The Project Gutenberg EBook of Die groen Mchte, by Leopold von Ranke

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Title: Die groen Mchte

Author: Leopold von Ranke

Editor: Friedrich Meinecke

Release Date: May 11, 2012 [EBook #39669]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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  Die groen Mchte


  Von
  Leopold von Ranke


  Neu herausgegeben
  von
  Friedrich Meinecke


  Im Insel-Verlag zu Leipzig




Einfhrung


Rankes Aufsatz Die groen Mchte, der zu den Kleinodien unsrer
Nationalliteratur gehrt, erschien im Jahre 1833 und erffnete den
zweiten Band der von ihm herausgegebenen Historisch-politischen
Zeitschrift. Er trat mit dieser Zeitschrift aus der Stille der
Forschung, in der er bisher gelebt hatte, auf den Kampfesboden der
politischen Parteien in Preuen und Deutschland, nicht um sich einem der
beiden miteinander ringenden Heerlager anzuschlieen, sondern um
beiden einen hhern Punkt zu zeigen, von dem aus die beanspruchte
Allgemeingltigkeit und dogmatische Sicherheit der hben und drben
aufgestellten Parteiideale verblassen muten und viel grere und
lebendigere Erscheinungen dem Blicke aufstiegen. Hie Autoritt, hie
Volkssouvernitt, so war nach der Julirevolution der Gegensatz der
Meinungen. Alles politische Leben sollte darin aufgehen, sei es den von
Gott gewollten, sei es den vom Volke gewollten Staat zu verwirklichen.
Im letzten Grunde kmpften dabei die alten und die neuen Schichten der
Gesellschaft um die Macht im Staate. Aber sie fhrten diesen realen
Kampf mit einer Ideologie, die das Wesen des Staates selbst gefhrdete,
schon weil sie den innern sozialen Gegenstzen eine politische Schrfe
und geistige Unduldsamkeit gaben, die ihr Zusammenwirken im Dienste des
Ganzen unmglich machten. Die Extreme geben den Ton an, schrieb Ranke
in dem Plane fr die neue Zeitschrift, das eine vielstimmiger als
jemals: trotzig auf die Siege, die es erfochten hat, und auf den Beifall
der groen Menge; das andre zwar in heftiger, aber unleugbar schwacher
und nur immer aufreizender Opposition. Es sind zwei Schulen, die sich
bekmpfen: weit und breit, in mancherlei Nuancen, haben sie den Boden
eingenommen. Die Scholastik der mittlern Jahrhunderte beschftigte sich,
die intellektuelle Welt ihren Distinktionen zu unterwerfen: diese
neue Scholastik ist bemht, die reale Welt nach ihren Schulmeinungen
einzurichten. Ranke war nicht gemeint, den Wahrheitsgehalt, den die
damalige liberale wie die damalige konservative Staatsansicht in sich
hegen mochten, zu bestreiten; nur ihrem Anspruch auf Alleinherrschaft
wollte er sich widersetzen. Er wollte ihnen zeigen, da der Staat nicht
nach Schulmeinungen, sondern durch reale Krfte geschaffen wird, da
es deswegen keinen Normalstaat gibt, sondern da jeder Staat eine
lebendige, individuelle Wesenheit fr sich ist, die sich nach eigenen
Gesetzen und Bedrfnissen entwickelt. Dies Programm des modernen
historischen Realismus wurde damals nur von wenigen verstanden. Aber
es wurde von Bismarck in die Tat umgesetzt und ist durch Ranke zur
Grundlage alles echten historischen, durch Bismarck zur Grundlage alles
unbefangenen politischen Denkens geworden. Neue Schulmeinungen
und Ideologien sind seitdem wohl wieder aufgestiegen und haben es
zurckdrngen wollen. Die neueste Ideologie dieser Art ist uns im
Weltkriege entgegengetreten, wo unsre Gegner aus dem Versuche der alten
fundierten Weltmchte, die neue werdende Weltmacht zu unterdrcken,
einen Kreuzzug der internationalen Demokratie gegen den rckstndigen
autoritren Militarismus machen mchten. Aber diese neuen Ideologien
sind viel dnner und drftiger gewebt als die alten, mit denen Ranke
und Bismarck sich auseinanderzusetzen hatten. An der Wahrheit der Dinge
zerreien sie. Die damaligen Ideologien waren ganz ehrlich gemeint; an
die heutigen knnen nur die beschrnktesten unter unsern Gegnern ehrlich
glauben. Die Melodie der Rankeschen groen Mchte und ihrer Kmpfe
um Existenz, Individualitt, Unabhngigkeit und Ausbreitung tnt so
gewaltig wie noch nie aus diesem Weltkriege.

Die Rankeschen Lehren sind in Deutschland reicher aufgegangen als in
andern Lndern. Man fhlt das dort wohl, aber man macht uns daraus den
Vorwurf, da wir uns einem naturalistischen Kultus der Macht ergeben
und die frhere deutsche Geistigkeit eingebt htten. Rankes Aufsatz
beleuchtet das wahre Verhltnis der beiden groen, durch die Namen
Goethe und Bismarck bezeichneten Epochen unsres modernen Nationallebens
und ist ihr organisches Bindeglied. Er zeigt, da im Vlkerleben
geistige Werte nicht ohne Machtwerte und dauerhafte Machtwerte nicht
ohne geistige Werte erzeugt werden und, um mit ihm zu sprechen, beide
auf das genaueste zusammengehren. Die Machtpolitik der einzelnen
Staaten erscheint in dieser Skizze wie berglnzt von den geistigen
Krften der Nationen.

Ranke gibt in ihr wie berhaupt in seinen Darstellungen der auswrtigen
Politik den breitesten Raum. Dabei kommen neben den politischen Momenten
die literarischen strker zum Ausdruck als die wirtschaftlichen und
sozialen, die uns heute unentbehrlich scheinen zum vollen Verstndnis
der Staats- und Nationalentwicklungen. Aber Geschichtschreibung im
hhern Sinne ist nun einmal individuelles Bedrfnis und individuelle
Kunst. Ebensowenig wie es Normalstaaten gibt, gibt es eine normale
Behandlung der Geschichte. Ebenso wie der wirkliche Staat, mu die
Geschichtschreibung auf besondern, einheitlichen und fruchtbaren
Prinzipien beruhen, mu aber auch dabei wie dieser die Gesamtheit aller
Lebensgebiete vor Augen haben. Sie ist, wie der Staat, Individualitt,
die nach Totalitt strebt, aber in den Schranken ihrer Individualitt
nicht anders kann, als die ihr als Dominanten des Geschehens
erscheinenden Dinge herausgreifen und die brigen Krfte bald leiser,
bald vernehmlicher mitschwingen lassen. Nur so kann die unbersehbare
Flle des Geschehens gemeistert und zu einem Kosmos geordnet werden. Und
die Dominante der auswrtigen Politik, die Ranke -- sehr schon gegen den
Geschmack seiner auf Verfassungsideale erpichten Zeit -- herausgriff,
hat sich als fruchtbarer erwiesen als jede andre, um das Staatenleben
im groen zu verstehen. Es war ein genialer Griff, auszugehen von den
ersten und unabweisbarsten Bedrfnissen der Staaten, von ihren Kmpfen
um Existenz und Lebensraum, denn ihre innere Struktur ist zum grern
Teile Anpassung an diese Kmpfe. Die Machtbedrfnisse bestimmen wie
nichts andres die besondern Verfassungsformen der Staaten.

Es ist hier nicht der Ort, die ideengeschichtliche Genesis der
Rankeschen Lehren von der Individualitt der Staatspersnlichkeiten
und dem Primate der auswrtigen Politik zu zeigen. Man mte dafr
zurckgreifen auf die Romantik, auf Wilhelm von Humboldt und Herder.
Unter den Romantikern kommt, wie ich an andrer Stelle gezeigt habe,
namentlich Adam Mller als Vorlufer Rankes in Betracht. Insgesamt war
diese Entwicklung und Vertiefung der Geschichtsauffassung von Herder zu
Ranke hin eine der grten Leistungen des deutschen wissenschaftlichen
Geistes. Sie war nicht denkbar ohne das Erwachen der Nationen, ohne
die Idee der Nationalitt und das neue Licht, das diese Idee auf alle
individuellen Erscheinungen im geschichtlichen Leben warf. Tiefer und
origineller als irgendwo ist in Deutschland die Nationalitt als groe
=Individualitt= begriffen worden. Auch die Bedeutung der Nation fr
den Staat hat Ranke, wie dieser Aufsatz zeigt, nicht im normalen
und schematischen Sinne der Franzsischen Revolution, sondern ganz
individuell und konkret erfat, ohne doch das Generelle an ihr dabei zu
bersehen. Rankes Geschichts- und Staatsauffassung war aber, ber das
Zeitalter der Romantik und der Erhebung der Nationen hinber, auch noch
befruchtet durch die Eindrcke und berlieferungen des Zeitalters vor
1789, der sogenannten Kabinettspolitik. Die Groen Mchte erinnern
selber an Friedrichs des Groen Jugendschrift ~Considrations sur l'tat
prsent du corps politique de l'Europe~ von 1738 (nicht 1736, wie Ranke
noch annahm), in der auch schon, freilich fr rein praktische Zwecke,
die Kunst gebt wurde, die individuellen Interessen und Tendenzen der
einzelnen Gromchte zu charakterisieren und sie zugleich als Glieder
einer einheitlichen Staatenfamilie zu behandeln. Es gab eine ganze
Literatur dieser Art im 17. und 18. Jahrhundert, die mit khler Klugheit
und Klarheit die Interessen der Frsten ihrer Zeit studierte und
berechnete. Ranke lernte diese Kunst vor allem aus den Relationen der
venezianischen Gesandten. An realistischer Menschen- und Weltkenntnis
konnte er es bald mit ihnen aufnehmen. Er berflog sie weit, weil er
den philosophischen Geist hinzutun konnte, den das Deutschland seiner
Jugendzeit erzeugt hatte. Die erhabenen, geheimnisvoll-durchsichtigen
Schluworte des Aufsatzes htte auch der feinste politische Kopf des
~ancien rgime~ nicht schreiben und empfinden knnen.

Es steckt unglaublich viel in diesem Aufsatze. Ranke schrieb ihn auf der
Jugendhhe seiner Kraft, reich an schon gewonnener universalhistorischer
Anschauung, reicher noch an Ahnungen und Entwrfen fr knftige Studien.
Alle seine sptern groen Werke, voran die preuische, franzsische und
englische Geschichte, in gewissem Sinne auch die Weltgeschichte,
sind schon, wie man mit Recht bemerkt hat, in dieser Skizze keimhaft
enthalten. Man mu sie wieder und wieder lesen und erwgen und findet
doch immer wieder verborgene Einsichten und Winke, die Ausgangspunkt fr
ganze Reihen von Studien und Auffassungen geworden sind oder noch
werden knnen. Auch im heutigen Weltmomente, der die Nationen ganz
auseinanderzureien droht, kann uns sein groartiger Optimismus trsten,
der das System des Rechtes in der europischen Ordnung der Dinge immer
wieder emportauchen, nach immer neuer Vollendung streben sah. Dieser
Optimismus entsprang der tiefen Kenntnis der gewaltigen Quadern und
Fundamente, die das europische Gesamtleben trotz aller untereinander
gefhrten Kmpfe um die Macht im Grunde tragen.

Alle Kenntnis der Dinge aber steigert sich bei Ranke zu Anschauung
und Mitgefhl, die das Besondre in seinen geheimsten Falten und das
Allgemeine in seinen hchsten Beziehungen umfat. Weil beides bei ihm in
jedem Augenblicke ineinanderlebt, ist auch das Besondre immer etwas von
allgemeiner Bedeutung und das Allgemeine niemals eine bloe Abstraktion,
sondern nur die hchste der verschiedenen ineinander verkapselten
Individualitten. Und ber der hchsten Allgemeinheit der Geschichte,
die sich schauen lt, liegt immer noch ein geistiger ther
philosophisch-religiser Ahnungen, der alles umhllt. Keinem Historiker
der Welt ist es je gelungen, zugleich so realistisch und so transzendent
die Dinge zu behandeln. Man wird einwenden, da sich die realistischen
Bestandteile seiner Geschichtsauffassung als dauerhafter erweisen
werden, wie die transzendent-spekulativen. Ohne Zweifel ist auch das
geschichtsphilosophische Element in unserm heutigen historischen
Denken schon etwas anders zusammengesetzt wie bei Ranke. Aber Rankes
Geschichtsphilosophie hat nirgends seinen Realismus beeintrchtigt
und war doch, so wie sie war, elastisch, behutsam und glubig
zugleich, notwendig, um einen Realismus von dieser Schrfe und Tiefe
hervorzubringen.

Doch wir wollen hier nur erste Andeutungen zum Verstndnis Rankes und
seiner Groen Mchte geben. Im freundlichen Gewande der Inselbcherei,
die schon so manche Perlen unsrer Literatur umschliet, werden die
Groen Mchte hoffentlich Gemeingut aller derer werden, die es mit
historisch-politischem Denken ernst nehmen und es nicht nur stofflich
bereichern, sondern schulen und verfeinern wollen. Mchten sie auch
den historisch-politischen Geschmack berhaupt heben, der heute bei uns
nicht auf der Hhe der weltgeschichtlichen Entscheidungen unsrer Tage
steht.

Einige Literaturangaben zur Kommentierung der Groen Mchte werden
vielleicht erwnscht sein. Varrentrapp hat in der Historischen
Zeitschrift Bd.99 (1907) gelehrt und stoffreich ber Rankes
Historisch-politische Zeitschrift und ihr feudalkonservatives
Gegenstck, das Berliner Politische Wochenblatt, gehandelt. Max Lenz in
seinem Bchlein Die groen Mchte. Ein Rckblick auf unser Jahrhundert
(1900) geht von einer eingehenden Wrdigung des Rankeschen Aufsatzes
aus, um dann khn und geistvoll den Versuch Rankes, europische
Geschichte aus der Vogelperspektive zu sehen, fr das 19.Jahrhundert
fortzusetzen. Die Bedeutung der Groen Mchte und der verwandten
Aufstze Rankes fr die Geschichte des Nationalstaatsgedankens habe ich
in meinem Buche Weltbrgertum und Nationalstaat (3.Aufl. 1915) zu
zeigen versucht. Wer Rankes Persnlichkeit und geistige Entwicklung
kennen lernen will, mu zuerst aus seinen Briefen und autobiographischen
Aufzeichnungen schpfen, die Alfred Dove in Band53/54 der Werke
Rankes herausgegeben hat. Doves eigene Aufstze ber Ranke in seinen
Ausgewhlten Schriftchen vornehmlich historischen Inhalts (1898) sind
wohl das Schnste, was ber Ranke bisher gesagt worden ist.

