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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-08 11:07:33 -0800 |
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Vergewaltigung. +Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens, +Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten, +_Paradies erarbeiten!_ +Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs: +Wie noch vergebens . . . + + + + +Ödipus + + +I + + Der Knabe wartet auf die Mutterblüte, + Die unter bauschenden Gewändern thront. + Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte, + Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt. + + Der Vater muß verreisen in den Norden. + Niemand herein in unsere Nächte stört. + (. . . ach Vater du wie oft um sie gemordet . . .) + Der Mutterblüte tief er angehört. -- + + Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken. + Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett. + Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen. + Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett. + + Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren. + Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand. + Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren. + Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand. + + +II + +An den Vater + + Schlangenader längs der Stirne rollt. + Gabel stößt er pfeifend in Salat. + Weißer Suppe krummes Maul träuft voll. + Makkaroni würgt aus Nase grad. + + In den Weinberg kroch er, dichtes Laub, + Den Kniefällen seiner Kinder taub: + Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen. + Die ihn sucht, sich bückt --: sie schreckt die Blöße. + Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm. + Szepter in der Faust des Patriarchen. + Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm + Wäscht sie. Arme Braut des Bösen. + + Später, da er vor den weiten Plätzen + Ängstigend sich preßt in ihren Arm -- + Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken, + So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . . + (Mancher stößt sich in sie rauschend warm). + Die ihm dient als Boot zum Übersetzen. + Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen. + + Finger birgt sie, die erfroren rot + Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert. + Aus geschwollener Augen Köcher + Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot. + + Niederstürzt sie, die er täppisch rupft, + An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch. + Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft: + Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch. + + Bei dem Löffel in die Teller Klirren --: + Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann! + Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert + Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert + Vor dem Schlafgemach -- bis schwirrend + Saust das Beil! Das Beil --: es fällt dich an! + + + + +Mädchen + + +I + +Franziska + + Du Engel ihm vom Zigarettenladen! + Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam. + Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden. + Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am + Geblümten Weg, mit Karussells beladen, + Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern -- + Die Augen sich mit dessen Schein berändern. + + Doch bald --: er explodiert mit Bombenschritten + _Ein neuer Vater!_ in dem Schlafgemach!! + Der Faust entrasseln paukende Gewitter. + Und tausend Väter kollern heulend nach! + Gepeitschte aller Welt in uns erzittern. + Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben. + Sie wollte nurmehr -- aus -- dem Browning glauben. + + Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte + An seine Mutter. Auch sie --: fühllos kalt. + Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen. + Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald, + Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen + Azur, inmitten bunt die Sonne platzt. + O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt. + + Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht + Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen! + Da --: in die Brüste ihr die Kugel sticht. + Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen. + Bald löscht auch er. -- Bis groß die Tür ausbricht: + Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen, + Behelmte Götter sich im Raum verteilend. + + +II + +Dorka + + Sie --: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust. + Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte. + Ihm Helferin zu seinem ersten Bau. + + Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte. + Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen. + (-- vor der er sich zum Trank der Gosse bückte --) + + Wie lang schlief er in solchen Leibes Fuge. + Nie je war Nacht so fabelhafte Nacht. + Mit Engeln, die uns auf der Wolken Samtbett trugen. + + Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht! + Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer. + Die Sterne purzeln tönend in den Schacht + + Des Schoßes. Wolkgemäuer + Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut. + Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!! + + Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut. + Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt. + . . . und von Morästen braut + + Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor + Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten. + Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor. + + An Schläfen Nester triefender Kasematten. + + +III + +Mary + + Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren, + Ellipsenscheiben; Pyramidenwald + Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen. + Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt . . . + Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt. + Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten! + So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt. + Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken. + Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen: + Gebogenheit an solchem Leib zu lernen. + + Man wird stets denken: Atem dieser Brüste! + Und morgens lösch ich mit der Frühe aus! + Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste. + Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus. + Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen, + Die wieder drehn in Linien Zickzack unter. + Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen + Im Kelch des Worts --: Millionen Fischlein munter + + Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen. + Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein. + Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen. + Eidechsen Ornament dich benedeit. + An Gitterästen kleben Spülichtratten, + Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan. + Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern. + Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan. + + Die Zauberin ins Paradies. Gefieder + Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft. + Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?! + . . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . . + Der Stadt Geräusche schrillen ineinander. + Kanäleschiffe schnellen rings vorbei + Du balanzierst auf des Gebirges Kante, + Faltest die Kerker, Heilige, entzwei. + + +IV + +Emmy + + Du deren Mund an Horizonte knüpfte + Einst düsteren Dichter --: er beträumt dich schwer. + Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen. + Versammlerin an kaum betretenem Ort. + + Fanatisch du gestreckt von Jenes Wort -- + Hah! Schwingst allein dich drehend schon auf Barrikaden! + Im Schrein aller Gehirn Reliquienfetzen. + + Ja --: Satzgefüge tollste meißeln dich: + Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt + Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . . + + Und diese Hand so schlug _sprengt!_ deine Brüste. + O! Jungfrau von Orleans unsere! + Fahnen: Gesänge hüllen dich. + + + + +Aus den Sonetten um C. + + +I + + Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken + Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend. + Schlägt von der Marmorberge Postament, + Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken: + + Ein wenig Mond mit Firmament gemischt, + Stöße von Nacht und Träume Intervallen. + Daß seine Augen auf die Städte fallen, + Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt. + + . . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken + Der gleich Palästen aufgestauten Brücken. + Alleeen rinnen hoch der Finsternis, + + Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis. + Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt + Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd. + + +II + + Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten + Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt. + Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden. + Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk. + + Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare. + In Ohres Muscheln flüstern Samoware. + Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut. + Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut. + + Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet. + Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet. + Von Cymbeln hingerafft ins Blau . . . Noch fand + + An ihren Lippen Ruh die steife Hand. + Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft. + Als hieß es heut zum erstenmal: »Ihr dürft . . .« + + +III + + Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne, + Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten: + Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten, + Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton. + + Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung + Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon. + Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon. + Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung + + Nur manchmal. Horizonte Ungefähres + Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken. + Um ihretwillen müssen Damen schminken, + + Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres + Zerrissenes Oval. Asyle stinken. + Sie _steht!_ Ihr die Verrufenen winken -- --. + + +IV + + Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger + Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn. + Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn. + (. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .) + + Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen. + Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen. + Aus Augen Waben träuft ein Honigmet. + Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät. + + Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier + Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) --: Wir!! + Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt. + + Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen + Er schaukelt, dreht . . . gleitend hinabgezogen. + Bis ers Finale der Posaunen bringt. + + + + +An C. + + +Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist, +als ob das Sterben, jetzt oder später, leichter würde, wenn man weiß: ich +selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich. + +C. + + Der Nacht quoll: schief verworren + Wölbt sich jetzt Morgen grad. + Du kannst ihn schreiten sehen + Ganz Wind und Schwebezeit. + + Sein Aug umstreichen Flüsse. + Tosender Wälder Schwung + Flackt um der Berge Schulter. + Des Tages Purpurküsse. + + Du kannst ihn schreiten sehen. + Nicht Qual fretzt ihn. Kein Dorn. + Der Nacht quoll: schief verworren + Ganz Wind und Schwebezeit. + + Aus Lilienfinger geußt dem + Gekrümmten Schwangeren Balsam. + Säuglingen, den Asylen + Träuft er der Lippen Brod. + + (. . . einst stürzten Worte Unflat, + Nun schmilzt ein Mond im Tönen. + Wie Quell springts aus der Flöte Horn. + Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .) + + Du kannst ihn schreiten sehen + -- die goldenen Wagen rauschen -- + Mit schmetterndem Tempostampfen, + Wo sich vor brüchigem Tor + Sein Volk in den Azur löst. + + +II + + Mond im Fluten Traums verweht, + Nachtigallen dich besuchen. + Wickelst dich aus schweißigem Tuche, + Tanzest auf Balkonen spät, + + Flackert noch ob dem Staket + Morgens klein der bunte Shawl. + Purpurküsse ausgesät + Schlürft er in den Städten fahl. + + In der Autos Röcheltuten + Gluckst ihm dünn dein Husten ganz. + Sprengt er laut entzwei die Buden. + Zirpt der Karusselle Kranz. + + ». . . Jäh in Huren die hohl kichern + Schnappt dein höchster Triller über. + Rette uns zu dir hinüber + Engel . . .« Herbstlaub wischt der Dichter. + + Unter Türen, Räderspeichen + Kauert brüchig das Gebild. + Harfenfinger in die Leichen + Krallt es schüttelnd, tönend wild. + + »Wiesen streust du aus. Im Gang + Kräuseln Wälder. Ströme Falten + Zündeln hoch in mystischem Schwang. + Kniee stoßen grad basalten. + Um die Schläfe schmiegt dein Gang. + + Langsam schmilzt der Stern ins Haar. + Flöte summt der Samowar. + Weite Weite gräbt sich trüber. + Rollt ein Atem -- Nächte Wind. + Pferdeaugen blühn im Kind. + Engel rette uns hinüber! . . .« + + +III + + Wir möchten uns begreifen + Hindurch, ja ganz das Unsere + In tauben Küssen fühlen. + Das alles: Bett, Fluß, Stühle, + Im Haar von Rosa Schleifen . . . + Das aber schreit als Unseres: + Im Schoß das Haupt zerwühlen, + Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen. + + Oft nächtens wir uns tönend schwingen + Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum. + Empor aus Tier und öliger Straße fingen + Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum. + Da stürzten Väter borstig-jähe + Herab den Trunkenen aus den Sphären. + Schwangere Mütter kreischend scheren + Ihm ab der Locken Schnee. + + Das Grab klafft uns bereitet. + Flößte uns Gifte ein im Trunk. + In Herbst-Laub fahl gekleidet + Wir schwieren in der Dämmerung + Der großen Städte. Quollen + Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot. + Man Nebel schlürft zum Abend-Brot. + Die Därme gleich Fabriken schollen. + + Und Echo brüllte tausendfach. + Da rinnen Augen klein. Erwacht + Des Engels Daseins-Blüte?! + Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich + Bog ab der Brust den Messer-Stich. + Neu formt er Rock und Hüte. + + Wie Bläue hell durchs Land geweitet + Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl. + Am Firmament heroisch schreiten + Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel. + + + + +Ekstasen der Zärtlichkeit + + +Du Einzige, +Die mich verstand +Die meine glühenden Verbrechen +Selig verwand. +Die meinen tiefen Schöpfergram +Ins Heilige gemildert +In ihren Geist hinübernahm. + +Mombert + + +I + + Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln. + Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau. + Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen. + Turban deines Haupts --: Spirale blumigen Regenbogenflusses. + + So müssen immer Städte dich besingen, + Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei, + Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen. + Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim. + + Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband + schlicht. + Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner + Lippen blüht. + Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich + löste. + Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück. + + Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden + sie sich. + Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht + Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch + umkreiselnd! + Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu + Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die + Planke deiner Hüfte. + Oft. Und einer um den anderen. + Je nachdem . . . + + Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen, + Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß. + Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen, + Die schwebten wieder groß im Meer gewiß. + + Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern, + Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild. + Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände: + Atem dein auch glättend den Berserker wild. + + Mütter so dich immer wiederholen: + Schreiterin im sprühenden Ornat. + Vielecksonnen breiten auf den Wangen, + Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld. + + +II + + . . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln, + Hinflutend auch im großen Nächtewind. + Symphonisch Klirren der entfachten Fenster + Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund. + + Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich. + Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten. + Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich, + Und Plätze mit der Sonne schwer beladen. + + Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will, + Der von der Brück ab in den Äther springt. + Die Transparente blitzen deinen Namen. + Du aller Kinos dröhnendes Plakat. + + Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen, + Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält. + Auf Bänken Strolche sich in dir verankern. + Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt. + + Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten, + Weit Menschenvölker spielend miteinand. + Die müssen bunte Fahnen um dich flattern. + Muster eingewoben dem Gewand. + + +III + + Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder. + Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell. + Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen. + Geborstene Städte -- brüllende! -- Schalmei. + + Und Niederknallen blökender Idioten -- + Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln -- + Und Liebender Geflüster vom Kanal -- + So buntgeflickte Segel hissen dich!! + + Er wird dich durch die vielen Länder tragen + Der junge Dichter, strahlende um ihn. + Ein Himalaya muß er tönend ragen, + Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen, + Zu dessen Füßen neue Städte knien. + + Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder. + Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz. + Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern. + Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell. + Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden, + Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden! + + Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern + Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild. + + Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern. + Nun werden sich die alten Staaten häuten. + Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild. + Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer. + Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer. + + +IV + + Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief + Grimassenhäuser Front, da packen + Der Gäule Hufe ins Gehirn. + Ein Dom treibt Widerhaken. + Du Hüterin . . . Die ziehst du all + Heraus magnetischer Streichelhände. + . . . O Haupt im Tabernackelschoß . . . + Laß mich, dir gut, vollenden! + + Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht + Peitscht an, rings Züge sausen. + Ein lilabrauner Himmel schwer + Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer. + Gespenstertote hausen. + Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht + In längsten Samumstößen. + Es stockt und ebbt schon der Tumult: + Melodisch schwemmen Abendfluren. + Wir Fabelschiffe wiegen. + + -- Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß. + Wie ist er da entsprossen! + Gleich Fahne flackert dessen Hos. + Vorbei die Kugeln spritzten. + Von dir gedacht er: so gefeit. + Gestauter Welt ein Zünder. + Die Arme wehen Signale weit. + Ekstatischer Verkünder!!! + + O Einsamkeit -- jetzt überwand + Dich heißestes Zerdringen. + Mein Prisma du, von mir durchbrannt + Zu tausend Strahlen schwingend. + Du streichest aus der Frauen dumpf + Gehock. Kristallenen Klumpen knetend, + Jäh meiner Brust: finster geballt. + Ein Labyrinth von Schimmelwald, + Erfüllt mit Mord der Schul und Väter. + + Wir kehren nicht zurück zum Schoß, + Gen Scharlachdämmerungen. + Vom Fundament wir bauten los + Uns. Tod ward übersprungen. + Du Brücke aus der Nacht Revier -- + Geharnischte Winter schlagen. + Wir schweben fest! Der Kragen + Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir. + + Du Engel an der Pforte. + So bin ich aufgeschält. + Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte. + An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld. + Verhüllte Meere knistern + Herein, der Donner breiter Takt. + Wir aber landeten an Küsten + Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt. + + Du klaffst: des Eilands Brunnen, + Daraus der reine Mann sich schöpft. + Nah Aeroplane knurren. + Ein Sterngewimmel tropft. + Von schaukelnden Tribünen + Gleich Flamm der Dichter loht: + Der Völker Psalmenhort, + Die rings um ihn wie Herden dehnen. + + Ja --: brüderlich Verschmelzen! + Nicht einsam, sondern _jeder_ sein! + Abschraubt des Hochmuts Stelze! + Fahrt in die Huren ein! + (Schraubt euch auch dumm und klein!) + Der Mantel wie ein Drahtzaun + Schlingt sich um unsere Hüfte. + O lasset uns restlos vertrauen! + Geschminkte Masken lüften!! + + Du hast es ihm vollbracht: + O brüderlich Verschmelzen. + Nacht schwillt: Lampione-Nacht. + Geteerte Sommer wälzen. + Wir blättern strahlend Fächer. + Von deiner Augen Süßsee + Schlürft oft der Lippe Mal. + +Frau Else Hadwiger gewidmet + + + + +Gehaßte Frau + + + ». . . So wiß es --: daß ich nachts die Straßen jage: + Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir! + Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend + Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!) + + Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend. + Die Gäule wiehern ironischen Salut. + Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend. + Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt. + + Grandioses Vieh . . . wo dick dein Atem webt, + Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule. + Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler: + Den der im Sud der trüben Schlämme klebt. + + Grandioses Vieh . . . Ins Kugellager des Gehirns verwachsen. + Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt. + So schreite aus --: den abrasierten Kopf + Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß. + + Grandioses Vieh . . . gehetzt wir schleifen durch Lokale. + O wie ich greif und greif nach tausend Skalen. + Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft. + Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen. + Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen + Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!« + + + + +Abschied von den Frauen + + +I + + Melodische Gärten taucht ihr langsam unter. + Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt. + Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter. + Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt. + Melodische Gärten taucht ihr langsam unter. + + Verlerntet ihr es --: bogenes Streicheln kühl?! + Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen. + Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt. + Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen. + Die ihr verlernt es --: bogenes Streicheln kühl. + + Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern. + Haubitzenloch der Sintflut Arie blies. + Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte. + Die Toten sprechen manchmal im Verließ. + Ja --: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der + Schultern. + Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander! + Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte + Höllenpein! + Zu neuen Küsten --: Aufbruch! Zug und Landung! + _Es müssen Brüder sein!!!_ + Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte. + Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch --: + Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein. + + +II + + Namenlose alle! Nicht Gesagte! + Wo, wo trifft man euer Angesicht?! + Euch zu sammeln ist es längst zu spät?! + _Klafft_ es heulend --: jenes Angesicht -- + + Von der Häuser Löcher übersät. + Von Kanälen kreuz und quer gekerbt. + Von dem Plätze-Pickel bös zernagt. + Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts. + + Langsam muß der Dichter euch entgleiten, + Viel zu lange schon bei euch verweilt. + Donner rast. Ein endlos Messer flicht + Sich dem Körper ein. Granate bricht. + Hoch den Dolomiten die sich seilen. + Euch umrankend hat er übersehn + Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand. + Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen. + Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand. + + Fahnen schwebet nach ihm euer Winken. + Welche Stunde bringt uns einst zurück?! + Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend + Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt. + Ach, wir waren nur uns Opfer beide: + Ausgeplündert oder überzückt. + Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid. + Ohne Schmerzen kehren wir zurück. + + Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet + Unserer Körper eingefallener Bau. + Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen! + Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt. + Regenbogen in die Landschaft malend + Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt. + Unsere Stirnen aller Armen Schild. + . . . Wanderung im Seligen-Gefild . . . + + + + +Zweiter Teil + +Verbrüderung + + +Novus nascitur ordo + +Mirabeau, 1. Mai 1789 + + + + +Getötetem Freund · Vermächtnis +des sterbenden Soldaten + + +Um den 30. Juli 1915 herum fiel -- gegen Frankreich verschickt -- der +vierundzwanzigjährige jüdische Handlungsreisende (mir Freund und Dichter) +Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht daß er sich noch kühn selbst +gelang, aber immerhin der Wenigen einer, die disziplinvoll genug, +erkämpftestem Führer vertrauend sich anschlossen. 