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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-03-08 11:07:33 -0800
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@@ -0,0 +1,1402 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***
+
+VERBRÜDERUNG
+
+
+GEDICHTE
+VON
+JOHANNES R. BECHER
+
+
+LEIPZIG
+KURT WOLFF VERLAG
+1916
+
+
+Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Februar 1916
+als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste
+Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den
+Jahren 1915 und 1916 in Berlin geschrieben
+Sie sind meinen Freunden gewidmet
+
+
+COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+
+
+Erster Teil
+
+Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit /
+Abschied von den Frauen
+
+
+Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen --
+Kampf war auch dies. Krieg. Vergewaltigung.
+Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens,
+Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten,
+_Paradies erarbeiten!_
+Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs:
+Wie noch vergebens . . .
+
+
+
+
+Ödipus
+
+
+I
+
+ Der Knabe wartet auf die Mutterblüte,
+ Die unter bauschenden Gewändern thront.
+ Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte,
+ Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt.
+
+ Der Vater muß verreisen in den Norden.
+ Niemand herein in unsere Nächte stört.
+ (. . . ach Vater du wie oft um sie gemordet . . .)
+ Der Mutterblüte tief er angehört. --
+
+ Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken.
+ Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett.
+ Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen.
+ Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett.
+
+ Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren.
+ Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand.
+ Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren.
+ Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.
+
+
+II
+
+An den Vater
+
+ Schlangenader längs der Stirne rollt.
+ Gabel stößt er pfeifend in Salat.
+ Weißer Suppe krummes Maul träuft voll.
+ Makkaroni würgt aus Nase grad.
+
+ In den Weinberg kroch er, dichtes Laub,
+ Den Kniefällen seiner Kinder taub:
+ Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen.
+ Die ihn sucht, sich bückt --: sie schreckt die Blöße.
+ Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm.
+ Szepter in der Faust des Patriarchen.
+ Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm
+ Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.
+
+ Später, da er vor den weiten Plätzen
+ Ängstigend sich preßt in ihren Arm --
+ Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken,
+ So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . .
+ (Mancher stößt sich in sie rauschend warm).
+ Die ihm dient als Boot zum Übersetzen.
+ Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.
+
+ Finger birgt sie, die erfroren rot
+ Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert.
+ Aus geschwollener Augen Köcher
+ Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.
+
+ Niederstürzt sie, die er täppisch rupft,
+ An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch.
+ Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft:
+ Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch.
+
+ Bei dem Löffel in die Teller Klirren --:
+ Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann!
+ Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert
+ Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert
+ Vor dem Schlafgemach -- bis schwirrend
+ Saust das Beil! Das Beil --: es fällt dich an!
+
+
+
+
+Mädchen
+
+
+I
+
+Franziska
+
+ Du Engel ihm vom Zigarettenladen!
+ Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam.
+ Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden.
+ Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am
+ Geblümten Weg, mit Karussells beladen,
+ Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern --
+ Die Augen sich mit dessen Schein berändern.
+
+ Doch bald --: er explodiert mit Bombenschritten
+ _Ein neuer Vater!_ in dem Schlafgemach!!
+ Der Faust entrasseln paukende Gewitter.
+ Und tausend Väter kollern heulend nach!
+ Gepeitschte aller Welt in uns erzittern.
+ Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben.
+ Sie wollte nurmehr -- aus -- dem Browning glauben.
+
+ Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte
+ An seine Mutter. Auch sie --: fühllos kalt.
+ Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen.
+ Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald,
+ Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen
+ Azur, inmitten bunt die Sonne platzt.
+ O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.
+
+ Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht
+ Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen!
+ Da --: in die Brüste ihr die Kugel sticht.
+ Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen.
+ Bald löscht auch er. -- Bis groß die Tür ausbricht:
+ Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen,
+ Behelmte Götter sich im Raum verteilend.
+
+
+II
+
+Dorka
+
+ Sie --: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust.
+ Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte.
+ Ihm Helferin zu seinem ersten Bau.
+
+ Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte.
+ Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen.
+ (-- vor der er sich zum Trank der Gosse bückte --)
+
+ Wie lang schlief er in solchen Leibes Fuge.
+ Nie je war Nacht so fabelhafte Nacht.
+ Mit Engeln, die uns auf der Wolken Samtbett trugen.
+
+ Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht!
+ Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer.
+ Die Sterne purzeln tönend in den Schacht
+
+ Des Schoßes. Wolkgemäuer
+ Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut.
+ Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!
+
+ Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut.
+ Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt.
+ . . . und von Morästen braut
+
+ Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor
+ Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten.
+ Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.
+
+ An Schläfen Nester triefender Kasematten.
+
+
+III
+
+Mary
+
+ Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren,
+ Ellipsenscheiben; Pyramidenwald
+ Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen.
+ Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt . . .
+ Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt.
+ Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten!
+ So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt.
+ Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken.
+ Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen:
+ Gebogenheit an solchem Leib zu lernen.
+
+ Man wird stets denken: Atem dieser Brüste!
+ Und morgens lösch ich mit der Frühe aus!
+ Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste.
+ Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus.
+ Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen,
+ Die wieder drehn in Linien Zickzack unter.
+ Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen
+ Im Kelch des Worts --: Millionen Fischlein munter
+
+ Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen.
+ Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein.
+ Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen.
+ Eidechsen Ornament dich benedeit.
+ An Gitterästen kleben Spülichtratten,
+ Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan.
+ Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern.
+ Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.
+
+ Die Zauberin ins Paradies. Gefieder
+ Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft.
+ Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?!
+ . . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . .
+ Der Stadt Geräusche schrillen ineinander.
+ Kanäleschiffe schnellen rings vorbei
+ Du balanzierst auf des Gebirges Kante,
+ Faltest die Kerker, Heilige, entzwei.
+
+
+IV
+
+Emmy
+
+ Du deren Mund an Horizonte knüpfte
+ Einst düsteren Dichter --: er beträumt dich schwer.
+ Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen.
+ Versammlerin an kaum betretenem Ort.
+
+ Fanatisch du gestreckt von Jenes Wort --
+ Hah! Schwingst allein dich drehend schon auf Barrikaden!
+ Im Schrein aller Gehirn Reliquienfetzen.
+
+ Ja --: Satzgefüge tollste meißeln dich:
+ Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt
+ Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . .
+
+ Und diese Hand so schlug _sprengt!_ deine Brüste.
+ O! Jungfrau von Orleans unsere!
+ Fahnen: Gesänge hüllen dich.
+
+
+
+
+Aus den Sonetten um C.
+
+
+I
+
+ Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken
+ Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend.
+ Schlägt von der Marmorberge Postament,
+ Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:
+
+ Ein wenig Mond mit Firmament gemischt,
+ Stöße von Nacht und Träume Intervallen.
+ Daß seine Augen auf die Städte fallen,
+ Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.
+
+ . . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken
+ Der gleich Palästen aufgestauten Brücken.
+ Alleeen rinnen hoch der Finsternis,
+
+ Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis.
+ Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt
+ Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.
+
+
+II
+
+ Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten
+ Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt.
+ Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden.
+ Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.
+
+ Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare.
+ In Ohres Muscheln flüstern Samoware.
+ Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut.
+ Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut.
+
+ Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet.
+ Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet.
+ Von Cymbeln hingerafft ins Blau . . . Noch fand
+
+ An ihren Lippen Ruh die steife Hand.
+ Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft.
+ Als hieß es heut zum erstenmal: »Ihr dürft . . .«
+
+
+III
+
+ Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne,
+ Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten:
+ Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten,
+ Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton.
+
+ Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung
+ Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon.
+ Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon.
+ Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung
+
+ Nur manchmal. Horizonte Ungefähres
+ Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken.
+ Um ihretwillen müssen Damen schminken,
+
+ Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres
+ Zerrissenes Oval. Asyle stinken.
+ Sie _steht!_ Ihr die Verrufenen winken -- --.
+
+
+IV
+
+ Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger
+ Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn.
+ Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn.
+ (. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .)
+
+ Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen.
+ Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen.
+ Aus Augen Waben träuft ein Honigmet.
+ Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät.
+
+ Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier
+ Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) --: Wir!!
+ Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.
+
+ Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen
+ Er schaukelt, dreht . . . gleitend hinabgezogen.
+ Bis ers Finale der Posaunen bringt.
+
+
+
+
+An C.
+
+
+Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist,
+als ob das Sterben, jetzt oder später, leichter würde, wenn man weiß: ich
+selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich.
+
+C.
+
+ Der Nacht quoll: schief verworren
+ Wölbt sich jetzt Morgen grad.
+ Du kannst ihn schreiten sehen
+ Ganz Wind und Schwebezeit.
+
+ Sein Aug umstreichen Flüsse.
+ Tosender Wälder Schwung
+ Flackt um der Berge Schulter.
+ Des Tages Purpurküsse.
+
+ Du kannst ihn schreiten sehen.
+ Nicht Qual fretzt ihn. Kein Dorn.
+ Der Nacht quoll: schief verworren
+ Ganz Wind und Schwebezeit.
+
+ Aus Lilienfinger geußt dem
+ Gekrümmten Schwangeren Balsam.
+ Säuglingen, den Asylen
+ Träuft er der Lippen Brod.
+
+ (. . . einst stürzten Worte Unflat,
+ Nun schmilzt ein Mond im Tönen.
+ Wie Quell springts aus der Flöte Horn.
+ Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .)
+
+ Du kannst ihn schreiten sehen
+ -- die goldenen Wagen rauschen --
+ Mit schmetterndem Tempostampfen,
+ Wo sich vor brüchigem Tor
+ Sein Volk in den Azur löst.
+
+
+II
+
+ Mond im Fluten Traums verweht,
+ Nachtigallen dich besuchen.
+ Wickelst dich aus schweißigem Tuche,
+ Tanzest auf Balkonen spät,
+
+ Flackert noch ob dem Staket
+ Morgens klein der bunte Shawl.
+ Purpurküsse ausgesät
+ Schlürft er in den Städten fahl.
+
+ In der Autos Röcheltuten
+ Gluckst ihm dünn dein Husten ganz.
+ Sprengt er laut entzwei die Buden.
+ Zirpt der Karusselle Kranz.
+
+ ». . . Jäh in Huren die hohl kichern
+ Schnappt dein höchster Triller über.
+ Rette uns zu dir hinüber
+ Engel . . .« Herbstlaub wischt der Dichter.
+
+ Unter Türen, Räderspeichen
+ Kauert brüchig das Gebild.
+ Harfenfinger in die Leichen
+ Krallt es schüttelnd, tönend wild.
+
+ »Wiesen streust du aus. Im Gang
+ Kräuseln Wälder. Ströme Falten
+ Zündeln hoch in mystischem Schwang.
+ Kniee stoßen grad basalten.
+ Um die Schläfe schmiegt dein Gang.
+
+ Langsam schmilzt der Stern ins Haar.
+ Flöte summt der Samowar.
+ Weite Weite gräbt sich trüber.
+ Rollt ein Atem -- Nächte Wind.
+ Pferdeaugen blühn im Kind.
+ Engel rette uns hinüber! . . .«
+
+
+III
+
+ Wir möchten uns begreifen
+ Hindurch, ja ganz das Unsere
+ In tauben Küssen fühlen.
+ Das alles: Bett, Fluß, Stühle,
+ Im Haar von Rosa Schleifen . . .
+ Das aber schreit als Unseres:
+ Im Schoß das Haupt zerwühlen,
+ Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.
+
+ Oft nächtens wir uns tönend schwingen
+ Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum.
+ Empor aus Tier und öliger Straße fingen
+ Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum.
+ Da stürzten Väter borstig-jähe
+ Herab den Trunkenen aus den Sphären.
+ Schwangere Mütter kreischend scheren
+ Ihm ab der Locken Schnee.
+
+ Das Grab klafft uns bereitet.
+ Flößte uns Gifte ein im Trunk.
+ In Herbst-Laub fahl gekleidet
+ Wir schwieren in der Dämmerung
+ Der großen Städte. Quollen
+ Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot.
+ Man Nebel schlürft zum Abend-Brot.
+ Die Därme gleich Fabriken schollen.
+
+ Und Echo brüllte tausendfach.
+ Da rinnen Augen klein. Erwacht
+ Des Engels Daseins-Blüte?!
+ Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich
+ Bog ab der Brust den Messer-Stich.
+ Neu formt er Rock und Hüte.
+
+ Wie Bläue hell durchs Land geweitet
+ Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl.
+ Am Firmament heroisch schreiten
+ Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.
+
+
+
+
+Ekstasen der Zärtlichkeit
+
+
+Du Einzige,
+Die mich verstand
+Die meine glühenden Verbrechen
+Selig verwand.
+Die meinen tiefen Schöpfergram
+Ins Heilige gemildert
+In ihren Geist hinübernahm.
+
+Mombert
+
+
+I
+
+ Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln.
+ Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau.
+ Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen.
+ Turban deines Haupts --: Spirale blumigen Regenbogenflusses.
+
+ So müssen immer Städte dich besingen,
+ Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei,
+ Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen.
+ Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.
+
+ Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband
+ schlicht.
+ Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner
+ Lippen blüht.
+ Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich
+ löste.
+ Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.
+
+ Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden
+ sie sich.
+ Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht
+ Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch
+ umkreiselnd!
+ Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu
+ Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die
+ Planke deiner Hüfte.
+ Oft. Und einer um den anderen.
+ Je nachdem . . .
+
+ Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen,
+ Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß.
+ Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen,
+ Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.
+
+ Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern,
+ Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild.
+ Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände:
+ Atem dein auch glättend den Berserker wild.
+
+ Mütter so dich immer wiederholen:
+ Schreiterin im sprühenden Ornat.
+ Vielecksonnen breiten auf den Wangen,
+ Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.
+
+
+II
+
+ . . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln,
+ Hinflutend auch im großen Nächtewind.
+ Symphonisch Klirren der entfachten Fenster
+ Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.
+
+ Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich.
+ Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten.
+ Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich,
+ Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.
+
+ Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will,
+ Der von der Brück ab in den Äther springt.
+ Die Transparente blitzen deinen Namen.
+ Du aller Kinos dröhnendes Plakat.
+
+ Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen,
+ Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält.
+ Auf Bänken Strolche sich in dir verankern.
+ Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.
+
+ Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten,
+ Weit Menschenvölker spielend miteinand.
+ Die müssen bunte Fahnen um dich flattern.
+ Muster eingewoben dem Gewand.
+
+
+III
+
+ Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder.
+ Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell.
+ Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen.
+ Geborstene Städte -- brüllende! -- Schalmei.
+
+ Und Niederknallen blökender Idioten --
+ Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln --
+ Und Liebender Geflüster vom Kanal --
+ So buntgeflickte Segel hissen dich!!
+
+ Er wird dich durch die vielen Länder tragen
+ Der junge Dichter, strahlende um ihn.
+ Ein Himalaya muß er tönend ragen,
+ Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen,
+ Zu dessen Füßen neue Städte knien.
+
+ Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder.
+ Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz.
+ Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern.
+ Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell.
+ Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden,
+ Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden!
+
+ Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern
+ Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild.
+
+ Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern.
+ Nun werden sich die alten Staaten häuten.
+ Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild.
+ Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer.
+ Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer.
+
+
+IV
+
+ Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief
+ Grimassenhäuser Front, da packen
+ Der Gäule Hufe ins Gehirn.
+ Ein Dom treibt Widerhaken.
+ Du Hüterin . . . Die ziehst du all
+ Heraus magnetischer Streichelhände.
+ . . . O Haupt im Tabernackelschoß . . .
+ Laß mich, dir gut, vollenden!
+
+ Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht
+ Peitscht an, rings Züge sausen.
+ Ein lilabrauner Himmel schwer
+ Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer.
+ Gespenstertote hausen.
+ Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht
+ In längsten Samumstößen.
+ Es stockt und ebbt schon der Tumult:
+ Melodisch schwemmen Abendfluren.
+ Wir Fabelschiffe wiegen.
+
+ -- Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß.
+ Wie ist er da entsprossen!
+ Gleich Fahne flackert dessen Hos.
+ Vorbei die Kugeln spritzten.
+ Von dir gedacht er: so gefeit.
+ Gestauter Welt ein Zünder.
+ Die Arme wehen Signale weit.
+ Ekstatischer Verkünder!!!
+
+ O Einsamkeit -- jetzt überwand
+ Dich heißestes Zerdringen.
+ Mein Prisma du, von mir durchbrannt
+ Zu tausend Strahlen schwingend.
+ Du streichest aus der Frauen dumpf
+ Gehock. Kristallenen Klumpen knetend,
+ Jäh meiner Brust: finster geballt.
+ Ein Labyrinth von Schimmelwald,
+ Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.
+
+ Wir kehren nicht zurück zum Schoß,
+ Gen Scharlachdämmerungen.
+ Vom Fundament wir bauten los
+ Uns. Tod ward übersprungen.
+ Du Brücke aus der Nacht Revier --
+ Geharnischte Winter schlagen.
+ Wir schweben fest! Der Kragen
+ Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.
+
+ Du Engel an der Pforte.
+ So bin ich aufgeschält.
+ Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte.
+ An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld.
+ Verhüllte Meere knistern
+ Herein, der Donner breiter Takt.
+ Wir aber landeten an Küsten
+ Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.
+
+ Du klaffst: des Eilands Brunnen,
+ Daraus der reine Mann sich schöpft.
+ Nah Aeroplane knurren.
+ Ein Sterngewimmel tropft.
+ Von schaukelnden Tribünen
+ Gleich Flamm der Dichter loht:
+ Der Völker Psalmenhort,
+ Die rings um ihn wie Herden dehnen.
+
+ Ja --: brüderlich Verschmelzen!
+ Nicht einsam, sondern _jeder_ sein!
+ Abschraubt des Hochmuts Stelze!
+ Fahrt in die Huren ein!
+ (Schraubt euch auch dumm und klein!)
+ Der Mantel wie ein Drahtzaun
+ Schlingt sich um unsere Hüfte.
+ O lasset uns restlos vertrauen!
+ Geschminkte Masken lüften!!
+
+ Du hast es ihm vollbracht:
+ O brüderlich Verschmelzen.
+ Nacht schwillt: Lampione-Nacht.
+ Geteerte Sommer wälzen.
+ Wir blättern strahlend Fächer.
+ Von deiner Augen Süßsee
+ Schlürft oft der Lippe Mal.
+
+Frau Else Hadwiger gewidmet
+
+
+
+
+Gehaßte Frau
+
+
+ ». . . So wiß es --: daß ich nachts die Straßen jage:
+ Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir!
+ Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend
+ Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!)
+
+ Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend.
+ Die Gäule wiehern ironischen Salut.
+ Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend.
+ Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.
+
+ Grandioses Vieh . . . wo dick dein Atem webt,
+ Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule.
+ Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler:
+ Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.
+
+ Grandioses Vieh . . . Ins Kugellager des Gehirns verwachsen.
+ Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt.
+ So schreite aus --: den abrasierten Kopf
+ Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.
+
+ Grandioses Vieh . . . gehetzt wir schleifen durch Lokale.
+ O wie ich greif und greif nach tausend Skalen.
+ Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft.
+ Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen.
+ Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen
+ Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!«
+
+
+
+
+Abschied von den Frauen
+
+
+I
+
+ Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.
+ Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt.
+ Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter.
+ Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt.
+ Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.
+
+ Verlerntet ihr es --: bogenes Streicheln kühl?!
+ Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen.
+ Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt.
+ Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen.
+ Die ihr verlernt es --: bogenes Streicheln kühl.
+
+ Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern.
+ Haubitzenloch der Sintflut Arie blies.
+ Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte.
+ Die Toten sprechen manchmal im Verließ.
+ Ja --: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der
+ Schultern.
+ Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander!
+ Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte
+ Höllenpein!
+ Zu neuen Küsten --: Aufbruch! Zug und Landung!
+ _Es müssen Brüder sein!!!_
+ Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte.
+ Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch --:
+ Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein.
+
+
+II
+
+ Namenlose alle! Nicht Gesagte!
+ Wo, wo trifft man euer Angesicht?!
+ Euch zu sammeln ist es längst zu spät?!
+ _Klafft_ es heulend --: jenes Angesicht --
+
+ Von der Häuser Löcher übersät.
+ Von Kanälen kreuz und quer gekerbt.
+ Von dem Plätze-Pickel bös zernagt.
+ Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.
+
+ Langsam muß der Dichter euch entgleiten,
+ Viel zu lange schon bei euch verweilt.
+ Donner rast. Ein endlos Messer flicht
+ Sich dem Körper ein. Granate bricht.
+ Hoch den Dolomiten die sich seilen.
+ Euch umrankend hat er übersehn
+ Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand.
+ Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen.
+ Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand.
+
+ Fahnen schwebet nach ihm euer Winken.
+ Welche Stunde bringt uns einst zurück?!
+ Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend
+ Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt.
+ Ach, wir waren nur uns Opfer beide:
+ Ausgeplündert oder überzückt.
+ Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid.
+ Ohne Schmerzen kehren wir zurück.
+
+ Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet
+ Unserer Körper eingefallener Bau.
+ Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen!
+ Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt.
+ Regenbogen in die Landschaft malend
+ Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt.
+ Unsere Stirnen aller Armen Schild.
+ . . . Wanderung im Seligen-Gefild . . .
+
+
+
+
+Zweiter Teil
+
+Verbrüderung
+
+
+Novus nascitur ordo
+
+Mirabeau, 1. Mai 1789
+
+
+
+
+Getötetem Freund · Vermächtnis
+des sterbenden Soldaten
+
+
+Um den 30. Juli 1915 herum fiel -- gegen Frankreich verschickt -- der
+vierundzwanzigjährige jüdische Handlungsreisende (mir Freund und Dichter)
+Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht daß er sich noch kühn selbst
+gelang, aber immerhin der Wenigen einer, die disziplinvoll genug,
+erkämpftestem Führer vertrauend sich anschlossen. 2. bayrisches
+Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß
+--: euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn -- Geist vom Geist!
+
+
+I
+
+ O Morgen der uns Hyazinthe scheint!
+ Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber.
+ Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber,
+ Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein
+
+ Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth.
+ Ihr bei Loretto . .! Gase Pest
+ Steigt Gloriole grause an dem Hügel.
+ Da -- erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!
+
+ Aufschweben wir umsäumt von rosenem West.
+ Im Nebel hocken Regimenter blind.
+ Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.
+
+ Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer.
+ Hört: führt herauf -- es strahlt! -- zum Totenfest
+ _Europa!!_ Blut kitt ungeheuerst!!!
+
+
+II
+
+ Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen --
+ Wälder, und Räume einer heiligen Saat!
+ Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen
+ Sich neigend über dem entsunkenen Staat.
+
+
+III
+
+ Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane.
+ Vor weißer Küste fraß uns der Taifun.
+ In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen.
+ Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.
+
+ Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme,
+ Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau.
+ Die Kathedrale, deren Türme stemmen
+ Auf den Azur. Ein Drahtverhau
+
+ Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend
+ Das Regiment, elastischer Panzer, zieht
+ Empor die Serpentine um die Brust. Geleise
+ Am Horizont nach dem Gestirne kniet.
+
+ Wie denken wir euch Brüder in den Städten!
+ Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt!
+ Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt.
+ Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.
+
+ Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer.
+ Am End der Heros. Vor Europa führt.
+ Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer.
+ Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer.
+ Ja --: dess Gesang die Massenlöcher schürt.
+
+
+IV
+
+An den General
+
+ . . . Verreckend schau ich feistes Antlitz dich.
+ Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei!
+ Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich.
+ Anschob die Faust purpurene Bastei.
+ Armeeen stampftest in ein Höllgrab du.
+ Wozu?!
+
+ Schon finstere Haufen sich zusammendrängen.
+ Es malmt zu Brei dich heulender Ballast.
+ Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen
+ Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast.
+ Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut.
+ Antönt es heut.
+
+ Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen.
+ Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm!
+ Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile,
+ Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm.
+ Verfluchte ihr des Todes Lieferanten!
+ Kasernen stranden.
+
+ Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen.
+ Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest.
+ Ein Vogellüster auf und niederfallen.
+ Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett.
+ Umarmt von Tieren Menschen ziehen,
+ Gestreift süß bunter Melodien.
+
+ -- So will ich gern dir deine Falten glätten.
+ Ich fühl mich als des Daseins Untergrund.
+ Der mußte uns in Knochenwirrnis betten.
+ Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund,
+ Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl:
+ Mein General.
+
+
+
+
+Der Entfernte · Georg Trakl
+
+
+ Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.
+ Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.
+ . . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt
+ Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.
+
+ Betaute Wiege. Doch erwacht er grell
+ Matt gießen Mond und Sterne sich herein.
+ Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell.
+ Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.
+
+ Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche
+ Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut.
+ Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen.
+ Wie Blasen steigend Böller Festsalut.
+
+ Auf einmal dann --: gestreckte Schlote zischen.
+ Andante-Baß der Straße bunter Ton.
+ Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen --
+ Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. --
+
+ Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.
+ Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.
+ . . . nur manchmal wie umarmend schlägt
+ Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.
+
+
+
+
+An den Tyrannen
+
+
+ Mittelpunkt du rasender Geschwüre!
+ Deine Poren brachen auf, nun blähen
+ Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen
+ Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!
+
+ Völker zogen singend dir zu Füßen
+ (Frauen hackend ein der Väter Arm,
+ Kindlein flattern an Musiken: Fetzen --),
+ Völker brausen in die Gruft der Schlacht.
+
+ Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken.
+ Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum.
+ Große heilige schöne buntere Schiffe,
+ Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . .
+
+ Schiffe menschbesät, o morgenfrische
+ Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen
+ Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten --
+ Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.
+
+ Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren,
+ Finster rollend ob der Leichen Flur,
+ Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . .
+ Weichen sie doch, zückst du Messer nur!
+ Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren
+ Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr -- -- --
+ Explodier o Raum!
+ Fern der Menschheit Traum!
+ Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!!
+
+ Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden
+ Dich zuend. Noch Salven Höllenflug.
+ Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden.
+ Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug!
+ Sänge überspülend in Kaskaden
+ Monument dich. Auf all Himmel schlug.
+ Nebel zünden, rings Gewölk zerrann.
+ Arme breiten Völker dir Tyrann!
+
+
+
+
+An Zola
+
+
+Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend
+und euerer Schande, die ich nackt hinstelle. Hinauf mit mir: arbeitend ihr
+und ich. Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. Es heißt seine Pflicht
+tun.
+
+Zola
+
+ Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.
+ Zementene Quadern. Dächer Überfall.
+ Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern.
+ Der Donnerzüge steilster Kurvenwall.
+ Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.
+
+ Es starren Dickicht rund die finsteren Völker:
+ Dornkranz der wie von Höllen widerscheint.
+ Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken.
+ Die Riesenpyramide aus Gebein.
+ So starren Dickicht rund die finsteren Völker.
+
+ Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter:
+ Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt.
+ Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er
+ Der Hymnische. (-- Du Leite mir und Schirm -- ).
+ Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter.
+
+ Da knospet auf aus deinem Inselgarten
+ -- Und strahlt! -- der Menschheit blaue Morgenwelt.
+ Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten.
+ Ein jeder groß und blühend eingestellt.
+ Wir knospen auf aus deinem Inselgarten.
+
+ Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden
+ Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie.
+ Asyle platzen und Kasernen schwinden,
+ Durchdrungene von der Brudermelodie.
+ Purpurnes Schiff! Demokratie!!
+
+ Zola --: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern!
+ O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat!
+ Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen.
+ Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad
+ Hinein in den Tumult und durch! Gewitter
+ Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.
+
+
+
+
+An den Frieden
+
+
+ O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind!
+ Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen.
+ Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind.
+ Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend.
+
+ Dein Tag --: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut.
+ Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße.
+ Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu.
+ Fanfarenmünder Halleluja blasen.
+
+ Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet,
+ Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein.
+ Millionen Toter schwarze Fahne weht
+ Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.
+
+ Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!?
+ Nein. Menschen wallen Heilige im Chor.
+ Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken.
+ Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor.
+
+ Ihr --: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden!
+ Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt
+ Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten
+ Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt.
+ Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt!
+ Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!
+
+
+
+
+Tod des Fliegers über der Stadt
+
+
+ Da -- ein Meteor sich ab die Bombe löste.
+ Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt.
+ Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . .
+ Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.
+
+ Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf.
+ Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn.
+ Propelleratem streift ihn, Höllensturm.
+ ». . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .«
+
+ Dann schrieen sie in wirrester Diskussion
+ Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen
+ Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen.
+ Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon
+
+ Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat
+ Und saust und bohrt. Und _eines_ Rauches Säule
+ Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen.
+ Enorm. Ja --: eines Rauches Säule grad.
+
+ Der Sockel --: Trichter aufgefüllt mit Kehricht.
+ Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt
+ Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen
+ Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.
+
+
+
+
+Verbrüderung
+
+
+ Wie geschah, daß nicht zusammenfanden
+ Du und du. Daß wir uns einsam-wund
+ Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden,
+ Kaum erkennend --: Flügel _eines_ Munds.
+ Von erhellten Räumen ausgeschlossen
+ Wir Verdammte zu der Straßen Flur.
+ Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen,
+ Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.
+
+ O --: wer hat zuerst dich angesprochen
+ Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament
+ Wer erbaute es?! Zerstochener
+ Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?!
+ Spieen es die Mäuler der Haubitzen
+ Jenes Urwort belfernden Geschreis?!
+ Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?!
+ Rollt es mit den Zügen stets vorbei --?!
+
+ Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen
+ Ein sich spinnen in entfernter Bucht?!
+ Dostojewskis Feueraugen fressen.
+ Rasend Tolstoi in der Weite sucht.
+ Haben Mütter euch zum Mord geboren?!
+ Euer Schicksal --: schwank und qualgehetzt,
+ öffnet, öffnet euerer Brust die Tore,
+ Drein Azursee stürzt!!!
+
+ Wallen mögen hier die breiten Scharen
+ Jener Toten. Düsterer Trommelzug.
+ Wald erglänzt von aufgelösten Haaren.
+ Münder strecken sich zu Siegfanfaren,
+ Langsam steuert schimmernder Brüste Bug.
+ Rings die Mädchen flattern gleich Libellen.
+ Droschkengäule tönend eingereiht.
+ Wir Zentrale. Städte, Länder schellen.
+ Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.
+
+ Und so wird die blanke Zukunft tagen:
+ Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut.
+ Keine Frauen an den Männern nagen.
+ Freunde schreiten groß und hochgemut.
+ Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen,
+ Auch bespült von stinkichtem Ekelsud.
+ Denn --! die Menschheit ist verrückt,
+ Längs und quer zerstückt:
+ Räuber-, Mörderbrut.
+
+ Trotzdem -- überherrlich aufgelassen
+ Wälzt durch Münder Schleusen -- gleit o Hass! --
+ Der Gesänge Strom.
+ Bajonette schwank wie Halmzeug knicken.
+ Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend.
+ Fetzen Wolken knittert der Pogrom.
+ O --: anhebt ein Zueinandereilen.
+ Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief.
+ Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile.
+ Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt.
+
+ Weiße Dome schweben auch Fabriken.
+ Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken.
+ Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff.
+ Liebende auf weichen Dachgeländen
+ Sich dem Hostienmond entgegenwenden,
+ Immer höher steigt ihr Schiff.
+ Spät --: sie werden sich noch dumpf erinnern
+ Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl,
+ . . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern.
+ Marterkinder starben an der Schul.
+
+ Ja --: sie müssen sich zusammenfalten
+ In die Lüfte ragend silberner Strauß.
+ Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen.
+ Monument --: nach Jahren zu bestehen,
+ Wieder wenn aus wütig eingekrallten
+ Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust.
+ Splitternd tanzen um die vielen Plätze
+ Mit der Bürger lautestem Märkteschwall.
+ Brüder! Unser Odem --: Leid zu letzen
+ Streich zurück den noch gewordenen Knall!!
+
+ Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?!
+ Wer ist jener, den die Schuld betrifft,
+ Daß das Reich nicht zu uns kommt?!
+ Aber Lanzen stochern, Hellebarden
+ Pflügen auf phantastischer Wolken Trift.
+ Pferde klappern -- --
+ Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter
+ In der Städte ödes Schlachtgefild!
+ Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!!
+ Tausend warten wild -- -- --
+
+ Gott du Zünder, so uns geistwärts führst:
+ Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft.
+ Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend.
+ Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft!
+ Morgenküsten nähern sich Spelunken,
+ Schmelzend ein Asyl.
+ Ihr --: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken
+ Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.
+
+ Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte
+ Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit.
+ Körper im Aussatz verdorrte
+ Gehen auf Landschaften Edens weit.
+ (. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .)
+ Von der Störche dunklen Herdenschwärmen,
+ Der Balkone Rechteck überdacht.
+ Wunder --: finsterer Klumpen der Gedärme
+ Ward zu knospener Schlingung aufgefacht.
+
+ Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte
+ Weih ein jeder sich der ewigen Tat!
+ Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . .
+ Unser Psalm befiehlt euch --: heiß und grad.
+ Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!!
+ Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung!
+ Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan:
+ Himmel der Verbrüderung.
+
+
+
+
+Die neue Welt
+
+
+I
+
+ Er war hinabgestiegen und er schaute.
+ Da schwankte wie ein Schiff das Fundament.
+ Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute.
+ Land angereiht an Land -- _ein_ Schrei stößt! -- brennt!
+
+ Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten --
+ Die Flügelarme flatternd ausgereckt.
+ Und welche hinter Kartenpulten sitzend --
+ An buntem Plan das feiste Antlitz leckt.
+
+ Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe.
+ Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei.
+ Millionen mußten in den Böden kleben.
+ (. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .)
+ Millionen vorgeführt gen die Bastei,
+
+ Wo tackend Läufe die Portale zieren.
+ Granate fort der Dome Blüte scheuert.
+ Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren.
+ Da waten Regimenter klein durch Feuer.
+
+ Und stürzen ineinander. Messermauern jäh.
+ Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet.
+ Und stürzen ineinander. Kauernde . . .
+ Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!
+
+ So hängen sie gleich zappelnden Figuren,
+ Exakt an Schnürchen hin und herbewegt.
+ Doch in den Städten hausen schöne Huren.
+ Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt
+
+ Aus deren Poren. Und die Federn nicken
+ Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm.
+ Hah --: dort anblähen pustend sich Fabriken,
+ Bestien fett im wütigen Alarm.
+
+
+II
+
+ Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers.
+ Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest.
+ Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern.
+ In jedem Tier, in jedem Mensch verwest.
+
+ Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden!
+ Er riß den Mantel von der Schultern Bug.
+ In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten,
+ Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug.
+
+ Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet,
+ Heraus --: es scholl: Der Neuen Welt Programm.
+ Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet.
+ Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.
+
+ . . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten.
+ Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat.
+ Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden.
+ Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.
+
+ Antike Städte unter Dröhnen knittern.
+ Melodisch schwingt schon nächstes Paradies.
+ Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter
+ Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.
+
+ In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt.
+ Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb.
+ Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust.
+ Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust.
+ (. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .)
+
+ Er war hinabgestiegen. Auf er bog
+ Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog.
+ Lang tobte Chaos in dess Angesicht.
+ O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!!
+
+
+III
+
+ Da rollen Züge tönend im Gelände,
+ Das auf sich wölbte, breit und wunderbar.
+ Er schwebt -- ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende,
+ Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.
+
+ Lichtsäulen schreiten Menschen überall.
+ Kristallene Wälder blitzen in den Räumen,
+ Verzogen der Gewitter Überfall.
+ Gebirge Katarakte Donner säumen.
+
+ Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land,
+ Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther!
+ In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand
+ Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.
+
+ O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt!
+ Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet.
+ Stern an Stern durchflochtene Wies:
+ Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . .
+
+ Entreinigt euch der winterlichen Städte,
+ Der Nebelstraße tauichtem Gebrest!
+ Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern.
+ (. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .)
+ Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.
+
+ Nationen ewige, so ihr befreit
+ Euch -- Tat! -- aus mördrischen Tyrannengriffen!!
+ Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit,
+ Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen.
+
+ Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen.
+ Rings Völker brausen in die Himmel grad.
+ Sterngefilde blanker Bajonette spannen
+ Sich neigend über dem entsunkenen Staat.
+
+
+
+
+Inhaltsverzeichnis
+
+
+Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen
+der Zärtlichkeit · Abschied von den
+Frauen
+
+ Ödipus. I u. II 5
+ Mädchen I--IV 7
+ Aus den Sonetten um C. I--IV 11
+ An C. I--III 13
+ Ekstasen der Zärtlichkeit I--IV 17
+ Gehaßte Frau 23
+ Abschied von den Frauen I u. II 24
+
+
+Zweiter Teil: Verbrüderung
+
+ Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I--IV 29
+ Der Entfernte · Georg Trakl 32
+ An den Tyrannen 33
+ An Zola 35
+ An den Frieden 37
+ Tod des Fliegers über der Stadt 38
+ Verbrüderung 39
+ Die neue Welt I--III 43
+
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription
+
+
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***
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@@ -1,1787 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Verbrüderung
- Gedichte
-
-Author: Johannes R. Becher
-
-Release Date: December 26, 2012 [EBook #41706]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-
-
-
-VERBRÜDERUNG
-
-
-GEDICHTE
-VON
-JOHANNES R. BECHER
-
-
-LEIPZIG
-KURT WOLFF VERLAG
-1916
-
-
-Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Februar 1916
-als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste
-Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den
-Jahren 1915 und 1916 in Berlin geschrieben
-Sie sind meinen Freunden gewidmet
-
-
-COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-
-
-
-Erster Teil
-
-Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit /
-Abschied von den Frauen
-
-
-Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen --
-Kampf war auch dies. Krieg. Vergewaltigung.
-Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens,
-Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten,
-_Paradies erarbeiten!_
-Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs:
-Wie noch vergebens . . .
-
-
-
-
-Ödipus
-
-
-I
-
- Der Knabe wartet auf die Mutterblüte,
- Die unter bauschenden Gewändern thront.
- Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte,
- Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt.
-
- Der Vater muß verreisen in den Norden.
- Niemand herein in unsere Nächte stört.
- (. . . ach Vater du wie oft um sie gemordet . . .)
- Der Mutterblüte tief er angehört. --
-
- Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken.
- Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett.
- Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen.
- Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett.
-
- Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren.
- Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand.
- Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren.
- Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.
-
-
-II
-
-An den Vater
-
- Schlangenader längs der Stirne rollt.
- Gabel stößt er pfeifend in Salat.
- Weißer Suppe krummes Maul träuft voll.
- Makkaroni würgt aus Nase grad.
-
- In den Weinberg kroch er, dichtes Laub,
- Den Kniefällen seiner Kinder taub:
- Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen.
- Die ihn sucht, sich bückt --: sie schreckt die Blöße.
- Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm.
- Szepter in der Faust des Patriarchen.
- Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm
- Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.
-
- Später, da er vor den weiten Plätzen
- Ängstigend sich preßt in ihren Arm --
- Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken,
- So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . .
- (Mancher stößt sich in sie rauschend warm).
- Die ihm dient als Boot zum Übersetzen.
- Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.
-
- Finger birgt sie, die erfroren rot
- Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert.
- Aus geschwollener Augen Köcher
- Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.
-
- Niederstürzt sie, die er täppisch rupft,
- An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch.
- Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft:
- Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch.
-
- Bei dem Löffel in die Teller Klirren --:
- Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann!
- Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert
- Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert
- Vor dem Schlafgemach -- bis schwirrend
- Saust das Beil! Das Beil --: es fällt dich an!
-
-
-
-
-Mädchen
-
-
-I
-
-Franziska
-
- Du Engel ihm vom Zigarettenladen!
- Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam.
- Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden.
- Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am
- Geblümten Weg, mit Karussells beladen,
- Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern --
- Die Augen sich mit dessen Schein berändern.
-
- Doch bald --: er explodiert mit Bombenschritten
- _Ein neuer Vater!_ in dem Schlafgemach!!
- Der Faust entrasseln paukende Gewitter.
- Und tausend Väter kollern heulend nach!
- Gepeitschte aller Welt in uns erzittern.
- Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben.
- Sie wollte nurmehr -- aus -- dem Browning glauben.
-
- Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte
- An seine Mutter. Auch sie --: fühllos kalt.
- Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen.
- Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald,
- Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen
- Azur, inmitten bunt die Sonne platzt.
- O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.
-
- Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht
- Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen!
- Da --: in die Brüste ihr die Kugel sticht.
- Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen.
- Bald löscht auch er. -- Bis groß die Tür ausbricht:
- Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen,
- Behelmte Götter sich im Raum verteilend.
-
-
-II
-
-Dorka
-
- Sie --: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust.
- Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte.
- Ihm Helferin zu seinem ersten Bau.
-
- Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte.
- Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen.
- (-- vor der er sich zum Trank der Gosse bückte --)
-
- Wie lang schlief er in solchen Leibes Fuge.
- Nie je war Nacht so fabelhafte Nacht.
- Mit Engeln, die uns auf der Wolken Samtbett trugen.
-
- Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht!
- Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer.
- Die Sterne purzeln tönend in den Schacht
-
- Des Schoßes. Wolkgemäuer
- Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut.
- Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!
-
- Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut.
- Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt.
- . . . und von Morästen braut
-
- Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor
- Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten.
- Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.
-
- An Schläfen Nester triefender Kasematten.
-
-
-III
-
-Mary
-
- Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren,
- Ellipsenscheiben; Pyramidenwald
- Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen.
- Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt . . .
- Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt.
- Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten!
- So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt.
- Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken.
- Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen:
- Gebogenheit an solchem Leib zu lernen.
-
- Man wird stets denken: Atem dieser Brüste!
- Und morgens lösch ich mit der Frühe aus!
- Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste.
- Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus.
- Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen,
- Die wieder drehn in Linien Zickzack unter.
- Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen
- Im Kelch des Worts --: Millionen Fischlein munter
-
- Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen.
- Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein.
- Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen.
- Eidechsen Ornament dich benedeit.
- An Gitterästen kleben Spülichtratten,
- Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan.
- Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern.
- Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.
-
- Die Zauberin ins Paradies. Gefieder
- Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft.
- Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?!
- . . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . .
- Der Stadt Geräusche schrillen ineinander.
- Kanäleschiffe schnellen rings vorbei
- Du balanzierst auf des Gebirges Kante,
- Faltest die Kerker, Heilige, entzwei.
-
-
-IV
-
-Emmy
-
- Du deren Mund an Horizonte knüpfte
- Einst düsteren Dichter --: er beträumt dich schwer.
- Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen.
- Versammlerin an kaum betretenem Ort.
-
- Fanatisch du gestreckt von Jenes Wort --
- Hah! Schwingst allein dich drehend schon auf Barrikaden!
- Im Schrein aller Gehirn Reliquienfetzen.
-
- Ja --: Satzgefüge tollste meißeln dich:
- Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt
- Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . .
-
- Und diese Hand so schlug _sprengt!_ deine Brüste.
- O! Jungfrau von Orleans unsere!
- Fahnen: Gesänge hüllen dich.
-
-
-
-
-Aus den Sonetten um C.
-
-
-I
-
- Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken
- Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend.
- Schlägt von der Marmorberge Postament,
- Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:
-
- Ein wenig Mond mit Firmament gemischt,
- Stöße von Nacht und Träume Intervallen.
- Daß seine Augen auf die Städte fallen,
- Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.
-
- . . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken
- Der gleich Palästen aufgestauten Brücken.
- Alleeen rinnen hoch der Finsternis,
-
- Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis.
- Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt
- Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.
-
-
-II
-
- Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten
- Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt.
- Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden.
- Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.
-
- Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare.
- In Ohres Muscheln flüstern Samoware.
- Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut.
- Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut.
-
- Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet.
- Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet.
- Von Cymbeln hingerafft ins Blau . . . Noch fand
-
- An ihren Lippen Ruh die steife Hand.
- Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft.
- Als hieß es heut zum erstenmal: »Ihr dürft . . .«
-
-
-III
-
- Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne,
- Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten:
- Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten,
- Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton.
-
- Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung
- Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon.
- Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon.
- Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung
-
- Nur manchmal. Horizonte Ungefähres
- Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken.
- Um ihretwillen müssen Damen schminken,
-
- Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres
- Zerrissenes Oval. Asyle stinken.
- Sie _steht!_ Ihr die Verrufenen winken -- --.
-
-
-IV
-
- Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger
- Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn.
- Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn.
- (. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .)
-
- Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen.
- Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen.
- Aus Augen Waben träuft ein Honigmet.
- Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät.
-
- Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier
- Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) --: Wir!!
- Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.
-
- Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen
- Er schaukelt, dreht . . . gleitend hinabgezogen.
- Bis ers Finale der Posaunen bringt.
-
-
-
-
-An C.
-
-
-Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist,
-als ob das Sterben, jetzt oder später, leichter würde, wenn man weiß: ich
-selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich.
-
-C.
-
- Der Nacht quoll: schief verworren
- Wölbt sich jetzt Morgen grad.
- Du kannst ihn schreiten sehen
- Ganz Wind und Schwebezeit.
-
- Sein Aug umstreichen Flüsse.
- Tosender Wälder Schwung
- Flackt um der Berge Schulter.
- Des Tages Purpurküsse.
-
- Du kannst ihn schreiten sehen.
- Nicht Qual fretzt ihn. Kein Dorn.
- Der Nacht quoll: schief verworren
- Ganz Wind und Schwebezeit.
-
- Aus Lilienfinger geußt dem
- Gekrümmten Schwangeren Balsam.
- Säuglingen, den Asylen
- Träuft er der Lippen Brod.
-
- (. . . einst stürzten Worte Unflat,
- Nun schmilzt ein Mond im Tönen.
- Wie Quell springts aus der Flöte Horn.
- Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .)
-
- Du kannst ihn schreiten sehen
- -- die goldenen Wagen rauschen --
- Mit schmetterndem Tempostampfen,
- Wo sich vor brüchigem Tor
- Sein Volk in den Azur löst.
-
-
-II
-
- Mond im Fluten Traums verweht,
- Nachtigallen dich besuchen.
- Wickelst dich aus schweißigem Tuche,
- Tanzest auf Balkonen spät,
-
- Flackert noch ob dem Staket
- Morgens klein der bunte Shawl.
- Purpurküsse ausgesät
- Schlürft er in den Städten fahl.
-
- In der Autos Röcheltuten
- Gluckst ihm dünn dein Husten ganz.
- Sprengt er laut entzwei die Buden.
- Zirpt der Karusselle Kranz.
-
- ». . . Jäh in Huren die hohl kichern
- Schnappt dein höchster Triller über.
- Rette uns zu dir hinüber
- Engel . . .« Herbstlaub wischt der Dichter.
-
- Unter Türen, Räderspeichen
- Kauert brüchig das Gebild.
- Harfenfinger in die Leichen
- Krallt es schüttelnd, tönend wild.
-
- »Wiesen streust du aus. Im Gang
- Kräuseln Wälder. Ströme Falten
- Zündeln hoch in mystischem Schwang.
- Kniee stoßen grad basalten.
- Um die Schläfe schmiegt dein Gang.
-
- Langsam schmilzt der Stern ins Haar.
- Flöte summt der Samowar.
- Weite Weite gräbt sich trüber.
- Rollt ein Atem -- Nächte Wind.
- Pferdeaugen blühn im Kind.
- Engel rette uns hinüber! . . .«
-
-
-III
-
- Wir möchten uns begreifen
- Hindurch, ja ganz das Unsere
- In tauben Küssen fühlen.
- Das alles: Bett, Fluß, Stühle,
- Im Haar von Rosa Schleifen . . .
- Das aber schreit als Unseres:
- Im Schoß das Haupt zerwühlen,
- Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.
-
- Oft nächtens wir uns tönend schwingen
- Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum.
- Empor aus Tier und öliger Straße fingen
- Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum.
- Da stürzten Väter borstig-jähe
- Herab den Trunkenen aus den Sphären.
- Schwangere Mütter kreischend scheren
- Ihm ab der Locken Schnee.
-
- Das Grab klafft uns bereitet.
- Flößte uns Gifte ein im Trunk.
- In Herbst-Laub fahl gekleidet
- Wir schwieren in der Dämmerung
- Der großen Städte. Quollen
- Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot.
- Man Nebel schlürft zum Abend-Brot.
- Die Därme gleich Fabriken schollen.
-
- Und Echo brüllte tausendfach.
- Da rinnen Augen klein. Erwacht
- Des Engels Daseins-Blüte?!
- Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich
- Bog ab der Brust den Messer-Stich.
- Neu formt er Rock und Hüte.
-
- Wie Bläue hell durchs Land geweitet
- Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl.
- Am Firmament heroisch schreiten
- Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.
-
-
-
-
-Ekstasen der Zärtlichkeit
-
-
-Du Einzige,
-Die mich verstand
-Die meine glühenden Verbrechen
-Selig verwand.
-Die meinen tiefen Schöpfergram
-Ins Heilige gemildert
-In ihren Geist hinübernahm.
-
-Mombert
-
-
-I
-
- Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln.
- Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau.
- Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen.
- Turban deines Haupts --: Spirale blumigen Regenbogenflusses.
-
- So müssen immer Städte dich besingen,
- Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei,
- Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen.
- Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.
-
- Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband
- schlicht.
- Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner
- Lippen blüht.
- Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich
- löste.
- Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.
-
- Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden
- sie sich.
- Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht
- Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch
- umkreiselnd!
- Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu
- Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die
- Planke deiner Hüfte.
- Oft. Und einer um den anderen.
- Je nachdem . . .
-
- Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen,
- Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß.
- Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen,
- Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.
-
- Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern,
- Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild.
- Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände:
- Atem dein auch glättend den Berserker wild.
-
- Mütter so dich immer wiederholen:
- Schreiterin im sprühenden Ornat.
- Vielecksonnen breiten auf den Wangen,
- Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.
-
-
-II
-
- . . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln,
- Hinflutend auch im großen Nächtewind.
- Symphonisch Klirren der entfachten Fenster
- Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.
-
- Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich.
- Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten.
- Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich,
- Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.
-
- Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will,
- Der von der Brück ab in den Äther springt.
- Die Transparente blitzen deinen Namen.
- Du aller Kinos dröhnendes Plakat.
-
- Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen,
- Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält.
- Auf Bänken Strolche sich in dir verankern.
- Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.
-
- Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten,
- Weit Menschenvölker spielend miteinand.
- Die müssen bunte Fahnen um dich flattern.
- Muster eingewoben dem Gewand.
-
-
-III
-
- Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder.
- Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell.
- Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen.
- Geborstene Städte -- brüllende! -- Schalmei.
-
- Und Niederknallen blökender Idioten --
- Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln --
- Und Liebender Geflüster vom Kanal --
- So buntgeflickte Segel hissen dich!!
-
- Er wird dich durch die vielen Länder tragen
- Der junge Dichter, strahlende um ihn.
- Ein Himalaya muß er tönend ragen,
- Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen,
- Zu dessen Füßen neue Städte knien.
-
- Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder.
- Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz.
- Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern.
- Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell.
- Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden,
- Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden!
-
- Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern
- Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild.
-
- Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern.
- Nun werden sich die alten Staaten häuten.
- Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild.
- Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer.
- Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer.
-
-
-IV
-
- Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief
- Grimassenhäuser Front, da packen
- Der Gäule Hufe ins Gehirn.
- Ein Dom treibt Widerhaken.
- Du Hüterin . . . Die ziehst du all
- Heraus magnetischer Streichelhände.
- . . . O Haupt im Tabernackelschoß . . .
- Laß mich, dir gut, vollenden!
-
- Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht
- Peitscht an, rings Züge sausen.
- Ein lilabrauner Himmel schwer
- Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer.
- Gespenstertote hausen.
- Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht
- In längsten Samumstößen.
- Es stockt und ebbt schon der Tumult:
- Melodisch schwemmen Abendfluren.
- Wir Fabelschiffe wiegen.
-
- -- Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß.
- Wie ist er da entsprossen!
- Gleich Fahne flackert dessen Hos.
- Vorbei die Kugeln spritzten.
- Von dir gedacht er: so gefeit.
- Gestauter Welt ein Zünder.
- Die Arme wehen Signale weit.
- Ekstatischer Verkünder!!!
-
- O Einsamkeit -- jetzt überwand
- Dich heißestes Zerdringen.
- Mein Prisma du, von mir durchbrannt
- Zu tausend Strahlen schwingend.
- Du streichest aus der Frauen dumpf
- Gehock. Kristallenen Klumpen knetend,
- Jäh meiner Brust: finster geballt.
- Ein Labyrinth von Schimmelwald,
- Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.
-
- Wir kehren nicht zurück zum Schoß,
- Gen Scharlachdämmerungen.
- Vom Fundament wir bauten los
- Uns. Tod ward übersprungen.
- Du Brücke aus der Nacht Revier --
- Geharnischte Winter schlagen.
- Wir schweben fest! Der Kragen
- Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.
-
- Du Engel an der Pforte.
- So bin ich aufgeschält.
- Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte.
- An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld.
- Verhüllte Meere knistern
- Herein, der Donner breiter Takt.
- Wir aber landeten an Küsten
- Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.
-
- Du klaffst: des Eilands Brunnen,
- Daraus der reine Mann sich schöpft.
- Nah Aeroplane knurren.
- Ein Sterngewimmel tropft.
- Von schaukelnden Tribünen
- Gleich Flamm der Dichter loht:
- Der Völker Psalmenhort,
- Die rings um ihn wie Herden dehnen.
-
- Ja --: brüderlich Verschmelzen!
- Nicht einsam, sondern _jeder_ sein!
- Abschraubt des Hochmuts Stelze!
- Fahrt in die Huren ein!
- (Schraubt euch auch dumm und klein!)
- Der Mantel wie ein Drahtzaun
- Schlingt sich um unsere Hüfte.
- O lasset uns restlos vertrauen!
- Geschminkte Masken lüften!!
-
- Du hast es ihm vollbracht:
- O brüderlich Verschmelzen.
- Nacht schwillt: Lampione-Nacht.
- Geteerte Sommer wälzen.
- Wir blättern strahlend Fächer.
- Von deiner Augen Süßsee
- Schlürft oft der Lippe Mal.
-
-Frau Else Hadwiger gewidmet
-
-
-
-
-Gehaßte Frau
-
-
- ». . . So wiß es --: daß ich nachts die Straßen jage:
- Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir!
- Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend
- Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!)
-
- Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend.
- Die Gäule wiehern ironischen Salut.
- Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend.
- Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.
-
- Grandioses Vieh . . . wo dick dein Atem webt,
- Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule.
- Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler:
- Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.
-
- Grandioses Vieh . . . Ins Kugellager des Gehirns verwachsen.
- Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt.
- So schreite aus --: den abrasierten Kopf
- Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.
-
- Grandioses Vieh . . . gehetzt wir schleifen durch Lokale.
- O wie ich greif und greif nach tausend Skalen.
- Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft.
- Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen.
- Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen
- Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!«
-
-
-
-
-Abschied von den Frauen
-
-
-I
-
- Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.
- Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt.
- Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter.
- Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt.
- Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.
-
- Verlerntet ihr es --: bogenes Streicheln kühl?!
- Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen.
- Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt.
- Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen.
- Die ihr verlernt es --: bogenes Streicheln kühl.
-
- Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern.
- Haubitzenloch der Sintflut Arie blies.
- Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte.
- Die Toten sprechen manchmal im Verließ.
- Ja --: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der
- Schultern.
- Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander!
- Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte
- Höllenpein!
- Zu neuen Küsten --: Aufbruch! Zug und Landung!
- _Es müssen Brüder sein!!!_
- Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte.
- Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch --:
- Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein.
-
-
-II
-
- Namenlose alle! Nicht Gesagte!
- Wo, wo trifft man euer Angesicht?!
- Euch zu sammeln ist es längst zu spät?!
- _Klafft_ es heulend --: jenes Angesicht --
-
- Von der Häuser Löcher übersät.
- Von Kanälen kreuz und quer gekerbt.
- Von dem Plätze-Pickel bös zernagt.
- Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.
-
- Langsam muß der Dichter euch entgleiten,
- Viel zu lange schon bei euch verweilt.
- Donner rast. Ein endlos Messer flicht
- Sich dem Körper ein. Granate bricht.
- Hoch den Dolomiten die sich seilen.
- Euch umrankend hat er übersehn
- Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand.
- Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen.
- Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand.
-
- Fahnen schwebet nach ihm euer Winken.
- Welche Stunde bringt uns einst zurück?!
- Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend
- Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt.
- Ach, wir waren nur uns Opfer beide:
- Ausgeplündert oder überzückt.
- Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid.
- Ohne Schmerzen kehren wir zurück.
-
- Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet
- Unserer Körper eingefallener Bau.
- Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen!
- Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt.
- Regenbogen in die Landschaft malend
- Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt.
- Unsere Stirnen aller Armen Schild.
- . . . Wanderung im Seligen-Gefild . . .
-
-
-
-
-Zweiter Teil
-
-Verbrüderung
-
-
-Novus nascitur ordo
-
-Mirabeau, 1. Mai 1789
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-Getötetem Freund · Vermächtnis
-des sterbenden Soldaten
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-Um den 30. Juli 1915 herum fiel -- gegen Frankreich verschickt -- der
-vierundzwanzigjährige jüdische Handlungsreisende (mir Freund und Dichter)
-Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht daß er sich noch kühn selbst
-gelang, aber immerhin der Wenigen einer, die disziplinvoll genug,
-erkämpftestem Führer vertrauend sich anschlossen. 2. bayrisches
-Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß
---: euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn -- Geist vom Geist!
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-I
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- O Morgen der uns Hyazinthe scheint!
- Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber.
- Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber,
- Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein
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- Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth.
- Ihr bei Loretto . .! Gase Pest
- Steigt Gloriole grause an dem Hügel.
- Da -- erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!
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- Aufschweben wir umsäumt von rosenem West.
- Im Nebel hocken Regimenter blind.
- Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.
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- Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer.
- Hört: führt herauf -- es strahlt! -- zum Totenfest
- _Europa!!_ Blut kitt ungeheuerst!!!
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-
-II
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- Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen --
- Wälder, und Räume einer heiligen Saat!
- Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen
- Sich neigend über dem entsunkenen Staat.
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-
-III
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- Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane.
- Vor weißer Küste fraß uns der Taifun.
- In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen.
- Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.
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- Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme,
- Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau.
- Die Kathedrale, deren Türme stemmen
- Auf den Azur. Ein Drahtverhau
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- Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend
- Das Regiment, elastischer Panzer, zieht
- Empor die Serpentine um die Brust. Geleise
- Am Horizont nach dem Gestirne kniet.
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- Wie denken wir euch Brüder in den Städten!
- Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt!
- Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt.
- Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.
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- Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer.
- Am End der Heros. Vor Europa führt.
- Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer.
- Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer.
- Ja --: dess Gesang die Massenlöcher schürt.
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-IV
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-An den General
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- . . . Verreckend schau ich feistes Antlitz dich.
- Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei!
- Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich.
- Anschob die Faust purpurene Bastei.
- Armeeen stampftest in ein Höllgrab du.
- Wozu?!
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- Schon finstere Haufen sich zusammendrängen.
- Es malmt zu Brei dich heulender Ballast.
- Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen
- Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast.
- Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut.
- Antönt es heut.
-
- Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen.
- Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm!
- Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile,
- Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm.
- Verfluchte ihr des Todes Lieferanten!
- Kasernen stranden.
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- Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen.
- Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest.
- Ein Vogellüster auf und niederfallen.
- Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett.
- Umarmt von Tieren Menschen ziehen,
- Gestreift süß bunter Melodien.
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- -- So will ich gern dir deine Falten glätten.
- Ich fühl mich als des Daseins Untergrund.
- Der mußte uns in Knochenwirrnis betten.
- Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund,
- Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl:
- Mein General.
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-Der Entfernte · Georg Trakl
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- Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.
- Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.
- . . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt
- Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.
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- Betaute Wiege. Doch erwacht er grell
- Matt gießen Mond und Sterne sich herein.
- Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell.
- Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.
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- Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche
- Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut.
- Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen.
- Wie Blasen steigend Böller Festsalut.
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- Auf einmal dann --: gestreckte Schlote zischen.
- Andante-Baß der Straße bunter Ton.
- Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen --
- Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. --
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- Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.
- Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.
- . . . nur manchmal wie umarmend schlägt
- Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.
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-An den Tyrannen
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- Mittelpunkt du rasender Geschwüre!
- Deine Poren brachen auf, nun blähen
- Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen
- Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!
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- Völker zogen singend dir zu Füßen
- (Frauen hackend ein der Väter Arm,
- Kindlein flattern an Musiken: Fetzen --),
- Völker brausen in die Gruft der Schlacht.
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- Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken.
- Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum.
- Große heilige schöne buntere Schiffe,
- Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . .
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- Schiffe menschbesät, o morgenfrische
- Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen
- Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten --
- Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.
-
- Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren,
- Finster rollend ob der Leichen Flur,
- Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . .
- Weichen sie doch, zückst du Messer nur!
- Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren
- Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr -- -- --
- Explodier o Raum!
- Fern der Menschheit Traum!
- Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!!