Ein Wort von Novalis -- auch einem der Denker, die der Rankeschen
Geschichtsauffassung vorgearbeitet haben -- mag diese Einfhrung
beschlieen: Was bildet den Menschen, als seine Lebensgeschichte? Und
so bildet den =groartigen= Menschen nichts, als die =Weltgeschichte=.

Berlin, im August 1916.

  =Friedrich Meinecke.=




Die groen Mchte


Mit Studien und Lektre verhlt es sich nicht anders als mit den
Wahrnehmungen einer Reise, ja mit den Ereignissen des Lebens selbst. So
sehr uns das einzelne anziehen und frdern mag, indem wir es genieen,
so tritt es doch mit der Zeit in den Hintergrund zurck, verwischt
sich, verschwindet; nur die groen Eindrcke, die wir auf einer oder
der anderen Stelle empfinden, die Gesamtanschauungen, die sich uns
unwillkrlich oder durch besonders aufmerksame Beobachtungen ergaben,
bleiben brig und vermehren die Summe unseres geistigen Besitzes. Die
vornehmsten Momente des genossenen Daseins treten in der Erinnerung
zusammen und machen ihren lebendigen Inhalt aus.

Gewi tut man wohl, nach der Lektre eines bedeutenden Werkes sich die
Resultate desselben, soweit man es vermag, abgesondert vorzulegen, die
wichtigeren Stellen noch einmal zu bersehen; es ist ratsam, zuweilen
die Summe eines mehrere umfassenden Studiums zu ziehen; ich gehe weiter
und lade den Leser ein, sich die Ergebnisse einer langen historischen
Periode, die nur durch mannigfaltige Bemhungen kennen zu lernen ist
-- der letzten anderthalb Jahrhunderte --, einmal im Zusammenhange zu
vergegenwrtigen.

Ohne Zweifel hat in der Historie auch die Anschauung des einzelnen
Momentes in seiner Wahrheit, der besonderen Entwickelung an und fr sich
einen unschtzbaren Wert; das Besondere trgt ein Allgemeines in
sich. Allein niemals lt sich doch die Forderung abweisen, vom freien
Standpunkte aus das Ganze zu berschauen; auch strebt jedermann auf
eine oder die andere Weise dahin; aus der Mannigfaltigkeit der einzelnen
Wahrnehmungen erhebt sich uns unwillkrlich eine Ansicht ihrer Einheit.

Nur ist es schwer, eine solche auf wenigen Blttern mit gehriger
Rechtfertigung und einiger Hoffnung auf Beistimmung mitzuteilen. Ich
will mich jedoch einmal daran wagen.

Denn womit knnte ich einen neuen Band dieser Zeitschrift[1] besser
einleiten, als wenn ich einige Irrtmer ber den Bildungsgang
der modernen Zeiten, die sich fast allgemein verbreitet haben, zu
erschttern vermchte, wenn es mir einigermaen gelnge, den Weltmoment,
in dem wir uns befinden, deutlicher und unzweifelhafter, als es
gewhnlich geschehen mag, zur Anschauung zu bringen?

Wage ich mich nun an diesen Versuch, so darf ich nicht zu weit
zurckgreifen, es wre sonst notwendig eine Weltgeschichte zu schreiben;
auch halte ich mich absichtlich an die groen Begebenheiten, an den
Fortgang der auswrtigen Verhltnisse der verschiedenen Staaten; der
Aufschlu fr die inneren, mit denen jene in der mannigfaltigsten
Wirkung und Rckwirkung stehen, wird darin groenteils enthalten sein.


Die Zeit LudwigsXIV.

Gehen wir davon aus, da man in dem sechzehnten Jahrhundert die Freiheit
von Europa in dem Gegensatz und dem Gleichgewichte zwischen Spanien und
Frankreich sah. Von dem einen berwltigt, fand man eine Zuflucht bei
dem andern. Da Frankreich eine Zeitlang durch innere Kriege geschwcht
und zerrttet war, erschien als ein allgemeines Unglck; wenn man dann
HeinrichIV. so lebhaft begrte, so geschah dies nicht allein, weil er
der Anarchie in Frankreich ein Ende machte, sondern hauptschlich weil
er eben dadurch der Wiederhersteller einer gesicherten europischen
Ordnung der Dinge wurde.

Es ereignete sich aber, da Frankreich, indem es dem Nebenbuhler
allenthalben, in den Niederlanden, in Italien, auf der Halbinsel, die
gefhrlichsten Schlge beibrachte und die Verbndeten desselben in
Deutschland besiegte, hierdurch selber ein bergewicht an sich ri,
grer als jener es in dem Hhepunkte seiner Macht besessen hatte.

Man vergegenwrtige sich den Zustand von Europa, wie er um das Jahr 1680
war.

Frankreich, so sehr dazu geeignet, so lange schon gewohnt, Europa in
Grung zu erhalten, -- unter einem Knige, der es vollkommen
verstand, der Frst dieses Landes zu sein, dem sein Adel, nach langer
Widerspenstigkeit endlich unterworfen, mit gleichem Eifer am Hof und
in der Armee diente, mit dem sich seine Geistlichkeit wider den Papst
verbndet hatte, -- einmtiger, mchtiger als jemals vorher.

Um das Machtverhltnis einigermaen zu berblicken, braucht man sich
nur zu erinnern, da zu der nmlichen Zeit, als der Kaiser seine beiden
ersten stehenden Regimenter, Infanterie und Krassiere, errichtete,
LudwigXIV. im Frieden bereits 100000 Mann in seinen Garnisonen und
14000 Mann Garde hielt; da, whrend die englische Kriegsmarine in den
letzten Jahren KarlsII. immer mehr verfiel (sie hatte im Jahre 1678 83
Schiffe gezhlt), die franzsische im Jahre 1681 auf 96 Linienschiffe
vom ersten und zweiten Range, 42 Fregatten, 36 Feluken und ebensoviele
Brander gebracht ward. Die Truppen LudwigsXIV. waren die gebtesten,
krieggewohntesten, die man kannte, seine Schiffe sehr wohl gebaut; kein
anderer Frst besa zum Angriff wie zur Verteidigung so wohlbefestigte
Grenzen.

Nicht allein aber durch die militrische Macht, sondern noch mehr durch
Politik und Bndnisse war es den Franzosen gelungen, die Spanier zu
berwltigen. Die Verhltnisse, in welche sie dadurch gelangt waren,
bildeten sie zu einer Art von Oberherrschaft aus.

Betrachten wir zuerst den Norden und Osten. Im Jahre 1674 unternahm
Schweden einen gefhrlichen Krieg, ohne Vorbereitung, ohne Geld, ohne
rechten Anla, nur auf das Wort von Frankreich und im Vertrauen auf
dessen Subsidien. Die Erhebung Johann Sobieskis zur polnischen
Krone ward in einem offiziellen Blatte als ein Triumph LudwigsXIV.
angekndigt; Knig und Knigin waren lange im franzsischen Interesse.
Von Polen aus untersttzte man, wenn es ber Wien nicht mehr mglich
war, die ungarischen Mivergngten; die Franzosen vermittelten die
Verbindung derselben mit den Trken; denn auf den Diwan bten sie ihren
alten, durch die gewhnlichen Mittel erhaltenen Einflu ohne Strung.
Es war alles =ein= System. Eine vorzgliche Rcksicht der franzsischen
Politik bestand darin, den Frieden zwischen Polen und Trken zu
erhalten; dazu wurde selbst der Tatarkhan angegangen. Eine andere war,
Schweden von den Russen nicht mit Krieg berziehen zu lassen.
Kaum machten, sagt Contarini 1681, die Moskowiter Miene, Schweden
anzugreifen, das mit Frankreich verbndet ist, so drohten die Trken,
mit Heeresmacht in das Land des Zaren einzufallen. Genug, Krieg und
Friede dieser entfernten Gegenden hingen von Frankreich ab.

Man wei, wie unmittelbar, hauptschlich durch Schweden, das nmliche
System Deutschland berhrte. Aber auch ohne dies war unser
Vaterland entzweit und geschwcht. Bayern und Pfalz waren durch
Heiratsverbindungen an den franzsischen Hof geknpft, und fast alle
brigen Frsten nahmen zu einer oder der anderen Zeit Subsidien; der
Kurfrst von Kln berlieferte vermge eines frmlichen Traktates, den
er durch verschiedene Scheinvertrge verheimlichte, seine Festung Neu
an eine franzsische Besatzung.

Auch in dem mittleren und dem sdlichen Europa war es nicht viel
anders. Die Schweizer dienten zuweilen, ber 20000 Mann stark, in den
franzsischen Heeren, und von der Unabhngigkeit ihrer Tagsatzungen war
bei so starkem ffentlichen, noch strkerem geheimen Einflu nicht
mehr viel zu rhmen. Um sich Italien offen zu erhalten, hatte Richelieu
Pinarolo genommen; noch wichtiger ist Casale, durch welches Mailand und
Genua unmittelbar bedroht werden. Jedermann sah, welche Gefahr es wre,
wenn auch dieser Platz in franzsische Hnde komme; jedoch wagte kein
Mensch, sich der Unterhandlung, die LudwigXIV. mit dem Herzoge von
Mantua darber pflog, obwohl sie lange genug dauerte, ernstlich zu
widersetzen, und endlich rckte eine franzsische Besatzung daselbst
ein. Wie der Herzog von Mantua waren auch die brigen italienischen
Frsten groenteils in der Pflicht von Frankreich. Die Herzogin von
Savoyen und, jenseit der Pyrenen, die Knigin von Portugal waren
Franzsinnen. Der Kardinal d'Etres hatte ber die eine wie die andere
eine so unzweifelhafte Gewalt, da man gesagt hat, er beherrsche sie
despotisch, durch sie die Lnder.

Sollte man aber glauben, da Frankreich indes selbst auf seine Gegner
vom Hause sterreich, im Kampf mit denen es eben seine vorherrschende
Gewalt erworben hatte, einen entschiedenen Einflu erwarb? Es verstand,
die spanische und die deutsche Linie zu trennen. Der junge Knig von
Spanien vermhlte sich mit einer franzsischen Prinzessin, und gar bald
zeigte sich dann die Wirksamkeit des Botschafters von Frankreich auch in
den inneren Angelegenheiten von Spanien. Der bedeutendste Mann, den
dies Land damals hatte, der zweite Don Juan d'Austria, ward, soviel
ich finde, durch die Franzosen in den Mikredit gebracht, in welchem er
starb. Aber auch zu Wien, selbst mitten im Kriege, wuten sie, wiewohl
blo insgeheim, Fu zu fassen. Nur unter einer solchen Voraussetzung
wenigstens glaubte man die Schwankungen des dortigen Kabinetts begreifen
zu knnen. Die Anordnungen des Hofkriegsrates waren, wie Montecuculi
klagte, frher zu Versailles bekannt als in dem eigenen Hauptquartier.

Bei diesem Zustande der Dinge htte wohl vor allen europischen Staaten
England den Beruf gehabt, wie es auch eigentlich allein die Kraft dazu
besa, sich den Franzosen zu widersetzen. Aber man wei, durch welche
sonderbare Vereinigung der mannigfaltigsten Beweggrnde der Politik und
der Liebe, des Luxus und der Religion, des Interesses und der Intrige
KarlII. an LudwigXIV. gebunden war. Fr den Knig von Frankreich waren
diese Bande jedoch noch nicht fest genug. In dem nmlichen Augenblicke
lie er sich angelegen sein, auch die wichtigsten Mitglieder des
Parlaments an sich zu ziehen. So independent, so republikanisch gesinnt
sie waren, so brauchte er doch nur die nmlichen Mittel anzuwenden. Die
Grnde, sagt der franzsische Gesandte Barrillon von einem derselben,
die Grnde, die ich ihm anfhrte, berzeugten ihn nicht; aber das Geld,
das ich ihm gab, das machte ihn sicher. Hierdurch erst bekam LudwigXIV.
England in seine Gewalt. Htte der Knig sich von ihm entfernt, so wrde
derselbe Widerstand im Parlament gefunden haben; sobald das Parlament
dem nationalen Widerwillen gegen die Franzosen Raum gab, stellte
sich der Knig entgegen. Ludwigs Politik war, und Barrillon sagt
ausdrcklich, es liege demselben am Herzen, eine Vereinigung der
Englnder, eine Ausshnung zwischen Knig und Parlament zu verhindern.
Nur allzuwohl gelang es ihm; die englische Macht ward hierdurch vllig
neutralisiert.

Und so war allerdings Europa den Franzosen gegenber entzweit und
kraftlos, ohne Herz, wie ein Venezianer sagt, und ohne Galle. Welch ein
Zustand der allgemeinen Politik, da man es duldete, als Ludwig auf
den Antrag eines seiner Parlamentsrte zu Metz jene Reunionskammern
einrichtete, vor die er mchtige Frsten zitierte, um ber ihre
Rechte an Land und Leute, durch Staatsvertrge gewhrleistet, wie ber
Privatrechte von seinen Gerichten entscheiden zu lassen! Welch ein
Zustand des Deutschen Reiches, da es sich Straburg so gewaltsam, so
wider die Natur der Dinge entreien lie! Man erlaube mir, anzufhren,
wie ein Fremder lange nachher die Eroberung des Elsa bezeichnet. Wenn
man die Geschichte davon liest, sagt Young in einer Reisebeschreibung,
so macht sie einen so tiefen Eindruck nicht; da ich aber, aus
Frankreich kommend, ber hohe Gebirge mute und dann in eine Ebene
hinabstieg, in der ein von den Franzosen in Sitte, Sprache und
Abstammung ganz unterschiedenes Volk wohnt (die Ebene, welche damals
erobert wurde), das machte mir Eindruck. Und eine solche Beleidigung
nahm Deutschland hin und schlo darber einen Stillstand.

