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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:11:03 -0700
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+Project Gutenberg's Was heißt: sich im Denken orientieren?, by Immanuel Kant
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Was heißt: sich im Denken orientieren?
+
+Author: Immanuel Kant
+
+Release Date: February 3, 2012 [EBook #38754]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS HEIßT: SICH IM DENKEN ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der Text stammt aus: Immanuel Kants Werke. Band IV. Schriften von
+ 1783-1788. Herausgegeben von Dr. Artur Buchenau und Dr. Ernst Cassirer.
+ Berlin: Bruno Cassirer 1913. S. 349-366 und 547-548 (Lesarten).
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original kursiv gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+Was heißt: sich im Denken orientieren?
+
+
+Wir mögen unsere Begriffe noch so hoch anlegen und dabei noch so
+sehr von der Sinnlichkeit abstrahieren, so hängen ihnen doch noch
+immer =bildliche= Vorstellungen an, deren eigentliche Bestimmung es
+ist, sie, die sonst nicht von der Erfahrung abgeleitet sind, zum
+=Erfahrungsgebrauche= tauglich zu machen. Denn wie wollten wir auch
+unseren Begriffen Sinn und Bedeutung verschaffen, wenn ihnen nicht
+irgendeine Anschauung, (welche zuletzt immer ein Beispiel aus
+irgendeiner möglichen Erfahrung sein muß), untergelegt würde? Wenn wir
+hernach von dieser konkreten Verstandeshandlung die Beimischung des
+Bildes, zuerst der zufälligen Wahrnehmung durch Sinne, dann sogar die
+reine sinnliche Anschauung überhaupt weglassen: so bleibt jener reine
+Verstandesbegriff übrig, dessen Umfang nun erweitert ist und eine Regel
+des Denkens überhaupt enthält. Auf solche Weise ist selbst die
+allgemeine Logik zustande gekommen; und manche =heuristische= Methode zu
+denken liegt in dem Erfahrungsgebrauche unseres Verstandes und der
+Vernunft vielleicht noch verborgen, welche, wenn wir sie behutsam aus
+jener Erfahrung herauszuziehen verständen, die Philosophie wohl mit
+mancher nützlichen Maxime, selbst im abstrakten Denken, bereichern
+könnte.
+
+Von dieser Art ist der Grundsatz, zu dem der sel. MENDELSSOHN, soviel
+ich weiß, nur in seinen letzten Schriften (den _Morgenstunden_ S. 165-66
+und dem _Briefe an Lessings Freunde_ S. 33 und 67) sich ausdrücklich
+bekannte: nämlich die Maxime der Notwendigkeit, im spekulativen
+Gebrauche der Vernunft, (welchem er sonst in Ansehung der Erkenntnis
+übersinnlicher Gegenstände sehr viel, sogar bis zur Evidenz der
+Demonstration zutraute), durch ein gewisses Leitungsmittel, welches er
+bald den =Gemeinsinn= (Morgenstunden), bald die =gesunde Vernunft=, bald
+den =schlichten Menschenverstand= (an Lessings Freunde) nannte, sich zu
+=orientieren=. Wer hätte denken sollen, daß dieses Geständnis nicht
+allein seiner vorteilhaften Meinung von der Macht des =spekulativen=
+Vernunftgebrauchs in Sachen der Theologie so verderblich werden sollte,
+(welches in der Tat unvermeidlich war); sondern daß selbst die gemeine
+gesunde Vernunft bei der Zweideutigkeit, worin er die Ausübung dieses
+Vermögens im Gegensatze mit der Spekulation ließ, in Gefahr geraten
+würde, zum Grundsatze der Schwärmerei und der gänzlichen Entthronung der
+Vernunft zu dienen? Und doch geschah dieses in der =Mendelssohn=- und
+=Jacobi=schen Streitigkeit, vornehmlich durch die nicht unbedeutenden
+Schlüsse des scharfsinnigen Verfassers der =Resultate=;(1) wiewohl ich
+keinem von beiden die Absicht, eine so verderbliche Denkungsart in Gang
+zu bringen, beilegen will, sondern des letzteren Unternehmung lieber als
+_argumentum ad hominem_ ansehe, dessen man sich zur bloßen Gegenwehr zu
+bedienen wohl berechtigt ist, um die Blöße, die der Gegner gibt, zu
+dessen Nachteil zu benutzen. Andererseits werde ich zeigen, daß es in
+der Tat =bloß= die Vernunft, nicht ein vorgeblicher geheimer
+Wahrheitssinn, keine überschwengliche Anschauung unter dem Namen des
+Glaubens, worauf Tradition oder Offenbarung ohne Einstimmung der
+Vernunft gepfropft werden kann, sondern, wie MENDELSSOHN standhaft und
+mit gerechtem Eifer behauptete, bloß die eigentliche reine
+Menschenvernunft sei, wodurch er es nötig fand und anpries, sich zu
+orientieren; ob zwar freilich hiebei der hohe Anspruch des spekulativen
+Vermögens derselben, vornehmlich ihr allein gebietendes Ansehen (durch
+Demonstration) wegfallen und ihr, sofern sie spekulativ ist, nichts
+weiter als das Geschäft der Reinigung des gemeinen Vernunftbegriffs von
+Widersprüchen und die Verteidigung gegen =ihre eigenen= sophistischen
+Angriffe auf die Maximen einer gesunden Vernunft übrig gelassen werden
+muß. -- Der erweiterte und genauer bestimmte Begriff des
+=Sich-Orientierens= kann uns behülflich sein, die Maxime der gesunden
+Vernunft in ihren Bearbeitungen zur Erkenntnis übersinnlicher
+Gegenstände deutlich darzustellen.
+
+ (1) =Jacobi=, Briefe über die Lehre des =Spinoza=. Breslau 1785. --
+ =Jacobi=, Wider =Mendelssohns= Beschuldigung betreffend die Briefe
+ über die Lehre des =Spinoza=. Leipzig 1786. -- Die =Resultate= der
+ Jacobischen und Mendelssohnschen Philosophie, kritisch untersucht von
+ einem Freiwilligen. Ebendas.
+
+Sich =orientieren= heißt in der eigentlichen Bedeutung des Worts: aus
+einer gegebenen Weltgegend, (in deren vier wir den Horizont einteilen),
+die übrigen, namentlich den =Aufgang= zu finden. Sehe ich nun die Sonne
+am Himmel und weiß, daß es nun die Mittagszeit ist, so weiß ich Süden,
+Westen, Norden und Osten zu finden. Zu diesem Behuf bedarf ich aber
+durchaus das Gefühl eines Unterschiedes an meinem eigenen =Subjekt=,
+nämlich der rechten und linken Hand. Ich nenne es ein =Gefühl=, weil
+diese zwei Seiten äußerlich in der Anschauung keinen merklichen
+Unterschied zeigen. Ohne dieses Vermögen, in der Beschreibung eines
+Zirkels, ohne an ihm irgendeine Verschiedenheit der Gegenstände zu
+bedürfen, doch die Bewegung von der Linken zur Rechten von der in
+entgegengesetzter Richtung zu unterscheiden und dadurch eine
+Verschiedenheit in der Lage der Gegenstände a priori zu bestimmen, würde
+ich nicht wissen, ob ich Westen dem Südpunkte des Horizonts zur Rechten
+oder zur Linken setzen und so den Kreis durch Norden und Osten bis
+wieder zu Süden vollenden sollte. Also orientiere ich mich
+=geographisch= bei allen objektiven Datis am Himmel doch nur durch einen
+=subjektiven= Unterscheidungsgrund; und wenn in einem Tage durch ein
+Wunder alle Sternbilder zwar übrigens dieselbe Gestalt und ebendieselbe
+Stellung gegeneinander behielten, nur daß die Richtung derselben, die
+sonst östlich war, jetzt westlich geworden wäre, so würde in der
+nächsten sternhellen Nacht zwar kein menschliches Auge die geringste
+Veränderung bemerken und selbst der Astronom, wenn er bloß auf das, was
+er sieht und nicht zugleich, was er fühlt, achtgäbe, würde sich
+unvermeidlich =desorientieren=. So aber kömmt ihm ganz natürlich das
+zwar durch die Natur angelegte, aber durch öftere Ausübung gewohnte
+Unterscheidungsvermögen durchs Gefühl der rechten und linken Hand zu
+Hülfe, und er wird, wenn er nur den Polarstern ins Auge nimmt, nicht
+allein die vorgegangene Veränderung bemerken, sondern sich auch
+ungeachtet derselben =orientieren= können.
+
+Diesen geographischen Begriff des Verfahrens sich zu orientieren kann
+ich nun erweitern und darunter verstehen: sich in einem gegebenen Raum
+überhaupt, mithin bloß =mathematisch= orientieren. Im Finstern
+orientiere ich mich in einem mir bekannten Zimmer, wenn ich nur einen
+einzigen Gegenstand, dessen Stelle ich im Gedächtnis habe, anfassen
+kann. Aber hier hilft mir offenbar nichts als das Bestimmungsvermögen
+der Lagen nach einem =subjektiven= Unterscheidungsgrunde; denn die
+Objekte, deren Stelle ich finden soll, sehe ich gar nicht; und hätte
+jemand mir zum Spaße alle Gegenstände zwar in derselben Ordnung
+untereinander, aber links gesetzt, was vorher rechts war, so würde ich
+mich in einem Zimmer, wo sonst alle Wände ganz gleich wären, gar nicht
+finden können. So aber orientiere ich mich bald durch das bloße Gefühl
+eines Unterschiedes meiner zwei Seiten, der rechten und der linken. Eben
+das geschieht, wenn ich zur Nachtzeit auf mir sonst bekannten Straßen,
+in denen ich jetzt kein Haus unterscheide, gehen und mich gehörig wenden
+soll.
+
+Endlich kann ich diesen Begriff noch mehr erweitern, da er denn in dem
+Vermögen bestände, sich nicht bloß im Raume d. i. mathematisch, sondern
+=überhaupt im Denken= d. i. =logisch= zu orientieren. Man kann nach der
+Analogie leicht erraten, daß dieses ein Geschäft der reinen Vernunft
+sein werde, ihren Gebrauch zu lenken, wenn sie von bekannten
+Gegenständen (der Erfahrung) ausgehend sich über alle Grenzen der
+Erfahrung erweitern will und ganz und gar kein Objekt der Anschauung,
+sondern bloß Raum für dieselbe findet; da sie alsdann gar nicht mehr
+imstande ist, nach objektiven Gründen der Erkenntnis, sondern lediglich
+nach einem subjektiven Unterscheidungsgrunde, in der Bestimmung ihres
+eigenen Urteilvermögens, ihre Urteile unter eine bestimmte Maxime zu
+bringen.(2) Dies subjektive Mittel, das alsdann noch übrig bleibt, ist
+kein anderes als das Gefühl des der Vernunft eigenen =Bedürfnisses=. Man
+kann vor allem Irrtum gesichert bleiben, wenn man sich da nicht
+unterfängt zu urteilen, wo man nicht soviel weiß, als zu einem
+bestimmenden Urteile erforderlich ist. Also ist Unwissenheit an sich die
+Ursache zwar der Schranken, aber nicht der Irrtümer in unserer
+Erkenntnis. Aber wo es nicht so willkürlich ist, ob man über etwas
+bestimmt urteilen wolle oder nicht, wo ein wirkliches =Bedürfnis= und
+wohl gar ein solches, welches der Vernunft an sich selbst anhängt, das
+Urteilen notwendig macht und gleichwohl Mangel des Wissens in Ansehung
+der zum Urteil erforderlichen Stücke uns einschränkt, da ist eine Maxime
+nötig, wornach wir unser Urteil fällen; denn die Vernunft will einmal
+befriedigt sein. Wenn denn vorher schon ausgemacht ist, daß es hier
+keine Anschauung vom Objekte, nicht einmal etwas mit diesem
+Gleichartiges geben könne, wodurch wir unseren erweiterten Begriffen den
+ihnen angemessenen Gegenstand darstellen und diese also ihrer realen
+Möglichkeit wegen sichern könnten, so wird für uns nichts weiter zu tun
+übrig sein, als zuerst den Begriff, mit welchem wir uns über alle
+mögliche Erfahrung hinauswagen wollen, wohl zu prüfen, ob er auch von
+Widersprüchen frei sei; und dann wenigstens das =Verhältnis= des
+Gegenstandes zu den Gegenständen der Erfahrung unter reine
+Verstandesbegriffe zu bringen, wodurch wir ihn noch gar nicht
+versinnlichen, aber doch etwas Übersinnliches wenigstens tauglich zum
+Erfahrungsgebrauche unserer Vernunft denken; denn ohne diese Vorsicht
+würden wir von einem solchen Begriffe gar keinen Gebrauch machen können,
+sondern schwärmen anstatt zu denken.
+
+ (2) Sich im Denken überhaupt =orientieren=, heißt also: sich, bei der
+ Unzulänglichkeit der objektiven Prinzipien der Vernunft, im
+ Fürwahrhalten nach einem subjektiven Prinzip derselben bestimmen.
+
+Allein hiedurch, nämlich durch den bloßen Begriff, ist doch noch nichts
+in Ansehung der Existenz dieses Gegenstandes und der wirklichen
+Verknüpfung desselben mit der Welt (dem Inbegriffe aller Gegenstände
+möglicher Erfahrung) ausgerichtet. Nun aber tritt =das Recht des
+Bedürfnisses= der Vernunft ein als eines subjektiven Grundes, etwas
+vorauszusetzen und anzunehmen, was sie durch objektive Gründe zu wissen
+sich nicht anmaßen darf, und folglich sich im Denken, im unermeßlichen
+und für uns mit dicker Nacht erfülleten Raume des Übersinnlichen
+lediglich durch ihr eigenes Bedürfnis zu =orientieren=.