2. bayrisches +Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß +--: euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn -- Geist vom Geist! + + +I + + O Morgen der uns Hyazinthe scheint! + Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber. + Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber, + Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein + + Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth. + Ihr bei Loretto . .! Gase Pest + Steigt Gloriole grause an dem Hügel. + Da -- erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel! + + Aufschweben wir umsäumt von rosenem West. + Im Nebel hocken Regimenter blind. + Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier. + + Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer. + Hört: führt herauf -- es strahlt! -- zum Totenfest + _Europa!!_ Blut kitt ungeheuerst!!! + + +II + + Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen -- + Wälder, und Räume einer heiligen Saat! + Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen + Sich neigend über dem entsunkenen Staat. + + +III + + Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane. + Vor weißer Küste fraß uns der Taifun. + In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen. + Vergilbte Schärpen in den Leibern nun. + + Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme, + Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau. + Die Kathedrale, deren Türme stemmen + Auf den Azur. Ein Drahtverhau + + Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend + Das Regiment, elastischer Panzer, zieht + Empor die Serpentine um die Brust. Geleise + Am Horizont nach dem Gestirne kniet. + + Wie denken wir euch Brüder in den Städten! + Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt! + Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt. + Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten. + + Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer. + Am End der Heros. Vor Europa führt. + Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer. + Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer. + Ja --: dess Gesang die Massenlöcher schürt. + + +IV + +An den General + + . . . Verreckend schau ich feistes Antlitz dich. + Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei! + Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich. + Anschob die Faust purpurene Bastei. + Armeeen stampftest in ein Höllgrab du. + Wozu?! + + Schon finstere Haufen sich zusammendrängen. + Es malmt zu Brei dich heulender Ballast. + Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen + Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast. + Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut. + Antönt es heut. + + Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen. + Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm! + Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile, + Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm. + Verfluchte ihr des Todes Lieferanten! + Kasernen stranden. + + Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen. + Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest. + Ein Vogellüster auf und niederfallen. + Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett. + Umarmt von Tieren Menschen ziehen, + Gestreift süß bunter Melodien. + + -- So will ich gern dir deine Falten glätten. + Ich fühl mich als des Daseins Untergrund. + Der mußte uns in Knochenwirrnis betten. + Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund, + Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl: + Mein General. + + + + +Der Entfernte · Georg Trakl + + + Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt. + Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein. + . . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt + Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein. + + Betaute Wiege. Doch erwacht er grell + Matt gießen Mond und Sterne sich herein. + Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell. + Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein. + + Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche + Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut. + Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen. + Wie Blasen steigend Böller Festsalut. + + Auf einmal dann --: gestreckte Schlote zischen. + Andante-Baß der Straße bunter Ton. + Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen -- + Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. -- + + Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt. + Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein. + . . . nur manchmal wie umarmend schlägt + Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein. + + + + +An den Tyrannen + + + Mittelpunkt du rasender Geschwüre! + Deine Poren brachen auf, nun blähen + Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen + Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an! + + Völker zogen singend dir zu Füßen + (Frauen hackend ein der Väter Arm, + Kindlein flattern an Musiken: Fetzen --), + Völker brausen in die Gruft der Schlacht. + + Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken. + Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum. + Große heilige schöne buntere Schiffe, + Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . . + + Schiffe menschbesät, o morgenfrische + Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen + Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten -- + Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund. + + Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren, + Finster rollend ob der Leichen Flur, + Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . . + Weichen sie doch, zückst du Messer nur! + Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren + Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr -- -- -- + Explodier o Raum! + Fern der Menschheit Traum! + Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!! + + Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden + Dich zuend. Noch Salven Höllenflug. + Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden. + Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug! + Sänge überspülend in Kaskaden + Monument dich. Auf all Himmel schlug. + Nebel zünden, rings Gewölk zerrann. + Arme breiten Völker dir Tyrann! + + + + +An Zola + + +Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend +und euerer Schande, die ich nackt hinstelle. Hinauf mit mir: arbeitend ihr +und ich. Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. Es heißt seine Pflicht +tun. + +Zola + + Um dich gruppieren sich die Neuen Städte. + Zementene Quadern. Dächer Überfall. + Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern. + Der Donnerzüge steilster Kurvenwall. + Um dich gruppieren sich die Neuen Städte. + + Es starren Dickicht rund die finsteren Völker: + Dornkranz der wie von Höllen widerscheint. + Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken. + Die Riesenpyramide aus Gebein. + So starren Dickicht rund die finsteren Völker. + + Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter: + Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt. + Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er + Der Hymnische. (-- Du Leite mir und Schirm -- ). + Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter. + + Da knospet auf aus deinem Inselgarten + -- Und strahlt! -- der Menschheit blaue Morgenwelt. + Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten. + Ein jeder groß und blühend eingestellt. + Wir knospen auf aus deinem Inselgarten. + + Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden + Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie. + Asyle platzen und Kasernen schwinden, + Durchdrungene von der Brudermelodie. + Purpurnes Schiff! Demokratie!! + + Zola --: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern! + O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat! + Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen. + Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad + Hinein in den Tumult und durch! Gewitter + Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen. + + + + +An den Frieden + + + O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind! + Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen. + Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind. + Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend. + + Dein Tag --: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut. + Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße. + Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu. + Fanfarenmünder Halleluja blasen. + + Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet, + Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein. + Millionen Toter schwarze Fahne weht + Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein. + + Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!? + Nein. Menschen wallen Heilige im Chor. + Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken. + Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor. + + Ihr --: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden! + Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt + Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten + Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt. + Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt! + Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!! + + + + +Tod des Fliegers über der Stadt + + + Da -- ein Meteor sich ab die Bombe löste. + Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt. + Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . . + Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste. + + Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf. + Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn. + Propelleratem streift ihn, Höllensturm. + ». . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .« + + Dann schrieen sie in wirrester Diskussion + Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen + Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen. + Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon + + Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat + Und saust und bohrt. Und _eines_ Rauches Säule + Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen. + Enorm. Ja --: eines Rauches Säule grad. + + Der Sockel --: Trichter aufgefüllt mit Kehricht. + Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt + Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen + Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal. + + + + +Verbrüderung + + + Wie geschah, daß nicht zusammenfanden + Du und du. Daß wir uns einsam-wund + Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden, + Kaum erkennend --: Flügel _eines_ Munds. + Von erhellten Räumen ausgeschlossen + Wir Verdammte zu der Straßen Flur. + Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen, + Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur. + + O --: wer hat zuerst dich angesprochen + Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament + Wer erbaute es?! Zerstochener + Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?! + Spieen es die Mäuler der Haubitzen + Jenes Urwort belfernden Geschreis?! + Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?! + Rollt es mit den Zügen stets vorbei --?! + + Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen + Ein sich spinnen in entfernter Bucht?! + Dostojewskis Feueraugen fressen. + Rasend Tolstoi in der Weite sucht. + Haben Mütter euch zum Mord geboren?! + Euer Schicksal --: schwank und qualgehetzt, + öffnet, öffnet euerer Brust die Tore, + Drein Azursee stürzt!!! + + Wallen mögen hier die breiten Scharen + Jener Toten. Düsterer Trommelzug. + Wald erglänzt von aufgelösten Haaren. + Münder strecken sich zu Siegfanfaren, + Langsam steuert schimmernder Brüste Bug. + Rings die Mädchen flattern gleich Libellen. + Droschkengäule tönend eingereiht. + Wir Zentrale. Städte, Länder schellen. + Welt gerinnt. Harmonisches Geläut. + + Und so wird die blanke Zukunft tagen: + Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut. + Keine Frauen an den Männern nagen. + Freunde schreiten groß und hochgemut. + Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen, + Auch bespült von stinkichtem Ekelsud. + Denn --! die Menschheit ist verrückt, + Längs und quer zerstückt: + Räuber-, Mörderbrut. + + Trotzdem -- überherrlich aufgelassen + Wälzt durch Münder Schleusen -- gleit o Hass! -- + Der Gesänge Strom. + Bajonette schwank wie Halmzeug knicken. + Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend. + Fetzen Wolken knittert der Pogrom. + O --: anhebt ein Zueinandereilen. + Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief. + Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile. + Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt. + + Weiße Dome schweben auch Fabriken. + Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken. + Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff. + Liebende auf weichen Dachgeländen + Sich dem Hostienmond entgegenwenden, + Immer höher steigt ihr Schiff. + Spät --: sie werden sich noch dumpf erinnern + Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl, + . . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern. + Marterkinder starben an der Schul. + + Ja --: sie müssen sich zusammenfalten + In die Lüfte ragend silberner Strauß. + Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen. + Monument --: nach Jahren zu bestehen, + Wieder wenn aus wütig eingekrallten + Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust. + Splitternd tanzen um die vielen Plätze + Mit der Bürger lautestem Märkteschwall. + Brüder! Unser Odem --: Leid zu letzen + Streich zurück den noch gewordenen Knall!! + + Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?! + Wer ist jener, den die Schuld betrifft, + Daß das Reich nicht zu uns kommt?! + Aber Lanzen stochern, Hellebarden + Pflügen auf phantastischer Wolken Trift. + Pferde klappern -- -- + Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter + In der Städte ödes Schlachtgefild! + Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!! + Tausend warten wild -- -- -- + + Gott du Zünder, so uns geistwärts führst: + Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft. + Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend. + Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft! + Morgenküsten nähern sich Spelunken, + Schmelzend ein Asyl. + Ihr --: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken + Müden Engels sanfter Wiegenpfühl. + + Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte + Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit. + Körper im Aussatz verdorrte + Gehen auf Landschaften Edens weit. + (. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .) + Von der Störche dunklen Herdenschwärmen, + Der Balkone Rechteck überdacht. + Wunder --: finsterer Klumpen der Gedärme + Ward zu knospener Schlingung aufgefacht. + + Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte + Weih ein jeder sich der ewigen Tat! + Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . . + Unser Psalm befiehlt euch --: heiß und grad. + Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!! + Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung! + Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan: + Himmel der Verbrüderung. + + + + +Die neue Welt + + +I + + Er war hinabgestiegen und er schaute. + Da schwankte wie ein Schiff das Fundament. + Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute. + Land angereiht an Land -- _ein_ Schrei stößt! -- brennt! + + Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten -- + Die Flügelarme flatternd ausgereckt. + Und welche hinter Kartenpulten sitzend -- + An buntem Plan das feiste Antlitz leckt. + + Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe. + Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei. + Millionen mußten in den Böden kleben. + (. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .) + Millionen vorgeführt gen die Bastei, + + Wo tackend Läufe die Portale zieren. + Granate fort der Dome Blüte scheuert. + Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren. + Da waten Regimenter klein durch Feuer. + + Und stürzen ineinander. Messermauern jäh. + Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet. + Und stürzen ineinander. Kauernde . . . + Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter! + + So hängen sie gleich zappelnden Figuren, + Exakt an Schnürchen hin und herbewegt. + Doch in den Städten hausen schöne Huren. + Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt + + Aus deren Poren. Und die Federn nicken + Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm. + Hah --: dort anblähen pustend sich Fabriken, + Bestien fett im wütigen Alarm. + + +II + + Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers. + Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest. + Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern. + In jedem Tier, in jedem Mensch verwest. + + Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden! + Er riß den Mantel von der Schultern Bug. + In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten, + Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug. + + Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet, + Heraus --: es scholl: Der Neuen Welt Programm. + Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet. + Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm. + + . . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten. + Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat. + Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden. + Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat. + + Antike Städte unter Dröhnen knittern. + Melodisch schwingt schon nächstes Paradies. + Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter + Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt. + + In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt. + Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb. + Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust. + Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust. + (. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .) + + Er war hinabgestiegen. Auf er bog + Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog. + Lang tobte Chaos in dess Angesicht. + O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!! + + +III + + Da rollen Züge tönend im Gelände, + Das auf sich wölbte, breit und wunderbar. + Er schwebt -- ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende, + Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar. + + Lichtsäulen schreiten Menschen überall. + Kristallene Wälder blitzen in den Räumen, + Verzogen der Gewitter Überfall. + Gebirge Katarakte Donner säumen. + + Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land, + Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther! + In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand + Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder. + + O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt! + Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet. + Stern an Stern durchflochtene Wies: + Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . . + + Entreinigt euch der winterlichen Städte, + Der Nebelstraße tauichtem Gebrest! + Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern. + (. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .) + Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs. + + Nationen ewige, so ihr befreit + Euch -- Tat! -- aus mördrischen Tyrannengriffen!! + Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit, + Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen. + + Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen. + Rings Völker brausen in die Himmel grad. + Sterngefilde blanker Bajonette spannen + Sich neigend über dem entsunkenen Staat. + + + + +Inhaltsverzeichnis + + +Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen +der Zärtlichkeit · Abschied von den +Frauen + + Ödipus. I u. II 5 + Mädchen I--IV 7 + Aus den Sonetten um C. I--IV 11 + An C. I--III 13 + Ekstasen der Zärtlichkeit I--IV 17 + Gehaßte Frau 23 + Abschied von den Frauen I u. II 24 + + +Zweiter Teil: Verbrüderung + + Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I--IV 29 + Der Entfernte · Georg Trakl 32 + An den Tyrannen 33 + An Zola 35 + An den Frieden 37 + Tod des Fliegers über der Stadt 38 + Verbrüderung 39 + Die neue Welt I--III 43 + + + + + +Anmerkungen zur Transkription + + +Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 *** diff --git a/41706-8.txt b/41706-8.txt deleted file mode 100644 index 7a5a367..0000000 --- a/41706-8.txt +++ /dev/null @@ -1,1787 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Verbrüderung - Gedichte - -Author: Johannes R. Becher - -Release Date: December 26, 2012 [EBook #41706] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - - - - -VERBRÜDERUNG - - -GEDICHTE -VON -JOHANNES R. BECHER - - -LEIPZIG -KURT WOLFF VERLAG -1916 - - -Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Februar 1916 -als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste -Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den -Jahren 1915 und 1916 in Berlin geschrieben -Sie sind meinen Freunden gewidmet - - -COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG - - - - -Erster Teil - -Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit / -Abschied von den Frauen - - -Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen -- -Kampf war auch dies. Krieg. Vergewaltigung. -Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens, -Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten, -_Paradies erarbeiten!_ -Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs: -Wie noch vergebens . . . - - - - -Ödipus - - -I - - Der Knabe wartet auf die Mutterblüte, - Die unter bauschenden Gewändern thront. - Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte, - Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt. - - Der Vater muß verreisen in den Norden. - Niemand herein in unsere Nächte stört. - (. . . ach Vater du wie oft um sie gemordet . . .) - Der Mutterblüte tief er angehört. -- - - Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken. - Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett. - Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen. - Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett. - - Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren. - Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand. - Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren. - Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand. - - -II - -An den Vater - - Schlangenader längs der Stirne rollt. - Gabel stößt er pfeifend in Salat. - Weißer Suppe krummes Maul träuft voll. - Makkaroni würgt aus Nase grad. - - In den Weinberg kroch er, dichtes Laub, - Den Kniefällen seiner Kinder taub: - Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen. - Die ihn sucht, sich bückt --: sie schreckt die Blöße. - Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm. - Szepter in der Faust des Patriarchen. - Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm - Wäscht sie. Arme Braut des Bösen. - - Später, da er vor den weiten Plätzen - Ängstigend sich preßt in ihren Arm -- - Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken, - So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . . - (Mancher stößt sich in sie rauschend warm). - Die ihm dient als Boot zum Übersetzen. - Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen. - - Finger birgt sie, die erfroren rot - Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert. - Aus geschwollener Augen Köcher - Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot. - - Niederstürzt sie, die er täppisch rupft, - An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch. - Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft: - Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch. - - Bei dem Löffel in die Teller Klirren --: - Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann! - Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert - Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert - Vor dem Schlafgemach -- bis schwirrend - Saust das Beil! Das Beil --: es fällt dich an! - - - - -Mädchen - - -I - -Franziska - - Du Engel ihm vom Zigarettenladen! - Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam. - Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden. - Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am - Geblümten Weg, mit Karussells beladen, - Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern -- - Die Augen sich mit dessen Schein berändern. - - Doch bald --: er explodiert mit Bombenschritten - _Ein neuer Vater!