Was gab es da noch, das sich LudwigXIV. nicht htte erlauben sollen?
Ich will nicht dabei verweilen, wie er Genua mihandelte, wie er seinen
Ambassadeur dem Papst zum Trotz mit einer bewaffneten Macht in Rom
einrcken lie; erinnern wir uns nur, wie er selbst seiner Freunde
nicht schonte. Er nahm Zweibrcken in Besitz, obwohl es seinem alten
Bundesgenossen, dem Knige von Schweden, gehrte; sein Admiral bescho
Chios, weil sich tripolitanische Seeruber dahin geflchtet, obgleich
die Trken seine Verbndeten waren; einiger Forts, die der englischen
Gesellschaft der Hudsonbai gehrten, bemchtigte er sich mitten im
Frieden, whrend des besten Einverstndnisses. Jener Knigin von Polen
versagte LudwigXIV. eine geringfgige Genugtuung ihres Ehrgeizes.
Nachdem er sich Freunde gemacht, durch Geld oder Untersttzung, liebt er
es, sie zu vernachlssigen, sei es, um ihnen zu beweisen, da er sie
im Grunde doch nicht brauche, oder in der berzeugung, die Furcht
vor seinem Unwillen allein werde sie in Pflicht halten. In jeder
Unterhandlung will er dies sein bergewicht fhlen lassen. Von einem
seiner auswrtigen Minister sagt er selbst: Ich habe ihn entfernen
mssen; denn allem, was durch seine Hand ging, gebrach es an der
Groartigkeit und Kraft, welche man zeigen mu, wenn man die Befehle
eines Knigs von Frankreich ausfhrt, der nicht unglcklich ist.

Man darf annehmen, da diese Gesinnung der vornehmste Antrieb selbst
seiner Kriegslust war. Schwerlich war gerade eine ausschweifende
Lndergier in ihm; von einer weit um sich greifenden Eroberung war
eigentlich nicht die Rede. Wie die Feldzge selbst nur eben mit zu den
Beschftigungen des Hofes gehren, -- man versammelt ein Heer, man lt
es vor den Damen paradieren; alles ist vorbereitet; der Schlag gelingt;
der Knig rckt in die eroberte Stadt ein, dann eilt er zum Hofe zurck,
-- so ist es hauptschlich diese triumphierende Pracht der Rckkehr,
diese Bewunderung des Hofes, worin er sich gefllt; es liegt ihm nicht
soviel an der Eroberung, an dem Kriege, als an dem Glanze, den sie um
ihn verbreiten. Nein! einen freien, groen, unvergnglichen Ruhm sucht
er nicht; es liegt ihm nur an den Huldigungen seiner Umgebung; diese ist
ihm Welt und Nachwelt.

Aber darum war der Zustand von Europa nicht weniger gefhrdet. Sollte
es einen Supremat geben, so mte es wenigstens ein rechtlich bestimmter
sein. Dies faktisch Unrechtmige, das den ruhigen Zustand jeden
Augenblick durch Willkr strt, wrde die Grundlage der europischen
Ordnung der Dinge und ihrer Entwickelung auflsen. Man bemerkt nicht
immer, da diese Ordnung sich von anderen, die in der Weltgeschichte
erschienen sind, durch ihre rechtliche, ja juridische Natur
unterscheidet. Es ist wahr, die Weltbewegungen zerstren wieder das
System des Rechtes; aber nachdem sie vorbergegangen, setzt sich dies
von neuem zusammen, und alle Bemhungen zielen nur dahin, es wieder zu
vollenden.

Und das wre noch nicht einmal die einzige Gefahr gewesen. Eine
andere nicht minder bedeutende lag darin, da ein so entschieden
vorherrschender Einflu einer Nation es schwerlich zu einer
selbstndigen Entwickelung der brigen htte kommen lassen, um so
weniger, da er durch das bergewicht der Literatur untersttzt wurde.
Die italienische Literatur hatte den Kreis ihrer originalen Laufbahn
bereits vollendet; die englische hatte sich noch nicht zu allgemeiner
Bedeutung erhoben; eine deutsche gab es damals nicht. Die franzsische
Literatur, leicht, glnzend und lebendig, in streng geregelter und
doch anmutender Form, falich fr alle Welt und doch von nationaler
Eigentmlichkeit, fing an, Europa zu beherrschen. Es sieht beinahe
wie ein Scherz aus, wenn man bemerkt hat, da z.B. das Diktionr der
Akademie, in welchem sich die Sprache fixierte, besonders an Ausdrcken
der Jagd und des Krieges reich ist, wie sie am Hofe gang und gbe waren;
aber leugnen lt sich nicht, da diese Literatur dem Staate vllig
entsprach und ein Teil den anderen in der Erwerbung seines Supremats
untersttzte. Paris ward die Kapitale von Europa. Es bte eine
Herrschaft wie nie eine andere Stadt, der Sprache, der Sitte,
gerade ber die vornehme Welt und die wirksamen Klassen; die
Gemeinschaftlichkeit von Europa fand hier ihren Mittelpunkt. Sehr
besonders ist es doch, da die Franzosen schon damals ihre Verfassung
aller Welt angepriesen haben, den glcklichen Zustand der schutzreichen
Untertnigkeit, in dem sich Frankreich unter seinem Knige befinde,
einem Frsten, welcher vor allen verdiene, da die Welt von seiner
Tapferkeit und seinem Verstande regiert und in rechte Einigkeit gebracht
werde.

Versetzt man sich in jene Zeit, in den Sinn eines Mitlebenden zurck,
welch eine trbe, beengende, schmerzliche Aussicht! Es konnte doch
geschehen, da die falsche Richtung der Stuarts in England die Oberhand
behielt und die englische Politik sich auf ganze Zeitrume hinaus an
die franzsische fesselte. Nach dem Frieden von Nimwegen wurden die
lebhaftesten Unterhandlungen gepflogen, um die Wahl eines rmischen
Knigs auf LudwigXIV. selbst oder doch den Dauphin fallen zu
lassen; bedeutende Stimmen waren dafr gewonnen, denn allein der
allerchristlichste Knig sei fhig, dem Reiche seinen alten Glanz
wiederzugeben; und so unmglich war es nicht, da unter begnstigenden
Umstnden eine solche Wahl wirklich getroffen wurde; wie dann, wenn
hernach auch die spanische Monarchie an einen Prinzen dieses Hauses
fiel? Htte zugleich die franzsische Literatur beide Richtungen,
deren sie fhig war, die protestantische so gut wie die katholische,
ausgebildet, so wrde Staat und Geist der Franzosen sich mit
unwiderstehlicher Gewalt Europa unterworfen haben. Versetzt man sich,
wie gesagt, in jene Zeit zurck, wodurch wrde man glauben, da einer so
unglcklichen Wendung der Dinge Einhalt geschehen knnte?

Gegen den Anwachs der Macht und des politischen bergewichtes konnten
die minder Mchtigen sich vereinigen. Sie schlossen Bndnisse,
Assoziationen. Dahin bildete sich der Begriff des europischen
Gleichgewichtes aus, da die Vereinigung vieler anderen dienen msse,
die Anmaungen des exorbitanten Hofes, wie man sich ausdrckte,
zurckzudrngen. Um Holland und WilhelmIII. sammelten sich die Krfte
des Widerstandes. Mit gemeinschaftlicher Anstrengung wehrte man die
Angriffe ab, fhrte man die Kriege. Allein man wrde geirrt haben, wenn
man sich htte berreden wollen, es liege darin eine Abhilfe auf immer.
Einem europischen Bndnisse und einem glcklichen Kriege zum Trotz
wurde ein Bourbon Knig von Spanien und Indien; ber einen Teil von
Italien sogar breitete sich in dem allmhlichen Fortgang der Dinge die
Herrschaft dieses Geschlechtes aus.

In groen Gefahren kann man wohl getrost dem Genius vertrauen, der
Europa noch immer vor der Herrschaft jeder einseitigen und gewaltsamen
Richtung beschtzt, jedem Druck von der einen Seite noch immer
Widerstand von der andern entgegengesetzt und bei einer Verbindung der
Gesamtheit, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt enger und enger geworden,
die allgemeine Freiheit und Sonderung glcklich gerettet hat. Da das
bergewicht Frankreichs auf der berlegenheit seiner Streitkrfte, auf
innerer Strke beruhte, so war ihm nur dadurch wahrhaft zu begegnen, da
ihm gegenber auch andere Mchte zu innerer Einheit, selbstndiger
Kraft und allgemeiner Bedeutung entweder zurckkehrten oder aufs neue
emporkmen. berblicken wir in wenigen flchtigen Zgen, wie dies
geschah.


England, sterreich, Ruland

Zuerst erhob sich England zu dem Gefhle seiner Strke. Dies war, sahen
wir, bisher dadurch zurckgehalten, gebrochen worden, da LudwigXIV.
zugleich KarlII. und das Parlament bearbeitete und bald den einen, bald
das andere fr seine Zwecke zu bestimmen wute. Mit JakobII. aber
stand Ludwig in einem viel vertraulicheren Verhltnis als mit Karl. Wenn
nichts anderes, so vereinigte sie schon ihre religise Gesinnung, die
gemeinschaftliche Devotion. Da Jakob den Katholizismus so auffallend
begnstigte, war einem Frsten erwnscht, der die Protestanten selber
grausam verfolgte. Ludwig ergo sich in Lob, und der englische Gesandte
kann nicht genug sagen, mit welcher Herzlichkeit er sich zu jedem
erdenklichen Beistand erboten habe, als Jakob den entscheidenden Schritt
getan und die Bischfe gefangen gesetzt hatte. Aber eben dies bewirkte,
da alle popularen und, da die englische Kirche angegriffen war,
selbst die aristokratischen Gewalten sich zugleich ihrem Knige und
den Franzosen entgegenwarfen. Es war eine religise, nationale und im
Interesse des bedrohten Europas unternommene Bewegung, der die
Stuarts unterlagen. Eben der leitete sie, der bisher die Seele aller
Unternehmungen gegen Frankreich gewesen war, WilhelmIII. Der neue
Knig und sein Parlament bildeten seitdem eine einzige Partei. Es konnte
Streitigkeiten, selbst heftige Streitigkeiten zwischen ihnen geben,
aber auf die Dauer, in der Hauptsache konnten sie sich nicht wieder
entzweien, zumal da der Gegensatz so stark war, den sie gemeinschaftlich
erfuhren. Die Parteien, die sich bisher in die Extreme geworfen, um
einander von den entgegengesetztesten Standpunkten aus zu befehden,
wurden in den Kreis des Bestehenden verwiesen, wo sie freilich auch
miteinander stritten, aber sich zugleich miteinander ausglichen, wo ihr
Widerstreit zu einem lebendigen Grungsstoff der Verfassung wurde.
Es ist nicht ohne Interesse, diesen Zustand mit dem franzsischen zu
vergleichen. Sie hatten doch vieles gemein. In Frankreich wie in England
waren aristokratische Geschlechter im Besitz der Gewalt; die einen wie
die anderen genossen einer alle anderen ausschlieenden Berechtigung;
sie besaen dieselbe beide vermge ihrer Religion, die einen durch
ihren Katholizismus, die anderen durch ihren Protestantismus. Dabei aber
bestand der grte Unterschied. In Frankreich war alles Uniformitt,
Unterordnung und Abhngigkeit eines reich entwickelten, aber sittlich
verderbten Hofwesens. In England ein gewaltiges Ringen, ein politischer
Wettkampf zweier fast mit gleichen Krften ausgersteter Parteien
innerhalb eines bestimmten, umschriebenen Kreises. In Frankreich schlug
die nicht ohne Gewalt gepflanzte Devotion nur zu bald in ihr offenbares
Gegenteil um. In England bildete sich eine vielleicht beschrnkte, im
ganzen mnnlich selbstbewute Religiositt aus, die ihre Gegenstze
berwand. Jenes verblutete an den Unternehmungen eines falschen
Ehrgeizes; diesem strotzten die Adern von jugendlicher Kraft. Es war,
als trte der Strom der englischen Nationalkraft nun erst aus den
Gebirgen, zwischen denen er sich bisher zwar tief und voll, aber enge,
sein Bette gewhlt, in die Ebene hervor, um sie in stolzer Majestt zu
beherrschen, Schiffe zu tragen und Weltstdte an seinen Ufern grnden
zu sehen. Das Recht der Geldbewilligung, ber welches bisher die meisten
Streitigkeiten zwischen dem Knig und dem Parlament ausgebrochen, fing
nun vielmehr an, sie miteinander zu verbinden. KarlII. hatte whrend
des Vierteljahrhunderts seiner Regierung alles in allem dreiundvierzig
Millionen Pfund eingenommen. Wilhelm empfing binnen dreizehn Jahren
zweiundsiebenzig Millionen Pfund; wie ungeheuer aber stiegen seitdem
diese Anstrengungen! Eben darum stiegen sie, weil sie freiwillig waren,
weil man sah, da ihr Ertrag nicht dem Luxus weniger Hofleute, sondern
dem allgemeinen Bedrfnis diente. Da war das bergewicht der englischen
Marine nicht lange zweifelhaft. Im Jahre 1678 war es als ein blhender
Zustand der kniglichen Flotte erschienen, da sie, die Brander
eingeschlossen, 83 Kriegsschiffe zhlte, mit einer Bemannung von 18323
Mann. Im Dezember 1701 besa man dagegen, Brander und kleinere Fahrzeuge
ausgeschlossen, 184 Schiffe vom ersten bis sechsten Range mit einer
Bemannung von 53921 Mann. Wenn, wie man glaubt, der Ertrag des
Postwesens einen Mastab fr den inneren Verkehr abgibt, so mu man
sagen, da auch dieser ungemein gestiegen war. Im Jahre 1660 soll die
Post 12000 Pfund, im Jahre 1699 dagegen 90504 Pfund Sterling abgeworfen
haben. Man hat gleich damals bemerkt, da das eigentliche nationale
Motiv zu dem Spanischen Erbfolgekriege die Besorgnis war, Frankreich und
Spanien vereinigt mchten den westindischen Verkehr den Englndern
und Hollndern wieder entreien. Htte auch sonst der Friede, den
man zuletzt schlo, den Tadel verdient, den die Whigs so lebhaft ber
denselben aussprachen, so hat er doch diese Furcht beseitigt. Nichts
bezeichnet mehr das bergewicht der Englnder ber die bourbonischen
Mchte, als da sie Gibraltar behaupteten. Den besten Verkehr mit den
spanischen Kolonien brachten sie nunmehr sogar durch Vertrag an sich,
indes die eigenen sich in ungeheuerem Fortschritt ausbreiteten. Wie
Batavia vor Kalkutta, so verschwand seitdem der alte maritime Glanz
von Holland vor dem englischen, und schon Friedrich der Groe fand zu
bemerken, Holland folge dem Nachbar wie ein Boot seinem Schiff. Die
Vereinigung mit Hannover brachte ein neues, kontinentales, nicht minder
antifranzsisches Interesse hinzu. In dieser groen Bewegung erhob sich
die englische Literatur zuerst zu europischer Wirksamkeit, und sie fing
an, mit der franzsischen zu wetteifern. Naturforschung und Philosophie,
diese sowohl in der einen als in der anderen ihrer Richtungen, brachten
eine neue und originale Weltansicht hervor, in der jener die Welt
bermeisternde Geist sich selber fate und widerspiegelte. Zwar
wrde man zu viel behaupten, wenn man den Englndern die Schpfung
vollendeter, in der Form unvergnglicher Denkmale der Poesie oder der
Kunst in dieser Zeit zuschreiben wollte; aber herrliche Genies hatten
sie auch damals, und lngst besaen sie wenigstens einen groen Dichter,
dessen Werke -- fr alle Zeiten falich und wirksam, wie sie sind --
Europa nun erst kennen lernte. Hatten sie eine Zeitlang franzsische
Formen nicht verschmht, so nahm man nun an den ausgezeichnetsten
Franzosen die Wirkung ihres Geistes und ihrer Wissenschaft wahr.