+
+Es läßt sich manches Übersinnliche denken; (denn Gegenstände der Sinne
+füllen doch nicht das ganze Feld aller Möglichkeit aus), wo die Vernunft
+gleichwohl kein Bedürfnis fühlt, sich bis zu demselben zu erweitern,
+viel weniger dessen Dasein anzunehmen. Die Vernunft findet an denen
+Ursachen in der Welt, welche sich den Sinnen offenbaren (oder wenigstens
+von derselben Art sind als die, so sich ihnen offenbaren), Beschäftigung
+genug, um noch den Einfluß reiner geistiger Naturwesen zu deren Behuf
+nötig zu haben; deren Annehmung vielmehr ihrem Gebrauche nachteilig sein
+würde. Denn da wir von den Gesetzen, nach welchen solche Wesen würken
+mögen, nichts, von jenen aber, nämlich den Gegenständen der Sinne,
+vieles wissen, wenigstens noch zu erfahren hoffen können; so würde durch
+solche Voraussetzung dem Gebrauche der Vernunft vielmehr Abbruch
+geschehen. Es ist also gar kein Bedürfnis, es ist vielmehr bloßer
+Vorwitz, der auf nichts als Träumerei ausläuft, darnach zu forschen oder
+mit Hirngespinsten der Art zu spielen. Ganz anders ist es mit dem
+Begriffe von einem ersten =Urwesen= als oberster Intelligenz und
+zugleich als dem höchsten Gute, bewandt. Denn nicht allein, daß unsere
+Vernunft schon ein Bedürfnis fühlt, den =Begriff= des Uneingeschränkten
+dem Begriffe alles Eingeschränkten, mithin aller anderen Dinge(3) zum
+Grunde zu legen; so geht dieses Bedürfnis auch auf die Voraussetzung des
+=Daseins= desselben, ohne welche sie sich von der Zufälligkeit der
+Existenz der Dinge in der Welt, am wenigsten aber von der Zweckmäßigkeit
+und Ordnung, die man in so bewunderungswürdigem Grade (im Kleinen, weil
+es uns nahe ist, noch mehr wie im Großen) allenthalben antrifft, gar
+keinen befriedigenden Grund angeben kann. Ohne einen verständigen
+Urheber anzunehmen, läßt sich, ohne in lauter Ungereimtheiten zu
+verfallen, wenigstens =kein verständlicher= Grund davon angeben; und ob
+wir gleich die Unmöglichkeit einer solchen Zweckmäßigkeit ohne eine
+erste =verständige Ursache= nicht =beweisen= können; (denn alsdann
+hätten wir hinreichende objektive Gründe dieser Behauptung und bedürften
+es nicht, uns auf den subjektiven zu berufen), so bleibt bei diesem
+Mangel der Einsicht doch ein genugsamer subjektiver Grund der
+=Annehmung= derselben darin, daß die Vernunft es =bedarf=, etwas, was
+ihr verständlich ist, vorauszusetzen, um diese gegebene Erscheinung
+daraus zu erklären, da alles, womit sie sonst nur einen Begriff
+verbinden kann, diesem Bedürfnisse nicht abhilft.
+
+ (3) Da die Vernunft zur Möglichkeit aller Dinge Realität als gegeben
+ vorauszusetzen bedarf und die Verschiedenheit der Dinge durch ihnen
+ anhängende Negationen nur als Schranken betrachtet, so sieht sie sich
+ genötigt, eine einzige Möglichkeit, nämlich die des uneingeschränkten
+ Wesens als ursprünglich zum Grunde zu legen, alle anderen aber als
+ abgeleitet zu betrachten. Da auch die durchgängige Möglichkeit eines
+ jeden Dinges durchaus im Ganzen aller Existenz angetroffen werden muß,
+ wenigstens der Grundsatz der durchgängigen Bestimmung die
+ Unterscheidung des Möglichen vom Wirklichen unserer Vernunft nur auf
+ solche Art möglich macht, so finden wir einen subjektiven Grund der
+ Notwendigkeit, d. i. ein Bedürfnis unserer Vernunft selbst, aller
+ Möglichkeit das Dasein eines allerrealesten (höchsten) Wesens zum
+ Grunde zu legen. So entspringt nun der =Cartesianische= Beweis vom
+ Dasein Gottes: indem subjektive Gründe, etwas für den Gebrauch der
+ Vernunft, (der im Grunde immer nur ein Erfahrungsgebrauch bleibt),
+ vorauszusetzen, für objektiv -- mithin =Bedürfnis= für =Einsicht= --
+ gehalten werden. So ist es mit diesem, so ist es mit allen Beweisen
+ des würdigen =Mendelssohn= in seinen Morgenstunden bewandt. Sie
+ leisten nichts zum Behuf einer Demonstration. Darum sind sie aber
+ keinesweges unnütz. Denn nicht zu erwähnen, welchen schönen Anlaß
+ diese überaus scharfsinnigen Entwickelungen der subjektiven
+ Bedingungen des Gebrauchs unserer Vernunft zu der vollständigen
+ Erkenntnis dieses unsers Vermögens geben, als zu welchem Behuf sie
+ bleibende Beispiele sind; so ist das Fürwahrhalten aus subjektiven
+ Gründen des Gebrauchs der Vernunft, wenn uns objektive mangeln und wir
+ dennoch zu urteilen genötigt sind, immer noch von großer Wichtigkeit;
+ nur müssen wir das, was nur abgenötigte =Voraussetzung= ist, nicht für
+ =freie Einsicht= ausgeben, um dem Gegner, mit dem wir uns aufs
+ =Dogmatisieren= eingelassen haben, nicht ohne Not Schwächen
+ darzubieten, deren er sich zu unserem Nachteil bedienen kann.
+ =Mendelssohn= dachte wohl nicht daran, daß das =Dogmatisieren= mit der
+ reinen Vernunft im Felde des Übersinnlichen der gerade Weg zur
+ philosophischen Schwärmerei sei, und daß nur Kritik ebendesselben
+ Vernunftvermögens diesem Übel gründlich abhelfen könne. Zwar kann die
+ Disziplin der scholastischen Methode (der =Wolffi=schen z. B., die er
+ darum auch anriet), da alle Begriffe durch Definitionen bestimmt und
+ alle Schritte durch Grundsätze gerechtfertigt werden müssen, diesen
+ Unfug wirklich eine Zeitlang hemmen, aber keinesweges gänzlich
+ abhalten. Denn mit welchem Rechte will man der Vernunft, der es einmal
+ in jenem Felde, seinem eigenen Geständnisse nach, so wohl gelungen
+ ist, verwehren, in ebendemselben noch weiter zu gehen? und wo ist dann
+ die Grenze, wo sie stehen bleiben muß?
+
+Man kann aber das Bedürfnis der Vernunft als zwiefach ansehen:
+=erstlich= in ihrem =theoretischen=, =zweitens= in ihrem =praktischen=
+Gebrauch. Das erste Bedürfnis habe ich eben angeführt; aber man sieht
+wohl, daß es nur bedingt sei, d. i. wir müssen die Existenz Gottes
+annehmen, wenn wir über die ersten Ursachen alles Zufälligen,
+vornehmlich in der Ordnung der wirklich in der Welt gelegten Zwecke,
+=urteilen wollen=. Weit wichtiger ist das Bedürfnis der Vernunft in
+ihrem praktischen Gebrauche, weil es unbedingt ist und wir die Existenz
+Gottes vorauszusetzen nicht bloß alsdann genötigt werden, wenn wir
+urteilen =wollen=, sondern weil wir =urteilen müssen=. Denn der reine
+praktische Gebrauch der Vernunft besteht in der Vorschrift der
+moralischen Gesetze. Sie führen aber alle auf die Idee des =höchsten
+Gutes=, was in der Welt möglich ist, sofern es allein durch =Freiheit=
+möglich ist: die =Sittlichkeit=; von der anderen Seite auch auf das, was
+nicht bloß auf menschliche Freiheit, sondern auch auf die =Natur=
+ankommt, nämlich auf die größte =Glückseligkeit=, sofern sie in
+Proportion der ersten ausgeteilt ist. Nun =bedarf= die Vernunft ein
+solches =abhängiges= höchste Gut und zum Behuf desselben eine oberste
+Intelligenz als höchstes =unabhängiges= Gut anzunehmen; zwar nicht, um
+davon das verbindende Ansehen der moralischen Gesetze oder die
+Triebfeder zu ihrer Beobachtung abzuleiten; (denn sie würden keinen
+moralischen Wert haben, wenn ihr Bewegungsgrund von etwas anderem als
+von dem Gesetz allein, das für sich apodiktisch gewiß ist, abgeleitet
+würde); sondern nur, um dem Begriffe vom höchsten Gut objektive Realität
+zu geben, d. i. zu verhindern, daß es zusamt der ganzen Sittlichkeit
+nicht bloß für ein bloßes Ideal gehalten werde, wenn dasjenige nirgend
+existierte, dessen Idee die Moralität unzertrennlich begleitet.
+
+Es ist also nicht =Erkenntnis=, sondern gefühltes(4) =Bedürfnis= der
+Vernunft, wodurch sich MENDELSSOHN (ohne sein Wissen) im spekulativen
+Denken orientierte. Und da dieses Leitungsmittel nicht ein objektives
+Prinzip der Vernunft, ein Grundsatz der Einsichten, sondern ein bloß
+subjektives (d. i. eine Maxime) des ihr durch ihre Schranken allein
+erlaubten Gebrauchs, ein Folgesatz des Bedürfnisses ist und =für sich
+allein= den ganzen Bestimmungsgrund unsers Urteils über das Dasein des
+höchsten Wesens ausmacht, von dem es nur ein zufälliger Gebrauch ist,
+sich in den spekulativen Versuchen über denselben Gegenstand zu
+orientieren: so fehlte er hierin allerdings, daß er dieser Spekulation
+dennoch so viel Vermögen zutraute, für sich allein auf dem Wege der
+Demonstration alles auszurichten. Die Notwendigkeit des ersteren Mittels
+konnte nur stattfinden, wenn die Unzulänglichkeit des letzteren völlig
+zugestanden war: ein Geständnis, zu welchem ihn seine Scharfsinnigkeit
+doch zuletzt würde gebracht haben, wenn mit einer längeren Lebensdauer
+ihm auch die den Jugendjahren mehr eigene Gewandtheit des Geistes, alte
+gewohnte Denkungsart nach Veränderung des Zustandes der Wissenschaften
+leicht umzuändern, wäre vergönnet gewesen. Indessen bleibt ihm doch das
+Verdienst, daß er darauf bestand, den letzten Probierstein der
+Zulässigkeit eines Urteils hier wie allerwärts nirgend als =allein in
+der Vernunft= zu suchen: sie mochte nun durch Einsicht oder bloßes
+Bedürfnis und die Maxime ihrer eigenen Zuträglichkeit in der Wahl ihrer
+Sätze geleitet werden. Er nannte die Vernunft in ihrem letzteren
+Gebrauche die gemeine Menschenvernunft; denn dieser ist ihr eigenes
+Interesse jederzeit zuerst vor Augen, indes man aus dem natürlichen
+Geleise schon muß getreten sein, um jenes zu vergessen und müßig unter
+Begriffen in objektiver Rücksicht zu spähen, um bloß sein Wissen, es mag
+nötig sein oder nicht, zu erweitern.
+
+ (4) Die Vernunft fühlt nicht; sie sieht ihren Mangel ein und wirkt
+ durch den =Erkenntnistrieb= das Gefühl des Bedürfnisses. Es ist hiemit
+ wie mit dem moralischen Gefühl bewandt, welches kein moralisches
+ Gesetz verursacht; denn dieses entspringt gänzlich aus der Vernunft,
+ sondern durch moralische Gesetze, mithin durch die Vernunft verursacht
+ oder gewirkt wird, indem der rege und doch freie Wille bestimmter
+ Gründe bedarf.
+
+Da aber der Ausdruck: =Ausspruch der gesunden Vernunft=, in vorliegender
+Frage immer noch zweideutig ist und entweder, wie ihn selbst MENDELSSOHN
+mißverstand, für ein Urteil aus =Vernunfteinsicht= oder, wie ihn der
+Verfasser der Resultate zu nehmen scheint, ein Urteil aus
+=Vernunfteingebung= genommen werden kann, so wird nötig sein, dieser
+Quelle der Beurteilung eine andere Benennung zu geben, und keine ist ihr
+angemessener als die eines ==Vernunftglaubens==. Ein jeder Glaube,
+selbst der historische, muß zwar =vernünftig= sein; (denn der letzte
+Probierstein der Wahrheit ist immer die Vernunft), allein ein
+Vernunftglaube ist der, welcher sich auf keine andere Data gründet als
+die, so in der =reinen= Vernunft enthalten sind. Aller =Glaube= ist nun
+ein subjektiv zureichendes, objektiv aber =mit Bewußtsein=
+unzureichendes Fürwahrhalten; also wird er dem =Wissen= entgegengesetzt.