_ in dem Schlafgemach!! - Der Faust entrasseln paukende Gewitter. - Und tausend Väter kollern heulend nach! - Gepeitschte aller Welt in uns erzittern. - Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben. - Sie wollte nurmehr -- aus -- dem Browning glauben. - - Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte - An seine Mutter. Auch sie --: fühllos kalt. - Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen. - Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald, - Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen - Azur, inmitten bunt die Sonne platzt. - O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt. - - Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht - Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen! - Da --: in die Brüste ihr die Kugel sticht. - Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen. - Bald löscht auch er. -- Bis groß die Tür ausbricht: - Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen, - Behelmte Götter sich im Raum verteilend. - - -II - -Dorka - - Sie --: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust. - Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte. - Ihm Helferin zu seinem ersten Bau. - - Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte. - Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen. - (-- vor der er sich zum Trank der Gosse bückte --) - - Wie lang schlief er in solchen Leibes Fuge. - Nie je war Nacht so fabelhafte Nacht. - Mit Engeln, die uns auf der Wolken Samtbett trugen. - - Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht! - Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer. - Die Sterne purzeln tönend in den Schacht - - Des Schoßes. Wolkgemäuer - Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut. - Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!! - - Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut. - Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt. - . . . und von Morästen braut - - Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor - Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten. - Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor. - - An Schläfen Nester triefender Kasematten. - - -III - -Mary - - Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren, - Ellipsenscheiben; Pyramidenwald - Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen. - Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt . . . - Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt. - Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten! - So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt. - Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken. - Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen: - Gebogenheit an solchem Leib zu lernen. - - Man wird stets denken: Atem dieser Brüste! - Und morgens lösch ich mit der Frühe aus! - Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste. - Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus. - Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen, - Die wieder drehn in Linien Zickzack unter. - Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen - Im Kelch des Worts --: Millionen Fischlein munter - - Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen. - Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein. - Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen. - Eidechsen Ornament dich benedeit. - An Gitterästen kleben Spülichtratten, - Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan. - Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern. - Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan. - - Die Zauberin ins Paradies. Gefieder - Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft. - Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?! - . . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . . - Der Stadt Geräusche schrillen ineinander. - Kanäleschiffe schnellen rings vorbei - Du balanzierst auf des Gebirges Kante, - Faltest die Kerker, Heilige, entzwei. - - -IV - -Emmy - - Du deren Mund an Horizonte knüpfte - Einst düsteren Dichter --: er beträumt dich schwer. - Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen. - Versammlerin an kaum betretenem Ort. - - Fanatisch du gestreckt von Jenes Wort -- - Hah! Schwingst allein dich drehend schon auf Barrikaden! - Im Schrein aller Gehirn Reliquienfetzen. - - Ja --: Satzgefüge tollste meißeln dich: - Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt - Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . . - - Und diese Hand so schlug _sprengt!_ deine Brüste. - O! Jungfrau von Orleans unsere! - Fahnen: Gesänge hüllen dich. - - - - -Aus den Sonetten um C. - - -I - - Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken - Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend. - Schlägt von der Marmorberge Postament, - Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken: - - Ein wenig Mond mit Firmament gemischt, - Stöße von Nacht und Träume Intervallen. - Daß seine Augen auf die Städte fallen, - Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt. - - . . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken - Der gleich Palästen aufgestauten Brücken. - Alleeen rinnen hoch der Finsternis, - - Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis. - Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt - Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd. - - -II - - Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten - Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt. - Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden. - Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk. - - Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare. - In Ohres Muscheln flüstern Samoware. - Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut. - Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut. - - Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet. - Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet. - Von Cymbeln hingerafft ins Blau . . . Noch fand - - An ihren Lippen Ruh die steife Hand. - Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft. - Als hieß es heut zum erstenmal: »Ihr dürft . . .« - - -III - - Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne, - Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten: - Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten, - Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton. - - Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung - Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon. - Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon. - Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung - - Nur manchmal. Horizonte Ungefähres - Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken. - Um ihretwillen müssen Damen schminken, - - Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres - Zerrissenes Oval. Asyle stinken. - Sie _steht!_ Ihr die Verrufenen winken -- --. - - -IV - - Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger - Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn. - Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn. - (. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .) - - Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen. - Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen. - Aus Augen Waben träuft ein Honigmet. - Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät. - - Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier - Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) --: Wir!! - Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt. - - Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen - Er schaukelt, dreht . . . gleitend hinabgezogen. - Bis ers Finale der Posaunen bringt. - - - - -An C. - - -Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist, -als ob das Sterben, jetzt oder später, leichter würde, wenn man weiß: ich -selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich. - -C. - - Der Nacht quoll: schief verworren - Wölbt sich jetzt Morgen grad. - Du kannst ihn schreiten sehen - Ganz Wind und Schwebezeit. - - Sein Aug umstreichen Flüsse. - Tosender Wälder Schwung - Flackt um der Berge Schulter. - Des Tages Purpurküsse. - - Du kannst ihn schreiten sehen. - Nicht Qual fretzt ihn. Kein Dorn. - Der Nacht quoll: schief verworren - Ganz Wind und Schwebezeit. - - Aus Lilienfinger geußt dem - Gekrümmten Schwangeren Balsam. - Säuglingen, den Asylen - Träuft er der Lippen Brod. - - (. . . einst stürzten Worte Unflat, - Nun schmilzt ein Mond im Tönen. - Wie Quell springts aus der Flöte Horn. - Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .) - - Du kannst ihn schreiten sehen - -- die goldenen Wagen rauschen -- - Mit schmetterndem Tempostampfen, - Wo sich vor brüchigem Tor - Sein Volk in den Azur löst. - - -II - - Mond im Fluten Traums verweht, - Nachtigallen dich besuchen. - Wickelst dich aus schweißigem Tuche, - Tanzest auf Balkonen spät, - - Flackert noch ob dem Staket - Morgens klein der bunte Shawl. - Purpurküsse ausgesät - Schlürft er in den Städten fahl. - - In der Autos Röcheltuten - Gluckst ihm dünn dein Husten ganz. - Sprengt er laut entzwei die Buden. - Zirpt der Karusselle Kranz. - - ». . . Jäh in Huren die hohl kichern - Schnappt dein höchster Triller über. - Rette uns zu dir hinüber - Engel . . .« Herbstlaub wischt der Dichter. - - Unter Türen, Räderspeichen - Kauert brüchig das Gebild. - Harfenfinger in die Leichen - Krallt es schüttelnd, tönend wild. - - »Wiesen streust du aus. Im Gang - Kräuseln Wälder. Ströme Falten - Zündeln hoch in mystischem Schwang. - Kniee stoßen grad basalten. - Um die Schläfe schmiegt dein Gang. - - Langsam schmilzt der Stern ins Haar. - Flöte summt der Samowar. - Weite Weite gräbt sich trüber. - Rollt ein Atem -- Nächte Wind. - Pferdeaugen blühn im Kind. - Engel rette uns hinüber! . . .« - - -III - - Wir möchten uns begreifen - Hindurch, ja ganz das Unsere - In tauben Küssen fühlen. - Das alles: Bett, Fluß, Stühle, - Im Haar von Rosa Schleifen . . . - Das aber schreit als Unseres: - Im Schoß das Haupt zerwühlen, - Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen. - - Oft nächtens wir uns tönend schwingen - Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum. - Empor aus Tier und öliger Straße fingen - Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum. - Da stürzten Väter borstig-jähe - Herab den Trunkenen aus den Sphären. - Schwangere Mütter kreischend scheren - Ihm ab der Locken Schnee. - - Das Grab klafft uns bereitet. - Flößte uns Gifte ein im Trunk. - In Herbst-Laub fahl gekleidet - Wir schwieren in der Dämmerung - Der großen Städte. Quollen - Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot. - Man Nebel schlürft zum Abend-Brot. - Die Därme gleich Fabriken schollen. - - Und Echo brüllte tausendfach. - Da rinnen Augen klein. Erwacht - Des Engels Daseins-Blüte?! - Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich - Bog ab der Brust den Messer-Stich. - Neu formt er Rock und Hüte. - - Wie Bläue hell durchs Land geweitet - Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl. - Am Firmament heroisch schreiten - Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel. - - - - -Ekstasen der Zärtlichkeit - - -Du Einzige, -Die mich verstand -Die meine glühenden Verbrechen -Selig verwand. -Die meinen tiefen Schöpfergram -Ins Heilige gemildert -In ihren Geist hinübernahm. - -Mombert - - -I - - Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln. - Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau. - Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen. - Turban deines Haupts --: Spirale blumigen Regenbogenflusses. - - So müssen immer Städte dich besingen, - Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei, - Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen. - Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim. - - Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband - schlicht. - Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner - Lippen blüht. - Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich - löste. - Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück. - - Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden - sie sich. - Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht - Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch - umkreiselnd! - Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu - Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die - Planke deiner Hüfte. - Oft. Und einer um den anderen. - Je nachdem . . . - - Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen, - Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß. - Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen, - Die schwebten wieder groß im Meer gewiß. - - Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern, - Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild. - Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände: - Atem dein auch glättend den Berserker wild. - - Mütter so dich immer wiederholen: - Schreiterin im sprühenden Ornat. - Vielecksonnen breiten auf den Wangen, - Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld. - - -II - - . . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln, - Hinflutend auch im großen Nächtewind. - Symphonisch Klirren der entfachten Fenster - Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund. - - Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich. - Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten. - Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich, - Und Plätze mit der Sonne schwer beladen. - - Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will, - Der von der Brück ab in den Äther springt. - Die Transparente blitzen deinen Namen. - Du aller Kinos dröhnendes Plakat. - - Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen, - Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält. - Auf Bänken Strolche sich in dir verankern. - Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt. - - Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten, - Weit Menschenvölker spielend miteinand. - Die müssen bunte Fahnen um dich flattern. - Muster eingewoben dem Gewand. - - -III - - Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder. - Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell. - Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen. - Geborstene Städte -- brüllende! -- Schalmei. - - Und Niederknallen blökender Idioten -- - Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln -- - Und Liebender Geflüster vom Kanal -- - So buntgeflickte Segel hissen dich!! - - Er wird dich durch die vielen Länder tragen - Der junge Dichter, strahlende um ihn. - Ein Himalaya muß er tönend ragen, - Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen, - Zu dessen Füßen neue Städte knien. - - Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder. - Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz. - Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern. - Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell. - Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden, - Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden! - - Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern - Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild. - - Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern. - Nun werden sich die alten Staaten häuten. - Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild. - Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer. - Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer. - - -IV - - Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief - Grimassenhäuser Front, da packen - Der Gäule Hufe ins Gehirn. - Ein Dom treibt Widerhaken. - Du Hüterin . . . Die ziehst du all - Heraus magnetischer Streichelhände. - . . . O Haupt im Tabernackelschoß . . . - Laß mich, dir gut, vollenden! - - Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht - Peitscht an, rings Züge sausen. - Ein lilabrauner Himmel schwer - Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer. - Gespenstertote hausen. - Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht - In längsten Samumstößen. - Es stockt und ebbt schon der Tumult: - Melodisch schwemmen Abendfluren. - Wir Fabelschiffe wiegen. - - -- Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß. - Wie ist er da entsprossen! - Gleich Fahne flackert dessen Hos. - Vorbei die Kugeln spritzten. - Von dir gedacht er: so gefeit. - Gestauter Welt ein Zünder. - Die Arme wehen Signale weit. - Ekstatischer Verkünder!!! - - O Einsamkeit -- jetzt überwand - Dich heißestes Zerdringen. - Mein Prisma du, von mir durchbrannt - Zu tausend Strahlen schwingend. - Du streichest aus der Frauen dumpf - Gehock. Kristallenen Klumpen knetend, - Jäh meiner Brust: finster geballt. - Ein Labyrinth von Schimmelwald, - Erfüllt mit Mord der Schul und Väter. - - Wir kehren nicht zurück zum Schoß, - Gen Scharlachdämmerungen. - Vom Fundament wir bauten los - Uns. Tod ward übersprungen. - Du Brücke aus der Nacht Revier -- - Geharnischte Winter schlagen. - Wir schweben fest! Der Kragen - Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir. - - Du Engel an der Pforte. - So bin ich aufgeschält. - Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte. - An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld. - Verhüllte Meere knistern - Herein, der Donner breiter Takt. - Wir aber landeten an Küsten - Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt. - - Du klaffst: des Eilands Brunnen, - Daraus der reine Mann sich schöpft. - Nah Aeroplane knurren. - Ein Sterngewimmel tropft. - Von schaukelnden Tribünen - Gleich Flamm der Dichter loht: - Der Völker Psalmenhort, - Die rings um ihn wie Herden dehnen. - - Ja --: brüderlich Verschmelzen! - Nicht einsam, sondern _jeder_ sein! - Abschraubt des Hochmuts Stelze! - Fahrt in die Huren ein! - (Schraubt euch auch dumm und klein!) - Der Mantel wie ein Drahtzaun - Schlingt sich um unsere Hüfte. - O lasset uns restlos vertrauen! - Geschminkte Masken lüften!! - - Du hast es ihm vollbracht: - O brüderlich Verschmelzen. - Nacht schwillt: Lampione-Nacht. - Geteerte Sommer wälzen. - Wir blättern strahlend Fächer. - Von deiner Augen Süßsee - Schlürft oft der Lippe Mal. - -Frau Else Hadwiger gewidmet - - - - -Gehaßte Frau - - - ». . . So wiß es --: daß ich nachts die Straßen jage: - Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir! - Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend - Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!) - - Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend. - Die Gäule wiehern ironischen Salut. - Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend. - Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt. - - Grandioses Vieh . . . wo dick dein Atem webt, - Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule. - Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler: - Den der im Sud der trüben Schlämme klebt. - - Grandioses Vieh . . . Ins Kugellager des Gehirns verwachsen. - Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt. - So schreite aus --: den abrasierten Kopf - Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß. - - Grandioses Vieh . . . gehetzt wir schleifen durch Lokale. - O wie ich greif und greif nach tausend Skalen. - Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft. - Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen. - Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen - Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!« - - - - -Abschied von den Frauen - - -I - - Melodische Gärten taucht ihr langsam unter. - Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt. - Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter. - Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt. - Melodische Gärten taucht ihr langsam unter. - - Verlerntet ihr es --: bogenes Streicheln kühl?! - Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen. - Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt. - Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen. - Die ihr verlernt es --: bogenes Streicheln kühl. - - Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern. - Haubitzenloch der Sintflut Arie blies. - Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte. - Die Toten sprechen manchmal im Verließ. - Ja --: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der - Schultern. - Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander! - Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte - Höllenpein! - Zu neuen Küsten --: Aufbruch! Zug und Landung! - _Es müssen Brüder sein!!!_ - Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte. - Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch --: - Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein. - - -II - - Namenlose alle! Nicht Gesagte! - Wo, wo trifft man euer Angesicht?! - Euch zu sammeln ist es längst zu spät?! - _Klafft_ es heulend --: jenes Angesicht -- - - Von der Häuser Löcher übersät. - Von Kanälen kreuz und quer gekerbt. - Von dem Plätze-Pickel bös zernagt. - Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts. - - Langsam muß der Dichter euch entgleiten, - Viel zu lange schon bei euch verweilt. - Donner rast. Ein endlos Messer flicht - Sich dem Körper ein. Granate bricht. - Hoch den Dolomiten die sich seilen. - Euch umrankend hat er übersehn - Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand. - Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen. - Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand. - - Fahnen schwebet nach ihm euer Winken. - Welche Stunde bringt uns einst zurück?! - Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend - Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt. - Ach, wir waren nur uns Opfer beide: - Ausgeplündert oder überzückt. - Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid. - Ohne Schmerzen kehren wir zurück. - - Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet - Unserer Körper eingefallener Bau. - Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen! - Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt. - Regenbogen in die Landschaft malend - Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt. - Unsere Stirnen aller Armen Schild. - . . . Wanderung im Seligen-Gefild . . . - - - - -Zweiter Teil - -Verbrüderung - - -Novus nascitur ordo - -Mirabeau, 1. Mai 1789 - - - - -Getötetem Freund · Vermächtnis -des sterbenden Soldaten - - -Um den 30. Juli 1915 herum fiel -- gegen Frankreich verschickt -- der -vierundzwanzigjährige jüdische Handlungsreisende (mir Freund und Dichter) -Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht daß er sich noch kühn selbst -gelang, aber immerhin der Wenigen einer, die disziplinvoll genug, -erkämpftestem Führer vertrauend sich anschlossen. 2. bayrisches -Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß ---: euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn -- Geist vom Geist! - - -I - - O Morgen der uns Hyazinthe scheint! - Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber. - Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber, - Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein - - Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth. - Ihr bei Loretto . .! Gase Pest - Steigt Gloriole grause an dem Hügel. - Da -- erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel! - - Aufschweben wir umsäumt von rosenem West. - Im Nebel hocken Regimenter blind. - Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier. - - Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer. - Hört: führt herauf -- es strahlt! -- zum Totenfest - _Europa!!_ Blut kitt ungeheuerst!!! - - -II - - Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen -- - Wälder, und Räume einer heiligen Saat! - Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen - Sich neigend über dem entsunkenen Staat. - - -III - - Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane. - Vor weißer Küste fraß uns der Taifun. - In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen. - Vergilbte Schärpen in den Leibern nun. - - Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme, - Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau. - Die Kathedrale, deren Türme stemmen - Auf den Azur. Ein Drahtverhau - - Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend - Das Regiment, elastischer Panzer, zieht - Empor die Serpentine um die Brust. Geleise - Am Horizont nach dem Gestirne kniet. - - Wie denken wir euch Brüder in den Städten! - Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt! - Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt. - Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten. - - Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer. - Am End der Heros. Vor Europa führt. - Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer. - Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer. - Ja --: dess Gesang die Massenlöcher schürt. - - -IV - -An den General - - . . . Verreckend schau ich feistes Antlitz dich. - Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei! - Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich. - Anschob die Faust purpurene Bastei. - Armeeen stampftest in ein Höllgrab du. - Wozu?! - - Schon finstere Haufen sich zusammendrängen. - Es malmt zu Brei dich heulender Ballast. - Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen - Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast. - Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut. - Antönt es heut. - - Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen. - Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm! - Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile, - Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm. - Verfluchte ihr des Todes Lieferanten! - Kasernen stranden. - - Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen. - Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest. - Ein Vogellüster auf und niederfallen. - Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett. - Umarmt von Tieren Menschen ziehen, - Gestreift süß bunter Melodien. - - -- So will ich gern dir deine Falten glätten. - Ich fühl mich als des Daseins Untergrund. - Der mußte uns in Knochenwirrnis betten. - Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund, - Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl: - Mein General. - - - - -Der Entfernte · Georg Trakl - - - Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt. - Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein. - . . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt - Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein. - - Betaute Wiege. Doch erwacht er grell - Matt gießen Mond und Sterne sich herein. - Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell. - Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein. - - Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche - Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut. - Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen. - Wie Blasen steigend Böller Festsalut. - - Auf einmal dann --: gestreckte Schlote zischen. - Andante-Baß der Straße bunter Ton. - Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen -- - Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. -- - - Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt. - Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein. - . . . nur manchmal wie umarmend schlägt - Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein. - - - - -An den Tyrannen - - - Mittelpunkt du rasender Geschwüre! - Deine Poren brachen auf, nun blähen - Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen - Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an! - - Völker zogen singend dir zu Füßen - (Frauen hackend ein der Väter Arm, - Kindlein flattern an Musiken: Fetzen --), - Völker brausen in die Gruft der Schlacht. - - Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken. - Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum. - Große heilige schöne buntere Schiffe, - Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . . - - Schiffe menschbesät, o morgenfrische - Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen - Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten -- - Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund. - - Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren, - Finster rollend ob der Leichen Flur, - Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . . - Weichen sie doch, zückst du Messer nur! - Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren - Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr -- -- -- - Explodier o Raum! - Fern der Menschheit Traum! - Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!! - - Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden - Dich zuend. Noch Salven Höllenflug. - Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden. - Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug! - Sänge überspülend in Kaskaden - Monument dich. Auf all Himmel schlug. - Nebel zünden, rings Gewölk zerrann. - Arme breiten Völker dir Tyrann! - - - - -An Zola - - -Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend -und euerer Schande, die ich nackt hinstelle. Hinauf mit mir: arbeitend ihr -und ich. Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. Es heißt seine Pflicht -tun. - -Zola - - Um dich gruppieren sich die Neuen Städte. - Zementene Quadern. Dächer Überfall. - Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern. - Der Donnerzüge steilster Kurvenwall. - Um dich gruppieren sich die Neuen Städte. - - Es starren Dickicht rund die finsteren Völker: - Dornkranz der wie von Höllen widerscheint. - Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken. - Die Riesenpyramide aus Gebein. - So starren Dickicht rund die finsteren Völker. - - Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter: - Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt. - Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er - Der Hymnische. (-- Du Leite mir und Schirm -- ). - Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter. - - Da knospet auf aus deinem Inselgarten - -- Und strahlt! -- der Menschheit blaue Morgenwelt. - Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten. - Ein jeder groß und blühend eingestellt. - Wir knospen auf aus deinem Inselgarten. - - Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden - Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie. - Asyle platzen und Kasernen schwinden, - Durchdrungene von der Brudermelodie. - Purpurnes Schiff! Demokratie!! - - Zola --: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern! - O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat! - Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen. - Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad - Hinein in den Tumult und durch! Gewitter - Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen. - - - - -An den Frieden - - - O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind! - Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen. - Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind. - Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend. - - Dein Tag --: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut. - Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße. - Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu. - Fanfarenmünder Halleluja blasen. - - Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet, - Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein. - Millionen Toter schwarze Fahne weht - Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein. - - Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!? - Nein. Menschen wallen Heilige im Chor. - Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken. - Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor. - - Ihr --: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden! - Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt - Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten - Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt. - Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt! - Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!! - - - - -Tod des Fliegers über der Stadt - - - Da -- ein Meteor sich ab die Bombe löste. - Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt. - Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . . - Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste. - - Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf. - Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn. - Propelleratem streift ihn, Höllensturm. - ». . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .« - - Dann schrieen sie in wirrester Diskussion - Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen - Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen. - Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon - - Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat - Und saust und bohrt. Und _eines_ Rauches Säule - Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen. - Enorm. Ja --: eines Rauches Säule grad. - - Der Sockel --: Trichter aufgefüllt mit Kehricht. - Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt - Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen - Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal. - - - - -Verbrüderung - - - Wie geschah, daß nicht zusammenfanden - Du und du. Daß wir uns einsam-wund - Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden, - Kaum erkennend --: Flügel _eines_ Munds. - Von erhellten Räumen ausgeschlossen - Wir Verdammte zu der Straßen Flur. - Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen, - Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur. - - O --: wer hat zuerst dich angesprochen - Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament - Wer erbaute es?! Zerstochener - Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?! - Spieen es die Mäuler der Haubitzen - Jenes Urwort belfernden Geschreis?! - Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?! - Rollt es mit den Zügen stets vorbei --?! - - Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen - Ein sich spinnen in entfernter Bucht?! - Dostojewskis Feueraugen fressen. - Rasend Tolstoi in der Weite sucht. - Haben Mütter euch zum Mord geboren?! - Euer Schicksal --: schwank und qualgehetzt, - öffnet, öffnet euerer Brust die Tore, - Drein Azursee stürzt!!! - - Wallen mögen hier die breiten Scharen - Jener Toten. Düsterer Trommelzug. - Wald erglänzt von aufgelösten Haaren. - Münder strecken sich zu Siegfanfaren, - Langsam steuert schimmernder Brüste Bug. - Rings die Mädchen flattern gleich Libellen. - Droschkengäule tönend eingereiht. - Wir Zentrale. Städte, Länder schellen. - Welt gerinnt. Harmonisches Geläut. - - Und so wird die blanke Zukunft tagen: - Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut. - Keine Frauen an den Männern nagen. - Freunde schreiten groß und hochgemut. - Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen, - Auch bespült von stinkichtem Ekelsud. - Denn --! die Menschheit ist verrückt, - Längs und quer zerstückt: - Räuber-, Mörderbrut. - - Trotzdem -- überherrlich aufgelassen - Wälzt durch Münder Schleusen -- gleit o Hass! -- - Der Gesänge Strom. - Bajonette schwank wie Halmzeug knicken. - Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend. - Fetzen Wolken knittert der Pogrom. - O --: anhebt ein Zueinandereilen. - Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief. - Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile. - Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt. - - Weiße Dome schweben auch Fabriken. - Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken. - Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff. - Liebende auf weichen Dachgeländen - Sich dem Hostienmond entgegenwenden, - Immer höher steigt ihr Schiff. - Spät --: sie werden sich noch dumpf erinnern - Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl, - . . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern. - Marterkinder starben an der Schul. - - Ja --: sie müssen sich zusammenfalten - In die Lüfte ragend silberner Strauß. - Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen. - Monument --: nach Jahren zu bestehen, - Wieder wenn aus wütig eingekrallten - Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust. - Splitternd tanzen um die vielen Plätze - Mit der Bürger lautestem Märkteschwall. - Brüder! Unser Odem --: Leid zu letzen - Streich zurück den noch gewordenen Knall!! - - Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?! - Wer ist jener, den die Schuld betrifft, - Daß das Reich nicht zu uns kommt?! - Aber Lanzen stochern, Hellebarden - Pflügen auf phantastischer Wolken Trift. - Pferde klappern -- -- - Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter - In der Städte ödes Schlachtgefild! - Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!! - Tausend warten wild -- -- -- - - Gott du Zünder, so uns geistwärts führst: - Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft. - Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend. - Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft! - Morgenküsten nähern sich Spelunken, - Schmelzend ein Asyl. - Ihr --: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken - Müden Engels sanfter Wiegenpfühl. - - Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte - Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit. - Körper im Aussatz verdorrte - Gehen auf Landschaften Edens weit. - (. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .) - Von der Störche dunklen Herdenschwärmen, - Der Balkone Rechteck überdacht. - Wunder --: finsterer Klumpen der Gedärme - Ward zu knospener Schlingung aufgefacht. - - Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte - Weih ein jeder sich der ewigen Tat! - Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . . - Unser Psalm befiehlt euch --: heiß und grad. - Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!! - Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung! - Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan: - Himmel der Verbrüderung. - - - - -Die neue Welt - - -I - - Er war hinabgestiegen und er schaute. - Da schwankte wie ein Schiff das Fundament. - Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute. - Land angereiht an Land -- _ein_ Schrei stößt! -- brennt! - - Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten -- - Die Flügelarme flatternd ausgereckt. - Und welche hinter Kartenpulten sitzend -- - An buntem Plan das feiste Antlitz leckt. - - Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe. - Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei. - Millionen mußten in den Böden kleben. - (. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .) - Millionen vorgeführt gen die Bastei, - - Wo tackend Läufe die Portale zieren. - Granate fort der Dome Blüte scheuert. - Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren. - Da waten Regimenter klein durch Feuer. - - Und stürzen ineinander. Messermauern jäh. - Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet. - Und stürzen ineinander. Kauernde . . . - Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter! - - So hängen sie gleich zappelnden Figuren, - Exakt an Schnürchen hin und herbewegt. - Doch in den Städten hausen schöne Huren. - Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt - - Aus deren Poren. Und die Federn nicken - Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm. - Hah --: dort anblähen pustend sich Fabriken, - Bestien fett im wütigen Alarm. - - -II - - Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers. - Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest. - Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern. - In jedem Tier, in jedem Mensch verwest. - - Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden! - Er riß den Mantel von der Schultern Bug. - In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten, - Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug. - - Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet, - Heraus --: es scholl: Der Neuen Welt Programm. - Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet. - Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm. - - . . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten. - Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat. - Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden. - Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat. - - Antike Städte unter Dröhnen knittern. - Melodisch schwingt schon nächstes Paradies. - Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter - Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt. - - In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt. - Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb. - Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust. - Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust. - (. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .) - - Er war hinabgestiegen. Auf er bog - Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog. - Lang tobte Chaos in dess Angesicht. - O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!! - - -III - - Da rollen Züge tönend im Gelände, - Das auf sich wölbte, breit und wunderbar. - Er schwebt -- ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende, - Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar. - - Lichtsäulen schreiten Menschen überall. - Kristallene Wälder blitzen in den Räumen, - Verzogen der Gewitter Überfall. - Gebirge Katarakte Donner säumen. - - Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land, - Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther! - In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand - Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder. - - O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt! - Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet. - Stern an Stern durchflochtene Wies: - Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . . - - Entreinigt euch der winterlichen Städte, - Der Nebelstraße tauichtem Gebrest! - Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern. - (. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .) - Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs. - - Nationen ewige, so ihr befreit - Euch -- Tat! -- aus mördrischen Tyrannengriffen!! - Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit, - Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen. - - Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen. - Rings Völker brausen in die Himmel grad. - Sterngefilde blanker Bajonette spannen - Sich neigend über dem entsunkenen Staat. - - - - -Inhaltsverzeichnis - - -Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen -der Zärtlichkeit · Abschied von den -Frauen - - Ödipus. I u. II 5 - Mädchen I--IV 7 - Aus den Sonetten um C. I--IV 11 - An C. I--III 13 - Ekstasen der Zärtlichkeit I--IV 17 - Gehaßte Frau 23 - Abschied von den Frauen I u. II 24 - - -Zweiter Teil: Verbrüderung - - Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I--IV 29 - Der Entfernte · Georg Trakl 32 - An den Tyrannen 33 - An Zola 35 - An den Frieden 37 - Tod des Fliegers über der Stadt 38 - Verbrüderung 39 - Die neue Welt I--III 43 - - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG *** - -***** This file should be named 41706-8.txt or 41706-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/1/7/0/41706/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. Special rules, -set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to -copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to -protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project -Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you -charge for the eBooks, unless you receive specific permission. 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General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy -all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. -If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project -Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the -terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or -entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - diff --git a/41706-8.zip b/41706-8.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index fe3b1cd..0000000 --- a/41706-8.zip +++ /dev/null diff --git a/41706-h.zip b/41706-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index f2e6ba4..0000000 --- a/41706-h.zip +++ /dev/null diff --git a/41706-h/41706-h.htm b/41706-h/41706-h.htm index 322e11c..4676791 100644 --- a/41706-h/41706-h.htm +++ b/41706-h/41706-h.htm @@ -2,9 +2,9 @@ "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> <html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head> -<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> -<title>The Project Gutenberg eBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher</title> -<!-- TITLE="Verbrüderung" --> +<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=UTF-8" /> +<title>The Project Gutenberg eBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher</title> +<!-- TITLE="Verbrüderung" --> <!-- AUTHOR="Johannes R. Becher" --> <!-- LANGUAGE="de" --> @@ -120,44 +120,10 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; } </head> <body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Verbrüderung - Gedichte - -Author: Johannes R. Becher - -Release Date: December 26, 2012 [EBook #41706] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - -</pre> +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***</div> <h1 style="line-height:1em; font-weight:normal; letter-spacing:0.1em; margin-bottom:1em;"> -<span style="font-size:1em;">VERBRÜDERUNG</span><br /> +<span style="font-size:1em;">VERBRÜDERUNG</span><br /> <br /> <span style="font-size:0.6em;">GEDICHTE<br /> VON</span><br /> @@ -176,8 +142,8 @@ KURT WOLFF VERLAG<br /> <p class="center" style="page-break-before:always; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em; margin-left:auto; margin-right:auto; max-width:27em; letter-spacing:0.1em;"> Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Februar 1916 -als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste -Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den +als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste +Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den Jahren 1915 und 1916 in Berlin geschrieben Sie sind meinen Freunden gewidmet </p> @@ -193,23 +159,23 @@ COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG <a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a> Erster Teil<br /> <br /> -Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit /<br /> +Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit /<br /> Abschied von den Frauen </h1> <p class="motto"> -Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen —<br /> +Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen —<br /> Kampf war auch dies. Krieg. Vergewaltigung.<br /> -Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens,<br /> -Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten,<br /> +Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens,<br /> +Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten,<br /> <span class="em">Paradies erarbeiten!</span><br /> -Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs:<br /> +Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs:<br /> Wie noch vergebens . . . </p> <h2 class="chapter" id="chapter-1-1"> <a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -Ödipus +Ödipus </h2> <h3 class="no" id="subchap-1-1-1"> @@ -217,31 +183,31 @@ I </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Der Knabe wartet auf die Mutterblüte,</p> - <p class="line">Die unter bauschenden Gewändern thront.</p> - <p class="line">Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte,</p> + <p class="line">Der Knabe wartet auf die Mutterblüte,</p> + <p class="line">Die unter bauschenden Gewändern thront.</p> + <p class="line">Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte,</p> <p class="line">Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Der Vater muß verreisen in den Norden.</p> - <p class="line">Niemand herein in unsere Nächte stört.</p> + <p class="line">Der Vater muß verreisen in den Norden.</p> + <p class="line">Niemand herein in unsere Nächte stört.</p> <p class="line">(. . . ach Vater du wie oft um sie gemordet . . .)</p> - <p class="line">Der Mutterblüte tief er angehört. —</p> + <p class="line">Der Mutterblüte tief er angehört. —</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken.</p> - <p class="line">Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett.</p> + <p class="line">Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken.</p> + <p class="line">Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett.</p> <p class="line">Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen.</p> <p class="line">Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren.</p> + <p class="line">Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren.</p> <p class="line">Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand.</p> - <p class="line">Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren.</p> - <p class="line">Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.</p> + <p class="line">Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren.</p> + <p class="line">Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-1-2"> @@ -253,60 +219,60 @@ An den Vater </p> <div class="poem"> - <p class="line">Schlangenader längs der Stirne rollt.</p> - <p class="line">Gabel stößt er pfeifend in Salat.</p> - <p class="line">Weißer Suppe krummes Maul träuft voll.</p> - <p class="line">Makkaroni würgt aus Nase grad.</p> + <p class="line">Schlangenader längs der Stirne rollt.</p> + <p class="line">Gabel stößt er pfeifend in Salat.</p> + <p class="line">Weißer Suppe krummes Maul träuft voll.</p> + <p class="line">Makkaroni würgt aus Nase grad.</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a> <p class="line">In den Weinberg kroch er, dichtes Laub,</p> - <p class="line">Den Kniefällen seiner Kinder taub:</p> - <p class="line">Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen.</p> - <p class="line">Die ihn sucht, sich bückt —: sie schreckt die Blöße.</p> - <p class="line">Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm.</p> + <p class="line">Den Kniefällen seiner Kinder taub:</p> + <p class="line">Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen.</p> + <p class="line">Die ihn sucht, sich bückt —: sie schreckt die Blöße.</p> + <p class="line">Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm.</p> <p class="line">Szepter in der Faust des Patriarchen.</p> - <p class="line">Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm</p> - <p class="line">Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.</p> + <p class="line">Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm</p> + <p class="line">Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Später, da er vor den weiten Plätzen</p> - <p class="line">Ängstigend sich preßt in ihren Arm —</p> + <p class="line">Später, da er vor den weiten Plätzen</p> + <p class="line">Ängstigend sich preßt in ihren Arm —</p> <p class="line">Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken,</p> - <p class="line">So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . .</p> - <p class="line">(Mancher stößt sich in sie rauschend warm).</p> - <p class="line">Die ihm dient als Boot zum Übersetzen.</p> - <p class="line">Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.</p> + <p class="line">So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . .</p> + <p class="line">(Mancher stößt sich in sie rauschend warm).</p> + <p class="line">Die ihm dient als Boot zum Übersetzen.</p> + <p class="line">Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Finger birgt sie, die erfroren rot</p> - <p class="line">Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert.</p> - <p class="line">Aus geschwollener Augen Köcher</p> - <p class="line">Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.</p> + <p class="line">Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert.</p> + <p class="line">Aus geschwollener Augen Köcher</p> + <p class="line">Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Niederstürzt sie, die er täppisch rupft,</p> - <p class="line">An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch.</p> + <p class="line">Niederstürzt sie, die er täppisch rupft,</p> + <p class="line">An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch.</p> <p class="line">Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft:</p> <p class="line">Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Bei dem Löffel in die Teller Klirren —:</p> + <p class="line">Bei dem Löffel in die Teller Klirren —:</p> <p class="line">Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann!</p> <p class="line">Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert</p> - <p class="line">Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert</p> + <p class="line">Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert</p> <p class="line">Vor dem Schlafgemach — bis schwirrend</p> - <p class="line">Saust das Beil! Das Beil —: es fällt dich an!</p> + <p class="line">Saust das Beil! Das Beil —: es fällt dich an!</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-1-2"> <a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -Mädchen +Mädchen </h2> <h3 class="no" id="subchap-1-2-1"> @@ -319,42 +285,42 @@ Franziska <div class="poem"> <p class="line">Du Engel ihm vom Zigarettenladen!</p> - <p class="line">Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam.</p> - <p class="line">Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden.</p> + <p class="line">Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam.</p> + <p class="line">Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden.</p> <p class="line">Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am</p> - <p class="line">Geblümten Weg, mit Karussells beladen,</p> - <p class="line">Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern —</p> - <p class="line">Die Augen sich mit dessen Schein berändern.</p> + <p class="line">Geblümten Weg, mit Karussells beladen,</p> + <p class="line">Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern —</p> + <p class="line">Die Augen sich mit dessen Schein berändern.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Doch bald —: er explodiert mit Bombenschritten</p> <p class="line"><span class="em">Ein neuer Vater!</span> in dem Schlafgemach!!</p> <p class="line">Der Faust entrasseln paukende Gewitter.</p> - <p class="line">Und tausend Väter kollern heulend nach!</p> + <p class="line">Und tausend Väter kollern heulend nach!</p> <p class="line">Gepeitschte aller Welt in uns erzittern.</p> - <p class="line">Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben.</p> + <p class="line">Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben.</p> <p class="line">Sie wollte nurmehr — aus — dem Browning glauben.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte</p> - <p class="line">An seine Mutter. Auch sie —: fühllos kalt.</p> + <p class="line">Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte</p> + <p class="line">An seine Mutter. Auch sie —: fühllos kalt.</p> <p class="line">Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen.</p> <p class="line">Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald,</p> - <p class="line">Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen</p> + <p class="line">Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen</p> <p class="line">Azur, inmitten bunt die Sonne platzt.</p> - <p class="line">O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.</p> + <p class="line">O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht</p> - <p class="line">Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen!</p> - <p class="line">Da —: in die Brüste ihr die Kugel sticht.</p> - <p class="line">Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen.</p> - <p class="line">Bald löscht auch er. — Bis groß die Tür ausbricht:</p> + <p class="line">Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht</p> + <p class="line">Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen!</p> + <p class="line">Da —: in die Brüste ihr die Kugel sticht.</p> + <p class="line">Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen.</p> + <p class="line">Bald löscht auch er. — Bis groß die Tür ausbricht:</p> <p class="line">Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen,</p> - <p class="line">Behelmte Götter sich im Raum verteilend.</p> + <p class="line">Behelmte Götter sich im Raum verteilend.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-2-2"> @@ -368,14 +334,14 @@ Dorka <div class="poem"> <p class="line">Sie —: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust.</p> - <p class="line">Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte.</p> + <p class="line">Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte.</p> <p class="line">Ihm Helferin zu seinem ersten Bau.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte.</p> + <p class="line">Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte.</p> <p class="line">Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen.</p> - <p class="line">(— vor der er sich zum Trank der Gosse bückte —)</p> + <p class="line">(— vor der er sich zum Trank der Gosse bückte —)</p> </div> <div class="poem"> @@ -387,29 +353,29 @@ Dorka <div class="poem"> <p class="line">Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht!</p> <p class="line">Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer.</p> - <p class="line">Die Sterne purzeln tönend in den Schacht</p> + <p class="line">Die Sterne purzeln tönend in den Schacht</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Des Schoßes. Wolkgemäuer</p> - <p class="line">Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut.</p> - <p class="line">Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!</p> + <p class="line">Des Schoßes. Wolkgemäuer</p> + <p class="line">Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut.</p> + <p class="line">Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut.</p> - <p class="line">Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt.</p> - <p class="line">. . . und von Morästen braut</p> + <p class="line">Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt.</p> + <p class="line">. . . und von Morästen braut</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor</p> <p class="line">Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten.</p> - <p class="line">Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.</p> + <p class="line">Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">An Schläfen Nester triefender Kasematten.</p> + <p class="line">An Schläfen Nester triefender Kasematten.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-2-3"> @@ -422,38 +388,38 @@ Mary </p> <div class="poem"> - <p class="line">Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren,</p> + <p class="line">Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren,</p> <p class="line">Ellipsenscheiben; Pyramidenwald</p> - <p class="line">Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen.</p> + <p class="line">Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen.</p> <p class="line">Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt . . .</p> - <p class="line">Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt.</p> + <p class="line">Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt.</p> <p class="line">Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten!</p> - <p class="line">So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt.</p> + <p class="line">So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt.</p> <p class="line">Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken.</p> <p class="line">Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen:</p> <p class="line">Gebogenheit an solchem Leib zu lernen.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Man wird stets denken: Atem dieser Brüste!</p> - <p class="line">Und morgens lösch ich mit der Frühe aus!</p> - <p class="line">Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste.</p> - <p class="line">Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus.</p> - <p class="line">Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen,</p> + <p class="line">Man wird stets denken: Atem dieser Brüste!</p> + <p class="line">Und morgens lösch ich mit der Frühe aus!</p> + <p class="line">Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste.</p> + <p class="line">Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus.</p> + <p class="line">Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen,</p> <p class="line">Die wieder drehn in Linien Zickzack unter.</p> <p class="line">Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen</p> <p class="line">Im Kelch des Worts —: Millionen Fischlein munter</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen.</p> - <p class="line">Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein.</p> - <p class="line">Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen.</p> + <p class="line">Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen.</p> + <p class="line">Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein.</p> + <p class="line">Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen.</p> <p class="line">Eidechsen Ornament dich benedeit.</p> - <p class="line">An Gitterästen kleben Spülichtratten,</p> - <p class="line">Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan.</p> - <p class="line">Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern.</p> - <p class="line">Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.</p> + <p class="line">An Gitterästen kleben Spülichtratten,</p> + <p class="line">Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan.</p> + <p class="line">Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern.</p> + <p class="line">Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.</p> </div> <div class="poem"> @@ -461,9 +427,9 @@ Mary <p class="line">Die Zauberin ins Paradies. Gefieder</p> <p class="line">Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft.</p> <p class="line">Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?!</p> - <p class="line">. . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . .</p> - <p class="line">Der Stadt Geräusche schrillen ineinander.</p> - <p class="line">Kanäleschiffe schnellen rings vorbei</p> + <p class="line">. . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . .</p> + <p class="line">Der Stadt Geräusche schrillen ineinander.</p> + <p class="line">Kanäleschiffe schnellen rings vorbei</p> <p class="line">Du balanzierst auf des Gebirges Kante,</p> <p class="line">Faltest die Kerker, Heilige, entzwei.</p> </div> @@ -477,9 +443,9 @@ Emmy </p> <div class="poem"> - <p class="line">Du deren Mund an Horizonte knüpfte</p> - <p class="line">Einst düsteren Dichter —: er beträumt dich schwer.</p> - <p class="line">Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen.</p> + <p class="line">Du deren Mund an Horizonte knüpfte</p> + <p class="line">Einst düsteren Dichter —: er beträumt dich schwer.</p> + <p class="line">Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen.</p> <p class="line">Versammlerin an kaum betretenem Ort.</p> </div> @@ -490,15 +456,15 @@ Emmy </div> <div class="poem"> - <p class="line">Ja —: Satzgefüge tollste meißeln dich:</p> - <p class="line">Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt</p> - <p class="line">Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . .</p> + <p class="line">Ja —: Satzgefüge tollste meißeln dich:</p> + <p class="line">Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt</p> + <p class="line">Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . .</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Und diese Hand so schlug <span class="em">sprengt!</span> deine Brüste.</p> + <p class="line">Und diese Hand so schlug <span class="em">sprengt!</span> deine Brüste.</p> <p class="line">O! Jungfrau von Orleans unsere!</p> - <p class="line">Fahnen: Gesänge hüllen dich.</p> + <p class="line">Fahnen: Gesänge hüllen dich.</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-1-3"> @@ -511,29 +477,29 @@ I </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken</p> + <p class="line">Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken</p> <p class="line">Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend.</p> - <p class="line">Schlägt von der Marmorberge Postament,</p> - <p class="line">Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:</p> + <p class="line">Schlägt von der Marmorberge Postament,</p> + <p class="line">Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein wenig Mond mit Firmament gemischt,</p> - <p class="line">Stöße von Nacht und Träume Intervallen.</p> - <p class="line">Daß seine Augen auf die Städte fallen,</p> - <p class="line">Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.</p> + <p class="line">Stöße von Nacht und Träume Intervallen.</p> + <p class="line">Daß seine Augen auf die Städte fallen,</p> + <p class="line">Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">. . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken</p> - <p class="line">Der gleich Palästen aufgestauten Brücken.</p> + <p class="line">. . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken</p> + <p class="line">Der gleich Palästen aufgestauten Brücken.</p> <p class="line">Alleeen rinnen hoch der Finsternis,</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis.</p> - <p class="line">Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt</p> - <p class="line">Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.</p> + <p class="line">Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis.</p> + <p class="line">Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt</p> + <p class="line">Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-3-2"> @@ -541,29 +507,29 @@ II </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten</p> - <p class="line">Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt.</p> + <p class="line">Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten</p> + <p class="line">Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt.</p> <p class="line">Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden.</p> - <p class="line">Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.</p> + <p class="line">Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare.</p> - <p class="line">In Ohres Muscheln flüstern Samoware.</p> - <p class="line">Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut.</p> + <p class="line">In Ohres Muscheln flüstern Samoware.</p> + <p class="line">Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut.</p> <p class="line">Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet.</p> - <p class="line">Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet.</p> + <p class="line">Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet.</p> <p class="line">Von Cymbeln hingerafft ins Blau . . . Noch fand</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">An ihren Lippen Ruh die steife Hand.</p> - <p class="line">Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft.</p> - <p class="line">Als hieß es heut zum erstenmal: „Ihr dürft . . .“</p> + <p class="line">Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft.</p> + <p class="line">Als hieß es heut zum erstenmal: „Ihr dürft . . .“</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-3-3"> @@ -572,27 +538,27 @@ III </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne,</p> - <p class="line">Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten:</p> - <p class="line">Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten,</p> + <p class="line">Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne,</p> + <p class="line">Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten:</p> + <p class="line">Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten,</p> <p class="line">Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung</p> - <p class="line">Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon.</p> + <p class="line">Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung</p> + <p class="line">Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon.</p> <p class="line">Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon.</p> - <p class="line">Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung</p> + <p class="line">Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Nur manchmal. Horizonte Ungefähres</p> - <p class="line">Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken.</p> - <p class="line">Um ihretwillen müssen Damen schminken,</p> + <p class="line">Nur manchmal. Horizonte Ungefähres</p> + <p class="line">Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken.</p> + <p class="line">Um ihretwillen müssen Damen schminken,</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres</p> + <p class="line">Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres</p> <p class="line">Zerrissenes Oval. Asyle stinken.</p> <p class="line">Sie <span class="em">steht!</span> Ihr die Verrufenen winken — —.</p> </div> @@ -602,27 +568,27 @@ IV </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger</p> + <p class="line">Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger</p> <p class="line">Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn.</p> - <p class="line">Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn.</p> - <p class="line">(. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .)</p> + <p class="line">Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn.</p> + <p class="line">(. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .)</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen.</p> + <p class="line">Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen.</p> <p class="line">Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen.</p> - <p class="line">Aus Augen Waben träuft ein Honigmet.</p> - <p class="line">Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät.</p> + <p class="line">Aus Augen Waben träuft ein Honigmet.</p> + <p class="line">Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier</p> - <p class="line">Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) —: Wir!!</p> - <p class="line">Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.</p> + <p class="line">Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier</p> + <p class="line">Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) —: Wir!!</p> + <p class="line">Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen</p> + <p class="line">Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen</p> <p class="line">Er schaukelt, dreht . . . gleitend hinabgezogen.</p> <p class="line">Bis ers Finale der Posaunen bringt.</p> </div> @@ -633,11 +599,11 @@ An C. </h2> <p class="motto2"> -Manchmal meine ich, Du könntest +Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist, als ob das Sterben, jetzt -oder später, leichter würde, wenn -man weiß: ich selber konnte wohl +oder später, leichter würde, wenn +man weiß: ich selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich. </p> @@ -648,16 +614,16 @@ C. <div class="poem"> <p class="line">Der Nacht quoll: schief verworren</p> - <p class="line">Wölbt sich jetzt Morgen grad.</p> + <p class="line">Wölbt sich jetzt Morgen grad.</p> <p class="line">Du kannst ihn schreiten sehen</p> <p class="line">Ganz Wind und Schwebezeit.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Sein Aug umstreichen Flüsse.</p> - <p class="line">Tosender Wälder Schwung</p> + <p class="line">Sein Aug umstreichen Flüsse.</p> + <p class="line">Tosender Wälder Schwung</p> <p class="line">Flackt um der Berge Schulter.</p> - <p class="line">Des Tages Purpurküsse.</p> + <p class="line">Des Tages Purpurküsse.</p> </div> <div class="poem"> @@ -668,25 +634,25 @@ C. </div> <div class="poem"> - <p class="line">Aus Lilienfinger geußt dem</p> - <p class="line">Gekrümmten Schwangeren Balsam.</p> - <p class="line">Säuglingen, den Asylen</p> - <p class="line">Träuft er der Lippen Brod.</p> + <p class="line">Aus Lilienfinger geußt dem</p> + <p class="line">Gekrümmten Schwangeren Balsam.</p> + <p class="line">Säuglingen, den Asylen</p> + <p class="line">Träuft er der Lippen Brod.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">(. . . einst stürzten Worte Unflat,</p> - <p class="line">Nun schmilzt ein Mond im Tönen.</p> - <p class="line">Wie Quell springts aus der Flöte Horn.</p> - <p class="line">Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .)</p> + <p class="line">(. . . einst stürzten Worte Unflat,</p> + <p class="line">Nun schmilzt ein Mond im Tönen.</p> + <p class="line">Wie Quell springts aus der Flöte Horn.</p> + <p class="line">Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .)</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Du kannst ihn schreiten sehen</p> <p class="line">— die goldenen Wagen rauschen —</p> <p class="line">Mit schmetterndem Tempostampfen,</p> - <p class="line">Wo sich vor brüchigem Tor</p> - <p class="line">Sein Volk in den Azur löst.</p> + <p class="line">Wo sich vor brüchigem Tor</p> + <p class="line">Sein Volk in den Azur löst.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-4-1"> @@ -697,54 +663,54 @@ II <div class="poem"> <p class="line">Mond im Fluten Traums verweht,</p> <p class="line">Nachtigallen dich besuchen.</p> - <p class="line">Wickelst dich aus schweißigem Tuche,</p> - <p class="line">Tanzest auf Balkonen spät,</p> + <p class="line">Wickelst dich aus schweißigem Tuche,</p> + <p class="line">Tanzest auf Balkonen spät,</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Flackert noch ob dem Staket</p> <p class="line">Morgens klein der bunte Shawl.</p> - <p class="line">Purpurküsse ausgesät</p> - <p class="line">Schlürft er in den Städten fahl.</p> + <p class="line">Purpurküsse ausgesät</p> + <p class="line">Schlürft er in den Städten fahl.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">In der Autos Röcheltuten</p> - <p class="line">Gluckst ihm dünn dein Husten ganz.</p> + <p class="line">In der Autos Röcheltuten</p> + <p class="line">Gluckst ihm dünn dein Husten ganz.</p> <p class="line">Sprengt er laut entzwei die Buden.</p> <p class="line">Zirpt der Karusselle Kranz.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">„. . . Jäh in Huren die hohl kichern</p> - <p class="line">Schnappt dein höchster Triller über.</p> - <p class="line">Rette uns zu dir hinüber</p> + <p class="line">„. . . Jäh in Huren die hohl kichern</p> + <p class="line">Schnappt dein höchster Triller über.</p> + <p class="line">Rette uns zu dir hinüber</p> <p class="line">Engel . . .“ Herbstlaub wischt der Dichter.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Unter Türen, Räderspeichen</p> - <p class="line">Kauert brüchig das Gebild.</p> + <p class="line">Unter Türen, Räderspeichen</p> + <p class="line">Kauert brüchig das Gebild.</p> <p class="line">Harfenfinger in die Leichen</p> - <p class="line">Krallt es schüttelnd, tönend wild.</p> + <p class="line">Krallt es schüttelnd, tönend wild.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">„Wiesen streust du aus. Im Gang</p> - <p class="line">Kräuseln Wälder. Ströme Falten</p> - <p class="line">Zündeln hoch in mystischem Schwang.</p> - <p class="line">Kniee stoßen grad basalten.</p> - <p class="line">Um die Schläfe schmiegt dein Gang.</p> + <p class="line">Kräuseln Wälder. Ströme Falten</p> + <p class="line">Zündeln hoch in mystischem Schwang.</p> + <p class="line">Kniee stoßen grad basalten.</p> + <p class="line">Um die Schläfe schmiegt dein Gang.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Langsam schmilzt der Stern ins Haar.</p> - <p class="line">Flöte summt der Samowar.</p> + <p class="line">Flöte summt der Samowar.</p> <a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> - <p class="line">Weite Weite gräbt sich trüber.</p> - <p class="line">Rollt ein Atem — Nächte Wind.</p> - <p class="line">Pferdeaugen blühn im Kind.</p> - <p class="line">Engel rette uns hinüber! . . .“</p> + <p class="line">Weite Weite gräbt sich trüber.</p> + <p class="line">Rollt ein Atem — Nächte Wind.</p> + <p class="line">Pferdeaugen blühn im Kind.</p> + <p class="line">Engel rette uns hinüber! . . .“</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-4-2"> @@ -752,68 +718,68 @@ III </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Wir möchten uns begreifen</p> + <p class="line">Wir möchten uns begreifen</p> <p class="line">Hindurch, ja ganz das Unsere</p> - <p class="line">In tauben Küssen fühlen.</p> - <p class="line">Das alles: Bett, Fluß, Stühle,</p> + <p class="line">In tauben Küssen fühlen.</p> + <p class="line">Das alles: Bett, Fluß, Stühle,</p> <p class="line">Im Haar von Rosa Schleifen . . .</p> <p class="line">Das aber schreit als Unseres:</p> - <p class="line">Im Schoß das Haupt zerwühlen,</p> - <p class="line">Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.</p> + <p class="line">Im Schoß das Haupt zerwühlen,</p> + <p class="line">Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Oft nächtens wir uns tönend schwingen</p> - <p class="line">Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum.</p> - <p class="line">Empor aus Tier und öliger Straße fingen</p> - <p class="line">Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum.</p> - <p class="line">Da stürzten Väter borstig-jähe</p> - <p class="line">Herab den Trunkenen aus den Sphären.</p> - <p class="line">Schwangere Mütter kreischend scheren</p> + <p class="line">Oft nächtens wir uns tönend schwingen</p> + <p class="line">Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum.</p> + <p class="line">Empor aus Tier und öliger Straße fingen</p> + <p class="line">Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum.</p> + <p class="line">Da stürzten Väter borstig-jähe</p> + <p class="line">Herab den Trunkenen aus den Sphären.</p> + <p class="line">Schwangere Mütter kreischend scheren</p> <p class="line">Ihm ab der Locken Schnee.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Das Grab klafft uns bereitet.</p> - <p class="line">Flößte uns Gifte ein im Trunk.</p> + <p class="line">Flößte uns Gifte ein im Trunk.</p> <p class="line">In Herbst-Laub fahl gekleidet</p> - <p class="line">Wir schwieren in der Dämmerung</p> - <p class="line">Der großen Städte. Quollen</p> - <p class="line">Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot.</p> - <p class="line">Man Nebel schlürft zum Abend-Brot.