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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-03-07 17:57:20 -0800
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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43332 ***
+
+ Erzählungen
+ für
+ Kinder
+ und
+ Kinderfreunde.
+
+
+ Von
+ dem Verfasser der Ostereyer.
+
+
+
+
+ Drittes Bändchen.
+
+ Landshut, 1826.
+ in der Krüll'schen Buchhandlung.
+
+
+
+
+ Inhalt.
+
+ Das Lämmchen.
+
+
+
+
+
+
+
+
+Das Lämmchen.
+
+
+
+
+
+Erstes Kapitel.
+Christine und ihre Mutter Rosalie.
+
+
+Christine, ein armes Mädchen von etwa zehn Jahren, pflückte in dem Walde
+Erdbeeren. Es war ein heißer Nachmittag, und an den sonnichten Waldplätzen,
+wo kein kühlendes Lüftchen hinkam, war es fast zum verschmachten schwühl.
+Ihr leichtes Strohhütchen vermochte nicht mehr den brennenden
+Sonnenstrahlen zu wehren. Die hellen Schweißtropfen standen ihr beständig
+auf der Stirne, und ihre Wangen waren wie Glut. Dennoch pflückte sie, ohne
+aufzusehen, emsig fort. »Denn, sagte sie freudig, indem sie mit ihrem
+weißen Tuche den Schweiß abwischte, es ist ja für meine kranke Mutter. Das
+Geld, das ich aus den Beeren erlöse, verschafft ihr doch wieder eine kleine
+Erquickung!«
+
+Gegen Abend ging sie, mit ihrem Körbchen voll Beeren am Arme, durch den
+Wald nach Hause. Es fing an zu regnen. Immer lauter rauschten die
+Regentropfen in den Blättern der Bäume, und aus der Ferne her donnerte es
+sehr stark. Als sie aus dem Walde heraus kam, erhob sich ein Sturmwind; ein
+heftiger Platzregen schlug ihr entgegen, und an dem glühendrothen
+Abendhimmel standen dunkle Gewitterwolken, wie Gebirge auf einander
+gethürmt. Sie suchte sich, fern von den hohen Bäumen, unter niedrigen
+Haselstauden ein sicheres Plätzchen, stand hier unter, und wartete, bis das
+Gewitter vorüber wäre.
+
+Allein mit Einem Mahle hörte sie in dem nahen Erlengesträuche ein
+klägliches Geschrey -- fast wie das Geschrey eines kleinen Kindes. Das gute
+mitleidige Mädchen ließ sich von Sturm und Regen, Blitz und Donner nicht
+abhalten, nachzusehen, was es doch wohl seyn möge? Sie ging hin -- und sieh
+da! es war ein kleines, zartes Lämmchen, das vom Regen tröpfelte, zitterte
+und nicht wußte wohin. »Ach du armes, armes Thierchen! sagte Christine.
+Nein, du sollst nicht umkommen. Komm, ich nehme dich mit mir nach Hause.«
+Sie nahm das Lämmchen sorgfältig in die Arme, und eilte damit, sobald der
+Regen nachließ, ihrer kleinen, strohbedeckten Wohnung zu.
+
+»O sieh doch, liebe Mutter, rief sie, so bald sie in das niedre, reinliche
+Stübchen trat -- sieh doch, was ich da gefunden habe! Sieh, ein
+wunderschönes Schäflein! O wie glücklich war ich! Wie will ich es pflegen!
+Es soll meine ganze Freude seyn!«
+
+»Kind, sagte die kranke Mutter, indem sie sich in dem Bette aufrichtete und
+den Kopf auf die Hand stürzte, du vergissest in deiner Freude, daß dieses
+Lämmchen schon seinen Herrn haben muß. Es ist bloß verloren -- und da
+müssen wir es wieder zurückstellen. Gewiß gehört es dem reichen Bauern auf
+dem Eichhofe. Fremdes Gut sollen wir nicht einmal über Nacht im Hause
+behalten. Trag' es also heute noch hin.«
+
+»Ihr seyd nicht gescheid, rief jetzt eine rauhe Stimme zum offnen Fenster
+herein; man muß nicht alles so genau nehmen!« Der Mann, der dieses sagte,
+war ein Maurer, der draußen an der Mauer des kleinen Hauses etwas
+ausbesserte und ihr Gespräch behorcht hatte. Mutter und Tochter blickten
+ihn erschrocken an. Er aber sprach weiter: »Macht keine so seltsamen
+Gesichter! Ich meyne es gut. Wir wollen das Thierchen metzgen, und es mit
+einander theilen. Das Fleisch giebt gerade ein Paar kleine Braten, und das
+Fellchen ist auch noch einige Kreuzer werth. Der reiche Bauer hat über
+hundert schöne, große Schafe; ob er das winzig kleine Ding da noch habe
+oder nicht, daran ist nichts gelegen. Ich will es also geschwind
+schlachten. Ihr dürft euch dabey nicht fürchten. Es siehts ja niemand. Und
+mir dürft ihr schon trauen. Ich kann schweigen -- sagte er und warf eine
+Kelle voll Mörtel an die Wand -- wie eine Mauer.«
+
+Christine entsetzte sich über die Reden des Mannes. Der Gedanke, das
+Lämmchen zu behalten, kam ihr jetzt abscheulich vor. »Ihr habt Unrecht!
+sagte sie zu dem Maurer. Was kein Mensch sieht, sieht doch Gott! Du aber,
+liebe Mutter, hast Recht -- und mich wundert nur, daß mir das, was du
+sagtest, nicht von selbst einfiel. Ich hätte das Schäflein -- fuhr sie fort
+und Zähren traten in ihre blauen Augen -- freylich so gern, o so gern
+behalten! Allein dem lieben Gott müssen wir willig gehorchen.« Sie wickelte
+das Lämmchen in ihre Schürze, und wanderte damit dem Eichhofe zu, obwohl es
+noch nicht ganz aufhörte zu regnen und die Sonne bereits unterging.
+
+Als Christine, auf dem Eichhofe ankam, stand die Bäuerin, mit ihrem
+kleinsten Kinde auf dem Arm, eben vor der Hausthüre, und die größeren
+Kinder standen um sie her. Sie betrachteten andächtig den schönen
+Regenbogen, der jetzt nach dem Gewitter in der ganzen Pracht seiner sieben
+Farben im schwarzgrauen Gewölke zu sehen war. »Seht den Regenbogen an,
+sprach die Mutter, indem sie mit ausgestrecktem Arme darauf hinzeigte, und
+preiset Denjenigen, der ihn gemacht hat. In dem flammenden Blitze und dem
+furchtbaren Donner zeigt uns Gott seine große Macht und Herrlichkeit; in
+den schönen Farben des Regenbogens aber seine Güte und Freundlichkeit.«
+
+Christine ergötzte sich bald an den lieblichen Farben des Regenbogens, bald
+an den lächelnden Gesichtchen der Kinder, und schwieg, bis der Regenbogen
+verschwunden war. Nun nahm sie das Lämmchen aus ihrer Schürze hervor,
+stellte es auf die Füße, und erzählte, wie sie es gefunden habe.
+
+»Das ist ja recht schön und brav, sagte die Bäuerin freundlich, daß du noch
+so spät am Abend und noch dazu im Regen da herausgehest! Du bist ein sehr
+gutes, grundehrliches Mädchen.«
+
+»Ja wahrhaftig, das ist sie! sprach der Bauer, der jetzt auch zur Hausthüre
+herauskam. So ehrlich und rechtschaffen, wie dieses arme Mädchen, müßt ihr
+auch seyn und bleiben, meine Kinder! Besser ists, nicht einmal ein einziges
+Schäflein im Vermögen haben, und dabey ehrlich und redlich seyn, als
+hundert Schafe besitzen, und dabey ehrlos und unredlich seyn. Die
+Ehrlichkeit, mit der das arme Kind hier das Lamm zurück gab, ist ein Schatz
+im Herzen, der reicher macht, als eine ganze Schafheerde -- und diesen
+Schatz kann uns kein Wolf und kein Feind rauben.«
+
+Franz, der Knabe des Bauers, lief jetzt zum Schafstalle hin, und führte das
+alte Schaf heraus. Wie da das Junge darauf zusprang und sich freute!
+Christine sah das so mit an und sagte: »Schon um dieser Freude willen, die
+das arme Thierchen jetzt hat, reuet es mich nicht, daß ich es zurückgab --
+so lieb es mir auch war, und so gern ich es behalten hätte!«
+
+»Weißt du was, sprach der Bauer, da du so ehrlich bist und an dem Thierchen
+eine so große Freude hast, so will ich es dir schenken. Jetzt würde es dir
+aber nichts helfen. Es kann noch nicht ohne Milch leben und würde elend
+umkommen. Allein in vierzehn Tagen wird es stark genug seyn, sich von Gras
+und Kräutern zu ernähren -- und dann soll mein Franz es dir bringen.«
+
+»Gieb aber dann wohl darauf Acht! sagte die Bäuerin. Es kostet dich nicht
+viel es aufzuziehen. Während du Erdbeeren sammelst oder strickest, kannst
+du es leicht hüthen, und so viel Gras kannst du auch leicht sammeln, und zu
+Heu auftrocknen, als es für den Winter nöthig hat. Wenn es einst groß ist,
+wird die Milch dir und deiner Mutter in eurer kleinen Haushaltung wohl
+kommen, und die Wolle giebt euch jährlich einige Paar Strümpfe.«
+
+»Und wenn ihr glücklich damit seyd, sprach der kleine Bauerknabe, so könnet
+ihr wohl noch gar eine ganze Schafheerde bekommen!«
+
+Christine mußte nun noch mit Brod eingebrockte Milch und ein Butterbrod mit
+essen -- und die gute Bäuerin gab ihr überdies noch ein schönes Stück
+goldgelbe Butter, das sie in grüne Rebenblätter einmachte, und ein Dutzend
+Eyer mit nach Hause. »Bring das deiner Mutter, sagte sie, indem sie die
+Eyer vorsichtig in die Schürze that; ich lasse sie freundlich grüßen und
+Gott wolle sie bald gesund werden lassen.«
+
+Christine eilte voll Freude durch das blumige Thälchen ihrer Hütte zu. Der
+Himmel hatte sich indeß aufgehellt, und der Abendstern und ein zartes
+Streifchen des Mondes, der heute das erste Mal wieder sichtbar war,
+glänzten freundlich in das Thal. Alle Blumen und Kräuter tröpfelten noch
+von Regen, und dufteten von Wohlgeruch. Es war Christinen unbeschreiblich
+wohl um das Herz. »Nach einem Gewitter, dachte sie, sind Himmel und Erde
+zwar immer schöner; allein so schön und freundlich, wie diesen Abend, sind
+sie mir noch nie vorgekommen.«
+
+Sie erzählte dieses, als sie nach Hause kam, ihrer Mutter. »Siehst du,
+sprach die Mutter, das ists eben, was ich dir immer sage. Es ist die Freude
+des guten Gewissens. Wenn wir recht thun, so erfüllt süßer Friede unser
+Herz. Gott giebt uns durch das Gewissen zu erkennen, daß Er mit uns
+zufrieden sey. O Christine, gieb daher der Stimme deines Gewissens immer
+Gehör, und thu nie etwas anders, als was vor Gott recht und gut ist. Du
+weißt wohl, wir sind arm und haben wenig in der Welt. Aber laß uns nur ein
+gutes Gewissen bewahren, so sind wir reich genug, und es fehlt uns nie an
+Freude -- ja die edelste und süßeste aller Freuden ist dann unser.«
+
+Christine zählte nun alle Tage, bis sie ihr Lämmchen bekommen würde. Sie
+hätte auch alle Tage in den Kalender gesehen, wenn sie einen im Hause
+gehabt hätte. Nun sah sie aber alle Abende nach dem Monde, und ging dann
+vergnügt zu Bette. »Denn, sagte sie, wenn er voll ist, bekomme ich mein
+Lämmchen.«
+
+Endlich ward es Vollmond, und der Mond nahm wieder merklich ab -- allein
+das Lämmchen wollte nicht kommen. Christine wartete -- und wartete -- und
+hatte bereits alle Hoffnung aufgegeben. »Ich werde von meinem Schäflein
+wohl nichts mehr sehen!« sagte sie eines Abends, als sie eben traurig neben
+dem Bette ihrer Mutter saß. »Habe Geduld, sagte die Mutter; Geduld bringt
+Rosen.« Und sieh -- da ging auf einmal die Stubenthüre auf, und der muntere
+Bauernknabe trat mit dem Lamme und einem Korbe voll frischen, grünen
+Futters herein. Christine sprang vor Freude auf, kniete zu dem Lämmchen
+hin, streichelte es freundlich und sagte: »O wie groß und schön es indeß
+geworden ist! Ich kenne es ja fast nicht mehr! Und wie die Wolle so schön
+weiß und zart geringelt ist! O jetzt ist meine Freude erst vollkommen.«
+
+»Ich wollte dir das Lämmlein schon vor einigen Tagen bringen, sagte der
+Knabe. Allein mein Vater sagte: Laß es noch eine Zeit da. Es gedeiht dann
+besser, und wird noch größer und stärker.«
+
+»Du und deine Aeltern sind doch recht gut! sprach Christine. Wenn ich nur
+nicht so arm wäre, und dir auch etwas schenken könnte! Allein von der
+ersten Wolle, die ich von dem Schäflein bekomme, stricke ich dir ein
+schönes Paar Strümpfe. Du sollst gewiß sehen, daß ich die Wahrheit rede.«
+
+Der Knabe ging, und Christine führte das Lamm in den kleinen Stall, der
+sich im Hause befand, und streute ihm Futter vor. Das Lamm gewöhnte sich
+bald an sie, und wurde so zahm, daß es das Brod aus ihrer Hand aß, aus
+ihrem Schälchen Milch trank, und ihr wie ein Hündchen nachlief. Christine
+durfte nur rufen, so kam das Lamm sogleich daher gesprungen. Wenn nun die
+Mutter es so mit ansah, was für eine große Freude Christine mit dem
+Lämmchen hatte, da sagte die Mutter öfter: »Nicht wahr, jetzt reuet es dich
+doch nicht, daß du mir gefolgt und das Lämmchen zurück gegeben hast?« »O
+Mutter! antwortete Christine, wie mein Lämmlein mir auf den Ruf folgt, so
+will ich dir immer folgen. Denn ich weiß es ja, du liebst mich doch noch
+unendlich mehr, als ich mein Lämmchen.«
+
+
+
+
+Zweytes Kapitel.
+Frau von Waldheim und ihre Tochter
+Emilie.
+
+
+Das Dörflein, in dem Christine lebte, lag unten an einem waldichten Berge.
+Oben aus den Eichen des Berges ragte ein altes Schloß mit einem großen
+Thurme hervor. Hier wohnte seit einigen Wochen die Frau von Waldheim. Das
+Schloß hatte ehemals ihr gehört; allein nach dem Tode ihres Gemahls war es
+ihr blos zu ihrem Wittwensitze angewiesen worden. Sie hatte sich hier, weil
+das Schloß etwas vergangen war, einige Zimmer neu eingerichtet, die eine
+sehr schöne Aussicht hatten, und lebte nun da in ländlicher Einsamkeit ganz
+der Erziehung ihrer einzigen Tochter Emilie, eines sehr liebenswürdigen
+Fräuleins von Christinens Alter.
+
+Christine kam, so lange es Erdbeeren gab, beynahe täglich in das Schloß.
+Fräulein Emilie kaufte die Beeren von niemand lieber als von ihr, und
+nannte sie nur ihr artiges Erdbeermädchen. Denn die Beeren, die Christine
+pflückte, waren alle vollkommen reif und roth wie Scharlach; die Schale, in
+der sie die Beeren brachte, war, wiewohl nur von geringem Porzellane, weiß
+und rein wie Schnee; und die Reinlichkeit ihrer Hände und ihres ganzen
+Anzuges schickte sich genau zu dem reinlichen Geschirre.
+
+Indessen war Christine acht Tage nicht mehr in das Schloß gekommen. Emilie,
+der die Erdbeeren lieber als alles Zuckerwerk waren, beklagte sich öfter,
+daß ihr Erdbeermädchen so lange ausbleibe. Eines Morgens kam endlich
+Christine wieder in das Schloß. Die Köchin ging in das Zimmer der
+Herrschaft, sie zu melden, und Christine blieb indessen draußen stehen.
+Emilie kam sogleich heraus und sagte: »Warum ließest du mich denn so lange
+ohne Erdbeeren? Das ist nicht schön! Du weißt ja, daß ich immer nur von dir
+kaufte. Wenn du so wenig Aufmerksamkeit für mich hast, so wirst du meine
+Kundschaft verlieren.«
+
+Christinens blaue Augen füllten sich mit Thränen. »Ach, gnädiges Fräulein,
+sagte sie, meine Mutter ist schon den ganzen Frühling krank. Diese Woche
+aber war es so schlimm mit ihr, daß ich mir sie nicht eine Stunde zu
+verlassen getraute. Nur gestern Abends wurde sie ein wenig besser, und da
+eilte ich heute sogleich mit Anbruch des Tages in den Wald, um wieder
+einmal einige Kreuzer für sie zu verdienen.«
+
+Emilie sprach: »Warum hast du mir aber nicht schon längst von der Krankheit
+deiner Mutter gesagt? Meine Mutter ist nicht hart gegen die Armen. Sie
+hätte es euch in dieser Noth gewiß nicht an Unterstützung fehlen lassen.«
+
+»O gnädiges Fräulein, sagte Christine, ich weiß wohl, daß Sie und die
+gnädige Frau Mutter gegen die Armen sehr gütig sind. Allein meine Mutter
+sagt: So lange man sein Brod selbst erwerben kann, muß man Andern nicht zur
+Last fallen. Es giebt viele Arme, die gar nichts mehr erarbeiten können. Es
+wäre Sünde, diesen das Brod abzustehlen.«
+
+Diese Worte gefielen Emilien sehr wohl. »Warte hier ein wenig!« sagte sie
+freundlich, und eilte in das Zimmer, mit ihrer Mutter zu reden. Ihre
+Mutter, die Frau von Waldheim, wollte Christinen sehen. Emilie führte sie
+herein -- und Christine erstaunte nicht wenig über das prächtige Zimmer,
+die lieblich-grünen mit bunten Blumenkränzen bemahlten Wände, den großen
+Spiegel mit goldenem Rahmen, die zierlichen Schränke und Tische von
+glänzend braunem Holze, das Kanapee und die Sessel mit grünseidenen
+Ueberzügen und den eingelegten, geglätteten Boden. In ihrem Leben hatte sie
+noch nichts dergleichen gesehen, und es wandelte sie bey dem Anblicke all
+dieser Pracht eine Art von Ehrfurcht an.
+
+Die gnädige Frau aber, die eben an ihrer Stickrahme saß, ward innig
+gerührt, als sie das arme schüchterne Kind in seinem dürftigen, aber
+reinlichen Kleidchen von weiß und roth gestreifter Leinwand, mit seinem
+gelben Strohhütchen, auf dem ein Sträußchen von Erdbeerkraut voll weißer
+Blüthen und rother Beeren steckte, mit den hellen Thränen in den blauen
+Augen, und der reinlichen Schale voll Erdbeeren in der zitternden Hand so
+bey der Thüre stehen sah.
+
+»Komm doch näher zu mir her, sagte sie freundlich. Du darfst dich nicht
+fürchten.« Indem Christine näher trat, erblickte sie ihr Bild im Spiegel.
+Sie hatte noch nie einen großen Spiegel gesehen; der ihrige zu Hause war
+nicht größer, als ein Taschenkalender. Sie glaubte im ersten Augenblicke
+noch ein anderes Erdbeermädchen, das ihr die Kundschaft streitig machen
+wolle, gehe auf sie zu. Sie blieb verwundert stehen. Am meisten aber
+erstaunte sie darüber, daß dieses Mädchen gerade so wie sie gekleidet sey,
+eben ein solches Strohhütchen mit einem Erdbeersträußchen aufhabe, und eben
+eine solche Schale mit Erdbeeren in der Hand halte. Indeß merkte sie bald,
+daß sie sich geirrt habe, und wurde über und über roth.
+
+Frau von Waldheim lächelte über den unschuldigen Irrthum des armen Kindes
+und erkundigte sich auf das liebreichste nach den Umständen der kranken
+Mutter. Christine bekam wieder Muth und gab auf jede Frage eine verständige
+Antwort. Als sie aber von der Armuth und den vielen Leiden und Schmerzen
+ihrer lieben Mutter erzählte, konnte sie vor Betrübniß fast nicht mehr
+reden. Sie schluchzte und reichliche Thränen floßen über ihre Wangen.
+
+»Weine nicht so, liebes Kind, sagte die gnädige Frau; ich werde für deine
+Mutter sorgen. Du mußt mir jetzt nur noch sagen, wo ihr wohnet?« »In der
+letzten Hütte des Dorfes, antwortete Christine. Sie können aus dem Fenster
+hier das Strohdach dort zwischen den Bäumen sehen.« »Nun wohl, sprach Frau
+von Waldheim, das kleine Haus mit den weißen Mauern und dem gelben Dache
+nimmt sich zwischen den dunkelgrünen Bäumen sehr artig aus. Da wohnt also
+deine Mutter. Und wie heißt sie denn?« »Sie heißt Rosalie West, sagte
+Christine; in dem Dorfe heißt man sie aber gewöhnlich nur die arme
+Rosalie.«
+
+Die gnädige Frau bezahlte hierauf die Erdbeeren dreyfach, und befahl, die
+Porzellanschale, in der Christine die Beeren gebracht hatte, mit der besten
+Fleischsuppe für die kranke Mutter zu füllen.
+
+»Das ist ja ein überaus liebes, gutes Kind! sagte die Frau von Waldheim zu
+Emilien, als Christine fort war. Ich will nicht einmal etwas davon sagen,
+daß sie bey all ihrer Armuth schon in ihrem Aeußerlichen ein Muster der
+Reinlichkeit und Ordnung ist. Allein ihre Liebe zu ihrer Mutter geht über
+alles. Ein solches Herz voll kindlicher Liebe ist mehr werth, als ein
+Diamantstern auf der Brust. O Emilie! wenn ich einmal -- was zu seiner Zeit
+auch eintreffen wird -- so krank und elend daläge, wie Christinens Mutter,
+würdest du wohl auch so zärtlich um mich besorgt seyn, meiner so liebreich
+pflegen, und so vieles für mich thun?«
+
+Emilie, der bey Christinens Erzählung die Thränen schon immer in den Augen
+standen, fiel ihrer Mutter weinend um den Hals. »Das wolle Gott verhüthen,
+sprach sie schluchzend, daß Sie, liebste Mutter, krank und elend werden.
+Lieber wolle Er mir eine Krankheit zuschicken. Aber wenn es denn doch so
+seyn müßte, und Sie krank werden sollten -- o gewiß, gewiß, ich würde nicht
+weniger für Sie thun, als Christine für ihre Mutter thut.«
+
+»Gott segne dich, liebes Kind, für diese deine kindliche Liebe, sprach die
+gerührte Mutter. O bleibe immer so gesinnt, und du wirst auf Erden noch
+viele frohe Tage erleben. Denn glaube mir, jedem Kinde, das seine Aeltern
+aufrichtig ehrt und liebt, läßt es Gott wohl gehen. Und so wird -- denke du
+an mich! -- auch die arme Christine noch bessere Tage sehen!«
+
+Christine war indeß vergnügt und fröhlich nach Hause geeilt. Ihre Mutter
+ward über ihre Erzählung hoch erfreut, und die kräftige Fleischbrühe kam
+der armen Frau, die seit langer Zeit nichts als Wassersuppen gegessen
+hatte, sehr wohl. »O liebe Christine, sagte sie, indem sie mit aufgehobenen
+Händen andächtig zum Himmel blickte, so verläßt Gott die Seinen doch nie!
+Er hilft allemal noch zur rechten Zeit! -- Laß uns fernerhin auf Ihn
+vertrauen; allein dabey auch immer das Unsrige treu und redlich thun. Denn
+sieh, liebe Christine, wenn du, aus kindlicher Liebe zu mir, nicht so
+fleißig Erdbeeren gesammelt und meinen Ermahnungen zur Reinlichkeit und
+Ordnung nicht gefolgt hättest -- so hätten wir das Glück wohl nicht gehabt,
+daß die gnädige Frau und das liebe Fräulein sich unsrer Armuth so liebreich
+annehmen wollen. Sieh, nicht das geringste Gute bleibt ohne gute Folgen;
+Gott bedient sich desselben, edle Herzen zu rühren, und durch sie uns aus
+der Noth zu erretten.«
+
+
+
+
+Drittes Kapitel.
+Die Schicksale der beyden Mütter.
+
+
+Der folgende Tag war ein Sonntag. Christine saß des Abends, nachdem sie
+ihre kleinen Hausgeschäfte besorgt und ihr Lämmchen gefüttert hatte, neben
+dem Bette ihrer Mutter, und las ihr aus einem Buche mit sanfter, lieblicher
+Stimme deutlich und langsam vor. Der Abend war sehr schön und die
+untergehende Sonne schien durch die Rebenblätter am Fenster glutroth in das
+kleine Stüblein. Da trat auf einmal die Frau von Waldheim mit Emilien
+herein. »Je, rief Christine und sprang auf, die gnädige Frau und das
+Fräulein!« Die Kranke war von der Gnade dieses Besuches sehr gerührt.
+
+Die Frau von Waldheim blickte vergnügt in dem engen Stübchen umher. Die
+Wände waren schneeweiß, die wenigen Schüsseln und Teller auf dem Rahmen an
+der Wand hell und glänzend! der Tisch, die Bank, das Paar Stühle und der
+Stubenboden rein gefegt. Auch die Bettüberzüge und die Kleidung der kranken
+Frau waren, so ärmlich sie aussahen, äußerst reinlich. Die Frau von
+Waldheim setzte sich auf den Stuhl, von dem Christine aufgestanden war. Mit
+Wohlgefallen vernahm sie, daß Christine alles so in Ordnung halte. Sie
+blätterte in dem Buche, lobte das Buch und Christinens gutes vernehmliches
+Lesen, das sie noch gehört hatte. Sie bemerkte auf dem Kasten an der Wand
+ein Paar Strickkörbchen, durchsuchte sie, und war mit den Arbeiten, der
+Mutter sowohl als der Tochter, sehr zufrieden.
+
+»Ihr seyd sicher nicht aus dem Dorfe dahier, sagte die gnädige Frau. Denn
+Ihr habt das Stricken und Eure Tochter hat das Lesen nicht dahier gelernt.
+Ihr müßt wohl durch besondere Schicksale hieher gekommen seyn?«
+
+»Ja wohl hatte ich besondere und sehr harte Schicksale!« sagte die Kranke
+und fing an zu erzählen. »Mein Mann, sprach sie, war Leibjäger in den
+Diensten einer Herrschaft jenseits des Rheins. Wir waren kaum ein Paar
+Jahre verheirathet und hatten diese Zeit ungemein glücklich und vergnügt
+gelebt -- da brach der Französische Krieg aus. Unsere Herrschaft flüchtete,
+und konnte uns nicht mitnehmen. Mein Mann trat auf ihr Anrathen bey einem
+Jägerchor in Dienste. Ich konnte ihm mit meiner Tochter, die damals noch so
+klein war, daß sie den Namen Vater noch nicht aussprechen konnte, natürlich
+nicht folgen. Unter tausend Thränen nahmen wir Abschied. Ach es war das
+letzte Mal, daß ich ihn sah! Er schrieb mir zwar von Zeit zu Zeit, daß er
+gesund sey. Allein plötzlich vernahm ich, er sey schwer verwundet, und bald
+darauf erhielt ich die Nachricht, er sey an seinen Wunden gestorben. Mein
+Jammer war unbeschreiblich! Ach, er war ein guter Mann, ehrlich und
+redlich! Ich weiß zwar sein Grab nicht; allein seine Gebeine ruhen gewiß in
+Frieden! -- Ich gerieth nun mit meiner Tochter bald in sehr großes Elend.
+Ich hatte mich nach Hause zu meinen Aeltern begeben. Allein auch diese
+Gegenden wurden nunmehr von dem Kriege schrecklich heimgesucht. Meine
+Aeltern verloren all das Ihrige, und starben bald darauf an einer
+ansteckenden Krankheit, die der Krieg verbreitet hatte. Ich war genöthiget,
+auszuwandern. Meine Habseligkeiten waren klein beysammen. Ich hatte fast
+nichts, als diese zwey Hände. Ich irrte weit umher. Endlich kam ich in
+dieses Dorf. Diese Hütte stand eben leer. Die wackern Bauersleute, deren
+Nebenhaus sie ist, gestatteten mir, hinein zu ziehen, unter der Bedingung,
+daß ich ihre zwey kleinen Mädchen im Nähen und Stricken unterrichte, was
+ich denn auch sehr gerne that! Ich habe allerdings viel gelitten -- allein
+Gott hat doch immer treulich für mich gesorgt und mir immer und überall
+durchgeholfen, bis auf diesen Augenblick, da Er Sie, edle Wohlthäterin,
+unter dieses Strohdach führte. Ihm sey Dank für alles -- für Leiden und
+Freuden!«
+
+Die Frau von Waldheim hörte sehr aufmerksam zu, und die hellen Thränen
+glänzten ihr in den Augen. »Ach, sagte sie, mein Schicksal gleicht sehr dem
+Eurigen, nur ist es noch trauriger! Ich habe nicht nur, wie Ihr, Aeltern
+und Ehegemahl verloren, sondern überdieß noch meinen einzigen Sohn. Mein
+Gemahl war Major eines Husarenregiments. Sogleich in einer der ersten
+Schlachten, in der er sich sehr auszeichnete, die aber unglücklich ausfiel,
+ward er gefährlich verwundet. Ich eilte auf die Schreckensnachricht mit
+meinen zwey Kindern unverzüglich zu ihm. Allein mir ward nur mehr der
+traurige Trost, ihn noch einmal zu sehen. Er starb in meinen Armen. Wie mir
+zu Muthe war, könnet Ihr Euch denken, beschreiben kann ich es unmöglich. --
+Auf die unglückliche Schlacht folgte eine übereilte Flucht. Alle Strassen
+waren mit Flüchtlingen bedeckt. Ich ward unter dem Gewühle von Menschen mit
+fortgerissen, fast ohne zu wissen wohin. Meine zwey Kinder -- ein
+lieblicher Knabe von kaum vier Jahren, und diese Tochter hier, die damals
+noch kein Jahr alt war, vermehrten noch meinen Jammer. Als ich mit ihnen an
+den Rhein kam und über die Brücke wollte, war das Gedränge von Kriegswagen,
+Kanonen, Pulverkarren, Wagen voll verwundeter Krieger, die alle hinüber
+wollten, so groß, daß ich mich der Brücke gar nicht nähern konnte. Indeß
+war die Sonne untergegangen. In einiger Entfernung wurde noch gefochten, um
+den Uebergang über den Fluß zu decken. Allein der Donner der Kanonen rückte
+immer näher. Ach es war der schrecklichste Abend meines Lebens! Einige der
+Flüchtlinge bemächtigten sich weiter hinab an dem Flusse eines Schiffes, um
+das andere Ufer zu erreichen. Aus Mitleid nahmen sie mich und meine Kinder
+in das Schiff auf. Allein das Schiff war so mit Menschen überladen, und sie
+waren des Fahrens so unkundig, daß er umschlug.
+
+Ein Offizier am andern Ufer hatte unsre Gefahr bemerkt und uns zwey
+Soldaten mit einem kleinen Schifflein, dem einzigen, das eben vorhanden
+war, zu Hülfe geschickt. Es kam eben an, als das unsrige gesunken war. Ich
+und meine Tochter, die ich fest in den Armen hielt, wurden mit genauer Noth
+aus den Fluthen gerettet und halb todt an das Land gebracht. Allein mein
+Sohn war untergegangen und von ihm ward nichts mehr gesehen.«
+
+Frau von Waldheim konnte hier vor Weinen nicht mehr reden, und verbarg ihr
+Gesicht in ihr weißes Tuch. Ueber eine Weile sprach sie weiter: »Ich und
+meine Tochter wären vor Frost und Nässe wohl auch noch umgekommen, wenn
+nicht eine mitleidige Herrschaft, die eben vorbey kam und auch auf der
+Flucht war, uns in ihren Reisewagen aufgenommen hätte. Allein die Angst und
+der Schrecken beym Schiffbruche, die beständige Traurigkeit über den Tod
+meines Gemahls und Sohnes, und die Beschwerlichkeiten auf der Flucht, zogen
+mir eine Krankheit zu. Als ich wieder hergestellt war, dachte ich erst an
+eine andere nachtheilige Folge dieses zweyfachen Todfalles. Weil mein
+Gemahl ohne einen männlichen Erben gestorben war, so fielen unsre Güter dem
+Landesherrn anheim. Unser Schloß dahier wurde sogleich in Besitz genommen
+und zu einem Spitale für kranke und verwundete Krieger eingerichtet. Ich
+mußte, was ich jedoch nur den unruhigen Zeiten zuschreiben kann, lange ohne
+Pension leben; da ich keine eigene Wohnung mehr hatte, mußte ich in der
+Stadt einen sehr hohen Hauszins bezahlen, und zuletzt wirklich Mangel
+leiden. Endlich ward mir ein anständiger Wittwengehalt ausgeworfen, der
+Betrag für die verflossenen Jahre baar ausbezahlt, und mir ein Theil des
+Schlosses dahier, das ehemals unser Eigenthum war, zum Aufenthalt
+angewiesen. Allein der Verlust meines Gemahls und meines Sohnes bleiben
+doch unersetzlich! So groß indeß auch dieser Verlust ist, so ist doch dieß
+ein schöner Gewinn dabey, daß meine Leiden mich Gott mehr kennen lehrten
+und mich gefühlvoller für die Leiden meiner Mitmenschen machten. Und dann
+-- was können wir uns auf Erden mehr wünschen, als unser ordentliches
+Auskommen und ein ruhiges Plätzchen, wo wir im Frieden leben, Gott dienen
+und unsern Mitmenschen Gutes thun können -- in der seligen Hoffnung, unsre
+verklärten Geliebten in einer bessern Welt wieder zu sehen.«
+
+Indeß war es spät geworden. Die Frau von Waldheim sah an ihre Uhr, und
+stand auf. »Bedient Ihr Euch auch der Hülfe eines Arztes?« fragte sie noch.