+Andrerseits, wenn aus objektiven, obzwar mit Bewußtsein unzureichenden
+Gründen etwas für wahr gehalten, mithin bloß =gemeinet= wird, so kann
+dieses =Meinen= doch durch allmähliche Ergänzung in derselben Art von
+Gründen endlich ein =Wissen= werden. Dagegen, wenn die Gründe des
+Fürwahrhaltens ihrer Art nach gar nicht objektiv gültig sind, so kann
+der Glaube durch keinen Gebrauch der Vernunft jemals ein Wissen werden.
+Der historische Glaube z. B. von dem Tode eines großen Mannes, den
+einige Briefe berichten, =kann ein Wissen werden=, wenn die Obrigkeit
+des Orts denselben, sein Begräbnis, Testament usw. meldet. Daß daher
+etwas historisch bloß auf Zeugnisse für wahr gehalten, d. i. geglaubt
+wird, z. B. daß eine Stadt Rom in der Welt sei, und doch derjenige, der
+niemals da gewesen, sagen kann: =Ich weiß=, und nicht bloß: =Ich
+glaube=, es existiere ein Rom, das steht ganz wohl beisammen. Dagegen
+kann der reine =Vernunftglaube= durch alle natürliche Data der Vernunft
+und Erfahrung niemals in ein =Wissen= verwandelt werden, weil der Grund
+des Fürwahrhaltens hier bloß subjektiv, nämlich ein notwendiges
+Bedürfnis der Vernunft ist (und, solange wir Menschen sind, immer
+bleiben wird), das Dasein eines höchsten Wesens nur =vorauszusetzen=,
+nicht zu demonstrieren. Dieses Bedürfnis der Vernunft zu ihrem sie
+befriedigenden =theoretischen= Gebrauche würde nichts anders als reine
+=Vernunfthypothese= sein, d. i. eine Meinung, die aus subjektiven
+Gründen zum Fürwahrhalten zureichend wäre; darum, weil man, gegebene
+=Wirkungen zu erklären=, niemals einen andern als diesen Grund erwarten
+kann und die Vernunft doch einen Erklärungsgrund bedarf. Dagegen der
+=Vernunftglaube=, der auf dem Bedürfnis ihres Gebrauchs in =praktischer=
+Absicht beruht, ein =Postulat= der Vernunft heißen könnte; nicht, als ob
+es eine Einsicht wäre, welche aller logischen Forderung zur Gewißheit
+Genüge täte, sondern weil dieses Fürwahrhalten, (wenn in dem Menschen
+alles nur moralisch gut bestellt ist), dem Grade nach keinem Wissen
+nachsteht,(5) ob es gleich der Art nach davon völlig unterschieden ist.
+
+ (5) Zur =Festigkeit= des Glaubens gehört das Bewußtsein seiner
+ =Unveränderlichkeit=. Nun kann ich völlig gewiß sein, daß mir niemand
+ den Satz: =Es ist ein Gott=, werde widerlegen können; denn wo will er
+ diese Einsicht hernehmen? Also ist es mit dem Vernunftglauben nicht so
+ wie mit dem historischen bewandt, bei dem es immer noch möglich ist,
+ daß Beweise zum Gegenteil aufgefunden würden, und wo man sich immer
+ noch vorbehalten muß, seine Meinung zu ändern, wenn sich unsere
+ Kenntnis der Sachen erweitern sollte.
+
+Ein reiner Vernunftglaube ist also der Wegweiser oder Kompaß, wodurch
+der spekulative Denker sich auf seinen Vernunftstreifereien im Felde
+übersinnlicher Gegenstände orientieren, der Mensch von gemeiner, doch
+(moralisch) gesunder Vernunft aber seinen Weg, sowohl in theoretischer
+als praktischer Absicht, dem ganzen Zwecke seiner Bestimmung völlig
+angemessen vorzeichnen kann; und dieser Vernunftglaube ist es auch, der
+jedem anderen Glauben, ja jeder Offenbarung zum Grunde gelegt werden
+muß.
+
+Der =Begriff= von Gott, und selbst die Überzeugung von seinem =Dasein=,
+kann nur allein in der Vernunft angetroffen werden, von ihr allein
+ausgehen und weder durch Eingebung, noch durch eine erteilte Nachricht
+von noch so großer Auctorität zuerst in uns kommen. Widerfährt mir eine
+unmittelbare Anschauung von einer solchen Art, als sie mir die Natur,
+soweit ich sie kenne, gar nicht liefern kann, so muß doch ein Begriff
+von Gott zur Richtschnur dienen, ob diese Erscheinung auch mit allen dem
+übereinstimme, was zu dem Charakteristischen einer Gottheit erforderlich
+ist. Ob ich gleich nun gar nicht einsehe, wie es möglich sei, daß
+irgendeine Erscheinung dasjenige auch nur der Qualität nach darstelle,
+was sich immer nur denken, niemals aber anschauen läßt, so ist doch
+wenigstens soviel klar, daß, um nur zu urteilen, ob das Gott sei, was
+mir erscheint, was auf mein Gefühl innerlich oder äußerlich wirkt, ich
+ihn an meinen Vernunftbegriff von Gott halten und darnach prüfen müsse,
+nicht ob er diesem adäquat sei, sondern bloß, ob er ihm nicht
+widerspreche. Ebenso: wenn auch bei allem, wodurch er sich mir
+unmittelbar entdeckte, nichts angetroffen würde, was jenem Begriffe
+widerspräche, so würde dennoch diese Erscheinung, Anschauung,
+unmittelbare Offenbarung oder wie man sonst eine solche Darstellung
+nennen will, das =Dasein= eines Wesens niemals beweisen, dessen Begriff,
+(wenn er nicht unsicher bestimmt und daher der Beimischung alles
+möglichen Wahnes unterworfen werden soll), =Unendlichkeit= der Größe
+nach zur Unterscheidung von allem Geschöpfe fodert, welchem Begriffe
+aber gar keine Erfahrung oder Anschauung adäquat sein, mithin auch
+niemals das Dasein eines solchen Wesens unzweideutig beweisen kann. Vom
+Dasein des höchsten Wesens kann also niemand durch irgendeine Anschauung
+=zuerst= überzeugt werden; der Vernunftglaube muß vorhergehen, und
+alsdann könnten allenfalls gewisse Erscheinungen oder Eröffnungen Anlaß
+zur Untersuchung geben, ob wir das, was zu uns spricht oder sich uns
+darstellt, wohl befugt sind für eine Gottheit zu halten und nach
+Befinden jenen Glauben bestätigen.
+
+Wenn also der Vernunft in Sachen, welche übersinnliche Gegenstände
+betreffen, als das Dasein Gottes und die künftige Welt, das ihr
+zustehende Recht, =zuerst= zu sprechen bestritten wird, so ist aller
+Schwärmerei, Aberglauben, ja selbst der Atheisterei eine weite Pforte
+geöffnet. Und doch =scheint= in der =Jacobi=schen und =Mendelssohni=schen
+Streitigkeit alles auf diesen Umsturz, ich weiß nicht recht,
+ob bloß der =Vernunfteinsicht= und des Wissens (durch vermeinte
+Stärke in der Spekulation) oder auch sogar des =Vernunftglaubens=,
+und dagegen auf die Errichtung eines andern Glaubens, den
+sich ein jeder nach seinem Belieben machen kann, angelegt.
+Man sollte beinahe auf das letztere schließen, wenn man den
+=Spinozistischen= Begriff von Gott als den einzigen mit allen
+Grundsätzen der Vernunft stimmigen(6) und dennoch verwerflichen Begriff
+aufgestellt sieht. Denn, ob es sich gleich mit dem Vernunftglauben ganz
+wohl verträgt einzuräumen, daß spekulative Vernunft selbst nicht einmal
+die =Möglichkeit= eines Wesens, wie wir uns Gott denken müssen,
+einzusehen imstande sei: so kann es doch mit gar keinem Glauben und
+überall mit keinem Fürwahrhalten eines Daseins zusammenbestehen, daß
+Vernunft gar die =Unmöglichkeit= eines Gegenstandes einsehen und dennoch
+aus anderen Quellen die Wirklichkeit desselben erkennen könnte.
+
+ (6) Es ist kaum zu begreifen, wie gedachte Gelehrte in der =Kritik der
+ reinen Vernunft= Vorschub zum Spinozism finden konnten. Die Kritik
+ beschneidet dem Dogmatism gänzlich die Flügel in Ansehung der
+ Erkenntnis übersinnlicher Gegenstände, und der Spinozism ist hierin so
+ dogmatisch, daß er sogar mit dem Mathematiker in Ansehung der Strenge
+ des Beweises wetteifert. Die Kritik beweiset, daß die Tafel der reinen
+ Verstandesbegriffe alle Materialien des =reinen= Denkens enthalten
+ müsse; der Spinozism spricht von Gedanken, die doch selbst denken, und
+ also von einem Accidens, das doch zugleich für sich als Subjekt
+ existiert: ein Begriff, der sich im menschlichen Verstande gar nicht
+ findet und sich auch in ihn nicht bringen läßt. Die Kritik zeigt: es
+ reiche noch lange nicht zur Behauptung der Möglichkeit eines selbst
+ gedachten Wesens zu, daß in seinem Begriffe nichts Widersprechendes
+ sei (wiewohl es alsdann nötigenfalls allerdings erlaubt bleibt, diese
+ Möglichkeit anzunehmen); der Spinozism gibt aber vor, die
+ Unmöglichkeit eines Wesens einzusehen, dessen Idee aus lauter reinen
+ Verstandesbegriffen besteht, wovon man nur alle Bedingungen der
+ Sinnlichkeit abgesondert hat, worin also niemals ein Widerspruch
+ angetroffen werden kann, und vermag doch diese über alle Grenzen
+ gehende Anmaßung durch gar nichts zu unterstützen. Eben um dieser
+ willen führt der Spinozism gerade zur Schwärmerei. Dagegen gibt es
+ kein einziges sicheres Mittel, alle Schwärmerei mit der Wurzel
+ auszurotten, als jene Grenzbestimmung des reinen Vernunftvermögens. --
+ Ebenso findet ein anderer Gelehrter in der Kritik d. r. Vernunft eine
+ =Skepsis=; obgleich die Kritik eben darauf hinausgeht, etwas Gewisses
+ und Bestimmtes in Ansehung des Umfanges unserer Erkenntnis a priori
+ festzusetzen. Imgleichen eine =Dialektik= in den kritischen
+ Untersuchungen, welche doch darauf angelegt sind, die unvermeidliche
+ =Dialektik=, womit die allerwärts dogmatisch geführte reine Vernunft
+ sich selbst verfängt und verwickelt, aufzulösen und auf immer zu
+ vertilgen. Die Neuplatoniker, die sich =Eklektiker= nannten, weil sie
+ ihre eigenen Grillen allenthalben in älteren Autoren zu finden wußten,
+ wenn sie solche vorher hineingetragen hatten, verfuhren gerade ebenso;
+ es geschieht also insofern nichts Neues unter der Sonne.
+
+Männer von Geistesfähigkeiten und von erweiterten Gesinnungen! Ich
+verehre Eure Talente und liebe Euer Menschengefühl. Aber habt Ihr auch
+wohl überlegt, was Ihr tut, und wo es mit Euren Angriffen auf die
+Vernunft hinaus will? Ohne Zweifel wollt Ihr, daß =Freiheit zu denken=
+ungekränkt erhalten werde; denn ohne diese würde es selbst mit Euren
+freien Schwüngen des Genies bald ein Ende haben. Wir wollen sehen, was
+aus dieser Denkfreiheit natürlicherweise werden müsse, wenn ein solches
+Verfahren, als Ihr beginnt, überhandnimmt.
+
+Der Freiheit zu denken ist =erstlich= der =bürgerliche Zwang=
+entgegengesetzt. Zwar sagt man: die Freiheit zu =sprechen= oder zu
+=schreiben=, könne uns zwar durch obere Gewalt, aber die Freiheit zu
+=denken= durch sie gar nicht genommen werden. Allein wie viel und mit
+welcher Richtigkeit würden wir wohl =denken=, wenn wir nicht gleichsam
+in Gemeinschaft mit andern, denen wir unsere und die uns ihre Gedanken
+=mitteilen=, dächten! Also kann man wohl sagen, daß diejenige äußere
+Gewalt, welche die Freiheit, seine Gedanken öffentlich =mitzuteilen=,
+den Menschen entreißt, ihnen auch die Freiheit zu =denken= nehme; das
+einzige Kleinod, das uns bei allen bürgerlichen Lasten noch übrig
+bleibt, und wodurch allein wider alle Übel dieses Zustandes noch Rat
+geschafft werden kann.
+
+=Zweitens= wird die Freiheit zu denken auch in der Bedeutung genommen,
+daß ihr der =Gewissenszwang= entgegengesetzt ist; wo ohne alle äußere
+Gewalt in Sachen der Religion sich Bürger über andere zu Vormündern
+aufwerfen, und statt Argument durch vorgeschriebene, mit ängstlicher
+Furcht vor der =Gefahr einer eigenen Untersuchung= begleitete
+Glaubensformeln alle Prüfung der Vernunft durch frühen Eindruck auf die
+Gemüter zu verbannen wissen.