Dergestalt setzte sich LudwigXIV. jenem Nebenbuhler, dessen er durch
Politik oder den Einflu der Religion Herr zu werden gehofft hatte,
mchtiger in sich, groartiger und gefhrlicher, als man irgend hatte
erwarten knnen, entgegen. Alle maritimen Beziehungen, alle Verhltnisse
des europischen Westens wurden dadurch von Grund aus verndert.

Indessen war zur nmlichen Zeit auch der Osten umgestaltet.

Ich kann die Meinung nicht teilen, da das deutsche sterreich in der
Bedeutung, in der wir es erblicken, eine alte Macht zu nennen sei.
Whrend des Mittelalters htte es ohne das Kaisertum nur wenig zu
sagen gehabt. Dann ward es von der spanischen Monarchie zugleich
mit fortgezogen und in Schatten gestellt; am Ende des sechzehnten
Jahrhunderts war es durch den Zwiespalt der Religion und die erblichen
Berechtigungen der Stnde in seinen verschiedenen Landschaften alles
auswrtigen Ansehens entkleidet worden; im Anfang des Dreiigjhrigen
Krieges muten deutsche Heere dem Kaiser sein Erbland wiedererobern.
Selbst der Glanz, den die wallensteinischen Unternehmungen auf
FerdinandII. warfen, war doch nur vorbergehend; und welche gewaltsame
Rckwirkung riefen sie nicht hervor! Wie oft wurden seitdem die
Hauptstdte sterreichischer Provinzen von den schwedischen Heeren
bedroht! Jedoch gelang es eben damals dem Hause sterreich, durch die
Vernichtung seiner Gegner, die Erhebung seiner Anhnger, die endliche
Befestigung des Katholizismus seine Macht im Innern auf immer zu
begrnden. Es war der erste Schritt zu dem Ansehen, das es in neuerer
Zeit erworben hat. Zu einer selbstndigen und europisch bedeutenden
Macht wurde aber sterreich erst durch die Wiedereroberung von Ungarn.
Solange Ofen in den Hnden der Trken war, konnten die Franzosen
sterreich bedrohen, ja auerordentlich gefhrden, sooft es ihnen
gefiel, ihren Einflu auf den Diwan dahin zu verwenden. Haben sie den
Zug Kara Mustaphas im Jahre 1683 auch nicht veranlat, so haben sie
doch darum gewut. Ihre Absicht war dabei nicht, Deutschland oder die
Christenheit zu verderben; so weit gingen sie nicht; aber Wien wollten
sie nehmen, die Trken wollten sie selbst bis an den Rhein vordringen
lassen. Dann wre LudwigXIV. als der einzige Schirm der Christenheit
hervorgetreten; in der Verwirrung, die eine solche Bewegung htte
hervorbringen mssen, wrde es ihm nicht haben fehlen knnen, ber die
deutsche Krone zu verfgen und sie, wenn er nur wollte, selbst an sich
zu nehmen.

Unter den Mauern von Wien schlug dieser Plan fehl. Es war die
letzte groe Anstrengung der Trken, die um so verderblicher auf sie
zurckwirkte, da sie alle ihre Krfte dazu in barbarischem bermae
aufgewendet hatten. Seitdem wichen denn vor den deutschen Kriegsscharen,
welche, wie ein Italiener sagt, wie eine starke, undurchdringliche
Mauer vorrckten, die ungeordneten trkischen Haufen allenthalben
zurck; vergebens erklrte ein Fetwa des Mufti, da Ofen der Schlssel
des Reiches und die Verteidigung dieses Platzes eine Glaubenspflicht
sei; es ging doch verloren; ganz Ungarn ward wiedererobert und zu einem
erblichen Reiche gemacht. Die Mivergngten unterwarfen sich; in die
Grenzen von Niederungarn rckte eine Raizische Bevlkerung ein, um
dieses fortan wider die Trken zu verteidigen. Seitdem hatte sterreich
eine ganz andere Grundlage als frher. Sonst wurden alle Kriege in
Ungarn von deutschen Heeren gefhrt, und man sagte, alle dortigen Flsse
seien mit deutschem Blute gefrbt; jetzt erschienen die Ungarn als der
Kern der sterreichischen Heere in den deutschen Kriegen. Nun war es
der franzsischen Diplomatie nicht mehr mglich, die Trken bei jedem
leichten Anla in das Herz der Monarchie zu rufen; nur noch einmal fand
sie bei den Mivergngten Beistand und Hilfe; endlich war alles ruhig;
eben auf diejenige Provinz, die ihn bisher am meisten gefhrdet hatte,
grndete seitdem der Kaiser seine Gewalt.

Man sieht von selbst, welch eine Vernderung die Befestigung dieser
stabilen, reichen, wohlbewaffneten Macht, welche die Trken in Zaum,
ja in Furcht hielt, in den Verhltnissen des europischen Ostens
hervorbringen mute.

LudwigXIV. erlebte wenigstens den Anfang noch einer anderen.

Die Zustnde von Polen, durch die es ihm leicht wurde, in diesem Lande
immer eine Partei zu haben, die Macht von Schweden, das durch Herkommen
und alten Bund wenigstens in der Regel an ihn geknpft war, gaben ihm
ohne viel Anstrengung ein entschiedenes bergewicht in dem Norden.
KarlXII. machte darin keine nderung. Es war einer seiner ersten
Entschlsse, wie er zu seinem Kanzler sagte, schlechterdings die
Allianz mit Frankreich abzuschlieen und zu dessen Freunden zu gehren.
Es ist wahr, der Spanische Erbfolgekrieg und der Nordische, die hierauf
fast zu gleicher Zeit begannen, hatten keinen vorausbedachten, durch
Unterhandlungen vermittelten Zusammenhang, obwohl man ihn oft vermutete;
aber die schwedischen Unternehmungen kamen den Franzosen durch ihren
Erfolg zustatten; in der Tat hatten die Begebenheiten eine gleichartige
Tendenz. Whrend die spanische Sukzession dienen sollte, den Bourbonen
den Sden von Europa in die Hnde zu liefern, waren die alten
Verbndeten der Bourbonen, die Schweden, nahe daran, die Herrschaft
in dem Norden vllig an sich zu bringen. Nachdem KarlXII. die Dnen
berfallen und zum Frieden gezwungen, nachdem er Polen erobert und einen
Knig daselbst gesetzt, nachdem er die Hlfte von Deutschland, das in
seinem Osten nicht viel besser befestigt war, als in seinem Westen,
durchzogen und Sachsen eine Zeitlang innegehabt, blieb ihm zur
Befestigung seiner Suprematie nichts mehr brig, als den Zaren, den er
schon einmal geschlagen, vllig zu vernichten. Dazu brach er mit seinem
in Sachsen verjngten Heere auf. Der Zar hatte sich indes mit groer
Anstrengung gerstet. Es kam zu dem entscheidenden Kampfe des Jahres
1709. Sie begegneten einander noch einmal, diese beiden nordischen
Heroen, KarlXII. und PeterI., originale Geburten germanischer und
slawischer Nationalitt. Ein denkwrdiger Gegensatz. Der Germane
grogesinnt und einfach, ohne Flecken in seinem Lebenswandel, ganz ein
Held, wahr in seinen Worten, khn in seinem Vornehmen, gottesfrchtig,
hartnckig bis zum Eigensinn, unerschtterlich. Der Slawe, zugleich
gutmtig und grausam, hchst beweglich, noch halb ein Barbar, aber mit
der ganzen Leidenschaftlichkeit einer frischen lernbegierigen Natur den
Studien und Fortschritten der europischen Nationen zugewandt, voll
von groen Entwrfen und unermdlich, sie durchzusetzen. Es ist ein
erhabener Anblick, den Kampf dieser Naturen wahrzunehmen. Man knnte
zweifeln, welches die vorzglichere war; so viel ist gewi, da sich die
grere Zukunft an die Erfolge des Zaren knpfte. Whrend Karl fr
die wahren Interessen seiner Nation wenig Sinn zeigte, hatte Peter die
Ausbildung der seinigen, die er selbst vorbereitet und begonnen, an
seine Person geknpft und lie dieselbe sein vornehmstes Augenmerk sein.
Er trug den Sieg davon. In dem Berichte, den er ber die Schlacht von
Pultawa an seine Leute ergehen lie, fgte er in einer Nachschrift
hinzu, damit sei der Grundstein zu St. Petersburg gelegt. Es war der
Grundstein zu dem ganzen Gebude seines Staates und seiner Politik.
Seitdem fing Ruland an, in dem Norden Gesetze zu geben. Es wre ein
Irrtum, wenn man glauben wollte, es htte dazu einer langen Entwickelung
bedurft; es geschah vielmehr auf der Stelle. Wie htte auch AugustII.
von Polen, der seine Herstellung einzig und allein den Waffen der Russen
verdankte, sich ihrem Einflu entziehen knnen? Aber berdies mute er
in den inneren Entzweiungen, im Kampfe mit seinem Adel, ihre Hilfe
aufs neue in Anspruch nehmen. Hierdurch ward PeterI. unmittelbarer
Schiedsrichter in Polen, mchtig ber beide Parteien; um so gewaltiger,
da die Polen ihre Armee um drei Vierteile verminderten, whrend die
seinige immer zahlreicher, gebter und furchtbarer wurde. Der Zar,
sagt ein Venezianer im Jahre 1717, welcher sonst Gesetze von den
Polen empfangen hat, gibt deren jetzt ihnen nach seinem Gutdnken mit
unbeschrnkter Autoritt. Notwendigerweise hrte seitdem der Einflu
der Franzosen in Polen mehr und mehr auf; sie vermochten ihre
Thronkandidaten nicht mehr zu befrdern, selbst wenn sie den Adel
fr sich hatten. Indessen war Schweden durch eben diese Ereignisse
entkrftet und herabgebracht worden. Noch in seinen letzten Tagen
hatte LudwigXIV. dieser Krone alle ihre Besitzungen garantiert;
nichtsdestominder war sie zuletzt eines bedeutenden Teiles derselben
verlustig gegangen. Wohl behaupteten die Franzosen ihren Einflu in
Stockholm. Man klagte dort 1756, Schweden werde von Paris aus regiert,
wie eine franzsische Provinz. Aber wie gesagt, Schweden war ganz
unbedeutend geworden. Es waren armselige innere Entzweiungen der Mtzen
und Hte, auf die man Einflu hatte. Wenn man sie ein paarmal benutzte,
um einen Krieg gegen Ruland hervorzurufen, so war das eher ein
Nachteil; man gab diesem Reiche nur Gelegenheit zu neuen Siegen und
Vergrerungen.

Und so war der Norden unter eine ganz andre Herrschaft geraten als die
mittelbare von Frankreich; eine groe Nation trat dort in eine neue,
eine eigentlich europische Entwickelung ein. In dem Osten war der
franzsische Einflu zwar nicht verschwunden; aber er hatte daselbst,
obwohl sterreich unter KarlVI. schwach genug wurde, doch lange nicht
mehr die alte Bedeutung. Die See war in den Hnden des Nebenbuhlers; die
vorteilhafte Verbindung, welche Frankreich ber Cadiz mit dem spanischen
Amerika angefangen, duldete oder unterbrach derselbe nach seiner
Konvenienz.

In dem sdlichen Europa dagegen, durch das natrliche Einverstndnis
der bourbonischen Hfe, das nach kurzer Unterbrechung bis zu
gemeinschaftlichen Plnen hergestellt worden war, und in Deutschland
hatte Frankreich noch immer ein groes bergewicht.

Vor allem in Deutschland.