+»Ach nein, sagte die Kranke. Einen ordentlichen Arzt vermag ich nicht, und
+mich eines Pfuschers zu bedienen, trage ich Bedenken.«»Ihr habt Recht!
+sagte die gnädige Frau. Besser gar keine Hülfe, als eine solche.« Sie
+versprach der Kranken ihren eigenen Arzt zu schicken, und tröstete sie mit
+der Hoffnung, unter Gottes Beystande werde es dann bald besser werden.
+Hierauf befahl sie, Christine solle alle Tage in dem Schlosse für ihre
+Mutter das Essen holen, wünschte Beyden freundlich gute Nacht, und kehrte
+mit Emilien wieder zurück in das Schloß.
+
+
+
+
+Viertes Kapitel.
+Unterhaltungen der beyden Töchter.
+
+
+Nach vierzehn Tagen besuchten Frau von Waldheim und Emilie die kranke
+Rosalie wieder. Es hatte sich mit ihr indessen sehr gebessert. Die
+trefflichen Arzneyen und die angemessenen Speisen hatten ihr überaus gut
+angeschlagen. Sie war bereits auf, saß an der Tischecke auf der Bank und
+strickte. Sobald sie die gnädige Frau erblickte, stand sie auf, eilte ihr
+entgegen, und die Zähren liefen ihr über die blassen Wangen. Sie konnte
+keine Worte finden, ihren Dank auszudrücken. Die Frau von Waldheim setzte
+sich an die andere Ecke des Tisches. Sie hatte ihr Arbeitskörbchen
+mitgebracht und nahm ihr Gestrick hervor. Emilien erlaubte sie, mit
+Christinen indessen in den Baumgarten zu gehen, der sich von der Hütte bis
+an den Bach erstreckte, und den guten Bauersleuten gehörte, von denen
+Rosalie so liebreich aufgenommen worden.
+
+Während nun die zwey Mütter sich über ihre Schicksale miteinander
+unterredeten, unterhielten sich die zwey Töchter in dem Garten. Christine
+führte Emilien ihr zahmes Lämmchen vor. Emilie hatte über das artige
+Thierchen eine ungemeine Freude. Da sie in einer großen Stadt erzogen
+worden, kannte sie die Schafe beynahe nur aus ihrem Bilderbuche. Noch nie
+hatte sie ein Lamm in der Nähe gesehen. Das Lamm ließ sich von Emilien
+streicheln, fraß die zarten, grünen Blättchen, die Emilie ihm vorhielt, ihr
+aus der Hand, und lief ihr sogleich nach, als wollte es noch mehr. Emilie
+war ganz entzückt. Auch ein solches Lämmchen zu haben, war ihr herzlichster
+Wunsch. Allein sie war zu bescheiden, es sich merken zu lassen. »Nein,
+dachte sie, um alles in der Welt möchte ich die arme Christine nicht um
+ihre einzige Freude bringen!«
+
+Nachdem Frau von Waldheim und Emilie fort waren, erzählte Christine ihrer
+Mutter, welche große Freude das Fräulein an dem Lämmchen gehabt habe. Da
+sprach die Mutter: »Höre einmal, Christine! Emilie und ihre Mutter haben
+viele Güte für uns gehabt. Ohne sie läge ich vielleicht in dem Grabe, und
+du hättest keine Mutter mehr. Es ist billig, daß wir uns so dankbar
+bezeigen, als möglich. Du könntest Emilien nun wohl auch eine große Freude
+machen -- aber ich fürchte, es kommt dich zu schwer an. Allein an deiner
+Stelle wüßte ich wohl, was ich thun würde!«
+
+»Ihr mein Lämmchen schenken!« fiel Christine ihrer Mutter schnell ins Wort.
+»Ja, das will ich! rief sie. Morgen in aller Frühe soll sie es haben.
+Emiliens Mutter hat mir das Liebste erhalten, was ich in der Welt habe --
+dich liebste Mutter! Warum sollte ich Emilien nicht mit Freuden das
+schenken, was mir nach dir das Liebste ist -- mein Lämmchen!«
+
+»Nun, das freut mich, sprach die Mutter, daß du ein dankbares Herz hast.
+Das ist mehr werth, als wenn man dir das Lamm mit Gold aufwägen würde.«
+
+Die Mutter erinnerte sich, daß sie unter ihren Sachen noch ein kleines
+Streifchen rothen Atlaß und einige vergoldete Flittern habe. Sie suchte sie
+unverzüglich hervor, und saß sogleich hin, aus dem Atlasse für das Lämmchen
+ein Halsband zu machen, und mit den Flittern Emiliens Namen
+hineinzusticken. Emilie hatte Christinen ein feines, weißes Halstuch
+geschenkt. In der Ecke desselben waren die Anfangsbuchstaben von Emiliens
+Namen zierlich mit blauer Seide eingenäht. Diese Buchstaben dienten der
+Mutter zum Muster. Sie war gesonnen, so lange aufzubleiben, bis sie mit
+dieser Arbeit fertig wäre. Christine leistete ihr treulich Gesellschaft,
+fädelte ihr jedesmal die Nadel ein, und suchte die schönsten und
+tauglichsten Flittern heraus und both sie ihr hin. Endlich gegen
+Mitternacht war die Stickerey vollendet, und Christine war über das schön
+gelungene Werk so erfreut, daß sie vor Freude fast nicht schlafen konnte.
+
+Sobald am andern Tage die Morgenröthe anbrach, eilte das gute Mädchen mit
+dem Lamme dem Bache zu, und wendete ihr letztes Stückchen Seife daran, das
+nette Thierchen so rein zu waschen, als möglich. Und sieh da -- es ward
+fast so weiß, wie neugefallener Schnee. Die Mutter legte nun dem Lämmchen
+das Halsbändchen an. Der hochrothe Atlas mit den goldenen Buchstaben und
+der goldenen Einfassung nahm sich zwischen dem reinen, weißen Gekräusel der
+Wolle ganz unvergleichlich schön aus. Christine und ihre Mutter
+betrachteten das Lämmchen mit Entzücken, und konnten kaum aufhören es zu
+loben.
+
+Christine trug nun das Lämmchen in das Schloß. Sie ging zuerst in die Küche
+zur alten Köchin, die sich immer besonders liebreich gegen Christine
+bezeugt hatte, und redete mit ihr, wie sie ihr Geschenk am schicklichsten
+anbringen könne. Die Köchin hatte an dem schön geschmückten Lamme ein
+großes Wohlgefallen und lobte Christinens Einfall sehr. Sie nahm das
+Lämmchen, ging, und öffnete leise die Zimmerthüre der Herrschaft. Die
+gnädige Frau saß am offenen Fenster und strickte. Emilie las ihr aus einem
+Buche vor. Beyde waren so emsig, daß sie nicht aufblickten. Da schob die
+Köchin das Lämmchen geschwind zur Thüre hinein, machte die Thüre eben so
+leise wieder zu, und eilte zurück in die Küche.
+
+Frau von Waldheim und Emilie hatten von allem nichts gemerkt. Das Lämmchen
+blieb an der Thüre stehen, schaute eine Weile umher, und fing dann laut an
+zu blöcken. Emilie blickte auf, und rief: »Je das Lämmchen!« Sie nahm von
+dem Seitentischchen ein wenig Brod, das von dem Frühstücke über geblieben
+war, und hielt es dem Lämmchen hin, und das arme Thierchen, das den Morgen
+noch kein Futter bekommen hatte, lief sogleich auf sie zu, und fraß es ihr
+aus der Hand. Emilie hatte eine unbeschreibliche Freude. Das Lämmchen kam
+ihr ohne Vergleich schöner vor als gestern, und als sie erst die goldenen
+Anfangsbuchstaben ihres Namens bemerkte, und daraus ersah, das Lämmchen sey
+zum Geschenk für sie bestimmt, da war ihre Freude noch größer.
+
+»O wie gut ist doch Christine, sagte sie, daß sie mir ihr Liebstes giebt!
+Ich getraue mir kaum es anzunehmen. Was meynen Sie, liebste Mutter, daß ich
+thun soll?«
+
+»Du mußt es annehmen, sagte die Mutter, sonst würdest du das gute Kind
+betrüben. Ich werde Christinen auf eine andere Art entschädigen.«
+
+Emilie eilte nun in die Küche, ihr gutes Erdbeermädchen zu rufen. Christine
+hatte sogleich fort gewollt; allein die Köchin hatte sie aufgehalten. Es
+kostete Emilien viele Mühe, das bescheidene Mädchen herein zu nöthigen in
+das Zimmer.
+
+Die Frau von Waldheim hatte indessen aus ihrem Schreibkasten ein Goldstück
+hervor gesucht, auf dem ein Lamm abgebildet war. »Du hast ein sehr
+dankbares Herz, mein liebes Kind! sagte sie, als das erröthende Mädchen an
+Emiliens Hand in das Zimmer trat. Du hast meiner Tochter ein Geschenk
+gemacht, das ihr wohl nicht für Gold feil wäre. Nimm hier als eine kleine
+Gegenerkenntlichkeit dieses goldene Lämmchen.«
+
+Die gute Christine war von dieser feinen Art zu geben so gerührt, daß es
+ihr sehr schwer ankam, das Geschenk zurück zu weisen. Allein noch mehr
+würde es sie geschmerzt und gekränkt haben, sich ihr dankbares Gemüth
+bezahlen zu lassen. Sie kam in große Verlegenheit und die Thränen traten
+ihr in die Augen. »O nein, nein, gnädige Frau, sagte sie; ich kann das Gold
+wahrhaftig nicht nehmen. Es würde mir meine ganze Freude verderben. Nichts,
+als die reinste, herzlichste Dankbarkeit bewog mich, Fräulein Emilien mein
+Lämmchen als ein armes, geringes Geschenk darzubringen, und es ist mir
+unmöglich, mich dafür so überreichlich belohnen zu lassen.« Sie blieb
+ungeachtet alles Zuredens darauf, nichts zu nehmen.
+
+Diese Uneigennützigkeit an einem so armen Mädchen gefiel der Frau von
+Waldheim noch mehr, als das überbrachte ländliche Geschenk. »Nun, sagte
+sie, so will ich dich auf eine andere Art zu belohnen suchen, die deiner
+Denkart angemessener ist. Wegen deines edlen Herzens sollst du von nun an
+die Gespielin meiner Emilie seyn. In deiner Gesellschaft läuft sie keine
+Gefahr, niedrige Gesinnungen anzunehmen. Komm fürs erste nur allzeit nach
+Tische hieher -- da will ich euch mit einander Arbeit geben, und dann
+wollen wir schon sehen, was noch weiter zu thun ist.«
+
+Als Christine nach Hause kam und erzählte, wie es gegangen, war ihre Mutter
+mit ihrem Betragen sehr zufrieden. »Siehst du nun, sprach sie, es ist so,
+wie ich dir schon öfter gesagt habe. Das ärmste Kind -- wenn es sich nur
+bestrebt, von Herzen gut zu seyn, findet am Ende doch Menschen, die es um
+seiner Güte willen mehr schätzen, als wäre es mit Gold und Perlen behängt.
+Das reichste und schönste Mädchen hingegen -- wenn es sonst nichts weiter
+ist -- wird der gerechten Verachtung am Ende doch nie entgehen, und das
+Glück, von guten Menschen aufrichtig geliebt und geehrt zu seyn, wird ihm
+nie zu Theil werden. Gutseyn, Gutseyn ist das Einzige, was uns wahrhaft
+froh, reich und geehrt macht.«
+
+
+
+
+Fünftes Kapitel.
+Ein Fremder tritt auf.
+
+
+An dem goldgestickten Halsbändchen, mit dem das Lämmchen geschmückt war,
+hatte die Frau von Waldheim entdeckt, daß Rosalie eine sehr geschickte
+Stickerin sey. Rosalie hatte aber diese Kunst, weil dergleichen Arbeiten in
+dem Dorfe nicht geschätzt wurden, lange nicht mehr geübt, und sich blos auf
+das Stricken und Nähen verlegt. Frau von Waldheim gab ihr nun manches zu
+verdienen, und verschaffte ihr auch anderwärts her Bestellungen. Die arme
+Rosalie fand auf diese Art nicht nur ihr hinreichendes Auskommen, sondern
+überdieß noch öfteren Zutritt in das Schloß.
+
+Frau von Waldheim hatte Anfangs sich Rosaliens nur aus Mitleid angenommen;
+allein so wie sie dieselbe näher kennen lernte, verwandelte sich dieses
+Mitleid nach und nach in Hochachtung. Sie fand an dem Umgange mit ihr immer
+mehr Vergnügen. Man wunderte sich, daß eine adeliche Dame, die Gemahlin
+eines Stabsoffiziers, mit einer armen Soldatenwittwe Freundschaft machen
+möge. Allein Frau von Waldheim sagte lächelnd: »Nun, Ihr werdet doch nicht
+behaupten, mein seeliger Mann, der tapfre Major, sey kein Soldat gewesen?
+Doch im Ernste! Eben dieses, daß auch ihr Mann zum Militär gehörte, und wie
+der Meinige den Tod für das Vaterland starb, diente ihr bey mir zur
+Empfehlung. Die Aehnlichkeit unsrer Schicksale vermehrte meine Zuneigung zu
+ihr. Sie ist Wittwe, wie ich, mußte vieles leiden, wie ich, hat wie ich nur
+eine einzige Tochter. Unsre Töchter sind von gleichem Alter, und lieben
+einander herzlich -- und wenn meine Emilie so gut und edel ist als ihre
+Christine, und Emiliens Mutter so gut und edel als Christinens Mutter, so
+will ich es gerne zufrieden seyn. Die äusserlichen Verhältnisse weisen dem
+Menschen allerdings seinen Rang in der menschlichen Gesellschaft an; allein
+nur ein wahrhaft gutes edles Herz macht den wahren Werth des Menschen aus.
+Diese arme Soldatenwittwe ist so bescheiden, so sanft, so rechtschaffen, so
+durch Leiden bewährt, so von Herzen fromm, und dabey so verständig und
+gebildet, daß ich dadurch mich geehrt fühle, sie meine Freundin zu nennen.«
+
+Frau von Waldheim zeichnete auch ihre arme Freundin immer mehr aus. Sie kam
+jeden Sonntag von dem Schlosse in das Dorf herab zur Kirche, und da ging
+sie nach dem Gottesdienste nie an Rosaliens armer Wohnung vorüber, ohne
+wenigstens auf einige Augenblicke einzukehren. Sie gab Christinen, die
+täglich in das Schloß kam, öfter auf, ihre Mutter mitzubringen, und bald
+mußten beyde alle Tage nach Tische in das Schloß kommen. Die gnädige Frau
+und das Fräulein, Rosalie und Christine saßen dann zusammen an Einem
+Arbeitstische, und beschäftigten sich einige Stunden sehr emsig mit
+allerley schönen Arbeiten. Rosalie mußte hierauf mit der gnädigen Frau Thee
+trinken, und Christine mit Emilien ein Butterbrod essen. Auf den Abend
+machten sie gewöhnlich alle zusammen noch einen kleinen Spaziergang.
+
+Einmal an einem schönen Sommerabend gingen sie nun mit einander in den
+Eichwald, der sich am Abhange des Schloßberges herumzog. Mehrere
+schattichte Gänge, die mit reinlichem Kiese bestreut waren, führten durch
+den Wald, und hie und da war eine bequeme Bank zum Ausruhen angebracht. Der
+Tag war sehr heiß gewesen und noch war es ziemlich schwühl. Die Frau von
+Waldheim setzte sich daher mit ihrer Begleiterin Rosalie auf eine steinerne
+Bank, die in einen Felsen des Berges eingehauen und von einem Paar Eichen
+beschattet war. Das Plätzchen war, wegen der herrlichen Aussicht, die man
+hier genoß, ihr Lieblingsplätzchen.
+
+Emilie und Christine gingen noch eine Strecke weiter, und jede trug ein
+niedliches Körbchen am Arme. Es war gerade die Zeit der Himbeeren, und
+Emilie hätte deren schon lange selbst gerne im Walde gepflückt. Christine
+führte sie zu einer ausgehauenen Stelle des Waldes, die beynahe ganz mit
+Himbeersträuchen bedeckt war. Beyde Mädchen pflückten nun sehr geschäftig
+und ließen sich die duftenden Beeren sehr wohl schmecken. Bald rief diese,
+bald jene, hier gebe es noch schönere. Die allerschönsten thaten sie aber
+in ihre Körbchen, um sie Emiliens Mutter zu bringen. Das Lämmchen, das sie
+mitgenommen hatten, lief indeß auf dem offenen Platze herum, graste hier
+ein wenig, nagte dort an den Blättern der Gesträuche, und hatte sich nach
+und nach ziemlich weit von ihnen entfernt.
+
+Da bemerkte Emilie auf einmal einen fremden Jüngling, der das Lämmchen
+streichelte und das Halsband desselben sehr aufmerksam betrachtete. Emilie
+und Christine eilten sogleich hin, denn sie fürchteten, er wolle das
+Halsband oder gar das Lämmchen mit sich fort nehmen. Der Jüngling blickte,
+als er sie kommen hörte, auf. Er war sehr schön und blühend von Angesicht
+und hatte ein dunkelgrünes Sommerkleid an und einen runden Kastorhut auf.
+Er schien bis zu Thränen gerührt, und blickte Emilien mit einer Art von
+Erstaunen und Verwunderung an. Endlich nahm er mit seiner Rechten
+ehrerbietig den Hut ab; in seiner Linken aber hielt er -- was Emilien
+äußerst seltsam vorkam -- einen goldenen Ring.
+
+»Verzeihen Sie, mein Fräulein, sagte er, da er Emiliens Aengstlichkeit
+bemerkte, ich wollte dem Lämmchen, das, wie ich sehe, Ihnen gehört, nichts
+zu leid thun. Es fielen mir nur die Buchstaben auf, die hier auf das
+Halsband gestickt sind. Sind das vielleicht die Anfangsbuchstaben ihres
+Namens?«
+
+»Ja, sagte Emilie befremdet, das sind sie. Die drey goldenen Buchstaben auf
+dem rothen Atlasse hier heißen E. v. W. Ich aber heiße Emilie von
+Waldheim.«
+
+»Emilie! Emilie!« rief der Jüngling erstaunt.
+
+Emilie erschrak über seine Heftigkeit. Sie glaubte, er sey nicht recht bey
+Sinnen und es, ward ihr unheimlich. »Komm, da ist nicht gut seyn!« sagte
+sie zu Christine, nahm sie bey der Hand, und wollte mit ihr davon laufen.
+Der fremde Jüngling aber faßte sich wieder, und sagte ganz ruhig: »Ich
+bitte Sie, bleiben Sie nur noch einen Augenblick! Ich habe da einen
+goldenen Ring, auf dem die drey nämlichen Buchstaben eingegraben sind.
+Sehen Sie da E. v. W.! Deßhalb betrachtete ich die Buchgaben da auf dem
+Halsbändchen so aufmerksam und verwundert. Es liegt mir äusserst viel
+daran, inne zu werden, woher dieser Ring sey. Allein, fügte er traurig bey,
+Ihnen gehört der Ring zuverläßig nicht. Es stehet da, den Buchstaben,
+gegenüber, noch die Jahrzahl 1786. Dieses vereitelt meine Hoffnung. Ach,
+damals waren sie noch nicht geboren!«
+
+Emilie sagte: »Meine Mutter hat eben den Namen wie ich; auch sie heißt
+Emilie von Waldheim.«
+
+»Wie! rief der Jüngling aufs neue erschüttert. Wäre es möglich! Ach
+vielleicht gehört der Ring ihrer Mutter. Könnten Sie mich nicht zu ihr
+führen?«
+
+»Mit Vergnügen, sagte Emilie. Sie ist kaum ein Paar hundert Schritte von
+hier. Haben Sie nur die Güte, mir zu folgen.« Sie gingen. Der Jüngling ließ
+Emilien die rechte Seite, und Christine mit dem Lämmchen begleitete sie.
+
+Als sie zur Felsenbank kamen, blieb der Jüngling in einiger Entfernung
+schüchtern stehen, und betrachtete die Frau von Waldheim einige Augenblicke
+stillschweigend. Sein Angesicht war wie von Schrecken bleich und die Hand,
+in der er den Ring hielt, zitterte. Indeß ermannte er sich, trat näher,
+verbeugte sich mit Anstand, erzählte kurz den sonderbaren Zufall mit dem
+Zusammentreffen der Buchstaben -- und überreichte ihr den Ring.
+
+Die Frau von Waldheim nahm den Ring -- erblickte die drey Buchstaben --
+that einen lauten Schrey -- und wäre umgesunken, wenn Rosalie sie nicht
+gehalten hätte.
+
+»Gott im Himmel, was ist das? rief sie, als sie sich von dem Schrecken ein
+wenig erholt hatte. Das ist der Ehering meines seligen Gemahls. Sehen Sie,
+der Ring hier an meinem Finger, den mein Gemahl mir als Bräutigam gab und
+den ich noch immer zu seinem Andenken trage, ist genau auf die nämliche Art
+gearbeitet, nur etwas kleiner. O reden Sie, reden Sie doch, wie kamen Sie
+zu dem Ringe? Wer sind Sie? Wer sind Ihre Aeltern?«
+
+Der Jüngling ward noch bleicher und zitterte an allen Gliedern. »Mein
+Vater, sprach er, ward im Kriege erschossen. Meine Mutter war eine schöne
+Frau, trug ein schwarzes Kleid, und weinte immer sehr viel. Ich hatte noch
+ein kleines Schwesterchen, die Emilie hieß. Die Mutter fuhr mit uns zwey
+Kindern über den Rhein. Das Schiff ging unter. Ich ward, als ein Kind von
+etwa vier Jahren, aus dem Wasser gezogen. Von Mutter und Schwester hörte
+ich seit dieser Zeit nichts mehr. Den Ring fand man, nebst einigen andern
+Kleinigkeiten, in einem Päckchen, das Kleidungsstücke von mir enthielt und
+also für mein Eigenthum erklärt wurde. Sonst weiß ich von meinen Aeltern
+und meinem Vaterlande nichts zu sagen. Mein Name ist Karl.« -- --
+
+»O Karl, rief jetzt Frau von Waldheim aus und fiel dem Jünglinge um den
+Hals, du bist mein Sohn! Wahrhaftig; du bist es! Du bist das Ebenbild
+deines Vaters!« -- -- »O Gott, o Gott! wie wunderbar bist Du in deinen
+Fügungen!« rief sie dann wieder, indem sie mit aufgehobenen Armen weinend
+zum Himmel blickte. Und dann umfaßte sie wieder ihren Sohn und benetzte
+sein Angesicht mit Thränen. Der Jüngling war so außer sich, daß er keine
+anderen Worte hervorbringen konnte, als: »Mutter! Mutter! Gott! Gott! O du
+guter Gott!«
+
+Emilie stand an Christinen gelehnt -- und zitterte und weinte. »Emilie!
+rief endlich die Mutter, Emilie, o sieh da deinen Bruder! Karl, Karl, sieh
+da deine Schwester! O grüßt euch doch auch!«
+
+Karl schloß seine Schwester weinend in seine Arme, und rief: »O meine
+liebe, liebe Schwester! O Gott, welche Freude machst du mir -- so
+unerwartet Mutter und Schwester zu finden!« Und auch Emilie konnte vor
+Weinen kein Wort vorbringen, als: »Lieber, lieber Bruder!«
+
+Alle Drey aber waren so selig und hatten sich so viel zu fragen und zu
+sagen, daß sie die ganze Welt um sich her vergaßen. Die Sonne war
+untergegangen und es wurde bereits dunkel, ohne, daß sie es merkten.
+Rosalie erinnerte sie endlich, es sey Zeit, sich nach Hause zu begeben.
+Frau von Waldheim ging nun, an jedem Arm eines ihren Kinder, auf das Schloß
+zu, und Rosalie und Christine folgten ihnen.
+
+
+
+
+Sechstes Kapitel.
+Karls Jugendgeschichte.
+
+
+Die Frau von Waldheim veranstaltete nun in dem Schlosse eine kleine
+Freudenmahlzeit. Emilie deckte den Tisch mit dem feinsten blendend weißen
+Tafeltuche und zwei helle Wachskerzen auf silbernen Leuchtern spiegelten
+sich in dem glänzend reinen Tischgeräthe. Karl mußte zwischen seiner Mutter
+und Schwester Platz nehmen, und Rosalie und Christine mußten auch
+mitspeisen. »Denn, sprach die Frau von Waldheim, ohne Euch und Euer
+Lämmchen hätte ich ja meinen lieben Sohn Karl nicht gefunden!« Karl, der
+von der Reise hungrig geworden, ließ sich das Abendessen sehr wohl
+schmecken. Seine Mutter und Schwester aber konnten vor Freude fast nicht
+essen, und sahen ihn nur immer an. Sie fragten ihn bald dieses, bald jenes.
+Allein erst nach Tische bathen sie ihn, seine Geschichte im Zusammenhange
+zu erzählen, was er denn auch sehr gerne that.
+
+»Mein Kindheit und meine Jugendjahre, sprach er, brachte ich, von dem
+Abende an, da ich aus dem Flusse gezogen wurde, beständig bey einem sehr
+ehrwürdigen Pfarrer, Namens Engelhard, jenseits des Rheins zu. Ich würde
+von den Schicksalen meiner ersten Kindheit und von meinen lieben Aeltern
+wohl kaum mehr etwas wissen, wenn er das Wenige, was ich damals -- in einem
+Alter von vier Jahren ihm sagen konnte -- mir nicht öfters wiederholt
+hätte. Selbst unsers Schiffbruches erinnere ich mich jetzt nur mehr dunkel.
+Allein der gute Pfarrer, der nicht weit von jener Unglücksstätte wohnt und
+sich nach allem, was mich betraf, genau erkundigt hatte, beschrieb mir
+jenen fürchterlichen Abend und die darauf folgende Schreckensnacht sehr
+oft. Der Krieg hatte mit allem, was er Schreckliches haben kann, sich
+gleich einem verheerenden Gewitter, ganz in jene Gegend gezogen. Zwey
+Dörfer standen im Brande, und die hoch auflodernden Feuerflammen erhellten
+mit ihrem rothen Glanze weit umher die Gegend, rötheten die Wolken des
+Himmels, und strahlten schauerlich aus dem Flusse wieder. Die geschlagene
+Armee rettete sich über den Fluß. Die Sieger drangen ihr auf dem Fuße nach.
+Man glaubte ein furchtbares Hochgewitter zu hören, so laut donnerten die
+Kanonen, und man vernahm bereits das kleine Gewehrfeuer sehr deutlich.
+Ganze Familien, Väter, Mütter und Kinder, hatten theils zu Fuß, theils zu
+Wagen sich hieher geflüchtet, und wußten nun nicht mehr weiter. Das
+Gedränge und die Verwirrung war unbeschreiblich. Auch der gute Pfarrer
+hatte das Haus voll Geflüchteter, und war unermüdet beschäftiget, sie zu
+trösten und zu bewirthen -- da wurde auf einmal sehr stark an die Hausthüre
+geklopft. Er öffnete sie -- und ein Soldat mit einem kleinen weinenden
+Knäblein auf dem Arme stand vor der Thür. Dieses Knäblein war ich!«
+
+»Um Gottes willen, Herr Pfarrer, rief der edle Krieger, erbarmen Sie sich
+dieses armen Kindes, und nehmen Sie es zu sich. Ich riß es dort aus dem
+Fluß. Ich weiß es nirgends unterzubringen. Dieses nasse Päcklein hier
+enthält die Kleider des Kindes und einiges andere. Nehmen Sie -- ich muß
+augenblicklich weiter.« Der gutherzige Pfarrer nahm mich liebreich in seine
+Arme -- und der Soldat stürzte fort, indem er noch rief: »Gott wird es
+Ihnen vergelten! Leben Sie wohl!«
+
+Der würdige Geistliche brachte nun wohl so viel aus mir heraus, mein Vater,
+ein Offizier, sey im Kriege umgekommen, und meine Mutter sey mit mir und
+meinem kleinen Schwesterchen auf ihrer Fahrt über den Rhein verunglückt. Er
+unterließ nicht, nachzuforschen, ob meine Mutter und Schwester dem
+schauerlichen Tode des Ertrinkens nicht etwa noch entgangen seyen. Er begab
+sich, so bald es möglich war, in die benachbarten Orte, und fragte überall
+nach ihr. Er traf auch einige Menschen, die auf eben dem Schiffe gewesen,
+und gerettet worden. Sie sprachen mit Achtung und Mitleid von der
+tiefbetrübten Offizierswittwe; allein sie sagten einmüthig, sie sey mit
+ihrem kleinen Kinde sicher ertrunken. Die Gewalt des Stromes habe blos
+einige wenige Menschen, die sich auf dem untergegangenen Schiffe befunden
+hatten, an das Ufer, von dem sie hergekommen, zurück geworfen; Es sey gar
+nicht wahrscheinlich, daß irgend eine Seele das andere Ufer erreicht habe.
+Der edle Pfarrer hielt es indeß doch für möglich. Allein er konnte sobald
+keine Erkundigungen einziehen. Die Verbindung zwischen den beyden
+Rheinufern war des Krieges wegen lange Zeit aufgehoben. Und nachher, als
+man wieder Nachrichten von dem andern Ufer des Flusses erhalten konnte,
+stimmten alle darin überein, nirgends habe man eine solche Frau gesehen,
+wie die beschriebene Offizierswittwe, und sie sey also ganz gewiß todt.
+
+Der menschenfreundliche Pfarrer behielt mich nun bey sich, um mich zu
+erziehen. Er war ein sehr liebvoller, schon etwas betagter Mann, und ein
+wahrer Kinderfreund. Die Tage meiner Kindheit hätten wohl nicht glücklicher
+seyn können. Er war immer heiter und freundlich, und wußte mich mit einem
+Wink zu leiten. Denn sein ganzes Betragen war, bey aller Freundlichkeit,
+immer so ernst und würdig, daß ich eine große Ehrfurcht gegen ihn fühlte,
+und um alles in der Welt es nicht gewagt hätte, mich gegen ihn im
+geringsten widerspenstig zu zeigen.
+
+Seine erste Angelegenheit war es, mich in der Religion zu unterrichten; was
+er sagte, war alles so klar und herzlich, daß ich Gott und meinen Erlöser
+von Herzen lieb gewann. Er lehrte mich lesen und schreiben, und da er
+besondere Fähigkeiten an mir zu entdecken glaubte, so gab er mir Unterricht
+in der lateinischen Sprache. Er las mit mir lateinische Bücher, und wußte
+immer die schönsten Stellen auszuwählen, die meinem Alter angemessen waren.
+Was ich gelesen hatte, mußte ich dann schriftlich ins Deutsche übertragen.
+Ich bekam so mehrere Bücher, von meiner Hand rein und deutlich geschrieben,
+zusammen, die er alle sehr schön binden ließ. Ich hatte dabey ungemeine
+Freude, und erwarb mir eine Fertigkeit, jedes lateinische Buch zu
+verstehen, wenn nur sonst der Inhalt meine Fassungskraft nicht überstieg.
+In der Folge gab er mir auch Unterricht im Griechischen.
+
+Sein kleines freundliches Pfarrhaus war von einem schönen Gemüsgarten und
+einem großen Baumgarten umgeben. Wenn wir nun eine Stunde gelesen hatten,
+arbeiteten wir allemal eine Zeit im Garten. Denn er baute ihn selbst und
+ich mußte ihm dabey helfen. Diese Arbeit war Erholung vom Studieren. Im
+Winter oder an Regentagen brachte er seine Nebenstunden mit Zeichnen zu,
+worin er es sehr weit gebracht hatte. Er verstand seine Zeichnungen mit
+Tuschfarben so schön und lieblich auszumahlen, daß Kenner sie den
+vollendetsten Kunstwerken der Art an die Seite setzten. Auch ich hatte
+große Lust am Zeichnen und Mahlen. Er gestattete es mir aber allemal nur
+als eine Belohnung meines besondern Fleißes im Studieren, und unter seiner
+vortrefflichen Anleitung machte ich auch in dieser Kunst gute Fortschritte.
+So verfloß mir jeder Tag unter nützlichen und angenehmen Beschäftigungen;
+ich war immer so fröhlich und vergnügt, als je ein Kind in dem väterlichen
+Hause es sein kann.
+
+Der gute Pfarrer hatte indeß auch Manches zu leiden. Er mußte die Trübsalen
+des Krieges hart empfinden. Einquartierungen und Lieferungen kosteten ihm
+sehr viel, und zwey bis dreymal ward sein Pfarrhaus ganz ausgeplündert. Er
+würde dieses wenig geachtet haben, wenn es ihm nicht um mich gewesen wäre.
+Er hatte mich öfters versichert, er werde mich studieren lassen. Obwohl die
+Erträgnisse seiner Pfarrey nicht sehr bedeutend waren, so hatte er bey
+seiner mäßigen Lebensart doch so viel zurück gelegt, daß er die Kosten des
+Studierens hätte bestreiten können. Allein nun war es ihm unmöglich; er
+selbst war durch den Krieg in dürftige Umstände gerathen.
