, wird man sagen. Aber jeder -Gebildete hat geistige Interessen irgendwelcher Art oder treibt einen -geistigen Sport, musiziert, sammelt, liest. Oder sollte ich allzu -optimistisch sein? Man gebe einem Salon das Gepräge eines geistigen -Sammelpunktes. Wer aber in den neuen, oben dargestellten Grundsätzen -eine Festigung durch das Beispiel der altehrwürdigen Tradition braucht, -der lese die folgende Schilderung des idealen Zimmers, das sich -Adalbert Stifter einrichten wollte, den man in dieser Hinsicht ganz gut -als einen Vorläufer der Modernen betrachten kann. - -[Illustration: Speisezimmer mit Erker von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Buffet von Arch. Georg Winkler.] - -»Zwei alte Wünsche meines Herzens stehen auf. Ich möchte eine Wohnung -von zwei großen Zimmern haben, mit wohlgebohnten Fußböden, auf denen -kein Stäubchen liegt; sanft grüne oder perlgraue Wände, daran neue -Geräte, edel massiv, antik einfach, scharfkantig und glänzend; seidene -graue Fenstervorhänge, wie matt geschliffenes Glas, in kleine Falten -gespannt, und von seitwärts gegen die Mitte zu ziehen. In dem einen -der Zimmer wären ungeheuere Fenster, um Lichtmassen hereinzulassen, -und mit obigen Vorhängen für trauliche Nachmittagsdämmerung. Rings -im Halbkreise stände eine Blumenwildnis, und mitten darin säße ich -mit meiner Staffelei und versuchte endlich jene Farben zu erhaschen, -die mir eben im Gemüte schweben und nachts durch meine Träume dämmern --- ach, jene Wunder, die in Wüsten prangen, über Ozeane schweben -und den Gottesdienst der Alpen feiern helfen. An den Wänden hinge -ein oder der andere Ruysdael oder ein Claude, ein sanfter Guido und -Kindergesichtchen von Murillo. In dieses Paphos und Eldorado ginge ich -dann nie anders, als nur mit der unschuldigsten, glänzendsten Seele, -um zu malen oder mir sonst dichterische Feste zu geben. Ständen noch -etwa zwischen dunkelblättrigen Tropengewächsen ein paar weiße ruhige -Marmorbilder alter Zeit, dann wäre freilich des Vergnügens letztes Ziel -und Ende erreicht.« - - - - -Wie man Bilder hängt. - - -Im »Turmalin«, einer Geschichte, so dunkel wie der Edelstein, nach -dem sie benannt ist, erzählt Adalbert Stifter von einem wunderlichen -Manne, der die vier Wände seines Wohn- und Arbeitszimmers vollständig -mit Bildnissen berühmter Männer behing. Es war kein Stückchen, auch -nur handgroß, das von der ursprünglichen Wand zu sehen gewesen wäre. -In der Sache lag System, und sie dürfte zu des seligen Biedermeiers -Zeiten Schule gemacht haben. Denn als ich einmal in einem Schlosse zu -Gast war, das in jenen Tagen eingerichtet wurde und die ursprüngliche -Einrichtung heute noch unverändert besitzt, sah ich ganze Wände mit -schmalen, einfachen Goldrahmen dicht behängt, darin Lithographien, -ebenfalls Bildnisse berühmter Männer, zumeist der Kriegsgeschichte -angehörig, zu sehen waren. Wie ich nachträglich hörte, hatte das Schloß -einem berühmten Feldherrn zum Aufenthalte gedient. - -[Illustration: Sitzgelegenheit in einem Salon von Architekt Georg -Winkler.] - -Diese Anordnung erscheint mir aus zwei Gründen beachtenswert. Erstens -waren es nur bedeutsame Bilder, die als Original-Lithographien einen -gewissen Wert besaßen und durch ihren Inhalt ein ganz bestimmtes -Verhältnis zu ihrem Besitzer ausdrückten, und zweitens war in dem -Arrangement eine klare, dekorative Absicht ausgeprägt. - -Ich meine aber durchaus nicht, daß man die Sache nachahmen dürfte. -Sie ist nur deshalb sympathisch, weil sich in ihr überhaupt ein -Gestaltungsgrundsatz geltend macht. Im Übrigen könnte man sehr -viel Gegenteiliges einzuwenden haben, denn eine Sammlung von -Kunstblättern gehört doch viel eher in die Mappe, die man nur in -musenfreundlichen Stunden dem schönheitsuchenden Auge erschließt, -und dann genügt dieses briefmarkenähnliche Aufkleben nicht mehr dem -modernen Formsinn. Außerdem möchte ich der Gefahr begegnen, daß man -meine Sympathie zugunsten jener wigwamartig mit Trophäen behängten -Schauspielerwohnungen auslegt, wo die Wände über und über mit -Photographien in protzigen Goldrahmen bepflastert sind, die das liebe -Ich, von vorn und hinten gesehen und in allen möglichen und unmöglichen -Lebenslagen variiert, möglichst aufdringlich zur Schau stellen. Diesem -indianerhaften Zustand möchte ich nicht einmal den Schein eines -freundlichen Arguments gönnen. - -[Illustration: Einfaches Speisezimmer von Architekt Prof. Joseph -Hoffmann.] - -Kehren wir zu Biedermeier zurück und gestehen wir, daß die alte -Ordnung, wo sie noch unverfälscht in den Räumen von anno dazumal -vorhanden, recht artig aussieht. Im traurigen Gegensatz zu dieser Art -Bilder zu hängen, haben die Durchschnittswohnungen in den heutigen -Miethäusern kein Prinzip ausgebildet. Oder doch nur eines: nämlich -die Löcher in der Wand zu verdecken. Beim Beziehen einer neuen -Wohnung geben diese garstigen Löcher, mit Gyps verschmiert, aus der -schmierigen Wandbemalung grell hervorstechend, der ratlosen Hausfrau -die einzige und getreulich befolgte Auskunft auf die Frage: »Wie sollen -wir die Bilder hängen?« - -[Illustration: Einfaches Buffet von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Und sind sie glücklich gehängt, gerade dort, wo der göttliche Zufall, -der für die Löcher sorgt, sie haben wollte, dann freut sich Groß und -Klein über die schöne Wohnung. Ich habe nichts so himmlisch und nichts -so verderblich gefunden, als diese Anspruchslosigkeit. Als ich einmal -über den ordinären Schund loszog, mit dem gewöhnlich die Wände der -Durchschnittswohnung angefüllt werden, schrieb mir eine Dame: »Da -haben Sie sich einmal gründlich blamiert! Sie dürften ganz gut wissen, -wozu die Bilder gehören! Oder ist es schöner, wenn überall die Löcher -hervorschauen? Glauben Sie vielleicht, daß sich jeder Erste Beste -einen Böcklin kaufen kann? u. s. w.« Die zeitgemäße Dame, die mir so -temperamentvoll widersprach, ahnte wahrscheinlich gar nicht, wie sehr -sie mir recht gab. Der Aufschrei war sicher ein Beweis, daß ich den -Finger auf eine Wunde gelegt hatte. Ich glaube wahrlich nicht, daß in -ein derartiges Milieu ein Böcklin besser passen würde, als etwa eines -jener fabriksmäßigen Ölbilder, die der Rahmenhändler als Draufgabe für -einen geschmacklosen und lärmenden Goldrahmen liefert. Dagegen ist um -dasselbe billige Geld gute und echte Kunst zu haben. - -[Illustration: Einfaches Wohnzimmer v. Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Für die Hängung der Bilder ist entscheidend, daß nicht die Wand die -Hauptsache und das Bild der bloße hinzutretende Schmuck, sondern daß -die Wand bloß Hintergrund und das Bild die Beseelung und Belebung -der Fläche ist. Der Kunstfreund, der von diesem Grundsatze ausgeht, -wird bei der Hängung seiner Bilder nicht leicht einen Mißgriff -tun. Er wird die Wand als Hintergrund behandeln und sie daher so -anspruchslos halten, als immerhin möglich. Die beliebten Tapetenblumen -können der Bildwirkung immer nur schädlich sein. Er wird seine Wände -entweder weißen lassen, was am schönsten ist, oder er wird sie in -einfachen, ruhigen Farben halten und sich auf die ruhige Tonwirkung -beschränken, die allerdings ein feines Farbengefühl bedingt. Und er -wird staunen, welche Macht die sparsam verteilten Originalblätter der -Reproduktionskunst auf diesem Hintergrund gewinnen können. Sparsam -verteilt und in menschlich dimensionierter Höhe müssen sie gehalten -sein, denn sie sollen die Wandflächen gliedern und mit ihrem Inhalt -deutlich zu dem Beschauer sprechen. - -Hier wäre es am Platze, ein Wort über den Rahmen zu sagen. Der Rahmen -hat die Bedeutung einer Grenze, die die Welt des Bildes von der -Umgebung abschließt. Er soll das Bild heben und daher selbst einfach -und anspruchslos sein. Um das Bild zu heben, hat man außer Gold auch -sonstige Farben versucht, die gute Wirkung haben, wobei freilich als -Grundsatz zu beachten ist, daß es eine Farbe sei, die im Bilde nicht -vorkommt und einen komplementären Gegensatz bildet. Der Form nach -werden immer die geraden Leisten am besten sein; vor den verzierten -Rahmen, die auf den Namen »Kunsthändler-Rahmen« lauten, ist durchaus -zu warnen. Es wird oft die Frage aufgeworfen, ob man den weißen Rand -an reproduzierten Blättern stehen lassen soll. Bei Radierungen, die -den Plattenrand haben, ist der weiße Rand sicherlich von großer -Berechtigung, in allen Fällen aber ist er an und für sich schon ein -Rahmen. Man muß sich in diesem Falle begnügen, einen ganz schmalen, -einfachen Holzrahmen herumzulegen, der ganz gut weiß sein kann, ja -man braucht nur einen schmalen Streifen Papier um den Glasplattenrand -umzukleben, um des vorteilhaftesten Aussehens gewiss zu sein. - -[Illustration: Einfaches Wohnzimmer von Architekt Prof. Joseph -Hoffmann.] - -Ich denke hiebei immer zuerst an die kleinere Wohnung in den -Miethäusern, wo ja die Misère am größten ist und oft mit geringen -Mitteln eine gewisse Schönheit erzielt werden könnte. Große -Wohnungsverhältnisse, in Einzelwohnhäusern und Villen, wo der Luxus für -einen ziemlichen Aufwand, wenn nicht notwendigerweise für Geschmack -- -o, im Gegenteil! -- sorgt, kommen für uns zunächst nur in bedauernder -Hinsicht in Betracht, daß sie kaum mehr, wie in früheren Zeiten, das -große Wandbild aufweisen, das in Hallen, Loggien etc. seinen rechten -Platz fände, und solche Wände, wenn das Bild etwa nach Art der alten -Gobelins oder mit dem Geiste eines Puvis de Chavannes gemalt wäre, -mit der bezaubernden und ungestörten Harmonie edler Linien und großer -einfacher Farbenklänge erfüllen müßte. Solche Heimstätten müssten die -eigentliche Pflegestätte des großen Ölbildes und der Wandmalerei sein. - -[Illustration: Bücherschrank v. Arch. Georg Winkler.] - -Für die Durchschnittswohnung muß die Reproduktionskunst in den meisten -Fällen genügen, wenn überhaupt auf Kunst Wert gelegt wird. Wird nach -den gegebenen Anhaltspunkten verfahren, dann kann sich an den Wänden -eine ungeahnte Schönheit entfalten. Um die Kunstwerke mit größerer -Geschlossenheit zu vereinigen, wird in manchen Wohnungen in der -Augenhöhe eine Holzverkleidung geführt mit regelmäßigen, rahmenartigen -Ausschnitten, darin die Kunstblätter hinter Glas stehen und beliebig je -nach dem Inhalt der Mappe ausgewechselt werden können. Der Kunstfreund -ist solcherart stets im gegenwärtigen Genuß seiner Sammlung und kann -den Turnus wechseln, so oft es ihm beliebt, von der feinen dekorativen -Wirkung dieses Arrangements ganz zu schweigen. Ob man nun auf die -eine oder andere Art vorgeht, dafür sich immer neue und interessante -Gestaltungsmöglichkeiten in unseren modernen Ausstellungen lernen -lassen, man wird sich bald auf einem höheren Niveau demselben Ideal -nahe finden, das schon unseren Großvätern erstrebenswert schien, man -wird nämlich ein ganz bestimmtes Verhältnis zu dem Bilderbesitze mit -einer klaren dekorativen Absicht zu verbinden wissen. Diese feine Lehre -liegt im dunklen »Turmalin« und in manchem alten Räume, darin die -Ahnenstimme lebt. - -Die bildmäßig dekorative Verwendung anderer Materialien, wie etwa -getriebene Paneele in Messing, Kupfer oder Silber, die Kachelschnitte, -Mörtelschnitte, Mosaikbilder, Email und Perlmutter etc., die in die -Mauer eingelassen werden, kann nur im eigenen Wohnhaus in Betracht -kommen, wo der Kunst ein viel größerer Spielraum gegeben ist. - -[Illustration: ENTWÜRFE FÜR LACKMÖBEL - -Tischchen von Architekt Max Benirschke.] - - - - -[Illustration: Salonecke von Arch. Karl Bräuer.] - - - - -Das Porträt im Wohnraum. - - -[Illustration: Wohnzimmer von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Sitzgelegenheit mit Bücherablage von Architekt Max -Benirschke.] - -Eine Stadt, die hunderttausend Einwohner hat, kann keine zwei -Porträtmaler ernähren. Das gibt zu denken. Im Nebenzimmer hängt das -Porträt der Großmutter. Sie sieht aus, wie in ihren besten Jahren, -als Frau, da sie schon alle ihre Kinder gehabt hat. Acht an der Zahl. -Wie gut sie aussieht! Die dunklen Haare sind in der Mitte gescheitelt -und ziehen in schönem Schwung stark in die Schläfen herein. Das blaue -Seidenkleid ist tief ausgeschnitten, ein feines Spitzentuch trägt sie -darüber. Um den schönen Hals läuft eine neunfache Perlenschnur, vorne -von einer großen Brosche zusammengehalten. Sie trägt die großen, aber -ungemein fein und leicht gearbeiteten Ohrgehänge aus den Dreißiger- -und Vierziger-Jahren und schön gefaßte Ringe: Topas, Amethyst und -Chrysopras. Stundenlang könnte man sie ansehen. Wie schön sie ist! -Überallhin folgen einem ihre Blicke. Stellt man sich links, rechts, in -die Mitte, immer blickt sie einem an mit den braunen, klaren, gütigen -Augen. Der Maler ist gar nicht bekannt. Aber das Bild lernt man lieben, -und im Bilde die Frau. Bald hat sie einen unverlierbaren Platz in der -Seele und lebt mit uns, obzwar sie längst tot ist. Im Leben haben -wir sie nie gesehen. Ein Jugendbildnis ist noch da. Da war sie noch -Mädchen, trug einen bebänderten Florentinerhut und weiße, duftige -Tüllkleider. Ein Pastell, blaß und rührend anzusehen. Ausgebleicht, -aber rosig umhaucht, wie verdorrte Rosen. Das war eine kunstfrohe -Zeit, Großmutters Jugendtage. Aus allen Familien sind uns von damals -Bildnisse überliefert, Ölporträts, Pastelle, Lithographien, Miniaturen, -von Daffinger und Genossen auf Elfenbein kunstreich gemalt. Dieselben -Personen meistens in den verschiedensten Lebens-Epochen dargestellt, -Grillparzer, die Fröhlichs, Schubert, all die Großen ihrer Zeit, noch -aus ihren unberühmten Tagen, was das Bemerkenswerte ist. Von den -Bildnissen Unberühmter, die nur Familienwert haben, gar nicht zu -reden. Diese ganze Kunstblüte ist untergegangen. - -[Illustration: Salonschrank von Arch. Max Benirschke.] - -Auf hunderttausend Einwohner kommen heute keine zwei Porträtmaler. -Wie werden wir unseren Enkeln im Gedächtnis bleiben! Wird unser Bild -in ihren Seelen leben, gegenwärtig sein, mitwirkend in ihrem Tun und -Lassen, geliebt und verehrt wie unsere selige Großmutter? Wir lassen -uns photographieren. In einer Anzahl von Jahren ist die Photographie -verblaßt, ausgeblasen, unkenntlich, eine Fratze. Vielleicht heben sie -die Nachkommen auf, vielleicht! Aber ansehen tut man sie nicht, zeigen -noch weniger. Es ist unerquicklich. Name sind wir dann, leerer Schall. -Und dann erst wirklich gestorben. Liebe Großmutter, du lebst! Nein, wir -lassen uns auch porträtieren. Wir gehen in eine große photographische -Anstalt, wo viele junge Maler im Taglohn angestellt sind, und bestellen -das »Porträt«. Es ist zwar nur ein photographischer Grund, aber schön -angefärbelt. Sehr süß und schmeichelhaft, als ob wir nicht Menschen, -sondern Porzellanpüppchen wären. Aber es gefällt den Leuten, und es ist -modern. Darum tut es nichts, daß dieser Schund siebzig bis achtzig -Gulden kostet. Meistens soll es eine Überraschung sein, ein Geschenk -für die Frau des Hauses, für den Ehegatten. O Glück! O Wonne! Alles -ist Festfreude. Am Geschenk darf man nicht mackeln, darum wird der -kritische Verstand beizeiten totgeschlagen, wofern er überhaupt da war. -Zum Schlusse liebt man, was man hat, und sieht nur das sündhafte Geld -darin, das es gekostet hat. - -[Illustration: Schmuckkästchen von Arch. Max Benirschke.] - -Für dasselbe Geld bekommt man auch ein gutes Porträt. Man wende -sich an die Akademie, an die Kunstvereine, an die jungen, fertigen -Künstler. Die gehen mit Feuereifer daran, sie brauchen nicht mehr -unwürdige Arbeit tun, Bilderbogen kolorieren, Nikolo und Krampusse -für den Christkindlmarkt fabrizieren, um das Leben zu fristen. Alle -Porträtmaler hätten auf einmal zu tun. Und in jedem Hause könnten ein -paar Bildnisse sein, die einen wahren Familienschatz bilden. - -[Illustration: Salon, Sitzecke von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Lackmöbel von Arch. Max Benirschke.] - -Aber dem steht manches entgegen. Leider zum Teil die jungen und -fertigen Künstler selbst. Die sind betört durch das Riesenphantom, das -»Künstlerpreis« heißt, den die Künstler von Ruf zu erzielen pflegen. -»Warum sollten wir nicht auch -- -- --?« Kommt man in eine von -jungen Künstlern veranstaltete Ausstellung, fällt nichts so sehr auf -als die hohen Preise. Es ist ein offenes Geheimnis, daß dieselben -Bilder um tatsächliche Kaufbeträge erhandelt werden, die zwergenhaft -sind im Vergleiche zu den verlangten Riesensummen. Mehrstellige -Künstlerpreise kommen mit dem steigenden Ansehen und Alter von selbst. -Während unsere Künstler darben, sind beispielsweise die französischen -Maler das Verkaufen gewöhnt. Das machen die billigen Preise. - -[Illustration: Stuhl von Arch. Max Benirschke.] - -Und dann die Leute. Die sagen, die Photographie tut denselben Dienst. -Das ist nicht wahr. Die Photographie gibt zwar alle Einzelheiten genau -wieder, aber rein äußerlich, auf chemisch-mechanische Weise. Darum -hat sie immer etwas Mechanisches, Seelenloses. Ich finde es ganz -begreiflich, daß Leute die gelungenste Photographie mit den Worten -zurückweisen: »Das bin ich nicht!« In den photographischen Ateliers -kommt das täglich vor. Nicht wie wir im Auge des leblosen mechanischen -Apparates uns darstellen kommt es an, sondern darauf, wie wir im Auge -des Menschen erscheinen. Darauf ist unser Empfinden, ja unser ganzes -Sein gestellt. Darum kann die Photographie nie die Geltung eines -Porträts haben. - -Da gibt es Leute, die behaupten, die Bildniskunst sei die niedrigste -Gattung der Malerei. Es ist gelegentlich schon geschrieben worden. Es -ist gesagt worden, daß es eigentlich recht widerwärtig sein müsse, -täglich fremde Augen, Ohren, Nasen zu malen, nichtssagende Gesichter, -die dem Maler doch langweilig und gleichgültig sein müssen. Da tut er -eben seine Pflicht, schafft treu und fleißig wie ein Handwerker, und -was derlei Aussprüche mehr sind. - -[Illustration: Fauteuil von Arch. Max Benirschke.] - -Ich habe immer eine heimliche Sehnsucht gehabt, Porträtmaler zu sein. -Bildniskunst, sie ist der Gipfel der Malerei. Ich habe die ganz klare -Empfindung, daß ein Maler, der Künstler ist, nichts malt, was ihm -gleichgültig ist, daß er Psycholog genug ist, um in jedem Antlitz -einen Schimmer Seele zu entdecken, und daß er den Pinsel nicht eher -anrührt, bis er sich über den inneren Menschen klar geworden. Denn das -ist seine Kunst, daß er den Menschen nicht wie die Photographie in der -äußerlichen Zufälligkeit des Augenblicks darstellt, sondern dessen -innere Züge ergreift und den Charakter mit allen seinen Möglichkeiten -offenbart. Diese innere Ähnlichkeit ist künstlerisch wichtiger als -die bloß äußere. Ihm werden die feinen Linien und Fältchen des -Antlitzes, die der ungeschickte Photograph, der schmeicheln will, mit -Vorliebe wegretouchiert, besonders kostbar sein, und er wird das Auge, -das wir immer zuerst suchen, wie den Weg zur Seele, als wichtigste -Offenbarungsquelle behandeln. Das Porträt ist Geschichtsmalerei im -höchsten Sinne. Nicht allein für den Maler ist die Sache interessant, -auch für den Besteller. Der weiß, der Künstler malt aus innerer -Anschauung heraus, also das Bild, das er in seiner Seele von ihm -gewonnen hat. Er malt ihn, wie wir im Auge des Menschen erscheinen. Es -liegt darin etwas, das uns allen sehr nahe geht. Das Auge des Nächsten -ist in Wahrheit unser Wächter. Der einsame Mensch verwildert. Unsere -gesellschaftliche Kultur ist auf das fremde Auge gestellt. Sie spitzt -sich im Kerne auf die unausgesprochene Frage zu: »Werde ich gefallen?« -Das Maßgebendste aber wird sein, wie uns der Künstler mit seinen -verfeinerten und verschärften Sinnen auffaßt. Er wird uns mit keiner -Wahrheit verschonen. Wir werden in seiner Darstellung nicht aussehen -wie im stumpfen Alltag, sondern wie an einem Festtage des Lebens, etwa -in seinem höchsten Augenblick, in dem sich unser verborgenstes Wesen -zum stärksten Ausdruck sammelt. - -[Illustration: Fauteuil und Tischchen von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Stuhl von Arch. Maurice Herrgesell.] - -Kann das die Photographie leisten? - -Ich habe von der Großmutter keine Photographie, das gab es zu ihrer -Zeit noch nicht. Angenommen, es gäbe eine solche, und ich besäße nichts -von ihr als diese Photographie, so würde sie wirken wie erblindete -Spiegel. Die Großmutter wäre sodann nie für mich gewesen. Die -Bildniskunst hat mich verehren gelehrt. - - - - -[Illustration: Plastik von Prof. Franz Metzner.] - - - - -Plastik im Zimmer. - - -Eine edle Plastik im Zimmer zu haben, ist immer eine Angelegenheit -kunstfroher Geister. Die Porträtplastik kommt im Hause zur -hervorragenden Geltung. Ebenso wie die nach dem Leben gearbeitete -Medaille. »Bloß zu beider Art Monumenten kann ich meine Stimme geben«, -sagt Goethe. »Was hat uns nicht das fünfzehnte, sechzehnte und -siebzehnte Jahrhundert für köstliche Denkmale dieser Art überliefert, -und wie manches Schätzenswerte auch das achtzehnte! Im neunzehnten -werden sich gewiß die Künstler vermehren, welche etwas Vorzügliches -leisten, wenn die Liebhaber das Geld, das ohnehin ausgegeben wird, -würdig anzuwenden wissen. -- Leider tritt noch ein anderer Fall ein. -Man denkt an ein Denkmal gewöhnlich erst nach dem Tode einer geliebten -Person, dann erst, wenn ihre Gestalt vorübergegangen und ihr Schatten -nicht mehr zu haschen ist. Nicht weniger haben selbst wohlhabende, -ja reiche Personen Bedenken, hundert bis zweihundert Dukaten an eine -Marmorbüste zu wenden, das doch das unschätzbarste ist, was sie ihrer -Nachkommenschaft überliefern können. Mehr weiß ich nicht hinzuzufügen, -es müßte denn die Betrachtung sein, daß ein solches Denkmal überdies -noch transportabel bleibt und zur edelsten Zierde der Wohnung gereicht, -anstatt daß alle architektonischen Monumente an den Grund und Boden -gefesselt, vom Wetter, vom Mutwillen, vom neuen Besitzer zerstört und, -so lange sie stehen, durch das An- und Einkritzeln der Namen geschändet -werden«. - -[Illustration: Porträtplastik von Prof. Franz Metzner.] - -Fünfzig Jahre später lebte noch ein Abglanz dieses überragenden -Geistes. Die Großelternzeit lebte in Goethe. Vom idealen Zimmer Adalb. -Stifters wurde schon erzählt. Ein Fernrohr durfte nicht fehlen, denn -das ist die Art der Dichter, daß sie immer wie durch Fernrohre sehen. -In die Zukunft hinein. Da ist die Rede von weißen ruhigen Marmorbildern -alter Zeit, die den Gipfel seiner Wünsche bilden. - -[Illustration: Salonecke von Arch. Maurice Herrgesell.] - -Die Wiener Kunstwanderungen erschlossen die Wohnungen, die den -Kunstsinn der letzten zwanzig bis dreißig Jahre offenbarten. Die Sache -war lehrreich genug. Von wirklich edler Plastik war wenig zu sehen. -Kaum hie und da eine Porträtplastik. Dagegen hatte die Galvanoplastik -einen breiten Raum. Man denke Michel Angelos’ Moses in einer -elektro-chemischen Wiedergabe, natürlich gegen das Original gemessen -aufs winzigste verkleinert, einem Tafelaufsatze nicht unähnlich. -Gypsstatuen mit Goldbronze belegt, standen umher. Jeder Sinn für -Echtheit ward verleugnet. Es war die Art, wie man in der Zeit des -Parvenü- und Protzentums die Kunst verstand und pflegte. Der ganze -Götterhimmel, der den Bildungsbezirk des Großbürgertums umstand, -hatte eine Wendung ins Operettenhafte gemacht. Soweit Offenbach’s -»Schöne Helena« von der Iliade entfernt ist, soweit entfernt sich -der Kunstverstand des Mrs. Jourdains anno 1870 von der Erkenntnis -Michel-Angelesker Größe. - -[Illustration: Sitzecke von Arch. Karl Witzmann.] - -[Illustration: Schreibmappe mit Lederschnitt von Fräulein Trethahn.] - -Heute ist das Kunstgewissen weiterer Kreise wieder empfänglicher -geworden. Man lächelt über die Geschmacklosigkeiten unserer jüngsten -Vergangenheit. Man sagt sich wieder, das plastische Kunstwerk muß -sich in den Raum einordnen, soll an bedeutsamer Stelle steh’n, einen -Augenruhepunkt bilden und dem prüfenden Blick standhalten können. -Nachbildungen von räumlich größeren Kunstwerken sind durchaus -verwerflich. Größere plastische Werke haben im Wohnraum nicht Platz, -sie fallen aus dem Rahmen, sie stören die Harmonie empfindlich, -wenn sie mit der räumlichen Umgebung nicht im Einklang stehen. Die -Kleinplastik nahm in den letzten Jahren einen großen Aufschwung. Sie -liefert den plastischen Schmuck unserer Wohnung, wofern es nicht -auch eine gute Porträtplastik sein kann. Aber was die Bazare an -kleinplastischem Schmuck liefern, ist selten von künstlerischem Wert, -meist nur süßliche allgefällige Publikumsware. Man gewöhnt sich also -schon allmählich daran, zum Künstler selbst zu gehen, wie es in den -besten Kunstjahren war. Man braucht den Zwischenhändler nicht, der ja -niemals künstlerische Interessen, sondern nur Handelsinteressen hat, -oft zum Schaden des guten Geschmackes. Der Bevormundung durch den -unwissenden Verkäufer, der den ärgsten Plunder unter dem Schlagwort -»Modern« oder »Sezzessionistisch« den Kunden aufschwatzt, hat sich -das deutsche Publikum noch nicht zu entziehen gewußt. Irgend ein -einzelner Gegenstand ohne Kunstwert, in irgend einem Laden gekauft, -kostet meistens ebensoviel, als ein kleines Originalwerk im Atelier. -Die Segnungen einer solchen Kunstfreude würden nicht lange ausbleiben -und ihr erster Erfolg wäre der, daß Leute, die nicht in der Lage sind, -solche Kunstsachen zu besitzen, den häßlichen Plunder der Bazare, -der fälschlich für Wohnungsschmuck ausgegeben wird, lieber nicht -aufstellen, und wenigstens durch diese Enthaltsamkeit die erfreulichen -Zeichen eines gesunden Geschmackes geben, anstatt durch lächerliche -Surrogate das peinliche Gefühl wachzurufen, daß das Gewollte doch ganz -anders sein müßte. - -[Illustration: Schreibmappe mit Lederschnitt von Fräulein Trethahn.] - - - - -[Illustration: Salonschrank von Arch. Max Benirschke.] - - - - -Junggesellenheim u. Herrenzimmer. - - -Das Studium alter Kulturen hat uns gelehrt, daß je erhabener die -Kunst, desto größer die Einfachheit war. Wenn wir wollen, daß die -Kunst ihren Ausgangspunkt in dem Hause nehme, dann müssen wir -aus unseren Häusern alle überflüssigen und störenden Gegenstände -fortnehmen, den sogenannten Luxus, den Komfort, der in Wirklichkeit -gar kein Komfort ist, weil er nur unnötige Plage macht und für nichts -gut und nützlich ist. Der wirklichen Gebrauchsgegenstände sind -verhältnismäßig wenige. Wenden wir uns einmal an die kleinste Wohnung, -die von einer alleinstehenden Person bewohnt wird, an das sogenannte -Junggesellenheim, so finden wir in der Regel ein einziges Zimmer, in -dem geschlafen und gearbeitet wird, wobei eine Arbeit vorausgesetzt -ist, die nicht viel Unordnung verursacht. Wir finden darin einen -Bücherschrank, der eine Menge Bücher enthält, ein Bett, das mit weißen -weichen Leinenvorhängen, die mit Aufnäharbeit versehen, abnehmbar und -waschbar sind, verschlossen ist, und bei Tag, wenn die Vorhänge, die in -metallenen Ringen laufen, zurückgezogen sind, als Divan benützt werden -kann. Das Nachtkästchen, wie ein einfaches Schränkchen gebaut, dient -bei Tag als Bücherablage, als Ständer für Vasen und Rauchzeug. Dann -ein Tisch, der sicher steht, um daran zu schreiben oder zu arbeiten. -Mehrere Stühle, die sich leicht von einem Ort an den anderen bringen -lassen, ein Kleiderschrank mit Schubkästen für Wäsche und derlei, -und solche Bilder und Stiche, als es die Mittel erlauben, ja keine -Lückenbüßer, sondern wirkliche Kunstwerke, was heute unschwer für -wenig Geld zu haben ist; auch eine oder zwei Vasen gehören hieher, um -Blumen hineinzutun, namentlich wenn man in einer Stadt lebt. Ein Ofen -gehört natürlich ins Zimmer, aber man zieht einen kleinen Gaskamin vor, -der, artig von einem Holzgehäuse umgeben, an seinem Bord allerlei, -Gegenstände der Kleinkunst aufzunehmen geeignet ist. - -[Illustration: Schrank von Arch. Max Benirschke.] - -Weiter ist nichts nötig, besonders wenn der Fußboden gut ist. Wenn dies -nicht der Fall ist, so würde ein kleiner Teppich, der in zwei Minuten -zur Reinigung aus dem Zimmer geschafft werden kann, gute Dienste -leisten; doch müßte dafür gesorgt sein, daß er schön ist, sonst würde -er schrecklich stören. - -[Illustration: Schrank von Arch. Max Benirschke.] - -Das ist rein alles, was wir in unserem Junggesellenheim brauchen, wenn -wir nicht musikalisch sind und ein Klavier haben müssen (in Bezug auf -deren Schönheit wir übel daran sind), und wir können nur sehr wenig -zu diesen notwendigen Dingen hinzufügen, wenn wir nicht sowohl beim -Arbeiten wie beim Nachdenken und Ausruhen gestört sein wollen. Wenn -diese Dinge für die geringsten Kosten, für die sie gut und dauerhaft -ausgeführt werden können, hergestellt würden, würden sie nicht viel -Auslagen verursachen, und sie sind so wenig, daß die, welche die Mittel -haben, sie überhaupt anzuschaffen, sich auch bemühen könnten, sie -gut ausgeführt und schön anzuschaffen, und alle die, denen die Kunst -am Herzen liegt, sollten sich sehr bemühen, dies zu tun, und dafür -sorgen, daß keine Scheinkunst sie umgibt, nichts, dessen Herstellung -oder Verkauf einen Menschen herabgewürdigt hat. »Und ich bin fest -überzeugt, daß, wenn alle, denen die Kunst am Herzen liegt, sich -dieser Mühe unterzögen, dies einen großen Eindruck auf das Publikum -machen würde.« Mit diesen Worten entwirft der englische Kunstgewerbler -und Dichter William Morris, der als Apostel der neuen und eigentlich -uralten Glaubenssätze allerortens eine sich täglich mehrende Gemeinde -hat, einen solchen einfachen Raum und sagt: »Diese Einfachheit können -Sie andererseits so kostbar herstellen wie Sie wollen oder können; -Sie können Ihre Wände mit gewirkten Tapeten behängen, statt sie -zu weißen oder mit Papiertapeten zu bekleben; oder Sie können sie -mit Mosaikarbeiten verdecken, oder auch durch einen großen Maler -Freskomalerei darauf anbringen lassen -- all dies ist nicht Luxus, -wenn es um der Schönheit willen und nicht zum Zwecke der Schaustellung -geschieht.« Das kann man der Liebhaberei des Bestellers überlassen. Im -allgemeinen wird die größte Einfachheit auch hier das Zweckdienlichste -sein. Es gibt allerdings Leute, die sich ein prächtiges Studio -einrichten und darin allen erdenklichen Luxus anhäufen, um sich -Stimmung zur Arbeit zu machen. Sicher ist, daß in solchen Studios kaum -jemals ernstlich studiert wird. Wer ernst arbeitet, weiß, das man -im Arbeitszimmer nicht Zerstreuung braucht, sondern Sammlung. Hier -soll aber die größte Einfachheit walten. Man kann auf das Beispiel -Goethes hinweisen, das sich in diesem Zusammenhang einstellt. Den -meisten Besuchern Weimars einst und jetzt dürfte die Schlichtheit -seines Arbeitszimmers unliebsam aufgefallen sein, und man hört oft -Äußerungen der Verwunderung darüber, daß einem so großen Geiste die -Dürftigkeit des Raumes genügen mochte. Herr Dr. W. Bode spricht in -seinem Buche: »Goethes Lebenskunst« darüber aus: »Wir sind nicht wenig -erstaunt, wenn wir das Häuschen betreten, das sieben Jahre hindurch -dem Busenfreunde des Landesherrn, dem weithin berühmten Dichter des -»Werther« und »Götz«, das einzige Heim war. So bescheiden hätten -wir es uns doch nicht vorgestellt. Unten ist gar kein bewohnbares -Zimmer, höchstens kann man einen Raum, an dessen Wände Pläne von -Rom hängen, im Sommer wegen seiner Kühle schätzen; oben sind drei -Stuben und ein Kabinettchen, alle klein und niedrig, mit bescheidenen -Fensterchen und schlichten Möbeln; zuerst ein Empfangszimmer mit harten -steifen Stühlen, dann das Arbeitszimmer mit kleinem Schreibtisch, -daranschließend ein Bücherzimmer und zuletzt das Schlafzimmer, in dem -noch die Bettstelle steht, die zusammengeklappt und so als Koffer auf -die Reise mitgenommen wurde... - -[Illustration: Rauchtisch von Architekt Franz Messner.] - -[Illustration: Salontischchen von Architekt Max Benirschke.] - -So ist das Gartenhaus eingerichtet. Aber auch vom Stadthause hat man -keinen anderen Eindruck. Nichts deutet auf einen vornehmen reichen -Besitzer. Die Studierstube, in der er seine unsterblichen Werke schuf, -würde heute nur Wenigen genügen, die sich zum Mittelstande rechnen; für -»standesgemäß« würde sie niemand halten. Alles darin ist zur Arbeit -bestimmt, zum Lesen, Schreiben oder Experimentieren; kein Sopha, kein -bequemer Stuhl, keine Gardinen, sondern nur einfachste dunkle Rouleaux. -Auch an den Büchern ist keine Pracht, seine gesammelten Werke sind -auf das schlichteste eingebunden, er nahm ja auch seine berühmtesten -Dramen oder Gedichte jahrzehntelang nicht wieder in die Hand. Nur ein -Möbel hatte Goethe in dieser Stube, das wir nicht kennen -- ein kleines -Korbgestell, das sein Taschentuch aufnahm. Und auf dem Tische lag ein -Lederkissen, auf das er die Arme legte, wenn er dem gegenübersitzenden -Schreiber diktierte....« Zu Eckermann äußerte Goethe einmal: »Prächtige -Gebäude und Zimmer sind für Fürsten und Reiche. Wenn man darin lebt, -fühlt man sich beruhigt, man ist zufrieden und will weiter nichts. -Meiner Natur ist es ganz zuwider. Ich bin in einer prächtigen Wohnung, -wie ich sie in Karlsbad gehabt, sogleich untätig und faul. Geringe -Wohnung dagegen, wie dieses schlechte Zimmer, worin wir sind, ein -wenig unordentlich ordentlich, ein wenig zigeunerhaft, ist für mich -das Rechte; es läßt meiner Natur volle Freiheit, tätig zu sein und aus -mir selber zu schaffen.« Und ein andermal sagte der Achzigjährige: -»Sie sehen in meinem Zimmer kein Sopha, ich sitze immer in meinem -alten hölzernen Stuhl und habe erst seit einigen Wochen eine Art -von Lehne für den Kopf anbringen lassen. Eine Umgebung von bequemen -anspruchsvollen Möbeln hebt mein Denken auf und versetzt mich in einen -passiven Zustand.« Einen Schmuck besaß die einfache Studierstube aber -doch, den höchsten und herrlichsten zugleich, der alle Dürftigkeit -überglänzte: Goethes Geist, der in diesem Raume schuf. - -[Illustration: Entwürfe für ein Damenzimmer und ein Herrenzimmer von -Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Salonschrank von Architekt Max Benirschke.] - -[Illustration: Damensalon von Arch. Franz Exler.] - -Ein Zusammenhang zwischen Junggesellenwohnung und Herrenzimmer ist -durch den Umstand gegeben, daß auch das letztere Wohn- und Arbeitsraum -oder auch Salon des Hausherrn ist, wie der Name »Herrenzimmer« -überdies schon sagt. Es kommt im Hauswesen dort vor, wo die Hausfrau -entweder ihren »Damensalon« oder ihr »Boudoir« hat, oder wo man -aus Ökonomie auf den »Salon« überhaupt verzichtet und das eine zu -erübrigende Gesellschaftszimmer vorzugsweise auf die Bedürfnisse des -Hausherrn hin zurechtmacht. Massive, dunkel gebeizte oder polierte -Möbel mit einfachen blanken Beschlägen finden sich darin, ein großer -Bücherschrank, ein entsprechender Arbeits- oder Schreibtisch, große -gepolsterte Sitzmöbel mit grauem oder braunem Lederüberzug, alles ernst -und einfach und von der gewissen Vornehmheit, die in der Gediegenheit -überhaupt liegt. Ist der Hausherr Waffensammler, so findet sich ein -Waffenschrank vor, überhaupt Möbel, die seinen besonderen Liebhabereien -oder Berufszwecken dienen. In einfachen Rahmen hängen Bilder oder -Stiche, manche kühne Modernität, »le Nu au Salon«, warum nicht? Ein -Tropfen Pikanterie vermengt sich mit dem Duft schwerer Zigarren. So -findet man es häufig. Aber das dominierende, ehrfurchteinflößende Möbel -ist der große Schreibtisch. An ihn werden heute die persönlichsten -Anforderungen gestellt, nicht weniger als an den guten Sessel. Hier -hat eine gute Tradition mitgearbeitet. Aus dem Anfang des neunzehnten -Jahrhunderts sind große, sorgfältig erdachte Schreibtische überliefert, -große Diplomatenschreibtische mit verschließbarem Pultdeckel, einfach -geistreich kombiniert, dem amerikanischen roll desk nicht unähnlich, -ferner eine Unzahl verschiedenartiger Damensekretäre mit zahlreichen -Fächern und durchaus verschließbar, als ein glänzendes Zeichen einer -geistig ungeheuer regsamen Zeit. Man schrieb fleißig Tagebücher, -unterhielt mit allen Zeitgenossen regen, brieflichen Verkehr. Auch -der Schreibtisch von damals bildet gewissermaßen ein menschliches -Dokument. Was so ein verwittertes Möbel nicht für Geheimnisse verbirgt, -und was so einem Kasten für anmutige Rätsel abzulesen sind, diesen -Läden, die einst vollgestopft waren mit Gedichten, Liebesbriefen, -Prozessen und Romanzen, schweren Locken und anderen Liebeszeichen, -gleich einem Riesensarg, der mehr Tote enthielt als mancher Gräberhain. -Sentimentalitäten, nicht wahr? Aber ein Persönlichkeitszug ging -durch die Dinge des Hausrats, das wollte festgestellt sein. Und -einen Persönlichkeitszug will man den Dingen heute wieder geben. Der -Schreibtisch sollte seinem Besitzer angemessen sein wie ein Kleid. -Konstruktiv besitzt der amerikanische verschließbare Schreibtisch -viele Vorteile, für das Privatzimmer ist er aber allzu bureaumäßig. Im -Halbkreis geht die Tischplatte um den Sitzenden, auch die äußersten -Enden in den Bereich seiner Hände rückend. Van de Velde’s Schreibtisch, -der diese Form aufwies, war eine Sensation. - -[Illustration: Sitzgelegenheit mit seitlichen Schränken von Architekt -Max Benirschke.] - -[Illustration: Billardzimmer von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Rauchzimmer.] - -[Illustration: Spielzimmer von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Zimmerecke von Arch. Franz Exler.] - -Allein er war kein Vorbild. Van de Velde’scher Stil hat nur für -einen einzigen Menschen in der Welt Berechtigung, für van de Velde -selbst. Er drückt ein allzu Persönliches aus, das, wenn es Mode -wird, aufs nachdrücklichste bekämpft zu werden verdient. Für die -Allgemeinheit hat van de Velde keine brauchbaren Typen geschaffen. Mit -dem Schreibtisch geht es uns wie mit dem Sessel. Wer einen passenden -Schreibtisch sucht, findet ihn nicht. Er muß mit seinem Architekten -oder Tischler beraten, um zu finden, was für seine Person das Beste -ist. Es ist der einzige Weg, der zum Rechten führt. Der Konsument -müßte in allen Dingen, die seine persönlichen Bedürfnisse angehen, -Mitarbeiter des Künstlers sein, was aber wohl voraussetzt, daß er ein -wohlunterrichteter, einsichtsvoller Mensch sei. Sieht er sich dann nach -einem passenden Schreibzeug um, dann hat er wieder seine liebe Not. Die -Dinge dieser Art, die sich im Handel vorfinden, sind fast nie sachlich -gelöst. Im besten Falle müssen Bureau-Utensilien herhalten. Ebenso -ergeht es einem mit den Rauchrequisiten. Hier ist fast alles erst zu -tun. Ein weites Feld steht für den Künstler der Kleinplastik offen, -wenn erst der Publikumsgeschmack zur strengen Sachlichkeit erzogen sein -wird. Einstweilen sind es nur einige moderne Architekten, die sich -ihrer erziehlichen und kulturellen Aufgabe vollends bewußt sind. - - - - -[Illustration: Salonschrank von Architekt Max Benirschke.] - - - - -Das Musikzimmer. - - -[Illustration: Klavier von Arch. K. Bräuer.] - -[Illustration: Pianino von Arch. Georg Winkler.] - -[Illustration: PIANINO SAMMT EINLEGEARBEIT - -Arch. Max Benirschke.] - -Der Zufall spielt mir die Reproduktion eines Bildes von Schwind in -die Hände. Schubert-Abend ist es betitelt. Eine Stimmung strömt -aus dem Blatt, zart wie der Duft verdorrter Rosen; ein Hauch der -legendären liebenswürdigen Wiener Geselligkeit weht durch den Raum. Es -ist ein Altwiener Bürgersalon, großväterischer Hausrat steht umher, -Gastlichkeit und Gemütlichkeit, der genius loci winkt aus allen Winkeln -hervor, ein Klavier steht in die Mitte des Zimmers herein, eines jener -spinettartigen Instrumente, zierlich und schlank, im wohltuenden -Gegensatz zu den Monstren unserer heutigen Klaviere, Schubert davor -und ein Kreis von Kunstsinnigen um ihn herum, die Schwestern Fröhlich, -selbstverständlich auch Grillparzer, dann der gefeierte Opernsänger -Vogel und alles, was damals zur geistigen Elite gehörte. Damals war -noch die Glanzzeit der Hausmusik. Die vielen Duos, Trios, Quartette und -Quintette, von den berühmten Tonkünstlern jener Zeit zu diesem Zwecke -verfaßt, und die Zusammenstellung der Instrumente sind an und für sich -ein sprechender Beweis für den eifrigen Betrieb der Hausmusik. Bach -und Händel waren in jedem Hause gekannt und geliebt. Finden wir heute -noch gute Hausmusik? Die Frage dürfte nicht ohneweiters zu bejahen -sein. Zwar findet sich in jeder Wohnung ein Klavier vor, fingerübende -Musikbeflissene bilden mehr denn je die Verzweiflung nervöser Nachbarn, -aber die Pflege der Hausmusik ist heutzutage seltener geworden. Man -geht lieber in den Konzertsaal, der in früheren Zeiten nicht so viel -des Abwechslungsreichen und Interessanten bot als die Neuzeit, die -jeden Tag eine beliebige Anzahl musikalischer Berühmtheiten auf das -Podium stellt. Da kann man auch Toiletten zeigen und sehen, und selber -gesehen werden. Bei den meisten weiß man kaum, was sie antreibt, die -Musik oder das andere. Die biedere, hausbackene, ehrsame Hausmusik -kommt in Verfall. Daran ist aber in Wahrheit nicht so sehr der -Konzertsaal schuld, als vielmehr der Verfall des Hauswesens selbst. -Die freundlichen Genien der Gemütlichkeit und Gastlichkeit, die man -vor fünfzig Jahren bei viel geringeren Lebensansprüchen noch unter -jedem Dache finden konnte, sind aus den Städten, Großstädten zumal, -meist entschwunden. Und in der Provinz? Die verzehrt sich in Sehnsucht -nach der gleißenden Pracht der Großstadt, der sie ihre besten Kräfte -abgibt. Kalt und ungastlich ist es fast an jedem Herde geworden. Hier -bringen auch die besten Tonwerke keine Harmonien hervor. Irgend ein -Gassenhauer, wild und gehackt, eine beliebte Nummer aus dem Varieté -deckt in der Regel das Bedürfnis nach musikalischen Genüssen. Bachs -gravitätische Gavotten, ein liebliches Adagio Mozarts, eine Sonate -Beethovens sind im Hause der Disharmonien bloßer Lärm. Verständnis und -Pflege guter Musik sind ebenso sehr Sache des gebildeten Geschmacks wie -gute Manieren und vorteilhafte gesellschaftliche Haltung. Also Teil der -persönlichen Kultur, die auch in der häuslichen Umgebung und in allen -Dingen, die im Bereich der Persönlichkeit liegen, zum Ausdruck kommt. -Man sollte glauben, daß ein feines Gefühl für die Ästhethik der Farben -und der Formen von vorneherein die Bedingungen zum Verständnis edler -Musik besitzen müßte. In einem Hauswesen, wo die edle Farbe herrscht -und die edle Linie, und der Sinn, der aus dem Zweckmäßigkeitsprinzip -des Alltags die Schönheit abzuleiten weiß, wird man in der Regel -auch gute Musik antreffen. Denn ein gemeinsamer künstlerischer -Grundzug führt von der sichtbaren Harmonie auf die hörbare. Eine nach -vernünftigen modernen Grundsätzen eingerichtete Stadtwohnung braucht -aus bloß ästhetischen Grundsätzen durchaus kein eigenes Musikzimmer -zu besitzen, abgesehen davon, daß Raum und Mittel hiefür selten -bereitstehen. Es wird mit den äußeren Merkmalen unserer mit edlem -Geschmack eingerichteten Wohnung nicht im Widerspruch stehen, wenn -wir im Speisezimmer oder im Raume, den wir gewöhnlich Salon nennen, -den unsterblichen Werken der höheren Tonkunst lauschen und in einem -dieser Zimmer das Klavier und den Notenschrank aufstellen. Aber da -sind wir schon in arger Verlegenheit. Das Klavier in seiner heutigen -ungeheuerlichen Form paßt zu den schlanken, raumsparenden Möbeln noch -viel weniger als es zu den altdeutschen oder sonstigen »stilgerechten« -Einrichtungen gepaßt hat. Es verstellt in den verhältnismäßig kleinen -Wohnzimmern den besten Raum, steht breit und sperrig da und zerstört -jede irgendwie versuchte harmonische und zweckvolle Gliederung des -Gemaches. Es ist überhaupt ein Möbel, das, zwar, wenn seine Seele -ausklingt, der mächtigsten, erschütterndsten und himmlischesten -Wirkungen fähig ist, in seiner äußerlichen Erscheinung ein wahres -Scheusal genannt werden muß, das wegen seiner höchst unpraktischen -Form am allerwenigsten als eigentliches Hausinstrument gedacht zu sein -scheint. In den Zeiten, da Schubert am Klavier saß, da hatte dieses -Instrument eine Form, die mit dem übrigen bürgerlichen Hausrat im -Einklang stand. Es hatte eine schmächtige, zierliche, fast elegante -Form und fiel nirgends plump aus dem Rahmen der gesamten Wohnungskunst, -wie es das heutige tut. Es wuchs sich selbständig und unabhängig aus -und gewann solcherart seine umfangreiche, wenig ansprechende Form. Die -Klavierfabrikanten haben bis heute wenig Lust gezeigt, sich mit ihren -Klavierformen der neuen Bewegung, welche im Hause so durchgreifende -Veränderungen herbeigeführt hat, anzuschließen und ein bischen darüber -nachzudenken, ob man nicht durch eine veränderte Konstruktion zu -gefälligeren, zierlicheren Gehäusen gelangen könnte. Vor dem Koloß -eines Klavieres heutiger Konstruktion steht auch der genialste -Entwurfskünstler in Verlegenheit da, er weiß sich nichts anzufangen. -Baut er ein Gehäuse, das der einfachen strengen Linienführung des -heutigen Möbels entspricht, so sieht es womöglich noch sperriger und -ungeheuerlicher aus. Der schottische Künstler Mackintosh hatte einem -Kunstfreunde ein Musikzimmer eingerichtet und es mit allen Finessen -einer raffinierten Künstlerschaft ausgestattet. Als dekoratives Motiv -dieses ganz in Weiß gehaltenen Raumes war eine symbolische Darstellung -»der sieben Prinzessinnen«, aus Maeterlincks mystischem Märchenspiel -verwendet. In einem wundersamen Linienklang kehrt dieses Motiv an -allen Teilen wieder als Paneele, als Verkröpfung an den Holzteilen, am -Kamin, an den hohen Stühlen, am Fenster, am Klavier. Alles ist Musik, -sichtbare Musik in dem eigenartigen Raum, der in mattem Elfenbeinweiß -strahlt, darin da und dort färbige Stücke eingesetzt sind, die in ihrer -dekorativen Linienfassung wie seltsame Märchenaugen aussehen und in -dem toten, starren Material ein geheimnisvolles Leben