Es existieren Betrachtungen ber den politischen Zustand von Europa vom
Jahre 1736, die uns die Lage, besonders der deutschen Angelegenheiten,
kurz vor dem sterreichischen Sukzessionskriege geistreich und bndig
schildern. Wenn der Verfasser zugibt, da Kaiser KarlVI. seine Macht im
Reiche zu erweitern, die Verfassung monarchischer zu machen bemht sei,
da derselbe sogar durch seine Verbindung mit den Russen, die schon
damals an dem Rhein erschienen, einigen Artikeln seiner Kapitulation
zuwidergehandelt habe, so findet er doch auf dieser Seite die Gefahr
so gro nicht; der letzte Krieg, meint er, habe die Schwche des
kaiserlichen Hofes offenbart; in dem Stolze und der Gewaltsamkeit, mit
denen derselbe seine Plne durchzusetzen suche, liege ein Heilmittel
gegen sie. Hten wir uns dagegen, ruft er aus, vielmehr vor denen, die
durch geheime Kunstgriffe, durch einschmeichelnde Manieren und eine
erdichtete Gte uns in die Sklaverei zu bringen suchen. Er findet, da
Kardinal Fleury, damals Premierminister von Frankreich, obwohl er die
Miene auerordentlicher Migung annehme, dessenungeachtet und zwar
gerade unter diesem Scheine die Plne eines Richelieu und Mazarin
verfolge. Durch anscheinende Gromut schlfere er seine Nachbarn ein;
er leihe gleichsam seinen sanften und ruhigen Charakter fr die Politik
seines Hofes her. Mit wie viel Klugheit, ohne Aufsehen und Lrm, habe
er Lothringen an Frankreich zu bringen gewut; -- um die erwnschte
Rheingrenze zu erobern, woran nicht gar viel fehle, erwarte er nur die
Verwirrungen, die der Tod des Kaisers unfehlbar nach sich ziehen msse.

Im Jahre 1740 starb KarlVI. Kardinal Fleury lie sich sogar zu noch
khneren Schritten fortreien, als man ihm zugetraut hatte. Er
sagte geradeheraus, er wolle den Gemahl der Maria Theresia nicht zum
Nachfolger ihres Vaters, weil derselbe schlecht franzsisch gesinnt
sei; er vor allen war es, der KarlVII. von Bayern die deutsche Krone
verschaffte; er fate den Plan, in Deutschland vier, ungefhr gleich
mchtige Staaten nebeneinander zu errichten, das Haus sterreich
ziemlich auf Ungarn einzuschrnken, Bhmen dagegen an Bayern, Mhren
und Oberschlesien an Sachsen zu bringen, Preuen mit Niederschlesien zu
befriedigen; wie leicht htte ber vier solche Staaten, die sich ihrer
Natur nach niemals miteinander verstanden haben wrden, Frankreich dann
eine immerwhrende Oberhoheit behauptet!


Preuen

In diesem Moment einer augenscheinlichen wahren Gefahr des deutschen
Vaterlandes, das damals weder mchtige Staaten hatte, noch durch
Taten ausgezeichnete Mnner, noch ein ausgesprochenes festes
Nationalgefhl, -- keine Literatur, keine Kunst und eigene Bildung, die
es dem bergewichte der Nachbarn htte entgegensetzen knnen, trat
FriedrichII. auf, erhob sich Preuen.

Es ist hier nicht der Ort, weder den Frsten zu schildern, noch den
Staat, den er fand, den er bildete; auch mchten wir es uns nicht so
leicht getrauen, die ursprngliche Kraft des einen und des anderen und
die Flle des Daseins, die sie entfalteten, darzustellen; suchen wir uns
nur ihre Weltstellung zu vergegenwrtigen.

Dann mssen wir allerdings zugestehen, da die erste Bewegung Friedrichs
von der Richtung, welche die franzsische Politik gleich nach dem Tode
KarlsVI. einschlug, untersttzt wurde. Allein sollte er sich viel
weiter mit derselben einlassen? Er selber ist es, der als Kronprinz und
noch entfernt von eigentlichen Geschften jene Betrachtungen, von denen
ich eben eine Idee zu geben suchte, aufgesetzt hatte; sie sind, wie man
sieht, ganz wider die franzsische Politik gerichtet. Die Gefahr, welche
von dieser Seite her ber Deutschland schwebte, sah er so deutlich,
empfand er so lebhaft als irgend mglich. Eben deshalb aber hatte er
seinen Krieg ganz auf eigene Hand unternommen; er wollte nie, da der
Erfolg seiner Waffen den Franzosen frderlich wrde. Mit welchem Ernst
erklrte er ihrem Gesandten, er sei ein deutscher Frst; er werde
ihre Truppen nicht lnger auf deutschem Boden dulden, als das Wort
der Vertrge besage. In dem Sptjahre 1741 htte es nicht so unmglich
scheinen sollen, sterreich vllig herabzubringen. Bhmen und
Obersterreich waren nicht viel minder in feindlichen Hnden als
Schlesien; Wien war so gut bedroht wie Prag; wenn man diese Angriffe mit
angestrengten Krften fortgesetzt htte, wer will sagen, wozu es htte
kommen knnen? Ich will es Friedrich nicht als Gromut anrechnen, da er
diesen letzten Schritt vermied; er wute am besten, da es sein Vorteil
nicht gewesen wre, Frankreich des alten Gegners zu entledigen. Als er
die Knigin von Ungarn am Rande des Verderbens sah, wollte er sie Atem
schpfen lassen; er sagt es selbst; mit Bewutsein hielt er inne und
ging seinen Stillstand ein. Sein Sinn war, weder von Frankreich noch von
sterreich abzuhngen; vllig frei wollte er sich fhlen und zwischen
ihnen eine unabhngige, auf eigene Kraft gegrndete Stellung einnehmen.
In diesem einfachen Vorhaben liegt der Aufschlu fr seine Politik
whrend der Schlesischen Kriege. Nie ward eine Erwerbung mit
eiferschtigerer Wachsamkeit behauptet als die seinige. Er mitraut den
Freunden nicht minder als den Feinden; immer hlt er sich gerstet und
schlagfertig; sobald er sich im Nachteil glaubt, sobald er die Gefahr
nur von fern kommen sieht, greift er zu den Waffen; sowie er im Vorteil
ist, sowie er den Sieg erfochten hat, bietet er die Hand zum Frieden.
Wenn es sich versteht, da es ihm nicht beikommen konnte, sich einem
fremden Interesse zu widmen, so hat er doch auch sein eigenes ohne
bertreibung, ohne Selbstverblendung vor Augen; nie sind seine
Forderungen bermig; nur das Nchste bezwecken sie; dabei aber will er
bis zum uersten festhalten.

Indessen konnte wohl diese so unerwartet emporgekommene Unabhngigkeit,
die eine khne und trotzige Stellung einnahm, nicht anders als das
Mifallen, die Feindseligkeit der Nachbarn erregen.

Man begreift es, wenn Maria Theresia den Verlust einer reichen Provinz
nicht sogleich verschmerzte und die Erhebung eines so glcklichen und
geschickten Nebenbuhlers im Reiche mit Mibehagen ansah. Aber auch in
das nrdliche System griff das Ansehen von Preuen bedeutend ein; da
es einen brigens sehr unschuldigen Traktat zur Behauptung des
Gleichgewichts im Norden mit Schweden und Frankreich eingegangen,
erweckte ihm den ganzen Ha einiger russischen Minister, die ihre
Suprematie im Norden bedroht glaubten.

Billig htte der Knig um so mehr eine Sttze an Frankreich finden
sollen. Aber da er nicht wie Schweden zu regieren war, da er sich
erdreistete, eine freie selbstndige Politik zu befolgen, zog ihm den
Unwillen auch des Hofes von Versailles zu; obwohl dieser Hof sehr gut
sah, was es auf sich habe, so beschlo er doch, sein ganzes System zu
ndern und sich nunmehr an sterreich anzuschlieen. Die ffentliche
Meinung stimmte in einer jener pltzlichen Aufwallungen, die ihr
besonders in Frankreich so eigen sind, dem Traktate freudig bei. So
gelang es der Kaiserin, die beiden groen Kontinentalmchte mit sich zu
vereinigen; minder Mchtige, die Nachbarn in Sachsen, Pommern, gesellten
sich zu ihnen; es war ein Bund im Werke, nicht viel anders, als wie er
nach KarlsVI. Tode wider sterreich geschlossen worden war, und durch
die Teilnahme von Ruland sogar noch strker; von einer Teilung der
preuischen Staaten war nicht minder die Rede, als frher von einer
Teilung der sterreichischen, und nur ber der See fand Friedrich
Verbndete -- die nmlichen, die es damals mit sterreich gehalten
hatten.

Im Besitz einer trotz der neuen Erwerbung doch nur sehr migen, diesem
Bunde gegenber unbedeutenden Macht sollte er fhig sein, sollte er es
nur wagen, den Kampf mit demselben zu bestehen?

Er hatte, wie bekannt, den Wiener Hof um eine kategorische Erklrung
ber dessen Rstungen ersucht. Wenn sie nur einigermaen genugtuend
ausfllt, sagte er einem seiner Minister, so marschieren wir nicht.
Endlich kam der erwartete Kurier. Es fehlte viel, da die Antwort
ausreichend gewesen wre. Das Los ist geworfen, sagte er, morgen
marschieren wir!

So strzte er sich mutig in diese Gefahr; er suchte sie auf, er rief sie
fast selbst hervor; aber erst mitten darin lernte er sie vllig kennen.

Wenn jemals ein Ereignis auf einer groen Persnlichkeit beruht hat, so
ist es das Ereignis des Siebenjhrigen Krieges.

Die Kriege unserer Zeit pflegen durch wenige entscheidende Schlge zu
Ende gebracht zu werden; frhere dauerten lnger; doch stritt man mehr
ber Forderungen und Ansprche als ber die Summe der Existenz, ber
das Sein oder Nichtsein der Staaten selbst. Der Siebenjhrige Krieg
unterscheidet sich dadurch, da bei so langer Dauer doch jeden
Augenblick die Existenz von Preuen auf dem Spiele stand. Bei dem
Zustande der Dinge, der allgemeinen Feindseligkeit bedurfte es nur
eines einzigen unglcklichen Tages, um diese Wirkung hervorzubringen.
Vollkommen fhlte dies Friedrich selbst. Nach der Niederlage von
Kollin rief er aus: Es ist unser Pultawa! Und wenn sich ihm dies
Wort glcklicherweise nicht erfllt hat, so ist doch wahr, da er sich
seitdem von Moment zu Moment vom Untergange bedroht sah.

Ich will nicht berhren, welche Hilfsquellen ihm in einer so
verzweifelten Lage sein militrisches Genie, die Tapferkeit seiner
Truppen, die Treue seiner Untertanen oder zufllige Umstnde dargeboten
haben. Die Hauptsache ist, da er sich moralisch aufrechterhielt.

Nur zu leichten Geistesbungen, zu flchtiger Poesie, zu akademischen
Arbeiten hatte ihn die franzsische Philosophie angeleitet; eher zum
Genu des Lebens, solange es dauert, schien sie ihn einzuladen, als zu
so gewaltigen Anstrengungen. Aber wir drfen sagen, da der wahre Genius
selbst von der irrigen Lehre unverletzt bleibt. Er ist sich seine eigene
Regel; er ruht auf seiner eigenen Wahrheit; es gehrt nur dazu, da ihm
diese zum Bewutsein komme; dafr sorgt dann das Leben, die Anstrengung
einer groen Unternehmung; das Unglck macht ihn reif.

Ein groer Feldherr war FriedrichII. lngst; die Unflle, die er
erlitt, machten ihn zum Helden. Der Widerstand, den er leistete, war
nicht allein militrisch; es war zugleich ein innerer, moralischer,
geistiger; der Knig fhrte diesen Krieg fortwhrend in berlegung der
letzten Grnde der Dinge, in groartiger Anschauung der Vergnglichkeit
alles irdischen Wesens.

Ich will seine Gedichte nicht als ausgezeichnete Werke poetischer
Kraft rhmen; in solcher Hinsicht mgen sie manche Mngel haben; aber
diejenigen wenigstens, welche whrend der Wechselflle dieses Krieges
entstanden sind, haben einen groartigen Schwung einfacher Gedanken; sie
enthllen uns die Bewegungen einer mnnlichen Seele in Bedrngnis, Kampf
und Gefahr. Er sieht sich mitten im tobenden Meer; der Blitz streift
durch das Ungewitter; der Donner, sagt er, entladet sich ber mein
Haupt; von Klippen bin ich umgeben; die Herzen der Steuernden
sind erstarrt; die Quelle des Glcks ist ausgetrocknet, die Palme
verschwunden, der Lorbeer verwelkt. Zuweilen mag er wohl in den
Predigten des Bourdaloue einen Anhalt, eine Strkung gesucht haben;
hufiger wendete er sich zu der Philosophie der Alten. -- Jedoch das
dritte Buch des Lukrez, das er so oft studiert hat, sagte ihm nur, da
das bel notwendig und kein Heilmittel dagegen mglich sei. Er war ein
Mann, dem selbst aus dieser harten, verzweiflungsvollen Lehre erhabene
Gedanken hervorgingen. Dem Tode, den er sich oft gewnscht auf dem
Schlachtfelde gefunden zu haben, sah er auch auf eine andere Weise ohne
Scheu geradezu ins Auge. Wie er seine Feinde gern mit den Triumvirn
verglich, so rief er die Manen des Kato und des Brutus auf und war
entschlossen, ihrem Beispiel zu folgen. Doch war er nicht ganz in
dem Falle dieser Rmer. Sie waren in den Gang eines allgemeinen
Weltgeschickes verflochten -- Rom war die Welt -- ohne anderen Rckhalt
als die Bedeutung ihrer Person und der Idee, fr die sie sich schlugen;
er aber hatte ein eigenes Vaterland zu vertreten und zu verfechten. Wenn
irgendein besonderer Gedanke auf ihn gewirkt hat, so wrden wir sagen,
da es dieser Gedanke an sein Land, an sein Vaterland gewesen ist. Wer
schildert ihn uns nach der Kunersdorfer Schlacht, wie er den Umfang
seines Unglcks und die Hoffnungslosigkeit seines Zustandes erma, wie
er bei dem Ha und dem Glcke seiner Feinde alles fr verloren hielt,
wie er dann fr sein Heer und sein Land nur einen einzigen Ausweg sah
und den Entschlu fate, diesen zu ergreifen, sich aufzuopfern, --
bis sich ihm denn doch allmhlich die Mglichkeit eines erneuten
Widerstandes zeigte und er sich dieser fast hoffnungslosen Pflicht aufs
neue widmete. Unmglich konnte er sein Land, wie er es so lange sehen
mute, zurcklassen, von den Feinden berschwemmt, seiner Ehre beraubt,
ohne Hilfsquellen, in lauter Gefahr; dir, sagte er, will ich
die Reste meines unheilvollen Lebens widmen; ich will mich nicht in
fruchtlosen Sorgen verzehren; ich werfe mich wieder in das Feld der
Gefahr. Setzen wir uns, ruft er dann seinen Truppen zu, dem Geschick
entgegen; mutig auf wider so viele, miteinander verschworene, vor Stolz
und Vermessenheit trunkene Feinde! So hielt er aus. Endlich erlebte
er doch den Tag des Friedens. Die Standhaftigkeit, sagt er am Schlu
seiner Geschichte dieses Krieges, ist es allein, was in den groen
Geschften aus Gefahren zu erretten vermag. Ungeschmlert behauptete
er sein Land, und von dem Moment, da er sich wieder den Herrn desselben
wute, lie er seine vornehmste, seine einzige Sorge sein, die Wunden zu
heilen, die der Krieg ihm geschlagen.