+
+Er hatte indessen in Wien einen Jugendfreund, der in großem Ansehen stand,
+und unter dem Adel und den Gelehrten viele Freunde hatte. An diesen schrieb
+er, ob er einem armen Jünglinge, der eine entschiedene Anlage und Neigung
+zum Studieren habe, nicht Gelegenheit dazu verschaffen könnte? Es kam
+sogleich die erfreuliche Antwort, er wolle mich mit offnen Armen in sein
+Haus aufnehmen, und dann weiter für mich sorgen. Ich möchte mich aber,
+schrieb er, sogleich auf die Reise machen, indem ich eine vorläufige
+Prüfung zu bestehen hätte, um unter die Zahl der Studierenden aufgenommen
+zu werden.
+
+Ein Kaufmann, der meinen Pflegvater öfter besuchte, hatte eben eine Reise
+in die hießige Gegend vor, und erboth sich, mich unentgeldlich mit zu
+nehmen. Da ich auf diese Art beynahe die Hälfte des Weges in einem bequemen
+Reisewagen zurücklegen konnte, so wurde dieses Anerbiethen mit Freude
+angenommen.
+
+Der Morgen, an dem ich von meinem guten Pflegevater Abschied nahm, wird mir
+ewig unvergeßlich seyn. Der gute Mann mit seinem frommen blassen Gesichte
+und seinen ehrwürdigen grauen Haaren, schloß mich in seine Arme und
+benetzte mein Angesicht mit Thränen. »Liebster Karl, sprach er, der
+Augenblick ist jetzt da, wo du hinaus mußt in die Welt. In unserm stillen
+abgelegenen Dorfe und in meinem Hause hier hast du, wills Gott, nichts als
+Gutes gesehen und gehört. In der großen Stadt, in die du jetzt kommst, wird
+es anders seyn. Du kommst zwar in das Haus eines guten Mannes und wirst
+auch in der Stadt viele gute Menschen kennen lernen; allein du wirst auch
+der bösen Beyspiele genug sehen und mancherley Böses hören. O Karl, vergiß
+meiner guten Ermahnungen nicht -- laß dich nicht verführen -- bleibe ein
+edler Jüngling.«
+
+»Vor allem bleibe dir unsre heilige Religion stets theuer. Sie ist der
+kostbarste Schatz, den wir hier auf Erden haben, und ein wahres Himmelbrod
+für unsern unsterblichen Geist. Wohne nicht nur dem öffentlichen
+Gottesdienste andächtig und ehrerbietig bey, sondern weihe auch deine
+stille Kammer zum Tempel der Andacht. Vergiß es nie, daß Gottes Auge dich
+überall sieht, und thue alles wie vor seinem Angesichte. Ihm klage deine
+Noth und vertrau auf Ihn. Verlaß Ihn nicht, und Er wird dich ewig nicht
+verlassen.«
+
+»Du wirst mancherley leichtsinnige Reden über Religion hören. Solche Reden
+verabscheue. Wer die Lehren der christlichen Religion befolgt, der erfährt
+es an seinem Herzen, daß sie von Gott sey. An diesem Prüfsteine, den ihr
+Stifter selbst angab, bewährt sie sich als lauteres Gold. Das hat sich mir
+durch eine Erfahrung von fast siebenzig Jahren bestätiget. Das ist ihr
+schönster Triumpf über alle Zweifel ihrer Freunde, die noch nicht ganz zur
+hellen Erkenntniß gekommen sind, und über alle Einwendungen ihrer
+verblendeten Feinde.«
+
+»Thu nie etwas Böses und handle nie gegen die Stimme deines Gewissens.
+Geselle dich nicht zu solchen Menschen, die über Unschuld und
+Schamhaftigkeit spotten und aus dem Laster einen Scherz machen; fliehe sie
+als wären sie vom gelben Fieber angesteckt. Eine solche leichtfertige
+Denkart verleitete schon manchen schönen blühenden Jüngling, die kurze Lust
+der Sünde zu genießen, machte ihn zum lebendigen Gerippe und stürzte ihn in
+ein frühes Grab. Bewahre dein Herz rein und unbefleckt, und du wirst die
+schöne Farbe deiner Wangen, das Feuer deiner Augen, die Ruhe deines
+Gewissens und die Heiterkeit des Geistes bewahren, und mein erster Blick,
+wenn ich dich, je wiedersehe, wird mir sagen, ob du noch gut und
+unverdorben seyest.«
+
+»Sey unermüdet in den Arbeiten deines Berufes. Der Beruf eines Studierenden
+ist ein schöner, edler Beruf. Es sey nun, daß du Rechtsgelehrter, Arzt oder
+Gottesgelehrter werden wollest -- allemal wird das zeitliche oder ewige
+Wohl deiner Mitmenschen dir anvertraut werden. Es wäre ja wohl schrecklich,
+wenn du es dir nicht Ernst seyn ließest, deiner Wissenschaft Meister zu
+werden, und wenn du einst, anstatt zum Glücke der Menschen beyzutragen, aus
+Unfähigkeit und Unwissenheit nur Unheil stiften würdest. Die Studierjahre
+sind die Zeit der Saat; benütze diese köstliche Zeit, ehe sie entflieht --
+sonst ist an keine erfreuliche Aernte zu gedenken. Du hast es in unserm
+Dorfe gesehen, wie die Landleute sich plagen müssen, wie sie vor Tag
+aufstehen, Frost und Hitze dulden, und alle Kräfte aufbiethen -- nicht nur
+um sich zu ernähren, sondern um auch die Abgaben zu bestreiten, die zur
+Unterhaltung der gelehrten Stände nöthig sind. Arbeite also auch unermüdet,
+um für sie, die so vieles für uns thun, dereinst auch etwas thun zu können,
+und ihnen nicht zur unnützen Last, sondern zum Segen zu werden.«
+
+»Erlaube dir aber auch zu rechter Zeit eine unschuldige Erholung. Nur laß
+den sinnlichen Vergnügungen keine Herrschaft über dein Herz. Wer sich von
+der Sinnlichkeit -- von Spiel, Trunk, Tanz und dergleichen -- hinreißen
+läßt, der ist, wenn er auch eben nichts offenbar Böses thut, dennoch ein
+Sklave seiner Lust -- und also ein schlechter Mensch. Der ungeordnete Hang
+zu sinnlichen Vergnügungen zerstört in unserm Herzen das Gefühl für alles
+wahrhaft Große, Schöne und Gute, und macht uns unfähig, edlere Vergnügungen
+zu genießen.«
+
+»O mein liebster Sohn! Vielleicht ist es das letzte Mal, daß du mein
+Angesicht siehest. Ich bin bald siebenzig Jahre alt und nicht mehr fern vom
+Grabe. Erfahrung, Welt- und Menschen-Kenntniß wirst du mir nicht absprechen
+wollen. Und dann -- was für einen Gewinn könnte ich davon haben, dir eine
+Unwahrheit zu sagen? Glaube mir also -- und bleibe gut. Denn sieh -- wenn
+du gut bist, so bist du _dir_ gut, und du wirst den Segen davon haben.
+Könntest du aber je böse werden, so wärest du _dir_ böse, und _dein_ wäre
+der Schaden, und _dich_ träfe das Verderben. Liebster Karl -- bleibe,
+bleibe gut!«
+
+Der gute, liebvolle Greis nahm nun die letzten zwey Goldstücke, die er noch
+hatte, aus seinem Pulte hervor. Ach er hatte schon all seine Baarschaft
+darauf verwendet, mich wohlanständig zu kleiden, und mich mit dem nöthigen
+Reisegeld zu versehen. Er gab mir diese Goldstücke, die Sie hier sehen und
+sagte: »Nimm dieses Wenige noch, liebster Sohn, als einen Nothpfenning --
+und dann hier noch etwas, das mehr werth ist, als alles Gold -- das neue
+Testament! Mehr kann ich dir jetzt, nicht geben. Allein lebe nur so, wie
+dieses göttliche Buch es uns lehrt, bleibe gottesfürchtig, edel und gut --
+dann bist du reich genug.«
+
+Hierauf segnete er mich noch mit zitternden Händen und weinenden Augen,
+schloß mich noch einmal in seine Arme, sagte mir Lebewohl -- und ich ging
+schluchzend und tief gerührt zur Thüre hinaus.
+
+Karl weinte, indem er dieses sagte, aufs neue; auch seiner Mutter und
+Schwester und den Uebrigen flossen die hellen Zähren über die Wangen.
+»Dieser Pfarrer, sprach die Mutter, ist wahrhaftig ein sehr -- sehr edler
+Mann. Es ist etwas Großes, sich eines fremden armen Kindes so herzlich und
+thätig anzunehmen, so viele Jahre hindurch so viele Zeit, Mühe und Kosten
+aufzuwenden, und so zu sagen noch den letzten Heller hinzugeben, um es zu
+einem guten und glücklichen Menschen zu erziehen. Doch -- nur die
+christliche Religion kann das menschliche Herz so uneigennützig und
+wohlwollend machen, alle Menschen auf Erden wie seine nächsten
+Blutsverwandten mit Liebe zu umfassen.«
+
+
+
+
+Siebentes Kapitel.
+Wie Karl hiehergekommen.
+
+
+Karl schwieg eine Weile und trocknete seine Thränen; dann erzählte er
+weiter. »Der Kaufmann, der mir den leeren Platz in seinem Reisewagen
+eingeräumt hatte, ist ein sehr rechtschaffner Mann und ein recht fröhlicher
+Gesellschafter. Er wußte immer etwas zu sagen, und that alles, mich den
+traurigen Abschied vergessen zu machen. Bald erzählte er ein artiges
+Geschichtchen, bald gab er mir Räthsel auf, bald sang oder pfiff er ein
+munteres Liedchen. Jedes Dorf wußte er mit Namen zu nennen, und in den
+Städten zeigte er mir die Merkwürdigkeiten, wenn es darin deren einige gab.
+Etwa drey Meilen von hier mußte ich mich aber von ihm trennen; denn er
+mußte einen andern Weg einschlagen. Er wünschte mir nun Glück und Gottes
+Segen zu meinem Vorhaben, ermahnte mich zum Fleiße und zum Vertrauen auf
+Gott, sorgte noch dafür, daß mein kleines Koffer, das er aufgepackt hatte,
+durch einen Fuhrmann an Ort und Stelle gebracht werde, schenkte mir ein
+Goldstück, drückte mir zum Abschied kräftig die Hand und fuhr in seiner
+Kutsche weiter.
+
+Auch dieser Abschied war mir sehr schwer gefallen. Ich war ja nun von allen
+bekannten Menschen getrennt! Ich setzte indeß meine Reise zu Fuße fort.
+Gegen Abend wanderte ich durch den Wald, der dieses Schloß umgiebt. Ich war
+von der Hitze des Tages und dem weiten Gehen, das ich nicht gewohnt bin,
+sehr ermüdet. Ich setzte mich daher, um ein wenig auszuruhen, auf einen
+Rasensitz, den ich unter einem Buchbaum erblickte. Das alte Schloß, das von
+der Abendsonne vergoldet aus dem waldichten Berge hervorragte, gewährte
+hier einen unvergleichlich schönen mahlerischen Anblick. Ich nahm ein Blatt
+Papier aus meiner Brieftasche hervor, und fing an das Schloß abzuzeichnen.
+
+Allein ich mußte die angefangene Zeichnung bald wieder weglegen. Der
+Untergang der Sonne -- die Stille des einsamen Waldes -- und die
+herannahende Nacht erregten sehr wehmüthige Empfindungen in mir! Ein Gefühl
+von Verlassenheit wandelte mich an. »Ach, dachte ich, die Nacht bricht
+herein, und ich weiß noch nicht einmal, wo ich übernachten soll! Auf viele
+Meilen weit rings umher kenne ich keine Seele und komme nun zu lauter
+fremden Menschen. Mein liebevoller Pflegvater, von dem ich nun schon einige
+Tagreisen weit entfernt bin, ist bereits sehr alt und vielleicht sehe ich
+sein ehrwürdiges Angesicht in meinem Leben nicht mehr! Und meine guten
+Aeltern habe ich kaum gekannt! Ich kann mir meinen Vater nur mehr als
+Leiche und meine Mutter in schwarzen Trauerkleidern und mit roth geweinten
+Augen denken.«
+
+Bey diesem Gedanken drangen auch mir die Thränen in die Augen. Ich zog den
+goldenen Ring heraus, den mir der gute Pfarrer gegeben hatte. »Mein Gott,
+seufzte ich, dieser Ring rührt noch von meinen Aeltern her, und er ist das
+einzige Erbtheil, das ich armer Waise von ihnen habe! Die drey kleinen
+Buchstaben sind die Anfangsbuchstaben, von dem theuren Namen meines Vaters
+oder meiner Mutter, und ich weiß nicht einmal, wie diese Namen heißen!
+Diesen Ring trug entweder mein Vater, dessen Hand längst im Grabe modert,
+oder meine Mutter, die vielleicht doch noch am Leben ist! Ja vielleicht
+lebte sie einst -- vielleicht lebt sie noch in eben diesen Gegenden, die
+ich jetzt durchwandere.«
+
+Mein Herz wurde von diesen Gedanken mächtig ergriffen! Ein Gefühl voll der
+schmerzlichsten Wehmuth und der seligsten Hoffnung bemächtigte sich meiner!
+Ich fiel auf die Knie nieder, ich rang die Hände, ich flehte mit Inbrunst
+zum Himmel: »O lieber Gott! Du allein weißt es, ob meine Mutter noch lebe!
+Du allein kannst, wenn sie noch lebt, mich sie wieder finden lassen! Ach
+vielleicht ließest Du diesen Ring nicht ohne weise Absicht in meine Hände
+kommen. Die Buchstaben darauf könnten mich unter deiner Leitung leicht zur
+Entdeckung meiner Mutter führen. O die liebe gute Mutter! Sie beweint --
+wenn sie noch am Leben ist -- mich als todt; sie glaubt, ich sey als ein
+zartes Knäblein in den Fluthen des Rheines ertrunken; o welche Freude würde
+sie haben, mich jetzt als einen Jüngling in ihre Arme zu schließen! Welche
+Seligkeit wäre es für mich, ihr freundliches mütterliches Angesicht zu
+erblicken, ihr zu danken für das, was sie an mir gethan, als ich ihre Liebe
+noch nicht zu schätzen wußte und ihr noch nicht dafür danken konnte. Wie
+unbeschreiblich glücklich würde ich mich schätzen, ihr meinen Dank jetzt zu
+bezeigen, und die Stütze ihres herannahenden Alters zu werden! O du guter
+Gott, du Vater der Wittwen und Waisen -- wenn -- wenn sie je noch lebt -- o
+so führe -- führe Du mich in ihre Arme! Höre mein kindliches Flehen, und
+laß mich sie wieder finden!«
+
+Als ich so gebethet hatte, und mit meinen Augen voll Thränen durch die
+Aeste der Buche noch immer zum blauen Himmel aufblickte, hörte ich in dem
+nahen Gesträuch ein leises Knistern. Ich sah hin, erblickte das Lamm -- und
+die goldenen Buchstaben auf dem purpurrothen Halsbande strahlten mir im
+Glanze der untergehenden Sonne hellschimmernd ins Auge. Eine wunderbare,
+unbeschreibliche Empfindung -- ein schauerliches Entzücken bemächtigte sich
+meiner. Es war mir, als umleuchtete mich ein Licht vom Himmel, als hätte
+ein Lichtstrahl von oben die Buchstaben erhellt; sie schienen mir wie
+verklärt. Ich glaubte die Nähe Gottes zu fühlen, und es dünkte mich, die
+Blätter aller Bäume rings umher zitterten aus Ehrfurcht vor Ihm. Mir war
+es, als spreche etwas in meinem Innersten: »Dein Gebeth ist erhört!« Und so
+war es auch. Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht. Gleich einem Engel des
+Himmels kam in ihrem weißen Kleide und im Schimmer der Abendsonne meine
+Schwester auf mich zu, und nannte mir das erstemal den theuren Namen meiner
+Mutter. So, beste Mutter, hat Gott mich in Ihre Arme, und in deine Arme,
+liebste Schwester, wunderbar zurück geführt!«
+
+»Ja, so ist es, meine liebsten Kinder, sagte die Mutter, indem sie ihre
+beyden Kinder in die Arme schloß. Er hat uns alle drey wieder zusammen
+gebracht. Er hat dich, liebster Karl, als einen zarten Knaben mir genommen
+und dich einem edlen Manne anvertraut, der dir aus der reinsten
+Menschenliebe eine Erziehung gab, die ich als Frau und als eine verlassene
+Wittwe dir unmöglich so gut geben konnte, und die dir keine Fürstin für
+Gold hätte besser verschaffen können. Er hat dich als einen blühenden
+Jüngling mir wieder zurück gegeben -- und mir die Thränen des Schmerzens,
+die ich über deinen Verlust weinte, in Freudenthränen verwandelt. Er hat
+alles wohl gemacht und alle seine Wege sind die lautere Weisheit und Liebe.
+O liebsten Kinder! laßt uns Ihm danken und seine heilige Vorsehung in
+Demuth und mit tiefer Ehrfurcht anbethen!« Alle drey schwiegen mit tief
+gerührtem Herzen lange still, und nur ihr Herz sprach mit Gott. Auch
+Rosalie und Christine saßen mit gefalteten Händen, mit thränenvollen Augen,
+und mit einem Herzen voll Rührung und Andacht stillschweigend da und
+athmeten kaum.
+
+»Welche Freude, sagte Karl nach einiger Zeit, wird der edle Greis, mein
+zweyter Vater, empfinden, wenn er diese wunderbare Fügung vernimmt! Diese
+Nacht noch muß ich ihm diese Freudennachricht schreiben.« Es war bereits
+Mitternacht, bis Karl auf sein Zimmer kam. Allein es wäre ihm unmöglich
+gewesen, zu Bette zu gehen. Er setzte sich an den Schreibtisch, der in dem
+Zimmer stand, und schrieb an seinen theuren Pflegvater, den ehrwürdigen
+Pfarrer, so ausführlich, so begeistert, daß er noch bey der brennenden
+Wachskerze saß und schrieb, als die goldene Morgenröthe bereits zum Fenster
+herein strahlte und das Kerzenlicht überflüssig machte.
+
+
+
+
+Achtes Kapitel.
+Karls Pflegevater.
+
+
+Karl lebte auf seinem väterlichen Schlosse so vergnügt, als wäre er in den
+Himmel versetzt. Je mehr er seine Mutter kennen lernte, desto mehr mußte er
+die vortreffliche Frau verehren. Eben so mußte er seine Schwester, die
+unermüdet fleißig, und dabey immer fröhlich und freundlich war, mit jedem
+Tage mehr schätzen. Seine Ankunft in Waldheim hatte indeß noch eine andere
+glückliche Folge für ihn. Das Schloß, das vorhin das Eigenthum seiner Väter
+gewesen, war gegenwärtig nur mehr der Wittwensitz seiner Mutter; allein
+jetzt konnte er dieses Schloß wieder als sein väterliches Erbtheil zurück
+fordern, und die Bewohner unten in dem Dorfe und einigen benachbarten
+Weilern als seine künftigen Unterthanen ansehen. Seine Mutter führte ihn
+daher voll Freude überall im Schlosse herum, zeigte ihm die Umgebungen des
+Schlosses nebst den Gütern, die dazu gehörten, und redete mit ihm sehr
+vieles über seine künftige schöne Bestimmung, zum Glücke der Bewohner
+dieses kleinen Thales so vieles beytragen zu können.
+
+Unter solchen Gesprächen saßen Frau von Waldheim, Karl und Emilie einmal am
+Nachmittage auf der eichenen Bank, die, nebst einem ähnlichen ländlichen
+Tische, auf einem schönen, mit Kies beschütteten Platze vor dem äußern
+Thore des Schloßhofes stand, und von zwey dichten Kastanienbäumen
+beschattet war. Da sahen sie einen ehrwürdigen Greis mit schneeweißen
+Haaren und schwarzer Kleidung auf sich zukommen, der einen ziemlich langen
+Reisestab in der Hand führte und einen dreyfach aufgeschlagenen Hut unter
+dem Arme hielt. »Gott im Himmel! mein Pflegevater! rief Karl, indem er
+aufsprang und mit weit offenen Armen auf ihn zu eilte. Ists möglich, Sie
+sind es, liebster, bester Herr Pfarrer! Wie kommen Sie hieher?«
+
+»Lieber Karl! theurer Pflegesohn! sprach der Pfarrer; sobald ich deinen
+Brief erhalten hatte, war ich sogleich entschlossen, ungeachtet meines
+hohen Alters die weite Reise hieher noch zu machen. Ich hielt aus wichtigen
+Gründen meine Gegenwart dahier für nützlich, ja für nothwendig. Auch war es
+mein lebhaftester Wunsch, die Mutter und Schwester meines lieben
+Pflegesohnes kennen zu lernen, und die Freude, die Gott allen Dreyen
+beschert hat, nicht nur in weiter Ferne, sondern an Ort und Stelle zu
+theilen.« Karl fiel ihm um den Hals, und die Mutter und Emilie konnten
+nicht Worte genug finden, dem edlen Manne ihre Dankbarkeit auszudrücken.
+
+Der ehrwürdige Greis, den das Ersteigen des Berges ermüdet hatte, setzte
+sich nun zu ihnen auf die Bank. Frau von Waldheim both ihm Erfrischungen
+an. Allein dem edlen Greise war es jetzt gar nicht um Speis und Trank. Er
+fing sogleich an mit eben so viel Einsicht als Rührung von den wunderbaren
+Wegen der göttlichen Vorsehung zu reden; er sagte hierauf, was nun zu thun
+sey, damit der Landesfürst Karln als einen jungen Herrn von Waldheim
+anerkenne; auch sprach er noch sehr ausführlich davon, was Karl noch alles
+zu lernen habe, um ein weiser und guter Vater seiner künftigen Unterthanen
+zu werden.
+
+Indessen kamen Rosalie und ihre Tochter, wie gewöhnlich, auf Besuch. Frau
+von Waldheim stellte beyde dem ehrwürdigen Pfarrer vor. »Sehen Sie, mein
+lieber Herr Pfarrer, sagte sie, dieses da ist das gute Kind, das uns mit
+dem Lamme ein so segenreiches Geschenk gemacht hat, und hier ist ihre
+Mutter, die das Halsband mit den drey entscheidenden Buchstaben geziert
+hat.« Der edle Pfarrer freute sich sehr, die gute Rosalie und ihre Tochter
+kennen zu lernen, und grüßte beyde auf das freundlichste.
+
+Frau von Waldheim trug nun Rosalien auf, den Thee, nebst Brod und Butter,
+Wein und Obst unter die Kastanienbäume herab zu bringen. Emilie und
+Christine aber schlichen sich fort, zierten das Lämmchen, das immer rein
+und weiß war wie Schnee, mit Kränzen von frischem grünen Laub und jungen,
+halbgeöffneten Rosen, legten ihm das goldgestickte Halsband an, und führten
+es dem Herrn Pfarrer vor. Der freundliche Greis betrachtete es mit
+Wohlgefallen, streichelte es und sagte zu Frau von Waldheim und zu Emilien:
+»Sie haben mich mit den zwey werthen Personen, durch die Ihnen Gott ein so
+großes Glück bereitete, bekannt gemacht, und sogar das Lamm nicht
+vergessen, das, ohne es zu wissen, zu diesem Glücke so vieles beygetragen
+hat. Nun muß ich Sie aber auch noch den Mann kennen lehren, der nach Gott
+die vorzüglichste Ursache dieser erfreulichen Ereignisse war, und der das
+Größte that, was Menschen thun konnten, Ihrer aller Glück zu gründen. Ich
+meyne jenen edelmüthigen Soldaten, der sich mit Gefahr seines eigenen
+Lebens muthig in den Rhein stürzte, und unsern lieben Karl hier, als ein
+zartes unmündiges Knäblein, aus den reißenden Fluthen glücklich
+herausholte.«
+
+»Der gute Mann hatte, seit dem er jene edle That vollbrachte, sehr vieles
+auszustehen. Erlauben Sie, daß ich Ihnen das Wesentliche davon kurz
+erzähle. Er machte mehrere Feldzüge mit, hatte unsägliche Mühseligkeiten zu
+erdulden und wurde endlich schwer verwundet. Er und eine Menge anderer
+Verwundeter wurden auf Wagen geladen und weiter geführt. Nun traf sichs,
+daß der lange Zug von Wagen an dem Hause eines Wollfärbers vorbeykam, der
+außen vor dem Thore eines kleinen Städtchens nahe am Wasser wohnte. In
+diesem Hause war der brave Krieger ehemals einige Wochen im Quartier
+gelegen, und hatte dem Färber, dessen Wohnung dem Uebermuthe der Soldaten
+am meisten ausgesetzt war, ganz ungemeine Dienste geleistet, und ihm
+Vermögen und Leben gerettet. Der Färber schaute eben jetzt aus dem Fenster,
+die Wagen vorüber ziehen zu sehen -- und erblickte unter den Verwundeten
+seinen ehemaligen Beschützer, der sich auf dem Wagen mühsam aufrichtete und
+sehnlich zu den Fenstern heraufsah. Augenblicklich eilte der Färber hinab,
+grüßte ihn, und bath den Offizier, der den Zug begleitete, den armen
+todtschwachen Mann ihm zu überlassen. Der Feldarzt ward gerufen und dieser
+erklärte, der Mann werde ohnehin, wie schon hundert Andere, das
+Militärspital nicht mehr erreichen und zuverläßig unterwegs sterben. Man
+solle ihn also ohne weiters in das Haus des barmherzigen Mannes bringen, so
+würde der arme Leidende wenigstens für seine letzten Augenblicke noch
+einige Erleichterungen finden.«
+
+»Der Färber nahm nun seinen ehemaligen Hausfreund und Wohlthäter voll des
+herzlichsten Mitleids in sein Haus auf. Die sorgfältigste Pflege und der
+Fleiß des geschickten Wundarztes im Orte retteten ihm wider alle Erwartung
+das Leben; nur blieb er noch lange Zeit so schwach, daß er nicht weiter
+reisen, auch keine etwas schwere Arbeit verrichten konnte. Der Färber, der
+ein reicher Mann war und ein sehr weitläuftiges Gewerbe hatte, behielt ihn
+aber sehr gerne bey sich, und der dankbare Krieger, der eine sehr schöne
+Handschrift hat, besorgte ihm seinen Briefwechsel und führte ihm sein
+Handlungsbuch mit dem größten Fleiße und mit der pünktlichsten Genauigkeit.
+Beyde gewannen einander immer lieber, und lebten zusammen in wahrhaft
+brüderlicher Eintracht.«
+
+»Allein nun änderte sich auf einmal die Sache. Der brave Soldat war kaum
+vollends hergestellt und wieder zu Kräften gekommen, so starb der ehrliche
+Färber sehr unvermuthet hinweg. Der Tod hatte ihn zu schnell übereilt,
+sonst würde er seinen Freund sicher in seinem Testamente bedacht haben.
+Sein Vermögen fiel den Verwandten zu; die Färberey wurde verkauft; die
+hartherzigen Erben ließen den guten Mann mit leeren Händen abziehen. Er
+mußte sein Unterkommen weiter suchen. Er wollte jedoch zuvor zu seinem
+Regimente reisen, und, weil sein linker Arm etwas gelähmt blieb, um seinen
+Abschied bitten. Der Weg führte ihn nahe bey meinem Pfarrdorfe vorbey. Da
+regte sich natürlich in seinem Herzen der Wunsch zu erfahren, was aus dem
+Kinde geworden sey, das er einst aus dem Wasser gezogen hatte. Er besuchte
+mich -- eben ein Paar Tage, nachdem Karl abgereist war. Ich hatte eine
+große Freude, den edelmüthigen Krieger wieder zu sehen behielt ihn bey mir,
+und sann nach, ob ich ihm nicht irgendwo ein angemessenes Plätzchen
+verschaffen könnte.
+
+Da kam Karls Brief -- mit der unerwarteten Freudennachricht. Ich hielt es
+für sehr zweckmäßig, den braven Mann mit hieher zu nehmen. Denn fürs Erste,
+dachte ich, wird sein Zeugniß, daß er in jenem Jahre und an jenem Tage ein
+Knäblein von etwa vier Jahren aus dem Rheine zog, und es nebst einem
+Päcklein mit dessen Kleidern, in dem sich jener Ring fand, mir übergeben
+habe, sehr dienlich seyn, zu erweisen, Karl sey wirklich der Sohn der
+gnädigen Frau von Waldheim, von dem man glaubte, er sey ertrunken. Fürs
+Zweyte hoffte ich, Karl werde gegen den Retter seines Lebens gewiß nicht
+unerkenntlich seyn -- zumal der brave Mann treu wie Gold, im Schreiben und
+Rechnen sehr gewandt, besonders aber ein treflicher Forstmann ist, und dem
+künftigen Herrn von Waldheim in Verwaltung seiner Güter sehr nützliche
+Dienste leisten kann.«
+
+»O, wo ist er denn? Wo ist er?« riefen Frau von Waldheim, Karl und Emilie
+fast mit einer Stimme.
+
+Der Pfarrer wandte sich um, winkte einem ordentlich gekleideten Manne, der
+bescheiden in einiger Entfernung stand, nahm ihn bey der Hand, stellte ihn
+der gnädigen Frau vor, und sprach: »Hier ist er -- mein guter, ehrlicher,
+vortrefflicher Johann West!«
+
+»Johann West! rief die arme Rosalie ganz außer sich. O Gott, er ist mein
+Mann!« Sie flog in seine Arme; sie begrüßte ihn zitternd und bebend vor
+Freudenschrecken.
+
+Alle erstaunten über diese neue Fügung der göttlichen Vorsehung. Der Mann
+aber stand wie versteinert da. Es währte lange, bis er sich in dieses
+unverhoffte Glück finden konnte und endlich in Freudenthränen ausbrach. Die
+hocherfreute Rosalie rief nun ihrer Tochter zu: »O Christine, er ist dein
+Vater! O grüße ihn doch auch!« Christine, die bisher mit gefalteten Händen
+unbeweglich da gestanden, näherte sich ihm nun schüchtern, und er schloß
+sie unter heißen Thränen in seine Vaterarme. Alle drey hatten eine Freude
+-- wie vor einigen Tagen Frau von Waldheim, Karl und Emilie sie gehabt
+hatten.
+
+Nachdem sie sich von der ersten, ungestümen Freude erholt hatten, trat Karl
+herbey und umarmte den Retter seines Lebens mit unaussprechlicher Rührung.
+Die Frau von Waldheim und Emilie aber bothen ihm freundlich die Hand, und
+überhäuften ihn mit Danksagungen und Lobeserhebungen. »Lieber West, sagte
+Frau von Waldheim, Ihr, Eure Frau und Eure Tochter sollen von diesem
+Augenblicke an in dieses Schloß aufgenommen seyn, und nie mehr von mir
+getrennt werden; und wenn ich, wie ich hoffe, meine Güter wieder zurück
+bekomme, so sollet Ihr eine solche Anstellung erhalten, mit der Ihr gewiß
+zufrieden seyn werdet.«
+
+
+
+
+Neuntes Kapitel.
+Allgemeine Freude im Dorfe.
+
+
+Die Frau von Waldheim hatte es nicht sogleich bekannt werden lassen, daß
+der fremde Jüngling, der sich auf ihrem Schlosse befand, ihr Sohn sey; sie
+wollte sich ihres Glückes einige Tage im Stillen ungestört freuen. Allein
+der Kutscher, der den Pfarrer und dessen Reisegefährten hergeführt, und
+seine Pferde unten im Wirthshause des Dorfes eingestellt hatte, plauderte
+alles aus. Als er Abends die Kutsche wusch und die Pferde tränkte, kamen
+mehrere Leute aus dem Dorfe, die eben Feyerabend gemacht hatten, herbey und
+fragten, wem die Kutsche gehöre? Denn eine fremde Kutsche war etwas
+Seltenes im Dorfe. Der Kutscher sagte: »Ich habe den Herrn Pfarrer hieher
+gefahren, der euren jungen gnädigen Herrn erzogen hat.« »Ey was, riefen die
+Leute, der junge Herr ist ja als ein Kind ertrunken!« »Nein, sprach der
+Kutscher, er lebt, er ist droben auf dem Schlosse. Er wurde von dem Manne,
+der bey dem Herrn Pfarrer in der Kutsche saß, aus dem Wasser gezogen; sonst
+wäre er freylich ertrunken. Ich bin des Herrn Pfarrers sein Knecht, und
+habe euren jungen Herrn, als er noch klein war, viel hundert Mal auf dem
+alten Braunen, den ihr da stehen sehet, mit auf den Acker oder auf die
+Wiese reiten lassen. Der Karl ist aber auch ein recht braver, lieber junger
+Herr, und er hat auf mich, seinen alten Hanns, immer recht viel gehalten!
+Ihr werdet Freude an ihm haben und er wird euch zum Segen seyn.«
+
+Die Nachricht, der Baron Karl, der droben auf dem Schlosse geboren und in
+der Pfarrkirche zu Waldheim getauft war, den aber seine Aeltern einige
+Monate nach seiner Geburt mit sich fort genommen, und den man schon so
+lange für todt gehalten, sey wieder gefunden, verbreitete sich sogleich
+durch das ganze Dorf. Alles im Dorfe, Jung und Alt, lief voll Freuden dem
+Schlosse zu. Da die Leute aber die Herrschaft auf der Bank unter den
+Kastanienbäumen erblickten, blieben sie in einiger Entfernung stehen. Es
+sammelte sich ein dichtgedrängter Kreis von Vätern, Mütter und Kinder --
+ohne daß die Herrschaft und die übrige Gesellschaft in ihrer großen Freude
+es sogleich in Acht nahmen.