erwecken, als ob -draußen der leibhafte Prinz stünde und mit bangen, sehnlichen Blicken -durch die Scheiben ins Gemach sähe, wo wie bleiche schöne Schatten die -Prinzessinnen schlafen, wie der Wohllaut, der in den Saiten schläft, -angstvoll gehütet, daß kein Mißton von draußen ihr zartes Leben mordet. - -[Illustration: Schrank (Lackmöbel) von Architekt Max Benirschke.] - -[Illustration: Schrank (Lackmöbel) von Architekt Max Benirschke.] - -[Illustration: Wohnzimmer von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Schreibtisch von Architekt Alois Hollmann.] - -Wenn ein Künstler sein Bestes getan hat, ist es nicht seine Schuld, daß -es trotzdem unverhältnismäßig hoch und breit und störrisch dasteht. -Klaviere sind einmal so. Man müßte, um einmal die wohltemperierte -Klavierform zu finden, sich einmal an George Logan in Greenock -(Schottland) wenden, von dem aus der Turiner Ausstellung 1902 ein -Musikzimmer bekannt ist, das uns der Künstler zwar nur als Aquarellbild -zeigen konnte. Aber es genügt, um den Traum eines Künstlers kennen zu -lernen. Eine heitere, kindlich fröhliche Mozartstimmung herrscht in -dem Raum, über den Teppich schreitet man wie auf einer blumigen Au, -an den weißgetäfelten Wänden stehen in hohen Vasen Blütenzweige, die -einen Frühling ins Gemach zaubern, und man mag es glauben, daß hier die -Töne hell und lustig fliegen wie muntere Spielbälle. Zwei sitzen am -Klavier, wahre Blumenerscheinungen, und das Klavier, aus Ebenholz mit -sparsam verteilten hellen Einlagen ist von ganz idealer Erscheinung. -Zart und einfach gebaut, fügt es sich harmonisch in den Raum ein. -Hier stört kein Mißton, auch kein sichtbarer. Ist es auch nur ein -Künstlertraum, so mag, da er greifbare Formen gefunden, die Möglichkeit -nicht fern sein, daß er ganz reale Wirklichkeit werde, wofern die -Klavierfabrikanten wollen. In bürgerlichen Wohnungen wird man sich mit -einem Pianino begnügen müssen, die bereits ganz moderne Formen, ohne -jeden Stilschnörkel aufweisen. - -[Illustration: Stehpult von Arch. Karl Sumetsberger.] - -Wenn Sie aber Lust und Mittel haben, ein eigenes Musikzimmer -einzurichten, dann versagen Sie sich jedwede ornamentale Ausstattung, -denn die bedarf, wenn die Sache nicht plump und aufdringlich werden -soll, eines höchst delikaten, künstlerischen Geschmackes, der zu -den größten Seltenheiten gehört. Vermeiden Sie also jeden Zierrat, -dulden Sie selbst keine Musikerbüsten oder Porträts, denn sie -tragen zur musikalischen Stimmung nichts bei, sie stören viel eher. -Bringen Sie lieber eine harmonische Wirkung durch die kunstreiche -Anwendung von Form und Farbe hervor und wirken Sie dadurch im Äußeren -musikalisch. Auch hiebei wird sich zeigen, daß in der Beschränkung die -Meisterschaft liegt. Halten Sie den Musiksalon bloß in ganz einfachem, -edlem, elfenbeinartigem Weiß, ohne jedweden Dekor, und stellen Sie -nichts hinein als ein schwarzpoliertes Piano, ein schwarzpoliertes -Notenschränkchen, einige Blütenzweige in Vasen und denken Sie sich in -diesem Raum eine schöne Stimme, ein paar kunstreiche Hände, die starke -goldene Töne ums Haupt winden, und Sie werden in diesem Raum unbeirrt -und von keinem fremden Eindruck abgelenkt, wahre Feste in Moll feiern. - - - - -[Illustration: Schreibkasten, geschl., v. Prof Kolo Moser.] - -[Illustration: Schreibkasten, offen, von Prof. Kolo Moser.] - - - - -Schlafzimmer u. Bad. - - -[Illustration: Schreibkasten von Johanna Hollmann.] - -Was für die Vorfahren das Schlafzimmer bedeutete, davon können wir uns -nach den heutigen Wohnungszuständen keinen rechten Begriff machen. -Das Schlafzimmer galt so ziemlich als der Hauptraum des Hauses. -Es sah aus wie ein Thronsaal. Das mächtige Bett, zu dem seitlich -Stufen emporführten und das baldachinartig überwölbt war, stand, mit -dem Kopfende an der Wand, mitten im Raum. Im Zeitalter der Gothik -und der Renaissance gab die Kunst ihren Segen dazu, wundervolle -Schnitzereien finden sich selbst an den Betten bürgerlicher Häuser -vor. Im siebzehnten Jahrhundert vollzieht sich ein guter Teil des -gesellschaftlichen Lebens im Schlafzimmer. Es ist Toilettenzimmer, -Wohnraum, Empfangsraum, Speisezimmer, sogar Küche, wenigstens für -die leichteren Speisen. Die Französin hatte ihr Paradebett, sie -empfieng den großen Besuch im Bette liegend oder sich ankleidend. Der -Barockstil hat darum auch keine anderen Möbel ausgebildet, als das -Himmelbett, den Schreibtisch, der nach unten zu Wäscheschrank ist, -und oben als Glasschrank Thee- und Kaffeeservice enthält, das Sopha -und die gepolsterten Stühle und das alles in Formen, die für unser -heutiges wahres Sein unverwendbar geworden sind. Sie gehören der -Historie an. Zur Zeit des Empire, um 1800, glich das Schlafzimmer einem -Tempel. Die Antike hatte es allen angetan. Man wollte frei sein von -der Überlieferung und geriet unversehens in die ärgste Sklaverei. Das -Schlafzimmer sollte nicht wie ein Schlafzimmer aussehen. Menschliche -Notwendigkeiten galten als durchaus unästhetisch. Es war die Zeit der -Götterpose. Das Bett fand häufig in einem Alkoven Platz, dessen Front -ein griechisches Tempelfries trug oder es war reich und kunstvoll -drapiert. Sinnreiche Symbole deuteten an, daß hier Aphroditens geweihte -Stätte sei. Das Nachtkästchen erhielt die Form eines Opferstockes. Der -Waschtisch war als Altar der Reinigung gleichfalls als Opferstätte -charakterisiert. Der praktisch bürgerliche Sinn der Biedermeierzeit -vertrug diesen ästhetischen Ballast nicht. Er reduzierte die Formen -auf das konstruktiv Notwendige, schuf sie nach seinen leiblichen -Bedürfnissen um. Könige sind damals Bürger geworden, sie entflohen -der Ungemütlichkeit der Schlösser und dem Druck der Repräsentation, -um sich in der »Eremitage« wieder menschlich zu fühlen. Heute möchte -der kleine Bürger wie ein König leben. Der Möbelspekulant ist der -große Hexenmeister, der alle Illusionen geben kann. Alle Stilarten -liefert er, die Gothik, die Renaissance, Barock, Rokoko, Empire. Nicht -um das Sein handelt es sich, sondern um den Schein. Die Möbel sind -darnach. Die Nutzräume treten zurück. Das Schlafzimmer ist die letzte, -erbärmlichste Kammer. Mein Gott, die kleine Wohnung erlaubt es nicht -anders! Und überhaupt! In’s Schlafzimmer kommt niemand hinein! - -[Illustration: Arbeitszimmer (Bureau) einer Dame mit modernem Gobelin -von Arch. Karl Witzmann.] - -[Illustration: Arbeitszimmer und Bibliothek von Arch. Hans Stubner.] - -Ein englischer Architekt, Frank Brangwyn, A. R. A., sagt sehr -zutreffend, daß die meisten Schlafzimmer vom Standpunkte einer -zweckentsprechenden Ausstattungskunst betrachtet, vernachlässigt sind, -weil sie nicht den kritischen Blicken unserer Freunde und Bekannten -ausgesetzt sind. Sie werden selten von jemandem Andern gesehen, als -von ihren Eigentümern. Wenn die Schlafzimmer in dem Maße zugänglich -wären, wie die Gesellschaftsräume, so würden sie unter den Einfluß -jenes seltsamen Wetteifers gekommen sein, der seit den frühesten -Zeiten zur Ausschmückung jedes Gebrauchsgegenstandes geführt hat, der -der öffentlichen Beachtung ausgesetzt war und Neid oder Bewunderung -erregen konnte. Es würde sehr wenig Kunst geben, wenn die Menschen -unempfindlich wären für den Ansporn des Lobes oder der Nadelstiche des -Spottes und Neides. Die volkstümlichsten Kunstformen, wie etwa die -griechischen Statuen, und die Bilder italienischer Kirchen aus dem -fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert sind immer hervorgegangen aus -den besten Traditionen und folglich den größten Meistern. Weltfremde -Einsamkeit führt die Kunst hinweg von dem Hauptstrom des befruchtenden -Lebens, und landet sie in irgend einem ungesunden Sumpfwasser, wo sie -schwach und hinfällig wird, im kleinlichen Ehrgeiz eingebildeter Größe -befangen. Erinnern wir uns daher, daß die Kunst nichts so notwendig -braucht, als öffentliche Anerkennung und öffentliche Nachfrage. - -[Illustration: Arbeitszimmer und Bibliothek von Arch. Hans Stubner.] - -[Illustration: Arbeitszimmer von Arch. A. Hollmann.] - -Bei dieser Sachlage ist es wichtig, daß die allgemeine Aufmerksamkeit -auf den schlechten Zustand der sehr schlechten Schlafzimmer gelenkt -wird, welcher heute in 99 von 100 Fällen vorkommt. In den meisten -Schlafzimmern findet man weit weniger Kunst, als in der roh zubehauenen -Holzhütte eines Südsee-Insulaners. Es ist seltsam, daß wir nach -Jahrhunderten des Fortschritts in anderen Dingen ein so geschmackloses -und achtloses Volk geblieben sind in Bezug auf die Dinge, die unserem -persönlichsten Gebrauch dienen. - -Was soll ein Schlafzimmer sein? Ein paar praktische Betrachtungen -werden die Besonderheiten klarlegen. - -1. Man kann annehmen, daß der Raum, der einem zur Verfügung steht, -klein ist, wie in den meisten Schlafzimmern. Man wird daher mit den -Dimensionen das Möglichste tun, um den Eindruck von Geräumigkeit und -Luftigkeit hervorzubringen. Der Raum soll nicht nur angenehm sein für -den Schlafenden, sondern auch für das Erwachen. - -[Illustration: Herrenzimmer (Arbeitszimmer) von Arch. Petru Balan.] - -2. Ein Schlafzimmer ist nicht nur ein Raum um darin zu schlafen, -sondern auch ein Raum, in welchem eine kranke Person für Wochen, ja -Monate liegen kann, und deshalb soll sich nichts Übertriebenes in der -Ausstattung vorfinden, nichts das sich dem Auge mit ermüdender und -langweiliger Beharrlichkeit aufdrängt. Aus demselben Grunde ist es -gut, das Bett so zu stellen, daß die kranke Person auf das Winterfeuer -im Kamin blicken kann und angeregt und erfreut wird von seinem -lustigen und hellen Flackern. Man mag vielleicht lächeln über diese -Kleinigkeiten, aber sie sind sehr wichtig. - -[Illustration: Bureau von Arch. M. Herrgesell.] - -3. Die bisherigen Betrachtungen haben rasch über die Grundzüge -des Entwurfes belehrt. Die Notwendigkeit, die man fühlt, das -Zimmer weiter, geräumiger und luftiger erscheinen zu lassen als es -wirklich ist, führt mit der Logik des gesunden Menschenverstandes zu -verschiedenen praktischen Lösungen. Man entscheidet sich zum Beispiel, -keine gemusterte Tapete zu nehmen. Wenn eine Wand über und über -gemustert ist, so lockt sie von allen Standpunkten die Aufmerksamkeit -auf sich, sie scheint sich dem Auge dadurch näher zu bringen und dem -Raum einiges von seiner Länge und Breite zu rauben. Man entscheidet -sich auch dafür, daß die Einrichtung nicht mehr Raum einnehmen darf, -als unbedingt erforderlich ist; daher muß die handwerkliche Leistung -die höchsten konstruktiven Vorzüge aufweisen, damit man den höchsten -Grad von Annehmlichkeit und Zweckmäßigkeit mit dem geringsten Aufwand -von Holz erreicht. Nachdem das Zimmer ein Schlafzimmer ist, hat man -ganz recht, das Bett als das wichtigste Möbelstück zu betrachten, und -es aus Holz herzustellen, teils weil gut gearbeitetes Holz so schön -und ruhig harmonisch wirkt, teils weil Messingbetten nicht immer -mit den Farben übereinstimmen, welche man im Auge hat, und endlich, -weil sich Metall zu frostig anfühlt. Das Bett wird nicht so niedrig -sein, daß sich die Magd versucht fühlen könnte, die Reinigung des -Fußbodens darunter zu vernachlässigen, noch wird es so hoch sein, daß -der Raum zwischen Matratze und Fußboden als Speicher für Schachteln -und für Staubansammlung geeignet erscheint. Wenn man zum Schluß das -Schlafzimmer als Krankenzimmer auffassen will, ist der Grundsatz -der Wohnlichkeit unerläßlich, ebenso eine ruhige Heiterkeit in der -Farbengebung. - -[Illustration: Bureau der österr. Bedburger Linkrusta Werke Alfred -Hoffmann, von Architekt Max Benirschke.] - -4. Man wird vielleicht Bilder in diesem Schlafzimmer anbringen wollen. -Man hänge keine goldenen Rahmen auf den Grund der Tapete, sondern -treffe eine solche Anordnung, daß die Malerei einen tektonischen Teil -der Wand selbst bildet. In andern Worten, man wähle einen Fries oder -ähnliche andere dekorative Malereien, die man seinem Urteile nach für -gut findet. Das Werk muß einigermaßen mehr sein als interessant; es muß -beitragen zur frischen und ursprünglichen Farbengebung, die man als -passend für ein Schlafzimmer findet, und man führt sie daher so durch, -daß die Malerei nicht aus der Mauer hervorspringt, sondern flächig -wirkt, und im ganzen eine ebenso wirkungsvolle als bescheidene Rolle -spielt. - -[Illustration: Briefkassette von Architekt Otto Prutscher.] - -5. Welches Holz soll man verwenden? Es ist klar, daß die dekorative -Verwendung von Materialien zwingt, streng und einfach zu sein; aber -der Strenge des Stils kann durch eine glückliche Wahl des Holzes -entgegen gewirkt werden. Nußholz würde zu schwer im Ton sein und Eiche -zu steif und unbiegsam in Substanz und Masse. Was man braucht, ist ein -leichteres Holz, freundlicher von Aussehen, und so scheint es nach -mancher Überlegung und manchen Versuchen empfehlenswert, Zuflucht zu -Kirschholz zu nehmen. Es hat eine schöne Textur, der Ton ist hell, -warm, freundlich und es hat auch eine Art von häuslicher Eleganz. Von -ebenso glücklicher Wirkung sind weißlackierte Möbel. Zu ihrem Lobe kann -nicht genug gesagt werden. Und wenn nun das Werk vollendet ist und die -Morgensonne in das Zimmer tritt, so wird man das Zimmer heimlich und -traut finden, als einen freundlichen Raum, sich darin anzukleiden und -dem Tag einen guten Anfang zu geben. - -Glücklicherweise gewinnt diese gesunde Auffassung wieder Raum. Man -fühlt sich wieder, die Persönlichkeit wächst. Man hat persönliche -Bedürfnisse. Das Schlafzimmer braucht kein Thronsaal zu sein, auch kein -Tempel. Aber luftig soll es sein. Wir sind alle Fanatiker der Hygiene -geworden. Mit Luft, Licht, Sauberkeit und Einfachheit bestreiten wir -unsere Interieurstimmungen. Und siehe da, es wirkt ganz famos. Was -dem Körper zugute kommt, gibt auch der Seele Nahrung. Wenn wir auch -zum guten Glück auf das Ornament verzichtet haben, so gibt es für den -künstlerischen Geschmack doch noch sehr viel zu tun. Vielleicht mehr -als früher. Denn das Einfache, das ist doch das Allerkomplizierteste. -Die Anordnung der Massen, die Gliederung des Raumes, die Behandlung -der Farbe, die zwecklich formale Erfüllung der Bedürfnisse, das sind -Dinge, in denen sich das Persönliche klar ausspricht. Ist Harmonie in -der Persönlichkeit, dann wird sie auch im Raum sein. Und, das ist das -Allerwichtigste, der Einzelne, der angefangen hat nachzudenken, muß mit -seinem Tischler, mit seinem Architekten arbeiten, wenn er das Seine -haben will. - -[Illustration: Herrenzimmer aus Wiener Kunst im Hause.] - -Auf Licht und Luft also kommt es an. Man wird sich daher helle Farben -wünschen, die Wände ganz licht, die Betten und Schränke in hellgelbem -Kirschholz, oder weiß lackiert, oder in unverhüllter Naturfarbe, wobei -man die Flächen durch Einsetzen anders färbiger Holzstücke beleben -kann. Sonst hat man gerne eine Ottomane dem Bette am Fußende vorgelegt, -ja mit diesem auch in einem konstruktiv verbunden. Hat man einen -besonderen Toilettenraum, dann brauchen Wäsche- und Kleiderschränke -nicht im Schlafraume stehen. Die Einrichtung der modernen Schränke -dieser Art ist für den Inhalt genau ausgemessen. Der Hängeraum muß so -hoch sein, um die Röcke gut aufnehmen zu können. Oberhalb derselben im -Inneren befindet sich häufig auch ein Brett für die Hüte. Die Hosen und -Westen werden in die breiten Laden gelegt. Eine Lade für das Schuhwerk -befindet sich zu unterst. Kleinere separate Laden und Fächer sind da -für Spitzen, Bänder, Kravatten, Handschuhe, Krägen, Manschetten etc. -Für die Schmutzwäsche gibt es einen truhenähnlichen Behälter, der im -Vorzimmer steht und häufig als Sitzgelegenheit ausgenützt ist, mit -einem Deckel oben zur Aufnahme der Schmutzwäsche und der von unten -aufklappbaren Vorderseite zur Herausnahme derselben; alles versperrbar, -natürlich. - -[Illustration: Bett von Prof. Kolo Moser.] - -Das Nachtkästchen gibt ebenfalls Möglichkeiten zu neuen sinngemäßen -Lösungen. Man kann einen kleinen, glasschrankartigen Aufsatz damit -verbinden, der die Hausapotheke aufzunehmen hat. Leichte, helle -Vorhänge, seitlich aufzuziehen, schützen das Gemach gegen Blicke von -außen her, sperren aber nicht das Licht aus. Vor dem Fenster steht die -Toilette: ein vertikaler Spiegel mit zwei im Winkel stehenden Flügeln, -ein Gesimse davor, und links und rechts vom Sitz kleine Laden für die -gesammte Kosmetik. Das alles ist sehr zierlich, sehr einfach, sehr -elegant. - -[Illustration: Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke.] - -Das Bad ist in unmittelbarer Nähe des Schlafzimmers zu halten. Jede -bessere Stadtwohnung hat ihr Badezimmer. Ein regelrechtes Bad, -mit seinen weißen glänzenden Kacheln, der vertieften Wanne, den -blankgeputzten Hähnen in der Marmorverschalung, den glänzenden -Apparaten, den technisch vorzüglich eingerichteten Waschtischen sieht -immer einladend aus. Im Schlafzimmer kann man sodann den Waschtisch -entbehren. Gerade was die Badeeinrichtung angeht, so haben wir eine -unbescholtene Vergangenheit. In den glanzvollen Zeiten des Hausrats -von der Gothik bis zum Rokoko ist keine Rede von Badeeinrichtungen. -Die »Kunst« befasste sich nicht damit, es blieb eine rein technische -Angelegenheit der neueren Zeit, darum haben wir es heute in vollkommen -von Stilarchitekturen unbeirrten, praktischen Formen vorgefunden. -Nur römische Vorbilder existieren und die sind sicherlich auch -mustergiltig. Früher war man weniger heikel in dieser Hinsicht. Heute -ist das Bad tägliches Bedürfnis für einen Menschen, der reine Wäsche -trägt. - -[Illustration: Bett von Arch. Hans Stubner.] - -Man sieht, ein vollkommener Wandel in der bürgerlichen Wohnung ist -im Zuge. Die Nutzräume treten wieder in den Vordergrund. Gesund zu -schlafen ist eine Vorbedingung des persönlichen Wohlseins. Man wird -wieder den geeignetesten Raum als Schlafzimmer einrichten, und die -anderen Räume in zweiter Linie und nach Maßgabe ihrer Wichtigkeit -bedenken. Bei diesen anderen Räumen aber ist Einschränkung am Platze. -Man muß keinen Salon haben; man kann das Wohnzimmer als solchen -benützen oder man kann das Wohnzimmer mit dem Speisezimmer verquicken, -den Salon mit dem Arbeitszimmer, was gewiß das allerrichtigste ist, -oder es kann auch, wenn es nicht anders geht, ein Raum für drei dienen, -Wohnzimmer, Salon und Speisezimmer in einem sein. Das Schlafgemach -muß hingegen ungeteilt bleiben, den Fremden verschlossen, der Ort -der Ruhe und der Träume. Der wahre Kulturgrad zeigt sich in seiner -Beschaffenheit. - -[Illustration: Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke.] - - - - -[Illustration: Schlafzimmer von Arch. Hans Stubner.] - - - - -Das Kinderzimmer. - - -[Illustration: Schlafzimmer von Arch. Hans Stubner.] - -Ein Zimmer kenne ich, das eitel Freude ist. Kunst im vornehmen Sinne -hat wenig dort zu schaffen, aber das ist ganz recht. Die Kinder, denen -dieser Raum zum Aufenthalt dient, brauchen nicht zu fürchten, irgend -einen kostbaren Gegenstand zu beschädigen. Nichts hemmt die Freiheit -ihrer Bewegung. Sie müssen sich nicht benehmen, wie jene biblischen -vierzig Kinder, die sich samt und sonders betrugen wie eines, sondern -hier darf sich jedes Kind betragen, wie vierzig. Und das ist gut. Luft, -Licht und Freiheit muß das Kinderzimmer gewähren. Entweder die kleine -Schar tollt im Raum umher und erfüllt ihn mit fröhlichem Lärm, oder sie -hocken still zusammen, betrachten die kindlich einfachen Darstellungen -an dem herumlaufenden Wandfries, wo allerlei Tiere dargestellt sind, in -jenen primitiven flächig behandelten Formen, die der rege schaffenden -Phantasie der Kleinen noch genug freien Spielraum zur Selbstbetätigung -geben. Diese Bilder, ebenso wie das Spielzeug, das auf ähnliche -Weise primitiv und der kindlichen Anschauungsweise angemessen sein -muß, wollen die Sinne erziehen und vor allem das Auge. Darum ist im -Kinderzimmer die Farbe von so großer Wichtigkeit. Gottfried Keller’s -Wort gilt: »Die Erhaltung der Freiheit und Unbescholtenheit des Auges«. -Dazu gehört, daß man alles Häßliche, Verlogene und Imitierte aus der -Kinderstube fern hält. Eine Mutter stellte die Frage, wann sie mit -der Erziehung ihres vier Jahre alten Kindes beginnen sollte. Sie ist -aber nicht die Einzige, die es nicht weiß, daß mit der Erziehung des -Kindes vom ersten Schrei an, den es in der Welt tut, begonnen wird, und -daß die Umgebung, die Kinderstube, auf rein sachliche Art erziehlich -wirken muß. Die Erziehung der Farbenfreude beginnt hier, damit das Auge -einmal der getreue Hüter und Wächter des Paradieses der farbenvollen -Weltherrlichkeit werde, an dem die Meisten wie Ausgestoßene blind -vorübergehen. Darum wird es gut sein, im Kinderzimmer, dessen Wände -im einfachen Farbenton und sehr hell gehalten sein müssen, farbige -Wandbilder aufzuhängen, die in Rahmen zum Auswechseln angebracht sind, -damit man den Kindern von Zeit zu Zeit etwas Neues bieten und den -Kreis ihrer Anschauungen erweitern kann. Der schönste Märchen- und -Tierfries, der an die Wand gemalt ist, wird auf die Dauer langweilig -und die geheime Wirkungskraft, so groß sie auch Anfangs immer sein -mag, versagt schließlich ganz. Auf die Wandbilder, die im Verlage von -Teubner und Voigtländer, Dresden, Leipzig, erschienen sind, sei bei -dieser Gelegenheit empfehlend hingewiesen. Die Unternehmung bringt -farbige Original-Steinzeichnungen von hervorragenden Künstlern zu -wohlfeilen Preisen auf den Markt und man kann ihnen das Zeugnis eines -vortrefflichen, volkstümlichen Erziehungsmittels ausstellen. Die -Heimatkunde, die Sage, das Märchen, das Tierleben, Bilder aus Dorf und -Stadt bringen sie in gelungener Weise zur Anschauung und geben dem -kindlichen Gemüt reichen Vorstellungsinhalt. - -[Illustration: Kleider- und Wäscheschrank von Architekt Hans Stubner.] - -[Illustration: Schlafzimmer von Arch. A. Hollmann.] - -[Illustration: Toilettegarnitur von Prof. Kolo Moser.] - -Während der untere Teil der Wände eines Kinderzimmers am besten in -lichtem Holz getäfelt wird, entweder hell gebeizt oder lackiert oder -auch im Naturton gehalten, um abgerieben zu werden, setzt oberhalb -des Getäfels der farbige Fries ein, oder eine Reihe von Wandbildern, -in Leisten gefaßt, ziemlich außerhalb des Bereiches der Hände; die -Wand setzt sich oberhalb bis zur Decke in hellen Farben fort und -trägt ganz oben ein Blumenfries. Aber nicht einmal das ist nötig; -Wand und Decke können weiß bleiben. Zur Blumenpflege soll man Kinder -früh anregen, sie ist das beste Mittel zur Erziehung der Naturfreude -und der Beobachtungsgabe. Deshalb wird man gut tun, unterhalb des -Fensters ein Brett anzubringen, wo die Blumentöpfe stehen, die von den -Kindern selbst gewartet werden. Das Licht soll von oben her auf die -Pflanzen fallen, Tische und Stühle läßt man am besten nur säuberlich -gehobelt ohne Anstrich herstellen, um sie stets gut waschen und reiben -zu können, was im Kinderzimmer sicherlich sehr häufig notwendig ist. -Wo es möglich ist, läßt man ein kleines Turngerät anbringen. Ein -Arbeitstisch mit allerhand Werkzeugen ist hier gut am Platze, denn -zu bauen und zu arbeiten fangen Kinder frühzeitig an. Im Allgemeinen -soll aber das Kinderzimmer kein Kramladen sein. Namentlich mit -Spielsachen soll es nicht überhäuft werden. Sonst erzieht man zur -Sprunghaftigkeit und Zersplitterung der Aufmerksamkeit. Zu zeichnen -haben Kinder immer. Das ist die erste bildnerische Regung, die man -an ihnen beobachtet. Die Eindrücke auf die Kinderseele sind so stark -und plastisch, daß sie alle unwillkürlich ihre Gedanken graphisch -darzustellen streben. Dieser Kunsttrieb, der wie eine schwache Saat -aufsproßt und umsichtiger, sorgfältiger aber unaufdringlicher Pflege -bedürfte, wird leider selten mit Verständnis behandelt und verkümmert -allzufrüh. Man wird daher sehr gut tun, an einer Wandstelle eine -große Tafel mit Kreide und Schwamm anbringen zu lassen, daran der -bildnerische Sinn der Kleinen sich austoben mag. Vor allem aber lasse -man sie mit Farbe und Pinsel arbeiten. Nicht pedantisch nach Vorlagen -oder Vorbildern, sondern nach ihrer eigenen Lust und Wahl. Man lasse -ihnen darin volle Freiheit; sie sollen ihre Welt darstellen, so, wie -sie sie sehen. Was dabei herauskommt, ist das erste schwache Pflänzchen -eines künstlerischen und zugleich ursprünglichen Schaffens. Daß dieses -Pflänzchen nicht verkümmere oder erstickt werde, ist Sache einer -weiteren kunstpädagogischen Umsicht, die freilich schon außerhalb des -Kinderzimmers liegt. Feldblumen, bunte Steine, alles was die Kinder -im Freien sammeln und als kostbare Schätze daheim ausbreiten, -bringen die Märchenstimmung in das kleine Reich, das sie mit den -Gestalten ihrer ungebrochenen Phantasie bevölkern. Von der Zeit der -ersten Gehversuche bis zum zwölften Jahre ungefähr währt die fröhliche -Herrschaft. Wenn das Kind älter wird, tritt die illusionschaffende -Seite der Phantasie zurück, das Vorstellungsgewebe füllt sich immer -mehr aus und die Ansprüche werden größer. Sobald das Mädchen nicht mehr -den Schemel als Puppenbett verwenden will, die Knaben aus umgestürzten -Stühlen nicht mehr eine »wirkliche« Eisenbahn herstellen mögen oder -in einem Brett ein Schiff und im Fußboden das Meer erblicken, sobald -die Kinder sich nicht mehr mit Eifer in die Rolle eines Tieres -versetzen, seine Stimme und Bewegung nachahmen wollen und aufhören, -sich gelegentlich als Lokomotive oder Dampfschiff zu fühlen, wird ihnen -das Puppenheim zu eng. Sie fangen an, die Kinderschuhe auszutreten. -Das zwölfjährige Mädchen fühlt sich als Fräulein und bekommt ein neues -Zimmer, eine neue Welt. Die Buben »studieren«. Weit hinten liegt die -Kindheit, wie eine selige Insel und an ihr gestrandet eine ganze Arche -Noah’s voll Kindersächelchen, entseelt und entzaubert. Ein Reich in -Trümmern. Fernab und vergessen. - -[Illustration: Toilette von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Schlafzimmer v. Arch. Georg Winkler.] - -[Illustration: Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke.] - - - - -[Illustration: Schlafzimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - - - - -Das Spielzeug. - - -[Illustration: Kinderspielzeug v. Maler Ferdinand Andri.] - -Eine mittelalterliche Sage erzählt von einem zauberkräftigen Beryll, -der in seinem Spiegel alle vergangenen und künftigen Dinge zeigte, alle -Schönheit der Erde, ferne Länder und Meere. Doch bedurfte er eines -reinen gläubigen Gemüts, das von dem Weltgift des Zweifels noch nicht -angenagt war, um das holde Wunder zu sehen, sonst blieb der wundersame -Stein trüb und dunkel. Noch geschehen Wunder. Kinder erleben sie -täglich aufs Neue. Nicht einmal ein Beryll oder sonst ein kostbarer -Edelstein ist nötig, es genügt ein ganz wertloser Stein, den sie mit -der jungen Kraft ihrer ungebrochenen Phantasie begaben, das Mirakel zu -bewirken. Mit staunendem Ergötzen sehen sie in dem schillernden Ding -Sonnenaufgang und -untergang, eine große farbenreiche Welt von Wundern, -mit einem Wort, ihre eigene Welt. Mit Verwunderung sieht man sie oft -an kostbarem, mühsam ersonnenem Spielzeug achtlos vorübergehen und -an irgend ein unscheinbares Ding ihre Liebe hängen. Ein unbedachtes -Wort, Spott oder Vorwurf und die holde Wundergläubigkeit ist dahin, -das zauberhafte Juwel wird blind und taub und erscheint nur mehr -als das, was es ist, als wertloser Stein oder Glasscherben. Und ein -Stück Unschuld geht damit zugrunde. Man begnügt sich in der Regel, -zu sagen, daß Kinder leicht zufrieden zu stellen seien. Das ist ein -sehr oberflächliches Urteil. Ich bin viel eher geneigt zu glauben, -daß es kein schwerer zu befriedigendes Publikum gibt, als gerade die -Kleinen. Der Witz der Großen, die für sie denken und bilden, wird -an ihnen gewöhnlich zu schanden. Die schönsten Spielsachen finden -zumeist dann erst Wert in ihren Augen, wenn sie sie zertrümmert haben, -um sie in ihrem Sinne wieder aufzubauen. Sowohl diese als viele -andere Erscheinungen sind Beweise, daß das Kind in dem Spielzeug -das _Rohmaterial_ sucht, mit dem seine Phantasie freischaffend -verfährt. Der Wert des Spielzeuges liegt nicht in dem, was es ist, -sondern in dem, was es werden kann, was das Kind mit ihm machen soll. -Bedeutung und Beseelung, gleichsam den künstlerischen Ausbau, empfängt -es aus dem kindlichen Schaffenstrieb. Diesen anzuregen, zu heben und zu -kräftigen, ihm die rechten Mittel bereit zu stellen, ist der Zweck des -Spielzeuges. - -[Illustration: Toilette v. Arch. Georg Winkler.] - -[Illustration: Toilette von Arch. Georg Winkler.] - -Auch die Kinderstube ist ein Spiegelbild ihrer Zeit. Eine Welt für -sich, die aber ihren Inhalt aus dem großen Leben empfängt und jeden -Kulturwandel mitmacht. Der Naturalismus der letzten Jahrzehnte -hat auch in dieser kleinen Welt ein Echo gefunden und in der -Spielzeug-Manufaktur jenen konsequenten Wirklichkeitssinn erzeugt, -der wohl den Verstand nährt, aber das Herz leer läßt. Puppen werden -erzeugt von panoptikumartiger Wirklichkeitstreue, den Babies zum -Verwechseln ähnlich, »stilgerechte« Steinbaukästen, Spielschiffe -und Eisenbahnen mit kompliziertem Betrieb, die ein getreues Modell -dieser Verkehrseinrichtungen darstellen. Wir leben ja im Zeitalter der -Technik, so mag der künftige Ingenieur schon in der Kinderstube sein -Talent an solchen Modellen nähren. Das ist die Meinung so mancher -Eltern, die bei der Geburt des Kindes schon seinen Beruf vorbestimmen -und den Fachmann bilden wollen, ehe sie den Menschen gebildet haben. -Von den Großen wird das Spielzeug gewählt, anstatt von den Kleinen. -Aber was das sentimentale Kindlichkeitsgefühl der Großen gutheißt, -billigt nicht immer der naive Sinn der Kleinen. Diese armen Kinder der -Reichen! In eine Kinderstubenwelt werden sie gestellt, die fertig ist -und ausgebaut und die nichts übrig läßt zu vollenden. Und nun heißt -es: spiele! Spielen um des Spielens willen? Für das Kind ist das Spiel -notwendige Arbeit, daran es seine Kräfte übt und entwickelt. In dieser -fertigen Welt beginnt die Arbeit mit dem Zertrümmern. Zertrümmern, um -neu aufzubauen. Um wie viel reicher sind oft die Kinder der Armen! -Ein Stück Holz wird zur Puppe, von der kleinen Mutter sorgfältig in -armselige Lappen gehüllt und aufs zärtlichste betreut. Mit der Sorge -wächst die Liebe. Man sage der Kleinen nicht, das ist keine Puppe, -das ist nur ein Stück Holz! Wo gewöhnliche Augen nur ein Stück Holz -sehen, da hat die kindliche Phantasie bereits ein Wunder bewirkt. -An dem selbsterschaffenen beseelten Gegenstand übt das junge Herz -seine Fähigkeiten. Und dieser Gegenstand hat alle Bedeutung, die es -hineinlegt. Er ist das rechte Spielzeug geworden. - -[Illustration: Bad von Arch. Leopold Bauer.] - -Die Jungen auf dem Dorfe kennen den Steinbaukasten und seine zwei bis -drei Gestaltungsmöglichkeiten nicht. Sie kennen nur den Lehmhügel am -Bach und den Sandhaufen, die der Baulust keine Grenze setzen. Hier hat -es der Formsinn leicht. Brücken entstehen, Wälle, Befestigung, Minen, -Werke der augenblicklichen Eingebung, die im nächsten Augenblicke -wieder anderen weichen. Immer ist es kurzweilig und zweckvoll. Der -willige Baustoff fügt sich jeder Regung des Schaffenstriebes. Und -die ungestörte Phantasie bevölkert alle diese Bauten, die Gruben -und Löcher, mit spukhaften Geheimnissen. Es ist die Zeit, da das -Märchen zur Wirklichkeit wird, die Wirklichkeit zum Märchen. Das -Spielzeug verhält sich zu den Dingen des Alltags wie das Märchen -zur Wirklichkeit. In beiden ist die reale Welt vorgebildet, aber -zugleich auf die einfachsten, sinnfälligsten Elemente reduziert. Die -gemeine Logik reicht gar nicht aus, um diese Elemente zu würdigen. -Man müßte denn die Welt mit den Augen des Kindes ansehen, naiv, -voraussetzungslos sagen wir künstlerisch. In diesem Betrachte ist auch -das Spielzeug künstlerisches Neuland. Es erfordert einfach organisierte -Seelen, wie es der Toymaker Caleb Plummer und seine blinde Tochter -in Dickens »Heimchen am Herde« sind. Solche Seelen wissen, daß eine -Reihe von Sardinenbüchsen, mit einem Bindfaden zusammengehalten, dem -Volk der Kleinen eine bessere Illusion von einem Eisenbahnzug gibt, -als das technisch vollkommenste Modell. In unseren Straßen gehen -arme Slovaken herum mit billigem Spielzeug, das sie selbst aus Holz -schneiden, nach ihrer eigenen unverbildeten, kindlichen Anschauung. -Der blasierte Großstädter kann diesen Dingen keinen Reiz abgewinnen, -er sagt, »es ist nichts d’ran«. Es ist allerdings nichts d’ran, als -eine entzückende Naivität, eine überraschende Kindlichkeit, die uns -Großen abgeht. Die Kleinen haben wohl ein anderes Urteil darüber, und -wie mich dünkt, ein weit richtigeres. Nehmen wir ihnen doch nicht schon -von der Kinderstube an jene Kindlichkeit, die ihr gutes Recht ist, -ihre Kraft und Schönheit. Sie zu hüten und für das Leben zu bewahren, -ist ein wichtiger Teil der Erziehung. Und im Dienste dieser Erziehung -steht das Spielzeug. Ferdinand Andri hat den immerhin interessanten -Versuch gemacht, Spielzeugtypen grotesker Art zu schaffen, die an den -primitiven Charakter der besprochenen alten volkstümlichen Spielsachen -anknüpfen. - -[Illustration: Bad von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Badezimmer von Arch. Karl Bräuer.] - - - - -[Illustration: Waschgeschirr von Frl. Jutta Sicka. Porzellanmanufaktur -Joseph Böck, Wien.] - - - - -Das Mädchenzimmer. - - -[Illustration: Kinderschlafzimmer von Arch. Leopold Bauer.] - -[Illustration: Badezimmer von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Kinderarbeitszimmer von Arch. Leopold Bauer.] - -[Illustration: Mädchenzimmer-Ecke von Arch. Max Benirschke.] - -Die Stellung der Frau im heutigen Leben ist ein Kampf, ihr Kampf -ist ein Suchen. Ihr Streben ist Gleichberechtigung mit dem Manne in -sozialen, beruflichen und politischen Dingen. Auf allen Gebieten -wetteifert sie mit ihm als ebenbürtige Genossin -- oder Rivalin. Das -spürt man schon im Mädchenzimmer. Die Nervositäten des Tages vibrieren -bis in die Stille des jungfräulichen Gemaches. Der Studiengang ist von -fast männlicher Strenge und Härte, auf den künftigen Struggle for life -vorbereitend. Und dennoch liegt über den Dingen ein milder Abglanz -weiblicher Grazie, die die Frau auch in den Härten des Berufes als -unschätzbares Gut bewahren will. Die Zwittererscheinungen des dritten -Geschlechts gehören einer kurzen Uebergangsperiode an und sind mit dem -Fluche der Lächerlichkeit beladen von der Bildfläche verbannt. Das -Mädchenzimmer vor fünfzig Jahren ist gegen das heutige eine friedvolle -Welt. Das war damals ein liebliches Hindämmern an Bändern und Kram, -bis der Großvater kam und die Großmutter nahm. Vielleicht gleicht -das heutige Mädchenzimmer dem damaligen sehr stark an äußerlichen -Stimmungselementen, aber innerlich ist es von ganz anderem Leben -erfüllt. Eine satte, lavendelschwere Luft lag in dem Raum, wo durch -weiße Gardinen der Tag hell herein schien, der Schreibtisch mit den -dicken zylindrischen Füßen barg Schleifen und Andenken, himmelblaue -Vergißmeinnichtlyrik auf antikisierenden Wunschkarten gedruckt, ein -Päckchen Briefe voll lispelnder Ach!, in steifer Schrift geschrieben, -abgestandene Parfums entsendend, wie ein altes leeres Flacon, und aus -dem spindeldürren Spinet entstiegen in dünnen gebrechlichen Tönen -Mozarts graziöse Menuetts, Schuberts kindlich fröhliche Weisen, während -durch die Straßen die sentimentalen Klänge zogen: »wann’s Mailüfterl -säuselt...« Die Lavendelstimmung ist heute auch aus dem Mädchenzimmer -entschwunden. Im Notenständer neben dem Klavier finden wir Richard -Wagner, Hugo Wolf, Richard Strauß, Schubert und Beethoven sind -geblieben. Auf dem Tische häufen sich Bücher, sogar Zeitschriften, -Maeterlincks »Leben der Bienen« liegt da; es liegt nicht nur da, es -wird auch gelesen. Was unter dem Titel »Mädchenliteratur« einstens -beliebtes Lesefutter war, ist nicht vorzufinden. Das Nähtischchen im -Fenster mit dem Strickkörbchen im Fuße ist ebenfalls verschwunden, es -ist samt der »Mädchenlekture« in der Rumpelkammer der Vergangenheit -begraben. Blumen stehen am Fenster, wie es auch einst war, Rosen im -Glas und, wenn es die Jahrzeit will, auch weiße Lilien. Das ganze -Gemach ist darauf gestimmt, eine Symphonie in Weiß. Das Bett steht -unsichtbar hinter den weißen Vorhängen, die vom Plafond heruntergehen -und tagsüber zugezogen sind. Weiße feine Vorhänge, seitlich zu öffnen, -verhüllen das Fenster, weiß sind Decke und Wände, durch die bandartig -ein Fries geht, und an den Wänden hängen, in schmalen, glatten Rahmen -Reproduktionen nach Burne Jones, trauernde Frauengestalten mit -keuschem Leib und sehnsüchtigen Blicken, »love in ruins« und andere -schmachtende Legenden, die der knospenhaft unerschlossenen Gestalten -präraffaelitischer Meister, die nun seit einigen Jahren modern sind. -Schmalhüftige hochgezogene Möbel stehen herum, fußfrei, so daß man -unten bis zur Wand blickt, was den Raum größer erscheinen läßt, -ein weiter Bücherschrank, zierliche Schränkchen und Stühle, ein -Toilettetisch mit fazettiertem Glas ohne Rahmen und mit Laden, die -Toiletteartikel darin zu versperren, im übrigen alles blitzblank und -sauber anzusehen, hie und da ein erlesenes Stück eigenen Kunstfleißes, -ein Tischläufer, eine Schutzdecke, sauber ausgenäht, mit modernem -Muster. Der Bodenbelag ist einfärbig ohne Dessin, oder fast ohne -solchen, graublau im Ton und die Möbel sind lackirt. Blau steht zu -weiß sehr schön. Dunkles Rot kann auch verwendet werden. Hellgelbes -Kirschholz ist von bezwingender Anmut. Ein solches Gemach wirkt schon -durch die Farbe wie ein Frühling. Stehen ein paar feine Gläser am -Schränkchen, einige kleine Kunstgegenstände gut verteilt, Vasen, -Porzellan aus Kopenhagen, blank und schimmernd, dann mutet es an wie -ein Festtag im Mai. - -[Illustration: Mädchenzimmer von Arch. Alois Hollmann.] - -[Illustration: Toilette von Arch. Karl Bräuer.] - -Solcherart erscheint das Mädchenzimmer als ein Spiegel der -Persönlichkeit, die darin lebt. - -Und nicht nur der Persönlichkeit, sondern auch ihrer Zeit. Was die -Ideale, Wünsche und Hoffnungen der Gegenwart sind, kann und soll man -ja auch an diesem Ort verspüren. Die Zeiten sind jedenfalls vorbei, -wo die Mädchenerziehung kein anderes Ziel kannte, als unter die Haube -zu kommen. Nichtsdestoweniger ist es sehr erfreulich, wenn sich im -heutigen Mädchenzimmer auch ein Kochbuch vorfindet. Die genaue Kenntnis -des Hauswesens auf Grund eigener Betätigung ist auch für jede gebildete -Dame eine selbstverständliche Voraussetzung. Die Vorbereitung auf -irgend einen selbständigen Beruf und auf das Leben, das draußen harrt, -soll unter allen Umständen auch der Entwicklung häuslicher Tugenden -Raum gewähren. Was immer die Zukunft erheischen möge, das Leben dürfte -in diesen Raum nichts hereintragen, was irgendwie geschmackswidrig, -schmutzig und anstößig ist. Man muß nicht hausbacken und prüde sein, -aber man muß in allen Fällen auf _seelische Hygiene_ bedacht -sein, sowohl im Umgang mit Menschen, als mit Büchern und Dingen. -Im allgemeinen dürfte das Mädchenzimmer in allen Verhältnissen den -oben geschilderten Charakter empfangen, bald einfacher, bald reicher -ausgestattet, je nach den persönlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten. -Seine besondere Prägung wird es natürlich von dem Geiste erhalten, der -darin haust. Die Wohnungspsychologie kann nicht leicht Fehlschlüsse -ziehen. Man wird es auf den ersten Blick erkennen, ob die Inwohnerin -Kunstgewerblerin, Beamtin oder Studentin ist. Die Individualität soll -ja in den Dingen der Häuslichkeit am stärksten sprechen. Reinheit und -Nettigkeit machen hier, wie überall den Hauptschmuck aus. Die Grazien -werden sicherlich auch das Gemach erfüllen, wenn sie die Inwohnerin mit -ihren Gaben beglückt haben, was natürlich nicht zu bezweifeln ist. Wenn -auch die junge Dame ein angehendes »Fräulein Doktor« ist, braucht ihre -Stube nicht auszusehen wie eine Studentenbude. Es ist eine bedenkliche -Atmosphäre, wo Parfum mit Zigarettenqualm vermischt ist. - -[Illustration: Mädchenzimmer von Arch. Maurice Herrgesell.] - - - - -Blumen am Fenster. - - -Die Hausgärten sind aus unserer Stadt ziemlich verschwunden. Der -Utilitarismus der Bauunternehmer hat nicht bedacht, daß die Naturfreude -mit zu den täglichen Lebensbedürfnissen der Stadtmenschen zählt. In -dem Maße aber, als Garten und Feld zurückwichen und die Natur den -ungastlichen Mauern entfloh, erwuchs in der Trostlosigkeit dieser -Steinwüste eine seltsame, bleiche Stubenpflanze, die Natursehnsucht, -die recht eigentlich ein Großstadtprodukt ist. Und zugleich ein -wichtiger Faktor der Kultur. Wie tief diese Sehnsucht wurzelt, kann -man an Sonn- und Feiertagen sehen, wenn die Menge »aus der Straßen -quetschender Enge« ins Freie drängt, wenn sie an Waldungen und -Feldrainen Blumen errafft, um sie in die traurigen Stuben zu stellen, -wo sie sterbend noch einen Abglanz von Sonnenfreude und Sommerlust -verbreiten. Wenn es irgend ein Vollkommenes gibt, so ist es gewiß das -schöne, stille Sein der Pflanze und die Reinheit ihres Lebens. Und was -die Menschen für das Feinste ansehen, ist ihre Schönheit und ihr Duft. -Sie wirkt mit der Kraft eines Symbols. Ein einziger Zweig ins Zimmer -gebracht, und ein ganzer Frühling ist zu Gast! - -[Illustration: Kassette von Arch. Max Benirschke.] - -[Illustration: Rauchtisch von Architekt Max Benirschke.] - -[Illustration: Blumenständer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Die unklare Natursehnsucht des Städters gibt einen klaren -Fingerzeig. Etwas sehr wertvolles liegt darin, vielleicht ein neuer -Zivilisationsfaktor, den man nur zu organisieren braucht. Anfänge -sind vorhanden, um in die naturverlassene Stadt wieder die Gärten -einzuführen. Jedermann in der Stadt kann seinen Garten vor dem Fenster -haben. Einen winzigen allerdings, aber ein Gärtchen immerhin. Einen -Meter lang, ein Drittel breit, nicht größer als es das Fenstergesimse -erlaubt, und die grün oder weiß gestrichene Einfassung, die dort -aufzustellen ist. Für wenig Geld liefert der Markt die schönsten -Blumen, und zwar je stärker die Nachfrage, desto billiger. Die Sache -hat auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung. Ein wichtiger Zweig der -Landwirtschaft käme ins Aufblühen, die Blumenzucht. Man bedenke, was -die Blumenkultur in Holland und in Frankreich wirtschaftlich bedeutet. -Keine Stadt hat größeren Blumenbedarf als Paris und nirgends sind die -Blumen billiger. Die Blumenmärkte von Paris sind eine Sehenswürdigkeit. -Bei uns ist kaum noch der Sinn dafür aufgegangen, welche reiche Quelle -von Freuden ein solches Blumenbrett ist, ein gut bestandenes und -schön gepflegtes, natürlich. Wenn aus dem Gesimse eine Blumenwildnis -hervorblüht, die duftet und leuchtet in den prangendsten Farben, ist -die Stube mit einemmal verwandelt. Die freundlichen Hausgötter der -Traulichkeit und Wohnlichkeit sind plötzlich eingekehrt und walten mit -Zaubermacht, mag auch der Hausrat noch so ärmlich sein. Es ist nicht -nur eine liebliche Augenweide, o, noch viel mehr! Öffnet man am Morgen -das Fenster, dann wälzt der Lufthauch ganze Wolken von Wolgerüchen -herein, die das Gemach erfüllen. Und welche Labsal ist es, abends -hinter diesem Hausgarten zu sitzen! Eine Fülle von Segen strömt vom -Fenster her in die Stube und in das Herz der Inwohner und hilft wol -irgend ein Gutes im Leben zu fördern. Diese Blumenwildnis vor dem -Fenster ist zwar kein vollkommener Garten, nicht einmal eine Laube, -wie man sie einst hatte, aber sie ist etwas, was unter Umständen noch -viel mehr sein kann, weil sich ein persönliches damit verbindet. Denn -die Liebe, die auf dem Grunde eines jeden guten Werkes ist, muss sich -auch hier betätigen. Wer hier nicht säet, wird auch nicht ernten. -Die Blumen am Fenster gedeihen nicht ohne aufmerksame Pflege. Das -verursacht zwar eine kleine Mühe morgens und abends, aber was tut’s? -Kann man denn etwas lieben, um was man sich gar nicht zu bemühen -braucht? Zumindest ist hier die Mühe eine Freude, die man nicht dem -Dienstmädchen überlassen soll. Der bloße Pflichtbegriff ist giftiger -Mehltau für die Blumenpracht am Fenster. So etwas merkt man gleich. -Nein, die Blumenpflege gehört der Dame des Hauses zu. Dann wird das -Blumenbörtel zum Symbol, wo jede Pflanze von der Sorgfalt und Liebe der -gewiss liebenswerten Gärtnerin erzählt. Oft kommt man an einem Hause -vorbei, wo an einem der Fenster Hortensien stehen und Nelken und Rosen, -Pelargonien und brennende Liebe und je nach der Jahreszeit manche -andere schöne Pflanze. Die schönen weißen Hände, die sichtbar werden, -um mit so viel Liebe den Blumenstand am Fenster zu pflegen, zur eigenen -Herzenslust und zur stillen dankbaren Freude des Vorübergehenden, -geben ein sehr edles Beispiel. Eine neue Schönheit zieht in unsere -Straßen ein. Da und dort bricht aus den Gesimsen eine solche blühende -und duftende Blumenwildnis hervor. Und nun denke man sich diesen -Blumenreichtum über alle Fenster, an allen Häuserreihen, bis ins -höchste Stockwerk verbreitet: er müsste die Stadt in einen reizenden -Garten verwandeln. Es müsste ein Segen sein fürs Auge und fürs Herz und -auch für die Gesundheit. Die lebt ja bekanntlich vom Schönen, ebenso -wie das Gute. - -[Illustration: Mädchenzimmer von Arch. Franz Exler.] - -[Illustration: Mädchenzimmer von Arch. Franz Exler.] - -[Illustration: Blumenkübel. Prag-Rudniker Korbfabrikation.] - -[Illustration: SALONKASTEN UND DIE DAZUGEHÖRIGE EINLEGEARBEITEN. - -Arch. Max Benirschke.] - -Aber nicht nur nach außen hin würde der Wandel eintreten, sondern -auch nach innen. Eine Revolution hat die Blume in den Wohnungen -hervorgebracht. Der