Wenn es als der Begriff einer groen Macht aufgestellt werden knnte,
da sie sich wider alle anderen, selbst zusammengenommen, zu halten
vermgen msse, so hatte Friedrich Preuen zu diesem Range erhoben. Seit
den Zeiten der schsischen Kaiser und Heinrichs des Lwen zum ersten
Male sah man im nrdlichen Deutschland eine selbstndige, keines Bundes
bedrftige, auf sich selber angewiesene Macht.

Es erfolgte, da Frankreich von dem an in deutschen Angelegenheiten
wenig oder nichts vermochte. Mit einer Opposition, wie es sie in dem
sterreichischen Erbfolgekriege erweckt oder begnstigt hatte, war es
vllig vorbei. Hatte Preuen sich emanzipiert, so hatten Bayern und
Sachsen sich wieder an sterreich angeschlossen.

Auch war so bald an keine Erneuerung dieses Verhltnisses zu denken;
Frankreich selbst hatte sie dadurch verhindert, da es in jene enge und
genaue Allianz mit sterreich getreten war, die den Siebenjhrigen Krieg
herbeifhrte. Ich will nicht untersuchen, inwiefern dieses Bndnis alle
die anderen Folgen gehabt hat, welche die Franzosen, wenigstens nicht
ohne bertreibung, ihm zuschreiben; aber gewi ist, da Frankreich seine
bisherige Stellung, kraft deren es die deutsche Opposition begnstigt
hatte, hierdurch selber aufgab, da von diesem Augenblicke an, wie
dort gesagt, der Knig von Preuen zum Nachteil der franzsischen
Suprematie auf dem Kontinent der Beschtzer der deutschen Freiheiten
wurde. Man glaube nicht, da sterreich den Franzosen ihren alten
Einflu gestattet habe. Noch als Koregent und von allem Anfang lie
JosephII. erklren, er halte die Rechte der kaiserlichen Krone fr
heilig; er bitte sich aus, da man ihm nicht daran rhre, wenn man mit
ihm gut stehen wolle. Es war schon damals zu erkennen, da der wahre
Schutz der politischen Unabhngigkeit von Deutschland in einer freien
und fest begrndeten Vereinigung dieser beiden Mchte gegen das Ausland
bestehe.

Diese groe Vernderung bekam jedoch erst dadurch ihre volle Bedeutung,
da zugleich in der Literatur eine Befreiung der Nation von den
franzsischen Vorbildern und ihrer falschen Nachahmung erfolgte. Ich
will nicht sagen, da sich unsere Nation nicht auch bisher geistiger
Unabhngigkeit in einem gewissen Grade erfreut htte. Am meisten lag
dieselbe wohl in der Ausbildung des theologischen Systems, welches alle
Geister ergriffen hatte und in der Hauptsache ursprnglich deutsch war.
Allein einmal war es doch nur ein Teil der Nation, dem es angehrte;
sodann in welch seltsame, scholastische Form fand sich hier die reine,
ideale, innerliche Erkenntnis der Religion eingezwngt! Man kann die
Ttigkeit und den teilweisen Erfolg nicht verkennen, mit denen in
manchen anderen Wissenschaften gearbeitet wurde; aber sie hatten
sich alle der nmlichen Form unterwerfen mssen; in verwickelten
Lehrgebuden, fr die berlieferung des Katheders, selten fr
eigentlich geistiges Verstndnis geeignet, breiteten sie sich aus;
die Universitten beherrschten nicht ohne Beschrnktheit und Zwang die
allgemeine Bildung. Um so leichter geschah es, da die oberen Klassen
der Gesellschaft allmhlich davon minder berhrt wurden und sich, wie
gedacht, von franzsischen Richtungen hinreien lieen. Seit der Mitte
des Jahrhunderts aber begann eine neue Entwickelung des nationalen
Geistes. Wir drfen nicht vergessen, da diese doch sehr von jenem
Standpunkt ausging, obwohl sie in einem gewissen Gegensatze mit
demselben begriffen war. Unbefriedigt, zwar noch festgehalten, aber
nicht mehr so beschrnkt von dem dogmatischen System, erhob sich der
deutsche Geist zu einer poetischen Ergnzung desselben; die Religion
ward endlich einmal wieder, und zwar, worauf alles ankommt, ohne
Schwrmerei, in ihren menschlichen Beziehungen dem Gemte nahe gebracht.
In khnen Versuchen ermannte sich die Philosophie zu einer neuen
Errterung des obersten Grundes aller Erkenntnis. Nebeneinander, an
demselben Orte, wesentlich verschieden, aber nahe verwandt, traten die
beiden Richtungen der deutschen Philosophie hervor, welche seitdem,
die eine mehr anschauend, die andere mehr untersuchend, sich neben-
und miteinander ausgebildet, sich angezogen und abgestoen, aber nur
zusammen die Flle eines originalen Bewutseins ausgedrckt haben.
Kritik und Altertumskunde durchbrachen die Masse der Gelehrsamkeit und
drangen bis zu lebendiger Anschauung hindurch. Mit einem Schlage dazu
erweckt, von seiner Grndlichkeit und Reife untersttzt, entwickelte
dann der Geist der Nation selbstndig und frei versuchend eine poetische
Literatur, durch die er eine umfassende, neue, obwohl noch in manchem
inneren Konflikt begriffene, doch im ganzen bereinstimmende Weltansicht
ausbildete und sich selber gegenberstellte. Diese Literatur hatte dann
die unschtzbare Eigenschaft, da sie nicht mehr auf einen Teil der
Nation beschrnkt blieb, sondern sie ganz umfate, ja ihrer Einheit
zuerst wieder eigentlich bewut machte. Wenn nicht immer neue
Generationen groer Poeten auf die alten folgen, so darf man sich nicht
so sehr darber wundern. Die groen Versuche sind gemacht und gelungen;
es ist im Grunde gesagt, was man zu sagen hatte, und der wahre Geist
verschmht es, auf befahrenen, bequemen Wegen einherzuschreiten. Doch
wurde das Werk des deutschen Genius noch bei weitem nicht vollendet;
seine Aufgabe war, die positive Wissenschaft zu durchdringen; mancherlei
Hindernisse haben sich ihm dabei entgegengestellt, die aus dem Gange
seiner eigenen Bildung oder auch anderen Einwirkungen entsprangen; wir
drfen nun hoffen, da er sie alle berwinden, zu einem vollkommneren
Verstndnis in sich selbst gelangen und alsdann zu unablssig neuer
Hervorbringung fhig sein werde.

Jedoch ich halte inne, denn von der Politik wollte ich reden, obschon
diese Dinge auf das genaueste zusammengehren und die wahre Politik nur
von einem groen nationalen Dasein getragen werden kann. Soviel ist wohl
gewi, da zu dem Selbstgefhl, von welchem dieser Schwung der Geister
begleitet war, keine andere Erscheinung so viel beigetragen hat wie das
Leben und der Ruhm FriedrichsII. Es gehrt dazu, da eine Nation sich
selbstndig fhle, wenn sie sich frei entwickeln soll; und nie hat
eine Literatur geblht, ohne durch die groen Momente der Historie
vorbereitet gewesen zu sein. Aber seltsam war es, da Friedrich selbst
davon nichts wute, kaum etwas ahnte. Er arbeitete an der Befreiung der
Nation, die deutsche Literatur mit ihm; doch kannte er seine Verbndeten
nicht. Sie kannten ihn wohl. Es machte die Deutschen stolz und khn, da
ein Held aus ihnen hervorgegangen war.

Es war, wie wir sahen, ein Bedrfnis des siebzehnten Jahrhunderts,
Frankreich einzuschrnken. Auf welche alle Erwartung bersteigende Weise
war dies jetzt geschehen! Man kann im Grunde nicht sagen, da sich ein
knstlich verwickeltes politisches System hierzu gebildet habe; was
man so nennt, waren die Formen; das Wesen bestand darin, da sich groe
Staaten aus eigener Kraft erhoben, da neue nationale Selbstndigkeiten
in ursprnglicher Macht den Schauplatz der Welt eingenommen hatten.
sterreich, katholisch-deutsch, militrisch-stabil, in sich selbst
voll frischer, unversiegbarer Lebenskrfte, reich, eine fr sich
abgeschlossene Welt. Das griechisch-slawische Prinzip trat in Ruland
mchtiger hervor, als es jemals in der Weltgeschichte geschehen;
die europischen Formen, die es annahm, waren weit entfernt, dies
ursprngliche Element zu erdrcken; sie durchdrangen es vielmehr,
belebten es und riefen seine Kraft erst hervor. Wenn sich dann in
England die germanisch-maritimen Interessen zu einer kolossalen
Weltmacht entwickelten, die alle Meere beherrschte, vor der
alle Erinnerungen frherer Seemchte zurcktraten, so fanden die
deutsch-protestantischen den Anhalt, den sie lange gesucht, ihre
Darstellung und ihren Ausdruck in Preuen. Wenn man das Geheimnis auch
wte, sagt ein Dichter, wer htte den Mut, es auszusprechen? Ich
will mich nicht vermessen, den Charakter dieser Staaten in Worte zu
fassen; doch sehen wir deutlich, da sie auf Prinzipien gegrndet sind,
die aus den verschiedenen groen Entwickelungen frherer Jahrhunderte
hervorgegangen waren, da sie sich diesen analog in ursprnglichen
Verschiedenheiten und mit abweichenden Verfassungen ausbildeten, da
sie groen Forderungen entsprachen, die gem der Natur der Dinge an die
lebenden Geschlechter geschahen. In ihrem Aufkommen, ihrer Ausbildung,
welche, wie sich versteht, nicht ohne mannigfaltige Umgestaltung innerer
Verhltnisse erfolgen konnte, liegt das groe Ereignis der hundert
Jahre, die dem Ausbruch der Franzsischen Revolution vorhergingen.


Franzsische Revolution

Hatte jenes Ereignis aber eine so unzweifelhaft fr sich selber gltige
Bedeutung, so ist doch nicht zu leugnen, da eine Beschrnkung von
Frankreich damit erreicht war und da dies Land die Erfolge der anderen
als seine Verluste ansehen durfte. Auch war es ihnen immer lebhaft
entgegengetreten. Wie oft suchte es frher die Fortschritte von
sterreich in Ungarn und gegen die Trken aufzuhalten; wie oft muten
dann die besten Regimenter von der Donau, wo sie gegen die Trken
standen, an den Rhein und wider die Franzosen abgerufen werden! Ruland
hatte seinen Einflu im Norden der franzsischen Politik abgewonnen. Als
das Kabinett von Versailles innewurde, welche Stellung Preuen in der
Welt einnahm und zu behaupten suchte, verga es seine amerikanischen
Interessen, um diese Macht, ich sage nicht herabzubringen, sondern
geradehin zu vernichten. Wie oft hatten die Franzosen die Jakobiten
zu begnstigen, etwa einen Stuart nach England zu werfen, die alten
Verhltnisse wiederherzustellen unternommen! Dafr bekamen sie denn
auch, mochten sie mit Preuen wider sterreich oder mit sterreich
wider Preuen stehen, allemal die Englnder zu Gegnern. Sie fhrten
ihre Kriege auf dem festen Lande mit Verlusten zur See. Whrend des
Siebenjhrigen verloren sie, wie Chatham sagte, Amerika in Deutschland.

Und so stand Frankreich allerdings bei weitem nicht mehr so entschieden
als der Mittelpunkt der europischen Welt da, wie hundert Jahre frher.
Es mute die Teilung von Polen vor seinen Augen vollziehen lassen, ohne
darum gefragt zu werden. Es mute, was es tief empfand, gestatten, da
im Jahre 1772 eine englische Fregatte an der Reede von Toulon erschien,
um ber die stipulierte Entwaffnung der Flotte zu wachen. Selbst die
kleineren unabhngigen Staaten, wie Portugal, die Schweiz, hatten
anderen Einwirkungen Raum gegeben.

Zwar ist sogleich zu bemerken, da das bel nicht so schlimm war, wie
man es oft vorgestellt hat; Frankreich behauptete doch seinen alten
Einflu auf die Trkei; durch den Familienvertrag hatte es Spanien
an seine Politik gekettet; die spanischen Flotten, die Reichtmer
der spanischen Kolonien standen zu seiner Verfgung; auch die brigen
bourbonischen Hfe, zu denen sich der Turiner beinahe mit rechnete,
schlossen sich an Frankreich an; die franzsische Faktion siegte endlich
in Schweden. Allein einer Nation, die sich mehr als jede andere in dem
Schimmer einer allgemeinen Superioritt gefllt, war dies lange nicht
genug. Sie fhlte nur den Verlust von Ansprchen, die sie als Rechte
betrachtete; sie bemerkte nur, was die anderen erobert, nicht was
sie behauptet hatte; mit Unwillen sah sie so gewaltige, starke,
wohlgegrndete Mchte sich gegenber, denen sie nicht gewachsen war.

Man hat so viel von den Ursachen der Revolution geredet und sie wohl
auch da gesucht, wo sie nimmermehr zu finden sind. Eine der wichtigsten
liegt meines Erachtens in diesem Wechsel der auswrtigen Verhltnisse,
der die Regierung in tiefen Mikredit gebracht hatte. Es ist wahr,
sie wute weder den Staat recht zu verwalten noch den Krieg gehrig zu
fhren; sie hatte die gefhrlichsten Mibruche berhandnehmen lassen;
und der Verfall ihres europischen Ansehens war daher groenteils mit
entsprungen. Aber die Franzosen schrieben ihrer Regierung auch alles das
zu, was doch nur ein Werk der vernderten Weltstellung war. Sie lebten
in der Erinnerung der Zeiten der Machtflle LudwigsXIV., und alle
die Wirkungen, die daher rhrten, da sich andere Staaten mit frischen
Krften erhoben hatten, die sich einen Einflu, wie man ihn frherhin
ausgebt, nicht mehr gefallen lieen, gaben sie der Unfhigkeit ihrer
auswrtigen Politik und dem allerdings unleugbaren Verfall ihrer
Zustnde schuld.