+
+Die Frau von Waldheim bemerkte es zuerst, und fragte: »Was wollen denn die
+vielen Leute?« Die Köchin, die eben zum zweyten Male heißes Wasser zum Thee
+brachte, weil das erstere kalt geworden war, sagte: »Die Leute möchten gern
+den jungen gnädigen Herrn sehen; sie haben es den Augenblick erst erfahren,
+daß er da sey.«
+
+Der würdige Pfarrer sprach: »Das ist schön! Das gefällt mir von den Leuten!
+Erlauben Sie, gnädige Frau, daß ich den wackern Leuten meinen Pflegesohn
+als ihren künftigen Gutsherrn vorstelle, und ihnen einige Worte an das Herz
+lege.« Der edle Greis nahm gerührt sein schwarzes Sammetkäppchen von seinem
+ehrwürdigen schneeweißen Haupte, stand auf, trat etwas vorwärts, blickte
+mit Thränen im Auge zum Himmel und fing dann ganz begeistert an zu reden:
+
+»Ihr Aeltern und Kinder, Ihr Väter und Mütter, Söhne und Töchter, tretet
+näher, und sehet und höret, was Gott Eurer gnädigen Herrschaft und auch
+Euch für eine große Freude bereitet hat!«
+
+»Gott, ohne dessen Wissen kein Sperling vom Dache fällt und der die Haare
+unsers Hauptes gezählt hat, ist wunderbar in seinen Wegen und weiß alles
+weislich zu fügen. Er, der Gott der Wittwen und Waisen, der Vater aller
+Leidenden und Bedrängten, lebt noch, und nimmt sich ihrer stets, und oft so
+wunderbar an, daß wir es deutlich mit Augen sehen und gleichsam mit Händen
+greifen können. Nicht das geringste Gute läßt Er, der reiche Vergelter,
+unbelohnt, und belohnt es oft schon hier auf Erden auf eine herrliche,
+göttlichschöne Weise.«
+
+Der würdige Pfarrer erzählte nun die vorzüglichsten Begebenheiten der
+Geschichte, die seinen Zuhörern noch unbekannt waren, und fuhr dann weiter
+fort.
+
+»Seht, so herrlich belohnte Gott Eure edle gnädige Frau für ihre
+menschenfreundliche Güte, mit der sie sich der armen, kranken Rosalie, die
+sich für eine Wittwe hielt und ihren Mann als todt beweinte, angenommen --
+so schön vergalt Er ihr, dieser wahrhaft gnädigen Frau, die Barmherzigkeit,
+die sie Rosaliens Tochter, der armen Christine, erwiesen hat! Gott gewährte
+ihr die größte Freude, die ihr in ihrem eigenen Wittwenstande werden
+konnte, und ließ sie ihren eigenen geliebten Sohn wieder finden!«
+
+»Reichlich segnete Gott Fräulein Emilien hier für ihr Mitleid gegen ein
+armes Mädchen und für ihre freundliche Güte, die nichts von Stolz weiß. Sie
+begegnete der armen Christine so freundlich und liebreich, als wäre
+Christine ihre eigene Schwester -- und Gott machte dem guten Fräulein dafür
+die unerwartete Freude, ihren eigenen lieben Bruder wieder zu finden.«
+
+»Herrlich belohnte Gott die arme Rosalie, daß sie die Leiden ihrer
+Krankheit und ihrer Armuth so geduldig ertrug, ihre Tochter so gut erzog,
+sie zur Redlichkeit, zur Dankbarkeit, zum Fleiße, zur Reinlichkeit und
+jeder anderen Tugend anhielt. Diese gute Erziehung brachte der guten Mutter
+jetzt schon die erfreulichsten Früchte und verwandelte ihre Leiden in
+Freuden!«
+
+»Schön vergalt Gott der guten Christine ihr Mitleid gegen ein verlornes
+Lamm, ihren Gehorsam gegen ihre Mutter, die Redlichkeit, mit der sie das
+Lamm dem Eigenthümer zurück gab, die Dankbarkeit, mit der sie es dem
+Fräulein hier zum Geschenke machte. Diese liebenswürdigen Eigenschaften
+gewannen ihr die Zuneigung Eurer gnädigen Frau und Fräulein Emiliens, waren
+die Veranlassung, daß sie ihren Vater wieder fand und werden sie auch
+fernerhin glücklicher machen, als der reichste Brautschatz sie machen
+könnte.«
+
+»Wie wunderbar führte Gott Euren jungen gnädigen Herrn in die Arme der
+geliebten Mutter, die ihn längst für todt hielt, zurück, um ihn für seinen
+Fleiß, seinen Gehorsam, sein gutes Betragen von der zartesten Kindheit an,
+zu segnen, sein kindliches Gefühl gegen seine Mutter, die er nicht kannte,
+zu belohnen, und sein herzliches, inniges Gebeth dort in dem Walde gnädig
+zu erhören!«
+
+»Wie augenscheinlich belohnte Er die edle Handlung des wackern Kriegers
+hier! Ach, der gute Mann sprang voll herzlichen Erbarmens in das Wasser, um
+mit Gefahr seines eigenen Lebens dem Kinde einer trauernden Wittwe das
+Leben zu retten. Dafür erbarmte sich Gott auch über desselben Weib und
+Kind, rettete sie aus Noth und Mangel, erweckte edle Herzen, die sich ihrer
+gütig annahmen, und ließ ihn Mutter und Kind, von denen er ungeachtet aller
+seiner Nachforschungen nichts mehr erfragen konnte, wieder finden! Vater,
+Mutter und Kind sehen nun nach vielen überstandenen Leiden ruhigern und
+glücklichern Tagen entgegen.«
+
+»Und dieses alles führte Gott durch dieses Lamm hier aus, das als ein
+liebliches Bild der Unschuld, weiß wie Lilien und mit jungen Rosen
+geschmückt, in Eurer Mitte steht. Er, der liebe Gott, ließ es verloren
+gehen; Er leitete Christinens Tritte, daß sie es fand; Er bewegte das Herz
+des ehrlichen Landmanns, es ihr zu überlassen; Er gab Christinen und ihrer
+Mutter in den Sinn, es Emilien zu schenken; Er führte das Lamm gleichsam an
+der Hand dem reisenden Jünglinge zu, um ihn in die Arme der geliebten
+Mutter zu führen. Er setzt ihn durch ein Lamm wieder in seine Güter ein,
+und bereitet dadurch auch Euch ein großes Glück. Denn ich kann Euch
+versichern, Karl ist ein edler, hoffnungsvoller Jüngling. Er fürchtet Gott
+und liebt die Menschen. Er wird Euch und Euren Kindern ein guter milder
+Herr seyn.«
+
+»Und sollte nun Gott, der den Lebenslauf eines Lammes so sicher leitet, den
+Eurigen ausser Acht lassen können? O mit mehr Liebe und Mitleid, als
+Christine das Lamm hier aufnahm, trägt Er euch alle am Herzen.«
+
+»Meine geliebten Freunde! Wie könnte ein Diener des Evangeliums ein Lamm
+sehen, ohne daß ihm Derjenige zu Sinne käme, der gleich einem schuldlosen
+Lamme zum Besten seiner lieben Menschen verblutete und der sich selbst
+öfter einem guten Hirten verglich! Ja, Er, dessen Diener ich bin, dessen
+Evangelium ich predige, ist der ewig treue, liebevolle Hirt unser Aller. Er
+kennet alle seine Schafe, Er nennet sie mit Namen, Er ruft sie mit sanfter
+Stimme, Er lenkt sie mit seinem milden Hirtenstabe, Er beschützt sie vor
+Gefahren, Er weidet sie. Er sucht die verlornen auf; Er möchte jedes
+gleichsam auf seinen Schultern in den Himmel tragen! Vertrauet Ihm daher
+vom ganzen Herzen!«
+
+»Laßt uns aber auch seine Stimme hören und Ihm folgen, und Gutes thun, so
+viel wir können. Denn seht, Gott bedient sich unsrer guten Handlungen, uns
+und Anderen große Freude, Segen und Heil zu bereiten. Hätte zum Beyspiele
+Eure gnädige Frau gegen die arme, kranke Rosalie sich nicht so wohlthätig
+erzeigt; wäre Emilie gegen die arme Christine nicht so freundlich gewesen,
+ja hätte sie ihr auch nur das kleine Halstuch nicht geschenkt; hätte
+Christine etwa aus Eigennutz Emilien das Lamm nicht schenken mögen; oder
+hätte Christinens Mutter nicht aus herzlicher Dankbarkeit das schöne
+Halsbändchen gestickt; hätte Karl nicht eine so kindliche Liebe zu seiner
+Mutter gehabt, sich nicht so nach ihr gesehnt, dort im Walde nicht so innig
+gebethet: so wäre alles nicht so gegangen, und der heutige Tag wäre nicht
+für uns alle ein so großer Freudentag geworden. So bringt alles, auch das
+kleinste Gute, das wir thun, reichen Segen über uns und Andere. Edle
+Handlungen sind Perlen, die Gottes heilige Vorsicht nicht verloren gehen
+läßt, sondern sie gleichsam an eine Schnur reihet; gute Thaten sind goldene
+Ringe, aus denen Gott eine goldene Kette herrlicher und erfreulicher
+Begebenheiten zusammen fügt.«
+
+»Ihr aber, meine lieben Kinder, beschloß der Pfarrer seine Anrede, in dem
+er sich zu den Kindern wandte, ihr Größern, die ihr mir so aufmerksam
+zugehört habt, und ihr Kleinern, die ihr nur nach dem niedlichen weißen
+Lämmchen hinblickt, das so schön mit Rosen geschmückt in eurer Mitte steht
+-- euch alle wolle Gott segnen -- und geben, daß ihr alle so unschuldig
+bleibet, wie ein Lamm, und so sanft und geduldig, wie ein Lamm, wenn ihr,
+wie manches arme Lämmchen, unter rauhe Hände fallen solltet. Er, der das
+Leben für seine Schäflein gab, wolle euch in seinen Armen und an seinem
+Herzen tragen; Er wolle euch in seinen mächtigen Schutz nehmen, wenn das
+Verderben eurer Unschuld droht, wie ein grimmiger Wolf einem sanften,
+schuldlosen Lamme. Ihr holden Kleinen seyd ja auch die Schäflein seiner
+Heerde! Er wolle euch ewig nicht seinen Händen entreissen lassen.«
+
+So redete der Pfarrer; sein Angesicht war von den Strahlen der
+untergehenden Sonne beleuchtet, und sein ehrwürdiges weißes Haar glänzte in
+dem hellen Abendschimmer. Er stand da mit seinen zum Himmel gerichteten
+Blicken voll Thränen wie verklärt -- und alle, die ihn hörten, hatten
+Thränen in den Augen und neues Vertrauen auf den Gott, der alles wohl
+macht, kam in ihr Herz, und erquickte es sanft, wie der Thau, der bereits
+die Blumen im Thale erfrischte. Die guten Landleute gingen alle gerührt und
+voll guter Vorsätze nach Hause. »Das ist schön gewesen! sagten sie auf dem
+Heimwege zu einander, und eine solche allgemeine Freude ist wohl, seit das
+Dorf steht, noch nicht erlebt worden.«
+
+
+
+
+Zehntes Kapitel.
+Ein Kinderfest.
+
+
+Die Frau von Waldheim reisete nun mit Karl in die Residenz, stellte diesen
+ihren wieder gefundenen Sohn dem Fürsten vor, und bath um die
+Wiedereinsetzung in ihre Güter. Der ehrwürdige Pfarrer, und der wackere
+West waren auch mitgekommen, um durch ihr vereintes Zeugniß zu beweisen,
+Karl sey wirklich ein junger Herr von Waldheim. Der Fürst hörte sie sehr
+gnädig an, fand die vorgebrachten Beweise vollkommen hinreichend und
+befahl, die Güter unverzüglich ausfolgen zu lassen; verordnete jedoch, daß
+die Frau von Waldheim, so lange bis Karl das gesetzliche Alter erreicht
+haben würde, die Verwaltung der Güter übernehmen solle.
+
+Voll Freude kam Frau von Waldheim mit ihrer Reisegesellschaft zurück auf
+ihr Schloß. Der würdige Pfarrer reisete nach einen Paar Tagen unter den
+dankbaren Thränen der Frau von Waldheim, Karls und Emiliens ab, um sich
+wieder zu seiner geliebten Pfarrgemeine zu begeben. Karl bezog, reichlich
+ausgestattet und unter glänzendern Umständen als vorhin, die hohe Schule.
+Den trefflichen West aber ernannte die gnädige, nunmehr wieder gebiethende
+Frau, nachdem er seiner Kriegsdienste entlassen war, zu ihrem Rentmeister,
+und übergab ihm, als einem sehr geschickten Forstmanne, zugleich die
+Oberaufsicht über die Waldungen, die zu dem Gute gehörten und sehr
+ansehnlich waren.
+
+Nachdem Karl seine Studien rühmlichst vollendet, dann zu seiner weiteren
+Belehrung und Bildung eine große Reise gemacht, und nunmehr seine
+Herrschaft übernommen hatte, saß er eines Abends mit seiner Mutter und mit
+Emilien, die nun eine erwachsene schönblühende Jungfrau war, auf der
+eichenen Bank nächst dem Schloßthore. Es wurden eben die Schafe
+eingetrieben, deren Frau von Waldheim sehr viele angeschafft hatte. Auch
+jenes Lamm hatte sich zu einer kleinen Heerde vermehrt, die aber von Emilie
+als ihr besonderes Eigenthum betrachtet wurde. Karl und Emilie unterhielten
+sich damit, die Schafe und Lämmer zu zählen. »Nun Kinder, fing die Frau von
+Waldheim an, als die Heerde vorbey getrieben war, können wir den Gedanken
+ausführen, mit dem ich Euch schon längst bekannt gemacht habe. Die Heerde
+ist jetzt zahlreich genug. Morgen ist es abermals ein Jahr, daß Gott mir
+und Euch, meine lieben Kinder, durch jenes Lamm eine so unbeschreibliche
+Freude gemacht hat, an der alle Aeltern und Kinder unsrer kleinen
+Gutsherrschaft den herzlichsten Antheil genommen haben. Der morgige Tag
+soll daher ein allgemeines Kinderfest werden für das ganze Dorf und alle
+dazu gehörige Orte. Ja, auch die Aeltern sollen nicht leer ausgehen.« Frau
+von Waldheim ging nun mit Karl und Emilien in den Schloßhof, suchte eine
+Anzahl der schönsten Schafe heraus und befahl dem Schäfer, sie besonders
+einzuschließen. Am folgenden Morgen geboth sie den Mägden im Schlosse, die
+Schafe reinlich zu waschen, und die Mägde wetteiferten, es nur recht schön
+zu machen. Die Schafe wurden fast so weiß wie Schnee, und Emilie und
+Christine schmückten sie überdieß noch mit rosenfarbenen Bändern.
+
+Frau von Waldheim ließ nun alle Kinder des Dorfes und des umliegenden
+Thales, die in die Schule zu Waldheim gingen, einladen, nachmittags um zwey
+Uhr auf das Schloß zu kommen. Die Kinder, Knaben und Mägdlein, kamen mit
+tausend Freuden, und waren wohl schon eine Stunde früher in ihrem schönsten
+Aufputze vor dem Schloßthore versammelt. Zur bestimmten Zeit wurden sie in
+den Schloßhof gerufen. Und sieh -- da stand zu ihrem Erstaunen eine lange
+Tafel, fast so lang, als der Schloßhof, und auf der Tafel erblickten sie,
+zu ihrer nicht geringen Freude, große schöne Kuchen, blinkende Schüsseln,
+aufgehäuft voll mit allerley Backwerk, und zierliche Körbchen, aus denen
+ihnen Aepfel, Birnen und Pflaumen, roth, gelb und blau entgegen lachten.
+Auch standen einige große gläserne Flaschen mit dunkelrothem Methe
+dazwischen. Die Kinder mußten nun auf den langen Bänken zu beiden Seiten
+des Tisches, und zwar auf einer Seite die Knaben und auf der andern die
+Mädchen, Platz nehmen, und es wurde ihnen von allem reichlich vorgelegt. Da
+sah man nun lauter fröhliche Gesichter. Die Kinder ließen es sich recht
+wohl schmecken, und vergaßen auch nicht von dem süßen Methe auf die
+Gesundheit der gnädigen Frau, Karls und Emiliens zu trinken.
+
+Nachdem alle satt waren, ertönten auf einmal fröhliche Schallmeyen. Die
+Söhne des Schäfers zogen mit dieser ihrer ländlichen Musik in den
+Schloßhof; die reinliche, schön geschmückte Schafheerde folgte ihnen, und
+der alte Schäfer machte den Beschluß. Die Kinder hatten an den schönen
+Schafen große Freude, und bald rief dieses, bald jenes: »O wie schön! So
+schöne blüthenweiße Schafe, die mit so schönen rothen Bändern geziert sind,
+haben wir noch nie gesehen.« Aber wie groß war erst die Freude der Kinder,
+als sie hörten, die Schafe sollten unter sie vertheilt werden, und die
+Kinder jedes Hauses sollten zusammen ein Schaf bekommen. Die Frau von
+Waldheim wollte die Schafe durch das Loos vertheilen lassen, um die
+Vertheilung unterhaltender zu machen und jeden Schein von Partheilichkeit
+zu vermeiden. Jedes Schaf hatte ein Blatt mit einer Nummer anhängen. In
+einem großen irdenen Topfe befanden sich auf zusammen gerollten Blättchen
+eben die Nummern, wie an den Schafen. Nun mußte ein Kind nach dem andern
+eine Nummer ziehen, und sobald es gezogen hatte, erschallten die
+Schallmeyen und spielten so lange fort, bis das Schaf mit eben derselben
+Nummer aus der Heerde herausgefunden war. Die Begierde der Kinder bey dem
+Ziehen, die Erwartung, welches Schaf dem ziehenden Kinde zu Theil werden
+würde, die Freude des Kindes, wenn ihm das Schaf wirklich übergeben wurde,
+lassen sich gar nicht beschreiben. Der ganze Schloßhof war voll Jubel.
+
+Nachdem die Schafe alle vertheilt waren, zogen die Kinder damit hinab in
+das Dorf. Die Schäferssöhne mit ihren helltönenden Schallmeyen gingen
+voran, die Schafe von den Kindern begleitet folgten, und der alte Schäfer
+beschloß den Zug. Gleichsam im Triumpfe zogen sie in dem Dorfe ein. Als die
+Leute die Schallmeyen und das Jubeln der Kinder hörten, und die
+schöngeschmückten Schafe erblickten, wunderten sie sich sehr, was doch
+dieses alles zu bedeuten habe. Allein da sie vernahmen, daß die gnädige
+Herrschaft die Kinder so gütig beschenkt habe -- da hätte ihre Freude kaum
+größer seyn können. Viele Aeltern vergossen über die mildthätigen
+Gesinnungen ihrer gnädigen Herrschaft Freudenthränen.
+
+In jene Häuser, wo sich kein Schulkind befand, schickte Frau von Waldheim
+dennoch ein Schaf hin; den wackern Bauersleuten aber, die einst die arme
+Rosalie so liebreich in ihr Nebenhäuschen aufgenommen hatten, schenkte sie
+zehn Schafe. Auch den ehrlichen Bauern und die gute Bäuerin auf dem
+Eichhofe, die einst der kleinen Christine jenes Lamm geschenkt und sie so
+freundlich zum Nachtessen eingeladen hatten, vergaß sie nicht. Da diese
+Leute sehr reich waren, und noch immer Schafe genug hatten, so ließ sie auf
+den folgenden Sonntag beyde zum Mittagsessen einladen, und der Bauer
+versicherte öfter, diese Ehre schätze er viel höher, als wenn die gnädige
+Frau ihm hundert Schafe geschenkt hätte.
+
+Am andern Morgen kamen alle Hausväter aus dem Dorfe in ihren
+Sonntagskleidern auf das Schloß, der gnädigen Herrschaft für die erzeigte
+Wohlthat zu danken. Nun nahm Karl das Wort und sagte: »Liebe Männer! Ihr
+wißt, als ein armer Jüngling, der beynahe nichts hatte, als seinen Stab,
+wanderte ich einst durch diese Gegend. Durch ein Lamm half mir Gott wieder
+zu meinem väterlichen Erbtheile, und machte mich so glücklich, der Gutsherr
+von Euch lieben Leuten zu werden. Meine Mutter, meine Schwester, und ich
+wünschten, daß die Wohlthat, die Gott uns durch ein Lamm erwies, auch noch
+für unsre und Eure Nachkommen unvergeßlich bleiben, und ihnen noch zum
+Segen werden möchte. Hört deßhalb, was wir beschlossen haben!«
+
+»Das Recht in unserm Dorfe hier Schafe zu halten, gehörte bisher
+Ausschließungsweise der Herrschaft zu. Dieses Recht sollt ihr von dem
+heutigen Tage an nun alle genießen. Deßwegen gab meine Mutter Euren Kindern
+zu einem kleinen Anfange die Schafe. Gott wolle sie Euch segnen!«
+
+»Ich hoffe, Euer Ackerbau soll durch die Schafzucht sehr verbessert werden,
+nach dem alten Sprichworte: Die Fußtritte der Schafe verwandeln sich in
+Gold. Aber auch den Aermern, die keinen Acker haben, wird wenigstens Wolle
+und Milch sehr gut kommen.«
+
+»Ich werde die Anstalt treffen, daß die Wolle, die wir gewinnen, sogleich
+in unserm Dorfe verarbeitet werde, und ich hoffe, es soll noch der Tag
+kommen, daß die Kleider aller Bewohner meiner Herrschaft von selbst
+gewonnener Wolle verfertigt seyn werden. Gott gebe seinen Segen dazu!«
+
+Karls Wunsch ging auch vollkommen in Erfüllung. Die arme Rosalie, nunmehr
+Frau Rentmeisterin, und ihre Tochter Christine gaben Unterricht im
+Wollspinnen und Stricken. Ein Tuchmacher, ein Hutmacher und ein
+Strumpfwirker zogen auf Karls Veranstaltung in das Dorf. Es wurden sehr
+schöne Tücher von allen Farben und auch sehr gute Hüte und Strümpfe
+verfertigt. Karl bemerkte oft mit Rührung, wie Groß und Klein im Dorfe vom
+Haupte bis zu den Füssen mit selbst gewonnener und verfertigter Kleidung
+versehen waren, und wie alle Getreidfelder des ganzen Thales in einen
+blühenderen Zustand kamen und reichlichere Früchte trugen.
+
+Emilie verlegte sich noch besonders auf die Stickerey mit gefärbter Wolle.
+Sie hatte von ihrer kleinen Heerde einen Vorrath an Wolle gesammelt, die
+von sehr feiner Art war. Der Rentmeister West legte ganz unerwartet ein
+neues Talent an den Tag. Er hatte von seinem Färber gelernt, der Wolle alle
+Farben, und jeder Farbe alle mögliche Abstufungen zu geben, von dem
+hellsten Lichte bis zum dunkelsten Schatten. Emilie war daher in den Stand
+gesetzt, ganz vorzüglich schöne Stickereyen zu verfertigen. Karl machte
+dazu die Zeichnungen und Christine leistete ihr dabey trefliche Hülfe. Sie
+stickten bunte Blumenkränze und niedliche Körbchen voll Blumen von allen
+Farben, große Rosensträuche, die mit halb und ganz aufgeblühten Rosen und
+reichlichem grünem Laube prangten, ja ganze Landschaften, in denen
+Baumschläge, Felsen, Wasserfälle und dergleichen zu sehen waren, und die
+mit Gewinden von Reblaube und gelbgrünen und purpurblauen Trauben
+dazwischen oder mit andern schönen Verzierungen eingefaßt waren. Emilie
+richtete so nach und nach ein ganzes Zimmer im Schlosse sehr schön ein. Der
+Teppich auf dem Tische, die Ueberzüge der Sessel und des Kanapees und auch
+der Fußteppich waren auf diese Art gestickt, und wer hineintrat, erstaunte
+über die Pracht der lebhaften Farben, die Richtigkeit der Zeichnung, und
+die kunstreiche Schattirung.
+
+Da alle die schön gefärbte Wolle, die dazu verwendet worden, ursprünglich
+von jenem einzigen Lamme herkam, so machte Karl, nunmehr, gnädiger Herr von
+Waldheim, eine sehr schöne, große Zeichnung, in der er den ihm
+unvergeßlichen Augenblick abbildete, in dem er Mutter und Schwester
+vermittelst des Lammes wieder gefunden. Ganz im Vordergrunde auf der
+Felsenbank unter den Eichen zeichnete er seine Mutter nebst ihrer
+Gesellschafterin Rosalie. Weiterhin in dem Walde erblickte man Emilie und
+Christine und ihn selbst, und in ihrer Mitte befand sich das Lamm. Er hielt
+in einer Hand den Ring und deutete mit dem Zeigefinger der andern Hand auf
+die goldenen Buchstaben, die auf dem rothen Halsbande des Lämmchens
+deutlich zu sehen waren. Emilie aber zeigte mit ausgestrecktem Arme nach
+der Gegend hin, wo ihre Mutter saß, als wollte sie sagen: »Dort ist sie!«
+Karl mahlte die Zeichnung mit sehr lebhaften Farben vortrefflich aus, und
+die sehr kenntlichen Personen auf dem Bilde, die nebst dem Lamme von der
+untergehenden Sonne kräftig beleuchtet waren, machten zwischen den dunkeln
+Schatten des Waldes eine unvergleichliche Wirkung. Er hängte das Gemälde,
+in einen goldenen Rahmen gefaßt, in dem Zimmer auf, nachdem er zuvor mit
+goldenen Buchstaben die drey Worte darunter geschrieben hatte:
+
+ »_Unter Gottes Leitung!_«
+
+Bei _Philipp Krüll_ in _Landshut_ ist zu haben:
+
+_Genovefa_. Eine der schönsten und rührendsten Geschichten des Alterthums,
+neu erzählt für alle guten Menschen, besonders für Mütter und Kinder. 4te
+rechtmäßige Auflage, m. 1 Kupf. 8. 1825. 24 kr. oder 6 gr.
+
+_Ostereyer_, die, eine Erzählung zum Ostergeschenke für Kinder, von dem
+Verfasser der Genovefa. 2te Auflage. 12. 1818. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
+
+_Wie Heinrich von Eichenfels_ zur Erkenntniß Gottes kam; eine Erzählung für
+Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der Ostereyer. 2te verbesserte
+Auflage. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
+
+_Blüthen_, dem blühenden Alter gewidmet, von dem Verfasser der Ostereyer.
+2te verb. und vermehrte Ausgabe. 8. 1826. 24 kr. 6 gr.
+
+_Erzählungen_ für Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der
+Ostereyer. 1s Bändchen. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
+
+-- -- desselben Werks 2s Bändchen. 12. 1825. der _Weihnachtsabend_, eine
+Erzählung zum Weihnachtsgeschenke für Kinder, von dem Verfasser der
+Ostereyer. 12. 1825. 15 kr. 4 gr.
+
+_Blumenkörbchen_, das, eine Erzählung dem blühenden Alter gewidmet, von dem
+Verfasser der Ostereyer: mit 1 Titelkupfer. 8. 1823. 24 kr. 6 gr. Velinpap.
+1 fl. 48 kr. Rthl. 1.
+
+_Rosa_ von Tannenburg. Eine Geschichte des Alterthums, für Aeltern und
+Kinder. Erzählt von dem Verfasser der Genovefa; mit 1 Kupf. 8. 1823. 30 kr.
+8 gr.
+
+_Itha_, Gräfin von Toggenburg; eine sehr schöne und lehrreiche Geschichte
+aus dem 12ten Jahrhundert, neu erzählt für alle guten Christen, besonders
+für unschuldig Leidende. Ein Seitenstück zur Genovefa; mit 1 Kupf. 7te
+Auflage. 8. 1825. 24 kr. 6 gr.
+
+_Hirlanda_, Herzogin von Bretagne, oder der Sieg der Tugend und Unschuld;
+eine erbauliche und lehrreiche Geschichte des Alterthums, neu erzählt für
+Junge und Alte von dem Verfasser der Gräfin Itha von Toggenburg. 3te
+rechtmäßige Auflage. 8. 1822. 18 kr. 5 gr.
+
+_Geschichten_, biblische, für Kinder. 3 Thle. (v. Christoph Schmidt). 8.
+1822. netto 1 fl. 9 kr. 18 gr.
+
+-- -- dieselben im Auszug. 2 Thle. 8. 1821. netto 30 kr. 8 gr.
+
+_Engelbrecht_, A., Aufsätze pädagogischen Inhalts; ein Buch für Seelsorger
+und Volksschullehrer, zur angenehmen und belehrenden Unterhaltung; mit 1
+Kupfer. 8. 1821. 1 fl. 30 kr. Rthl. 1.
+
+_Hausaufgaben_ für Schreib- und Rechnungsschüler in Volksschulen, oder
+Aufgaben zur Selbstbeschäftigung der Schüler. 2te verbesserte Auflage. 8.
+1823. 15 kr. 4 gr.
+
+_Diktirübungen_ nach den Regeln der Orthographie geordnet, nebst einem
+Diktir-Surrogat für Volksschulen; ein Hand- und Lesebuch für
+Elementarschulen, vom Verfasser der Hausaufgaben. 8. 1822. 12 kr. 3 gr.
+
+_Maurer_, K., Lesebuch für geübtere Leseschüler. 8. 1818. 15 kr. 4 gr.
+
+-- -- kleine lehrreiche Erzählungen u. Lesesätze, nebst einigen
+Gleichnissen und Denksprüchen aus dem Munde Jesu. Ein Geschenk für Kinder.
+8. 1820. 8 kr. 2 gr.
+
+-- -- Briefe für Kinder, nebst einigen Anreden bei öffentlichen
+Schulprüfungen. 3te Auflage, gr. 12. 1824. 12 kr. 3 gr.
+
+-- -- Tabelle zur Kenntniß der Buchstaben. 8. 1817.; auf Pappendeckel
+gezogen 2 kr.
+
+-- -- Lesebuch für Anfänger im Lesen. 3 Abtheil. 2te verb. Aufl. 12. 1824.
+7 kr. 2 gr.
+
+Alte, der, von den Bergen; eine Erzählung für Kinder. 2te verbesserte
+Auflage. 12. 1822. 9 kr. Z gr.
+
+_Heilingbrunner_ und _Zeheters_ drittes Elementarbuch der nöthigsten Sach-
+und Sprachgegenstände für Volksschulen. 8. 1822. 30 kr. 8 gr.
+
+_Jais_, P. A., schöne Geschichten und lehrreiche Erzählungen, zur
+Sittenlehre für Kinder und wohl auch für Erwachsene. 2 Bändchen. 10 kr. 3
+gr.
+
+_Fabeln_ für unsere Zeiten und Sitten. 2 Bändchen. 8. 1821. 1 fl. 16 gr.
+
+_Ackermann_, G., kurze Volkspredigten über sinnliche Lust und sinnliche
+Abtödtung; auf die Faßnachts- und Fastenzeit. 8. 1825. 36 kr. 8 gr.
+
+_Schmid_, J. G., Versuch einer Sittenlehre in Denkreimen, gesammelt für
+Schulkinder auf dem Lande. 12. 1825. 2 kr.
+
+_Sailer_, Bischof, J. M., das christliche Monat, oder Gebethe und
+Betrachtungen auf jeden Tag des Monats, mit Kupf. 8. 1826. 1 fl. 24 kr.
+
+_Nikolaus_ von Myra, eine eben so lehrreiche als wundervolle Geschichte aus
+dem 3 und 4ten christl. Jahrhundert, neu erzählt, und mit moral. Anwendung
+vorzüglich für Hausväter, Eltern u. Kinder begleitet. 8. 1821. 8 gr. 30 kr.
+
+_Lebensgeschichte_, erbauliche, der Dienerin Gottes, Marie Clotilde von
+Frankreich, Königin von Sardinien; aus d. Franz. übers. 8. 1819. 6 gr. 24
+kr.
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription
+
+
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Das Lämmchen, by Christoph von Schmid
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43332 ***
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+++ /dev/null
@@ -1,2234 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Das Lämmchen, by Christoph von Schmid
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Das Lämmchen
-
-Author: Christoph von Schmid
-
-Release Date: July 28, 2013 [EBook #43332]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LÄMMCHEN ***
-
-
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-
-Produced by Jens Sadowski (based on a copy preserved by
-Kurt Linack and Katrin Walter)
-
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-
-
- Erzählungen
- für
- Kinder
- und
- Kinderfreunde.
-
-
- Von
- dem Verfasser der Ostereyer.
-
-
-
-
- Drittes Bändchen.
-
- Landshut, 1826.
- in der Krüll'schen Buchhandlung.
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- Inhalt.
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- Das Lämmchen.
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-Das Lämmchen.
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-Erstes Kapitel.
-Christine und ihre Mutter Rosalie.
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-Christine, ein armes Mädchen von etwa zehn Jahren, pflückte in dem Walde
-Erdbeeren. Es war ein heißer Nachmittag, und an den sonnichten Waldplätzen,
-wo kein kühlendes Lüftchen hinkam, war es fast zum verschmachten schwühl.