+
+=Drittens= bedeutet auch Freiheit im Denken die Unterwerfung der
+Vernunft unter keine andere Gesetze, als =die sie sich selbst gibt=; und
+ihr Gegenteil ist die Maxime eines =gesetzlosen Gebrauchs= der Vernunft,
+(um dadurch, wie das Genie wähnt, weiter zu sehen als unter der
+Einschränkung durch Gesetze). Die Folge davon ist natürlicherweise
+diese, daß, wenn die Vernunft dem Gesetze nicht unterworfen sein will,
+das sie sich selbst gibt, sie sich unter das Joch der Gesetze beugen
+muß, die ihr ein anderer gibt; denn ohne irgendein Gesetz kann gar
+nichts, selbst nicht der größte Unsinn, sein Spiel lange treiben. Also
+ist die unvermeidliche Folge der =erklärten= Gesetzlosigkeit im Denken
+(einer Befreiung von den Einschränkungen durch die Vernunft) diese: daß
+Freiheit zu denken zuletzt dadurch eingebüßt und, weil nicht etwa
+Unglück, sondern wahrer Übermut daran schuld ist, im eigentlichen Sinne
+des Worts =verscherzt= wird.
+
+Der Gang der Dinge ist ungefähr dieser. Zuerst gefällt sich das =Genie=
+sehr in seinem kühnen Schwunge, da es den Faden, woran es sonst die
+Vernunft lenkte, abgestreift hat. Es bezaubert bald auch andere durch
+Machtsprüche und große Erwartungen und scheint sich selbst nunmehr auf
+einen Thron gesetzt zu haben, den langsame, schwerfällige Vernunft so
+schlecht zierete; wobei es gleichwohl immer die Sprache derselben
+führet. Die alsdann angenommene Maxime der Ungültigkeit einer zu oberst
+gesetzgebenden Vernunft nennen wir gemeine Menschen ==Schwärmerei==;
+jene Günstlinge der gütigen Natur aber =Erleuchtung=. Weil indessen bald
+eine Sprachverwirrung unter diesen selbst entspringen muß, indem, da
+Vernunft allein für jedermann gültig gebieten kann, jetzt jeder seiner
+Eingebung folgt, so müssen zuletzt aus inneren Eingebungen durch äußere
+Zeugnisse bewährte Fakta, aus Traditionen, die anfänglich selbst gewählt
+waren, mit der Zeit =aufgedrungene= Urkunden, mit einem Worte, die
+gänzliche Unterwerfung der Vernunft unter Fakta d. i. der ==Aberglaube==
+entspringen, weil dieser sich doch wenigstens in eine =gesetzliche Form=
+und dadurch in einen Ruhestand bringen läßt.
+
+Weil gleichwohl die menschliche Vernunft immer noch nach Freiheit
+strebt, so muß, wenn sie einmal die Fesseln zerbricht, ihr erster
+Gebrauch einer lange entwöhnten Freiheit in Mißbrauch und vermessenes
+Zutrauen auf Unabhängigkeit ihres Vermögens von aller Einschränkung
+ausarten, in eine Überredung von der Alleinherrschaft der spekulativen
+Vernunft, die nichts annimmt, als was sich durch =objektive= Gründe und
+dogmatische Überzeugung rechtfertigen kann, alles übrige aber kühn
+wegleugnet. Die Maxime der Unabhängigkeit der Vernunft von ihrem
+=eigenen Bedürfnis= (Verzichttuung auf Vernunftglauben) heißt nun
+==Unglaube==; nicht ein historischer, denn den kann man sich gar nicht
+als vorsätzlich, mithin auch nicht als zurechnungsfähig denken, (weil
+jeder einem Faktum, welches nur hinreichend bewährt ist, ebensogut als
+einer mathematischen Demonstration glauben muß, er mag wollen oder
+nicht); sondern ein =Vernunftunglaube=, ein mißlicher Zustand des
+menschlichen Gemüts, der den moralischen Gesetzen zuerst alle Kraft der
+Triebfedern auf das Herz, mit der Zeit sogar ihnen selbst alle Autorität
+benimmt und die Denkungsart veranlaßt, die man ==Freigeisterei== nennt,
+d. i. den Grundsatz, gar keine Pflicht mehr zu erkennen. Hier mengt sich
+nun die Obrigkeit ins Spiel, damit nicht selbst bürgerliche
+Angelegenheiten in die größte Unordnung kommen; und da das behendeste
+und doch nachdrücklichste Mittel ihr gerade das beste ist, so hebt sie
+die Freiheit zu denken gar auf und unterwirft dieses, gleich anderen
+Gewerben, den Landesverordnungen. Und so zerstört Freiheit im Denken,
+wenn sie so gar unabhängig von Gesetzen der Vernunft verfahren will,
+endlich sich selbst.
+
+Freunde des Menschengeschlechts und dessen, was ihm am heiligsten ist!
+Nehmt an, was Euch nach sorgfältiger und aufrichtiger Prüfung am
+glaubwürdigsten scheint, es mögen nun Fakta, es mögen Vernunftgründe
+sein; nur streitet der Vernunft nicht das, was sie zum höchsten Gut auf
+Erden macht, nämlich das Vorrecht ab, der letzte Probierstein der
+Wahrheit(7) zu sein! Widrigenfalls werdet Ihr, dieser Freiheit unwürdig,
+sie auch sicherlich einbüßen und dieses Unglück noch dazu dem übrigen
+schuldlosen Teile über den Hals ziehen, der sonst wohl gesinnt gewesen
+wäre, sich seiner Freiheit =gesetzmäßig= und dadurch auch zweckmäßig zum
+Weltbesten zu bedienen!
+
+ (7) =Selbstdenken= heißt: den obersten Probierstein der Wahrheit in
+ sich selbst (d. i. in seiner eigenen Vernunft) suchen, und die Maxime,
+ jederzeit selbst zu denken, ist die =Aufklärung=. Dazu gehört nun eben
+ so viel nicht, als sich diejenigen einbilden, welche die Aufklärung in
+ Kenntnisse setzen; da sie vielmehr ein negativer Grundsatz im
+ Gebrauche seines Erkenntnisvermögens ist und öfter der, so an
+ Kenntnissen überaus reich ist, im Gebrauche derselben am wenigsten
+ aufgeklärt ist. Sich seiner =eigenen= Vernunft bedienen, will nichts
+ weiter sagen, als bei allem dem, was man annehmen soll, sich selbst
+ fragen, ob man es wohl tunlich finde, den Grund, warum man etwas
+ annimmt, oder auch die Regel, die aus dem, was man annimmt, folgt, zum
+ allgemeinen Grundsatze seines Vernunftgebrauches zu machen. Diese
+ Probe kann ein jeder mit sich selbst anstellen; und er wird
+ Aberglauben und Schwärmerei bei dieser Prüfung alsbald verschwinden
+ sehen, wenn er gleich bei weitem die Kenntnisse nicht hat, beide aus
+ objektiven Gründen zu widerlegen. Denn er bedient sich bloß der Maxime
+ der =Selbsterhaltung= der Vernunft. Aufklärung in =einzelnen
+ Subjekten= durch Erziehung zu gründen, ist also gar leicht; man muß
+ nur früh anfangen, die jungen Köpfe zu dieser Reflexion zu gewöhnen.
+ Ein =Zeitalter= aber aufzuklären, ist sehr langwierig; denn es finden
+ sich viel äußere Hindernisse, welche jene Erziehungsart teils
+ verbieten, teils erschweren.
+
+Königsberg.
+
+ I. =Kant=.
+
+
+
+
+Lesarten
+
+
+Drucke:
+
+1. Berlinische Monatsschrift. Oktober-Heft 1786. S. 304-330.
+
+2. I. Kant. Kleine Schriften. Neuwied 1793. Haupt. 8o. S. 104-138.
+
+3. I. Kant. Zerstreute Aufsätze. Frankfurt und Leipzig 1793. S. 122-147.
+
+4. I. Kants sämmtliche kleine Schriften. 4 Bände. 8o. Königsberg und
+Leipzig (Voigt, Jena) 1797-98. Bd. III, S. 275-304.
+
+5. I. Kants vermischte Schriften. 3 Bände. Halle 1799. (Tieftrunk.)
+Bd. III, S. 61-88.
+
+6. Kant. Vorzügliche kleine Schriften und Aufsätze, hrsg. mit Noten von
+F. Ch. Starke. 2 Bände. Leipzig 1833 und Quedlinburg 1838. Bd. I,
+S. 85-102.
+
+ * * * * *
+
+351, 6 wollten (A)] sollten Vorl. (wohl Df.?) 355, 27 noch (A)] nicht
+(T) 357, 5 bewunderungswürdigem (A, 93, Ak)] bewundernswürdigen T, H,
+Vorl. 357, 11 eine erste (A, 93, Vorl.)] eine T, H, R 357, 33 Gutes,
+was] Gutes, auf das, was (Maier in Ak.). Unnötig. 360, 1 v. u. d. Anm.
+Sachen (A, 93, T)] Sache (H, Vorl.) 361, 2 diese (A, 93, T)] die (H,
+Vorl). 362, 15 d. Anm. Unmöglichkeit] Hartenstein hält das für falsch
+und schlägt vor: »Notwendigkeit« zu lesen. 364, 22 äußere Zeugnisse (H)]
+Zeugnisse äußere (A, 93)
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ bleibt, und wodurch allein wider alle Ubel dieses Zustandes noch Rat
+ bleibt, und wodurch allein wider alle Übel dieses Zustandes noch Rat
+
+ ]
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Was heißt: sich im Denken orientieren?, by
+Immanuel Kant
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS HEIßT: SICH IM DENKEN ***
+
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+This and all associated files of various formats will be found in:
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+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+
+<pre>
+
+Project Gutenberg's Was heißt: sich im Denken orientieren?, by Immanuel Kant
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Was heißt: sich im Denken orientieren?
+
+Author: Immanuel Kant
+
+Release Date: February 3, 2012 [EBook #38754]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS HEIßT: SICH IM DENKEN ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Der Text stammt aus: <cite>Immanuel Kants Werke. Band IV. Schriften von
+1783&ndash;1788. Herausgegeben von Dr. Artur Buchenau und Dr. Ernst Cassirer.
+Berlin: Bruno Cassirer 1913</cite>. S.&nbsp;349&ndash;366
+und 545&ndash;548 (<a href="#Lesarten">Lesarten</a>).</p>
+
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+korrigiert. <span class="screen">Änderungen sind im Text
+<ins title="so wie hier">so gekennzeichnet</ins>. Der
+Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</span>
+Eine <a href="#tn-bottom">Liste der vorgenommenen Änderungen</a>
+findet sich am Ende des Textes.</p>
+</div>
+
+<div><a class="pagenum" name="Page_349" title="349"> </a></div>
+<h1>Was heißt:
+sich im Denken orientieren?</h1>
+
+<p class="drop-cap">Wir<a class="pagenum" name="Page_351" title="351"> </a> mögen unsere Begriffe noch so hoch anlegen und dabei
+noch so sehr von der Sinnlichkeit abstrahieren, so hängen ihnen
+doch noch immer <em class="gesperrt">bildliche</em> Vorstellungen an, deren eigentliche
+Bestimmung es ist, sie, die sonst nicht von der Erfahrung abgeleitet
+sind, zum <em class="gesperrt">Erfahrungsgebrauche</em> tauglich zu machen.