Fall ist typisch: Ist in irgend einem Hause -die Blumenfreude intensiv geworden, dann spürt man die Woltat der -Blumenherrschaft in allen Räumen. Die schweren Stoffgardinen, welche -die vordem so beliebte Rembrandt’sche clair-obscur-Stimmung erzeugen -sollten, werden entfernt. Luft und Licht strömen nun in vollen -Fluten herein. Nun zeigt es sich auf einmal, welch’ ein lichtscheues -Gesindel von Nippes und lächerlichem Aufputz die Wohnung verunstaltete, -vom Makart-Bouquet angefangen bis zu den japanischen Schirmen und -Photographieständern, wie viel unkontrollierbare Staubwinkel allen -Wänden und Möbeln entlang vorhanden sind. Die Umwälzungen, die von -der stillen selbstgenügsamen Blume ausgehen, füllen ein lustiges -Kapitel. Wir wollen uns einmal flüchtig daran erinnern, daß unsere -Großeltern eine solche feine Kultur besaßen, zu der wir jetzt erst -wieder den Anfang machen. Treten wir in die Tür unserer Großväter, -dann finden wir ein helles Gemach mit weißen Gardinen, einfarbigen -oder weißen Wänden, hellgelbe Kirschholzmöbeln, und als Herrscherin -und Hüterin dieser einladenden, traulichen Stimmung die Blumen, unsere -heimatlichen Bauernblumen in weißen Töpfen, lieblich anzuschauen. In -der Blumenliebe liegt etwas sehr Edles. Der Anfang von Kunst liegt -in ihr. Was die Blumenpflege für die Kultur bedeutet, mag man in der -ausgezeichneten Schrift »Makartbouquet und Blumenstrauß« von Alfred -Lichtwark nachlesen. Von den Blumen der Heimat muß man ausgehen, sie -passen zu unserem Dasein. Wir finden sie in den beliebten Blumenstücken -der früheren Zeit, in den Vorgärten der alten Landhäuser und in den -Bauerngärten. Nur die Modesucht hat sie verachtet. Darum sollen sie zu -Ehren gebracht werden. - - - - -Blumenkörbe. - - -[Illustration: SALONKASTEN UND DIE DAZUGEHÖRIGE TREIBARBEIT - -Arch. Max Benirschke.] - -Das wissen alle Hausfrauen ganz gut, daß die reichlich verwendeten -Blumenkörbe fast immer absolut geschmacklos und unpraktisch waren. Daß -Niemand in seinem Hause einen praktischen und ästhetisch befriedigenden -Blumenkorb aufweisen konnte, hatte einen ganz einfachen Grund. Es gab -keinen also beschaffenen Blumenkorb. Was bislang für geschmackvoll -galt, war ein Blumenkorb mit einem aus imitiertem Astwerk gefertigten -Gestelle, womöglich braun gestrichen oder gar bronziert oder sie -waren geflochten und hatten Voluten und andere stilvolle Ornamente -aus Weidenruten und Flechtwerk aufgesetzt, die als wahre Staubfänger -in kurzer Zeit ein scheußliches Aussehen bekamen und ob ihrer -augenscheinlichen Zwecklosigkeit in das Gebiet des lächerlichsten -Unfugs gehören. Künstler und Kunstgewerbler haben sich in letzter Zeit -mit den Formen des Blumenkorbes befaßt. Soweit diese Lösungen bekannt -geworden und in den Handel gekommen sind, läßt sich ein bedeutender -Schritt zur Zweckmäßigkeit und wohltuenden Einfachheit konstatieren. -Formen sind im Handel, die aus Pfefferrohr und Flechtwerk hergestellt, -die Ansprüche des guten Geschmackes wohl erfüllen. Aber es liegt -immerhin noch ein weites Feld für die Erfindung schöner und praktischer -Formen, sowie für die Anwendung geschmackvoller Farben offen. Der -große Anreger auf kunstgewerblichem Gebiete, Alfred Lichtwark, erzählt -in seinem Buche »Blumenkultur« (das jedermann lesen sollte, ebenso wie -alle seine anderen Schriften), daß ihm berichtet wurde, in Hamburg -hätte man früher statt der Blumentöpfe vor jeden Fensterflügel einen -langen, eckigen Korb gestellt, als Hülle für vier oder fünf Töpfe. -Diese Körbe wären innen und außen gestrichen gewesen. Gesehen hat er -sie nicht mehr. - -[Illustration: Zusammenlegbares Buffet einer Offizierswohnung v. Arch. -Exler.] - -Diese Einrichtung ist schön und praktisch und Lichtwark knüpft daran -die Erörterung der Farbe. »Es ist nichts im Wege, daß man neben dem -Grün auch Weiß -- was sehr günstig ist -- und unter Umständen auch Rot -verwendet oder Weiß mit grünen, Grün oder Rot mit weißen Querstreifen. -Auch Blau, Purpur, Orange und Gelb sind denkbar, aber schwieriger zu -verwenden, sobald man es mit mehr als einer Blume zu tun hat. Für -größere alleinstehende Zimmerpflanzen sind Topfhüllen in Gestalt schön -bewegter und geschmackvoll gefärbter runder Körbe -- Korbvasen -- -ausgezeichnet zu verwenden. Sie sehen gut aus und haben den Vorzug, -nicht zu zerbrechen«. - - - - -Die Offizierswohnung. - - -Die Frau des Offiziers beginnt heute einzusehen, daß es für ihre -Wohnung nichts unpraktischeres geben kann, als den billigen Prunk und -lächerlichen Zierrat, der in den durchschnittlichen Stadtwohnungen -einen täuschenden Schein von Luxus und Eleganz erwecken soll. Der -Begriff: standesgemäß, für den militärischen Beruf bindender, als für -jeden anderen, hat in Bezug auf die Offizierswohnung eine seltsame -Umwertung durch das Beispiel jener bürgerlichen Wohnungen erfahren, die -von einer gedankenlosen marktlichen Massenfabrikation beherrscht, einen -nicht mehr zu unterbietenden Tiefstand des Geschmackes bezeichnen. - -[Illustration: Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann.] - -Standesgemäß, das sollte ursprünglich wohl heißen zweckgemäß, lebt -heute nur der ledige Offizier. Er hat die typische Offizierswohnung -ausgebildet, die in ihrer Einfachheit und Mobilität auf das Zelt -zurückweist. Da steht sein eisernes Bett, ein Bücherbrett, ein paar -Feldstühle, ein großer zusammenklappbarer Tisch, darauf er bequem -Pläne, Skizzen, Bücher und Schreibzeug ausbreiten kann. Ordnung und -Nettigkeit geben dem Raum den einzigen, aber auch wirksamsten Schmuck. -Sobald der Offizier verheiratet ist, verliert seine häusliche Umgebung -in der Regel ihren typischen Charakter. Die Frau des Hauses, welche in -der Wohnungsfrage zu entscheiden hat, hält sich an das Beispiel, das -die Masse gibt. Sie richtet die Wohnung so ein, wie sie Geschäftsleute -und Beamte haben, die nie oder nur selten in die Lage kommen, ihren -Wohnsitz zu wechseln. Dann sieht man an den Möbeln jene schleuderhaften -Schmuckformen, deren Daseinszweck nur darin besteht, die unsolide Mache -zu verkleiden und ein Übermaß täglicher Reinigungsarbeit zu verursachen. - -Man kann sich leicht die Verwirrung vorstellen, wenn die Notwendigkeit -eines Garnisonswechsels eintritt, auf den der aktive Offizier gefaßt -sein muß. Trotz der ungeheuren Verpackungsmühen und der erforderlichen -unverhältnismäßig großen Anzahl von Transportwägen, welche die -Transferierungskosten enorm erhöhen, ist das Mobilar, das einer -solchen Inanspruchnahme nicht gewachsen ist, schweren Beschädigungen -unterworfen. - -[Illustration: SPEISE ZIMMER - -Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann.] - -Man mußte sich erst über alle Unzulänglichkeiten klar werden, um -wieder die Möglichkeiten einer standesmäßigen, das heißt, zweckmäßigen -Offizierswohnung auf Grund einer klaren Erkenntnis der Bedürfnisse zu -finden. - -Das praktische Möbel ist selten teuerer, meistens sogar billiger, -als die schleuderhaft und gedankenlos fabrizierte Marktware. Raum, -Zeitersparnis und Bequemlichkeit muß die Möbelkonstruktion für die -Offizierswohnung gewähren, vor allem die Möglichkeit kompendiös zu -packen, so daß vier Zimmer in einem Transportwagen ohne die Gefahr der -Beschädigung gut untergebracht werden können. Zusammenlegbarkeit nach -Art der amerikanischen Missionärmöbel oder der einfache Kofferstil -werden in diesen Fällen zu den besten Lösungen führen. Auf Schmuck -kommt es beim praktischen Möbel nicht an. Er ist auch keine Bedingung -der Schönheit. - -Schönheit entsteht hier nicht durch die äußerliche Zutat von -Schmuckformen, sondern kann im Wesentlichen nur aus der Zweckmäßigkeit -entwickelt werden. Auch die übrige Dekoration des Zimmers mit Vasen -und Kleinplastik müßte sehr zurückhaltend, aber so gediegen als -möglich sein. Was nicht den prüfenden Blick aushalten kann, hat keine -Berechtigung im Raum zu existieren. An Stelle der Schmuckform würde die -edle, feinempfundene Farbe treten. Diese einfachen, geradlinigen und -augenscheinlich gediegenen und praktischen Möbel würden, koloristisch -behandelt, im Verein mit weißen, waschbaren Gardinen und einigen -Blumen am Fenster in jedem Raum, der nur weiße, kalkgeputzte Wände -hat, die traulichste Stimmung erzeugen und zugleich ein Beweis für den -höheren Geschmack der Offiziersfrau sein, die ein auf den besonderen -Berufserfordernissen beruhendes Studium der Möglichkeiten nicht -gescheut hat. Von einem modernen Architekten, den sie etwa zu Rate -gezogen, unterstützt oder im persönlichen Kontakt mit dem Handwerker, -dem sie Angaben macht und dessen Arbeiten sie wachsam verfolgt, müßte -sie zu einer Einrichtung gelangen, von der man nicht behaupten dürfte, -daß sie paßt, wie schlechtsitzende Kleider. Sie würde ebenso wie bei -den Kleidern auch das Maß der Stühle und Tische bis auf den Millimeter -durchprobieren und den Bedürfnissen des Körpers anpassen lassen. Der -gute Stuhl in ihrem Hause müßte alle Bequemlichkeiten bieten und -den darauf Sitzenden dennoch elegant erscheinen lassen. Querleisten -zwischen den Beinen würde man an diesen Stühlen nicht finden, weil -sie überflüssig und unpraktisch sind. Denn erstens will man die Füße -unter den Stuhl bequem einziehen können und dann kommen Sporen mit den -Querleisten leicht in Kollision. Überall würde darauf geachtet sein, -daß nicht mehr Material zur Verwendung kommt, als unbedingt nötig ist, -um den Formen keine unnötige Schwere zu geben. - -[Illustration: SCHLAF Z. - -Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann.] - -Bei Stühlen, die an die Wand gerückt werden, müßten die Hinterbeine -weit ausladen, damit die Lehnen die Wand nicht abschrammen können. -Auch bei dem Tisch sind die Querstangen zur Festigung nicht nötig und -daher nur dort zu dulden, wo ihre Abnutzung nicht stört, wie etwa in -der Bauernstube, wo das Holz gewaschen werden kann und das Aufstellen -der Füße keinen Schaden anrichtet. Die Reise um das Zimmer ließe sich -bequem fortsetzen und von Gegenstand zu Gegenstand der Beweis führen, -wie unpraktisch das für die Bedürfnisse der Massen hergestellte -Marktmöbel in jedem besonderen Falle ist. Die Offiziersfrau, die sich -in jedem einzelnen Falle darauf besinnt, was ihrer Wohnung zum Vorteil -gereicht, wird keine Einrichtung haben wie eine Krämersfrau, auch -nicht wie eine Banquiersfrau. Sie wird ein Heim haben, das sich von -allen anderen unterscheidet als die standesgemäße Offizierswohnung. -Und sicherlich wird jeder, der eine solche Wohnung sieht, anerkennen -müssen, daß es eine tapfere und geschmackvolle Dame ist, die den -Mut hat, durchaus zu scheinen, was sie sein soll, nämlich wahrhaft -standesgemäß. Dazu gehört sicherlich eine vornehme Gesinnung und ein -selbstbewußter Charakter, der an all der erborgten und verlogenen -Eleganz, die man heute sieht mit einem Lächeln der Geringschätzung -vorübergeht und tut, was seiner Art gemäß ist. - -[Illustration: Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann.] - - - - -Die Arbeiterwohnung. - - -[Illustration: Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Auf meiner Suche nach einer wahren Volkskunst innerhalb der -ausgestalteten Häuslichkeit stieg ich tiefer hinab zu jenen breiten -Volksschichten, denen nicht um den Schein, sondern um das Sein zu tun -sein muß, um die bloßen Kräfte, die in den Mauern, Bögen, Fenstern, -Pfeilern, wirksam sind, also um den nackten Zweckbegriff, um das rohe -Gerüst praktischer Schränke, Tische und Stühle, denen als einziger -Schmuck die natürlichen Eigenschaften des Materials, die Struktur -des Holzes etc. zugute kommen, zu jenen Volkskreisen also, die nicht -Zeit und Geld haben, ihr Leben mit Schmuck und Tand herauszuputzen, -sondern die auf das Gesunde, Primitive, Einfache losgehen. Dort -dürften Anregungen und die Offenbarung einer wahren Volkskunst zu -erwarten sein. Mit diesem Gedanken kehrte ich beim Kleinbürger ein, -bei jenen besseren Handwerksleuten, die überhaupt Anspruch auf ein -geordnetes Hauswesen erheben. Nichts von dem, was ich erwartete, -habe ich dort gefunden. Alles wollte mehr scheinen, als es wirklich -war, mit einem erborgten Schein über die grinsende Nacktheit und -Armseligkeit der Wohnräume hinwegtäuschen. Bei Leuten war ich, die sich -neu eingerichtet hatten. Kalt und hart standen ein paar Möbelstücke im -Raum; fabriksmäßig schleuderhaft gearbeitete, vom Händler um schweres -Geld gelieferte Betten, Tische und Stühle, in diesem oder jenem »Stil«, -neuestens gibt es auch solche im »Sezessionsstile«. Der Stolz der -Leute hing an ihnen, sie saßen in der Küche, um das einzige schöne -Zimmer zu schonen und lauschten am Abend ängstlich auf das mörderische -Krachen des zerlechzenden Holzes, wobei es ihnen jedesmal wie ein -Dolchstoß durchs Herz fuhr. Die Ärmsten waren gewiß am schlimmsten -daran; sie hatten am teuersten gekauft und konnten an ihrem Heim keine -rechte Freude haben. Da lobe ich mir die ärmste Bauernhütte, wo man -Blumen im Fensterrahmen stehen sieht. Hier offenbart sich wenigstens -die Liebe zur Natur, welche gleichzeitig die Liebe zur Heimat und zum -Heim ist und der eigentliche Anfang aller Kultur und Kunst. Mehr als -aller Trödlerkram ladet ein solcher Raum den Gast zum behaglichen -Verweilen ein, wenngleich seine Geräte, Tisch und Bank nur aus blankem -Holze roh gezimmert wären. - -[Illustration: Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -[Illustration: Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Ein Begriff beherrscht die Anschauungen aller Klassen, der die Lebens- -und Wohnverhältnisse bis in die tiefsten Schichten der arbeitenden -Bevölkerung herab, vergiftet hat, der Begriff: Luxus. Es ist im Vorigen -wiederholt dargelegt worden: Luxus, als das schlechthin Überflüssige, -und darum eigentlich Schädliche. Das Wort und die Sache, die es -deckt, kam eigentlich dadurch auf, daß eine reiche Lebenshaltung auf -Kreise übertragen wurde, die keine Bedürfnisse in dem angemessenen -Maßstabe besaß, und die sich der übernommenen Dinge nur bedienten, den -Anschein von Vornehmheit und Größe zu erwecken. Die Sache ward Mode, -und wer sich nicht mit kostbaren Dingen umgeben konnte, begnügte sich -mit billigem Kleinkram und den rohen, effekthaschenden Zierraten, -die man sogar an der erbärmlichen Trödelware entdecken kann. Dieser -uneigentliche »Luxus« brachte die gesunde Anschauung, die auf das rein -Zweckliche ausgeht und in deren Erfüllung alle Schönheitsmöglichkeiten -liegen, zum Verfall. Die ganze moderne Bewegung bezweckt letztenendes -die Wiedererweckung jener gesunden Grundsätze. Die große Menge, die -sich zu kalt anstauendem Besuch in unsere Ausstellungen drängt, -verharrt in ihrem Heim gewöhnlich in den kulturwidrigsten Verhältnissen -und verbarrikadiert sich gegen alle Sanierungsversuche mit dem viel -verbreiteten Vorurteil, daß die moderne Einrichtungsfrage sich -lediglich auf die Formel zuspitze, »Thu’ nur Geld in Deinen Beutel!« -Die große Masse, die sich heute noch aus Oekonomie mit dem vom Trödler, -Ratenhändler oder Möbelfabrikanten gelieferten, roh ornamentierten -Plunder begnügt, ist nicht zur Einsicht erzogen, daß die solide, -zeitgemäße Ausgestaltung des Heimwesens durchaus mit keinem Mehraufwand -verbunden sein muß. Der Luxus mag sich dann je nach der Börse und den -persönlichen Ansprüchen richten und kann der Hauptsache nach nur in -der Verwendung von mehr oder weniger kostbarem Material bestehen. Im -Prinzip aber werden alle in den vorigen Kapiteln dargelegten Grundsätze -auch für die Arbeiterwohnung gelten müssen und eine Verschiebung nur in -Bezug auf größere Schlichtheit und beschränktere Wohnungsräumlichkeiten -eintreten können. - -[Illustration: Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Auch die Arbeiterwohnung kann ein Schmuckkästchen sein, was Nettigkeit -und Ordnung betrifft, ein trauter Raum, in dem man gerne verweilt, -der nicht nur bewohnbar, sondern auch wohnlich ist und dem Kneipen -und Tingltanglwesen wirksam entgegenarbeitet. Der Andrang in Kneipen -und Tingltangln, die rohe Duzbrüderschaft lassen unfehlbar auf ein -zerrüttetes Hauswesen schließen. Soll man also die arme volkreiche -Stadt, wo sich die Wohnungen aneinander und übereinander bauen, -zahllos wie die Zellen eines Bienenkorbes, wohnlich finden und das -Gefühl der Heimatlosigkeit verlieren, so muß von dem Innern der Häuser -her, aus den Wohnungen der Eindruck verschwinden, daß fast alle, ob -arm oder reich, Fremdlinge im eigenen Heim geworden sind. Nun bilden -die erfreulichen Bildungsbestrebungen der modernen intelligenten -Arbeiterschaft freilich die sicherste Gewähr dafür, daß sich der -Ausbau einer inneren Kultur langsam vollzieht, der sich denn auch nach -außen hin in höheren Geschmacksanforderungen da und dort geltend macht. -Im Allgemeinen aber sieht es noch ziemlich schlimm aus. Aber auch -dem einfachsten Manne, der von diesen geheimen Triebkräften berührt, -Aufklärung sucht, wie er es in seiner Wohnung anfangen müsse, kann -geholfen werden. Aus den Andeutungen der früheren Kapitel müßte sich -eigentlich alles ableiten lassen, was der kleinen Wohnung des Arbeiters -oder Handwerkers frommt. Die Wände des Zimmers und der Kammer werden -jedenfalls ganz weiß getüncht sein, ein einfaches Fries tragen und -jedes Jahr mit wenig Kosten nachgetüncht werden können. Einfaches, -helles Zeug hängt als Zuggardine, seitlich aufzuziehen, in schlichten -Falten von den Fenstern herab, wo Blumen stehen und dem ganzen Raum -eine freundliche Stimmung geben. - -[Illustration: Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann.] - -Die Möbel sind ganz einfach, aus weichem Holz, gut und sorgfältig -gemacht, in geraden Leisten und Brettern zusammengefügt. Reines, -einfaches Tischlererzeugnis -- ohne Künstelei. Die Farbe kann an -solchen Möbeln, wofern sie nur in guten und richtigen Verhältnissen -hergestellt, alle Schönheit hervorbringen. Überhaupt müßte die -Schönheit des Raumes zum Teil in der farbigen Wirkung gesucht werden. -Das weiche Holz läßt sich auf verschiedenartige Weise beizen und man -könnte zu dem Weiß der Wände einen graublauen Holzton oder einen -dunkelblauen oder kirschroten vorteilhaft verwenden, von zahllosen -anderen Abstufungen nicht zu reden. Man vermeide durchaus, irgend -ein Zierrat anbringen zu wollen. Schönheit kommt aus der zweckvollen -Durchbildung, aus der schönen Proportion der Masse und endlich aus der -glücklichen Farbenwirkung. Nur ein paar Haupttöne sollen vorherrschen. -Nebst dem Weiß der Wände irgend ein kräftiger farbenfroher Ton an den -Möbeln, der auch die einfachsten Stücke bedeutsam macht und den Sinnen -näher rückt. Man ahnt für gewöhnlich gar nicht, wie leicht die Sinne -auf die farbige Erscheinung reagieren. Weißlackierte Möbel, wie die -hier abgebildeten, sind das Kennzeichen einer ganz feinen Kultur. Für -billigen und echt künstlerischen Wandschmuck hat der Verlag Teubner und -Voigtländer, Leipzig, in vorzüglicher Weise gesorgt. - -In allen Städten sind die Künstler am Werke, auch dem kleinen Mann -zu geben, was des kleinen Mannes ist. Eine wesentliche Aufgabe aller -Jener, die am Ausbau der modernen Kultur betätigt sind, ist es, das -Interesse des Volkes auf die Dinge zu lenken, die sein eigenes Wohl -betreffen und zur Mitarbeit an diesem Kulturgedanken anzuregen. Jeder -kann an der Schönheit der Erde und des Lebens mittun und Kulturarbeit -verrichten. Jeder tut es, der sein eigenes Feld wohlbestellt und bei -seinem Hause, bei seiner Wohnung, seinem Heim anfängt. Im Sinne dieses -Kulturgedankens wolle auch dieses Buch verstanden und als Freund und -Führer benützt werden. - - - - -Druckfehler-Berichtigung. - - - Seite 22 statt: „wie der“ zu lesen: wieder - - „ 23 „ „Krimkskrams“ „ „ Krimskrams - - „ 25 „ „Artelierstils“ „ „ Atelierstils - - „ 28 „ „künstlich“ „ „ künstlerisch - - „ 28 „ „die“ „ „ diese - - „ 31 „ „trübe“ „ „ liebe - - „ 36 „ „Künstlerschulen“ „ „ Kunstschulen - - „ 56 „ „Falche“ „ „ Falke - - „ 59 „ „Hellmann“ „ „ Hollmann - - „ 63 „ „Förderung“ „ „ Forderung - - „ 64 „ „Dekorationssteller“ „ „ Dekorationsteller - - „ 122 „ „mehr als“ „ „ wie ein - - „ 122 „ „durchans“ „ „ durchaus - - „ 128 „ „betrachten“ „ „ zu betrachten - - „ 129 „ „dem“ „ „ den - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die moderne Wohnung und ihre -Ausstattung, by Joseph August Lux - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MODERNE WOHNUNG *** - -***** This file should be named 50221-0.txt or 50221-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/2/2/50221/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by The Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Die moderne Wohnung und ihre Ausstattung - -Author: Joseph August Lux - -Release Date: October 15, 2015 [EBook #50221] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MODERNE WOHNUNG *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by The Internet Archive) - - - - - - -</pre> - - -<div class="chapter titel"> - -<p class="s2 center mbot3">JOSEPH AUG. LUX</p> - -<h1>DIE MODERNE WOHNUNG<br /> -UND IHRE AUSSTATTUNG</h1> - -<div class="titel"> - -<p class="s4 center mtop3 mbot5">MIT 173 BILDERN UND 8 FARBIGEN -TAFELN NACH WERKEN UND ENTWÜRFEN -VON MODERNEN ARCHITEKTEN -UND IHREN SCHULEN</p> - -</div> - -<p class="center mbot5"><b><span class="s5">1905</span><br /> -<span class="s3">WIENER VERLAG</span><br /> -<span class="s4">WIEN UND LEIPZIG</span></b></p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<p class="s5 center">DRUCK VON W. SCHLENKER, WIEN, IX., WÄHRINGERSTRASSE 26.</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<p class="s3 center mtop3 mbot3">MEINER FRAU.</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<hr class="full" /> - -<h2 id="INHALT">INHALT.</h2> - -<table class="toc" summary="Inhaltsverzeichnis"> - <tr> - <td class="tdr" colspan="2"> - <span class="s5">Seite</span> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Tradition_und_Moderne">Tradition und Moderne</a> - </td> - <td class="tdr"> - 1 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Schmuecke_dein_Heim">„Schmücke Dein Heim“</a> - </td> - <td class="tdr"> - 17 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Die_Aesthetik_der_Mietswohnung">Die Ästhetik der Miethswohnung</a> - </td> - <td class="tdr"> - 25 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Waende_und_Decke">Wände und Decke, Vorhänge und Teppiche</a> - </td> - <td class="tdr"> - 31 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Lichtkoerper_und_Heizkoerper">Lichtkörper und Heizkörper</a> - </td> - <td class="tdr"> - 39 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Vorzimmer_und_Dienerzimmer">Vorzimmer und Dienerzimmer</a> - </td> - <td class="tdr"> - 44 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Die_Kueche">Die Küche</a> - </td> - <td class="tdr"> - 50 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Aesthetik_des_Esstisches">Ästhetik des Eßtisches</a> - </td> - <td class="tdr"> - 55 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Das_Speisezimmer">Das Speisezimmer</a> - </td> - <td class="tdr"> - 64 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Der_Salon">Der Salon</a> - </td> - <td class="tdr"> - 69 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Wie_man_Bilder_haengt">Wie man Bilder hängt</a> - </td> - <td class="tdr"> - 77 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Das_Portraet_im_Wohnraum">Das Porträt im Wohnraum</a> - </td> - <td class="tdr"> - 84 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Plastik_im_Zimmer">Plastik im Zimmer</a> - </td> - <td class="tdr"> - 94 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Junggesellenheim_u_Herrenzimmer">Junggesellenheim und Herrenzimmer</a> - </td> - <td class="tdr"> - 100 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Das_Musikzimmer">Das Musikzimmer</a> - </td> - <td class="tdr"> - 112 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Schlafzimmer_u_Bad">Schlafzimmer und Bad</a> - </td> - <td class="tdr"> - 121 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Das_Kinderzimmer">Das Kinderzimmer</a> - </td> - <td class="tdr"> - 136 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Das_Spielzeug">Das Spielzeug</a> - </td> - <td class="tdr"> - 144 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Das_Maedchenzimmer">Das Mädchenzimmer</a> - </td> - <td class="tdr"> - 151 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Blumen_am_Fenster">Blumen am Fenster</a> - </td> - <td class="tdr"> - 158 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Blumenkoerbe">Blumenkörbe</a> - </td> - <td class="tdr"> - 163 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Die_Offizierswohnung">Die Offizierswohnung</a> - </td> - <td class="tdr"> - 165 - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padr3"> - <a href="#Die_Arbeiterwohnung">Die Arbeiterwohnung</a> - </td> - <td class="tdr"> - 169 - </td> - </tr> - -</table> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_1" id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p> - -<h2 id="Tradition_und_Moderne">Tradition und Moderne.</h2> - -<p>Ein verblühtes Lächeln von Liebenswürdigkeit und lebensfrohem Behagen -ist an den Dingen der Biedermeierzeit abzulesen. Zu den hellgelben -Kirschholzmöbeln, oder nachgedunkelten Mahagonimöbeln, zu der -unerdenklichen Fülle von Formen, Schränken und Tischen aller Art, -Damenschreibtischen und Nähtischen, stummen Aufwärtern und Kommoden, -zu den großblumigen Möbelbezügen und den hellen Gardinen, den Blumen -am Fenster und den gestickten Glockenzügen, zu all der gefühlsseligen -Geburtstagslyrik, welche den Proben des häuslichen Kunstfleißes -von den Schlummerkissen bis zu des Hausvaters Samtkäppchen oder -Samtpantoffeln, eingewebt war, gehören die Locken an der Schläfe, unter -den bebänderten Florentinerhüten hervorquellend, die weißen duftigen -Tüllkleider oder schwere Seide in abgetönten sentimentalen Farben, -heliotrop, dunkellila, altrosa und schwarz. Schwind’s Frauengestalten -mag man sich dabei gerne vorstellen. Der spätgeborene Enkel blickt -mit einer gewissen affektierten, halb spöttischen, halb gönnerhaften -Überlegenheit, hinter der sich nur allzuoft eine unbefriedigte -Sehnsucht verbirgt, auf jene großelterlichen Tage zurück, in denen -sich das Bürgertum auf seine Art auslebte, und zu jener Einheit der -Lebensäußerungen gelangte, welche die Bezeichnung Stil verdient. -Eine spätere Zeit hat diesen Stil »Biedermeier« getauft. In diesem -Worte verdichtet sich für uns die Vorstellung einer vollkommen -durchgebildeten bodenständigen Kultur, die in ungebrochener Linie von -den gewöhnlichen Tages<span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2">[S. 2]</a></span>erscheinungen bis zu den Gipfelpunkten, welche -die Namen Grillparzer, Schubert, Schwind bezeichnen, emporsteigt. Und -ein sonnenhaftes Lächeln umspielt heute alle Lippen, welche dieses -Wort nennen. Man war nicht immer so freundlich gesinnt. Die jüngst -verwichene Zeit, welche dem Kultus der historischen Stile frönte, -hat in das Wort Biedermeier jenes Maß von unsäglicher Verachtung -hineingelegt, welche der Kosmopolit, auch der vermeintliche, für das -Spießbürgertum immer bereit hat. Das Wort war <a name="eigenlich" id="eigenlich"></a>eigentlich nur gemünzt -als Bettelpfennig für alles Lächerliche, Gezierte, Hausbackene, -Philisterhafte, das man, wenn man durchaus will, der Schmachtlockenzeit -anmerken konnte. Aber die Zeiten haben sich gründlich geändert und -der Kosmopolitismus, der in allen Stilepochen lebte und einen wahren -Unrat von Geschmacklosigkeit und Widersinnigkeit aufhäufte, hat -einen gräßlichen Katzenjammer hinterlassen. Wir suchen heute alle -volkstümlichen Kunstlelemente auf, die wurzelhaft sind, sofern sie -nicht in den letzten fünfzig Jahren mit Stumpf und Stil ausgerottet -wurden. Wir knüpfen dort wieder an, um uns durch ihr Vorbild zu -stärken,<span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">[S. 3]</a></span> damit auch wir zu Formen gelangen, in denen unser Volk -und unsere Zeit lebt und die vom gewöhnlichsten Alltag bis zu den -ergreifendsten Äußerungen festlicher Weihe nur eine ungebrochene Linie -aufweist.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="panneau" name="panneau"> - <img src="images/fig_001.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Panneau von Arch. Max Benirschke,<br /> - Düsseldorf. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="schloss_wetzdorf" name="schloss_wetzdorf"> - <img src="images/fig_002.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Möbel um 1820.<br /> - Schloß Wetzdorf. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="interieur_wetzdorf" name="interieur_wetzdorf"> - <img src="images/fig_003.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Interieur um 1800.<br /> - Schloß Wetzdorf. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="schreibzimmer" name="schreibzimmer"> - <img src="images/fig_004.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schreibzimmer der Gräfin Molly Zichy-Ferraris Wien 1830 - nach einem Gemälde von Albert Schindler. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="empfangszimmer_wien" name="empfangszimmer_wien"> - <img src="images/fig_005.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Empfangszimmer in einem Wiener Bürgerhause um 1840. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="wetzdorf_interieur_1810" name="wetzdorf_interieur_1810"> - <img src="images/fig_006.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Interieur um 1810 aus Schloß Wetzdorf. - </div> -</div> - -<p>Und wie es oft erging, was anfänglich Schimpfwort war, ward späterhin -Ehrentitel. Biedermeiers Ehrenrettung kann nicht schlagender -dokumentiert werden, als durch den liebevollen Eifer, der das alte -Gerümpel vom Speicher, wohin es <a name="jahrzehnte" id="jahrzehnte"></a>jahrzehntelang verbannt war, wieder -herunterholt und in den schönsten Zimmern aufstellt. Das ist gewiß -ein rührender, herzerfreuender Vorgang, wenn sie wirklich alter -Familienbesitz, wenn sie also echt sind. Zwar werden solche Zimmer, -die vollständig mit altem Hausrat angefüllt sind, den Eindruck eines -Museums machen, aber ein solches Familienmuseum, mit dem sich viele -freundliche Erinnerungen verknüpfen, wird immer ein besonderer Schatz -sein. Weit über den persönlichen Wert hinaus, besitzen sie die -Kraft eines lehrreichen Beispiels, welches für den Ausbau unserer -häuslichen Kultur in großem Sinne vorbildlich ist. Sie sind die -Vorläufer des modernen Möbels. Mit ihrer bezwingenden Einfachheit -und Anspruchslosigkeit<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">[S. 4]</a></span> waren die Räume geeignet, die Geberden und -Bewegungen jener gemüt- und geistvollen Menschen maßvoll aufzunehmen, -die Stimme des Geistes und Herzens austönen zu lassen, ohne sie durch -den Unrat der Geschmacklosigkeit, durch die Wirrnis von Schnörkel und -Stilbrocken, in denen babylonisch die Sprachen aller Völker und Zeiten -ertönen, zu beschämen und lächerlich zu machen. Aus allen Winkeln -jener Interieurs, zwischen dem ernsten, einfachen Hausrat, hinter den -weißen Gardinen und zwischen den Blumen am Fenster winkt der genius -loci freundlich hervor, und es ist kein Stuhl und kein Schrank, kein -Gegenstand des Gebrauches, der nicht den Geist der Vorfahren trüge, -ihre Taten, ihre Ideale, das<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span> Wesen ihrer Persönlichkeit und ihr -Gedächtnis überlieferte. So erscheint uns Späteren das großväterische, -anspruchslose Biedermeierzimmer als das traute Heim von Menschen, -denen die Heimat nicht nur ein Wort oder Begriff war, sondern der -gesetzmäßige künstlerische Ausdruck der Persönlichkeit in den -Gegenständen der Häuslichkeit. Die Interieurs früherer Epochen, die der -Biedermeierzeit vorausgehen, besitzen keine solche Vorbildlichkeit. -Auch nicht das Empire Möbel, in dem die große Historie des barocken -Zeitalters ausklingt. Denn die Voraussetzungen, die jene historischen -Formen geschaffen haben, sind von den heutigen grundverschieden. Hof -und Kirche herrschten auch in Kunst und Kunstgewerbe. Aber es ist für -die Einheit jener Kultur bezeichnend, daß die überladenen Formen, in -welchen das Machtbewußtsein der weltlichen und geistlichen Herrschaft -adäquaten Ausdruck fand, in einem Grade volkstümlich wurden, daß -sie schließlich bis in den einfachsten<span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span> Haushalt eindrangen, als -Abglanz absolutistischer und sacerdotaler Herrlichkeit. Die Armut der -barocken Originalschöpfungen, die nicht über die Repräsentationsräume -hinausgingen und das persönliche oder private Leben in einem Zustand -der grenzenlosen Verlassenheit beließen, ist noch wenig beachtet. -Dem Parvenu am Ende des Jahrhunderts erging es wie den Kindern mit -dem Märchenkönig: »Wie wohnten doch die Könige schön!« ruft er in -den Prunksälen eines alten Barockschlosses aus, »so möchte ich es -auch haben!« Und alsbald hat er eine stilgerechte Einrichtung, alles -in billigster, banalster Nachahmung. Das Um und Auf der barocken -Interieurs bestand aus Stühlen und Tischen, aus dem Paradebett und dem -Sofa. Im Übrigen wohnten auch die Fürsten in einem denkbar schlechten -Zustand und entbehrten alle Bequemlichkeit, die heutzutage jedem -gewöhnlichen Sterblichen eine selbstverständliche und unentbehrliche -Sache ist. Wer die prunkenden Barockpaläste durchwandert, die von -den alten Adelsgeschlechtern noch bewohnt werden, findet am Ende der -überladenen Prunksäle, gewöhnlich im Obergeschoß,<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span> einige einfache, mit -bürgerlicher Behaglichkeit, meistens im Empire- oder Biedermeierstil -eingerichtete Gemächer. Das ist die eigentliche Wohnung des Fürsten. Es -liegt eine feine Ironie in dieser Erscheinung, daß der Fürst, um der -niederdrückenden Wucht seiner Repräsentationspflichten zu entgehen, -seine Zuflucht zur bürgerlichen Schlichtheit und<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span> Bequemlichkeit -nimmt, während der Parvenu des 19. Jahrhunderts all sein Behagen -hingibt für das bischen Talmiglanz einer »stilgerechten« Wohnung. -In der Tat mußte der ganze Reigen historischer Stile in atemloser -Hetze wiederkehren, ehe man wieder zu dem vernünftigen Standpunkte -zurückfand, auf dem bereits unsere Großeltern standen. Die ganze -Barocke hat nicht eine Form übriggelassen, die für die heutige Kultur -brauchbar wäre. Sie bedeutet einen Abschluß. Die Revolution hat sie -samt dem ganzen absolutistischen Königtum hinweggefegt. Ein strammer -militärischer Zug geht durch die nächsten Jahrzehnte. Der kaiserliche -Stil trägt den Bedürfnissen der Zeit Rechnung, aber Empire ist noch -sehr aristokratisch. Mit dem Glanz der Napoleonzeit verschwand auch -der Empire-Stil; aus dem Kosmopolitismus und seinem politischen -Katzenjammer flüchtete man ins alte romantische Land, Uhland, -Eichendorff, Schubert weckten die schwärmerische Liebe zur Natur, und -ein Einschlag des ländlichen Elements, wohl auch schon damals der -Einfluß Englands in Modedingen, führte zu den biederben, quadratischen -und zylindrischen Formen des Biedermeier-Möbels, an dem Reminiszenzen -aus dem Barock- und Empire-Stil als dekorative Details hängen blieben. -Das Bürgertum schafft die Formen, die es braucht. Es will nicht -glänzen, nicht präsentieren, sondern bequem und behaglich leben. Es -erfüllt seine Forderungen mit strenger Sachlichkeit und zugleich mit -einem Erfindungsreichtum, der erstaunlich ist. Unsere<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span> Möbeltypen -wurden damals geschaffen. Und es bewahrt meistens eine Feinsinnigkeit, -von der wir uns nicht immer einen richtigen Begriff gebildet haben. Es -ist die Zeit Adalbert Stifters. Er ist der vollgiltige Repräsentant -seiner Zeit. Biedermeier im besten Sinne. Er erschließt uns die -Interieurs seiner Zeit, und die Interieurs seiner Traumwelt, und läßt -uns alles miterleben, was wir beim Betreten eines Altwiener Raumes -heute noch nachzuempfinden vermögen. Alle Räume dieser Art sind schwer -zugänglicher Privatbesitz, nur mehr spärlich in Vollständigkeit -erhalten, meistens als Trödelgut verschleudert, da und dort ein Stück. -Die Museen die im Banne der Kunstgeschichte stehen, hielten sich -zu vornehm, diese Dinge zu sammeln, und auch die Lebensart unserer -Großeltern zu zeigen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="glasfenster_moser" name="glasfenster_moser"> - <img src="images/fig_007.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Glasfenster von Prof. Kolo Moser. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="fenster_winkler" name="fenster_winkler"> - <img src="images/fig_008.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Fenster von Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="tuer_m_portiere" name="tuer_m_portiere"> - <img src="images/fig_009.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Tür mit Portière von Architekt<br /> - Max Benirschke, Düsseldorf. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Nun wird die Frage laut, was wir mit diesen verjährten Dingen, die -so freundlich zu uns sprechen, anfangen sollen. Sie nachahmen? Das -hieße ein altes Laster, das wir beim Haupttor hinaustreiben, durch -ein Hinterpförtchen wieder hineinlassen und den Zirkel der Stilhetze -mit diesem letzten Glied schließen. Wie von allem Vergangenen, -trennt uns auch vom Biedermeier eine tiefe Kluft. Dennoch sind diese -Dinge wertvoll durch das Beispiel, das sie lehren. Sie lehren, wie -die Menschen von damals sichs bequem und gemütlich nach ihrer Art -einrichteten, und solcherart zu Ausdrucksformen gelangten, die<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span> -organisch aus dem Leben und seinen Forderungen hervorgegangen waren, -vielleicht hie und da ein bischen unbeholfen und schwerfällig, im -ganzen aber unbekümmert, treuherzig und bieder. Sie lehren, daß wir -es auch so machen müssen. Der Lebende behält Recht. Viele Dinge sind -konstruktiv so vollkommen, daß man sie fast unverändert aufnehmen -könnte, wenn nicht unsere Zeit doch wieder ihre eigene Art hätte, -sich auszuprägen. Was uns von Biedermeier trennt, sechzig, achtzig -Jahre einer technischen, sozialen, wirtschaftlichen, künstlerischen -Entwicklung müssen durchgreifende Veränderung des Lebensbildes -herbeiführen. Schämen wir uns der Gegenwart nicht. Während vor dem -Hause das Automobil, das Fahrrad, die elektrischen Bahnen vorbeirasen, -können wir im Innern des Hauses, wo wir alle technischen Vorteile -auszunützen suchen, vom Telephon bis zu den elektrischen Glühkörpern, -nicht den historischen Biedermeier spielen. Das hieße, da wir uns eben -altdeutsch gefühlt haben, eine Rolle mit der anderen vertauschen. Wohl -aber können wir Biedermeier im modernsten Sinne sein, indem wir uns -treu zu dem bekennen, was unserer Zeit gemäß ist, so wie es unsere -Großväter für ihre Zeit getan haben. Dann wird sich von selbst ein -gewisser verwandtschaftlicher Zug mit den vergangenen Dingen der Heimat -herausstellen, wie denn überhaupt alles Echte, aus wirklichem Bedürfnis -Herausgeborene, trotz großer zeitlicher Trennung verwandter ist, als -man denkt. Denn immer ist der Mensch das Maß der Dinge. Auch die Motive -aus alter Kultur wecken in unserem modernen Gefühl ein Echo.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="pfeiler_benirschke_1" name="pfeiler_benirschke_1"> - <img src="images/fig_010.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Pfeiler von Arch. Max Benirschke,<br /> - Düsseldorf. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span></p> - -<div class="figright"> - <a id="pfeiler_benirschke_2" name="pfeiler_benirschke_2"> - <img src="images/fig_011.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Pfeiler v. Arch. Max Benirschke,<br /> - Düsseldorf. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Nicht von oben her wird heute der Stil diktiert, sondern von unten -her. Die heutigen Produktions-Verhältnisse, die Entwicklung der -Technik, der Industrie haben die neuen sozialen Grundlagen geschaffen, -aus denen die moderne Formensprache hervorgegangen ist. Welche -Umwälzung hat z. B. das neue Beleuchtungswesen auf dem Gebiete der -Metallindustrie hervorgerufen! Die Erfindung der Elektrizität allein -hat zu Beleuchtungskörpern geführt, deren Formen aus keiner Tradition -geholt werden konnten. So geht es auch mit den anderen Gebrauchsdingen. -Das Auswachsen der Städte zu Weltstädten hat zu neuen, bis dahin nie -gekannten Lebensformen geführt. Durch das Zusammendrängen so vieler -Menschen an einem Ort und den dadurch bedingten raschen Austausch und -Verbrauch der Güter, hat das Leben eine außerordentliche künstliche -Steigerung erfahren und den Typus des Stadtmenschen verschärft. Aus -diesen Verhältnissen ist eine spezifisch moderne Aufgabe erstanden, -nämlich die: inmitten des rasselnden Getriebes der Fabriken, des -Straßen- und Geschäftsverkehres den Zustand der Wohnlichkeit -herzustellen, Räume zu schaffen, welche die Urbanität der Sitten und -Lebensgewohnheiten verkörpern, und als friedliche Inseln inmitten -des hastigen Welttreibens das Gefühl der Heimat wachhalten. In der -Tat, die moderne Stadtwohnung ist unser jüngstes Problem. Früher -kannte man es nicht. Denn wie wir oben gesehen haben, waren die -Wohnungen der Bürger zuerst von den Ausstrahlungen des Hofes und des -kirchlichen<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span> Hochgefühls bestimmt und später von den wechselnden -allgemeinen Zeitideen des Kosmopolitismus, der Romantik und noch -vor einem Jahrzehnt von der Renaissance-Illusion, vom Kultus der -historischen Stile. Weltstädte im gegenwärtigen Sinne sind ein sehr -junges Erzeugnis. Sie haben die Wohnungsfrage neu geschaffen. Der -Kern dieser Frage ist Benützbarkeit, Zweckmäßigkeit, Bequemlichkeit. -Dazu ist die Ausnützung aller modernen Hilfsmittel, aller technischen -Errungenschaften Bedingung, die zu neuen Lösungen führt. Gerade die -praktischen Forderungen des Lebens geben fruchtbare Anregungen zu neuen -Schönheitsmöglichkeiten, die im Wesen der Dinge liegen. Auf diesem Wege -gelangen wir zu dem lange gesuchten volkstümlichen Stil, welcher der -Ausdruck unserer heutigen allgemeinen Lebensformen ist.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="portiere_benirschke" name="portiere_benirschke"> - <img src="images/fig_012.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Portière von Arch. Max Benirschke,<br /> - Düsseldorf. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="schablone_benirschke" name="schablone_benirschke"> - <img src="images/fig_013.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schablone für Wandmalerei von<br /> - Arch. Max Benirschke, Düsseldorf. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Die Forderungen, welche die heutige Zeit an die Zweckkunst stellt, -sind in allen Kulturländern dieselben. Aus den Übereinstimmungen -ergibt sich der Zeitstil, dessen wesentliche Merkmale heute sind: -Zurückgehen auf die konstruktiven Elemente, in denen das eherne -Gesetz der Zweckmäßigkeit wirksam ist, sinnfällige Ausnützung der -Materialwerte, welche hier die zusammenfassende Kraft des<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span> Eisens, -dort die Weichheit der Fichte, die zähe Wucht der Eiche etc. sichtbar -macht und aus ihren natürlichen Eigenschaften neue dekorative Werte -zieht. Die unmittelbare Anknüpfung an die Natur, an die funktionellen -Bedürfnisse und Gewohnheiten des Menschen schließt grundsätzlich die -Wiederholung gebrauchter historischer Formen aus und eröffnet ungeahnte -Gestaltungsmöglichkeiten, die eine lebendige organische Beziehung zu -unserem Wesen unterhalten. In diesem engen Anschluß an die natürlichen -Forderungen liegt also das Gemeinsame der heutigen angewandten Kunst, -aber zugleich auch das Differenzierende. Die Lebenserfordernisse, -soweit sie in den Gebrauchsdingen des Alltags, in den Gegenständen der -Häuslichkeit zum Ausdruck kommen, sind allgemeiner Natur, wenngleich -sie überall eine andere Sprache sprechen, einen anderen Dialekt. So -spüren wir bald in der allgemeinen Kultur die persönliche, in den -typischen Formen die Individualität, im Zeitstil den Geist der Heimat, -den genius loci. In England, in Deutschland und bei uns wird nach den -allgemeinen Grundsätzen gearbeitet, allerdings überall mit anderen -Ergebnissen. Daran ist die Ortstümlichkeit schuld, die Heimatkultur, -die als Obertöne im modernen<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span> Schaffen leise mitschwingen und die -lokale Färbung erzeugen. Das wird schließlich niemand leugnen: wir alle -haben von England gelernt. Das hatte England dem Kontinent voraus, es -besaß von altersher eine ununterbrochene bürgerliche Tradition und -die großen Neuerer in Kunst und Kunstgewerbe fanden von vorneherein -einen Boden vor, auf dem ein gut Gedeihen war. Denn die altenglische -Sitte, daß jeder Bürger sein Haus allein bewohnt, kommt den Absichten -der modernen Kunst hilfreich entgegen. Das ererbte Gut volkstümlicher -Sitten und Anschauungen einerseits, die immense Vorarbeit einzelner -leuchtender Geister, vor allem<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span> Dante Rosetti, John Ruskin und William -Morris, sind die Grundlagen der Künstler, die wir heute am Werke sehen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="teppich_benirschke" name="teppich_benirschke"> - <img src="images/fig_014.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Teppich von Arch. Max Benirschke,<br /> - Düsseldorf. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="laeufer_benirschke" name="laeufer_benirschke"> - <img src="images/fig_015.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Läufer von Arch. Max Benirschke,<br /> - Düsseldorf. - </div> -</div> - -<p>Immer mehr richten sich die Blicke auf Wien. Dort ist ein neues -Künstlergeschlecht, das zum größtenteil aus der Wagnerschule -hervorgegangen ist, aufgestanden und hat mit selten gesehener Eintracht -und Geschlossenheit die moderne Raumkunst geschaffen. Künstlerisch und -wahlverwandtschaftlich steht es der Gruppe Mackintosh am nächsten. -Es hat den Vorzug der größten Frische und Natürlichkeit. Bei aller -strengen künstlerischen Konsequenz geht ein liebenswürdiger Wienerzug -durch das ganze Schaffen dieser Künstler, die zur Sezession gehören -oder sich zu ihren Anschauungen bekennen. Sie haben sich bereits das -Ausland erobert. Heute verlangt man schon den »Wiener Stil«. Josef -Olbrich hat ihm eine Insel im Ausland geschaffen. Prof. Josef Hoffmann -ist sicherlich die stärkste und konsequenteste Kraft unter den<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span> Neuen. -Prof. Kolo Moser schafft Werke von fast femininer Grazie. Vornehm -und zweckvoll sind Leopold Bauers Schöpfungen. Was die Schulen von -Prof. Hoffmann, K. Moser, A. Roller, Baron Mirbach, A. Böhm auf allen -Gebieten des Kunstgewerbes und der häuslichen Kunst leisten, wird -bahnbrechend wirken. Zahlreiche Schüler sind erfolgreich im Auslande -tätig. Unter diesen verdient Max Benirschke in Düsseldorf besondere -Erwähnung. Die Architekten und Kleinkunst gehen hier Hand in Hand und -erreichen solcherart die bewundernswerte Einheit eines Stils, der -unmittelbar aus dem Leben quillt und für das Leben schafft. Die moderne -Wohnung und ihre Ausstattung wird solcherart, ob sie nun einfachen oder -leichten Verhältnissen entspricht, den Stempel einer vornehmen Kultur -tragen, die Wesenszüge einer geschmackvollen, gebildeten, modernen -Persönlichkeit.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="laeufer_vollmer" name="laeufer_vollmer"> - <img src="images/fig_016.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Diverse Läufer aus Bast von Architekt Hans Vollmer,<br /> - ausgef. Prag-Rudniker Korbwarenfabrikation. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="laeufer_bast" name="laeufer_bast"> - <img src="images/fig_017.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Läufer aus Bast. <br /> - Prag-Rudniker Korbwarenfabrikation. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Schmuecke_dein_Heim">Schmücke dein Heim!</h2> - -<p>Wohnräume spiegeln immer den Geist ihrer Bewohner. Gleichviel, ob sie -mit reichen oder geringen Mitteln ausgestattet sind. So werden sie zu -Verrätern, und der überflüssige Aufwand, der sogenannte Luxus, der -vielfach für Geschmack genommen wird, offenbart nur zu oft, was er eben -zu verhüllen strebt: die Geschmacklosigkeit. Das ist eine kapriziöse -Geschichte: Geschmack ist nicht immer für Geld zu haben. Auch nicht -für viel Geld. Die ärmste Hütte kann reicher sein als der prunkende -Palast. Denn Seelenadel kann auch unter dem fadenscheinigen Kleid -und unter dem rauhen Bauernkittel wohnen. Sicherlich wird er auf die -Umgebung ausstrahlen, auf die nächste häusliche Umgebung, und dort im -Stillen wirken. Ganz unauffällig, groben Sinnen nicht wahrnehmbar. -Das »Seelische« ist es, was an den Wohnräumen interessiert, das, was -menschlich an ihnen ist. Nicht wie sie eingerichtet, ob kostbar, -ob ärmlich. Wenn ich in einem weissgetünchten Bauernhaus sorglich -gepflegte Blumen am Fenster sehe, möchte ich am liebsten verweilen. -Wie man bei lieben, guten Menschen verweilt. Die kahlste Stube, darin -Reinlichkeit herrscht<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span> und ein paar Topfgewächse stehen oder ein -Blütenzweig im Glas, birgt einen Strahl von Schönheit wie heimliches -Licht.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="moebelstoffe_1" name="moebelstoffe_1"> - <img src="images/fig_018.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Möbelstoffe von Backhausen & Söhne, Wien,<br /> - nach Entwürfen von Arch. Fr. Dietl und Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="moebelstoffe_2" name="moebelstoffe_2"> - <img src="images/fig_019.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Möbelstoffe von Backhausen & Söhne, Wien,<br /> - nach Entwürfen von Prof. Joseph Hoffmann, Max Benirschke und Leopold Bauer. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="moebelstoff_3" name="moebelstoff_3"> - <img src="images/fig_020.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Möbelstoff von Prof. Joseph Hoffmann,<br /> - ausgeführt von Backhausen & Söhne, Wien. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="borduere_benirschke" name="borduere_benirschke"> - <img src="images/fig_021.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bordüre von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="flaechenmuster_benirschke" name="flaechenmuster_benirschke"> - <img src="images/fig_022.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Flächenmuster von Architekt<br /> - Max Benirschke, Düsseldorf. - </div> -</div> - -<p>Allein das Zeugnis, das die Wohnungen für die persönliche Kultur -der Besitzer ablegen, ist nur in seltenen Fällen ein günstiges. -Ich habe die Wohnungen aller Stände gesehen und vor allem des -Mittelstandes, der den Hauptteil der Stadtbevölkerung ausmacht, und -ich habe fast durchwegs nur Variationen eines Themas gefunden, das -nichts Erquickendes bot. Auf die falsche Note des erborgten Luxus, -der den Schein höher stellt als das Sein, ist heute noch das meiste -gestimmt. Auf jeder Schwelle, die ich überschritt, hatte ich die -Empfindung, als schallte mir eine widerliche Reklamestimme entgegen: -»Schmücke Dein Heim!« Den traulichen Blumenflor, der uns die lebendige -Natur, den Frühling in die Stube zaubert, fand ich ersetzt durch -die künstliche Palme, eine erbärmliche Karikatur, die ihre starren -Blätterfinger verzweiflungsvoll nach allen Richtungen ausstreckt in -der offenbaren Absicht, das Makartbouquet traurigen Angedenkens an -Geschmackswidrigkeit zu übertrumpfen. Das<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span> beleidigte Auge, das sich -von diesem unwürdigen Anblick weg zum Fenster wendet, begegnet dort -einer neuen Schmach. Wohlfeile, klägliche Imitationen der Glasmalerei -hängen an den Scheiben und wehren dem spärlichen Tageslicht in den -engen, düsteren Gassen den Zutritt in die dämmerigen Stadtwohnungen. -Resigniert lasse ich mich auf die ach, so wohlbekannte Ripsgarnitur -nieder. Doch es könnte auch eine Plüschgarnitur sein oder eine solche -aus Halbseidendamast. Denn ich sehe sie nicht. Sie ist über und über -bedeckt mit Milieux und Schutzdeckerln aller Art, welche die »züchtige -Hausfrau, die Mutter der Kinder« in den langen Jahren des heiligen -Ehestandes gestickt und gehäkelt hat. Als ich mich wieder erhebe, habe -ich die Proben des häuslichen Kunstfleisses auf meinem Rücken hängen. -Die verlegene Miene der Hausfrau steigert meine eigene Verlegenheit, -als ich inne werde, dass die ausgenähten Lappen das Angenehme mit dem -Nützlichen verbinden, und nicht nur das Heim »schmücken«, sondern auch -als cache-misère die Blössen der verschossenen und zerschlissenen -Garnitur sorgsam verhüllen sollen. Ich<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span> bücke mich rasch, um die -verstreuten Fetzen aufzulesen, aber da hätte ich beinahe das Unglück -gehabt, von der nahen Konsole das Gelump des unnützen Kleinkrams, jene -»Kunstgegenstände« und Geschenkartikel, die wir aus den Schaufenstern -der Kronenbazare kennen, die niedlichen Schweinchen, Figürchen, -Tellerchen aus Glas und Porzellan, die für wenig Geld viel Geschrei -machen, herabzuwerfen und damit das Odium eines ungefügen Barbaren -auf mich zu lenken. Ich brauche kaum zu sagen, dass mich die erlogene -Eleganz verstimmte, dass mich die Enge drückte und dass die beständige -Gefahr, ein Unglück anzurichten, mein Benehmen unfrei und linkisch -machte. Aber ich fand es nirgends besser. Durchwegs Räume mit mehr oder -weniger Luxus, die unseren Geist und unseren Leib fesseln, die nicht -geeignet sind, unsere Bewegungen und Geberden <a name="massvoll" id="massvoll"></a>maßvoll aufzunehmen, die, -angefüllt mit dem Unrat der Geschmacklosigkeit und einer babylonischen -Wirrnis von Stilbrocken und Schnörkeln, den<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span> Sinn für Einfachheit, -Wahrhaftigkeit und Echtheit ertöten. Ich nehme keinen Becher zur -Hand, ohne den Leib eines Mönchleins oder Gnomen zu umschliessen, -jeder Zigarrenabschneider wird mit dem Kopf Bismarck’s oder Moltke’s -maskiert, jedes Gefäss ist überladen mit Blattwerk und Guirlanden, -die Wände sind angefüllt mit schlechten Bildern, Fächern, japanischen -Schirmen und Photographien.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="glasluster" name="glasluster"> - <img src="images/fig_023.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Glasluster für elektr. Licht von Arch. Leopold Bauer. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="beleuchtungskoerper_benirschke" name="beleuchtungskoerper_benirschke"> - <img src="images/fig_024.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Beleuchtungskörper von<br /> - Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Die freundlichen Hausgötter der Gastlichkeit und Geselligkeit pflegen -nicht in Räumen zu wohnen, wo die Persönlichkeit sich im Widerspruch -zur häuslichen Umgebung befindet und wo selbst die Inwohner Fremdlinge -sind. Fremdlinge im eigenen Heim. An einem Herde ist nicht gut -rasten, wo unaufhörliche Dissonanzen herrschen. Die Talmi-Eleganz -unserer bürgerlichen Wohnungen, die unter der Devise »Schmücke dein -Heim!« stehen, all die billige Effekthascherei, all der anscheinende -Komfort, der keiner ist, weil er nur des Scheines wegen da ist, und -nur Plage macht, ohne für etwas gut und nützlich zu sein, mit einem -Wort: das <a name="grosstun" id="grosstun"></a>Großtun, das ist die unaufhörliche Dissonanz. Wer mit feiner -Witterung begabt ist, spürt das schon an der Türschwelle. Und all -die Nichtigkeiten, die nur da sind, um über den wahren Zustand zu -täuschen, werden zu<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span> den schreiendsten Anklägern. Kann man wirklich -von dem »Geist« oder »Charakter« solcher Wohnräume auf das Wesen der -Menschen zurückschliessen und den einzelnen verantwortlich machen? Man -bedenke: ein Zahnarzt glaubt es sich schuldig, einen Empfangssalon à -la Louis XV. zu besitzen. Die Sache muss möglichst billig sein, darum -ist auch das Schlechteste gut genug. Aber immerhin, man sieht doch, -dass man auch wer ist! Vor einem ernsten Urteil wird der Zahnarzt kaum -als geschmackvoller oder auch nur als gebildeter Mann bestehen. Aber -seine Entschuldigung ist, dass es den Leuten gefällt, und die Masse -gibt Richtung. Im Grossen wie im Kleinen. Sie macht die Mode. Und sei -diese noch so absurd, ihrer suggestiven Kraft wird sich der Einzelne, -der Durchschnittliche, kaum entziehen. Man spricht vom Zeitstil und von -Kulturströmung, die eine Epoche charakterisiert. Der Einzelne folgt -dann seinem Herdeninstinkt. So mag man, wenn man nachsichtig sein will, -den ganzen Skandal von Lüge und Täuschung, von schäbiger Eleganz und -erlogener Vornehmheit, der in Geschmackdingen seit gut dreissig Jahren -herrscht, jener unpersönlichen Abstraktion, die man Zeitgeist nennt, -zuschreiben.</p> - -<p>Aber schließlich müssen es doch wieder die Einzelnen sein, die eine -Wendung anbahnen. Im richtigen Verstande müsste der marktschreierische -Imperativ »Schmücke dein Heim«! einen Widerwillen erzeugen, der zum -tüchtigen Kehraus führt. Die Schmucklosigkeit wäre zunächst der grösste -Schmuck, die Befreiung von dem angepriesenen putzmachenden Tand. Man -brauchte nur damit zu beginnen, statt der künstlichen Pflanzen lebende, -echte ins Zimmer zu bringen, um Freude an ihrer Echtheit und ihrem -Gedeihen zu gewinnen, und eine Revolution ist eingeleitet. Zuerst -würden die<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span> schweren, verdunkelnden Stoffgardinen fallen, um wieder -Licht und Luft in die dumpfen Räume einzulassen. Wir müssten den echten -Blumen, so wir sie erhalten wollen, dieses Opfer bringen, und es -wäre eine gerechte Wiedervergeltung, denn gerade diese verdüsternden -Stoffgardinen waren es, die zur Zeit, als der Makartsche Atelierstil -Mode wurde, unsere Blumen verdrängt haben. So nun aber das clair-obscur -jener romantischen Rembrandt-Stimmung vor der Tageshelle gewichen ist, -entpuppt sich die Lächerlichkeit des Stimmung machenden Krimskrams an -den Gesimsen, all der Krüge, die keinem Gebrauch dienen, die weder -Wasser<span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span> noch Wein fassen, der Vasen, die keine Blumen aufnehmen können, -der Teller, die zu keiner Mahlzeit verwendet werden können, und die -sich als dürftiger Gschnas vor dem hellen Tage schämen, als nicht -minder die dunkel gehaltenen Wände, die so beliebt sind, weil man den -Schmutz darauf nicht sieht. Im Schmutze leben, das macht nichts, nur -sehen darf man ihn nicht!</p> - -<p>Nun aber wird der ob seiner Nichtigkeit entlarvte Prunk unerträglich, -und es beginnt ein lustiger Umsturz, vor dem nichts niet- und -nagelfest ist. Vom Hundertsten käme man ins Tausendste. Vom Fenster -zu den Wänden und den Bildern, und von diesen zu den Möbeln, bis ins -Kleinste herab. Es ist fast unabweislich, in allen Einzelheiten des -Wohnraumes die neue Wohnungsästhetik zu erhärten. Der Ausgangspunkt -dieser neuen Ästhetik aber ist, dass wir allen sogenannten Luxus aus -unseren Häusern fortschaffen und zur Aufrichtigkeit und Einfachheit -zurückkehren, wenn wir wollen, dass die Kunst wieder im Hause beginne. -Epochen mit hochentwickelter volkstümlicher Kultur haben gezeigt, daß -die Kunst immer vom Hause ausgeht und von hier aus auch das äußere -Leben ergreift. Darum muß unsere Sorge darauf gerichtet sein, daß wir -nicht die goldene Regel verletzen, die uns William Morris gegeben: -»<em class="gesperrt">Behalten Sie nichts in ihrem Heim, wovon Sie nicht wissen, daß es -nützlich ist, wovon Sie nicht glauben, daß es schön ist!</em>«</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="sitzecke_benirschke" name="sitzecke_benirschke"> - <img src="images/fig_025.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Die obere Partie einer Sitzecke mit elektrischen<br /> - Beleuchtungskörpern von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Die_Aesthetik_der_Mietswohnung">Die Ästhetik der Mietswohnung.</h2> - -<p>Daß die Hausarchitektur im Zeichen des Umschwunges steht, wird niemand -mehr leugnen. Die Architektur, die schwerfälligste aller Künste, folgt -dem neuen Zug freilich zuletzt, denn sie hat nicht nur das größte -Trägheitsmoment, das Schwergewicht der Gewohnheit, sondern auch die -Gewissenlosigkeit des Bauspekulantentums und die Gleichgiltigkeit des -Publikums zu überwinden. Das leichtbewegliche Kunstgewerbe, das heute -führend vorangeht, konnte viel schneller das Feld erobern, und man -kann sagen, daß die Schwenkung, die auch im Hausbau zu spüren ist, -vom Kunstgewerbe veranlaßt, ja fast erzwungen worden ist. Denn das -Kunstgewerbe verlangt einen festen Stützpunkt, eine Führung, einen -Halt, und diesen kann nur die Architektur geben. Im Einzelwohnhaus -ist da und dort dieser ursächliche Zusammenhang von Architektur -und Handwerk, von Raum und Möbel, zwar schon hergestellt oder doch -angebahnt, aber im Miethaus der Stadt, also in der Stadtwohnung, -deren ästhetische Durchbildung doch eine der nächstliegenden Aufgaben -ist, sind wir nicht immer so glücklich daran. Wie notwendig es ist, -dass Kunstgewerbe und Hausbau Hand in Hand gehen, und wie eines -ohne das andere nicht bestehen kann, will ich an einem typischen -Fall nachweisen, der auf hunderte von Beispielen paßt, die sich in -der Stadt von Tag zu Tag mehren. Jemand war des im Mittelstande -eingebürgerten Atelierstils, des Markartbouquets, der künstlichen -Palme und der verpöbelten Renaissancemöbel überdrüssig, er entfernte -die Stoffgardinen, um wieder Luft und Licht in den dämmerigen Raum -zu lassen, Zimmerpflanzen ziehen zu können und Freundlichkeit zu -verbreiten. Aber die braunen Möbel vertragen die Helligkeit nicht, -ihre Häßlichkeit und Unzweckmäßigkeit, die<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span> Erbärmlichkeit des ganzen -unechten Luxus wurde mit einem Male unerträglich und sie wurden -ersetzt durch jene gefälligen neuen Möbel, deren Wesen Einfachheit -und Natürlichkeit ist, und die in dem sogenannten Biedermeiermöbel -unserer Groß- und Urgroßeltern vorgebildet waren, die also gewiß nichts -Fremdartiges, sondern etwas durchaus Heimatliches, Bodenständiges, -Trautes waren. Aber es nützt nicht, daß man den neuen Wein in die alten -Schläuche füllte. Das Mißverhältnis zwischen Raum und Möbel trat dann -erst grell zutage. Die Möbel waren gewiß zwecklich formal gebildet, -aber die Zimmer! Das Raumausmaß war groß genug und dennoch konnte man -nichts unterbringen. An ein geschmackvolles Stellen der Möbel war nicht -zu denken. Daran waren die Türen und Fenster schuld. Denn es gehört -schon einmal zu dem eingebürgerten Begriff von einer Stadtwohnung, -daß ein Zimmer zwei Fenster haben muß. Die Fensterwand geht natürlich -<a name="fasst" id="fasst"></a>fast verloren, denn links und rechts bleibt kein nennenswertes Stück -Wand, und es erübrigt nur noch der Pfeiler, der einen dunklen Schatten -mitten ins Zimmer wirft. Die Beleuchtung wird dadurch noch schlechter, -daß die Fenster das Hauptlicht nicht von oben her geben, sondern von -den untern Flügeln, so daß nur der<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span> Fußboden vor dem Fenster die -Helle empfängt, was für das Auge das denkbar ungünstigste ist. Die -einfachste und natürlichste Lösung wäre nun die, ein einziges etwas -breiteres in der Mitte anzubringen, wobei nicht nur eine ausgezeichnete -Belichtung erzielt werden kann, sondern auch links und rechts tiefe -Ecken gewonnen werden, die es gestatten, gewisse Möbelstücke, das Sofa -zum Beispiel, quer anzuordnen, oder die Nische so auszubauen, daß das -Gefühl der Geschlossenheit und Geborgenheit erhöht wird. Viel ist auf -diese Weise gewonnen, aber noch lange nicht alles. Denn da sind noch -die Türen, die unseligen großen Flügeltüren, deren manches Zimmer drei -besitzt, und die von jeder Wand ein erhebliches Stück wegnehmen. Man -behalf sich früher mit einer Draperie, um sie wenigstens dekorativ -zu gestalten, was im Wohnraum einen nichts weniger als sympatischen -theatralischen Eindruck macht. Aber immer noch besser als die nackten, -überflüssig hohen und breiten Palasttüren mit dem widersinnigen braunen -Anstrich und der ebenso widersinnigen künstlichen Maserung. Daß der -Raum auch geräumig werde, günstige Raumverhältnisse besitze, hängt -also nicht allein vom Fenster, sondern auch von der Lage und Größe -der Türen ab. Das sind die zwei Angelpunkte, um die sich die neue und -vernünftige Raumgestaltung dreht. Noch ist dadurch fast gar nicht der -Grundriß tangirt, <a name="nocht" id="nocht"></a>noch ist fast keine Forderung an den Erfindungsgeist -der Architektur gestellt, sondern erst ganz einfach eine gewisse -Empfindungsfeinheit verlangt, ein Mitgefühl für die Menschen, die in -den Räumen wohnen, und darinnen die Möglichkeit finden sollen, ihr -Leben behaglich zu gestalten. Es ist ja wahr, die meisten Menschen -verlangten die bisherigen<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span> Wohnungen gar nicht besser, sie haben nicht -das Bedürfnis, ihre Umgebung künstlerisch gestaltet zu sehen, aber -das hindert nicht, daß der Architekt, wofern er ein Künstler ist, den -früher oder später ja doch eintretenden künstlerischen Bedürfnissen -vorarbeiten und dergestalt die Prämissen einer höheren Kultur schaffen -soll. Für diese Kulturarbeit ist der Architekt einer der wichtigsten -Faktoren, und man kann sagen, ohne ihn kann nichts geschehen. Aber die -Empfindungsfeinheit, die von dem künstlerischen Architekten (der andere -kommt nicht in Betracht) verlangt werden muß, wird bei dieser Tat -nicht stehen bleiben. Er wird die bürgerlichen Menschen nicht allein -von dem überflüssigen und daher schädlichen und geschmackverderbenden -Luxus, der sich in den billigen albernen Ziraten oberhalb der Tür -und in den rein äußerlichen nur auf die Außenerscheinung berechneten -Zutaten an den Fenstern äußert, befreien, sondern er wird auch sein -Auge auf die Wände, den Boden und die Decke, endlich auf den Anstrich -der Holzteile richten, er wird die Teile nicht der Obsorge des -Zimmermalers und Anstreichers überlassen, die in Geschmacksdingen -auf dem tiefsten Niveau stehen; er wird vielmehr auch hier seinen -Einfluß geltend machen und damit das niedere Handwerk wieder heben. -Denn alle Handwerkskünste sind<span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span> Bestandteile der Architektur. Es hat -sich gezeigt, daß die braunen Tür- und Fensterteile, die rote, grüne -oder sonst irgendwie schmutzigfarbene Ausmalung mit den so hässlichen -Dessins jedes anständige Möbel umbringen. Nun ist die Farbenempfindung -bei der großstädtischen Menschheit ein verlorenes Gut. Jeder Bauer im -Gebirge ist uns darin überlegen. Weil aber jede ästhetische Frage im -Kern eine praktische ist, so läßt sich dieser Sache vielleicht von der -hygienischen Seite beikommen. Warum sind die dunklen Schmutzfarben -unserer Wände so beliebt? Es ist schon gesagt worden. Weil man den -Schmutz darauf nicht sieht. Überdies ist das wiederholte Neuausmalen -oder Tapezieren für den kleinen Mann zu kostspielig. Einer solchen -kulturwidrigen Vornehmtuerei auf Kosten der Reinheit und Hygiene soll -in unseren Häusern nicht Vorschub geleistet werden. Man fragt sich oft, -warum unsere Wohnungen nichts Weißes enthalten. Warum hat man Wände -und Decke nicht im einfachen Weiß, mit einem schönen Fries, so daß man -sie um billiges Geld jährlich einmal frisch tünchen kann? Die Leute -vor 80 Jahren, die noch eine feine Kultur besaßen, haben Fenster und -Türen weiß gestrichen. Sie hatten auch weiße Gardinen und Topfpflanzen. -Die Bauern in vielen deutschen Gegenden haben das noch. Und wie<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span> -traut sind solche Räume! diesen Sinn für Reinlichkeit und Helligkeit -muß man wiederbeleben, sonst ist nicht vorwärts zu kommen. Altwien -besaß hübsche im Bogen ausgebauchte Fenster, die mit Geschick wieder -verwertet werden können. Dabei ist Bedacht zu nehmen, daß im Fenster -Blumen gezogen werden können, denn die allmählig wiedererwachende -Blumenfreude ist ein wichtiger Kulturfaktor und ein erfreuliches -Symptom der Rückkehr zur Natürlichkeit und Echtheit. Der Architekt -muß alle diese halbbewußten Regungen mit feinen Sinnen erfassen und -verwerten. Es gehört viel Liebe und Geduld und Menschenfreundlichkeit -dazu, aber ohne diese Eigenschaften ist in der Kunst nichts zu machen. -Nur das Mitgefühl, das Mitleben kann Formen schaffen, die nichts -Äußerliches sind, wie die Stuckherrlichkeit moderner Zinskasernen, -sondern etwas, das von innen nach außen gewachsen ist, und unsere -bisherigen Hundelöcher wieder in menschenwürdige Wohnungen umwandelt. -Auf diesem Wege dürften sich auch die notwendigen Grundrißänderungen -ergeben. Die Badezimmer, die heute schon bei kleineren Wohnungen zu -finden sind, sollten als Annex des Schlafraumes ausgestaltet werden. -Denn es ist widersinnig und gesundheitsgefährlich, aus dem Baderaum -durch das gewöhnlich sehr kalte Vorzimmer in den Schlafraum und -umgekehrt gehen zu müssen. Diese und noch viele Änderungen können -geschehen, ohne daß die Ertragsfähigkeit des Hauses nur im mindesten -herabgesetzt wird. Daß wir trotzdem das moderne Mietshaus noch nicht -haben, ist vielmehr eine Folge der herrschenden Teilnahmslosigkeit der -Bauherrn und des Publikums, das noch nicht gelernt hat, Bedürfnisse zu -haben. Die Mitarbeiterschaft von dieser Seite her ist freilich nicht zu -entbehren.</p> -<div class="figleft"> - <a id="beleuchtung_hoffmann" name="beleuchtung_hoffmann"> - <img src="images/fig_026.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Elektr. Beleuchtungskörper v.<br /> - Professor Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="ofen_winkler" name="ofen_winkler"> - <img src="images/fig_027.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Ofen von Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="kamin_benirschke" name="kamin_benirschke"> - <img src="images/fig_028.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Kamin von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="kaminwand_benirschke" name="kaminwand_benirschke"> - <img src="images/fig_029.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Kaminwand von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="heizkoerper_verkleidung" name="heizkoerper_verkleidung"> - <img src="images/fig_030.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Heizkörper-Verkleidung von Professor Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="fries_sumestberger" name="fries_sumestberger"> - <img src="images/fig_031.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Fries und elektr. Beleuchtungskörper<br /> - von A. Sumestberger. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="fries_benirschke" name="fries_benirschke"> - <img src="images/fig_032.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Wandfries von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Waende_und_Decke">Wände und Decke, Vorhänge und Teppiche.</h2> - -<p>Zu den schweren geschnitzten <a name="kasetten" id="kasetten"></a>Kassetten-Decken altdeutscher Stuben -passte dunkles Getäfel der Wände und die Ledertapete. Wo man sie heute -noch im Bürgerhause vorfindet, ist sie nicht dem modernen Gefühl, -sondern einer posthumen Butzenscheibenromantik, die noch immer nicht -ausgestorben ist, entsprungen. Wie es noch Wotansenkel im schwarzen -Salonrock gibt, die wie die alten Deutschen »immer noch eins trinken«, -so gibt es eine große Kategorie, die in ihrer Gefühlsweise bei Hans -Sachs stecken geblieben ist und Räume liebt, »wo selbst das liebe -Himmelslicht trüb durch gemalte Scheiben bricht«. Die Sache gehört -ins Museum, wo man sie billig bewundern mag. Im Alltag und im grellen -Licht der Gegenwart sind solche abgestorbenen Lebensformen immer von -Übel. Abgesehen davon, daß in Mietswohnungen eine solche pompöse -Sache nur auf den Schein berechnet sein kann und eine Lüge ist, -weil in solchen Wohnungen, wo wir eigentlich immer auf dem Sprung -stehen, nichts von Ewigkeitsdauer geschafft werden kann, außer was -sich leicht fortschaffen, auf einem Möbelwagen verpacken und in einer -neuen Wohnung ebenso leicht und gefällig wieder aufstellen läßt. Auf -ein gewisses Nomadentum ist unser Leben in Mietswohnungen gestellt. -Aus ökonomischen, sozialen<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span> und hygienischen Gründen ergibt sich die -neue Ästhetik, die für unsere Wohnung glatten und weißen Verputz an -Wänden und Decke verlangt, die je nach Geschmack mit schablonirter -Malerei oder Tapete bedeckt wurden. Damit war aber zugleich ein freier -Spielraum für die gefährlichsten Ausschweifungen der künstlerischen -Phantasie unserer Tapezierer- und Zimmermalerjünglinge gegeben. -»Vernunft ward Unsinn, Wohltat Plage.«<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span> Das Ungeheuerlichste, -Wahnwitzigste ward Mode, wenn es unter der Flagge einer falschen -»Sezession« segelte. Auch diese Modekrankheit mußte überstanden werden -und schließlich setzte sich die Arbeit ernster und tüchtig vorwärts -strebender Künstler beim Publikum durch. Große Firmen der Tapeten-, -Teppich- und Textilbranche suchen die Entwürfe solcher Künstler -zu erwerben und Geschmackvolles in den Handel zu bringen.<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span> Heute -spürt man im großen Publikum schon ein erfreuliches Bestreben nach -vornehmer Einfachheit, das nur des Entgegenkommens künstlerischer und -industrieller Kreise bedarf, um zu einer allgemeinen Niveauerhöhung -des Geschmacks zu führen. Man zieht es vor, die Wände und Decke -entweder einfach zu weißen oder färbig zu streichen und einen hübschen -Fries aufzusetzen oder mit entsprechender Tapete zu bekleiden. Bei -der Wahl der Farbe wird Bedacht genommen, daß zur Farbe der Möbel -die Wände und Decke einen komplementären Gegensatz bilden, der die -Möbelstücke hervorhebt und mit diesen, was die farbige Erscheinung -betrifft, ein harmonisches Ganzes darstellt. Dem Dessin von Tapeten -oder schablonierten Wänden steht man mit Recht mißtrauisch gegenüber, -weil es sehr viel Takt<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span> erfordert, das Rechte zu finden, das diskret -genug ist, als Hintergrund von Möbel und Bildern nicht unruhig und -anspruchsvoll zu wirken und die Harmonie zu stören. Im allgemeinen gilt -auch für die gemusterten Wandflächen die Regel, daß sie in Farbe und -Zeichnung als bloße Fläche und Untergrund, der für sich allein keine -Geltung beanspruchen darf, zu wirken hat. Daß man die hellen Farben -vorzieht, ist in dem modernen hygienischen Bedürfnisse begründet, das -nach Licht und Luft heischt, die in der Stadt kostbare Güter sind. Aus -diesem Grunde hat man die Stoffgardinen durch Vorhänge aus leichtem -dünnen Zeug ersetzt, indischer Seide oder Leinen mit Aufnäharbeit, -daran sich der Kunstfleiß der Hausfrau zeigen mag. Für Aufnäharbeit -geben die Leistungen moderner Künstler und<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span> Kunstschulen glänzende -Vorbilder. Man wählt natürlich auch für diese leichten Vorhänge helle -Farben, entweder weißes Leinen, oder, wenn es sich um durchsichtige -Gaze oder indische Seide handelt, auch orange Farbe, die einen goldenen -Schein ins Zimmer legt. Die Vorhänge hängen in geraden, schlichten -Linien herab, sind seitlich zu ziehen und laufen in Ringen offen an -einer Messingstange.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="decke_mizzi_ebers" name="decke_mizzi_ebers"> - <img src="images/fig_033.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Decke mit Schnürlarbeit von Mizzi Ebers<br /> - (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="decke_paula_roth" name="decke_paula_roth"> - <img src="images/fig_034.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Decke mit Schnürlarbeit von Paula Roth<br /> - (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="stickerei1_minka_podhayska" name="stickerei1_minka_podhayska"> - <img src="images/fig_035.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Perlenstickerei auf Leinen von Minka Podhayska<br /> - (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="stickerei2_minka_podhayska" name="stickerei2_minka_podhayska"> - <img src="images/fig_036.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Perlenstickerei auf Tüll mit Applikation von Minka Podhayska<br /> - (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<p>Auch der Teppich ist auf diese anheimelnde einfach vornehme -Gesamtwirkung gestimmt. Es ist aber durchaus nicht »stilwidrig«, in -einem solchen Raum einen echten Perserteppich aufzubreiten. Überhaupt -was ist Stil? Wenn irgend ein antikisierender in Holz geschnitzter -Fries, bald auf Schränken und Betten aufgetragen und auseinandergezerrt -und dann wieder auf Nachtkästchen schmal zusammengedrängt wird, so -nennt man das im Möbelhändlerverstande »stilgerecht«. Wenn aber jemand -in seiner Wohnung heterogene Dinge zusammenträgt, die ihrer<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span> Entstehung -nach, räumlich und zeitlich, sehr getrennt sein mögen, aber durchaus -echt sind, so ergibt sich vermöge dieser Echtheit eine gewisse Einheit -und diese Einheit kann man füglich Stil, vielleicht den einzig wahren -und naturgemäßen Stil nennen. Darum beleidigt es unser Empfinden -nicht, wenn wir in der neuen Wohnungs-Ausstattung einen echten Perser -und an den Wänden gar echte Gobelins vorfinden. Die orientalischen -Teppiche haben schöne geometrische Muster und die liegen uns ästhetisch -wahrhaft näher, als alle plumpen Pflanzenstilisierungen, die man in -der wohlfeilen Teppichfabrikation antrifft. Überdies hat die Moderne -auch passende Teppiche geschaffen, die in ruhigen Farben gehalten sind, -eine strenge geometrische Zeichnung oder irgend eine phantasievolle -Linienführung aufweisen und die Stimmung solcher Räume harmonisch -abschließen, Teppiche von Kolo Moser, Josef<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span> Hoffmann, Josef Olbrich, -Leopold Bauer, Peter Behrens, Max Benirschke u. v. a.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="decke_elisabeth_toffler" name="decke_elisabeth_toffler"> - <img src="images/fig_037.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Decke mit Kreuzstich von Elisabeth Toffler<br /> - (Kunstschule für Frauen u. Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="decke_p_roth" name="decke_p_roth"> - <img src="images/fig_038.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Decke mit Bändchenarbeit von Paula Roth<br /> - (Kunstschule für Frauen u. Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="vitrage_paula_roth" name="vitrage_paula_roth"> - <img src="images/fig_039.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Vitrage mit Stilstich von Paula Roth<br /> - (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<p>Die weiblichen Handarbeiten, die in diesem Zusammenhange erwähnt werden -müssen, bedürfen gleichfalls einer künstlerischen Reform. Hier sollte -eigentlich der Ausgangspunkt der häuslichen Kunstpflege sein. Leider -hat auf diesem Gebiete die Schablone jede Regung von <a name="selbststaendigkeit" id="selbststaendigkeit"></a>Selbständigkeit -und Geschmack erstickt. Die Arbeit ist zu einer ermüdenden, tötlich -langweiligen Übung, zum bloßen mechanischen Ausnähen von allerlei -Lappen herabgesunken und rechtfertigt die Verachtung, mit der die -radikal Gesinnten die geistlose Beschäftigung ablehnen. Trotzdem sind -sie nicht zu entbehren. Sie werden wieder ein Segen sein, wenn die rein -mechanische Handarbeit zur künstlerischen Arbeit geadelt ist, was der -Fall sein wird, wenn die »handarbeitenden« Frauen die Muster, die sie -ausführen, selbst entwerfen auf Grund klarer Kenntnis der Technik, des -Materials und des Zweckes.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="leinentischlaeufer_paula_roth" name="leinentischlaeufer_paula_roth"> - <img src="images/fig_040.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Leinentischläufer mit Knoten und Stilstich von Paula Roth<br /> - (Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien, Prof. A. Böhm). - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Lichtkoerper_und_Heizkoerper">Lichtkörper und Heizkörper.</h2> - -<div class="figleft"> - <a id="wartezimmer_stubner" name="wartezimmer_stubner"> - <img src="images/fig_041.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Wartezimmer von Arch. Hans Stubner. - </div> -</div> - -<p>Die moderne Lichtquelle, Elektrizität, hat zu Beleuchtungskörpern -geführt, deren Form keinem Vorbild entlehnt werden konnte, sondern -aus der Natur der Sache geschöpft werden mußte. Hier kann man die -lehrreiche Wahrnehmung machen, daß solchen rein sachlichen Lösungen -ein großer dekorativer Reiz innewohnt. Glühlampen an Leitungsdrähten -in wohlgemessenen Abständen von der Decke herabhängend, können durch -ihre Anordnung allein höchst erfreulich wirken. Hier bedarf es keines -weiteren Ornaments. Würde ein solches hinzutreten, so dürfte es leicht -störend empfunden werden. Die Tatsache, daß aus rein sachlichen -Lösungen die glücklichsten dekorativen Wirkungen abzuleiten sind, ließe -sich an allen bisher üblichen Beleuchtungskörpern demonstrieren, an -denen wir leider gewohnt sind, ein Übermaß der unsinnigsten Ornamente -zu sehen. Eine sachlich gelöste Petroleumlampe, die durch zweckmäßige -Form allein edel wirkt, gehört, wenn sie wirklich vorkommt, zu den -größten Seltenheiten. Für den Künstler ist hier noch immer ein Feld -offen. Für Gasbeleuchtung sind moderne Beleuchtungskörper geschaffen -worden, aus Metall und Opalscentglas, die formal zu den Schönsten -gehören, das wir in diesem Genre besitzen. Dagegen kommt<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span> es vor, -daß den Kerzenweibchen oder ehemaligen Kerzenlustern elektrische -Glühlampen aufgesetzt werden, die auf imitierten Kerzenschäften -stehen und solcherart den Anschein einer wirklichen Kerzenbeleuchtung -erwecken. Es können immer Fälle vorkommen, bei Festessen z. B., -wo man sich lieber der edelsten Lichtquelle, der Kerze selbst -bedient, die wie kein anderes Beleuchtungsmaterial geeignet ist, -Festweihe und feierlichen Glanz zu verbreiten. Dann aber sollen es -wirkliche Kerzen sein. Aufrichtigkeit und ehrliches Bekennen, also -hier Materialbekennen, sind Grundlage jedes gesunden Geschmacks. An -elektrischen Tischglocken, Tastern, Lichtträgern und Leuchtern hat -die neue Zeit viel geschaffen. Aber auch hier ist <a name="voneiner" id="voneiner"></a>vor einer gewissen -Überkunst zu warnen. Rein sachliche und geschmackvolle Lösungen sind -selten. Es muß dahin gestellt bleiben, ob es ein glücklicher Gedanke -ist, mit dem Zweckbegriff eine figurale Darstellung zu verbinden, die -mit der Sache eigentlich nichts zu tun hat. Wir sehen Leuchter in -Gestalt von Lichtträgerinnen, weibliche Gestalten, die Kerzen tragen, -bald schwer belastet, bald mit geschlossenen Augen hinschreitend, -als Symbol der Nacht, dann emporschwebend wie die züngelnde Flamme -oder hingekauert, den Kerzenschaft wie eine Säule umklammernd. Der -Plastiker lebt sich nur aus, wenn er an den Gebrauchsgegenständen, die -er formt, seine figuralen Ideen verkörpern kann. Unzählige Symbole -leitet seine Phantasie aus dem Lichtmotiv ab und umrankt es mit dem -üppigen Gespinnst seiner Formerfindung. Diesen Dingen gegenüber, die -ja zum Teil auch<span class="pagenum"><a name="Seite_41" id="Seite_41">[S. 41]</a></span> wirkliche Schönheit offenbaren, ist der Standpunkt -fernzuhalten, daß ein sehr gebildeter und disziplinirter Geschmack -die streng sachlichen Formen an allen Gebrauchsdingen vorzieht, damit -die eigentlichen Kunstwerke, die sich im Raum befinden, zu jener -unbestrittenen Geltung kommen können, die ihnen zukommt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="warteraum_hollmann" name="warteraum_hollmann"> - <img src="images/fig_042.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Warteraum von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="halle_hollmann" name="halle_hollmann"> - <img src="images/fig_043.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Halle von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="vorzimmer_hoffmann" name="vorzimmer_hoffmann"> - <img src="images/fig_044.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Vorzimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>In Bezug auf die Heizkörper ist ähnliches zu sagen. Frühere Zeitalter, -die u. zw. Renaissance vor allem, hat Öfen gehabt, an denen die Freude -am Ornament wahre Orgien feierte. Jeder Kachel trug ein anderes -Ornament, eine andere figurale Darstellung, eine andere Farbengebung. -Das ganze war ein Wunderbau wie der babylonische Turm. Im Zeitalter -des Barock, Rokoko und Empire begegnet man weiß glasirten Öfen in -geschwungenen Linien, oder Obeliskenformen, die ein Postament für -plastische Gruppen vorstellten. Später kam die Hafnerkunst gänzlich -auf den Hund. Heute kann man dem Ofen und der Holz- und Kohlenheizung -nicht mehr das Wort reden. Eine neue Beheizungsart stellt sich vor: die -Zentralheizung durch erwärmtes Wasser oder Luft und die Gasheizung. -Gaskamine wendet man in Wohnungen sehr vorteilhaft an;<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">[S. 42]</a></span> man kann -sich des von der gerippten, blinkenden Metallfläche wiederstrahlten -Feuerscheins erfreuen, ein Hochgenuß für romantische Gemüter, die -nach der anheimelnden Poesie der »Fireside« der offenen Kamine, -eine unbezähmbare Sehnsucht empfinden. Sie können am Gaskamin ihrer -Sehnsucht fröhnen, ohne die Schattenseiten der begehrten Dinge zu -empfinden. Denn diese Einrichtungen sind technisch vorzüglich. Aber sie -sind vom ästhetischen Standpunkt aus unerträglich. Sie sind gewöhnlich<span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">[S. 43]</a></span> -mit den heillosesten Stilschnörkeln verbrämt. Da hilft nur Eines: Man -gibt ihm eine hölzerne Umhüllung, weiß oder sonstwie lackiert, mit -einem Gesimse für kleine Kunstwerke versehen und mit Sitzgelegenheiten -rechts und links. Wir haben damit in unserer Stadtwohnung die -gemütlichste und traulichste Einrichtung gewonnen, wie man sie sonst -nur in einem englischen Hause zu finden gewohnt ist.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="vorzimmer_sumetsberger" name="vorzimmer_sumetsberger"> - <img src="images/fig_045.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Vorzimmer von Arch. Karl Sumetsberger. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">[S. 44]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Vorzimmer_und_Dienerzimmer">Vorzimmer und Dienerzimmer.</h2> - -<p>Der erste Schritt, den wir in eine Wohnung tun, belehrt uns gewöhnlich, -wessen Geistes dieses Heim ist. Der Vorraum, den wir zuerst betreten, -ist schon für alle anderen Räume bezeichnend. Die Persönlichkeit -färbt überall ab. Ein Haus, dessen Neben- und Nutzräume nicht in -Ordnung sind, wird auch nicht ein einziges Gemach besitzen, das volles -Behagen gewährt. Umgekehrt wird sich ein ordnender und liebenswürdiger -Hausgeist auch bis auf die äußerste Schwelle bemerkbar machen. -Praktisch betrachtet, hat ein Vorzimmer zwei Aufgaben zu erfüllen. Es -dient als Warteraum für den Besuch, der sich melden läßt, um nicht -unvermittelt in die Gemächer zu treten. Der angemeldete Besuch benützt -den Augenblick, Hut und Überkleider abzulegen und mit einem prüfenden -Blick in den Spiegel sich über die Ordnungsmäßigkeit seiner Toilette -zu versichern. Demnach ergeben sich als unerläßliche Möbelstücke: eine -Kleiderablage für Röcke, Hüte, Stöcke und Schirme, ein Wandspiegel, -der gewöhnlich damit in Verbindung steht, einige Sitzgelegenheiten, -am besten<span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">[S. 45]</a></span> einfache Stühle und ein Tischchen mit Lade. Die Hausfrau -erkennt eine weitere Aufgabe des Vorzimmers darin, daß sie es zur -Aufnahme ihrer eigenen Kleiderschränke einrichtet. Denn bei den -heutigen beschränkten Raumverhältnissen in Mietshäusern und den neuen -Raumgestaltungsprinzipien sucht man derartige große Wandschränke aus -den Wohnzimmern zu bannen und ins Vorzimmer zu verlegen. So mag man -denn an allen Wänden gleichförmige Schränke finden, die aus einem -Stück, jedoch in viele Teile zerlegbar, bestehen können. Man wird aber -gut tun, die ganze Wandhöhe bis zum Plafond schrankartig abzubauen -und die oberen Fächer, die Separattüren ober der Kopfhöhe haben, -zur Aufnahme von allerlei Schachteln und sonstigen Effekten, wenig -benützten Kleidern u. s. w. zu verwenden, denn in einem Haushalt -werden leicht alle Fächer und Schränke zu wenig, um zu beherbergen, -was sich im Laufe der Zeit ansammelt. Es kann aber auch, um nicht eine -Wand für die Kleiderablage mit Spiegelteil opfern zu müssen, eine -solche Kleiderablage und der Spiegel vorne an einem oder mehreren der -Schränke angebracht, der Spiegel in eine der Schranktüren eingelassen, -die Kleiderhaken neben den Schranktüren befestigt und solcherart alle -vier Wände mit Schränken abgebaut werden. Selbstverständlich wird man -weiches Holz zu diesem<span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">[S. 46]</a></span> Zweck verwenden und in einer Farbe, am besten -weiß, lackieren oder streichen. Als Bodenbelag findet man vielfach -Matten, die mit einfachem Muster von Künstlern entworfen, durch die -Prag-Rudniker Korbwarenfabrikation stark in den Handel gebracht werden -und sich vortrefflich bewähren. Ein solcherart ausgestatteter Vorraum -besitzt alle Vornehmheit und Anspruchslosigkeit, deren er bedarf, -wenn er den Besucher auf die gastlichen Haupträume vorbereiten will. -Unterordnung in den Hauptgedanken der Wohnungsausstattung ist hier -Gesetz. Im Vorraum pflegt man gute Bilder und sonstige Kunstwerke nicht -unterzubringen; schlechte soll man aus Geschmacksgründen noch weniger -hinstellen, weil der Raum keine Trödelkammer sein soll und da leicht -eine geringschätzige Meinung von<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_48" id="Seite_48">[S. 48]</a></span> den Inwohnern erwecken kann. Aber -es ist keineswegs Grundsatz, daß aus den Vorräumen Kunstwerke, wie -Bilder und Plastik, verbannt sein sollen, im Gegenteil, wenn das Haus -weitläufig genug ist, und das Vorzimmer, wie es heute geschieht, mehr -den Charakter einer »Hall« empfängt, fänden sie auch hier ausgezeichnet -Platz und trügen von dem Geist und der Vorliebe der Bewohner -freundliche Spuren über die Schwelle ihrer inneren Wohnräume hinaus und -dem Besucher einladend entgegen. Wir mögen uns da nur einmal Goethe’s -Beispiel vor Augen führen und sein Haus in Weimar rekonstruieren, wie -es anfangs des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Ohne glänzend zu sein, -war alles höchst edel und einfach; auch deuteten verschiedene an der -Treppe stehende Abgüsse antiker Statuen auf Goethe’s besondere Neigung -zur bildenden Kunst und dem griechischen Altertum. Der Vorraum in der -I. Etage trug die Zeichen »Salve« als freundliches Willkommen und -einer der zwei Vorräume, wo man zu warten genötigt war, war durch ein -rotes Kanapee und Stühle von gleicher Farbe überaus heiter möbliert; -zur Seite stand ein Flügel und an den Wänden sah man Handzeichnungen -verschiedener Art und Größe.