-Ihr leichtes Strohhütchen vermochte nicht mehr den brennenden
-Sonnenstrahlen zu wehren. Die hellen Schweißtropfen standen ihr beständig
-auf der Stirne, und ihre Wangen waren wie Glut. Dennoch pflückte sie, ohne
-aufzusehen, emsig fort. »Denn, sagte sie freudig, indem sie mit ihrem
-weißen Tuche den Schweiß abwischte, es ist ja für meine kranke Mutter. Das
-Geld, das ich aus den Beeren erlöse, verschafft ihr doch wieder eine kleine
-Erquickung!«
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-Gegen Abend ging sie, mit ihrem Körbchen voll Beeren am Arme, durch den
-Wald nach Hause. Es fing an zu regnen. Immer lauter rauschten die
-Regentropfen in den Blättern der Bäume, und aus der Ferne her donnerte es
-sehr stark. Als sie aus dem Walde heraus kam, erhob sich ein Sturmwind; ein
-heftiger Platzregen schlug ihr entgegen, und an dem glühendrothen
-Abendhimmel standen dunkle Gewitterwolken, wie Gebirge auf einander
-gethürmt. Sie suchte sich, fern von den hohen Bäumen, unter niedrigen
-Haselstauden ein sicheres Plätzchen, stand hier unter, und wartete, bis das
-Gewitter vorüber wäre.
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-Allein mit Einem Mahle hörte sie in dem nahen Erlengesträuche ein
-klägliches Geschrey -- fast wie das Geschrey eines kleinen Kindes. Das gute
-mitleidige Mädchen ließ sich von Sturm und Regen, Blitz und Donner nicht
-abhalten, nachzusehen, was es doch wohl seyn möge? Sie ging hin -- und sieh
-da! es war ein kleines, zartes Lämmchen, das vom Regen tröpfelte, zitterte
-und nicht wußte wohin. »Ach du armes, armes Thierchen! sagte Christine.
-Nein, du sollst nicht umkommen. Komm, ich nehme dich mit mir nach Hause.«
-Sie nahm das Lämmchen sorgfältig in die Arme, und eilte damit, sobald der
-Regen nachließ, ihrer kleinen, strohbedeckten Wohnung zu.
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-»O sieh doch, liebe Mutter, rief sie, so bald sie in das niedre, reinliche
-Stübchen trat -- sieh doch, was ich da gefunden habe! Sieh, ein
-wunderschönes Schäflein! O wie glücklich war ich! Wie will ich es pflegen!
-Es soll meine ganze Freude seyn!«
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-»Kind, sagte die kranke Mutter, indem sie sich in dem Bette aufrichtete und
-den Kopf auf die Hand stürzte, du vergissest in deiner Freude, daß dieses
-Lämmchen schon seinen Herrn haben muß. Es ist bloß verloren -- und da
-müssen wir es wieder zurückstellen. Gewiß gehört es dem reichen Bauern auf
-dem Eichhofe. Fremdes Gut sollen wir nicht einmal über Nacht im Hause
-behalten. Trag' es also heute noch hin.«
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-»Ihr seyd nicht gescheid, rief jetzt eine rauhe Stimme zum offnen Fenster
-herein; man muß nicht alles so genau nehmen!« Der Mann, der dieses sagte,
-war ein Maurer, der draußen an der Mauer des kleinen Hauses etwas
-ausbesserte und ihr Gespräch behorcht hatte. Mutter und Tochter blickten
-ihn erschrocken an. Er aber sprach weiter: »Macht keine so seltsamen
-Gesichter! Ich meyne es gut. Wir wollen das Thierchen metzgen, und es mit
-einander theilen. Das Fleisch giebt gerade ein Paar kleine Braten, und das
-Fellchen ist auch noch einige Kreuzer werth. Der reiche Bauer hat über
-hundert schöne, große Schafe; ob er das winzig kleine Ding da noch habe
-oder nicht, daran ist nichts gelegen. Ich will es also geschwind
-schlachten. Ihr dürft euch dabey nicht fürchten. Es siehts ja niemand. Und
-mir dürft ihr schon trauen. Ich kann schweigen -- sagte er und warf eine
-Kelle voll Mörtel an die Wand -- wie eine Mauer.«
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-Christine entsetzte sich über die Reden des Mannes. Der Gedanke, das
-Lämmchen zu behalten, kam ihr jetzt abscheulich vor. »Ihr habt Unrecht!
-sagte sie zu dem Maurer. Was kein Mensch sieht, sieht doch Gott! Du aber,
-liebe Mutter, hast Recht -- und mich wundert nur, daß mir das, was du
-sagtest, nicht von selbst einfiel. Ich hätte das Schäflein -- fuhr sie fort
-und Zähren traten in ihre blauen Augen -- freylich so gern, o so gern
-behalten! Allein dem lieben Gott müssen wir willig gehorchen.« Sie wickelte
-das Lämmchen in ihre Schürze, und wanderte damit dem Eichhofe zu, obwohl es
-noch nicht ganz aufhörte zu regnen und die Sonne bereits unterging.
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-Als Christine, auf dem Eichhofe ankam, stand die Bäuerin, mit ihrem
-kleinsten Kinde auf dem Arm, eben vor der Hausthüre, und die größeren
-Kinder standen um sie her. Sie betrachteten andächtig den schönen
-Regenbogen, der jetzt nach dem Gewitter in der ganzen Pracht seiner sieben
-Farben im schwarzgrauen Gewölke zu sehen war. »Seht den Regenbogen an,
-sprach die Mutter, indem sie mit ausgestrecktem Arme darauf hinzeigte, und
-preiset Denjenigen, der ihn gemacht hat. In dem flammenden Blitze und dem
-furchtbaren Donner zeigt uns Gott seine große Macht und Herrlichkeit; in
-den schönen Farben des Regenbogens aber seine Güte und Freundlichkeit.«
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-Christine ergötzte sich bald an den lieblichen Farben des Regenbogens, bald
-an den lächelnden Gesichtchen der Kinder, und schwieg, bis der Regenbogen
-verschwunden war. Nun nahm sie das Lämmchen aus ihrer Schürze hervor,
-stellte es auf die Füße, und erzählte, wie sie es gefunden habe.
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-»Das ist ja recht schön und brav, sagte die Bäuerin freundlich, daß du noch
-so spät am Abend und noch dazu im Regen da herausgehest! Du bist ein sehr
-gutes, grundehrliches Mädchen.«
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-»Ja wahrhaftig, das ist sie! sprach der Bauer, der jetzt auch zur Hausthüre
-herauskam. So ehrlich und rechtschaffen, wie dieses arme Mädchen, müßt ihr
-auch seyn und bleiben, meine Kinder! Besser ists, nicht einmal ein einziges
-Schäflein im Vermögen haben, und dabey ehrlich und redlich seyn, als
-hundert Schafe besitzen, und dabey ehrlos und unredlich seyn. Die
-Ehrlichkeit, mit der das arme Kind hier das Lamm zurück gab, ist ein Schatz
-im Herzen, der reicher macht, als eine ganze Schafheerde -- und diesen
-Schatz kann uns kein Wolf und kein Feind rauben.«
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-Franz, der Knabe des Bauers, lief jetzt zum Schafstalle hin, und führte das
-alte Schaf heraus. Wie da das Junge darauf zusprang und sich freute!
-Christine sah das so mit an und sagte: »Schon um dieser Freude willen, die
-das arme Thierchen jetzt hat, reuet es mich nicht, daß ich es zurückgab --
-so lieb es mir auch war, und so gern ich es behalten hätte!«
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-»Weißt du was, sprach der Bauer, da du so ehrlich bist und an dem Thierchen
-eine so große Freude hast, so will ich es dir schenken. Jetzt würde es dir
-aber nichts helfen. Es kann noch nicht ohne Milch leben und würde elend
-umkommen. Allein in vierzehn Tagen wird es stark genug seyn, sich von Gras
-und Kräutern zu ernähren -- und dann soll mein Franz es dir bringen.«
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-»Gieb aber dann wohl darauf Acht! sagte die Bäuerin. Es kostet dich nicht
-viel es aufzuziehen. Während du Erdbeeren sammelst oder strickest, kannst
-du es leicht hüthen, und so viel Gras kannst du auch leicht sammeln, und zu
-Heu auftrocknen, als es für den Winter nöthig hat. Wenn es einst groß ist,
-wird die Milch dir und deiner Mutter in eurer kleinen Haushaltung wohl
-kommen, und die Wolle giebt euch jährlich einige Paar Strümpfe.«
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-»Und wenn ihr glücklich damit seyd, sprach der kleine Bauerknabe, so könnet
-ihr wohl noch gar eine ganze Schafheerde bekommen!«
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-Christine mußte nun noch mit Brod eingebrockte Milch und ein Butterbrod mit
-essen -- und die gute Bäuerin gab ihr überdies noch ein schönes Stück
-goldgelbe Butter, das sie in grüne Rebenblätter einmachte, und ein Dutzend
-Eyer mit nach Hause. »Bring das deiner Mutter, sagte sie, indem sie die
-Eyer vorsichtig in die Schürze that; ich lasse sie freundlich grüßen und
-Gott wolle sie bald gesund werden lassen.«
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-Christine eilte voll Freude durch das blumige Thälchen ihrer Hütte zu. Der
-Himmel hatte sich indeß aufgehellt, und der Abendstern und ein zartes
-Streifchen des Mondes, der heute das erste Mal wieder sichtbar war,
-glänzten freundlich in das Thal. Alle Blumen und Kräuter tröpfelten noch
-von Regen, und dufteten von Wohlgeruch. Es war Christinen unbeschreiblich
-wohl um das Herz. »Nach einem Gewitter, dachte sie, sind Himmel und Erde
-zwar immer schöner; allein so schön und freundlich, wie diesen Abend, sind
-sie mir noch nie vorgekommen.«
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-Sie erzählte dieses, als sie nach Hause kam, ihrer Mutter. »Siehst du,
-sprach die Mutter, das ists eben, was ich dir immer sage. Es ist die Freude
-des guten Gewissens. Wenn wir recht thun, so erfüllt süßer Friede unser
-Herz. Gott giebt uns durch das Gewissen zu erkennen, daß Er mit uns
-zufrieden sey. O Christine, gieb daher der Stimme deines Gewissens immer
-Gehör, und thu nie etwas anders, als was vor Gott recht und gut ist. Du
-weißt wohl, wir sind arm und haben wenig in der Welt. Aber laß uns nur ein
-gutes Gewissen bewahren, so sind wir reich genug, und es fehlt uns nie an
-Freude -- ja die edelste und süßeste aller Freuden ist dann unser.«
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-Christine zählte nun alle Tage, bis sie ihr Lämmchen bekommen würde. Sie
-hätte auch alle Tage in den Kalender gesehen, wenn sie einen im Hause
-gehabt hätte. Nun sah sie aber alle Abende nach dem Monde, und ging dann
-vergnügt zu Bette. »Denn, sagte sie, wenn er voll ist, bekomme ich mein
-Lämmchen.«
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-Endlich ward es Vollmond, und der Mond nahm wieder merklich ab -- allein
-das Lämmchen wollte nicht kommen. Christine wartete -- und wartete -- und
-hatte bereits alle Hoffnung aufgegeben. »Ich werde von meinem Schäflein
-wohl nichts mehr sehen!« sagte sie eines Abends, als sie eben traurig neben
-dem Bette ihrer Mutter saß. »Habe Geduld, sagte die Mutter; Geduld bringt
-Rosen.« Und sieh -- da ging auf einmal die Stubenthüre auf, und der muntere
-Bauernknabe trat mit dem Lamme und einem Korbe voll frischen, grünen
-Futters herein. Christine sprang vor Freude auf, kniete zu dem Lämmchen
-hin, streichelte es freundlich und sagte: »O wie groß und schön es indeß
-geworden ist! Ich kenne es ja fast nicht mehr! Und wie die Wolle so schön
-weiß und zart geringelt ist! O jetzt ist meine Freude erst vollkommen.«
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-»Ich wollte dir das Lämmlein schon vor einigen Tagen bringen, sagte der
-Knabe. Allein mein Vater sagte: Laß es noch eine Zeit da. Es gedeiht dann
-besser, und wird noch größer und stärker.«
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-»Du und deine Aeltern sind doch recht gut! sprach Christine. Wenn ich nur
-nicht so arm wäre, und dir auch etwas schenken könnte! Allein von der
-ersten Wolle, die ich von dem Schäflein bekomme, stricke ich dir ein
-schönes Paar Strümpfe. Du sollst gewiß sehen, daß ich die Wahrheit rede.«
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-Der Knabe ging, und Christine führte das Lamm in den kleinen Stall, der
-sich im Hause befand, und streute ihm Futter vor. Das Lamm gewöhnte sich
-bald an sie, und wurde so zahm, daß es das Brod aus ihrer Hand aß, aus
-ihrem Schälchen Milch trank, und ihr wie ein Hündchen nachlief. Christine
-durfte nur rufen, so kam das Lamm sogleich daher gesprungen. Wenn nun die
-Mutter es so mit ansah, was für eine große Freude Christine mit dem
-Lämmchen hatte, da sagte die Mutter öfter: »Nicht wahr, jetzt reuet es dich
-doch nicht, daß du mir gefolgt und das Lämmchen zurück gegeben hast?« »O
-Mutter! antwortete Christine, wie mein Lämmlein mir auf den Ruf folgt, so
-will ich dir immer folgen. Denn ich weiß es ja, du liebst mich doch noch
-unendlich mehr, als ich mein Lämmchen.«
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-Zweytes Kapitel.
-Frau von Waldheim und ihre Tochter
-Emilie.
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-Das Dörflein, in dem Christine lebte, lag unten an einem waldichten Berge.
-Oben aus den Eichen des Berges ragte ein altes Schloß mit einem großen
-Thurme hervor. Hier wohnte seit einigen Wochen die Frau von Waldheim. Das
-Schloß hatte ehemals ihr gehört; allein nach dem Tode ihres Gemahls war es
-ihr blos zu ihrem Wittwensitze angewiesen worden. Sie hatte sich hier, weil
-das Schloß etwas vergangen war, einige Zimmer neu eingerichtet, die eine
-sehr schöne Aussicht hatten, und lebte nun da in ländlicher Einsamkeit ganz
-der Erziehung ihrer einzigen Tochter Emilie, eines sehr liebenswürdigen
-Fräuleins von Christinens Alter.
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-Christine kam, so lange es Erdbeeren gab, beynahe täglich in das Schloß.
-Fräulein Emilie kaufte die Beeren von niemand lieber als von ihr, und
-nannte sie nur ihr artiges Erdbeermädchen. Denn die Beeren, die Christine
-pflückte, waren alle vollkommen reif und roth wie Scharlach; die Schale, in
-der sie die Beeren brachte, war, wiewohl nur von geringem Porzellane, weiß
-und rein wie Schnee; und die Reinlichkeit ihrer Hände und ihres ganzen
-Anzuges schickte sich genau zu dem reinlichen Geschirre.
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-Indessen war Christine acht Tage nicht mehr in das Schloß gekommen. Emilie,
-der die Erdbeeren lieber als alles Zuckerwerk waren, beklagte sich öfter,
-daß ihr Erdbeermädchen so lange ausbleibe. Eines Morgens kam endlich
-Christine wieder in das Schloß. Die Köchin ging in das Zimmer der
-Herrschaft, sie zu melden, und Christine blieb indessen draußen stehen.
-Emilie kam sogleich heraus und sagte: »Warum ließest du mich denn so lange
-ohne Erdbeeren? Das ist nicht schön! Du weißt ja, daß ich immer nur von dir
-kaufte. Wenn du so wenig Aufmerksamkeit für mich hast, so wirst du meine
-Kundschaft verlieren.«
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-Christinens blaue Augen füllten sich mit Thränen. »Ach, gnädiges Fräulein,
-sagte sie, meine Mutter ist schon den ganzen Frühling krank. Diese Woche
-aber war es so schlimm mit ihr, daß ich mir sie nicht eine Stunde zu
-verlassen getraute. Nur gestern Abends wurde sie ein wenig besser, und da
-eilte ich heute sogleich mit Anbruch des Tages in den Wald, um wieder
-einmal einige Kreuzer für sie zu verdienen.«
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-Emilie sprach: »Warum hast du mir aber nicht schon längst von der Krankheit
-deiner Mutter gesagt? Meine Mutter ist nicht hart gegen die Armen. Sie
-hätte es euch in dieser Noth gewiß nicht an Unterstützung fehlen lassen.«
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-»O gnädiges Fräulein, sagte Christine, ich weiß wohl, daß Sie und die
-gnädige Frau Mutter gegen die Armen sehr gütig sind. Allein meine Mutter
-sagt: So lange man sein Brod selbst erwerben kann, muß man Andern nicht zur
-Last fallen. Es giebt viele Arme, die gar nichts mehr erarbeiten können. Es
-wäre Sünde, diesen das Brod abzustehlen.«
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-Diese Worte gefielen Emilien sehr wohl. »Warte hier ein wenig!« sagte sie
-freundlich, und eilte in das Zimmer, mit ihrer Mutter zu reden. Ihre
-Mutter, die Frau von Waldheim, wollte Christinen sehen. Emilie führte sie
-herein -- und Christine erstaunte nicht wenig über das prächtige Zimmer,
-die lieblich-grünen mit bunten Blumenkränzen bemahlten Wände, den großen
-Spiegel mit goldenem Rahmen, die zierlichen Schränke und Tische von
-glänzend braunem Holze, das Kanapee und die Sessel mit grünseidenen
-Ueberzügen und den eingelegten, geglätteten Boden. In ihrem Leben hatte sie
-noch nichts dergleichen gesehen, und es wandelte sie bey dem Anblicke all
-dieser Pracht eine Art von Ehrfurcht an.
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-Die gnädige Frau aber, die eben an ihrer Stickrahme saß, ward innig
-gerührt, als sie das arme schüchterne Kind in seinem dürftigen, aber
-reinlichen Kleidchen von weiß und roth gestreifter Leinwand, mit seinem
-gelben Strohhütchen, auf dem ein Sträußchen von Erdbeerkraut voll weißer
-Blüthen und rother Beeren steckte, mit den hellen Thränen in den blauen
-Augen, und der reinlichen Schale voll Erdbeeren in der zitternden Hand so
-bey der Thüre stehen sah.
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-»Komm doch näher zu mir her, sagte sie freundlich. Du darfst dich nicht
-fürchten.« Indem Christine näher trat, erblickte sie ihr Bild im Spiegel.
-Sie hatte noch nie einen großen Spiegel gesehen; der ihrige zu Hause war
-nicht größer, als ein Taschenkalender. Sie glaubte im ersten Augenblicke
-noch ein anderes Erdbeermädchen, das ihr die Kundschaft streitig machen
-wolle, gehe auf sie zu. Sie blieb verwundert stehen. Am meisten aber
-erstaunte sie darüber, daß dieses Mädchen gerade so wie sie gekleidet sey,
-eben ein solches Strohhütchen mit einem Erdbeersträußchen aufhabe, und eben
-eine solche Schale mit Erdbeeren in der Hand halte. Indeß merkte sie bald,
-daß sie sich geirrt habe, und wurde über und über roth.
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-Frau von Waldheim lächelte über den unschuldigen Irrthum des armen Kindes
-und erkundigte sich auf das liebreichste nach den Umständen der kranken
-Mutter. Christine bekam wieder Muth und gab auf jede Frage eine verständige
-Antwort. Als sie aber von der Armuth und den vielen Leiden und Schmerzen
-ihrer lieben Mutter erzählte, konnte sie vor Betrübniß fast nicht mehr
-reden. Sie schluchzte und reichliche Thränen floßen über ihre Wangen.
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-»Weine nicht so, liebes Kind, sagte die gnädige Frau; ich werde für deine
-Mutter sorgen. Du mußt mir jetzt nur noch sagen, wo ihr wohnet?« »In der
-letzten Hütte des Dorfes, antwortete Christine. Sie können aus dem Fenster
-hier das Strohdach dort zwischen den Bäumen sehen.« »Nun wohl, sprach Frau
-von Waldheim, das kleine Haus mit den weißen Mauern und dem gelben Dache
-nimmt sich zwischen den dunkelgrünen Bäumen sehr artig aus. Da wohnt also
-deine Mutter. Und wie heißt sie denn?« »Sie heißt Rosalie West, sagte
-Christine; in dem Dorfe heißt man sie aber gewöhnlich nur die arme
-Rosalie.«
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-Die gnädige Frau bezahlte hierauf die Erdbeeren dreyfach, und befahl, die
-Porzellanschale, in der Christine die Beeren gebracht hatte, mit der besten
-Fleischsuppe für die kranke Mutter zu füllen.
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-»Das ist ja ein überaus liebes, gutes Kind! sagte die Frau von Waldheim zu
-Emilien, als Christine fort war. Ich will nicht einmal etwas davon sagen,
-daß sie bey all ihrer Armuth schon in ihrem Aeußerlichen ein Muster der
-Reinlichkeit und Ordnung ist. Allein ihre Liebe zu ihrer Mutter geht über
-alles. Ein solches Herz voll kindlicher Liebe ist mehr werth, als ein
-Diamantstern auf der Brust. O Emilie! wenn ich einmal -- was zu seiner Zeit
-auch eintreffen wird -- so krank und elend daläge, wie Christinens Mutter,
-würdest du wohl auch so zärtlich um mich besorgt seyn, meiner so liebreich
-pflegen, und so vieles für mich thun?«
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-Emilie, der bey Christinens Erzählung die Thränen schon immer in den Augen
-standen, fiel ihrer Mutter weinend um den Hals. »Das wolle Gott verhüthen,
-sprach sie schluchzend, daß Sie, liebste Mutter, krank und elend werden.
-Lieber wolle Er mir eine Krankheit zuschicken. Aber wenn es denn doch so
-seyn müßte, und Sie krank werden sollten -- o gewiß, gewiß, ich würde nicht
-weniger für Sie thun, als Christine für ihre Mutter thut.«
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-»Gott segne dich, liebes Kind, für diese deine kindliche Liebe, sprach die
-gerührte Mutter. O bleibe immer so gesinnt, und du wirst auf Erden noch
-viele frohe Tage erleben. Denn glaube mir, jedem Kinde, das seine Aeltern
-aufrichtig ehrt und liebt, läßt es Gott wohl gehen. Und so wird -- denke du
-an mich! -- auch die arme Christine noch bessere Tage sehen!«
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-Christine war indeß vergnügt und fröhlich nach Hause geeilt. Ihre Mutter
-ward über ihre Erzählung hoch erfreut, und die kräftige Fleischbrühe kam
-der armen Frau, die seit langer Zeit nichts als Wassersuppen gegessen
-hatte, sehr wohl. »O liebe Christine, sagte sie, indem sie mit aufgehobenen
-Händen andächtig zum Himmel blickte, so verläßt Gott die Seinen doch nie!
-Er hilft allemal noch zur rechten Zeit! -- Laß uns fernerhin auf Ihn
-vertrauen; allein dabey auch immer das Unsrige treu und redlich thun. Denn
-sieh, liebe Christine, wenn du, aus kindlicher Liebe zu mir, nicht so
-fleißig Erdbeeren gesammelt und meinen Ermahnungen zur Reinlichkeit und
-Ordnung nicht gefolgt hättest -- so hätten wir das Glück wohl nicht gehabt,
-daß die gnädige Frau und das liebe Fräulein sich unsrer Armuth so liebreich
-annehmen wollen. Sieh, nicht das geringste Gute bleibt ohne gute Folgen;
-Gott bedient sich desselben, edle Herzen zu rühren, und durch sie uns aus
-der Noth zu erretten.«
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-Drittes Kapitel.
-Die Schicksale der beyden Mütter.
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-Der folgende Tag war ein Sonntag. Christine saß des Abends, nachdem sie
-ihre kleinen Hausgeschäfte besorgt und ihr Lämmchen gefüttert hatte, neben
-dem Bette ihrer Mutter, und las ihr aus einem Buche mit sanfter, lieblicher
-Stimme deutlich und langsam vor. Der Abend war sehr schön und die
-untergehende Sonne schien durch die Rebenblätter am Fenster glutroth in das
-kleine Stüblein. Da trat auf einmal die Frau von Waldheim mit Emilien
-herein. »Je, rief Christine und sprang auf, die gnädige Frau und das
-Fräulein!« Die Kranke war von der Gnade dieses Besuches sehr gerührt.
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-Die Frau von Waldheim blickte vergnügt in dem engen Stübchen umher. Die
-Wände waren schneeweiß, die wenigen Schüsseln und Teller auf dem Rahmen an
-der Wand hell und glänzend! der Tisch, die Bank, das Paar Stühle und der
-Stubenboden rein gefegt. Auch die Bettüberzüge und die Kleidung der kranken
-Frau waren, so ärmlich sie aussahen, äußerst reinlich. Die Frau von
-Waldheim setzte sich auf den Stuhl, von dem Christine aufgestanden war. Mit
-Wohlgefallen vernahm sie, daß Christine alles so in Ordnung halte. Sie
-blätterte in dem Buche, lobte das Buch und Christinens gutes vernehmliches
-Lesen, das sie noch gehört hatte. Sie bemerkte auf dem Kasten an der Wand
-ein Paar Strickkörbchen, durchsuchte sie, und war mit den Arbeiten, der
-Mutter sowohl als der Tochter, sehr zufrieden.
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-»Ihr seyd sicher nicht aus dem Dorfe dahier, sagte die gnädige Frau. Denn
-Ihr habt das Stricken und Eure Tochter hat das Lesen nicht dahier gelernt.
-Ihr müßt wohl durch besondere Schicksale hieher gekommen seyn?«
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-»Ja wohl hatte ich besondere und sehr harte Schicksale!« sagte die Kranke
-und fing an zu erzählen. »Mein Mann, sprach sie, war Leibjäger in den
-Diensten einer Herrschaft jenseits des Rheins. Wir waren kaum ein Paar
-Jahre verheirathet und hatten diese Zeit ungemein glücklich und vergnügt
-gelebt -- da brach der Französische Krieg aus. Unsere Herrschaft flüchtete,
-und konnte uns nicht mitnehmen. Mein Mann trat auf ihr Anrathen bey einem
-Jägerchor in Dienste. Ich konnte ihm mit meiner Tochter, die damals noch so
-klein war, daß sie den Namen Vater noch nicht aussprechen konnte, natürlich
-nicht folgen. Unter tausend Thränen nahmen wir Abschied. Ach es war das
-letzte Mal, daß ich ihn sah! Er schrieb mir zwar von Zeit zu Zeit, daß er
-gesund sey. Allein plötzlich vernahm ich, er sey schwer verwundet, und bald
-darauf erhielt ich die Nachricht, er sey an seinen Wunden gestorben. Mein
-Jammer war unbeschreiblich! Ach, er war ein guter Mann, ehrlich und
-redlich! Ich weiß zwar sein Grab nicht; allein seine Gebeine ruhen gewiß in
-Frieden! -- Ich gerieth nun mit meiner Tochter bald in sehr großes Elend.
-Ich hatte mich nach Hause zu meinen Aeltern begeben. Allein auch diese
-Gegenden wurden nunmehr von dem Kriege schrecklich heimgesucht. Meine
-Aeltern verloren all das Ihrige, und starben bald darauf an einer
-ansteckenden Krankheit, die der Krieg verbreitet hatte. Ich war genöthiget,
-auszuwandern. Meine Habseligkeiten waren klein beysammen. Ich hatte fast
-nichts, als diese zwey Hände. Ich irrte weit umher. Endlich kam ich in
-dieses Dorf. Diese Hütte stand eben leer. Die wackern Bauersleute, deren
-Nebenhaus sie ist, gestatteten mir, hinein zu ziehen, unter der Bedingung,
-daß ich ihre zwey kleinen Mädchen im Nähen und Stricken unterrichte, was
-ich denn auch sehr gerne that! Ich habe allerdings viel gelitten -- allein
-Gott hat doch immer treulich für mich gesorgt und mir immer und überall
-durchgeholfen, bis auf diesen Augenblick, da Er Sie, edle Wohlthäterin,
-unter dieses Strohdach führte. Ihm sey Dank für alles -- für Leiden und
-Freuden!«
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-Die Frau von Waldheim hörte sehr aufmerksam zu, und die hellen Thränen
-glänzten ihr in den Augen. »Ach, sagte sie, mein Schicksal gleicht sehr dem
-Eurigen, nur ist es noch trauriger! Ich habe nicht nur, wie Ihr, Aeltern
-und Ehegemahl verloren, sondern überdieß noch meinen einzigen Sohn. Mein
-Gemahl war Major eines Husarenregiments. Sogleich in einer der ersten
-Schlachten, in der er sich sehr auszeichnete, die aber unglücklich ausfiel,
-ward er gefährlich verwundet. Ich eilte auf die Schreckensnachricht mit
-meinen zwey Kindern unverzüglich zu ihm. Allein mir ward nur mehr der
-traurige Trost, ihn noch einmal zu sehen. Er starb in meinen Armen. Wie mir
-zu Muthe war, könnet Ihr Euch denken, beschreiben kann ich es unmöglich. --
-Auf die unglückliche Schlacht folgte eine übereilte Flucht. Alle Strassen
-waren mit Flüchtlingen bedeckt. Ich ward unter dem Gewühle von Menschen mit
-fortgerissen, fast ohne zu wissen wohin. Meine zwey Kinder -- ein
-lieblicher Knabe von kaum vier Jahren, und diese Tochter hier, die damals
-noch kein Jahr alt war, vermehrten noch meinen Jammer. Als ich mit ihnen an
-den Rhein kam und über die Brücke wollte, war das Gedränge von Kriegswagen,
-Kanonen, Pulverkarren, Wagen voll verwundeter Krieger, die alle hinüber
-wollten, so groß, daß ich mich der Brücke gar nicht nähern konnte. Indeß
-war die Sonne untergegangen. In einiger Entfernung wurde noch gefochten, um
-den Uebergang über den Fluß zu decken. Allein der Donner der Kanonen rückte
-immer näher. Ach es war der schrecklichste Abend meines Lebens! Einige der
-Flüchtlinge bemächtigten sich weiter hinab an dem Flusse eines Schiffes, um
-das andere Ufer zu erreichen. Aus Mitleid nahmen sie mich und meine Kinder
-in das Schiff auf. Allein das Schiff war so mit Menschen überladen, und sie
-waren des Fahrens so unkundig, daß er umschlug.
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-Ein Offizier am andern Ufer hatte unsre Gefahr bemerkt und uns zwey
-Soldaten mit einem kleinen Schifflein, dem einzigen, das eben vorhanden
-war, zu Hülfe geschickt. Es kam eben an, als das unsrige gesunken war. Ich
-und meine Tochter, die ich fest in den Armen hielt, wurden mit genauer Noth
-aus den Fluthen gerettet und halb todt an das Land gebracht. Allein mein
-Sohn war untergegangen und von ihm ward nichts mehr gesehen.«
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-Frau von Waldheim konnte hier vor Weinen nicht mehr reden, und verbarg ihr
-Gesicht in ihr weißes Tuch. Ueber eine Weile sprach sie weiter: »Ich und
-meine Tochter wären vor Frost und Nässe wohl auch noch umgekommen, wenn
-nicht eine mitleidige Herrschaft, die eben vorbey kam und auch auf der
-Flucht war, uns in ihren Reisewagen aufgenommen hätte. Allein die Angst und
-der Schrecken beym Schiffbruche, die beständige Traurigkeit über den Tod
-meines Gemahls und Sohnes, und die Beschwerlichkeiten auf der Flucht, zogen
-mir eine Krankheit zu. Als ich wieder hergestellt war, dachte ich erst an
-eine andere nachtheilige Folge dieses zweyfachen Todfalles. Weil mein
-Gemahl ohne einen männlichen Erben gestorben war, so fielen unsre Güter dem
-Landesherrn anheim. Unser Schloß dahier wurde sogleich in Besitz genommen
-und zu einem Spitale für kranke und verwundete Krieger eingerichtet. Ich
-mußte, was ich jedoch nur den unruhigen Zeiten zuschreiben kann, lange ohne
-Pension leben; da ich keine eigene Wohnung mehr hatte, mußte ich in der
-Stadt einen sehr hohen Hauszins bezahlen, und zuletzt wirklich Mangel
-leiden. Endlich ward mir ein anständiger Wittwengehalt ausgeworfen, der
-Betrag für die verflossenen Jahre baar ausbezahlt, und mir ein Theil des
-Schlosses dahier, das ehemals unser Eigenthum war, zum Aufenthalt
-angewiesen. Allein der Verlust meines Gemahls und meines Sohnes bleiben
-doch unersetzlich! So groß indeß auch dieser Verlust ist, so ist doch dieß
-ein schöner Gewinn dabey, daß meine Leiden mich Gott mehr kennen lehrten
-und mich gefühlvoller für die Leiden meiner Mitmenschen machten. Und dann
--- was können wir uns auf Erden mehr wünschen, als unser ordentliches
-Auskommen und ein ruhiges Plätzchen, wo wir im Frieden leben, Gott dienen
-und unsern Mitmenschen Gutes thun können -- in der seligen Hoffnung, unsre
-verklärten Geliebten in einer bessern Welt wieder zu sehen.«
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-Indeß war es spät geworden. Die Frau von Waldheim sah an ihre Uhr, und
-stand auf. »Bedient Ihr Euch auch der Hülfe eines Arztes?« fragte sie noch.
-»Ach nein, sagte die Kranke. Einen ordentlichen Arzt vermag ich nicht, und
-mich eines Pfuschers zu bedienen, trage ich Bedenken.«»Ihr habt Recht!
-sagte die gnädige Frau. Besser gar keine Hülfe, als eine solche.« Sie
-versprach der Kranken ihren eigenen Arzt zu schicken, und tröstete sie mit
-der Hoffnung, unter Gottes Beystande werde es dann bald besser werden.