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- Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden
- Dich zuend. Noch Salven Höllenflug.
- Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden.
- Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug!
- Sänge überspülend in Kaskaden
- Monument dich. Auf all Himmel schlug.
- Nebel zünden, rings Gewölk zerrann.
- Arme breiten Völker dir Tyrann!
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-An Zola
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-Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend
-und euerer Schande, die ich nackt hinstelle. Hinauf mit mir: arbeitend ihr
-und ich. Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. Es heißt seine Pflicht
-tun.
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-Zola
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- Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.
- Zementene Quadern. Dächer Überfall.
- Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern.
- Der Donnerzüge steilster Kurvenwall.
- Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.
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- Es starren Dickicht rund die finsteren Völker:
- Dornkranz der wie von Höllen widerscheint.
- Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken.
- Die Riesenpyramide aus Gebein.
- So starren Dickicht rund die finsteren Völker.
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- Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter:
- Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt.
- Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er
- Der Hymnische. (-- Du Leite mir und Schirm -- ).
- Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter.
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- Da knospet auf aus deinem Inselgarten
- -- Und strahlt! -- der Menschheit blaue Morgenwelt.
- Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten.
- Ein jeder groß und blühend eingestellt.
- Wir knospen auf aus deinem Inselgarten.
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- Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden
- Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie.
- Asyle platzen und Kasernen schwinden,
- Durchdrungene von der Brudermelodie.
- Purpurnes Schiff! Demokratie!!
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- Zola --: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern!
- O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat!
- Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen.
- Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad
- Hinein in den Tumult und durch! Gewitter
- Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.
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-An den Frieden
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- O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind!
- Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen.
- Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind.
- Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend.
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- Dein Tag --: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut.
- Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße.
- Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu.
- Fanfarenmünder Halleluja blasen.
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- Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet,
- Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein.
- Millionen Toter schwarze Fahne weht
- Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.
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- Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!?
- Nein. Menschen wallen Heilige im Chor.
- Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken.
- Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor.
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- Ihr --: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden!
- Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt
- Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten
- Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt.
- Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt!
- Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!
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-Tod des Fliegers über der Stadt
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- Da -- ein Meteor sich ab die Bombe löste.
- Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt.
- Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . .
- Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.
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- Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf.
- Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn.
- Propelleratem streift ihn, Höllensturm.
- ». . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .«
-
- Dann schrieen sie in wirrester Diskussion
- Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen
- Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen.
- Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon
-
- Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat
- Und saust und bohrt. Und _eines_ Rauches Säule
- Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen.
- Enorm. Ja --: eines Rauches Säule grad.
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- Der Sockel --: Trichter aufgefüllt mit Kehricht.
- Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt
- Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen
- Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.
-
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-
-Verbrüderung
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- Wie geschah, daß nicht zusammenfanden
- Du und du. Daß wir uns einsam-wund
- Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden,
- Kaum erkennend --: Flügel _eines_ Munds.
- Von erhellten Räumen ausgeschlossen
- Wir Verdammte zu der Straßen Flur.
- Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen,
- Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.
-
- O --: wer hat zuerst dich angesprochen
- Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament
- Wer erbaute es?! Zerstochener
- Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?!
- Spieen es die Mäuler der Haubitzen
- Jenes Urwort belfernden Geschreis?!
- Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?!
- Rollt es mit den Zügen stets vorbei --?!
-
- Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen
- Ein sich spinnen in entfernter Bucht?!
- Dostojewskis Feueraugen fressen.
- Rasend Tolstoi in der Weite sucht.
- Haben Mütter euch zum Mord geboren?!
- Euer Schicksal --: schwank und qualgehetzt,
- öffnet, öffnet euerer Brust die Tore,
- Drein Azursee stürzt!!!
-
- Wallen mögen hier die breiten Scharen
- Jener Toten. Düsterer Trommelzug.
- Wald erglänzt von aufgelösten Haaren.
- Münder strecken sich zu Siegfanfaren,
- Langsam steuert schimmernder Brüste Bug.
- Rings die Mädchen flattern gleich Libellen.
- Droschkengäule tönend eingereiht.
- Wir Zentrale. Städte, Länder schellen.
- Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.
-
- Und so wird die blanke Zukunft tagen:
- Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut.
- Keine Frauen an den Männern nagen.
- Freunde schreiten groß und hochgemut.
- Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen,
- Auch bespült von stinkichtem Ekelsud.
- Denn --! die Menschheit ist verrückt,
- Längs und quer zerstückt:
- Räuber-, Mörderbrut.
-
- Trotzdem -- überherrlich aufgelassen
- Wälzt durch Münder Schleusen -- gleit o Hass! --
- Der Gesänge Strom.
- Bajonette schwank wie Halmzeug knicken.
- Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend.
- Fetzen Wolken knittert der Pogrom.
- O --: anhebt ein Zueinandereilen.
- Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief.
- Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile.
- Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt.
-
- Weiße Dome schweben auch Fabriken.
- Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken.
- Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff.
- Liebende auf weichen Dachgeländen
- Sich dem Hostienmond entgegenwenden,
- Immer höher steigt ihr Schiff.
- Spät --: sie werden sich noch dumpf erinnern
- Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl,
- . . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern.
- Marterkinder starben an der Schul.
-
- Ja --: sie müssen sich zusammenfalten
- In die Lüfte ragend silberner Strauß.
- Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen.
- Monument --: nach Jahren zu bestehen,
- Wieder wenn aus wütig eingekrallten
- Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust.
- Splitternd tanzen um die vielen Plätze
- Mit der Bürger lautestem Märkteschwall.
- Brüder! Unser Odem --: Leid zu letzen
- Streich zurück den noch gewordenen Knall!!
-
- Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?!
- Wer ist jener, den die Schuld betrifft,
- Daß das Reich nicht zu uns kommt?!
- Aber Lanzen stochern, Hellebarden
- Pflügen auf phantastischer Wolken Trift.
- Pferde klappern -- --
- Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter
- In der Städte ödes Schlachtgefild!
- Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!!
- Tausend warten wild -- -- --
-
- Gott du Zünder, so uns geistwärts führst:
- Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft.
- Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend.
- Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft!
- Morgenküsten nähern sich Spelunken,
- Schmelzend ein Asyl.
- Ihr --: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken
- Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.
-
- Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte
- Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit.
- Körper im Aussatz verdorrte
- Gehen auf Landschaften Edens weit.
- (. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .)
- Von der Störche dunklen Herdenschwärmen,
- Der Balkone Rechteck überdacht.
- Wunder --: finsterer Klumpen der Gedärme
- Ward zu knospener Schlingung aufgefacht.
-
- Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte
- Weih ein jeder sich der ewigen Tat!
- Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . .
- Unser Psalm befiehlt euch --: heiß und grad.
- Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!!
- Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung!
- Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan:
- Himmel der Verbrüderung.
-
-
-
-
-Die neue Welt
-
-
-I
-
- Er war hinabgestiegen und er schaute.
- Da schwankte wie ein Schiff das Fundament.
- Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute.
- Land angereiht an Land -- _ein_ Schrei stößt! -- brennt!
-
- Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten --
- Die Flügelarme flatternd ausgereckt.
- Und welche hinter Kartenpulten sitzend --
- An buntem Plan das feiste Antlitz leckt.
-
- Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe.
- Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei.
- Millionen mußten in den Böden kleben.
- (. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .)
- Millionen vorgeführt gen die Bastei,
-
- Wo tackend Läufe die Portale zieren.
- Granate fort der Dome Blüte scheuert.
- Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren.
- Da waten Regimenter klein durch Feuer.
-
- Und stürzen ineinander. Messermauern jäh.
- Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet.
- Und stürzen ineinander. Kauernde . . .
- Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!
-
- So hängen sie gleich zappelnden Figuren,
- Exakt an Schnürchen hin und herbewegt.
- Doch in den Städten hausen schöne Huren.
- Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt
-
- Aus deren Poren. Und die Federn nicken
- Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm.
- Hah --: dort anblähen pustend sich Fabriken,
- Bestien fett im wütigen Alarm.
-
-
-II
-
- Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers.
- Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest.
- Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern.
- In jedem Tier, in jedem Mensch verwest.
-
- Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden!
- Er riß den Mantel von der Schultern Bug.
- In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten,
- Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug.
-
- Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet,
- Heraus --: es scholl: Der Neuen Welt Programm.
- Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet.
- Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.
-
- . . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten.
- Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat.
- Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden.
- Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.
-
- Antike Städte unter Dröhnen knittern.
- Melodisch schwingt schon nächstes Paradies.
- Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter
- Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.
-
- In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt.
- Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb.
- Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust.
- Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust.
- (. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .)
-
- Er war hinabgestiegen. Auf er bog
- Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog.
- Lang tobte Chaos in dess Angesicht.
- O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!!
-
-
-III
-
- Da rollen Züge tönend im Gelände,
- Das auf sich wölbte, breit und wunderbar.
- Er schwebt -- ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende,
- Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.
-
- Lichtsäulen schreiten Menschen überall.
- Kristallene Wälder blitzen in den Räumen,
- Verzogen der Gewitter Überfall.
- Gebirge Katarakte Donner säumen.
-
- Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land,
- Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther!
- In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand
- Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.
-
- O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt!
- Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet.
- Stern an Stern durchflochtene Wies:
- Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . .
-
- Entreinigt euch der winterlichen Städte,
- Der Nebelstraße tauichtem Gebrest!
- Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern.
- (. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .)
- Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.
-
- Nationen ewige, so ihr befreit
- Euch -- Tat! -- aus mördrischen Tyrannengriffen!!
- Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit,
- Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen.
-
- Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen.
- Rings Völker brausen in die Himmel grad.
- Sterngefilde blanker Bajonette spannen
- Sich neigend über dem entsunkenen Staat.
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis
-
-
-Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen
-der Zärtlichkeit · Abschied von den
-Frauen
-
- Ödipus. I u. II 5
- Mädchen I--IV 7
- Aus den Sonetten um C. I--IV 11
- An C. I--III 13
- Ekstasen der Zärtlichkeit I--IV 17
- Gehaßte Frau 23
- Abschied von den Frauen I u. II 24
-
-
-Zweiter Teil: Verbrüderung
-
- Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I--IV 29
- Der Entfernte · Georg Trakl 32
- An den Tyrannen 33
- An Zola 35
- An den Frieden 37
- Tod des Fliegers über der Stadt 38
- Verbrüderung 39
- Die neue Welt I--III 43
-
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG ***
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-
diff --git a/41706-8.zip b/41706-8.zip
deleted file mode 100644
index fe3b1cd..0000000
--- a/41706-8.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/41706-h.zip b/41706-h.zip
deleted file mode 100644
index f2e6ba4..0000000
--- a/41706-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/41706-h/41706-h.htm b/41706-h/41706-h.htm
index 322e11c..4676791 100644
--- a/41706-h/41706-h.htm
+++ b/41706-h/41706-h.htm
@@ -2,9 +2,9 @@
"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
<head>
-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
-<title>The Project Gutenberg eBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher</title>
-<!-- TITLE="Verbrüderung" -->
+<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=UTF-8" />
+<title>The Project Gutenberg eBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher</title>
+<!-- TITLE="Verbrüderung" -->
<!-- AUTHOR="Johannes R. Becher" -->
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@@ -120,44 +120,10 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; }
</head>
<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Verbrüderung
- Gedichte
-
-Author: Johannes R. Becher
-
-Release Date: December 26, 2012 [EBook #41706]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-</pre>
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***</div>
<h1 style="line-height:1em; font-weight:normal; letter-spacing:0.1em; margin-bottom:1em;">
-<span style="font-size:1em;">VERBRÜDERUNG</span><br />
+<span style="font-size:1em;">VERBRÜDERUNG</span><br />
<br />
<span style="font-size:0.6em;">GEDICHTE<br />
VON</span><br />
@@ -176,8 +142,8 @@ KURT WOLFF VERLAG<br />
<p class="center" style="page-break-before:always; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em; margin-left:auto; margin-right:auto; max-width:27em; letter-spacing:0.1em;">
Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Februar 1916
-als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste
-Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den
+als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste
+Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den
Jahren 1915 und 1916 in Berlin geschrieben
Sie sind meinen Freunden gewidmet
</p>
@@ -193,23 +159,23 @@ COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG &bull; LEIPZIG
<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a>
Erster Teil<br />
&nbsp;<br />
-Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit /<br />
+Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit /<br />
Abschied von den Frauen
</h1>
<p class="motto">
-Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen &mdash;<br />
+Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen &mdash;<br />
Kampf war auch dies. Krieg. Vergewaltigung.<br />
-Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens,<br />
-Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten,<br />
+Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens,<br />
+Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten,<br />
<span class="em">Paradies erarbeiten!</span><br />
-Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs:<br />
+Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs:<br />
Wie noch vergebens .&nbsp;.&nbsp;.
</p>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-1">
<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
-Ödipus
+Ödipus
</h2>
<h3 class="no" id="subchap-1-1-1">
@@ -217,31 +183,31 @@ I
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Der Knabe wartet auf die Mutterblüte,</p>
- <p class="line">Die unter bauschenden Gewändern thront.</p>
- <p class="line">Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte,</p>
+ <p class="line">Der Knabe wartet auf die Mutterblüte,</p>
+ <p class="line">Die unter bauschenden Gewändern thront.</p>
+ <p class="line">Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte,</p>
<p class="line">Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Der Vater muß verreisen in den Norden.</p>
- <p class="line">Niemand herein in unsere Nächte stört.</p>
+ <p class="line">Der Vater muß verreisen in den Norden.</p>
+ <p class="line">Niemand herein in unsere Nächte stört.</p>
<p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. ach Vater du wie oft um sie gemordet .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
- <p class="line">Der Mutterblüte tief er angehört. &mdash;</p>
+ <p class="line">Der Mutterblüte tief er angehört. &mdash;</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken.</p>
- <p class="line">Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett.</p>
+ <p class="line">Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken.</p>
+ <p class="line">Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett.</p>
<p class="line">Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen.</p>
<p class="line">Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren.</p>
+ <p class="line">Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren.</p>
<p class="line">Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand.</p>
- <p class="line">Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren.</p>
- <p class="line">Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.</p>
+ <p class="line">Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren.</p>
+ <p class="line">Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-1-2">
@@ -253,60 +219,60 @@ An den Vater
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Schlangenader längs der Stirne rollt.</p>
- <p class="line">Gabel stößt er pfeifend in Salat.</p>
- <p class="line">Weißer Suppe krummes Maul träuft voll.</p>
- <p class="line">Makkaroni würgt aus Nase grad.</p>
+ <p class="line">Schlangenader längs der Stirne rollt.</p>
+ <p class="line">Gabel stößt er pfeifend in Salat.</p>
+ <p class="line">Weißer Suppe krummes Maul träuft voll.</p>
+ <p class="line">Makkaroni würgt aus Nase grad.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
<p class="line">In den Weinberg kroch er, dichtes Laub,</p>
- <p class="line">Den Kniefällen seiner Kinder taub:</p>
- <p class="line">Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen.</p>
- <p class="line">Die ihn sucht, sich bückt &mdash;: sie schreckt die Blöße.</p>
- <p class="line">Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm.</p>
+ <p class="line">Den Kniefällen seiner Kinder taub:</p>
+ <p class="line">Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen.</p>
+ <p class="line">Die ihn sucht, sich bückt &mdash;: sie schreckt die Blöße.</p>
+ <p class="line">Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm.</p>
<p class="line">Szepter in der Faust des Patriarchen.</p>
- <p class="line">Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm</p>
- <p class="line">Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.</p>
+ <p class="line">Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm</p>
+ <p class="line">Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Später, da er vor den weiten Plätzen</p>
- <p class="line">Ängstigend sich preßt in ihren Arm &mdash;</p>
+ <p class="line">Später, da er vor den weiten Plätzen</p>
+ <p class="line">Ängstigend sich preßt in ihren Arm &mdash;</p>
<p class="line">Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken,</p>
- <p class="line">So ihr zu oft glänzende Herren nicken .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">(Mancher stößt sich in sie rauschend warm).</p>
- <p class="line">Die ihm dient als Boot zum Übersetzen.</p>
- <p class="line">Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.</p>
+ <p class="line">So ihr zu oft glänzende Herren nicken .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">(Mancher stößt sich in sie rauschend warm).</p>
+ <p class="line">Die ihm dient als Boot zum Übersetzen.</p>
+ <p class="line">Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Finger birgt sie, die erfroren rot</p>
- <p class="line">Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert.</p>
- <p class="line">Aus geschwollener Augen Köcher</p>
- <p class="line">Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.</p>
+ <p class="line">Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert.</p>
+ <p class="line">Aus geschwollener Augen Köcher</p>
+ <p class="line">Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Niederstürzt sie, die er täppisch rupft,</p>
- <p class="line">An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch.</p>
+ <p class="line">Niederstürzt sie, die er täppisch rupft,</p>
+ <p class="line">An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch.</p>
<p class="line">Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft:</p>
<p class="line">Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Bei dem Löffel in die Teller Klirren &mdash;:</p>
+ <p class="line">Bei dem Löffel in die Teller Klirren &mdash;:</p>
<p class="line">Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann!</p>
<p class="line">Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert</p>
- <p class="line">Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert</p>
+ <p class="line">Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert</p>
<p class="line">Vor dem Schlafgemach &mdash; bis schwirrend</p>
- <p class="line">Saust das Beil! Das Beil &mdash;: es fällt dich an!</p>
+ <p class="line">Saust das Beil! Das Beil &mdash;: es fällt dich an!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-2">
<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
-Mädchen
+Mädchen
</h2>
<h3 class="no" id="subchap-1-2-1">
@@ -319,42 +285,42 @@ Franziska
<div class="poem">
<p class="line">Du Engel ihm vom Zigarettenladen!</p>
- <p class="line">Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam.</p>
- <p class="line">Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden.</p>
+ <p class="line">Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam.</p>
+ <p class="line">Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden.</p>
<p class="line">Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am</p>
- <p class="line">Geblümten Weg, mit Karussells beladen,</p>
- <p class="line">Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern &mdash;</p>
- <p class="line">Die Augen sich mit dessen Schein berändern.</p>
+ <p class="line">Geblümten Weg, mit Karussells beladen,</p>
+ <p class="line">Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern &mdash;</p>
+ <p class="line">Die Augen sich mit dessen Schein berändern.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Doch bald &mdash;: er explodiert mit Bombenschritten</p>