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="kleiderablage_benirschke" name="kleiderablage_benirschke"> - <img src="images/fig_046.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Kleiderablage von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="kleiderschrank_winkler" name="kleiderschrank_winkler"> - <img src="images/fig_047.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Kleiderschrank v. Arch. G. Winkler. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="vorraum_benirschke" name="vorraum_benirschke"> - <img src="images/fig_048.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Vorraum mit Sitzgelegenheit in der Fensterecke von Arch. - Max Benirschke. - <div class="s5">HOLZ. WEISS LACKIERT.<br /> - WAND MIT BLAU SCHABLONIERTER<br /> - STOFFBESPANNUNG<br /> - OBERE WAND: GRAUER RAUHER<br /> - PUTZ MIT GRAUEN KACHELN<br /> - OBER DEN THÜREN STUCKRELIEFS<br /> - MIT THEILWEISER KACHELVERZIERUNG - </div> - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="vorraum_treppe_benirschke" name="vorraum_treppe_benirschke"> - <img src="images/fig_049.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Vorraum mit Treppe von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="dienstbotenzimmer_hoffmann" name="dienstbotenzimmer_hoffmann"> - <img src="images/fig_050.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Dienstbotenzimmer von Architekt Prof. Josef Hoffmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="kueche1_hoffmann" name="kueche1_hoffmann"> - <img src="images/fig_051.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Küche von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>So bei Goethe. Freilich zwischen dem Alt-Weimarer Hause Sr. Exzellenz -und einer modernen Stadtwohnung, ist ein Unterschied.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">[S. 49]</a></span></p> - -<p>Zu jenen Räumen, für die man im Allgemeinen auch das Schlechteste -für gut genug hält, gehören die Dienerzimmer. Es ist ein trauriges -Zeichen schlechter sozialer Begriffe und unzureichender menschlicher -Einsicht, wenn man in einem Hause die Dienstleute, denen man doch -Treue und Anhänglichkeit zum Gesetz macht, schlecht versorgt findet. -Im Dienstverhältnis gibt es nach beiden Seiten hin Pflichten und -Rechte und kein Teil, weder Dienstgeber noch Dienstnehmer, dürfte -dem anderen etwas schuldig bleiben. Für menschenwürdige Zustände im -Hinblick auf das Dienstpersonal zu sorgen, ist auch eine der ersten -Pflichten der Hausfrau, wenn sie nicht Recht behalten sollte, daß sie -wirklich »bezahlte Feinde« im Hause habe. Guter Geschmack heißt hier -wie überall Reinlichkeit und Zweckdienlichkeit. Massiv eiserne Betten -(Hohlräume sind immer Aufenthalt unausrottbarer Ungeziefer), einfache -Möbel aus weichem Holz in irgend einer Farbe gestrichen, Tisch, Stuhl, -Schrank und Waschgelegenheit möblieren den Raum vollständig und können -ihn zugleich recht wohnlich machen. Wenn für das persönliche Wohl der -Dienstleute in mustergiltiger Weise gesorgt ist, ist das immer eine -Ehre für die Hausfrau.</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">[S. 50]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Die_Kueche">Die Küche.</h2> - -<p>In einem Lobliede an die Küche meint Gilles Corrozet (1534), daß es -eine schöne Sache sei um ein geschmücktes Haus, um eine behagliche -Stube, um den wohlbestellten Speicher und Keller, daß aber ein Haus -trotzdem nichts Erquickliches böte, wenn man nicht auch eine gute -Küche sehe, die gute Küche, wo die freundlichen Götter Diana, Ceres -und Bachus ihre gesegneten Gaben niederlegen, wo der freundliche, -Zufriedenheit und Wohlbehagen spendende Hausgeist im Winkel am -Herde tront und leibliche Stärkung und Mehrung der Daseinsfreude -verheißungsvoll winken.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="kueche2_hoffmann" name="kueche2_hoffmann"> - <img src="images/fig_052.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Küche von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Der gute Corrozet ist ein praktischer Idealist; wer auf guten Tisch -hält, (und wer tut das nicht) muß vor allem auf gute Küche halten, -und darum gibt er seinen Zeitgenossen eine umständliche, in zierliche -Reime geflochtene Darstellung einer ganzen Kücheneinrichtung, in der er -auch nicht »die Lichtschneutzen« vergißt und daraus man leicht ersehen -kann, welche hervorragende Wichtigkeit die Küche im damaligen Haushalt -besaß. Sie ist die Urzelle des Hauses, aus der die anderen Räume erst -nach und nach hervorgegangen sind. Noch im XVIII. Jahrhundert vollzog -sich auf den seigneuralen Gütern Frankreichs das Leben vorzugsweise<span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">[S. 51]</a></span> -in der Küche, während die übrigen Gemächer des Hauses als bloße -Repräsentationsräume nur gelegentlich benützt wurden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="kueche3_hoffmann" name="kueche3_hoffmann"> - <img src="images/fig_053.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Küche von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Sicherlich ist die Küche der am frühesten und am vollkommensten -ausgebildete Teil des Hauses gewesen. Über deren Einrichtung läßt uns -auch die »Nürnberger Haushälterin« nicht im Zweifel, die im Jahre 1716 -über das deutsche Bürgerhaus schrieb: »Von einer wohlgebauten Küche -wird vornehmlich gefordert, daß sie nicht allzuweit von der Esstube -entfernt seye, damit nicht im Winter das Essen, wenn es weit getragen -werden muß, kalt auf den Tisch gebracht werde.« Man darf sich hierbei -wohl nicht eine Stadtwohnung mit gedrängten Räumen vorstellen, sondern -ein weitläufiges altdeutsches Bürgerhaus, wo möglicherweise die Küche, -wie in den heutigen Landhäusern und Villen, im Untergeschoß gelegen -war. Daher die Mahnung der »Nürnberger Haushalterin«, die zu ihrer Zeit -die vortreffliche Einrichtung von Speiseaufzügen nicht gekannt haben -dürfte.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="service1_jutta_sicka" name="service1_jutta_sicka"> - <img src="images/fig_054.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Porzellanservice von Frl. Jutta Sicka. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="service2_jutta_sicka" name="service2_jutta_sicka"> - <img src="images/fig_055.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Porzellanservice von Frl. Jutta Sicka. - </div> -</div> - -<p>Gegenüber den alten Küchen, so vollkommen sie auch mit Gerätschaften -versehen sein mochten, haben die heutigen, von modernen Architekten -eingerichteten Küchen entschieden bedeutende Vorzüge aufzuweisen. Das -Gebot der Zweckmäßigkeit und sanitäre Rücksichten<span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">[S. 52]</a></span> erfordern, daß die -Küchen hell seien, in modernen Landhäusern legt man daher die Fenster -breit und ziemlich hoch an, selbst wenn dies nicht durch die tiefe -Lage des Raumes im Souterrain erforderlich sein sollte, damit die -Wandflächen für die Kücheneinrichtung gut ausgenützt werden können. -Unter diesen Fenstern befinden sich in der Regel die Schränke mit -möglichst viel Laden und Stellagen, die mit Glastüren verschlossen -sind. In der Mitte der Wand, unterhalb der Fenster finden wir häufig -den Anrichtetisch, in seinen Unterteilen als Schrank ausgenützt -und von einem Gesims mit verschließbaren Fächern gekrönt. Auf der -gegenüberliegenden Seite steht der Herd. Im Gegensatz zur Küche von -einst, die man erst dann für schön erachtete, wenn das blitzblanke -Messing- und Kupfergeschirr, die bunten Töpfe aus Steingut und -Porzellan, die Zinn- und Blechgefäße an Wänden und offenen Stellagen -zum Entzücken der Hausfrau prangend ausgestellt waren, liebt man es -heute, jegliches Küchenrequisit in den Schränken abzuschließen und -hat damit vollkommen recht. Denn so kann das Geschirr von Staub und -Fliegenunrat frei gehalten werden und man erspart ein Übermaß von -Reinigungsarbeit. Nur das Kupfergeschirr läßt man frei hängen. Eine -solche Küche sieht aber auch appetitlich genug aus, namentlich, wenn -die Wände weiß verkachelt sind, wie das neuestens oft der Fall ist. -Bis zu einer gewissen Höhe wenigstens sollen die Wände verkachelt -sein, soweit eben spritzendes Wasser reicht. An Stelle der Kacheln -werden auch dünne Marmorplatten verwendet und zwar nur weiße, weil es -aus begreiflichen Gründen Grundsatz ist, daß weiß vorherrsche. Darum -werden sämtliche Holzgegenstände, also die ganze Kücheneinrichtung weiß -lackiert, wobei man den Vorteil hat, durch einfaches Abwaschen jeden -Schmutz leicht zu entfernen. Daß man auf weiß jede Unreinlichkeit<span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">[S. 53]</a></span> -sofort sieht, ist nur ein Vorzug, denn sie soll nirgends und am -allerwenigsten in der Küche geduldet werden. Will man durchaus ein -Ornament, so soll es nur ein Flachornament sein, aufschablonirt und -sparsam angewendet. Jede Schnitzerei ist zu verpönen, sie wirkt nur als -Staubfänger. Im Übrigen hat man Bedacht auf gradlinige einfache Formen -ohne Gesimse, und auf einfache ungeteilte Holzflächen, die durch bloßes -Abwischen rein gehalten werden können. Die Küchenmöbel sollen mit ihrer -Fläche bis auf den Fußboden herabgehen und auf diesem ohne Füße fest -aufstehen, damit sich unterhalb der Schränke keine unkontrollierbaren -Schmutzwinkel bilden können. Dagegen tut man gut, die Stuhl- und -Tischflächen, die oft gerieben werden müssen, überhaupt nicht zu -streichen, sondern bloß fein gehobelt im ursprünglichen Holzton stehen -zu lassen, und so einzurichten, daß sie abnehmbar sind. Auf diese Art -können sie am besten gewaschen und gerieben werden, wovon das Holz bald -ein blühweißes Aussehen bekommt. In Bezug auf den Fußboden hat man auch -zu bedenken, daß in Küchen immer Wasser verschüttet wird, und daß er -mit Wasser abgeschwemmt und solcherart leicht gereinigt werden soll. -Darum wird man den Steinboden dem bisherigen Brettelboden vorziehen. -Der Steinboden aber bedeutet einen Angriff auf die Gesundheit der -Köchinnen, die ohnehin meistens gichtisch sind. Da bietet denn das -Xylolith einen Ausweg. Xylolith ist ein Kunststein, der auf Holz -aufgetragen wird, nicht so<span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">[S. 54]</a></span> hart wie Naturstein ist, aber sonst alle -seine Vorzüge aufweist und noch mehr. Er ist nämlich schon in allen -Farben zu haben und man kann ihn nach seinem persönlichen Geschmack -wählen. Zu dem blinkenden Weiß der Wände passt sehr gut ein roter oder -blauer Xylolithboden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="teeservice_hoffmann" name="teeservice_hoffmann"> - <img src="images/fig_056.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Theeservice aus Silber von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Die Französin des XVIII. Jahrhunderts mußte ihr Paradebett haben, -die deutsche Frau ihre Prunkküche. Das kennzeichnet zur Genüge den -Unterschied zweier Nationen. Heute existiert beides nicht mehr. Vieles -wird heute fertig ins Haus gebracht, was einst im Hause erzeugt werden -mußte. Selbst der Kohlenherd ist in Gefahr verdrängt zu werden. Gas und -Elektrizität, Centralversorgung, spielen eine immer größere Rolle.</p> - -<p>Wenn auch die Küche heute nicht so umfangreich ist, wie die -altdeutschen Küchen waren, so bildet sie doch noch immer eine Macht -im Hause, von der das Glück im Heimwesen zum großen Teil abhängt. -An ihr sieht man, was die Hausfrau ist oder was sie nicht ist. Es -gibt Köchinnen, die einen Dienstort verlassen, wenn ihre Werkstätte, -die Küche, nicht der Würde und Bedeutung des Raumes entsprechend -ausgerüstet ist. Die schlechtesten Köchinnen sind das sicherlich nicht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">[S. 55]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="vasen_moser" name="vasen_moser"> - <img src="images/fig_057.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Vasen von Prof. Moser, ausgeführt von Bakalowits Söhne, Wien. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Aesthetik_des_Esstisches">Ästhetik des Eßtisches.</h2> - -<p>Es war eine geistreiche Dame, die bei einem Diner, das sie für eine -große Gesellschaft veranstaltete, folgendermaßen verfuhr: Nach dem -Grundsatze, den die Römer schon kannten, daß eine Tischgesellschaft -nicht weniger als die Zahl der Grazien und nicht mehr als die Zahl -der Musen betragen sollte, verteilte sie die zahlreichen Gäste an -ebensoviele Tische als nötig waren, um die gesegnete Zahl herzustellen. -Und sie stimmte jeden Tisch auf eine andere Farbe. Sie hatte sich mit -den Damen ins Einvernehmen gesetzt, und sie mußten ihre Toilette der -Farbe ihres Tisches anpassen. Selbst die Tischtücher mußten Farbe -bekennen, und man sah die ganze Skala des Regenbogens vertreten, -ja sogar ein schwarzes Tischtuch war vorhanden. Die Blumen wurden -dementsprechend gewählt und verteilt. Die geistreiche Dame hatte von -ihrer meisterhaften Anordnung eine außerordentliche Wirkung erwartet -und die Wirkung war außerordentlich. Sie war nämlich außerordentlich -geschmacklos. Sie war so geschmacklos, daß man wirklich sehr -geistreich sein muß, um dergleichen einmal begehen zu dürfen. Sie -hat es sicherlich nicht wieder<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">[S. 56]</a></span> getan. Die feine Lehre war daraus zu -ziehen, daß für das Gedeck nur eine Farbe existiert, die den Glanz -der Frische und der Appetitlichkeit gewährt, das festliche Weiß, als -der richtige Grundton, davon sich das Silber, Krystall, Porzellan und -die freudigen Farben der Blumen schön und erquicklich abheben und -zugleich ein Schmaus für das Auge sind. Die ästhetische Befriedigung -ist ein wesentlicher Bestandteil der Tafelfreude. Nebst dem feinen -weißen Linnen, das manche Frauen, wie namentlich in früherer Zeit, -hüten wie Silber, ist es die Blume, welche dem gedeckten Tisch den -Adel künstlerischer Schönheit verleiht. Wie bei allen Dingen, kommt -es auch hiebei nicht auf die Kostbarkeit oder Seltenheit der Blumen -an, sondern auf die Art, wie sie verwendet werden. Gerade unsere -einfachen heimischen Blumen, mit schlichter Treuherzigkeit Bauernblumen -genannt, können, klug gebraucht, zu den feinsten<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">[S. 57]</a></span> Wirkungen gebracht -werden, und man erinnere sich nur daran, was Lichtwark über den -Löwenzahn als Tischblume sagt. Der vielverachtete Löwenzahn, der den -ganzen Tisch auf Gelb stimmt, könnte eine unvergleichliche Tischblume -abgeben. Mit gelben Blumen näht die Hausfrau gerne ihren Tischläufer -aus, und eine unbewußte Anerkennung liegt darin, daß Gelb auf weißem -Tischzeug besonders schön steht. Aber gerade hier ist viel Takt in -der Anwendung erforderlich. Streublumen sind sehr beliebt, aber sie -sehen alsbald welk aus, verursachen häßliche Flecken und eine krause -Unordnung am Tisch, die ihr freundliches Aussehen von früher bald ins -Gegenteil verwandelt. Ein Künstler hatte den glücklichen Einfall, die -Schnittblumen in kleinen würfelartigen Glasgefäßen, die in regelmäßigen -Abständen eine Reihe in der Mitte des Tisches bildeten, aufzustellen, -und er hat damit das Rechte getroffen.<span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">[S. 59]</a></span> Heute bekommt man zu diesem -Zwecke kleine Glasgefäße mit dreieckiger Basis, die man in beliebiger -Weise zu Gruppen mit hoch- und kurzstengeligen Blumen vereinigen kann. -Hohe Blumen- und Fruchtaufsätze, welche die einander gegenübersitzenden -Personen den Blicken entziehen, haben sich als unzweckmäßig und -geschmacklos überlebt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="tafelaufsatz_falcke" name="tafelaufsatz_falcke"> - <img src="images/fig_058.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Tafelaufsatz und Blumengefäße von Baronesse Falcke, - ausgeführt von Bakalowits Söhne, Wien. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer_wiener_kunst" name="speisezimmer_wiener_kunst"> - <img src="images/fig_059.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Speisezimmer von der Vereinigung „Wiener Kunst im - Hause“. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer_benirschke" name="speisezimmer_benirschke"> - <img src="images/fig_060.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Entwurf von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer_hollmann" name="speisezimmer_hollmann"> - <img src="images/fig_061.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Speisezimmer von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<p>Die Reform des Tafelgedeckes beginnt schon bei der Serviette. Sie hat -heute noch eine Form, die ihre Gebrauchsart längst überlebt hat. Kein -Mensch von Lebensart wird sie heute noch mit einem Zipfel unter dem -Kinn in den Kragen stecken. Man legt sie heute einfach über den Schoß. -Die zweckentsprechende Form sollte demnach jene sein, welche etwa das -Handtuch besitzt: ein längliches Rechteck. Daß die Serviette weich und -lind sei, wird zwar in der Theorie immer verlangt, aber die Praxis -kennt nur damastene Servietten, die anfangs bocksteif sind und<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">[S. 60]</a></span> nach -längerem Gebrauch abhaaren. Die Zeiten sind wirklich vorüber, wo Linnen -dem Silber gleichgestellt war.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="zimmerecke_exler" name="zimmerecke_exler"> - <img src="images/fig_062.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Zimmerecke von Arch. Franz Exler. - </div> -</div> - -<p>Über das Glas wäre manches zu sagen. Gewöhnlich sitzt das Glas wie ein -Blumenkelch auf hohem dünnen Stengel, was zwar anmutig anzusehen, aber -in sehr hohem Maße unpraktisch ist. Erstens wird die Standfestigkeit -gering, bei leiser Berührung fällt das Glas um, und zweitens ist der -Stengel beim Reinigen allzuleicht abzudrehen. Aber auch dickes Glas -ist nicht zu empfehlen, weil nicht gut daraus zu trinken ist. Zwischen -Lippe und Flüssigkeit soll sich so wenig Glaswand befinden als immerhin -möglich. Aus dieser Voraussetzung ergibt sich die organische Form -des Trinkglases von selbst; es müßte einen starken, feststehenden, -starkwandigen Fuß und Stengel haben und müßte gegen den Rand ganz dünn -verlaufen, um als angenehmes Glas empfunden zu werden. Handsam soll das -Glas sein und mundgerecht. So einfach die Lösung scheint, ich habe ein -solides Glas noch nicht gefunden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer_hoffmann" name="speisezimmer_hoffmann"> - <img src="images/fig_063.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Speisezimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="buffet_hoffmann" name="buffet_hoffmann"> - <img src="images/fig_064.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption mbot2"> - Buffet von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Dem Glase steht das Porzellan zunächst. Ich weiß, daß die meisten Leute -buntbemaltes Geschirr lieben. Es macht zwar nicht viel aus, ob<span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">[S. 61]</a></span> das -Geschirr bemalt ist oder einfach weiß, nur ist zu bedenken, daß die -Bemalung häufig Schäden des Porzellans verdecken muß. Reliefartiger -Dekor am Tellerrand ist im höchsten Grade unzweckmäßig, aber alles -Unzweckmäßige ist am häufigsten anzutreffen. Ganz weißes Geschirr ohne -bunte Streifen ist sehr vornehm in der Wirkung, aber merkwürdigerweise -selten im Gebrauche zu finden.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="standuhr_hoffmann" name="standuhr_hoffmann"> - <img src="images/fig_065.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Standuhr von Arch.<br /> - Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="standuhr_benirschke" name="standuhr_benirschke"> - <img src="images/fig_066.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Standuhr von Arch.<br /> - Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Und nun das Silber. Es ist ja heute noch der Stolz jedes wohlhabenden -Hauses, der wohlgehütete Schatz, den man nur zu besonderen Festtagen -oder zu Ehren eines Gastes zu verwenden wagt. Die Silberlöffel -im Alltag zu gebrauchen, würde der Mehrzahl der Hausfrauen als -beispiellose Verschwendung erscheinen. Ich weiß wirklich nicht aus -welchem Grunde. Gerade für den Alltagsgebrauch ist echtes Edelmetall -wie Silber allein zu verwenden, weil es widerstandsfähiger und -sauberer<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">[S. 62]</a></span> zu halten ist als billiges Zeug, das oftmals erneuert werden -muß, immer übel aussieht und zuguterletzt viel höher zu stehen kommt -als Silber. Der wahrhaft ökonomische Sinn wird sich immer nur des -letzteren bedienen. Gewöhnlich aber ist für die Hausfrau das Silberzeug -bloß Gegenstand des platonischen Genusses, ohne weiteren Daseinszweck, -als »still im eigenen Glanz zu ruhen«, und als Brautgeschenke -gefühlsame Erinnerungen der Hausfrau zu bewahren. Den Kranz so frommer -Tugenden aber wollen unsere ungeweihten Hände nicht zerreißen. Sprechen -wir lieber von der Form, die das Silberzeug erhalten hat. Die Liebe -der Künstler hat sich ja dem Silber in besonderem Maße zugewendet, und -gerade in den letzten Jahren ist viel an dem Tafelbesteck probiert -worden. Bei der heutigen Art, Messer und Gabel leicht zu halten, hat -das Besteck auch jene Leichtigkeit und Zierlichkeit erhalten, die man -ihm wünschen mag. Jedermann hat sich schon über die Gabel geärgert, die -absolut keine Sauce fassen will. Als aber Oberbaurat Otto Wagner sein -Reformbesteck ausstellte, gab es dennoch eine kleine Erschütterung. -Man ist die alte Form schon so gewöhnt, daß die wenigsten Menschen -einsehen<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">[S. 63]</a></span> wollen, daß es da noch etwas zu reformieren gibt. Da gab aber -eines Tages ein einarmiger General den Anstoß zu einer Revolution. Der -wollte eine Gabel, mit der er nicht nur spießen, sondern auch schöpfen -und nötigenfalls auch schneiden konnte. Die Gabel wurde gefertigt; sie -besaß eine flache löffelartige Form mit drei kurzen Zinken, so daß man -damit bequem spießen und zugleich Sauce fassen konnte.</p> - -<p>Diese Gabel ist sicherlich der reformierteste Teil des Reformbesteckes. -Sie dürfte allgemeine Annahme finden, denn auch von der hygienischen -Seite her ist ihr Angenehmes wegen ihrer leichten Reinbarkeit -nachzusagen.</p> - -<p>In den Ansprüchen, die wir in ästhetischer Hinsicht an den Eßtisch -stellen, prägt sich ein guter Teil unserer Erziehung und unserer -persönlichen Kultur aus. Die Mahlzeiten sind Feste des Leibes, die -bei Homer, der von seinen Helden getreulich berichtet, wann sie -die Hände zum lecker bereiteten Mahle erhoben, eine Art fröhlicher -Gottesdienst werden. Der Adel der Form kommt später hinzu. Es genügt -dem Kulturmenschen nicht, daß das Mahl lecker bereitet sei. Die -schöne Form ist nicht zu entbehren. Sie ist das halbe Essen. Die -ästhetische Forderung wird geradezu zur körperlichen. Eine gewisse -absolute Schönheit des Eßtisches hat sich herausgebildet, die sich mit -Einfachheit wohl verträgt und die nur eine Verschiebung hinsichtlich -der Kostbarkeit verträgt. Diese ist aber sicherlich zu entbehren. -Eine Sehnsucht nach Schönheit geht durch unser Zeitalter. Wenn nichts -fruchtet, will man wenigstens »in Schönheit sterben«. Das ist gewiß -sehr edel, aber anmutsreicher ist: »in Schönheit leben«. Und dazu -gehört: »in Schönheit essen«.</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">[S. 64]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Das_Speisezimmer">Das Speisezimmer.</h2> - -<p>Vor Jahren sah es freilich noch anders aus. Wie es in den meisten -Wohnungen heute noch aussieht. Altdeutsch war es, oder was man darunter -versteht. Der Plüschdekorationsdivan trug die ach so bekannten -Dekorationsteller. Die altdeutsche Kredenz war geschnitzt, zwar sehr -roh und albern, aber im großen und ganzen trug das Möbel eine Façade -wie ein italienischer Palazzo. Säulen waren an jedem Türchen, aber sie -hatten nichts zu stützen. Sie waren angeklebt und bewegten sich mit der -Tür auf und zu. Ich erzähle das nur, um auf den Widersinn einer solchen -Ornamentik, die man an jedem derartigen Möbel finden kann, gebührend -aufmerksam zu machen. Die anderen Einrichtungsstücke paßten dazu — -insofern waren sie wirklich »stilgerecht«. Der massive Speisetisch -hatte unten eine kreuzweise Verspreizung, so daß man nie recht wußte, -wie man die eigenen Beine unter dem Tische unterbringen soll. Es war -zu wenig Platz, und sie auf die Verspreizung zu stellen, litt die -Hausfrau nicht. Die üblichen Speisezimmersesseln standen herum, mit -Sitzflächen aus Holz, das figurale Ornamente eingepreßt hatte, so daß -man sich nicht niedersetzen konnte, ohne sich einer schönen Marke -mitten ins Gesicht<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">[S. 65]</a></span> zu setzen — herrlich! Natürlich war auch ein -Pfeilerspiegel da mit Trumeau, dunkle Vorhänge, um alles in allem die -beziehungsreiche, wurstrot- und sauerkrautfarbene Gesamtstimmung zu -erzeugen, die seit einer Generation in Speisezimmern so beliebt ist.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schrank_benirschke" name="schrank_benirschke"> - <img src="images/fig_067.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schrank und Wandmalerei von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="buffet_benirschke" name="buffet_benirschke"> - <img src="images/fig_068.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Buffet von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Schlägt man die Tageszeitungen auf, so findet man spaltenlange -Annoncen, darin solche Intérieurs angepriesen werden. Man mag daraus<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">[S. 66]</a></span> -ersehen, daß sie noch immer ein Publikum finden, das diese Mühe und -Kosten verlohnt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schrank2_benirschke" name="schrank2_benirschke"> - <img src="images/fig_069.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schrank von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="standuhr1_benirschke" name="standuhr1_benirschke"> - <img src="images/fig_070.jpg" - alt="Ausgeführt in weiß, blau und schwarz gebeizt — und - poliertem Ahornholz" /></a> - <div class="caption"> - Standuhr von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="standuhr2_benirschke" name="standuhr2_benirschke"> - <img src="images/fig_071.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Standuhr v. Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Beim Stuhl begann die Revolution. Man verlangte, daß er Bequemlichkeit -gewähre, und bestimmte die Sitzhöhe nach dem körperlichen Maß. -Eigentlich hat man das auch in Goethes Zeiten getan und vielleicht -schon zu Moses Zeiten, aber man hat seit der Zeit, da man fremde -Stile kopierte, darauf vergessen. Die Querleisten zwischen den Beinen -wurden<span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">[S. 67]</a></span> als lästig empfunden und blieben weg. Dann kam die Lehne in -Betracht. Hiebei ist die Atmung zu berücksichtigen. Geht die Lehne im -Bogen, so muß sie unter den Schultern abschließen, sonst verursacht sie -Atembeklemmungen. Geht sie höher, so schließe sie besser gerade ab. -Doch soll sie möglichst niedrig sein, sonst bildet sie ein Hindernis -beim Servieren. Von der Stuhlform hängt der Tisch ab. Die richtige -Höhe ist bei Speisetischen sehr wichtig. Ausziehtische sind natürlich -bevorzugt, wenn sie auf guten Rollen laufen. Die Zarge darf nicht -so weit herabreichen, daß sie das Knie des Sitzenden beengt. Die -Querstangen sind absolut zu vermeiden. Man hat neuestens den Tischfuß -mit gehämmertem Messing umkleidet, darauf man unbekümmert die Füße -stellen kann. Buffet, Teetisch, Serviertisch ergänzen das Mobilar. -Das Ornament besteht höchstens in eingelegten Linien, im flachen -Dekor. Glatte <a name="politierte" id="politierte"></a>polierte Formen, die anmutige Reflexlichter erzeugen, -den Glanz des Silberzeugs, die Weiße des Porzellans widerspiegeln, -sind durchaus beliebt. Die<span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">[S. 68]</a></span> Tafelaufsätze sind niedrig, einfach und -zweckvoll. Den Hauptschmuck bilden die Blumen, auf der Tafel und am -Fenster. Dort hängen keine Stoffgardinen mehr, die Rembrandtstimmung -ist dahin, alles ist auf Luft und Licht und Farbe gestimmt, auf helle, -freundliche Farben. Durchsichtige Gardinen, seitlich aufzuziehen, -hängen in geraden Falten herab. Die Wände sind natürlich auch hell, -keine Tapeten, keine Dessinierung. Perlgrau zum Beispiel. Das Möbelwerk -gebeizt oder lackiert. Mahagoni ist schön und teuer. Rot gebeiztes -Holz tut es auch. Stühle und Tisch in diesem Ton, dagegen die Buffets, -die Kaminverkleidung, der Blumenständer etc. weiß lackiert. Das gibt -einen schönen Akkord. Unter Kaminverkleidung verstehe ich die Umhüllung -des Gaskamins, mit Fächern zur Aufnahme von allerlei Kleinkunst. Für -den Bodenbelag findet man heute schon gutes und billiges Zeug in -geeigneten Farben, entweder einfärbig oder gestreift oder sonst mit -einem ruhigen Linienornament. Wo elektrisches Licht ist, hat man den -Vorzug einer gleichmäßig verteilten Deckenbeleuchtung. Auch bei den -Beleuchtungskörpern lasse man es nur auf reine Zwecklichkeit ankommen -und verschmähe allen ornamentalen und figuralen Kram, der sich in -dieser Form immer wieder anpreist. Erst wenn man von jedem Ornament -absieht, wird man zu ruhigen, einheitlichen Wirkungen und zu einer -stillen und vornehmen Schönheit gelangen. Wenn man einmal so weit sein -wird, die Farbe zu würdigen, die ungebrochenen einfachen Farben, nicht -die schmutzig aussehenden, dann wird man im Raum glückliche Ergebnisse -erzielen, die man nur andeuten kann.</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">[S. 69]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Der_Salon">Der Salon.</h2> - -<p>Die Hausfrau, der stets die Sorge um ein standesgemäßes Heim am Herzen -liegt, steht dieser Frage häufig ratlos gegenüber. Bei den anderen -Räumen gibt es keine solchen Schwierigkeiten, deren Einrichtung ergab -sich notgedrungen, aus dem Bedürfnisse heraus. Aber beim Salon — -das ist etwas anderes. Hier spricht das Bedürfnis nicht so laut; man -wohnt nicht darin; man hat ihn gewöhnlich nicht für sich, sondern -für die anderen. Also um darin zu repräsentieren. Es gehört zu den -Herkömmlichkeiten, daß selbst jede kleinere Wohnung ihren »Salon« hat. -Dazu wählt man fast immer das beste und größte Zimmer, die anderen -Räume werden ins Hintertreffen gerückt. Ich halte zwar die Gemächer, -die meinem persönlichen Dasein dienen, für weitaus wichtiger, aber das -gehört nicht hieher. Im Salon kann man zeigen, daß man auch »wer« ist, -und das erklärt alles. Also wendet sich die ratlose Hausfrau an ihr -Hausblättchen, von dem sie gewöhnlich auch die Kochrezepte bezieht: -»Bitte, wie richte ich meinen Salon ein?« und erhält alsogleich -probaten Rat in der herkömmlichen Form: »Man nimmt ein paar Stühle -verschiedener Form und Größe, mit beliebigem Seidenstoff gepolstert, -kleine Tischchen, ein Sopha, Fauteuils etc.«<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">[S. 70]</a></span> Die Durchschnittssalons -der bürgerlichen Wohnungen schmecken alle nach diesem Rezept. -Der Möbelhändler liefert den bric-à-brac, den billigen Tand, die -Gipsstatuen und all den Kram, der für wenig Geld viel Geschrei machen -soll.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="buffet_exler" name="buffet_exler"> - <img src="images/fig_072.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Buffet von Arch. Franz Exler. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="buffet_stubner" name="buffet_stubner"> - <img src="images/fig_073.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Buffet von Arch. Hans Stubner. - </div> -</div> - -<p>Dieselbe Öde und Langeweile, den Mangel jeder persönlichen Regung -findet man von Haus zu Haus. Was auch die praktischen Ratgeber -und Möbelhändler sagen mögen, <em class="gesperrt">so richtet man einen Salon nicht -ein</em>. Wozu haben wir überhaupt einen Salon? Welche Aufgabe soll -er in dem Organismus unseres Hauses erfüllen? Soviel steht fest: In -der Form, wie wir ihn meistens finden, bildet er einen toten Raum. -Sollte der »Salon« nicht derart zu gestalten sein, daß er auch von dem -Leben erfüllt werde, das die anderen Räume beherrscht, daß er nicht -bloß einer unzulänglichen Repräsentanz diene, sondern wirklich der -Bedeutung gleichkomme, die man ihm auf Kosten der Bequemlichkeit in der -bürgerlichen Wohnung einräumt? Die Sache ist der Untersuchung wert.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer_braeuer" name="speisezimmer_braeuer"> - <img src="images/fig_074.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Speisezimmer von Arch. R. Bräuer. - </div> -</div> - -<p>Schon das Fremdwort »Salon« besagt, daß wir es mit einem Raume zu -tun haben, der aus einer fremden Kultur stammt. Die italienische -Renaissance veratmet in dem Wort. »Salone«, »großer Saal«, so hieß der -große Empfangsraum im italienischen Palazzo. Was wir heute unter dieser -Bezeichnung in unseren Durchschnittswohnungen finden, ist freilich eine -Farce auf den ursprünglichen Geist eines solchen Raumes. Soll der Salon -für unsere Verhältnisse wieder Sinn und Zweck bekommen, dann müssen wir -ihn seines anscheinend repräsentativen Charakters, der für die große -Mehrzahl ohnehin bedeutungslos ist, entkleiden, und ihm das Gepräge<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">[S. 71]</a></span> -eines persönlich intimen Raumes geben. Nach einer gesunden Auffassung -von der Sache hat aber der bürgerliche Salon die Aufgabe, alle Dinge -aufzunehmen, welche die Persönlichkeit, ihre Neigungen und ihre Ideale -charakterisieren. Jegliches Ding darin müßte von der Persönlichkeit -etwas auszusagen haben. Für die gebildete Hausfrau oder den gebildeten -Hausherrn wird der Salon recht eigentlich Bibliothek oder Arbeitszimmer -sein, wo die Lieblingsbücher stehen und die Studien gepflegt werden, -wo an den Wänden in geeigneten, zum Auswechseln gerichteten Rahmen -die Kunstblätter hängen, die Sammlungen aufgestellt sind und aus -allen Dingen die geistigen Wesenszüge der Bewohner sprechen. Hier, -wo man von allen Gegenständen seiner Neigungen umgeben ist, wird man -am angenehmsten plaudern, und die Langeweile, dieser tötliche Feind -aller Lebensfreude, wird solchen Räumen sicherlich fernbleiben. Die -Unterhaltung, die von diesen Gegenständen her Nahrung empfängt, wird -leicht<span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">[S. 72]</a></span> und fesselnd sein, weil sie solcherart die Eigenart der -Bewohner auf unauffällige und sympathische Weise offenbart, und eine -anziehende Neuheit darin besitzt, daß sie sich nicht um die Schwächen -des abwesenden lieben Nächsten zu drehen braucht.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="buffet1_winkler" name="buffet1_winkler"> - <img src="images/fig_075.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Buffet von Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<p>Wo diese Auffassung platzgreift, stellen sich die neuen Grundsätze -für die zweckmäßige Einrichtung ungerufen ein. Die gute Hausfrau, die -bereits gemerkt hat, um was es sich handelt, weiß nun mit einemmal, -was sie für ihren Salon braucht. Sie wird Wände und Plafond in -einfachen ruhigen Farben halten, vielleicht einfärbig bloß mit einem -herumlaufenden Fries, oder sie wird, wenn sie Stofftapeten haben -will, zu einem modernen Muster greifen. In Stofftapeten ist auch mehr -Farbenfreude und Lebhaftigkeit der Zeichnung statthaft. Sie wird die -Möbel so einfach, aber auch so gediegen herstellen lassen als möglich, -vielleicht aus Mahagoni oder rotgebeiztem Holz, mit dem sich auch -weiße Lackmöbel gut verbinden lassen. Die Möglichkeiten sind nicht -auszudenken, der gute Geschmack wird mit allen Mitteln das richtige -treffen. Die Anordnung der Möbel wird selbstverständlich von der -bisherigen Aufstellung sehr verschieden sein müssen. Man wird in einem -solchen intimen Raum Wert darauf legen, eine gemütliche Plauderecke -zu besitzen, ein<span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">[S. 73]</a></span> cozy-corner, das eine Ecke des Zimmers füllt, eine -halbkreisförmige gepolsterte Sitzgelegenheit enthält, und ein Tischchen -davor, wo man behaglich sitzen kann, den ganzen Raum beherrscht und -sich dennoch abgeschlossen und geborgen fühlt. Das Fenster, das bei der -Art unserer Zimmer leider so wenig Raum an der Wandseite läßt, wird -einfach zur unteren Hälfte verkleidet, wenn es sich nicht anders tun -läßt. Von<span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">[S. 74]</a></span> diesem Platze aus ergibt sich die geschmackvolle Aufstellung -der anderen Möbelstücke, die immer nur nach Maßgabe des persönlichen -Bedürfnisses vorhanden sein werden, ganz leicht.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer_witzmann" name="speisezimmer_witzmann"> - <img src="images/fig_076.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Speisezimmer von Arch. Karl Witzmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer2_benirschke" name="speisezimmer2_benirschke"> - <img src="images/fig_077.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Speisezimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Man glaube indessen nicht, daß die Sache so brandneu ist, daß man es -nicht wagen dürfe, sie aufzunehmen. Bei den Künstlern gehört es zur -Überlieferung, die ganz selbstverständlich ist, daß sie ihre Gäste im -Arbeitsraum, also in der Werkstatt, im Atelier empfangen. Das Atelier -ist zugleich ihr Salon. Darum unterhält man sich bei den Künstlern am -besten, weil man von ihrem geistigen Wesen ganz umgeben ist, von allen -Dingen, die diese Geistigkeit sichtbar machen. Auf diese Art kann<span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span> es -jedermann halten. Nicht jeder ist Künstler, wird man sagen. Aber jeder -Gebildete hat geistige Interessen irgendwelcher Art oder treibt einen -geistigen Sport, musiziert, sammelt, liest. Oder sollte ich allzu -optimistisch sein? Man gebe einem Salon das Gepräge eines geistigen -Sammelpunktes. Wer aber in den neuen, oben dargestellten Grundsätzen -eine Festigung durch das Beispiel der altehrwürdigen Tradition braucht, -der lese die folgende Schilderung des idealen Zimmers, das sich -Adalbert Stifter einrichten wollte, den man in dieser Hinsicht ganz gut -als einen Vorläufer der Modernen betrachten kann.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="speisezimmer_erker" name="speisezimmer_erker"> - <img src="images/fig_078.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Speisezimmer mit Erker von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">[S. 76]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="buffet_winkler" name="buffet_winkler"> - <img src="images/fig_079.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Buffet von Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<p>»Zwei alte Wünsche meines Herzens stehen auf. Ich möchte eine Wohnung -von zwei großen Zimmern haben, mit wohlgebohnten Fußböden, auf denen -kein Stäubchen liegt; sanft grüne oder perlgraue Wände, daran neue -Geräte, edel massiv, antik einfach, scharfkantig und glänzend; seidene -graue Fenstervorhänge, wie matt geschliffenes Glas, in kleine Falten -gespannt, und von seitwärts gegen die Mitte zu ziehen. In dem einen -der Zimmer wären ungeheuere Fenster, um Lichtmassen hereinzulassen, -und mit obigen Vorhängen für trauliche Nachmittagsdämmerung. Rings -im Halbkreise stände eine Blumenwildnis, und mitten darin säße ich -mit meiner Staffelei und versuchte endlich jene Farben zu erhaschen, -die mir eben im Gemüte schweben und nachts durch meine Träume dämmern -— ach, jene Wunder, die in Wüsten prangen, über Ozeane schweben -und den Gottesdienst der Alpen feiern helfen. An den Wänden hinge -ein oder der andere Ruysdael oder ein Claude, ein sanfter Guido und -Kindergesichtchen von Murillo. In dieses Paphos und Eldorado ginge ich -dann nie anders, als nur mit der unschuldigsten, glänzendsten Seele, -um zu malen oder mir sonst dichterische Feste zu geben. Ständen noch -etwa zwischen dunkelblättrigen Tropengewächsen ein paar weiße ruhige -Marmorbilder alter Zeit, dann wäre freilich des Vergnügens letztes Ziel -und Ende erreicht.«</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">[S. 77]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Wie_man_Bilder_haengt">Wie man Bilder hängt.</h2> - -<p>Im »Turmalin«, einer Geschichte, so dunkel wie der Edelstein, nach -dem sie benannt ist, erzählt Adalbert Stifter von einem wunderlichen -Manne, der die vier Wände seines Wohn- und Arbeitszimmers vollständig -mit Bildnissen berühmter Männer behing. Es war kein Stückchen, auch -nur handgroß, das von der ursprünglichen Wand zu sehen gewesen wäre. -In der Sache lag System, und sie dürfte zu des seligen Biedermeiers -Zeiten Schule gemacht haben. Denn als ich einmal in einem Schlosse zu -Gast war, das in jenen Tagen eingerichtet wurde und die ursprüngliche -Einrichtung heute noch unverändert besitzt, sah ich ganze Wände mit -schmalen, einfachen Goldrahmen dicht behängt, darin Lithographien, -ebenfalls Bildnisse berühmter Männer, zumeist der Kriegsgeschichte -angehörig, zu sehen waren. Wie ich nachträglich hörte, hatte das Schloß -einem berühmten Feldherrn zum Aufenthalte gedient.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="sitzgelegenheit_winkler" name="sitzgelegenheit_winkler"> - <img src="images/fig_080.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Sitzgelegenheit in einem Salon von Architekt Georg Winkler. - </div> -</div> - -<p>Diese Anordnung erscheint mir aus zwei Gründen beachtenswert. Erstens -waren es nur bedeutsame Bilder, die als Original-Lithographien einen -gewissen Wert besaßen und durch ihren Inhalt ein ganz bestimmtes -Verhältnis zu ihrem Besitzer ausdrückten, und zweitens war in dem -Arrangement eine klare, dekorative Absicht ausgeprägt.</p> - -<p>Ich meine aber durchaus nicht, daß man die Sache nachahmen dürfte. -Sie ist nur deshalb sympathisch, weil sich in ihr überhaupt ein<span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">[S. 78]</a></span> -Gestaltungsgrundsatz geltend macht. Im Übrigen könnte man sehr -viel Gegenteiliges einzuwenden haben, denn eine Sammlung von -Kunstblättern gehört doch viel eher in die Mappe, die man nur in -musenfreundlichen Stunden dem schönheitsuchenden Auge erschließt, -und dann genügt dieses briefmarkenähnliche Aufkleben nicht mehr dem -modernen Formsinn. Außerdem möchte ich der Gefahr begegnen, daß man -meine Sympathie zugunsten jener wigwamartig mit Trophäen behängten -Schauspielerwohnungen auslegt, wo die Wände über und über mit -Photographien in protzigen Goldrahmen bepflastert sind, die das liebe -Ich, von vorn und hinten gesehen und in allen möglichen und unmöglichen -Lebenslagen variiert, möglichst aufdringlich zur Schau stellen. Diesem -indianerhaften Zustand möchte ich nicht einmal den Schein eines -freundlichen Arguments gönnen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfaches_speisezimmer" name="einfaches_speisezimmer"> - <img src="images/fig_081.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfaches Speisezimmer von Architekt Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Kehren wir zu Biedermeier zurück und gestehen wir, daß die alte -Ordnung, wo sie noch unverfälscht in den Räumen von anno dazumal -vorhanden, recht artig aussieht. Im traurigen Gegensatz zu dieser Art -Bilder zu hängen, haben die Durchschnittswohnungen in den heutigen -Miethäusern kein Prinzip ausgebildet. Oder doch nur eines: nämlich -die Löcher in der Wand zu verdecken. Beim Beziehen einer neuen -Wohnung geben diese garstigen Löcher, mit Gyps verschmiert, aus<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">[S. 79]</a></span> der -schmierigen Wandbemalung grell hervorstechend, der ratlosen Hausfrau -die einzige und getreulich befolgte Auskunft auf die Frage: »Wie sollen -wir die Bilder hängen?«</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfaches_buffet" name="einfaches_buffet"> - <img src="images/fig_082.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfaches Buffet von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Und sind sie glücklich gehängt, gerade dort, wo der göttliche Zufall, -der für die Löcher sorgt, sie haben wollte, dann freut sich Groß und -Klein über die schöne Wohnung. Ich habe nichts so himmlisch und nichts -so verderblich gefunden, als diese Anspruchslosigkeit. Als ich einmal -über den ordinären Schund loszog, mit dem gewöhnlich die Wände der -Durchschnittswohnung angefüllt werden, schrieb mir eine Dame: »Da -haben Sie sich einmal gründlich blamiert! Sie dürften ganz gut wissen, -wozu die Bilder gehören! Oder ist es schöner, wenn überall die Löcher -hervorschauen? Glauben Sie vielleicht, daß sich jeder Erste Beste -einen Böcklin kaufen kann? u. s. w.