+Denn wie wollten wir auch unseren Begriffen Sinn und Bedeutung
+verschaffen, wenn ihnen nicht irgendeine Anschauung, (welche
+zuletzt immer ein Beispiel aus irgendeiner möglichen Erfahrung
+sein muß), untergelegt würde? Wenn wir hernach von dieser
+konkreten Verstandeshandlung die Beimischung des Bildes, zuerst
+der zufälligen Wahrnehmung durch Sinne, dann sogar die reine
+sinnliche Anschauung überhaupt weglassen: so bleibt jener reine
+Verstandesbegriff übrig, dessen Umfang nun erweitert ist und eine
+Regel des Denkens überhaupt enthält. Auf solche Weise ist selbst
+die allgemeine Logik zustande gekommen; und manche <em class="gesperrt">heuristische</em>
+Methode zu denken liegt in dem Erfahrungsgebrauche
+unseres Verstandes und der Vernunft vielleicht noch verborgen,
+welche, wenn wir sie behutsam aus jener Erfahrung herauszuziehen
+verständen, die Philosophie wohl mit mancher nützlichen Maxime,
+selbst im abstrakten Denken, bereichern könnte.</p>
+
+<p>Von dieser Art ist der Grundsatz, zu dem der sel. MENDELSSOHN,
+soviel ich weiß, nur in seinen letzten Schriften (den
+<cite>Morgenstunden</cite> S.&nbsp;165&ndash;66 und dem <cite>Briefe an Lessings Freunde</cite>
+S.&nbsp;33 und 67) sich ausdrücklich bekannte: nämlich die Maxime
+der Notwendigkeit, im spekulativen Gebrauche der Vernunft,
+(welchem er sonst in Ansehung der Erkenntnis übersinnlicher
+Gegenstände sehr viel, sogar bis zur Evidenz der Demonstration
+zutraute), durch ein gewisses Leitungsmittel, welches er bald den
+<em class="gesperrt">Gemeinsinn</em> (Morgenstunden), bald die <em class="gesperrt">gesunde Vernunft</em>,
+bald den <em class="gesperrt">schlichten Menschenverstand</em> (an Lessings Freunde)
+nannte, sich zu <em class="gesperrt">orientieren</em>. Wer hätte denken sollen, daß dieses
+Geständnis nicht allein seiner vorteilhaften Meinung von der
+<a class="pagenum" name="Page_352" title="352"> </a>
+Macht des <em class="gesperrt">spekulativen</em> Vernunftgebrauchs in Sachen der Theologie
+so verderblich werden sollte, (welches in der Tat unvermeidlich
+war); sondern daß selbst die gemeine gesunde Vernunft
+bei der Zweideutigkeit, worin er die Ausübung dieses Vermögens
+im Gegensatze mit der Spekulation ließ, in Gefahr geraten würde,
+zum Grundsatze der Schwärmerei und der gänzlichen Entthronung
+der Vernunft zu dienen? Und doch geschah dieses in der <span class="gesperrt-left-part">Mendelssohn</span>-
+und <span class="gesperrt-left-part">Jacobi</span>schen Streitigkeit, vornehmlich durch die
+nicht unbedeutenden Schlüsse des scharfsinnigen Verfassers der
+<em class="gesperrt">Resultate</em>;<a name="FNanchor_1" href="#Footnote_1" class="fnanchor">(1)</a> wiewohl ich keinem von beiden die Absicht, eine so
+verderbliche Denkungsart in Gang zu bringen, beilegen will, sondern
+des letzteren Unternehmung lieber als <i lang="la" xml:lang="la">argumentum ad hominem</i>
+ansehe, dessen man sich zur bloßen Gegenwehr zu bedienen wohl
+berechtigt ist, um die Blöße, die der Gegner gibt, zu dessen
+Nachteil zu benutzen. Andererseits werde ich zeigen, daß es in
+der Tat <em class="gesperrt">bloß</em> die Vernunft, nicht ein vorgeblicher geheimer
+Wahrheitssinn, keine überschwengliche Anschauung unter dem
+Namen des Glaubens, worauf Tradition oder Offenbarung ohne
+Einstimmung der Vernunft gepfropft werden kann, sondern, wie
+MENDELSSOHN standhaft und mit gerechtem Eifer behauptete,
+bloß die eigentliche reine Menschenvernunft sei, wodurch er es
+nötig fand und anpries, sich zu orientieren; ob zwar freilich hiebei
+der hohe Anspruch des spekulativen Vermögens derselben,
+vornehmlich ihr allein gebietendes Ansehen (durch Demonstration)
+wegfallen und ihr, sofern sie spekulativ ist, nichts weiter als das
+Geschäft der Reinigung des gemeinen Vernunftbegriffs von Widersprüchen
+und die Verteidigung gegen <em class="gesperrt">ihre eigenen</em> sophistischen
+Angriffe auf die Maximen einer gesunden Vernunft übrig gelassen
+werden muß. &ndash; Der erweiterte und genauer bestimmte Begriff
+des <em class="gesperrt">Sich-Orientierens</em> kann uns behülflich sein, die Maxime
+der gesunden Vernunft in ihren Bearbeitungen zur Erkenntnis
+übersinnlicher Gegenstände deutlich darzustellen.</p>
+
+<p>Sich <em class="gesperrt">orientieren</em> heißt in der eigentlichen Bedeutung des
+Worts: aus einer gegebenen Weltgegend, (in deren vier wir den
+<a class="pagenum" name="Page_353" title="353"> </a>
+Horizont einteilen), die übrigen, namentlich den <em class="gesperrt">Aufgang</em> zu
+finden. Sehe ich nun die Sonne am Himmel und weiß, daß es
+nun die Mittagszeit ist, so weiß ich Süden, Westen, Norden und
+Osten zu finden. Zu diesem Behuf bedarf ich aber durchaus das
+Gefühl eines Unterschiedes an meinem eigenen <em class="gesperrt">Subjekt</em>, nämlich
+der rechten und linken Hand. Ich nenne es ein <em class="gesperrt">Gefühl</em>, weil
+diese zwei Seiten äußerlich in der Anschauung keinen merklichen
+Unterschied zeigen. Ohne dieses Vermögen, in der Beschreibung
+eines Zirkels, ohne an ihm irgendeine Verschiedenheit der Gegenstände
+zu bedürfen, doch die Bewegung von der Linken zur
+Rechten von der in entgegengesetzter Richtung zu unterscheiden
+und dadurch eine Verschiedenheit in der Lage der Gegenstände
+a priori zu bestimmen, würde ich nicht wissen, ob ich Westen
+dem Südpunkte des Horizonts zur Rechten oder zur Linken setzen
+und so den Kreis durch Norden und Osten bis wieder zu Süden
+vollenden sollte. Also orientiere ich mich <em class="gesperrt">geographisch</em> bei
+allen objektiven Datis am Himmel doch nur durch einen <em class="gesperrt">subjektiven</em>
+Unterscheidungsgrund; und wenn in einem Tage durch ein
+Wunder alle Sternbilder zwar übrigens dieselbe Gestalt und ebendieselbe
+Stellung gegeneinander behielten, nur daß die Richtung
+derselben, die sonst östlich war, jetzt westlich geworden wäre, so
+würde in der nächsten sternhellen Nacht zwar kein menschliches
+Auge die geringste Veränderung bemerken und selbst der Astronom,
+wenn er bloß auf das, was er sieht und nicht zugleich, was er
+fühlt, achtgäbe, würde sich unvermeidlich <em class="gesperrt">desorientieren</em>. So
+aber kömmt ihm ganz natürlich das zwar durch die Natur angelegte,
+aber durch öftere Ausübung gewohnte Unterscheidungsvermögen
+durchs Gefühl der rechten und linken Hand zu Hülfe,
+und er wird, wenn er nur den Polarstern ins Auge nimmt, nicht
+allein die vorgegangene Veränderung bemerken, sondern sich auch
+ungeachtet derselben <em class="gesperrt">orientieren</em> können.</p>
+
+<p>Diesen geographischen Begriff des Verfahrens sich zu orientieren
+kann ich nun erweitern und darunter verstehen: sich in
+einem gegebenen Raum überhaupt, mithin bloß <em class="gesperrt">mathematisch</em>
+orientieren. Im Finstern orientiere ich mich in einem mir bekannten
+Zimmer, wenn ich nur einen einzigen Gegenstand, dessen
+Stelle ich im Gedächtnis habe, anfassen kann. Aber hier hilft
+mir offenbar nichts als das Bestimmungsvermögen der Lagen nach
+einem <em class="gesperrt">subjektiven</em> Unterscheidungsgrunde; denn die Objekte,
+deren Stelle ich finden soll, sehe ich gar nicht; und hätte jemand
+<a class="pagenum" name="Page_354" title="354"> </a>
+mir zum Spaße alle Gegenstände zwar in derselben Ordnung untereinander,
+aber links gesetzt, was vorher rechts war, so würde ich
+mich in einem Zimmer, wo sonst alle Wände ganz gleich wären,
+gar nicht finden können. So aber orientiere ich mich bald durch
+das bloße Gefühl eines Unterschiedes meiner zwei Seiten, der
+rechten und der linken. Eben das geschieht, wenn ich zur Nachtzeit
+auf mir sonst bekannten Straßen, in denen ich jetzt kein
+Haus unterscheide, gehen und mich gehörig wenden soll.</p>
+
+<p>Endlich kann ich diesen Begriff noch mehr erweitern, da er
+denn in dem Vermögen bestände, sich nicht bloß im Raume d.&nbsp;i.
+mathematisch, sondern <em class="gesperrt">überhaupt im Denken</em> d.&nbsp;i. <em class="gesperrt">logisch</em> zu
+orientieren. Man kann nach der Analogie leicht erraten, daß
+dieses ein Geschäft der reinen Vernunft sein werde, ihren Gebrauch
+zu lenken, wenn sie von bekannten Gegenständen (der
+Erfahrung) ausgehend sich über alle Grenzen der Erfahrung erweitern
+will und ganz und gar kein Objekt der Anschauung,
+sondern bloß Raum für dieselbe findet; da sie alsdann gar nicht
+mehr imstande ist, nach objektiven Gründen der Erkenntnis, sondern
+lediglich nach einem subjektiven Unterscheidungsgrunde, in
+der Bestimmung ihres eigenen Urteilvermögens, ihre Urteile unter
+eine bestimmte Maxime zu bringen.<a name="FNanchor_2" href="#Footnote_2" class="fnanchor">(2)</a> Dies subjektive Mittel, das
+alsdann noch übrig bleibt, ist kein anderes als das Gefühl des der
+Vernunft eigenen <em class="gesperrt">Bedürfnisses</em>. Man kann vor allem Irrtum
+gesichert bleiben, wenn man sich da nicht unterfängt zu urteilen,
+wo man nicht soviel weiß, als zu einem bestimmenden Urteile
+erforderlich ist. Also ist Unwissenheit an sich die Ursache zwar
+der Schranken, aber nicht der Irrtümer in unserer Erkenntnis.
+Aber wo es nicht so willkürlich ist, ob man über etwas bestimmt
+urteilen wolle oder nicht, wo ein wirkliches <em class="gesperrt">Bedürfnis</em> und
+wohl gar ein solches, welches der Vernunft an sich selbst anhängt,
+das Urteilen notwendig macht und gleichwohl Mangel des Wissens
+in Ansehung der zum Urteil erforderlichen Stücke uns einschränkt,
+da ist eine Maxime nötig, wornach wir unser Urteil fällen; denn
+die Vernunft will einmal befriedigt sein. Wenn denn vorher
+schon ausgemacht ist, daß es hier keine Anschauung vom Objekte,
+nicht einmal etwas mit diesem Gleichartiges geben könne, wodurch
+wir unseren erweiterten Begriffen den ihnen angemessenen Gegenstand
+<a class="pagenum" name="Page_355" title="355"> </a>
+darstellen und diese also ihrer realen Möglichkeit wegen
+sichern könnten, so wird für uns nichts weiter zu tun übrig sein,
+als zuerst den Begriff, mit welchem wir uns über alle mögliche
+Erfahrung hinauswagen wollen, wohl zu prüfen, ob er auch von
+Widersprüchen frei sei; und dann wenigstens das <em class="gesperrt">Verhältnis</em> des
+Gegenstandes zu den Gegenständen der Erfahrung unter reine Verstandesbegriffe
+zu bringen, wodurch wir ihn noch gar nicht versinnlichen,
+aber doch etwas Übersinnliches wenigstens tauglich
+zum Erfahrungsgebrauche unserer Vernunft denken; denn ohne
+diese Vorsicht würden wir von einem solchen Begriffe gar keinen
+Gebrauch machen können, sondern schwärmen anstatt zu denken.</p>
+
+<p>Allein hiedurch, nämlich durch den bloßen Begriff, ist doch
+noch nichts in Ansehung der Existenz dieses Gegenstandes und
+der wirklichen Verknüpfung desselben mit der Welt (dem Inbegriffe
+aller Gegenstände möglicher Erfahrung) ausgerichtet. Nun
+aber tritt <em class="gesperrt">das Recht des Bedürfnisses</em> der Vernunft ein als
+eines subjektiven Grundes, etwas vorauszusetzen und anzunehmen,
+was sie durch objektive Gründe zu wissen sich nicht anmaßen
+darf, und folglich sich im Denken, im unermeßlichen und für
+uns mit dicker Nacht erfülleten Raume des Übersinnlichen lediglich
+durch ihr eigenes Bedürfnis zu <em class="gesperrt">orientieren</em>.</p>
+
+<p>Es läßt sich manches Übersinnliche denken; (denn Gegenstände
+der Sinne füllen doch nicht das ganze Feld aller Möglichkeit aus),
+wo die Vernunft gleichwohl kein Bedürfnis fühlt, sich bis zu demselben
+zu erweitern, viel weniger dessen Dasein anzunehmen. Die
+Vernunft findet an denen Ursachen in der Welt, welche sich den
+Sinnen offenbaren (oder wenigstens von derselben Art sind als
+die, so sich ihnen offenbaren), Beschäftigung genug, um noch den
+Einfluß reiner geistiger Naturwesen zu deren Behuf nötig zu haben;
+deren Annehmung vielmehr ihrem Gebrauche nachteilig sein würde.