</p> - <p class="line">Die Därme gleich Fabriken schollen.</p> + <p class="line">Wir schwieren in der Dämmerung</p> + <p class="line">Der großen Städte. Quollen</p> + <p class="line">Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot.</p> + <p class="line">Man Nebel schlürft zum Abend-Brot.</p> + <p class="line">Die Därme gleich Fabriken schollen.</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> - <p class="line">Und Echo brüllte tausendfach.</p> + <p class="line">Und Echo brüllte tausendfach.</p> <p class="line">Da rinnen Augen klein. Erwacht</p> - <p class="line">Des Engels Daseins-Blüte?!</p> - <p class="line">Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich</p> + <p class="line">Des Engels Daseins-Blüte?!</p> + <p class="line">Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich</p> <p class="line">Bog ab der Brust den Messer-Stich.</p> - <p class="line">Neu formt er Rock und Hüte.</p> + <p class="line">Neu formt er Rock und Hüte.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wie Bläue hell durchs Land geweitet</p> - <p class="line">Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl.</p> + <p class="line">Wie Bläue hell durchs Land geweitet</p> + <p class="line">Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl.</p> <p class="line">Am Firmament heroisch schreiten</p> - <p class="line">Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.</p> + <p class="line">Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-1-5"> <a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> -Ekstasen der Zärtlichkeit +Ekstasen der Zärtlichkeit </h2> <p class="motto"> Du Einzige,<br /> Die mich verstand<br /> -Die meine glühenden Verbrechen<br /> +Die meine glühenden Verbrechen<br /> Selig verwand.<br /> -Die meinen tiefen Schöpfergram<br /> +Die meinen tiefen Schöpfergram<br /> Ins Heilige gemildert<br /> -In ihren Geist hinübernahm. +In ihren Geist hinübernahm. </p> <p class="sign"> @@ -825,55 +791,55 @@ I </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln.</p> - <p class="line">Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau.</p> - <p class="line">Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen.</p> + <p class="line">Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln.</p> + <p class="line">Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau.</p> + <p class="line">Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen.</p> <p class="line">Turban deines Haupts —: Spirale blumigen Regenbogenflusses.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">So müssen immer Städte dich besingen,</p> - <p class="line">Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei,</p> + <p class="line">So müssen immer Städte dich besingen,</p> + <p class="line">Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei,</p> <p class="line">Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen.</p> - <p class="line">Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.</p> + <p class="line">Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband schlicht.</p> - <p class="line">Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner Lippen blüht.</p> - <p class="line">Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich löste.</p> - <p class="line">Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.</p> + <p class="line">Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband schlicht.</p> + <p class="line">Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner Lippen blüht.</p> + <p class="line">Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich löste.</p> + <p class="line">Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden sie sich.</p> - <p class="line">Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht</p> + <p class="line">Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden sie sich.</p> + <p class="line">Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht</p> <p class="line">Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch umkreiselnd!</p> <a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> - <p class="line">Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die Planke deiner Hüfte.</p> + <p class="line">Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die Planke deiner Hüfte.</p> <p class="line">Oft. Und einer um den anderen.</p> <p class="line">Je nachdem . . .</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen,</p> - <p class="line">Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß.</p> - <p class="line">Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen,</p> - <p class="line">Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.</p> + <p class="line">Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen,</p> + <p class="line">Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß.</p> + <p class="line">Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen,</p> + <p class="line">Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern,</p> <p class="line">Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild.</p> - <p class="line">Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände:</p> - <p class="line">Atem dein auch glättend den Berserker wild.</p> + <p class="line">Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände:</p> + <p class="line">Atem dein auch glättend den Berserker wild.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Mütter so dich immer wiederholen:</p> - <p class="line">Schreiterin im sprühenden Ornat.</p> + <p class="line">Mütter so dich immer wiederholen:</p> + <p class="line">Schreiterin im sprühenden Ornat.</p> <p class="line">Vielecksonnen breiten auf den Wangen,</p> - <p class="line">Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.</p> + <p class="line">Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-1-5-2"> @@ -881,38 +847,38 @@ II </h3> <div class="poem"> - <p class="line">. . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln,</p> - <p class="line">Hinflutend auch im großen Nächtewind.</p> + <p class="line">. . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln,</p> + <p class="line">Hinflutend auch im großen Nächtewind.</p> <p class="line">Symphonisch Klirren der entfachten Fenster</p> - <p class="line">Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.</p> + <p class="line">Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich.</p> - <p class="line">Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten.</p> - <p class="line">Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich,</p> - <p class="line">Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.</p> + <p class="line">Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich.</p> + <p class="line">Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten.</p> + <p class="line">Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich,</p> + <p class="line">Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will,</p> - <p class="line">Der von der Brück ab in den Äther springt.</p> + <p class="line">Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will,</p> + <p class="line">Der von der Brück ab in den Äther springt.</p> <p class="line">Die Transparente blitzen deinen Namen.</p> - <p class="line">Du aller Kinos dröhnendes Plakat.</p> + <p class="line">Du aller Kinos dröhnendes Plakat.</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> <p class="line">Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen,</p> - <p class="line">Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält.</p> - <p class="line">Auf Bänken Strolche sich in dir verankern.</p> - <p class="line">Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.</p> + <p class="line">Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält.</p> + <p class="line">Auf Bänken Strolche sich in dir verankern.</p> + <p class="line">Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten,</p> - <p class="line">Weit Menschenvölker spielend miteinand.</p> - <p class="line">Die müssen bunte Fahnen um dich flattern.</p> + <p class="line">Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten,</p> + <p class="line">Weit Menschenvölker spielend miteinand.</p> + <p class="line">Die müssen bunte Fahnen um dich flattern.</p> <p class="line">Muster eingewoben dem Gewand.</p> </div> @@ -921,47 +887,47 @@ III </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder.</p> - <p class="line">Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell.</p> - <p class="line">Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen.</p> - <p class="line">Geborstene Städte — brüllende! — Schalmei.</p> + <p class="line">Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder.</p> + <p class="line">Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell.</p> + <p class="line">Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen.</p> + <p class="line">Geborstene Städte — brüllende! — Schalmei.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Und Niederknallen blökender Idioten —</p> - <p class="line">Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln —</p> - <p class="line">Und Liebender Geflüster vom Kanal —</p> + <p class="line">Und Niederknallen blökender Idioten —</p> + <p class="line">Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln —</p> + <p class="line">Und Liebender Geflüster vom Kanal —</p> <p class="line">So buntgeflickte Segel hissen dich!!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Er wird dich durch die vielen Länder tragen</p> + <p class="line">Er wird dich durch die vielen Länder tragen</p> <p class="line">Der junge Dichter, strahlende um ihn.</p> - <p class="line">Ein Himalaya muß er tönend ragen,</p> - <p class="line">Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen,</p> - <p class="line">Zu dessen Füßen neue Städte knien.</p> + <p class="line">Ein Himalaya muß er tönend ragen,</p> + <p class="line">Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen,</p> + <p class="line">Zu dessen Füßen neue Städte knien.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder.</p> - <p class="line">Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz.</p> + <p class="line">Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz.</p> <p class="line">Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern.</p> - <p class="line">Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell.</p> - <p class="line">Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden,</p> + <p class="line">Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell.</p> + <p class="line">Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden,</p> <p class="line">Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern</p> + <p class="line">Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern</p> <p class="line">Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild.</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> <p class="line">Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern.</p> - <p class="line">Nun werden sich die alten Staaten häuten.</p> - <p class="line">Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild.</p> - <p class="line">Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer.</p> + <p class="line">Nun werden sich die alten Staaten häuten.</p> + <p class="line">Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild.</p> + <p class="line">Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer.</p> <p class="line">Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer.</p> </div> @@ -970,107 +936,107 @@ IV </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief</p> - <p class="line">Grimassenhäuser Front, da packen</p> - <p class="line">Der Gäule Hufe ins Gehirn.</p> + <p class="line">Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief</p> + <p class="line">Grimassenhäuser Front, da packen</p> + <p class="line">Der Gäule Hufe ins Gehirn.</p> <p class="line">Ein Dom treibt Widerhaken.</p> - <p class="line">Du Hüterin . . . Die ziehst du all</p> - <p class="line">Heraus magnetischer Streichelhände.</p> - <p class="line">. . . O Haupt im Tabernackelschoß . . .</p> - <p class="line">Laß mich, dir gut, vollenden!</p> + <p class="line">Du Hüterin . . . Die ziehst du all</p> + <p class="line">Heraus magnetischer Streichelhände.</p> + <p class="line">. . . O Haupt im Tabernackelschoß . . .</p> + <p class="line">Laß mich, dir gut, vollenden!</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht</p> - <p class="line">Peitscht an, rings Züge sausen.</p> + <p class="line">Peitscht an, rings Züge sausen.</p> <p class="line">Ein lilabrauner Himmel schwer</p> <p class="line">Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer.</p> <p class="line">Gespenstertote hausen.</p> - <p class="line">Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht</p> - <p class="line">In längsten Samumstößen.</p> + <p class="line">Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht</p> + <p class="line">In längsten Samumstößen.</p> <p class="line">Es stockt und ebbt schon der Tumult:</p> <p class="line">Melodisch schwemmen Abendfluren.</p> <p class="line">Wir Fabelschiffe wiegen.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">— Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß.</p> + <p class="line">— Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß.</p> <p class="line">Wie ist er da entsprossen!</p> <p class="line">Gleich Fahne flackert dessen Hos.</p> <p class="line">Vorbei die Kugeln spritzten.</p> <p class="line">Von dir gedacht er: so gefeit.</p> - <p class="line">Gestauter Welt ein Zünder.</p> + <p class="line">Gestauter Welt ein Zünder.</p> <p class="line">Die Arme wehen Signale weit.</p> - <p class="line">Ekstatischer Verkünder!!!</p> + <p class="line">Ekstatischer Verkünder!!!</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> - <p class="line">O Einsamkeit — jetzt überwand</p> - <p class="line">Dich heißestes Zerdringen.</p> + <p class="line">O Einsamkeit — jetzt überwand</p> + <p class="line">Dich heißestes Zerdringen.</p> <p class="line">Mein Prisma du, von mir durchbrannt</p> <p class="line">Zu tausend Strahlen schwingend.</p> <p class="line">Du streichest aus der Frauen dumpf</p> <p class="line">Gehock. Kristallenen Klumpen knetend,</p> - <p class="line">Jäh meiner Brust: finster geballt.</p> + <p class="line">Jäh meiner Brust: finster geballt.</p> <p class="line">Ein Labyrinth von Schimmelwald,</p> - <p class="line">Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.</p> + <p class="line">Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wir kehren nicht zurück zum Schoß,</p> - <p class="line">Gen Scharlachdämmerungen.</p> + <p class="line">Wir kehren nicht zurück zum Schoß,</p> + <p class="line">Gen Scharlachdämmerungen.</p> <p class="line">Vom Fundament wir bauten los</p> - <p class="line">Uns. Tod ward übersprungen.</p> - <p class="line">Du Brücke aus der Nacht Revier —</p> + <p class="line">Uns. Tod ward übersprungen.</p> + <p class="line">Du Brücke aus der Nacht Revier —</p> <p class="line">Geharnischte Winter schlagen.</p> <p class="line">Wir schweben fest! Der Kragen</p> - <p class="line">Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.</p> + <p class="line">Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Du Engel an der Pforte.</p> - <p class="line">So bin ich aufgeschält.</p> - <p class="line">Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte.</p> + <p class="line">So bin ich aufgeschält.</p> + <p class="line">Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte.</p> <p class="line">An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld.</p> - <p class="line">Verhüllte Meere knistern</p> + <p class="line">Verhüllte Meere knistern</p> <p class="line">Herein, der Donner breiter Takt.</p> - <p class="line">Wir aber landeten an Küsten</p> - <p class="line">Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.</p> + <p class="line">Wir aber landeten an Küsten</p> + <p class="line">Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Du klaffst: des Eilands Brunnen,</p> - <p class="line">Daraus der reine Mann sich schöpft.</p> + <p class="line">Daraus der reine Mann sich schöpft.</p> <p class="line">Nah Aeroplane knurren.</p> <p class="line">Ein Sterngewimmel tropft.</p> - <p class="line">Von schaukelnden Tribünen</p> + <p class="line">Von schaukelnden Tribünen</p> <p class="line">Gleich Flamm der Dichter loht:</p> - <p class="line">Der Völker Psalmenhort,</p> + <p class="line">Der Völker Psalmenhort,</p> <p class="line">Die rings um ihn wie Herden dehnen.</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> - <p class="line">Ja —: brüderlich Verschmelzen!</p> + <p class="line">Ja —: brüderlich Verschmelzen!</p> <p class="line">Nicht einsam, sondern <span class="em">jeder</span> sein!</p> <p class="line">Abschraubt des Hochmuts Stelze!</p> <p class="line">Fahrt in die Huren ein!</p> <p class="line">(Schraubt euch auch dumm und klein!)</p> <p class="line">Der Mantel wie ein Drahtzaun</p> - <p class="line">Schlingt sich um unsere Hüfte.</p> + <p class="line">Schlingt sich um unsere Hüfte.</p> <p class="line">O lasset uns restlos vertrauen!</p> - <p class="line">Geschminkte Masken lüften!!</p> + <p class="line">Geschminkte Masken lüften!!</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Du hast es ihm vollbracht:</p> - <p class="line">O brüderlich Verschmelzen.</p> + <p class="line">O brüderlich Verschmelzen.</p> <p class="line">Nacht schwillt: Lampione-Nacht.</p> - <p class="line">Geteerte Sommer wälzen.</p> - <p class="line">Wir blättern strahlend Fächer.</p> - <p class="line">Von deiner Augen Süßsee</p> - <p class="line">Schlürft oft der Lippe Mal.</p> + <p class="line">Geteerte Sommer wälzen.</p> + <p class="line">Wir blättern strahlend Fächer.</p> + <p class="line">Von deiner Augen Süßsee</p> + <p class="line">Schlürft oft der Lippe Mal.</p> </div> <p class="dedication"> @@ -1079,44 +1045,44 @@ Frau Else Hadwiger gewidmet <h2 class="chapter" id="chapter-1-6"> <a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -Gehaßte Frau +Gehaßte Frau </h2> <div class="poem"> - <p class="line">„. . . So wiß es —: daß ich nachts die Straßen jage:</p> + <p class="line">„. . . So wiß es —: daß ich nachts die Straßen jage:</p> <p class="line">Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir!</p> - <p class="line">Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend</p> + <p class="line">Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend</p> <p class="line">Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!)</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend.</p> - <p class="line">Die Gäule wiehern ironischen Salut.</p> + <p class="line">Die Gäule wiehern ironischen Salut.</p> <p class="line">Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend.</p> - <p class="line">Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.</p> + <p class="line">Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Grandioses Vieh . . . wo dick dein Atem webt,</p> - <p class="line">Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule.</p> - <p class="line">Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler:</p> - <p class="line">Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.</p> + <p class="line">Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule.</p> + <p class="line">Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler:</p> + <p class="line">Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Grandioses Vieh . . . Ins Kugellager des Gehirns verwachsen.</p> <p class="line">Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt.</p> <p class="line">So schreite aus —: den abrasierten Kopf</p> - <p class="line">Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.</p> + <p class="line">Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Grandioses Vieh . . . gehetzt wir schleifen durch Lokale.</p> <p class="line">O wie ich greif und greif nach tausend Skalen.</p> - <p class="line">Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft.</p> + <p class="line">Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft.</p> <p class="line">Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen.</p> <p class="line">Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen</p> - <p class="line">Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!“</p> + <p class="line">Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!“</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-1-7"> @@ -1129,32 +1095,32 @@ I </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p> + <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p> <p class="line">Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt.</p> - <p class="line">Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter.</p> - <p class="line">Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt.</p> - <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p> + <p class="line">Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter.</p> + <p class="line">Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt.</p> + <p class="line">Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Verlerntet ihr es —: bogenes Streicheln kühl?!</p> + <p class="line">Verlerntet ihr es —: bogenes Streicheln kühl?!</p> <p class="line">Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen.</p> <p class="line">Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt.</p> <p class="line">Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen.</p> - <p class="line">Die ihr verlernt es —: bogenes Streicheln kühl.</p> + <p class="line">Die ihr verlernt es —: bogenes Streicheln kühl.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p> + <p class="line">Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p> <p class="line">Haubitzenloch der Sintflut Arie blies.</p> - <p class="line">Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte.</p> - <p class="line">Die Toten sprechen manchmal im Verließ.</p> - <p class="line">Ja —: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p> - <p class="line">Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander!</p> - <p class="line">Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte Höllenpein!</p> - <p class="line">Zu neuen Küsten —: Aufbruch! Zug und Landung!</p> - <p class="line"><span class="em">Es müssen Brüder sein!!!</span></p> - <p class="line">Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte.</p> + <p class="line">Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte.</p> + <p class="line">Die Toten sprechen manchmal im Verließ.</p> + <p class="line">Ja —: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der Schultern.</p> + <p class="line">Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander!</p> + <p class="line">Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte Höllenpein!</p> + <p class="line">Zu neuen Küsten —: Aufbruch! Zug und Landung!</p> + <p class="line"><span class="em">Es müssen Brüder sein!!!</span></p> + <p class="line">Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte.</p> <p class="line">Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch —:</p> <p class="line">Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein.</p> </div> @@ -1166,25 +1132,25 @@ II <div class="poem"> <p class="line">Namenlose alle! Nicht Gesagte!</p> <p class="line">Wo, wo trifft man euer Angesicht?!</p> - <p class="line">Euch zu sammeln ist es längst zu spät?!</p> + <p class="line">Euch zu sammeln ist es längst zu spät?!</p> <p class="line"><span class="em">Klafft</span> es heulend —: jenes Angesicht —</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> - <p class="line">Von der Häuser Löcher übersät.</p> - <p class="line">Von Kanälen kreuz und quer gekerbt.</p> - <p class="line">Von dem Plätze-Pickel bös zernagt.</p> - <p class="line">Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.</p> + <p class="line">Von der Häuser Löcher übersät.</p> + <p class="line">Von Kanälen kreuz und quer gekerbt.</p> + <p class="line">Von dem Plätze-Pickel bös zernagt.</p> + <p class="line">Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Langsam muß der Dichter euch entgleiten,</p> + <p class="line">Langsam muß der Dichter euch entgleiten,</p> <p class="line">Viel zu lange schon bei euch verweilt.</p> <p class="line">Donner rast. Ein endlos Messer flicht</p> - <p class="line">Sich dem Körper ein. Granate bricht.</p> + <p class="line">Sich dem Körper ein. Granate bricht.</p> <p class="line">Hoch den Dolomiten die sich seilen.</p> - <p class="line">Euch umrankend hat er übersehn</p> + <p class="line">Euch umrankend hat er übersehn</p> <p class="line">Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand.</p> <p class="line">Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen.</p> <p class="line">Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand.</p> @@ -1192,19 +1158,19 @@ II <div class="poem"> <p class="line">Fahnen schwebet nach ihm euer Winken.</p> - <p class="line">Welche Stunde bringt uns einst zurück?!</p> + <p class="line">Welche Stunde bringt uns einst zurück?!</p> <p class="line">Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend</p> - <p class="line">Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt.</p> + <p class="line">Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt.</p> <p class="line">Ach, wir waren nur uns Opfer beide:</p> - <p class="line">Ausgeplündert oder überzückt.</p> - <p class="line">Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid.</p> - <p class="line">Ohne Schmerzen kehren wir zurück.</p> + <p class="line">Ausgeplündert oder überzückt.</p> + <p class="line">Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid.</p> + <p class="line">Ohne Schmerzen kehren wir zurück.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet</p> - <p class="line">Unserer Körper eingefallener Bau.</p> - <p class="line">Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen!</p> + <p class="line">Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet</p> + <p class="line">Unserer Körper eingefallener Bau.</p> + <p class="line">Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen!</p> <p class="line">Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt.</p> <p class="line">Regenbogen in die Landschaft malend</p> <p class="line">Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt.</p> @@ -1216,7 +1182,7 @@ II <a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> Zweiter Teil<br /> <br /> -Verbrüderung +Verbrüderung </h1> <p class="motto"> @@ -1229,21 +1195,21 @@ Mirabeau, 1. Mai 1789 <h2 class="chapter" id="chapter-2-1"> <a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> -Getötetem Freund · Vermächtnis<br /> +Getötetem Freund · Vermächtnis<br /> des sterbenden Soldaten </h2> <p class="motto2"> Um den 30. Juli 1915 herum fiel — gegen Frankreich -verschickt — der vierundzwanzigjährige jüdische +verschickt — der vierundzwanzigjährige jüdische Handlungsreisende (mir Freund und Dichter) -Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht -daß er sich noch kühn selbst gelang, aber immerhin -der Wenigen einer, die disziplinvoll genug, erkämpftestem -Führer vertrauend sich anschlossen. +Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht +daß er sich noch kühn selbst gelang, aber immerhin +der Wenigen einer, die disziplinvoll genug, erkämpftestem +Führer vertrauend sich anschlossen. 2. bayrisches Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten -der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß —: -euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn — +der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß —: +euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn — Geist vom Geist! </p> @@ -1253,27 +1219,27 @@ I <div class="poem"> <p class="line">O Morgen der uns Hyazinthe scheint!</p> - <p class="line">Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber.</p> - <p class="line">Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber,</p> - <p class="line">Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein</p> + <p class="line">Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber.</p> + <p class="line">Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber,</p> + <p class="line">Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth.</p> + <p class="line">Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth.</p> <p class="line">Ihr bei Loretto . .! Gase Pest</p> - <p class="line">Steigt Gloriole grause an dem Hügel.</p> - <p class="line">Da — erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!</p> + <p class="line">Steigt Gloriole grause an dem Hügel.</p> + <p class="line">Da — erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Aufschweben wir umsäumt von rosenem West.</p> + <p class="line">Aufschweben wir umsäumt von rosenem West.</p> <p class="line">Im Nebel hocken Regimenter blind.</p> - <p class="line">Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.</p> + <p class="line">Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer.</p> - <p class="line">Hört: führt herauf — es strahlt! — zum Totenfest</p> + <p class="line">Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer.</p> + <p class="line">Hört: führt herauf — es strahlt! — zum Totenfest</p> <p class="line"><span class="em">Europa!!</span> Blut kitt ungeheuerst!!!</p> </div> @@ -1282,10 +1248,10 @@ II </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen —</p> - <p class="line">Wälder, und Räume einer heiligen Saat!</p> + <p class="line">Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen —</p> + <p class="line">Wälder, und Räume einer heiligen Saat!</p> <p class="line">Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen</p> - <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p> + <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-2-1-3"> @@ -1294,39 +1260,39 @@ III </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane.</p> - <p class="line">Vor weißer Küste fraß uns der Taifun.</p> + <p class="line">Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane.</p> + <p class="line">Vor weißer Küste fraß uns der Taifun.</p> <p class="line">In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen.</p> - <p class="line">Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.</p> + <p class="line">Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme,</p> - <p class="line">Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau.</p> - <p class="line">Die Kathedrale, deren Türme stemmen</p> + <p class="line">Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme,</p> + <p class="line">Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau.</p> + <p class="line">Die Kathedrale, deren Türme stemmen</p> <p class="line">Auf den Azur. Ein Drahtverhau</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend</p> + <p class="line">Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend</p> <p class="line">Das Regiment, elastischer Panzer, zieht</p> <p class="line">Empor die Serpentine um die Brust. Geleise</p> <p class="line">Am Horizont nach dem Gestirne kniet.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wie denken wir euch Brüder in den Städten!</p> + <p class="line">Wie denken wir euch Brüder in den Städten!</p> <p class="line">Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt!</p> <p class="line">Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt.</p> - <p class="line">Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.</p> + <p class="line">Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer.</p> - <p class="line">Am End der Heros. Vor Europa führt.</p> - <p class="line">Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer.</p> + <p class="line">Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer.</p> + <p class="line">Am End der Heros. Vor Europa führt.</p> + <p class="line">Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer.</p> <p class="line">Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer.</p> - <p class="line">Ja —: dess Gesang die Massenlöcher schürt.</p> + <p class="line">Ja —: dess Gesang die Massenlöcher schürt.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-2-1-4"> @@ -1342,85 +1308,85 @@ An den General <p class="line">Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei!</p> <p class="line">Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich.</p> <p class="line">Anschob die Faust purpurene Bastei.</p> - <p class="line">Armeeen stampftest in ein Höllgrab du.</p> + <p class="line">Armeeen stampftest in ein Höllgrab du.</p> <p class="line">Wozu?!</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> - <p class="line">Schon finstere Haufen sich zusammendrängen.</p> + <p class="line">Schon finstere Haufen sich zusammendrängen.</p> <p class="line">Es malmt zu Brei dich heulender Ballast.</p> - <p class="line">Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen</p> - <p class="line">Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast.</p> - <p class="line">Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut.</p> - <p class="line">Antönt es heut.</p> + <p class="line">Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen</p> + <p class="line">Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast.</p> + <p class="line">Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut.</p> + <p class="line">Antönt es heut.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen.</p> + <p class="line">Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen.</p> <p class="line">Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm!</p> - <p class="line">Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile,</p> - <p class="line">Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm.</p> + <p class="line">Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile,</p> + <p class="line">Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm.</p> <p class="line">Verfluchte ihr des Todes Lieferanten!</p> <p class="line">Kasernen stranden.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen.</p> - <p class="line">Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest.</p> - <p class="line">Ein Vogellüster auf und niederfallen.</p> + <p class="line">Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen.</p> + <p class="line">Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest.</p> + <p class="line">Ein Vogellüster auf und niederfallen.</p> <p class="line">Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett.</p> <p class="line">Umarmt von Tieren Menschen ziehen,</p> - <p class="line">Gestreift süß bunter Melodien.</p> + <p class="line">Gestreift süß bunter Melodien.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">— So will ich gern dir deine Falten glätten.</p> - <p class="line">Ich fühl mich als des Daseins Untergrund.</p> - <p class="line">Der mußte uns in Knochenwirrnis betten.</p> + <p class="line">— So will ich gern dir deine Falten glätten.</p> + <p class="line">Ich fühl mich als des Daseins Untergrund.</p> + <p class="line">Der mußte uns in Knochenwirrnis betten.</p> <p class="line">Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund,</p> - <p class="line">Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl:</p> + <p class="line">Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl:</p> <p class="line">Mein General.</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-2-2"> <a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> -Der Entfernte · Georg Trakl +Der Entfernte · Georg Trakl </h2> <div class="poem"> - <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p> + <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p> <p class="line">Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.</p> - <p class="line">. . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt</p> - <p class="line">Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.</p> + <p class="line">. . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt</p> + <p class="line">Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Betaute Wiege. Doch erwacht er grell</p> - <p class="line">Matt gießen Mond und Sterne sich herein.</p> - <p class="line">Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell.</p> - <p class="line">Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.</p> + <p class="line">Matt gießen Mond und Sterne sich herein.</p> + <p class="line">Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell.</p> + <p class="line">Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche</p> + <p class="line">Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche</p> <p class="line">Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut.</p> <p class="line">Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen.</p> - <p class="line">Wie Blasen steigend Böller Festsalut.</p> + <p class="line">Wie Blasen steigend Böller Festsalut.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Auf einmal dann —: gestreckte Schlote zischen.</p> - <p class="line">Andante-Baß der Straße bunter Ton.</p> - <p class="line">Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen —</p> - <p class="line">Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. —</p> + <p class="line">Andante-Baß der Straße bunter Ton.</p> + <p class="line">Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen —</p> + <p class="line">Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. —</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p> + <p class="line">Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.</p> <p class="line">Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.</p> - <p class="line">. . . nur manchmal wie umarmend schlägt</p> - <p class="line">Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.</p> + <p class="line">. . . nur manchmal wie umarmend schlägt</p> + <p class="line">Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-2-3"> @@ -1429,40 +1395,40 @@ An den Tyrannen </h2> <div class="poem"> - <p class="line">Mittelpunkt du rasender Geschwüre!</p> - <p class="line">Deine Poren brachen auf, nun blähen</p> - <p class="line">Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen</p> - <p class="line">Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!</p> + <p class="line">Mittelpunkt du rasender Geschwüre!</p> + <p class="line">Deine Poren brachen auf, nun blähen</p> + <p class="line">Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen</p> + <p class="line">Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Völker zogen singend dir zu Füßen</p> - <p class="line">(Frauen hackend ein der Väter Arm,</p> + <p class="line">Völker zogen singend dir zu Füßen</p> + <p class="line">(Frauen hackend ein der Väter Arm,</p> <p class="line">Kindlein flattern an Musiken: Fetzen —),</p> - <p class="line">Völker brausen in die Gruft der Schlacht.</p> + <p class="line">Völker brausen in die Gruft der Schlacht.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken.</p> - <p class="line">Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum.</p> - <p class="line">Große heilige schöne buntere Schiffe,</p> - <p class="line">Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . .</p> + <p class="line">Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken.</p> + <p class="line">Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum.</p> + <p class="line">Große heilige schöne buntere Schiffe,</p> + <p class="line">Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . .</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Schiffe menschbesät, o morgenfrische</p> - <p class="line">Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen</p> - <p class="line">Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten —</p> - <p class="line">Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.</p> + <p class="line">Schiffe menschbesät, o morgenfrische</p> + <p class="line">Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen</p> + <p class="line">Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten —</p> + <p class="line">Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren,</p> + <p class="line">Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren,</p> <p class="line">Finster rollend ob der Leichen Flur,</p> - <p class="line">Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . .</p> - <p class="line">Weichen sie doch, zückst du Messer nur!</p> - <p class="line">Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren</p> - <p class="line">Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr — — —</p> + <p class="line">Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . .</p> + <p class="line">Weichen sie doch, zückst du Messer nur!</p> + <p class="line">Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren</p> + <p class="line">Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr — — —</p> <p class="line">Explodier o Raum!</p> <p class="line">Fern der Menschheit Traum!</p> <p class="line">Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!!</p> @@ -1470,14 +1436,14 @@ An den Tyrannen <div class="poem"> <a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> - <p class="line">Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden</p> - <p class="line">Dich zuend. Noch Salven Höllenflug.</p> + <p class="line">Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden</p> + <p class="line">Dich zuend. Noch Salven Höllenflug.</p> <p class="line">Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden.</p> - <p class="line">Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug!</p> - <p class="line">Sänge überspülend in Kaskaden</p> + <p class="line">Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug!</p> + <p class="line">Sänge überspülend in Kaskaden</p> <p class="line">Monument dich. Auf all Himmel schlug.</p> - <p class="line">Nebel zünden, rings Gewölk zerrann.</p> - <p class="line">Arme breiten Völker dir Tyrann!</p> + <p class="line">Nebel zünden, rings Gewölk zerrann.</p> + <p class="line">Arme breiten Völker dir Tyrann!</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-2-4"> @@ -1490,8 +1456,8 @@ Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend und euerer Schande, die ich nackt hinstelle. Hinauf mit mir: arbeitend ihr und ich. -Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. -Es heißt seine Pflicht tun. +Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. +Es heißt seine Pflicht tun. </p> <p class="sign"> @@ -1499,25 +1465,25 @@ Zola </p> <div class="poem"> - <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p> - <p class="line">Zementene Quadern. Dächer Überfall.</p> - <p class="line">Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern.</p> - <p class="line">Der Donnerzüge steilster Kurvenwall.</p> - <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p> + <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p> + <p class="line">Zementene Quadern. Dächer Überfall.</p> + <p class="line">Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern.</p> + <p class="line">Der Donnerzüge steilster Kurvenwall.</p> + <p class="line">Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Es starren Dickicht rund die finsteren Völker:</p> - <p class="line">Dornkranz der wie von Höllen widerscheint.</p> + <p class="line">Es starren Dickicht rund die finsteren Völker:</p> + <p class="line">Dornkranz der wie von Höllen widerscheint.</p> <p class="line">Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken.</p> <p class="line">Die Riesenpyramide aus Gebein.</p> - <p class="line">So starren Dickicht rund die finsteren Völker.</p> + <p class="line">So starren Dickicht rund die finsteren Völker.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter:</p> - <p class="line">Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt.</p> - <p class="line">Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er</p> + <p class="line">Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt.</p> + <p class="line">Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er</p> <p class="line">Der Hymnische. (— Du Leite mir und Schirm — ).</p> <p class="line">Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter.</p> </div> @@ -1525,14 +1491,14 @@ Zola <div class="poem"> <p class="line">Da knospet auf aus deinem Inselgarten</p> <p class="line">— Und strahlt! — der Menschheit blaue Morgenwelt.</p> - <p class="line">Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten.</p> - <p class="line">Ein jeder groß und blühend eingestellt.</p> + <p class="line">Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten.</p> + <p class="line">Ein jeder groß und blühend eingestellt.</p> <p class="line">Wir knospen auf aus deinem Inselgarten.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden</p> - <p class="line">Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie.</p> + <p class="line">Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden</p> + <p class="line">Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie.</p> <p class="line">Asyle platzen und Kasernen schwinden,</p> <p class="line">Durchdrungene von der Brudermelodie.</p> <p class="line">Purpurnes Schiff! Demokratie!!</p> @@ -1541,11 +1507,11 @@ Zola <div class="poem"> <a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> <p class="line">Zola —: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern!</p> - <p class="line">O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat!</p> - <p class="line">Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen.</p> - <p class="line">Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad</p> + <p class="line">O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat!</p> + <p class="line">Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen.</p> + <p class="line">Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad</p> <p class="line">Hinein in den Tumult und durch! Gewitter</p> - <p class="line">Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.</p> + <p class="line">Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-2-5"> @@ -1554,231 +1520,231 @@ An den Frieden </h2> <div class="poem"> - <p class="line">O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind!</p> - <p class="line">Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen.</p> - <p class="line">Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind.</p> + <p class="line">O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind!</p> + <p class="line">Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen.</p> + <p class="line">Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind.</p> <p class="line">Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Dein Tag —: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut.</p> - <p class="line">Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße.</p> - <p class="line">Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu.</p> - <p class="line">Fanfarenmünder Halleluja blasen.</p> + <p class="line">Dein Tag —: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut.</p> + <p class="line">Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße.</p> + <p class="line">Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu.</p> + <p class="line">Fanfarenmünder Halleluja blasen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet,</p> <p class="line">Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein.</p> <p class="line"><a id="corr-0"></a>Millionen Toter schwarze Fahne weht</p> - <p class="line">Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.</p> + <p class="line">Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!?</p> + <p class="line">Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!?</p> <p class="line">Nein. Menschen wallen Heilige im Chor.</p> - <p class="line">Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken.</p> + <p class="line">Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken.</p> <p class="line">Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Ihr —: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden!</p> - <p class="line">Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt</p> - <p class="line">Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten</p> + <p class="line">Ihr —: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden!</p> + <p class="line">Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt</p> + <p class="line">Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten</p> <p class="line">Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt.</p> - <p class="line">Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt!</p> - <p class="line">Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!</p> + <p class="line">Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt!</p> + <p class="line">Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-2-6"> <a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -Tod des Fliegers über der Stadt +Tod des Fliegers über der Stadt </h2> <div class="poem"> - <p class="line">Da — ein Meteor sich ab die Bombe löste.</p> - <p class="line">Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt.</p> - <p class="line">Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . .</p> - <p class="line">Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.</p> + <p class="line">Da — ein Meteor sich ab die Bombe löste.</p> + <p class="line">Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt.</p> + <p class="line">Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . .</p> + <p class="line">Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf.</p> <p class="line">Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn.</p> - <p class="line">Propelleratem streift ihn, Höllensturm.</p> - <p class="line">„. . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .“</p> + <p class="line">Propelleratem streift ihn, Höllensturm.</p> + <p class="line">„. . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .“</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Dann schrieen sie in wirrester Diskussion</p> - <p class="line">Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen</p> - <p class="line">Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen.</p> + <p class="line">Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen</p> + <p class="line">Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen.</p> <p class="line">Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat</p> - <p class="line">Und saust und bohrt. Und <span class="em">eines</span> Rauches Säule</p> - <p class="line">Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen.</p> - <p class="line">Enorm. Ja —: eines Rauches Säule grad.</p> + <p class="line">Und saust und bohrt. Und <span class="em">eines</span> Rauches Säule</p> + <p class="line">Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen.</p> + <p class="line">Enorm. Ja —: eines Rauches Säule grad.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Der Sockel —: Trichter aufgefüllt mit Kehricht.</p> - <p class="line">Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt</p> - <p class="line">Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen</p> - <p class="line">Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.</p> + <p class="line">Der Sockel —: Trichter aufgefüllt mit Kehricht.</p> + <p class="line">Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt</p> + <p class="line">Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen</p> + <p class="line">Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-2-7"> <a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -Verbrüderung +Verbrüderung </h2> <div class="poem"> - <p class="line">Wie geschah, daß nicht zusammenfanden</p> - <p class="line">Du und du. Daß wir uns einsam-wund</p> - <p class="line">Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden,</p> - <p class="line">Kaum erkennend —: Flügel <span class="em">eines</span> Munds.