« Die zeitgemäße Dame, die mir so -temperamentvoll widersprach, ahnte wahrscheinlich gar nicht, wie sehr -sie mir recht gab. Der Aufschrei war sicher ein Beweis, daß ich den -Finger auf eine Wunde gelegt hatte. Ich glaube wahrlich nicht, daß in -ein derartiges Milieu ein Böcklin besser passen würde, als etwa eines -jener fabriksmäßigen Ölbilder, die der Rahmenhändler als Draufgabe<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">[S. 80]</a></span> für -einen geschmacklosen und lärmenden Goldrahmen liefert. Dagegen ist um -dasselbe billige Geld gute und echte Kunst zu haben.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfaches_wohnzimmer1" name="einfaches_wohnzimmer1"> - <img src="images/fig_083.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfaches Wohnzimmer v. Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Für die Hängung der Bilder ist entscheidend, daß nicht die Wand die -Hauptsache und das Bild der bloße hinzutretende Schmuck, sondern daß -die Wand bloß Hintergrund und das Bild die Beseelung und Belebung -der Fläche ist. Der Kunstfreund, der von diesem Grundsatze ausgeht, -wird bei der Hängung seiner Bilder nicht leicht einen Mißgriff -tun. Er wird die Wand als Hintergrund behandeln und sie daher so -anspruchslos halten, als immerhin möglich. Die beliebten Tapetenblumen -können der Bildwirkung immer nur schädlich sein. Er wird seine Wände -entweder weißen lassen, was am schönsten ist, oder er wird sie in -einfachen, ruhigen Farben halten und sich auf die ruhige Tonwirkung -beschränken, die allerdings ein feines Farbengefühl bedingt. Und er -wird staunen, welche Macht die sparsam verteilten Originalblätter der -Reproduktionskunst auf diesem Hintergrund gewinnen können. Sparsam -verteilt und in menschlich dimensionierter Höhe müssen sie gehalten -sein, denn sie sollen die Wandflächen gliedern und mit ihrem Inhalt -deutlich zu dem Beschauer sprechen.</p> - -<p>Hier wäre es am Platze, ein Wort über den Rahmen zu sagen. Der Rahmen -hat die Bedeutung einer Grenze, die die Welt des Bildes<span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">[S. 81]</a></span> von der -Umgebung abschließt. Er soll das Bild heben und daher selbst einfach -und anspruchslos sein. Um das Bild zu heben, hat man außer Gold auch -sonstige Farben versucht, die gute Wirkung haben, wobei freilich als -Grundsatz zu beachten ist, daß es eine Farbe sei, die im Bilde nicht -vorkommt und einen komplementären Gegensatz bildet. Der Form nach -werden immer die geraden Leisten am besten sein; vor den verzierten -Rahmen, die auf den Namen »Kunsthändler-Rahmen« lauten, ist durchaus -zu warnen. Es wird oft die Frage aufgeworfen, ob man den weißen Rand -an reproduzierten Blättern stehen lassen soll. Bei Radierungen, die -den Plattenrand haben, ist der weiße Rand sicherlich von großer -Berechtigung, in allen Fällen aber ist er an und für sich schon ein -Rahmen. Man muß sich in diesem Falle begnügen, einen ganz schmalen, -einfachen Holzrahmen herumzulegen, der ganz gut weiß sein kann, ja -man braucht nur einen schmalen Streifen Papier um den Glasplattenrand -umzukleben, um des vorteilhaftesten Aussehens gewiss zu sein.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfaches_wohnzimmer2" name="einfaches_wohnzimmer2"> - <img src="images/fig_084.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfaches Wohnzimmer von Architekt Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Ich denke hiebei immer zuerst an die kleinere Wohnung in den -Miethäusern, wo ja die Misère am größten ist und oft mit geringen -Mitteln eine gewisse Schönheit erzielt werden könnte. Große -Wohnungsverhältnisse, in Einzelwohnhäusern und Villen, wo der Luxus für -einen ziemlichen Aufwand, wenn nicht notwendigerweise für Geschmack —<span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">[S. 82]</a></span> -o, im Gegenteil! — sorgt, kommen für uns zunächst nur in bedauernder -Hinsicht in Betracht, daß sie kaum mehr, wie in früheren Zeiten, das -große Wandbild aufweisen, das in Hallen, Loggien etc. seinen rechten -Platz fände, und solche Wände, wenn das Bild etwa nach Art der alten -Gobelins oder mit dem Geiste eines Puvis de Chavannes gemalt wäre, -mit der bezaubernden und ungestörten Harmonie edler Linien und großer -einfacher Farbenklänge erfüllen müßte. Solche Heimstätten müssten die -eigentliche Pflegestätte des großen Ölbildes und der Wandmalerei sein.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="buecherschrank_winkler" name="buecherschrank_winkler"> - <img src="images/fig_085.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bücherschrank v. Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="tischchen_benirschke" name="tischchen_benirschke"> - <img src="images/fig_086.jpg" - alt="Entwürfe für Lackmöbel" /></a> - <div class="caption"> - Tischchen von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Für die Durchschnittswohnung muß die Reproduktionskunst in den meisten -Fällen genügen, wenn überhaupt auf Kunst Wert gelegt wird. Wird nach -den gegebenen Anhaltspunkten verfahren, dann kann sich an den Wänden -eine ungeahnte Schönheit entfalten. Um die Kunstwerke mit größerer -Geschlossenheit zu vereinigen, wird in manchen Wohnungen in der -Augenhöhe eine Holzverkleidung geführt mit regelmäßigen, rahmenartigen -Ausschnitten, darin die Kunstblätter hinter Glas stehen und beliebig je -nach dem Inhalt der Mappe ausgewechselt werden können. Der Kunstfreund -ist solcherart stets im gegen<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span>wärtigen Genuß seiner Sammlung und kann -den Turnus wechseln, so oft es ihm beliebt, von der feinen dekorativen -Wirkung dieses Arrangements ganz zu schweigen. Ob man nun auf die -eine oder andere Art vorgeht, dafür sich immer neue und interessante -Gestaltungsmöglichkeiten in unseren modernen Ausstellungen lernen -lassen, man wird sich bald auf einem höheren Niveau demselben Ideal -nahe finden, das schon unseren Großvätern erstrebenswert schien, man -wird nämlich ein ganz bestimmtes Verhältnis zu dem Bilderbesitze mit -einer klaren dekorativen Absicht zu verbinden wissen. Diese feine Lehre -liegt im dunklen »Turmalin« und in manchem alten Räume, darin die -Ahnenstimme lebt.</p> - -<p>Die bildmäßig dekorative Verwendung anderer Materialien, wie etwa -getriebene Paneele in Messing, Kupfer oder Silber, die Kachelschnitte, -Mörtelschnitte, Mosaikbilder, Email und Perlmutter etc., die in die -Mauer eingelassen werden, kann nur im eigenen Wohnhaus in Betracht -kommen, wo der Kunst ein viel größerer Spielraum gegeben ist.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">[S. 84]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="salonecke_braeuer" name="salonecke_braeuer"> - <img src="images/fig_087.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Salonecke von Arch. Karl Bräuer. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Das_Portraet_im_Wohnraum">Das Porträt im Wohnraum.</h2> - -<p>Eine Stadt, die hunderttausend Einwohner hat, kann keine zwei -Porträtmaler ernähren. Das gibt zu denken. Im Nebenzimmer hängt das -Porträt der Großmutter. Sie sieht aus, wie in ihren besten Jahren, -als Frau, da sie schon alle ihre Kinder gehabt hat. Acht an der Zahl. -Wie gut sie aussieht! Die dunklen Haare sind in der Mitte gescheitelt -und ziehen in schönem Schwung stark in die Schläfen herein. Das blaue -Seidenkleid ist tief ausgeschnitten, ein feines Spitzentuch trägt sie -darüber. Um den schönen Hals läuft eine neunfache Perlenschnur, vorne<span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">[S. 85]</a></span> -von einer großen Brosche zusammengehalten. Sie trägt die großen, aber -ungemein fein und leicht gearbeiteten Ohrgehänge aus den Dreißiger- -und Vierziger-Jahren und schön gefaßte Ringe: Topas, Amethyst und -Chrysopras. Stundenlang könnte man sie ansehen. Wie schön sie ist! -Überallhin folgen einem ihre Blicke. Stellt man sich links, rechts, in -die Mitte, immer blickt sie einem an mit den braunen, klaren, gütigen -Augen. Der Maler ist gar nicht bekannt. Aber das Bild lernt man lieben, -und im Bilde die Frau. Bald hat sie einen unverlierbaren Platz in der -Seele und lebt mit uns, obzwar sie längst tot ist. Im Leben haben -wir sie nie gesehen. Ein Jugendbildnis ist noch da. Da war sie noch -Mädchen, trug einen bebänderten Florentinerhut und weiße, duftige -Tüllkleider. Ein<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span> Pastell, blaß und rührend anzusehen. Ausgebleicht, -aber rosig umhaucht, wie verdorrte Rosen. Das war eine kunstfrohe -Zeit, Großmutters Jugendtage. Aus allen Familien sind uns von damals -Bildnisse überliefert, Ölporträts, Pastelle, Lithographien, Miniaturen, -von Daffinger und Genossen auf Elfenbein kunstreich gemalt. Dieselben -Personen meistens in den verschiedensten Lebens-Epochen dargestellt, -Grillparzer, die Fröhlichs, Schubert, all die Großen ihrer Zeit, noch -aus ihren unberühmten Tagen, was das Bemerkenswerte ist. Von den -Bildnissen Un<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span>berühmter, die nur Familienwert haben, gar nicht zu -reden. Diese ganze Kunstblüte ist untergegangen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="wohnzimmer_benirschke" name="wohnzimmer_benirschke"> - <img src="images/fig_088.jpg" - alt="Wohnzimmer" /></a> - <div class="caption"> - Wohnzimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="sitzgelegenheit_ablage_benirschke" name="sitzgelegenheit_ablage_benirschke"> - <img src="images/fig_089.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Sitzgelegenheit mit Bücherablage von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="salonschrank_benirschke" name="salonschrank_benirschke"> - <img src="images/fig_090.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Salonschrank von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Auf hunderttausend Einwohner kommen heute keine zwei Porträtmaler. -Wie werden wir unseren Enkeln im Gedächtnis bleiben! Wird unser Bild -in ihren Seelen leben, gegenwärtig sein, mitwirkend in ihrem Tun und -Lassen, geliebt und verehrt wie unsere selige Großmutter? Wir lassen -uns photographieren. In einer Anzahl von Jahren ist die Photographie -verblaßt, ausgeblasen, unkenntlich, eine Fratze. Vielleicht heben sie -die Nachkommen auf, vielleicht! Aber ansehen tut man sie nicht, zeigen -noch weniger. Es ist unerquicklich. Name sind wir dann, leerer Schall. -Und dann erst wirklich gestorben. Liebe Großmutter, du lebst! Nein, wir -lassen uns auch porträtieren. Wir gehen in eine große photographische -Anstalt, wo viele junge Maler im Taglohn angestellt sind, und bestellen -das »Porträt«. Es ist zwar nur ein photographischer Grund, aber schön -angefärbelt. Sehr süß und schmeichelhaft, als ob wir nicht Menschen, -sondern Porzellanpüppchen wären. Aber es gefällt den Leuten, und es ist -modern. Darum tut es nichts, daß dieser Schund<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">[S. 88]</a></span> -siebzig bis <a name="achzig" id="achzig"></a>achtzig -Gulden kostet. Meistens soll es eine Überraschung sein, ein Geschenk -für die Frau des Hauses, für den Ehegatten. O Glück! O Wonne! Alles -ist Festfreude. Am Geschenk darf man nicht mackeln, darum wird der -kritische Verstand beizeiten totgeschlagen, wofern er überhaupt da war. -Zum Schlusse liebt man, was man hat, und sieht nur das sündhafte Geld -darin, das es gekostet hat.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schmuckkaestchen_benirschke" name="schmuckkaestchen_benirschke"> - <img src="images/fig_091.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schmuckkästchen von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Für dasselbe Geld bekommt man auch ein gutes Porträt. Man wende -sich an die Akademie, an die Kunstvereine, an die jungen, fertigen -Künstler. Die gehen mit Feuereifer daran, sie brauchen nicht mehr -unwürdige Arbeit tun, Bilderbogen kolorieren, Nikolo und Krampusse -für den Christkindlmarkt fabrizieren, um das Leben zu fristen. Alle -Porträtmaler hätten auf einmal zu tun. Und in jedem Hause könnten ein -paar Bildnisse sein, die einen wahren Familienschatz bilden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="salon_sitzecke_benirschke" name="salon_sitzecke_benirschke"> - <img src="images/fig_092.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Salon, Sitzecke von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="lackmoebel_benirschke" name="lackmoebel_benirschke"> - <img src="images/fig_093.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Lackmöbel von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Aber dem steht manches entgegen. Leider zum Teil die jungen und -fertigen Künstler selbst. Die sind betört durch das Riesenphantom, das -»Künstlerpreis« heißt, den die Künstler von Ruf zu erzielen pflegen. -»Warum sollten wir nicht auch — — —?« Kommt man in eine -von<span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">[S. 90]</a></span> -jungen Künstlern veranstaltete Ausstellung, fällt nichts so sehr auf -als die hohen Preise. Es ist ein offenes Geheimnis, daß dieselben -Bilder um tatsächliche Kaufbeträge erhandelt werden, die zwergenhaft -sind im Vergleiche zu den verlangten Riesensummen. Mehrstellige -Künstlerpreise kommen mit dem steigenden Ansehen und Alter von selbst. -Während unsere Künstler darben, sind beispielsweise die französischen -Maler das Verkaufen gewöhnt. Das machen die billigen Preise.</p> - -<p>Und dann die Leute. Die sagen, die Photographie tut denselben Dienst. -Das ist nicht wahr. Die Photographie gibt zwar alle Einzelheiten genau -wieder, aber rein äußerlich, auf chemisch-mechanische Weise. Darum -hat sie immer etwas Mechanisches, Seelenloses. Ich finde es ganz -begreiflich, daß Leute die gelungenste Photographie mit den Worten -zurückweisen: »Das bin ich nicht!« In den photographischen Ateliers -kommt das täglich vor. Nicht wie wir im Auge des leblosen mechanischen -Apparates uns darstellen kommt es an, sondern darauf, wie wir im Auge -des Menschen erscheinen. Darauf ist unser Empfinden, ja unser ganzes -Sein gestellt. Darum kann die Photographie nie die Geltung eines -Porträts haben.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="stuhl_benirschke" name="stuhl_benirschke"> - <img src="images/fig_094.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Stuhl von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="fauteuil_benirschke" name="fauteuil_benirschke"> - <img src="images/fig_095.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Fauteuil von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Da gibt es Leute, die behaupten, die Bildniskunst sei die niedrigste -Gattung der Malerei. Es ist gelegentlich schon geschrieben worden. Es -ist gesagt worden, daß es eigentlich recht widerwärtig sein müsse, -täglich fremde Augen, Ohren, Nasen zu malen, nichtssagende Gesichter,<span class="pagenum"><a name="Seite_91" id="Seite_91">[S. 91]</a></span> -die dem Maler doch langweilig und gleichgültig sein müssen. Da tut er -eben seine Pflicht, schafft treu und fleißig wie ein Handwerker, und -was derlei Aussprüche mehr sind.</p> - -<p>Ich habe immer eine heimliche Sehnsucht gehabt, Porträtmaler zu sein. -Bildniskunst, sie ist der Gipfel der Malerei. Ich habe die ganz klare -Empfindung, daß ein Maler, der Künstler ist, nichts malt, was ihm -gleichgültig ist, daß er Psycholog genug ist, um in jedem Antlitz -einen Schimmer Seele zu entdecken, und daß er den Pinsel nicht eher -anrührt, bis er sich über den inneren Menschen klar geworden. Denn das -ist seine Kunst, daß er den Menschen nicht wie die Photographie in der -äußerlichen Zufälligkeit des Augenblicks darstellt, sondern dessen -innere Züge ergreift und den Charakter mit allen seinen Möglichkeiten -offenbart. Diese innere Ähnlichkeit ist künstlerisch wichtiger als -die bloß äußere. Ihm werden die feinen Linien und Fältchen des -Antlitzes, die der ungeschickte Photograph, der schmeicheln will, mit -Vorliebe wegretouchiert, besonders kostbar sein, und er wird das Auge, -das wir immer zuerst suchen, wie den Weg zur Seele, als wichtigste -Offenbarungsquelle behandeln. Das Porträt ist Geschichtsmalerei im -höchsten Sinne. Nicht allein für den Maler ist die Sache interessant, -auch für den Besteller. Der weiß, der Künstler malt aus innerer -Anschauung heraus, also das Bild, das er in seiner Seele von ihm -gewonnen hat. Er malt ihn, wie wir im<span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">[S. 92]</a></span> Auge des Menschen erscheinen. Es -liegt darin etwas, das uns allen sehr nahe geht. Das Auge des Nächsten -ist in Wahrheit unser Wächter. Der einsame Mensch verwildert. Unsere -gesellschaftliche Kultur ist auf das fremde Auge gestellt. Sie spitzt -sich im Kerne auf die unausgesprochene<span class="pagenum"><a name="Seite_93" id="Seite_93">[S. 93]</a></span> Frage zu: »Werde ich gefallen?« -Das Maßgebendste aber wird sein, wie uns der Künstler mit seinen -verfeinerten und verschärften Sinnen auffaßt. Er wird uns mit keiner -Wahrheit verschonen. Wir werden in seiner Darstellung nicht aussehen -wie im stumpfen Alltag, sondern wie an einem Festtage des Lebens, etwa -in seinem höchsten Augenblick, in dem sich unser verborgenstes Wesen -zum stärksten Ausdruck sammelt.</p> - -<p>Kann das die Photographie leisten?</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="fauteuil_tisch_benirschke" name="fauteuil_tisch_benirschke"> - <img src="images/fig_096.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Fauteuil und Tischchen von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="stuhl_herrgesell" name="stuhl_herrgesell"> - <img src="images/fig_097.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Stuhl von Arch. Maurice Herrgesell. - </div> -</div> - -<p>Ich habe von der Großmutter keine Photographie, das gab es zu ihrer -Zeit noch nicht. Angenommen, es gäbe eine solche, und ich besäße nichts -von ihr als diese Photographie, so würde sie wirken wie erblindete -Spiegel. Die Großmutter wäre sodann nie für mich gewesen. Die -Bildniskunst hat mich verehren gelehrt.</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_94" id="Seite_94">[S. 94]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Plastik_im_Zimmer">Plastik im Zimmer.</h2> - -<p>Eine edle Plastik im Zimmer zu haben, ist immer eine Angelegenheit -kunstfroher Geister. Die Porträtplastik kommt im Hause zur -hervorragenden Geltung. Ebenso wie die nach dem Leben gearbeitete -Medaille. »Bloß zu beider Art Monumenten kann ich meine Stimme geben«, -sagt Goethe. »Was hat uns nicht das fünfzehnte, sechzehnte und -siebzehnte Jahrhundert für köstliche Denkmale dieser Art überliefert, -und wie manches Schätzenswerte auch das achtzehnte! Im neunzehnten -werden sich gewiß die Künstler vermehren, welche etwas Vorzügliches -leisten, wenn die Liebhaber das Geld, das ohnehin ausgegeben wird, -würdig anzuwenden wissen. — Leider tritt noch ein anderer Fall ein. -Man denkt an ein Denkmal gewöhnlich erst nach dem Tode einer geliebten -Person, dann erst, wenn ihre Gestalt vorübergegangen und ihr Schatten -nicht mehr zu haschen ist. Nicht weniger haben selbst wohlhabende, -ja reiche Personen Bedenken, hundert bis zweihundert Dukaten an eine -Marmorbüste zu wenden, das doch das unschätzbarste ist, was sie ihrer -Nachkommenschaft überliefern können.<span class="pagenum"><a name="Seite_95" id="Seite_95">[S. 95]</a></span> Mehr weiß ich nicht hinzuzufügen, -es müßte denn die Betrachtung sein, daß ein solches Denkmal überdies -noch transportabel bleibt und zur edelsten Zierde der Wohnung gereicht, -anstatt daß alle architektonischen Monumente an den Grund und Boden -gefesselt, vom Wetter, vom Mutwillen, vom neuen Besitzer zerstört und, -so lange sie stehen, durch das An- und Einkritzeln der Namen geschändet -werden«.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="plastik_metzner" name="plastik_metzner"> - <img src="images/fig_098.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Plastik von Prof. Franz Metzner. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="portraetplastik_metzner" name="portraetplastik_metzner"> - <img src="images/fig_099.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Porträtplastik von Prof. Franz Metzner. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Fünfzig Jahre später lebte noch ein Abglanz dieses überragenden -Geistes. Die Großelternzeit lebte in Goethe. Vom idealen Zimmer Adalb. -Stifters wurde schon erzählt. Ein Fernrohr durfte nicht fehlen, denn -das ist die Art der Dichter, daß sie immer wie durch Fernrohre sehen. -In die Zukunft hinein. Da ist die Rede von weißen ruhigen Marmorbildern -alter Zeit, die den Gipfel seiner Wünsche bilden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="salonecke_herrgesell" name="salonecke_herrgesell"> - <img src="images/fig_100.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Salonecke von Arch. Maurice Herrgesell. - </div> -</div> - -<p>Die Wiener Kunstwanderungen erschlossen die Wohnungen, die den -Kunstsinn der letzten zwanzig bis dreißig Jahre offenbarten. Die Sache -war lehrreich genug. Von wirklich edler Plastik war wenig zu sehen. -Kaum hie und da eine Porträtplastik. Dagegen hatte die Galvanoplastik -einen breiten Raum. Man denke Michel<span class="pagenum"><a name="Seite_96" id="Seite_96">[S. 96]</a></span> Angelos’ Moses in einer -elektro-chemischen Wiedergabe, natürlich gegen das Original gemessen -aufs winzigste verkleinert, einem Tafelaufsatze nicht unähnlich. -Gypsstatuen mit Goldbronze belegt, standen umher.<span class="pagenum"><a name="Seite_97" id="Seite_97">[S. 97]</a></span> Jeder Sinn für -Echtheit ward verleugnet. Es war die Art, wie man in der Zeit des -Parvenü- und Protzentums die Kunst verstand und pflegte. Der ganze -Götterhimmel, der den Bildungsbezirk des Großbürgertums umstand, -hatte eine Wendung ins Operettenhafte gemacht. Soweit Offenbach’s -»Schöne Helena« von der Iliade entfernt ist, soweit entfernt sich -der Kunstverstand des Mrs. Jourdains anno 1870 von der Erkenntnis -Michel-Angelesker Größe.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="sitzecke_witzmann" name="sitzecke_witzmann"> - <img src="images/fig_101.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Sitzecke von Arch. Karl Witzmann. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_98" id="Seite_98">[S. 98]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schreibmappe1_trethahn" name="schreibmappe1_trethahn"> - <img src="images/fig_102.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schreibmappe mit Lederschnitt von Fräulein Trethahn. - </div> -</div> - -<p>Heute ist das Kunstgewissen weiterer Kreise wieder empfänglicher -geworden. Man lächelt über die Geschmacklosigkeiten unserer jüngsten -Vergangenheit. Man sagt sich wieder, das plastische Kunstwerk muß -sich in den Raum einordnen, soll an bedeutsamer Stelle steh’n, einen -Augenruhepunkt bilden und dem prüfenden Blick standhalten können. -Nachbildungen von räumlich größeren Kunstwerken sind durchaus -verwerflich. Größere plastische Werke haben im Wohnraum nicht Platz, -sie fallen aus dem Rahmen, sie stören die Harmonie empfindlich, -wenn sie mit der räumlichen Umgebung nicht im Einklang stehen. Die -Kleinplastik nahm in den letzten Jahren einen großen Aufschwung. Sie -liefert den plastischen Schmuck unserer Wohnung, wofern es nicht -auch eine gute Porträtplastik sein kann. Aber was die Bazare an -kleinplastischem Schmuck liefern, ist selten von künstlerischem Wert, -meist nur süßliche allgefällige Publikumsware. Man gewöhnt sich also -schon allmählich daran, zum<span class="pagenum"><a name="Seite_99" id="Seite_99">[S. 99]</a></span> Künstler selbst zu gehen, wie es in den -besten Kunstjahren war. Man braucht den Zwischenhändler nicht, der ja -niemals künstlerische Interessen, sondern nur Handelsinteressen hat, -oft zum Schaden des guten Geschmackes. Der Bevormundung durch den -unwissenden Verkäufer, der den ärgsten Plunder unter dem Schlagwort -»Modern« oder »Sezzessionistisch« den Kunden aufschwatzt, hat sich -das deutsche Publikum noch nicht zu entziehen gewußt. Irgend ein -einzelner Gegenstand ohne Kunstwert, in irgend einem Laden gekauft, -kostet meistens ebensoviel, als ein kleines Originalwerk im Atelier. -Die Segnungen einer solchen Kunstfreude würden nicht lange ausbleiben -und ihr erster Erfolg wäre der, daß Leute, die nicht in der Lage sind, -solche Kunstsachen zu besitzen, den häßlichen Plunder der Bazare, -der fälschlich für Wohnungsschmuck ausgegeben wird, lieber nicht -aufstellen, und wenigstens durch diese Enthaltsamkeit die erfreulichen -Zeichen eines gesunden Geschmackes geben, anstatt durch lächerliche -Surrogate das peinliche Gefühl wachzurufen, daß das Gewollte doch ganz -anders sein müßte.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schreibmappe2_trethahn" name="schreibmappe2_trethahn"> - <img src="images/fig_103.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schreibmappe mit Lederschnitt von Fräulein Trethahn. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_100" id="Seite_100">[S. 100]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="salonschrank_benirschke2" name="salonschrank_benirschke2"> - <img src="images/fig_104.jpg" - alt="Salonschrank" /></a> - <div class="caption"> - Salonschrank von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Junggesellenheim_u_Herrenzimmer">Junggesellenheim u. Herrenzimmer.</h2> - -<p>Das Studium alter Kulturen hat uns gelehrt, daß je erhabener die -Kunst, desto größer die Einfachheit war. Wenn wir wollen, daß die -Kunst ihren Ausgangspunkt in dem Hause nehme, dann müssen wir -aus unseren Häusern alle überflüssigen und störenden Gegenstände -fortnehmen, den sogenannten Luxus, den Komfort, der in Wirklichkeit -gar kein Komfort ist, weil er nur unnötige Plage macht und für nichts -gut und nützlich ist. Der wirklichen Gebrauchsgegenstände sind -verhältnismäßig wenige. Wenden wir uns einmal an die kleinste Wohnung, -die von einer alleinstehenden Person bewohnt wird, an das sogenannte -Junggesellenheim, so finden wir in der Regel ein einziges Zimmer, in -dem geschlafen und gearbeitet wird, wobei eine Arbeit vorausgesetzt -ist, die nicht viel Unordnung verursacht. Wir finden darin einen -Bücherschrank, der eine Menge Bücher enthält, ein Bett, das mit weißen -weichen Leinenvorhängen, die mit Aufnäharbeit versehen, abnehmbar und -waschbar sind, verschlossen ist, und bei Tag, wenn die Vorhänge, die in -metallenen Ringen laufen, zurückgezogen sind, als Divan benützt werden -kann. Das Nacht<span class="pagenum"><a name="Seite_101" id="Seite_101">[S. 101]</a></span>kästchen, wie ein einfaches Schränkchen gebaut, dient -bei Tag als Bücherablage, als Ständer für Vasen und Rauchzeug. Dann -ein Tisch, der sicher steht, um daran zu schreiben oder zu arbeiten. -Mehrere Stühle, die sich leicht <a name="einenort" id="einenort"></a>von einem Ort an den anderen bringen -lassen, ein Kleiderschrank mit Schubkästen für Wäsche und derlei, -und solche Bilder und Stiche, als es die Mittel erlauben, ja keine -Lückenbüßer, sondern wirkliche Kunstwerke, was heute unschwer für -wenig Geld zu haben ist; auch eine oder zwei Vasen gehören hieher, um -Blumen hineinzutun, namentlich wenn man in einer Stadt lebt. Ein Ofen -gehört natürlich ins Zimmer, aber man zieht einen kleinen Gaskamin vor, -der, artig von einem Holzgehäuse umgeben, an seinem Bord allerlei, -Gegenstände der Kleinkunst aufzunehmen geeignet ist.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schrank3_benirschke" name="schrank3_benirschke"> - <img src="images/fig_105.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schrank von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Weiter ist nichts nötig, besonders wenn der Fußboden gut ist. Wenn dies -nicht der Fall ist, so würde ein kleiner Teppich, der in zwei Minuten -zur Reinigung aus dem Zimmer geschafft werden kann, gute Dienste -leisten; doch müßte dafür gesorgt sein, daß er schön ist, sonst würde -er schrecklich stören.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schrank4_benirschke" name="schrank4_benirschke"> - <img src="images/fig_106.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schrank von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Das ist rein alles, was wir in unserem Junggesellenheim brauchen, wenn -wir nicht musikalisch sind und ein Klavier haben müssen (in Bezug auf -deren Schönheit wir übel daran sind), und wir können nur<span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102">[S. 102]</a></span> sehr wenig -zu diesen notwendigen Dingen hinzufügen, wenn wir nicht sowohl beim -Arbeiten wie beim Nachdenken und Ausruhen gestört sein wollen. Wenn -diese Dinge für die geringsten Kosten, für die sie gut und dauerhaft -ausgeführt werden können, hergestellt würden, würden sie nicht viel -Auslagen verursachen, und sie sind so wenig, daß die, welche die Mittel -haben, sie überhaupt anzuschaffen, sich auch bemühen könnten, sie -gut ausgeführt und schön anzuschaffen, und alle die, denen die Kunst -am Herzen liegt, sollten sich sehr bemühen, dies zu tun, und dafür -sorgen, daß keine Scheinkunst sie umgibt, nichts, dessen Herstellung -oder Verkauf einen Menschen herabgewürdigt hat. »Und ich bin fest -überzeugt, daß, wenn alle, denen die Kunst am Herzen liegt, sich -dieser Mühe unterzögen, dies einen großen Eindruck auf das Publikum -machen würde.« Mit diesen Worten entwirft der englische Kunstgewerbler -und Dichter William Morris, der als Apostel der neuen und eigentlich -uralten Glaubenssätze allerortens eine sich täglich mehrende Gemeinde -hat, einen solchen einfachen Raum und sagt: »Diese Einfachheit können -Sie andererseits so kostbar herstellen wie Sie wollen oder können; -Sie können Ihre Wände mit gewirkten Tapeten behängen, statt sie -zu weißen oder mit Papiertapeten zu bekleben; oder Sie können sie -mit Mosaikarbeiten verdecken, oder auch durch einen großen Maler -Freskomalerei darauf anbringen lassen — all dies ist nicht Luxus, -wenn es um der Schönheit willen und nicht zum Zwecke der Schaustellung -geschieht.« Das kann man der Liebhaberei des Bestellers überlassen. Im -allgemeinen<span class="pagenum"><a name="Seite_103" id="Seite_103">[S. 103]</a></span> wird die größte Einfachheit auch hier das Zweckdienlichste -sein. Es gibt allerdings Leute, die sich ein prächtiges Studio -einrichten und darin allen erdenklichen Luxus anhäufen, um sich -Stimmung zur Arbeit zu machen. Sicher ist, daß in solchen Studios kaum -jemals ernstlich studiert wird. Wer ernst arbeitet, weiß, das man -im Arbeitszimmer nicht Zerstreuung braucht, sondern Sammlung. Hier -soll aber die größte Einfachheit walten. Man kann auf das Beispiel -Goethes hinweisen, das sich in diesem Zusammenhang einstellt. Den -meisten Besuchern Weimars einst und jetzt dürfte die Schlichtheit -seines Arbeitszimmers unliebsam aufgefallen sein, und man hört oft -Äußerungen der Verwunderung darüber, daß einem so großen Geiste die -Dürftigkeit des Raumes genügen mochte. Herr Dr. W. Bode spricht in -seinem Buche: »Goethes Lebenskunst« darüber aus: »Wir sind nicht wenig -erstaunt, wenn wir das Häuschen betreten, das sieben Jahre hindurch -dem Busenfreunde des Landesherrn, dem weithin berühmten Dichter des -»Werther« und »Götz«, das einzige Heim war. So bescheiden hätten -wir es uns doch nicht vorgestellt. Unten ist gar kein bewohnbares -Zimmer, höchstens kann man einen Raum, an dessen Wände Pläne von -Rom hängen, im Sommer wegen seiner Kühle schätzen; oben sind drei -Stuben und ein Kabinettchen, alle klein und niedrig, mit bescheidenen -Fensterchen und schlichten Möbeln; zuerst ein Empfangszimmer mit harten -steifen Stühlen, dann<span class="pagenum"><a name="Seite_104" id="Seite_104">[S. 104]</a></span> das Arbeitszimmer mit kleinem Schreibtisch, -daranschließend ein Bücherzimmer und zuletzt das Schlafzimmer, in dem -noch die Bettstelle steht, die zusammengeklappt und so als Koffer auf -die Reise mitgenommen wurde...</p> - -<div class="figleft"> - <a id="rauchtisch_messner" name="rauchtisch_messner"> - <img src="images/fig_107.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Rauchtisch von Architekt Franz Messner. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="salontischchen_benirschke" name="salontischchen_benirschke"> - <img src="images/fig_108.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Salontischchen von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p class="clearb">So ist das Gartenhaus eingerichtet. Aber auch vom Stadthause hat man -keinen anderen Eindruck. Nichts deutet auf einen vornehmen reichen -Besitzer. Die Studierstube, in der er seine unsterblichen Werke schuf, -würde heute nur Wenigen genügen, die sich zum Mittelstande rechnen; für -»standesgemäß« würde sie niemand halten. Alles darin ist zur Arbeit -bestimmt, zum Lesen, Schreiben oder Experimentieren; kein Sopha, kein -bequemer Stuhl, keine Gardinen, sondern nur einfachste dunkle Rouleaux. -Auch an den Büchern ist keine Pracht, seine gesammelten Werke sind -auf das schlichteste eingebunden, er nahm ja auch seine berühmtesten -Dramen oder Gedichte jahrzehntelang nicht wieder in die Hand. Nur ein -Möbel hatte Goethe in dieser Stube, das wir nicht kennen — ein kleines -Korbgestell, das sein Taschentuch aufnahm. Und auf dem Tische lag ein -Lederkissen, auf das er die Arme legte, wenn er dem gegenübersitzenden -Schreiber diktierte....« Zu Eckermann äußerte Goethe einmal: »Prächtige -Gebäude und Zimmer sind für Fürsten und Reiche. Wenn man darin lebt, -fühlt man sich beruhigt, man ist zufrieden und will weiter nichts. -Meiner Natur ist es ganz zuwider. Ich bin in einer prächtigen Wohnung, -wie ich sie in Karlsbad gehabt, sogleich untätig und faul. Geringe<span class="pagenum"><a name="Seite_105" id="Seite_105">[S. 105]</a></span> -Wohnung dagegen, wie dieses schlechte Zimmer, worin wir sind, ein -wenig unordentlich ordentlich, ein wenig zigeunerhaft, ist für mich -das Rechte; es läßt meiner Natur volle Freiheit, tätig zu sein und aus -mir selber zu schaffen.« Und ein andermal sagte der Achzigjährige: -»Sie sehen in meinem Zimmer kein Sopha, ich sitze immer in meinem -alten hölzernen Stuhl und habe erst seit einigen Wochen eine Art -von Lehne für den Kopf anbringen lassen. Eine Umgebung von bequemen -anspruchsvollen Möbeln hebt mein Denken auf und versetzt mich in einen -passiven Zustand.« Einen Schmuck besaß die einfache Studierstube aber -doch, den höchsten und herrlichsten zugleich, der alle Dürftigkeit -überglänzte: Goethes Geist, der in diesem Raume schuf.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="damen_herrenzimmer_benirschke" name="damen_herrenzimmer_benirschke"> - <img src="images/fig_109.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Entwürfe für ein Damenzimmer und ein Herrenzimmer<br /> - von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="salonschrank_benirschke3" name="salonschrank_benirschke3"> - <img src="images/fig_110.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Salonschrank von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="damensalon_exler" name="damensalon_exler"> - <img src="images/fig_111.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Damensalon von Arch. Franz Exler. - </div> -</div> - -<p>Ein Zusammenhang zwischen Junggesellenwohnung und Herrenzimmer ist -durch den Umstand gegeben, daß auch das letztere Wohn- und Arbeitsraum -oder auch Salon des Hausherrn ist, wie der Name »Herrenzimmer« -überdies schon sagt. Es kommt im Hauswesen dort vor, wo die Hausfrau -entweder ihren »Damensalon« oder ihr »Boudoir« hat, oder wo man -aus Ökonomie auf den »Salon« überhaupt verzichtet und das eine zu -erübrigende Gesellschaftszimmer vorzugsweise auf die Bedürfnisse des -Hausherrn hin zurechtmacht. Massive, dunkel gebeizte<span class="pagenum"><a name="Seite_106" id="Seite_106">[S. 106]</a></span> oder polierte -Möbel mit einfachen blanken Beschlägen finden sich darin, ein großer -Bücherschrank, ein entsprechender Arbeits- oder Schreibtisch, große -gepolsterte Sitzmöbel mit grauem oder braunem Lederüberzug, alles ernst -und einfach und von der gewissen Vornehmheit, die in der Gediegenheit -überhaupt liegt. Ist der Hausherr Waffensammler, so findet sich ein -Waffenschrank vor, überhaupt Möbel, die seinen besonderen Liebhabereien -oder Berufszwecken dienen. In einfachen Rahmen hängen Bilder oder -Stiche, manche kühne Modernität, »le Nu au Salon«, warum nicht? Ein -Tropfen Pikanterie vermengt sich mit dem Duft schwerer Zigarren. So -findet man es häufig. Aber das dominierende, ehrfurchteinflößende Möbel -ist der große Schreibtisch. An ihn werden heute die persönlichsten -Anforderungen gestellt, nicht weniger als an den guten Sessel. Hier -hat eine gute Tradition mitgearbeitet. Aus dem Anfang des neunzehnten -Jahrhunderts sind große, sorgfältig erdachte Schreibtische überliefert, -große Diplomatenschreibtische mit verschließbarem Pultdeckel, einfach -geistreich kombiniert, dem amerikanischen roll desk nicht unähnlich, -ferner eine Unzahl verschiedenartiger<span class="pagenum"><a name="Seite_107" id="Seite_107">[S. 107]</a></span> Damensekretäre mit zahlreichen -Fächern und durchaus verschließbar, als ein glänzendes Zeichen einer -geistig ungeheuer regsamen Zeit. Man schrieb fleißig Tagebücher, -unterhielt mit allen Zeitgenossen regen, brieflichen Verkehr. Auch -der Schreibtisch von damals bildet gewissermaßen ein menschliches -Dokument. Was so ein verwittertes Möbel nicht für Geheimnisse verbirgt, -und was so einem Kasten für anmutige Rätsel abzulesen sind, diesen -Läden, die einst vollgestopft waren mit Gedichten, Liebesbriefen, -Prozessen und Romanzen, schweren Locken und anderen Liebeszeichen, -gleich einem Riesensarg, der mehr Tote enthielt als mancher Gräberhain. -Sentimentalitäten, nicht wahr? Aber ein Persönlichkeitszug ging -durch die Dinge des Hausrats, das wollte festgestellt sein. Und -einen Persönlichkeitszug will man den Dingen heute wieder geben. Der -Schreibtisch sollte seinem Besitzer angemessen sein wie ein Kleid. -Konstruktiv besitzt der amerikanische verschließbare Schreibtisch -viele Vorteile, für das Privatzimmer ist er aber allzu bureaumäßig. Im -Halbkreis geht die Tischplatte um den Sitzenden, auch die äußersten -Enden in den Bereich seiner Hände rückend. Van de Velde’s Schreibtisch, -der diese Form aufwies, war eine Sensation.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="sitzgeleg_schraenke_benirschke" name="sitzgeleg_schraenke_benirschke"> - <img src="images/fig_112.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Sitzgelegenheit mit seitlichen Schränken von Architekt - Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_108" id="Seite_108">[S. 108]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="billardzimmer_benirschke" name="billardzimmer_benirschke"> - <img src="images/fig_113.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Billardzimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_109" id="Seite_109">[S. 109]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="rauchzimmer" name="rauchzimmer"> - <img src="images/fig_114.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Rauchzimmer. - <p class="center"><b>MÖBEL:</b><br /> - Esche blau gebeizt und poliert<br /> - mit Holzeinlagen. Schubladen in<br /> - Ahorn. Facettiertes Glas.<br /> - <b>BESCHLÄGE:</b><br /> - Matt Silber oder Eisen oxidiert.<br /> - <b>SITZE:</b><br /> - Graues Leder<br /> - <b>WAND:</b><br /> - Rauher Putz</p> - Max Benirschke - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_110" id="Seite_110">[S. 110]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="spielzimmer_benirschke" name="spielzimmer_benirschke"> - <img src="images/fig_115.jpg" - alt="Spielzimmer" /></a> - <div class="caption"> - Spielzimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Allein er war kein Vorbild. Van de Velde’scher Stil hat nur für -einen einzigen Menschen in der Welt Berechtigung, für van de Velde -selbst. Er drückt ein allzu Persönliches aus, das, wenn es Mode -wird, aufs nachdrücklichste bekämpft zu werden verdient. Für die -Allgemeinheit<span class="pagenum"><a name="Seite_111" id="Seite_111">[S. 111]</a></span> hat van de Velde keine brauchbaren Typen geschaffen. Mit -dem Schreibtisch geht es uns wie mit dem Sessel. Wer einen passenden -Schreibtisch sucht, findet ihn nicht. Er muß mit seinem Architekten -oder Tischler beraten, um zu finden, was für seine Person das Beste -ist. Es ist der einzige Weg, der zum Rechten führt. Der Konsument -müßte in allen Dingen, die seine persönlichen Bedürfnisse angehen, -Mitarbeiter des Künstlers sein, was aber wohl voraussetzt, daß er ein -wohlunterrichteter, einsichtsvoller Mensch sei. Sieht er sich dann nach -einem passenden Schreibzeug um, dann hat er wieder seine liebe Not. Die -Dinge dieser Art, die sich im Handel vorfinden, sind fast nie sachlich -gelöst. Im besten Falle müssen Bureau-Utensilien herhalten. Ebenso -ergeht es einem mit den Rauchrequisiten. Hier ist fast alles erst zu -tun. Ein weites Feld steht für den Künstler der Kleinplastik offen, -wenn erst der Publikumsgeschmack zur strengen Sachlichkeit erzogen sein -wird. Einstweilen sind es nur einige moderne Architekten, die sich -ihrer erziehlichen und kulturellen Aufgabe vollends bewußt sind.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="zimmerecke2_exler" name="zimmerecke2_exler"> - <img src="images/fig_116.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Zimmerecke von Arch. Franz Exler. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_112" id="Seite_112">[S. 112]</a></span></p> - -<div class="figright"> - <a id="salonschrank_benirschke4" name="salonschrank_benirschke4"> - <img src="images/fig_117.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Salonschrank von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Das_Musikzimmer">Das Musikzimmer.