-Hierauf befahl sie, Christine solle alle Tage in dem Schlosse für ihre
-Mutter das Essen holen, wünschte Beyden freundlich gute Nacht, und kehrte
-mit Emilien wieder zurück in das Schloß.
-
-
-
-
-Viertes Kapitel.
-Unterhaltungen der beyden Töchter.
-
-
-Nach vierzehn Tagen besuchten Frau von Waldheim und Emilie die kranke
-Rosalie wieder. Es hatte sich mit ihr indessen sehr gebessert. Die
-trefflichen Arzneyen und die angemessenen Speisen hatten ihr überaus gut
-angeschlagen. Sie war bereits auf, saß an der Tischecke auf der Bank und
-strickte. Sobald sie die gnädige Frau erblickte, stand sie auf, eilte ihr
-entgegen, und die Zähren liefen ihr über die blassen Wangen. Sie konnte
-keine Worte finden, ihren Dank auszudrücken. Die Frau von Waldheim setzte
-sich an die andere Ecke des Tisches. Sie hatte ihr Arbeitskörbchen
-mitgebracht und nahm ihr Gestrick hervor. Emilien erlaubte sie, mit
-Christinen indessen in den Baumgarten zu gehen, der sich von der Hütte bis
-an den Bach erstreckte, und den guten Bauersleuten gehörte, von denen
-Rosalie so liebreich aufgenommen worden.
-
-Während nun die zwey Mütter sich über ihre Schicksale miteinander
-unterredeten, unterhielten sich die zwey Töchter in dem Garten. Christine
-führte Emilien ihr zahmes Lämmchen vor. Emilie hatte über das artige
-Thierchen eine ungemeine Freude. Da sie in einer großen Stadt erzogen
-worden, kannte sie die Schafe beynahe nur aus ihrem Bilderbuche. Noch nie
-hatte sie ein Lamm in der Nähe gesehen. Das Lamm ließ sich von Emilien
-streicheln, fraß die zarten, grünen Blättchen, die Emilie ihm vorhielt, ihr
-aus der Hand, und lief ihr sogleich nach, als wollte es noch mehr. Emilie
-war ganz entzückt. Auch ein solches Lämmchen zu haben, war ihr herzlichster
-Wunsch. Allein sie war zu bescheiden, es sich merken zu lassen. »Nein,
-dachte sie, um alles in der Welt möchte ich die arme Christine nicht um
-ihre einzige Freude bringen!«
-
-Nachdem Frau von Waldheim und Emilie fort waren, erzählte Christine ihrer
-Mutter, welche große Freude das Fräulein an dem Lämmchen gehabt habe. Da
-sprach die Mutter: »Höre einmal, Christine! Emilie und ihre Mutter haben
-viele Güte für uns gehabt. Ohne sie läge ich vielleicht in dem Grabe, und
-du hättest keine Mutter mehr. Es ist billig, daß wir uns so dankbar
-bezeigen, als möglich. Du könntest Emilien nun wohl auch eine große Freude
-machen -- aber ich fürchte, es kommt dich zu schwer an. Allein an deiner
-Stelle wüßte ich wohl, was ich thun würde!«
-
-»Ihr mein Lämmchen schenken!« fiel Christine ihrer Mutter schnell ins Wort.
-»Ja, das will ich! rief sie. Morgen in aller Frühe soll sie es haben.
-Emiliens Mutter hat mir das Liebste erhalten, was ich in der Welt habe --
-dich liebste Mutter! Warum sollte ich Emilien nicht mit Freuden das
-schenken, was mir nach dir das Liebste ist -- mein Lämmchen!«
-
-»Nun, das freut mich, sprach die Mutter, daß du ein dankbares Herz hast.
-Das ist mehr werth, als wenn man dir das Lamm mit Gold aufwägen würde.«
-
-Die Mutter erinnerte sich, daß sie unter ihren Sachen noch ein kleines
-Streifchen rothen Atlaß und einige vergoldete Flittern habe. Sie suchte sie
-unverzüglich hervor, und saß sogleich hin, aus dem Atlasse für das Lämmchen
-ein Halsband zu machen, und mit den Flittern Emiliens Namen
-hineinzusticken. Emilie hatte Christinen ein feines, weißes Halstuch
-geschenkt. In der Ecke desselben waren die Anfangsbuchstaben von Emiliens
-Namen zierlich mit blauer Seide eingenäht. Diese Buchstaben dienten der
-Mutter zum Muster. Sie war gesonnen, so lange aufzubleiben, bis sie mit
-dieser Arbeit fertig wäre. Christine leistete ihr treulich Gesellschaft,
-fädelte ihr jedesmal die Nadel ein, und suchte die schönsten und
-tauglichsten Flittern heraus und both sie ihr hin. Endlich gegen
-Mitternacht war die Stickerey vollendet, und Christine war über das schön
-gelungene Werk so erfreut, daß sie vor Freude fast nicht schlafen konnte.
-
-Sobald am andern Tage die Morgenröthe anbrach, eilte das gute Mädchen mit
-dem Lamme dem Bache zu, und wendete ihr letztes Stückchen Seife daran, das
-nette Thierchen so rein zu waschen, als möglich. Und sieh da -- es ward
-fast so weiß, wie neugefallener Schnee. Die Mutter legte nun dem Lämmchen
-das Halsbändchen an. Der hochrothe Atlas mit den goldenen Buchstaben und
-der goldenen Einfassung nahm sich zwischen dem reinen, weißen Gekräusel der
-Wolle ganz unvergleichlich schön aus. Christine und ihre Mutter
-betrachteten das Lämmchen mit Entzücken, und konnten kaum aufhören es zu
-loben.
-
-Christine trug nun das Lämmchen in das Schloß. Sie ging zuerst in die Küche
-zur alten Köchin, die sich immer besonders liebreich gegen Christine
-bezeugt hatte, und redete mit ihr, wie sie ihr Geschenk am schicklichsten
-anbringen könne. Die Köchin hatte an dem schön geschmückten Lamme ein
-großes Wohlgefallen und lobte Christinens Einfall sehr. Sie nahm das
-Lämmchen, ging, und öffnete leise die Zimmerthüre der Herrschaft. Die
-gnädige Frau saß am offenen Fenster und strickte. Emilie las ihr aus einem
-Buche vor. Beyde waren so emsig, daß sie nicht aufblickten. Da schob die
-Köchin das Lämmchen geschwind zur Thüre hinein, machte die Thüre eben so
-leise wieder zu, und eilte zurück in die Küche.
-
-Frau von Waldheim und Emilie hatten von allem nichts gemerkt. Das Lämmchen
-blieb an der Thüre stehen, schaute eine Weile umher, und fing dann laut an
-zu blöcken. Emilie blickte auf, und rief: »Je das Lämmchen!« Sie nahm von
-dem Seitentischchen ein wenig Brod, das von dem Frühstücke über geblieben
-war, und hielt es dem Lämmchen hin, und das arme Thierchen, das den Morgen
-noch kein Futter bekommen hatte, lief sogleich auf sie zu, und fraß es ihr
-aus der Hand. Emilie hatte eine unbeschreibliche Freude. Das Lämmchen kam
-ihr ohne Vergleich schöner vor als gestern, und als sie erst die goldenen
-Anfangsbuchstaben ihres Namens bemerkte, und daraus ersah, das Lämmchen sey
-zum Geschenk für sie bestimmt, da war ihre Freude noch größer.
-
-»O wie gut ist doch Christine, sagte sie, daß sie mir ihr Liebstes giebt!
-Ich getraue mir kaum es anzunehmen. Was meynen Sie, liebste Mutter, daß ich
-thun soll?«
-
-»Du mußt es annehmen, sagte die Mutter, sonst würdest du das gute Kind
-betrüben. Ich werde Christinen auf eine andere Art entschädigen.«
-
-Emilie eilte nun in die Küche, ihr gutes Erdbeermädchen zu rufen. Christine
-hatte sogleich fort gewollt; allein die Köchin hatte sie aufgehalten. Es
-kostete Emilien viele Mühe, das bescheidene Mädchen herein zu nöthigen in
-das Zimmer.
-
-Die Frau von Waldheim hatte indessen aus ihrem Schreibkasten ein Goldstück
-hervor gesucht, auf dem ein Lamm abgebildet war. »Du hast ein sehr
-dankbares Herz, mein liebes Kind! sagte sie, als das erröthende Mädchen an
-Emiliens Hand in das Zimmer trat. Du hast meiner Tochter ein Geschenk
-gemacht, das ihr wohl nicht für Gold feil wäre. Nimm hier als eine kleine
-Gegenerkenntlichkeit dieses goldene Lämmchen.«
-
-Die gute Christine war von dieser feinen Art zu geben so gerührt, daß es
-ihr sehr schwer ankam, das Geschenk zurück zu weisen. Allein noch mehr
-würde es sie geschmerzt und gekränkt haben, sich ihr dankbares Gemüth
-bezahlen zu lassen. Sie kam in große Verlegenheit und die Thränen traten
-ihr in die Augen. »O nein, nein, gnädige Frau, sagte sie; ich kann das Gold
-wahrhaftig nicht nehmen. Es würde mir meine ganze Freude verderben. Nichts,
-als die reinste, herzlichste Dankbarkeit bewog mich, Fräulein Emilien mein
-Lämmchen als ein armes, geringes Geschenk darzubringen, und es ist mir
-unmöglich, mich dafür so überreichlich belohnen zu lassen.« Sie blieb
-ungeachtet alles Zuredens darauf, nichts zu nehmen.
-
-Diese Uneigennützigkeit an einem so armen Mädchen gefiel der Frau von
-Waldheim noch mehr, als das überbrachte ländliche Geschenk. »Nun, sagte
-sie, so will ich dich auf eine andere Art zu belohnen suchen, die deiner
-Denkart angemessener ist. Wegen deines edlen Herzens sollst du von nun an
-die Gespielin meiner Emilie seyn. In deiner Gesellschaft läuft sie keine
-Gefahr, niedrige Gesinnungen anzunehmen. Komm fürs erste nur allzeit nach
-Tische hieher -- da will ich euch mit einander Arbeit geben, und dann
-wollen wir schon sehen, was noch weiter zu thun ist.«
-
-Als Christine nach Hause kam und erzählte, wie es gegangen, war ihre Mutter
-mit ihrem Betragen sehr zufrieden. »Siehst du nun, sprach sie, es ist so,
-wie ich dir schon öfter gesagt habe. Das ärmste Kind -- wenn es sich nur
-bestrebt, von Herzen gut zu seyn, findet am Ende doch Menschen, die es um
-seiner Güte willen mehr schätzen, als wäre es mit Gold und Perlen behängt.
-Das reichste und schönste Mädchen hingegen -- wenn es sonst nichts weiter
-ist -- wird der gerechten Verachtung am Ende doch nie entgehen, und das
-Glück, von guten Menschen aufrichtig geliebt und geehrt zu seyn, wird ihm
-nie zu Theil werden. Gutseyn, Gutseyn ist das Einzige, was uns wahrhaft
-froh, reich und geehrt macht.«
-
-
-
-
-Fünftes Kapitel.
-Ein Fremder tritt auf.
-
-
-An dem goldgestickten Halsbändchen, mit dem das Lämmchen geschmückt war,
-hatte die Frau von Waldheim entdeckt, daß Rosalie eine sehr geschickte
-Stickerin sey. Rosalie hatte aber diese Kunst, weil dergleichen Arbeiten in
-dem Dorfe nicht geschätzt wurden, lange nicht mehr geübt, und sich blos auf
-das Stricken und Nähen verlegt. Frau von Waldheim gab ihr nun manches zu
-verdienen, und verschaffte ihr auch anderwärts her Bestellungen. Die arme
-Rosalie fand auf diese Art nicht nur ihr hinreichendes Auskommen, sondern
-überdieß noch öfteren Zutritt in das Schloß.
-
-Frau von Waldheim hatte Anfangs sich Rosaliens nur aus Mitleid angenommen;
-allein so wie sie dieselbe näher kennen lernte, verwandelte sich dieses
-Mitleid nach und nach in Hochachtung. Sie fand an dem Umgange mit ihr immer
-mehr Vergnügen. Man wunderte sich, daß eine adeliche Dame, die Gemahlin
-eines Stabsoffiziers, mit einer armen Soldatenwittwe Freundschaft machen
-möge. Allein Frau von Waldheim sagte lächelnd: »Nun, Ihr werdet doch nicht
-behaupten, mein seeliger Mann, der tapfre Major, sey kein Soldat gewesen?
-Doch im Ernste! Eben dieses, daß auch ihr Mann zum Militär gehörte, und wie
-der Meinige den Tod für das Vaterland starb, diente ihr bey mir zur
-Empfehlung. Die Aehnlichkeit unsrer Schicksale vermehrte meine Zuneigung zu
-ihr. Sie ist Wittwe, wie ich, mußte vieles leiden, wie ich, hat wie ich nur
-eine einzige Tochter. Unsre Töchter sind von gleichem Alter, und lieben
-einander herzlich -- und wenn meine Emilie so gut und edel ist als ihre
-Christine, und Emiliens Mutter so gut und edel als Christinens Mutter, so
-will ich es gerne zufrieden seyn. Die äusserlichen Verhältnisse weisen dem
-Menschen allerdings seinen Rang in der menschlichen Gesellschaft an; allein
-nur ein wahrhaft gutes edles Herz macht den wahren Werth des Menschen aus.
-Diese arme Soldatenwittwe ist so bescheiden, so sanft, so rechtschaffen, so
-durch Leiden bewährt, so von Herzen fromm, und dabey so verständig und
-gebildet, daß ich dadurch mich geehrt fühle, sie meine Freundin zu nennen.«
-
-Frau von Waldheim zeichnete auch ihre arme Freundin immer mehr aus. Sie kam
-jeden Sonntag von dem Schlosse in das Dorf herab zur Kirche, und da ging
-sie nach dem Gottesdienste nie an Rosaliens armer Wohnung vorüber, ohne
-wenigstens auf einige Augenblicke einzukehren. Sie gab Christinen, die
-täglich in das Schloß kam, öfter auf, ihre Mutter mitzubringen, und bald
-mußten beyde alle Tage nach Tische in das Schloß kommen. Die gnädige Frau
-und das Fräulein, Rosalie und Christine saßen dann zusammen an Einem
-Arbeitstische, und beschäftigten sich einige Stunden sehr emsig mit
-allerley schönen Arbeiten. Rosalie mußte hierauf mit der gnädigen Frau Thee
-trinken, und Christine mit Emilien ein Butterbrod essen. Auf den Abend
-machten sie gewöhnlich alle zusammen noch einen kleinen Spaziergang.
-
-Einmal an einem schönen Sommerabend gingen sie nun mit einander in den
-Eichwald, der sich am Abhange des Schloßberges herumzog. Mehrere
-schattichte Gänge, die mit reinlichem Kiese bestreut waren, führten durch
-den Wald, und hie und da war eine bequeme Bank zum Ausruhen angebracht. Der
-Tag war sehr heiß gewesen und noch war es ziemlich schwühl. Die Frau von
-Waldheim setzte sich daher mit ihrer Begleiterin Rosalie auf eine steinerne
-Bank, die in einen Felsen des Berges eingehauen und von einem Paar Eichen
-beschattet war. Das Plätzchen war, wegen der herrlichen Aussicht, die man
-hier genoß, ihr Lieblingsplätzchen.
-
-Emilie und Christine gingen noch eine Strecke weiter, und jede trug ein
-niedliches Körbchen am Arme. Es war gerade die Zeit der Himbeeren, und
-Emilie hätte deren schon lange selbst gerne im Walde gepflückt. Christine
-führte sie zu einer ausgehauenen Stelle des Waldes, die beynahe ganz mit
-Himbeersträuchen bedeckt war. Beyde Mädchen pflückten nun sehr geschäftig
-und ließen sich die duftenden Beeren sehr wohl schmecken. Bald rief diese,
-bald jene, hier gebe es noch schönere. Die allerschönsten thaten sie aber
-in ihre Körbchen, um sie Emiliens Mutter zu bringen. Das Lämmchen, das sie
-mitgenommen hatten, lief indeß auf dem offenen Platze herum, graste hier
-ein wenig, nagte dort an den Blättern der Gesträuche, und hatte sich nach
-und nach ziemlich weit von ihnen entfernt.
-
-Da bemerkte Emilie auf einmal einen fremden Jüngling, der das Lämmchen
-streichelte und das Halsband desselben sehr aufmerksam betrachtete. Emilie
-und Christine eilten sogleich hin, denn sie fürchteten, er wolle das
-Halsband oder gar das Lämmchen mit sich fort nehmen. Der Jüngling blickte,
-als er sie kommen hörte, auf. Er war sehr schön und blühend von Angesicht
-und hatte ein dunkelgrünes Sommerkleid an und einen runden Kastorhut auf.
-Er schien bis zu Thränen gerührt, und blickte Emilien mit einer Art von
-Erstaunen und Verwunderung an. Endlich nahm er mit seiner Rechten
-ehrerbietig den Hut ab; in seiner Linken aber hielt er -- was Emilien
-äußerst seltsam vorkam -- einen goldenen Ring.
-
-»Verzeihen Sie, mein Fräulein, sagte er, da er Emiliens Aengstlichkeit
-bemerkte, ich wollte dem Lämmchen, das, wie ich sehe, Ihnen gehört, nichts
-zu leid thun. Es fielen mir nur die Buchstaben auf, die hier auf das
-Halsband gestickt sind. Sind das vielleicht die Anfangsbuchstaben ihres
-Namens?«
-
-»Ja, sagte Emilie befremdet, das sind sie. Die drey goldenen Buchstaben auf
-dem rothen Atlasse hier heißen E. v. W. Ich aber heiße Emilie von
-Waldheim.«
-
-»Emilie! Emilie!« rief der Jüngling erstaunt.
-
-Emilie erschrak über seine Heftigkeit. Sie glaubte, er sey nicht recht bey
-Sinnen und es, ward ihr unheimlich. »Komm, da ist nicht gut seyn!« sagte
-sie zu Christine, nahm sie bey der Hand, und wollte mit ihr davon laufen.
-Der fremde Jüngling aber faßte sich wieder, und sagte ganz ruhig: »Ich
-bitte Sie, bleiben Sie nur noch einen Augenblick! Ich habe da einen
-goldenen Ring, auf dem die drey nämlichen Buchstaben eingegraben sind.
-Sehen Sie da E. v. W.! Deßhalb betrachtete ich die Buchgaben da auf dem
-Halsbändchen so aufmerksam und verwundert. Es liegt mir äusserst viel
-daran, inne zu werden, woher dieser Ring sey. Allein, fügte er traurig bey,
-Ihnen gehört der Ring zuverläßig nicht. Es stehet da, den Buchstaben,
-gegenüber, noch die Jahrzahl 1786. Dieses vereitelt meine Hoffnung. Ach,
-damals waren sie noch nicht geboren!«
-
-Emilie sagte: »Meine Mutter hat eben den Namen wie ich; auch sie heißt
-Emilie von Waldheim.«
-
-»Wie! rief der Jüngling aufs neue erschüttert. Wäre es möglich! Ach
-vielleicht gehört der Ring ihrer Mutter. Könnten Sie mich nicht zu ihr
-führen?«
-
-»Mit Vergnügen, sagte Emilie. Sie ist kaum ein Paar hundert Schritte von
-hier. Haben Sie nur die Güte, mir zu folgen.« Sie gingen. Der Jüngling ließ
-Emilien die rechte Seite, und Christine mit dem Lämmchen begleitete sie.
-
-Als sie zur Felsenbank kamen, blieb der Jüngling in einiger Entfernung
-schüchtern stehen, und betrachtete die Frau von Waldheim einige Augenblicke
-stillschweigend. Sein Angesicht war wie von Schrecken bleich und die Hand,
-in der er den Ring hielt, zitterte. Indeß ermannte er sich, trat näher,
-verbeugte sich mit Anstand, erzählte kurz den sonderbaren Zufall mit dem
-Zusammentreffen der Buchstaben -- und überreichte ihr den Ring.
-
-Die Frau von Waldheim nahm den Ring -- erblickte die drey Buchstaben --
-that einen lauten Schrey -- und wäre umgesunken, wenn Rosalie sie nicht
-gehalten hätte.
-
-»Gott im Himmel, was ist das? rief sie, als sie sich von dem Schrecken ein
-wenig erholt hatte. Das ist der Ehering meines seligen Gemahls. Sehen Sie,
-der Ring hier an meinem Finger, den mein Gemahl mir als Bräutigam gab und
-den ich noch immer zu seinem Andenken trage, ist genau auf die nämliche Art
-gearbeitet, nur etwas kleiner. O reden Sie, reden Sie doch, wie kamen Sie
-zu dem Ringe? Wer sind Sie? Wer sind Ihre Aeltern?«
-
-Der Jüngling ward noch bleicher und zitterte an allen Gliedern. »Mein
-Vater, sprach er, ward im Kriege erschossen. Meine Mutter war eine schöne
-Frau, trug ein schwarzes Kleid, und weinte immer sehr viel. Ich hatte noch
-ein kleines Schwesterchen, die Emilie hieß. Die Mutter fuhr mit uns zwey
-Kindern über den Rhein. Das Schiff ging unter. Ich ward, als ein Kind von
-etwa vier Jahren, aus dem Wasser gezogen. Von Mutter und Schwester hörte
-ich seit dieser Zeit nichts mehr. Den Ring fand man, nebst einigen andern
-Kleinigkeiten, in einem Päckchen, das Kleidungsstücke von mir enthielt und
-also für mein Eigenthum erklärt wurde. Sonst weiß ich von meinen Aeltern
-und meinem Vaterlande nichts zu sagen. Mein Name ist Karl.« -- --
-
-»O Karl, rief jetzt Frau von Waldheim aus und fiel dem Jünglinge um den
-Hals, du bist mein Sohn! Wahrhaftig; du bist es! Du bist das Ebenbild
-deines Vaters!« -- -- »O Gott, o Gott! wie wunderbar bist Du in deinen
-Fügungen!« rief sie dann wieder, indem sie mit aufgehobenen Armen weinend
-zum Himmel blickte. Und dann umfaßte sie wieder ihren Sohn und benetzte
-sein Angesicht mit Thränen. Der Jüngling war so außer sich, daß er keine
-anderen Worte hervorbringen konnte, als: »Mutter! Mutter! Gott! Gott! O du
-guter Gott!«
-
-Emilie stand an Christinen gelehnt -- und zitterte und weinte. »Emilie!
-rief endlich die Mutter, Emilie, o sieh da deinen Bruder! Karl, Karl, sieh
-da deine Schwester! O grüßt euch doch auch!«
-
-Karl schloß seine Schwester weinend in seine Arme, und rief: »O meine
-liebe, liebe Schwester! O Gott, welche Freude machst du mir -- so
-unerwartet Mutter und Schwester zu finden!« Und auch Emilie konnte vor
-Weinen kein Wort vorbringen, als: »Lieber, lieber Bruder!«
-
-Alle Drey aber waren so selig und hatten sich so viel zu fragen und zu
-sagen, daß sie die ganze Welt um sich her vergaßen. Die Sonne war
-untergegangen und es wurde bereits dunkel, ohne, daß sie es merkten.
-Rosalie erinnerte sie endlich, es sey Zeit, sich nach Hause zu begeben.
-Frau von Waldheim ging nun, an jedem Arm eines ihren Kinder, auf das Schloß
-zu, und Rosalie und Christine folgten ihnen.
-
-
-
-
-Sechstes Kapitel.
-Karls Jugendgeschichte.
-
-
-Die Frau von Waldheim veranstaltete nun in dem Schlosse eine kleine
-Freudenmahlzeit. Emilie deckte den Tisch mit dem feinsten blendend weißen
-Tafeltuche und zwei helle Wachskerzen auf silbernen Leuchtern spiegelten
-sich in dem glänzend reinen Tischgeräthe. Karl mußte zwischen seiner Mutter
-und Schwester Platz nehmen, und Rosalie und Christine mußten auch
-mitspeisen. »Denn, sprach die Frau von Waldheim, ohne Euch und Euer
-Lämmchen hätte ich ja meinen lieben Sohn Karl nicht gefunden!« Karl, der
-von der Reise hungrig geworden, ließ sich das Abendessen sehr wohl
-schmecken. Seine Mutter und Schwester aber konnten vor Freude fast nicht
-essen, und sahen ihn nur immer an. Sie fragten ihn bald dieses, bald jenes.
-Allein erst nach Tische bathen sie ihn, seine Geschichte im Zusammenhange
-zu erzählen, was er denn auch sehr gerne that.
-
-»Mein Kindheit und meine Jugendjahre, sprach er, brachte ich, von dem
-Abende an, da ich aus dem Flusse gezogen wurde, beständig bey einem sehr
-ehrwürdigen Pfarrer, Namens Engelhard, jenseits des Rheins zu. Ich würde
-von den Schicksalen meiner ersten Kindheit und von meinen lieben Aeltern
-wohl kaum mehr etwas wissen, wenn er das Wenige, was ich damals -- in einem
-Alter von vier Jahren ihm sagen konnte -- mir nicht öfters wiederholt
-hätte. Selbst unsers Schiffbruches erinnere ich mich jetzt nur mehr dunkel.
-Allein der gute Pfarrer, der nicht weit von jener Unglücksstätte wohnt und
-sich nach allem, was mich betraf, genau erkundigt hatte, beschrieb mir
-jenen fürchterlichen Abend und die darauf folgende Schreckensnacht sehr
-oft. Der Krieg hatte mit allem, was er Schreckliches haben kann, sich
-gleich einem verheerenden Gewitter, ganz in jene Gegend gezogen. Zwey
-Dörfer standen im Brande, und die hoch auflodernden Feuerflammen erhellten
-mit ihrem rothen Glanze weit umher die Gegend, rötheten die Wolken des
-Himmels, und strahlten schauerlich aus dem Flusse wieder. Die geschlagene
-Armee rettete sich über den Fluß. Die Sieger drangen ihr auf dem Fuße nach.
-Man glaubte ein furchtbares Hochgewitter zu hören, so laut donnerten die
-Kanonen, und man vernahm bereits das kleine Gewehrfeuer sehr deutlich.
-Ganze Familien, Väter, Mütter und Kinder, hatten theils zu Fuß, theils zu
-Wagen sich hieher geflüchtet, und wußten nun nicht mehr weiter. Das
-Gedränge und die Verwirrung war unbeschreiblich. Auch der gute Pfarrer
-hatte das Haus voll Geflüchteter, und war unermüdet beschäftiget, sie zu
-trösten und zu bewirthen -- da wurde auf einmal sehr stark an die Hausthüre
-geklopft. Er öffnete sie -- und ein Soldat mit einem kleinen weinenden
-Knäblein auf dem Arme stand vor der Thür. Dieses Knäblein war ich!«
-
-»Um Gottes willen, Herr Pfarrer, rief der edle Krieger, erbarmen Sie sich
-dieses armen Kindes, und nehmen Sie es zu sich. Ich riß es dort aus dem
-Fluß. Ich weiß es nirgends unterzubringen. Dieses nasse Päcklein hier
-enthält die Kleider des Kindes und einiges andere. Nehmen Sie -- ich muß
-augenblicklich weiter.« Der gutherzige Pfarrer nahm mich liebreich in seine
-Arme -- und der Soldat stürzte fort, indem er noch rief: »Gott wird es
-Ihnen vergelten! Leben Sie wohl!«
-
-Der würdige Geistliche brachte nun wohl so viel aus mir heraus, mein Vater,
-ein Offizier, sey im Kriege umgekommen, und meine Mutter sey mit mir und
-meinem kleinen Schwesterchen auf ihrer Fahrt über den Rhein verunglückt. Er
-unterließ nicht, nachzuforschen, ob meine Mutter und Schwester dem
-schauerlichen Tode des Ertrinkens nicht etwa noch entgangen seyen. Er begab
-sich, so bald es möglich war, in die benachbarten Orte, und fragte überall
-nach ihr. Er traf auch einige Menschen, die auf eben dem Schiffe gewesen,
-und gerettet worden. Sie sprachen mit Achtung und Mitleid von der
-tiefbetrübten Offizierswittwe; allein sie sagten einmüthig, sie sey mit
-ihrem kleinen Kinde sicher ertrunken. Die Gewalt des Stromes habe blos
-einige wenige Menschen, die sich auf dem untergegangenen Schiffe befunden
-hatten, an das Ufer, von dem sie hergekommen, zurück geworfen; Es sey gar
-nicht wahrscheinlich, daß irgend eine Seele das andere Ufer erreicht habe.
-Der edle Pfarrer hielt es indeß doch für möglich. Allein er konnte sobald
-keine Erkundigungen einziehen. Die Verbindung zwischen den beyden
-Rheinufern war des Krieges wegen lange Zeit aufgehoben. Und nachher, als
-man wieder Nachrichten von dem andern Ufer des Flusses erhalten konnte,
-stimmten alle darin überein, nirgends habe man eine solche Frau gesehen,
-wie die beschriebene Offizierswittwe, und sie sey also ganz gewiß todt.
-
-Der menschenfreundliche Pfarrer behielt mich nun bey sich, um mich zu
-erziehen. Er war ein sehr liebvoller, schon etwas betagter Mann, und ein
-wahrer Kinderfreund. Die Tage meiner Kindheit hätten wohl nicht glücklicher
-seyn können. Er war immer heiter und freundlich, und wußte mich mit einem
-Wink zu leiten. Denn sein ganzes Betragen war, bey aller Freundlichkeit,
-immer so ernst und würdig, daß ich eine große Ehrfurcht gegen ihn fühlte,
-und um alles in der Welt es nicht gewagt hätte, mich gegen ihn im
-geringsten widerspenstig zu zeigen.
-
-Seine erste Angelegenheit war es, mich in der Religion zu unterrichten; was
-er sagte, war alles so klar und herzlich, daß ich Gott und meinen Erlöser
-von Herzen lieb gewann. Er lehrte mich lesen und schreiben, und da er
-besondere Fähigkeiten an mir zu entdecken glaubte, so gab er mir Unterricht
-in der lateinischen Sprache. Er las mit mir lateinische Bücher, und wußte
-immer die schönsten Stellen auszuwählen, die meinem Alter angemessen waren.
-Was ich gelesen hatte, mußte ich dann schriftlich ins Deutsche übertragen.
-Ich bekam so mehrere Bücher, von meiner Hand rein und deutlich geschrieben,
-zusammen, die er alle sehr schön binden ließ. Ich hatte dabey ungemeine
-Freude, und erwarb mir eine Fertigkeit, jedes lateinische Buch zu
-verstehen, wenn nur sonst der Inhalt meine Fassungskraft nicht überstieg.
-In der Folge gab er mir auch Unterricht im Griechischen.
-
-Sein kleines freundliches Pfarrhaus war von einem schönen Gemüsgarten und
-einem großen Baumgarten umgeben. Wenn wir nun eine Stunde gelesen hatten,
-arbeiteten wir allemal eine Zeit im Garten. Denn er baute ihn selbst und
-ich mußte ihm dabey helfen. Diese Arbeit war Erholung vom Studieren. Im
-Winter oder an Regentagen brachte er seine Nebenstunden mit Zeichnen zu,
-worin er es sehr weit gebracht hatte. Er verstand seine Zeichnungen mit
-Tuschfarben so schön und lieblich auszumahlen, daß Kenner sie den
-vollendetsten Kunstwerken der Art an die Seite setzten. Auch ich hatte
-große Lust am Zeichnen und Mahlen. Er gestattete es mir aber allemal nur
-als eine Belohnung meines besondern Fleißes im Studieren, und unter seiner
-vortrefflichen Anleitung machte ich auch in dieser Kunst gute Fortschritte.
-So verfloß mir jeder Tag unter nützlichen und angenehmen Beschäftigungen;
-ich war immer so fröhlich und vergnügt, als je ein Kind in dem väterlichen
-Hause es sein kann.
-
-Der gute Pfarrer hatte indeß auch Manches zu leiden. Er mußte die Trübsalen
-des Krieges hart empfinden. Einquartierungen und Lieferungen kosteten ihm
-sehr viel, und zwey bis dreymal ward sein Pfarrhaus ganz ausgeplündert. Er
-würde dieses wenig geachtet haben, wenn es ihm nicht um mich gewesen wäre.
-Er hatte mich öfters versichert, er werde mich studieren lassen. Obwohl die
-Erträgnisse seiner Pfarrey nicht sehr bedeutend waren, so hatte er bey
-seiner mäßigen Lebensart doch so viel zurück gelegt, daß er die Kosten des
-Studierens hätte bestreiten können. Allein nun war es ihm unmöglich; er
-selbst war durch den Krieg in dürftige Umstände gerathen.
-
-Er hatte indessen in Wien einen Jugendfreund, der in großem Ansehen stand,
-und unter dem Adel und den Gelehrten viele Freunde hatte. An diesen schrieb
-er, ob er einem armen Jünglinge, der eine entschiedene Anlage und Neigung
-zum Studieren habe, nicht Gelegenheit dazu verschaffen könnte? Es kam
-sogleich die erfreuliche Antwort, er wolle mich mit offnen Armen in sein
-Haus aufnehmen, und dann weiter für mich sorgen. Ich möchte mich aber,
-schrieb er, sogleich auf die Reise machen, indem ich eine vorläufige
-Prüfung zu bestehen hätte, um unter die Zahl der Studierenden aufgenommen
-zu werden.
-
-Ein Kaufmann, der meinen Pflegvater öfter besuchte, hatte eben eine Reise
-in die hießige Gegend vor, und erboth sich, mich unentgeldlich mit zu
-nehmen. Da ich auf diese Art beynahe die Hälfte des Weges in einem bequemen
-Reisewagen zurücklegen konnte, so wurde dieses Anerbiethen mit Freude
-angenommen.