</p> - <p class="line">Von erhellten Räumen ausgeschlossen</p> - <p class="line">Wir Verdammte zu der Straßen Flur.</p> - <p class="line">Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen,</p> - <p class="line">Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.</p> + <p class="line">Wie geschah, daß nicht zusammenfanden</p> + <p class="line">Du und du. Daß wir uns einsam-wund</p> + <p class="line">Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden,</p> + <p class="line">Kaum erkennend —: Flügel <span class="em">eines</span> Munds.</p> + <p class="line">Von erhellten Räumen ausgeschlossen</p> + <p class="line">Wir Verdammte zu der Straßen Flur.</p> + <p class="line">Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen,</p> + <p class="line">Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">O —: wer hat zuerst dich angesprochen</p> - <p class="line">Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament</p> + <p class="line">Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament</p> <p class="line">Wer erbaute es?! Zerstochener</p> <p class="line">Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?!</p> - <p class="line">Spieen es die Mäuler der Haubitzen</p> + <p class="line">Spieen es die Mäuler der Haubitzen</p> <p class="line">Jenes Urwort belfernden Geschreis?!</p> - <p class="line">Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?!</p> - <p class="line">Rollt es mit den Zügen stets vorbei —?!</p> + <p class="line">Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?!</p> + <p class="line">Rollt es mit den Zügen stets vorbei —?!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen</p> + <p class="line">Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen</p> <p class="line">Ein sich spinnen in entfernter Bucht?!</p> <p class="line">Dostojewskis Feueraugen fressen.</p> <p class="line">Rasend Tolstoi in der Weite sucht.</p> - <p class="line">Haben Mütter euch zum Mord geboren?!</p> + <p class="line">Haben Mütter euch zum Mord geboren?!</p> <p class="line">Euer Schicksal —: schwank und qualgehetzt,</p> - <p class="line">öffnet, öffnet euerer Brust die Tore,</p> - <p class="line">Drein Azursee stürzt!!!</p> + <p class="line">öffnet, öffnet euerer Brust die Tore,</p> + <p class="line">Drein Azursee stürzt!!!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wallen mögen hier die breiten Scharen</p> - <p class="line">Jener Toten. Düsterer Trommelzug.</p> - <p class="line">Wald erglänzt von aufgelösten Haaren.</p> - <p class="line">Münder strecken sich zu Siegfanfaren,</p> - <p class="line">Langsam steuert schimmernder Brüste Bug.</p> + <p class="line">Wallen mögen hier die breiten Scharen</p> + <p class="line">Jener Toten. Düsterer Trommelzug.</p> + <p class="line">Wald erglänzt von aufgelösten Haaren.</p> + <p class="line">Münder strecken sich zu Siegfanfaren,</p> + <p class="line">Langsam steuert schimmernder Brüste Bug.</p> <a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> - <p class="line">Rings die Mädchen flattern gleich Libellen.</p> - <p class="line">Droschkengäule tönend eingereiht.</p> - <p class="line">Wir Zentrale. Städte, Länder schellen.</p> - <p class="line">Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.</p> + <p class="line">Rings die Mädchen flattern gleich Libellen.</p> + <p class="line">Droschkengäule tönend eingereiht.</p> + <p class="line">Wir Zentrale. Städte, Länder schellen.</p> + <p class="line">Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und so wird die blanke Zukunft tagen:</p> <p class="line">Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut.</p> - <p class="line">Keine Frauen an den Männern nagen.</p> - <p class="line">Freunde schreiten groß und hochgemut.</p> + <p class="line">Keine Frauen an den Männern nagen.</p> + <p class="line">Freunde schreiten groß und hochgemut.</p> <p class="line">Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen,</p> - <p class="line">Auch bespült von stinkichtem Ekelsud.</p> - <p class="line">Denn —! die Menschheit ist verrückt,</p> - <p class="line">Längs und quer zerstückt:</p> - <p class="line">Räuber-, Mörderbrut.</p> + <p class="line">Auch bespült von stinkichtem Ekelsud.</p> + <p class="line">Denn —! die Menschheit ist verrückt,</p> + <p class="line">Längs und quer zerstückt:</p> + <p class="line">Räuber-, Mörderbrut.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Trotzdem — überherrlich aufgelassen</p> - <p class="line">Wälzt durch Münder Schleusen — gleit o Hass! —</p> - <p class="line">Der Gesänge Strom.</p> + <p class="line">Trotzdem — überherrlich aufgelassen</p> + <p class="line">Wälzt durch Münder Schleusen — gleit o Hass! —</p> + <p class="line">Der Gesänge Strom.</p> <p class="line">Bajonette schwank wie Halmzeug knicken.</p> - <p class="line">Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend.</p> + <p class="line">Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend.</p> <p class="line">Fetzen Wolken knittert der Pogrom.</p> <p class="line">O —: anhebt ein Zueinandereilen.</p> - <p class="line">Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief.</p> + <p class="line">Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief.</p> <p class="line">Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile.</p> <p class="line">Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Weiße Dome schweben auch Fabriken.</p> - <p class="line">Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken.</p> - <p class="line">Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff.</p> - <p class="line">Liebende auf weichen Dachgeländen</p> + <p class="line">Weiße Dome schweben auch Fabriken.</p> + <p class="line">Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken.</p> + <p class="line">Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff.</p> + <p class="line">Liebende auf weichen Dachgeländen</p> <p class="line">Sich dem Hostienmond entgegenwenden,</p> - <p class="line">Immer höher steigt ihr Schiff.</p> - <p class="line">Spät —: sie werden sich noch dumpf erinnern</p> + <p class="line">Immer höher steigt ihr Schiff.</p> + <p class="line">Spät —: sie werden sich noch dumpf erinnern</p> <p class="line">Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl,</p> - <p class="line">. . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern.</p> + <p class="line">. . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern.</p> <p class="line">Marterkinder starben an der Schul.</p> </div> <div class="poem"> <a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> - <p class="line">Ja —: sie müssen sich zusammenfalten</p> - <p class="line">In die Lüfte ragend silberner Strauß.</p> + <p class="line">Ja —: sie müssen sich zusammenfalten</p> + <p class="line">In die Lüfte ragend silberner Strauß.</p> <p class="line">Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen.</p> <p class="line">Monument —: nach Jahren zu bestehen,</p> - <p class="line">Wieder wenn aus wütig eingekrallten</p> - <p class="line">Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust.</p> - <p class="line">Splitternd tanzen um die vielen Plätze</p> - <p class="line">Mit der Bürger lautestem Märkteschwall.</p> - <p class="line">Brüder! Unser Odem —: Leid zu letzen</p> - <p class="line">Streich zurück den noch gewordenen Knall!!</p> + <p class="line">Wieder wenn aus wütig eingekrallten</p> + <p class="line">Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust.</p> + <p class="line">Splitternd tanzen um die vielen Plätze</p> + <p class="line">Mit der Bürger lautestem Märkteschwall.</p> + <p class="line">Brüder! Unser Odem —: Leid zu letzen</p> + <p class="line">Streich zurück den noch gewordenen Knall!!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?!</p> + <p class="line">Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?!</p> <p class="line">Wer ist jener, den die Schuld betrifft,</p> - <p class="line">Daß das Reich nicht zu uns kommt?!</p> + <p class="line">Daß das Reich nicht zu uns kommt?!</p> <p class="line">Aber Lanzen stochern, Hellebarden</p> - <p class="line">Pflügen auf phantastischer Wolken Trift.</p> + <p class="line">Pflügen auf phantastischer Wolken Trift.</p> <p class="line">Pferde klappern — —</p> - <p class="line">Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter</p> - <p class="line">In der Städte ödes Schlachtgefild!</p> - <p class="line">Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!!</p> + <p class="line">Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter</p> + <p class="line">In der Städte ödes Schlachtgefild!</p> + <p class="line">Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!!</p> <p class="line">Tausend warten wild — — —</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Gott du Zünder, so uns geistwärts führst:</p> - <p class="line">Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft.</p> - <p class="line">Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend.</p> - <p class="line">Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft!</p> - <p class="line">Morgenküsten nähern sich Spelunken,</p> + <p class="line">Gott du Zünder, so uns geistwärts führst:</p> + <p class="line">Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft.</p> + <p class="line">Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend.</p> + <p class="line">Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft!</p> + <p class="line">Morgenküsten nähern sich Spelunken,</p> <p class="line">Schmelzend ein Asyl.</p> - <p class="line">Ihr —: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken</p> - <p class="line">Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.</p> + <p class="line">Ihr —: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken</p> + <p class="line">Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte</p> + <p class="line">Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte</p> <p class="line">Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit.</p> - <p class="line">Körper im Aussatz verdorrte</p> + <p class="line">Körper im Aussatz verdorrte</p> <p class="line">Gehen auf Landschaften Edens weit.</p> <a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a> - <p class="line">(. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .)</p> - <p class="line">Von der Störche dunklen Herdenschwärmen,</p> - <p class="line">Der Balkone Rechteck überdacht.</p> - <p class="line">Wunder —: finsterer Klumpen der Gedärme</p> + <p class="line">(. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .)</p> + <p class="line">Von der Störche dunklen Herdenschwärmen,</p> + <p class="line">Der Balkone Rechteck überdacht.</p> + <p class="line">Wunder —: finsterer Klumpen der Gedärme</p> <p class="line">Ward zu knospener Schlingung aufgefacht.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte</p> + <p class="line">Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte</p> <p class="line">Weih ein jeder sich der ewigen Tat!</p> - <p class="line">Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . .</p> - <p class="line">Unser Psalm befiehlt euch —: heiß und grad.</p> + <p class="line">Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . .</p> + <p class="line">Unser Psalm befiehlt euch —: heiß und grad.</p> <p class="line">Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!!</p> - <p class="line">Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung!</p> + <p class="line">Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung!</p> <p class="line">Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan:</p> - <p class="line">Himmel der Verbrüderung.</p> + <p class="line">Himmel der Verbrüderung.</p> </div> <h2 class="chapter" id="chapter-2-8"> @@ -1794,50 +1760,50 @@ I <p class="line">Er war hinabgestiegen und er schaute.</p> <p class="line">Da schwankte wie ein Schiff das Fundament.</p> <p class="line">Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute.</p> - <p class="line">Land angereiht an Land — <span class="em">ein</span> Schrei stößt! — brennt!</p> + <p class="line">Land angereiht an Land — <span class="em">ein</span> Schrei stößt! — brennt!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten —</p> - <p class="line">Die Flügelarme flatternd ausgereckt.</p> + <p class="line">Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten —</p> + <p class="line">Die Flügelarme flatternd ausgereckt.</p> <p class="line">Und welche hinter Kartenpulten sitzend —</p> <p class="line">An buntem Plan das feiste Antlitz leckt.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe.</p> + <p class="line">Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe.</p> <p class="line">Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei.</p> - <p class="line">Millionen mußten in den Böden kleben.</p> + <p class="line">Millionen mußten in den Böden kleben.</p> <p class="line">(. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .)</p> - <p class="line">Millionen vorgeführt gen die Bastei,</p> + <p class="line">Millionen vorgeführt gen die Bastei,</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wo tackend Läufe die Portale zieren.</p> - <p class="line">Granate fort der Dome Blüte scheuert.</p> + <p class="line">Wo tackend Läufe die Portale zieren.</p> + <p class="line">Granate fort der Dome Blüte scheuert.</p> <p class="line">Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren.</p> <p class="line">Da waten Regimenter klein durch Feuer.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Und stürzen ineinander. Messermauern jäh.</p> - <p class="line">Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet.</p> - <p class="line">Und stürzen ineinander. Kauernde . . .</p> - <p class="line">Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!</p> + <p class="line">Und stürzen ineinander. Messermauern jäh.</p> + <p class="line">Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet.</p> + <p class="line">Und stürzen ineinander. Kauernde . . .</p> + <p class="line">Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">So hängen sie gleich zappelnden Figuren,</p> - <p class="line">Exakt an Schnürchen hin und herbewegt.</p> - <p class="line">Doch in den Städten hausen schöne Huren.</p> + <p class="line">So hängen sie gleich zappelnden Figuren,</p> + <p class="line">Exakt an Schnürchen hin und herbewegt.</p> + <p class="line">Doch in den Städten hausen schöne Huren.</p> <p class="line">Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Aus deren Poren. Und die Federn nicken</p> - <p class="line">Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm.</p> - <p class="line">Hah —: dort anblähen pustend sich Fabriken,</p> - <p class="line">Bestien fett im wütigen Alarm.</p> + <p class="line">Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm.</p> + <p class="line">Hah —: dort anblähen pustend sich Fabriken,</p> + <p class="line">Bestien fett im wütigen Alarm.</p> </div> <h3 class="no" id="subchap-2-8-2"> @@ -1846,15 +1812,15 @@ II </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers.</p> - <p class="line">Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest.</p> - <p class="line">Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern.</p> + <p class="line">Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers.</p> + <p class="line">Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest.</p> + <p class="line">Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern.</p> <p class="line">In jedem Tier, in jedem Mensch verwest.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden!</p> - <p class="line">Er riß den Mantel von der Schultern Bug.</p> + <p class="line">Er riß den Mantel von der Schultern Bug.</p> <p class="line">In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten,</p> <p class="line">Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug.</p> </div> @@ -1863,34 +1829,34 @@ II <p class="line">Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet,</p> <p class="line">Heraus —: es scholl: Der Neuen Welt Programm.</p> <p class="line">Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet.</p> - <p class="line">Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.</p> + <p class="line">Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">. . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten.</p> + <p class="line">. . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten.</p> <p class="line">Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat.</p> - <p class="line">Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden.</p> - <p class="line">Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.</p> + <p class="line">Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden.</p> + <p class="line">Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Antike Städte unter Dröhnen knittern.</p> - <p class="line">Melodisch schwingt schon nächstes Paradies.</p> - <p class="line">Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter</p> - <p class="line">Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.</p> + <p class="line">Antike Städte unter Dröhnen knittern.</p> + <p class="line">Melodisch schwingt schon nächstes Paradies.</p> + <p class="line">Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter</p> + <p class="line">Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt.</p> - <p class="line">Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb.</p> + <p class="line">Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb.</p> <p class="line">Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust.</p> <p class="line">Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust.</p> - <p class="line">(. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .)</p> + <p class="line">(. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .)</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Er war hinabgestiegen. Auf er bog</p> - <p class="line">Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog.</p> + <p class="line">Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog.</p> <p class="line">Lang tobte Chaos in dess Angesicht.</p> <p class="line">O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!!</p> </div> @@ -1901,53 +1867,53 @@ III </h3> <div class="poem"> - <p class="line">Da rollen Züge tönend im Gelände,</p> - <p class="line">Das auf sich wölbte, breit und wunderbar.</p> - <p class="line">Er schwebt — ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende,</p> - <p class="line">Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.</p> + <p class="line">Da rollen Züge tönend im Gelände,</p> + <p class="line">Das auf sich wölbte, breit und wunderbar.</p> + <p class="line">Er schwebt — ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende,</p> + <p class="line">Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Lichtsäulen schreiten Menschen überall.</p> - <p class="line">Kristallene Wälder blitzen in den Räumen,</p> - <p class="line">Verzogen der Gewitter Überfall.</p> - <p class="line">Gebirge Katarakte Donner säumen.</p> + <p class="line">Lichtsäulen schreiten Menschen überall.</p> + <p class="line">Kristallene Wälder blitzen in den Räumen,</p> + <p class="line">Verzogen der Gewitter Überfall.</p> + <p class="line">Gebirge Katarakte Donner säumen.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land,</p> - <p class="line">Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther!</p> + <p class="line">Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land,</p> + <p class="line">Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther!</p> <p class="line">In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand</p> - <p class="line">Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.</p> + <p class="line">Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt!</p> - <p class="line">Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet.</p> + <p class="line">O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt!</p> + <p class="line">Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet.</p> <p class="line">Stern an Stern durchflochtene Wies:</p> - <p class="line">Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . .</p> + <p class="line">Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . .</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Entreinigt euch der winterlichen Städte,</p> - <p class="line">Der Nebelstraße tauichtem Gebrest!</p> - <p class="line">Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern.</p> - <p class="line">(. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .)</p> - <p class="line">Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.</p> + <p class="line">Entreinigt euch der winterlichen Städte,</p> + <p class="line">Der Nebelstraße tauichtem Gebrest!</p> + <p class="line">Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern.</p> + <p class="line">(. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .)</p> + <p class="line">Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Nationen ewige, so ihr befreit</p> - <p class="line">Euch — Tat! — aus mördrischen Tyrannengriffen!!</p> + <p class="line">Euch — Tat! — aus mördrischen Tyrannengriffen!!</p> <p class="line">Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit,</p> <p class="line">Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen.</p> </div> <div class="poem"> - <p class="line">Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen.</p> - <p class="line">Rings Völker brausen in die Himmel grad.</p> + <p class="line">Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen.</p> + <p class="line">Rings Völker brausen in die Himmel grad.</p> <p class="line">Sterngefilde blanker Bajonette spannen</p> - <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p> + <p class="line">Sich neigend über dem entsunkenen Staat.</p> </div> </div> @@ -1960,24 +1926,24 @@ III <table summary="TOC" style="margin-left:1em; margin-right:auto; text-align:left"> <tbody> - <tr><td class="header" colspan="2">Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen der Zärtlichkeit · Abschied von den Frauen</td></tr> - <tr><td class="left">Ödipus. I u. II</td><td class="right"><a href="#chapter-1-1">5</a></td></tr> - <tr><td class="left">Mädchen I—IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-2">7</a></td></tr> + <tr><td class="header" colspan="2">Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen der Zärtlichkeit · Abschied von den Frauen</td></tr> + <tr><td class="left">Ödipus. I u. II</td><td class="right"><a href="#chapter-1-1">5</a></td></tr> + <tr><td class="left">Mädchen I—IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-2">7</a></td></tr> <tr><td class="left">Aus den Sonetten um C. I—IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-3">11</a></td></tr> <tr><td class="left">An C. I—III</td><td class="right"><a href="#chapter-1-4">13</a></td></tr> - <tr><td class="left">Ekstasen der Zärtlichkeit I—IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-5">17</a></td></tr> - <tr><td class="left">Gehaßte Frau</td><td class="right"><a href="#chapter-1-6">23</a></td></tr> + <tr><td class="left">Ekstasen der Zärtlichkeit I—IV</td><td class="right"><a href="#chapter-1-5">17</a></td></tr> + <tr><td class="left">Gehaßte Frau</td><td class="right"><a href="#chapter-1-6">23</a></td></tr> <tr><td class="left">Abschied von den Frauen I u. II</td><td class="right"><a href="#chapter-1-7">24</a></td></tr> -<tr><td class="header" colspan="2">Zweiter Teil: Verbrüderung</td></tr> +<tr><td class="header" colspan="2">Zweiter Teil: Verbrüderung</td></tr> - <tr><td class="left">Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I—IV</td><td class="right"><a href="#chapter-2-1">29</a></td></tr> - <tr><td class="left">Der Entfernte · Georg Trakl</td><td class="right"><a href="#chapter-2-2">32</a></td></tr> + <tr><td class="left">Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I—IV</td><td class="right"><a href="#chapter-2-1">29</a></td></tr> + <tr><td class="left">Der Entfernte · Georg Trakl</td><td class="right"><a href="#chapter-2-2">32</a></td></tr> <tr><td class="left">An den Tyrannen</td><td class="right"><a href="#chapter-2-3">33</a></td></tr> <tr><td class="left">An Zola</td><td class="right"><a href="#chapter-2-4">35</a></td></tr> <tr><td class="left">An den Frieden</td><td class="right"><a href="#chapter-2-5">37</a></td></tr> - <tr><td class="left">Tod des Fliegers über der Stadt</td><td class="right"><a href="#chapter-2-6">38</a></td></tr> - <tr><td class="left">Verbrüderung</td><td class="right"><a href="#chapter-2-7">39</a></td></tr> + <tr><td class="left">Tod des Fliegers über der Stadt</td><td class="right"><a href="#chapter-2-6">38</a></td></tr> + <tr><td class="left">Verbrüderung</td><td class="right"><a href="#chapter-2-7">39</a></td></tr> <tr><td class="left">Die neue Welt I—III</td><td class="right"><a href="#chapter-2-8">43</a></td></tr> </tbody> </table> @@ -1991,7 +1957,7 @@ III <p id="trnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> <p> -Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): +Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): </p> <ul> @@ -2003,380 +1969,6 @@ Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachhe </ul> </div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERBRÜDERUNG *** - -***** This file should be named 41706-h.htm or 41706-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/1/7/0/41706/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. Special rules, -set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to -copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to -protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project -Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you -charge for the eBooks, unless you receive specific permission. 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Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - +<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***</div> </body> </html> |