+Denn da wir von den Gesetzen, nach welchen solche Wesen
+würken mögen, nichts, von jenen aber, nämlich den Gegenständen
+der Sinne, vieles wissen, wenigstens noch zu erfahren hoffen können;
+so würde durch solche Voraussetzung dem Gebrauche der Vernunft
+vielmehr Abbruch geschehen. Es ist also gar kein Bedürfnis,
+es ist vielmehr bloßer Vorwitz, der auf nichts als Träumerei ausläuft,
+darnach zu forschen oder mit Hirngespinsten der Art zu
+spielen. Ganz anders ist es mit dem Begriffe von einem ersten
+<em class="gesperrt">Urwesen</em> als oberster Intelligenz und zugleich als dem höchsten
+Gute, bewandt. Denn nicht allein, daß unsere Vernunft schon
+<a class="pagenum" name="Page_356" title="356"> </a>
+ein Bedürfnis fühlt, den <em class="gesperrt">Begriff</em> des Uneingeschränkten dem Begriffe
+alles Eingeschränkten, mithin aller anderen Dinge<a name="FNanchor_3" href="#Footnote_3" class="fnanchor">(3)</a> zum
+<a class="pagenum" name="Page_357" title="357"> </a>
+Grunde zu legen; so geht dieses Bedürfnis auch auf die Voraussetzung
+des <em class="gesperrt">Daseins</em> desselben, ohne welche sie sich von der
+Zufälligkeit der Existenz der Dinge in der Welt, am wenigsten
+aber von der Zweckmäßigkeit und Ordnung, die man in so bewunderungswürdigem
+Grade (im Kleinen, weil es uns nahe ist,
+noch mehr wie im Großen) allenthalben antrifft, gar keinen befriedigenden
+Grund angeben kann. Ohne einen verständigen Urheber
+anzunehmen, läßt sich, ohne in lauter Ungereimtheiten zu
+verfallen, wenigstens <em class="gesperrt">kein verständlicher</em> Grund davon angeben;
+und ob wir gleich die Unmöglichkeit einer solchen Zweckmäßigkeit
+ohne eine erste <em class="gesperrt">verständige Ursache</em> nicht <em class="gesperrt">beweisen</em>
+können; (denn alsdann hätten wir hinreichende objektive Gründe
+dieser Behauptung und bedürften es nicht, uns auf den subjektiven
+zu berufen), so bleibt bei diesem Mangel der Einsicht doch ein
+genugsamer subjektiver Grund der <em class="gesperrt">Annehmung</em> derselben darin,
+daß die Vernunft es <em class="gesperrt">bedarf</em>, etwas, was ihr verständlich ist, vorauszusetzen,
+um diese gegebene Erscheinung daraus zu erklären,
+da alles, womit sie sonst nur einen Begriff verbinden kann, diesem
+Bedürfnisse nicht abhilft.</p>
+
+<p>Man kann aber das Bedürfnis der Vernunft als zwiefach ansehen:
+<em class="gesperrt">erstlich</em> in ihrem <em class="gesperrt">theoretischen</em>, <em class="gesperrt">zweitens</em> in ihrem
+<em class="gesperrt">praktischen</em> Gebrauch. Das erste Bedürfnis habe ich eben angeführt;
+aber man sieht wohl, daß es nur bedingt sei, d.&nbsp;i. wir
+müssen die Existenz Gottes annehmen, wenn wir über die ersten
+Ursachen alles Zufälligen, vornehmlich in der Ordnung der wirklich
+in der Welt gelegten Zwecke, <em class="gesperrt">urteilen wollen</em>. Weit
+wichtiger ist das Bedürfnis der Vernunft in ihrem praktischen
+Gebrauche, weil es unbedingt ist und wir die Existenz Gottes
+vorauszusetzen nicht bloß alsdann genötigt werden, wenn wir
+urteilen <em class="gesperrt">wollen</em>, sondern weil wir <em class="gesperrt">urteilen müssen</em>. Denn der
+reine praktische Gebrauch der Vernunft besteht in der Vorschrift
+der moralischen Gesetze. Sie führen aber alle auf die Idee des
+<em class="gesperrt">höchsten Gutes</em>, was in der Welt möglich ist, sofern es allein
+durch <em class="gesperrt">Freiheit</em> möglich ist: die <em class="gesperrt">Sittlichkeit</em>; von der anderen
+Seite auch auf das, was nicht bloß auf menschliche Freiheit,
+sondern auch auf die <em class="gesperrt">Natur</em> ankommt, nämlich auf die größte
+<em class="gesperrt">Glückseligkeit</em>, sofern sie in Proportion der ersten ausgeteilt
+<a class="pagenum" name="Page_358" title="358"> </a>
+ist. Nun <em class="gesperrt">bedarf</em> die Vernunft ein solches <em class="gesperrt">abhängiges</em> höchste
+Gut und zum Behuf desselben eine oberste Intelligenz als höchstes
+<em class="gesperrt">unabhängiges</em> Gut anzunehmen; zwar nicht, um davon das verbindende
+Ansehen der moralischen Gesetze oder die Triebfeder
+zu ihrer Beobachtung abzuleiten; (denn sie würden keinen moralischen
+Wert haben, wenn ihr Bewegungsgrund von etwas anderem
+als von dem Gesetz allein, das für sich apodiktisch gewiß
+ist, abgeleitet würde); sondern nur, um dem Begriffe vom höchsten
+Gut objektive Realität zu geben, d.&nbsp;i. zu verhindern, daß es zusamt
+der ganzen Sittlichkeit nicht bloß für ein bloßes Ideal
+gehalten werde, wenn dasjenige nirgend existierte, dessen Idee die
+Moralität unzertrennlich begleitet.</p>
+
+<p>Es ist also nicht <em class="gesperrt">Erkenntnis</em>, sondern gefühltes<a name="FNanchor_4" href="#Footnote_4" class="fnanchor">(4)</a> <em class="gesperrt">Bedürfnis</em>
+der Vernunft, wodurch sich MENDELSSOHN (ohne sein Wissen)
+im spekulativen Denken orientierte. Und da dieses Leitungsmittel
+nicht ein objektives Prinzip der Vernunft, ein Grundsatz
+der Einsichten, sondern ein bloß subjektives (d.&nbsp;i. eine Maxime)
+des ihr durch ihre Schranken allein erlaubten Gebrauchs, ein
+Folgesatz des Bedürfnisses ist und <em class="gesperrt">für sich allein</em> den ganzen
+Bestimmungsgrund unsers Urteils über das Dasein des höchsten
+Wesens ausmacht, von dem es nur ein zufälliger Gebrauch ist,
+sich in den spekulativen Versuchen über denselben Gegenstand zu
+orientieren: so fehlte er hierin allerdings, daß er dieser Spekulation
+dennoch so viel Vermögen zutraute, für sich allein auf dem Wege
+der Demonstration alles auszurichten. Die Notwendigkeit des
+ersteren Mittels konnte nur stattfinden, wenn die Unzulänglichkeit
+des letzteren völlig zugestanden war: ein Geständnis, zu
+welchem ihn seine Scharfsinnigkeit doch zuletzt würde gebracht
+haben, wenn mit einer längeren Lebensdauer ihm auch die den
+Jugendjahren mehr eigene Gewandtheit des Geistes, alte gewohnte
+Denkungsart nach Veränderung des Zustandes der Wissenschaften
+leicht umzuändern, wäre vergönnet gewesen. Indessen bleibt ihm
+doch das Verdienst, daß er darauf bestand, den letzten Probierstein
+<a class="pagenum" name="Page_359" title="359"> </a>
+der Zulässigkeit eines Urteils hier wie allerwärts nirgend als
+<em class="gesperrt">allein in der Vernunft</em> zu suchen: sie mochte nun durch Einsicht
+oder bloßes Bedürfnis und die Maxime ihrer eigenen Zuträglichkeit
+in der Wahl ihrer Sätze geleitet werden. Er nannte
+die Vernunft in ihrem letzteren Gebrauche die gemeine Menschenvernunft;
+denn dieser ist ihr eigenes Interesse jederzeit zuerst vor
+Augen, indes man aus dem natürlichen Geleise schon muß getreten
+sein, um jenes zu vergessen und müßig unter Begriffen in
+objektiver Rücksicht zu spähen, um bloß sein Wissen, es mag
+nötig sein oder nicht, zu erweitern.</p>
+
+<p>Da aber der Ausdruck: <em class="gesperrt">Ausspruch der gesunden Vernunft</em>,
+in vorliegender Frage immer noch zweideutig ist und entweder,
+wie ihn selbst MENDELSSOHN mißverstand, für ein Urteil aus
+<em class="gesperrt">Vernunfteinsicht</em> oder, wie ihn der Verfasser der Resultate zu
+nehmen scheint, ein Urteil aus <em class="gesperrt">Vernunfteingebung</em> genommen
+werden kann, so wird nötig sein, dieser Quelle der Beurteilung
+eine andere Benennung zu geben, und keine ist ihr angemessener
+als die eines <em class="gesperrt"><b>Vernunftglaubens</b></em>. Ein jeder Glaube, selbst
+der historische, muß zwar <em class="gesperrt">vernünftig</em> sein; (denn der letzte
+Probierstein der Wahrheit ist immer die Vernunft), allein ein
+Vernunftglaube ist der, welcher sich auf keine andere Data gründet
+als die, so in der <em class="gesperrt">reinen</em> Vernunft enthalten sind. Aller <em class="gesperrt">Glaube</em>
+ist nun ein subjektiv zureichendes, objektiv aber <em class="gesperrt">mit Bewußtsein</em>
+unzureichendes Fürwahrhalten; also wird er dem <em class="gesperrt">Wissen</em>
+entgegengesetzt. Andrerseits, wenn aus objektiven, obzwar mit
+Bewußtsein unzureichenden Gründen etwas für wahr gehalten,
+mithin bloß <em class="gesperrt">gemeinet</em> wird, so kann dieses <em class="gesperrt">Meinen</em> doch durch
+allmähliche Ergänzung in derselben Art von Gründen endlich ein
+<em class="gesperrt">Wissen</em> werden. Dagegen, wenn die Gründe des Fürwahrhaltens
+ihrer Art nach gar nicht objektiv gültig sind, so kann der Glaube
+durch keinen Gebrauch der Vernunft jemals ein Wissen werden.
+Der historische Glaube z.&nbsp;B. von dem Tode eines großen Mannes,
+den einige Briefe berichten, <em class="gesperrt">kann ein Wissen werden</em>, wenn
+die Obrigkeit des Orts denselben, sein Begräbnis, Testament usw.
+meldet. Daß daher etwas historisch bloß auf Zeugnisse für wahr
+gehalten, d.&nbsp;i. geglaubt wird, z.&nbsp;B. daß eine Stadt Rom in der
+Welt sei, und doch derjenige, der niemals da gewesen, sagen
+kann: <em class="gesperrt">Ich weiß</em>, und nicht bloß: <em class="gesperrt">Ich glaube</em>, es existiere ein
+Rom, das steht ganz wohl beisammen. Dagegen kann der reine
+<em class="gesperrt">Vernunftglaube</em> durch alle natürliche Data der Vernunft und
+<a class="pagenum" name="Page_360" title="360"> </a>
+Erfahrung niemals in ein <em class="gesperrt">Wissen</em> verwandelt werden, weil der
+Grund des Fürwahrhaltens hier bloß subjektiv, nämlich ein notwendiges
+Bedürfnis der Vernunft ist (und, solange wir Menschen
+sind, immer bleiben wird), das Dasein eines höchsten Wesens nur
+<em class="gesperrt">vorauszusetzen</em>, nicht zu demonstrieren. Dieses Bedürfnis der
+Vernunft zu ihrem sie befriedigenden <em class="gesperrt">theoretischen</em> Gebrauche
+würde nichts anders als reine <em class="gesperrt">Vernunfthypothese</em> sein, d.&nbsp;i.
+eine Meinung, die aus subjektiven Gründen zum Fürwahrhalten
+zureichend wäre; darum, weil man, gegebene <em class="gesperrt">Wirkungen zu
+erklären</em>, niemals einen andern als diesen Grund erwarten kann
+und die Vernunft doch einen Erklärungsgrund bedarf. Dagegen
+der <em class="gesperrt">Vernunftglaube</em>, der auf dem Bedürfnis ihres Gebrauchs in
+<em class="gesperrt">praktischer</em> Absicht beruht, ein <em class="gesperrt">Postulat</em> der Vernunft heißen
+könnte; nicht, als ob es eine Einsicht wäre, welche aller logischen
+Forderung zur Gewißheit Genüge täte, sondern weil dieses Fürwahrhalten,
+(wenn in dem Menschen alles nur moralisch gut bestellt
+ist), dem Grade nach keinem Wissen nachsteht,<a name="FNanchor_5" href="#Footnote_5" class="fnanchor">(5)</a> ob es
+gleich der Art nach davon völlig unterschieden ist.</p>
+
+<p>Ein reiner Vernunftglaube ist also der Wegweiser oder Kompaß,
+wodurch der spekulative Denker sich auf seinen Vernunftstreifereien
+im Felde übersinnlicher Gegenstände orientieren, der
+Mensch von gemeiner, doch (moralisch) gesunder Vernunft aber
+seinen Weg, sowohl in theoretischer als praktischer Absicht, dem
+ganzen Zwecke seiner Bestimmung völlig angemessen vorzeichnen
+kann; und dieser Vernunftglaube ist es auch, der jedem anderen
+Glauben, ja jeder Offenbarung zum Grunde gelegt werden muß.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">Begriff</em> von Gott, und selbst die Überzeugung von
+seinem <em class="gesperrt">Dasein</em>, kann nur allein in der Vernunft angetroffen
+werden, von ihr allein ausgehen und weder durch Eingebung,
+noch durch eine erteilte Nachricht von noch so großer Auctorität
+zuerst in uns kommen. Widerfährt mir eine unmittelbare Anschauung
+von einer solchen Art, als sie mir die Natur, soweit
+<a class="pagenum" name="Page_361" title="361"> </a>
+ich sie kenne, gar nicht liefern kann, so muß doch ein Begriff
+von Gott zur Richtschnur dienen, ob diese Erscheinung auch mit
+allen dem übereinstimme, was zu dem Charakteristischen einer
+Gottheit erforderlich ist. Ob ich gleich nun gar nicht einsehe,
+wie es möglich sei, daß irgendeine Erscheinung dasjenige auch
+nur der Qualität nach darstelle, was sich immer nur denken, niemals
+aber anschauen läßt, so ist doch wenigstens soviel klar, daß,
+um nur zu urteilen, ob das Gott sei, was mir erscheint, was auf
+mein Gefühl innerlich oder äußerlich wirkt, ich ihn an meinen
+Vernunftbegriff von Gott halten und darnach prüfen müsse, nicht
+ob er diesem adäquat sei, sondern bloß, ob er ihm nicht widerspreche.