<p class="line"><span class="em">Ein neuer Vater!</span> in dem Schlafgemach!!</p>
<p class="line">Der Faust entrasseln paukende Gewitter.</p>
- <p class="line">Und tausend Väter kollern heulend nach!</p>
+ <p class="line">Und tausend Väter kollern heulend nach!</p>
<p class="line">Gepeitschte aller Welt in uns erzittern.</p>
- <p class="line">Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben.</p>
+ <p class="line">Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben.</p>
<p class="line">Sie wollte nurmehr &mdash; aus &mdash; dem Browning glauben.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte</p>
- <p class="line">An seine Mutter. Auch sie &mdash;: fühllos kalt.</p>
+ <p class="line">Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte</p>
+ <p class="line">An seine Mutter. Auch sie &mdash;: fühllos kalt.</p>
<p class="line">Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen.</p>
<p class="line">Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald,</p>
- <p class="line">Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen</p>
+ <p class="line">Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen</p>
<p class="line">Azur, inmitten bunt die Sonne platzt.</p>
- <p class="line">O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.</p>
+ <p class="line">O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht</p>
- <p class="line">Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen!</p>
- <p class="line">Da &mdash;: in die Brüste ihr die Kugel sticht.</p>
- <p class="line">Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen.</p>
- <p class="line">Bald löscht auch er. &mdash; Bis groß die Tür ausbricht:</p>
+ <p class="line">Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht</p>
+ <p class="line">Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen!</p>
+ <p class="line">Da &mdash;: in die Brüste ihr die Kugel sticht.</p>
+ <p class="line">Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen.</p>
+ <p class="line">Bald löscht auch er. &mdash; Bis groß die Tür ausbricht:</p>
<p class="line">Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen,</p>
- <p class="line">Behelmte Götter sich im Raum verteilend.</p>
+ <p class="line">Behelmte Götter sich im Raum verteilend.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-2-2">
@@ -368,14 +334,14 @@ Dorka
<div class="poem">
<p class="line">Sie &mdash;: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust.</p>
- <p class="line">Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte.</p>
+ <p class="line">Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte.</p>
<p class="line">Ihm Helferin zu seinem ersten Bau.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte.</p>
+ <p class="line">Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte.</p>
<p class="line">Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen.</p>
- <p class="line">(&mdash; vor der er sich zum Trank der Gosse bückte &mdash;)</p>
+ <p class="line">(&mdash; vor der er sich zum Trank der Gosse bückte &mdash;)</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -387,29 +353,29 @@ Dorka
<div class="poem">
<p class="line">Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht!</p>
<p class="line">Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer.</p>
- <p class="line">Die Sterne purzeln tönend in den Schacht</p>
+ <p class="line">Die Sterne purzeln tönend in den Schacht</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Des Schoßes. Wolkgemäuer</p>
- <p class="line">Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut.</p>
- <p class="line">Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!</p>
+ <p class="line">Des Schoßes. Wolkgemäuer</p>
+ <p class="line">Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut.</p>
+ <p class="line">Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut.</p>
- <p class="line">Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt.</p>
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. und von Morästen braut</p>
+ <p class="line">Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. und von Morästen braut</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor</p>
<p class="line">Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten.</p>
- <p class="line">Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.</p>
+ <p class="line">Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">An Schläfen Nester triefender Kasematten.</p>
+ <p class="line">An Schläfen Nester triefender Kasematten.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-2-3">
@@ -422,38 +388,38 @@ Mary
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren,</p>
+ <p class="line">Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren,</p>
<p class="line">Ellipsenscheiben; Pyramidenwald</p>
- <p class="line">Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen.</p>
+ <p class="line">Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen.</p>
<p class="line">Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt.</p>
+ <p class="line">Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt.</p>
<p class="line">Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten!</p>
- <p class="line">So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt.</p>
+ <p class="line">So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt.</p>
<p class="line">Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken.</p>
<p class="line">Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen:</p>
<p class="line">Gebogenheit an solchem Leib zu lernen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Man wird stets denken: Atem dieser Brüste!</p>
- <p class="line">Und morgens lösch ich mit der Frühe aus!</p>
- <p class="line">Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste.</p>
- <p class="line">Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus.</p>
- <p class="line">Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen,</p>
+ <p class="line">Man wird stets denken: Atem dieser Brüste!</p>
+ <p class="line">Und morgens lösch ich mit der Frühe aus!</p>
+ <p class="line">Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste.</p>
+ <p class="line">Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus.</p>
+ <p class="line">Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen,</p>
<p class="line">Die wieder drehn in Linien Zickzack unter.</p>
<p class="line">Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen</p>
<p class="line">Im Kelch des Worts &mdash;: Millionen Fischlein munter</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen.</p>
- <p class="line">Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein.</p>
- <p class="line">Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen.</p>
+ <p class="line">Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen.</p>
+ <p class="line">Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein.</p>
+ <p class="line">Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen.</p>
<p class="line">Eidechsen Ornament dich benedeit.</p>
- <p class="line">An Gitterästen kleben Spülichtratten,</p>
- <p class="line">Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan.</p>
- <p class="line">Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern.</p>
- <p class="line">Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.</p>
+ <p class="line">An Gitterästen kleben Spülichtratten,</p>
+ <p class="line">Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan.</p>
+ <p class="line">Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern.</p>
+ <p class="line">Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -461,9 +427,9 @@ Mary
<p class="line">Die Zauberin ins Paradies. Gefieder</p>
<p class="line">Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft.</p>
<p class="line">Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?!</p>
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. nur wimmernd ächzet die Matratzengruft .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Der Stadt Geräusche schrillen ineinander.</p>
- <p class="line">Kanäleschiffe schnellen rings vorbei</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. nur wimmernd ächzet die Matratzengruft .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Der Stadt Geräusche schrillen ineinander.</p>
+ <p class="line">Kanäleschiffe schnellen rings vorbei</p>
<p class="line">Du balanzierst auf des Gebirges Kante,</p>
<p class="line">Faltest die Kerker, Heilige, entzwei.</p>
</div>
@@ -477,9 +443,9 @@ Emmy
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Du deren Mund an Horizonte knüpfte</p>
- <p class="line">Einst düsteren Dichter &mdash;: er beträumt dich schwer.</p>
- <p class="line">Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen.</p>
+ <p class="line">Du deren Mund an Horizonte knüpfte</p>
+ <p class="line">Einst düsteren Dichter &mdash;: er beträumt dich schwer.</p>
+ <p class="line">Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen.</p>
<p class="line">Versammlerin an kaum betretenem Ort.</p>
</div>
@@ -490,15 +456,15 @@ Emmy
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ja &mdash;: Satzgefüge tollste meißeln dich:</p>
- <p class="line">Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt</p>
- <p class="line">Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Ja &mdash;: Satzgefüge tollste meißeln dich:</p>
+ <p class="line">Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt</p>
+ <p class="line">Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt .&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und diese Hand so schlug <span class="em">sprengt!</span> deine Brüste.</p>
+ <p class="line">Und diese Hand so schlug <span class="em">sprengt!</span> deine Brüste.</p>
<p class="line">O! Jungfrau von Orleans unsere!</p>
- <p class="line">Fahnen: Gesänge hüllen dich.</p>
+ <p class="line">Fahnen: Gesänge hüllen dich.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-3">
@@ -511,29 +477,29 @@ I
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken</p>
+ <p class="line">Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken</p>
<p class="line">Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend.</p>
- <p class="line">Schlägt von der Marmorberge Postament,</p>
- <p class="line">Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:</p>
+ <p class="line">Schlägt von der Marmorberge Postament,</p>
+ <p class="line">Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein wenig Mond mit Firmament gemischt,</p>
- <p class="line">Stöße von Nacht und Träume Intervallen.</p>
- <p class="line">Daß seine Augen auf die Städte fallen,</p>
- <p class="line">Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.</p>
+ <p class="line">Stöße von Nacht und Träume Intervallen.</p>
+ <p class="line">Daß seine Augen auf die Städte fallen,</p>
+ <p class="line">Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken</p>
- <p class="line">Der gleich Palästen aufgestauten Brücken.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken</p>
+ <p class="line">Der gleich Palästen aufgestauten Brücken.</p>
<p class="line">Alleeen rinnen hoch der Finsternis,</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis.</p>
- <p class="line">Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt</p>
- <p class="line">Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.</p>
+ <p class="line">Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis.</p>
+ <p class="line">Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt</p>
+ <p class="line">Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-3-2">
@@ -541,29 +507,29 @@ II
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten</p>
- <p class="line">Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt.</p>
+ <p class="line">Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten</p>
+ <p class="line">Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt.</p>
<p class="line">Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden.</p>
- <p class="line">Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.</p>
+ <p class="line">Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare.</p>
- <p class="line">In Ohres Muscheln flüstern Samoware.</p>
- <p class="line">Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut.</p>
+ <p class="line">In Ohres Muscheln flüstern Samoware.</p>
+ <p class="line">Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut.</p>
<p class="line">Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet.</p>
- <p class="line">Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet.</p>
+ <p class="line">Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet.</p>
<p class="line">Von Cymbeln hingerafft ins Blau .&nbsp;.&nbsp;. Noch fand</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">An ihren Lippen Ruh die steife Hand.</p>
- <p class="line">Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft.</p>
- <p class="line">Als hieß es heut zum erstenmal: &bdquo;Ihr dürft .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;</p>
+ <p class="line">Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft.</p>
+ <p class="line">Als hieß es heut zum erstenmal: &bdquo;Ihr dürft .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-3-3">
@@ -572,27 +538,27 @@ III
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne,</p>
- <p class="line">Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten:</p>
- <p class="line">Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten,</p>
+ <p class="line">Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne,</p>
+ <p class="line">Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten:</p>
+ <p class="line">Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten,</p>
<p class="line">Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung</p>
- <p class="line">Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon.</p>
+ <p class="line">Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung</p>
+ <p class="line">Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon.</p>
<p class="line">Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon.</p>
- <p class="line">Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung</p>
+ <p class="line">Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nur manchmal. Horizonte Ungefähres</p>
- <p class="line">Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken.</p>
- <p class="line">Um ihretwillen müssen Damen schminken,</p>
+ <p class="line">Nur manchmal. Horizonte Ungefähres</p>
+ <p class="line">Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken.</p>
+ <p class="line">Um ihretwillen müssen Damen schminken,</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres</p>
+ <p class="line">Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres</p>
<p class="line">Zerrissenes Oval. Asyle stinken.</p>
<p class="line">Sie <span class="em">steht!</span> Ihr die Verrufenen winken &mdash; &mdash;.</p>
</div>
@@ -602,27 +568,27 @@ IV
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger</p>
+ <p class="line">Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger</p>
<p class="line">Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn.</p>
- <p class="line">Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn.</p>
- <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
+ <p class="line">Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn.</p>
+ <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen.</p>
+ <p class="line">Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen.</p>
<p class="line">Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen.</p>
- <p class="line">Aus Augen Waben träuft ein Honigmet.</p>
- <p class="line">Geborstene Schatten winken noch .&nbsp;.&nbsp;. zu spät.</p>
+ <p class="line">Aus Augen Waben träuft ein Honigmet.</p>
+ <p class="line">Geborstene Schatten winken noch .&nbsp;.&nbsp;. zu spät.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier</p>
- <p class="line">Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) &mdash;: Wir!!</p>
- <p class="line">Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.</p>
+ <p class="line">Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier</p>
+ <p class="line">Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) &mdash;: Wir!!</p>
+ <p class="line">Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen</p>
+ <p class="line">Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen</p>
<p class="line">Er schaukelt, dreht .&nbsp;.&nbsp;. gleitend hinabgezogen.</p>
<p class="line">Bis ers Finale der Posaunen bringt.</p>
</div>
@@ -633,11 +599,11 @@ An C.
</h2>
<p class="motto2">
-Manchmal meine ich, Du könntest
+Manchmal meine ich, Du könntest
eine Geschichte aus mir machen und
mir ist, als ob das Sterben, jetzt
-oder später, leichter würde, wenn
-man weiß: ich selber konnte wohl
+oder später, leichter würde, wenn
+man weiß: ich selber konnte wohl
nichts tun, aber es geschah irgend
etwas durch mich.
</p>
@@ -648,16 +614,16 @@ C.
<div class="poem">
<p class="line">Der Nacht quoll: schief verworren</p>
- <p class="line">Wölbt sich jetzt Morgen grad.</p>
+ <p class="line">Wölbt sich jetzt Morgen grad.</p>
<p class="line">Du kannst ihn schreiten sehen</p>
<p class="line">Ganz Wind und Schwebezeit.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Sein Aug umstreichen Flüsse.</p>
- <p class="line">Tosender Wälder Schwung</p>
+ <p class="line">Sein Aug umstreichen Flüsse.</p>
+ <p class="line">Tosender Wälder Schwung</p>
<p class="line">Flackt um der Berge Schulter.</p>
- <p class="line">Des Tages Purpurküsse.</p>
+ <p class="line">Des Tages Purpurküsse.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -668,25 +634,25 @@ C.
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Aus Lilienfinger geußt dem</p>
- <p class="line">Gekrümmten Schwangeren Balsam.</p>
- <p class="line">Säuglingen, den Asylen</p>
- <p class="line">Träuft er der Lippen Brod.</p>
+ <p class="line">Aus Lilienfinger geußt dem</p>
+ <p class="line">Gekrümmten Schwangeren Balsam.</p>
+ <p class="line">Säuglingen, den Asylen</p>
+ <p class="line">Träuft er der Lippen Brod.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. einst stürzten Worte Unflat,</p>
- <p class="line">Nun schmilzt ein Mond im Tönen.</p>
- <p class="line">Wie Quell springts aus der Flöte Horn.</p>
- <p class="line">Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
+ <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. einst stürzten Worte Unflat,</p>
+ <p class="line">Nun schmilzt ein Mond im Tönen.</p>
+ <p class="line">Wie Quell springts aus der Flöte Horn.</p>
+ <p class="line">Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du kannst ihn schreiten sehen</p>
<p class="line">&mdash; die goldenen Wagen rauschen &mdash;</p>
<p class="line">Mit schmetterndem Tempostampfen,</p>
- <p class="line">Wo sich vor brüchigem Tor</p>
- <p class="line">Sein Volk in den Azur löst.</p>
+ <p class="line">Wo sich vor brüchigem Tor</p>
+ <p class="line">Sein Volk in den Azur löst.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-4-1">
@@ -697,54 +663,54 @@ II
<div class="poem">
<p class="line">Mond im Fluten Traums verweht,</p>
<p class="line">Nachtigallen dich besuchen.</p>
- <p class="line">Wickelst dich aus schweißigem Tuche,</p>
- <p class="line">Tanzest auf Balkonen spät,</p>
+ <p class="line">Wickelst dich aus schweißigem Tuche,</p>
+ <p class="line">Tanzest auf Balkonen spät,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Flackert noch ob dem Staket</p>
<p class="line">Morgens klein der bunte Shawl.</p>
- <p class="line">Purpurküsse ausgesät</p>
- <p class="line">Schlürft er in den Städten fahl.</p>
+ <p class="line">Purpurküsse ausgesät</p>
+ <p class="line">Schlürft er in den Städten fahl.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">In der Autos Röcheltuten</p>
- <p class="line">Gluckst ihm dünn dein Husten ganz.</p>
+ <p class="line">In der Autos Röcheltuten</p>
+ <p class="line">Gluckst ihm dünn dein Husten ganz.</p>
<p class="line">Sprengt er laut entzwei die Buden.</p>
<p class="line">Zirpt der Karusselle Kranz.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">&bdquo;.&nbsp;.&nbsp;. Jäh in Huren die hohl kichern</p>
- <p class="line">Schnappt dein höchster Triller über.</p>
- <p class="line">Rette uns zu dir hinüber</p>
+ <p class="line">&bdquo;.&nbsp;.&nbsp;. Jäh in Huren die hohl kichern</p>
+ <p class="line">Schnappt dein höchster Triller über.</p>
+ <p class="line">Rette uns zu dir hinüber</p>
<p class="line">Engel .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo; Herbstlaub wischt der Dichter.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Unter Türen, Räderspeichen</p>
- <p class="line">Kauert brüchig das Gebild.</p>
+ <p class="line">Unter Türen, Räderspeichen</p>
+ <p class="line">Kauert brüchig das Gebild.</p>
<p class="line">Harfenfinger in die Leichen</p>
- <p class="line">Krallt es schüttelnd, tönend wild.</p>
+ <p class="line">Krallt es schüttelnd, tönend wild.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">&bdquo;Wiesen streust du aus. Im Gang</p>
- <p class="line">Kräuseln Wälder. Ströme Falten</p>
- <p class="line">Zündeln hoch in mystischem Schwang.</p>
- <p class="line">Kniee stoßen grad basalten.</p>
- <p class="line">Um die Schläfe schmiegt dein Gang.</p>
+ <p class="line">Kräuseln Wälder. Ströme Falten</p>
+ <p class="line">Zündeln hoch in mystischem Schwang.</p>
+ <p class="line">Kniee stoßen grad basalten.</p>
+ <p class="line">Um die Schläfe schmiegt dein Gang.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Langsam schmilzt der Stern ins Haar.</p>
- <p class="line">Flöte summt der Samowar.</p>
+ <p class="line">Flöte summt der Samowar.</p>
<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
- <p class="line">Weite Weite gräbt sich trüber.</p>
- <p class="line">Rollt ein Atem &mdash; Nächte Wind.</p>
- <p class="line">Pferdeaugen blühn im Kind.</p>
- <p class="line">Engel rette uns hinüber! .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;</p>
+ <p class="line">Weite Weite gräbt sich trüber.</p>
+ <p class="line">Rollt ein Atem &mdash; Nächte Wind.</p>
+ <p class="line">Pferdeaugen blühn im Kind.</p>
+ <p class="line">Engel rette uns hinüber! .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-4-2">
@@ -752,68 +718,68 @@ III
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Wir möchten uns begreifen</p>
+ <p class="line">Wir möchten uns begreifen</p>
<p class="line">Hindurch, ja ganz das Unsere</p>
- <p class="line">In tauben Küssen fühlen.</p>
- <p class="line">Das alles: Bett, Fluß, Stühle,</p>
+ <p class="line">In tauben Küssen fühlen.</p>
+ <p class="line">Das alles: Bett, Fluß, Stühle,</p>
<p class="line">Im Haar von Rosa Schleifen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Das aber schreit als Unseres:</p>
- <p class="line">Im Schoß das Haupt zerwühlen,</p>
- <p class="line">Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.</p>
+ <p class="line">Im Schoß das Haupt zerwühlen,</p>
+ <p class="line">Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Oft nächtens wir uns tönend schwingen</p>
- <p class="line">Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum.</p>
- <p class="line">Empor aus Tier und öliger Straße fingen</p>
- <p class="line">Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum.</p>
- <p class="line">Da stürzten Väter borstig-jähe</p>
- <p class="line">Herab den Trunkenen aus den Sphären.</p>
- <p class="line">Schwangere Mütter kreischend scheren</p>
+ <p class="line">Oft nächtens wir uns tönend schwingen</p>
+ <p class="line">Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum.</p>
+ <p class="line">Empor aus Tier und öliger Straße fingen</p>
+ <p class="line">Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum.</p>
+ <p class="line">Da stürzten Väter borstig-jähe</p>
+ <p class="line">Herab den Trunkenen aus den Sphären.</p>
+ <p class="line">Schwangere Mütter kreischend scheren</p>
<p class="line">Ihm ab der Locken Schnee.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Das Grab klafft uns bereitet.</p>
- <p class="line">Flößte uns Gifte ein im Trunk.</p>
+ <p class="line">Flößte uns Gifte ein im Trunk.</p>
<p class="line">In Herbst-Laub fahl gekleidet</p>
- <p class="line">Wir schwieren in der Dämmerung</p>
- <p class="line">Der großen Städte. Quollen</p>
- <p class="line">Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot.</p>
- <p class="line">Man Nebel schlürft zum Abend-Brot.</p>
- <p class="line">Die Därme gleich Fabriken schollen.</p>
+ <p class="line">Wir schwieren in der Dämmerung</p>
+ <p class="line">Der großen Städte. Quollen</p>
+ <p class="line">Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot.</p>
+ <p class="line">Man Nebel schlürft zum Abend-Brot.</p>
+ <p class="line">Die Därme gleich Fabriken schollen.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
- <p class="line">Und Echo brüllte tausendfach.</p>
+ <p class="line">Und Echo brüllte tausendfach.</p>
<p class="line">Da rinnen Augen klein. Erwacht</p>
- <p class="line">Des Engels Daseins-Blüte?!</p>
- <p class="line">Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich</p>
+ <p class="line">Des Engels Daseins-Blüte?!</p>
+ <p class="line">Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich</p>
<p class="line">Bog ab der Brust den Messer-Stich.</p>
- <p class="line">Neu formt er Rock und Hüte.</p>
+ <p class="line">Neu formt er Rock und Hüte.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wie Bläue hell durchs Land geweitet</p>
- <p class="line">Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl.</p>
+ <p class="line">Wie Bläue hell durchs Land geweitet</p>
+ <p class="line">Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl.</p>
<p class="line">Am Firmament heroisch schreiten</p>
- <p class="line">Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.</p>
+ <p class="line">Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-5">
<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
-Ekstasen der Zärtlichkeit
+Ekstasen der Zärtlichkeit
</h2>
<p class="motto">
Du Einzige,<br />
Die mich verstand<br />
-Die meine glühenden Verbrechen<br />
+Die meine glühenden Verbrechen<br />
Selig verwand.<br />
-Die meinen tiefen Schöpfergram<br />
+Die meinen tiefen Schöpfergram<br />
Ins Heilige gemildert<br />
-In ihren Geist hinübernahm.
+In ihren Geist hinübernahm.