Daher kam es, da die Bewegungen von Frankreich, wenn sie auf der einen
Seite einen reformatorischen Charakter hatten, der sich nur zu bald in
einen revolutionren umsetzte, doch auch von allem Anfang eine Richtung
gegen das Ausland nahmen.

Gleich der amerikanische Krieg entwickelte diese Doppelseitigkeit. Wenn
man es nicht wte, so knnte man aus den Memoiren von Sgur sehen, aus
welcher sonderbaren Mischung von Kriegslust und angeblicher Philosophie
die Teilnahme der Jugend unter dem vornehmeren franzsischen Adel daran
herkam. Die Freiheit, sagt Sgur, stellte sich uns dar mit den
Reizen des Ruhmes. Whrend die Reiferen die Gelegenheit wahrnahmen, ihre
Grundstze geltend zu machen und die willkrliche Gewalt zu beschrnken,
traten wir Jngeren nur darum unter die Fahnen der Philosophie, um
Krieg zu fhren, um uns auszuzeichnen, um Ehrenstellen zu erwerben; aus
ritterlicher Gesinnung wurden wir Philosophen. Diese Jngeren wurden
das doch allmhlich sehr im Ernst. Sonderbare Mischung. Indem sie
England angriffen und ihren Ehrgeiz sein lieen, es zu schwchen, es
seiner Kolonien zu berauben, war es doch besonders die Unabhngigkeit
eines englischen Peers, die wrdige Stellung eines Mitgliedes des Hauses
der Gemeinen, was sie zu erlangen gewnscht htten.

Dieser amerikanische Krieg wurde nun entscheidend; nicht so sehr durch
eine Vernderung der allgemeinen Machtverhltnisse -- denn wenn man
die englischen Kolonien von dem Mutterlande losri, so zeigte sich doch
bald, da dieses in sich selber so wohlbegrndet war, um das nicht sehr
zu empfinden; wenn sich die franzsische Marine wieder zu einem gewissen
Ansehen erhob, so hatte England doch in den entscheidenden Schlachten
den Sieg davongetragen und die bermacht ber seine vereinigten
Nebenbuhler behauptet -- als durch die indirekten Wirkungen, die er
hervorbrachte.

Ich meine nicht allein das Emporkommen der republikanischen Neigungen,
es gab noch eine unmittelbarere Folge.

Mit groem Ernste hatte sich Turgot dem Kriege widersetzt; nur in dem
Frieden hoffte er die Finanzen, welche schon damals ein Defizit
drckte, durch eine sparsame Haushaltung herzustellen und zugleich die
erforderlichen Reformen durchzusetzen. Allein er hatte dem Strome der
jugendlichen Begeisterung weichen mssen. Der Krieg war erklrt und mit
berschwenglichen Kosten gefhrt worden. Necker hatte mit dem ganzen
Talent eines Bankiers, das er in so hohem Grade besa, neue Anleihen zu
machen gewut. Je hher sie aber aufliefen, desto mehr muten sie das
Defizit steigern. Schon im Jahre 1780 erklrte Vergennes dem Knig, der
Zustand der Finanzen sei wahrhaft beunruhigend; er mache den Frieden,
einen unverweilten Frieden notwendig. Indessen verzgerte sich der
Friede noch, und erst nach Abschlu desselben ward man die Verwirrung
recht inne. Man nimmt auch hier einen ausfallenden Gegensatz wahr.
Nicht minder erschpft und mit Schulden beladen ging England aus dem
amerikanischen Kriege hervor. Aber whrend Pitt in England das bel
an der Wurzel angriff und das Vertrauen durch groe Maregeln
wiederherstellte, gerieten die franzsischen Finanzen aus schwachen
Hnden in immer schwchere, unversuchtere und zugleich keckere, so
da das bel von Monat zu Monat stieg und die Regierung wie in ihrer
Konsistenz bedrohte, so um ihr ganzes Ansehen brachte.

Wie sehr wirkte dies auf die auswrtigen Verhltnisse zurck! Man hatte
keine Wahl mehr; um jeden Preis mute man den Krieg vermeiden. Lieber
kaufte man z.B. die Forderungen, welche sterreich an Holland machte,
durch eine Summe ab, zu der man trotz der schlechten Umstnde, in
denen man war, selber die Hlfte beitrug; wre es auf Frankreich allein
angekommen, so wrde der Kaiser nicht gehindert worden sein, seine
Absichten auf Bayern durchzusetzen. So enge sich die franzsische
Regierung mit den sogenannten Patrioten von Holland vereinigt hatte, so
mute sie dieselben ruhig von Preuen berziehen, berwinden lassen.
Sie kann darber meines Erachtens nicht einmal sehr getadelt werden. Was
wollte sie in dem Juli 1787, als die preuische Erklrung gegen Holland
erschien, unternehmen, um die Ausfhrung derselben zu verhindern,
da eben damals die Parlamente sich weigerten, die neuen Auflagen zu
registrieren, ohne die man den Staat nicht weiter verwalten konnte, da
bald darauf in jener berhmten Sitzung am 15.August die Grandchambre
ihre Tren erffnen lie und der versammelten Menge erklrte, der
Knig knne in Zukunft keine neuen Auflagen erheben, ohne zuvor die
allgemeinen Stnde zusammenberufen zu haben? In einem Augenblick, wo
der ganze bisherige innere Zustand in Frage gestellt wurde, konnte man
schwerlich Einflu auf das Ausland ausben. Und doch war dies ein
sehr bedeutender Zeitpunkt. Eben damals entschlossen sich die beiden
Kaiserhfe zu ihrem Angriff auf die Trkei. Die Franzosen waren nicht
imstande, ihren alten Verbndeten Hilfe zu leisten, und wenn diese
nicht untergehen wollten, so muten sie Hilfe bei England und Preuen
nachsuchen.

Allerdings eine Unbedeutendheit, Nichtigkeit der auswrtigen Politik
von Frankreich, die weder den natrlichen Ansprchen dieses Landes
angemessen war, noch auch den Interessen von Europa berhaupt entsprach.
Kam sie, wie nicht zu leugnen, von der inneren Verwirrung her, so wurde
diese hinwiederum dadurch auerordentlich vermehrt. Die Politik des
Erzbischofs von Brienne erfuhr den heftigsten und allgemeinsten Tadel.
Er ward der Feigheit und selbst der Treulosigkeit angeklagt, weil er
Holland nicht untersttzt und diese Gelegenheit, den militrischen Ruf
der Franzosen auch zu Lande wiederherzustellen, versumt habe; man fand
die franzsische Ehre hierdurch auf eine Weise beschimpft, da sie nur
durch Strme von Blut wieder rein gewaschen werden knne.

Wie bertrieben das nun auch lautet, so kann man doch das Gefhl nicht
tadeln, das dieser Unzufriedenheit zugrunde lag. Das Nationalbewutsein
eines groen Volkes fordert eine angemessene Stellung in Europa. Die
auswrtigen Verhltnisse bilden ein Reich nicht der Konvenienz, sondern
der wesentlichen Macht; und das Ansehen eines Staates wird immer dem
Grade entsprechen, auf welchem die Entwickelung seiner inneren Krfte
steht. Eine jede Nation wird es empfinden, wenn sie sich nicht an der
ihr gebhrenden Stelle erblickt; wie viel mehr die franzsische, die so
oft den sonderbaren Anspruch erhoben hat, vorzugsweise die groe Nation
zu sein!

Ich will nicht auf die Mannigfaltigkeit der Ursachen eingehen, durch
welche es zu der furchtbaren Entwickelung der Franzsischen Revolution
kam. Ich will nur in Erinnerung bringen, da der Verfall der auswrtigen
Verhltnisse vielen Anteil daran hatte. Man braucht nur daran zu denken,
welche Rolle eine sterreichische Prinzessin, die unglckliche Knigin,
auf die der ganze Ha fiel, den diese Nation seit so langer Zeit
dem Hause sterreich gewidmet hatte, dabei spielte, welche unseligen
Auftritte das Trugbild eines sterreichischen Ausschusses veranlat hat.
Nicht genug, da die Franzosen sahen, sie htten den alten Einflu
auf die Nachbarn verloren; sie berredeten sich sogar, da das Ausland
geheimen und starken Einflu auf ihren Staat ausbe; in allen Maregeln
der inneren Verwaltung glaubten sie denselben wahrzunehmen; eben dies
entflammte dann die allgemeine Entrstung, die Grung und Wut der Menge.

Halten wir an diesem Gesichtspunkt der auswrtigen Verhltnisse fest, so
knnen wir von der Revolution folgende Ansicht fassen.

Allenthalben hatte man, um zur Ausbildung einer greren Macht
zu gelangen, die nationalen Krfte auf eine ungewohnte Weise
zusammengenommen; dazu hatte man viele Hindernisse, die in den inneren
Verhltnissen lagen, wegrumen mssen und nicht selten die alten
Berechtigungen angetastet; es war dies in den verschiedenen Lndern
bald mit mehr, bald mit weniger Bedacht und Erfolg geschehen. Ein sehr
unterrichtendes, lebensvolles Buch mte es geben, wenn man darzustellen
wte, wie dies allenthalben versucht wurde, mehr oder minder gelang,
wohin es fhrte; endlich unternahm man es auch in Frankreich. Es ist so
viel auf die absolute Gewalt frherer franzsischer Knige gescholten
worden; die Wahrheit ist, da sich dieselbe zwar noch in einigen
Willkrlichkeiten uerte, in der Hauptsache dagegen ungemein verfallen
war. Als die Regierung jenen Versuch machte, war sie schon zu schwach,
um ihn durchzusetzen; sie machte ihn auch mit unsicheren Hnden; den
Widerstand der privilegierten Stnde vermochte sie nicht zu besiegen;
hierber rief sie den dritten Stand -- die Gewalt der demokratischen
Ideen, die sich schon der ffentlichen Meinung zu bemchtigen angefangen
-- zu Hilfe. Ein Bundesgenosse aber, der ihr bei weitem zu stark war.
Indem sie schwankte, sowie sie seine Krfte erkannte, die Bahn verlie,
die sie eingeschlagen, zu denen zurcktrat, welche sie angreifen wollte,
eben die beleidigte, die sie zu Hilfe gerufen hatte, forderte sie alle
politischen Leidenschaften heraus, setzte sie sich mit den berzeugungen
und der Richtung des Jahrhunderts, ja mit ihrer eigenen Tendenz in Kampf
und brachte eine Bewegung hervor, in welcher der dritte Stand, oder
vielmehr das in demselben und um ihn her entwickelte Element der
Emprung, in gigantischem Fortschritt nicht allein die privilegierten
Stnde, die Aristokratie, sondern Knig und Thron selber umstrzte und
den ganzen alten Staat vernichtete.

Ein Unternehmen, wie es zwar keineswegs alle, aber doch einige andere
Regierungen verstrkt und befestigt hatte, ri dergestalt durch
die Entwickelung, die es nahm, durch die Folgen, die es hatte, die
franzsische in ihr Verderben.

Nur wenn man hier und da glaubte, da in diesem groen Ruin die Macht
und uere Bedeutung von Frankreich vollends zugrunde gehen mten,
hatte man sich geirrt. So stark waren die Tendenzen zur Herstellung der
alten Macht, da sie selbst unter so furchtbaren Umstnden nicht allein
nicht aus den Augen verloren, sondern auf eine Weise, wie sie noch nie
dagewesen, ber die Analogie anderer Staaten weit hinaus durchgesetzt
wurden. Waren anderwrts die bestehenden mittleren Gewalten in ihrer
Unabhngigkeit beschrnkt, zu grerem Anteil an den allgemeinen
Anstrengungen gentigt worden, so wurden sie hier geradezu vernichtet.
Adel und Geistlichkeit wurden nicht allein ihrer Vorrechte, sondern
im Laufe der Ereignisse selbst ihrer Besitztmer beraubt; welch eine
Konfiskation im grten Stil, in der ungeheuerlichsten Ausdehnung!
Wie kehrten sich die Ideen, die Europa als heilbringend, menschlich,
befreiend begrt hatte, vor seinen Augen pltzlich in den Greuel
der Verwstung um! Das vulkanische Feuer, von dem man eine nhrende,
belebende Erwrmung des Bodens erwartet hatte, ergo sich in furchtbaren
Ausbrchen ber denselben hin. Mitten in dieser Zertrmmerung aber
lieen die Franzosen das Prinzip der Einheit doch niemals fallen. Um
wie viel mchtiger als bisher erschien eben in der Verwirrung der
Revolutionsjahre Frankreich den europischen Staaten gegenber! Man
kann sagen: jene gewaltige Explosion aller Krfte setzte sich nach
auen fort. Zwischen dem alten und dem neuen Frankreich war dasselbe
Verhltnis, wie zwischen der zwar lebhaften und von Natur tapferen, aber
an das Hofleben gewhnten, mit einem oft kleinlichen Ehrgeiz behafteten,
feinen, wollstigen Aristokratie, die den alten Staat leitete, und den
wilden, gewaltsamen, von wenig Gedanken berauschten, blutbefleckten
Jakobinern, die den neuen beherrschten. Da vermge des bisherigen Ganges
der Dinge zwar nicht eine ganz gleiche Aristokratie wie jene, aber doch
eine hnliche an der Spitze der brigen Staaten stand, so war es kein
Wunder, wenn die Jakobiner in jener wilden Anspannung aller Krfte das
bergewicht an sich brachten. Es bedurfte nur des ersten, durch ein
Zusammentreffen unerwarteter Umstnde davongetragenen Sieges, um den
revolutionren Enthusiasmus zu erwecken, der hierauf die Nation ergriff
und eine Zeitlang das Prinzip ihres Lebens wurde.