+Ebenso: wenn auch bei allem, wodurch er sich mir
+unmittelbar entdeckte, nichts angetroffen würde, was jenem Begriffe
+widerspräche, so würde dennoch diese Erscheinung, Anschauung,
+unmittelbare Offenbarung oder wie man sonst eine
+solche Darstellung nennen will, das <em class="gesperrt">Dasein</em> eines Wesens niemals
+beweisen, dessen Begriff, (wenn er nicht unsicher bestimmt und
+daher der Beimischung alles möglichen Wahnes unterworfen werden
+soll), <em class="gesperrt">Unendlichkeit</em> der Größe nach zur Unterscheidung von
+allem Geschöpfe fodert, welchem Begriffe aber gar keine Erfahrung
+oder Anschauung adäquat sein, mithin auch niemals das Dasein
+eines solchen Wesens unzweideutig beweisen kann. Vom Dasein
+des höchsten Wesens kann also niemand durch irgendeine Anschauung
+<em class="gesperrt">zuerst</em> überzeugt werden; der Vernunftglaube muß vorhergehen,
+und alsdann könnten allenfalls gewisse Erscheinungen
+oder Eröffnungen Anlaß zur Untersuchung geben, ob wir das,
+was zu uns spricht oder sich uns darstellt, wohl befugt sind für
+eine Gottheit zu halten und nach Befinden jenen Glauben bestätigen.</p>
+
+<p>Wenn also der Vernunft in Sachen, welche übersinnliche
+Gegenstände betreffen, als das Dasein Gottes und die künftige
+Welt, das ihr zustehende Recht, <em class="gesperrt">zuerst</em> zu sprechen bestritten
+wird, so ist aller Schwärmerei, Aberglauben, ja selbst der Atheisterei
+eine weite Pforte geöffnet. Und doch <em class="gesperrt">scheint</em> in der
+<span class="gesperrt-left-part">Jacobi</span>schen und <span class="gesperrt-left-part">Mendelssohni</span>schen Streitigkeit alles auf diesen
+Umsturz, ich weiß nicht recht, ob bloß der <em class="gesperrt">Vernunfteinsicht</em>
+und des Wissens (durch vermeinte Stärke in der Spekulation)
+oder auch sogar des <em class="gesperrt">Vernunftglaubens</em>, und dagegen auf die
+Errichtung eines andern Glaubens, den sich ein jeder nach seinem
+Belieben machen kann, angelegt. Man sollte beinahe auf das
+<a class="pagenum" name="Page_362" title="362"> </a>
+letztere schließen, wenn man den <span class="gesperrt">Spinozistischen</span> Begriff von
+Gott als den einzigen mit allen Grundsätzen der Vernunft stimmigen<a name="FNanchor_6" href="#Footnote_6" class="fnanchor">(6)</a>
+und dennoch verwerflichen Begriff aufgestellt sieht. Denn,
+ob es sich gleich mit dem Vernunftglauben ganz wohl verträgt
+einzuräumen, daß spekulative Vernunft selbst nicht einmal die
+<em class="gesperrt">Möglichkeit</em> eines Wesens, wie wir uns Gott denken müssen,
+einzusehen imstande sei: so kann es doch mit gar keinem Glauben
+und überall mit keinem Fürwahrhalten eines Daseins zusammenbestehen,
+<a class="pagenum" name="Page_363" title="363"> </a>
+daß Vernunft gar die <em class="gesperrt">Unmöglichkeit</em> eines Gegenstandes
+einsehen und dennoch aus anderen Quellen die Wirklichkeit
+desselben erkennen könnte.</p>
+
+<p>Männer von Geistesfähigkeiten und von erweiterten Gesinnungen!
+Ich verehre Eure Talente und liebe Euer Menschengefühl.
+Aber habt Ihr auch wohl überlegt, was Ihr tut, und wo
+es mit Euren Angriffen auf die Vernunft hinaus will? Ohne
+Zweifel wollt Ihr, daß <em class="gesperrt">Freiheit zu denken</em> ungekränkt erhalten
+werde; denn ohne diese würde es selbst mit Euren freien Schwüngen
+des Genies bald ein Ende haben. Wir wollen sehen, was aus
+dieser Denkfreiheit natürlicherweise werden müsse, wenn ein
+solches Verfahren, als Ihr beginnt, überhandnimmt.</p>
+
+<p>Der Freiheit zu denken ist <em class="gesperrt">erstlich</em> der <em class="gesperrt">bürgerliche Zwang</em>
+entgegengesetzt. Zwar sagt man: die Freiheit zu <em class="gesperrt">sprechen</em> oder
+zu <em class="gesperrt">schreiben</em>, könne uns zwar durch obere Gewalt, aber die
+Freiheit zu <em class="gesperrt">denken</em> durch sie gar nicht genommen werden. Allein
+wie viel und mit welcher Richtigkeit würden wir wohl <em class="gesperrt">denken</em>,
+wenn wir nicht gleichsam in Gemeinschaft mit andern, denen
+wir unsere und die uns ihre Gedanken <em class="gesperrt">mitteilen</em>, dächten! Also
+kann man wohl sagen, daß diejenige äußere Gewalt, welche die
+Freiheit, seine Gedanken öffentlich <em class="gesperrt">mitzuteilen</em>, den Menschen
+entreißt, ihnen auch die Freiheit zu <em class="gesperrt">denken</em> nehme; das einzige
+Kleinod, das uns bei allen bürgerlichen Lasten noch übrig bleibt,
+und wodurch allein wider alle <ins title="Ubel">Übel</ins> dieses Zustandes noch Rat
+geschafft werden kann.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Zweitens</em> wird die Freiheit zu denken auch in der Bedeutung
+genommen, daß ihr der <em class="gesperrt">Gewissenszwang</em> entgegengesetzt ist;
+wo ohne alle äußere Gewalt in Sachen der Religion sich Bürger
+über andere zu Vormündern aufwerfen, und statt Argument durch
+vorgeschriebene, mit ängstlicher Furcht vor der <em class="gesperrt">Gefahr einer
+eigenen Untersuchung</em> begleitete Glaubensformeln alle Prüfung
+der Vernunft durch frühen Eindruck auf die Gemüter zu verbannen
+wissen.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Drittens</em> bedeutet auch Freiheit im Denken die Unterwerfung
+der Vernunft unter keine andere Gesetze, als <em class="gesperrt">die sie sich selbst
+gibt</em>; und ihr Gegenteil ist die Maxime eines <em class="gesperrt">gesetzlosen Gebrauchs</em>
+der Vernunft, (um dadurch, wie das Genie wähnt,
+weiter zu sehen als unter der Einschränkung durch Gesetze).
+Die Folge davon ist natürlicherweise diese, daß, wenn die Vernunft
+dem Gesetze nicht unterworfen sein will, das sie sich selbst gibt,
+<a class="pagenum" name="Page_364" title="364"> </a>
+sie sich unter das Joch der Gesetze beugen muß, die ihr ein
+anderer gibt; denn ohne irgendein Gesetz kann gar nichts, selbst
+nicht der größte Unsinn, sein Spiel lange treiben. Also ist die
+unvermeidliche Folge der <em class="gesperrt">erklärten</em> Gesetzlosigkeit im Denken
+(einer Befreiung von den Einschränkungen durch die Vernunft)
+diese: daß Freiheit zu denken zuletzt dadurch eingebüßt und, weil
+nicht etwa Unglück, sondern wahrer Übermut daran schuld ist,
+im eigentlichen Sinne des Worts <em class="gesperrt">verscherzt</em> wird.</p>
+
+<p>Der Gang der Dinge ist ungefähr dieser. Zuerst gefällt sich
+das <em class="gesperrt">Genie</em> sehr in seinem kühnen Schwunge, da es den Faden,
+woran es sonst die Vernunft lenkte, abgestreift hat. Es bezaubert
+bald auch andere durch Machtsprüche und große Erwartungen und
+scheint sich selbst nunmehr auf einen Thron gesetzt zu haben,
+den langsame, schwerfällige Vernunft so schlecht zierete; wobei
+es gleichwohl immer die Sprache derselben führet. Die alsdann
+angenommene Maxime der Ungültigkeit einer zu oberst gesetzgebenden
+Vernunft nennen wir gemeine Menschen <em class="gesperrt"><b>Schwärmerei</b></em>;
+jene Günstlinge der gütigen Natur aber <em class="gesperrt">Erleuchtung</em>. Weil
+indessen bald eine Sprachverwirrung unter diesen selbst entspringen
+muß, indem, da Vernunft allein für jedermann gültig gebieten
+kann, jetzt jeder seiner Eingebung folgt, so müssen zuletzt aus
+inneren Eingebungen durch äußere Zeugnisse bewährte Fakta, aus
+Traditionen, die anfänglich selbst gewählt waren, mit der Zeit
+<em class="gesperrt">aufgedrungene</em> Urkunden, mit einem Worte, die gänzliche Unterwerfung
+der Vernunft unter Fakta d.&nbsp;i. der <em class="gesperrt"><b>Aberglaube</b></em> entspringen,
+weil dieser sich doch wenigstens in eine <em class="gesperrt">gesetzliche
+Form</em> und dadurch in einen Ruhestand bringen läßt.</p>
+
+<p>Weil gleichwohl die menschliche Vernunft immer noch nach
+Freiheit strebt, so muß, wenn sie einmal die Fesseln zerbricht,
+ihr erster Gebrauch einer lange entwöhnten Freiheit in Mißbrauch
+und vermessenes Zutrauen auf Unabhängigkeit ihres Vermögens
+von aller Einschränkung ausarten, in eine Überredung von der
+Alleinherrschaft der spekulativen Vernunft, die nichts annimmt,
+als was sich durch <em class="gesperrt">objektive</em> Gründe und dogmatische Überzeugung
+rechtfertigen kann, alles übrige aber kühn wegleugnet.
+Die Maxime der Unabhängigkeit der Vernunft von ihrem <em class="gesperrt">eigenen
+Bedürfnis</em> (Verzichttuung auf Vernunftglauben) heißt nun <em class="gesperrt"><b>Unglaube</b></em>;
+nicht ein historischer, denn den kann man sich gar
+nicht als vorsätzlich, mithin auch nicht als zurechnungsfähig denken,
+(weil jeder einem Faktum, welches nur hinreichend bewährt ist,
+<a class="pagenum" name="Page_365" title="365"> </a>
+ebensogut als einer mathematischen Demonstration glauben muß,
+er mag wollen oder nicht); sondern ein <em class="gesperrt">Vernunftunglaube</em>,
+ein mißlicher Zustand des menschlichen Gemüts, der den moralischen
+Gesetzen zuerst alle Kraft der Triebfedern auf das Herz,
+mit der Zeit sogar ihnen selbst alle Autorität benimmt und die
+Denkungsart veranlaßt, die man <em class="gesperrt"><b>Freigeisterei</b></em> nennt, d.&nbsp;i. den
+Grundsatz, gar keine Pflicht mehr zu erkennen. Hier mengt sich
+nun die Obrigkeit ins Spiel, damit nicht selbst bürgerliche Angelegenheiten
+in die größte Unordnung kommen; und da das
+behendeste und doch nachdrücklichste Mittel ihr gerade das beste
+ist, so hebt sie die Freiheit zu denken gar auf und unterwirft
+dieses, gleich anderen Gewerben, den Landesverordnungen. Und
+so zerstört Freiheit im Denken, wenn sie so gar unabhängig von
+Gesetzen der Vernunft verfahren will, endlich sich selbst.</p>
+
+<p>Freunde des Menschengeschlechts und dessen, was ihm am
+heiligsten ist! Nehmt an, was Euch nach sorgfältiger und aufrichtiger
+Prüfung am glaubwürdigsten scheint, es mögen nun Fakta,
+es mögen Vernunftgründe sein; nur streitet der Vernunft nicht
+das, was sie zum höchsten Gut auf Erden macht, nämlich das
+Vorrecht ab, der letzte Probierstein der Wahrheit<a name="FNanchor_7" href="#Footnote_7" class="fnanchor">(7)</a> zu sein!
+<a class="pagenum" name="Page_366" title="366"> </a>
+Widrigenfalls werdet Ihr, dieser Freiheit unwürdig, sie auch sicherlich
+einbüßen und dieses Unglück noch dazu dem übrigen schuldlosen
+Teile über den Hals ziehen, der sonst wohl gesinnt gewesen
+wäre, sich seiner Freiheit <em class="gesperrt">gesetzmäßig</em> und dadurch auch zweckmäßig
+zum Weltbesten zu bedienen!</p>
+
+<p>Königsberg.</p>
+
+<p class="right">I. <span class="gesperrt">Kant</span>.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_547" title="547"> </a><a name="Lesarten">Lesarten</a></h2>
+
+<h3>Drucke:</h3>
+
+<p>1. Berlinische Monatsschrift. Oktober-Heft 1786. S.&nbsp;304&ndash;330.</p>
+
+<p>2. I. Kant. Kleine Schriften. Neuwied 1793. Haupt. 8<sup>o.</sup> S.&nbsp;104&ndash;138.</p>
+
+<p>3. I. Kant. Zerstreute Aufsätze. Frankfurt und Leipzig 1793.
+S.&nbsp;122&ndash;147.</p>
+
+<p>4. I. Kants sämmtliche kleine Schriften. 4&nbsp;Bände. 8<sup>o.</sup> Königsberg
+und Leipzig (Voigt, Jena) 1797&ndash;98. Bd.&nbsp;III, S.&nbsp;275&ndash;304.</p>
+
+<p>5. I. Kants vermischte Schriften. 3&nbsp;Bände. Halle 1799. (Tieftrunk.)