-
-Der Morgen, an dem ich von meinem guten Pflegevater Abschied nahm, wird mir
-ewig unvergeßlich seyn. Der gute Mann mit seinem frommen blassen Gesichte
-und seinen ehrwürdigen grauen Haaren, schloß mich in seine Arme und
-benetzte mein Angesicht mit Thränen. »Liebster Karl, sprach er, der
-Augenblick ist jetzt da, wo du hinaus mußt in die Welt. In unserm stillen
-abgelegenen Dorfe und in meinem Hause hier hast du, wills Gott, nichts als
-Gutes gesehen und gehört. In der großen Stadt, in die du jetzt kommst, wird
-es anders seyn. Du kommst zwar in das Haus eines guten Mannes und wirst
-auch in der Stadt viele gute Menschen kennen lernen; allein du wirst auch
-der bösen Beyspiele genug sehen und mancherley Böses hören. O Karl, vergiß
-meiner guten Ermahnungen nicht -- laß dich nicht verführen -- bleibe ein
-edler Jüngling.«
-
-»Vor allem bleibe dir unsre heilige Religion stets theuer. Sie ist der
-kostbarste Schatz, den wir hier auf Erden haben, und ein wahres Himmelbrod
-für unsern unsterblichen Geist. Wohne nicht nur dem öffentlichen
-Gottesdienste andächtig und ehrerbietig bey, sondern weihe auch deine
-stille Kammer zum Tempel der Andacht. Vergiß es nie, daß Gottes Auge dich
-überall sieht, und thue alles wie vor seinem Angesichte. Ihm klage deine
-Noth und vertrau auf Ihn. Verlaß Ihn nicht, und Er wird dich ewig nicht
-verlassen.«
-
-»Du wirst mancherley leichtsinnige Reden über Religion hören. Solche Reden
-verabscheue. Wer die Lehren der christlichen Religion befolgt, der erfährt
-es an seinem Herzen, daß sie von Gott sey. An diesem Prüfsteine, den ihr
-Stifter selbst angab, bewährt sie sich als lauteres Gold. Das hat sich mir
-durch eine Erfahrung von fast siebenzig Jahren bestätiget. Das ist ihr
-schönster Triumpf über alle Zweifel ihrer Freunde, die noch nicht ganz zur
-hellen Erkenntniß gekommen sind, und über alle Einwendungen ihrer
-verblendeten Feinde.«
-
-»Thu nie etwas Böses und handle nie gegen die Stimme deines Gewissens.
-Geselle dich nicht zu solchen Menschen, die über Unschuld und
-Schamhaftigkeit spotten und aus dem Laster einen Scherz machen; fliehe sie
-als wären sie vom gelben Fieber angesteckt. Eine solche leichtfertige
-Denkart verleitete schon manchen schönen blühenden Jüngling, die kurze Lust
-der Sünde zu genießen, machte ihn zum lebendigen Gerippe und stürzte ihn in
-ein frühes Grab. Bewahre dein Herz rein und unbefleckt, und du wirst die
-schöne Farbe deiner Wangen, das Feuer deiner Augen, die Ruhe deines
-Gewissens und die Heiterkeit des Geistes bewahren, und mein erster Blick,
-wenn ich dich, je wiedersehe, wird mir sagen, ob du noch gut und
-unverdorben seyest.«
-
-»Sey unermüdet in den Arbeiten deines Berufes. Der Beruf eines Studierenden
-ist ein schöner, edler Beruf. Es sey nun, daß du Rechtsgelehrter, Arzt oder
-Gottesgelehrter werden wollest -- allemal wird das zeitliche oder ewige
-Wohl deiner Mitmenschen dir anvertraut werden. Es wäre ja wohl schrecklich,
-wenn du es dir nicht Ernst seyn ließest, deiner Wissenschaft Meister zu
-werden, und wenn du einst, anstatt zum Glücke der Menschen beyzutragen, aus
-Unfähigkeit und Unwissenheit nur Unheil stiften würdest. Die Studierjahre
-sind die Zeit der Saat; benütze diese köstliche Zeit, ehe sie entflieht --
-sonst ist an keine erfreuliche Aernte zu gedenken. Du hast es in unserm
-Dorfe gesehen, wie die Landleute sich plagen müssen, wie sie vor Tag
-aufstehen, Frost und Hitze dulden, und alle Kräfte aufbiethen -- nicht nur
-um sich zu ernähren, sondern um auch die Abgaben zu bestreiten, die zur
-Unterhaltung der gelehrten Stände nöthig sind. Arbeite also auch unermüdet,
-um für sie, die so vieles für uns thun, dereinst auch etwas thun zu können,
-und ihnen nicht zur unnützen Last, sondern zum Segen zu werden.«
-
-»Erlaube dir aber auch zu rechter Zeit eine unschuldige Erholung. Nur laß
-den sinnlichen Vergnügungen keine Herrschaft über dein Herz. Wer sich von
-der Sinnlichkeit -- von Spiel, Trunk, Tanz und dergleichen -- hinreißen
-läßt, der ist, wenn er auch eben nichts offenbar Böses thut, dennoch ein
-Sklave seiner Lust -- und also ein schlechter Mensch. Der ungeordnete Hang
-zu sinnlichen Vergnügungen zerstört in unserm Herzen das Gefühl für alles
-wahrhaft Große, Schöne und Gute, und macht uns unfähig, edlere Vergnügungen
-zu genießen.«
-
-»O mein liebster Sohn! Vielleicht ist es das letzte Mal, daß du mein
-Angesicht siehest. Ich bin bald siebenzig Jahre alt und nicht mehr fern vom
-Grabe. Erfahrung, Welt- und Menschen-Kenntniß wirst du mir nicht absprechen
-wollen. Und dann -- was für einen Gewinn könnte ich davon haben, dir eine
-Unwahrheit zu sagen? Glaube mir also -- und bleibe gut. Denn sieh -- wenn
-du gut bist, so bist du _dir_ gut, und du wirst den Segen davon haben.
-Könntest du aber je böse werden, so wärest du _dir_ böse, und _dein_ wäre
-der Schaden, und _dich_ träfe das Verderben. Liebster Karl -- bleibe,
-bleibe gut!«
-
-Der gute, liebvolle Greis nahm nun die letzten zwey Goldstücke, die er noch
-hatte, aus seinem Pulte hervor. Ach er hatte schon all seine Baarschaft
-darauf verwendet, mich wohlanständig zu kleiden, und mich mit dem nöthigen
-Reisegeld zu versehen. Er gab mir diese Goldstücke, die Sie hier sehen und
-sagte: »Nimm dieses Wenige noch, liebster Sohn, als einen Nothpfenning --
-und dann hier noch etwas, das mehr werth ist, als alles Gold -- das neue
-Testament! Mehr kann ich dir jetzt, nicht geben. Allein lebe nur so, wie
-dieses göttliche Buch es uns lehrt, bleibe gottesfürchtig, edel und gut --
-dann bist du reich genug.«
-
-Hierauf segnete er mich noch mit zitternden Händen und weinenden Augen,
-schloß mich noch einmal in seine Arme, sagte mir Lebewohl -- und ich ging
-schluchzend und tief gerührt zur Thüre hinaus.
-
-Karl weinte, indem er dieses sagte, aufs neue; auch seiner Mutter und
-Schwester und den Uebrigen flossen die hellen Zähren über die Wangen.
-»Dieser Pfarrer, sprach die Mutter, ist wahrhaftig ein sehr -- sehr edler
-Mann. Es ist etwas Großes, sich eines fremden armen Kindes so herzlich und
-thätig anzunehmen, so viele Jahre hindurch so viele Zeit, Mühe und Kosten
-aufzuwenden, und so zu sagen noch den letzten Heller hinzugeben, um es zu
-einem guten und glücklichen Menschen zu erziehen. Doch -- nur die
-christliche Religion kann das menschliche Herz so uneigennützig und
-wohlwollend machen, alle Menschen auf Erden wie seine nächsten
-Blutsverwandten mit Liebe zu umfassen.«
-
-
-
-
-Siebentes Kapitel.
-Wie Karl hiehergekommen.
-
-
-Karl schwieg eine Weile und trocknete seine Thränen; dann erzählte er
-weiter. »Der Kaufmann, der mir den leeren Platz in seinem Reisewagen
-eingeräumt hatte, ist ein sehr rechtschaffner Mann und ein recht fröhlicher
-Gesellschafter. Er wußte immer etwas zu sagen, und that alles, mich den
-traurigen Abschied vergessen zu machen. Bald erzählte er ein artiges
-Geschichtchen, bald gab er mir Räthsel auf, bald sang oder pfiff er ein
-munteres Liedchen. Jedes Dorf wußte er mit Namen zu nennen, und in den
-Städten zeigte er mir die Merkwürdigkeiten, wenn es darin deren einige gab.
-Etwa drey Meilen von hier mußte ich mich aber von ihm trennen; denn er
-mußte einen andern Weg einschlagen. Er wünschte mir nun Glück und Gottes
-Segen zu meinem Vorhaben, ermahnte mich zum Fleiße und zum Vertrauen auf
-Gott, sorgte noch dafür, daß mein kleines Koffer, das er aufgepackt hatte,
-durch einen Fuhrmann an Ort und Stelle gebracht werde, schenkte mir ein
-Goldstück, drückte mir zum Abschied kräftig die Hand und fuhr in seiner
-Kutsche weiter.
-
-Auch dieser Abschied war mir sehr schwer gefallen. Ich war ja nun von allen
-bekannten Menschen getrennt! Ich setzte indeß meine Reise zu Fuße fort.
-Gegen Abend wanderte ich durch den Wald, der dieses Schloß umgiebt. Ich war
-von der Hitze des Tages und dem weiten Gehen, das ich nicht gewohnt bin,
-sehr ermüdet. Ich setzte mich daher, um ein wenig auszuruhen, auf einen
-Rasensitz, den ich unter einem Buchbaum erblickte. Das alte Schloß, das von
-der Abendsonne vergoldet aus dem waldichten Berge hervorragte, gewährte
-hier einen unvergleichlich schönen mahlerischen Anblick. Ich nahm ein Blatt
-Papier aus meiner Brieftasche hervor, und fing an das Schloß abzuzeichnen.
-
-Allein ich mußte die angefangene Zeichnung bald wieder weglegen. Der
-Untergang der Sonne -- die Stille des einsamen Waldes -- und die
-herannahende Nacht erregten sehr wehmüthige Empfindungen in mir! Ein Gefühl
-von Verlassenheit wandelte mich an. »Ach, dachte ich, die Nacht bricht
-herein, und ich weiß noch nicht einmal, wo ich übernachten soll! Auf viele
-Meilen weit rings umher kenne ich keine Seele und komme nun zu lauter
-fremden Menschen. Mein liebevoller Pflegvater, von dem ich nun schon einige
-Tagreisen weit entfernt bin, ist bereits sehr alt und vielleicht sehe ich
-sein ehrwürdiges Angesicht in meinem Leben nicht mehr! Und meine guten
-Aeltern habe ich kaum gekannt! Ich kann mir meinen Vater nur mehr als
-Leiche und meine Mutter in schwarzen Trauerkleidern und mit roth geweinten
-Augen denken.«
-
-Bey diesem Gedanken drangen auch mir die Thränen in die Augen. Ich zog den
-goldenen Ring heraus, den mir der gute Pfarrer gegeben hatte. »Mein Gott,
-seufzte ich, dieser Ring rührt noch von meinen Aeltern her, und er ist das
-einzige Erbtheil, das ich armer Waise von ihnen habe! Die drey kleinen
-Buchstaben sind die Anfangsbuchstaben, von dem theuren Namen meines Vaters
-oder meiner Mutter, und ich weiß nicht einmal, wie diese Namen heißen!
-Diesen Ring trug entweder mein Vater, dessen Hand längst im Grabe modert,
-oder meine Mutter, die vielleicht doch noch am Leben ist! Ja vielleicht
-lebte sie einst -- vielleicht lebt sie noch in eben diesen Gegenden, die
-ich jetzt durchwandere.«
-
-Mein Herz wurde von diesen Gedanken mächtig ergriffen! Ein Gefühl voll der
-schmerzlichsten Wehmuth und der seligsten Hoffnung bemächtigte sich meiner!
-Ich fiel auf die Knie nieder, ich rang die Hände, ich flehte mit Inbrunst
-zum Himmel: »O lieber Gott! Du allein weißt es, ob meine Mutter noch lebe!
-Du allein kannst, wenn sie noch lebt, mich sie wieder finden lassen! Ach
-vielleicht ließest Du diesen Ring nicht ohne weise Absicht in meine Hände
-kommen. Die Buchstaben darauf könnten mich unter deiner Leitung leicht zur
-Entdeckung meiner Mutter führen. O die liebe gute Mutter! Sie beweint --
-wenn sie noch am Leben ist -- mich als todt; sie glaubt, ich sey als ein
-zartes Knäblein in den Fluthen des Rheines ertrunken; o welche Freude würde
-sie haben, mich jetzt als einen Jüngling in ihre Arme zu schließen! Welche
-Seligkeit wäre es für mich, ihr freundliches mütterliches Angesicht zu
-erblicken, ihr zu danken für das, was sie an mir gethan, als ich ihre Liebe
-noch nicht zu schätzen wußte und ihr noch nicht dafür danken konnte. Wie
-unbeschreiblich glücklich würde ich mich schätzen, ihr meinen Dank jetzt zu
-bezeigen, und die Stütze ihres herannahenden Alters zu werden! O du guter
-Gott, du Vater der Wittwen und Waisen -- wenn -- wenn sie je noch lebt -- o
-so führe -- führe Du mich in ihre Arme! Höre mein kindliches Flehen, und
-laß mich sie wieder finden!«
-
-Als ich so gebethet hatte, und mit meinen Augen voll Thränen durch die
-Aeste der Buche noch immer zum blauen Himmel aufblickte, hörte ich in dem
-nahen Gesträuch ein leises Knistern. Ich sah hin, erblickte das Lamm -- und
-die goldenen Buchstaben auf dem purpurrothen Halsbande strahlten mir im
-Glanze der untergehenden Sonne hellschimmernd ins Auge. Eine wunderbare,
-unbeschreibliche Empfindung -- ein schauerliches Entzücken bemächtigte sich
-meiner. Es war mir, als umleuchtete mich ein Licht vom Himmel, als hätte
-ein Lichtstrahl von oben die Buchstaben erhellt; sie schienen mir wie
-verklärt. Ich glaubte die Nähe Gottes zu fühlen, und es dünkte mich, die
-Blätter aller Bäume rings umher zitterten aus Ehrfurcht vor Ihm. Mir war
-es, als spreche etwas in meinem Innersten: »Dein Gebeth ist erhört!« Und so
-war es auch. Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht. Gleich einem Engel des
-Himmels kam in ihrem weißen Kleide und im Schimmer der Abendsonne meine
-Schwester auf mich zu, und nannte mir das erstemal den theuren Namen meiner
-Mutter. So, beste Mutter, hat Gott mich in Ihre Arme, und in deine Arme,
-liebste Schwester, wunderbar zurück geführt!«
-
-»Ja, so ist es, meine liebsten Kinder, sagte die Mutter, indem sie ihre
-beyden Kinder in die Arme schloß. Er hat uns alle drey wieder zusammen
-gebracht. Er hat dich, liebster Karl, als einen zarten Knaben mir genommen
-und dich einem edlen Manne anvertraut, der dir aus der reinsten
-Menschenliebe eine Erziehung gab, die ich als Frau und als eine verlassene
-Wittwe dir unmöglich so gut geben konnte, und die dir keine Fürstin für
-Gold hätte besser verschaffen können. Er hat dich als einen blühenden
-Jüngling mir wieder zurück gegeben -- und mir die Thränen des Schmerzens,
-die ich über deinen Verlust weinte, in Freudenthränen verwandelt. Er hat
-alles wohl gemacht und alle seine Wege sind die lautere Weisheit und Liebe.
-O liebsten Kinder! laßt uns Ihm danken und seine heilige Vorsehung in
-Demuth und mit tiefer Ehrfurcht anbethen!« Alle drey schwiegen mit tief
-gerührtem Herzen lange still, und nur ihr Herz sprach mit Gott. Auch
-Rosalie und Christine saßen mit gefalteten Händen, mit thränenvollen Augen,
-und mit einem Herzen voll Rührung und Andacht stillschweigend da und
-athmeten kaum.
-
-»Welche Freude, sagte Karl nach einiger Zeit, wird der edle Greis, mein
-zweyter Vater, empfinden, wenn er diese wunderbare Fügung vernimmt! Diese
-Nacht noch muß ich ihm diese Freudennachricht schreiben.« Es war bereits
-Mitternacht, bis Karl auf sein Zimmer kam. Allein es wäre ihm unmöglich
-gewesen, zu Bette zu gehen. Er setzte sich an den Schreibtisch, der in dem
-Zimmer stand, und schrieb an seinen theuren Pflegvater, den ehrwürdigen
-Pfarrer, so ausführlich, so begeistert, daß er noch bey der brennenden
-Wachskerze saß und schrieb, als die goldene Morgenröthe bereits zum Fenster
-herein strahlte und das Kerzenlicht überflüssig machte.
-
-
-
-
-Achtes Kapitel.
-Karls Pflegevater.
-
-
-Karl lebte auf seinem väterlichen Schlosse so vergnügt, als wäre er in den
-Himmel versetzt. Je mehr er seine Mutter kennen lernte, desto mehr mußte er
-die vortreffliche Frau verehren. Eben so mußte er seine Schwester, die
-unermüdet fleißig, und dabey immer fröhlich und freundlich war, mit jedem
-Tage mehr schätzen. Seine Ankunft in Waldheim hatte indeß noch eine andere
-glückliche Folge für ihn. Das Schloß, das vorhin das Eigenthum seiner Väter
-gewesen, war gegenwärtig nur mehr der Wittwensitz seiner Mutter; allein
-jetzt konnte er dieses Schloß wieder als sein väterliches Erbtheil zurück
-fordern, und die Bewohner unten in dem Dorfe und einigen benachbarten
-Weilern als seine künftigen Unterthanen ansehen. Seine Mutter führte ihn
-daher voll Freude überall im Schlosse herum, zeigte ihm die Umgebungen des
-Schlosses nebst den Gütern, die dazu gehörten, und redete mit ihm sehr
-vieles über seine künftige schöne Bestimmung, zum Glücke der Bewohner
-dieses kleinen Thales so vieles beytragen zu können.
-
-Unter solchen Gesprächen saßen Frau von Waldheim, Karl und Emilie einmal am
-Nachmittage auf der eichenen Bank, die, nebst einem ähnlichen ländlichen
-Tische, auf einem schönen, mit Kies beschütteten Platze vor dem äußern
-Thore des Schloßhofes stand, und von zwey dichten Kastanienbäumen
-beschattet war. Da sahen sie einen ehrwürdigen Greis mit schneeweißen
-Haaren und schwarzer Kleidung auf sich zukommen, der einen ziemlich langen
-Reisestab in der Hand führte und einen dreyfach aufgeschlagenen Hut unter
-dem Arme hielt. »Gott im Himmel! mein Pflegevater! rief Karl, indem er
-aufsprang und mit weit offenen Armen auf ihn zu eilte. Ists möglich, Sie
-sind es, liebster, bester Herr Pfarrer! Wie kommen Sie hieher?«
-
-»Lieber Karl! theurer Pflegesohn! sprach der Pfarrer; sobald ich deinen
-Brief erhalten hatte, war ich sogleich entschlossen, ungeachtet meines
-hohen Alters die weite Reise hieher noch zu machen. Ich hielt aus wichtigen
-Gründen meine Gegenwart dahier für nützlich, ja für nothwendig. Auch war es
-mein lebhaftester Wunsch, die Mutter und Schwester meines lieben
-Pflegesohnes kennen zu lernen, und die Freude, die Gott allen Dreyen
-beschert hat, nicht nur in weiter Ferne, sondern an Ort und Stelle zu
-theilen.« Karl fiel ihm um den Hals, und die Mutter und Emilie konnten
-nicht Worte genug finden, dem edlen Manne ihre Dankbarkeit auszudrücken.
-
-Der ehrwürdige Greis, den das Ersteigen des Berges ermüdet hatte, setzte
-sich nun zu ihnen auf die Bank. Frau von Waldheim both ihm Erfrischungen
-an. Allein dem edlen Greise war es jetzt gar nicht um Speis und Trank. Er
-fing sogleich an mit eben so viel Einsicht als Rührung von den wunderbaren
-Wegen der göttlichen Vorsehung zu reden; er sagte hierauf, was nun zu thun
-sey, damit der Landesfürst Karln als einen jungen Herrn von Waldheim
-anerkenne; auch sprach er noch sehr ausführlich davon, was Karl noch alles
-zu lernen habe, um ein weiser und guter Vater seiner künftigen Unterthanen
-zu werden.
-
-Indessen kamen Rosalie und ihre Tochter, wie gewöhnlich, auf Besuch. Frau
-von Waldheim stellte beyde dem ehrwürdigen Pfarrer vor. »Sehen Sie, mein
-lieber Herr Pfarrer, sagte sie, dieses da ist das gute Kind, das uns mit
-dem Lamme ein so segenreiches Geschenk gemacht hat, und hier ist ihre
-Mutter, die das Halsband mit den drey entscheidenden Buchstaben geziert
-hat.« Der edle Pfarrer freute sich sehr, die gute Rosalie und ihre Tochter
-kennen zu lernen, und grüßte beyde auf das freundlichste.
-
-Frau von Waldheim trug nun Rosalien auf, den Thee, nebst Brod und Butter,
-Wein und Obst unter die Kastanienbäume herab zu bringen. Emilie und
-Christine aber schlichen sich fort, zierten das Lämmchen, das immer rein
-und weiß war wie Schnee, mit Kränzen von frischem grünen Laub und jungen,
-halbgeöffneten Rosen, legten ihm das goldgestickte Halsband an, und führten
-es dem Herrn Pfarrer vor. Der freundliche Greis betrachtete es mit
-Wohlgefallen, streichelte es und sagte zu Frau von Waldheim und zu Emilien:
-»Sie haben mich mit den zwey werthen Personen, durch die Ihnen Gott ein so
-großes Glück bereitete, bekannt gemacht, und sogar das Lamm nicht
-vergessen, das, ohne es zu wissen, zu diesem Glücke so vieles beygetragen
-hat. Nun muß ich Sie aber auch noch den Mann kennen lehren, der nach Gott
-die vorzüglichste Ursache dieser erfreulichen Ereignisse war, und der das
-Größte that, was Menschen thun konnten, Ihrer aller Glück zu gründen. Ich
-meyne jenen edelmüthigen Soldaten, der sich mit Gefahr seines eigenen
-Lebens muthig in den Rhein stürzte, und unsern lieben Karl hier, als ein
-zartes unmündiges Knäblein, aus den reißenden Fluthen glücklich
-herausholte.«
-
-»Der gute Mann hatte, seit dem er jene edle That vollbrachte, sehr vieles
-auszustehen. Erlauben Sie, daß ich Ihnen das Wesentliche davon kurz
-erzähle. Er machte mehrere Feldzüge mit, hatte unsägliche Mühseligkeiten zu
-erdulden und wurde endlich schwer verwundet. Er und eine Menge anderer
-Verwundeter wurden auf Wagen geladen und weiter geführt. Nun traf sichs,
-daß der lange Zug von Wagen an dem Hause eines Wollfärbers vorbeykam, der
-außen vor dem Thore eines kleinen Städtchens nahe am Wasser wohnte. In
-diesem Hause war der brave Krieger ehemals einige Wochen im Quartier
-gelegen, und hatte dem Färber, dessen Wohnung dem Uebermuthe der Soldaten
-am meisten ausgesetzt war, ganz ungemeine Dienste geleistet, und ihm
-Vermögen und Leben gerettet. Der Färber schaute eben jetzt aus dem Fenster,
-die Wagen vorüber ziehen zu sehen -- und erblickte unter den Verwundeten
-seinen ehemaligen Beschützer, der sich auf dem Wagen mühsam aufrichtete und
-sehnlich zu den Fenstern heraufsah. Augenblicklich eilte der Färber hinab,
-grüßte ihn, und bath den Offizier, der den Zug begleitete, den armen
-todtschwachen Mann ihm zu überlassen. Der Feldarzt ward gerufen und dieser
-erklärte, der Mann werde ohnehin, wie schon hundert Andere, das
-Militärspital nicht mehr erreichen und zuverläßig unterwegs sterben. Man
-solle ihn also ohne weiters in das Haus des barmherzigen Mannes bringen, so
-würde der arme Leidende wenigstens für seine letzten Augenblicke noch
-einige Erleichterungen finden.«
-
-»Der Färber nahm nun seinen ehemaligen Hausfreund und Wohlthäter voll des
-herzlichsten Mitleids in sein Haus auf. Die sorgfältigste Pflege und der
-Fleiß des geschickten Wundarztes im Orte retteten ihm wider alle Erwartung
-das Leben; nur blieb er noch lange Zeit so schwach, daß er nicht weiter
-reisen, auch keine etwas schwere Arbeit verrichten konnte. Der Färber, der
-ein reicher Mann war und ein sehr weitläuftiges Gewerbe hatte, behielt ihn
-aber sehr gerne bey sich, und der dankbare Krieger, der eine sehr schöne
-Handschrift hat, besorgte ihm seinen Briefwechsel und führte ihm sein
-Handlungsbuch mit dem größten Fleiße und mit der pünktlichsten Genauigkeit.
-Beyde gewannen einander immer lieber, und lebten zusammen in wahrhaft
-brüderlicher Eintracht.«
-
-»Allein nun änderte sich auf einmal die Sache. Der brave Soldat war kaum
-vollends hergestellt und wieder zu Kräften gekommen, so starb der ehrliche
-Färber sehr unvermuthet hinweg. Der Tod hatte ihn zu schnell übereilt,
-sonst würde er seinen Freund sicher in seinem Testamente bedacht haben.
-Sein Vermögen fiel den Verwandten zu; die Färberey wurde verkauft; die
-hartherzigen Erben ließen den guten Mann mit leeren Händen abziehen. Er
-mußte sein Unterkommen weiter suchen. Er wollte jedoch zuvor zu seinem
-Regimente reisen, und, weil sein linker Arm etwas gelähmt blieb, um seinen
-Abschied bitten. Der Weg führte ihn nahe bey meinem Pfarrdorfe vorbey. Da
-regte sich natürlich in seinem Herzen der Wunsch zu erfahren, was aus dem
-Kinde geworden sey, das er einst aus dem Wasser gezogen hatte. Er besuchte
-mich -- eben ein Paar Tage, nachdem Karl abgereist war. Ich hatte eine
-große Freude, den edelmüthigen Krieger wieder zu sehen behielt ihn bey mir,
-und sann nach, ob ich ihm nicht irgendwo ein angemessenes Plätzchen
-verschaffen könnte.
-
-Da kam Karls Brief -- mit der unerwarteten Freudennachricht. Ich hielt es
-für sehr zweckmäßig, den braven Mann mit hieher zu nehmen. Denn fürs Erste,
-dachte ich, wird sein Zeugniß, daß er in jenem Jahre und an jenem Tage ein
-Knäblein von etwa vier Jahren aus dem Rheine zog, und es nebst einem
-Päcklein mit dessen Kleidern, in dem sich jener Ring fand, mir übergeben
-habe, sehr dienlich seyn, zu erweisen, Karl sey wirklich der Sohn der
-gnädigen Frau von Waldheim, von dem man glaubte, er sey ertrunken. Fürs
-Zweyte hoffte ich, Karl werde gegen den Retter seines Lebens gewiß nicht
-unerkenntlich seyn -- zumal der brave Mann treu wie Gold, im Schreiben und
-Rechnen sehr gewandt, besonders aber ein treflicher Forstmann ist, und dem
-künftigen Herrn von Waldheim in Verwaltung seiner Güter sehr nützliche
-Dienste leisten kann.«
-
-»O, wo ist er denn? Wo ist er?« riefen Frau von Waldheim, Karl und Emilie
-fast mit einer Stimme.
-
-Der Pfarrer wandte sich um, winkte einem ordentlich gekleideten Manne, der
-bescheiden in einiger Entfernung stand, nahm ihn bey der Hand, stellte ihn
-der gnädigen Frau vor, und sprach: »Hier ist er -- mein guter, ehrlicher,
-vortrefflicher Johann West!«
-
-»Johann West! rief die arme Rosalie ganz außer sich. O Gott, er ist mein
-Mann!« Sie flog in seine Arme; sie begrüßte ihn zitternd und bebend vor
-Freudenschrecken.
-
-Alle erstaunten über diese neue Fügung der göttlichen Vorsehung. Der Mann
-aber stand wie versteinert da. Es währte lange, bis er sich in dieses
-unverhoffte Glück finden konnte und endlich in Freudenthränen ausbrach. Die
-hocherfreute Rosalie rief nun ihrer Tochter zu: »O Christine, er ist dein
-Vater! O grüße ihn doch auch!« Christine, die bisher mit gefalteten Händen
-unbeweglich da gestanden, näherte sich ihm nun schüchtern, und er schloß
-sie unter heißen Thränen in seine Vaterarme. Alle drey hatten eine Freude
--- wie vor einigen Tagen Frau von Waldheim, Karl und Emilie sie gehabt
-hatten.
-
-Nachdem sie sich von der ersten, ungestümen Freude erholt hatten, trat Karl
-herbey und umarmte den Retter seines Lebens mit unaussprechlicher Rührung.
-Die Frau von Waldheim und Emilie aber bothen ihm freundlich die Hand, und
-überhäuften ihn mit Danksagungen und Lobeserhebungen. »Lieber West, sagte
-Frau von Waldheim, Ihr, Eure Frau und Eure Tochter sollen von diesem
-Augenblicke an in dieses Schloß aufgenommen seyn, und nie mehr von mir
-getrennt werden; und wenn ich, wie ich hoffe, meine Güter wieder zurück
-bekomme, so sollet Ihr eine solche Anstellung erhalten, mit der Ihr gewiß
-zufrieden seyn werdet.«
-
-
-
-
-Neuntes Kapitel.
-Allgemeine Freude im Dorfe.
-
-
-Die Frau von Waldheim hatte es nicht sogleich bekannt werden lassen, daß
-der fremde Jüngling, der sich auf ihrem Schlosse befand, ihr Sohn sey; sie
-wollte sich ihres Glückes einige Tage im Stillen ungestört freuen. Allein
-der Kutscher, der den Pfarrer und dessen Reisegefährten hergeführt, und
-seine Pferde unten im Wirthshause des Dorfes eingestellt hatte, plauderte
-alles aus. Als er Abends die Kutsche wusch und die Pferde tränkte, kamen
-mehrere Leute aus dem Dorfe, die eben Feyerabend gemacht hatten, herbey und
-fragten, wem die Kutsche gehöre? Denn eine fremde Kutsche war etwas
-Seltenes im Dorfe. Der Kutscher sagte: »Ich habe den Herrn Pfarrer hieher
-gefahren, der euren jungen gnädigen Herrn erzogen hat.« »Ey was, riefen die
-Leute, der junge Herr ist ja als ein Kind ertrunken!« »Nein, sprach der
-Kutscher, er lebt, er ist droben auf dem Schlosse. Er wurde von dem Manne,
-der bey dem Herrn Pfarrer in der Kutsche saß, aus dem Wasser gezogen; sonst
-wäre er freylich ertrunken. Ich bin des Herrn Pfarrers sein Knecht, und
-habe euren jungen Herrn, als er noch klein war, viel hundert Mal auf dem
-alten Braunen, den ihr da stehen sehet, mit auf den Acker oder auf die
-Wiese reiten lassen. Der Karl ist aber auch ein recht braver, lieber junger
-Herr, und er hat auf mich, seinen alten Hanns, immer recht viel gehalten!
-Ihr werdet Freude an ihm haben und er wird euch zum Segen seyn.«
-
-Die Nachricht, der Baron Karl, der droben auf dem Schlosse geboren und in
-der Pfarrkirche zu Waldheim getauft war, den aber seine Aeltern einige
-Monate nach seiner Geburt mit sich fort genommen, und den man schon so
-lange für todt gehalten, sey wieder gefunden, verbreitete sich sogleich
-durch das ganze Dorf. Alles im Dorfe, Jung und Alt, lief voll Freuden dem
-Schlosse zu. Da die Leute aber die Herrschaft auf der Bank unter den
-Kastanienbäumen erblickten, blieben sie in einiger Entfernung stehen. Es
-sammelte sich ein dichtgedrängter Kreis von Vätern, Mütter und Kinder --
-ohne daß die Herrschaft und die übrige Gesellschaft in ihrer großen Freude
-es sogleich in Acht nahmen.
-
-Die Frau von Waldheim bemerkte es zuerst, und fragte: »Was wollen denn die
-vielen Leute?« Die Köchin, die eben zum zweyten Male heißes Wasser zum Thee
-brachte, weil das erstere kalt geworden war, sagte: »Die Leute möchten gern
-den jungen gnädigen Herrn sehen; sie haben es den Augenblick erst erfahren,
-daß er da sey.«
-
-Der würdige Pfarrer sprach: »Das ist schön! Das gefällt mir von den Leuten!