Nun kann man zwar nicht sagen, da Frankreich hierdurch an und fr sich
strker geworden sei, als die brigen groen Mchte zusammengenommen
oder auch nur als seine nchsten Nachbarn, wenn sie sich vereinigt
hielten. Man kennt hinlnglich die Fehler der Politik und der
Kriegfhrung, die einen fr diese so ungnstigen Erfolg hervorbrachten.
Sie konnten sich ihrer bisherigen Eifersucht nicht sogleich entwhnen.
Selbst die einseitige Koalition von 1799 hatte Italien zu befreien und
eine sehr gewaltige militrische Stellung einzunehmen gewut, als ein
unglcklicher Zwiespalt sie trennte. Allein geleugnet werden kann es
nicht, da der franzsische Staat, mitten im Kampfe mit Europa gebildet,
auf denselben berechnet, durch die Zentralisation aller Krfte, die er
mglich machte, den einzelnen Kontinentalmchten berlegen wurde. Indem
es immer das Ansehen gehabt, als suche man dort die Freiheit, war
man von Revolution zu Revolution Schritt fr Schritt zu dem
Militrdespotismus gelangt, der die Ausbildung der anderweiten
militrischen Systeme, so gro sie auch waren, weit berbot. Der
glckliche General setzte sich die Kaiserkrone auf; alle disponiblen
Krfte der Nation hatte er jeden Augenblick ins Feld zu werfen die
Macht. Auf diesem Wege kehrte dann Frankreich zu seinem bergewichte
zurck. Es gelang ihm, England von dem Kontinent auszuschlieen, in
wiederholten Kriegen sterreich seiner ltesten Provinzen in Deutschland
und Italien zu berauben, das Heer und die Monarchie FriedrichsII.
umzuwerfen, Ruland selbst zur Fgsamkeit zu ntigen und endlich in die
inneren Provinzen bis zu der alten Hauptstadt desselben vorzudringen.
Fr den franzsischen Kaiser bedurfte es nur des Kampfes mit diesen
Mchten, um zugleich ber das sdliche und mittlere Europa, einen groen
Teil von Deutschland nicht ausgeschlossen, eine unmittelbare Herrschaft
zu grnden. Wie war hierdurch alles, was zu LudwigsXIV. Zeiten
geschehen, so weit bertroffen! Wie war die alte Freiheit von Europa
so tief gebeugt! Europa schien in Frankreich untergehen zu wollen. Jene
Universalmonarchie, von der man sonst nur die entfernte Gefahr gesehen,
war beinahe realisiert!


Wiederherstellung

Sollten aber die energischen Gewalten, welche in den groen Mchten
hervorgetreten waren, so mit einem Mal erstickt und vernichtet sein?

Der Krieg, sagt Heraklit, ist der Vater der Dinge. Aus dem
Zusammentreffen entgegengesetzter Krfte, in den groen Momenten der
Gefahr -- Unglck, Erhebung, Rettung -- gehen die neuen Entwickelungen
am entschiedensten hervor.

Frankreich war nur dadurch zu seiner bermacht gelangt, da es mitten in
seiner wilden Bewegung das Gemeingefhl der Nation lebhafter als je zu
erhalten, die nationalen Krfte in einer so ungemeinen Ausdehnung zu dem
einzigen Zweck des Krieges anzustrengen gewut hatte.

Wollte man ihm widerstehen oder je diese bermacht noch einmal zu
brechen die Hoffnung fassen drfen, so war da nicht mit Mitteln
auszureichen, wie sie bisher gengt hatten; selbst eine Verbesserung
der Militrverfassung allein htte noch nicht geholfen; es gehrte eine
grndlichere Erneuerung dazu, um alle Krfte zusammenzunehmen, in deren
Besitz man sein mochte; man mute sich entschlieen, jene schlummernden
Geister der Nationen, von denen bisher das Leben mehr unbewut getragen
worden, zu selbstbewuter Ttigkeit aufzuwecken.

Es mte eine herrliche Arbeit sein, dieser Verjngung des nationalen
Geistes in dem ganzen Umfange der europischen Vlker und Staaten
nachzuforschen, die Ereignisse zu bemerken, die ihn wieder erweckten,
die Zeichen, die seine erste Erhebung ankndigten, die Mannigfaltigkeit
der Bewegungen und Institutionen, in denen er sich allenthalben
aussprach, die Taten endlich, in denen er siegreich hervortrat. Doch
ist dies ein so weit aussehendes Unternehmen, da wir es hier auch nicht
einmal berhren knnten.

Gewi ist, da man erst dann mit einiger Aussicht auf Erfolg zu streiten
anfing -- 1809 --, als man hierin der Forderung des Weltgeschickes
ein Genge zu leisten begann. Als in wohlgeordneten Reichen ganze
Einwohnerschaften ihre althergebrachten Wohnsitze, an die sie selbst die
Religion knpfte, verlieen und sie den Flammen preisgaben, -- als groe
Bevlkerungen, von jeher an ein friedlich brgerliches Leben gewhnt,
Mann bei Mann zu den Waffen griffen, -- als man zugleich des ererbten
Haders endlich wirklich verga und sich ernstlich vereinigte, -- erst
da, nicht eher gelang es, den Feind zu schlagen, die alte Freiheit
herzustellen und Frankreich in seine Grenzen einzuschlieen, den
bergetretenen Strom in sein Bette zurckzutreiben.

Wenn es das Ereignis der letzten hundert Jahre vor der Franzsischen
Revolution war, da die groen Staaten sich erhoben, um die
Unabhngigkeit von Europa zu verfechten, so ist es das Ereignis der
seitdem verflossenen Periode, da die Nationalitten selbst sich
verjngt, erfrischt und neu entwickelt haben. Sie sind in den Staat mit
dem Bewutsein eingetreten, er wrde ohne sie nicht bestehen knnen.

Man ist fast allgemein der Ansicht, unsere Zeit habe nur die Tendenz,
die Kraft der Auflsung. Ihre Bedeutung sei eben nur, da sie den
zusammenhaltenden, fesselnden Institutionen, die aus dem Mittelalter
brig, ein Ende mache; dahin schreite sie mit der Sicherheit eines
eingepflanzten Triebes vorwrts; das sei das Resultat aller groen
Ereignisse, Entdeckungen, der gesamten Kultur; ebendaher komme aber auch
die unwiderstehliche Hinneigung, die sie zu demokratischen Ideen
und Einrichtungen entwickele; und diese bringe dann alle die groen
Vernderungen, deren Zeuge wir sind, mit Notwendigkeit hervor. Es
sei eine allgemeine Bewegung, in der Frankreich den anderen Lndern
vorangehe. Eine Meinung, die freilich nur zu den traurigsten Aussichten
fhren kann. Wir denken indes, da sie sich gegen die Wahrheit der
Tatsachen nicht zu halten vermgen wird.

Weit entfernt, sich blo in Verneinungen zu gefallen, hat unser
Jahrhundert die positivsten Ergebnisse hervorgebracht; es hat eine groe
Befreiung vollzogen, aber nicht so durchaus im Sinne der Auflsung;
vielmehr diente ihr dieselbe, aufzubauen, zusammenzuhalten. Nicht genug,
da es die groen Mchte allererst ins Leben gerufen; es hat auch das
Prinzip aller Staaten, Religion und Recht, es hat das Prinzip eines
jeden insbesondere lebendig erneuert.

Eben darin liegt das Charakteristische unserer Tage.

In den meisten Epochen der Welthistorie sind es religise Verbindungen
gewesen, was die Vlker zusammengehalten hat. Doch hat es zuweilen auch
andere gegeben, die man mit der unseren eher vergleichen kann, in denen
mehrere grere, durch ein politisches System verknpfte Knigreiche
und freie Staaten nebeneinander bestanden. Ich will nur die Periode der
mazedonisch-griechischen Knigreiche nach Alexander erwhnen. Sie
bietet manche hnlichkeit mit der unsrigen dar: eine sehr weit
gediehene gemeinschaftliche Kultur, militrische Ausbildung, Wirkung und
Gegenwirkung verwickelter auswrtiger Verhltnisse; groe Bedeutung
der Handelsinteressen, der Finanzen, Wetteifer der Industrie, Blte der
exakten, mit der Mathematik zusammenhngenden Wissenschaften. Allein
jene Staaten, hervorgegangen aus der Unternehmung eines Eroberers und
der Entzweiung seiner Nachfolger, hatten keine besonderen Prinzipien
ihres Daseins weder gehabt noch sich anzubilden vermocht. Auf Soldaten
und Geld beruhten sie. Eben darum wurden sie auch so bald aufgelst,
verschwanden sie zuletzt vllig. Man hat oft gefragt, wie Rom sie so
rasch, so vollkommen bezwingen konnte. Es geschah darum, weil
Rom, wenigstens solange es Feinde von Bedeutung hatte, mit
bewunderungswrdiger Strenge an seinem Prinzipe festhielt. Auch bei uns
schien es wohl, als sei nur noch der Umfang der Besitzungen, die Macht
der Truppen, die Gre des Schatzes und ein gewisser Anteil an der
allgemeinen Kultur fr den Staat von Wert. Wenn es je Ereignisse gegeben
hat, geeignet, einen solchen Irrtum zu zertrmmern, so sind es die
Ereignisse unserer Zeit gewesen. Sie haben die Bedeutung der moralischen
Kraft, der Nationalitt fr den Staat endlich einmal wieder zur
Anschauung in das allgemeine Bewutsein gebracht. Was wre aus unseren
Staaten geworden, htten sie nicht neues Leben aus dem nationalen
Prinzip, auf das sie gegrndet waren, empfangen. Es wird sich keiner
berreden, er knne ohne dasselbe bestehen.

Nicht ein solch zuflliges Durcheinanderstrmen, bereinanderherfallen,
Nacheinanderfolgen der Staaten und Vlker bietet die Weltgeschichte
dar, wie es beim ersten Blicke wohl aussieht. Auch ist die oft so
zweifelhafte Frderung der Kultur nicht ihr einziger Inhalt. Es sind
Krfte, und zwar geistige, Leben hervorbringende, schpferische Krfte,
selber Leben, es sind moralische Energien, die wir in ihrer Entwickelung
erblicken. Zu definieren, unter Abstraktionen zu bringen sind sie nicht;
aber anschauen, wahrnehmen kann man sie; ein Mitgefhl ihres Daseins
kann man sich erzeugen. Sie blhen auf, nehmen die Welt ein, treten
heraus in dem mannigfaltigsten Ausdruck, bestreiten, beschrnken,
berwltigen einander; in ihrer Wechselwirkung und Aufeinanderfolge, in
ihrem Leben, ihrem Vergehen oder ihrer Wiederbelebung, die dann immer
grere Flle, hhere Bedeutung, weiteren Umfang in sich schliet, liegt
das Geheimnis der Weltgeschichte.


[Schluworte nach dem Texte der Historisch-politischen Zeitschrift
2.Band, 1833]

Sind wir nun von einer geistigen Gewalt angegriffen, so mssen wir ihr
geistige Krfte entgegensetzen. Dem bergewichte, das eine andere Nation
ber uns zu bekommen droht, knnen wir nur durch die Entwickelung
unsrer eigenen Nationalitt begegnen. Ich meine nicht einer erdachten,
chimrischen, sondern der wesentlichen, vorhandenen, in dem Staate
ausgesprochenen Nationalitt.

Wie aber, wird man mir erwidern, ist nicht die Welt gerade in der
Ausbildung einer immer engern Gemeinschaft begriffen? Wrde nicht
diese Richtung, die sie genommen, durch den Gegensatz der Vlker
und Volkstmlichkeiten, der Staaten und ihrer Prinzipien gehindert,
eingeengt werden?

Es verhlt sich damit, wenn ich mich nicht tusche, wie mit der
Literatur. Nicht damals hat man von einer Weltliteratur geredet, als
die franzsische Europa beherrschte; erst seitdem ist diese Idee gefat,
ausgesprochen und verbreitet worden, seit die meisten Hauptvlker von
Europa ihre eigene Literatur selbstndig und oft genug im Gegensatz
miteinander entwickelt haben. Ist es mir erlaubt, ein kleines Verhltnis
mit den groen zu vergleichen, so mchte ich daran erinnern, da nicht
diejenige Gesellschaft Genu und Frderung gewhrt, wo einer das Wort
fhrt und die Unterhaltung leitet, noch auch die, wo alle auf gleicher
Stufe oder, wenn man will, in gleicher Mittelmigkeit nur immer
dasselbe sagen. Da erst fhlt man sich wohl, wo sich mannigfaltige
Eigentmlichkeiten, in sich selber rein ausgebildet, in einem hhern
Gemeinsamen begegnen, ja wo sie dies, indem sie einander lebendig
berhren und ergnzen, in dem Momente hervorbringen. Es wrde nur
eine leidige Langeweile geben, wenn die verschiedenen Literaturen ihre
Eigentmlichkeit vermischen, verschmelzen sollten. Nein! die Verbindung
aller beruht auf der Selbstndigkeit einer jeden. Auf das lebendigste
und immerfort knnen sie einander berhren, ohne da doch eine die
andere bermeistere und in ihrem Wesen beeintrchtige.

Nicht anders verhlt es sich mit den Staaten, den Nationen.
Entschiedenes positives Vorwalten einer einzigen wrde den andern zum
Verderben gereichen. Eine Vermischung aller wrde das Wesen einer jeden
vernichten. Aus Sonderung und reiner Ausbildung wird die wahre Harmonie
hervorgehen.


  ====================================
  Diese Abhandlung Leopold von
  Rankes gelangt hier mit Genehmigung
  des Verlages von Duncker & Humblot
  in Mnchen und Leipzig zum Abdruck.

  Der Druck erfolgte in der Piererschen
  Hofbuchdruckerei in Altenburg.
  =====================================




Funote:

[1]: Historisch-politische Zeitschrift II.Band. 1833.




[ Hinweise zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden korrigiert, bei Zweifeln der Originaltext
beibehalten.


nderungen:

  Seitenangabe
  originaler Text
  genderter Text

  Seite 26
  das eigentliche nationale Motiv zu dem Spanischen Erfolgekriege
  das eigentliche nationale Motiv zu dem Spanischen Erbfolgekriege

  Seite 35
  Bhmen und bersterreich waren nicht viel minder
  Bhmen und Obersterreich waren nicht viel minder
]






End of Project Gutenberg's Die groen Mchte, by Leopold von Ranke

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