+Bd.&nbsp;III, S.&nbsp;61&ndash;88.</p>
+
+<p>6. Kant. Vorzügliche kleine Schriften und Aufsätze, hrsg. mit
+Noten von F.&nbsp;Ch. Starke. 2&nbsp;Bände. Leipzig 1833 und Quedlinburg
+1838. Bd.&nbsp;I, S.&nbsp;85&ndash;102.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><big>351</big>, 6 wollten (A)] sollten Vorl. (wohl Df.?) <big>355</big>, 27 noch (A)]
+nicht (T) <big>357</big>, 5 bewunderungswürdigem (A, 93, Ak)] bewundernswürdigen
+<a class="pagenum" name="Page_548" title="548"> </a>
+T, H, Vorl. <big>357</big>, 11 eine erste (A, 93, Vorl.)] eine T, H, R
+<big>357</big>, 33 Gutes, was] Gutes, auf das, was (Maier in Ak.). Unnötig. <big>360</big>,
+1 v.&nbsp;u. d.&nbsp;Anm. Sachen (A, 93, T)] Sache (H, Vorl.) <big>361</big>, 2 diese (A,
+93, T)] die (H, Vorl). <big>362</big>, 15 d.&nbsp;Anm. Unmöglichkeit] Hartenstein
+hält das für falsch und schlägt vor: »Notwendigkeit« zu lesen. <big>364</big>, 22
+äußere Zeugnisse (H)] Zeugnisse äußere (A, 93)</p>
+
+
+<div class="footnotes">
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_1" href="#FNanchor_1" class="label">(1)</a>
+<span class="gesperrt">Jacobi</span>, Briefe über die Lehre des <span class="gesperrt">Spinoza</span>. Breslau 1785. &ndash;
+<span class="gesperrt">Jacobi</span>, Wider <span class="gesperrt">Mendelssohns</span> Beschuldigung betreffend die Briefe
+über die Lehre des <span class="gesperrt">Spinoza</span>. Leipzig 1786. &ndash; Die <em class="gesperrt">Resultate</em> der
+Jacobischen und Mendelssohnschen Philosophie, kritisch untersucht von
+einem Freiwilligen. Ebendas.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_2" href="#FNanchor_2" class="label">(2)</a>
+Sich im Denken überhaupt <em class="gesperrt">orientieren</em>, heißt also: sich, bei
+der Unzulänglichkeit der objektiven Prinzipien der Vernunft, im Fürwahrhalten
+nach einem subjektiven Prinzip derselben bestimmen.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_3" href="#FNanchor_3" class="label">(3)</a>
+Da die Vernunft zur Möglichkeit aller Dinge Realität als gegeben
+vorauszusetzen bedarf und die Verschiedenheit der Dinge durch
+ihnen anhängende Negationen nur als Schranken betrachtet, so sieht sie
+sich genötigt, eine einzige Möglichkeit, nämlich die des uneingeschränkten
+Wesens als ursprünglich zum Grunde zu legen, alle anderen aber als
+abgeleitet zu betrachten. Da auch die durchgängige Möglichkeit eines
+jeden Dinges durchaus im Ganzen aller Existenz angetroffen werden
+muß, wenigstens der Grundsatz der durchgängigen Bestimmung die
+Unterscheidung des Möglichen vom Wirklichen unserer Vernunft nur
+auf solche Art möglich macht, so finden wir einen subjektiven Grund
+der Notwendigkeit, d.&nbsp;i. ein Bedürfnis unserer Vernunft selbst, aller
+Möglichkeit das Dasein eines allerrealesten (höchsten) Wesens zum
+Grunde zu legen. So entspringt nun der <span class="gesperrt">Cartesianische</span> Beweis vom
+Dasein Gottes: indem subjektive Gründe, etwas für den Gebrauch der
+Vernunft, (der im Grunde immer nur ein Erfahrungsgebrauch bleibt),
+vorauszusetzen, für objektiv &ndash; mithin <em class="gesperrt">Bedürfnis</em> für <em class="gesperrt">Einsicht</em> &ndash;
+gehalten werden. So ist es mit diesem, so ist es mit allen Beweisen
+des würdigen <span class="gesperrt">Mendelssohn</span> in seinen Morgenstunden bewandt. Sie
+leisten nichts zum Behuf einer Demonstration. Darum sind sie aber
+keinesweges unnütz. Denn nicht zu erwähnen, welchen schönen Anlaß
+diese überaus scharfsinnigen Entwickelungen der subjektiven Bedingungen
+des Gebrauchs unserer Vernunft zu der vollständigen Erkenntnis
+dieses unsers Vermögens geben, als zu welchem Behuf sie
+bleibende Beispiele sind; so ist das Fürwahrhalten aus subjektiven Gründen
+des Gebrauchs der Vernunft, wenn uns objektive mangeln und wir
+dennoch zu urteilen genötigt sind, immer noch von großer Wichtigkeit;
+nur müssen wir das, was nur abgenötigte <em class="gesperrt">Voraussetzung</em> ist, nicht
+für <em class="gesperrt">freie Einsicht</em> ausgeben, um dem Gegner, mit dem wir uns aufs
+<em class="gesperrt">Dogmatisieren</em> eingelassen haben, nicht ohne Not Schwächen darzubieten,
+deren er sich zu unserem Nachteil bedienen kann. <span class="gesperrt">Mendelssohn</span>
+dachte wohl nicht daran, daß das <em class="gesperrt">Dogmatisieren</em> mit der reinen
+Vernunft im Felde des Übersinnlichen der gerade Weg zur philosophischen
+Schwärmerei sei, und daß nur Kritik ebendesselben Vernunftvermögens
+diesem Übel gründlich abhelfen könne. Zwar kann die Disziplin der
+scholastischen Methode (der <span class="gesperrt-left-part">Wolffi</span>schen z.&nbsp;B., die er darum auch anriet),
+da alle Begriffe durch Definitionen bestimmt und alle Schritte
+durch Grundsätze gerechtfertigt werden müssen, diesen Unfug wirklich
+eine Zeitlang hemmen, aber keinesweges gänzlich abhalten. Denn mit
+welchem Rechte will man der Vernunft, der es einmal in jenem Felde,
+seinem eigenen Geständnisse nach, so wohl gelungen ist, verwehren,
+in ebendemselben noch weiter zu gehen? und wo ist dann die Grenze,
+wo sie stehen bleiben muß?
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_4" href="#FNanchor_4" class="label">(4)</a>
+Die Vernunft fühlt nicht; sie sieht ihren Mangel ein und wirkt
+durch den <em class="gesperrt">Erkenntnistrieb</em> das Gefühl des Bedürfnisses. Es ist
+hiemit wie mit dem moralischen Gefühl bewandt, welches kein moralisches
+Gesetz verursacht; denn dieses entspringt gänzlich aus der
+Vernunft, sondern durch moralische Gesetze, mithin durch die Vernunft
+verursacht oder gewirkt wird, indem der rege und doch freie
+Wille bestimmter Gründe bedarf.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_5" href="#FNanchor_5" class="label">(5)</a>
+Zur <em class="gesperrt">Festigkeit</em> des Glaubens gehört das Bewußtsein seiner
+<em class="gesperrt">Unveränderlichkeit</em>. Nun kann ich völlig gewiß sein, daß mir niemand
+den Satz: <em class="gesperrt">Es ist ein Gott</em>, werde widerlegen können; denn wo
+will er diese Einsicht hernehmen? Also ist es mit dem Vernunftglauben
+nicht so wie mit dem historischen bewandt, bei dem es immer noch
+möglich ist, daß Beweise zum Gegenteil aufgefunden würden, und wo
+man sich immer noch vorbehalten muß, seine Meinung zu ändern, wenn
+sich unsere Kenntnis der Sachen erweitern sollte.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_6" href="#FNanchor_6" class="label">(6)</a>
+Es ist kaum zu begreifen, wie gedachte Gelehrte in der <cite class="gesperrt">Kritik
+der reinen Vernunft</cite> Vorschub zum Spinozism finden konnten. Die
+Kritik beschneidet dem Dogmatism gänzlich die Flügel in Ansehung der
+Erkenntnis übersinnlicher Gegenstände, und der Spinozism ist hierin so
+dogmatisch, daß er sogar mit dem Mathematiker in Ansehung der Strenge
+des Beweises wetteifert. Die Kritik beweiset, daß die Tafel der reinen
+Verstandesbegriffe alle Materialien des <em class="gesperrt">reinen</em> Denkens enthalten müsse;
+der Spinozism spricht von Gedanken, die doch selbst denken, und also
+von einem Accidens, das doch zugleich für sich als Subjekt existiert:
+ein Begriff, der sich im menschlichen Verstande gar nicht findet und
+sich auch in ihn nicht bringen läßt. Die Kritik zeigt: es reiche noch
+lange nicht zur Behauptung der Möglichkeit eines selbst gedachten
+Wesens zu, daß in seinem Begriffe nichts Widersprechendes sei (wiewohl
+es alsdann nötigenfalls allerdings erlaubt bleibt, diese Möglichkeit
+anzunehmen); der Spinozism gibt aber vor, die Unmöglichkeit eines
+Wesens einzusehen, dessen Idee aus lauter reinen Verstandesbegriffen
+besteht, wovon man nur alle Bedingungen der Sinnlichkeit abgesondert
+hat, worin also niemals ein Widerspruch angetroffen werden kann, und
+vermag doch diese über alle Grenzen gehende Anmaßung durch gar
+nichts zu unterstützen. Eben um dieser willen führt der Spinozism
+gerade zur Schwärmerei. Dagegen gibt es kein einziges sicheres Mittel,
+alle Schwärmerei mit der Wurzel auszurotten, als jene Grenzbestimmung
+des reinen Vernunftvermögens. &ndash; Ebenso findet ein anderer Gelehrter
+in der Kritik d. r. Vernunft eine <em class="gesperrt">Skepsis</em>; obgleich die Kritik eben
+darauf hinausgeht, etwas Gewisses und Bestimmtes in Ansehung des
+Umfanges unserer Erkenntnis a priori festzusetzen. Imgleichen eine
+<em class="gesperrt">Dialektik</em> in den kritischen Untersuchungen, welche doch darauf
+angelegt sind, die unvermeidliche <em class="gesperrt">Dialektik</em>, womit die allerwärts
+dogmatisch geführte reine Vernunft sich selbst verfängt und verwickelt,
+aufzulösen und auf immer zu vertilgen. Die Neuplatoniker, die sich
+<em class="gesperrt">Eklektiker</em> nannten, weil sie ihre eigenen Grillen allenthalben in älteren
+Autoren zu finden wußten, wenn sie solche vorher hineingetragen hatten,
+verfuhren gerade ebenso; es geschieht also insofern nichts Neues unter
+der Sonne.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_7" href="#FNanchor_7" class="label">(7)</a>
+<em class="gesperrt">Selbstdenken</em> heißt: den obersten Probierstein der Wahrheit
+in sich selbst (d.&nbsp;i. in seiner eigenen Vernunft) suchen, und die Maxime,
+jederzeit selbst zu denken, ist die <em class="gesperrt">Aufklärung</em>. Dazu gehört nun
+eben so viel nicht, als sich diejenigen einbilden, welche die Aufklärung
+in Kenntnisse setzen; da sie vielmehr ein negativer Grundsatz im Gebrauche
+seines Erkenntnisvermögens ist und öfter der, so an Kenntnissen
+überaus reich ist, im Gebrauche derselben am wenigsten aufgeklärt ist.
+Sich seiner <em class="gesperrt">eigenen</em> Vernunft bedienen, will nichts weiter sagen, als
+bei allem dem, was man annehmen soll, sich selbst fragen, ob man es
+wohl tunlich finde, den Grund, warum man etwas annimmt, oder auch
+die Regel, die aus dem, was man annimmt, folgt, zum allgemeinen
+Grundsatze seines Vernunftgebrauches zu machen. Diese Probe kann
+ein jeder mit sich selbst anstellen; und er wird Aberglauben und
+Schwärmerei bei dieser Prüfung alsbald verschwinden sehen, wenn er
+gleich bei weitem die Kenntnisse nicht hat, beide aus objektiven Gründen
+zu widerlegen. Denn er bedient sich bloß der Maxime der <em class="gesperrt">Selbsterhaltung</em>
+der Vernunft. Aufklärung in <em class="gesperrt">einzelnen Subjekten</em> durch
+Erziehung zu gründen, ist also gar leicht; man muß nur früh anfangen,
+die jungen Köpfe zu dieser Reflexion zu gewöhnen. Ein <em class="gesperrt">Zeitalter</em>
+aber aufzuklären, ist sehr langwierig; denn es finden sich viel äußere
+Hindernisse, welche jene Erziehungsart teils verbieten, teils erschweren.
+</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div id="tnote-bottom">
+<p class="center"><a name="tn-bottom"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></a></p>
+
+<p>Im folgenden werden alle geänderten Textstellen angeführt,
+wobei jeweils zuerst die Stelle wie im Original, danach die geänderte Stelle
+steht.</p>
+
+<ul id="corrections">
+<li><a href="#Page_363">Seite 363</a>:<br/>
+und wodurch allein wider alle <span class="correction">Ubel</span> dieses Zustandes noch Rat<br/>
+und wodurch allein wider alle <span class="correction">Übel</span> dieses Zustandes noch Rat
+</li>
+</ul>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Was heißt: sich im Denken orientieren?, by
+Immanuel Kant
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS HEIßT: SICH IM DENKEN ***
+
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+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
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+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
+</body>
+</html>
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