-Erlauben Sie, gnädige Frau, daß ich den wackern Leuten meinen Pflegesohn
-als ihren künftigen Gutsherrn vorstelle, und ihnen einige Worte an das Herz
-lege.« Der edle Greis nahm gerührt sein schwarzes Sammetkäppchen von seinem
-ehrwürdigen schneeweißen Haupte, stand auf, trat etwas vorwärts, blickte
-mit Thränen im Auge zum Himmel und fing dann ganz begeistert an zu reden:
-
-»Ihr Aeltern und Kinder, Ihr Väter und Mütter, Söhne und Töchter, tretet
-näher, und sehet und höret, was Gott Eurer gnädigen Herrschaft und auch
-Euch für eine große Freude bereitet hat!«
-
-»Gott, ohne dessen Wissen kein Sperling vom Dache fällt und der die Haare
-unsers Hauptes gezählt hat, ist wunderbar in seinen Wegen und weiß alles
-weislich zu fügen. Er, der Gott der Wittwen und Waisen, der Vater aller
-Leidenden und Bedrängten, lebt noch, und nimmt sich ihrer stets, und oft so
-wunderbar an, daß wir es deutlich mit Augen sehen und gleichsam mit Händen
-greifen können. Nicht das geringste Gute läßt Er, der reiche Vergelter,
-unbelohnt, und belohnt es oft schon hier auf Erden auf eine herrliche,
-göttlichschöne Weise.«
-
-Der würdige Pfarrer erzählte nun die vorzüglichsten Begebenheiten der
-Geschichte, die seinen Zuhörern noch unbekannt waren, und fuhr dann weiter
-fort.
-
-»Seht, so herrlich belohnte Gott Eure edle gnädige Frau für ihre
-menschenfreundliche Güte, mit der sie sich der armen, kranken Rosalie, die
-sich für eine Wittwe hielt und ihren Mann als todt beweinte, angenommen --
-so schön vergalt Er ihr, dieser wahrhaft gnädigen Frau, die Barmherzigkeit,
-die sie Rosaliens Tochter, der armen Christine, erwiesen hat! Gott gewährte
-ihr die größte Freude, die ihr in ihrem eigenen Wittwenstande werden
-konnte, und ließ sie ihren eigenen geliebten Sohn wieder finden!«
-
-»Reichlich segnete Gott Fräulein Emilien hier für ihr Mitleid gegen ein
-armes Mädchen und für ihre freundliche Güte, die nichts von Stolz weiß. Sie
-begegnete der armen Christine so freundlich und liebreich, als wäre
-Christine ihre eigene Schwester -- und Gott machte dem guten Fräulein dafür
-die unerwartete Freude, ihren eigenen lieben Bruder wieder zu finden.«
-
-»Herrlich belohnte Gott die arme Rosalie, daß sie die Leiden ihrer
-Krankheit und ihrer Armuth so geduldig ertrug, ihre Tochter so gut erzog,
-sie zur Redlichkeit, zur Dankbarkeit, zum Fleiße, zur Reinlichkeit und
-jeder anderen Tugend anhielt. Diese gute Erziehung brachte der guten Mutter
-jetzt schon die erfreulichsten Früchte und verwandelte ihre Leiden in
-Freuden!«
-
-»Schön vergalt Gott der guten Christine ihr Mitleid gegen ein verlornes
-Lamm, ihren Gehorsam gegen ihre Mutter, die Redlichkeit, mit der sie das
-Lamm dem Eigenthümer zurück gab, die Dankbarkeit, mit der sie es dem
-Fräulein hier zum Geschenke machte. Diese liebenswürdigen Eigenschaften
-gewannen ihr die Zuneigung Eurer gnädigen Frau und Fräulein Emiliens, waren
-die Veranlassung, daß sie ihren Vater wieder fand und werden sie auch
-fernerhin glücklicher machen, als der reichste Brautschatz sie machen
-könnte.«
-
-»Wie wunderbar führte Gott Euren jungen gnädigen Herrn in die Arme der
-geliebten Mutter, die ihn längst für todt hielt, zurück, um ihn für seinen
-Fleiß, seinen Gehorsam, sein gutes Betragen von der zartesten Kindheit an,
-zu segnen, sein kindliches Gefühl gegen seine Mutter, die er nicht kannte,
-zu belohnen, und sein herzliches, inniges Gebeth dort in dem Walde gnädig
-zu erhören!«
-
-»Wie augenscheinlich belohnte Er die edle Handlung des wackern Kriegers
-hier! Ach, der gute Mann sprang voll herzlichen Erbarmens in das Wasser, um
-mit Gefahr seines eigenen Lebens dem Kinde einer trauernden Wittwe das
-Leben zu retten. Dafür erbarmte sich Gott auch über desselben Weib und
-Kind, rettete sie aus Noth und Mangel, erweckte edle Herzen, die sich ihrer
-gütig annahmen, und ließ ihn Mutter und Kind, von denen er ungeachtet aller
-seiner Nachforschungen nichts mehr erfragen konnte, wieder finden! Vater,
-Mutter und Kind sehen nun nach vielen überstandenen Leiden ruhigern und
-glücklichern Tagen entgegen.«
-
-»Und dieses alles führte Gott durch dieses Lamm hier aus, das als ein
-liebliches Bild der Unschuld, weiß wie Lilien und mit jungen Rosen
-geschmückt, in Eurer Mitte steht. Er, der liebe Gott, ließ es verloren
-gehen; Er leitete Christinens Tritte, daß sie es fand; Er bewegte das Herz
-des ehrlichen Landmanns, es ihr zu überlassen; Er gab Christinen und ihrer
-Mutter in den Sinn, es Emilien zu schenken; Er führte das Lamm gleichsam an
-der Hand dem reisenden Jünglinge zu, um ihn in die Arme der geliebten
-Mutter zu führen. Er setzt ihn durch ein Lamm wieder in seine Güter ein,
-und bereitet dadurch auch Euch ein großes Glück. Denn ich kann Euch
-versichern, Karl ist ein edler, hoffnungsvoller Jüngling. Er fürchtet Gott
-und liebt die Menschen. Er wird Euch und Euren Kindern ein guter milder
-Herr seyn.«
-
-»Und sollte nun Gott, der den Lebenslauf eines Lammes so sicher leitet, den
-Eurigen ausser Acht lassen können? O mit mehr Liebe und Mitleid, als
-Christine das Lamm hier aufnahm, trägt Er euch alle am Herzen.«
-
-»Meine geliebten Freunde! Wie könnte ein Diener des Evangeliums ein Lamm
-sehen, ohne daß ihm Derjenige zu Sinne käme, der gleich einem schuldlosen
-Lamme zum Besten seiner lieben Menschen verblutete und der sich selbst
-öfter einem guten Hirten verglich! Ja, Er, dessen Diener ich bin, dessen
-Evangelium ich predige, ist der ewig treue, liebevolle Hirt unser Aller. Er
-kennet alle seine Schafe, Er nennet sie mit Namen, Er ruft sie mit sanfter
-Stimme, Er lenkt sie mit seinem milden Hirtenstabe, Er beschützt sie vor
-Gefahren, Er weidet sie. Er sucht die verlornen auf; Er möchte jedes
-gleichsam auf seinen Schultern in den Himmel tragen! Vertrauet Ihm daher
-vom ganzen Herzen!«
-
-»Laßt uns aber auch seine Stimme hören und Ihm folgen, und Gutes thun, so
-viel wir können. Denn seht, Gott bedient sich unsrer guten Handlungen, uns
-und Anderen große Freude, Segen und Heil zu bereiten. Hätte zum Beyspiele
-Eure gnädige Frau gegen die arme, kranke Rosalie sich nicht so wohlthätig
-erzeigt; wäre Emilie gegen die arme Christine nicht so freundlich gewesen,
-ja hätte sie ihr auch nur das kleine Halstuch nicht geschenkt; hätte
-Christine etwa aus Eigennutz Emilien das Lamm nicht schenken mögen; oder
-hätte Christinens Mutter nicht aus herzlicher Dankbarkeit das schöne
-Halsbändchen gestickt; hätte Karl nicht eine so kindliche Liebe zu seiner
-Mutter gehabt, sich nicht so nach ihr gesehnt, dort im Walde nicht so innig
-gebethet: so wäre alles nicht so gegangen, und der heutige Tag wäre nicht
-für uns alle ein so großer Freudentag geworden. So bringt alles, auch das
-kleinste Gute, das wir thun, reichen Segen über uns und Andere. Edle
-Handlungen sind Perlen, die Gottes heilige Vorsicht nicht verloren gehen
-läßt, sondern sie gleichsam an eine Schnur reihet; gute Thaten sind goldene
-Ringe, aus denen Gott eine goldene Kette herrlicher und erfreulicher
-Begebenheiten zusammen fügt.«
-
-»Ihr aber, meine lieben Kinder, beschloß der Pfarrer seine Anrede, in dem
-er sich zu den Kindern wandte, ihr Größern, die ihr mir so aufmerksam
-zugehört habt, und ihr Kleinern, die ihr nur nach dem niedlichen weißen
-Lämmchen hinblickt, das so schön mit Rosen geschmückt in eurer Mitte steht
--- euch alle wolle Gott segnen -- und geben, daß ihr alle so unschuldig
-bleibet, wie ein Lamm, und so sanft und geduldig, wie ein Lamm, wenn ihr,
-wie manches arme Lämmchen, unter rauhe Hände fallen solltet. Er, der das
-Leben für seine Schäflein gab, wolle euch in seinen Armen und an seinem
-Herzen tragen; Er wolle euch in seinen mächtigen Schutz nehmen, wenn das
-Verderben eurer Unschuld droht, wie ein grimmiger Wolf einem sanften,
-schuldlosen Lamme. Ihr holden Kleinen seyd ja auch die Schäflein seiner
-Heerde! Er wolle euch ewig nicht seinen Händen entreissen lassen.«
-
-So redete der Pfarrer; sein Angesicht war von den Strahlen der
-untergehenden Sonne beleuchtet, und sein ehrwürdiges weißes Haar glänzte in
-dem hellen Abendschimmer. Er stand da mit seinen zum Himmel gerichteten
-Blicken voll Thränen wie verklärt -- und alle, die ihn hörten, hatten
-Thränen in den Augen und neues Vertrauen auf den Gott, der alles wohl
-macht, kam in ihr Herz, und erquickte es sanft, wie der Thau, der bereits
-die Blumen im Thale erfrischte. Die guten Landleute gingen alle gerührt und
-voll guter Vorsätze nach Hause. »Das ist schön gewesen! sagten sie auf dem
-Heimwege zu einander, und eine solche allgemeine Freude ist wohl, seit das
-Dorf steht, noch nicht erlebt worden.«
-
-
-
-
-Zehntes Kapitel.
-Ein Kinderfest.
-
-
-Die Frau von Waldheim reisete nun mit Karl in die Residenz, stellte diesen
-ihren wieder gefundenen Sohn dem Fürsten vor, und bath um die
-Wiedereinsetzung in ihre Güter. Der ehrwürdige Pfarrer, und der wackere
-West waren auch mitgekommen, um durch ihr vereintes Zeugniß zu beweisen,
-Karl sey wirklich ein junger Herr von Waldheim. Der Fürst hörte sie sehr
-gnädig an, fand die vorgebrachten Beweise vollkommen hinreichend und
-befahl, die Güter unverzüglich ausfolgen zu lassen; verordnete jedoch, daß
-die Frau von Waldheim, so lange bis Karl das gesetzliche Alter erreicht
-haben würde, die Verwaltung der Güter übernehmen solle.
-
-Voll Freude kam Frau von Waldheim mit ihrer Reisegesellschaft zurück auf
-ihr Schloß. Der würdige Pfarrer reisete nach einen Paar Tagen unter den
-dankbaren Thränen der Frau von Waldheim, Karls und Emiliens ab, um sich
-wieder zu seiner geliebten Pfarrgemeine zu begeben. Karl bezog, reichlich
-ausgestattet und unter glänzendern Umständen als vorhin, die hohe Schule.
-Den trefflichen West aber ernannte die gnädige, nunmehr wieder gebiethende
-Frau, nachdem er seiner Kriegsdienste entlassen war, zu ihrem Rentmeister,
-und übergab ihm, als einem sehr geschickten Forstmanne, zugleich die
-Oberaufsicht über die Waldungen, die zu dem Gute gehörten und sehr
-ansehnlich waren.
-
-Nachdem Karl seine Studien rühmlichst vollendet, dann zu seiner weiteren
-Belehrung und Bildung eine große Reise gemacht, und nunmehr seine
-Herrschaft übernommen hatte, saß er eines Abends mit seiner Mutter und mit
-Emilien, die nun eine erwachsene schönblühende Jungfrau war, auf der
-eichenen Bank nächst dem Schloßthore. Es wurden eben die Schafe
-eingetrieben, deren Frau von Waldheim sehr viele angeschafft hatte. Auch
-jenes Lamm hatte sich zu einer kleinen Heerde vermehrt, die aber von Emilie
-als ihr besonderes Eigenthum betrachtet wurde. Karl und Emilie unterhielten
-sich damit, die Schafe und Lämmer zu zählen. »Nun Kinder, fing die Frau von
-Waldheim an, als die Heerde vorbey getrieben war, können wir den Gedanken
-ausführen, mit dem ich Euch schon längst bekannt gemacht habe. Die Heerde
-ist jetzt zahlreich genug. Morgen ist es abermals ein Jahr, daß Gott mir
-und Euch, meine lieben Kinder, durch jenes Lamm eine so unbeschreibliche
-Freude gemacht hat, an der alle Aeltern und Kinder unsrer kleinen
-Gutsherrschaft den herzlichsten Antheil genommen haben. Der morgige Tag
-soll daher ein allgemeines Kinderfest werden für das ganze Dorf und alle
-dazu gehörige Orte. Ja, auch die Aeltern sollen nicht leer ausgehen.« Frau
-von Waldheim ging nun mit Karl und Emilien in den Schloßhof, suchte eine
-Anzahl der schönsten Schafe heraus und befahl dem Schäfer, sie besonders
-einzuschließen. Am folgenden Morgen geboth sie den Mägden im Schlosse, die
-Schafe reinlich zu waschen, und die Mägde wetteiferten, es nur recht schön
-zu machen. Die Schafe wurden fast so weiß wie Schnee, und Emilie und
-Christine schmückten sie überdieß noch mit rosenfarbenen Bändern.
-
-Frau von Waldheim ließ nun alle Kinder des Dorfes und des umliegenden
-Thales, die in die Schule zu Waldheim gingen, einladen, nachmittags um zwey
-Uhr auf das Schloß zu kommen. Die Kinder, Knaben und Mägdlein, kamen mit
-tausend Freuden, und waren wohl schon eine Stunde früher in ihrem schönsten
-Aufputze vor dem Schloßthore versammelt. Zur bestimmten Zeit wurden sie in
-den Schloßhof gerufen. Und sieh -- da stand zu ihrem Erstaunen eine lange
-Tafel, fast so lang, als der Schloßhof, und auf der Tafel erblickten sie,
-zu ihrer nicht geringen Freude, große schöne Kuchen, blinkende Schüsseln,
-aufgehäuft voll mit allerley Backwerk, und zierliche Körbchen, aus denen
-ihnen Aepfel, Birnen und Pflaumen, roth, gelb und blau entgegen lachten.
-Auch standen einige große gläserne Flaschen mit dunkelrothem Methe
-dazwischen. Die Kinder mußten nun auf den langen Bänken zu beiden Seiten
-des Tisches, und zwar auf einer Seite die Knaben und auf der andern die
-Mädchen, Platz nehmen, und es wurde ihnen von allem reichlich vorgelegt. Da
-sah man nun lauter fröhliche Gesichter. Die Kinder ließen es sich recht
-wohl schmecken, und vergaßen auch nicht von dem süßen Methe auf die
-Gesundheit der gnädigen Frau, Karls und Emiliens zu trinken.
-
-Nachdem alle satt waren, ertönten auf einmal fröhliche Schallmeyen. Die
-Söhne des Schäfers zogen mit dieser ihrer ländlichen Musik in den
-Schloßhof; die reinliche, schön geschmückte Schafheerde folgte ihnen, und
-der alte Schäfer machte den Beschluß. Die Kinder hatten an den schönen
-Schafen große Freude, und bald rief dieses, bald jenes: »O wie schön! So
-schöne blüthenweiße Schafe, die mit so schönen rothen Bändern geziert sind,
-haben wir noch nie gesehen.« Aber wie groß war erst die Freude der Kinder,
-als sie hörten, die Schafe sollten unter sie vertheilt werden, und die
-Kinder jedes Hauses sollten zusammen ein Schaf bekommen. Die Frau von
-Waldheim wollte die Schafe durch das Loos vertheilen lassen, um die
-Vertheilung unterhaltender zu machen und jeden Schein von Partheilichkeit
-zu vermeiden. Jedes Schaf hatte ein Blatt mit einer Nummer anhängen. In
-einem großen irdenen Topfe befanden sich auf zusammen gerollten Blättchen
-eben die Nummern, wie an den Schafen. Nun mußte ein Kind nach dem andern
-eine Nummer ziehen, und sobald es gezogen hatte, erschallten die
-Schallmeyen und spielten so lange fort, bis das Schaf mit eben derselben
-Nummer aus der Heerde herausgefunden war. Die Begierde der Kinder bey dem
-Ziehen, die Erwartung, welches Schaf dem ziehenden Kinde zu Theil werden
-würde, die Freude des Kindes, wenn ihm das Schaf wirklich übergeben wurde,
-lassen sich gar nicht beschreiben. Der ganze Schloßhof war voll Jubel.
-
-Nachdem die Schafe alle vertheilt waren, zogen die Kinder damit hinab in
-das Dorf. Die Schäferssöhne mit ihren helltönenden Schallmeyen gingen
-voran, die Schafe von den Kindern begleitet folgten, und der alte Schäfer
-beschloß den Zug. Gleichsam im Triumpfe zogen sie in dem Dorfe ein. Als die
-Leute die Schallmeyen und das Jubeln der Kinder hörten, und die
-schöngeschmückten Schafe erblickten, wunderten sie sich sehr, was doch
-dieses alles zu bedeuten habe. Allein da sie vernahmen, daß die gnädige
-Herrschaft die Kinder so gütig beschenkt habe -- da hätte ihre Freude kaum
-größer seyn können. Viele Aeltern vergossen über die mildthätigen
-Gesinnungen ihrer gnädigen Herrschaft Freudenthränen.
-
-In jene Häuser, wo sich kein Schulkind befand, schickte Frau von Waldheim
-dennoch ein Schaf hin; den wackern Bauersleuten aber, die einst die arme
-Rosalie so liebreich in ihr Nebenhäuschen aufgenommen hatten, schenkte sie
-zehn Schafe. Auch den ehrlichen Bauern und die gute Bäuerin auf dem
-Eichhofe, die einst der kleinen Christine jenes Lamm geschenkt und sie so
-freundlich zum Nachtessen eingeladen hatten, vergaß sie nicht. Da diese
-Leute sehr reich waren, und noch immer Schafe genug hatten, so ließ sie auf
-den folgenden Sonntag beyde zum Mittagsessen einladen, und der Bauer
-versicherte öfter, diese Ehre schätze er viel höher, als wenn die gnädige
-Frau ihm hundert Schafe geschenkt hätte.
-
-Am andern Morgen kamen alle Hausväter aus dem Dorfe in ihren
-Sonntagskleidern auf das Schloß, der gnädigen Herrschaft für die erzeigte
-Wohlthat zu danken. Nun nahm Karl das Wort und sagte: »Liebe Männer! Ihr
-wißt, als ein armer Jüngling, der beynahe nichts hatte, als seinen Stab,
-wanderte ich einst durch diese Gegend. Durch ein Lamm half mir Gott wieder
-zu meinem väterlichen Erbtheile, und machte mich so glücklich, der Gutsherr
-von Euch lieben Leuten zu werden. Meine Mutter, meine Schwester, und ich
-wünschten, daß die Wohlthat, die Gott uns durch ein Lamm erwies, auch noch
-für unsre und Eure Nachkommen unvergeßlich bleiben, und ihnen noch zum
-Segen werden möchte. Hört deßhalb, was wir beschlossen haben!«
-
-»Das Recht in unserm Dorfe hier Schafe zu halten, gehörte bisher
-Ausschließungsweise der Herrschaft zu. Dieses Recht sollt ihr von dem
-heutigen Tage an nun alle genießen. Deßwegen gab meine Mutter Euren Kindern
-zu einem kleinen Anfange die Schafe. Gott wolle sie Euch segnen!«
-
-»Ich hoffe, Euer Ackerbau soll durch die Schafzucht sehr verbessert werden,
-nach dem alten Sprichworte: Die Fußtritte der Schafe verwandeln sich in
-Gold. Aber auch den Aermern, die keinen Acker haben, wird wenigstens Wolle
-und Milch sehr gut kommen.«
-
-»Ich werde die Anstalt treffen, daß die Wolle, die wir gewinnen, sogleich
-in unserm Dorfe verarbeitet werde, und ich hoffe, es soll noch der Tag
-kommen, daß die Kleider aller Bewohner meiner Herrschaft von selbst
-gewonnener Wolle verfertigt seyn werden. Gott gebe seinen Segen dazu!«
-
-Karls Wunsch ging auch vollkommen in Erfüllung. Die arme Rosalie, nunmehr
-Frau Rentmeisterin, und ihre Tochter Christine gaben Unterricht im
-Wollspinnen und Stricken. Ein Tuchmacher, ein Hutmacher und ein
-Strumpfwirker zogen auf Karls Veranstaltung in das Dorf. Es wurden sehr
-schöne Tücher von allen Farben und auch sehr gute Hüte und Strümpfe
-verfertigt. Karl bemerkte oft mit Rührung, wie Groß und Klein im Dorfe vom
-Haupte bis zu den Füssen mit selbst gewonnener und verfertigter Kleidung
-versehen waren, und wie alle Getreidfelder des ganzen Thales in einen
-blühenderen Zustand kamen und reichlichere Früchte trugen.
-
-Emilie verlegte sich noch besonders auf die Stickerey mit gefärbter Wolle.
-Sie hatte von ihrer kleinen Heerde einen Vorrath an Wolle gesammelt, die
-von sehr feiner Art war. Der Rentmeister West legte ganz unerwartet ein
-neues Talent an den Tag. Er hatte von seinem Färber gelernt, der Wolle alle
-Farben, und jeder Farbe alle mögliche Abstufungen zu geben, von dem
-hellsten Lichte bis zum dunkelsten Schatten. Emilie war daher in den Stand
-gesetzt, ganz vorzüglich schöne Stickereyen zu verfertigen. Karl machte
-dazu die Zeichnungen und Christine leistete ihr dabey trefliche Hülfe. Sie
-stickten bunte Blumenkränze und niedliche Körbchen voll Blumen von allen
-Farben, große Rosensträuche, die mit halb und ganz aufgeblühten Rosen und
-reichlichem grünem Laube prangten, ja ganze Landschaften, in denen
-Baumschläge, Felsen, Wasserfälle und dergleichen zu sehen waren, und die
-mit Gewinden von Reblaube und gelbgrünen und purpurblauen Trauben
-dazwischen oder mit andern schönen Verzierungen eingefaßt waren. Emilie
-richtete so nach und nach ein ganzes Zimmer im Schlosse sehr schön ein. Der
-Teppich auf dem Tische, die Ueberzüge der Sessel und des Kanapees und auch
-der Fußteppich waren auf diese Art gestickt, und wer hineintrat, erstaunte
-über die Pracht der lebhaften Farben, die Richtigkeit der Zeichnung, und
-die kunstreiche Schattirung.
-
-Da alle die schön gefärbte Wolle, die dazu verwendet worden, ursprünglich
-von jenem einzigen Lamme herkam, so machte Karl, nunmehr, gnädiger Herr von
-Waldheim, eine sehr schöne, große Zeichnung, in der er den ihm
-unvergeßlichen Augenblick abbildete, in dem er Mutter und Schwester
-vermittelst des Lammes wieder gefunden. Ganz im Vordergrunde auf der
-Felsenbank unter den Eichen zeichnete er seine Mutter nebst ihrer
-Gesellschafterin Rosalie. Weiterhin in dem Walde erblickte man Emilie und
-Christine und ihn selbst, und in ihrer Mitte befand sich das Lamm. Er hielt
-in einer Hand den Ring und deutete mit dem Zeigefinger der andern Hand auf
-die goldenen Buchstaben, die auf dem rothen Halsbande des Lämmchens
-deutlich zu sehen waren. Emilie aber zeigte mit ausgestrecktem Arme nach
-der Gegend hin, wo ihre Mutter saß, als wollte sie sagen: »Dort ist sie!«
-Karl mahlte die Zeichnung mit sehr lebhaften Farben vortrefflich aus, und
-die sehr kenntlichen Personen auf dem Bilde, die nebst dem Lamme von der
-untergehenden Sonne kräftig beleuchtet waren, machten zwischen den dunkeln
-Schatten des Waldes eine unvergleichliche Wirkung. Er hängte das Gemälde,
-in einen goldenen Rahmen gefaßt, in dem Zimmer auf, nachdem er zuvor mit
-goldenen Buchstaben die drey Worte darunter geschrieben hatte:
-
- »_Unter Gottes Leitung!_«
-
-Bei _Philipp Krüll_ in _Landshut_ ist zu haben:
-
-_Genovefa_. Eine der schönsten und rührendsten Geschichten des Alterthums,
-neu erzählt für alle guten Menschen, besonders für Mütter und Kinder. 4te
-rechtmäßige Auflage, m. 1 Kupf. 8. 1825. 24 kr. oder 6 gr.
-
-_Ostereyer_, die, eine Erzählung zum Ostergeschenke für Kinder, von dem
-Verfasser der Genovefa. 2te Auflage. 12. 1818. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
-
-_Wie Heinrich von Eichenfels_ zur Erkenntniß Gottes kam; eine Erzählung für
-Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der Ostereyer. 2te verbesserte
-Auflage. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
-
-_Blüthen_, dem blühenden Alter gewidmet, von dem Verfasser der Ostereyer.
-2te verb. und vermehrte Ausgabe. 8. 1826. 24 kr. 6 gr.
-
-_Erzählungen_ für Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der
-Ostereyer. 1s Bändchen. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
-
--- -- desselben Werks 2s Bändchen. 12. 1825. der _Weihnachtsabend_, eine
-Erzählung zum Weihnachtsgeschenke für Kinder, von dem Verfasser der
-Ostereyer. 12. 1825. 15 kr. 4 gr.
-
-_Blumenkörbchen_, das, eine Erzählung dem blühenden Alter gewidmet, von dem
-Verfasser der Ostereyer: mit 1 Titelkupfer. 8. 1823. 24 kr. 6 gr. Velinpap.
-1 fl. 48 kr. Rthl. 1.
-
-_Rosa_ von Tannenburg. Eine Geschichte des Alterthums, für Aeltern und
-Kinder. Erzählt von dem Verfasser der Genovefa; mit 1 Kupf. 8. 1823. 30 kr.
-8 gr.
-
-_Itha_, Gräfin von Toggenburg; eine sehr schöne und lehrreiche Geschichte
-aus dem 12ten Jahrhundert, neu erzählt für alle guten Christen, besonders
-für unschuldig Leidende. Ein Seitenstück zur Genovefa; mit 1 Kupf. 7te
-Auflage. 8. 1825. 24 kr. 6 gr.
-
-_Hirlanda_, Herzogin von Bretagne, oder der Sieg der Tugend und Unschuld;
-eine erbauliche und lehrreiche Geschichte des Alterthums, neu erzählt für
-Junge und Alte von dem Verfasser der Gräfin Itha von Toggenburg. 3te
-rechtmäßige Auflage. 8. 1822. 18 kr. 5 gr.
-
-_Geschichten_, biblische, für Kinder. 3 Thle. (v. Christoph Schmidt). 8.
-1822. netto 1 fl. 9 kr. 18 gr.
-
--- -- dieselben im Auszug. 2 Thle. 8. 1821. netto 30 kr. 8 gr.
-
-_Engelbrecht_, A., Aufsätze pädagogischen Inhalts; ein Buch für Seelsorger
-und Volksschullehrer, zur angenehmen und belehrenden Unterhaltung; mit 1
-Kupfer. 8. 1821. 1 fl. 30 kr. Rthl. 1.
-
-_Hausaufgaben_ für Schreib- und Rechnungsschüler in Volksschulen, oder
-Aufgaben zur Selbstbeschäftigung der Schüler. 2te verbesserte Auflage. 8.
-1823. 15 kr. 4 gr.
-
-_Diktirübungen_ nach den Regeln der Orthographie geordnet, nebst einem
-Diktir-Surrogat für Volksschulen; ein Hand- und Lesebuch für
-Elementarschulen, vom Verfasser der Hausaufgaben. 8. 1822. 12 kr. 3 gr.
-
-_Maurer_, K., Lesebuch für geübtere Leseschüler. 8. 1818. 15 kr. 4 gr.
-
--- -- kleine lehrreiche Erzählungen u. Lesesätze, nebst einigen
-Gleichnissen und Denksprüchen aus dem Munde Jesu. Ein Geschenk für Kinder.
-8. 1820. 8 kr. 2 gr.
-
--- -- Briefe für Kinder, nebst einigen Anreden bei öffentlichen
-Schulprüfungen. 3te Auflage, gr. 12. 1824. 12 kr. 3 gr.
-
--- -- Tabelle zur Kenntniß der Buchstaben. 8. 1817.; auf Pappendeckel
-gezogen 2 kr.
-
--- -- Lesebuch für Anfänger im Lesen. 3 Abtheil. 2te verb. Aufl. 12. 1824.
-7 kr. 2 gr.
-
-Alte, der, von den Bergen; eine Erzählung für Kinder. 2te verbesserte
-Auflage. 12. 1822. 9 kr. Z gr.
-
-_Heilingbrunner_ und _Zeheters_ drittes Elementarbuch der nöthigsten Sach-
-und Sprachgegenstände für Volksschulen. 8. 1822. 30 kr. 8 gr.
-
-_Jais_, P. A., schöne Geschichten und lehrreiche Erzählungen, zur
-Sittenlehre für Kinder und wohl auch für Erwachsene. 2 Bändchen. 10 kr. 3
-gr.
-
-_Fabeln_ für unsere Zeiten und Sitten. 2 Bändchen. 8. 1821. 1 fl. 16 gr.
-
-_Ackermann_, G., kurze Volkspredigten über sinnliche Lust und sinnliche
-Abtödtung; auf die Faßnachts- und Fastenzeit. 8. 1825. 36 kr. 8 gr.
-
-_Schmid_, J. G., Versuch einer Sittenlehre in Denkreimen, gesammelt für
-Schulkinder auf dem Lande. 12. 1825. 2 kr.
-
-_Sailer_, Bischof, J. M., das christliche Monat, oder Gebethe und
-Betrachtungen auf jeden Tag des Monats, mit Kupf. 8. 1826. 1 fl. 24 kr.
-
-_Nikolaus_ von Myra, eine eben so lehrreiche als wundervolle Geschichte aus
-dem 3 und 4ten christl. Jahrhundert, neu erzählt, und mit moral. Anwendung
-vorzüglich für Hausväter, Eltern u. Kinder begleitet. 8. 1821. 8 gr. 30 kr.
-
-_Lebensgeschichte_, erbauliche, der Dienerin Gottes, Marie Clotilde von
-Frankreich, Königin von Sardinien; aus d. Franz. übers. 8. 1819. 6 gr. 24
-kr.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Das Lämmchen, by Christoph von Schmid
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LÄMMCHEN ***
-
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-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
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-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
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-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
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-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation information page at www.gutenberg.org
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at 809
-North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
-contact links and up to date contact information can be found at the
-Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/43332-8.zip b/43332-8.zip
deleted file mode 100644
index 1234c20..0000000
--- a/43332-8.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/43332-h.zip b/43332-h.zip
deleted file mode 100644
index dabe796..0000000
--- a/43332-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/43332-h/43332-h.htm b/43332-h/43332-h.htm
index 88b8fea..2bebeae 100644
--- a/43332-h/43332-h.htm
+++ b/43332-h/43332-h.htm
@@ -78,42 +78,9 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; }
</head>
<body>
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43332 ***</div>
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Das Lämmchen, by Christoph von Schmid
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Das Lämmchen
-
-Author: Christoph von Schmid
-
-Release Date: July 28, 2013 [EBook #43332]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LÄMMCHEN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski (based on a copy preserved by
-Kurt Linack and Katrin Walter)
-
-
-
-
-
-
-</pre>
<h1 style="line-height:0.6em; font-weight:normal; margin-top:1em; margin-bottom:1em; page-break-before:always; letter-spacing:0.2em;">
@@ -3894,373 +3861,7 @@ Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachhe
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Das Lämmchen, by Christoph von Schmid
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LÄMMCHEN ***
-
-***** This file should be named 43332-h.htm or 43332-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/4/3/3/3/43332/
-
-Produced by Jens Sadowski (based on a copy preserved by
-Kurt Linack and Katrin Walter)
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
-permission and without paying copyright royalties. Special rules,
-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
-copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
-protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
-do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
-research. They may be modified and printed and given away--you may do
-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
-subject to the trademark license, especially commercial
-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
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-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
-Gutenberg-tm License available with this file or online at
- www.gutenberg.org/license.
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-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
-electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
-all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
-If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
-Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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-entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
-located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
-copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
-freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
-this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
-the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
-keeping this work in the same format with its attached full Project
-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
-a constant state of change. If you are outside the United States, check
-the laws of your country in addition to the terms of this agreement
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-creating derivative works based on this work or any other Project
-Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
-the copyright status of any work in any country outside the United
-States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
-access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
-whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
-phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
-Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
-copied or distributed:
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
-from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
-posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
-and distributed to anyone in the United States without paying any fees
-or charges. If you are redistributing or providing access to a work
-with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
-work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
-through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
-Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
-1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
-terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
-to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
-permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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-copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
-request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
-form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
-License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
-that
-
-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
-
-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
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-- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
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-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
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-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
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-
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-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
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-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
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-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation information page at www.gutenberg.org
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at 809
-North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
-contact links and up to date contact information can be found at the
-Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
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+<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43332 ***</div>
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