</h2> - -<p>Der Zufall spielt mir die Reproduktion eines Bildes von Schwind in -die Hände. Schubert-Abend ist es betitelt. Eine Stimmung strömt -aus dem Blatt, zart wie der Duft verdorrter Rosen; ein Hauch der -legendären liebenswürdigen Wiener Geselligkeit weht durch den Raum. Es -ist ein Altwiener Bürgersalon, großväterischer Hausrat steht umher, -Gastlichkeit und Gemütlichkeit, der genius loci winkt aus allen Winkeln -hervor, ein Klavier steht in die Mitte des Zimmers herein, eines jener -spinettartigen Instrumente, zierlich und schlank, im wohltuenden -Gegensatz zu den Monstren unserer heutigen Klaviere, Schubert davor -und ein Kreis von Kunstsinnigen um ihn herum, die Schwestern Fröhlich, -selbstverständlich auch Grillparzer, dann der gefeierte Opernsänger -Vogel und alles, was damals zur geistigen Elite gehörte. Damals war -noch die Glanzzeit der Hausmusik. Die vielen Duos, Trios, Quartette und -Quintette, von den berühmten Tonkünstlern jener Zeit zu diesem Zwecke -verfaßt, und die Zusammenstellung der Instrumente sind an und für sich -ein sprechender Beweis für den eifrigen Betrieb der Hausmusik. Bach -und Händel waren in jedem Hause gekannt und geliebt. Finden wir heute -noch gute Hausmusik? Die Frage dürfte nicht ohneweiters zu bejahen -sein. Zwar findet sich<span class="pagenum"><a name="Seite_113" id="Seite_113">[S. 113]</a></span> in jeder Wohnung ein Klavier vor, fingerübende -Musikbeflissene bilden mehr denn je die Verzweiflung nervöser Nachbarn, -aber die Pflege der Hausmusik ist heutzutage seltener geworden. Man -geht lieber in den Konzertsaal, der in früheren Zeiten nicht so viel -des Abwechslungsreichen und Interessanten bot als die Neuzeit, die -jeden Tag eine beliebige Anzahl musikalischer Berühmtheiten auf das -Podium stellt. Da kann man auch Toiletten zeigen und sehen, und selber -gesehen werden. Bei den meisten weiß man kaum, was sie antreibt, die -Musik oder das andere. Die biedere, hausbackene, ehrsame Hausmusik -kommt in Verfall. Daran ist aber in Wahrheit nicht so sehr der -Konzertsaal schuld, als vielmehr der Verfall des Hauswesens selbst. -Die freundlichen Genien der<span class="pagenum"><a name="Seite_114" id="Seite_114">[S. 114]</a></span> Gemütlichkeit und Gastlichkeit, die man -vor fünfzig Jahren bei viel geringeren Lebensansprüchen noch unter -jedem Dache finden konnte, sind aus den Städten, Großstädten zumal, -meist entschwunden. Und in der Provinz? Die verzehrt sich in Sehnsucht -nach der gleißenden Pracht der Großstadt, der sie ihre besten Kräfte -abgibt. Kalt und ungastlich ist es fast an jedem Herde geworden. Hier -bringen auch die besten Tonwerke keine Harmonien hervor. Irgend ein -Gassenhauer, wild und gehackt, eine beliebte Nummer aus dem Varieté -deckt in der Regel das Bedürfnis nach musikalischen Genüssen. Bachs -gravitätische Gavotten, ein liebliches Adagio Mozarts, eine Sonate -Beethovens sind im Hause der Disharmonien bloßer Lärm. Verständnis und -Pflege guter Musik sind ebenso sehr Sache des gebildeten Geschmacks wie -gute Manieren und vorteilhafte gesellschaftliche Haltung. Also Teil der -persönlichen Kultur, die auch in der häuslichen Umgebung und in allen -Dingen, die im Bereich der Persönlichkeit liegen, zum Ausdruck kommt. -Man sollte glauben, daß ein feines Gefühl für<span class="pagenum"><a name="Seite_115" id="Seite_115">[S. 115]</a></span> die Ästhethik der Farben -und der Formen von vorneherein die Bedingungen zum Verständnis edler -Musik besitzen müßte. In einem Hauswesen, wo die edle Farbe herrscht -und die edle Linie, und der Sinn, der aus dem Zweckmäßigkeitsprinzip -des Alltags die Schönheit abzuleiten weiß, wird man in der Regel -auch gute Musik antreffen. Denn ein gemeinsamer künstlerischer -Grundzug führt von der sichtbaren Harmonie auf die hörbare. Eine nach -vernünftigen modernen Grundsätzen eingerichtete Stadtwohnung braucht -aus bloß ästhetischen Grundsätzen durchaus kein eigenes Musikzimmer -zu besitzen, abgesehen davon, daß<a name="mitteln" id="mitteln"></a> Raum und Mittel hiefür selten -bereitstehen. Es wird mit den äußeren Merkmalen unserer mit edlem -Geschmack ein<span class="pagenum"><a name="Seite_116" id="Seite_116">[S. 116]</a></span>gerichteten Wohnung nicht im Widerspruch stehen, wenn -wir im Speisezimmer oder im Raume, den wir gewöhnlich Salon nennen, -den unsterblichen Werken der höheren Tonkunst lauschen und in einem -dieser Zimmer das Klavier und den Notenschrank aufstellen. Aber da -sind wir schon in arger Verlegenheit. Das Klavier in seiner heutigen -ungeheuerlichen Form paßt zu den schlanken, raumsparenden Möbeln noch -viel weniger als es zu den altdeutschen oder sonstigen »stilgerechten« -Einrichtungen gepaßt hat. Es verstellt in den verhältnismäßig kleinen -Wohnzimmern den besten Raum, steht breit und sperrig da und zerstört -jede irgendwie versuchte harmonische und zweckvolle Gliederung des -Gemaches. Es ist überhaupt ein Möbel, das, zwar, wenn seine Seele -ausklingt, der mächtigsten, erschütterndsten und himmlischesten -Wirkungen fähig ist, in seiner äußerlichen Erscheinung ein wahres -Scheusal genannt werden muß, das wegen seiner höchst unpraktischen -Form am allerwenigsten als eigentliches Hausinstrument gedacht zu sein -scheint. In den Zeiten, da Schubert am Klavier saß, da hatte dieses -Instrument eine Form, die mit dem übrigen bürgerlichen Hausrat im -Einklang stand. Es hatte eine schmächtige, zierliche, fast elegante -Form und fiel nirgends plump aus dem Rahmen der gesamten Wohnungskunst, -wie es das heutige tut. Es wuchs sich selbständig und unabhängig aus -und gewann solcherart<span class="pagenum"><a name="Seite_117" id="Seite_117">[S. 117]</a></span> seine umfangreiche, wenig ansprechende Form. Die -Klavierfabrikanten haben bis heute wenig Lust gezeigt, sich mit ihren -Klavierformen der neuen Bewegung, welche im Hause so durchgreifende -Veränderungen herbeigeführt hat, anzuschließen und ein bischen darüber -nachzudenken, ob man nicht durch eine veränderte Konstruktion zu -gefälligeren, zierlicheren Gehäusen gelangen könnte. Vor dem Koloß -eines Klavieres heutiger Konstruktion steht auch der genialste -Entwurfskünstler in Verlegenheit da, er weiß sich nichts anzufangen. -Baut er ein Gehäuse, das der einfachen strengen Linienführung des -heutigen Möbels entspricht, so sieht es womöglich noch sperriger und -ungeheuerlicher aus. Der schottische Künstler Mackintosh hatte einem -Kunstfreunde ein Musikzimmer eingerichtet und es mit allen Finessen -einer raffinierten Künstlerschaft ausgestattet. Als dekoratives Motiv -dieses ganz in Weiß gehaltenen Raumes war eine symbolische Darstellung -»der sieben Prinzessinnen«, <a name="mystischen" id="mystischen"></a>aus Maeterlincks mystischem Märchenspiel -verwendet. In einem wundersamen Linienklang kehrt dieses Motiv an -allen Teilen wieder als Paneele, als Verkröpfung an den Holzteilen, am -Kamin, an den hohen Stühlen, am Fenster, am Klavier. Alles ist Musik, -sichtbare Musik in dem eigenartigen Raum, der in mattem Elfen<span class="pagenum"><a name="Seite_118" id="Seite_118"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_119" id="Seite_119">[S. 119]</a></span>beinweiß -strahlt, darin da und dort färbige Stücke eingesetzt sind, die in ihrer -dekorativen Linienfassung wie seltsame Märchenaugen aussehen und in -dem toten, starren Material ein geheimnisvolles Leben erwecken, als ob -draußen der leibhafte Prinz stünde und mit bangen, sehnlichen Blicken -durch die Scheiben ins Gemach sähe, wo wie bleiche schöne Schatten die -Prinzessinnen schlafen, wie der Wohllaut, der in den Saiten schläft, -angstvoll gehütet, daß kein Mißton von draußen ihr zartes Leben mordet.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="klavier_braeuer" name="klavier_braeuer"> - <img src="images/fig_118.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Klavier von Arch. K. Bräuer. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="pianino_winkler" name="pianino_winkler"> - <img src="images/fig_119.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Pianino von Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="pianino_benirschke" name="pianino_benirschke"> - <img src="images/fig_120.jpg" - alt="PIANINO SAMMT EINLEGEARBEIT" /></a> - <div class="caption"> - Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="schrank_lack1_benirschke" name="schrank_lack1_benirschke"> - <img src="images/fig_121.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schrank (Lackmöbel) von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="schrank_lack2_benirschke" name="schrank_lack2_benirschke"> - <img src="images/fig_122.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schrank (Lackmöbel) von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="wohnzimmer2_benirschke" name="wohnzimmer2_benirschke"> - <img src="images/fig_123.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Wohnzimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="schreibtisch_hollmann" name="schreibtisch_hollmann"> - <img src="images/fig_124.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schreibtisch von Architekt Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<p>Wenn ein Künstler sein Bestes getan hat, ist es nicht seine Schuld, daß -es trotzdem unverhältnismäßig hoch und breit und störrisch dasteht. -Klaviere sind einmal so. Man müßte, um einmal die wohltemperierte -Klavierform zu finden, sich einmal an George Logan in Greenock -(Schottland) wenden, von dem aus der Turiner Ausstellung 1902 ein -Musikzimmer bekannt ist, das uns der Künstler zwar nur als Aquarellbild -zeigen konnte. Aber es genügt, um den Traum eines Künstlers kennen zu -lernen. Eine heitere, kindlich fröhliche Mozartstimmung herrscht in -dem Raum, über den Teppich schreitet man wie auf einer blumigen Au, -an den weißgetäfelten Wänden stehen in hohen Vasen Blütenzweige, die -einen Frühling ins Gemach zaubern, und man mag es glauben, daß hier die -Töne hell und lustig fliegen wie muntere Spielbälle. Zwei sitzen am -Klavier, wahre Blumenerscheinungen, und das Klavier, aus Ebenholz mit -sparsam verteilten hellen Einlagen ist von ganz idealer Erscheinung.<span class="pagenum"><a name="Seite_120" id="Seite_120">[S. 120]</a></span> -Zart und einfach gebaut, fügt es sich harmonisch in den Raum ein. -Hier stört kein Mißton, auch kein sichtbarer. Ist es auch nur ein -Künstlertraum, so mag, da er greifbare Formen gefunden, die Möglichkeit -nicht fern sein, daß er ganz reale Wirklichkeit werde, wofern die -Klavierfabrikanten wollen. In bürgerlichen Wohnungen wird man sich mit -einem Pianino begnügen müssen, die bereits ganz moderne Formen, ohne -jeden Stilschnörkel aufweisen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="stehpult_sumetsberger" name="stehpult_sumetsberger"> - <img src="images/fig_125.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Stehpult von Arch. Karl Sumetsberger. - </div> -</div> - -<p>Wenn Sie aber Lust und Mittel haben, ein eigenes Musikzimmer -einzurichten, dann versagen Sie sich jedwede ornamentale Ausstattung, -denn die bedarf, wenn die Sache nicht plump und aufdringlich werden -soll, eines höchst delikaten, künstlerischen Geschmackes, der zu -den größten Seltenheiten gehört. Vermeiden Sie also jeden Zierrat, -dulden Sie selbst keine Musikerbüsten oder Porträts, denn sie -tragen zur musikalischen Stimmung nichts bei, sie stören viel eher. -Bringen Sie lieber eine harmonische Wirkung durch die kunstreiche -Anwendung von Form und Farbe hervor und wirken Sie dadurch im Äußeren -musikalisch. Auch hiebei wird sich zeigen, daß in der Beschränkung die -Meisterschaft liegt. Halten Sie den Musiksalon bloß in ganz einfachem, -edlem, elfenbeinartigem Weiß, ohne jedweden Dekor, und stellen Sie -nichts hinein als ein schwarzpoliertes Piano, ein schwarzpoliertes -Notenschränkchen, einige Blütenzweige in Vasen und denken Sie sich in -diesem Raum eine schöne Stimme, ein paar kunstreiche Hände, die starke -goldene Töne ums Haupt winden, und Sie werden in diesem Raum unbeirrt -und von keinem fremden Eindruck <a name="assgelenkt" id="assgelenkt"></a>abgelenkt, wahre Feste in Moll feiern.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_121" id="Seite_121">[S. 121]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schreibkasten_geschlossen_moser" name="schreibkasten_geschlossen_moser"> - <img src="images/fig_126.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schreibkasten, geschl., v. Prof Kolo Moser. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="schreibkasten_offen_moser" name="schreibkasten_offen_moser"> - <img src="images/fig_127.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schreibkasten, offen, von Prof. Kolo Moser. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Schlafzimmer_u_Bad">Schlafzimmer u. Bad.</h2> - -<p>Was für die Vorfahren das Schlafzimmer bedeutete, davon können wir uns -nach den heutigen Wohnungszuständen keinen rechten Begriff machen. -Das Schlafzimmer galt so ziemlich als der Hauptraum des Hauses. -Es sah aus wie ein Thronsaal. Das mächtige Bett, zu dem seitlich -Stufen emporführten und das baldachinartig überwölbt war, stand, mit -dem Kopfende an der Wand, mitten im Raum. Im Zeitalter der Gothik -und der Renaissance gab die Kunst ihren Segen dazu, wundervolle -Schnitzereien finden sich selbst an den Betten bürgerlicher Häuser -vor. Im siebzehnten Jahrhundert vollzieht sich ein guter Teil des -gesellschaftlichen Lebens im Schlafzimmer. Es ist Toilettenzimmer, -Wohnraum, Empfangsraum, Speisezimmer, sogar Küche, wenigstens für -die leichteren Speisen. Die Französin hatte ihr Paradebett, sie -empfieng den großen Besuch im Bette liegend oder sich ankleidend. Der -Barockstil hat darum auch keine anderen Möbel ausgebildet, als das -Himmelbett, den Schreibtisch, der nach unten zu Wäscheschrank ist, -und oben als<span class="pagenum"><a name="Seite_122" id="Seite_122">[S. 122]</a></span> Glasschrank Thee- und Kaffeeservice enthält, das Sopha -und die gepolsterten Stühle und das alles in Formen, die für unser -heutiges wahres Sein unverwendbar geworden sind. Sie gehören der -Historie an. Zur Zeit des Empire, um 1800, glich das Schlafzimmer einem -Tempel. Die Antike hatte es allen angetan. Man wollte frei sein von -der Überlieferung und geriet unversehens in die ärgste Sklaverei. Das -Schlafzimmer sollte nicht wie ein Schlafzimmer aussehen. Menschliche -Notwendigkeiten galten als durchaus unästhetisch. Es war die Zeit der -Götterpose. Das Bett fand häufig in einem Alkoven Platz, dessen Front -ein griechisches<span class="pagenum"><a name="Seite_123" id="Seite_123">[S. 123]</a></span> Tempelfries trug oder es war reich und kunstvoll -drapiert. Sinnreiche Symbole deuteten an, daß hier Aphroditens geweihte -Stätte sei. Das Nachtkästchen erhielt die Form eines Opferstockes. Der -Waschtisch war als Altar der Reinigung gleichfalls als Opferstätte -charakterisiert. Der praktisch bürgerliche Sinn der Biedermeierzeit -vertrug diesen ästhetischen Ballast nicht. Er reduzierte die Formen -auf das konstruktiv Notwendige, schuf sie nach seinen leiblichen -Bedürfnissen um. Könige sind damals Bürger geworden, sie entflohen -der Ungemütlichkeit der Schlösser und dem Druck der Repräsentation, -um sich in der »Eremitage« wieder menschlich zu fühlen. Heute möchte -der kleine Bürger wie ein König leben. Der Möbelspekulant ist der -große Hexenmeister, der alle Illusionen geben kann. Alle Stilarten -liefert er, die<span class="pagenum"><a name="Seite_124" id="Seite_124">[S. 124]</a></span> Gothik, die Renaissance, Barock, Rokoko, Empire. Nicht -um das Sein handelt es sich, sondern um den Schein. Die Möbel sind -darnach. Die Nutzräume treten zurück. Das Schlafzimmer ist die letzte, -erbärmlichste Kammer. Mein Gott, die kleine Wohnung erlaubt es nicht -anders! Und überhaupt! In’s Schlafzimmer kommt niemand hinein!</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schreibkasten_j_hollmann" name="schreibkasten_j_hollmann"> - <img src="images/fig_128.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schreibkasten von Johanna Hollmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="arbeitszimmer_dame_witzmann" name="arbeitszimmer_dame_witzmann"> - <img src="images/fig_129.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Arbeitszimmer (Bureau) einer Dame mit modernem Gobelin - von Arch. Karl Witzmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="arbeitszimmer_bibliothek1_stubner" name="arbeitszimmer_bibliothek1_stubner"> - <img src="images/fig_130.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Arbeitszimmer und Bibliothek von Arch. Hans Stubner. - </div> -</div> - -<p>Ein englischer Architekt, Frank Brangwyn, A. R. A., sagt sehr -zutreffend, daß die meisten Schlafzimmer vom Standpunkte einer -zweckentsprechenden Ausstattungskunst betrachtet, <a name="vernachlaessigt" id="vernachlaessigt"></a>vernachlässigt sind, -weil sie nicht den kritischen Blicken unserer Freunde und Bekannten -ausgesetzt sind. Sie werden selten von jemandem Andern gesehen, als -von ihren Eigentümern. Wenn die Schlafzimmer in dem Maße zugänglich -wären, wie die Gesellschaftsräume, so würden sie <a name="demeinfluss" id="demeinfluss"></a>unter den Einfluß -jenes seltsamen Wetteifers gekommen sein, der seit den frühesten<span class="pagenum"><a name="Seite_125" id="Seite_125">[S. 125]</a></span> -Zeiten zur Ausschmückung jedes Gebrauchsgegenstandes geführt hat, der -der öffentlichen Beachtung ausgesetzt war und Neid oder Bewunderung -erregen konnte. Es würde sehr wenig Kunst geben, wenn die Menschen -unempfindlich wären für den Ansporn des Lobes oder der Nadelstiche des -Spottes und Neides. Die volkstümlichsten Kunstformen, wie etwa die -griechischen Statuen, und die Bilder italienischer Kirchen aus dem -fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert sind immer hervorgegangen aus -den besten Traditionen und folglich den größten Meistern. Weltfremde -Einsamkeit führt die Kunst hinweg von dem Hauptstrom des befruchtenden -Lebens, und landet sie in irgend einem ungesunden Sumpfwasser, wo sie -schwach und hinfällig wird, im kleinlichen Ehrgeiz eingebildeter Größe -befangen. Erinnern wir uns daher, daß die Kunst nichts so notwendig -braucht, als öffentliche Anerkennung und öffentliche Nachfrage.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="arbeitszimmer_bibliothek2_stubner" name="arbeitszimmer_bibliothek2_stubner"> - <img src="images/fig_131.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Arbeitszimmer und Bibliothek von Arch. Hans Stubner. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_126" id="Seite_126">[S. 126]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="arbeitszimmer_hollmann" name="arbeitszimmer_hollmann"> - <img src="images/fig_132.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Arbeitszimmer von Arch. A. Hollmann. - </div> -</div> - -<p>Bei dieser Sachlage ist es wichtig, daß die allgemeine Aufmerksamkeit -auf den schlechten Zustand der sehr schlechten Schlafzimmer gelenkt -wird, welcher heute in 99 von 100 Fällen vorkommt. In den meisten -Schlafzimmern findet man weit weniger Kunst, als in der roh zubehauenen -Holzhütte eines Südsee-Insulaners. Es ist seltsam, daß wir nach -Jahrhunderten des Fortschritts in anderen Dingen ein so geschmackloses -und achtloses Volk geblieben sind in Bezug auf die Dinge, die unserem -persönlichsten Gebrauch dienen.</p> - -<p>Was soll ein Schlafzimmer sein? Ein paar praktische Betrachtungen -werden die Besonderheiten klarlegen.</p> - -<p>1. Man kann annehmen, daß der Raum, der einem zur Verfügung steht, -klein ist, wie in den meisten Schlafzimmern. Man wird daher mit den -Dimensionen das Möglichste tun, um den Eindruck von Geräumigkeit<span class="pagenum"><a name="Seite_127" id="Seite_127">[S. 127]</a></span> und -Luftigkeit hervorzubringen. Der Raum soll nicht nur angenehm sein für -den Schlafenden, sondern auch für das Erwachen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="herrenzimmer_balan" name="herrenzimmer_balan"> - <img src="images/fig_133.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Herrenzimmer (Arbeitszimmer) von Arch. Petru Balan. - </div> -</div> - -<p>2. Ein Schlafzimmer ist nicht nur ein Raum um darin zu schlafen, -sondern auch ein Raum, in welchem eine kranke Person für Wochen, ja -Monate liegen kann, und deshalb soll sich nichts Übertriebenes in der -Ausstattung vorfinden, nichts das sich dem Auge mit ermüdender <a name="uud" id="uud"></a>und -langweiliger Beharrlichkeit aufdrängt. Aus demselben Grunde ist es -gut, das Bett so zu stellen, daß die kranke Person auf das Winterfeuer -im Kamin blicken kann und angeregt und erfreut wird von seinem -lustigen und hellen Flackern. Man mag vielleicht lächeln über diese -Kleinigkeiten, aber sie sind sehr wichtig.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="bureau_herrgesell" name="bureau_herrgesell"> - <img src="images/fig_134.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bureau von Arch. M. Herrgesell. - </div> -</div> - -<p>3. Die bisherigen Betrachtungen haben rasch über die Grundzüge -des Entwurfes belehrt. Die Notwendigkeit, die man fühlt, das<span class="pagenum"><a name="Seite_128" id="Seite_128">[S. 128]</a></span> -Zimmer weiter, geräumiger und luftiger erscheinen zu lassen als es -wirklich ist, führt mit der Logik des gesunden Menschenverstandes zu -verschiedenen praktischen Lösungen. Man entscheidet sich zum Beispiel, -keine gemusterte Tapete zu nehmen. Wenn eine Wand über und über -gemustert ist, so lockt sie von allen Standpunkten die Aufmerksamkeit -auf sich, sie scheint sich dem Auge dadurch näher zu bringen und dem -Raum einiges von seiner Länge und Breite zu rauben. Man entscheidet -sich auch dafür, daß die Einrichtung nicht mehr Raum einnehmen darf, -als unbedingt erforderlich ist; daher muß die handwerkliche Leistung -die höchsten konstruktiven Vorzüge aufweisen, damit man den höchsten -Grad von Annehmlichkeit und Zweckmäßigkeit mit dem geringsten Aufwand -von Holz erreicht. Nachdem das Zimmer ein Schlafzimmer ist, hat man -ganz recht, das Bett als das wichtigste Möbelstück zu betrachten, und -es aus Holz herzustellen, teils weil gut gearbeitetes Holz so schön -und ruhig harmonisch wirkt, teils weil Messingbetten nicht immer -mit den Farben übereinstimmen, welche man im Auge hat, und endlich, -weil sich Metall zu frostig anfühlt. Das<span class="pagenum"><a name="Seite_129" id="Seite_129">[S. 129]</a></span> Bett wird nicht so niedrig -sein, daß sich die Magd versucht fühlen könnte, die Reinigung des -Fußbodens darunter zu vernachlässigen, noch wird es so hoch sein, daß -der Raum zwischen Matratze und Fußboden als Speicher für Schachteln -und für Staubansammlung geeignet erscheint. Wenn man zum Schluß das -Schlafzimmer als Krankenzimmer auffassen will, ist der Grundsatz -der Wohnlichkeit unerläßlich, ebenso eine ruhige Heiterkeit in der -Farbengebung.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="bureau_linkrusta_benirschke" name="bureau_linkrusta_benirschke"> - <img src="images/fig_135.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bureau der österr. Bedburger Linkrusta Werke Alfred - Hoffmann, von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>4. Man wird vielleicht Bilder in diesem Schlafzimmer anbringen wollen. -Man hänge keine goldenen Rahmen auf den Grund der Tapete, sondern -treffe eine solche Anordnung, daß die Malerei einen tektonischen Teil -der Wand selbst bildet. In andern Worten, man<span class="pagenum"><a name="Seite_130" id="Seite_130">[S. 130]</a></span> wähle einen Fries oder -ähnliche andere dekorative Malereien, die man seinem Urteile nach für -gut findet. Das Werk muß einigermaßen mehr sein als interessant; es muß -beitragen zur frischen und ursprünglichen Farbengebung, die man als -passend für ein Schlafzimmer findet, und man führt sie daher so durch, -daß die Malerei nicht aus der Mauer hervorspringt, sondern flächig -wirkt, und im ganzen eine ebenso wirkungsvolle als bescheidene Rolle -spielt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="briefkassette_prutscher" name="briefkassette_prutscher"> - <img src="images/fig_136.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Briefkassette von Architekt Otto Prutscher. - </div> -</div> - -<p>5. Welches Holz soll man verwenden? Es ist klar, daß die dekorative -Verwendung von Materialien zwingt, streng und einfach zu sein; aber -der Strenge des Stils kann durch eine glückliche Wahl des Holzes -entgegen gewirkt werden. Nußholz würde zu schwer im Ton sein und Eiche -zu steif und unbiegsam in Substanz und Masse. Was man braucht, ist ein -leichteres Holz, freundlicher von Aussehen, und so scheint es nach -mancher Überlegung und manchen Versuchen empfehlenswert, Zuflucht zu -Kirschholz zu nehmen. Es hat eine schöne Textur, der Ton ist hell, -warm, freundlich und es hat auch eine Art von häuslicher Eleganz. Von -ebenso glücklicher Wirkung sind weißlackierte Möbel. Zu ihrem Lobe kann -nicht genug gesagt werden. Und wenn nun das Werk vollendet ist und die -Morgensonne in das Zimmer tritt, so wird man das Zimmer heimlich und -traut finden, als einen freundlichen Raum, sich darin anzukleiden und -dem Tag einen guten Anfang zu geben.</p> - -<p>Glücklicherweise gewinnt diese gesunde Auffassung wieder Raum. Man -fühlt sich wieder, die Persönlichkeit wächst. Man hat persönliche -Bedürfnisse. Das Schlafzimmer braucht kein Thronsaal zu sein, auch kein -Tempel. Aber luftig soll es sein. Wir sind alle Fanatiker der<span class="pagenum"><a name="Seite_131" id="Seite_131">[S. 131]</a></span> Hygiene -geworden. Mit Luft, Licht, Sauberkeit und Einfachheit bestreiten wir -unsere Interieurstimmungen. Und siehe da, es wirkt ganz famos. Was -dem Körper zugute kommt, gibt auch der Seele Nahrung. Wenn wir auch -zum guten Glück auf das Ornament verzichtet haben, so gibt es für den -künstlerischen Geschmack doch noch sehr viel zu tun. Vielleicht mehr -als früher. Denn das Einfache, das ist doch das Allerkomplizierteste. -Die Anordnung der Massen, die Gliederung des Raumes, die Behandlung -der Farbe, die zwecklich formale Erfüllung der Bedürfnisse, das sind -Dinge, in denen sich das Persönliche klar ausspricht. Ist Harmonie in -der Persönlichkeit, dann wird sie auch im Raum sein. Und, das ist das -Allerwichtigste, der Einzelne, der angefangen hat nachzudenken, muß mit -seinem Tischler, mit seinem Architekten arbeiten, wenn er das Seine -haben will.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="herrenzimmer_wiener_kunst" name="herrenzimmer_wiener_kunst"> - <img src="images/fig_137.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Herrenzimmer aus Wiener Kunst im Hause. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_132" id="Seite_132">[S. 132]</a></span></p> - -<p>Auf Licht und Luft also kommt es an. Man wird sich daher helle Farben -wünschen, die Wände ganz licht, die Betten und Schränke in hellgelbem -Kirschholz, oder weiß lackiert, oder in unverhüllter Naturfarbe, wobei -man die Flächen durch Einsetzen anders färbiger Holzstücke beleben -kann. Sonst hat man gerne eine Ottomane dem Bette am Fußende vorgelegt, -ja mit diesem auch in einem konstruktiv verbunden. Hat man einen -besonderen Toilettenraum, dann brauchen Wäsche- und Kleiderschränke -nicht im Schlafraume stehen. Die Einrichtung der modernen Schränke -dieser Art ist für den Inhalt genau ausgemessen. Der Hängeraum muß so -hoch sein, um die Röcke gut aufnehmen zu können. Oberhalb derselben im -Inneren befindet sich häufig auch ein Brett für die Hüte. Die Hosen und -Westen werden in die breiten Laden gelegt. Eine Lade für das Schuhwerk -befindet sich zu unterst. Kleinere separate Laden und Fächer sind da -für Spitzen, Bänder, Kravatten, Handschuhe, Krägen, Manschetten etc. -Für die Schmutzwäsche gibt es einen truhenähnlichen Behälter, der im -Vorzimmer steht und häufig als Sitzgelegenheit ausgenützt ist, mit -einem Deckel oben zur Aufnahme der Schmutzwäsche und der von unten -aufklappbaren Vorderseite zur Herausnahme derselben; alles versperrbar, -natürlich.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="bett_moser" name="bett_moser"> - <img src="images/fig_138.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bett von Prof. Kolo Moser. - </div> -</div> - -<p>Das Nachtkästchen gibt ebenfalls Möglichkeiten zu neuen sinngemäßen -Lösungen. Man kann einen kleinen, glasschrankartigen Aufsatz damit -verbinden, der die Hausapotheke aufzunehmen hat. Leichte, helle<span class="pagenum"><a name="Seite_133" id="Seite_133">[S. 133]</a></span> -Vorhänge, seitlich aufzuziehen, schützen das Gemach gegen Blicke von -außen her, sperren aber nicht das Licht aus. Vor dem Fenster steht die -Toilette: ein vertikaler Spiegel mit zwei im Winkel stehenden Flügeln, -ein Gesimse davor, und links und rechts vom Sitz kleine Laden für die -gesammte Kosmetik. Das alles ist sehr zierlich, sehr einfach, sehr -elegant.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer_benirschke" name="schlafzimmer_benirschke"> - <img src="images/fig_139.jpg" - alt="Schlafzimmer" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p>Das Bad ist in unmittelbarer Nähe des Schlafzimmers zu halten. Jede -bessere Stadtwohnung hat ihr Badezimmer. Ein regelrechtes Bad, -mit seinen weißen glänzenden Kacheln, der vertieften Wanne, den<span class="pagenum"><a name="Seite_134" id="Seite_134">[S. 134]</a></span> -blankgeputzten Hähnen in der Marmorverschalung, den glänzenden -Apparaten, den technisch vorzüglich eingerichteten Waschtischen sieht -immer einladend aus. Im Schlafzimmer kann man sodann den Waschtisch -entbehren. Gerade was die Badeeinrichtung angeht, so haben wir eine -unbescholtene Vergangenheit. In den glanzvollen Zeiten des Hausrats -von der Gothik bis zum Rokoko ist keine Rede von Badeeinrichtungen. -Die »Kunst« befasste sich nicht damit, es blieb eine rein technische -Angelegenheit der neueren Zeit, darum haben wir es heute in vollkommen -von Stilarchitekturen unbeirrten, praktischen Formen vorgefunden. -Nur römische Vorbilder existieren und die sind sicherlich auch -mustergiltig. Früher war man weniger heikel in dieser Hinsicht. Heute -ist das Bad tägliches Bedürfnis für einen Menschen, der reine Wäsche -trägt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="bett_stubner" name="bett_stubner"> - <img src="images/fig_140.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bett von Arch. Hans Stubner. - </div> -</div> - -<p>Man sieht, ein vollkommener Wandel in der bürgerlichen Wohnung ist -im Zuge. Die Nutzräume treten wieder in den Vordergrund. Gesund zu -schlafen ist eine Vorbedingung des persönlichen Wohlseins. Man wird -wieder den geeignetesten Raum als Schlafzimmer einrichten, und die -anderen Räume in zweiter Linie und nach Maßgabe ihrer Wichtigkeit -bedenken. Bei diesen anderen Räumen aber ist Einschränkung am Platze. -Man muß keinen Salon haben; man kann das Wohnzimmer als solchen -benützen oder man kann das Wohnzimmer mit dem Speise<span class="pagenum"><a name="Seite_135" id="Seite_135">[S. 135]</a></span>zimmer verquicken, -den Salon mit dem Arbeitszimmer, was gewiß das allerrichtigste ist, -oder es kann auch, wenn es nicht anders geht, ein Raum für drei dienen, -Wohnzimmer, Salon und Speisezimmer in einem sein. Das Schlafgemach -muß hingegen ungeteilt bleiben, den Fremden verschlossen, der Ort -der Ruhe und der Träume. Der wahre Kulturgrad zeigt sich in seiner -Beschaffenheit.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer2_benirschke" name="schlafzimmer2_benirschke"> - <img src="images/fig_141.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_136" id="Seite_136">[S. 136]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer_stubner" name="schlafzimmer_stubner"> - <img src="images/fig_142.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer von Arch. Hans Stubner. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Das_Kinderzimmer">Das Kinderzimmer.</h2> - -<p>Ein Zimmer kenne ich, das eitel Freude ist. Kunst im vornehmen Sinne -hat wenig dort zu schaffen, aber das ist ganz recht. Die Kinder, denen -dieser Raum zum Aufenthalt dient, brauchen nicht zu fürchten, irgend -einen kostbaren Gegenstand zu beschädigen. Nichts hemmt die Freiheit -ihrer Bewegung. Sie müssen sich nicht benehmen, wie jene biblischen -vierzig Kinder, die sich samt und sonders betrugen wie eines, sondern -hier darf sich jedes Kind betragen, wie vierzig. Und das ist gut. Luft, -Licht und Freiheit muß das Kinderzimmer gewähren. Entweder die kleine -Schar tollt im Raum umher und erfüllt ihn mit fröhlichem Lärm, oder sie -hocken still zusammen, betrachten die kindlich einfachen Darstellungen -an dem herumlaufenden Wandfries, wo allerlei Tiere dargestellt sind, in -jenen primitiven flächig behandelten Formen, die der rege schaffenden -Phantasie der Kleinen noch genug freien Spielraum zur Selbstbetätigung -geben. Diese Bilder, ebenso wie das Spielzeug, das auf ähnliche -Weise primitiv und der kindlichen Anschauungsweise angemessen<span class="pagenum"><a name="Seite_137" id="Seite_137">[S. 137]</a></span> sein -muß, wollen die Sinne erziehen und vor allem das Auge. Darum ist im -Kinderzimmer die Farbe von so großer Wichtigkeit. Gottfried Keller’s -Wort gilt: »Die Erhaltung der Freiheit und Unbescholtenheit des Auges«. -Dazu gehört, daß man alles Häßliche, Verlogene und Imitierte aus der -Kinderstube fern hält. Eine Mutter stellte die Frage, wann sie mit -der Erziehung ihres vier Jahre alten Kindes beginnen sollte. Sie ist -aber nicht die Einzige, die es nicht weiß, daß mit der Erziehung des -Kindes vom ersten Schrei an, den es in der Welt tut, begonnen wird, und -daß die Umgebung, die Kinderstube, auf rein sachliche Art erziehlich -wirken muß. Die Erziehung der Farbenfreude beginnt hier, damit das Auge -einmal der getreue Hüter und Wächter des Paradieses der farbenvollen -Weltherrlichkeit werde, an dem die Meisten wie Ausgestoßene blind -vorübergehen. Darum wird es gut sein, im Kinderzimmer, dessen Wände -im einfachen Farbenton und sehr hell gehalten sein müssen, farbige -Wandbilder aufzuhängen, die in Rahmen zum Auswechseln angebracht sind, -damit man den Kindern von Zeit zu Zeit etwas Neues bieten und den -Kreis ihrer Anschauungen erweitern<span class="pagenum"><a name="Seite_138" id="Seite_138">[S. 138]</a></span> kann. Der schönste Märchen- und -Tierfries, der an die Wand gemalt ist, wird auf die Dauer langweilig -und die geheime Wirkungskraft, so groß sie auch Anfangs immer sein -mag, versagt schließlich ganz. Auf die Wandbilder, die im Verlage von -Teubner und Voigtländer, Dresden, Leipzig, erschienen sind, sei bei -dieser Gelegenheit empfehlend hingewiesen. Die Unternehmung bringt -farbige Original-Steinzeichnungen von hervorragenden Künstlern zu -wohlfeilen Preisen auf den Markt und man kann ihnen das Zeugnis eines -vortrefflichen, volkstümlichen Erziehungsmittels ausstellen. Die -Heimatkunde, die Sage, das Märchen, das Tierleben, Bilder aus Dorf und -Stadt bringen sie in gelungener Weise zur Anschauung und geben dem -kindlichen Gemüt reichen Vorstellungsinhalt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer2_stubner" name="schlafzimmer2_stubner"> - <img src="images/fig_143.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer von Arch. Hans Stubner. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="kleider_waescheschrank_stubner" name="kleider_waescheschrank_stubner"> - <img src="images/fig_144.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Kleider- und Wäscheschrank von Architekt Hans Stubner. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer_hollmann" name="schlafzimmer_hollmann"> - <img src="images/fig_145.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer von Arch. A. Hollmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="toilettengarnitur_moser" name="toilettengarnitur_moser"> - <img src="images/fig_146.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Toilettegarnitur von Prof. Kolo Moser. - </div> -</div> - -<p>Während der untere Teil der Wände eines Kinderzimmers am besten in -lichtem Holz getäfelt wird, entweder hell gebeizt oder lackiert oder -auch im Naturton gehalten, um abgerieben zu werden, setzt oberhalb -des Getäfels der farbige Fries ein, oder eine Reihe von Wandbildern, -in Leisten gefaßt, ziemlich außerhalb des Bereiches der Hände; die -Wand setzt sich oberhalb bis zur Decke in hellen Farben fort und -trägt ganz oben ein Blumenfries. Aber nicht einmal das ist nötig; -Wand und Decke können weiß bleiben. Zur Blumenpflege soll man Kinder -früh anregen, sie ist das beste Mittel zur Erziehung der Naturfreude -und der Beobachtungsgabe. Deshalb wird man gut tun, unterhalb des -Fensters ein Brett anzubringen, wo die Blumentöpfe stehen, die von den -Kindern selbst gewartet werden. Das Licht soll von oben her auf die -Pflanzen fallen, Tische und Stühle läßt man am besten nur säuberlich<span class="pagenum"><a name="Seite_139" id="Seite_139">[S. 139]</a></span> -gehobelt ohne Anstrich herstellen, um sie stets gut waschen und reiben -zu können, was im Kinderzimmer sicherlich sehr häufig notwendig ist. -Wo es möglich ist, läßt man ein kleines Turngerät anbringen. Ein -<a name="arbeitstitsch" id="arbeitstitsch"></a>Arbeitstisch mit allerhand Werkzeugen ist hier gut am Platze, denn -zu bauen und zu arbeiten fangen Kinder frühzeitig an. Im Allgemeinen -soll aber das Kinderzimmer kein Kramladen sein. Namentlich mit -Spielsachen soll es nicht überhäuft werden. Sonst erzieht man zur -Sprunghaftigkeit und<span class="pagenum"><a name="Seite_140" id="Seite_140">[S. 140]</a></span> Zersplitterung der Aufmerksamkeit. Zu zeichnen -haben Kinder immer. Das ist die erste bildnerische Regung, die man -an ihnen beobachtet. Die Eindrücke auf die Kinderseele sind so stark -und plastisch, daß sie alle unwillkürlich ihre Gedanken graphisch -darzustellen streben. Dieser Kunsttrieb, der wie eine schwache Saat -aufsproßt und umsichtiger, sorgfältiger aber unaufdringlicher Pflege -bedürfte, wird leider selten mit Verständnis behandelt und verkümmert -allzufrüh. Man wird daher sehr gut tun, an einer Wandstelle eine -große Tafel mit Kreide und Schwamm anbringen zu lassen, daran der -bildnerische Sinn der Kleinen <a name="austoben" id="austoben"></a>sich austoben mag. Vor allem aber lasse -man sie mit Farbe und Pinsel arbeiten. Nicht pedantisch nach Vorlagen -oder Vorbildern, sondern nach ihrer eigenen Lust und Wahl. Man lasse -ihnen darin volle Freiheit; sie sollen ihre Welt darstellen, so, wie -sie sie sehen. Was dabei herauskommt, ist das erste schwache Pflänzchen -eines künstlerischen und zugleich ursprünglichen Schaffens. Daß dieses -Pflänzchen nicht verkümmere oder erstickt werde, ist Sache einer -weiteren kunstpädagogischen Umsicht, die freilich schon außerhalb des -Kinderzimmers liegt. Feldblumen, bunte Steine, alles was die Kinder -im Freien sammeln und als kostbare Schätze<span class="pagenum"><a name="Seite_141" id="Seite_141"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_142" id="Seite_142">[S. 142]</a></span> daheim ausbreiten, -bringen die Märchenstimmung in das kleine Reich, das sie mit den -Gestalten ihrer ungebrochenen Phantasie bevölkern. Von der Zeit der -ersten Gehversuche bis zum zwölften Jahre ungefähr währt die fröhliche -Herrschaft. Wenn das Kind älter wird, tritt die illusionschaffende -Seite der Phantasie zurück, das Vorstellungsgewebe füllt sich immer -mehr aus und die Ansprüche werden größer. Sobald das Mädchen nicht mehr -den Schemel als Puppenbett verwenden will, die Knaben aus umgestürzten -Stühlen nicht mehr eine »wirkliche« Eisenbahn herstellen mögen oder -in einem Brett ein Schiff und im Fußboden das Meer erblicken, sobald -die Kinder sich nicht mehr mit Eifer in die Rolle eines Tieres -versetzen, seine Stimme und Bewegung nachahmen wollen und aufhören, -sich gelegentlich als Lokomotive oder Dampfschiff zu fühlen, wird ihnen -das Puppenheim zu eng. Sie fangen an, die Kinderschuhe auszutreten. -Das zwölfjährige Mädchen fühlt sich als Fräulein und bekommt ein neues -Zimmer, eine neue Welt. Die Buben »studieren«. Weit hinten liegt die -Kindheit, wie eine selige Insel und an ihr gestrandet eine ganze Arche -Noah’s voll Kindersächelchen, entseelt und entzaubert. Ein Reich in -Trümmern. Fernab und vergessen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="toilette_benirschke" name="toilette_benirschke"> - <img src="images/fig_147.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Toilette von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer_winkler" name="schlafzimmer_winkler"> - <img src="images/fig_148.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer v. Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_143" id="Seite_143">[S. 143]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer3_benirschke" name="schlafzimmer3_benirschke"> - <img src="images/fig_149.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_144" id="Seite_144">[S. 144]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="schlafzimmer_hoffmann" name="schlafzimmer_hoffmann"> - <img src="images/fig_150.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Schlafzimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Das_Spielzeug">Das Spielzeug.</h2> - -<p>Eine mittelalterliche Sage erzählt von einem zauberkräftigen Beryll, -der in seinem Spiegel alle vergangenen und künftigen Dinge zeigte, alle -Schönheit der Erde, ferne Länder und Meere. Doch bedurfte er eines -reinen gläubigen Gemüts, das von dem Weltgift des Zweifels noch nicht -angenagt war, um das holde Wunder zu sehen, sonst blieb der wundersame -Stein trüb und dunkel. Noch geschehen Wunder. Kinder erleben sie -täglich aufs Neue. Nicht einmal ein Beryll oder sonst ein<span class="pagenum"><a name="Seite_145" id="Seite_145">[S. 145]</a></span> kostbarer -Edelstein ist nötig, es genügt ein ganz wertloser Stein, den sie mit -der jungen Kraft ihrer ungebrochenen Phantasie begaben, das Mirakel zu -bewirken. Mit staunendem Ergötzen sehen sie in dem schillernden Ding -<a name="untergang" id="untergang"></a>Sonnenaufgang und -untergang, eine große farbenreiche Welt von Wundern, -mit einem Wort, ihre eigene Welt. Mit Verwunderung sieht man sie oft -an kostbarem, mühsam ersonnenem Spielzeug achtlos vorübergehen und -an irgend ein unscheinbares Ding ihre Liebe hängen. Ein unbedachtes -Wort, Spott oder Vorwurf und die holde Wundergläubigkeit ist dahin, -das zauberhafte Juwel wird blind und taub und erscheint nur mehr -als das, was es ist, als wertloser Stein oder Glasscherben. Und ein -Stück Unschuld geht damit zugrunde. Man begnügt sich in der Regel, -zu sagen, daß Kinder leicht zufrieden zu stellen seien. Das ist ein -sehr oberflächliches Urteil. Ich bin viel eher geneigt zu glauben, -daß es kein schwerer zu befriedigendes Publikum gibt, als gerade die -Kleinen. Der Witz der Großen, die für sie denken und bilden, wird -an ihnen gewöhnlich zu schanden. Die schönsten Spielsachen finden -zumeist dann erst Wert in ihren Augen, wenn sie sie zertrümmert haben, -um sie in ihrem Sinne wieder aufzubauen. Sowohl diese als viele -andere Erscheinungen sind Beweise, daß das Kind in dem Spielzeug -das<span class="pagenum"><a name="Seite_146" id="Seite_146">[S. 146]</a></span> <em class="gesperrt">Rohmaterial</em> sucht, mit dem seine Phantasie freischaffend -verfährt. Der Wert des Spielzeuges liegt nicht in dem, was es ist, -sondern in dem, was es werden kann, was das Kind mit ihm machen soll. -Bedeutung und Beseelung, gleichsam den künstlerischen Ausbau, empfängt -es aus dem kindlichen Schaffenstrieb. Diesen anzuregen, zu heben und zu -kräftigen, ihm die rechten Mittel bereit zu stellen, ist der Zweck des -Spielzeuges.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="kinderspielzeug_andri" name="kinderspielzeug_andri"> - <img src="images/fig_151.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Kinderspielzeug v. Maler Ferdinand Andri. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="toilette1_winkler" name="toilette1_winkler"> - <img src="images/fig_152.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Toilette v. Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="toilette2_winkler" name="toilette2_winkler"> - <img src="images/fig_153.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Toilette von Arch. Georg Winkler. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Auch die Kinderstube ist ein Spiegelbild ihrer Zeit. Eine Welt für -sich, die aber ihren Inhalt aus dem großen Leben empfängt und jeden -Kulturwandel mitmacht. Der Naturalismus der letzten Jahrzehnte -hat auch in dieser kleinen Welt ein Echo gefunden und in der -Spielzeug-Manufaktur jenen konsequenten Wirklichkeitssinn erzeugt, -der wohl den Verstand nährt, aber das Herz leer läßt. Puppen werden -erzeugt von panoptikumartiger Wirklichkeitstreue, den Babies zum -Verwechseln ähnlich, »stilgerechte« Steinbaukästen, Spielschiffe -und Eisenbahnen mit kompliziertem Betrieb, die ein getreues Modell -dieser Verkehrseinrichtungen darstellen. Wir leben ja im Zeitalter der -Technik, so mag der künftige Ingenieur schon in der Kinderstube sein -Talent an solchen Modellen<span class="pagenum"><a name="Seite_147" id="Seite_147">[S. 147]</a></span> nähren. Das ist die Meinung so mancher -Eltern, die bei der Geburt des Kindes schon seinen Beruf vorbestimmen -und den Fachmann bilden wollen, ehe sie den Menschen gebildet haben. -Von den Großen wird das Spielzeug gewählt, anstatt von den Kleinen. -Aber was das sentimentale Kindlichkeitsgefühl der Großen gutheißt, -billigt nicht immer der naive Sinn der Kleinen. Diese armen Kinder der -Reichen! In eine Kinderstubenwelt werden sie gestellt, die fertig ist -und ausgebaut und die nichts übrig läßt zu vollenden. Und nun heißt -es: spiele! Spielen um des Spielens willen? Für das Kind ist das Spiel -notwendige Arbeit, daran es seine Kräfte übt und entwickelt. In dieser -fertigen Welt beginnt die Arbeit mit dem Zertrümmern. Zertrümmern, um -neu aufzubauen. Um wie viel reicher sind oft die Kinder der Armen! -Ein Stück Holz wird zur Puppe, von der kleinen Mutter sorgfältig in -armselige Lappen gehüllt und aufs zärtlichste betreut. Mit der Sorge -wächst die Liebe. Man sage der Kleinen nicht, das ist keine Puppe, -das ist nur ein Stück Holz! Wo gewöhnliche Augen nur ein Stück Holz -sehen, da hat die kindliche Phantasie bereits ein Wunder bewirkt. -An dem selbsterschaffenen beseelten Gegenstand übt das junge<span class="pagenum"><a name="Seite_148" id="Seite_148">[S. 148]</a></span> Herz -seine Fähigkeiten. Und dieser Gegenstand hat alle Bedeutung, die es -hineinlegt. Er ist das rechte Spielzeug geworden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="bad_bauer" name="bad_bauer"> - <img src="images/fig_154.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bad von Arch. Leopold Bauer. - </div> -</div> - -<p>Die Jungen auf dem Dorfe kennen den Steinbaukasten und seine zwei bis -drei Gestaltungsmöglichkeiten nicht. Sie kennen nur den Lehmhügel am -Bach und den Sandhaufen, die der Baulust keine Grenze setzen. Hier hat -es der Formsinn leicht. Brücken entstehen, Wälle, Befestigung, Minen, -Werke der augenblicklichen Eingebung, die im nächsten Augenblicke -wieder anderen weichen. Immer ist es kurzweilig und zweckvoll. Der -willige Baustoff fügt sich jeder Regung des Schaffenstriebes. Und -die ungestörte Phantasie bevölkert alle diese Bauten, die Gruben -und Löcher, mit spukhaften Geheimnissen. Es ist die Zeit, da das -Märchen zur Wirklichkeit wird, die Wirklichkeit zum Märchen. Das -Spielzeug verhält sich zu den Dingen des Alltags wie das Märchen -zur Wirklichkeit. In beiden ist die reale Welt vorgebildet, aber -zugleich auf die einfachsten, sinnfälligsten Elemente reduziert. Die -gemeine Logik reicht gar nicht aus, um diese Elemente zu würdigen. -Man müßte denn<span class="pagenum"><a name="Seite_149" id="Seite_149"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_150" id="Seite_150">[S. 150]</a></span> die Welt mit den Augen des Kindes ansehen, naiv, -voraussetzungslos sagen wir künstlerisch. In diesem Betrachte ist auch -das Spielzeug künstlerisches Neuland. Es erfordert einfach organisierte -Seelen, wie es der Toymaker Caleb Plummer und seine blinde Tochter -in Dickens »Heimchen am Herde« sind. Solche Seelen wissen, daß eine -Reihe von Sardinenbüchsen, mit einem Bindfaden zusammengehalten, dem -Volk der Kleinen eine bessere Illusion von einem Eisenbahnzug gibt, -als das technisch vollkommenste Modell. In unseren Straßen gehen -arme Slovaken herum mit billigem Spielzeug, das sie selbst aus Holz -schneiden, nach ihrer eigenen unverbildeten, kindlichen Anschauung. -Der blasierte Großstädter kann diesen Dingen keinen Reiz abgewinnen, -er sagt, »es ist nichts d’ran«. Es ist allerdings nichts d’ran, als -eine entzückende Naivität, eine überraschende Kindlichkeit, die uns -Großen abgeht. Die Kleinen haben wohl ein anderes Urteil darüber, und -wie mich dünkt, ein weit richtigeres. Nehmen wir ihnen doch nicht schon -von der Kinderstube an jene Kindlichkeit, die ihr gutes Recht ist, -ihre Kraft und Schönheit. Sie zu hüten und für das Leben zu bewahren, -ist ein wichtiger Teil der Erziehung. Und im Dienste dieser Erziehung -steht das Spielzeug. Ferdinand Andri hat den immerhin interessanten -Versuch gemacht, Spielzeugtypen grotesker Art zu schaffen, die an den -primitiven Charakter der besprochenen alten volkstümlichen Spielsachen -anknüpfen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="bad_benirschke" name="bad_benirschke"> - <img src="images/fig_155.