</p>
<p class="sign">
@@ -825,55 +791,55 @@ I
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln.</p>
- <p class="line">Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau.</p>
- <p class="line">Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen.</p>
+ <p class="line">Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln.</p>
+ <p class="line">Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau.</p>
+ <p class="line">Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen.</p>
<p class="line">Turban deines Haupts &mdash;: Spirale blumigen Regenbogenflusses.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">So müssen immer Städte dich besingen,</p>
- <p class="line">Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei,</p>
+ <p class="line">So müssen immer Städte dich besingen,</p>
+ <p class="line">Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei,</p>
<p class="line">Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen.</p>
- <p class="line">Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.</p>
+ <p class="line">Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband schlicht.</p>
- <p class="line">Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner Lippen blüht.</p>
- <p class="line">Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich löste.</p>
- <p class="line">Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.</p>
+ <p class="line">Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband schlicht.</p>
+ <p class="line">Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner Lippen blüht.</p>
+ <p class="line">Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich löste.</p>
+ <p class="line">Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden sie sich.</p>
- <p class="line">Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht</p>
+ <p class="line">Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden sie sich.</p>
+ <p class="line">Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht</p>
<p class="line">Weich beraunt .&nbsp;.&nbsp;. O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch umkreiselnd!</p>
<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
- <p class="line">Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die Planke deiner Hüfte.</p>
+ <p class="line">Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die Planke deiner Hüfte.</p>
<p class="line">Oft. Und einer um den anderen.</p>
<p class="line">Je nachdem .&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen,</p>
- <p class="line">Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß.</p>
- <p class="line">Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen,</p>
- <p class="line">Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.</p>
+ <p class="line">Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen,</p>
+ <p class="line">Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß.</p>
+ <p class="line">Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen,</p>
+ <p class="line">Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern,</p>
<p class="line">Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild.</p>
- <p class="line">Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände:</p>
- <p class="line">Atem dein auch glättend den Berserker wild.</p>
+ <p class="line">Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände:</p>
+ <p class="line">Atem dein auch glättend den Berserker wild.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Mütter so dich immer wiederholen:</p>
- <p class="line">Schreiterin im sprühenden Ornat.</p>
+ <p class="line">Mütter so dich immer wiederholen:</p>
+ <p class="line">Schreiterin im sprühenden Ornat.</p>
<p class="line">Vielecksonnen breiten auf den Wangen,</p>
- <p class="line">Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.</p>
+ <p class="line">Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-1-5-2">
@@ -881,38 +847,38 @@ II
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. und immer muß sie aus Geräuschen brodeln,</p>
- <p class="line">Hinflutend auch im großen Nächtewind.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. und immer muß sie aus Geräuschen brodeln,</p>
+ <p class="line">Hinflutend auch im großen Nächtewind.</p>
<p class="line">Symphonisch Klirren der entfachten Fenster</p>
- <p class="line">Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.</p>
+ <p class="line">Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich.</p>
- <p class="line">Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten.</p>
- <p class="line">Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich,</p>
- <p class="line">Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.</p>
+ <p class="line">Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich.</p>
+ <p class="line">Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten.</p>
+ <p class="line">Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich,</p>
+ <p class="line">Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will,</p>
- <p class="line">Der von der Brück ab in den Äther springt.</p>
+ <p class="line">Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will,</p>
+ <p class="line">Der von der Brück ab in den Äther springt.</p>
<p class="line">Die Transparente blitzen deinen Namen.</p>
- <p class="line">Du aller Kinos dröhnendes Plakat.</p>
+ <p class="line">Du aller Kinos dröhnendes Plakat.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
<p class="line">Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen,</p>
- <p class="line">Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält.</p>
- <p class="line">Auf Bänken Strolche sich in dir verankern.</p>
- <p class="line">Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.</p>
+ <p class="line">Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält.</p>
+ <p class="line">Auf Bänken Strolche sich in dir verankern.</p>
+ <p class="line">Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten,</p>
- <p class="line">Weit Menschenvölker spielend miteinand.</p>
- <p class="line">Die müssen bunte Fahnen um dich flattern.</p>
+ <p class="line">Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten,</p>
+ <p class="line">Weit Menschenvölker spielend miteinand.</p>
+ <p class="line">Die müssen bunte Fahnen um dich flattern.</p>
<p class="line">Muster eingewoben dem Gewand.</p>
</div>
@@ -921,47 +887,47 @@ III
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder.</p>
- <p class="line">Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell.</p>
- <p class="line">Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen.</p>
- <p class="line">Geborstene Städte &mdash; brüllende! &mdash; Schalmei.</p>
+ <p class="line">Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder.</p>
+ <p class="line">Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell.</p>
+ <p class="line">Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen.</p>
+ <p class="line">Geborstene Städte &mdash; brüllende! &mdash; Schalmei.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und Niederknallen blökender Idioten &mdash;</p>
- <p class="line">Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln &mdash;</p>
- <p class="line">Und Liebender Geflüster vom Kanal &mdash;</p>
+ <p class="line">Und Niederknallen blökender Idioten &mdash;</p>
+ <p class="line">Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln &mdash;</p>
+ <p class="line">Und Liebender Geflüster vom Kanal &mdash;</p>
<p class="line">So buntgeflickte Segel hissen dich!!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Er wird dich durch die vielen Länder tragen</p>
+ <p class="line">Er wird dich durch die vielen Länder tragen</p>
<p class="line">Der junge Dichter, strahlende um ihn.</p>
- <p class="line">Ein Himalaya muß er tönend ragen,</p>
- <p class="line">Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen,</p>
- <p class="line">Zu dessen Füßen neue Städte knien.</p>
+ <p class="line">Ein Himalaya muß er tönend ragen,</p>
+ <p class="line">Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen,</p>
+ <p class="line">Zu dessen Füßen neue Städte knien.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder.</p>
- <p class="line">Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz.</p>
+ <p class="line">Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz.</p>
<p class="line">Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern.</p>
- <p class="line">Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell.</p>
- <p class="line">Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden,</p>
+ <p class="line">Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell.</p>
+ <p class="line">Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden,</p>
<p class="line">Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern</p>
+ <p class="line">Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern</p>
<p class="line">Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
<p class="line">Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern.</p>
- <p class="line">Nun werden sich die alten Staaten häuten.</p>
- <p class="line">Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild.</p>
- <p class="line">Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer.</p>
+ <p class="line">Nun werden sich die alten Staaten häuten.</p>
+ <p class="line">Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild.</p>
+ <p class="line">Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer.</p>
<p class="line">Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer.</p>
</div>
@@ -970,107 +936,107 @@ IV
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Du Hüterin! .&nbsp;.&nbsp;. Da reißt sich schief</p>
- <p class="line">Grimassenhäuser Front, da packen</p>
- <p class="line">Der Gäule Hufe ins Gehirn.</p>
+ <p class="line">Du Hüterin! .&nbsp;.&nbsp;. Da reißt sich schief</p>
+ <p class="line">Grimassenhäuser Front, da packen</p>
+ <p class="line">Der Gäule Hufe ins Gehirn.</p>
<p class="line">Ein Dom treibt Widerhaken.</p>
- <p class="line">Du Hüterin .&nbsp;.&nbsp;. Die ziehst du all</p>
- <p class="line">Heraus magnetischer Streichelhände.</p>
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. O Haupt im Tabernackelschoß .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Laß mich, dir gut, vollenden!</p>
+ <p class="line">Du Hüterin .&nbsp;.&nbsp;. Die ziehst du all</p>
+ <p class="line">Heraus magnetischer Streichelhände.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. O Haupt im Tabernackelschoß .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Laß mich, dir gut, vollenden!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht</p>
- <p class="line">Peitscht an, rings Züge sausen.</p>
+ <p class="line">Peitscht an, rings Züge sausen.</p>
<p class="line">Ein lilabrauner Himmel schwer</p>
<p class="line">Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer.</p>
<p class="line">Gespenstertote hausen.</p>
- <p class="line">Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht</p>
- <p class="line">In längsten Samumstößen.</p>
+ <p class="line">Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht</p>
+ <p class="line">In längsten Samumstößen.</p>
<p class="line">Es stockt und ebbt schon der Tumult:</p>
<p class="line">Melodisch schwemmen Abendfluren.</p>
<p class="line">Wir Fabelschiffe wiegen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">&mdash; Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß.</p>
+ <p class="line">&mdash; Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß.</p>
<p class="line">Wie ist er da entsprossen!</p>
<p class="line">Gleich Fahne flackert dessen Hos.</p>
<p class="line">Vorbei die Kugeln spritzten.</p>
<p class="line">Von dir gedacht er: so gefeit.</p>
- <p class="line">Gestauter Welt ein Zünder.</p>
+ <p class="line">Gestauter Welt ein Zünder.</p>
<p class="line">Die Arme wehen Signale weit.</p>
- <p class="line">Ekstatischer Verkünder!!!</p>
+ <p class="line">Ekstatischer Verkünder!!!</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
- <p class="line">O Einsamkeit &mdash; jetzt überwand</p>
- <p class="line">Dich heißestes Zerdringen.</p>
+ <p class="line">O Einsamkeit &mdash; jetzt überwand</p>
+ <p class="line">Dich heißestes Zerdringen.</p>
<p class="line">Mein Prisma du, von mir durchbrannt</p>
<p class="line">Zu tausend Strahlen schwingend.</p>
<p class="line">Du streichest aus der Frauen dumpf</p>
<p class="line">Gehock. Kristallenen Klumpen knetend,</p>
- <p class="line">Jäh meiner Brust: finster geballt.</p>
+ <p class="line">Jäh meiner Brust: finster geballt.</p>
<p class="line">Ein Labyrinth von Schimmelwald,</p>
- <p class="line">Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.</p>
+ <p class="line">Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wir kehren nicht zurück zum Schoß,</p>
- <p class="line">Gen Scharlachdämmerungen.</p>
+ <p class="line">Wir kehren nicht zurück zum Schoß,</p>
+ <p class="line">Gen Scharlachdämmerungen.</p>
<p class="line">Vom Fundament wir bauten los</p>
- <p class="line">Uns. Tod ward übersprungen.</p>
- <p class="line">Du Brücke aus der Nacht Revier &mdash;</p>
+ <p class="line">Uns. Tod ward übersprungen.</p>
+ <p class="line">Du Brücke aus der Nacht Revier &mdash;</p>
<p class="line">Geharnischte Winter schlagen.</p>
<p class="line">Wir schweben fest! Der Kragen</p>
- <p class="line">Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.</p>
+ <p class="line">Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du Engel an der Pforte.</p>
- <p class="line">So bin ich aufgeschält.</p>
- <p class="line">Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte.</p>
+ <p class="line">So bin ich aufgeschält.</p>
+ <p class="line">Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte.</p>
<p class="line">An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld.</p>
- <p class="line">Verhüllte Meere knistern</p>
+ <p class="line">Verhüllte Meere knistern</p>
<p class="line">Herein, der Donner breiter Takt.</p>
- <p class="line">Wir aber landeten an Küsten</p>
- <p class="line">Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.</p>
+ <p class="line">Wir aber landeten an Küsten</p>
+ <p class="line">Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du klaffst: des Eilands Brunnen,</p>
- <p class="line">Daraus der reine Mann sich schöpft.</p>
+ <p class="line">Daraus der reine Mann sich schöpft.</p>
<p class="line">Nah Aeroplane knurren.</p>
<p class="line">Ein Sterngewimmel tropft.</p>
- <p class="line">Von schaukelnden Tribünen</p>
+ <p class="line">Von schaukelnden Tribünen</p>
<p class="line">Gleich Flamm der Dichter loht:</p>
- <p class="line">Der Völker Psalmenhort,</p>
+ <p class="line">Der Völker Psalmenhort,</p>
<p class="line">Die rings um ihn wie Herden dehnen.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
- <p class="line">Ja &mdash;: brüderlich Verschmelzen!</p>
+ <p class="line">Ja &mdash;: brüderlich Verschmelzen!</p>
<p class="line">Nicht einsam, sondern <span class="em">jeder</span> sein!</p>
<p class="line">Abschraubt des Hochmuts Stelze!</p>
<p class="line">Fahrt in die Huren ein!</p>
<p class="line">(Schraubt euch auch dumm und klein!)</p>
<p class="line">Der Mantel wie ein Drahtzaun</p>
- <p class="line">Schlingt sich um unsere Hüfte.</p>
+ <p class="line">Schlingt sich um unsere Hüfte.</p>
<p class="line">O lasset uns restlos vertrauen!</p>
- <p class="line">Geschminkte Masken lüften!!</p>
+ <p class="line">Geschminkte Masken lüften!!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du hast es ihm vollbracht:</p>
- <p class="line">O brüderlich Verschmelzen.</p>
+ <p class="line">O brüderlich Verschmelzen.</p>
<p class="line">Nacht schwillt: Lampione-Nacht.</p>
- <p class="line">Geteerte Sommer wälzen.</p>
- <p class="line">Wir blättern strahlend Fächer.</p>
- <p class="line">Von deiner Augen Süßsee</p>
- <p class="line">Schlürft oft der Lippe Mal.</p>
+ <p class="line">Geteerte Sommer wälzen.</p>
+ <p class="line">Wir blättern strahlend Fächer.</p>
+ <p class="line">Von deiner Augen Süßsee</p>
+ <p class="line">Schlürft oft der Lippe Mal.</p>
</div>
<p class="dedication">
@@ -1079,44 +1045,44 @@ Frau Else Hadwiger gewidmet
<h2 class="chapter" id="chapter-1-6">
<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-Gehaßte Frau
+Gehaßte Frau
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">&bdquo;.&nbsp;.&nbsp;. So wiß es &mdash;: daß ich nachts die Straßen jage:</p>
+ <p class="line">&bdquo;.&nbsp;.&nbsp;. So wiß es &mdash;: daß ich nachts die Straßen jage:</p>
<p class="line">Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir!</p>
- <p class="line">Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend</p>
+ <p class="line">Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend</p>
<p class="line">Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!)</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend.</p>
- <p class="line">Die Gäule wiehern ironischen Salut.</p>
+ <p class="line">Die Gäule wiehern ironischen Salut.</p>
<p class="line">Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend.</p>
- <p class="line">Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.</p>
+ <p class="line">Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Grandioses Vieh .&nbsp;.&nbsp;. wo dick dein Atem webt,</p>
- <p class="line">Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule.</p>
- <p class="line">Und ich! Und ich! .&nbsp;.&nbsp;. Es schnappen tausend Mäuler:</p>
- <p class="line">Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.</p>
+ <p class="line">Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule.</p>
+ <p class="line">Und ich! Und ich! .&nbsp;.&nbsp;. Es schnappen tausend Mäuler:</p>
+ <p class="line">Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Grandioses Vieh .&nbsp;.&nbsp;. Ins Kugellager des Gehirns verwachsen.</p>
<p class="line">Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt.</p>
<p class="line">So schreite aus &mdash;: den abrasierten Kopf</p>
- <p class="line">Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.</p>
+ <p class="line">Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Grandioses Vieh .&nbsp;.&nbsp;. gehetzt wir schleifen durch Lokale.</p>
<p class="line">O wie ich greif und greif nach tausend Skalen.</p>
- <p class="line">Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft.</p>
+ <p class="line">Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft.</p>
<p class="line">Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen.</p>
<p class="line">Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen</p>
- <p class="line">Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!&ldquo;</p>
+ <p class="line">Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!&ldquo;</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-7">
@@ -1129,32 +1095,32 @@ I
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p>
+ <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p>
<p class="line">Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt.</p>
- <p class="line">Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter.</p>
- <p class="line">Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt.</p>
- <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p>
+ <p class="line">Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter.</p>
+ <p class="line">Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt.</p>
+ <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Verlerntet ihr es &mdash;: bogenes Streicheln kühl?!</p>
+ <p class="line">Verlerntet ihr es &mdash;: bogenes Streicheln kühl?!</p>
<p class="line">Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen.</p>
<p class="line">Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt.</p>
<p class="line">Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen.</p>
- <p class="line">Die ihr verlernt es &mdash;: bogenes Streicheln kühl.</p>
+ <p class="line">Die ihr verlernt es &mdash;: bogenes Streicheln kühl.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p>
+ <p class="line">Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p>
<p class="line">Haubitzenloch der Sintflut Arie blies.</p>
- <p class="line">Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte.</p>
- <p class="line">Die Toten sprechen manchmal im Verließ.</p>
- <p class="line">Ja &mdash;: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p>
- <p class="line">Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander!</p>
- <p class="line">Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte Höllenpein!</p>
- <p class="line">Zu neuen Küsten &mdash;: Aufbruch! Zug und Landung!</p>
- <p class="line"><span class="em">Es müssen Brüder sein!!!</span></p>
- <p class="line">Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte.</p>
+ <p class="line">Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte.</p>
+ <p class="line">Die Toten sprechen manchmal im Verließ.</p>
+ <p class="line">Ja &mdash;: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p>
+ <p class="line">Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander!</p>
+ <p class="line">Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte Höllenpein!</p>
+ <p class="line">Zu neuen Küsten &mdash;: Aufbruch! Zug und Landung!</p>
+ <p class="line"><span class="em">Es müssen Brüder sein!!!</span></p>
+ <p class="line">Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte.</p>
<p class="line">Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch &mdash;:</p>
<p class="line">Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein.</p>
</div>
@@ -1166,25 +1132,25 @@ II
<div class="poem">
<p class="line">Namenlose alle! Nicht Gesagte!</p>
<p class="line">Wo, wo trifft man euer Angesicht?!</p>
- <p class="line">Euch zu sammeln ist es längst zu spät?!</p>
+ <p class="line">Euch zu sammeln ist es längst zu spät?!</p>
<p class="line"><span class="em">Klafft</span> es heulend &mdash;: jenes Angesicht &mdash;</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
- <p class="line">Von der Häuser Löcher übersät.</p>
- <p class="line">Von Kanälen kreuz und quer gekerbt.</p>
- <p class="line">Von dem Plätze-Pickel bös zernagt.</p>
- <p class="line">Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.</p>
+ <p class="line">Von der Häuser Löcher übersät.</p>
+ <p class="line">Von Kanälen kreuz und quer gekerbt.</p>
+ <p class="line">Von dem Plätze-Pickel bös zernagt.</p>
+ <p class="line">Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Langsam muß der Dichter euch entgleiten,</p>
+ <p class="line">Langsam muß der Dichter euch entgleiten,</p>
<p class="line">Viel zu lange schon bei euch verweilt.</p>
<p class="line">Donner rast. Ein endlos Messer flicht</p>
- <p class="line">Sich dem Körper ein. Granate bricht.</p>
+ <p class="line">Sich dem Körper ein. Granate bricht.</p>
<p class="line">Hoch den Dolomiten die sich seilen.</p>
- <p class="line">Euch umrankend hat er übersehn</p>
+ <p class="line">Euch umrankend hat er übersehn</p>
<p class="line">Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand.</p>
<p class="line">Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen.</p>
<p class="line">Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand.</p>
@@ -1192,19 +1158,19 @@ II
<div class="poem">
<p class="line">Fahnen schwebet nach ihm euer Winken.</p>
- <p class="line">Welche Stunde bringt uns einst zurück?!</p>
+ <p class="line">Welche Stunde bringt uns einst zurück?!</p>
<p class="line">Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend</p>
- <p class="line">Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt.</p>
+ <p class="line">Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt.</p>
<p class="line">Ach, wir waren nur uns Opfer beide:</p>
- <p class="line">Ausgeplündert oder überzückt.</p>
- <p class="line">Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid.</p>
- <p class="line">Ohne Schmerzen kehren wir zurück.</p>
+ <p class="line">Ausgeplündert oder überzückt.</p>
+ <p class="line">Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid.</p>
+ <p class="line">Ohne Schmerzen kehren wir zurück.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet</p>
- <p class="line">Unserer Körper eingefallener Bau.</p>
- <p class="line">Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen!</p>
+ <p class="line">Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet</p>
+ <p class="line">Unserer Körper eingefallener Bau.</p>
+ <p class="line">Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen!</p>
<p class="line">Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt.</p>
<p class="line">Regenbogen in die Landschaft malend</p>
<p class="line">Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt.</p>
@@ -1216,7 +1182,7 @@ II
<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
Zweiter Teil<br />
&nbsp;<br />
-Verbrüderung
+Verbrüderung
</h1>
<p class="motto">
@@ -1229,21 +1195,21 @@ Mirabeau, 1. Mai 1789
<h2 class="chapter" id="chapter-2-1">
<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-Getötetem Freund · Vermächtnis<br />
+Getötetem Freund · Vermächtnis<br />
des sterbenden Soldaten
</h2>
<p class="motto2">
Um den 30. Juli 1915 herum fiel &mdash; gegen Frankreich
-verschickt &mdash; der vierundzwanzigjährige jüdische
+verschickt &mdash; der vierundzwanzigjährige jüdische
Handlungsreisende (mir Freund und Dichter)
-Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht
-daß er sich noch kühn selbst gelang, aber immerhin
-der Wenigen einer, die disziplinvoll genug, erkämpftestem
-Führer vertrauend sich anschlossen.
+Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht
+daß er sich noch kühn selbst gelang, aber immerhin
+der Wenigen einer, die disziplinvoll genug, erkämpftestem
+Führer vertrauend sich anschlossen.
2. bayrisches Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten
-der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß &mdash;:
-euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn &mdash;
+der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß &mdash;:
+euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn &mdash;
Geist vom Geist!
</p>
@@ -1253,27 +1219,27 @@ I
<div class="poem">
<p class="line">O Morgen der uns Hyazinthe scheint!</p>
- <p class="line">Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber.</p>
- <p class="line">Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber,</p>
- <p class="line">Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein</p>
+ <p class="line">Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber.</p>
+ <p class="line">Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber,</p>
+ <p class="line">Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth.</p>
+ <p class="line">Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth.</p>
<p class="line">Ihr bei Loretto .&nbsp;.! Gase Pest</p>
- <p class="line">Steigt Gloriole grause an dem Hügel.</p>
- <p class="line">Da &mdash; erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!</p>
+ <p class="line">Steigt Gloriole grause an dem Hügel.</p>
+ <p class="line">Da &mdash; erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Aufschweben wir umsäumt von rosenem West.</p>
+ <p class="line">Aufschweben wir umsäumt von rosenem West.</p>
<p class="line">Im Nebel hocken Regimenter blind.</p>
- <p class="line">Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.</p>
+ <p class="line">Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer.</p>
- <p class="line">Hört: führt herauf &mdash; es strahlt! &mdash; zum Totenfest</p>
+ <p class="line">Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer.</p>
+ <p class="line">Hört: führt herauf &mdash; es strahlt! &mdash; zum Totenfest</p>
<p class="line"><span class="em">Europa!!</span> Blut kitt ungeheuerst!!!</p>
</div>
@@ -1282,10 +1248,10 @@ II
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen &mdash;</p>
- <p class="line">Wälder, und Räume einer heiligen Saat!</p>
+ <p class="line">Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen &mdash;</p>
+ <p class="line">Wälder, und Räume einer heiligen Saat!</p>
<p class="line">Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen</p>
- <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p>
+ <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-2-1-3">
@@ -1294,39 +1260,39 @@ III
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane.</p>
- <p class="line">Vor weißer Küste fraß uns der Taifun.</p>
+ <p class="line">Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane.</p>
+ <p class="line">Vor weißer Küste fraß uns der Taifun.</p>
<p class="line">In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen.</p>
- <p class="line">Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.</p>
+ <p class="line">Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme,</p>
- <p class="line">Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau.</p>
- <p class="line">Die Kathedrale, deren Türme stemmen</p>
+ <p class="line">Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme,</p>
+ <p class="line">Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau.</p>
+ <p class="line">Die Kathedrale, deren Türme stemmen</p>
<p class="line">Auf den Azur. Ein Drahtverhau</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend</p>
+ <p class="line">Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend</p>
<p class="line">Das Regiment, elastischer Panzer, zieht</p>
<p class="line">Empor die Serpentine um die Brust. Geleise</p>
<p class="line">Am Horizont nach dem Gestirne kniet.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wie denken wir euch Brüder in den Städten!</p>
+ <p class="line">Wie denken wir euch Brüder in den Städten!</p>
<p class="line">Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt!</p>
<p class="line">Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt.</p>
- <p class="line">Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.</p>
+ <p class="line">Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer.</p>
- <p class="line">Am End der Heros. Vor Europa führt.</p>
- <p class="line">Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer.</p>
+ <p class="line">Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer.</p>
+ <p class="line">Am End der Heros. Vor Europa führt.</p>
+ <p class="line">Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer.</p>
<p class="line">Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer.</p>
- <p class="line">Ja &mdash;: dess Gesang die Massenlöcher schürt.</p>
+ <p class="line">Ja &mdash;: dess Gesang die Massenlöcher schürt.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-2-1-4">
@@ -1342,85 +1308,85 @@ An den General
<p class="line">Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei!</p>
<p class="line">Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich.</p>
<p class="line">Anschob die Faust purpurene Bastei.</p>
- <p class="line">Armeeen stampftest in ein Höllgrab du.</p>
+ <p class="line">Armeeen stampftest in ein Höllgrab du.</p>
<p class="line">Wozu?!</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
- <p class="line">Schon finstere Haufen sich zusammendrängen.</p>
+ <p class="line">Schon finstere Haufen sich zusammendrängen.</p>
<p class="line">Es malmt zu Brei dich heulender Ballast.</p>
- <p class="line">Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen</p>
- <p class="line">Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast.</p>
- <p class="line">Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut.</p>
- <p class="line">Antönt es heut.</p>
+ <p class="line">Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen</p>
+ <p class="line">Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast.</p>
+ <p class="line">Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut.</p>
+ <p class="line">Antönt es heut.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen.</p>
+ <p class="line">Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen.</p>
<p class="line">Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm!</p>
- <p class="line">Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile,</p>
- <p class="line">Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm.</p>
+ <p class="line">Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile,</p>
+ <p class="line">Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm.</p>
<p class="line">Verfluchte ihr des Todes Lieferanten!</p>
<p class="line">Kasernen stranden.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen.</p>
- <p class="line">Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest.</p>
- <p class="line">Ein Vogellüster auf und niederfallen.</p>
+ <p class="line">Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen.</p>
+ <p class="line">Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest.</p>
+ <p class="line">Ein Vogellüster auf und niederfallen.</p>
<p class="line">Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett.</p>
<p class="line">Umarmt von Tieren Menschen ziehen,</p>
- <p class="line">Gestreift süß bunter Melodien.</p>
+ <p class="line">Gestreift süß bunter Melodien.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">&mdash; So will ich gern dir deine Falten glätten.</p>
- <p class="line">Ich fühl mich als des Daseins Untergrund.</p>
- <p class="line">Der mußte uns in Knochenwirrnis betten.</p>
+ <p class="line">&mdash; So will ich gern dir deine Falten glätten.</p>
+ <p class="line">Ich fühl mich als des Daseins Untergrund.</p>
+ <p class="line">Der mußte uns in Knochenwirrnis betten.</p>
<p class="line">Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund,</p>
- <p class="line">Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl:</p>
+ <p class="line">Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl:</p>
<p class="line">Mein General.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-2">
<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
-Der Entfernte · Georg Trakl
+Der Entfernte · Georg Trakl
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p>
+ <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p>
<p class="line">Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.</p>
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt</p>
- <p class="line">Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt</p>
+ <p class="line">Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Betaute Wiege. Doch erwacht er grell</p>
- <p class="line">Matt gießen Mond und Sterne sich herein.</p>
- <p class="line">Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell.</p>
- <p class="line">Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.</p>
+ <p class="line">Matt gießen Mond und Sterne sich herein.</p>
+ <p class="line">Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell.</p>
+ <p class="line">Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche</p>
+ <p class="line">Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche</p>
<p class="line">Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut.</p>
<p class="line">Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen.</p>
- <p class="line">Wie Blasen steigend Böller Festsalut.</p>
+ <p class="line">Wie Blasen steigend Böller Festsalut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Auf einmal dann &mdash;: gestreckte Schlote zischen.</p>
- <p class="line">Andante-Baß der Straße bunter Ton.</p>
- <p class="line">Wo Brüllen .&nbsp;.&nbsp;. Haufen schleifen an. Lang Wischen &mdash;</p>
- <p class="line">Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. &mdash;</p>
+ <p class="line">Andante-Baß der Straße bunter Ton.</p>
+ <p class="line">Wo Brüllen .&nbsp;.&nbsp;. Haufen schleifen an. Lang Wischen &mdash;</p>
+ <p class="line">Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. &mdash;</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p>
+ <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p>
<p class="line">Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.</p>
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. nur manchmal wie umarmend schlägt</p>
- <p class="line">Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. nur manchmal wie umarmend schlägt</p>
+ <p class="line">Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-3">
@@ -1429,40 +1395,40 @@ An den Tyrannen
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Mittelpunkt du rasender Geschwüre!</p>
- <p class="line">Deine Poren brachen auf, nun blähen</p>
- <p class="line">Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen</p>
- <p class="line">Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!</p>
+ <p class="line">Mittelpunkt du rasender Geschwüre!</p>
+ <p class="line">Deine Poren brachen auf, nun blähen</p>
+ <p class="line">Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen</p>
+ <p class="line">Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Völker zogen singend dir zu Füßen</p>
- <p class="line">(Frauen hackend ein der Väter Arm,</p>
+ <p class="line">Völker zogen singend dir zu Füßen</p>
+ <p class="line">(Frauen hackend ein der Väter Arm,</p>
<p class="line">Kindlein flattern an Musiken: Fetzen &mdash;),</p>
- <p class="line">Völker brausen in die Gruft der Schlacht.</p>
+ <p class="line">Völker brausen in die Gruft der Schlacht.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken.</p>
- <p class="line">Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum.</p>
- <p class="line">Große heilige schöne buntere Schiffe,</p>
- <p class="line">Lächelnde Delphine, Prunkpaläste .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken.</p>
+ <p class="line">Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum.</p>
+ <p class="line">Große heilige schöne buntere Schiffe,</p>
+ <p class="line">Lächelnde Delphine, Prunkpaläste .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Schiffe menschbesät, o morgenfrische</p>
- <p class="line">Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen</p>
- <p class="line">Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten &mdash;</p>
- <p class="line">Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.</p>
+ <p class="line">Schiffe menschbesät, o morgenfrische</p>
+ <p class="line">Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen</p>
+ <p class="line">Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten &mdash;</p>
+ <p class="line">Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren,</p>
+ <p class="line">Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren,</p>
<p class="line">Finster rollend ob der Leichen Flur,</p>
- <p class="line">Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Weichen sie doch, zückst du Messer nur!</p>
- <p class="line">Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren</p>
- <p class="line">Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr &mdash; &mdash; &mdash;</p>
+ <p class="line">Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Weichen sie doch, zückst du Messer nur!</p>
+ <p class="line">Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren</p>
+ <p class="line">Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr &mdash; &mdash; &mdash;</p>
<p class="line">Explodier o Raum!</p>
<p class="line">Fern der Menschheit Traum!</p>
<p class="line">Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!!</p>
@@ -1470,14 +1436,14 @@ An den Tyrannen
<div class="poem">
<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
- <p class="line">Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden</p>
- <p class="line">Dich zuend. Noch Salven Höllenflug.</p>
+ <p class="line">Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden</p>
+ <p class="line">Dich zuend. Noch Salven Höllenflug.</p>
<p class="line">Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden.</p>
- <p class="line">Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug!</p>
- <p class="line">Sänge überspülend in Kaskaden</p>
+ <p class="line">Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug!</p>
+ <p class="line">Sänge überspülend in Kaskaden</p>
<p class="line">Monument dich. Auf all Himmel schlug.</p>
- <p class="line">Nebel zünden, rings Gewölk zerrann.</p>
- <p class="line">Arme breiten Völker dir Tyrann!</p>
+ <p class="line">Nebel zünden, rings Gewölk zerrann.</p>
+ <p class="line">Arme breiten Völker dir Tyrann!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-4">
@@ -1490,8 +1456,8 @@ Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem
Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend
und euerer Schande, die ich nackt hinstelle.
Hinauf mit mir: arbeitend ihr und ich.
-Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon.
-Es heißt seine Pflicht tun.
+Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon.
+Es heißt seine Pflicht tun.
</p>
<p class="sign">
@@ -1499,25 +1465,25 @@ Zola
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p>
- <p class="line">Zementene Quadern. Dächer Überfall.</p>
- <p class="line">Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern.</p>
- <p class="line">Der Donnerzüge steilster Kurvenwall.</p>
- <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p>
+ <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p>
+ <p class="line">Zementene Quadern. Dächer Überfall.</p>
+ <p class="line">Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern.</p>
+ <p class="line">Der Donnerzüge steilster Kurvenwall.</p>
+ <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Es starren Dickicht rund die finsteren Völker:</p>
- <p class="line">Dornkranz der wie von Höllen widerscheint.</p>
+ <p class="line">Es starren Dickicht rund die finsteren Völker:</p>
+ <p class="line">Dornkranz der wie von Höllen widerscheint.</p>
<p class="line">Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken.</p>
<p class="line">Die Riesenpyramide aus Gebein.</p>
- <p class="line">So starren Dickicht rund die finsteren Völker.</p>
+ <p class="line">So starren Dickicht rund die finsteren Völker.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter:</p>
- <p class="line">Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt.</p>
- <p class="line">Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er</p>
+ <p class="line">Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt.</p>
+ <p class="line">Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er</p>
<p class="line">Der Hymnische. (&mdash; Du Leite mir und Schirm &mdash; ).</p>
<p class="line">Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter.</p>
</div>
@@ -1525,14 +1491,14 @@ Zola
<div class="poem">
<p class="line">Da knospet auf aus deinem Inselgarten</p>
<p class="line">&mdash; Und strahlt! &mdash; der Menschheit blaue Morgenwelt.</p>
- <p class="line">Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten.</p>
- <p class="line">Ein jeder groß und blühend eingestellt.</p>
+ <p class="line">Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten.</p>
+ <p class="line">Ein jeder groß und blühend eingestellt.</p>
<p class="line">Wir knospen auf aus deinem Inselgarten.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden</p>
- <p class="line">Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie.</p>
+ <p class="line">Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden</p>
+ <p class="line">Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie.</p>
<p class="line">Asyle platzen und Kasernen schwinden,</p>
<p class="line">Durchdrungene von der Brudermelodie.</p>
<p class="line">Purpurnes Schiff! Demokratie!!</p>
@@ -1541,11 +1507,11 @@ Zola
<div class="poem">
<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
<p class="line">Zola &mdash;: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern!</p>
- <p class="line">O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat!</p>
- <p class="line">Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen.</p>
- <p class="line">Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad</p>
+ <p class="line">O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat!</p>
+ <p class="line">Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen.</p>
+ <p class="line">Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad</p>
<p class="line">Hinein in den Tumult und durch! Gewitter</p>
- <p class="line">Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.</p>
+ <p class="line">Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-5">
@@ -1554,231 +1520,231 @@ An den Frieden
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind!</p>
- <p class="line">Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen.</p>
- <p class="line">Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind.</p>
+ <p class="line">O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind!</p>
+ <p class="line">Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen.</p>
+ <p class="line">Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind.</p>
<p class="line">Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Dein Tag &mdash;: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut.</p>
- <p class="line">Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße.</p>
- <p class="line">Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu.</p>
- <p class="line">Fanfarenmünder Halleluja blasen.</p>
+ <p class="line">Dein Tag &mdash;: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut.</p>
+ <p class="line">Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße.</p>
+ <p class="line">Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu.</p>
+ <p class="line">Fanfarenmünder Halleluja blasen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet,</p>
<p class="line">Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein.</p>
<p class="line"><a id="corr-0"></a>Millionen Toter schwarze Fahne weht</p>
- <p class="line">Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.</p>
+ <p class="line">Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!?</p>
+ <p class="line">Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!?</p>
<p class="line">Nein. Menschen wallen Heilige im Chor.</p>
- <p class="line">Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken.</p>
+ <p class="line">Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken.</p>
<p class="line">Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ihr &mdash;: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden!</p>
- <p class="line">Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt</p>
- <p class="line">Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten</p>
+ <p class="line">Ihr &mdash;: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden!</p>
+ <p class="line">Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt</p>
+ <p class="line">Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten</p>
<p class="line">Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt.</p>
- <p class="line">Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt!</p>
- <p class="line">Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!</p>
+ <p class="line">Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt!</p>
+ <p class="line">Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-6">
<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
-Tod des Fliegers über der Stadt
+Tod des Fliegers über der Stadt
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Da &mdash; ein Meteor sich ab die Bombe löste.</p>
- <p class="line">Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt.</p>
- <p class="line">Er aber brüllte an den Engel, daß er höre .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.</p>
+ <p class="line">Da &mdash; ein Meteor sich ab die Bombe löste.</p>
+ <p class="line">Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt.</p>
+ <p class="line">Er aber brüllte an den Engel, daß er höre .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf.</p>
<p class="line">Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn.</p>
- <p class="line">Propelleratem streift ihn, Höllensturm.</p>
- <p class="line">&bdquo;.&nbsp;.&nbsp;. Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;</p>
+ <p class="line">Propelleratem streift ihn, Höllensturm.</p>
+ <p class="line">&bdquo;.&nbsp;.&nbsp;. Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Dann schrieen sie in wirrester Diskussion</p>
- <p class="line">Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen</p>
- <p class="line">Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen.</p>
+ <p class="line">Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen</p>
+ <p class="line">Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen.</p>
<p class="line">Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat</p>
- <p class="line">Und saust und bohrt. Und <span class="em">eines</span> Rauches Säule</p>
- <p class="line">Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen.</p>
- <p class="line">Enorm. Ja &mdash;: eines Rauches Säule grad.</p>
+ <p class="line">Und saust und bohrt. Und <span class="em">eines</span> Rauches Säule</p>
+ <p class="line">Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen.</p>
+ <p class="line">Enorm. Ja &mdash;: eines Rauches Säule grad.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Der Sockel &mdash;: Trichter aufgefüllt mit Kehricht.</p>
- <p class="line">Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt</p>
- <p class="line">Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen</p>
- <p class="line">Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.</p>
+ <p class="line">Der Sockel &mdash;: Trichter aufgefüllt mit Kehricht.</p>
+ <p class="line">Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt</p>
+ <p class="line">Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen</p>
+ <p class="line">Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-7">
<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-Verbrüderung
+Verbrüderung
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Wie geschah, daß nicht zusammenfanden</p>
- <p class="line">Du und du. Daß wir uns einsam-wund</p>
- <p class="line">Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden,</p>
- <p class="line">Kaum erkennend &mdash;: Flügel <span class="em">eines</span> Munds.</p>
- <p class="line">Von erhellten Räumen ausgeschlossen</p>
- <p class="line">Wir Verdammte zu der Straßen Flur.</p>
- <p class="line">Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen,</p>
- <p class="line">Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.</p>
+ <p class="line">Wie geschah, daß nicht zusammenfanden</p>
+ <p class="line">Du und du. Daß wir uns einsam-wund</p>
+ <p class="line">Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden,</p>
+ <p class="line">Kaum erkennend &mdash;: Flügel <span class="em">eines</span> Munds.</p>
+ <p class="line">Von erhellten Räumen ausgeschlossen</p>
+ <p class="line">Wir Verdammte zu der Straßen Flur.</p>
+ <p class="line">Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen,</p>
+ <p class="line">Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O &mdash;: wer hat zuerst dich angesprochen</p>