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Bad von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="bad_braeuer" name="bad_braeuer"> - <img src="images/fig_156.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Badezimmer von Arch. Karl Bräuer. - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_151" id="Seite_151">[S. 151]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="waschgeschirr_sicka" name="waschgeschirr_sicka"> - <img src="images/fig_157.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Waschgeschirr von Frl. Jutta Sicka. Porzellanmanufaktur - Joseph Böck, Wien. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Das_Maedchenzimmer">Das Mädchenzimmer.</h2> - -<p>Die Stellung der Frau im heutigen Leben ist ein Kampf, ihr Kampf -ist ein Suchen. Ihr Streben ist Gleichberechtigung mit dem Manne in -sozialen, beruflichen und politischen Dingen. Auf allen Gebieten -wetteifert sie mit ihm als ebenbürtige Genossin — oder Rivalin. Das -spürt man schon im Mädchenzimmer. Die Nervositäten des Tages vibrieren -bis in die Stille des jungfräulichen Gemaches. Der Studiengang ist von -fast männlicher Strenge und Härte, auf den künftigen Struggle for life -vorbereitend. Und dennoch liegt über den Dingen ein milder Abglanz -weiblicher Grazie, die die Frau auch in den Härten des Berufes als -unschätzbares Gut bewahren will. Die Zwittererscheinungen des dritten -Geschlechts gehören einer kurzen Uebergangsperiode an und sind mit dem -Fluche der Lächerlichkeit beladen von der Bildfläche verbannt. Das -Mädchenzimmer vor fünfzig Jahren ist gegen das heutige eine friedvolle -Welt. Das war damals ein liebliches Hindämmern an Bändern und Kram, -bis der Großvater kam und die Großmutter nahm. Vielleicht gleicht -das heutige Mädchenzimmer dem damaligen sehr stark an äußerlichen<span class="pagenum"><a name="Seite_152" id="Seite_152">[S. 152]</a></span> -Stimmungselementen, aber innerlich ist es von ganz anderem Leben -erfüllt. Eine satte, lavendelschwere Luft lag in dem Raum, wo durch -weiße Gardinen der Tag hell herein schien, der Schreibtisch mit den -dicken zylindrischen Füßen barg Schleifen und Andenken, himmelblaue -Vergißmeinnichtlyrik auf antikisierenden Wunschkarten gedruckt, ein -Päckchen Briefe voll lispelnder Ach!, in steifer Schrift geschrieben, -abgestandene Parfums entsendend, wie ein altes leeres <a name="flacon" id="flacon"></a>Flacon, und aus -dem spindeldürren Spinet entstiegen in dünnen gebrechlichen Tönen -Mozarts graziöse Menuetts, Schuberts kindlich fröhliche Weisen, während -durch die Straßen die sentimentalen Klänge zogen: »wann’s Mailüfterl -säuselt...« Die Lavendelstimmung ist heute auch aus dem Mädchenzimmer -entschwunden. Im Notenständer neben dem Klavier finden wir<span class="pagenum"><a name="Seite_153" id="Seite_153">[S. 153]</a></span> Richard -Wagner, Hugo Wolf, Richard Strauß, Schubert und Beethoven sind -geblieben. Auf dem Tische häufen sich Bücher, sogar Zeitschriften, -Maeterlincks »Leben der Bienen« liegt da; es liegt nicht nur da, es -wird auch gelesen. Was unter dem Titel »Mädchenliteratur« einstens -beliebtes Lesefutter war, ist nicht vorzufinden. Das Nähtischchen im -Fenster mit dem Strickkörbchen im Fuße ist ebenfalls verschwunden, es -ist samt der »Mädchenlekture« in der Rumpelkammer der Vergangenheit -begraben. Blumen stehen am Fenster, wie es auch einst war, Rosen im -Glas und, wenn es die Jahrzeit will, auch weiße Lilien. Das ganze -Gemach ist darauf gestimmt, eine Symphonie in Weiß. Das Bett steht -unsichtbar hinter den weißen Vorhängen, die vom Plafond heruntergehen -und<span class="pagenum"><a name="Seite_154" id="Seite_154">[S. 154]</a></span> tagsüber zugezogen sind. Weiße feine Vorhänge, seitlich zu öffnen, -verhüllen das Fenster, weiß sind Decke und Wände, durch die bandartig -ein Fries geht, und an den Wänden hängen, in schmalen, glatten Rahmen -Reproduktionen nach Burne Jones, trauernde Frauengestalten mit -keuschem Leib und sehnsüchtigen Blicken, »love in ruins« und andere -schmachtende Legenden, die der knospenhaft unerschlossenen Gestalten -präraffaelitischer Meister, die nun seit einigen Jahren modern sind. -Schmalhüftige hochgezogene Möbel stehen herum, fußfrei, so daß man -unten bis zur Wand blickt, was den Raum größer erscheinen läßt, -ein weiter Bücherschrank, zierliche<span class="pagenum"><a name="Seite_155" id="Seite_155">[S. 155]</a></span> Schränkchen und Stühle, ein -Toilettetisch mit fazettiertem Glas ohne Rahmen und mit Laden, die -Toiletteartikel darin zu versperren, im übrigen alles blitzblank und -sauber anzusehen, hie und da ein erlesenes Stück eigenen Kunstfleißes, -ein Tischläufer, eine Schutzdecke, sauber ausgenäht,<span class="pagenum"><a name="Seite_156" id="Seite_156">[S. 156]</a></span> mit modernem -Muster. Der Bodenbelag ist einfärbig ohne Dessin, oder fast ohne -solchen, graublau im Ton und die Möbel sind lackirt. Blau steht zu -weiß sehr schön. Dunkles Rot kann auch verwendet werden. Hellgelbes -Kirschholz ist von bezwingender Anmut. Ein solches Gemach wirkt schon -durch die Farbe wie ein Frühling. Stehen ein paar feine Gläser am -Schränkchen, einige kleine Kunstgegenstände gut verteilt, Vasen, -Porzellan aus Kopenhagen, blank und schimmernd, dann mutet es an wie -ein Festtag im Mai.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="kinderschlafzimmer_bauer" name="kinderschlafzimmer_bauer"> - <img src="images/fig_158.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Kinderschlafzimmer von Arch. Leopold Bauer. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="badezimmer_benirschke" name="badezimmer_benirschke"> - <img src="images/fig_159.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Badezimmer von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="kinderarbeitszimmer_bauer" name="kinderarbeitszimmer_bauer"> - <img src="images/fig_160.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Kinderarbeitszimmer von Arch. Leopold Bauer. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="maedchenzimmer_ecke" name="maedchenzimmer_ecke"> - <img src="images/fig_161.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Mädchenzimmer-Ecke von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="maedchenzimmer_hollmann" name="maedchenzimmer_hollmann"> - <img src="images/fig_162.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Mädchenzimmer von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="toilette_braeuer" name="toilette_braeuer"> - <img src="images/fig_163.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Toilette von Arch. Karl Bräuer. - </div> -</div> - -<p>Solcherart erscheint das Mädchenzimmer als ein Spiegel der -Persönlichkeit, die darin lebt.</p> - -<p>Und nicht nur der Persönlichkeit, sondern auch ihrer Zeit. Was die -Ideale, Wünsche und Hoffnungen der Gegenwart sind, kann und soll man -ja auch an diesem Ort verspüren. Die Zeiten sind jedenfalls vorbei, -wo die Mädchenerziehung kein anderes Ziel kannte, als unter die Haube -zu kommen. Nichtsdestoweniger ist es sehr erfreulich, wenn sich im -heutigen Mädchenzimmer auch ein Kochbuch vorfindet. Die genaue Kenntnis -des Hauswesens auf Grund eigener Betätigung ist auch für jede gebildete -Dame eine selbstverständliche Voraussetzung. Die Vorbereitung auf -irgend einen selbständigen Beruf und auf das Leben, das draußen harrt, -soll unter allen Umständen auch der Entwicklung häuslicher Tugenden -Raum gewähren. Was immer die Zukunft erheischen möge, das Leben dürfte -in diesen Raum nichts hereintragen, was irgendwie geschmackswidrig, -schmutzig und anstößig ist. Man muß nicht hausbacken und prüde sein, -aber man muß in allen Fällen auf <em class="gesperrt">seelische Hygiene</em> bedacht -sein, sowohl im Umgang mit<span class="pagenum"><a name="Seite_157" id="Seite_157">[S. 157]</a></span> Menschen, als mit Büchern und Dingen. -Im allgemeinen dürfte das Mädchenzimmer in allen Verhältnissen den -oben geschilderten Charakter empfangen, bald einfacher, bald reicher -ausgestattet, je nach den persönlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten. -Seine besondere Prägung wird es natürlich von dem Geiste erhalten, der -darin haust. Die Wohnungspsychologie kann nicht leicht Fehlschlüsse -ziehen. Man wird es auf den ersten Blick erkennen, ob die Inwohnerin -Kunstgewerblerin, Beamtin oder Studentin ist. Die Individualität soll -ja in den Dingen der Häuslichkeit am stärksten sprechen. Reinheit und -Nettigkeit machen hier, wie überall den Hauptschmuck aus. Die Grazien -werden sicherlich auch das Gemach erfüllen, wenn sie die Inwohnerin mit -ihren Gaben beglückt haben, was natürlich nicht zu bezweifeln ist. Wenn -auch die junge Dame ein angehendes »Fräulein Doktor« ist, braucht ihre -Stube nicht auszusehen wie eine Studentenbude. Es ist eine bedenkliche -Atmosphäre, wo Parfum mit Zigarettenqualm vermischt ist.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="maedchenzimmer_herrgesell" name="maedchenzimmer_herrgesell"> - <img src="images/fig_164.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Mädchenzimmer von Arch. Maurice Herrgesell. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_158" id="Seite_158">[S. 158]</a></span></p> - -<h2 id="Blumen_am_Fenster">Blumen am Fenster.</h2> - -<p>Die Hausgärten sind aus unserer Stadt ziemlich verschwunden. Der -Utilitarismus der Bauunternehmer hat nicht bedacht, daß die Naturfreude -mit zu den täglichen Lebensbedürfnissen der Stadtmenschen zählt. In -dem Maße aber, als Garten und Feld zurückwichen und die Natur den -ungastlichen Mauern entfloh, erwuchs in der Trostlosigkeit dieser -Steinwüste eine seltsame, bleiche Stubenpflanze, die Natursehnsucht, -die recht eigentlich ein Großstadtprodukt ist. Und zugleich ein -wichtiger Faktor der Kultur. Wie tief diese Sehnsucht wurzelt, kann -man an Sonn- und Feiertagen sehen, wenn die Menge »aus der Straßen -quetschender Enge« ins Freie drängt, wenn sie an Waldungen und -Feldrainen Blumen errafft, um sie in die traurigen Stuben zu stellen, -wo sie sterbend noch einen Abglanz von Sonnenfreude und Sommerlust -verbreiten. Wenn es irgend ein Vollkommenes gibt, so ist es gewiß das -schöne, stille Sein der Pflanze und die Reinheit ihres Lebens. Und was -die Menschen für das Feinste ansehen, ist ihre Schönheit und ihr Duft. -Sie wirkt mit der Kraft eines Symbols. Ein einziger Zweig ins Zimmer -gebracht, und ein ganzer Frühling ist zu Gast!</p> - -<div class="figleft"> - <a id="kassette_benirschke" name="kassette_benirschke"> - <img src="images/fig_165.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Kassette von Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="rauchtisch_benirschke" name="rauchtisch_benirschke"> - <img src="images/fig_166.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Rauchtisch von Architekt Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="blumenstaender_hoffmann" name="blumenstaender_hoffmann"> - <img src="images/fig_167.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Blumenständer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Die unklare Natursehnsucht des Städters gibt einen klaren -Fingerzeig. Etwas sehr wertvolles liegt darin, vielleicht ein neuer -Zivilisationsfaktor, den man nur zu organisieren braucht. Anfänge -sind vorhanden, um in die naturverlassene Stadt wieder die Gärten -einzuführen. Jedermann in der Stadt kann seinen Garten vor dem Fenster -haben. Einen winzigen allerdings, aber ein Gärtchen immerhin. Einen -Meter lang, ein Drittel breit, nicht größer als es das Fenstergesimse -erlaubt, und die grün oder weiß gestrichene Einfassung, die dort -aufzustellen ist. Für wenig Geld liefert der Markt die schönsten -Blumen, und zwar je stärker die Nachfrage,<span class="pagenum"><a name="Seite_159" id="Seite_159">[S. 159]</a></span> desto billiger. Die Sache -hat auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung. Ein wichtiger Zweig der -Landwirtschaft käme ins Aufblühen, die Blumenzucht. Man bedenke, was -die Blumenkultur in Holland und in Frankreich wirtschaftlich bedeutet. -Keine Stadt hat größeren Blumenbedarf als Paris und nirgends sind die -Blumen billiger. Die Blumenmärkte von Paris sind eine Sehenswürdigkeit. -Bei uns ist kaum noch der Sinn dafür aufgegangen, welche reiche Quelle -von Freuden ein solches Blumenbrett ist, ein gut bestandenes und -schön gepflegtes, natürlich. Wenn aus dem Gesimse eine Blumenwildnis -hervorblüht, die duftet und leuchtet in den prangendsten Farben, ist -die Stube mit einemmal verwandelt. Die freundlichen Hausgötter der -Traulichkeit und Wohnlichkeit sind plötzlich eingekehrt und walten mit -Zaubermacht, mag auch der Hausrat noch so ärmlich sein. Es ist nicht -nur eine liebliche Augenweide, o, noch viel mehr! Öffnet man am Morgen -das Fenster, dann wälzt der Lufthauch ganze Wolken von Wolgerüchen -herein, die das Gemach erfüllen. Und welche Labsal ist es, abends -hinter diesem Hausgarten zu sitzen! Eine Fülle von Segen strömt vom -Fenster her in die Stube und in das Herz der Inwohner und hilft wol -irgend ein Gutes im Leben zu fördern. Diese Blumenwildnis vor dem -Fenster ist zwar kein vollkommener Garten, nicht einmal eine Laube, -wie man sie einst hatte, aber sie ist etwas, was unter Umständen noch -viel mehr sein kann, weil sich ein persönliches damit verbindet. Denn -die Liebe, die auf dem Grunde eines jeden guten Werkes ist, muss sich -auch hier betätigen. Wer hier nicht säet, wird auch nicht ernten. -Die Blumen am Fenster gedeihen nicht ohne aufmerksame Pflege. Das -verursacht zwar eine kleine Mühe morgens und abends, aber was tut’s? -Kann man denn etwas lieben,<span class="pagenum"><a name="Seite_160" id="Seite_160">[S. 160]</a></span> um was man sich gar nicht zu bemühen -braucht? Zumindest ist hier die Mühe eine Freude, die man nicht dem -Dienstmädchen überlassen soll. Der bloße Pflichtbegriff ist giftiger -Mehltau für die Blumenpracht am Fenster. So etwas merkt man gleich. -Nein, die Blumenpflege gehört der Dame des Hauses zu. Dann wird das -Blumenbörtel zum Symbol, wo jede Pflanze von der Sorgfalt und Liebe der -gewiss liebenswerten Gärtnerin erzählt. Oft kommt man an einem Hause -vorbei, wo an einem der Fenster Hortensien stehen und Nelken und Rosen, -Pelargonien und brennende Liebe und je nach der Jahreszeit manche -andere schöne Pflanze. Die schönen weißen Hände, die sichtbar werden, -um mit so viel Liebe den Blumenstand am Fenster zu pflegen, zur eigenen -Herzenslust und zur stillen dankbaren Freude des Vorübergehenden, -geben ein sehr edles Beispiel. Eine neue Schönheit zieht in unsere -Straßen ein. Da und dort bricht aus den Gesimsen eine solche blühende -und duftende<span class="pagenum"><a name="Seite_161" id="Seite_161">[S. 161]</a></span> Blumenwildnis hervor. Und nun denke man sich diesen -Blumenreichtum über alle Fenster, an allen Häuserreihen, bis ins -höchste Stockwerk verbreitet: er müsste die Stadt in einen reizenden -Garten verwandeln. Es müsste ein Segen sein fürs Auge und fürs Herz und -auch für die Gesundheit. Die lebt ja bekanntlich vom Schönen, ebenso -wie das Gute.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="maedchenzimmer_1_exler" name="maedchenzimmer_1_exler"> - <img src="images/fig_168.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Mädchenzimmer von Arch. Franz Exler. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="maedchenzimmer_2_exler" name="maedchenzimmer_2_exler"> - <img src="images/fig_169.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Mädchenzimmer von Arch. Franz Exler. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="blumenkuebel_prag_rudnik" name="blumenkuebel_prag_rudnik"> - <img src="images/fig_170.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Blumenkübel. Prag-Rudniker Korbfabrikation. - </div> -</div> - -<div class="figleft"> - <a id="salonkasten_1_benirschke" name="salonkasten_1_benirschke"> - <img src="images/fig_171.jpg" - alt="Salonkasten und die dazugehörigen Einlegearbeiten" /></a> - <div class="caption"> - Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="salonkasten_2_benirschke" name="salonkasten_2_benirschke"> - <img src="images/fig_172.jpg" - alt="Salonkasten und die dazugehörigen Treibarbeit" /></a> - <div class="caption"> - Arch. Max Benirschke. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Aber nicht nur nach außen hin würde der Wandel eintreten, sondern -auch nach innen. Eine Revolution hat die Blume in den Wohnungen -hervorgebracht. Der Fall ist typisch: Ist in irgend einem Hause -die Blumenfreude intensiv geworden, dann spürt man die Woltat der -Blumenherrschaft in allen Räumen. Die schweren Stoffgardinen, welche -die vordem so beliebte Rembrandt’sche clair-obscur-Stimmung erzeugen -sollten, werden entfernt. Luft und Licht strömen nun in vollen<span class="pagenum"><a name="Seite_162" id="Seite_162">[S. 162]</a></span> -Fluten herein. Nun zeigt es sich auf einmal, welch’ ein lichtscheues -Gesindel von Nippes und lächerlichem Aufputz die Wohnung verunstaltete, -vom Makart-Bouquet angefangen bis zu den japanischen Schirmen und -Photographieständern, wie viel unkontrollierbare Staubwinkel allen -Wänden und Möbeln entlang vorhanden sind. Die Umwälzungen, die von -der stillen selbstgenügsamen Blume ausgehen, füllen ein lustiges -Kapitel. Wir wollen uns einmal flüchtig daran erinnern, daß unsere -Großeltern eine solche feine Kultur besaßen, zu der wir jetzt erst -wieder den Anfang machen. Treten wir in die Tür unserer Großväter, -dann finden wir ein helles Gemach mit weißen Gardinen, einfarbigen -oder weißen Wänden, hellgelbe Kirschholzmöbeln, und als Herrscherin -und Hüterin dieser einladenden, traulichen Stimmung die Blumen, unsere -heimatlichen Bauernblumen in weißen Töpfen, lieblich anzuschauen. In -der Blumenliebe liegt etwas sehr Edles. Der Anfang von Kunst liegt -in ihr. Was die Blumenpflege für die Kultur bedeutet, mag man in der -ausgezeichneten Schrift »Makartbouquet und Blumenstrauß« von Alfred -Lichtwark nachlesen. Von den Blumen der Heimat muß man ausgehen, sie -passen zu unserem Dasein. Wir finden sie in den beliebten Blumenstücken -der früheren Zeit, in den Vorgärten der alten Landhäuser und in den -Bauerngärten. Nur die Modesucht hat sie verachtet. Darum sollen sie zu -Ehren gebracht werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_163" id="Seite_163">[S. 163]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Blumenkoerbe">Blumenkörbe.</h2> - -<p>Das wissen alle Hausfrauen ganz gut, daß die reichlich verwendeten -Blumenkörbe fast immer absolut geschmacklos und unpraktisch waren. Daß -Niemand in seinem Hause einen praktischen und ästhetisch befriedigenden -Blumenkorb aufweisen konnte, hatte einen ganz einfachen Grund. Es gab -keinen also beschaffenen Blumenkorb. Was bislang für geschmackvoll -galt, war ein Blumenkorb mit einem aus imitiertem Astwerk gefertigten -Gestelle, womöglich braun gestrichen oder gar bronziert oder sie -waren geflochten und hatten Voluten und andere stilvolle Ornamente -aus Weidenruten und Flechtwerk aufgesetzt, die als wahre Staubfänger -in kurzer Zeit ein scheußliches Aussehen bekamen und ob ihrer -augenscheinlichen Zwecklosigkeit in das Gebiet des lächerlichsten -Unfugs gehören. Künstler und Kunstgewerbler haben sich in letzter Zeit -mit den Formen des Blumenkorbes befaßt. Soweit diese Lösungen bekannt -geworden und in den Handel gekommen sind, läßt sich ein bedeutender -Schritt zur Zweckmäßigkeit und wohltuenden Einfachheit konstatieren. -Formen sind im Handel, die aus Pfefferrohr und Flechtwerk hergestellt, -die Ansprüche des guten Geschmackes wohl erfüllen. Aber es liegt -immerhin noch ein weites Feld für die Erfindung schöner und praktischer -Formen, sowie für die Anwendung geschmackvoller<span class="pagenum"><a name="Seite_164" id="Seite_164">[S. 164]</a></span> Farben offen. Der -große Anreger auf kunstgewerblichem Gebiete, Alfred Lichtwark, erzählt -in seinem Buche »Blumenkultur« (das jedermann lesen sollte, ebenso wie -alle seine anderen Schriften), daß ihm berichtet wurde, in Hamburg -hätte man früher statt der Blumentöpfe vor jeden Fensterflügel einen -langen, eckigen Korb gestellt, als Hülle für vier oder fünf Töpfe. -Diese Körbe wären innen und außen gestrichen gewesen. Gesehen hat er -sie nicht mehr.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="buffet2_exler" name="buffet2_exler"> - <img src="images/fig_173.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Zusammenlegbares Buffet einer Offizierswohnung v. Arch. - Exler. - </div> -</div> - -<p>Diese Einrichtung ist schön und praktisch und Lichtwark knüpft daran -die Erörterung der Farbe. »Es ist nichts im Wege, daß man neben dem -Grün auch Weiß — was sehr günstig ist — und unter Umständen auch Rot -verwendet oder Weiß mit grünen, Grün oder Rot mit weißen Querstreifen. -Auch Blau, Purpur, Orange und Gelb sind denkbar, aber schwieriger zu -verwenden, sobald man es mit mehr als einer Blume zu tun hat. Für -größere alleinstehende Zimmerpflanzen sind Topfhüllen in Gestalt schön -bewegter und geschmackvoll gefärbter runder <a name="koerber" id="koerber"></a>Körbe — Korbvasen — -ausgezeichnet zu verwenden. Sie sehen gut aus und haben den Vorzug, -nicht zu zerbrechen«.</p> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_165" id="Seite_165">[S. 165]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Die_Offizierswohnung">Die Offizierswohnung.</h2> - -<p>Die Frau des Offiziers beginnt heute einzusehen, daß es für ihre -Wohnung nichts unpraktischeres geben kann, als den billigen Prunk und -lächerlichen Zierrat, der in den durchschnittlichen Stadtwohnungen -einen täuschenden Schein von Luxus und Eleganz erwecken soll. Der -Begriff: standesgemäß, für den militärischen Beruf bindender, als für -jeden anderen, hat in Bezug auf die Offizierswohnung eine seltsame -Umwertung durch das Beispiel jener bürgerlichen Wohnungen erfahren, die -von einer gedankenlosen marktlichen Massenfabrikation beherrscht, einen -nicht mehr zu unterbietenden Tiefstand des Geschmackes bezeichnen.</p> - -<div class="figleft"> - <a id="offizierswohnung_1_exler" name="offizierswohnung_1_exler"> - <img src="images/fig_174.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<div class="figright"> - <a id="offizierswohnung_2_exler" name="offizierswohnung_2_exler"> - <img src="images/fig_175.jpg" - alt="Speisezimmer" /></a> - <div class="caption"> - Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<p class="clearb">Standesgemäß, das sollte ursprünglich wohl heißen zweckgemäß, lebt -heute nur der ledige Offizier. Er hat die typische Offizierswohnung -ausgebildet, die in ihrer Einfachheit und Mobilität auf das Zelt -zurückweist. Da steht sein eisernes Bett, ein Bücherbrett, ein paar -Feldstühle, ein großer zusammenklappbarer Tisch, darauf er bequem -Pläne, Skizzen, Bücher und Schreibzeug ausbreiten kann. Ordnung und -Nettigkeit geben dem Raum den einzigen, aber auch wirksamsten Schmuck. -Sobald der Offizier verheiratet ist, verliert seine häusliche Umgebung -in der Regel ihren typischen Charakter. Die Frau des Hauses, welche in -der Wohnungsfrage zu entscheiden hat, hält sich an das Beispiel, das -die Masse gibt. Sie richtet die Wohnung so ein, wie sie Geschäftsleute -und Beamte haben, die nie oder nur selten in die Lage kommen, ihren -Wohnsitz zu wechseln. Dann sieht man an den Möbeln jene schleuderhaften -Schmuckformen, deren Daseinszweck nur darin besteht, die unsolide Mache -zu verkleiden und ein Übermaß täglicher Reinigungsarbeit zu verursachen.</p> - -<p>Man kann sich leicht die Verwirrung vorstellen, wenn die Notwendigkeit -eines Garnisonswechsels eintritt, auf den der aktive Offizier<span class="pagenum"><a name="Seite_166" id="Seite_166">[S. 166]</a></span> gefaßt -sein muß. Trotz der ungeheuren Verpackungsmühen und der erforderlichen -unverhältnismäßig großen Anzahl von Transportwägen, welche die -Transferierungskosten enorm erhöhen, ist das Mobilar, das einer -solchen Inanspruchnahme nicht gewachsen ist, schweren Beschädigungen -unterworfen.</p> - -<p>Man mußte sich erst über alle Unzulänglichkeiten klar werden, um -wieder die Möglichkeiten einer standesmäßigen, das heißt, zweckmäßigen -Offizierswohnung auf Grund einer klaren Erkenntnis der Bedürfnisse zu -finden.</p> - -<p>Das praktische Möbel ist selten teuerer, meistens sogar billiger, -als die schleuderhaft und gedankenlos fabrizierte Marktware. Raum, -Zeitersparnis und Bequemlichkeit muß die Möbelkonstruktion für die -Offizierswohnung gewähren, vor allem die Möglichkeit kompendiös zu -packen, so daß vier Zimmer in einem Transportwagen ohne die Gefahr der -Beschädigung gut untergebracht werden können. Zusammenlegbarkeit nach -Art der amerikanischen Missionärmöbel oder der einfache Kofferstil -werden in diesen Fällen zu den besten Lösungen führen. Auf Schmuck -kommt es beim praktischen Möbel nicht an. Er ist auch keine Bedingung -der Schönheit.</p> - -<p>Schönheit entsteht hier nicht durch die äußerliche Zutat von -Schmuckformen, sondern kann im Wesentlichen nur aus der Zweckmäßigkeit -entwickelt werden. Auch die übrige Dekoration des Zimmers mit Vasen -und Kleinplastik müßte sehr zurückhaltend, aber so gediegen als -möglich sein. Was nicht den prüfenden Blick aushalten kann, hat keine -Berechtigung im Raum zu existieren. An Stelle der Schmuckform würde die -edle, fein<span class="pagenum"><a name="Seite_167" id="Seite_167">[S. 167]</a></span>empfundene Farbe treten. Diese einfachen, geradlinigen und -augenscheinlich gediegenen und praktischen Möbel würden, koloristisch -behandelt, im Verein mit weißen, waschbaren Gardinen und einigen -Blumen am Fenster in jedem Raum, der nur weiße, kalkgeputzte Wände -hat, die traulichste Stimmung erzeugen und zugleich ein Beweis für den -höheren Geschmack der Offiziersfrau sein, die ein auf den besonderen -Berufserfordernissen beruhendes Studium der Möglichkeiten nicht -gescheut hat. Von einem modernen Architekten, den sie etwa zu Rate -gezogen, unterstützt oder im persönlichen Kontakt mit dem Handwerker, -dem sie Angaben macht und dessen Arbeiten sie wachsam verfolgt, müßte -sie zu einer Einrichtung gelangen, von der man nicht behaupten dürfte, -daß sie paßt, wie schlechtsitzende Kleider. Sie würde ebenso wie bei -den Kleidern auch das Maß der Stühle und Tische bis auf den Millimeter -durchprobieren und den Bedürfnissen des Körpers anpassen lassen. Der -gute Stuhl in ihrem Hause müßte alle Bequemlichkeiten bieten und -den darauf Sitzenden dennoch elegant erscheinen lassen. Querleisten -zwischen den Beinen würde man an diesen Stühlen nicht finden, weil -sie <a name="ueberfluessig" id="ueberfluessig"></a>überflüssig und unpraktisch sind. Denn erstens will man die Füße -unter den Stuhl bequem einziehen können und dann kommen Sporen mit den -Querleisten leicht in Kollision. Überall würde darauf geachtet sein, -daß nicht mehr Material zur Verwendung kommt, als unbedingt nötig ist, -um den Formen keine unnötige Schwere zu geben.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="offizierswohnung1_hollmann" name="offizierswohnung1_hollmann"> - <img src="images/fig_176.jpg" - alt="Schlafz." /></a> - <div class="caption"> - Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<p>Bei Stühlen, die an die Wand gerückt werden, müßten die Hinterbeine -weit ausladen, damit die Lehnen die Wand nicht abschrammen<span class="pagenum"><a name="Seite_168" id="Seite_168">[S. 168]</a></span> können. -Auch bei dem Tisch sind die Querstangen zur Festigung nicht nötig und -daher nur dort zu dulden, wo ihre Abnutzung nicht stört, wie etwa in -der Bauernstube, wo das Holz gewaschen werden kann und das Aufstellen -der Füße keinen Schaden anrichtet. Die Reise um das Zimmer ließe sich -bequem fortsetzen und von Gegenstand zu Gegenstand der Beweis führen, -wie unpraktisch das für die Bedürfnisse der Massen hergestellte -Marktmöbel in jedem besonderen Falle ist. Die Offiziersfrau, die sich -in jedem einzelnen Falle darauf besinnt, was ihrer Wohnung zum Vorteil -gereicht, wird keine Einrichtung haben wie eine Krämersfrau, auch -nicht wie eine Banquiersfrau. Sie wird ein Heim haben, das sich von -allen anderen unterscheidet als die standesgemäße Offizierswohnung. -Und sicherlich wird jeder, der eine solche Wohnung sieht, anerkennen -müssen, daß es eine tapfere und geschmackvolle Dame ist, die den -Mut hat, durchaus zu scheinen, was sie sein soll, nämlich wahrhaft -standesgemäß. Dazu gehört sicherlich eine vornehme Gesinnung und ein -selbstbewußter Charakter, der an all der erborgten und verlogenen -Eleganz, die man heute sieht mit einem Lächeln der Geringschätzung -vorübergeht und tut, was seiner Art gemäß ist.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="offizierswohnung2_hollmann" name="offizierswohnung2_hollmann"> - <img src="images/fig_177.jpg" - alt="Schlafzimmer" /></a> - <div class="caption"> - Offizierswohnung von Arch. Alois Hollmann. - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_169" id="Seite_169">[S. 169]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Die_Arbeiterwohnung">Die Arbeiterwohnung.</h2> - -<p>Auf meiner Suche nach einer wahren Volkskunst innerhalb der -ausgestalteten Häuslichkeit stieg ich tiefer hinab zu jenen breiten -Volksschichten, denen nicht um den Schein, sondern um das Sein zu tun -sein muß, um die bloßen Kräfte, die in den Mauern, Bögen, Fenstern, -Pfeilern, wirksam sind, also um den nackten Zweckbegriff, um das rohe -Gerüst praktischer Schränke, Tische und Stühle, denen als einziger -Schmuck die natürlichen Eigenschaften des Materials, die Struktur -des Holzes etc. zugute kommen, zu jenen Volkskreisen also, die nicht -Zeit und Geld haben, ihr Leben mit Schmuck und Tand herauszuputzen, -sondern die auf das Gesunde, Primitive, Einfache losgehen. Dort -dürften Anregungen und die Offenbarung einer wahren Volkskunst zu -erwarten sein. Mit diesem Gedanken kehrte ich beim Kleinbürger ein, -bei jenen besseren Handwerksleuten, die überhaupt Anspruch auf ein -geordnetes Hauswesen erheben. Nichts von dem, was ich erwartete, -habe ich dort gefunden. Alles wollte mehr scheinen, als es wirklich -war, mit einem erborgten Schein über die grinsende Nacktheit und -Armseligkeit der Wohnräume hinwegtäuschen. Bei Leuten war ich, die sich -neu eingerichtet hatten. Kalt und hart standen ein paar Möbelstücke im -Raum; fabriksmäßig schleuderhaft gearbeitete, vom Händler um schweres -Geld gelieferte Betten, Tische und Stühle, in diesem oder jenem »Stil«, -neuestens gibt es auch solche im »Sezessionsstile«.<span class="pagenum"><a name="Seite_170" id="Seite_170">[S. 170]</a></span> Der Stolz der -Leute hing an ihnen, sie saßen in der Küche, um das einzige schöne -Zimmer zu schonen und lauschten am Abend ängstlich auf das mörderische -Krachen des zerlechzenden Holzes, wobei es ihnen jedesmal wie ein -Dolchstoß durchs Herz fuhr. Die Ärmsten waren gewiß am schlimmsten -daran; sie hatten am teuersten gekauft und konnten an ihrem Heim keine -rechte Freude haben. Da lobe ich mir die ärmste Bauernhütte, wo man -Blumen im Fensterrahmen stehen sieht. Hier offenbart sich wenigstens -die Liebe zur Natur, welche gleichzeitig die Liebe zur Heimat und zum -Heim ist und der eigentliche Anfang aller Kultur und Kunst. Mehr als -aller Trödlerkram ladet ein solcher Raum den Gast zum behaglichen -Verweilen ein, wenngleich seine Geräte, Tisch und Bank nur aus blankem -Holze roh gezimmert wären.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfache_wohnung1_hoffmann" name="einfache_wohnung1_hoffmann"> - <img src="images/fig_178.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfache_wohnung2_hoffmann" name="einfache_wohnung2_hoffmann"> - <img src="images/fig_179.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfache_wohnung3_hoffmann" name="einfache_wohnung3_hoffmann"> - <img src="images/fig_180.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Ein Begriff beherrscht die Anschauungen aller Klassen, der die Lebens- -und Wohnverhältnisse bis in die tiefsten Schichten der arbeitenden -Bevölkerung herab, vergiftet hat, der Begriff: Luxus. Es ist im Vorigen -wiederholt dargelegt worden: Luxus, als das schlechthin Überflüssige, -und darum eigentlich Schädliche. Das Wort und die Sache, die es -deckt, kam eigentlich dadurch auf, daß eine reiche Lebenshaltung auf -Kreise übertragen wurde, die keine Bedürfnisse in dem angemessenen<span class="pagenum"><a name="Seite_171" id="Seite_171">[S. 171]</a></span> -Maßstabe besaß, und die sich der übernommenen Dinge nur bedienten, den -Anschein von Vornehmheit und Größe zu erwecken. Die Sache ward Mode, -und wer sich nicht mit kostbaren Dingen umgeben konnte, begnügte sich -mit billigem Kleinkram und den rohen, effekthaschenden Zierraten, -die man sogar an der erbärmlichen Trödelware entdecken kann. Dieser -uneigentliche »Luxus« brachte die gesunde Anschauung, die auf das rein -Zweckliche ausgeht und in deren Erfüllung alle Schönheitsmöglichkeiten -liegen, zum Verfall. Die ganze moderne Bewegung bezweckt letztenendes -die Wiedererweckung jener gesunden Grundsätze. Die große Menge, die -sich zu kalt anstauendem Besuch in unsere Ausstellungen drängt, -verharrt in ihrem Heim gewöhnlich in den kulturwidrigsten Verhältnissen -und verbarrikadiert sich gegen alle Sanierungsversuche mit dem viel -verbreiteten Vorurteil, daß die moderne Einrichtungsfrage sich -lediglich auf die Formel zuspitze, »Thu’ nur Geld in Deinen Beutel!« -Die große Masse, die sich heute noch aus Oekonomie mit dem vom Trödler, -Ratenhändler oder Möbelfabrikanten gelieferten, roh ornamentierten -Plunder begnügt, ist nicht zur Einsicht erzogen, daß die solide, -zeitgemäße Ausgestaltung des Heimwesens durchaus mit keinem Mehraufwand -verbunden sein muß. Der Luxus mag sich dann je nach<span class="pagenum"><a name="Seite_172" id="Seite_172">[S. 172]</a></span> der Börse und den -persönlichen Ansprüchen richten und kann der Hauptsache nach nur in -der Verwendung von mehr oder weniger kostbarem Material bestehen. Im -Prinzip aber werden alle in den vorigen Kapiteln dargelegten Grundsätze -auch für die Arbeiterwohnung gelten müssen und eine Verschiebung nur in -Bezug auf größere Schlichtheit und beschränktere Wohnungsräumlichkeiten -eintreten können.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfache_wohnung4_hoffmann" name="einfache_wohnung4_hoffmann"> - <img src="images/fig_181.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Auch die Arbeiterwohnung kann ein Schmuckkästchen sein, was Nettigkeit -und Ordnung betrifft, ein trauter Raum, in dem man gerne verweilt, -der nicht nur bewohnbar, sondern auch wohnlich ist und dem Kneipen -und Tingltanglwesen wirksam entgegenarbeitet. Der Andrang in Kneipen -und Tingltangln, die rohe Duzbrüderschaft lassen unfehlbar auf ein -zerrüttetes Hauswesen schließen. Soll man also die arme volkreiche -Stadt, wo sich die Wohnungen aneinander und übereinander bauen, -zahllos wie die Zellen eines Bienenkorbes, wohnlich finden und das -Gefühl der Heimatlosigkeit verlieren, so muß von dem Innern der Häuser -her, aus den Wohnungen der Eindruck verschwinden, daß fast alle, ob -arm oder reich, Fremdlinge im eigenen Heim geworden sind. Nun bilden -die erfreulichen Bildungsbestrebungen der modernen intelligenten -Arbeiterschaft freilich die sicherste Gewähr<span class="pagenum"><a name="Seite_173" id="Seite_173">[S. 173]</a></span> dafür, daß sich der -Ausbau einer inneren Kultur langsam vollzieht, der sich denn auch nach -außen hin in höheren Geschmacksanforderungen da und dort geltend macht. -Im Allgemeinen aber sieht es noch ziemlich schlimm aus. Aber auch -dem einfachsten Manne, der von diesen geheimen Triebkräften berührt, -Aufklärung sucht, wie er es in seiner Wohnung anfangen müsse, kann -geholfen werden. Aus den Andeutungen <a name="kapiteln" id="kapiteln"></a>der früheren Kapitel müßte sich -eigentlich alles ableiten lassen, was der kleinen Wohnung des Arbeiters -oder Handwerkers frommt. Die Wände des Zimmers und der Kammer werden -jedenfalls ganz weiß getüncht sein, ein einfaches Fries tragen und -jedes Jahr mit wenig Kosten nachgetüncht werden können. Einfaches, -helles Zeug hängt als Zuggardine, seitlich aufzuziehen, in schlichten -Falten von den Fenstern herab, wo Blumen stehen und dem ganzen Raum -eine freundliche Stimmung geben.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="einfache_wohnung5_hoffmann" name="einfache_wohnung5_hoffmann"> - <img src="images/fig_182.jpg" - alt="" /></a> - <div class="caption"> - Einfache Wohnung. Arch. Prof. Joseph Hoffmann. - </div> -</div> - -<p>Die Möbel sind ganz einfach, aus weichem Holz, gut und sorgfältig -gemacht, in geraden Leisten und Brettern zusammengefügt. Reines, -einfaches Tischlererzeugnis — ohne Künstelei. Die Farbe kann an -solchen Möbeln, wofern sie nur in guten und richtigen Verhältnissen -hergestellt, alle Schönheit hervorbringen. Überhaupt müßte die -Schönheit des Raumes<span class="pagenum"><a name="Seite_174" id="Seite_174">[S. 174]</a></span> zum Teil in der farbigen Wirkung gesucht werden. -Das weiche Holz läßt sich auf verschiedenartige Weise beizen und man -könnte zu dem Weiß der Wände einen graublauen Holzton oder einen -dunkelblauen oder kirschroten vorteilhaft verwenden, von zahllosen -anderen Abstufungen nicht zu reden. Man vermeide durchaus, irgend -ein Zierrat anbringen zu wollen. Schönheit kommt aus der zweckvollen -Durchbildung, aus der schönen Proportion der Masse und endlich aus der -glücklichen Farbenwirkung. Nur ein paar Haupttöne sollen vorherrschen. -Nebst dem Weiß der Wände irgend ein kräftiger farbenfroher Ton an den -Möbeln, der auch die einfachsten Stücke bedeutsam macht und den Sinnen -näher rückt. Man ahnt für gewöhnlich gar nicht, wie leicht die Sinne -auf die farbige Erscheinung reagieren. Weißlackierte Möbel, wie die -hier abgebildeten, sind das Kennzeichen einer ganz feinen Kultur. Für -billigen und echt künstlerischen Wandschmuck hat der Verlag Teubner und -Voigtländer, Leipzig, in vorzüglicher Weise gesorgt.</p> - -<p>In allen Städten sind die Künstler am Werke, auch dem kleinen Mann -zu geben, was des kleinen Mannes ist. Eine wesentliche Aufgabe aller -Jener, die am Ausbau der modernen Kultur betätigt sind, ist es, das -Interesse des Volkes auf die Dinge zu lenken, die sein eigenes Wohl -betreffen und zur Mitarbeit an diesem Kulturgedanken anzuregen. Jeder -kann an der Schönheit der Erde und des Lebens mittun und Kulturarbeit -verrichten. Jeder tut es, der sein eigenes Feld wohlbestellt und bei -seinem Hause, bei seiner Wohnung, seinem Heim anfängt. Im Sinne dieses -Kulturgedankens wolle auch dieses Buch verstanden und als Freund und -Führer benützt werden.</p> - -<hr class="full" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Druckfehler_Berichtigung">Druckfehler-Berichtigung.</h2> - -<table class="corrigenda" summary="Druckfehler-Berichtigung"> - <tr> - <td class="tdc"> - Seite - </td> - <td class="tdr"> - 22 - </td> - <td class="tdc"> - statt: - </td> - <td class="tdl"> - „wie der“ - </td> - <td class="tdc"> - zu - </td> - <td class="tdc"> - lesen: - </td> - <td class="tdl"> - wieder - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 23 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „Krimkskrams“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Krimskrams - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 25 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „Artelierstils“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Atelierstils - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 28 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „künstlich“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - künstlerisch - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 28 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „die“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - diese - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 31 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „trübe“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - liebe - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 36 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „Künstlerschulen“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Kunstschulen - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 56 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „Falche“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Falke - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 59 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „Hellmann“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Hollmann - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 63 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „Förderung“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Forderung - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 64 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „Dekorationssteller“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Dekorationsteller - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 122 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „mehr als“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - wie ein - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 122 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „durchans“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - durchaus - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 128 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „betrachten“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - zu betrachten - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdr"> - 129 - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - „dem“ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - den - </td> - </tr> -</table> - -<hr class="full" /> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<div class="transnote mtop3"> - -<p class="s4 center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> - -<p>Der vorliegende Text wurde anhand der 1905 erschienenen Buchausgabe -erstellt. Satzzeichen wurden stillschweigend korrigiert. Ausdrucksweise -und Rechtschreibung sind oft stark regional gefärbt (z.B. ‚färbig‘ -für ‚farbig‘, ‚ober‘ für ‚über‘, usw.); in Zweifelsfällen wurde die -hochdeutsche Form verwendet. Die Verwendung von ‚ß‘ bzw. ‚ss‘ ist im -Original nicht konsequent; dies wurde so belassen, wenn im Text keine -vorherrschende Variante festgestellt werden konnte.</p> - -<p>Der Name des Architekten Max Benirschke wurde in den -Bildunterschriften gelegentlich fälschlicherweise ‚Bernischke‘ -geschrieben. Dies wurde im vorliegenden Text korrigiert.</p> - -<p>Inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten (z.B. ‚Parvenü‘ -und ‚Parvenu‘). Unwesentliche Abweichungen zwischen den -Titeln des Inhaltsverzeichnisses und der Kapitelüberschriften bleiben -unkorrigiert. Die in der ‚<a href="#Druckfehler_Berichtigung">Druckfehler-Berichtigung</a>‘ -angegebenen Stellen wurden bereits in den Text mit aufgenommen. Desweiteren -wurden die folgenden Passagen korrigiert:</p> - -<ul> - -<li>S. 2: ‚eigenlich‘ → ‚<a href="#eigenlich">eigentlich</a>‘</li> - -<li>S. 3: ‚jahrzehnte lang‘ → ‚<a href="#jahrzehnte">jahrzehntelang</a>‘</li> - -<li>S. 20,: ‚massvoll‘ → ‚<a href="#massvoll">maßvoll</a>‘</li> - -<li>S. 21: ‚Grosstun‘ → ‚<a href="#grosstun">Großtun</a>‘</li> - -<li>S. 26: ‚faßt‘ → ‚<a href="#fasst">fast</a>‘</li> - -<li>S. 27: ‚nocht‘ → ‚<a href="#nocht">noch</a>‘</li> - -<li>S. 31: ‚Kasetten‘ → ‚<a href="#kasetten">Kassetten</a>‘</li> - -<li>S. 38: ‚Selbstständigkeit‘ → ‚<a href="#selbststaendigkeit">Selbständigkeit</a>‘ (harmonisiert)</li> - -<li>S. 40: ‚von einer‘ → ‚<a href="#voneiner">vor einer</a>‘</li> - -<li>S. 67: ‚politierte‘ → ‚<a href="#politierte">polierte</a>‘</li> - -<li>S. 88: ‚achzig‘ → ‚<a href="#achzig">achtzig</a>‘</li> - -<li>S. 101: ‚von einen Ort‘ → ‚<a href="#einenort">von einem Ort</a>‘</li> - -<li>S. 115: ‚Raum und Mitteln‘ → ‚<a href="#mitteln">Raum und Mitteln</a>‘</li> - -<li>S. 117: ‚aus Maeterlincks mystischen‘ → ‚<a href="#mystischen">aus Maeterlincks mystischem</a>‘</li> - -<li>S. 120: ‚aßgelenkt‘ → ‚<a href="#assgelenkt">abgelenkt</a>‘</li> - -<li>S. 124: ‚vernachläßigt‘ → ‚<a href="#vernachlaessigt">vernachlässigt</a>‘; -‚unter dem Einfluß gekommen‘ → ‚<a href="#demeinfluss">unter den Einfluß gekommen</a>‘</li> - -<li>S. 127: ‚uud‘ → ‚<a href="#uud">und</a>‘</li> - -<li>S. 139: ‚Arbeitstitsch‘ → ‚<a href="#arbeitstitsch">Arbeitstisch</a>‘</li> - -<li>S. 140: ‚austoben‘ → ‚<a href="#austoben">sich austoben</a>‘</li> - -<li>S. 145: ‚Sonnenaufgang und -Untergang‘ → ‚<a href="#untergang">Sonnenaufgang und -untergang</a>‘</li> - -<li>S. 152: ‚Flaçon‘ → ‚<a href="#flacon">Flacon</a>‘</li> - -<li>S. 164: ‚Körber‘ → ‚<a href="#koerber">Körbe</a>‘</li> - -<li>S. 167: ‚überflüßig‘ → ‚<a href="#ueberfluessig">überflüssig</a>‘</li> - -<li>S. 173: ‚der früheren Kapiteln‘ → ‚<a href="#kapiteln">der früheren Kapitel</a>‘</li> - -</ul> - -<p class="htmlinvis">Die in gesperrter Schrift gedruckten Passagen werden -hier kursiv dargestellt.</p> - -</div> - -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die moderne Wohnung und ihre -Ausstattung, by Joseph August Lux - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MODERNE WOHNUNG *** - -***** This file should be named 50221-h.htm or 50221-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/2/2/50221/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by The Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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