- <p class="line">Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament</p>
+ <p class="line">Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament</p>
<p class="line">Wer erbaute es?! Zerstochener</p>
<p class="line">Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?!</p>
- <p class="line">Spieen es die Mäuler der Haubitzen</p>
+ <p class="line">Spieen es die Mäuler der Haubitzen</p>
<p class="line">Jenes Urwort belfernden Geschreis?!</p>
- <p class="line">Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?!</p>
- <p class="line">Rollt es mit den Zügen stets vorbei &mdash;?!</p>
+ <p class="line">Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?!</p>
+ <p class="line">Rollt es mit den Zügen stets vorbei &mdash;?!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen</p>
+ <p class="line">Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen</p>
<p class="line">Ein sich spinnen in entfernter Bucht?!</p>
<p class="line">Dostojewskis Feueraugen fressen.</p>
<p class="line">Rasend Tolstoi in der Weite sucht.</p>
- <p class="line">Haben Mütter euch zum Mord geboren?!</p>
+ <p class="line">Haben Mütter euch zum Mord geboren?!</p>
<p class="line">Euer Schicksal &mdash;: schwank und qualgehetzt,</p>
- <p class="line">öffnet, öffnet euerer Brust die Tore,</p>
- <p class="line">Drein Azursee stürzt!!!</p>
+ <p class="line">öffnet, öffnet euerer Brust die Tore,</p>
+ <p class="line">Drein Azursee stürzt!!!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wallen mögen hier die breiten Scharen</p>
- <p class="line">Jener Toten. Düsterer Trommelzug.</p>
- <p class="line">Wald erglänzt von aufgelösten Haaren.</p>
- <p class="line">Münder strecken sich zu Siegfanfaren,</p>
- <p class="line">Langsam steuert schimmernder Brüste Bug.</p>
+ <p class="line">Wallen mögen hier die breiten Scharen</p>
+ <p class="line">Jener Toten. Düsterer Trommelzug.</p>
+ <p class="line">Wald erglänzt von aufgelösten Haaren.</p>
+ <p class="line">Münder strecken sich zu Siegfanfaren,</p>
+ <p class="line">Langsam steuert schimmernder Brüste Bug.</p>
<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
- <p class="line">Rings die Mädchen flattern gleich Libellen.</p>
- <p class="line">Droschkengäule tönend eingereiht.</p>
- <p class="line">Wir Zentrale. Städte, Länder schellen.</p>
- <p class="line">Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.</p>
+ <p class="line">Rings die Mädchen flattern gleich Libellen.</p>
+ <p class="line">Droschkengäule tönend eingereiht.</p>
+ <p class="line">Wir Zentrale. Städte, Länder schellen.</p>
+ <p class="line">Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und so wird die blanke Zukunft tagen:</p>
<p class="line">Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut.</p>
- <p class="line">Keine Frauen an den Männern nagen.</p>
- <p class="line">Freunde schreiten groß und hochgemut.</p>
+ <p class="line">Keine Frauen an den Männern nagen.</p>
+ <p class="line">Freunde schreiten groß und hochgemut.</p>
<p class="line">Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen,</p>
- <p class="line">Auch bespült von stinkichtem Ekelsud.</p>
- <p class="line">Denn &mdash;! die Menschheit ist verrückt,</p>
- <p class="line">Längs und quer zerstückt:</p>
- <p class="line">Räuber-, Mörderbrut.</p>
+ <p class="line">Auch bespült von stinkichtem Ekelsud.</p>
+ <p class="line">Denn &mdash;! die Menschheit ist verrückt,</p>
+ <p class="line">Längs und quer zerstückt:</p>
+ <p class="line">Räuber-, Mörderbrut.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Trotzdem &mdash; überherrlich aufgelassen</p>
- <p class="line">Wälzt durch Münder Schleusen &mdash; gleit o Hass! &mdash;</p>
- <p class="line">Der Gesänge Strom.</p>
+ <p class="line">Trotzdem &mdash; überherrlich aufgelassen</p>
+ <p class="line">Wälzt durch Münder Schleusen &mdash; gleit o Hass! &mdash;</p>
+ <p class="line">Der Gesänge Strom.</p>
<p class="line">Bajonette schwank wie Halmzeug knicken.</p>
- <p class="line">Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend.</p>
+ <p class="line">Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend.</p>
<p class="line">Fetzen Wolken knittert der Pogrom.</p>
<p class="line">O &mdash;: anhebt ein Zueinandereilen.</p>
- <p class="line">Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief.</p>
+ <p class="line">Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief.</p>
<p class="line">Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile.</p>
<p class="line">Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Weiße Dome schweben auch Fabriken.</p>
- <p class="line">Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken.</p>
- <p class="line">Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff.</p>
- <p class="line">Liebende auf weichen Dachgeländen</p>
+ <p class="line">Weiße Dome schweben auch Fabriken.</p>
+ <p class="line">Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken.</p>
+ <p class="line">Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff.</p>
+ <p class="line">Liebende auf weichen Dachgeländen</p>
<p class="line">Sich dem Hostienmond entgegenwenden,</p>
- <p class="line">Immer höher steigt ihr Schiff.</p>
- <p class="line">Spät &mdash;: sie werden sich noch dumpf erinnern</p>
+ <p class="line">Immer höher steigt ihr Schiff.</p>
+ <p class="line">Spät &mdash;: sie werden sich noch dumpf erinnern</p>
<p class="line">Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl,</p>
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. Dörfer knistern. Angeschossene wimmern.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. Dörfer knistern. Angeschossene wimmern.</p>
<p class="line">Marterkinder starben an der Schul.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
- <p class="line">Ja &mdash;: sie müssen sich zusammenfalten</p>
- <p class="line">In die Lüfte ragend silberner Strauß.</p>
+ <p class="line">Ja &mdash;: sie müssen sich zusammenfalten</p>
+ <p class="line">In die Lüfte ragend silberner Strauß.</p>
<p class="line">Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen.</p>
<p class="line">Monument &mdash;: nach Jahren zu bestehen,</p>
- <p class="line">Wieder wenn aus wütig eingekrallten</p>
- <p class="line">Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust.</p>
- <p class="line">Splitternd tanzen um die vielen Plätze</p>
- <p class="line">Mit der Bürger lautestem Märkteschwall.</p>
- <p class="line">Brüder! Unser Odem &mdash;: Leid zu letzen</p>
- <p class="line">Streich zurück den noch gewordenen Knall!!</p>
+ <p class="line">Wieder wenn aus wütig eingekrallten</p>
+ <p class="line">Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust.</p>
+ <p class="line">Splitternd tanzen um die vielen Plätze</p>
+ <p class="line">Mit der Bürger lautestem Märkteschwall.</p>
+ <p class="line">Brüder! Unser Odem &mdash;: Leid zu letzen</p>
+ <p class="line">Streich zurück den noch gewordenen Knall!!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?!</p>
+ <p class="line">Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?!</p>
<p class="line">Wer ist jener, den die Schuld betrifft,</p>
- <p class="line">Daß das Reich nicht zu uns kommt?!</p>
+ <p class="line">Daß das Reich nicht zu uns kommt?!</p>
<p class="line">Aber Lanzen stochern, Hellebarden</p>
- <p class="line">Pflügen auf phantastischer Wolken Trift.</p>
+ <p class="line">Pflügen auf phantastischer Wolken Trift.</p>
<p class="line">Pferde klappern &mdash; &mdash;</p>
- <p class="line">Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter</p>
- <p class="line">In der Städte ödes Schlachtgefild!</p>
- <p class="line">Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!!</p>
+ <p class="line">Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter</p>
+ <p class="line">In der Städte ödes Schlachtgefild!</p>
+ <p class="line">Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!!</p>
<p class="line">Tausend warten wild &mdash; &mdash; &mdash;</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Gott du Zünder, so uns geistwärts führst:</p>
- <p class="line">Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft.</p>
- <p class="line">Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend.</p>
- <p class="line">Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft!</p>
- <p class="line">Morgenküsten nähern sich Spelunken,</p>
+ <p class="line">Gott du Zünder, so uns geistwärts führst:</p>
+ <p class="line">Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft.</p>
+ <p class="line">Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend.</p>
+ <p class="line">Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft!</p>
+ <p class="line">Morgenküsten nähern sich Spelunken,</p>
<p class="line">Schmelzend ein Asyl.</p>
- <p class="line">Ihr &mdash;: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken</p>
- <p class="line">Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.</p>
+ <p class="line">Ihr &mdash;: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken</p>
+ <p class="line">Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte</p>
+ <p class="line">Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte</p>
<p class="line">Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit.</p>
- <p class="line">Körper im Aussatz verdorrte</p>
+ <p class="line">Körper im Aussatz verdorrte</p>
<p class="line">Gehen auf Landschaften Edens weit.</p>
<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
- <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. Körper von der Väter Hieb zerfleischt .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
- <p class="line">Von der Störche dunklen Herdenschwärmen,</p>
- <p class="line">Der Balkone Rechteck überdacht.</p>
- <p class="line">Wunder &mdash;: finsterer Klumpen der Gedärme</p>
+ <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. Körper von der Väter Hieb zerfleischt .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
+ <p class="line">Von der Störche dunklen Herdenschwärmen,</p>
+ <p class="line">Der Balkone Rechteck überdacht.</p>
+ <p class="line">Wunder &mdash;: finsterer Klumpen der Gedärme</p>
<p class="line">Ward zu knospener Schlingung aufgefacht.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte</p>
+ <p class="line">Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte</p>
<p class="line">Weih ein jeder sich der ewigen Tat!</p>
- <p class="line">Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Unser Psalm befiehlt euch &mdash;: heiß und grad.</p>
+ <p class="line">Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Unser Psalm befiehlt euch &mdash;: heiß und grad.</p>
<p class="line">Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!!</p>
- <p class="line">Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung!</p>
+ <p class="line">Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung!</p>
<p class="line">Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan:</p>
- <p class="line">Himmel der Verbrüderung.</p>
+ <p class="line">Himmel der Verbrüderung.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-8">
@@ -1794,50 +1760,50 @@ I
<p class="line">Er war hinabgestiegen und er schaute.</p>
<p class="line">Da schwankte wie ein Schiff das Fundament.</p>
<p class="line">Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute.</p>
- <p class="line">Land angereiht an Land &mdash; <span class="em">ein</span> Schrei stößt! &mdash; brennt!</p>
+ <p class="line">Land angereiht an Land &mdash; <span class="em">ein</span> Schrei stößt! &mdash; brennt!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten &mdash;</p>
- <p class="line">Die Flügelarme flatternd ausgereckt.</p>
+ <p class="line">Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten &mdash;</p>
+ <p class="line">Die Flügelarme flatternd ausgereckt.</p>
<p class="line">Und welche hinter Kartenpulten sitzend &mdash;</p>
<p class="line">An buntem Plan das feiste Antlitz leckt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe.</p>
+ <p class="line">Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe.</p>
<p class="line">Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei.</p>
- <p class="line">Millionen mußten in den Böden kleben.</p>
+ <p class="line">Millionen mußten in den Böden kleben.</p>
<p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
- <p class="line">Millionen vorgeführt gen die Bastei,</p>
+ <p class="line">Millionen vorgeführt gen die Bastei,</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wo tackend Läufe die Portale zieren.</p>
- <p class="line">Granate fort der Dome Blüte scheuert.</p>
+ <p class="line">Wo tackend Läufe die Portale zieren.</p>
+ <p class="line">Granate fort der Dome Blüte scheuert.</p>
<p class="line">Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren.</p>
<p class="line">Da waten Regimenter klein durch Feuer.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und stürzen ineinander. Messermauern jäh.</p>
- <p class="line">Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet.</p>
- <p class="line">Und stürzen ineinander. Kauernde .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!</p>
+ <p class="line">Und stürzen ineinander. Messermauern jäh.</p>
+ <p class="line">Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet.</p>
+ <p class="line">Und stürzen ineinander. Kauernde .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">So hängen sie gleich zappelnden Figuren,</p>
- <p class="line">Exakt an Schnürchen hin und herbewegt.</p>
- <p class="line">Doch in den Städten hausen schöne Huren.</p>
+ <p class="line">So hängen sie gleich zappelnden Figuren,</p>
+ <p class="line">Exakt an Schnürchen hin und herbewegt.</p>
+ <p class="line">Doch in den Städten hausen schöne Huren.</p>
<p class="line">Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Aus deren Poren. Und die Federn nicken</p>
- <p class="line">Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm.</p>
- <p class="line">Hah &mdash;: dort anblähen pustend sich Fabriken,</p>
- <p class="line">Bestien fett im wütigen Alarm.</p>
+ <p class="line">Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm.</p>
+ <p class="line">Hah &mdash;: dort anblähen pustend sich Fabriken,</p>
+ <p class="line">Bestien fett im wütigen Alarm.</p>
</div>
<h3 class="no" id="subchap-2-8-2">
@@ -1846,15 +1812,15 @@ II
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers.</p>
- <p class="line">Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest.</p>
- <p class="line">Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern.</p>
+ <p class="line">Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers.</p>
+ <p class="line">Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest.</p>
+ <p class="line">Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern.</p>
<p class="line">In jedem Tier, in jedem Mensch verwest.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden!</p>
- <p class="line">Er riß den Mantel von der Schultern Bug.</p>
+ <p class="line">Er riß den Mantel von der Schultern Bug.</p>
<p class="line">In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten,</p>
<p class="line">Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug.</p>
</div>
@@ -1863,34 +1829,34 @@ II
<p class="line">Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet,</p>
<p class="line">Heraus &mdash;: es scholl: Der Neuen Welt Programm.</p>
<p class="line">Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet.</p>
- <p class="line">Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.</p>
+ <p class="line">Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten.</p>
+ <p class="line">.&nbsp;.&nbsp;. Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten.</p>
<p class="line">Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat.</p>
- <p class="line">Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden.</p>
- <p class="line">Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.</p>
+ <p class="line">Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden.</p>
+ <p class="line">Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Antike Städte unter Dröhnen knittern.</p>
- <p class="line">Melodisch schwingt schon nächstes Paradies.</p>
- <p class="line">Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter</p>
- <p class="line">Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.</p>
+ <p class="line">Antike Städte unter Dröhnen knittern.</p>
+ <p class="line">Melodisch schwingt schon nächstes Paradies.</p>
+ <p class="line">Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter</p>
+ <p class="line">Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt.</p>
- <p class="line">Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb.</p>
+ <p class="line">Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb.</p>
<p class="line">Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust.</p>
<p class="line">Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust.</p>
- <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. und Wimmern ebbt und sägendes Gehust .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
+ <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. und Wimmern ebbt und sägendes Gehust .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Er war hinabgestiegen. Auf er bog</p>
- <p class="line">Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog.</p>
+ <p class="line">Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog.</p>
<p class="line">Lang tobte Chaos in dess Angesicht.</p>
<p class="line">O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!!</p>
</div>
@@ -1901,53 +1867,53 @@ III
</h3>
<div class="poem">
- <p class="line">Da rollen Züge tönend im Gelände,</p>
- <p class="line">Das auf sich wölbte, breit und wunderbar.</p>
- <p class="line">Er schwebt &mdash; ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende,</p>
- <p class="line">Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.</p>
+ <p class="line">Da rollen Züge tönend im Gelände,</p>
+ <p class="line">Das auf sich wölbte, breit und wunderbar.</p>
+ <p class="line">Er schwebt &mdash; ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende,</p>
+ <p class="line">Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Lichtsäulen schreiten Menschen überall.</p>
- <p class="line">Kristallene Wälder blitzen in den Räumen,</p>
- <p class="line">Verzogen der Gewitter Überfall.</p>
- <p class="line">Gebirge Katarakte Donner säumen.</p>
+ <p class="line">Lichtsäulen schreiten Menschen überall.</p>
+ <p class="line">Kristallene Wälder blitzen in den Räumen,</p>
+ <p class="line">Verzogen der Gewitter Überfall.</p>
+ <p class="line">Gebirge Katarakte Donner säumen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land,</p>
- <p class="line">Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther!</p>
+ <p class="line">Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land,</p>
+ <p class="line">Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther!</p>
<p class="line">In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand</p>
- <p class="line">Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.</p>
+ <p class="line">Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt!</p>
- <p class="line">Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet.</p>
+ <p class="line">O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt!</p>
+ <p class="line">Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet.</p>
<p class="line">Stern an Stern durchflochtene Wies:</p>
- <p class="line">Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide .&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Entreinigt euch der winterlichen Städte,</p>
- <p class="line">Der Nebelstraße tauichtem Gebrest!</p>
- <p class="line">Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern.</p>
- <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
- <p class="line">Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.</p>
+ <p class="line">Entreinigt euch der winterlichen Städte,</p>
+ <p class="line">Der Nebelstraße tauichtem Gebrest!</p>
+ <p class="line">Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern.</p>
+ <p class="line">(.&nbsp;.&nbsp;. einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst .&nbsp;.&nbsp;.)</p>
+ <p class="line">Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Nationen ewige, so ihr befreit</p>
- <p class="line">Euch &mdash; Tat! &mdash; aus mördrischen Tyrannengriffen!!</p>
+ <p class="line">Euch &mdash; Tat! &mdash; aus mördrischen Tyrannengriffen!!</p>
<p class="line">Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit,</p>
<p class="line">Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen.</p>
- <p class="line">Rings Völker brausen in die Himmel grad.</p>
+ <p class="line">Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen.</p>
+ <p class="line">Rings Völker brausen in die Himmel grad.</p>
<p class="line">Sterngefilde blanker Bajonette spannen</p>
- <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p>
+ <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p>
</div>
</div>
@@ -1960,24 +1926,24 @@ III
<table summary="TOC" style="margin-left:1em; margin-right:auto; text-align:left">
<tbody>
- <tr><td class="header" colspan="2">Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen der Zärtlichkeit · Abschied von den Frauen</td></tr>
- <tr><td class="left">Ödipus. I u. II</td><td class="right"><a href="#chapter-1-1">5</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Mädchen I&mdash;IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-2">7</a></td></tr>
+ <tr><td class="header" colspan="2">Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen der Zärtlichkeit · Abschied von den Frauen</td></tr>
+ <tr><td class="left">Ödipus. I u. II</td><td class="right"><a href="#chapter-1-1">5</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Mädchen I&mdash;IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-2">7</a></td></tr>
<tr><td class="left">Aus den Sonetten um C. I&mdash;IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-3">11</a></td></tr>
<tr><td class="left">An C. I&mdash;III</td><td class="right"><a href="#chapter-1-4">13</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Ekstasen der Zärtlichkeit I&mdash;IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-5">17</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Gehaßte Frau</td><td class="right"><a href="#chapter-1-6">23</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Ekstasen der Zärtlichkeit I&mdash;IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-5">17</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Gehaßte Frau</td><td class="right"><a href="#chapter-1-6">23</a></td></tr>
<tr><td class="left">Abschied von den Frauen I u. II</td><td class="right"><a href="#chapter-1-7">24</a></td></tr>
-<tr><td class="header" colspan="2">Zweiter Teil: Verbrüderung</td></tr>
+<tr><td class="header" colspan="2">Zweiter Teil: Verbrüderung</td></tr>
- <tr><td class="left">Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I&mdash;IV</td><td class="right"><a href="#chapter-2-1">29</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Der Entfernte · Georg Trakl</td><td class="right"><a href="#chapter-2-2">32</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I&mdash;IV</td><td class="right"><a href="#chapter-2-1">29</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Der Entfernte · Georg Trakl</td><td class="right"><a href="#chapter-2-2">32</a></td></tr>
<tr><td class="left">An den Tyrannen</td><td class="right"><a href="#chapter-2-3">33</a></td></tr>
<tr><td class="left">An Zola</td><td class="right"><a href="#chapter-2-4">35</a></td></tr>
<tr><td class="left">An den Frieden</td><td class="right"><a href="#chapter-2-5">37</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Tod des Fliegers über der Stadt</td><td class="right"><a href="#chapter-2-6">38</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Verbrüderung</td><td class="right"><a href="#chapter-2-7">39</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Tod des Fliegers über der Stadt</td><td class="right"><a href="#chapter-2-6">38</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Verbrüderung</td><td class="right"><a href="#chapter-2-7">39</a></td></tr>
<tr><td class="left">Die neue Welt I&mdash;III</td><td class="right"><a href="#chapter-2-8">43</a></td></tr>
</tbody>
</table>
@@ -1991,7 +1957,7 @@ III
<p id="trnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
<p>
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
</p>
<ul>
@@ -2003,380 +1969,6 @@ Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachhe
</ul>
</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG ***
-
-***** This file should be named 41706-h.htm or 41706-h.zip *****
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-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation information page at www.gutenberg.org
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at 809
-North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
-contact links and up to date contact information can be found at the
-Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
-
-
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+<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***</div>
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